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Full text of "Wörterbuch der deutschen Sprache / 3 L bis R"

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<36603674960013 


Bayer. Staatsbibliothek 


Böorterbuqh 


Deutſchen Sprache. 


Veranſtaltet und herausgegeben 
" u u: ; 


Joachim Heinrich Campe. 


Dritter Theil. 





Braunſchweig, 1809. 
$ı ber Shulbuadhbandiung. 


7 









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R 2 — 


Zuruf eines Todten 
an bie Deutfde EILREWELRTS 


Publicum genannt. 





Erwache du ſchlafender Gott, wenn dir nicht etwa dichteſt, oder über Feld gegangen biſt; erwache, Deuiſches 
Publicum, und laß dir dein Palladium (Schubheiligthum), nicht rauben! Aus dem traͤgen Schlummer, aus dem 
niedrigen Stolje, der das Beſte (unfere ebie reine Landesſprache) wegwerfend verachtet, aus ber Anmaßung, die dem. 
Schlechteften (dem griehelnden, lateineinden, franzöfelnden Sprahgemengfel) Das Vorrecht des Beften erteilen zu fünnen 
glaubt, aus der nie theilnehmenden Kälte (gegen Altes, was für den Anbau, bie Reinigung, die Negelung und den Zuwachs 
uuſeret Sprache etwa noch bei uns geſchieht), aus ber gaͤnzlichen Seelenentſremdung (durch Dingieren, Hinfaufen ober Hins 
triechen nad Allem , was Auständifh if), glaube mir, wird nichts, und kann nichts werden. Die Zeit, da das Alles 
galt. (weil wir die hereinbrechende Gefahr ber Vernichtung des Deutſchen Namens noch nicht abmeten), ift vorüber, Unfanft 
aus dem Schlafe gerüttele, erwache, und zeige, daß du Fein’ Barbar bift, damit man dir nicht als einem Bars 
baren begegne! Deine Sprache, die Schweiter der Griechifhen, die Königinn und Mutter vieler Völker, für ganz 
Europa (und für die Nachwelt) Haft du zu ſichern, auszubilden und zu bewahren, 
Herder. 





Vorrede. 


Man fieht, ich halte Wort; fo ſchwer es mir auch durch bie faft beifpielfofe Trübfeligfeit unferer Zeit, bie fein Gewer⸗ 
befach mehr als den Buchhandel drüdt, gemacht wurde, Hier ift der dritte Band des Deutfhen Woͤrterbuchs. 
Der vierte und fünfte werden in gleichen Beitabfchnitten folgen; fo rathfam es auch für mich und meine Umflänbe gewe⸗ 
fen fein möchte, dieſes für unfere Zeiten zu ſchwere Unternehmen nach Erfcheinung des erften Bandes mit einem Berlufte 
von 6000 Rthlr. abzufaufen und aufzugeben. Allein die lebendige und innige Überzeugung, daß etwas Gemeinnübliches, 
etwas für unfere Sprache (welcher, wo nicht Bernihtung, doch Umſchmelzung zu einer armfeligen Miſchſprache brobt) 
Gemeinnothdringenbed dadurch bewirft wird, machte und macht, baß ich mich felbft dabei aus dem Auge verlor und noch 
ferner wiffentlich baraus verlieren werde, Die Vollendung biefes Werks ift alfo nicht mehr zweifelhaft. 

Wenn das Lob, welches man dem erflen und zweiten Bande, da, mo man Bemerkung von ihnen zu nehmen würbigte, 
bat ertheilen wollen, nur einigermaßen gegründet war: fo dürfen wir dem Schidfale dieſes dritten Bandes (fo weit es bie 
Anerkennung unferd Fleißes und unferer Sorgfalt betrifft) mit einer Art von Zuverficht entgegenfeben. Denn er übers 
trifft nicht nur jene beiden Vorgänger — dieſe Reihen! — an noch reicherer Ausftattung; fondern wir haben auch, hof⸗ 
fentlich unverfennbarer Weife, mit aller und beimohnenden Kraft und Deutſcher Emfigkeit dahin gefirebt, dem Werke in 
jeber andern Hinfiht benjenigen Grab ber Vollendung zu erringen, der für uns erreichbar war. Man würbige biefen 
Band einer firengen Prüfung, und zeibe uns einer kindiſchen Selbfigefänigkeit, wenn wir eö verdienen. 

Was die größere — dieſes Bandes, welche ſich der Vollſtaͤndigkeit nähert, betrifft: fo iſt fie ans folgenden 
Angaben erſichtlich: 

Der Buchſtabe & enthält auf 22 Bogen 4183 Artikel (bei Adelung auf 18 Bogen 1895 Artikel; mehr alfe bei 
uns 2288 Artikel). — Der Buhflabe M auf auf 26%. Bogen 6482 Artitel (bei Ad. auf 22 Bogen 2553 Artifel; mehr 
alfo 3929 Artikel). — Der Buchſtabe N auf 177%, Bogen 3943 Artikel (bei Ad. auf 19%. Bogen 1224 Artikel; mehr 
alſo 2739 Artikel), — Der Buchflabe D auf 5% Bogen 1308 Artikel (bei Ad. auf 5 Bogen, 612 Artifel; mebr alfo 
696 Artitel). — Der Buchflabe P auf 17% Bogen 4259 Artikel (bei Ad. auf 15% Bogen 1902 Artikel; mehr alfe 
3357 Artikel), — Der Buchſtabe D auf 17%, Bogen g4r Artikel (bei Ad. auf 1%, Bogen 197 Artikel; mehr alfo 


244 Artikel). — Der Buchſtabe R auf 2974, Bogen 5039 Artikel (bei Ad, auf 20%, Bogen 2253 Artifelz mehr * 2786 
Artikel). — 


Alfo ift die Geſammtſumme ber Artikel dieſes Bandes auf 173% Bogen 25,655 Artifel,- gegen 10,636 bei Ad. auf 
94% Bogen; unfer gefammtes Mehr alfo in diefem Bande 15,019 Artikel; folglich faft ein und ein Halbınapl mehr, als 
biefelben Buchſtaben bei Ad. überhaupt enthalten. — 
Dieſer größere Reichthum wurde theils dadurch erzielt, daß außer ben bei den beiden erſten Bänder ſchon benuͤtzten 
Schriftſtellern noch andere zu unfern Quellen gezogen wurden; theils baburch, daß außer ben Altern Wörterbüchern und 
Sprachwerken von Schilter, Wiärhter, Stieler, Schottel, Frifch, die ebenfalls ſchon bei den erſten Bänden bes 
nurt worden find, num auch noch folgende Werke, zum Theil noch mehr als vorher geftbehen war, zum Theil neu benüht 
wurdin: dad Glossarium von Oberlin, Dictionarium germanico-latinum durch Joſua Maaler, Tiguri 17361. Heni- 
schii thesaurus ling. et sapientine Germ. Aug. Vindel. 1616. Hulsii Deutfh : Franz. Ital. Lateiniſches Dictionarium, 
Francof 1623. Franz. Deutfches Dictionarium. Bafel 1675. M. Kramers Ital. und Deutſch. Wörterb, Nürnb, 1704. 
Dos große Univerfal- oder volltlommene Dictionarium von Math. von Erberg. Nümb. ı7ı0, M. Kramers 
Hoch- und Niederdeutſches Wörterb. Nürnb, 17195 und andere mehr. Theils trug auch zu der vermehrten Reiche 
haltigleit diefed Bandes viel bei die fleisigere Benuͤtzung der ältern fhon früher gebrauchten landſchaftlichen Wörterbücher, 
als ded Bremiſſcchen, der von Richey, Strodtmann, Popowitfh, Fulda, Baupfer, Berndt, Reinwalbd, ac. 
und einiger neuerdings hinzugefommener, 3. B. bed Holfteinfhen Idiotikons von Schüse, dd Schwaͤbiſchen 
von J. C. Schmid, bes Schweizeriſchen von Stalder, Daß auch bie verfchiedenen befondern Wörterbücher für 
Wiſſenſchaften, Künfte und Gewerbe, wie 3. B. die Nemnihfhen Wörterbüher, Roͤdings Wörterb. der Mas 
rine, Bourguet » Richters Wörterb, ber Scheibelunft, Fiſchers Wörterb, der Naturlehre, Jakobs 
fon$ tech nofogifhes Wörterb. und andere mehr, und von ihrem Reichthume mirgerheilt haben, davon kann ſich jes 
der leicht überzeugen. Auch wurde aus alten Deutfchen Dichterwerken, 5. B. der Niebelungen Liebe und der 
Klage, neh von der Hagens Ausgabe, aus Boners Fabeln ıc. mehr als vorher gefhöpft, und wird damit fort. 
gefahren werben. 
-- Um biefen großen Reichtbum ben Käufern des Woͤrterbuchs auf einer fo viel. möglich geringen-Anzahl-sen Bogen 

übergeben zu koͤnnen, wurbe in dem Beſtreben kurz und dabei body beutlih und vollſtaͤndig im Aufzihlen und Erflären 
der Bedeutungn zu fein, und in der Enthaltjamkeit-aus dem großen Vorrathe von Beweisſtellen, welche vor uns lagen, 
nur die nöthigen auszuheben, nicht allein unermüdlich fortgefabren, fondern aus aufs neue noch ein und das andere 
fleine Raumerfparurgsmittel angewendet; wie Jeder, der barauf achten will, bei VBergleihung diefes dritten Bandes mit 
den beiden vorhergehenden, leicht bemerken wirb. 

Wenn von Dem, was man Gemeinfinn und Vaterlanböliebe, oder gar von Dem, was man Vaterlandsſtolz nennt, 
noch irgend etwas bei uns übrig wäre: fo bürften wir wol ohne Unbefcheidenheit erwarten, daß irgend ein unparteiifcher 
Deutfher Mann unter uns aufträte, ber zur Ehre unferer Sprache und ihrer Anbauer ed ber Mühe werth hielte, biefes 
Bert mit Dem, was die Ausländer ihr Beftes in dieſem Fache nennen, zu vergleichen, um zu ſehen, auf welcher Seite 
das Beflere ji finde. Beſonders merfwürdig wuͤrde der Ausſprung diefer Mergleihung in Anſehung Deffen ausfallen, 
mas die berühmten Bierzig an ber Seine in 16 langen Jahren unter dem Titel: Dietionaire de l’academie frangaise, 
zu Tage brachten, Wir wagen es fogar, nad) eigener unpartelifcher Prüfung, zu glauben, daß eine folhe Vergleichung 
felbft in Anfehung bes Iohnfonfhen Englifhen Wörterbudhs und dem ber Accademia della Crussa, nicht allein 
zum hohen Preife unferer überreichen Sprache, ſondern gud im Hinfiht auf Bearbeitung und Aufſtellung hoffentlich wol 
“nicht zu unferer Schande ausfallen würbe. 

Sollte übrigens diefer unferer herrlichen Sprache das beflagenswürbige Schickſal wirklich bevorſtehen, welches von je 
ber die Sprachen ber überwundenen, ihrer Selbſtaͤndigkeit verluftigen Voͤlterſchaften zu treffen pflegte, das Schidfal, gerade 
zu einer Zeit, wo fie auf bem beften Wege war den Bipfel ihrer Vollkommenheit zu erfleigen, von der Herrlichkeit einer 
bochbegüterten, in fich reinen, kräftigen und im alferhöchften Grade bildfamen Urſprache zu der Schmach und Jämmerlich« 
feit eined armfeligen, nur Heloten ziemenden Sprachgemengfels hinabzuſinken: fo werden wir auch alddann nicht umfonft 
gearbeitet und gegen bad Verhaͤngniß nicht ganz fruchtlos angefämpft zu baben glauben. Die Trümmer unferer trefflichen, 
obwol von ihren eigenen Genoffen, wie von. ben Ausländern, ſchmaͤhlich verfannten weiland Deutfchen Sprache werben in 
diefem nie genug zu beweinenden Falle, unverfälfcht, unbefchäbigt und wohlverfacht in dieſem Werke aufbewahrt werben; 
und der Geift unferer eblen Schriftftelier wird durch baffelbe, warın nirgend mehr Deutfch geredet wird, noch zu unfern fpd- 
tefien Nachkommen reden, Diefe werben und dafür banfen; und das ſoll unſer Lohn fein. Braunfchweig, den 24. Apr. 1809 

Ze 3. 9. Campe. 


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£. 


gt, ber zwoͤlfte Zuchtabe bes Deutſchen Ahcce, welcher zu ben Aungens 


kuhftaben gehört und mit Anfogung ber Zunge an ben Gaumen unb 
bie obere Retde Bühne ausgelprohen wird. Zugleich ift er der erfte 
bee fogenannten Halblaute oder der fließenden, Buchſtaben, wilder 
mit r, befonbers bei bemen, welche dieſen Buchſtaben mit gut aus 
ſprechen innen, häufig verwedfelt wird. Dies findet auch in ben 
End ſilben —en und —er Etatt, weiche häufig für einander gefegt 
werben. Er wird, wenn ber vor bemfelben ſtehende Selbſtlaut ges 
fchäuft oder Burg ausgefproden werben foll, verdoppelt, z. B. Fall, 
Fell, Wall, 300 "x. ; im entgegengefegten Kalle aber wirb ihm noch 
ein h ober © vorgefept, 4. B. fahl, fehl, Wohl, Ziel x. Als Zahlzei⸗ 
Ken, in wiihen Falle man J und 3 nur als einen Buchſtaben zes 
net, wird er fär 12 gefegt. 
Das Lab, —es, 0, 99. Überhaupt alles Dasjenige, was einen fläffi: 
gen Körper gerinnen macht. In engerer und gewoͤhnlicher Bebeus 


tung, bie in dem Magen junger jäugender Thiere faner gemorbene ' 


und geronnene Wild, deren man ih nah dem Schlachten berfelben 
bebient, andere füße Milch damit zu laben d. h. geeinnen zu machen, 
und bie aus birfem Grunte auch Käfelab genonnt wir. Secche 
Wilch wird nad bem Thiere, aus beffien Magen fe genommen wich, 
näher bezeichnet, als Kälberfab, Lammslab, Ziegenlab, Dirfh: 
lab sc, Wneigentli wird auch bee Magen biefer Thiere ſelbſt, im 
welchem biefe geronnene Mild gefunden wird, das Lab ober berfabs 
magen, und auch das fäusslihe Waller, weihes man erhält, wenn 
man ben bie geronnene Wil entjaltenben Magen in Gtäde fhnris 
det und einen Tag ladg am einem niät zu fühlen Orte barin flehen 
täst und deffen man fi ebenfalls bebient die Mitch gerinneni au mar 
mn, Yab genannt. Bel Andern lautet dies Mort Pippe, Luppe, 


Lappe, im Öfterreigifsen dieZupp und im R.D, Laff, Lebbe; auch. 


fagt man im 8. D. dafür Käfchärte, Strämfel, Strammels xx. 
und in andern Gegenden, Renne, Rinne, Ninnfet, Käferinnen ic. 

+X Die Labbe, My. —n. 1) In den niebrigen Sprecharten, bie 
Sippe, umb mit bem Bifchlaute, die Schlabbe; auch die Fiabbe. 4) 
Der Name eines Fiſches mit bien Lippen, Großlabbe (Mugil, eir- 
ca labis rubescens Richt), 53) Eine Art Mewen, ber Strand» 
jäger (Larus parasiticus L.). 

+ Zabben, v. intrs. u, tra, im Bolfleinifen, lecken. D. Labben. 
D. —ung. 

+ abber, adj. u. ade, ſ. Kühe. 

+ Labbern, v.intrs. u. trs. die Labben ober Lippen fehr in Bewegung 
fegen. 1) Baugen, =) Langweilig und aldern ſchwatzen; hıtr im den 
gemeinen Sprecharten. D. Yabbern. S. auch Schlabbern, welches 
daſſelbe Wort iſt, nur mit vorgeſetztern Ziſchlaute. 

Der Labebecher, —s, PM. gi. (R.) ein Becher, welchet labet, d. h. 
welcher einen Labttrank enthält; auch ber Labekelch. S. Kelch. 
Aur Hanb, den Labebecher! Uncigentlich, Aberhaupt etwas, das las 
bet, erquict, erfreuet. „Im Übrigen iſt das Gedoͤchtaiß ſehr oft Las 
bebecher aus eines Engels Hand.” Ki. Schmidt. 

& Der Labekelch, —es, 94. —e, ein Kıld, welder einen Babetrant 
enthält. ©. Labebecher. 

Durchgluͤht dom Mirber bis zur Sohle, 
Wie unfer Ochiwmärmer mar, mußt ihm zu großem Dant 
Dir Labekelch entgegenblinten. Engelfgall, (R.) 
> Die Labekuͤhle, o. 2%. eine labende, erquickende Küple. 
In dea Maitatages Schwule 
Strbmet fühe Labekuͤhle 
Wir bie helde Dimm’rumg zu, Ungen. (R.), 


Sampı's Wörterb. 3 Th. 


1. Laben, v. I) tre. gerinnen maden, befonbers, bie MILE vermittetn 
bes Babes gerinnen maden. Die Wild laben. Gelabte Wilch. 
Als er barauf bie Hälfte ber weißen Muh ſich gelabtt. Bag. 
If) rec, Sich laben, gerinnen; befonbers vom der Mild. Die 
Mitd, hat ſich Shen gelabet. Auch gebraucht man es mol als fürms» 
Uches ner. Die Mid iſt gelabet. — D. Laben. D. —ung. 

2, Laben, v. trs, einem ermatteten unb entkräfteten Körper nene 
Keäfte ertheilen, ihn erfeifhen, erquiden; befonders durch Gpeife 
und Trank. Im ber Hige abet ein kuͤhler Wind. Ginen Hungei« 
gen mit Speife, einen Durfligen mit einem friſchen Trunke laben. 
Sicqh mit etwas ober an etwas laben. Ginen Kranken laben, durch 

“ erquidende und flärfende Mittel. Labende Irjensien. Dichteriſch 
auch mit bem zweiten Falle ber Sache. 

Ala fie nunmehr der Koſt ſich gelabet. Boß. 
Uneigentlih, einen hohen Grad des Wergnägens, angenehme Gefühle 

- ber Befriedigung, Beruhigung erwecken. Das ſchmachtende Herz las 
ben. Sich am Andlicke ber Geliebten laden. D. Raben. D, —ung. @.b, 

X Der Eaberdan, —tE, Bu. eingefalzener und gebäerter Rabeljon; 
sum Untesfhiebe won den bloß gedderten ober bem Stockſtſche. Gr 

‚ hat ben Namen von ber Schottiſchen Stadt Aberdeen, vielleicht meil 
er ehebem am haͤufigſten von dort ausgeführt wurbe, 

& Die Labeſchale, By. —n, eine Schale, welde einen Labetrank 
entpält. . Reich mir für Alles, was mich traf, 

Heut au bie Labeſchalt. Herber. - 

& Der Labeſchein, —es, 0.29. ein labender, wapltfuender Schein; 

untigenttih, ein tröftenber Scheln gleichſam, bie Aröftung, ber Aroſt. 
Rirgends iſt ein Spalt nur cffen 
Kir ber Hoffnung Labeſchein. Bärger 

+ Der Labeſtock, —es, My. — ſtoͤde, das Liebttoͤkel. S. d. 

Der Labetrank, —es, Ber. — traͤnke, ein labtader, d. h. erquicken⸗ 
bee ober ſtaͤrkender Trank, 

O Der Eabewein, —ı6, My. u. ein labender Wein, ber Wein, ſofern 
er labet, d. d. erquidt und flirket, —W 
Das Labkraut, —es, 4. u. ein Geſchlecht von Pflanzen, deren 
eabjdrmige, mit einer kurſen Möhre und vier Einſchaitten verfehene 
Blume vice furze Gtaubfäten unb einen gefpaitenen Griffel mit zwei 
kugelfbrmigen Staubiwegen entpält (GaliumL.); auch Megerfraut. 
Krant und Wurzel haben eine aufammenzicehende Eigenfhaft und mas 
Gen bie Milch laden ober gerinnen, wozu man fle auch hier unb ba 
anwendet, Dieſe Figenfhaft Findet ſich befondars bei einer Art, ber 
wu Zweigt yon at fpröben, gefuräten und fhmalın Biöttern ums 
geben find, welche gelb bluͤhet und auch unferer Frauen Betiſtreh, 
Waldſttoh, Wegſtroh, Meierkraut, Butterflist, Gliedtraut ı. 

beißt (Galium verum L.}. 

Der Laͤbkuchen, f. Lebkuchen. 

Der Labmagen, —8, 394. -— mögen, ſ. Lab. r 

Das Labſal, —es, 9. —e, ars dasfınige, woe kabet, d. d. erauits 
tet, Laͤrket, einen Fohen Grab bes Wergnägens tawecket, berchlget 
und tröftet; ehemabis aud die Labt. Mas iſt ein wahres Kabfat, 
Wenn Sie bad Labfal mehr bebürfen ala ex." Gellert. 

Du wärft mie amor-ein Becher 
Von Heilangs Labſal vol. Bürger. 

+ Labfalben, v. tes in ber Schifferſprache, mit her befämiteen, ans 
theren, befonders Zaue, Riding. D. Labfalben, D. —ung. 
Die Labung, 94. —en. 1) Die Handlung, -da man etwas (abet 
. bir geeinnen madt; ohne Mebezahl. & 1.Raben. =) Die Hand: 

kung, ba man jtmand ober ſich labet, d. h. eraulcket, Bärket; ohne 


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Lachb 


Mehr, S. 2. Laben. 53) Dasjenige, was labet ober erquidet 

und ſtaͤrket, beſſer das Labſal. 

kachbar, —er, — ſte, adj. u. adr. ein im Forſtweſen von den Harz⸗ 
bäumen gebsäuhlihes Wort, wo «in lahbarer Baum ein folder iſt, 
welcher gelachet, d. h. aufgeriffen gder aufgehauen werben kann, um 

“ Harz aus bemfelben fließen zu machen. 

Der Lachbaum, — es, 24. —bäume, im Forſtweſen. ı) Gin an fets 
mr Borke aufgehauener Radelhelzbaum, aus welchem man Harz 
rinnen laͤßt; a) ein Baum, melden man auf bee Grenze bed Wal . 
des neben den Grenzſtelnen ftehen Iäßt unb auf zwei Geiten mit brei 
Hieben bezeichnet, um ben Grenzſtein deſto beſſer finden. zu kinnen; 
nach Popowitſch beſſer der Laßbaum, well man ihn ſtehen läßt. 
Dann überhaupt ein jeder Greuzbaum, in welchen ein Merkmahl jur 
Auszeichnung eingehauen worden Mi; der Mahlbaum, Markbaum, 
Grenzbaum, auch Lochbaum und Lachterbaum. 

1, Die Lache, 99. u. der kaut, welchen man beim Baden hörem laßt, 
und bie Art und Mieife diefes lauten kachens. Cine laute Lache aufs 
fhlagen, laut auflachen. „Die laute Lade iſt voller, herzlicher 
Spott,“ Riopflod. Einen an feiner Lache erkennen, Bumellen 
aud in ber hoͤhern Schreibart. 

. — Gr fatı? — mit furhtbarer Lade 

Blinten gefeh'n den Berberber., — Klopftod. 

2. Die Lade, Mm —n, träbes im einer flachen Vertiefung zuſam⸗ 

mengelaufenes Waffer; im Öfterzeihifchen Lade. 

Die Fläffe ſchwellen an, bie Lachen werden Seen, Duft. 
&. die Kothlache, Miſtlache ıc. Zuwellen auch von groͤßern ſtehen ⸗ 
den Waflern, in Gegenſatz der Fluͤſſe. So tft der Tordan auf ei⸗ 
nee Seiten, auf der andern find Lachen und Gebirge.“ ı Macc, 9, 45. 
Die Lache, 24. —n, im Forftwefen. 1) Ein in einen Baum ge: 
hauenes Zeigen; wie auch, bie burch bie Sarıreißer von Rinbe ent» 
biöpte Etelle, bamit an berfeiben bas Harz eusfließe. Lachen in 
einen Baum hauen. =) } Ein mit Baden verfchener ober gezeichne⸗ 
ter Baum, ein Lachhaum. 3) Ein Steig, welchen man burh Buſch⸗ 
"poly hauet, um es dadurch in Haut abzutheilen; aim Lachſteig. 

Lacheln, v. tra.” f. 2. Lachen ı). * 
2ächeln, v. I) iotrs. das Bw. von lachen. (8, 1. laden). 1) Ein 

wenig lachen, nicht laut oder mit Dffaung des Mundes laden, fon 

bern mur mit geringer, Bewegung ber fahmusleln, in bım gemeinen 

Sprechatten auch ſchmunzeln, ſchmuzeln. Xngenchm, freundlich, 

fonft, füp lächeln, Cinen Mann von Kenntniß und Geſchmack ficht 

man wol lächeln, Hört ihm aber niemahls lachen.“ Sonnenfels, 

Befonders als eim Zeichta des Vergnügens, bes MWohlgefallens und 

der Zuneigung, wie auch bes Beifalles. Sie eriwieberte barauf mit 

fanften Fächeln ıc. @inem laͤcheln, ihm laͤchelnd anfehen, ihm durch 
2iäeln Wohlgefallen, Buneigung ıc. zu erfennen geben. Laͤchle mir 
nch elmmabl, holbes Midden! „Ach, wenn du wüßteſt, mie weit 
sührender ein freundliches Laͤcheln ber Yugend ift, als ale Schmei⸗ 
. rleien bes Siückes.“ Aber Oft auch als Beiden des Spottes und 

Hotnes und der Weradtung; im Mekelnburgiſchen auch huchelm, 

Spoͤttiſch, hoͤhniſch Lächeln, „Dae Lächeln iſt angepenber Spott.“ 

Klopftod, „Einige Menfhen Tächelten, als fie den Xuffag las 

frn* ıc. Ungen. Zuwerten auch als Zeſchen bes innern verbiſſenen 

Bornes, wofär mın im N. D. Frimmlachen fagt. 

. Mit bitteem Laͤcheln hedt er die derwelkte Hand, Weiße, 

It) txs. 1) Dusch Lideln angenehme inpfindungen, Neigungen, 

Bohlwollen, Eiche, Feifal, dann auch Spott, Hohn uub verbiffenen 

Born zu akennen geben. , 

Uns nen müſſen mir dich (ſte fÄchelten Liebe) verlaſſen. Klopfl, 

„Er lächelte Spott auf fir." 3aharil. =) A Dusch kaͤcheln bewir ⸗ 

ten, hievorbeingen.. Lichte der Mufe 

Wuͤrdige Kähnpelt ind Herz. Badharid, 
— auch das Diebe laͤchle 
Steter Frohfun mitt. Voß. 


2 


ö—ôöV —— — — ———— — 


Lachen 


Beſonders in Zuſammenfetungen, J. B. hinwegtaͤcheln. In A 
use, mit haben, 1) Sich freundlich, angenehm, illeblich äußern, 
ſchtbat werden. „Unfhurd laͤchelt fanft auf ihren Wangen, vol! 
Anmuth if jede Geberbe.* Beßner Gin laͤchelnder Sonnenblicz 
brang jegt duch Lie trüben Wolfen. Mir lächelt num keine Doffe 
nung mehr. „Bon Bäumen und vom Meinflot laͤchelt bes Iahr.es 
Bergen. Genen 
Die laͤcheln Ruhm und Sieg, Weiße; 

b. b. zeigen fih bir günftig. =) Auf eine angenehme, tiebliche Art 
verrathen, ſichtbar werben laffen und dadurch angenehme Gmypfins 
bung erweden; mit ber Fügung eines tra. Ihe Zuge laͤchelt ihm 
Birbe und Beifall, + 

Bergebens laͤchelt ihr im angenehmen Garten 

Die blühende Ratur Zufriebenpeit und Ruh. Baharik, 
Das Laͤcheln. 

1. Lachen, vw. I) intes, gewiffe Muskeln bes Mundes in Bewegung 
ſeten, wodurch biefer in die Länge gejogen und gemöhnlic geöffnet 
wird, als Folge eines mei durch kuſt erregten Erſchütterung ber 
Rerven. » Über etwas laden, die Empfindung des kuſtigen ober 
Voſſenhaften an einer Sache burd Laden ousbeuden, Gin Rare 
tlacht üser Alles. Saut lachen. Aus vollem Halſe lachen, lbees 
laut lachen, umgebührlih laut Tagen. id fatt lachen. (R.). Sich 
außer Athem dachen. Sich krank lachen, lachen, daß ber Bauch 
ſchuͤttert, ſich halb tedt lachen, ſich ausfhätten vor Lachen, man 
moͤchte ſich waͤljen vor Lachen, man mödte ſich buckelig lachen, vor, 
Lachen brrſten wollen und Ahnliche Ausbrücke find nur fürs gemeine 
Leben und gehören im bie niedrige Speed und Schreibart. Sich bes 
Lachtus nicht enthaltın Binnen. Bor Lachen nit zu Worte koms 
men, vor Rachen nicht reden kͤnuen. Bit verzerrtem Geſichte, wis 
derli lachen, im O. D. greinen, Sein Lachen iſt ein Grinfen. 
Hrimtih lachen, verbiffen lachen, nicht laut laden wollen, wobri 
aber doch haͤrfig einzelne Laute gehört werben, wolle man dann aud 
tichern, Eiern fagt. Lachen erregen. @inen lachen machta, ihm Urſache, 
Stoff zum atengeben. Ein Sardonifches (Sarbinifhes) Lachen nennt 
man ein frampfhaftes Sufammenziehen ber Badmudleln, welches ges 
mwöhntid von Werwunbung ober Entzündung bes Zwerchfelles herrüh⸗ 
set, von einer in Sarbinien wachſenden Pflanze (Apium risus), ber 
deren Senuß folhe Krämpfe ber Lahmudkein verurfadgt; bann, Über: 
haupt ein gejwungenes und bitteres Laden, Belonbers bezeichnet ein 
geringerer Grab bes Lachena Froͤhlichkeit, Freude, Vergnügen, Freunde 
Utteit, Wohlwollen, Beifall ıc, in fröhlihes Geſchahpf, das gem 
lacht umb ſcherzt. Ihe harmloſen Kinder Könnt mol lachen. @inem 
etwas mit lachendem Munde, mit lachender Miene fagen. Cinem 
laden, ihn lachend anfehen, ihm duch eine lachende Miene Mchlges 
fallen, Zuneigung ıc. zu erfennen geben, 

— Hnd mund kesbiſches Mabchen 

kacht dem Jünglinge nidt, m — Klopfted, 
oft id es auch ein Zeichen ber Beradtung und bes Spottes, in wel⸗ 
der Bedeutung es häufig mit bem Gegenſtande des kachens im zwei⸗ 
ten Kalle verbunden wird. „D wie Jach” ich ber Zhoreni«e Kleiſt. 

Zegt lachen wie des Winters Wut. Baharid. 
Zuwellen begleitet das Lachen eine hämiſche Freude, mie aud Born 
und But. X Sich ins Käufchen lachen, ſchadenfroh und heimlich 
laden» Wild roliten feine Augen und färdterlic lachend flich exe 
Berwünſchungen aus. Uneigentlih nennt man lachende Erben ſolche, 
die ſich über eine empfangene Erbſchaft freuen, welhes nicht gerade 
immer fremde Geben find, bie mit bem Grblaffer wenig ober nicht 
verwandt, bei feinem Tode Feine Betrübnif, fondern nur Freude 
über bie Erbſchaft empfinsen, fontern auch nıhe Verwandte und ſeibſt 
Kinder fein Binnen. II, trs, 1) Dur Laden ober mit Baden zu 
erkennen geben. Einem Baifell lachen. 

Tretz labend, wie bie Kinber pflegen. 
Dann, lachend ſagen. 


Adammel. 


Rachen 3 


Das Fraͤudein lacht: Ei, ei, wie ift bein Mig fo Bid! Wieland, 
2) A Durd Laden ober bas was Lachen erregt, durch Darftellung 
des Läherlihen oder Luſtigen ıc. bewirken. „Die Schaufpieltuuft 
— die den — —— lacht.· Leſſtag. 
Die Dichttunſt 

Lacht alte. ie: weife und Schamoergeßne rot. Dufd. 
So au‘ In Zufammenfegungen. Die üble Eaune, ben Bram hints 


weglachen. LIE) mtr. mit haben, fi angenehm, lieblich, freundlich 


arigen, angenehm, lieblich ins Auge fallen unb angenehme Gefühle 
erweden, „Die Fruͤchte lachen, ſuͤß und begehrlich, fie verheißen 
bie neuen Genuße 16. Herder. „Die Rebliäkeit lachte auf feiner 
Stirn und Freude und Zufeiebenheit im Kuge.* Befnen , 

Benn ſcheu die Schopfang fih verhält 

Und laut der Donner ob und bzdlt;, 

So lacht am Abend nah dem Sturm 

Die Sonne doch fo mild. Ungen, 
ine lachende Gegend, Kusfiät, eine freundliche, ſchoͤne, welde Ber: 
gnögen gewaͤhrt. 

Run lacht ihm weiter keine Flur, Ger est. 

Dem bas Sluͤck nicht wid nah Wunfde lachen, 
bh. fih nide gänfig zeigen will. 
Bo ber Himmel ung gelacht. Gpritmann. 
Aumellen aud mit der Bigung eines tra. „Alles lacht Anmuth für 
‚ mid.“ Baharid. Im weiterer Bebeutung jagt man im gemeinen 

Erben vom baren Gelde, Kazes lache, um ben angenehmen Andlick auss 
beuden, welhen es bern Gelbgierigen gewährt. — D. Baden. D. 
—ung, in ben zufammengsfehten Anlachung, Auslahung, Bes 
lachung ıc. 

2, Lachen, v. tra. im Forſtweſen, überhaupt bauen; befonders aber 
2) auf gewiffe Art hauen und daburch zeichnen. Einen Baum las 
. hen, ihn durch gewiſſe Diebe bezeichnen, befonbers als einem Brenz 
baum; auch lachen. Fulda. S Lahbaum =) Durch Haurn 
ber Rinde berauben, So werden bie Barzbäume gelachet, damit an 
ben der Rinde beraubten Stellen das Dar) auslaufe. 3) Minen 
Steig buch ein Buſchholz lachen, ihm durch Weghauung bes Hol es 
—— bie Grenzen ber von babush bejeihnen. ». Ya 

en. —ung. 


Ganik; 


Der —— —s, 94. u. 2) Eine Art des Bandes, ber 


Baͤrenlauch, Maldnoblaud, Laͤuchel, Zigeunetlauch ıc,, (Allium 
ursinumL,). 2) @ine in Laden ober fumpfigen Gegenden wachſende 
Art bes Gamanders , wegen ihres kaoblauchartigen Seruches unb 
Tdarfın Geſchmackes (Tencrium scordium L,; au Waſſerknob⸗ 
lauch, Wafferbathenget. 


Der Lacher, — 6, Dip gl; bie —inn, By. —n, eine Perſon, 
welche lacht, befonbers, melde häufig und gern — * Die Lader , 


auf feinee Geite haben. . 
' + Mabijebe Kunſt mb, jeder kuſtigmacher 
Fand hier Bewunberer und Lachet. Biefeke. 
kacherhaft, adj. u. adv. Luft zum Laden empfindend, zum Laden ger 
neigt. „Uns war noch immer ſehr lacherkaft zu Dutfe= Klop 
Kol. (M.). Im gemeinen Erben mandee Gegenden fagt man das 
für lachig, auch laͤcherlich; nicht gut. 
Eacherlich er, —fle,’ adj. w. adr. Ldaſt zum Lachen habenb raum 
Laden geneigt. Gift mir fo lächerlich, ich moͤchte tarüber lachen. 
* Ein laͤcherliches Geffhe mahen, fo als wenn tan lachen wollte. S. 
Ihe 2) Bum Laden reigend, werth, baf man darüber lacht, 
etwa. weil es Inftig, poſſenhaft · it. Cine lächerliche Soche, Hand ⸗ 
lung... Laͤcherliche Geberden, Bewezungtn, Sprünge madıen, Laͤ⸗ 
Gerliche Dinge redea. Wefonbers, werth daß man mit Verachtung 
aber Spott darüber lacht, weil’es ungereimt, unfhidiih it. Eine 
laͤchetliche Anmaßung, Behauptung. Gin lächerliher Siotz, is 
genbäntel, Sich ldcherlich machen. —— virfebit- das Barze 
eine Wirkung und: wird ih, 


* 


Lachs 


Die Laͤcherlichlkeit, 9. —eın. 1») Die Elgenſchaft oder Beſchaffen⸗ 
heit einer Perſon oder Sache, ba fie lächerlich if; ohne Mehrzahl. 
a) Fine läherlihe Sache. 

X Laͤchern, v. I) imp. Reigung zum Lachen empfinten. 
mid, wenn id am biefe Sache denke, IL) trs. zum Baden zeigen, 
Er laͤchert mich. Die Sache laͤchert mich. Am daͤufigſten nur britt 
perföntih. Es lachert mich, es reizt mich zum kachen. D. Laͤchern. 

Der Lachfalk, —en, M. —en, eine audländifhe Art Fallen (Falco ca- 
chinnans), wahrſcheinlich weil feine Gtimme etwa wie ein Gelaͤchter 
klingt. Remrid. 

Die Lachgans, Wi. —gänfe, eine Art Gänfe mit weißer Stirn; im 
Rorvenfvon Europa, Afien und Amerika ; bie milde Morbifche Gans, 
Dolnifhe Gans. Remnid vermuthet, daß ihe Deutſcher Name 
baber komme, weil ihe Geſchrei vielleicht einem Gelaͤchter aͤhnlich ſei. 

X Lachig, adj. u. adv. 3») So viel als lacherhaft. R. =) Laden 
oder Pfüben entpaltene. ' 

® Das Lachkraut, —ed, 3. u. ein Rame, welder ber in Bar» 
binien wachſenden Art des Peterleins mit Reit beigelegt werben 
Tann, weil der Genuß derſelben die kachmuskein krampfhaft verzicht, 
10 daß es fheint als ob man lade (Apium risus). G. 

Der Lachtuckuck, —b, 4. —e, eine Art Kudude in Meriko (Cueu- 
lu⸗ ridihundus), Remnid. 

X Der Laͤchler, —6, 3. gl. (M.)5” bie —inn, Du. —en, eine 
Verſon, welde laͤchelt, befonders welche gern und häufig Lädelt. „Ih 
wette, er wird. bei den Läclern ba noch fäülimmes fahren,“ 
Klinger. 

Des feihten Glpkontz Bild, bes Lächlers ohne Geil. Hageborm. 

O Die Ladhluft, 0.,99. die-Cuft, Neigung, Reiz zu laden. 

O Lachluſtig, —er, —ſte, adj. a, adr. Luft zu laden habenb, germ 
lachend. — ober einer feiner lad: und fpottlufligen Helferthel · 
fer. Hüttner Davon bie Lachluſtigkeit. 

Die Lachmewe, 34. —n, eine Art Mewen mit ſchwarzem Stopfe, 
von iprem in ber Ferne wie ein Gelaͤchter klingenden Geſchrei (La- 
zus ridihundus L.). Nemxid. 

Der Lachmuskel, —6, 34. —n, biejenigen Muskeln bes Geſichts, 
durch weiche, bie Mienen beffelben im lachtade gezogen werden. In 
engerer Brbeutung in bee Berglieberungstunft, sin mad ben Munb: 
Pinkteln gthendet Theil des breiten Haldmustels, wedaeh der Munb 
beim kachen verzogen wird (Musculus xisorius), 

Der Lachring, —es, 2. —e, im Forſtweſen, ein aſerner ing von’ 
beftiimmter Weite, welchen bas Maß zus erfeberlichen Dice ber lach⸗ 
baren Bäume abgiebt. ‚ 

Der Lachs, —es, 4. —e. 1) Ein. Seeſiſch mit glattem Kopfe, ti 
nem räffelföemigen hervorfichenden Oberfiefer, mit Bühnen in ben 
Kinuladen und auf ber Zunge, mit vier bis zehn Strahlen in der 
Kiemenbaut, einer bäutigen Hintern Rüdenfloffe ohne Strahlen, mit 
erging u auchfloſſen, ſchwaͤrzlichem Kopfe und Rüden, blaͤulichta 
nad dem Bauche zu fllberfardenen Selten und gelbröthlihem Bauche 
(Salmo salar L.). Gr lebt ;befombers in ben Rorbifchen Merren, 
teitt aber im Sommer in bie Fluͤſſe, wo er aumellen fünf bie ſecht 
Fuß lang gefangen wird, Man ißt fein Fleifh ſowel friſch als gr 
ziuhert.. Geräuderter Lacht. Die Maͤnnchen nennt man in man- 
den Gegenden Hakenlachſe, Hagen, Hafen, und bie jungen Ladfe 
von ber Größe der Häringe befommen in D. &. den Nomen Lass 
kinder und Lachskunzen. S. au Ealm. Uneigentiih verſteht 
man. =) im ber niedrige Sprechart unter Lachs auch Edläge. 3). 
Eimguter feiner Brantwein, den man in Zeeuis verfertiget, wir 
auch Danziger Lachs genannt. 

Der Lachbapfel, —t, m. —äpfel, eine * üpfel, 

Der Lachsfang, —s, Bi. —finge. 1) Das Fangen ober Fiſchen 
bes Lachſes; ohne Mehrzahl. Sich mit dem Lachsfange befhäftigen. 
=) Ein In einem Fluffe beiünbers eingerichteter Ort, 3. B. ein flars 
ter Gitterskaſten, oberhalb eines Mafferfolles, im welchem fih bie 


Es laͤchert 


Lachs 


KZafe fangen mäffen. 3) Die Zeit, in welcher ber Lachs am beften 
arfangen wird. 

Die Lachsfifcherei, By. —en, (®.). 1) Derjenige Theil der Jiſche⸗ 
zei, weicher ſich mit dem Fange ber kachſe befhäftiget, bas Fiſchen 
ober Fangen ber Lachſe; ehne Mehrzahl. 2) Ein Ort, me Bade 
stfangen werben; ein Lachtfang. „Im England folen einige Lachs⸗ 
fifchereien jaͤhe lich etliche taufend Pfand Gterling eintragen.“ Funke. 

Die Lachtforelle, oder Bachöfohre, 2. —n, eine Art großer Fo⸗ 
zrilen, bie dem Badıfe ähnlich find, einen blaͤulichen Rüden, gränlide 
mit ſchwarzen und rothen Punkten bejegte Seiten, einen gelblichen 
Bauch haben, und deren zöthliches fettes Fleiſch ehe ſchmackhaft iſt 
(Salmo trutta L.). Sit lebet im großen Seen und Flüſſen. 

x Das Lachskind, —es, Dy.— er, und Rachtfunze, 3. —n, ſ. Lachs. 

Die Lachsmuraͤne, 84. —n, eine Net Murdnen, bie groß und bem 
dachs ähnlich find, aber Feine Fleden, größere Schuppen und eine 
weißere Farbe haben (Trutta edentula Kl). 

Der Lachsſtoͤr, —es, 3. —, bei den Fiſchern, ein Name, womit 
fie zuwellen ben Stoͤr belegen, weil er mit dem Bade oft in eis 
neriei Gegent lebt. 

Der Lachſteig, —es, 3%. —e, T. 3. Rache. . 

Der Lachſtein, —es, 2. —e, in manden Gegenden-rin Grenzen, 
bejonbers ein Brengfiein der Fahrwege; der Wegeſtein? 

Der Lahöswurm, —es, 9. — wuͤrmer, gemiffe Würmer, welche 
fid den Bachfen am bie Riemen ſetzen and ihnen ſehr beſchwerlich fal 
len (Lernaen salmonen L.); bei den Fiſchern, wegen ihrer KÄhulich⸗ 
Brit mit Laͤuſen, Salmlaͤuſe. 

Die Lachözunge, 3. —n, wärde eigentlid die Bunge eines Lachſes 
bedeuten, man belegt aber mit biefem Ramen eine Art Lade, ber 
breiter unb bier als der gewöhnliche Las, mit grauen Fletken ger 
wichnet if und etwa einen-Fuß lang wird (Salmo eriox L.)j ber 

yo Rache, f 

Die Lachtaube, 94. —n, eine Art in Indien einhelmiſcher aber auch 
bei uns betanuter Meiner Tauben, deren Stimme mit dem lauten Bas 
hen eines Menſchen Khnlichkeit hat (Columba risoria, Colmnba 
turtur indica X.). Uarigentlih nennt man im gemeinen Beben unb 
in Scherz auch eime Perſon, befonders ein Mädchen, das gern lacht, 
eine Lachtaube. 

Das Rachter, —8, 2. gi. bei Andern bie Lachter, Dh. —n, fo viel 
als Alafter, befonbers im Bergbau. Im Saͤch ſiſchen Erzgebirge 
bält fie 324, anderwaͤrte 4 Ellen. — 

+ Der Lachter, —s, My. al in Haunchurg, ein Beckerkarcht, welchem 
bie Beforgung bes Getreides und Mibles obliegt und welcher auf ben 
Sichter folgt. In großen Badhäufern find deren zwei, der Ober⸗ 
und der Unterlachter. 

+ Der Lachterbaum, —es, 34. — baͤume, ein Grenzbaum, ſ. Lachbaum. 

Die Eachterfette, 9. —n, im Wergbaue, eine Kette von meffinger 
nem tngeglühetem Drahte, welde fünf-bie ſechs Legter · lang if und 
zum Meſſen gebraucht mir. Wo 0", 

Die Lachterlatte, Sy. —n, Heiden Markſcheidern, eine katte, d. h. 
ein vierediger Stab, welcher die Einae eines Lachters hat und zum 
Mefın gebrauht wirb; and Lachterſtab. ; 

Das Lachtermaß, — es, .—r, im Bergbaue, ein Stab, ber ein 
halbes eachter lang, ein Zoll breit und etwa %/,Bolf dic ift, und befi 
fen AG die Geſchwornen und Steiger beim Meffen ober Abnehmen 
bebirnen. 





Der Yacıtermafflab, —es, 9. — ſtaͤbe, im Bessheni, sin verjängssr 


4 J 


— überziehen. 


Lacke 





(Falco tinnunculus L.). — 
Der Lachzahn, —es, Sij. —zaͤhne, bie Borberzäfne ober Schnelde⸗ 
zaͤhne, weil fie beim Lachen entbiößt werben (Dentes gelasinoi). 
1, Der Lad, bei Andern Das Lack, — s, 4. —e. 1) Der sähe 
Saft einer Art Zadiſcher Feigeabäume (Ficns religiosa und Indica), 
welche aus benfelden an den Stellen tritt, mo eine Art Schifeläufe, 
welde auf benfelben Ieben, fit angefaugt bat. Dieſer Saft if, 
wenn ee erhartet, Teiht zerbrechtich, durchſichtig, dunkelbraun oder 
fGwarzrotp, sieht angezöndet angenehm, und wird ſewel zu feinen 
Firniffen als auch und befombers zu Siegellack gebraucht (Gummi- 
lacen), -MWinn er noch en ben kleinen Bmeigen ber Pflanzen hingt 
und indem man biefe abbriht, eingefammelt wird, heißt er Holz⸗ 
lad cher Stocklack. So wirb er aber felten verkauft, fonberm ent - 
weder zwiſchen Steinen abgerieben, wodurch er bie Geſtalt von Körs 
nern erhält, oder gefhmelzt und in Iämgliche Formen gegoffen. S. 
Kömerlad und Schellack. In weiterer Bedeutung, ein karaus 
bertit⸗ ter Firniz, allerlei Sachen bamit zu Überziehen,, welder 
durchſichtig und glänzend if, Auch ein ſolcher Firniß von andern 
Stoffen, z. B. Beenſtein, wird Lad genannt. Gtwas mit Lad 

©) Bei den Wahlen, bie Benennung verſchiebenet aus 
den Bäften der Blumen und anderer Pflanzen gesogener. und bereis 
teter Farben. So bereitet man gelben Lad aus Sqhluͤſſelblumen, 
Genfer 1c.; blauen aus Schwertel, Korublumen, Beilden 2; 
wothen aus Mohnblumen .ıc. Bu dem rothen, welchen man gemöhns 
Sich darunter verfichet, gehört der Kugellack, der Venediſche Lad, 
der Florenzer Lack ıc. 4 

2. Der Lad, —es, 3. von mehrer Arten, —e, ober bie Rad: 
blume, Wi. —n, eine Art gelbee mohlriehender Blumen, bie zu 
den kerkeien, berm Wiäten an ben Epigen der Gtengel in Ähren 
dicht beifammenftehen,, gehört; gelber Lad, Lackviole, gelbes Beil: 
"Gen (Cheiranthus Cheiri L.), @infaher ober hohler Bad, mit 
einfachen Blumen. Gefälter Lad, mit gefülten Blumen. - Der 
aefülte Lad wird wegen feiner Schönheit befonders gefhänt, und - 
fühet, wenn feine Wlumensäfhel, bie Ladftengel heißen, lang und 
bit beſeht find, den Namen Gtangeniad. Die Barbe derſelben 
if mehr oder weniger dunkel, oft gefprenkelt, oft vom einer ſchoͤnen 
Boldfarbe, wo er bann Goldlfadpeift, und oft ganz dunkelgelb 
unb braunroth. \ j 

3. + Der Lad, es, 2. u. Im Hüttenbaue, die Flamme, bie ſich 
auf dem Kranze bes Ofens zeigt und aus welder ber Schmelzer bie 
Belhaffenheit bes Schmelzens erflebt. 

O Die Ladarbeit, 1. —en,—eine mit Lad Überzogene Arbeit 
(lackirte Arbeit). N 

O Der Lackarbeiter, —t, M. gl. einer dee Badarbeiten macht, 


allerlei Dinge mit Eat Aberziehet (Lackirer); au, ber Bader. 


Der Ladriem, —es, 994. —en, bei ben Sattlewe unb Riemen, ber 
Riem hinten am Kutfhfaften , woran fi ber dahinter ſtehende 
Rıdıi bik 

Laden, v.trs. mit Lack beſtreichen, mit Lat Äberziehen. 5. hatte bier 
fes Wert für lackiren gebitbet; es fand fi aber fon bei Fulda. 
Einen Stot lacken. Einen Kutſchkaſten lacken. D. Ladın. D. 
—ung 8, auch Beladen. 

Der Lackei, —ın; 2%. —eın, ein Mebienter ; welcher beſonders zum 
Brefhiten gebraucht wird; von laͤcken, Taufen. 

* Böden ober. Lecken, v. intrs. 1) kaufen, woven noch das Wort 
Ladrt übrig if. 3) Springen, vorzuglich, aus Muthwillen, dor 


ter Mas deb, been man Mh arm Auferogen ber gemeffenen und ange * Werube fpzingen. „Darum bap ihe lecket wie die geilen Rllber « 


gerehneten Warfiheibeslge auf das Papier bedient, = d 

Die Lachterfehnur, 9. —fhnäre, im Bersbaue, eine baſtene ober 
Hirfone Einur, meihe zeha bis zwoͤlf Lachter lang iſt, und zum 
Meſſen tient, RA 

Der Lachterſtab, —es, 9. — ſtaͤte, ſ. Büchterfatte. 

Die Lachweihe, Bi —n, tin Rame des Wauer; oder Thurmfalken 


Serem. 50, 11. 3) Sinten ausſchlegen, und uncigenttich, ſich 
wiberfegen. „Warum leckeſt bu benn wider meine Opfer und Spstds 
opfie?® 2 Sam. 2,29. „06 wirb bie ſchwer werten. miter den 
Stihekgu lettea. Apofirla. 9, 5: 26, 4: In dieſer Bedeutung 
it es no Ati, D. Läden oder Lecken. 
© Der Lader, —, 3. gt. ſ. Ladarbeitır, ©, 


S 


Lackf 


Die Lackfarbe, M.—n. 1) Die Farbe eines Cıdes, ober die Farbe, 
wilde ein Lack hat. ©. 1. lad, Auch kann 88 bie gelbe Farbde 
„bes Bades ober ber Ladölume bejeihnen. 2) Cine Farbe, bie ein 
Lad ift, oder zu welcher Lad genommen ift; wie aud, ein Lad, mit 
welchem eine Sache als mit einer Farbe uͤberzogen wird, ©. 1. Lack. 
Die Scheidekaͤnſtier nennen auch ale diejenigen Mifhungen, worin 
der färbenbe &toff an einen erdigen Körper gebunden it, Ladfarben. 
Der Lackſirniß, —ſſes, 4. — ſſe, eigentlich ein aus dem Dfindifchen 
Lat oder Schellac bireiteter Firniß. S. 1. Pad 1). Dana in 
weiterer Sedeutung, ein aus andern Harzen ober harzaͤhnlichen Stof⸗ 
fen bereiteter Fieniß, mit welchem allerlei Dinge überzogen werben, 
ſo ba fie dahurch eine harter, glatte und glänzende Oberfläde bes 
kemmen. Kürzer fagt man bafür in beiden Fällen aud nur der Lad, 
O Das Lackgewerk, — es, 34. —e, eine Werkitätte, Anftalt, wo 
allerlei geladte Waaren verfertiget und verkauft werben (Lackier- 
Fabrik); eim Siegellackgewerk, eine Wertflatt, worin Siegellack 

gemadt wird, ©. . 

O Das Lackharz, —ıd, By. —e, ein Harz ober harjartiger Ries 
per, weicher zu kack d. h. zu einem Fleniß, einer Sache einen harten, 
glatten und glänzenden Überzug zu geben, gebraucht wirds, Ders 
glrigen ift das vorzugsweife fo genannte Bad. S. 1. Lad 1). Ber 
fonbers aber ber Saft einer Gattung bed Sumads (Rhus copalli- 
num), welchtr, wenn ee erhartet, gelb und durchſichtig ift, auf 
gläpenden Kehlen angenehm zieht, und zus Berfertigung Thönee 
Eofirntffe gebraugt wird (Copalgummi), 

Das Lackholz, —es, I. u. ein Name bes Holaes bee Aipenficfer 
ober des Krammholzbaumes und biefes Baumes ſelbſt; wahrſcheinlich 
weil man Hiufig Dinge daraus maht, bie nachher mit einem Lade 

“ überzogen werben. Da dieſe Dinge häufig Dofen find, fo wird bie 
fer Baum aud Dofenbaum genannt. 

Das Lackmus, —es, BA. u. bie blaue Farbe, welde aus bem Safte 
einer Pflanze, ber Badmuspflanze, bereitet wird, unb welde gegen 

R Gäuren, wovon fie roth wird, ſehr empfindlich iſt (Tonrnesol), 

Die Lackmußaufloͤſung, Dy.—en, oder Der ladmusabfud, —es, 

| u —e, reines Woffer, in melden Ladmus aufgeldfet umb geflebat 

worben ift, mit einem flarten Weingeiſte vermifdt (Eadmustinctur), 

‚Da der kackmus gegen Saͤuren hoͤchſt ewpfindlich iſt, bebirnt man 

fich des in Diefe Flaffigkelt getauchten Papieres, weldes man Lade 

anuspapier nennt, um eine Fläfhgkrit auf Saͤure zu prüfen, mil 

des geſchleht, indem man fie auf das kackmuspapier ſtrticht, welches 

reth wird, fo bald bis Mlüffigleit eine Saͤure iſt ober eine Gduse 
enthält. 

Das Ladmuspapier, —s, 34. u. ſ. Lackmusaufloͤſung⸗ 

Die Ladmuspflanze, Mi. —n, eine in Aflen und Südeuropa wild 
wachſende Pflanze, deren maͤnnliche Bläten einen fünfzähnigen Kelch, 
sehn bis funfjehn Staubgefäße und fünf Honigordlen, beren weibliche 
Biäten gleichfalle einen vielblattigen Kelch und balo eine, Bald 
Beine Blumenkront haben; am Fruchtkaoten figen drei Gtaubwege; 
bie Frautartigen Stengel haben langgeſtielte, rautenförmige und aus; 
gefhmeifte Wiätter, und gehen den unter dem Namen Lackmus ber 
Kanten blauen Farbeſtoff (Maurelle, Tournesol, Croton tincto- 
rium L.) Rah X, Heißt biefe Pflanze bei Einigem auch Krebskraut. 

Die Ladpfirfih, By. —en, eine Art Vficfihen, welde für eine bet 
teften geachtet wirb; auch, große Prinzeffinnpfirfce. 

O Die Lackſchildlaus, 2. —läufe, eine Art rother Skilhtäufe, 
welde auf einigen Gattungen Jadiſcher Feigenbäume (Ficus reli- 
givsa und Indiea) leben, unb welcht dadurch, daß fie fh an bie 
faftigen Imeige feſt anfaugen, verurfahen, daß aus benfelben ein 
bider zaͤher Gaft tritt, welcher erhartet unb zu verfhiebenem Eier 
brauch gefammelt wird. Diefer Saft bildet um biefe Thiere rine 

- #ieine Belle, in welcher bie Meischen ihre Gier legen, Man fammelt 

biefe Weibden, wenn fie trädhtig find, und bereitet daraus eime 
ſchone hochtothe Jatbe (Goceus laeca). 


— — — — — — 


5 


Ladek 


Der Lackſtock, rd, U. —ſtoͤcke, bie Lakblume, wenn fir einen 
Stot blidet. 

Die Lackviole, By. —n, ſ. 2. Lad. - 

© Die Ladwarre, 3. —n, eine Lacarbeit, eder eine mit La 
überzogene Sache als Wanre betrachtet (lackirte Waare) ; aud, 
Ladarbeit und geladte Waare, €. 

Die Lade, By.—n; Bio. das Laͤdchen, O. D. — lein, —s, 9%, gl. 
überhaupt etwas, woreim man ein anbires Ding Iaben ober Irgem 

und verwahren fann. a) in Geſtel oder Weröft, andere Dinge 
barin aufjunehmen und zu befefligen, Go beift bas Geſtell eines 
Aderhalens eine Lade. In den Hättenwerken *'ißen bie mit iegeln 
verbundenen Hölzer, worin die Pochſtempel gehen, auf Laben, unb 
ehemabls nannte man fo aud) bie Ranonenpeflelle. Wei ben Mebrm 

- if die Lade ein viereckiger Rahmen, worin fi ber Kamm befindet, 
mit welchem ber Einſchlag feſt zufammengefhlagen wird, S. auch 
Grundlade, Heftlade, Kinnlode. =) Ein hehler Raum, ein Bes 
haͤltniß. Gleher gehört das Wort Bertlade, ein Wettgeflell mit ho» 
ben Geitenbrettern, fo baß ein hehler Maum baburd; gebilbet wird. 
Die leeren Stellen ober Läden in ben Kinnbaden ber Pferbe, im 
melde das Mundftäd zu llegen Eimmt, nennt man au Laben öber 
Eager, Traͤger, Bühler, und auf dem Bodenſee werben eine Art 
großer Schiffe Laͤdi genannt. Mefonders, ein von Hölz verfertigter 
Kaften. Die Lade des Bundes oder die Bundedlade, bei den alter 
Juden, ein Kaſten, in weldem bie Gefegtafeln verwahrt wurden. 
Die Lade der Haudwerker, der Kaſten oder bas Wehältniß, worin 
fie ihre Freipeitäbeiefe, Urkunden, Gelder, Mehnungen ıc. vtrwah ⸗ 

„rn. In weiterer unb mneigentlichee Bebertung nennen bie 

u Handwerker au die Bufammenfunft ber Vorſteher unb Meifter ei 
ner Aunft, weil fe an bem Orte, wo die Sabre aufbeimaheet wird, Statt 
findet, bie Lade. Im N. D. gebraudt man auch Lade für Kaffe, 
wofür man im DO. D. Kaſten fügt, z. B. die Armentade, Kirchen⸗ 
lade, Witwenlade se. Hicher gehören auch bie Wörter Schublade, 
Windlade in ben Orgeln, ıc. Im D. D. nennt man einen Sarg 
aud eine Kobtenlade, In der engflen Bedeutung it kade ein vice 
ediger, lauger und hoher Kaſten mit einem Deckel zum Berfällefen, 
worin gemeine Erute ihre Rleider und Habfhaften verwahren. Ges 
möhnlih hat diefer Kaſten inwendig noch eine kleine Tabe zur Seite, 
eine Beilade; auch pflegt ber Deckel beffelben fſiach zu fein, indem 
man eine Babe mit gemölbtem Dedel, bie auch wel oben weiter if 
als unten, noch befonbers eine Truhe nennt. 

Kleider Liegen bereits in ber ſchoͤn gebildeten Lade. Bof. 

Die Labebarte, 94. —n, in den Hallifden Salzwerken, eine Bartı, 
womit bie Salzlader bie großen Balzftüde beim Baden yerfanen. 
Der Ladebrief, —es, 4. —e, tin Brief, ein Schreiben, worin 
man jemand zu etwas labet ober oinlabet. Im engerer Bebeutung, 

eine ſchriftliche Latung vor Gericht (Citation, Citatorium), 

Das Ladegat, —s, Mi. —t, in der Schifſerſprache, bie Mündung 
dee Kanone, durch welche bie Ladung hereingebracht wird. 

Das Ladegeld, —eb, 3. —ır. ı) Im D. D. bie Geblihr für bie 
Babung vor Gerit. s) Im Bergbam, dasjenige Gelb, weißes 
ber kandeherrſchaft von jebem Fuber Eiſenſtein, ber anf die Halde 
Dingemeffen wird, entrichtet werden muß; im Soͤqh ſiſchen Orjgebiege 
ı gr, dom uber, . 

Der Labehbammer, —&, 9. —bämmer, in den Meffinghätten, ein 
Sammer oter Schlaͤgel, womit das Meffing und Kupfer in den Zi 
gel feft eingefhlagen wird, 

O Die Ladefette, Du. —n ‚in der Roturlchre, bie Peine metauene 
Kette, melde eine Flaſche ladet, indem fie den Blit koff im biefelbe 
durch ihe damit in Berbindung gefegtes Ente leitet, uncigentlich 
vnd büblih, etwas bas ein leitendes Mittel abglebt. „— fo iſt ja 
alles fatſch, mas man fonft won der elsftrifhen Labelette ſagte, 
woran der Eingehüllte (das Kind in Mutterleide) Hängen (bangen) 
fol und welde ihn mit bean Stzömen umb Funken der mi 

* 


’ 


Ladel 


eeſdenſchaften unb Gefüste laden fel?« 3.9. Kichtex. 

Der Ladeldffel, —s, 99. g!- f. kadeſchaufel. 

Das Lademaß, —ed, My. —e, bei den Zigern, ein waf, mit wel 
Gm fie fo viel Schiefpulver abmeffen, als zu einem Schuſſe nd: 
tbia if. 

Der Laden, —b, 9 gl. oder bie Laͤden; Min. das Läbchen, O. D. 
— fein, eim mit bem Worte kade nahe vermanbtes Wort, ſowol 
etwas, das eine Sacht bedeckt und ſchüht, als auch einen bedeckten 
eingefhloffenen Räum zu bezeichnen. 2) Etwas, das einen andern 
Körper dedecket und verwahret. Im bilfer Bedeutung werden” bie 
en Angeln obere Bändern hangenden Deden von Brettern ober von 
Eiſenblech vor ben Fenſtern, in ber Bröße derſelben, Laden ober Fen⸗ 
ſtetladen genannt. Die Fenſter mit Laden verfehen. Die Faden 
zumaden, auſmachen oder dffum. =) Gin eingefhloflener Raum. 
In diefer Bedeutung wird ber abgefonberte Raum ober basienige 
Gemach, in welchem ein Kaufmann, Arämer ober kramender Hand» 
werten feine Waaren fell hat, der Faden genannt; im ©, D. ber 
Baden. Ein Kaufmannsladen, Buchladen, Kramladen, Tuch: 
laden, Schuſtetladen ıc. Ginen Laben anlegen, Öffnen, einen fol- 
hen Laden einrichten und mit Waaren verfehben, anfangen barin zu 
handeln. Cinen Laden haben ober halten, feine Moaren in einem 
folhen Laden verkaufen. Den Lauben öffnen, fließen, zumachen. 
Davon, das Kadenfenfter, bie Ladenthüt, der Ladentiſch ıc. das 
denſter, bie Thuͤr im einem Laden, ber Tiſch im Laben, auf weis 
dem bie Waaren vorgezeigt werben ie, 

+. Kaden, v. trs, unregelm. id} fabe, du Labeft (Häbefk, laͤdſt), er 
ladet itÄbet, Tide), wie laden 10; unf. derg. 3. ich lub, geb. Form 
ich (ade; Mittelw. bverg. 3. geladen, Befehlw. lade. 1) Schwere 
Körper auf einen andern heben, fielen ober legen und befefligen, 
um fie fortzufgchen. Die Waaren tu. auf ben Wagen, Karren, in 
bas Schiff, auf Kameele, Eſel x. laden, Oft wird has Buhrwerl 
ober Babrjeng, worauf etwss geladen wird, verſchwiegen. #Dols, 
mi, Steine, Getreide laden, Der Schiffer dat Getreide, ber 
Fahrmann hat Tuͤcher gelabden. Bu viel, au fhwer gelaben haben, 
Ein gelabener Wagen, beffer ein belabener; in Begenfag von eis 
nem leeren. Uneigentiih, etwas Beſchwerliches, Schweres auflegen, 
zu tragen ober zu thun geben, X Ginem eine ſchwere Arbeit auf 
ten Hals laden. ©. Aufladen, Semanbes Feindſchaft auf fi las 
ten, fi; dieſelbe zuziehen unb fie als etwas Läftiges zu ertragen, 
zu erbulden haben. ° Auf fi; den Has ber Riedern laden, 

i Dies fürzet oft ben größten Mann. Geltert. 
Cine Blutſchuld auf Ah laden, fi derſelben als eines Verbrechens, 
das fhwer laſtet, ſchuldig maden, In weiterer Bebeutung fagt 
man, ben Magen vol laden, ibn mit Speifen anfülen. =) Bon 
Schießgewehren, in ein Schlefgewehr, ein Sefhäg das zum Schuffe 
gehörige Pulver und bie Kugel ober ben Schrot bringen. Mine 
Klinte, eine Kanone, einen Moͤrſer ıc, laden. Gin geladene Ger 
wehr, eine gelabens Flinte, Kanone ıc. Scharf laden, mit Pulver 
und Biel ober Kugeln; zum Unterſchiebe von biinb laden, bloß mit 
Palver und einem leichten Pfröpfe laden, 
auch ben Kopl einer Tabalspfelfe, welche man mit einım Gewehre 
vergleiät, wenn man ihn ſtopft ober mit Tabak anfhlt. In den 
Meifinghätten heißt laden, bie Schmelztiegel mit ber Miſchung von 
Kupfer und Galmei zum Schmelzen anfülen. D, Laden. BD. 
—ung. 9b. 

q. Kaben, v, tra. uneegelm, in ber Immanblumg bem vorigen glei; 
ahemahls überhaupt, rufen, Jetzt bibeutet es noh 1) Bor Gericht 
zufen, im Ramen bes Midters vor Gericht zu erfheinen brfehlen 
(eitiren), Bor Berikt, vor den Ritter laden. 2) Hflich erfu⸗ 
Sen ober erfuchen Kaffe, In einer Befelfhaft, zu einem freundlichen 
Befuche ober bei einer Feſtlichkeit, einem Gaftmable ze. zu erſchelaen 
(invitiren). Ginen zu Bafle, zur Hochzeit :c, laden. Die Bäfte 
find fon geladen. Au iq weiterer uneigentlider Bedeutung. 





uneigentlich abet man -- 


Ladeſt 


Des (Eelut) alle Sünder hochbegnabet 

Sem Sakramente feſttich ſadet. Schilter. 

Lane kuͤfte, Wodlgeruͤcht 

Laden uns zum Tanz. Memler . 
&. auch Einladen. D. Laden. D. —ung. S. b. 

X Der latendbiener, —s, 39. gl. ein Kaufmannsbiener, fefren er 
in Laden befenders mit dem Berfaufe tee Waoren befgäftiget ift; 
verähtfid und fehr mirbeig der Ladenſchwengel ıc. 

Dos Ladenfeld, —es, Pig. —er, Sei ben Zifhtern, das tief liegende 
in Rapınen ober Briften eingefaßte Feld ober BWiered an einem Fen⸗ 
ferlaben. 

Der Eabenflügel, —, 94. dl. ‚cn Fiägel, eine Hälfte eines Fen⸗ 
fterladens. 

Der Labengefell, —ın Di. u, bel den Hanbwerkern, berienige 
Geſell, welcher bie Aufficht unb Rechnung über bie Babe, d. d. bie 
gemeinfhaftlihe Kaffe ber Seſellen füpet; auch, der Buͤchſengeſell, 
und bei ben Buchdruckern ber Kabenvater. 

Das Ladengewirk, —s, . —e, nad Ab. ein prädtiges Stick 
wert, welches an einer befonberu Sabe, die eine Art eines Beinen 
Weberfiubles iſt, gemacht wirb. 

X Der Ladenhuͤter, —s, 4. gl. der einen Raben, in einem Laden 
hütet, auf bie Taaren darin Acht giebt. Uneigentlich, eine Waare, 
melde keinen Abgang findet, im Saden Kegen bleibt und benfelben 
gleihfam hätet; im D, D. ein Gabenhäüter. 

Der Ladenkeil, — s, u. —, in ben Pochwerken, ein Miegel ober 
ein Stuͤck Holz, welches von einer Lade des Pochwerles bis zur ans 
dern gehst und beibe zufammenbält, 

Der Fabenmeifter, —6, DM. gi. bei den Handwerkern, berienige 
Meier, weiber im Namen ber ganzen Bunft ber Lade, db. h. ber 
Berſammlung ber Geſellen beimohnet, 

Der Ladenfiheider, —, 3. gt. dir Beten in einem Mint: ober 
Metterkaften, bie böfen Wetter aus ben Gruben zu teriben. 

E Der Ladenfhwengel, —s, DM. 91. ſ. Ladendiener. 

Der Yadenvater, —6, 9. — väter, f. Babengefelt. 

Der Ladenzins, —es, Di. —e, dir Zins obız bas Miethgelb, wel 
des der Miether eines Ladens dem Eigentbämer beffelben bezahlet; 
im D. D. ber Gadenzins. 

Die Zadepforte, 9%. —n, auf ben Schiffen, eine Heine Pforte uns 
“ten dm Maume an bee Seite des Schiffes, durch wilde bie Cabung 
in Crädgätern ober aud bee Balaft hinein gebracht wird; bie 
Ballaftpferte. 

Der Ladepfriem, —es, ig. —e, fo viel als Raumnadel. ©. b. 

Der Saber, — 8, Di. gl. 1) Derjenige, welher Baorın ober über⸗ 
haupt Sochen anf ein Fuhrwerk, in ein Fahrzeug sc. Ichet; befon« 
dere in ten Infammenftgungen Aufiader, Ablader, Auslaber ıc, 
a) Desjenige, welcher ein Schießgewehe ladetz auf Aricgaſchiffen, 
derjenige Soldat, welcher beim Laden bee Kanonen behülflich if. 
3) Derjenige, welchtr ladet, einlabet, wor Gericht zuft. 

+ Die Laderuſter, 24. —n, ein Rome dir Pflugſterze. 

Die Ladeſchaufel, 94. —n, in der Geſchüttkunſt, eine Iöffelfärmige 
Schaufel, mit welder das zu einem Schuffe nöthige Pulver in die 
Kanone geladen ober geſchoben wirb; ber Ladeloͤffel. 

Der Ladeſtock, —es, 279. —flöde, ber Tange, bünme und runbe 

Stock oder Stab von hartem Hole ober von Eifen, momit bei 
Flinten, Yiftolen rc, bie Cabung feft geflsgen wird; ber Ladeſtecken. 

Der Ladeftoduchrer, —6, Mi. gl. bei den Pühfenfdäftern, ein 
Langer dünner Bohrer, womit bad koch zum Labeſtocke an einem 
Feuergewehre gebohret wird. 

Der Ladelodhobel, —®, 99. gi. bei ben Bänhrenfdäfteen,, ein Ho⸗ 
bel, worait bie Ladeſtbhae glatt zehobelt unb gerunbet werben 

Der Endefioufer, —t, PR. gt. ein Werkzeug, womit man beim 
Soprengen ber Steine bar) Pulver bie # Yuloıriabung ‚inftopft ober 
einftöst, i 


Ladeſt 


Der Ladeſtuhl, —es, 4. — ſtuͤhle, in ben Salpeterſiebereiean, ein 

Stuohl mit beei Füßen, worauf die mit Waſſet, Aſche und Salpeter 
zu füllenden Butten gelegt werden. 

Das Ladetakel, —6, 9. al. ſ. Stagtakel. 

O Die Ladetaſche, 9. —n, eine Taſche von ſteiſem Leber, welche 
die Soldaten an eimm breiten Riemen binter fih tragen, und 
in welder bie ſchon abgemeffenen Labungen für ihre Flinte bes 
findtid; find (Patrontafe), Davon, ber Ladetaſchenriem zc. 

Die Ladewaflerlinie, 3 —n, in ber Sqhifffadet, bie Waſſerlinie 
eines Schiffes bei völiger Labung, d. d. die Linie, bie Grenze an 
einem Schiffe, bie fih in bee Ebene ber Oberfläche des Waſſers bes 
findet und welche anzeigt, daß bis bafin das Schiff ohne Rachtheil 
belaben werden kann, 

Die Ladezange, 4. —n, in ben Meſſtugwerken, eine Zange mit 
Griffen, bie fünf bis ſechs Huf lang find, ben Ziegel aus dem 
Breunofen bamit zu nehmen und hineinzufegen. 

Das Ladezeug, —, By. —e, elle Werkzeuge zufammengenommen, 
melde zum Baben ber Kanonen gebraucht werben, als Wilder, Ans 
feger, Kröger, Ladeſchaufel, Raumnadel, Pfropf, Pulneshorn ır, 

1. Die Ladung, MM. —en. 3) Die Handlung, ba man ladet; ofne 
Mehrzahl. (1) Die Handlung, ba man Laften ze. auf ein Fuhr ⸗ 
wert, Fahrztug ac. ladet. (2) Die Handlung, da man das gehörige 
Yulver und Blei in ein Feuergewehr tput. =) Dasienige, mas ges 
laden wird, (1) Die Laften, Güter, Waaren, welche auf ein Fuhr⸗ 
wert ober Fahrzeug ıc. geladen werben. Cinem Fuhrmann Ladung 
geben, ihm Güter als Waarın zu verfahren übergeben. Der Fuhr⸗ 
mann fuht Ladung, wenn er Fracht zu belommen ſucht. Wolle Ya: 
dung haben, fo viel als bee Wagen, bas Kahrzeug ic. faffen Eins 


nen, fo viel die Pfexbe ziehen können, aud mot fo viel haben, als, 


man ſelbſt tragen fann, ober woran man ſchwer zu fragen hat. 
Sn weiterer Bebeutung nennt man in ben @ifenhätren bie Fälung 
ober das Aufgaben ber Erze, Koflen und Flußſtelne in ben heben 
Ofen bie Ladung. Auch fügt man uneigeatlih von einem Betruns 
tenen, der fh gieihfem vol geladen hat, er habe velle Ladung. 
(a) Dasjenige, was an Pulver allein ober an Pulver und Blei zur 
glei in ein Gewehr auf Zlomapi gelaben wird; ber Schuß. Eine 
Ladung Pulver. Die Ladung ferauspiehen, 3) Bei Einigen auf 
dasjenige, wonach man labet, bad Lademaß. 4) Bei ben Zaͤgern 
das, was zum Pfropfe gebraucht wich, Werg, Papier ıc. 

2. Die Ladung, MM. —ım, die Hantlung, ta man jemand ladet, 
irgenb wobei zu erfheinen. Die gerichtliche Kadung, oder die La⸗ 
dung nor Gericht (Citation), Die Labung zu einer Geſellſchaft, 
einem Saflmahle, einer Hochzeit wc. ; 

O Der Ladungsplatz, —es, 3. —plaͤtze, ein Ylag, an weide 


aufe und abgeladen wird, befonbers der Plag, an meiden Schiffe 


beladen unb ausgrlaben werben. „Die in den Fluß hineingebaueten 
Ladungsplaͤte und Kajen.” Ebeling. 

Der Ladungsſchein, —es, Bi. —e, im Handel, der Ehen oder 
ſchriftliche Beleg, wedurch ein Kaufman befheiniget, daß er eine 
gewiffe Menge Waaren auf das Schiff geladen habe. 

+ Laff, —er, —efle, adj. u. adv. 3) In manden Gegenden, fe viel 
als fchlaff, im gemeinen Leben auch lapp. =) unſchmackhaft, des 
Seſchmackes beraubt, Win laffer Wein, ber feinen Geift verloren 
und nur noch wenige Kraft pat, Im D. D, nennt man auch uns 
eigentlich abgefhmadtealberne Reden, laffe Reben. Davon bie Laffheit. 

x Der Laffe, —n, Mi. —n; Bo. das Laͤffchen, ein laͤp⸗ 
piſcher, alderner und eingebilbeter Menfh, beſonders ein folder 
lunger Wenfh; auch ber Pappe, deſenders im ©. D. „Da kam ber 
hunge Baffe, Here Damons Mönbel, und nahm fih allerfand Frei ⸗ 
heiten heraus.“ Bellert. Sankt unteefheitet Laffe und Geck 
dem Alter nach z er fagt: „Yaffe, eine laͤppiſche Mannsperfen, wenn fie 
jung ft. Im mitteln Aiten heißt Me ein Geck, im Alter ein alter Bed,« 

Die Laͤffelei, Laffeln, f. Loͤffele, Loͤfſeln. 


7 Laͤg 


XLaffenmaͤßig, —er, —fle, adj.u,adr, einem Laſſen gemäß, einem 
Zaffen Ahnlich. Sich laſſenmaͤßig betragen. 

Die Lage, 3. —n, vom ben Wörtern liegen und legen. 1) Die 

rt und Weife, wie ein Ding liegt ober gelegt if, und das brtliche 

Berpättnig feiner Theile gegen einander. Winer Sacht bir rechte 

Lage geben, Ich habe hier keine gute Lage, ih Lege hier nit gut. 

In weiterer Bedeutung, bie Art und MWeife, wie ein Ding liegt 

ober bie Befchaffenheit bes Ortet, mo es liegt, in Bezug auf ben 

Ort anderer Dinge, bie es umgeben. Cine Stadt Hat eime gute 

Kage, wenn fie in einer Gegend Liegt; wo fie alle Berürfniffe leicht 

befriebigen Pann, 4. B. in einer fruchtbaren, angebaueten Gegend, 

an einem Pluffe 0. Das Haus hat eine angenehme Lage. Mine 
mahleriſche Page, bie ein ſchoͤnes Bild macht. Eine natürliche, 
freie, fleife, geswungene Lage. Unelgentlich, die Befhaffenpeit ber ' 

Uumftände und ihr Berbältnig zu einander unb zu andern, Sich in 

einer guten, fhlimmen, glädliden, unglädiihen Lage befinden. 

Dies verfegte ihn im eine bedenkliche, miplihe Page. Bei dieſer 

Loge ber Dinge (Aebus sic stantibus). In den fhönen Kuͤnſten 

ift die Lage der Sachen (Sitwation) mit Sulzers Morten eben» 

fols „bie Beſchaffenheit aller zu einer Hndlung oder Begebenhrit 
gehörigen Dinge in einem gewiffen Zeitpunkte der Handlung, tm 
weldem man bas Brgenwärtige als eine Wirkung deſſen, das vors 
hergegangen, und als eine Mefache beffen, das nod erfolgen fol, 
anfiedt.*e =) Eine Reihe mehrerer. neben und auf einander lirgens 
ber ober gelegter Dinge, Bine Lage Streh, Steine ꝛc. Der Sand 
bes Bedens mechfert mit Lagen Thon ab. Im dem Flöten befiuben 
fih viele Bagen von verfhiebenen Erd: und Gteinarten über einan ⸗ 
ber. Bei den Buchhaͤndlern beftchen die rohen Bäder aus Lagen, 

d. h. aus mehreren gemöhnlih fünf ober ſechs im einander gelegten 

Bogen. Bei ten Matieen Heißt bie auf Einmahl aufjetragene 

Farbe eine Lage, In engerer Bebeutung nennt man im N. D. eine 

Beibe von fo riefen neben einander geftellten Bienenſtoͤken, ala Gin 

Mann abwarten Kann, eine Rage, Lacht oder Bienenlage. Auf 

ben Schiffen verſteht man unter Lage bie Anzahl Kansren, melde 

auf eine Seite des Schiffes auf dem Werbede ſtehen. Ein Ediff 
bat zwei Lagen, wenn es auf ziori Berdecken Kanonen führt, an» 
derthalb Lagen, wenn has eine Berdec nur jur Hälfte mit Ranos 
nen befegt ik. Einem feindlichen Schiffe die ganze cher eine halbe 

Lage geben, alle auf der einen Seite des Schiffes auf allen Dedem - 

befinbtihe Kanonen auf baffelde abfeuern. Weide Lagen geben, bie 

Kanonen auf beiden Breiten nad einander abfeuern, macbem man das 

Schiff gewenbet hat. Cine Lage aushalten. _ Die Bedtutung vom 

etwas, baß gelegt wird, Hat Lage auch im den meiften Aujammena 

fegungen, doch meift in uneigentlihem Werflande, &. Anlage, * 

Inge, Auslage, Beilage, Unterlage, Widerlage, Zulage ıc. Im 

andern Bufammenfegungen hat es antere Bedeutungen; im Mieters 

Inge bezeichnet es 3. B. auch einen Ort, wo etwas nletergelest wird. 

Ehemahls bedeutete Lage auch ein Welch, und Nachſtelung, Hinter 

kalt, in welder lehten Bebeutung es nch im N. D. vorfömmt. 

+ Daslägel, —s, 2. al. 1) Ein Fieines, rundes, boͤlzernes Gefäß, 
welches wie eine Tonne geftaltet if und deſſen Meite größer ift als 
feine Höhe. Der Keinen bedient man fih auf dem Tante, Setroͤnk 
barin mit auf das Feld zu nehmen. ‚ 

Hintere euch Liegt im Kraute mein Laͤgel mit Tühlendem Vrol - 

habn. Bo. 

Der groͤßern bedient man ſich Fläffigkeiten oder mit einer Flüſſig- 
feit übergofiene Sachen fortiufhaffen. „Da nahm Jlal einın Eſel 
mit Beot und eine (ein) Laͤgel Meins.* ı Sam. 16,00. Auch 
dienen bie Laͤgel, Stahl darein zu paden und darin zu verfenden, 
Im Sſterreichtſchen bält ein Laͤgel Stahl zu; Pfund. =) In ber 
Gdifffabrt, kurze Stücke von Zauın, wodon die briben Gnten bins 
ten an das Leik eines Segels gefpligt werben, fo baf Se bamit rine 
Art Ring bilbden. Röbing, 


Lager 8 

X Rager, adr. f. das Lager. 

Das Bager, —s, 99. gl. und bie Laͤger, wenn van einem Belblager 
die Rebe if; von ben Ausſagewbrtern liegen unb legen. 1) Der 
Buftand , da ein Ding lieget ober zu Liegen fimmt, &o nennt man 
den Buftand eines Kranken, welder bettiägerig if, ein Lager ober 
Kronkenlager. In ber Fechtkunſt heißt bie Stellung bed Fechtere, wenn 
er mit audgefiredtem Arme fih mit dem ganzen Oberleibe vorwärts 
geneigt und geſtreckt hat, wenn er ausgelegt hat, das Lager. Das 
Betreibe gehet zu Lager, wenn es bit firket und theils von ben 
(hiweren-Äpren miebergezogen, theils vom Regen und Winde nieder⸗ 
gebrädt wirb, To baf bie Halme Aber einander Hegen; wofuͤr man 
auch fagt, es wird lager ober es lagert ſich. Im ber Schifferſprache 
find die Worte, nicht lager! ein Sefehl am bie Steuerer, bas Schiff 
nicht weiter abfalen zu faffen; zum Unterfäiebe von nicht höher, 
dem Befehle, nit dichter beim Winde zu halten. Röbing. Im 
N. D. heißt, das Dich koͤmmt zu lager, wenn es in einem morafis 
gen Boden fleden ober Liegen bleibt, Ehemahls hieß das Abſteigen 
und ber Aufenthalt am einem Drte Häufig ein Lager ober Ablager 
und Äpnlige Bebeutung hat es mod in Einlager und Beilager. 
S. d. 3») Der Drt, wo ein Ding liegt ober gelegen bat, beſondere 
mit tem Nebenbegriffe bee Sicherheit und Bequemlichkeit biefes Or⸗ 
tes, &o heißt die Grube, worin ein Etein, befonbers Mh Geenis 
flıln liegt, das Lager beffelben; und bei den Maurern ift das Yager 
eines Schlusfleines, bie Fugtſelte beffelden au einem @emdibe. Die 
Rurken, ein wenig vom Boden erhödet liegenden Bäume in ten Kellern, 
auf welchen die Fuͤſſer ic. Liegen, heißen gleichfalls bas Lager. Einen 
gutım Borrath von Wein, Mier ıc. auf dem Lager Liegen haben. 
Bier auf das Lager brauen, um es auf das Lager zu legtn und alt 
meeten zu laffen. S. Lagerbier. Das Bierlager, Weinlager itc. 
Sn ber Handlung if das Lager oder Waarenlager bee Det, Raum, 
mo bie Waaren liegen und aufsewahrt find. Eine Wsare auf das 
Lager legen. Diefe Buchhandlung hat jeberzeit bie beſten nnd gang: 
berfen Büder auf ihrem Lager, bat fie immer vorräthig liegen. 
Zur Bergbaue führen diefen Ramen au bieienigen zwei Hölzer, auf 
weichen bie Bühne in einem Fahrſchacht angelegt wird, um eine Fah⸗ 
sung in benfelben amzurihten, und bei ben Strumpfwirkern it das 
lager das Geſtelle bes Wirkſtuhles, worin alle Thelle beffelden ans 
gebracht find. Bei ben Fruerwerkern heißt ber untere boblrunde 
Edit ber Mirfer, in melden bad Pulver gethan wird, das Lager. 
Einer Sade ihe Lager ammeilen, ihre Stelle, wo fie liegen, fih be⸗ 
fiasen fol. — ob Shen dergleichen bach: und wohlllingenbe zufams 
nengetragene Werke immer von einem gewiſſen Kunftfiun zeigen, dem 
Sall daher ganz recht zwiſchen dem Kon: und Diedafinn das kager 
anwied.e J. P. Alchter. Beſonders derjenige Drt, wo Menſchen 

"und Thiere liegen oder fi legen, um zu zuben, au ſchlafen. Ein 
weiches, bequemes Lager. Sich ein Lager im meiden Brafe, im 
‚sa mahen. Oft wird auch in engerer Bebeutung ein Bette bar 
unter verflanden, Den Reigen flirhet auf feinem meiden feibenen 
Lager oft der Schlaf, während er den Armen auf feinem Steohlager 
ergei@t und flärtt, Das lebte Lager nennt Klopſtock elamahl 
bas Sterdebette: Gera — dag auf brm lehten 

Rager. 
Den Thleren ein Lager von Stroh maden. S. Sttohlager. Bor 
jugsweife gebrauchen bie Jäger das Wort Lager von bemjenigen Orte, 
mo fich die Thiere aufhalten, und zur Ruhe nieberiegen, alfa vom 
ben wilden Schweinen, Biren, Mölfen, Dachſen, Fuͤchſen, Haſen, 
Luchſen, Hamfera, Mardern, Iltiſſen, Cichtbornchen ıc.; beim Roth⸗ 
wilde das Bett. In engerer Bedeutang iſt das Lager ein Ort um 
ter freiem Hlintael, mo ih ein Hriegsherr unter Zelten eder in Höt⸗ 
ten eine Bcltlang aufhält und welcher befeftigt zu fein pflegt; das 
Feldlager, Heerlager, Kriegslager. Gin Lager abfleden, die Grens 
jen beffelden bezeichnen. MWendpnlih werten bie Zelte oder Hüts 
ten zugleich mit unter bem Lager verflanden, Ein lager ſchlagen ober 


— — 


Lagerg 


aufſchlagen, nit allein ben Plat abfleden, mit Bräfen verſehen ıc. 
fonteen aud bis Zrite aufſchlagen ober aufrihten, Das Kager befes 
fligen. Aus dem Lager züdın, Das Lager abbrechen. Das feind⸗ 
liche Lager erobern. Das Dauptlager, bre Drt im Bafer, wo ſich 
ter Hauptaufuͤhrer Grfindet (Banptquartir), In Hoflager bebrutet 
Lager hen Kufentpaltdort eines Fürflen. ©. Hoflager. 3) Mibrere 
neben ober Über eimander liegende Dinge ſelbſt. So heißen bie bei 
einander befinbliden Waaren urd Maorenversäthe, Laget oder Waa⸗ 
renlager, Ein flarkes Lager Haben. Diefe Buchhandlung hat eim 
wohl ausgeſuchtes Lager (cin gutes — mwoßlassortirtes — Sorti- 
ment), Die in bee Erbe befindlichen Lagen von Stein ıc, werben 
auch Häufig Lager genannt, wie aud ber Boben mit feiner Auffhät: 
tung an einem hölpernen Brüdenlager; eben fo ber Bodenfag bes 
Weines, Bierrs, Öles rc. welcher auch Mutter heißt, befondere beim 
Gig. Das Bier auf dem Lager laffen, auf ben Hefen. Franz 
wein cuf ein Lager vom Ungerwein fülen, auf ein Faß, worin der 
Bobenfog von Ungerwein if. Das Bierlager, Meinlager, bie Biers 
hefın, Seinhefen, auch wol ber Borrath von Bier, Wein, welden 
man im Keller auf bem Lager hat. 4) Das Zürkifche Lager, der 
Name (1) einer Benusmufhel in Oftindien und im zothen Meere. 
(Venus enstrensis L,); (2) einer Walzeuſchnecke in Brafilien; auch 
Lagerwalze, bunte Adhatbattel (Voluta porphyria L.). — Im D. 
D. tautet biefes Wert Läger und Gelieger. 

Der Lagerapfel, —s, 39. —aͤpfel, f. — 

Der Lagerballen, —#, Sij. gl. an ben Brüdenjäheen, bie wagerech⸗ 
ten Balken, welche auf ben Ständern ober eingerammten Pfühlen 
zuben; bie Sochteäger, Schwellen, Holben. Im Waffersaue ſind 
Ragerbalten bie ind Bevierte gahauenen Dälzer, welche bei bem Roſt 
einıe Schleuſe, eines Wehres 20. nach der Ringe gelegt werben. Auch 
birjenigen Ballen, auf welden bas Dad feine Haltung hat, nennt 
men in der Baukunſt Lagerbalten, 

O Der Lagerbefiand, —ıs, Di. —beftände, der Beſtand Bed Lie 
gers oder basjenige an Massen, an Sachen, was fih auf dem Las 
gie vorsäthig befindet (Anventarium), Den Lagerbeſtand aufnch- 
men (inventiren), - j 

Dad Lagerbier, —es, 4: —e, sin ſtarkes Bier, weldes auf dad 
Lager gebranet wird, b. h. welches man auf bem Lager im Keller 
tiegen und alt werben laͤßt. Da es gewöhnlich im März gebrauer, 
in Kofen aufbewahret und im Sommer verzapft und getrunten wird, 
fo beißt es au Märzbier, Kufenbier, Sommers oder Erntedier. 

Die Lagerbirn, 99. —en, f. Yagerobft, 

Das Lagerbuch, —es, 2. — duͤcher. ı) Ein Bat, in welchem 
alle Felder und liegende Gründe eines Ortes ihrer Größe und ihrer 
Lage noch genay verzeichnet umb befchrleben fin; das Flurbuch, 
Erdbuch, Markungsbuh, Saalbuch (Latastrum). =) Bei den 
Sauflesten, ein Bad, weldes fie Äber bie Vorraͤthe an Mauren in 
ober auf ihrem Lager führen, 

Das Lagerfaß, — ſes, 94. —fllfer, ein greßes Faß, welches man 
im Heller beſtoͤrdig auf dem Lager liegen laͤßt. 

Das Lagerſieber, — 8, 9. ol. rin heſtiges didigen Fieber, welches 
mit bem faulen Fledficber Ähnlichkeit hat und gemögulih in bem 
Gommermonaten unter ben Bolbaten im Felde oder in ben Laͤgern 
eingeißet (Webris castrensis, Fehris Hungarica), 

Das Bagergeld, —es, Di. —er. 2) Au mandıen Orten, ein Gelb 
ober eine Abgabe, welche an bie Obrigkeit für die Freiheit, Bier ober 
Mein auf das Lager legen zu dürfen, emtrictet wird. a) Go via 
als Yagırjind, . 

a Der Lagergenof, —ffen, 9. —ſſen; die — ſſinn, Big. en, 
eine Perfon, weiche Ihr Sager mit einer andern thellt, auf deme 
felben Lager mit ihr ruhet; Bettgenoß. In engtrer Bedeutung, 
ein Epegenoß, eine Ehegenefliinn, $ 

Zeus heilige Yagergenoffinn. Voß. 

& Das Logergefiell, —es, Di. —e, das Geſtell bes dagers, auf 


rn 


Rage | 9 


velchem man zuhet, umb in engeser Bebentimg des Settes, das Wetts 
— ausenben — im zierlichen kagergeſtelle. Boß. 


geſtell. 
A Das Lagergemand, —es, Biyı —e, oder —gemänder, ein e - 


, wand, ein Zub, eine Dede, auf bas Bager du breiten, ober eg Bas 

‚ mit zu (hmäden. 

— ‚und Diyffeus Bette vieleiht nun 
Statt dee Lagergewarıp’ entſtellt von Spirmengeweb' if. Bop. 

+ Sagerbaft, adj. u. ads, im D. D. bettlägerig., „ich und lager: 
daft," Opir.  Bage'shaft werben. 

Das Lagerhaus, —A, Bu. —bäufer, fo viel als Wanrenlager; be⸗ 
fonders ein oͤff aWaches Bebäube, in welhem Güter und Waren 
‚eine Zeitlang a.fbewahet werden. 

Das Lagerbolz, —es, 9. —hölzer. 1) Im Feeſtweſen, vom Binde 
umg:beoßrne ober umgeworfene Bäume, wenn fie im Walde liegen 
beiten; obrse Mehrzahl. =) Diejenigen Hölzer ober Bäume, aus 
welchem das Lager ober Geſtelle für bie Käfer im Keller beflchet; 
im D. D, and Ganter. 

© Die Pagerhütte, 2%. —n, eine Hätte,, bergleihen bie Soldaten 
im Eger anftatt ber Zelte auffhlagen um fi darin aufjupalten 
(Baraque); aud Feldhuͤtte. C. . 


” 


Die Bagerfrantpeit, 2. —en, eine Krankfeit, welde unten den 


Soldaten im Lager einzureißen pflegt (Morbus castrensis). 

Das kagerkorn, — s, 0. Di. Korn, welchen ſich lagert ober gela⸗ 
gert dat. 3, P.Rihter. So fann man auch fagen, Lagırmeizen x. 

Die Lagerkrone, 24. —n, bei den alten Römern, eine Krone mit 
Binfen, welche denjenigen als Ehrerzeichen gegeben wurde, bie zu- 

erſt in ein feindlichen verfhanztes Lager gebrungen waren (Corona 
castrensis, vallaris). 

Die Lagerkunſt, 0. DM. bie Kunſt ober Wiffenfhaft ein Lager für 
ein Heer im einer vortheilhaften Gegend auf bie vertheilhe ſteſte und 
ſcherſte Art anzulegen und zu befeſtigen (Castrametation). 

Der Lagermeifter, —s, 9. gl. bei einem Kriegaheere ober einer 
Kriegsihar, derjenige, welcher den Soldaten bas Kager oder Ginlar 
ger wählt und anmwelfet (Quartiermeifti, Regimentsquartiermeifter). 

Die lagermotte, 9. —n, eine Art Nachtfalter (Phalaena eostrensis), 

Die Lagermufchel, By. —n, eine zweiſchallge Wufdel aus dem Ges 
ſchlechte ber Benusmufdeln, deren baudige, glatte, [dmuzig weiße 
Schole mit braunen eckigen Flecken geztichnet if, die bald einem A 
Ahnlich fehen, bald ausgewifhten Abbildungen von Belten in einem 
Bager ähnlich find (Adoublet), 

Lagern, v. I) ntr. mit haben. 1) Siegen, gelegt fein. „Die Biegen, 
welche im Freien umher lagerten.“ Spies. (R.) „Weite Bärten 
Ingerten biähenb um bie Zauberburg.“ Benzel⸗Sternau. =) Im 
Lager fein. Das Heer lagert, fiehet im Bager. IT) trs. u. rec, 2) 
Riederfegen, auf bem Boben legen. Der Megen hat bas Getreibe 
gelagert, za Boden gebrädt. Sich lagern, ſich nicderlegen. Das Korn, 
die Erbſen Haben ſich gelagert. MWBefonters von Menfgen und Thie⸗ 


zen, fih nieberlegen, entweber auf dem Zahlen Boten, ober auf ein D 


eigenes Lager, obır etwas, bas beffem Stelle vertzitt. „Da lich er 
bie Kamerle ſich lagern.“ » Mof. 24, 12. „Pier wollen wie bann 
Ins welche Gras uns lagern.“ Beßner. Das Heer hat fich gelas 
gert, hat ein Lagır aufgefhlagen und es bezogen, Xud A feinen 
Leib lagern, für ſich lagern. 

und wo oben ihr Gras bie (hmädtigen Ziegen gerupfet, 

Lagern jept den gebun'enen Brit misfdemige Aobben. Bof. 
Moeigentlih A, feinen Platz irgendbivo nehmen, fih auf eine mehr 
earr weniger bleibende Art nieberlaffen, ausbreiten, verbreiten ac. 
„Säönfter, unter ben zmölf Böttern, bie dort am Himmel im Kerife 
fih lagern.“ Ramler. „Die Riefenfhatten ber Felfengebirge hats 
ten fich über bie Stadt gelagert.* Bahartd. „Beine Beglecden 
batten ſich auf ihr gelagert," Hatten ſich auf fie ausfhlieptih gebrf- 
kei. Wieland. „Ein leifer verfäönrenber Schittenzug von Tret 
lagert fi Aber ben Liebreize 1. Benzel»Öternam 


Gampr's Wörterb, 3. Th. * 


Lahm 


Wie auf hohen unwirthligen Bozen drohdende Setter 
Langfam und verwellend ſich lagern. — Klopftod, 
‚x @ine gelagerte Kraft, eine zubende- „— fo Elnnt ihr doch im wich⸗ 
tigen Jahrzehend des Lebens — bie gefagerte Eimenkraft mit allen 
zarten Gewohnheiten des ſchͤnen Berzens, mit allın Banten ber Eiche 
umgeben und üserfiriden." I. 9, Richter. 2) Gin Lager bereis 
ten, wie au, bas Lagre anweiſen. Das Bo lagern, Die Trup⸗ 
pen auf einer Anhöhe lagern, Uncigentlich, gruͤnden. Wie Gott 
bie Erbe auf Tiefen gelagert. .— und wie hätte ex’s (bez Morgen 
länder) vermuthen follen, baß feine Erbe es fei? unb daß fie auf ih⸗ 
zen Mittelpunkt gelagert fei?« Herder. D. Lagern. D. —ung. 


1* 


* 


Das Lagerobſt, —s, ‚0. Dip. Dbft, weiches ih Lange haͤlt, unb 


ches man, um es mod fpät zu Haben, biniegt unb verwahrt; 

ı Winterobft, Dauerobſt. AÄpfel und Birnen, die fih lange halten 
und die man lange legen Laffen Fann, heißen Rugeräpfel und Las 
gerbitnen. 

Der Lagerplatz, —e, 94. —plate, ein Plat, wo man fh lagert, 
ober griagert hat. Beſonders ein Plap, weicher bequem if, fid an 
bemmfelben zu lagern, und im eng Bebeutung, ein bequemer guter 

„Plah zu einem Kriegtlager, ober auch, der Plap, bie Segtad, me 
ein Kriegslager geflanden hat. 

Der Bagerpunft, —ıs, 94. —, in ber Geſchühtkunſt, ber Tinfhnitt 
an ben Seitenbölzesn bes Kananeıngeflclles,, da, wo bie Schild zapfen 
dus Erüdes aufliegen, 

Die Lagerrebe, U. —n, im Beindaue, Weinſtoͤke, deren Reben, . 
fobalb fie uaten am @tode ausfälagen, fih auf hie Erbe lagern, 
b. $. am derſelben fortlrichen. 


‚Die Lagerrubr, 2%. —en, eine anfledende Rufe, melde unter den 


@olbaten im Zelbe oder im Lager einzureigen pflegt. (Dyssenteria 
eastransis), 

Das Lagerſcheit, —ed, 9. —e, im Berfhwefen, Brennholz, weides 

. ous ben Stämmen ber Bäume gefhlagen wird; auch Kernfcheite, 
zum Unterfdiebe von ben Stockſcheiten. 

Die Lagerfeuche, 94. —n, ine Bagerfrankpeit, wenn le zur Seuche 
wich, d. h. wenn fie allgemein wird. 

Die Lagerftatt oder Lagerflätte, 9. —flätten, bie Statt ober 
@tätte, wo etwas fein Lager hat ober Haben fell; Die Lagerſtelle. 
Die Lagerſtaͤtte der Thiert. Sich eine Lagerſtatt bereiten, 

— trägt eilends Schilf zu Hanf 
und altes Moos — zur Lagerſtatt. — Wielank, 

Die Lagerflelle, 4. —n, [. — 

Der Lagerſtock, —es, — ſtoͤcke, in der Vienenzugt, ein llegen⸗ 
ber Stock, zum unterſchlede von ben ſtehenden Stöden, ben Stän: 
derftäcen oder Etändern. 

Die Lagerungskunſt, o, 29. ſ. Lagerkunſt. 

Die Lagerwache, Bi. —n, bie Wachen in Lager und um bas Lager herum. 

Die Lagerwalze, 8. —n, f. kLager 4) (a). 

ie Lagerwand, 2. — wände, im Bergbaue. 1) Gine Iagrende, 

d. 5. ſeſt liegende Wand, ein feſtes Beftein, ‚bei welchem Keine Zims 

merung nöthig il. =) Das Bager, d. h. ber Grund, werauf bie 

Bimmerbölzer gelegt ober grfeht werben, : 

Der Lagerwein, —ıs, 34. —t, ein Bein, welcher ſich Hält und auf 
das Liger, um aufbewahrt zu werben, gelegt wird, 

+ Der Lagerwuchs, —ı6, 9%. u. in bee Landwirthichaft, ber bichte 
unb üppige Wuhs bet Getreibes und ber Felbfrücte, welher verur⸗ 
fat, daß fie ſich lagern. 

Der Lagerzind, —ee, Dh. —, ber Zins, welder für bie Micthe 
eines Banrenlagers, ober für bie Celaubaiß, daß man feine Mass 
zen eine Beitlang am einem Ort liegen Laffen barf, entrichtet wich, 
das Lagergeld. 

Der Laͤgler, —s, Mz. gl. eine Sorte Weintrauben mit Unglichen Ber: 
zen, mworon es weiße umb grüne giebt (Uva dactylina), Nemnid. 

Lahm, —ır, —fir, adj. u. adr. niät die gehörige Beweglichkeit ha ⸗ 


2 


Rahm 


10 


"Ramb 





dend cher derfelben gang ermangeind, beſonders vom bem Bliedern 
des menfhlichen und Ühlerifhen Köspers. Ein lahmes @lied, einen 
lahmen Zuß, eine lahme Hand haben. Lahm gehen, hinken. Un 
" beiben Füßen, an einer Hand Jahm fein. In engerer Bebeutung, 
am Fuße oder an den Füßen lahm. Gin Lahmer, ber lahme Füße 
ober einen lahınen Fuß hat. In weiterer Webeutung werben auch 
zufammengefegte Sachen, deren Theile mit ben gehörigen engen 
Bufammenhang Haben, nit fek und ſtark find, mie fie fein follen, 
lahm genannt, Sin Tahmer Stuhl, welcher nicht feſt fichet. @in 
+ tahmes Meffer, eine lahme Schere ze, deren Rlinge, Schneiden, 
mwadelig find, fo dag man damit Trinam fihern fiften Schnitt Führen 
' Hann. Imelgentlih, ohne gehörige Kraft, Grändtickeit, bes Nahe 


deuds ermangelnd, ſchlecht und unvolfommen in feiner Art, @in ° 


lahmer Beweis. Cine lahme Entfhuldigung. @in lahmer Ginfal, 
Wis. „Mine ſehr Jahme, arme Breube.“ Rofegarten. Davon 
die Lahmheit, ber Zuſtand, ba eine Perſon oder Sache lahm If; eis 
gentlih und uneigentlid, B 

Die Lähme, 0. 3. der Zuſtand, da ein Slled eines thierifhen Köͤr ⸗ 


pers Lahm ift, mit nach Gefallen dewegt werden kaun und feine 
Stärke und volfommene Brauchbärkeit verloren Hat; bie Lähmung. _ 


Zumeilen wird auch der Schlag und die Bit die Pihme genannt, 
weil fie oft Lähme eines oder des addern Blicbes verurfadhen. 
Das Lähmeifen, -&, 4. gl. eigentli ein Zifen, damit zu lähmen. 
In ber Kriegtkunſt verſteht man darunter hölzerne Kugeln, die mon 
F mit Bußangeln verfehen. hat und an folde Örter wirft, bie man mit 
Bomben oder Feurrkugeln in Brand gefrgt hat, bamit bie Belager ⸗ 
ten barein treten. und am. Loͤſchen verhindert werben. 
Lahmen,, v. ner. mit fein, Tahm fein, wie auch, Jahm werben. Für. 
bas Lette fagt man jedoch beffer erlahmen. 
Er lahmt am Griechenſtab' und fhleiht am Römerftot 
Klopflod. (M.) 
Und jeglihem lahmten bie Blieber. Voß. 
Des Henters Kauft lahmte an mir. Schubart. (R.) 
Auch wuneigentlih von der Schreibart. „Da ift feine Härte, fein 
3wang, fein blendenber Flittertany! Da lahmt kein müfiges Blieh, 
da tritt feines vorlaut auß den Reihen.“ Ungen. D. Lahmen. 


Lähmen, v. trs. lahm maden, ein. Giled der willfährlihen Bewegung 


und zugleich ber ihm im gefunden Zuſtande notärtihen Kraft berauben. 
Einem Thlere den Fuß Tähmen, durch Berfhneidung der Jlechſen. Ei- 
wer Gans die Fluͤgel laͤhmen, durch Zerdrechung des Gelenkes. Der 
Sqhlagſluß Hat ihm bie Zunge gelähmt: Bon der Wiht an Hänten 
und Fhipen gelähmt. In weiterer Bebeutung auch, dfe Kraft bres 
den, ber Rroft berauben. So heißt eine Art bes Walladens, ba 
man einem Hengfte die Gamenabern zerquetſcht, das Lähmen ober 
die Laͤhmung. Unelgentlih, unwirkſam mahen, Eines Thätigkeit, 
Reäfte itaͤhmen. D. Laͤhmen. D. —ıng. S. d. Unrihtig wird 
lahmen und Jähmen zumeilen verwechſelt. 
Sefeſſelt laͤhmt Cahmt) Vernunft. Ungen. 

Der Lhmer, —, 9. gl. einer oder etwas das Lähmet, lahm macht. 
Sn ber Raturbefhreibung, ber Name eines Räf:tfäfers auf Maffers 
pflanzen, welder ben Pferden eine Lähmung verurfaden fol, bie 
aber wol, wenn We Statt findet, eins ſchaͤdlichen Pflanze zuzufdreis 
ben if (Cureulio paraplecticus). Nemnid. 

Die Lahmheit, o. 2. die Eigenfhaft, ber Zuſtand eines Dinger, 
ba es lahm ifl. 

+ Lahmlendig, adj. m. adv, lahme Lenden habend, Iendenlahm, 

Die Laͤhmung, Pt. a. ») Die Hantlung, da man lahmet; wie aud 
in weiterer Bedeutung, eine Art des Wallachens. S. Laͤhmen. a) 
Der Buftand, da etwas lahm If, bie Ehme. S. Yihme 

Der Lahn, —es, 34. von mehreren Arten, —e, dünner auf der Plätts 
mähle breit gequetſchter Draht von Bold oder Siberz im Öfterrels 
Sirgen Pılfh. Goldlahn, Silberlahn, Meffinglahn. 

Das Lahnrad, —et, Dig. —räder, dasjenige Rad an einer Spinns 


müßte, welches die Läufer, worauf bie Eahntollen fieden, in Bewer 
sung feht, fo daß fi der Lahm üm die Seibenfaͤden wickelt, 

Das Lahnrd 
worauf ber Lahn gewidelt wird, meldes bann eine Yahnrolle Heißt, 

Der Sahnring, —es, 4. —e, oder das Lahnringel, —s, M. gl. 
Ringel von Lahn, aud bie Ringel, melde ber Lahn bildet, wenn 
Seibenfäben bamit befponnen werben. 

Die Lahnrolle, 3. —n, f. Lahnraͤdchen. 

Die Lahnfpule, 9. —n, diejenige Spule, auf melde ber zu Lahn 
geplättete Draßt Läuft, 

Der Eahnftein, —e6, My. —r, bei den Bortenwirkern,, eine von 

Lahn gemadite ober mit Lahn Aberzogene Aitrrath am Hute, in Ge: 

Kalt einer Roſe, eines Kreifgs ıc. 

Die Labhntreffe, 9. —n, eine Zreffe, deren Einſchlag Taha if, 

Zaib, Laich, Laichen, f. Leib, Leich, Beichen. 

Der Laie, —n, My. —n, in der Mimifhen Kirche, eine weltliche 

Perfon; in Gegenjag von dem Geiftlihen ober Orbensperfonen. Da 

in ben frähern Zeiten bie Geifttichen allein gelehrt waren, wenn biefe 

Gelehtfamkeit auch oft nur darin befland, daß fie lateiniſch Iefen 

tonnten, fo bebeutete Laie oft auch einen Ungeleheten, in welcher 

Bebeutung es Apoft. 4, ı5 und + Gor. 14, ı6 vorfömmt, und 

in welhem Sinne man jept no eine in einer Sache unerfahrne, 

uneingeweihte Perfon einen Laien nennt. Ich bin barin ein Laie. 

DerLaienbruder, —s, 9y.—brüder, eine weltlie männlige Perfon 
in einem Mönchskiofter, welde bie eigentlichen Orbensglieber bedient. 

Die Laienpfrönde, 94. —n, eine geifltihe Pfrände, melde einem 
Beitligen verliehen mirb oder iſt. 

Die Laienfhwefter, 34. —n, rine weltlicht 'weiblihe Perfon in 
einem Nonnenktofter, welche jar Bebienung ber Ronnen ba iſt. 

+ Der Laimer, —E, 2%. gl. der Name eines Fiſches, der bas Mittel 
zwiſchen ben Karauſchen und Karpfen hält und baher auch Karaus 
fhenkarpfen, in Schleſien Karuzenkarpen, an der Donau Sittich- 
Karpfen, anderwärts Karpfkaraß, Halbkaraß beißt. 

Die Late, 24. —n, faljiges Waffer, befonders die falzige Brühe vom 
eingefalgenen Fiſchen. Die Salzlake, Fifchlake, Haͤringslake. 

+ Das Laken, —6, M. gl. fo viel als Tuch, ſowol von Wolle, als 
auf und vorzuͤglich von Blade; befombers im N. D. Im engere 
Bedeutung, das Bettlaten, Betttuch, im ©. D. Lailaken. 

Im Nachtgewand — fährt jene aus ten Laken. Wieland, 
Davon ber Lakenmacher, der Tuͤcher macht, der Zuhmader. 

Lallen, v. I) intrs. 1) Unvernefmlih mit Ginmifdung vieler ungehbs 
riger I oder la reden, wie Kinder bie zu reden anfangen zu thun 
pflegen. Dann auch, im ſofern fehlerhaft ober undollkommen [pre 
den, da man anflatt eines r ein [ hören läßt... So fagt mammud 
von einem Betrunkenen, weldem bie Bunge fhmer ift, To daß er 
nicht deutlich Tprehen kann, er falle. Er Mann nur noch dals 
fen. In weiterer Bedeutung, Teine Gebanten und Empfindungen 
mit Worten nur unvollfommen ausdrucken. 2) Nah Ab, ohne 
Worte und bloß mit Wirderholung ber Silbe [a fingen, wofür man 
‚aber allgemeiner lullen ſagt, welches gute Wort Ab, nicht gelannt 
zu haben ſcheint. II) trs. fallend fagen, ausdenden, bejonbers nur 
unvolfommen ausbruden, von Empfiabungen ac. - 

Lallt meine Zunge nit meht Dant. Ramler. {R) 
Run lallt alles Votk entzäti die Sprache ber Franken. Gbthe, 
In ten Schlaf fallen, durch Lallen einfhlafen machen, 
Mie wenn fir, — hinbiidt auf den muthigen Siugling, 
Der, mit dem Buſentuch fpielend, in Shiummer ſich fallt! Bof. 
D Lallen. D. —ung. 

O Die Lambbanaht, M. —näßte, in ber Zerglieder mgekunft, eine 
Naht, melde durch Yen Zigenrand “Margo mastoideus) ober ben 
miltlern und den Lambdarand (Margo lambdnidens) obere edern 
Rand des Hinterhauptbrines, welche in einım ſtampfen Winkel zus 
fommentommen, mit dem Scheitelbeine auf jeder Gelte gebildet wird, 


dchen, —#; Di: gl. ein Mitten oder eine Meine Markt,’ 


= 


Lamb 


und bie it tem Seiechiſchen Buchſtaben Fambha,A Ahnlichteit Hat 
(Suturn Jambdoiden). Bichemana, 

Der Lambdarand, —es, By. —ränber, f. Bambbanaht. 

ie Lambele, 9%. —n, der Name eines Fiußfifges. Die [huppige 
Lambelt, ber Bitterling (Cyprinus amarus L,). 

Die Rambertönuß, eter Lampertönufß, By. —naüffe, ein Name 
der Bartnuß, einer vorgügligen und großen Art Hafelnüffe (Cory- 
lus maxima L.), wilde in einigen Gegenden auch Ruhrnüſſe ger 
nannt werten, weil fie gegen bie Hupe helfen ſollen. ©. Battnuß. 

Die Kamberttraube, DU. —n, eine Xhart der Weintrauben mit hs 
sen Beeren, welde awar [diversen aber wenig Wein geden. 

Das Lamm, — s, 2. Zimmer; Bw. das Laͤmmchen, D. D. 
— lein, —d, MM- gl. oder Laͤmmerchen, das Junge dee Schafes 

ſowol männliches als weibliäee Geigichts, fo lange es nod nicht ein 
Jahr, ober nad, dem Gebraude in manden Gegenden, fo lange es 
noch nit zweiTabe alt if; in ber Oberpfalz Pebel, in Baieın Lam ⸗ 
pel, worunter man auf bafelbfi einen einfältigen Menſchen verſte⸗ 
det. Sin Bocklamm, «in Mlutterlanm. Cinjährige Cimmer heißen 
Fährlinge- Wegen ber Sanftheit, Gebulb, Unfhätlihkeit ic. ber 
Sämmer ober der Schafe überhaupt yreglriht man [anfse „gedulbige, 
unfhuldfge,. feomme Menfhen mit Limmern. Saaft, gebuldig, 
feomar, unfdulbig wie ein Lonım. Im neuen, Tıflamente und im 
der kirchlichen Sprache wird Kriſtus als das Begenbilb des ches 

„ mabligın Ofterlammes häufig das Kamm Gottes oder aud) bloß das 
Lamm genannt, und danach ſelbſt finnbildlih als ein Zamn mit einer 

Siegesfabat vorgeſtellt, weiches. Bild ‚in Prebigten unb ticberm, 3. B. 
Reife, du Lamm Gottes; Gin Laͤmmlein geht und trägt die Schald 
x. noch bäufiz beidehalten wird. Indeß wird dieles Wild in der ed⸗ 

len Sprache vermieden, weil es nad) unb nad; einem veraͤchtlichen 
Redenbegriff belommen hat, indem man feömmelnbe Kriſten, befon: 
ders Herenbuter und andere, die bie Borſtellung Keiſti unter bem 
VBilde eines Lammes vorzüglich lieben und bas Lamm, das Blut bes 
2ımmes ıc. immer im Munde führen, veräßtlich.die Yammöbrüber, 
und ihrem Blauben, ben Lammsglauben nennt. Uneigentlih nennt 

‚man iar gemeinen Leben auch die Rägden der Weiden, Hafelftaudenc, 

‚ wegen ihrer rauchen gleihfam wolligen Gekalt Laͤmmerchen. Kleine 
meige flodige Wolfen, welche bit heitexem Wetter hoc im ber Luft 

ſchweben nermt man im gemeinen Sehen auch Länımer, Laͤmmerchen, 
auch Lmmerwolken, vermutplig weil mın fie mit einer Derbe Limes 
mer verglid. „Die langen Laͤmmerwolken bes Himmels.“ 2. P. 
Rihter, 

Die fammbirn, 99. —en, eine Corte Winterbirnen. Remnid, 

+ Der Lammel, —6, 39. gl. im Heffiihen, dee Kothfaum an einem 
fangen Kleibe unten herum; anberwärts Hammel. Daher fih ber 
lammeln und behammeln, fi auf ſolche Art befhmuyen. 

+ Die Lämmel, f. Lummel. 

+ Dad Limmel, f. Kinderdutte. 

Lammen, v. atr. mit haben, ein kamm werſen ober zur Welt beim 
gen; in manden Gegenden (Ämmern, Die Schafe lammen, haben 
gelammt. D. Lammen. i 

Die !ammer, Br. —n, bei ben: Jägern, bie langen nnd fhmalen 
Stuͤcke Fleiſch, welde unter dem Mädgeath bes Wilbbretes inwenbig 
herauageſchnitten werden, und auch Lammerbraten, Lämmerbraten, 
font Mörbraten ic. heisen. 

+ Der Laͤmmerabend, —es, Dy.—t, in Hambneg, ber Freitag vor 
dem Sfiogfifefte, ein Freudentag für Alnder, an welhem geoß und 
Bein vor das Thor zichet und lebende ober hölyerne Limmer, bie 
man dann tort verlauft, tintauftt. Schäge. 

Die Lämmerblume, By. —n, ein Rame des Meinen Schölffrautek, 
aub Keigmwarzenfraut. kleine Schoͤlwurz, eines Schwalbenkraut 
», 'Ranunculus frarin L ), 

Der lammeıbraten eter Limmerbraten, f. Lammer. 

A Mas Lämmergefilde, —s, 2: gi. ein an Simmern reihes Der 





11. 


Lammh 


fübe, ein Gefifde auf; welchem viele immer weiben, eine Gegend, 
welche zus Schafzucht vorzüglich geſchickt iſt ober vier Schafzucht hate 
Bis zur ſcholligen Ftia, dem Limmergefid. — Bop‘ 

Der immergeier, —®, 2. gl. die größte rt Beier und überhaupt 
der größte Bogel in Guropa auf ben Zyroler und Schweizer Alpen, 
auf dem Rüden graubraun und am Baude rörhlihgelb, mit Federn 
die ben Borften ober Haaren Ahnlich find, mit kurzen Haaren auf 
bem Kopfe, einem ſtacken braͤunlichrothen Barte am Rinne, und fat 
ganz kablem Halfe, ber unten mit einem Kreife van Federn bers 
fehen ift (Vultur barhatus L.); auch Bartgeier Golbgeier, Gr 
hat den Ramen baven, baf er außer Gemſen, Birgen ıc. von welchen 
er fi nähert, aud oft Laͤmmer zaubt. 

Das Limmergeld, —es, Di. —er, im manden Wegenden eine Abe 
gabe am die Obrigkeit von folden Guͤtern, auf welden Schafe ge= 
Halter werden bürfen. . 

Der Laͤmmerhirt, —ın, 24. —ım. ı) Ein Hirt der Eimmer hutet. 
2) Die gelbe Baqſtelze (Motacilla ilava L.). 

Das Lämmerbolz, —eb, v. 2%, ein Rame bes Allerheiligenholzes. 

Der Limmerjunge, —n, B- —n, in ben Schüfereien, ein Junge 
ober Senabe, welder bie EAmmer weidet; ein Laͤmmerknecht, wene 
er erwachlen iR und foͤrmlich als Kncht dienet. 

Der Lämmerkncht, —8, By. —e, ſ. Yimmerjunge 

Das Limmerfraut, —e6, 3%. u. ein Name 2) des gemeinen Guͤn⸗ 
fefußes; auch Lämmerohren, guter Beinrih, Allgut ıc. (Cheno- 
podium, bonus Henrieus L,); 2) bes Flachekrautes (Antirrhi- 
num linaria L.), f. Laͤmmerfalat. 

Fdmmern, v. ntr. f. Kımmen, 

+ Die Limmerohren, @4..u. ein Rame bes gemeinen Bäniefußes, 
Anguts, f. Laͤmmerkraut. Eigentlich würde es bie Ohren eines 
Lammes oder ber Cimmer bedeuten. 

& Lämmerreih, adj. u. adr. rei an Limmern, flarle Sqchafrucht 
habend. —  Pilias herrſcht' im weiten Geſtid' Jaͤelkoe 

Laͤmmerreich Bof. z 

Der Lämmerfalat, —es, Di. u. ein Name ber Feldrapungel; aus 
Lämmerlattig, Nuͤßchenſalat (Valeriana locusta L.), 

Der Laͤmmerſchwanz, —et, Du. — ſchwaͤnze. 1) Der Schwamz tr 
nes Stammes, =) Das Limmerfhwänghen, ein Rame ber Schafe 
garbe (Achillea millefolium L.). 

Der Laͤmmerſtall, —es, My. —flälle, ein Stall für bie immer. 

Die Limmermeide, Di. —n, eine Weide, auf welche nur bie käm⸗ 
mer geteleben werden. - 

X Die Limmerwolte, 84. —n, ſ. Lamm. 

Die Limmerwolle, 0. 2%. die Wolle, welde von ben Limmern ger 
foren. wirb. . 

Der Laͤmmerzahn, — s, Dig. —zähne, bie Zähne eines Lammek, 
melde es verliert. 

Der Laͤmmerzehente, —n, 94. —n, ber. Zehnte, welher von ben 
Eimmern entrihtet wird, 

Das Lammfell, —s, Di. —e, bas Fel von einem Lamme. 
bereitet dergleichen Felle gu und benügt fie als Perzweck. 

O Bammfromm, aus 5 Limmerfromm, adj. u, adv. fromm wie 
ein Lamm ober wie bie kaͤmmer. 

Seid ihr fo laͤmmerfromm, fo taubenmägig 

Geartet, Schilter. (R) 
Eine andere aber ſchlechte Form it laumsfromm. Ider demüttige 
und lammsfromme Bertheldiguag.“ Abbt. Davon bie Lamm: 
frömmigkeit. „Meine Lammfroͤmmigkeit wärd: befonders daraus 
hersorbliden, baß ih" ꝛt. KAlopftod. (M.) 

OX Das Lammgebet, —es, . —e, tin Gebet ber Remiſchen 
Kriften, welches fih mit agnus dei, b. h. Lamm Gottes anfängt 
und gewoͤhnlich nad diefen Anfanasırosten benanat wird, 

O tammbersig, adj. u. adv. ein Herz wie ein Lamm dabend, d. h. 
fanft, gebuibig, und, bavom jeugenb, 


Lamms 


12 


Land 





Bahre din, lammhetzige Selaſſenheit. Ehilter. 

Dir kammsdauch, —⸗s, By. —bäuche, eigentli der Bauch einee 
Bammes. Dann au, ber Name eines an manden Orten Äbliden 
Gebzinfes, wilden ber Beſier eines Grundſtuͤtes dem Zins⸗ ober 
Eehnsheren jähelih entrichten muß, und welder in einem ausge 
Fölachteten Bamme ober biffen Werthe in Gelde beſtehet. 

Der Lammsbraten, —s, 9, gl. ein gebratenes Samm, ober ein 
Braten von Hinen Lamme. 

X Der Lammspruber, der Lammsglaube, f. Lamm. 

Die Lammzeit, 9. u. bie Zeit, im welder bie Schafe zu Tammen 
pflegen. 

* Der Lampe, —n, 4. —n, eine alte Benennung des Hafen, fo 
wie der Buchs Meineke, ber Kater Murner ıc. genannt wird. Im 
Reineke Fuchs kommen biefe Benennungen häufig vor, 

Die Lampe, 24. —n; Bw. das kaͤmpchen, ©. D. —lein, ein 
metallenes gewöhnlich blehernes Gefäß, in welches man DI gieht 
und einen Docht thut, ber von either Dile am Raude in bie 
Höhe gehalten wird, um buch Anzändung des Dochtes Licht zu ner 
dreiten. Bei ber Bampe arbeiten, beim Lit der kampe. (ine 
Argandſche, eine Seidlerſche Lampe. Gewöptih wird diefe Rampe 
in eine Laterne ober im eia großes rumnbes Glas gehängt ober vor 
einem hehlruuden geblänkten Wied ‚befrftiget, um bie trafen, Haͤu⸗ 
fer, Raufläten at. damit zu erkudten. Cine ftehende Lampe, bie 
ouf einem Fuße frhet, ine hangende Pampe oder Hangelampe. 
S. auch Spiegellampe, Blaslampr. Die ewige oder heilige Lam ⸗ 
pt, eine Haugelampe vor dem Hauptaltare in ben Römifhen Kin 
Gen, die immer brennend erhalten wird. Die Rampe ber Scheider 
Hönflier hat mehrere Dochte und wird zu ſcheldekdnftigen Berſuchen 
gedraucht auch Pampenofen. Uneigenttid werden von einiger AÄhnlich ⸗ 
keit auch bie Napfmuſcheln (Patellae) Yampen genannt. Ach einige 
Shristelfäneten führen ben Ramen Lampe, 3. B. der Steiupicker 
(Helix lapicida L.), unb bie alte Rampe (Helix carocolla L.), 

© Der Lampenflimmer, —$, 3%. u. ber Flimmer, ſchwache Schein 
einer brennenden Lampe. „Wie ein Lampenflimmer durch Grab⸗ 
gewdlde, ſchlich eine Lelfe — vielleicht mie erfälte Hoffnung hurch 
mein büfleres Janeree.“ Benzel;Bternan. 

‚Der Lampenfüller, —s, 3%. gt. f. Lampenmann. 

Dos Lampenlicht, —es, o. Bi. das Lit, ber Schein, welden eine 
engezändete Bampe verbreitet; der Lampenſchein. Bet Lampen: 
lichte arbeiten. 

O Eampenhell, adj. u.adr, von brennenten kampen erdellet, erleuch⸗ 
tet. Schöner Frewmdling, lampenbelle 

Soll ſogleich die Hätte fein. Gbthe. 

X Der Lampenmann, —ıs, 94. —mÄnner, oder —Ieute, eine 
Yerfon, welche bie in Menge an einem Orte brennenden Sampem, 
> 8. in deu Straßenlaternen beſorget, DI im biefelden gießt, fie 

“ anzändet und puget, au ber Lampenmärter, und von feinem einztls 
nen Verrichtungen, ber fampenpußer, im O. D. Lampenfuͤllet (R.), 

Der Lampenofen, —s, 94. — Öfen. 1) ©. Lampe. s) Ein in 
aruten Briten erfunbenes Beräth, vermittelſt deſſen man auf eine 
wohlfeite und bolsfpatenbe Art fih Wärme und Licht zugleich Yen 
ſchaffen kann (Thermolampe). Kuh OD Wärmelampe. ©, 

Der Laͤmpenputzer, —6, 3. sl. f. Lampenmann. 

Der kampenrüß, —es, ober bas Kampenſchwarz, o. Umend. u. 3: 
der Muß vom einer Lampe, welcher megen feiner Beinpeit Sefonders 
zu ſchwarzer Farbe gebraucht wirb. 

Der Lampenſchein, — s, 0. 94: f. Lampenlicht. 

Der kLampenſchimmer, — , o. 4 der Shimmer, ſchwache Schtin 
einer Lampe. „Ein träder Lampenſchimmer zeigte ihm bie Sput 
det Kanzlers." Bensel+ Gtermau, 

Das Lampenſchwarz, f. Lampenrug. 

Der Lampenwärter, —t, Dip. at. f. Lampenmann. 

Die Bampertönuß, ſ. Lambettenuß. 


Die Lamprete, 9%. —n, eine ſehr gefhägte Art Gteinfanger, wel, 
Ge vorzä;ztih im ber Morbfee ledt (Petromyzon marinus L) Da 
Re für eine koͤſtliche Spelſe gehatten werben, fo verſteht man in mei: 
texer Bedeutung, im gemeinen Eeben Überhaupt eine ledere Lifklihe 
©peife darunter, wenn man von einem Menſchen fagt, ex wolle nur 
Rampreten und Pafteten, 

Der Eimpretenfifh, —s, 9. —, bei Mäller elne Art Rep 
ſiſche mit zwei Rädenfloffen, wovon bie erfte drei, die zweite 40 bi 
43 Finueh Hat (Diennias mustelaris L.) 

+ Die Lan, der Eannagel, f. 2. Lehne. 

t Die Lanflange, 4. —n, f keilte, 

Dad Land, —es, 9. Länder und Lande; Wi. bas Linden, D. D. 
—tein, —$, 24. gl. und Laͤnderchen. 1) Der fißte nicht mit Waf 
fer bedecte Theil der Erdkugel, in Segenſatz bes Waſſers oder dee 
Meeres; ehne Mehrzahl. Das feſte Land, in Begenfag bes Waj⸗ 
fers, wie aud der Infeln. Thlere, welche auf dem Lande und im 
Baflır leben. Ba Lande zrifen, auf dem feſten Bande, in Grgenfag 
von bem Beifen zu Waſſer. Rachdem fie Monate lang hits als 
Dimmer unb Waffer gefehrn Hatten, erblicten fe endiih Land. Xu 
bas Land fahren. Am Yande hinfahren. Kns Band Reisen. Das 
Schiff aufs Land ziehen. Bom Bande flofen. In ber Schifffahrt 
geipt: über Band fegeln, mit bem Beſtecke vorgug fein ober noch 
micht fo weit gefegelt fein als man glaubte, fo daß mau fih ber Bil 
fung oder Berehnung nad fon äber oder auf dem Bande befinden 
würde; Land anthım, fhlchten Wetters oder der ſchlechten Beſchaf · 
feaheit des Schiffre wegen das Land zu erreiden ſuchen, ober ou 
nur, Band zu Geſichte bekommen; Land ausſegeln, um eine Lands 
frige fegein, ber man zu nahe zu Fommen fürchtete; das Land if 
gelegt, es hat ih aus dem Geſichte verloren. Röbing. Melon 
bers wirb Sand moh in manden andern Beziehungen und vorzäg- 
lich im Binfiht auf den Anbau deſſelben gebraucht. So wirb bas 
Land ſewol der Stadt als auch dem Gebirge entgegengefest. In 
bes Stadt, wie auf bem Lande, im ben Dörfern 10. Auf dem Bande 
leben, wohnen. Das Beben auf bem Lande. Auf das Land geben, 
fi in ein Doef oter am einen andern Ort, Ber feine Stadt ift, ber 
geben um ſich daſeibſt aufjuhalten, liter Land geben, reifen, aus 
ber Stadt auf das Band gehen. Auf dem Gebirge fowel wie im 
flachen, ebenen ober platten Lande. Zaweilen wird bas flache cher 
platte Land auch im Segenfat ber Stadt gebraucht. Den Zuben ift 
es verboten, auf dem Lande häufern zu gehen. Waubarrs, urbare 
Land. Das Pand bauen, Bine Hufe Land ober Landes, Fettes 
fruchtbares, mageres, unfruhtbares Land. Saudiges, fleiniges 
tboniges and. S. auch Aderfand, Weizenland, Stabeland, 
Gartenland ıc. Auweilen bezeichnet Land auch ein abgetheiltes und 
in feine Gremen eingefhloffenes Städt Felb von unbeflimmter Sröße 
und ſtehet für Held, Ader; mit ber Mehrzahl, Die Bartenländer, 
Brahländer ic, Ja, in manden Gegenden werden ſelbſt bie Werte 
auf dem Felde und im Garten Länder genannt, Den Garten In 
Rinder abthellen. Im einez andern engern Bebeatung nannte man 
ejemapis eine wüß gelaffene Gegead, befenders am ber Brenze eines 
bewohnten Bandes, das Yand ober bir Lande. S. Lehde. =) In 
engerer Bebeutung, ein beflimmter mit Grenzen eingefhloffener Theil 
ber Erboberäde, ſofern er von eimer eigenen Vorkerſchaft bewohnt 
und von einem Oberberen beherrſcht wirdz in weicher Bebeutung +6 
befonders im gemeinen Eben mit Staat gleihbcheitenh gebraucht 
wird, obgleih beide Wörter wohl zu unterfhriven find. Deutſch⸗ 
land, das Land der Deutſchen. Beinabe in allen Laͤndern Europas 
Hat biefer unfelige Heirg gewütet. Der Üferreihiihe Staat bes 
greift mehrere Bänder im fib. Das Land der Deutſchen begreift 
arehrere Heine Staaten in fi. Das gelobte Hand. Das Juͤdiſche 
Band. Winen aus dem Lande jagen, des Yaudes vermweifen. Außer 
Landes fein, ih in einem fremden Bande befinten. Dem Feinde 
ins Land fallen. Den Keieg in Feindes Lamb ſpielen. Das Land 


Land 13 


elumen möffen, „Er it auf Reifen gemwefen, er hat Land und Beute 
gefchene, d. h. mehrere Länder und Wölfen. Beffing. Etwas im 
ganzen Lande bekannt machen, Im Lande herumzeifen, Hiet zu 
Lande, in biefem Bande, bri uns; wofür man auch hier Lands ſagt. 
xls man bier Lands Begier und Muth zu Areiten 
Roc Höher hielt, als Wiffenfhaft und Wit. Matfhly. 
Der Begriff vom Umfange eines Bandes if unbeftimmt, und fe wie 
bei der Tinthellung im Keeife, ein großer Kreis wirber klelnere Ayeife 
im ſich euthaiten kaun, To kann auf ein groͤßres Sand Heiner Län: 
der in ſich enthalten, Wie für fh betrachtet aud Land und Länder 
Henannt werben, in Bejug auf bad größere Land aber, von weldem 
fie Thelle ausmachen, nur kandſchaften (Provinzen) find. So war 
sen bie Öfterreihifchen Niederlande ein Theil, eine Bandfdaft von 
Dentfäland. Go find die Saͤchſiſchen, Branteaburgifgen, Braun 
fhmeigifden Lande, has Böhmer Land ıc. Landſchaften von Deutſch⸗ 
land. In weiterer und mneigentlicher Bedeutung wird Land auf 
von einem Aufenthaltserte gedraudt, melden man ſich aud in ges 
wiffe Grenzen eingefhloffen denkt. Mas Land ber Gechigen (Ely- 
sium, Walhalla) ; wofde man auch bas Land ber Wonne, und im 
gemeinen Erben der Himmel fagt. 
j Und goldne Welten tzugen fie hinauf 

Sangfam verſchwindend im das Land der Wonnen. Su ilier. 
Die Mepejaht,'gemötnlih Länder, lautet im D. D. Lande, welde 
Eorm’ gemeinigli wenn vom mehrern Laͤndern auf eine unbeflinmte 
Art bie Rebe ik, gebraucht unb im ber doͤhern Schreibart und bei 
den Dichtern oft vorgezogen wird, „Ale Kande find deiner Eher 
vol.“ ef. 6, 5. Aa bes Aufgangs Landen“ DOpiz 

Was er in fernen Landen 
r Gefehn und ausgelanden. Sellert. 
In manden Fällen ift die Form Lande hergebracht anb Bänder alcht 
gewdohalich. Die Niederlande. Die Pfalz⸗ Renburgifgen Lande, 


Landb 


genommen, in der guten Sprech und Schreibart vermieten wied. 
Dergleichen find Frankenland, Sochfenland, Schwabeniandb ic und 
mit Berwanblung des n in x, Boͤhmerland, Thücingerland. 


Bandabwefend, adj. u, adv. aus dem Baterlande abwefend, außerhalb 


bes Landes, im Auslande befinbtid. „Dir fhon von Ianger Zeit ber 
lanbabwefende R. wird auf Werlangen feiner Geſchwiſter aufgefor 
beste ic, Reihsanzeiger. (R.) Davon fann man bie Lande 
abweſen heit bilden, bie Abweſenheit aus bem Waterlande, 


Der Landadel, —, 39. u. ı) Der mittelbare dem Sanbesperen um 


terworfine Abel; im Gegeaſat vom Meichtabel,. 2) Der auf bem 
Lande wohnsube Abel; zum unterſchiede vom Gtabtabel. 

Landammann, —ed, By. — männer, in ber Eiseig +) bie 
Höcfe obrigkeitlie Perfon des Bandes. =) Der Borgefegte eine 
Sandgemeine; im Gegenfag des Stadrammannes. 


Das Landamt, —es, By. —Imter. ı) überhaupt ein Amt auf bem 


Lande, welches jemand. auf tem Lande verwaltet; {in Gegenfag eines 
Stabtamted. Davon der Landbeamte, der ein foldes Amt bellei⸗ 
det. a) Ein Amt, b.°$. ein zur Gerechtigkeitspflege, zur Bersönung 
der innahme und zus Handhabung der Polizei niebergefehtes Bes 
sicht auf bem Sande; zum Unterfhiebe von einem Etabtamte. Dar 
von ber Landamtmann, der Sorgeſetzte eines folgen Amtes. 5) Ein 
Hofamt einer Sanbfchaft, wildes bei Feierlichkeiten, die ben Sanbrss 
herzen mub die Banpflände zugleich betrefſen, wırmwaltet wird; aud 
Landesamt. Ja manden Lindern find disfe Ämter von ten Hofe 
Amtern im engfien Verftande mod verſchleden. Daden ber Land⸗ 
beamte ober Landesdeamte, derjenige, ber ein ſolches Amt verwal⸗ 
tet, ala der Landmarſchall, Landtruchſeß Kandhofmeifler it. 


O Die Landarbeit, 9. —en, bie Nebeiten auf bem Sande, bie 


Belbarbeit , der Eandbau. 
Aber ba nur Unthaten ex lernte, wird er ſich weigern 
Landarbeit zu beſtelen. — Bof. j 


bie Sraͤflich⸗ Shönburgifhen Lande, für, das Pfalz Neuburgifge Der Lanbarzt, —es, Dig. — ärzte, ein Arıt auf dem Lande, ober win 


Land ac. In engeren Bedeutung verficht man im gemeinen Eeben, 
befonbers bei dem Hanbmwerkigefelen, Pferbebänblern ıc. unter bem 
Lande, Mieberbeutfhland, wahrfheinti wegen ber ebinern achten 
Belhaffenpeit in Begenfag bes Höhen Oberdeutſchlands, welches 


Arzt, welcher durch fein Amt verpflichtet ik, audırtie Kranken auf 
dem benachbarten Bande zu beforgen, oder in andern porfommenben 
Fällen daſelbſt mit feiner Wiffenfhaft und Kunſt bepälflih zu fein 
(Sondphysicu). S. auch Kreisarst. 


Dorzugsweife das Reich genannt wird. In das Fand reifen. Kuf Der Lanbauer, —s, 29. gi. ) Ein Einwohner ver Stadt Bandau; 


eine ungewöhnlige Art wird kLand in ber Bibel gebraucht, wo, „das 
Land erben," Pf. 57 bedeutet, glbdlih werben. 5) Die in einem 
Bande beſindlichen Dinge, befanbers bie Binmohner deſſelben. Gin 
Land unteriohen. Das Land berauben. Das ganze Land trauert 
mit Recht um biefen Fuͤrſten. — In ben Bufammenfefiingen wirb bald 
Land, bald Landes ober Bands, und Halb Länder gebraudt. Durch 
bie Zufammenfegungen mit Landes — und Laͤnder — wird etwas bas 
fh auf ein ganzes dand oder mehrere Bänder beyiehet, bezelchnet, 
bush die mit Land — aber etwas bas auf bem Bande if, geſchieht 
ober fih auf das Sand, bie Lanbleute, in Gegenfag ber Stadt, bes 
sicher. Ia vielen Zuſammenſetzungen, melde denjenigen Theil bes feften 
Landes bezeichnen, im welchem bie verſchiebenen Bölker wohnen, bes 
Lmmt bas Mort Land hinten feine Stelle, ats Deutſchland, Eſth⸗ 
land, Finnland, Grieheniand, Irland, Lappland, Mohrentand, 
Muffand, Schottland ıc., bas dand ber Deutfhen, Eben, Fin: 
nen, ber Brichen, ber Iren, ber Sappın sc. Pür viele biefer Bil 
ker werben aus dem Rımen ihrer Bänder wieber neue Mamen abge 
leitet, als Eſthlaͤnder, Finntänder, Jelaͤnder, Yappfänber, Schott 
länder ꝛxc. Bon Deutfhland, Griehentand, Mohreniand, Muf- 
band te. finden diefe Ableitungen niht Statt, und man fagt bloß ber 
Dertſche, Sriehe, Mohr, Ruffe 1. Won eidigen Bötkem if bie 
Ableitung Länder, bie Engelländer, bie Finnlaͤnder, die Lieflaͤn⸗ 
ber, ablich. Bezeichnet ein und baffelbe Wort zugleich das 
Wort ober ben Belfiflemm uns das Band beffelden, fo wieb 
biefem Ramen oft auch noch das Wort Fan) angehängt, was 
‚ aber überfluͤſſg und fhleppend if, umd wenige Bälle etwa aus 


‘ eine folhe weibliche Perſon bie Landauerinn. =) Ein vierfiriger 


Reiferwagen, beffen Weber fih in der Mitte thellen und zurüdidlar 
gen läßt und ber ben Mamen bavon hat, baf er zu ber Beit erfuns 
ben murbe als Jeſeph I. vor Landau ging. 


Der Landausfhuf, —ffed, 9. u. bie ausgewähtte junge Dann 


ſchaft eines Landes, fofern fie zur Werthitbigung deſſelben beflimmk 
if (kanbmilie), In engerer Bedeutung, ein folder Ausſchuß vom 
ben Landbewohnern, In Gegenſat von bem Ausfchuffe aus ben Gtabt: 
bemohnern oder Bürgern, bem Bürgerausfhuß ober Staͤdteaus⸗ 
fhuß (der Bärgermiliz, Gtobtmiliz), 


O Landbar, adj. u. adv, wo gelandet werten Tann, zum Banden oder 


Anlanden gefgidt. Eigentlich würde es begeihnen: was fo defdaffen 
if, daß es gelandet werden kann; ein Wort wie tragbar. 

Dort ift ein landbarer Hafen. Voß. 
Davon bie Pandbarkeit, 


Dir Landbir, —en (—esc), 2. —eın (—), ein auf bem ande 


lebender Bir; in Gegenfag von Berbär, Eisbär. In engerer Beben: 
tung, ber eigentliche in dichten Wäldern febende Bir (Uraus arctorL.), 


Der Landbau, —es, 0. Bi. ber Bau oder Anbau des Tardes; der 


Feldbau, Adırbau- 


Landbauend, adj. v.adv. dns Sand bawend, anbatend, Aterbau trel⸗ 


bend, Pantbavende Bötker. 


Der Landbauer, —s, Wi. gl. 1) Der baskand banet, Tındbau oder 


Ad-rbeu treibtz auch Kandbebauer. RM. =) In engerer Bibeutung, 
+ B. in bee Schmelz, eim folder Landbbaure ober blof Bauer, mei 
Sr auf dem ſtachen Sande wohnet; in Begenfag eines Bergbauser, 


Landb 


an dleſer Bebeutung lautet ber zweite Fall gewöhnlich bes Bann: 
bauern, bie Mehrzahl, die Landbauern. 

Der Yanbbaumeifter, —#, 94 gl. ein Baumeifter, welder bie Auf⸗ 
ſicht Aber das Bariwrfen im ganzen Sante odes in einer ganzen kanbr 
thaft führt. Zuweilen aud sur, ber die Iamblie Baukunft verfte 
et und ammenbet; zum uUnterſchiede von einem Stadtbaumeiſter, 
der bie bürgerliche Baufunft verfieht und auwenbet. 

Der Landbeamte, —n, 9. —n, f. Fundamt 2) und 3). 

Der Landbeder, — s, 4. gl. ein gelernter Becker auf dem Bandes 
der Dorfbeder. 

+ Die Landbede, 9. —n, in manden, befonders R. D. Gegenden, 

"eine Bede oder Abgabe, welche die Bonblrute von ihrem aderbaren 
Supte entrichten, der Pflugſchatz, bie Hufenſteuer zc. 

Der Landbereiter, ſ. Kanbeeiter. 

Der Landbefhäler, —6, 9. gl. ein Beſchaͤler ober Gengfl, wels 
er auf herrſchaflliche Koſten zur Belegung ber Stuten ber Sands 
leute gehalten wird. Der Det und bie Inftalt wo er gehalten wich, 
Heißt das Lamdgeitäte. - j 

Der Landbeſchreiber, bie Landbeſchreibung, f. Laͤnderbeſchreiber ac. 

Der Landbeſitzet, —s, 9. gl. iR.) ber Defiger eines Btüdes bau⸗ 
baren Landes, «6 fri groß ober Mein. In engever Bebeutung , ber 
Beſitzer eines kanbgutes, der Butsbefiger. 

Der Eandheträger, —#, 9. gl, der ein Band, rinen Staat beträgt. 
@in Lande unb Beutcbrtrüger. 

Der Laͤndbettler, —s, 4. gl. ein Bettler, der im ganzen Bande 
herumbettelt, wie auch, ber auf bem Lande, d. h. auf ben Dörferm 
dettelt. Friſch. 

+ Der Landbeutler, — , 2. gl. eine Benennung ber Pfuſcher um 
ter den Weißgerbern; voBftändiger, Land» unb Gerbeutler, 

O Landbewohnend, adj. u. adv. (R.) das Lamb bewohnend, auf Benr 
Sande wehnend, in Segenſatz beffen, ber im einer Stabt wohnst. 

tandbeisohnende Dinner. Bop. 

Der Landbewohner, —s, MH. gl. ber Bewohner aber Einwohner 
eines Landes. In engerer nad gewöhnlicher Bedeutung, bee Bewohs 
ner bes platten Bandes, Im Gegeaſat bes Stadtbewohners ober 
Bürgers. Werden bloß Bauern basunter verflanden, fo nennt man 
biefe beſenders noch Landleute. 


Der Landbiber, —d, 3. gi, ein Mame bes Bibers, beſenders bes 


Ecdbibers. 

Der Landbiſchof, —es, 34. —bifhöfe, in ber Romiſchen Kirche, 
ein Biſchof, wilder fein Amt wur auf dem Bande verwaltet; Kor⸗ 
bifchof (Episcopus regionarius), 

Der Landbotbe, —n, 7. —n. +) Tut ehemaligen Polen, ber aus 
einem Banbe ober einer kandſchaft bes Meicıs zum Beichatage abger 
ordnete Benolmädttgte, Daron der Kandbothentnarſchall. =) Ein 
Wothe ber auf das Fand verſchict wirb; in manden Gegenden ſo 
Bier als + Landincht, Büttel, j 

Das Lanbbrauen, —, 0. 3%. dad Blerbrauen auf bem Lande. 

Das Landbrett, —#, 94. —er, auf den @ögemüßlen, bie Benens 
nung ber grmöhnlihen Berfter, welche im Sande zu allerlei Tiſchler⸗ 
arbeiten derbraucht werben; zum Unterfchiede von den ſtaͤrkeren 
Spuͤndebrettern. 

Das Landbuch, —es, My. —buͤcher. r) In marchen Gegenden, 
3 8. im Magbeburgifgen, ein Gerzeichniß aller abellgen unb 
Mittergütet bed Landes mit ben Namen ber Geſitzer befielben, 
ihrer Teben, Shuthen zc.; aud das Mitterbuch, Mitterfchaftebuch, 
In Böhmen die Landtafel. =) Der Inbegriff ber Geſetzt einer 
kantchaft. 

Der Landdeich, —s, 4. —t. 1) Ein Deich ober Damm, 
biz ein ganzes Land vor ben Werferrungen bes Waſſers fihert. 
2) in Deich nah dem Sande zu, innachalb des Hauptdeichts 
zur Rbhaltung des Biunenwaſſers. 5) Ein Deih, weiter a4 
Rutsen Sand vor fh hat;z gum Unterfhiede von einem 


14 


Laͤnderb 


Sderbeiche der nur ı= Ruthen kand vor Mh Hat, 

Der Landvienft, —e, By. —e, der Dienſt zu Bande, ober auf bem 

— eande, beſenders von ben Eolbaten; in Gegenſah vom See⸗ 
ienfte, . 

+ 2. — 5, Di, —t, ein Bondgeriät (Prorincial- 
gericht). 

Das Landborf, —es, 3. —börfer, in manchen Gegenden, J. ®. in 
der Mittelmart, Dörfer on Mosäften, deren Bewohner vom Lagbe 
—— auch Acerdorf; in Gegenſat der Bruchdoͤrfer. S. Rand⸗ 

orf. 

XDer Landdragoner, —s, 9. gt. f. Fandreiter, 

Der Landdroſt, —en, Sig. —en, im RD. rin Landvogt, ber Bors 
gefegte einer Lanbfhaft, «ined Geziekes, welder gemötniih auf dem 
Sande Iebt; in andern Gegenden Landrath. S. Droft. 

Die Lanpdroftei, Bi. —m. ı) Die Hürde, das Amt eines Lands 
beoften. 2) Der ihm untergebene Bejirk, 

O Der Landdurchſtreicher, —s, 2. gl. bez das Band burhfireiät, " 
srwöhnlier, ein Eondfteiher. Bof. 

Die Linde, Di. —n, ein Ort der zum Eanden ober Anlanden ger 
fiet, bequem if. S. Schiffslänte, j 
Der Lanbebelmann, ed, Dig. —edelleute, eim auf dem kande Te 
f — Edelmana; ſpoͤttiſch oder veraͤchtiich, ein Landjunker, Kraut: 
unter, . 
Die Yanbeibechfe, 24. —n, bie Benennung derjenigen Eibechſen, 
welcht gewöhnlich auf bem Bande leben. Die gemeine Landeidechſe 
Uncerta vulgsris L.) lebt ugter Gefträußen und Heden, if nor 
meiß grauer Farbe uud hat zwei braune Streifen auf dem Rüden. 

Dos Landeigenthum, — s, DM. u. ı) Ein Cigentfum fofern es in 
Sand beftchet. „Die ginzigen Wefiger von Landeigenthun, Kainie 
ten alfo.*- Herber, a) Das Gigentfumsscht über ein Land uber 
ein tät Lanbeg. 

Der Landeigenthümer, —, 9. gl. fo njel als Fandeiguer. 

Der Yandeigner, —s, 4. gl. ber Eigner oder Eigenthämer eines 
Sınbes, db. h. einer Laͤnderei, eins kandgutes. Im Dänifden der 
ame eines Freibauten. 

Sanden, v. ID) intrs, mit fein, an bas Fand fahren um andjufleisen 
ober etwas ans Land zu ſchaffen ober vom Bande in bas Fahrzeug 
aufsunrgmen, Dam verfuhte trod ber Brandung zu fanden. An 
einer Küſte fanden. Die Xruppen find gelandet. IL) ters. ı) Ans 
Bank fıgen, fhaffen, ausſchiſſen. Truppen landen. „Die Leda if 
nad den Dünen zurädgekhet, umb hat bie Vermwunbeten gslandet.* 
Hamb. Zeit. (R) Im manden Gegenden auf lÄnden, 2;ImD.D. 
das Land, d. . känderelen mit Grenzfleinen bezeichnen; beſſer laͤn⸗ 
den. 5) + Im O. D. lenken, wenden, in welder Pebeutung ta and 
Ienben geſchrleben und gewöhnlich als rec. gebraudt wird, 

Dein Zeugniß, Bere, befig” ich Immerdar, 

@i iſt die Laſt, dahin ich gang mich lende. Dpis- 
III) atr, mit haben, im R. D. zu Bande, ſeſtem Lande werben, von 
dem Schlamme, Bande ıc., ber fih aus einem Mluffe ober ber Bere 
anfegt und mach unb nach zu feflem Lande wirb, Auch wird ea vom 
Blaffe ober ber See als ein trs, gebraucht, für, Band anfıten, buch 
angifpäften Schlamm, Sand ac ber nad und nach zu feſtem Sande 
wird. Der Fluß, bie Eee landet, ober lander zu. — D. Lars 
ben, D. —um. ©. 5 - 

Länden, v. trs. ſ. Landen ID) ad. D. Linden. D. —ung. 

Die Landenge, My. —n, f. Erbenge. 

Der Yanverbe, —n, Di. —n, rin Erde, ſofern er Band, Linbereien 
erbet; in manden Grgenbrn, ein Erbe, weicher Landgüter erben 
kann 5 in Segenſat eines Lehenerben. 

Der Linderbefihreiber, —E, Wr. gt (M.) elmee der eine Sinderhes 
fhreitung giebt, verfaf-t: ber Bechreiber eines einzelnen Landes, 
dr Land oder Landebeſchreiber (Chorograph). 

Die Laͤnderbeſchreibung, 5. — en, (®.) bie Beſchreihung ber Eine 


Laͤnderb 


der, in Anſehnng ihrer natürlichen Beihaffenheit, ihrer Bewohner, 
ihrer Berfaffang ıt, (Cherographie, Geographie); be Beſchrei⸗ 
bung eines einzrinen Sanders, die Lands oder Lanbesbefchreibung. 

A Der Länderbeftürmer, —s, y. gl. einer der Länder beſtürmet, 
defrieget unb za unterjodhen ſucht. 

— aber be Herrſchens 

Kun, fie erhebt mich über den wölffhen Laͤnderbeſtuͤrmer. 

Sonnenberg. 

a Der Landerdurchwanderer, —s, 29. gl. ber mehrere Fänber 
burhwanbert, buchreifet, Vo ſ. 

& Der Länderburft, —es, 0. Di. der Durft, d. h. die heftige Ber 
gierbe nad dem Befit von mehrern, von neurm Zinbern, bergleiden 
Eroberer zu Haben pflegen; die Länderfudht. „Der ihm angebiätete 
Laͤnderdurſt.“ ungen. (®.) 

& Laͤnderdurſtig, adj. u, adv. von tänderburft geplagt, Einderburft 
verrathend. „Rarl ı7, murbe ſchwerlich dloß durch Gurtiue Erben bes 
Kerinders zuhm: und laͤnderdurſtig.“ J. P. Riäter. 

Die Länderei, rg. —en, überhaupt Land, fofern es bebauet ober fonft 
benägt wird, und das Eigenchum reiner Prrfon iſt, Grunbſtuͤcke als 
Hder, Biefen, Waldung ıc, im D. D. auch Gelaͤnd. Ein Baus 
mit dazır gehörender Pinderei. Gr Hefigt fhöme Ländern. 

Durch deffen Länderei man Zagereifen thut. Ganit. 
Wefonbers in ber Mehrzohl. Beine Ländereien finb alle im beſten 
Auflanbe. Ungewöhnlih wird es für Länder gebraucht. „Der Rb« 
nig eig feine Laͤndereien wieder and ben Händen ber Feinbe,* Hirzel 

& Der Fändererfchütteren, —6, 99. gl. der die Bänder arfhüttert, 
ihre Rabe, Berf-Minz ıc. Mört und zerftöret, wie dies bie Eroberer 
hun. Wei ben Ditern befimmt auch ber WBaffer ober Meeredgott 
dieſen Namen, — der umufernde LÄnbererfhättrer. Voß. 
Didterifh Tann au der Krieg ein Sändererfhätterer genannt werden. 

X Eänverifch, adj. u. ade. f. Ländern. 

A Rändergemaltig, adj. u. adv. bus ben Befig mehrerer Länder 
gewaltig, mädtig, 

Denn auf bee maͤchtige Burgund, der Laͤnder⸗ 

Gerwnltige, dat feine Maanen alle 

——— Bälller. ( R.) 

O Die Laͤnderkarte, 99. —n, eine kandkarte, beſenders fofess 
mehrere Linder im Grundriſſe darauf beſindlich find. 

Ach umfenft auf allen Laͤnderkarten 3 

Spähft du nad dem feligen Gebiet. Gäiller. 

O Die Laͤnderkenntniß, 99. u. oder bie Laͤnderkunde, o. 29. (M.) 
die Kınntnif oder Kunde von ben ändern, nämlich von ihrer natär 
Then Beſchaffenheit, ihren Bewohnern, ihrer Verfaſſung ıc Die 
Biker und Yänderfunde (politische Geographie), Glubius. 
Die Landesfenntnif oder Landeskunde wäre tie Kenntniß ober 
Kunde des Wiffenswärbigen von einen beftimmten einzelnen Lande, 
s. B. vom Baterlamtbe. . 

O Laͤnderkundig, adj. u. adr. (#.) Rönderfunde befigend. Davon 
der Yänderkundige. ” 

4 Länderlos, adj. u. adv. ohne Band, feiner Länder beraubt, 

Dot if es biefer laͤnderloſt Fuͤrſt, 

Der eben heut mich koͤniglich beſchenkte. Schiller. 

+ Sandern, v. trs. mit rinem Geländer ober Behäge verfehen, auch 
Überhaupt begrenzen, umgrenzen. Ginen Bald landern, auch «in» 
landern. D. Landern. D. —erung. 

X Ländern, x. intes. (R.) im Krelſe fih langſam brehend herumtanı 
sen, add drehen, zum Untesfhiede vom Warzen une Schleifen, 
welches ſchnellene und wafhere Taͤnze biefer Art find. Man ſagt das 
für aud landeriſch tanzen, and nennt den Zanz felbft einen dm 
deriſchen Tam. Uneigentlih und bihterifh wirb in folgender Stelle 
die drehende Bewequng eines Weltkörpers um einen andern ein Pän: 
dern und em laͤndetiſcher Tanz geaaent, — der unſichtbaren 
Großfonne, um welche unfse Xiltagsfonns mit Anigen Tauſend anbern 


15 


Landesb 


Jahr aus Jahr ein ihren laͤnderiſchen Tanz macht, woͤtrend bie 
Großſonnt wieder mit ihren tauſend Schwaſteru um eine Urgroßfonne 
lndert. Anton Ball. ©. 6. Beedmw. Circuliren,. D. ändern. 

O Der Länterräuber, —s, WM. gl. ber Länder zaubert, ben bisher 
xigen Befigerm entreißt, wie and bie Länder, b. h. ihre Bewohner, 
beraubt. Die Wroberer oder pielmehr Länderräuber. 

O Die Einberfucht, 0. 2%. (M.) die Socht, d. b. die unmäfige Bes 
gierde nah dem Wels. von Sundern, ber Känberburft; ein nad 
Ruhmſucht gebildete Wort. 

Finderfüchtig, —er, —ſte, adj. u. adr. son der kaͤndarſucht bir 
fallen , Zinberfucht verrathend. ’ - 

O Der Landeriauſch, —ıb, U —t, (R.) ber Taufh oder Kuss 
tauſch von Bändern, jwiſchen Fürften und Staaten. Abwöürbigenb 
dract bafılde das Wort Laͤndertauſchtrei aus. j 

O Die Lindertbeilung, Bj. —en, (R) die Thellung ber fänder 
enter Mehrere. Mänbertheilungen find in unfern Zeiten nichts 
Reues und Ungewöhatihes. Die nachgelaffenen Söhne bei Köntges 
machten unter fi eine Laͤndertheilung. E 

O Der Laͤnderumtiß, —fes, Bi. —fe, der Umeig eines Landes 
oder mehrerer Zäuder auf einem Papiere im Kleinen dargeſtellt, eine 
Zantlarte. Boß. 

O Eänderverberblich, adj. u; 
Länder Aberhaupt werberblid ; 
berverberbliche Kriege: ‚ 

O Der Kändervermüfter, — , 99. gi. der ganze Sinter vermüftet. 
„Wie fo manden Länberverwäfter dedit eiiges Dunkelte Meißner. 
{R.) Der Krieg, dieſer jertiihe Laͤndervetwuͤftet. Dir Ber 
wöülter eines einzelnen Bandes, der Land. oder Kandetvermüker. 

O Laͤnderweit, adj. u. adr. eine Weite, Ausbehnung von mehrern 
Sindern habımb, fehe weit auagedehnt. „Was if mädtiger als ein 
vorbrechendes, forterigenbes Wafler, und mo läft ſich hinflichen, wenn 
plögtig aled meilens und JÄndermeit hoch Aberiäwemmt if.“ 
Herber. 

Der Landetabſchied, —es, Di. —, ber Abſchled bre Ranbflände 
auf einem Lanbtage (Banbtagsrecess), ©. Abſchied. 

Der Bandesältefte, —n, By. —n, in manden Grgenden, 4 2. in 
der Eaufit, der Kitefte und Bornehmfte unter ben Xdeligen eincd Lan ⸗ 

Pte $. einer — — 
as kandesamt, ſ. Landamt. 

Der Landesanwalt, —es, 4. —/ ſ. Landet hauptmannſchaft 5). 

Die Landesart, 4. u. bie Art eines Landes, d. h. die in einem 
Sande herrſchenden Gebräuhe und Gewohnheiten. Eid na ber 
Fandesart siten. Mad ber Landesart leben. Dann auf, bie nas 
tarliche Befhaffendrit und Gigenheit eines Landes, in Anfehung bes 
Bodens, dee Witterung ac. Es if wiber bie Hiefize Landetart. Ans 
‚gut wird «4 für ein kand ober eine Sanbihaft ſeleſt von gewiffer 
Beihaffenheit gebraucht; beſſer Landſtrich, Erdſtrich. „Ts giebt 
neh mehr Segenden und Landesarten in Deutfhiand, welche «ben 
fe gloͤckilch als Sachſen gelegen find." Bobmer, 

Der Landesbeamte, —n, My. —n, f. Landamt. 

Die Landesbefchaffenheit, My. —en, die Befgaffinheit eines Bandes, 
Gefonders in Anfchung feines Bodens, unb ber Luftdeſchaffenheit im 
bemfelben ıc. (Clima). . 

Der Fandesbeflallte, oder Landesbeſtellte, —n, By.—n, in mans 
Gen Gegenden, 3. B. ia Schtefien, ein Abgeorbneter des Adels, ber 
fonders tin ſolcher Abgeorbneter zum Laadrechte ober dandgerichte. 

© Das Landesblatt, —ed, My. —biätter, ein Öffenttihes Btatt, 
welchta zur Befanntmahung von allerlei Rachtichten und Reuigkels 
ten im Rande bientz die Landetzeitung. Neihsanzeigen R- 

© Die Laudesbuͤhne, By. —n, eine Bühne, Shaubügne, auf weis 
her nur Gtüde in der Lamdesfprahe aufgeführt werben {National- 
tueater), ©. 

© Der Banbesbärger, —, Di. gl. der Einwohner eines Laubts 


adr. für mehrere Finder ober für bie 
mehe als landvetderblich. R. Yin 


Londese 


als Staat ober als Theil eines Staates betrachtet, ber Staatsbürger, 
S. Bürger. „Man ſah biefen Gegenfland als bie Sache aller Kar 
besbürger an. Geiſt d. Iourm. (R.). 

© Das Bandeserzeugnif, —Ted, Py. —ſſe, basienige, was ein 
Sand erzeugt, bervorbeingt ober was beffen Bewohner hervorbrin ⸗ 
gen (Banberproduct), G, . 

& Das Landesfeſt, —s, 2. —e, ein Belt, welches im ganıeu 
Sande gefeieet wird, befonbers ſofern es eine das Band betsrffenbe 
Begebenheit zum Gegenftande hat (Nationsifefl). G, 

O Die Landesfluht, 0.9. die Flucht, Entfernung aus bem Lande, 

: fefern fie als Strafe anbefoplen it; bie Landesverweiſung. 

— und @teafe, wo nit er fie fände, hinzufägt, 
kLandes flucht. — Bo. 

Bandesflüchtig, f. Landfluͤchtig. 

Die Landedfolge, WM. u. die Berbindlichteit der Einwohner eines 
Landes, dem Aufgebote des Banbesberren exfoberlihen Falles zu fel- 
gen; von ber Landfolge noh weridieden. 

Die Landeöfrau, Bi. —eın, f. Bandeöherr. 

Der Landesfürf, —en, Bi. —ın; bie —fürftinn, Mz. —m, 
ein Faͤrtt, eine Kärfinn, als Herr, als Herrinn eines Bandes. 

Eandesfürftlich, adj. u. adv. dem Landesfärften gehörig, gemäß, in 
feinee Mürde gegrüntet, von ihm herrührend. Die lÄndesfürfkli- 
Ge Familie, Yanbesfärfttiche @äter, Landesfuͤrſtliche Serord⸗ 
nungen.“ Popomwitfd. (R.) Die lanbesfärfllice Kammer. R. 

Dad Landes gebiet, —s, g.—e, bad Seblet eines tandıs, ein Sand, 
eine Landfıhaft, der Ausbehnung nad, „Weldhe Kandle fönnte man in 
dem Landesgeblete von Mantua ausbeffern." Geiſt &. Sourn. (R,). 

- Der Landesgebrauch, oberder Landebbrauch, —es, 4. — bräuchte, 
(R.) ber in einem Bande herefhente Gebrauch ober Brauch. 

Das Kandeögebrechen, —#, 4. alı ein Gebrehen in den Einrich⸗ 
tungen, in der Werfaffung eines Bandes, Friſch. Den Landesgebre⸗ 
den abhelfen. 

4. Der Landebgeneß, —ſſen, 4. —ſſen; die —genoffinn, 
u —en, eine Perfon, bie mit einer aubern eim und baſſelbe Band, 

‘als gemeinfpaftiihes Baterland bewohnt. Das eblere Wort für 
Landsmann, Landsmaͤnniun. A. 
3% fteh’ auf und ermahne bie zitternden kandesgenoſſen. Boß. 

Das Landesgericht, f. Landgericht. 

O Die Landesgefhichte, 9. —n, die Befhiäte eines Bandes, be⸗ 
fonders bes Baterlandıs. „Somwollt' ex im bie noch gany brach liegende 
Landesgeſchichte von Hukelum feinen Pflug einfegen." I. 9. Rihter 

Das Landesgeſetz, — es, 2. —e, rin in einem Lande eingefährtes, 
daſelbſt geltendes Befch. . 

. Das Landesgewaͤchs, — s, By. —, rin Gemäds, meldes in tie 
nem Sande einheimifh if; verfhiehen von Landgewäds. S. b. 
„Wenn alfo jebe nefprönglihe Sprache, bie ein Landesgewaͤchs ik, 
ſich nad ihrem Bimmeld: und Exofteide rihtete," Herber, 

Die Landedgrenze, f. Landgrenze. 

Der Landeshauptmann, —ıs, By —leute, ber Borgefehte einer 
dandſchaft Im andern Gegenden Landdroſt, Landvogt ıc. Im ber 
Baufig hingegen firht der kandvogt mo Über dem Ennbeshauptmann. 


— — 


In Schleſſen führt ber Landeshauptmann den Borſitz im kandrechte. 


Die Landebhauptmannſchaft, Rz. — n. ) Die Würde, das Amt 
eines Bandeshruptmannes; 0. DM. 2) Das Gebiet eines Banbeshanpts 
mantits. 5) In manden Gegenden, 3. 8. in Zroppın, em mit 
mehrern Beamten befehtes Gericht, meldes noch außer bem Bands 
rechte beſtehet. S. Landrecht. Gin ähnliches Gericht befindet: ſich 
auch in Öfterreih ob ber Ent, deſſen vornehmſte Perſon, bie ben 
Werks führt, Fandesamtwalt heißt. . 

Der Landesherr, — en, 34. —en, ber Dberhert eines Sander, ber 
Für, Mönia X. Hat bie oberſte Gewalt im Bante sine Frau, fo 
heise Me Landesftau, biſſer Landesherrinn. „Die fhwangıre Lan: 
besbereinn.® 3, P. Richter. ©, auch Ranbrinater, 


16 


Landesr 


Landesherrlich, adj. u. adv. sem Lanbesperen gehbrig, in beffen Wär: 
de gegräntel, von ihm hersäbsene, Landesherttliche Redte, Bu 
schtiamen (Regalia)y Landesherrliche Werorbnungen. 

Die Landesherrfchaft, 9. —en. 1) Die Herrfssft ober Oberge 
wait in einem Bande; ohne Rehrzahl. Mach der Landesherrſchaft 
flreben. 2) Der Landesherr ober bie Sanbeshırrinn, oder ber Banı 
besterr und eine Gemahlinn cher Familie ſelbſt. 

Die Landeshoheit, 0. 9%. 1) Die Obergewalt Über ein Land, mit 
Iubegriff aller bazu gehösenden Rechte (Superioritas territorinlis); 
sum Unterfbiebe von der Lehnshoheit. 

Das Landeshoheitsrecht, —es, 34. —e, ein Reät, weldes mit 
ber dandeshoheit verbunden ift (Terzitorialreht). 

Die Eandeshuldigung, By. —en, die Buldigung, welcht dem Sans 
beöheren von den Bewohnern bes kanbes geleiftet wirb. 

Die Landeskammer, Sy. —n, f. Kammer 2, »), 

Der landeslämmerer, —6, Bi. gl. im mandın Gegenden, eine 
obrigteitliche Prefon, welche ber Hebung ber Einnahmm einer gun 
sen Snubfhaft vorgefegt if. 

Der Landeskanzler, —E, M. gl. in ben Saͤchſiſchen Färkenthür 
meen, eine obrigkeitlihe Perfon beim Landrechte, melde das Haupt 
bee Kanzelel biefes Gerichtes if und dem Hauge nad auf ben Baus 
beihauptmann, Sanbetmarfhall und Landesrichter felat. 

Die Landeskaſſe, By. —n, eine Kaffe des Landes, eine Öffentliche Kaſſe. 

Die Landeöfenntniß, ober Landesfunde, 0.29. f. Linderkenntnif, 

O Die kandeskennung, deffer Landkennung, 24. —en, eine Rem 
nung, Kennzeichen des Landes, d. d. ein Zeichen, etwas Ausgezeich⸗ 
netea, woran ber Schiffer den Ort, wo er ſich befindet, beurthtilt. 

Dofin gehören niht allein Balen und Banbmarken, fontern auf 
Klippen, Berge, Geelshuter, Fiſche, Vögel, Winde and Gträme, 
Tiefe und Befchaffenheit bes Grundes ıc. „Diefe Stelle iſt eine wide 
tige Laudeskennung mit einee Feuerbake bet bee Einfahrt: in ben 
Fineifhen Meerbufen.“ Beiftb. Ionurn. (R.) 

Das Landeßkind, — es, EM. —ır, (RM). gleichſam die Kinder 
eines Yanbes oder bes Bandespaters, d. h. bie @Binmohner eines 
Bandes, in Anfehung iteed Werhätimiffes zum Bondesheren, welches 
bad Verhältnis dee Rinder zu ihrem Water fein ſeAte und Hiunte, 
im ©. D. Landzoͤgling. Sergleiche Landkind. 

O Die Landeskirche, D.n. bie kiechliche Befelfhaft in einem Banbe, 
fofern fie barim bie Herefsende if. „Banbrörrtigion und Landeskir. 
he" Henke. (R.). Wine Landkirche if eine Kirche auf dem Lande, 
eine Dorfliche. . 

Der Landmarfchall, —es, 3. — ſchaͤlle, der Marſchall eines Yan 
bes ober einer kaubſchaft. Im Schleſten iſt er bie zweite Perſon ber 
dem Landrechte. 

Die Landesmünze, f. kandmuͤnze. 

Die Eandesmutter, 9. —möütter, f. Pandesvater, 

Die Landesobrigkeit, By. —en. 1) Die Obrigkeit, b. h. die höde 
fie Gewalt in einem Eanbe, zug Crhaltung der Ruhe und Sicherheit, 
und zur Kufrehtpaltung und Wollzichung ber Gefege; ohn⸗ Mehrzadl. 
2) Die mit dieſer Bewalt verfehenen Perfonen. 

Die Landedordnung, 2. —ım, die in einem Lande eingeführte 
Drbaung; beſenders eine landeaherrliche Bererhnung, an welde das 
ganze Sand gebunden if; bie Banborbrung, 

+ Der Landespfennigmeifter, —b, 74 sh in manden Gegenden, 
der Sinnehmer ver obrigkeitlihen Beföle in einem Lande. 

Die Landespflicht, o, DM. bie Landeshutdigung. 

Die Landespolizei, 3. w. bir allgemeine Poltzel ober Orbnungss 
auffiht in einem ınde, bie für bie Erhalcung ber Ruhe, Orbnung 
und Gicherbeit im ganzen Bande wahl; ya Unterfhiebe von ber 
bazunter kegriffenen Stadtpolizei, Landpollzei ıc. 

Die Landeöregieriing, 8.—en. 1) Die Regierung, Beherrfäung 
eines Lındes; ohne Mıhrishl. Die Landesregierung übernehmen, 
niedetl · gen. 2») Dicienigen Perfonen, melden bie Reglerung, Ver⸗ 


gandesr 


waltung» bed Zagdet ‚üöerigagen äft; auch muy bie Die 


. istung. 
Die ka 14 j. —ın, bie in einem: ande‘ 


trifinde Cache, Angeleginpeit. be 
Du Landes ſchatz, —t8, Ms, u. ber Shag eines Landes, ber, öffent; 
Ude Shap, weldes fhr bie Bedärfniffe bes Landes beftimme if, 
Die. Landes ſhuld, M- —en, eine Geldfhuld, welche auf einem 
Lande, und In engerer Bedeutung, melde auf den Eandftänden haf⸗ 
"tet; qum Anterfhiede yon ben Loffhulden, Kammetſchulden ic. 
Die Landesfhule, 9. —n, bie Schulen eines Landes, - auf Koften 
‚und zum Veflen tes Tondes angelegt, Befonders eine hoöͤhere Schule 
weler Art ©: auch Yandfigne, Starifhule an... : er 
Die Fandesfitte, „DM, —d,, die in elaem Lande herrſchende Gitte. 
. id nad der Findesfittt rihten. „Bu ſtiehn von Landesvolt und 
Landesſitten.“ Meißner. , 
Die Kandesfperre, 4. —n, bie Sperte ober Sperrung einge Sans 
des, webuch das Bin, und Kusbeingen gemiffer Dinge verhindert 
wish oder merden fol, 
Die Kandesfprache, 39. 


—n, bie in einem Lande uͤbliche Sprache. 
„3a ‚engeser Sedeutung, bie in einer Lanbſchaft uͤbliche Eprehart 
“ (Dialect). j 

Pix Landesſtelle, y.—n, im Öfterreihifhen, die obrigkeittihen Ber 
pissen in einem Lande, vor welde bie derſchledenen Angelegenheiten 
deffelsen gitbren (Tandescollegium). Wergleihe Lanpftelle. 

Die Yandedtracht, 94, —en, die Tracht der Ginwohnte eines Canr 

des ober ihre beſondere Art fih zu Meiben. 

Die Lanbestrunpen, &.ü. die Truppen eines Sandes, fefern fie aus 
" Randeskindsrn betehen; auch wol, die elupeimifhen Truppen, zum 
“"Ynterfhiebe von den fremden, von Hälfstruppen ıc. 
Landesuͤblich, adj. u. adv. in einem Lande üblich, hergebracht, einges 
“führt; im D. D. landläufig. Auf landesuͤbliche Art. „Landes⸗ 

uͤbliche Zipſen.“ Reichgangeiger. uZaß eine jede Carophiſche 
Ration (jedes Volk in Taropa) lieſet das Griechiſche, mie es bei ihr 
kanbesäblih iſt.· Oaſe. {R.) Landuͤblich wird auch in derſelben Bes 
deutung gebraucht; dies bezeichnet aber richtiger, auf dem Lande 
üblid. 

Der Landesvater, —s, 2%. — väter, ein Water bes Landes gleiche 
fam, ein Sundeshere als ein Later gegen das Land ober vieimehr 
deſſen Bewohner betrachtet. Die Gemaplinn eines Tanbeshersn oder 
eine zegterende Landesfrau wirb in bemfelben Sinne Yandermuts 

.. ter genannt, Andre obrizkeitlihe Perfonen, welhe für das Mohl 
des Fandes forgen, nennt man auch mol Vaͤter bes Landes, aber nicht 
Landespäter. Umeigentlich nernen die Hochſchäler auch einen Stich 
durd) den Hut, bei Gelegenheit, ba fie den Sanbesperen hochleben laſ⸗ 
fen, einen Yandesvater, 

Die Yandesvirfaffung, 24. —en, die Verfaſſung eines Landes ober 
In einem ande, 

Landesväterlich, adj. u. adv, einem Bandesnater d. h. einem väter: 

ih für das Welle bes Landes forgenden Landesherren gemäß. ‚Die 
Landesväterlihe Zürforge. „Fin Für, ber landesvaͤterlich denkt,“ 

„ Knigge (R.). 3 
O Die Landesverorbnung, 2. —en, eine Vererdnung, welde für 

das ganze Land verbindlich ift und im ganzen ande bekannt gemacht 
wird (Mandat). . 

O Der Eandedverrath, —es, oder bie Landetverrätberei, 2. u. 

An am Bande, befonters am Vaterlande begangener Verrath. „Nein, 
füge zum Landesverrath niht noch Verſtellung.“ Meißner. (R.) 

Mer Landesverrätber, —6, 74. ol. (R.) einer, ber Verrath an eis 
nem Lande, befonders am Baterlanbe begthet. 

"Bandesvirrätberifch, adj. u. adv. von Bandesverrath zeugend, bem 
Sandesverrath ähntih. Kandesverrätherifche. Handlungen. 

© Die Landeöverfammlung, 4. —in, die Verſammlung bes Abs 


Gampe's Wörterb 3. Th. 


17 


""Tigien, ‚au der fi be meißßen Cinmohnse-beffelben befkunen, 2 
N Man Re Mur Hand, Kia Bing Aasl ange 
& über bi 


Landf 


geordneten upb Stellvertreter der -Bemahner eines Landes, bie-We 

fammiung ‚bes Candflände (Nationalverfammlung). C. . 

er Landesverwalter, —s, @. gl. in manden Lindere, z. B, in 

„. Krain, ein Stellvertreter bes Bunbeshsuptmannes; auch wol, der Bat 
deöverwefer (Vioelanbespaupimann). ‘ 

Die Landesverwaltung, MM. u. bie Verwaltung des Landes, I; $. 
ber Güter und Kräfte bes Tandes, bee Berchtigkeit im Lande ıc. 

O Landesverwandt, adj. u. adr. bem Lande nad verwandt, baffeide 
Vaterland habend. Davon ber Kandegverwandte, ber Landsmann. 
Ex gehoͤrt a Deutfhen. Heimath an, — bie Menfsen um 
ihn find feine Yandesverwandte." I. P. Rihter., 

Dis Eandeöverweifung, Bi. —en, die Werveifung aus dem Srabe, 

andesverwiefen, adj. u. adv. aus bem Sande verwiefen. Davon 
der Landesverwiefene, 4 

Der Landesverweſer, —t, Di. gl. der Verweſer eines Landes, hey 
Gtellvsutreter bes Sanbeöhessen. Zuweilen aud ber Stelldertreter 
eines Lanbeshauptmannes, . 

Das Landesvolk, —s, 4. —völfer, ein Wort, weldes fein eiges 
ned Land bewohet ; verfhichen von Landvolk. S. d. „Bu fliehen von 
Yandesvolk und Sandesjitten.“ Meiner, R. R 

Die Landeszeitung, DY. —en, bie Zeitung in einem Lande, welde 

* mit Erlaubnig des Sandesperren und unter Aufſicht gebrudt wirb; 
verſchieden von Landzeitung. S. d. 

Das Landeulchen, —s, Bi. gl. ein Name ber Stink. ober Flor⸗ 
fliege Mu⸗ea foetida L.); auch bie Yandjungfer. 

+ Der Yandfahrer, —s, 4. gl.; die —inn, BY. —en, f. Lands 
ftreicher. 

Das Landfaß, —ſſes, y. —fäffer, ein Map, wonach man in -einis 
gen Gegenden fläfige Dinge mißt. Im Bern bält ein Landfaß ſechs 
Saum ober 24 Eimer, ba ein gemöhnlides Faß nur 4 Saum ober 
16 Eimer hält, Dat es ein Zahlwort vor fih, fo bleibt es in-ber 
Mehrzahl unverändert. Sechs Landfaß. 

Die Landfeſte, Sy. —n, im Waſſerbaue, ein Flechtwerk an einem 
fhadhaft gewordiwen Ufer, Deihe; auch Uferbefeftigung, Vernaͤh 
terung, Örumdbett. ' 

Die Landfeſtung, E.—en. 1) Eine Fetung im feſten Lande; zum 
Unterfhicbe von einge Seefeſtung, Küftenfeftung ıc. =) Inder Schiff⸗ 
fahrt, jebes Tau, womit ein Schiff vom der Seite oder auch vorn 
oder hinten ans Sand befefligef wird, 

Das Landficher, —s, Bi. gl. 1) Ein anftedendes Fieber, fofern 
es im ganzen Lande heteſchet. =) Ein Fieber, welches mehr bie 
Leute auf dem Sande hefällt; zum Unterfhiche vom ſolchen Fiebern, 
welchen bie Gtäbter mehr audgefept find, 

Die Landflagge, By. —n, eine Flagge, welde auf den Schiffen aufs 
geſteckt wird, wenn man Land fichet. Die Landesflagge hingegen 
wäre diejenige Flagge, woran man die Schiffe eines Landes erkennt. 

Der Landfleiſcher, —s, 2. gl. ein Bleifger auf tem Lande; ein 
Dorffleiſcher. 

© Der Landfluch, —es, 39. u. ein Fluch des Landes, ober für das 
Land, d. b. ein fluhwürbiger Gegenſtand, welcher dem Lande Edras 
den und Ungiät bringt; „Ein alter Sünder, ber wie ber Landfluch 
an den Häuferm herſchleicht, alles weicher überträgt, was im Haufe 
gefagt wird und gethan.* Iffland. (R.). 

Landflüchtig, adj. u. adv: aus dem Lande entfliehend ober entflohen. 
Gin landilichtiger Verbrecher. Landflüchtig werben, Davon bie 
Landfluͤchtigkeit. 

Die Landfolge, Rz. u. 1) Die Verbindlichkeit bee uaterthanen, bept 
Grund eder Gerichtsherren nothigen Falls über Land zu folgen, 
wenn 3. DB. flühtige Verfonen zu verfolgen, Kriegfahren zu thun, 
Baden zu verrichten find ıc., -ein von Landeöfolge verfhiebenes 
Wort. S. d. 2) Eine Berfammlung ber Eandleute ober abeligen 
Schöffen vom Eınbe zur Hegung bes Geridtd, Arnoldi. 

Der Landforftmeifter, —s, 9. gl. ein Zorfimeifter, welcher über 


3 


Landf 
die Worten eines ganzen Bandes ober einer ganzen Sanbfhaft gefegt 
Nitt, und der auch Kantjägermeifter heißt, wenn er zugleich über das 
Jagbweſen gefegt iſt. Im mehreren Ländern unterfcheibet man aber 
beide und verfteht unter bem Pandbjägermeifter den Vorgeſehten eines 
befondern Kreiſes, welcher bem Lanbforfimeifter ober Oberland: 
forftmeifter untergeordnet it, welcher wieder den Oberhofjäger: 
meifter über fi dat. 

Die Kandfracht, Ip. —en. 1) Eine Fracht, b. h. Laft, welde zu 
Sande auf einem Fuhrwerke fortgefhafft wird. =) Das Frachtgeld 
für eine ſolche Fracht; in beiden Faͤllen zum Unterfhiebe von ber 
Waſſerfracht. 

+ Derkandfrähtner, —, 2. 91. einer ber Frachten zu Lande forts 

” hofft, gewöhnlicher ein Fuhrmann, R. allgem Deutfde 
Bibl. R. 

Die Landfrau, Dy.—ın, eine Frau auf dem Sande oder vom Lande; 
aud wol bie Frau eines Landbmannes. „Die Landfrau fühlte ſich 
tanig zufrieden bie Excellenz abgeladen zu haben“ Benzel: 
Bternau, 

O Landfremd, adj. u. adv. bem Lande nad; fremd, aus einem frems 
ben Lande, wie and, fremd in einem Lande; dann, ganz fremd, ſtock⸗ 
fremd. „Denn, ſtark an Leib und Geele bringen fie gerade jenen 
rechten, landfremden Beobadhtungsgeift mit fih, der· ꝛc. Wagner. 

Der Landfriede, —ns, Bi. —n, oder ber Landfrieben, —s, 3. 
gl. 3) Die dffentlihe Sicherheit in einem Lande ober in einer Sands 
(haft; ohne Mehrzahl. Den Landfrieden flören, brechen, wieberher⸗ 
ſtellen. Uneigentlih fagt man nod im gemeinen Leben, er traut 
dem Lanbfrieden nicht, er Hirt fi nicht für fiber, zeigt Miß⸗ 
trauen. 2) Ein zwiſchen Mehrern zur Erhaltung ber öffentliden 
Sichtrheit gemachter Vertrag; wie auch, bie zu biefem Zwecke geges 
benen Gefege und Werordnungen, Einen Landfrieben maden, em 
richten, wofür man ehemahls aud) fagte, ihm aufrihten. Im enges 
zer Bedeutung verflcht man unter dem Lanbfrieben das vom Kals 
fer und Reich auf bem Meichstage zu Worms 1495 gegebene Befet, 
dur meldes ale Befehbungen auf immer abgefhafft und Friede 
und Ruhe im Innern bes Reiches bergeftellt wurden. 

Der Landfrofh, —es, 3. —froͤſche, der auf dem Lande lebende 
Froſch. Der braume Landfrofh, brauner MWafferfrofh, (Mana 
temporaria L.). 

Die Landfuhre, y.—r. ı) Eine Fuhre zu Sande, =) Cine Fuhre 
über Band; befonders folde Fuhren, melde bie Unterthanen bem 
Grund: ober Banbesheren über Land zu thun fhulbig fiäd; zum Ums 
terſchiede von andern Frohnfuhren an Ort und Stelle. 3) Eine 
Fuhre, wie fie auf dem Lande gemöhntid ift, eine Bautenfupre, 
worunter man oft eine ſchlechte Fuhre ober ein ſchlechtes Fuhrwerk 
verſtehet. 

kandgaͤngig, adj. u.adv. durch das ganze and, ober durch eine ganze 
Lanbfheft aängig, barin geltend. Pandgängige Münzen, ine 
Inndgängige Krankheit (eine epidemische). 

Die Landgarbe, 94. —n, in manden Gegenden, 5.8. im Wirtems 
bergiſchen, eine gewiffe Menge Garben, Brüdte, Wein ıc,, melde der 
Untertban von feinem Eınde dem Grundherren als einen Grundiins 
entrichten muß. Gin folder Unterthan ſeibſt wird daſelbſt ein Land⸗ 
aarber genannt. 

+ Der Landgarten, —e, 99. —gärten, fo viel als Belbgarten. 

+ andgebig, adj. u. adv. in einem Lande gäng und gebe, Landge⸗ 
bige Münze, die im Lande gültig iſt, kandesmünze. Friſch. 

O Das Landgedicht, —et, .—t, ein Bebicht, welches vom Lands 
ieben und vorzäglih vom’tandbau handelt (Auralgebiht, Georgi- 
con). „Bier it in wenig Worten die Beſchreibung von viererlei 
Arten von Bebihten, bie alle zu einer Hauptklaſſe, ben Landgebich» 
ten, arhören.e Herder „Birgiis Landgedicht. Voß. (R.). 

Der Landgeiſtliche, —n, . —n, ein Seiſtlicher auf dem Sande, 
zum Mateefhiehe vom Stadtgeiſtlichen. 


18 


Landg 


X Die Landgeiſtlichkeit, 0.9. die faͤmmtlichen kandgeifttichen eines 
Landes ober einer Landfhaft. „Amar fliegen aus ihrer Mitte nicht 
felten bie größten Menfhen hervor, mie bie weifefle(n) treffe 
lihfteln) Kirhenpäupter aus ber armen Yandgeiftlichkeit.“ Ben zels. 
Sternau. 

+ Das Landgeld, —s, 3. —er, dasjenige Geld, welches von eis 
em eingedeihten Lande gegeben wirt. Frifd. 

Das Landgericht, —ıs, By. —e. 1) Ein höheres Sericht, beffen 
Gewalt fi Über das ganze Sand umb Über bie von der niebern (Bes 
richtbarkelt befreiten Perſenen erfiredt; in manden Gegenden auf 
Hofgeriht, Rittergericht, kandvogtei, Fandding, Landftuhl, Lands 
recht, im Öfterreihifhen Landſchranne ze. Nah Berihiebenpeit 
bee Gegenden find biefe Gerichte auch verſchieden eingerichtet und bes 
fimmt, und in manden Gegenden heißen bie Weifiter eines foldhen 
Sandgerihtes Yandräthe. Im mandın O. D. Gegenden waren noch 
Taiferliche Landgerichte biefer Art, beren es ehemahls in Deutſchland 
viele gab, und von melden man ſich, wenn man mit dem Ausfprude 
berfelben nit zufrisben war, am die Reichegerichte wendete. Im 
Schiefien wirb ein ſolches Beriht Mannredht, öfter aber bas Land⸗ 
recht genannt. S. d. In Schleswig wird jähelih nah Dftern ein 
Landgericht gehalten, welches von bem Statthalter, einigen Räthen 
und dem Landkauzler gebiltet wird, am welches man fih, wenn man 
eine Kechtsſache weiter führen will, von bin ateligen Gerichten wen⸗ 
bet und welches einem Übergerichte untergeordnet ifl, In Böhmen 
giebt es ein größeres und ein kleineres bem erfien untergeorbnetes 
Landgericht ober Landrecht, von melden bad erſte über Perfonen 
bes Herrenflandes ertennt. =) Ein Halsgeriht, welches fih über 
bas fladhe Land in einem gewiſſen Bezirke erftredtet; zum Unterfchiebe 
von einem Gtabtgerichte, welches fi nur Über eine Stadt erſtrect. 
in folges ift das Paiferlihsföniglihe Stadt: und Landgericht zu Wien, 
in welchem ein Stadt» und Landrichter ben Borfig bat, In Öfterreich 
und Bairen führt auch das Halsgeriht ober ber Blutbann abeliger und 
geäfliher Schloͤſſer Über bie dazu gehörigen Unterthanen ben Ramen 
Landgericht; zum Unterfhiche von tem Grundgerichte oder der 
Hofmark, d.h. der niedern Geriätharkeit. Daher der Landgerichts⸗ 
herr, ober bie Yandgerichtsobrigkeit, der Seſiger eines mit dem 
Landgerichte ober dem Blutbanne begabten Schloſſet, von welchem 
man au fagt, baf er bie landgerichtliche Hoheit befite. 5) Im 
manden Gegenden, befonbers in Franken und N. S. ein nirberes 
Gericht auf bem Lande, meldes über Srenzſtecitigkeiten, Felbſchä—⸗ 
den ıc. erkennt, ein Beldgeriht, Flurgeriht; auch Landgerichts 
ſtuhl. Derjenige, ber ven Worfig bei demſelben hat, Heißt auch 
Lanbrichter, 

Landgerichtlich, adi, w. ndv. zu einem Ranbgerichte gehörig, in ber 
Gewalt deſſelben gegränbet. Die lanbgerichtlicden Verhandlungen. 
Die lanbgerichtliche Hoheit. S. Landgeriht 2). „Das Gut if 
landgerichtlic auf taufend Thaler gewürbert,“ durch das Landge⸗ 
riht, Ungen. (R). 

Der Landgerichts herr, —eın, @. —en, oder bie Landgerichts⸗ 
obrigfeit, Be. —en, f. Landgericht =). . 

Das Landgeftüte, —s, 9. gt. f. Landbeſchaͤler. 

Das Landgewaͤchs, —s, 9. —e, ein auf dem feſten Bande mad» 
fendes Gewäds ; zum Unterfhiede von Maffer: und Seegewaͤchſen. 
Eben fo kann man aud Landpflanze fagen. 

Der Landgraben, —®, 84. —gräben, ein breiter Graben, melder 
durch ein and, eine Landſchaft, ober dech burd einen beträchtlichen 
Theil davon gehet; befonbers, wenn er zugleich bie Grenze macht. 

Der Landgraf, —eın, 4. —en; die —gräfinn, 39. —ım. ı) 
Im Deutihen Staaterechte, ehemahls ein Graf d. h. hoher Falferli= 
der Beamter, fofern er einem ganzen Sande vorgeſegt war unb bie 
Grafen in ben Bauen unter ſich hatte, bergleihen bie alten Bands 
grafen von Thüringen waren, Gpäterhbin wurde die Wärde biefer 
Grafen erblich Yan fie feibft wurden Fürften, wie z. 8. bie Land⸗ 


Landg 


grafen von Heſſen. 2») + In manchen Gegenden, ber Landrichter, 
der im einem Landgerichte den Borfig hat. 
+ Das Landgrafendbrot, —es, 3. —bröte, eine Art ſtark gebuts 


testen Weißbrotes in Hamburg, weiches burd einen Lanbgrafen von- 


Heſſen dort eingeführt worden fein fol. Shäge. 

Banbgräflih, adj. u. adv. einem Landgrafen gehörenb, in beffen 
Würde gegruͤndet, vom Landgrafen birrührend. Die landgraͤfliche 
Würde. Das landgräflihe Haus. Die landgraͤflichen Rechte, Ber: 
orbnufgen ic. 

Die Eandgraffchaft, 34. —en, ein Ernd, eine Landfhaft, welchem 
ober weidher chemahls ein Landgraf vorſtand. Späterhin, ein Lınd, 
been Färftein Landgraf if; auch ein Landgrafthum. Die Landgraf⸗ 
ſchaft Heſſen. 

Das Landgrafthum, —es, 2. —thuͤmer, ſ. Landgrafſchaft. 

Die Landgrenze, 9. die —n, bie Grenze eines Landes, die Lan: 
besgrenze. Dann au, die Zeichen, durch melde diefelbe bezeichnet 
wird, bie Landmark, und wenn «6 ein Gtein if, ber Landſtein. ©. 
auf Landgraben und Landwehr, 

Sandgültig, adj. u. adv, in einem ande gültig. Frifd. Davon bie 
Landgültigkeit. 

Das Landgut, —es, Wi. —güter; Bio. das Landguͤtchen, —s, 
Di. gi. ein But, das im Lande oder Lindereien, ald Adern, Miefen, 
Balbung ıc. befkehet, mit bazu gehörigen Wohn- und MWirthfhaftes 
gebäuten, ſofern dies alles im platten Lande liegt, und befonders, 
fofeen es einem gebört, ber nicht eigentlich zum Bauernflande zu red» 
nen tf.. Gin Landgut kaufen. Mehrere Landgäter befigen. Die 
Sındgäter find entweber Mittergüter, Freigäter, Unterthanenguͤ⸗ 
ter oder Bauergüter. 

Der Landhaken, —s By. ol. in der Schifffahrt, befonders auf Fluͤſ⸗ 
fen, ein einasmiger Anker um damit an den fern und Unhöpen zu 
anfern. 

Der Landhandel, —s, 94. u. 1) Dirjenige Handel, welder zu 
Sande getrieden wird; zum Unterfhiede vom Sechandel. 2») Dir 
Handel auf dem Lande, b. 5. auf ben Dörfern; zum unterſchlede 
vom Stabtbandel. 

Der Lanphafe, —n, 2. —n, ber gemeine Hafe, fofern er ſich auf 
dem flahen Lande aufhält, ber Felbhaſez zum Unterfhiebe vom 
Berghaſen, Bruchhaſen, Holzhaſen, Sumpfbafen ıc. 

Das Landhaus, — es, 2. —bäufer. ı) Ein Wohnhaus oder auch 
Luftpaus eines Heren auf dem Lande, fofern es nch nicht ben Mas 
men eines Schloſſes verdient. Dann auf, ein Haus reines Staͤd⸗ 
ters auf dem Lande oder in eimer ländlichen Gegend. =) Ein Baus, 
weldes ben tanbftänden eines Bandes oder einer Laudſchaft gehört, 
im welchem fie ihre Berfammlungen halten; das Landſchaftshaus. 

Die Landhaushaltung, By. —en. ı) Eine Hauspaltung auf dem 
Zande; eine Landwirthſchaft, fofern fie weniger in Feldwirthſchaft 
beſteht, ſondern mehr haͤusliche laͤndliche Berrihtungen begreift. 
2) Die Haushaltung auf dem Lande mit Inbegriff der Eandmwirthr 
ſchaft. Eine Landhaus haltung haben. Einer Landhaus haltung 
vorfieben. 3) Die Kunſt ber Haushaltung auf dem Bande, bie 
Randwirthfhaft; ohne Mehrzahl. Die Landhaushaltung verftchen, 
Dan fagt au ber Landhaushalt. j 

O Die Landhaushaltungägefellfhaft, By. —ın, eine Geſellſchaft 
von Prefonen, welche bie kandwirthſchaft und mas dahin gehört vers 
fliehen, und melde fid, verbunden haben, diele Kunft anzubauen und 
zu vervolllommnen. Cine folhe Landhaus haltungẽegeſellſchaft be: 
findet fh 3. 8. in Koppenbagen, 

O Das Landheer, —es, 4. —e, (R.) ein Ster zu Lande, bas 
aus Sanbtruppen befteht (Lındarmee), 

Der Landberr, —en, By. —ın. ı) Die meiſt veraltete Benennung 
eines Burgherren, meil er bie Banbeshohrit Über ein Stuͤck Land 
hatte. 2) X Ein Herr auf bem Bande ober vom Sanbe, b. h. ber 
auf bem Sande leht und auch wol laͤndliche Bitten an fi hat, Das 


19 z 


Landt 


wiffen ſolche Randherren nicht anders. 

Der Landhirſch, — es, 3. —, bei ben Jägren, ein Hirkch, weis 
Ser fih auf dem flachta Bande aufpsit, auch Aubirfh, gemeiner 
Wald hitſch genannt; zum unterſchiede vom Berg» ober Gebirg- 
biefhe und Sandhirfche. 

Der Lanphochmeifter, —s, 4. gl. eine ehemahlige Benennung 
des Hotmeifters vom Deutſchen Herzenorben in Preufen. Friſch. 
Der Landhofmeiſter, —s, WM gl. in manden Gegenden, ein Hof 
meifter höherer Art, welcher fein Amt nur in feiner Bandfhaft ober 
in Sachen, bie feine Sandſchaft beterffen, verwaltet, und ber Erb- 
landhofmeifter Heißt, wenn feine Würde erblich if. S. Dofmeifter. 

Die Landhufe, By. —n. ı) Eine Hufe auf feſtem Lande, gewoͤhn⸗ 
lich nur bie Dufe; zum Unterfhiede von einer Wafferhufe. =) Eine 
befondere Art Hufen, mad welcher man in manden Gegenden Acker⸗ 
laad mißt. So Hält in Pommern eine Land; obere Dorfhufe drei: 
Big Morgen, 

X Die Landhure, By. —n, eine Öffentlihe, eine im Lande herum ⸗ 
fireifende Hure. Friſch. 

Die Landjägerei, 9. —en, bie. fämmtlichen Jaͤger eines Landes 
ober einer Landſchaft z zum Unterfhiede von der Hofjägerei. 

Der Eandjägermeifter, —, Di. gl. ber Vorgefegte über bas Jagb⸗ 
weſen eines Landes oder einer kandſchaft; der Erblandjägermeifter, 
wenn feine Würde erblich if. ©. Landforfimeifter. 

Die Landjugend, 0. DH. (M.) bie Kinter und jungen Leute auf 
dem Bande ober in ben Dörfern zufammengenommen. 

Die Landjungfer, 34. —n. ı) Eine Fungfer vom Lande, a) +G, 
Landeulchen. 

X Der Landjunker, —6, 3% gl. der Junker oder Sohn eines Abe⸗ 
gen auf dem Sande; zum Unterfhiebe von andern Junkern, ale 
Stadtjunkern, Fahnjunkern ı. In weiterer Bebeutung, ein 
Sandebeimann Überhaupt; in beiden Fällen aber nur in veraͤchtlichem 
Sinne, einen auf dem Lande lebenden Abeligen von etwas zohen 
Bitten ohne feinere Bildung ıc. zu beztichnen. . 

Die Landfammer, 34. —n, in manden Gegenden, fo viel als Lam 
desfammer, «&, Hammer =, 3). 

Der Landkaͤmmerer, —s, 39. gl. der Vorgeſetzte einer Sanblammer, 

Der Landlammerratb, —es, By. —rÄäthe, der Math bei einer 
Landkammer. 

Die Landkarte, Ry. —n; Div. das Lanbfärthen, ©. D. —lein. 
2) Der mit Hüife ber Stern: und Meßlkunde ins Reine gebrachte 
Umrif und Grundriß eines Landes ober eines Iheiles beffelben, auf 
welchem bie Grenzen, Gebirge, Fluͤſſe, Seen, Gtäbte, Dörfer ıc. 
beffeiben nach ihrer natärlihen Sage bargeftellt und gewöhnlich mit 
ihren Namen bezeichnet find; zum Unterfhiebe von einer Seekatte. 
Wit man eine folde Darftelung ber Grboberfläche Äberhaupt ober 
eines Theiles derfelben bezeichnen , zum Unterfhiebe von einer ähne 
lichen Darftelung ber Dberflähe anberer Weltkörper 5.®. bes Mom 
bes oder der Mondkarte, fo nennt man dieſelbe Erdkarte, nit 
wie es bei Ab, heißt, Landkarte. =) Ein Rame (1) einer Abart 
derjenigen Krgels ober Zutenfhneden, melde bie undergleichliche 
heißt, von der Zeichnung ihrer Schale (Conuscedo nulli mappa L.); 
(3) ber Sandlartenfhnede ©. d. 

Der Landkartendruck, —es, 3%. u. ber Druck ober das Druden 
der in Kupfer geftochenen kendkarten. Davon, bie Landkarten⸗ 
bruderei, eine Druderei, wo Landkarten gebrudt werben. 

Die Landkartenflechte, y. —n, eins Art auf Klippen und Steinen 
wachſender Flechten, .beren blaßgelblicher Scherf buch ſchwarze Eis 
nien auf verſchledene Art gleihfam wie eine Landkarte durchſchnitten 
wird (Lichen geographicus L.). 

Der Landfartenbandel, —$, 0. DB. ber Handel mit Eınbfarten; 
auch nur ber Kartenhanbel. Davon, der Kandkartenhänpter. 

Die Landlartenfammlung, By. —en, eine Sammlung von Ban 

karten, befonbers wenn man bei Sammlung berfeiben den Zweck 


Landk 


20 


Landl 





verfolgt, entweder bie Karten von ben Einbern ber ganzen Erde, 
ober einta Erbtheila, oder auch nur bie beſendern Karten bes ein⸗ 
ꝓnelgen Theile eines Landes zu ſawmein (Atlas), 

Die Landkartenſchnecke, 9. —n, eine lichtgilbe Porzellanfänede 
an ter Afrilonifhen Küfte mit dunkeln Flecen und gebegenen Stri⸗ 

« den, welche ben Streichen, wodurch Berge und Flüſſe auf Landkarten 

. angegeben werden, ähnlich find (Cypraea mappa L,); and bloß 
die Landkarte, bie Kapſchnecke, das Borgebirge der guten Hoffnung. 

Der Lanbfartenflein, —e#, Da. —e, eine Art Gteine, beſonders 
Marmir, Alabaſter und Mergelfgiefer, deren Adern einige Ähnlich. 
it mit ben Steichen und Beihnungen auf einer kandkarte haben 
(Archipelagites), 

Die Landkartentute, MRz. —n. 1) Eine berienigen Zuten, die man 
Kägden nennt, berem gelbe ober zothe Schale weiße Flecken hat, 
zuweilen mit einem weißen Streifen eingefaßt iſt und auf ber Ober— 
flähe erhobene Koͤrner bat, die mit glatten gefurchten Strichen 
umszogen find (Comus granulatus L.). 2) Die gelörnte Landkarten: 
tute, eine andere Art Kegelſchnecken, eine Krontute, bie ſich befons 
ders bei den Philippinifhen Infeln findet (Conus aurantius L.); 
die Pomeranzenſchale. Remnich. 

Die Landkartoffel, Mz. —n, platteunde mit einer rothen glatten 
Haut verfehene Kartoffeln, weil fie Aberall bekannt find und gebauet 
werben. Remnid. 

+ Der Landkaſten, —s, 2. gl. fo viel als Landeskäffe, 

Die Sandfennung, f. Yandesfennung. 

Das Landkind, —s, By. —er, ein’ Lind vom Lande ober auf bem 
Bande; in Begenfag vom Stadtkinde (R.). 

Die Landkirche, 9. —n, rine Kirde auf bem Sande, eine Dorf: 
kitche; zum unterſchlede von einer Stadtkircht. S. Landeskirche. 

Der Landknecht, —s, 9. —e, ein Gerichtsdiener auf dem Bande, 
ober ein Gerichtadlener, welcher zu Berrihtungen, Beftelungen auf 
dem Bande gebraudt wird; zum Unterſchiede von einem Stadtknedite. 

Der Landkomtur, — s, 34. —e, ein Komtur, welder den Ordens: 
pfeänden eines ganzen Bandss ober einee Zanbfhaft vorgeſeht iſt. 

Die Landkrabbe, 2. —n, f. Landkrebs. 

Der Landfrämer, —s, 9. gl. ein Krämer auf dem Lande, 

O Landkrank, adj. u. adv. von einer Landkrantheit befallen. Ein 
Matrofe tft landkrank, wenn er bei dem ibm ungewohnten Aufent— 
halte und ber Lebengart auf dem feften Bande Fran wird, Dahln⸗ 
‚gegen bie auf bem feflen Lande Lebenden und bes Lebens auf ber 
See ober den Sälffen ungewohnt find, feefrank werben. „— wir ein 
alter Matrofe, ber nun — prebhäft und abgebantt — landkrant ift.« 
Beunzel:Sterenau, 

Die Landkrankheit, 3. —en. 1) Eine in einem Bande herrſchen⸗ 
be anſtedende Krankeit. =) Eine Krankheit, welche mehr auf dem 
Sande einzeift, zum unterſchlebe von einer Stadtkrankheit. 

Der Landkrebs, — s, 2. —e, eine Benennung berjenigen Krebſe, 

” bie fi die meifte Deit auf dem Lande aufpalten; zum Unterfhtebe 
von den Waſſerkrebſen, ober den Flußs und Seekrebſen. Seſen⸗ 
ters führt diefen Ramen eine Gattung kurzſchwaͤnziger Kreble in 
Amerika, die in Wälteen in unterirbifhen Löchern, in Felſenlluͤften, 
und auch im hehlen Bäumen von Frädten und Sewädfen leben. 
@ie beißen auch ſchwatze Landkrabben (Cancer ruricola L.). 

Der Landkrieg, —s, Di. —e, ein Krieg, welcher zu Sande gefäßet 
wird; zum Unterſchlede om Seekriege R. 

x Der Landkrokodill, —es, 94. —e, die Benennung der größten 
Art Eidechſen, welche anf dem feften Sande fcht. ’ 

Landkundig ober Landkuͤndig, adj. w. adr. 1) Gines kandes 
fendbig, in einem Bande bekannt, es genau fenzend. =) Im ganıen 
Rande Fund ober bekannt; im O. D. Landruͤchtig, + Landwiß⸗ 
lich. Sein Weiz iſt ja landkundig. Cine landkandige Sacht. Das 
von die Landkundigkeit. j 

Die Landkutſche, 2. —n, eine Frochtkatſche, melde durch ein gan⸗ 


zes Land, ober aus einem Lande in das antere gehet; Kefenbers 
wenn fie nicht dem Fuͤrſten, fondern feinen Unterttanch gehört. Ger 
Hört fie dem Füriten, fo heißt fie gewoͤhnlich Peſtfutſche. . 

Der Landfutfiher, —s, 2%. gl, berimige, ber eine Landrutſche führt; 
zweilen aud, dee Eigenthuͤmer oder Pächter einer kaudkutſche. 

+ Die landlage, 24. 0. im R. D. eint Benenmung bed Naqhbar⸗ 
rechtes. ©. b 

Der Landläufer, —s, 39. gi; bie —inn, #4. —eın, eine Perfon, 
welche ehnt einen beſtimmten Aufenthalt und Zutc zu haben dus 
Mifiggang im Sande ober in mehrern Lündern bezumtäuft und fi 
vom Betteln u, dal. erhält; mit einem tärtern, Beradtung tioch 
ſtaͤrler ausbrudenten Worte, Landſtreicher. Uuneigentlich und in 
Scherz wird in manden Gegenden auf dem Kante audı ein ſchlech⸗ 
tes Bugemüfe aus Mehl und Waſſer ein Kanstänfe gemanne; am 
haͤuſtgſten ein Waffermuß, zuweilen au ein Bachhafe. 

Sandläufig, adj. u. adv: im Sande herumtaufend. Landlaͤuſig fein. 
Uneigentlih, im ganzen Sande in Umlauf, gäng und gebe. Land: 
laͤufige Bünze, welche im O. D. auch landgebig genannt wird. 
Dann ſodiel aid Lambäbtich, im Lante uͤblich, gewoͤhnlich. 

Das Landleben, —s, 0. 4. das Leben, ber gewöhnliche anhaftende 
Zufentz.it auf dem Bande, wie auch bie, Art und Weiſe auf dem 
Bande zu leben; in Gegenfag vom Stadtleben. 

Das Landleder, —E, 294. al. Leder, weldes von im Bande geſchlachteten 
Ihieren zubeseltit, aljo nicht anderiwärts der in baffelbe eingeführt iſt. 

Die Landleute, Ez. u. a) Lente, ober Prrfonen jebes Atters und 
Geſchlechts, welche auf dem Lande leben; beſenders, wenn fie fi 
mit dee kandwirthſchaft befhäfiigen, die Bauern, in ber gemeinen 
Sprechatt, befonders von den geringern Eandleuten, oder veroͤchtlich, 
das Landvolk; in Gegenfag der Stadtleute, bes Stadtrolkes. Es 
iſt dies eigentlich bie Mehrzahl von Landmann; aber in der Vedeu⸗ 
tung von größerem Umfanar. 2) + Die zu einem Landgerichte ge⸗ 
doͤrigen, ober einem Landgerihtsheren unterworfenen Leute; in mans 
chen D. D. Gegenden, z. B. im Deſterreichiſchen. 

kaͤndlich, adj. u, adv, +) In einem Lande übtich, gemößntih, eins 
deimiſch. Die (ländliche Sprache, die Landesfprahe. Die ländliche 
Varfaſſung, bie Banbesserfaffunn Laͤndlich, fittlih, d. h. jedes 
Land Hat feine Sitten und feine Bewohnpeiten, fo wie es in jedem 
Sande Sitte iſt. 

Die Einfalt macht, dag laͤndlich ſittlich heißt. 
Ein weiſer Mann if Schöpfer feiner Sitten. Hageboen. 
2) Dem Sande, in Segtuſatz dee Stadt, gemäß, der Eebendart, den 
Bitten unb Bewohnbeiten der Sandteuie gemäß, bamit übereinftims 
"mend, Das Ländliche Beben. Die laͤndlichen Sitten. Gin laͤndliches 
Bet. Geine laͤndliche Mahlzeit. Eine laͤnd liche @egend. Die laͤnd likhe 
Ruhe, Stille, die auf dem Sande gewoͤdalich derrſcht; in Segenſat 
bes Geraͤuſches in den Städten, Die fänbliche Giädfeligkeit. Die 
taͤndliche Baukunſt, welche Gebdude, mie fle bie Landleute gebraus 
chen, bauen lehrt. Die laͤndliche Säulenorbnang, eine ganz einfade. 
Laͤndliche Ginfacheit. Cine ländliche Schöne, eine Schoͤne oder 
ein Maͤdchen vom Lande; auch nur bir Ländliche. 
das Lob des blühenden Wuchſes 
Matte mih Laͤnbliche roth. Bof. 

Oft wird laͤndlich für einfah, ungelänfteit gebraucht, ba auf dem 

Sante not am erſten einfade, ungekünſtelte und unfhuibige Sitten 

zu finden find; in welchtr Vedeutung aud bie Steigerung tänblicher, 

in dlichſte zuläfig it. Lundliche Sitten. Luͤndlich leden. Ein laͤnd⸗ 
tichts Dahl, „Ein landlich fretlier Scherz.“ Weiße Zuwellen 
au **, bas Landieben beteiffend, befingenb, Gin idndliches Sedicht, 
nicht zu verwechfen mit Landgedicht. S. b. Die laͤndliche Maſe. 

Der bu mit holten Geprͤchen 

Oft die laͤndliche Mufe durch Flur und Auen begleitet, Bahn riä, 
3) + Im Oo. D. freundlich, mohlmollend, wir cd Bewohner Finee 
Landes gegen einander fein follten, „Ein laͤndliches wait Stumpf. 


Landl 


Davon bie Laͤndlichkeit, beſoabers in der zweiten Websutung- „Diefe 
Promenaden (Loſtzänge) baden dem Vorzug mehrerer eiuſecher Loͤcn · 
lichkeit und des Gerduſchloſenn⸗ ungen. (X.) 

Wäße bei ſolchem Matte ber Laͤndlichkeit ſeibſt auch ber Kaiſer. 2. 
Landlos, adj. u. adv. cohne dand, kein Laud zn; bes ꝓrue 
Neaudt. ©. Landerlos. 

Denn er iſt frei, reich, gut und groß, 
' Beim ſelbſt Herr, ob er wol fanbied 
Und habend nichts, hat er bch Ales. ER. Welhrilin, 

Die Landiuft, 0.9. eine Luft, ein Vergnuͤgen auf dem Sande; in 

Begenſat einer Stadtluſt. Bumeiten auch das Landleben als eine 
Buft, als etwas, bau — gewährt, bettachtet. 

Die Landmacht, Dy. mihte 1) Eine Macht, ein maͤchtiges 
Reid ‚ein mädtiger Etaat auf dem fellen Lande; in Gegenſah von 
einee Secmacht. Mufland, biefe große Landmacht von Europa, 
a) Fine Maht, d. h. ein Kriegeſheer zu Tante; im Gegenfag ber 
Seemacht. England fehlte auch feine Landmacht zu Hülfe. 

O Landmaͤchtig, adj. ı. adv: zu Sande mädtie, große Sanbmadt 
befigend, auch vieles ober ein großes Land beſigend, was um zu 
Lande mächtig zu fein, nöthig if. 

X Das Landmaͤdchen, —s, 9. gl. ein Mätden auf dem Eınde, 
vom Sande; eine Zandjungfer. Ein nieblihes, ein unfhulbiges 
Landmaͤdchen. 

Dir Landmann, —es, 2. —niänner und —leute, ein Mann, ber 
auf tem Eanbe Seht, befonders wenn er Lanbwirtbfäaft treibt, in 
melden Falle es mit Bauer gleichbebentend ift, nur dag ihm nicht 
ber veraͤchtliche Rebendegriff anhaͤngt, welcher mit Bauer oft ver 
bunten wird. Ein ehrlicher, cin ſchlichter Landmann. Seine Frau 
beist Landfrau, feine Tochter, Landmaͤdchen, und alle zuſammen 
Landleute. Gin Landmann werben, lnbliche Lebensart und Ber 
fhiftigung wählen und treiben, auf bas Sand ziehen und Bands 
wirthihaft treiben. In verfhietenen Gegenden bat Landmann 

» mod) andere weniger befannte Bedeutungen, Es bedeutet nämlich 
2) + In manden O. D. Gegenden, 5. ®. in Deſterreich, einen im 
Lande anfäffigen Mann, b. h. einen Mitter, Landfland; im ber 

' Mehrzahl, bie-Landmänner. =) In andern Gegenden, z. ®. in 
der Schweiz, ben Beiſiger eines Landgerichtes; in ber Mehrzahl 
gleichfalls Landmaͤnner. 5) + In manchen O. D. Gegenden, ben 
unterthan eines Lanbgerihtäherren; in der Mehrzahl Landleute. 
4) + In ©. D. und 8, D, eine männlidhe Perfon, fofeen fie aus 
einem gewiffen Sande oder Bezirke ift; im Holſteinſchen dem Buten⸗ 
manne (Nusländer) entgegengefegt, und in ber Mehrzahl ebens 
falls bie Landleute. 5) + In D.D. einen Landsmann, 

O Landmaͤnniſch, adj. u. adv. einem Landmanne gemäß, wie ein 
Sandmann. &, Landmann. Landmaͤnniſch leben. Landmännis 
{che Biederfeit, 

Die Landmark, 2%. —ım, bie Mark ober Grenze eines Landes ober 
Landgerichtes; "nie aud bie Grenzzeichen, wodurch fie bezeichnet wird, 

Die Landmarke, 9. —n; in ber Schifffahrt, jede Marke ober jedes 
Kennzeichen am Sande, weldes in der re Aefehen werden und ben 
Schifftrn zur Richtung dienen kann, als Berge, Ihörme, Bäume, 
Windmäplen ze. Ja emjerer Bedeutung, bie an den Rüfteh und am 
Gingange von Fluͤßen errichteten Balken ober hölzernen Gebäude, 
werde den Shifften zur Mihtung und Warnung dienen, 

Der Landmarſchall, —es, Bi. —marfhälle, der Marſchall eines 
Fahbes ober einer Landſchaft, ein vornehmen Lanbesseamter, bee 
Erbland marſchall Heißt, wenn feine Wärde erdlich ff; und won 
ven Hofmarſchalle, wo der Hof mehrere Santfhaften befiät, noch 
verſchieden A. Daran bie Landmarſchallinn, die Gemahlinn, und 

das Landmarſchatlamt, fomor die Würde und has Amt, als auf 
"das Mreiht dee Eandmarfhalles. 

Der Landmeiſter, —s, 89. at. ein zurftiger Gandwerkemeiſter, 

weldjtr auf bem Lande wefnt und dort frin Gewerbe treidt. 


‘ 
“ 


21 


0 Lande 


Der Landmeflen, —8,2g.9E 1) Ein vereibigter Felt maſſer, milk 
fein: Amt in einer ganzen Landſchaft oder im einem ganzen Eande 
ausübt, ober.baffelbe ansmift und aufalmmt, =) Auch überhaupt fo 
viel ala Kelbmeifer. ⸗ 

Die Landmeßkunſt, 0, 2. bie Meptunft, auf, die Ausmeſſung der 

Acker und Laͤnder angewendet ; auch bie Landmeſſung (practische 
Geometrie), 

Die Landmeflung, My; —en, bie Meflung ober Ausmeflung eines 
Landes ober eines Theiles beffeiben; das Landmeſſen. Dann auf, 
nit gut, für Yanbmeffunft. . ' 

Der Landmolch, —es, Mz. —e, eine Art, Melde, melde rk 
Lande lebet zum Unterfchlete von dem Waſſermolche. 

Die kandmünze, 39. —n. ı) Die in einem.Ehnde eingefäter, vom 
Lande ober vom Landetherren geprägte Moͤnze, zum Unterſchiede non 
den fremden ober auswärtigen; die Landesmuͤnze. 4) 3a Baum 
iſt die Landmuͤnze eine eigene Heänungsmünge, melde =', Rrenier ' 
oder 10 Pfennige-gilt und beren 24 auf einen Gulben gehen, 

Die Landnatur, 9: 2%: bie länblihe Natur, bie Natur, bie fh auf 
bem Lande yeigt, d. 5. die einfache wahre Natur. „Und Gott ſprache 
werden Lichter in der Weite der Himmel, Grenze zu madıen ‚wilden 
Tag und Naht und Zeichen für Zeiten, Tage und Jahre — melde 
einfättige Yanbratur| was iſts, was ber natärliherMenfd an bin 
Geſtirnen mehr wolle und braude.e Herder. 

Die Landordnung, f. andesorbnung. 

Die Eandpfarre, 94. —n, eine Pfarre auf dem Lande, bie Lands 
predigerftelle, Dorfpfarte; in Gegehfat non einer Stadtpfaree, 
Der Landpfarrer, — 8, Mi. gl. ein Pfarrer auf dem dande, „ber 
Landprediger, Landgeiftliche; auch der Dorfpfarrer, Dosfprsdiger, 

Dorfgeiftlicie. 

Der Yandpfennig, —es, 4. —t , in manden Gegenden für Sands 
fleuer, die bush das ganze Sand aufgelegte Steuer von liegenden 
Gründen, befonters auf dem Lande. - Im DOgnabrüdihen ift oder, 
war der Yanbpfennig in engerer Bedeutung bie von rinem Grund⸗ 
ſtüce zu entrichtende Abgabe, welde der Käufer jaͤhrlich dem Wer 
äufer vergüten muß, weil dort bie Abgaben auf dem Beſitzer, nicht 
auf dem Srundſtuͤcke daften, fo daß ſie ber geweſene Wellger fiener 
entrihten muß, wenn er auch das Brundftüd verkauft hat. 

Der Landpfleger, —b, 8. gl. in O. D. der Vorgefegte einer gans 
zen Landſchaft, oder doch eines großen Theils derſelben, welchem bie 
Pflege db. h. bie Aufſiſcht und! bie Drawaltung bes tınbes anvertraut 
iſt; der Statthalter, Landrogt ıc. (Gourernoyr, Prasfeot), Auch 
geringere Vorsefepte, als ber Worgefente eines obrigkeitliden Hama 
weramtes auf dem Lande, und in Närnherg bie Hatlshersen, melde 
die Auffigt über bie fämmtlicden Glieder des Raths,außeg. ser 
Stadt haben, und welde mit bem/umnter ihacm ſtehenden V ogern 
und Kaſtnern das Lanbdpflegeramtrausmegen, führe birfen Nas 
men. In Hinerem Ginwe Fönnten auch bie Fürken Lanbpiliger, 
Yfrger oder Wäter bes Bandes fein. „Ge (der, Zürfl) Irene fahr — 
fehen — als einen Landpfleger im:höhern Sinne, ber für und- über 
alle Zwtige bes Staates den Blick hat, wie der —— für * 
Echonheiten ben Geſchmack.·“ J. P. Nieten», 

Die Landplage, 2. —n, eine Plage, d. h. sim, PREHRFERR wor 
von ein ganzes Land obrk deffen Einwehher gesiäde werten, Dir: 
aleichtn Mind Krieg, Pet, allgemeiner Mifwace, Biie fiäsftenize 

Die Landpolizei, o. y. bie‘ Polizei abe DOrduungsnfüät,cuftem 
Bande, ald ein Theil ber Landes ponzei - in Brjanfag ud Stadt ., 
polizei. . "ch 

Der Landprebiger, —s , 2%. olsTo. niet * ———— Dason 
Bie’Lamfoprebigerinn, ſelne Cattinn, die Eunprekamule un 
beffefben. 

Die Landralle; m. —n, eine Art —* bie n4 one Siste 
aufhalten (Rallus wirginienus). 

Der Landrath, ts, ig. —räshe, vein rom ‚gkichfem: {de da 


Randr 


platte Sand. 1) Im Preußifhen find bie Lanbraͤthe abelige obrig⸗ 
keitliche Perfonen anf bem Bande, und zwar in jebem Rammerkreife 
einer, melde befonderd die Sandpelizei handhaben, und die Sefehle 
ber Landeskammer, unter weicher fie ſtehen, auf dem Bande zur Bes 


2 tanntfhaft und Ausäbung dringen, angleih aud bie Bewohner bes 


u. 


“ platten Landes bei vorfommenden Gelegenheiten vertreten, und für 
ihre Rechte fprehen, zum Unterſchiede von dem Keiegeräthen,, wel: 
che daſſelbe Amt in ben Stäbten verwalten. a) In andern Gegen: 
den find fie abelige Landflände, welche theils in allgemeinen Ange 
fegenheiten der Mitterfhaft zu Mathe gejogem werden, theils auch 
die Santesabgaben verwalten, unb baber im Eäneburgifgen auch 
Schathzraͤthe gemannt werden, 5) In ber Schweig führt aud ber 
aus mehrern Gliedern beftehende Rath eines Bundeskreiſes ben Ras 
men Lanbrath. 

Landraͤthlich, adj. w, adv, einem Landrathe gehörig, in deffen Amte 
und Würde gegränder. Der landräthliche Gehait. Der landraͤth⸗ 
Bche Poften, ber Poften, das Amt eines Laudrathes. Die landraͤth⸗ 
lichen Geſchaͤſte. Ein landraͤthliches Schreiben, ein Schreiben vom 
Lanbrathr. 

Der Landrauch, f. Hrerraud. 

Die Eandraufe, By. —n, eine Art auf fumpfigen Wiefen wachſen⸗ 
der Raute, (Sisymbrium terrestre L.); zum Unterſchiede von ber 
Sumpfraute. 

Das Landrecht, —es, 4. —. 1) Der Inbegriff, bie Samms 
fung bee fänmtliäen in einem Linde, ober aud in einer Landſchaft 
üblihen bärzerlihen Rechte; zum Unterfhirbe von andern allgemel⸗ 
nen und befondern Rehten, als dem Roͤmiſchen Mechte, dem Kir: 
chenrechte, dem Lehnrechte, dem Stadtrehte. Mas Preugifhe 
Landrecht. =) Im engeser Webeutung ik das Laudrecht in 
einigen Ländern, 5. B. in der Schweiz ber Inbegriff der auf bem 
platten Sande eingeführten Rechte; in Gegenſah bes Bergtechtes 
und Stadrechtes. 3) + Im DO. D., beſonders in Schleſien und 
Bbhmen, fo viel als Eanbgeriht, ein höheres Geriht, vor welchem 
die gemeinen Sandesfa—hen und Büterangelegenbeiten bes Abels abge ⸗ 
macht werben, Im Schleſten hat ber Landeshauptmann babei ben 
Berfig, und der Fandrichter, Landkanzler, mehrere Landſchoͤppen 
ober Zandrechtebeifiger, ber Landfchreiber ıc. find bemfelden unter 
georbnet. Das Paifertich » königliche Landrecht im Riederdſterreich 
aber hat einen oberften Lanbrichter an ber Spige, welchem mehrere 
Pandrätbe als Beifiger, ein Landſchreiber ze. untergeorbnet find. S. 
auch Landgericht. 4) Ehemals das Met auf den dandesſchut und 
bie damit verbundenen Vorteile und Freiheiten, Arnoldi. 

Landrechtlich, adj.u, adv. zum Landrechte gehörig, beimfelben gemäß, 
darin gegrändet, baraus folgend, „Lanbrechtlicde Befeggebung.* 
Ratiomalzeitung. (R.) x 

Der Landrechtöbeifiger, —6, 24. at. f. Landrecht 3). 

Der Landregen, —d, MM. gl. ein anhaltender Regen, wels 
Her fih Über ein ganzed Land erſtreckt;z zum Mnterichiebe von 
einem Strihregen, Gewitterregen, Platztegen. Im gemeinen 
Leben, wo man es nicht fo genan nimmt, nennt man aud einen 
Wegen, der mehrere Tage anhält und wobti ber ganze Befihtäteris 

' bezogen ift, eimen Landregen, wenn er fih auf nur mehrere Meis 
len weit im Umfeeife erftreden folte, 

Die Eandreife, 24 —n, eine Beife zu Lande; in Begenfag einer 
Serreife. Muh, eine Reife im Bande, baffelbe kennen zu lernen ıc. 
.— und nähm ihm auf bie — Lanbreifen mit." I. P. Riäter. 

Der Landreiter, —s, 4. al. ein ebrigkeitlicher Bebienter zu 
Pferbe, welcher bie Bandftrafen bereitet, auf Webestreter ber Por 
Hjei, der Korft:, Bollverorbnungen ıc. achtet, und fie zur Bes 
frafung anzeigt ober einbringt; im verfhichenen Gegenden auch 
Panbbereiter, Landbragoner, fofern ein Dragonen dazu gebraudt 
wird, der Außreiter, Überreiter (gems d’armes). 


Die Eandreiterei, 2- —ın, ber Behiek eines Lanbeeiters; aud mol, 


22 


Landf 


das Ami und bie Wohnung eines Bandreiters. 

Der Landrentmeifter, —s, 3. gl. ber Rentmeifter ober Einneh: 
mer der öffentlichen Befälle eines ganzen Bandes; wie auf in eng⸗ 
vor Bebeutung, bee Gefälle auf dem flachen Bande. Im legten 
Bade ift er bem Stabtrentmeifter entgegengefegt. 

Die Landrentmeifterei, 2. —ın, (R.), das Amt, tie aud der 
Bezirk, oft auch, bie Wohnung eines Cabrentmeifters, 

Der Eanbrichter, —s, 3. al. 1) Der Richter in einem Bantger 
richte oder kandrechte. S. Landgericht und Kandrecht. Bei dem 
groͤßern Landrechte in Wöhmen fleht Äber dem Landrichter noch ber 
oberfte Burggraf, der oberſte Banbhofmeifter, der oberfte Lanbımars 
ſchall und ber oberfle Landkammerer, in bem fleinern Bandbreite aber 
ber Unterburggraf (Viceburggraf) umb ber tnterlandlämmerer 
(Vicelanbfämmerer). =) Ein Richter auf dem Bande, in Begins ' 
fag eines Stadtrichters. 

Die Landröthe, 9. u. ein Rame, welder im Handel und Mantel 
bie gemeinfte Art Röthe ober Grappe, welde durch Schoͤßlinge forts 
gepflanzt wird, und ihren Samen nicht zur Meife dringt, fähret. 

Landruͤchtig, —er, —fe, adj. u. adv, im O. D. im ganjen Sande 
züätig, bekannt. Friſch. Davon bie Landruͤchtigkeit. 

Die Landruhr, DB. u. eine anſteckende Ruhr, ſofern fie in einem 
ganzen Lande berefht, wie ak, eine anſteckende Ruhr auf bem 
Raabe, 

Die Landruthe, 9. —n, im einigen Gegenden, ein auf bem Sande 
Übliches Längenmaß; zum Unterfchlede von der Stadtruthe. Im 
Rürnbergifhen Hält nah Friſch bie Landruthe 16, bie Stadtruthe 
10 bis ı2 Schah. 

Der Landfafran, —ed, DM. u. Safran, mwelder im Sande ſelbſt 
grbamet wirb; zum Unterfhiebe von dem auslänbifcen. 

X Die Landfarfhe, By. —n, Sarfche, welde im Lande verfertigt 
mwirb; zum Unterfhiebe von ber auslänbifhen. Dann aub, eine 
geringe, ſchlechte Art Sarſche, wie fie bie gemeinen Leute auf dem 
Eanbe tragen. 

Der Landfak, —fen, 2. —ffen, überhaupt einer, ber in einem 
Sande anfäffig ift, ein anfäffiger Einwohner, unb in engerer Ber 
beutung, einer, ber auf dem Sande anfäffig it, ein Landmann. 
In biefer Bebeutung tft es minder gewoͤhnlich. Gewoͤhnlich verficht man 
barunter ben Befiger eines freien Landgutes In einem Lande, ven 
welchem er bem Bande zu Dienſt und Pflicht verbumben ift, es fei 
übrigens ein abeliges Sandgut oder nicht; in Begenfag eines Reiches 
faffen, ber fein Gut vom Kaifer und-Meich unmittelbar zu Echen 
dat. Die Landfaffen theilt man in Schriftfaffen und Amtfaffen. 
©. biefe Wörter, In engerer Sedeutung heißt in manden fanden 
nur derjenige ein Landſaß, welder von dem Landgute, das er befigt, 
@ig unb Stimme auf bem Lrnbtage bet. Im einigen Gegenben 
Deutſchlanda verfieht man unter Landſaſſen aud eine Art Binsieute, 
melde ben Pfleghaften, bie Eigenes im Lande haben, entgegenge» 
fept werben, Ad. vermuthet, baß biefe eben bas find, mas am 
Ober und Risderrheine bie Landſiedler Mind, deren Büter Lanbſie ⸗ 
bei, deren Eigenfhaft und Stand aber bie Kandfiedelei heißt. 

Die Landfäfferei, 3%. u. in den Kanzelelen verfhiebener Gegenden, 
bie Gigenfhaft, ber Stand eines Sandfaffen; beſſer die Yandfäffige 
keit ( Lanbsassiat). 

Landfaͤſſig, adj. u, adr. bie Eigenſchaft eines Lanbfaffen habend, in 

» ber Eigenſchaft, bem Stande eines Banbfaffen grgrändet. Ein land» 
ſaͤſſiges Rittergut, ein felhes, welches dem Bande ober ber Land: 
fdaft, worin es Liege, zu Dienft und Pflicht verbunden ik, womit 
ber Eanbeihere belehnet, und welches Eig und Stimme auf bem 
Landtage dat. Davon die Landfäffigkeit. S. Landſaͤſſerei. 

Die Landſchaft, 4. —en. 1) Ein Land, ſofern es als ber Theil 
eines größern Landen oder Reiches betrachtet wird (Provins), &o 
beſtehen alle großen Länber und Reiche 5. B Deutfhland, aus mehs 
wern Bondfhaftmg Die Deutfhen Landfchaften des Prrupifgen 


Landſch 


Staates. Die Eurspkifhen Landſchaften des Kuſſiſchen Reis. Im 
den verſchledenen Landſchaften Deutfhlands herrſcht eine große Ber 
Tbiedengeit der Gpredarten. In manden Begenden führen aud bie 
Theite Heinerer Bezirke den Namen ber Landfhaften. Go befieht 
das Amt Kondern in dem Herzogthume Schleswig aus zwei Fahbs 
haften, d. 9. Bezüten, weiche Wezieke im andern Schleawigſchen 
mtern Harden und Birke heißen, und welchen Amtleute ober auch 

+ 2andoögte vorgeſegt find, Umeigentiih nennt man aud bie Land⸗ 
Hände eines Landes ober einer Landſchaft, als ein Banzes betrachtet, 
die Landſchaft, und auch wol einen von den Sandfländen nieberger 
ſetten Ausfhuß aus ihrer Mitte, bie Angelegenheiten der geſacam ⸗ 
ten Laudſtaͤnde im Namen berfelben gu verwalten, Die Landſchaft zus 


fammenbexufen, entlaffen. 2) Eine Gegend auf dem Lınbe, fo wie fie - 


"fh dem Auge barftellet. Eine ſchoͤne, reizende, lleblicht Landſchaft. 
Cine reicht Landſchaft, die reich an mannichfaltigen Begenftänten iſt. 
3) Ein Gemaͤhlde, ein Kupferſtich, eine Zeichnung, melde eine ſolche 
Gegend auf dem Sande darftelt ; in welcher Bebrutung auch bad Ber⸗ 
Heinungswert Landſchaͤftchen niht ungewoͤhnlich if. (R.) — 

ee adj. u. adv. ı) Zu einer Landſchaft, d. h. dem Zfeile 
eines geößern Landes gehörig, in derſelben einheimifh, gewöhnlich 
provinciell, Provincial-). Das landſchaftliche Recht oder das 
andfchaftsrecht (Provincialret), weldes in einer Lanbſchaft rin 
geführt iſt und noch vom Landrechte verfhieben ift. Die Lanbfchafts 


liche Sprache, bie Sprache, mie fie in einer Landſchaft gefprohen 


wird (Provincialfprade). Landſchaftliche Wörter, Auspräde, Ei ⸗ 
genthämflichkeiten (Provincialismen), ‚Das Landſchaftliche in der 
Sprache.“ Kiopftod. Der lanbfhaftlihe Sprachgebrauch. 2) Bur 
Landſchaft, d. h. zu den Lantfländen gehörig, im ihren Rechten und 
Berbindlihkeiten gegründet sc. Der landſchaftliche Ausfhup. Lands 
ſchaftliche Berathſchlagungen. 

Der Landſchaftmahler, —s, Mı gl. ein Mahler, welcher nur ober 
doch vorzüglich dandſchaften maplet; bei @inigen auch der Landſchafter. 

Die Lanpfhaftmablerei, 9. u. (R.) die Mapterei, ſofern fie ſich 
mit Mahlen ber Landſchaften beſchaͤftiget. 

Der Lanpfhaftsahat, —es, 9. —e, ein Adat, deffen Zeichnun⸗ 
gen einer Landſchaft Ahntich ind (Achates ruralis L.). 

Der Landfchaftsdiener, —s, WM. gl. ein Diener bei ber Landfhaft 
ober ben verfammelten kandſtaͤnden. 

O Das Landſchaftsfach, —es, 0. 24. basjenige Bad ober berjes 
nige heil der Mahlerei und Kupferſtecherkunſt, melder ſich auss 
ſchtle zlich oder doch vorzüglich mit Landſchaften befdhäftiget. „übers 
fit deſſen, was die Rupferftehertunft im Landfchaftsfache leiſtete.“ 
ungen. (#.) 

Das Landfhaftshaus, —es, 34. —häufer, ein der Landſchaft ober 
ben kandſtaͤnden gehoͤriges Haus, in welchem fie ihre Berfammlun: 
gen halten; auch nur, dod nicht fo gut, das Landhaus. 

Die Landſchaftskaſſe, By. —n, eine ber Landſchaft ober ben Eand» 
fönden gebörige Kaffe zur Befteeitung ihrer Ausgaben, 

O Das Landſchaftsrecht, —s, MM. —r, ſ. Landſchaftlich 1). 

Der Landfhaftöflein, —es, 4. —e, tin Stein mit Zeichnungen, 
welche einer Sındihaft ähnlich find (Chorolithi), S. Baumſtein. 

O Der Landfchaftövorficher, —s, 3%. gl. ber Worftehre einer 
kandſchaft, db. d. des Theiles eines Bındes, welcher ein Landſtand 
if und bei Dingen, welche die Landſchaft angehen ıc. zu Mathe ge, 
a0gen wird (Banbrsdirector), 

© Das Landfchaftswort, —ıt, 34. — wörter, eim landſchaftliches 
Wort, eim Wort, bas einer Landſchaft eigenthämlih-und meift nur 
in derſelden gewöhnlich if (Prorincialmort). ©. eibnig fon 
fagte Landwort tafür und Stieler hat & Landeswott. S. 6, 
Verb. Provincialismus. 


© Das Landſchaftswoͤrterbuch, —es, 34. —büher, ein Wörten · 


buch, weldes bie Eintfchaftsmdrter enthält und erklärt (Idiotiepn), 
©. Kuh das Landwörterbud. 


23 


Der Landfhöppe, —n, mn. 


Landfe 


Die Landfcheibe, 9. —n, bie Scheide, d. h. bie Grenze eines Sans 
bes, bie Landesgrenze. "In engerte Bedeutung, bie Scheide ober 

“Grenze zwifhen ben Grundſtücken, die Feldgrenze. 

Der Landfcheider, —8, PM. gl: eine Herpfliätete Perſen, melde auf 
bie Feldgrenzen Acht —* das fie nicht verruͤckt werben; an mans 
den Orten au Untergänger, Steinfeher'x. 

Das Landſchießen, —s, M. gl. ein feierliches Schiefen im ganzen 
Lande, ober ein Schießen, ar-mweldem bie Schützen bes ganzen Sans 
bes oder ber ganzen Eambichaft ehemahls Theil nahmen; zum Unter 
ſchlede von einem Gemeinfchießen: 

Die Landfchildtröte, 9. —n / die Benennung derjenigen Ghilbked« 
ten, melde meift auf ben Lande leben ; yum Untrefgiede von dea 
Fluh ⸗ und Seeſchildkroͤten. 

Daß Landſchilf, —es, 3. u. eine Art Rohe ober Schilf auf — 
Hügeln und ſandigen unfruchtbaren Feldern (Arundo epigeos L. ) 
auch Bergſchilf, Huͤgelrohr, Huͤgelſchitf. 

x Der Landſchinder, —s; — gl. ein angerechter, harter und grau⸗ 
famer Sanbesperr. Frifd. 

© Das Landfcloß, —fes, 29. —fhlöffer, das Gälof eines Bär 
ften ober vornehmen Herrn adf dem Lande, in welchem ex ſich aufs 
hätt, wenn er auf bem Sande lebt. „Der Schloßvogt auf einem 
ihrer Landfclöffer.“ J. P. Kihter. 

Die Landſchnecke, 39. —n, eine Benennung berjenigen Schnecken, 
welde auf dem Lande leben, Erdfchneden; ‚dum Unterfhiebe von 
den Wafferfchmeden. 

© Der Landfchnupfen, —6, 9. u. ein ne Landkrankheit und 
Sanbfieber gebiidetes Wort, einen anſteckenden Schaupfen ober ein 
anftetendes Schnupfenfieber, welches in einem ganzen Bande ober 
bo in einem großen Theile deſſelben herrſcht, bamit zu bezeichnen 


(Influenza, Gripe). €, 
ı) Dee Shöppe ober WBeifiger 
eines Sandbgerihtes, S. Landrecht. 2) Der — eines Gerihtes 
auf bem Lande. 
10% Landſchranne, 84. —n, f. Landrecht. 
r Landſchreiber, 18, 2. gl. 1) Der Sqhetiber bei — Tands 
gerichte, beffen Rang in den verfhlebenen Segenden verſchieden iſt. 
In Böhmen, Mähren ic. gehört er nebft dem Tanblämmerer unb 


Sanbrichter zu ben oberften Banbesbeamten. Im andern Landgerichten iſt 


er nur ein gemöhnlidher Schreiber. 2) Der Schreiber bei einem Bes 
richte auf bem Lande; zum Unterfhiede von einem Stabtfhreiber. 

Die Landfchule, By. —n, eine Schule auf dem Lande; zum Unten 
fhiebe von einer Stadtſchule. S. Landes ſchule. 

Der Landſchulmeiſter, —®, gi. ein Shulmeifter auf dem Lande, 

Die Lanpfchwalbe, 9. —n, die Hausfwalbe (Hirundo urbica 
L.); aud Faubenfmalbe, Gieberfhmatbe, Spierfhmalbe, Dorf: \ 
ſchwalbe ıc. 

+ Der Landfedel, —6, 29. u. (R.) der Bedel, d. h. bie Öffenttiche 
Kaffe, ber Schatz eines Landes. 

Der Landfee, —s (dreifüüdtg), DM. — ſeen (beeifiibig), ein See im 
nerhalb bes feften Bandes; in Begenfag von ber Ber ober dem Meree. 
Dergieidhen find ber Wodenfee, Bürderfee, Benferfer, Birknigerfee 2m 

"Sb er ſehr groß, fo nennt man ihn aud bie Ser ober ein Meer, 
1. B. bie Kaspiſche See oder bas Kaspiſche Dieer, das tobte Merz, 

Die Landfeide, o. 9. bie im Lande gewonnene Seide, zum Unten 
Thiebe von ber aus andern Linbern eingeführten. 

+ Das Bandfeil, —es, By —, ber Rame eines Welb» und Acker⸗ 
maßee in Böhmen, weiches fo wie das Baldfeil 52 Prager Ellen Hält 
yam Unterfhiede vom Weinbergoſeile, welches 64 folder Ellen pält. 

Die Bandfeite, 9p. —n, iM.) die Geite vom -feften Lande her, ober 


' nach dem Bande bin, 3. B. einer am MWaffer liegenden Gtabt; im 


Segenſat ber Wafferfeite oder Seeſeite 
Die Landfeuche, By. —n, eine anfledenbe und zur Seucht gemar 
dene Rrankpeit, fofesm fie Über sin ganzes Band oder einem geofem 


R 


F 
fi 
k 


i 


Zeit. deſſeiben verbreitet Hb-(Epidemie), .- je⸗ 
Dir Vandficht, Wy u. die Anficht des Landes, ia ber Schifffahet, wo 
man Lanofiht dat, wenn man ſich detu Bine ſo nade befindet, daß 
mans ſehen ober erkennen fann. ‚Röbing ,; s 
+ Das Lanpfiedel, —s, 39. al. in.manden, befonderd Npeingegens 
den, ein jeder Mohnfige ein jedes Gut auf dem Launde, wie aud eine 
Art Binsgäter, die ungefähr eben das find, was. im D. ©; bie 
-. Meiergüter find, . S. Landſaß. Davon ber Landſiedler, auch wol 


der Lamdfiedel,nber ‚Weiter einas ſolchen Lantficdels ober Laudſtedel ⸗ 


gutes; die Yanbfiedelei, die Eigenfhaft, der Stand eines andfied: 

Aers, bee Landſiedelhert, ber Frunk: und Ohpenifumspere eines 

vo tambfichels, das Landſie delrecht, das Recht deſſelben zc. S. Siedel. 

Der Laͤndſitz, — s, Pi —e, der Sie, d. b. der Wohnort, das 

Sehndaus welches ein Herr auf dem kande hat, um ſich zu Ariten 
dort aufzud aiten. 

Das Landskind, f. Landestind. nn. 

Der Landsknecht, —es, A —e. 1) Ein Knecht bes Landes, mel 
der zur Vertheidigung bes Bandes beſtimmt iſt, kir ehemahls üsliche 
Benermuhg! eines gemeinen "Solbaten ; befonders zu Faß. Im ge 
melden: Toben fagtı man noch Kuchen wie ein Landetnecht, d. 6. auf 
eine niebrige Art. a) Dir Name eins Rarteafpieled, Landetncht 
fpielen, ku . , 

Der Sandömarın, —s, 3. — leute; die —männinn, 24. —m. 


1) ne Perſon, welche mit einer andern aus einem und bemfelben | 


Lande gebärtig ift; im D. D. + Landmann. Ge if mein Landes 
©" mathe, fie meint Lande maͤnninn, Bir find Landeleute. a)ı+ Im 
© ®,D. üntanbeelind. Srden 0° : 
Eandsmanniſch, adj. u. .ady, in dem Werhältnif vines Sonbsmannes 


Nedend, im bemfejden gegruͤndet. Das heißt niht lands maͤnniſch 


gehandelt, wie es ſich für einen Landsmann gezienat. „Oft fdägten 
fiey- die Verwunbeten gluͤctich, wenn fie gefangen wurden, um niht 

„den Möffeen und Pillen ihrer landemaͤnniſchen Mebicinat: Mepgers 
Tnechte (ärztlichen Metzgerknechte) heimzuſterben.“ Reigsanr 
zeigen (RM) ] 


Bir Lanbsmännfchaft, u. 2) Die Eigenſchaſt, das Verfätt . 


niß ydkler ober mehterer Perfonen,, welche aus einem und bemfelden 
Lante'gibbetig'finds7o. Dig. „Miemand fhöpfte-Verbadht wegen feiner 
vLandemannſchaft.“ Meisner. (R.) =) Mehrere aus einem und 
wdenſelben Bande ober Theile beffelden gebürtige Perfonen, als, ein 
Wanzes betrachtet. Die Landsmannfhaften auf hohen Schulen, 
Der Sandfelbat, —t1, =. — en, ein Soldat, welcher zu Lande 
dient; in @egenfag eines Geefäldaten 
5 Det kandſprachgebrauch, —es, Di. — gebraͤuche, ein lan: 
Aa ftlichee S rachgebrauch (Provincialismms). 6. S. Landſchaftlich. 
Die Landſpitze, 9. —n, eine Spite, d. b. ein in eine Spite aus 
laufender Theil des feſten kandes, weldher in das Waſſer ober Meer 
biucinragt. 
Der Landeſtrich, —es, My —e, ſo viel als Erdſtrich, Himmels, 
ſtrich (Clima, Zone); unterfhleben von Landſtrich. S. d. 
Die Landſtadt, Mr. —ſtuͤdtez Bw. das 
—ſtaͤdtlain. 1) Eine zu einem Lande oder zu eiaer Landſchaft ger 
tdrige Staͤdt, welche dem Landesherra unterworfen iſt (Municipal- 
fladt); zum Unterfdjiede vom’ einer Reichsſtadt. Zuweilen werten 
auch tie dem Landerheern unmittelbar untermworfenen Städte Lands 
flädte genannt, to fie dann ben Amtöftädten und abeligen Gtäd- 
° gem entegengefegt find. »):Eine-Ctadt in der Landſchaft aber dem 
Tarife sines Bandes, ſotern ide die Hanptflaht des ganzen Landes 


oder Nohbes enrärgengefegt wird (Prowincaelkabt), wie auch eine , 
Keine Btost fn einer Landſchaft in Segenſatz der Hauptſtadt dieſer 


vandſaft, ind bie gewiſſermaßen ſchon zum flachen Lande gerechnet 
wird, ein Landſtaͤdtchen. 5) Wine im feſten Lande gelsgene Stadt; 
zum unterſchiede von’ einer Seeſtadt, Waldſtadt. 


Der Landſtand, —es, 7. — ſtaͤnde, der Stand eines. Bandes ober 


24 





Sandftädtchen, ©. D, 


Rand 


‚einer Landſchaft, awdelcher das Necht bat auf Panbtagen zu erſe 

Ri oe; daſelbſt Über Angelegenheiten des Saubed feine Stirime au ‚ges 

ca. B. Stand. m z Pe 

Lanpffändifg, adj. ü.ade: ten Eanbfkäuben gehörig, in threr Eigen: 

u [Oefk, und Mürde gegründet; auch nur fänciih. . a 

Die Landfiantfchaft, Py.u. 1) Die Eigenfhgft up Würde eines? 
ſtandes. „Dap it meine — Landſtandſchaft pelltiſchee Melsungen 

„ Degen verloren habe“ Bertepf@. (R.). 2) Die Eintilände zuſam⸗ 
menjenommen,, .. 

Dir Lanpftein, —es, 9. —e. 1) Der Geengtein, ſowol auf der 

n Erenze,eines ganzen Landes oder einge Laudſchatt, als auch eid jelner 

Sraadſace. a) Im Bergbaue, eine Seatnnuug derienigea Fifens 
Prine, velcht man zuveilen auf oder nade Unker der Obertuͤche ber 

Erde finde S. Raſenſtein. 

Die Landſtelle M..-—n, eine Ziele, 

londers eine Landprodigerfiehe. 

ſtelle (Sandercollegium) ©, d. E 

Das Landſterben, —, 93. u. ein Sterben im ganzen Sante, da 

„, biele Menfhen yub Thlece im Sande an anſteckenden Seuchen ſteaben. 

Die Eandfteuer, 29, —n. 1) ine Steuer, welde von den Ride 
bexcien entrichtet wird; zum Unterfhirbe von ber Kopfſteuer, Waas 
renfteuer, Vermögensfleuer 1. =) Cine Eteuer, melde vom 
fladen Lande, von den Landleuten gegeben wird; zum Unterfhiehe 
von ber Stäbtefleuer. . ng 78 

Der Lantflod, —es, By. — ſtoͤce. 1) Eine Benennung der Fidfer 
Remnid. =) Ein Rehnungstäfelhen, auf welchem ausgerechnet iſt, 

- mie lana ein Morgen Landes von gegtbenexr Breite fein muf. Friſch. 

‚Die Landfirafe, Mg. —n, eine Strate, d. d, ein breiter Meg, 

‚welder durch bas Sand von eigem bebeutzuben Ort zum anti, ober 

aud aus einem Sande in das andere gehet; aud die Heerſtraße, in 

Sahfen aud die Gelsitsftrafe, weil man darauf Geluitageld brjaße 

. len muß, ehemahls aud) der Koͤnigeweg, weil ex unter bem belons 

.. bern Schuge der Deutſchen Kaifer und Könige Hand. Gine Lands 

ſtraße anlegen, bauen. Gine-Stabt, ein Dorf an der Landſtraße, 

durch welde die Landſtraße führt, eder hei welder fie vorbeigehet. 

X Beftändig auf-der Landſteaße fein, Uegen, deſtaͤndig hin und ber 

> zeifen, unterweges fein. j 

Dir Landſtraßenbau, — s, 9%. —e, ber Bau, die Anlegung und 
Unterhaltung einer Landfizaße oder ber Landſtraßen. 

O andflreihend, adj. u. adv. durch das Land ſtreichend ober ſtrei⸗ 

.fend, von müßigen und liebeslihen Menſchen. Gin Inndflreichens 
der Menfd) , ein Landſtreicher. Uneigentlih und verähtlih, O im 
Lande gängig, gemein. — nicht bloß gänges Kleingeld und lands 
freichende, von. ben Händen des Zroffes abgegeiffene und beſudelte 
Sheibemünze.* Bof. j 

x Dir landftreiher, —s, My. gl; die —inn, 94. —en, eine 
Perſon, welde ohne feflen MWohnfig und ohne befiimmten Zweck, ges 
woͤhnlich aus Mäffiggang, Lieberlihkeit ober Raubiuft im Lande 
herumftreicht, oder die Länder durchſtreicht.z and Landläufer, Lands 
burchfteeiher, im ©. D. Landfahrer, Landſchweifer, Landſtoͤrzer, 
Randftreiner, Landſtroͤmet, Landftürer, Stroihengefindel .ıc. - 

X Die Landftreierei, Az. —en, bas müflige Lirberliche Herum ⸗ 
ſtreichen im Lande; wie aud bie Lebendart eines Laadſtreichers. 

X Landſtreicheriſch, adj. u. adv. bie Lebensart eines Lanbfreiherg 
führend, nach Art eines Landſtreichers. 

Der Landflreifer, —s, Dy. ai; die —inn, 9. —en, rin Perfon, 

ı die durch das, Land flreift, Gtreifereien buch ein Eınb macht; ein 

Wort, weiches zwar im guten ®inne gebraudt werben kann, meiſt 

ader bad), mit Landſtreicher gleigbeutig gebraucht wird. 

x Die Landftreiferei, 8. —en, das Heeumfireifen im Linde, eine 
Streiferei durch das Sand. Der Fuͤrſt ſcherzte über meine Lande 
ſtreiferei.“ Benzel⸗Sternau. 

Der Landſtrich, —es, Di. —e, ein Strich eandes, d. h. ein nach 


weh 
ein Amt auf bem Sande, fer 
Nicht zu vermechſeln mit Lanbess 


‘ Bandit 


einer Richtung fortlaufender Theil eines Landes bei geringerer 
Beriie. 


— Die Landſtube, 9. —n. 1) Dieienige tube, ober basjenige 


Bimmer, worin bie landfkänbifhen Berfammlungen gehalten werben, 
=) Dasjenige Zimmer, In welden ein Landgeriht gehalten wird; 
wie auch biefes Bericht ſelbſt. 5) Dasjenige Zimmer, worin ſich 
eine für die Güter auf bem Sande verorbnete Behoͤrde verfammelt, 
und biefe Behoͤede ſelbſt. * 

Der Landſturm, —es, . — ſtuͤrme. GQ.) 1) Ein Sturm zu 
eande; in Gegenſatz von einem Seeſturme. =) @in Aufgebot der 
fämmetlihen Einwohner eines Landes, einen Feind abzuwehren oberer 
zu verteeiben, wozu bas Beiden mit ben Sturmglocken, ober bei 
minber beihgenber Gefahr auf andere MWeife gegeben wirb, Einen 
Landſturm einzitten, alles bazu Röthige eintichten und verkehren, 
damit er, im ndibisen Fall, ohne Anfland Statt finden könne. 

Die Randfudung, 34. —en, bie obrigkeitliche Kaffuhung verdaͤch ⸗ 
tiger Prefonen im ganzen Lande. . a 

Der Landtabak, —es, Pr. —e, einheimifher Tabak, welcher im 
Lande ſelbſſt gebauet und zubereitet wirb. 

+ Die Eandtafel, Sy. —n. 1) Ehemahls fo viel als Landkarte. 
2) Der Urkandenſchat reines Landes, ber Landſtände, ober auch nur 
die Urkundenfammiung eines Landgerichtes, und bie zu beren Wer 
mahrung und Auffigt beftellten Perfonen. Go ift in Böhmen bie 
Landtafel bie Kanzelei bes größern Landgerichtes, wo bie Landtages 
ſchluͤſſe und oiffentlichen Verhradlungen nicbergefhzieben und aufbes 
mwahrt werden. 5) Gin Öffentliches obrigkeitliches Berzeichniß ber 
Rittergüter eines Landes nah ihren Beſigenn, Erben, Schulden 
20, , befonders in Böhmen, wo man aud Landhandelsbuch bafür 
fast; an andern Orten und gewöhnlicher das Landbuch. &. Tafel. 

Der Landtag, —ed, Dy- — e, bie Verſammlung ter Landftände, und 
jumweilen bie verfammelten Lanbflänbe felbft; zum Unterfhiede von 
einem Areis. und Reichstage. inen Landtag ausfhreiten, Zu 
dem Yanbtage reifen. Ginen Landtag halten, im gemeinen Lıben, 
landtagen. Im chemahligen Polen waren bie Landtage Verſamm ⸗ 
Zungen bes Abeld im ben einzelnen Theilen bes Melden, welche dem 
Reichttage vorhergingen.. Eben daſelbſt wurben auch bie Tanbges 
richte in ben Woimobfhaften Landtage genannt. Ehemahls nannte 
man bie Fandtage auch Landſprachen. > 

Landtagen, v. intrs. Landtag halten, D. Lanbtagen, 

Der Landtagsabſchied, —ed, Di —e, ber auf einem Laudtage 
gefaßte Abſchied. ©. Abſchied. 

Landtagsfaͤhig, adj. u. adv. fähig ober betechtigt, und Faͤhigkeit 
ober bad Recht mittheilend, auf bem Landtagen zu erfhelnen unb das 
ſelbſt mitzuffimmen. Das lanbtagsfähige But Manbelsioh.* 
Sannde. Belanntmadung. (A.) 

Das Landthier, —ıs, Dy. —e, ein auf dem feften Lande Iebenbes 
Thier; in Gegenſat von einem Waſſer⸗ und Seethiere. Der Cie 
phant if unter aBen Landthieren bas größte. 

Der Landthurm, — es, My. —thärme, ein Thuem an einer Land» 
wehre. 5 

Die Bandtrauer, Bi. u. eine Trauer durch bad ganze Sand ober im 
ganıen Lande, 

Die Landtruppen, Ez. m. Truppen zu Sande, welche zum Kriege 
auf dem feſten Lande beffimmet find; zum Unterfhiete von Ger: 
truppen. : 


Das Landtuch, —es, 9. —tuͤcher, ein heimiſches, im Lanbe felbft 


verfertlates Ich, RM, , 

Lanbüblich, adj. u. adr. f. Landekuͤblich. 

Die Eandung, 4. —en, bie Handlung, ba man lanbıt, ans Land 
felgt; wie auch bie Hanhlung, ba man landet unb etwas ans Lınb 
fit ine Landung verſuchen, vireiteln, 

& Der Landumflürmer, —6, 94. u. der bas Sand umftärmet, 
vom allen Beiten auf bas 2.nd flärmet, ein Beiname bes Meer- 

Gampe's Wörterd. 5. Th. 


25 


Landw 


gottes der Griechen und Römer. 
Aber bee Erderſchutterer, ber Landumſtuͤrmer Poſtibon. Boß. 

Landverderblich, —er, — ſte, adj. u. adv. verderdlich für ein gan ⸗ 
* Sand, Ein landverderblicher Krieg, landverderbliche Srund⸗ 
faͤte. 

Der Landvogel, —s, ig. —vbgel, (K.) eine Benennung berjenigen 
Bögel, welche nur auf bem feften Bande Icben; zum Unterfhiche vom 
den Waſſervoͤgeln und Sumpfboͤgeln. 

Der Landvogt, —es, . —vbgte. 1) In manden Wegenten der 
Borgelehte eines Zanbes ober einer Lanbfhaft; ber Randpileger, 
Starthatter, Landeshauptmann ze, ehemahis auch Waltboth, 
Waltgraf, von Walt, b. h. Gewalt. Grine GSewalt und Gerecht⸗ 
fame find nad Verſchledenheit ber GSegend auch verſchleben. =) Der 
Morgefente eines Landesbezirkes, fowol bie Serechtigkeit zu Handhas 
ben, als auch die odrigkeitlichen Gefälle einzunehmen. 

Die Landvogtei, Rz. —ım. 1) Die Wäre, das Amt eines Bındı 
vogtes. =) Der ihm untergebene Bezirt; auch mol, bie Wohnung 
bes Lanbvegteg. . 
Landvogteilich, adj. u. adv. 1) Dem Landvogte, zur Würbe, zum 
Amte eines Lanbuogtes gehdrig, barin gegruͤndet. ©) Zu einer 

Landuogtei gehörig. 

Das Landvolk, —es, 4. u f. Landleute. 

Landwaͤrts, adv. nad dem feften oder trodenen Eınde zu. Band 
waͤrts ſchiffen. any fehlerhaft wirb es aud wel für, vom Bande 
her, gebraudt. Der Wind kam den Shiffenden laͤndwaͤrts. 

Die Landwehre, 94. —n, eine Wehre zur Bertheibigung ber Gren⸗ 
sen rines Landes ober einer Landſchaft, als Mälle, Gräben, Ber 
haue ıc.; in manden Gegenden, der Panbfriebe, bie Heimſchar, 
im D. D, bie Loge, In Ditkmarfen bie Damme; ehemahls auf 
Landgewehr. 

Der Landwein, —es, Bi. —e, einhelmiſcher, im Lande ſelbſt ge⸗ 
bauter Wein, zum Unterſchiede von dem fremden. In unfern ndrds 
lichern Gegenden pflegt derſelbe ſchlecht zu ſein, daher Landwein 
auch geringer, ſchlechter Mein bebeutet. : 

+ Das Landwerf, —es, 39. u, eine in Sachſen übliche Benennung 
tiner geringen Art Toͤcher, bie auf bem Sande verfertigt wird. 

Das Landweſen, —s, 2%. al. fo viel als kandwirthſchaft in beiden 
Bedeutungen. 

Der Landwind, —es, By. —e. 1) Ein Wind auf dem feſten Lan- 
be; dam ein Wind, weicher aus dem Innern bes Zaudes nad ber 
Küfte hinwehet z in Gegenſah bes Seewindes. Zur Beit, ba fih 
bie Landwinbe einſinden.“ Ebeling. ») & Rah Ad. aub ein 
Mind, welder bei Tage von ber Gce nad ben KRüften zu wehet. 

Der Landwirth, —es, 4. —r; die —inn, 94. — en. 1) Ein Hausr 
wieth auf dem Sande, beſonders fofeen er ben Landbau verfteht und 
treibt. Cine Landwirthinn, eine Hausfrau auf dem Lande, welde 
den häuslichen Theil ber Landwirthſchaft gruͤndlich verſtehet. Auch 
einen Gutsbefiger ıc. ſebſt, ber Laundwirthſchaft treibt, nennt man 
einen Landwirth. =) Ein Gaft: ober Echenfwirth auf dem Lande; 
zum Unterfdiebe von einem Stadtwirtbe. 

Landwirtbiih, adj. u. adv. zum Landwirth gehörig, in ber Lebens: 
art eins Pınbmwirikes gegründet, „Zreh ber Minbe, womit ihn 
feine landwirthliche Lebensart überzogen hat.⸗ Wieland. Das 
von bie Landwirthlichkeit. 

Die Landwirthſchaft, >. —ım. 1) Die Befhäftigung ober Bes 
bensort, ba man Landbau treibt und dadurch feinen Unterhalt ex⸗ 
wirbt; mie au, bie Wiſſenſchaft, den kandbau in feinem ganzen 
Uumfange gehörig und mit Nugen zu treiben (Deconomie). Lande 
wirthſchaft treiben. Die Landwirthſchaft erlernen. =) Ein Eis 


genthum auf dem Bande, Sofern Landbau damit verbunden ift, eim ' - 


Ackerhaf mit dazu gehörigen Ländereien. 
kaufen, erben. 


Landwirthſchaftlich, adj. u. adr. (R.) zur Landwirthſchaft gehörig, 


ine Landwirthſchaft 


Landw | 26 


bie Landwirthſchaft betreffend (dconomisch), Landwirthſchaftliche 
Kenntniffe, Verſuche, Erfaprumgen. Landwirthſchaftliche Segen ⸗ 
fände, Schriften. 

O Die Banbwirtbfchaftögefellihaft, 24. —en, (R.) eine Belek 
ſchaft von Landwirthen zur Werdefferung und Bervellkemmnung ber 
kandroirthſchaft. 

Die Landwolle, o. 2. inlandiſcht Welle, Welle von Inländifgen 
© hafen ; in Begenfag der auslaͤndiſchen. 

Das Landwort, f. Kanbfhaftswert. 

Das Landwoͤrterbuch, f. Landſchaftawoͤrterbuch. 

Der Landzeiger, —s, 3. gi. der Kopfde Sturmpogel, welcher 
ben Schiffen zuweilen in großer Menge in bee Gegend bes Borges 
bieges der guten Hoffnung erſcheint und dadurch bie Kühe bes felten 
Sardes aneigt (Procellaria capensis); aud Kapſche Taube, 

Der Landzeug, — s, 4. —e , ein im Lande verfertigter Beug, 
befonbers von inländifhen Stoffen. 

Der Landzoll, —es, 34. — zoͤlle, tin Bol, welder auf bem Lande 
entrichtet wird; in Gegenſatz des Waſſer- und Seezolles. 

Die Landzunge, 4. —n, fo viel als Erdzunge, 

Lang, länger, längfie, adj. u. adv. ein Wort, welches Äberhaupt 
bie größte Ausdehnung an einem Klrper, in welcher bie größte 
Menge Triner Theile nach derfelben Rihtung neben einander liegen, zu 
bezeichnen dienet; in Segenſat berjenigen Austehnungen, melde durch 
die Wörter breit, did und hoch bezeichnet werden. Es wird entr 
weder allein für ih mit beflimmter Angabe bes Maßes biefer Aus—⸗ 

- dehaung oder beziehli gebraucht, a) Allein für ih. Das Baus 
ift so Fuß lang und 25 Fuß breit. Ein Fuß iſt zwoͤlf Bol fang. 
Das Wort, welches bas Maß diefer Ausdehnung augieht, ſteht ger 
mwöhnlich im vierten Falle, gumeilen aber, befondere im D. D. auch 
im zweiten. Giner Ele lang. Iweire Schritte lang. @ines Armes 
fang. Dft wird das Maß biefer Aucdehnung nur unseflimmt aus: 
gebrudt, oft wird es auf gar miht amgegiben. Das Haus if fo 
lang alt die Straße, in welcher ed liegt. ins if fo Fang als bas 
Antere. Eins iſt folangals das andre breit. Derkänge lang, im ger 
meinen Eben, fo lang es iſt, fo fang man if. Derkänge fang bins 
falten. Sich der Laͤnge fang hinlegen. Lang hinfixeden, in feiner 
ganzen Länge. Bei ben Diäten wird der Tod lang hinftredend 
genannt, — Die Stunde des lang hinfiredenden Todes. Voß. 
Uneigentlih, von ber Beitbauer. Cine ganze Stunbe fang warten; 
Zage lang faften. „Dreimapt neun Tage lang.* Ramler. „Nädte 
ang faß er bei einer Leinen stöurfligen Lampe." RL. Schmidt. 
{R.)  &o au in ben Bufammenfegungen flunbenlang, lebens⸗ 
kang ıc, Ja einem andern mmeigentlihen inne fagt man ſprich⸗ 
wörtlich im gemeinen Leben, wer lang hat, Lift lang hängen, wer 
großen Staat hat, zeigt groben Staat, wer viel hat, laͤßt viel 
brauf geben ıc. =) Bezicehlih, im Wegenfah von bem, mas furz 
iſt, sine beträdtlihe, ober eine größere Ausdehnung ber gebadhten 
Art als gewöhnlich haben, ine lange Linie, die aus vielen nad 
Einer Riditung neben einander Hegenden Punkten beftcht, im Ber 
gleich mit einer, bie kürzer if. Cine lange Straße, bie von mehs 
zern bäufern gebildet wird old eine anbıre, oder als bie andern. 
Dabder wirb vorzugsmwelfe eine folhe Straße in bem Btätten als 
mit einem Eigennamen bie fange Straße oder Gaſſe genannt. Eine 
Lange Meibe. X Ermas auf bie lange Bank ſchieben, f. Bank. 
inrn fangen Hals haben. Einen fangen Hals mahen, ben 
Hals ausflerden, um eimas au fehen, mas eft aus Neugierbe ges 
ſchleht, baber #3 auch uneigentlich gebraucht wirb, feine Reuairrde 
jelgen, verrathen. Lange Ringer haben. X Lange Finger machen, 
uneigentfih, brimlih nah etimıs bie Ringer audflreden, es zu 
nehmen. of Abntihe U-t fagt man, bie Hürften haben lange 
Urme, d. d ihre Gewalt, Mat weicht weit, ober doch weiter, als 
die Matt gemöonticher Menſchen +Ih weiß es von langer Hand, 
durch die dritte Hand, durch umwege, mittelbar, 


Lang 


— — Wir iſt von langer Hanb 
Das wie (Wie) und wann (Wann) ber Sache wohl bekannt. 
Wielanb, 
Lange Beinkleider, bie ſowol weit hinauf, ats weit hinunter zei 
Gen; in Gegenfag ber kurzen. Gin Kleid mit langen Ermein, 
mit langem Leidſchnitt. Etwas lang halten, an einem iangen 
Stricke ıc., fo daß es geößern Epielraum hat, ober aud etwas weit 
von feinem Aube halten. Cine fange @fe , bie länger iſt als eine 
andere, Die Brabanter Eile if länger als bie Saͤchſiſche. Bumeis 
len gebraudyt man lang fo wie kurs, aud von ber Autbehnung in die 
Höhe für hoch, groß. in langer Meufh, ein großer. Lang 
fein, body ober groß fein. Im den Hütten, und Pochwerken find 
lange Herde folde, bie als Schlemmherde für das Frifchmehl bier 
nen und einen Fuß Ban haben. Lange Yatten bei ten Geibenwir 
fern bie Tangen Stäbe an dem Webſtuhl derſelben, bie nad ber 
Breite des Stuhles angebracht und mit dem rinen Enbe am Geftalle 
beffelben beweglech befeftiget find. Lange Mafchen bei den Etrumpf: 
wirken, folde bie länger als gewöhnlich find, befonders an ben 
Smideln. Uneigentlid gebraucht man «6 auch in biefer beziehlichen 
Bebeutung, befonders von ber Brit. Im ben landen Zagen, in ben 
Tagen des Sommers, die länger als bie Übrigen, befonbers als bie 
kutzen Tege im Winter find. Die langen MWinternädte werben 
dem Befümmerten noch länger. Die lange Macht, eine feſtliche 
Rast bei ben Juden, bie fie mit verſchiedenen Gebräuden in ihren 
Säulen feiern. Gin langes Leben. Mas längfte Leben, deſſen 
Ende vom Anfange fo weit entfernt ift als es nur fein kann. (is 
nem langes keben woͤnſchen. Es if fehe fange Zeit her. Ihm 
währt oder wird die Zeit (ang, bie Zeit ſcheint ihm Tangfamer zu 
vergehen, wegen Mangel an Unterhaltung, Belhäftigun. Wie 
wurde bei ihm 3eit und Weile lang. Sie wird Ihnen bie Beit 
nicht lang werben laſſen.“ Gellert, Unrihtig febt berielbe im 
einer andern Stelle lange für lang: „Bei mir fol Ihnen bie Zeit, 
aicht fange werden.“ Eden fo unrichtig ſtehet es in folgender Stelle: 
Wie lange wird mir ba bie Beil, Cronegk. 
©. Lange. Die fange Weile, bie unangenehme Empfindung, wel: 
Ge man bat, wenn bie Zeit, während man ohne Belhäftigung, ders 
ſtreuung und Unterhaltung iſt, länger zu weilen, nicht fo ſchnell gu 
vergehen ſcheint, als fie wirklich dergehet. Lange Meile haben. 
S. Langweile? Etwas für bie ange Weile tun, um fi; bie Zeit 
zu vertreiben; oft aud etwas Überflüffiges, unnütes. Das if 
für die fange Meile. In Scherz nennt man om einigen Orten ben 
Kofent lange Meile, Im gemeinen Leben in Langwel, Langfel, 


Lampſel vererbt. Die lange Schicht, im BWergbaue, bie ziwölfe 


Rünbige Schicht ober Arbeit in den Gruben, bie vier Stunben län» 
ger dauert ala die gewoͤhnliche auch bie Rühfcicht. ine fange 
Krankheit, bie lange anhält. Cine lange Erfahrung beflätiget es, 
b. 5. eine Erfahrung, die man lange Beit, viele Jahre hindurch ges 
macht hat, Ein langes Gebet. Cine lange Predigt, Eine lange 
Bilde, eine gebehnte, zu beren Ausſprechung mehr Beit erfobert 
wirb ale zum Ausfprechen einer kurzen ober gefhärften. ECinen lans 
gen Athemzug thun, tief Athem holen und in längern Zwiſchenzei— 
ten atgmen. ine lange Reife, bie lange dauert, viel Beit erfos 
bert. ine lange Abhandlung, zu beren Bıfııng ober Anhörung viel 
Seit erfobert wird, So auch ein langer Brief, ein langes Bebiht 
ein langes Städ, Schauſpiel c. X Ein Pangesund Breite ſchwathen, 
viel, fange ſchwatzen, oft aud viel Unnuͤtes fhwasen. O Bumeilen 
wird ein Langes und Breites auch umſtandwörttich gebraucht für 
fange, vist. „Wir wanbelten ein Fanges und Breites in feinen 
Hallen.“ Rofegarten, X Über lang oder fürs, irgend einmapl, 
fei es fpät ober bald. „Ich wöärbe Über lang oder kurz fel6ht hats 
anf gefallen fein," Bellert. Ghemabis gebrauchte man nicht 
über fang aut für bald, in Kurgen. Im gemeinen Erben «nd im 
ben Ranzeleien verbindet mar lang auch mit Jahr und -fagt> im 


Langa 


kangen Fahren, vor langen Jahren, nidt ſowel eine Zeitdauer 
von Jahren als rinez langem Beit, ober von Jahren bie einem lang 
d. h, langweilig geworden find, als vielmehe viele Jahre zu ber 


ihnen. 

-- Ich hab’ im langen Jahren 

Mas wahr ift, feldh geprüft, was falſch iſt, ſeldſt erfahren. Schlegel. 
Ein vor langen Jahren verſtorbener Mann (K.). Im gemeinen 
Eebrn wird lang noch auf verfhiedene Art uneigentlid gebraußt. 
&o nennt man in den Küden, eine lange Brühe, eine bünne, bie 
weniz fefle und nahrhafte Theile entpält; in Begenfag einer kur⸗ 
gen oder bilden. Der Mein hingegen mwirb lang, wenn er bid, 
gleihfam zäh wird, und fih wie Honig im Gießen ziehe. X Eine 
Speiſe wird im Halſe lang, wenn fir gleichſam nicht hinunter will, 
#5 im Halfe lange anfpitt, übel ſchmedt, oder mit Widerwillen und 
Ekel genoffen wird. Einen kurz und lang nennen, in ber niebris 
gen Sprechart, ipn mit allerlei Shimpfnamen belegen, 

Der Langafter, —s, 29. al. dei Müller ein Name einer herzfoͤr⸗ 
migen Benusmuſchel in ber Gebße einer Haſtlauß, weiß und braun 
gewoͤlkt, beren After laͤnglich ift (Venus petulen L.). 

Langäbrig, adj. u. adv. lange Ähren dabend. Langährige Gerftr. 

X Der Langarın, —ed, Di. —e, rigentlid, ein langer Arm; dang, 
eine Perfon, ein Thier 4. B. Affe mir einem langen Arme ober mit 
langen Armen. „Wo ift mein @ihben, fragte die Fuͤrſtinn gewoͤhn · 
lich — denn fie verlangte Ihren Langarm.“ I. P. Riten. 

Langarmig, adj. u. adv. lange Xrıne habent. Der langarmige Affe, 
eine Art Affen mit langen Kemen, in Oſtiudien (Gibbon, Simialar L. ). 

Sangatbhemig, adj. u. adv. 
Langen 3wiſchenzerten Athem ſchoͤpfend. 2) O Einen langen Athem 
erfobernd, „Witlands Iangathmige Profe.t I. P. Rihter 

X Der Langbart, —ıs, De. —bärte, eigentlich ein langer Bart; 
dann, ıia Menfh, auch ein Thier mit langem Warte, So beißt bei 
Wehiler eine Art Welſe, mit fcht Birtfaſern, die fo lang find 
ala der gatz Risper, Longbart (Silurus elarirs L.). 

Der Langbaum, — es, By. — baͤume, f. Langwagen. 

Das Bangbeil, — es, 4: —e, bei den Stellmachern, ein langes, 
vorn im eine Epige auslaufendes Beil, gerade auslaufende Sachen 
bamit au behaumm. 

X Dat Langbein, —es, Mz. —e, eigentlich ein langes B:in ; dann, 
eine Perion mit einem langen Beine, ober mit langer Beinen; au 
wol ein Thier mit langen Beinen. Wenn von einer männlichen 
Perſon mit langen Beinen bie Rebe ift, fagt man aud wel ber 
Langbein, Auch der Storch wird bier und im gemeinen Eeben Lang: 
bein gen ant j £ 

Langbeinig, adj. u. adv. lange Beine habend. „Die langbeinigte 
(tangbeinige; Mähre + Gothe. R). Davon X bie Langbeinigkeit. 

4 Langberudert, adj. u, adx. mit laugen Auderu verſehen. 

Aus ſank in die Flut mit dem langberuderten Schiffe. Boß. 

Die Langdiſtel, 94. —n rin Name der Krausdiftel; auch Laufbis 
ſtel (Eryngium ermpestre L). j : 

Lange, länger, längft, adv. ein Wort, welches lange Zeit bebeu- 
tet, ea fer von einer argenmäctigen, vergangenen ober zufünftigen 
Die Mebe, urd dann geſetzt misb, wınıa fein Srundwort, weldes bie 
Beit begeihnet, da if. Lange vorber, nachher, lange Zeit vorher, 
nachher. Lange warten mäfn. X Mas lange währt, wird gut, 
eine fprichwistliche Medensart, mit wilder man jemand, ber longe 
auf etwas warten muß, Binjuhalten und zu berubigen ſucht. Aufs 
Ungſte grbe ih Ihnen bis morgen Zeit. Ss dat am laͤngſten ges 
dauert, es wird bald auftoͤren. Das ift etwas laͤngſt Pikanntie. 
Lange an etwas arbeitın. Er hat mie lange nidt geibrirben, feit 
Tanger Zeit. „Er bat mir verfproden, lange nit wieder von ber 
Liebe zu weben,* im Tamaer Beit nicht. Bellert. X Lange mer 
Sen, lange Zeit mit etwas zubringen, zaubern. X Es wird mir su 
fange, es bauest mir zu lange, Bitiben Sie fo lange, bis er 


—— 


1) Einen langen Athem habend, in 


Laͤnge 


koͤmmt. Wie fange fol das aber ned fo bleiben? So lange I 
lebe, werde ih das micht vergeſſen. De länger je (deſte) beffer. Je 
länger je (befto) lieber. S. Selängerjelicher, Bumeilen wird 
lange wit lang verwedfelt. S. Bang. „Der Geeis ſoh fang (Tanz 
ge) mit ftiller Feeude auf bem Bater herunter.“ Geßner. Unels 
gentlih wird lange gebraugt 1) Einen gewiffen Rahtrud gu Des 
zeichnen, doch nur ım gemeinen Leben, Bas befiunk du dich lange? 
Was zauderſt du noch lange? Man muß ihn nicht erſt lange fragen. 
2) Oft wird es aud in Verbindung mit dem Worte nicht bei Bergieie 
dungen gebraucht, für: bei weiten, es fihlt noch viel. @r if lange 
nicht fo gefheit ats fein Beuder, bei weiten nicht. „Ste fieht lange 
nicht fo fhön aus, als «4 bie Beute mahnt“ Gellert. 5) Auch 
iſt es im gemeinen Beben eine Art von Werfiherung. Du Ummft 
mir [ange noch wicher, bald genug. „Ahr gebt mie eurt Tochter 
lange nad. Weiße. 4) X Bumeilen ſteht es and für hinlaͤng ⸗ 
lich oder aud übrig. @s iſt für mi fange gut, Hiniängti gut, 
oder übrig gut. 5) + So viel als gleich, auch. Wenn man ihn 
lange bittet, fo thut ex es doch nicht. 

Die Linge, By. —n. 1) Die Gigenfhoft ober aud die Beſchaffen ⸗ 
heit eines Dinges, einer Sache, dba es ober fie lang ift; bie Lange 
heit. 2) Die größte Musbeheung an einem Körper, in welcher bie 
größte Menge feiner Theile nah Einer Richtung neben einander lies 
gen, zum Unterfüiebe von ber Breite und Die, aud ber Höhe; 
im N. D. bie Laͤngſte. Dab_ Haus hatte 60 Fuß in ber Länge, 
ober erſtreckt fih 60 Fal im bie Laͤnge. Die Lingeeiner Einie. 
Die Laͤnge eines Dingen, eines Weges meffen. Die Länge ber Mels 
lem ift wit überal gleih. Ein Städ Hol; in dielünge ober nach der 
Länge ſpalten. Das Zub, Leber in die Fänge zieren, +6 in feiner 
Länge ausdehnen, durch Ziehen Tänger maren. Dre Länge had, im 
gemeinen Sehen auch der Laͤnge lang ober Länge lang binfıllen, bas 
Tibgef, ©. Lang. Die Länge eines Kleides. Die echte Fänge 
haben. Zumeiien fleht Laͤnge nur für Höhe, Beöße. Niemand kann 
feiner Laͤnge eine Ede zuichen. In der Erdbeſchreibung und See⸗ 
faher iſt die Fänge, die Entfernung von einem ats erflen angenom: 
mentu Mittagsbogen auf bem in 560 Grabe gethellten @leiher obere 
einem ibm gleihlaufenden Kreife nah Morgen gemiffen; in Gigens 
fag ber Breite. Im a30ften Grabe ber Länge und im eoften ber 
nörbliden Breite, db. h. 230 Grab nah Morgen von einem als er⸗ 

- fen angenommenen Mittogsbogen entfernt und zwar auf ber nörb:- 

+ Ken Halbkagel 20 Grab vom leider. Oft zählt man bei dieſer 
Beflimmung ber Linge eines Ortes auf ber Gebe, auch nur bis zum 
ıRoflen Grade ober bie zur andern Hälfte des erſten angenommenen 
Mittagskzeifes gegen Morgen, in welchem alle man bann aber auf 
ber andern Seite ebenfills bie zu bem ıBoften Grabe gegen Werften 
zählt, woraus eine oͤſtliche und weſtliche Bänge entftehet. In ber 
Gterenkunye wird die Länge eines Sternes auf ähnliche Art auf ber 
in 560 Grade getheilten Bonnenbahn, vom Frübiingepurkte an ges 
sehnet, gemeffen und die Ränge deſſelben iſt bie Antfernung ober 
der Bogen der Sonnenbahn vom Früblingsprufte an bis zu ber 
Stile, wo ber Breitenkreis bes Strenes bie Sonnenbahn durch⸗ 
fhneitet. Min Stern kann alſe auch nahe an 360 Grabe brr Bän- 
ge haben; gewöhnlich aber giebt man bir Länge beffelben fo an, baf 
men fi ber Beichen, in welde die Sonnendahn cingetbeilt ift, jebes 
zu 30 Orab gerehnet, bebient, unb den Grad besirnigen Zeichens 
ber Sengenbahn angiebt, In welden bie daͤnge bes Gternes fällt, 
untigentlich bezeichnet die Laͤnge eine Zeitbauer, ſewol Abrrbaupt, 
als auf; eine fange Zeittaure. Die Länge ber Zeit; tes Xufrotbalts, 
einer Keife ıc. Die Länge ber Zage und Nähte it verfhieden. Die 
Länge einer Predigt, eines Geſanges, Gebetta ic. In die Kinge 
wird man einer Soche oft Äberbräffig wınn fie lange oder ju lange 
währt und man ihrer gu ſehr gewohnt wird ıc. (tmos In die 
Länge ziehen, es aufbalten, versögerm, machtn doß es langer währt, 
Das thut im bie Laͤnge miht gut, wenn es lange fo fortdauert. 


Länge, 


X Cine liebe Länge, eine anfehnlie lange Zeit. In dieſer Bedeu⸗ 
tung findet bie Mehrzahl nit Statt, eben fo wenig in ber vom 
hergehenden, wenn niht von ber Länge mehrerer Körper ober in 
mehreren einzelnen Fällen die Rebe if. 3) + Ein tanges Ding. 
So iſt (1) ImN. D. die Laͤnge ein langes Beil, beffen Ende um große 
Dade, Ballen, Käfer gefdlagen oder daran aufandre Art befeftiget wird, 
um fie in die Höhe zu winden, Bei bem Reepſchlaͤger iſt die Yänge 
ein Tau, weldes an beiben Enten ein Auge hat, und an beffen eir 
nem Enbe die Dudt eines Kaues, weldes zufammengebreht werben 
fol, geftett, bas anbere aber an ben Dreher vermittelt eines Splin⸗ 
tes befefliget wird, bamit bie Dudt bis ans Ende zufammengebres 

“het werben Binne. Möbing (a) In ber Naturbeſchreibung iſt 
die Länge eine Art fhmaler und dabei kanger Fiſche in ben nörts 
lihen Meeren, aus bem Gefhlehte bee Dorfhe mit braunem Rüfs 
Ten, geiblihen Seiten und ſchmuzig weißem Bauche, mit Bartfäben 
und einem bervorflehenben Obertiefer (Gadus molua L,); auf 
Langſiſch, Laͤngling, Yang, Bartlänge. 


28 


Langg 


mußte ber Audbrud bes Gedankens gedehnt, dort He Empfindung 
gelaͤngt und geweitert werden.“ Herder. 2) + Der länge nach 
theiten. Den Acker laͤngen. 5) Bon ber Zeit, auffchieben. D. Laͤn⸗ 
gen. D. —ung 


Das — kaͤngemaß, —es, My. —e, ein koͤrperliches ober 


auch untorpetliches Maß, bie Länge ber Dinge damit ober dangach 
su meſſen. So ſiad Ruthen, Klafter, Fuß, Zolle ıc. koͤrperliche eaͤn⸗ 
genmaße; Meilen, Werfie ic. hingegen unförperlide, 


Die Eingenmeffung, 99. —en, bie Meſſang ber Länge ober ber 


Längen, befonders bie Meffung ter Länge eines Orts auf ber Erbe, 
ober ber kaͤngr eines Sternes. 


Die Lingenfäge, Ba. —n, bei ben Tiſchtern eine Säge, tie etwas 


größer als die Drtfäge ift und mit welcher fie ein Holz nah feiner 
Länge in ber Dicke durchfihneiden. 


Der Längerling, —es, 24. —e, eine Art Alapperaͤpfel von laͤng⸗ 


lichee Gehalt und mit Kanten; im Deſterreichiſchen Spigapfel, Spige 
ling, Faͤſſelapfel. 


Das Kängeholz, —es, I. —hölser, bei ben Bedern, ein Rollhelz, 
ben Zeig damit zu Ilngen ober in bie Länge auszubehnen. 

Langen, v. I) ntr. mit haben. 1) X Cine gemiffe beſtimmte Länge 
haben, ſich mit feiner Länge bis zu einem gewiffen Punkte oder Dinge 
erſtrecen. Die Kemel langen bis auf bie Finger. Das Brett langet 
von bem einen Rande bes Grabens bis zum andern: Wr langt 
ihm nidt weiter als bis an bie Beuft. Uneigentlih. „Deine Ger 
walt langet bis an ber Welt inde,® erfeedt ih fo meit, ift fo weit 
wirffam. Dan. 4, 19. „Bis babin langeumeine ‚Höftüpkeit nigt.* 
Beffing. Mit hundert Thalern fange man deut zu Tage nidt 
weit, d. h. man kann nicht lange bavon leben, nicht viel haflr 
ſchaffen. Auch von ber Zeit. „Die Zeit meiner Malfohet langet 
nit an bie Beit meiner Bäter in ihrer Wallfahrt," ift ihr an Dauer 
nicht gleih, 2 Mof. 47,9. Am häufigften wird «6 uneigenttich 
aebraucht für von erfoderlicher Länge und Denze fein. Das dazu 
beſtimate Geld hat gerabe gelangt, Der Beug langt noch zu einem 
Kleide. Oft ſteht es auch für auslommen, genug haben. Dir 
Schneider wird fhmerlich mit bem Zeuge langen. 2) Lang werben, 

Die Rat if Fur, der Tag beginnt zu langen, 


Die Yangespe, 9. — n, ein Name ber- gemeinen Eſche, weil fie ein 
höher Baum ifi (Fraxinus excelsior L.), 

Die ER LO Langweile. 

Die Langfeſſel, 3. —n, bei den Fallenern, bie gieföhäutenen, 
zwei Spaunen langen Riemen, woran bei abgeriäteten Halten bie 
Burfüffeln bifefliget werden, . 

Sangfingerig, adj. u. adv. ange Finger habınb. 

Die Yangfinne, By. —n, eigentlich eine lange Finne; dann, ein 
Fiſch mit langen Finnen; bei Müller ber Name einer Art Klippe 
fie mit Heben Rüden» und Afterfleffen und langen Finnen, von 
welden die vordbirfen fo lang find, das fie bis über ten Echwamz 
—— (Chaetodon pinnatns L.), 

Der ! Langfiſch —es, Mj. —e, ſ. Laͤuge 2) (2). 

X Die Langſſloſſe, 8. —n, eigenttich eine lange Flofſe; dann, ein Fild 
mit laugen Floſſen; auch ein Langfloffer. Eonennt Müller eine unters 
art bererfiin Gattung bes Meerhaſen, wegen ter fehr langem Rüdenfloffe 
Yangfloffe (Diedon rarior L., Crayracion ore ranae rictu KL). 

Der Langfuß, —ıd, WM. —füße, ein lauger Fuß; dann, ein Ge—⸗ 
fhöpf mit einem langen Fußt oder mit langen Füßen. ») Bei 


Nidbart. Maneff. (R.) 
Im D. D, aud von ber Zeit, für lang werten, lang vorkommen. 
Die kargen Stunden mir fehr langen. II) intrs. 1) Mit haben, 
mit audgeftsrfter Hand berühren, ober auch mad einem Orte hin 
bimegen. Mit ber Hand nah etwas langen. Das Kind kann 
noch nicht auf dem Tiſch langen. Ia die Schüffel langen. Id kann 


Müller führt dieſen Namen ein Biefergefhleht, beffen Füße fehe 
lang find, und bie theils ihre Fluͤgel auseinander halten unb bem 
Müden gleien, theils mit ben Flügeln den Rücken bedecken und bes 
liegen äbalih find (Tipula L.).“ 2) Ein Art Regenpfeifee in ſuͤd⸗ 
lichen Eindern mit fehr langen Füßen (Charadrius himantopus); 
aut Stefzenidufer, Duͤnnbeia, Strandreuter, Miemenfuf, 


dahin nit fangen. a) O Mit fein, für gelangen, anlangen, an« 
kommen. — — ar langte balb 

In den Olhmp, ben hohen Soͤtterſi. Bärger. (R.) 
UI X trs, mit auegeſtrecktem Arme hinhalten, und mit ausgeſtreck 
tem Arme nehmen, geben, bamit ein anderer nehme, Den Hut von 
dem Nagel fangen, ben. Hut, ber an bem Ragel hängt, beruntermih: 


Langfüfig, adj. u. adv. einen langen Fuß, oter lange Füße habend. 
Dann, aus langen Füßen beflehend, 4. B. ein folder Wera, 
A Eanggebreitet, adj. u. adv. im eine große Länge gebreitet, audges 
bebat, [ehr fang in Wergteih mit ber Breite. 
Ger aus Areta ſtamm' ih, dem langgebreiteten ECiland. Bop., 
A Langgegliedert, adj. u. adv. mit langen Gliebern verſehen, lange 


men. „Ih will immer gehen und bie Forellan aus dem Filshälter Glieder hatend. „Die langgegliederten chatten flanden wie ans 
langen." @ellert. So aud in ben Zufemmenfegungen ablan: gelandete Geifter der Nacht an ben Ufern.” I. P. Richter. 

gen, auflangen 1. , Ehemapis au für entrihten, wie Arnoldi A Langgebalfet, adj. u. adv, mit einem langen Halfe verfehen, 
aus einer Urkunde von 1300 anführt, — D. Langen. D. —ung. — dem lanagehaldten Kamel. Bobmer. 


Längen, v. trs. 1) Bang maden, in bie Länge ausdehnen, firedin: — 
Ed laͤngen bie Weder den Zeig indem fie ihm mit bem Längebolze 
oder Meltolze rofen und in bie Bänge ausdehnen. Im Berabaue 
längt man eine Grube, einen Ort, wenn men fie ober ihn in die 
Länge treibt ober forzfegt, In ben Rüden mancher Begenden fagt 
man, eine Bruͤhe Lingen, fie länger d. h. bünner machen. Dann, 
nachlafien, Iodır maden. " 

Auf! rege dich Prometheus länge bir bie Feſſein. — Herder 
An ber Schifffahrt deißt laͤngen ober vieren, abvieren eine Lünge 
ober cin Tau dahin fahren, folgen laffen, wohin es von irgend einer 
Kroft gezogen wird, Auch unelgentiid, in die Ränge ziehen, „Dier 


und er zeigte ben langgehalferen Tauber. Voß. 

& Langgeklauet, adj. u, adv. mit langen Klauen verfepen. Fang- 
geklaurte Geier. unelgentlich, mit langen Haken verfrhen. Lang⸗ 
geklauete Karfie.r Voß. 

A Langgelockt, adj.u.nde. mit langen Locken verſehen, Tange Lockeu 
habend. Daven der Langgelockte, ber lange Locen bit. 

Wer if iſt denn jener Langgelockte dert? Sqhiller. 

O Lapnggtoͤhret, adj. u. adv. mit langen Ohren verſehen. 

& Langaefchaftet, adj. u. adv. mit langem Schafte verjshen. „Der 
longgefhe ftete Dreizad.* Woß. 

O Langgeſchwaͤnzt, adj. u. adv. mit einem langen Schwange verfihen 


Langg 


kanggeſpitzt, adj. u. adr. mit langer Gpige ober langen Spitzen 
virfehen, in eine lange Epige auslaufend, Gin langgeſpitzter 
Sänabel. Cine lanagefpigte Feder. Im der Pflangenlehre beißt 
ein Blattbäiuthen langgefpigt (acuminata), wenn es eine lange 
vorftehbenbe Spitze bat. n - 

A O tanggeftredt, adj, u: adv, im bie Länge ober lang ausge 
bebnt. „Dieffeits Balka fahren wir bei einem Ianggeftredten Zeiss 
Hügel vorbei.- Bäld. 

— und ea fprengten die flampfenden Moffe 


Langgefiredt nad ber Stadt. — Beh. 
Dane, lang, ſchlank. 
Dee Hief mit langgeftredtem Half, Serſtenberg. 


Das Langglied, —es, 24. —er, bei ben Sporern, bas lange von 
beiben Seiten krumm gebogene Glied auf ber linken Haäͤtfte einer Stange 
am Pferbejaume, wortin eine von ben Kinnketten eingehäagt wirb, 

X Das Langhaar, —e6, 39. u. ein langes Haar; bei den Perudens 
machen, das hintere Zange Haar an den Schwanz⸗- und Beutel: 
perüden, . 

Banghaarig oder Langbärig, —er, —fle, adj. u. adv, fange Haare 
habenb. „Das Fell dieſes Thiers iſt langhaatig.“ Funke, 

Der Langhals, —es, 3. — haͤtſe, ein langer Hals; bonn, ein 
Menſch, ein Zhier mit einem langen Halfe. Im engerer Bebeutung 
führt 1) Cine Art auslänbifher Baumkletten, wegen ihres langen 
Daifes ben Ramen Langhalsz heißt aber aud des kurzen Ehman: 
zes wegen Kutzſchwanz (Faleinellus Guiguit KL). 3) @ine Art 
Enten, mit langem in eine Spige auslaufendem Schwanze (Anas 
acuta) S. Spitzente. 53) Der Echlangenpagel. S. b. (PlotnsL.), 
4) ine Urt Merreiheln in der Rorbfee heißt bei Müller Yang 

hals, beren Sale bauchig, Häutig und an einem langen Darme bes 
feftigt iſt, und auf deren Rüden ein doppelter Köcher wie ein Paar 
aufgerichtete Ohren hervorraget (Lepas aurita L.). 5) In ber 
Schifffahrt verfieht man amter Langhals ſehr weite Gtroppen an «is 
nigen Biäden, bie man befteibet um fie irgendwo umzulegen. Yangs 
ha lobloͤcke gebraucht mın zum Echloothorn ber Mart- und Unterſe⸗ 
gel. Roͤding. 

Der Langhalsblock, —es, Di. — bloͤce, ſ. Langhale 5). 

Langhalſig, adj. u. adv. einen fangen Hals habend. anghalſege 
Edwin." Voß, 

OX Die kanghand, 2%. — haͤnde, eine lange Hand; dann, eine 
Perfon mit einer fangen. Hand ober mit langen Händen, „Artarers 
res bie Langhande (Artaxerxes Longimanus).: Mangelsborf. 

2anghändig, adj. u. adv. eine lange Hand ober lange Hände das 
bend. Uneigeutlich weit reichende Macht, Gewalt babenb. 

— ben langhaͤndigen Koͤnig, den ungeſtͤmlgen Nimrod. Bobmer, 

* Die Langheit, 0. 8 f. Laͤnge. . 

O Langbin, adv. in bie Laͤnge Hin; au weithin, 

Langhin fucrcht ſich die Bieife bes Kiels, Bbthe, 

X Langjährig, adj. u. adv. lange, d. $. oiele Jahre habend, dauernd, 
©. Lang. Cine langjährige Erfahrung, bie man in einer Reihe 
von IJchren gefammelt bat (R.). Eonft vieljährige. 

X Der Langkragen, —s, 93. gl. ein Name ber Modrente. 
genttih würde dies Wort einta langen Kragen bebeuten. 
Langkrallig, adj. u. adv. lange Krallen habend, mit langen Kralı 
len verfehen. 

und Feümmt langkrallige Klauen, Voß. 

O Der Langkreis, — s, 24. —e, ein nicht ganz zunder, fondern 
grbrüdter langer ober Hinnliher Kreis, deſſen Dällten, wen er Im 
Beinen Durkmeff.e in der Ditte getheitt wird, entweber oöNig glelch 
find oder mist, Im legten Falle if er ein Eirund (oval), oder ein 
Kreis, der ih an einer Seite in eine rundliche Spise verenget (EI- 
lipse), „Die beiden Brennpunkte des poetiſchen (dichteriſchen) Yang: 
keeife.e 3. P. Richter. ° 

O Langkreiſicht, adj. w’adr. einem kangkreiſe Ahnlich, einen Lange 


20 Lange 
kreis bitbenb (elliptisch). 

* Langlebig, adj. u. adv, lange lebend. 
Epraden, {R.) 

X Die Langleibraupe, 9. —n, bie Benennung folder Raupen, | 
melde einen langen Seib haben, ober weiche lang find (Larvae elon- 
gatae) Remnid, 

Laͤnglich, adj.u.adv. ein wenig lang; nur vom ber Förperlichen Ausdeh⸗ 
nung und in Bergleich mit der Breite. Gin laͤngliches Holy. In ber 
Pflangenichre if ein Gracäprchen länglic; (oblonga), wenn #6 bei 
feiner größern Zinge unten bider iſt als nad ber Spige hin. Gin 
Blatt ift laͤnglich (oblongum), wenn fih bie Länge des Blattes zur 
Breite wie 5 zu 2 nerhält, ober wenn bie Breite noch geringer ift; 
laͤngliche Drüfen, bie mehr Iang als breit find; laͤngliche Staub⸗ 
beutel, bie lang find und an beiden Enden ſpit zulaufen. @in läng« 
liches Biered, bei welchem zwei gegenüber flebende Geiten länger 
find als bie beiden ddrigen (Oblongum, Quadratum oblongum), 

Zänglichrund, adj. u. adv, rund und zugleich laͤnglich, beffen Um⸗ 
fang alfo nit gleichweit vom Mitteipunfte, ſondern auf zwei ent» 
gegen flibenden Seiten weiter bavon entfernt iſt ala auf ben ädrigen, 
Sutfernen fih zwei gegenüberſtehende Stiten eines runden Körpers 
noch mehr dom Mittelpunkte, fo daß er bitraͤchtlich laͤnger als dick ober 
breit iſt, fo heißt ein foicher Körper langrund. Tellkommen längligeund 
ober langrund ift ein Körpre, ber in feinem feinen Darchmeſſer 
durchgeſchnitten zwei völlig gleiche Häiften giebt; unvollfommen 
aber, wenn er in eben biefem Durchmeffer durchgeſchaltten gwei uns 
gleihe Hälften giebt, wie z. B. ber Umkreis eines Bühnereies, wil: 
ches zwar immer langrumd ift, bagegem aber mit alles was lange 
rund ober nglichtund ift aud eirund ift. 

Die holden Zäg’ im laͤnglichtunden Kreis 
Des blaͤtenden Geſichtt. — — Buͤrde. 

Der Langmeſſerſchmied, — es, Ba. —e, Meſſerſamiede, metie 
Degeuktingen, Gefäße ıc. verfertigen, unb ſich wirder in bie Klin- 
genfhmiche und Schwertfeger tpriten, zum Unteriäiere 70 
Kurzmeſſerſchmieden. 

Die Laugmuth, o. Bi. die NRachſicht bei Bergekun.en nte 
gungen und bie Berzoͤgerung der Üübeln Kolaen ber" — + 
als moͤglich iſt; wie aud, die Geneigtheit zu die.r' 
Verzögerung; bie Langmuͤthigkeit. Langmuth üden. 
Zangmuth bewelſen. 

Langmüthig, —er, —fle, adj. u. adv. Langmuth beffsen®, beun- 
darin gegründet, Davon bie Langmüthigkeit. &, Langmuth. 

X Die Langnafe, 94. —n, eine lange Rafe; bann, eine Pref,- 
mit einer langen Raſe. In ber Raturbefhrribung Heißt 2) bei 
Müller eine Art Sechühne, brren Dberklafer mit einer zlatten 
Spite wie eine Rafe vor dem Unterkiefer hinausragt Fangnafe Tri- 
agla Asiatica L.). 2} @ine Art Heuſchrecken (Grylius nssntus). 

X Das Langobr, —et, 9. — en, ein Tanges Dr; dann, ein Bes 
Ihöpf, befontees ein Zhier mit fangen Ohren. So wirb in engerer 
Bedeutung der Eſel oft Langohr genannt. X Ein Efei nennt ben 
andern Kangohr, Einer wirft bem Andern Fehler vor, bie er ſelblt 
an fih dat. Auch eine Art Lippfifge, beren Klemendeckel in eine 
lange lederartige fumpfe Spitze ausgehen und einige Thuicht eit mie 
Ohren haben, nennt Ritter Langohr (Lahrus auritus L.). 

Langoͤhrig, adj. u. adv, Jange Ohren habend. 

OX Die Langohrfhar, 3%. —en, eine Star ober Menge von 
Langehren d. H. Eſeln; eigentlih und uneigentlid, 

So daß er bei ber Langohrſchar 
@in rechter jmeiter Orpheus wor. Bolten. 

Der Laͤngort, —et, My. — oͤrter, im Berghaus, ein von einem 
Eqhachte ausgelängter b. h. in bie Ringe getriebenet Ort. 

X Der Langrock, —ed, 4. —röfe, ein tanger Roi; dann, eine 
Perion in einem ongen Rode ; in Begenfag von Kurzreck. 

Langroͤdig, adj. w adv, einen langen Rot andabend, wit cinem lau ⸗ 





Schan Niederb, 


Ranger 


gen Mode bekleidet. „Aber warum mußtet Ihe armen Dinger denn 
auch lauter langrödige räbhen — und Leine Zungen werden, die 
man überall mit hinnehmen kann.* ©. 

Sangrund, adj. u. adv. f. kaͤnglichrund. 

Das Langrund, —s, 3. —e, etwas bas langrund if, ſowol ein 


langeunter Kreis, als auf ein langrunder Körper (Oval, Ellipse), 


©. Linglihrund. 

Länge, ein Umftandwort bes Drtes, welches an eine Sache entlang, 
ber kaͤnge nad ober in bie Binge am etwas kin bedeutet und mit 
bem beitten Kalle des Grundwortes verbunden wird. Länge dem 
Wege, an dem Wege entlang. „Das Lager mwurbe längs dem Ufer 
des Fiuſſes aufgeſchlagen.“ Eberbarb. 

Rings dem Geflade bes Meeres, Boß. 

So [hmebt in tief geſenktem Bogen 

Die Mewe längs bem Meeresſtrand. Shiller. 
Buweilen auch, befonbers im D. D., mit dem zweiten Falle. „längs 
des rehten üfers hin.“ Zrapp. Länge ber Flußſtraße ober 
Riie.r & Im. D. wo es lange lautet, verbindet man #6 aud 
mit dem vierten Falle. Längs dem Weg. Zuweilen wird ed aud 
weggelaffen und das Grundiwort in ben vierten Fall geirgt, „Elba: 
buppa an ber Gpige zogen wie das Leicheufeld (längs vem Leihen; 
felde) hin, Meyer unrichtig wird es häufig laͤngſt geſchrieben. 

Die Bangfahling, 9. —en, auf ben Schiffen, diejenigen Sahlin⸗ 
gen, in weiche bie nad ber Quere bed Schiffes Hiegenden Gahlingen 
auf halbe Die eingelaffen und damit verdolst find. 

Sangfam, —er, — ſte, adj. u. adv. von einer Bewegung, in länge: 
zer oder im gleicher Zeit einen kurzen Weg zurüdiegenb als ein ans 
bres Ding, ober als gewoͤhalich ift, ober auch, als erfodert wird; im 
Gigenfag von geſchwind, ſchnell. Langſam geben, fahren, reiten ic. 
Zin langſamer Gang. Eine langſame Bewegung. In mweitese 
Bedeutuug, in langer Zeit wenig ober in gleicher Zeit weniger ale 
ein anderes Ding bewirkend, vollendend. Langſam effen, trinkın, 
fh Zeit dazu nehmen, nicht zu bafiy effen, trinken. Yangfam ar 
beiten, fhreiben, Iefen ıc. Diefe &telle muß langfam gefptsit wer: 
ben. Gin langſamer Menfih, der fi zu Allem was er thut, viele 
Beit nimmt, oder mehr Beit als ein andrer gebraucht. Langſam fein. 
Ein iangfamer Kopf, der mehr Zeit gebraudt etwas zu begreifen, 
einzufehen, als ein anderer. X Langſam nähert fi aud, der Lang 
fa:ne tömmt endlich feinem Ziele auch näher ıc. Auch von ber Beit, 
in Anfehung der ſcheindar längeren Dauer derfelben. Die Belt vers 
gebt ihm zu langfam. Richt nadıuahmen ift ber Gebrauch im ges 
meinen Beben, befonders N. D. für ſpaͤt. Langſam kommen, gt: 
ben, „Fordert (fobert) ee mein Beben zurdd, langfam ober ſchnell, 
warum follte ich zagen?« d. h. früh ober fpät, @ellert. 

Die Bangfamkeit, 0, D4. 1) Die @igenfhaft einer Bewegung, ba 
fie langſam ift, =) Die Elgenſchaft eines Körpers, einer Perfon, ba 
er, fie langfam fi beiegt, ober auf andere Art langſam iſt. 

O Bungfamträge, adj. u. adv. Tangfam und träge zugleich. 
langfamträge® Erben, bas langfam und in Trägheit verfliept. 

— — liegt anf ber Schulter 
Seine Zaft uns nod, wie langfamträg’ if das Erben! Klopſtod. 

Bangichattig, adj. u. adv. einen langen Gatten werfend. In der 
Erddeſchreibung beifen Langſchattige oder langſchattige Völker, bie 
Wöifer in oder am den falten Gedfrihen, welde, weil bie Bonne 
immer nur ſehr fhräg ihre Strabten auf fir wirft, einen langen 
Chatten werfen (Makroscii); in Brgenfag ber Kursfchattigen. 

Die Langfcherbe, My. —n, im Schiff daue, diejenige Scherbe, wenn 
die Enden der Planken ihrer Bänge mad Über einander lirgen, unb 
dburch Fielförmtse Ausfhaitte anfammergefeht finb, fo baf beide zus 
fammen nur bie Breite ber Plarkın haben, Röbing. 

Der Langſchlaͤfer, —s, 3%. gl; die —inn, Sig. —en, eine Per: 
fon, wride sans in den Tag hinein fhläft, 

X Die Eangfchläferei, 0. Wi. (R.) das lange Schlafen. 


Ein 


30 


O Rangfchlängelnd, adj. u, adr. fid Lang hie d.$. weit hin ſchlan⸗ 


Eggs 2 En un | 


Länge 


geind, „Lansfhlängende Ströme.“ Bo. 

x Der Langfhnabel, —, 4. —ſchaaͤbel, ein Tanger Shuabel; 
bann, em bier mit einem langen Schnabel. So werden ı) in 
manden Gegenden die Schnepfen wegen ihres langen Echnabeis 
Zangfhnäbel genannt. a) Führt biefen Ramen eine Art Rudude 
auf Jamaika mit langem Schnabel, wilde fih von Birfern, Schlau-⸗ 
gen, Eleinen Boͤgeln, und Samerkörnern nähret und bei einem bedor⸗ 
ſtedenden Hegenmetter [heeiet (Cuculus vetula L,); auch, das 
alte Weib. 

Langfchnäbelig, adj. u. adv, einen langen Schnabel habenb, 

O Laugſchneidig, adj. u. adr. eine lange Schneide badend. 

Mein langſchneidiges Stwert von ber nerviäten (neruigen) - 
Hüfte mir reißzend. Bop. 

O Langſchoͤßig, adj. u. adr. fange Schoͤße habend, ;. B. ein fol 
Ger Hold, 3.9. Richter. 

Die Langfchote, By. —n, auf ben, Schiffen, Schoten, welde nah 
der Bänge eines Schiffes errihtet werben. 

Der Langſchub, —es, 3. —[hübe. 1) Eine Art bes Kegelfpieles, 
va man aus Einem Gtandpuntte auf einer langen nad ſchmalen 
Bahn nah ben Kegeln ſchiebt. =) Der bazu eingerichtete Play, bie 
Kegeibahn. In Begenfag des Kurzſchubes. 

x Der Langſchwanz, —ed, 29. — ſchwaͤnze, ein langer Schwanz ; 
dann, ein ihier mit einem langen Schwanze. Im engerer Bedeu⸗ 
tung 3) Eine Kerr Meifen mit langem Schwanze; auch Schwing 
meife, webin bie Zahlmeiſe oder der Pfannenftiel und ber ſpitz⸗ 
bärtige Langſchwanz in Oftindien gehören, =) Eine Art Gpuls 
wäsmer x. haasfiemigem Schwanze, der wol fo lang als ber ganze 
Körper it, aber mur tea vierten Theil der Dide deſſelben hat. 
‚Ascarus trichiura L.) 

Langfbwäanı:g, adj. u. adv. einen Fangen Schranz habend. 

Largfhweifig, adj. u. adv. einen langen Schweif habend. 
Ihweifige Noffe, 

Langſichtig, adj. u. adr. (R.) ein gutes Geſicht in die Ferne habend, 
orae basum in ber Nähe gut fehen zu Finnen; in Begenfag von 
kurzſichtig. Langfichtig fein, Ein Langſichtiger (Praesbyta), 
Davon die Kangfictigkeit. 

gangjilbig, adj. u. ady. ans einer langen Silbe oder aus langen 
“üben beſtehend. Langfiibige Wörter, Bersfüße. Davon bie 
Rangfitbigkeit. 

O Die Längslinie, (auch S die Rängelinie. ©.) 8. —n, eine 
länge oder nad ber Bänge eines Körpers laufende Linie, Auf je⸗ 
der Rlägettede des Tumetenkifers find zehen Kängslinien.* Funke. 
®. Laͤngsſtreifen. 

Die Eangfpliffung, 9. u. in ber Schifffahrt, diejenige Spiiffung, 
wodurch ein Tau zufammengefügt wirb, bas durch einen Blod ober 
über eine Scheibe laufen foA und durch die Spliſſang weder einen 
Knoten noch mehrere Dice befommen darf ; aus Spaniſche Spliſſung. 

Laͤngſt adv. vor ſeht langer Zeit, ſeit fehe langer Beit. S. Lange 
und Laͤngs. 

Die Langftange, Sz. —n, fo viel als Lrifte oder Stemmieifte an einem 
Rüftwagen. 

Laͤngſtens, adv. auf bas Kingfe, fpäteftens. Längftens in einer» 
Etunde. untichtig wird es für laͤngſt gebraucht. Das habe ih 
5 Ungſtens gewußt, 

Der Längftich, — s, 2. u. in ber Ekifffahrt, bie Art und Meile 
wie eın Zau, das nur an einem Gnbe ein Auge hat und als eine 
Singe bienen fol, um ein Faß geflohen oder geſchla zen wird. Röbing. 

X Der Kangftieler, —s, 8. gl. eine Corte Birnen mit fehr langen 
Stielen, fühlt und zugleich ein wenig herbe von Befhmad, Nemnid, 

Der Längöftreifen, —#, 2m. al. ein längs oder ber kaͤnge nah laws 
ferber Erreifen an einem Dinge. „Die Flged den (bes Brachkaͤ— 
fers) find graugeiblih und dushfihtig und auf jeder fieht man drei 


Lang ⸗ 


Langſt 


erhobene weiße kangsflreifen.“ Funke. S. auch kaͤngelinie. 

O Langſtreifig, adj. u. adv, lange Streifen pabend, aus langen 
Streifen beftebenb. . 

— Da $inab Iangflreifige dunkel und hellgrän 
MWallenbe Korngefilbe, Bo. 

Das Langftroh, —es, o. 3. in der Landwirthſchaft, Tanges Stroh, 
welches aus fangen ungehuidten Halmen befleht; aud das Schuͤt⸗ 
tenfiroh, zum Unterfäiebe von Krummſtroh. 

© Der Langton, —es, 4. —töne, ein langer, ein ausgehaltener, 
gebejnier Ton. „dur Bezeichnung bes Lange und Kurztones.“ 
Wolle, . 

O 2angtönig, adj. u. adr. einen langen Zon habend, aus einem 
langen Zone ober aus langen Tönen beſtehend. Wolle Kangs 
tönige Silben, Wörter. Davon die Pangtönigkeit, bie Eigenſchaft 
einee Silbe, tines Wortes, ba fie, es langtönig if, „Dir Roth» 
wenbigkeit aub für bas Merkmaͤhl ber Kurztöniglelt — fo wie ber 
Rangtönigkeit — zu forgen.“ Wolle, 

O Das Langviered, — es, By. —r, ein langes Biere, d. h. ein 
Biere von deſſen Seiten zwei gegenäber ſtehende länger find als bie 
beiden andern Seiten (Quadratum oblongum, Parallelogramma). 

O Eangvieredig, adj. u. adr. vierectig und ang, fo daß bie Seiten 
mit gltich fang, ſondern zwei gegenüber ſtehende Länger find, als 
die uͤbrigen. 

Der Langwagen, —s, 24. gi. in der Landwirthſchaft, das Lange 
Holz an den Rüft: und Baurrwagen, weldes durch bas vorbere und 
Hintere Geſtell gehet und bribe mit einander verbindet; in andern 
Gegenden au Langbaum, Yangmwelle, z Langpiebe, im N. D. 
bie Lange Wage. Bumelten nennt man auch ben am Laugwagen brs 
feftisten Sntremagen ben Langwagen. j 

O Dir Langweile, o. 3. die lange Weile, das unangenehme unb 
täftige Gefuͤhl des Unbefgäftigten 2c., welchem bie Zeit lang wird 
ober lange währt. 

Und wiberfpricht zulegt aus Langweil' und Berbruß, Wieland, 
ind niät für die Langweil' herbemüht. Schiller, 
Das ift für die Langweile. S. Lang. Richt fo gut ſchrelben Andere 
Langeweile. „Die Art des Berdruffes, den man Langeweile nmnt 
unb der aus bee Gerle entipringt." Sulzer, 

© Langweilen, v. I) trs. 1) Sangwelle verurſachen (ennuyiren). 

Wiewol ea manden guten Schlag -" 

Von Eelesn fehr gelangweilt haben mag. Bürger. 
Sie langweilten mid alfe und liefen mid zugleih für bie Errel⸗ 
Aung brr mahren, ber guten Abfihten fürdten, Benzel:-&ter: 
nau. Auch langweiligen. 
und verelelt Gebet und Religion! Herder. II) rec. Sich lange 
meilen, Songteile empfinden, Langweile haben. .„Die übrigen Ger 
feufhafter fanden es ungerecht, baf eine ganze Geſellſchaft ſich lang ⸗ 
meilen folte, weil er einziger fih nicht bie Seit verkürzen wollte,” 
Meifner (R,) Als fib bie Griechen vor Zroja langweilten.“ 
DBenzel» Eternau, Derfeibe Gchriftftcher gebraudt es auch 
Smehdr als ntr. „Ih fühlte zum erſten Motie, baf Hören dem Ge: 
ſchaͤftamanne Magnetnadeln, dem Langweilenden Seſellſchaft, dem 
Bartenden Tortur (Marter) find." D. Langweile. D. —ung. 

Langweilig, —er, —ſte, adj. u. adv, 1) Xuf eine unangenehme 
und vertzießlihe Art fange während Gin langweiliger Hanbel. 
Cine langweilige Arbeit. a) Langmweile verurfahenb, wo rinem Zeit 

— unb Weile Tang wird, Gin langweiliges Gaſchwaͤ. - Gin lang- 
weiliger Menſch, der lange Welle verurfadt. Gin langmeiliges 
Bud. Arockne und langweilige Erklaͤrungen ber Glaubensichre.* 
Gellert. Davon die Pangmeiligkeit. 

O E£angmeiligen. v. trs. Longmweile verurfaden. Cramer. „Bu 
viel Ibeen (Gebanken) auf einmahl (in einem Ausdrucke) bargefılt, 
übertaben, zu wenig langweiligen ihn.“ Jenifä. (M.). D. Lang · 
weiligen. D. —ung. 


31 


) Bangweilig machen. „Langweilet 


Lanz 


+ Die Langwelle, S. —n, ſ. Langwagen. 

+ Die Langwiede, 24. —n, in manchen Gegenden für kangwatzen; 
verberbt auch Lampert. ö 

Langwierig, —er, —fle, adj. u. adv. lange während, gewöhnlich 
von unangenehmen Dingen. Cine langwierige Krankprit. Ein lang« 
twieriger Krieg. Bumellen auch, was lange gedauert hat; aud, 
5 mas lange vorbei ift. 

Schmerz, o Königinn, if’, nah fo langwieriger Trennung 
Kund ihn zu thun, * 
Davon bie Yangwierigkeit, bie Eigenſchaft einer Sache, ba fie lang⸗ 
wierig if. Die Langmwirrigkeit einer Arantpeit. 

Die Langwurz, 3. u. ein Name bes Allguts ober guten Heinrichs 
(Chenopodium bonus Henricus L.). 

+ Die Lanke, u. —n. 1) Die Geite, befonders die Seite des 
Baudes, bie Weihe. Auch birjenige Seite des Maffers, wo geſiſcht 
werben darf, nennen bie Fiſcher in Brandenburg Lanke. Im Hol - 
fleinifhen, ber Schenker eines Ihieres. =) Bei ben Böttiheen, eine 
fehlerhafte Krümme oder ein Rnoten in einem Reife. 5) + Die Eade. 

t Der Lanlauch, —es, o. My. ber Allermannsparnifh ; auf Alpen ⸗ 
lauch, flediger Berglauch, Oberharniſch, Huͤlfwurz ic. (Allium 
vietorialis L.) 

Die Lanne, By. —n, eine Babelbeiäfel ober zwei Staugen zwiſchen 
melden sin Pferb ziehet. Fulbe, 

+ Der Lanſte, 4. —n, in Schleswig, ein Bauer,meider fein Gut‘ 
au Sehen befigt, auch Feftebauer; zum Unterjhiede von einem Bon: 
ben, ber es eigenthuͤmlich befigt, 

Die Lanze, 4. —n. ı) @in langer und flarfer Epieß von hartem 

Dolze, welder am unterm bildern Ente einen Einfhnitt von der 

Breite ber Hanb hatt, um ihm baſelbſt mit ber Hand feft zu halten 

und deren fih ehemahls die Hitter bedienten. Die Panze einlegen, 

in bie Seite lezen umd feft andräden, bamit anzufpeengen. Cine 

Lanze mit jemand dreden, ſich in einen Kampf mit der kanze mit 

ihm einlaffen; uneigentli, fi mit jemand in einen Streit, Kampf, 

Wettkampf einlaffen. In weiterer Bebeutung, ein Spieß überhaupt. 

Bei dem Joͤgern ift bie Lanze ein fharfer Spieb, deſſen Schaft lang 

ift und deffen fie fih zu Pferde bedienen, mwilte Schweine bamit zu 

erlegen. Bei den Molfifhfängern find bie Lanzen eiferne fehe 

Fuß lange Gpiefe vorm breit und fharf mit einer Spige, hinten 

boht und mit einer acht Fuß langen Stange verfehen fie baram zu 

handhaben. Cie werben gebraucht ben vorher ſchen mit einem klei⸗ 
nen mit Widerhaken verfehenen Spieße (Harpune) verwendeten 
unb ermattrten Walfifh, wenn er herauffömmt, vollends zu toͤbten. 

2) Bei den Bilbfauern, ein plattes auf einer Seite gerunbetes unb 

auf ber anbern inwenbig abgefänittenes Werkzeug, beffen fie ſich zum 

Formen in Thon ımb Wacht bedienen, 3) O @in mit einer Banye 

bewaffaeter Krieger. „Da wmachte Gib ſich auf mit etwa vierter 

halbtaufend Lanzen.“ 3. Müller. 

Längen, v. trs, mit der Banze Aechen, erlegen, befonbers Secſiſche mit 
Sanzen töbten. Fulda. D. Längen. D. —ung. 

Das Lanzenblatt, —es, By. —biätter. 1) Das Blatt ober berite 
zugefpigte Gifen, womit geiwmiffe Lanzen verfehen werben. 2») Eine 
Art Fiedermäufe in Amerita, mit einer Erhöhung ober Haut auf ber 
Naſe, weiche bie Geftalt eines Banzeneifens ober auch eines ſpitzigen 
Kleeblattes bat (Fer de lance, Buffon). 

Die Lanzenblattweide, 239. —n, eine Art Weiden (Salix phylici- 
folia L.), Remnid. 

O Der Zanzener, —6, 2. gl. einer der bie Lanze führt, mit ber 
kanze fireitet, 

— und bes Banzeners Freunbinn, bie Eſche. Wo. 
Da ber Wurffpieß mit Wiederhaken, welder beim Walfilhfange auf 
ben Ballſiſch geworfen wird, Panze heißt, fo kann man benjenis 
gen, her fir wirft, füglic Sen Ranzener nennen (Harpunier). 

Das Lanzenfeſt, —es 4. —r, ein Feſt in der Roͤmiſchen Kirk, 


— — — Bof 


ganz 


32 


Lap 





welches zum Andenken an bie Sanye , mit welcher man Kelfti Seite 
durdkad, im 14ten Jahrhundert eingeführt wurde. 
Der Lanzenfifh, —es, 3. —e, eine Art Klippftſche ober Vand⸗ 


fire mit drei ſchraͤgen grau eingefaßten Bäntern (Chaetoden lan- - 


ceolatus L.). 

Lanzenfoͤrmig, adj. u. adr. bie Form oder Geſtalt einer Lanze, unb 
in der Pflanzenlehee in engerer Bedeutung, bie Geſtalt ber Spitze 
eine Lanze abend, So Heißt ein laͤngliches Blatt, das von unten 
an lang, oben almäflig fpig zuläuft, fanzenförmig (lenceolatum), 

A Das Lanzengefeht, —es, 94.—t, ein Gefecht, in melhem man 
fi ber Lanzen vebient, 

— 6 hatte bad meiſte, bad tzefflichfle Kriegsvolk 

Untiripn fih gerüftet, draierig zum Bangengefechte. Bürger. (f.) 
Auch, ein Gefecht mit Tanzen zur Luft und Übung, bergleichen bie 
Ritter haufle anfkeliten. j 

dr Fanjengeübt, adj. u. adv, geübt bie Lanze zu führen, geübt im 
Linzengefedte, Boß. f i 

Der Lanzenbieb, —es, Di. —e, [. Lanzenſtich. 

Der Lanzenknecht, —ed, 4. —e, ein mit einer Lanze bewaffneter 
Kncht oder gemeine Eolbat ; edler ber Sanzenträger. 

Geht zn ben Lanzenknechten. Sähiller. 
In dir gemeinen Sprechatt aud) Kanzknecht, welches gewöhnlich mit 
Landetnecht verwedfelt wird. — 

Das Lanzenkraut, —es, DM. u. eine Art Frauenhaares in Suri⸗ 
nam, deren am Ende ſtehende Federa Khnlichkeit mit Banzen Haben 

4 (Adianthum lancca L.), f . 

Der Eanzenfrieger, —s, 34. gl. ein mit einer Lanze bewaffneter 
Keiegir. 

& Die Lanzenkunde, o. 29. bie Kunde, das Wiffen, bie Gejhide 
lichkeit mit der Banze umzugehen ober zu flreiten. 

Benn fie ja Kanzenfund’ ihm verlieh'n bie ewigen Götter. Boß, 

A Sanzenfunbig, adj. u. adv. Eınzenfune befigend, bes Gebrauchs 
der Linzen und bed Kampfes bamit kundig, barin exfahren. 

Richt ja wegen bee Troer, der Lanzenkundigen, kam id. Boß. 
Derlılbe gebraucht in derſelben Bedeutung auch langengeübt. 

& Die Lanzennacht, o. 3%. gleichfam eine Naht, welde bie kan. 
sen im Kriege verbetiten, entweder durch Ibre große Menge ober ins 
dem fie toͤdten. 

Und ſchmiß uns tief in Blut und Morb 
und in bie Lanzennacht. Schiller. 

Die Lanzennabel, 9. —n, eine Art Nadelſchnecken, deren Schale 
auf welßem Grunde mit ziegelrotben Singsftreifen verfehen ift, bie 
man mit Zangen verglichen hat (Buceinum laneeatunm L. ). 

A Der Lanzenfchneller, —s, My. gl. ber bie Lanze ober dem 
Wurf pleß zu ſchuellen, zu werfen verfiehet und fie ſchnellet. 

_ ber Lanzenſchnelletr Tnfotas. Bo. 

Der Lanzenſchwanz, —es, Di. — ſchwaͤnze, ein Fiſch mit Tangem 
gtſchmeidigem Körper, welcher am Schwanze ein Paar langenförmige 
Spigen hat (bei Müller Lanzettenfiih, Ellops saurus L.). 

6 Der Lanzenſchwinger, —s, 3%. gl. ber die kanzt im Kampfe 
zu ftwingen, zu gebrauchen verfiebt, und fie ſchwingt. 

Ein Lanzenſchwinger aus Ätolien. Bürger, 

O Das Lanzenſpiel, — s, 9. —e, das Spiel mit ber Lanze, 
d. b. im Karmpfe mit ber Lanze, fofeen er mehr zur Luft als ein 
Spiel begonnen wird, dergleichen Witterfpiete ehemapls fehr ges 
mögnith waren und Tutniere gnnannt wurden, 

und ihm warkanzenfpiel kaum mehr wie Halenhe hen. Wielamb, 

Das Banzenfteben, —s, BD. gl. ein Stehen mit ber kanze, ein 
Kampf mit ber Lanze old ein Btitterfpiel; ein Turnier. 

Der Lanzenſtich, et, Ma. —e. 1) Ein Stich mit der Lange. 
ar ine der Linge nah rinnenförmige Vertiefung am Halſe mans 
der Pferde: auch, ber Lanzenhieb. Nemnid. . 

& Der Lanzenwald, —es, 8. -- wälder, gleihfam ein Bald d. h. 


eine große in bie Höhe gerichtete Menge von Lanzen. 
Ein Schwert: und Lanzenwalb fand ung entgegen. Bries, 

O Der Lanzenwurf, —es, 9. — würfe, ter Wurf ber Lampe, 
d. H. der Kampf mit ter. Lanze; auch die Gefähklichkeit dieſeibe zu 
werfen, ober mil derſelben zu kämpfen. : 

— bu prahbltet vordem, ben flreitharen Helb Menelaos 
Veit an Krsft und Händen und Yanzentwurf zu befiegen. Woß. 

+ app, —er, — fl, adj. u. adr. in den gemeinen Opscharten ſchlaff. 

1. t Oer Lappe, —n, Di. —n; Bw. bas Lippihen, D. D. —Ieim, 
2) Der Lappen. ©, d. 2) Der Eaffe. ©. d. 

23, Der Lappe, —n, My. —n; die —Rappinn, BY. —en, ein Ber 
wohner Lapplande; auch Lapplaͤnder, Lappiänderinn, 

Der Lappen, —s, 4. gl; Bw. das Lüpphen, O. D. 
lein, ein hetabhangendes biegfames und dünnes Eräd von unde⸗ 
fimmter Geftalt; ein mit Labbe, Lippe, wo auch der Begriff dei 
Herabhangens Start findet ober Statt finden Fan, verwandtes Wort. 
So werden verfgiebene Theile biefer Art an den thierifchen Koͤrpern 
Lappen genannt, Der Lappen oder das Lippen det Ihres, das 
Ohrlaͤppchen, der unterfe dünne und weiche berabhangende Theil 
beffelben, Die Kappen ber Hunbe, bie berabjangenben Ohren ber: 
ſelden; befonders bri ben Jaͤgera. Die Laphen ber Leber (Lobi 
hepatis), S. Yeberlappem., Bei denfelben befindet fih noch ein 
dritter Sappen, der Epiegeifhe Lappın (Lohulus Spigeli), Die 
Lappen am Ghnabel der Hühnerarten, bie am Schnabel herabbans 
gende zungelige Haut. Auch dünne Stuͤcke Fleiſch, welcht die Kiel: 
fher aus dem Baude des Binbeiches baden, nennen fie Yappen. 
Bri denfelben und in dem Küchen wird bie fleifhichte Haut, welche 
ben Wanſt bes Mindes ausmanht der dicke Kappen genannt; zum ns 
terſchlede von dem duͤnnen Lappen, welder weiter unten aus dem 
Bande gehackt wird. In engerer Brbeutung heißen im Bennebergs 
Then die Ralbaunen, Kutteln oder Muttelflede Lappen. In ber 
Pflangenlehre find Lappen durch Cinfhnitte gebildete herabhangende 
Theile der Pflanzen (Lobi); auch biejenigen heile eines Samen⸗ 
kernes, melde das in der Erbe fih in Milch verwmanbelnde Mehl 
enthalten. Ein Lappen Schwamm, ein großes Städ Feuerſchwamm. 
Ju engerer Bebeufung verficht man unter Lappen ein Stüͤc Zug 
ober keinwanb zc. von undeflimmter Geltait. Gin Lappen etwas 
abzuwiſchen, aufzutrodnen ıc. ein Waſchlappen, Wiſchlappen. Dient 
er um zur Nusbefferung auf ein Btäd gefegt zu werben, fo bekommt 
er aud) eine beſtimmte Geſtalt und heißt dann ein Flicklappen. Im 
biefem Berftante werben im ©. D. auch bie Städe Leder zum Kuss 
beffeen der Schuhe Kappen genannt. Gin ſolches kleineres herab: 
hangenbes oder abgeriffenes Stück Zeug ober Tuch heißt auch ein 
Fleck, Fetzen, im D. D. aud ein Loden, Bletz ıc. In ber Schiff: 
fahrt wird auch eim eingeſetztes ober aufgefehtes Stüͤck Holy an einer 
ſchadhaften verfauiten Stelle eine Lapp genannt. Die Lappen ber 
Jäger find fhmale Stteifen Leinwand, welche an bie Seinen genäs 
bet werben, das Wild durch ifre Bewegung abzuſchrecken; Die Tuch⸗ 
lappen, zum Unterfhiebe von ben Federlappen. Ein Wily gehet 
durch bie Yappen, wenn es fi bie biefeiben nicht abſchrecken läßt, 
ſondern doch durchſetzt, bafer bie uneigentiiche Redentart im gemeis 
nen Ecben, durch die Lappen gehen, für entwiſchen, glüdlich bavon 
kommen. In Eiſaß nennen nah Schilter die Rheinihiffer bie 
Segel ihrer Fahrzeuge Kappen, baber berienige welcher auf einem 
Schiffe die Auffiht Über die Segel hat, der Lappenmann Heißt, 
Berähtlih nennt man auch wol Äberhaupt ein tür Zeug, wie au 
ein Kleidungsſtück, einen Rot, Mantel ıc. einen Rappen, gemöhns 
th aber aber die herabpangenden Stuͤcke einens zerriſſenen Zeuges ober 

« Kleibes. X Es ifi fo ſehr entzwei, daß die Kappen drum herumhan⸗ 
gen, uUneigentlich führt bei den Schlafern bee viereckige Theil eines 
Zhörbandes , weiher im das Hola getrieben wird, ben Ramen Lap⸗ 
pen. Bei ben Sporern ift ber Lappen ein bienes Stücdhen @ifen 
an ber Stange riars Pferdejaumes, welches derſelben jur Bierde 


> 


Rappe 


"Gienet. Wet den uhrmachern find bie Lappen bie brei binnen Wiät- 
ter von Meffing ober Stahl an ber Spindel, zwiſchen welche bat 
Steigerad mit feinen Bühnen wechſelaweiſe geeift und wodurch bie 

: Kraft unb GSeſchwindigkeit ber Raͤder gehemmt wird, daß fie nit 
geſchwinder ablaufen können ala fie follen; bie Spinbellappen. Im 

Berabaue find bie Lappen zwei 2 Bol dicke Wiätter zu jeder Seite 
ber Bmange.an ben Armen.des Kehrrades eines Baffergöpels, welde 


den Kranz des Kehrrabes haltbarer machen. Im Waſſerbaue nennt D 


wan die vorſteheaden Ränder an. dem ellernen Waſſerroͤhren im ber 
Gebe, zwifhen. melde Ledar ober Filz geiegt wird, wenn man fit ver ⸗ 
mittelt Schrauben an einander befeitiget, Lappen. 


+ Bappen, va tes. Suppen auffegen, b: h. füden; befonders im DO. m . 


N.D. Gin Kleid, Schuhe lappın. In writerer Bedeutung auch 
niden, eusbeffirm Aberhaupt, -Pfannen, Kıffel lappen. D. Laps 


pen * ung: . 

Die Lappenbiene, 2. —n, ſ. Rofenbime. 

Die Lappenblunme, 2 —n, kei Planer eine Benennung bet 
Dorntünmgels; 

De Lappenmann „—t4, 2. — männer, f. Lappen 

Die Eappenichneke, 94. —n, be Benmnung verfhichenen Schnek- 
Imartem, 5%) Einer Art Biägelfäneden mit flach gerundetem Rüden, 
‚angefpaltenemm Gchmwanze und mit herborsageuber Lippe (Strombus 

L.). ) @iner Art Spinbelmalgen, die Lapplaͤndiſche 

kappenſchnecke, weil man fie juerit aus Sappland. erhielt (Voluta 
laponica, L,); bie 2ippe berfelben Ihuft erweitert aus, 5) Einer 
Hoheit gewundenen Gäucds, deren Gewinde aber platt und mit 
bereiten getrauſeten Sappen befeht find. (Tube delphinus L.). 

% Der Lapper, —b, 3. al, einer bed lappet, d. h. flidtt, in bem 

v: Bufemmenfegungen Schuhlapper oder Altlapper, Keffellapper ze. 

Die Lapperei, 99. —ın. 1) + Das Bappen ober Flicken in veroͤcht⸗ 

. Adıem Sinne; ohne Mehrzahl. >) X Eine unbedeutende, geringe 

ade, ebenfalls in nerähtlihem Siane (Lappalie), Das find Laps 

pereien 

2äppern, v. D trs. in Meinen Zeiten und miühfem versinigen, fo 

bap endlih etwas Größeres, Bebeutenberes daraus wird. Durch 

foiche Bleine Xusgaben LÄppert id im Jahre eins beträchtlihe Summe 

zufammen. &a aud in den Bufammenfegungen abläpperm, zuläps 

dern. Ginem Geld abläppern, es ibm in Meinen Summen abnehs 

men, im Epiel ı, Ginem etwas zulaͤppern, es ihm nad und nad) 

in ganz Heinen Summen, bei Kleinigkeiten geben. IL) intrs. mes 

nig auf einmahl trinken, nippen. — D. Läppern. D. —ung. 


X Die Lipperfhuld, m. —ın, Säulen, bie nah und nad im . 


Beinen unbebeutenben Poften aufgelanfen find, die id zufammen ges 
Lippert haben; auch Klitterfchuld. 

Das Lapphorn, —ıs, 3. —birner, eine Benennung verſchlebener 
Gänedenarten, worunter man aud bie Lappenfchneden begreift. 
In engerer Bebeutung führt diefen Namen ı) biejenige Flägelfnede, 
welche unter allen ben größten Flügel ober Lappen hat; bad große 
Lapphorn, ber Großlappe (Strombus gigas latissimus L.); auf 
Leder. a) Der echter ober bas Fechthaͤhnchen; bas budelige Lapp⸗ 
born (Strombus auris Dianae L.). S. Fechter 5). 

Bappicht, nd} u. adr. einem Lappen äpulih, d. d. auf eine fehlerhafte 

TLet bisgfam und wei, Gin lappichter Hut. 

Bappig, —er, —fie, adj. u, adr. dappen habend, aus Lappen befle: 

. mal. 

Ja der Pflanzenichre iſt ein Blatt lappig (lobatum), wenn es burch 
tiefe bis zur Hälfte reichtahe Einſchnitte in Lappen zertheilt if. 
Davon bie Lappigkeit. 
ifch, —er, —te, adj. u. adr. einen Bappen ober Saffen Ähnlich, 
wie «in Laffe, d. h. auf eime jugendliche ober Finbifde Art umanfikns 
up unserftänbig; in verätlihem Werftante. Ein läppifcher Menfc. 
Lippifcdge Reben, Handlungen. Gin Läppifces Mein. Ci Lip 
piſch betragen, 
Gompr’s Wörterb, 3. Th. 


33 


Gin lappiges Kleid, von, welhem bie Lappen herabhangen.. 


Lärm 


Das Eappjagen, —, 94. at rin Jagen oben eine Jagd, wobei ber 
Jagb dezixk mit Lappen umftellet if, 
Das Lappsreid, — es, Wi —er, bei ben Jägern, dünne mit Haken 
verfehene Stangen, womit bie Federlappen aufarftellt werben. 
Die Lappſtatt, 9. —ftätte, bei den Zägern, eine Statt, d. } ein 
Berirk, ber mit Bappen zu einem Lappenjagen umſtellt if ’ 
Die Bäche oder der Lärchenbaum, f. Lerhe, Kerchenbaum, 
er Laͤrm, —es, ober der Laͤrmen, —s, 0. 9. ein lautes. Ge 
zöufd das bus fein längeres Wupalten beſchwerlich wird, befonbers 
ein foldes Beräufh von verfhicbener Art buch einander, wo mar 
einzelne Stimmen, Töne x. nicht I unteriheiden kann. Kinder 
maden bei ihren Spielen gewoͤhnlich axoßen Lärm. Mer Laͤtm in 
Zeinfgefenfhaften . Dir Lärm auf dem Markte, bei einem Jahr: 
morkte it. Sprichw. Viel Lärm um nichts, Gin ſtatk befegtes 
Sonftüt, das vielen Lirm made. Oft and, ein Yeftiger Bant, 
Streit, weil dabei gewöhnlich fehe laut gerebet, gefchrien ober ge⸗ 
lärmt wird. Über eine Mleinigfeit einen geofen Lärm anfangen. 
Ja engere Bedeutung ein Xuf: und Zufammeniauf einer Menge, 
fofeen eim verworsenes Brräufh und Geſchrei bamit werhunben ift. 
Bei einem Bewer entfiehet Laͤrm auf ben Straßen. Lärm machen, 
Aush Gefhrei, Kufruf, einen Auflauf verurfagen. Lärm ſchlagen 
ober biafen, darch Rüfrung der Trommel aber Biafen bez Trompete, 
die Soldaten oder Einwohner bei einer Gefahr ſchaell zufammenberufen. 
Lärm blafen, auch uncigentlih, etwas Öffentlich als eine grofe Be 
fahr oder als ein übel machen und. bavor warnen, Alle Ans 
Hänger der alten Meinung biiefen bei. bisfen Beuerungen in ihren 


Sqhriften Laͤrm. Gin blinder Lärm, ber kei einer vorgegetenem 


ober geglauhten aber nicht wichih »arfahbenen aber eingeizetenee 
Gefahr entſtehet, gemaht wird, Man fuhte dis Einwohner burg 
dieſen blinden Lirm nur beſtürzt umd madigiehig au maden. Im 
gemeinen Sehen wird Lärm machen aud uneigentiih gebraucht für 
Auffefen maden, viel von ſich reden machen. X Ihre Sqhoͤnheit 
macht hier gewaltigen Lirm. 

X Der Lirmbläfer, —b, 3. 0). einer ber Lrm Siäfel; unelgente 
Ud, einer ber von etwas als einer Gefahr, ala einem libel ober 
uUngläd dffentlih ſpeicht oder fhzeibt, Mobere davor zu warnen unh 
degegen einzunehmen; mit einem allgemeinren Kushrude ber Lärm» 
macher (Alarmist), Man kennt diefe Lärmbläfer, bie bei jeher 
Beraͤnderung, bie ipwen Rachtheil bringen LWante, ſoglelch in ife 
Horn floßen. . 

Lärmen, v. I) intrs. Läͤrm machen, verurſachen. Kinder, lirmt aicht 

fol Dann aub, X laut zanken, ſchelten, freien; in Baicen 

samaten, im Plattbeutfhen ramenten. Über jebe Kleinigkeit lÄr- 
men und toben. Uneigentlid wird in folgender Stelle lärmıen audi 
von dem Geräufge ober Anifkeen ber Flamme gebzaudt, wo bas 

Mittelmort ber gegenwäsdigen Belt zugleih wie ein Beilegungswont 

seßeigert ifl: j 

— und bie Flamme des Ramins fhwinget neh Iärmenber 
In dem neuen Gehölze fih empor. — Kispflod. 
U) O tra. lärmenh fingen. — und ber Haufe 


D. Lirmen, 
Die Lärmente, My. —n, eine Art Enten, welche Lauter als bie & 
meine Ente fnattert, und deren man fich bebient, wirde Enten her 
beiuloden (Anas strepera L.); auch Schnatterente, Schnasrtente, 
Rodente, Reiner. 
Der Lärmer, —b, 9. gl.; bie —inn, 24. —ım, (R.) eine Pen 
fon welche Idemt, Laͤrm made. Ihe Heine Laͤrmer! „Wie viet 
’ haben jener PÄrmer dem Ganzen zugefägete x. Herder. 
SR vor euch, Rärmer, benn Bein Kihter? Hagedorn 
Die Laͤrmglocke, Mg —n, eine Biede, durch besen Läuten man bei 
Gefahren Sirm madht, d. d. einen Kuflauf, Bufammenlauf erzegp; 
dis Sturmglockt. j 


mete Geflich. — Goumenbarg 


Lärm 


x but Sirmmacher, — 8, 9%. gl. einer ber Eiem macht: S. Laͤrm⸗ 
biäfer. . 
Der Laͤrmplatz, —es, 9. —pläße, berienige Plat in einer Stadt 
ober Feſtung, auf welchen ſich bie Solbaten verfammeln, wenn tärın 
geſchlagen wird, j 
Der Laͤrmſchuß, — ſſes, 2. — ſchuͤſſe, ein Schuß, befonders aus eis 
ner Kanone, durch meiden von einer Gefahr ı. Rachricht gegeben 
und Lirm gemacht wird. Laͤrmſchuͤſſe thun. 
Der Laͤrmſchuß giebt ein dretfach Zeichen. 8, F. Lenz. 
Das kLaͤrmſtuͤck, —es, 34. —e. 1) Ein Stuck, das vielen Lirm 
macht, in weichen viel Lhrm gemadt wird, 3. B. ein folhes Ehaus 
fpiel (Spectakelflüß), befonders ein lärmendes Tonflüd, und in 
engeree Bebeutung , rin Tonſtuͤck welchts abſichtlich ſeht lärmt (Fan- 
fare), 2) Ein Gtüd Beihäg, eine Kanone, woraus man Laͤrm⸗ 
fhüffe tut. S. Laͤrmſchuß. 

Laͤrmvoll, adj, u. adv, pol EArms, wohel großer Cirm iſt, ober mo 

“ großer Larm gemacht wird, „Der Tärmvolle Shauplag." KL. 
Ehmibt. (M.) 

Das kLaͤrmzeichen, —®, 9. ol. rim Beiden, wodurch bei einer Ges 
fahr ze. Siem gemacht wirb; dergleichen find das Krommeln, Blas 
fen, das Lauten bre Laͤrmglocke, die Lärmfhäfle ıc. 

: Die Larve, 34. —n; Bmw. das Läruchen, —6, 34. al. 1) Ein 
gemabltes ober geformtes menfhlihes Beficht außer aller Werbinbung 
mit einem andern Zeile bes Körpers; im ben bilbenden Künften. 
Befonbers ein von Pappe ober andermm Stoffe gemachtes und ange 

mahltes Hohles Seſicht, weiches man vor fein eigenes Geſicht befeftigt 
um Mich umdennttih zu machen,’ z. B. bei Larventaͤnzen (Masque); 
ebemahls auch bie Mumme. Daher mehrere uneigentlide Redens⸗ 

“ arten. Eine Larve ober bie Larve vornehmen, fi nicht in feiner 
* wahren Geſtalt zeigen, fich verſtellen. Er nahm die Yarve der Gut ⸗ 

muͤthigkeit vor um befto ſicherer zu täufhen, er fplelte ben Gatmür 
tigen, ſuchte gutmüthig zu fheinen. Die Larve wegthun, ablegen 
ober abnehmen, aufhören ſich zu verftellen, fi zeigen wie man tft. 
Einrm bie Yarve abziehen, feine Verftelung aufbeden, ihn in feiner 
wahren Geflalt, nad feiner wahren Dentart, zeigen, Uneigentlich 
wird im gemeinen Leben auch bad wirkliche Geſicht in Anfehung ſel⸗ 
ner Geſtalt eine Larve genannt, bo nur in verädhtlihen Sinne. 
ie thut ih auf ihre hübſche Larve viel zu gute, „Bin Mäbden 
ohne Wermögen unb ohne Rang — mit ein wenig Larve, aber mit 
vielem Prunke von Zugend und Gefühl und Win.“ Leffing, Bu: 
meilen verficht man unter Karve auch eim mißgeflaltetes, ſchrecliches 
Geſicht und eine Erfheinung mit einem folden Geſichte. Scheußliche 
Karven erfälenen, daran fie fi entfaten.* Weist. ı7, 4. 
Der Larven Schar irrt flüͤſternd um und ſchreckt. Griek. 

2) In ber Naturbeſchreibung werden bie Biefer, welche erſt durch einige 
Berwanblungen in ihren vollfommenen Zuſtand gelangen, Yarven ger 
nannt, wenn fie aus ben @iern kommen, weil das vollfommene dies 
fer darin gleichſam mod verſteckt if. Diefe Larven bekommen ver 
[&biebene Namen. So heißen bie karden ber Schmetterlinge Raus 


pen, bie ber Fliegen und einiger andren Zieſer Maden, bie Larde 


bes Maikäfers Engerling te. Dieſe Larven, meiden zum Theil, wie 
ben Maben, bie Beine feblen, find zur Kortpflanzung unfähig. 
. Die Larve, 9. —n, Sei ben Iägern und Vogelſtellern. 1) Eine 
Kırbe oben auf ber Stellſtange, morein bie obere Beine des Jagd⸗ 
zeuges zu liegen fömmt. =) Hölzer, bie mit einer Kerbe verfehen 
find, die Schlagftedin vermittelt eins MNagels in ber Kerbe zu ber 
feigen und fie mit ben Bogelmänben auf: und nieberjzujiehen. Js 
beiten Bedeutungen auch bie Lorve, Lotfe. 
Der Larvenball, — s, 94. —bälle, ein Bat, zu welchem man 
mit einer Larve erfhrint (Bal masque, Redoute), „— ton liche, 
bie auf dem Larvenball gewiß mit fehlen wird.“ 3. P. Richter. 
Die Larvenblume, 9. —n, in der Pflangenlehre, eine Benennung 
folher Pflanzen, welche sine rachenfoͤrmige Blume haben, deren bribe 


oO 


34 


Laf 


Einfhmitte dicht gufammenfähliegen (Personatae), Willbenom. 

Das Farvengefiht, —es, WM. —ır, (R.} ein Wrfiät, das einer 
karde gleigt, und in engerer Bebeutung haͤßlich Hit; aud wol, ein mit 
eineg Larve bebedtes Geſicht, und umeigentlich, ein verftilltes Geſicht 
und eine Perfon, welche fih verflelt. 

® Der larvenmantel, —#, 34. —mäntel, ein Mantel, deſſen 
man fid beim Barventanze zur Larve bedient (Domino). G. 

Die Earvenfchnede, By. —n, eine Urt Mondfchnecken von ber @röfe 

- einer Hafelnuß, been Mündung rund und perienmutterartig, und 
bie von Farbe aſchgrau und braun bepunktet oder auf andze Art ger 
zeichnet ik (Turbo personatus L.). 

* Das Larvenfpiel, — es, By. —e, tin Splel, 2. h. ein Wergnüs 
gen, wobei man ſich verlarst, eine Mummerei. M. 

O Der Larventanz, —es, 34. —täme. ı) Ein Kan, wobei han 
fi verlarot. 2) Cine öffentliche mit Zany verbundene Eußbarkeit, 
an welder man nur mil einer Larbe und einem eigenen Burgen Blcie 
nen Mantel, vem Yarvenmantel verfehen, Theil nehmen basf (Bal 
en masque). „Eundlich ſchlaͤgt die frohe Stunde der Blanverfammr 
lung, bes Schauſpiels, bes Larventanzes.“ EG, xLarventanz flatt 
Masquerade (Mascarade) giebt dem Wipe die Larven In Gegenſatz 
ber Geſichter.· I. P. Richter. Eigentlich hat E. für Mascatäde, 
worunter) bie Frauzoſen nur die Faftnahtsmummereien verſteden, 
Larvenfeſt, und für'Bal en masque Latventanz vorgeflagoni‘ 

Die Laſche, 9. —n. ı) Ein angefeäter Streifen ober ein eingefegs 
tes Stuͤck; befonders am Rieldungsftüden. Go Heißt bei ben Schnei⸗ 
dern ein Mantel ohne Lafchen, ein aus dem Banzen gefhnittener 
Mantel. Dieſelben nennen aud an mehren Drten bie Klappen am 
„ben Taſchen Yafheni ; Die Stüde Eeinwand,- welche unter den I: - 
meln in den Demben gefeht werben, um bie Welle zu gewinnen, wer» 
bin auch Laſchen genannt, Welonters wird es don den Schuſtern 
getraut, ein virrediges Staͤc Geber zu begeichnen, welches an das 
Odberleder ber Schuhe angefegt wird. 

Ihr Schuht ift niedrig, Rumpf mit aufgefteifterfafhe. Bahariä, 
5 Selbſtwachſeude Laſchen heißen biefeiben in mauchen Grgenden, 
wenn fie nicht angefegt find, fondeen mit tem übrigen Ecber ein 
Stil ausmahen. Auch benennen bie Schuſter mit biefem Namen 
eine Raht bie nicht zwei einzelne Stüde mil einander vereiniget, 
fondern fi nur am einem Leicht eingefänittenen ober halb durchge⸗ 
fSnittenen Leber befindet. Wei ben Zimmerleuten ift die Laſche ein 
Ginfänirt im bie Hoͤtzer, melde kreuzwelſe über einander zu liegen 
kommen ober beim Wechſel zweier Etäde zufammengefhoben werben, 
bamit fie in einander gerifen und ſo an einander befeftiget werben. 
Im Mühlenbaue ıc, find die Laſchen Gtüde Hols ober Bohlen, bie 
über ben MWedhfel zweite Aranzfläde an einem MWafferrabe genagelt 
werden, um biefe dadurch deſto mehr zu befeftigen ; bie Yafchenbrets 
ter. Im Schiffbau nennt man Lafıhe, die Bufammenfügnng zweier 
Planten, deren Köpfe in ber ganzen Breite übereinander Tiegen; fie 
werben, fo weit fie über einander lirgen, ſchraͤg abgeſchnitten, fo daß 
beibe zufammen nur bie Dide ber Planke behalten. Möbing. =) f 
In manchen Gegenden tin Grind, befonderd wenn er abtrecknet. 

1. Laſchen, v. tre, 1) Mit Laſchen verfehen, kLaſchen auffegen, eine 
fegen. Einen Schub laſchen. =) Mit einer in ein halb eingefänit« 
tenes Leder gemachten Naht verfehen. Lederne Beinkleiber laſchen. 
5) Bii ben Zimmerleuten, mit Laſchen oder Eluſchnitten verfehen 
und vermittelt zweier @infänitte zuſammenfügen. ©. Laſche 3). 
D. Laſchen. D. — ung. 

2. + X Laſchen, v. trs. berb pruͤgeln, beſonders wenn dies mit einem 
ledernen Riemen geſchicht; in andern Gegenden kalaſchen. D. Bas 
ſchen. D. — ung. 

Das Laſchenbrett, —es, 4. —er, f. Laſche. 

Die Laͤfe, 94. —n, ein irdenes dauchiges Gefaͤß mit einem Henkel 
und einer röheenfdrmigen Schnauze, zu allerlei Flüſſigkeiten. Cine 
Waſſerlaſe, Bierlaſe, Weinlaſe. 


Laſ 


36 


Laſſ 





en ur Deck Laſen waren ſtete son Turzner Naſſe vol. Bahariä, 
Im D. D. au Laffe; Lapkapıne; Lofe, Lostanne. 

Das Laferkraut, ed; Dig. — kraͤuter, der Rame eines Dolden tra⸗ 
"genden. Pflanzengefälehtes Anm neuen. Schauplage ber Matur (Laser- 

vitiuni LA)x rauch Laferpflanze,. zu welchen bie große ober weiße 
Dirfgmwuryel, auch weißer Enzian genannt (Laserpitium latifo- 
lium L,) und bie HeineHirfhmwurzeliLaserpitium prutenicumL.) 


Die Eaferpflanze, m — u," fi Laferkraut. nur 

Abap;taffer, laſſe ſte, adj,u.adv, jan Kräfteniahgelpannt, der Mun« 

N derkeitoumb Luk zur Tpätigkeit- ermangeind,; beraubt; matt, mübe, 

naſſig · „Du Haft faffe-Hände geflärket.r Diob 4, $. Daß man 
all zett beten und nit laß’ werten follte.* Luc. 18, 1. „Wie laß 
bin ih" Opin. — von Arbeit [aß und Betrübnif, Wof. 

und zupft ihr, um aicht laß zu fein, 

Die Bufenfhleifin ton, ıHölty. : 

Auxelten auch Für wräge, faut. Ein’ laffer Arbeiten. S. Läffig. Das 
von bie Lußheit. f 

Die Laßbank; 9. —bänke, der Gerihtspof der daſſen, welcher ans 

e ‚einem Lafrichter: und mehrera Laßſchoͤppen beſtehet. 

Der! Lapbauer, f. Laffe. - 

Der Kaßbaum, [.Xadıbaum. 

+X Das Laßbecken, —s, 99. gl. ein Becken, das Blut beim Ahber⸗ 

laſſen darein filegen zw laſſen. 

FX-Die Laßbinde, 9. —n, eine Binde, deren man ſich beim Blut ⸗ 
Jaffen sum Werdinden bedient; die Aderlaßbinde. 


“ Der Laßbrief, —es, 9. —, ein Beief, d. h. eine Urkunde, worin 


man einen Beibelgenen aus der Leibeigenſchaft entläßt, 

+ Der Laßduͤnkel, —s, m. u. ein großer Dünkel, eine hohe Meis 

“nung, bie man von fih ſelbſt bat. 

Der Lafle, —n, By. —n, bie Benennung einer Art zinspfliätiger 
unterthanen, beren Werhältniffe nit überall gleich find und die auch 
Laßbauermiheiien, 

+X Dos Laßeiſen, —s, 9%. gl. ein mit einer Schneide und Spitze 
verfehenes ſtaͤtternes Werkzeug, welches zum Blutlaſſen gebraucht 
wird. - ©; Schnaͤpper und Fliete; 

1. Laſſen, v.unzegeim. ich Laffe, du laͤſſeſt (räßt, eigentlich laͤßſt), er 
wäffer (täßt); unt, verg. 3. ich lieh; Wittelw. d. verg. 3. gelaffen; 
Befehtw. laß. Dintrs. welches fih einem Zuſtandäworte fehr nähert, 
unb tes. wo es fein mehr-müffiges als thätiges Berpalten bei allerlei 
Buftänden und Veränterungen, im welche man nit einwirkt, fondern 
ein wirkliches Einwirten, wo man madıt, daß etwas nicht fo bleibt, 

wie es ift, ober, daß eatwas gefhieht, bezeichnet. 1. Überhaupt, nicht 
binbeen, nicht halten, aufhalten zc., mebe leibentiih als thaͤtlich 
fi verhalten.  Ginen gehen laffen, ihn mit zuruckhalten, ihm kein 
Sinderniß in den Weg legen. Ginen frei auss und eingehen laſſen. 
Es geben Laffen, wie es will, nichts Thun und verfuchen, ben Bang 
ber Sachen zu Leiten, Cine Sache geſchehen laſſen, fie nicht vers 

* Hindern. Etwas zu Grunde gehen laffen. Das Obſt erfrieren lafs 

ve fon, Gine Sache fahren laffen, aus ber Band laſſen, fie nicht laͤn⸗ 
ger halten wollen ober können. Siqh etwas entgehen laffen, es niht 

beachten, nicht Für fih behalten, es fih mit zu verſchaffen fuchen. 
Eine Gelegenheit aus den Händen laffen, fie fi entgehen kaffen, eine 

Gelegenheit, die man hat, nicht benägen. Laß fahren, was ſich 
mit Halten laͤßt. Etwas auf ih beruhen laffen. Etwas gut fein 
laſſen, billisen, nicht tabeln, firafen, ſich über etwas beruhigen. 
X Etwas fein laſſen, bleiben laffen, unter Weges laffen, es nidt 
thun. Laß das film! Bumeiten bebeutet (aß fein! auch, fei es auch 

“ foygefhtt „Lauffen Bie es fein, daß er nicht mit Anmuth zu pfels 

fen umb zu teallern meig.- Weiße. Etwas liegen laffen, es nit 
in die Höhe nehmen, in bie Hand nehmen amrähreen. Cine Sache, 
eine Arbeit, Unternehmung liegen laffen, fie niht weiter fortfegen, 
Sich etwas gefagt fein laffen, etwas als fih gelagt annehmen, befols 


« gen. Sich etwas nit zwei Mahl fagen laſſen, etwas gleich thun, 
‚-fobalb es gefagt. wird. Sich keine Mühe vertrießen faffen, Keine 
‚ Mühe ſcheuen. Sich nichts Mfehten laffen, auf nichts achten, [eis 
. men Weg fortgehen, fein Biel verfolgen. Sich etwas wohl fchmeden 
lafien, es mit Wohlgeſchmack effın. Im andeen Fällen fichet es 
nod mehr müffig. Laß ihn nur kommen, er mag nur fommen. Laß 
ihn nur erft fo alt fein als du bifl, wenn er nur erſt fo alt iſt. Bus 
weilen. fließt es auch einen Zabel ein. Wie konnte er fih fo et« 
was einfallen, träumen laſſen. @e lieh Mich beigehen, meine Bade 
wie feine eigene zu gehrauchen. Zuweilen begeichnet eine Wortfügung 
‚rat laſſen ein ıganz leibentlihes Verhaͤltniz. Ih Habe mir fagen 
‚ataffen,;- man hat mir gefagt: Oft wird bas.Ausfagewort, weldes 
“ zu laffen gehört verſchwiegen und bloß bas Grundwort gefept, entwes 


. ber allein ober .mit einem Berhältnigworte oter Umftandbwerte, Bler 


aus dem Faſſe laffen, nämlich lichen. Gein Maffer laffen, feinen 

‚Harn fließen laffen; wofür man and fagt, fein Wafler abſchlagen. 
»- Haare Laffen, ein uneigentliger Ausdruck im gemeinen Sehen für, bei 

einer Sache, in bie man verwickelt ift, Rachhtheil und Bertuſt haben, 

Schaden leiden. Dem pferde den Bügel laffen, nämfich fchiefen,. Das 

Fenſter offen laffen, nämlich fehen. Den Ader wäh laſſen, näms 

lid) liegen. Dan laffe es fo wie es ift, nämlich fein, bleiben.” "Eis 

nen im bie Stadt laffen, wämlid gehen, reiten, fahren ıc, ine 

Gelegenheit aus den Händen taffen, nämlich gehen.“ Einem etwas 

übrig laffen, micht Alles nehmen, gebrauchen ıc, Auch bloß laſſen. 

Die Diebe haben ihm nichts gelaffen, haben Alles genommen. Gt: 

mas zu Hauſe, in ber Stube ıc. laffen, es nicht aus bem Haufe, aus 

der Stube mit ih nehmen oder mit ſich gehen laſſen. Etwas im 

Stiche laſſen, verlaffen, ſich ſtibſt uͤberlaſſen, fi feiner weiter niht 

annehmen, Etwas hinter ſich laffen, fi davon entfernen, ſo daß 

«6 hinten bleibt, es verlaffen, 

— Idaͤus floh, 

Ließ Hinter ſich das praͤchtige Geſchirr 

Und den erſchlagnen Bruder Bürger. (R.) 

Gr fängt es da wieder an, wo er ed gelaffen bat, db. $. wo te aufs 
oehört Hat, er treibt es nad wie vor. 2. In engerer Bebentung, 
welche mit ber vorigen oft zuſammenſließt, doch aber mehr überlei: 
tend if. 3) Exlauben, geſtatten. Laffen Cie mich ein wenig ru⸗ 
ben. Laſſen Sie meine Witte Gtatt finden. Ih wit es nicht fo 
weit kommen laffen, ich will nicht zugeben, baß es fo weit komme, 
Gr laͤßt ſich nichts fagen, nichts vorfhreiten Laſſen Gie fh bie 
Reuigkeit erzählen, erlauben Sie es, daß ich fie Ihnen erjähle. Er 
laͤßt ſich nichts nehmen. Laffen Sie mir Zeit, mid zu befinnen. _ 
Laß mid in Nupe, wofür man im gemeinen Lehen auch fagt, laß 
mid mit ober zu Frieden, ft fagt man baflr auch blog. laß mich! 
mas aud bedeutet, geftatte mir, erlaube mir, wie auch, halte mid 
aicht auf, las mid, Ios, 

— Laß mich! Was es aud fei, ich wil’sentpällen,. Schiller, (M.) 
Einen vor Ah laffen, erlauben baß er erfheine, eintrete, Ginen 
von. fih laffen, ihn entlaffen, erlauben,‘ zugeben baß er fi entferne. 
Ich laffe ihn nit von der Stelle, ic erlaube es nicht, gebe es nicht 
zu daß er vom ber Stelle gehe. Einen in dem Saal laffen, geſtat ⸗ 
ten, baß er hineingebe. So auch in ben Infammenfegungen,, einlafs 
fen, bereins, binein:, herauf-, binauf:, heraus⸗, hinauslaſſen ıc. 
Ginem den Rang laffen, ihm bie höhere Stelle zugeftchen. Ginen 
fn feinem Amte, in feiner Freiheit laffen. Einem eine Sache lafı 
fen, geftatten daß er fie behält, fie ihm micht nehmen, - =) In mehr 
uneigentliher Bedeutung‘, wo es befondbers für verſchledene zufams 
mengefeäte Musfagemwdrter firhee, (1) Fur uͤberlaſſen. Anbers als 
für diefen Preis kdann ich es nicht laffen. Er lieh es endlich für 
fünf Thaler. (2) Für unterlaffen. Etwas Böfes, eine üble Ge: 
mohnbeit laſſen. 

Ich hab’ es oft verſucht und Tann es doch nicht laſſen. Bellert, 
In biefee Bedeutung wird es befonbers im Berbintung mit thum 


Laſſ 


tzafig in ber unbefimmten Born gebraucht. Wein ganges Thun 
und Laffen. (53) Für verlaffen, von etwas ablaſſen. Ih Eama fie 
wicht faffen, ich Tann ſie nicht verlaffen , mich nit von ie trennen, 
nicht opme fie ieben. „Mil bu ben Schöpfer laſſen?“ Bellert. 
An derſelben Webewtung fagt man auch, von einem, von etwas 
laſſen. Boa feiner Weinung nit laffen, von ihe nit abgehen. 
44) Für nabhlaffen, hinterfaffen. Er hat feinen Rindern fein Bew 
mögen aber einen ehrlichen Ramen gelaffen. (5) Für loslaſſen, 


: geben Jaffen. Laß mid! 


- swiffen. 


Der auf und ben Limen lied, Herber. 
(5) Bein Serben für jemand laffen, für ihn fein Leben aufopfern. 
47) So viel als unterbringen, beherbergen, Er hat fo viel geeme 
tet, daß er #8 nicht zu laffen weis. Seine Göfte micht zu laſſen 
So fagt man auch, fih vor Schmerz niht zu laffen wiffen, 
nicht wiffen, wo man vor Schmerz bleiben fol, nirgends Ruhe has 
ben. Er weiß fi vor Freube nicht zu laffen, ex weiß wor Berube 
nicht, was ex anfangen fol. In ähnlicher Bedeutung wirb auch das 
Mittelwert dee vergangenen Zeit gelaffen zebraucht. S. d. (8) &o 
viel ols wollen, «Is rin Auftuf, ols eine Aufmunterung. Laßt 
ws beten! Laßt ums guter Hoffnung fein? „Laß uns in zärtlider 
umarmung ben Tommenden Morgen betrachten.“ Befner. 3) Die 
urſache einer Veränderung, einer Wirkung fein, madın daß eimas 
weihieht. ih etwas wurlefen, vorfpielen laſſen. Gib etwas bes 
len, bringen laſſen. Sich ein Aleid machen laffen. Bid bebienen 
laſſen. Einen stwas wiffen laffen. Gott läffet feine Gonne aufs 
sehen über Wöfe und Gute, „Bis man bie Rinder hat das Häßlicht 
Des Fehlers fühlen laſſen.“ Beltert. Gr däßt ſich weder fehen 
noch hören. Sich auf ber Beige Hören laſſen, dffentlih vor An⸗ 
tern anf ber Brige fpielen. Sich vernehmen laffen , jeine Stimme 
Sägen kaffen, feine Meinung fagen, das legte auch nur, laut werden. 
Dort laͤſſet ih die Taude girrend hören. Hagebora 
D Thor, Ihft Beus fi gornig hoͤren, Sellent; 
%.%. fpridt Baus gornig. Minen feinen Born fühlen laffen. Etwas 
defannt machen laffen. Gin Kind tarfen Jaffen, Laß rinmapt H3s 
zen; fage est @inen an einem Geile aus bem oberflen Steckwerle 
auf die Erde laffen, durch aUmähliges Nachtaſſen des Geiles, woran 
we fih Hält ober woran er hängt, bewirken, bap er ohne Schaden 
zur Orte kammt. Einen Iimmermenn in ben Brunnen laſſen. So 
au herablaſſen, nieberlaffen 1. Eid auf die Anie laſſen, ſich 
auf tie Knie werfen, mirbertnien, Hieher gebönt aud der Nasbzud 
Blut laſſen, oder zur Aber laffen, ben Ausflug bes Blutes darch 
Öffnung einer Aber bemrskftelligen. II) mtr. u, trs. ben Grund ber 
Möglichkeit ober Thulichteit einer Sacht ·nthuͤllen, möglich, thulich fein. 
Diefe umftände laſfen vermuthen, daper noch lebe. Beine Denkart laͤßt 
mic das Belle hoffen, Das LÄft ſich beffer fogen als thun. „Es laͤßt fih 


nit zweifeln, baprıc., mantann, barf nicht zweifeln, bapıc, Hepme. 


Davon ließe ſich wirt reden. Das laͤßt fi denken, begerifen. Mer 
tolle laſſen fih behnen, Del; aber nicht. Go fagt man auch im 
gemeinen Sehen, sin Bach laffe ſich Iefen, wenn man es nicht ganz 
ehr Bırgnägen leſen Tann. Das läßt fi fchen, das kann fid fe- 
gen laffen, das ift fo beihaffen, daß man #6 nicht ungeen fichet, daß 
es gelchen zu werben derdient. Die Gründe laſſen Ab hören, has 
ift fo übel micht, das gehst an. — D. Laffen. D. —ung, in ben 
Bifammenfegungen, — @s tft bei bem Werte laffen nod zu mezs 
Yen, daß das Ausagewert, welches ſehr oft mit bemfelben verbuns 
den wisb, immer in der anbefiimmten Borm und obme zu fichet. 
Man laſſe ihm gehen, ic laffe mic; nicht flören m. Man laffe ihn 
Köreien, ſewol, man geflotte bad er fhreie, man Ehre ſich nicht 
daran daß er fhreit, als au, man befehle daß er (hmie. Im 
Faden, mo 3weibeutigfeit Statt finden würde, muß man fid beftimm, 
ter aubbruden. So würde es 4. B. zmribeutig fein, wena man 


36 


Laßſ 


wende. Das Mort laſſen verllert fo wie duͤrfen, Unnen, mög, 
hören, lehren, ſehen ac, bie Bonfegfilbe ge im gelaſſen, wenn t# 
mit einem andern Sageworte in einer zuſammengeſetzten Beit ftehet. 
Ib Habe mir fagen laffen, nit gelaffen, Er hat fih lange niät 
ſeden laſſen, nicht gelaffen. Bezieht fi) das Perſonenwort in einer 
mit laſſen gebitdeten Redengart auf bas ihm beigefellte Ausſage · 
wort, [o wird #6 in den Fall gefegt, in weichem es bei biefem Aut» 
ſageworte ſtehen muß. Er hat mir fagen laffen. Er hat mid bit: 
ten laffen. „top mir beine Hand beiſtehen.“ Pf. 119, 1738. Be 
sicht fih aber das Perfonenwort Tüflaffen, fo wird es in den vie 
ten Fal gefept. Er lieh keinen etwas merken, dr verhinderte, baf 
ee jemand merkte, «x machte baf es niemand merkte. „Du laͤſſeſt 
mid; erfahren viele unb große Angft.* Pf. 7ı, a0. „Meine Brau 
barf ich's nicht merken laſſen.“ Bellert. Un einem anbren Dote 
ſett derfelbe unrihtig den dritten Fall. „Da kann ih Ihnen bie 
Seſchiclichkelt meiner Frau fehen laſſen.“ Eben fo unwichtig fagt 
ne Id wil deu Rahbar bitten, mir bei Gelegenheit wils 
fen au lafjen.® 


2, Baffen, v. zer. w. iinp, ungegelm. (mie das vorhergehende), mit 


haben, ein gewiffes Anfchen haben, auf gewiffe Art in bie Augen 
fallen, mit Beflimmung der Art und Meife. Das läßt gut, ſchoͤn, 
das fält gut, fhön in bie Augen, gewährt einem fhönen, angenehs 
men Anblid, Wie laͤßt mir biefer Anzug? wie fehe ich in biefem 
Anzuge aus, wie ſteht er mie? Im gemeinen Erben fagt man auch 
bioß, das läßt nicht, für, bas lägt nicht gut. Auch uneigenttid, 
Das laͤßt mit für mich, für meinen Stand, das jchiat fh nicht 
* * fuͤr mein — „Uber für mich laͤht #8 zanz wirthſchaft⸗ 
ich.· Gellert. Das e ja nicht laffen, das würde ia 

thin. D. Laffen. —— 


t Das Laßgut, —es, Di. —güter. 3) Ein Gut ober Srunb ſtuc 


beffen Befig man einem Xubern gegen einem gewiffen Zins üseriägk, 
entwedes auf immer ober bo auf eine fange Beil. So werden 
@töde Laad, in großen Wäldern, welde an nrue Unbauer gegen tb 
men Erbzins urbar zu mahen Äbrelaffen werden, Laßguͤter, an ame 
bern Orten Lafiräume, Ferſthuben, Walbgeraume genannt. Der ⸗ 
aleichen Guͤter ind auch urfprängli die Haulänbergien. S. d. Ein 
But, welchts in Laffe befigt. S. Laſſe. 


+ Der Laßhain, —es, 9. —e, in manden Segenden, ein Bain, 


ber einem Undern gegen einen Erdzins übestaffen if. S. Laßgut. 


+ Der Laßberr, —ım, 3. — en, ber Eigentjums: uob Grundhert 


eines Laßgutes. . 


Laͤſſig, —er, —ſte, adj. m. adv. Laßheit empfindend und davon jeis 


gend, barin gegrändet, S. Laß. Läflige Hand macht arm, aber bez 
Bleiffigen Hand matt reih.* Sprihw. 10,4. „Eine laͤſſige Seele. 
Sprichw. 19, 25, Des Herren Wort däffig thun.* Tex. 48, 10. 
Nun entfintt aus läffiger Hand tem Rünflierter Hammer. Bahariä, 
Daven bie Yäffigkeit, ter Buftand, da man läſſig iſt, ober da etwas 
laͤſſig if; wie aud, die Steigung uub Gewohnheit Iäffig zu fein. 


+X Der Laßkopf, — t, a. — koͤpfe, ein Kopf, b, h. ein Feines 


rundes Brfäs, beffen man fid) -brbiemt, wenn man vermilteift: bes 
Sähröpfens Bist läßt, der Schröpflopf. S. 2. Kopf. 


Laͤßlich —ex, —ſte, adj.u. adr. im D. D. & für erlaftih, mas er⸗ 


daffın werben Bann. Mine laͤßliche Sunde. Eigentlich und richtiger 
würde es bebeuten, wad zu laffen iſt, mas, gelaffen werden kann. 
‚Davon die Laͤßlichkeit. 


+x Das Lafmännden, fo viel ats Aderlaßmoͤnnchen. ©. d. 
Zappflichtig, adj, u. adv. verpflichtet einen Baßzins zu geben. " 

+ Der Laßraum, —es, 4. —ıÄume, f. Lafgur. 

+ Das Laßreis, —es, 9. —er, im Forfmejen, Reiſer oder junge 


Erimme, welde man in einem Sahau yur Fortpflanzung flehen laͤßt; 
auch Hägereis, Vorſtaͤndner. 


tagte: man laſſe ihn ſchlegen, war ſowol heißt, man geſtatte es, + Der Laßrichter, —s, M. al. f. Laßbant. 
gebe #4 zu bap er ſchlage, als auf, man defchle daß er geſchlagen + Der Labichönpe, —n, 94. —n, J. Lıßbank. 


— 


Laßſ 


& Die Laßſuͤnde Mg Rn, mdeeiMömifchen Kirche, eine laͤtzliche 
ober erläßiiche, . eine geringe: u. erlaffende oder zu vergebende 

Gönde, zum, Unterfäiede von einer Zobfünde ıc. Eigentlich würde 
ws eime Sünde bebeuten, bie man laffen ober unterlaffen Tann, 

+ Der Laßtag, — es, B.r—t, ein Zag, welden man für befonders 
günftig Hält, am demfeiben zur Aber zu laffen;, ber Aderlaßtag. 
Feifd. . 

+ Die Laßgwieſe, Di. —n, ‚eine gegen einen Crbelas einem Kubern 

 übeglaffene Wicfe,. S. Laßgut. 

% Der Laßzapfen, —s, gl. in mamben Segenden, ein Bapfen 
einem Baffe, durch deſſen Drepung bie Fluͤſſigleit im Faſſe deraue⸗ 
fliegen zu laſſen; bie Zapfroͤhre. . — 

+ Das Laß zeichen, —s, 2 gl. fo viel ala Kberlaßjeihen. 

+ Der Laßzins, —ı6, 2. —, der Bine für ein Laßgut. ©, b. 

Baſt, 9. —ın. 1) @in Hoher Grab ber Schwere, als abgezoe 
‚gener Begriff und ohne Mehrzahl. Die Laſt bes Gebäudes if für 
den ſchwachen Brund zu groß, ich. (4) Die Beſchwerlich⸗ 
deit, dae Dekdende, die Unannehmlichleit einer Sache, bie auf und 
wie eine Saft tirgt, womit zugleih ber.Begeiff ber Wange verbuns 
Den it. Die Laft der Gefhäfte kaum ertsagen Können. „Unter der 
Eaſt der Jahre gekruͤmmt. „Go Hält-uns bie Belaffenheit auch uns 
ter ber Laſt bee niedeigſten Begebenheiten aufrecht.“ Bellert. 
«e) Die Smpfindung bes haben Grabrs der Schwere, ber Beſchwer- 
tichkeit einer Sache. Biele Kaft won etwas Haben. Das macht mir 
wiele Laſt. ⸗2) Gig im hohem Grobe ſchweres und druͤctendes Ding. 
Kameele und Eſel tragen geoße Laſten. „Die Räder Inanzgen unter 
ver Laſt des Wagens, unter ben ſqhweren darauf gelabnen Dingen, 
‚ober unter bee Ladung. Bumeilen wish unter Laſt aud eine Ladung 
ohne den Mebenbegriff ber großen Schwere verftanden. So ift auf 
den Flöpen bie Oberlaft oder Oblaft, das barauf Stladene; in Ge: 


genſot der Unterlaſt ober bes Floßes ſelbſt. €. Unterlaft, Bor 
derlaſt und Hinterlaft.. Im weiterer Bebeutung, wo jeher Meben- 


Gegeiff wegfält, ift im bes. Raturlehre die Laſt ein jeber-Körper, wel⸗ 
ahes: den hewegenden Keaft: wiberfirhet. Uneigentlich. (1) Ein Kir: 


ee, am gewiſſer beftimmter Schwere, ber zugleich als ein Maß zur 


Beltimmung bes Gewichtes und Maßes anbeer Kbeper dient. ®o 
dberechnet man dem inneren Raum eines Schiffes in Anfehung-beffem, 
was ex faffen und tragen kann, nad) Laſten, wo bann eine Laſt fo 


viel ald 1a Zonnen ober gemähntih 4000 Pfund find. Das Schiff 


‚bh bei feinen Laſt, Heißt, es bat feine Ladung; bie Laſt brechen, ame ' 


Fangen zu Iöfhen. Beſonders beredinet'man in M. D. und, in den 
@erfkäbten Häufig das. Getreide nah Laflen. In MWeftfalen haͤlt eine 
Laſt 25 Malter ober 60 Säeffel; im-Bannöverfden = Wispel, ober 
76 Malter, ober 96 Himten; in Köln so Walter ober 480 Faß; 
in Hambweg 5 Bispel, 50 Scheffel, 60 Jaß oder 120 Himten; in 
Bremen 4 Quart, 40 Scheffel, 160 Wiertel ober 640 Epint; im 
Mtealfunb 8 Drömt, za Tonnen, 96 Eheffel, ober 354 Viertel; Im 
Danzig 5°, Malter, oder Go Scheffel; in Rusland 48 bis Go Loof. 


An manden Dxtem if bie Loft and ein Map zu Fläffigkeiten. &o 


Hart in Danzig eine Loft. Bier 6 Faß, 1a Zonmen dber-ı08e Gteff 


eder Duastier; eine Laſt Wein aber = Bap, 8 Drholt, 12 Am, '; 


A Anker oder 240 Wiertel. Außerdem mist man in N. D- auf 
aoqh andere Dinge nach Laſten. Co hält eine daſt Häringe, Galy 
oder Eteinkohlen 1a Zonnen; eine La BWädlinge 20 Etroh; eime 
Haß Rupfer in Gaslar 151, Bentner, eine Laft Schie ferſteine aber 
274 Bentner. Selbſt ais Flächenmas gebraucht man es in Lübe, 
wo ine Laſt Land Co bis Bo Seviertruthen betwägt, als fo viel 
man mit einer Laß Getreide beſdet. In dieſtr Bebeutung, wo «6 
ein Map bezeichnet, bleibt es in bee Mehrzahl unnerändert,, mebn 
ein Aahlwort vorhetgehet. Acht Lafl Korn. Imei Laſt Wein. Bier 
Laſt Land. Im gemeinen Leden wird Laſt in ber Einzapl auch Uber 
‚haupt nur non einer unbeflimmten Menge, für ſehr viel gebraucht. 


- Cine Laſt Geldes Haben. Cine Laft Steine warf ter Wind vom 


37 


Laſt 


‚Made. Eint Laſt Schläge bekommen „Du bringſt fine ſchöne Laſt 
‚Hanf Benzel⸗Sternau. (a) Jebe Sache, welche man als et · 
was Drüdendes, Beſchwerliches empfindet; meif in ber Einzapl. 
Des Tages Laft und Hite tragen. ine Laft auf ſich laden, über: 
nehmen. Unter der Loft erfiegen. Ginem Andeen Baften anfbür- 
den. Das Band Hat diele Laſten zu tragen, viele Abgaben, Ber 
bindlichkeiten, die demfelben ſchwer fallen. Die Laſten erleichtern, 
die Abgaben ir. verringern. Bürgerlihetaften, Geine Laft mit et⸗ 
was baden, Solche Beſuche find mir zur Laſt. Sich ſelbſt zur 
Laſt fein, Teben. Cini zur Laſt füllen. Einem etwas zur Laſt der 
gen, iin gleichſam die Beſchaldtgung, Auf einer befonder# 
übeln oder aachtheillgen Cache aufbärden, die allerbings brüdend 

. ab. umangenehm if. In weiterer Bebeutuag gebraucht man in O. 
D. Laſt für jeden Auftrag, der gleihfam etwas Aufgelegtes ift, ms 
init jedoch der Bepriff des Schweren ober Veſchwerlichen niht, wer 
nigftens nicht immer verbunden iſt. 5) Auf Kauffaprern, tie . 
Kuhl, ſendern ein glattes Deck haben, ber Raum auf Biel 
jwifihen dem Bratfpill und dem groſen Mafte, Möbing. = » 

Der Laftbalten, —s, 2- gl. auf den Schiffen, gewiſſe Hölzer, wei 
de den Walfen gleichen und unter bemi erſten Warherle: nt; Sup un 
‘ter ben Balken deſſelben in Bmwifdenräumm vow.6 Fuß von einan- 
ber liegen. ; m 

Baflbar, adj. m. när. was Laſten tragen kaun und trägt: Laſtbare 
Shiere, folde, welche gebraucht werben , Baften won einem D:rte zum 
andern zu Tihoffenz kaſtthiere. Die laftbaren Gtänte, melde die 

 Baften des Staates tragen mäfen, der Würger und Baurzftand ; in 
Segenſat bes abeligenund geitlichen Stanbes. Davon bie Laflbarkeit. 

+ Die Laflderre, 2. —n, die Erdbeer‘ Rimaid.“ 

Laſten, v. I) ntr. wit haben, einen Hohen Grab’ der Schwere haben, 
unb mit feiner geopen Schwere ſchr drädend fein. Saud, Biri laften 
fehr. Uneigentlih, „Die finnlihe Welt, die fonft mur-ald ein zober 
Stoff auf uns faflet.- Säiller. -(M). : 

ARraenen luſten, Ruhm begiäctönfht immer. Haller. 
Damm, zus Soft füllen Ygrariren), Diefer Umſtand laſtet am mei 
fen, oder taſtet auf ihm am meiften, II) tre, a) Mit Saft ber 

„„degen, in ben Bufammenfeguugen auflaften, belaften, uͤberla⸗ 
“fin se. =) A Mit groher Bcmere,, ale au, ‚als. eine Loft bed 
Een, nisberbräden ; in uneigentlider Bebentung. 

— am metften ja laſtet ber Kummer 'meme Sul, — Boß. 
— wie ihn laſten dein Bora und unnennbare Qualen. Klopft. 
In eines aubern neuen Bebeutung gebraucht es Bhthe fuͤr Sewicht, 

Nachdruck af Worte, Etellen legem, Indem-Mman einen befonbern Zon 

darauf legt (appuyiren) ⁊ „Wie declamirte (tvug vor) wicht übel, als 
lein man merfte bald, baf es aur eine Wortbeclamation (ein Wort: 
dostrag) war, die (bee) auf eingehre Stellen laſtete und die Empfin: 
Yungen bes Ganzen nicht ausbrüdte fausbrudt),* Ar Das Lar 
Rende, etwas das laſtet, ein Iafenber, ſchwerer Körper. 

Weiheres rang mit Hartem und Laftendes gegen das Leichte. Wof. 
D: Laſten. D. ung ‚In den Bufammenfegungen Belaftung ıc. 

Laflenfrei, adj. w, adv, frei ven Laflenz befonders:von Öffentlichen 

daſten, d. H: Abgaben u. ' °° °. i 

Das Lafter, —6, 39. gi. die herrſcheude Neigung’ and. Bertigfeit 

döfe zu Handeln, In-Lafter fallen. Dem Laſter ergeben fein. Das 

Rafter liefen. „Das Laſter ſcheut die Ewigkeit, weil-es gendthigt 

At, einen Gott Mnethtifh zu fürdten." Bellert,. Bon mehrern eins 

deinen böfen Banblungen ober Arten beefeiben, die aus jener Meis 

gung und Fertigkeit entfpringen, iſt auch bie Mehrzahl gemöhntid. 

Aue Lafter am ſich haben. X Sich in Caſtern wälgen, ein böäft 

lafterhaftes Sehen Mähren. Mas Valler ber Trunkendeit, der Durt« 

wei ie, In der Bibel wird 08 auch für -geobes Wergehen,, Berbtes 

&en ober grobe UÜbertretung des Geſetzes gedraucht. „Wenn jemand 

ein Weib nimmt, und ihre Mutter dazu, ter hat ein Laſter ver⸗ 

wire 5 Mof, 20,4. „Um dert und vier Lafler willen der Stad 


Laſter 

Bor will ih ihrer aicht Shonen.“ Amos ı, 9. 11. 13. Ehemahls 

bedeutete; Lafter nad 1) eine jese Verſtuͤmmelung ober ſtarke fir 

perlide Vetleung, melde Bebgutung ſich noch ia zerläftern und 
veriepen edhaiten «hat, =) Eine Biteibigung, Beldimpfung, wie 
auh, Ehimpf, Schande, in welcher Bebrutung es bei Dpis noch 
borfämmt: 

Die Juden, fo barum ben Haß und Lafler tragen 

Durd alles Ehriſten Reid. 

Hiehte gehoͤrt die Bedeutung, jn welcher ‚man in ber niebrigen Sprech— 
art mancher Grgenben Laſter als ein Schimpfivort gebraucht für 
q aadiiche Perfor,:verähtiiches, abihenliches Geſchoͤpf. S. auch La⸗ 

flerftein. 5) ESchaden/ Nadtbeil. 

Der Laͤſterer, —s, 3. ol,; die Laͤſtrerinn, Rz. —en. 1) Elne 
Perſon, welche Andere Uſtert, ihr Lafer, d. i. ſchaͤndliche Dinge nach⸗ 

agt, fie deren, uud zwar faͤlſchlich, beſchuldiget. Ein Laͤſterer ber 

—* Hoheit. Ein- Gotteslaͤſterer. S. d. „Den altın Wei: 

been, daf fie nicht Laͤſterinn (kaͤſtrerinnen) fein." Zit. 2, 5. 
Lafterfrei, adj. u. adv. frei vom Laſtern. ‚ 
© Die Laͤſtergeſchichte, Rain; Bw. das — chen, eine Ges 

ſchichte, Erzaͤhlung vom einer Perfon, ‚worin fie geläftert wird, 

d. h. worin Boͤſes, Rachtheiliges von ihre gefagt, verbreitet 

wird; beſſer die Schandgeſchichte oder bie Klatſchgeſchichte (Hi- 

stoire scandaleuse, CGhronique scandaleuse), S. 6, Berdim, 

Lafterhaft, —er; —eſte, adj. u. adv. Lafer d. h. herrſchende Nel⸗ 
gung und Fertigkeit doͤſe zu handeln habend,, und barin gegründet, 

SEin tafterhafter- Menſche Kafterhaft fein,. leben, Laſterhafte Be: 
gierdben. Die D.-D. Form lafterhaftig. ift mit RKecht veraltet. Das 

von die Bafterbaftigkeit, die Eigenfhaft, ber Zuſtand eines Men: 
ſchen, wie au die Beſchaffenheit einer Handlung, ba er ober fit las 

ſterhaft iſt. . 

O Der Laſterknecht, —es, 9. —e, ‚ein Knecht bes Laſters, b. h. 
ein vtrworfener Menſch, der dem Laſtetn fröhnet, der Laſterſtlave; 
mie auch ein ſolcher Menſch, der Andern in ihren laſterhaften Hande 
lungen bient, behüͤlflich iſt. Der Herjog raſ't gegen feine Laſter⸗ 

knechta. F. Kind. ph’ : 

Das Vafterleben, —s, o 3. ein Lafterhaftes, in Laftern zugebrach⸗ 
tes Leben. 

Laͤſterlich, —er, —fie, aqj. u. adx. 1) Bon Later, ſchaͤndiich, ab⸗ 
fheutih, auf eine ſchaͤndliche, abſcheuliche Att. Einen laͤſterlich ber 

trögtn. — vSie ruhn mit einander geſeſſelt 

— Laͤſterlich. — — — Boß. 

Im gemeinen Leben ſagt man auch laͤſtetlich ſaufen, fepe viel ſau⸗ 

fen, wo es auch bedeuten Kanu, in Bolge bed Laſters, da man fih 

den Zrunf angemöhnt hat, faufen. So auch, Läfterlich fluchen ic. 

2) Bon läftern, einer Laͤſterung Ähnlich, gleich, auf eine Läfternde 

rt, Läfterliche Reben. Laͤſterlich von jemand ſprechen. 

X Das Läftermaul, —es, By. — maͤuler, ein läfterndes Maut, Halt 

« bein Liftermauf: . Dann, eine läkernde Perſen. Man laffe die Laͤ⸗ 

ſtermaͤuler reden. . u 
Laͤſtern, v. trs. elwas Fehlerhaftes (ein Laſter) bemerken und Anzeigen. 


So koͤmmt 4 mod Im:den allen Deichfhauorbnungen vor: wer dir , 


ſtern will; der däftere-was zu laͤſtern if, d. h. wer Fehlerhaftes 
‚ ober fehlerhafte Befhäpigungen an Deichen oder Waſſerwerken zu 


bemerken“ verſteht und bemerten will, der thue es ic. Im engeren 


"Die Lift 


Bedeutung gebraucht man es nur mod für, ſchaͤndliche Dinge ber 
Wahrheit zumiber vorfägih von: jemand. eben, Ihn grober Berges 
ben und Unvollfommenheiten beſchuidigen und ihn dadurch aufs gröbr 
liähfte deltidigen. Jemend laͤſtern. Er hat Bott geläftert. In 
weiterer Bedeutung und als intrs; oͤberhaupt, fehr nachtheilig vom 
jemand fprehen, möbel, wenn das Seſprochene auch nicht erbichtet 
ober nicht ganz unwahr ift, doch bie Abſicht ihm Schande zu mahen 
und feine Schande zu verbreiten fihtbar iſt. Gr laͤſtert gern. Auf, 
iemand laͤſtern, Nachtheiliges, Boͤſes von ihm reden ic. Ehemahle 


— 


Laſtg 


gebrauchte mım Läftern aud fuͤr· vetunſtaiten derftämmeln ; welhh· 
Bedeutung. es noch im zerjäfiern Hat; ferner für fihänden. Die 
 Beauen laͤſtern, fie ſchänden. D. Laͤſtern. D. —un. &b 

A Der Läfterpfeil, —es, De, ein bitbeicher Ausprud, eine kl; 
Rerung, Läßezzede, bie gleihfam als ein Piell gegen jemand adyts 
drückt, d. h. gegen ihm gerichtet wirb, ihm za ſchaden. 

Und beich den Laſtetpfeil durch diefen Schild entzwei. Günter. (M,) 

& Der Laſterqueli, —es, Bi. —e, ein Quell des Saftırs ober der 
Laſter, dasjenige woraus Lafter ent'pringen. Maͤſſiggang, ber em 
giebigfte Laſte rquell.⸗ Zenife. (R.). ; 

Die Laͤſterrede, 9. —n, eine Rebe, in welcher ober durch welcht 
mah läftert; Yältertvorte, * 

— dann waͤlzt' er in ſchwarzer 
kage des Hohns die Laͤſterrede. — Sonnenberg. 

Die Laͤſterſchrift, Sy. —en, eine Sqcrift in welcher man jımanb 
laſtert (Pasqwill), 8. . 

X Die Lifterfule, Dh. —n; ein Ort, wo geläffert wird, im ter 
weiteren Bibeutung dieſes Wortes eim eine verächtlihe Soche ver⸗ 
agtlich bezeichnendes Wort, Bas ME aber Kritik bei din Deuts 
ſcher? Cine verpaqhtete Bude, eine verachtete Läflerfihule." Heeber. 

Der Laſterſinn, —6, 9%. u; der Ginn für: das Safer, d. h. bie 
Reigung zum after; auch wol, bie laſterhafte Cinnesart. Stieler, 
„Diefe Menſchen find gegen ben Kaflerfinn ber Zeit um Jahrhunderte 
auruck.· Ungen. (M.) 

& Der Lafterfflane, —n, 9. —n, ein Stlave des Saflers ‚ein 

verwotſener Menſch, ber din Baftern fröhnet, ' \ 

— um ſoelche Laſterſtlaven 

DSie eben fo hatt find zu beſtrafen. Soltau, AR,). 
A Die Laſterſtadt, By. — ſtaͤdte, eine Iaflervole Gtatt. 
Srärzt' fobomitifh die Kaflerfiädr. — Sonnenberg. 

+ Der Laſterſtein, —es, 94. —e, an manchen Osten, ein @tein, 
auf meiden ober mit welchem gewiffe Verbrecher bffentlich zu ihrer 

Schande ausgeſtellt wurden; der Schanditein, nic 

Die Läfterfucht, 0. DM. (M.) bie Sucht oder unmäßige- und fche feh⸗ 
lerhafte Beglerde aüf Andere zu läftern, vom ihnen Madtheikges 
und Böles, es fei wahr oder unwahr, zu ſprechen und zu verbräften, 

“Die Laͤſterſucht zerreißt der Schonung legten Schleier. Bärbe, 

Läfterfüchtig, —er, —ſte, adj. u. adv, Eäfrefuht habend und seigenb. 


— 


O Die Laſterthat, Sz. —en, eine laſterhafte That. ' „Habt ihr ein 


Bud von Laſterthaten, damit (womit) id euer Geſchtecht verſchlim⸗ 

meet?” Herder. u 
— ber Mutter Laſterthaten führten 
Die Furlen herein in dieſes Haus. Schiller. {R.) - 

Die Lifterung, 9. —en. 1) Die Handlung des Liferns. =) Eine 
eifterzede, Laͤſterworte. Laͤſterungen wider jemand ausftoßen, 

M Laſtervoll, adj: u. adv. voll Lıfter, ſehr laſterhaft, viele Laſter 
habend, mit vielem Laſtern bezeichnet, befleckt. „@in laſtervolles 
Leben Schilter. 

Wenn, ſatt von Jahren, Luft und Fülle 
Sein Würger bort in fanfter Stille 
* Den laftervollen Geiſt verhaucht. Drollinger . 

A Das Läfterwort, —E, m. —t, ein Wort, Worte, mit wel⸗ 
hen oder wodurch man jemand fäftertz eine Käfterrede, 

@cl er no länger Laͤſterworte Haufen? Gollin, 

erzunge, 2. —n, eine laſternde Zunge, bie Cifterworte 

ſpricht. 
Und die Verbrecherinn zeigke bie Laͤſterzunge des Waters. Boß. 
Dann, X eine Iäffernde Perſon. 

O Die Laſtfuhre, 94. —n, eine Juhre, weiche Laſten führet, eine 
Harte, ſchwer geladene Fuhre. 

— ftarthoſige Dalder der Laſtfuhr. Boß, 

4 Das Laſtgeſchirr, —et, 4. —e, ein Geſchirr, b. h. ein Was 
gen, daſten darauf fortzufgaffen; ber Laſtwagen. 


k 


Laſtg 


— Täffeft du nicht ein Laſtgeſchitt mir beſpannen? ‚Beh. 
& Das Lafigewicht, —es, DM. —e, ein — d. h. re (we 
‚vos Gewicht, eine’ ſehr ſchwere Lafl. 
"Bäßlen wir bei jedem Schritte nit. ur 
en Unfee Ketten unb ihr Laſtgewicht. Dugen ‘ 
as Laftholz, eb; 29. 2: sin Name ber gemeinen großßiattigen 
tinbe (Tilie Europaea Mill). .? A 
* Laſtig, adj. u. adv.‘ daſt habend, enthaltend, fäßrend, mit Eaft der 
laden, d. h. belaftetz in ben Bufammenfegumgen hinterlaftig, vor⸗ 
laſtig. Davon die Laſtigkeit, dee Zuſtand eines Schiffes, fofern es 
Laften führe, und die Schwere ober das Gewicht der —— melde 
ein Shi mis Sicherheit Fähren; fann. min „= DE 5 
Billig, —er, —fte, adj. wrudv been Safktnlan übei Hmpfinbkt, fee 
n m beidnserlid, rs bie une Eine taltıfind;r bie: ie nie mit 
MWirerwillen thun ab leiden. " Fine' Idflige Gabe. Ein laͤſtiges 
GSeſchaft. in Uſtiger Beſuch. Laͤſtige Werpäitniffe. „Biäcdsgüter 
fſichern uns gegen die Armuth und eineıgag zu laͤſtige Abhängigkeit.« 
Sulzer. Gin laͤſtiger Wenfh., Davon die kaͤſtigkeit, bie * 
Saft einer Perſon oder Bade; | da fie laͤſtig iſt· 
* Laflle®, adj. u. adv. ohne Saſt, uabelaſtet, von ber Luft sfr. 
BhagNiederd, Sprachea. N: Dasmcbie Kaftlofigkeiti-; 
Das Laftpferb, — s Mg. —e ‚ein Pferd, füfern es Saftem zu ra: 
» ge gebraucht wirdz das Saumisß, züm MEI vom Bug: 
und Meitpferbe, 4 
O Der Laftraum, —es, 9. ee ein Raum — bie Laft 
oder Laſten zu Fahren; befonders der untere Raum im einem Schiffe. 
Hoc ſelbſt der (Matroſe) im kaſtraum. Baggefen. 


* 


Der Laſtſand, es; 0. MM. Sandy fofern er die Laſt ober den Balı ; 


" Vaft eines’ Schiffes ——eS ober dazn beflimmet: ift. 

Das Laſtſchiff, —s 9. — ein Schiff, weiches gebraucht wird, 
Laften ober Güter, Waaren ic. von einem Orte zum andern zu ſchaf⸗ 
fen (Troneportſchiff)z zum unterſchlede von einem Kriegsſchiffe ıc. 

* Der Laſtſtein, —es, 2. —e, ein Stein, ber eine große Saft hat, 
der alfo auch felbft groß ill. Bad. ı2, $. 

Das Laftthier, ab, 9. —e, (M) ein Thier, welches ‚Safen zu 
"tragen gefhidt und befkimmmt it; das Laſtvich. 

& Saftthierifc, ad}. u. adv. einem Lapthiere ähnlich, madı Wet ’eines 
Laſtthieres. „Lafkehierifhersehum. Merifch. Mufeum. ch) 

Der Laftträger, —s, My Bl. ; die —inm, 9. en, eine Prefen, 
welche Laften trägt, befonders eim Menſch, der ein. Geſchaft daraus 
macht, Laften vom einem Drte zum andern zu tragen. Der Meiſt- 
zug hatte zwanzig Laftträger bei ſich. „Auf dich ſeufze in deinem 


Joch, in beinen Geburtöfhmergen, Yaflträgerinn bee Pätte® Bew . 


der. In der Baukunſt nennt’ nich Bilder, die einen Theil vis 
Hauſes tesgen ober ju trägen ſcein n⸗ auch Baftträger «Atlanuten) ; 
deſtimmter O Gebälkträger. G. In ber Naturbefchreitung nenut 
ah dir Schmetterlinge, weide im Aoguft aus ben Puppen der Br 
ftenrampen auskrlechen, Laſttraͤger, weil das Männchen Kei-dee Ber 
gattung das Weiten oft mit fih in bie Suft nimmt. 


Dad Laftvich, —es, o. 9. Thlere die zum Bufktzagen sefstdt:find l 


unb dazu gebraudt werben. 
& * —er, —fie, adj, u, adv, veller ea, fein selaße. 
laut Höhnte die buchene Achſe 
Eaſtvoll tragemd den tapferften — BR. 34 

Dann auch, vol der Laft, d. h. am Lıflen ober Beföwerliäteiten 

—* ſehr Uſtig, beſchwerlich. in laſtvolles Leben. 

er Laſtwagen, —s, 4. gl, ein Magen, Eaften darauf fortzuſchaf⸗ 

—* der Frachtwagen, Fuhrmannswagen. 

Das Lateln,—e8, 0. Dip. die lateiniſche Sprache, die Sprache ber 
alten Römer. Latein fernen, fpreden. : Fin reines fließenbes Ya: - 
tein fhreiben, - Ein ſchlechtes Latein; auch Kuͤchenlatein S. d. 

X Latein, ud}. w. adv, ungut für Lateiniſch, in Bateinifer Sprache. 
„Latein fagte man, was man in ber Sanbesfprahe nit fagen Eonnte + 


er" 


‚über durfte. « 


msn’ 


sr „Kerne einen Drehling obere Deifling. 


Re 
Herber. 


O Die Lateinelei, Bu. —en. Y) Das eateintin, die Wet zu ſprechen, 

„ba man lateinelt; ohne Mehrzchl, 2) Eine Mebensart, ein Aus⸗ 
druch, bie oder der eide — der’ Ssteinifäen eyna · mt 
ober nadapmt (Ertinjsmus), wu 

© Pateineln, v. intrs, if feine rw ip sine @prace ‚bie 
aicht die Lateinifche iſt, Bigenpeiten der Sateinifdfeh Sprache in der 
-Wortfägung ic. tinmengen oder nadahmen or ver ED. La⸗ 


teineln. 

Der Lateiner, —, De. gl. ; die —inn, By. —ın, ein ehemahliger 
‚ Bewohues ober eine chemaplige Bemohnerinn bes alten Aatiuhr in 
Italien, wobon bie Lateiniſche — den Raien hat. Daun eine 

* —* el bie eatstajae, erh: oigfehet. em ‚sete; ein 
ſchlechter ‚Lateiner. 

gateinifc, adj. u. adv. zum arkkn —E ober * — Bu 
wohnten von Latium unb in iweiteker Bedeutung, bem ganzen cher 
mahligen Mittelitalien umd deffen Bewohnern achörig, denſelben eis 
gen, daher tommenb ic. Die Lateinifchen Stäbte, mo man bed 
Häufiger bie Latinifchen fagt, indem man Lateiniſch fat allein von 


sn. bee im alten Eatiom und in Re üserhoupt einpeimifhen Spra⸗ 
2 A: weiqhe bie acht ber Möntee war) gebraucht. Die Lateimifche 
Eprade. Ein Faleinifcher delt % Vıteinifdre Wörter, Broden 


in feine —— mengen. Lateini 
mengen, fateinefn (latinisiren). Lateitiſch lernen, ſchreiben. Das 
Lateiniſche verfteheg. Ins Lateinifche überfegen,  Lateinifch- 
deutſch, —A Lateiniſchfranzoͤſiſch ıc. ſowol katel⸗ 
niſch vs das Örigefehte Deutſch, Engiaͤndiſch, Frauzoͤ ſiſch ıc. erläus 
tert, 3. ©. ein Kateinifehdeuufhes Worterbuch; als auch @ Deutſch, 
na. Erönzsfifh ıc. mil Rateinifhen Spracheigenheiten ver 
ft, verunreinigt, ober ein folder Deutfher ıc. Ausdruck, Got 
; (Latinismus). &. In ber kriſtlichen Kirchengeſchlhte nennt mam bie 
Lateinifche Kirde aud wol die abenbländifdhe obre Mömifche; in es 
genfag der mosgenlänbifhen oder, Grichifchen. Lateinifche Kirchen ⸗ 
„päter, ſowol ſolche, melde zur Sateinifhen Kirche gehörten, als aud, 
weiche, in Sateinifher Sprache gefhrichen hahen. Im der Schifffahrt 
nemnt man bie —2 ——— Sg 
XBDie Baterug, Di. — dad katern chen, —6, Wfl. +) Ein 
durhfihtiges, Rhein, "Yeffen ER, "Oder wenlgſtens deffen vordere 
Geite von Wlas, dünnem Dorn, ober auch nut von mit vielen klei⸗ 
nen Loͤche rn verfepenem Bleche find, ein Licht oder eine Lampe darin 
anzuzänden und bamit zu Teuchten, ohne daß Wind und Regen bie 
—* ausldſch „Lönnen; in ber beſſern Sprech, und Schreibart 
encte, * mit der Laterhe mach Daufe leuchten. -Dioges 
Handlätirhz, Vlendlaterne, Gaffens 
aterne ie. ""Uneigentti ud "mes 
gen ber Geſtalt und der bu tigen © € durchbrochtnen Einrich⸗ 
tung nennt man. Laterne auch einen am ben Selten offenen ober 
durchbrochenen und mit einem Meinen Dade verfehmen Kuffap auf 
‚ben. Schorfleinen;. ferner, einen Meinen niehrigen und durchſichtigen 
Sturm, befonders auf einer Kuppel, wie auch, ein einem folgen Xhärm: 
en aͤhnliches Heines Gebäude, welches über das Dach eines rg 
des hinausgebauet und rund herum mit Zenftern verfehen ift. 
es Setrieblehre, Heländers im Miptsubäue derſteht man unter * 
S. d. Im gemeinen Scherze 
nennt man zuweilen auch den Hopf des Menfhen, an welchem bie 
Augen gleihfam die Ester vorflellen, die Laterne, X Etwas in der 
Laterne haben, berauſcht fein, ein wenig betrunken fein ıc., wofür 
man auch fagt, etwas in ber Krone baden. =) + Ein Name ber 
: Megsfhmwalde, eines Alben, defien Augen ums Richferem im Duns 
kein, teuhten (Trigla lucerna L. J. .3) Eine Art Shatenr oder S.hreis 
bermmfhcin,,bezen Scholen dünn wie feines Papier ſind z bre-Bahe 
io- ber Schale gleicht einem Ohrioffet und baran liegt eine ſichel⸗ 
förmige Rippe (Solen auariuus L.); auh Entenfhnabel. 4) Las 


nes mit.der Laterne. Die 
‚oder a N Km. Stat 


* 


RIr 


de Oprdselgenpeiten ein - 


terne bed Ariſtoteles (Laserna Aristotelis) wird das Beingeräft 
des Errigels genannt. 5) Außrpeift bie Biälfe eines Pferdes, 
s. wann fie weiter gehet als die Rafe, Laterue, wüfte Blaͤſſe. Remntqh. 
Das Laterneifen, —6, Di. gl. bas Eifen, weldes eine Laterne yält 
oder tragt. Auf den. Schiffen, ber eiferne Arm ober Zepter, worauf 
bie Hinterkaterne:cher auch bie Marslatsent ruhet. ' 
Der Baternenmacher, —6, 2%. gi. ein Handwerker wether Later» 
nen macht, ber Klempner, weil biefer auch Laternen entweber ganz 
von Blech oder zum Theil non Slech und wit gläfernen oder doͤrner ⸗ 
un Wänden macht. * 
Das Laternkleid, — , 3. —er, anf den Sqhiffen, dae Kleit eis 
ner daterue. ©. Kleid, s 


Der Laternträger, —, WW gl. einer der oder etwas das eine oder 


bie Laterne trhgt; bie fatermträgerinn, eine folde weibliche Perfon. 
- Zu bag Raturbefhreibung belegt man mit diefem Namen ein merk 
wuͤrbiges Ziefergeſchlecht mit halben Flägeldeden (Fulgora L.). Der 
große Ametilaniſche Paternträger (Fulgora laternaria L.) wird 
oft fünf Zoll fang und bräber, ift meiſt gelb und zotphraun gefledkt 
und hat vorn am Kepf einen blafenartigen hohlen Körper, welcher 


im Dunkeln ſtark keuchtet, fo daß man feldft dabei leſen Fann. Der , 


Ehineſiſche Laternträger (Fulgora candelaria L.) verdreitet Beis 

‚nn fo heilen Eheim, J 
x Der Laͤtſch, ⸗es, u. —hLatſqig. 

X Das Latſchbein, Latſchbeinig, f. Latſchfuß, Latfchfuͤßig. 

X Die Latſche, 9. —n, im gemeinen Leben x) die Benennung al: 

der ausgetretenen ober niebergeteetenee Schuhe ober Pantoffeln; 
Latſchſchuhe, an manden Osten auch Schlatfen. Die groben plum- 
pen Trobhelſchuhe von Wolle nennt man im gemeinen Beben auch 
Latſchen, und wegen ihrer Plumppeit und Naucpeit Baͤrlatſchen. 
Zn ber niebrigen Sprechart nennt man auch wol eine Tatfchige weld⸗ 
lie Perfon eine Latſche. =) Fine Hündinn; die Lutſche. 3) 
Gm Holkeiofhem, gin Schnitt, eine Schmarse. 

X Latſchen, v. intes. fo gehen, da man bie Züge dabei nicht gehärig 

bebt, fonkern mehr auf dem Boben hamit dinſtreicht, deſonders wenn 
dies von alten qusgetzetenen ober zu großen Shufem und Pantof- 

» fein hersühet, melde ap bem Fügen nicht feſt figen. Der Bär hat 

einen latſchenden Bang,.(R.) ex Hebt hie Bäpe im Grten wenig und 
die langen Haare an beufeiben fireihen am bem Boden hin. In 
weiterer Meheutung wird es in ber niebrigen Sprechart für gehen 
überhaupt gebraucht, doch mur fm veraͤchtlicher BWebentung ; befonbers 
in dem zufammengefegten auslatfhen. S. d. Aid tr. kümmt es 
auch in ben Zufammenfegungen 


vor. D. Latſchen. PD —ung, in ben Iufammenfegungen, 


X Der Latfcher, —, 9: al; dig —tun, Dh. —en, eine Perfon, ' 


“ weiche latſcht, einen latſchenden Bang hat. Das bei Gtieler bes 
findtiche Latfhmidel wirb in der niedrigen Sprechart deraͤchtlich 
don einer latfhigen Mannsperfon gebraucht. 

x Der Katfchfuß, —ı#, 9. —füfe, Faße die Beim Gehen auf bem 
BWoben hinftzeihen, 
derſelben fange Haazp ober Federn haben; In der gemeinen Sprech— 
ast auch Larfhbein. So nennt mam bie Fuze der Büren und’eineg 
Art Tauben Latſchfuͤße. Digfe Art Tauben wird dahre ſelbſt kütſch 
faube genannt. Muh mol einen Menfdhen der latſchig gehet nennt 
man in bey gemeinen Sprechart einen Latſchfuß ober ein Latſchbein. 

X Latſchfuͤßig, adj. u. adr. Catfhfüße habend. Parfhfüfige Tauben 

ober Latfhtauben. Wach Fatfchbeinig. 

X Der Latſchgang, — s, 4. u. ein latſchiger Bang. Stitter. 

x Katfihig, adj. u. adv. ein Wort, welches man im gemeinen Geben 
für latfhend gebraucht. Gin latſchiger Menfh. im latſchiger 
Bang. Latfchig gehen. Im weiterer und uneigentliher Bebeutung 
nennt man überhaupt einen Menfhen, an welchem Alles umorbint: 
ti, madhläffig umb liederlich haͤngt, einen latſchigen Menfen, auch 


— 


latſchen/ die Schube ablatfchen, 
Pe dur) latſchenden Bang ahnügen, niederlatſchen, ntedertreten x. 


weihes det Thieren der Jau iſt, wenn bie Füge 


Latt » - 


wol einen Laͤtſch, Färfähel, uneigentlich gebraucht man «8 u vom 
Wetter, wenn 06 ambaltend zagmet, naß, kothig if, vieleicht weit 
man im Kotfe dann Iangfam ünd ohne bie Füße hoch genug Heben 
zu tdanen, gehen muß;' im N. M. Ta dieſer Bedeutung ſchlackerig, 
im Schwaͤbiſchen fchlüttig Ya welterer aneigentlicher Bedeutung 

"yelrb latſchig tm gemeinen deben auch fut weich, meichlid überhaupg 
gedraucht, 3. S. vom Fleiſche einiger Thiere das ohae Kraft if ıc, 

Es fhanedt latſchig aber laͤtſchig· Davon die Latſchigkeit. 

x Der Latſchſchuh, —es, . —e, f. Latſche. 

x Dit Latſchtaube, Sy. —a, f. Latfhfuß. 

Der Lattbaum, f. Katienbaum. 

Dit Latte, My. —n, eine Stange, aber nur ig einigen Pälm. Im 
dorſtwaſen find bie Hatten ober Stangen junge, gerade und ſchlauf 
aufgefhoffene Bäume. S. Sommerlatte. Ju mandıen Gegenden 
nennt'man felbfk jebes Meis, aber jungen Zweig an einem Baume 
eine Yatte, Lade oder Kahte. In engerer und gewöhnlicher Bebeus 
tung find Latten gemöhnlicd, wieredige entweber gleich breite und bide 
ober mehr breite ald dide Stangen, welche aus Baumflämmen gm 
ſchnitten oder geriffen und zu allerlei Sachen verarbeitet, am häus 
figfen aber quer auf die Dadfparerm genagelt werden, m bie Bier 
geln, Gäindeln "oben bas Stroh bazan zu befeſtigen; Dadjlatten. 

‘ Ratten ſchueiden, fie ‚ergelmäßig aus Baumflämmen mit der Säge 
rg gr er + Be aus jungen Fichten 1. zeifen ober 
palten, it ber Latte, ober guit ber Stange laufen, poſſenhaft 
leihtäinnig, windig fein. — 

Und dem ein Junggeſell, der Band und Spitzen lauft 

Biskattenund Konfelt in Bakumb Opern lauft (läuft). @äntder. 
Im Dinabrütfhen bedeutet nah Strobtmanm birfe Mebensarf 
mit ber Latte laufen, ein Haſe fein. Uneigentlich nennt man einem 
Benfhen au einekatte, wenn er groß und hager ift, und auch sing 
große Batte, wenn er Andern zur Stäge, zum Dalt bient. 

Was unfern Dfars (Pfarrer) betrifft, weil er nom unferm Paar 

Kein Zraugelb eingefädelt hatte, 

Auch überdies noch eine große Ratte 

Der firmgen Orthoboren wor. AL Schmidt. 

katten, v. trs. mit Ratten verfehen; belasten. @in Dad) latten, bie 
nöthigen Batten auf bie Sparren aageln. D. Patten. D. —ung. 

Die Lattenarxt, 9. —Ärte, eine: Feine Axt, Tatten damit zu fpalten. 

Der Lattenbaum, —ed, 3. —biume, ein Baum, welcher tauglich 
iſt Catten baraus zu ſchneiden ober zu fpalten; ber Kattbaum. 

+ Die Kattenfifcherei, Dig. —en, bie Fiſcherei ober das Fiſchen mit 

ber Latte, db. h. mit ber Stange ober Lagel; bie Angelfifcherri ober 

Ruthen fiſcherei. 

Der Latienbammer, —s, 2. — haͤmmer, ein Hammer, welchen 
mam gegen hält, wenn man eiwag auf tine Katie nagelt. 

Der Battenbauer, —6; 8. gl. ſ Lattenreißer. 


Das Lattenholz, — es, Wy..u. Holz, welches zu Sıtten brauchbar 


iſt, wezaus am beſten Bitten gefhnitten ober geriffen werben. 

Derkattennagel.orer Battnagel, —s, 2. — naͤgel, große 315 30 
lange eifeene Nägel mit Urinen Köpfen, die Yatten auf bie Sparren 
bamit zu nageln. ’ 

Der Lattenfpiefer, —6,; IR gl. eine Art vierediger Nägel mit klal⸗ 
nen Köpfen, bie Dielen ber Fußbbden bamit anzunageln. 

Der Lattenſtrauch, —es, Di. — ſtraͤuche, der Name eines Sewaͤch⸗ 
fos auf Martinique, deſſen einfache geſtielte Biätter einander gegen« 
über flehen, unb beffen röheenförmige Blumen vier @taubfäben und 
einen gefpaltenen Griffel enthalten (Aegiphila L.). 

Das kattenwerk, —es, Di. —e. 1) Allerlei Gatten unter einander, 
als ein Sommelmort und ohne Mehrzahl. Altes Kattenmerk, a) Die 
fämmtlien Satten an einem Dar; ohne Mehrzahl. Das Latten- 
werk tft no gut. 5) Ein aus Latten beflchenbes Merk, etwas aus 
Batten Werfertigtes, 4. B. Geländer vom Latten, eine ans Latten 
sufammengefhlagene Laube 1c. i 


Ratt 41 


Geht, ſo bilben gefhmeibige Reben, 
Durd ein kattenwerk gefhlungen 
Praͤchtige Siegesbogen hier! 3. R. @bg. 
Der Rattenzaun, —e8, 3. — aͤune, ein von Latten gemachter Zaun. 
Der Battig, —es, 3. von mehrern Arten, —e, ber Galat ober 
Gartenfalat (Lactuca L.). Davon ber Lattigfamen, Kattigfalat ıc, 
Aus in andern Pflanzennamen koͤmmt biefes Wort vor. ©. Huflattig. 
X Die Latwerge, &4. —n, ein Arzeneimittel, welches in einem Bes 
mild von einem Pulver ober anbern Arzeneifloffen mit Honig, Si⸗ 
zop, Fleiſchbruͤhe ze. bie zufammen einen biden Brei bilben, ober 
auch aus einem, zu bidem Berl gelochten, Safte beſtehet (Electuarium). 
Der Lab, —es, m. Libe; Bw. das Laͤtzchen, ©. D. Käglein, 
1) Die Benennung eines Kleidungsſtückes ober eines Theiles davon, 
Wei Frauen und Maͤbchen ift ber Latz ein oben beeites und unten 
ſpit zulaufendes Kleidungsftäd, welches oft mit Bändern befeht, ges 
fidt ober auf andre Art geziert vom in bie Gchnärbruft ges 
ſchnuͤret wird, Chemapls wurde auch von vornehmen weiblichen Pers 
fonen «in foicher Lay, aber grftreift und nach ber Bruft gebogen, 
vor ber Bruft in das Kleid eingefhnärt, jrot bedienen ſich deſſen 
jJedech nur noch geringe Perfonen. Auch bie oben breiter zuladfende 
Klappe an ben Tchüͤrzen, welde bie Bruft bedeckt, wird Latz, und 
die Klappe vorm on ben Beinkleidern ebenfalls Lat oder Hoſenlatz 


Laube 


ben Thieren Laub, z. B. ben Limmern Laub von Binden zu freffen 
geben. Laub fireuen, dem Wiehe kaub anſtatt bes Stroͤhes zum Bas 
ger unterfireuen. Eichenlaub, Lindenlaub ı. Auch bie Wiätter 
des Weinftodes nennt man Laub. 

Belränzt mit Laub ben liebevollen Becher. Elaubius. 
Uneigentlih nennt man Laub aud verfhirbene bem Laube der Bäume 
ähnliche Dinge. So heißen allerlei Verzierungen, melde den Biäls 
tern aͤhnlich find, Laub, Laubwerk, in welchem Falle auch bie Mehr 
zahl, die Laube, jeboch felten, vorfömmt. So beit in der Deutſchen 
Karte bie grüne Farbe, weil fie durch grüme Blätter vorgeſtellt wird, 
bas Laub, bie Laubfarbe. Daher dab (der) Laubbaus, der Laub⸗ 
Eönig, der Laubober, Laubunter, die Laubſpitze ober Raubfieben, 
die Laubzehen, Saubneun, Laubacht, bas Daus, bir König ıc. in 
biefer Farbe. Im Forfimefen wird aud bie Beit, wo bie Bäume 
feifhes Laub befommen, Laub genannt, wo ed dann mit Jahr gleid: 
bebeutenb iſt. Der Schlag flchet im britten, vierten ıc. Laube, 
Bom Rabelholz gebraucht man bafür Krone, Gipfel ober Quetl. 
Sa weiterer unelgentliher Bebeutung bedeutet Laub in manden Ber 
genden auch bem Antheil an ber Benägung eines Waldes. Bo fagt 
man, eimvolftändiges Bauergut habe das ganze Laub, ein Guͤtchen aber 
nur ein haldes Laub, Ehemapis gebrauchte man das Laub auch von 
einzelnen Blättern und fagte in ber Mehrzahl bie Laube und Läuber. 


genannt. Berner ift der Latz oder Bruſtlatz in ber gemeinen Eprech- Der Laubapfel, f. Gallapfel. 
ort, ein Kieibungsfät, welches bis auf bie Hüften zeit und ſowel Das Laubband, —es, 2. —baͤnder, bei ben Schloſſern, ein Aflıı 


mit als ohne Ärmel unter andere Klridungsftäde angezogen wird; 


band mit laubfärmigen Verzierungen. 


auch das Leibchen, und wenn es von Mannäperfonen getragen wird, O Der Laubbaum, —e#, ig. —bäume, ein belaubter Baum, ein 


das Bruſttuch. =) Im Hüttenwefen ift der Latz am Planenherbe 
- ein Städt Awillich, welches unter bad Gefälle geſtet wird, um zu 
verhindern, daß bie Erze nicht mit bem Waſſer bavongehen. 


Baum, beffen Biätter Laub Find; zum Unterſchiede von ben Habel: 
biumen, „Eine anmuthige Ebene vol zerſtreuter Faubbäume.« 3. 
P. Rihter. 


Die Late, f. Litze. A Das Laubdach, —es, 3. — daͤchtr, ein Dad; von Laub, ober 


X Das Latzhemde oder Laͤtzchenhemde, —d, By. —n, eine Art von 

Beauendemben, deren Obertheil vorn auf befondere Art eingereipet iſt. 

+ Die Latzmuͤtze, 3. —n, im O. D. eine Müge ober Rappe mit 
Klappen. 

Lau, —er, —eile, adj. wm, adv. nur in geringem Grabe warm, von 

der erflen geringen Wärme befonbers flüffiger Körper, welde em 

twärmt ober erhiät werben; laulich, laumarm. Laues Waffır, 


das bite Laub der Bäume unb Gträude, bas ein Dad vorſtellt, 
befonbers wenn bie Üfte und Zweige jener in Wölbungen gezogen 
find. „Die Schafe, bie ih ängflti unter biefem Laubdache gefams 
melt, [hätteln den Regen von ber triefenden Wole,« Gepne r. 

— hier, wo ſchlankt Linden 

Mit Akazien ſich vertrau? umwinden 

Und ein weites Laubdach ziehn. Ramler. 


Das Waſſer darf nur lau fein. ine laue Luft, die von ben Son⸗ Die Laube, 4. —n, Übtrhaupt ein bedeckter Ort, wo man vor 


nen ſtrahlen ein wenig erwärmte, für bas Gefühl angenehme Luft, 
Laue Eüfte, Mohlgeräde, 
Baden uns zum Tanz. Ramler. 
— 56 wehen lauere Lüfte 
Die, Kind der Sonne, gefäliger an. U}. 
uneigentlich, ſehr wenigen, befonbers pflidtmäßigen Gifer, ode fehr 
wenig Lebhaftigkeit habend, zeigenb, faft kalt ober kaltfinnig, Eine 
‚laue Liebe, Freunbſchaft. Ginen lau empfangen, behanbeln. Gin 
fauer Empfang. „Bell ba aber fan bift, und weder kalt no 
warm." Dffenb. 5, 26. „Beil bas Geſetz, bie Ausiäuber betref⸗ 
fend, fo lau beobachtet wurde." Flopflod. (M.) 

Das Laub, —es, o 9. rin Sammelmort, womit man überhaupt 
die Blätter ber Bäume und Straͤuche, wie auch alle Blätter eines 
einzelnen Baumes ober Strauches zufammengenominen beztichnet. 
doch nur von ſolchen Bäumen und Straͤuchen welche breitere bänne Blaͤt⸗ 
ter Haben; zum Unterfhiebe von ben Nadeln der Fihten, Kiefern ıc. 
‘Ya engerer Bedeutung wird in ber Pflonzenlehee ben Palmen, Bars 
zenträutern, Lebermooſen und Flechten Yaub (Frons) beigelegt, wo 
die Stengel mit dem Blatte ober ben Blättern fo innig verbunden 
flod, daß man nicht beſtimmt angeben Tann, wo jener aufhört und 
biefe anfıngen. Bei einigen Bewädhfen fließen fogar Gtengel und 


ber Witterung und gegen bie Sonnenftrahlen gefhägt it, 1) in 
bededtes aber an ben Beiten offenes Gebäude, ein Shoppen, no 
häufiger aber ein oben bedeckter ober überbauter Theil an ober vor 
einem Gebäube, ber an ben Leiten offen if. Mit folden Lauben 
find ned in mehren Gegenden bie Häufer in ben @tädten verfehen, 
bei melden das zweile Stodwerk mehrere Ellen weit Über das uns 
tere vorgebauet ift, auf Säulen rudet und fo bie Laube bedeckt. Die 
Lauben einer Reihe neben einander fiehenber Häufer biefee Art bil: 
den’ einen bedeckten Bang, ben Paubengang, mwofle man auch bie 
Rauben ober Läuben fagt. Unter ben Lauben fiten, etwas feil 
haben ı. Bumeilen bebeutet Laube auch einen offenen Saal auf 
Säulen, eine Halle ıc., wohin bie Ritter 5. vortommenbe Laͤube 
and Sommerläube zu gehören fheint. Auch lmmt es in alten 
Urkunden für Speicher vor, in welcher Bedeutung es noch im Rafs 
fauifßen, wo es Laab lautet, bekannt if, =) Eine von akerlei 
Gewähfen umwachfene und umzogene bedeckte Hätte, ober auch 
Bäume, Sträude, welche man fo gepflanzt und geiogen hat, daß fie 
eine grüne und bededte Hütte Hilden. Eine grüne Laube, eine Erude 
von gruͤnenden Gerähfen. Wine Faube anlegen, In ber Haube 
fiten, — Im gemeinen Leben, belonders im N. D. hört man bafür 
bäufig Höre, Löbe, anderwärts Laͤubt. 


Blatt in Eins. Das Laub Ihiäzt fhen aus, die Blätter an bin + Der Lauben, —s, 3%. gt. ber Weiffifh (Cyprinuslencisons L.) 
Bäumen und Eträuhen Fommen ſchon zum Borfhein. Die Bäume Lauben, v. J.Xx ntr. mit haben, kaub bekommen, Laub treiben, 


verlieren ihr Laub, mern daffelbe abfällt, Das falende Laub. Laub, 
‚freifen, bie Blatter von ben Zweigen firsifen. Mit Laub futtern, 


Gampe’s Wörterb, 3. Ih. 


Die gerte warb wieber geuen 


Begunde fauben (zu lauben) and biuen (zu blhen). Weruher- CM.) 


Laube 


42 


Laubi 





So auch in dem zuſammengeſetzten ſich belauben. in trs. bes Bandes Der Laubfroſch, —es, M. — froͤſche, ein kleiner, auf dem Riten 


berauben, das Laub von ben Zwelgen ſtreifen; ablaxben, entlauben. 
— D. Lauben. D. —ung in den Iufammenfegungen. 

Das Laubendah, — s, 2. — daͤcher, das Dad), bie obere Wil 

bung einer kaube. 
Aus einem Himmeldett, grün wie ein Laubendach. Thümmel. 
® Der Laubengang, —es, 9. — gaͤnge, eine fih lang Hinziehende 
Laube, ein Gang zwiſchen dicht neben einander flehenden Bäumen, 
Gträuden ober andern und zwar zantenden Bemwähfen, deren Äfte 
und Zweigt fo gejogen ober auf an hölzernen Bogen oben über bem 
Bange befeftiget find, daß fie ein grünes gemwölbtes Dach bilden; 
(Berceau). 6, Sie vergas Laubengänge, Jergaͤnge, Pracht⸗ 
fäufen.” Ungen. In den Laubengängen Zufiwandeln. 

Die Laubenfhwalbe, f. Landſchwalbe. 

O Der Baubenfig, — s, 9. —e, ein Eid in einer Laube, oder 
auch, ein umlaubter fhattiger Big. Ziedge. 

Der Laubenſtrauch, —es, 34. — ſtraͤuche, bei Planer der Name 
eines Pflanzengefhlehtes, weldes ber Hundewinde fehr ähnlich if 
(Pergularia L). Das tellerfoͤrmige Blumenblatt bat eine walzen: 
förmige Röhre mit einem fänflappigen Manbe ; bie fünf Honig: 
behaͤltniſſe laufen in eine Irumme Spitze aus ; bie fünf Staubbeutel 
fiten auf bem abgeflusten Gtaubioege, der unter ſich Beinen Griffel 
zeigt. Man kann darunter aud einen Strauch verſtehen, welcher sur 
Bekleidung von Sauber, ober sine Laube daraus zu bilden geſchlekt iſt. 

Der kaubenthurm, —es, My. —tbürme, in der Kriegskunſt, bie 
Benennung ber bei ben Alten gewöhnlichen bedachten Chärme, ber 
zen man fih bei Belagerungen bebiente. 


Binshuhnes. Brifh’s BWermuthung, daß ein foldes Huhn für ben 
Antbeil an ber Holgnugung in einem Walde gegeben werbe (ober 
urfprünglich gegeben wurde), ift niht unwahrſcheinlich. 

& Die tauberhütte, 99. —n, eine mit grünen Zweigen umgebene 
und bebedte Hätte; richtiger und beffer bie Kaubbütte. Beſonders 
werficht man barunter die Huͤtten dieſer Met, welde die Juden bei 
einem ihrer Feſte errihten, und bie, wenn fie auch nicht immer 
aus geünenben Zweigen gemadt find, und wenn fle aud felbft nicht 
einmahl immer Hätten, fonbern oft Pläge im ober am Haufe find, 
mit einer Dede ober einem Dadıe von folder Einrihtung, daß fie 
aufgefälagen werben konnen, boch ben Namen von ben urfprünglic 
grün belaubten Hätten führen. Davon, das Lauberhuͤttenfeſt ober 
Raubhättenfeft, im ber Bibel auch das Feſt der Laubhütten und 
das Feſt der Laubruͤſt, dasjenige Weit ber Tuben, an welchem fie 
in Saubhätten oder was deren Stelle vertritt, eſſen mäflen, wofür 
man auch bloß bie Lauberhuͤtten fagt, und zugleich bie ganze Zeit, 
duch welche das Feſt dauert, darunter verſtehet. Pauberhütten 
alten. Das Rauberhüttenfeft feiern. 

+ Der Baubertag, —es, 4, —, im D. D. ein feſtlicher Tag. 

ð Der Lauberzug (Laubzug), —es, Di. — zuͤge, bei den Schloſſern, 
ein Zierrath, welcher die Geſtalt des Laubes ober der Blaͤtter bat. 

+ Die Laubeſche, 94. —n, bie Eſche Populus tremula L.). 

Der kaubfall, —ıs, 9. u. im Forſtweſen, das Abfallen des Lau 
bes von ben Bäumen; wie audı die Zeit, im meldher ed abzufallen 
»flegt. Da dies im Herbſte geſchieht, To wird dieſer ſcherzhaft ber 
Laubfaͤller, ber bas Laub falen madt, genannt. 

Die Laubfeige, My. —n, Feigen, welde als Waare verſchlat mer 
ben, vielleicht weit fie in Laub gepadt werben, fo wie bie Korb: 
feigen, Raßfeigen von den Körben und Zäffern, wenn fie verſendet 
werben, ben Namen haben. k 

Der Laubfink, —ın, gg. —eın, ein Rome bes Dompfaffen. 

Die Laubflechte, 94. —n, die Benennung folder Flechten, bie dem 
easde Äpnıth find (Lichenes frondosi). 
ubförmig, adj. u. adv. bie Form oder Beftalt des Lauben, d. h. 
Lie Geftalt eines Blattes habend. 


apfelgrüner, am Baudhe weißer Froſch, ber ſich während ber Ber 
gattungszeit im Waller aufpätt, außerbem aber auf ben Bäumen 
Iebt und fih von Ziefern naͤhrt; ew kuͤndigt durch fein Gefhrei Ber 
änderung ber Witterung an und kriecht gegen den Winter in bie, 
Erde, wo ex erflarret (Rana arborea L.); aud ber Baumfroſch. 
In ber Diebefprade und aud wol fonft im gemeinen Spott wirb 
ein Iäger ein Laubfrofch genannt. 

Das Laubfutter, —s, ©. 3. das Laub mandier Baumarten, fer - 
fern es im Winter zum Butter für bie Schafe ıc. gebraudt wird. 
© Der Laubgang, —es, Di. —gänge, fo viel als Laubengang- 
Raufcht's nicht ben Laubgang daher? Schiller, 

Aa Das Laubgebäude, —e, MM gl. ein Gebäude, das eine Baube 
if; dichteriſch, ein belaubter und ſich breitender Baum, ber gleiche 
fam eine Laube iſt. — fein Blatt in diefen Laubgebäuben 

Faͤllt meinttwegen ab. — Wirlomb. 

O Das Laubgehbänge, —s, 9. gl. ein Behänge von Laub ober 
belaubten Zweigen (Feston). Böttiger „Ein fruchtbares 
Raubgehänge." Jen. Liter.deitung (R.). S. auch Frucht: 
ge haͤnge. 

A Das Laubgeſaͤuſel, —6, 39. al. das Gefdoſel bes von ber Luft 
bewegten Laubes, oder das @äufeln ber Quft in bem Laube ber Bäume, 

Unter fanft einfhläferndem Laubgeſaͤuſel. Boß. 

& Dos Laubgefproß, —ſſes, 0- Mg. das gefproßte kaub, auch, ber 
laubte Sproffen ber Bäume, 

Auf dem Zaubgefproß der Mirte. Overbed. 


A Das Laubgemebe, —#, WM. gl. gleiäfam ein Sewebe von Laub, 
+ Das Lauberhbubn, —s6, 9%. —hühner, bie Benennung eines 


b. 5. biht unter einander gewachſene belaubte Imeige, bie eine 
Dede, sine Laube bilden, In detmem Laubgewebe, 
Natur — — Kirbge 

O Das Laubgewinde, —s, 34. gl. ein Gewinde von Laub, efwas 
von Laub Gewundenes (Feston). 9. 9. Ridter, 

A Das Laubgewölbe, —s, 4 gl. ein Gewölbe, d. h. eine ger 
mwölbte Decke von Laub ober belaubten Zweigen gebilbet; bann, eine 
gemölbte Laube, ein gemölbter Laubgang. 

— wo nur bie Pfeiler ſtehen 

Dre prächtigen Laubgewoͤlb' und hohtn Schattengaͤnge. Wielanb, 

4 Das Lanbgezelt, —es, Dip. —e, gleihfam ein Gezelt von Laub, 
eine Laube, fofern fie mit einem GSezelte verglihen werben kann. 

Sm dunkein Laubgezelt. — Pfeffel. 

O Der Laubgipfel, —s, 94. gl. ein laubiger Gipfel, ber Sipfel 
eines dicht belaubten Baumes. — auf hohen Laubgipfeln.“ 3. P. 
Ridter =» 

Das Laubholz, —es, 4. — hoͤlzer. 1) Held, b. h. Bäume und 
Strände, deren Stengel mit Laub ober Blaͤttern befegt find, und 
aus welden Stengeln neben ben Blatiſtlelen neue Zweige hervor⸗ 
drehen (Arbores et frutices); zum Unterfhiche vom Nabel: oder 
Zangelhölze. =) Ein Gehblz, ein Hain, rin Wald aus Laubhotze 
beftebenb. 

Das Laubhuhn, —et, My. — huͤhner, ein Rame bes Birkhuhnen, 
weil es ſich gern in Laubpälzern aufhält. Das Maͤnnchen beſonders 
nennt man Laubhahn, das Weibchen Laubhenne. 

Die Laubhätte, f. Yauberhätte, 

Laubicht, adj. u. adv, 1) Dem Laube ober den Wiättern ähnlich. 
Laubichte Zierrathen. ©) Einer Laube Ahnli, bebdeckt wie eine Lau⸗ 
be, oder wie das Da einer Laube bebedend, wie ihre Wänte eins 
fhliepend. „Ein laubichtes Dad." Badarid. „Ein laubichter 
Bang.“ Derf. 

Nar verftchlen durchdringt bee Zweige laubichtes Gitter 
Sparſames Licht Schitler. 

Laubig, —er, —ſte, adj. u. adv. mit Saub verſehen, viel Laub ha⸗ 
bend , oder dit belaubt. Laubige Bäume. Laubige Gänge, 

Dort ikein Feigenbaum, der groß und laubigemporgsünte. Bof. 


— — 


Laubk 


Der Laubkaͤfer, —, 2. ol. ein auf bem Laube und vom Laube 
iebender Käfer, befonders ein Name x) bes Maifäfers; a) bes Io 
Hannsläfers ober Brahkäfers, kleiner Laubkaͤfer; 5) des Gold» 
äfers ober bee Spanifchen Fliege (Melo& vesicatorius L.). 

Die Laubknospe, Sij. —n, fo viel als Blaͤtterknospe ober Blattauge. 

Der Baubfranz, — s, 3. —kraͤnze, ein Krany von Laube oder 
laubigen Imeigen. 

— unb ber Helm anftand für ben Laubkranz. Woß. 

Saubloß, adj. u. adv. 1) uabelaubt, bes Laubes beraubt. 

Ganz lanbiof alle Bäfh' und Wälder. 9. Sachs. MR. 

2) O Ohne belaudte Bäume, ober Überhaupt ohne Bäume, Teiner 
Bäume beraubt. ber wirb — ber Ida laublos ſtehn. Boß. 
S Lau⸗bluͤtig, —er, —fe, adj. u. adv. laues Biut habend, daher 
nicht ſo leicht in Feuer geratpend, d. h. nicht heftigen Leidenſchaften 
unterwerfen (phlegmatisch); in Gegenfag von warmbluͤtig. 6. 
Daven, © ber Laublätige (Phlegmaticus) und ® bie Laublätig« 
keit (Phlegma), bie Gigenfhaft eines Menſchen, welder laublä- 

tig if. ©. 

Der Baubmift, —s, 2. u. f. Laubſtreu. 

Das Laubmoos, —es, Di. —e, in ber Pflanzenlehre, bie Benen: 
nung berienigen Moofe, welche gewöhnlich keinen Stengel haben, bes 
zen Blätter groß find unb flad) liegen, und deren Kapfel in mehrere 

‚ Mappen auffpringt (Musci frondosi), 

+ Der Laubraufh, —es, 4. u. im O. D. ber Name bes rothen 
Branbes an den Bäumen, weil nur das Laub bavon angegriffen und 
dürre wird, fo baf es rauſcht. 

Der Laubrechen, —s, 94. gi. ein Rehen, bad abgefallene Laub der 
Bäume, befonders in den Wälbeen damit zuſammenzurechen, um «6 
jur Streu ıc, zu benüpen. j 

* Laubreich, —er, —ſte, adj. u. adr. zei an Laub, vieles Laub 
habend, dic belaubt. Wörterb. von 1482. R. i 

Die Kaubrinde, My. —n, bei Müller, eime Art ber Geerinde 
welche in Anäueln einer halden Fauſt bie beſtehet umd eine laub⸗ 
artige Rinde hat (Eschara frondiculosa). 

Die Laubrolle, 3. —n, bei den Buchbindern, eine Rolle, allerlei 
Taubichte Bergierungen auf bie Büdherbände damit zu bruden, 

Der Laubroft, —es, o. 2. eine Krankpeit des Weinftodes, ba bie 
Hinterftien WiÄtter verborsen und ein Blatt das andere anfledt; 
and, ber Brand. 

* Die Laubrüft; 9. u. f. Lauberhuͤtte. x 

Die Laubfäge, 9. —n, bei mehreren Haudwerkern und Ränflern, 

— Fine feine Bäge, laubichte Zierrathen bamit auszufägen, ober einen 
Körper in dünne bem Laube Ahntihe Blätter damit zu ſchnelden. 
Ginige, 3. B. bie Büdfenfhäfter, welche das Gifenbein damit in 
dünne Biätter ſchneiden, nennen fie bie Yanffäge, vielleicht nur nad 
einer verberbten Ausfprade, Bei ben Golb= und Biiberarbeitern 
und Mothgiefern wird aud eine Heine Saͤge vom-feinften Stahle 
mit einem eifernen Geſtelle, welde das liberfläffige bei gegoffenen 
Dingen abzufägen dient, bie Laubfäge genannt. 

Die Laubſchnur, Sy. —en, fo viel als Laubgehaͤnge. ©. Frucht: 
ebänge. ; 

ern, DM. u. bie Streu für das Wich, fofern das abgefal ⸗ 

» Teme Laub der Bäume bazu genommen wirb, ober Saub, fofeen man 
es zur Streu für bas Vieh benügt; zum Unterfhieb von der Mar 
delſtreu, mit welher zufammen fie bie Waldſteen ausmacht. Der 

davon entflandene Mift wird Laubmiſt genannt: 

Der Eaubthaler, — 8,2%. gi. ein Branzöffher großer Thaler, welder 
ıfthe. 12 Gr. 6 Pf. (ober 6 Livres, Frances) gilt; in manden Ge⸗ 
genden 3. B. in Thüringen in ber gemeinen Sprechart Dickttonne 
aus Ducaton verberbt. Ein halber Laubthaler, eine Franzbſiſche 
Silbermuͤnze, die ben. halben Werth eines Laubthalers hat; auch 
Eleiner Thaler. 

A Saubummunden, adj. u. adv. mit Saub, mit einem Laubkeanze 


43° 


Laue 


ober mit Saubfrinzen umwunden. 


— unb ſchleubern 

Laubumwundene Stäb' zu anderem Dienfie geweihet. Voß. 

Das Laubvoͤgelchen, —s, 9. gl. ein zum Geſchlecht ber Wedel⸗ 
TSwänze (Motacilla) gehoͤrender Wogel (Motacilla sibilatrix) ber 
Weidenzeifig, in ©. &. Spötterling. 

Der Baubwald, —es, Di. —mwälders Bo. das kLaubwaͤldchen, 
ein aus Laubhoͤlzern beftehender Wal, — ein äberall cffenes 
Laubwälbhen." 3. 9. Riäter, j 

Das Laubwerk, —es, By.u. ein Sammelwort, womit man a) In bee 
Moplerei und Zeichentunft pas Laub der Bäume bezeichnet. Das 
Laubmwerk auf dieſer Landſchaft ift fhöm, fleifig gearbeitet, =) Als 
lerlei Zierrathen, melde ſowol das Raub oder bie Wlätter ber 
Bäume, als auch bie Wiätter anderer Pflanzen nahahmen' und 
vorfkellen, - x . 

Der (®. D. das) Bauch, —es, 9. von mehreren Arten, —e, ein Plans 
zengeſchlecht, welches zu ben Zwiebelgewaͤchſen gehört, beffen Merks 
mahle folgenbe find: eine fechsblattige offene Blumenkrone, eine runde 
pielblätige Blumenfheide, bie während ber Wiütezeit vertrodnet; 

- bie Blumen bilden einen gebrängten Schirm und hinterlaffen breis 
fägerige Samentapfeln (Allium L.). Diefes Pflamengeſchlecht wird 
in Familien geteilt, beren Arten faft alle einen flühtigen durch⸗ 
dringenden Gerud und Befhmad Haben und als Gewürz am bie Spei⸗ 
fen gebraucht werben. Arten And: ber Äſchlauch oder gemeine 
Lauch, der Berglauch, Graslauch, Hohllauch, Knoblauch, Schnitt» 
kaud) ꝛt. Andere Arten find unter bem Ramen der Zwiebein bes 
kannt. S. d. Der zahme Lauch oder Spanifche Lauch (Allium 
porrum L,), in Schwaben * Pfarren unterfheidet ih durch eine 
kugelrunde Doibe, drelfach langgefpiste Staubfiben und eine han- 
gende Zwiebel. Die Zwiebel deſſelben iſt klein, bie Blätter aber 
ſind groß und man benügt beides in ben Rüden, 

Der Lauchapfel,,—s, 9. —Spfel, eine Art Xpfel von weinartigem 
Seſchmacke, bie erft grün find, dann weißgelblih werben; aud 
Stammapfel, Hättingsapfel, Spigapfel, ; 

Die Lauchdiſtel, 9. —n, ein Rame ber Wradbiflel, eine Art 
ber Mannstreu (Eryngium campestre, L.). 

Das Laͤuchel, —s, 9. u. 1) Eine Art Land, melde in ben MÄl: 
bern bes nördlichen Europa wild wählt (Allium ursinum L.). 4) 
Ein Rame bes Knoblauchkrautes. ©. b. (Etysimum alliaria L.). 

Das Läurhelgrad, —es, 2. u. eine auf ſchlechtem däerem Beben 
wachſende Art bes Rispengrafes, deſſen Blätter wie bei ben Zwie⸗ 
bein buͤſchelweiſe gebrängt auf ber Wurzel bei einander flehen (Poa 
bulbosa L.). 

Die Lauchfarbe, e. 9. bie gruͤne Karbe bes Lauches, welche halb 
ins Gelblihe, bald ins Weißliche, bald und gewöhnlich ins Bräuns 
liche fault, und, eine diefer ähnliche grüne Farbe. 

Lauchfarben oder Lauchfarbig, adj. u. adv. bie grüne Karbe bes 
Lauches ober eine dexfelben Ähnliche Farbe Habend; auf lauchgruͤn. 

auägein, adj. u. adv. f. kLauchfarben. 

Der Lauchknoblauch, —es, 0. 2. eine Art des Lauches, deſſen 
Wurzel ein dem gemeinen Lauche Ähnliher Knollen if. Er Hat einen 
gemifhten Gerud von Lauch und Anoblaud, wird etwas größer als 
ber Kaoblauch, bikoͤmmt einen wildern Seſchmack als biefer und 
waͤchſt gang wilb auf Kern unter bem Roggen ober Roden, daher 
er auch Modenbolle heißt; außerdem auch Aderlaub, Großlauch, 
Eristauh, Schlangenlauch, wilder Knoblauch, Waͤlſcher ober 
Spaniſcher Knoblauch, Ackerknoblauch x. (Allium seorodopra- 
sum L,), 

Die Lauchzwiebel, By. —n, bie Zwiebel ober Wurzel bes Lauches. 
In engerer Bedeutung, eine Art des Saucen, nachenförmiger Lauch, 
der Bergknoblauch. S. d. Außerdem heißt er aud no, wilder 
Bergfhnittlaub, Waldlauch, Bergzwiebel, Waldzwicbel. 

1. Die Laue, o. M. fo viel als Lauigkeit. 


Laue 


Drum in den Armen iſt Seil, und nicht in ber Laue bes Kampfes. Sof. 

2. + Die Laue, By —n, f. 2. Lauge. 

+ Lauen, v. nir. mit haben, auftfauen vom Ghner it. Davon bie 
Laͤue, ein abfallender, fi abmälgender Schneeklumpen, menn ber 
Schnee zu ſchrnelzen anfängt, woraus man Lauvine, Lavine ıc, ge: 
macht bat. D. Lauen. 

Der Lauer, —s, 94. u. in ben Beinländern, ein Getränt, welches 
‚man erhält, wenn man auf.bie Treſtern, nachdem fie ausgepreßt 
worden, Waffer gieft, fie noch einmahl preßt und ben Ablauf gaͤh— 
zen läßt. Dies Getränk, welches nur für das Geſinde und bie Ars 
heiter dient, heißt auch Lauerwein, Nachwein, Trefterwein, Tre⸗ 
berwein, Waſſermoſt, und im gemeinen Leben verderbt Ötaur, 
Leir, Lutke, Lorke ac. mit welchem legten Ramen man in imeiter 
zer Wedeutung überhaupt ein trüben, ſchlechtes und amfhmadhaftes 
Seteoͤnt bezeichnet, Aus ben Äpfeln begeitet man auf ädntihe Axt, 
nahbem ber Saft aus benfelben gepreßt worben, einen Lauer. 

Die Lauer, By. u. die Handlung, ober vielmehr der Zuſtand, ba man 
lauert, Auf der Lauer fein, ftehen, auf etwas lauern. Einen auf 
bie Lauer flellen. Im Bergbaue bedient man fich bes Ausdrucks 
Lauer flohen, wenn vorliegende Gewerke auf Horttrieb bes Etof- 
ortes laufen, ober wenn fie mit Abſtattung der Stolfteure ſaͤumen 
oder mit Frift und Fiber bauen. 

Der Lauerer ober Laurer, —&, DH. gl. eine Perfon, melde lauert, 
auf etwas lauert. „Und fie Hielten auf ihn umb fanbten Zaurer 
aus.“ Buc, 20, »0, 

Die Lanergrube, 3. —n, eine Grube, in. welcher man auf Wil» 
bret lauert. 

lauern, v.intrs. mit angefirengten Sinnen auf cher nad etwas fer 
ben ımb böten, um es zu erblicken ober durch bad Gehör zu verneh⸗ 
men, und warten, bis biefes geſchleht. Auf etwas lauern, auf ets 
was mit Verlangen warten, bis es erfheint 1. An ber Thür 
lauern. Auf eine gute Belegenpeit lauern. Einen lange auf ſich 
lauern laffen, In engerer Bedeutung, beimlih warten, um, wenn 
bie nöthigen Umſtaͤnde eintzeten, einem Anderen zu fhaben, In ber 
Nacht auf jemand lauern. 
Néchſten und lauert auf ihn, und macht ſich Über ihn u, 5 Mof. 

29, 20. X Einem auf ben Dienft lauern, anf fein Thun genau 
achten, um jeden Fehler, jede Bernadtäffigung za feinem Nahthrile 
zu benägen. Dies lauern ift has Verſtaͤrkungswort von bem in ber 
Oberpfalz noch äblihen lauern, feben, welches mit lugen verwandt 
it. Im N. D. lautet er luren, wo es auch mod) bebeutet ankdrs 
nen, anloden, mit falſchen Hoffnungen Hinhalten, und träge, faul 
fein. D. Yanern, 

O Bauerfam, —r, —fle, adj. u. adv. Fertigkeit, Übung, Beharr⸗ 
lichkeit im Lauern befigend, „Die lauerſame Bofe.* Al, Shmibk, 
{R.). Davon bie Lauerſamkeit. 

Der kauf, — e, Ma. Laͤufe. 1) Die Handlung, ba ein Menſch 
ober Thier Ihuft, fih ſchnell fortbewegt; ohne Mehrzahl, bis etwa 
auf einige Xusnahmen, Ein Pferd im vollen Yaufe aufpalten. Ein 
Thier im Laufe ſchleßen. Sich im Kaufe Äben, Den Preis im 
Laufe davon fragen, im Wettlaufen ober Wettrennen. Schafe nad 
tem Kaufe verkaufen, fo wie fie unter einander gejagt einzeln aus 
der Hürbe ober aus dem Stalle heraudlaufın. In weiterer Beben 
tung cu von ber Bewegung unbeledter Rörper. Den Lauf bes 
Waffers leiten. Den Yauf eines Stromes unterhrehen. Der Kauf 
eines Esiffes. Den Lauf ber Sterne beobachten, Uneigentlich 
{1} Ben ber Beit, bas Fortsäcden, Vergehen derſelben. Den fhnel: 
len Lauf ber Beit vermag keine Baht aufzuhalten. Der Zeiten 
Kauf, oder ber Beitfauf. So fagt man auch bie Zeitläufte, von 
bem veralteten Lauft für Lauf, für bie verlaufenden Zeiten in Ans 
fehung der Veränderungen in benfelben, wofür man ehemahls auch 
viog Läufte fagte, „Wegen damaliger träbfeliger Käufte* Sry: 
phind. Dana, bie in dem Weſen ber Dinge gegränbeten Beräns 


— “ 


„Wenn jemand Haß trägt wider feinen, 


Laufb 
berungen und ihre aus ihnen ſich entwidehnte Reihe in ber Zeit, 
Der Lauf bee Ratur. Das bringt der Lauf der Dinge fo mit ſich. 
Im Laufe der Begebenheiten, Dies if ber Welt Kauf, fe geht es 
in ber Welt. SBefonderd, fortlauf: nde Werändexungen In ver Zeit, 
ſofern dadurch ein Ziel erreicht wird ober werben fol. Der Kauf 
bes Lebens oder ber Lebenslauf, nit allein der Lauf ober Verlauf 
ber Sehenszeit,. fonbern auch und gewöhnlicher bie Art und Weiſe 
bes Verlaufs dieſer Beit, in Anfehung ber Beraͤndtrungen und Ber 
gebenheiten in bemfelten, in welchtr Bebeutung auch die Mehrzahl 
Statt findet, Lebensläufe. S. Lebenslauf. Am Ende unfers Lau⸗ 
fes, waferes Lebens. Einem Dinge freiem auf laſſen, es nicht hin ⸗ 
bern, aufhalten, anders beſtimmen, ſendern ſich feinem Ziele nähern 
ober baffelbe erreihen laffen. Der Gerechtigkeit ihren Lauf laſſen. 
Der Tob unterbrach ben Kauf feiner Siege. In der Tontunft wird 
Lauf zuweilen aud für Käufer gebraudt. (2) Die Wegattung ber 
Thiere, und bie Zeit, in welcher fie zu gefhehen pflegt; gewöhnit: 
cher die Laufzeit. „Wenn ber Lauf der Frühlingeherde mar.“ 
ı Mof. zı, 41. „Wenn bie Zeit des Laufe Lam“ a Mol. 
51, 20, (5) Bom Mind, für Ridtung. . 

Drauf von der Meerfläh' Hub fie (bie Molke) fangfam bis in bie Wolken 
Sid empor nad bem Laufe des Winde. — BGonnenberg. 
@) Die Gliedmaßen, welche einem Thlere zum Laufen dienen, ober 
auch ein Zpeil besfelben. So werben von ben Jaͤgern bie Beine 
aller vierfüßigen wilden Thiere Läufe oder Laͤufte genannt, Ginen 

- Hafen einen Lauf abſchießen. Die Vorder, und Hinterläufe ober 
—tÄufte. In der Zergliederungskanſt wird ber erfle Kuochen an 
der Fußwurzel der Lauf ober Sprung genannt, 3) Dasienige, 
werauf ober morin ein Ding Ipft. or wird in manden Bergen 
ben, beſenders im R. D. das Bette eines Fluſſes ber Lauf teffeiten 
genannt. Go heißt ein Brett ober mehrere Bretter, um einen Kar 
ven leichter darauf fortzufhichen, ein Kauf. Bei ben Jaͤgern heißt 
der Platz, auf melden bas Wild beim Kbjagen vorlaufen muß, ber 
Lauf oder Kaufplap. An den Schießgewehren ift der Lauf bie eis 
ferne Röpre, in welche man bie Kugel laufen IÄft, und aus welder 
fie gleichſam, wenn fie abgefhoffen wirb, Läuft. Dee ähntiche heit 
on den Moͤrſern führt aud den Ramen Lauf. Im den Muͤhlen if 
der Lauf oder bie Zarge bie hölzerne Einfaſſung ber Maͤhlſteine, in 
melder ber obere Muͤhlſtein oder Lauf läuft. Bei ben Siebmachern 
heist. bie bereite, zund zufammengebonene und befefligte Schiene, übeg 
welche ber Siebboden ausgelpannt ift, ebenfalls der Kauf. 

Die Laufbahn, Dy.—en, eine Bahn, ober ein ebener feeier Plot, auf 
welchem man mit Anbern um bie Wette laͤuft; bie Rennbahn. Die 
Laufbahn betreten. Unelgentlih, das Erben, mit einer folden 
Laufbahn verglihen, die man bei ber Geburt betritt, fo lange man 
lebt mit Andern burhläuft, und deren Ende cher Biel man mit bem 
Ente bes Lebens errricht. Es begegnen uns anf unfeer Laufbahn 
Freuden und Wiberwärtigkeiten. Wir find oft am Ende unferer 
Laufbahn, ehe wir es badten, Beftimmter fagt man dafür auch 
bie Laufbahn bes Lebens. Dann auch, ein einzelner gleichſam abe 
gegrenzter Theil diefer Saufbakn in Bezug auf bie Gegenflänte, bie 
uns darin befhäftigen und mit bemfelben ein elgnea Ganzes auemachen, 
sbereine buch biefe Gegenftände näher beffimmte Laufbahn (Carriere). 
Die Faufbahn auf der Hochſchule. Die geledete, wiffenfhafttige 
Laufbahn.- Die Yaufbahn des Befhäftsmannes, bes Kriegers. 

Das Laufband, —es, Mg. —bänder, zwei an ber Schnuͤrbruſt eis 
ner Rinder befeſtigte Bänder, woran man biefelben hält und führet, 
wenn fle laufen d. h. geben lernen; das Bängelband, Peitbanb, 
ber Leitzaum. „Sie enttette einen Schieferdecker im Laufbande 
feines Buftbänfhense ı. 3. P. Ridter. e 

Die Laufbanf, Mzy. —bänfe, ein mit Mäbern verfehenes Geftell, 
worin Feine Stinder geftellt werben, damit fle darin, obre baß fe 
falen Föunen, Taufen b. h. gehen lernen; ber Laufwagen, Roll: 
wagen, au Laufſtuhl, der Gaͤngelwagen. 


Raufb z 4565 


"gehen, einen Zwed ih erkeichen; germägniid in verächtlicher Bedeu- 


Die Laufbohne, M. Sn, bie gemeine Bohne, Tuͤrkiſche Bohne oder 

Bitsbohme, weil fe am den Stangen in bie Hoͤhe läuft (Phascolus 
s L.. ° ' 

Das Puufbreit, —es, My. —er. 1) Bei ben Buchbrudern, ein flars 
tes Brett an ber Preſſe, auf welchem ber Rarzen mit Hllfe der Walze 
ober Role läuft, d. h. hin und Her gefhoben wird. 2) Bei ben Sei⸗ 

denwirkern, ein Brett voll Meiner Löcher, durch welche bie Seide auf ' 

bie Spulen geleitet wird, ie 

O Der taufbrief, es, 9. —e. 1) O Ein Brief, welcher in einem 
gewiſſen Bezirke umldaft, um den beftimmten Perfonen in bemfelben 
etwas bekannt zu machen; auch das Laufſchreiben (Currende), 8, 
2. Heinze. S. Kreisfhreiben, Umtauffcpreiben. 2) &p vier 
als Laufpaß. ©. b. oh 

Die Laufbrüde, 94. —n. 1) Eine Brüde, d. 5. ein Geräft' vom " 

‚ „Brettern für die Roerenfhleber; auch dich ein Lauf. Belonders im ' 
Hüttendaye, ein foldes Geruͤſt oter ein Brettergang, den Cifenftein 
zur Sicht aufjulaufen, die Bihhtbrüde” 2) Eine ſchmale Brüde 
Bloß zum Bebraud für Fußgänger. — 

Der Laufburſche, —n, Sz. —n, ein Burſche, welchen man zum 
Auslaufen ober zum Ausſchicken huͤlt. R. N 

Die Laufdiſtel, f. Langbijter, ! 

Die Laufbohne, 4. —n, bei ben Sägern, Dohnen ober &älingen, 
melde auf ber Erbe oder nahe an ber Erde aufgeflelt werben, Fe— 
derwild, welches im biefelben laͤuft, barin zu fangen; aud Lauf: 
fhlinge, Yauffchneiße, das Läufer, das Bodengericht, Erdgericht. 

Die Laufel, 4. —n. 1) Eine Lıufdohne, und in weiterer Bedeu 
tung ‘überhaupt, eine Schlinge, Bögel barin zu fangen. 3) Bei den 
Sägen, bie Spur ber Hühner im Sraſe und bes Viches um bie 
Wälder; au bie Gelaufen, zum Unterſchiede von der Fährte. “ 

x Läufeln ; m tes. das Berkleinungswort von bem ungewöhnlichen 
laͤufen, Jaufen oder auslaufen machen; aud laͤufern, welches als 

das Weröfterungswort von laͤufen zu betrachten if, Bohnen, Erb: 
fen zc. laͤufeln, bie Bohnen, Gebfen ıc. aus ben duͤrren Schalen bre; 
Gen und aus denfelden Taufen machen. D. Laͤufeln. D. —ung. 

kaufen, v. unregelm. ic} laufe, bu laͤufſt, er läuft; um, verd. 3, 
ich lief; Mittelm. d. verz. 3. gelaufen; Befehlw. lauf! I) intrs. 
mit fein, auf feinen Füßen ſich ſchneller als gewoͤhnlich fortbewegen ; 
jum unterſchiede vom Gehen und Springen. Laufen, als wenn 

man gejagt würde. „Ich fange an zu laufen, er Iduft nad und 
lief mir immer hinter drein.“ Rabener, Mit einem in bie Bette, 
um bie Wette laufen, mit ipm im Laufen wetteifern. „Lauf, was bu 
Zannft!e G. fo ſchnell du kannſt. Sich aus dem Athem laufen, fi” 
mübe laufen, wo es bie Form eines trs, annimmt und mit haben 
verbunden wirds, Ih Habe mir die Füße mund gelaufen, wofür 
man aud bloß fagt fi) mund laufen. Mit dem Kopfe mwiber bie 
Band laufen, fomol eigentlich, aus Verfehen ober aus Raferei und ' 
Verzweiflung, ald aud) uneigentlich, einen unäberwinblihen Wider⸗ 
Hand finden und benfelben dennoch thörihter Meife überwinden wol⸗ 
Ien. Bei ben Jaͤgern heißt, ber Rehboc Läuft auf das Blatt, wenn 
er bem Zone, womit ber Zäger auf einem Beumblatte ben Ruf des 
Vehes nachahmet, machgebet, wofür fie auch auf Reizen laufen far 
gen und es Überhaupt von ben Thieren gebesuden,, welche fich durch 
naqchgeahmte Töne locken laffen. Laufen nimmt fo wie gehen zuwel⸗ 

"Im ben vierten Fall des Beundworted zu fih und ſtehet dann als 
ein trs.. Seine Straße, feinen Weg laufen, fene feinen Weg 
gehen, zurädiegen, wofür man au mol den zweiten Fal gebraudt. 
Lauf deiner Wege. Das Pferd !Äuft einen guten Trab. Bothſchaft 
laufen, als ein Bothe laufen, laufend eine Bothſchaft überbringen. 
So auch Poft laufen, Sturm laufen, ſtaͤrmend, d. h. mit großer 
Seftigfeit und Gewalt aezen eine Feſtung anlaufın, fie zur übergabe 
zu nöthigen fuchen cher wirflich röibigen. Über einen laufen fagte 
man chemahls für überfallen, feinblih anfallen, wie Xrnoldi aus 
einer Urkunde von 1557 anführet, Unsigentlid, 1) Dft und viel 


L * 


Laufe 


tung. In die Spiel» und Trinkhaͤufer laufen. Rur nach dem Vers 


gnuͤgen laufen. Nach ben Mädchen laufen, ober ihnen machlätifen, 


ihren Umgang rc. ſuchen. S. auch herumlaufen. In weiterer Bis 
beutung, nad einem Amte laufen, nad) demſelben fireben, 2) Geis 
nen Xufenthaltsort ober Zuſtand fhnell verändern; ebenfalls im vers 


“ Apttichen Cinne. Aus dem Dienfte laufen. Dann aud, aus Furcht, 


Deigheit zc. ſich ſchnell entfernen, fliehen. Aus bem Felde laufen. 


, Ber ern tief , ſobald wir angriffen. S. auch davonlaufen. Eis 


nen faufen laſſen, ſagt man auch veraͤchtlich, von einem, den zuräds 
zubalten man nicht der Wuͤtze werth halt, oder mit dem man wel⸗ 


"ter nichts ju thun haben will, Ih fein Berderben laufen, ſeinem 


Verberben mit fhnellen Schritten emtgegengehen, 3) Bon einigen 
Thieren, befonbers von ben Hunden, ' bei ben Igern auch von ten 
Dachſen, ſich begatten, weil fie bannmehr und weiter ale gewöhn: 
ti tarfen; in welder Webrütung es mit Haben verbunden wird, 
Der’ Bund, die Hündin Hat gelaufen. I)'ntr. mit fein, vor Ich: 
loſen Koͤrpern, fih von der Stelle bewegen, womtt aber ber Begriff 
ber Schnelligkeit nit nothiwendig zu verbinden iſt. Arbeiten, daß 
der Schweiß über das Geficht läuft. Thraͤnen tiefen bei diefen Mor 


' ten über ihre Miangen; wofür man in ber eblern Sprech- und 


Schreibart fliehen fagt. Das Waffer Iduft aus dem Faffe. Uneis 
sentlih fagt man auch von dem Gefäße jelbft, aus melden etwas 
läuft, befonbers wenn bas Gefäß fhadhaft ik und nidts aus bem> 
felben laufen fol, daß es laufe. So fagt man auch, bie Augen 
liefen ihm voll Waſſer, für Thraͤnen fälten feine Xugen, Das Sqiff 
ift auf den Grund gelaufen, Die Flotte Tief gläcklich im ben Hafen. 
Das Schiff laͤuft, heist auch Äberhaupt, es fegelt, macht eine Fahrt. 
Ein Segel laufen Laffen, die Taue, womit bie Segel aufgeholt wer⸗ 
den, Ioslaffen, bamit bas feiner eigenen Schwere Überlaffene Segel 
ſogleich niederfalle, Laufende Tauwerk heißt alles Tauwerk, beffen 
beibe Enden nicht befefkiget find, und durch Bloͤcke bin und her oder 
auf und nieder bewegt werden Binnen, ats Braffen, Bulienen, Scho⸗ 
ten, Hälfen ıc,; aud, laufendes Gut. @ine laufende Wefane, auf 
den Schiffen, ein Bieffegel, wenn es als eine Befane dienet. Die 
Erde läuft um die Sonne, und der Mond um bie Erbe, @in Licht 
läuft, wenn ber Talg ober bas Wachs an ber Flamme hu Leicht 
fhmilzt und an dem Lichte Hinunterläuft, wofür man auch lecken 
ſpricht. Es läuft eim Balter Schauer Über-die Haut, fagt man, 
wenn man einen ſchnell vorübergehenden Schauer empfindet, und da⸗ 
von gefhättelt wird; mwofle man ſich im gemeinen Leben aud des 
Ausbructes bedient: ber Tod läuft Über das Grab. Zuwellen ges 
braucht man laufen im gemeinen Leben auch für uͤberlaufen, über 
den Rand des Befäßes laufen und für sufammenlaufen, went!’ man 
fügt, die Milch läuft oder iſt gelaufen. Zuwellen wird laufen im 
gemeinen Sehen auch von andern Ausdehnungen gebraucht. Der Zeig 
läuft in die Höhe, wenn er in der Wärme ſteht. Die Ranken lau— 
fen in die Höbe, nehmen ihre Richtung nad) oben. uneigentlich fagt 
man aud von ber Zeit, vergehen, gemöhnlidher, verlaufen, wegen 
ber fehnellen Aufeinanberfolge ihrer Theile, Im laufenden Jahre, 
im gegenwärtigen (anno currenti). Der laufende Monat, Der lau— 
fende Gelbpreis, ber gegenwärtige (Cours), Die laufende Rech⸗ 
nung, bie gegenwärtige, neue ober offene, bie noch nicht gefähloffen ift, 
fondern auf welde man nod Gelber oder Sachen nimmt, © Pau: 
fende Scheift, ſolche, deren Buahffaden in jebem Worte in einem 
fort laufen, d. h. an einander gehängt niht durch Bmwifdenräume von 
einander abgefondert find, wie dies bei ber Schreibſchrift ber Fall 
ift und bei folder Druckſchrift, melde biefelbe nachahmt (Cursiv- 
ſchrift). G. Da die Buchſtaben bei berfelben nicht gerade ſtehen, fonbern 
ſchraͤg ſtehen und gleichfam Liegen, fo heißt fie au liegende Schrift. 
Es laͤuft ein Seruͤcht, es verbreitet fih. Es Käuft wider ben Ans 
ftand, wider bie Ehre, es ift ober ſtreitet dagegen, Worauf wirb 
bas hinauslaufen ? wie wich dies endigen? Das Läuft auf Cins 


Laufe 


hinaus, bad if einerlei. Gefahr Laufen, in Gefahr geratpen, einer 
Gefahr ausgeſetzt fein. Aumeilen Iäuft wol etwas Menfhlihes mit 
unter, mit unter gefhleht wol etwas Menſchliches. Oft verliert 
fih ber Begriff von jeder Bewegung ganz und laufen wirb vom eis 


ner biofen Lage nad) einer gemwiffen Richtung hin gebraucht, für er: _ 


recten. Dos Gebirge läuft von Morgen nah Süden. Die Küfte 
Läuft von hier gerade nah Worten. Ahnlihe unb aoch anbere als 
bie angeführten Bedeutungen hat laufen in ben vielen Zuſammen⸗ 


fegungen, als: ablaufen, anlaufen, auflaufen, auslaufen, belaus 


fen, burchlaufen, einlaufen ıc, III) tx, + laufend non ber Stelle 
ſchaſſen; im Bergbaue, wo mau fagt, Ecze, Berge laufen, fe auf 


Lauftarren fortſchaffen. Finige-andere Bebrutungen, im welden lau⸗ 


fen die Seſtalt eines Überleitenben Kusfagemortes annimmt, find 

im Borgehenden ſchon angeführt, unb mehrere andere hat es in ben 

sufammengefegten ablaufen, auflaufen, durchlaufen, erlaufen ır. 
— D. kaufen. D. —ung ift außer in.einigen Iufammpnfegungen 

nicht gemöhntid. Im O. D. Tautet die zweite unb beifte. Perſen 

ber Einzahl in ber gegenwärtigen Beit bu laufeſt, er lauft. 

Aus Reugier laufet 

— Run alles hin. Blumauer. * 

Tben baſelbſt lautet das Mittelwort der vergangenen Zelt geloffen. 
‚Der Laͤufer, —s, 9. gl. überhaupt etwas das läuft, beſenders, 
eine Pırfon, melde läuft; eine folde weibliche Perſon, bie Laͤufe⸗ 
rinn, 2. —en. Gin guter Käufer fein, gut, d. b. ſchnell laufen 
Eonnen. In engerer Bebeutung ift der Läufer ein auf befondere 
Art gelleibeter Diener eines vornehmen Deren, welcher vor bem 
Wagen deffelben herlaͤuft, ober auch von ibm ſchnell Naheiht zu gr: 
ben.ober zu empfangen verſendet wirb; ehemahls ein Mennfnabe, 
da man darunter gu wol überhaupt nur einen Bethen verfionb, In 
ber Bibel koͤmmt es mehrere Mahl für Fußbothe vor, welche Bebeus 
tang es noch im dem Worte Bothenlaͤufer hat, Oft verſchwindet 
ber Wegriff der Schnelligkeit, wie in ben Wörtern Heideläufer, 
Landläufer it. Im R. D. nennt man auch die Karrenſchieber bei 
dee Deiharbeit Läufer, und im Schachſpiele führen biefen Namen 
zwei Gteine, welche über bie Eden ber Felder bas ganze Schachbrett 
durchlaufen fönnen. Gin ſchntll Laufendes Thier wird gleihfalls ein 
Päufer genannt. So Heißt ein [nel laufendes Pferd rin guter Laͤu⸗ 
fer. Im ber Bibel wird ein ſolches Pferd, wie auch ein Einhöcker 
(Camelus dromedarius L.) ſchlechtyin ber Läufer genannt; fonft 
auch das Laufkameel. In der Raturbeſchreibung führt ben Namen 
Läufer auf eine Battung Landkrabben, welche an bem Merresufer 
in Ägipten und Girien nah Untergang ber Sonne. aus dem Meere 
hervorlommt und fehr ſchnell Iaufen kann (Cancer cursor L.). Auch 
Spinnen, welde fein Gewebe maden, ſondern nach ihrer Beute lat: 
fen und fie haſchen, werben Läufer genannt, Cine Art Dolzböde 
ober Borkenkäfer führt ebenfalls den Namen Läufer (Corambix cnr- 
sor); mie aud; ber Laufkaͤfer. ©. d. Der Meibenzeifig ober das Sei⸗ 
benpögelden (Motacilla trochilus) if auch unter dem Ramen Läu: 
fer befannt. Auch Hier ift ber Begriff ber Schnelligkeit nit motpiwen: 
big bamit perbunden, So heißt bei ben Wogelftellern ber.abgerichtete 
Vogel, welder auf dem Herde herumläuft und fingt, ber Läufer ober 
Läufervogel; fo heißen in ber Landwirtbfhaft junge entmöhnte Schmel- 
ne, bis fie fi zum erften Mahle begatten, Läufer, von ba an Üder: 
läufee. Auch von unbelebten Dingen, melde ſich bemsegen ober welche 
beweglich find, wird das Wort Läufer gebraucht. Zu diefen gehört 
der Laͤufer in den Mühlen, ber obere Muͤhlſtein, welcher Ah auf bem 
unteren feft liegenden herumdreht und bie Rörner germalmt; ferner 
der Fleine unten ebene und glatte @tein, mit welchein bie Farben: 
zeiber bie Barbe auf dem großen fladen Stelne, bem Reibeſteine 
zerreiben. Bel den Tuchbercitern heißt das bewegliche Blatt ber 
Schere der Läufer, zum unterſchied vom Lieger ober dem unbewtg- 
lichen Blatte. Bei ben Gellern iſt der Laͤufer ein in ber Wand 
ftepenbes bewegliches Rad, ein Seil mit vier Haken daran zu Spin: 


x 


— 46ñ 


Lauff 


nen; das Seilerrab, der Wirbel. Xuf ben Sqhiffen ſtad Läufer 
Taue, welche über eine ober mehrere Schriben fahren und biefe zu 
einem Takel, einer Tolje, Bien ıc. machen. Auch mirb auf ben 
Schiffen eine gewöhnliche Sanpupr ein Läufer, beftimmter Sands 
läufer genonnt. Nöbing. Wei ben Tuchmacern iſt er eine abges 
laufene Spule, auf welche nit Wolle genug gewunden war. Xn 
ben Thopmegen ber Bauerhöfe ift der Laͤufer das an ben Säulen 
aufrecht fichende dicke Holz, woran ber Thorfluͤgel bifefliget ift, wel ⸗ 
ches unten mit einem Bapfen in einer Pfanne fleht oben aber mals 
senfirmig gerundet in einem eifernen Ringe gehalten wirb, und wel: 
des fih Über ber Pfanne und in dem Ringe drehen laͤßt. In ber 
Söifffehet führen bie beweglichen Städe auf bem Takobeſtabe eben: 
falls den Namen Läufer. Im gemeinen keben werten bie Ranlen 
bee Erbbeeren ıc., weil fie an ber Exde hinlaufen, auch Läufer ober 
Aueläufer genannt, wie aud) die weiblichen Bidten des wilten Hopfıns, 
melde ih. frühzeitig von ber Hige aufthun unb ben Zamen auslaufen 
loffen, Die Wurzelſchoſſe führen ebenfalls ben Ramen Läufer, Aus⸗ 
läufer. In ber Zonkunft if ein Käufer ober ein Lauf, eine Rethe 
nch der Zonleiter auf einander folgender Tine, welche ſchnell nad 
einander gefungen ober gefpielt werben. Die Maurer nennen bie 
nad) ber Länge ber Mauer gehenden Steine Läufer ; zum unterſchiede 
von den Bindern, welche in die Quert geben, und unter ben Grenz» 
ſteinen werben diejenigen, melde zwiſchen den Kaupt: und Edfleinen 
ftehen und gleihfam mit unter laufen, auch Laͤufer genannt. Im 
D. D. wo man bit lauflt, er lauft fagt, Tautet biefes Wort bem 
gemäß auch Laufer. Be: 

+ Die Laͤuferbuͤchſe, 94. —n, ein Bühfe, in welcher ein Bothene 
Iäufer feine Briefſchaften trägt. . 
Der Läuferfalt, —ın, 3%. —en, eine Art Fallen, welde ih von 
Felbmäufen, Froͤſchen, Kedten, Eidechſen, Raupen, aud von Bienen 
und Welpen ıc mähret, dahtt er auch Froſchfalk, Weſpenfalt, 
MWefpenfreffer, Bienenfreffer genannt wird (Buteoapiverus, vesci- 
vorus, Falco apivorus L.), @r findet fi befonders in Frankreich 

und man macht feines ſchmackhaften Fleiſches wegen Jagd auf ihn, 

O Der Läuferfuß, — es, Di. — fuͤße, eigentlih der Fuß, bie Füße 
eines Läufer; bann, bie Fühe, fofern fie zum Laufen ober ſchneſten 
Gehen dienen, wofür Lauffüfe riötiger iſt. „Der (Mann) jeht Halb 
von bir (ber Frau) weber ein weiches Ber; noch einen lichten Kopf, 
fonbern nur rohe Arbeitöfinger, Läuferfüße, Schweißtropfen, wunde 
Arme und bloß eine ruhende paralptifhe (gelaͤhmte) Zunge fobern 
wird. 3.9. Nichter. 

Läufern, v. trs. fo viel als laͤufeln. ©. d. Cine andere Bedeutung 
hat #8 in anläufen. ©. b. 

Der Läuferplaß, —es, 94. —pläge, Sei ben Wogelftelleen, berienige 
Pla auf dem Vogeiperbe, wo bie Ehufer ober Läuferodgel an ihrer 
Feſſel herumlaufen. 

Der kLaͤufervogel, —s, Mz. —voͤgel, bei ten Bogelftellern, ein auf 
dem Vogelherde an einer Feſſel herumlaufender kockdegel. 

Das Laͤuferzeug, —es, 39. u. bei ben Bogelſtellern, ſchmale Riems 
den, welde ben Riufernögeln an bie Füße gelegt werben, 

Der kaͤuferzug, —s, Da. — zuͤgt. 1) Im Sqachſplel ſowol ber 
Bug, welder mit dem Läufer gethan werben Tann, nämlich über das 
ganze Schachbrett Über bir Eden ber Kelber, als auch rin Aug, wel: 
der wirklich mit bem Lufee gethan wird. 2) Bei ben Bogelſtel⸗ 
len, zarte Riemden, an welche bie Läufernögel angebunden oder ans 
geläufert find, 

Die Laufseöpe, 4. —n, ein Rame ber Eape, weil ihre Wurzeln 
ſeht auslaufen und Schoͤßlinge mahen (Populus tremula L.). 

Der Lauffaden, —s, Di. —füben, bei den Jaͤgern, ein Faben en 
bern Ingarne ober dem Bufen eines fplegeligen Barnes, baffılbe ober 
benfelben Daran bin: und herzuziehen. 

Das Lauffener, —s, DM. al. das einen großen Raum ſchnell durch⸗ 
laufende Feuer bes In eine Tange Linie gefireuten Schießpulvers, eine 


Lauff 


Mine ober fenk etwas anyupänden; wie aud tin eure ober Ab: 
‘feuern bei ben Soldaten, wo längs ber ganzen Ausdehnung eines 
‚aufgeftellten Heers ein Gewehr nad dem andern in großer Geſchwin⸗ 
bigfelt abgefeuert wird, fo daß das Feuern bei dem einen Flügel 
anfngt, und Bis zum andern läuft, Mad einem, von ber Schnel⸗ 
ligteit diefes Jeuers heegenommenen Bilbe fogt man, eine Radriht 
verbreitet fih wie ein Lauffener, wenn fie in Burger Zeit überall 
befannt wird, indem fie einer bem anbern mitthellt. 

Der Lauffuß, —es, ig. —füße, Füse melde zum Saufen dienen; 


befenbers bei ben Wögeln und Biefern; zum Unterfhiebe von ben, 


Sqwimmfuͤhen, Springfügen ır. 

Das Laufgeld, —es, @. —er, bei einigen Handwerlern umb Künft- 
lern, ein Meifegelb, welches der Meifter ober Here einem von einem 
anbern Orte her verfchriebenen Gefellen vergütet, In manden Ger 
genden wird aud das Handgeld oder Merbegeid ber Soldaten das 
Laufgeld genannt, 

Das taufgerüft, —e6 u. —, in ber Baukunſt, ein ſchraͤg lau ⸗ 

ſfendes Werüft ober der fhräge Bang von Srettern, auf melden 
man auf bas eigenttihe Baugerüft gelangt; im Huͤttenbaue bie Kaufe 
bruͤcke. 

Der Laufgraben, —s, 94. —graͤben, in der Belagerungskunſt, ein 
Graben oder vielmehr Fräben mit einer Bruſtwehr, welde bie Bes 
lagerer in zweckmaͤßlgen Rihtungen nnd Wendungen nat bem dela⸗ 
gerten Orte führen, um fi barin demſelben ohne GSefahr zu nähern; 

weil fie dienen in bemfelben zu laufen ober zu gehen, gegen ben fon: 
fligen Zweck dee Wräben (Tranchedes, Approches). Xuf ben Shif: 
fen if ber Laufgraben ein etwa brei Fuß breiter Gang auf ber 
Kubbrücde im Raume rund um an ben Innern Beiten bes Schiffes, in 
welhem fih während eines Treffens ber Bimmermann und feine Bes 
Hülfen befinden, um bie Bee, weide das Sqhiff durch Grunbfhäfle 
befömmt auszubiffeen. In einem Brander find Laufgrägen die 
Möhren welche bas Bauffener enthalten, um bie Flamme nad allen 
Seiten zu verbreiten, Möbing. 

Der Laufhund, —ed, 4. —, ein ſchnell lauſender Hund; bes 
fonbers ı) ein ſchaetler flühtiger Iogbpund, ber das angefhoffene 
Wild zu verfolgen und einzuholen gebraudt wird, der Buͤrſchhund 
(Curspunb, Canis cursorins); =) ein ſtarker Jagbhund, welcher das 
Wilb fo lange verfolgen muß, bis es ermüdet und von den nadellen: 
den Jaͤgern erlegt wird (Parforcehunb, Parforcejagbjund, Canis 
gallicus). : 

Läufig, —er, —fe, adj. u. adv. ı) Den Trieb der Begattung emp 
findendb und Auferub und dabei mehr als gemöpntid laufend; von 
Thieren, befonbers von Dunben unb ohne Steigerung bes Begriffes. 
Gewöhnlier fagt man bafür laͤufiſch und gebraucht es auch zuwei⸗ 
ken im veraͤchtlichen inne von Menfhen. =) Saufend, einen ger 
wiſſen Sauf habend ; In den Zufammenfegungen geradlaͤufig, techtlaͤu⸗ 
fig, rummiäufig, beilaͤufig 1. 5) + Bumellen fo viel als geläufig. 
.— unter ben Priöfern alfo war bie Buchſtabenſchrift eine Läufige 
und fange vorerfundene Sacht.“ Herder. Davon bie Läufigkit. 

vaͤufiſch, f. Käufig 2). | 

& Dad Baufjagen — , 9 al. bei den Jaͤgern, ein Jagen eber 
eine Jagd, wo das Wird mit Laufhunden verfolgt wird; ein Nemn- 
jagen (Parforcejagb). Kinderling, Beſſer Hetjagd ober Hetz⸗ 


jagen. 

K der kaufjunge, —n, 9; —n, ein Junge, welden man zum Fuss 
laufen, Ansihiden hält, 

Der Laufkäfer, —6, Mm. gt. ein Seſchlecht von Räfern, deren Bühl: 
Hörnee borfienförmig und deren Bruſtſchitd von balb niegediger, halb 
berjförmiger, balb' zunber Geftalt, und beren Fluͤgelbecken gerändert 
find (Carabus L.). Sie haben unter ben Flaͤgeldecken meiftentheits 
eine Ylögel, Taufen ſehr fhnell,"Ieben in der Erde und geben, wenn 
man fie angreift, einen fharfen braunen Saft von ih; auch Erd: 
Kifer, Der grüne Lauftäfer (Carabus nitens L.) if etwas Ihn: 


47 


Sauff 


"ger als ein Maikäfer, fein Kopf, Bruſtſchlld unb feine Fläͤgeldecken 

find glänzend geibgrän, ber Unterleib ſchwarz, bie Füße fucheroth. 

Er Luft fehe ſchnel und frißt Raupen, andere Biefer und auch Wär: 

mer: Man tennt dieſe Kaͤfer auch nur ſchlechthin Läufer. ‚ 
Das Laufkameel, —es, 3. —e, f. Läufer. 


Der Lauffarren, —s, 9. gl. 1) Im Bergdaue, ein -Rozzen, worin 


Berge und Erde gelaufen, b, b. fortgefhafft werben, 
nebergfchen , ein Baufwagen ober eine kaufbank. 

Die Laufflane, 9. —n, bei bin Jaͤgern, die Klaue am dem Laufe 
b. 5. dem Buße bes Hirſchwirdbretes. “ 

Das Lauffraut, — s, Bi. u. ber Name, mit welchem im neuen 
Shauplage berRatur ein Pflangengefhleht in Wirginien beiegt wird, 
welches in Gümpfen wähft, deſſen Burzel unter dem Waſſer ins 
Täuft, umb beffen eingeln am Blattwinkel fledende Blumen fein Blu— 
menblatt, fonbern auf bem großen breiedigen Feuchtkeime drei fpigis 
ge Kelchblattchen haben, bie von drei Gtaubfäben und drei haarigen 
dicken Staubwegen ober Griffeln umgeben finb (Proserpinaea pa- 

‘ Austris L), Bei Planer ber Hinlauf. 

Die Laufkugel, 99. —n, bei ben Jaͤgern und Gchägen, Heinere Rus 
gein , melde mit Leichtigkeit im dem Lauf bes Gewehres Laufen. 

* Der Bauflüfter, —s, DM. gt. ein Küfler, weicher nit am Orte, 
mo er bas KRüflesamt verwaltel, wohnet, fondern an ben Sonntagen 
und Feſttagen von feinem Wohnorte dahin Hmmt: Friſch. 

Die Lauflatte, Di. —n, an einer großen Ramme eine Latte ober ei: 
ner dee Bäume ober Gtügen ber Ramme, bush welche Sproſſen ge: 
ſteckt find, auf weihen man wie auf einer Beiter bis zur Spitze br 
Geräftee der Ramme laufen ober. ſteigen Tann. 

Die Laufleiter, By. —n, bei dem Jaͤgern, Peine einfache Garne, 
melde fi vor ben Treibezeugen zu beiden @eiten befinden und ben 
Lauf ber Felbhuͤhner leiten, fo daß fie nicht vorbei, fonbern in bie 
Treibe zeuge laufen; bie Steckleiter. S. Reiter. 

O Der Läufling, —eb, 4. —e, einer der heimlich entläuft, ein 
Ausreißer (Deserteur). Ungen. 

Die Laufmagd, By. —mägde, eine Magd zum Auslaufen, Kuss 
ſchicken. BStieler . 

Das kaufmahl, — s, 3. —mähler, ein Mahl oder Zeichen, von 
welchem aus man läuft, bei Wettrennen, gewiſſen Ballſpielen ıc. 
Stieler. 

Die Laufmaſche, My: —n, bei den Strumpfwirkern, Vaſchen in 
feibenen Strumpfen, bie nad bem MWeben wieder auflaufen und eis 
men gleichen Faden bilden, befonders an ben Zwickeln. 

Der Laufpaß, —ſſes, 3. —päffe, ein Pap, mit welchem man eis 
nen laufen läßt, b. b. womit man einem, ber fi wegbegeben will, 
verficht, Man gebraucht es bloß in veroͤchtlicher Bedeutung in ber 
uneigentlichen Rebensart bes gemeinen Lebens, einem ben Laufpaf 
geben, ihn laufen kaflen, ihn aus dem Dienſt entlaffen, forts 


2) Im Hens 


jagen. 

Die Laufpfanne, Dh. —n, in den Buderfiedereien fo viel als Kühle 
pfanne. S. d, 

Die Laufplanke, Rz. —n, im Schiffbaut, wagerecht liegende Plan- 
ten an dem beiben innern Seiten bes Schiſſes, wodurch bie Bad unb 
Ghanze rine Gemeinſchaft erhalten. MRöbing. 

Der Laufplatz, —eb, 3. —pläge, 2) Ein Pop, weiher dient 
darauf zu laufen, berumzulaufen. 2») Brei ben Zägem, bie dafuͤr 
ash nur Lauf fagen, f. Lauf a). 

Die Eaufquede, 9. —n, ein Rame ber Quecke, weil ihre Wurzel - 
unter der Erbe weit binläuft. 

Das Laufrad, —es, 3. —räber. 1) Ein ſenkrecht ichenbes Rab, 
welch⸗ baburd in Bewegung gefegt wird, daß ein Menſch ober Thier 
darin Läuft ober «8 tritt. =) Das Lauftaͤdchen, —6, 9. gl. die 
wagerehte Role am einen Seibenhaspel, im welcher der Laufſtock 
mit dem einen Ende befeftiget if. y 

Die Lauffäge, f. Kaubfäge, 


Lauff 


© Der Bauffänger, — 8, 94. gl. einer ber &ingefhäter, welche im 
Saufen, d. d. im raſchen Gehen, auf ber Straße fingen muͤſſen (Cur- 
rendefsüle). ©. 

Die Lauffchicht, ip. —en, bei den Maurern, eine Schicht ber Mauer 
oder cine Shit Mauerfteine, welde aus kaͤufern befepet. 

X Das Laufihießen, —s, 3. gl. das Gießen eines Zpiered ober 
nad einem Thiere, welhes im Laufe iſt z zum Unterfgiebe vom 
Flugſchießen. 

+ Der Laufſchleich, —es, M. —e6 Ausläufer. 

Die Kauffchlinge, Mg. —n, f. Laufdohne. 


+ Der Loufſchmied, —ed, 9. —e, in einigen Gegenden, ein her ⸗ 


umgiehender Dorfſchmied, welcher bald hier bald da arbeitet z. zum 
Unterfhiebe von einem Wohnſchmiede. Davon die Lauffhmiede, 
feine. Werkfkatt. . 

Der Laufſchneider, —8, By. gi. ein Arbeiter, welcher bie Läufe zu 
deh Sieden im Walde fhneidet und dann an bie @iebmaher vers 
fauft. 

O Das Lauffchreiben, —s , 4. gt. ſ. Laufbrief. 

Der Laufſchuh, —es, I. —e, leichte Schuhe ohne Abſaͤtze, in wel⸗ 

- den man bequem Läuft oder gehet; auch Laͤuferſchuhe, weil ſich bie 
Läufer berfelben bebienen. 

Der Lauffchuͤte, —n, 4. —n, ein gefhidter und geädter Süße, 
weiter ein Thier im Laufe zu ſchießen verfieht. 

Das Lauffpiel, —es, 9. —t. 1) Überhaupt ein Spiel wobei gt» 
laufen wirb, ober wobel das Saufen der 3wed if; bann, ein Spiel, 
wo man auf einem feſt gefhlagenen ebenen Boden Kugeln mit höls 
gernen Hämmern ober anbern Werkzeugen fortſchlaͤgt und ihnen ſchnell 

nachlduft um fie bis and Ende der Bahn ober ans Biel fortjutreiben 
(Maitlefpiel). 2) Der bazu bienenbe Plat ober bie dazu eingerich⸗ 
tete Bahn. 

Das Laufſtag, —es, I. —e, auf den Schiffen, zwei Taue oben an 
beiden Seiten Äber dem Wugfpriet, welde den Matrofen, bie auf 
tem Bugfpriete zu thun haben, zum Halt bienet; au Klimmſtag. 

Der Lauffiock, —es, 94. —ſtoͤcke, ein dünnes ſchmales Brettchen 

. on einem Seidenhaspel, welches an einem Gnbe in dem kauftaͤdchen 
ſtedt, am andern aber beweglich iſt und bas übereinanderlaufen ber 
Fäden zu verhindern dient; - auch ber Degen. 

Der Laufſtuhl, —et, 9. —ſtuͤhle, fo viel als Laufbant, mit dem 
unterſchiede, daß man bas Geſtell mehr mit einem Stuhle als einer 
Bank ıc. vergleicht. „Diefer im Himmel und an fo wenig Danffas 
fern hangende Laufſtuhl (des Schieferdecers) machte ihre bange.“ 
RP. Richter. . 

X Der Lauft, —es, 24. Läufte, f. Lauf. 

O Der Lauftanz, —es, 9. —tünze, ein Tanz, worin mehr gelaus 
fen als gehäpft oder geiprungen wird; befonders, ein gemiffer 
ernfihafter Kranzdfifher Buͤhnentanz (Courante). Reihharbt. 

Das Lauftuch, —es, Dip. — tuͤchet, Hei den Jaͤgern, ein an Ringen 
beweglicher Borhang zwiſchen ber Kammer und bem Baufe, welcher 
fchneuü auf: und zugejogen werben kann; bad Rolltuch, Quertuch. 

Der Laufwagen, —s, DH. al. ſ. Laufbant. 

Das Laufwerk, —es, 4. —e, bei ben uhrmachern, dasjenige Ri: 
derwerk in einer Spieluhe, welches bas Raͤderwerk, wodurch bie Spiel: 
mals: In Bewegung geſeht wird, in feiner Bemegung mäßiget unb 
fie ihm gehörig abmift. 

Der Laufzaum, —es, 94: — zume, f. Laufband. 

+ Der Laufzehnte, —n, 99. —n, in einigen Gegenden, dee Behnte 
von den am einer Bchntgrenze !iegenben Adern, welder bemjenigen 
Bchntmabler entriätet wird, ber ihn am erſten erlaufen, d. h. eins 
gefodert bat. 


Die !aufieit, 94. u, bielenige Zeit, ba bie Hunde, Dachſe, Bären ıc, 


laufen; d.d, ben Begotiungstrieb empfinden und zu befriedigen ſuchen. 
Das Laufziel, —es, 2. —e, ein Biel nad weldem man läuft, bes 
ſonders das Ziel bei einem Wettlauft. 


46 


Der Laufzirkel, —ẽe, 2% gl. ein Zirket, deſſen Spiten rechtwinkelig 


Laug 


umgebogen find und biſſen man ſich bedient, bie Achſe 
Welle eines Rabdes ober Getriebes zu erforiden. m. Me 

Läugbar, adj. u.adr, mas geldugnet werden kann, nur in Gegenſat von 
unläugbar.. Es ift von dem veralieten laugen für Läugnen gebildet, 

I. Die Lauge, 8g- —n, ein mit einem Pflanzenfalze geſchwaͤngertes 
und dadurch fharf gemachtes Waller. Befonders dasjenige Wulfer, 
welchte eine Zeitlang Über Aſche getanden uns bie darin befindlichen 
Salatheile aufgelöfet und in fi aufgenommen hat. Lauge machen. 
Lauge anfegen, Maffer auf Kihe gießen, bamit barans Eauge werde, 
Die Waͤſche in Lauge einweihen, aus ber Lauge wafden. Aus die 
Lauge wird häufig. wieber das barin auf zeidſete Salz gezogen, indem 
man has Waſſer abbänftet, welches Satz Eaugenfalz heißt, Arme 
Rauge, folge Sauge, aus welcher ſchon bie meiften Salztheile heraus: 
gezogen find. Die Seifenfiederlauge, Kalklauge. Die Bauge ber 
Kupferſtecher ift ein mit Ale und Schmelsfalz zubereitetes Waffer, 
‚womit bie abgebrudte Platte von ber Schwaͤrze, bie bazın fangen 
geblieben If, gereiniget wird. Da die Lauge ſcharf und beizend if, 
fo gebraugt man Lauge auch uneigentiih für Schärfe, Etzenge, bes 
fonbers für ſchatſen oder firemgen Tadel. Einem eine ſcharfe auge 
bereiten, ihn mit ſcherfer auge waſchen. In weiterer Bedeutung 
nennt man auch andere fhurfe Flüffigkeitem Lauge, 5. B. ben Harn; 
welchen man im gemeinen Scherz Kammerlauge nennt, 

2. Die Lauge, 4. —n, ein bis anderthalb Fuß langer ſehr grätis 
ger Weisfifh, auch Laugele, Laue, Lauben, Lauf zc. (Cyprinus 
leuciscus L.). 

Der Laugekaſten, —6, 9%. gl. in ben Vitriolfiebereien, Kaſten von 
tannenen Bohlen, in melde man bie geröfteten Schwefelkieſe zum 
Vitriol thut, um fie darin aus zulaugen. 

Die Laugele, By. —n, ſ. 2. Lauge. 

Laugen, v. I) trs. 1) In Sauge einmweihen, einlaugen. Die Wilde 
laugen, wofür man im O. D. laugnen, laͤugnen, und an andern 
Orten au beuchen (R. D. büfen) fogt. =) Wermittelft des wars 
men Waffers gewiffes auflöstiher, befonders falziger Theile berans 
ben; auslaugen. Salz aus ber Aſche, Klaun aus Schiefer laugen. 
Gelaugte Aſche, aus wilder die Salztheile gepogen find. II) ntr. 
mit haben, ein Faß lauget, fast man, wenn bie barin befindlide 
Gläffigleit gemwiffe Theile aus bem feifhen Holze, 3. B. Eichenholze 
auegt zogen und bavom einen eigenen Geſchmack bekommen hat, — 
D. Laugen. D. —ung. 

Laugenartig, adj. u. adv. (R.) bie Art einer auge habenb, einer 
Sauge an Schärfe aͤhnlich; laugenhaft. Eine faugenartige Flüffig 
keit, Gin faugenartiger Geſchmack. Gin laugenartiges Eals, ein 
Salz, meldes ber Lauge an Geſchmack gleitet, aus ber Luft die 
Feuchtigkelt am fih zieht und dann zerflieft, zu einer Bauge wirb 
wo «6 bann Oleum per deliquium genannt wird; bad Saugenfatz. 

Die Laugenafche, By. vom mehrren Arten oder Mengen, —n, Aſche 
welche ausgelaugt wirb ober ausgelaugt it; bei ben Mifderinnen 
auch Beuchaſche, und bei dem Seifenfiedern Seifenfieberafche. 

Die Laugenblume, 4. —n. ı) Ein Pflauzengeſchlecht, deffen Blus 
men jufammengefigt find (Cotula L.). Die Randblümchen find nadt 
und beſtehen nur aus dem Fruchtkeime und bem bännen Griffel mit 
zwei Ctaubwegen; bie mittlen dicht an einander fichenden Zwitter⸗ 
blüm&en eigen ein zöhrenfrmiges Blumentlatt mit vier ungleichen 
Einfhnitten, vier Furzen Etaubfaͤben, einem walgenförmigen Staub⸗ 
beutel, und einem Fruchtteime ber einen Griffel und zwei fumpfe 
Staudwege hat. 2) Gin Rame bes gelben Ruhrkrautes, auch gelbe 
Rainblume, Flußblume ıc. (Gnaphalium arenarium L.). 5) Eine 
Art bed Baldrions, Römifher oder Waͤlſcher Epik, celtiſche Rarden 
(Valeriana celtica L ). 

Das Laugenfag, —ſſes, MM. —fiffer. ı) Ein Faß, in welchem man 
bie Sauye bereitet, =) Ein Faß zur Lauge oder mit Lauge, um z. B. 
die Wäfhe darin einzumeihen. R. D. Vuͤkefaß. 


Lang 49 


Das Laugengewicht, —eb, 2. —e, ein Sewicht, ben innern Ger 
halt einer Gal;johle, Bitriols, Salpeters ober Xlaunlauge zu unter: 
fügen oder zu prüfen; auch das Sohlengewicht, im erſten Falle, 

Laugenbaft, adj. u, adv. fo viel als laugenartig; auch X laugicht 
(alcalinisch). Ein laugenhaftes Woffer, ein Minerwaffer, weldes 
einen laugenhaften Geſchmack hat und nah ber Abrauhung ein mis 
nerifhes Baugenfalz giebt. 

Der Laugentorb, —es, Di. —koͤrbe, ein grober Korb, in welden 
man dem Baugenfad leget, um bie Gange dadurch zu feihen, 

Das Laugenkraut, —es, My. u. f. Wohlverlei. 

Der kaugenfad, —es, 9. — ſaͤcke, rin Sad, in melden bie Aſche 
gethan wird, aus wilder durch aufgegoffenes Waffen die falzigen 


Laun 


ben Sohn laͤugnen.“ ı Joh. a, 24. ag. 

Du laͤugneſt der Sonne leuchtendes Licht 

Mit blinden Kugn, — — Schiller (8) 
Haͤnfiger gedraucht man es in engerer Bebeutung für, ber Wahrheit 
zuwider, gegen fein beſſeres Wiffen verneinen. Einen begangenen 
Fehler, einerausgeäbte That Idugnen, ter Wahrheit zumider bes 
haupten, man babe ihm nicht begangen, man habe fie niht verübt. 
kaͤugnen, bag man etwas gethan habe. Läugme nur nit, fonderm 
betenne. Hier pilft Bein Laͤugnen. KK Uneigentli, wiber fein Weſen, 
wider feine Denkart handeln; gewöhnliger verläugnen.. „Sich 
felbk Tann Gott nit laͤugnen.“ = Zim, », ı5. D. Laͤugnen. 
D. —nung. 


Theile gezogen werben follen; das Laugentuch, wenn es ein über Der Läugner, —s, 94. al; bie —inn, 24. —en, eine Perſon, 


bas Gefäß gebreitetes und befeftigtes Tuch if, worauf die Aſche ges 
ſchuͤttet und mit Vaſſer begoffen wird. 


melde etwas laͤugnet. Ein Läugner Gottes und der Wahrheit. 
Ein Gotteslaͤugner. 


Das Laugenſalz, —et, Di. —e, das im einerauge in aufgelöfetem + Das Laugold, —es, DM. u, im O. D falfhes Gotd, gleichſam 


Zuſtande bifliadiihe Sals, welches durch Berbänftung bes Waſſers in 
einen feßen Kbrper verwandelt wird (Kali, Alkali, Da es aus 


Luggold, von ben bünnen Meffingblätten bie unter dem Ramen 
Rauſchgolb, Knittergold bekannt find. 


Lage vom Pflanzenafhe gezogen wird, fo heißt es auch Pflanzen + Der Laugoldſchlaͤger, —s, 2. gl. tm D. D. ein Handiwerker, 


laugenfal; (vegetabilisches Alkali) und Pottafche, weil es tn Potte 
ober Zöpfe eingepadt. verfenbet wird; zum Unterfhiebe von dem 


welcher das Mefing zu dünnen Blätthen ſchlaͤgt; Im andern Gegen» 
den ber Flinterfchläger, Slinterer, 


minerifhen Laugenfalze oder Minerlaugenfalze, welches vorzäglig Die Lauigkeit, o. 39. ber Zuſtand eines Körpers, ba er lau iſt. 


in dem Kochſalze als einem Diner, außerdem aber aud im mines 
zifhen Baſſern mit Ehmwefelfäure, Koblenfäure ıc, verbunden, ents 
halten iſt und aus biefen auf aͤhnliche Art wie bas Pflangenlaugen» 
falz bereitet wird (mineralisches Alkali, Soda, Natron), Man 
findet es hier und ba auch in feſter Geftalt und trifft es auch befon: 


Uneigentlid) aud ber Zuftand einer Perfon ba fie in etwas lau iſt, 
4 B. In’ber Liebe, Freundſchaft, im Glauben ıc. Die Lauigkeit 
eines Freundes, Die Lauigkeit in der Liebe, Auch die Beſcheffen⸗ 
heit einer Sache, da fie lau if. Die Lauigkeit der Freundſchaft, des 
Empfanges ıc. 


ders im verſchiedenen Meerpflangen, vorzäglid der Sobe, an, aus Laulih, adj. u. adv. ein wenig lau, Dod nimmt man es mit bem 


deren Aſche es wie das gemöhntihe Pflangenlaugenfalz durch Auslaus 
gen dargeſtellt wird. Beide Arten, das Pflanzen» und Minerals 
laugenfalz, nennt man auch feuerbeftändige Laugenſalze, weil fie 
fih im Feuer nicht verändern, zum unterfchlede von bem flüchtigen 
Laugenfalge, melden Namen-man dem Salmiak mehrerer AÄhnlich⸗ 
keit wegen, bie ee mit jenen Saugenfalgen bat unb weil er in ber 
‚Hige verfliegt, beilegt (Ammoniscum, Sal volatile, Sal urino- 
sum). Da ale brei Salze ſowel in thierifhen Gtoffen, als auf in 
Pflanzen und Minern vorfommen, fo ſind jene unterfheibenden Be 
nennungen für bie Scheibefunft wenigftens nit beftimmt genug. Lau⸗ 


Grabe ber geringen Wärme, welche durch lau, laulich, lauwarm 
bezeichnet wird, nicht fo genau, und gebraudt biefe Austräde als 
gleihbebeutende. Lauliche Mith. Ss fuͤhlt ih laulich an. Uneis 
gentlich, der gewoͤhnlichen Wärme, d. h. lebhaften Empfindung, Ei: 
fers beraubt oder weniger Wärine, Lebhaftigkelt, Cifer habend und 
zeigend als man haben und zeigen ſolte. Ein laulicher Freunb. 
Fine lauliche Liebe. Das Kriſtenthum faulich Äben, Gin [attlis 
cher Blaube. Davon bie Eaulichkeit, der Zuftand einer Prrfon ober 
Sache, da fie laulich iſt; eigentlich und unelgentlich. XLaulichkeit 
gegen das Kriſtenthum. Ungen. (A.) S. Lauigkeit. 


genſalz bereiten. Mit Laugen ſalz vermiſchen, ſchwugern (aloalisiren). %& Der Lauling, —es, 2. —e, ber lau iſt, wenig Eifer, Wärme 


Laugenſalzicht, adj. u. adv. einem Laugenſalze ähnlid, bie Art eines 
Laugenfalyes habend (alkalinisch);5 aud laugenfalzartig. 

Zaugenfalzig, adj. u. adv. Eaugenfal; enthaltend, woraus Saugens 
falz gezogen werben Fann. 


für eine Sache ober in einer Sache zeigt; befonders, ber lau in feis 
am Clauben ober laugläubig ift (Indiffereutist), Das Wort iſt 
von Daniel Kleſch, einem Shwärmer des 17ten Jahrhundertä 
gebilſbet. 


Der Laugentopf, —es, D. —tönfe, in ben Haushaltungen, ein 1. Die Laune, 4. —n. Das dieſes Wort ehemafls die BefidtshiL, 


großer eiferner ober fupferner Zopf, welcher mit Baſſer und Aſche 
gefällt immer am Feuer auf bem Herbe ſtehet, um fogleich bie zum 
Aufichenern möthige Bauge bei ber Hand zu haben; ber faugengrapen. 

Das Laugentub, —es, 34. —tuͤcher, ſ. Baugenfad. 

Das Laugenmwafler, —s, 94. u. fowol Waffer, welches zum Aus: 
Taugen beſtimmt ift, als auch Waffer, weiches zum Kuslaugen bed 
Sal zes gebraudt ift, alfo Lauge, — 

Die Laughuͤtte, My. —n, in ben Alaunwerken, eine Hätte oder ein 
Theil derjelben, wo man ben Alaun auslauget; zum Unterſchiede von 
der Siedehuͤtte. . 

Laugicht, adj. u. adv. f. Laugenhaft. 

© Lauglaͤubig, —er, —fte, adj. u. adr. der in feinem Stauben lau, 
ober wie man im gemeinen Leben fagt, weder kalt noch warm iſt, 
d. b. ber im Glauben nicht eifrig ſondern gleichgültig if. Daven 
der Raugläubige (Indifferentist) und die Laugläubigkeit (Indif- 
ferentismus). 6. s ' 
Bäugnen, v.trs, verneinen baß etwas wahr fei, für falſch erfid« 
zew, ine Boransfisung, einen os Idugnen, Gott (dugnen, 
fein Dafein verneinen, behaupten, ## fei Bein Bott. „Den Batre und 


Gampı's Wörterb. 3. Th. 


bung eines Menfhen und überhaupt die Geftalt eines Dinges ber 
beutit haben foR, iſt untrwieſen. Wir fhränfen uns auf feine jes 
dige, allgemein gültige Bebeutung ein, vermöge welder es ben ver; 
änderlichen Gemäthszufland, da man oft ſchnell von kuſt zu ualuſt, 
von Freundlichkeit zu Unmillen, von Heiterkeit zu Zrübfion u. f. m. 


‚übergeht, bezeichnet. Seine Laune iſt fehr veränderlih. Bei gus 


ter, uͤbler Laune fein. Eine muͤrriſche, naͤrriſche Laune Haben. 
Eine wetterwendiſche Laune, bie ſich fo leicht ober fo ſchnell wie bag 
Better ändert, Ich warb fo vorſichtla, das ich jede Weränderung 
meiner Laune wie bes Atzt das Maß des Pulsfglages, ausjufpäpen 
ſuchte.· Hermes. 
— Laune idſ't was Laune kaüpfte. Säiller, 

Im R. D. fagt man, er hat es nicht in der Laune, für, ex iſt dazu 
nicht aufgelegt, hat bazu keine Suhl. Bumeilen bedeutet Laune auch 
Eu, Hang. IH habe Heute nicht die Laune zu ſcherzen. In 
engerer Bebeutung gebraudt man Laune 7) Für gute Laune, Da 
er eben bei Laune war, bemilligte er ed. eine Laune heiterte 
auch mich zulept auf. In biefem guten Berflande hat Laune auch noch 
eine andere Bebeutung, in mwelder fir Kant erllärt, als „Das 


7 


i Raum 


50 


Lauſch 





Talent (bie Gabe), fich willkührlich in eine Semuͤtheſtimmung ver: 
fegen zu koͤnnen, in ber alle Dinge gamy anders als gewähntih, fos 
gar umgekehrt, und bo gemiffen Bernunftprincipien (Vernunft: 
geunbfägen) in einer foldın Gemürpsfliimmung gemäß, beurteilt 
werben.“ So fagt men von einem witzigen Cchrifttieller, welcher 
fi) in biefe Gemuͤthaſtimmung (Humor) zu verfegen weiß, er habe 
Laune, ſchreide mit Laune. Häufiger gebraucht man Laune 2) für 
üble, böfe Laune, von einer folden Gemüttefllmmung, wo man et: 
weder ſchon märrifh, verdießlich ıc. tft, oder es doch leicht werben 
kann. Gr hat heute feine Laune. Ih kenne feine Paune. ine 
unausftchlihe Laune. Daper das N. D. lunen, fauer fehen; fans 
ſchen, bas Maul bangen Iaffen, und das D. D. Iaunen,- märzifh 
feir. So legt man aud unrigentlih bem Bläde, dem Schidfale 
10 Kaune ober Yaunen bei, und fagt von.einem Menfben ber vies 
lextel Mibermärtigkeiten erlitten hat, in mancherlel fonderkaren, 
verwidelten, unangenehmen Lagen gewefen ik, daß er bie Launen 
des Schickſals erfahren babe, 

2. Die Laune, 3%. —n, im Mühlenbaue, eine Benennung berjenis 
gen Ballen, weiche über den Doden des Mühlengeräfles liegen. 

Saunen, v. ntr. mit haben, launiſch fein, Saunen haben, ben 
Saunen nadhangen. 

Ber kann launen, wern bez Freund 
Wie bie milde Eonne fheint? Oberbeck 

Launenbaft, —er, —eſte, adj. u. adv. Baunen habend, befonders 
üble, veränberlihe Laune habend. „Doch immer blickte ein ſtolzer 
launenhafter Charakter (eine launenhafte Gemüthsart) durch.“ Mei: 
ner, (R) Ein Inunenbafter Einfall. Auch, einer Sans aͤbalich. 
Davon die Launenhaftigkeit. 

Das Launenfpiel, — es, 4. —e. 
tung, Veränderung ber kaunt. Dem Launenſpiele eines Andern 
aufchen. 2) © In ber Tenkunſt ein Splet, oder das Spielen, wos 
bei man fi feiner Laune ober Gemätpsftimmung Überläst und biefe 
durch Toͤne ausbrucht (dad Phantasiren). EG, Man kann ne rine 
tigne Art dieſes Spieles unterſcheiden, wobei ber @pieler eine ger 
wiſſe Laune verfolgt, gleichſam eigenfinnig einen Sag unter allerlei 
Abwechſelungen, und Übergängen ıc. wiederholt und durch mancherlei 
ſich ſelbſt gemachte Schwierigkeiten durchfuͤhrt. Iſt dieſes Launenfpiet 
auf Roten gefeht, fo daß es num ein Tenſtück auch zum Spielen für 
Andere ift, fo iſt es ein Launenſtuͤck (Phantasie, Caprice). Dem 
£aunenfpiele eines Zonkänßters zuhören, Ein Launenſtuͤck fpielen. 

O Das Yaunenfiüd, —es, 2. —e, f. Launenſpiel 2). 

Der Launer, —s, 9%. gl; bie —inn, Bi. —en, eine Perfon, 
welche launet, launiſch if, Stieler. 

OX Die Launerei, 9%. u. ſeltſame, wunberliche Laune, launiſches 
Weſen. Klopfod, 

+ Zauntern,v.ntr.u.intrs. im Baierfchen, yaubern. Fulda. D. Launern. 

Zaınig, er, —fte, adj. u. adv. Eaune, befenbers gute, ſcherzhafte 
Saune (8. 1. Laune) habeud und darin gegründet; zum Unter 
ſchiebe von launiſch, üble, veränderliche Launen abend. „Faunigt 
(taumig) if ein Menſch oter fein Vortrag, wenn er willkuͤhrlich und 
zwr@mäßig die Gemuͤtheſtimmung anzunehmen vermag, Melde man 
Laune nennt; faunifch, wer der Gemäthäftimmung, bie man. Laune 
net, unwillkütelich unterworfen if." Kant. Gin Iauniger 
Gäriftteller (ein Iumoristischer), @in launiger Zufall. „Der 
taunigfte Ten.“ Leffing. Launig ſchreiben. Davon bie Paunigs 
keit, die Befchaffenteit einer Sache, Na fle faunig ifl, von guter 
fGesjhofter Laune zeugt, Die Launigkeit einer Erzählung, eines 
Auffaßes sc. 

Launiſch, —er, —fle, adj. u. adv, übler Laune unterworfen, üble 
unb verinbestide Laune zeigerd. ©. Launig. Harigentiih. Das 
faunifhe Gräl. ©. 1. Eaune 2). 

Denn das Meer ift ber Raum der Hoffnung 
und ber Bufige launiſch Reich. Schiller. (9) 


b 


1) Das Spiel, bie Abwechſe⸗ 


Der Paurer, f. Laueter. 
X Die Saurerei, a. u. das Lauren, in veroͤchtlicher Webeutung. 
S. Pauern. * ah 
Die Yaus, 7* Läufe; Bm. das kLaͤuschen, D. D. —lein, ein Zie⸗ 
fer , mit ſechs Sangfägen, einem pfeiemenfösmigen fteifen Saugrüfe 
ſel in einer zweilloppigen Scheide, fhnurförmigen Fuͤhlhornen, die 
fo lang find als der Bruſtſchlid, und flachem lappigem Hinterleibe 
WPediculus L.). Ban kennt davon an 66 an Geſtalt, Groͤße und 
Farbe verfhiebene Gattungen, melde alle auf lebendigen Thleren 
leben und von ben Thieren auf welchen fie leben, ihre Unterfcheis 
bungsnamen bekommen, ale: Schaffaus, Hähnerlaus, Hundslaus 
1. In engerer Bebeutung verficht man unter Baus birjenige Gat⸗ 
tung, welhe auf ober am bem Alcper bes Menfhen lebet, bie Filz⸗ 
laus, Kleiberlaus und Kopfiaus und unter tiefen wieder vorzüglich 
die Kopftaus (Pedieulus hamanus L.). Läufe haben, bie Laͤuſe 
abkimmen 1. Da fih biefe Ipiere nur bri unreinlichen und nada 
Iäffigen Menſchen finden, fo iſt es etwas Schimpfliges Läufe zu has 
ben und macht veraͤchtlich, babre man dieſe Thiete in anfiämbiger 
Geſellſchaft auch nicht gern nennt, und fh nur, menn man mit Bew 
achtung fprehen will, verfäirbener daher au erklaͤrender untigent ⸗ 
licher Rebenaarten bebient. X Die Laͤuſe freſſen ihn, ed wimmelt bei 
ihm von Laͤuſen. X Er würde eine Laus fhinden, um des Balges 
willen, fagt man von einem hödhfifilgigen Menſchen; Xer prangt wie 
eine Laus auf einem Sammtkragen, von eintm armen Menſchen, 
ber- fi in fremden Kieibern brüftet. X Er fiat fo ſicher, wie eine 
Laus zwiſchen zwei Nägeln, ex ift in ber größten drodendſten Gefahr. 
X Sicqh eine Laus in den Pelz fegen, fi einen befhmerlichen Menſchen 
oder eine befhwerfihe Sache auf ben Dals laden. Wen einem, ber 
leicht unwillig und hitfg wird, fagt man auch in der leichten Schreib⸗ 

art, ihm Taufe die Yaus Äber bie keber. 

Da kam bie Laus und uͤberlief 

Die Luna’ und Leber ihm. Gleubiußs, 

Wie fehr dem Achilles Über bie Lehre 

Die Laus gelaufen. — KL Ehmibt. 
Bon ber Äbnlichkelt mit ben Läufen werden aud aubere Birfer 
Lhafr genannt, welche übrigens zu ganz andern Geſchtechtern gehd« 
zen, z. B. die Blattlaus. ©. d. Die fliegende Laus ober Pferdes 
faus (Hippoposen equina L.) ©, Pferdelaus. Uneigentlih wird 
aud eine gefäumte Porzelanfhnede, deren Schale gerändelt iſt und 
auf dem Rüden Querfurchen hat, Laus genannt (Cyprea pedieu- 
lneL,}. Auch werben die feinen Anöthen, welche auf ber zu fett ges 
fdmetzten Wolle entftehen, Läufe genannt. Das Veraͤchtliche, welches 
biefem Thiere und beffen Namen anficht, klebt auch ven damit zu⸗ 
fammengefsgten Wörtern an, unter weldien pbbelhafte von ber Art 
wie Päufepeter ıc. ein Menſch, ber viel Laͤuſe hat, Feine eigene Ans 
führung verdienen. Auch vermeibet man fiein ber anfländigen Sprech⸗ 
art, und ber edlen Screibart find fie gan; fremd. 

Der Lausbaum, f. Länfebaum, 

+ Die Yauäbeere, 4. —n, bie Stadelberre, 

X Die Lauſche, 99. v. dee Buftand, da man auf etwas lauſchet ober 
lauert; die kauer. Auf ber Yaufche fichen, fißen, d. h. fleben, fisen und 
auf etwas laufchtn. Auf bie Lauſche geben. Die Laufche haben, 
bei manden Kartenſpielern, das Recht haben, zu warten bis bie 
übrigen Spleler fih erktaͤrt oter ihr Spiel geworfen haben und 
dann erft von feinen Kartın Sebrauch zu machen. Im gemeinen 
Beben mander Wegenben #. ®. in Thüringen, bie Luſche. 

Saufen, vl) intrs. 2) Horhen, genau und aufmerffam auf etwas 
$iren. 

Dem hoben Eiche 

Lauſchten die Becher bewundernd. Kofegarten, (R.) 
2) Beimtih und verftedt auf etwas warten, es zu erbliden, zu er⸗ 
bafden ſuchen. 

Dort hätte fie gelaufcht, hier Hätt' ih lauſchen wollen. Gellert. 


Lauſch 


Da lauſchen furchtſame Rimpfen, 

Nur Halb durchs junge Gefteäuche bebeckt. u z. 
In derſelben Bedeutung aber im Äblen Berſtande, wenn eine boͤſe 
Abſiht dabei Statt findet, wird lauern gebraucht. ©. auch Belaus 
ſchen. 5) Im ungewöhntiger Bedeutung gebrauchte Weinße eins 
herlauſchen für heimlich einherſchleichen, herbeiſchlelchen. „Ginzeln 
ſtud wie durch verfhiebene Thore einhergelauſcht.“ Im ben beiden 
erſten Bedeutungen ſagt man in den gemeinen Sprecharten, O. D. 
faufkern, lunſchen, in Baiten loſen, luſen, in ber Schwetz loßen, 
im N. D. luſtern, im Hanndoerfhen gluſtern. II) Xntr. mit 
haben, in sinem ruhenden unthätigen Zuſtanbe fih befinden und 
Yard ſchlummern. Im Bette lauſchen, im Bette liegen und halb 
fchiammern; in manden Gegenden auch lunſchen, lungen. 
mMir fhrint kan Großer glei, 

Dienn id entzödt in deinen Armen lauſche. Bageborn, 

D. Haufen. D. —ung in dem jufammengefsgten Belauſchung x. 

Der Kaufber, —, 9. 91; die —inn, Di. —en, eine Perfon, wilde 
lauſcht. Bean ein Lauſcher mich erfpäpte? 

Bol von Feinden ift bir Welt. Schiller (R.) 

Das Lauſchgarn, —es, Sy. —e, kei ben Joͤgern, feine Garne, wel ⸗ 
che As ads und Morgens vor bie Hoͤlzer geſtelt werben, um Haſen 
und Fachſe damit zu belauſchen, b. h. fie unverfehens darin zu fans 
gen; auch das Lauſchnetz Lucknetz. 

Das Lauſchaetz, —es, 4. —e, ſ. Lauſchgarn. 

O Der Lauſchplatz, —s, ip. —plaͤte, ein Platz, auf welchem 
man auf etwas lauft. ' 
So wie ein Schnapphahn nichts exjrat, 
Der feinen Lauſchplat ruchtbar macht. Soltau. 

Der Läufebaum, Lausbaum, — s, 34. —baͤume, ein Name vers 
ſchiebener Gewaͤchſe, welche ein Mittel wider bie Läufe an Menfhen 
und Zheren fein follen. 1) Der Elfeberre (Rhamnus frangula L.), 
deren Holz auch Liufeholz heizt. a) Der Heckenkirſche ober Zaun: 
ttelte (Lonicera zylosteum L.). 

Das Laufegeld, —ıd, ip. u. ein geringes, unbebeutendes Belb; 
veräätlih, auch ein Lumpengeld. Auch wol fhlechtes Geld, Geld 
von fehe giringem Werth, 

X Das Laufegold, —eb, 0. M. Taufiges Gold, weniges und ſchlech⸗ 
tes Bold, in veraͤchtlicher Bebeutung. 

Da giedt’s nur Silbererz und Kobolbkuchen 
und etwas Laufegold. Elaubius. 

Das Laͤuſegras, —es, DR. u. ein Rame des Anöteriht. ©. b- 

Das Laͤuſeholz, —es, 0. 94. f. Laͤuſebaum 1). 

Der Linfelamm, —es, By, —kaͤmme, ein Kamm mit engen Bf: 
nen, die Liufe damit vom Kopfe zu fimmen. 

Das kaͤuſekaͤſerchen, —$, 4 gl. eine Art Alrinkäfer (Darmestes 
pedicularius), Remnid. 

Der Laͤuſekbnig, —es, My. —t, ein Name bes BWügerfkorpiones. 

*"@.b. Er teißt auch noch Skorpionfpinne, Zangenträger. 

Das Läufelorn, —es, 9. — koͤrner, ein Rame ı) der diſchkorner 
(Menispermum eocculus L.). S. d. =) ber flinfenden Schwert: 
Lilie (Iris foetidissima L), S. b, 

Die kLaͤuſekrankheit, Di. u. eine Krankpeit, bei welcher fih durch 
bie verdorbenen Düfte sine Menge Biafe erieugen z und welde ge: 
mwöhntih. aus großer Unreinlichkeit entfpringt (Phtliriasis, Pedi- 
eulatio)s auch die Fäufefucht. 

Das Läufekraut, Lauskraut, —es, 9. —räuter, eine Benen: 

— aurg verihiebener Kraͤuter welche gute Mittel gegen bie Läufe am 
Menſchen fein fulen, viedeibt auh bei mandhen, weil ber Same 
einige Zontigkeit mit Liufen hat. Diefen Rımen führen 1) Eine 
Gattang Pflanzen, bern meifte Arten in Buropa in falten Liakern 
ober auf baten Bergen wadfen; die meifen haben einen nnangenehr 
men ekethaften Geruch; einige tragen Sahne Blumen. Das Bieh 
fon auf Feldern, wo biefe Pflanzen wachlen, Läufe defommen; bas 


51 


Lausf 


ber ber Rame (Pedienlaris L,), 2) Eine zum Geflecht bes Rit: 
terfpornes gehoͤrende Pflanze im füblihen Curopa, beren Blätter 
ben Wteinblätteen aͤhnlich ind, und beren Same; ber Laͤuſeſame, 
ein Mittel wider bie Laͤuſe und innerlich gebraucht ein heftiges 
gefaͤhrliches Reinigungsmittel. it (Delphininm staphisngria L.). 
5) Die Waldneſſel, große Stinkneſſel (Stachys silvatica L). 
4) Der gemeine Hahnenkamm iRhinantkus erista galli L.). 
5) Der Siellerhald (Daphne mezereum) und ber immergrüne 
Kellerhals (Daphue laureola L.), 6) Eine Art Ricfeourz mit 
ganzen Biättern und gränen Bitumen (Helleborus foetidas L.). 
7) Der Poft, Kienpoft, oder wilder Rosmarin ıc. (Ledum pa, 
lustre L.). 8) Das Zangelmoos oder Mubellolbenmoos (Lyco- 
podium selago L.). S. b. ü 

+ Der Läufemörder, f. Yäufefome 2). 

X Laufen, vw. I) tra, bie Läufe ſuchen und abnehmen, von *iafen reis 
nigen. X Einem bie Kolbe laufen, ober auch nur, einen Laufen, 
uneigentfih, ihn beim Kopfe nehmen, ihn zühtigen. Noch unels 
gentiiher gebraudt es einmahl Gotter in einem ſcherzhaften Ber 
bite mit Endreimen für, einen beim Kopfe nehmen b. b: fortnehmen : - 

Unb baf, wenn endlich fpät die allgemeine Pauſe 

Ehe ihm beginnt, Freund Hain ibm fanft die Kolbe Faufe. 
Narren muß man mit Kolben laufen. ©. Kolben. Nah einem 
„eben fo niebrigen Bilde fagt man, einem ben Beutel laufen, ober 
auch nur, einen laufen, ihm fein’ Belb abnehmen, 3. B. im Spiele. 
1) ntr, mit haben. 1) Läufe befommen, &. Perlaufen, Da 


i gewöhntih nur unreinlihe, niedrige und Lieberlihe Menfhen diefes 


Ungezisfer in Deenge bekommen, fo gebraucht man umelgentlih 
und Höhfverähtlih laufen aud für, ſolchen Menfhen ähnlich fein, 
und in weitener Bebeutung, aledertraͤchtig, hoͤchſtſitzig ſeln. 2) Rach 
Ab. und Fulba bedeutet lauſen auch, fehlerhaft langſam fein, zau⸗ 
bern, welche Bedeutung fid baven hernehmen ließe, daß faule Den: 
(den arm und vom Eäufen geferffen zu werben pflegen, D. Laufen. 

Die Laufepflibt, By. —en, auf den Ehiffen, ber Plad vor ber 
Bad auf dem Röfterwerke. Möding. ©. Pflicht. 

Das Läufepulver, —6, 3. gl. ein Pulver, weiches zug Töbtung 
bee Bäufe auf ben Kopf geſtreuet wird. S. Laͤuſeſame. 

X Der kaufer, —&, 4. gi.; die —inn, m. —en. 1) Eine 
Perſon, melde eine andere Taufet, fie von Linfen reiniget, ° =) Ein 
nıchriger Menſch, karger Filz. ©. Laufen If), 5) Ein Zauberer. 

- &, Lauſen II). — 

Die kaͤuſeſalbe, My. —n, eine Salbe wider die Liufe, ©. Laͤuſeſame. 

Der Liufefame, —us, 9. u. ber Same verfhichener Pflanzen, wels 
Her als ein Eräftiges Mittel wider bie Läufe gebraucht wird, 1) 
Des Shufefeautes, ©. Laͤuſekraut 0). =) Ciner im Merlko eins 
heimifhen Ast bes Mieskrautes, mit Ahrenfoͤrmigen einfachen Blu⸗ 
mentrauben, beren geftielte ſchwankende Blumen an ber einen Seite 
berabftepen (Veratrum sabadilla L.). 

Die Läufefchicht, My. — en, eine Benennung fehr unreiner Stein⸗ 
tchlen. Remuid. 

Die Laͤuſeſucht, 0. 9. fo viel als Aäufekrankheit (Phihiriasis). 
Unter den Angentränfheiten iſt die Laͤuſeſucht der Augenbraunen 
Phthiriasis superciliorum) diejenige Krankhelt, wenn die Filytänfe 
in ben Augenbraunen und an ben Mänbern ber Augenlieder ihren 
ih nehmen, Beer. Unter ben Krankheiten ber Dflanzen if bie 
Laͤuſeſucht die jtaige Krankdeit, wo bie ganze Pflanze mit Ungeziefee 
bedectt iſt, die ihr alle Säfte ausfangen, die Ausbünftung berielben 
und die weitere Satwideleng ber Theile verhindern (Phthirlasis), 

X Der Laufewenzel, —s, Si von mehreren Arten gl., bie ver⸗ 
aͤchtlicht Binennung der fhlehteften Sorte Stangentabat aus intäns 
diſchen Blaͤttera; auch Kneller. 

* Der Lausſiſch, —es, Di. —e, ein Rame ber Aloſe. 

Die Lausfliege, By, —n, die Benennung eines Ziefergeſchlechtes, 
welches zucifluͤgelig I und beſenders Pferde gleich ben Läufen fehe 


Lauſi 
* 
plagt, daher fe fliegende Pferbelaus genannt wird (Hippobosca 

.L) S. Pferdtlaus. 

x Lauſig, —er, —ſte, adj. m. adv. Läufe habend, viele Läufe har 
; bend. Da dies bei gemeinen, unreinen und lieberlihen Perfonen 
‚ber Fall zu fein pflegt, fo nennt man in ber nichrigen Sprechart 
‚einen in hohem Grabe niedrigen, verädtiiben Menſchen einen laus 

figen Menſchen oder Kerl, einen Laufekerl. Eid; laufig machen, 
ſich wie ein folder nichriger Menſch betragen, befonders unverihämt 
und wiberfpänftig fein. In weiterer Bebeutung, auf eine niedrige 
und verädhtiihe Art karg, filzig. Bon Sachen gebraudt, bedeutet 

„laufig, auch nur in ber niedrigen Sprechart und überhaupt, hödits 
gering, aumfelig, ſchlecht und veraͤchtlich. Gin laufiges Geſchenk. 
Ein lauſiges Ding, ein Enufeding. Gin lanfiges Geld, gewoͤhn⸗ 
licher Laufegeib, Lumpengeld. Nah einem andern Bilbe wird 
laufig nah X. and für träge, zauberhaft, ebenfalls veräätlid 
und in der niedrigen Sprechart gebraudt. S. Laufen IT). 

O Der Laufinn, —6, 0. 4. lauter Sinn ober laue Gefinnung, 
laues Gefühl, z. B. in ber Kreundfchaft, Liebe ıc,, aus welchem, 
wenn fi die theilnehmende Gefinnung ganz verliert, Kaltſinn wird, 
„Wöäpteft du, wie bein Laufinn mid fhmerjt.“ Ungen. 

O %aufinnig, adj. a. adv, Eaufinn habend und zeigend. S. Lauſinn. 

Laut, —r, —efle, adj. u. adv, dem Gehör vernehmlich. Laut 
ſprechen, fo daß es Andere hoͤren Finnen. Laut beten; in @rgenfag 
des flillen Betens ober bes Betens im Herzen. in lauter Gaufe 
zer, ein hoͤrbarer. „Ihr Unwille über dies alles warb laute Klage.* 
Meißner. (K.). Laute Dunteskeit, (K.) Freude, Unmille, bie, 
der in laute Töne ausbeiht, Wei ben Jaägern heißt, bie Hunde 
geben laut, fie geben laut aus, find laut, werden Inut, fie 
ſchlagen on. ben fo, ber Jaͤger giebt laut, d. h. er ruft, ſchrelet 
aus, föpt in bas Horn; bie Treiber werben laut, fie freien; es 
ift heute laut, wenn Froſt ohne Schnee eingefallen und bie Luft zus 
dig It, fo bag man ſowel bas Wild als aud ben Jaͤger bei dem 
geringfien Geräufh, welches fie machen, meit hören kann, Der 
Schuee if laut, wenn er bei ſtarkem Brofte niert. Im O. D. 
fagt man au laut geben uneigentlich, für aut fagen, äffentlich 
reiten. „Sie gaben laut wiber biefe Mißbrduchee Ungen. (®.). 
Seine Empfindungen, Mänfde, Bermutdungen ır. laut werben 
laffen, fie in Worten ausbruden. Im weiterer uneigentliger Be: 
deutung heist laut werben auch, fein Dafein auf merkliche Art 
zu erkennen geben. „Mein Heimweh twarb dadurch wieber fehe laut.“ 
Rofegarten, In engerer Bebeutung, ſehr laut, fo daß es weit 
und ſtark ins Sehbr faͤlt. Mit fauter Stimme etwas ausrufm. 
Ein lautes Gefhrei erheben. Ein lautes Getämmel erregen. Laut 
freien. Laut auf fhreien, einen lauten Schrei ausflofen. Yaut 
auf Inden. — — vweinete fie lautauf. — — Bo. 
Es wurde bie GSeſtlſchaft zulegt ſehr laut. Uneigentlich wird laut 
häufig für öffentlich, offenbar, bekannt gebraucht. Man darf nicht 
laut bavon ſprechen, oiſſentlich. Man hat etwas bavon laut werben 
laffen, Hat davon gelprochen, hat es befannt werden laſſen. Die 
Bade, bie Begebengeit wird laut, wird befannt. S. Verlauten. 
Ejemahls wurbe laut auch für derühmt gebraucht. 

Der Kant, — es, 34. —e, bat allgemeinfte Wort, Alles, was durch 
bas Gihöe empfunden ober vernommen wirb, zu bezeichnen, es ſei 


von welcher Art es wille, indem bie verfhlebenen Arten deg Lautes 


burh Schall, Klang, Zon ıc. genauer bezeichnet werben, Ace 
war tiefe Stille, man vernahm keinen Yaut, weiber Säufeln ber 


Luft in den Blättern, noch Rauſchen bes Woffers, weder bat Sum- 


mın ber Bienen, noch den Eon ber Rahtigall, no eines Menfchen 
Ctimme, - Reinen Yaut von fih geben, Feinen Laut von fi Kören 
Ioffen, tie Stille auch nit auf vie geringte Art unterbrechen. Er 
if kumm wie ein Fiſch, men bört krinen Yaut yon ibm. Bumeilen 
wird aud das Verkleinungswort das Lautchen gebraudt: 

Rur ein Lautchen füge mis. — Baggefen. 


52 


1. Die Laute, My. —n, 


Laut 


In engeree Bebeutung nennt man Laute bie verſchiedenen durch bie 
Sprachmerkjeuge bervorgebraditen und tem Ohre vernehmlichen 
Schwingungen ber Luft, bush deren mannichfaltige Verbindung zu⸗ 
fammenpangende und verfländlihe Töne oder bie Sprahe entſtehen, 
und deren fihtbare Zeichen Lauter obere Buchladen genannt werben. 
Ein einfager Laut, ein folder, welcher nicht zuſammengefeht ift, 
bei welden die Art und Menge ber Schwingungen biefelbe bleibt, 
4: B. ben man mit bem Zelchen a ausbeudt; ein Selbſtlaut. Ein 
Doppellaut, 3.8, ei, äu, Gin langer Laut, ein langer ober ger 
dehnter Selbſtlaut; zum linterfhiche von einem kurzen ober gefehärfs 
ten. Zuweilen ſteht Laut auch für Ton, wenn bie Tiger fagen, 
daß das Horn einen guten Laut habe. _Umeigentli bezeichnet Laut 
auch ben Inhalt einer Mebe ober Schrift, mo es gewöhntih ohne 
Deutswort gebrandt wird. Bricfe Eines Lautes, beffeiben Jahalts. 
Laut ber Ausſage verhält es fi fo, mach dem Inhalte brefelbden. 
Laut der Lniglihen Verordnung, berfelden gemäß ober zu Folge. 
Laut des erhaltenen Befehls. „Laut meines Eangelil.» Abm. ⸗2, 
16. Im O. D. fügt man es auch mit dem dritten Falle, mo man 
es ols eim Wort gleihes-Mefens mit gemäß ober zu Folge nimmt. 
Laut ihren Rechten und Freiheiten. 


Lautbär, —er, —ſte, adj. u. adv. 2) Dem Gehbre vernehmlich. 


Lapt eure Stimme lautbar fein. Opiz. 

») kauf, Ginigen ober Mehreren bekannt, vom geringfien Grabe 
bes dffentlihen Bekanntſeins, beffen hoͤhern und hoͤchſten Grab ruchts 
bar und kundbar bezeichnet, „In den Urgründen der heiligen - 
Spracht etymologifieen (nah Grund und Mrfprung forfhen), war 
in diefem Yale nihts, als Sinnbilder fautbar maden, die Schrift 
fürs Auge durch die Wahrheit der Sprache geigen® it. Berber. 
Daven, bie Lautbarkeit. 

1) Ein befaitetes Tonmwerkjeug, welches 
mit den Fingern gefpielt wirb und fih burd feinen längtiden bau⸗ 
digen Körper, ber auf ber obern Fläche eben ift, und durch feinem 
langen Hals von anbern ähnliden Zonwerfjeugen unterfseitet. Die 
Laute fpielen ober ſchlagen. Davon, bie Pautenfaiten, Saiten, 
womit die Laute bezogen wirb; der Lautenhatt, Lautenſteg, Laus 
tenwitbel ıc, ber Hals, Steg, Birbel 1, an einer Laute, Sprich⸗ 
wörttih fagt man im gemeinen Erden von einem Menſchen, ber ih 
zu einer Sache Höhft ungeſchickt anſteute: er ſchickt fich dazu wie 
der Eſel zum Lautenſchlagen. =) ®ine Art Feigen ober Feigen⸗ 
ſchnecken, die in ber Weftatt einige Ähnlichkeit mit einer Laute hat, 
afägrau, gelb und ſchoͤn gefprenfelt, oft and glatt, gebäntert und 
gemarmelt ift (Murex eder Bulla ficus L.), 


2, Die Laute, 4. —n, bei den Wollfärbern, eine Lange hölzerne 


Krüde, bie Farde in der Blaukoͤpe oufjurühren. 


3. + Die Laute, 4. n. in der Schifffahrt, mo ein Schiff an ber 


£aute liegt, wenn es an ber Luffeite einer hoben Aüfte liegt, wo 
es vor bem Winde arbeit ift; und wo ein Gegek in ber Laute iſt, 
wenn es durch ein anderes ben Winb verliert. Möbing. 


+ Der Sauteltag, —es, 2. —e, im Dsnabrädfgen, ein Tag, 


aus deſſen Beihaffendeit man bie fünftige Witterung vorausfagt, 
4 B. Mibarbustag. s 


Bauten, v. ntr. mit haben, Taut werben, dem Ohre vernehmlich wers 


den, einen Laut von fi börem Laffen. „Dinge die dba lauten und 
doch nicht Leben, es fei eine Pfeife ober eine Harfe," ı Gor. 14, 7. 
„Die ängftlie Glode lautet.“ Beide, 

Zroden iſt Bunge und Reble; ja kaum mod lautet bie Stimme. Voß. 
In engerer Bedratung auch mit ollerlei Zufigen, welde bie Art, 
und Weife bes Lautes angeben, In ber nähtlihen Stille lautet 
alıs Märter. Das latıtet anders als eines Menfhen Stimme. 


Wohl lautend cher wohllautend, übdel fautend , bl fautend, 


Zuwellen au ala intrs. Saute von fih geben, vernehmen laſſen. 
&o heiſer fiin, dad man nicht lauten kann. „Die Unlen fauteten.“ 
Rofegassen. (R.). Dann für tönen, fingen. 


53 Laut 


Der Lautenſchlaͤger, —s, 2. al. f. Lautener. 

Das Lautenſpiel, —et, 3. u. das Spiel oder Spielen auf der 
Laute, Das Lautenſpiel verſtehen. Dem Yautenfpiele zupleen. 
Bumellen auch bie Laute ſelbſt. Verſtumme, Lautenſpiel! 

Der Lautenſpieler, —, My al. f. Lautener. 


But 


* Mein Saitenfpiel fol lauten für und für, 
D Herr, von bir. Dpiz, * 
Uneigentlih. 1) Bekannt werden, im bem zufammenzefegten ber: 
lauten. 2) Einen gewiffen Anhalt ben Morten nad haben, von 





den Reben eines Andern ober von einer Schrift, bie man anführt 
ober vorliefet. Beine Rebe, frine Worte lauteten anders. Unſere 
Kertemorte lauten alfor eine Antwore lauter trotig.. Dan 
fagt au, bahin lauten, anf etwas lauten, feinem Juhalt 
nad auf etwas geben, bem Inhalte nah zu verfichen geben. „@ben 
dahin lauten aud bie Wort Calvin.“ (R).” „Etliche Miben, bie auff 
ſelche Meinung lauten." (MR). 3) Den Regeln des Wohlſtandes, der 
Sittlichkelt gemäß fein, wofteman auch klingen fagt. Das lautet nicht 
fein. Wie würde das in ihrem Munde lauten? „Was gerecht, was 
teuſch, was Lieblich if, was wohl lautet." PhiL. 4,8. D. Lauten, 
Läuten, v.trs. 1) % Bauten machen, Raute beroorbringen, verurſachen. 

Gin Thier ſchweigt ober ſchreit, ea wiehert oder kraͤht, 

Doch aber, kann es nie ein Wort zuſammenlaͤuten. Opitz 
Brfonbers und in gewoͤhnlicher Bebrutung, Glocken, Schellen ıc. 
lauten maden, d. $. Baute von fi geben maden. Die Bloden 
läuten. Es wird ſchon geläutet. Häufig aud als intrs. Man 
ldutet. Mit allen Stoden lauten. Mit Schellen laͤuten. unel⸗ 
geatlich gebraucht man länten als ein ntr, aud von den Glocken 
feisft und fagt fie (Äuten, d. 6. fie werden geläutet, ober man [Äntet 
fie. Die Feuerglode läutet. Go auch in folgender Gele: „die 
Brüpmeffe laͤutete und bie Strafen fingen an lebendig zu werben,“ 
für, man läutete zur Fruͤhmeſſe, ober man hörte zur Fruͤhmeſſe 
Haten. Ungen. (#.). 

Das Halsband laͤutete mit allen feinen Schellen. Baharis. 

2) Durch Laͤuten zu etwas das Beihen geben, durch Laͤuten anzels 
gen ıc. Feuer (Äuten, durch Bluten ber Feuerglocke ein Feuer ans 
ztigen, flürmen. Aud ale intrs. In bie Kirche ober zur Kirche 
läuten, durch Laͤuten ber GSlocke ober der Slocen das Beiden geben, 
baß ber Hottesbienft anfange. Zum legten Mahle läuten ober aus— 
läuten, zufammenläuten, das lehte Zeichen mit ber Glocke vom 
Anfange bes Botteöbienftes oder einer andern felerlihen Handlung 
geben. Bum Gebet, zu Brabe ze. laͤuten. 
Hört ihr zur Trauer laͤuten, 
&o’wißt ihr's auczudeuten. Bürgen 
Uneigentlih, aud von ber Gloce fıTöft. „As laͤutete bie Abende 
glode bie Welt zur Ruhe.“ I, 9, Riäter (RM) Sprichwoͤrtlich 
fagt man Im gemeinen Leben von einem Menfhen, ber von einer 
Bade etwas obenhin, aber niht genau und gränblih gehört ober 
erfahren hat: er hat hören laͤuten, aber nicht zufammenfchlagen, 
oder, wiſſe aber nit, mo bie Gtoden bangen. D. Yäuten, 
fowel bie Handlung, ba man bie Wleden ziehet und lauten macht, 
und umeigentlih, Heil Mlingende Glaͤſer an einander flöpt, als 
aud ber dadurch hervergebrachte Laut ſelbſt. Das Laͤuten ber 
@loden. 
Frghlich Halte der Pokale Laͤuten. Mattpifion, 
Die Laͤutung, die Hanslung, da man läutet, 
Der Lautener, oder Lautner, —s, Wr. 91. ; die —inn, 3. —en, 
eine Perſon, welche auf der Eaute fpielet, fie mag es zum Wergnds 
gen thun ober ein Sewerbe daraud machen (Lantenist, Lauteni- 
stinn, im fegten Falle); aub ber Pautenfpieler, die —inn, ober ber 
Kautenfchläger, bie —inn. Kehr', Yautner, doch zuräde, 
Sprach fie mit Richesten. Iufti. (R.) 
Der Laͤutener ober Laͤuter, —s, IM. al. der die Glocen Läntet, bes 
fonhers ber mit ben Boden zu etwas das Zeichen giebt. 
Das Bantenfutter, —s, 39. gi. rin Futter ober Behättniß, welches 
grmöhuiih mit Tuch ausgefuttert ift, eine Laute barin zu verwahren, 
X Das Bautenklavier, —s, 94.—r, ein mit Darmfaiten bezogenes 
Mavier, welches einen Sautenton hat. 
Der kautenmacher, — 6, 31. ein Ränfkter, welder Lauten verfertiget. 


Das Lautenſtuͤck, — es, >. —e, ein Tonftü für bie Cute, ober 


auf ber Laute gefpielt. 


Der Lantenton, —ıd, 4. —töne, ber einer Laute elgenthuͤmliche 


Son; bann, ein fanfter angenehmer Zon. , 
Ihre Stimm’ ein Lautenton. Ramler 


Der Bautenzug, —es, 34. — zuͤge, tin Zug an einem befaiteten 


Zonwerkjeuge mit Zaften, -ben Ton ber Laute barauf nachzuahmen. 


Bauter, —er, —flr, adj. u. adr. mit nidts Fremdbartigem, Sqhlech⸗ 


terem vermiſcht. Lauteres Waffer, bas mit nichts Fremdartigem, 

Salt, erbigen Theilen ıc. vermiſcht, ſondern heit und Mar iſt. Eben fo 
lauterer Bein, Lauterer Honig, wie er and den Schelben ſelbſt auss 
gelaufen ift, unverfälfcht, unvermicht. Lauteres Gold, unverfälfch- 
tes, reines. Da flüffige und buchfiätige Körper durch beigemlſchte 
erbige unb andere fefte Theile ihre Durchfichtigkeit. mehr ober ments 
. ger verlieren, unb lauter nur basjenige ift, was von allem Fremb⸗ 
artigen befreit ift, fo bedeutet lauter zugleih volllommen durchſich⸗ 
tig und helle. Lauterer Wein, ber vbllig Max, nit trübe if. So heißt 
in den Rheiniſchen Weinländern Iauterer Wein, abgesogener Wein 
ohne Hefen, im R.D. klinkſchoͤn. Den lautern Stall oder bas lau⸗ 
tere Gtallen ber Pferde nennt man basjenige Gtallen oder Laſſen 
bes Waſſers berfelben, wenn das Waller fo wie es von ihnen 
geteunten worden ift, durch den Harngang wirber abgehet. Üben 
fo fagt man, das Pferd flalet lauter. ©, Lauterſtall. Ein lauteres 
Slas, ein lauterer Spiegel, ohne Flecken, Wiafen, trübe Stellen ic, 
Der Himmel, bie Luft if lauter, nit allein wenn fie von Duͤnſten 
befzeiet, fonbern and, was bie Folge davon if, wenn fir hell und 
durchſichtig if. Umeigentlih, was von allem ſchlechtern Zuſatze, vom 
alem Falſchen ıc, befreiet ift. Die reine und Jautere Wahrheit, bie 
nicht das geringfte Falſche enthält. „Die Sebe des Herrn iſt lauter, 
wie dusdläutert Silber.“ Pf. 22,7. Lautere Gefinnungen, Abfid: 
ten, bie nichts Falſches, Wöfes, Sigennägiges enthalten, betreffen, vol⸗ 
Ug unſchulbig find, Auf baß ihr feib lauter und unanftößig.* 
Phil. ı, ı0. : 

Selb unſchuldedoll umb lauter wie ein komm. Efhenburg. 
Cine lautere Liebe, bie von aller Falſchheit, von aller Kürftelei, von 
allem Gigennuge frei it, Die lauter Natur, bie nihts Falſches, 
Gefänfteltes angenommen hat. „Ein holder Knabe, ex ift bie lau⸗ 
tere Ratur.“ Engel. Die fautere, zeine Lehre, die unverfälfähte, 
In engerer Bedeutung find in der Blaubenslehre lautere Echren fols 
de, welche allein aus ber näheren Offenbarung begeeiflih und ermelös 
ih find. Der lautere Sinn einer Rebe, ber beutlihe, ber durch 
nichts Unverftinbiihes, Raͤthſelhaftes, Dunkies aeftdrt wird, Da 
das Lautere nichts Frembartiges enthalten barf, fo wird lauter der 
fonbers im gemeinen Leben gebraudt; etwas zu bezeichnen, was 
durchaus, gleidfam durch und burdh daſſelbe if, was dasjenige nanz 
und völlig ift, als bas dabel ſtehende Grundwort angiebt. Es find 
lauter Unmahrheiten mas er ſpricht, es ift Miles darchaus unmahr 
wos ex ſpricht, er ſpricht wihts alg Unmwahrheiten, Lauter ummäges 
Geſchwaͤh. Lauter Maͤhrchen erzählen, Lauter Poffen machen. Es 
iſt nichte als lauter Betrug. Lauter funge beute. Lauter klelnes 
unbrauchbares Zeug. Sie iſt lauter Leben, fir iſt voll Leben, Leb⸗ 
haftigkrit, Alles lebt an ihr. Er war lauter Liebe und Zaͤrtlichteit. 

Wie wurden alle lauter Sieg, Bleim; 
b. 5. wir wurden durchaus alle Sieger, wir, thaten nichts als fiegen. 
e Wir waren alle lauter Tod, @leim: 
b. 5. wir waren gleichfam nichta als Tod für bie Feinde, wir brachten ih⸗ 
nen nurben Ted, Im D.D. fagt man aud: + lauter zu beinem Beſten, 
nur ober Alles zu deinem Welten, 


Laut 


Der Lauter, —s, u. al. das fisthare Zeichen, das Sqhriftzeichen 
einta Lautes, ein Buchſtabe. Ein einfaher Lauter, a, b ir. ein dop⸗ 
peiter Lauter, Doppellauter, 4. 8. ai, du, d, b. 

Der Läuterer, —s, 99. gi, ber etwas Iäntert, lauter macht ; beſon⸗ 
ders in uneigentlicher Bedeutung. „Der Lluterer unferes Nckgion“ 
(Reformator). Woß. 

O Das tiuterfeuer, —s, Di. gl. ein Feuer, woburd etwas geläus 
tert. gereiniget wird. — etwa wie ein Silber, bas vom Läuters 
feuer lange berumgerriehen worden, endlich farbig ſchoͤn vor ben Aus 
gen bes Arbeitens urfheint. Bäche, 

Der Laͤuterhobel, —s, 94. sl. in den Binnhätten, die Benennung 
jweier unter einander geſtellter Shlemmngräben, buch melde der im, 
@iifen aufgehobene Zwitter gelaſſen wird, um ihn dadurch zu 
xeinigen. 

Der Laͤuterkaſten, —s, WE. al. in ben Alaun« und Bitriolhätten, 
ein böfzerner Kaſten oder Eumpf, in melden man bie gefottene Lauge 
Lift, tamit ber Schmand darin nieberfalle und bie Lange fi laͤutere. 

Die Lauterkeit, o. 3%. die Eigenſchaft, der Zuſtand einer Sache, ba 

"fie lauter iſt; eigentlih und umeigentlih. Die Lauterkeit des Mafı 
fers, Weines, Bolbes. Die Kauterkeit ber Sefinnungen, Abſichten. 

Die Lauterkiit dee Liebe ır. 

Weil der Unſchuld oft eim Zeuge 
Ihrer Lauterkeit gebrigt, Hagedorn. 

Der Laͤuterkeſſel, —s, 8. gl. inden Schmwefelhätten, eine laͤnglichrunde 
eiftene und im ben LÄuterofen eingemauerte Pfanne, ben Schwefel 
darin zu laͤutern; die Laͤuterpfanne. 

Die Laͤuterkiſte, 4. —n, in den Pochwerken, ein laͤngliches vier: 
ediges Bretten an einem Stiele, bie bereits auf bem Herde gewas 
fhenen Orze din und her zu ziehen, um fie dadurch vollends zu laͤu⸗ 
tern ober zu reinigen. 

%* Bauterlich, adj u. adr. lauter, rein, unverfaͤſcht, ohne Nebenabſich⸗ 
ten ic. Michte ihr Ange lauterlih auf bi unb beine Wahrheit.“ 
Meſer. 

kutern, v. trs. lauter machen, von allem Fremdartigen, Schlehteren 
befeeien, Unseines Waſſer ıc. läutern, indem man es durchſeihet ıc. 
Den Iudre ldutern, ben gekochten Buder von allem Fremdartigen 
und Unreinen burh einen Zuſatz don Kalk ıc. befreien.” Den Bals 
peter, Schwefel fäutern, ihn völlig reinigen. Die Zwitter laͤutern, 
im Bergbaue, fie ber den äuterofen geben laſſen. Brantwein laͤu⸗ 
tern, ibn vom mwäfrigen Thellen befreien, ihn nachmahls abziehen, 
Butter läutern, fie burh Schmelzen und Abgithen reinigen. Honig 
laͤutern. Die Metalle durch das Feuer laͤutern. Geldutertes Golb, 
Biber. Gelaͤutertes Mehl, feines Mehl. 

— beſprengt mit geläutertem Mehle. Voß. 
Bei den Rbrfhnern beißt bie Fee laͤutern, das Fett aus benfelben 
vermittelft heißen Waflers ıc. wegſchaſfen. Bei ben Weißgerbern 
werden die Häute geliutert, wenn ber Half durch wiederboltes Spuüͤ⸗ 
ten und Waſchen aus benfelben gefchafft wir. In weiterer Beben 
tung heist laͤutern, durchſichtig, licht; hell machen. 

Die gruͤnet Berg und hal, bir laͤutert ſich bie Luft, DOpip 
Im Forſtweſen wird ein Walb geläutert, wenn man Bäume in dem⸗ 
felten aushauet, To daß er dichter wird; wofür man auch lichten 
fagt. Die Hutmaher laͤutern den Zeug, wenn fie ihn mit dem Fach⸗ 
bogen ganz aus einander treiten und leder machen. Uneigentlid, 
von allem Sdlechten, Ballen ıc. befreien, Einen &as, eine Lehre 
läutern, das Unmahre von bem MWahreh barin trennen umb bas 
Wahre davon bazflelen. Geine Lirbe muß erſt gefäutert werben, 
muf von ſinnlichen Trieben, von Figennun und was fon bamit noch 
verbunden if, befreiet unb bahurıh erböbet und veredelt werben. 

— und fÄutert durch Behr’ und Mufler bie Sitten. Bof. 
Belonders, bush Befreiung vom Unmwahrer, Irrigen, Falſchen, burch 
Mnifernung bed Drnkeln und Unverfänbliden deutlich, verftändlich 
maden. Die Begriff, Einfihten laͤutern. S. Erläutern. In den 


5 


4 Lav 


Rechten wird laͤutern noch im anberm inne gebraucht. Fine Par 
tei laͤutert, heißt daſelsſt, fie verlangt vom dem Richter eine Trflds 
zung ober Milderumg bes von ihm gegebenen dunkel ober unbilig 
fheinenben Urthelles ober Beſchtides. Daher, bie laͤuternde Partei 
(Leuterant) zum ünterfhiebe von ber entgegengefegren eder mit ihr 
in Streit begeiffenen (Leuterst), D. Zäutern. D. —ung. 

Der Länterofen, —s, By. —öfen, in den Schwefelhutten, ein eigens 
eingerichteter langer, in einem Webäube angelegter Dfen, ben Schwe⸗ 
fel darin zu läutern ober zu reinigen (Destillirofen), 

Die Läuterpfanne, Bi. —n, f. Laͤuterkeſſel. 

+ Derlauterftall, — es, 0. My. eine Krantyrit der Pferte, ba fie bas 
geizunizae Woffer durch ben Harngang fo Tanter und hell wieder von 
ſich geben, ald fie es getrunken haben; bee Inutere Stall, die Ealte 
Pilfe, die Strahlpiſſe. 

* Das Laͤutertuch, —es, 2. —tuͤcher, eim feines Zu, etwas bar 
durch zu ldutern ober zu Hören. Eriid. 

Die Läuterungspfanne, Big —n, in ben Zuckerſtedereien, fo viel 
ald Klaͤrkeſſei. ©. >. 

* Lauthallig, adj. u, adv. einen lauten Hell von fi gebend, Laut 
hallead. Wörterbud von 1482. M. 

O Lauthalſig, adj. m, ady. einen lauten Hals habend, d. h. laut 
ſchreiend, laut. 

— bir Spaß hinket daher, gaukelnder Deppelfinn, 
unb lauthalſig Gelach. Boß. 

* Lautig, ad), u. adv. einen Laut habend, von ſich gebend; in Zu⸗ 
ſammenſegungen. Hochlautig, einen hohen, ſtarken Laut von ſich 
grbend, Schat Riederd. Sprachen. R. Hohllautig, hehl 
lautend. Seine Stimme iſt feit einiger Zeit fo hohllautig gewerden. 
Es kann auch bebeuten, aus Bauten beflebend, kaute enthaltend, 

O Bautloß, adj. u. adv. ohne Laut, Feinen Laut von ſich gebend, ent 
weber weil man nicht kann ober nicht will. 

— und lautlos ſaßen fie ge. Bof.. 
34 blieb nun flarr und lautlos vor ihm ſtehen. Collin. 
Dann aud, feinen kaut bervorbringenb, hervorlodend, 
Mein Griff 
SIeitet mie lautlos hreab. Denis. 
Davon die Lautlofigkeit, ber Buftand, ba eine Perſen oder Sache 
lautlos if. 

Lauwarm, adj.u.adv. fo viel als lau in feinereigentlichen Bedeutung. 

Die Lauwine, By.—n, in ben Alpıngegenben, gine von den Bergen 
berabftürgende Schneemaffe, die anfangs Mein if, im HGetabrellen 
ſich aber fo vergrößert, daß fie alles auf ihrem Wege mit fi forte 

„weißt ober zerfhmettert, und ganze Dörfer und Thaler verſchöttet; 
eine Schnee: oder Berglaumine, A cin Schneegeſtuͤrze, Schnee⸗ 
ſturz, Schnergewälge. Im gemeinen Beben Het man dafuͤr gemähns 
lich Lawine, und verberbt Lauine, Laͤne, (S. Lanen), Ylioimeic, an 
manden Orten auch Schneefhlüpfen, Eine Windlauwine heißt fie, 
wenn fie ven einem Winde derurſacht wird, oder wie ein Wind da— 
her faͤhrt, eine Staublawine, weil fie Alles mit einem Schneebſtaube 
bepedt, eine Schlag⸗ oder Grundlauwine, wenn fie Alles anf ihr 
zem Wege zu Boden ſchlaͤgt ober aus dem Grunde reift. Wächter 
hat in ten Sagen der Borzeit für Lawine das beutfher Mine 
gende Schnerlauer gebraudt, und vermuthlich in ber altbeutichen 
Spracht gefunden: „Wann bat man einen zolenten Schneelauer 
im tur; aufgebolten?« Schneelauer und Schneelauwine find eis 
gentlich auch Überfühte Wörter, 

x Der Lavendel, —s, DH. u. ein Pflanzengeſchlecht mit nadtın Sa⸗ 
men, beflen Kennaeiden ein baudiser, undentlich gesahuter, geiteeiftee 
und don einem Hedtlaͤttchen unterfügter Kelch, eine radenförmige 
und gurädgebogene Keine unb Burze innerhalb ber Röhre firbende 
Gtaubgefäße find (Lavandula L.). Der gemeine Larendel ober bie 
Spike bat blaue Ädsenförmige und moblciterbe Biüten und lange 
welßlicht, tbenfalla wohlriehende Wiätter (Lavandula spica L.). 


4 


—n— — 


gu 


55. 


Leb 





Man bereitet baraus ein wohlriechendes Waſſer, Lavendelwaſſer, 
wie audy wohlriehendes Dr, Lavendeloͤl, und einen Weit Lavendel: 


geift, beren man fi wider Ohnmachten, Schwindel, Lihmung und + 


andere Ähnliche Zufaͤlle dedient. Wilder Lavendel, f. Lavenbelaras. 

Das Lavendelgras, —es, Siz. u. eine Art Ruchgras mit gelben Blus 
men, ein angenehm riechendes autes Futtergrad, welches im Frühe 
Unge blübet (Anthoxantıum odoratum L,); aud wilder Lavendel, 
wahres gelbes Ruchgras, Lornähriges Grad, Mirfengras mit 
gelben Blumen; Krühlingegras, Goldgras, Adergras, Berg 
gras ı. 

Zavenbelgran, adj. u. adv. bei ben Faͤrbern, eine geanliche garde 
ber Wolle, Seide und Zeuge, welche aus ber Bermiſchuug von Blau, 
Balb unb ein wenig Roth entſtehet. 

Lavenpelgrün, adj.u,.adr. bei den Kärbern, eine geänlihe Farbe ber 
Biole und Zeuge, melde entfichet, wenn die Wollt ober ber Zeug 
exft blaßblau gefächt und dann im eine ganz ſchwache Fatbenbruͤhe 
von Purper gebracht wirb. 

Die Lavendelheide, 99. u. f. Notmarinheibe. 

Die Lazarusflappe, 4. —n, ein Geflecht von Chalthieren, mel: 
ches ein Beehafe ift (Spondylus), Die obere Schale iſt an einem 
Gelenke beweglich und Klappt bei einer Bewegung auf die untere 
Schale, Beide Schalen find ungleih und rauh. 

Be, f. Lee. 
— Le, eine Codſilbe, womit in Schwaben Berfleinungewörter gebifbet 
werben; in andern D. D. Gegenden, befonders in Schleſten, —el. 
O Das Eebehod , 9, Umend, und DW. gl. der Xuseuf er, ober fle 
lebe hoch, welchen man bei verſchiedenen Gelegenheiten hören läßt, 
eine Perſon, welcher er gilt, dabtirch zu ehren, ober ihr fein Mehl 


wollen und feine guten Buͤnſche zu beztigen (Virat). Rübiger. 


@inem ein Lebthoch rufen, bringen, 

Leben, v. ntr, mit haben, ehemahls als ein intrs, überhaupt ſich her 
wegen, thätig fein, und dies befonders duch lautes Serdufh, Schreien 
Außen, in welcher Bebeutung es veraltet ift, aufer daß man noch 
von rinem Menſchen, an welchem alle Blieber in befkändiger Bewe⸗ 
gung find, fazt, daß Alles an ihm che; und, er iſt ber Water, wie 
er feibt und lebt, von einem Menfhen, ber feinem Water fo ähnlich 
iſt, das man glaubt, ben Vater Ielbfaftig zu erbliden und fich bewes 
gen, denehmien zu ſehen. So nennt man auch fliefeners, alfe ſich 
bewegenbes Maffer, lebendes ober lebendiges, in Gegenſat des ſtehen⸗ 
ben obertodten. Ein febenber Born, ein Springbrunnen, Quellwaffer, 

Daß fie aus lebendem Born ihm Flut zur Sprenge beforgen. Voß. 
Jeht bedentet leben ale mtr. vorzüglich und gemöhnlih 1. mit vers 
Thiebenen thätigen Aräften und befonders ber Kraft zu willführlis 
lichen Bewegungen verfchen fein, ben Grund feiner eigenen Werän: 
berumgen in fih enthalten unb, mit ben nöthigen Werkjeugen für 
jene Kräfte, zu biefen Weränderungen ausgeräftet fein. In biefem 
Sinne fagt man aut, jedoch mit Ausſchluß ber Kraft zu willtühr— 
lien Bewegungen, von ben Pflanzen, daß ſie leben. Im ganzen Ums 
fange des Wertes aber fagt man von Merfhen und Thieren, daß fle 
leben, wozu noch ber Begriff koͤmmt, daß biefe Beſen @efäpt übers 
Baupt und Sinne haben, Ich bin, alfo lebe ih. Mir innen nit 
immer auf @rben leben. Gr hat miht lange geledt. Miele Thiere 
leben im Waſſer und auf dem Lande. Die Filke leben im Waſſer, 
bie Boͤgel in ber Euft. So wahr ich lebe! eime Wetyeurung, fo 
wahr «6 ift, das ich Irbe, fo wahr, fo gewiß ze. 

Im ganzen Deutſchtond febte die fein Freund, Schiller; 

Bd. 5. datteſt du keinen Freund. Druckt man bie deit aus, melde ein 
Menſch lebend zubrinat ober zugebrucht hat, fo fept man das fie bes 
zeihnende Wortin ben vierten Fall. Ah babe nun fhon zwei und brei⸗ 
Pig Zahre gelebt. Der Menſch lebt kurze Brit. „Wenn id zurück⸗ 


fehe, bann ift es, ala hätt’ ih einen fangen Frühling gelebt," Se - 


ner. Die Dichter fogen auch Häufig, ein Leben Ichen, d. h. bie 
Beit, welche das Leben ausmadt, leben. 


Fr =. ein ben 
Bon ein g Paar äber geſicherten Dtbemzögen zu leben. 
Bobmer 


Lebe, wer’s Tann, ein Leben der Zerknirſchung. Ehiller. 
2, Häufig verbinten ſich mit dem Hauptbegriffe von leben nod mans 
chertei Mebenbegeiffe, melde durch Bufäge näher begeichnet werben, 
und welde fi in einen Hauptnebenbegriff, naͤmlich ben einer mehe 
ober weniger freien Wirkſamkeit und Beftimmung ber Art unb Weife 
au leben, vereinigen, wo bann leben zugleid als intrs, zu betrach⸗ 
ten iſt. Für bie Seinigen (eben, ober ben Seinigen leben, ihnen fein 
Seben widmen, für fie, d. h. zu ihrem Beften, zu ihrem Bergnügen 
feine Kräfte, feine Thaͤtigkeit anwenden. Die, nur bie wid id [es 
ben. Dem Herrn (Bott) leben, d. 6. fib felnem Dienfle weihen. Herr, 
bie [ch’ id) und dir ſterbe is! „Dem Sefhäfte, welches man ers 
waͤhlt hat, ganz leben,“ alle feine ‚Kräfte wibmen. Gellert. Sich 
felber leben, für ſich leben, feine Kräfte zu feinem eignen Beften, 
Wohlbefinden und Vergnügen anwenden. „Run wollen wie uns fels 
ber (eben, und dem niebern Stolz bes. Hofes nicht mehr unfers Aus 
benfens wärbigen.* Kleifi. In einer Sade (chen, gleihfam nur 
für fie Leben, fie zu feinem Beben und Mopibefinden für nothwendig 
haltın und fie baher aufs angeltgentlihfte wünfhen und gern thun. 
In etwas leben und weben. In guter Hoffnung leben, mit guter 
Boffnung,; gute Hoffaung kabend leben; wofür man aud mit bem 
zweiten Sole fagt, ber Hoffnung eben, hoffenb leben, hoffen. So 
auch, der Zuverſicht, des Vertranens leben, Beſonderte von ber Art 
und Beife ſewol fein thieriſches Dafein zu erhalten, und für baff-Ibe 
su forgen, wie aud, von ber Art und Welfe, feine Kräfte im ſittlicher 
Dinfiht anzumwerben. Gut Isben, auf eine Art Ichen, bie bem finn« 
lichen Gefuͤhl wohlthut, angenehm ift, die mit Bequemlichkeit und 
Vergnügen aller Art verbunden if. So auch wohl Ichens was je 
doch auch fo wie ber gewöhnliche Ahfhiebsgeuß lebe mohl! von dem 
Leben auf eine fittlih gute Art verſtanden werben kana. Ja meites 
zer Bebeutung wird lebe wohl auch zu Dingen oder von Dingen ot: 
fagt, bie man verlaffen ober aufgeben muß, „Vebe wohl, Verſſand 
und Vernunft, lebe wohl jebe Sorgfalt und Vorſicht, verihrinde bu 
Trieb ber Erhaltung.* Göthe. Luſtig und in Freuden leben. 
Im Felde leben wir war ſchlechter, 
Allein weit cuhigtr ais hler. Michaelis. 
Schlecht, armſelig, duͤrftig, kuͤmmerlich, in Roth und @tend leben. 
Auf einem großen Buße, vornehm leben. X Leben und leben laſ⸗ 
fen, für bie Erhaltung feines Sehens, für fein Wohtbrfinten, feinen 
Bortheil ze, Sorge fragen, aber auch Andern barin nicht kinterlich 
fein, eber, ihnen ein Gleiches gönnen. Orbentlich, maͤßig, uncrbente 
lich, unmäßig, Lieberlih leben. In den Tag Hinein (eben, leichtſia⸗ 
nig; ohne Zweck und Plar, Rah ber Gefundheit leben, fo wir «6 
nöthig ift, um gefund zu bleiben, nach ber Bifuntheitölchre. Feled⸗ 
lich, ehrlich, arbeitfam leben. Fromm, tugendhaͤft, gottios, ſuͤndlich 
leben. Lebe, wie br, wenn du ftirbſt, 
BWänfhen wirft gelsbt zu haben. Grllert, 

Dann aud von bee Art zu leben in Anfehung feiner Merbältniffe mit 
Anden. Auf feeundfhaftliihem Buße mit jemand feben, IAls Stu—⸗ 
bengenoffe mit einem ontern eben. Mix leben in einem geſellſchaft⸗ 
Uchen Bereire, ten man Staat nennt. In der Ehe, in einem Amte 
leben. O Amtfrei leben (privatisiren) G. 6 Bausiehrer in einer 
Bamitie (eben. Bet Hofe leben. Bon eines Gnabe Ichen, ober fris 
ner Snabe eben, von ihm aus Gnate feinen Unterhalt haben, Nch 
einet Befebte loben, fo leben, fo hanbeln, wie er es befirklt. Ginem 
zu Willen leben, nad feinem Biken Icben, fo mie ex es daben will 
hanbein., Er weiß zu leben, ſagt man aud) von einem Menſchen, 
welcher bie im geſellſchaftllsen Leben eingeführten, Gebräͤuche und 
feinen Sitten nicht allein inne und ſich zu eigen gemacht bat, ſen⸗ 
been fie au im Umgange mit Anderen beebachtet. In engere Bes 
beulung, wenn von Geiſtern die Rebe if und an thieriſches Leben 


Lehen 
niöt gebadjt werben barf, iſt chen fo viel als wirken, durch feine 
Wirkungen fein Daftin bemeifen. 

und ein Bott, ein heiligen Mille lebt. Schiller. 

Denn leben wirken heißt, fo farb er nicht. E. 
So aud untigentlich, wirkſam fein, @influp auf ben Willen zeigen. 
An ihm Lebt eim Heiliger Eifer für alles Gute, „In dem Menfhens 
freunde lebt ein gätiges Verlangen, das in feiner Art gegen Andere zu 
fein, was Bott gegen Alle iſt.“ Gellert. AKriſtus lebt in mir.* 
Bal. a, 20. Auch unklörperlihe Dinge werben lebend genannt, 
wenn fie in Kraft, Wirkfamteit und Gebrauch find, So iſt eine ler 
bende Sprade eine folde, welde gleihfam noch in Kraft if, welche 
nech in Gebrauch iſt, vom lebenden Menfchen noch wirklich ale bie 
gewoͤbalicht gefproten wird; im Gegenfah ber tobten, welche von 
Menihen und Wöikern, bie vor lanzta Beiten lebten, als bie ger 


wöhnliche geſprochen wurde. Auch von einem brennenden Feuer, von, 


inem brennenden, aud nur glimmenden Dinge fagen bie Dichter biib- 
tich, daß es Lebe; im Gegenſat von bem tobien ober ausgeloͤſchten. 
— tief unter dem feuchten Gehoͤlz lebt, 
gangfamen Schmauch aufgualmend, das Werg. — Bof. 
Dos Leben, —s, 4. gl. 1) Überhaupt Bewegung, befonders feften 
fie lebhaft unb mit Getöfe verbunden if; ohne Mehrzahl. Go fügt 
man von einem Menfchen, deſſen Glieder immer in Bewegung find, 
es fet lauter Leben an ihm. So fagt man ferner im gemeinen u 
ben mander Grgenden, befonbers N. D.: mas iſt bad für ein Les 
ben? was tft bas für ein kaͤrm? Im engerer und gemöhnlider Ber 
beutung, ber Buftand eines Dinges, rined Mefens, ba ex verſchledene 
tbätige Kräfte, befonberd bie Kraft zu willführliden Bewegungen 
kefipt, ben Grund feiner eigenen Veränberungen in fi entpält, und 
mit ten nöthigen Werkzeugen bazu und zur Fortbauer dieſes Bufans 
des verfehen if. In diefer weitern Bebentung, mit Ausſchluß ber 
Keaft zu wilfährlihen Bewegungen, wird aud ben Pflanzen Leben 
zugeſchrieben, und bie Natur (das Pflanzen und Thierreich) bas 
Meich ber Leben genannt. Dod gebraucht man es vorzäglih nur 
von Menfden und Thieren, wo nod) der Begriff des Grfühls für ans 
genehme und umangenehme Ginbräde und ber Befig von Binnen 
hinzulömmt. Der Anfang, bie Dauer, bas Enbe bes Lebent. Was 
iſt der Menſchen Feben! Das Leben vergehet wie ein Traum. Noch 
am Leben fein, noch leben. Am Leben, beim Leben bleiben, forts 
fahren zu leden. Auf Leben und Tod, auf Gefahr des Lebens, auf 
den Fall bes Todes. Bin Kampf auf Erben unb Tob, wo bad de 
ben auf bem Spiele fiebet, wo man entweder ben andern töbtet ober 
ſelbſt getöbtet wird. Auf Leben und Sterben, für bas Erben und 
auf ben Fall des Sterbens. Bei meinem Leben, während meines 
Lebens; auch, ein Schwur, eine Betheurung, wolär man aud fagt, 
fo wahre ih lebe! X Bär mein Leben gern, fürs Leben gern, d. h. 
fehr gern. In meinem Leben, während id lebe, fo lange ich lebe. 
In meinem Leben ift mir fo etwas noch nicht vworgefommen. In 
meinem gangen Leben ober mein ganzes Leben werde ich dies niht 
vergeflen; wofuͤr man auch im gemeinen Leben fügt, Zeit meines 
Reben. Bein ibm im Leben lieb geweſener Sohn, im ber Beit, ba 
er, ber Cohn, noch lebte. Das Leben lieben, Das Leben vera: 
ten , es nit für ein ſchaͤrenswerthes Gut halten, Einem bas Yes 
ben oder einen bei leben erhalten, für bie Fortdauer beffelben ſor⸗ 
gen. @ein Peben fhonen, Als forgfältig vermeiden, was bem Es 
ben gefährlich werben kann. Bein Leben friften, es noch länger 
erhalten. Einem bas Leben retten, ihm bas Beben erhalten, bas 
zu verlieren ew im Gefahr war. Ginem bas Leben laffen, ihm le⸗ 
ben laſſen, nicht töbten. Ginsm nad bem Beben ſtehen, trachten. 
Ginem tos Leben nehmen, oder einen des Lebens berauben, ihe 
ums Leben dringen, ihm töbten. Ginem bas Leben verfärgen, Urs 
face fein, daß es micht fo lange bauert, als es hätte dauern koͤnnen. 
Das Keben verbittern, verfämmsen, ſauer mahen, erbeitern, bes 
gläden, Einem das Eben ſchenken, es ihm nicht nehmen, ba man 


56 


Leben 


es Eönnte; au, von Bott gebraudt, fo viel als das Lehen geben, 
Ins Erben rufen, und von den Altern für erzeugen. ein Leben im 
Gefahr oder aufs Spiel fegen, daran fegen, an eimas wagen, für 
jemand wagen, in bie Schanze ſchlagen ıc., etwas thun, unternehs 
men, wobel mın in Gefatr ift bad Leben zu verlieren. Mit dem 
Leben davon kommen, das Leben hapontragen. Ums Leben kommen. 
Sein Leben Laffen. Mit dem Leben br5chlen. Für Irmand das Les 
ben laffen, Einem Verbrecher, einem Kranken tas Leben abſprechen. 
Am Leben firafen, zur Strafe das Eben nehmen. Bom Leben sum 
Tode bringen, hiarichten. In biefem Leben, dem gegenmgärtigem 
ober dem Lıben auf Erben, wofür man aud bad natuͤrliche Leben 
fagt; in Gegenfag von jenem Leben, einem zukünftigen Leben, weis 
hrs, ba man ed ohne Unterbrebung immer forttauernd benft, auf 
bas ewige, und ba man glaubt, baf es von allem Wibermwästigen 
und unvohfummenem frei fria werde, auch das felige Leben, das 
Leden der Seligen, das Leben im Himmel, und von Kiopfto 
bihteriih das Leben ber Leden genannt wieb, gleichfam was unter 
allem Leben nur allein Leben ik und fo zu heiten verbient: 

— alfo erwacht zu dem Leben der Leben, nicht wieber 

Megzuwelken, bie Tochter Jephth'ae. — — 
Häufig wird, beſonders dei bin Dichtern, auf bie Mebingungen bes 
Lebens, als bas Athemhelen, das Herz, bie Blutmalffe ıc, Rückſicht 
genommen, umb biefz Bebingungen fo wie tie vereinte Wirkfomkeit 
berfeißen, bie als eine Kraft betrachtet Lebenskraft, Lebensgeifter 
heißen, werben dann aud wol ſelbſt Feten genannt. Bis zum letz⸗ 
ten Hauche bes Lebens. Das Leben aushauchen. Es ift kein Leben 
mehr in ihm. Sieh, wie fein Leben jetzt 

Aus biefer Bunde’quilt, Weiße, 
Eben Jo gebraucht man in ber höheren, befonbers dichteriſchen Schreibe 
ort, bie Mehrzahl ſowot von bem Zuftande ba man lebt, und der 
Zeit dje man lebt, als auch von ber Wirkſamkeit der Bebingungen 
bes Lebens obex der kebenskraft. auſendmahl will ich mein Leben 
für das beinige neben, und immer noch fragen, ob ich nit noch 
sehn tauſend Leben bie zu ſchenken habe.“ Weiße, 
Ich aber will in nichtigen Berfuchen 
Nicht foiher Männer tkeure Beben wagen. Schlegel. 

Er farb, Da verliehen 

Mit ber Seele bie feinften no übrigen Leben bie Lelde, 

lopſtod. 

2) In ſehr vielen Faͤlen hat das Grundwort Leben dieſelben Ne 
bendegriffe, welde das Ausſagewort hat, befonbers ben einer mehr 
ober weniger freien Wirkſamkeit in bem Buftande und ber Beftims _ 
mung ber Art und Meife bes Buftandbes, weicher Leben heilt; ohne 
Mehrzahl. Mefonbers (1) In Anfehung des mehr thieriſchen Lebens 
und deſſen Erhaltung, Gin gutes, vergnägtes, herziihes Leben 
führen, gut, vergnügt, herrlich leben. Ein Yeben in Luft und Freu⸗ 
den, Gin Leben voller Wonne. Gin genufreiches Leben. Ein elens 
bes, armfellges, traurigen Leben führen, in elenden, armfeligen, 
teourigen Umfänben leben. Fuͤr ben Unterhalt feines Lebens ſor⸗ 
gen. Gin Leben auf großem, vornehmen Fuße, rin Herrenleben. 
(a) In fittliher Hinfidt. Ein ordentliches, unorbentlides, ein froms 
mes , tugendhaftes, fündlides, ſchaͤndliches Leben fügen. Ein un: 
mäßiges, Hieberliches Erben. Das Leben des Tugendhaften, bes 
Frommen, des Sünters x. Bein Toben ändern, brffeen, eim neues, 
befferes Beben anfangen. MWirber in frin voriges Leben verfallen, 
Das geiftige Peben, bas Leben des Menfhen ala eines vernünftigen 
Geißes, in Wegenfag des thlerifhen Lebens, welches er bloß als 
ein beichtes Weſen führt, Ian der Bottröfehre und in ber bibliſchen 
Schreibart verſteht mon unter dem niuen Leben, geiftiichen Leben, 
dem Leben aus Bott ıc. ein nenes firtlihes buch ben Weit Gottes 
gewirktes Erben. (3) Ja Anfekung der Berhänife mit Andern 
unb der Befnäftigungen. Das bürzeribe Leben bad Leben in bür 
gerlichen Berpältniffen ; bas gemeine Leben, das Erben im Umgangt 


Reben —— 


mit Aubern, und wie es von ben Meiften gewoͤdalich geführt wird, . 


Die Sprade bes gemeinen Lebens, bie Sprache, wie fie im gemel- 
nen ober bürgerlichen Beben gewoͤhnlich und paptih. iſt. Das Leben 
bes Belhäftemannes, bes Gelehrten, Sandwerkere, Künſtlers. Das 
geſchaͤftige, thätige Leben. Das Leben auf bem Lande, das Lande 
leben, nicht allein, dba man auf bem Eanbe wohnt, fondern auch, da 
man fi mit dem Landbau ‚befchäftiget. Das Leben in ber Stadt, 
im Rlofter, bei Dofe ıc., oder bas Stadtleben, Kloſterleben, Hof 
leben sc. So aud das Hirtenleben, Sofdatenleben ıc. 3) Uneis 
genttich wird Reben gebraucht (1) im ben fhönen Künſten, wo rin Ber 
mäbhlbe, ein Werk bee Bitdhauerkunſt zc. Beben bat, wenn bie bare 
auf ober daburch vorgeſtellten Weſen zu leben und in dee Handlung, 
in welcher fie bargeftellt find, wirklich begriffen za feim feinen. Auf 
anbere Art wirb einer Rede, Ersählung, Darſtelung auf ber Bähne, 
einem Gebiäte Leben beigelegt, wenn fie bie Empfindung rege mar 
den unb den beabfihtigten Eindruck bewirken, im welchen Faͤllen 
man auch volllänbiger fagt, Geiſt und Leben haben ober zeigen, 
weil bier auf den Geift gewirkt wird und dazu auch Beift im ben 
Werken und Darftelungen ber Kauſt vortarden fein muß. (2) Für, 
die Berinberungen und Begebenheiten während ber ganzen Dauer 
tes Bnflandes, welden man Beben nennt, Betrachtungen über das 
Leben anftellen. Das Aufiere Peben, bie äußern Veränderungen und 
Begebenheiten, bie ſich ſowol an und mit einem Menſchen, als auch 
an andern um ihm ber ereignen und bie Aufeen Berhältniffe bes fe: 
bens, „Nachdem auf biefe Weife bie Sphäre (der Kreis) bes Äufeen 
Lebens beſtimmt worden iſt, worin fi das Mind — bewegen Tas ıc, 
Altgem. Lit. Beitung. Belonders die Erzählung eder Beſchrel⸗ 
bung biefer Beränterungen und Begebenheiten, wie aud ber bamit 
werbunbenen Handlungen und Thaten, wo man, wenn bie Ihıten 
im Leben von ben Weränberungen und Begebenheiten deſſelben unters 
ſchleden und befonders betrachtet werben, aud Beben und Thaten 
fagt. Sein Leben erzählen. Jemandes Leben befhreisen. Leben merk- 
mwöärbiger Menſchen. Das Leben Jeſu von Matthäus, Marcus ıc,, 
das Evangelium des Matthäus ꝛc. (3) A Bri ben Dichtern, für eis 
was Schendes, eim lebendet Weſen, es fei Menſch ober Thler. 

Ales Leben fank aufs Autlig. — Bonnenberg, 
@o mich es In folgender Stelle für Thier gebraucht. 

unb ba’in Staub vorisärts die anderen Leben hinabſchauen, 
Bab er bem Menſchen erhabenen Bill. — Bof. 

In weiterer Bedeutung wird auch ber gefunbe, feifhe und empfinhs 
Uche heil am thierifhen, wie auch, an Pflanzenkörpern in einzelnen 
Film das Leben genannt; zum Unterfhiede von ben unempfindlis 
Gen und verbersten oder abgeftorbenen heilen. &o heißt ber em⸗ 
pfindliche fleifhige Theil des Pferdefußes, welcher vom Hufe umges 
ben ift, bas Leben. Den Huf bis auf das Leben ausmirt n. Einem 
Pferde tritt das Leben aus, wenn dieſer Theil unter ber Sohle bes 
Dufes hervortritt. Einen börren AR bis auf das Leben abfchneiten. 
So nennt man no in weiterer Bedeutung felbft den innen feſten 
Theil eines Steines bas Beben, - in Begenfag der äußern vermitter- 
ten und mürsen Minbe, und im gemeinen Sehen fagt man, bas 
geht bis auf's Leben, bringt bis auf's Reben, für, dat arbt, bringe 
bis ins Innerfte, dringt buch Mark und Wein. (4) X Kür etwas, 
was man vorsäzlih liebt, morin gleichſam bas Beben beftehet. Diefe 
Speife ift mein Leben. Das Spiel, das Tanzen if fein Peben. In 
feinem reiten ober mahrın Leben (Elernent) fein, „Schaufpiele und 
Romane waren ihr Leben.“ Güthe. Aud Perfonen, bie man aufs 
innigfie liebt, wie fein Leben, für bie man mur lebt und ohne bie 
man nicht Leben koͤnnte ober mödte, nennt man fein Leben, wo es 
bann als Ausdruck ber Börtlihfeit, formel im ber traullchen, als auch 
in ber ernften und höheren Schreibart gebraucht wirb. 

Cimen Bid, gelichtes Leben, 

Und ih bin belohnt genug. @üthe, 

— OS meines Lebens Leben, Gollin. 


Camps Mäörterb. 3 Xp, 


Reben 


(5) Noch find mit Leben gewiffe Eigennamen von titten und Die 
fern zufammengefegt, wo ea einen Drt, wo Menſchen Ichen, beytich⸗ 
net, 3. B. Eisleben, Wartensleben ıc. Ku Beftedtenamen find 
mit Reben zufammengefegt, bie aber vieleicht ‚von Örteen gleiches 
Namens bergelommen find. 


de Lebendig, —er, —ſte, adj. u. adr, Lehen habend und jeigenb, in 


weider eigentliden Bedeutung Keine Steigerung Statt findet, Les 
bendige Weſen, Gelhöpfe, Thlete, bie Leben haben und geiaen; in 
Gegenſatz ter lebloſen ober todten. Lebendige GSeſchoͤpfe werben dich⸗ 
terifh auch nur Lebendiges genannt, in welchem Falle es An Cam- 
melwort iſt. „Wie jener Silberſee dort mit Lebendigem aufwebt.“ 
Herber. Gr iſt noch lebendig, er Lebt noch. Wieder lebendig 
werden, wieder aufleben, ba man ſchen todt ober vielmehr in einem 
dem Tode aͤhnlichen Zuſtande war. Lebendig tobt fein, dem Körper 
nad zwar leben, aber dem Beifte nach tote fein, nit als vernänfs 
tiges Weſen wirken, In weiterer Bedeutung werben auch die Pflans 
zen febendig genannt, ſofern ihnen ein michrigeres Leben als ben 
Thleren beigelegt wird, und fo lange fie biefee Beben zeigen, Lebens 
bige® ‚Holy wirb in engerer Bedeutung foldes graannt, weldes, 
wenn es abgthauen worben ift, wieder aus ber Wurzel ausfchtägt, 
Laubholsz in Begenfag bes tobten Holzes ober Schwarzholzes. Gin 
lebendiger Zaun, ber aus Iebenbigem, aus gränendem Holze oder ars 
ſolchen Sträuhen beftehet. In ber weiteſten Bebeutung, wo leben 
ſich bewegen heißt, wird au fließendes, quellentes Maffer leben diges 
Waffer, eine lebendige Quelle, und ber friſche ungelöfte Ralf, weil 
er beim Eichen ober Begießen mit Maffer In Bewegung geräth, les 
bendiger Kalt genannt; in Gezenſatz des flebenden oder tobten Wafs 
fees und bes gelbſchten ober tobten Kalkes. Bei den Müllren iſt leben» 
diges Waffer, fliegendes Waffer, weldhes in Stande ift, eine Möhle 
mit unter[hlädtigen Mäbern zu treiben; in Wegenfah bes tedten 
Waſſers In einem Zeiche, ober eines ſehr langſam fließenden Waflers 
welches Feine Mähle treiben ann. Die Segel Iebendig halten, beißt 
bei den Srefahrern, fie bins und herfhlagen ‚cher wanpern laffın, 
welches gefhieht, wenn ihre Michtung mit ber des Windes gleich 
1äuft, fo daS ter Wind fie gar nicht faßt. Dies giſchieht oft abe 
fättib, wenn man ben Lauf bes Schiffes aufhalten oder auf ein ans 
dered Schiff warten wi, Man fagt bafür auch, bie Segel killen 
foffen. In ganz anterm Sinne heißt bei ihnen der ganze Theil bes 
Schiffes, welter fi im Wafler bifindet bas Ichenbige Wert, in 
Gtzenfab vom tobten Werke. Uneigentlih. ‚ı) Ace einem febens 
ben Dinge beftehend, an einem lebenden Dinge bifindlich, barin ges 
gründet. Dex lebendige Behnte, weicher von Thieren gegeben wirb 
und in Thieren befteht. ine Ichenbige Wehre, bei den Jaͤgern, 
welhe von Menſchen gebildet wird, wenn Menfchen ſtatt bes Beuges 
umpergeftellt werben. Cine lebenbige, gewöhnlicher eine lebende 
Sprache. 8. Leben am Ande. Er ift ein lebendiger Beweis bavon, 


er bee Bebenbe giebt an fih rinen Beweis bavon, welcher Beweis ber 


Natur ber Sache nach zugleich ber uͤberzeugendſte und Beäftiafte fein 
muß. „Ich babe davon ein lebendiges Beifpiel an meine Schwes 
fer.“ @eltert, 2) keben, d. h. Bewegung hervorbzingenb, bem 
Grund der Bemezung enthaltend, alfo gleihfam ſelbſt Iebend. ine 
febendige Kraft, eine wirffame, Bewegung bervorbringenbe; in Bes 
genſat der tobten. 5 Abaͤtig, wirkſam. Cine febenbige Einbil⸗ 
dungekraft, die ſehr thätig, feurig iſt, Mh alle GSegenſtaͤnde fo deut ⸗ 
lich und genau vorſtellt ober fi dieſelben ſchafft, ala wenn fir lebend 
ober in Wirklichkeit ba wären. Es wird mir wieber ganz lebenbig, 
«5 ſtellt fih meiner @inbilbung, meiner Erinnerung wieder ganz 
deutlich und genau bar, ala führe ich es vor mir, als gefhähe es vor 
meinen Augen. 

— von feiner Tangen Bebenszeif 

Ein Stift, bas ihm lebendig wird, erzöhfin. Wielanb, 
Dann, auf die Empfindung profen Cinbdruck mahend, auf den Bil: 
len Ginfluß babent und zeigend. in lebendiges Gefühl, bad man 


8 


Rebend 


ganz und innig hat. Cine lebeudige Derſtellung. Ein lebendiger Bors 
tsag. ine ichenbige Sikenntuls. O Sich ichenbig freuın, lebhaft. 
Erew’ dich alfo ledend'ger, ber lieberwameten Etitie, Gdthe 
In dieſer Webeutung if es ebenfalls dem unbelebten und todten 
euntgegengeſeht. In tinigen gemeinen Sprachrrten, z. B. in 
der Helſteiniſchen, wird ſowol ber Ableitung von Leben, als auf 
ber Sprachaͤhnlichkeit im Anſehung ber Totſetzung gemäß richtiger 
lebenig mit bem Zone auf ber erfien Silbe gefagt. In ber herge: 
bradten Aueſprache liegt der Ton auf der zweiten Side. Daroa 
die Lebendigkeit, die Eigenfdaft ober ber Zuſtand eines Dinges, ba 
es lebtadig iſt befonbers in unelgentliher Bedeutung. „Mas dort 
Lebendigkeit atkımet.* Klopftod. Die Lebendigkeit des Gefühles, 
bes Ausdrucks, ber Sprache, bes Bortrages, ber Darftilung, ber 
Erkenntniß ıc. 

* Lebendigen, v. trs. lebendig machen, beleben. »„Bonft kann kein 
Blenfh tes andern Seelin lebendigen ober toͤbten.“ Wicel, BR. 
D. Lebendigen. D. —ung. 

A Echenbuftend, adj. u. adv. von inwohnenbem Erben gleihfem bufs 
tend, d. h. angenehme liebliche Wemeife gabend, oder auch Beben duf⸗ 
tend, d. h. Leben vom fih auf eine angenehme liebliche Weife aus⸗ 
firömenb, mittheilend. 

Da ficht ber Kolbe Bebensengel maͤchtig 

Bor mir und tauſend Biumen fihhttet er, 

Und taufenb geltne Früchte lebenduftend 

Aus reichem Fuͤnhern firömend vor mir aut. Schitler. 

und im geftgneten Schooße bes lebenduftenden Ebens. Klopftock. 

& Der Lebenerweder, —s, M. gl. der keben erwedt, Beben gieht, 
beieht; dann umeigentlih, ber ins keben eriwedt, gleichſam Beben 
mittheilt. 

Lebenerwecker, omm ! D komm, bu freundlicher Kongott. Knebel. 

O Der kebengeber, —6, My. gl. der das Beben giebt, ber belckt, 
ber Bileber, Schöpfer. Auch bloß, ber lebende Welen zeugt. Jener 
(Adam) ward Bater und Lrbengeber dertr, die fein Wild trugen.“ 
Gerber, 

Das Lebenlang, o. Umend. u. 2%. das ganze Erben hiadurch. „Mit 
Kummer folt bu dich nähren bein Lebenlang.“ ı Mof. 3,27. „Mein 
ganzes Lebenlang.“ Opiz. 

Haft bu 

— Dein Eebenlang umfonft ber Sterne Lauf 
GSemeſſen? Shiller 

Lebenleer, adj. u. adv. leer an chen, unbelebt, von lebendem Mefen 
leer. „Lebenleore Wilbnif.r Kofegarten. (R.). Dies Wort fintet 
fih fon bei Stieler. 

O £ebenlod, adj. u. adv. ehne Beben, lebles; eigentlich und une 
eigentlich. „Ihre Augen blieben flarz und lebenlos wie fie gewefen 
waren.“ Lafontaine, 3, 

—  Unb grauendeil umfoͤngt 
Den Sinfamen die Ichenlofe Stitle. 
Das Lebenloſe, das unbelebte. 
Ih kann aus Thon nur Lebenlofes bilden. Schilter. 

N Der. Pebendabend, — es, 24. u. f. Yrbensmorgen. Gtieler, 

Das Lebensalter, —s, 4. gl. bie verfhiedenen Alter des Lebens 
der Wenſchen. Das Kindes, ober Knaben», bas Jünglings», bad 
Mannes» und Greifenalter. „Jede Entwickelung der menſchlichen 
Lebensalter zeugt alſo von tietfer Wahrheit in dieſer Geſchichte.“ 
Herder. 

O Lebensarm, adj. u. adv. gleihfem arm an Erben, wenig Beben 
ober Shätigfeit, Wirkfomfeit habend. „Und glaubft bu num, baf 
bie truͤbe beralofe Verkehrtheit des Wenfhengefhlehtes aus dem Eum: 
pfe laner Ichbensarmen Dünklinge entfprang.* Meyer, ds läpt 
fi daron das Wort Febensarmuch bitten. 

Die Lebensart, Pi. —en, bie Art und Weife zu leben. ı) Ja Am 
fehung ber George für ben Körpes und in Aufehung ber Sittlichtent; 


— — 


edillen 


58 


Rebensh 


chue Mehrzahl. ine guie, ſchlichte, armfelige Pebensart. Cine 
feitfame, adreiihe Ledendart führen. Die Lebensart Ändern. Eine 
unssbentiihe, wnfisttiche, 'Kieberliche Lebensatt. =) In Aaſchung 
ber Beihäftigengen die man hat, ober des Gewerbes welches man 
treibt. Eine unangenehme, befhmerliche, täflige Lebensart. Cine 
Lebensart ergreifen. Unter den verfhicdenen Lebensarten wählen. 
Seine Lebensatt ändern. 3) In Anfchung ber Sitten und bee Ber 
tragens im gefellfihaftlichen Leben; ohne Mehrzahl. Dies iſt gegen 
ober laͤuft wider bie gute Yebensart. Gewoöhnlich wird in biefem 
Sinne unter Lebensart allein (dom gute Ledensart verftanden, Les 
bendart haben, verfichen, fi gut, enfkändig und fein im gefell: 
ſchaftlichen Erben zu benehmen wiſſen. Wenig, keine Lebensart daben. 

Der Lebensbalſam, —es, 5%. —e, ein ſtaͤrkender, die Erbenszeifter 
wedender Balfam. Kein Lebensbalſam hilft. — Bürbe, 

Der Lebensbaum, —es, Dig. — baͤume, ein Pflanzengefäteht, wel⸗ 
ches aus mehrern Sattungen befieht. Die männlihen Bluͤtenkaͤtzchen 
enthyiten In jeber Echuppe vier Meine mit einander verwahlene 
Stanbgefuͤße ohne Aronenblätter; die weiblichen Bapfen haben zwei⸗ 
biütige Schuppen und zwel Staubiorge mit zwei Zruchtleimen (Thuje 
L.). Ban ennt in Deutſchland zwei Gattungen, ben abenbländi: 
fhen (Thuja oceidentalis L.) in Nortomerifa und Sibirien rin- 
hein iſch, und ben morgenländifhen (Th. orientalis L.), in China 
einheimifh. Der erſte hat Tleine übereinander firgende und nabel: 
foͤrmige Blätter, die im Winter figen bleiben und ein mweißröthlihes 
ſehr bauerhaftes Holz. Uneigentiih, ein Baum, ber auf irgend 
eine Art gleichfam Leben giebt, für das Leben wichtig iſt, ober auf 
etwas, was mit einem folden Baume verglichen wird. „Aber biefee 
Rebensbaum, bee zugleich trägt und blüht“ sc, Ungen. Auch das 
Heine Gehirn wird wegen feiner Ähnlichkeit mit einem Baume, ba 
f& der Markflamm deffeiden in Äfte und dieſe wieber in Aweige theis 
Ien unb weil es wichtigen Einfluß auf bas Leben hat, ber Lebens⸗ 
baum genannt (Arbor vitae), 

Die Lebentbaumzipreffe, 39. —n, eine Art ſchoͤner und nutzbarer 
Bipreffen in Norbamerifa, welche mit dem Bebensbaume mehrere Ahn⸗ 
lichleit hat, und auch weiße Zeder genannt wird (Cipressus thyoĩ - 
des L.). 

A Der lebentbecher, —®, 94. u. ein Becher gleihfam, welcher Bes 
bem enthätt, aus weihem man Sehen trinkt; Dann, bas Herz, wel- 
des gleich einem Becher bas Leben enthält, 

Im Lebensbecher mifhen ſich bie Seelen. Herder. 

Die Lebensbedingung, Zi —en, eine Bedingung des Lebens, et: 
was, woburch das Leben bedingt iſt, ober ohne welches es nicht moͤg⸗ 
lich iſt. Dergleihen Pebensbebingungen find ſowol bie zum Lehen 
unentbehrlichen Theile des Körpers, als guch Aufere bazu umentbrhrs 
Ihe Dinge, als Luft, Rahrung ıc. 

Der Kebensbefchreiber, —, 4. gl; bie —inn, By. —m, 
eine Derfon, welche ihr eigenes ober Anderer Beten befhreibt, Ber 
benäbelreibungen macht oder Ihreibt (Biograph). „Die Lebensbe⸗ 
ſchteiber des Soktates.“ Beift d. Journale. (M.) „Der Pfeil 
ihres Bohlen, fagt ihre feomme Kebensbefchreiberinn, hatte ihe 
Herz vermunbet.” Zimmermann, (#.). Die Lebensbeſchreiber 
Zefa, bie Evangeliften. . i 

Die Kebensbefchreibung, 2. —en, bie Beſchreibung br& Lebende 
einer Perfon, d. h. bie Ersählung ber Weränberungen und Begeben, 
heiten, weide fi mit derſelben vom ihrer Geburt bis zu ührem 

® Zobe zugetragen haben, mie auch ber merkwuͤrdigen Handlungen 
ober Thaten, bie fie in biefer Zeit verrichtete (Biographie); au 
bie kLebenegeſchichte und bloß, das Leben. 

Ar Die Lebenbbluüͤte, o. By. die Blöte bes Lebens, ober das bil: 
bende Beben, das Leben in feiner fihönflem Zeit, fofern man bad Ser 
ben mit einer Blume vergleiht. „Berwelkte Bebenshlüte, ein mats 
ter ſchtuer Bil, eingefallene Wangen ıc, Bimmermann. (R.). 

Das Lebensbuch, —ed, By. u. ein Buch gleihfam, in welchem über 





Lebensd 


bie ins keben Treteaden Rechnung geführt wird, ober im welches bie, 
melde leben follen, eingefhrieten werten; ein außer ber Kanzel; 
fpradeg mo #8 jedoch gemöhntih Buch bes Lebens lautet, auch in 
andern Schriften 5. 8. 3. 9. Nihters vorfommendes Wort. 

Die Lebensdauer, 2%. u. die Dauer bes Lebens, ober bie Zeit von 
der Geburt bis zum Tode. 

& Der Lebensdorn, —es, By. —en, die Dornen, d. h. bie Leiden, 
Miberwärtigkriten, Unglädsfäe im menſchlichen Leben, „Du (kiche) 
fohtet es (bas Ders) fa unter ben Lebensbornen mit fanfter Hand 
pflegen" ı. Bensel:Bternau, , 

O Der Lebensdrang, —es, ©. Mh. der Drang des Lebens ober zu 
leben, ſowel ber Drang, Meiz zu leben, ber von Bülle ber Kraft 
und Gefuntheit berrührt and Mark gefühlt wirb; 

in feifter Minh vol Lebensdrang. Zhämmerl. 
als auch bee Drang, ber fih aufbeingende Trieb nad Fortdauer. 
Tiedge. 

O Lebensdurſtig, adj. u. adv. durſtig gleichſam, d. h. ſehr derlau⸗ 

gend lange eher länger zu Ichen. „— fo matt und doch lebensdur⸗ 
: 3,9. Ridter. 
Die 


— 


benbeiche, 9. —n, eine Art immer gruͤner Eichen in Bir: 

ginten, mit laͤnglichen, eifbemigen, völlig ganzen, dicken und feſten 
Blättern und Iänglichen zugefpigten Früchten, bie einen fügen Kern 
entfalten, welder von bem Wilden genoffen und auch DI baraus zu 
preffen gebraucht wird (Quercus Virginiana Miller.). 

O Der Lebensekel, —s, 0, 94. der Ekel am Beben, Blumaner. 3. 

Das Erbensenbe, —, 0. Di. das Ende des Lebens, ber Tod. Bis 
gum Lebensende. — 

A Der Lebensengel, —s, 9. u. ber Engel bed Erben, ein Engel 


d. d. höheres geifligen Werfen, als Schutzgeiſt des Lebens betrachtet, » 


Da fleht der dolde Lebensengel mädtig 
Bor mir ; ehiller 
O Die Eebenserhaltungsfunde, ig. u. bie Kunde oder, Kenntnif 
von Allem, was zur Grhaltung bed Lebens in gefuntem Zuſtande 
erfoberlih und müglih if. „Berfuh einer Lebenserhaltungskunde 
von ©. #. Bertele* Bofern hier biefe ekenntniß gelehrt ober 
mitgetbeilt wird, wärbe ed richtiger Lebenserhaltungslehre beißen. 
Der Kebensfaden, —s, My: —fäden, ein dichteriſcher bilbliher Aus: 
druck, bas Toben, das fih in ben Theilen feiner Dauer, z.B. ben eins 
seinen Zargen, in einer ununterbrohenen Reihe wie ein Baden glei: 
fam lang binzteht, oder vielmehr, nad ber Fabellchre ber Alten, 
Bas Lıben im Anfehung ber einzelnen Theile feiner Dauer, als ein 
Baden betrachtet, welchen bie Lobensgättinnen ober bie Parzen sie 
ben, und wenn er bie ihm beftimmte Binge hat, burkfhneiben. 
Da her die Ausdruͤcke, ben Lebensfa den fpinnen, zerreißen, yerfhneiben. 
— alsa mas Natur bebarf 
Den Eebensfaben fortzufpianen. Wieland, 
O Die Egbensfähigteit „9. 4. bie Faͤhlgkeit gu Ieben, bie Lebens⸗ 
va 


A Die Lebendfahrt, 3. u. bas Erben mit einer Fahrt auf bem Ler 
bensftrome verglihen, ©, Lebensftrom. „Da er bod für Albanos 
frohe Lebensfahrt ein gänfliger Beitenwind war." I. P. Rihter, 

A Das Lebensfener, —s, 0. IM. das Leben mit einem Feuer ver 
glihen, bas Hein entflehet, bann eine Beitlang mit heller Flamme 
brennet und endlich verlifcht , ober auch, bie hoͤchſte Mirkfarnkeit ber 
Srbenäteäfte; and, bie Kebensflamme, und vom hochſten Grabe, 
bie Lebensglut. 

Die Eebensflamme, 0. 94. 1) A &o viel als Lebentfeuer. ©. d. 

2) Bei einigen frühern Ärzten, ein feiner Feuerſteſſ, weider nah 
ihnen im Herzen befinblih bad Blut beeriten und erwärmen, unb 
fo der Grund bes Sehens fein fol. ’ 

& Die Lebensflucht, 0.9. bie, Flucht, d. h. das ſchnelle Entflichen, 
Berfließen bes Lebens. a j 

Kur, dem das Haas [don graut und Erinnerer 


59 


Lebensg 


Ser Lebensſlucht mid — — Alopftoc. 

A Die Lebensflut, By. u. eine betedende Flut, das im Körper fird- 
mende Blut, als eine Bedingung des debens. „Die innere Krbens- 
ut, die dort diuttoth färdte, treibt Hier bie Blieber ber Leiben⸗ 
ſchaften auf,e Herder. ’ 

Die Lebensfreude, Sy. —n. 1) Die Freude am Sehen; ohne Mehr: 
aahl. =) Gine Ferude im Leben, welche bas Lehen gewäßrt. 

O Der Lebenöfreund, —es, By. —e; bie —inn, DB. —ın, tin 
Breund, eine Freundinn im Erben, der ober bie durchs Leben bes 
gleitet. In engerer Bebeutung, ber Batte, bie Battinn, Ten. 
Liter. deitung. (R.). 

A Der Lebensfriede, —ns, 0. Ip. ber Friede d. h. bie Ruhe, file 
'Bufriebenpeit bes Eıbens oder im Leben. 

und ber füße Lebensfriebe 
Banbelt fi in wilden Schmerz. Tlebge. 

A Die Lebensfriſche, co. Dig. die Friſche ober Friſchheit bes Bebens 
gleihfam, bie es zur Zeit feines nolfommenften Zuſtandes Hat. 
Sriechiſche Lebensfriſche und Inbilde Lebenamüde.“ 3. P. Richter. 

Ar Lehenöfrob, adj. u. adv. des Lebens frop, ſich bes Lebens freuend. 

fo erhub ber Menſchheit i 
Schlummernder Grift ſich 
Lebensfroh! Boh. 
4 Die Lebensfrucht, 2. —frühte, eine Frucht bes Sehens gleich⸗ 
fom, bie bas Leben genießen läßt, bie das Leben, indem man es 
benügt, gleihfem trägt; eder auch eine Frucht, welche gleichſam 
Leben giebt. „Kusbenen (melden) eben ſolche Lebensfruͤchte ſich hervor⸗ 
ruͤnden.“ Ungen. ‚ 
4 Die Lebensfruͤhe, 0. Mz. die Fruͤhe b. h. bie erſte Zeit des Lee 
bens, die Jagendzeit. „An vielen Pläßen an der See ſchimmerten 
ihm Sterne aus einer tiefen nahmitternähtlihen Lebensfrühe her⸗ 
auf.* 3.9. Ridter e 
& Die Eebendfülle, o. 3. die Fülle des Lebens, Fülle ober Kelch⸗ 
thum an benfenigen Kräften, welhe das Leben ausmahen, verbun⸗ 
ben mit ber volfommenften Befchaffenbeit der zum Leben unentbches 
liden Werkzeuge. Mer beute nor bem Jahr 
In Lebensfülle ſtrebenb 
Mit Freunden fröglih war, Bof. 
Bumeilen aud wol, Fälle bed Lebens in Anfehung der langen Dauer 
(Longivität). 
O Der Lebensgang, —es, 0. 2. ber Bang, welchen bas Erben gleichfam 
gehtt, ter Fortgang und bie Aufeinanderfolge ber natürlichen Bers 
änderungen und Bereihtungen im beiehten Körpern, in wilden bas 
thierifihe Beben beſteht (Bcbensprocels), 
Die Lebendgefahr, Di. —en, die Gefahr das Leben zu verlieren, _ 
In Lebensgefahr gerathen. Es if Febensgefahr damit verbunden, 

O Lebensgefaͤhrlich, adj. u. adv, bem Lehen gefäßrlih, wobei man _ 
in Gefahr iſt das Leben zu verlieren. Lebensgefährliche Krankhei⸗ 
ten. Eine Berwundung, bie lebensgefaͤhtlich in. (R.). 

O Der Eebendgefährte, —n, By. —n; die —inn, 9. —en, ein 
Geführte, eine Geſaͤhrtinn im Leben, durch bad Erben, eine Perſon, 
welche die anbere auf der Reife durch bas Lrbem begleitet, beſonders 
von Ehegatten; auch Lebensgenof, Uneigentiich wird es in folgens 
der Stelle auch von ber Sinfamkeit gebraucht. Einſamkeit, bie erſte 
Grieberinn und Yebentgefährtinn eines Minds, wirkt doch wole ıc. 
Bimmermann. {M.). 

O Das Lebensgefühl, —ed, 34. u. bas Gefäß des kebens ober 
der Lebenskraft, ber mit Bewußtſein verbundene Genuß bes Lehen. 

“ Sin hohes Lebenegefuͤhl. 
— Die Elut bes Lebensgefähls, bie zu Thaten mit aufteribt. 
Sonnenberg. 

Der Lebenbgeiſt, —es, 2%. —ır, ber Geiſt, die innerſte wirkende 

urſache bes Lebens; ein belebenter Ceiſt. 
Und als ex ihn auf einen Zug geltert, 


# 


Lebensg 


In'e ibm, als ob mit welluſtroller Hitze 
Ein neue Lebensgeift durch alle Adern blige, Wieland, 
Befonders verficht man unter Lebenegeiſtern, nad Ab. unb Anbern, 
eine hoͤchſt feine und fläffige Maſſe, welche im Gehirn erzeugt werben, 
fich vermittelt ber Nerven im ganzen Körper verberiten, ihm Empfins 
bung und Bewegung ertheiten fol, und von Einigen audı Mervenfaft 
genannt werden, weil fie biefen mit jenen für ein und baffelde halten. In 
biefex Bebeutung kann es auch in folgender Stelle verfkanden wet: 
ben. Doch jach, wie Windeswirbei fährt 
Und ruͤhrig Laub und Staub empört, 
Barb feiner Lebensgeiſtet 
Verzweiflungsemuth nun Meifler. Bürger. 

Der Lebendgenoß, —ffen, Br. —ffen; die —inn, Dig. —en, eine 
Perſon oder überhaupt ein Weſen, welche ober welches mit der ans 
been ober bem andern bas Leben genieht, b. $. nit nur au berfel: 
ben 3eit, ſondern auch mit ihe ober ihm in Gemeinſchaft lebt. „I 
kenne meine Leute — und Die guter ehelicher Lebens: und Freuden, 
genoffe.* Benzel⸗Sternau. In engerer Brbeutung, von Chr: 
gatten, wie Kebensgefährte, Lebensfreund. 

O Der Lebendgenuf, —ffes, By. —genäffe. 2) Der Genuß des 
kebens, melden das Erben feltft gemährt; ohne Mehrzahl. 2) Ein 
Genuß im Leben. „Mit bir, E.bensgenof, will ih auch alle Lebens⸗ 
genüffe druͤderlich theilen.“ ungen. 

Die Lebensgeſchichte, 24. —n, ſ. Lebensbefchreibung. 

O Die Lebendgeftalt, 2. v. die Geftalt von etwas, mie es Teibt 
und lebt, wie auch, bie GSeſtalt, bie Einer im Leben bat ober hatte, 

Hatte dos mit für Fabel! bean Galamid heget ba Bild noch 
Sanı in Lebensgeſtalt. — Bot. 

A Das Yebendgewübl, —ı8, 0, 2. das Gewuͤhl lebender Weſen, 
bie ih in Menge unter unb zwiſchen einander bewegen. „Unb nun 
bleibt fein Auge auf tem erfien Gegen, ber erfrifhenden Sraſes⸗ 
grüne ruhn, bis er gewappnet if, Sonne zu fehen, unb das fe: 
bensgemühl aller Schöpfung zu empfinden.“ Gerber. 

& Die Lebensglut, 9. u. die hoͤchſte Wirffamkeit der Lebentkräf⸗ 
te, bei welder das Erbin, mit einem Feuer verglichen, in voller 
Blut if. i 

Hab Bionens Zauberwinke fenten 
Nene Lebensglut in Herz und Sinn. 8. 8,%, Münh haufen. 

O Das Lebensglück, —es, e . Mg. ein ober bas Gläd bes Lebens, 

etwas, das das Leben glädiih macht. 
Uns hat ein Bott geſegnet 
Mit frriem Lebensgluͤck. Böäthe 

O Das kebensgras, —ed, 3. u. ein Gras, weldes das Erben 
erhält, dem Leden und ber Geſundheit heitſam iſt. 

Auch am Eubbiſchen Strande das Lebenegras bei Anthedon 
Nupfte fie, Vog. 

O Lebensgroß, adj. m, adv. fo groß als etwas im Erben iſt, b. d. 
als es im ter Wirklichkeit iſt. Lebenegroße Wachebilder, Wachs⸗ 
bilder, bie fo groß find als bie Perſonen, bie fle verſtelen, im der 
ben wirkiih find. 3. „Die lebensgroße Grfalt,e Mielanb. 

O Die Lebensgroͤße, ©. Bi. (R.) bie Gröge, welde etwas im Bes 
ben oder in bir Wirktihkeit hat, Ein Bemählbe in Webentgröfe, 
O Das Lebendgut, —e#, My. —güter, ein Bot bes Lebens, biffen 
man im Eebem genicht, befonderd Äußere irbifche Güter; auch Lebens⸗ 

babe. Reichliche Lebensguͤter erfreuten ihm. Bf. 

O Die Lebenshabe, 0.99. fo viel als Schensgäter, 

Der Vater Allee lich zur Babe 
Die volles Maß ber Lebens hab⸗ 
Um Bielen wohlzuthun. Dof. 

O Der Lebenshaß, — ſſes, 0. 3. der Höhfte Grab des Überdeuffes, 
melden man am Leben hat. 

4 Der Lebenshauch, —es, Dy. u. 1) Der Hauch des Prbens, das 
Erben ſeibſt, ſefern eine Hauptbediugung deffriden bas Hauchtn der 


60 


Lebens! 


Luft oder bas Athmen if. Wis zum lehten Lebenshauche, bis zum 

Tode. Daß fie dem Greis nicht eilen ben Lebenshauch zu ent⸗ 

menden. Voß. 

a) Ein belebender, erquicen der Hauch. 

weichte mit Lebens hauch 

und Zobesfhauern, immer beſeligend 
Run ſanft einherwallt. — Bof. 

Das Lebenbholz, — 16, 0. Mj. ein Name bes heiligen Golzes oder 
Podenhotzes ‚Guajacum sanctum L.). 

Das Lebensjahr, —ıd, 2%. —e, ein Jahr, als Thell der Labenszeit. 
Er zäpite unfse Pebensjahre, 

Die Zebendflugbeit, 0. Big. die Klugheit welche man im geſellſchaft⸗ 
lichen Leben nötig hat, mie auch ber Inbegriff ber von berfeiben 
gegebenen Regeln, Bas refodert bie Lebeuetlugheit. Etwas Hl: 
beres bezelchnet Yıbensmeisheit, 

Die Lebenskraft, y: —kräfte, bie zum Leben nmöthigen ober das 
Leben ausmahenden wirffamen Kräfte unb ber Inbegriff derſelben, 
ia welchem Iepten Falle es gewöhnlich nur im der Eitzahl gebraucht 
wird, Ein Manſch vol Lebenskraft. Es if Beine Lebenskraft mehr 
in ihm. 

O Lebenskraͤftig, adi.u. adv. Leendkraft befigend. „Nur Sinn für bie 
Sache giebt ihr Lebensträftige Abkͤmmlinge.“ Benzel:Bternau. 

S Die Yebenstunft, 0. By. (R.) die Kunft gefund und Tange zu les 
ben, welche in Anwendung und Beloigung ber dahin abzwedenden 
kehrtn und Mrgeln beſtehet (Makrohiotik). ©, 

Lebendlang, adj. u.ady. fo larıe man lebt, fo lange bas Erben dauert, 
oder auf Zeit bes Lebens. „Und wie kongt' er kiefe lebenslange 
(Gweigende Kälte gegen mih behaupten: J. P. Ridter „Wie 
viel thuſt du infonberheit in ber zarten kindlichen Seele Schaden auf 
lebenslang. Herder. Dafür werbe ich Ihnen lebenslang bankharfein. 

O Die Lebenslänge, o. Mg. bie Einge, Dauez bes Lebens. „Auf 
folge Welfe wurde bie erfle natuͤrlichſte Zeittafel, weil fonft bei ber 
bloßen Lebenslaͤnge die Jahre ber Patriarchen in einander fielen und 
alls keinen Faden gaben.e Herder. 

Rebenslänglich, adj. u. adr. fo viel als Iebenslang. Einem lebend: 
taͤnglichen Unterhalt verſchaffen. Einen lebenslaͤnglich verforgen. 
Der Lebenslauf, —ıt, 94. —Iäufe. 1) Der kauf, Verlauf bes ke— 
bens, der Lauf burch das Leben, das Leben ale ein Bauf betrachtet; 
ohne Mehrzahl. Beinen Lebenslauf beginnen, geboren werden. 
Seinen Lebenslauf vollenden, flerben. =) Die Beihreibung des Ber 
benslaufes ober bed Lebens, bie Lebensbeſchreibung. „Lebenstäufe 

in aufleigender Einie von Hippel.“ . 

& Der Lebensläufer, —s, 94. gl. einer ber Lebensläufe macht, ie 
Berfaffer von Tebensläufen. „Wäre biefer Lebenslauf kein Lebentlauf, 
(fo) hätt? ih von der Kanzelei des Sir Karl Grontilen einen Kan⸗ 
zeliften zum Anlehn erbeten; allein einem Lebensläufer ſchlaͤgt ex’s 
ab," BHippel. 

Die Lebenslehre, By. u. 2) Eine Lehre weiche bie Geſetze bes natüm 
lien ober thierifhen kebens Eennen lehrt (Biologie, Zoonomie). 
a) Eine Behre, melde bie Kınft lange und geſund zu leben lehrt. 
5) @ine Vorfhrift zur weiſen Einriätung bes Lebens, 

Das Lebenslicht, —es, 0. Mi. bas Leben mnter bem Wilde eines 
brennenben Lichtes betrachtet. X Einem das Lebenslicht ausblafen, 
ihn toͤbten. Wer biefen Ring befist, — dem loͤſcht Bein Slement 

Das Lebens licht. Wielanb. 

O Die Lebendluft, 3: u. eine Luft, melde zum Lehen möthig, Tes 
benden Werfen zutraͤglich ift, dergleichen bie reine gemeine kuft if. 
In engerer Bedeutung, bie von Brennfloff gereinigte Luft, in welcher 
ale Echenstraft hoch anflodert, ſich aber in Rurzen verzehrt ober auf 
zeibt (dephlogistisirte Euft, Gas oxigenüi); aud Feuerluft, reine 
Luft, brennfloffleere Luft. 

Die Lebensluſt, 0. Mz. die Luft bes Lebens, bie Luft melde das es 
ben als folches gewäßrt; wie aud, die kuſt zu leben, das Berlangen 


Lebens! 


das Beben laͤnger zu geniehen. 
Morig. (R.) 

Und nun erwacht in ber erſtorbnen Beuft 

Die Hoffnung wieder und die Lebensluſt. Schiller. (R.) 

O Eebensluftig, —er, —fie, adj. u. adr. kedenoluſt habend und zei⸗ 
gend, — als fie Überhaupt heiterer und lebensiuftiger zu merben 
ſchien.“ GSAthe. „Boifhen Fehlgeburten und Sterblingen blühen 
bie (chensluftigften Kinder empor.“ Böttiger. 

A Der Lebensmai, —es, Bi. u. der Mai bes Lebens, d. $. bie 
Iugendzeit. „Im biütenweißen Lebenämai. I. 9, Richter. 

S. Mai. 

O Das Lebens mark, — es, 0. Mz. das Mark bes kebens gleichfem, 
bad innerfte Erben, bie Lebenskraft. — in unfer Her; verfhloffen, 
wandelt fie (bie Liebe) fih im ein freffenbes Gift, das unſern Geift 
entkräftet, unfer Lebensmark verzehrt" u. Wirlanb: 

Das Lebensmittel, —s, 9. gi. sin Mittel, weiches zur Erhaltung 
des Lebens dient, doch nur von ben Dingen, melde bas thieriſche 
Beben des Menfhen zu erhalten dienen, Nahrungsmittel. Einem 
die nöthigen Labensmittel veihen. Eine Feſtung mit Lebensmitteln 
verfehen (verproviantiren)., Ginem Deere bie Lebensmittel ab⸗ 
Thneiben, bie Zufuhr berfelben. 

4 Der Lebenömorgen, —s, 9. u. ber Morgen, d. h. der Anfang 
des Erbens, To wie ber Lebensabend, ber Abend, d. h. das Ende, ber 
Beſchlug bes Lebens fein wärbe, 

Doldes Rind! von beinem Lebensmorgen 
Big zum Abend Hüfet dich ihr Bid, K. L. A. Muünchhaufſen. 

O Eebensmübe, adj. w. adv. des Lebens müde, überbrüßig. „Lebens: 
müde begab fi Mesru nad ber einfamen Wäfe.* Benzel:Sten 
a au. Davon ber Lebensmuͤde. „Bie (bie Kiöfter), welche nur 
dem Lebensmüden geöffnet fein folten.“ Gotter. Einer unferee 
Schriftſte Uer Hat & Iebenmüde gefagt. „Dies Iebenmüde Trauern.« 
Rofeaagten. (R.) : 

4 Die Lebentmuͤde, 0. 3. bie Müte ober Müdigkeit gu Ichen, der 
Überbeuß am Leben. „Bon feiner Lebdensmüde find einige feiner 
kintertaffenen Briefe Zeuge.“ Gt he. „Briehifhe Erbensfeifge und 
Jadiſche Lebensmuͤde.“ I. 9. Ridter. 

O Die Lebenömühe, 3. u. die Mühe, Beſchwerlichkelt, womit das 
Leben haͤufig verfnäpft if. 

© Der Lebensmuth, — es, 0. 2. (R.) dee Muth, 6. h. die Luſt zu 
leben, trop allen Belhwerben und Unannehmlichkeiten, bie bas Leben 
mit ſich führt, „If mir dech Ihe griesgrames Wefen nicht fatal 
(unerträgtih), fo bulden Sie auch meinen Yebensmuth.“ Ifflanb, 

O Lebensmuthig, —er, —fe, adj. u. adv. Lebensmuth habend und 
zeigend. „Henarez war ber fhönfte, febensmuthigfte, feurigfte Jänz« 
lingr 1. F. Rind, 

© Die Lebensnachricht, By. —en, eine Nachricht das Leben einer 
Perfon betzeffend. Die Lebensnachtichten, fo viel ala Lebensbeſchrei⸗ 
bung, Sebensgefhichte. Lebensnachrichten des Matthäus von Jeſu, 
das Evangelium bes Matthäus, 

Das Lebensöl, —s, 99. u. ein DI bes Bebens, b, h. ein ſeht Heil 
fames das Erben erhaltendes DI, 

Bicht Lebensoͤl aus Bill. — Lohenftein. 
So ſucht eur trinkbar Wunbergeib 
und Lebensol im Saft der Trauben. k. F. Lenz. 
Die Lebensordnung, 2. u. eine gewiſſe gach Megeln eingerichtete 


„Bier athmet alles Lebenstuft.* 


Urt zu leben, und diefe Regein ſelbſt. „Dimmiifhes Belhäft, Wahr⸗ 


kit, Ordnung und Glädfeligkeit zu Icheen! — durch Worgang und 
Billes Beiſpiel fie ausbreiten, nicht bloß um fi, fondern fie zu bes 
fefigen ine Herz und Seele! tief in Lebensordnung und Semohnpeit« 
ic. Gerder. Im engerer Bebeutung, bie Debnung im Gebrauche 
ber zur Erhaltung des Lebens und der Seſunbheit dienenden Dinge; 
bie Geſundheits ordnung (Diät). Gegen die Pebensorbnung län 
digen. Gine ſtrenge Kebendorbnung desbachten. „Das es mithin 


61 


Rebensf 


mehr auf gute Pebenserbnung, ala auf foͤrmliche kanſtgerechte Arze⸗ 
neien ankoemmt.“ Benzels Sternau. 

Der Eebentpfad, —es, Bu. —e, ber Pfab bes Lebens, ber Pfad, 
weldien man auf ber Reife dur das Beben gleichſam betritt, war: 
beit; auf ber Lebensweg, die Lebensſtraße, nur mit verfhiedenen 
Rebenbegriffen, melde in ben Wörtern Pfab, Meg, Straße felbft 
ifeen Grund haben. Deln Lebenspfad fei mit Blumen beſtreuet, 
dein Sehen fei reich am Freude und Wergnügen, Die Blumen am Le: 
benspfabe pfläden, ein Gut, eine Freude, welches ober melde ſich 
Yarbietet, benügen, genießen. 

— 6&o fhmal if 
Die Grenze, bie zwei Lebenspfade ſcheidet! Schiller, 

Die Lebenspfliht, 9. —en, eine Pfliht, welche man in Anfehung 
feines kebens und im geſellſchaftlichen Leben zu beobachten hat. Auch 
mol, eine Pflicht, die man gegen fein keben, für bie Gahaltung deſ⸗ 
ſelben ıc, zu befolgen hat, „Gr ſprach jeht Sehe ernſt von ſelbſtmoͤr⸗ 
deriſchen Phantafien, — ven Lebenspflihten —" 3. P. Rich ter. 

O Der Lebensplan, —es, 24. —pläne, (R.) ein Plan, welden 
man fi für frin Lehen entwirft, um danach zu leben. — Bertau— 
ſchend ale Lebensplane gegen Minutengenuß und ungefeglie Breis 
kit» 3,9. Richter. 

O Der Lebenspunkt, — ed, 29. u. ein Punkt, b. } ein kleiner Theil 
ber kLebens zeit. 

— die Gelegenheiten, 
Die nur in Einen Lebenspunkt zuſammen 
Gebrängt, den ſchweren Früdtelnoten bilden. Schiller 

A Der Eebensquell, — s, 9. —e, oder die Bebensquelle, M. 
—n, ein Quell bes Sehens gleihfam, etwas, bad als Urfprung bes 
Rebens ober ale ber Brunb bes Lebens betrachtet wird. 


"Die Bebenöregel, 34. —n, eine Regel ober Borfhrift zur Beobach ⸗ 


tung ſowol in Anfehung ber Erhaltuug bes thieriſchen Lebens, als 
auf in Aufehung unferes fittlihen Betragens. 

— ber wie ber fefte Storm bes Pole 

Mir als die Lebensregel vorgefhienen. Schiller. 

Lebensreich, adj. u. adv. reih am Erben, Lebenefülle habenb umd ba; 

ber vermögenb Andern Leben mitzutheilen. ; 
hm, beinem Bilbe, warde Leben 
Aus deinem febensreihen Bund, Up. 
Stieler hat bies Wort für alt, ber gleiäfam rei an Fahren iſt. 

Die Kebenbreife, 24. u. die Reiſe durchs Erben, die Burüdiegung 

ber Lebtnoztit. 
und bin nunmebe tief in ber Lebensreiſe 
As Bann ein Thor. Seume. 

O Der Rebendreiz, —es, 5. u. 1) Der Beiz melden bas Leben 
hat, welder das Leben Iieb madt, =) Ein Reiz Im lebenben Koͤr⸗ 
pern, deren Leben fo lange dauert als jener Relz bauert, „bie 
Tinwirkung reijender Kräfte auf das kebens vermdgene (Incitation), 
Kant. 

& Der Eebensring, —e6, Bi. u. der Ring, ber Kreis gleichſam bes 
Schens, b. h. die Jahre bes Lebens, die ein Ganzes, gleihfam einen 
Ring, ausmahen. Dann, das Herz, welches aleihfam als ein Ring 
das Leben zufammenhält, durch welches das Beben oder eine Bedin⸗ 
gung bes teens, das Blut, kreiſet. Herber, 

Die Bebendrube, 0.29. bie Ruhe bes Lebens oder im Beben. Stieler. 
Meine Lebenstuhe ift dahin. 

Der Lebensfaft, —es, Dip. —fäfte, ein das Leben erhaltenher, ein 
ſehr heilfamer oft; im engerer Bebentung bei Einigen, ber Mertens 
faft, fofeen er als eine Bebingung bed Lebens betrachtet wird, ©. 
Bebentgeifl. j 

O kebensfatt, adj. u, adv. des Eebens fait, müde zu feben. Gin 
lsbensfatter Sreia. Meißner. (A.) Davon ber Lebensfatte und 
bie Lebensfattheit. TERN. 

AM Die Lebensfchale, 9%. u. 1) Eine Schale, aus ber man gleichſam 


Lebensf 


Leben trinkt. 2) Dirienige Schale einer Wage gleläfam ‚+ im mel- 
her Lehen und Zob gewogen und über fie entf&ieben wirb, bie das 
Sehen enthält; in Gegenfag der Todesſchale, in welher Tod liegt. 

— — — da 

Eant froh btladen feine Lebensſchale. 

Noch einmal fang er ber Alceſtis Lob 

In wenigen Tönen; und bie Todesſchale, 

Sie flog empor. Berber. . 

A Das Lebenbſchiff, — s, M. u. das Leben unter bem Bilde ei 
nes Ehiffes vorgefielt, auf welchem man bie Bebensceife made, 
@tieler. j 

& Die Lebensſchranke, 9%. —n, Schranken bes Lebens, durch wel: 
he das Leben gleihfam eingefhränkt, wie auch Schranken im Sehen, 

durch welche der Menfh beſchraͤnkt, am freien Willen ıc. verhindert 
wird. „Mas find die dichteften Lebensſchranken anders als ein Mes 
bengeländer zum Beifen ber Weingut aufgebauet,e 5. 9. 
Ridter. 

I Die Lebensfonne, @M. u. etwas das das Erben, wie die Gomne 

bie Erbe, gleihfam erhält und erwärmt, das Erben fhön und ange: 

nebm macht; befanders, eine geliebte Perfon, weiche man dichteriſch 
feine Sebensfonne nennt. 

Und wie bas gluͤclichſte Beftien ded Morgens 

Füpeft bu bie Lebensſonne mir herauf, Schiller. 

Der Lebensſtoff, —es, 9%. u. ein Stoff, welcher dem thierifäen 

Sehen zu Grunde Iegt,. Man belegt nämlih in ber Raturichre 

and Scheidekunft die ber Erbensluft eigene Grundlage oder ben Steff 

derſelben, welcher in KAuflöfung mit dem Wärmeflche eine fortwäg: 
zend-fpannträftige Fläffigkeit barftellt, und der eigentlich basienige 
in ber Luft, welche belebte Weſen in fi ziehen, ausmadıt, was zum 

Reben unentbehelid ift (Oxigenium). 

Die Pebensftrafe, 94. —n, eine Strafe, melde in Berluft bes Se 
beus befichet, Todeoſtrafe; zum Unterfchirde vom einer bloßen Lei: 
besftrafe, ; 

O Die Lebensſttaße, Du —n, fo viel als Lebentpfabd. .— (Mens 
fen) die auf der einfhnelbenden Kebenäffrafe, dennoch vom heben 
Connenflern ber Pflicht nit wegbliden® ıc. J. P. Richter. 

& Der Lebenöftrom, —es, 0. Big. der Strom bes Lebens gleichſam, 
das firdömende Leben, im-tweichem jeber Zeitibell einer Weile gleicht. 
Dann auch das keben überhaupt, als abgezogener Begriff, mit einem 
Strome verglihen, von weldem jedes lebende Weſen rin Theil iſt, 
oder auf welhem es, bilblih genommen, bahinfährt, „Auf dem 
glatt nirbergehenben Lebensſtrome Pehet der Menfh ohne Ruder 
felig in feinem Kahne, und regiert ihn nicht.“ 3.9. Richter. 

A Der Lebensſturm, —es, 94. —flürme, ein Sturm b. h. eine 
große Widermwärtigkeit im Sehen, gegen welche man kämpfen ober 
weldie man ertragen muß. 

Ein wener Kampf und neue Lebendflärme, Gollin. 

Der Lebenstag, —ed, Di. —e, ein Zag des Lebens oder ber Exhenszeit, 
das Sehen, Im gemeinen Leben fagt man bafür Lebetage oder am 
bäufigften Lebtage. Ich Habe ihn mein Lebtage nicht gefehen, in 
meinem ganzen Beben nit. Berſtaͤukt fagt man auch all mein Beb> 
tage. „Ih werde mic ſcheuen alle mein Yebtage.* Ef. 33, 15. 
„Auf bag es uns wehl gehe unfer Kebtage." 5 Mof. 6, 24. Im 
ben Rechten unb im gemeinen keben mancher Gegenden verfieht man 
unter Yebtage auch das Recht, das hinterlaflene. Bermögen bes ver« 
florbenenen Ehegatten lebenslaͤnglich zu geniefen, ohne es jedoch als 
fein völiges Eigentum, da es ben Rindern gehört, betrachten und 
veräußern zu dürfen; das Lebtagerecht. Cie hat bie Lebtage oder 
das Lebtagsrecht. 

& Der Eebenöteppih, —es, 0. 2%. ein Gemaͤhlde, eine Schilder 
rung eines angenehmen glüdlihen kebens, wo bie einzelnen Züge 
und Schilderungen wie bie Bilder auf einem ausgebzeiteten Teppiche 

erſcheinen. 


oO 


62 


Lebensw 

—— — — hoͤrt auf 

Din ſriſchen Lebeneteppich vor mie auszubeeiten, Schilter; 
db. b. das Erben mit friſchen Farben fchön, angenehm zu mahlen. 

A Dad Lebensthal, —6, Sp. u. bas Thal des Ledens, d. h. bie 
Erde, auf weicher wie unfere Erbensreife machen. 

— Dir Troſt, bag ich bi wieder finde, 
Dez leite wie ein Stern mit freundlih inirdem Strahl 
Dich bush das dunkle Lebensthal. Bärde. 

& Der lebenötraum, —es, 0. Dip. das Leben mit einem Traume 
verglichen. 

O Der Lebensuͤberdruß, — ſſes, o. My. der Überbruß am Leben, 
bie Empfindung eines Menſchen, welchet des Lebens überbräffig If. 
O Der kebensumftand, —es, 9. —ımflände, ein Umſtaud ober 
die Umfände im oder aus bem Beben einer Perſen. Man erzäßlte 
fh von thm einen und den andern Meinen bisher noch unbelannter 

Lebensumſtand (Anecdote). 

Der Lebensunterhalt, —e6, 0. @ig. ber Unterhalt oder bie Erhal⸗ 
tung des Lebens, wie aud, Alles was zur Erhaltung bes thlerifchen 
ein durch Speije und Trank bienet, Für eines Lebensunterhalt 
orgen. j 

O Die Lebensverlängerungstunft, 0. 2%. die Kanſt das Beben zu - 
verlängern, d. d. fo lange als möglid) zu erhalten (Makrobiotik), 

O Das Lebensvermögen, By.— 6, 3%. u. das Bermögen-yu eben, 
nad Kant „das Bermögen auf reizende Kräfte zurüdzumieten 
(Ineitabilität), welches berfeibe auch Erregbarkeit nennt 

O Eebensvoll, adj, u. adr. vol Lebens, ganz belebt; dann, von, mit 
hoher Erbenskraft erfült, verfihen. — wer bort aus feiner Kun: 
weit fih ins lebensvolle Paradles — zurädfinden konnte." Berber. 

Froh lebt mir Much im lebensvollen Bufen. Gollin. 
Auch Iebennoll, Lebenvolle Ratur rings. Sonnenberg. 

O Lebenswaͤhrend, adj. u. adv. f. Lebenswierig. 

Der Lebenswandel, —s, By. u. der Wandel durchs Erben, bie Art 
und Meife zu leben, beſenders im ſittlicher Hinficht; auch bloß der 
Wandel. Gin untadelhaſter Febenemandel, . 

A Die Lebenswanderung, 4. u. die Wonberung, bie Meife durcha 
Leben. Der Lebenswandrung Bag ik fhwdl. Matthiffon. 

Die Lebenswaͤrme, 0.2. die Wiheme, weiche dem Körper der warm: 
biätigen Geſchoͤpfe eigen HE fo lange fie leben, und daher ein Bel: 
en bes Exbens iſt. 

Dian bringt ihn auf fein Bett und ſpuͤrt 
Roh Puls und Lebenswirm, — Bürbe, 

Das Lebenswaſſer, —s, 3. gt. ein bas Leben weckendet, ein bem 
Leben heil ames Wafler. Mit Unreht beleat man mit biefem Ras 
men verihiebene feine Arten abgesogenen Brantiseins (Aquavit, 
Aqua vitae). 

Der Lebensweg, —es, 34. —e. 1) So viel als Sehenspfad. ©, d. 
a) Gewiffe Wege ober Möhren im tbierifhen Körper, melde sum 
Leben unentbehrlich find, wie 5. B. befonders bie Eufteöhre, 

Alfo kam allmaͤhlig zur Bruſt ber toͤdtliche Winter, 
Welcher bie Lebensweg’ und ben hauchenden Athem ihr tinſchloß. Vo. 

Die Lebensweiſe, Sg. —n, fo viel als Lebensart. ©. d. zunſer 
Himmel, unfre Einrihtungen, unfre Yebensweife legen uns andre 
Beduͤrfriſſe auf. Herder. 

O Die Lebensweiſsheit, o. Mz. Weisheit, bie auf das menſchliche 
keben und im geſellſchaftlichen keben angewandt wird, bie auf das 
Leben und auf bie Handlungen ber Menſchen wirft, »Sie (die 
Dichtkunſt) Ichete bie Menſchen Lebens weiſsheit.“ Herder. 

A Die Lebenswelle, My. u. 1) Eine Leben gebende, belebenbe 

Welle, d. h. ein belebeudes Waſſer, ein belebender, erauidender ober 

auch ſehr beilfamer Trank. 

Da reichtet ihr aut friſcher Quelle 
Dem Lechzenden bie Lebenswelle. Schiller. 
2) Das Leben, beſonders das geſellſchaftliche Leben, unter dem Bilbe 


Lebensw 


63 


Leberg 





eines ftuͤrmiſchen Meeres betrachtet. 
und auch ber hat ſich wohl nebettet, 
Der aus der ſtuͤrm'ſchen Lebensivelle 
‚Beitig gewarnt ih herausgerettet . 
In des Kloſtecs friedlihe Ile. Schitter. 

Lebenswierig, adj. u. adv, durch das ganze Leben mährenb oder 
baurend; aud lebenswährend, „Bw Tebensiwieriger Feflungsarbeit 
verdammt.“ Umgen. (R.) „Er wurde zu Iehenawährenbem Ze 
flungsbaue verurihiilt.* Derf. (R.). 

& Die Eebendwoge, 2. u. das Sehen als eine Woge im Strome 
ber Beit betrachtet, 

D Kind! — bie Lebenewoge fließt nicht immer 
Im klaren Steome fanft und zubig bin. Gotlin. 

Das Lebenszeichen, —$, 4. gl. ein Beihen bes Lebens, Gtieler. 
Kein Lebenszeichen mehr von fi geben, d. h. tobt fein. 

Die Lebenszeit, o. My. bie Zeit welche das Leben dauert, bie Zeit 
von ber Weburt an bis zum Tode. 

(Sott) Beftimmte meine Lebenszeit, 

Mein @iäd und meine Bürbe, Bellert. 
Dem Färften duͤnkt, ex hab’ im feiner Lebens zeit 
Wie fo Fergnäglih Mahl gehalten. Wieland, 

Das Lebendziel, —e#, 4. u. 1) Das Biel ber Bıbensreife, d. h. 
das Ünde des Eihend, der Tod. Bein Lebensziel erreicht haben. 
2) Ein Bier, weldes man im keben zu erreichen ſtrebt. 

O Lebenvoll, adj. u. adv. f. Lebensvoll. 

Aa Eebenmwedend,, adj. u. adv, Leben weckend ober erweckend, 
beiebend, , 

— mit Wärme bes Fruͤhlings 
Athmet fie (Menſchenliebe) fanft und lebenweckend bie Herzen 
ber Belt an. Sonnenberg. 

Die beber, 24. —n; Bw. das Leberchen, O. D. —lein, ehemadts 
überhaupt etwas Erdabenes, ——— — — von welcher Bedeu⸗ 
tung mod die Benennung ber Feld⸗ und Grenzſteine im Öſterreichi⸗ 
Then, wo fie naͤmlich Lebern ober Keberfleine genannt werben, zeigt. 
Tegt verficht man barunter nur eins ber Bingemeibe im menſchli. 
hen und tblerifhen Körper, welches bei dem Menfhen in ber Bes 
gend ber rechten Unterrippen und zum Theil auch in ber Ober 
baudögegenb über dem queren Grimmbarmegekröfe liegt, eine bräuns 
lich rothe Karte, eine erbabene obere und etwas gehbhlte und uns 
ebene untere Flaͤche hat (Hepas). Sie bient vorzäglih bie Gaule 
su bereiten und abzufondern. 

Die Leberader, 3. —n, bie Ahern ber Leber, und zwar ſowol bie 
Zeberfchlagaber (Arteria hepatica), wilde aus der Eingeweide⸗ 
flagaber entfpringt, fih in mehrere Äfte theilt, ehe fie zur untern 
Beberflähe gelangt, mo fie fi wieber in bem echten und linken Pos 
derzweig theilt, als aud, bie Yeberbiutadern, melde aus ber Leber: 
maffe in bie Hohlblutader, indem fie durch bie Leber geht, kommen, 
Bei Anbern ift bie Leberader ber untere größere Af der Achſelader; 
bei ben Thieren bie Viertelader. 

Die Leberaloe, 4. u. f. Aloe 4). 

Der Leberbalfam —es, DM. u. der Rame verſchiebener Pflanzen. 
1) @ine Art bes Ahilenkrautes in Italien und Sädfraukreich, mel: 
de als ein Mittel wider Beberverftopfung gerähmt wird (Achillen 
ageratum L.), 4) Des Hirfhliers ober Hirſchgͤnfela (Eupato- 
rium cannabium L.), 3) Der unechte Peruiſche Peberbalfam, ein 
6 bis 7 Buß hoher Strauch in Prru (Iva frutescens); unechte Fie⸗ 
berrinbe, Jefuitifcher Rindenbaum. 

Der Leberbeſchlag, —es, 94. u. f. Kupferlebererz. 

Die Leberblume, 9. —n. 1) Eine auf feuchten Wiefen wachfende 
Pflanze, deren Stengel in ber Mitte ungeflte mit einem einzigen 
Blatte, weldes denſelben umgieht, Sefegt find, daher fie aus Gin: 
blatt Heißt, und deren Blumen gelbe Knöpfen bitten, fünf Staub: 
füben und einen Bruchtkeim, ber mit vier fliehen bleibenden Griffeln 


befegt if, Haben (Hepaticn alba, Parnassia palustris L.). Sie 
wurde ehemahls ale ein gutes Aittel gegen Leberverflopfungen ans 
gefegen, und wird auch noh Steindlume, weiße Leberblume, weiſ⸗ 
ſes Leberkraut genannt, 2) Des Leberkltes oder Bebirkrautes, ©, 
Lebertlee 2). 5) erg ein Name des Wicfontuopfes 
(Sauguisorba officinalis L.); auf Blukkraut, Bluttröpfhen, 
Drachenblut, Pimpinelle ıc. 

Die Eeberblutader, Wi. —n, f. Leberader. 

Der Leberbrand, —ed, 9%. u. eine Krankheit ber Schafe, welde die 
innern Theile, vorzägli Runge und Leber angreift; auch, ber weiße 
Brand, zum Unterfhicde vom äußern ober ſchwarzen Brande. 
ine Krankpeit tes Windviches, melde in einer Entzündung dre 
Gifte zwiſchen Fel und Fleiſch Seftehet, führt gleichfalls dieſen Nas 
men, bagegen jene Keankpeit beim Rinbviehe der Herzbrand ges 
nannt wird, 

Leberbraun, adj. u. adv, vöthlih braun, fo wie bie Leber if; leber⸗ 
farben, leberfarbig. Dee Leberdraune heipt im O. D. eine Art 
leberbrauner MWeintrauben, auch Ruhlaͤnder, im Sachſen aber ber 
Kleinbraume, 

Die Leberdiſtel, 9. —n. 1) Ein Name ber gemeinen Saubiftel, 
Bänfediflel (Sonchus oleraceus L.). 2) Bel Einigen, ein Mame 
der Bänfezunge, 5) Des milden Gafats (Lactuca scariola L.). 
4) Des flinkenden Gatats ober Saufalats, der auf wilder Salat 
genannt wirb (Lactuca virosa L.), 

Die Leberbrüfe, Sz. —n, in der Zerslieberungetunſt, Dröfen an ber 
£eber (Glandulae hepaticae), 

Der Lebersegel, —s, 2. gl. eine Gattung von Eingeweidenätmern. 
S. Schafegel. 

Der Echereiufchnitt, — es, 2. —e, in ber Zergliederungskunſt, ein 
Ginfhnitt, melden bie lange Leberrinne am verdern Rande ber uns 
teen Erberflähe,bilbet (Inceisura interlobularis). 

Die Leberentzündung, I. —en, in ber Krankpeitsichee, die Ente 
aünbung ber keber (Hepatitis), 

Das Lebererz, —es, 34. —e, im Berzbaue. 1) Ein ieberſarde · 
nes Federerz. S. Federerz. 3) Ein leberfarbenes oft auch buntſar⸗ 
biges Kupfererz. S. Kupferlebererz. „ 3) Gin leberfarbenes Dueds 
flißerer; in ben Bergwerken zu Ibria, "in weldem Bo Pfund Queck- 
fiber auf einen Bentner enthaltin- find, 4) Sin roͤthlicher Eiſen⸗ 
fein; Leberſchlag. 

Die Leberfarbe, o. 29. bie roͤthlich braune Farbe ber Leber und eine 
derſeiben Ähnliche Farbe, 

Leberfarben, Yeberfarbig, adj. u. adv. eine Leberſarde habend, Im 
berbraun. „Einen lebirfarbenen Ehrenfrack.“ 3. 9. Richter. 
Das £eberfarbener;, — es, 94. — e, im Bergbaue, ein lichtbraunts 

Subererz. 

Der Leberfiſch, —s, My. —, bei Müller ber Name eines lade 
farbigen Klippfildes (Lahrus hepatus L.). 

Die Leberflechte, 24. —n, ſ. Lebergeflecht. 

Der teberfleden, — 6, DH. al. rin Ieberbraunee Flecken, befonbers 
bergleihen Fleden, welhe ih bänfig auf ober in der Haut im Ges 
fihte, auf ter Bruſt ober andern Theilen bes Abepers zeigen. 

Der Leberfluß, — ſſes, Di. — fluͤſſe, ein von Erberverfiepfung her⸗ 
ruͤhrender Baudfiuß, bei melden Blut mit audern Unrelnigkeiten 
von verſchiedener Farbe boh obne Stuhlzwang abarhet, 

Der Leberfuchs, —es, 9. — fühle, ein Fuchs aber roͤthliches Pferd 
von Ieberbraumer Harbr. 

Der Eebergang, —es, By. —gänge, in ber Berglieterunggkunk, der⸗ 
jenige Bang in ber Seber, welder aus ber Wereinigung ber Balıns 
gänge :c. enteht (Ductus hepaticus); ber Pebergallengang. 

Das Lebergeflecht, —ed, 3. —e, im ber Berglicherungsfunft, ein 
Rervingeficht, welches mit ber Leberſchlagader zug Leber acht; bei 
Remnidh & Leberflechte. Man unterfheibdet das rechte u linke 
Lebergeflecht Elexue hepaticus dexter et sinister). 


Keberg i 


O Das Lebergrimmdarms band, — es, 2%. —bänder, in ber Berglie: 
derungstunft, ein Baud, ·durch welches bie obere Platte bes queren 
Erimmbarmsgetrdfes mit ber kLeber zufammenpängt (Ligamentum 
coli hepaticum), Biebemann, 

Die Leberhaut, 94. —bäute, in ber Berglieberungstunft, die Häute 
der Leber; befomders bie äußere Haut berfelben, melde eine Borts 
fegung ber Bauhhaut if. 

Der Leberkies, — es, Pr. —e, ein Rome des braͤunlichen cher leber⸗ 
farbenen Kupferkieſes. 

Der Leberklee, —s, 94. u. 1) Eine Art des gemeintn Kltes, mer 
gen ber Ieberfarbenen Blumen. ») Cine Pflanze, meide an ſchat⸗ 
tigen Orten wächſt, und deren Blume einen dreiblattigen rauchen 
Reich und ſecht bis acht gewoͤhnlich blaue Blumenblaͤtter hat, zwir 
fen welchen viele Staubfäben ſihen und in bern Mitte ein aus 
vielen Ttuchtkeimen mit einfaden Griffen deftebendes Köpfchen figt 
(Hepatica, nobilis offieinalis, Anemone hepatica L.); aud) 147) 
berbiume, Leberkraut, Edelleberkraut, Güldenteberfraut, Guͤlden⸗ 
Hee, Herzkraut, dlaue Holzdlume, ſchwarzes Blaͤtterkraut. 

Die Leberklette, Bi u. eine Art des Odermennig, mit gefieberten 
Alättern und lodern Blätenäbren (Agrimunia offieinalis, Agrimo- 
nia enpatorinm L.); auch Koͤnigskraut, Leberkraut, Steinwurzel, 
Bruchwurz, Heil aller Welt ıc. Die Blätter, wilde einen ange: 
nehmen, würhaften Seruch und zufammenziehenden Tharfen Gr: 
ſchmacd haben, werden zu Arzeneien in verſchledenen Ktankhetten ges 
braudt, befonders follen fie gegen Eeberverfiopfung gute Dienfte Leiften. 

Die Leberkrankheit, Dy. —en, eine Kraukheit, d. h. ein ungefunber 
Buftand ber Leber, wie au eine Krankpeit, bie in biefem ungefuns 
den Auftanbe der Leber ihren Grund hat (Morbus hepatieus). In 
engerer Bedeutung, bie Scherentzünbung. 

Das Leberkraut, —es, 9: — kraͤuter, die Benennung verfhiebener 
Kräuter, welche in Leberkrankheiten, befonbers bei der Leberverſtop⸗ 
fung gute Dienfte leiften folen, 1) Der keberblume (Parnassia pa- 
Iustris L.). S. d. 1). 2) Des Beberliees (Anemone hepatica L.). 
©. d. 2). 3) Der Leberklette (Agrimenia eupatorium L.). S. d. 
4) Des Eeherbalfams (Achillea ageratum L.). &,b. 5) Eine Art 
bes Kunigundfrauted (Eupatorium enmnabinum L.); Hirfhalin: 
fer, Wafferboft, Wafferbanf ıc. 6) Des Lebermoofes (Marchan- 
tia polymorpha L.). S. b, 7) @iner Art Flechte, welche ais tia 
gutes Mittel gegen ben Siß toller Hunde geräßmt wird; afhfarbis 
ges Leberfraut, Erdieberfraut (Lichen caninus, s, Lichen cine- 
reus terrestris L.). Sie ift bie gemeinfte Flechte und wäaͤchſt in 
den Balbungen auf ber Erbe und auf dem Moofe. 8) Giner Art 
bes Hahnenfußes, das Wafferleberfraut (Ranunenins aquatilis L.). 
9) Des gemeinen Pfefferfrautes (Lepidium latifolinm L.). 10) 
Einer Art ber Golbmily (Chrysosplenium alternifolium L.), 

Der Leberlapven, — 8, 39. gl. in der Zergliederungslunſt, die Mer 
nennung verfhiehener lappichter Theile ber Beber. Der rechte und 
linfe Leberlappen, welche burd ben Lebereinſchnitt gebilbet werben 
(Lobns hepatis dexter et sinister); ber viereckige Leberlappen, 
welcher zwiſchen der Nabelriane und der Gallenblafengrube liegt (Lo- 
bulus quadrams); der Spigelſche Rappen, welcher zwifden bem 
binteen Zheile der langen Leberrinne und dem hinterm Rande bes 
tehten Beberfappens Hegt (Lobulus Spigelü). 

Das Eebermittel, —s, 2. sl. ein Argensimittel wider keberlrank. 

eiten. 

Pr Lebermoos, —ıd, 3. — e, eine Benennung derjenigen Moo: 
fr, welge gewoͤhnlich feinen Stengel, meif große und flad liegende 
Blätter haben und deren Kapfel in mehre Klappen aufipeingt ıHe- 
paticae, Musei hepatiei). In engerer Bebeutung , eine Art bie. 
fee Mofe, melde an feuchten und fhattigen Orten wählt, fingerlan: 
ge und eines Zolles breite lappige, ſchuppenweiſe Über einander lies 
gende Wiätter bat, bie auf ber bunfelgränen glänzenden Oberflaͤche 
mit weißlichen Fleden gezeichnet find und in ber Mitte ſchwarz⸗ 


64 


Leberz 


beiunlige Abıen Haben, Die anfangs grünen, bann weißlien 
Huͤtchen berfeiben theilen fi in acht bis ;ehm rundliche Strahlen 
und auf ber Oberflaͤche ber Blätter erfhrinen die fat onmerftih ges 
ieiten Ergeifösipigen Becherchen (Hepatica fontana officinalis, 
Marchantia polymorpha L.); auch ſternfoͤrmiges Eehermoos, 
Leberkraut, Brunnenlederkraut, Steinieberfraut. Man fhreibt 
bemfelben Heilkraft bei Leberverſtepfung und andern Krankheiten zu. 

t X Lebern, v. utr. u. rec. im manden Begenden für loben, ges 
innen. R. D. levern. Geleberte Milch. D. Lebern. D. —ung. 

Dad Erberpflafter, —s, @y. ol. ein Pfiafker, welärs in deberkrank. 
beiten aufzelegt wird. Frifch. 

Die Leberpforte, 2. —n, in der Zergliederungekunſt, ber Name 
einer Bertufang zwiſchen beiden Kortfägen bes Spiatlſchen Leberlap⸗ 
pens (Porta). 

Das Leberpulver, —s, 2. gl. ein Pulver, beffen man ſich in Le⸗ 
bertrantheiten bebienet. Feifſch. 

Die Leberraute, Sz. m. ein Name ber Wonbraute ober bed Monde 
trautes, wahrfgeinlih weil man berfelben aud eine Heilkraft in ke⸗ 
berfranfpeiten zuſchrieb. 

Der Leberreim, —es, Dig. —e, bie Benennung gewiffer ſcherzhafter 
Reime, in welchen man noch zumweilen bei Gelegenheit ber Leber eis 
nes auf bie Zafel aufgetragenen Hechtes feinen Wig zf eigen ſucht. 
Da biefeiben oft ſehr unmipig find und fi ſchlecht relmen, fo nennt 
man in weiterer Bedeutung auch wol überhaupt ſchlechte Werfe Lex 
berteime, „Und endlich bie [hönen Leberreime, tamit man ben Kine 
besn das Finblichfte Bild zerflidt und zerfiädt: 

Am erſten Shöpfungstag fprad; @ott: es werde Licht; 
Am anders ward ber Bau des Himmels zugericht — Serben 

Die Leberrinne, By. —n, in ber Berglieberungsfunft, bee Name 
veefhieben:r Rinnen ober [hmaler und Langer Vertiefungen an ber 
Leder. Die lange Peberrinne (Fossa longitudinalis) befindet Kb 
an ber untern Fläche der Leder und geht von kintın nad vorn; die 
quere Keberrinne (Fossa transversa) durchſchneidet bie lange Leber⸗ 
sinne und liege zroͤßtentheils im rechten teberlappen. 

Der Leberſchlag, —es, Br. u, f. Leberetz 4). 

Die Veberfchlagader, 4. —n, f. Ceberader. 

Der Leberſchwaͤmm, — es, 4. — ſchwaͤmme, ein auf Baumftäns 
men wahlender Schwamm, ber in ber Geſtalt einige Thnlichtkeit mit 
einer Leber hat (Boletus hepatieusL.); auch Nußſchwamm, Blut: 
fhwamm. 

Der Leberſpalt, —es, Dip. —e, in ber Berglicberungsfunft, eine lange 
Bertufung in ber Leber Suleus transversus hepatis). 

Der Leberſtein, —es, 4. —e. 1) +®. Leber. 3) In ter Mies 
neriehre, ein mit einem brennbaren Wefen und mit Witziolfäure vers 
mifäter Kalkſtein, weiher wie Schwefelleber riet. 

+ Der Leberſtock, —es, 94. — ſtoͤcke, fo viel als Pirbflöcel, ' 

Der Leberthran, — s, Pi. u. Thran, welcher aus der Leber ver 
ſchiedener großer Berthirre bereitet wird, und weicher, weil er häufig 
aus Bergen in Rormegen zu uns Pömmt, aud Berger Thran Heißt; 
sum Unttrſchiede vom Speckthrane ıc, 

O Der Lebe⸗ruf, —es, Di. —e, der Nuf, das Mufen: es lebe doc! 
(Vivat), 

— (es) flieg Leberuf in bie Luft auf. Sonnenberg. ; 

Die Leberverhärtung, 9. —en, eine fehlerhafte Werbärtung ber 
Eiber, 

Die Leberverſtopfung, Sh. —en, eine Erberkranfheit, welche in Wer: 
Hopfeng ber Gefäße der Leber beftehet, =» 

Der Eeberwurm, —es, By. —telirmier, eine Art Ianger und flader 
Eingesseibewürmer, welhe ſich beſonders in ber Erber der Thiere 
aufhalten ‚Pasciola lumbricus Intus). 2 

Die Leberwurſt, 2. — wuͤrſte, Wurft, melde meift mit grhadter 
keber gefünt ifl. 

O Das Leberzwoͤlffingerdarmsband, —es, I. —bänder, Die 


i 


Lebet 


65° 


Led 





fes ungebäßrtiä lange Wort bezeichnet Im ber Berglichirungsfunft, 
eins ber Bänber, durch welde ber Bmölffingerbarm befeſtiget wird, 
und weldes bie Äufere don der unterm Flaͤche der keber an ihn fort 
gefegte Eebeehaut if (Ligamentum duodeni-hepaticum), Wirr 
demonk,- ; 

Die Eebetage, f. Lebenstage. 

Dab Bebewohl, ». Umend. u. 29. ein Munfd Krim Abſchiede, daß ber 

Unbere wohl feben, fi Fänftig wohl befinden möge. Ginem Lebe 
wohl fagen, vom ihm Abſchled nehmen, fih von ihm treunen. 
Kaum peegönnt’ ihm fein Herz bas Iehfe Lebewohl zu ſchluchzen 
Bobmer, 

Lebhaft, —er, —efle, ndj.u, adv. Beben pabend und zeigend; eigent, 
Kid und wnelgentiih. Gin lebhaftes Kind, ein Rind vol Leben, 
ſeht munter und immer in Bewegung. Lebhafte Kugen, bie Immer 
in Bewegung find; auch feurige, Geift und Beben verrathenbe Augen. 
Cine lebhafte Stadt, in welher, wegen bır Menge der Einwohner, 
Gremden ic., Die ipren Befhätten ober Bergnügungen nachgehen, viel 
Bewegung und Beben it, wie im Hauptfläbten und Handelsftäbten. 
Diefes Handelöyweig wird hier fehe lebhaft beirichen, d. h. fehr aus 

und ‘in einem fo großen Umfange, daß viele Menfhen 
dederch beihäftiget werden. Min Iebhafter Handel, Cine Sache 
bebhäft betzeiben, angelegenttih, mit großem Gifer. Cine lebhafte 
Gmpfinbung, ein lebhaftes Gefäpk, bie ober das einen hohen Brab 
ber Stärke hat. Die tebbaftefle Freude üußern. Min lebhaftet 
Bankgefühl. Auf das lebhafteſte gerührt werden. Lebhaft [pres 
Gen, auf eine Xrt, die ein lebhaftes Befäpt verräth, und die ſich for 
wol im Xon, in ben Xusbrüden, als au und befonders in der Stärke 
ber Stimme äußert, Ein lebhafter Etreit. Eine lebhafte Sprache, 
Ohreibort. Cine lebhafte Darſtellung, melde eine Bade fo bar 
Rent, ats fähe ober erführe man fir ſeibſt. Ein lebhafter Wexftand, 
mwelder ſchnell begreift und leicht etwas deutlich einſteht. Sich ets 
was recht labhaft denken, es fih anſchaulich vorſtellen. Gin lebhaf ⸗ 
der Gedanke. ine lebhafte Geſichtefarbe, hohe rothe Farbe bes Ges 
ſchte eines gefunden Menfhen in feinen beften Jahren. Cine leb⸗ 
bafte Farbe ift in weiterer Bedeutung eine jebe Farbe, welche reinen 
sorzöglihen Grab der Höpe umd bes Glanzes bat. In manden Ges 
genden fagt man au, eine Perſon ganz lebhaft abbilden, d. h. fo 
tie fie leibt und lebt, nad) bem Leben. &. Leiblich. Davon bie Leb⸗ 
haftigkeit, die Eigenſchaft oder Befhaffenheit einer. Perfon ober Gas 
Ge, nad melden fie lebhaft if; eigentlich und umeigentlih. Die 
Rebhaftigkeit eines Kindes, ber Augen ıc, Die Pebhaftigkeit am 
einem Drxte. Die Lebhaftigkeit der Gefühle, ber Freude, der Epras 
&e, der Darflellung, bes Berftandesic. Die Lebhaftigkeit einer JFarbe. 

* Eebig, adj. u. adv. eben oder Exbenskraft habend; in manden Bus 
fammenfehungen, als Janglebig, hartlebig, Fange lebend, ein hartes 
ober zäbes Erben habend. Friſch. 

Der (dab) Lebhonig, —es, My. u. in ber Bienenzußt, ber grobe ges 
geibelte Honig, mwelder in einen Sad getfan und ausgepreft wirb; 
zum tnterfhiebe von bem gefeimten Donige ober Honigfeime, mwels 
cher von felbft aus ben Bellen Läuft. { 

+ Der Lebkuchen, —, 9. gl. der Name einer Art Kachen aus 
Vehl, Honig, Mandeln und Gewärzen, befonders in O. D.; fonft 
und gewöhntier Pfefferfuhen und Honigkuchen genannt. 

# Der Lebtüchler, oder Erblüchner, Lebluchenbeder, —6, 2W. ol. 
im D. D. ein Berker, welcher vorzuͤglich kebkuchen bädt, 

* Leblich, —er, —ſte, adj. m, adr. ein Wort, welches im Schaf 
Rieberb. Spraden für, zum Leben dienlich, 4. B. Sebliche Luft 
(aura vitalis) angefegt if. R. Befler aber begeichnet es bei Gier 
Ter, belebt, Iebhaft, und ia neueren Eheiften, einem lebenben Weſen 
ober einem Wefen, einem Dinge, wie es in ber Wirkligkeit if, A4Ahn⸗ 
GG; nah bem Beben aber nach bee Ratur iveu und taͤuſchend dar⸗ 
gekut. - 


Gampe's Wirterh 3. Th. 


Lebliche Bilber, bewegt burch känfttich geordaete Beben, Elubius. 
— bald zeigen in leblichen Bildern 
Sie ibm bie Arten des Obſtes — Derſ. 
Davon hie Leblichkeit. 

Leblos, —er, —eſte, adj. u.adv, Bein Beben habend, ohne Leben, es mag 
elamahl gelebt Haben ober nicht. Lebloſe Dinge. Der lebloſe Körper 
eines Menſchen, der Leichnam beffelben. Meblofe Bögen." Weidy. 
34,29. Donn aud, ohne Bröpaftigkeit. Lebloſe Augen, S. aud Bl 
benlos. Davon bie Lebloſigkeit. 

X Die Lebtage, f. Lebenstag. 

Das Lebtagsrecht, —ıs, 0. ip. ſ. kebenttag. 

Die Lebzeit, 9. —en. 1) Die Beit,.in weider ein Irhenbiges Mer 
fen lebt ober gelebt hat; ohnte Mehrzahl. „Die Ungewißpeit nom 
ber Lebzeit Domeri® ꝛc. bei Shottel. (R.). „Wide hundert Jah _ 
vor ber Lebzeit bes Solon.“ Popowitſch. (R.). 2) X Die Feb 
zeiten, in ben Bebensarten des gemeinen Bebens, bei meinen Lebzei⸗ 
ten, während meines kebens, fo lange ih Iehe; Bei feinen Lebzeiten, 
wur Beit ba ex lebte, bei feinem Beben. 

Das Lech, f. Leg. 

Das Lechbett, ſ. Legbett. 

+ Lehen, x. utr. f. Lechzen. 

Der Lecher —s, 9. gl. eimer ber lechet aber Iehyet, den Höhe 
Grab bes Durfies und aneigentlich den pöhften Brad ber Wegierbe 
nad etwas empfindet, 

Du wirft mir zwar rin Beiher 

Bon Heitungslabfal- voll; 

Nur baf ih armer Lechet 

Richt ganz ihn trinken fl. Bürger. 

Das Lecherz, —es, 9. u. fo viel als Aupferglas. 

we — bie Lechſtraße, ſ. kegſchmelzofen und keg⸗ 

ra 


Lechzen, v. mtr. mit haben, bas Verſtoͤrkangswort bes in gleicher Be- 
beutung im D. D. no gewöhnlichen Ichen, vor großer Dürre ober 
Zrodenheit, Miffe und Nigen befommen, „Darum, daß bie Erbe 
lechzet, weil es mit regnet.“ Ger. 14, 4. So fagt man befonbers 
non eingetsodneten hölzernen Gefäßen, welche eine hineingegoffene 
Bläffigkeit in den Bugen buchlaffen, daß fie lechzen sber lecken z wor 
für man im O. D. auch verlechzen ump serlechgen fagt. In engerer 
Bedeutung heißt lechzen ſehr burften und bies buch Öffnung bes 
Mundes, buch fhnelen und kurzen Athem bei großer Trockenheit 
bes Munbes zu exrfennen geben ; und unelgentlih, einen fehe hohen 
Grab der Begierbe nah etwas empfinben.: Bor Durfi, nor Be 
gierbe fechzen. -„Mie ein Kußgänger, ber burfig it, lechzet fir.“ 
Bir. a6, 15. „Wie ein Wild, wenn 26 vor großer WBruaft 
lechzet und Häuft.” Jer. 2,24. Min lechzendes WWerlangen, 
D. Leihen. 

Bed, —r, — ſte, adj. u. adv, in ten Fugen ober ba, wo bie Theile 
jufammengefegt find, Zwiſchenekume habenb, befonbers von großer 
Teodenheit, und ben Fläffigkeiten ben Durchgang verftattend, mit 
waflerbiht. Gin leckes Jaß. Borzäglih von ben Schiffen, wenn fie 
durch irgend einen Zufall Rigen und Öffnungen unter bem Waſſer 
befommen haben, fo baf das MWafler einbringt. in ledes Schiff. 
In weiterer Bedeutung gebraudt Ki. Shmibt (M.) Aecke Schu⸗ 
be, für fhabpafte, gerriffene, in weile das Waſſer bringt... Davon 
die Leckheit. 

Der Led, —E, Rp. —e, eine Rige, ein Spalt, eine Öffaung in ti» 
nem hölzernen Befäße, durch welde eine Fluͤſſigkeit ein» ober audlau⸗ 
fen kann; befenders von ben Schiffen. Das Schiff hat einen Led 
belommen. Die Leckt austeffern. 

Die Lee, 94. —n. 1) In manden, beſonders OD. D. Begenben fo 
viel als der Bid. =) Bon leden, mit ber Bunge über etwas fab: 
sen, in ber Landbwirthfhaft, ein Trog, ober ein Drt, we man bem 


9 


Leck 


—— und beſonders ben Schafen Salz zu lecken giebt; bie 

alzlede, 

I, — intrs, u. tre. 1) Mit ber Zunge Über die Flaͤche eines 
Dinges hinſtreichen. Die Katen leden fih bie Pfoten. An etwas 
leden. Im gemeinen Leben und im nerähtlihen Sinne wird leden 
auch für oft und viel kuͤſſen gebraucht. Die verliehten Leutchen leden 
ſich unaufhoͤrlich. 2) Durch Lecken ober mit ber Zunge in fih sie 
Yen, mit ber Zunge wegſchaffen und dadurch reinigen. Die Bären 
lecken gem Honig. „Die Hunde follen bein Blut lecken.“ ı Kön. 
21, 19. „Den Staub lecken.“ Pf, 72, 9. Sich die Ringer leden, 
Be durch Beten von bem, was an benfelben beſindlich iſt, reinigen. 
X Die Finger, oder alle zehn Finger nach etwas lecken, nad dem 
Genuß,einee Sade fehr läftern fein, aud, eimas mit bem größten 

Bodlſchmack geniefen, ſo daß man, nah bem Genuß beffelben ſich 
noch bie Finger let. Mneigentiih fagt man von bee Sonne, fie 
Iede ben Schnee weg, wenn fie ihn ullmäplig ſchmelzt, bis ex ih 
ganz verloren hat, So auch dichteriſch von ber Flamme, wenn fie 
einen Begenftand berührt, 
Die Flamme leckt 
Ihn ſchon ums Maul. 
Die Bit. — ©. 
Selb von ber Beit fagt einer unferer Diäten, daß fie die Mens 
"Yen binmweglede: 
Menſchen lecket die Beit hinweg wie die Sonne ben Fruͤhthau. 
Kofegarten, 
+ @in geledtes Gemaͤhlbe Heift bei den Mahlern ein Gemaͤhlde, auf 
weldiem bie Farben auf eine fleife und ängfilihe Art vertrieben find. 


Er blekt 


Im gemeinen Ecben fügt man noch von einer Perſon ober Sache, fie. 


fei wie geleckt, wınn an ihr alles glatt und zeintih if, ein von den 
Kayın heegenommened Bild, welche ſich lecken und baburh bie Haare 
am Rörper nit allein glatt fireihen, ſondern aud reinigen. Im 
Denabeädfhen ıc. lautet bied Wort liden. D. Keden. D. —ung. 
2, Lecken, v.ntr. 1) Mit fein, tropfenmeife und almäplig durch bie 
Riten ober undiäten Fugen eines Befäfes bringen. Der Wein ledt 
aus dem Faſſe. =) Mit haben, einer Fläffigfeit durch einen Led 
Durchgang verftatten; rinnen. Bei ben Böttihern, drohnen d. $. 
theänen, im O. D, lechen. Das Faß leckt. Ein Schif, welches 
leckt. Upeigentlib ſagt man, bie Lichter lecken, wenn fie ben Talg 


ober bas Macs auf eine fehlerhafte Art an fih hinunterlaufen Tafs, 


Bumeilen nennt man aud wol 


Ten ; gemößnliher laufen, rinnen. 
Das Lecken. 


teiefende Augen leckende Augen, 
„ Loden, ſ. Läden. 

eder, —er, — fir, adj. u. adv. fehr wohl ſchmeckend. Cine leckere 
Gptile, „Dole bie feener Papageien zum leeren Fraß. Baharid. 
Eine leder zubereitete Speife. Gin leeres Gaſtmahl. 

und fie erhoben die Hände zum ledderbezeiteten Mahle. Voß, 
Leder Ieden, lauter wohlſchmeckende Speifen und Betränte genirhen. 
2) Nur keckeres zu genießen verlangenb, an ben Genuß beffen, mad 
leder tft, gewöhnt. Gin leerer Menſch. Leder fein. Nach G—s 
Borſchlage follte man, fiheint es, für dieſe zwelte Mebentung immer 
ledtrhaft gebrauden. — Warigenttih auch in Scherz, fein prüfenb, 
das Befte verlangend und mählenb, 

Der Leder, —s, 9. al.; die —inn, 34. —en, 1) @ine Perfen, 
welche Fett ober beitckt. S. Tellerlecker, Speichelleder. Uneigents 
lich und verähtiih, eine Perfon, welche oft und Fiel fühl. In en: 
gerer und uneigentliher Bedeutung, time Perfon, welche nad bem 
was wohl Ichmedt fih gleichſam ben Mund Iedt, d. 6. nur bad mas 
wohl fhmerft zu genießen verlangt und es fih zu ver'haffen ſucht. 
Hütet eure Toͤchter vor folden Leckern. =) X Das Werkieug um 
Leiden, bie Zunge; außer im DO, D. wo man bie Runge bes Mind» 
viches Leder nennt, und bei ben Iigern, wo bie Zunge bes Hiefhes 
Lecker, auch Graſer und Weidemeſſer heist, nee im gemeinen Sherje 
gewötnfih, Ginen feinen Leder haben. Der Leder fichet ihm 


66 


Leck 


danach, da geläftet ifm banad. 5) ©. Lapphorn. 

Der Leckerbiſſen, —, 34. gl; Bw. das Bederbifihen, ein 
lederer Biffen; dann überhaupt eine leckere, d. d. fehe wohlſchmek. 
kenbe Speiſe. 

Die Lederei, By. —en. 1) Das Lecken, bie. Handlung da man etwas 
ledt; ohne Mehrzahl. Umelgentiih und verähtiih, ein häufiges 

. Käffen. 2) Die Begiende nad lecktren Baden, und im weiterer Bes 
deutung nah finnlihen Benüffen überhaupt; ohne Mehrzahl. 3) Ein 
Lederbiffen, eine leere Speife. „Doch auch Waffer und Brot ſchmeck. 
ten miz beffer, als feine Lodereien. Weiße, 

Das Lederefien, —s, 7. gi. ein leeres Eſſen, eine ledere Speife. 
&tieler, 

O Dad Leckergericht, —es, By.—e, ein leeres Gericht. Auch un 
eigentlih von Sachen, die einen angenehmen Genuf gewähren, ob fie 
gleih mit eigentlich genoſſen werben. So werben in folgender 
Stelle Spottblider unter Leckergerichten verftanden. „Man kann 
daher dem Funfllirbenden Schmecker biefer Art von Ledergerichten 
nit dringend genug anrathen, doch ja ſogleich zum Lichtenbergifchen 
Küdyenzettel zu greifen, ehe fle* ıc. Ungen. (®.). 

Lederbaft, —er, —efle, adj. u. adv. aur nad bem Benuß deſſen, was 
leder it, d. h. was wohl Ihmedt, begierig, und an folden Genuß 
gewöhnt; im gemeinen Beben auch leckerig. Ein Iederhafter Menſch. 
Leckerhaft fein. In engerer Bedeutung zumeilen für nafhhaft, da 
man von etwas, welches bie Wegierbe zeigt, Leit ober naſcht. ©. 


Leder. 

Die Lederhaftigkeit, o. Di. bie Eigenfchaft einer Perfon, ba fie 
lederhaft iſt. 

Die Leckerheit, o. 9. die Eigenſchaft einer Cache, befonders einer 
Epriie und eines Getraͤnkes, da fie lecker find. 

X Leckerig, —er, —ſte, adj. u. adv. fo viel als leckerhaft. Davon ° 
bie Leckerigkeit. 

X Das Ledermaul, —s, 9. —mäuler; Bio. das Pedermäul: 
Ken, ein leckerhaftes Maul; ; bann, eine Iederhafte Perfon, Da 
it etwas für fein Ledermaul, Gin Leckermaul fein, letkerhaft 
fein. O „Eiwas für das Pedermäulden« (etwas pour la konne 
bouche), €. 

Leckern, v. atr. mit haben, Neigung haben etwas zu Ieden, von ei 
mas zu genießen, lecerhaft fein. Gtieler. Rab etwas leckern. 
Auch als imp. Es leckert mid danad. Das Pedern. 

Die Bederfpeife, 9. —n, (R.) eine leere, d. h. ſchmackhaft zube⸗ 
zeitete Speiſe. 

Die Leckertruͤffel, By. —n, eine Gattung Trüſſeln, welche weber 
Baurzel, noch Stiel, noh Blätter hat, unter fhattigen Eichen unb 
Buden in ber Erbe waͤchſt, meift rund ift umb von ber Größe einer 
Erbſe bis zur Bröße einer Wälfhen Ruß und größer gefunden wird 
(Tuber gulosorum L,), Dieſe Zröffein, bie einen durchbringenden 
Geruch haben, werben durch bazu abgerihtete Bunde und Scheine, 
welden man einen eifernen Ring um bie Schnauze legt, aufgeſucht 
und als große Brdisbiffen theuer bezohlt. 

X Der Leckerzahn, — es, 9. u. gleihfem ein leckerhafter Bahn, der 
Zahn, bie Bühne womit man etwas Leckeret genirgen möhte, nur im 
der Rebensart bes gemeinen Erhens, fih den Leckerzahn ausreigen, 

ſich bie Begierde nach ben keckereien vergehen laſſen, fid den Genuß 
deffen mat leder iſt, verſagen. 

+ Leimäufen, v. ntr. mit haben, ein nur im Bergbaue bekannter 
Ausbeut, beffen mon fih von ben Gängen bebient. wenn fie zuſam⸗ 
menfommen und anfangen gut zu thun. OD. Leckmaͤnlen. 

x Das Leckſteinchen, —#, 94. al. ber Name einer Heinen Schrau—⸗ 
benſchnecke, bie nicht zroͤßer ala ein Berftenforn, glatt, wriß, undurch⸗ 
fihtig und an den Gewinden mit einem Striche verfehen it (Turbo 
politus L). 

Der Leckwein, —eb, 39. von mehrern Arten, —e, 1) Wein, wel⸗ 
Ger aus ben weifften und beften Weindreren von feihft herauslecket 


. Leck J 


ober tedpfelt; auch Tropfwein, und am gemäßnticätten Ausbruch. 
) Wein, welcher aus einem lecken Faſſe, ober gemöhnlicer, welcher 
aus-dem Hahne ober neben dem Zapfen tines Faſſes herausbringet 
oder jeder; Tropfwein, Traufwein. 

Das Leckwerk, — es, 29. —, im ben Salzſiedereien, diejenige Ans 
#ott ober dasjenige Bebiube, wo bie Sohle in oben befinblihe Wins 
nen gehoben umb auf viele Äber einander liegende Schichten von 
Dornhündeln gelaffen wird, bamit fie durch biefe hindurch lecke ober 
tropfenweife bringe und fih unten in einen Kaften wieder fammie, 
tur dies ganze Werfahren aber vom erdbigen Theilen ıc. gereinigt 
werbe (Gradirmert), . 

Das Leder, —6, DM. ol, 1) Die gegerbte unb auf andere Art zur 
bereitete HSaut der Thiere, um fie auf vielerlei Art zu verazbeiten. 

" Reber bereiten, verarbeiten. Kalbleder, Ochſenleder, Rindleder, 
Rehleder, Schafleder, Schweinsieder ic. Bäd wie Leber, fehe zäh, 
nit zu zerbeißen. X Aus Anderer Leder ift gut Riemen ſchnei⸗ 
ben, auf Anderer Unkoſten ift es leicht etwas zu thun, freigebig zu 
fein ıc. Im ber niebrigen Sprechart und verädhtlih wird auch bie 
Haut Leder genannt. Einem Über bas Biber kommen, ihm bad Les 
ber gerben, ihn derb pruͤgeln. Hieher gehört aud die im R. D. ber 
Bonnte miebeige Rebensart, bie Kleider vom Leder ziehen, Mh aus⸗ 
Bieiben. Daher ber Austen vom Leber ziehen, ben Degen blank 
siehen, weil bie Scheibe, aus ber man bie Ringe zieht, mit Leber 
bedeckt if. =) Etwas aus Leder Augefchnittenes, Bereitetit. So 

. Wegt man ben Pferden ein Faber, wenn man ihnen in gewiffen Rranfı 
beiten einen Riemen bush _bie Haut giehet. So auch in den Mir 
teen Handleder, Hutleder, Oberleber, Scheuleder c. Bergl. Bell. 

Der Eederapfel, —, Bi. Äpfel, eine Gattung Äpfel, beren 
Schale einem Leber zu vergleichen if, befonders wenn fie gegen ben 
Früsling rungelig und ſchlapp wird; 5.8. ber graue Königinnapfel 
(Reinette grise), Auch eine andere Sorte Äpfel (Rambourf führt 
Remnid unter biefem Ramen auf. 8 

Der Ledverarbeiter, —6, 2. gl. ein Handwerker, melden in keder 
arbeitet, ober keder verarbeitet, dergleichen Schuſter, Hantihuhmar 
Ser, Riemer, Sattler x. find, 

Bederartig, adj. u. adv. bie Art bes deders habenh, bem Leber ühn⸗ 
lich, befonders im Anfebung der Feſtigkelt, Bähigfeit. ı „Das (bee) 
Amerikanifhe Krofobil hat eine Leberartige Bedeckung bes Körpers,« 
Funke {R.). - In ber Plans miehre heißt leberartig (corinceus, 
a, um) ber Strunk eines Pilpes, wenn er aus einer zähen dem Ex 
ver aͤhnlichen Maſſe befteht; das Laub bee Schermoofe, wenn es bil 
und zkhe if; die Huͤlſe, wenn die beiden Mappen ebenfalls dick und 
sähe find; die Samendede (arillus cartilaginens), wenn fie dem 
Schreibleder Ahnlich ober ſteif und did if. Keberartige Flechten 
nennt man folde, tie biätterig find, felten aus einem Watte, fon 
bern meift aus mehrern, bereiten, nicht äftigen und weniger einger 
ſchnittenen Blättern beftehen, auf ber Erbe und andern Körpern feft 
auffigen, barauf hinkriechen und im ihrem ganzen Weſen zäh und 
f&wammidt find (Antilyssi Hall), Davon die Feberartigkeit. 
Buches in Leber; zum Unterſchiede von einem Pappbande. Gin Le 
derband iſt entweber ein Frangband oder ein Band in Schweinsleder ic. 

Der Lederband, —es, My. —bände, ein Band von keder, ein Riem, 

Der Beverbereiter, — 8, 29. gl. ein Handwerker, welcher aus bem 
Häuten ber Thiere Leber bereitet; ein Beberer, im RM, D. Leber: 
tauer, besgleichen befonders ber Werber if, 

Die Lederbereitung, o. Di. die Bereitung der Thierhaͤute zu Leder. 

Die Lederbirn, 9. —en, eine Art Heiner Birnen, die mit dem An 
fange des BWintermonats weih und efbar, und bann fo braun wie 
braunes Leder werben. 

Die Lederblume, Dy. —n, bei Planer ber Name zweier verſchie⸗ 
bener Pflangengefsledhter, - 1) Eines Pflanzengeldlehtrs, am deſſen 
Biumen, bie aus ſechs Leberartigen lanpenförmigen Blättern befler 


— 


Lederl 


hen, eigentliche Staubfaͤden nicht ſtehen; der Fruchtkeim if eifte⸗ 
'mig und von vielen Staubbeuteln faſt ganz bedeckt, der Griffel trägt 
einen einfachen Staubweg (Xylopia L.). 2) Der Gewuͤrzſtaude 
(Ptelea trifoliata L,), S. d. 

Der Lederbock, —ı#, 94. —böde, bei ben Lobgerbern, eine fhmale 
Bank mit vier Füßen, bie ausgefteihenen Felle Larüber zu Hängen 
und das Waſſer daraus ablaufen zu Laffen. j 

Lederbraun, adj. u. adv. eine unpafliche Benennung derjenigen brau—⸗ 
nen Farbe, melde gewöhnlicher und beſſer kaftaniensraun genannt 
wird, weil bei weiten micht alles Leder braun ift, und aüch bas braune 


'" Byber feibft nicht eine und dieſelbe braune Farbe hat, 


Der Beberbruder, —s, 39. gl. ein Handwerker, welcher mit Hälfe 
s einer Preffe allerlei Beihnungen und Bitder auf Leder brudt, 


"Der Eederer, —s, 4. al. f. Lederbereiter. 


Die Lederfarbe, Rz. —n. 2) Die natürliche Farbe des Bebers, wel⸗ 
de gewoͤhnlich gelb oder braun ven aflın Schattungen iſt. 2) Eine 
Farbe, wemit keder gefärbt wirb. 5 

Der Lederfärber, — 8, 2%. gl. ein Rünfter, welcher bas von ben 
Delßgerbern zubereitete fämiihe ober weißgere keder auf allerlei 
Art fürbet. TE, 

Die Eederfichte, 99. —n, eine Mabelffehte in Ranabe, in ber 
Schweig, in England und in Schweden, weiche zaͤße, dick unb breit 
it (Lichen velleus L.). - 

Das Ledergras, — s, Di. u. ein Rame der Wafferfaben oder bei 
Baffermoofes (Conferva L.). . 

Der Lederhandel, —s, 0. 34. ber Handel mit kedern von alleriet 
Art. Davon ber Lederhaͤndler, ber folgen Hanbel treibt, und bie 
Rederhandfung, eine Danblung, deren Gefhäfte im Erberhanbel 
beftiben, , 

Der Lederhandſchuh, —es, Big. —e, leberne Handſchuhe. 

Erderhart, adj. u. adr. fo. hart wie Leber, Sohlenleder. 

Das Lederharz, f. Federhatz. P} 

Die Lederhaut, 34. u. eine lederartige Haut. In der Bergliches 

‘ zungsfunft verficht man darunter bieienige Schichte ber Haut des 
menfhlihen Mörpers, melde unter bem meiden fehr gefäßreichen 
Häuthen ber Malpighiſchen Schteimhaut liegt, die bidfte ber Haut⸗ 
ſchichten, aͤußerſt empfinblic, mit vielem Blute verfehen iſt, eine röth 
lich weipe Farbe hat und aus mehreren Eagen eines dichten Zellgewe⸗ 
bes mit vielen Meinen Öffnungen, bie auch durch bie Oberhaut und 
Ehieimbaut gehen, beſteht (Corium). bi 

Das Lederholz, —es, Mi. u. ein Staubengemähs in Virginien 
mit eines Rinde, bie fo zäh wie Leder I (Dirca L.); auch Maͤu⸗ 
ſcholz. 

Die Lederhoſe, By. —n, eine aus Leber gemachte Hofe, lederne Der 
fen; zum unterſchlede vom Zuchhofen, Reinwandbofen ic. . 

Der Leberfäfer, —s, Wi. gl. bie größte Net Lauftäfer in Curopa, 

‚ melte unten glänzenb ſchwarz und oben mattſchwarz find, und wel 
de gewoͤlbte mit vielen erhobenen Punften gezeichnete Klügelbeden 
haben (Carabus coriaceus L.); aud ber lederartige Lauftaͤfer. 

Der Ledtrfalt, f. Bitterkalt. 

Der Lederkarpfen, —s, 24. u, ein zu bemſelben Fiſchgeſchlechte, zu 
welchem ber Karpfen, bie Karauſche ic. gehösen, gehörenber Fiſch 
(Cyprinns nudus), i , 

Die Lederkirſche, 29. —n, bie ſchwarze oder fpäte Herzkirſche. 

Der Lederfobalt, —, Mu. ein Kobalterz von gemähniih jchmugig⸗ 
ſtrobgelder Farbe, welchte theils derb, theild eingefprengt, theils als 
Übergug anbererr Minern und zerfreffen gefunden wird; ouch gelber 
Erdkobalt, weißer Kobalt (Cohaltum ochraceum flavum Wern.}. 

Die Lederkoralle, Di. —n, eine Art Korallen, die halb Fugeifärmig, 
unb weiß find, und als eine Dide mit vielen Kammern über anbern 
Seegewaͤchſen liegen (Millepora eoriacen L.). 

Der Leberlappen, —6, 2. gl. 1) Ein Orätlier als ein kap⸗ 
pen, ober ein lappicht berabhangendes Städt Exber. a) In + ber 


fi 


Leder! 


Raturbefhreibung , ein Rame ber gemeinen ober großen Klette, we⸗ 
gen ihrer lappigen biden Blätter (Arctium lappe L.). 

Der Lederleim, —e6, 3. u. ein aus Leberabgängen gelochtet Lelm. 

Die Kdermünge, 94. —n, sine Münze aus Eder gemadt. 

Die Ledermuͤtze, Dy. —n, eine lederne Wlüge. 

Lebern, adj. u. adv. vom keder, aus Leber gemacht. Lederne Hants 
föube, Beinkleider. Ein ledetner Beutel. Lederne Teppiche ıc. Uns 
eigentlich, veraͤchtlich und im gemeinen Scherze nennt man auch etwad, 
das ſchlecht, verachtet if zc. ledern. 

kedern, v. trs, 1) Mit Beder verfehem; beledern, auslebern. Eine 
Pumpe ledern. Die Hämmerden eines Fluͤgels ledern. =) X Sehr 
Zn: bas Erber gerben. Ginen ledern ; gewöhnlicher auskbern. 

. Leben. D. —ung. 

Der Lederſchild, —es, * +. 1) Ein leberner ober mit Leder 
Überjogener Schilb. =) Cine Art Schluidkroͤten im Mittelländifhen 
Bierre (Testudo coriacea L.), 

Der Lederfchneider, — 8, 9. gl. rin Beberhänbier, welder Leder in 
Kleinen verkauft, die gangen Leder alfo zerſchutidet. Friſch. 

Der Lederſchwamm, —es, u. — ſchwaͤmme, eine Art Blätter 
ſchwamm mit [dwargem Strunke (Agaricus audrosaceus L.). 

+ Der Lederſuͤßing, —es, Di. —t, ber Rame einer Art oben zus 
gefpigter füher Rlapperäpfel; auch Kloͤpferling, Schmelzling, in 
Schwaben und bei Wien Kernapfel. 

+ Der Ledertauer, bes —, Mi. al. f. Reberbereiter. 

Der Ledervergolder, —t, 3. gl. ein Kuͤnſtler ber allerlel mit Eeber 
Überzogene Arbeiten mit Verzierungen von Blattgold verfichet, 

x Lederweic, adj. u. adv. weich wie Leder. Einen lebertweich ſchla⸗ 
gen, ihn fehr derb ſchlagen, wofuͤr man im gemeinen Leben auch fagt, 
zu Bari fchlagen ıc. 

Zret’ einer mie zu nah, ich flag’ ihn Icherweih. Böthe, 

Das Lederwerk, —ed, Bi u. allerlei aus Eeder bereitete Dinge; 
aud nur, allerlei keder durch einanber. 

Der Leberwurm, — — , u — wärmer, eine Krankheit bes Rind⸗ 
siches, bie in Beulen unter der Haut ober in den meiden Theilen 
beſtehet, in welchen rine Made, ECugerling genannt, fih ausbildet; 
zum Unteefhiede vom Knochenwurme, wenn ſich folde Beulen am 
den Knochen jeigen, 

© Der Eeberzuder, —s, 9 von mehren Arten gl. Buder, weis 
her in Gäpholsfaft ober dem Schleim ber Eibiſchwurzel aufgelöfet, 
mit Eiweiß vermifht, über einem gelinden Feuer bit eingekocht unb 
dann in Formen gegoffen if, als ein Mittel gegen Huſten und .Hel« 
ferkeit (Reglisse). Bunte, Diefes Gemiſch if [ehr zaͤh, wie Leber, 
fer fid aber im Munde auf, 

Ledig, adj. u. adv. nichts auf ober in ſich enthaltend, mit dem Neben» 
begriffe, daß bie ledig genannte Sache etwas enthalten habe ober 
bach enthalten Eönne, jeht aber michts enthalte. Eine lebige Flaſche, 
in weldier nichts enthalten ift, fo daß alſe etwas hineingeihan wer 
den kann. Es waren ledige Krügr, worin (merein) Wibren bie 

Vackeln flecken ließ.“ Nicht. 7, 16. in Iediger Play, ber mit bes 
fept if, auf welchta man fi alfo fegen, ober auf welchen man eiwas 
Bellen, legen ıt. Bann, 

Roh wird bei enrer Frau ein Plaͤtchen iebis fein. -Leffing. 
Ein lediger Wagen, ber nicht mit Perſonen befegt, ober ber nicht 
beladen it, auf welchem alfo für P-rfonen ober Waaren Prag iſt. 
Der Sagen gebt. ledig zurül. Gin lediges Schiff. Gin Icbiger 
Tiſch, ber mit nichts befent if, ber abgeräumt ift, mie auch, an 
melden niemand figt. in lediger Stuhl. Häufizer noch wird le⸗ 
dig mit verſchiebenen Nebentegriffen uneigentlih gebraucht. Bo 
nennt man ein Amt, eine Stelle ledig, wenn es ober fie undefegt 
if, fo daß alfo jemand diefes Amt, diefe Stille erhalten kann. Der 
Thron, ber poͤpſtliche Stuhl Mehr ledig, iſt unbefegt, wenn ber bis 
erige König ober Papft geflorben if. Gin Lehen wird ledig, wenn 
ber Bifigee Richt, oben wenn eu das Lehen and irgend eines Urſacht 


68 


Ledi 


verliert. S. Erledigen. Eine Perſon if ledig, wenn ſle noch uns 
verheirathet uad alfe noch buch keine Verdindung gehindert wirb, 
die Berbindlichkeiten eines Chebündaiſſes einzugehen, Roch lebig 
fein, noch nit verheiratpet fein. Der ledige Stand, ber Stand 
lediger Perfonen. Im weiterer Bedeutung fagt man auf in mans 
Gen Gegenden lebig fein, kein Belhäft haben, alfo Muße zu etwas 
baden; daher in übier Bedeutung, ledig geben, für mäßig gehen. 
Bon ber rigentlihen Bedeutung, jeht nichts an ober auf fih habent, 
ba man vorher etwas an ober auf fi hatte, rührt bie uneigentliche 
Bebeutung, in welcher ledig Häufig aud für los, frei gebraucht wird, 
Einen Berpafteten ledig laſſen, ihm les laſſen. Des Beides ledig 
fein, vom Eribe gleichſam wie von Feſſeln befreit fein. 
Des Lribes biſt bu ledig, 
Sott fei der Berle gnädigt Wärger. 
Einen ledig fpredien, frei fpreien, „Bid von ber Miffethat lebig 
fpreen. Dan. 4, 24 
und wer Cr darzu ledig gelan 
Aller feiner Schulbe, Iwainz 
d. 5. #8 wurde von aller feiner Schuld frei geſprechen. Oft wirb es 
— mit frei und loe verbunden. 
Als wär er bes Könige 
— * Bohn und frei und ledig von allen Sebrechen. Gb the, 
Und fprede von allen 
&änden und Strafen mid; los und ledig. BDexf. 
Sicher gehoͤrt auch der Gebrauch bei den Jagern, welche bad Haͤnge⸗ 
feil ledig nennen, wenn es ſchlaff if ynd zu lang hinunterhaͤngt. 
Ehemahls bedeutete ledig auch fo viel als fertig mit etwas, und fos 
viel als gang, weil das, was fertig if in feiner Art auch ganz ff. 
Daher bie noch jept übliche Bebeutung bes Wortes Tediglih, für 
ganz alein. Ledig wird mit [rer zuweilen verwechſelt, So fast 
man im Bergbaue, ein fedig Reſt finden, für, im alte Bebäube ſchla⸗ 
gen, aus welchen die Erje ſchen vor alten Zeiten genommen find, 
Gben daſelbſt nenat man reinen Beifenzinnftein, ledigen Stein, und 
eine ledige Bergart id Seſtein, meldes leer von Metal I ober 
bod nur ſeht wenig bavom enthält. Unter lebiger Schicht und ledig 
ſchichten verficht man das Arbeiten nad verriätetee ordentlicher 
Schicht, wofär aber befombers bezahlt werden muß, @s if aber nd 
thig, ledig und Iser won einander zu unterfhriben, So fann man 
einen Kopf nicht einem ledigen mol aber einen leeren Kopf nennen, 
weil die Renntniffe, die man in den Kopf gleihfam einfanmelt, mer 
ben einander beflchen Können, wenn fie auch im noch fo hohem Grabe 
vermehrt werben, fo daß der Kopf für neue Keuntniffe nit erſt 
lebig gemacht zu werben braucht. Er ift alfo auch nie ledig, wenn 
gleichſam neh Frine Krnntniffe in bemfelben find. fondern leer. Do 
Tann der Kopf in Scherz auch ledig genannt werben, wenn man ihm 
ſinalich mit einem Speicher vergietät, in welchem nodı nidts iſt, 
und alfo gleihfam Kenntniffe aufgeihättet und Gedanken hincinge⸗ 
padt werben Lönnen. 
Kount feine Epinneweben ftriden, 
Um ſolcht Schädel auszufhmäden, 
Die ſenderlich im vollen Mond 
Dft ledig fiehn und unbemohntt Soltau— 
So kann man auf nicht ledige Tine und ledige Verſprechungen it. 
ſegen, daher es in folgender Stelle untichtig für leer Achet. 
Daß ee bie mipfält, wenn mit ledigem @etön 
Pfor hurtia, ohne Maß unb unbebahtfam ſpricht. Wernike. 
Davon die Ledigkeit, ber Zuſtand einer Sache, da fie ledig if; ei⸗ 
Hentlih und uneigentlich. 
+ Die Ledige, m. —n, in Weißen, ein unbebautes Stuͤg Land; 
bie Ychbe. 
* Eebigen, v. trs. ledig machen, und unefgentli, los, frei machen. 
Durch Flacht werd’ Ih mi von ihm ledigen. H. Sache &. 
So auch, ſich ledigen, ſich ven eines Klage und Beſchuldigung Ich 


— 


“ 


Ledi 


69 


Leerk 





machen. Im Dsnabrädfden Heißt lebigen uneigentlich auch, abjafs 
ba. D. Ledigen. D. —ung. Sept if es nur mod im bem Di 
fammenfefungen entlebigen umb erledigen gebräudlich. 

+ Der Lediggang, —e#, 0. Dig. im R. D, ber Möfiggang. Davın 

ber Pediggänger, der Mäpiggänger (R.) S. Ledig. 

kediglich, adv. gänzlih, ganz alein, wofhr man auch, aber ſchlecht, 
lcdigerdings ſagt. Er iſt lediglich taran Schuld. ©. Ledig. Ehe— 
mobls gebrauchte man es auch für frei, ungebunden. 

Das Eee, 0. Umend. u. 3. gl. in ber Seefahrt, diejenige Seite eines 
Säiffes ober eines anbern Bade, melde unter bem Winde Tiegt, 
b. d. vom Winde abgemandt if, „Das feindlide Schiff Tag unter 
unfesm Ber. S. „Wir befanden uns unter bem Pee von Bornheim.“ 
Derf, Zeebord, welches Kd. anfüprt, für bie vom Winde abges 
wandte Seite des Schiffes iſt nah ©. alcht gebräudlih, In der 
Schiffahrt werben nah Abbimg bie Braffin, Bullenen ic. auf die— 
fer Seite Leebraſſen, Lerbulienen ıc. genannt. Alles, was man auf 
der Ger an dieſer Seite, ober in ber Gegend wohin der Wind mes 
het, fichet, legt in ber Kor ober lewaͤrts. Wei Anbern lautet bied 

- Wort Lei, beffen Bedeutung hier zu Grunde Hirgt. S. Lei. 

Der Leebord, —es, 4. —e, f. Lu. 

Das Leech, im Hättenbaur, f. Leg. 

Die Leede, f. Lehde. 

Die Lerbraffe, Leebuliene, f. 2er. 

Die Leekuͤſte, 9. —n, in der Seefahrt, dielenige Hüfte, welche bem 
Ghiffenden vom Winde abgewandt liegt, S. Ber. 

2. Die Leene, 4. —n, tine Art des Ahornes, die klelaer iſt als der 
gemeine Ahorn, im ben noͤrdlichen Ländern wäh, eine weiße glatte 
Winde, fünflappige, zugefpinte, ſcharf gezahnte und glatte Blätter 
und kutzgeſtielte und Aufgerichtete Wiumenbäfhel hat (Acer plata- 
moides L.); au Senne, Löhne, Peinbaum, Leimbaum, in Saqh⸗ 
fen Kinbaum, In der Schweiz Leinahre und in andern Gegenden, 
wegen ber breiten Biätter auch Dreitlaub, Breitblatt (unter wel: 
hen beiben Ramen man jebod aud ben gemeinen Ahern verflcht), 
Breitiöber, Meinbiatt, Gaͤnſebaum. 

2, + Die Lerne, . —n, im manden Gegenden eine Bacht eder 
weibliche wiles Schweia. 

Beer, — e, — ſte, adj. u. adr. nichts im oder auf fich enthaltend. Ein 
leerer Raum, ober bad Leere, im firengfien Cinne, ein Raum, in 
weichem ſich gar fein Körper, alfo auch weber Luft⸗ no Lichttheile 
befinden; gemeinhin aber nur ein Raum, ber Keine ihtbaren Kbrptr 
enthält, Ein leeres Beläß, Faß, Blas ıc. Der Krug if Irer. Teller 
und GSchäffeln leer machen. Gin leerer Beutel, in meiden fein 
Seld 3. if, Gin leeres Ref, aus weldem bie Wögel ausgeflogen 
ober ausgenommen find, Das Baus fichet leer, unbemohat. in 
an Menſchen leetes Sand, eigentlich, in weichem gar Feine Menſchen 
leben; dann, in weniger Arengem inne, in welchem wenig Dem 
Ihen lebin. Die Taſchen leer maden, herausnehmen mas in bene 
elden if. Mit leeren Händen Fommen, ohnt Gelb, ohne ein Ge: 
Ihent, Leer kommen, gehen, d. h. mit leeren Händen. Peer bei 
etwas ausgehen, nichts belommen, (Ein ferrer Magen, welder Al⸗ 
Ins was er enthielt verdauet hat und wieber gefüllt zu werben ver 
langt. keeres Stroh, beffen Ähren ausgebzefhen find, X Lkeeret 
Stroh bereichen, vergebliche und unmüge Arbeit thun. in leerer Was 
gen, auf weichem michts befinblich, michts geladen if. Die Bäume 
find leer, von Früchten. Die Felder find mun alle ieer. Weiße, 
in leerer Pag. Ein leeres Papier, ein undeſchriedenes. Cine 

Gtelie Leer laſſen, wen baranf noch rtıwmas binzufegen, zu legen, zu 
ſchreiben. uneigentlich gebraucht man Iser mit verſchledenen Reben 
begriffen, Gin leerer Kopf, ber an Kenntniffen leer ift, wie and, 


ein Menſch, ber einen-folden Kepf hat, ein unwiffender Menfh; ein » 


Rerrkopf. Leere Worte, die Beinen Sinn enthalten. Min leerer 
Weief, im weichem nichts von Bebeutung ſtehet, weldher mehr Morte 
ale Sachen enthält. Gin leerer Schall, ver keine Bebeutung hat 


* 


und auch keinen Einteud macht. Leert Verſprechungen, Deohungen, 
bie Beine Wahrheit, und Zuverlaͤßigkeit enthalten, nicht erfüllt wer» 
ben. Min leeres Bepränge, nichts fagendes, was chne Ginn und 
Awed if, Leere Pracht. „Der Stole würde trofllos fein, menn 
bie Welt das leere Schattenfpiel feines Hochmuthes ſaͤhe.“ Gellert, 
ein Herz ift fo leer, wird von keinen theilnehmenden, liebenden 
sber andern Empfindungen erfült. 
Das Herz war ruhig wis bie MWiefenquelle, . 
An Waͤnſchen leer, doch niht an Freuden arm, Schiller. (R.) 
. bi 5. es hatte ober hegte keine Wänfhe Mes Aruges leer, frei :0m 
Zeug, ehrlich, zuverlaͤßig. 
Mein Zrauter war fo lieb und holb 
Und aller Falſchhelt leer, Bürger (R.) 
„Rrere Stunden, bie uns unfer Stand und Beruf frei xifl*, von 
Gefhäften freie, mäßige Stunden Bellert. Tuf eine ragewoͤhnliche 
Weife nennt man zuweilen Eraftlofe oder ſolche Speifen, welche wenig 
ober Feine Rahrung geben, leere Gprifen. Richt mus ungemöhniid, 
fondern auch verwerflich ik bie Bedeutung, nad welder ein Montim 
monat don 29 Tagen ein leerer Monat genannt wird. Häufig wird 
leer auch gebraucht wo ledig flehen ſollte, wenn g. B. eim Amt, eine 
Gteile ıc. leer genannt wirb, bie undefegt oder Iehig MM ©. Ledig. 
Der Leerbaum, die Leertanne, ſ. Lerchenbaum 
Der Leerbecher, —s 34. gl. bei den Papieachera, ein delzerues 
Gefäß, dem Beug aus dem Eicherbaume Jamit zu lerren, d. d. zu 
ſchopfen. Dient dazu ein Eimer mtr rinem Hanbgriffe, fo heißt ex 
ein Leetfaß. 
Li Das Leer, —eb, oder dos Leere, —n, 0. Di. ein leerer Raum, 
Sie nattert durch das Leer 
Der weiten kuſ im Sturmwind fin und fer, Wielanb. 
Daun, ein leſtlerer ober doch von ber gemeinen Luft leerer Raum, 
Dee mähtige Donnerer j 
Durchfuhr das heitere Leer. Ramler. 
K»ropftod ſagte dafür das Leere: 
— fo weit bie legten Gterne ber Schöpfung 
Rod das unenblie Leere mit ferbendem Stechle burdierten. 
Der Leerdarm, —eb,.99. — daͤrme, in der Zergliederungt kunſt, ei» 
ner der bännen Därme im menſchlichen Körper, melder die über 
dem Rabel gelegene Gegend bes Hnterleides einnimmt (Intestinum 
jejunum), j 


Die Leere, 0. Bi. der Zufland, da ein Ding ober Raum Icer if; 


wie au, ein leerer Raum ſelbſt. Die Leere ver Luft. „Pracht und 
Größe laſſen oft eine fhredtihe Leere In der Seele zurld. Som 
nenfels, a : 

2eeren, v. I) trs, leer machen. Den Weder, bad Blas leeten. Die 
Shöffein leeren. Indeß bee Überfluß auf jebe feiner Spuren - 

@in ganzes Fälhern leert. Ramler. 
IT) rec, Sich Ieeren, Teer werden. — D. Beeren. D. — ung. 

Das Leerfaß, —ſſes, 9. — faͤſſer, f. Leerbecher. 

t Der Leerhaͤusler, —®, 9%. gl. in Baiern, ein Tageldhaer, wel 
Her nur rin Häuschen ohne Acker befigt, 

Die Brerheit, 0. Di. (A.) die Cigenfhaft oder Weihffenfeit eine 
Sache, ba fie leer ift; eigentlich und uneigentlich. Die Leerheit 
bes Magens. Die Leerheit eines Weiefes, einer Schrift, ba em, 
da fie nichts Bebeutendes, Wichtiges, Anzuhendes ıc. enthält, „Bär 
diefe Leerheit des dritten BändGend Hält bas vierte fhablos. Allg. 
eilt. Beitung. „Denn getadezu von biefen Renten hört man bie 
bitterflien Klagen über die Leerheit ber Dieter.” @öthe. Dis Leer⸗ 
heit des Kopfes. „Ein bunkies Gefuͤhl Ichrt fie durch vervielfacht 
Ueinelade Borfhriften den Bid Über ihre innere Leerhtit hinwegsm 
siepen." Meyer. 

OX Der Beerkopf, — s, I. —köpfe, ein leerer Kopf. ©. Lerr. 

OX keerköpfig, adj. w. adv. einem leeren Kopf habend, unwillnd, 
Aucqh Denker find oft Ieerkäpfig.“ Kavater. Davan bie Leetkoͤpfigkeit. 


Leerſ 


© Der Leerſinn, —es, 0. Dip. ein Ieerer, b. b. aichts ſagender @inn, 
cin Sinn ohne Gehalt „Damit der kahle Beift es Heber für Hnfian 
erfläre, als in feinen Leerfinn Äbderfege.“ I. P. Richter. 

4 Die Leertanne, My. —n, ein Name des Lerchenbaumes. 

Das Lerfegel, —s, 9. 9. in der Seefahrt, ein Gegel, welches an 
der einen ober ber andern Geite eines Hauptfegels vermittert einer 
Verlängerung der Raa ausgelegt, und welches bei jebem günftigen 
Bahrwinde, ber weber zu ſtark no zu ſchwach it, beigefegt wird. 
Die Oberdramſegel, das Kreuzbramſegel, und bie beiben Blinden 
Unnen keine Brefegel führen. ©. 

Dirkrefegelran, 2. —en, in ber Schifffahrt, eine feine Ran, wor⸗ 
an da Brefegel hängt. “ 

Die Lecegelfpier, 2. —en, in der SäHifffahet, Spieren, bie längs 
den Rawen buch zwei Bügel fahren und längs benfeiben ausgeſcho⸗ 
ben werben. Sie tragen bie_Leefegel. Auch bisjenigen Epiesen, 
womit die Cchoten bes untern Zeefegel andgefeht werben, bie länger 
find als bie erfen und zur Geite herausfaheen, heißen Rerfegelfpies 
an, Röbing. ‘ 

Die Leeſeite, 9. —n, (R.) in ber Setfahrt, diejenige Seite bes 
Schiffes ader einer Sacht, welder berjenigen, von welcher ber Sind 
Limmt, entigengefegt iſtz im Begenfag ber Lufſeite. S. Lee. 

Das Leeſſtupfer, —s, 0. 4. das beim Röften der Kupfererze ober 
Steine ausgefhmalsmg Kupfer. 

Leewaͤrts, adv, in ber Saatahrt, mad ber Brefeite gerichtet, auf ber 
Lrefeite Liegenb, auf ber Ereite gefehen; im Begenfag von uf: 
mirts. ©. Lee. Ya ber Seckahn deißt bie Beit, d. h. bie Flut oder 

bie Ebbe leewaͤrts, wenn Wind und TCtrom einerlei Rigtung baden. 


. Die Lefje, 99. —n, im ©. D. und in wer Höhen Gäreibart, die 


Lippe, Im engeser Bebrutung gebraucht man +3 in O. D. Gegen 
den vom großen unförmligen Lippen, wie aud von sen herabhangens 
den Lippen ber Thlere, beionbess der Hunde. Im weiterer Beben 
tung nennt man aud die Ränder verfhirbener Dinge Lefztu, ſofern 
fie mit Lippen Äpntihteit haben, Dergleichen find in ber Berptiebe: 
rungsfunft bie Lefzen bes Muttermunbes, berem eine vorbere unb 
Hintere iſt (Labium orifieii uter! anticum et posticum); ferner 
bie Lefzen der Scham, ober Schamlefzen. S. d. Auch unterfdeis 
det man In ber Zerglledtrungskunſt am untern Aaunde bes Unterkle⸗ 
fürs nod eine äußere und innere Befje (Labium externum et in- 
ternum). In nod weiterer Bedeutung führe ben Namen Lefje 
auch der ſchraͤge eingebrädte Theil zwiſchen bem Koͤrper eine Des 
gelpfeife und ihrem Fuße, wo er über bem Ausfänitte Oberlefje 
und unter demſelben Unterfefje beißt, 

Die Lefzenſchnecke, ſ. Shwimmfhnede. 

+X &rg, —er, —fe, ober Lege, —r, —fle, adj. u. adr. im R. 
D. fo viel als niebrig. Leges Waffer, niebriges, beſonders vom 
niedrigfen Stande beffeiten in ber Ebbe. Das Mafler ik leg. 
Liges Sand, mirdrig Liegender. Gin leges Moor ober Legmoor, 
ein niedrige Woorland; im Grgenfag bes Hochmoores. Im ber 
Säifffahet heißt leger Wall, ein ufer, eine Küfte, deren Sichtung 
gegen die Midtung eines auf biefelbe zuſtehenden Windes, rechte 
Winkel obere wegen eine Bucht ber Külle no fpihigere Winkel 
madıt. Fin Schiff dat einem legen Wall, ober befindet ſich auf les 
gen Moll, wenn es durch bie Staͤrke des Minbes ober Stromes fo 
nahe am einen legen Mall getrieben wirb, daß es Gefahr Läuft, ſich 
bush Segeln im Zickzac nicht wieder adarbelten zu innen. Röbing. 


uneigentiih, Feaftlos, matt, unfgmadpaft, Gin leger Menſch. Peg - 


ausfeben. Leges Bier. Bumellen auch boͤſe, fhlimm, wie au 
ſchiecht, z. B. einen ſehr leg halten. Davon der Leger, für Roth, 
(dichte Umftänte, 5 \ 
Das Leg, —ıt, 9. u. im Hättendaue, ein Bemifh von Kupfer, 
Eifen und Arſenik, welches ſich beim Machen bes Ghmarzlupfers 
zwiſchtn bad Echwarzkupfer und bie Schlacke leget; bas Aupferleg, 
Bei Andern bas Lech ober Rech. Die Gtablazdeites nennen bie 


70 


Legen 


—— die ſich beim Stahlmachen am Stahl anhängen auch Leg 

oder Lech. 

Die Legangel, 99. —n, bei ben Fifhern, eine Art Angeln, bie nur 
and einer Schnur mit einem Hafen beſtehet, und welche fie in das 
Waflır Legen, damit die vorbeiftreifenben Fiſche andeipen. Weil fe 
gegen bie Machtzeit gelegt werden heißen fie auch Nachtſchnüͤre. 

Das Legbett oder Lechbett, —es, 3. —, im Püttenmefen, ein 
vertiefter abgewärmter Plag vor bem Schmelgofen, worin ber aus 
bem Dfen fließende geſchmolzene Stein fih ſammelt. 

X Die Legde, 9. —n, im Wafferhaur, bie Schwelle einer Schleuſe, 
auf welder bie Ständer oder Gtiele einer Mand zu fliehen kommen. 

+ Die Lege, m. —n. 1) Die Handlung da man leget; ohne Mehr⸗ 
zahl und ungewöhntid. =) Dasijemige was man leget; befonbers 
was man ald Grund zu einer ade leget, bie Grundlage, Unter⸗ 
lage, 5) Der Drxt, wo etwes gelegt wird. Im N. D. eine Lage 
von Brettera, worüber bie Beinwanb, bie man Leggelinnen nennt, 
grjogen wird, um fie zu meffen, umb auf melder fir dann wirder 
gehörig zufammengrlegt wird. Jeder Bug, fo lang als das Brett 
ift, Heißt auch eine Lege ober, wie bas Wert im RM, D. ausgelprer 
den wird, Legge. Das Gtäd enthält 20 Leggen. 

Die Legebank, 9. —bänke, f. Legetiſch. 

Die Legebüchfe, 3. —n, f. Selbſiſchuß. 

Das kegefeuer, — 8, 9%. gl. fo viel als Lauffener ober Leitfeuer, 

O Das Legegeld, —eB, 2. —er, basienige Gelb, welches man 
beim Eingange in einen Ort, wo etwas für Belb zu fehen ober zu 
hören ift, erlegt, das Zintrittegelb. 

Das Legeifen, —s, 39. gl. im Bergbaus, 1) Städe Eiſen, welde 
auf der einen Seite zugefhärft find, und welche man in ben ins 86 
fein gemaditen Rip legt um eiferne Keile dazwiſchen zu fegen unb 
babuch das Geſtein zu gewinnen.“ =) Die durhlöherten Eiſen übre 
den Walzen ber großen Schwingen an einem Runfgeflänge. 

+ Das Legelinnen, —6, o. 3. Leinwand, welche auf ber Berge ge 
legt, gebunden und geflempelt ift; im R. D. Reggelinnen, 
Der Begemeifter, —6, We. gl. derjenige, ber auf einer kege (S. d. 

5) die Auffiht führe, S. auch Legetiſch. 

Die Legegranate, 89. —n, f. Fallgranate. 

Legen, v. D) tes, leg, b. h. niebrig machen, liegen machen, oder einm 

Körper auf foldie Art und zwar abfihtiih mit einem andern in Bes 

rührung und Berbinbung bringen, daß berfelbe auf einer feiner Geis 

tenflähen ruhe, wobel er meift die gerinafte Höhe ober Ausbehnung 
nad oben zeigt; zum Unterfhiede von flellen und fegen. Gines 

Werkitein auf feine breite Geite legen. Das Rind ins Bette legen, 

bie ganze Länge deſſelben zur Brundflähe machen. Sich auf bas 

Bette legen, gewöhnlich um zu zuben, bequem zu Liegen. Sich ins 

Bette legen, um zu ſchlafen; auch, fi fhlafen legen. Sich legen, ſich 

ins Bette legen um zu ſchlafen ober auf, weil man Frank if, Sich 

au jemand legen, fein Sager bei jemand nehmen, befonbers im Bette, 
bei ihm ſchlafen. Etwas auf ben Tiſch, unter bie Bank, an bad 

Feuer, in bie Sonne, am bie Luft legen. Stwas bei Geite legen, 

um «8 aufzubewahren, cber meil es vor ber Hanb nit mehr gr: 

braucht wird. Gin Pferb legen, es reifen, verſchneiden, weil «4 bar 
bei auf bie Gebe gelegt wird. Häufig wird es noch mit andern Res 
benbrgriffen unb mehr ober weniger uneigentlic gebraucht, wobei zu⸗ 
gleich der Begriff des Ruhens mehr ober weniger verſchwindet. Die 

Grundſchwellen legen. Den Grund zu einem Haufe legen, vermittelft 

Mautzns ober auf anbere Art; auch unrigentlih, ben Brunb zu eines 

Anbern Wohlſtande legen , badienige Erſte und Rothwendige thun, 

woburd der Wohlſtand möglid wird, Ein Steimpflafter legen. Einen 

Fußboden legen, die Dielen ıc. auf bie gehörige Art neben einander 

legen und befeſtigen. Ein Pflafter auf die Wunde legen, bamit fie 

deile. Spanlihe Fliegen fegen, ein Pflaſter von Spaniſchen Flie ⸗ 
gen auflegen. Die Kleider gehörig über einander und im den Kaften 
legen; in Gegenfag von bem Aufbängen derſelben. Die Kleidet 


Legen 


am fi legen, fe anziehen; beſenders won ſolchen Kieibungeftäden, 
buch oder in welche man nicht bie Arme, Hände oder Füfe zu fir 
ken draucht, um fie an fi zu haben, wie 4. B. Mäntel, Cchärgen 
2. unb alles, was mehr zum Shmud als zur Bedeckung bient. Eire 
legen, aud bloß legen, von den Bögeln, fie durch ben After von 
ſich geben , wobei fie wegen ihrer runblichen @eftalr liegen; ba man 
in andern aͤhnlichen Fällen fegen fagt. Ballen, Schlingen, Bufı 
angeln legen, fie auf dem Boben anbringen, baf etwas darein trete 
ober falle, und fi fange. Auch uneigentlih, eine Falle, Schlinge 
legen, etwas veranftalten, woburd ber anbere, wenn er nicht ſehr 
vorſichtig ift, gefangen , angefühet, in eine unangenehme, nachthel ⸗ 
Tige Sage verfeht wird, So aub, einem etwas in ben Weg legen, 
ibm in etwas hinderlich fein, ein Hinderniß verurfahen, aud, ihn 
.. beleidigen. Gin Sqhloß vor eine Thür legen, 14 baran befeftigen 
unb fie baburc 'verfhließen. Einem ein Schloß vor ten Mund le— 
gen, ihm zum Stillſchweigen nöthigen. Gelb bei Seite, in ben Rar 
Pen legen, es aufjuheben. Grin Selb auf Zinfen legen, auf Zinfen 
fiher unterbringen. Gelb in bie Want legen, an bie Banf leihen. 
rin Selb an Waaren, in eine Handlung legen, es bazu ober barein 
verwenden um baraus Bertheil zu ziehen. in Schiff, vor Anker les 
gen, ober ih vor Anker legen, das Schiff vermittelſt ber Anker an 
einem DOrte fill und fiher liegen maden. Ein Schiff, um es aus 
zubeſſern (zu klelholen) auf die @elte legen. Ginen Hund an bie 
Kette legen , bamit er niemand fhabe, nicht herumlaufe ıc. Eintu 
Rofenden am bie Kette legen. Einen Berbrecher in Ketten und Ban: 
ben legen. Bohnen, Exbfen legen, in die Erde, bamit fie wadlen. 
©. and Ablegen, Ableger. Auch uneigentlih. Manch gutes as 
mentorn ift in ihe Herz gelegt, es bebarf nur gänfliger Umflände, 
bamit es gebeipe unb Brädte trage, Einem Soldaten in bad Haus 
legen, fie ih bafferbe weifen, ſchicen, barin ihre Wohnung beſonders 
ihr Rahtlager zu haben. Befagung in eine Stadt legen. id, 
vor eine Stadt legen, von eigem Deere, ſich vor derſelben lagern, 
fie zu erobern, Beinen Gegner zu Boden legen (werfen), ihn über 
winden, töbten, ihm erlegen, Hand am jemand legen, ihn gemalt 
fam foffen, feſthalten, fhlagen, mißhanbeln ıc. Hand an etmas le⸗ 
gen, ſich bazan vergreifn. Hand am fi felbfi legen, ſich ſelbſt 
töbten. Bond an bad Werk legen, es anfangen, Die Band auf 
ben Mund fegen, als eim Beichen bes Schweigens, Stillſchwelgen 
beobadten. Ginem etwas mahe legen, es ihm merken laſſen, wie 
auch, ihn reizen, Etwas an ben Tag legen, im D. D. zu Tage 
legen, es ſichtbar werben Zaffen, «8 merklich mahen, Andern zu er: 
konnen geben. eine Freude, fein Mißvergnägen sc. an ben Tag 
legen. Ginem bie Worte in ben Mund legen, ihm fagen, was er 
forchen fol, wie and einen, den man rebend anführf, fagen laſſen, 
wos min will, Ginem etwas zur Loft legen. ©. Laſt. Gin Felb 
In den Grund legen, einen Grundriß bavon in Rleinen machen. Ein 
Haus in die Aſche legen, es verbrennen, daß es in einen Aldenhau: 
fen zufammenfänt. Sich auf etwas legen, uneigentlih, ſich anpal- 
tend und fleifig mit etwas befhäftigen, indem man fi gar nicht 
davon entfernt, darauf gleihfem Liegt, in genauer Berbindung damit 
Beibt. SIG auf die Arzenciwiſſenſchaft, auf ben Handel, auf bie 
Mohlerei legen. Sich auf den Müfiggang, auf bas Zeinfen ıc. 
legen, ſich basan gewöhnen. So auch, fih auf bie faule, liederlihe 
@eite fegen, faul, liederlich werben. "eis aufs Bitten legen, ans 
- fangen zu bitten, etwas mit Witten durchzuſetzen ſuchen. In fol 
gender Stelle feint es unrichtig für anlegen im derſelben Bebentung 
za ſtehen. Der Haſe legt es num aufs Flehen, Bageborn; 
d. h. legt es aufs Fleden an, bequemt fih zum Fleben ober zu flehen. 
Sich zum Birte legen, ſich nad bes Aubern Abſichten bequemen, Ihm 
nit weiter zumider fein. »Sich wider jemanb legen“, fi ihm 
widerfepen. Htob 9, 4. Bid ins Mittel legen, ober fi darein 
legen, der Wermittier bei etwas zu werten, eine Bade zu nermits 
teln, bushzufegen, beizulegen fuhen. Ginem das Handwerl legen, 


- 


u un 


Die Legeſtadt, 


Der Legeſtuhl, —s, 4. — 


Reget 


ihm verdietin, ihn werfinbern ſowol fein Handwerk zu treiben, wie 
auch uneigentlih und verdhtlih, ihm in feinen Abſichten, Hanblans 
gen hinberiih fein, ihn hindern, fein Mißfaͤlliges oder Ungebährs 
liches ferner zu treiben. Auf eine außer in ber R. D. Rechtsfprache 
ungemöpntihe Art fagt man noch, kinen Zag legen, fefkfegen, bes 
fimmen; einen Berbrecher friedelos legen, ihm ädten, und dadurch 
bewirken, daß er nirgends Friede ober Ruhe hat, Sondern uüberall 
verfolgt wird. II) intrs. 3) Su ber Schifffahrt, dem Bauf nah 
einem Orte, mad einer Gegend richten, bobin feuern. Rah Nor 
den zu legen, b. h. feuern. Wit bem Schiffe von bem Ufer legen, 
Daſelbſt fagt man auch, legen als trs. gebraudt, bas Land’ legen, 
“6 baburch, baf man von bemfelben legt, d. h. fih von bemfelben 
entfernt, aus dem Gefihte verlieren, =) Bei den Handwerkern, 
mit einem Handwerke heben und legen. S. Heben. IIT) rec.’ 
Sich iegen, nadlaffen, aufhören, ruhig werben, von etwas was fih 
vorher auf gewiffe Art erhoben, d. h. angefangen bat. Dee Mind, 
der Sturm wird ſich bald legen. Die Wellen legten ſich, fobalb 
ber Sturm nachließ. Die Kälte legt ſich, läßt nah. Rah dieſem 
Mittel n ſich bie Schmerzen bald [egen. Man muf nur mars 
ten , bis [Ab fein Born gelegt hat. — D. Legen. D. —ung. ®. 
auch bie Lage. 


Der Leger, —8, 2. ol.; bie —inn, MR. —en. 1) Eine Derfon, 


melde etwas legt; befonders in Sufammenfegungen. In den Papiers 
müpten ift ber Leger verienige Befelle, welcher bie gepreßten Bogen 
auf ben Begefluhrt zeget, und mit ber Schieppe ausſtreichtt. =) In 
der Schifffobrt find Leger oder Bullen, aud Kiellichter, überall 
platte Jahrzeuge ober Prahme, deren man fih dedient, Schiffe, bie 
Aulfotert werben follen, cuf bie Seite zu winden, ober wenn man 
bie Maften in bie Schiffe fenen will, Gbendafeibä Hk ber Beger 
ober Prager, auch Steg, ein Brett ober eine Plante, welde fo ger 
legt wirb, baß fie vom Worbe bes Bootes bis auf bas Hfer reicht, 
auf welher man and kand ſteigt. Die großen innen umten im 
Raums des Schiffes, melde das feifhe Waller für die Mannfhaft 
enthalten, werden auch Zeger, Legger oder Mafferlegger genannt, 
Röbing 6. Yirger. 


Die Legereuſe, 9. —n, bei ben Fiſchern, eime Beufe, welche auf 


den Brunb eines Baflırs gelegt wird; auch eine Fangreuſe. 


+ Der Legerwall, —ı3, 4. —nälle, in ben Marſchlaͤndern, das 


ufer, worauf Wind und Wellen ofen. S. Leg, 


Der Legeſchuß, ſ. Selbſtſchuß. 
Der kLegeſtachel, —s, 3. —n, bei mehrern giefern, als Bremfen, 


Bienen ıc. ein beſonderer Stachel, vermittelft deſſen bie Weibchen 
ein kleines Eod) in die Haut, in das Fleiſch anderer Thiere, in bie 
Erbe ober in das Holz und Laub ber Pflanzen sc. flehen und zugleich 
ihre Gier barein legen; bei @inigen der Nachſtachel. 
u. — ſtaͤdte, eine Stadt, in melhe efwas nichene 
gelegt wirb, — 1) In den Deutſchen Staaterechten, eine 
Stadt, in welcher bie Staͤnde bie Reichsanlagen nieberlegten ober 
bezahlten. · Auch führen in manden Gegenden biejenigen Stäbte bie» _ 
fen Ramen , in welden gewiſſe berefhaftlihe Abgaben entriätet 
werben müfen. 2) In ben Sandfhaften bes Öfterreihifhen Staa⸗ 
ws ſolche Btäbte, wo bie Waaren, melde in anfehnliher Menge 
aus fremben Bändern Fomnem , miebergelegt umb verzollt werben 
möüffen, 3) Eine Stapelſtadt, in welcher bie durch- ober worbeige: 
henden Wairen auf eine gewiffe Zeit feil geboten werben muüͤſſen. 
fühle, bei den Papiermachern, eine 
vierfüßige, fhrdg ſtehende Bank, auf welde bie gepreßten Bogen gt» 
legt werben. 


Der Legetifch (Eeggetiſch R.D.), —e, 24. —, in einigen Handels⸗ 


ſtaͤdten, befonders N. D,, ein Tiſch, auf welchen bie verfextigten 
@täde Leinwand gelegt, amsgebreitet und ſowol ber Ringe als ber 
Breite nad gemeffen werben, um zu fehen, ob bie Srinmanb das 
gehörige Maß habe, und zu welcher Sorte fie geföre, um fir dann 


er 


Legez 


dem gemtß bezeichnen zu Binnen; auch bie kegebank (keggebank). 
Derjenige, welcher die Meſſung und Zeichnung vornimmt, heißt ber 
Rogemeifter (Peggemeifter). S. Lege. 

Die Legezeit, 9. u. biejenige Zeit, Im welcher bie Bögel Eier zu 
legen pflegen. 

+ Die Legfohre, 99. —n, ein Rame bes Krummpoljbaumes; von 
leg , niedrig. 

+Die Legge, dad Leggelinnen, ber 2 ber keggetiſch, 
f. Lege, Yegelinnen, Legemeiſter und Legetiſch. 

Die Legbenne, 2. —n, eine Henne, welde Gier legt; zum Unter⸗ 
ſchiede von eines Bräthenne. 

+ Das Legmooe, —es, 4. —r, ein niebriges Moorland; in Ger 
fa von einem Hochmoore. 

Der Legſchmelzofen, —6, 9. —Ifen, ein Schmelzofen, in wel» 
dem bie geringhaltigen Bord: und Gilbererze aus Brg gefhmelzt 
werben. ©. das Leg. 

Die Legſtraße, PY. —n, die von Sqhlacken, Kehlen und Brkübbe 
gemadte Straße ober Rinne, im welcher ber Kupferleg aus bem 
Dfen läuft. 

Die Lehde, 94. —n, ein wäh Liegenbes, ungebautes Städ Bandes, 
weldes nicht benüht wird: zum Untesfhiebe von einem Ader unb 
einer Wiefe. Lehden aufreifen und urbar maden, Bon ben Fels 
deen etwas als Lehde liegen laſſen, zur Vichweibe. In manden 
Gegenden werben aud die brach Liegenden Kater Lehden, in Meifen 
Ledigen genannt. Andere ſprechen und fhreiben Lipe, Berde. In 
alten Urfanten finbet man bafür aud Reiber. 

+ Der Lehdling, —es, I. —e, In Meifen, ein Rame des ephas 
zen Blaͤtterſewammes ober HerzenfGiwammes (Agaricus campe- 
stris L.). 

Das Lehen, — 8, oder Eehn, —es, Dip. 91. Aberhaupt etwas, was einem 
gelichen oder gelchnet wirb; in engerer Bedeutung, pine Bade, ein 
Neht, eine Freiheit, melde oder welches von bem Eigenthuͤmer ober 
Deren einem Andern unter gewiſſen Bebingungen und mit gemwiffen 
Förmtihteiten unter dem ausbeädiihen Namen eines Lehens äbers 
tragen wird. Gin Gnadenlehen, Pfarelchrem ıc. Im mod engerer 
und gewöhnliderer Bebeutung, ein Brundflät, ein Gut, deſſen 
Rirsbeauh auf diefe Art einem Andern Übertragen wird; ein Lehn⸗ 
gut. Gin adeliges Lehen ober Rittetlehen, mit welchem adelige 
Freiheiten verbunden find, und von bem Beſitzer durch Mitterbienfte 
erlangt wird; zum Unterfhiebe von einem unadeligen, ober einem 
Bürger» und Bauerlehen, melde auch Beutellehen genannt wer: 
den. ©. dieſe W. Gin Mannichen, ein Weiberlehen, Schleier: 
ichen oder Kunkellehen. Gin Erbiehen, Ein Zinsichen, Ja 
manden Gegenden heißen ale Binsgäter ober Erbzinsgäter Lehen. 
Ein Lehen verdienen, bie Bebingungen, unter welden ein Lehen zu 
befommen ift, erfälen. Das Lehen verwirken, einen Fehler bege⸗ 
hen, auf welden der Verluſt bes Lehens erfolgt, Gin Lehen mus 
then, in manden @egenben finnen, um bie Belchnung foͤrmlich anı 
fuhen. Cinem ein Yehen übertragen, reihen. Cinem etwas zu 
Lehen geben, als ein Lehen. Ein Lehen von jemand haben, tragen, 
Ein Sut von jemand zu Yehen tragen, als ein Beben vom ihm har 
ben. Bon jemand zw Leben rührın, von jemand ein Lrhım bekom⸗ 
men haben, ihn alfo zum Leheneherren haben, Gin Lehen einziehen, 
wirb vom Schenshersen gefagt, wenn er es bemienigen, ber bamit 
delichen ift, nimmt, ober aud, wenn ex es frinem Tudern Über 
trägt, ſendern feihft benägt. Gin gegebenes ober verliehenes Le: 
ben (Fendum datum); ein durchgehendes Lehen, in weldem ſowol 
Männer als Frauen die Folge Haben; ein gemeines Lehen, bas 
mehrern gemeinfhaftlic zuftehet; ein umgehendes Lehen, weldes 
allemahl ber Hirefke des Geſchlechts antritt (F. ambulatorium); 
ein unbefhwornes Lehen, bei weldem bie kehapflicht erlaffen U; 
ein eröffnets® Lehen (Feudum apertum), eim Lehen, beffen Bes 
figer geforden if; ein heimgefollenes Lehen (Fendum devolutum), 


. 


72 


gehend 


welches buch ben Ted des Cehnträgers an ben Erhnöherren zuräds 
gefallen if, WBorzugsimelfe. werben häufig bie abeligen ober Ritter 
lehen nur ſchlechthin Lehen, von Ginigen aud mol rechte Lehen ge: 
nannt. Im Bergbaue nennt man Allee, was einem an Fundgruben 
und Mafen mit Börmlichleiten übertragen wird, ein chen. And 
iM daſelbſt das Lehen ein Blähenmap, mämlih ein Städ Feldes, 
welches 7 Lachter lang und breit ift, wovon zwei auf ein Wehr ges 
ben. In ben zufammengefegten Wörtenn wird Lehen gewbhnlich 
sufammengezogen, und in vielen Fälen ift Lehen— ober Lehn —, 
in andern Lehens — ober Lehns — gemöhnliger, 

Die Lehen oder Lehn, %. u. a) Dasienige Werhältnif ober ber 
ijenige Buftand einer Sache, ba ihr Nießbrauch einem Andern unter 
gewiffen Bedingungen zuftchet, wie aud bas bem Befiger daraus er⸗ 
wachſende Reht und bas Werhältnig deſſelben zu bem Behensherren, 
Die Lehen empfangen, belehnt werden. Hm bie Lehen anfadıen, 
um bie Belehnung. Einem bie Lehen zeichen, ihm belehnen. Wei 
jemanb zu Lehen gehen, fein kehnsmann fein, und bie Erben vom 
ihm in gewifien Fällen empfangen müfen. =) Kür Lehengelb oder 
Eehenwaare (Laudemium, nah 6— 6 Bermuthung vieleicht deſ⸗ 
fee Lehnwahre; weil darch Gelegung berfelben bie Lehn gewahrt 

„ober gefihert wird). Die Lehen entrichten. Go auch Erblehen, 
Kauflehen, Sterbeichen. 

Lehenbar, Lehnbar, adj, u. adr, 1) Der Lehen ober Welchnung 
fähig. 2) Mas als Lehen verliehen werben konn, ober, bie Eigen 
[haft eines Exhens hadend, in lehenbates But. Dann, bie Eis 
genfHaft eines Lehnsmannes habend. Ginem Kürften lehenbar fein, 
beffen Schnsmannfeln. Davon bie Lehenbarkeit ober Lehnbarkeit. (R.) 

Der Lehenbauer, Lehnbauer, —n, 234. —, ein Bauer, welder 
fen But von einem Leheneherren zu Beben hat. 

Der Eehenbrief, Lehensbrief oder Lehnbrief, Behnsbrief, —& 
Di. —e, der Brief ober bie fhrifttihe Urkunde, in welder einem 
bie Lehen Äder eine Sache Übertragen wird, 

Der Echenbürger, Eehensbürger, oder Lehnbuͤrger, Lehnöbäne 
ger, —d, 2 gl.. sin Bürger, welder vom einem Behenähersen 
etwas zu Erben hat. 

Der Lehendienft, kehndienſt, —et, 9. —t, Dienfte, welde ber 
Lehenamann bem Lehensherren zu leiften verbunden iſt. 

Der Lehener, Lehner, —s, Mm. als die —inn, 2. —en, eine 
Derfon, welche von einer anbern erwad zu kehen trägt, 

Der Lehenerbe, f. Lehenserbe. . 

Das Lehenerbe, —s, 9. u. fo viel als Schupflehen. S. b. 

Lebenfäbig, f. Eehensfähig. 

Dad Lehenfeld, Lehensfeld, oder Lehnfeld, Lehnsfeld, —es, 
m. —er, Belder, melde einer zu Lehen trägt, ober womit einer 
belehnt ift; beſonders Ritterfelber ober Felber eines Ritterichens, 
zum unterſchlede von ben Bauerfeldern. 

Der Lehenfifcher, Lehnfifcher, —b, 2. gl. ein Fiſcher, welder 
das Fiſchwaſſer und das Recht zu ſiſchen von jemand zu Lehen trägt. 

Die Lehenfrau, Behensfrau, oder Lehnfrauu, Lehndfrau, 2. —en. 
ı) @ine Frau, welche das Meht hat, ein kehen zu verleihen, - =) 
Eine Frau, welde etwas zu Sehen trägt. 

Das Lehengeld, Lehendgeld, oder Lehngeld, Lehnsgeld, —b, 
24. —er, dasjenige Belb, weldes an den Erhensherren von bey 
Belchnten für die Belehnung ober bei der Belchnung zur Anerken- 
nung feines Obereigentpumseechtes entrichtet wird, &. Lehenwaare, 

Das Lehengericht, Lehngeriht, —es, 34. —e, f. Lehenhof. 

Der Echengrofchen, Lehngroſchen, —s, M- gl. f. Lehenwaare. 

Das lehengut, Lehngut, —es, 9. —güter, ein Gut, Landgut, 
weiches jemand zu Erben trägt; zum Unterſchiebe von einem Erb ⸗ 
"gute ober eigenthämtichen Gute. 

(Das) des Biüdes Huld bei euch Bein flüchtig Lehngut fe. 
Günther (R.) 
Lebenhaft, Lehnhaft, adj. u. adv. 1) Die Eigenſchaft eines dehent 


Lehenh 


dabent z lehenbar. Ein lehenhaftes Gut.  a)-Zu einem Lehen ge: 
vbrig, Am dem Lehtn gegründet, mofhe auch in manchen beſonbers 
R. D. Geyenben das härtere lehniſch gebräuglih if. Davon bie 
Kıhinbaftigteit, Yehnbaftigkeit, 

Der Lebenhäuer, Lehnhaͤuer, —s, 2. gl. im Bergbane, Berg: 
ltute, weiche von ben Gewerken eine Zeche auf Bewinn unb Werluft 
ga bauen übernchmen; zum Unterfhiide von ben Lohnhaͤuern. 

Der Lehenherr, Lehensherr, oder Lehnherr, Lehusherr, —en, 
Dig. ill, der Obereigenthum-herr eines behens, welchte jemand 
—— zu Lehen trägt; im Gegenfag des Lehenẽmannes. ©. Le⸗ 
Mrau. 

Die Lehenherrſchaft, Lehensherrſchaft, oder Lehnherrſchaft, Lehnb⸗ 
berrfchaft, 24. —en. 2) Die Herrſchaft, weicht dir kahnederr 
als folder über dag, was von ihm zu Chen zühret, hat. =) Eine 
Bersfhaft, d. b. ein Obereigentpumshers ober eine folde Frau, 
welde ein Erhenpeer ober eine Behenfrau if, ber and ein Herr, 
‚ber ein Echenfere ip, und feine Grmablinn. Davon lehensherrs 
ſchaftlich oder lehnsperrfhaftlih (R.), zur Behnchereftaft ober 
bem Eeknpereen und der Lehnfrau gehörig, in ihrem Rechte ges 
gränbet ıc, 5 

Der Lehenhof, Lehenshof, oder Lehnhof, Lehnshof, —s, 34. 
— hoͤfe. 1) Der Gerich tahof eines Arhnäheeren, welcher bie kehen 
ertheilt und über Eehnefppeitigkeitem entiheibetz das Leben: oder 
Lehensgericht, die Leben: opeg Lehenskammer, die Lehentafel Eee ⸗ 
hencurie) ; ehemahla das Manngericht, das Mannding, bie 
Mannkammet. Die Kanzelei eines ſoichen Wexichtaboſes heißt bie 
Echensfangelei, worunter man auch wol ben & henhof eines Heinen 
Behnstersen verftcht. 2) Bin Bauerhef, fofeen er ein Erhen iſt. 

Der Lehenknecht, Lehnknecht, —es, 9. —e, auf ben Blechhaͤm⸗ 
mern, ber erſte Geſell des Blehmergers. 

Der Lebenmann, Lehensmann, ⸗der Lehnmann, Lehnsmann, 
—es, 94. — maͤnner, auch Lehenleute, Lchmeleute, eine Perfon, 
welche vom einer andern etwas zu Bepen teägtz; im Begenfog des 
Lehnöherren, Lebenleute gebraudt man, wenn zuglelch von E.hn» 
männern und pon Schnfrauen die Rebe in, @, Lehenfrau. ” 

Das Echenpfird, Lehenspferd, ader Lehnpferd, Lehnspferd, —es, 
Dr. —e, ein Pferd, welches dem Lehntherren vom kehnsmanne 
gehalten werben muß. Beſonders, ein ſolcha Pferd, weiches vom 
Nitterichen zum Ariegsbienfte gehalten ober mit Gelbe vergütet wer ⸗ 
den muß; ein Ritterpferb, nicht zu verwechſeln mit einem Lebens, 
heffer Peihpferde ober Micthpferbe, 

Der Echenp opft, Lehnvropſt, — es, 94. —proͤyſte, der Propft 
ober Vorgefrgte eines Lehndofes, als Stellvertreter des Lehnt herren; 
der Lehentichter oder Lehensrichter. 

Das Lehenrecht, Lehnrecht, — s, My. —e. 1) @in Fecht, ein 
Grfeg in Lehentſachen. 2) Der Inbegriff aller Geſehe, weiche bas 
Erhnsweien betesffen; ohne Mehtzadl. 3) In manchen Gegenden, 
ein eigenes für Lehneſachen niebergefehtes Gerichtz ber Lehnhof. 

. 4) Das Recht des B.hnspereen, bie von ihm abhängigen Lehngüter 
zu Leben zu geben. 

© Der Lehenrechtskundige, Lehnrechtskundige, —n, Bi. —n, 
ber des kehnrecha fundig, barin erführen it (Peudalist). 

O Der Lehenrechtslehrer, Lehnrechtslehrer, —, 29. gl. ber 
das Lehnrecht lehrer; befonders auf boben Schulen (Feudalist), 

Der Rehenrichter, Lehnrichter, —s, 2. al. 1) Der Richter bei 
einem Eebenhofe; ber Yehemarichter. =) Ein Richter auf bem fını 
be, welcher fein Amt zu B:hen traͤgt; zum Unterſchiede von tinem 
Eebrichter. 

Lehenrührig, Lehnruͤhrig, adj. u. adv. vom etwas zu L:hen ruͤhrenb, 
zu einet Hreihoft als ein Ehen aebörend, 

Dad Lehensband, Lehnbband, — s, 39. u. dasjenige Band ober 
biejrmige Berbinpung, wodurch ber S:hnsherr und bie B.bınsleute 
mit einander vrehunden find. S. Kehensverbindung. 

Campe's Wörterb. 3. Id, 


73 


Lehens 


Das Lehensbrfenntniß, Lehnsbekenntniß, — ſſes, 24. — ſſe, 
ſ. Lebensſchein. 

Das Lehensbuch, Lehnsbuch, —es, Eij. — buͤcher, ein BWG, in 
welchem die Lehen aufgezeichnet find; das Lehensregiſter, ehemapis 
bas Mannbuch. Im den Bergwerken fiab bie Rebeneblicher rbens 
fails ſolche Buͤcher, in welden die Eihenfhaften verzeichnet find, 

Die Lehenſchaft, Lehnſchaft, 2. —en, im Bergmefen 2) Cine 
Bee, eine Grube, melde einem zu Erben gegeben mirb ober iſt. 
=) Die Bemwerle ober Perfonen, welde fih zus gemtinſchaftlichen 
Anbasung eines Wergmerles unter einanber verbisten. 

Der Lehenſchatz, Lehnſchatz, —ed, By —Ihäge, f. Lehenwaare. 

Der Lehenſchein, f. Lehens ſchein. 

Der Lehenſchulze, Lehnſchulze, —n, By. —n, ein Dorffäulge, ' 
m.ider fein Amt ald ein erbliches Lehen befigt. 

Der Lehendeid, Behnseid, —es, By. —e, ber Eid ber Treue, wel⸗ 
chen der Lehnsmann bem Schnäherren bei Empfang bes Eehens ablegt. 

Die Lehensentſetzung, Eihnsentfegung, 9. —em, bie Entfegung 
vom Srhen, wegen irgenb eines Lehensfehlers. 

Der Lehenserbe, Lehnserbe oter Lehnerbe, —n, By. —n; bie 
—inn, DM. —en, ber Etbe, die Erbinn eines Behend ober Lehen: 
gutes; der Behendfolger, zum Unterfhiebe von bem Keibeserben 
und dem Erben eines Erbgutes. 

O Die Lehenseröffnung, Lehnseroͤffnung, 2. —en, bie Eroͤff⸗ 
nung ober Erledi ung eines Erbens durch ben Tod bes Sihnsmannes, 
aber wenn ihm bas Lehen vem Lehnäherren eines Lehnéfrevels ıc. 
wegen genommen wirb, fo daß es aufs neue einem Audern verliehen 
werben kann. S. Lebensfall. 

Lehensfähig, Lehnsfaͤhig, oder Behenfähig, Lehnfähig, adj. w.adr. 
fähig oder bie erfoberlihen Gigenfhaften befigend , ein 2iben au 
empfangen ober in einem Lehen zu folgen. „Ob bie Ketzer lehen⸗ 
fäbig waͤren. Ungen. (R.), Davon bie Kchensfähigkeit, Lehus⸗ 
fähigkeit: 

Der Lehensfall, Lehnsfall, —e, 9. —fälle, derjenige Fall, da 
«in Lehen eröffnet, erlebiget wird, ober dem Lehnsherren anheim 
faͤlt, befonders durch ben Lob bes Lehusmannes; ber Unterlehens⸗ 
fall. Durd ben Todadee kehneherren wird ein kehen ebenfallg er⸗ 
Iediget, und dann if, es ein Oberlehensfall. 

Der Eehensfehler, Lehnbfehler, —s, 2. gl. ein Fehler, melden 
ein Lehnemann wider bas Lehnrecht ober gıgen feinen Lehneherren 
begeht; Mirker, @ ein Lehnsfreveti (Felonie). 6. \ 

Die Lehensfolge, Lehnsfolge, 4. —n. 1) Die Erbfolge in bem 
Beflge eines Lehena. =) Die Verbindlichkeit bes Lehnamannes, bem 
Lıhnähersen in ben bebungenen Faͤllen Folge ober Behorfam zu Iris 
ften, umb in engerer Bedeutung, ibm in gewiffen Faͤlen über Land 
ober in ben Krieg zu folgen; obme Mehrzahl, 

Der Lehensfolger, Lehnsfolger, —s, Di. gl.; die —inn, M. 
—en, f. Fehenterbe, ' 

Die Lehensfrau, f. Lebenfrau. ‚ 

O Der Lehensfrevel, Lehnöfrevel, —s, 4. al. ſ. Lehens fehler 
(Felonie), G. re 

Der Erhensgebrauch, Lehensbrauch, —es, 4. — braͤuche, (R.) 
ein im Urhasmefen, bei einer Welchnung ıc, übliher Bebraud. 

Die Lehensgebühr, Lehnögebühr, 9. —en, bie Mebähr ober bie 
G:bübren, melde ber Belehnte bei Gmpfangung bes Behens an bem 
Behnshereen - oder beffen Beamten entrihtet; das Lehngeld, 
Kehnsgelb. 

Die ehensgefälle, Lehnögefälle, Ez. m. die Befite oder Einfänfte 
des Eehnshesren von den Ehen, melde er zu verleihen hat. 

Dad Lehensgericht, f. Yehengericht. 

Die Lehenshand, Lehnshand, o. 9. ein meift veraltetes Mort, 
welches fo viel als Lchensfolge x) bedeutet. Die Lehenshand da 
ben, Ichensfäpig fein. \ 

Der Lehensherr, Lehenshof, Lehenskammer, Lehenskanzelei, f. 


10 


Lehenſ 


Lehenherr, Lehenhof ꝛc⸗ 

Die Lehenſinnung, ſ. Lehenſuchung. 

Der Lehensmann, f. Lehenmann. 

© Die Lehentoͤffnung, 34. u. das Recht des kehneherren, nad 
welchem ihm vom Erhensmanne bas Lehen geöffnet werten muß, for 
bald er bafelbft Übernachten oder fi aufhalten will; befonters bas 
Aecht des kehensherren, im einen Ort, ber vom ihm zu Lehen rüh⸗ 
ret, Beſahung zu legen (Jus aperturae), 

Das Lehenspferd, f. Lehenpferd. 

Die Lehendpflicht, Echnöpflidt, 9. —en. 1) Jede Pflicht, welche 
ber Lehneherr und Lehnemann einander zu leiſten ſchuldig find; 
deſonders, welche ber Lehnsmann dem Lehnsherren zu leiſten vers 
bunden iſt. 2) Der Inbegriff aller dieſer Pflichtenz ehae Mehrzadl. 
3) Die Berpflichtung zur Treue, ober die Verſicherung der Treue, 
welche dee Lehnsmann dem Echnäberren feierlich giebt, und welche, 
wenn fie vermittelt eines Cides geleiftet wisb, ber Lehenéeid heißt; 
ohne Mehrzahl. Die Lehenspflicht Leiften. 

X Das Lehendregifter, Lehnsregiſter, —e, 2%. gt. ſ. Rebensbudh. 

Der Lehensrichter, Lehnsrichter, f. Lehenrichter. 

Die Lehendfache, Lehnsſache, By. —n, eine das Lehen, den Lehns⸗ 
bergen oder die Erhnsleute betreffende Sache, befonders Streitſache. 

Der Lehensſchein, Lehnsfchein, —es, 34 —e. ı) Ein Schein oder 
ſchriftliches Zeugniß, daß ber Uchensmann bie Lehen gefucht unb 
empfangen habe; aud mol, ein Beugniß, daß bie ertpeilte Lehen ges 
hörig ind Lehensbuch eingetragen worden fel. =) Ein Schein oder 
fhriftlihes Bekenntniß bes Schensmannes, daß er etwas zu Lehen 
empfangen habe; das Lehensbelenntniß. 

Die Lehensſchuld, Lehnsſchuld, Big. —en, eine Schutd, welche auf 
einem kehengute haftet ober darauf gemacht wird (Dehitum feudale). 

Die Lehendtreue, Eehndtreue, 0. Mz. die Treue, melde die Lehns⸗ 
keute bem kehntherren ſchuldig find; ein Theil bes Behenspfliät, 

O Die Lehenstreuloſigkeit, Lehnstreuloſigkeit, 34. u. die Ver⸗ 
legung ber ſchuldigen kehnstreue, ein harter Lehnsfehler ober ein kKehns— 
feeveliFelonie).&, Auch die Lehusuntreue und © ber Lehnsfrevel. ©. 

Das Lehenſtuͤck, Lehnſtuͤck, —s, 94. —e. 1) Ein Städ, ein Theril 
eines Sehens. 2) Ein Städ, rine Sahemmwomit man belehnt ift ober 
wird. 

Die Lehenfuhung, Lehnfuhung, Di. —en, bie Anfuhung, das 
Kubalten um ein Cohen, um bie Belehnung (Petitio investiturne); 
auch Lehenſinnung. 

O Die kehensuntreue, Lehnsuntreue, 0. 29. fo viel als kLehnetreu⸗ 
Loffigleit, ein großes Vergehen gegen bie Behnspfliht (Felonie). 
Heynad. Das Gegenwort von Lehenstreue. 

O Die Lehendverbindbung, Lehnsverbindung, 2. —en, bie Ver⸗ 
bintung zweier ober mehrerer Perfonen vermittelſt eines Lehens oder 
in Lehensſachen; befonbers, bie BWerbindung in welcher ber Echene- 
heee mit den Lehnsleuten firbit. 

Die Lehensvererbung, Lıhnövererbung, Wi. —en, bie Vererbung 
eines Lehent ober bie Übertragung beffelben auf einen Anderh für 
den Kal feines Tobes. 

Die Lehendverfaſſung, Lehnöverfaffung, 3. —ın, bie Verfof- 
fung, weſentliche @inrihtung in kehtnsſachen ober bes Lehencweſens. 

Der Lchenövertrag, Lehnsvertrag, —es, By. — verträge, der Ber, 
trag, welcher bei einer Belchnung oder bei dem Ampfange eined Bes 
hend oder ein Vertrag, ber in Lehensſachen geſchloſſen wird. 

Die Ebendverwirfung, Lehnsverwirkung, 9. u. bie Berwirkung 
eines Eehend, die Begehung eines Erhnefrevels, wodurch man fid bes 
Lehens vırlaflig macht. 

Das Lehensweſen, Lehnsweſen, —s, o. 2%. Alles was die Schen, 
ben Eehncheren und bie kehnsleute, das Lehenrecht ic. betrifft, ange: 
bet, befonbers in Anſehung ber darauf Bezug habenden Einrichtungen. 

Die Lebentafel, Lehntafel, 24. —n. 1) + &o viel ala keyngericht. 
©. Lehenhof. 2) In den Halliſchen Selzwerken, die waͤchſerne Ta⸗ 


BEL: .; SER 


Rehm 


fel, auf welche bie Ramen ber belehnten Pfaͤnner nad einzm alten 
Gebrande geſchrieben werten, Dann auch umeigentlik,, das zum 
Behufe diefer Tafel niedergefegte Berigt und bie Rerſammlung der 
Blicher beff:iben, 

Der Lehenträger, Eebnträger, —*, 2. gl. derjenige, welcher bie 
kehen im Namen eines Andern empfänget und für ihn bie mit bem 
Lehen verbundenen Obliegenheiten erfület. &o nennt man auf bems 
jenigen, welcher unfer mehreren Mitbelehnten bie Lehen für fie empr 
fängt, wie aud denjenigen, welcher im Namen eines feemben Relis 
gionsnerwandten ober rines aufer bem Werleke des Tehensgerictes 
befinblien Lehensmannes bie Lehen empfängt und für ihn bie Ob⸗ 
Kiegengeiten erfägt, den Lehnträger, in andern Segenden auch ben 
Ausrichter. 

Die Echenwaare, Lehnwaare, (vieleiät richtiger, nah G—6 Ver: 
muthung, Kehnmwahre. ©. Lehen.) My. —n, dasjenige Gelb, wel: 
dies der Schnamann bei Uimpfang bes kehens ober bei andern Fällen 
bem Lehnsherren zur Anerfennung feined Ohereigenthumsrechtes ent- 
zihten muß, und welches biefer ſowol von ben Nitteriehen, als auch 
von Erbzinsgätern, wenn fie ben Namen dee Lehen führen, empfängt; 
au bie Lehen, Yehensgebühr, das Lehngeld, der Lehngrofchen, 
ber Lehnſchatz, der Handlohn, bie Huldigungslehen, weil fie auch 
nad der Huldigung entrichtet wirb; bei Bauergätern In Schleſten 
ber Marktgrofchen, im Öfterreihifhen das Pfundgeld, In Baicen 
ber Anteit, ber Anfall, im Elſaß der Ehrſchatz, im Schwaben die 
Wegloͤſin (Meglöfung), im Bremifd,en die Willigmiethe, in andern 
N. D. Gegenden bei manden Meiergätern die Umfahrt, ber Umfas 
und anderwärts auch noch bie Auffahrt ıc. S. au Leihtauf(Lau- 
demium), Die hohe Lehnwaare, kasjenige @elb, welches ber Lehnemann 
beim Sterbefalle bes Lehenshercen entritet; zum Unterfhlebe von ber 
niebern, bei bem Sterbefalle des Eehnsmannes, ©. auch Sterbe⸗ 
Ichn, Kauflehn. In manden Gegenden nennt man auch das Geld, 
welches ber Echneichter ober die Beamten bes Lehnehereen für bie 
Brlehnung bekommen, die Beine Yehmwaare, zum Unterfhiebe 
ber großen, weißen Nomen bas Gelb, wildes ber kehnthert bes 
tömmt, erhält. An andern Orten bingegen wird akr dasjenige 
Gelb, welches bei Annehmung ober Theilang der Bauergüter dem 
Cehnaherren entrichtet wird, Lehenwaare genannt. 

Lehenweiſe, Eehnyoeife oder Lehnsweiſe, adv. nad ber Weile eines 
kebens, als ein Beben; ober aub, als geliehen. „Er fheint feine 
Herrfhaft nur lehnsweiſe erhalten zu haben.“ Bragur. (M.) 

Der Lehenzins ober Lehnzins, —es, Du. —e, Binfen, melde von 
einem Beben entrichtet werben. a 

Der Lehm, —es, Mg. von mehreen Xrten, —e, ein mit Kalt, Band 
und meift auch mit @ifentheilen in beteätliher Menge vermifäter 
Thon ven gelblicher oder roͤthlicher Farbhe, welcher im Feuer unb 
an bes Luft erhartet und ſowol beim Bauen zum Kleben ber Män- 
de ac. mie auch zu Biegeln verbraucht wird, mo er bann im erflen 
Bale Baulehm, Kieberichm, im andern Ziegellehm oder Ziegelerbe 
heißt. Gebrauchen dem beſſern Lehm bie Köpfer, fo beißt er dann 
Toͤpferlehm. Ob dies Wort glei mit Leim verwanbt ift, fo darf 
es bamit bach nit oerwechſelt werden, und ber Gebrauch des gemeis 
nen Lebena, woman oft Beim, Leimen, für Lehm ıc. fagt, ik verwerflich. 

Die Eehmblätter, &. u. ein Mame bes großen Huflattiges (Tussi- | 
lago petasites L.). 

Der Lehmboden, —s, 34. —boͤden. ı) Ein Iehmiger Boben, Ich: 
miges Erdreich; ohne Mehrzahl. =) Ein Boben, Fußbdeden von Lehm 

- gemadt, 

Lehmen, v. trs. mit Lehm verfehen, ausfüllen, auskleben. D. Erb: 
mm. D. —ung. 

Der Lehmer, —b, Mm. gl. ein Arbeiter, welcher in kehm arbeitet; 
befonbers, ber mit kehm ausfület, Schmmwänte ıc. macht, der Lehm: 
kltber, Lehmklicker, im gemeinen Leben unrigtig, Lehmentier. 

Lehmern, adj. u. adv. aus Lehm gemacht. 


Lehm 


Die Echmform, Mg. —en, eine Form aus Lehm gemacht, etwas 
barin zu gießen. 

Die Lehmgrube, . —n, eine Grube, welde Lehm enthält, aus 
welcher kLehm gegeaben wird; im MR, D. Lehmkule. 

Der Lehmguß, — ſſes, Sy. —süffe, im Hüttenbaue, Eifenwaaren, 
welche bei dem hoben Dfen in behmformen gegoffen worben find; 
zum Unterfiebe von den Sandgüffen. 

Der Eehmberb, —et, By. —e, ein Herd von Lehm. Beſoubers im 
Hüttenwefen, ein Herd ober eine Lage von Lehm unter dem Afhens 
herde dee Zreibofens. 

Die Lehmhuͤtte, By. —n, eine Hütte, deren Wände von Lehmpahen 
gemacht ober mit Lehm auegeſchmiert find, Herder fagt dafür Feim- 
hätte und Leimftdtte, nah der im DO. D. befonders häufigen unsihtigen 
Berwtchfelung ber Wörter Lehm und Leim. „Bir (bie Kabylen) — 
baten ihre Daskrat's, ihre Leimhuͤtten und Peimftätten —“. Herr 
der. Uneigentlid nennt man aud ein ſchlechtes Hrined Haus eine 

Lehmhuͤtte, weil deſſen Wände gewöhnlih von Lehm find. 

Lehmicht, adj. u, adv. dem Lehme, befonders dem im Waſſer vers 
bännten Lehme Ahplih; von Flüſſtgkeiten, bil und trübe, Das 
Maffer fiebt lehmicht ans. 

Zehmig, adj. u, adv. Lehm entHaltend, aus Lchim ganz ober zum Theil 
beſtehend. in lehmiger Boden. Lehmiges Waſſer. 

Der Lehmkleber, —, M. gl. ſ. Lehmer. 

Der Lehmmergel, —6, 34. u. Mergel, welcher groͤßtentheils aus 
Lehm beſtehet; zum Unterfhiebe vom Kalkmergel. 

Der Eehmpaten, —s, DM. gl. ſ. Lehmſtein. 

Die Lehmſchindel, 9. —n, Sqindeln, fofern fie auf dem Dache 
mit Lehm üserjogen und verftrihen werden. Gin Dach von Lehm⸗ 
ſchindeln. Davon bas Lehmſchindeldach, ein Dad von Lehm⸗ 
f&inbeln. 

X Die Lehmſchwalbe, 9. —n, ber Name einer Art Schwalben, 
die in ben Wänden der Echmgruben wagerehte Eicher machen, um 
ihre Neſter darin anzulegen. 

Die Lehmſtake, 94. —n, in ber Baufunfl, bie Holafheite, im Fach⸗ 
werke ber Lehmwaͤnde, zwiſchen welche bie mit Lehm Überzjogenen 
unb baten burdbrungenen Strohſeile geflochten werben. 

Die Lehmſtaͤtte, Dr. —n, fo viel ats Lehmhuͤtte. S. d. 

Der Lehmſtein, —es, 94. —e, Mauerſteine von Erfm, welche thells 
an ber Luft getrodnet, theils gebrannt und beim Bauen gebraudt 
werben; Lehmzirgel, und wenn fie an ber Luft geirodnet find, Luft 
ziegel. Dergleigen GtüdeSchm, wie Werkfteine geformt und an ber 
Luft geieoduet, nennt man auch Lehmpatzen. 

Die Lehmwand, By. —wände, eine aus Lehm gemachte, ober mit 
Sehm ausgeliebte Wand; eine Wellerwand. 

Das Lehmwerk, —ıs, 94. u. ein aus Lehm gemachtes Wert, etwas 
aus Lehm Gemachtes, z. B. eine Schmwand, eine Dreſchtenne, ein 
Backofen von Lehm xc. 

Das und die Lehn, mie aud bie damit zufammengefegten Wörter; 
f. Zehen ic. 

1. Die Lehnbank, 9. —bänte, in manden Gegenden, bie Benen- 
nung eins Siihhaufes, 

2. Die Lehnbank, . —bänke, eine Bank bie eine Erfne hat. 

Das Kehnbeet, —es, 9. —e, in ber Sartenkunft, ein Beet, wel: 
es fih an eine Mauer, eine Wand an ber Gomnenfeite lehnet, fo 
baf es mehr von ber Sonnenwärme buräbrungen werden fonn und 
Früchte ſchneller darauf wachſen und reifen. 

Das Lehnbrett, —ed, By. —er, ein Brett woran man fich lehnet. 
So führt biefen Ramen bei ben Weißgerbern basienige Brett, weram 
fie ſich beim Abſchaben ber Felle mit bem Leibe Ichnen, In ber Schiffs 
fahrt it das Lehnbrett Hinten im Boote ein bännes gebogenes 
Beett, über bie Hölzer hinten am Boote gefpilert, woran fi bie 
baran figenden Perfonen lehnen können. 

x Zehen, f. Lene. - 


75 


Lehn 

+ X Lehne, adj. u. adx. 1) Bon ber wagerechten Richtung ganz all: 
mäphlig in bie Höhe ſteigend, ſchraͤg. Der Berg erhebt fih gunz 
Ichne. 2) Weih, mager, duͤnn. 

1. Die Lehne, (das e wie & ausgefprohen) By. —n. 1) Die au⸗ 
maͤhlig und fanft- ſich erhebende Beite eine Werges oder Hügels und 
ein feiher fanft fi erhebenber Berg ober Hügel ſelbſt. Un ber 
Lehne des Berges. Die Sommerlehne und Winterfehne, ber mit: 
tägliche und milternähtiihe Abkang eines Berges. Ina biefer Ges 
gend befinden fi mehrere Lehnen. Die Aderiehne eder Feldlehne, 
wenn fie fi in einem Felde befindet. =) + Cine fhräge Ridtunsg; 
ohne Mehrzahl, Im der Lehne chen, eine fhräge Stellung haben, 
ſchraͤg ſtehen. In ber Lohne biegen, färäg !iegen, fih an etwas 
Ihnen. 5) Derienige Theil an einem Dinge, woran man ſich feh: 
net, Die Lehne an einem Stuhle, an einer Band, Die Nrmichne, 
Brufttehne, Ruͤckenlehne. Auch ein Ding, mweldes etwas einfaßt 
und befonberd bas Herunterfalen verhindert, uny fenft Geländer 
heißt, wirb, ſofern man ſich zugleich daran Iehnet ober lehnen kann, 
auch eine Lehne genannt, wie am einer Brüde, auf einem Therme ic. 
Wenn bu ein neu Haus baueft, fo made eine Lehne darum auf bei: 
nem Dade, auf bag du nicht Blut auf beinem Haufe (bein aus) 
ladeſt, wenn jemand herabfiele.“ 5 Mof. 22, 3. 

2. # Die Lehne, (bas e wie & ausgefproden) 3. —n, in mandıen 
Gegenden ber Khönagel, bie Luͤnſe; auch Lihn, Kam, Lannagel, 
Leine, Lönfe, Lünfc ıc. 

3. 1. 4, Die Lehne, f. 2. u. 2. Leene. 

1. Lehnen, v. I) ntr. mit haben, von ber ſenkrechten Stellung abwei: 
Gen, und mit feinem obern Theile an reinem andern Körper ruhen 
und von bemfelben zum Thril getragen ober unterhägt- werben. Der 
Stock Ichnet an ber Band. „Ad, tft denn kein Bufen, an welden 
bie meinige Ichne?® Kofegarten. (R.) Dann, O gelchnt figen, 
eine lehnenbe Stellung haben. „Liane lehnt im einem Schlaffefſel.“ 
I. 9. Ritter. Auf dem Siegel ift ein lehnendes Eid." Un: 
gen. (R.) II) ers. u. reo, in eine ſolche Richtung, in welcher ber 
obere Theil eines Körpers an und auf einem andern ruhet, bringen, 
Ctmas an bie Wand lehnen. Beſenbers als rec. Sich an bie 

Wand lehnen, fih fo an bie Wand flellen, daß der obere Theil bes 
Körpers ih über ben Schwerpunkt nad ber Wanb neiget und vom 
biefer gehalten wird. Sich auf jemand Ichnen, fi auf ihn ſtühen, 
von ihm im ber Höhe erhalten, unterflägt werben. Uneigentlich fagt 
man von einem Kriegsheere ober einem Theile beffelben, es ober er 
Ichne ſich an einen Berg, einen Wald, Fiuß, wenn biefer fie glei: 
fam von feiner Selte haͤlt, ſtuͤgt, fo daß fie bier fehlten Fuß behalı 
ten und ben Angriff bes Feindes abhalten und zurückſchlagen innen, 
— D. Lehnen. D. —ung, in manden Zufammenfegungen, als 
Ablehnung, Auflehnung ıc, im welchen Ichnen auch noch anbere 
uneigentlihe Bebeutungen hat. 

2. Lehnen, v. I) trs, ehemapie überhaupt geben; baun, ben Riefsraud 
einer Sache übertragen, als ein Schen, zu Exhen übergeben. S. Belch: 


* 


nen, Jett gebraucht man es nur nod im engerer Bebeutung 1) für 


ben Riegbraud einer Sache auf eine Zeit, gewoͤhnlich unentgelblich, 
geftatten; wofür aber leihen im ber edlern Sprech⸗ und Echreibart 
fat allein äslih if, Cinem Belb, ein Bud te. lehnen. Uneigents 
li, einem feinen Kem Ichnen, beſſer leihen, ihm behölflich fein, ihm 
helfen, entweder beim Sehen, ihn unterflügen, führen, ober im Bands 
gemenge. Ginem ben Munb lehnen, ungewöhnlich, für ihn ſprechen, 
für ihn das Wort nehmen. . 
Doch meinem Herrn ben Mund, fo mie ben Arm zu lehnen, 
Iſt meine Pflicht. Bieland. 
2) Zum Bebrauß und befonders unentgelblih auf einige Brit vom 
einem Anbern verlangen unb befommen. Etwas von einem Andern 
lehnen. Win geichntes Bud, IL) ntr. mit haben, im Erhrchte, 
2) Bei einem zu Eichen geben, ober als Erben von ihm abfangen. 
Das But lehnet dem Bärften, bat ihn zum Eehnahersen, wird vom 


Lehn 


ibm verliehen, 2) Zur Lehenwaare verpflichtet fein, vom eigentlichen 
Sehen, wie auch von Erb;insgütern, wenn biefe den Romen der Les 
ben führen. — BD. Lehnen. D. —nung. 


76 


Lehre 


iheem Umfange nad abgehanbelt wird; mehr aber noch eine Schrift, 
in wilder ver kurze Inbegeiff einer Erhre enthalten if; ein Lehr: 
buch. 


+ Der Lehner, —$, 4. gl. 1) Der einem Andern etwas Ichnet ober O Der Lehrberirk, —eb, 34. —e. 1) Der Bezirk, über welchen ſich 


teipet, „WSer borget, iſt des Lehners Kucht.* Sprichw. as, 7. 
2) Der von einem Anbern etwas lehaet, borget. 
+ Lehnig, adj. u. adv. im Wergbaue mancher Gegenden, fo viel als 
föplig. 
X Der Lehnlakai, —en, By. —en, ein Lakai, welcher ſich gleihfam 
verlehnet, d. b. dee fi von einem Anderen auf kurze Zeit jur Bedie⸗ 
nung für Gelb bingen läßt; auch ein Lohnlakai, Miethlakai. 
X Das Lehnpferd, —es, 4. —e, eih Miethpferd. ©. b. 
Der Lehnſatz, —s, 34. — ſaͤtze, in der Denklehre, ein Gay, wel 
Gen man aus einer andern MWiffenfhaft für feine gegenwärtige Ab⸗ 
fiht entichnt dat (Lemma), 
Die Lehnſchnur, Dig. — ſchnuͤte, bei dem. Budbrudern, bie Sänur 
weran fih das Raͤhmchen am Dedel ber Preffe Ichnet, wenn es aufs 
—* zuruckgeſchlagen wird; gewoͤhnlicher der Anſchlag oder Smms 
amen. 
Der Lehnſeſſel, —, 34. gl. ein mit Rüden: und Armlehnen ver 
ſehener Seſſel. S. Seſſel. 
Der Lehnſtuhl, —es, My. — ſtuͤhle, ein mit Rüden: und Armleh⸗ 
nen verſehener Stuhl, S. Großvaterſtuhl. 
X Das Lehr, —es, In. —e, bei einigen Sandwerkern und Künſt⸗ 
lern, ein Maß, ein Raſter, eine Form; gewöhnlicher und beſſer bie 
Lehre. S. Kugellehr. 
Der Lebrabfchied, —es, Pig. —e, ſ. Lehrbrief. 
Das Lehramt, —es, 9. —ämter, 1) Das Amt ober bie Berhinds 
tigkeit zu lehren, Anbern burch kehre nünlich zu werden; ohne Mehr⸗ 
zahl. =) Das Äußere Berhäitniß, bie Stelle, mit welchet man die 
Verbindlichkeit, Andere darch Lehren zu unterrihten, übernimmt; 
bas Lehreramt. In einem öffietlichen Lehramte ſtehen. Gin Lehr⸗ 
amt an ber Kirde, ober ein gettendienftliches Lehramt bekleiden. 
Das Lehramt an einer Schule verwalten, Ein Echramt an einer 
hoben @dule (Professur), 
© Die Lehranftalt, Rz. —en, (R.) eine Anftalt, durch welche für 
Belchzung, befonbers junger Leute, geſorgt wird, in welcher Wiſſen⸗ 
ſchaſten und Rünfte gelehrt werbin; eine Unterrichtsanftalt, welche 
eigentlih no umfaffender ift, zum unterſchlede von einer Erzie⸗ 
hungtanſtalt. Bffenttihe Behranftalten. Höhere Lehranſtalten. 
Die lehrart, 2. —en, (R.) bie Art und Weife wie man Ichret ober 
Untersiät erteilt; die Lehrweiſe. Eine gute, angenehme, sine ſehwer · 
fälige Lehrart, Beſonders wie noch einem gewiffen Plan befeigte 
Art und MWelfe und Ortnung im Vortrage einer Lehre ober im Un— 
terrihte (Methode), Die beſte Pohrart beim Unterriht in eins: 
BWiffenfhaft wählen. Dir verbindende oder aufammenfrgende Lehr— 
art (bie synthetische Methode), weiche von den Grundſaten ande 
gehet und mit Arkiärungen anfängt; bie auflbfende oder zerglie⸗ 
dernde Lehrart (bie analytische Methode) welhe mit ten zu er⸗ 
weiſtaden Saͤten ſelbſt anfängt und auf bie Grundfäge unb Erklaͤ⸗ 
zungen zurüdgehet; bie vermifchte Lehratt, in welcher jene beiden 
mit einander verbunden werden. 
Lehrbar, adj. u. adv, was gelehrt werben kann. Davon bie Pebrbarkiit, 
Die Echrbegierde, o. Sy. die Vegierde, die große Neigung zu Lehe 
ven, Audern duch Rebre zu nugen. S. Yernbegierbe, 
Lehrbegierig, —er, —fle, adj. u. adv. 1) Lebebegierde habend und 
zeigend, begierig zu lehren. 2) Begierig nad Lehre oder Unter: 
sicht; lerndegietig. Lebrbegierige Schüler. 
Der Lehrbegriff, —es, 4. —e. ı) Dir gange Umfang einer in Ihe 
zen Thetlen gehörig geordneten Bihre (System). Befonbers dre 
gen Umfing ter Blaubenstmahrfeiten, Der Krifllige, ber Joͤdl⸗ 
The re. Lehtbegtiff. In engerer Bebeutung, ein kurzer Begriff ei 
ner Lehre oder WiffenfKaft, =) Eine Erift, in welher eine Echre 


eine Lehre, Wiſſenſchaft erſtreckt, welchen fir gleichſam einnimmt ober 
ousfült, =) Des Bezirk, der Wirtkeeld eines kehrtrs; der 
Lehrkreis. 


Der Lehrbogen, —, M. gt. f. Lehre. 
® Der Lehrbothe, —n, By —n, ein ausgefandter E.brer, ein 


Sihzer, welder eine kehre weiter vecbreitet; ein Apoſtel. &. Im 
engerer Bebeutung, einer bee zwölf von Kriftus jur Berbeeitung feis 
mer Echre ausgefandten Männer, welde Euther nur bie zwölf Bor 
then nennt, 


Der Erhrbraten, —s, 94. gl. bei ben Gandwerkern, bie Benennung 


eines Schmaufes, welden die Lehrlinge geben, wenn fie ausgelernt 
baden und Geſellen werden; das Lehreſſen. 


Das Lehrbrett, —es, By. —er, in der Baukunſt, das Brett ober 


bie Bretter, worauf ber Entwurf in Sroben au allen Haljnerbins 
bungen geztichnet it, welder dabei gleihfam zur Lehre bient oder 
nah welchem man fi bei ber Arbeit richten kann. 


Der Lehrbrief, —e6, 4. —e. ı) Ein-Brief oder Weiche, in weis 


den etwas gelehrt, ober eine Schere vorgetragen, erläntert wird. 
„Die Lehtbtiefe der Apoftel* (Episteln). Riemeier. Um piebet 
einer Verwechslung mit Lehrbrief in ber zweiten Bebestung genoms 
men vorzubeugen, raͤth G, hier lieber O Lihrfchreiben zu ſagen. 
2) Bei ben Gandwerkern und andern zänftigen Gewerben, ein Brief, 
b. 5. eime Ichriftlihe Urkunde, melde bezeugt, daß ein Behrling fein 
Handwerk oder feine Kauft gehbrig erlernt habe, und melde für ihn 
bei feiner Bosfprehung ausgefztiget wird; bei ben Kigcen, ein lehrs 
abſchied. 


Das Lehrbuch, —es, 9. —buͤcher, ein Buch, worin eine Wiſſen⸗ 


ſchaft oder Kunft gelehrt wird. In engerer und gemöhnlider Ber 
deutung verſteht man aber darunter ein Buch, welches nur ben Abriß 
einer Lehre, d. h. einer Wiſſenſchaft oder Kunft enthält, und welches 
beriinige, der eine ſolche Lehre verträgt, bri feinem unterricht zu 
Grunte legt, und müntiih erläutert enb weiter ausführt (Com- 
pendium); ein Peitfaden. 


Der Kebrburfche, —n, 29. —n, bei den Bünften, ein Burfhe ober 


junger Mini, mährend ber Zeit, ba er in dur Lehre ſtehet ober bei 
einem Meiſter in einem Hanbwerfe ober in «iner Kunft Unterricht 
blume; in ber nledsigern Sprechart ein Lehrjunge, im ber ebiern 
hingegen «in Lehrling. Im engerer Bebeutung wird bei den Jaͤgern 
ein Lehrleng im zweiten Jahre feiner Lernztit Lehrdurſche genannt; 
im erſten I.hre beißt er Lehrling, Jaͤgerjunge, Hundsiunge, und 
im teitten Jahre Jaͤgerburſche. 


O Der Kehrbichter, —s, 9. gl. (9) ein lehrender Dichter, der in 


feinem Bebichte belehrt, ober eine Lehre aufflelt; ber Berfaſſer eines 
Behrgibichtes (didactischer Dichter). 


Die Lehre, 3. —ı. ı) Die Handlung, da man Ichret, mündlich ums 


terriihtet. Dusch Lehre urd Beilpiel auf die Kinier wirken, So 
aud in bem zufommengrfegten Morte, die Kinderlehte, die Hands 
tung dba man bie Kinder Ichret, unterridtet. =) Der Zuſtand, ba 
man fi Ichren laͤßt, m man Belchrung, Unterridt empfängt; be⸗ 
fonder# bei ben Bünften, wo cin Menfh fo lange in ber Lehre iſt, 
als er bie Anfanasgränte unb das Gewohntiche in einem Handwerke 
ober in eine Kunft erlexaet, bis er le⸗geſprechen unb zum Seſelen 
gemacht wird. Mei einem Meifter, Kärſtler in ber Lehre fein oder 
ſtehen, bei ihm ein Handwerk,, cine Kunft erleeren. Ginen Kaeben 
bei jewend in bie Kchre geben ober thun. Ginen Anaben zu fib in 
die Lehre nehmen. us ter Lehre Laufen. Tus ber Lehre jagem, 
3) Etwas dos Ichert, delthret. (a) Etsas das eine Erkenriniß des 
zwecktt und heroorbringt eder bo herrosdiingem kann, beſonders for 
fern es in Worte eingelleibet ift, eine in Worte eingetleidete ober 


Kehren 


in Morten vorgetrogene Wahrheit, Meinung ıc. Cine neu: Yehre. 
@ine falſche Lehre. Die Lehre von den einfachen Wefen (Monado- 
logie). Mefonders ber ganze Umfang aller Wahrheiten und Vor 
ſcheiften Einer Art, tas geerbnete Ganze, melhen all: Wahrheiten 
und Borfhriften Einer Art bilden (eine Doctrin). Die Lehre Krifti, 
Mobamens x. Die Sitten ober Tugendlehre, be Glaubenelehre, 
bie Vernunftlehre, die Sprachlehre, die Naturlehre, Pflanzen: 
Lehre ıc. Voraehmlich gebrauht man es von e nem aus einem höherm 
Gefitöpunfte genau geosbneten und eingetheilten Ganzen, ins es 
dann mis MWiffenfchaft, ſofern dies gegenſtaͤndlich gebraucht ift, gleich» 
bedeutend ift, nur daß Lehre einen gröfern Umfang hat ale Wiſſen⸗ 
Thaft. In manden Filen wird ber Lehre bie Kunſt entgegengefcht, 
die Anmendung ober Ausübung reiner Lehre. oder Wiſſenſchaft, und 
man untesfheibet richtig Arzeneilchre odes Arzentiwiſſenſchaft und 
bie Arzeneitunft, die Sprachlihre und bie Sprachkunſt vw. Im 
engerer Bebeutung verficht man unter Lehre ſchlechthin zuwellen bie 
Blaubensiehre. Die zeine Lehre. (#) Eine als Borfhrift zum Recht ⸗ 
handela bienende Erkenntnis cher Barnung. Das kann ibm zur 
Lehre bienen. Dies ſell mir eine Lehre fein, nie wieder fo undor⸗ 
fihtig zu verfahren. Ginem gute Vchren geben. Eine näslide 
Lehre für das ganze Leben. (53) Bei mebreren Haabwerketn und 
Känftlern, ein Werkjeug, welches Ichret, die Bröße ober Beldaffen« 
beit eines Dinges zu unterfudhen, ea banad zu beflimmen, zu for 
men ıc, So iſt bei ben Feuerwerkern bie Lehre ober das Lehr au 
das Kugellchr, und verberbt Augelöhr, ein eifernes Wied, in wel 
des bie Größe ber Kugeln ausgefänitten ift, ben Durchmefler der⸗ 
felben danach zu beflimmen, Bet ben Mauern ift bie Lehre das 
Bogengeräft, über welhen fie Bogen und Gemdibe aufführen, unb 
welches fle gleihfam Icheet ober anweifet babei richtig zu verfehren; 
auch die Bogenlehre, ber Lehrbogen. Die Schleſſer nennen vie 
Lehre balb einen eifernen Etift, bald ein Sach, welcher ober welchts 
zu untırfuhen tient, ob mehrere Löcher von gleicher ober verfhiches 
ner Weite find, und ob mehrere Stifte ober Doͤrner gleiche oder ver: 
ſchiedene Dide Haben. Auch ein kleines Werkzeug mit einer tell» 
ſchraube, aleriei Öffnungen bamit zu meffen, wie au ein anderes 


Weirljeug bie Roͤhre der Shiüffel zu unterfuchen, ob fie ganz gercte, 
fei, mennem biefelden bie Lehre, und felbft ale flählerne Mufter, ° 


Schluͤff⸗ Nloͤcher, Schilder ıc. dauach oder bamit auszubauen, führen 
bei ihnen den Namen ber Lehren, Die Lehre ber Slaſer iſt ein 


Eiſenblech, durch beffem Löcher bas au zichende Wiei geftedtt wirb, und - 


welches bemfelben gieihfam ben Weg lehret ober piget, damit es 
ganz gerade nah den Scheiben auf ben Willen bes Wleizuges geleis 
tet werbe. Die Lehre bei dem Aigen und Fiſchten it das Holz oder 
Bereit, auf weldem fir die Maſchen ſtricken, und welches die Weite 
berfeiben glelchſam lehret ober angiebr; das Stridholz oder Strick⸗ 
breit. Bei den Seitern heißt Lehre der aufrecht ſtehende Rechen 
mit Heinen Zähnen, zrifgen welden die Fäden zu ben Seifen lau—⸗ 
fen. Bil ben Reepfhlägern aber iſt fie ein abgefärzter Kegel von 
Holz, moran ber Länge nach drei Minnen oder Rümmel in gitichte 
Entfernung von einander ausgehöptrt find. Man bedient’ fih der 
feiben bei Berfertigung ber Taue, bie aus brei Duchten ober auf 
aus drei Kardeelen zufammengebrehet werben. In ber Landwirth⸗ 
(daft mander Gegenden heißt ber Vorſteckkeil am Plage, vermittelt 
beffen die Mäder des Pfluges geſtelt werben, ebenfalls bie Lehre. 
Auf bie Bildhauer mennen ibre Mufter oft Kehren. In dieſer Bes 


deutung lautet es hier und ba bald Leher, bald Lehr, bald und zwar 


wichtiger und beffee Lehrer, indem dies Werkzeug gewiffee Maßen ete 
was Ichret. 
O Der Echreifer, —s, 0. A. ber Eifer, bie Begierde zu Ichten, 
ober ein Eifer, welchen man im Lehren zeigt, Dlivier M. 
Lehren, v. trs. ehemahts als ein intrs. überhaupt, lautes Geräufh 
verurfagen, befonbers Shrelen, In welcher Bedeutung nad in mans 
Gen gemeinen Spreharten loͤren, für freien, heulen ıc. vorfiutnt, 


7 


Kehren 


Bann bebeutete themahts Lehren in engerer Bebeutung, Taut unb 
beutiidh derſagen ober vorſprechen; baher ein gelebrter@ib, ein Cib, 
melden man einem Anbern zum Rachſprechen laut worfaste: auch «in 
geltabter Eid, Iegt deißt lehren nur, Begriffe und Kenntniffe 
mitipellen, beibringen, eigentlich durch münblihen Bortrag, bonn 
aber au auf jede andere Art. Der öffenttibe Schullehrer lehrt 
in der Schule, der Hausichrer im Haufe. Kriflus Ichrte öffenttic, 
an Öffentlichen Orten, wo jebermann ihm zuhören fonnte, Die Gas 
Ge, ober ber Gegenſtand, melden man lehrt, wirb in ben vierten 
Fall gefegt. Cine Wiffenfhaft, Kunft, die Xrjenetwiffenfhaft, die 
Rechnenkunſt, das Lefen, bas Schreiben »c lehren, ein Geſqchaͤft 
baraus machen, ſolche Audern beizubringen. „Ih bins, der Gerechtig⸗ 
keit lehrt.“ Eſ. 65, 1. „Der Prediger lehrt die Wahrheit des 
Krißentpums auf ber Kanzel für Iedermann, ber in bie Kirche kom⸗ 
men und zußören will, er unterrichtet aber bie Kinder darin, bie 
man ihm im das Baus ſchickt, um zum Abendmahle vorbereitet zu mers 
ben. Eberhard, „Ein Schriftſteller lehtt burd feine Schriften bie 
Jebermann leſen Eann, er unterrichtet aber birjenigen, bie ſich ihm 
beionders anvertrauen.“ Derf. In welterer und uneigenklicher 
Bedeutung. Das Ichrt die Vernunft, der gefande Menfhenverftand, 
bie Erfahrung. Leiden lehrt Geduld, im Leiben lernt man gebulbig 
fein. „Krmuth lehrt viel Böfes,- Bir. 50, 20. b. h. in ber Ar⸗ 
muth wird man zu vielem Böfen verfucht, fie giebt gleichſam Werans 
laffung dazu. Men Gegenſtand, weicher gelehrt wirb, druckt man 
eft aud durch ein Kusfagewort in ber unbrfiimmten Form and. Les 
fen, ſchreiben, rechnen, einen, fingen, tanzen zc. Ihren. Moth 
lehrt beten. „Nnfehtung lehrt aufs Wort merken.“ Ef, 28, 19. 
Bos Menſchen hoffen lehrt, ift Feine Schre Bottes. Leffing. (R.) 
Wird die Perfon ausgebrudt, welder man Begriffe, Grlenntniffe 
ober Bertigkeiten mitzutheilen ober beizubsingen fucht, fo geſchleht 
bies vermittelt des vierten Falles (wie bei äbnliden Wörtern, als 
unterrichten ic.), wenn bie Sache, welche gelebet wirb nicht zugleich 
mit bezeichnet wird. „Das fie Ichren ihre Kinder.“ 5 Mof. 22, 
#1. »erne vor ſelbſt, ehe du Andere lehteſt.“ Bir. ı8, 00, 
Dieſer vierte Fall ber Perſon bleibt au, wenn ber Begenfland des 
Sehrens darch ein Ausfagewort in ber unbeflimmten Form bezeichnet 
wird, im welchem Kalle bas mit dem Ausfageworte gemihalih vers 
bundene zu mweogelaffen wird. Gin Kind ſchreiben, reinen, tanzen 
Ihren. „Lehre mich thun nad beinem Wohlgefallen- Pf. 145, 
10. „Gr ſchlichtete ihre einen Zwiſte, und lehrte fie gätig ſein.“ 
Befner „Aus Schilf Ichrte er fie Fidten machen.“ Der ſ. 
Auch in weiterer Bebeutung von Thleren, welchen mon Kunffertige 
keiten beibringt. inen Bären tanzen lehren. Nur dann, mwenk 
das Ausſagewort, welches den Genenftand bes Echrens bezeichnet zu 
weit hinter bem Worte lehren ftehet, i bas Wörthen zu Ratthaft 
und felbft notpwendig. „Blei einem ungezähmten Moe , bag noch 
fein Sebiß bes Reiters gelehrt hat, feine Gchritte mit Vorſicht ab ⸗ 
zumeſſen.“ Dufch. 
Des Knade, ben Jrin gelthrt 
Auf jede Schoͤnhtit der Natur zu merken. Kteifl. 
Bumeilen wird die unbeflimmte Form des Gagemortes, welches ben 
Gigenftand bes Eehrens anzelgt, auch umfchriesen. Lehre mich, 
wie ih es machen fol. Im gemeinen Erben bezeichnet es oft einem 
Befehl uber ein Verbot mit einem germiffen Unmillen ober einer 
Drohung verbunden. Ih will dich geben lehren. arte, id werte 
dich freien, ih will dich ſchwrigen Iehren. Wird aber bee Gegens 
Rand beö Echrens darch ein Grundwort und zugleid die Yerfon, 
welchtr etwas gelehrt wird, bezeichnet, fo fept man bie Perfon im 
ben dritten Kal, Dbgleih biefe Fügeung bie. ſeltatre iſt und bie 
meiften Schriftfieler den vierten Fall der Sache und der Perfon ges 
brauden, z. B. „Er lehrte fie viele Seder,“ Gehnerz „Alten, 
bie ihre Kinder Meisheit urb Sitten vom ben erſten Jahten an 
lehten,“ @ellext: fo if fie doch bie richtigere und natüslichere, 


Lehre 78 


Lehrg 


indem «4 bee gewögnlichen richtigen Fuͤgung gemäß iſt zu ſagen, er O Lehrfaͤhig, —er, —ſte, adj. n.adv. 1) Fäpig eber mit ben nds 


Ichrt (was?) eine Kunft (wem?) bem Knaben, und indem niemand 
wird fagen wollen, es ift mich biefe Sache fo geichrt worden, "und 
bu wirft bie Sateinifhe Sprache gelehrt. Auf einige andere Mör- 
ter, weldhe mit bem vierten Kal bee Sache und ber Perſon gefügt 
werben, als nennen, beißen, fragen (S. biefe), kann man ſich nicht 
berufen, indem biefe hier nihts beweifen, weil es mit bem boppels 
ten vierten Balle, womit fie gefügt werben, eine ganı andere Be: 
mwanbnif hat. Hier find einige Stellen guter Sqariftſteller, welche 
lehren mit dem dritten Kalle ber Perfon gefügt haben. „Ihe Res 
tung, die ihm das Gegentpeil lehret.“ Herber „Die Biene in 
ihrem Korbe bauet mit ber Weicheit, bie Egeria ihrem Ruma nicht 
lehren konnte.·“ Derſ. uLernen (lehren) Sie mir nux die Biete 
erſt kennnen.“ Gellert. 
Sagt Sterbliche den Sphaͤren ihre Zahlen 
Und lehrt dem wilden Winde feinen kauf, Ramter, 
in welcher Stelle, in neuem Ausgaben gar zu nachglebig lehrt mit 
fagt vertaufgt worden if. 
— — — nicht höhere kiebe 
Kannft bu mir lehren, als dieſe, womit ich dich llebe. Sonnenberg. 
»Bof rügte dies gegen Abelung und lehrte ihm, daß #8 Opitz his 
sen möäfe.* Wolle, Kehren wird nad dem Muſter ber Wörter 
türfen, heißen, hören, koͤnnen, lafſen, mäffen, flepen ic. in ben zus 
fammengefehten Seiten, wenn es mit einem anbern Ausfageworte in 
ber unbeflimmten Form verbunden if, zuweilen atich unveränbert 

‘ gelaffen und Ichren ſtatt gelehrt gebraucht. Er hat mich fie ken⸗ 
nen lehten, ſtatt gelehrt. 

Euch Künfier kann ich Leicht entbehren, 

Mid hat bie Liebe zeichnen lehren. Thämmel. 
In ber guten Spred» und Schreibart fagt man in biefem Falle aber 
lieber gelehrt. Das Mittelmort gelehrt mwirb verſchitbentlich als 
eigenes Beilegungswort gebraudt. S. Gelehrt. Im gemeinen 
Leben wird Ichren fehr häufig mit lernen verwechlelt, welches bei 
ber großen Berſchledendelt ber Begriffe, bie beibe Wörter bezeichnen 
und bei ber Nothmwenbigkeit unb Pflicht Überall, wo man kann, deut⸗ 

- lich unb beftimmt zu fpredien, ein grober Fehler ift, der vermiehen 
werben muß, wenn gleich beide Woͤrter chemahls nur ein und bafı 
feibe Wort gewefen fein ſellten. D. Lehren, D. —ung, in ben 
Bafammenfegungen Belehrung etc. 

Der Lehrer, —s, 2. gl; die —inn, Di, —en, eine Verfon, 
weile Anbern etwas Ichrt, Gin Lehrer in den Sprachen, ober eis 

nee Sprache. Gin Lehrer im Schreiben, Zeichnen ıc, woflr man 
aud ein Schreibmeifter, Zeichnenmeiſter zc. fagt, weil berjentge, 
ber eine Biſſenſchaft oder Kunſt zc. lehren will, aud barin Meifter 
fetn follte. Gin Hauslehrer, Kinderlehrer it. In engerer Ber 
beutung, eine folhe Perſon, melde Öffentlich angeſtellt it, Anderen 
Begriffe, Erkenntniffe und Fertigkelten mitzutheilen, ihnen eine Bchre 
vorjutragen. Gin Öffentlicher Yehrer an einer Eule, boten Schu⸗ 
le. in Schullebrer, Hochſchullehter, Religionslehrer ıc. Gin 
Vehrer ber Rechte, ber ArzeneimwiffenfHaft, der Weltwelaheit ic. Die 
Kran eines Scheres würde nad dem Amte bes Mannes eine Vehrer: 
frau, eine Schullehrerfrau ıc, heißen müffen. 

Der Eehrerftand, die Eehrerftelle, (K). f. Lehrſtand, Lehrftelfe, 

O Die Lehrserzäblung, 3%. —en, eine Erzählung, besen Zweck ift 
zu lehren ober gu belehren. Ten. Eiter Zeitung. {ß.) 

Der Eehrerftuhl, —es, By. —flühle, der Stahl, Sit eines Bchrers, 
befonbers wenn er erhbhet iſt (Katheder), Grwöhnliher Lehrſtuhl. 

Auf jebem Lehrerſtuhle faß ein Prälat. Baggeien. 
"Das Lebreffen, —s, 39: gl. ſ. Lehrbraten. 

Die Lehrfabel, 9. —n, eine Babel ober erbichtete Erzäflung von 
befonberer Korm, berem Zwed ift zu belehren, irgend eine nügliche 
Lehre eindringlich zu machen, ein beflimmteres und bezeichnenderes 
Wortals das bloße Kabel, welhes nod anbere Bebrutung hat. S. Fabel. 


thigen Eigenſchaften verfehen zu lehren, einen ehrer in irgend einer 
Cafe abzugeben, 2) Fähig gelehrt zu werben, kehre anzunehmen, 
für tehrempfängtich; beffer ternfähig, 


O Die Lehrfäbigkeit, 4. —ın, bie.Fähigleit, natärlihe Anlage 


zu lehren, buch Echre auf Andere zu wirken. Der Natur ber &as 
Ge nad, kann einer, der rhrfäbigkeit überhaupt beſitzt, in jeber 
Bade eines Anden Lehrer werben, wenn er dieſe Sache felbſt weiß, 
ohne für jede biefer Sachen eine eigne Bchrfähigkeit alfo mehrere 
Rebrfähigkeiten annehınen zu müſſen. Wenn 08 aber bod in ber 
Mehrzahl von einigen Schriftflellern gebraudt wird, fo ſcheint es, 
daß fie verſchledene Anwendungen und gleichfam Arten ber allgemeis 
nen Schrfähigkeit, barunter verfichen. „Er lehrte bie Offiziere (ben 
Dffiziexen) feine Vortheile, und füchte auch forgfältig ſolche Offlzere 
und Gemeine aus, bie bie beſten Lehrfaͤhlgkelten beſaßen. Emwalb, 
(R.) „Winfiers Berfuh über Iefas Echrfähigkeiten und Erhrart,« 
ber Zitel einer Shrift. (A.) Dann auch, bie Fähigkeit, da einer 
in feinen äußern Berhältniffen im Stande ift, zu lehren, als Lehrer 
su wirken, bie Buiäßiihkelt zu einem Sehramte. „Man wirb aufhds 
sen, Glaubensbetruntniffe zum Maßſtabe der Eehrfähigkeit zu mas 
chta.“ Allgem Beitung. . 


O Die Lehrform, By. —en. (R). 1) Diejenige Form ober Art bes 


Borttages und der Schreibert, ba etwas als eine Echte vorgetragen 
wird ober ba man einen Lehrer nachahmt ‚ ben man fi beſchaͤftigt 
denkt Andern, feinen Schülern, etwas zu lehren, 3. B, in Fragen 
und Antworten; ohne Mehrzahl (didactische Form). @in Gedicht 
in Lehrform. Gin Bud über rine Wiſſenſchaft in Lehrſorm ſchrei⸗ 
ben. Dieſe Art ober Form eines mündlichen ober ſchriftlichen Bor 
trages, bie berjenigen gleicht, ober birjenige nadabmt, deren fi 
ein Echrer vor feinen Schülern bedient, nennt man auf) den Fehr 
ton, womit man jede Häufig einen nachtheiligen Rebenbegeiff ver- 
bindet, indem man an bad Anmaflihe und Abſprechende mander 
Lehrer benft. Im kehrton ſprechen. In ben Lehrton verfallen. 
2 Die Borm ober Ginkieidung einer kehre. Wie Kebrform bem 
— anpafflın. „As was zu ber Lehrform deitrug.“ 
erber, 


Die Eehrfrau, 8. —en, f. Lehrhert. 
O Die Echrfreiheit, 0. 9. die Freihtit zu lehren, befonders öffent: 


lich zu lehren, eine Lehre vorzutragen, Andern feine tehrmeinung 
mitzufheilen; in Gegenfag vom Lehrzwange, „Die Lehrfreibeit uns 
terdrüden* Mänfher. (R.) 


Die Echrgabe , 9. —n, dir Gabe, bie natürlige Anlage oder Fi: 


bigkeit zum Cchzen, buch Lehre auf Andre zu wirken. ®tieler, 
Bon der mannicjfaltigen Anwendung dieſer Babe ifl auch bie Mehr⸗ 
zahl gewoöͤhnllch. S. Lehrfaͤhigkeit. „Die Lehrgaben der Apoſtel 
Denke. (R.) „Der Welt durch feine Lehrgaben nägli werben.* 
edle, if) 


O Der Lehrgang, —es, 9y. — gaͤnge. 1) Der Bang, welden eine 


kehre nimmt, fowol von der Art und Meife, mie fie vorgelsagen 
wird, als auch von der Art und Weiſe, wie fie ſich verbreitet. 2) 
O Gin Sang in einer kehre, d. h. einer Wiffenfhaft ober Kunft, 
ein Bang oder gleihfam eine Klaſſe des Unterrichtes in einer Miis 
ſenſchaft, Sprache ıc., melden man zur Erleichterung und für bie 
verfhichenen Bebörfniffe ber Lernenden gleichſam in mehrere Gänge 
atgetheilt hat (Cursus), 6. So hot man bie Erdkunde für den 
verfhichenen Zweck ber Lernenden in drei Lehrgänge abgetheitt, 
und eben fo £heilt man ober kann man ben Unterriht in ber Ger 
ſchichte in mehrere Kehrgänge thellen. S. G, Berdw. Cur- 
sus. S. auch Lehrlauf und Lehrbabhn. 


Das Lehrgebaͤude, —8, 2%. at. in ben Biffenfhaften, eine Lehre, 


Biffenfhaft mit einem @rbäube verglichen, deren Theile ober einzelne 
Wahrheiten ober Säge im gehöriger Ordaung und genauem Zuſam⸗ 
menhange „fo unter unb neben einander atorbuet und mit einanber 


Lehrg 


verbunden ſind, mie die Theile eines Gebaͤudes, und auf biefe Art 
ein gefhloffenes Ganzes ausmachen (System), Bft wirb bies auch 
(den duch das einfache Wort Lehre bezeichnet, 

Das Lehrgediht, —es, 4. —e, ein Gedicht, deſſen Hauptziel 
ift zu lchren ober zw unterrichten; befonters in den fhönen Küns 
fen, eine eigne Sattung ber Dihtkunft, ba der Dichter gewiſſe Lehr 
zen in Form eines Gebichts abhanbelt und auf ſolche Art zu belch- 
zen ſucht (das didaetische Gedicht). 

O Der Eehrgegenftand, —es, 34. —flände, ber Gegenftand des 
Eehrens, der Grgenfland über wilden man Andre belehrt. „Sämmt» 
liche Lehrgegenflände ber Eulen" (in den Edulen). Schtez. (R.) 

O Der Lehrgehuͤlfe, —n, 9. —n; die —gehlilfinn, 2. —en, 
ein Behülfe, eine Gehälfinn im Lehren ober eines Echrers oder einer 
Erhrerinn; befonders ſofern er ober fie einem äffentlichen kehrer oder 
einee öffentlichen Lehresinn zur Hülfe beigegeben ift (Adjunetus). 

X Der Lehrgeift, —es, 0. 4. ber Geift ober die herzfhende Mel: 
gung zu lehren; aud mol ber Geiſt, ber fih im Lehren aͤußert. 
©tieler. Ginen Lehrgeiſt haben. „Derrſchender Euffinn und grüs 
beinder Lehrgeift mifhen fih im die träge Gleichguͤltigkeit, in bie 
fpottende Erſchlaffung gegen alles Äußere.“ Meyer Auch kann 
Lehrgeift einen Menfhen, der gern und überall lehrt, im Lehrtone 
ſpricht, bezeichnen, in welchem Balle auch die Mehrzapl Statt findet. 

Das Lehrgeld, — s, Dr. —er, dasjenige Geld, weldes man für 
empfangene Lehre ober genoffenen Unterriät bezahlt; am gemöhns 
tichften bei den Bänften, von bem Gelbe, welches für den Unterricht 
eines Lehrlings bezahlt wird. Mnelgentlih und ohne Mehrzahl, 
fagt man im gemeinen Leben man habe Lehrgeld für etwas geben 
oder bezahlen mäffen, wenn man mit Berluft oder Schaden etwas 
erfahren, etwas kennen und vermeiben gelernt hat, ober wenn man 
mit Schaden Hug geworben ift, 

Der Lehrgenof, —ſſen, 2. —ſſen, ber zugleich mit einem ober 
mehrern Andern Ehre, Untereiht genießt, mit ihm zugleih in ber 
Lehre ſtehet. 

Das Lehrgerüft, —es, 4. —e, in ber Baukunſt, Lehrbogen zu gro: 
fen Kirchengewoͤlben, Kuppeln ıc. welde nad ben Regeln bes Han ⸗ 
gewerks ans ftarfem Zimmerholze zufammengefegt werben. 

O Das Lehrgeſchaͤft, —es, 4. —e, das Gefcäft bes Lehrens, das 
Gerhäft eines Lehters als eines folhen; bas Lehramt. „Die Ehrs 
barkeit und Würde des Lehrgeſchaͤfts.“ Henke. (M.) 

Die Lehrgeſchichte, By. —n, eine Gefhichte, deren Zweck ift zu bes 
lehren. Ten. Liter. 3eitung. (#.). Das Wort fimmt [dom bei 
Stieler vor, 

Das Lehrgefpärr, —et, 4. —e, in der Baufunft, die Holjver: 
bindung eines Binders an einem Dade, mwenad bie Äbrigen Ber 
fpärre zugerichtet werben, 

O Eehrgierig, —er, —fle, adj. u. adv. 1) @ierig d. h. eine def: 
tige Begiende habend und zeigend zu Ichren. =) Gterig mad Lehre 
ober Unterricht; lerngierig. „Lehrgierige Schüler.” Wieland. 

Lehrhaft, —er, —efte, adj. u, adv. 3) Geſchict Andere zu lehren, 
gern Ichrend; ein ı Tim. 5, =, u. 2 Zim, =, 24 torlommentes 
:ort. 2) Gine Lehre ober Lehren enthaltend, lebrreich. @in 
Ichrbafter Spruch. Ein lehrhaftes Bud. Davon die Leht haſtig · 
feit. „Bei ber gutmüthigen Lehrhaftigkeit, die fie den Deutſchen 
zuſchreiben“ Herber. 

Der Lehrhaͤuer, —#; M. gl. im Bergbaue, ein Häuer, welcher ned 
in ber Lehre ift, die Arbeit eines Häurrd noch lernt. 

Der Lehrherr, —ın, 34. —en, bei den Handwerks⸗ und andern 
Bönften, der Here ober Vorgefepte eines Lehrlinges, fofern biefer 
bei ihm in ber Lehre iſt, beſonders wenn er ein Känfller, Kauf: 
mann ıc. if; deſſen Bottinm bie Fehrfrau. Bei den Handwerkern 
wird er gewöhntih Meifter genannt, bei ben Iägern, Trompeten 
aber, und hier und da auch bei dem Feldſcherern Lehrp (Prin- 
eipal, ®ehrprincipal), 


79 


Lehrl 


Das Lehrjahr, —es, 9. —e, diejenigen Jahre, in welchen man 
Lehre ober Unterricht empfängt, in welden man Lehrling ifl. „Mil: 
heim Meifters Lehrjahte von Got he.“ Beſonders diejenigen Jahre, 
welche ein kehrling bei ben Handwerke- und andern Zünften in ber 
Schze zubringt; bie Lehrzeit. 

* Lehrig, adj. u. adv. dehre befigend, enthaltend, zu einer Ehre 
gehörig; ein non Lehre abgeleitetes in gelchrig noch vorhandenes 
und unentsehrliches Beilegungswort, welchte nad G. Vorfhlag, um 
ſchleppende Umſchreibungen nit möthig zu haben; in ben Zufams 
menfegungen, als arzeneilehrig, rechtslehrig, fitteniehrig, ſprach⸗ 
Ichrig ze., fo wie es mit fitteniehrig fon geſchehen ift, immer 
mehr gebraucht zu werben verbient, 

X Der Echrjunge, —n, 2%. —n, f. Lehrling. 

Der Lebrjünger, —s, 4. gl. f. Lehrling. 

Das Lehrkind, —es, Di. —ır, (R.) ein Kind, welches kehre oder 
Unterriht empfängt, eine Leheftunde oder die Lehrſtunden beſucht; 
ein Schulkind, wenn es dieſe Sehre, dieſen Unterricht in einer 
Schule empfängt. 

Der Lehrknecht, —es, 4. —, bei verfhledenen Banbiverfern und 
Gewerten, 3. B. bei den Fleiſchern und Flußſchiffern die Benennung 
eines Lehrlinges. . 

Die Lehrfohle, 9%. —n, eine Benennung ber beſten Steinkohlen. 

Der Lehrkreis, —es, Big. —e. 1) Der Kreis, in weldem jemand 
Ichret, b. h. bie Zuhörer, bie Lehrlinge, welche einen Rreis „um 
ben kehrer bilden. Sich feinen Lehrkreis wählen. 2) @ Ein Kreis 
von Lehren oder Wiffenfhaften, d. h. eine Darftelung, ein Inbe⸗ 
griff mehrerer Wiffenfchaften, bie zufammen gehören ober unter ei» 
nem gewiffen Gefihtspunfte zufammengeftellt find, fo daß fie mit 
einander ein gemiffes Ganzes ausmaden, einen Kreis gleihfam uns 
ter fid) bilden (Eneyelopaedie), 6, Allgemeiner Lehtkteis für bie 
Schulen (allgemeine Schuleneyelopnedie), 

Die Lehrkunſt, 39. u, die Kunft zu lehren, bie Sennini ber beften 
Art und Weife, Andern Begriffe, Renntniffe und Fertigkeiten beizus 
bringen , und bie Fertigkeit in Anwenbung berfelben (Didactik). 

O Der Lehrlauf, —es, 9. —iÄufe, dee Lauf gleihfam durch eine 
Echre, bie Grlernung einer kehre, d. h. Miffenfhaft, Kunſt ıc. 
bie man als ein Ganzes für fih, als eine Laufbahn für ben Geiſt 
betrachtet (Cursus). „Mer wie Sie ben Lehrlauf der Menſchlichkeit 
gemadt hat.« Fr Schulz. Im befondern Bezug auf benjenigen, 
welcher bei ober in einem folhen kaufe lernet, iſt er ber Lernlauf. 

* Lehrlih, —er, —fle, adj. u. adv. 2) Der Bohre, Belehrung 
fähig, dafür empfänglid, Ehre leicht annehmend (docilis). Schat 
Niedberd. Spraden. R. =) Was gelehrt werben kann, was 
von ber Art iſt, daß man es Anbren Ichren kann; beffer lehrbar. 
ine lehrliche Sache. Davon bie Pehrlichkeit. 

Der kehrling, —es, 24. —e, eine Verſon jedes Geſchlechte, welde 
gelehret ober unterrichtet wird; ein Schuͤler, bei Einigen Lehrjuͤn⸗ 
ger. Er ift ned ein Lehrling im dieſer Kunft, Wiſſenſchaft ıc, er 
empfängt barin noch Echre, Iinterriht, er lernet fie er. In em: 
gerer Bedeutung, ein junger Menſch, welcher bei einem Hanbiverfer 
ober Künfller in ber Lehre ift, und bei ihm ein Handwerk, eine 
Runft erlernet; im gemeinen Leben, ein Lehrburfche, Lehrknabe, 
in der niedeigern Sprechatt, ein Lehrjunge, auch 6108 ein Junge, 
und ift es eine Perſon welbliches Gefhlehts, ein Lehrmaͤbchen. 

* Die Lehrlingſchaft, e 39. der Etand, Zuftand eines Lehrlinges, 
ober eines Menfhen, ber no Lehrling iſt, eine Sache erfk lerntt. 
»Daf es fih feiner Lehrlingfchaft zu fhämen nimmermehe Urſach 
finden wird," Stieler. (R.). 

O Die Lehrlingsüberfehung, 94. —ın, eine überſetzung von ei- 
nem Eehrlinge; dann, eime fhälerhafte, mangelhafte, ſchlechte über ⸗ 
fegung. „— von welchem (Hẽerodot) ſich Bolbhagen mit feiner Lehr« 
lingeüberfegung gewiß feinen Lorbeer geholet.“ Herber. 

* Der Lehrlohn, —ıd, 2. u. ber Lohn, das Gelb, weldes ber 


* 


—* Lehrl 


sıheer für fein Seſchtft empfängt (Didactrum). Btieler. 

* Die Lehrluſt, 0. Dip. die Laſt, Neigung zu Ihren, Aubere zu ber 
leben. Stieler. 

Die Lehrmeinung, 9. —ın, eine Meinung, ein Cop In einer 
Lehre, die ober ben man für wahr annimmt und aufſtellt, beſonders 
© eine folde Meinung ın ber Glaubensle hre (Dogma). „Man 
firite fi nur über Cehrmeinungen, und verlor babei das Wefent- 
Tiche aus ben Xugen. 6, 

Der Lehrmeiſter, —s, 5 gl; die —inn, 2. —en, eigentlich 
eine Perfon, melde Meifier ober Meifteeinn in dem Fade if, ia 
meiden fie lehret, was ale Echser und Lehrerinnen fein folltem, 
Gewöhnlich überhaupt nur ein Ehren, eine Erhririnn, in Bezug auf 
ben Lebrling. Im engerer Bedeutung, rin Sandwerls: ober anbrrer 
zinftigerMeifter, in Bezug auf feinen Lehrling. In bir Sqweiz 
nennt man ihn Lehrgoͤtten. £ 

O Lehrmeiſterlich, adj. u. adv. einem Leprmeifter gehörend, ange» 
melfenac., nach Art eines Sehrmeifter: ; befonders in tabeinden Sinne. 
„Das kangweilige und Abſchrecende einer mit lchrmeifterlicher Prä« 
tenfion (Anmaptıhkeit) vorgetragenen moralifgen Deklamayion (Bit: 
tenprrblat) zu vermeiden.“ Wieland. {R.). 

X Der Lehrmeiſterton, —es, 0. Bi. der Ton, die Art und Weife 
eines Eehrmeifters; brfonders in tadelndem Verſtande. — ald biefe 
(Beurtbeltung) , die einem Lehrmeifterton ſich naͤhert. Hexber. 

Q Das Lehrmittel, —6, 29. gl. bie Mittel, Hötfemittel, beren 
man fi heim ehren oder Unterriäten bedient, 3.8. Büder, Bert: 
zeuge, Abbilbungen w. f. w. 

. Die kebrorbnung, By. —en, bie. Orbmung, welde man im ehren 
beobahtet, in Anfehung ber Aufeinanbesfoige ber Lehrgegenſtaͤnde. 
Stieler. 

O Der Lehrplan, —es, 94. —e, oder —pläne, ber Plan, nad 
welhem man Ichret, den Witrericht orbnet und einzihtet. „Die 
Lehrpiane der Schulen berihtigen.“ Ien. Lite. Beitung. (R.). 

X Der Lehrprinz, —ın, 9. —en, f. Lehrhett und Prinz. 

Lehrreih, —er, — ſte, adj. u. adv. reich an Lehren, viele nuͤtzliche 
Wahrbelten, beſonders zur Nachachtung im Erben enthaltend; ſehr 
delthrend. Lehrreiche Schriften, Geſpraͤche. Gin lehrreicher Um⸗ 
gang. in lehrreicher Spruch. 

Der Lehrſaal, —es, 2. — ſaͤle, ein Baal, in welchem gelehrt wird, 
Sefonders auf hohen Schulen, ein Baal, worin ein Öffentlicher Leh— 
rer der hoben Schule Ichret; ein Hoͤrſaal in Bezug auf bie Bubörer 
(Auditorium). @in Bimmer ober eine Stube zu diefem Behuf heißt 
ein Lehrzimmer (R.), eine Lehrſtube. 

* Lehrſam, adj. u. adv, 1) Neigung zum Lehren habend, zeigenb, 
gern Ichrend. a) Willig und leicht Echse annehmend. Davon bie 
Kebrfamkeit. 

Der Lehrſatz, —es, Ip. — Fige, ein Sag, welcher irgend eine Echre, 
eine Wahrheit enthält, eder etwas als eine Wahrheit aufſtellt, ohne 
gerabe Einfluß auf bad thätige Beben ober auf das Werbatten zu 
haben; zum Unterſchlede von einer Regel, Verfhrift. Die Erbes 
füge des Kridenthums, bie Blaubensfäge, Glaubensiehren deffelben 
(Dogmen); wofäe G. aud Eehrmeinung und Lehrſatzung gebildet 
bat, fomol für einzelne Säge biefer Art, als auf für ben ganzen In ⸗ 
beariff folder Sige (Dogmatik). An engtrer Bebeutung in ben 
Bernunftisiffenfhaften, ein Sap, beffen Wahrheit man nicht cher 
einfehen fan, als bis er eswiefen worben iſt (Theorema). Die 
Lehrſaͤtze im der Groͤßenlehre. Kant gebraudt es in einem Ginne, 
wo Lehnſatz paßliger fein märbe: „Behrfag, ein Soap, ber einen 
Beyeiff und mit ihm einen Grund bee Anorbmung enthält, welcher 
zu einer andern Miffenfchaft gehört = 

© Die Lehrſatzung, Pig. —en, f. Lehtſatz. 

O Ber Lehrſchlender, —s, 0. Di. der Schlenber, b. h. eine her ⸗ 
gebrachte, gebankenlofe Gewohnfeit im Lehren ober Unierrihten, im 
Vertrage einer kehre; wofle man gewöhnlider, aber ſchlechter 


80 


Lehrſ 


Schlendrian im Lehren ſagt. „— und mich, um gemein verſtan⸗ 
den gu werben, aus allem bieher beibehaftenen Lehrſchlender Toszu: 
zeipen." Saiffert. 

O Die Lehrſchrift, 2. —en, (K.) eine Chrift, bern Bmed iſt 
zu lehren ober zu belehren. „Wenn man bie Et!fe von Lehr und 
Zroft: und Frbauungs, und Inftreigen Schriften Hihet’ ic. Herder. 
Befonders eine Schruft, in weicher eine kehre oder Wiſſenſchaft abe 
gehandelt wird. „Andere Deutfihe, ber Arzineimiffenichaft Ergebene 
haben immer Furcht über bie Gefabr gezeigt, welche burd ganz 
Deutſch geſchriedene Lehtſchriften entfpringen Einnte.* Saiffert. 

O Die Kehrfonderbarkeit, 3. — n. 1) Die Eonberbarfeit im 
Lehten, aub in ber Lehre (Paradoxie),- 2) Ein fonbrrbarer Behr 
fag, eine fenderbare Lehre felbft (Paradoxen), G. hat auch Mei: 
nungsfenbecbarkeit dafuͤr vorzeſchlagen. 


‚Das Lehrſpann, —es, Sy —e, in bee Schifffahrt, das vornetimfte 


und weiteſte Epann, meldes gemöhntich etwas vor der Mitte bes 
Schiſſes auf ben Kiel gefigt wird, daher es auch Mittelfpann und 
Hauptipann deißt. 

Der Kehrfparren, —s, Dh. gl. bei ben Zimmerleuten, diejenigen 
Spareen, weile bei Balmdigern, Zeltbächern ꝛe. von den Gin 
bed Gebäudes nah oben zufammenlaufen, und welche die Lehte d. d. 
bie Form des Daches angeben, da bie übrigen Sparren nur zur 
Ausfülung dienen. S. Edfpareen. 

Der Lehrſpruch, —8, By. — ſpruͤche, ein Spruch, ein kurzer Bas, 
welcher eine Lehre, Waheheit enthält, und Belehrung zum Zweck 
dat (Aphorismus). Oft auch ein Spruch, welcher eine kehre für 
bad Eben, eine Bebends ober Bittenzegel enthält; ein Sittenſpruch 
(Sentenz), „Die ganze reine Vernunft enthält in ihrem bloß fprs 
eulativen (fpähenten) Gebrauche niht einen einzigen Lehrſpruch.“ 
Kant, 

O Lehrſpruͤchlich, adj. u. adv. in Form von Lehrfpräden (nphori- 
stisch). „Der Ichrfprüchliche Boxtrag." Kant. Auch ſpruͤchlich. 
©. 6, Berbmw. unter Aphorismen, 

Der Lehrftand, —es, 0. Wi. 3) Der Stand d. h. dasjenige Ber 
Hältnig im bärgerlihen kLeben, in welchem ſich diejenigen befinden, 
deren Gelbäft und Amt rs iſt Ju lehren und zu unierridten. Der 
Kebr» und Raͤhrſtand. =) Dieienigen Perſenen welche in biefem 
Stande leben zjufammengenommen. Dre Lehrſtand hat wichtige 
Prichten auf ih. Im beiten Faͤllen auch der kehrerſtand. 

O Der Lehrſtoff, —es, 4. —e, Stoff für oder zur Belehrung, 
für den untesriht; ein Steff, welchen ber Lehrer zum Untertichte 
benügt, verarbeitet. Ten. Liter. Beitung. (R.). 

Die Lehrſtelle oder Lehrerſtelle, 4. —n, (R.). die Stelle, bas 
Amt eines Echrers ; befonbers an einer Öffentliten Lehranſtalt. Eine 
ericbigte Lehrſtelle oder kehrerſtelle befommen orer erhalten. 

O Die Eihrftreitigfeit,, Di. —en, die Streitigkeit ober Streitig— 
keiten über Lehren uno Erhemeinungen.. Henke, (K.) Die Libes 
flreitigteiten in ber krifllichen Kirche, 

Die Lehrſtube, 9. —n, f. Lehrſaal. 

Das Lehrſtuͤck, — ed, Di. —e, (R.) ein Stüd 6, b. ber abgebroch ene 
Thall eines Gauzen, worüber man Ichret, Belehrung, Unterricht 
erthellet. Die Olaubensiehre in einzelne Lehrflüde abtheiten, um 
eins nad bem andern zu Ichren. 

Der Lehrftubl, —es, 2. — ſtuͤhle, ein Stuhl, d. $. ein erhäfeter 
@ip, auf welchem ein Lehrer Play nimmt um zu lehren. Derglen⸗ 
chen find in ben Kirchen bie Kanzeln, und beionters in ben Lehr⸗ 
anfalten bie erpöheten Sitze für bie Eegrer (Katheder). Den 
Lehrſtuhl betreten, befleigen, als Echrer aufterten. Uncigentlich 
auch für kehrſtelle, Lehramt, Ginen Lehrſtuhl einnehmen. Einen 
neuen Lehtſtuhl für die Staatawiſſenſchaft eseihten, einen eiguen 
T-hrer für viefe Wiſſenſchaft anftrden. 

Die wi 2. —n, eine Stunde, in welcher man lehret, 

un t ertheilt, wie auch, in welchtr man Bchze ober Unterridt 


Lehrt 


empfängt; au" bloß bie Stunde, und wird fie im einer Schule ger 
arben ober genommen, bie Schulſtunde. Lehtſtunden geben, nehmen. 
In bie. Lehrſtunde geben. ‚ 

O Der Lehrton, —eb, By. u. der Ton eines Erhrers, bie Art und 
Beife, bie ihm beim Echren eigem iſt; der Ichrenbe Ton. ©. Lehr⸗ 
forum. „Mehrere Mahle fing er bie Ausarbeitung an, balb in Form 
von Briefen —, bald (im) ſchlichten Lehrton." I. G. Müller, 





@ Der Eehrverbefierer, —6 , Bi. gl. der Verbeſſerer einer. Behre © 


unb ber Urt zu lehren; in engerer Bebeutung, ein Verbeſſerer, Reis 
niger bee Eriftlihen Leber (Meformator). E. Im befondern Fällen, 
ber Kirdgenverbefferer. | 


® Die Lchroerbefierung, 2%. —ın, bie Berbefferung einer kehre 
In engerer Bedeutung, bie Verbeſſerung, 


und ber Art zu lehren. 
Reinigung der kriſtlichen Lehre 
enverbefferung. ⁊ 

O Der Lehrvortrag, —es, Mt. —vorträge, (R.). 1) Der Bor: 
trag einer kehre, ein Vortrag, beffen Zweck iſt zu belehren.  @inen 
Kehrvortrag halten, 2) Der Worteäg eines Lehrers, bie Art uhb 

Weiſe deffeiben zu Icheen, eine Behre vorjutragen. Gin ungeküns 
feiter deutlicher Lehrvortrag. 

Die Erhrwand, 2. — wände, im Waſſerbaue, an ben Überfallwehs 
zen bie Wände au ben Gelten des Flutbettes vor bem Wehre, wel— 
de bem Flutbette feine Gehalt und Feſtigkeit geben, : 

Der Lehrweg, —es, 34. —e, ber Weg, welden man beim ®r 
tinſchlaͤgt, die Art und Meife, deren man ſich beim Lehren ober 
beim Unterrite bedient (Methode), Stisler. „Der mathematis 
The Lehrweg ift nit ber befte." Sabre Wagner ©, kehrart. 

Die Lehrmweile, By. —n, f. Pehrart. : 

O Daß Lehrweſen, —, 0. 34. Alles was zum ehren gehört, auf 

das Behren Beziehung hat, „Bid mit dem Lehtweſen befhäftigen.* 
Shwar. (R.) 

O kehrwidrig, —er, —fle, adj. u. adv. einer Lehre zuwiderlau⸗ 
fend, wiberfpredhend; befonders ber Blaubensichre wiberfprechend, 
Davon bie Lehrwidrigkeit. j 

© Die Lehrwürde, 94. —n, bie mit einem Letzramte verbundene 
Mörbde , befonters mit einem Lehramte auf einer boden Schule 

. (Gradus), „@inem bie Lehrwuͤrde ertheilen® (graduiren)! ©, 

Das Lehrzimmer, —e, 3 gl. f. Lehrſaal. 

O Die Lehrzunft, 3. —sünfte. 1) Eine Zunft von Lehrern, ober 

. bie Eehrer fonol Einer Art, als and überhaupt zuſammengenemmen 
als eine Zunft betrachtet, eine gelehrte Zunft; Gelchrtenzunft, 
„Daß dieſer große Dann nicht bloß vom einer Beinen Lehrzuuft, 
fonbern von allen feinen Sprachgenoſſen verftanden rin wollte," 
Saiffert. =) O @ine Bunft; welde fih zu Einer Lehre ober zu 
denſelben Behren bekennt (Secte); befonders in GHaukensfahen. G, 

O Der Lehrzwang, —s, 0. My. ber Zwang, welchem man beim 


(Reformation), &. ud die Kir 


Lehren, eder weihen ein Bcherr im Anfehung beffen, was und.wie 


er lehren fol, unterworfen ift; eine Zwangsvorſchrift die Lehre bes 
terffend. „Kaufleute, Feinde von allem Zwange, entiogen ih auch 
diefem Lehrzwange.“ I. Ehr. Berens. 

— Lei, ein ehemahls für ſich beſtehendes und gebraͤuchliches Srundwort, 
welches auch Lige, Leine lautete (im D. D. zum Shell auch noch 
lautet) und eigentlih ber Meg, uneigentlih, bie Art, Gattung, 
das Geſchlecht bedeutete. Jetzt gebraucht man es nur, aus Umflonb-, 
befonbers Bahtwörtern aud aus Fürmörtern Beilegungemörter, wels 
che feine Umenbung leben, zu bilden, iadem man es jenen Wörtern 

‚ anhängt. Allerlti Dinge, Dinge aller kei d. h. von aller Xrt, Am Hiufig« 
fen werben Zahlwoͤrter mit diefem Worte sufammengefegt: einerlei, 
db. &. einer Art, zweierlei, breierlettc, Dumberterlei, taufenberlei, 
mo bas Zahlwort vorher bie Umenbungsfllbe er bekoͤmmt. Unter ben 
Fürmwörtern ober ihmen glei zu achtenden Wörtern wird lei ger 
woͤhnlich nur mit all, viel, manch, ein zufammengefegt:. allerlei, 
vielerlei, mandherlei, keinerlei. Im D. D. wird es aber no mit 


Gampr’s Mörterb, 5. Th. y 


81 


Leib 

mehrern andern zufammengefeßt, als berlei für beraleihen, dieſer⸗ 
kei, jederlei, folcherlei, 'weicherfei, meinerlei, beinerfei,-feinerlei ıc. 
CEhemahls gebrauchte man anftatt lei auf aͤhnliche Art auch hanb, 

welches ſich noch in allerhand erhalten Hat. 

id Lei, —e6, 24. —e, die Dede, ber Schirm. Fulda. ®; Lee, 

r Leib, —es, 4. —et; Bio. das Leibchen, DO. D. —lein. 1) 
Ehemahis Überhaupt eine zufammenbangende Maffe, ein Körper, 
welche allgemeine Bedeutung ſich nur noch in einigen befondern Fäls 
Im. erhalten hat. Bo wird im Bergbaue mander Gegend ein 
Kiumpen gefhmeljten Erzes, meldete anderwaͤrts Lupde beißt, eim 
Leib oder Berglsib genannt. So heißt im O. D. befonders bäufig 
ein Brot, gewöhnlich von runder obere laͤnglichrunder Geſtalt, ein 
Leib Brot‘, auch nur ein Leib, ober nad ber breiten O. D. Kuss 
ſprache ein Laib, Lab. „Mad theilte aus jrtermana — ein Laib 
Brots und ein Stück Fleifhes.« ı Chron. 17, 5. Gemwöhnlid 
wirb Leih jegt nur noch vom thieriſchen Körper, ſefern er ter VWohn. 
fig und das Werkſeug einer Seele iſt, gebraucht, umb iſt dann ber 
Serie, wie ber Körper dem Geiſte, entgegesgeſetzt. Der Menſch 
beſteht aus Leib und Seele. Die Giteber des Leibes. Eine Krank: 
beit am Leibe Haben, Es if in dieſer eigentlichen Webentung mit 
Körper gleichbedeutend, wird aber auch in verſchiedenen Arten bes 
Ausbrus gebraudt, wo Körper dafür nicht aͤblich if. Mit bier 
Ferm oder nadtem Leibe schen. Nichts auf dem Leibe haben, keine 
Kieiber, Beine Bededung, oder doch nicht hinzeihende. Einem bie 
Kleider, bie Sachen vom Leibe reifen. - Einem Alles auf ben Leib 
hängen, Alles für Kleider ıc, am einen verwenden. X But bei 
Leibe fein, dit, fleifhig , fett fein. X Bom Leibe fallen, an Dide 
obnehmen, mager werben. X Er bat es chen micht auf dem Leibe, 
er bat es eben nicht übrig, er hat eben nicht die Mittel dazu. Bei 
Iebenbigem Leibe, ba man noch lebt. So fagt man von einem, 
beffen Körper vom Krebs ober fhändliden Krankheiten angrgriffen 
wird und fault, ee verfaule bei lebendigem Leibe. ben fo ſagt 
man bei Leibes Leben oder Leibeßleben,, in biefem Serben, zur Zeit 
da man noch lebt. „Die fogenannten Großen werben oft noch bei 
Keibesteben wieder Mein, wie ber Körper alter Reuter Hermes, 
Bumweilen wird «8 im gemeinen Eeben auch Äberfiäffig gebraucht, um 
mit mebrerm Rachkzude zu ſprechen. Das Herz im Leibe thut mie 


meh, wenn ich ihn fche, Da müßte man kein Herz im Leibe Haben, 


Sich in feinen Leib ſchäamen, Mh innerlich ſchämen. Oft wirb ter 
Leib als der ſichtbare Thell bes Menſchen und ben Meiften auf ber 
midtigfte, für die Perfon ſelbſt gefent. einem Leibe Gutes thun, 
feinen Leib oder feines Leibes pflegen, ſich güͤtlich thun, ſich pfle 
gen. Ginem zu Leibe geben, ihm dark amfegen, ihm gewalttbätig 
angreifen. Einem nabe auf ben Leib treten, nahe zu ihm treten. 
Bleib mir damit vom Leibe, komm mir bamif nit nahe. Brei 
Schrilte vom Veibe, mir nicht zu nahe! Sich etwas auf feinen 
Leib ober für feinen eigenen Leib halten, für fh, für feine Perſon, 
zu feinem tigenen Gebrauch, Vergnügen. Daher werben verfhiebene 
Perfonen unb Dinge, melde ein voruchmer Serr bloß für feine 
Perſon holt ober gebraudt, durch bas vorangelegte Lrib-— von ans 
dern Perfonen unb Dingen berfelben Art unterfhirben, 4. B. Leib⸗ 
art, Leibkutſcher, Leibpferd ıc. Im weiterer Bebeutung bezeich⸗ 
nrt man im gemeinen Leben auch felde Dinge, bie einem vorzüglich 
wertb und angenehm find, durch bas vorangefegte Leib —, ı. 8. 
Leidfpeife, Kribeffen, Beibgericht ıc., don melden Zuſammenſe hun ⸗ 
gen in der Folge aur einige bee gemöhnlichften angeführt zu merben 
beauden, unb wofür man im ber eblen Spread: und Schreibart Zus 
fammenfetungen mit Liebling bildet, und Lieblingabuch, Lieblings ⸗ 
effen x. fagt. Ehemahls ſagte man auch, mit feinem feibft Leibe, 
für, in eigener Perfon, prrfintih Bis auf den britten Peib, bis 
ins dritte Glied. Im engerer Bebentung bezeichnet Leib ben Rumpf: 
Ginen langen Leib haben, ſchtank von Leibe fein; einen ſchlanken 
Leib Haben (eine fhlanke Taille); einen um ben Leib faflen; und 


11 


Leiba 


82 


Leibe 





in noch engerer Bedeutung, den untern Theil dieſes Leibes, dem 


Unterleib, Bauch; im Gegenſat des Oberleibes, deſſen vorzüglich⸗ 


ſter Thell bie Bruſt if. Gin dicer, aufgetriebener Leibt Hüllen⸗ 
fruͤchte bldhen den Leib auf. Reihen im Leibe haben. ©. Leib: 
ſchmetz, Reibfhneiden. Offnen Yeibes fein, den gehörigen Stuhl- 
gang haben. Einen verftopften Leib haben. MWiähungen im Leibe. 
Im O. D. heißt auch, einen großen Leib haben, von Frauen, 
fAwanger fein, wofür man gewoͤhalicher umb ebfer fagt, gefegnetes 
Reibes fein, fich gefegnetes Leibes befinden. ©. Mutterieib. Uns 
eigentlich iſt im gemeinen Leben der Leib =) aud ein Kieibungeftüd, 
welches den Leib, d. d. den Mumpf bedeckt, und meiſt ohne Ärmel 
if, ein Bruſtleib, Schnürfeid zc.; wie ach ber Theil eines. Alei⸗ 
bes, welcher biefen heil des Tribes ober Körpers Lehedt, Der 
Leib an einem’ Mleide. Das Kleid ih im Leibe zu weit. Beſentders 
ift das Leibchen, ein Farzes, knappes Kleibungsküd ber Frauen: 
zimmer. In einer andern uneigentligen Bebeutung wurde Leib 3) 
ehemahis für Leben gedraucht. „Ihe met verlieren euren Leib.® 
Theunerdauk. üÜberbleibſel bieler Bedeutung finden fih neh in 
einigen Ausdräden bes gemeinen Lebens. Wei Leibe nit, eine Art 
des Verboten, ja nicht, fo lieb bir bein Leben if. Bei Leibe 
fprich fein Wort.- Bellert. Leib und Erben baram wagtu, vers 
lieren, in welchen Ausbrüden Eben nur jur Erklaͤrung des im die⸗ 
fer Bedeutung ungemöhnlih und unbekannt gemorbenın Leibes zu 
ſtehen fheint. Leib und But verlieren, Sehen und Bermögen. Geis 
nes Leibes keinen Rath wiffen, ih durchaus nicht zu zathen wiſſen. 
©. aud Leiblos, Leibrente, Leibzucht. Im ©. D. lautet bie Mehr⸗ 
zahl gewöhntid die Leibe, welche Form zumeilen auch Eutper ge: 
braucht hat, „Selig find die Leibe, bie nicht geboren kaben.“ 
Luc. ag, 09. 

Der Leibarzt, — s, ig. — Ärzte, chemahla ein Arzt in engerer 
Bebrutung, welbre innere Krankheiten beilet; zum Unterſchiede vom 
Wundarzte. Jeht bezelchnet man mit biefem Worte nur einen 
Arzt, welden ein großer Herr bloß für feine eigene Perſon hält 
(Leibinedicus); zum unterſchiede vom Hofarzte. &. Leibssarzt. 

Der Leibbecker, —6, 94. gl. an den Höfen, ein Weder, welder 
nu für bie Yerfon bes Heren ober ber Frau bädt; zum Unterſchiede 
vom Hofbeder. 

+ Die Leibbede, By. —n, im N. D. eine Bede ober Abgahe, vers 
mitteilt welcher gewiffe Leibeigene von ber Leibeigenſchaft frei find. 
+ Die Lribbiene, My. —n, ein Bienenftod — fofern nämlich biefen 

. das Wort Biene zuweilen bezeichnet —, weiten man jur Zucht fies 
den 1892; ein Leibſtock, Mutterfiod, Ständer, Stammſchwarm, 
Borzuct. 

Die Leiböinde, Ba —n, eine Binde un den keib, welche um ben 
og gebunden wird; befonbers zur Zierde ober zum Beiden einre 
BWöürbe. 

x Dos Leibbuch, —es, By, — buͤcher, fo viel als Lieblingebuch, 
welches ebier if, 

RR bu a cafe ein wenig im Beil? ein Kapitel ber Wibel, 

oder ein Leibbuch. Boß. 

Der geibdienft, ir, Frohnbienſte, welde man mit feinem 
Reibe, d. h. mit feiner eigenen Perſon verrichtet; aud Leibfrohne. 
‚ Dazu gehören bie Hand: und Fußbienſte, zum Unterfhiebe von ben 
Spanndienften. 

Leibeigen, adj. u. adr, mit feinem Leibe, d. h. mit feiner Perfon eis 
nım Andern als Egentham angebdsend; im DOsncbrädfhen eigen: 
behörig, in anbırn Gegenden leibesangebörig, und im D. D. auf 
nur eigen; in Wigentag von frei. Leibeigene Bauern. Peibeigen 
fein. @inen feibeigen maden, Gin Leibeigener, eine Leibeigene, 
Leibelgene,, Über melde ber ‚Here willkuͤhrliche Cwalt hat, heiben 
Skiasen, ehematis Knechte. 

Die Leibeigenfhaft, ©. Dh. der Zuſtand beffen, welcher — if; 
im ©. D. auch nus bie Eigeufhaft. 


. 


Das Leibeigentbum, —es, 4. u. 2) Das Eigenthumsrecht über 
ben Brib, d. h. bie Perfon eines Menfhen, =) Der Buftank, ba 
man leibeigen ift, bie Leibeigenfhaft. „Man fehe ben Armen im 
Schweißs, im Joch feiner Tage — ſein Leibeigenthum und ben Drud 
bee Dberherefhaft ıc, Gerber. 

X 2eiben, v. D) ntr. mit haben, einen keib haben, leiblich daſein, ein 
nur in einigen Mebensarten gebräuchliche Wort. Wie er leibt und 
Iebet, wie er von Bribe ift, b. h. wie er geſtaltet it, und mie ex ſich 
beweget, natürlich fo, als wenn er lebte. „Im biefem einzigen Buge 
ſtehen fie ba, wie fie leiben und leben.“ Leffing. 

Hoͤlt offnen Hof, ist, teinft und lebt und leibet 

Wie unfer eins, Wieland. 
Was wohl leibet, ferlet Übel, was bem Leibe wohl thut, angenehm 
it, iſt oft dee Seele nadtpeitig. Nach einer vıralteicn Bebrutung 
bes Wortes Leib (f. b.) bedeutet feiben auch leben, weiche Bedeutung 
in bem ©. D. ableiben für erben noch fihtbar iſt. II) rec. FEich 
teiben, an Beibe, leiblich, Börperlich zunehmen, wachfen, flark werben. 

O Der Leibedarzt, —s, My. —Ärite, ein Arzt bes Leibes oder für 
ben Seib, ein gewöhnlicher Arzt; in Begenfag vom Seelenatzte. 
„Dielten die Menfchen für Körper und Setle darauf (auf Eebensorb- 
zung), wie fe follten und Einnten — bann hätten Leibes- und Gter- 
tendrite ein fehe fhlimmes Spiel“ Benzel-Bternau. 

Die Leibeöbefchaffenheit, 39. —en, bie Beſchaffenheit bes Leibes 
ober Körpers eines Menihen, in Anfehung feiner Geſundheit, Etärke 
unb Ausbaure (Constitution). Bon faster, ſchwacher, zarter, zaͤrt⸗ 
there Leibesbeſchaffenheit fein. 

Die Leibesbewegung, By. —en, bie Bewegung bes Leiten, beſon⸗ 
bers durch Beten, Reiten, Fahren ac. zur Erhaltung ber Gefunbs 
Brit; auch aur Bewegung (Motion). Sich Leibesbewegung maden. 

Die Leibesbuͤrde, Bi. —n, bie Buͤrde des keibes, d. h. ein Kind, 
mit welchem eine weibliche Perſon ſchwanger gehet, und welches ihr 
gleichſam eime Buͤrbe iſtz bie Leibesftucht nach einer andern Bir 
gleichung. Die Leibesbuͤrde ablegen, von ber Leibesbuͤrde entbun⸗ 
den werden; auch für ſterden. 

Die Leibesdicke, By. u. 1) Die Die eines Beiden, bie Dice eines 
Minihen von gewibaliher Groͤße im Leibe. Gin Baum von Lei⸗ 
besbide. =) O Eine ungewöhnlihe große Dide bes Lribes (Cor- 
pulenz). €. . 

Der Leibederbe, —n, 24. —n, ein leiblicher Erbe, d. h. ein vom 
ben Erblaffee ober ber Grblafferinn erzeugter ober geborner @rbe, 
ein Cohn, eine Tochter als Erbe, Im writerer Bedeutung ber 
Erbe eines ex. und eiaenthämlihen Gutes (Allodialerbe), zum Uns 
terſchlebde von einem Lehnserben. 

Dir Leibeöfehler, —s, DM. gl. ein Fehler ober Mangel am Leibe 
sber Körper; in Begenfag eines Fehlera ber Seele. Iſt dieſer Beh: 
ter ober Mangel von ſehr bebeutenber Art und befteht er in bem 
Mangel ober ber Kerkrüͤppelung eines Bliedes ober mehrerer Blies 
ber, fo ift er ein Leibesgebrechen. . 

Die Leibesſrucht, By. — Früchte, eine Frucht des Leibes gleihfem, ein 
Kind, weldes im Leibe ber Mutter erzeugt wird und reift, „Ninber 
find eine Babe bes Herren, und Leibeafruche ift ein Seſchenk.ee Pfr 
227, 5, In engerer Bedeutung, ein Rind, das noch im Beibe der 
Mutter ſich befindet, noch unzeif iſt (Foetus). ©. Leibesduͤrde. 

Die Leibeögabe, 4. —n, Saben, b. h. natürliche Eigenihaften und 
Wihigkriten des Bribes ober Rörperd; zum Unterihiebe von ben Gkti« 
fies: ober Gemuͤthegaben. 

Das Leibesſsgebrechen, —s, Pi. sl. . Leibesfehter. 

Die Leibesgefabr, 4. —en, eine Befahr des Leibes, bie ſowol tie 
Gefundbeit und den unpirlehten Zuſtand bes Lribes: als auch vas Le⸗ 
ben bebrohet. In Leibes⸗ und Lebensgefahr gerathen. . 

O Die Leibesgefpidlichteit, By. — en. 1) Die Geſchigtidhkeit bes 
Leibes zu und im aferiei Berriätungen. 2) Allerlel Bemcife und 

- Anwendung dieſer Seſchicklichkeit in einzelnen Faͤllen. „Übungen bes 


Leibe 


Leibesgeſchicklichkeiten⸗ (gyminnstifhe Übungen). Menbelsfohn. 

Die Leibeögeftalt, My. —en, die Grhalt, Äußere Beſchaffenheit des 
Beides oder Körpers. Bon fhöner, angenehmer Keibesgeſtalt. 

Die Keibeigröße, My. u. vie Größe, DöHr ober Länge bes Leibes ober 
Körpers (Statur) ; Die Leibes doͤhe, Leibealaͤnge unb auf biof die 
Größe. Bon mittier Peibesgröfe-oder Größe. 

* Der Leibeäherr, —en, By. —en, bei Haltans, ber Herr bes 
Beides einer Perſon, ober eines Leibeigenen, welden er als fein Gis 
gentham betrachtet. R. 

O Die Leibeshoͤhe, My. . bie Höhe ober Größe des kelbes oder Kir 
pers (Statur). „Um ihre Keibeshöhe zu vergrößern, trugen fie ei» 
men aus hoben Federn zufammengeleeten Kopfpug.* ©. 

Die Leibeslaͤnge, DM. u. f. Leibesgröße. 

Die Leibeskraft, Ba. —fräfte, die Kräfte des Leibes, Körperliche 
Kräfte, körgertihe —— in Gegenſat ber Seelenkräfte. Aus 
Reibesträften ſchreien ic. 

Reibestrant, adj.u,.udr. trank am Leibe; in Gegenfah von ſrelenttaut. 

Die Keibedfrankheit, 2. — n, eine Krankheit des Leibes; im 9 
genfag ber Srelenfrankheit. 

X Das Leibesleben, —, 0. 39. das Echen des Beibes ober im Beibe; 
in Grgenfag vom ‚geiftigen Leben ıc. Ratalien fann man bei fiir 
besichen fslig preifen, da ihre Natur nichts fobert, ale was bie Welt 
wünfht und braucht.“ Got he. S. and Keib ı). 

Die Leibesnahrung, My- m. bie Rahrung oder Ernährung bes Lei⸗ 
bes ober Körpers. Richt baben, was zur Leibesnahrung und Nath ⸗ 
durft geboͤrt. 

Die Leibespflege, Br. u. bie Diisge bes Leibes cbre Körpers, da man 
ihm xcichlich Rahrung und alle Brquemlühkeiten verſchafft. 

Das Leibeſſen, —, 2. gl. ein Eſſen, welches man vorzuͤglich liebt, 
vorzäglic gern ipt; edler daß Lieblingsefſen. 

Die Leibeöforge, Wr. u. die Sorge für die Pflege und Wohlfahrt 
bes Bribes aber Körpers. 

Die Leibeöflärke, u. 1) Die Stärke, Kraft bes Reiben ober 
Körpers, Lörperliche Stärke, =) Die Stärke oder Die des Leibes. 

Die Leibesſtrafe, 4.—n, eine Strafe, welche unmittelbar am Leibe 
ober Körper, indem man bemfelben Schmerzen verurſacht, vollgogen 
wirdz zum Unterfhiebe von ber Geld⸗, Gefängnif und Lebens⸗ 
firafe, S. Leid. 

Die Leibesuͤbung, 9. —en, eine Übung, ben Leib oder Kbrper zu 
allerlei Berrihtungen brauchbarer, ihn biegfamer, gelenkfamer zu mar 
chen und ibn zu ſtaͤrken und aefunb zu erhalten (gymnastische 
Übtng). Davon O die Leibeshbungskunft, EM. u. die Kunft oder 
zwetmäßige Anteitung,, den Abrper auf allerlei Art zu Üben unb zu 
Rdıkın (Gymhastic), 5 

+ Der Leibfall, —es, My. — faͤlle, in manden Begenden, derjenige 
Fall ober Umftand, da bas Gut eines Bribeigenen nad dem Zebe 
des Befigers an ben Figenthumäherzen zurüdfiat; der Hauptfall. 

+ Reibfällig, dj. u. adv. dem Leibe unterworfen, Keibfillige Guͤ⸗ 
ter, welche nad tem Zobe bes Brfigers am den Eigenthumsherren 
anüdfatlen ; an anbeen Orten Fallguͤter, Schupfichen. 

Die Leibfarbe, y.—n. ı) Die natürlihe weife mit Roth gemiſchte 
Farbe bes menfhlihen keibesz wie and, jebe-anbere natürliche Farbe 


des Beibes, 4. B. der Schwarzen in Afrita ; ungewöhnlich, =) Eine Farbe, _ 


weihe man vorzüglich gern bat, melde man ben Übrigen vorzie⸗ 
het; die Liebliagsfarbe. Auch uneigentlid. „Es ift doch in ber 
ganzen Natur nichts fo Reizendes als ein artiges Mäbden, bas noch 
bie Leibfatbe nicht verloren hat," das aus Unſchulb und Schamhaf⸗ 
tigkeit noch errothet. Weiße, 

Leibfarben, oder Leibfarbig, adj. u, adv. bie Leibfarbe habend, in 
bilden Bedeutungen biefes Wortes, 

Die Leibfrohne, 34. —n, f. Leibdienft. 

+ Die Leibgans, 4. —gänfe, ſ. Leibgeld 1). 

Das Leibgedinge, —s, gl. das Grbinge, d. h. ber beſtimmte andbes 


83 


Leibh 


dunzene Unterhalt des Leibes auf Lebenszeit. So "Heißt nit allein 
derjenige Unterhalt, melden vornehme Perfonen ihren Bemablinnen 
ſowol bei ihrem Beben als aub für bie Beit nad ihrem Kobe ans 
fegen, dad Leibgedinge, auch bie Leibzucht und in dem lehten Falle 
das Witthum, das Mitwengehalt, fonbern auch bir Güter, auf 
welche biefer Unterhalt angeriefen ift, führen biefen Mamen. Die 
erhöheten Zinſen, welche man fi auf Lebentzeit vom einem wegge⸗ 
lichenen Stammgelbe für feine Perfon bebinget, führen zuweilen auch 
den Namen eines Leibgedinges, und heißen auch Leibgewinn, Keib: 
guͤlte, gewöhntiher Lerbrente. Am gemöhntiäften heißt ber Unters 
halt, bie Wohnung, und was fi ſonſt nod ein Bauer bei Abzebung 
feines Bautrhofes von dem Nachfolger ausbebinget, bas Leibgebinge, 
in manden Gegenten die Zeibzucht, ber Auszug und im ehemapligen 
Suͤdpreußen ıc. bad Ausgebinge. Daher ber Leibgebingöbrief, ber 
Brief ober bie ſchriftliche Urkunde, welche Äber ein Leibgedinge aus⸗ 
geftelt wird; verleibbingen, mit einem Leibgebinge verfehem ıc. 

Das Lacgeib, —es, 9 —er. 1) In manchen Gegenden, z. B. 
in Baiem, ein Beld, welches bie leibeigenen Untertbanen dem kel⸗ 
besparzen zus Anerkennung bes Teibeigenthumes jährlih entrichten 
muͤſſen; auch ber leibpfennig, Yeibfhilling und wenn flatt des Bel: 
dıs, ein Huhn, eine Gans, Hafer ıc. gencben wird, das Leibhuhn 
ober die Leibhenne, bie Leibgans, ber Keibhafer u. ©. Hauptha: 
fer. a) Dae jenige Gelb, melden dem Leibeshereen nad) dem Tobe 
eines 2eibeigenen von beffen Erben anftatt bes Ihm fonft gebührens 
den dritten Theiles bee Erbſchaft entrichtet wird, 3) In manden 
Gegenden fo viel ald Kopffteuer, Verfonengeld; auch ber Keibpfennig. 

Das Peibgeleit, —es, My. u. basjenige Geleit, ba eine reifende 
Perſon von ben bazu beftellten Perfonen wirklich geleitet wird; 
wie auch, das Meht Durchreiſende auf folhe Art wirklich ger 
Teiten zu laſſen. 

x Das Leibgericht, eb, .—e, ein Beriät, welches man vorzoͤg ⸗ 
lich gern ißt, und andern Gerichten vorzichet; das Lieblingsgericht. 

X Das Leibgetränf, —es, 9. —r, ein Betränt, weiches man vor 
zuͤglich liebt und den übrigen vorziehet; ber Leibtrank, das Lieb: 
lingegetränf, 

Der Leibgewinn, bie Beibgülte, f. Leibgedinge. 

Der Leibgurt, —eb, 34. —e, oter ber Keibgärtel, —b, 9. gl. 
ein Gurt ober Gürtel, welcher um den Leib gegürtet wird, etwas 
an benfelben zu befeftigen ıc. 

Das Keibgut, —ed, My. —güter, ein zum Iehendlängligen Unter: 
halte einer Perfon berfelben angemwiefenes But, ober ein Gut, wel» 
des einer Prefon zum Seibgebinge angemiefen it. 

+ Der leibhafer, —8, o. 39. f. Leibgeld. 

Leibhaft ober Leibhaftig, adj. u. adv. mit einem Körper verfehen, 
koͤrpertich, auf eine koͤrperliche, finntihe Art. Im leibhafter Bes 
ftalt, in Perfon, perföntin. Gr iſt es deibhaftig, er ift es felbft, 
in eigener Perſon. „We Fülle ber Bottheit wohnt in Ehriſto leib⸗ 
haftig.* Got. »,9. In weiterer Bebeutung nannte man rhrmapls 
bie Körper Überhaupt leibhaftige Dinge, Uneigenttih, wie mitei: 
nem ®eibe befieibet, ledend, wirtiih wahre. Die leibhafte Weisheit, 
bie Weisprit in Prrfon glelbfam. — wenn fie auch bie leibhafte 
"Weisheit und Zugend wäre." Wieland. Sie ift bas leidhafte 
Bild bes Baters, fie gleicht dem Bater, wie er Teift unb Iebet; imo: 
für man im gemeinen Leben auch fagt, fie ift ihm wie aus ben Kur _ 
gen geſchnitten, Er ift ber leibhafte Teufel, ex iſt ein wahrer Teufel, 

Der Leibherr, f Yeibesherr, 

Die Leibhetze, Pi. —n, bei bem Jaͤgern, bie zu einer Hetze gehörte 
gen Hethunde, weiche der Herr zur Saudete für ſich behaͤlt und nur 
in feiner Segenwart behen läßt. 

Das: Leibholz, —es, By. —höfzer, im Sqhiffbaue, Planken, welche 
bie aͤußerſten Dedeplanken, und ein wenig in ben Balken ringelaffen 
find. Sie bienen dem Schiffe zu einer ſtarken Verbindung und fies 
gen auf Heinen Schiffen gewoͤhnlich dicht am Borde. Möbding. 


Leibh 


Das Leibhuhn, ober die Leibhenne, ſ. Leibgeld. 

er Leibhund, —es, MM. —e, ein Hund, wilchen man vorzäglid 
lieb bat; ein Fieblingsbund. Im engerer Brbeutung, ein Hund, 
welden ein vornehmer Herr beftändig bei fi hat; zum Unterfhiebe 
von einem Kammerhunde. 

* Leibig, —er, —ſte, adj. u. adv. einen Leib habend, im ben Bus 
fammenfeßungen dickleibig, dünnleibig, bartleibig ıc. Im engerer 
Bedeutung, einen flarfen, fleifhigen Brib habend. Davon bie Keis 
bigfeit, befonbers in ben Zufammenfegungen, 

Der Leibjaͤger, — 6, 34. gl. ein Jaͤger, welcher auf ber Jagb und 
auch wol außerbem zur Bedienung beftänbig bei feinem Herren fein 
muß; ber Leibſchuͤhzz zum Unterfhiede von eimem bloßen Hofjäger. 

Der Leibknecht, —ed, Bi. —e, in ben Höfen, ein Knecht, welcher 
die Leibpferde bes Herzen beforgt; zum Unterſchlede von ben Sat⸗ 
telknechten. 

Der Leibknoten, —s, 9. gl. bei den Schiffern, ein gewiſſer Stich 
ober Knoten, der ſich micht zuſchllert und dazu bient, einen Menſchen, 
dee ſich in das offen bleibende Auge fegt, im die Döhe zu minden, 
ober auf, ein Schiff an einen im Waſſer ftehenden Pfahl zu befefti: 
gen, Röbing. 

Der Leibkoch, —es, 9. — koͤche, ein Koh, welchen ein vornehmer 
‚Herr bloß für feine Perſon Hält; der Mundkoch. 

+ Die Leibträuferinn, 34. —en, eine Bebiente'am Hofe, melde bie 
Kraufen und überhaupt feine Wäſche ber Herrſchaft beforgt; vers 
derbe, bie Leibgrößerinn. 

X Der Leibkuchen, —6, 34. gl. ı) Ein Ruden von ber Art, wie 
man fie vorzüglich gern ift. =) + In manden Gegenden, J. ®. in 
Preußen, ein runder aus feinem Weizenmehle gebadener Kuchen, wels 
den man zum Neujahr zu baden und zu verkaufen ober zu verſchen⸗ 
ten pflegt. ) : 

Der Leibkuͤrſchner, —s, 2. gl. an den Höfen, ein Kürfäner, wel⸗ 
her allein das Pelzwerk der Herrſchaft beforgt; zum Unterfhiebe vom 
Hofkuͤrſchner. 

Der Leibkutſcher, —s, My gl. an ben Höfen, ein Kutſcher, welder 
nur den Deren ober beffen Bemaplinn fährt; zum Unterſchlede vom 
Hof: und Kammerkutfcher, 

X Der Leiblakei, —en, MM. —en, an den Höfen, ein Lakei, welder 
nur zur Bedienung ber Verſon feines Herren beflimmt ift; zum Uns 
terfhiede vom Hof: und Kammerlakeien. 

Die Leiblaus, 24. —lIÄufe, Läufe, welche nit, wie die Kopflaus, 
auf dem Kopfe, fondern auf ober am bem L:ibe unreinlider 
Menſchen lebt. 

Leiblich, adj. u. adv. mit eimem Leibe oder Körper verfehen, dem Lelbe 


nad, ben Leib angehend, betreffend, koͤrpetlich; in Gegenfag von _ 


geiftig und geiftlih. Im leiblicher Geſtalt. Ginem leiblich erſchei · 
nen. Leibliche Eigenſchaften, Fehler, Sebrechen. Etwas mit leibli« 
dien Xugen betrahten, mit den Augen bes Leibes; in Grgenfah von 
den Augen des Geiftes ober bem Verſtande. Der leibliche Tod, bei 
den Sottesgelehtten, ber Tod bes Bribes, ber natürliche Tod; zum 
Unterfhiede von dem geiftlichen und ewigen Tode. Im weiterer 
Bedeutung, und befonders in ber biblifhen Schreibirt, wird oft Als 
les was zur Körperwelt gehört, leibiich genannt. Leibliche Dinge, 
Güter, d. h. irdiſche, zeitliche. Sofern Leib oft für die Prefon ferbft 
gebraucht wird, bebeuter leiblich oft auch von einer Perlon berkom: 
mend, gejeugt, und in biefer Herkunft gegräntet. Leibliche Kinder, 
welche man ſelbſt gezeugt hat, eheleiblicye Kinder, wenn fie in rent: 
mäßiger Ehe erzeugt worben find; zum Unterfhiede von den Stief: 
kindern oder angenommenen Kindern, Leibliche Geſchwiſter, bie 
von bdenfelden Altern ober doch won bemfelben Water ober berfeiben 
Mutter gezeugt und orhoren find; zum Unterfchiebe von ben Stief: 
geſchwiſtern oder Halbgeſchwiſtern. Gin leibliher Bruber, obex red); 
ter, vollbüetiger. Leibliche Kitern, von welchen man gezeugt und 


geboren ift; zum unterſchiede von den Stirfältern. Gin leibliher Der Leibfhüg, —eın, 2. —en. 


84 


Leibſ 
Gebe ober Leibeserbe, der das leibliche Kind des Erblaffers ober ber 
Grblafferiun ift. Gin leiblidher Eid -wirb ein ib genaant, welchen 
man in eignex Perſon ableget; auch, ein körperlicher Eid. ®. 
Körperlidh. Ehemahls bedeutete Leiblich auch Iebendig, nach der vers 
alteten Bedeutung des Wortes Eeibfür Leben. S. Leib. 

* Leiblos, adj.u.adv. bes Beibesober Rörpers beraubt; toͤrperlos. Ehes 


maps gebrauchte man es für des Erbens beraubt. S. Leib 5). 
— — wo ein Ehgenos 
Sein GSemahel machet leyblos. DB. Sacha. (R.). 


Die Leibnäberinn, 2. —en, an den Höfen, eine Näperion, welche 
nur für die Herrſchaft arbeitet, 

Der Leibpacht, —es, 9. — paͤchte, ober bie Leibpachten, eine Pat 
auf Erbessjeit, eine Art des Erbpadtes, 

+ Der Leibpfennig, —ıs, 94. —e, f. Leibgeld 1) und 5). . 

Das Leibpferd, —es, u. —e, ein Pferd, weldes ein vornehmer 
Here nur für feine Perfon Hält und auf welchem kein anderer als er 
zeitet. Dann auch, ein Pferd, melhes man vor andern lieb hat; 
ein Kieblingepferd. ‚ 

Das Leibreht, —es, By. u. das Eigenthumsreht über den 2:ib, d.h. 
die Perfon eines Anbern, das Leibeigenthum. 

Die Leibrente, By. —n, Renten oder Einkänfte, welde jemand auf 

Sebendzeit zu genichen hat. Im engerer Bebeutung verfieft man 

unter Leibrenten erhöhete Zinfen, welche man fi von einem barges 

lichenen Stammgelde auf Eebensgeit bebinget, wogegen aber das 

Ctammgeld nad) bed Gläubigers Tode dem Schuldner anheim fält; 

bie Leibzinſen. @ Wachſende Lribrenten, folge, bei welden die 

länger lebenden Rentner bie Binfen der früher flerbenden erhalten, 

fo baß fie immer höher anwachlen (Tontine), G, 

Der Leibrentner, —s, 5. gl. einer, der eine Leibrente zieht, 

(keibrentenier). „Zaufende von Leibrentnern verloren ihren Un: 

terbalt." G, 

Der Leibrod, —et, 9. —ıbde. 1) Ein Not, ein Aleltungsftäd, 
welches ben Leib ober Rumpf bebedt, welches am Leibe nahe anliegt. 
In der Bibel wird befonders ein foldes Stüd ber priefierlichen Kieis 
bung bei den ehemakligen Tuben bar Beibrod genannt. In unfern 
Zeiten tragen bie Frauen und Junafrauen ein anliegendes, vorzäg- 
lich ben Leib, d. b. ben Rumpf und die Arme bedeckendes, miht Ian: 
ged Gewand, welches man einen Leibrock (Tunica) nennt obembeh 
nennen kann. =) Ein Rod, melden man vorzüglich gern anziehet 
und den übrigen Röden vorsiehet. 

O Die Leibfhar, Py. —en, im Soldatenwefen. ı) Eine Schar, 

welde bir Pexrfon bes Herzen bewacht, ober welche an Rang ben 

übrigen vorgehet (Beidgarde), Lenz. 2) Bine Schar (feziment), 
beffen Oberſter der Landeshere ſelbſt if. Ein Geſchwader einer fols 
dien Schar ift das Leibgeſchwader. 

+ Der Leibfhillina, —es, 2. —e, ſ. Leibgelb. 

Der Leibſchirm, —es, My. —e, bei den Fägern, ein Jagbſchirm, wels 
der zum Gebrauch für den Deren beftimmt it. 

Der Leibſchmerz, —es, MM. —en, Schmerzen im Leibe, befonbers 
im Unterfeibe; das Leibweh, der Bauchfchmerz. 

Das Feibfihneiden, —t, 9. u. ein ſchneibender Schmerz im Une 
terleibe; im engerer Bedeutung, ein folher Schmerz, wenn er von 
Sichtſtoff berruͤhret (Golie). Ihr Leibfhmeiben, wovon id fie fo 
gern befreit übe" Thämmel. 

Der Leibfchneider, —s, 3. gl. an den Höfen, ein Schneider, weis 
her allein für bie Herefhaft arbeitet; zum Untetſchiede von dem 
Hoffchneider. 

O Der Leibfhnitt, —es, Pi. —e, der Schnitt oder Zuſchnitt eines 
Kleides im Leibe (Taille). 6. ©. Leib, Gin Hot mit Eurem, 
fähmalern, Tangem, breitem Keibfchnitte. 

Der Leibfchufter, —s, M. gl. an Höfen, ein Shufler, welder nur 
für die Herefhaft arbeitet. 


1) So viel als Seibjäger, 2) 


Leibſ 


85 


Leichenb 


Ehemahis eine Benennung ber Leibwache eines vernehmen Herren. leich, Froſchleich. Bumeilen auch, die Handlung bed deſchens, Eher 


X Das keibfpiel, —s, 9. —e, fo viel als Eieblingsrpie. Stieler. 
Der Leibſpruch, —es, My. —ſpruͤche, ein Spruch, cin furzer finns 
zeiher und Ichrreicher Say, welcher einem vorzuͤglich gefält, ben 
man fi zur Nachachtung ıc, gewählt hat (Syımbolum, Devise); 
auch Wahlſpruch. 

Der Leibſtock, —es, 4. —flöde, ſ. Leibbiene. 

x Das Leidſtuͤck, —es, 4. —; Bw. das Leibſtuͤckchen. 1) Ein 
Stuͤck vom Leibe ober Rumpfe, 3. B. rin ſolches Gtüd Fleiſch. Uns 
eigentlih aud ein Stuͤck, welches zu demjenigen Theile eines Stleie 
bungeftädes gehört, welchtr der Brib genannt wird. 2) Ein Stüd, 
ein Theil von einer Sache, 3. B. von einem Braten ıc., melden 
man vorzäglich gern geniehtund ben übrigen Stüden vorziehet. 3) Ein 
Zonftäd, eine Weife (Melodie), die man vor allen andern gern hört, 

Der Leibſtuhl, —es, 34. — ſtuͤhle, ein Stuhl, welcher bri Auslee⸗ 
zungen bes Unterleibes dient; ber Nachtſtuhl. 

O Der Leibtraͤger, —s, @. gl. ein Träger, welden man vor ans 
dern gern hat, den Borzug giebt. „Unfse Sabina hatte ih — acht 
trefflich genaͤhrte echt ziefenmäßige Cappadozier zu ihren Leibträ- 
gern angeſchafft.“ Böttiger. . 

X Der keibtranf, f. Peibgetränt. 

© Das Leibtuch, —es, My. — tuͤcher, ein Zuch, weldes man um 
den Leib bindet, obere um ben E.ib genommen trägt; beſonders ein 
langes ſchmales Tuch von Seide oder Wolle, welches die Frauen um 
die Schultern und um ben Seib geſchlungen tragen (Shawl). 6. 


Die Leibwache, 94. —n, diejenigen Perfonen oder Soldaten, welche 


bie Per on eines vornehmen Herren bewachen, für feine Sicherheit 
waden ıGarde, Leibgarde, Gurde- du corps), 


Der keibwagen, —6, 3. gl. an ten Höfen, berienige Magen, in 


weichen allein bie Herrſchaft fähret; zum Unterfhiebe von ben Hof: 
und Kammerwagen. Davon ber Leibwagenmeifter, ber Aufieber 
über bie teibmagen, und bie Leibwagenhalter, Unterauffeher, welche 
unter jenem ſtehen. 

Die Leibwaͤſche, 4. u. Wilde, weldt man unmittelfar am Leibe 
trägt; zum Unterfhiehe von der Bettwaͤſche, Tiſchwaͤſche, Küchen: 
waͤſche ic. 

Die Leibwäfcherinn, 2%. —en, eine Wäfherinn, welde nur oder 
vorzüglich die Leibwäldhe einer vornehmen Perſon waͤſcht. 

Das Leibwaſſer, —6, 39. u. das bei der Waſſerſucht im, Unterleibe 
fi in demfelben fammelnde Waffer; zum Unterfhiebe vom Bruft: 
toaffer ıc, 

Die Leibwaſſerſucht, 99. u. die Waſſerſucht im unterlelbe, zum Uns 

terſchiede von bee Brufimafferfucht. 

Das Leibweh, —es, 3 u. f. Leibſchmerz. 

Der Leibwundarzt, — s, 3%. —Örjte, ein Munbarzt, welden ein 
vornehmer Herr bloß für feine Perfon hält (Bribchirurgus). ' 

+ Das Reibzeichen, —®, BP. gl. bei den peinlihen Gerichten, befens 
ters im D. D., ein Beiden am Stibe eines Grmordeten ıc., weldes 
die an ihm begangene Morhihat bemweifet, 

Die Keibzinfen,.&;. u. die Binfen auf Lebenszeit, S. Peibrente. 

Die Leibzucht, >. — zuͤchte, der Unterhalt auf Lebenszeit. 
keibgetinge. 

Der Leibzüchter, —, Me. al.; die —inn, eine Perfon, mel: 
he bie Leibzucht batz befonders ein Bauer, der Mh bei übergabe 
feinee Wirtpfhaft von feinem Rahfolger Unterbält, Vohnung ıc. 
ausbebungen hat; in manden Gegenden ein Nusgedinger. 

Der Leibzwang, —es, ©. 9. der Awang beim Stuhlgange, bie 
Berftcpfung bes Unterleides oder ber Mangel an Lribesöffnung; ber 
Stuhlzwang. 

Der Leich, bei Andern das Leich, —es, DH. u. ber in einem zähen 
Schleim eingehülte Same der Filde und Aröihe, welchen die Weib: 
den an den Ufren und ſeichten Etellen ren ſich laffen, und aus mels 
hen von bee Sonnenwärme bie Jungen ausgebrätet werben. Fiſch⸗ 


mahis war Leich ein Körper überhaupt, ber Leib. S. Leichnam. 
Ir antlig und ir fhöne leich, Jwain. =, 865. 

+ Das Leich, —es, 4. —e 1) Ein ebener Plag. So heißt in 
manden Gegenden, 3. B. in Zhäringen, ein ebner Platz zum Regel« 
fpiet das Leich, Kugelleih. Daher bas lange Leid, der Langſchub, 
das kurze Leich, ber Karzſchub. Im Thüringen wird in weiterer 
Bebeutung auch ein Staͤck Sand an der Erenge ein Leich genannt. 

“ Auch werben unter Leich hier und ba gewiffe Baffen verftanden. 2) Ein 

"Mahl, eim Biel, befonders bei manden Spielen, ats Balfpieien, 
Wettlaufen ıc. Das Leich geben, fegen, abfleden. Bom Leiche 
auslaufen. 5) Ein hohler Raum, in bem Worte Mundieih, in 
den Mafferfünften, das Ende bes Rohres, aus weldem das Waller 
in bie Höhe fleiget. 

t Das Leichbier, —es, DM. u. in Baiern Bier und Brot ober et» 
was Ähnliches, welches die Verwandten bes Werftorbenen denjenigen, 
fo die Lelhe zum Grabe begleitet Haben, vorfegen. 

Der Leichdorn, —es, 9. —en oder —börner, gleihfam ein Dom 
am Fleifhe, eine harte Erhöhung an ben Händen oder Füßen, be: 
fonders ben Ichten, weiche aus einer Berhärtung der Nerven entfles 
bet und au Hühneraugen und Krähenaugen, in ber Schmelz 
Ügerftenaugen, in Straßburg Egerſchenaugen und in andern Ger 
gindın Krähenauge, Hezenauge genannt wird. ©. 1. Leihen 

1, Die Leiche, 29. —n, ehemahls überhaupt Fieifh der thieriſchen 

Körper, vom wilder Bedeutung bas Wort Leichdorn und das R.D. 
iftsfen, Leichzeichen, eine Narbe noch Spuren enthaltın; bann, ber 

menſchliche Leib ober Körper, er ſel lebend ober tobt. Jett verftcht 

‚men nur nod ben entfeelten, bes Lebens beraubten Körper eines 

ſchen und zuwellen, doch nur in Scherz, eines Thieres darunter, 

Mer beerdiget werden fol, Wine Leiche Im Haufe haben, einen 

tobten Menfhen. Die Leiche beſchicken, anfleiten ꝛe. Die Leiche 
begleiten, zum @rabe; auch, mit der Leiche gehen. Die Leiche tra» 
gen, elnſerken u. Ein Schlachtfeld veller Leichen. Einen zur 
Leiche machen, ihm töbten. Blaß wie eine Leiche. Ausſehen wie 
eine Leiche, naͤmlich ſo dlaß. Auch das keichenbegaͤngniß wird zus 
weilen bie Leiche genannt. Eine große, dornehme Leiche, ein gro: 
bes, vornehmes Leichenbegängniß. Bur Leiche bitten, zum Leidens 
begängniffe. Zur Leiche gehen. Uneigentlih werben bei den Schrift 
fegern ausgelaffene Stellen und bei den Radiern mifrathene Rabel 
koͤpfe Leihen genannt. 

2. Die Leiche, 3. u. bie Beit, wenn Fifhe und Froͤſche zu leichen 
pflegen, wie auch bas Reichen ſelbſt. Die Fiſche treten in bie Leiche, 
fangen am zu Teichen. Die Fiſchleiche, Hechtleiche, Karpfenleiche ıc. 

1. Leichen, v. ntr, mit haben, von ben Fifhen und Febſchen, ben 
Lei d. h. den Samen ober bie Eier gehen laffen, abſt hen, nochdem 
fie von den Wännden befruchtet worden find. Die Fiſche, Fedſche 
leihen. Das Leihen ber Fiſche nennt man auch ſtreichen. D. Leichen. 

2. t%eidhen, v. utr. mit haben, in Schwaben und in der Schweiz, flins 
ken weil eine Reiche, wenn fie in Fäuinip geräth, ftintt. D. Leihen. 

3. + reichen, v. trs. fihneiben, hauen. Flachs Leichen, in ber Schweiz 
ihn ausrupfen; auch lichen, welches auch überhaupt hemausbringen, 
und. mit Waſſer berausbringen oder waſchen bezeichnet. Fulda. 
D. Leichen. D. —ung. 

X Die Leihenabdanfung, U. —en, bie dffentlihe Dankſagung 
bes Prebigers in ber Kirche für die Begleitung bei einer in ber 
Woche vorgefallenen Leiche. S. 1. Leiche, 

X Der keihenader, —, 34. —Ider, ein Plat, auf welchem bie 
Leihen beerbigt werden; ber Gottesader. 

O Leichenartig, adj. u. adv. nad) Art einer teiche, wie eine Leiche, in 
Anfehung der Geflalt, ber Farbe, bes Berudes; auch leihenhaft (ca- 
daverös). 6, 

Dad Leichenbegaͤngniß, —ffes, 2. —fle, bie feierlihe Beftattung 
einer Leiche; die Feichenbeftattung, und, wenn noch befonberes frier: 


‘ 


Reichenb 


het Seprfase damit verbunden ift, das Beichengepeinge; zum 
Unterfhiede von dem einfachen Begräbniffe, Im gemeinen Beben 
auch nur dad Begaͤngniß und im D. D. das Leichenbegaͤngniß. 

Der Keichenbegleiter, —s, 4. gl; die —inn, By —en, 
eine Perfon, welche bei einem Leichenbe zaͤngulſſe die keiche zum Gras 
be begleitet; ein Peichenfolger, ſekten fie ber Leiche folget. 

Die Leichenbegleitung, By. —en. ı) Die Handlung, da man eine 
Leiche zum Brade begleitet. 2) Die Perfonen, melde eine Seide 
zum Grabe begleiten , als ein &ammeimort; das Leichengefolge, fo: 
fern biefe Prefonen bem Sarge folgen ober hinter demfelben gehen. 

A Der Leicheuberg, — es, 34. —e, tin Berg, d. h. ein hoher Haur 
fen von über einander liegenden Leichen. ; 

— rings von einem Leichenberg' umringt. Beries, 

O Der Leichenbeforger, —s, 39. gt. eine Perſon, welche die Ber 
fattung einer Leiche deforget. In London sieht es eigene Leute, 
die dieſe Beforgung für Andre gegen Besahlung übirnehmen, 

Die Leichenbeſtaͤttung, 9m. die —en, f. Leichenbegaͤngniß. 

O Das Leichenbett, —es, 24. —en, bad Bett, das Lager, auf 
welchem cine Beide Liegt. 

— auch Rrüge vol Honiges ſteilt' er und tes 
Gegen das Leichenbett. Dos. 

Der Leichenbitter, —s, 29. gt; die —inn,, DA. —en, eine Per: 
fon, deren Gefchaͤft es iſt, Anbere zur keichenbegleitung zu bitten; im 
manchen Grgenden der Leidbitter. 

Leichenblaß, adj. w. adv, blaß wie eine keiche; auch leichenweiß, 
weiäes Bonnenberg gebraudte, und leichenfahl. 

Die Umme Ihwanlt an ihren Stuhl zurüd, 
Wird feichenblaß und zittert wie ein Rehr. Wieland, 

O Die keihenbläfft, o @g. die blaffe Farbe einerteiche und eine derſelben 
aͤhnliche Farbe z auch Leichenweiße, weldes Sonnenberg gebraugte, 

+ Das Leichenbuch, —es, Wz. — buͤchtt, ein Kirchenbuch in welches 
die Todes faͤlle in ber Gemeine eingetragen werben. 

3 Der Leichenduft, —s, 9. —düfte, fo viel ald keichengeruch. 
„Da war er nun, tief in der Erbe Scheoß, mo Mober hauf’te, gif⸗ 
tiger Dunft [hier das Kagesticht erſtickte und Leichenduͤfte wehten.“ 
Benzels®ternau. Beſſer Leichendunſt. 

Die Leicheneule, My. —n, bie Rachteule oder große Baumeule 
(Stryx aluco L.), deren trauriges einem ‚Heulen ähnliches Geſchrei 
von bem Abergläubigen für ein Zeichen gehalten wird, baß jemand 
in bem Haufe, auf welchem fie 18 ertönen laͤßt, zur Leiche werben 
d. $. ſterben werde; auch X Leichenhuhn, Leichhuhn, Nactrabe, 

O Daß Leicheneſſen, —s, 39. gt. ein Effen, Mahl, welches nad Beſtat⸗ 
tung einer Reiche den deichentraͤgern, Leichenbegleitern 1c. gegeben wird. 
„Das Dinge (Mittagsmahl) ſchien ein Keicheneffen.“ 3. P. Richter. 

Die Leichenfackel, 9. —n, Fackeln, welchet man ſich bei feierlichen 
Sihendeziranifen am Abend bedient; au Trauerfackel. 

O Leichenfahl, adj. u. adv. fahl ober. blaß wie eine Leiche; leichens 
blaß. Sein langer Bart ſloß ſilberweiß 
Bon leichtnfahlen Wangen. Langdbein, 

& Die Leichenfeier, 9. —n, ein feierliches Leihenbegängniß mit 
Geſang und Predigt in der Kirche; beſonders ein ſolches beichenbe⸗ 
gingnig in der Romiſchen Kirche mit den dabel gewoͤdalichen Feier⸗ 
gehräuchen in ber Kirche mit Meſſen ic, (Exequien). S. auch bie Tod⸗ 
tenfeier. wie Keichenfeier 

Riang ibm ber Sattinn Keönungsfil. — Shäiller. 

O Dos Leichenfeld, —e6, 4. —er, ein mit Beichen bedecktes Feld, 
ein Schlachtfeld. „Eitatupa an ber Spige sogen wir bas Leichtn⸗ 
fetd bin," an bem Seihenfeibe hin, Meyer. 

a Das Leichenfeſt, —es, 24. —e, ein feftliches ober feierlichen 
Sehhensegängniß, ein kelchenbe zaͤngniz, das mit Feiergebraͤuchen im 
ber Kieche begaugen wird. 

bet jenem Leichenfeſt des Fürften. Schiller. 

Die Leichenfliege, 4. —n, eine Art Fliegen (Musca saeıneteriorum). 


— 


Leicheng 


O Der Leichenfolger, —s, Ba. al; bie —inn, 84. —en, eine Per⸗ 

fon, welche einer Leiche ſelgt, ſſe zum Grabe beglellet. 
Babe’ und Leichenfolger zieh'n. Boß. 

Die Leichenfrau, Mz. —en, eine Frau, welche bie Reihen waͤſcht 
und autteidet; die Zobtenwäfherinn. Gewbhalich if fie zugleich 
bie Leihenbittirinn, 

4 Das Leichengebirge, —B, DM. al. ein Gebirge, d. h. großet Hau⸗ 
fen von Laden. Gonnenberg. . 

O Der Leichengebrauch, —es, 9. —gebräude, (R:} bie Gehehus 
che, Feiergebtaͤuche bei einem Beichenbegängniffe, „Ihre Leichenge⸗ 
ser find freilih in alem Bwangerinnerung bes unzeinen Zobes." 

erben, - 

Dad Leichengedicht, —es, Bi. —e, ein Bericht, werches bei Geles 
genheit einer Leibe, bei dem Abflerben einer Perſen verfertiget 
wird, das Trauergebicht (Beihencarımen, Zrauercarmen), befon- 
bers ein ſelches, im weldem bas Lob bes Werfiorbenen geprieſen if‘ 
(Epicedlum). 

"A Der Leichengefaͤhrte, —n, 9. —n; bie Inn, My. —en, 
ber Gefaͤhrte, die Sefährtian einer Leiche, d. h. eine Perſon, wel⸗ 
che einem Leichenbeguͤngniſſe beiwehnt. 

Als bie Nacht den Tabten umgab, ba ertbnten bie Choͤre (Koͤre) 
Geiner bimmliſchen Leichengefaͤheten. — SKtopfiod. 

A Das Leichengeſilde, —s, 24. gl. ı) Ein mit Leichen bedecktes 
Grfilde, ein Schlachtfeld. ; 

— und ringe warb Preichengehlb’, Sonnenberg. 
2) Gin Gottesader, Kirchhof, ' 

M Dad Keichengefotge, —s, 4. gl. {R.) ſ. Leichenbegleitung. 

O Das Leichengeläute, —s, o. Big. das Geläutz ber Gloden bei 
Bersdigung sinee Seide. — meil jeht das Leichengelaͤute mit 
traurigen Stoͤßen ausllang.“ 3. P. Ridter Derfeibe Schrift⸗ 
ſteller gebraucht dafür an einem audern Dete das Leichenlduten: 
„und da ich das Leichenlaͤuten feinetwegen Hörte.« 

AMA Das Leichengepraͤnge, —s, m. gl. das Gepränge bei einem 
Seihenbegängniffe, auch, ein mit Gepräage verbundenes Leichenbe⸗ 
aängnig ſelbſt. 

Deut aber offenbart ein buͤſtres Veichengepränge 

bie Größe beinea Fals. Günther (R.) 

Der Leichengeruch, —8, 2. u. ber Geruch einer Leiche bie fa 
Faͤulniß übergeht, und ein bemfelben aͤhnlicher Grrud. 

Das Leihengerüfl, —es, Pi. —e, ein länftlihes mit Deden bes 
bängtes und oft mit Mahler: und Bildhauerarbeit ausgeſchmücktes 
Geröft, auf welches bei vornehmen Lrichenbegängniffen ber Garg ger 
fegt wird (Castrum doloris, Catafulgue), 

* Der Leichengeſang, —es, Rz. —grfänge, ein frierliher Befang, 
welcher bei einem Leipendegängniffe angeffimmt wird; ber Feidgefang. 
Wörterbud von 1482. R. Auch, ber Trauergeſang (Naenie), 
und von ben gemiinlihen babei Statt findenden Gelingen, ber 
Gradgefang, das Grablied, Sterbelied, 

O Das Leichengeſchrei, —es, My. u. 1) Das Welchrel, laute 
Wehtlagen ‚bei einer keiche. „Am Morgen Lieb er bie Schmerzen 
tur einander eben und dag ſtill vor ihrem Leichengefchrei als bie 
Seige,r 3, P. Ricter a) Ein Geſchrel, welches eine Beige, eis 
nen Xobeofall anfünbiget, wofür z. B. das Geſchrei ber Eule auf 
einem Hauſe von Abergläubigen gehalten wird, 

& Das Leichengewand, —es, 24. —gemänder, bas Gewand, mit 
welchem eine Leiche bedeckt oder bekleidet wird. 

& Das Leichengewimmel, —#, 0. 9%. ein Gewimmel von Leiden, 
eine große Menge unt:r einander liegenber Leihen. 

Ming’ ih bort mit Qualen im gruͤßlichen Leichengewimmel. Bof. 

O Das Leichengewoͤlbe, —s, 3%. gl. ein unterirdiſches Gewdlbe, 
Leihen barin beizufegen ; bie Leichengruft (Catacsoımbe). G. 

Die Keichenglode, Mz. —n, die Btode ober Gloden, feften fie bei 
einem Leihenbegängniffe geläutet werden Btieler. Daun, das 


Leicheng 


Bduten mit einer ſolchen Gloͤcke. — ba mich — nur bie Beiden: 
glocke an bie Ewigkeit — erinnert." Schiller. 

Die Leichengruft, @. —grüfte, fo viel als Leihengewölbe; auch 
bloß die Gruft, 

Beichenhaft, adj. u, adv. einer Leiche aͤhntich. Leichenhaft ausfehen. 
Leihenhaft riechen. Davon bie Leichen haftigkeit. S. Leihenartig. 

Die keichenballe, 84. —n (.), eine Halle, worein Leihen gefept 
werden, 3. B. an einer Kirche, auf einem Kirchhofe. 

O Der keidhenhaufen, —s, 9. gl. ein Haufen von Leichen, fo 
viele Leihen, daß fie ganze Haufen bilden, 

Beim Freudenbecher und beim lauten 
Ainfeln ber Schlacht, unter Leichenhaufen. Rättmer. 

& Der Leichenhuͤgel, —s, BM. gl. ſowol ein Hägel von Leiden, 
Ligen im folder Dlenge, daß fie ganze Hägel bilden, als auch, ein 
auf der Stelle, wo sine Leiche beesbigt ik, errichteter Heiner Hü⸗ 
get, ein Grabhuͤgel. 

: über Leichenhügel folget jenen 

“ Das Erflaunen. — _ 3. %. Eremer. 

Das Leichenhuhn oder Leichhuhn, —ıs, Di. —hühner, f. Leis 
cheneule. 

O Leichenkalt, adj. u, adv. kalt mie eine Beide, 

Säidfal, farrendes, leichenkaltes, mer diſt du? — Sonnenberg. 

O Die Leichenkammer, #4. —n, eine Kammer, melde jur Aufbe— 
bemahrung und Behandlung von Leihen beſtimmt ift, 3. B. zum 
Betzuf ber Berglicderungskunf. „Die anatomifhe Leihentammer,« 
Meißner (RR) 

‚Die Leichenkerze, 3. —n, Kerzen, welche bei Xusftelung einer 
Leiche angezünbet ugd um ben Sarg berumgeftellt werben. Stieler, 

Dielt es (das Schwert) fuͤrchterlich her, als hielt er dem Den» 
j ſchengeſchlecht jept 
Dar bie Leichenkerz’ auf dem Sterbebette ber Erde. Sonnenberg. 

O Die Leichenflage, M. —n, bie Klage, das Klagegeſchrel bei eis 
nee Leiche. Dann Überhaupt, eine traurige Klage. „Alle Trauer 
und Leihenklagen, Feitrungen fpäterer Entbetung auf Himmel und 
Erde find doch wahrlich nicht im ber Alteften Urkunbe.e Derber, 

Das Leichenkleid, —es, 4. — er. ı) Kleider, Kleldungsfläde, wels 
che einer Seide angelegt werder. „Ein im Leichenkleide zurädteh+ 
sender Sheintobter.* J. P. Richt er. =) Kleider, weiche bie Selbe 
tragenden unb Beihenbegleiter tragen; bie Leichenkleidung, ge: 
wöhnlicher und beffer Trauerkleider, Trauerkleidung. 

Die Leichenkoſten, Ez. u. fo viel als Begräbniftoften. 

Dad Leichenkraut, —es, Di. u. f. Waffergacbe. 

O Das Leichenlaͤuten, —6, o. 5. f. Leichengelaͤute. 

Das Leihenmahl, —ed, By. —e, gemein, —mähler, das Bafls 
mohl, mweides neh in manden Gegenden nad bem Leidenbegäng« 
niffe dee Leihenbegleitung gegeben wird, Dat Begräbnifmahl, 
Trasiermahl, im gemeinen Leben der Leichenſchmaus, Begräb. 
nißfdmaus, 

O Der 8eichenöffner, —s, 93. gl. ein Kryt, weldier eine keiche öffnet 
um in ihrem Innern bie Urſache bes Todes zu entbeden ober zu uns 
terſuchen; befonders bei kobtaefundenen ober gewaltfem umgebrachten 
Menfhen. „Der Leihenöffner und Untesfuher.« Sen. Ritter. 
Beitung ı®.) 

O Die keihenöffnung, 3. —en (R.), die Öffnung einer Side 

- durch ben Arzt, um in ihrem Innern bie Urfache bes Tobes zu ents 
beiten und zu unterfuchen; befonders eine ſolche euf gerichtlrche 
Verfügung unternommene Effnung ber keicht eines tobt gefundenen 
eder ermorbeten Menfchen (Section), 

Die Leichenpredigt, Big. —en, f. Leichentede. 

Die Leicecarede, 9. —n, eine Rede, werde Bei einer Leiche ober 
einen Brihenbegängniffe gehalten, oder doch bei Frieoenpeit einer 
Beige, eines Zobesfald geſchrieben und gebruckt wird, eine Trauer 
vede, und hat fie die Gosm einer Predigt, weihe van dem Prebigee 


87 


Reichn 


beim Belhenbegängniffe gehalten wird, bie Reichenpredigt (Paren- 
tation), ®. auf Standrede. 

Der Leichenredner, —s, 2. gl. ber eine keichenrede hält, be: 
fonders der Prebiger, fofern er, bie Lelchenrebt oder Leichtuprebdigt 
hält (Parentator). 

Die Leichenfäule, 9. —n, eine Wenennung der ehemahls Ablihrn 
Guten auf Gräbern, an wihem eine Zafel mit ber Grabſchrift 
befindlich war. ; 

O Der Leichenſchleier, —s, 9m. gl. ein Schleler, ein Tud, worin 
eine Leiche gehält wird; das Leichentuch. „Das iſt mein Leichen: 
ſchleier.“ J. 9. Richter. 

x Der Leichenſchmaus, —ı#, 9. — ſchwaͤuſe, f. Lelchenmabl. 

Der Reihenfchmüder, —s, Wy. 51; die — inn, Iy.—en, eine Pets 
fon, weiche bie Leichen wäscht und anlteibet oder ſchmuͤcket. 

O Die Leichenſtatt, 9. —flätte, die Statt oder der Drt, wohin 
keichen beftatter ober beerbiget werben. R ‚ 

Bo Amarilis unb mo Meiibor 
Ihre arlammerte Reichenftatt haben. A. Efheening. 

Der Feichenftein, — s, 34. —r, ber Denlſtein auf einem Leihen 
ober Gratpägel; ber Grabflein, 

O Der Leichenton, —es, 3. —töne, ein trauriger, eine Seide 
oder einen Todeafll antündenter Ton. 

wo Leichenton Nachtraben fingen. Bof. 

Der Leichentraͤger, —s, 2%. gl. eine derjenigen Perſonen, welche 
die Leibe im Sorge zum Grabe tragen. 

Das Leichentuch, —es, 24. —tuͤcher. 
Reihe gehäßt, ober womit fie bebedt wird. 

Im Feichentiche zubt ichs wohl, Ungem. 
2). @in ſchwarzes ober weißes Tuch, ober zwei Kädher, mworon das 
eine ſchwarz, bas andere weiß if, welches ober welche entweber über 
den Sarg, ober auf bie Bahre gedeckt werben, fo baf ber Sarg dar⸗ 
auf flehet; in O. D. und andern Gegenden bad Bahrtuch. 

Die Beihenunterfuchung, 99. —en, bir Unterfuhung einer Leiche 
um an ober in ihr bie lirfache bes Todes zu entbeden, befonbers bei 
einem eines gewaltfamen Todes grftorbenen Menfhen und ſeſern es 
auf gerichtliche Beranlafung geſchleht (Erihenobduction), Xu bie 

- Reichenbefichtigung. 

Die Eeihenverfammlung, My. — en, bie bei und zu einer Leichen⸗ 
beflattung verfammelten Perſonen, beſondera bie Leibtragenben, - 

in Gegenwart eines fehe großen Leihenvetfammlung.“ 
@. Bogner. 

Leihenvoll, adj. u. ade. voller Seien, mit Leihen angefägt, bedect. 

Das leidyenvolle Rom der Schauplat feiger Bet, Mi. 

Der Leihenwagen, —®, 2%. al. (auch —wägen), ein eigen bazu 
beftimmter Wagen, auf welchem bie Leiden zum Grabe gefaheen 
werben. 

A Der Leichenwall, —ıs, 9. — waͤlle, gleidfam ein Wal, d. h. 
ein langer aufgethärmter Haufen non Eriden, 

Ein Leichenwall mid oft umfhanıte. Gryppbiut. 

O eihenweiß, adj. u. adv. Die Leihenweiße, o. M. ſ. Pelz 
chenblaß und Reichenbiäffe. 

Der Leichenzug, —es, 9a —ıdge, ber feierliche Aug bei einem 
Leichenbegoͤngniſſe, der Schuͤler oter Sänger, Tıhrer, Prediger, Leis 
Genträger, Leidtragenden und Erihenfolger ; und alle biefe Perſonen 
ſelbſt; als ein Sammelmwort. " 

Der Leichkarpfen, —s, 9. af. in ber Lantwülithſchaft, Karpfen, 
welche zum Lelchta ober durch Fortpflamzung unb Vermehrung im bie 
Streichte iche arfegt werben, Streichkarpfen. 

+ Der Leichkorb, —ı6, 2. — koͤrbe, in manchen Segenden . B. 
in Frankfurt am Main, eine Todterbadre. E. Korb, 

Der Lelchnam, —ed, 9. —e, ker Seid oter Körper eins Din: 
fihen, ex ſei lebendig obere takt. „Und mil eure Keichnans vs bem 
Bildern tobt [Hlagen laſſen.“ Bird. 6, 4 


ı) Sin Zud, worein eine 


. — 


Reicht 


In eurem Leichnam iſt zwar alle Zierlichkelt. Dpis 

So nennt man au wol noch im gemeinen Beben ben Kir ,, ei men 
Leichnam, befönders wenn man in Scherz ober mit Beratung ba: 
von ſpricht. Weinen Leichnam pflegen. »Daß fie ih mit dem 
Leichnam brehen une wenden, -ald ob ihnen die Gaffın zu eng mäs 
zen.“ Wähter, In engerer unb gewöhnliher Bebeutung,. ber 
tobte Körper eines Menfhen. Der erblaßte Leichnam. Den Leich 
nam einbalfanfen. A 
A kihnamvoil,, adj. u, adv. von Leihnamen vol, mit Leichnamen 
angefält, badtett. ) " 

— — fflumm lag, leichnamevoll 

Dat Feld ber Aſſgrer. — — &lopftock. 
+ Der Leichſtein, —es, 29. —e, im Bergbaue, das eiſerne brette 
Blech, womit man das Srubenlicht puhtt. ©. 3. Leichen. 
Leicht, —er, — eſte, adj, u. adv. einen geringen, winig oder kaum 
merklichen Grab ber Schwtre habend, mas alfo mit geringer Mühe 
in bie Döhe gehoben und von feiner Stelle entfernt werben fann, 
ein nur bezlehlich gebraudtes und bem ſchwer entgegengefchtes 
Wort, Dir Laft if ein leichter Körper. Federn find fehe leicht. 
Holz iſt leichter ala Eiſen, Eiſen leichter als Gold, Ein leichtes 
Kieid. Leicht gekleibet ober bekleidet gehen, in leihten, duͤnnen 
Kleidern, ober au, nur in einigen Kleibungsftüden, nidt im völli- 
gen Anzuge. Leicht bewaffnet fein, keine fhmere Waffen haben. 
Die leicht bewaffnete oder auch mur bie leichte Reiterei oder leichte 
Reiter (Cheraux-legers); in Gegenſat bee ſchwer bewaffneten ober 
ſchweren Reiterei. Leichtes Gewicht, welche4 nicht fo ſchwer iſt als 
ein anderes dirſelden Art, deſſen man ſich aber in andern Faͤllen bedient. 
So heißt das Kramergewicht Teichtes Gewicht, weil das Pfund von 
demfelben um einige Both weniger hält als bas Fleiſchergewicht ober 
ſchwere Gewicht. In einem andern Werftande bebautet Leichtes Ges 
micht ſolches, welches nicht bie Schwere hat, bie es haben foll, 
Leichtes Geld, welches für feine Größe nicht das gehörige Gewiät 
bat, alfo von fhlehterem Gehalte if, Leichte Dufaten, bie nicht 
vellwichtig find, Uneigentlih wieb leicht mit verfhiedenen Reben: 
begriffen gebraudt. 1) Bom Biute, leichtes Blut, dünnes, weis 
ches ſchnell in den Abern fließt; in Begenfag des biden and ſchwe ⸗ 
ren. Da eine Rolge bes leichten Blutes, größere Erbhaftigkrit, 
Saqhnelligkeit des Körpers nit allein, fondern auf des @rmüths iſt, 
fo fagt man von einem Menfhen, ber biefe Bemätherigenfhaften 
zeigt, er habe leichtes Blut. Dee leichte Sinn iſt ebenfalls eine 
Folge bes leichten Blutes und bezeichnet einen Iebhaften Sinn, ber 
ftne0 von einem Gegenſtandt zum andern Übergehet, das Unange: 
nehme, Wiberwärtige zwar auch und heftig empfindet, aber nicht zu 
Tange biefen Empfindungen nahhängt, fondern bald zu andern Ge: 
* genftänden übergehet, Ah gerfireuet unb erheitert, und ih und Ans 
dern das Leben nicht läftig macht; eine wänfhenswerthe Eisenſchaft, 
die nicht mit dem Leichtfinne (f. d.) zu verwechſeln iſt. 

und ber reihlihfte Gew inu 
Iſt ein guter leichter Einn. Göthe, 

Da aber der leichte Sinn leicht zum Reichtfinn werben kann, fo ges 
braucht man leicht auh im gemeinen Leben, befonbers im N. D., 
für teihtfinnig, unbeftändig. 

Das mit Sinnen ein leichter Dann 

Hit’ ein Beſſeres gethan. Die Klage B. arog. 
Sine-leichte Dirme. Cinen ſehr leicht befinden, fehr leichtſinulg, oft 
aber au in anderem Sinne, fehe leicht, d. h. leer an Einfiht, Kennt 
niß, Erfahrung ıc. Won dieler Eigenſchaft des Blutes iſt auch der 
Auedruck bergenommen, bag Herz wird mir leicht, iſt mie leicht, 
wena das Blut ib nit zu bemfelben brängt ober in bemfelben an: 
Säuft, was bei Angft, Sorgen, Kummer rc. zu geſchehen pflegt, 
fondern wenn es raſch umläuft; daher ed auch bebeutet, meine Sorge, 
Angft ı. verliert ih, 2) Durch große ſchwere Körpermoffe an 
freier und ſchnellet Bewegung nit gehindert, fondern ohne fichtbare 


— 


Leicht 


Koftsengung und Zwang fi bewegenb, fi tragend. Ein leichter 
Bang, ein leichter gefaͤliger Anftand, beides in Gegenſatz eines ſchwer⸗ 
fiRigen, plampen und fleifen, Leicht auf ben Fäden fein. Leicht 
tanzen. So fagt man auch, leichte Füße baden, auf welchen man 
ſich feige bewegt. „Bon Schenkeln leicht, fhön don Geſtalt.“ Gel 
lert, Eine leichte Hand, die nicht ſchver auffällt, nicht aufdrärt. 
Reicht über etwas hinfahren, mit leichter Hand, ohne hart aufzu⸗ 
brüten ıc. Cine leichte Hand im Schreiben, Zeichnen ıc.. haben, 
ohne Anftrengung, Bwang, Ängfttichkeit fhreiden, zeichnen. Es ge 
het ihr Alles leicht von der band. Einen leichten Pinfel Tüheen, 
nicht fteif, fondern arfällig und mit Fertigkeit mahlen. 
Der fhöne Geiſt trägt das Gewichtige leicht. Goͤt he. 

5) Deſſen Schwierigkeit ohne große Anfteengung zu Aberminden iff, 
wenig Maͤhe, wenig Überwindung erſodernd. Cine leichte Sache 
Sine leichte Kunſt, Sprache, Kus ſprache. Cine leichte Schreibart, 
eine ſeht verfländlihe, auch, eine ungezwungene, gefälige. Das 
Leichte, eine leichte Sache, bie leicht gefhehen, gemacht if. Das ift 
etwas Leichtes. Dann bedeutet das Leichte zumellen aud einen feich- 
ten Abrper, ber geringes Gewicht bat, 

Weigeres sang mit. hartem umb Laſtendes gegen has Leichte. Bof. 
Das if leicht zu fagen, zu thun ıc Cs faut mie nicht leicht, 
ihm darum zu bitten, es Boftet mie Überwintung. Das Tann man 
ihm Leiche au Gefallen than. Ginem etwas leicht mahen, ma: 
Gen daß es ihm wenig Mühe, Anfirengung koſtet. Man fann ihn 
leicht zornig machen, aufbringen, beleidigen ıc., 26 erfobert we⸗ 
nig Worte ihn zownig zu machen 1. Man kann fih leicht vers 


. Helen, wie ex fi werde gewundert haben. Wie leicht iſt ein Uns 


gläd geſchehen! mie bald, wie ſchnell. Das if leicht möglih, das 

Bann leicht fo kommen. Oft fleht nicht leicht auch für ſchwerlich, 
ſehr felten. Das IM nicht leicht zu glauben. Cine fa gute Beles 
genbeit tömmt nicht leicht wieder. „Bine fo edle Liebe habe ich 
nicht leicht unter zwei Schweſtern geſehen.“ Bellert, 4) @inen 
geringen Grab innerer Stärke habend. Gin leichter Schmerz, ber 
nit groß iſt, leicht zu exteagen iſt. Auch, einen geringen Grab. ber 
Diätigkeit und Dide abend. Ein leichter Schatten, auf rinem Ber 
mäftbe, ein geringer, gleihfam bünner, der gleihfam nicht ſchwer 
aufliegt, miht dunkel maht; Gegenſat eines dunkeln, ‚dichten 
Schattens. Mit Farbe leif.. aoerfireihen, dünn. Leichte Wolken, 
die nicht aus bien und dichten Dünen zufammengeballt ind, und 
—— auch vom Winde ſchnell bewegt werden. Ein leichter 

ebel. 


& Leichtbefluͤgelt, adj. w: adv. mit leichten Fluͤgeln verfehen, mit 


Leiätigfelt fliegend, ſchwebend. Uneigentlich, leicht, ſchnell über ct» 
was bingehend, Ichhaft, gefällig ; in Begenfag von ſchwerfaͤlig, plump. 
„Ein feichtbeflügeiter Scherz.“ KL. Schmidt. 


& Leichtbeſchwingt, adj, u. adv. fo viel ale lelätheflägelt, elgent- 


lich und uneigentiih, nur mit bem Unteefhlebe, weicher zwiſchen 
Schwinge und Flügel Statt finbet, von weichen bas erſte bas In der 
höpern Schreibart gemößntichere if. 


Blattert, leichtbeſchwingte Reime! : Herder. ” 


O Reichtblätig, —er, —fle, adj. u. adv, leichtes Blut, und als 


Kolge bavon, leiten Sinn babend (sanguinisch), &. S. Leicht 1). 
Davon ber Leichtblütige (Sanguinicus) und die Leichtbluͤtigkeit 
(Sanguinität), £ 


1. Die Leichte, 0. 94: ſ. keichtigkeit. 
2. Die Leichte, 9. u. 1) Das Leiten der Schafe. 2) Die Zeit, 


ba man bie Schafe Leichter, 


Der Leichteich, —es, 34. —t, in ber Landwirthſchaft, ein Teich, im 


melden man Kar Bei 1. 
Streichteich. pfen zum Leihen oder zur Fortpflanzung fett. ©. 


Leichten, v. trs. 1) O eeicht machen. 


Dies bir zu fagen, wie würd’ es das Herz mir leichten beim Ab— 
(die, Sonuenterg. 


Leicht 89 


Reicht 


2) Die timmer leichten, fe gleiäfam Teiht machen, fie verſchneiden. A Betchtgeflägeft, adj. w. adv. fo niel als Leidtbetägert. „Richt, 


D. Reiten. D. —ung. ®&. Listen. 


geflügeit und ked.e Dexber, 


Der Lichter, f. Lichter. & Leichtgeſchenkelt, adj. u. adv, mit leichten, b. h. Tänellen Cie 


Leichterdings, adv. im D. D. ohne Mühe, leicht. 
tern, v. trs, feihter maden; eigentlich und uncigentlich. 


kein verfehen,, fi auf den Ecenkeln ober Fußen Leicht bemegend, 
— leichtgeſchenkelte Hoffe. Boß. 


Daß er Maſt un) Verbdeck leichtere. — Boß. O beichtgewandt, adj: u. adv. ſehe gewandt, keidtigkeit in ben Mens 


So leichtere nun bu den harten Dienſt deines Waters,“ a Ghron. 
20, 4 Das zjufammengefegte erleichtern ift dafür gewöhnlicher, 


dungen zeigend. „@ie befürätet viel vom bes Jänglinge leichtge. 
wandten (#) Berebtfamkit.* Kicpftod. 


D. Leichtern. D. —ung. O Der Reichtglaube, —ns, 0. @. ein Glaube, ber leicht erfolgt, 


Beihtfährig, —er, — ſte, adj. leicht, d. 9. fpnel fahrend, von leicht 
gebeuten und ſchaell fegeluden Fahrzeugen. S. auch leichtführig. 


oßne hinzeihende oder ohne uͤberhaupt Brände dazu zu haben. „Die 
Hittmeifterinn regierte ip durch ihren Reichtglauben.* 3. P. Richter, 


Beichtfertig, —er, — ſte, adj. u. adv. eigentlich, ſich Leicht, mit Seide Leichtgläubig, —er, —fe, adj. u. adv. leicht etwas glaubens, b, P. 


tigkeit bewegend, eine im R. D. gewöhnliche Bebrutung. Ein leichts 
fertiger Bang. Keichtfertig gu Buße fein. Die Arbeit geht ihm 
deichtfertig vom der Hand, Unelgentlih gebraudt man im R. D. 
leichtfettig auch nech wie leicht, wehig Möpe, Anftrengung erfobernb. 
Gewdhalich gebraucht man ed nur noch in mehr ober weniger nad)» 
theiligem Ginne, für leicht fertig, ſchnell bereit und geneigt gimas 
zu thun. a) Etwas zu thun, was Spaß maht, ohne zu überlegen 


geneigt und gewohnt [nel zu glauben ohne vorfer zu Überlegen unb 
au prüfen ob es glaublich if, wie au, von biefer Neigung und Wer 
wohnhelt zeugend, barin gegründge. Mur Höhf teichtaldubigen 
Menſchen wird man dies weiß machen. Solcher Peichtgläudigen 
giebt es genug. Leichtglaͤubig fein, Daven die Leichegidubigkeit, 


Rande fhreiben leichtglaubig, Keichtglaubigkeit. „Andägtige Leicht-⸗ 


glaubigkeit.« Münfdher, (R.) 


unb.ju unterfuhen, ob es unzecht und ſchüͤdlich fei oder nit, doch Die Keichtheit, 0. 2. f. Leichtigkeit. \ 
ohne böfe Atfiht dabei zu Haben. Gin feichtfertiger Knabe. Leichte Das Leichtholz, —es, 9. u. ber Name einer Art des Stahlbau⸗ 


fertig fein. „Wer bald glaubt, if leihtfertig.* Sir, 19, 4. =) Es 
was zu tun, bas Anbern unangenchm iſt, Schaden verurfaht, dem 
Thoaͤter aber Luft gewährt und bir baber nicht erſt unterfuht, ob es 
Andern unangenehm und ſchaͤdlich ſei ober mit, ober ber, wenn er 


mes, beffen Holz ſehr leicht if (Elaphrium Jacqu.y, Das filzichte 
Reichtholg, oder der filzichte Stablbaum, beffen Blätter auf beis 
‚den Geiten filgiht find (Elaphrium tomentosum Jacy., Fagara 
octandra L.) 


dies auch als möglich vorherfichet, doch alcht barauf achtet. Ein Die Leichtigkeit, o. Di. bie Sigenfhaft, ter Zuſtand einer Perfon 


Leichtfertiger Menſch. Gr könnte etwas weniger leichtfertig fein. 
Dann aud, in biefer Cigenſchaft gegründet. Ein leichtfertiger Streich. 
Reicptfertige Handlungen. 3) In feinen Grundfägen, befonbers der 
Stirttichkeit, der Keuſchhtit leicht, d. h. nicht ben gehörigen Ernft, 
Die nöthige Strenge zeigend, und darin gegründet. Ein feichtfertis 
geb Brauenzimmer, weldes buch feeles Betragen, leihtfinnige 
Grundfäge und Meben, unfhidiihen Anzug, fhamlofe Mtenen ıc,, 
Mangel oder Beifeitfegung und Werahtung der weiblichen Sittſam⸗ 
Reit verräth,. „Nichts konnte Jeichtfertiger fein, als feine Grund» 
füge in Beziehung auf bie Gebieterinnen uniess Herzens.“ Wieland. 
Die Leichtfertigkeit, z. —em. ı) Die Eigenſchaft, der Bufland, da 
eine Perfon ober Sache leichtfertig if; obme Mehrzahl und am Häus 
fioften in der zweiten uneigentliden Bebeutung. =) Eine leichifers 
tige Handlung. Leichtfertigkeiten verüben, Leicht ſertige Hanbluns 


oder Sache, da fie leicht if. Die Leichtigkeit eines Mörpres, bes 
Gewichtes, einer Münze, Befonbers uneigentli, ber Zaſtand ba 


“einem etwas leicht wird, da man etwas ohne Schwierigkeit, ohne An» 


firengung ac. thut, und die Befhaffenpeit einer Sache, ba fir ih auf 
ſolche Art tun läßt. Die Leichtigkeit der Bewegung, des Ganges, 
Mit großer Leichtigkeit tanyen. Die Leichtigkeit der Gaub, bes 
Pinfels, Grabſtichels, Meipels. „Die Leichtigkeit einer Spracht, der 
S hreibart. : : 

Rimm für den Ditertrieh niht Leichtigkeit zu reimen. Käfiner. 
In beiden Bebeitungen gebraucht man aud Leichte und Leichtheit, 
doch das lette mehr im eigentliher Bedeutung. Die Leichtheit br# 
Holzes in Bergleid mit dem Bleie. „Die Leichte im ber Schreibart 
entſtehet aus ber Richtigkeit und Klarheit ber Gedanken, und aus 
der Deutlichfelt bes Auddeude." Bellert. 


gen von wiätigern Rolgen und die ſtraſbaret find, nennt man in ben Leichtlih, adv. leicht, ohne Mühe, ohne Anftrengung. Es Tann 


Reben Unfertigleiten. 
O Leichtfingerig, —er, —fle, adj. u. adr. leihte Finger habenb, 
mit den Fingern leiht, db. b. ohne daß es Anfizengung koſtet und 


leichtlich dahin kommen, Man kann ihn leichtlich überzeben. „Mic 
er bie Stadt leichtlich gewinnen möge.“ Judith 10, 14. „Dar: 
aus man leichtlich ſpuͤren konnte.“ = Macc. 8, ı7. 


gezwungen frint, acbritend. + Die Leichtpfanne, 99. —n, in ben Saljfiedereien, bie nad bem 


Die bu — leichtfingerig nähen danaſt. Rarfdinn. 
eeichtſtuͤſſig, —er, —ſte, adj. u. adv, leicht fließend, ſchmelzenb / 


Sod ausgebrannte und gexeinigte, und dadurch Leidter gewordene 
Pfanne, r 


Leicht in Biuß gerathend ober in Flus zu bringen; in Gegenfag von O Leihtihimmernd, adj. u. adv. einen leiten, d. h. blaffen ge» 


Mrengfläffig. Leicheflüffige Erze, Metalle. Davon die Leichtfluͤſ⸗ 
figkeit. . 


singen Schtin habend, nar wenig ſchimmernd. 
Bon leihtfhimmernden Wolfen — umfloffen. Klopfisd. 


8 
deichtfuͤhrig, —er, —fle, adj. u. adv. mas leiht geführt, gelentt, Der Reichtfinn, — es, 0. Mi. die Sewohnheit und Wertigkeit, keine 


gehandhabt werden kaun. „Diefe Wurſmaſchine Tann dadurch um 
vieles Leichtführiger gemacht werben." Reichsanzeiger. (R.) 
Davon bie Leichtführigkeit, bie Beſchaffenheit einer Sache, ba fie, 
leicht geführt, gelenkt, gehandhabt werden kann. „Die Leihtführige 
keit dieſer Oreſchmaſchlae.“ Reidsanı, (R.) 

X Der Leichtfuß, —es, By. —fuͤße, eigentlich ein leichter, ſchneller 
Euf. Wan verſteht aber in Scherz darunter einen leichtfüßigen, 
unb uneigentli einen leichtfertigen und leichtüinnigen Menſchen. 

keichtfuͤßig, —er, —ſte, adj. u, adr. leichte, d. h fhnelle Füße bar 
Hend, ſchnett. „Der leichtfuͤßige Hhfh.- Baharid, Win leicht⸗ 


Harte Eindräde von ben Gegenfländen aufzunehmen, weil man «6 
zu beſchwerlich findet, die Kufmerffamkeit fange genug berauf zu rich⸗ 
ten, wo man ſich alfo entihließt. und handelt ohme gehlrig überlegt 
zu haben und ohne fid durch richtige Beurtheilung bes Werthes und 
ber Bichtigkeit bee Gegenftände beflimmen zu laffen. Viel Leicht, 
finn Haben, zeigen. Berſchieden von Leichtfinn if der leichte Einn. 
©. Leicht 1). 

Nur das Leichtere trägt auf leichten Schultern ber Leichtſinn. 

Aber der leichte Sinn trägt dad Sewichtige leicht. Gothe. 
Auch die Leichtſinnigkeit. =) X Eine leihtfinnige Handlung. 


fuͤßiger Zänyer. Uneigentlid, L.ihtäinnig, leihef zig, Gin leichte Leichtſikarig. —er. —fle, adj. u. adv. Beittfinn hıtend, an dem Tag 


füßiges SHönferegen. Davon bie Leichtfuͤßigkeit. 
Gampe’s Wörtezb, 3. Ip. 
5 


legend, im Sihtfinne gegründet, Sin leichtfinniger Menfh. Leicht: 
12, 


* 


Leicht 


ſinnig hanteln. DO Ihr Leichtſinnigen und Werblenteten! Leichtes 
finnige Handlungen x. 

Die keihtfinnigkeit, By. —en. +) Die Cigenfhaft, ter Zuſtand einer 
Perſon ober Sache ba fie leihtfinnig ift, von keichtinn geugt; ohne 
Mehrzahl. 2) Der Auſtand des Gemuͤthes, welcher Leihıfiun beißt; 
ohne Miehrradl. ©. Leichtſinn. 3) X Cine leihtfinntge Pandiung. 

Die Leicyzeit, Mg. u. biejentge Zeit, ta weicher die Bilde ober Bed: 
ſche zu leiden pflegen; auch bie Leiche, und bei ben Fiſchen ned ber 
fonbers die Streichzeit. 

Leid, adj. u. adv. ein Wort meldes ehemahls in einer weitern 
Bebeutung von einem beträdhtligen Grade jeber unangenehmen Em: 

pfintung, befonbers eines Übels, Unglüds, der Belabfpaft gebraucht 

und auch gefteigert wurde. 

Kie erlebte Brunchilde noch einen leiberen Tag, b. Nibelam 
gen 8. 8.3596; 
d. 5. einen leibvolleren, unglüͤcklicheren. 

Die Lirben zu den Leiden 
Wurden geleget auf bie Bahre, bie Klage, B. 23883 

d. h. zu ben Feindlichen. Die leiden Gaͤſte, bei Friſſch, bie unan- 
genehmen, befhwerlichen. Jett gebraucht man es mit fein ober 
merden verbunden, gemöhelih nur als Umſtandwort überhaupt, 
die unangenehme Empfindung über etwas bas gefchehen iR oder das 
man gethan bat und was nicht hätte geſchehen ober geihan werben 
follen, und in engerer Bebeutung, bie Empfintung bes Bebauerns, 
ber Meue zu bezeichnen. Es ift ober thut mie leid, daß es geſchehen 
iſt, daß er nicht Hier ift, daß er geſtorben iſt ic. Es thut mie 
leid, daß @ie ſich fo haben bemühen müffen. Es that mir leid um 
ihn, ih bebaure ihn, fein Schickſal. 
Bruber Jonathan. = Bam. ı, a6. Laſſen Sie fihs nit leid 
fein, bebauern, bereuen Sie es nicht. Dft ficht es and für bange, 
beſorgt. Mir ift nur leid für fie, mir tft bange, ich beforge, daß 
ihre etwas übels widerfahre. Edemahls geraudte man für, es if 
mir teib, es leider mir. ©. bas Leid. 

Das Leid, — es, 4 u 1) Überhaupt unangenehme Empfinbung 
über etwas Seſchehenes, einen Zufall, oder über eine That, Hreud’ 
und Leid mit einander theilen. Freude und Leib wechſeln mit rin. 
ander ab. „Areube Tür Leid geben. Tob. 7, a0. Im Lieb’ und 
Leid, in guten und übein Umftänden. Dann etwas, bas diefe Ems 
pfindung verurfadt. @inem ein Leid thun ober zufägın, ihm etimıd 
zu Leide tbum, ober mit bem zweiten Falle ihm Leides thun, ihm 
jene unangenehme Empfindung burd etwas, was man ibm zufügt, 
verurfahen. Ihm ſoll nichts zu Leibe geſchehen, ober fein Leid ge: 
ſchehen, wiberfabren, nidts mas ihm dirfe Empfindung verurfaden 
koͤnnte Thut meinem Propheten Fein Leid." 1Ghron. ı7, aa. 

Benus arämt fih ja, mas ift 

Leides ihre geſchehen? Gieim. 
In weiterer Bedeutung, etwas bas einen krͤnket, beleibiget; im ger 
meinen Leben. Ich thue es ihm nicht au Verde, nice um ihm wrhe 
zu tbun, ihn zu kraͤnken. Ic webe es ihre weder au Liebe mod; zu 
Leid. Sich ein Krides thbun, im gemeinen Leden, ſich ein lbel au: 
fügen, befonders, fih ums Leben brirgen. In engerer Wrbeutung, 
bie unongenehme Empfindung über ein begangenes Unglüt, einen 
BVerluft 30, Zraurigkeit, Kummer, Boträbnis. Über ein Bergehen 
Leid tragen Leib und Rewe Über bir Sünder empfinden. 

Doch ba fie jenes geſehn, odgleich noch gebenkend bes Zornes, 

Füntte fie Led; — — Bof. 
Einem fein Leid Hagen, fein ungläd Flasen, feinen Rımmer mit 
theilen, „Bor Leid ſterben.“ Lob. 6 16. „Ah werde mit Leide 
hinunterfabren in die Grube." ı Mof. 57, 35- Um jemand Yeib 
tragen, feinen Ted bebousen, befianen, 

DerBhiche traurig Grün ſcheint Leid um euch au tragen. Fronegl 

Dar Leid einnehmen, bie Beiteldebrseianngen annehmen, bei einem 
Begräbniffe, Im gemeinen Leben O. und R. D. wird Leid auf für 


90 


Es ift mir leid um bid,.mein 


Nachtheil, Schaden, Berinft Liiden, 


Reiden 


Zrauerffeib und Leichenzug, aud felbft + für Leiche gebraucht. Da: 
ber bie Aufammenfegimgen ber Leidbitter, Yeibbrief, das Leidhaus, 
ber Leidfloe 20. für Leichenbitter, Trauerbrief, Trauerhaus, 
Zranerflor ꝛc. Gbemahls war ach bie Mebrzadi gemähnlig und 
lautete die Leide oder auch ohne Umendung, die Leid, 
Von dem Euge erwudhfen bie allergrößrtien Leid, 
d. Nibelungen, 8. 8. 3516. 


O Leidbar, adj.u.adr. mas gelitten, erlitten, ertragen werben kann, 


— in Stunden, bie ih nur burd baldige Endigung feidbar fand.® 
Meyer. Dovoa bie Leidbatkeit. S. Veibtich. 


X Der Leidbitter, —®, 9m. gl; die -inn, 84 —en, fo viel als 


Feichenbitter. &. d. und das Leid, 


E Der keidbrief, —es, Di. —e, ein Brief, in welchem man fein 


Beileid dezeigt; ber Trauerbtief. S. das Kid, 


Leiden, v. unregerm. tin. vers. Zeit ich Littz gebend. Form, ich 


bitte, Mittel. ber verg. 3. gelitten; Befeklw. leide! D) mtr. mit 
haben, 1) x xæ Zum Leide werden, deid, unansenehm, zuwider wers 
ben, leid b, d. unansenehm, zuwiter ein, misfaten, In biefer Be: 
beutung koͤmmt es im Heldenbuche vor: 

Die Fabrt, bie muß ihm leiden. 

So auh in ber Retensart: Was einem liebt, feibet dem anbern, 
b. 5. was einem briicht, gefollt, ift unangenehm, miffüllt dem Intern. 
a) keid empfinden, eine unanginchme Empfintung haden. Mer 
Kranke leidet ſehr, empfintet große Stmerzen. An ben Augen [eis 
ben, böfe Augen, Angenfhmergen ıc. baden. An ter Bit leiden, 
von ber Gicht bifallen fein und Schmerzen davon haben. Der lei⸗ 
bende Theil. Won Antern viel leiden möüflen, z. B. Ungemach, 
Merfolgung, Rachtbeil ıc, Der Gerechte muß viel leiden. Ghemahls 
aud 8eib, Meue empfinden, gerenen, leid fein. Mir [ribet es. 

Es teibete Luͤdegaſte, da er die Mäpre rechte befand, d. Miber 

lungen 8, 8, 638. 

Beſonders mit ber Fuͤgung rines trs. und naͤherer Beftimmtung ber 
unangenehmen Empfindung im riorten Falle. Schmerzen, Hunger 
uns Duck, Neth, Mangel, !$emalt, Berfolzung, Unredt ıc leiden. 
Die verkiente Strafe leieen. ft ſchließt leiden nod dem Begriff 
eine® koben Grade der Stizfe der unangenehmen ober fhmershaften 
Empfindung in ſich. Mas ich leide, beichreiben Feine Worte, 

— Portia fah ben Bbtttihen leiden; 

Konnte din bangen Aublick niät Iänger ertragen. Klopſtock. 
Bumeilen verfhwinter aber dieler Begriff auch mehr oder weniger. 
Er wuͤrde bei dieſem Handel 
leiden, b. b. zu kürz kommen, vorliegen. @o warm, ald mon ı6 
kiden fann, als #6 ofne unangenetm und ſhmerzhaft zu fein, ges 
ſcheten ann. Auch uneigentiih won Eachen ꝛtc. Das Sant, bie 
rate hat in biefem Ariege viel gelitten, i@ borin zu greßem Scha— 
ben gefimmen. Dis Haus hat durch Feuer fehe gelitten, iſt fehe 
befhäbiget worden. Die Blume, bie Folter haben darch Rroft und 
NRife gelitten. In weiterer Bedeuteng heißt Leiden oft auch mur 
eine Keroͤnderung erfohren, bie man nicht werbüten Bann, Ju vie⸗ 
fem Zinne heißt barjerige Ding, welches eine ſolche Veränderung 
erfährt, das leidente Dina ober dee feidente Theilz in Beaen’ah 
von benz thätigen, weites biefe Weränterung hirvoriningt. In ber 
Soprachlehre wird von Einigen aud diejenige Form ber Ausſaqewdo— 
ter, melde das Merhäitaig, in weldem eine Perfon otee Fade et⸗ 
was leibet, bezeichtet bie feikenbe Gattung. (Passivum‘ genannt; 
beſſer die leidentliche Form. Im andern Rillen nimmt feiden ſchon 
mehr ben Migriff eines Böerliitenken Ausſagewortes an, ſcbald ſich 
ber Begriff 9:6 Unminkührfichen bei dem, was man ltibet mehr ver 
tiert: Dis kann ich wol leiten, des kann ich mol geſchehen Taffen, 
brauche id nicht zw verdindren. IH mag es mhk wor Mugen leiten, 
Ernen wobl um fih leiden "nnen, idn mit urgern um ſich baden. 
In einem Gaufr wohl orlitten fein, darın geen geſeben fein. Das 
macht bei jedermann gelitten. Dieſet Gebsauh des Wortes leiden 


Leiden 


mocht den übergang zu ber Bebeutung beffelhen, als IT) trs, 3) * 
Leid machen, verleiden. Ich will dir es micht leiden, 
Das Gewerb’ man ba viel fehre dem Degene leiden begann. d. 
Riebelungen & B. 216. 
=) KK Reid zufügen, beleidigen. 
Da dat aud niemand Medt bazu, 
Daß er bie Bothen leide. bie Alage, B. 3341. 
5) Mit feinem MWıllen geſchehen ober beflihen laffen, abſehttlich buch 
feine Handlung hindern, es fei das, mad man geſchehen ober befüchen 
iögt, ein über oder atdt. 
oder man Jeidet bier keinen Juden. Goihe Unordnung kann und 
dazf ich nicht leiden. Ich leide ed nicht, daß man ihn befhimpfe, 
ih fege mid dagegen, ich räde es ıc. Im weiterer Bedeutung auch 
von Thieren. Der Hund leidet es midt, daß man etwas von feis 


nes Seren Sachen anfıft, er fuht ed zu verhindern buch Brlen . 
Du Eade 


und Beißen. Uneigentiih aud von unbelebtin Dingen. 
leidet keinen Aufihub, fie geflattet ihn nicht, smiegt girichfam dazu, 


daß fie vorgenommen werbe:g., wenn man feines Imedis nicht vers . 


fehlen wit. So viel die Umftände es leiden werben. Das Berhäiltnißr 
wort durch leidet nme ten vierten Ball hinter fich, es darf fein ans 
berer als der vierte Fall ben Regeln ber Sprache gemäß im Berbin⸗ 


dung mit durch gefept werben, IL, »%okrec. Sich leiden, ſich ſelbſt 


gleihfam mit Allem was man ift und hat leiden, erttagen, d. d. ges 
duldig fein. „Keide dich als ein guter Streiter Jeſu Spriki." a Tim. 


2, 5: Ein Sich ſich billig Leiden iell, 
Auf Hofnung daß ihm bald wird wohl. Geiler». Kal 
, fersberg. 
D. Reiben. S. d. D. — ung, iſt nur vom trs. in einigen Zuſam⸗ 


menfegungen als Erleidung, Verleidung üblich. 

Das Leiden, —s, 94. gt. 1) Der Zaſtand da man leidet, Sich im 
Leiden faffen. Geduldig im Leiden fein. Das Leiden und Ererben 
ef Keifti. Daher der Leidenstag, die Leidenewodje. Das Aufere 
Reiben, bei ben Gottesgejeheten, die Gmpfinvung ber Becſchlimmt ⸗ 
zung feines Zuſtandes auf ber Erde; im Gegenfag des inneren Leis 
dend. 
engtätliheErrigniffe, Zodesfäle ꝛe. Niemand kenut mein Reiben. 

Du Knabe! keunſt noch niht mein Leiden, 

Kennft dieſer Thraͤnen Quelle niht. Ungen. j 
#) Dasjenige was man leidet, bas Über, Ungtäd ıc. meldes jene 
Gmpfindung hervorbringt. Freuden und Leiden mıt einanber theilen, 
fewol angenehme, glüdlice, ald unangenehme, unglödtiche @reigniffe. 
Dem Leiden unterliegen, es nicht extragen können, durch baffelbe um 
bie Geſundheit ober das Sehen kommen, Krankheiten und Schmer⸗ 
zen, Mangel und Armyıth, Krieg und Theurung und. wie bie Leiden 
alle beißen, bie den Menſchen brüdın, 

& Leidendlich, f. Leidentlich. 

D Leidengeübt, adj. u. adv. im Seiben ober buch Lriben geübt, 
„D bu, dur fo viel Schıulfat umgetriebene,. leibengeubte, arbeit 
felige Plyche.“ Kofegarten. (R.) „Der leibengrübte Odyſſeus.* 
Bof. 

O kridenlos, —r, —elte, adj. u. adr. oßne Seiten, von Seiben 
befreiet. Leidenleſe Crdentochter. Soͤt he. 
Daton die Leidenloſigkett. 

O Der Leidensbecher, —s, Mj. al. ſ. Leidenskelch. 

XDer Leidentbruder, —, 94. —brüder, ıR.) f. Leidensgefaͤhrte. 

Die Leidenſchaft, By. —en, Kber Buftind eines Dinges, in welchem 
es fich leibend verhält, eine Veränderung, melde von außtaher an 
ober in einem Dinge b’roorgebradt wird, wobei daſſelbe ſich leibenb 
verbält; in Grgenfag der Handlung. ®o nennt man, bie Berändes 
zung, weiche man mit einem weihen Körper vornimmt, iadem man 
ihn formt, zuweilen eine Leidenſchaft. In engerer und geoößnlis 
er Bedeutung, eine jede unmwiltärlihe ‚unb fühlbare Beränberung 
im Gemuͤths zuſtande, beſonders jebe heftige unb zur Fertigkeit ger 


91 


@s werden hire feine Juden ‚gelitten, | 


Sa engerer Bedeutung Kummer, Trauer, Wetrübni über . 


Leidensſt 


wordene Gemuͤthabewegung und Begierde, von welcher bie Seele 
bepersfct witd und wober fie fi leibentlicher verbätt ale fie ſollte. 
In Leidenſchaft gerathen, fein. Mit Keidenfchaft handeln. Etwas 
mit Leidenſchaft lieden, Hoffen ıc. Mit erhabner Leidenſchaft 
fpregen (mit Pathos), Golde Gemüthebewegungen find: Liebe, 
Dap, Beriangen, Freude, Zrausigkelt, Farcht ic. fobald fie fi der 
Seelt fo bemädhtigen, daß dieſe nicht mehr frei und vernünftig han« 
dein kann. Won Leidenſchaften bingeriffen werben. einen Reis 
denſchaften folgen. Gerne Yeidenfchaften bebeerfhen, ſich von ihnen 
nicht pınzeißen laffen. Oft werden auch bie einzeinen Ausbrüche hefs 
‚ tiger Begierden Leidenfhaften genannt, Kant unterfdeidet Lii- 
henfhafıen und Gemüchetewegungen fo: „Affekten beziehen fi bloß 
auf das Gefuͤhl, Leidenſchaften gehören dem Begiprungsvermigen an.“ 

O Leidenſchaftfrei, adı. u. adv. feri von Beidenfhaft oder Beiden 
ſchaften. „Sie mußte dieſe traurige Geſchichte erzählen; fie that es 
mit einer eenften leidenſchaftfreien Faffıng.* Huber. 

Leidenſchaftlich, —er, —fle, adj. u, adr. Leidenfhaft zeigend, wie 

auch, in einse Seibenfhaft gegröndet, daraus Hiißend. @in leibens 
ſchaftlicher Menſch. Er ift ein leidenfhaftlicher Iäger, ein Jager 
ober Jagdliebhader, der die Jagd mit Lribenfchaft liebt. Yeiden« 
ſchaftlich reden, Handeln. Leibenfchaftlich Iteben, fpielen ıc. ine 
leidenſchaftliche Erebe, Im leidenſchaftliche Sitze gerathen. Davon 
die Leidenſchaftlichkeit, bee Zuſtand einer Perſon oder au einer 
Bade, da fie leiden ſchaftlich iſt. Seine Leidenſchaftlichkeit 1äpt ihn 
nidt in ben Schtanken bleiben. Die Leidenſchaftlichkeit feiner 
Liebe verſpricht keine lauge Dauer. „Eine Denkungsart (Denlart) 
del unmännisher Leidenſchaftlichkeit.“ ungen. 

O Leidenſchaftlos, adj. a. adr. frei von Leidenſchaft ober Leiben 
fSaften , ohne Leidenſchaft. Davon bie Yeidenfchaftiofigkeit. 

O Die Leidenſchaftsdarſtellung, Bi. —ın, die Darfelung ber 
keidenſchaften, oder bee Menfhen in Leidenſchaft; in Werken der 
Kunft + Ethopneie). ! 

& Der Lrrdensgefährte, —n, 34. —n; bie —inn, Di. —ın, 
(R.) tin Gefaͤhrte, sine Gefährtinn tn Leiden, eine Perſen welche 

glerch· s Beiden trifft, befonbers, welche mit uns leibet, entweber aus 
Aheuaahme, ober von demſelben keiden betroffen; ber Leidensge⸗ 
noſſe, bie Yridensgenoffinn, im gemeinen Leben und in der Teichten 
Schreibart Leidensbruder und Leidens ſchweſter. Moͤchteſt bu treue 
Leidenogefaͤhrthinn nur auch noch Freuden mit mir zu theilen haben, 

A Der Leidensgenoſſe, —n, 94. —n; bie — inn, 4. —en, fo 
viel als Leidensgefährte, „Weine Leidens: und Braubensgenoffen,* 
Ungen. R.) 

Die Leidenögefhichte, 9. —n, eine Geſchichte, Erzählung von aus 
geltaudenen Leiten. ' eine Erbens+ und Leidensgeſchichte erzählen, 
Die Leidensgeſchichte Jeſu (die Passionsgefhiäte). 

Das Leidensjahr, —eb, Bi. —e, rin Jahr des Leidens, in welchem 
man fe det, d. b. Uagemach, Ungiäd ıc. erfährt, ober im welchem 
man geiitten batz auch mol zumeilen ein folhes Jahr bes Eeibens, 
welches ‚möglicher Weile noch fommen kann. Dee Himmel behäte 
uns vor mebe ſolchen Leidens jahren. 

& Der Leidenskelch, —es, Da. u. ein Kelch bes Leidens, ein bilbs 
liger Ausdruck, Leiden zu bezeihnen, bie uns gleihfam in einem 
Kelche anflatt eines Benuffes gereicht werben. 

— Soll der Arme 

Den Leidenskelch bis auf bie Hefen leeren, Gollin; 
db. h. ſoll er bie zum hoͤchſten Grabe und bis zum Iepten Augenblicke 
leiten. 93. V. Richter, ber biefes Wort ebenfalls gedraucht, hat 
an einer andern Stelle, jedoch nicht fo gut, auch Leidensbecher. 
S. Kelch. 

O Die Leidenbprobe, By. —n, eine Probe, Proͤfung durch Beiden, 
im beiden. She habt bie That mit jahrelanger Reu, 

Mit ſchweren Peidensproben abgebüßt. Schller. 

Die Leidensſtunde, 2. —n, die Stunde des Leidens, in wilder 





Reidenst 


092 


Qeie 





man leitet, d, h. Unlaft, Schmerzen ıc. empfinbet, ober in welcher 
man feiben fol, oder gelitten hat. Die Leidenoſtunde napet. 
Der Leidenstag, —es, Dh. —t, ein Zag, am weldem man leitet, 
d. h. Unluf, Cämerjen ıc. empfindet, ober an melden man leiben 
fol, ober gelitten hat. Die Leibendtage find nun vorüber, In 
engerer Bedeutung, berienige Xag, an welchem Irfus am Krenze litt 
und flard, und beffen Andenken an bem bafür gehaltenen Jahrestage 
felerlih begangen wird, der Karfreitag, ftille Freitag. So and, 
bie Leidens woche, eine folhe Woche, und in engerer Bebeutung, bier 


jenige Wehe, in melde ter Leidenstag Jeſu fänt, bie flille Wode, 


Martertvohe, Karwoche (Passionswode). 

O Leidensvoll, adj. u, adr, vol Leidens, wei an Leiden. S. Leis 

denvoll. 

Die Leidenswoche, Di. —n; ſ. Leibenttag. 

© Das Leidenswort, — s, 4. —wörter, in der Sprachlehre, 
ein Ausſagewert, weldes ein Leiben ober eim leidentliches Verhäͤlt ⸗ 
niß bezeichnet (Verbum passivum). ©. 

Leidentlich, adj. u, adr. 1) & Was man Leiden ohne Unluft empfin- 
den Bann; gewöhnlicher umb beffer Jeiblih. Cine leidentliche Dige- 
=) Belbend, eine Einwirkung, Veränderung von außen her erfahrend; 
in Gegenfog von thaͤtlich. Sich ieidentlich verhalten, geſchehen 
Laffen , entweder, weil man muß ober weil man will, daß von außen 
her Beränterungen am und mit und vorgenommen werden, Gin leis 
dentliches Werhältnis, in welchem man ſich leidentlih verhält, im 
weichem man ber leibenbe Theil if. O Der leidentliche Handel, bei 

- weldem man ſich mehr leibentlih verhält, mehe einführt als aus 
führt, oder vielmehr fih die Waaren zuführen läßt, biefe Zufuhr 
Anbern bezahlt und fie nicht ſelbſt holt (Passirhandel).G, Dann, ein 
Teibentiihes Werhältnis anzeigend, bezeichnend. Die leibentliche 
Borm ber Kusfagewörter (bie passive Form, bas Passivum). G. Leis 
bentlihe Ausfagewörter, bie aud ober die nur in leibentlicher Form 
gebraͤuchlich ſind (Passiva, verba passira), C. Im leidentlichen Bers 
Bande, in leidentlicher Bedeutung (Signißicatione passiva). 6. Nach 
Des Ähnlichkeit mit hoffentlich, Öffentlich, weſentlich ze. ſchreibt 


man zichtig leidentlich night leidendlich. S. SG, Berbm. Passiv. 


Davon die Leidentlichkeit, der Buftand, das Werhältniß, da man fh 
leibend verhält (Passivität oder Passibilität), 

O feidenvoll, adj. u. adv. vol von Leiten. — und (fonnte) 
meiner leidenvollen Zeit mit Spott mid erinnern." Meyer, Ans 
dere fagen leidensvoll. „Leidensvolle Auftritte feines Lebens.“ 
Dente (R.). : 

Zeider! ein Ausruf, welchen man in folden Saͤtzen einfhiebt, die man 
mit einer Art von Klage, Beträbnig, Reue begleiten wit, Leider! 
ik en fo, Weit, leider! nicht mehr am Beben, Leider, leider! 
din ich ſelbſt Schuld daran. „Wir find, leider! gotttos geweſen.“ 
Dan. 9, 15. In der gemeinen Sprechart ſagt man auch. Leider 
Gottes! "ort ſel es geklagt. 

Der Reider, —s, 29. gl. einer, ber ba leibet, in ben Zuſammenſez⸗ 
zungen Hungerleider und Mitleider. In ber R. D, Bibel bedeu⸗ 
tet es au einen, ber geduldig, fanftmüthig it: De Liber beholt 
bat Sand, für, die Gonftmätpigen werben das Erdreich beſihen. ©. 
Leiden III). 

X Das keideffen, —s, 2%. al. ſo viel als Leichenmahl, Trauer⸗ 
mahl. 8. das Leib. 

X Der Leidflor, —ed, Mi. —e, der Trauerſlor. ©. das Leib, 

X Die Leidfrau, ig: —en, fo vitl als Klagefrau. S. das Leid, 

O Der Reidgefang, —es, 4. —gilänge, der Leichengeſang, Traurzs 
arfang. „Ginger fangen ben Pribgefang.* Deper. S. bas Kid, 

X Das Leidhaus, —ıd, My. —bäufer, ein Haus, in weldem ein 
Leid, b. 5. eine Leite if; das Trauerhaus. S. das Leid, 

Reidig, adj. u. adv. 1) % Leib empfindend, Seid tragent, detrübt. 
Keidig fein, Peträbt fiim. Die Erivigen, die Wetsübten, Leidtra⸗ 
graben. a) Erid, d. h. Unluft, Übles verusfahend, und in weiterer 


‚ Bebeutung, laͤnig, beihtsertid, 

Gr ſorach, ich beine, euch leidig mer (Maͤhr). Thenerbant, 

Mich hat den Jeidige Hogen meines Gutes ohne netyan. 
db. Ribelungen 8. B. 3048. 
„Ihr feib aD zamahl feibige Tebſter,“ Biob 16, a; wofür Mihas 
146 defd,wertide Tröfter gefeht hat, „D Laura, bu biſt eine leibige 
Seifen Weiße. Gin leibiger Troſt, ber feines Zweckes vers 
feht und anfatt wohlzuthun cher Unluft erweckt. Der leidige Beiz. 
Das leidige Spielen, Der leidige Zeufel, „Der leidige urian.“ 
Benzel» Gternau, Im biefen Fällen miſcht fih aud der Inder 
geiff bes Häfilhen und Adſcheulichen in die Bedeutung. Im gemels 
nen Erben fagt man aud), das leidige Geid, das böfe, deſſen Befts 
bie Gemüther ber Menfchen zu verfhlimmem pflegt, Im N. uns 
D. D, gebraucht man es hier unb ba für boukaft, arglifig, im 
welcher Bebeutung man auch ben Ausbrud ber leidige Teufel ver 
ftehen kanu. 

O keibiglieb, adj. u. adv. Leib verurſachend und doch gelebt zum 
gleid. 

O du Iofes, feibigliebes Maͤdchen! Gäthe, 

x Das Leidkleid, —es, Bi. —er, ein Trauerkleid, in welcher Ba 
beutung ed au a Sam. 14, = vorlämmt, ©. bas Leib. 

Leidlich, —er, —ſte, adj. u, adv. 1) x Einem Leibe gleich, unange 
nehme Empfindungen verurfadhenb, 

Sa leidlichen Sorgen fprad da Bere Dieterelch. 
d. Ribelungen Lied, ©. 9425. 
“) Was fih leiden laͤßt, was man empfinden, ſehen, hören ıc. ann, 
ohne gerade unluſt babei zu führen. Cine leibliche Wärme, Köıte. 
Der Schmerh if ldeidlich, derurſacht Erinen merklichen ober hoben 
Grob der unluſt. „Tatſchtefſen, unfer Sehen durch bie froͤhlichſte 
aller Armwartungen uns leiblicher zu made," Sonnenfels. @ine 
leibliche Geſtalt, Stimme, eine mitteimäßige, nicht ganz ſchlechte 
Ein teiblicher Preis, Siqch leidlich befinten. Im ©. D. wich leid⸗ 
lich aud noch für haͤßlich, abſcheulich gebraucht. Davon bie Leid» 
lichkeit, bie Gigenfgaft, der Zuſtand einer Perfon ober Bade, ba 
fie leidlich iR. 

+ Leidſam, —er, —fe, adj, u. adv. Fertigkeit befigend zu Leiden, 
fid leibentli zu verhalten, beſonders Fidel gebulbig zu ertragen. Da⸗ 
von bie Leidſamkeit. a 

X Der Leidichleier, —#, 9. gl. ber Schleier einer Beidtragendeng 
ber Trauetſchleiet. Friſch. ©. bas Leid. 

X Der leittag, —ed, 4. —e, ein Tag, an welchem man Eeib trägt, 
ein Zroutetag. „Die Leibtage waren aus," ı Mof. 50,4 S. 
das Leid. 

Das Leidtragen, —b, 0. 24. das Trauern um einen Werflorbenen, 
wenigftens darch Äufere Beiden, Zrouerkleidung. »Spher als Leibe 
maebieus (Leibarzt) freuete fih auf feinen Antheil am Leibtragen unb 
Mitriehen.* 3. P. Rihter. 

Der (die) Leidtragende, —n, 29. —n, eine betrübte Perfon. Im 
engerer Bedeutung, eine Perfon, welche um einen Kobten trauert, 
bas Bein trägt, S. bad Leib, . 

X Das keipwefen, —s, o. 29. ein hoher Grad ber Trauer, ber Ber 
trübnig, das Wehttagen. Mas war ein Leidweſen! IH mag bad 
Leidweſen gar niht mit anfehen. 

I. Der Leie, f. Laie. 

2, Der Leie, —n, U. —n, en im nu. R. D. hier und ba ge 
bräugliches Wort für Schiefer; im N. D. Leiden. Davon bad Leien⸗ 
dach, ber Leiendecker das Schteferdach, bee Schieferbecke?; der Leien⸗ 
flein, ber Theuſchiefer; der Leienſtickea (fift), der Schiefeettift 1. 

Die feier, 9. —n; Uw. bad Feiechen, ©. D. — lein, der 
Rame sines befaiteten Tonwerkzeuges von verfhiebener Art. 1) 
Bei ben Alten, ein Tonwerkzeug, welches aus zwei auswärts gebe⸗ 
genen Hauptibeilen deſtaud, bie unten mad oben verinigt warm, 
und an biefin Stelles bie aufgefpammten Saiten hielten, deren ans 


Reie 


fange nur brei waren, bie fich aber bis zu ſechſzehn vermehrten 
und mit den Fingern gerührt wurden. Da bie alten Dichter ihre 
Sefaͤnge bamit begleiteten, fie auch dem Dichtergott als Sinnbild 
beigelegt war, fo wurbe bie Leiet bas Sinnbild ber Dichttunſt ſelbſt. 
Daher bie Auspräde, die Leier ergreifen, fie extönen laſſen, für, 
fingen, dichten. Die Beier verſtummen laffen, miederlegen, hinhän⸗ 
ger, für, aufhoͤren zu fingen, zu dichten. Die Leier mit ben Krauss 
flor umwinben, einen Zrauergefang fingen, dichten ıc, In der Sterns 
kunde heißt ein Gternbild die Leier, beffen Sterne man unter bım 
Bilde einer eier der Alten zufammengefaßt dat. a) Ju unferer 
Beit, ein befaitetes unvollfommenes Zonwerkjeug, beffen Gaiten 
tur Hölger, bie mit ben, Fingern ber linken Hand aefpielt werden, 
während mit ber rehten Hand vermitteift eines Rades mit einer 
Kurbel eine Salte oder zwel Galten, bie beändig benfelden ober 
diggpiben Brunbtöne angeben, in Schwingung gefegt werben; im Me⸗ 
kelnburgifhen eine Ninnel. Der Zon berfelben, wie aud bie Etäde, 
bie auf berfelben gefpielt werben, find alfo fehr einfözmig; daher 
die umeigentlien Autdruͤke: es ift immer diefelbe ober die alte 
Leier, für, es ift immer diefelbe alte und befannte Gate; immer 
bei Einer Leier bleiben, bei einer und derſelben Sache bleiben, im» 
mer boffeibe ſprechen, thun »c. Die alte Leier anjtimmen, immer ⸗ 
fort daſſelbe fagen, vorbringen. Das geht fo in einer feier fort, 
denfelbeweinförmigen, dergebrahten Gang (im Schlendrian), Saͤmeat ⸗ 
Kihe Xusbrücde haben einen verächtlichen Mebenbezriff und finden 
ans im gemeinen ®eben und im der baffelbe darſtellenden leichten 
Echreibart Statt. Uneigentlich nennt man auch verfchichene Dinge, 
bie wie das Rab einer keier umgebzeht werden, Leiern. Bei bern 
Bortenwirkern if fie ein &tod mit beweglichen Querholze, bie Kette 
gu Borten und BWBärbern von dem Schweifrahmen auf bie Schweifs 
fpute zu wickeln. Wei ben Wogelftelleen führt eine auf Pfaͤhlen ber 
weglicht Walze, melde mit Beimruthen beftedt wisd, ten Namen 
der eier; verberbt Leuer, Keure. In bee Schweiz if die Leier 
ein Wutterfaß, tweldes an einer Handhabe umgebreht wird, Ja 
geopen Küchen if bie Bratenleier eine Art Brateuwender, welche 
vermittelft einer Kurbel mehrere Bratfpiege umbrehet. An den Pfids 
gen wird das ziwiefelige Holz, welches buch das Pfiuggeflell gehet, 
tie Pfingwage trägt und in beflänbiger und eluförmiger Bermrgung 
if, die Leier, auch das Pflugmetter genannt. 5) Der Rame cine 
Art Spinnenfifde, bie vorzugsweife Epinnenfifd genannt wird und 
dem Serdrachtn ſehr Ahnlich Ik (Callionymus Iyra L.); aud klei⸗ 
ner Meerdrache, fliegender Teufel, Wimpfelfiſch. : 

* Der Leierer, —t, 9 91; die Leirerinn, 9. —en, eine Pers 
fon, melde auf der Leler ober welche bie Beier fpielt; der Leiermann, 
die Leierfrau, das Leiermaͤdchen, foferm fie ein Mann, eine Frau, 
ein Maͤbchen ift; befonders wenn fie ein Gefchäft ober Gewerbe dar⸗ 
ans macht, bie Beier zu fpielen, Uneigentlich nrant man auch einen 
eintönigen, ſchlechten Dichter einen Leierer ober £eiermann. 

Ganz recht, wofür aud wär’ ich ſonſt ber Leitrer? Bürger. 

O teierförmig, adj. u. adv. die Form einer Beier habenb. Im ber 
Pflanzenichre wird ein Watt Ieierförmig (iyratum) genannt, wenn 
deffen Außerftex regelmäßiger Einſchnitt fehe groß und rund iſt. 

X Die Leierfrau, I. —ın, ſ. Brierer. . 

O Der Leiergang, —ed, 9%. u. ein Gang, b. h. bie Art und Welfe 
ber Verrichtuug ber Gefhäfte ıc., wo Alles immer nad ber tinmahl 
dergebrachten Art und Fotm geſchieht (Schlendrian). Stuve. Die 
Gefääfte geben ihren Leiergang fort. “: 

& Leierkundig, adj. u. adv. ber Beier, d. h. des Bpielens auf der 
Erier, dann, bes Singent und Dichtens Punbig. „Der leierkundige 
Orfeus.* ir. Stoltberg. 

X Das Leiermaͤdchen, —s, 3. al. ſ. Reierer. 

X Der Keiermann, —rd, By. — männer. 1) S. Peierer. =) Ein 
Rame bes Ürternträgere; auch Fadelfliege (Fulgora L.). 

Leiern, v. intrs, u. tre, 2) Xuf der Beier [pielen, auf der Leler vor⸗ 


93 


Leih 
tragen, In einem fort leiarn. Ein Gtäden lelern. uneigentlich, 
auf eine eintönige und langweilige Art immer daſſelbe ſagen cher 
fingen. Ginem bie Oberen voll feiern. Dann, auf ſolche Art alfo 
euf eine ſchlechte Art dichten. Im ben Schlaf Irisch, buch Spielen 
der Leitr, wie auch, bush eintöniges, langweiliges Sprechen und 
durch [dichte langweilige Reime In den Gälaf bringen, 

im fhlimmften Role leiert 

Sein Reimwest wenigfiend in Schlaf. Bürbe 
*) Sich cinförmig und babel laugſam wie tod Mab einer Erler bes 
wegen und eine jolke Bewdegung beibehalten. Go fagt man vom 
einem Aubrmann, milder fehe lauglam führt, ee leiere, und ein 
ſolches Fahren ſelbſt nennt man ein Leiern. Dann, auf ſolche lang» 
fame Art etwas verrichten. Den ganzen Zag an etwas feiern. Bon 
ber langfamen Bewegung ber Maljen eines Stredwerkes wirb auch 
bie Arbelt bes Durchlaſſens eines Bainıs, damit er bie zu der bes 
Rimmten Wüupforte erfoterlife Diinne erhalte, in Klausihal leiern 
genannt, Das Wert feib vermittelt deſſen dirſe Arbeit verrichtet 
wirb, heiße das Leierwerk. D. Leiern. D. —ung. 

Das Leierſtuͤck, —es, 3. —r; Bio. das — den, D. 2. —lein, 
ein Zonftäd für bie Leier ober auf ber Erier geſpiett. Uneigentlid, 
X ein einförmiges Tonſtüct, ſewol zum Episien als zum Singen, 
weiches rel von Wiederholungen und langweilig if. 

Das Leierwerk, — s, 34. —e. 17) Ein Weit, eine Arbeit, eine 
Sache, welde geiciert wirb’eber if, d. dh. welche immer biefelbe 
und langweilig ifi; ohne Mehrzahl. Benug biefee Leierweris! =) 1 
Ein Stredwerk. S. Leiten a). 

Die Leihbank, De. — baͤnke, eine Bank, d. h. eine oAfentiiche Kaffe, 
in welcher gegen dinlaͤngliche Sicherheit Geld gelithen werben kann; 
zum unterſchiede von einer Umfchreide: oder Anweiſebank ober Zet: 
telbanf. Aieinere Anftalten biefer Att, wo man gegen Pfänder 
Gelb leihen kann, und bie Häufer feibfk, worin fi dergleichen An 
falten befinden , nennt man Leibbaufer. 

O Das Leihbuch, —es, 2. — bücher, ein Bud, welches man zum 
Bırieihen für Gelb anfhafft und hält, dergleichen bie Büder ber 
Bücerverleipir find. Die Büderfammlung eines ſolchen Büͤcherver⸗ 
leihers ift bie Leihbuͤcherſammlung (Eeifbibliothek), 

+ Der Leibegroihen, —#, 9%. gl. in mandın O. S. Gegeuten, 
eine Abgabe von gemiffen Bauergäteen anflatt ber Schenwaare, tm 
ben vortommenben Echnsfälten, 

Leiben, vw. trs. unregeim, in ber unlängft verg. 3. ich liehz geiund, 
F. ich liebe, Mittelw. d. verg. 3. geliehen; Befehl. leihe. 2) KK 
Ehemahls geben Überhaupt; dann fhenken. In engrrer unb gewöhns 
licher Bedeutung, anf einige Zeit zum Sebrauch geben, ohne dadurch 
feinem Gigenttumseehte auf bie Sache, bie man auf folde Art ges 
geben hat, zu entfagen. Genau genommem wird ed baun nur von 
folden Dingen gebraudt, welche durch ben Gebrauch nicht verbraudt 


werden, fonbern welche man umderänbert nad dem GBebraude wicber ' 


surädgisdt,. Einem fein Pferd, ein Buch, ein Bausgerith leihen. 
Dann gebraucht man es aber aud von ſolchen Dingen, melde vorn 


beaudt werben, und für weldie man Dinge von berfelben Art, und _ 


von berfehben Beſchaffenheit ober im berfelben Menge wiedergiedt. 
Ginem Korn, Holz, Brot ıc. leihen. Einem Gelb ohne Zinſen lei⸗ 
ben. Gelb auf Pfänber leihen. Sein Bermögen auf Grunbfläde 
leihen. In andern Fällen ſagt man vermietben und verpachten. 
©, d. und Morgen, Bumellen wisd leihen in noch engerer Wedeus 
tung für zu Zehen geben gebraucht. O Uneigentlih gebraucht man 
es auch für verleihen, mittbeilen. „Dies leihet deinem Bilte Schoͤn⸗ 
beit.* Savater, Werner, für, am bie Hand geben, b-Hälflid fein. 

Borwand lich dem Werlegenen zum Gloͤc einfallender Regen, “ 

Banaefen, 

Böufiger für unterfhieben, anbiähten, in welcher Bedeutung es mil 
der ift als biefe Wörter. Wie leicht er andern Beuten Plane unb 
Abſichten leihet und unterlegt.“ Leffing. „Die Meinung, welde 


Leih 


94 


Leimr 





Here R* mir leihet.“ Tra pp. =) Als ein Darlehn geben laſſen, 
in Empfang nepmen, um entweber ihm bie empfangene Sacht ſelbſt, 
eher eine andere von gleicher Beſchaffenheit und gleichem Werthe wie⸗ 


ber zu geben. Bäder, Roten, Papier von jemand leihen. Gelie⸗ 
bene Baden. Bit geliehenem Gelde etwas unternehmen. In ei⸗ 
nigen Gegenden O. D. lauter dies Wort gemein leinen. D. Leis 


hen. D. —ung , in den Jufammenfegungen. ©. aud 2. Lehuen. 

+ Der Beier, —s, 94. gl; die —inn, 5. —en, eine Pirfon, 
welde-einer antern etwas leiget. „Dem Leiher geht es wie dem 
Borger.? Ef. 24,2. „Es fehlt ıhm nur an einem Leiher.“ Meipner. 
(R.) An engerer Bebeutung, ber Peer eines Bergwerles, welcher 
daſſelbe an Aadere verleihit. 

+ Der Leihetag, —es, 2. —e, in D, ©. in ben Bergaͤmtern, ein 
gewiffer Tag in ber Mode, an weichem bie verlichenen Gelder beftäs 
tiget werben; ber Verleihetag. 

Das Leihthaus, —es, Wa. —häufer, f. Leihbank. 

+ Der Leihtauf, —ed, M. —kaufe. 1) © viet als Angelb; be⸗ 
fondiks fofern es von beiden Theilen, bie einen Kauf oder bandel 

chliehen, au einem Bergnuͤgen verwendet wird. Dann auch, bie 
Gemotnheit unter gemeinen Leuten, da nad sinım Handel oder Kaufe 
fowol bee Käufer als Verkäufer Gelb zufammenlegen, dafür mit ein. 
ander zu trinken. Leihfauf trinten, Den Leihkauf geben, die Kor 
ſten dazu hergeben. In manden Gegenten ift er cin ſoͤrmlicher 
Schmaue, welden man beim Verkaufe ber Wüter gieht. s) In ans 
dern Gegenden, ein Bed, weldes ven neu srlauften Ichnbaren 
Bauergätern dem Echnaherren entrichtet wisb; bie Kehenwaare, 
arch, die Kaufleben, Anfahrt ꝛc. 

Das Keil, —es, 3. —e, anf ben Schiſſen 1) bas Tau, womit bad 
Segtl umfaßt wird und moran bie Kanten feftgenähet werden. Dass 
jenige, welches bie beiden Seitenfanten umfapt , heipt bas fiebende 
Leit. Im Säiffvaue wird aud 2) das Bexippe eines Schiffes, d. d. 
die fÄnmtlihen Tahblzer und Balken befeiben ehne tie Planfen, 
das Leik genannt. Möbing. 

Leiken, v. intrs, u. trs, bei ben Schifſern, bas Leit an das Sesel 
näten. D. Leiten, D. —ung. j 

Das Leikgarn, —es, Pi. u. Garn, aus welchem bas if gemacht 
wird; es befteht aus einfahen Fäden, die von gutem Hanfe gemacht 
und fein geiponnen find, . i 

Das Keifkorn, — s, 4. —börner, ober bad Leifohr, —es, Di. 
—en, fo viel ald Schothorn. ©. d. 

Die Leiklien, 29. —en, ein Zau, welches zum Leit eines Segels 
dienen fell. . 

Die Leilnadel, 94. —n, eine geoße Naͤhnadel, wemit bas Seil an 
das Segel genäyet wirb. - 

# Der Leikuchen, —, DM. al. in den Galjlothen, Stüde Sälot: 
ten, die auf ben Rand bes Herdes und ber BSalzpfonne gelegt wer 
den, bamit die Dige an den Seiten ber Pfanne deſto deffer pin, 
aufftrige, 

+ Das Leilalen, —s, 99. gi. in manden, befonderd D. D. Gegen ⸗ 
den, das Brtttuchz wahrfäriniid eigentlich, Leiblaken oder Leichla- 
Kon. ©. Lreich. Bei Wächter in den Sagen ber Vorzeit lautet 
dies Wort Leilach So daf fie fih verhühten ins Leilach, im 
Mahn’ eö tiefe ſchen die letzte Pofaune. * j 

Der Leim, —es, Di. von mehtern Arten, —e, Überhaupt ein weis 
der züher Körper, an meidem Dinge, melde baran gebracht wer: 
ben, fet haften. Go mennen die Mahler einen zähen Kirpır aus 
Harz oder Henig gemacht, beffen fie fih zu Geldgründen bedienen, 
einen Prim, ©. auch Vegelltim. In engerer Bebeutung, ein fchr 
säer, ſtark bindender Adıpre, ben man aus verfhiebenen thitrifchen 
Theilen, als Lederabgaͤngen, Knochen, Hauſenblaſe ze. bereitet. Krim 
kochen. Mit Leim befteriden. Dee Leim bindet gut. Das Papier 
tat keinen Yrim, wenn es wenig ober gar nicht geleimt ift, und bie 
Dinte in daſſelbe ziehet. Der gemeine ober Tiſchlerleim, ver Buch⸗ 


binderleim ober Mundleim. 8, d. ynb Hanfenblafe. Sm gemels 
nen Beben wied der Lehm durch Serwechslung häufig Keim genannt. 
Mit Met aber unterfgeibet man beite, obgleih ber naffe weiche 
kehm auch ein klebriget Körper iſt. ©. Lehm. 

+ Die Leimahre, 8. —n, f. J. Leene. 

Die Yrrınbank, wg. —baͤnke, bei den Bogelfſtelern, eine Banf ober 
ein Gefiell, anf meldes fie die Beimsuthen firden, um fie bamit 
hin « und hergutsagen; der Leimbeck. 

+ Der Leimbaum, —es, By —bäume, ein Name ı) bes gemeinen 
Khornes; =; ber Lime. 5) Bei den Jägern, eine Brimflange. 

Die Leimbeere, Bi. —n, bie glatte Bruftberre (Cordia collococea). 

Der Leımbod,-—es, 2%. — be, f. Leimbant. 

Leimen, v. txs, 1) Mit Ecim verbinden, befeftigen, Gin Brett lei 
men. Gin Etüd an das andere leimen. Denn aud, mit Reim 
überzieben.. So leimen tie Buchbinder ben Ruͤcken der Bäder. Um 
eigentlih, aufammenfliden. 

3% fäpneide fonft fo gem aus ganzem Holze, 

Und mußte nun bob auf mit unter leimen. Goͤthe. 
s) Mit verdünntenm Beime ober Leimwaſſer trinken, durch Toldes 
Boffer ziehen. So leimen bie Papiermaher das Schreibpapier. Die 
zus leimen das Drudpapier (planiren eth. D. Leimen. 

. —ung. 

+ Der Leimen, —s, 3%. u. in manden Gegenden für Schm, Gebe. 
„Du haft mic aus Keimen gemadht.--Hiob 10, 9. 

+ Der Leimenhaufen, —s, 2%. gl. ein Hiob ı5, ız für Lehm⸗ 
haufen vortommenbes Wert. 

+ Die Leimenmwespe, 3. —n, bie Golbwespe. 

Der Leimer, —s, 99. gl. 1) Giner ber leimet, In engerer Bu 
beutung, in ben Tuchwebereien, ein Arbeiter, welder bie zu einer 
Kette ober einem Aufınge geſchörenen Fiben mit Erım db, d. Btäike 
beftreidet. 2) Tin Milchner. 3) So viel als Latmer, ©. d. 

Die teimfarbe, 9. —n, eine mit Leimwaſſer angemahte Faste. 
Mit Leimfatben mahlen. Etwas mit Leimfarbe anmablen, Dann 
Barbenkösper, welcher fih nur mit Beimmaffer anma ⸗ 
den haͤßt. . 

Die Leimfuge, 2. —n, die Fuge, wo zwei Körper duch Cem mit 
einander feſt verbunden find. 

Der Leimhammer, —s, 94. —bämmer, bei ben Buhbindeen, ein 
gew oͤhnlicher bammer, beffen fie fih zum Umklopfen bei dem Leimen 
der Bücher bebienen. . 

Leimicht, adj. u. adv, bem Leime Ähnlich, zäbe wie Leim, 

Leimig, adj, n. adv, Leim enthaltend, 

Der Eeimtafien, —t, By. gl. bei den Paplerteppihmadern, ein Kar 
fen, bas zu Papierteppigen beflimmte Papier darin nohmahie mit 
Leim am trärfen. 

Das Beimkraut, — s, PM. von mehreren Arten, — keduter, dir 
Name eines Pllangengefdichtis, von wrldem mehrere Arten wie 
Lem kleberig an;ufühlen ſind (Silene L.) Man bemerit an ben 
Blumen zehn Etaubfäden ; ber Fruchtkeim trägt drei lange Griffel 
mit einfadıca Staubwege. i 

Die Leimkuͤche, M. —n, bei ben Papiermahern, eine Stube, in 
melcder bus Papier gelsimrt wird, 

Die Leimlumme, 94 —n, bei ben Popiermadern, eine Rumme 
oder in Kaß, worin das Leimwaſſer zum Leimen bed Papieres bes 
fin Aich if, 

Das Leimleder. — , Mj. u. keber, ober Abgoͤnge bavon, welche ger 
draucht werden, Leim daraus zu fieben. . " 

Der Leimpinſel, —s, 4. al ein Penſel, ben Erim bamit auf eint 
Gadye, welme geleimt werden fol, aufjutragen. . 

Die Leimrinde, I. u eine Art der Seerinve (Eschara lutosa). 

Die Leimruthe 4. —n, bei den Beoprik.liern, mit Bogelirim üben 
zogtue Wethn obere Spindeln, auf weichen bie Wögel, bie ih bar 
auf fegen, Eichen bleiben; Leimfpindeln, im D. D. Kleberuͤthlein. 


Reimf 

* Die Leimſchwalbe, f. Lehmſchwalbe. 

Der Leimſieder, —s, 2%. gl. verfenige, welcher aus eallerlei thieris 
igen Ah ileu Beim fiedit, 

Die keimſpindel, ie —n, f. Leimruthe. 

Die Leimſtange, By. —n, bei din Wogeiftelleen, eine lange Stange, 
is meien eir Oormeutden geflide werden. 

Der Erimjlein, —$, 4. —e. 1) berfleinte Knochen, Knochenſteine 
Ostsourhr). 2) Wine Art Kaltfeine (Calcarcus micaus), 

+ Die Leimſtraße, f. Leinſtraßt. 

Die Leimtaͤſche 9 —n, bei ven Wogelftellern, eine feberne Taſche, 
va weicher fie die Lelmruthen tragen. 

Der Laimtiegel, —s, DB. gl, ber den Tiſchlern, Buchbindern ıc. ein 


tiefer inetaucner Ziegel, den keitn darin ın Waller über Koblınfeuer, 


aufjuidfen; bee Leimtopf, wenn er mehr bie Geſtalt eines Zo,fes hat. 

Der Leimvogel, —s, ig. — vogel, die pitplecche (Alauda tri- 
vislis L) 

Das Leimwaſſer, —s, 34. u. Waffer, in welchem Zelm aufzelöfet 
worden ıft, ganz bünner waͤſſe riger Leim. Das Papier bush Leim: 
waſſer sichen, bei ben Buchbindern (planiren). 

Die Leimzwinge, 3. —n, bei den Sıfälem, zwei ſtarke Bretter 
mit zwei finfechten Zapfen, zwiſchen welche zwei oder mehrere auf 
ber Kante zuiammengeleimte Bretter feſtgekerlt werden, welche bit 
ſelden alfo gieigfam zwingen, gepreßt über einander zu bleiben. 


— fein, eine Silbe, welde ben Grundmwörtern angehängt wird, um 


daraus Berkleinungswörter zu bilden. Dies gefhieht meift ohne 
alle andere Veränderung des Grundwortes, außer daß a, o uud u 
in &, ö und uͤ bis auf wenige Ausnahmen verwandelt werben, Das 
Ärmtein, Dörflein, Fraͤulein, Gänstein, Köpflein, Büchlein sc, 
In wenigen Fällen blriben biefe Sribfliauter unverändert, nämlich 
wenn das Grundwort ſchon ein zufammengefeptes iſt ober aus mehr 
zern Sliben beftehet. Eben fo bleiben fie unverändert in den aus 
Gigennamen gemadten Berlieinungen, beſonders, wenn fle in man 
den Syreherten —el anflatt — lein befsmmen; ausgenommen Hans, 
woron bad Berlieinungswort Hänslein, Hänfeiein oder Dänfel 
Tautit, Gntiget fih das Wrundiwort auf e und en, fo werden btefe 
Buhftaben bei dir Berfleinung dur fein weggeworfen, z. B. Bäd: 
lein, Fähntein, Häublein, Küdlein ıc., von Bade cher Baden, 
Sahne, Haube, Kuchen, Gntet aber bad Grundwort mit I bei 
einer unbetenten Gilbe, milde bei allen mehrfilbigen Statt findet, 
fo fädt das eine I weg, 4. B. Engelein, Fluͤgelein, Kuͤgelein ıc. 
Werden von einfiibigen auf | endenpen, alfo bironsen Wörtera, mit 
lein Vertleinunzewörter aedılbet, To wird das | bes Grondwortes 
beibebalten, wie in Baͤllein, Gaͤullein, Maͤullein, Stuͤhllein ac, 
welche Woͤrter aber einen unangenehmen Klang baben. 
kleinungswoͤrter auf lein, welche der O. D. Mundart eigen find, 
und wie bie auf — chen am bäufisflen als Nusdrüde der Verttau⸗— 
lichteit und Zaͤrtlichkeit gebraucht werben, zuweilen aud den hırten 
Besriff des Grundwortes, von welchem fie geblidet find, mils 
bern, wie in Naͤrrltein, tu bifk ein kleines Naͤrtlein; eft aber 
auch einen veraͤchtlicen Nebeubegriff haben, wie in Dichterlein, 
Kunſtrichterlein, Koͤniglein ıc., werben in der hoͤhern Schreibari 
als edler ten Verkleinungswoͤrtern auf —chen vorgrisgen. ©. 
— Üben, 
wie bie auf —chen, alle zur britten Gattung bee Wörter, welde 
das Drutewort das zu fih nıhmen, bekommen im zweiten Falle dee 
Eiczabl ein d ans hängt, und lauten In dem erflen Kalle der Mehr: 
zahl wir in der Ginzahl, Im vichen O. D. Segenden wird im ger 
meinn Erben die Gilde — lein In —el zuſamm enqe zogen, und man 
fast Kindel, Buͤchel, Töopel, Tuͤche! ꝛc für Hiadtein, Büchlein, 
Zöpflin, Tuͤchtein ıc 
Ölererilien dam ef oft mo ein d vorgeſezt unbmen faat Hahndel 
oter Haͤhndel, Mandel, Steindel ıc. für Hähnel Maͤnnel, Steis 
nel uny biefe für Haͤhnlain, Männtein, Steintein; oft wird aber 


95 


De Bere— 


Übergens gehören bie Verkleinungswörter auf —lein, fa . 


Endet das Brundwort mit mn, fo wird im 


Leind 


auch von der Gilde lein nur das I angehängt, 3. B. Fingerl, Kid: 
ſterl, Woͤrtel für Ringerlein, Kiöfterlein, Wörtiein,- Diefes 
—el findet fih auch in einigen andern Woͤrtern, meihe die gewoͤhn⸗ 
lihern geworden find, z. B. Ferkel für Kerken ober Ferklein. ©. 
— El. Ja verfhiebenen Gegenden wird bie Bilde — lein noch auf 
andere verſchledene Art verändert, z. B. in ber Schweiz in —li, 
in ber Oberpfalz und um Rürnberg in —la, in Schleſien in —Ir, 
la und ana, im Salzburgſchen in —lah ıc. 4. B. Buͤbli, Buͤblt, 
Buͤdla, Kindang, ZTöppang-ıc. für Buͤblein, Kindiein, Toͤpf⸗ 
lein ıc. 5 

Der Kein, — es, Dn. u. eine bekannte ſehr nupbare Pflanze (Linum 
usitatissimum L,), aus berem zubereiteten, bee hotzichten Thrilt 
beraubten, in feine Fäben derwandelten Stengeln, bem Flächſe, 
Fiben gefponnen und Reinmard und Beuge gemebt werden. Der 
Sibirifche Reim ift Höher und flärder als ber gemeine, hat flumpfe 
Keihe und Kapfeln, und dauert mehrere Jahre, alebt aber gröbere 
Fäden (Linaum perenne L.). ©. auch Dorfchlein und Klanglein, 
Den Lein gäten. Der Kein flehet gut, die, dünn ıc, Davon bie 
Leindiäte, ber Peinftengel ıc. Däufig wird. dieſes Gewaͤchs auf 
Flachs genannt, und umgekehrt wird für Flache, d. h. bie zubeneites 
ten Stengel bes Leines, zumeilen Bein gebraucht; jedoch beides ungenau, 
Slanzend ummwinbet der goldne Lein die tangende Cpinbel, ' 
j ®äiller - 
Belonders aber wird ber Game diefer Pflanze allgemein Lein ober 
Reinfamen genannt, Rein fden, Aus Fein DI ſchlagen. Ehrmapls 
wurden auch be aus dem zubereiteten Stengeln biefer Pflanıe vers 
fertigten Gewebe, befonders Leinwand, Lein genannt, welde Bes 
bentung noch zuweilen vorfömmt, und welche es aud noch in eins 
gen Zufammenfegungen als feinbödig, Leindruder ıc. bepalten hat, 

Und ſammlet in reinlich geglätteten Schrein = 
Die fhimmerhbe Mole, den fhneeiäten Rein. Schiller, 

Der Seinader, —s, 4. —Äder. 1) Ein Ader, Ackerland, wel⸗ 
ches zum Lelnbau tauglich if; ohne Mehrzahl. Kuh Leinboden, 
*) Ein mit Bein befäetes ober gu befdenser Acker. In beiden Bes 
beutungen aus Flachsacker. S. ber Leim. 

Der Leinbau, — es, Bi. u. ber Bau oder Anbau des keines. 

Der Leinbaum, —es, Py. —bäume. 1) S. Kerne. =) Ein Rams 
ber Sirbelnngfirfer (Pinus cembra L.). 

Das Leinbeet, —es, 4. —e, f. Leinfelb. 

Das Leinblatt, — es, 39. —blätter. ı) Ein Blatt ber keinpflanse. 
2) Der Rame eines Pflanzengefsiehtes, beffen meifte Arten Bluͤtter 
Haben, melde denen bed Beinen ähnlich find (Thesium L.); bie 

„Blume beſteht aus einem in fünf ober vier aufgeriätete, fumpfe 
Einfhnitte getheilten Blatte, am welchem vier ober fünf ärgere 
Staubfäden figen und weldes unterwärts ben Fruchtkeim umgiebt, 
deſſen dnner Briffet am Ente einen etmas bien Staubweg hat; 
auch Leinfraut, Bergflachs. Das gemeine Leinblart (Thesium 
Jinophylion L.) wägdft in bärren Gegenden und auf Webirgen. 

Die keinblütfarbe, 0. 3%. die fhöne blaue Farbe ber Lelsbtüte und, 
eine ihr Apnliche Farbe. Davon leinblätfarben ober teinbiätfarbig, 
tie Farbe ber Leindluͤte habend. . 

Der Leinboden, —$, MM. u. 1) Beben, Aderland, mweldes sum 
Seinbau tauglich If; Leinacker. 2) In ben Webereien, eim Beben 
oder Hufiug von Leingarn. 

X Leinboͤdig, adj. u. adv. in den Zeugwebertien, einen Ieinenen Bor 
ben ober Xafıug babenb. 

+ Die Beinbolle, 4. —n, f. Leinknoten. 

Der Leindamaft, — s, 9. —t, rin geblämter leinener Zeug, ber 
nah Art bes feinen Damafles oder Seidendamaſtes gewebt wird. 
Daron ber Leindamaſtweber, ein keinweber, welcher Seindamaft zu 
Aiſchzeug webet. 

Der Leindotter, —s, 9. u. 1) Eine Art bes Dott⸗ra, die unter 
dem Lein als Unkraut waͤchſt (Myagrum sativum L); auch Flachs⸗ 


\ Leind 
detter. =) Dex Schetendetter (Erysimum cheiranthoides L.). 

Der Beindruder, — , 9. al. ein Handwerker, welcher bunte Mus 

fir af Ein ober Leinwand deut; der frinwanberuder. ©. ber Yin. 

Die Leine, By. —n; Br, das Leinchen, ein dünner und Langer 
gänfener ober flädfener Strick zu verſchledenem Gebrauche, wobon 
fle befondere Beriennungen befimmt. Gine &ine bie Wäfhe zum 
trodnen darauf zu hängen, bie Mäfchleine, Zeugleine z die Pferde 
ober Ofen ver bein Magen ober Pfluge damit zu lenken, bie 
Pferdeltine, Adericine, f. auch Kreuzleine; bie Jagdtücher und 
Nethze damit zu befefiigen, die Jagdleine und zwar die Dauptleinen, 
Oberleinen, Unterleinen, Windleinen tc.; bie Zelte bamit zu dei 
feRigen, die Zeit: ober Gezeltleine ıc. Auch ein Eeil, etwas baram 
in bie Höhe zu ziehen, wie auch bad Seil, woran ein Schiff ſtrem⸗ 
auf gezogen wird, wird Leine genannt; im Fränkifgen die Penn, 
im Osnabrödihen Lenge, in Baiern Lail, Auf den Schiffen fagt 
man dafür Lien. 

Leinen, adj. u. adv. von ben aus ben zubereiteten Stengeln bes Eris 
nes ober Flachſes gefponnenen Faͤben gemacht; in Gegenſat bes von 
Wolle und Beide Gemachten. Leinener Zeug, leinenes Garn, lei: 
nene Strümpfe, ober Leinenzeug, Leinengarn, Leinſtruͤmpfe, ge: 
möhnliger Zwirnfträmpfe. Gine leinene Schnur, eine aus Flachs 
gebrehte. Dann, aus Leinwand gemacht. Ein leinenes Gimbe, 
ein leinener Kittel, ein Leinkittel, Ielnene Kleider, Beinkleiber, 
Küher 10. Im gemeinen Beben wird bie Anwachtſilbe er, en 
und ed gewäßniih weggetaſſen und man fagt: (sinen Beug, frinen 
Getaͤth, für leinener Zeug, ltinenes Geraͤth. „Der Priefker ſoll 
fein leinen Rod anziehn.e“ 3 Mof. 6, 10. 

$ Beinen, v. I) ntr. mit haben, im D. D. 1) Sich neigen. =) 
Spauenz aud laͤnen. S. d. @s leinet, es thauet. IT) trs. tharen 
maden. Die Sonne leinet ten Ener, D. Leinen. 

X Das Leinen, —s, 0. 94. Icinenes Garn, wir aud leinentr Zeug, 
Beinwand, umb mas daraus gemedt if, Bilde; in ber gemeinen 
Sorechart ach Linnen. „Fin Kleid, das mit Wolle und Leinen 
virmengt if." 3 Mof. 29,. 19, Das Leinen bleichen, bie 
€:inmwanb. 

Dad Leinengeräth, —es, 9. u. f. beinzeug. 

Der Leinenmeiſter, —d, 9. gl. in einigen Ereflätten, J. B. in 
2äbrl, eine verpfliätete Perſon, welde bie im Orte verfertigten 
Eer;citäher ver ber Verſendung beſtchtiget und mift. 

Dir Leinenſchießer, —s, 3%. gi. beim Malftdfonge, ein Ma: 
tele, welchet bie Seine an dem gewerfenen Hakenſpieße hießen, 
d. b. von ber Rolle fon: ablaufen laͤßt. 

Die Keinenfhraube, Sy. —n, bei ten Hiemeen, zwei metallene 
Chrauben mit Ringen, dutch melde bie Leinen gezogen und mit 
melden ber Kammbedel unter bem Oberblatte bes Hintergeſchirres 
befeftiget wird. 

Das Leinentuch, f. Leintuch. 

Der Leinenwäcter, —6, 3. gl. In ber Schifflahrt auf Prüfen, 
ein Schiſſekaecht, welcher bei dem Bichen eins Eiffes hinter here 
gehet und barauf Acht giebt, daß bie Leine nirgends hangen bleibe. 

Der Einer, —s, DM. gl. die Schnatterente ober Schnarsente (Anas 
strepera L.). 

Das Leinfeld, —es, Di. —er, ein zu Bein beflimmtes ober damit 
befäctes und bewachſenes Feld; das Flachsfelb. Einzelne Beete 
auf dewmſelben, Leinbeete oder Flachsbeete. 

Der Leinfink, —ın, 94. —en, eine Baltung des Sänfiinge. G. 
Haͤnfling. 

Der Leinfiſch, —es, u. —e, ein Name ber Schleihe, wegen ber 
geldfGimmernden und leingrünen Farbe, 

Das Leingarn oder Brinengarn, —es, Di. u. Garn aus deln ober 
Elachs geiponnen. 

Leingrau, adj, u. adr. eine graulige Farbe, wilde aus Bielweiß, 
Lad und etwas Beninerblan entfichet, 





rn — 


Leinw 


keingruͤn, adj. u adr. grün wie bie Farbe bes Lines, hell und zu⸗ 
gleich blaßq · in. 

Das Leinkaff, —s, o. Me ſ. Leinfpreu, 

Der Leinkittel, —s, 99. gi. ein Kittel aus Bein ober keinzand ge⸗ 
madır; der Leinwandkittel. 

Der Leinknoten, —b, 4. ol. die Knoten ober Gamenkapfılm bes 
Leines; auch Flachsknoten, im R. D. Leinbollen. 

Das Leinkraut, —es, 4.0. 1) ©. Flachskraut. =) Kleines 
Leinkraut, ein Name bes Berg: ober KBirfenfiahfes (Linum ca- 
tharticum L.) mit Heinen welßen Elücuchen unb unter einander 
derwachſener Stzubfäben, 3) Eine Art bes Bolbenpaorrs, beffen 
Biitter benen bes eines aͤhnlich find; falſches oder goldenes fein» 
fraut (Chrysosoma linosyris L.). 4) S. Leinblatt »). 

Der Leinkuchen, —#, 3%. gl. bie in viereckige Stüce ober Kuchen 
sufammengepreßten Hülfen deo teinfamens , wilde mad bem Du 
f&tıgen übrig bieiben und ben Kühen, Schweinen ıc. unter bas Zuts 
ter geimengt werben. " 

Der Leinling, —es, 4. —e, der Flacheftak, Btutpänfling (Frin- 
gilla linaria L.). 

Der Leinochſe, —n, 34. —n, derjenige Ochſe, welchte rechter Hanb 
vor dem Pfluge gehet und mit ber Beine gelenkt wird; zum Unter 
ſchlede von dem Handochſen. 

Das Leinoͤl, — s, 9%. u. DI, mweldes aus bem Erinfamen geſchla⸗ 
gem ‚ober geftampft in. Leinoͤl ſchlagen. Speiſen mit Peinöl des 
seiten. Leinbl brennen. Das Lampenlicht mit Leinoͤl unterhalten. 

Der Leinoͤlfirniß, —ſſes, Dig. — ſſe, (MR) Firniß der mit Beindl 
angemacht if. ® 

Der Leinpfad, —eh, 84. —, f. Leinſtraße. 

Der Leinſame, —nd, 4. u. ber Same bes Leinet; au nur ber 
kein, im N. D. Lin, Lienfaat, ungenau auch Flachsſame. 

Die Leinſpreu, o. My. bie Spreu von ben ausgebrofhenen Beinknos 
ten, im R. D. Lienkaff, in ©. S. Leinkaben. 

+X Die Leinſtraße, 9. —n, ein Weg am Ufer ber Ströme für 
diejenigen, welde bie Fahrzeuge auf denſelben an Leinen ober Geis 
len fortziehen ; im D. D. Yeinpfad, verberbt Reimftraße und Leimpfad. 

X Der Leinſtrumpf oder Seinenftrumpf, —es, 2. — ſttuͤmpfe, 
Sttdupfe von keinengarnz gemößnliger Zwirnſtruͤmpfe. 

Das Leintuch, —es, 9. —tuͤcher, ein leinenes Tuch, 3 B. der⸗ 
gleichen Halatuch, Kopftuh, Taſcheatuch. Im weiterer Bedeutung 
ein Auch ober Gewebe von Erin ober Flachs, Beinwand. 

— und gab ike Hemden und Leintuch. GSoͤt he. 

Die Leinwand, Mz. von mehreren Arten und Wengen, jeboch ſelten, 
—e, ein aus leinenen ober flähhfenen geiponnenen Fäden gemadtes 
Wanzb, b. h. Beweise. Grobe, feine Leinwand. Gebleichte, un: 
gebleichte oder rohe Leinwand. Schleſiſche, Boͤhmiſche, Saͤchſiſche, 
Holändifge Leinwand. Hausleinwand, Kaufleinwand. Im meis 
terer Bedeutung wird auch ein Gewebe aus haͤnfenen Faͤden ober 
damit vermiſcht, Leinwand genannt, wo man bann biefe beſtimeter 
binfene, jene Michfene Leinwand nennt. Starkt und derbe ober 
aud grobe Rrinwand nennt man im gemeinen Beben Hlufig auch Tuch. 
S. d. Steife Leinwand ober Steifleinwand, welche mit darı- 
waſſer gefieift if. S. auch Wachsleinwand, Pichleinwand. Im 
D. D. ſagt man dafür Leinwat, Leinwad, im Dsnabrädihen Lem 
wend. Im der Vibel wirb ed auch für leinene Kleidung gebraucht, 
unb lautet ungeröhnlicher Meife auch der Leinwand Marc, 14, 643 
15, 45. Davon die Leinwandjacke, Leinwandhoſen, ber Leinwand⸗ 
tittel ꝛtc., eine Jacke ıc, von Leinwand gemacht. 

keinwanden, adj. u. adv. aus Sıinwond gemacht, leinen. 
wantne Rieiber, 

Die Feinmandmablerei, 94. —en. 1) Die Mahlrrei, das Mabs 
ken auf Eeinmandz; ehae Mebrzahl. 2) Eine Mahlerei, ein Ges 
mäblde auf Erinnand, Bam Unterfhiche von bes Döljmuhlerei, 
Kaltma hletei ıc. 





Lein⸗ 


WLeinw 


+ Der Beinwanbreißer, —, 9. ai. in manchen Gegenben, beſonders 
in Schleſten, ſolcht Krämer, welde bie Freiheit haben, außer ben 
Sahrmärkten Leinwand einzeln auszufgneiden, und welche eine eigne 
Bunft ausmaden.. 

Der Leiuwandsbaum, — s, 4. — bei ben Leinwebern, 
ber zunde Baum vorn om BWeberſtuhle, auf welchen bie fertige 
eeinwand gewidelt wirb. 

Der Leinweber, —s, 2. gl; bie —inn, 94. —en, ein Weser, 
vwelqher Leinwand und andere Irinene Zeuge webet; ber Leinwandweber, 
, Garniorber, im R. D. Linnenmweber; zum Unterfdhiebe von Mol: 
lenmweber, Seibenmweber ıc, 

© Dic Leinwebere ‚=. — en. 1) Die Kunf eriawand und Leis 
menzeuge zur webenz ohne Mehrzahl. Die Leinmweberei erlernen. 
Die Leinweberei treiben.- 2) Eine Anftelt, in weiter Erinenzeuge 
und befonders Srinwanb in Menge gewedt werben (Siinwantmanu- 
Tactur). „Eine Lrinweberri anlegen. Im beiden Bedeutungen auch 
bie Leinwandweberei. „Blaubeuern Hat eine Bleihe uns Leinwand⸗ 
mweberei." Ricolat. (A.) 

Der Leinweberknoten, —6, 2. ol. ein Kaoten, mit weitem bie 
Leinweber einen geriffenen Faden wieber zufammenbinben, bei wels 
Gem die Enden des Jadens Ins Keen; doppelt durch einander ge⸗ 

- fblungen und daun zugejogen werben. 

Der — it, fühle, der Werkſtuhl bes Seine 


Dis — oder Leinenzeug, —es, Di. —e. 1) Ein leinenen 
Seug, ein Zeug aus ben gefponaenen Faͤden bes Flachſes oder Leints 
gemebt. 2) Allerlei aus Leinenzeug, befonders aus Leinwand Ges 
machtes, Wälhe; ols Sammelwort und ohne Mebrzafl. Schönes, 
feines, vieles Beinenzeug haben. Auch Leinengeräth, und in der 
gemeinen Sprechart Linnenzeug, Linnengeräth. 

Der Keinzicher, —s, 9. gl einer der an ber Leine ziehet, beſon ⸗ 
bers ber ein Schiff am ber Brine zliehet ober ziehen hilft. 

Reife, —, —fle, adj. u, adv. ſchwach ober aur wenig ins Gehe 
Tollend; im gemeinen Erben auch ſacht. Leiſe ſprechen, fingen, geis 
gen. Cine leile Stimme. Ein leiſes Fiöfteen. Leiſe gehen, fo 
dap man bie Zritte wenig ober gar midt Hirt. „Jedt ſchlich ich 
leiſe zu ihrem Wett mi hin.« @eßner Leiſe auftreten, aud un: 
eigenttih, mit Beputfamkrir verfahren, dehutſam etmas vorbringen 
und erſt bie Stimmung, Meinung ıc. bes Andern erforſchen, zu ers 
fahren fuchen. Leiſe etwas tbun, ohne Geräufh, fo daß man es 
wenig ober gar nicht hört, Peife bie Thär öffnen, » „Dapib fhnitt 
feife einen Zipfel vom Rode Caufse, ohne Geraͤuſch dabei zu mas 
Gen. ı Bam. 24,5. Das leife Murmeln bes: Bars, „Bern 
von ber leifen Flut.“ Up 
Seraͤuſch ih ergieft. 


ber Starke achtet es 

Gering, bie Seife Duche au verftöpfen, 

Weil er dem Strome mähtig wehren kann. Schiller. m.) 
Mneigenttih, 1) Wäbig einen fehe ſchwachen Eaut zu vernehmen. 
Sehr leiſe hören. Gin leiſes Bebdr haben, Auch nennt man ein 
leifes Ohr ein foldes, das teife hört. „Deimball, deſſen leifes Ohr 

: feibft dem Machen ber kleinſten Pflanze laufät.e Bräter. (®.). Leiſe 
ſqlafen, nicht feſt ſchlafen, fo daß man durch ein Ieifes Beräufh 
gewedt wird. Ginen leiſen Schlaf babın, leife ſchlafen. Im wei⸗ 
terer Bebeutung. Wire leiſe Bedaͤchtlichkeit, bie auf Alles und bas 

- Allergesingfte genau achtet, und bas Beringfir, mas bebenklich iſt, 
bemerkt und fühlt, „Bo Leifer innerer Bebaͤchtlichkeit.“ Bapater. 
2) Einen geringen Grab innerer Stärke habend, und ſich daher we⸗ 
mig äußernd, „Dre anfüngs leife Mißmuth feines Wolkes wurde 
ein Toutes Gemurze.* Meißner. (8) Im O. D. fagt man auf 
leife gebadnes Brot, für weich gebadenes, mas Erine Harte Rinde 
hat, welches man leife, b. d. ohne Seraͤuſch beißen und Fauen ann, 
bagegen bas hart gebadıne Eniftert. 3) O In no weiterer und 


Gampı's Wörterb. 3.25. 


* 


Die ieife Quelle, bie nicht ſtark, ohne 


Leiſte 


mehr dichteriſcher Bebentung für, almaͤhlig, unmerkllch. 
un braͤunen ſich beife die Berren. Boß. 

+X Die Leiſe, Sy. —n, R. D. fo viel als Geltiſe. ©. b. 

Dos Leiſegel, = 2. gi. in ber Schifffahrt, eine Benennung ber 
(malen Segel, wilde man an ben verlängerten Racen wehen läßt, 
um mehr Wind zu faffen; auch Beiſegel, Meff re. 

x Der Leifetreter, —s, D% gl. ein Menſch, der Ieife auftritt, d. h. 
der behutfam verfähet, erſt Auberer Meinung, Stimmung zu eg» 
forſchen ſucht, ehe ex fi äußert, um bei Aabern nit anzuftehen, 
ihnen nicht mißfälig au fein. 

X Der Leifetritt, 6, 4 —t.. 
Leiſetreter. 

O Leibhoͤrig, —er, —ſte, adj. u. adr. ein leiſes Ohr habend, Leife 
hirind, „Das Ohr iſt der Sinn der Furcht, daher leighoͤrige Thiere 
furchtſamer ſiade⸗ J. P. Richter, 

1. Leiſtbar, adj. u. adv, mas geleiſtet werden Tann, was man leiften, 
thun kann. Davon dir Leiſtbarkeit. 

2. * 2eifibar, adj. u. adv. von Pferben gefagt, einen guten Leiſten, 
zegelmäßigen und ſchoͤnen Bau, Wucht habend, ©. ber Leiſten. 
„Mit dreien Knechten und vier guten leiftbaren Pferben.« Wädter. 

Der Leiftvügel, —s, Di. gl. an ben Käflwagen? ein breiter eiſer⸗ 
ner Bügel mit zwei Ringen, in bexen einem bie Leiſte und in bem 
andren die Runge flet, bie Magenleiter bazan zu hängen, au 
bie Wiebe, wenn er bloß aus einer jungen Weide zufammengebrehet if. 

+ Der Leiftbärge, —n, 24. —n, rin Bürge, welder dafür Haftet, 
daß bas Berſprochene geleiftet werbe. 

Die Leifte, - —n; Bw. das Leifihen, D. D. —tein, überhaupt 
ein langer —* verhältnifmäßig binner oder ſchmaltr Körper, in 
Bezug auf einen größern umb breiten, an bem er befeftiget if, 
So nennt man an ben Müftwagen bie Leifte, Stemmleiſte ober 
das Leiſtenholz, ein in Verhältniß mit feiner Sänge dünnes, einem 
Stuͤcke von einer Stange Ähnliches Holz, welches mit feinem untern 
Ende vermittelfi eines daran befindlichen eifernen Ringes, bes Leis 
ſtenringes (Leuchfenringes), binter ber Eünfe dadurch am die Achſe 
bef.figet wirb, daß man den Bing auf biefelbe fhiebt, an feinem 
oben fpig zulaufenden Ende aber gebogen ift, den einen Ring des 
Beilbögels trägt und die Leitern bed Wagens zu tragen bient, bas 
mit nicht die Rungen bie Saft allein zu tragen haben; im Üfterseis 
chiſchen Leuchſe, andermärts Lauſtange. S. auf Sperrleiſte. Be: 
ſonders ein folder ſchmaler Körper, ſofern ex ber Theil eines an— 
bern iſt. Dergleichen find beſonders die Leiſten oder Querleiſten, 
bei ben Tiſchlern und andern Holzarbeltern, ſchmale Holzer, welche 
quer über ein Breit ober mehrere Bretter geleimt ober genagelt 
wird, biefelben zufammensuhalten, ober zu verhindern, daß fie ſich 
nicht werfen. Breite Saͤume, wie auch Ginfaffungen am Klelbern 
nannte man ehemahls und nennt man hier und ba noch Leiſten. @in 
Kleid mit Leiſten verbraͤmen, mit Borten. Bei ben Tuchmachern 
heißt auch ber angefchrotene grobe Rand ober Saum an den Tuͤchern 
noch Leiſte, Sahlleiſte; auch die Anfchrote, das Schrot, Zettel⸗ 
ende; im N. D. Egge, ba man ehemahls in weiterer Bebeutung 
jeben Hand oder Maum eine Leifte nannte, in welcher allgemeinen 
Bebeutung bie gefhliffenen Rinder eines Gpiegeld mit Met no 
Reiften, und die Heinen ſchmalen Flächen, welche um größere Fiä: 
den an Edelſteinen gefhliffen werden, Leiſtchen (Facetten) genannt 
werben Finnen. Bei den Buchdruckern find bie Leiſten, ſchmale 
Stoͤcke ober in Holy geihnittene Bilder, welche Schlufteiften (Final- 
teiften) heißen, wenn fle zum Sebrauch am Ende eines Bades ober 
Abſchnittes befkimmt find. Im engerer Bebeutung 1) lange unb 
(male und ſowol flad als auch xund erhobene Theile ober au 
@täbe an und um einen Körper, befonbers fofern fie bemfelben zur 
Zierde und @infaffung dienen. Die Biber einer Spür mit Yelften 
tin faſſen. Ginen Schrank mit Leiflen verzieren. Taͤfelwerk mit 
Leiſten. In ber Baukunſt führen bie vesfhiebenen Arten biefee 


13 


2) @in leifer Tritt. 2) Dre 


Bayerische 
Staatsbiblioinek 


Märchen 





Leiſte 


Leiften auch verſchiedene Namen, In ber Berglieherungsfunft heißen 
die ſchwachen, ſchmalen und langen Herverragungen an den Knochen 
aud Leiſten oder Linien (Lineac). Dergleichen find bie obere und 
untere halbfreieförmige Leiſte am Pinterhaupttheile (Linea semi- 
eircularis superior et inferior); bie ſchraͤge Leiſte an der hintern 
Flaͤche bes Kinnes (Linea ohliqua interna), Uneigentlih heißt 
bei ten Pferden der erhobene Theil am Hinterfhenfel nah bem 
Baude zu bie Leifte ober ber Leiſt; auch die große Maus oder der 
große Muskel. Wegen einer Ähnlichkeit in Anfehung der umge 
benden Erhöhung wird auch eine Krankheit ber Pferde, wenn bie 
Knorpel am oben Rande ber Feſſel zu Knochen werden, bie Leiſte 
ober der Feift genannt, Wenn ein Pferd dieſe Krankheit befimmt, 
fo fagt man, ihm wachſe der Leiſt. In weiterer Bedeutung hennt 
man im ©. D, hier und da alle harte Schwitlen an Hänben und 
Füßen Leiſten. In der Raturbeſchreibung führt auch bie Mufchels 
münze, eine Porgellanfdnede, ben Namen Leifte, weil ihre Seiten 
wie 2eiften erheben find. =) Lange und [male Vertiefungen und 
vertiefte Einfoffungen an anbern Aödrpern, ebenfalls fofeen fie zur 
Bierbe dienen. Dergleichen find die Hohlleiſten, Keblleiften oder 
Hohlkehlen. Im weiterer Bedeutung nennt man im D. D, bie 
Wagenteife auch Leiflen. In ber Brrglieberungstunft führen bie 
Rinnen, da wo bie Schenkel mit dem Unterleibe aufammenhanger, 
von dem Hüften bis zur Scham, ebenfalla den Namen Leiſten. Bus 
weilen verfteht man darunter au wol bie Weide. 


Der keiften, —6, 3%. gl.; Bw. das Leiſtchen, O. D. —lein, cher 


- 


mahls überhaupt bie Geſtalt, befonbers in Anfehung bes Wadhathus 


mes, der Buche, von welden Bedeutung bei Friſch Beilpiele vors- 


kommen. In engerer Bedeutung, eine vorbildente Geſtalt, ein 
Mufter, eine Form, in welcher Bebeutung es ehemahls aud, mie 
folgende Stelle aus Friſch zeigt, umelgentlih gebraucht wurde: 
„Ein Pfarrer feil ein Bildner und Keift fin zu Erben finen Unter 
thanen.“ Jetzt gebraucht man es nur nod von der vertieften Form 
bei den hoben Öfen, wortin das gefhmelzene Eiſen gelaffen und zur 
Gans arfermt wird, vorzüglich aber von dem nach ber Geſtalt eines 
Menshenfußes gefhnittenen Dolze, beffen ih die Schuſter als einer 
Form bebienen, Schuhe darüber zu machen; ber Schuhleiften. Den 
Schuh über den Leiſten ſchlagen. Sprichw. X Schuſter bleib bei 
beinem Peiften, bleibe bel dem, worauf tu bich verfleheft. Uneigentlich 
fagt man, au von Menſchen, bie fih in allen ober vielen Grüden, 
befonders in ber Denkart [ehe ährlich find, fie feien über Einen 
Leiſten geſchlagen. Alle Leute über Einen Leiten ſchlagen, fie 
Ale auf eine und diefelbe Art behandeln ober behandeln wellen, wor 
für man in der niedrigen Spredast and fagt: fie alle Über Einen 
Kamm ſcheren. 


Leiſten, v. tr. thun, befonters eine äußere Banblung verrichten, 


durch die That wirklich machen. Das Verſprochene leiften, wirllich 
machen, erfüllen. „Der Menſchenfreund beſtrebt ſich nicht nur, Ans 
bern basienige zu leiſten, was das Geſetz buchſtaͤtlich befiehlt, und 
alfo gerecht zu fein» ıc. Gellert. Das. zu Leiſtende leiſten (Prae- 
standa praestiren), das, was man einem zu thun nerbunden, vers 
pflichtet iſt, thun. Minem Hülfe, Schut leiſten. Ginem Befehle 
Folge, ber Obrigkeit Gehorſam, dem Landesherren bie Hulbiguag 
leiften. Die Gewaͤht für etwas, Bürgfhaft, Sicherheit leiſten, 
Börgfhaft, Sicherheit mit ber That geben. In weiterer Bedeutung. 
Wiberftand Leiften, fi thättich wiberfegen, wiberfichen, Einem Ge: 
fetfchaft Teiften, ihn nit allein fein, nit allein etwas thun laffen, 
fondern bei ibm fein, es mit ihm than. Senugthuung leiften, Ger 
augthuung geben, genugthun. Chemahls gebraudte man es auch in 
engerer Bebentung für, ſich ſelbſt als Würge oder Geißel ſtellen. 
Der Bürge fol leiften mit einem Pferde, d. h. er fol ſich ſtetlen, 
die Bürgihaft vollziehen. D. Leiſten. D. —ung, weldes Wort 
chemahls auf für perfönlige Stellung, wenn man ſich verbürgt hatte, 
gebraudht wurbe, 


98 


2. Leiſten, v. tre. 


Leite 


ı) Bei den MWebern, mit einer Leiſte ober Sahl⸗ 
lite derſehen, bie Leiſte an ein Tuch ober einen Beug weben. 2) 
Bei ben Fuheleuten, an bie Leifte hängen. Die Seiten eines Bas 
gens leiften. ©. Leiſte. D. Leiſten. D. —ung. 


Das keiftenband, — es, 4. —bänber, in der Berglicherungstunft, 


ein Band, mweihes vom Aufern Schenkel ber Flechſenhaut bes Auferm 
ſchraͤgen Bauhmustels gebitbet wird, inbem er vom vordern obern 
Darmbeingöder zum Schambeinhöcer gehet (Ligamentum ingui- 
nale Poupartii), 


Die Leiftenbeufe, 4. —n, luſtſtuchtnartige Beulen in ben Leiften 


am Haterleibe bes Menfhen (Bubonen). 


Der Leiftenbruh, —es, 9. —brüde, ein Brud in bemjenigen 


Theile des menſchlichen Beibes, welder die Beifte heipt; der Weichen ⸗ 
bruch (Bubonocele, Hernia inguinalis). S. Leiſte =). 


Die Keiftendrüfe, By. —n, in der Bergliederungstunft, Dräfen in 


ben Leiſten amlinterleibe, welche theils uͤber, thrils unter ber Schen⸗ 
kelbinde Liegen. j 


Das Beifteneifen, —s, 3. al. in ben Witriclfiebereien,, flarfe eis 


ferne Stäbe oder Träger, welche auf noch ſtaͤrkern eifernen Ballen 
liegen und bie Witrloipfannen fragen. 


Der Leiftenhobel, —8, 99. gl. bei den Gollarbeitern, Hobel, aller» 


bei Peiften damit zu verfertigen. 


Der Leiſtenhode, —n, 4. —n, ein Hobe, welder fih zuweilen äber 


ber Beifte in ber Bauchhoͤhle befindet, 


Das Leiſtenholz, —es, Pi. —bölzer. 2) Holz, bad zu allerlei Rei« 


fen vorzüglich brauchbar if; opne Mehrzahl, 2) So viel als Eeifte, 
Gtemmleite an den Ruͤſtwagen. S. Leiſte. 


Der Leiftennagel, —s, 2. —naͤgel, eine Art Mägel, deren man 


zweierlel hatz ganze keiſtennaͤgel, bie 17, 30M und halbe, bie ı Bol 
lang babei breit find und einen längliden Kopf haben. 


® Der Leiſtenſchein, —ed, 29. —e, fo viel als Schnittfhein 


(Coupon), E. 


Der Leiſtenſchneider, —#, MM. gl. ein unzänftiger Handwerker, wels 


Ger bie keiſten für die Schuſter ſchneidet ober verfertiget, 


©. ber 
Leiſten. 


O Der Leiſtenvers, —es, Mz. —e, ſolche Verſe, bei welchen bie 


Anfangs: auch wol bie Endbuchſtaben zufammengelefen eutweder eis 
nen Namen bilbeten ober ſonſt irgend einen Sinn ausbrudten, welche 
Buchſtaben alſo als etwas Welentliches das Übrige wie Leiſten ein— 
ſchloſſen; eine ehemahls gewöhnlide und beliebte Spielerei (Acro- 
stichon), ELudius. 


Das Leiſtenwerk, —es, Di. u. bie faͤmmtlichen zur Verzierung ober 


Ginfaffung einer Bade angebrachten Leiſten. 


„Vergoldetes Leiſten⸗ 
wert. J. P. Ridter 


Die Leiftlinie, 9. —n, f. Biefttien. 
Der Leitarm, —e#, 


—e, im Werpbane, ein Städ Holz ober 
eine Stemme, welche bie Runflflange an einem Böpel, ber nicht ſenk⸗ 
recht nieberfhiebet, aleikfam Leiter, d. b. von ber Wand abhält, daß 
fie niht am Seſteine anfcteife. 


O Die Leitbahn, =. —ın, eine Bahn, bie zu einem Ziele leitet, 


„Schöne Leitbahn, ibn vorm Bäfen, vorm Riedrigen jeder Thierart 
zu bewahren® ı. Derber, 


Das Leitband, — es, 9. — baͤnde, breite Bänder, an welden man 


Heine Kinder, die laufen lernen, leitet; das Kührband, Gängel: 
band, ber Laufzaum, in Sachfen auch der Kinderzaum, in Wirn 
Meisband. „Und biefe Maͤßigung hat fe als Keitband vor dem 
Einfen bewahret," Herder, 


Die Leitbleihe, 9. —n, bei ben Fildern, bie Benennung mancher 


Bleiben vom vorzüglich Helen und glänzenden Farben, welche beſtaͤn⸗ 


big von eine Menge gemeineg Bleiben begleitet werden, bie fie gleich: 
fom leiten, \ 


+ Die Leite, 2. —n, die fanft abhängige Seite eines Berges oder 


Dhgeis; ein befonders im O. D. gebrͤuchlichee Wort, wo ch auch 


Reite 


wol bie Reiten Tautet; die Buſchleite, eime ſolche mit Buſchholz ber 
wachſene Seite; bie Hageltite, Holzleite, Watdleite, wenn fie mit 
hohfäimmigem Hotze bewachſen ift; die Sommerleite, Winterleite, 
wenn fie gegen Mittag ober Norben liegt, Im weiterer Bebeutung 
fahrt ein ſauft abhängiger Berg ober Hügel zumeilen ſelbſt ben Ra: 
men einer Leite, S. Lehne. ine andere Bıbeutung hat es Ned 
im Brinfifgen, wo eine Lanbgrenze Landleite heißt. Aumellen laus 
tet dies Wort auch Lite, 
9: +Die Leite, h. —n, in manden Gegenden, ein langes nicht fehe 
weites Faß mit einer großen Öffnung, anflatt bes Spunbes, Hilde 
darin zu verführen, ‚bir Bielnteauben vom Weinberge barin ‚nad 
Haufe zu ſchaffen ıc.; im D. D. bie Laite, in Franken die Legte. 
Leiten, v. trau chemapls als intra, für gehen gewöhnlidh; jeht aut 
noch als trs. für, auf eine beſtimmte Art geben machen, bie Richtung 
bes Ganges (in eigentlicher und uneigentliher Bebeutung) beflimmen, 
und zwar mit Hinficht auf das Ziel und den Zweck der Bewegung, oft 
aud mit bem Mebendegriffe, daß man ben Gefaheen babei ausweis 
Gen unb bie Schwierigkeiten überwinden lehre. Ginen Blinden [eir 
ten, Gin Kind am Bängelbande leiten. Einen Hund, einen 
Ddfen am Stricke leiten. Ginen auf den zeiten Weg leiten, 
ihn auf ben reiten Meg führen. Ginen auf bem rechten Mege lei⸗ 
ten, auf bem rechten Wege mit ihm fein, und bewirken, baf ex von 
demfelben wit abweiche ober auf bemfelden ſtrauchele ıc. Leite 
mich auf rechter Bahn.“ Pf, a7, 11. Bumwellen auch als intrs, 

Trich fie (bie Ofen) an und hielt fie zuräd; fie leitete Uüglich. 

Göthe 

In weiterer Bebeutung. Einen Fluß um bie Gtabt, durch die Stadt 
leiten, ihn um ober durch bie Stadt fliegen maden, indem ifm ein 
Bette —*8 ober angewiefen wird. Im mehr uneigentliher Bes 
deutung fagt man: einen zum Guten leiten ober anleiten; ſich in 
feinen Entfliefungen und Unternehmungen von Anbern leiten Iafı 
fen. »SEr leitet einen Jeden mit feinem Rath und (feiner) Beleh⸗ 
zung, unb lenkt ben Millen eines Jeden nad) feinen Abſichten.“ @be r⸗ 
barb. „Ber fid nicht von der Wernunft leiten läßt, ber läuft Bes 
fh daß * feine Leidenſchaften ins Verderben führen.“ Ungen. 
Moͤcht! auch bier 

Du Sites Quell, allfehenb, allgenägenb, 

Durch jeden. Irrgang unferm Fußtritt leiten. Efhenburg. 
S. auch Ableiten, Herleiten. In ber Raturlehre iſt ein leiten⸗ 


der Körper ein ſolcher, welcher ben Biisficff ober and bie Wärme , 


nad einer gewiffen Mihtung verbeeitet und andern Körpern mit 
- heilt. S. Leiter. Im weiterer Bebeutung gebrauchte man es cher 
mahls auch für geleiten und begleiten. Ginen Reifenden leiten, D. 
Zeiten. D. —ung. 

Der Leiter, —s, ip. gl.; die —inn, By. —en, eine Perfon, melde 
eine andere leitet; eigentlih und uneigentlid, „Und vermiffeft dich 
zu fein eim Leiter ber Blinden.“ Röm. a, 19. „Die Leiter biefes 
Bolls find Werführer, umb bie fi leiten Iaffen, find verloren.“ 
Eſ. 9 16. 

Der weiſe Karl empfängt und ehret ihn 

Als feinen alten Freund, ben Leiter feiner Jugend. Alringer. 
„Die Vernunft, bie Keiterinn auf bem Wege bes Ebend.* Ungen. 
(R.). „Der Reiter aus der Irre,* vom Faden ber Arlabne. Klop⸗ 
Rod. In weiterer uneigemtliher Bebeutung, ein Körper, ein 
Werkzeug, einen andern Körper zu leiten, oder feine Richtung, feine 
Bewegung zu beſtimmen. Wo ift in ber Schifffahrt der Leiter ein 
Zau, an welchem ein Klüver, wenn er nit unmittelbar an einem 
Stay führt, aufgehißt umb wieder geſtrichen wird. S. Auch werten 
die am bie KAußenfriten des Schiffes angepaßten unb über den Berg: 
hölzern-eingefhnittenen ſtarken Leiften vom Ragholze an bis unter 
ben Baflenfpiegel, welche ben Planfen zum Schutz bienen, menn 
Böte x, aus und eingefegt werden, Leiter genannt; au feſte 
Schlitten, Bei ven Bortenwirkern find die Reiter zwei im dem 


99 


Reite 


hintern Beßtelle des Werkſtuhles mit dem großen unterflen Geſtell⸗ 
gleich, Lanfende Ertten, melde mit ben Rollen, worauf ber Anfhineif 
ber Borten ober Bänber geſpuit tft, beflet find. In der Ratıe 
Ichre nennt man Leiter ober leitende Körper ſolche, welche 1) bdrm 
Bligfoff ohne großen Widerſtand darch ihre eigne Moffe verbreiten. 
ueb im andere Körper, mit welchen fie in Verbindung ſtehen, überge: 
hen laffen; ber Blitzſt offleiter, Biigfeusrleiter (Conduetores elec- 
tricitatis, Corpora conducentia s, anekectrica, syinperieleetri- 
ca). Die Leiter, welde ben Bligfloff Tehe Leit annehmen unb Fe 
in einem Augenblide über bie ganze Oberflähe Hinführen, halten 
ihn eine Beittang in fih, wenn fie mit mit Taster Nichtleitern ums 
geben (isolirt, verinfelt) ind, baher fie bei der Anhäufung und Mits 
theilung bes Blitzſtoffes vorzüglich brauchbar fird. Aus dieſem Brun: 
be wirb mit jeden Blihfeuergeräthe mwenigfiens ein von andern Bei: 
tern entfernter ober mit Nictleiteen umgebener Eeiter verbunden, 
welder\erfber Leiter oder Dauptleiter heift (Condueter principa- 
lis). Ein folder erfler Leiter, in unb am welchem man Blitzſtoffe 
im Dunkeln fiätbar macht, beißt ein leuchtender Leiter (Conduetor 
lucens), Die beften Leiter find Metalle, Erze, Kohlen, flüſſtge Rör: 
per, Luft und Öle ausgenommen, Eis bis zu einem gewiffen Költe 
geabe, Schnee, bie meiften Salze te. Solche Körper heißen au 
vollkommene Leiter, zum Unterfhiebe von ben unvollflümmenen 
oder ſchlechten Leitern, Hafbleitern, welhe den Bligftoff mit Schwie 
zigleit annehmen und leiten oder verbreiten, wohin teodemes nicht 
arbörrtes Holz, trockene und zeine Marmer- und Xlabafterplatten, 
Eifenbein, Gchreibleber; Papier ıc. gehören (Conductores electri- 
eitatis deterioris eonditionis). S. aud Nichtleiter. =) Eolde 
Körper, welche bie Mihrmetheilden ſchneller duch fi durchlaſſen 
als andere, ober bie in kuͤrzerer Beit bei gleicher Oberflaͤche durch eis 
nerlei Wärmeftrom von einezlei Staͤrke zu einer gleichen Anzahl vom 
Graben erhigt werben; Leiter des Waͤrmeſtoffes. Deriemige Kir: 
per, welcher bie Abkühlung eines erhiäten in ihm eingefhleffenen 
Körpers fihneller zuläßt, wird ein befferer Reiter ober Wärmeleis 
ter genannt, ale berjenige, welcher biefe Abkühlung Iangfamer ober 
in längerer Beit zulaͤßt. Im gemeinen Leben nennt man ſchlechte 
Leiter für die Wärme, als, Federn, Wolle, Haare, Pelzwerk, war: 
me und mwarmbaltende Körper. 

Die Leiter, 9. —n; Bo. bag Leiterchen, O. D. —lein, ein be 
kanates Werkyeng, weldes aus zwei geraten gleichlaufenden Ratten 
beftehet, bie durch gleihmweit von einander abſtehende wagerechte runde 
ober breite Hoͤlzer, welche Sproffen heißen, mit einander verdunben 
find, auf welden Sproſſen als auf Stufen man in die Höhe fleiget. 
Die Leiter anlegen, an bie Wand ec. um hinaufjufleigen. Cinem 
Diebe die Yeiter halten, ſowol rigentlih, als aud Überhaupt und uns 
eigentti, wenn babei feine Reiter gebraucht morben ift, ibm zu feis 
nem Diebſtahle bebäfftih fein. Ginen Wal mit Leitern erfteigen, 
vermittelſt angelegter Leitern. &, Feuerleiter. Sturmleiter, Baums 
feiter, Gartenteiter, Buͤcherleiter, Stridieiter ıc. Im Bergbaut 
nennt man bie Beitern Kahrten. Im weiterer Bedeutung führen ben 
Ramen Leitern auch andere ihnen an Geſtalt ähnlihe Dinge und 
Berkjeuge, wenn fie aud nit dienen, barauf in bie Höhe zu fieis 
gen. Dergleihen find bie Leiter in ben Kellern, ober bie Schrot⸗ 
leiter, zwei ſtarke runbe gleichlaufende Bäume, welche oben und uns 
ten, bäufig aud im ber Mitte buch Querhoͤlzer in einer gewiſſen 
Weite von einander verbunden find, umb welche bienen, volle Faͤf⸗ 
fer darauf in ben Keller unb aus bem Keller zu fhieben, gleichſam 
hinab» und hinauffteigen zu mahen; bie Leitern an ben Bauerwagen 
und Möftwagen, melde ber Länge nıh auf den Achſen Iiegen und 
fid an die Rungen ober Stemmieiften lehnen, und welche bie Dinge, 
bie man auf ben Wagen ladet, zwiſchen fih halten; ferner bie Leis 
ter in ben Marterfammern, ein Martergeroͤth, auf welchem ein 
Betbrechetr mit hinterwärts gebundenen Hänten ausgeſpaunt wird, 
um von ihm eim Beftändniß zu erzwingen. Iu ben Maͤhlen iſt die 


. Reite 


100 


Leitt 





Leiter datjenige Geruͤſt, in welchem ber Rumpf flehet, und am wel 
qem and die Winde befindlih if, Megen einer entfernten Ähnlich: 
Feit mennen die Jäger einfade fpiegeliht ober viereckig geſtrickte 
Garne aud Leitern. S. Laufleiter. Uneigentlich ſpricht man auch 
von einer Leiter der Weſen ıc. und verſteht barunter bie abgeftufte 
Folge berfelben, ba immer eind das andere an Vellkemmenheit übers 
trifft und eins übre dem andern gleihfam wie auf den Eproffen eis 
ner Beiter flehend erhaben if. In einem andern Verſtande nennt 
man bie geraden neben ber Röhre eines Waͤrme ⸗, Schwermeſſers ıc. 
in bie Höhe laufenden Linien, bie durch gleich weit von einander ab: 
ſtehende Querſtrichelchen in Beine Theile oter Grabe abgetheilt find, 
eine Leiter, weil bie in ber Glatröhre befindliche Mläffigkeit neben 
derfeiben bei Beränderungen ber Luft ıc. entweber in bie Höhe fleigt 
oder hinabfält, und eine Anzahl diefer Grade, ber Spreſſen dieſer 
Leiter gleihfam hinauf» oder herabſteigt; die Gradleiter (Scala). 

Der Leiterbaum, —es, 34. —bäume, die flarken und geraden Höls 
ser ober Bäume einer Leiter, in weiche bie Sproſſen eingezapft find, 
und welche eigentlich bie La tragen; die Peiterflange, 

Die Leiterfproffe, 3%. —n, die Sproſſen oter Querhoͤlzer einer eis 
ter, auf welche man tritt. 

Die Leiterfiange, 39. —n, f. Leiterbaum. 

Die keitertonne, Da. —n, bei den Kuͤrſchnern, eine mit langen HI: 
zernen Nägeln verſehene Zonne, welche zwiſchen zwei Bäumen obre 
Bohlen, bie mit einer Leiter Ähnlichkelt haben, aufgehängt ift, bie 
Belle darin mit heißem Sande zu trocknen. 

Der Leiterwagen, —s, Di. gl. ein gemeiner mit Leitern an den 
Seiten verfehener Wagen; ein Puffiwagen. ; 

Der Leitfaden, —s, 3. — faͤben, ein Baden, jemand ober etwas 
bazan zu leiten. Dan gebraudt es meift unelgentlih für etwas, 
bas in einer Sache leitet, b. h. den rechten ober beften Weg ein Biel 
zu erreihen etc. anzeigt und vorzeichnet. Beſonders pflegt man eine 
Anleitung zu einer Wiffenfhaft oder Kunſt, wie auch eine Schrift, 
welche dieſelbe enthält, mit biefem Ramen zu belegen. Ginem einen 
keitfaden an oder in die Hand geben, ihm Anleitung zu etwas ges 
ben. Leitfaden in der Geſchichte. Kurzer Leitfaden beim unterricht 
in ber Größenichre. . 

Das Keitfeuer, .— 8, Wh. gl. ein nad einer beffimmten Richtung 
laufendes ober dahin geleitetes Feuer, etwas an bem beflimmten 
Orte dabıreh anjuzünden. S. Lauffeuer. 

Der Leitfifh, —es, 24. —e, ein Fiſch im Atlantiſchen und Mittels 
laͤndiſchen Meere, beffen Fleiſch zart und ſchmackhaft ift (Gadus mi- 
nutus L,); auch Zwergdotſch, Jaͤgerfiſch. 

O Der Leitgeſang, —es, 94. —geſaͤnge, ein mehrſtimmiger einfa⸗ 
der Belang, bei welchem ber erſte Saͤnger allein anfängt und bie 
andern, bie ihm nachſingen, indem fie einer nad dem anbern am Ende 
eines Sapes einfallen, gleihfam leitet (Canon). Roth. 

Der keitgraben, —s, 99. —gräben, im Bafferbaue, ein Graben, durch 
welchen bas Waffer von einem Orte und nad} einem anbern geleitet wird. 

Der Beitbammel, —s, 94. — himmel, in den Schaͤfereien, ein ab» 
gerichteter, gewoͤhnlich mit einer Slocke verfehenee Hammel, welder 
vor der Herde gebet, dem Beihen, welches ihm der Schäfer ſelbſt 
ober durch ben Hunb giebt, fogleich Folge und bie ganze Herbe, wels 
Se daffelbe thut, was fie ihn thum fieht, leitet; im R. D. ber Bell: 
bammel. Umeigentli und in Scherz, ein Anführer, oder aud nur 
einer, beffen Borgange man folgt. „Da ift das Beiſpiel, biefee mo: 
zalifhe Peithammel (diefer Leithammel im Gitttihen); es könnte 
eine Panazee (ein Allpeir) fein, und wird allmädtiges Geelenmiodma« 
Anftetegift der Scerle). Benzel-Sternau. 

+ Das keithaar, —eB, 0.9. die Flacheſeide (Cuscuta enropaeaL.). 

Das Leitholz, —es, 4. —bölzer, ein amden Seiten eines Hobeis 
befeftigies Holy, welches verhindert, baf bes Hobel, wenn man eine 
Ruth oder einen Balz ausſtoßen will, nicht aus feiner rechten Kids 


tung weicht; das Richtholz. 


Der Leithund, —es, y.—e; bie —huͤndinn, Ry. —en, ein Jagb⸗ 
hund, welchen ber Jaͤger am Haͤngeſeile Hält, und welcher das Wild durch 
die Fährte ausforfht und beflätiget und ben Jäger gleichſam zu bems 
feiben leitet. Die Tiger geben einem folden Hunde gewoͤhnlich ben 
Eigennamen Waldmann, ber Hündinn aber Waldinn und Hela. 

Der Leitkaſten, —s, 39. gl. bei den Minengräbern, eine hölyerne 
Rinne, in welcher die Zündwurft Liegt, um fie vor Feuchtigkeit und 
vor bem Berbräden oben Bertreten zu bewahren. 

Das Leitmittel, —®, 9%. gl. ein Mittel, jemand zu Ieiten, zu el⸗ 
nem beflimmten Biele zu beingen. Dann, ein Mittel, eine Sache, 
deren man fid; bedient, zu etwas zu leiten (Vehikel). S. Gele: 
genheitömittel, 

Der Leitnagel, —s, 94. —nägel, im Bergbaue, ein Nagel in bem 
Hunde, weicher fid) unten zwiſchen bem zwei vorbern Rägeln befindet 
und den Hund gleichfam leitet, daß er nit von bem Geſtaͤnge cher 
ber Epur abweichet. z * 

Der Leitriemen, —s, 24. gl. ein Riemen, 
befonbers Hunde und Pferbe, 

Die Leitröhre, oder Leitungsröhre, By. —n, eine Röhre, durch 
welche etwas von einem Orte zum anbern geleitet wird; beſonders 
bei Warfferleitungen. j 

Das Leitfeil, —s, . —e: 1) Ein Geil, die Pferde vor bem 
Wagen bamit zu leiten ober zu Tenken; das Lenkſeil. Uneigentlich 
fagt man auch wol, einen am Keitfeile haben ober führen, ihn nach 
feinem Gefallen leiten, Ienten, b. h. handeln laffen. =) Datjenige 
Seil an ben Segeln, womit fie beim Aufziehen geleitet oder in Orb» 
nung gebracht werben; das Leittau. 

Die Leitfeite, 0. My. die rechte Seite am ber Deichſel eines Wagens, 
weil das Pfirb an dieſer Geite mit ber Leine geleitet wird; in Ger 
genfag der Sattelfeite. 

Die Leitfchbirn, 9. —en, eine Art guter Badbirmen. Remnid. 

Der Leitsmann, f. Geleitämann. 

Der eitftempel, —s, 9. gl. im Bergbaue, an den Kunſt und 
Gtredengeftängen, welcher das Felbgefänge bei Krümmen vermitteift 
zweier Arme, die nah Beſchaffenheit der Kruͤmme eingerichtet find, 
aleihfam leitet; der Waſſerſtempel. 

Der Leitftern, —ed, 34. —e, ein Stern, fofern er Reifenden, beſon⸗ 
bers Shiffenden, zum Merkmahl und zur Beflimmung ber Riditung 
ihres Weges dient, fle alfo gleihfam leitet. Dazu diente dem Alten 
befonders das Bmillingsgefiien Kaſtor und Pollux. Mit größerem 
Rechte aber verdlent biefen Namen ber Nord: ober Polftern, welder 
ihm aud) fon lange führt. Auch umeigentli., Aber mein Beitflern 
bush Lehen war fie (die kiebe) bisher miht, Benzel⸗Sternau. 

Manches Irrliht falſcher Sorgen 
Wird uns morgen 
Schon ein fihrer Leitfterm fein. Hofmannswalbem. 

O Die keitftimme, 9. —n, bie einen Gefang leitende Stimme. 
Uneigentlih, eine leitende, ben zehten Weg zeigende Stimme, Ans 
tige, „Die Stimme des Borks ift oft eine Leitffimme für ben Bor: 
fher.- Abbe, . 

O Der Eeitflrang, —es, 9. —fränge, ein Strang, ſofern er 
dient, etwas baran zu leiten. In ber Berglieberungsfunft ift der 
keitfirang ber Hoden (Gubernaculum) ein &trang von Bellgemes 
be, welcher den Hoden, wein er ſich no in der Bauchhoͤhle befindet, 
gleihfam nad dem Hobenfade leitet. 

Das Leittau, —es, Bi. —e, in der Schifffahrt, ein Tau, welches 
von dem Focſtage bis an den Fuß des Wugfprietes gehet, und dem 
Bootsleuten bienet, wenn fie etwas an ber Blinde und Bugſpriets⸗ 
flange zu thun haben. &. audi keitſeil. 

O Der Leitton, —es, M. —töne, ein Ton, welcher eine Empfin 
dung gleihfam leitet, d. d. mittbeitt, verbreitet, gleichſam ein Leiter 
für dieſelbe iſt. „Beufzer find Peittöne konbergirender (ih anneis 
gender) Herzen.“ I. P. Richt er. ” 


etwas baran zu Iriten, 


Leitu 


+ Das Leltuch, —ıB, Bi. —tüher, ſo diek als Leilafen ober Vetttuch. 

O Die Leitungsfäbigkeit, Ip. u. in der Naturlehre, die Fähigkeit 
d. 5. bie Gigenihuft eines Körpers, vermdge welcher er den Blitz⸗ 
foff leitet, ober vermöge welder er ein Leiter if. S. Reiter, Bil 
bert. Derſelde gebraudt bäfür auch Leitungsdermoͤgen. 

© Die Leitungsregel, 29. —n, eine leitende, auf die @inleitung 
ber Bandblungen und bed Betragens rinwirkende Regel. „Die Aufı 
führung und Gtudien- (wifferfhaftlihe Befhäftigungen) der Juͤng⸗ 
Tinge find ſchicklichen Leitungsregein unterworfen,“ Greif d. 
Journ. (R.). 

Die Leitungsroͤhre, f. Leitroͤhre. 

O Das keitungsftäd, —es, 4. —r, basjenige Etä oder Zube: 
hör bei einem Biigfeuergeräth, welches ben Leiter abgiebt. Geift 

„ »b Ionen, S. eiter. 2 
O Das keitungsvermögen, —s, 9. u. ſ. Leitungsfähigkeit. 

Der keitwagen, —s, 29. gl. in ber Schifffahrt, eine arte, runde, 
etwas gebogene Etange, melde Hinten quer über das Schiff von Bord 
zu Borb gehet 'unb an welchtr bie Schote des Wefanfegels ober be# 
Bickfegels beim Wenden des Schiffes von dem einen Borde nad tem 
andern überläuft, ©. Auch Leiwagen, Leumagen. Der Leimagen 
bes Ruders ift ein wie ein Kreiabogen geflaltetes, unter bem zwei⸗ 
ten Det beſeſtigtes Stuͤck Hols, welches bas Gewicht ber Ruberpinne 
trägt, und worauf fi ber Traͤger und bie Ruberpinne ſelbſt drehet, 
wenn man ſteuert. Möbing. 

O Der Leitzaum, —es, 4. — zaͤume, ein Baum, ein Thler baran 
au leiten. unelgentlich, ein Mittel Antere zu leiten, ihre Handlun ⸗ 
gen zu beſtimmen. — nun wirb der kehrer den Leitzaum weg ⸗ 
werten.“ ungen. (R) 

© Das Reitzeihen, —6, 2. gl. in ber Tonkunſt, ein Beiden om 
Ende einer Rotenzeile, woburd bie naͤchſtfolgende Note ober Moten 
der nähften Zeile In voraus angebeutet werben, bamit man biefe 
fon vorher wife, und bas fortlaufende Epiel im geringflen nicht 
unterbroden werde (Custos, Mostra, Guidon). Meihbarbt. 

Dad Leitzeug, —et, 4. —e, in ber Raturlehre und Scheidekunſt, 
ein Körper, durch welchen man einem Dinge einen antern- Körper 
zufuͤhrt, ober gemwiffe Theile von bemfelben abfonbert (Menstraum, 
Vehicuium). „Das Maffer ift das allgemeine Leitzeug dir zur Nah: 
zung und zum MWahsthum nöthigen Beſtandtheile.“ Ab, 

+ Lemmern, v. trs, im Osnabsädfhen, hemmen, verhindern. D. 
Bemmern. = 

Der Lemming, —eb, Di. —e, ein zum Geſchlecht der Mäufe mit 
turzen Shmwänzen ober ohne Schwänze (Marmota) gehöriges Thier, 
mit zugefpiätem Kopfe und gefpaltener Oberlippe, ſchwarz, meiß 
unb gelblich gefledt und faft jo groß wie «ine Watte (Marmota 
ober Mus lemmus L.); fie leben im adrdlichen Europa, befanders 
in Rorwegen und Schweden, 

+—Len, eine Endfilbe on vielen Ausſagewoͤrtern, melde in mehr 
seen Begenden, 3. B. In Heſſen, anflatt — elen ober zufammens 
grjogen und gewößnlider — en, uͤblich iſt » B. ſattlen. 
fammien, wimmlen ic. anflatt ſatteln, ſtammeln, twins 
mein ıc, 

Die Lende, 394. —n; Bw. das Lendchen, derjenige Theil des Kör⸗ 
pers zunähft Hinter und unter dem Häftknodhen. Ein Schwert um 
bie Lenden gürfen, „Um bie Lenden geaürtet fein.“ a Mof. ı2, 11. 
Ya gewöhnliher Bedeutung verftcht man barunter bie Hüfte, ber 
fonders ben Schenkel. Ein Thier ſchleppt bie enden nah, wenn 
«4 am obern Itelle ber Dinterfüge lahm iſt. 

enden, v. trs. f. Landen II} 3). 

Die Lendenader, 4. —n, in ber Berglicherungttunft,, die Abern, 
weiche über bie Lenden Bintaufen, und melde fowmoi Bendenfhlags 
adern (Arterine Inmbares) find, bie zur Beite aus der arofen 
Berzader Pommen, eiuın Mädenzweig geben, unt fi gewöͤtenlich an 
jeder Seite, fünf en der Zahl, in bie Schenkel bes Zwerchnus kels 





ı01 


gend 


und. die Bauchmuskeln verteilen; als auch Lenbenblutabern (Ve- 
nae lumbares), melde bad Blut aus biefen Begenten zurädführen 
und mit ben Lendenſchlagabern gleihläufig find, . 

Die Lendenblutader, 4. —n, f. Lendenader. 

Der Eendenbraten, —6, 3. al. die langen und ſchmalen Gtüde, 
Fleiſch, welde inwendig am Mädgrathe bes geſchlachteten Biehes über 
ben Hüften and Nieren, in ber Begenb ber Lenden ausgeihnitten werben 
und einen guten Braten abgeben; gewöhnlich, weniaftens Im N. D. 
ber Moͤr⸗ (Mürbe:) braten; auch, der Lungenbraten, vom Echmeis 
ne, Hirfhe und Hafen der Jungferbraten,. vom Pirkhe auch bas 
Jaͤgerſtuͤck. Bei dem geſchlachteten Rindviehe verſteht man baruns 
tee ben unterm Theil des Rädgrathes mit bem baran befindlichen 
Fltiſche. 

Die Lendengegend, WM. u. in ber Zerglieberungslunft, bie Gegend 
bes Unterleibes hinter ben Weiden auf beiten Beiten (Megio 
lumbaris). 

Der Lendengries, —es, 0. 34. Brie ober grobem Sande Ähnlide 
Körper, welche in ber Gegend bey Eruden, beſonders ber Nieren im 
ben thierifhen Korpern entflehen; Nierengries. 

Der Lendenknochen, —s, We. gl. bei Cinigen ein Name des Hüfte 
Inodend. - 

Der Lendenknoten, —s, 3. gl. im ber Berglieberungstunft, Rers 
venknoten, welche ber Mitteibungsnerve bildet, indem er buch dem 
Zenbentheit des Zwerchmuskels in die Bauhähle fleigt und welde aus 
ben Senbennerven Aweige erhalten (Ganglia lumbaria). 

Die Lendenfranfbeit, 3. u. ein Rame ber fegenannten Englifden 
Krankheit; weil fie auch bie Lenden oder Böften angreift. 

Das Lendenfraut, —ed, P%. u. eine Art ber Srindwurzel, ober bei 
denen, weiche diefe mit dem Ampfer verrinigew, des Ampfers, wel« 
der an Gräben unb Hecken waͤchſt, lange herzförmige, fpibige, zus 
weilen am Rande eingelerbte Blätter hat und teren am Ende der 
Aſte befindliche Wlumenmwirtel weit aus elmanter fliehen und untere 
fih oft Heine Blätter Haben (Lapathum acntum, Rumez aeutusL.); 
auch Bardenwutzel, Pferdeampfer, milder Rhabarber, fpiger 
Mangold, Mangelmurz, Streifwurz, Hungerkraut, Halbpferd ac. 
S. Grindwurzel. 

Lendenlahm, adj. u, adv, in der Segtud ber Lenden lahm, vor Len⸗ 
denfähmerzin unvermögenb zu gehen, obre bad aur vermägenb zu 
Hinten; Huͤftenlahm. uncigentlich, träge, faul, zur Arbeit, wie 
zum Sehen unlaflig unb ungefdidt. 

Der Lendenmuskel, —s, 4. —n, in ber Zergliederungstunft, die 
Muskeln in ber Gegend der Lenden (Musculi lamdares). Der 
vieredige Lendenmustel (Musculus quedratus Jumborum), einte 
ber Baudmuelein, geht an bie Qurzfortfäge ber vier obern Bauch⸗ 
wirtel und ben untern Rand ber legten Rippe. Der große runde 
Lendenmuskel (M. psons major) geht untre bem Poupartiſchen 
Bande durch an ten Heinen Routäger und beugt ben Dberihegkel, 
Der Meine runde Kendenmuskel (M. psoas minor) geht ald eine 
Flechſenhaut theils über dem vorigen, theils über ben äußern ‚Hüfte 
beintohmuskrl und unterftägt bie Wirkung des vorigen. 

Die Kendenmusfelmand, Bi. — waͤnde, in ber Besglicherungskunft, 
die Benennung eines ber innern Geiten der Bauchhöhle (Paries 
lumbaris). 

Der Eendennerve, —n, 99. —n, in der Berglieberungtunft, fünf 
von den Rüdenmarkinerven, melde unter andern aud dem vierecki⸗ 
gen und runden Benbenmuskel und den Bauchmuskeln Bmeige gebrn 
(Nervi lumbares). - 

Die Lendenfhlagader, 8. —n, f. Lendenader. 

Der Lendenſchmerz, —rs, 9. —ım, ein Schmerz ober Chmrym 
in den Eenbenmurteln:; das Lendenweh (Lumbago). 

Der Eendenflein, —ed, 9. —e, eim harter Körper, weiber in bee 
Gegend der Lenben in thieriſchen Körpern zumeilen entfehet. © 
Risrenfiiim. 


Lend 


Der Eendentbeil, td, 94. —e, In ber Bergtieberungstunft , bie 
Benennung besjenigen Thelles bes Zwerchmuskels, welcher mit vier 

Schenkeln auf jeber Stite von den drei oberſten Bauchwirbeln 
mmt (Pars lumbaris). 

Das Lendenweh, —es, a. u. fo viel ald Lendenſchmerz ; zuweilen 
aud) fo viel ale Huͤftweh. 

Der Lendenwirbel, —s, Big. gl. bie fünf Wirbelbeine des Rüdgras 
thes in der Begenb bee Lenden. 

- X Eene, —ne, —n, ein verkuͤrzter Weibertöufname, welcher vollſtuͤn⸗ 
dig Helene lautet; im ber Berfleinungsform, melde gewoͤhnlicher 
ift, Lenchen. 

Der Leng, — s, 3. —e, ein Name bes Länglinges ober ber Länge, 
eines Fiſches. 

Der Lengfiſch, —e8,94.—e, friſcher ober noch ungebörzter Stockfiſch. 

O Lenkbar, —ır, — ſte, adj. u. adv. fi Ienfen laſſend, bas gelentt 
werben Bann; eigentlih und uneigentlid. 

— — doch falla bu lenkbates Herzens 
Ble ibſt. Voß. 
Davon bie Lenkbarkeit. 

Lenken, v.trs. eigentlich, wie es fheint, biegen, nad biefer ober jener 
Seite bewegen, richten, womit bie jegt gewöhnliche Bedeutung, bie Rich⸗ 
tung ber Bewegung eines Abrpers nad dieſer ober jemer Seite buch 
einen Eindruck, den man auf benfelben madht, befiimmen mit bem 
Aebenbegriffe daß ein beſtimmter Zweck dahurch erreicht, einem Hins 
derniffe ausgewichen, ein vorgefettes Biel erreicht werbe ıc., genau 
sulammenbängt. Mas Pferd lenken. Den Wagen lenken. Bom 
Wege, aus bem Berge lenken. Ginen Rabn, ein Schiff lenken, ibm 
vermitteift der Ruder ober des Steuerzubers bie in jedem Falle erfor 
derliche zechte Mihtung zu geben. Sich reits, linke lenken, feine 
Bewegung nad der reiten, linken Geite hin richten. „Bott befahl 
ihnen im Zraum, daß fie fi nicht follten wieder zu Hrrobes lenken.“ 
Mattb, a, ı2, Unmeigentlih, einer BWeränberung in ber tobten 
unb beichten Natur eine beffimmte Richtung geben, ober fie auf eine 
dem Bwede engemeffene Art vor ſich gehen laſſen, wobel das Senken 
de immer als eine höhere und erleuchtete Kraft, bas Gelenkte meift 
als eine thätige, aber blinde Kraft, vorausgefegt wird. „Die ge: 
üdtere Vernunft und Grfahrung ber Alten ſucht bie Kinder zum 
@uten zu lenken, indem fie ihrer Neigung zum Böfen entgegenar⸗ 
beitet, und fie hindert, ber Richtung zu folgen, bie ihre Kriebe und 
Beidenfhaften ihrem Willen geben." Eberhard, Einen nad felr 
nem Willen lenken. Gott lenfet bie Herzen ber Menfhen. X Der 
Menfc denkt's, Gott lenkt's. Gott ordnet und lenket bie Eid: 
fale der Menſchen. 

Ir lenket ja bie mannihfachen Triebe 
Der Herzen. IR. Bär. 
ine Sache nad feinem Plane lenken. Das Gefpräd auf etwas 
UAnberes lenken. Giwas Böfes zum Buten lenken, eine folde Meihe 
der Folgen veranflaltm, daß aus etwas Bbſem zuletzt Entes erfolge. 
So auch, ſich lenken, feinem Willen und feinen Handlungen ic, eine 
gewiffe Richtung geben. Er lenkt fih nun zum Guten. 
Rah ber Neigung biefer Mutter (Natur) 
Lenkt ſich mein gefegter Geil. Sünther. (M.) 
In weiterer uneigentlier Bedeutung koͤmmt fich leuken fowol von 
unbelebten und unbeweglichen Körpern vor, für, eine gewiffe Rid: 
tung nehmen, ſich nach einer gewiſſen Nihtung hinziehen: „Daferbft 
lenket fie (bie Grenze) fih herum gegen dem (dem) Kufgang ıc. 
Joſ. 16, 6; als aud von unförperliden Dingen, für, feine Riqh⸗ 
tung nehmen, ſich richten. 

— Ihn muß fie fehn, 

Wohin ſich ipre Beide lenken, Mielanb. 
Man vergleiche Leiten. D. Lenken. D. —ung. 

Der Lenker, —e, 9}. 91; die —inn, I. —en, eine Perſon, wel: 

de etwas leutet. Gin Lenker ber Pferde, Wagen, ein Pferbelens 


102 


Renz 


fer, Wagenlenker. Im weiterer Bedeutung, ein Oberer, ein Berr⸗ 
ſcher, welder bas Ganze nah feinem Willen lenket. „Oft müflen 
bie arofen Lenker auch viel wagen, viel leiben.“ Gerber Beſon⸗ 
ders wird es vom göttlihen Weſen gebraucht, welches ber bödfte 
ober oberſte Lenker, der Lenker ber menſchlichen Schickſale ıc. ger 
nannt wird, „Der allgerehte Lenker unfrer Tage.“ Schiller. 
Uneigentii, ein Werkzeug, weldes etwas Tenkıt, Go beißt in ten 
Saͤgemuͤhlen, bie hölzerne Stange, welde unten am Cägegatter befes 
Ele! ik und das Gatter famt ber Cäge auf: unb abbemegt, ber 
enket. 

O Der Lenkfaden, —s, 34. —faͤben, ein Faden, vermitteift deſſen 
man etwas lentt; eigentlich und uneigentlih, „Ihr Lenkfaden ik 
von unverwuͤſtlichem Bolberabte.* Benzel-Sternau, 

A Das Lenkgezaͤum, —es, Mg. —e, ein Gezaͤum, d. $. bie der⸗ 
THiedbenen zufammengehödrenden Ziume, ein Thler damit zu lenken. 

Ihr fehte Iris fih zur Sit’ und nahm 
Das Lenkgezaͤum, und ſchwung bie Peitſch' empor. Bürger. (R-) 

Der Lenkriemen, —s, 29. gl. ein Riemen, ein Pferd ober andres 
Zhier bamit zu lenken. 

Lenkſam, —er, —fte, adj. u. adr. ſich leiht und gern lenken af: 
fend; eigenttih und uneigentlid. in lenkſames Pferd, Gin 
lenkſamer Menſch. Gin lenkſames Herz baden. Davon die Lenk: 
famteit. 

Der Lenkſchaͤmel, —s, 3%. af. am Worbertheiie eines gemeinen 
Magens, ein auf dem Rungſtocke liegendbes und bewegliches Holz, in 
welchem bie Rungen fteiten und welches bas Lenken ober Wenden 
des Wagens erleihiert, dee Wendefhämet. 

Das Lenkſcheit, —es, ig. —e, bei ben Stellmachern, bas lange 
Dolz am Langwagen ober ter Langmwelle, welches durch bat Border: 
und Hintergeſtelle des Wagens geht, beibe mit einander verbindet 
und zum Lenten bes Magens nötbig iſt. 

Das Lenkfeil, —es, 4. —e, ein Seil etwas bamit zu Ienfen, be⸗ 
fonbers Pferde und andere Thiert. Auch uneigentlid. 

Dies iſt das Lenkſeil jegt, das meinen Prachtruinen 

Mit Übermuth vorbei bie Neunerlobten führt, Thämmel. 
In der Baukunſt, ein Geil, welches an bas Enbe eines Bimmerhot: 
zes angebunden ift und mit weichem baffeibe beim Aufziehen fo ge. 
lenkt wird, daß es nirgends anftößt ober bangen Bleibt. 

Der Lenkzaum, —es, Pr. — zaͤume, ein zu Lenken bienenber Baum; 
zum Unterſchiede von denjenigen, womit man ein Thies ans un 
zurüdhäft. 

Die Eenne, Bi. —n, f. ru. 2. Leene. 

Die Lennlofe, By. —n, eine Sorte Girnen. Nemnid. 

Lenore, —nd, —n, ein Weibertaufname, auch Eleonore, in ber Ber: 
Heinungsfoem, Lorchen. 

+ Lenz, adj. u. adv, im R. D. aufgelöfet, ſchwach, matt; eine un 
eigentlihe Bebeutung von leinen oder Lünen b. d. aufthauen, movon 
len; — 

— du haſt zuleht 
Dig vögig len; unb leer gefhwäßt. Soltau. 

A Der Lenz, —es, . —e. 2) Der Frühling. Wahrſcheinlich 

wie bas vorige Wort auch von leinen ober länen, 

So ſchoͤn kann nie 

Die Flur im Lenze prangen. Weiße, 
Im O. D. lautet ber zweite Fal des Lenzen, ber dritte bem Ben: 
gen. »Wie eine fhöne Roſe im engen.“ Sir. 50, 83. Bildlich 
nennt man in ber dichteriſchen Schreibart bie Jugend den Lenz bes 
Bebens. Dod Thraͤnen gab ber Furze Lenz mir nur, Ungen. 
2) + Im Fraͤnkiſchen die Sommerfset, und zwar entweder Hafer 
allein, ober Hafer und Gerſte. Reinwalb. 

4 Daß Lenzalter, —s, 0. 34. bas Yugendatter. J. P. Richter 

Die Eenzblume, 9. —n. ı) Eine im Lenze ober Prüblinge wach⸗ 
ſende ober blühende Blume, bie Frühlingsblume. 2) Der Name 


Lenz 


eines Seſchtechte von Pflanzen, deren vöhrenfdemige Blumen zwei 
kurze Gtaubfäben, zwei Etaubbeatel und einen Griffel mit einem 
einfahen Staubwege haben (Eranthemum L.); Erbblume, bei 
Planer Menderie. 
Benyen, v. ntr, mit haben. 1) o So viel als feinen (S. 1, feinen), 
auftbauen, lau werden ; dann, bifhenb werben. 
— mo auf bie Webe nur kochende Tropfen entfanten 
Lenzt das Brfild’, und Blumen und Kruͤuterchen Ä fi froͤtz⸗ 
id. Boß. 
‘ 2) In ber Schifffahrt, in einem föweren Sturme aus Noth nor bem 
Winte ablaufen. S. Bei Röbing lautet bies Wort lenſſen. 


A Das Lenzfeſt, —es, 9. —e, ein Felt, welches im Lenze ges 


feiert wird, wie auch, ein Feſt, mit weldem ber @intritt bes Len⸗ 
zes gefeiert wird. Sonnenberg. 

& Die Lenzflur, 9. —eın. 13) Die Flur im Lenze, zur Beit bes 
Fröhlings, wo a mit En Grün, feifhen Blumen ıc. gefhmädt 
iſt. ber 

Kntact bie Renzflur. — 8: 
2) + Im Fraͤnkiſchen, eine Klar, ein Felb auf Era Sommers 
feöchte fehen; Lenzenflur. &, Lenz 2). 

& Dad Lensgefilde, —s, 3. sl. ein Gefilde zur Beit des Lenzes 
ober Frühlings, wo es mit friſchem Grün, frifhen Blumen ic, pranget. 

im bunten Lenzgefilde. A. Mirow. (R.) 

A Das Lenzgruͤn, o. umend. oder —es, o. 2. bas Grün bes 
Lenzes, d. b. ſewol bie grüne Farbe ber Pflängen im Sonze, als auch 
biefe Pflanzen, befonbers Sras ſelbſt. 

Schneeig befhdumt von murmelndem Quell, ber 
Silbern ſich 908 in bie Rofen und Beilden unb liebliches Lenz⸗ 


gruͤn. Sonnenberg. 

Eenziſch, adj. u. adr. f. kenzlich. 

O Lenzlich, adj. u. adv. dem Lenze gemäß, wie im Lenze, zum Senje 
achörend. „Das lenzliche Anfchen ber Natur.“ Wollte Gleim 
gebrauhte dafür lenziſch, weiches Hart if: 

Singend wuͤnſch' ih auch, o Freund, 
Lenziſches Bergnügen. 

I Der Lerzmoönat, —es, 2. —e, der dritte Monat bes Jahres, 
in welchem ber Lenz ober Frühling feinen Anfang nimmt, ber Fruͤh ⸗ 
lingsmonat. 

& Der Lenzſchmuck, —es, o. 3%. ber Schmuck bes Lenzes, ber 
Schmud, d. h. bie Schönheit, Friſche ıc. ber Natur in kenzt. 

und au’ in braͤutlichem Lenzſchmuck. Gonnenberg. 

A Der Lenstag, —es, . —e, tin Tag im enge, ein Früt⸗ 
an 


—  fanftes Gefühl 


Das wie des Lenztags Brühe Sehen fänfeite, — Ro pflod, 


& Das Lenztbal, —es, 39. —thäler, ein Thal mit ben Reigen 


bes Lenzes geſchmuͤckt. 
Gr wird geſchmuͤcktt mit Mirtenkronen 
In biefem Lenzthal ewig wohnen. 3.%. Schleget. 
& Die Lenzzeit, ip. u. bie Zeit des kenges, ber Ban, Frühling. 
Wenn nun sur Lenzzeit in Geftränden 
Ein Kor von Radtigallen fhlägt. J. A. Schlegel. 

Der Leopard, —ın, 4. —en, ein in Afrifa einheimiſches Naub⸗ 
thier etwas größer als bie Unze und viel Heiner als der Panther 
(Felis leopardus L,). Er wird etwa vier Fuß lang, tft nah dem 
Rüden unb den Seiten fahlgelb, am Bauche weißlich, dat ſchwarze 
"Zledten, bie gewöhnlich fo beifammen flehen; daß fie aleihfam Ringe 
ober. Rofen bilden. Sein Fell liefert ein Pofibares Pelzwerk. Da 
er mit bem Panther gleiche Bitten bat, fo wird ber Panther von 
Einigen damit vermengt und auch Beoparb genannt. Duven das 
Leopardenfell, die Leoparbenhaut ıc., bas Kell, bie Haut eines 
Seoparden, uneigentlich, von dem Flecken wird eine ſchoͤne aus Dft- 
indien Fommende Mrontute, eine Abart bes Marmorhornes, Leopatd 


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Lerch 


genannt (Conus marmoratus L.). Durch Verwandlung bes 6 in u 
Leupard würbe dies Wert um vieles Deutſcher. 

Leopold, —s, —en, ein Dannstaufname; derkleint im gemeinen Le⸗ 
ben Polbden, in Bairen Poitel, im R. D. Lippelt. 

Das Keopoldsftüd, —et, 4. —e, eine Öfterreihifhe Münze, 
mweldye ber Erzherzog &ropold Wilhelm auf 10 Kreuzer audprägen 
lieh, bie jest aber ſehr felten ift und = Br. 5 Pf. gilt 

1. Die Lerche, By. —n, ein Voͤzelgeſchlecht, deffen Kennzeichen ein 
gexaber, walzenförmiger, fpigig zulaufender Schnabel, glei, lange, 
an bie Wurzel klaffende Kinnlabden, und eine Hinterfcalie bie Ins 
ger als die Zehe ik, find (Alauda L.). Die bekannteſte und nüßs 
lichſte Gattung ift bie Acker ober Feldlerche, Sanglerche (Alauda 
arvensis L.), melde gewöhnlich nur die Lerche ſchlechthin genannt 
wird. ©. Feldlerche. Zur Beit, wenn die Lerchen ſtreichen, d. h. 
wenn fie im Fräblinge zu uns kommen ober uns im Herbſte verlafs 
fen. Lerchen fireihen, fie mit Regen fangen. Leipziger Lerchen. 
S. auch Bergierhe, Doppelleche, Haubenterche, Heidelerche, 
Miefenlerche ze, uneigentlich wird biefes Wort in den zufammenges 
fegten Ramen mander Fiſche gebrauht, ald Meer: oder Serlerche, 
Schleimlerche. Ehemahls fagte man Bardale für Lerche. „Was 
“ bie jegt für einen Diskant fingt, mie eine Barbale, Wädter 

2, Die Lerche, 9. —n, f. Lerchenbaum. 

Die erchenammer, u. —n, die Schnetammer. 

Der Lerchenbaum, —ıd, 99. —bäume, eine Gattung Bäume, 
welche jur erſten Familie dee Radelhoͤlzer, die nämlich die Nadeln 
in Buͤſcheln trägt, gehört (Pinus larix L.). Die Büſchel ſtehen 
rund um bie Zweige herum und fallen gegen den Winter ab, Die 
Bapfen, Lerchenzapfen, find eirund, gelbröthtih, riechen angenchm 
und fihen aufrecht am gebogenen Stielen. Gein Buchs iſt gerade 
wie ber ber Tanne, doch nicht fo hoch, die Rinde it bi, brauncoth 
und ziffig, bie Äſte bangen ein wenig nad) ber Grbe; er Licht bes 
ſonders Falte gebirgige Gegenden und einen trodenen, fanbigen ober 
tiefigen Boden. Gr heißt auch, Lerche, Leerbaum, Lächaum, Litr⸗ 
baum, Loͤhrbaum, Letchbaum, VNertanne Brechtanne, Roth⸗ 
kaum, Schoͤnbaum x. 

Die gerchenblume, 4. —n, ein Name der Chläffelblume. 

Der Lerchenfalt, —en, 39. —en. ı) Eine Art Heiner Fallen mit 
blauem Schnabel, graugelben Füfen und kurzen Flügeln, mit wel 
Gem man Lerchen, Wachteln und Rebhühner jagt (Falco aesalon 
L.). Andere belegen mit biefem Namen =) ten Baumfallen ober 
bie Weißbacke (Falco subbuteo L.); 5) ben Bleifalken, einen bem 
Federvieh ſehr fhädlihen Vogel (Falco pygargus L.); aud) Pers 
chengeier, Halbweihe, aſchgrauer ober weißgrauer Geier. 

Der Lerchenfang, —es, By. u, 1) Der Fang ober bas Fangen ber 
erehen; das Kerchenflreichen, wenn es vermittelft eines Barnes 
ober Netzes geſchieht. =) Die Zeit, in welcher bie Lerchen gewoͤhn⸗ 
lich und am beflenıgefangen werben. 

Der Lerchenfaͤnger, —s, 5%. gi. einer ber Seren fängt. Beſon⸗ 
bers belegt man mit diefem Namen eine Aet Meiner Sperber, wel 
che nur auf Heine Böger ſtoͤßt; der Schmerl, Sprinz. 

Der Eerchenfint, —ın, 39. —ın, ein zu demjenigen Geſchlechte 
der Bögel, zu welchem ber Fink gehört, gehörender Bogel (Frin- 
gilla lapponica), 

Das Lerhengarn, —ed, Bi. —e, rin Garn ober Netz, In weldem 
man Lerchen fängt; bat "Terchennep. Das Nachtgarn oder Nachts 
eb und das Klebegarn ober Tagenetz find Abarten dadon. 

Der Lerchengeier, —s, 39. gl. |. Lerchenfalk 3). 

Der Lerhengefang, —es, 3. u. der Gefang der Lerche. 

Unter Lerchengefange 
Gtreuten wir munter bie Soaten. Herber. 

Dad Lerchenharz, —es, 2. u. das röthlihe, ziemllch durchſichtige 
Harz des Berhenbaumes ; in Wallis Laͤrtſchine. 

Die Lerchenhaube, Dig. —n, ein. kleines baubenfärmiges Reg am 


0 Rech - 


‚einer Stange, bie Lerchen, welche ih vor dem Ballen baden, bar 

. mit zu bebedfen und zu fangen. 

* Lerchenherd, —as, Dig. —, rin Bogelperd, Lerchen darauf zu 
fang en. 

8 Die Lerchenheuſchrecke, 9. —n, ber Rame einer Art Berhen 
(Alauda obscura). Remnid. 

Das Lerchenholz, —es, Di. u. bad weißräthtihe, braumgeäderte, 
feine und ſehr zaͤhe Holz ber Lerche oder tes Lerchenbaumes, welches 
beſenders zu Maſten and zum Bauen gebraucht wied. 

Das Lerchenkaͤuzchen, —6, 9%. gl. rin Rame ber kleinen Eule oter 
des Beinen Kauzes (Strix passerina L.); auch, Todteneule, Leis 
chenenle ıc. . 

Die Lerchenflaue, 94. —n, eigentlich, die Klaue ober der Kup einer 
berchez dann, ein Kame bes Mitterfpoenes, wegen ber Khnlichteit 
ber Blume mit der Klaue ober Hinterkealle ber Lerche. 

O Das Lerchenlied, —es, Di. —er, bas Eird, d. d. bee Befang, 
bas Bingen ber Berde. Engelharfen, Menſchendank, 

Lerchenlied und Sphärenklang 
milde Ah zu deinem Rahme! Meißner 

Das Lerchennetz, —es, 2. —e, ſ. Yerhengarn. 

Die Lerchenpfeife, 34. —n, eine Pfeife, die Leeden buch den Ton 
berfelben anjuloden, 

Die Lerchenſchnepfe, 3. —n, eine Art Meiner Schnepfen (Scolo- 
pax pygmsen), Remnid, 

Der Lerchenſchwamm, —es, 34. — ſchwaͤmme, ein ſchwarzer oder 
auch weißiiher und gelblicher Schwamm, bes ungeſtielt, unterwürts 
mit qrlöiichen Stöhren verſehen iſt, aus kurzen und dicken Lappen 
beftehet und an den alten Stämmen der Eerhenbäume wählt (Aya- 
zieus offieinalis). Der weiße wird als ein gelinde abführentes 
zeinigendes Mittel gerühmt. * 

Der Lerchenſperber, —s, M. al. bei Finigen bie Benennung des 

Zhurmfallen, 

Der Lerchenſpiegel, —s, 9 gi. bei den Bogelftellern, ein Tänglidhe 
zunbes Geräty auf einer Walze mit mehrern größeren und kieinern 
Spiegeln, bie Seren, melde wenn fie fi barim erbliden herbel⸗ 
fliegen, zu beröden und zu fangen, 

Der kerchenfpieh, —ıs, 94. —e, Heine Spieße, b. d. dünne, fpigige 
Stäbchen von Holz ober Metal, an welche man bie getöbtelen und 
gerupften Lerchen ſtekt, um fie zum Berkauf herumzutragen ober 
daran zu bratın; ber Vogelſpieß. 

Dir Lerhenflößer, —6, 24. gl. ber Sperber, weil er auf Seren 
ftöst, 

Das Lerhenftreiben, —6, 0. 94. 1) Das Streichtn ober Ziehen 
der kerchen im Früblinge und Herbfle. =) Das Fangen ber Lerchen 
mit Rıpen. In beiben Bedeutungen aud ber Lerchenſtrich. 

Der Lerchenſtrich, —es, By. —e, f. Letchenſtreichen. 

Der Lerchenwagen, —é, 9%. gl. ein gewoͤhnlich grün angeftrichener 
Wagen, die beim kerchenſtreichen gefangenen kerchen darauf nah 
Haufe zu fahren. 

Der Berchenzapfen, —, 34. gl. die Samenzapfen bes Lerchenbau⸗ 
mei. ©. Kerhentaum. 

Die Eernbegierde, o. M. bie Begierde, das große Verlangen etwas 
gu lernen; wofür Gebile aud bie Lernbegier gebrauchte. (R.) 
Lernbegierig, —er, —fle, adj. u. adv, (R.) Lerubeglerde abend und 

jeigend. — die lernbegier'ge Richte. Bürbde, 

A Der Lerneifer, —$, e. 9 ber Eifer im Lernen, ber Eifer, bie 
geofe Begierde, welche man zeigt, um etwas zu lernen, 

Lernen, v. intrs. u, trs, Begriffe, Kenntniffe, Erfahrungen umb Fer: 
tigkeiten, bie man neh niht hatte, durch Anwendung ber Gerlens 
und Kirpeefräfte fih verfhoffen und zu eigen maden; mwobel man 
gewöh lich eime Perfon, melde Anleitung dazu giebt, ober Ichret, 
vorausfegt. Won einem Anderen etwas fernen, durch beffen Unter: 
richt ober auch Beiſpiel. 


104 


Lern 


fondern Lehrer dazu zu haben, Etwas auswendig lernen, etwas 
durch Öftezes Duschlefen und Wiederholen im Gebachtalſſe zu bepal- 
ten ſachen. Ginem Kinde etzas zu fernen aufgeben, rtwas, das 
es feinem Grbächtaiffe entweder wörtiid over blod dem Sinne nah 
einprägen fol, Gin Handweack, eine Kan, eine Wiſſenſchaft Iirnem. 
Eine Eprade lernen. Der Begerftand des Leckens wird häufig auch 
bush vie unbeffimmte Bocm eines Aus[agimertis angegeben, Spre⸗ 
ea, ſchreiben, Iefen, fingen, zeichnen, tungen lernen. Bei einem 
Meiſter lernen, ein Handwerk, eine Kunft. Ws hat etwas gelernt, er 
hat ih mögliche Kenntniffe, Fertigkriten zu elgen gemadt, X Gtwas 
Reätes, aud mol, Nehtjigaffenes geirent haben. Grine Kiuber ete 
was jernen laffen, ihnen Belegenbeir, d. h. Unterricht ıc. vetrſchaf⸗ 
fen, Fb viele nützliche uud angenehine Kınntaife und Bertigkeiten 
temerien zu Finnen. Gr bat nidts gelerut, Kat ſich Feine aützliche 
Kenatniffe 10. erworben, Im meiterer Beduutung ſagt man aud, 
man ann niemahle aufhören zu lecnen, es findet ih immer noch 
Wicles, was man mit weiß, ober nit recht weiß, und beffen Kennt» 
ais man fi verfhaffen muß ober folte, Dan muß lernen, fo lange 
man lebt. „Leraet von mir, denn ich bin fanftmäthig." Matth. 
21,29. @twas burd Übung, durch bie Erfahrung lernen. Man 
lerne aus Anderer Schaden fiug werden. Einen Eennen fernen, mit 
ihm bekannt werben und burd; Umgang mit ihm feine Cigenfhaften 
erfahien, eatdecden. „So lernt’ ih mich mit Wenigem beguägen,* 
Getilert, Durch eignes Beiden lernte fie 

Beim Beiden Anderer zerfließen. Gotter. 
X Das if bald gelermt, bas lernt man ball. X Das lernt ſich 
nit fo Ieiht, das kann man nicht fo leiht fernen, „Was man 
nicht kann, das lernt fh, wenn man nur Luft hat." Weife. — 
Sinn lernen mit einem Ausfageworte in bee undefimmten Form 
verbunten ift, kann es In den zufammengefehten Zeiten, wie die Tiörs 
ter bäsfen, heißen, heifen, hören, ſehen, lehren ıc., aud unneräns 
dert bleſben und man kann fagen: eh id habe ſchreiben lernen; ich 
habe ihn Eennen lernen, „Mer die Natur einer jeben Sache hat fen 
nen, und die Beisheit, Kunft und Macht, die fih in allen natärlichen 
Dingen zeiget, bemerken lernen,“ Gellertz allein gemöhnlier 
und beſſer fagt man in ſolchen Zilen grierut, 1. B. „Sie haben die 
Unſchuld unfree Liebe kennen gelernt.* Gronegf. uariqhtig wird 
lernen häufig gefeat, wo lehten flehen follte. S. Lehren. „Ib will 
euch lernen, was ibe thun fol, a Moſ. 4, 15, wofuͤr in ben beſ⸗ 
fern Ausgaben ſchon lehren ftchet, „Lernen (lehren) Sie mir nur 
bie Siebe erſt konnen." Gellert. Einen Lehrdurfgen lernen (leh⸗ 
zen), bei den Hanbwerlern, ihm das Haubwerk beibringen, unb ibn 
zu diefem Zweck unterrihten und anführen. D. Lernen. D. 
— ung, in ben Iufammenfrgungen, 


O Das Lernfach, —es, 4. —füher, ein Fach bes Wiffens ober 


der Runft, in welchem man ſich buch Anwendung feiner Kräfte, Bes 
greife, Kınntaiffe, Fertigkeiten zu verfhaffen fat (Stadium), «Die 
meiften Lernfaͤchet, welche hierauf Ki feinen ihnen troden, - 
unfeuchtbar, verähtlih zu fein. 


* Der Lernfleiß, — ed, 0. Mm. ec Fleiß, welchen man etwas zu 


erlernen anwendet (Application, Studium), „Am meiften hüte 
dich vor ber Verſchwendung beiner Zeit, befonbers berjenigen, bie 
du bem Pernfleiße widmen fol.“ E. Das Wort kimmt ſchon bei 
Stieler vor, 


O Das Lerngebäude, —s, 3%. gl, ein Gebäude für Lernende, in 


welchem Lehranſtalten find; und uneigentlih, ein grorbnetes Ganzes 
von Gegenfländen bes Lernens, für Errmenbe, „Die Fibel) biefer 
dergolbete Thürgeiff an allen Univerfitäts» und Echrs und Lernges 
bäuden.“ 3. P. Riäter. 


O Die Eerntraft, 99. u. die Kraft, bie Fähigkeit zum Lernen. „Das 


gewöhnliche verkehrte Verfahten giebt bem Rinde Irere Worte, befefliget 
Irethum und Falſchheit, und Iädmt ale Lernkraft." Sch warj. (A.) 


Etwas von feibft lernen, ohne einen bs O Der Lernlauf, f. Lehrlanf. 


Lernl 


* Die Lernluſt, 0. 9%. die Luft, Meigung etwas gu lernen. Stieler. 
. Unter ben Reuera hat es Gedike gebraudt, (M.) j 
O Lernluſtig, —er, —ſte, adj. u. adr. Errniuft habend und zeigend, 
Bottw. Müller. (f.) j 
Das Bernmittel, —t, 39. gi, ein Mittel, deffen man ſich beim Errs 
nen bebient, buch deſſen Anwendung bas Lernen exleihtert ober auf 
erſt mözlih wird. 
Die Lexrnordnung, 24. —en, bie Ordnung in ober nach welchet 
man etwas lernıt, Gtieler 
%* Lernſam, —er, —fle, adj. u. adv. gern unb leicht lernend. 
Stieler. in fernfamer Raabe. Davon bie Lernſamkeit. 
O Der Lernſtoff, —ı6, 94. —e, ber Stoff, d. h. Alles, was ein 
Grgenfland bes Lernens if ober fein kann. Man lerne noch fo fleißig 
ein ganzes langes kLeben hindurch, es twird ſich immer mod neuer 
zeihtiher Lernſtoff finden. Man kann bafde auch Lerngegenſtaͤnde 
fager. a 
® Dis Lernſtuͤck, —es, 4. —e, ein Stac, d. h. eine Bade, 
welche man tinem zu lernen, beſonbere auswendig zu lernen, aufs 
giebt, 3. B. Berie, eine Etele aus einem Buche, ein Kieb ıc. 
(Lection), Beſteht tas Aufgegebene in Wörtern, fo können biefe 
Lernmwörter (Vocabeln) genannt werten, und ficht man tabei bes 
fonders auf eine befkimmte Zahl bes au Lernenden, fo kann man Lern: 
zahl dafür fagen. 6. Beine Letnwoͤrter, feine Lernzahl konnen. 
Die Lernfiunde, 2%. —n, eine Stunde, welche zum Lernen beffiimmt 
iſt und in welcher man lernt; zum Unterfhiebe von der Erholungs: 
Runde ıc. „Die Sabbarhbämmerung feiner Schöpfungefiunde war 
fon ſeine fetigfte Lernflunde vorm Wunde und Antlig (ce) Gottes.“ 
Herder. 
® Das Lernwort, —es, 9. — woͤrter, ſ. Lernſtuͤc. 
SDie Lernzahl, o. 3. f. Lernwort. 
Die Lernzeit, Di. —en, diejenige Brit, in welher man lernt, ober 


—er, —ſte, adj. u adv, eine ſolcht Seſchaffenheit dar 
benb, daß man es Iefen Fan, ſowol in Anfehung der Deutlich» 
keit der Schriftzüge, als auch in Anſthung ber Verſtaͤndlichkeit, 
Sittlichtelt ıc. bes Inhaltz. Dieſe Urkunden, dieſe Inſchriften 
And nicht mehr ledbar, Der Brief ift gar nicht lesbar. Ich will 
den — loben, ber ihn als verdächtig anfpriht, oder auch bie Papier: 
fSnigel ohne meine Hülfe in ein lesbares Ganze (Banzes) zuſam ⸗ 
menfept." Thuͤmmel. Diefe Schrift ift wegen bee barin aufgefkell, 
ten gefaͤhrlichen Brundfäge für junge Leute gar nicht lesbar, Da: 
non bie Lesbarkeit. ’ 

Die Leſe, 4.—n. 1) Die Handlung, da man etwas aufliefet, zuſammen ⸗ 
liefet ; ohne Mebzzapt. Befonders in Bufammenfenungen, die Ährentefe, 
Obſtleſe, Weinleſe welche au Leſe ſchlechthin genannt wird, Nach ⸗ 
leſe ıc, =) Bas man aufgelefen ober zuſammengeltſen bat. So nennt 
man im Kastenipiel einen Stich, melden man made, eine Lıfe, 
weil man beim Ginnehmen beffelben die einzelnen Kartenblätter zus 
fommenliefet. In engerer Bebeutung aber heißt in gemwiffen Gpielen, 
wo man nach jebem Stiche ein Blatt von den übrig gebliebenen Kars 
ten abhebt, bir ganze Folge ber Stihe von denjenigen Karten, bie 
man nad bem letgten Abheben in ber Hand Hat, bie Leſe, ſofern fie 
alle ber Cine Spieler macht. Die Leſe haben, tiefe lehten Stiche 
aKein belommen, In engerer Bedeutung bezeichntt Lefe, eine Samm ⸗ 
Tung bes Borzäglihern feiner Art, S. Blumenleſe. 

O Die kefebegier oder Yefegier, 0. 2. bie Wegterde oder ſtarke 
Neigung zu leſen; die Leſeluſt. S. Lefifucht. 

O keſebegierig, Lefegierig, —er, — ſte, adj. u. adv. Befebegierbe 
habenb und zeigend. „Das Bud wird ſchon gutwillige leſebegle⸗ 
rige Beinfsen ſtaden.“ Ungen. (R.) 

Gampr’s Birterb. 3 Ip, 


205 


Leſel 


O Die Leſebezeichnung, 3. —en, bie Begelänung ber Wörter 
und Säge, melde anzeigt, wir fie sufammengelefen ober mit wel. 
Gem Ausdrucke fie geleſen werben follen; die Beifegung bee erfober- 
Ken Sefezeihen (Interpunetion!, ®, Befrzeicen. 

Dos Leſebrett, —e6, 2. — er, bei den Beinmebeen und Seugma⸗ 
Keen, ein Bereit mit zwei Reipen Ebcheen, burch welche bie Fäden 
ber Spulen, wenn eine Seite gefhoren werben fol, dejogen wer: 
den und vermittelft beffen bie Fäden ins Kreuz eingelefen und nah 
bem Schersapm geleitet werben. 

Das Leſebuch, —es, 9. — buͤcher. 1) Ein Bud, welchet bient, 
barin Iefen zu Ieenen, ober auch, fih im Leſen zu üben. Weurs 
Abect⸗ und Leſebuch. Gewipntiher aber, X rin Bad, worin man 
zum Bergufigen unb äritverteribe Liefet: Beſonbers führen bidfen 
Namen unzählige Bäder, welche gewoͤhnlich mar geſchrieben find, 
die-müflige Zeit mit Eefung berfiiben auszufäten und niht ſowol zu 
beiehren , als vielmehr ben meiften keſera aur zur Unterhaltung zu 
dienen. 2) Auf hohen Säulen, ein Bud, worüber gefefen wich, 
d. 5. welches bei Worlefungen zu Beunbe gelegt wird, 

® Die Leſebuͤhne, 9. —n, eine Bühne, oder erhöheter Platz, bar 
auf zu leſen ober vorzulefen (Odeum), „Ein Bot, welches Beine 
Öffentiiche Mebwerftägle, Tonbern mur Kanzeln, und keine Leſebuͤh⸗ 
nen hat, kann auch Feine Rebner und Eefemeifler haben.“ G. 

O X Der Leſeeſel, —6, 39. gl. ein Gfel, d. h. ein hoher gepolſter⸗ 
ter ſchmaler Sih, auf welchem man rittlings figt, an einem Pulte 
zu tefen, zu fhreiben ic. „Daß ih dem ganzen Tag — auf einmm 
feſten Leſceſtl faß.“ J. P. Richter, 

Der Leſefreund, —es, By. —e, (R.) ein Freund vom Bıfen, einer 

‚ ber gern und viel Liefert. Die Lefefreunde, in weiterer Bedeutung, 
diejenigen Menfhrn, melde Bücher entineber bieh zum Berguügen 
ober zugleid ober auch nur allein zu ihrer Belehrung häufig zu leſen 
pflegen, als ein Ganzes betrachtet (Pühlieum, Befepublicum) j’aud 
bloß, bie Leſet. ©, keſekreis. " 

Du, ben bies täglihe Entzüden 
Der Leſefteunde oft genug 
Bergnuͤgt. Zpämmel 

O Der Eefegeift, —es, 0. 3W. der Weißt, d. h. bie hertſchende Luft, 
Begierde zu leſen. „Allgemeiner Lefegeift,« Jenifh. (R.) Ber Ber 
fegeift unferer Beit. Im gemeinen Beben nennt man au wol einen 
Menfsen, weider gern und viel lieſet, einen Lefegeift. 

Das Leſeholz, — es, 0. Dig. duͤrres abgefallenes , ober vom Winde 
abgebrohenes Holz, Späne ıc., melde im Malbe aufgelefen werben 
dürfen; Raffholz. 

© Der Lefekreis, —s, 9. —e, gleichſam ein Kreis vom Erfefrrun 
ben, ober alle biejenigen, melde Bücher überhaupt ober Bäder von 
gewiffer Urt häufig gu leſen pflegen, sufammengenommen als ein 
Ganzes betrachtet (Publieum). ©. Lefrwelt. „Worauf berienige 
Leſekteis, für melden ditſe Sammlung beffimmt if, Anfprüde zu 
haben feint.” G. „Diefe Schrift if für ben gewoöͤhnlichen Leſekreis 
nicht geelgnet.* Jen. Lit, Zeitung. (A.) Sin Schriftſteler das 
einen großen Leſekreis (ein großes Publicum), wenn feine @drif: 
ten viele und weit verbreitete Leſer finden, alfo verzöglich geihägt 
find. ©. keſczirkel. ä 

O Die Leſekunſt, 3. w. die Kunf, richtig und fürn zu leſen ober 
torjutragen (Declamatorik), + 

Die Lefelatte, 34. —n, bei ben Beugwebern, ein Brett, woran bie 
bünnen Bindfären, melde zur Herverbringung des Mufters, ber 
Blumen x. im Gewebe nöthiz find, in Wünbeln zu zehen nad ber 
Reihe angebunden find und woran bie Häben nad Mafzabe des Mur 
fleepopieres eingelefen werben. 

O Die Refeluft, 0. 9. die Luft, große Reigung zu lefen, weil man 
Beranüsen bazan findet, S. Leſeſucht. 

O kefeluflig, —er, —ſte, adj. u. adr, keſeluſt habınd unb birza: 
hend, Unfere mehe leſe⸗ als lexaluſtigen Beitgenoffen. „Ein Bad, 


14 


u 


Leſem 


Bas jegt der leſeluſtigen Welt aufgetiſcht wird." Räftner. (K.) 
Der Leſemeiſter, —s 9. gl. 1) Ein Meifter im Leſen, einer ber 
die Run ſchoͤn zu leſen verfieht. 5) + In den Alöftern mander 
Gegenden, ber Boriefer (Lector). 5) $ Im O. D. z. B. in Öfter 
reich, eine beeibigte Perlon, welde bie Aufſicht bei ber Beiniefe 
führt und den banon fhuldigen Zehaten in Empfang nimmt. 


Leſen, v. trs. unregelm. ich leſe (D. D. ich lied), du liefeft, er lies. 


fet, wir leſen 26. ; mal. derg. 3. ich las; gebund. Form, ich Life; 
Mittelm. d. verg. 3. gelefen; Befehl. lied (D. D. leſe). 1) Von 
mehreren Dingen derſeiben Art eins nad) dem andern nehmen, aufhe⸗ 
den, Ähren auf bem Felde lefen, bie einzeinen , jerftreueten Khren 
nad, der Ernte eine nah ber andern aufnehmen, fie fammeln. Die 
Gteine vom Ader lefen, fie aufpeben, fammeln umd ben Acker davon 
zeinigen. Holz Iefen, auf ber: Erbe liegende Äfte und Amelge zu ⸗ 
fammenfuhen, fammeln, Mein lefen, bie reifen Beintrauben von 
ben Gtöden berhen unb fanmeln. Erdbeeren, Heibeibeeren leſen, 
fie abeupfen und ſammeln. Das Unreine aus ben Exrbfen, Linfen, 
Bohnen ıc, lefen. Dann auch, auf folhe Art leer machen, reinigen. 
. Dem Weinberg leſen, die Stoͤcke deſſelben von Trauben leer machen. 
„Denn bu deinen Weinberg gelefen hat.“ 5 Mof. 24, a1. Den 
Adee leſen, von ben zurädgedliebenen Ahren befreien, auch, ihn von 
Steinen reinigen. Den Salat Iefen, die untauglichen Blätter ic. 
von demfelben zrißen oder fhneiden und dadurch zeinigen, Grbfen, 
kınfen, Bohuep ıc. Iefen, bie ſtocfleckigen, zexfreffenen Erdſen ıc. 
enb Samen von unkraut unter denſelden abfondern und fie dadurch 
zeinigen, Wolle lefen, bas Schlechte und Unreine von ber guten 
Mole, wie auf, bie ſchwarze cher grane Wolle von der weiten ab: 
fondern. Federn lefen, bas Weihe, Feine von dem Kiele abzichen, 
unb es von bem Gröden und Härtern abfondern. Bon bem Um— 
Bande, daß bies nur langfam gefhehen kann, fagt man im gemeis 
men Erben, mit viel Federleſens machen, nicht Tange zaubern, Feine 
Umftände maden. Uneigentlih und dichteriſch zuweilen auch von 
andern Hanblungen, die, weil mehrere Feine Pauſen währınd der⸗ 
felben Statt finden, mit einem Befen verglichen werden. 
h Da ih bes Bebens füßes Weſen 
Ben ihrem Lippen durfte leſen, Flemming; 
d. 6. ba ich ihre Lippen kuͤſſen durfte, worin id des Lebens Säfig: 
Felt faud. a) Die Schriftzeichen, die fihtbaren Seichen der Begriffe 
und Gedanfen mit ben Mugen gleihfam nad Wörtern und ganjen 
Saͤtzen, melde fie bilden, zufammenfaffen und fle in diefen Wörtern 
deutlich ausſprechen ober auch nor ihren Sinn fih in Sedanken beuts 
lich vorſtellen. Etwas laut leſen, bie mit ben Xugen erkannten 
und zjufammengefaßten Mieter nah der Meihe laut: ausfpreden. 
Kein Wort richtig leſen. Seiechiſch, Bebrätfh leſen könntn. Oft 
auch allein für ih ohne Nennting einer Sache. Leſen lernen. 
Noh nicht leſen kͤnnen. Mit Austen, mit Runft, ſchön leſen. 
Ia einem Buche leſen. Bor einer Geſeuſchaft, oder bloß, einer 
Geſellſchaft leſen, ihr Wergnägen zu machen aber fie zu belehren. 
Sich aus einem Buhe ıtıwas leſen, ein ungemöhntiäer Ausbrud, 
für, durch Leſen in einem Buche etwas daraus erfahren, ſich dar 
aus beichten. 
— — Wie ich 
Aus jenen alten Bädern mir geleſen. Schilter. 

Od Neich mit dem Leſen das Berſtehen beffen, was man Hefet, nicht 
mothwenbig verbunden ift, fo wird daſſelde doch armähnfich babei vor⸗ 
auögsf:ät, indem man in Gegenthell es noch befonbers ansbrudt, 
Mit KnfmerHamkeit, mit Berſtande, mit Nachdenken fefen. Dann 
auch, darch folhes Leſen Fb ben Zahalt einer Schrift befannt mas 
ra, Einen Brief, eine Anzeige, Bilanntmadung leſen. Da der 
ienige, der mit Berffande und Nachdenken Ichrreiche Schriften lieſet, 
dadurch Diet lernen Taan und lernt, fo feht man and bei seinem, ber 
viel gelefen hat, voraus, daß es viel gelernt habe, und, ex hat viel 
geirfen, bebeutet oft fo viel, er hat ſich durch Leſen viele Kenntniſſe 


406 


Der Leſer, —s, 99. gl.; die — inn, 2. —en. 


OX Die Leſerei, 9. —en. 


Leſer 
verſchafft. S. Belefen. Ein vier geltſenes Buch, welches viele kefer 
findet, auch, welches viel und oft gelaſen wird, alfo vorzüglich ame 
genehm und deliebt iſt. Uneigentlicht fagt man auch von einem Schrift⸗ 
ſteller, welcher ſolche Schriften ſchrelbt, er werdt viel geleſen, d. h. 
feine Schriften. Ein viel geleſener Schriftſteller. X Sinem ben 
Zert, das Kapitel leſen, uneigentlih, ihm einen derben Verweis 
geben. Im engerer Bedeutung if leſen, anf ben hoben Säulen, 
leſend lehren oder. vortragen, Borlefungen halten; dann überhaupt, 
moͤndlich lehren, frei vortragen, wobei fih der kLehrer an Feine Hand⸗ 
ſchrift bindet. Über eine Schrift ber Bibel leſen, Borlefangen hals 
ten, Raturreht, Kirchengefhiäte ic. leſen. Beute wird micht Gele 
fen. In einem andern mehr uneigtetlihen Sinne fagt man, Meſſe 
leſen, in ber Aömifhen Kirche, bie Meſſe Herfagen, beriefen, ein 
Mifamt halten. Uneigentlih fagt man in eines Geſichte ober Wie 
nen, Freude, Zufriebenpelt, Traurigkeit, eine Abſicht ıc. lefen, bie 
Beihen, werde biefe Buftänbe ac. antenten, und weiche itm gleihfam 
ins Gefiht, auf die Stiem geſchrieben find, barin erhliden und aus 
beafelben barauf fiher fließen. „in Sklave flieht Hinter ihm, auf 
deſſen Sefiht man Erſtauntn und Furcht Liefer.“ Seume, (R). Ib 
leſe feine Gedanken in feinen Mienen und Geberden. In den Stern: 
nen leſen, in ihrer Stellaug Anzeigen von unbelannten Dingen fin 
den und biefe benten, So fagt man auch von tem Bigeuneen tc., 
daß fir bie Zukunft in bre Band [efen, d. h. daß fie in der Btidhtung 
ber Einien, bie fi In bee flahen Hand zeigen, Anzeigen von ber 
Butunft entbeden unb beuten, . 

Sie las die Iufunft in ber Hanb, 

@ie machte Gblb, verkaufte Talismane. Pfeffel. (&.) 
D. Leſen. D. —ung, befonders in ben Iufammenfegungen. 


Leſenswerth odır Leſenswuͤrdig, —er, —ſte, adj, u. adr. werth 


oder wärbig geiefen zu merben,. Eine Iefensiwerthe Schrift. Schot ⸗ 
tel kat dafür au leowuͤrdig. 


O Der Yefepöbel, —6, 0. 2. ber Pbel ber Leſewelt, d. d. alle 


ſolche keſer, welche ohne Audwahl und Geſchmnack, ohne Berfland 
und Rufen nur zum Beitvertreibe Alles was Ihnen im bie Hand koͤmmt, 
leſen. Und wer röchte ihn um ben Zroft beneiben, ben Beifall des 
Leſepoͤbels erhalten zu haben,“ Allg. Deutfhe Bibt. (f.) 


O Die Leſeprobe, Pa. —n, eine Probe, melde im Lefen abgelegt 


wird. In engerer Bedeutung, reine von Schauſpielera angeftelte 
Probe, in welcher fie bie Rollen eines Gtüdes bloß leſen. „Serle 
verfihherte, daß er jeber andern Probe, ja ber Hauptprobe nahiehen 
melite, ſebatd ber Leſeprobe ihr Recht widerfahren ſei.“ GSoͤthe. 


Das Leſepult, —es, 4. —e, tin Pult, vor weichem ſtehend oder 


ſend man lieſet ober Anbern vorlieſet. 

1) Eine Perfon, 
weiche Iiefet, eines mad bem andern aufnehmenb fammelt, ober et⸗ 
mad durch Ausſuchung und Megnehmung des Schlechten, Unbrauch— 
barın reiniget. Der ÜÄhrentefer, Weinleſer, Erbfentefer sc 2) @ine 
Prefom, melde Befet, bie mit ben Nugen erkannten und gleihfam 
sufammengefaßten und aufgefsften Morte ausſpricht. Ein fertigen, 
richtiger, Schlechter ıc. Leſer. Dann, eine Perfon, melde eine Schrift 
Tiefet, ſich zu belehren ober gu dergndgen. Gin aufm:rffamer,'eia 
fleigiger Leſer. Dies Buch hat viele Leſer gefunden. Ein Chrift: 
Keller hat viele Leſer, wenn feine Ehrift oder Exhriften von Dielen 
gelefen werden, Worderiht an ben Leſer. Ein Zettungsleſet. Eher 
mabls gebrauchte man Leſer auch für einen Lrhrer un Finer Haben 
Schule (Professor); mie auh für einen Borliſer (Lector). 

1) Das keſen oder die Handlang dba 
man liefetz; verähttih und ohne Mehrzahl. 2) Atwae, bar geirfen 
wird, eine Schrift; ebenfalls veraͤchtiich. „Mas für eine Leſerei fo 
glädtip gemeien, meine Aufmerkfamkeit bil feinem Eintririe zu bes 
fchäftigen“ Wielanb, Zumeilen and ohne ben verädtliden Mas 
bendegeifl. „Die beiden Kiten verfhafften ihm würdigere Leſereien, 
ala vu bisher gehabt hatte,» Kı. Shmibt, 


Leſerl 


107 


Et 





Beferlih, —er, —ſte, adj. u. adr.. fo beſchaffen, baf man es Iefen 
Tara, von den Schriftzügen. Cine leſerliche Schriſt. Beferlich fhreis 
ben. Gine Ieferlihe Hand, bie leſerlich ſchreibt. Die Urkunde. ift 
nicht mehr leſerlich. Bitiger aber nicht fo gewöhnt iſt leslich. 
Davon bie Leſerlichkeit. 

Der Leſerlohn, —es, 2. u. der Lohn, welden ein Leſer, befonbere 
ein Welnleſer betoͤmmt. 

Die Leſeruthe, My. —n, bei den Tuchmachern, bie beiden Muthen, 
bie in ber Aren,ung ber Kettenfäben fleden und die Faͤden in ihrer 
Lage Übers Freu; erhalten, _ 

O Der Leſeſaal, —es, 9. — ſaͤle, f. Leſczimmer. 

Die Leſeſchlacke, 9. —n, in den Huͤttenwerken, bie Schlackka, bie 
aus altın Schlackenhalden ausgelefen und bei Schmelsung der Kup ⸗ 
Terichtefer vorgefhlagen werben. 

Die Lefefchule, By. —n, eine Säule, In welder Unterricht im Eefen 
erthräiet wird. 

Der Lefefhüler, —s, MM. gl... (R.) die —ine, Dh. —en, eine 
Derfon, bie Leſea lernt, im Bezug auf ben Uchrer, welcher es Ich» 
wet; dann, ein Knabe ober Maͤbchen, welder oder welches bie Leſe⸗ 
ſchule deſucht. a . 

Der Pefeftein, —es, By. —e, im Bergbaue, reihhaltige Eifenfteine, 
weiche unter der Grbe in Geſchieben oter auf der Erbe gefunden 
werben ober welde zufammengelefen und ausaefhmelst werben; Mar 
ſeuſteine, wenn fie gleich unter dem Rafen, Wiefenfleine, wenn fie 
zumeilen auch auf Wieſen gefunden werben. 

Der Leſeſtock, —ıs, 4. — ſtoͤke, bei den Gicbmadhern, ein runder 
Stock, welhrr helm Wirken dee Siebboden hinter bas vorgezogene 

Sinterfach geſteckt wirb, bamit biefes nicht wieder zurüdfpringen 
Bann, ſendern fo lange vorn bleiben muß, bis ber Einfhlagsbrapt 
eingefhobrn worden if, . 

O Dir efeftoff, —ed,; 9. —e, ber Stoff, d. d. die Gegenſtaͤnbe, 
ber Inhalt eines Buches, welches zum Leſebuche dienen fol. „Der Les 
feftoffi@lär die Kinder nicht berechnet,* Ien.Liter.3eitumg. (R.). 

O Die Lefeftube, 3. —n; Um. bas Leſeſtuͤbchen, —s, 9. gl. 
eine Stube, ein Stäbchen, worin. gelefin.ober auch Lefen gelchet wird. 
Befonbers eine kleinere Stube, in welche man fih zurädzichet um 
ungeftört zu lefen und zu arbeiten; das Leſeſtuͤbchen (Closet). — 
bie (Stube) feit gefeen wieder zum Gaft« und Leſeſtuͤbchen Lianens 
gemworben.* J. P. Ritter. n 

Der Lefeftuhl, —es, Di. — ſtuͤhle, fo viel als Eihrfluhl, Stieler, 

Die Lefeftunde, —n, eine Stunde, in welder man Im Lefen 
(8. Leſen a). ) Untersiht giebt oder empfängt, Yefeflunden geben, 
halten, Peleftunden nehmen. . In die Leſeſtunde gehen. _ 

O Die Lefefucht, 0. 2, (R.) die Sucht, d. h. bie unmäßige, unges 
zegelte auf Roften amderer nöthiger Weihäftigungen befriedigte Bes 
gierbe zu leſen, ſich durch Buͤcherleſen zu vergnägen. „Die Leſeſucht 
unferer Weiber.* SG. Den pöhften Grab biefer Begierde bezeichnet 
man buch @ Leſewut. 

O Leſeſuͤchtig, —er, —ſte, adj. u, adv. keſeſucht abend und zei⸗ 
gend, Es giebt ja fo Tefefüchtige Menfhen, bie ſelbſt das Schlech⸗ 
tefte niht ungelefen -Taffen. In unfern lefefächtigen Beiten.* 
Thpämmel, 

Die Leſeübung, By. —en, eine Übung, bie man im keſen mit-fih 
vornimmt, ober mit Andern anftellet, 

O Die Lefewelt, 0. 99. bie leſende Wet, b. h. alle biejenigen, melde 
Bücher, fei es zur Belehrung unb zum Vergnägen zugleich ober zum 
Bergnögen und zur Unterhaltung allein, zu Iefen pflegen, ald ein 
großes Ganzes betrachtet (da6 Publicum, das große Publicum), 

— |, durch Erzäblen 

0. Biel du ber Leſewelt virMeiht dich mehe empfehlen. Bürbe, 

© Die Leſewut, 0. 4. (8.) f. Lefefucht. e 

O Das Leſezeichen, —, 3. gl. 2) Verfhiebene Beiden, melde 

‚ im Egerib: and Drudihsiften zwifhen die Wörter und Gäge geſeht 


werben, um bad deſen unb Verſtehen zu erleichtera. Die per 
lichſten ind „51.1? (Imterpunetionsjelen), =) Bin Beiden in 
einer Schrift, welches bezeichnen, wie weit man geltfen habe, — im 
welchen (Bädern) die Tochter gewiß gelefen, ja fogar vinige Boftyels 
Gen vergeffen haben wird.“ 3.9. Aiäter. 

Die Leſezeit, 9. —en. 1) Diejmige Zeit, da gemiffe Dinge gefes 
fen, zufammenggiefen ober gefammelt werden; befsnters bie Brit, im 
weider der Bein geleſen wirb; bie Weinleſe. =) Dielenige Zeit, 
welde zum beſen beflimmt iſt, entweder Iefem au Ieznen, ode Mh 
durch keſen su belehren oder zu unterhalten. 

Das Leſezimmer, —6, 3. gl. 1) Ein Zimmer, weldes beflimme 
ift, darin zu leſen, und in weihem-alleriei Schriften zu diefem Bes 
huf vorhanden find (Museum). @in Leſezimmerchen, ein kleints 
Bimmer biefer Art (Boudoir), G, 2) Ein Zimmer, welches bis 
ſtimmt if, Borlefungen bazin zu halten, befonbers auf hohen Schhu⸗ 
len, in weldem Halle ed auch Lehtzimmer heißt. Dient dazu rin 
Saal, fo ift biefer ein Leſe- oder Lehrſaal; auch Hörfanl. ©” 

O Der Leſezirkel, —s, 84. al. ein Zirkel, d. h. eine Anzahl Perfer 
nen, welche Schriften verfhiebener Art anfhafft und ſich nad der 
Reihe, eine ber andern zum Befen zufchiden,:bis fe im Zirkel herum 
find, Im einen Lefezirkei treten, Mitglled eines. Leſezirkels fein. 
Auch der Leſekreis, in deſſen anderer Bebeutung Lefezirkel ebenfalls 
gebrauht werden fann. ‘ m 

+ Der teste, —n, 4. —n, ber Kernbeißer, Kirſchſink; auch Kirſchleske. 

Leölih, —er, —fie, adj. u. adv, mas gelefen werden kann, fowol in 
Anfehung der Schriftzeichen, indem fie beutli find, als auch in Ans 
fehung ber Schreibart und des Inhalts. des Geihrichenen , indem 
es verfländiih, und unfhäblih ze if. — und einen Ieklis 
chen Dlarftzettel zu Stande bringen Eönnte.* Wieland, Bei Etiu 
ler iſt dies Wortfchem angeführt. Davon bie Leslichkeit. S. Leſerlich. 

Die Leſung, My. —en. 1) Die Hanbluna, ta man etwas liefet; 
ohue Mehrzahl. =) F Dasienige, was man liefet, 

Leswürdig, f. Leſenswerth. 

+ Letſch, adj.u.adv. im Hennebergſchen, (hief; uneigentlich, (hfimm, 
böfe.. Im Schwaͤbiſchen und Bairrfhen, Ich, wo es ſowol links, ver 
kehrt, als auch [hlimm brbeutet, 

Die Leifhbirn, Sy. —en, eine Sorte Birnen, Remnid,. Mic 
leicht iſt dieſe und die Beitikbim eine und dieſetde Xrt, 

Der Leiten, —s, Bi. von mehreren Atten, al. 2) Der gemeine 


‚„ı Zöpfethon, befonders im ©. D., wo aud ber Erhm zuweilen Leiten 


; genannt wird. =) Im Berghaus, eine zaͤhe, fette und ſchleimige 
‚ Bergart von verfhiebener Farbe, welche meift auch nur Then if; 

» ber weiße Letten ift zuweilen filberhaltig. 

O fettengelb, adj. u. adv. mie ketten gelb, ober von damit 
permifchten Letten geld, „Das lettengelbe Haupt bes Biheins.* 

- Wieland. (R.). Lettengelbes Waſſer. 

Die Lettenhaue, oder Letlhaue, y.—n, im Bergbaue, eine nur 
zwei Finger breite Haue, das lettige Bebirge damit durchzuhauen; 
bie breite Weilhaue. 

+ Der kettenfhmig, —es, By. —r, im Bergbaue, bie Benennung des 
Bettens oder einer lettichten Bergart. S. Schmitz. 


Die Letthaue, f. Lettenhaue. 


Letticht, adj. u. adv. dem Betten äbnlih, Cine lettichte Bergart.' 

Lettig, adj. u, adv, Betten entsaltend, aus Letten beſtehe ad. Ein 
lettiger Boden. 

1. x Die Lehe, By. —n, etwas das lehet, erfreuet, eine Erauidung ; 

dann, ein beim Abſchlede zum Andenken oder zur Ergehlichkeit gemach⸗ 
tes Geſchenk. „Weldis Gelb man ihnen zur Pepe berchete.* 
Bluntfhli. „Das der Teufel unferm Herren Gprifto eine gute 
reihe Lebt gebe. Euther. Im O. D. wirb #6 auch, wie Friſh 
onführet, für Überbieidfel, Überzeft gebraucht. 

2, + Die Lebe, 3 —n, im O. D. eine Wehre, Vertheibigung an 
bes Grenze, eine Landwehre; chemahle bedeutete Lez, Lezze bie Geite, 


Leg 


108 


. Lew 





wie auch, der Ort, das Ende, wie man aus Schilter erficht, wel⸗ 
her anführt: Ale lezzen mit Wolke ſezzen. . 
1, Letzen, v. tra. vergndgen, erfreuen; wie auch erquiden 
Du letzeſt mie mein Brben. Opiz. 
Wenn fie (die Götter) Ambroſta 
Und Nektar leben fol. Weiße, 
Sich legen, fi vergnügen, erfreum, erquiden. »Ste wird fih 
wohl (wol) einmah! am Wilde legen wollen.“ Gellert. In enges 
zer Bedeutung, ſich mit einem Freunde legen, fih beim Abſchiede noch 
«inmabl mit ibm erfreuen, 
Mein Freund, ih komme bald, mid noch mit bie zu legen. 
Suͤnther. 
Ku, ſich täten, beſonbers beim Abſchiede Füllen. 
Wie einander umarmend, bei einem fhleunigen Marſche 
An ben Gen ber Straßen bie Krieger und Mägbe fich letzen. 
3abartä. 
“m D. D. find no bie bamit zufammengefegten Wörter Letzkuß, 
Legprebigt, Leyſſchmaus ıc. fir Abſchledakuß, Abfdlebsprebigt, Abs 
ſchiebaſchmaus ae. Ablich. D. Lesen. D. —ung. 
2, xx eben, vr. trs. ehemapis für verleden; wie auch, für, gänzlig 
berauben. An Freuden warb gelehet 
Da. viel mander Frauem Leib. bie Klage, B. 544. 
In bemfelben Gedichte kͤmmt es au für enben, tilgen vor. 
— Dos bie Wirthſchaft 
Alſo manches Helden Kraft 
Mit Tobe Hitı? geletzet. W, 2845. 
Ehemahls wurde es in weiterem Verſtande für verkehrt handeln, fre⸗ 
deln gebraucht, wie aus Schitter zu erſehen iſt. 
ketzt, adj. u. adv. Fein anderes Ding derſelben Art weiter nah ih 
babendb; im Begenfag von wrfl. 1) Dem Drte nad. Das lehzte 
‚Hand der Straße, das am Ende berjelben ſtehende. Das lebte Fen⸗ 
ſter eines Haufes. Der letzte Baum in einem Baumgange. 2) Dir 
Debnumg, dem Range, dem Vorrathe nach 0. Mer legte in einem 
Buge fein. Dies gilt einem jeden, vom Erſten bis zum Resten. 
x Matthäi am lehten, im Iekten Kapitel der Lebensgefhichte Iefu 
von Matthäus. Die Besten werden bie Erſten und bie Erſten 
werben bie Festen fein. Der kräte, hoͤchſte Audzweck. In verbunder 
nen Gägen bezieht Ach letzte immer auf das unmittelbar Morheeger 
bende, eben vorher erſt Genannte, wie biefer, Hingegen erfle auf 
bas fräbee Genannte, fo mie jener. Liede und Freundſchnft 
And genau mit einander verbunden, benn bie Ichte (dieſe) Tann 
ohme die erſte (jene) nicht Statt finden. Im den Kanzrleien wird in 
einem ſolchen Halle bas Dautewert häufig weggelaffen. Geinem und 
feines Meitbeamten Aeſuch fol gewillfadret werden, bo; muß lehter 
(der legte) u. Bein Brot bis zum lepten Biffen mit einem Andern 
theilen. Bein Bermögen bis zum letzten Thaler vertbun. Das if 
das lebte Belb, was ich babe, oder dies iſt mein letztes Welt. 3) Orr 
Brit nad. Dre lebte Tag im Zahte. Im dem lehten Tagen pre 
Mode, des Monats, Der Iebte Tag des Lebens. Dies if bas 
letzte Mohl, nun gefhicht #6 wicht mirber. Er muß immer das lehie 
Wort haben. Er ift immer der Letzte, er koͤmmt immer am fpäte 
Aen, ober er thut vollendet 26 immer am fpätiften, wenn {den alle 
andere gefommen ſind, es gethan Haben, fertig damit Find, Ge 
Lmmt am lezten, om fpäteften, zulegt, wofür bie Dichter auch, er 
tömmt ber letzte, ſagen. ; 
. Weller der Teste gefommuen — Bor. 
Das letzte Best ober Wat, das jenige GSebot, nach welcheen man nicht 
weiter bietet, ober marh welchem Fein Sebet mehr angeremmen wird, 
gun. Dies iſt pas letzte Werd, welches t die fie, nach weichem 
Meine mehr geſchickt wird, Beſonders gebeaucht man #6 von ber letz⸗ 
ten Ieit doa Behens-unb dm, was in berfeiden gefhi:ht. In dem 
legten 3% m iegen, im Woariff Tein zu erben. Die legte Ötumg, 
"in der Römtihem Kleche, bir Olung oder Saldang winem Sterdenden 


ertpeitt. Der letzte Mille, bie Erkidrung feines Willens In Bezug 
auf Alles, wie eu nach dem Tode mit dem Sterbenden ſeibſt, feinem 
Rachlaß ıc, gehalten werden fol, weil fie gewöhniich erſt kurz vor 
dem Tode gegeben wird. Einem bie letzte Ehre erweifen, feiner Beer⸗ 
bigung beimehnen, ihn dabdurch zu ehren. Dann auch rom Ente der 
Dinge, Die vier Iehten Dinge, Das letzte Geriht, das jängfte. 
Oft wird letzte auch in weiterer Bedeutung gebraudt, das was bis 
jest Fein anderes Ding feiner Art nah fih Hat, zu bezelchnen. Ich 
eriche and Ihrem lebten Beritfe, daß ıc Der letzte Krieg, mad 
melden bis jetzt noch fein anberer gewefen it. Als Umfonbwort 
Tmmt es am bäufigften in Berbindung mit Beilegungemörtern vor, 
wofür fonft zuleht gewöhnlicher if. Das Irhtermähnte Schreiben. 
Dee lehztgedachte, genannte Umfland 1. Doch gebraucht man es 
auch allein für ſich für legthin, koͤrzlich. Ich Habe ihn Ieht erſt noch 
geſehen. Eine Steigerung des Begriffes alfo auch des Wortes letzte fann 
eben fo wenig Statt finden, als die des Wortes erſt, denn wäre nad 
dem letten noch ein letzteres und vor bem erften no ein refteres, fo 
wäre jenes nicht das legte und biefes nicht bas erfle. ©. Erſt. 


X Die Lett ober Beste, o. Pi. das Lehte, das Ende. Gi gehet auf 


die Kept, zum Ende. Zu guter Legt, zum Beſchtuß. Auf die Bent 
Zömmt es noch fo, wie er gefagt hat; d. h. am Ente, zulett. 


X ketztens, adr. zuleht, neulich, jängft. In der anfländigen Eprade 


und Schreibart jagt man bafür lehthin. 


detzthin, ade, f. Kedtend. 
+lestjährig, adj. u. adv. in ber Schweiz, im legten, d. h. Im nähfk« 


verfloffenen Jahre gewefen, geſchehen. „Die Iepjährige Tagſatzung.* 
ungen. (GA.) 


XLetztlich, adv. fo viel als Iehthin; im D. D. auch für zulcht, endlich. 
+ eu, adj, u: adr. bei den Schiffern, miht genug gebogen. Röbing. 
%* A Dorleu, — en, 9. —en, und der eur, —n, Sy. —n, ber Löwe. 


Siehe, zuerft erſchien er, ein bärtiger Yen bes Gebirges. Bof. 
In feinen Felspalaſt ſteigt jegt hinab 
Der Leu mir ernſtem Bang. 2.8, Huber ' 
Bei ben Dichtern kommen zumeilen auch die bayon abgeleiteten und 
zufammengefegten feuenhaft, Leuenktaft, Leuenftärke, Leuenſtim⸗ 
me ıc. vor, für loͤwenhaft, Loͤwenkraft ıc. 


Das Leuchel, —s, MM. u. das fpigige Mietgras oder große Waffen 


rletgras (Carex acuta L.). 


Die Leuchfe, Sg. —n, ber Beuchfenring, —es, Bi. — , f. Leiſte. 
N Die Leute, u. —n. 


3) Ein leuchtender Körper. Und er 
ſtellte die Gonne an den Himmel, eine Leuchte bes Tages, und ben 
Mond, eine Leuchte der Racht. 
Tor hellen Berichten in der Racht, 
ö Ihr Sterne, preitt Bott! Gramer. 

In engerer Bibeutung, ein Werkzeug zum Leuchten, einen leuchtenden 
Rörper zu diefem Behuf hinein zu thun; im gemeinen Beben eine 
"aterne, Die biinde Leuchte auf den Schiffen, oder der Rudud, 
S. d. =) In ber Raturbeſchreibung führt ben Namen Letichte 
(1) eine Art ber Gerfiber, welche einen leuchtenden Blanz verbreis 
tet (Permatula phosphorea L.). (a) Das Bergifmeiänict, blaue 
Leuchte (Myosotis scorpivides L.). (3) Der gemeine sder weiße 
Ändern, weiße Leuchte (Marrubium vulgdreL,). (4). Der Augen 
teoft, meiße Leuchte (Euphrasia officinalis L.) 


Leuchten, v. 1) mtr. mit haben, Licht von ſich werfen, Lit, Hellung 


am fi verbreiten. Die Sonne leuchtet am Tage, ber Monb in bee 
Rat. Die Sonne leuchtet allen Erobtwohnern, terbseitet ie 
‚Sit für alle Grbbemehner. 

Die Conne, die jetzo nieber 

Bet, fie Tescchtet eurem Bunde! Sälller (MR); 


5, h. Ne Leuchtet indem ihr esren Band Ichließet, vertereliht ihn gleichſam 


mit ibram Lichte, „in Feuer bes Nachtaä zu feuchten." Pf. 77, 39. 
Ein leuchtimder Bern, Cine giähente Kohle leuchtet im Dune 
Helm. Io engeser Bebeutung wird ltuchten im gemeinen Teben für 


Leu 


Brigen gebraucht. «a feuchtet, das Wetter leuchtet. Zuweilen auch 


für, tebhaften Wlan; verbreiten. Leuchtende @belfteine. Ein Slick 
ihrer leuchtenden Augen blenbete mih. Im weiterer und uneigentlis 
Her Webrutung, lebhaft und beutlid in die Augen fallen, fd zeigen. 
Das leuchtet ja in die Augen, „liberal leuchtet Eitelkeit und Selbft⸗ 
zuhm burd.“ Sonnenfels. Eavater bat es aus für glänzend 
(brillant) in uneigentlihen Sinne gebraudt. Leuchtende Natur 
anlagen,* vorzäglihe und im die Augen fallende, hertliche. Im ber 
höpern Schreibart auch mit dem vierten Falle wie ein tra. 

Bor dem Ahrone, ber fonft die Hefte fihtbare Schoͤnheit 

Leuchtete, — Kiopftod; 

d. b. von herrlicher Schönheit leuchtete. 

So bluͤhet wenigſtens bes Himmels zeinfte Yugenb, 

Ihr Antlit leuchtet Lieb’, und ihre Bruft flammt Tugend. Weiße, 
If) intrs, bush Vortragung ober Worhaltung einer Leuchte Hellung 
verbreiten. @inem leuchten, ibn buch BWBortragung einer Leuchte 
sder eines Lichtes im Dunkeln ben Weg finden laſſen. Ginem Gaſte 
die Treppe hinunter leuchten, nad Haufe leuchten. Einem zu et 
was leuchten, ihm zu einem Befhäft das Licht vortragen, ihm bas 
Licht vorpalten. uneigentlich, im der höhern Schreibart, für erleuch · 
ten, eine in Hohem Grabe beutlihe Erfenntnis gemähren, 

Den Bloͤden leuchtet fein Verſtand. Weiße, 
Im gemeinen Lıben fagt man unelgentlih auch, einem heim leuch» 
ten, einen berb abfähren, ablaufen laſſen; anderer ähnlicher Ausbrüde 
wicht zw gedenken, — D. Leuchten. D. —ung. 

Der Leuchter, —6, 9. gl. 1) Einer der leuchtet, nicht bloß eigent⸗ 
Lich im gemeinen Sehen, wo man fagt, ber feuchter gehet voran, d. h. 
derjenige, ber bie Leuchte ober das Licht trägt; fondern auch in ber 
Hödern Schreibart einer, ber Andern durch fein Welfplel leuchtet oter 
vorleuätet, ihnen zu einem Iebenden Beifpiele, glinzentem Mufer 
bienet. 

— Zaufende lehrte fein Tod, ba er unter ber Würger 

Scqhwerte fan, bis and Ende ber Laufbahn ſtandhaft! ein Leuchter 

In ber Gemeine Klopftod, 
=) Ein Werkzeug ober Beftelle, weldes eine Leuchte ober ein Sicht 
au tragen beſtimmt it, im hölgerner, zinnerner, melfingener, fils 
berner Rechter, Ein Leuchter mit Armen, ein Nrmleuchter. Gin 
Altarleuchter, Hangeleuhter, Kronfeuchter, Wandleuhter ıc. In 
bes Bibel wird auch ein ſolches Geräth mit mehren Kemen zu eben 
fo vielen Lampen ein Leuchter genannt. 5) In der Naturbefchreie 
bung, der Name eines Pflanzengefhledhtes, von welchem eine Art un: 
ter fi hangende Wiütendolden mit aufgerihteten Blumen trägt und 
dadurch einige Ahnlichteit mit einem Armleuchter hat; daher ber 
Name bed ganzen Befhlehts (Ceropegia L.). Am Boden des Blur 
menblattes, weldes eine walzenfoͤrmige Möhre bildet, figen fünf 
Peine gegen einander gebogene Gtaubfäden und ber Meine Frucht: 
Beim trägt. zwei kurze Geiffel oder Staubwege. 

Der Leuchterarm, —et, MM. —t, ber Arm eines Armleuchtert. 

Der Leuchterbaum, —es, By. blume, f. Lichtbaum. 

Der Leuchterfuß, —es, 94. —füße, ber Fuß eines Lruchters, ſowol 
der breite platte Theil eines gewöhnlichen Leuhters, auf welchem ex 
zuhet, als aud ein wirklicher nachgebildeter Buß, ber gewöhnlich eine 
Klaue vorftellt, dergleichen unten an dem breiten Theile mander 
Leuchter befonders der Aitarleuchter angebracht werben. 

Das Leuchtergeitell, —es, . —e, T. Keuchterftuhr. 

Die Leuchterpflange, 94. —n, bie Benrmnung folder Pflanyen , bes 
zen Zweige fih nah Art eines Arm, oder Kronleuchters ausbreiten 
(Plantae candelares), 

O Die keuchterſaͤule, My. —n, T. Leuchterſtuhl. 

Der Leuchterſtuhl, —es, 9. — ſtuͤhle, ein Stahl oder Geſtell, einen 
Bruchter darauf zu ſtellen, bersleihen z. B. bei ber Aueſtellung einer 


— — — 


eeiche gebraucht werben, wo man fie um den Sarg ober dad Trauer 


geräft herumffellet (Gueridon); das Lenchtergeflell, auch Beuchter: 


109 


9. Leu 


tiſch, Leuchterſaͤule, wenn 8 bie Seftalt eines kleinen runden Ti⸗ 
ſches auf hohem Fuße, oder bie Geſtalt einer Säule hat. 

O Der Leuchtertifch, — e, 4. —r, f. Leuchterſtuhl. 

Die Beuchtfadel, 89. —n, bei den Feuerwerkern, mit Sa gefälte 
Möhren, ziel Bol im Durchmeffer, welhe zur Beleuhtung eines Feuers 
merkes bienen. 

Das Leuchtfeuer, —®, 94. gl. ein Feuer, weldes angezündet und unters 
halten wird, Andern, oder zu etwas zu leuchten. Dergleiden iſt das 
Reuchtfeuer, weldes die Bedter in ber Leuchtroͤhre anzänden, den Ofen 
zu erleuchten. Befonbers aber verftcht man darunter ein Feuer auf hos 
ben Bergen oder auf Thürmen, Andern bamit in ber Racht ein Zeis 
Ken zu geben, vorzüglich aber Gerfahrern die Gegend anzuzeigen, wo 
fie find. Beiden Seefahrern heißt es aud nur das Feuer. 

O Die Leuchtſiamme, 9. —n, eine leuchtende, Yılle Flamme, 
„Aber ber Menfh hoͤhnt bie heilige Gabe bes Auges mit dem Uns 
danke der Gebankeniofigkeit, und verfengt bie Fittige, die ihn aufs 
wärts tragen follen, muthiwillig in ber wohltpätigen Leuchtflamme.* 
Benzel:-&ternan, , 

Der Reuchttäfer, —6, gl. ein leuchtender Käfer; ein Käfer, wels 
Ser im Dunkeln leuchtet ober einen Schein vom fi giebt; wie J. B. 
die Iohannskäfer. S. Johannskaͤfer =). 

Die Leuchtlugel, 24. —n, in ber Feuerwerkakunſt, eine Beuerkugel, 
melde an einen Ort geworfen wirt, ben man erleuchten will. Auch 
die runden Waffen, melde man bei Luftfeuern in bie Höhe fleigen 
läßt, umb melde mit einem lebhaften Feuer leuchten, nennt man 
keuchtkugeln. 

Das keuchtloch, —es, p, — loͤcher, f. Leuchtroͤhre. 

Die Leuchtpfanne, Pa. —n, eine eiſerne erhoͤhete Pfanne mit breun ⸗ 
baren Stoffen, melde man anzändet, einen Platz unter feriem Him ⸗ 
mel bei Abend oder Racht zu erleudten. 

Die Leuchtröhre, By. —n, bei den Beeren, eine Röhre oder ein 
koch an ber Brite bes Dfene, worin Holz angezänbet wird, ben Ofen 
dadurch zu erleuchten; das Leuchtloch. Befindet fih zu deſſen Bes 
Huf kein eigenes Sch im Dfen, fo wirb das Beuchtfeuer im Munde 
loche zur Seite angezündet, 

Die Leuchtfäule, Sy. —n. 1) In der Baufunft, eine @äule, die Ins 
wentig hohl und mit einer MBindeltreppe verfehen if, und da fie 
mehrere Seltendffaungen hat, erltuchtet werden kann. 2) Eine aus 
geöitem Papier zufammengefegte und mit Sımpen erleuhtete Saͤule 
bei Kierlihen Erltuchtungen. 

O Der Leuchtſtein, —ed, 4. —e , eine Art Echiserfpath, welcher 
das Licht einfanget und eine Zeitlang im Finftern leudtet, welche 
gewohnlich in Unglich runder und platter Geſtalt vorkimmt, weiß 
grau ober geltlih, in dünnen Städen halb durchſichtig und in ber 
Mitte wie aus bem Mitteipuntte ſtrablig ift; der Bononilhe Strin, 
der Bologneſerſpath, @in aus dleſem Schwerſpath kuͤuſtlich berel · 
teter Leuchtſtein heißt von dem Erfinder Marggrafſcher Leuchtſtein. 

Der Leuchtihurm, —es, Di. —tbürme, ein Tharm an der Kuͤſte, 
anf welchem Feuer unterhalten wird ober aud Lampen in befonbers 
eingerichteten Laternen angezündet werden, ben Secefadrern jur Bus 
rechtweiſung zu dienen (Pharus); ber generthurm, bie Feuerwarte. 
S. auch Bake, Bluͤſe. 

Die Leuchtung, 9. —en. 7) Die Handlung, da man leuchtet z bes 
fonders in ben Bufammenfehungen Beleuchtung, Erleuchtung ıc. 
a) O Etwas bas leuchtet, Lit, Selung verbreites, ein Heller Schein, 
und in engerer Bebeutung, ein Wiig. . 

— Def Leuchtung wär und Erwärmung. ®oß. 
Der aus ſchrecklicher Hand fermfhmetternde Leuchtungen ſendet. 
Derf. 

1. + Leuen, v. intrs. beälen, befonders vom Rindvieh im R. D.; 
wie auch vom Liwen, welder daher in der pöhern Schreibatt ofb noch 
der Leu genannt wird. D. Leben. , 

9, + Keuen, r. ir. auf ben Schiſfen, eine gewiſſe Ast Etädgäter ° 


- As 


Leu 110 Lich 





auszulaten; audfeuen. D. Leuen. D. —ung · 
Beugnen, ſ. Laͤugnen. 


* X Der Leutgeb, —n, 9. —ın, im O. D. ein Schtakwltth, 


ber den Leuten das verlangte Getränk für Weib giebt. 


Der Leumund, —ıs, 0. 2. don leumen, fallen, tönen, zufen; Leutfelig, —er, —ſte, adj. u. adr. 1) Bigentti felig d. h. wid am 


ein Greüät, der Ruf; befonbers bie Meinung, welcht Aubere von 
uns haben, In einem guten, in einem böfen Keumumbe feim In 


engerer Bedentung, ber gute Ruf, ber gute Name. Gines Leu⸗ 


munb kraͤnken. 
und es wehrte dem Thun ehriiehenbe Achtung bes Leumunds. Bof. 
Bei Logan lautet dieſes Wort Leumuth. 

+ Das Leutau, —es, ig. —e, auf den Schiffen, Taue, deren man 
#h Heim Leuen bedient. S. 2. Leuen. 

Die Leute, char &4; Bin. die Leutchen, D.D. —Iein, überhaupt Mens 
ſchen, Perfonen jedes Geſchlechts, befonbers erwachſene Perſonen; 
doch meiſt nur im gemeinen Erben ober von geringen Perſonen, ins 
dem man Perſonen, von melden man mit Achtung ſpeicht, nlemahls 
Srute nennt. Man finde Überall gute Leute. Ih kenne bie Leute 
nicht. Land umd Leute gefehen Haben, d. h. gereifet fein, Länder 
und Menfhen gefefen haben. Es warın viele, wenige Leute ba. 
Wenig unter bie Leute kommen, unter andere Menſchen, wenig altes 
gehen, wenig Umgang haben, Was werben bie Leute dazu fagen? 
Etwas vor allen Leuten thun, Ifentlih. Aus Rindern werben Leute, 
erwachſene Menfhen. „Bei Leuten, die nicht fharf denken koͤnnen, 
thun wigige Blendwerke oft gute Dienfle.» Beltert, Das find vor 
nıpme Leute. Arme, geringe Beute, Das find meine Leute, das 
ſind Leute, bie ich gern habe, mit welchen ih gern zu thun habe, 
Das Bo. Leutchen, Leutlein, gebrauht man im gemeinen Leben 
end in ber leichten Schreibart, wenn man mit Liebe und Freunde 
tihfeit von andern Perfonen ſpricht. „Die Keutiein aber erzeigten 
uns nit geringe Freundſchaft.“ Mpoflelg. 23, 24, „Die Leut⸗ 
hen in Gnadenberg leden darchaus wie bie Yeutchen in Herrenhut.e 
Seume Hausleute, Miethsleute, Stadtleute, Landleute ıc. 
Dft verſteht man unter Peute auch bie Menge, das Bolf, ben großen 
Haufen. Etwas unter die Leute bringen. In der Yeute- Mäuler 


Beuten, wo biele Beute find, dolkreichz eine im D, D. gemöhntiche 
Bedeutung. Sin leutfeliger Ort. Es iſt im dieſer Stadt fehr leutſelig. 
») In weiterer und uneigentliher Bedeatung, gern Teutfelige Orte bes 
ſuchtnd und daſelbſt verweilend, ſich niht von dem Leuten abfonbernb, 
ſondern fih denſelben Häufig mittheitenb und Ihnen wchlmslend buch 
Reden und Betragen Thrilmahme bezeigend; wir and, im direfer Ge⸗ 
fanung und Theitnehme gegründet. En leutfeliger Menfh. Schr 
leutſelig fein. in leutſtliges Betragen. Befonbers gebraußt man 
es vom vornehmen Porfonen, twinn fie fih auf biefe Art gegen ges 
zingere Pırfonem oder gegen ihre Untergebene ic. betragen. Wim 
leutfeliger Herr, Für, Davon bie Leutſeligkeit, im beiten Ber 
deutungen. 


Der Leumagen, —&, DM-gl. ı) 8. Leitwagen. =) Rah Shäge im 


NR. D. eine Bärfte, «in Borfiwifh an einem laugen Stiele, welder 
in Baflır getaucht zur Reinigung ber Böben und Waͤnde gebraucht wird, 


Der Levit, —en, Di. —ın, ein Jude aus bem Stamme Levi. Im 


gemeinen Beben fagt man, einem ben Leviten Iefen, ihm derb bie 
Wahrhelt fagen, berde Verweiſe geben ıc. wofür man aud fagt, ihm 
den Tert leſen, den Kopf waſchen ıc, 


. X Die Levkoje, 4. —n. ı) Eine Pflanze, welde ihrer ſchoͤnen, km 


Gtriufen wahfenten weißen, blauen, zotben ober gefledten wohl» 
sirhenben Blumen wegen in Gärten gejogen wird (CheiranthusL.). 
Die weiße Levkoje, gemeine Gartenleufoje, Levlojenkoͤniginn waͤchſt 
in Eponien wild und blühet weiß (Cheirauthus incanıs L.). Die 
Sommerlevicje, MWintertevfoje. 2) Cine auf dem Worgebiege der 
guten Hoffnung einpeinifhr Pflanzengattung (Heliophils), Nems 
nid. 3) ine Art Bänfefeaut, die Levfoje mit dem Blatte der 
Macıtviole (Arabis turrita L.). 


+ Das Lewatöl, — s, M.u. ein Gemifh von Räbfamendle unb 


Beltkohtfamendte; auch wol jedes biefer Öle insbefonbere. Nemni. 


tommen, ind Werche fommen, Die Leute fagen #6. In engerer Dad Lewendlinnen, —s, 9. u. ſtarke Srinwand won Hanf unb 


Bedeutung nennt man Peute ſolche Perſonen, melde einem angehs: 
zen, bie einem unterworfen find. Bo nennen Hausväter und Hause 


Blade, welche häufig in Weflfalen verfertiget wird; von Lewend, 
keinwand, baber bie Schreibart Loͤwentlinnen far iſt. 


mätter die ihnen Angehörigen ihre Leute; fo nennt ein Here feine + Das Libkraut, f. Labkraut. 
Unterthanen unb ein Hauspere fein Seine, und ein Mefchishaber — Lich, eine Ableitflibe, mit welcher aus Ausfagemärtern, Grund⸗ 


über Kriegsvblker feine Soldaten, feine Leute, Land und Beute ur 
leeren, Band und Unterthanen. Dft wird das Befinde auch von anı 
dern Perfonen als ber Herrſchalt Leute genannt, aur daß man bann 
nicht meine Leute fondern nur bie Leute ſagt. Mit ben Leuten 
effen, mit bem Befinde. Im ber Leute Etube, in ber Befinbeftubr. 
Dienflieute, Kriegsleute ıc Rah Up, fol auch ein Rind frine 
tern und Geſchwifler, und ein Dienfibothe feine Herrſchaft feine 
Krute nennen, welchet GSebtauch aber wel felten if. In verſchie⸗ 
denen Fällen bericht ſich das Wort Leute vorzüzlih auf das männ» 
lie Belhleht, befenders in Zuſammenſe zungen. &, Mann. Die 
Cinzaht das Leut, eine Perſon, künmt noch in verſchledenen D. D. 
Gegenden vor. Sie iſt ein feines Leut, rine feine Perſon. 


X Dir Leutebetruͤger, —s, 4. gl.; die —inn, By. —en, eine 


Perfen, melde andere Leute betruͤget. 
O X Der !euteplager, —6, My. al. ; die —inn, By. —en, eine 


Werfen, welche andere Leute oder ihre Leute plagt; das gemöhnlihere 


aber härtere Wort dafür, womit auch no der Begriff harter Ber 
brätung verbunden ift, tft Leuteſchinder, und ein gelinberes Auss 
beut Leuteſcherer, der die Beute ſchiert. 
Das war dus nicht für ein Pladen und Shinben 
Bei Bufav dem Schweden, dem Leuteplager! Schiller. 
X Reutefchen, bie Beuteihen, f Menfgenfheu und die Mens 
ſchenſcheu. 


+X Der Leuteſſer, —s, ©, al. ein Rome des Grüadliugs (Cypri- 


aus gobie L.). 


wörkern unb Umflanbmörtern eine außerordentliche Menge Beilegungse 
und Umſtandwörter gebilbrt werden, bie in ben meiften Finn fi 
aud fleigern laſſen, unb von welden buch Arhingung der @ilbe 
—feit neue Grundwoͤrter abgeleitet werben innen, bie aber nit 
von allen gemöhnlih find. Man büdet mit biefer Silbe bergleiden 
Wörter 1) aus Ausfagemörtern, wilde bis auf wenige Kusnahmen 
bie Gnbfilbe en vorher gan, enben Me fi aber auf —ern ober 
—eln, nur das n vorher ganz wegwerfen. Bezeichnen dieſe Kuss 
ſagewoͤrter einen Zuſtand, fo zeigt au das mit — lich davon abge⸗ 
leitete Wort bie Auweſenheit djeſes Zuſtandes an, und If dann oft 
mit dem Mittelwerte ber gegenwärtigen Zeit gleichbt deutend. Taug⸗ 
lich, behaglich, hinlaͤnglich, ſchmetzlich, ziemlich, was wirklich 
tauget, behaget, hintangt, ſchmerzt, fih slemt, ober taugend, ber 
dagend t.; und bie Gegenmörter untauglich, unbehaglich, unzu⸗ 
laͤnglich, unziemlich ꝛc. Begehrlich fein. Das iſt mir nicht diene 
lich. Tinige ſelcher Wörter werten nur umſtandwoöͤrtlich gebraucht, 
ij. B. erinnerlich. Die ven Zuſtandwdetern auf — ern abgeleiteten 
ſiad niedrig wie dieſe ſelbſt, z. B. es iſt mie eſſerlich, ſpeierlich it. ich 
empfinde af gu eſſen, Neigung zum Speien ic. Laͤcherlich und weis 
neriih, bie aber mod einige Rebeubedeutungen haben, machen bar 
von eine Ausnahme Bumellen bezeichnet bie Silbe — lich bei bem 
von Zuftanbmörtern abgeleiteten Wörteen auch bie Möglichkeit, im 
biefen Zuſtaad zu gerathen. Wir find ſterblicht Menſchen, die leicht 
erben können und endlich ſterben müffen. Einer Cake empfing» 
lich fein, fie empfangen können, fie auf fih Einbruck ıc. können ma⸗ 


Lich 

Gen laffen. Dezeichnen dieſe Aucſagewöͤrter aber eine Sandlung, fo 
seht aud der Wrgriff der Handlung def bie mit —lich davon abge⸗ 
‚leiteten Börter Äber, und bezeichnet dieſelbe entweder in einem thaͤt⸗ 
lichtn oder leidentlichen Berhältnife. (1) Ia einem tpätlihen, bie 
Handlung, melde das Ausſagewert bezeichnet, wirklich versihtend, 
ober auf eine Urt, melde baffelbe angiebt, verrihtundz oft aber 
aud nur, fie verrichten Fönnend. Erbaulich predigen, fo predigen, 
das man Andere dadurch erbauet, ober daß Andere dadurch erbanet 
werben. ine bermegliche Rebe, die Andere bewegt, rührt, @inem 
fa etwas hinderlich, zu etwas befoͤrderlich fein. Sin ſchrecklicher 
Anblick, der Schrecten erregt. Cine erfreuliche Wegebenpeit, die 
erfreuet. Berderbliche Kriege, welche verderben ober Berberben 
nad ſich ziehen. Eine toͤdtliche Krankheit, welche toͤdtet oder dem 
Tod verurſacht. In dieſen Faͤlen iſt das Mittetwort ber gegen 
wöärtigen Zelt bamit gleichbedeutendz; hindernd, befoͤrdernd, ers 
ſchredend ıc. (3) In einem leidentlichen Verhaͤltniſſe, we es for 
wol bezeichnet: was wirklich getan wird ober da iſt, 3. B. üblich, 
gebräuchlich, was wirklich gebt, gebrauge wird; als aud, was 
gethan zu werben verdient, 3. B. eine bedenkliche Sache, die ver 
bient, dap man fie bebenft, ober auch, bie Bedenken erregt, ver 
antaft; ein verächtficher Wenfh, ber veradptet ju werden verdient; 
em täuflziten aber, was gethan werden kann, und befonders, mas 
fd iricht thun laßzt. Beweglich, begreiftih, daulich, erdenklich, 
erweictich, fuͤglich, glaublich c., was ſich bewegen, begreifen, 
bauen ober verbauen, erdenten, erweifen, fügen, glauben ic. laͤßt, 
ober leicht bewegen x. lift. So aud bie Gegenmörter unbeweg⸗ 
th, unbegreiflih, undaulich ober unverbaulih, umermeisiic, 
unglaublich it. Bon manden find bie verneinenden Geginmörter 
midt gewoͤhallch, 3. B. unerbenflich, unfüglic ı. Dagegen fird 
viele von Xusfagrmwörtern mit — lich abgeleitete verneinende Wörs 
ter ſehr gebroͤuchlich, die ohne bie Worfilbe un— wenig ober gar 
miät gebraugt werben. So find von unausſprechlich, unergründs 
lich, unermeßlich ac. die briahenden Gegenmörter, aus ſprechlich, 
ergruͤndlich, ermeßlich tc., wenig ober doch weniger, und von uns 
ausbiiblich &. gar nicht gebräudlih. In einigen Foͤlen wird ber 
Silbe lich aoch ein Wohlklangsst vorgelegt, ala: flebentlich, hof⸗ 
fentlich, leidentlich, wiſſentlich ıc., fo auch In ben von andern als 
Ausfagewörtern abgeleiteten Öffentlich, gefliffentlich ıc. Bet leſer⸗ 
Uch md fuͤrchterlich Ik dem — lich noch bie Silbe er vorgefeht, 
weiche aber bei feferlich nicht aothwendig ift, indem man aud) les⸗ 
U fagt. =) Aus Brunpwörtern, (1) eine Ähnlichkeit, ein ange: 
meffenes Berhäitniß ze, zu bezeichnen. Gin menſchliches Anſeben, 
eine menfchliche Beftalt. in männtiches Geſicht. Weibliche Br: 
ihte zoge. Fuͤrſtlich leben. Königlich handen, 
und Weiſe zu bezeichnenz ohne Steigerung und zum Theil-nur als 
Umfanbendeter. Augenblidiich, im Augenblide, ſogleich. Jaͤhr⸗ 
tich, monatlich, wöchentlich, täglich, ſtuͤndlich, in jedem Jahre, 
Monate ec. Muͤndlich, mit dem Munde; perſoͤntich, in Perſen; 
ſchriftlich, brieflich, durch Schreiben, durd Briefe,” ober in Ge 
‘ Balt einer Schrift, eines Brieſes. MWörtlich, mit Worten. Bild: 
fich, namentlich, gruͤndlich ac. (3) @im Eigertfum, einen Bıfkg 
unb eine barin gegründete Figenfhaft zu bezeichnen. Die menfd» 
tichen Schwachheiten, tie koͤrperlichen Kräfte, die bürgerlichen 
Feeißeiten, die gräflichen Güter, bie königliche Würde. Dieder 
gehdrrn auch räumlich, Maum und befonters vielen Maum hadınd; 
giuͤcklich, unglädtic ic. gleichſam Biüt, Ungiäd habend, eathal⸗ 
tend. Doch Finnen biefe letzten auh zu ber folgenden Bedeutung 
gezogen werden, nad welder die Silbe —tich (4) auch eine wir: 
ende Urfahe bezeihnet, Nuͤtllch, ſchaͤdlich, loͤblich, ruͤhmlich, 
Anti, ſchimpflich, Ruben, Schaden, kod etc. dringeud ober 
derurſachend. Adſcheulich, bedenklich, erſtaunlich ac, Abſcheu, Ber 
denken, Ertaunen ic. rregente, verutſachtnd. 3) Bon andern Wiiles 
gunge: und Umfantwörtern, ebenfalls und beſonders eine Epntichleit 


5 


111 


(2) Eine Art 


Licht 


ober dam Begriff der Wörter, monen fie abgeleitet find, in einem girine 
gen Grabe zu bezeichnen. Weißlich, ſchwaͤrztich, roͤthlich, blaͤu⸗ 
ih, gruͤnlich ac. der weißen, fhmwarzen.ıc, Farbe, ober bem cl ° 
Fra, Schwarzen ıc. Ähnlih. Kaͤlttich, laulich, haͤrtlich, weichlich, 
groͤbtich, kleinlich, dicklich, breitlich ıc. dem Kalten, Lautn x, 
aͤhatich, ein wenig kalt, lau, hart, weich ꝛc. In vitlen Gegenten 
hängt man ber Silbe — lich in dieſem Falle überfläffiger Weiſe noch 
ein t an, weißlicht, ſchwaͤrzlicht ıc.; und im D. D. verisandelt 
man tiefes — licht in —Iet, weiflet, ſchwaͤrzlet, roͤthlet u. Häus 
fig giebt bie Silbe — lich dem abgeleiteten Worte bie unrigentiiche 
Bedeutung bee Wortes, wovon es abgeleitet ift, und bezeichnet eine 
Art umb Meile. Sich hoͤchlich freuen, in hedem Grabe, auf eine 
vorjäglige Art. Sich guͤtlich thun. Bitterlich weinen, Es treu: 
lich meinen, Oft behalten dieſe Wörter aber auch bie Bebeutung 
ber Wörter, von melden fie abgeleitet find, Etwas gänzlich vere 
tilgen,, gang. Erſtlich, zuerſt. ©. Erfilih und Erfiene, Einem 
ſichtbatlich erſcheinen, ſichtbar. Sie koͤnnen es ſicherlich glauben, 
fiber, zuverlaͤſſig. Auf aͤhnliche Art werden mit — lich auch aus 
folden Börtern, bie [don mit ber Silbe —ig vyn andern adgeleis 
tet worden find, meue Mörter gebildet, melde oft genug aud in 
ber guten Schreibart vorkommen, unb in manden Fllen, wenn 
man bie einfahren Wörter nit gebrauchen wid, zur größer Bes 
ſtimmtheit und Deutlichkeit gar nicht üderfläffig find. Eo gebraucht 
Wieland haͤrtiglich für hart im uneigentlicher Bedeutung, um 16 
von härtlich für, ein wenig. hart, in ber eigentlichen Bedeutung, 


feſtiglich für fe, um es von feſtlich (vom Feſt abgeleitet) zu unters a 


ſcheiden. Im ©. D, aber wirb biefe boppeite Ableitfiike — iglich 
fehr gemißbrauht, und fie wird im ber guten Speed» unb Schreib⸗ 
ort in den meiſten Faͤlen als ſchleppend mit Recht vermieden. Die: 
ſtlbe Bewandniß dat es mit ber im O. D. übliden Anhängung ber 
Silbe — lich an Beilegungs und Umfiunbwdster, bie fib aul bar, 
fam und baft enbigen. Noah fhleppender und wiberwärtiger werten 
folge Wörter, wenn ihnen als Umftandwörtern am Gnbe neh rim : 
en, wie im D. D, auch geſchieht, angehängt wird, 3. B. hirziglis 
den, männiglihen, wonniglichen, trauriglichen ꝛc. — Bon 
‘aus ben angeführten Beifpielen ifk zu exfeben, taf bie Selbfklauter 
in den Börtern, von welden mit — lich Ableitungen gemacht wers 
ben, in biefen Xbleltungen ben Umlaut bekommen, ;. B. aus ers 
tragen wird erträglich, ans Schande, Lob, Kaum, Mund wirb 
ſchaͤndlich, loͤblich, räumtih, muͤndlich, aus ſchwarz, blau, reth 
wird fhmärzlich, blaͤulich, rothtich ze. In alten Schriften lautet 
bie Silbe lich noch leich, aus welchem Worte (gleich) fie zufammens 
gezogen il. So fhreiben Horned, Striker und Andere weiße 
ieich, erbaͤrmleich, fleiffigleih ꝛc. Die mit —lich in der Aus 
ſprache äpnrih Hingende Ableitſilbe ig if damit nit zu veriwecfeln. 


S. —I36. 

+ Lidhen, ſ. 3. Leichen. 

x — licht, eine Ableitſilbe. S. — ih a). 

kicht, —er, — ſte, adj. u. adv. Licht, beſonders riet eigenes kicht 
habend, Leuchtrab, Hell. Gin lichted Feuer, eine Fichte Flamme. 
Dann, von feembem Eihte erleuchtet, beil. Ein lichtes Haus, eine 
lichte Terppe. Cine lichte Wolfe, eine von ber Sonne jlarl ber 
leuchtete; aud eine bünne, durch welche bad Tonntullcht durchchel⸗ 
net. Es wird fhen licht, es wird Tag, es wird bel. Cine lichte 
Nacht, in welder ea nicht ſinſter if, 3. B. rine Eommernaht, cher 
eine mondhelle Naht. Im gemeinen oben fagt man mit einer 
Überfälle, es ift heller Lichter Tag, es ift völlig Tag. Uneigintti 
wird licht gibraucht ») von Karben, welcht Hark mit Weis gemiſcht 
find, oder ine Wrife fallen.“ Lichte Karben; in Gesenfaa bee 
dunften.” Lichtes Haar, von Liter Korbe, entweder melfliäeh 
ober hellgelbes, beUrothes, helbraunes Haar. Bo ach in ten Fur 
formmeufegungen lichtblaw, lichtbraun, lichtgruͤn ꝛc. Wieil bie 
duubhoblzer ein helleres Grün haben als bie Radelhoͤlzer, fo heißen 


Licht 


e au lichte Hötger, und bie legten finflere Hölzer ober Schmarz: 
—— Aura Fred von Begriffen “, für deutlich in Ger 
genfag von bumkel. Kichte Begriffe, Ein lichter Berftand, ein auf 
gellärter. in liter Kopf, ein Menſch, ber viele beutlidhe Ber 
griffe Hat oder beren fähig if. „Bine gute, lichte, ſtarke Schreib⸗ 
art.e We«del. (R). Auf ganz ungemöpnlide Art fagt berder 
& etwas licht bringen (follte heißen, auf, In etwas Licht bringen) licht 
d. h. deutlich, verflänblih machen, es bapin bringen, daß es licht 
wirt: „bie Kapitel, bie ich auf biefem leichten und einigen Wege 
licht gebracht — Lies fie, Buferi* 5) Biel Bit durch laſſend, von 
Dingen, teren Theile weit von einander fliehen und auch ‚einen 
freien Durchgang geſtatten. So ift ein Lichter Wald, ein lichtes 
Holz, ein Bald, ein Holz, we bie Bäume weit aus einander fleben, 
wo es alfo liter iſt als in einem Malbe, mo fie dit beifammen 
fehen. Doher in weiterer uneigentlider Bebeutung zuweilen auch 
wel bünn fiehende Baare licht genannt werben, „Lichte Augenbraus 
nen.“ Lavater. Einen Wald licht machen, viele Bäume barin 
umbauen. Gin abgetriebentr Schlag, wie auf ein freier mit Bäus 
men nicht bewachſener Plag in einem Walbe, wirt im Gorftwefen 
das Lichte genannt, Wei ben Jägern und Fiſchern find lichte Mas 
den, weite, zwiſchen welchen große Bwifhenräumz find. Die Ih 
ger nennen lichten Zeug in weiterer Bebrutung überhaupt bie @arne 
und Fepe, wie auch die Zuds und Feberlappen; zum unterſchiede 
vom finftern Zeuge, wozu bie züder und Planen gehören. j Die 
Einfeffung eines Tdelſteines heißt licht, ober er ift licht U jour) 
gefaßt, wenn ber Stein von beiben Seiten gefehen werben kann. 
In ber Baukunſt bezeichnet im Lichten, ben innern freien Raum, 
Eine Etube it im Lichten zwanzig Fuß lang, wenn in ber Länge 
berfeiben die eine Wand von ber andern 20 Zuß entfernt if, Gin 
Benfter hält zwei Een im lichten, wenn die Zargen in ber Breite 
jwei Glen von einander entfernt find, X Ginen an drn lichten 
Galgen hingen, an ben frri Rchenben, wo er vom jebermann gelt« 
hen werben Tann. Lichte Bahn brechen, freie, efſene Bahn, fo daß 
man auf berfelben durch nichts mrche aufgehalten wird, 

Unb Xiar Zelamonius, ber Schirm 

Der Danaer, jerziß der Iroer Reih'n 

Zuerft, und brach den einen lichte Bahn, Bürger, (R.). 
Das Licht, —es, Mi. —ır; Bw. das Lichtchen, D. D. —lein. 

1) Derjenige Außeeft feine Stoff, welder eine Bebingung bes Ge 
bens ift, ober weicher unfes Auge berühren muß, wenn wir bie um 
uns befindlichen Gegenftände fehen folen; ohne Mehrzatl, Mer 
Ihiebene Körper haben ihr eigenes Licht, das fir nach allen Seiten 
in geraten Rihtunnen wm ſich verbreiten und heißen leuchtende Kir 
per; anbıre nisfex nur das von einem folgen Körper auf fie fals 
lende Bit im unfer Auge zuräd. Außer ben urfprüngli leudtens 
den Körpern, melde beftänbig- von fi Biht ausgehen laffen, wirb 
«4 von brennenden Körpern in geofer Menge ausgefteömt. Das 
Rice der Sonne, ber Sterne. Der Mond hat Tein eigenes ſondern 
ein erborgtes Licht. Brennende Wadöterzen geben ein helles Licht, 
Das volle Licht, die ganze Lihtmaffe, die aus einem leuätenten 
Körper In unfer Auge gelangt. Das halbe Lichte, überhaupt ein 
heil biefer Lihtmalfe. Das gebrochene Licht, weldes vom leuch⸗ 
tenden Adrper nicht unmittelbar in unfer Auge gelangt, fonbeem 
von andern erleuchteten Körpern, an melden es ſich dricht und von 
welden es zurddpraltt. Der Ofen geht gu Lichte, fagt man im 
Hüttenboue, wenn er hell brennt, Un gewähnliäften verſteht man 
unter Licht fhlehthin basjenige kicht, weldes die Soune verbreitet, 
und welches auch Tageslicht genannt wird, weil wie Yirjenige Zrit 
zu welder das Licht der Sonne unmittelbar unfee Xugen berüßren 
ann, Tag nennen, Das Licht fält durch bie Benfter, j durch bie 
Kuppel ein. Der Bang, bie Zerppe 1c.' dat zu wenig Licht. Mir 
nem das Richt verbauen, baburh, baß man nape vor ten Fraftern 
eines Andern eim höheres Gebaͤude auffüpre. X 3wiſchen zwei 


112 


Licht 


Lichten ober unter Licht, ſagt man dm gemeinen Beben für, in der 
Dämmerung. Mit anbrehendem Lichte, d. h. Tage, Etwas gegen 
bas Licht Husten, nad ber Begend hin, wo das Sonnen s« ober Tas 
gestihe am meiſten einfaͤtt. Etwas bei Lichte befehen, indem man 
e6 gegen bas Eiche Hält und genau betrachtet; uneigentlih gebraucht 
man biefen LAusdruck auch von Baden, bie eigentlih gar nicht gefes 
ben werden, für genau unterſuchen. Etwas im zeiten Lichte fchen, 
es von bee zeiten Grite befehen, wo bas Bit am vortheilhaftehien 
darauf faͤlt; uneigenttih, von ber rechten Seite genau unterfühen, 
Etwas ins rechte Licht ſtellen, z. B. ein Gemoaͤhlde, fo bap das Bidet 
gehdrig darauf fällt und das Ganze beltuchtet; uneigentlich, etwas 
fo darſtellen ıc., daß es richtig erkannt und beurtheilet werke, Das 
Grgenthell davon if, ein falſches Licht, welches nicht auf bie gehörige 
Ast auf eine Sache fält, fie nicht gehdeig beltuchtet. Daher man 
unelgentlich fagt, etwas in einem falfchen Lichte ſehen, nicht aus 
dem sehten Gefichtepunfte, es alfo unzichtiz beurtheilen. Go fagt 
man auch, eine Sache im ein günftiges Licht ſtelen. MWirlank 
gebraucht auch in Apnlicher Bedeutung, nah dem Sprachgehrouche 
ber Mahler, die Mehrzahl: R 
Die Augen, die nad einem Ausgang’ igren, 
Mit falſchen Lichtern. fi vetwirten. 

Etwas in eirem anbern Kichte fehen, vom einer anbern Seite ‚aus 
einem anbern Gefihtspunkte als vorher. 

Unb alles wird nunmehr in anberm Licht beſehen. Wielonb, 
@inen im Lichte fehen, vor ihm an derjenigen Geite flefen, wo bas 
eicht Hertömmt und ihm durch feinen Koͤrper kicht entziehen, fo baß 
‚ergar nicht oder aicht deutlich ſehen Fan; uneigentlih, ihm im Wege 
fein, feine Abſicht, feinen Vortheil verfindern. Sich feibft im Lichte 
Reben, ſich ſeibſt hinderlich fein, feinen eigenen Vortheil nit ver- 
ſtehen. Einem aus dem Lichte gehen, fi aus ber Gegend, wo bas 
eicht herlömmt, entfernen und daffelbe ungehindert auf ihn fale 
ien laffen. X Einen hinter bas Licht führen, gleihfam an einen 
Ort, wo bas Licht nit hinfällt, wo man nicht ſieht, ihn taͤuſchen, 
anführen, betruͤgen. Das Licht der Weit erbligen, geboren werben. 
Ans Licht kommen, bapin kommen, wo viel Licht ift, wo etwas ge⸗ 
nau beſehen, betrachtet werden kannz untigentlich, befannt werben, 
da es vorher unbekannt, im Dunkeln war. So auch, etwas and 
Licht bringen. Das Licht nit ertragen Finnen, kroͤnkliche Augen 
haben, auf melde das Licht einen unangenchmen oder ſchaͤlichen 
Einbruct macht; uneigentlih, bie Bekanntmachung, bie Öffentlichteit 
nicht vertragen koͤnnen. So ſagt man auch uncigentlich, das Licht 
ſcheuen, bie Bekanntwerdung, bie Offentlichkeit ſcheuen. „Mer Ar: 
ges thut, der daſſet das Licht.“ Joh. 3, 20. Oft aber wird Licht 
ſchlechthin auch von demjenigen Lichte gebraucht, welches ein künft⸗ 
li elagerichteter brennender Körper, J. B. ein Kerje, Bampe ver⸗ 
breitet, Bei Lichte arbeiten, ſchreiben. Im gemeinen Beben 
wird auch das erborgte Licht bed Mondes und ber Mond feibft has 
Licht genannt, Das volle Licht, der Wolmend. Das neue Licht, 
das erſte Wiertel. Im zunehmenden Lichte Wei gutem Lichte 
fäen ıc. ; in einem für günftig gehaltenem Mondsviertel. Uneigente 
ti wird Licht nicht allein gebraudt, einen Buftand, ba etwas be: 
kannt, deutlich iſt zu bezeichnen, wovon im Vorhergehenden fchon 
Beifpiele vorkommen und wohin auch das folgenhe gehört: „Richt 
allein unter ben Alten, ſondern auch zu ben deiten, ba bie Miſſen⸗ 
ſchaften bereite in vollem Lichte ſtehen,“ Popomwitfd (M.); fom 
been man gebraudt es au für Aufſchluß, Blaze, beutlice Erkennt 
niß ſelbſt. In einer Sache Licht bekemmen. @inem in einer Se— 
he Licht geben. . X Yept geht mir in der Bade ein Licht auf, 
jegt wird fie mir beutiih, verſtaͤndlich. Das Licht des Berflandeg, 
ber Dernunft, bie Eigenſchaft biefer Wermögen, vermöge welcher 
wir sihtige, beutlihe Finfihten befommen, richtig urtheilen und 
fliehen Finnen, und biefe Bermögen ſelbſt. „Der Werftond führt 
und fehl und verläßt ums zu ehem ber Beit, wo wir feines Lichtes 


Licht 


am meilten bedaͤrfen.“ GBellert, „offer euer Licht leuchten vor 
den Leuten.“ Wegen feiner höchſten und vollfommenften Einſicht 
wird Bott felbft zuweilen mit einem Lichte verglichen und ein Licht 
genannt. Auch fagt man dichteriſch von ibn, daß er im Lichte 
mohne, wobei man fowol an feinen Zufland ber vollfommenften Giufidht 
aller Dinge denkt, als aud an ben Glanz, welder ihn ben Schoͤpfer 
des Lichtes umgiebt. Daher der Kusdrud, zum Lichte ſtreben, mad 
biefem Zuſtande fireben, Bott näher zu kommen ober zu Gott in ben 
Aufenthalt der Geligen und VBolltommenen zu gelangen fireben. 
Als ber Erihaffente von feinem Angefihte 
Den Menſchen in bie Sterblichkeit verwies, 
und eine fpäte Wirberkehr zum Lichte 
Auf ſchwerem Sonnenpfad’ ihn finden bief. Schiller. 
Die Diäter dergleichen aud das Erben, was fie fonft mit einem 
Feuer, einee Klamme vergleichen, mit einem Lichte, welches gleich⸗ 
fam leuchtet, fo lange bie matärlihen Berrihtungen des Lebens forts 
bauern ober fo lange fi bie Lebenskraft äußert, ©, Lebenslicht. 
eiſch aus mein Licht, auf ewig aus, 
Stirb bin, fird hin in Racht und Braus, Bürger, 
2) Ein lewchtender ober Lit um fi verbreitender Körper. So 
wirb bie Sonne ein Licht, fo werden bie Sterne Richter des Dim: 
mels genannt. „Die Sonne gebt auf! das große Licht, ber König 
bes Zagesie Herder. Gin Windlicht. Ein Irtlicht. S. d. 
In engeser und gewöhnlicher Bedeutung, ein walzenförmig gejoge: 
ner oder gegoffener Rörper von Zalg, Wachs ıc, mit einem Dochte 
mitten in feiner ganzen Länge, welcher angezänbet Licht verbreitet; 
befonbers dergleichen Körper von Talg, welche ſchlechthin Lichter ges 
mannt werben, bagegen man vorzjugsweife bie Wachslichter Kerzen zu 
nennen pflegt. Lichter ziehen, indem man bie Dochte in bad fiäfs 
figt Talg ober Babe fo oft tunkt His fie bie verlangte Dicke Haben, 
‚Richter giefen, indem man bas fläffge Talg oder Macs in Formen 
worin der Docht befeftigt iſt, gießt. Berogene, gegoffene Lichter. 
Das Licht auffteden, auf den Brudter. Der Schein bes Lichtes. 
Die Bisline ſchweigt, es ſtirbt der Lichter Glan. Bahaeriä. 
Einem bas Licht halten, ihm dabei leuchten, unb umeigentlih, ihm 
zu etwas, befonders einer fhlimmen Sache behülftih fein. X Der 
Zeufel ſoll bie das Licht halten. Dem Zeufel muß man zwei Lich 
ter anbrennen, ihm zu Ehren, ihn gleichlam zu beftehen, nah bem 
GSebrauche in ber Römifhen Kirche, Berſtorbenen und Heiligen zu 
Ehren Eichter anzuzunden. Unrigentlih nennt man aud etwas, bad 
bem Berſtande gleichſam Licht giebt, mas eine beutlihe Vorſtellung, 
Einſicht verfhafft, ein Licht; daher Perfonen, melde ſelbſt viel 
Licht d. 9. viele Finfigten und Kenntniffe befigen und biefe mitthels 
len und verbreiten, ober auch Andere leiten und führen, Lichter ge 
mannt werben. Co wird Kriftus häufig das Licht der Welt ge: 
nonnt. „Ihe Lichter biefer Weit Gryphius, Gin Licht ber 
Kirche, ein erleuhteter und wieder erleuchtender Kirhenichrer, Res 
ligionsichrer. &. Kirchenlicht. 
— 0b ih etwa ein Licht ber Danaer werde. WBoß. 
Auch nennen bie Diäter eine Beliebte, bie gleihfam das Leben erft 
Heu d. h. angenehm macht, ein Lie, im welcher Bebeutung 
nur bie Einzapı gemöhnlih ik. Die Augen führen bei ihnen gleich ⸗ 
falls den Ramen Lichter. S. Augenlicht. Dieſer Gebrauch Fimmt 
aud im gemeinen keben vor, indem bie Jäger die Augen bes Hir⸗ 
- Shen ſowol Richter als Seher nennen. Bei ben Mahlern find Lich⸗ 
‚ter bie Heil gehaltenen gleichſam leuchtenden Stellen auf einem Bes 
mählde; im Segenſatz ber Schatten, Die Lichter anlegen, auffe: 
den. Dieſe Bedeutung trägt man aud auf andere Dinge über unb 
bezeiänet bamit etwas Herporftehendbes, Abſtechendes überhaupt. 
„Sogar bee Widerfprud ber Geſtalt mit bem Karakter (dem Gemür 
the) glebt niefem Lichter, z. B. tem Heiden Alexander bie kleine 
@tatur (dee Heine Wuds;." J. P. Richter In folgender Stelle wird 
"eb auch dom Mondſcheine, ber durch das Baub fält und einzelne 


Gampe's Wörterb 3. Th. 


113 N 


Die Lichtader, 4. —n. 


Lichtb 


Stellen erhellt, Liter auf dieſelben gleichſam ſeit, gebraucht. 

Und mit [hwantenden Lichtern, durchs Laub, überblidte ber 

Mond fir. Bötbe, 

Wegen ber weißen Farbe und einer andern Ähnlichkeit, bie man 
darin zu finden glaubt, heißt im gemeimen Erben und bei ben 38: 
gern bie weiße Aber, weran das Herz und bas Geſchlinge hängt, 
bie Lichtader und ſchlechthin auch das Licht. Die Mehrzahl vor 
Licht in der zweiten Bebentung, wo es einen Leubtenden Körper 
bezeichnet, und in welcher er allein Statt findet, lautet im O. D. 
Lichte, welche Form, mie ſchon Ad. bemerkt, keinen unterſchied in 
ber Bebeutung macht und Beinen befonbern Rebenbegriff bezeichnet. 


O Der kichtabſluß, —ſſes, Sy. —flüffe. 1) Der Abſtuß des ide 


tes, bie Bewegung des kichtes vom einem ſtrahlenden Punkte, 2) 
Adfließendes Licht. Herder. 

a) Die weiße Aber bei ben Thleren, 
woran bas ‚pery und bas Geſchlluge hängt. ©. Licht 2). *) Eine 
Aber am Kopfe der Pferde, im ber Gegend ber Bchläfe, welche ein 
Ar ber. Eungenaber iſt und bei Befhärigungen ber Lichter, d. 6. 
ber Augen geoͤffaet wird; bie Kollerader, weil man fie öffnet, wenn 
ein Pferb dem Koller hat. 


Die Lichtarbeit, By. —en, dieienige Arbeit, melde beim Schein ei» 


nes brennenden Lichtes ober einer Lampe verrichtet wird; sum Uns 
terfhiebe von dee Tagearbeit. - 


O Lichtarm, adj. u. adv. arm an Lit, wenig Licht habenb, wenig 


erdelet.· — — durch enge 

Sich oft burchkreuzeade lichtarme Bogengänge. Mietand. 
uneigentlich, am Lichte bes Verſtandes, an tihfigen, deuttlichen Cin. 
fiten, Kenntniffen arm, nicht aufgeliärt, Lichtaeme Beiten. 


O Das Lichtauge, —d, MM. —n (R.), ein lichten, helles Auge. 


„Sein Lichtauge wurde im Gtrubel bes neuen Rervengeiftes unters 
getaucht.“ 5. P. Rihter, 


Der Lichtausfluß, — ſſes, By. —ſtuͤſſe. 1) Der Ausflug des Eiche 


tes, bie Bewegung bes Lichtes aus einem fhrabienden Punkte; ohne 
Mepezäpl. =) Ausfließendes eicht. „Une Lichtaus fluͤſſe und guten 
Maͤchte ſtammen von ihm,“ Herber. . 


© Die Lihtauöflußlehre, ©. 2. in ber Naturlehre, die Lehre, 


nad welcher das Licht ein koͤrperlicher Ausfluß-der leuchtenden Kir 
pre if; auch die kLichtaus ſtroͤmungẽlehre (Emanationssystem). @, 


O Die Lichtbahn, By. — en, eine liätoclhe Bahn, wie huß, bie 


Bahn zum Lichte, d. h. zu hoher Auffiärung, heller Ert antniß, 

Bertlärung izt. Ich folge meiner Lichtbahn, ſchwebt ihr — im 

— Dämmerung fo gut fort, als ihr es wermögt,« Benzfls 
ternau, 


Der Lichtbaum, —es, Bi. —bäume, eine Art bes Wurzelbaumes 


an den Käften von Aflen, Afrika unb Amezita, deren Blumen vier 
"weiße innerhalb rauhe Blumenblätter, und acht Staubbeutel ohne Eh 
ben haben (Ahlsophora mangle L.); auch Leuchterbaum, Leuch⸗ 
terwurzelbaum, Aufterbaum, weit ſich an bie Wurzeln, welche ins 
Waſſer zeihen bie Aufleen anhängen, 


& Lichtbegeiftert, adj. u. adv. vom bem belchenden Einfluſſe bes 


Lichtes degelſtent. „Berzeife bem lichtbegeifterten Morgenlänber, 
ber in Gegenden des zeinflen Lichtes wohnet, den Gebrauch biefes 
Synbols“ (biefes Wilden). Herder. 


A Die Eichtbefränzung, 3%. v. gleichſam eine Wekrinzung mit 


Lit d. h. ſtrahlender weit verbreiteter Ruhm, ber bas Haupt ber 
beruͤhmten Prefon gleihfam befrängt; dann auf, fo viel als Ber 
Hörung, Berberrlihung, 

und bie Enfelmelt, 

Nicht mehr von Reid unb Raͤht binzenb 

Staunt unverwelllier Lichtbekraͤnzung. Wof. 


& Lichtbeſaͤet, adj. m. adr. mit Eiht gleichſam, oder Seffir, mit 


leuchtenden Körpren befärt d. p, reichlich verſehen. 
Im licptbefärten Raum. — Götpe 


15 


Lichtb 


© Das Lichtblatt, —, 2. —blaͤtter; Bw. das Lichtblaͤttchen, 
ein weißes oder gefärbtes Metaublaͤttchen, welches ben Tdelſteinen zc. 


bei ber Faſſung untergelegt wirb, bamit bas Licht vom bemfeben 


zurädgemorfen mwerbe und ber Stein mehr Feuer habe (Folie), ©, 
Derfeibe Sprachforſcher hat au Glanzblatt dafür gefagt. 

—— adj. u. adv. fo viel als heüblau. S. das Wellegungds 
wort Lich 

© Der Lichtblick, —es, Br, ein Blick, welchen ein Licht gleiche 
fam that, ber augenblidlihe Schein eines Sites. Tiedge. Dann, 
ein lichten, heller Eli bes Auges, wie auch uneigentlih, ein folder 
Blid des Werftantes. 

Die Lihiblume, =. —n, ein Name ber gemeinen Beitlofe; auch 
Serbflzeitlofe, Herbſtblume (Colchicum antumnale L.). ©. b. 
& Der Lichtbothe, —n, Di. —n, ein Bothe, Gugel des Lichtes. 

©, Lichtengel. 
Lichtbothen find nicht rein vor ihm; 
Am Engel findet er Fehl. Herder, 
In engerer Bedeutung kann es für Cherub gebrauht werten. ©. b. 

Der Lichtbraten, —$, 2. gl. bei manchen Hanbwerkern, rin Bras 
ien eber Heiner Schmaus, welcher ten Geſellen gegeben wird, wenn 
fir bei ben farzen Tagen anfıngın bei Lichte zu arbeiten; die Licht: 
gand, wenn ihnen bei dieſer Gelegenheit eine gebratene Gans gege— 
ben wird. 

Lichtbraun, adj. u. adv. fo viel als hellbraun, 
wort Licht. 

Das Fichtbrett, —es, 2. —er, bei ben kichtziedern, bänne Bretter 
mit Löchern, berem fie fi wie bee kLichtſpieße bedienen, viele Richter 
auf Ein Mahl zu ziehen. 

® X Der Lichtbruder, —t, 34. —bruͤder, ein Bruber ober Glied 

_. einer im Ichten Biertel bes vorigen Tahrkunberts beftehenden von 
Weishaupt errichteten Geſellſchaft, deren Bwed war, Licht ober Auf: 
Udrung zu verbreiten (Illuminat). G. 

Die Lichtdarſtellung, Be. —en. x) Die Darſtellung des eichtes. 
») Eine lite Darſtellung. 

— in ber Lichtdarſtellung ber Glut bes Lebenden Herzens. 
Baggeſen. 

O Der Lichtduft, —e8, o. 4. ein Duft von Licht gleichſam, Licht, 
das fih Hleihfam wie ein Duft verbreitet und matt if. „Gin Dcıe 
mei und weiß wie Schnecnnebel, mie Lichtduft.“ 3. 9, Richter. 

A Lichtduͤrftig, adj. u. adv. bes Biätes, d. h. der Erleuchtung, Auf ⸗ 

« Mörung bebürftig. Lichtduͤrftige Zweifler, bie einer Auflbdſung, 
—— — 


S. bas Beilegungs⸗ 


Aber er 
Boll Teilung ben Seelen; bis . löthörftige : Smeifel 
‚ Sich verwebten. Ktopfiod, 
r, Lichten, v. D) tes. von Bicht, Acht geben, Heil machen, erleuchten. 
Taghell iſt bie Madıt gelichtet. Schiller 

uneigentlich, einen Wald lichten ober auslichten, die Bäume in 
bermfriten nlederhauen. O Einen @telflein lichten, ibm eine hellere 
Farbe verſchaffen, dadurch daß man ihn dünner ſchleift ıc. — ben 
Edeiflein) die Welt — erſt durch Sohlſchleifen lichte J. P. 
Richter. Dann, deutlich, kennttich machen. „Der Weg, den wie 
nehmen, Fol hoffentlih die ganze Gegend lichten.“ Serben. 
11) rec. & & Sich lichten, lit ober heil werben. 

Dub beyunde Huchten’ (lichten) ſich der walt. Pakcifat. 
D. Lichten. D. —ung. 

Lichten, v. trs. von leicht im R. D. licht, =) Beiht maden, 
won dee Saft befrelen. Gine Tonne lichten, ſie durch Ausleerung 
leicht machen. Ein Schiff lichten, durch Ausfsten. Die Kaffe 
lichten, fie auslecren. 2) In bie Höhe heben, aufheben. Die Ant: 
ter dichten, fir in die Höhe ziehen oder winden. Die N. D. Fuhr⸗ 
leute rufen auch ihren Pferden lichte! zu, wenn fie ben Fuß aufdes 
ben follen, Einen zusädgewiefenen Wechſel lichten, in den R. O. 


(®.) 


[7 


114 


Lichtg 


SGandelsſtaͤdten, ihn zurudlaufen laſſen. D. Lichten. D. —ung. 

O Der Lichtengel, —s, 29. gi." ein Engel des Lichtes, ein guter 
im Lite wohnender Engel. S. Licht. „Die Stelle GHlobs, ba ber 
Staubmenfh dem flammenden reinen Lichtengel entgegengeiegt 
wird." ‚Gerber. 

Der Lichter, —s, Dh. gl. in ben Grefläbten, Feine Fahrzeuge, auf 
melde größere gelichtet b. h. entladen werden, wo biefe wegen 
Seichtheit des Waffers niht nahe genug kommen Fönnen; auf Leiche 
ter, Leichtſchiff. 

X Lichterloh, adv. mit lichter oder heller Lohe ober Flamme. Das 
Haus bernnt lichterloh. 

O Die Lichterfcheinung, 34. —m. 1) Eine durch bas Sit ber 
wirkte Erfheinung in der Natur. 2) A Cine mit Eiht d. h. mit 
Glanz und Hertlichktit begleitete Erfheinung. 

Wie eines Engels Lichterſcheinung. Schiller. 

O Lichtervoll, adj. u. adr, vol von Lichtern, viele Lichter enthal⸗ 
tend, von vielen Eihtern erleuchtet, derſchieben von lichtvol, ©. b. 
Das ganze lichtervolle Baus des unendlihen Vaters. 3. P. 
Richter, 

Die Lichtenfe, 9%. —n, eine Art Radıtfalter (Phalaena pronuba). 

O Der kichtfeind, —ıs, Dig: —e, rin Beind des eichtet; eigentlich 
und uneigentlid. 

— und es hörten ben Ruf bie verberbenden Diener des Lichte 
feinde. Baggeſen. 

Die Lichtflechte, My. —n, eine an altem Mauerwerk und an Baum 
Aimmen wachſende Flechte, welde rundlihe gelbe Schilder treibt 
und deren fid die Eanbleute in Schweden, wo fie wihft, bebienen 
ben Talg zu Litern gelb zu färben (Lichen candelarius L.); 
auf Kichtmoos, on 

Die Harfliege, ._n. 1) S. Lichtmotte. ») Ein Name des 
Sobannsläfers ober Te ©. Iobannstäfer =). 

Die Lihtform, 94. —ın, Formen von Glas ober Beh, kichter 
darin zu giefen oder zu formen, Das Gefaͤß, in welchts ber ges, 
ſchmelzene Zalg zum Lichtziehen gegoffen wird, beißt ebenfalls 
Lichtform. 

Lichtfrei, adj. u. ade. 1) Frei von Licht. a) Mom ber Sorge und 
ber Bezahlung für Eiht, Erleuchtung befreiet. Ginen lichtfrei Hals 
ten, ibm für Eiche, Leuchtung nichts besaflen laſſen, ihm Pit ums 
fonft geben. — bad fie den Menſchen lichtfrei, holzftei, Bofls 
frei — bält.e 3.9. Richter. 

O Der Lichtfreund, —es, 4. —t, ein Freund des Lichtes, ein 
Freund der Auftlaͤrung. 

Ein Unternehmen der Richtfreund” 

von weitausfehenden Bolgen 

Kir das Gelingen bes Erdauftlärens. — — Bagaıfen. 

Der Lichtfuchs, —es, 2. —flichfe, ein Fuchs oder roͤthliches Pfexb 
von dichter Farbe, ein Hellfuchd; zum Unterfhiebe von einem Roth⸗ 
fuchſe, der zuweilen — wenn er welßen Schwanz, Schopf und 
Maͤhne hat — auch kLichtfuchs genannt wird, 

O Der Lichtfunken, —s, 9m. gt. ein liter Funken, ober ein Fun⸗ 
ken von Sicht, d. h. eim Lichtthelichen. Uneigentlich, eim einzelner 
heller Blick eine einzelne beutliche Erlenntnif. — einzelne Licht: 
funten fpringen von allen Seiten ihm entgegen und ſchließen eine 
Köhere Weit vor ihm auf.- Fichte. 

Die Pichtgand, 9. —gänfe, f. Kichtbraten. 

Das lichtgarn, —es, 9. —, Garn, weldes zu ben Doßten der 
kichter gebraucht wird oder gebraudt werben fol. 

& Das Lichtgebilde, —s, 94. gl. ein lichtes, b. b. glänzendes 

ſchoͤnes Bibiibe. 

Fred getaͤuſcht ſteht fe an jeher Stelle 
Lichtgebitde aus bem Fabelland. AR. sank 

Lichtgeboren, adj. u, ady. im Lite geboren, zum Lit geboren, 

oeſchafſen. 


& 


Lichtg 


Hier ſieht jeber ber Lichtgebornen ben Water ber Schöpfung. 
Gonuenberg. 

A Das Lichtgefieber, —$, 0. 9. ein tihtes, d. h. helles, glänzen 
bes, ſchoͤnes Geſieder; bidjterifh auch wol, baskiht als Mittel einer 
ſchnellen und doch fanften Bewegung. 

ba ſchwebt auf ftillem Lichtgefieber 

Ein bimmliih Bid. ungen. 
A Das Lichtgefüte, —s, My. al. lite ober von Licht erfüllte 
Gefilde ober Aäume. 
Durch des Ächers Richtgefilbe ziehen 
Baubestöne, Deutfd. Merkur 
Dann, fo wie Lichtflur von bem lichtvollen Aufenthalte ber Geligen, 
In ben Kichtgefiiden jener Belt. Ungen. 

Lichtgelb, adj. u. adv, fo vis als beügeit. €. das Beilegunge» 
wort Richt. . 

& Das Lichigefhmeide, —s, 9. u. rin lichtes, 6. h. glänzendes 
Gefhmeide, Uneigentlich, Licht des Berftandes, bee deatlihe Sin: 
fihten als ein Befhmeibe, als etwas Kofldares —— 

Beisheit 
Die dankte Salomo fein Lichtgefhmeibe, ungen 

A Die Eichtgeftalt, 9y.—en. ı) Die lite, leuchtende Geftalt eines 

Körpers. Richt zweimahl hat ber Mond die Lichtgeftalt 

Erneut, feit ih den fürftlihen Gemadi 
a Bu feiner legten Auheſtaͤtte teug. Schit ler. IR.) 
») Eine — von Licht umfloſſene Geftalt. 
aber ſtill 

Rast die aubre Lichtgeſtalt. Deutſch. Merkur 
Die Schatten blühten ſelbſt zu 
Lichtgeftalten auf. Ziebge. 

Das Lichtgeftell, —es, M- —, bei den Eidhtziehren, ein Geftel son 
Estten, bie arzogenen Lichter zum Abküdlen barasf zu hingen. 

Das Lichtgewand, — s, Pig. —gemänder (R.), ein helles glänzendes 

‚Gewand, bas Liht einen Körper, ein Welen gleih einem Genannte 
umfliefend. und ber Tod, ber feinen Köcher Ieert, 

Birb ein Bentus im Lichtgewande, 
Die bie Kader laͤchelnd nietirfehet. Mächter. 

Der Lichtgießer, —s, 9. al. einer der kichter gießt; auch, ber Licht⸗ 
sieber, da rin und derſelbe Handwerker ſewol kichter giezet als 
ziebet. 

& Das Lichtgewoͤlk, —es, 4. —e, ein Lichtes, glänzendes Gewoͤlk. 

D ben im Haarſchmuck fei ber lange Schleler 
Befeſtigt, der tie glänzende Geſtalt 
Sieich ernem hellen Lichtgewoͤlk umfliefe. Schilter. (R.) 

O Der Lichtglanz, —es, 0. 9. 1) Des Glanſ bes Lichtes, oder, 
ein lichter Hans, glänzendes hellen Licht. „Lichtglang ber Ewig⸗ 
teit umftrablt ihn." Lafontaine >) A Etwas vom ober im 
Lite br Gläͤnzendes. Bo bedentet 16 im folgenber Stile helle 
ober glänzende Tropfen. 

Lichtglanz tränfelt vom gränen Buld. Voß. 

4 Lichtglaͤnzend, adj. u. adv. von Licht glänzend, hell leuchtend. 

— Kichtglängende Heerſchar. Sonnenberg. 

— adj. u. adv. fo viel als hellzrau. S. das Beilegungs: 
wort Ficht. 

*Biätgrün, adj. u. adv. fo viel als helgruͤn. „Lichtgruͤne Häger 
unerfeigbare baumambangene Bergwände“ Meper. 

O Der Lichthalter, —s, 4. gl. ein Werkgeng, welches dazu bient, 
ein Licht zu halten ober zu tragen, beionbers wenn es fo eingeridr 
tet ik, daß ed auf ben Eruchter auf zeſteckt wird, in welchem Kae 
«8 mit einem ober mehrern Stacheln im einer Meinen vertieften 
Scheibe verfehen ift, auf melde man ben Lichtſtampf befeſtiget z im 
gemeinen Leben ein Lichtknecht, Lichtſtecher (Proüter, Profit- 
chen) 6. hat biefes Werkzeug Lichtdehner genannt, weil es dem 
Eihtftumpf gleichfam in die Länge zieht, 


J 


115 


Lichtl 


4 Das Lichtheer, —es, 294. —e, ein Heer bd. h. eine große Zahl 
im kichte vorhandener ober vom Lite umflofener Weſen, von 
Bertlaͤrtea, Engein-ıc, 

Begleit’ ihn zum Thron' auf, o Lichtheer. Klopftod. 
O Lichthell, adj. u, adv, von Lichte Hell, hell wie Kit, 
D aller Menſchen Geele ſei 
So lichthell und fo rein. Glaubius, 
Davon bie Licht helle. - k 

4 Die Lichtherrlichkeit, 0. My. Herrlichkeit ober ein herrlicher Ans 
blick, welcher vom Lichte verurfaht wird. „Feierlich ſchoͤn ging die 
Sonne unter und verbreitete Bichtherrlichkeit über die gamge weite 
Orgend,» Ewalb, 

Das Lichtholz, —es, m. —hoͤlzer. 2) Kiefers und anberes Holz, 
weraus Spoͤne gemacht werben, melde bie Sanbleute auf bem Derbe 
anflatt ber Lichter brennen laffen, Werben folde Spaͤne ſelbſt bamit 
gemeinet, fo findet aud die Mehrzahl Statt. =) Im Korkiwefen, 
eine Binennung ber Laubhoͤlzer, zum Unterſchiede von ben Schwarz» 
hoͤlzern. S. das Beilegungeiwort Licht, 

Der Lichthut, —es, 3. —büte, ein hohles blechernes Werkzeug in 

Seſtalt ber chemahls gewöhnlichen fpigigen kegelförmigen Hüte, ein 
Serunendes Licht damit auszuläfhen. 
Die Lichifammer, 4. —n, eine Kammer, welche gu Bermohrung 
der Lichter beflimmt il. Xu ben Höfen begreift man unter dieſem 
Worte auch die zur Aufſicht Äber bie Lichter beſtellten Perfonen, bes 
zen vornehmfle ber Lichttimmerer iſt. unter diefem ftchen ber 
Lichtſchreiber, Reifstichtfchreiber ac. 

Der Lichtkegel, —s, 9. gi. fo viel als Strahlenkegel. ©. b. 

Der Lichtknecht, —es, 9: —e, ſ. kichthalter. 

Der Lichtkoͤhler, —s, My. gl. eine Benennung derjenigen Kohlens 
brenner, melde King und Bufhwerf in Gruben verkoblen. 

Der Lichtlorb, — s, Myz. Erbe, ein langrunder Korb, Liäter 
barin aufbewahren. 

Das Lichtkraut, —es, 4. u. das große Schoͤllkraut (Chelidonium 
ınajus L.), 

O Der Lichtkreis, —eb, 34. —e. 1) Ein Kreis von Bit, eicht 
weldts einen Körper, ein Weſen glei einem Lichte umgieht, =) 
Ein liter, d. b. glängender, hersliher Kreis höherer Weſen, ein 
Kreis von Lichtgeſtalten. 

— ihr feht ber hoben Unfterbiihen Lichtkreis. Atopflod. 

O Lichtleer, adj. u. ade. leer an Licht, Bein Licht habend ober gebend, 
durfer, aſter. „Das Zimmer wurde, wie eine Blode Luftteer, fo 
lichtleer gemadt.e 3. P. Aihter „Ein lichtleerer Abgrunb.“ 
Brume. (R.). Auch uneigmilih, ohne Einfiht, ohne Deutlihkeit. 

O Die Eichtiehre, o. IM. in der Naturlehre, bie Lehre vom Lichte, 
in welder von ber Natur, ber Bewegung bes Bidhtes ıc. gehanbelt 
wird. Beſonbers berienige Zhril biefer Lehre, welcher von ber Bre⸗ 
Kung und Surödwerfung ber Eihtfieahlen und ihrer Ginwirfung 
auf das Auge hanbeit (Optie), 

O Der Lichhtleiter, —s, 34. gl. in ber Raturlehee, ein Körper, 
welcher bas Licht durch feine Zhetle buchläßt, daffelde gleiäfam 
weiter leitet. „Bin Körper, welcher das Lidt ungehindert burds 
gehen LäMet, heißt durchſi btig ober ein Kichtleiter.« J. P. Richter, 

+ Der kichtling, —et, 9. —e, eine Art koͤcherſchwamm, ber Elch⸗ 
bafe (Boletus ramosissimus L.). 

Das Lichtloch, —es, 4. — loͤcher, ein Boh, durch mweldes bas 
Lit einfält und einfallen fol, Im Bergbaue belegt man mit bie» 
fem Namen bie Schaͤchte, durch melde Licht in tie Stolen fädt, 
ober vielmehr, wilde ber Sergfoͤrberung, der Ruft und ber Wetter 
wegen gemadt werven, bie bei Musbefferung bee Stollen fehe nähe 
lich find; beflimmser ber Lichtſchacht. 

O Lichtlos, adj, w. adv. ohne Liht, bes Lichtes beraubt, ſinſter. 
„Der lichtlofe Pfab des Blinden.“ Lofontaine Uneigentlid, 
ohne Dentlihkeit. „Lichtlofer Wortrag.“ Klo pftock. Davon bie 


Lichtm 
eichtloſigkeit. 


+Der Lichtmarder, —s, 9. gl. der Baummarber ober Felbmarber. 

Die Lichtmaſſe, By. —n, eine Maſſe ober große Menge von Licht 
ober Eihtftrahlen. In der Mahlerei verficht man unter Lichtmaffen 
die ſehr hell gehaltenen Stellen, melde vieles Licht zurädwerfen ; 
zum Unterſchlede von den Schattenmaſſen. . 

4a Das Lichtmeer, — es, @%. u. gleihfam ein Meer von kicht, d. h. 
eine: groge Fälle von Lit, vieles und flarkes Licht. „Ih fehe mid 
wieder von einzelnen Geftalten umgeben, beren jebe einen färfer 
ober ſchwaͤcher gebrechenen Strahl aus jenem unenblihen Lichtmeer 
auf mid zurädyuwerfen fheint.- Wieland. Auf eine ungemöhn: 
liche Art und in einem, tie es fheint, harten Blide nennt ein 
neuerer Dichter auch das glänzende Weiße der Augen ein Lichtmeerr: 

O blick auf ins Kichtmeer, 
Worin ihre Holden Augäpfel ſchwimmen. Shönborn. 

Die Lichtmeffe, 84. —n, eine von alten Zeiten der üblihe Benen: 
nung bes Heftes der Reinigung Mariens, weldes auf ben zweiten 
Februar Fällt, an melden Zage in ber Romiſchen Kirche Lichter 
ober Kerzen befonders zu felerlichen Umgängen geweihet werben ; ba: 
ber dieſes Feſt auch den Namen Pichtweihe ober Kerzenweihe heißt. 

® Der Lichtmeſſer, —s, Pi. gl. ein Werkzeug, ben Grab bes Lid: 
tes ober die Schwaͤchung beffeiben bei feinem Fortgange nah Vers 
bältnis feiner Entfernung vom firahlenden Punkte zu meſſen (Pho- 
tometer). 6. 

O Die Lichtmeßkunſt, 0. 9. bie Kunſt, den Grab bes kichtes zu 
meffen (Photometrie). G. Bärja fagt bafüz Lichtmeſſung, wel 
qhes Wort eigenttih die Handlung bezeichnet, dba man das Lit 
d. h. ben Grab beffelben mißt. 

O Die lichtmeffung, 24. —en, f. Lichtmeßkunſt. 

Die Lichtmirte, 34. —n, eine Art des Wachsbaumes ober Talgbau— 
mes in Norbamerita, beffen männliche Biäten gewoͤhnlich ſeche Staub⸗ 
fäten Haben, und beffen Frucht kugelfhrmig und faftig ift (Myrica 
cerifera L.); auch ber Kerzenbeerſtrauch. 

Das Lichtmoos, —es, 4. u. f. Lichtflechte.r 

Die Lichtmotte, ig. —n, eine Kamilie Radtfalter, deren Klügel 

„gabelförmig ftehen und welde nah dem Feuer und Lichte fliegen 
(Phalaenac pyralides); auch Lichefliegen, Lichtmuͤcken, Feuers 
voͤgelchen, Zuͤnsler ze. 

Die Lichtmuͤcke, Rz. —n. 1) Eine Art großer Muͤden ober Schna⸗ 
ten, melde in ben Zimmern nad ben Lichtern flieget; auch ing: 
ſchnake (Culex pipiens L.). 2) 8, Lichtmottt. 

& Der Lichtpfad, —es, Rp. —e, ein liter d. h. heller, glänzen 
ber, erleuchteter Pfad; ein Pfab zum Lichte. &, auch der Lichtweg. 

Ihr Lichtpfad ſchͤner und geſchlangen ſenket 
Sich in bie Sonnenbahn der Sittlichkeit. Schiller. 

O Der Lichtpunkt, — es, My. —, eine lichter oder heller Punkt, 
ein Puntt ober eine Stelle, wohin das Licht vorzuͤglich reichtich fädt. 
„Bor ihr landen auf einem veseinten Fußgeſteile, im heilften Lichts 
punkte bie vier ebelflen Stifter menfhliger Kenntniffe.* Meyer. 

Die Lichtputze, 4. —n, ein Werkjeug, meldes mit einer Schere 
Ahnlichktit hat und dazu bient, das Licht zu pugen, d. h. die Schnuppe 
vom Dochte abzuſchneibden und in dem hohlen Theile des Werkjenges 
aufammenzupreffen, bamit fie nicht bampfe; bie Lichtfchere, Licht: 
ſchnaͤuze, Pubſſchere, im ©. D. and + bie Abbreche. 

4 Der Lichtquell, —e6, 4. —e, ober bie Lichtquelle, 4. —n, 
ein Quell, eime Duelle des Lichtes woraus Mh das Lit gleichſam 
ergießt, b. h. etwas das für ben Urſprung bes Lichtes gehalten wirb. 
So nennt man die Sonne einen Lichtquell. 

ws’ fih noch auf des Meiterichaffers Werbe 
Sein Lichtquell über wih ergot. J. A. Cramer, 
Kuh nennt man Gott felbft bildlich und uneigentlich den Lichtquell. 

Das Lichtrecht, —es, By. u. das Retht, durch die Wand vom Haufe 
eines Rachbars ein Fenfter zu breden, um badurch Licht im fein eis 


116 


gichtf 
genes Haus zu befommen. 


O Der Lichtregen, — 8, 9. u. gleihfom ein Regen vom Liht, eime 
große Menge fallender leuchtender Körper, 

106 zifht es (das Feuerwertk), ber Umkreis 

Leuchter wie Mond, Lichtregen von Sternen zerplahtt, — — 
Sonnenberg. 

O Lkichtreich, adj. u. adv. reich an Licht, fehe licht, heil, glänzend. 

& Dad Lihtreih, —e6, o. Di. das Reich des Lichtes, ber Hirte 
lichkeit, ber Kufentgalt der Seligen bei Gott, 

nahm zu dem Erb' auf er, ben am Kreuz Bott fah, 

In das Lichtreich auf. Kiopftod. 

O Lichtrein, adj. u. adr. fo rein mie das Licht; uneigentlih. Cine 
lichtreine Seele, „Lichtreiner Menfhenverfiand." Ungen. 

Das Kichtröshen, —s, 9. gl. dei Einigen, der Geſchlechtaname 
derjenigen Pflanzen, welde einen einblattigen,, länglihen, glatten 
Keih, fünf mit Nägeln verfehene und zweifpaltige Blumenblätter, 
schn Staubfäden, fünf Griffel und eine fünffäderige Frucht haben 
(Lychnis L.); bei Andern Wiederſtoß. Bu biefem Geſchlechte ger 
Hört bie brennende Liebe, bie Pechnelke, die Kududsslume ıc, 

Lichtroth, adj.u. adv, fo viel ats pellsorp. ©. bas Beilegungswort licht. 

O Der Cichtfauger, — 6, 3. gl. ein Ding, bas gleihfam bas Licht 
in fi fauget; eine Benennung bes Leuchtſteines. ©. b. 

Der Lichtſchacht, —es, 9. — ſchaͤchte, im Bergbaue, ein Schaft, 
ber auf langen Gtollen unb Strecken angelegt wisb, um in benfels 
ben Lit zu bringen. ; 

O Der Lichtſchein, —e8, 0. 34. 1) Der Shein bes Lichtes, ber 
Kerie, a) @in Schein von Licht, ein geringes Liht. J. P. Richter. 

Die Lichtfchere, 4. —n, ſ. Lichtputze. 

Lichtſcheu, —er, —efte, adj. u. adr. bas Licht ſcheuend, eine Scheu 
vor dem Lichte habend, weil die Augen es nicht vertragen Können. 
Die tichtfcheue Eule, tineigentlih, das Lit d. 6. die Befanntwers 

‚bung, Öffentlichkeit, aud die Aufliärung ſcheuend. „Ein lichtſcheutr 
Dann.“ effing. 

Diefe lichtſcheu Erummen Lichespfabe. Schiller. 
Davon ber Lichtſcheue, ein lichtſcheuer Menfh. „Wie weit wir bem 
Beugniffe eines Lichtſcheuen trauen Pönnen.“ Beffing. 

Die Lichtfchen ober Lichticheue, o. . der Buftand, da min bas 
Licht fchruet, im eigentliher und uneigentliher Bedeutung. „Sollte 
unter biefem geheimnißvollen Betragen nicht Lichtſcheu verborgen 
fein?® ungen. (R.). In engerer eigentliher Bedeutung heißt bei 
ben Augenärzten eine Augenkrankheit, bei welder das Auge fo ern ⸗ 
pfinblic if, daß es theint unb ſchmerzt, wenn ſtarkes Licht in daſ⸗ 
felde fällt, oft au Krämpfe befömmt, bie Lichtſcheu (Photopho- 
bis). Beer, — 

Der Lichtſchirm, —ed, Dip. —e, ein Heiner Schirm, welchen man 
entweber vor das Licht ſtellt, ober am Lichte ſelbſt befehiget, ober 
auch am Kopfe über den Augen trägt, bamit bie Lihtfiraplen nicht 
in biefelben unmittelbar fallen. " 

Die Lichtfchnäuge, 3. —n, ſ. Lichtputze. 9. 
& Lichtſchnell, adj. u. adr. ſchnell wie das Lit, wie ber kichtſtoff 
fi bewegt. " und licht ſchnell 

Elog’s in bie Hiamel. — Sonnenberg. 

Die Lichtſchnuppe, 99. —n, ber verbrannte und in Aſche zerſallende 
Docht eines Lichtes, welcher adgenommen werden muß, wenn das 
Licht beit brennen fol; auch nur die Schnuppe, im R.D. das Oſel. 

Der Kichtfchreiber, —s, 9. al. ſ. Lichtkammer. 

O Das Lichtſehen, —®, 0. 3. das Gehen eines Lichtes, Scheines; 
ein Erankhafter Zuſtand ber Augen, ba man bie Gegenftänbe feurig 
glänzend fieht, zuweilen ein Vorbothe bes ſchwarzen Staares (Pho- 
topsia, Marmaryge), Beer. 

© Die Kichifeite, By. —n, diejenige Seite, auf welche das Licht 
faͤut, melde dem Lichte zugemenbet if. — und felbft ber Franke 
verlorene Reim im duͤſtern Gewölbe — will an ber Lichtfeite grü- 


Lichtſ 


men.* &, Wagner. Uncigentlich, bie glänzende, ins Auge fallen« 
de, vortheiihafte Seite eine Sacht. In beiden Faͤllen in Gegenſatz 

‚der Schattenſeite. 

O Der Lichtſpalter, —®, 9. gl. in der Naturlehre, ein dreiſeiti⸗ 
ger giäfeener Körper, durch melden man Lichtfiraflen geben laͤßt, 
welche fh beim Durchgange gleichſam Tpalten , b. h. in mehrere 
Strahlin zertheilen, deren Farben bie Farben bes Mrgenbogens find 
(Prisma). @, 

Der Lichtfpieß, —es, ig. —r, bei den Eißtziehern, dünne hölzerne 
Staͤbe, an melde die Dochte gezrihet werden, um fie in dad ges 
fhmolzene Zalg zu tauden und durch bie Öftere Wiederholung bies 
fes Sintauhens zu Litern zu ziehen: 

X Der Lbichtſtock, —es, 34. — ſtoͤcke, ein Leuchter, befonders ein 
einfacher hoͤlzerner Leuchter. 

Der Lichtſtoff, —es, o. 2. ſ. Licht ı). 

Der Lichtſtrahl, — s, Di. —en, das Licht in Hinfiht auf feine 
Bewegung, ba man ſich bie kichttheilchen nach geraben Richtungen 
ober Linien vom dem leuchtenten Körper aus fih bewegend denkt. 
Uneigentlih, ein Strahl von Licht d. h. von Verſtand, Eit ſicht sc. 
einiger Berfland, einige Einfit. ** 

— mean von Zeit zu Zeit ein Lichtſtrahl won Verſtand 
In ihm erwacht Bürbe, 

& Der Lichtſtrom, —es, 8. — ſtroͤme. 1) Gin Strom von Liht 
gleihfam, eine große fih verbreitenbe Lihtmafle, oder bas Licht in 
Anfehung feiner Bewegung und Berberitung mit einem &trome ver 
alihen, Es ift allerwaͤrmender, allbelebender Lichtſtrom.“ Her 
der 2) Der Strom, b, h. bie Bewegung, Gortpflanzung des 
Lichtes. 

Der Lichttag, —es, My. —, X ein Tag, an welchem Lichter vers 
fertiget, vertheilt werden, obere an welchem fonft etwas mit en 
Litern vorgenommen wird; nur im gemeinen Erben, Dann kann 
Lichttag auf) einen lichten, hellen Zag bezeichnen. Umrigentlich br: 
zeichnet man bamit 2) 4 einen Tag, am welchem ales ans Licht 
tmmt, alles aufgellärt wird, j 

Jauchzet — denn ber Yichttag kam. Rlopftod. 
2) A Einen vom Licht bes Werflandes und ber Auftlärung, von 
Milde gleihfom erhellten Zug, b. $. eine ſolche Beit, 

Ik der Lichttag göttlicher Aurele 

Tief zur Nacht hinabzuſinken wert ? 

Dird bie Nacht in der Zirannenfeele 

Rie zum heitern Lichttag aufgelläet? Ziedge, 

A Der Lichtthron, —es, Di. u. ein Heilglängender Ihren, ber 

Thron im Lichtreiche. 
— es ergeußt — wie ein Strom, 
Wie ein Meer — von dem Lichtthron ſich herab 
Der Geihoffenen Bid — Kiopfiod, 

Der Lichtträger, —s, M. al. einer der ein Licht ober das Eiche 
trägt; aud ein ſolches Werkzeug. In bee Raturlehre mennt man 
Lichtträger ſoiche Körper, die gleihfam kicht in ſich tragen, b. h. 
bie im Danfeln leuten (Phosphorus), 

A Eihtteunfen, adj. u. adv. won Liht, eigentlich und uneigentlid), 
gleihfam trunten, geblendet, „Noch lichttrunten vom glänzenden 
Bante ber Erdume* 3,9. Rihter, 

& Eidtumfloffen, adj. u. adv. von Lichte umfloffen, umgeben, heil 
erleuchtet. So auch Lichtummallet. 

Bon lichtumfſloſſenen Hügeln. G. Jakob, 

AH tummallet, adj. u. adv. f. Lichtumfloſſen. . 

& Die Eihtummwallung, 34. —ın, eine Umwallung von Liät, 
ummallendes Licht; fo wie Lichtmeer. 

— — das in ben lauterſten 

Lichtumwallungen abgefpäit j 
Ich unſchuldig und rein aller Befledung fei. Bof. 
O Der kichtverbreiter, —s, 99. gl; die —inn, Di. —ın , ein 


117 


Lieb 


Weſen, ein Ding, das Licht verbreltet. * 

O Lichtverbreiterinn (Sonne) du leuchteſt 

Am Abend fo helle ber Melt, 

Bir am Mittag bu glänzt, Gedibe. (M.) 
In engerer Bedeutung, eine Perfon, weiche Licht, bi h. Einſicht, 
Aufltärung verbreitet. - 

Lichtvoll, —er, —efle, adj, u. adr. vol Lichtes, viel Licht habend 
und gebend. Umeigentlih, vol Deutlichkeit, höchſt beutlih, Gin 
lichtvoller Bortrag. — 

Die Lichtwand, DM. — waͤnde, im Hüttenbaue, zwei ſchwache ge: 
beohene Mauern ober Steine huf den Yuttermauern bes Stihofens, 
hinter weihen uch andere Mauern aufgeführt werben, ihnen Fe 
ſtigkelt zu geben. 

& Der Lichtwandler, —s, 34. gl.; bie —inn, Dig. —ın, eine 
Perfon, ein Weſen, bas im Lichte, in ber Klarheit wandelt, 

— — flüflee mir, du Lichewanblerinn! Baggefen, 

4 Der Lichtweg, —es, Big. —e, fo viel als kichtpfab. 

Dieſen Lichtweg ſteiget hinab. — Klopflod, 

Die Lichtweihe, 3. u. die Weihe ober Veihung ber Liäter zu ger 

- wilfem Gebzaude. Stieler. 

A Lichtweiß, adj. u. adv. glängenb ober blendend weiß. 

— — feine (bes Zeltera) Farbe fet 
Lichtweiß, gleihwie des Eonnengottes Pferde. Schiller. 

A Die Lichtwelt, 39. u. eine Höhere vellfommnere Welt, in welder 
bie Berktärten gleihfam im Lichte wohnen. S. Licht 1) unb bas 
Lichtteich, „Iene Lichtwelt.“ 3. P. Rihter (E). 

O Die Lichtwolke, 8. —n; Bio. das Lichtwoͤllchen, eine lichte, 
von der Sonne hell beſchienene Wolke. — bie Erdenſtelle, wo ſich 
Sionens Hüle, das Eleine Licht und Rofentwölfchen niedergeſenkt, 
als es ben Engel nicht mehr zu tragen hatte.e I. P. Riter. 

+ Der Lichtwurm, —ıs, Mg. —würmer, das Sohannewärmden. 
©. Johannskäfer 2). 

Der Lichtzfeher, —s, 9. gi.; die —inn, M. —en, eine Perſon, 
welde Lichter ziehet, befonders eine ſolche, welche ein Gewerbe aus 
biefem Gefäfte macht, ein folder Handwerker, ber gewoͤhnlich auf 
Seife ſiedet und Seifenjieber beißt. 

Lieb, —r, —ſte, adj. u. adv. 1) Angenehm, Vergnügen gewäh: 
send; befonders im gemeinen Leben und in ber dertraulichen Sprech ⸗ 
art. Es ift mie lieh, daß Sie bamit zufrieden find. Es ift mir 
lieb zu erfahren, zu hören, au fehen, „Baffen Sie fih Ihre Feine 
Halsftarrigkeit Lieb fein.“ Bellert. Mit eimas für lieb oder 
fürlieb nehmen, fih bamit begnügen, bamit zufrieden fein. ©. 
Fuͤrlieb. Auch als Grundwert. Einem Liebes und Gutes erjeigen, 
„Sie thut ihm Liebes und Fein Leides fein Lebenlang" Sprichw. 
82, 12. Cinem etwas Liebes thun, was ihm lich ift; auch, einem 
etwas zu Liebe tham, ehemahls ein Lich. 

Saft mir nad meinem teibe ein Fleines Lieb geſchthen, 
d. Ribelungen & VB. 4277; 
b. h. etwas Siehen, Es wäre mie lieber, wenn er hicher kaͤme. 
Sch möchte lieber weinen als laden, das Weinen If mir näher als 
das Lachen. So if e6 mir am liebſten. Das ift mie das Liebſte. 
Belonbers bepeichnit lieb, durch feine guten Gigenfhaften angenehm, 
lebenswürbig. Dft werben lieber unb lichflen als Steigerungt, 
geade von gern gebraucht. Ich gienge lieber ſelbſt zu ihm, Er ißt 
lieber einfache als gekänftelte Eprifen. Ih fähe es licher, wenn es 
nicht geſchaͤtt. Dies if feine liebſte Beſchoͤftigung. Ihnen werbante 
id mein Slät am liebſten. Häufig ſteht diefes liebet auch fir 
vielmehr ober gar. „Ih weiß, daß fie fehzig find. — Warum 
nit lieber adtzig?®* Bellert. Zuwellen aud für, es iſt beſſer. 
Rieder fexben, als eim foldes Lehen führen. „Lieber das ſchwoͤch⸗ 
liche Kind um feiner Bosheit willen bis auf bas Blut gefiraft, als" ıc. 
Bellert, In engerer Bebentung , geliebt, feiner angenehmen und 
guten Eigenſchaften wegen in großem Werthe, in grober Achtung 


* 


Kieba 


118 


Liebe 





ftehend. Mein lieber Bruder, Freund. Meine liebſte Ereunbinn. 
Meine leben, meine Geliebten; ehemahls aud, Befreundete. 

Die Lieben zu tem Leiden 

Wurden geleget auf bie Bahre. bie Klage, ©. 2358. 

Ara gemeinen Leben und im ber die Sprache beffelden nadahmenten 
Schreibart wirb liebes auch im lieb abgekuͤrzt. Lieb Kind, 

Lich Möber, ich halte dia's mie ıch ed gemeint, Soͤrger. 
Ginem lieb und werth fein. So lieb mie ınein Eben ift, fo gäbe 
ich es bed gern für eu hin. Kaum bad liebe Erben haben, 

Er nahm bie Meife vor und fah ſchon mit Vergnügen 

Die liche Stadt auf einem Berge liezen. Gellert, 

Im gemeinen Eeben nennt man beſonders ales lich, was zum Erben 
und zur Erholtung beffelten, wie and zum Moplfein umentbepriid, 
atfo im bödften Grade gridägt il. Der liche Bott, Das liebe 
Brot. Das liche Korn. Die lirbe Sonne, Dre liebe Regen. Das 
liebe Gewitter. (R.). Auf ber lieben Gebe Tiegm. Das liche Gelb, 
„Ihr treibet bie Weiber meines Bells aus ihren lieben Häufern.“ 
Micha æ, 9. Zumeilen vrefhmindet ber Begriff ber Liebe und 
Schaͤtung mehr oder weniger, Die liebe Zeit, „Der Abenb war 
Lieb und mild. Koſegarten. 

Das (baf) ih mochte geleben manden lieben Tag. 

Heinrich. 
Der liche Zufall fügte es fo. Hieher gehört auch ber Ausbrud lie⸗ 
ber Freund, womit man im gemeinen Erben ganz unbelannte Per: 
fonen ansebet. Auch ald Grundwort. Wein Lieber, meine Liebe. 
Auch wird Lieber gebraucht, um jemand freundtich und vertraulich 
anztıreben. „Denn fie fprad;, Fieber, Taf mich auflefen." Nuth a, 7 . 

@i Fieber, geht dech glei und bringt ihm eilend ber. Günther 
Etwas Liebes Haben, im gemeinen Leben, eine geliebte Perſon. 
Der Liebſte, bie Piebfle, von wei Perſonen bie fi lieben, fie mös 
gen verbeirathet fein ober nicht. Im erſten Falle fept man Herr 
ober Frau Hinzu und fagt au Ehellebſter und Eheliebſte, wefür 
man in dem mittlern und pöhren Ständen Dann, Frau, und Ges 
mahl, Gemahlinn fagt. Im’andeen Falle if der Geliebte und 
die Geliebte edler und unter ben gebilbsteen Kiaffen gewögnlider. 

Immer halt’ ich die Liebſte begierig im Arme geſchloſſen. @öthe. 
Im gemeinen Erben und in ber leichten Schreibart fagt man für 
@elichte auch Liebchen und Lieb, S. Liebchen. 2) Liebend, Lirde 
empfindendb ; aud meiſt nur im gemeinen Leben unb ber leichten 
hreibart, Jemand lieh haben, ihn lieben. „Den fie fo lieb mie 
fih und wohl (mol) noch Lieber hatte.“ Gellert. Beine Kinder, 
feine Familie Herzlich Lieb haben. Das Geld lieb haben, an bem 
Beige beffeiben Vergnügen haben und es nicht gern von fi laffen; 
in engerer Bedeutung, geizig fein. Etwas lieb befommen, gewöhns 
lichtt lieb gewinnen ober liehgetwinnen, Liebe, Neigung bazu bis 
tommen. „Ih bibe fie liebgewonnen.* Kofegarten. 

Liebathmend, f. Liebeathmend, 

X Die kiebäugelei,; 29. —en, das Liebäugeln, bas Werfen vers 
liebter zaͤrtlicher Blide, Leffing. (M.). 

+ Das Licbäugelein, —6, Mm. u. ein Name 1) des Borretſch; 
2) ber großen Odifenzumge, auch Sternblume genannt (Auchusa 
officinnlis L.); 5) einer Art Krummbals, der blaue Krummbals, 
Ackerkrummhals (Lyeopsis arvensis L.); 4) bee geiben Feigbohne 
oter Molfshohne (Lupinus luteus L,); 5) ber Hundsjunge (Cyno- 
glossım offcinale L.). 

x Liebaͤugeln, v. I) intrs. buch bie Augen 6. h. durch ſreundliche 
zaͤrtliche Blide feine Eiche zu einer andern Perſon an ben Tag Its 
gen, Mit jemand liebaͤugeln. 

Nur Hrer von Saum manchmahl liebaͤugelt nad ber Kunft 

Bald um Belindens Herz, talb um Glorinnens Gunft. Bchariä. 
11) O irs. burd; kiebdugeln zu Wege bringen, bewirken. „— fie 
(bie Schlange) ſprach mit bem Weide, zierte ih, gaufelte, lieb⸗ 
Augelte ihr die Feucht zum ac, d. h. bewirkte durch ihr Biebäugein, 


KRaifer 


daß fie die Frucht nahm. Herber. — D. Liebaͤugeln. S. ang 
Kugeln. 


Die Liebbirn, 2. —en, eine Borte fhöner Birnen von füßem ans 


._. Geſchmacke, von kegeiförmiger Geſtalt mit einem platten 
Korfe. 


X Das Lichblümchen, ſ. Liebesbluͤmchen. 
x Dos Liebchen, —s, EA. gl. eine gelichte Perſon, befonbers ein 


gelishtes Maͤbchen, eine Beliebte, 

Bein Kırbehen ging mit mir ins Felb. Hageborm. 
Gpemahis wurde bafür häufiz auch das Lieb gebraucht, 

er hatte Lieb in Arme, — b. Ribelungen &. B.6orı, 
Dies hat Bürger neben jenem wieder erneuet: 

@r vahm fein Licb mit Finem Schwung 

und ſchwang's auf ben Poladen, 


& Liebden, ein Wort, womit fi fürftlige Verfonen unter einander 


wie mit einem Zitel anzureten pflegen, und weides geliebte Perſon 
bedeutet, und bas Wort Liebe it, deſſen man ſich noch zuwellen auf 
ben Kanzeln bebient, die kriſtliche Bemeine anzureben. Euer Lieb⸗ 
ben, im Schreiben, Ew. Liebden. In einigen Fällen giebt ober 
gab ber Kaifer fürktihen Perjonen in feinem Schreiben nur ben 
Titel Deine Liebden. 

Die Liebe, o. 9. 1) Überhaupt der Zuſtand bes Gimüths, ba man 
inniges Wohlgefallen on einer Sache bat, ſich am Bıfig oder Ge 
muß berfelben vergnöget, Die Liebe zur Freibeit, zur Mahrpeit, 
zum Beben, zum Weine, zum Gelde ıc. X tuft und Liebe zu ei 
nem Dinge, macht alle Mühe und Arbeit geringe, Mit warmer 
Liebe etwae them (com amore), mit großer Rıigung, mit großem 
@ifer, Gelbft Graff, aus deſſin treuen Bildern, 

Die er mit warmer Liebe mabit. Ebert. 
Befonders bas innige Wiohlgefallen an einer Perfon, bie arofe Im 
neigung zu berfelten, verbunden mit freubigem Beftreben , berfelben 
wohl zu thun. Liebe zu jemand haben , tragen, gegen jemänb em: 
pfinden, hegtn. Liebe gegen alle Menſchen empfinden, zeigen. ©, 
Menfhentiche. Liebe erwecken, erregen. Zur Liebe reiten. Für 
die Liebe ermpfänglih fein, Etwas aus Liebe zu irmand then, bars 
am meil man ibn Lebt. hen Sie cs mir zu Liebe, aus Liebe ju 
mir. „Werden Sie mir zur (zu) Liebe munter.“ Bellert, Di: 

für fagte man ehemohla, um meider, deiner 1. Liebe. 
Um ihrer Xinbe Liebe hieß fie bereiten Kieib, b. Nibelungen 

8, B. 1069, 
Ginem alle Liebe und Freundſchaft brimrifen, ifm Bewriſe von feiner 
Liebe und Freundſchaft geben. Eine zeine, unfhulbige, unelgen: 
nüpige Liche, Einem mit teruer Lirbe amgethan fein. Die cheliche 
Liebe: Die Liebe ber Ältern zu ben Kindern, und ber Rinder zu 
den Ältern, die aͤlterliche und bie kindliche Biete. Die Liebe Bots 
tes, ſowol bie Liebe, bie Bott ben Menfhen beweifet, aid auch bie 
Liebe der Menſchen gegen Bott. In engerer Brbeutung bezeichnet 
Liebe das innige Wohlgefolen an einer Perfon anderes Geſchtechts, 
ben Wunfch mit ihe au Lehrer, verkünden mit bem fertigen Beflre 
ben, ihre Zufriedenheit und ihre Woh’fahet zu befirben und alles 
Unangenehme zu entfernen ober zu vermindern; eub X bie Minne, 
©. d. Liebe gegen eine Perſen empfinden. Im Piche entbrennen, 
von einer hefrigen Liebe hingeriffen werden. Bor Lirbe brennen, eine 
große leidenſchaftliche Liebe empfinden, Wine innige, frurige, been: 
wende Liebe. Eine zarte, hohe, edle Lirbe. Sinnliche Liebe, bie 
nur in ſinalichern Wohlgefallen beftihet unb mit ter Zegier und bem 
Streben nad Manlihem Benuffe verbunden if. @ine unerlaubte 
Liebe, eine finnlide Biche zu riner verheiratpeten ober blutsner- 
wandten Preſen. Gprihm. X Alte Liebe roftet nicht, Liebe, bie 
man fin frührn Briten für eine Perfon empfsad, verliert ih nie 
ganz. Gin Eirb ber Liebe eder von Liebe, worin bie Biete beſungen 
wird, ober weiches vom Eiche zeugt, mit liebender Empfindung ges 
dichtet if. Im dieſer engeren Mebeutung tft Liebe fa in allen fel- 


| Liebea 


genben Aufommenfegungen gebraucht. =) Der Gegenftand ber Liebe, 
eine gelichte Perfon, ber Beliebte, bie Geliebte. Seine erſte Liebe, 

Unb wärf du ſelbſt bie niebeigfle geboren, 

Du möüfteft dennoch meine Liebe fein. Schiller (M.). 
Bicher gehört auch der Ausdruck. Eute Liebe ober eure kriſtliche 
Liebe, womit Perbiger ihre Zuhbrer vom ber Kanzel bei gewiſſen 
Gelegenheiten anreben. 3) Der Name verfhiebener Pflansen. (1) 

° Die brennende Liebe, eine zu demjenigen Geſchlechte, weides bei 
Zinn! Lychmis heißt, gehbrige Pflanze, welche in Rußland zw 
Haufe ift, haarige, drei bis vier Fuß Hohe Stengel, bunfelgrüne 
wolige Biätter treibt, umb deren ſchoͤne hochrothe und glängenbe 
Blumen sinen dichten plafien Strauß bilden (Lychnis chalcedo- 
nica L,); auch Zürkifcher Doften, Jeruſalemöblume. Ja ben 
Gärten hat man zwei Spielarten, eine mit fleiſchfarbenen und eine 
mit gefüllten Blumen. (a) Shine Liebe, das gelbe Ruprkraut, 
bie Fluſblume (Guaphalium arenarium L.). (3) Liebe im Ne 
bel, eine Art derjenigen Blumen, welhe mit einem halb frembın 
Morte Daffionsblumen genaant werden (Passiflora foetida L.). 

O Liebeängfllich, adj. u. adv. Liebe und eine den ihr bewirkte Ängfl» 
lichkeit empfindend. S. Fiebesangfl. 

In item Tiebeängfllichen Zittern. — Gonnenberg. 

& Liebeathmend, adj. u, adr. gleichſam Liebe fatt Euft athmend, 
im der Liebe lebend, gleihfam nur aus Liebe beſtehend, ganz. Eiebe. 

Wann fih dann Abends zu ihr, gleich liebeathmend und trunken 

der ſchoͤne Gatte gefelt. Chümmel. 

‚Rimm, 0 Trauter, die liebeathmende rel’ im Kuß. Voß. 

A Liebebang, adj. u, adr. bang vor Liebe, eine zästlihe Bangigkeit, 
Sehnfucht empfintenb, 

Dod allen wirb fo liebebang 
Bei Zauberfaiten und Geſang. Bäthe, 

& Liebebaͤnglich, adj. u. adv. fo niel ald liebebang, ober auch mir 
si wenig liebebang. 

Liebebaͤnglich verwiezt — ſtand Herta ba. — Sonnenberg. 
Derſelbe gebrauchte es aud als Grunbiwort: 
— er engte die Liebebaͤngliche an fih. 

Ar Lkiebebebend, adj u. adv. vor Liche bebend, von Siche burchbebt, 

b. h. innig bewegt, ergriffen, 
SH ſtuͤrze bir lichebebend 
An bie Bruft und Hulbige bir. Rofegarten (R.). 

is Eiebebegeiftert, adj. u. adv. von ber Liebe begeiftert. 

— bie Stimme bes liebebegeifterten Waͤghleins. Sonnenberg. 

& Eichebeflommen, adj.u, adv, von oter vor Liebe belemmen. 

— Drödte bes liebebeklommenen Mägbteins 
Bttteenbe Banb ans Ders. Gonuenberg. 

Eiebeblind, adj. w.adr. vor Eiche gleihfam blind, durch Eiche gediens 
bet, verblendet. „Ich, ber wahrlich alcht liebeblind war.“ Hermes 

O Das Liebedenkmahl, —s, ig. —r, ein Dentmapl ber Liebe, 

Ringber werfend den Bid, warb jeber Hügel und Dell ihm 

Liebedenfmaht. Sonnenberg. 

OX Der Kiebebiener, ober Liebröbiener, —s, My.al., bie —inm, 
Du. —eın, eine Perfon, bie dar Eiche, befonbers der ſianlichen Liebe 
birmet ober froͤhnet. j 

OX Die Licbebieneret, Liebesbienerei, 0. 94. das Dienen aus 
Liebe, Dienſtwilligkeit ans Liebe. „ine uneigennätige ſchalbloſe Lie · 
besdienerti gegen ale Menſchen.“ J. P. Nihter Auch im nach⸗ 
theillgen Sinne, das Jebhnen der finnlichen kiede. 

4 eieberinig⸗ * w adv. in Liebe, durch Liabe einig. 

dich heides⸗ 

Biehreiniget Drei ber Herzen. — BSonmenberg. 

O Die Liebefeilel, oder iebesfofiel, By —n, Fein, welde bie 
Liche anlegt. — Die Liebefeſſel zu brechen. Sonnenberg. 

O Das kiebegefühl, —es, 9. —r, Has Gefühl der Siehe, 

Suse Geſetz war, Liebegefuͤhl ben Heram der Minfährik 


119 


Liehel 
uflägen. — — Sonnenberg 

A Liebegeheiligt, adj. u. adr. ber Lirde geheiliget, geweihet. 

T Eiebegirrend, adj, u. adv. vor Siebe girsend, Eiche durch Girren 
ober zärtlihe Köne Außernd, „Mer wird von ber liebegirrenden 
Kaube oder von ber ſchmachtenden Rachtigall den Aufſchwung bes 
Adlers ober dem Flötengefang ber Serche begehren ?® Herber, 

&s Liebeglühend, adj. u. adr. vor Siehe gleihfam alühend „ ſehr Hefe 
tige Liebe empfinbend und an ben Tag legend. 

Riedeglühend, wonnetrunfen 
Stuͤrzt er in ber Holden Baubrerinn 
Sanfte Woluftarme Hin, Baggefen. 
Ar Lirbebeilig, adj.u.adv. ber Liebe heilig, geheiliget oder geweihet. 
— an liebeheil’ger Stille. 5 Rind, 

4 Liebeheiß, adj. u. adv. heiß vom ober wor Litbe, heiße Liebe em⸗ 

pfindenb ober bavon zeugenb, 
Aus ben Augen flärgen Thraͤnen 
Über liebeheiße Wangen, _ $. Kinb. ö 

A Liebejauchzend, adj. u. adr. vor Liebe jauchzend, feine Liebe auf 
eine laute freubige Art audbrudenb, 

Singt ins Saͤuſeln junger Blätter 
Liebejauchzendes Geſchmetter. Höltm 

Liebefranf, adj. u. adv. (R.) vor ober von arofır Liebe frank, | von 
berfelben an Gemäth heftig angegriffen, befonbers von einer uner⸗ 
wieberten ober unbefriebigten Liebe; auch liebeſiech. Das Lichte 
kranke Herz. Ih bim fo liebekrauk. Davon der, bie Liebektranke, 
eine vor Liebe Franke Perſon. Das Wort koͤmmt fon bei Gties 
ler vor. 

Das Liebefraut, —es, My. —kraͤuter, ein Wort, meldes folde 
Kräuter bezeichnen Einnte, aus welchen ein Liebeſtrank bereitet wird, 
Ban verftehet aber barunter bier und ba bas kabkraut (Kibkraut) 
(Galium verum L.), woraus es verderbt iſt. 

A Fiebelächelnd, adj, u. adv, aus oder mit Liche laͤchelnd, feine Liche 
mit füßem, zaͤetlichem Laͤcheln ausbrudend, 

Eine Brayle häpft, keicht wie ein Mofenblatt, 
Litbelaͤchelnd an beiner Hand. Höltn 
4 Liebeleer, adj.u. adv. leer an Liebe, Eeine Liebe empfintenb‘, noch 
keinen gelisbten Gegenſtand habend, enthaltend. 
An verwail’ter Etätte ſchweben 
Mird bie Fremde liebelert. Schiller. 
And laſſen dich allein, verlaffen ſtehen 
Im ferublos Öben, liebelseren Erben. Derſ. 

O Die Eiebelebre, 34.—n, tine Lehre, welche Eiche lehret, derem 
Dauptichre bas Sebot ber Liebe iſt; In engeres Bedeutung, bis Kri⸗ 
ftent hum. — bed goͤttlichen Meifen 

Liebelehre. Sonnenberg. 

O Der Liebelehrer, — 8, 39. gl. ber bie Lehre, das Sedet ber Liebe 
lehretz ein liebender Lehrer. 

Den Liabelehrer des Bundes vom Gott mit ben Menſchen. 
—  Bonnenberg. 

X Die Liebelei, Dy. —en, das Lieben; verädtlih und vor einer 
täxseinden unb Täppifhen Eiche, „Die Broſamen Ber Liebelti find 
kein Opfer für foid ein Seſen.“ Benzeb:Öternau, 

Liebeln, v. H ner. mit haben, u. intrs. das Bio. von licher, deffem 
man ſich bedient ») wenn man veraͤchtlich non ber Eiche uad befone 
ders von einer taͤndelnden Liebe ſpricht. 

- Mit Bathſeba ze liebeln m. Bürgern 
Dod wird es ald Scherzwort uͤberhaupt auch für lichen getraut 
AL au fein (Amors) Rofon und Liebrln. Bof. 

Es ward fie sinem BSpag gewahr, 

Der unerfättiih füp mit feinen Siechen Uebelt. &L Simite 
2) Kin wenig Belie dan, Bufk empfinben. Caliebelt mir, ed gefäüt mir, be⸗ 
hagt mir. Edherzunter dem Wocteliche. Iljers.. 2) Hebfofen.. „Mhe 
Behrln ud. Al o p ſt ec. ¶ A.). Ian. lishelt Ley Hua (ainsım. Eugen, 


— 


Liebel 


wenn er ihm ſchmeichelt, ihn ledt, freundlich um ober am ihn 
fpringt ıc. 2) O Liebelad, liebreich ſprechen. 
; Du trauerft, liebelt er, 
Sei gutem (gutes) Muthes Freund, 
D. Liebeln. D. —ung. 
Okiebelos, adj.u. adv, ohne Lirbe, fowol keine Liebe empfindenb als 
auch Eeine Liebe genießend, befonders von der eblen zeinen Liebe, 
Bier füher ift’s, gering unb arm 
An treuer Bruft verſchmachten, 
Als ungelicht und liebelos 
Den Tag verpraffen. — Kofegarten. (R.). 
Dan vergleiche lieblos, welches zwar baffelde Wort ift, aber am ge: 
möhnliäften in anderem Sinne gebraudt wird. 
Lieben, v. h ntr. mit haben. 1) x %* Belieben, behagen, gefallen. 
Da liebte ihnen die Reife. — d Nibelungen &. B. 164. 
Was einem liebt, leidet bem Andern. S. Leiden. „Wenn man uns 
ein Ding verbietet, fo liebt es uns erſt. Pauli. Xuf eine unge 
wöhnlihe Art verbindet es @dthe mit fich, & fich lieben, für fi, 
für feine Perfon lieben, germ fehen : 
ber König, er liebt fich 
Ganz befonders Leute, bie bringen. @öthe. 
Des Menſchen Tpätigkeit kann allzu Leicht erfhlaffen, 
Er liebt ſich bald die unbebingte Muh. Derſ. 
2) Liebe empfinden, befonbers Liebe gegen eine Perfon anderes @e: 
ſchlechta; minnen, f. d. im gemeinen Leben, lieb haben. Mer ge: 
liebt hat, kennt der Liebe Freuben. Ich liebe ohne Hoffnung, d. h. 
ohne Hoffnung ben geliebten Segenſtand einft zu befigen. 
3 Habe gelcht und geliebet. Schiller. 
Am häufigften mit ber Fügung eines trs, indem ber Gegenftand ber 
Eiche genannt wird, Die Menſchen lieben. Du ſollſt beinen Raͤch⸗ 
fen lieben, gleichwie bi ſelbſt. Sich ſelbſt lieben, einen hohen 
Werth auf fi felbft fegen, fein eigenes Wohlfein zu befördern fire 
ben. Gott lieben. eine Zitern, eine Perfom andres Gefhlehts 
lieben. Ein Mädchen lieben. Cine liebende Perfon. Die Lies 
benden. ine geliebte Perfon, oder ein Gelichter, eine Beliebte. 
Dies eble Wort wird auch im engerer Bebeutung von ber finnligen 
Liebe bes Wolüfllings gebraucht. Die Weiber lieben. Salomo 
lichte viele auslänbifche Weiber." ı An. 11,2. Im weiterer Ber 
deutung, Neigung zu etwas haben, Wohlgefallen baran finden etwas 
zu thum, etwas gern thun. Das liebe ich nicht, das habe ih nicht 
gern. Ih liebe die Ordaung, bie Einfachheit ze. „Shah Gebal 
war fein Erlegerifher Fuͤrſt, aber er liebte feine Leibwade ſchoͤn ges 
put zu ſehen.“ Wielanb. 
Blaubt mir! &s liebt eim jeder, frei ſich ſelbſt 
Bu leben nad bem eigenen Seſeg. Schiller. (A.). 
IT) trs, mit der Hanb ſtreicheln, Hopfen, Iiebkofen; bei den Zögern. 
Einen Hund lieben, ihn fteeiheln, fanft Hopfen ıc. ©, auch Ablier 
ben. — D. Lieben. D. —ung, in ben Bufommenfegungen. 
Liebenswertb, —er, —eſte, adj. u. adv, ber Liebe werth, werth ges 
Liebt zu werden. „Aber dennoch if und bleibt fie ein liebensiwer: 
thes Weib." Lafontaine. (8.). 
An feine Größe denkt, an feine Milbe, 
An feines Herzens liebenswerthe Züge. Schiller. 
Liebenswuͤrdig, —er, —fle, adj. u. adr. der Llede würdig, wuͤrbig 
geliebt zu werben. ine liebensmwürbige Perfon, rau. Sie if 
fehe liebenawärbig. In meiterer Sedeutung auch von unfärperlis 
den Dingen. Die Tugend ift liebenemärdig, Liebenswuͤrdige Uns 
ſchuld. Davon bie Fiebensmürbigkert (R.), bie Gigenfhaft einer 
Perfon ober Sache, ba fie liebensmärbig iſt. an 
Lieber, f. Lieb. i 
Fiebereif, adj. u. adv. zeif für bie Liebe, zur Liebe, ober reif Lirbe 
zu empfinden und einzuflöfen, in bem Alter befindlih, wo man für 
die Empfindungen ber Siebe empfänglih wird eder ift. 


Gathe. 


120 


Liebesb 


Gin Herz, das liebereif und warm 
In einem weißen Bufen lebte. Gotter, 

O Das Liebesabenteuer, —s, PM gl. das Abenteuer eines Lieben: 

ben, ein Abenteuer, weldes man in der Liebe beftehet. 
Bie man ein Licbesabenteuer treibt, Böäthe, 

O Die Liebesabficht, 9. —en, eine Abſicht aus Liebe, eine Abſicht, 
melde Eiche zum Gegenftanbe bat, eine verliehte Abſicht. „Weiber: | 
myſtik (Geheimnipfhwärmeret der Weiber), biefe bödhfle welbliche 
Liebe Gottes und bes Himmels, entfteht fehr oft aus einer mißlun. 
genen Liebesabfiht auf Erben.“ Zimmermann. (R.). 

Die Eiebesangelegenbeit, Sy. —en, bie Angelegenheit einer lieben 

. ben Perion, eine Angelegenheit, welche Eiche zum Gegenftande hat. 

& Der Liebefänger, —, My. 91. (®.) f. Liebesbichter. 

Die Liebesangft, 9. —ängfte, Angft, weide die Eiche in gewiffen 
Bälen verurjagen kann. Gtieler. 

Der Liebesapfel, —6, 2. —a ͤpfel, eine Art des Raqhtſchattens. 
©. Goldapfel. 

O Das Liebesauge, —s, My. —n, ein Liebe bildenden, Liebe ver: 
rathendes ober Liebesblicke werfenbes Auge. 

Die ihm feine Knie umfhlingen, 
Ihm mit Liebesaugen fhmeiheln. Bäthe 

Das Licbesband, —es, I. —e, das Band ber Liebe, d. h. basje 
nige, was eine Liebende Perfon an bie geliebte gleichfam bindet, kettet. 

Das verfhlung'ne Liebesband { j 
Wird uns führen. — MP. Flemming. 

Der Lichesbaum, —et, Bi. —bdume, ber genieine Judasaum 
(Cereis siliquastrum L.). S. Jubasbaum. : 
O Das Liebesbeduͤrfniß, — ſſes, 24. — ſſe. 1) Das Bebärfnif 
nad Liebe, zu lieben; ohne Mehrzahl. Sloͤckliche Jugende uddlis 
che Beitın bes erften Liebesbeduürfniſſes.“ Gothe. =) Das Bebärfs 
nip ber Liebe oder «einer Liebenden Perfon. s 

O Die Lirbesbegierde, By. —n, von finnlicer Eiche erzeugte Ber 
glızbe, „Liebesbegierden und Liebessefhwerben der Ronnen," Zi ms 
mermann. (R.). 

O Die Liebeöbefchwerbe, By.—n, eine Beſchwerde, welde von der 
Liebe verurſacht wird, „Eicbesbegierben und Liebesbe ſchwerden ber 
Rennen.“ Zimmermann. ıR.). 

O Die Liebesbetäubung, o. 2. eine Wetäubung, wehhe von großer 
ſchwaͤrmeriſcher Liebe verurfaht wird. Bimmermann. (R.). 

O Der Liebeöbeweis, —es, My. —r, ein Beweis von Liebe. — fels 
nem Mater für die erhaltenen vielen Liebesbeweiſe fo ehrexbietig 
als zärtlich zu danken." Engel. 

Die Liebesbirn, BY. —en, bie Pfundbien. 


"Der Liebesblick, Liebeblick, — s, My. —e, ein von Liebe jeugen: 


ber, Liebe ausbrudender Blid, ein verliehterBlid. Stieler. „Auf 
hatte ja Sabina fhom ben letzten Piebesblid der zärtlihften Selbſt⸗ 
bemunberung in ben Spiegel geworfen.“ Böttiger. Dann aus, ein 
von Bunft zeugender Slick und biefe Bunft ſelbſt. 

Dem Schichten folgt es (das Gtäd) mit Liebesblid. SKiller. 

Das Liebesbluͤmchen, — 6, 9. gl. ein Name ber Maßliehen, auf 
Liebbluͤmchen. 

O Der Liebesbothe, —n, BU. —n; bie —inn, Bi. —en, eine 
Perfon, melde Eichesbriefe hin» und herträgt, oder ben Berlichten 
von einander Radriht bringt. „Bur Liebesborbinn taugt’s freilich 
niht.* Bensel:Gternau, 

Der Liebeöbrief, —s, 34. —t; Bir. das Liebesbrieſchen, ein 
Brief, deffen Gegenftanb und Inhalt bie Liebe ift, ein Brüf, in wels 
Gem man einer Perfon anderes Geſchlechts feine Liebe erflärt ober 
verfihert, ober eine Bufammentunft zc. verabrebet. 

O Die Liebeöbrunft, o. 2. die Brunft der Liebe, eine bränftige, 
feurige Biebe, 

O Liebesbrünftig, adj. u. adv. Liehesbrunft empfindend, bränftig 
liedend, — und fie (die Sonne) zudte und hing liebesbränftig, 


2 | Liebesb 


Uebegloͤhenb am dem Meere und das Meer ſog brennend alle ihre 
Sltut,⸗ 3.9 Richter. = 
& Die Licbröbruft, 0. M. eine von Eiche erfüllte Bruft. 
au der Prfaung Lirbe: brufi erwarmut z 
*  Gtorrende Berjreifriung. ögıllr 

Das Liebetbuch, —es, Py. —büher, tin Bud, weldes von Biche 
hanteit, Kiebesgefhicten emipilt. Bieter. Dods Lirbesbäcer, 

Der Liebesbund, —s, By. —bünde, oder dad Kiebesbundniß, 
— ſſes, 4. — Te, (R.) en Bunt cteg Büntaip, db. h. bie Bereinl 
gung, Berbindung tidender Perſenen. 

A Kirbefchwellend, adj. u. adr. von Wefählen ber klebe fhwellenb, ſich 
erhebenr. Die Liebefhmelleude Beuſt. Auch uneigentlid von uns 
belebten Dingen. — i6 hebt ber glänzende Bach ſich 

Liedeſchwellend mpor — Knebel. 
Ar Liebeſchwirrend, adj. u. adv. feine Siebe durch Schwirren, Gingen 
au ben Tag legend, verlieht ſchwirrend oder fingend. 
Wenn bie Lerche liebeſchwirtend 
Dirh bie Bimmelsstäne drang. Spridmenan 
& Liebefäwül, adj. u. adv, von Birde gleidfam ſchwüt, vom ber Yes 


beeglat gleichiam erfält und wie fhmälr tat brücdend. — im liebte 


ſchwuͤten Britkemähten meiner Jänglingelapre.r Sonnenberg. 

O Der Liebesdichter, —, 3. gl. ein Dichter, welcher die Liebe bes 
fingt; welcher Biebesgebihte macht, edler der Liebefänger. „Wos 
Munder, wenn er bald ber befte Liebesdichter im Lande ward,“ 
Meisner. (®) . . . 

Der Liebesdiener, f. Liebediener. 

Der Picbespienft, cs, . —, ein Dienft, melden man einer 
Prrfon zu Liebe, ober aus Liebe zu ihr (eier, ohne bafür eine Bir 
lehnung oder einen Gegendienſt zu verlangen. Ginem einen Yirbes. 
bienft thun, erweilen. . 

Der Liebesbrang, —es, o. DM. ber Drang, d. h. der mächtige Ans 
teieb ber Liebe, und die Empfinbung deſſelben. i 

— ſobald er beſſen 

In einem Augerbtie von Liebesdraug vergeſſen. Wirlanb, 

O Der Liebeſsdruck, eb, Ry. —drüde, ein kideuotler Drud, ein von 
Biche gi rgenber Meud, 3. B. ber Hand J. P. Riten 

O Der Liebespurft, —es, 0. 4. ber Duck, d. h. das Verlangen, 
bie Seynfucht aus Liebe no dem geliebten Gegenftanbe; and, bas 
Borlangen nah Senuß berkiche. „Ah! fo viele ſich Tangfam verbrus 
teode Opfer bes zügellofen Gefäßiburkts, Liebesdurſts ıc, Ewald, 

A Liebeſehnend, adj u dr. ſich nad Liebe, Wegenlicbe ſehnend, 

» Hiebenbe oder verliebte Cchnfucht empfindend; wie aub, in tiefer 
‚@ehnfucht gegruͤndet. — was das Liebefehnende weibliche Herz bes 
barf." Ewald. Und ein liebeſehnend Beben 

Bhftert derch die eeie mir. Blumauer. 

O Die Richebergiebung, 9. —en, die Ergießang ber Liebe, b. h. 
von Fülle ber Eiche zeugende häufige Uuserungen terfeiben. Dim: 
mermann. (R..) Xu ber Licheserguf. 

O Der Liebederguß, — ſſes, 0. 9. f. Liebesergieſung. 

Die Liebeserklärung, 2. —en, die Erklärung ber Liebe, bie Er⸗ 
!lärung on eine Perfon, daß man fie liebt. Wine Förmlihe Liebes, 
erklaͤrung than. 

Die Liebeöfadel, my. —n. 1) Bleihfam eine Fadel ber Liebe, d. h. 
eihe brennende, ſehe beftige Bicbe, auch wol bie Fadel des kiebes⸗ 
ober vielmehr des Ehesottes. 2) Der Name einer Art Mibentänd 
ten, bie aud Gießkanne und Seepinſel heift (Serpula penis L.). 

Das Licberfeft, —es, 9. —e, ein Beft ber Liebe gefeiert, 

Das Kiebesfeuer, —$, 0. 29. das Feuer; bie Heftigkrit bee Etebe, 
oder aud eine heftige Liebe mit einem verzehrenden Feuer verglis 
den. BStieler, 

Das Liebeöfieber, —, 9. al. Überhaupt ein Feanfpafter Zuſtand, 
in melden man durch heftige Isttenfhaftlidie Elche nerfeht wird, im 
welchem man feiner mit ganz mädtig il, Im eugerer Bedeutung, 

Gampe's Wörterb. 3. Ih 


.. 121 


Liebesg 


ein wirklich ſleberhafter von Irtbenfhofttiher Eiche verurſachter Zus 
Rand iFebris amatoria), S. Jungfernſucht. Der hößfte Brab 
birfes Auftanbes, ber mit Memußtiofigleit verbunden iſt, und in Ras 
ferei uad Wut ausartet, berät Liebesraſerei und Picbesiont, melde 
DWorter ledoch von ber Kupszung höthſtleidenſchaltlicher Liebe ges 
braucht wercen, ohne daß diefer Zufand dauernd und mit Weriuft 
des Berſtaudes verbunden ift. 

A Die Licbesflamme, 9. —n, eine heftige Hebe, mit einer Tor 
bernben Flamme vecglichen, aleſchſam cine dellbrenneude, auflobernbe 
Liebe. Eine ned Heftigere Liebe bezeichnet dag Wort Liebeslohe. Die 
Liebee flamme schrt an meinem Leben. 

Das Licheögevicht, eb, ig. —e, ein edit, beffen Gegenſtand 
und Inhalt bie Liebe ober bie geliebte Perfgn ift (erotisches Ger’ 
dicht). Auch das Liebeslied, der Lirbesgefang. 

O Der Licbeögeig, —e6, 0,99. glrihfam ter Beij, d. 6. das Immer 


neue Verlangen nad Liebe und nah Beweifen ober Genuß berfeihen." 


Die mit deißem Liebesgeize 
Deinem Kuß entgegentish'n. Schitter. 


O Der Liebesgenuß, — ſſes, Bz. u. der Benuf, welden erhdete uns 


bifetebigte Siebe gewährt, Im Liebesgenuſſe ſchwelgen, mäßig fein. 

O Der Liebesgeſang, — s, 24. —gefänge, (R.) ein Seſaug, defe 
fen Inpalt oder Gegenſtand die Tiede if, Zuletzt warb er (bee 
Reim) infonberheit in bem Latelnifchen Lirbesgefängen fo überflie« 
Benb aebraucht, als Ihn mol kein Araber gebrauht Hat," Gerber. 

O Das Liebesgeſchenk, — es, Bi —e, ein auß Liebe und zum Bets, 
dran ber Eiche gemahtes Befgenf an die geliebte Perfon (Pretium' 
affcetionis), : 

Die Liebesgeſchichte, 2. —n, eine Geſchichte oder Urziklung, vr 
zen Inhalt die Liebe tft, ober Wegebenheiten bie ſich mit Liebenden 
ersignen, Echidlale, die fir treffen, Abentiuer bie fie beflchen. 

O Das Liebesgeſpraͤch, — es, 4. —, tin in und mit Liebe ofne 
Streit und Brditterung gehaltenes Gelpräd (Colloyaium caritati- 
vun). Dann, ein verlichtes Geſpraͤch, ein Geſpraͤch zwiſchen kle⸗ 
benden, biſſen Gegenſtand bir Liebe iſt. 

Das kiebesgeſtaͤndniß, —fes, . — fe, das Gefändni feiner 
Liebe zu einer Perſon, beſonders wenn man es berfelben ſelbſt ablegt. 

& Das Liebesgeſtirn, —s, 4. —r, ein Beftien ber Llehe gleich: 
fam, das ber eicbe günftig ift, glüctiche Eiche ambeutet ic, ' 

Ge geht ein Liebesgeſtirn mir auf. Gäthe, 

O Der Liebeögefunde, —n, 34.—n, der niät liebekrank iſt, ober 
ber von bei L:ehesfeankheit genrfen if. 

— bir er ben Liebesgeſunden - 
Manchmahl zum Spielmert erlaubt, — Thömmel. 

&A Der Licbeöglang, —es, 0.95. aleichſam der Glanz der Liebe, d. h. 

das @rfzeuliche und dae Leben Kufbeiternde und Begluͤckende ber Liebe. 
j Pas If das Leben ohae Picbesglang? Schiller. 

O Dab Licheöglüd, —es, 0. 24. 1) Das Bläd, weldes bie Liebe 
gemägst. 2») Gluͤck, das man im ber Liche hat. , 

A Die Liebesſglut, Ba. —en, bie Glut, größte Heftigkeit der Liche, 
oder bie kiebe mit einer Blut verglihen. 

— ber BWahofinn blinder Liebeeglüt. Sälller. 

Der Liebeßgott, —es, By. —götter: die —inn, 9. —en, in ber 
Fabel: und Wötterlehrr ber Alten, Gottheiten, weiche ber kiebe vor⸗ 
gefegt waren. Der Biebesgott bei ben Griechen und Mömem, ben 
fie als einen geftügelten fhönen Knaben mit Bogen und Pfeilen vors 
flelten, führt die Namen Eros, Amor, Eupide ıc und bie Liebes⸗ 
göttinn, welche man zu feiner Mutter mahte und zugleich die Got ⸗ 
tina dee Shönhrit war, bie Namen Venus Bithere 10. 

So mie ein Wiltner ſich, verloren in Entsüden, 

Die Liebesgoͤttinn deukt — Wieland. 
Liebesgoͤtter ober Liebesgoͤtterchen (Amoretten) nennen bie Dichter 
aud noch andere kleine erbihtete Wefen im Befolge ber Birbeszät- 
tinn als Einnbilber einzelner Schönheiten, welche zug Liche zeigen, 


16 


* 


Liebesg 


Setzt man Hinzu, daß bie meiſten dieſer Spiele Amors und feiner 
Gefellen, die man Liebesgoͤtter oder kindliche Genien zu nennen 
pflegt* ıc. Herber. 

Das Liebesgras, —es, Di. u. ein Ramebes mitteln Bittergrafts (Briza 
media L.)., ©. Peterskorn. Reh Remnmich führt eine andere 
Art des Bittergrafes biefen Namen, bas fihöne ober liebe Bitter 
gras; auch Flittergras (Brira erngrostis L.). 

Dir kiebeöhandel, —s, 9. — haͤndel, ein verlichter Handel, d.h. 
eine Angelegenheit, eine fih anfpinnenbe Vereinigung und Verwicke⸗ 
lung ber Verhältniffe zwiſchen zwei verliebten und fi Liebenden Ders 
fonen. Ginen Liebes handel anfpinnen, fih mit einer Perfon anderes 
G:fhlehts im Berhättniffe der Liebe einlaſſen. 

O Das Liebeöherz, —ınd, P4.—en, ein liedendes Her. „Bie hat 
für Aue das alte erfreuende Liebes herz mitgebradt, für mid night.“ 
2.9. Aldtern 

O Liebeſiech, adj. u. adv. fird oder krank vor Eiche, aud Liebe. Tas 
Tontaine 3. S. Liebektank. Davsn der, bie Liebeſieche. 

Der Liebesbkampf, — e, 2. —timpfe. 1) Ein Kampf zwiſchen 
den Liebenden. Stieler. a) Ein Kampf mit ter Eiche, das Stre⸗ 
ben fie zu befiegen oder zu unterbräden, 

O Die Liebedtaffe, 2. —n, eine Kaffe, deren Geld zur Unterfät: 
gung Unglüädtiger und Rotbleibenber befkinımt iR, welchen man aus 
Menfbenliche zu helfen ſucht (Ceritativtaffe), 

%* Das Liebestind, —es, Mr. —er, ein Kind der Lirbe, ein unehe. 
liches oder überhaupt in unerlaubter Liebe erjeugtes Kind, 

O Dir Birbeöflage, Ba. —n, bie Klage einer Liebenden Perfon. 

Dir ih holde Ricbesflage, Böthe, 
© Der Liebebknecht, —es, Di. —e, Fin Ancht der Liche, ein 
Wenſch, der ih auf eine fhimpflige Art von ber Lebe beherrſchen 
Täpt; der Liebesſtlade. ©. au ber Liebebisner. 
— und meh dem feigen Liobesimechte, 
Der sure Reiten ſhltppt. — Bielanb. 

© Die Liebeöföniginn, Sy. —eın, eine Königin im Reiche ber 
Kiche, bie Riniginn der Liebenden, befonters in bee Fabellehrt dee 
Alten, die Liebesgoͤttien, Benus, Bithere sc. genannt. — die lleb⸗ 
lichten Kinder Florens, die fo eben dem Auftritte ber tanzenden 

Liebeskoͤniginn enifproffen zu fein ſcheinen.“ Böttiger. 

Die Liebeskraft, 3. u. bie Kraft, Staͤrke der Eiche. Stieter. 
Dann, bie Kraft, melde tie Liebe giebt, 

Liebeskrank, f. Liebekrank. 

Die Liebeskrankheit, I. —em. 1) Eine heftige Liebe, ſofern fie 
in einen Erankpaften Zuftand virfent; ohne Mehrzahl, =) Im gemel- 

men Leben verfieht man unter kiebeskrankheiten auch ſchändliche 
Krankheiten, Scuchen, welche aus unmäfigem Genuß und Ausſchwei⸗ 
“fangen der finnliden Eiche entitchen; beſſer Unzuchtsfranfheiten. 
O Eiebesfühn, adj. u. adv, Hihn in der Siebe, durch Liebe Füpn 
gemacht. 
Sie liebeskuͤhn in feine Arme nahm, Mieland, 

© Bir Liebeskunſt, 24. — kuͤnſte, die Kunft zu Ieden ; ofne Mehr 
zahl. Dann, eins ber Mittel, weiches diefe Kunft Ichit, ein Kunfls 
griff, fih Liebe zu verfäsffen, ober zur Liebe beſonders ber finnlien, 
zu reisen. In allen Liebestünften esfahren, derein eingeweihet fein. 

Der Liebebkuß, — ſſes, My. —küffe, ein Kuß der Liebe, ans Suche, 
zum Arien dir Liebe grgchın. 

Rur noch via letzter Lichedtuß = 

el, Eirtfler, dein und mein Genuß. Bürger. 
Belonders in wilteer Bedertung, in ben erſten Ariten ber kriſtlichen 
Kirdt, ein Ruf, welden man einander bei feierlichen Berfammiun: 
gen und andern feierlichen Gelegenheiten, auch wol wenn man ih 
degegnete, zum Arien ter Friflihen Bruderliehe gab, 

X Die Liebebleute, &;. v. ein Paar Perfonen, die ſich lieben ; befon« 
ders vom Braut und Meiutigam. 

Das Liebeslied, — es, u. —er; Br. dos Liebekliedchen, «im 


122 Liebesr 


Lieb der Liebe ober von Liebe, deſſen Jahalt bie Eiche if, S. Lie⸗ 
beögebicht. „Rein Liebesliedchen ift fertig." Benzel»&ternau, 
4 Die Licbeslohe, 0. My, der Ausbruch einer Grennenten b. h. fehe 

heftigen flarfen Liebe und eine ſolche Liebe ſelbſt. 
Enilotert, gleih ben Himmelskerjen, 
Noch Liebesſslohe deinem Herzen? Bürger. 

O Die Liebesluſt, 29. a. bie Euft, melde bie Licbe gewaͤhrt. 

Die eine (Seele) haͤlt in derber Litbes luſt 
Sich an bie Welt. — Goͤthe. 

Das Liebesmahl, —es, 3. —e, oder —maͤhlet. x) Ein Mehl, 
Beiden ber Liebe, befonbers Beiden am Körper, melde von Ausihtweis 
fungen in ber Eiche herräßeen. =) Die Benennung gemeinfhaftli: 
cher Mahle ober Mahlzeiten, welche in den erſten Briten ber kriſtlin 
chen Kirche zur Gehsitung ber Liebe und Wertrautihkeit und nad 
Art ber letzten Mahlzeit Jeſu mit feinen Juͤngern zur hesilihen Er> 
innerung an tenfclben gehalten wurden (Agapae); aud noch jegt 
von der Brätergemeinde gehalten werden, 

O Die Liebesmiene, 3. —n, eine liebende, Liebe anfünbigende, 
an den Tag legende Miene. „Bis trat ihm mit jener erheiterten 

Liebegamiene entgegen." 3. P. Richter, 

X Der kicheönarr, —en, 39. —en, ein verliebter Narr; wie an, 
ein Narr aus Liebe, Stieler. ; 

O Das Liebesnetz, —es, By. —e, bie Liebe, welche ben Lichenben 
gleihfam feſſelt, gefangen hält, mit einem Nege verglichen. Das 
Liebesneh auswerfen, eine andere Perſon durch Liebe zu fangen, an 
fh zu feſſeln fusen. e 

Ein Lirbesneg hab’ ich um bich gefpomnen. Sqhillter. 

Die Liebesnoth, 3. — noͤthe, T. Liebespein. Gtielern 

O Das Liebesopfer, —t, 9%. gl. ein Opfer, eine Aufopferung ber 
Liebe gebracht, ober aus Liebe gebracht. ‚ \ 

x Das Liebespaar, —es, 24. —e, ein Paar Liedende, ein verliche 
te6 Paares im gemeinen Leben auch Liebesleute. 

Die Lichespein, o. 2. die Pein, melde Liebe zumeilen verurfaht, 
beſonders unerhörte, umbefriebigte Llebe. Stieler. Ginen gerins 
gren Grab druckt Liebesnoth aus. Auch Die Liebesqual. 

Ergrelf mein Herz, bu füße Liebespein. Böthe 

Das Liebespfand, —es, . pfänber, ein Pfand, Unterpfand bex; 
Siebe, Beſenders pflegt man fo Kinder zu nennen, fewel in alg 
aufer ber Ehbe erzeugte, . 

Dies fühe Yicheepfand ift ihr ein Pfand zugleih vw. Wirlanb, 

O Der Liebetpfeil, —es, 9. —e, ein Pfeil, welden nad der Fa⸗ 
bellehre bee Alten ber Lichesgott in ein Herz abſchießt und baſſelbe 
duch biefe Berwanbung zu heftiger kiebe reist. In ber Raturbes 
ſchreihung nennt man Liebespfeile die ganz Keinen ſeht fpigigen, 
vierihneibigen, falfartigen Stacheln, weiche bie Barten, und Walb: 
ſchneden vor ber Brosttang befommen, unb welde fie einanter, wenn 
fie fih begegnen, entgegenwerfen, um fid) daturd, wie man glaubt, 
zur Liebe zu reizen. 

Die Liebespflange, 2. —n, eine Art der Flammenblume (Phlox 
spinosa), Remmid, 

Die Liebeöqual, 9. —en, f. Liebespein. Stirler 

Die Licbesraferei, By. —en, (MR). 2) Raſerel aus Biche. GS. fies 
besfieber. 2) Bine einzelne Handlung aus biefer Raferei entfprungen. 

Der Lichesraub, — es, By. u. ein Raub gleihfem an eder im der 
Eirbe begangen. 

Denn wer viel Pillen dreht, der miſcht beim Liebesraube 
Sum Öfteen Xlch und berbe Pulver ein. Büntber, (R.). 

O Der Liebesrauſch, —es, 0. My. der Zuſtond, ta man ven hefti— 
ger Liebe wie beraufht, feiner Sinne nnd Gedanken nicht mädtig 
it. Im engerer Bedeutung, ein ſelcher durch einen Licheetran? her⸗ 

vorgtbrachtet Zuſtand (Philtromenie), 

O Die Liebesreligion, Sy. v. eine Religion, zu beren Hauptgebo⸗ 
ten bad Gebot einer idnigen allgemeinen Denfhenliche gehört; im 


Liebesr 


engeten Bebertang bie Feifllie Religion. - ©. Liebelehre. 

O Der Lichesring, —es, 2. —e, ein Ring als Beiden bee Siehe; 
auch wat, aneijattih, eine Feſſet, ein Zwang ıc. welche ober melden 
die Liebe anlegt ober auflegt. „Das ungerehte Umſchmieben bes 
Richrtringes sum Galeerenzinge.- 3. P. Rihter. 

X Der Licherritter, —6, Di. gl. (.) ein verliebter ober liebender 
Bitter (Paladin). Jetzt, ba es keine Mitter mehe giebt, überhaupt 
ein Verlieiter, ein Lisbenber, ein Menfh, ber auf Liebesabenteutt 
avtgıbıt. ' 

oO Der Liebesruf, 4. Mg: u. ein Ruf, Buzuf ber Liebe, aus 

„ Bisbey eim-lichennller: Rufı ° j 

as Bräter 
Mit Licbrdzuf. an uns bie Armen Inden, Gollin. 

Die Eicbetfahe, By. —n, eine bie Liebe oder Liebende angehende, 
betzeffende Sacht, eine zur Liebe gehörende Sacht. 

j Rie war ein junges Paar in Liebesſachen neuer. Wirlanb. 

Der Lirbedfänger, —B, 9. al. f. Liebesdichter. 

© Die Lirbesihmeichelei, 9. —ın, Schmeichelelen, die man bei 
eines geliebten Perſon anwendet, ihr fagt, um ihre Eiche zu erwer⸗ 

-Ben ober ihr feine Liebe zu erkennen zu geben (Pleurette). G, 

O Die Liebesfhwärmerei, 9. —m. (M.) 1) Berliehte Schwaͤr⸗ 
merci, Ehmwärmerei aus Liebe; ohne Mehrzahl: =) Bine einzelne 
aus dieſer Schwäirmbrei entfpringende Handlung. 

O Der Liebesfhwur, —s, 4. — ſchwuͤre, ein Schwur, durch mel: 

. den: man feine Liebe detheuret, bee Schwur einer Liebenben Prefon. 

: und ie Hört bie Höchften Liebesſchwüre. Böthe. 

Der Liebesſeufzer, — 6, 39. gl. ein von der Liebe veranlaßter Senf: 
ser fowol von alädlider als unglädlicher Lebe. „Die fenrigen Kies 
besfeufjer, mit welden fie, wenn es möglih, feine erflarsten Ger 
beine begeiftern würde," Beryphius. . 

Der Liebesſtlave, —n, y. —n, ein Sklade ber Eiche, ein Menſch, 
ber eine vergebliche ober unflatthafte Liebe nicht befiegen, ſich nicht 
davon frei magın kann, Gtieler. 

Die Liebesſprache, 0. 24. die Eprade ber Biehe, «ine liebevolle, 
Liebe ausprudeade Sprache. Gtieler. Sonnenberg fat & Lies 
befprache bafür gefogt : 

Run wüste ja 
Die Liebeſpracht ter Engel nicht mehr zu euch bringen. 

Der Liebeöftern, —es, 9. —e, rin Stern, welter in Hinficht 
auf die Sterndeuterei — der Liebe ober ben Liebenden gänftig if, 
Au wol, ber nad ber Siebesgdttion benannte Wandelſtern Venus, 
Die Diäter nennen Überhaupt bie Eterne Liebesſterne, weil fie ges 
woͤhnlich Zeugen ber Zuſammenkuͤnfte Lichender finb. ic, 

Mas winkt aus hoher Ferne 
Ipe, fanfte Liebtsſterne? 8, Kink. 

X Das Liebesfiüd, —6, By. —t; Bw. das Lichesflädkhen, eine 
Handlung aus Eiche, melde vom Liebe zeugt ober zeugen fol, Oft 
euch im entgtgengefeäten Sinne und fpättifh, fo wie Freundſchafts⸗ 
Rüden, von einer feinblihen nachtheiligen Hanblung. 

O Die Liebesſucht, o. @g- eine-fche Heftige nah Genuß trachtende 
Siebe, Dies if bie unfehlbare Frucht 

AU eurer deißen Liebesſucht. Soltam. (R.). 

O Das Riebeflammeln, eo. 9. das Gtammeln Liebender, bie von 
ihrer Liche bingeriffen nur einzelne Worte und Laute zu ffammeln 
vermögen. - Und des Liebeſtammelns Naferei, Böthe, 

O Die Liebeötändelei, By. —ın, verliebte Tändelei, die Täcdeleien 
Lietender, “Wie ipre Kiebeständeleien, bie gar gefgmägige Reifeges 
fpanne fein muͤßten.“ Wächter. 

Die Liebesthat, Di. —en, eine That, Handlung aus Menfäenliche. 
„Bean Gottes unmittelbare Anbetung mit eimer mothwenbigen häuss 
Ken Liebesthat in eine (Eine) Beit Fäut.« Keller. ©. Liebesmwerk, 

A Der Liebesthau, —es, 0. Mi: ber Thau der Liebe gleihfem, 

» Aheinen won gärtliher Eiche in bie Augen geledt. „Die Purpur⸗ 


123 


Liebesw 


ſenne ſqhlaraerte aus dem warmen kitbedthau bir Lietetaugen >u- 
süß” J. P. Richter. 

O Der Eiebeston, —es, 94. —e, ein Biebe euthrugeadet, berre · 
thender Zonz wie auch, ber Zon, bie Stimme, bie Worte eins Um 
beuben Perſen. Da horch, ein ſuͤßer Liebtston 

Ram Leif’ emporgiflogen, Bürger. 

Der Lichedtranf, —es, 29. —tränte, ein Zranf, den man einer 
Dielen anderes Geſchlechte mifht und beibeingt, um fie zug Eiche gu 
zeigen (Philtrum); im gemeinen Beben ber Nachlauf, weit eins 
Perfon , die ihn bekoͤmmt, dann ber andern ans Eiche nadläuft. 

A Der Liebeſtrahl, —es, I. —t, ein Strahl ber Biche, d. fi 
Lirbe die wie ein Sonnenftrapl erheitert und wehl thut, 

Ob je an einen Drt ih wiederkehre, 
Wo meinen Shmerz ein Liebesſtrahl durchbticht. Gries. 

A Biebeflrablend, adj. u. adr. Lirhe gleihfam von fh ſtrahlend, 
von Eiche ſtrahlenb. 

— Strich laͤchelnd ſe balb mit ben ſeidenen Boden 
Meg von dem liebeſtrahlenden Auge bie bebende Ifräne, 
2 Sonnenberg. 

O Der Liebestraum, — ed, Di. —träume, ber füße Traum eiase 
Kebenben Perſon, auch wel, die Eiche mit einem füßen Traume als 
etwas leicht Bergängliyes verglichen. 

Und fühle mid in Lichestraum zerfliefen. @äthe, 

Die Licheötren, 0. 94. die Treue in ber Biche, Stieler. 

— ben eblen Kampf ter Zugenb 
und Lirbestreu, und feuervollen Zugend. Wieland, 

4 Liebeſtroͤmend, adj. u. adr. von Liebe firdmenb, Eiche gieidfam 
ausfirömenb, zeihlih Liebe an ben Tag legend, — fie wogte ihr 
nit ben Mund nur bie Hand zu Kiffen, und flug bas licheftrd« 
menbe Auge nur ſcheu und wenig gu ihr auf. 3. P. Ridter 

O Der Liebestrug, —et, 0. 2. Zrug, Betrug in ber Eiche, be 
man y. B. zu lieben heuchelt und doch nicht liebt. 

Jadeß Armita fo von jeder Selte 
Der Ritier Schar mit Liebesteug ummebt. rien, 

O Liebestrunken, adj. u. adv. f. Liebetrunken. 

O Die Liebeötrunfenbeit, o. M. des Buftend einer Liehetrumkenen 

 Yerfon. In denen (Biiden) Freud' und Pichestrunkenheit 

Den tiefen Oram nur halb erfliden, Mielanb, 

® Der Licbesungeflüm, — es, 0. 2%. der Ungeffäm in ber Biche 

ober eines Liebenden und eine ungeftüme heftige Lirde ſelbſt. 
Da fpringt mit Picbetungeftüm’ 
Sie, wie der Blig, gleih zu ihm Bin. R. Frofhmäuster, 

O X Das Liebesvolk, —e#, 0. Di. verliebtes Bolt, b. $. verlichte 
oter liebende Perfonen, deren Liede nur finnlid und gemein if; ver⸗ 
achtlich. „Awei fo verfhiedene Wefen — gleichen fh darin genau, 
daß le für tie Schelmenſprache bes gewöhnlichen Lebens» und Lite 
besvolks fo wenig Sinn haben, als“ ıc. Wenzel, Eternau. 

Das Liebeswerk, —ıs, 94. —e. ı) Bin Wrek, b. h. eine Handr 
lung, Bereihtung, bie man aus bioßer Eiche zu einer Perſen für 
biefe Perfon verrichtet, Äbernimmt; eim Liebesdienſt. =) Der thät⸗ 
Ude Genuß in ber finnliden Liebe. 

Richt entmannt durch frühe Liebeswerke. 8.2.%, Mindhaunfen. 
Die Liebeswonne, 0. 9. die Wonne, melde bie Liebe gewährt. 
x Das Liebeswort, —ıd, 9. —e, Worte bie von Liebe zeugen, 
die Worte, Mebe eines Liebenden. Stieler. 
Mit farger Rebe kaum erwieberfi bu 
Des Bruders Richestworte, ber gutmeinend i 
Mit offnem Herzen bir entgegenfommt. Schiller, (R.). 

Dann auch, Hieblofende Worte, Shmeihelmortr, 
Bu ebel ober ſtolz, vielleiht ein zweifelnd Herz 
Mit Liebeſsworten zu befleden. — Wieland, 

Auch & Liebewort. Lieb’: und Shmeihelmorte. Bäthe 

. Die Liebeswut, o 2. ber hoͤchſte Grad Ielbenfhaftlider Eiche. S. 


Liebesz 
kiebes ſeber. — ba — Rezia — ben Arm in Liebeswut 
Um ben Gellebten flingt. Mitlant. 

Das Liebeszeichen, —s, 29. gl. ein Zeichen der Liebe, wodurch man 
feine Liebe negräth ober abſichtlich zu exlınnen giebt, Gtieler, 

ber foll’s fein, 

Der an bem naͤchſten Morgen mir zuerft 

Satgegentommt mit einem Liebeszeihen. Säiller. 

O Der Richeszunber, — 8, 9%. v. tin Bunder für bie Eiche gleich⸗ 
fam, Alles was für ble Liebe febe empfänglid macht. 

Sso jung, fo ſchoͤn, fa ganz aus Liebes zunder 

SGSewebt. Wirlanb, . 

O Liebetraulich, adj. m, adr, traulih, vertraufih ans Eiche ober 
wie kiebende gegen einander zu feln pflegen; im teauliher, vertsaus 
ter Rice, Mo du fo liebetraufich allen beudhell. Würger. 

And, umbällt von Mirtenzweigen 
Liebetrautih zufn. — Derf. 

4 Liebetrunten, adj. u. adv, vor ober vom Liebe gleichſam trunken, 
vor großer Liebe feiner ſelbſt nicht zeit bewußt und nicht mädtig. 

Doch diefe Judithe die den fapfern, frommen, alten 

Jeldmarſchall Keloſern erft in bie Arme fhlingt, 

Erft [tebetrunten macht und bann ums Leben bringt. Wleland. 
Dann , einen folhen Buftanb verrathend. „Ariabne fentt den liebes 
trunknen Bil auf ihn.“ Herder. 

Mein liebetrunk'nes Auge fit nihte fürder 

Als tid. @erflenberg. 
Davon der, bie Liebetruntine, eine vor Liebe gleichſam teunkene 
Perſenn. Au fagt man, weniger gut liebestrunfen. 

Führt in den nähftgeleg’nen Hainen 

Die Liebestrunkene ben Teukrer auf bie Jagd. - Schiller 
Daron bie Liebetrunkenheit ober Liebestrunkenheit. S. d. 

O Der Liebevater, —s, 2. u. ben Bater ber Liebe, Gotd⸗ 

z unb giebt mic j A 
Wiederſehn mod einmahl ber Liebevater. — Sonnenberg. 

A Eiebeverwundet, adj. u. adv. durch die Liebe gleihfam verwun« 
bei, vom ben Schmerzen ber Eiche ergriffen, 

Aagftlich warnt” ih: allein bie Liebevermunbete (n) Herzen 

Hirten mid nicht. Bobmer 

Liebevoll, —er, —ſte, adj. u. ade. vol eiebe, vom großer fnniger 
Siebe zeugend, mit großer Elche, . 

D wie Ängfitiäft, o wie feurig 

Kiopft mein liebtbolles Herz. Ungen. ‘ 
Ein fiebenolfer Bid. „Mit der liebevollſten Zaͤrtlichkeit macht' er 
ihr fofort Bormürfe.e Meißner. (R,). Einen liebevoll behandeln. 
Liebevoll zu einem fpreden ıc. 

A Liebewarm, adj. u. adv. von Eiche warm, warme, b. h. große 
innige Siebe empfindend, zeigend. 

Und eine treue Mutter hält “ 
Mit Jabrunſt bi und. lichetwarnn, 

&o liebewarm! 
In ihrem frommen Mutterarm. Podels. 

A Fiedeweinend, adj, vor diebe weinenb, zästlihe Thraͤnen vergies 
gend, — und mehrere Minuten lang betrachttten beite einander 
fait Hebeweinenden Augen.“ & Bogner 

A ®iebewonniglich, adj. u. adr. in Eiebesioonne, Eiebeswenne em 
pfindend, Bald liebewenniglich im alles Üderfliegen. Goͤt he. 

AM Licbewunt, adj. u. adv. am Herzen durch Siebe, befonderk durch 
unbefrisdigte cher unglädfie Liebe gleihfam wund eder verwuntet. 
©. Lioberpkeit. — fo fand Walt mit ber für nagenden Geſchichte 
am hieberrunden Bergen — auf, I. P. Richter 

A Liebegitternb, adj. u, adj; vor Licbe zliteend, durch bie Liebe im 
heftige, zitternde Bemegrng getradt, 

— und fährt” ibe Junafroundeben, des Berzene 

Siekszitternben Schlag an [einem ſchagenden Gerjen. Sonmenb, 


— 


124 


O Der Liebezug (Ricbeszug), —es, Mp. —züge, ein Bug von 


Liebk 


Lite, wilder Labe verräth. 
Auch ein heilger Liebezug muß herrſchen im Nenſchen. 
Sonnenberg. 

O Liebfertig (Liebefertig), adj. u. adv. fertig, Yereit zu lichen, 
zu jeber Beit für die Liebe empfänglih. „So fhrixt bas Wrib im 
feinen leigten fliegenden Gewändern immer liebfertig« Benzel- 
©ternau. en. 

A Liebgedrungen, adj. u. adv. von Liebe gebrungen oder gebrängt, 
Biehesdprang empfindend. Daß ein Züngling noch nah bintert Jahre a 

Liebgedrungen zu bie flieht. Blumauır. 

Liebgewonnen, ſ. Lieb. . . 


Der Liebhaber, —, I. gl. ; bie —inn, By. —en: 1) Überhaupt 
eine Perfon , bie etwas lieb ober gern hat, ein befonberes Bergnüs 
gen baran findet. Ein Liebhaber von etwas fein. Es Limmt auf 
ben Liebhaber am. Tebe Sache findet wor ihren Liebhaber. Fine 
Waare findet feinen Liebhaber, wenn fie niemand kaufen will, wen 
fi fein Räufer dazu findet, Sin Liebhaber in ben fhönen Künftın, 
der eine vorzäglihe Neigung dazu, einen großen Scfallen baram bat, 
ohne feibft ein Künfller zu fein, ober ohne anders ols zu feinen Bers 
gnögen auf eine mehr ober weniger volllommene Art zu treiben (Di- 
lettant). @in Kiebhaber ber Zonkunft, Dichtkunſt ic. Bon ber Kanzel 
hört man zuweilen noch von Liebhabern bes göttlichen Wortes ſprechen. 
=) In engeree Bebeutung, eine Perſen, welche eine andere Perfon 
liebt, fh um ihre Liebe bewirbt ober fie befigt. Cie hat mehrere 
Biebhaber. In ter Bühnenforahe faäͤllt ber Begriff der wirklichen 
Liebe in ber Regel weg, und ein Pirbhaber bedeutet in berfelten nue 
einen Shaufpieler weicher gewoͤhnlich bie Rolle bes Liebhabers bie in 
einem Städe vorfämmt, fpielt. Der erſte Liebhaber, der bir vor⸗ 
söglihften Molen dieſer Art ſpielt. Im ber Bibel Pöinmt es auch 
von einer Perſon, welche eine allgemeine Liebe gegen Anbere heat, 
vor. „Du haft 28 (das Land) gegeben dem Samen deines Liebha⸗ 
bers ewiglih.* = Chrom. no, 7. „Denn alle beine (bes Zojalim) 
Liebhaber find umdracht,“* d. h. beine Freunde. Ser. 22, 20, Js 
biefer Bebeutung iſt es nicht mehr gebraͤuchlich. 

X Die Liebhaberei, 99. —en, bas befondere BWergnögen an einer 
Gabe und bie vorsglide Reigung mad dem Beige derſelben. Viel 
Geld auf feine Lichhübereien verwenden. Gr bat die Liebhaberei 
feltene Bäder, Kupferflige sc zu fammeln. 

X Liebhaberiſch, adj. u. adv. Ehrthaberei dabend, zeigend. .— und 
bie Achtung ber Künfkter gewann cam Liebhaberifchen Höfen“ ıc, 
Herder. 

X Die Liebhaberrolle, By. —n, in der Bühnenfprade, die Mole 

- eines kiebhabers. S. Firbhaber 2). Die Liebhaberrolle übernehmen. 

OX liebhergen, v. trs. aus Liebe herzen, d. h. ſtreicheln, kuͤſſen ıc. 
(caressiren, Mplius. 

Tre batt’ ein armes Mäbel jung 

Bar oft in Arm genommen, 

Und liebgekof't und lisbgeherjt. Goᷣt he. 
D. Liebherzen. D. —ung. 

%* Liebig, adj. u. adv. Liebe habend ober empfinbend, llebend. Schatt 
Niederd. Sprachen. R. Davon beliebig. 

Der Liebig, —eb, . —e, ein Name des Dempfoffen oder Gim- 
pels (Loxia pyrrhula L.). Außer ben unter Dompfaff angefähr 
ten Namen führt er auch noch bie Namen, Thumpfaff, Domberr, 
Thumhert, Pfaͤffchen, Lohvogel, Luͤch, Bieter, Goll, Quietſch⸗ 
fine, Schnigel, Hellſchreier. 

Pebkofen, v. intrs. u, trs. überdaupt Liebe gleichſam koſen, d. d. 
ſprechen, ausdrucken ober am den Tag legen; im engerer gewöhnli⸗ 
cher Bebentana, feine Slebe und Zärtlichkeit gegen eine Perſon darch 
fanftee: Streicheln, Kiopfen, durch Kuͤſſen ıc. am ben Zag Tagen (ca- 
zessiren). einer Schönen Nebkoſen. eur liehkofete dem Kinder. 
„Sr Lichlofete ihuta fo hin, daß fie alcht emhin lenaten, ihm am 


Liebk 





ihren Bufen zu bräden.“ Wieland. Auch mit bem vierten Fall⸗ 


Die Mutter liebkoſet ihr Kind, ber kiebende bie Geliebte. In weis 
terer uncigentlicher Bedeutung auch von ber Zunge, Liebesworte fpfes 
Gen, „Meine Aunge vertrocknet, wenn fie je einer beinee Schweſtern 
tiebkofet.* Meipner (A.). Der Bund lichlofet feinem Herren, 
wenn er ihm feine Neigung und Anhänglihleit durch Lecken, Schanier 
gen, Springen ıc. an ben Zag leget. Auch fagt man wol vom Bläde, 
‚daß «8 feinen Bünftingen fieblofe, wenn es ihnen befomders günftig 
iR. Im ber unbeſtiamten Form müßte es zu Jiebkofen heißen ; 
kein die Dichter gebrauchen auch liebzukoſen. 7 *4 
Gin Wis, bem’s nie an Meiz gebrach, A 
Bu fiehen oder lichzufofen. Wieland, £ 
D. Liebkoſen. D. —ung. Ginen mit Liebkoſungen äserhäufen, 
mit Außerungen feiner Liebe und Zärtlichkeit. 
* Der Liebkoſer, —s, 24. gl; bie —inn, Bi —en, eine Purſos, 
welche einer andern Liebfofet. Im Vocab, alph. aub für Scheneich ⸗ 


ter. -(R.). { N 
O Dad Liebkoſungswort, —es, 2. wörter ‚ein Wort, eine 
Benennung, beffea mam fi bedient, wenn man eine Perſon Uebko⸗ 
fet, ober ein Wort, eine Benennung , welche ſelbſt eine Birblofung 
fein fol. Dergleichen Wörter find, mein &chen, meine Seele, mein 
Herz), mein Schatz, mein Taͤuhchen ıc. Kuͤrzer, das Kofewort. 

X Der Liebler, —s, 9%. gl; bie —inn, 84. —en, tine Perfon, 
melde Itebeit: Btieter, ©, Liebeln. 

Bieblich, —er, —fle, adj. u. adv, angenehm in bie Sinne fallend, 

Baodhlgefallen und Bergmügen erweclenb. Ein lieblider Anblick. „Bine 
lieblicht Gehalt.“ Hobel. a, 14. „Wie der litbliche Monb mid 
anlägeıt,“ Beife. Liebliche Töne erflangen, 

— — lieblich tönende Stimmen. — Fr. Stollberg. 

- «Pier ſammle ih Liebtiche Geruͤche.“ Geß ner. Gin lieblicher @r- 
fhmad, „Die Wieispeit it lieblicher denn Mein." Gir. 40, 20, 
Lieblich iR diefe Segend, lieblich bes Abenbs Kühlung. Gefner. 
„Wiche wie lieblich es if, auf biefem Hügel zu wohnen." Derf. 
In’ den Blaufarbenwerten wirb bie. blaue Farbe lieblich genaunt, 

wenn fie ein reines helles Blau Hat und nicht ins Veilhenblaue ober 

Sae warulche fänt. : 

Die Lieblichkeit, 2. —em: 1) Die Eigenfhaft einer Sache ober 
Perfon, durch bie fie lieblich iſtz ohne Mehrzahl, =) Eine liebliche 
Bade, Eigenfhaft. 2 

und ber kieblichkeiten ſede. Woß. 

Der Liebling, —es, Di. —e, eine Prefon, weiche mar vorzägliä, 
vor allen andern liebt, von Verfonen beiberlet Seſchlechts. Dec if 
für eine ſolche Perfom weiblichen Geſctechts auch die Lirbiinginn ger 
woͤhulich.“ Die Liebling ter Ätern, ein dorzuüglich voh ihnen ge— 
liebte Kind. Sie mar vom jeher fein Liebling. „Ihre Lieblinginn 
Wilhelmine: Bouterweh . 

Sinfieblerifhe Säygerine 

Der Muf md Shwermuth Lieblinginn. Wof. 
AItiedrich ber Bweite hatte unter ben Menſchen keinen Bänftling, 
aber immer unter feinen Handen einen Lichling.* Eberhard. Sr 
Bufammenfegungen bezeichnet Liebling die Sache, welche das damit: 
infammengefegte Wort nennt, als eine ſelche bie rorzüglid geliebt, 
mit vorzäglihem Bergnuͤgen gethan, allen ahnlichen vorgezogen wirb. 

Die Lieblingsarbeit, 4. — n, eine Arbeit, mit der man ſich 
vorzüglich gean befhäftiget, die man vorzäglih gern vornimmt. &o 
auch das Liebliugſgeſchaͤft. 

Das Lieblingsbild, —es, 9. —er, ein Bilb das man vorzägiih 
Hebt und zu weidem man immer zusädichet; ſowel eim ſolches ge⸗ 
mahltes Bild, als and ein fohhes Sild ber Einditvungstraft. »So 
bie Liebimgebitder ihrer Prepteten non einer geldnen Zeit, bie fie 
mit aller Rube und: Güfägkeit des Gchäfreiebens mahlen* Herder. 

Des Lieblingsduch, —et , My. —büder, ein Bud, das man vor— 
zögiid, geım liefet, mad zum all ander: Büdhsen vonlsbıt. Go 


125 


Liebl 


* 


auch bie Lieblingẽeſchrift. 

Der Lieblingsdichter, —s, . gl. ein vorzuͤglich gellebter Diäten, 
den man alen Dichtern vorzichet, ber Liebling unter den Dichtera. 

und ich will bein Lietlingspichter werten. Baggefen. 

Das Lieblingseflen, die Lieblingsfarbe, ſ. Leibeffen, Leibfarbe. 

O Der Lieblingsgang, —es, By. — ginge, (R.) ein Gang na einem 
gtwiſſen Orte, ober ein Bang in einer geisiffen Begenb, der einım vor 
zuͤgliches Wergnügen gewährt, ben man vorzüglich gern mat, gehet. 

Der Lieblingsgedanke, — ne, By. —n, ein Gedanke, der einem ber 
fonberes Wergnügen macht, den man gern dentt, für meiden mar 
eine Borliebe hat, _ 

O Das Rieblingägefühl, —es, I —e, rin Gefäpt, welches befom 
ders angenehm ift und welches man babre gern erneut. „Danm 
ſchmiegen ſich bie Lieblingsgefühle wieder an das lebendige Bewußt- 
fein.“ BenzelSternau— 

© Der Lieblingsgenuß, — ſſes, 7. —genäffe, ein Genuß, weile 
den man allen anbern Senüſſen vorziehet. 

Das Lieblingsgericht , f. Leibgericht. 

Das Lieblingsgeſchaͤft, —es m. —e, f. Lieblingsarbeit. 

O Das Eieblingsgefhäpf, —, et, ein vorzüglich grlichtes 
Geihdpf. Im ber folgenden Stelle wird der Menſch ein Lieblinge» 
geſchoͤpf Gottes genannt, „Da erfhien ex unter dem Purpur ber 
Borgenrötpe; ba öffnete er feinem Lirblingsgefhöpfe Wirt und 
Gele ı. Herder. 

Das Lieblingsgetraͤnk, f. Leibgetraͤnk 

Der Lieblingshund, —es, 2 —e, f. Lieblingéthier. : 

O Der Lieblingsjänger, —s, 99. gl. der Liebling unter ben Nine 
seen, „Ichannes ber Lieblingsjänger.* Klopftlod. 

Das Lieblingöfind, —es, y. —ır, ber Eirbling unter dem Kine 
dern, ein vorzägiich geliehtes Sind. „Über die Liebiingefinder des 
Himmels liep ich ber andere fanfter herab.“ Bengel- Sternau, 
So auch der Lieblingsfohn, die Lieblingstohter. „Der Lirblings- 
fohn der Ättern.e Ewald, (#.). 

Das Biehlingslamm, —es, B4- —lämner, ſ. Kirblingsthier. 

Dad Lieblingslafier, —s, 9%. gl. ein Eafter, an. weldes man ſich 
fo gemöhnt hat, baß es Vergnügen mad: unb daß mon es gern ver⸗ 
übt. So aud die Lieblingsfände. 

O Die Lieblingdieferei, 9. —ın, eine Leſerti, 5. 5. Säriften, 
bie man vorzägikh gern liefet (Tieslingeleoture). „Die unfterdtichem 
Schriften der Alten blieben durchs ganze Behem feine Lirbiimgsiefen 
ni.» Bältner. 

O Die Lieblingsmufe, 9. —ır, eine oder bie vorzüglich gelirhte 
Mufe, ber Liebling unter den Mufen, 

Meine Lieblingsmuſe folft du fein- Bagaerfen. 

Der Lieblingename, —ns, 3%. —ır, eim Rome, weldien ma hem 
übeigen vorziehet, melden befonbers angenehm if. „Ichermarmn weiß, 
In zwiſchen Menfhen und geliebten Sihierem mo Immer probe 
and Lieblingename bas Bank fet, das fie binbet.“ Herder. 

O Die Lieblingäneigung, 2%. —en, eine Neigung, beren Befries 
bigung uns vorzäglihes: BWergnägen macht und ber wie bafer vor 
allım anberm nahbangen. „Die mehreftem Menihen, bie uns 
fo herzlich, ergeben ſcheinen, treten zuräd, fobalb +8 darauf ame 
Emmt, ihren Liebfingsmeigirgert pe unferm Boztheit zu entfagem.“ 
Knigar. (BR. + 

Das Hebtingspferd, —ıE, A —r, ſ. Fieblingsthier- 

X Der Lieblingsplatz, —ıd, Di —pläbe; Bw. das Kichtingge 
piäschen, ein: Pla$ dem man vorzfglich Tiebt, ma man: warzägiidh 
gern iſt. 

Kenn” end noch al’ ihr Rieblingeptischen. Gonnenterg. 

O Der Lieblingsſatz, —et, Big. — ſaͤtze, ein Satz. für muetden mm 
eine Borlisde Pat, melden mon Beigemonmen ht nel Aterall auf 
früt ober gelten gun maßen fucht. 

O Bie Sichlingäftäpgfung, 2 —ın, eine Cälpfimg, bp cd 


Liebl 


was Hervorgebrachtes, welches vorzüglichen Bergnuͤgen macht, etwas 

das mit befonberer Liebe nd Sorgfalt hervorgebracht werben if, 
— — — bdelde Flur 
D Lieblingéſchoͤpfung ber Natur. Koſegarten. (R.) 

O Die Eiebfingsferift, =. —ın, f. Kieblingsbuh. 

O Der Lieblingsihriftfieller, —s, 94. gl. ein Schriftſteller beffen 
Schriften man mit vorsäglichen Vergnügen Hiefet, ber Liebling uns 
tie den Ochriftfkelleen. 

O Der kichlingeiie, —et, 94. —, ein Eit, melden man verzůg · 
fi lieb bat, andern Siten derzichet. Die beſchattete Moosbaut 
am Waſſerfalle it mein Lieblingsſitz. „Der Taurciſche Pallaſt — 
war der Lieblingaſiz Katharinens.“ ungen (R.) 

O Der Lieblings ſohn, —es, 2. — ſoͤhne, f. Lichlingefind. 

© Das Lieblingsſoiel, — es, 9. —e, ein Epiel woran man vor: 

‚ zügliches Vergnügen findet, and welches man ben übrigen Epielen 
vorziebet. ; . 

© Die Lieblingsftabt, Sz. —flädte, eine Stadt, die mar vorzüg: 
ih Hebt, den andern vorziehet, „Die eine Reihe ihrer Lieblings 
ftädte Hingeben til, wenn" ı, Herder. 

O Die Lieblingoſtelle, By. —n, eine Stelle, bie un beſonders 
lied if, vozgügliches Vergnügen mat. Auch der Lieblingsplatz. 

Deichen (Baum) ee felber gepflanzt an ber Kieblingsflelle bes 
Gartens. Bof. 
So aud bie Liebiingöftele in einem Bude, Shaufpiele, Tonftüde ır. 

Dos Lieblingsſtuͤck —s, 94. —e, ein Gtüd, weldes man vorzüͤg 
ti Niebt, vorzöglih gern hat und bem übrigen feiner Art vorziefet. 
Das Lieblingefiä unter den Shaufpielen, Tonſtuͤcken ar, „Pizarzo 
ift ein Liebtingsftüd der Engländer.“ Hüttner. (R.) Der Kopf 
vom Fifhe if fein Lieblingsſt ͤck. Auch das Leibſtuͤck. 

Die Lieblingsfünde, Sg. —n , f. Lieblingslaſter. 

Das Kieblingdthier, —s, 3. —e, ein Thier, welches man vor 
yüglih Ueb hat, entweder vor allen Thieren überhaupt, ober vor 
allen Thieren feiner Art. 

Antbeit batd manchen Fehl an feinen Lieblingsthieren. Bürbe, 
Auf gleiche Art tenenat man auch vorzägttd gelichte Tpiere aus eins 
seinen Thiergeſchlechtern, bie man zum Nugen ober Vergnügen bält, 
3 8. ber Lieblingehund, die Lieblingskatze, das Lieblingelamm, 
das Liehlingspferd, der Lieblingsvogel, die Liebliugstaube ıc, 

Eine Däne fhln gebaut und Teicht und raſch von Schritte 
Ir ert fein Lieblingspferd. Bürde 

Die Lieblingsthorheit, BY. —en, eine Thorfeit, bie einem vorzüg: 
lid eigen und lieb iſt. . . 

Die Lieblingttochter, Rz. —töhter, f. Lieblingskind. 

O Der Eichlingstraum,, —s, Ps. —träume, ein Traum, den 
man vorzüglih gern hat, dem man fich vorzuͤglich gern überläßt, 


— 05 es glei nur ein trauriger Dienft it, wenn man und aus‘ 


einem Pieblingetraume auffhättelt," Goͤt he. 

Die Lieblingdtugend, IM. —en, eine Tugend, melde man mit vor: 
zuͤglichem Vergnügen ausüdet, 

Der Lieblingsvogel, —s, My —voͤgel, f. Lieblingsthiet. 

© Der Lieblingsweg, —es, M. —e, ein Weg, melder und vor: 
zügtih lieb oder angerehm it, und welchen wir teppalb vor zͤglich 
gern gehen. „Dir Gang zum Wafferfalle ward fein Kieblingsweg.* 
Meißner. (R.) 


O Das Liebliugsweſen, —s, 9. gi. ein Wefen, welches ein Eich, 


ling ift. Mneigentlih, ein Wefen, d. b. eine Art zu fein und zu 
handeln, bie man vorzüglih Li gewonnen hat. „Bebantenjagd 
und SäHwierigleitößege, das if dein Lieblingsmefen« 1. Benzels 
Sternau. 

Das Lieblingswort, —es, Sa. — woͤrter, ein Wort, weldes aus 
iezend einer urſache ſehr gefdät und deſſen man fi vorzuͤglich germ 
und Häufiz bedient. „Der von mir gebildete, anfangs fo laut vers 
fümägte, jedt zum Lieblingeworte fo vieles Gäriftfieles erhobene 


. 


126 


Liebſt 


Ansteud, Zartgefäht:« ©. 
O Der Lieblingswunſch, —e6, 34. — wuͤnſche, ein Wunſch, Kaffe 
“Gefülung ganz vorzüglich am Herzen liegt, wilden man ohne Un» 
terlaf ermeuet, ! 

O Der Lieblingszeitvertreib, —es, B4. —e, ein Beitwertreib, wel» 
Ger vorzäglid angenehm iſt unb weichen man allen andern Beitrer» 
teriben vorzichet. 

Ihe Lichlingsgeitvertreib erregt ihr lange Weile. Wieland, 

Der Lieblingszug, —es, By. —züge. 1) Tin Bug, welden man 
vorzüglich Licht, germ hut, 3. D. in einem Srettſpiele. 2) Der 
Bug, die Reigung nah einer Sache bie man’ vorzüglich Liebt. Jeber 
giedt bad, was cr nad feinem Lichlingesuge bes Genie‘ geben mag.* 
Berder. | j . 

Lieblos, —er, —rfie, adj. a, adr. keine Liebe gegen Andere empfin- 
bend. — and tiefem Brol lieblos Liebe zu heucheln.“ Berben 
In engerer Bebentung, nicht wur keine Liche empfindendb, fondern 
auch gleichguͤltig uad unempfindlich bei Anbrer Wohl und Wehe; wie 
aud in diefem Buftande, biefer Gefinnung gegründet. Gin liebloſer 
Menih: Lieblos fein. Einen Uebles behandeln. Andere lieblos 
beurtheilen. Gin lieblofes Betragen, Urtheil, 

Die Lieblofigkeit, I. —en. ı) Der Zufland einer Perfon, ba fie 
Ueblos if; ohne Mehrzahl. =) Eine lieblofe Handlung. 

Liebreih, —er, — ſte, adj. u. adr. reich am Sirbe, einem hohen Grab 
der allgemeinen Liebe gegen Andere befigend und Außernb, befonbers 
durch Worte, Stimme, Mirnen und Handlungen Außernd; wie auch 
‘in biefem Buftanbe, birfer. Gefinuung gegrudet. Ein liebreicher 
Dann. Die Geinigen, feine. Untergegebenen liebreich behandeln. 
Riebreich gegen jebermans fein. Ginen liebreich zurecht weifen. 
Gin liebreiches Betragen. Uneigentlih aud von Dingen, bie keine 
Liebe empfinden können. „Das Sluͤck if nicht fo liebreich gegen fie 
gewelen, ald bie Ratur.* Bellert. 93.9. Riädter bat baron 
das mistönende Wort die Liebreichigkeit gebitdet, die Eigenfhafs 
einer Perſon da fie Aebreich if zw bezeichnen. 

Der Liebreiz, — s, Di. —e, ein Reiz, d. H: Schinteit, befonters: 
in ben Hanblungen, Bewegungen und Stellungen des Körpers, wel» 
he fähig ift, Liebe zu erwecken. Man gebraucht biefes Wort nug 
vom weilblichen Geſchlechte und von dem KXusbeude fittliher Schoͤn⸗ 
heit, uLichreiz begleitet bei biefem Geſchlechte (dem weiblichen) den 
Ausbrud der Liebe. Beybenzsid. In weiterer Bibeulung, auch 
von anderer fittliher Schönheit und von Schönheit, durch bie man 
fih angenehm angezogen fuͤhlt, überhaupt. „Ipr anmutpsvollen Kims 
ber mit jedem Liebteiz ber Mutter gefämädt.“ Befner. 

Weil feine Doris, bie nur Liebreiz ſchmiaket, 
Som freumbli winket. Kleif,. . 

Liebreizend, —er, —ſte, adj. u. adv, zur Eiche reizend, mit Bich- 
zeig ausgeſtattet. ine liebreisende Jungfrau. „Liebreigenb vom 
Geht.“ Hageborn. Nachdem Biribinker ber ganzen lirbreijen« 
den Gefellſchaft elne gute Nacht gemänfht hatte," Wieland, 

x Die Liebfchaft, 9. —en. ı) Der Zufland bes Liebenden. „MWäh- 
rend feiner Kiebfhaft.* ungen. 2) Ein Geaenftandb ber Liebe, ber 
fonders ein Belichter, eine Geliebte. Cine Liebfchaft haben. Im 
weiteren Bebeutung, was man fehe gern hat, was man jeher ho 
hält, wie etwa eine Belichte, „Schönes Waſſer ift eine meiner bes 
ften Liebfchaften.“ &eume. (R.) 

Der Liebſte, die Liebfte, f. Lieb. 

Das Liebſtoͤckel, —, M. u. eine fhirmtragende Pflanze, berem 
Blümben fünf Staubfäden und gwei @riffel haben (Leristicum ober 
Ligustieum L.), Die gemeine Art, welde im Genueſiſchen wilb 
wääft, bluͤht geiblich, hat einen flarten gewürzhaften Geruch, einen 
ſchacfen zugleich, ſuͤzlichen Geſchmack, und wird als Arzeneimittel ges 
braucht (Levisticum offieinale, Ligusticam levisticum L.). 

Der Liebſtoͤckelkaͤfer, —s, 39. al. ein auf bem Liebftötkel lebender 
Ruͤſſelkaͤfer (Cursulio ligustici L.), 


Riede 


fonders weltliche Eicher entjhtt; zum Unterfhiebe vom Befangbuce, 
weldes seittige Lieder enthält, 
+ Die Liederbuͤhne, Sy. —n, im Bergbaue, eine Büßne, anf wel 
Ger bie Giger in den Weffsfünfen geliebt werden. S. Liedern. 
bie —inn, Bi. — en, ein Die 


Liebt 127 


* Liebthaͤtig, —er, — ſte, adj. u, adv. in der Liebe zu andern Den 
ſchen thätig, felne Lebe in Thaten an ben Tag irgend. Davon bie 
Liebthaͤtigkeit, die Thoͤtigkeit im ber Liebe, thätige handelnde Liche; 
Bei Haltans auh Liebthat. (R.) „Als num Ausfägige von den 


Kreujögen heim famen, fo fahe man einen folhen im heiligen Der Eiederbichter, — 8, Dip. gl.; 


Lande, auf dem Buge gegen bie Ungläubigen von der Gottheit ge: 
zeichntten Pilgeam nit nur für einen Begenfland bes Akitleids unb 
der Liebthaͤtigkeit, fondern auch für rine Art von Heiligen, für eis 
nen Lazarus an.* Ungen. (R.) 

Liebwerth, —er, —efe, adj. u. adv. licb und wertd, mir noch im 
gemeinen Ehen fowgl im Sprechen als aud in, Briefen. Liebwer⸗ 


1. 55 Bid, —eb , 3. —er; Wir, das Liedchen, ©. D. —Iein, 
" (qufamımengegogen Lieben), —$, 3. gl. auch bie Kieberchen. 2) Ale 
Is was gefangen, bush bie Krble in abwechſelnden und meiſt 
angenehmen Tönen hervorgebracht wird; es mögen Worte oder auch 
nur Zöne fein; der Befang. Die Kisder des Rachtigallen. Das 
frohe Lied dee recht, 

Ipe Lied war zu vergleichen 

Dem Unkenruf in Teihen, Bürger. 
In engerex Bedeutung, ‚ein Gebicht, weldes beſtimmt if gefungen 
za werben, obere welchts doch gefungen werben kann; baum, im der 
Höhren Schreibart, aud überhaupt ein Gedicht. Das hope, Lied. 
Das Lied vom braven Manne. In welder Bedeutung es zumeilen 
auch für den Segenſtand oder Inhalt bes Eicbes oder Gedichtes ges 
Braut wird, Gott if mein Lied, die Liebe fei mein Lied, Wort bis 
finge ih, die Siehe will ih befingen. Am gemöhnlicyfken nennt man 
Petr sim foldes zum Bingen belimmten-Bediht, in welchem gewiſſe 
Gmpfindungen Biner Art ausgebtuckt werden, welches in Seſehe non 
: eineried Beramaß abgetheitt iſt, bie, gewoͤtznlich auch nad einer und 
< berfeiben Melfe gefungen werden. Gin geiftliches Lied, in welchem 
fromme Gebanten unb Gmpfinbungen ausgebrudt werben, und das 

. zunihß zur Erbauung und für den gottesbienfitihen Gehrauch ber 
Mimmt iſtz au ein Gefang, und zwar ein Danklied, Loblied, 
Morgentied, Abendlied, Sterbelied, Sonntagelied, Feſtlied, 
Abendmahlotied 1 Dieſen fept- man weltliche Lieber entgegen, 

welcht jenen Inhalt und Zweck niht Haben. Gin Freudenlied, Ger 
ſellſchaftalied, Tafellied, Trinklied, Punſchlied, Hochzeitlied, Sie⸗ 
gestieb, Heldenlied u: X Dies iſt das Ende vom Liede, -unels 
gentlich, das iſt das Enbe ber Sache, damit ift es vorbei, dabei fol 
48 bleiben. Unb damit hat das Lieb ein Ente. Sprichwoͤrtlich fagt 
man auch, id) fanm ein Lieb bavon fingen, ober ich meiß ein Lied» 
hen davon zu fingen, ich habe es auch erfahren, kann auch aus 
Erfahrung bavon fprehin. Bumeilen bebeutet ein Lieb fingen, auch 

„aus etwas fagen, beſonders wiederholt fagen, auch wol klagen. 

Unb ſchaͤmſt dich nicht mir ſolch ein Lied zu fingen. Wieland. 
2) In engeren Bebeutung, eine Battung Gebichte, in welchen eine 
höhere Begeiftieung webet; ber Hochgefang oder das Hochlicd, bie 
Dbe. — je mehr ſich ihre Sprache ber Poeſie (Ditung), und ihre 
Yorfie dem Liede, dem Erpadenen, dem Zaubermäpigen näpert, deſto 
mehr" ıc, Herber. 
2. %* Das Lied, —ıt, By. —e, und —er, ein Sieh, Gelenk, wie 
auch, ein am einem Gelenke ober Gewinde bemeglider Dedel. Diefe 
Beteutung hat es in Augenlied. Ja weiterer Bedtutung auf ein 
Brett, eine Klappt, melde an einem Gewinde beweglid if, und 
von einem Geſtell oder von Fuͤßen unterflögt, wie ein Tiſch aufge 
fhlagen werden fanın. So nennt man in Meißen brionbers dir Bank 
ober ben Tiſch, worauf die Fleifcher bas Fleiſch feil haben, das Lied. 
Im Henuedergfäen ift Lieb der Deckel einer Kanne, Bäche ıc. 

© x Lieben, v. intrs, ein Liedel ober kiedchen fingen, Lichten; ver 
Edit. „In Xufıng, als Gellert und Bleim nod neu warın, ta 

fabeitem ober liedelten fie” (jemedeute). Alopfod. (R.) D. Liedeln. 

Das Liederb 


O Die Liederfunte, 0. 3%. die Kunde ober Keantaiß ber 


der, eine DOichterinn, welchet eder welche vorzuͤglich Lieber dichtet ober 
gebihtet Hat. 


O !iebeihaft, adj. u, adv. einem Liede äpntih, die Ratur, Beldaf- 


finheit bes Liedes habend. „Die Singparthien (bie zum Eingen bee 


. Himmten Theile oder Stellen) ber Oper (bed Bingfpieles) mülfen 


aber durchaus liederhaft gehalten, Ausbräde bes Gefühle, und weder 
mit Raifonnements (beustheilenden Bemerkangen) nad; mit poetiſchen 
Blumen (Digterblumen) Äderlaben fein." Hagen. (R.) Won Hat 
zueift Lieder angenemmen, ohne · zu bedenken wie wenig Liederhaftts 
die meiſten an fih haben." Herder, 

tieber; 
. be Belauntſchaft mit Liedern und die Beidilickeit fie zu fingen. 
»So if bie Nochtigall Herrſcherinn im Biete, weil fie der Lieder 
kunde mädtig if." Ungen. (M.) 


O Liederkundig, —er, —fie, adj. u. adr. der Lieder kundig, for 


wol von reinem ber Fieber zu machen, als auh der fie zu flagen weiß. 
— ber lieberfundige Sänger — .Vof. 


x Eieberlih, —er, —fir, adj. u. adv. ein Bert, womit der Begriff, 


bes Sridten, leicht Beweglichen, bann aud de Beihtfinnigen und 
defien was bamit verbunden ift, bezeichnet witd. So wird bei Friſch 
anjrfühet: „bush die Wolenjäde iſt nicht liederlich zu hießen,“ 
d. d, nicht leicht. So nennt man im gemeinen Leben eine Gade 
biebertich, wenn flo beweglich if, da fie feſt fein follte, wenn fie alle 
nadhläffig, nicht bauerhaft gemast if. Etwas liedetlich beffigen, 
Liederlich nähen, arbeiten. Daher eine licherlidhe Arbeit, melde 
uf biefe Art gemacht iſt; ein liederlicher Arbeiter, ber auf ſolche 
Urt arbeitet. Eine liederliche Kleidung, bie ſchlapp, unetbeatlich 
berabhängt,, zeerilen iſt sc! Liederlich einhergehttu, in liederlicher 
Kleibung. Gin liederlicher Menſch, ber nicht nur (im gellnden Ber» 
ſtande) in liederlicher Kleidung einhergehet und dadurch feine Nachlaͤſ⸗ 
ſigkeit, Unorbnung and feinen Leicht ſinn deweiſet, ſondern auch (im 
ſchlimmſten und verachtlichen Verſtanbe) in allen übrigen Dingen 
leichtſinnig unb umorbentlih iſt, beſonders in feinem Hautewelen, 
feinen Geſchaͤſten und in feines ganzen Bebensart, die fittenlos und 
ausjäweifend ik, Rah Antons Ableitung iſt ein liederlicher 
Menfh, ber beim Liede, bei Gang und Alang, alfo duch Iufige, 
leichtſinniges eben, bas Seinige durchbringt. Dieſe Ableitung ſchei- 

nen bie Worte im vocab. alph. „Liebel, lieberlich, frolich, lichtig⸗ 
lich om forge* zu beflätigen. (M.) Biedertich fein. Es ſieht bei ibn 
ſeht tiederiich aus. Liederfich Leben. Ein liederlicher Bube. Lie 
berliches Befindet. Ein liederliches Beben führm. In dem lebten 
Härteften Berftande kaun man es auch nah Elubius Unterfheibung, 
lüderlich ſchreiden, indem eim folder ausfchteeifender Attenicie 
Beni, dee das Geinige verlubert, gleihfam im Luder Lebt. Uns 
eigentlih meunt man ſchlechtes, zu Leichtes Gelb lieder! ches Bild, 
Im Fraͤnkiſchen wird liederlich auch von einem ſchlechten Geſunddelts⸗ 
zuſtande für kraͤnklich, ſchwaͤchlich gebraucht, und ein Tieterlich Moaͤdle 
Heißt daſelbſt ein ſchwaͤchtichet. Ehemapis trug man au ben Mrs 
oriff bes Mangıls an Befigfeit und Dauer uniigentlid) auf bie Zeit 
über. „Darum madıt er jre tag gar lieberlich vab jre Jar gar 
ſcha auf," Zürid. Bib. Of. 77. (M.) Davon die Liederrichteit, 


‚bie Elginichaft einer Prrfon, die Beſchaſfeahelt einer Bode, ba fie 


Ue derlich if. 


& Liedern, v. tes. verderbt aus ledern, mit dem gehörigen Leder ver» 


feben,, im gemeinen Leben und befonders im Prrgbaue. (ine Kunſt 
— die Saͤtze des Runftgezeuges mit Biber verſehen. D, Liedern. 


uch, —es, Di — bücher, sin Bud, meiden Litber, be · O — A it, — ſte, adj. wadr, seid an Eichen, fowol viele 


Liede 


1268 


Liegen 





Lieber enthaltend, 3. B. ein ſolches Buch, als auch das Bermögen 
und bie Gefhidlichkeit und Fertigkeit beſtgeab, viele kieder zu dichten 
ober zu fingen, Der frühe [don 
Bein Leben gany den liederreichen Schweſtern 
\ Neaniens angelobet hat. Ramler, 
— vo Boͤgel chne Zahl 
Die liederreichen Kehlen ſtimmen. Wieland, 

Davon ber Liederreichthum, der Reichthum an Lieben, 

Der Liederfinger, —s, 24. gl. bei Stieler einer, ber Lieber 
fingt, im eigentlichen Sinnez zum Unterfkirde rom, Lieberdichter, 
deffen Dichten man uneigentiih aud eın Singen nennt. Beſonders 
eine Art Tonkünſtler im Mittelalter, welhe die Lieber der Dichter 
fangen (Miustrels). 

O Das Liederfpiel, —es, Di. —t, ein Spiel, wobel Lirder gefün: 

- gen werben ıc. Befonters ein Spiel auf ber Bühne, ein Feine 
Selrgenbeitsftäd auf ber Boͤhne, welches aus Birdern zufammengeregt 
iR (Vaudeville), Reihharbt, |. ſagt bafür ein Wierthaler. 
©. belfen Berdw. Vauderille,' 

Die Liederſprache, o. 34. 1) Sine Sprache, bie ſich für Lieber, Ges 
fängt eignet. =) Eine Sprade, welche mur in Liedern lebt, de nch 
feine Schriftſprache if. „Im bem Britpunfte, da aus dir Linder: 
eine Büherfprnihe zu werten begann.“ Herder. 


O Der Lirbertang, — es, 2. —tänze, ein Zang, ber mit Befang. 


ober Sefangen verbunden ift. 

Der Lirderverd, —s, I. —e, ein Vers, d. h. ein aus einer ge: 
willen Anzabt zufammengebörender Zrkien beſtehender Theil eines 
Birnes, bifonders eines geiſtlichen kiedes. 

O Lievervoll, adj. u. adv. gleichſam vol von Liedern, viele Lieber 
wiſſtad und fingenb; liederteich. 

Rum macht ihr liedervoller Mund er 
Des Rebenvaters Sroͤße fund. Dageborm 

Die Liederwalze, 9. —n, in Blodenfpielen, bie Walze mit dem 
gehörig veriheilten Gtiften, melde bie Bloden in Bewegung ſehen, 
fo daß fie die Meife eines Liedes antönen. 

A Der Fiebeöflug, —es 0. 24 der Flag, d. 9. bie Erhedung, Bes 
geifterung des Ledes und im Liede ober beim Dichten eines Liebes, 
Gedidhtes, D dann, ihr Bräter, ſchwur id mit euch, im Graun 

Dir Kilen Mondnacht, edleren Liedes flug. Boß. 
A Liedetwerth, —er, — eſte adj. u. adv. eines Liebes werth, werth 
in einem Liede befunaen, erhoben ober geprieſen zu werben, 
Wie jedes Yünzlings Serle bir erglüht 
Bor jeter großen liedeſswerthen That. Gollin, 
& Liedgewohnt, adj.u.adv. ber Licher gewohnt, gewohnt zu fingen. 
— und nimm von bes Wolfe 
Liedgewohneter (gewohnter) Lippe bie neue Vergätterungss 
dimne. Sonnenberg. 
#X Der Liedlohn, —es, DM. u. der Lohn, melden das @efinde, 
wie auh, welden ein Tageldhner befdinmt. Daher der Liedloͤhner, 
‚ber Liedledn befimmt, ein Eagelähner, i 

1. Liefern, w.tes, ehimıbis Aberhaupt geben, reihen, Man gebraucht 
#8 j gt bloß in engerer Bedeutung für, in Berwahzung in Befig ges 
ber, Sıfonders von Dingen die man nicht unmittelbar aus ber Haub 
in die Band gieht, und vom Dingen, bie man zu geben verbunden 
if. Den Zehnten liefern. Cinen Verbrecher in bie Hände ber Obrig« 
feit liefern. S. Abliefeen, Ausliefern, Übertiefern, Dann, für 
Gelb in eines Wadern B.fig beingen, zu feinem Bebraud derbeiſchaf. 
fen. Schensmittel, Waaren für den Hof, an dem Bof liefern. Er 
will das Bunbert für zehn Taler Jiefern, Herbeifhaffen. Die ver 


ſprochene Arbeit liefern, fie fertig übergeben, Diefes Wert wird in. 


einzelnen Heften monatlich geliefert, Wrot, Mebt, Brantwrin und 
andere Borräthe an bas Heer liefern. Im Kriegt laͤßt ſich auch bre 


Kein in Feindeslande, was er nötbig hat und fonft verlangt liefern, : 


ohne dafür bas Geringſte zu bezahlen. Man mußte dem Beinde Rap 


rungsmittel, Rleidung, Waffen, Gelb ıc. liefern. Da eine gelieferte 
Sache außer unfeser Gewalt ift, und von demienigen, in deſſen Bes 
fig uber Sewalt fie gegeben ift, gan nah Befellın gebraucht und 
aud virntchter werben fann, fo nennt man eine Sache auch geliefert, 
wenn man fie aus bin Händen laͤßt, ſich icht weiter darum befüms 
mert ums fie berderben oder umtommen laͤht. Daber uneizenıid, 
einen liefeen, ihn gleihfam ber Gefahr, tem: Berbreben, dem lin: 
tergange übergeben, ibm aufopfern. Se ilt gelisfert, er iſt rerlener, 
Dim Feinde ein Teeffen liefern, eine Schlacht kisfern, mit ihm zur 
faminentesffen oder ofen und fih mit ism. in einen, blutigen Kampf 
einliffen. D. Liefern. D. — ung. @.d. - . ' . 

2. + Liefer, v. ner, mit fein u, trs. gesinnen und gerianen maden; 
gelisfern, lebetn, laben. D. Liefern. D. — ung. 

® Der Lieferer, - 6, 88. gl. der eiwas liefert; beſonders berjenige 
der für Geld das Berlangte herbeiſchafft er thue es anf-eigene Bed 
nung oder auf Rechnung Anderer (Lieferant), E. Getreide und andere 
Borritpe mursen duch Lieferer, mis welden man. einen Wertsng 
abe, detbetge chafft. 

Die Lieſerung, 24. — en. 1) Die Handlung, da man etwas liefert. 
Die Lieferungen für den Hof, für das Heer Übernehmen, es über 
nehmen bas Nöchige und Wirlangte fär deu Hof, das Der zu be⸗ 
forgen und herbeiguigaffen, 2) Dasijehige,: mas geliefert. wird, Lie 
ferungen an &ebensmitteln, an' Gelbe ıc. Lieferungen in Natur, 
ba man bie verlangten Sachen feltft liefert, 4. B. Setecidet, Heu, 

- Gteop, Mehl ac, Lieferungen in Gele, ba man anfett jener Eur 
Gen fo viel Gelb Liefert, als fie bem Werthe nad betragen, aber 
auch, da min noch außer jenen Sadhen Seid liefern muß. „Beine 
Lieferungen abtragen, ſchuldig bleiben ıc. In engerer Bebentung 
gebraucht man dies Sort von Dingen jeder Art, die im Kriege dem 
Feinde ergmnnyener Weiſe gegeben, füc denfeiben sufammengehradt 
werden möffen, melde zegelmäßige Pılnderungsart von den Fran: 
sofen In neuen Beiten eingeführt worden iſt. Lieferungen ausſchrei⸗ 
ben (Regnisitionen maden). Der Feind hat in der Stabt unter 
andern bie Lieferung von 50000 Paar Zchuten bifohlen (et hat fit 
requirirt'. Die Srabt, das Land ift buch die vielen großen Kiefer 
rungen zu Grunde gerichtet. Mavon das Kieferungskorn, Lieft ⸗ 
tungsheu, Lieferungsſtroh, Lirferungsgeld ıc., Kora, ra, Strof, 
Geld sc weldss geliefert werben muß. . 

O Die Lieſerungszahl, 0. Di. bie beflimmte Anzahl von Gtäden, 
inzeinen Dingen, welche geliefert werben müſſen. 

O Die Lieſerungszeit, . u. diejenige Beit, in ob:e zu weider 
bie Lieferonarn gefhehen müſſen. ! 

Der Liegambof, — ſſes, Di. —ffe, bei den Kupferfhmichen, ein 
in dem Einſchnitte bes Klohes Liegenber Anbog. 

Das Lirgrgeld, — s, 4. —er, tim Bid, eine Entſchaͤrigung, 

» melde für dos Biegen, d. b. das Stelllie gen oder Warten der Schif⸗ 

fer am biefelden für jeden Tag entrichtet wird, den fie vor bee Ein: 
oeder Kıklarang Über bie Behäbe ſtill Liegen ober warten möffın. 

O Das Liegehaus, —es, Mi. —bäufer, rin Haus, In weihen 
Reiſende ober Aberbaupt Perfonen, bie aus rinem wegen Seuchen 
verbächtigen Lande kommen, eine Zeitlang Iiegen, d. 5. bleiben. mäf: 
fen, und nicht cher weiter ins Land reifen bürfen, als bis man fi 
berseugt hat, daß fe von der Seuche nicht angrfledt find (Gontu- 
mazhaus, Quarantainehaus). 

Liegen, v. unregeim. id} liege, du Tiegeff ober liegſt, er lieget ober 

liegt; unlängft verg. 3. ich fag, Wittelw. d. verg. 3. gelegen, 

B.fehlm. Liege, T) mtr, mit haben und fein, eigentlich, riedrig fein, 

don [eg ober fege, aledrig. In biefee urſprünglichen Bedertung 

koͤmmt es nur noch im Berghaut por, wo bie untere Flaäͤche eines 

Ganges das Liegende Heißt; zum Unterfhirde von dem Obsrn eher 

dem Hangenden. @s bebeutet jett gewbhnlich, auf feine größten 

Flaͤche mehe ober weniger wagerecht zuben, meharh ein Körper ol 

Tein ohne gänzlihe Veränderung feiner GSeſtalt ober Berminberung 





Kiegen 


feiner Waffe nichrig wird; jum Unterfhiede vom flehen und fipen. 
Auf der Erde, auf dem Mafen, im-Mette liegen, barauf, barin ber 
Bänge nad fid befinden. Weich liegen, auf einem wegen Körper. 
3 Habe mit bequem, ich babe Hart gelegen; im O. D. ih 
bin gelegen... Auf ber sehten Seite, auf bem Rüden, auf dem 
Gefihte liegen. Auf bem Strohe liegen, als Leiche. Im Grabe 
liegen. Der Stein liegt gut, ſeſt. Der Balken liegt Hohl, berührt 
mit feiner großen untern Flaͤche nicht überall den unter ihm befinds 
lichen Körper, „Wie der Baum fällt, fo bleibt ee liegen.” Preb, 
2,5. Die Reiter liegen unorbentlih über und durch einander. 
Ih lieh Alles liegen und fliehen, und Lief ihm ferubig entgegen, 
d. 5. ofne 08 vorher am Drt und Gtehe zu beingen, ohne «& in 
Ordnung zu legen ober zu fielen. Im Wergbaue werden Kreuze, 
Echwingen ic. an bem Kunſtgezeuge unb in ber Bewegungslehre uͤber⸗ 
Haupt Mäder ıc, liegend genannt, wenn bie Wellen derſelben eine 
wagerechte Mihtung haben. Im gemeinen Leben wird ber Begriff 
son liegen oft verwechfelt, und liegen von Flaͤchen gebraudt für, 
auf fi, in ih etwas das Liegt enthalten. Mas Feld liegt voller 
Steine, es liegen viele Steine auf bemfelben. „Der Weg lag vol 


Reiter. = Rön. 7, 15. Die Kaſten lirgt vol Geld, Befonders 


von gewiffen Arten zu liegen, in rinem gewiffen Zuſtande, oder auf, 
su einem gewiffen Bwede liegen, Krank liegen, zu Bette liegen, 
krank fein und im Werte Liegen, twofde man auch nur liegen ges 
braudht, Ich Habe acht Tage liegen müflen. Am Fieber krauk 
liegen. uf den Ted liegen, töbtlih Frank fein. In dem Iepten 
Bügen Hegen, dem Tode ganz nahe fein. Ehemahls fagte man auf 
tobt liegen, für erllegen, unterliegen , umlommen. 
Gr murf vor Hunger Liegen tot. Boners Fabeln. 40. 
In Wohn ober in den Wochen Hegen, volflänbig, in den fee 
Bohen liegen, als Gebärerinn im Bette liegen, weil eine ſolche 
Perfon, wenn fle auch nicht fo Tange im Wette bleibt, fi doch fo 
lange ober wenigftens einige Zeit inne hält und nicht ausgehet, + Gie 
ÄR gelegen, im O. D. fie ift in bie Wochen oder in das Kindbett 
selommen. — ımb fiche, das DWögelden lag auf ben’ @iern 
Brätend — — — Beh. 
Beiseiner Perfon liegen, ober ihr beiliegen, bei ihr zum Beiſchlaf 
im Wette liegen , ſich mit ihr fleiſchlich vermiſchen. Kuh wirh 
liegen in feiner eigentlihen Bedeutung bildlich gebraucht. 
Schön ift der Friede! Ein lieblicher Knabe 
Liegt er gelagert am tuhigen Bad. Schiller. (M.), 
X Kuf der Bäcenpaut liegen, der Faulbeit feöhmen, nidte thun. 
Mit einem Anbern unter Einer Dede liegen, mit ihm einverftanten 
fein, iu übertinſtimmung handeln, von Handlungen, bie unrecht 
find, alfo rinee Dede, der Berbergung gleihfam bebürfen. Oft fehen 
wir bas nit, was uns vor ben Fuͤßen liegt, mas uns ganz nahe 
legt, was wie mit leihter Mühe fehen und finden Bunten, Im 


"weiterer Bebentung gebraudt man Liegen auch, eine Stellung am 


bezelchnen, welche berfemigen, wenn man lirgt, ähnlich if. Auf ben 
Knien fiegen. Bor Det liegen im Bergbaue, Hegenb ober ſihend 
arbeiten, Im Fenſter liegen, mit den Armen ſich arf die Fenſter⸗ 
mauce oder bas Feritterbrett fügen, weil man dabel eine gebüdte 
Stellung hat. Beſenders in der Fechtkunſt, von verfhiebenen ges 
firetten Stellangen, wobei ber Rörper fehe weit vorwärts geſtreckt 
unb gebeugt il. Im Vortheile liegen, ebenfalls in ber Fechtkunft, 
eine vortpeilhafte Stelung haben, Im Auflage liegen, bas Ges 
wehr im einer geſtredten Stellung zum Schuſſe an ber Bade haben, 
So nennt man and einen Dachſtuhl, deſſen Saͤulen ſchraͤg geſtellt 
find und alfo halb liegen, einen liegenden Dachſtuhl. @ Liegenbe 
Scchrift, welche ſchraͤg fiehet, oben nad ber rechten Geite etwas 
überdängt (Cursirfärift). G, Uneigentlih, mo ber Begriff bes Mus 
dens auf feiner größten Flaͤche mehr ober weniger verſchwindet 
wird Liegen überhaupt bloß für ruhen ober mäßig bafein, ober 
wach ſchlechtweg nur für daſein mit derſchiedenen Nebenbegriffen ge⸗ 
Gompe's Wörterb. 5. Ip. E 


ı29 


Kiegen 
braucht. Das Belb bereit liegen haben. Man muß bas Gelb nicht 
mäßig liegen laſſen, man muß es benäten, ausleihen ıc. Ginen 
guten Vorrath von Wein ıc. liegen haben. Der Wein hat lange 
genug gelegen. Das Bier liegt auf dem Faſſe, befindet fih im Faſſe 
und im Keller, um aufbewahret zu werben. Es Liegt mir auf tee 
Bruft, von Schleim in ker Bruft, den man als etwas Drüdenbes, 
Beſchwerliches fühlt. Es liegt mie ſchwer auf bem Herzen, das 
Herz wird bavon gleihfam fehr gebrädt, beflemmt. Kiegende Gränbe, 
unbemegliche Güter, befonbers Kder, Mieten, Wälder, Bärten. 


- Befonders von Gegenden, Gtüden Bandes, Städten, Dörfern, Häus 


fern ıc., wenn man auf ihr Berhältnig zu anberm Gegenden, Staͤd⸗ 
ten ıc. in Anfehung des Ortes ober Raumes, ben fie einnehmen, 
Ride nimmt, Die Stadt firgt zwiſchen Bergen. Der Berg 
Tiegt der Stabt gegen Abend. Die ganze Gegend lag ausgebreitet 
za unfesn Fäßen, wir überſahen fie weit unb tief unter uns von 
bem Berge, dem Thurme ıc. aus. »Schwarz liegt bad umabfehbare 
Mer vor uns" Befner. Das Baus bleibt linker Hand am Wege 
liegen ‚bee Weg führt rechts vor bemfelden vorbei, Die Augen lie 
gen ihm vor bem Hopfe, find weit bervorgetreten, ragen aus ben 
Augenhöhlen hervor, Dft iſt mit dem Nebenbegriffe ber Ruhe au 
ber einer beträchtiigen Beitdauer verbunden, Die Golbaten liegen 
im Felde, befinden ſich im Kelblager. Es liegen in ber Zeſtung 
sooo Bann, fie befinden fih darin als Befagung. Im Hinter⸗ 
halte liegen, an einem Orte fi verborgen halten, um unvermuthet 
und von hinten jemand, beſonders im Kriege den Feind zu über 
fallen. Im Gefängniffe, in Ketten und Banben liegen. Nicht ſel⸗ 
ten wird damit aud noch ber Nebenbegeiff bes Tadelnden und Ders 
ädtlihen verbunden. Immer über ben Bädern liegen, fi immee 
mit denfelben befhäftigen,, beftämbig leſen, daraus lernen ı. Im 
mer zu Haufe liegen, immer zu Haufe fein, nit ansgepen. X Den 
ganzen Tag im Weinhaufe, auf ber Bierbant liegen, fi ben gan 
zen Tag im Weinhaufe, Bierhaufe aufhalten. Ginem auf dem Halfe 
liegen, ihm durch zu lange Gegenwart beſchwerlich fallen. Ginem 
in ben Open liegen, ihm unaufhoͤrlich und auf eine beſchwerlicht 
Art dieſelbe Sache fagen und wiederholen und bazu zu bereben ſu⸗ 
den. unterweges ſtille liegen, eime Beitfang em einem Drte bieis 
ben. Auf bem Wege liegen bleiben, nit weiter fort kͤnnen. Bor 
Anker liegen, mit dem Schiffe an einer Stelle, wo man es bot 
den Ankern feſthalten Iäßt, bleiben. uch von den Schiffen ſelbſt 
fogt man, fie liegen vor Anker, wenn fie von ben Aukern an 
einee Stelle feftgehalten werben. Der Ader liegt brache, man 
bauet ihm nicht, fonteen Läßt ihn ruhen. Mine Gase liegen 
laſſen, fie nicht betreiben, nit fortfegen. Go au, eine Arbeit, 
einen Rechtsſtreit zc- Liegen laffen. Handel und Wandel liegt, wirb 
nicht betrieben, findet feinen Fortgang. Moran liegt es bean, daß 
die Sache Heinen Fortgang hat? was ift Schuld baran, was hin: 
dert ben Fortgang berfelben ?_ ein unsigentlider Xusbrud, ber von 
dem Umflande hergenommen iſt, baf, wenn eine Sache am eine 
andern liegt, am biefelbe flöpt, fie in ihrer Bewegung aufgehalten 
wird, Es Liegt einzig und allein baran ıc., es findet nur baran 
Dinternif x. An mir fol «8 midt liegen, ober an mir foll bie 
Sqchuſd nit liegen, ih will es nicht hindern, id will an ber Bee 
hinterung nit Schuld fein. Banz unelgentlic fichet es im fol⸗ 
genber Stelle für gerichtet fein: „Ich Höre das Schnauben beiner 
Rafe, dein Blick liegt zur Erbe. Herder. Dieſe Rebenbegeiffe 
verlieren fi oft aud mehr ober weniger, und liegen bient dann 
Häufig überhaupt nur, einen gewiffen Buftand, worin ſich etwas ber 
findet, zu bezeichnen. Es liegt mie in allen Bliehern, ich fuͤhle 
Schmerzen, Unbehaglichkeit ꝛc. im ganzen Köͤrper. Gin Pferd 
liege ſchwer eder hart im ber Fauſt, wenn fein Leid ſich vom 
waͤrta, fein Kopf zur Erbe neigt. Das liegt mie mob im» 
mer Im Sinne, ih kann es nicht vergeffen. In Streit mit eine 
ander liegen, auch, wenn von einem Gtreite vor Serichte bie Rebe 


17 


Liegen 


if, vor Berichte Hegen, einen Tangwierigen Gterit mit einander 
haben. Sich immer in’ ben Paaren liegen, fi imnter raufen ; 
dann, fi immer janfen, mit einanber ſtreiten, zehten. 

' Liegt vor Augen, liegt außer allem Ameifel, liegt am Tage, ift 
leicht zu erkennen ober einzufehen , if niht zu bezweifeln, if 
offenbar cher befannt, erwitſen. Der Untesfhied liegt darin ıc. 

' „Die Wefahe einer ewigen Trennung — bier liegt bas Schreciche. 
Meiße. „Ian ber Mittheilung unfrer Brarife an unfee Freunde 
liegt eine Geligkrit, bie auch ber hartnädigfte Ginfame fühlt." 3a: 
&arid. II) imp. daran liegen, wichtig fein, als wichtig betzad: 
tet, erfannt merden. @s liegt viel, wenig, nichts bayan. „Elem 
liegt baran?« Beffing. «Liegt was daran, was für eines Wert: 
zeuges fh bie Natur bedient, und zu vernichten?“ Gonnenfelt, 

Den Böfen liegt daran, daß Feine Gottheit wäre. Duſch. 
&s liegt mir an ber Setle, am Herzen, es if mir febr wichtig. 
Auch mit Nennung ber Sache im erflen Falle. „Ad das Geld liegt 
mir nit an der Seele.“ Gellert. Es if nichts baran gelegen, 
es timmt niöts barauf an, es iſt nicht widtig sc. An ihm ifk 
nichts gelegen, man bebarf feiner nit, er fann ablommen, — 
D. liegen, S. auch die Lage. 

Das Kiegende, —n, 3. u. f. Liegen I). 

Der Lieger, —s, 4 gl. 1) Eine Perfon, melde lieget. unei 
gentlich nennt man fo einen fremden Kaufmanndtiener, welcher an 
einem Orte lieget, db. h. fih immer daſelbſt aufpält, um die Hand⸗ 
lung feines Heren, und befonders den Eiakauf der bortigen ober 
den Verkauf ber ihm zugefandten Baaren für feinen Deren zu ber 
forgen. 2) Ein Ding, welches Tieget, So nennen bie Tuchſcherer 

das unfere auf dem Tuche feſt aufliegente Blatt ber Schere ben 
Lieger. Auch führt diefen Ramen ein Schiff, welches dazu beſtimmt 
it, an einem Orte zu degend einem Zwecke ſtil zu biegen. Auch 
die Baubtäde eines Schiffes merben Lieger genannt; «ben fo eine 
Verbindung einiger Stoͤte Holy zu Bergedäerung ber Breite bes 
Obertheiles des Scheze. Nöbing. S. Leger. 

Die Liegeſtunde, By. —n, im Bergbaue, dielenige Zeit, in wel⸗ 
cher bie Bergleute ſtill liegen und ausruhen; die Nuffenjtunde. 

Der Liogetag, —e s, Di —e, ein Tag, an welchem man an einem 
Orte fl Tieget, d. h. ſich untiemeges aufpält. In engerer Bes 
deutung nennt man in ben Serfiädten Lie etage folge Tage, welche 
ein Schiffer vor der Ein⸗ ober Auslabung fill liegen oder warten 
muß, ohne etwas baflır fodern zu dürfen. Muß er länger liegen, 

- fo barf er für jeben Tag ein Liegegeld foreen. 

Die Liegezeit, 94. —en, die 3.it, fo lange etwas au einem Zwecke 
Hegen muß, 4. B- Obſt, bis es zu einem gemiffen Zwecke brauchbar 
if. In engerer Brbrutung, O dirjenige Zeit, vom vierzig Tagen 
gewöhnt, während wmelder Fremde nah ber Ankunft in einem Das 
fen anf dem Schiffe, oder an ber Grenze in einem dazu beitimmten 
und eingrriäteten Haufe von anbern abarfondert bleiben müff.n, dar 
mit fie, im Fall fie aus einer verbähtigen Gegend anftrtende Krank. 
heiten mitbringen, biefeiben nicht weiter verbreiten Eanen Qua- 
rantaine), 6. 

- Die Liebn oder Lihn, f. Lehne. 

4 Die Lien, 9. —en, bei den Schiffern, für Beine, Einie, ein je, 
des duͤnnes Tau von verfchiebener Dide zu mannichfaltigem Ge— 
besuche. Sie find von frinerem Garne ala andere Taue geſchlagen. 
Dann bifondırs dasjenige Tau, morın plafte Flußfahezeuge vom 
Ufer aus fortzesogen werben. Ja bee Lion laufen, ein Fahrzeug 
an einer dien fortziehen. 

+ Die Lienbahn, Dig. —en, bie Reeperbahn. ©. d. 

+ Der Lienbaum, — ed, Di. — baͤume, ein Name bes Ahernes. 

+ Die Liene ober Lienen, Dig. u. ein Name ter Walterte, auch 
Litiſchw⸗ ide, und des Bernnkrautee (Clematis vitelba vub reeta L.). 

+ Das Liengarn, —es, 2. u. Garn, aut welchem Lienen zemacht 
mesben. 


130 


Lilie 
+ Das Liengut, —es, 0. I. auf ben Schiffen, alles Tauwerk, mas 
zu ben tienen gerechnet wird, 





Das + Das Lienhock, — s, 4. —e, ber Plap vorn und hinten in bem 


Schluppen ber Groͤnlandfahrer, wo die Mallifhleinen liegen, wına 
men auf den Fang gehet. 

+ Die Lienſcheibe, 9. —n, eine eiferne Scheide mit einem Bote, 
‚bie am Ende ber Achſe zwiſchen ber Boeſtecktiehn und dem ätabe bee 
feRiget wird, und woran das dritte Pferd, wenn man breifpännig 
fiber, auf der Wildbahn zichet. 

+ Der Lienſchießer, —s, M. gl. auf den Grönlantfapeen, „dere 
Jenige wercher bie Wollfifhleinen aufſchießt. 

Der Lienſchlaͤger, —#, 9 gl. der Reepfätäger ober Recper. S. d. 

+ Der Lienwaͤchter, —$, 39. gl. derjenige, der weit hinter denen, 
welde eim Flußfabrzeug an ber Bien ziehen, gehet und darauf Acht 
kat, daß die Birm nirgends hangen bleibt. ı 

+ Dab Lier, —e8, 94. —e, in den Salzwerken, bie Benennung ber 
breit Bauten obie Wände, made ben Herb einfaffen. 

+ Der Lierbaum, —es, Mg. — blume, der Larchenbaum. S. b. 

x Lieschen, —s, das Bw. vom Ramen Lieſe, Etiſabeth. Unrigente 
lich iſt X faul Lieſchen ein Name des gemeinen eder zothen Gauch 
beils (Anag ıllis arvensis L.). . 

Das Lieſchgras, —es, 8. u. ein Grasgefäleht mit Ähren ober 
walzenförmigen Kolden, bie aus vielen diht an ein ander geſteltten 
Blumenduͤſchela Mfehen und Lirfhkotben keigen. Die Blümden 
gaben dert Gtaubfäten und zwei Griffel mit Grarihten Staubwegen 
(Phleum L.), In manden Gegenben nenet man es auch nur Lieſch. 

Der Liefihgrasfalter, —s, 99. gl. eine Art Tagfalter, welche fh 
auf dem kirfägrafe finden (Papilio Galathen), 

Die Lieſchtolbe, u. —n. 1) Die Meise des Lieſchgrafes. ©. 6. 
a) lin Name ber Teichkolbe ober Rohrkolde, auch bio Kolbe 
(Ty pha L.). 

x Lieſe, —ns, —n, der verkürzte und im gemeinen Brben übliche 
Hase Eliſabethz verkteinet Ließchtn, O. D, Liefel. Im gemeis 
nen Leben wird 28 als cin ſehr gemöhnliher Name fo wie Käthe 
und Geete in Anfammentehungen gesrauht, um überhaupt eine 
mweiblihe Prefon auf eine tateinde und veraͤchtliche Art nach einer 

„abe au benennen, 4. B. Taͤndellieſe. 

ie Lieſe, Ba. —n, eine ſpitz zulaufende gerabe Xoͤtzre. Seſenders 
führt die eiferme Möhre am Ende eines Blaſthalges, durch welche 
bie Luft ans dem Balge gedrängt wird, Dielen Namen, 

+ Der oser die Liefen, 24. u. bei ben Rleifherm, das innere Fett 
ober Eimer an ben Wawmen eines Schweines. 

Das Liefpfund, —r®, 94. —e, ein beſonders im N. D. gebraͤuch⸗ 
hird Beriht, welches am bem meiſten Orten im Handel 14, jur 
Sure 16, und am vielen Orten auch ı5 gemeine Pfund Hält, 

Die Lieſtlien, 2. —en, auf ben Schiffen, eine flarfe Bien von ſecht 
feinen Garnen. 

+ Der Lilak, —s, 9. u. ſ. Holunder 5). 

Die Lilie, 4. —n, in ber Pflanzentehre, Überhaupt bie Benennung 
einer Femitie von Blumen, welche zwiebelichte ober Ersllihte Mur 
zen, fülanfe lange Stengel, ſchmale Wiätter, prädtiae aus ſechs 
Blaͤttern biftchende Blumen ohne Keſch ober anflatt teffrifen eine 
Scheide, fans aufrecht Rchente Staakföbin, einen längıen walzen⸗ 
foͤrmlgen Griffel und einen dien breischigen Etaubweg baten (Li- 
lum). Beſenders verflet man barunter diejenigen Artın, melde 
alod en toͤrn iae Bluwen haben und vorzuͤglich bie weiße Litie (Li- 
lien candidum L.), welche angenthmriecht und eine Zierde un 
ſerer Bären iſt. Wegen ihrer einfachen Schoͤnheit und ihrer blen⸗ 
denden zeinen Meiße I fir ein Stonbild der Schönheit und befon⸗ 
ders ber Unſchuld. „Weiß und unfdınibig wie die Lille, wenn fie 
avi Mergenentb ME öffnet.‘ Gegner Auf werben einzelne Xheile 
einer ſchoͤnen Verſan wegen ihrer Weiße und Meicheie mir Tılten 
vergligen und banad benannt, ©. Lilienarm, Üilienbufen, Kitiens 


eiliena 


Hals ꝛtc. Eine Bruſt wie die Lilie weiß. J. R. @dg. 
Bähne wi Elfenbein, die Wange wie Liljen und Bofen, KL. 
. ®dhmidtz 
im welder Stile Lilie zugleih zweifilsig, wie man es gewähnfid 
im gemeinen Siten hört, gebraudt iſt. Die gelbe Litie oder Feuers 
lilie. S. d. Bei andern Arten find die Biumenblätter Eieiner 
und ganz zurädgebogen ober zuſammengerollt, und man nennt fie 
einiger Khnlichkeit wegen Zürkifhen Bund ober Türkenbund. 
Dohim gehört bie wilde oder heidniſche Lilie (Lilium martagonL.); 
auch Goibwurz (f. d.)5 die ſchmalblattige Lilie auf den Pyrenien 
und in Gibigien (Lilium Pomponiam L.); die Byzantiniſche Lilie 
mit [hönen rothen Blumen unb zugefpigten Blumenblättern (Lilium 
Chaloedonieum L.). Wegen einiger Ähulichkeit führen auch ans 
bere Blumen ben Ramen Lilie. Dabin getdst 1) die Schwertlilie 
mit mehrieen Arten (Iris L.), wovon bie gelbe Art noch befondırs 
gelbe Waſſerlilie oder Teichtilie Heißt (Iris psendacorus L); 
a) die heibnifche Lilie, auch Dredtilie (Asphodelus lutens L. He- 
‘ zmerocallis flaya); 3) die Schwediſche Lilie ober Jakobslilie (Ama- 
zyllis formosissima L.); 4) mehrere Arten de Grolpinnenfrautes, 
als bie unechte Lilie (Antbericum liliastrum L.); die Sanbfitie 
und Lilienzaunbiume (Anthericum ramosum und liliago L.); 
5) bie Perſiſche Lilie, eine Art ter Wrettfpielbiume oder ber 
Schachblume (Lilium Persicum, Fritillaria Persica L.); 6) das 
Maibluͤmchen (Lilium convaliium, Gonvallaria L.); 7) eine 
Urt der Bogeimilh (Ornithogulum latifolium), Remnid. Im 
mandıen Brgerbden wird auch 3) ber Jelängerieticber ober das Geif: 
blatt, Lilie unter den Dornen, Spediilie, Baumlilie, Waldlilie 
und Zaunlilie genannt. — Im gemeinen Leben lautet das Wort 
Litie daͤufg auch Lilge und Bilge. 
Der Lilienafforil, —es, Bu. u. f. Affodillilie. 
4 Das Erlienantlig, — s, Big. —e, ein litienweißes, ſchoͤn wei 
Des Untlig, wie au, ein blaffes Antlis. 
— ihr Lilienantlitz 
Varb ganz Roſe. Sonadenberq. 
& Der Lilienarm, —es, My. —e, ein ſchoͤnte lilienweißer Arm. 
Wo fah man je fo felſche Mangen bluͤh'n? 
Je Augen fankelndir und Piliemarme runder? Wieland, 
Und fe hielt um den «Hals fie bie Lilienarme geſchlungen. Boß, 
4 eilienarmig, adj. v. adv. ſchoͤne, litienwelße Arme habend. 

ihr filienarmigen Jungfraun. Boß. 

Der mTiienbanm, tt, — baͤume, eine in Ambeina einheimis 
{he Art bes Zufpenbaumes, deffen Blumen mit Lilien Khnlichkeit 
haben (Liliodendron liliifera L,), 

is Lilienblaß, adj. u, adv. fo biaß, b. h. fo weiß mie eine Bilie, 
von Wangen, bie auch bei ihrer Biäffe noch ſchoͤn find. 

mit filienblaffen Bangen. Wieland. 

5 Die Liltenbläffe, o. 2%. die Bläffe ober Weiße ber Lilien; kann, 
le dieſer aͤfnllchen Biäffe ber Wangen. 

unb Lilienblaͤſſe 

Sant wie Schnet auf bie Reſen der Wang’ —. Sonnenberg, 

Das Piliendlatt, es, My. —biätter, das Blumenblatt einer Lis 
le, befonders einer weißen Rilte, 

A Die Litienbruft, 99. —brüffe, eine fhöne, Littenweiße Broft. 

& Der Bitienbufen, —s, Ep. gl. ein ſabuer Bufen von birmdenber 
Beige wie Bilien, 

Lilienförmig, adj, u. adv, bie Korm ober Geftalt der Lilien habenb. 
In ber Pflanzenichre heißt eine ſolche vielblattige Blumenkrone [ir 
lienförmig (libiacen), melde gewöhntih aus ſechs, feltener aus 
drei Blumenblaͤttern beftcht,, und niemch's von einem Kelche umges 
ben ift, Bei einigen Gemädfen ift fie einblattig und ſechemahl ges 
theiit, bader man die einblattige und vieſblattige litienfoͤrmige 
Blumenkrone (monopetala liliacea und polypetala liliacen) uns 
tıefgeibet, i 


— 


131 





Lilien 


+ Die Lilienfrucht, 0. 2. ein Name des Geißblattes. 

& Der Lilienfuß, — es, 4. —füßt; Bw. das Lilienfüßchen, ein 
fhöner, —— Fuß. 

die dur mit @itienfüßen 

Banteik auf fhhlafender Luft, Kuüttner. 
Sonthia tänftenunmehe die dampfende Quelle derſuchend 
Keck ihr Lilienfuͤßchen hinein. — Baggefen.“ 

& Das Liliengewand, —es, I. — gewaͤnder, (R.) ein blenbenb 
weiße reinrs Gewand, Die Dichter kleiden bie als eine Perfon 
gedachte Unſchald in ein Biliengewand, „Lillengewanb ihr Kieib, 
mit Blumen gegärtet® ıc, Herder. Uneigentlih, von ber Un: 
ſchuld, welche nicht zu erröthen braucht. „Richt mehr das Lilienge⸗ 
fand ber Schweſterliebe z aber Kleid ber erröthenben Mole. Herder. 

& Eilienglatt, adj, u. adv, fo glatt und weiß wie das Biumenblatt 
siner weißen Bilie, 

— bis auf die lilienglatte 
Bartlofe ange Bielanb. 

Das Liliengloͤckchen, —s, 34. gl. eine Art Glodenklumen in Sibi⸗ 
rien unb in ber Zatarei,. beren Wurzel efbar und fhmadhaft iſt 
(Campanula lilifolia L.). 

& Die Üilienglode, Ba. —n, bie kille wegen ihrer glodenförmigen 
Geſtalt. Uneigentlich und bilblich wird in ber folgenden Stelle ein 
sarter fhöner Körper, ber gleichfam den @eift umgiebt wie eine 
Gtlasglode zarte Sewaͤchſe bedeckt, Lilienglode gmannt: „— gleiche 
ſam als fhmwebe bie Pſyche nur über ber Lilienglode bes Körpers 
unb erfhättere und beuge fie nie.* 3. P. Richter. 

Liliengrün, adj. u. adv. bei ben Mahlern, eine Gaftfarbe, grüner 
Gap, ber aus ber blauen Schwertlille gemacht wird, 

Der Liliengulden, —s, 4. gl. eine Golbmänze zu Florenz, auf 
melde fine Sitie geprägt war, 

A Der Lilienhals, — s, 2. — haͤlſe, ein ſchoͤner, wie Lilien 
"weißer Dals, 

& Die Lilienhand, 3. — haͤnde (R.); Bio. das Lilienhaͤndchen, 
eine ſchoͤne Filienweife Hand. 

umb tunfend bis zum Hanbglieb 

Zief in das Weden bie Lilienhaͤndchen. — Baggelen. 

4 Die Lilienhaut, 9. v. eine lilien weiße und Feine zarte Haut. 

mobin dem Sonnenſtrahl entfliehen, 

Dre beine Lilienhaut, Amanda, böret und ſticht? Wieland, 

Die Eilienbiaginte, Big. —n, eine Art in Spanien wachſender Meers 
zwirbeln mit einer ſchuppigen Wurzel und Blumen, welde ben Hlas 
zinten Ahnlich find (Scilla liliohyaeinthus L.). 

Der Eilienkäfer, —s, 9: gl. ein fehr Heiner Käfer mit Tangem 
Halfe und walsenförmigem Bruffgübe, ſchwarzen Fuͤhlhoͤrnern, Bel: 
nen, Kopf und Unterleibe, und hochrothen Flügeldecken und Bruſt ⸗ 
ſchitde. Ge Erleht aus einer Puppe, in bie ſich bie Larve biefes 
Kifers (Chrysomela merdigera) verwandelt, welche auf ben Bis 

‚lien, Kalferfeonen unb einigen andern Blumen lest, und fih aus 
ihrem eigenen Kethe eine Hülle macht. 

Das Lilienfnie, —s, 4. die Litientnie (fünffirsig), eim Willem 
weißes, d. h. ſeht weißes, zarten Knie. 

Und er ſant aufs Lilienknie im Gebet für fein Shupkinb. 
Sonntuberg. 

O Der Lilienkranz, —es, 94. —fränze, ein Krany von Lilien, „Da 
bliate weich bie nahe Morgenfonne aus einem blaffen Lilientrange.« 
J. 9. Rihter. 

Das Lilienkreuz, —es, 4. —e, in ber Bappenkunft, ein Kreuz, 
an beffen vier Enden Lilien angebracht find. 

& Der Eilienleib, —es, 3. —tr, ein lilienweißer, d. h. fehe weis 
fer und zarter Seib, 

(ihr) Lilienleib aus Wiätenfhnee am Baume bes Lebeng. 
Beonnenberg. 
4. gl, ein blendend weißer, zarter Racken. 


A Der liliennaden, —s 


Lilienn 


Die Liliennarziſſe, u. —n. ı) Ein Pflangengefhteht, welches 
Hatt des Kelches eine zwiebelartige Scheide dat (Crinum L.). Die 
Blumen beftchen aus einem einzigen MBlatte, welches eine maljens 
fürmige Röhre bildet, am Rande ſechsfach getheilt iſt, und fehs von 
einander abftehenbe Staubfäden, einen kurzen Griffel mit Meinem brri» 
fpaltigtm Staubwege enthält. =) S. Narzißlilie. 

Das Liliendl, —et, 4. u. Baumdl, in welchem mon Blumenbläts 

ter ber weißen Bilie hat ausziehen laſſen. 

& Die kilienſchlaͤfe, 9. —n, eine Litienweiße, fehr weiße zarte Schlaͤfe. 

Rofig gluͤht' ihm ein Kran von Morgenröthen bes Jenſeits 
Hoch um bie Lilienſchlaͤfe. Sonnenberg. 
& Der Lilienſchnee, —d, 0.2. der&cänee, d.h. die blendende Wels 
fe ber Eilie; banm auch, eine ſchoͤne und zarte weiße Farbe ber Haut, 
Den? bir ein Weib im reinſten Jugendlicht, 
Rah einem Urbilb von dort oben, 
Aus Rofenglut und Lilienfchnee gemoben. Wieland, 
Bis ihr In Rofenglut ber Wange Lilienfchneefhmetz. Sonnenberg. 

Die Eilienfchulter, Mj. —n, eine lilienweiße, fehr weiße zarte 
Squlter. — durchs goldne Haar, das über bie Lilienſchultern 

Blei gefräufelten Sonnenflrahlen fi wiegt in ben Lüften, 
®onnenberg. 

© Der Lilienftab, —es, 34. —fläbe, ein Lillenſtengel ala ein Stab, 
beſonders als ein Herrſcherſtab betrachtet, 

Drauf rührt er ihn mit feinem Lilienfliab. Wieland. 
Der Bilienftein, —es, U. —t, ber Name ber verfleinerten Sec⸗ 
fterne, von ber lilienförmigen Krone, woraus fiebeftehen (Encriniten). 
Der kilienftengel, —$, gl. der ſchlanke fange Stengel ber Lilie mit 
feinen Blumen. Steht er, geftägt auf einen Lilleuſtengel. Wieland. 
& Die Lilienſtirn, 9. —en, eine blendend welße, glatte, ſchoͤne 
“im. — fie tann 
Mit keiner Lilienflirn’, mit feinen Rofenmwangen 
So wenig als wit zeihem Brautfhak prangen. Bürbe, 

Der Lilienvogel, —s, M. —vögel, der Name der gemeinften unb 
befannteften Art Schmetterlinge mit weißen, fhmarsgräberten Fids 
geln, melde fhmal, am Rande ungetprilt, wenig beſtaͤubt unb oft 
an einigen Stellen vom Staube ganz entbläßt finb (Papilio helie, 
erataegi L.), Die aus feinen @icen entfichenden haarigen Raupen 
von ſchwarzer, grauer und röthlicher Farbe leben im Fruͤhjahr ſehr 
zeitig auf, freffen zuerſt die jungen Amospen, und richten großen 
Edaben an. Bie verwandeln fih im Mat im gelbe ſchwarz ges 
selorengte Puppen. Er Heißt au Heckenweißling unb am ger 
wöhntihften Baumiseifling. 

A Die Lilienmwange, y.—n, Wangen, deren Meipe derjen igen ber 
Liliegleihen, ober auf welchen, wie man bichterifch fagt, Eilien blühen, 
— bem Rofenfhimmer auf Lilienwangen.“ Bensel:Sternan, 

© !ilienweiß, adj. u. adv. fo weiß wie eine Hille, mit dem Neben⸗ 
begriffe des hoͤchſt Reinen, Zarten, Blatten. &o werben bie einzelnen 
x heite einer ſchoͤnen Perfon, lilienweiß genannt. Gin lilienweißer 
Balse. Sie rang bie lilienweißen Hände, I. Beffer. 

© Das Eiltenweiß,, —8, 0. 9. bie litienweiße Farbe, bie Karbe 
der weißen Bilie; eime Schöne angenehme Weiße, bie Lilienweiße. 

ab, jene fanftgemifäten Karben 
Bon Rofenroth und Lilienweiß. Bärbe, 

Die Eilienzaunblume, 39. —n, eine Art der Baumblume, wegen 
einiger Ahnlichteit mit Bitten (Anthericum liliego L.); auch Sandlilie. 

Die Liliſchweide, 94. —n, f. Liene. 

+ Die Lille, e. 9. in Ehlefien, der Speichel ober bie Fläſſigkeit, 
welche Meine Kinder aus dem Munde laufen laffen. Davon lillen 
vw.intrs, biefe Flüffigkeit aus bem Munde fließen laſſen. 

+ Die kimande, 94. —n, ein sum Geſchtecht der Butten oder 
Schellen gebörenber Seefifh (Pleuronectes limanda L.), 

+ Der Limbaum, —es, 2. —bäume, ein Name des Vogelbeer⸗ 
aber Ebereſchenbaumes. 


132 


Lindenb 


+ Die Lime, By. —n, eine Art ruuber hellgelder Zitronen, bie oben 
eine Feine Warje haben, 

+ Die Limone, By. —n, fo viel als Zitronen. In engerer Beben» 
tung, eine Art Bitponen, bie Heiner, bläfer und bännfhäliger fink 
als die gemähnliden Zitreuen. Sewol bee Baum, welcher biefe 
Art Zitronen trägt, als auch ein Bitronenbaum uͤberhaupt drißt ir 
monenbaum (Citrus limon L.). Man bat fowol faure als füße 
Limonen, Die Heine und geachtetſte Art Zitronen, eifdemig mit 
etwas hervorfichenber Spige, glatterund erft grüngelber, zulept blaß⸗ 
gelber Farbe heist Limoͤnchen (Limon pusillus, Limoncellus). 
Diefe Art hat faft gar kein Fleiſch und ift mit einem grüngelblidhen 
Safte don einer angenehmen Saͤure angefült, 

+ Der Limpf, —et, Dip. —e, im Forfimelen, 1) Dee Gipfel eines 
Baumes. =) Das jähelih an rinsm Baume neugemadene Holz 
auch ber- Erich, ber Mai. 

+ a. Lindaum, —es, 2. —bäumt, ein Name briAhornes. 
©. Lehne. J 

+ Der Lindbaſt, —es, 94. —e, ein Name der gemeinen breitbla® 
tigen Rüfter ober Ulme. Niht zu verwechſeln mit Lindenbaſt. 

* Der Lindbrade, —n, 99. —n, ber indwurm. S. d. 

Einen Linddrachtn erfhlug des Helbes Hand. d. Nibelungen 
2,8. 410. 

* Linde, —r, —ſte, adj. w. adr. 1) So viel als gelinde, fanft, 

ſowol dem Gefühle als au ber Bewegung nad. 
Dennoh war mit lindem Wehen 
Geiſt ber Bottheit, umgefehen, 
Auf dem Öben flilen Meer. G. Jacobi. 

Der Fittig des lind anfäufelnden Suͤdes. Saggeſen. 
Uneigentlih, von Banden ac. Iofe, loder, nicht druͤckend, Leit, 
„Mitgefühl, das lindeſte Banb ber Verbindung mit Menfchen.* 
Herder. Bumellen wird es auch vom Gemüthe gebraucht, für 
nachſichtig, nicht ſtrengt. „Der linde Water ift unwiſſend, böret, 
fragt aus.“ Herder. =) Gin wenig feucht. Die Wilde it noch 
linde. Kindes Brot, mweihes noch einige Feuchtigkelt bei ih Katz 
in Gegenſat bes trockaen, bürren. 

— der Frübe finde hau, Refegarten; 
in weicher Stelle es nießeigt beffer durch fanft, milde erklaͤrt wird, 
Davon bie Linbigkeit, eine Cigenſchaft cher Befdaffenpeit einer Gar 
che, ba fie linde iſtz eigentlih und uneigentlib, Die Lindigkelt 
ber Buft, So nothiwendig eine menſchliche Lindigkeit und Milde 
gegen bie Fehler unferer Rebengefhöpfe bleibt.“ Herder, 

Die Linde, 34. —n, ober mit unnöthiger Werlängung, ber finder 
baum, ein befannter fhöner bei ums einheimifcher Baum (TiliaL.). 
Die gemeine Linde hat herzfärmige, zugefpigte, fägenartig gezäfate 
Blätter, ihre Bläte wicht ſehr angenedm und fie if ein mit Recht 
fehe beliebter Baum (Tilia Europaes L.). Es giebt davon zwei 
Spielorten, bie Sommerlinde und bie Winters oder Steinlinde. 
S. diefe. Die ſchwatze Amerikaniſche Linde (Tilia Americans 
Mill.) hat Blätter wie die Winterlinbe, bie aber oben bunfelgrän 
und unten mit eine weißen Wolle überzogen find, und eine ſchwar ⸗ 
braune zähe Rinde, Die glatte Karoliniſche Kinde (Tilia Caro- 
liniana Mill.) bat $elgrüne auf beiben Seiten glatte Blätter, bie 
laͤnglich und größer find als bei unferer Sommerlinde; ihre Beäte 
richt viel Härter als bie ber bei uns einheimifhen Einden. Davon 
bas Lindenblatt, ber Pindenfame ıc. _In manden Gegenden beißt 
die Ilme oder Ulme auch Rauchlinde. Ehemahls unb im D. D. 
noch endet man im zweiten und dritten Falle der Linden um, 

+ Das Lindel, —s, 94. gl. ber Handbeſet. S. d. Bei Ad. Tau 
tet es Lintels. 

Linden, adj. u. adr. (M.) von ber Binde, von Lindenkolz. 

Der Lindenbaft, —eE, By ron mehrern Arten, —e, ber sähe Baſt 
unter ber Minbe ber kinde, befonders ber Sommerlinde, welcher zu 
Eiriden, Ratten, Körben ıc, verarbeitet wird, 


Lindenb 


Der kindenbaum, —es, 94. — baͤume, f. Linde. 

Das Lindenblaͤtterpapier, —es, By. u. Papier ans Lintenhlättern, 
wozu man ben zwölften Theil kumpen nimmt, bereitet; eine Grfins 
dung bes Prebigers Schäffer in Regensburg. 

Die Eindenblüte, 3. —n, bie wopleiehende gelblicht Wiäte der 
&inde, welche den Birnen zeihlihe Nafrung giebt, und aus welcher 
mon bad Lindenbluͤtwaſſer bereitet, als ein Mittel gegen Fallſucht 
umb andere frampfhafte Zufaͤlle ' 

© Der Eindengang, —ıd, 39. —gänge, ein zu beiden Geiten 
mit Einden in geraber Linie befegter Bang, Weg (Lindenallde). ©, 

s Unb nım bift du weder in ber Laube 
Roh im hohen Lindengang’ zu finden. Gothe. 

Das Linbenbolz, —es, Wi. u. das Holz ber Einde. Das Holz bee 
Eommerlinde it welch, weiß, leicht und zaͤh und wird beſonders zu 
Drechsler» und Silbſchniherarbeiten gebraucht, mie and ji Reis 
und Zeichnenkehlen gebraunt. Man nennt er auch Laſtholz. Das 
Holz ber Winterlinde ift gröber, knotig und röthlihgeib. 

Der Lindenbonig, —ı6, 9. u. Honig, welder von den Bienen 
aus ben Bindendläten gefammelt unb eingetragen wird. 

Die Lindenkohle, y. —n, verkohltes Lindenhotz, weldes wegen 
ber Beinprit zum Beinen ober Reifen und wegen ber keichtigkeit 
zum Schießpulver gebraußt wird. 

Die Lindenlaube, 3. —n, eine von Linden gebilbete ober unter 
einer Linde, von Linden angelegte Baube, 

Die Lindenlaus, =. — laͤuſe, eine Art Blattläufe, die auf ben 
£inben lebt (Aphis tilise L.). 5 

Die Eindenmiftel, 84. —n, eine Art Miftel, die auf den Äſten alı 
ter Binden waͤchſt, knotige Stengel, laͤngliche, bide und bläßgräne 
Wlätter Hat unb weiße Becren trägt, woraus man Bogelleim macht 
(Viseum album L.), 

Die Eindenmotte, 3. —n, ſ. Lindenſchwaͤrmer. 

Das Lindendl, —es, 34. u. Di, weides aus dem Samen ber Ein, 
bem gepreßt wird und bem Manbeldle gleicht. 

Die Lindenfchildlaus, Wi. — laͤuſe, eine auf der Einde lebende 
Säiltfaus (Coceus tiliae). Remnid, 

Der Lindenfhwärmer, —, 34. gl. eine Art Schwaͤrmer ober 
Dimmerungsfalter, welche ſich auf Linden aufpält, edige, gruͤnliche 
sötptich gebänderte Flügel hat, von melden bie hinterm oben blafs 
gelblichroth find (Sphinz tiline L.); die Lindenmotte. 

Die Lindenflabt, y. — ſtaͤdte, eine mit Linden umpflanzte Etabt, 
ober welche in ihren Straßen viele Linden enthält. I. 9, Ridter, 

Die Lindenſtraße, P4.—n, eine mit Einden bepflanzte Gtrafe, und 
in engerer Bebeutung, eine folge Strafe in einee Stabt, wie 5. B. 
in Berlin; auch bie Zinbengaffe. 

Der Lindenwald, —es, 4. — waͤlder, ein aus Linden beſtehen⸗ 
der WBalb. 

Der Lindenweg, —s, 4. —e, ein mit Binden zu beiden Geiten 
bepflangter Weg. j 

Der Linderer oder Lindrer, —s, MM. gl; die —inn, Di. —en, 
eine Perfon, welche etwas lindert sber Finder macht. 

Was hab’ ich, gelbner Freund, fonk Linbrer meiner Qualen, 
"Bas hab’ id; Beides bir gethan? — Btamford, 
Lindern, v. I; trs. linte oder linder machen. In ber Bedeutung 


des Wortea linte für meih, glatt, Fümmt ed noch Ef. ı, 6. vor: 


„Eirerdeulen, bie nit mit Bi gelindert find.“ Mm gemöhnlidiften 
gebraucht man #4 für, eine unalikenehme fhmerzdafte Empfindung 
dem Grabe nah dermindern, fie geringer, leihter mahın Dies 
Mittel wird beine Schnerjea lindern. Die Strafe lindern, fie 
sermindeen,, von ber Hirte derfelben etwas mahlaffen. Pindernde 
Dittel, Arzenrien (Lenientie). Die Sorgen, ben Gram, bas Elend 
eines Anderen lindern, 
DO Diätlunft, die das Beben lindert! Hageborn; 

nämlich die Müpjeligkeiten, unangenchmen Borfäle im menſchlichen 


133 


Ling 


Leben. Dann auf für mildern, weniger auf machen, bie Maufgelt 
benehmen. So lindern alfo auch die häufigen fanften Wokaler 
(Serbfitaute), Herder; in welcher Stelle es zugleich als intra. ges 
braucht ift. Ungewoͤhnlich if bas von Tb. angeführte eines Werlan» 
gen lindern, für, daſſelbe ſtillen. II) rec. Sich lindern, linde oder 
linber werden, Der Schmerz lindert fih, nimmt ab, laͤßt nad. 
Dos Wetter lindert fih, im O. D. wird linder ober gelinder, mils 
ber. — D. Lindern. D. —ung, fowol die Handlung, ba man 
etwas Iinbert, ald aud bie Abnahme eines unangenehmen ſchmerze 
haften Sefuͤhles ober eines übels. Linderung verfhaffen. Linde 
rung haben, empfinden, „ur Linderung ſtarker Gonfonante.« Herder. 
O Der Linderungsbalſam, —es, 3. —t, ein lindernder Balfam, 
—  Zindrrungsbalfam goß ber Arjt 
I feinen Schmerz. Bürger (R.) 

O Das Linderungsmittel, —s, 3. gl. ein Mittel, welches Lim 
bezung verfhafft, einen Schmerz, ein Übel lindert (Leniens). 

® Das Linderungswort, ſ. Milderungsmort. 

Das Lindetuh, —es, 34. —tuͤchet, bei dem Beinmebern, ein Gtäd 
Leinwand, einige Ellen lang, an beffen einem Enbe Schleifen von 
Schnüren find, durch weihe eine bünne Ruthe geftedt wird, um vers 
mittelſt derſelben die Bündel ber meuen Kette daran befefligen zu 
Zönnen. 

%* Lindhard, adj. u. adr. Linde d. h. weich, fanft unb zuglelch Hart, 
b. 5. feſt, pralweich (elastisch), „Apfelrunbe und linbharte Brüſt ⸗ 
kin. Fiſchart. 

Die Lindigkeit, 0. 9. ſ. Linde. 

Der Lindwurm, —ıd, 34. —würmer, ein Wurm, ber wei, glatt 
und fhmiegfam if, Diefe allgemeine Bedeutung ſchetat «4 in fol 
gender Etelle zu haben: f 

— 00 GEhmitgen 
Spät er wie ein Lindwurm ih, J. &. Stollberg. 
In engerer und gemöhnlicherer Bebeutung verſteht man darunter ein ee 
dichtetes wurmfdrmiges Ungeheuer, welches ald ein Drade aber eine große 
vierbeinige geflögelte Schlange vorgeſtellt wird unb ehemapls, brfon« 
bers in ben Rittergefhichten, eine Hauptrolle fpielte. Bielleicht haben 
biefe Untpiere, melde auch Linddrachen heifen, ben Namen von ben 
Linden, weil fie gewöhnlich unter ſchoͤnen hohen Linden ihr Wefen 
treiben. Bekannt iſt der Kampf des heil, Georg mit dem Linbwurme, 
ie liefe lieber Ah mit einem Lindwurm trauen. Wieland. 

X Das Lineal, —es, 34. —r, ſ. Regel. 

— Ling, eine Abfeitfilbe, vermittelt deren Anhaͤngung an Grunde, 
Bel: und Ausfagemdrter Grundwobrter gebildet werben. Die damit 
gebildeten Worter bezeichnen 1) ein Ding, weldes bem von bem 
Haupworte bezeichneten Dinge ähnlich ober angemefen if. @ir 
Diumting, ein Ding, bas auf ben Daumen paßt, einem Daumen 
aͤhnlich fieht und zur MWelleibung beffelben dient, &o auch der Fuͤß⸗ 
ling, Beinling ıc. Der Faͤuſtling. ein Fauſthandſchuh c. Am 
häufigften wirb aber burh —ling =) eine einzelne Perfon ober Sa⸗ 
he bezeichnet, melde von ber Art berjenigen ift, bie das Wort, wo⸗ 
von man bie Ableitung mit — ling mat, bezeichnet, ober auf wels 
de von biefem Worte der Begriff übergetragen wir. Dergleichen 
find Häftling, eine Perſon bei Hofe, cder eine_berfelben ähnlide; 
Fluͤchtling, eine fliehende Prefon, eder eine Perſon auf ber Fluhtz 
Frembling, eine feemde Perfon; Ankoͤmmling, eine eben angelome 
mene Perfon; Neuling, eine Perſen, bie noch neu unerfahren im 
einer Sache ift; kehrling, eine Perfon, bie im ber Lehre if; Juͤng⸗ 
ling, ein junger Menſch; Findling, ein gefuntenes Ding: Gäugs 
ling, ein fängendes Kind; Xäufling, eine mod zu faufende oder 
eben getaufte Perſon; Spätling, ein Ding, welhes foät zum Vor⸗ 
Thein Ydmmt; Schöfling, ein aufgefhoffenes Reis; Jaͤhrling, ein 
Thier oder ein Ding von einem Jahre oder von diefem Jahre ; Neſt 
ling, ein Bogel, der neh im Refte it; Anfchiebling, ein angefhor 
benes ober anjufgiebendes Ding; Haͤckerling, eim gehadtrs Ding 


Ling 
Geflting, bas erſte Ding feiner 2. 
milling, ein Ding, welches mit einem andern ähnlichen zugiet 
nn = aus Drilling, Vierling, Dreiling, Bierling, Sechs⸗ 
king ıc. auch ein Ding, welches drei, vier, ſechs ꝛc Ginpeiten ente 


Hält, . B. eine Münze, melde fo viele Pfennige gilt. auf bigfe 
Xrt werben noch viele andere Grundwörter gebisdet. Oft ift damtt 


Stichling, ein ſtechendes Ding ; 


ein verkleinender, tabelnder und fpöttifher ober verädrliher Reben: 


begriff verbunden, aus welchem Grunde man in Bildung neuer Woͤr⸗ 
ter vermittelt der Silbe —ling behutſam fein muß. Dergleihen 
find Dichterling, ein ſchlechtet, eingebildeter Dichter, Dümmlıng, 
Sonderting, Suͤßling, Zierling ꝛc. — Brömmling, Aluͤgling, 
Wibliug ıc., welche aͤhnliche Bebsufung haben, können als «ben 
forhe mit —ling gebildete oder auch als ſolche Wörter, bie oesmit: 


teift der Ableitfübe —ing von frömmeln, tluͤgeln, witeln abge. 


Leitet find, betrachtet werden 
* * a y. mtr, unsegeim. (f. Gelingex) , mit fein, ehemahls 
für gelingen, weldes nur die ehemahls aud vor viren andern Kuss 
fagewörteen gewoͤhnliche Silbe ge befommen hat. Im feines ur 
fprönglihen Korm hat es firh aoch in miftingen erhalten. D. Lingen. 
Das Kingenfraut, —es, 2. u. eine im Sanbe wahfende Pflanze, 
deren Zweige fih über bem Boben ausbreiten und mit vielen [dimas 
len, länglihen, völlig ganzen, Hau angelaufenen Blättern beisgt 
find. Der glodenfösmige Kelch befteht aus fünf grünen am Haube 
weißen Blättern; bie Blummbiätter find eifdemig und weis, fünf 
Gtaubfäsen umgeben ben dreiedigen Fruchtkeim mit drei ſtampfen 
Staubwegen (Corrigiola L.); auch braun Knotengras. en 
—Lings, eine Endfilte mander Umflanpwörter, die wahrſcheinlich 
aus ver Eitbe — lich entſtanden iſt. Blindlings, blinber Weiſe, 
wie blind. Jaͤhlings, auf eine jähe d.h. fhuelle under mathete 
Art, Rüdtings, Hinterwärts, von hinten. Go auch, rittlinye, 
nittlings, altling®. 
De Einie 1 hreifitig) Di. —n, Überhaupt eine Ausdehnung in bie 
Linge. 1) In ber Größenichre, eine Kusdehnung in bie Laͤnge, 
die man fi ohne Breite und Dide denkt und die aus einer Menge 
einfach im bderfelben Richtung nebeneinander liegender Punkte gebils 
det wird; befonbers bie fihtbare Bezeichnung einer folgen Ausdihs 
nung, fowol alein für ih, als auf als die Aupenfte Grenze einer 
Flöhe betrachtet, wobei man ſich ſtreug genommen bie Breite hin» 
wegbenten muß; im gemeinen Erben ein Strich. Eine gerade, 
Zeumme Finie. ©. Gerade, Krumm. Die Sirkellinie, Eilinie, 
Schneckenlinie, Schlangenlinie, Wellenlinie, Schönbeitstinte It, 
die Grundfinie, Theilungslinie, Örenzlinie ꝛc. Die Brenziinte 
ober auch nur bie Linie wird uneigentiig zuweilen al, für Game 
ſelbſt gebraucht. 
Bielleicht daß er auf einem Hochzeitaſchmauſe 
Die Linie des Wohiftauds abertreten. AI Schmidt. E.) 
In ber Sternkunde, Erdkunde ıc. giebt es mod andere Einien, 0 
hin die Mittagstinie, die Gteihungslinieseder der Gleichet ıc. 
gehören. Die Gleichungslinie ober der Gleicher (Acquator) r ieh 
in der Schifffahrt gewöhntih nur bie Linie genanht Die Linie 
durchſchneiden, durch diejenige Gegend fegeln, wo man ſich dieje Einie 
gezogen denkt. In engeser Bedeutung beztichnet Linie bie aͤugerſte 
Grenze mehrer nach einer beſoaders geraden Richtung neben eine 
ander befindlier Dinge. Die Haͤuſer, bie Bäume fichen in geradie 
Linie, keines ober Teinee ſtehet vor dem anbern bor. Ale Häufer 
nach der Linie bauen, mad einer und berfelben Riätung, fo daß 
ibre Vorberfeite eine „erade Einie dilden. Die Bäume nat ber 
Linie pflanzen, nah @iner Rittung. Die Solbaten ſtehen im ge- 
zader Finie. Linie machen, durch Nebeneinandestreten eine gerate 
eini⸗ bilden. Auch Kriegeſchiffe maden Linie, wenn fie au einem 
Gefecht nach einer gemiffen Midtung und Ordnung ihre @iellen eins 
nehmen, fo daß das eine gerade hinter bem andern ober in bem 
Rietwaffer deſſelben liegt in einer Catfernung von etwa goo Rheinl. 


134 





Lini 


Buß, GHiffe von ber Linie oder Linienſchiffe heißen daher ſolche 
Schiffe, welde groß genug und hintänglih demannt find und eine 
sınlänglige Anjaht Aanonen haben, um in bee Linie mit Theil am 
&ofegte nehmen zu können. Die Linie bei dem Winde, menet 
man in bee Schifffahrt biefenige Linie im Steuern, welche fih an 
der einen ober andern Erite gerade um fehs Kompaßſtriche ven 
dem Winde enifernt und folglich mit dem Striche, aus welchem bır 
Wind biifet, einen Winkel von 671%, Graben mat. Man waͤhlt 
vor eların Zreffen dieſe Sınie alemahl am liebſten, um auf derſelben 
die Schlachterduang zu firlen und zwar an ber MWindfeite, und ſucht 
fie za bebaupten, weil ſie bie meiſten Bertheile gewährt, ©, - 3=: 
wellen heißen auch mehr: nad einer Richtung neben einander bes 
findlihe Dinge frtöfi eine Linie. Zwanzig Linien auf jeber Seite, 
awangig Beilen. ine Linie Sotdaten, Mriegsiäiffe ic. In tem 

Geſchlechtsregiſtern nennt man die ununterbrogene Folge ber Rabe 

kominen eines Stammvatırs abs ober aufwärts eine Yinie; die Or 

fdiechtstinie. Ja gerader Linie vom jemand ahflammen von So het 
zu Sehne, ober von den leiblichen Kinbern eines Stammbaters. 

Die abſtelgende, bie auffteigende Linie, Die männliche, die weid⸗ 

liche Linie, die Folge der männlihen ober weitlihen Abkommen und 

dieſe Ablemmen feinft; Die Nebenlinie, Seitentinie ı. a) Ber⸗ 
ſchiebene lange körperiihe Dinge. Go menut man ein Bingenmaf 
der Kieinflen Wet, weldes ben zehnten ober au zwölften eines Zel⸗ 
les beträgt, site Yinie. Im Keltungsbaue find Kinien in die Lie: 
ge laufende Bruſtwebren mit Graͤven, 5. B. die Ummallungslinie, 

Gegenummwallungstinte, Verbindungslinie 2c. genannt. Gig tans 

ges daͤnnes Seil, die Leine, nenut man im geieinen Leben mancher 

Gegenden auch die linie, In der Sergliedirungslunt fühet eine 

lange, ſchinale und fharfe Hervirragung an den Kachen ebenfalls ven 

Ramen der Linie oder Seife (Linea). Ebendaſeldit heißt bie Steele, 

"wo fi die Außen Iheigen Barshimusteln verbinden, Die weißt Kir 

nie (Linea alba), Wei den Hand: und Micnengudern wechen bie 

langen Raten in ber Haut gleichfalls Linien genzant. 

Das Lınienblatt, —es, Wi. —blätter, ein Slatt Papier auf wel 
chem mit Ihmarzer Dinte flaste Linien gezegen find, fo daß fir durch 
ein auderes Blatt, auf welches man füresen wid unb unter wel⸗ 
ches daſſelde gelzgt wird, durchſcheiatn und zun Serabeſchreiben leiten 

Die Yinieufeder, Mz. —n, eine zum’ Einienziehen gefönittene yab 
brflionmte Feder, wie auch eine basu dienende von Meſſing, oder «in 
anderes mejl.ngenes Mertjeug, wilches bazu wir eine Feder gebraucht 
wisd, 8. Linienzieher. 

Tinienfdemig, adj. u, adv. in Form, in Geftalt einer Einie, einer 
State Ahntih, lang und dünn. In ber Pflangınichre heißt linien⸗ 
foͤrmig Uinearis, lineare) ein Geasäprden, wenn ts lang, und ſehr 
fomat, abi doch bei ſeiner Schmalheit überall gleich dreit it; eine 
Üpee, wenn fie fehr dan und doch uͤderall glei di ik; bie Häufs 
fen, wenn fie sine gerabe Einie bilden; ein Blatt, wenn bride RAin 
bee deſſerben gleich abſtebend lanfen, fo daß es am Stielende und 
»oen an der Spike gleich breit iſt ber Staubbeutel, wenn er lang, 
fl. sat uͤberall gleich breit ift. 

O Das Liniengeüder, —s, 3. u. Linien, bie fi mie ein Or 
äber auf oder durch einen Körper vesdreiten, „Deren (ber Dur 
ftigfeit; Kiniengeäder ſech unter ben frügen Runzeln der Leibenfhaft 
verbopp:ite.* J. P. Mister 

Das Linienholz, —es, 34. —hölzer, ein duͤnnes völlig gerabes 
Bots. d-fjrn man ſich bedient gagadr Linien nad) temfelben zu ziehen. 

Das Einienpapier, —e6, Ma. von mehren Eorten, —e, Papier, 
welches zum Behuf von Aechnungen, Rehnungsbädern ıc. mit Lie 
nien zur Auererfuag ber Zahlen verſehen iſt. 

Das Linienſchiff, —es, 34. —e, ein Saiff won ber kinfe, weißes 
in ber Einte heil an dem Gefechte nehmen kann und über zo Kur 
nenen führt. S. Linie 1), Gin ſolches Schiff it arod, ſtatt ge 
bauet und Hark bemannt,. Die großen haben deri Verdecke, heifen 





ini 
baher auch Dreibeder und führen 100 bis 120, ja zuweilen nech 
mebe Kanonen, 


135 


nf 


ein, über eure Linfheiten zu freien, es würde euch unheimlich ba- 
bei werben.“ Ifftanb. (R.) 


Der Linienſtein, —es, Dig. —, eine Art Steine, bie mit Linien,” Linfifh, —er, —ſte, adj. u, adv. fo viel als lin? in uneigeptlidier 


Queriniea ıc, gizeiihnet find (Melanogranimus lapis), 

O Der Lmientheiler, —6, My. gl. eıne Verfon oder Sache, welche 
Linien thtilet, etsıyellet Umeigentiid, „Die Sprade if ber feinfte 
Linientheiler ber Unerblihleit,« Ungen. 

Die Lintenverjüingung, 34. u. die Berjöngung der Linien oder bon 
Zidien eingelchloffene Dinge, fo wie fie bei groͤßerer ober geringener 
Entfernung bem Auge. eaſchtinen, mad ben Begeln ber Meßkunſt; 
wie auch, bie Lehre, weiche biefelbe lehret (Binisnperspective). 

O Der kinienzieber, —s, 29. gl. eine Werfen, weise Linien zie ⸗ 

het, befonders ein Werkieug, Linien bamit zu ziehen... In engezer 
Bebrutung, ein meffigenes Werkgeug, wilches fo eingesihtet. it, daß 
„man auf einmahl fünf glei meit von einander Aehende Fırich bar 
"mit stehen kann, um Roten darauf zu ſchreiben (Hostral). 

Linig, adj. u. adr. Linien habend, aus Linien befich.nd, in dem Zu⸗ 
fammenfezungtn geradlinig, frummilnig, fünflinig ze. nit ges 
radlinicht u. ; bean linicht würde einer Eınir Ahalich bebeuten. 

int, adj. u. adv. ein Wort, weihes Dirjenige Weite bejeichnet, auf 
weiber wir das Dery baden, und alles mas auf biefer Seite oder 
nah dieſer Seite Hin gelegen I. Die Unte Hand oder die Linke, 
welche fih an berjerigen Seite bed Körpers befindet, wo bas Herz 
feine Stelle hat. So auch, ber linke Arm, Buß, das linke Auge, 
bas linke Ohr ꝛc. Der linke Temel eines Kieibes, welcher ben 
Unten Arm bebedt. Zur linken Hand oder zur Linken, auf ober 
nach bee Seite, wo man bie linke Dand hat. Eid; zur linken Hand 
oder zur Linken wenden, wofür man ach fagt fi linket Hanb 
wenden. Ginem linker Hanf figen, gehen. . Der linke Flüget ei: 
wei Grbäutes, berjenige, welchen man zur linten band hat, wenn 

"man vor bem Hauptgebäude ſtehet und demfelben ben Küden zumen- 
det. X Be weiß nicht was rohr ober link ih, von einem fehr ein: 
faͤltigen Menfhen. X Die Rihte rechte Hand) fol nicht wien 
was bie Linke thut, d. 6. man ſell Bates im Werborgenen thun und 
ſich niht damit gegen Anbre, auch bie mit uns nahe verbunden find, 
nicht rühinen. Link oder links fein, die linke Haad fo gut arbrauden 


Eonmen, als Andere bie rechte, unb,- fih an ben vorzäglihen Ges ' 


brand, ber Tinten Hanb gewöbet habea. Ein Menfh, welder feine 
inte. Hand fo zu gebrauden gewohnt iſt, brigtin Schlefien im grmeinen 
Seren Linkstaſche. Un⸗igentlich heißt links fein, At irren, X Was recht 
iſt link madıen, es nerkedren, amtehren ; auch, das Recht verbrehen, 
Xinke urtdeile fällen," verkehrte, falſche. Abbt. Daher, daß man 
bei faſt alleiniger übung ber rechten Hand, mit ber linken viele Ver⸗ 
ziätungen gar mit oder doch nur ſchlecht than kann, if wohefcdsin: 
lich ber uneigentlide Gebrauch zu erfläsen, da man bie mit weniger 
‚Sorgfalt ausgearbeitete, ober bearbeitete alſo nit fo ſchoͤne und voll: 
tommene ‚Brite eines Dinges bie Linke Seite mennt. Die linke 
Erite des Tuches, eines Zeuges ıc Daher auch, fi Fink denehmen, 
auf eine unsepätflide; ſteife, unpeſſende 1. Weile. Auch tann e8 
in dieſer Bebiutung ber bloße Segenlat der uncigentlichen Bedeu ⸗ 
taug bes Wortes recht, richtig, gut ac. ſein, ba je link und recht 
in bee eigentlichen Bedeutung einander enfgegengefigs find, cf 
biefe Art find manche Ausdrucke zu eniänen, wenn :64.®. heißt, 
daß der Weg aur kinken zum Verderden, zur Hölle ic. führe; daß 
bie Saten, Auserwählten, zur Rechten, datß bie Boſen, Besdammien 
wer Linden Gottes am Berichistage Ärhen würden ıc. 
© Die Linkheit, 9. —ın. ı) Der Buftanb einer Sache und Per 
fon, ba fie link iſt. Mneigentiih, ein Linfes, d. h. virfehrtes, falr 
ſches, unbchäflihes umb ungeich dies Benehmen, wie dasjenige, wenn 
am etwas mit.ber liaken Hand than mil, was man. biher immer 
wur mit ber weten gethan bat (Gaucherie), Jene Sinfashelt, 
um berim willen auch Linkheit verziehen wird." Huber, a) Kine 
linfe, b. h. verkihete, umgefgidte ı. Handlang. „Ziele es diefen 


er 


Bedeutung, für unrecht, derkehrt, ungefhidt. Ein linkiſcher Menſch, 
ber ſich auf eine ſolche Art benimmt, Ein linkiſches Betragen. Sich 
lintiſch au etwas aunſtelen. Man koͤnnte lin? und linkiſch dahin ums 
terfheiden, daß man burd) lin? ben Begriff fhonenber, durch lin- 
kiſch Häster und tadelnd ausbrudt. R, 
Links, adv. nad der linken Seite hin, 
auf ber linken, falfhen, verkehrten Erite, Ginen &trumpf inte ans 
aichen, Bumellen bebeutet es auch, mit ber liaten Band. Links 
ſchreiben, effen. Links fein, mit ber linfen Hand alles das tfun, 
was Anbese mit ber zehten fhun, Mneigentlih, auf bie unredte 
Art, falſch, verkehrt, Weit links fein, ſich ſehr irren. „Ein wer 
nig links fein.“ Knigge. Ich muß mid entfehlih links babei 
ausgedruckt haben eder ex will mih nicht verſtehen“, b. h. unriätig, 
ſchief. Abbt. Etwas links anfangen, auf eine verkehrte Art. ds 
Fieldet ihn Tine, d.h. auf eine unangemeffene Art, fhleht, — Alle 
verfihern, daß es mic, fehr links Pleide.- Kofegarten, (R.). Die 
fes unflandwort wird mit mehren Berbältniäwdctern zuſammen⸗ 
gefegt, den Begriff nad ber linken Seite hin, mit verfhichenen Mes 
benbegriffen zu bezeichnen. Linkeab, zur linken Seite ab. Linksan, 
neven am zur linken Seite. Linksher, von der linfen Seite her, 
Aber es Fam linfäher ein bebeutender Vegel. Wof. 

Linkehin, zur Linken pin, von dem Gpiehenden weg. Dre Weg 
seht linkshin. Auch ſteht es bloß für zur Linken. 

Dieſen erkannt er fofort lines hin Im Gemenge der Feldſchlacht. Bo. 
Linkaum, nad der Iinken Geite herum oder hinum; befonders als 
Befehiswort, womit man einem befiehlt, fih nad ber linken Geite 
umzudrehen. 

Lintdab, Linftan, Linksher, Linkshin, f. Links 1). 
x Das Links hoͤrnchen, —s, M. ge. f. Linkeſchuecke. 


Sich links wenden. Dann, 


X Der Lintsmacher, —s, Br. gl. einer der das, wos rechts iſt, 


linte met, alles derbreht unb verkehrt, Mefonbers, der bas Kecht 


verdreht. 
Zum Doktor bieweil, dem großen Linksmacher, kam 
in alter Sauer, a1. Thmidt. 
Bei Stieter lautet dies Wort Linkmacher. 

x Die Linksſchnecke, 9. —n, ber Name einfhaliger Schnecken, 
deren Gewinde von bee rechten nad der linfen Zelte gehen; auch 
Linkshoͤnchen. 

X Die linfokhraube, m. —n, eine Art Schraubenſchnecken, bie 
inte gewunten if (Turbo perversus L.); auch, bie Unvers 
gleichliche. 

+1 Die Linkstaſche, Ba. —n, f. Link. 

Das Eianen, Einnenzeug, f. Leinen, Leinenzeug. 

Das Kiunenpapier, —et, 34. —e, Papier, welches aus Teinenen 
Sumpen verfertiget wied; zum Unterfhiöe vom Baummollenpapiere. 

1. Die Linſe, M. — n z Co. das inschen. ©. D. — lein. 1) über⸗ 
ha pt ein feiner platter, runder, in der Mitte aber echotener Kör⸗ 
per. So Fißen neh im D. D, Feine platte erhobene Blattern im 
Geſichte Linfen. In ber Licht: und Sehlehre find die Linſen oder 
Yinfengläfer rund brgeenjte und auf beiten Seiten erhoben geſchlif⸗ 
ferne Biäfer, welche zu Ferntoͤhren ıc. gebraucht werden. Won ber 
zunden platt erhobenen Geftalt führen aud tie Metallſcheiben an ben 
useenfämwengeln, vermittelſt welder der Bang derſelben geregelt wer 
ben Fan, deu Mamen Linfen. 2) In engerer und gewöͤhnlichſter 

Bedertung ift bie, Linſe die platte runde auf beiden Seiten erhobene 

‚ Beucht eines bekannten Shotengemäcfes, mweldes in Feinkreich und 
im Wattiſerlande wild wäh, Auch das Brwächs feitft wird Pin- 
fon genanet (Ervum lens L.). Die Pfennig obre Gartentinfe 
unterſcheidet fih von ber gemeinen Feldlinſe dadunch, daß fie vier 
aroatt if. Die vierſamige Linfe und die zottige Linfe, ſ. Eins 


ginf 


fenwide. Mon ber hnlichtelt ber runden Wiätthen "mit Einfen 

nennt man aud den Entengries Meer: ober Mafferlinfen. Bu 

gen anderer Khalichkeit in den Wiäten führt aud der Beißklre ober 

Bohnendaum (Cytisus leburnum L.) ben Ramen Waͤlſche Linſen. 

Auch ber tinfenbaum ober Blafenbaum wird zuweilen nur Linfe genannt, 
®, Die Linfe, f. Luͤnſe. 

Der Linfenbaum, f. Blafenbaum. 

Das Einfenbein, —es, Di. —e, in ber Zerglieberungtkunſt, bie 
Gelenkbeinchen, bie fi in bem Gelenken ber Hände und Güße befin, 
ben (Ossn sesamoiden), 

O Die Linfendrüfe, 2%. —n, in ber Berglieberungstunft, Drüfen, 
welche in ber Geftalt mit Linfen Ähnlichkeit haben. 

Das Linfenfeld, —es, 34. —er, ein mit Einfen befäetes ober bazu 
befimmtes Kelb. 

. — das Linfenfeld und die bärtige Gerſte burhmantelnt. Bof. 

Einfenförmig, adj. u. adv. die Form oder die Beflalt der Linfe har 
bend. Gin linfenförmiges @tas, ein Linſenglas. Ein Glas lins 
fenförmig ſchleifen. Die linfenförmigen Drüfen, bie Einfenbräfen. 

Das Linfengericht, —e#, 9. u. ein Gericht, eine Gpeife, welche in 
gekochten 1c. Linfen beſtehet. 

Die Linfengerfte, o. 9. Einfen, ſofern fie zum Wiehfutter unter bie 
Gerfte gefäet wird; im DO. D. Linfengetreibe, 

Das Linfengetreide, —s, o. 2. ſ. Linfengerfte. 

Das Linfenglas, —es, Dig. —gläfer, ein linſenfoͤrmig gefhliffenes 
Blast. ©. Linfe. 

Das Linfengrad, —ed, @y.u. dee Name eines nahrhaften und ges 
funden Wiehfutters (Triglochin L.); auch Salzgras, Satzkraut, 
Krötengras, 

Das Linfenkraut, —e6, 3. u. der Name einer Art Waſſerſternes; 
ber Frühlingswafferftiern, Wafferlinfe (Callitriche verna L.) 
Der Linfentümmel, —s, 0. 3. ber Gartenkuͤmmel oder lange 

Kümmel (Cuminum eyminum L,). 

Das Linfenmahl, —es, By. —mähler, ein kleines, erhobenes Mahl 
von röthlihee ober bräunlidher Farbe (Lentigo). 

Der Linſenſchwamm, —es, Mt. — ſchwaͤmme, eine Art Becher⸗ 


ſchwamm, welcher im Fruhſahre und Herbſte auf faulendem Holze 


haufenweife waͤchſt, anfangs kugelicht, gelbroth und haarig iſt, ſich 
dann Öffnet und einer Slocke ähnlich iſt, auf deren Boden einige lin: 
fenfärmige Körper von ber Maffe bes Schwammes feft Tiegen (Cya- 
thus lentifera), Man hält ihn für eßbar. 

Der Linfenftabl, —es, 2. —flähle, bei ben Kunfitreäslern, ein 
finfenförmiges Drebeifen. 

Der Linfenftein, — es, By. —e, Heine Steinen, melde wie vers 
fleinte Zinfen ausfehen (Phacolites, Phacites, lapis lenticularis, 
lens lapidea, Helicites). 

Die Linfenfuppe, 39. —n, eine Suppe mit Einfen. 

Die Linfenwide, 4. —n. ı) Die Heine glatte Felb- ober Wogels 
wide (Ervum tetraspermum L.); auch vierfamige Pinfe- =) Die 
rauche Linfenwide, ein Name ber Eleinen Bogelmide ober Meinen 
rauchen Feldwide (Ervum hirsutum L,); auch zottige Linfe, zot⸗ 
tige milde Linfe. 

X Der Linfenzähler, —s, 9. gl. eigentlich, einer ber Linſen zaͤh⸗ 
let; bann, eim Menſch, befonders Hausherr, ber fi) aus zu weit ges 
teiebener Genauigkeit um jebe Kleinigkeit im Hauswefen befämmert; 
der Erbfenzäbter, im fterreichiſchen Knoͤdelzaͤhler. Ehen fo ges 
braudt man auch Toͤpfchengucker. 

+ Das Lintels, 0. umenb. f. Yinbel. 

Die Lippe, 84. —n; Bw, das Lippchen, D. D. —lein, ber muss 
Eelige, bewegliche und mit einer empfintlihen Haut überjogene und 
gewohnlich etwas erhobene Rand des Mundes an Denfhen und Thie⸗ 
zen, welder bie Zähne bebedet und ben Mund verfhließt, Die obere, 
die untere Lippe ober die Oberlippe, Unterlippe Dide, aufgemors 
fene eder wulftige Lippen, im gemeinen Erben Wurfllippen. Dünne 


136 


Lipp 


Lippen. Rothe Lippen, Mofenlippen, Kotallenlippen. Es fol 
nigt Über meine Lippen kommen, fowol, es fol nicht in meinen 
Mund kommen, ih will aicht davon effen, als auch, ich mil «4 nicht 
vertathen, ich will aicht davon fpregen. Sich auf die Lippen beißen, 
um eim gewaltfames Laden zu unterbrüden, ober fich dadurch gleid« 
fam zwingen, nit zu reden ‚ etwas nicht zu fagen, was man gern 
fagen mögte. Die Rede flos wie Bonig von feinen Lippen, er 
ſprach auf eine ſeht angenehme Überrebende Art. Zumeilen ftepet 
Kippe aug uneigentlid für Dumd oder für die Perfon fe. Meine 
Lippen follen dich prei.en, mein Mund ſoll did) preifen, b. 5. ich mil 
dich preifen. Im O. D. bie Lefze, weldes in der edlen Gchreibart 
von Menſchen gebraucht nicht vorfömmt, und auch no ron andern 
LArperlichen Theilen gebrauht wieb, wo Lippe nicht gemähntid if, 
Wegen einer Ähnlichkeit mennt man in der Pflanzenlchre die beiden 
Sinjäaitte in ben einblattigen Blumenkeonen Lippen, und man ums 
terfgeibet ebenfalls bie obere umd untere Lippe. Einige Pflanzef: 
Ichere nennen auch zuweilen ben Selm und ben Bart £ippen, Im 
SHifbaue werden die an Kiampen befindlihen Bäpne, melde eine 
Öppenförmige Geſtalt Haben, Lippen genannt, und bie Klampen 
ſeldſt, melde zum Belegen und Feſtmachen des laufenden Gutes dies 
nen, heißen davon Lippklampen. Haben fie an beiden Seiten Lips 
pen, ſo heißen fie doppelte Lippklampen. Die Enden zweier zir 
fammengefügter Hölyer werden ebenfalls Lippen genannt. Eine Fuge 
dat gerabe oder rechte Lippen, wenn jedes ber beiden jufammenges 
fügten Enden zwei rechte Lippen hatz iſt das Ende aber ſchrag ab⸗ 
gelänitten, fo daß es einen fpigen Winkel befdmmt, fo hat es eine 
verlorene Kippe, Röding, 

Das Lippenbaͤndchen, —s, 9. gt. in der Zergliederungekunſt, ein 
Baͤndchen, d. $. ein dünnes Häuthen, welches fowol bie obere als 
untere Eippe gerade in ber Mitte mit bem Bahnfleifche derdindet. 
Das obere und untere Lippenbändchen (Frenulum labii superio- 
ris et inferioris), " 

O Der Lippenbeweger, —8, 9%. gl. berbie tippen beweget. „&prade 
wird vom Gehör. 3wiſchen beiden Sinnen if ein Band, wie ale 
Zaub> und Gtummgeborne, Alberne und Lippenbeweger zeigen.* 
Herder. 

Der Lippenbuchſtabe, —ns, 9. —n, ein Buchtlabe, welcher von 
zualich mit Hälfe oder Bewegung der Lippen auszeſprochen wird, ber: 
gleichen bie Buchſtaben b, m, p, f, v, w find, von welchen bie drei 
Iepten zugleich Blaſelaute And; aud bie Lippenlauter. Lippen 
laute find die Laute, von welden biefe Buchſtaben die Zeichen find, 

Die Lippendrüfe, 9. —n, in der Bergliederungelunft, Kleine Dr: 
fen, melde fih am ber inmendigen Seite der Lippen in Menge ber 
finden und diejenige Feuchtigkeit abfondern, mwoburd bie eippen feucht 
und fhlüpfrig erhalten werden (Glandulae labiales), 

O Eippenfarbig, adj. u. adv. bie Farbe ber Lippen habend, b. h. 
sold. „Iede lippenfarbige Rothbeere.“ 3. 9. Richter, 

Der Lippenlaut, —es, 4. —e, f. Fippenbuchftabe, 

Der Lippenlauter, —s, 9. gt. ſ. Lippenbuchftabe. 

Die Lippenfchlagader, Rz. —n, in der Bergliederungstunft, eine 
Schtagader, melde aus ber@efihtsfhlagaber entfpringt umb ben Lip: 
ven bas Blut zuführet. 

+ Der Lipper, —$, 3M. gl. um Koblenz, ein Stierkalb. 

Der Lippfiſch; —es, FM. —e, bei Müller bie Benennung beö 
ı66ften Fiſchgeſchlechtes bei kinne, deſſen Nüdenfloffe hinter ben 
Binnen fabenförmige Fortfäge hat (Labrus L,). Die Zähne find 
fharf, bie Lippen einfach aber groß und did, die Kiemenhaut hat 
feh6 @trahlen, die Klemendeckel find ſchuppig, die Breuftfioffen find 
gleihfam zugefpigt und bie Geitenlinie Läuft gerade fort. 

Lippig, adj. u. adv. mit Sippen verfehen, Lippen babend; in ben Zur 
fammenfetungen bidlippig ıc. In ber Pflangenichre heißt eine Blä⸗ 
tendecke (ippig (Perianthium labiatum s, bilabiatum), wenn fie 
zwei tiefe Ginfhnitte hat, und am bemfelben mit Bäpnen verfehen if. 





Lip 

Die Lippflampe, By. —n, ſ. Lippe. 

Die Eippmufcel, Sy. —n, ber Name mehrexer Hessföemiger Ber 
nusmufheln, deren Mänber Lippen gleichen, wozu bie Blaulippe, 
Blutiippe, Braunlippe ıc. gehören. 

Die Lippfchale By. —n, bei Mülfer die Benennung folder Mipps 
Elcher, welche inwenbig eine Eippe haben, 

4x Eips, 1) Der verkürzte Mennetaufaame Ppilipp. =) Ein Menſch 
mit bieten ober hangenden Lippen; verägtli und ſpoͤttiſch. 

O Der Liöpel, —6, Di. gl. ein fanftes leiſes Geriufh, wie auf 
ein folder Ton. . 

Der füge Vispel ſtarb im Duft bes nahen Strauches. Ziebge, 
Bier Blandufins Quell, zaufhte der Eukelinn 
Dein Lispel, o Bacht Hölty. 
Sttinn mit der Bidte Bispel. Meifner, 
Dann, gelispelte Worte. 
Bis bie Wertraute mit fanft warnendem Lifpel fie wet. Beh, 

Der Liöpeler oder Lispler, —d, 3. al.; bie —inn, BR. —en, 
eine Pirfon, weldhe lispelt oder im Reben mit der Zunge oft an bie 
Bipne anftäft; ehemahle auch ber Lisper, 

Lispeln, v. I) Antr, mit haben, ein Wort, weldes Gas fanfte Saͤu⸗ 
ſela des Windes, bas fanfte leife Geräufh, welches derſelbe im Laube 
ber Bäume ıc. erregt, wie auch das fanfte Stiefelm einer Quelle, eis 
nes Bades ıc. bezeichnet und nahahmet, „Sanfte Entzüdungen 
buften aus jeher Blume ihm zu und lispeln ihm aus jedem Grbüfge.* 
Beßner „Rohe Bäaͤche liepelten durch das Gras ober raufhten 
in Heinen Gefällen fanft in das Getöfe.“ Derf. „Schon litpelt von 
fernber der Nadal. Aretfhmar. II) intgs.utrs. 1) A Sanft 
wud leife fpreden; im gemeinen Leben ſtuͤſtern, wiepern, ziſcheln «. 

Dort neigt er fi ben Ohren 
Des edlen Mäbdyens, lispelt ihr: 
Du Lieblihe! Kofegarten {R) - 
— fillen die brennende Sehnſucht durch ein gelispeltes Wort. 
ö Bagpefen. 


Xu uneigentlid, 
Die Schwermuth fißpelt mir nur Schrecken in bas Ohr. Cronegk. 
2) Im Sprechen mit der Zunge auſtoßen und babei ein fanftes Ge— 
er. ben kaut 8 hören Laffen; ehemahls auch lispen. — D. Lispeln. 
—lung. 
O Der Lispelton, —es, Dy. — toͤne, rin gelispelter, mit Lispeln 
dervorgebrachter Ton. 
Und wie Lispeltoͤne der Audacht wurde fein Schmerz laut. 
Sonnenberg. 
O Das Liſspelwort, —es, 9. —e, ein gelispeltes Wort. — indem 
ex bie Lispelworte mit Berbeugungen begleitete.“ Benzel⸗Sternau. 
Die Lift, By. —en, ehemahls Kunft, Gef&ittigkeit, Kiugheit, Weisheit. 
Ic fol dich wohl (mel) behäten vor Ihe mit dem Liſten mein, 
d. Ribelungen 8, ®, 1716, 
Segenwaͤrtig bezeichnet man damit mur in engererVebeutung x) bie 
Klugfeit und Geſchicklichkeit, ih zur Erreichung feines Zweckes fol 
Ger Mittel zu bedienen, bie dem andern Theile verborgen find, ba= 
mit bie Erreihung bes Zweckes nicht hintertrieben werde, fo wie es 
benn ebemahls für Mittel, Berwahrmittel überhaupt gebraudt wurde. 
Weiberlift gehet Aber ame Lift. =) Ein foldes heimliches Mittel ſelbſt, 
welches ganz unfhulbig fein kann und Feine böfe unerlaubte Ab ſicht vor · 
ausfeht. Vor [handen wart mie beffer Lift 
Denn ber ber zungen meifter if. Boners Fabeln, 16. 
Biſt gebrauchen, anwenden. Durch Lift zu feinem Zwecke gelangen. 
Einen mit Lift zu etwas bewegen, Auf eine Lift denken. Gine 
Lift erſtanen, ausdenken. WMeiftens aber wird doch Lift im böfen 
Sinne, für Verfhlagenpeit und bexen Wirkung, genommen. 
Giftig fieht es der Reid, fieht feine Liften vereitelt. Zacharis. 
Auf eure Liſten 
Unb Punifden Betrug entbrannt, Namler. 


Gampe's Wörterb. 3. Th. 


—— 


Lob 


Eine erlaubte Lift (Dolus bonus), eine ſolche, womit man midts 
Boͤſes bezwedt; in Gegenfag des vorfägtihen Betrugts (Dolus ma- 
lus). Bumweilen Fimmt aud, ber Lift, —eb, Bi. —e, vor. „Bell 
Morbs, Habexs, Liſto.“ Röm. ı, a9. 
Penn zu fernen nur ſei durch Mädchen Lifte der Anftop. Baggelen, 
Die Lifte, 24. —n, rin Breseihnif von mehren einzeinen Dingen 
befonbers von Ramen. Die Lifte der Gebotnen, Geflorbenen, Se⸗ 
teauten ıc, Etwas in die Lifte eintragen, in bas Verzeichniß fuel: 
ben. Die Soibatın in bie Lifte einſchreiben, ihre Ramen In bas 
Berzeihniß (enrolliren), 
O Eiftenreih, —er, —fle, adj. u. adr, reich am Liften, fehe Tiftig. 
Liſtenreich antwortete barauf bie Hersfiherinn Bere. Bef. 


O Die Liftgeftalt, 9. —en, rine lftige Geſtalt, d. h. ein Yikiges 


Werfen, eine Liftige Perfon. 
— bu — gabft ber kiſtgeſtalt 
Die zauberifhe Rebe Derber. 

© Daß Liſtgewebe, —, 9. gl. ein Gewebe gleihfam won Eiffen, 
mehre zu gleicher Zeit amgemanbte Biften, einen Ime zu erreis 
Sen, befonders indem man bie Sache feibft für Aadere verwidelt 
madt (Intrigue), ©. 

Liſtig, —er, —fle, adj. x. adv. Lift befigenb, bavon zeugenb und 
barin gegränbet; .fotwol in bez ehemapligen weiteren Bebeutung für 
Klug, gefhidt, weife: 

Ride, fo er drum nit wäßte, gehub fi ber liſtige Mann, 
ER db, Ribelungen 2.8, 1896; 
ale auch in ber jefigen engern Bedeutung. Gin liſtiger Menfg, 
Der Fuché iſt ein liſtiges Thier. Umeigentlih und im gemein + 
Leben nennt man auch eimem liſtigen Menſchen einen liſtigen Fucht. 
„Die Schlange war ‚liftiger, denn ale Thiere auf dem Felde. 
2 Mof. 5, 4. Gin liffiges Mittel, Liſtige Streiche. Etwas lie 
fig anfangen, Einen liſtiger Weife zu etwas bewegen. Er firht 
fo liffig aus, fagt man im gemeinen Leben von einem Menſchen, bre 
in feinen Mienen Lift verröth und von dem man glaubt, baß er et⸗ 
was im Schilde führe, „Der, ber immer fo liſtig ausfiehet, wenn 
er mit ben Eruten redet.“ Schlegel. Buteilen wird aud ber 
Begriff einer boͤſen Abfigt damit verbunden. „Die liſtigen Anfhlk- 
ge des Teufels.“ Epheſ. 6, 2. Davon bie Lifligkeit. 

Die Lite, By. —n; Bw. dad Lischen, ©. D. —lein, eine bänme 
zunde Schnur So heißen bie runden Schuüre, womit man Kleiber 
einfaßt, welche um die Häte gebunden werben ıc. Ligen. Beſonders 
heißen Ligen bei ben Webern, Schnüre, womit bie Bampelfänhee 
eingelefen werben. ©. Kammlitze. Xel ben Bortenwirkern finb 
Ligen bie zwei in bee Mitte zufammgefhlungenen Bindfäben, wel⸗ 
Ge bie zwei Stäbe bes Hochkammes vereinigen, aud in der Mitte 
eine Schleife haben, wodurch bie Binbfäden an ben Bäden in bee 
Mitte der Wellen eingezogen werben Finnen. In Schleſien ſagt 
man anflatt Bigen ber Drathen ober Zeiger, im Sſterreichiſchen das 
Zeug, Zotten, Gefäß, in Baisen das Geſchirr, in Wirtemberg bie 
Scene, und in manden Mörterhäheen koͤmmt dafür vor: das 
Gereiß, Geziche, Trümmer, Weberkreis. 

Der Ligenbruder, —s, 94. —brüder, eine Benennung ber beeidig⸗ 
ten Ballenbinder, Packknechte ober Ablaber in einigen R. D. Hans 
delsſtaͤdten, wo fie eine eigene Bruͤberſchaft ober Innung ausma den. 

Der Litzenzwirn, —ı6, 0. 39. bei dem Webern, Zwien, welder zu 
Listen gedraucht wirb. 

Die Lisenzwirnmühle, 99. —n, bei ben Seibenwebern, ein Werk 
zeug, weldes ein Haspel ift, worauf ber alte noch brauchbare kitzen⸗ 
zwirn aufgerollt wird um ibn ferner zu Biden zu gebrauchen. 

Dos Lob, —e#, 0. 24. bie Laute Kuperung feines Urtheils, und in 
engerer Bedeutung, feines Beifalles über bie Eigenſchaften und 
Handlungen eines Audern, befonders wenn fie gut find, Ginem ein 
gutes, ſchlechtes Lob geben, Mit Lobe von jemand fprehen. is 
mem verdientes Lob erthiilem Mei jemand ein gutes Lob haben, 


18 


j Lobb 


bei ihm im vortheilhafter Meinung fliehen. Wroßes Lob erhalten, 
davon tragen. Einem etwas zum Lobe nachſagen. Bein Lob vers 
tieren. X Eigenes Lob, oder Eigenlob flinkt, es iſt Andern zumts 
der und empfiehlt bei denſelben nicht, wenn man ſich ſelbſt lodet. 
In der Bibel kommen auch die Austräde Lob bringen, mit Lobe 
erhöten, erheben ıc. vor, melde außerbem nicht gewoͤhnlich find. 

Die Lobbegierde, 0. DM. bie Begierde mad Lobe, von Anbern gelobt 
zu werben; im tabeinden unb nachthriligen Sinne von einer unges 
ordneten Beglerbe, die Lobgier. 

Lobbegierig, —er, — ſie, adj, u. adv, nad Ste begierig; im tar 
beinben und ſchlimmen Verſtande lobgierig. 

* Lobebar, adj. u. adv, was zu loben if, Lob verdlenend. 

Uns ift in alten Maͤhren Wunders viel gefait 
Bon Helden lobebaren. — d. Ribelungen ©. m 

+ Das Lobegeld, —es, 9. —er, in manden Gegenden, z. ®. fn 
ber Schweiz, ein Rame ber Behenware (Laudemium), 

Loben, v. intrs. u. trs, chemahls Äberfaupt 1) & feine Stimme laut 
dören laffen; dann, mit vernehmliher Stimme vorbringen, ſprechen, 
befonders Erwähnung thun, melden, in welcher Bedeutung es in ben 
Ranzeleiem neh in dem zufammengefegten beloben, gewoͤhnlich iſt, 
3. B. bie mehrbelchte Sache, der obbelobte Dienfteifer; mie aud, 
mündtih bewiligen, und bewilligen überhaupt. 2) k Berfpreen, 
geloben, 

Günther und Hagene bie Neden viel bald, 


x Robeten mit Untreuen ein Buͤrſchen inben Wald. d. Ribelungen. 


8, 8. 5670. 

Diefe Bedeutung kommt noch jept, befonbers im N. D., vor, und 
findet auch in ber Schriftſprache noh in geloben (baffelde Wort 
mit der Silbe ge) im dem zufammengefegten verloben, Gelübs 
de x. Statt. 3) Der mändligen Ausfage eines Anbern, bann 
überhaupt, einer Sache feinen Beifall geben, fie für wahr balten, 
glauben. Mit dieſer Bebeutung hänge bie jegt gewoͤhnlichſte Bes 
beutung zufammen, nah welcher loben 4) heißt, feinen Beifall durch 
Borte zu erkennen geben. Ich lobe ihn darum ober besiwegen. Das 
kann man an ihm nit loben. Im gemeinen keben ſetzt man noch 
bas Fürwort mir hinzu. „Ah lobe mir die Mittelftwaße,“ ich gebe 
the meinen Beifall, halte fie für bie befte. Bellert. In engerer 
Bebeutung, feinen Beifall über gute Gigenfhaften und Hand⸗ 
Inngen eines Andern bush Worte zu erkennen geben. Ich lobe 
feinen Fleiß, feine Ausdauer und Beharrlihkeit. Bein Eifer ift zu 
toben. Ginen ins Geſicht loben, ihm feibft feinen Beifall zu 
erkennen geben. X in jeber Krämer lobt feine Waore, ſpricht 
von ihren guten Cigenfchaften und empfichit fie an. X Mas recht 
ift, lobt Gott, das Hedte findet bei Gott Beifall, Gott loben, 
feine vorgäglicen vohlommenen Eigenfgaften erkennen und erheben, 
Zicrt Die Borzöge einee Sache erheben, ihren Werth fügen, einen 
Preis dafür fegen; im O. u. N. D. Wie hoch lobt er feine Waas 
ze? wie hoch [hägt er fle, was fobert er dafür. Das Pferd ift mir 
für 30 Thaler gelobt, dafür geboten, angebofen. D. Loben. D. 
— ung, befonters in den Bufammenfegungen, i 

Lobenswerth oder Lobenswuͤrdig, —er, —ſte (R.), adj. u. adr, 
werth ober würbig gelobt zu werben. Ein lobenäwerther Eifer. Ein 
lobenewirbiger Entſchlußz. Davon bie Lobenswuͤrdigkeit. ©, 
Lobwuͤrdig. 

Der Lober, —s, Mj. gl. eine Perſon, welche jemand oder etwas 
lobet. Den ahnet Kaltfien, bin bes Leberd 

Saͤmiſcher Wink und verhaltne Scheelſucht. Vof. 

%* Lobeſam, adj. u. adv. Iöblih, lobenemürtig, ein Wort, welches 
zuweilen noch in ber leihten und fcherzhaften Dichtart gebraucht 
wirb, oft aber nur ein Fliawort zu fein ſcheint. Das m in biefem 
Borte verwandelte man bed Reimes wegen chemapls in n und fügte 
Lebeſan, 3 B. in dem alten Liebe: Erſtanden ift ber Heilige Kriſt, 
wo bie Engel zu ben Weibern fagen: 


138 


Robp 


Geht Hin, fast das Sankt Petro an 
und feinen Iüngern lobefan. 

Die Lobeserbebung, 9. —eın, die Erhebung einer Perſon eder 
Bade dadurch, daß man fir lobet, ein Hohes großes Lob. Mit vieler 
Lobeserhebung von jemand fprehen. Große Lobeserhebungen über 
etwas machen. , 

Das Lobgedicht, —ıb, 4. —, ein Gedicht, weldes das Lob einer 
Derfon ober Sache enthält. 

Der Lobgefang, —es, 2. —gefänge, ein Gefang, ein Bebiht, ben 
fonders fofern es gefungen wird obre werben kann, welches bas Bob 
einer Perfon oder Sacht enthält; auch das Loblitb. 

Tont in meinen Lobgeſang 

Wellen, Zelfen und Geſtade. Ramler. 
In engerer Bedeutug, ein Geſang, ein geiſtliches Lieb zum Libre 
@ottes (Hymmus). 

&A Das Lopgetön, —es, o. 34. ein lauter Lob, ein oft mwieberhoft 
tes, weidisch ertheiltes Lob. — Das Kobegetön um ihn singe 
berum,* Meißner (A.).. 

Die Lobgier, 0. y. (R.) und Lobgierig, —er, — ſte, adj. u. adr. 
f. Lobbeglerde. Lobbegierig. 

Loͤblich, —er, —ſte, adj. u. adv. bes Betfalles, des Lobes werth, 
mwerth gelobt zu werben; gewöhnlid nur von Handlungen und Sa⸗ 
Gen. Xoͤbliche Thaten.“ Sir. 44, 3. „in loͤbliches Wert thun.= 
Sir. 50, 5. RXoͤbliche Sitten.“ = Macc. 4, 11. Sein Fleiß iſt 
Ihe loͤblich. Loͤblich Handeln. Im der Bibel wird es auch vom 
Gott gebraudt, in weldem Falle es’ aber als ein zu wenig fagender 
Ausbeut ungewöhnlich geworden if. „Der Here iſt loͤblich. 

. 2 Ühron. 17, 255 Pf. 145, 8. „Mas Bott orbnet, bas ift loͤb⸗ 
lich. Pf. 111, 3. Won Perfonen wird loͤblich nur noch gebraucht, 
wenn fie zufammengenorimen ein Banzes, eine Behörbe ausmachen. 
Das loͤblicht Stadtgericht, das loͤbliche Poſtamt ꝛt. Bo auch hoch ⸗ 
toͤblich und wohlloͤblich. Wei Höheren Behbrden bedient man ſich 
der Auedruͤcke preislich und hochpreislich. Opiz gebräucht es auf 
eine jegt ungemöhntiche Art auch in thaͤtlicher Bebeutung für, lobend, 
Tobpeetfenb: Strelcht loͤblich aus bem Herren feine Werke, 

Die Löhlichfeit, 2. —en. 1) Die Gigenfhaft einer Sache, da fie 
ibblich iſt oder Lob verbienet; ohne Mehrzahl. =) + Eine Löblide. 
Sacht; in welcher Bedeutung #8 wenig gebraͤuchlich iſt. 

Deine werihe Sinnen, 
Die aufer Löhlichkeit nichts denken noch beginnen. Opiz. 

Das Loblied, —es, 4. —er, ein Lieb zum Lobe einer Perfon ober 
Babe. Ein Fob: und Danklied fingen. 

N Der Lobprediger, —s, 9. at. f. Lobpreiſer. 

Das Eobopfer, —s, 4. gl. bei den alten Juden, ein Opfer, wel ⸗ 
Ges man Gott beachte um ibn damit zu loben, zu erheben, Unels 
gentlich, ein Lob, welches man als ein Opfer, "als ein Beiden ber 
Verehrung betrachtet, has man einem Weſen bringt. 

Lobpreifen, v. trs, unregelm. (ſ. Dreifen), loben und preifen, bie 
Vorzüge und ben hohen Werth einer Perfon odre Sache laut Äufern, 
verkünden. Lobpreiſet ben Heren, Iobfinget feinen Namen, „Mor 
lobpries den Foͤrſten.“ Sintenis. (R.) 

Unter Toͤchtern, friſch unb keck 
Sitzt der Saft als wie iu ‚Haufe, 
und lobpreif’t ihr Gedech. KL, Shmidt. 
Das Mittelwort der verg. Beit lautet lobgepriefen, wofür auf, ie 
jedoch unriätig, gelobpreifet vorimmt. D. Lobpreifen. D, 
—ung. 

Der Lobpreifer, —t, 39: gl. ber eine Verfon eder Sache lobprei ⸗ 
ft. — bir Hauptver fechter unb Lobpreifer jenes Rädfgrittesr ıc 
Reiäharbt, (R.) Sonnenberg gebrauchte bafür Lobprediger, 
welches zu ber 8 deutung noch einen Rebenbegriff mitbringt. 

Die Lobpreifungsformel, Di. —n, eine Formel, welche eine Lod⸗ 
preifung enthält. Im engerer Bebeutung, die Lobpreiſung Gottet 


Rohr 


am Unbe bes Baterunfers: benm bein if bas Reid ıc. und einige 
Blbelſtelen 3. 9. Roͤm. 9, 55 Eph. 5, 22; a Petzis, zı, in 
welchen der Name Gottes, nad einem bibliſchen Ausbzritde, verheres 
lichet wird; auch O bie Verhertlichungsformel (Doxologie), 6. 

Die Lobrede, 2. —n, eine Rede, worin man das Lob einer Perfon 
ober Sacht preifet, worin man faget, was ſich zu ihrem Lobe fagen 
läßt (Panegyricus, Elogium), @inem eine Lobrebe Halten. ine 
Lobrede auf Friedrich ben Zweiten. 

Der Lobrebner, —s, 3. gl. ber auf eine Perfon ober Sache eine 
Bobrebe hält (Panegyrist), 

Zobrednerifch, adj. v. adv. gleich einem Fobrebner, auf eine lobenbe 
Art. „Hohe und Lobrebnegifhe Beſchreibungen.“ Münfger. (f.) 

Lobreich, adj. u. adv. zeih an Lobe, großes Lob habend, verdienend. 

Ruhm: und lobreich ihn zu maden. I. €. Homburg. 

* Lobſagen, v. trs. das Eob einer Perfon ıc. fagen, verkünden, in 
der Bibel für loben, lobprelſen. „Daß wir bir lobfagen.“ ı Chron. 
17, 35. D. Lobfagen. D. —ung. Im Wörterbude von 1433 
kommen au ber Lobfager und die Lobfage vor. R. 

Der Kobfänger, —s, 4. gl. der das Lob einer Perſon ober Sache 
fingt, beſonders, fie in einem Bobgebichte befinget. Im Wörterbuche 
von 1482 koͤmmt Robfinger vor, weldes im Spotte fo wie jenes in 
der edlen Scheeibart brauchbar iſt. R. — Eurz ber Morgenfänger, 
der Lobfänger Gottes in der ganzen lebenden erwachenden Natur, 
das ift ber Dichter der Ehöpfung." Herber. 

Die Lobfchrift, 9. —en, eine zum kobe einer Perfon oder Sach⸗ 
abgefaste Schrift. „Lobfchrift auf Friebrih Auguſts Thaten.“ Sün- 
ther. „Eine Lobfchrift auf einen verftordenen Gelehrten,.“ Ien. 
Lit. Zeitung. R. Pr J 

LZobſingen, v. istrs. unzegelm. (f. Singen) das Lob einer Perſon ober 
Sache fingen, fie in einem Lobgedichte befingen; mit bem britten 
Falle des Gegenſtandes. „Lobfinget dem Derm.* Pf. 50, 5. 

Ihe Rinder des Maiden, lobfinget bem Mai, Ramler. 
Geltuer ömmt «6 ald trs, mit bem vierten Halle der Sache ober 
bes Gegenflanbes vor. „Wie nennen, wie lobfingen ſie's (bas Schwert).“ 
Herder 

Schiller — dat neulih noch Fühn in der Staunenben Mitte, 
Laut bie Griechiſche Bötterwelt Lobfingend, gehuldigt. Baggefen. 
D. Lobfingen, 

X Der Lobfinger, —$, 9 gl. f. Lobfänger. 

Der Lobfprecher, —s, Bi. gl. ber zum Lode einer Perfon oder Sache 
ſpricht; weniger als Lobpreiſer. „Einige eifrige Lobſprecher Deuts 
ſcher Eprade.* Jeniſch. (R.) 

Der Lobſpruch, —es, 9. — ſpruͤche, ein Ausfpruch, welcher das 
Lob einer. Perfon oder Sache enthält. „Ein Lobſpruch, ben id mir 
wegen feiner Groͤße nicht zueignen kann, thut mir weher, als ein 
verbienter Bereit." Bellert. Man ertheilte ihm deßhalb bie 
größten Lobſpruͤche. Des Gilbenmaßes wegen wird e8 von ben Dice 
tern zuweilen fehlerhaft in Lobeeſpruch verlängt. 

O Die Lobftimme, By. —n, eine lobende, Bob ertheilende Stimme. 
„Die Lobftimme des Jahrhunderts.“ Herder. Es it Eine Lob⸗ 
flimme barüber, man Icht es einftimmig. 

Die Lobfucht, o. PR. (R.) 1) Die Sucht oder ungeorbnete, übers 
teiebene und fehlerhafte Begierde nad Lobe, gelobt zu werben. Im 
dieſer Bedeutung hat es fchon Stieler. a) Die Sucht Andere 
ober etwas zu loben. Zede Drutter unb jeher Hausfreund bewache 
daher bie eigene Lobſucht — oft fo gefaͤhrlich als: Zabelfucht« ıc, 
J. P. Kiäter. 

O Lobſuͤchtig, —er, —fle, adj. u. adv. Lobſucht habend, mie auf, 
Lebſucht verrathend, im beiben Bedrutungen biefes Wortes. „Diefe 
Graeculi waren ein eitles windichtes, Tobfüchtiges und haͤmiſches 
Bötkieln." Wieland, ( R.) 

A Lobwuͤrdig, —er, —fle, adj. u. adı. des Lobes würdig, wärbig 
arlobt zu werben. Gtieler, 


139 





Loch 


Dog bu mit lobwuͤrdiger That 

Tretet in jr ritterlihe Pfad. 6. Gas. (M.) 
„Wohl dem Menfhen, ber im lobwuͤrdiger und angenehmer leben⸗ 
biger Gefhichte Iebt.« Herder. Davon bie Lobwuͤrdigkelt. 

Das Loch, —es, 24. die Löcher; Bw. das Lödhlein, verfürgt Löcher, 
auch Loͤchelchen, Dig. gt. oder auch Loͤcherchen. ı) Überhaupt eine jede 
Öffaung in einem und duch einen Körper. In vielen Fillen haben 
bie Öffnungen in ben Körpern, 4.2. cm menſchlichen Körper, Mund, 
Ohren, After ıc., in ben Haͤuſern, Fenſter, Thuͤren, Schotſtein ıc. 
ipre bifondern Namen, ober werben durch Zuſat näher beffimmt, 
wie in Nafentoh, Luftlch, Schweißloch, Schnerventodh, Ohr⸗ 
loch, Kellerioch, Rauchloch, Ofenloch, Schlüffelloch, Flugloch, 
Schitßloch, Zuͤndloch ıc., In weichem Irgten Falle das erſte beftims 
mende Wort meggelaffen wird, wenn bie Sache, worin ſich das Loch 
befindet, eben erft genannt worden ober fonft Fein Mißverftand zu 
beforgen it. Löcher im die Erbe graben, Bäume hinein zu fegen, 
etwas barein zu [hätten ıc. Ein Loch durch die Wand machen. Die 
Löcher im Schwamme, Krote ıc. Gin zuntes, vierediges ıc. Loch. 
In ber Zergliederungskunſt, we außer den oben ſchon angeführten 
und außer ben Löchern in den Anoden, melde entweder durch dies’ 
ſelben ganz hindurch gehen ober bei welchen bies nicht der Kal if 
und welde blinde Löcher helßen, noch andere köcher vorkommen, bes 
Fommen dieſe ihren unterfheibenten Ramen auch von ihrer Geſtalt. 
So heißt ein eirundes Loc im Keilbeine das eifdrmige Loc (Fora- 
men ovale) unb ein anderes von runder Geflalt, das runde Loch 
(Foram, retundum); eim Loch, welches ſich bei ungedornen Rindern 
in ber Scheibewand der Nebenlammern befindet, heißt ebenfalls von 
der Geftalt das laͤnglichrunde koch (Foram, ovale). In ber Pflan: 
senlehre führen ganz Beine Vertiefungen in ber unteren Flaͤche bes 
Hutes der Pilze, die wie mit einer Nadel geſtochen zu fein feinen, 
den Ramen Löcher (Pori),. Am haͤufigſten gebraucht man Loch von 
kuͤnſtlichen, gebohrten, geſtochenen ober mit einem Eifen geſchlagenen 
Öffaungen; wie auch von fehlerhaften Öffnungen ober von folgen, 
bie nicht fein follten. Löcher bohren, flehen, ſchneiden, falagen. 
Löcher abbohren, im Bergbaue, Fächer von beftimmter Tiefe in bas 
Geftein zum Berfprengen bohren. Ein ſlaches oder ſchwebendes Loch, 
ebenfalls im Bergbaue, ein fchief in das Geftein gehoßrtes koch, wel⸗ 
des mit Pulver angefält wird, um das Seſtein leczuſprengen; ein 
feigeres Loch, weldes gerade unter fi gehet, aud zum Behuf bes 
Loeſprengens. @in Loch in ben Kopf fallen, flagen. Gin Loch in 
das leid ıc. reißen. Die Schuhe, Ctrümpfe ıc. haben Loͤcher ber 
kommen. X Gaufen innen wie ein Loch, b. h. fehe viel, Im ges 
meinen Leben nennt man veräaͤchtlich auch Sffnungen bie ihre eigenen 
Namen haben, mie au eingefhloffene Räume, befonbers wenn fie 
Hein, dunkel und font ſchlecht befhaffen find, Löcher. Riedrig fagt 
man: Bufehen, wo ber Zimmermann bas Loch gelaffen hat, b. h. bie Thuͤr, 
ſich fortmachen, ſich ans dem Staube machen. Roch niebriger, auf 
dem lehten Poche pfeifen, für in den Iepten Zügen liegen, aud über» 
haupt, zum Xußerften gebracht fein. Auch, aus dem legten Loche 
pfeifen. Denn Orleans, von Feinden eingefloffen 

Und tapfer beffürmt, und tapfer beſchoſſen 

Pfiff ans dem lebten Loch. — KI. Shmibt. 
Einen ins Loc werfen, ins Gefängnis. Er mußte ins Loch Fries 
Gen. „Da ſandte Pharao Hin und Tief Joſeph rufen, und Liefen 
ihn eilend aus dem Loc,“ a Mof. 41, 14. eine Wohnung if 
ein wahres Koch oder ein Hundeloch. Die Städtchen und Dörfer 
in dieſer Gegend find Häßtiche Löcher. In manden Stähten nennt 
mam aud eine @affe, bie feinen Ausgang hat, ein Loch, fonft und 
beffer einen Sad. Uneigentlid fast man auf im gemeinen Lıbem, 
die Sache, der Plan bilömmt ein Loch, wenn fie, er f&heitert, nicht 
ausgeführt wird. Die Kaffe hat ein Loch brkommen, d. h. einen flars 
Ben ober völligen Abgang, fo daß nichts oder nicht viel mehr barin 
if. So werden auch Schulden ein Loch genannt, weil fie gewöhns 


Loch 


tich etwas Fehlerhaftes find und bad Gelb verſchlingen. Gin Lech 
zu⸗ und das andtre aufmachen, Schulben mit Schulden bezahlen, Ein 
Loch ſtepfen ober verfiopfen, eine Schuld bezahlen. Im Kegelſchube 
macht man ein Loch, wenn man zwiſchen ben Kegeln durchſchiebt ohne 
einen derſelben umzuwerfen. in gutes Loch, ein Mittelloh, wenn 
bie Kugel mitten zwiſchen den Kegeln burhläuft; ein fhlimmes 
der böfes Loch, wenn fle zu ben Seiten zwiſchen den Kegeln und 
ganz dei dem Regeln vorbeitäuft. Die Mahler nennen Köcher bie 
zu dunkeln und ins Schwarze fallenden Stellen, bie unziätig im 
Worbergeunde angebracht find und von ferne gefchen wie Loͤchet auds 
ſehen. a) HF Im NR. D., 4 B. 4Am Braunfsweigihen, ein Maß zu 
trodnen Dingen, in welcher Bebeutung die Mehrzahl unveräntırt 
biribt, wenn ein Zahlwort davor ſtehet. Vier Loch (Rod) machten 
ein Bierfaß, 16 Loch aber einen Himten. 

1, t Der tod, — es, >. _t, f. kLochbaum. 

a. + Der Loch, —es, 39. von mehrern Arten, —e, ein Baft der 
Beeren und Früdte, ber mit Donig ober Buder eingedicket aber bün« 
ner als «in Muf ifl. Popomwitfd. 

4 Der Lohbaum, —es, 9. —bäune, in manden Gegenden, «in 
Grenybaum, entweber von dem zum Zrichtn hineingehauenen Loche 
ober verberbt aus Lahbaum; in anbern Segenden auf mur ber 
koch ober dis Loche. 

* x Lohbaumen, r. trs. mit Lochbdumen verſehen, eine Srenge durch 
Bäume beflimmen. — ime malffen mie bie vnſtren das abegezel⸗ 
Yent, gelohtbaumbet Halnt vud geflepnete, aus einer Urkunde von 
2469. Arnoldi. D. Lochbaumen. 

$ Der Lohberg, —es, 2. —e, in manden Gegenden, befonders 
in den Gisiehenfhen Bergwerken, ein gewiſſes Lagergebirge ober eine 
gewiffe Steinart von einem Fuß Die; au der Kamin. 

Der Lochbeutel, —s, 2. gl. bei den Zifhlern, ein Meißel mit 
ſchmaler ſchiefer Schneide, Löcher damit ine Holz zu mahen; das 
Locheiſen. S. 4. Beutel. 

Der Lochbohrer, —s, 2. gl. der ein Loch ober Loͤcher bohret. Bei 
den Magnern, ein Bohrer, womit bie Mabe zuerft gebohert wird, 

+ Die Loche, 9. —n, f. Lochbaum. 

Die Locheiche, f. Lobriche, 

Das Locheifen, —s, 4. gl. ein Eifen, Löcher bamit in eine Bade 
zu maden. So Heißt ein ſtarkes ſpitziges Ciſen, Loͤcher in bie feſte 
Erde zu ofen, um eine Stange ıc. varein zu flrden, ein Kodyrifen ; 
fonft Vorpfahl. Bei mehrern Handwerkern ift es ein eines fpigis 
ges @ifen, Lchet damit in einen Körper zu ſchlagen. Bei ben Tiſch⸗ 
lem iſt es ein Meißel zu gleihem Imede, S. Lochheutel. 

Das kLoͤchel, —, 9. gl. ı) Ein Meines Loch, im O.D. S. dat Loch. 


a) Der Name einer Art Gemfen eder Binfen, Malbbinfengras - 


(Seirpus silvatieus L.). 

x eẽbcheln, v, trs, mit Lödeln ober Meinen Eiern verſehen. D. Loͤ⸗ 
dein. D. —ung. 

kochen, v. trs. 1) Ein Lo, eine Öffnung in etwas madıen, ſchlagen. 
Bet den Eiſenarbeitern, ein Eiſen lochen, mit bem Dorne ein Loch 
Yincinfhlogen. Bei ben Beibierm, einen Baum lochen, ein Tod, 
eine Hoͤhlung in benfelben hauen, für einen wilden Bienenſchwarm. 
2) Eiren Baum lochen, ihm mit einem koche oder Zrichen verfehen 
und zam Grenzbaume machen. Dann au, mit folgen Bäumen ober 
Überbaupt niit Greageichen verfehen, als Grenze bezeichnen. Cin 
Fels lochen. Im biefer Bedeutung kann es auch aus lachen ver: 
berkt fein. D. Kochen. D. —ung. 

Der Locher, —$, 4. gl. dei den Etelmadern, ein großer jugefpig« 
tee Bohrer, bie Löher zu den Speichen in bie Felgen bamis zu 
bohren, 

Der Loͤchtrbaum, —t6, 9. — baͤume, bei ben Papiermadern, ber 
Baum ober bide Block mit den Löchern ober Zrögen, worin bie Eums 
pn arttampft werben. © 

Der Loͤcherer, —®, 9. gl. eine Bentnanng gewiffer Senkler, melde 


140 


Lochſt 


bie Stifte mit einem koche befeſtigen; zum unterſchlede von ben Uns 
terloͤcherern, welcht fie mit einem Drahte befefligen. [| 

Das Loͤchergras, — s, DM, u. bei Planer ber Name eines grade 
artigen Pflanzengefhiedhtes, welches männtide und mweihlide Blu⸗ 
men auf einerlei Ähre trägt, Wei ben männlichen wngeben zwei 
ſchifffoͤrmige Bälglein bie zwei Heineren Speljen und drei Btaubfäben. 
Bei ben weiblichen iſt das Wälglein zweis ober dierfach getheilt und 
unterwärts gleihfam durchtochert; beri Spelzen umgeben ben Frudts 
keim und zwei Griffel mit haarihten Staubwegen (Thripsacum L.). 

Loͤcherig, —er, —ſte, adj. u. adv. Eicher habend, mit Lochern verfes 
ben. Röcheriges Hl. Der Schw it loͤcherig. Beſonders, 
fehlerhafte Löcher habend, da es überfhupt deren keine haben follte. 
Loͤcherige Kleider, Strümpfe, Schuhe ıc. Unxichtig ſpricht man im 
gemeinen Erben häufig loͤchericht. j 

Das Loͤchermood, — s, Di. u. ein Moodgefälcht mit gefiedertem 
Blättern und einer in viele Fächer getheilten und durchtbcherten 
Boͤchſe, welche weder Decktt oh Haube hat (Porella Dillen.). 

X Lochern, v. intes. die Sicher beſuchen, burdfüchen, um etwas barin 
au finden oder aufzufpären, Dann Überkaupt fpüren, auffpüren. 
D. Lochtrn. D. —ung. 

Der Loͤcherſchwamm, — s, 4. — ſchwaͤmme, die Benennung fal: 
Ger flader Schwaͤmme, welde auf ber Unterflaͤche viele Urine ed 
cher haben (Boletus L.). &, Loch ı). 

Die Lochgans, Dy. —gänfe, die Erdgans ober Brandgans, weil fie 
ipre Gier in Fuche- oter Kaninchenloͤchtr Legt, dahder fie auch Fucht⸗ 
gand heißt (Anas tadorna L.). 

x Der Lochguder, —s, Mj. gl. der buch ober in ein Boch guckt. 
Bei den Zaͤgern, eine Benennung derjenigen Britfunde, die nur auf 
ber Fährte gern fachen, welche fie Sehen, erkennen unb mit der Raſe 
tif eingreifen konnen; aud Lochſtupfer, Stopfer. 

Das Lochholz, —es, Di. —hölzer, bei den Schuftern, ein vierecklgte 
Holz mit laͤnglichrunden Bextisfangen, bas Sohlleder hineinzufchen. 

Der Lochkehrer, —s, 9. gl. ber ein koch kehret, feget; bei den 
Kedern, eine Stange woran man einen Bappen bindet, um bie 
Rouchloͤcher des Backofens bamit zu kehren. 

Der Lochluchen, —s, 2%. gl. in den Blashätten, bas runde platte 
Etüd von Thon, womit mar bie Löcher im Schmelzofen zufepet, auch 
der Lochſteiu. 

Der Lochortſtein, f. Lochſtein. 

Der Lochring, —es, 24. —r, bei den Schmieden und Sqhloſſern, 
eine die hohe Walze von Eiſen, werauf fie diejenigen Dinge legen, 
in melde fie Loͤchtr [hlagen wollen. : 

Die Lochfäge, Di. —n, bei den Tiſchlern, eine fhmale ober flarfe 
Saͤge ohne Geſtell und aur mit einem Hefte verfehen, Löcher damit 
zu faͤgen; die Stichfäge, Stoffäge. 

Die Lochſcheibe, Dig. —n, bei bin Bifenarbeitern, eine Eiſenplatte 
mit Eiern, Über welden mit dem Orte Löcher in ein Stuͤck ge 
ſchlagen werden. 

Der Lochſchiefer, — , 9. u. Im Bergbaue, bifonbers im Manc 
feldſchen, diejenige Lage Schiefer, welche unter dem Fiſchſchie fer 
Uegt. 

+ Der Lochſchreiber, —#, My. gl. in Nücnderg, ber Schreiber beim 
Schoͤppengerichte, von koch, d. h. Befängnig, weil er gugleih dar ⸗ 
über bie Auffiht führet; auch der Schoͤppenſchreiber. 

Der Yodıfiein, — s, 9. —e 1) Ein Wernifein, beſenders im 
Bergbau; der Schnurftein, Lochortftsine Heifen im Sergbaue bie 
zwei Gteine welche bei Vermeſſung eines Feldes nad Ausgang ber 
34 Ladter vom Pfahte aus, auf beiden Criten in gerader Linie eins 
ander gegenüber gefegt werden. Lochorts und Mittelfteine find ſolche 
Pohfteine bie man Im gerader Linie swiihen bie Lochertſtetne ſeht. 
Lochſtein in der Grube fällın heißt bea Drt in ber Grebe angeben, 
wo nadı Mapgabe des am Lage gefegten Sehfleines fid bie benad: 
karten Felder trennen, wildes durch din Markſcheider geſchieht und 


Lochſt 


durch ein Zeichtn, die Erbſtufe am gefuntenen Orte bezeichnet wird. 
a) So viel als Lo zkachen. ©. d. 

+ Der Lochſtupfer, —s, 9. gt. ſ. Lochgucker. 

Die Lochtaube, ſ. Holztaube. 

1. Der, bei Andern das Lock, ſ. keg. 

2. + Der Lock, — e, Di. u. ber Daſſerhahnenfuß (Ranunculus 
aquatilis L.). 

Das Lockaas, —es, By. —Afer, ſ. Lodſpeiſe. 

Das Lockbild, —es, 2. —er, ein lodendes, verführeriſches Bild. 

— ſich buch truͤgeriſche Serdeißzangen und Lockbilder einſchläfern 
und gewinnen laſſen.“ Reichhardit. (R.) 

x r%ode, —r, —ſte, adj. u. adr. fo viel als kirre, zahm. Ein 

Thiler ode machen. 

.Die Locke, 94. —n; Bio. das Loͤkchen, O. D. —lein (Biden, 
eine Menge zuſammengeringelter ober gerollter Haare; bie Haar⸗ 
lode. „In goldaen Locken mwallt fein Haar.* Befner Das Haar 
in Locken legen. Das von Loden beſchattete Haupt. Im engerer 
Bedeutung, die künſtlich zuſammengerollten Haare im Naden, vor 
süglih aber an ben Seiten, wo man fie befonders ehemapls mit 
Haarwachſe oder Haarfalbe zuſammenklebte und mit Haarnabeln ber 
fefigte. Im RN, D. fagt man dafür auch Buckel und Krulle. 

2. Die Lode, 8. —n. ı) Das Soden, Herbeieufen, und bie Art 
und MBeife, auf weiche es gefchichet; ohne Mehrzahl. Die lebendige 
Rode, die Art und Weife Thiere, befonders Wögel burd andere ab: 
gerichtete Wögel zu Ioden; in Gegenſat der tobten, welche in Pfeis 
fen und andern Toͤnen befichet, welche man hören laͤßt um Wögel 
herbeifliegen zu mahen. =) Die Wögel und Werkzeuge ſelbſt, womit 
man anbere Boͤgel lockt. 

+ Das Bodeifen, —s, 9M. gl. eine Benennung der fogenannten 
Glocke ber Mäfcherinnen. S. Glode. i 
Lödeln, v. trs. in eockel ober Löchen legen, Das Haar Iddıln. D. 

Läden. D. —ung. 2 

ı, Loden, *. trs. in Loden Iegen. Das Baar loden, Gelockte Haart. 
D. Locken. D. —ung. 

2. Locken, v. intes. u. trs, ein Wort, tweldes ben Baut bezeichnet 
und nahahmet, womit fi mande Thiere rufen oder au, womit 

- Menfhen Thlere Herbeilommen machen. So wirb es von ben I4s 
gern gebraudt, bie Stimme der Zurteltauben zu bezeichnen, wenn 
fie fi rufen, Am gewöpnlichften gebrauht man es vom dem Saute, 
weldhen bie Menfchen ben Thieren nahahmen um fie zu bewegen ſich 
zu nahen. Uneigentlih, bush Grregung angenehmer finnlider 
Empfindungen an fi ziehen, vermögen an einen Ort zu kommen. 
So lodt oder verfuht man Thiere am einen Ort zu kommen, bes 
fonbers um fle zu fangen, Indem man fie ihnen befannte und ange 
nehme Zöne hören läßt, oder indem man ihnen Gpeife hinleget oder 
Hinftrenct, in welhen legten Balle man auf koͤrnen, afen, kubern 
dafür fagt. Im weiterer Bedeutung burh Erregung angenehmer 
Empfindungen und Begierben zu etwas bewegen, vermögen ; gewöhn: 
Uch in nahtfeiliger Bebentung, indem man es nur in Fällen ge 
braucht, wo man zu etwas Boͤſem, befien Cindruck man zu ſchwaͤchen 
Semäpt if, zu bewegen ſucht. Jemand zu fih loden, an fi locken. 
„Wenn dich die böfen Buben locken, fo folge ihnen nicht.“ Die 
Baplerinn lockt den unerfohsenen Süngling in ihre Schlingen. 

Die lodende Verführung. — Un 
Bumeilen wird es auch in gleihgältiger, felten Im guter Bedeutung 
gebraucht. Gin Geheimnip aus jemand -Ioden. @inen auf feine 
Seite locken. Einem bas Gelb aus der Taſche Ioden, In rinen 
Dinterhalt loden. „Der Herr wird bie Heiden Ioden vom Ente 
ber Erde.t Eſ. 5, 26. Bumellen ſteht «4 aud bloß für, in Sewe⸗ 
gung feden, erregen. 

Und ganzen Scharen 

Lockt ex die Thränen Ins Seſicht. Sellert. 
D. Locken. D. —ung. ©. d. 


— 


RR 


Rod 


A Der kodenbau, —ed, 2. u. ber Bau, d. h. bie kaͤnſtlicht Schla⸗ 
gung ber Haare in Eoden, "und biefe Soden ſelbſt, befondexs wenn 
fe in Wenge über einander und im bie Höhe gefchlagen werben; 
auch das Lockengebaͤude. 

Jadeß — entſpinnt ber hohe Lockenbau 

Der ſchoͤnen Braut ſich unter Fatmens Finger, Wieland. 

& Lockenberingelt, adj. u. adv. mit kLeden beringelt, d. h. mit rin⸗ 
gelnden Locken bedeckt. 

— der Jungfrau lockenberingelte Lilienaeme. Sonnenberg. 

& Das Lockengebaͤude, —s, Bi. gl. fo viel als ber Lockendau. 
„Huch das Lockengebdude iſt untergraben." Kcgebue. (R.) 

A Das Eodengeringel, —s, 24: u, ein Geringel von Eoden, ges 
zingelte Ecden. 

— im Rodengeringel 
Leuchter’ hoch ibm ein Stern. — Gennenberg. 

& Das Lodenbaar, —es, 3. —e, lockiges oder gelodtes Haar. 

& Das Lodenbaupt, —es, 94. —häupter, ein Haupt, beffen Haare 
lodig ober gelocdt find. Beus fihüttelte das Lodenhaupt, Wehe 

. für bas gemeine Leben if} das gleihbebeutende Lockenkopf. 

O Der Lockenkopf, —es, 3. —Eöofe; Bw, das —koͤpfchen, ein 
Kopf, mit lodigen ober gelodten Haaren, wie auch tine Perſon, bie 
einen foldhen Kopf hat. „OD bie fühen Bauberbande, flüflerte ber 
Heine Zauberer, indem er ben Lockenkopf inniger an ben unrupigen 
Bufen ber weifen Fee fhmiegte.* Benzel:-@ternau, 

Das Lodenpapier, —es, Bi. —e, bei den Perudenmadern, breis 
eig gefhnittene Stuͤckchen Papier, bie Haare tarin eins und aufs 
zumideln umb zu brennen (Papillote), S. Wickel. 

O todenreih, —er, —fle, adj, u. adr. sei an Locken, ſehr locig, 
mit vielen Soden verſehen. Weld fanfter Schimmer krbnet 

Sein lodenreihes Haupt! Gollim. 

A Lodenfhön, adj. u. adv. in Anfehung der Locken fhön, fhönger 
lodt; ein bei Stieler vorlommendes umb wie es ſcheint brauch ha⸗ 
zes Wort, , 

Die Lodente, 84. —n. ı) Eine von Art wilber aber gezaͤhmter Eine 
ten, andere wilde Enten bamit auf bem Entenfang zu loden. ») 
Die Schnatter, ober Schnarrente (Anas strepera L.). 

Der Eocdenwirbel, —s, 2%. sl. eine Art Wirbelmärmer In füpem 
Wafler, bie man Baum mit bloßem Auge fehen kann (Brachionus 
eirratus Müller.). 

Loder, —er, —fie, adj. u. adr. nicht feft, leicht Hin und fee beweg ⸗ 
Ih; im gemeinen Leben lofe, und verädtlid, liederlich. Es ift au 
loder, man muß es fefler binden. Gin lodierer Bahn, ein wadeln 
ber. Ein lockeres Geil, weiches nicht ſtraff ausgefpannt iſt. Dann, 
in feinen Theilen nicht feft zuſammenhangend, fonbern viele und 
große Zwiſchenraͤume habend, Lockeres Arbreih. Die Erde loder 
machen ober auflodern, Das Lodere, ein lockerer Körper, befonders 
loderes Erdreich. 

Bo — rothſchwellend ber Keim aus dem Loderen vorbrang. Bof. 
Roder fpinnen, die Faden nicht gehörig zufammendzehen. Gin lok. 
keres Seil, deſſen Fäden nicht feft zufammengebreht find. in lofs 
keres Gewebe, Loderes Brot, beffen Krume löͤcherig und leicht ift 
und fi leicht zertheilen laͤßt; in Gegenfah bes besben, feiten. Lok⸗ 
keres Marl, weldies viele Bwifgenräume hat und leicht it, Ein 
loderer Stengel, in ber Pflangenlchee, ein folder, ber mit einem 
loceren Marke angefült ift (inanis). Locker mahlen, bei den Müls 
lern, ben Körnern mehr Raum geben, indem fie ben Muühlſtein bis 
her fielen. meigentiih, in feinen Grundfigen, bie Lebensart bes 
treffend, nicht feft, aus Leichtfinn verſchwenderiſch und Lieberlih; wie 
auch, in biefem Zuftande gegründet. Ein lockerer junger Menſch, 
X ein lo@erer Bube, Busfhe, Beifig. Locker leben. Gin leeres 
Eben. Im anderm Binne iſt „ein loderer überzeugungsgtund,* 
Mänfder, (R.) ein folder, welcher nicht überzeugt, welcher mit 
dem wovon er Überzeugen ſoll, aicht genau zufammenhängt. Im D. 


Lock 


D. ſagt man für foder auch aur luck, rogel, im R. D. roof, und 
im Osnabruͤckſchen floͤgge. 

Der Boder, —s, 99. gl.; bie —inn, 94. —en, eine Perſon, melde 
Iodet, melde Andere zu etwas zu bewogen ſucht. Ja, ja, ed giebt 
ſolche Locker. Seffing. 

D die Locktrinn von frecher Stirne, 
Sinntawolluft. 8.2.9. Manchhaufen. 

X Die Lockerei, 4. —en. 1) Das Soden, das Bemühen Andre 
buch finnlihe angenehme Beweggründe zu etwas zu bewegen ober zu 
vermögen; verädhtlih und ohne Mehrzahl. 2) Eine einzelne Hants 
lung ober Bemuͤhung, woburd man einen zu locken ſucht. 

O Die Loderbeit, 0. 24. bie Eigenfhaft cher Befaffenheit einer 
Sache ober Perſon, ba fir lecker iſt. Die Lockerheit des Eederis 
Ges. Die Lockerheit eines Menfhen (Libertinage), Lavatır. ©, 
E. Berbw, - . 

© Das Loderleben, —$, 0. y- ein loderes Leben, ober das Erben 
eines lodern, d. d. leihtfinnigen, verfhmwenderifgen, liederlichen 
Meniden (Libertinsge),. Gotel, ‚ 

® Der Loderling, —es, 2. —e, ein logerer junger Menſch (Li- 
bertin). &. @. Zoder. * 

1, kodern, v. I) utr. foder werben. 

Da bir (Hermann) Roms fleigender Damm fodert und brad, 

Rlopflod;, 

b. 5. ba er vor bir, buch bich locker wurde, feine Feſtigkeit und 
feine Kraft abzuhalten und abzumehren verlor. IT) trs. Inder mas 
hen; befonders in bem zufammengefepten auflodern, „Die Pflug: 
ſchar, welche die Scholle — lodert,- Rofegarten. (R.). 

— und nur ein wenig 

Tauchte von hinten das Wleis ber erzbeſchlagenen Räber 

In ben geloderten Staub. — Bof. 
III) intrs, loder Ieben. „Do wo er. lodert, ſpielt und fäuft,« 
Weiße — D. Locketn. D. —ung. 

2: X Lockern, v. trs. das Veröfterungs: ober Werftärkungswort von 
loden, für, häufig ober ſehr loden; in den Bufammenfegungen abs 
lodern x. D. Lodern. D. ung. 

Lockicht, adj. u. adv. einer Bode ober Locken aͤhnlich. 

Lodig, —er, —fle, adj. u. adv, Loden habend, in Boden fallenb. 
Das lockige Haupt. „Wie lodigt (Lois) ik fein Haar.“ Gellert. 

Die Lodflöte, 9y. —n, eime Flöte, womit man loft. uneigentlich 
überhaupt, ein angenehm auf bie Sinne wirkendes Mittel, womit 
am lodt. „Die Podflöte bes Beträgers." Popowitſch. (M,) 

Das Lockgat, — s, 9. —e, im Schiffbaue, Rinnen am Boben 
eines Schiffes, weile der Ränge nad durch das ganze Schiff Taufen 

. und das Walfer in bie Pempen leiten. 

Das Lodmittel, —s, My. gl. ein lockendes Mitter, 

Die Lodpfeife, 9. —n; Bw. bas Lodpfeifchen, eine Pfeife, wos 
mit man lodt, befonbers eine Pfeife, womit man Wigel lodt, 

Die Lodfpeife, 94. —n, rine Speife, welche man Thieren hinftreuet 
ober hinleget um fie an einen Ort zu loden; ein Lockebrot, im N. 
D. unb, das Lockaaſs, befonders wenn es ein Aas, ein todtes Thier 
ober ein Stuͤck Fleiſch davon if. Uneigentlich, jede Lodung, jebe 
Sacht, woburh man jemand zu etwas zu bewegen fucht. , 

Die Loͤckſtimme, Ba. —n, eine lodende Stimme, die Stimme, fofern 
man ein Thier damit Lodt, Umeigentli, jebe Bode, jebe Sache, mas 
mit man Andre lockt, Lockungen; nit fo gut bie Bodungeflimme. 

Die Lodung, 9. —em. 1) Die Handlung, da man lodt, d. h. for 

“wol bush Nahahmung ber Stimme Ahlere herbeifommen macht, 
ober durch ſtuntiche amgenehme Beweggründe jemand zu bemrgen 
fucht; als auch die Handlung, ba man in Eoden fhlägt uber kraͤu⸗ 
felt; ohne Mehrzahl. 2) Ein Mittel, jemand zu loden, ein fin 
ich ongenchmer Bewengrund. Allen Lockungen wiberftchen. 

Der Lockoogel, —s, Mb — voͤgel, bei ben Vogelſtellern, ein abge: 
richteter Vogel, welcher andere Bögel herbeitoden muß, 


142 


Loͤff 


O Das Lockwerk, —es, By. —e, alles womit man anzuloden, zw 

etwas zu locken ſucht. i 
&o ſluch' ih Alem, was bie Serle 
Mit Yod- und Gaukelwerk umfpannt, Gothe. 

Die Lodwolle, 0. SM. bie kurze Wolle, welde bie Schäfer in bie ab» 
geſchorenen ganzen Pelze wideln. 

* Das Lockwort, —ıs, Bi. —e, Worte, wedurch man jemand zu 
lecken ſucht, leckende Worte. Schottel. R, 

Lodderig, ſ. Lotterig. 

Die Lode, 4. —n. ı) FX Ein leichtes, herabhangendes Ding; auch 
ber Loden. Gin Loden Tuches, ein Stuͤck Tuch, ein Lippen. Die 
Loden hangen am Kieibe hinunter, bie Lumpen. Die Tuchmacher 
nennen auf bie ungewalkten Tuͤcher, welche nod haarig find, Loden, 
und im D. D. führen auch grobe Fußdecken tiefen Ramen, baber 
ber Kobentneber ober Loberer, der ſolche Soden macht. Die unors 
bentlih und zerſtreut herabhangenden Haare werben ebenfalls Loben 
genannt. X Ginen bei den Loden Briegen, ihn an ben Haaren faffen. 
2) Im Forſtweſen, ein jähriger Trieb ober Schuß; in manden Ger 
genden, ein Limpf. Zuweilen verſteht man aud) darunter bie Ringe 
im Holge, welde ben Jahrwuchs der Dide nah beztichnen. Die juns 
sen aufgefhoffenen Bäume des Laubholzes ſelbſt, bie Schoͤßlinge, 
führen ebenfalls den Namen Loden. 

2oden, v. ntx, mit fein, als Code wachen, fpriefen, ſcheſſen. Miele 
Bäume loden aus ben Wurzeln. D. Loben, 

+ Der Loder, —s, 4. gl. der Etier, Bulle. 

Die Loderaſche, o. DM. bie Leichte weißere Aſche von lodernden Kör 
peen, befonders von Baumäften, melde bei geringerer Bewegung 
ober bei Berührung in Geftalt Heiner Flocken aufflieget; Flugaſche. 

+ Der Loderer, —®, 3. al. ſ. bie Lode. 

Lodern, v. ntr. mit haben, fi leicht und ſchnell hin⸗ und herbewe⸗ 

gen; vom Feuer, mit fhnel hin- und herfahrenden Flammen bren, 
nen. Fin loderndes Feuer. „Die Blamme [obert im Stroh.“ Joel 

⸗, 5. So auch bildlih, von heftigen Leidenſchaften ac, bie mit einem 

Teuer vergliden werben. Das Ders lodert von Eiche. 

&o lange loberte ber Nahe ſchwarzes Feuer 
In krines Gottes Brut. Mamier, 
Nur was bem reiäften Geift bei lobderndem Gefühle 
Entzuidet, finge mir zum Baitenfpiele, Ricolal. 

So auch von Weſen mit folhen Lribenfhaften. Für etwas lobren. 
Gluͤht für das Böfe, nicht weil «6 böj’ ift, mein, weil es Elend 
Beugt, beum lobert er ewig bafür. — Sonnenberg. 

Dann, von breunbaren Körpern, mit fhnel hin» und herfahrenber 

Flamme brennen, Stroh, Reifig lodert fhnel in bie Höhe. D. 

Lodern. . 

+ Das of, —es, 9. —e, in Rure und Lirfland, ein Maf zu trok⸗ 
Tenen Dingen, befonbers zu Getreide. In Kurland geben auf rime 
Laft Getreide 48 big 60 Lof. In Liefland gehen zwei Lof auf eine 
Sonne und ein Lof hätt 4 Kuͤll aitt. In Riga ift das Lof zugleig 
ein Gewicht und hält fünf Eiespfund ober 100 gemeine Pfund. 

Der Löffel, —s, Pi. ol. 1) Ein Geraͤth, mweldes aus einem run. 
ben oder laͤnglichtunden flahvertieften Städe mit einem mehr oder 
weniger langen Etiele beſtehet, flüffige ober breiantige Körper bamit 
umzurühren, als auch zu fhöpfen und bem Munde zuzuführen, im 
legten Falle vorzugsweife ber Yöffei oder Eßloͤffel. Rach ter Ber: 
ſchie den helt der Beflimmung bekommt es auch verſchledene Namen, 
ber Kochloͤffel Schaumloͤfel, Ruͤhrloͤffel, Vorlegeloͤffel oder Sup⸗ 
peniöffer, Punſchloͤffel, Kafferlöffer, Theeloͤfſel ıc. Ein bblzerner, 
ziunerner, blecherner, ſilberner Loͤffel. Manche Arten von Löffeln 
führen den Ramen Kellen. S. d. Auf ben Schiſſen wird bie loͤffelfor⸗ 
mige Schaufel, womit das Pulver in die Kanone geladen wird Loͤffel 
nannt, S. Krautiäffel. Bei den Wunbärzten iſt ber Löffel ein 
bem gewöhnlichen Löffel Apulihes Werkzeug, das gefallene Bipfhen 
bamit aufzuheben. Kuh ein Feines Werkzeug, die Ohren bamit zu 


Loff 


reinigen wird von ber Ähnlichkeit Ohridffel genannt. Die Ohren 
der Hafen führen bei den Jaͤgern ten Namen der Loͤffel, wahrſchein⸗ 
ti aud von ihrer Höhlung, wegen melder man fie mit Löffeln vers 
glihen bat. 2) In ber Raturbefhrribung (1) eine Art Ropfihnek 
Ten (Patella cochlear); (a) eine Art Stahelfhneden im Afiatifhen 
amd rothen Meere (Murer haustellum); auch Schöpfer, Schnep⸗ 
fenkopf Schnepfinfhnabel, Storchſchnabel, Kufe, Schuffe. 

Der Loͤffelbaum, —es, 3%. — bäume, sin Baum in Rott amerika, 
aus welchem tie Milben ihre Eöffer zu verfertigen pflegen (Kalmia 
L.). Die tridterfirmigen Blumen haben zehn Staubfäben, rinen 
Kingern gebogenen @riffet und einen flumpfen Efaubweg. - 

Das Löffelbleh, —et, By. —e, in den Küden, ein Blech, in wel, 
Ges die Löffel geiisckt werden, Es kann auch Blech bebeuten, aus 
werhem Eifel gemad;t werben. 

Die Löffelblume, Sh. —n, die weiße Taubneffel (Lamium album L.), 

Der Loͤffelbohrer, —s, 2M- gl. ein Wohrer ber Dredsler, Bürften, 
binder ıc. welcher einer halben hohlen Walze gleiht und am Ente 
aufgewerfen ift, fo daß eg einige Ähnlichkeit mit einem Löffel hat; 
der Loͤffling. 

X Die Löffelei, 2, u. das koͤſſeln, eigentlih und wmeigentlih, im 
veroͤchtlichen inne, S. Loͤffein. 

und meiner jungen Beuft 
Entſtahlen zwei hochwolgeborne Diebe 
Die Löffelei und Ehrſucht bald die Eiche. Bürger. 

Die löffelente, 9. —n, eine Art wilder Enten mit einem langen 
unb vorn breiten und gerundeten Schmabel, ber mit einem Löffel 
Üpntihkeit hat (Anas platyryncha L.); auch Loͤffelgans, Schild. 
ente, Schallente, Breitſchnabel ıc. 

Die Löffelfohre, By. —n, ein Rame ber Meinen Alpenkiefer oder 
bes Arummbolsbaumes, meil man aus dem Holze berfelben,, unter 
andern auch Löffel fhneibet (Pinus montana L., _ 

Das Löffelholg, —et; 0. DM. das Holz des Afrifanifhen Spindel: 
baumes und bdiefer Baum felbft auf dem Kap, woman aus bem 
‚Dolıe Eiffel und andere Geräthe maht (Evomymus colpoon). 

Die Löffelgans, Di, —gänfe. +) Gin Name der Eöffeiente. =) ©, 
Löfferreiber. 

Das Löffelfraut, —es, 2. .u. 1) Ein Pflanjengeſchlecht, mit wels 

qhem inne aud den Meereitig und Kraäͤhenfuß vereiniget, beffen 
Kennzeihen ein aus vier’ eifdrmigen ausgehöplten Blättern beftehens 
der Keil, vier große kreuzweis gefkellte Blumenblätter, ſechs Staub: 
faͤden, von welchen vier mit dem Kelche glei lang und zwei etwas 
kürzer find, ein kurzer Griffel mit Mumpfem Staubwege und ein 
aufgeblafenes hersförmiges zweifäheriges Schoͤtchen find (Cochlea- 
ria L.), Den Ramen bat es von ben rundlichen fetten Blättern, 
bie auf ber Oberflaͤche vertieft find und einige Ähnlichkeit mit Löf: 
fein haben. Die ganze Pflanze brfonders aber bie Blätter befigen 
eine ber Faͤulniß widerſtehende Kraft und find ein gutes Mittel ger 
gen ben Scharboch daher die Pflanze, tie häufig am Meerfirante im 
nörtligen Europa wählt, auch Scharbodstraut, Scharbocks heil 
und außerdem noch Löffelkreffe genannt wird. - Man zieht daher von 
berfelben ein Wafler ab, bas Loͤffelkrautwaſſer und Iäst aud Wein 
als Moft mit berfeiben gähren, weicher Loͤffelkrautwein beißt. =) 
Wird Löffeltraut, ein Rame des Heinen Etöllfrautes (Ranunculus 
ficaria L.); Feigwarzenkraut. 

Die Löffelkreffe, o. 39. f. Yörfeitraut 1). 

Der Löffelmairan, —s, 94. u. eine Xrt autländifhen Mairans, 
beffen Blätter mit benen des öffeikrautes AÄhnlichteit baden. 

x Löffeln, v. intrs. u. trs. mit einem Elff-ı fhöpfen, herausholen, 
&o heißt im Bergbau loͤffeln, das beim Bohren ins Geftein ange 
haͤufte Bohrmesl vermittelt des Bohrlöffets aus bem Loche ziehen. 
In engerer Bedrutung mit bem Löffel effen. Gern loͤffeln, gern 
Suppe effen, und überhaupt geen effen. Da giebt es etwas zu loͤf⸗ 
feln, uneigentlich, im ber Liebe gleihfam nafchen, feine Liebe oder 


145 


Log 


vielmehe feine Läfternheit nad ſtanlichem Genuß ber Liebe durch ums 
anfändige Bezeigungen, befonders durch Küffen- am den Tag legen 
(earessiren), Bei einem MWäpden, bei den Weibern loͤffeln. 

Sie löffeln wol und wandern 

Ton einer zu ber antern, Bürger. 
So aud in ben zufammenfegten ablöffeln, einlöffen. Ciner Perfon 
etwas abloͤffeln, es vom ihr durch Löffeln, durch breifte Liebesbezel⸗ 
gungen erhalten, Sich bei einer Perfon einloͤffeln, ſich bei ihr durch 
Loͤffeln in Bunft fegen ıc. Im O. D. wo bies Wort am gemöhn: 
lihften ift, bildet man bamit, aud meift nur im verädtlihen Sinne 
gebräuchliche, Wörter, 3. B. das Loͤffelgaͤßchen, ber Loͤffelwinkel, 
ber Löffelmarkt ıc., ein Gaͤßchen, ein Winkel ıc., wo geldffelt wird, 
D. Löffen. D. —ung. 

Der Löffelreiber, —s, 9. gl. eine Art Reiher, deren faft platter 
Schnabel ib am Ende Ereisfdemig und einem Löffel ähnlich exiweis 
tert, und beifen vier Beben bis zur Hälfte mit einer Schwimmpaut 
verbunden find (Platalea L.); auch Löffelgans, Loͤffler. Der weiße 
Löffelreiber (Platalea leucorodia L.) ift weiß, an ber Kehle ſchwarz, 
hat auf dem Hinterkopfe einen Bleinen Federbuſch und iſt beinahe fo 
geoh als ber gemeine Reiher. 

Der Löffelfame, —ns, 0. 2. das Schwalbenkraut ober bie Schwal⸗ 
benmurz (Asclepias vincetoxicum L.). . 

Der Loͤffelfchwamm, —ıs, 4. — ſchwaͤmme, eine Art Iöffelförmis 
ger Rlätterfhwämme (Agaricus cochleariformis). 

Die Löffelfpeife, 8. —n, eine Epeife, welche mit Huͤlfe bes Chffele 
genoffen wird, als Suppe, Brei ıc.; im N. D. Loͤffelkoſt. 

Die Loͤffelſtampfe, 94. —n, bei ben Golb- und Gilbrrarbeiteen, 
ein eiferner ſtarker Stempel, ber an einem Ende nad ber Brrtier 
fung eines Löffels gerundet iſt und ben byeiten Theil bes Löffele 
ausıubauden dient. ” 

Der Löffelftiel, — es, My. —e, der Stiel ober derjenige ſchmale 
dünne Theil bes Läffeld, an welchem man benfelben faßt. N 
Der Löffelftint, —es, 2. —e, der Heine cher kurze Stint an bem 
Rormwegifhen Küſten, ein fetter und ſchmackhafter Fiſch (Salmo al- 

bula L.). ’ 

Das Löffleinfraut, —es, 34. u. der Sonnentpau mit runden Blaͤt⸗ 
teen (Drasera rotundifolia L.); aud edler Mieberton, Jungr 
fernbluͤte. 

Der Löffler, —s, 4. gi. 1) Eine Perfon, welche ioffelt und gern 
löffeit; befonders in engerer Bedeutung, welcher bei ben Meibern 
und Mäbden Iöffelt, „Wie kein Löffler es beim erſten Kuſſe bes 
wenden läßt." Wääter. =) Ein Name (1) bes Eiffelreipers (Pla- 
talea L.); (2) eines in Gübamerita einpeimifgen Vogels, ber mit 
dem Weiber am näcften verwandt ift und fig von Fiſchen mähret 
(Caneroma cochlearia); auch Hohlſchnabel. 

Der Loͤffling, —s, By. —e, ſ. Loͤffelbohrer. 

Der oder das Log, — s, By. —e, in ber Schifffahrt, ein in Eng: 
land erfunbenes Werkjeug, welches in einem fhifffdemigen mit Blei 
befhwertem Holze beſteht, weldes an einer langen Leine, bie von 
fünf zu fünf Faben bezeichnet iſt, ſich leicht von einer Spindel abs 
fpulet, befeftiget vom Dintertheite bes Schiffes ins Waller gemorfen 
wird, um bie Bänge bes Weges zu meffen, welden ein Schiff bei 
unveränderten Winde in einer gewiffen gegebenen Beit zurädiegt. 

Das Logbreit, —es, Mg —ır, das am Ende der Logleine befefligte 
Brett; auch bich das Log. 

Das Logbuch, —es, &y. — buͤcher, auf großen Schiſſen, ein Bud, 
in weldes die Brobadtungen, die man mit bem Log ıc. anfellt, eins 
geſchrieben werben. 

Das Loggat, —es, 4. —e, fo viel als Nüftergat, S. b. 

Loggen, v. intrs. das Sog auswerfen, mit dem Log Beobagtungen 
onftelen, befonbers die Seſchwindigkeit bes Laufes eines Schiffes 
meffen. D. Loggen. 

Das Logglad, —es, 3. — glaͤſer, eine Heine Sanduhr, bie in Beit 





Logl 
von einer ganzem, halben ober viertel Minute ausläuft und deren 
man ſich beim Loggen bebient. 

Die Logleine oder Loglinie, Bi. —n, ia ber Edifffahrt, bie farke 
Leine, an melde bad Ery befeftiget wird. 

Die Logrolle, 9. —n, die Mole um weiche bie Bogleine gemidtelt iſt. 

Die Logtafel, 2. —n, auf den Säiffen, eine In verfhiebene Bäder 
abzrtpeilte Kafel, worauf bie vermittelft bes Logs gefundene Be: 
fhmindigleit bes Schiffes mit Bemgrlung der Beit, dee Witterung, 
tes Binden ıc. geſchrieben wird. 

Loh, adj. u. adv. von ter Flamme, heil, fhnel bin: unb perfahrend. 
„Das fchlechte Wetter, beionbers ber lohe Biigftrahl machte mande 
bange Seelt bebenklih," Ungen. (A.) 

— und Icher Strahl “ 

Des nachtumgebenen Bliget, Schiller. 
Verſtaͤrlt, lichterloh. Das Haus, bas Schiff, bas Herz bes Der: 
tiebten, die Kriegöflamme ıc. bramnte lichterloh. 

% Das Loh, —es, Du. —e. 3) In manden Gegenden, ein Moraft, 
eine fumpfige Gegend. In wonden R. D, Gegenden heißt auf ber 
Torf das ober der Lob. Daher ber Kohboden, ein fumpfiger tor 
fiser Boten. 3) Im R. D. junge Zriebe, Shöflinge, junges Laub, 
welches in einem ausgefhlagenen Hau wieber aufwaͤchſt, im O. D. 
Yode. Dann, ein baraus erwadhfenber Wald. Auch bie Lobe, 

Das Pohbad, —es, 9. — baͤder, würde elgentlich heißen ein Bab 
in Waſſer, worin man Bohe hat ausziehen laſſen; bie Burber aber 
verſtehen darunter denjenigen Ort, wo fie bie zug kohe beflimmte 
Binde trocknen laffen. 

Der Eohballen, —8, 2m. gl. bie von ben Gerbern gebrauchte und 
zu Ballen oder Kuchen geformte Bohe, deren man fih zur Feutrung 

Bebienet. Der Lohkuchen, in Würzburg Lohkaͤſe. 

Das Lohbeet, — s, 24. —e, bei den Gärtnern, Peete, melde mit 
Lohe gebüngt werben und den Bortheil haben, daß fie In einım gleis 
den Grade der Wärme erhalten werden koͤngen, obme bie Wurzeln 
der Pflanzen zu verbrennen. 

Die Eobbeige, Ry. —n. 1) Das Betzen mit Lohe; ohne Mehrzahl, 
2) Bei ben Gerbern, bie Beube, worin fie bie Haͤute mit Lohe beis 
zen; bie Lohgtube. j 

Die Lobblume, 4. —n, eine Art des Schimmels, auch der fette 
Sälmmel (Mucor septiceus), 

Der Lohboden, —t, 9. —böben. 1) + Moraftiger, torfiger Bor 
Benz ohne Mehrzahl. S. bas Leh. =) Ein Boten, auf welchem 
man bie kehe aufbewahret. 

Die Lehbruͤhe, Sy. —n, eine Brühe von Lehe, d. h. MWaffer, wil 
chet aus dee Lohe bie beigenden Theile in ih aufgenommen Hat, 
Das Lohbruͤhleder, —s, D4. ol. dei ben Bohgesbern, Leder, weichen 
in Sohbrübe geſchwellet worben if, und welches auch Lüttier Leber 

genannt wird. j 

I. Die Lohe, 9. von mehren Arten, —n, ehemahls ein aus juns 
gem Laubholie beſtehe ader Walb und biefes Holz ſelbſt. S. bas Loch, 
Sn engerer und jet nur noch gewöhnlicher Bebeutung, bie abges 
fhäite und fein geflampfte Sinde ber Biken, Selen, Birken und 
Fichten, deren fih bie Gerber zur Bubereitung des Bebers bedienen, 
Eichenlohe, Erlenlohe, Bitkenlohe, Bichtenlohe, Im R. D. das 
Lch, bei Antern auch ber Loh. 

"2, Die Lohe, 99. m. die Flamme eines Feutrs, fofern Me dem Auge 
als eine feine burhfihtige Fluͤſſigkeit ohne beftimmte Umriffe, nicht 
in Baden unb Spigen wie bie Flamme, fonbern wie ein feuriger 
Duft in ſchneller zitternber Bewegung erfheint. „Und ba bie Loht 
auffuhe vom Altar gen Himmel,“ Riht. 15, ae. 

Wepend umledt ihu bie Loh' und es brauſ't auffiebend ber Keffel. 
Bo. 
„Sein Obem if wie lichte Lohe, und aus feinem Munde gehen Flam ⸗ 
men.“ Hiob gı, 19. Uneigentlih, von einem hohen Grabe einer 
Belbenfhaft, die mit einem Feuer verglichen wird, 


134 


Loͤhm 


Wohl bem, ber beßre Glath (Glut) im feinem Herzen fuͤhlet, 
Unb bem kein Ungemach bie beige Lohe dämpft. Canit. 
‚Bier verloſch bie Lohe meiner Triebe. Bürger. 
In ber Landwirthſchafſt mander Gegenden wirb «8 auch Bor 
großer Dige gebraucht, welche das Metreibe verteodnen macht. Wei 
Sinigen lautet dies Wort der und bas Koh. „Mie ber Lohe in bie 
Höhe flug." Opis 

Die Loheihe, 34. —n, en Rame der gemeinen Cie, weil ibee 
Rinde am Häufigften zu Lohe verbraucht wird; verberbt Locheiche, 
auch MWintereihe, Rorheihe, Hageriche ıc. h 

1, Lohen, v. trs. 3) Mit Code oder geflampfter Baumeinde zuberel⸗ 
tea, beigen. Die Häute loben. Man lohet auch Retze, Zaue cu 
b. h. man fiebet fie in Lopsrühe, bamit Fe ber Faͤulniß im Waſſce 
länger widerſtehen. 2) Vom Holze, im R. D. trübe, farbig mas 
Gen. So Ichet z.B. Elchenholz bas Maffer, indem e6 bavon trübe 
und farbig wird, Auch gebraudt man es von Kirfhen, Erdbeeten 
ı6., wenn fie anbern Dingen mit ihrem Safte ihre Farbe mittheilen, 
D. Lohen. D. —ung, 

2. Lohen, v. I) nir. mit haben, 2) Mit einer Loht brennen; lobern. 
©. 2. Lohe. ' 

Praffelnd fängt »# am zu lohen. Schiller. 
2).% Der wie Feuer glängen. 
Auch lohent fine ringe (ded Darnifhes) fam bay flure tust. 
Riebelungen, ®. 
II) trs, mit einem Flammenftuer bearbeiten; in dem zufammenge 
feeten ausichen. S. d. — D. Cohen. D. — ung. 

Der Loher, —s, 39. al. einer ber lohet, mit kohe bearbeitet. So 
nenne man in verſchledenen Grgenden bie Lohgerber auch nur Lo het 
ober Yöher. 

Die Loherde, o, DM. Erde bie mit Lohe wermifht ober gebängt if, 
in welcher bie Gewaͤchſe gedeihen. 

Die Eohfarbe, 99. u. bie rothbraunt Fatbe ber Lohe oder Mein ger 
Bampften Baumrinde. 

Eohfarbig, adj. u. adr. rothbraum wie Bohr; Ich 
roth. 

Das Lohfeuer, —s, My. gl. ein lohendes ober Ioherndes Feuer. 

Der Eohfind, —en, 2. —eın, ein Rame bes Blutfinten, wegen 
feiner lodrothen Beruf; aud Lohvogel. S. Blutfint. 

Lohgar, adj. u, adv, mit Lohe d. d. klein geſtampfter Cichenrinde ıc. 
gar gemacht, zubereitet. Lohgares keder. Das beder lohgar wmachen. 

Das Lohgarleder, —s, Di. gl. lodgares Liber, 

Der Lohgerber, —#, 2. u. ein’ Gerber, welcher bie Häute mit 
Lohe gar made oder gerbet; auch Mothgerber, Loher, Löher, zum 
Unterfhiede,von ben Kleißgerbern. 

Die Lobgerberei, 4. —en. ı) Das Gewerbe, Seſchaͤft des Lohger⸗ 
ber; ohne Mehrzahl. =) Die Anflalt, ber Ort, wo bie Häute mit 
She gar gemacht ober gegerbt werben, 

Die Lohgrube, 24. —n, f. Lohbeize. 

O Der Lohfübel, —s, 9%. al. ein mit Eoherbe gefälter Räder, 
Gewaͤchſe darin zu treiben. „Icht fol er — aus dem Feldberte des 
Lanbes in ben Lob: und Treibtuͤbel ber Stadt ic.“ 3. P. Higter. 
©. Lohbeet. 

Der Lohkuchen, f. Lohballen. 

Der Echkumm (Lohkump), —ed, Di. —r, des Behälter, Tteg, 
in welhem bie Eohe geſtampft wird. 

+ Die Lohme, My. —n, dee Rome einer Art Patihfäpe, beren 
Büge nahe am Bintern fiten, und melde Einn? zu ben Kaudern 
zehnet (Colymbus arcticus L.) j bei Anderen Halbente; au Lom⸗ 
be, Lommie. Er bat einen großen Kopf und Hals, eine blauſchwarze 
Kehle, unb einen ſchwarzen Häden mit vieredigen weißen Flecken. 

+ Das Löhmige, —n, 34. u. im Bergbaut ber Grafſchaft Mang- 
felb, ber Rame bes’ Liegenden ber Kupferſchieſer, weldes bie zehnte 
Schicht der Berg» unb Strinlage vom Tagt nicber ift, 


Lohm a) Lohn 


Die Lohmühle, By. —n, eine Gtampfmäpte, auf welcher die Baum: 
einde zu Lohe geflampft wird. . 

Der Lohn, — s, 0. 34- überhaupt, bas Bute weldes einer feines 
Berhaltens wegen empfängt. „Sie haben ihren Lohn dahin.“ Matth. 
6, 2. In engerer Babeutung, das Gute, welches man für eine 
gute Handlung ober für geleiftete Dienfte empfängt, unb bas maa 
su verlangen berechtiget ift; zum Unterfchiede von Belohnung, welche 
man nicht fobern fann. „Bürgers braver Mann verſchmühtte einen 
Lohn, aber ihm if die ſchönere Belohnung ber Bewunderung aller 
fühlenden Menfhen geworben,“ ‚Eberhard, Ginem feinen ver 
bienten Lohn geben, Beinen Lohn bekommen. Ginen fKhönen 
Dank zum Lohn befomme. Undank if der Welt Lohn, Ums 
bank belömmt man oft von ben Menfhen zum Echne, If das 
der Lohn für meine Muͤhe, für meinen guten Willen? Gin 
Arbeiter if feines Lohnes werth. Gewöhnlich beſteht biefer Lohn 
in Gelte, ober doch vorzuͤglich in Gelde, Cinem Lohn, und Brot 

‚ geben. - Bür Lohn arbeiten, bienen, - Um ben Lohn eins werben. 

Die Fracht if hoch in Lohne, fie Eofket viel, der Kuhrmann verlangt 

viel bafür. Der Arbeitsiohn, Macherlohn, Dienſtlohn ꝛc. Da 

‚ ber Sohn als eine Wirkung ober Folge einer Hanblung, eines gelels 
fleten Dienfles, einer Arbeit betrachtet werben kann, fo gebraucht 
man Lohn auch für die Üble Folge einer fhlehten Handlung: ober 
Dandlungsweife, für Strafe. Ein Verbrecher erhält feinen verbien. 
ten Kohn, wenn er befkzaft wird. Er wird ſchon feinen Lohn krier 
gen. „Er wirb ihnen (bem Bottlofen) ein Wetter zum Lohn geben.“ 
Pf. 11,6. Häufig auch X das Lohn. „und das Lohn beiner Kuechte 
will id) bir geben." ı Kön. 5, 6. „Wenn ich fie, ehe bad Jahr um 
iſt, fortjage, fo, muß ih ihe das ganze Lohn bezahlen.“ Gelfert, 

Der Lohnarbeiter, —$, 3. gl; die —inn, un —en, eine Pers 
fon , weihe um Lohn arbeitet, 

* Eohnbar, adj. u. adr. mas gelohnet werben Tann, Sohnes werth. 

Der Lohnbauer, — s, Mz. —n, eine Perſon, weiche den Acerbau 
verſtehet und weile man für einen jährlichen Lohn miethet, bamit 
fie die Feldarbeiten auf einem Landgute verrihte und bie Aufſicht 
karäber führe; der Hofmeier, Hofmeifter ıc.. . 

Das Lohnbrot, —s, 3. u, Brot ober überhaupt ber Unterhalt alk 
Lohn heiratet; befonders das einem Gemeinhirten als Lohn geger 
bene Brot. Dberlim,. 

Der Lohndiener, —s, My. gl. rin Diener um Sohn, ber für Lohn 
dienet. Im engerer Bedeutung, eine Perſon, melde einem Fremben 
ber antömmt für Lohn auf bie Beit feines Aufenthaltes zu dienen 
bexeit ift; ein Lohnlakei. 

Zohnen, v. trs. Lohn geben, einem nad Maßgabe feines Verhaltens, 
etwas, bas demfelben antwortet, widerfahren laſſen; gewoͤhnlich mit 
dem beiten, im gemeinen Toben auch mit dem vierten Falle der 
Perfon. „Der Here lohne ihnen, wie fie es verdient haben.” Bir. 
55, 24. Mitr iſt bafür ſchlecht gelohnet worten. Ginem mit Uns 
bank lohnen. Im emgerer Bebeutung, für gute Handlungen, für 
gutes Betragen Gutes erzeigen, befonbers aber für geleiftete Dienfte, 
für eine Äbernommene Brmähung ober Arbeit. &. Belohnen. Eines 
Seſchicklichteit lohnen. Einem für feinen Fleiß lohnen. 

Moͤcht' ich doch leben, ihrer Treu' zu lohnen. Schlegel. 

. „Bäuge bad Kind, ich will bie lohnen.“ a Mof. =, 9. 
— —  Bie lohnt bih’s 
I, daß bu fo bald ein Genoßz ber Erben bes Heils wardſt. 
Kiopftod. 

Einen Diener, das Gefinde Ichnen, Den Fubemann lohnen. Bon 
einer Arbeit, Berrichtung ſelbſt ſagt man nicht baß fie ober ihr ge: 
Iohnet wirb, ſoadern man bezahlt ober vergilt fie. Uneigentiih und 
als ntr. mit haben, gebraudt man lohnen auf von Tachen. Das 
Getreide lohnet gut, fagt man, wenn man viel Rörner erhält und 
biefe gleihfam als Lohn für feine Arbeit und Mühe belömmt. Die 
Sache lohnt der Mühe nicht, fie bringt, gemähet für bie Mühe kei⸗ 


Gampe's Wörterd. 2. Ip. j 


nen Cohn, if ber Möhe nicht worth. „Uber die eſchichtbücher er 
lange nachſchlagen, lohnt ber Mühe nicht.“ Leffing, Im berfels 
ben Bedeutung fagt man auch es lohnt ſich der Mühe, auch biog, 
es Lohnt ſich, und es Lohnet, „Es Lohnt fih allerdings der Mühe,« 
®effing. 3war hatt'er etwas Leder verloren, 

Doch lohnt fie kaum, es zu berühren. Soltau. (M.) 
„D5 das mod gefhehen werde, Sohner nicht zu fagen.“ Berber. 
So auch verlohnen. S. d. D. kohnen. D. —ung, in ben Bus 
famnmehfedungen. 

Der Lohner, —t, — al. z die in, Du —en, Fine Per 
fon, welche Aadern lohnet, ihnen was fie verblenen mwiberfahren 
Idpt, das Gehdrige giebt. In engerer Bebrutung, für Welchner, 

’ „Didter waren die Ergeger des Molke, Lohner großer Thaten.“ 
Berder. Bera, Lohnerinn ber Ehre, Kretſchmar. (K.) 

Der Loͤhner, —s, 39. gl.; die —inn, By. —en, eine Perfon, 
melde Bohn empfängt, um Sohn arbeitet; befonders eine Perfon, 
welde am Tagelohn arbeitet, gewöhnlich befimmter ber Tagelähner. 
Im Öfterseigiigen werden aud gemiffe Bauern Ganzlöhner, Halbs 
loͤhner, Viertellbhner genannt. ©. d. Wikter, 

Loͤhneriſch, adj. u. adv. mie ein Löhner, um Lohn, aus Begierde 
nad Lohn arbeitenb, im tabelnben Sinne, 

Dad Lohnhandwerk, —s, My. —e, ein Handwerk, beffen Melfter 
nur für Sohn arbeitet d. 5, meift nur beftellte Arbeit macht, wie z. B. 
beim Schneiberhanbiwerke; zum Unterfhiede von einem Kramhand⸗ 
merke, deſſen Meifter Arbeit zum Verkauf macht. Davon der Kohn: 
banbmwerfer, ein folder, ber ein Sohnhandiwerk treibet. 

Der Eohnherr, —en, 4. —en, ein Herr, ber um Bohn arbeiten 
laͤgt, der Leute um Bohn hält. Haltaus. R. 

Der Lohnjunge, —a, 94. —n, bei manchen Hanbwerften, 3. ©. 
ben Bimmerleuten, ein Zunge oder Bedrling, weicher tür feine Arbeit 
bereita einigen Ecohn empfängt. 

Der Lohnknecht, —es, 3. —t, ein Ancht, wilder um Bohn ars 
beitet ober bienet, Friſch. (A.) 

Die Lohnkutſche, 8. —n, eine Katſche, weihe man für einen ge 
wiffen Lohn auf eine beftimmte Zeit zu feinem Gebrauche erhalten 
Kann; bie Miethkutſche. Mit einer Lohnkutſche reifen. _ 

Der Lohnkutſcher, —8, 24. gl. ein Mann, welder Kutſche und 
Perbe Hält, Andere für einen gewiffen Lohn barim zu fapzın ober 
fahren zu laffen ; ber Miethkutſcher. 

Der Lohnlakei, —en, 9. —en, f. Lohndiener. 

O Der Löhnling, it, Dt, (RR) ein Menſch, ter etwas um 
Sohn thut, für Sohn arbeitet. In engerer Vebeutung und veräät: 
lich, ber etwas bloß bes Lohnts wegen, aus Gigennug, Sewinnſucht 
thut. „Sein Pinfer iſt ber Pinfel dee Wahrheit, und nit der eines 
feilen Löhnlinge.* ©. 


Das Lohnloh, —ı8, 4. —läher, die Benennung der mittelften 


Eicher im Grengel bes Pfluges, in melde man ben Pflug ſtellet, 
wenn man um Lohn arbeitet; zum linterfhiebe von ben Krohn 
loͤchera und Herrenloͤchern. 

x Das Lohnregiſter, —s, My. gl. im Bergbaue, ein Regiſter, nad 
welchem ben Bergleuten vom Schichtmeiſter ber Echn bezahlet wird. 

Der Lohnreſt, —es, 94. —e, im Bergbaue, der radftändige Lohn 
bee Bergleute, 

Das Lohnſchaf, —es, 34. —e, In ber Landwirthſchaft, bie Benen- 
nung berjenigen Schaft, welche dem Ehäfer zum Lohne ober als 
Lohn auageſetzt find. 

Der Lohnſchaͤfer, —s, 2%. al. in ber Landwirthſchaft, ein Sääfer, 
welcher für einen beftimmten kohn bienet, ober auch, ein Schäfer, 
melden zum Lehne ober als ein Thell bes Lohnes eine Anzahl Scha⸗ 
fe ausgefept find. 

Der Eohnfchnitter, —s, 34. gl. in der Landwirthſchaft, Schaitter, 
welche in der Ernte das Getreide für einen gewiſſen Sohn ſchneiden; 
zum Unterfhiede von ben Zehentſchnittern. 


19 


Lohn 


146 


Lor 





O Lohnſpinnend, adj. m. ady. um ober für Bohn fpinnend, den 
Uniesbait buch Spinnen veidienend. 

«in Weib lohnſpinnend und reblih. -Woß. 

O Der Lohnfpinner, —$, 89. gl. ; die —inn, Ey. —en, eine Per: 
fon, welche un oder für kohn [pinnet und ſich dadurch hren Unter⸗ 
halt verfhaflt. 

Gleich der Amfigen Lohrfpinnerinn kaum bie Roth 
Megarbritend Bo ’ 

Die Lohnſucht, o. DM. (R.) bie Sucht, aber ungeozbnete fehlerhafte 
heftige Begierde nad Sohn, für fein Werhalten, feine Dienfle kohn 

‚zu empfangen. 

Lohnſuͤchtig, —ır, —fle, adj. u. adv. (R.) Sohmfucht Habenb, zei⸗ 
gend. »So entflanden — Berbefferungen, in benen (melden) man 
Iohnfüchtiger Güte (Güte aus Lohnſucht) nur veränderte Gegen: 
Ränte eines heiliggelprodenen Figennupes barbrahte.* Meyer. 

Der Lohntag, — s, By. —e, tin Tag, am welchem ben Arbeitern 
ber kohn ausgezahlt wirb, au ber löhnungstag, befonders wenn 
von Eoibaten bie Mebe if. : 

Die Löhnung, By. —en, fo viel als Bohn, gewöhntih nur von bem 
ohne ober Selde, welden bie Soldaten empfangen, Die Loͤhnung 
auszahlen, geben. 

Der lihnungstag, —t8, Di. —e, derienige Tag, am welchem ben 
Soldaten bie- koͤbnung ausgezahlt wird. 


Der Lohnwaͤchter, —s, 3%. gl. ein Waͤchter, ber für Lohn wachet, 


Wachen für Bahn verrichtet. 

Der Lohnzettel, —s, 4. ol. ein Better, worauf basjenige aufges 
fhrieben wird, was die Arbeiter ober das Gefinde nah unb nad an 
Echn empfangen. 

Lohroth, adj. u. adv. f. Lohfarben. 

Der Lohvogel, —s, 34. —voͤgel, ſ. Lohfink. 

Der Lolch, —es, My. u. ber Name zweier Gewähfe, welcht ale Un: 
Teout unter ben Getreibe wachſen 3) des Schwinbeihafers ober ber 

Trespe (Lolium temulentum L.); 2) bes Radens ober Komras 
bend (Agrostema githago L.). 

+ Die Lombe oder Komme, f. Kohme. 

Das Loos, Koofen, f. Los, Loſen. 

Lootſe ze. f. Lothſe ic. 

+ Das Lopf, bei Anderen der Lopf, —es, 2. Köpfe, ein befonders 
im Braunfhweisifden tm Garnhanbel vorfommendes Wort, eine 
gemwiffe Menge Garn zu beztihnen. Man unterfeibet das Kaufı 
lopf, weldes 900 und bas Werkiopf, welchee 1000 Baspelfäben hätt, 

Die Eoppe, u. —n, eine geriffe Menge Hanf, welche die Spinner 
um ben 2:ib nehmen um baraus bie Rabelgarne zu fpinnen, 

+ Die Lippe, 2. —n, vine hölerne Kanne mit einem Dedel, 

+ Das Kor, —ıs, 3. —e, oder bie Loͤre, ein Band, ein Riemen, 
womit ein Ding an das andere, befoubers womit Theile der Rüſtung 
befefiiget werben. Schit ter. 

und I8Pt im Geh’n, erhigt vom Fangen Mitte 

Die Für des Heime. Alringer. 
Er ı617t bie Loͤt ber Pickelhaube 

und fhöpft barein dem fläffigen Kriſtall. Derf. 

Der Lorbeer, Lorber) —s, y.—en. 1) Der Eorberrbaum, S. Borberre, 
2) Der Karoliniſche Lorbeerbaum ober Yorbeer, ein fhöner in Has 
zolina und Rloriba wachſender Baum, ber große weiße Blumen, gros 
Se immergröne Blätter, purperforbige Früchte und ſcheͤne rohe 
Samen trägt (Magnolia grandiflors L,), 5) Der Nleranbrini, 
ſche Lorbeer eine feine Staube auf den Seblegen in Italien, beren 
Blimen unbedeckt auf dre unteren Fläche der Wiätter figen und bie 
Beine rothe Beeren trägt (Ruscus hypophyllum L.). 4) Wil- 
ber Lorbeer, ein Strauch oder niebriger Baum im fäblihen @uropa 
mit ſchoͤnen wohlriechenden Blumen unb immergrünen Blättern 
(Viburnum tinus L.). 5) Das Böpfhenfraut mit umfaffınden 
Blättern (Urularia amplezifolia L.). 


Dei Lorbeerbaum, —es, 9. —bäume, ſ. Lorbeere. 

Das Lorbeerblatt; —ed, Big. —diätier 1) Das Blatt bes-tare 
beere oder Loebeerbaumes. 3) Bine Art Kommmufhel, bie man 

‚mit einem Eirberrblatte verglichen hat (Üstrea folium L.). 

O Der Lorbeerbuſch, —es, 5. —büfhe, eig, duihigt gewachſente 
Kobeerbaum. Unter biefen J 

Lorbeerbuͤſchen. @dthe, 

Die Lorbeere, By. —n, die laͤnglichrunde zugeſpitzte und einen har⸗ 
ten Rırm enthaltenbe Beere des Lotbeerbaumes ober des Lerbters, 
deſſen Blume keinen Kelch, ſondern nur fehe eifoͤrmige zugeſpitzte 
Bluwendlaͤtter, drei Honigbräfen, neun Staubfaͤden, bie ihre Ttaub⸗ 
deutel feitwärts haben, einen einfachen Griffel mit ſtumpfen ſchiefen 
Staubwegen hat (Lauras L). Der gemeine Lorbeerbaum (Lau- 
rus nobilis L.) mwädft in Griechenland und Italien, bat fange zu⸗ 
geipigte, harte, ädrige und dunkelgrüne Biätter, bie er Im Winter 
nit verliert, und vierblattige Blumen. Ban bereitit aus ben 
bittern gewuͤrzhaft ſchmeckenden und angenehm riechenden Beeren, 
wie au aus den Bläftren ein weſet tliches Di, bas Lorbeeröl, in der 
gemeinen Sprechart Loroͤl, welches ats rin neruenflächendes Mittel 
gebraucht wird, Die Blätter that man aud als Gewürz an Gpeis 
fen, und ehemahla birnten bie Blätter und Zweige biefes Baumes 
Dichter, Helden, Sieger bamit zu bekraͤnzen, daher Forbeeriweige und 
Lorbeerkränge, die man aud bloß Lorbern nennt, in ber höheren und 
eihterifhen Schreibatt als finnbilblihe Eprenzeihen, folder Pers 

ſonen als Beiden des Nuhmes und für Ruhm ſelbſt häufig vorkom⸗ 
men. Das Haupt mit Lorbern bekraͤnzen, ſchmuͤcken. 

Sin Held, ber fih durch mande Schlacht, 

Durch manch verbeertes Land bes Lorbers werth gemacht. Bellert. 

Bon siner Kunſt, bie Bold und Lorbern bringt. Bärde 
Unelgentlih, nennt man in ber nichrigern Sprechart ben Mift ber 
Safe, wegen einiger Khnlichkeit mit der Frucht dieſes Baumes, 
Schafsiorbeeren ober bloß Lorbeeren, 

Rorbeergrün, adj. m. adv. bei den Rächer, eine ins Bränltdhe fallen 
be Farbe, bie aus blau und gelb beflehet, indem man erſt gelb und 
dann blau färht. 

Der Lorbeerhain, — s, 24. —e, ein aus Borberren ober Lorbeen⸗ 
bdumen befirhenber Dain. 

ADas Lorbeerbaupt, —es, 9. —häupter, ein mit Lerbeeren 
ober Boebsergrrigen befrängtes Haupt. polls Yorberrhaupt. Une 
eigentlich, der mit Eorberen bemahfene Gipfel eines Wirges, 

wu _ wie einft . 

Der Bott in buperborifhe Malbungen 

Won Putbes Lorbeerhaupt mit tenreich 
Hallendem Shwanengrfpann einperfube. Wo. 

Das Rorbeerhol;, —t8, 9. u. bas Holy des korbeerbaumes. Ver— 
fteinerte® Korbeerbolz (Daphniter), 

Die Lorbeerfirfche, 24. -n, f. Kirfihlorbeerbaum. 

Der Lorbeerfranz, — s, 3. —kraͤnze, ein Kranz von korbeer zwei⸗ 
gen ober Eorbrerbiättern, 

Das Lorbeerfraut, —s, DM. u. ein Rome 1) des Kellerhalfen; 
=) bes gemeinen Epheus. 

Die Lorbeerfrone, 8. —n, fine Krone von Lorbeerzweigen. &ties 
ler. „Gr ſprachs und ſchwang ſich mit ber Lorbeerkrone himmels 
on.“ Bensel;Öternau. 

Das Lorbeeröl, —r, 0. 24. f. Porbeere. 

Die Lorbeerrofe, 8%. —n, ein Oftindifches giffige® Sewaͤchs, beffem 
purperfarbige Biume einen fünftheitigen Lerch zeigt, trichter ſoͤrmig 
ift, fünf kurze Staubfäben mit pfeitförmigen Staubbeuteln und eis 
nen abgeftupten Staubweg bat (Nerinn oleander L.). 

O 2orbeerfühtig, adj. u, adv. bes größte Werlangen nad beim 
Borbeer, cher Borbeerfrange b. h. nach Auszeichnung un) Rahm em 
pfindend, an ben Zug Legend, „— auf deinen lorbeerfüchtigen Kopf. 
3.9. Ridter \ 


Lor 


147 


Los 





Der Lorbeerwalb, —es, By. — waͤlder, ein aus korbeeren ober dor⸗ 
beesbhunden beftebender Wald. 
Die Lorbeerweide, 4 —n, ſ. Baumwollenweide. 


Die Lorbeerwinde, 2%. u. das kleine Cinngrän, Immergein. sc 
(Vinea minor L.). 


Der Lorbeerzweig, —es, 9. —t, ein Bibeig bes Lorbeers oder Lor⸗ 


Berrb umes 

+ Der Lorch, — s, 9. —r, der Haubentauchtr ober Merch (Co- 
Iymibus eristatus L.). 

+ Der Lorchbaum, f. Lerchenbaum. 

Die Lorche, 4. —n. 1) Eine Art fhmarzer Pilze, melde um bie 
Kirferftiite wachen; aud, korken, kauriken, Laurigen. =») 4 @in 


Name ber Trüffeln, Erdinorheln, 3) + Der Lerchendaum. 
Lorchen, —$, ſ. Lenore. 


Das Lording, —E, 9. u. bei ben Sqchiffern, vierbräptiges Schie⸗ 


mannegara. 


+ X 2ören, v. intrs, ein rauhen, eintöniges Geſchrel erheben; RM, D. 
grölen. So rufen fie mid aud nit an von Herzen, londern 
lören auf ihren kagern.“ Hoſ. 7, ı4. D. Loͤren. 

korenz, ein Mannetaufname, der in O. D. im gemeinen Leben im 
Lenzel verändert wird. Im R; D. ſagt man X einen krummen Kos 
renz machen, für, eine tiefe Berdeugung maden. 

Die Lorenzbirn, 99. — en, eine Corte Birnen, Nemmich. 

Das korenzfraut, —eb, By. u. 1) Die Güldenzäufel, Bergaänfel (Aju- 
ga pjramidalisL.). a) Die Schwalbenwurz, Giftwurg (Asclepias L.). 

Der Borenzroggen, —#, 0. 9%. der Roggen, wahrſcheinlich fofern er 

" am Boremztage audgefiet wird. 

4 Der Lork, —es, ip. —e, im R. D. die Kröte, In der niebeie 
gm Sprechart bedient man #4 baſelbſt dieſes Wortes als eines pb: 
beihaften Schimpfworte. 

2. + Die Lorke, 94. —n, sine träde gäftige Fiäffigkeit, beſenbers 
ein trübes unfhmadhaftes Getränk. S. Lauer. 

2. + Die Lorfe, 24. —n, im gemeinen Leben mander Gegenden für 
Poflen wie ud für Brillen. ° Bei Anbern Lorre, Lurre. 

3. + Die Lorke, ſ. Lorche ). 

X Das Loroͤl für Lorberoͤl, ſ. Lorbeere. 

t Die Lorve, 4. —n, bei bem Bogelſtellern, bie eingefäntttnnen 
‘ Bewinde an ben Befteln. 

1, Das Los (gebehut), —8; .—e. 1) Ein Stäbchen, eine Kugel, ein 
Bettet ober fonft ein auf gemiffe Art bejelchnetes Ding, deſſe n man 
fi als eines Mittels bedient, bet vorzunehmenden Verthellungen, unb 
in ungewiffen ober flreitigen Sachen und Fällen. durch den Zufall 
ober das Ungefähr entiheiben zu Laffen. 
fin, Meine Stäbden, deren man ſich ehemabte dazu dedlente ober 


Surfel rc. binmwerfen, unb nach ber Art und Weiſe wie biefe Körper 


duch das Ungefäpe fallen zc., eime Cache entſchelden. Se wir das 
Los fänt, fa mie das Ungefähr dur das gewählte Beiden über 
Witte entfheidet. Im engerer Bebrutung verſteht man bei Bläde: 
fpielen und Ausfpielungen unter Los sine Zahl mit einer Nummer 
aus einer beflimmten Menge folder Zettel, wofür man eine gewifie 
“ &umme Gelb bingiebt, um fie entweber gang ober zum Theil zu vers 
Tieren, ober wenn bas Ungefähr die auf dem Zettel befindliche Rums 
mer teifft, eine größere Summe ober etwas was den Einſat an 
Werth übertrifft zu gewinnen, Ein Los im Bofunss’piele (Lotte- 
rieiod) taufen. Dies Los Hat gewonnen. Die Lofe ziehen (die 
Lotterie zieben) durch bem Zufall entfhelben Laffen, wer auf fein 
206 gewinnt ober verliert. =) Die Wahl und Entſcheidung einer 
Sache durch bas Ungefähr, Etwas durch dar Pos entfhelten. (tr 
was dem Loſe überlaffen, Das Los if gefallen, Bas Ungefähr. hat 
ent/hieben, ober überhaupt, es iſt entfhieben. 5) Daajenige, was 
ber Zufall Austheilet , fomel etzentlich in Giückeſolelen, in Aus their 
lonarn, wo man den Zufall ſchalten läßt 2:,; als auch unrigenttich, 
von jeber zufälligen Werinderung, und jeder Reife won Werände runs 


Das Los über etwas wer: ' 


gen, welche man nicht ſelbſt Herbeigeführt Hat, und melde man nicht 
vorher fehen konnte. Das große Los gewinnen, Ben hödften Ber 
winn. Selbſtbetrug und Shorheit find ber Menſchen Los,“ find 
ihnen zu Theil geworden. Zimmermann, „Das giätiihfte Bos 
es Reichthume, ber Höheit und Ehre ift unbetänbig." Geillert. 
Mt feinem Lofe zufeieden fein, mit dem was ber Zufall bringt ober 
gebrat Hat. 
Als bie Ratur die Geſchlechter ſchied und jebemein Kos gab. He ede r. 
Slaubt ihr, bie Goͤtter miſchten ungtrecht 
Des Schickſala Loſe? Derf. 
Bas aud mein Los fein mag, b. h. was mid auch Brüdlihes ober 
Unglädlides tr: ffen mag. 
Zu geädtih! wenn ih bann has Los erhielt, 
3% Unbeſtechlicher, mit milden Haͤnden 
Die theuren Urnen und Zripoben ausjufpenben, 
Den eblen Barben, bie gefpieit. Ramier, 
Häufig wird dies Wort mit boppeltem 0 geſchrieben, was aber üben 
_ fläffig if, ba das einfache gelinde 8 am @nde bie Dehnung bei © 
ſchon abthig macht, 

2. Das Los, —s, 84. —e, in beg Sqhifferſprache, ein jedes Stuͤc 
ober Ding, welches zwiſchen zwei andern los hängt. Auch bas Tau 
awiſchen — Anker und Schifſe wird Los genannt. 

und balb in bem Votſchiff 

gerad eh ein Eos, Halb forfhend des Stahis Abweichen und Reli 

gung. Baggefen. 

Eos, —er, —eſte, adj. u. adr. 1) &o viel ale loder, fowol in fels 
nen Theilen als auch mit andern Dingen nit feſt ———— 

gend, auf eine fehlerhafte Art beweglich. Gin loſer Zahn, ein 
mwadelnder. in lofer Stein, In ber Mauer, ber mit den übrigen 
außer Berbinbung ift, fo daß man ihn herausnehmen Kann. Kofe 
Haare, ungebumbene, bie frei berabhangen. Etwas nur ganı los 
ober loſe befeſtigen, fo daß es leicht getrennt, abgenommen werben 
Kann ıc, Etwas los einpaden, nit fift an einander ober in eine 
Sache, ſondern fo daß es fih bin» und herbewegt. Lofes Brot, 
loderes, leichtes. Uneigentli, leichtfertig, leichtſinnig, in welcher 
Bebeutung, es aber loſe lautet. S. d. a) Dre Befeſtigung, ber 
Berdindung mit einem andern Dinge beraubt,. ſewol eigentiih von 
&iner Eörperlihen Befeftigung, als auch uneigentli von einer fitts 
hen ober bürgerlichen Berbinbdung ; wie auch, von einer Verblndlich · 
keit, einer Cinſchraͤnkung, einem Zwange ıc. befreiet. Einer Sache, 
einer Berbindlichkeit los unb ledig, einer Sacht beraubt, von einer 
Berdindllqhkelt befreiet. In engerer Bedcutung gebraucht man es 
von Dingen, wenn man fie, im ihrer ſchnellen Bewegung, in ihrem 
Laufe durch einen koͤrperlichen Zwang aufgehalten, von diefem Bwange 
befzeiet und fie ihrer Geſchwindigkeit überläpt, wie in loslaffen, 
loamachen, losbinden ıc.; und uneigenttih bon Dingen, die plößs 
lich in ſchnelle Bewegung, Veränderung geratfen, wie in losgehen, 
foßplagen x. In ber Schiffaher Heißt, der Anker ift los, ex hält 
nüht, wird fortgefäleppt. Los Überall! ift ein Befehl, bie Bor: 
dings und Beitaue aller in der Bei hangenden Segel lodzumaden, 
wenn fie alle piöglih beigelegt werben follen. Gin Lofer Kiel, fo 
wiel als ein faller Kiel. ©. Kiel, Lofes But, auf den Schiffen, 
Alles was man on Runbholz, Segeln, Tauen und andern auf ben 
Säiffen unentsehstihen Dingen für ben Nothfall auf bie Neife mite 
nimmt. Lofe kaken. S. Luke. Gin Iofer Waſt, der noch unges 
tafett it und im Schiffe Iofe ſtehet. Ein loſes Scharf. S. Scharf. 
Gin loſes Stag, ein Stag, welches dem rigentlihen @tage jur 
Hölfe und Verdoppelung bient. in lofer Hinterfieven. S. Hin 
terſteven. Im biefer zweiten Berrutung koͤmmt es ſehr häufig Im 
Bufammenfegungen vor, bie mit Grunbwörtern und Xusfagewirtren 
gemacht werden. In ben mit Grundwoͤrtern gebildeten befdimmt 
[08 feine Stelle am Ende bes Grunbworted. Ws wird dann rntwe: 
ber ummittelbar an bad unverändest geblichene Wort angehängt, 


Los 


wie in beiſpiellos, bauerlos, ſruchtlos, geisiffenios, heillos, kraft⸗ 
los at. odtr das Endee ober Cadeen bes Grundwortes wird vorher 
weggeworfen, wie in ehtlos, endlos, huͤtflos, lieblos, leblos, 
ſchadlos ıc.; oder endlich dem Grunbmworte, wem es ſich z. B. auf 
ung oder eit enbiget, wirb, bes Wohlklangs wegen, nod vorher ein 
% angehängt, 3. B. bebeutungsios, hoffnungeios, arbeitslos, 
freiheitelos ze. Aus allen diefen mit los gufammengefegten Mörs 
tern laſſen ſich mit ber Silbe keit, welcher bie Bilde ig vorgeſetzt 
wird, eben fo viele neue Wörter bilben, 4. B. Arbeitsloſigkeit, 
Beiſpielloſigkeit, Ehrlofigkeit, Futchtloſigkelt 1. In der Ders 
bindung mit Musfagemdrtern, wo es häufig bie Bedeutung von ab 
hat, wirb [06 in ben meiften Fällen richtig als Ein Wort mit bems 
felben zufammengejogen, ehgleih Ab, dieſe Bufammenfegungen nit 
für echte gelten laſſen win! 
tung bezeichnet und für zu fichet, darf es mit dem Ausſageworte 
nicht zufammengefeht werten, Auf jemand los geben. „Als wollt 
er auf einen Zodfeind los ſtuͤrzen, fprang er auf. Meißner, (R.) 
Üuf einen los bringen, auf ihn einbringen, Därauf 108 laufen, 
zennen, zeiten, fahren ıc, - Kuf eimen 108 ſchlagen, lot dreſchen ic. 
mit Gälägen auf ihn eindsingen.. „Auf mid würden fie alle los 
hadın.* Ungen. (#,). * u. 
— — — und peitſchten ins Geſecht 
Auf Tydeus Cohn bie ſchnellen Roſſe loßs. Bürger. (R.). 
Kuf etwas des Ienfen, darauf hinlenten, „Der Graf lenkte fein 
Dferd gerade barauf los.“ Meißner. (R.) Wadern auf’elfen los 
Ihimpfer, feine Shimpferden gegen ibn richten, . j 
und fdimpfte weiblich los auf ale Weifterfcher, Wieland. 


Rue friſch darauf los, nur zu, mir angegriffen, zugegeiffen ıc. @&o 


fagt man im gemeinen Leben auch, feifh darauf los eſſen, jeine 
Esluſt auf bie Speiſen richten und fo lange eſſen als man fan 
unb mag, bis nichts mehr ba ift ıc. Auf ähnliche Art wirb es noch 
mit vielen andern Ausfagemörtern gebraucht, mo es aber mit den— 
felben niht zufammengesogen wirb. 
fammengefepten Ausfagewörter folgen Hier zus Erſparung bed Maus 
mes und zur ſchnellen Überfiht ſoglelch Hinter rinander. 


‚ Rosadern, w trs. buch Adern ober vermittelſt bes Pfluges aufer 


Berbindung und Iufammendang von einander bringen. D. Los: 
adern. D. —ung — Losarbeiten, v.trs durch Arbeit, durch 
angemendete Mähe von einer Sache trennen, außer Berbinbung fegen. 
So auch, fih losarbeiten, fid duch Anftrengung feiner Kräfte loss 
machen, befreien; eigentlich und uneigentlich. Sic von einer Sand⸗ 
bank Iodarbeiten, Der Verſtand arbeitet ſich von ben Feſſeln des 
Aherglaubens los. D. Losarbeiten. D. —ung. — Losbacken, 
v. ntr. ungegelm, (f. Baden) mit fein, im Baden Losgrien, ih 


abiöfen, vom Brote, wenn bie Riude deſſelben fih vom ber Krume _ 
gen, buch einen Drud losgehen maden, 


abloͤſet. Die Rinde, auch, dns Brot it lotgebaden, D. Posbaden. 


— Losbegehren, v. tra. begehren, daß eine Perſon oder Bade ., 


losgegeben ober losgelaffen werbe. D. Losbegehren. — xXLos⸗ 


beichten, v. intrs. u. trs. ohne längere Zurückhaltung bas Beichten 


anfangen und mad einander beiten. D. Loabeichten. — Lob: 
beißen, vw. trs. unregelm. (f. Beißen), vermitteit der Zähne 
bie Berbindung einer Sache mit der aubern auffıben, fie baron 
trennen. Sich losbeißen, ſich durch Zerbrißung ber Bande 2c, her 
feeien. D. Kosbeißen. D. —ung. — Bosbefommen, v. trs. un 
zegelm. (f. Bekommen), f. Losbringen. — Losberſten, v. ntr. 
anregelm. (f. Berften) mit fein, berſten und losgehen. D. Koss 
berfien. D. —ung. — Loöbetteln, v trs. durch Betteln, ans 
Baltendes und bringenbes Bitten bie Loslaffung, Bosgıbung ober Be; 
feriung einer Derfon oder Bade von etwas Unangenehmem erlangen 
ober zu erlangen ſuchen. So auch ſich Losherfein (M.), feine eigene 
Losiaffung, Befreiung buch Bıttein bewirken; edler und vom menis 
ger dringenden Bittim gebraucht, iſt losbitten. D. Losbetteln. 
D. —ung. — Losbinden, v. irs. unregelm. (ſ. Binden), burch 


148 
edſung der Banbe aus feiner Werdindung mit Anderem beingen, frei 


‚ Berbreher vom Schandpfahle losbinden. 


tigkeit ſichtbar, merkbar werden, eintzeten. 
Mich in dem Falle, wo los eine Ride . 


Die gewoͤhnlichſten mit [08 zus _ 


Los 


mahen; eigentlih und uneigentlih, Den Hund losbinden. Einen 
D. Lostinden. D. 
—ung. —  Losbitten, v.tes, unregelm. (f. Bitten) f. Loebet⸗ 
tein. D. Kosbitten. D. — ung. — O Lodblättern, v. I) tes, 
blattweife losmachtn, losreifen. II) rec. Sich iosblättern, blatt: 
weiſe Tosgehen, abſallen. 

da blaͤtterte los ſich vom Zweige 

Manche Roſe, fo auch dorrie bie Relke dahin. Böthe. 

D. Losblaͤttern. D. — ung. — Losſbrechen, v. unzegelm. 
(f. Brechen). I) ntr. mit fein, durch einen Bruch aus feiner Wer 
binbung mit Auberem kommen. Uneigentlich, plöglih und. mit Hef⸗ 
Da brach bas Ungt⸗ 
witrer über ihn los. IE) intrs, mit fein, ohne längere Zurädfhals 
tung frei und heftig ſich außern, ſprechen. Ran konnte er fih nicht 
länger halten, er brach lot, Bei den Tägern brechen bie Hirſche 
und Sauen [06, wenn fie aufgejagt ihr Bager verlaffen mäflen. Illjtrs, 
durch einen Bruch außer Berbindung mit etwas Anderem fetzen, bavon 
adfonbern. . D. Yosbrehen. D. — ung. — Loöbrennen, (&.) 
v. unsegelm. I, trs. (f. Brennen), bush Brennen Ioshringen ‚Los: 
Machen. Beſonders von Reuergemehren, durch Entzuͤndung bes Puls 
vers bie kabung aus bemfelben hinaudtreiben. Kuh, ein Feuetwerk 
losbrennen, II) utr, mit fein, losgehen, von Beuergewehren, D. 
Loebrennen. D. —ung. — Losbringen, v. trs. unregelm, 
(f. Beingen) darch Anwendung feiner Kräfte, durch wieberholte Ber 


muͤhung und durch Anwendung von Bitteln bewirken, baf etwas aus 


feines Berbinbung mit einer andern Sadıe gexathe, daß etwas leagegeben 
ober lotgelaſſen werbe 1c. ; auch loßbefommen, und in ber gemeinen 
Eprehart loskriegen. D. Losbringen, D. —ung. — Losbroͤckeln, 
v. nir. (.) für abbroͤdeln. D. Losbtoͤckein. D.— ung. — Los 
bürgen, v. trs. durch feine Bürgfhaft losmachen, beferim,  ' 

Deswegen man ihm Macht gegeben, 

Die Lotterbuben aufzuheben, . 

Ohne fie wieder loszubuͤrgen 

Außer durch Ropfhweif, Karen und Schergen. &oltan. (R.). 
D. Losbürgen. D. —ung. — X Losbonnern, v. intrs, fer 
nen Unwillen ıc. nicht länger zurädpalten, fonbern. frei und mit 
Seftigkeit Kußern. Wenn er einmahl losdonnern wird, fo werbet 


ihr alle zittern. D. Losdonnern, — Losdraͤngen, v. tra. buch 


Drängen losmachen, abſondern. D. Losbrängen, D. —ung. — 
Losdrehen, vw. trs, burd Drehen außer Berbindung mit Anderem 
bringen , abſondern. Einen Knopf losbreben, D. Losbrehen. D. 
—ung. —  Loöbrefhen, v. trs. unsegelm. (ſ. Drefdyen) durch 


.. Drehen Iosmachen, losgehen machen. D.Rosbrefhen, D. — ung. 


— Losprüden, v. trs, bush Drüden, bush einen Brud loshrin» 
Ein Gewehr losdräden, 
durch einen Drud am ber Bunge Iosfhiegen. Als intrs, gebraucht 
man es auch im gemeinen Leben für, ſich nicht Fänger jurädhatten, 
fondern fi äußern, ſprechen, erzaͤhlen. D. Losbrüden. D. —ung. 
— X Losdürfen, v. mtr. unregeim. (f. Dürfen) mit haben, ein 
nur durch Hiuzufügung anderer Ausfagemörter zu erflägcnbes und 
im gemeinen Erben Üblihes Wort, für Isdlommen bürfen, locgege- 
ben, losgelaffen werben dürfen ıc. D. Kosbürfen. — Loßegen, 
v.trs. mit bir Ege losmochen, durch Egen abſendern. D. Losegen. 
D. —ung. — Loseifen, v. trs. aus dem Gife loamachen. Ein 
Schiff loseifen. Uneigentlich gebraucht es Rofegarten für frei 
maden. D. Loseifen. D. —ung. — Losfabren, v. unzegelm, 
{f Kabren). I) ntr. mit fein, plöplih und ſchnell aus ber Verbin⸗ 
bung mit etwas Anderem geratben, getrennt, abgefonbert werden. II) 
intes. mit fein, ohne Zurudhaltung plöhlich und eftig fagen, fpreden. 
Er fuhr damit los. Gewoͤhnlicher herausfahren. * III) tes. durch 
Babrın, fahrend Tosgehen mahen, abfondern. D. Losfähren. — 
Lesfaulen, v.ntr. mit fein, durch Fäulnig deg verbindenden Thei 


RB 5 


anfer Berbinbung mit Anderem gebracht werben. D. Losfaulen. 
D. —ung. — Losfeilen, v. trs. vermittelt der Geile Ioshringen, 
loamachen. D. Losfeilen. D.—ung. — Losfeſſeln, v.trs. aus ben 
FJFeſſeln frei laſſen, entfeffein; ſchon bei Gtieler. Unter neueren Schrift⸗ 
Reden hat es Lafontaine gebsaudt, 3, D. Losfeflein. D. 
— ung. — Losſsfeuern, v. tes. von Feuergemehren, fo viel als 
Iosbeennen,, abfeuern. uneigentlich und als intrs. fo viel als los⸗ 
bonneen; im gemeinen Beben, D. Losfenern. D. —ung. — 
Losgeben, v. trs. unregelm, (f. Geben), aus feiner Gewalt und 
von fi geben, frei gröen, in Freiheit laffen. Einen Gefangenen, 
Berbrecher losgeben. Gin gepfändetes Stuͤck Bich Iotgebn. D. 
Yosgeben. D. —ung, — Loögchen, v. ntr. unzegelm. (f. 
Gehen) mit fein. 1) Außer Berbindung mit Anderem geraihen, 
bavon abgefonbert werben, ſich bavon verlieren. Das Brett ift los⸗ 
gegangen. Dex Kalk gehet los, von ber Wand, fält ab. Diele 
Farbe gehet los, wenn fie naf wird ıc, =) Plöglih in ſchnelle Bes 
‚wegung geraten, feinen Anfang nehmen. Run ging das Banten, 
Streiten ıc. von aeuen los. Rum gehet es los. Gin Gewehr gt: 
het los, wenn es unvermuthet vom ſelbſt abbrennt. D. Losgeben. 
— X Lußgurgeln, v. I) trs. durch Burgeln loshringen. Schleim 
losgutgeln. IT) intrs. plöglih und ſtark anfangen zu gurgeln, zu 
flogen” &. Burgen. D. Losgutgeln. D. — ung. — Losguͤrteln 
und Losguͤrten, v. trs. durch Söfung bes Suͤrtels ober Surtes Lot: 
machen, abnehmen. D. Losgürteln, Losgärten. D. — ung. 
— Loshacken, v. trs. durch Haden, mit der Hacke loshringen, 
losmachen. D. Loshacken. D. —ung — Losbalen, v. tes. 
vom Balken nehmen, wie au, durh Auf: und Auspebung bes Has 
tens loslaffen, geben Laffen. D. Eoshaken. D. —ung. — ob: 
halftern, v.trs. bush Abnehmung der Dalfter losmachen, Toslaffen, 
D. Lobhalftern. D. —ung. — Loshämmern, v. tre. vermits 
telſt des Hammers loabringen, losſchlagen. D. Loshaͤmmern. D. 
—ung. — X Eoshaspeln, v. trs. Sich loshaspeln, ſich buch 
gewaltfane Bewegung ber Arme und Fuͤße, durch Anfirengung lot: 
machen, befreien. D. Loshaspeln. S. Haspeln. — Loshauen, 
vw. trs. unregelm. (f. Dauen), vermittelt eines Werkzeuges zum 
Hauen aus ber Verbindung mit Anberem fehen, abfondern. Auch 
wol als intrs, fo viel als zubauen. D. Yoshauen. D. —ung. — 
£oöheilen, v. I) ntr, mit fein, dur bie Heilung und mit ber 
SDeilung losgehen, Der Schurf iſt loßgeheilet. II) tes. durch Hei⸗ 
lung losgehen machen. D. Kosheiten. D. —ung. — oshelfen, 
vw. intrs, unregelm. (f. Helfen) duch feine Hülfe Iosbeingen, Los: 
kommen machen, befrelen. Einem loshelfen. Finem Schiffe, das 
auf einer Sanbbant,tiegt, loshelfen. D. Loshelfen. D. —ung. — 
j Loshuften, v.trs. bush angeſtrengtes und mwieberholtes Huften los⸗ 
bringen. Schleim loshuften. Uneigentlich gebraudt es 3.9. Mid 
ter für, huſtend vorbringen, ober Überhaupt für vorbeingen: „Pers 
fonalien nirfen und loshuflen." (A.). D, Loshuften. D, —ung. — 
Losfämpfen, v.trs. bush Kampf losmachen, befreien. „Der mid 
von ber Inzicht Tostämpfter Mihaeter. (M.). D. Lostämpfen. 
D. —ung. — Lodfaufen, v. trs. durch Erlegung eines Eifer 
gelbes ober einer Sache von angemeffenem Werthe aus der Gewalt 
eines Anbern in feine eigene bringen, oder Überhaupt nur dadurch 
aus ber Gewalt eines Andern bringen ober von einer läfligen Vers 
binblichkeit ꝛc. befreien. Ginen Gefangenen loskaufen. So aud, 
fi loskaufen, fi durch @rlegung eines Loͤſegeldes ıc. in Feriheit 
fegen, von einer laͤſtigen Verbinhlichkeit beferien ıc. Sich vom Sol⸗ 
batenbienfte loskaufen. D. Lotkaufen. D. —ung. — Loskeis 
len, v. tra. vermittelt der Kelle oder durch Keilen Ioämaden, lcd» 
bringen. D. Loskeilen. D. —ung. — Losketteln, v. trs. 
durch Abnehmung ber Kettel losmachen. D. Losketteln. D. —ung. 
— Losketten, v.trs, (M.) buch Abreimung ber Ketten losmachen, 
von ber Kette laffen, befreien. Einen Berbecher, einen Hunb les⸗ 
fetten, uneigentlich, A aus einer fehr engen unb feften ober auch 


149 





Los 


beſchwerlichen, bie Freihelt beſchraͤnkenden Berbindung bringen. 
Bo ihr Seiſt von ſeiner Skladenkette 
Losgekettet ward. — — 25btty. 
So auch, ſich losketten. D. Losketten. D. —ung. — X Lob: 
knallen, v. I) ntr. mit einem Kaalle losgehen, von Feuerge: 
wehren. II) trs, mit einem Amalle losfhiegen. D. Losknallen. — 
Losknuͤpfen, v. trs. durch Auflöfung des Knotens losmachen. D. 
Lostnuͤpfen. D. ung. — Loslommen, v. ntr. unregelm. 
(f. Kommen) mit fein, aus einer bie Freiheit beſchraͤnkenden Lage, 
aus einer Iäfigen Verbindung, aus einſchraͤnkenden beſchwerlichen 
Berhaͤltalſſen kommen, gelangen. Dee Gefangene ift losgekommen. 
Bon einer Perfon, vom einer Sade loskommen. Bon feinen Ge 
füäften feinen Augenblick logskemmen können. D. Loskommen. — 
x 2osfönnen, v. ntr. unregelm, (f. Rönnen) mit haben, fo wie 
dürfen, losfommen Einnen. Er kann nidt los, von ber Kette, 
feinen Gefchäften ıc., ex wirb dadurch zurädgehalten, in feiner Breis 
heit befhränft c. D. Lostönnen. — Lodfoppeln, v. tra. von 
der Koppel losmachen. D. Koskoppein. D. —ung. — od: 
Frallen, v. trs, mit ben Krallen Iosmaden, lostragen. D. Labs 
krallen. — Loskratzen, v. trs. durch Kragen mit den Nägeln 
ober einem MWerkjeuge losbringen. D. Loskrahen. D. —ung. — 
X Loskriegen, v. trs. fo viel als losbringen. Uneigentliä fagt 
man im gemeinen Eeben, man Einne nichts von einer Sache leoskrie⸗ 
gen, wenn man fie nicht begreifen, verſtehen, ihr keinen Gefhmad 
abgewinnen ann. D. Loskriegen. — + Loskündigen, v. ter. 
für aufländigen. D. Loskuͤndigen. D. —ung — Los⸗ 
laffen, v. trs. unregelm, (f. Laffen), aus feinee Gewalt, feiner‘ 
Verbindung Taffen, gehen laffen, in Freiheit laſſen. Den Etrid, 
einen ben man fefihält, loslaſſen, ihm nit länger halten, ihn fahs 
zen, gehen laffen. Einen Gefangenen, Sklaven ac. foßlaffen, in 
Freipeit laſſen, ihm die Freiheit geben. D. Loelaſſen. D. —ung. 
— X Loblegen, v. trs, eigentlich, Idfen und hinlegen, abgefonbert 
Isgen. Dan gebraucht biefes Wort aber nis intre. im gemeinen 
Sehen für anfangen, mit gewiffen Rebenbegriffen; banı auf, für 
bavonlaufen. ; 
Mit biefen Worten Legt’ id los, 
Und Lief wol tauſend Schritte meit. N. Feofhmäusier. 
D. Rostegen, D. — ung. — Loslügen, v. tis. durch Lügen 
losmachen, von einer laͤſtigen Werbindlichkeit befreien, buch Lügen 
in Freiheit fegen. So auch, ſich losluͤgen. D. Boslügen. — Lob: 
machen, v.trs, überhaupt aus der Verbindung mit etwas Anderem 
beingen, bavda cbfonbern, trennen, entfernen, ohne bie Art und 
Weife näher zu beffimmen. Etwas losmachen. Das Mood von 
den Bäumen, bie Rinde von dem Stamme sc, loamachen. Das 
Harz, ben Schmuz ıc. losmachen. 
Der Wind macht bald fie von dem Schiffe Ich, Wieland; 
d, h. entfernt fie bald von bemfelten. Ein Segel losmachen, das 
Gegel bloß in ben GBeltauen bangen laffen, bamit ed, wenn auch 
biefe Iosgelaffen werben, fogleid; beigefegt werben Einne. Uneigent⸗ 
lich, aus einer beſchraͤnkenden Lage, laͤſtigen Werhältniffen , Berdin» 
dungen und Berbindlichkeiten it. gelangen machen, bifreien. So 
auch, ſich losmachen. Bei den Mahlern Heißt, Segenſtaͤnde auf 
einem Gemaͤhlde losmahen, fle fo barflellen, als wären fir von 
ber Reinwaonb ıc, los und als Finnte man um fie berumgeben, fle 
wohl entwideln, welche Darſtellung ein Semählde vollkommen maht 
und bie Zäufhung vermebrt. Die Fermſchneider verſtehen unter . 
losmachen birienige Arbeit, wenn fie Felder oder Stellen, melde 
iter gemacht werben follen , fo zubereiten, nämiih am Ranbe neben 
den Bögen und Umriffen ein wenig Holz wegnehmen, dab fie jene 
Belber ober Stellen wegnehmen oder leer maden Binnen, ohne Ger 
fahe zu laufen, die Züge und Hmeiffe zugleich mit weggunehmen. 
D. Losmachen. D. —ung. — Lokmeißeln, v. trs. vermittelt 
bes Meißels losbeingen, abſondern. D. Losmeißelm D. —ung. 





208 


— X Losmögen, v. intrs. f. Loswollen. — X Losmäffen, 
w.ntr. unzegelm. (f. Müffen) mit haben, wie Iodbärfen nur durch 
eine Xuslaffung zu erliären, für losgegeben, Iosgelaffen werben 
müffen , Ioätommen möflen, Ih muß los. Er muß los. D. Les⸗ 
müffen. — Lospeitſchen, v. trs. u. intrs, mit der Peitſche los⸗ 
fhlagen. D. Lospeitſchen. D. — ung. — Loöpflügen, v.trs. mit 
dem Pfluge aus feiner Verbindung bringen, trennen, abſondern. Die 
Burzei eins Baumes Loßpflügen. D. Lospflügen. D. —ung. 
— x Boöpiden, v. tr. durch Piden loshringen. D. Lospiden. 
D. ung. — Losplatzen, v. ntr. mit fein, plagend von etwas 
abgelbſet, getrennt werben, Uneigentlid und ald-intrs. ohne Aus 
rüdhaltung, wie auch ohne Überlegung, undedachtſam gerade heraus 
fagen. Es fehlte wenig, fo wäre id losgeplatzt umb hätte Alles 
verrathen. D. Losplagen. — Rosplägen, v. tes. losplafen mas 
qhen. D. Losplaͤtzen. D. —ung. — Lospochen, v. trs. barch 
Pechen losmachen, lotbringen. D. Lospochen. D. —ung — 
Lospraffeln, v. ntr. mit fein, praffelnd losfahren, losgehen. D. 
Lospraffein. — Lospruͤgeln , v. trs. u. intrs, mit einem Prögel 
Tosihlagen, und Überhaupt Losfhlagen. S. db. D. Kosprägeln. D. 
— ung. — Losraspeln, v. tes. mit Hülfe ber Raspel lorbringen. D. 
Losraspeln. D. —ung. — Loßraffeln, v. nir. mit fein, raſſelnd 
lesfadren. D. Kosraffeln. — O Losraufhen, v. ner, ı) Mit 
fein, rauſchend losgegen, fih trennen. =) Mir haben, raufgend 
Tongeben b. h. vor fih geben, angeben, anfangen »— und bie 
fonderbage Muſik gab bem immer wieder von vom anfangenden unb 
losrauſchenden Zanze bei jeder Wieberholung einen neuen Stoß.“ 
D. Los rauſchen. — Posräudpern, v. trs. durch Räuspern losbringen. 
Schleim loträuspern. D. Yoträudpern. D.—ung — Loßreiben, 
v. ters, untegelm..(f. Reiben) darch Meiten Iosbringen, losmachen. 
D. Kosreiben. D. —ung. — Losreißen, v. unregelm, (f. Reir 
'fen). I) ntr. mit fein, durch einen Riß, durch eine Gewalt fhnell 
aus feiner Verbindung gebracht, getrennt werben. Der Faben ift 
Iosgeriffen. IT) txs, zeißend ober mit heftiger Wewalt Toamaden, 
von etwas abfondern, Die Cha von einem Bude, bie Häle von 
einer Sache iosreifen. Sich losreifen (K.) uneigentlih, fi mit 
Gewalt aus einer genauen Berbinbung, aus bindenden Berhältniffen 
begeben, ſich gewaltſam von etwas trennen, Sich aus einer Umar⸗ 
mung loßreißen. Sich von feinen Befhäften losreißen Gi von 
einer angenehmen Geſellſchaft losreifen. 
Bon einer Kunft, bie Golb und Lorbern bringt, 
Sich loszureißen? — — Bürbe, 

D. Losreißen. D, —ung. — O oßretten, v. trs. seiten, bes 
freien. Sich losretten, fi befreien und retten. Thedge. D. 
Losretten. — Lodringen, *. trs. u. rec, (K.) unregelm. (f. Rins 
gen). mit Muͤhe und mit Gewalt Iosmahen, befreien, trennen. 
Sich von einer Sache, einem Fehler ıc. losringen. 

— ber mutbig weiß fich loszutingen. 3. A. Eramer, 

Freiheit ruft bie Vernunft, Freiheit die wilde Begierde, 

Von dee heiligen Ratur ringen fie Tätern ſich los. Schiller. 
Dann, mit Überwindung von Hinderniſſen entflehen, hervorfommen. 

— Geſtalten hehr und groß 

Ringen ſich, ben Göttern Dank zu jollen, 

Zief aus Ginnungapas (des Weltabagrundes) ungrund los. 

"K.2 A. Maͤnchhauſen. 

D. Lesringen. D. —ung. — Losrupfen, v. trs. rupfenb loemachen, 
Issbringen, D. Loſrupfen. D. —ung. — Losruͤtteln, v,trs. durch 
Mötteln lothringea, losmochen. D. Losruͤtteln. D. —ung. — 
x Losfaͤbeln, *. trs. mit dem Gäbel loshauen, D. Losfäbern. 
D. —ung. — Posfagen, r. trs. fo viel als Iodfprehen. @inen 
von etwas losſagen. „Es ift genug bir Goͤttinn Ioszufagen, baf 
fie es nit gemeint.“ Wieland, Sid) vom etwas lodfagen, er 
klaären daß man fib einer Sche, Verbindlichkeit entzirke, ſich 
alles Anfprüde darauf begeben. Losfagen unb losfprechen fellten 





.150 


‚gen ift Tosmadhen. 


208 


eigenttih unterfchieben werben. Mean fagt fi von einer Merkint: 
lichkeit (08; einen Anderen aber fpricht man davon lot. D. Yaris: 
gen. D. —ung — Lodfägen, v. trs. vermitteift der Säge bit: 
fSneiten. D. Kosfägen. D. —ung. — Losſſchaben, v. tr. 
bush Schaden losbringen. Es if fo hart, daß fit .ıhts bavın 
losſchaben :ößt. D. Kosfhaben. D. —ung. — Losfcharren, 
v. tes. durch Scharen losmachen, losbringen. D. Yorfharren. 
D. —ung. — Losfhaufeln, v. trs. mit der Schaufel Ioomaden, 
trennen, 

Wenn auch — fon Aber ifm fallen bie bumpfen 

Loegeſchaufelten, nirbergefhmetterten Erbeflumpen. Klopfted, 
D. Losfhaufen. D. —ung. —  Losfhießen, v. unzegelm. - 
(f. Schiefen). I) ntr, mit fein, durch eine heftige Gewalt plöptih 
und ſchnel in Bewegung gefegt werden. IL, trs. ») Durch folde 
Gewalt ploͤſlich in [hnelle Bermegung fegen. Ein Gewehr los ſchie⸗ 
Gen, die Ladung beffelden durch Entzündung bes Pulvers mit Bes 
wait und Schnelligkeit binaustreiben.. =) Durh Schießen Iosbrins 
gen , abfonbern, trennen. D. Losſchießen. D. —ung. — Bose 
ſchlagen, v. unregeim. (f. Schlagen) 1) tra. durch Schlagen, ver ⸗ 
mittelſt eines Schlages loabringen, ab/ondern. Untigentlich, obne 
es länger zuruczuhalten verkaufen, Eine Saare losſchlagen. Alles 
loeſchlagen. IX} intra. ohne längere Inrädhattung ſchlagen, aufs 
ſchlagen, zuſchlagen. &s.fehlte wenig, fo Hätte er losgeſchlagen. 
So auch lospruͤgeln. D. Losfchlagen. D. —ung. — Lot: 
ſchleudern, v.trs. vermittelſt der Schleuder, burd ben geſchleu⸗ 
dertea Stein atc. loebringen. D. Loeſchleubern. D. —ung. — 
Losſchließen, v. trs. unregelm. (f. Schließen), was ange ſchlofſen 
if leamachen, in Freiheit fepen. D. Posfchliefen. D. —ung. 
— £osfchlingen, v. trs, unrigelm. (f. Schlingen) was augefälun: 
D. Losfhlingen. D. —ung. — X Lob 
ſchmeißen, v. trs. unrrgeim. (f. Schmeißen). &. Loswerfen. 
Die Bulien (osfchmeißen, in ber Schifffahrt, bie Bulien ganz los 
eder fliegen Laffen, ohne fie abzufeiern. D. Losſchmeißen. D. 
—ung. — Losfhmelsen, v. I) ntr. uneegelm. (f. Schmelzen) 
mit fein, durch Hige flüffig gemaht vom einer Sache losgehen , das 
won abgefondert werben. II) trs. burh Hige fläfflg werben uns 
lotgehen loffen. D. Losſchmelzen. D. —ung. — Eosfchnallen, 
v. trs. durch Eifung der Schnalle ober ber Schnallen loamachen, abs 
nehmen. D. Losfhnallen. D. —ung. — Loßfchneiden, v. trı. 
unzegelm. (ſ. Schneiden), durch ein Schneidewerkzeug, durch Schnitte 
loabringen, losmaden, abſondern. D. Losfchneiden. D. — ung. 
Losfchnellen, x. I) mtr. mit fein, vermittelft feiner Schneukraft 
Iosfahren. II) trs. losſchaellen machen, buch Schnellkraft in ſchnelle 
Bewegung fegen. Ginen Pfeil losfchnellen. (K.). D. Fosfchnellen. 
D. — ung. — X Losſchnicken, v.trs. fo viel als losſchnellen. D. 
Rosihniden. — Losfähnikeln und Losſchnitzen, v. trs. durch 
Shnigeln ober Schnigın lostringen, abſondern. D. Bosfhnigeln, 


 Rosfhnigen. D. — ſchnitelung, — ſchnizung. — Losfchnüren, 


v trs, was angeſchnoͤrt if Iosınadhen, lodlaſſen. D. Loeſchnuͤren. 
D. —ung. — Losſſchrauben, v. trs. was angerdraudt iſt durch 
Burhddrefung ber Schraube loemachen. D. Foafhrauben. D. 
—ung. — Losſſchuͤtteln, v. trs. burg hätten Iodmahen. D. 
Losſchuͤtteln. D. —ung. — X Losſſchwatzen, v.trs. durch Ger 
fhmäg, liberrrbung losmachen, befreien, So auch, ſich losſchwatzen. 
D. Loeſchwatzhen. — Losſchwenken, v. trs. durch Schwenken Tot 
machen, lesbringen. D. Eosfhmenken. D. —ung — Pot: 
fhwingen, vw. tes, ımergelm. (f. Schwingen), durch Schwingen, 
duch einen Schweng Iomaden, befreien, D. Losſchwingen. — 
Rosfhmödren, v. trs. unrereim. (f. Schwären), durch einen Schwur, 
den man ablegt, losmachen, befreien: beſonders von einer Iäftigen 
Sache, Brbindtichkeit zc. So auch fich torfihmwären, fih durch el⸗ 
nen Schwur ober Eid von einer Berbnriiczkeit ıc, Isemadenr, D. 
Losſchwoͤren. D. —ung. — Loöfein, v. nir. unsegeim. (f- 


Los 


151 


Los 





Sein) mit ſein, von der beſchwerlichen Werbinbung mit etwas bes 
feeiet fein. Bon einer GSefeltihaft losfein. Eine Sade losſein. 
Auch mit bem zweiten Zalle, Einer Laſt loefein. 

Denn fazt, was hut man nicht ein Übel loszufein? Bellert. 
D. Losfein. — Loſſpalten, v. I) ntr. mit fin, fpalten und 
Losgehen. II) trs. fpaltem und losgehen machen. D. Losfpalten. 
D. —ung. — Losfpanfien, v. trs. was engefpannt if losmar 
den, abfpannen,, zusöffpannen, ausfpannen, . 

— — bielt Juno⸗ Schwanenara 
Die Zuͤgel an, fpannt ihre Moffe 108. Bürger. (R.). 
Den Bogen losfpannen , gurädipannen,, abfpannen. D. Losfpans 
nen. D. —ung. — Losfpielen, v. trs, durch Spielen losmachen, 
abfondern. Die Haut losfpielen, von ben Fingern, burd vieles 
Beigen. Dann, burh glädlihes Spicten gleihfam lodmadıen, til: 
gen. Cine Schulb losſpielen. So auch ſich losfpielen, ſich durch 
gluͤctiches Spielen von tinte Schuld ꝛc. lesmachen. Gemöhnlidher 
abfpiefen. D. Losſpielen. D. —ung. — Losſſplittern, v. Intr. 
mit fein, fplittern und losgehen. IT) txs, in Splitterm los/pringen 
machen. D. Kosfplittern. D. —ung. — Losfprechen, v. tes, 
unregelm. (f. Sprechen), durd einen Kuslprub von einer Berbinds 
lichkelt, Beläultigung, Strafe befreien, frei ſprechen. Einen An: 
geflagten losſprechen. Ginen Eehrling los ſprechen, ihn feiner biss 
berigen Verbindlichkeit als Lehrling entlaffen und zum Befellen mar 
den. Sich von etwas loßfprechen, erftären, daß man taran feinen 
Zpeil habe und Haben will. D. Losfprehen. D. —ung. »Daf 
Gonftantin bie Losfprehungen von Leibeigenfhaft für rechtegöltig 
erläste." Denfe. (R.) — Loßfprengen, v. trs. losfpringen mas 
Gen. Ein Felsftäd losfprengen. „Die ganze Hirnſchale war durch 
ben Schuß losgeſprengt.“ Rationalzeitung (R) BD. Los 
fprengen. D. —ung. (R.) — Lodipringen, (R.) v. ntr. un 
zegelm. (f. Springen), fpringen, burd einen Gprung getrennt 
. werben unb losgehen. D. Kosfpeingen. — Kosfpriben, v. trs, 
duch Spripen losgehen machen; auch als intrs. bie Eprige gleiche 
fam Ioslaffen, fie wirken laſſen. D. Losfprigen. D. —ung. — 
Roöfpälen, v. trs. durch wiederholtes Spülen losmachen, abfräfen, 
wegipälen. Der Fluß hat die Erde von ben Wurzeln loageſpuͤlet. 
D. Losſpuͤlen. D. —ung. — Losſtampfen, v. trs, bush Stam⸗ 
pfen lotmachen, loabringen. D. Losftampfen. D. —ung. — Los⸗ 
fteden, v. trs. was angeſteckt, mit Radeln befeftiget if, losmachen. 
D. Loeſtecken. D. —ung. — Losftochern, v. trs. durch Stochten 
losmaden, D. Losſtochern. D. —ung. — Losſtoßen, v. trs. un: 
regelm. (f. Stofen), buch Stoßen, durch einen Stoß Losbringen, 
Iosgehen machen. D. Loeſtoßen. D. —ung, Losſtreben, v. 
intrs, fireben Iosjulommen. D. Losſtreben. — Kosftreifen, v. 
trs, durch Streifen, d. 5. barüber hinfahren, losmaden. D. Los: 
freifen. D. —ung. — Loöftriden, v. trs. (R.) was angeſtrickt, 
b. d. an ben Strick befeſtiget ift losmachen; dann, losmaden, löfen 
Überhaupt. Stridt undermerkt — 
Der fühe Troͤſter alles Kummers 
Das Band der müben Glieder loßs. Wieland. 

D. Losſtricken. D. —ung. — Losſtufen, v. trs, im Bergbaue, 
in Stufen, d. b. großen Bänden ober Stüden losfhlagen; vom Ber 
fein. D. Losflufen. D. —ung. — Losſtuͤrmen, v. intrs, bas 
" Ctürmen beginnen, D. Losftürmen. D. —ung. — Losthauen, 
*. ntr, mit fein, tbauen und losgehen. D. Losthauen: — X od: 
trampeln, v.trs. durch Trampeln lesmachen, losgehen machen. So 
auch lostrampen, lostrappein, lostrappen. D. Yostrampeln. — 
Lodtreiben, v. trs. unregeim, (f. Treiben), wärhe eigentlich heis 
fen, buch Zreiben losmachen, trennen, entfernen. Bei ben Sägern 
abre wird ber Zeug lo⸗getrieben, wenn, indem man bei einem Haupt · 
oder Zreibjagen ins Enge fimmt, Lappen und Täher übrig bleiben 
und von den Stangen ıc. losgemacht werden. — Loötrennen, v. 
tra, bus) Zerſchneldung bes Naht losmachen und überhaupt, losma⸗ 


Gen, trennen. Sich vom jemand loſtrennen, fi von jemand, mit 
dem man genau verbunden war, trennen. „Der General wollte felr 
ner losgetrennten Gattinn ein Denkmahl feiner Büste zumenden.“ 
3. 9. Rıyter. D. Lostrennen. D. —ung. — koßtreten, 
v. irs. unzegeim, (f. Treten), durch Treten, durch einen Keitt los» 
bringen, losmachen. D. Kostreten. D. —ung. — Loswackeln, 
v. trs. durch Wadeln Iosmaden. D. Loswadıln. D. —ung. — 
Lobwaſchen, v. trs. unregelm. (f. Waſchen), durch Wafden loss 
dringen, ablöfen. D. Loswaſchen. D. —ung. — Losweichen, 
v. trs, buch Weiden in einer Fläffigkeit Iosbringen, erweiden und 
lodmaden. D. Losmweihen. D. —ung. — Loswerben, v. ntr. 
unregelm. (f. Werden) mit fein, von einer läftigen Sache, Berdin: 
bung oder Berbindlichkeit befreiet werben. „Alles Ungläds fodıyere 
ben." Luther, (R.). „Kuf-diefe Art werden ich und bu vieler Scrie 
lo8.* Getlert. Auch mit dem vierten Falle, Eine Sache loftiwrrs 
ben. D. Loswerben. — Loswerfen, v. trs. unregeim. (f. Wers 
fen), buch Werfen, burd einen Wurf losbringen. D. Loewerfen. 

—ung. — Loswideln, v. trs, was an einer Sache gemidelt 
if, lesmachen. Uneigenttich, fid) loswickeln, ſich aus einer verwil« 
keiten Soche, aus einer Verlegendeit wideln oder helfen. „Eadlich 
gelang «6 mir, mich [odjumideln.“ BengeltSternau D. los: 
wideln. D. —ung. — Loswinden, v. trs. unzegelm. (f. Wine 
ben), was an eine Bade gewunden und befeftiget if, Iosmaden, bes 
freien. „AUmäplig von feiner Hülle losgewunden.“ Herder. Sich 
loswinden, ſich windend und ale feine Kräfte anftrengenb Iosmas 
Ken, befreien; eigentlich und uneigentlich. „Ihe verſuchtes Loswins 
ben zog ihn aus dem Traume.“ 3. 9. Ridter (R.) 

Iegt wand ih von dem Birmenfhlafe 
Die fhöne freie Serie los. Schiller. 

D. Loswinden. D. —ung. — * Loswirken, v.trs. bewicken, 
daß etwas lodgehet, Ioskömmmt, frei wird, Sid; loewirken, fein 
Loslammen bewirken, fih frei machen. Inzwiſchen hatte fi der 
Löwe losgewirket." Midaeler. (R.). D. Loswirten. D. —ung. 
— Loswollen, v. intrs, unregelm. (f. Wollen), ein Wort, werhes 
wie losbürfen nur buch ein ausgelaffenes anderes Ausfagewort zu 
erfiären if, und im gemeinen Leben für lodfommen wollen, lesge— 
laffen , befreiet fein wollen, gebraudt wird, Er will gern los, von 
bem Dete, wo er feftgehalten wird, aus einer Täftigen Verbindung ıc. 
Eben fo wird im gemeinen Leben auch loemoͤgen gebraucht. D. 
Loswolten, — Loßmwühlen, v. trs. durch Wühlen losmachen, aus 
ber Verbindung in feinen Theilen bringen. 

So dedte die Achaͤer weißer Staub, 

Der unter ihnen, von dem Hufzalopp 

Derumgefhwenkter Roffe losgewuͤhlt, , 

Empor zum Firmament bes Himmels flieg, Bürger (R.). 
D. Loswühlen. D. —ung. — Lobwuͤnſchen, v. trs. die Laslafı 
fung, ®osmahung, Befreiung von itwas wäniden. D. Foswünfhen. 
— Loßzaͤhlen, v. trs. (®.) fo viel ald Iosfprehen. Ginen von eis 
nem Verbrechen loszaͤhlen. 

Und macht ihm feiner Sünden Menge Fund, 
und Peter sählt ihn Id. — Bausmwalb. 

Sich von allee DOrbnung loszählen. „Unter allen den Foberungen, 
wovon bie Abberiten ihren Günftling fo gätig loszählen ıc.= Wie: 
Iand. D. Loszaͤhlen. D. —ung. (8). — Loözaubern, v. trs, 
durch Banbern Iosmacen, befreien. D. Lobzaubern. D. —ung. — 
Loßzerren, vw. trs. durch Berren losbringen, lotmachen. D. Loszer⸗ 
zen. D. —ung. — Losziehen, v. unsrgelm. (ſ. Ziehen). I) trs, 
durch Ziehen lotmachen, ablöf.r. LI) intrs. X Auf einen fosziehen, 
ihn ohne Burädpaltung und Schonung tabeln, ſich Über ihn aufhal⸗ 
ten, ihm übles nahfagen ıc. D. Fosziehen. D. —ung — O 
Zoszifhen, v. mtr. mit fein, zifhend losgehen, mit Geztſch loss 
brennen. — losziſcht es (bas Feuerwerk). — Eonnenberg. 
D. Loszifgen, — O Loszuͤnden, v. trs. anzänden und losbren- 


nen. Irht aber Habe ich alles losgezuͤndet.“ X. P. Richter. D. 


Lot zuͤnden. D. —ung. — Loszupfen, v. trs. durch Zapfen los: - 


maden, abläfen. D. Lotzupfen. D. —ung. — Loszwängen, v. 
trs. (R.) mit Zwang, mit Gewalt lotraachen. D. Loszwängen. D. 
—ung. „Inhaftat (dee Berpaftcte) iſt mitteln Los zwaͤngung zweler 
eiferner Querſtaͤbe entſprungen.“ Ungen. (R.). — Loszwicken, 
v. tra. mit ben Fingern ober ber Zange zwickend losmachen. D. 
Rosziiden. D. —ung. 

Eosadern, Lodarbeiten, Losbacken, f. unter Los. 

Der Rosbeder, —s, 2%. gl. im R. D. ein Weder, welcher loſes, 
d. h. loderes weißes Weigenbrot, Gemmeln ıc. bädt; ein Weißbek⸗ 
ket, zum Unterfhiede von den Haft» und Feſtbeckern, auch Schwarz: 
beckern, die derbes Roggenbrot baden, 

Roßbegebren ie., ſ. unter Los. 

+ Das Losbrot, —es, 2. —e, loſes, d. b. lockeres und weißeres 
Brot ala gewoͤhnlich; Weißbrot. Auch verſteht man wol Semmel 
darunter. 

oO Der Losbruch, —es, 2 bruͤche. 
loadricht. 2).Die Handlung, ba man etwas loshridt. 

Losbrühig, adj. u. adv. was leicht loshricht, Bei den Jaͤgern wird 
ein wildes Schwein losbruͤchig gemacht, mern es aus feinem Lager 

. * wird, _ 

Losbürgen, f. unter Los. 

# Der Lösch, —eh, 9 —e, ein Blienenſchwarm. Remnid. 

Die Loͤſchbank, Siy. —bänte, der virredige beetterne Kaften, in 

welchem man Kalt töfht unb and welchem man ihn nachher in bie 
Kalkgrube laufen läßt; 

Das Loͤſchblei, —es, 0, 9. bas Wafferblei, ber Bleiſtift. 

Der Löfchbord, —es, 2. —e, in der Schifffahrt, eine Vorrichtung 
von Latten oder Balken, auswendig am Sählffe, melde bie Waaren, 
Borrätke oder Kanonen beim Gin» und Auslahen und bie Boote 
beim Ausfegen vom Schiffe abhält und fie verhindert, bie Geiten 
des Schiffes zu befhäbigen. ©. fr 

X Der Löfhbrand, —es, By. —bränder, ein ausgelöfhter ober 

erlofhener Brand. „Fuürchte bih nicht vor diefen zween saudhenden 
Böfhbränden.e Eſ. rn 4 

Die Loͤſchbuͤchſe, Se. —n, eine große blecherne, mit einem Dedel vers 
fehene Bühfe, in welder die Loͤſchkohlen abgebämpft werden; auch 
Dämpfbüdfe. 

1. Die Loͤſche, 9. —n, bei den Beckern, ein Heiner Kübel, den 
Kehrwiſch darin abzuloͤſchen; auch der Löfchtrog. z 

3. Die Löfche, 39. von mehren Arten, —n, im Bergbaue, bei ben 
Kohlenbrenaten ıc. 1) Der Kohlenſtaub, ober zu Pulver zerfallene 
Kosten; die Kohlloͤſche, verderbt die Leſche, bei dem Bergleuten auch 
ein abgematteted Kohl. =) Die ſchwarz gebrannte Erbe, mit wel⸗ 
Ser ein Meiler Gebet worden ift; bie Kohllöfhe, und verberbt 
auch bloß bie Leſche. 5) Bei ben Schloſſern, ber feine zu Pulver 
geworbene Bammerfhlag. . 

3. + Die Löfche, 4. —n, in Weftpreußen, eine Art Fahrzeuge auf 
Bläffen unb Lanbfeen. 

Der Loͤſchel, —s, - gl. im Wergbaue, ein Zug an ben Kunfiges 
zeugen, woran ber Kulm mit bem Leder gefledt wird. 

1. + Zöfchen, v. trs, im ben Seeflädten, auslaben. Gin Schiff id: 
ſchen, es ganz oder zum Theil auslabden. Die Waaren loͤſchen, fie 
aus bem Schiffe Inden. D. Loͤſchen. D. —ung. „Ih wollte bei 
der Loͤſchung bes Schiffes felhf gegenwärtig fein.“ Ebeling. 

2. chen, v. D ntr. mit fein und meift unregelm., ich loͤſche, bu 
liſcheſt, er liſchet, ober liſcht, wir loͤſchen ıc.; unf, verg. 3. ich 
loſch; Mittelw. d. verg. 3. gelofhen; Befehlw. liſch; aufhösen zu 
brennen, vom Feuer und vom Eihte, gewöhnlicher eriöfchen oder 
verlöfhen. A Uneigentlich au, aufboͤren zu glänzen, verbunkelt 

merben ıc. 
Doch ad es Lift im ihm bes Erbens kurzer Tocht (Docht). Haller. 


152 


ı) Der Zuſtand ‚ds «etwas 


Loͤſch 


Wange du wellſt! Auge bein Schimmer 
Liſchet, wann winket bie eiferne Raſt. Rofegarten. (R.). 
und es loͤſcht das Lit ber Sterne, 
Und es naht gewitterfömer. Schiller. 
S. Ausloͤſchen. Im Bergbaue fagt man, ber Bergmann loͤſcht, 
wenn ihm fein zit Löfht ober — I) ers. regeln. 1) 884 
Then oder erloſchen mahen, madhen Bäß ein Feuer, ein brennenber - 
ober glühender Körper aufhöre zu brennen ober zu glühen. Gin 
Beuer loͤſchen, burd hinein ober darauf gegoffenes Maffer, durch 
Entziehung der Luft ober auch ber Wernnfoffe. Beſonders vom 
Beuerssränften, wo auch Iöfıhen allein gebraucht wird, Zum Loͤſchen 
herbeielfen,, um bas Feuer Iöfchen zu helfen. Gin glühenbes Eiſen 
loͤſchen, es gluͤhend In Waffer halten: Im weiterer Webeutung deißt 
loͤſchen, von Iebendigem oder frifh gebranntem Kalke gebraucht, igm 
durch aufgegoffened Waffer feines Brenuftoffes derauben, burh Hins 

—und Herziehen mit einer Ctrückt zu einem bünnen Brei mahen unb 
sum Gebraud für bie Maurer .c. zubereiten. Kalk löfchen. Ges 
töfchter Kalt, Silblich und uneigentlih, von untörperlihen Dins 
gen, von Zuflänben, Leidenſchaften, bie mit einem Lichte, Feuer vers 
glichen werden ‚.ober berem Heftigkelt ein Brennen ic. genonnt wigrb, 
für, aufpören maden. Das Eebensliht loͤſchen oder ausloͤſchen. 

- Mer biefen Ring befigt, — dem Löfcht kein Element 

Das Lebenslicht. Birland, 

Den Durft löfhen, Den Durſt nad Made Löfchen. =) Won 
Sähriftzögen ıc., befonders von folhen, bie mit Kreibe und ähmli« 
Gen Abrpern geſchrieben find, fie unkenntlich, unleferfih maden, 
ober auch, fie ganz wegfhaffen, indem man die Arcide ac. wegwifcht. 
In weiterer Bedeutung au bloß ausfireihen und daburch ungültig 
mahen. So fagt man eine Schutd ober auch einen (Ghulbner) Id: + 
fhen, feine Schulb im E4ulbverzeichniffe ansfireihen. — D. Loͤ⸗ 
(hen. D. —ung. 

Der kLoͤſcher, —s, 3%. gi. einer ber loſcht, beſenders ber ein Feuer 
ldſcht ober Töfchen Hilft. Dann, ein trihterförmiges Werkzeug, Ti: 

ter bamit auszuldfchen; aud ein Loͤſchhorn. 

Das Loͤſchfaß, —ſſee, 3. — faͤſſer, im Hüttenbane, ein Faß mit Wafı 
fer, bie heiß geworbenen Werkzeuge barin zu Idfhen ober abzufühlen. 

Das Loͤſchgeld, —es, My. —er, in Holland, eine geringe Abgabe, 
welche aus« und eingehende Schiffe bezablen mäffen. : 

Das Eöfchgeräth, — s, By. —e, ober die Loͤſchgeraͤthſchaft, 24- 
—en, G.) alles zum Loͤſchen einer Feuersbrunſt nöthige und dien ⸗ 
Ude Seräth; das Feuergeräch, bie Feuergeraͤthſchaft. 

Der Loͤſchhaken, —8, 99. gl. bei yerfhiedenen Handwerkern, 1. B. 
Schmieden ıc,, ein elfernee KHaken, bas brennente Holy cher bie 
brennenden Kohlen auseinander zu ziehen und auf folde Art auf 
zuloͤſchen. 

Das Loͤſchhorn, —es, By. — hoͤrner, ein hornfoͤrmiges hedles Ber 
zäth an einer Ttauge, in der Höfe befindliche kichter damit audjus 
idſchenz aud bios der Möfher, auch Loͤſchnapf, Loͤſchnaͤpfchen, 
Lichthut, Dämpfhorn und Dämpfer. 

Die Löfchkoble, 9i. —n, Kohlen, welde man mit Waſſer geldſcht 
bat, ebe fie gang Herbrannt find, um fie no za gebrauchen. 

Der Löfchkübel, —s, 9. al. in den Glashütten, große Tröge mit 
MWaffer, ſowol um bei entfichender Keuerögefahr fogleih Mafler bei 
ber Hand zu haben, als audı bie heiß gewordenen Werkzeuge barin 
zu Iöfhen oder abjhfählen. j 

+ Der Loͤſchnapf, —es, 94. — naͤpfe; Bw. das Loͤſchnaͤpfchen, ſ. 
Loͤſchhorn. 

Das Lölchpapier, —es, 4. von mehrern Arten, —«, Täleätes, 
graues ungeleimter und bie Flüſſigkeit in ih ziehendes Papier, weil 
es bie nod maffen Züge auf einem andern Papiere wenn man es bar: 
aufıbrüdt unfenntli maht, weguimmt, ober weil es zwiſchen ber 
[hriebene und noch naffe Seiten beim Ummenben gelegt wird, bamit 
die, Schrift nicht verloͤſcht ober verwilcht werde; im O. D. Fließpa⸗ 


göfchp 153 Wſe 


pier, im Sſterreichiſchen Schrembspapier, Schrenz, im R. D. 
Zugra piet. 

Der Loͤſchplatz, —es, Di. —pläge, in ben Seeftäbten, ein zum ©: 
fen ober Busladen ber Schiffe bequemer und beſtimmter Plap. 

Die Loͤſchſchaufel, 8. —n, in deu Hüttenwerten „seine eiferne Schau: 
frl an einem Stiele, bie Life ober ben Kohlenſtaub auf bie Schlak⸗ 
ten im Vorherde bamit zu tragen, 

Der Loͤſchſpieß, — es, 34. —e, fa den Hüttenwerten, eine eiferne 
Teigige Stange, bie ver dem Geblaͤſe feft ſihenden Schlacken bamit 
loszuftogen. Die Ehmicde und Schloſſer bedienen ſich auch eines 
feichen Merkzeuges, die Kohlen In ber Eſſe 106: und von einander 
su ſtehen und nennen es au Eſſenklinge. 

Der kLoͤſchtrog, —es, Di. —troͤge. 1) In dem Hüttenwerten, bei 
den Shmicken ıc. ein Zeog mit Woffer, bie heiß geimorbenen Werk⸗ 
geuge unb das grichmietete glühende Cifen barin zu Löfhen, wie auch 
bie glükenten Koplen daraus mit dem Läfhwilde zu befprengen, ba» 
mit fie nicht fo geſchwind wegbrennen. 2) Auf ben Bledhimmern, 
berienige Trog, In welchem ber Hanbzeileim singemadt wird, 

Die Loͤſch wanne, By. —n, auf din Kupferfämmern, eine anne, 
bie Kipfırafde von ben ausgetieften Keſſeln darin abzuſpuͤlen. 

Das Loͤſchwaſſer, —6, 3. u. ı) Zum Böfgen eines Feuers beflinims 
tes Waſſer. =) Waſſer, welches dient, glähendes gefhmiebetes Gis 
fen, oder heiß gewordene Werkzeuge barin zu Jöfhen. Im engerer 
Bereutung, das mit einer Zuthat derſehene Waſſer, ben glähenden 
Stahl darin gu loͤſchen und zu birten; das Haͤrtwaſſet. 

Der Loͤſchwedel, —s, 2. gl. cin Wedel d, h. ein an einem eiſer⸗ 
nen Stabe befeffigtes Bäfhel Stroh, bie Kohlen bamit aus bım 

. Löfhtroge mit Waffer zu beſprengen ober zu lobſchen, d. h. fie bar 
darch zu verhindern, baf fie nicht fo ſchnel wegbrennen ; ber Loͤſch ⸗ 
wifch, Kuͤhlwedel, Kuͤhlwiſch. 

Der Loͤſchwiſch, —es, * —e, ſ. Loͤſchwedel. 

Loſdonnern ıc., f. unter Los, 

Loſe, —r, —eſte, adj. u. adv. ein Wort, weldes in felger rigentli« 

— den Webeutung baffeibe fagt, was les, d. h. locker fagt; unb wels 
ches man für los oft nur gebraaht, um biefe Bebentung beffeiben 
vor ben übelgen berausjuheben und ben Mißvesflänbniffe vorzuben: 
gen. EStwas Lofe binden, Ioder, fo daß es hin und her beweglich 
if, zum Unterfhiebe von los binden ober losbinden. &o auf) 
Lofe baden , lofe machen, loſe fein ıc,, zum Nnterfhiebe von lesbak⸗ 
ten, lodmahen, losfein ıc. „Sie (bie Antwort) lag unverfiegelt, 
Lofe zugeklehte· ıc., d. h. loder, nicht fehl, Ieiht. Spalbing Be 
fonders wirb #8 uneigentli gebraudt, 1) eine fehlerhafte äble Be: 
ſchaffen deit, einen Mangel an innerer Feftigfeit, innere @äte 
Überhaupt ober ber gehörigen innern Hüte zu bezeichnen. Loſes Weib, 
ſchlechtes, zu leiten, falfhes, „Wenn fie folde leſe Dinge und 
Bilder aus irbifhem Thone machen.“ Wetsh. 15, 15. „Uns ekeit 
dor biefee loſen @peife." 4 of. zı, 5. „Lofe Worte." Hiob 2g, 
2; 16,5. In daͤrterem Verſtande koͤmmt es im ber Biber häufig 
vor für boshaft, Tafterhaft. „Dir Rinder lofer und verachteter Beute.* 
Diob zo, 8. 

Das loſe Boll zwar lauert liſtiglich, 

Unb if gemeint, mid graufam umgubeingen. Opiy 
In anderem inne werben loſe Sente, loſes Befinder ıc. boch meift 
nur no In ber Bibel ſolche Beute genannt, bie eines beftimmten fer 
ſten Wohnortes gletchfam los find, d. h. feinen ſolchen Wohnort has 
ben, bie herumſtreifen, arm und daher lieberlih find, Es fams 
melten ſich zu ihm loſe Beute,“ Riät. 22, 5. „Abimeleh bingete 
loſe leichtfertige Manner.“ Nik. 9, 4. Für los von Bittliäkeit, 
Adtung vor Anbern, ober beleitigenb, ehrenrüheig Eimmt «8 noch 
im gemeinen keben vor, wenn man fagt, lofe Worte geben, und, 
ein Iofed Maul haben, beleidigenbe, ehrenrührige Dinge fagen, fhels 
ten, fhimpfen ıc. 2) In gutem ober nicht hartem Berftande, für, 
leichtfertig, herzhaft, aus Scherz Anbere nedend und hintergehend 


Sampe's Wörterb. 3 Ip. 


und fi darüber freuemb; tie auf, barfn gegrändet. Min fo. 
fer Menſch, aub, ein loſer Vogel, ein lofer Bat. Win loſes 
Sind, „Ihe lofen Maͤbchen thut immer als wenn euch nihts an ben 
Männren läge." Beltert, Behr Lofe fein, Gin Lofer Streich. Gin 
loſes Wort. Ehemahlse gebrauchte man lofe in guter Bedeutung 
and für angenehm, liedlich, fhön; mie andy für fehmeihelfaft, Dar 
von X bie Loſigkeit, die Eigenſchaft einer Perfon ober Sache, de fir 
loſe iR. Die Lofigkeit eines Fadens, bes Barnes. Er war vor der 
Rofigkeit dee muntern Madchen auch hier nike fiher, „Die Loſig · 
keit einer fo muntern Feber.“ Ungen. 


Das Loͤſegeld, —es, Di. —er, dodienige Gelb, woburch etwas ger 


löfet, d. $. aus der Gewalt’eines Andern feel gemadt wird; befon: 
bers aber basienige Gelb, wodurch rine Perfon aus ber Gefangen: 


(haft oder Sklaverei -gelöfet, d. h. Tosgrlauft wird ober werben 
fol (Banzion), 


Losegen, f. unter Los, 
© Das Yfegefchen?, —es, M. —, eia Geſchenk für die Boslafe 


fung, Eosgebung einer Perfon ober Sache, ober wodurch man .biefe 
Bosgehung zu bewirken ſucht. 
Amfig darauf aus ber Kammer, dem zierlihen Magen beladend, 
Zeugen fie Hektors Loͤſegeſchenk'. — Boß. 


Lobeiſen, f. unter Los. 
Der Löfefeil, —s, 34. —e, bei ben Ölfälägen, ber eiſerne Keil, 


weicher in bie Ollade auf bie Prefplatten ber Ltmüple geſteckt und 
eingetrieben wird, um bas HI auszupreffen. 


O Die Loſekugel, 94. —n, Kugeln, beren man fi bedient, etwas 


buch tas Bes zunbefimmen (Balottirfugel). 


+X Die Loͤſelnacht, 3. —naͤchte, beim groben Haufen in Baieen, 


gewiffe Nächte um Weihnahten und Neujahr, in welchen man durch 
Ebieln eder Befen allerlei Fänftige Dinge zu erfahren ſucht. 


O Das köfemittel, —s, D4. al. fomol ein Mittel, eine Perfon ober 


Sache zu löfen, zu erloͤſen obre zu befreien; als aud ein Arzeneis 
mittel, welches Idfet oder auflöfet (Resolvens), 


1. Loſen, r; intrs, w. ntr. mit haben. 1) Das Ros entfheiben laſ⸗ 


fen, bas Bos werfen, zithen. Um etwas (ofen. Für befonbrre Ar: 
ten zu lofen fagt man würfeln, fpielen, sieben c. =) O Durd 
bas 2os erhalten. 

Kim’ er aud unverfebrt mit gelofeter Beute bes Krieges. Bof. 
D. Lofen. D. —ung. S. d. 


2. x * lofen, v. ntr. mit fein, Toswerben, befreiet werden, Eher 


mapis fagte man auch gelofen bafür. 
Bo ih meiner Seelen Qual 
In dem herben Shränenthal 
Anbers fol geloſen. Srophlus. 


3. + Loſen, vi intrs, in einigen ©. D. Grgenben 1) für hören und 


dorgen; aud lufen, losnen. Dazer pflegen bie Jäger die Ofren 
der wilden Thiere nod Käfer, Loſel, Luſer zu nennen. =) x Gehör 
geben. Mer dem ſiechtag lofen wi. Boners Habeln, 48. 


&öfen, v. n tes, les maden. 1) Sofern f08 loder bedeutet, locker 


und loderee machen, weniger feft mahen. Die Binde, das Halsband, 
Gteumpfband ıc. ibſen. Die Rinde des Baumes loͤſen, bei ben 
SGirtnern, fie duch Ehnitte von bem Stamme ein wenig trennen 
und läften, um ein Auge sur Fortpflamzung hineinzufegen. Ginem 
bie Bange Iöfen, fie durch Zerſchneidung eines Theiles bes Bungens 
bänbihens beweglicher mahen; uneigentlih au, ibn zum Sprechen 
bewegen. 2) Soſern los ben Mangel ber Berbinbung elner Babe 
mit einer andern bezeichnet, die feſtere Merbinbung zwiſchen mehrern 
Dingen ganz aufheben; doch mehr im einzelnen Fällen und in umtis 
genttichen Webeutungen, ba man ia andern Fällen lieber lotmahen, 
abtöfen, auflöfen gebraudt. Befonbers gedraucht man löſen von bleg⸗ 
famen Dingen, 'ald Bändern ıc , für, deren Berbinbung mit anbern 
Dingen beputfam, gemad und fanft aufpeben. Einen Austen liſen. 


20 


Loͤſe 


„Den Odfen von ber Krippe loͤſen.“ Luc. 13, 24. Die Jaͤzer loͤſen 
bie Hunde, wenn fie biefeleen vom Häugeſeile, vom Fangſtricke over 
Don dre Kuppel losbinden,, in Freipeit fegen; fir loͤſen die Keben 
und inbleinen, wenn fie biefeiden Iosbinden, Im äpnliher Bebeu: 
sung auch für Iodfpannen, abfpannen. 

Aber nahdem wir die ‚bergen des traurigen Grams erleihtert 

Löfen wir unfee Gelpann’, Bof. 
Die Haut von dem Fleiſche loͤſen. Häufig fagt man bafdr auch ab: 
ibſen, in andern Fällen gebraudt man ſchaͤlen, die Scale oder Haut 
von einer Frucht ibſen. In manden Faͤllen wo von Dingen, melde 
gelpannt find, bie Mebe iſt, iſt bee Mebenbegeiff ber Seſchwindigkeit 
damit verhunden. Gin Gewehr, «ide Piſtole ic. loͤſin, durch Abe 
beädung bes Hahnes losſchießen. Die Kanının loͤſen. Unrigentiicd, 
eine Aufgabe, ein Raͤthſel loͤſen oder auflöfen, das, was darin 
gleihfam verfhlungen, verworren und dunkel ift, deutlich auseinans 
bez legen. Befonbers aber gebraucht man loͤſen in uneigentlider Bts 

». beutung, für, aus eins Anbern Gewalt, von einem Zwange, einer 
Verbinbticleit rc, befreien, wofür man auch erlöfen fagt, vorruͤglich 
wenn bie Art und MWeife wicht deflimmt wird. Sich aus ber Gefons 
genfhaft Löfen, ih duch sine gewiſſe Senugthuung, gemögnlih eine 
Summe Belbes, baraus befreien, „Der Herr löfet bie Gefangenen,® 
Pf. 146, 83. Sich bei den Schnittern, bei den Zimmerleuten und 
Mautern loͤſen, wenn man vom benfelben angebunden, gefhnärt 
wird, db. b. durch ein Geſchenk, durch ein Trinkgeld ſich gleihfam 
aus ihrer Gewalt befreien, bie fie ih in Scherz über denjenigen ans 
maßen, ber dahin wo fie arbeiten, in ihr Gebiet gleichſam Fimmt. 
Ein Pfand Löfen, es in feine Geinalt bringen, indem man bas tafür 
Schuldige giebt, und im Pfänberfpiele, indem man bas Worgefdrier 
bene zur Genugthuung bafde thut; gewöhnlicher, einlöfen, ausloͤ⸗ 
fen. In.engeree Bebeutung wird loͤſen in ber Bibel gebraudt, 

. für, durch eine angemeffene Entfhädigung aus ber Gewalt eines Gis 
genthämers als eines ſolchen beferien, „Wer eimas von ben keviten 
löfet.“ 5 Mof. 25, 35. „Den Ader löfen, ber dem Heren gebeis 
kiget war." 5 Mof. 47, 19. Andere in ber Bibel vortommente 
Arten bes Gebrauches find jegt mehr ober weniger ungewöhnlich. 
Ein Befeg Löfen, es aufheben. Die Sünde Löfen, bie Schuld unb 
Strafe berfelden aufgeben. Die Gewalt zu loͤſen und zu binten, in 
ber lirchlichen Sprache, bie Gewalt Bünde zu vergeben und zu ber 
halten. „Was bu auf Erben loͤſen wirft, fol aud im Himmel los 
fein,“ Matth. 16, 29. If) intrs, bei ben Jaͤgenn, von ben viezs 
fügigen Thlertn, fi erleichtern, feine Nothdurft verrihten; auch 
lofen und fich (öfen. III) mtr, mit haben, Selb als eine Eutſchä- 
bigung ober Xusgleidung für eine Waare ober etwas bas In biefem 
Balle als eine Baare betrachtet wirb, befommen, rinnehmen. Aus 
feinen Waaren ober für feine Mauren viel, wınig löfen. Ginem et» 
was zu (fen geben, ihm etwas abfaufen, auch, ihm etwas zu vers 
bienen geben. Much mit dem vierten Falle ber Sache. Geld loͤſen. 
Std für die Waaren, ober aus ben Waaren (öfen. Ehemapis fagte 
man in diefer Bebeutung Lofen. — D. Loͤſen. D. —ung. 

Der Lofer, —s, 4: ol. 1) Winer der loſet, horcht, aud Losner. 
2) Dos Dr, bei ben Zigern. S. 3. Lofen. 

Der Loͤſer, —, 94. gl; die —inn, 24. — en, eine Perfon, welde 
etwas löfet; eigentlih und wmeigentiih. Sie, die Loͤſerinn dee 
Schmerzen ı0, Herden Dann, eine Perfon, bie etwas ablbſet 
ober winiäfet. „Mann jemand keinen Loͤſer hat,” d. d. Erinen, ber 
fein. verfaufted But im Jubeljahre für ihn eintäfer. 3 Moſ. a5, a6. 

Der Loͤſeſchluͤſſel. —s, 9%. gl. in ber kirchlichen Spracht, bie ſinn ⸗ 
biltiihe Brarihnung ber Gewalt, die göttliche Losfprehung von Zün- 
ben zu verflern, und in engerer Vedeutung, bie von ber Kirchenge⸗ 
meinſcheft ausgerhloffenen Prrfonen wieder in biefelbe aufımehmen ; 
in Gegenſat vom Bindeſchluͤſſel. Die Kirche, die die Loͤſeſchluͤſſel 
hat Säifler, 

Die Loͤſeſtunde, 9. —n, im Bergbaue, diejenige Stunde, in wel» 


— — 


Loſu 


her bie Arbeiter einander ablbſen. 

Rosfahren ıc. ſ. unter Los. 

Die Lofigkat, o. 2a ſ. Loſe 4). 

Lobtaͤmpfen, ſ. unter Los. 

Loͤslich, —er, —ſte, adj. u. adr, mad fich Iffen laͤßt, eigentlich und 
untigentlich. „Zene ſelchten und loͤslichen Ciawuͤrfe.“ Bragur. (R.) 

kobluͤgen, Losmachen, ic. ſ. unter Kos. 

Der Losplatz, — es Bi. —plaͤtze, der Plat an einem Ufer ober 
Hafen, welcher einen fanften Abhang bat, fo daß bie Kaufmannds 
waaren brauem aus: und eingelaben Berden koͤnnen. 

O Der Losſpruch, —es, 9 —forliche, die Handleng, ba man eis 
nen losſpricht, wie auch sin Ausſpruch, durch weihen kirs geſchieht. 
„Ks Paftor mußt bu biefen Kosfprach noch betätigen." Hippel. 

Der kosfiod, —s, 4. — ſtoͤcke, im Straßenbaue, biejenigen 
Stoͤcke, welche auf einee Aunftfirafe ausgeftett werben, um ben 
Antheil zu begeihnen, welchen eine Gemeine in gutem Stande zu 
erhalten hat. 

Der Kostopf, —ed, 2. —töpfe, ein Kopf, Gefäß, worin koſe 
unter sinanber gefchättelt werden, um fie barand ziehen und buch 
biefelben entfheiben zu laffen, „Die Welt der Zufäle, der Würfe, 
der Veranlaffungen, ber Gedanken ift ein großer Lostopf; wer kann 
feine Fälle berechnen. Herder. 

1. Dielofung, By. —en. +) Die Handlung, ba man lofet, Eofe zie⸗ 
bet, befonders in einem Blädsfpiele, in welchem eine gewiſſe Anjcht 
ber Spielenden, mehr ober weniger bebeutenbe Gewinuſte erhalten, 
fo wie es ber. Zufall füget; mie au biefes Epiel ſelbſt, beſtimmter 
O das kofungsfpiel (Lotterie), €. Daher das lofungsivefen, AUrs 
was bad Lofungsfpiel betrifft, Angehit (Lotteriewefen; die Loſungt ; 
verwaltung, diejenigen Prrfonen, welche dem Eofungswefen vorſte⸗ 
hen (Lotteriedirestion); der Lofungeplan, derjenige Yan, nah 
welchem bei ber Loſung verfahren wird (Lotterieptan); ber Pos 
fungstag, ber Tag, an welchem bie ofe gezogen werden; auch der 
Biehungstag; das Loſungsgeld, bas Gelb, weldes man einſett 
ober and wol, weldes man gewinnt, im biefem Kalle befler ber Lo⸗ 
fungsgewinnit, der Gewinnft im Lofungsfpiele ıc, =) Die Hands 
lung, da man etwas Idfit, oder wie man fonft auch fagte, loſet; bir 
fonbers in ber Bedeutung, in welcher man es fonft für bezahlen ge⸗ 
braudte. Go wird an mandıen Orten ber Antheil, welden jemanb 
an einer gemeinihaftligen Schulb zu bezahlen hat, bie Lofung ger 
nonnt. Zur Lofung ſchwhren, [hwören, baf man feinen Antheil bes 
sahlen wolle, Daher bebentet hier und ba Loſung in weiterer Bes 
beutang auch eine gewiffe Menge überhaupt. Go ift in ben Rötmi- 
fen Bergwerken eine Loſung Wafler eine beflimmte Menge Wale 
fers, bie 18 Schillinge enthält, Gin Schilling enthält zwei Irene 
Schlaͤuche und sin Schlauch 40 Prager Pinten. In engerer Bebeus 
tung if Leſung jede an die Obrigkeit im Belde entrichtete Abgebe. 
So heißen in Rürnberg bie Burgemeifier, welde der Lofungaftube, 
d. 5, dem Iffentlihen Schage vorgefeht find und das Lofungsamt 
ausmachen, Kofungsherren ober Lofunger, 3) X Dastenige, was 
man löfet oder, wie man «hemahls fagte, loſet. (1) Geld, bas man 
Iöfet, einnimmt, befonbers dasjenige Gelb, weldes ein Kaufmann, 
Kıömer ober kramender Handwerker für feine Waare einnimmt z 
wie auch ber Drt ober bie Kaffe, wo biefe Einnahme vermahrrt wird ; 
beftimmtre die Loſungskaſſe. Gelb aus ber Lofung nehmen, aus 
der Kaffe, „IH habe bas Weib aus ber Loſung genommen.“ Gätbe. 
(a) Bei ben Iägern, ber Auswurf ber wierfühigen Thiere; aud bus 
Gelos. ©, Loͤſen IH. 

2. Die kofung, 3. u. ein gewiffes Zeichen in einigen einzefnen Räls 
Im. So beißen birfenigen Üleinen Dinge, ols kleine Eteine, Sof 
ken, Gierfhalen ıc., welde man als Zrihen mit unter bie Marks 
und Grenzfleine legt, die Loſung, auch bie Markloſung, Grentle⸗ 
fung, Loszeichen. So nennt man ferner angesüntete Feuer, Schüſſe, 
fofern man vexmöge einer Weraderbung bamit etwas anzeigt, sine 


Rofu 


Lofung (Signal), oder beflimmter Lofungsfeuer, Loſungsſchuß. In 
engerer Bebzutung if bie Loſung im Kriege bas dem Feinde unbe: 
Bannte Wort oder ein folder Ausbeut, woran bie zu einer Partei 
gehörenden Perfonen ſich erfennen ; das Loſungswort, aud) bas Feld: 
gefhrei (Parole). „Die Lofung geben, austheilen, Judas lagerte 
ſich dei Mobin und gab biefe Worte ipmen zur Yofung: Gott giebt 
Sieg.“ = Macc. ı5, 15. ' 

Das Loſungswort tft Rache, fort! Gollin. 
Im gemeinen Leben fagt man auch Geld ift die Lofung, für, Gelb 
ift der allgemeine Ausruf, nach Geld ſtrebt ein Jeder. 

3..+ Die Lofung, 9. —en, in manden Gegenden im Berabaue, 
ein leerer Raum in ben Gruben, wohin bie Bergleute ben Schutt 
(hätten; die Bergiofung. 

Die Löfung, 9. —en, die Handlung, ba man etwas Iäfet. Die 
Löfung »ines Bandes, eines Knotens, einer Aufgabe, eines Mäthfeld. 
Die Löfung des Geſchaͤtes. Die Loͤſung der Zunge, Die Loͤſun 
eines Brfangenen. Mir nehmen, wir nehmen ha 

Alcıftis für Abmetus Serle 

Bur Loͤſung an. Herber. 
In ver/hiebenen Faͤllen ift Loſung ſtatt Eöfung gewöhnlich, wie man 
ehemahls auch ofen anftatt Idfen fagte, 

+ Der Lofunger, das Lofungsamt, —s, . — Ämter, f. ı Los 
fung »). 

Das Loſungsbuch, —es, 9y-—büder, in ber Handlung, basjenige 
Handlungobuch, in welches alles eingetragen wirb, was man für 
bares Gelb verkauft. 

Das Lofungsfeuer, —s, 94. sl. f. 2. Lofung. 

O Das Loſungsgeld, der Loſungsgewinnſt, f. 1. Loſung =). 

+ Der Lofungäberr, —en, 34. —eın, f. 1. Yofung 2»). 

Die Loſungskaſſe, der Loſungsplan, f. 1. Lofung 1). 

Der Loſungsſchuß, — ſſes, 4. — ſchuͤſſe, f. 2. Lofung. — 


O Das Lofungsſpiel, die a rede die Loſungbverwal⸗ 


tung, bad Loſungsweſen, f. ı 
Loswadeln ic. f. unter Los. 
Das Loszeichen, —s, 99. gl. f. 2. Loſung. 

Loszerren, Losziehen ıc. f. unter Pos. 

+ Das Lot, —ıs, 9. —e, ober Die Bote, M. —n, im R. D. 
eine an einer langen Stange befeftigte Schaufel, den Schlamm aus 
einem Graben damit zu ziehen; au bie Rate, Lotſe. 

+ 2oten, v. intrs, u. trs, im R. D. vermittelft bes Lotes ober ber 
Lote reinigen. ©. Lot. D. Loten. D. —ung. 

t. Das Loth, —es, 9. —r, Überhaupt ein ſchwerer Rörper und 
das Gewicht deſſelben. Falſches Loch und Map haben, falfhes Bes 
wicht und Map. Ghemapis gebrauchte man es aud für Ladung oder 
denjenigen ſchweren Körper, melden min außer bem Pulver in ein 
Gefhoß ladet, welde Bebeutung veraltet it, außer daf man noch 
jumeilen fogt Kraut und Loth, für, Pulver und Biel und unter 
Lorh Kugeln und Schrot verfichet. Außerdem gebrauht man es 
ı) ben an einer Schnur befeftigten ſchweren, gewoͤhnlich bfeiernen 
Körper au beseihnen, womit bie Gerfahrer bie Tiefe des Meeres 
und bie Befchaffenheit bes Meergrundes, bie Maurer und Zimmers 
leute aber ben ſenkrechten Stand eines Körpers erforihen, im 
welchem Falle es auch Bleiloth heist. Das ſchwere Loth oder Tief 
loth auf Schiffen wiegt 50 bis go und mehr Pfunde. =) Ein klet⸗ 
mes Gewicht, welches bie Hälfte einer Unze ober der zafte Theil eis 
nes gemeinen Pfundes ift und vier Dinenthen hält. Im biefer Ber 
deutung bleibt es in ber Mehrsahl unverändert, wenn ein Zahlwort 
vor dbem'elben ſtehet Ein Pfund Hält 52, aud nur a4 Loth. 

2. Das Loth, —es, 3. von mehren Arten, —, ein leihtfläffiger 
Körper; befonders bei den Metallarbeitern, ein leihtfläfflger metal 
Ufer Körper, bie Hagen eines Arengfläffigern zufammenzufhmelzen 
und einen Theil deſſelden mit dem andern genau und feſt zu vesbins 
ben, Die Bildung dazu ift verfhieben; bei ben Klempnern beſte⸗ 


dfung 2). ! 


155 


Loͤth 


het fie aus Zinn und Siel. S. auch Bäche, Schlagloth und 
Schnellloth. 

Die Lothaſche oder Loͤthaſche, 9. von mehrern Arten, —n, in ber 
Sheibefunft, bie aus Salzpflanzen gebrannte Aſche, ſefern fie zum 
Löthen ober Shmelzen ber gladartigen Körper bienet, wie z. B. bie 
Potaſche. Aus folder Aſche gezogenes Balz wird Löthfalz genannt. 
Beides, die Loͤthaſche und das Loͤthſalz And in den Glashätten Bes 
ſtandt heile der Fritte. 

Die Lothbalje, 24. —n, auf ben Schiffen, eine Balfe ober eine in 
ber Mitte bunchgefägte Tonne, worin die Lothlien aufzefheffen wird. 

Das Lothblech, —s, 8. —e, bei den Saͤrtlern, ein hohles Wied, 
deſſen fie fi beim Anldthen ber Öhre am die Anöpfe bedienen. 

Das Loͤthbrett, —ı6, Wi. —er, bei den Blafern, ein Brett mit 
mehrern Kehlen, in welche bas Loth zum Löthen bes Fenfterbleies aus 
gegoffen und zu Beinen bännen langen Gtangen geformt wird, 

Die Eothbädfe, 3. —n, eine Büchfe, welche ein Loth Blei, b. $. 
eine Kugel, bie ein Loth wieget, ſchleßt. Da Loth chemahls eine 
Kugel bezeichnete, fo wurbe auch jebe Kugelbäcdhfe eine Lothbüchſe 
genannt, 

Die Löthe, 3. u. 1) Bei ben Sornarbeitern,, bie Löthung, Anein« 
anderfügung ber Schildkeoͤtenſchalen, welche bloz durch warmes Zu⸗ 
ſammenpreſſen gefhiehet, =) Dasienige womit man loͤthet, bei ben 
Slaſern, das Schaellloth. 3) S. Loͤthegras. 

+ Das Loͤthegras, —es, Dig. u. ein Rame ber Maͤuſegerfte ober tau⸗ 
ben Gerfte (Hordeum murinum L,); aud bloß Loͤthe. 

Lothen, v. I) X ntr. mit haben, bie Schwere eines Lothes ober meh⸗ 
zerer Lothe haben. So fagt man, eine Sache Lothet, wenn ihr Bes 
wicht mehrere Loth beträgt. Das Br; lethet, wenn es ich Bentner 
mehrere Loth Silber enthält. IL) intrs, bei den Mauren, Zim⸗ 
merlenten ıc. mit bem Lothe bem ſenkrechten Stand einer Mauer ıc, 
unterfuhen. C. hat biefes Wort aud für sondiren, ben Meeres 
grund erforfhen, gebraudt, weil ſowol bie Handlung bie nämlicde 
it, als auch weil derjenige, bes fie verrichtet, ſchon ber Kothömanın 
ober Lothſe heißt. „IH fhidte das Boot voraus, um die Einfahrt 
lothen zu laffen.* 6. — D. Lothen. D. —ung. 

Löthen, v. trs. ehemahls überhaupt zufammenfügen, in welder Bebeu ⸗ 
tung es bie Hornarbeiter gebrauden, bie das Horn ober die Schild» 
Trötenfhaten warm und biegfam maden, bann zufammenpreffen unb 
auf diefe Art mit einanber verbinden Im engerer und gewöhnlider 
Bebentung iſt Löthen vermittelt eines Lothes d. h. eines Leihtfläffis 
gen Metallgemifhes zufammenfhmelzen umb feft und gemau mit eins 
ander versinden. Ein Stud an bas andere loͤthen. in zerbro⸗ 
chenes Geräth Löthen. uneigentlich, ſehr genau mit einander ver 
binden und baburd zu einem einzigen Ganzen machen. Ein Wort 
am bas andere löthen.. Kofegarten gebraucht es fogar für fe 
anſchließen ober umfäliegen überhaupt: „Meine um wid fi 1dr 
thenden Armee D. Loͤthen. D. — ung. 

Der Loͤther, —s, 34. gl. einer der etwas Iöthet. Wei den Wade: 
licht lehern führt diefen Namen eim eifernes Werkzeug, einige Ker⸗ 
zen zu einer viereckigen Fackel gleichſam zufammenzuldthen, d. h. dur 
Grwärmung und Schmelzung der Oberfläche mit einander verbinden. 

Die Lötherbe, By. u. in Thaͤringen, ein groͤner Thon. 

Das kLoͤthfeuer, —6, 9. gl. ein Feuer, daran ober darüber zu Idthen, 

Die Lörbform, . —en, bei ben Belbfhlägern, eine Form von 
Daempäaten, in welden fie bas Gold fhlagen, wenn es aus bee 
Durtiäform Fümmt, 

Der kötbhammer, — , . —hämmer, f. Loͤthkolben. 

Das Lörhgarn, —es, My. u. bei den Beinmebern, ein feines Leinen 
garn, welches im Schleſiſchen Gebirge und in ber Oberlaufig vom 
süatih gefponnen wird. 

Löthig, adj. u. adr. am Sewicht Ein Loth haltend. Eine loͤthige 
Ku, die Ein Seth ſchwer iſt Belonders in Zuſammenſetzungen, 
ſechzehnloͤthig, funfzehnloͤthig ıc. in den Münzen und bei den Me 


Lothk 


tallarbeitern, del Beſtimmung des reinen Metallgehaltet, mo man 


dann das Loth als ben fechjchnten Theil einer Mark anſiehet, ſe 


daß ſechzehnloͤthiges Eilder ganz reines unvermiſchtes Siiber, wo 
alle ſechzehn Loth der Mark reines Silber find, bezeichnet. Aunf: 
zehnloͤthiges Suber ift foldes, wo die Mark funfzehn Loth seines 
Silber und ein Loth Fufag enthält. So and vierzehnläthig, zwölf 
loͤthig ıe, Auf diefelbe Art befimmen bie Drgelbauer auch bie Bein 
heit des Engliſchen Binnes; dagegen bie Binngiefer dieſelbe nah 
Pfunben beftimmen, Indem fie das Zinn nach Zentnern berechnen, 
In engerer Bedeutung iſt loͤthig 1) im Hättenbaue, nur Ein Loth 
enthaltend. Lothiges Erz, wildes nur Fin Loth Silber im Bent; 
ner enthält. =) Mein, unpermifht, fo viel als fechzehulbthig. Li» 
thiges Bold, loͤthiges Silber. Bumellen bebeutet es aber 5) ge 
rade das Gegentheit und man verfichet dann unter loͤthigem Soide 
und Bilder, vremifchtes, mo bie Mark ein ober mehrere Loth Bufag 
enthält: So if die löthige Mark, eine Mark Gold oder Silber, des 
zen Mifhung noch unbeſtimmt if. i 

Die Lothkirſche, 2. —n, eine Art dunkelrother (Auerliher Kirfhen, 
bie oft fo groß find, bas fie beinahe eim Lord wiegen. 

Der Loͤthkolben, —s, By. —n, bei mehreren Metallazbeitern, wie 
auch bei ben Glafern, ein Kolben b. h. ein keilformiges Eiſen an 
einem Gtiele, mit bemfelben, wenn es heiß gemacht ift, bas Loth beim 
Lithen zu ſchmelzen. Die Orgelbauex nenyen dieſes Wertzeug ben 
Loͤthhammer. 

Die Loͤthlampe, Sy. —n, bei den Solbarbeitern, eine kLarpe, Tieine 
Sachen an ber Flamme berſelben zu loͤthen. 

Der Lotbleim, —ıs, 2%. u, ein Bemifh von zerriebenem Pferbe⸗ 
mi, Lehm und Waffer, das wohl’ durd einander gefnetet iſt und 
beim Bufammenlöthen bes Stahles gebraudt wish. 

Die Lothleine, Bi —n, ober Lothlien, 9. — en, in bes Schiff⸗ 
fohrt, bie Leine oder das Geil, woran bad Bleiloth ober Seulblei 
befeftiget if. 3 

Der Löthnagel, —b, Dr. —nägel, dei den Büdfenmagern, ein 
laͤngliches plattes ifen mit einer Angel im ber Witte, worauf ber 
Gfonnenbedel an einer Flinte gelöthet wird. 

Der Loͤthofen, —6, 9. — Öfen, bei den Kiempnern, ein walenförs 
miger Heiner Ofen von @ifendich, worin fie bie Loͤthkolben Heif 
machen. 

Die Lothperle, By. —n, Meine Perlen, die in enge nah Lothen 
ober nad bem Gewichte verkauft werben; zum Unterſchlede von den 
Zahlperlen. 


Die Loͤthpfanne, Wy. —n, bei den Selbarbeitern, eine eiſerne Rode 


lenpfaune, kleine Sachen bei dem Feuer derſelben zu loͤthen. 
kothrecht, adj. m adr. mn dh dem Bothe recht, richtig ober gerichtet, 
bie völlig gerade Richtung von oben nad unten habend, fo wie fie 

‚ bie Schaur mit dem Rothe angiebt ; auch bleirecht, ſenkrecht (per- 
pendiculair), Mine lothrechte Linie oder Ebene in ber Meßkunſt, 
eine ſolche Linie oder Ebene auf tiner andern, welche mit biefer rechte 
Winkel bilbet. 

Das Loͤthrohr, —es, ig. —roͤhre; Vw. das Loͤthroͤhrchen, bei den 
Metallarbeitern, eine klelne vorn gefrämmte und fpigige Nöbre, 
buch welche fie in bie Flamme der Eithlampe blafen unb dieſe bas 
burd auf einen Punkt, ba wo fich bas Loth einer Plrinen zu loͤthen⸗ 
ben Bade befindet, richten und das Loth ſchnell in Fluß dringen, 

Das Loͤthſalz, —es, 9. von mehren Arten, —e, ſ. Loͤtbaſche. 

Die Lothsbarke, oder Lothſenbarke, My. —n, in der Seefahrt, 
fleine Barker, deren fi die Lethſen bedienen. 

Die Loͤthſchale, 24. —n, bei den Blafern, zwei hölzerne Schalen 
ober hohte Dedel, mit welden fie bie heiße Gtange bes Loͤtbkolbens 
anfaffen. 

Der Lörhichloffer, —®, 29: gl. eime Art Schloffer oder Kleinſchmiede, 
bie bio Borhaͤngelchloͤſſer verfertigen, 

Derkorhfe, —n, By—n, ober ber fothömann, — s, Dr. —män: 


166 


Lott 


mer, unb —feufe. 1) In der Schifffahrt, ein Eteuermann, welder 
ber ganzen Beſchaffenheit des Merres ıc. in einer Gegtad volllommen 
tundig ift, den Schlffen ben Weg zriget und fie im gefähelidın Ge— 
genden führe, Er hat ben Ramen bavon, weil er ſich des Lothes 
zur Srforfhung ber Untiefen beblenet. >) In der Raturbefhreitung 
(») eine Art Hipp ober Bandfifde, Yotbdmann des Haies (Chas- 
todon saxatilis L.); auch Gabelſchwanz. (a) Eine Art Stich⸗ 
linge, melde die Schiffe gern begleitet und auch ben Haififhen germ 
nadfolget (Gasterosteus ductor L.); auch Lorhemann. 

Lethſen, vw. trs. als Bothfe einem Schiffe ben Weg zeigen, baffelbe 
füpeen. Gin Schiff zwilden ben tippen bush die Untiefen bin 
lothſen. D. Lothſen. D. —ung. 

Das Lothſengeld, oder Lorhögeld, —es, 9. —ır, basjenige Gelb, 
weißes ber Lothſe für feine Leitung befömmt. 

Das Lothſenwaſſer, —6, 1. gl. in ber Schifftlahrt, bie Gtrede 
bes Meeres, buch milde ein Schiff geloihfer wird; auch Rothe: 
ntanndfabrwaffer. 

Dad Lothsmannsfahrwaſſer, f. Lothſenwaſſer. 

Der Loͤthsmann, f. Lothſe. 

Der Loͤthſteln, —e8, 84. —e, beiden Glafern, ein Ganbfiein mit 
ebchern, worin fie das Loth zum Loͤthen Haben. 5 

Der Loͤthſtiel, —s, My. —e, dee hölzerne Stiel on dem ebth · ober 
Brenntoiben ber Binngliefer auch wol dieſer Kolben ſelbſt. 

Die Lothwurzel, 9. —n, bei Planer, ber Rame eines Pflan⸗ 
zengeſchlechtes, beffen Kelch fünf aufgerichtete Cinſchnitte zeigt, def: 
fen glodenfirmiges Blumendlatt am Rande fünffach eingekerbt iſt, 
fünf kurze‘ Staubfäben mit großen pfeilfdzmigen Beuteln, einım eins 
faden Griffel und ſtumpfen Etaubiweg hat (Onosma L,). 

Die Lötbzange, 34. —n, bri den Goltfämieden, eine Beine Bange 
mit —— Raeipen, bie zu Iöthenden Sachen bamit feft zu halten, 

Der Lötbziegel, —$, Si. gl. dei ben Orgelbauren, elm großer flar 
Ser Biegel, das Löthzimm zum Läthen der zinnernen Pfeifen darauf 
zu legen und mit dem heißen Sbthloiben davon aufzunehmen. 

Das Loͤthzinn, — es, 0. Dh. Binn, weiches zum Löten gebraucht 
wirb ober beſtimmt if, 

xeotte, —ns, —n; Bio. Lottchen, ein Weibertaufname (Charlotte), 

Die Lotte, 4.—n, im Bergbaue, vieredige von Brettern zufammen« 
aelhiagene Röhren, ſowol die Metter dadurch aus dem Gruben zu 
führen, Wetterlotten, als aud das Wafler auf bie Kunfteäter und 
wieber bavon weg zu leiten, MWafferlotten. Auch die Luͤtte. 

Die Lottenklammer, 3. —n, im Bergbaur, eiferne Klommem, 
bie Breiter ber Lotten bamit an einanber zu befefligen. 

+ Lotter, adj. w. adv, in manden D. D. Gegenben fo viel als Toder; 
uneigentli, nahläffig, unssdentlih, wofuͤr man auch lotterig fagt 
und bavon bie Lotterigktit bildet, den Zuſtand einer Perfon und 
Sache zu bezeichnen, ba fie lotterig if. In Sälefien bat man auch 
bas Grundwett X der Lotterige, ein Lotzeriger Wenſch. Ehemadis 
bedeutete lotter auch unftät, flüchtig, lieberlih, und ber Lotter dee 
beutete andı, einem Poffenzeiffer, wie auch einen Dieb, Räuber. 

* Das lotterbett, —s, By. —e, ein lotteres, b. h. locktres weis 
des Belt, darauf zu ruhen, ober auch eim bergleihen langer grpol« 
fester Sig bequem baranf zu figen, ein aud bei Stieler vorfem 
mendes und für Sofa und ähnliche Wörter braudbares Wort, meoflr 
man in ber ernſtern und hötern Schreibart Ruhebett ſagen kann. 
— und luigent, bas ſye uffe lotterbetein Tummet. Geiler » 
Kapnfersberg. „Der alte Wilböft, ber auf dem Lorterbette 
ſchtief.“ Wächter „Gefäligkeiten, vie fie ollenfalle auf ihren Yot: 
terbetten oder Im Borbeigehen verrihten koͤnnen.“ G, — obemı 
los warf fih Berthold auf bas Kotterbett.* Wenzel: Gternan, 

Der Kotterbube, —n, 9. —n, rin letteriger d.h. Urberliher Bube, 
ein lafterhafter Metiſch, im bärtehen Terftande, Als ein Schimpf⸗ 
wort für einen Banbflreiher nad unnägen Schwaͤtzer koͤmmt rd Ape⸗ 
Rtig. ı7, 28. vom 


Lott 


- x Das Lottergeſindel, —s, o. M. lotterlges, b. h. liederliches 
ſqtechtes Geſindel. 


der 
. uns @tägen ber Menſchheit ein Lottergeſindel 
Beramft — Ratfäfy. 
x Botterig, —er, —fle, adj. u. adv, f. Lotter. 
x 2ottern, v. ntr. mit haben, Totterig fein, lotterig einhergehen. Im 
Schag Niederb. Sprahen iſt loddern ſich im Bette herum 
wälsn (R,), and im Melrtatursihea dedrutet loddern, viel und 
albern (wagen; daher ein Yohder ein folder Schriger. Schlot⸗ 
term iſt baffelbe Wort mit vorgefehtem Zifhlante. D. Lottern. 

Die Lotwurz, Wi. 1) Die gelbe Odfenzunge (Onosma echioides 
L.). 2) Die Beinwur;, Fettwarz (Symphytam offieiuale L.). 

Der Löwe, —n, 34. —n; bie —inn, 2. —en, en zum Kagın 
geſchlechte gehdrendes, in heißen Ländern elapeimifhes aber befann- 
tes Raubtbier von gelbbrauner Farbe, mit diem Mopfe, biden 
fleifhigen unb nicht langen Beinen, großen Klauen unb einem latıs 
gen am Ende mit einem Baarbäfhel befegten Schwanze (Leo L.). 
Degen feiner Stärke, feines Muthes, feiner brülfenden Stimme, feie 

‘are bligenden großen Augen, ernfler. Miene, und überhaupt wegen 
feines Furcht einflößenden Anſehens wurde er fhon von Alters her 
der König der Thiere genannt, daher das Weiwort der koͤnigliche 
Löwe. Bei den Diätern heißt er häufig nad einer alten Form der 
Leu ober Lee. ©. d. Davon ber Loͤwenkopf, bie Linenmähne, 
die Loͤwenklaue, ber Loͤwenblick, bie Lömenmiene ıc., ber Kopf, 
die Möhne, bie Klaue, der Bit, die Miene ıc, einss Löwen, Der 
fogrmannte Amerikaniſche Loͤwe (Felis coneoleor L.) hat außer den 
allgemeinen Geſchlechtsbennzeichen mit bem Loͤren ber alten Welt faft 
keine Ähnlichkeit weiter, als etw fahlgelbes ungefledtes Frl. Gr if 
ebenfalls ſehr räuberifh, fleht aber unferm Eiwen an Stäͤrke weit 
nad. Bon einiger Khnlichteit an Kopf und Balfe führt auch ein 
Seethier den Mamen Lime, ber Seeldwe. S. d. Der Ameiſenloͤwe 
führt biefen Nomen, weil er in Anfehung feiner Raubſucht mit dem 
Löwen verglihen werden Tann. In ber Sternwilfenfhaft führen auch 
wei Sternbilder ben Ramen Löwe; ber grofie Loͤwe, im Ahierkrtiſe 
ywifhen bem Krebſe und der Jungfrau; ber Pleine Löwe, zwiſchen 

- ben großen Loͤwen unb bem großen Bären. 

Der Löwenaffe, —n, 94. —n, eine Art Heiner langgeſchwünzter 
Affen in Amerita, etwa 93oM lang, welde wie bie Loͤwen am Kopfe 
und Balfe langes buſchichtes Haar und an der Epige bes Schwanzes 
einen Haarbuͤſchel haben; auch Loͤwenkatze. Der kleinkoͤpſige Lis 
menaffe ift demſelden ſehr Ahnlich und weniger zärttich; ber Rofenaffe. 

- Das Lömenauge, —d, 94. —n, bas Auge eines Limen; dann, 
ein flarr blidendes, Kraft, Muth ober auch Grimm bligendes Auge. 
„Die koͤwenaugen zolend ringelt fie ben Schlangenſchweif über den 
Blegenleib" ıc. Benzel ⸗Sternau. 

4 Der Löwenbändiger, —s, 3. gl. ein Starker, ein Held, wel: 
er Löwen bändiget, überwindet. 

— den Limenbänbiger, 
Den Miefentötter Aicihes. — Berber. 
Unelgentiich und dichteriſch wirb auch dee Birbesgott ober bie Eiche 
ſelbſt, fofeen ihr nichts wiberfiehen Fann, ein Lömwenbändiger genannt. 
Wis überftrigt der Liche Milnremögen ? ©. 
Der Loͤwenbaͤndiger, ber mich beſchütt, iſt fie. Mirlamb, 
& Loͤwenbeherzt, adj. u. adv. beherst, muthig, fähn wie rin Sbwe, 
Srſt den Gemahl verlor ich den Tapferen, Loͤwenbeherzten. Bo$. 

Die Loͤwenbirn, By. —m, rine vorzäglihe Sorte Birnen, welde 
oben flumpf umb unten ſcharf gefpipt find und die ſich fange Halten. 

Das Loͤwenblatt, —es, 29. u; der Name eines Pflanzengefäleäten, 
beifen Blumen aus ſechs Iomalen, wechſelsweiſe größern und klei— 
neen Kelch: und fehs viel längeren, eifoͤrmig zugefpigten Blamen: 
biättern, fehs unten an den Blumenblättern befindlichen Honig 
(duppen, ſechs ſche durzen Gtaubfäden und einem kurzen, ſchlef anı 


157 


Loͤwenh 


figenden Griſſel mit tinfſachem Staubwege defte hen (Leoutopetalum 
Tourn. Leontice L.). 

Die Loͤweneidechſe, 9. —n, eine kleine ſchoͤne und unfhäblihe Ei⸗ 
dechſe in Karolina (Lacerta sexlineata L.), 

+Die Lömwenfohre, 3. —n, in manden D. D. Beenden, ein Name 
des Arummpolzbaumes. j 

Der Lömwenfuß, —ıs, BY. —füße, der Buß eines Löwen, in welder 
eigenitihen Bedeutung allein bie Mehrzahl Statt findet, In ber 
Pflanzenbefhreibung führen biefen Ramen x) ein Pflanzengeſchlecht, 
beſſen Blüte Beine Blumenblaͤtter, ſondern einen einblattigen, xöhe ' 
zenförmigen, mit acht bie zehn Einſchnitten verfehenen Kelch, vier, 
zuweilen fünf forıe Staubfäben, einen verfhirdentlih geſtellten @rif: 
fit und einen Inopfförmigen Etaubweg hat (Alchemilla); aud Lös 
mwentappe. Der gemeine Loͤwenfuß (Alchemilla vulgaris L.) fühet 
auch die Ramen Sinau, Gürdengänferih, Günfelgrün, Mariens 
mantel, Frauenmantel, unfrer lieben Frauen Nachtmantel ıc. 
2) Dir Bärlapp (Lycopodium alpinum L.). j 

& Das Löwengefühl, —es, My. —e, ein Sefuͤhl welches ein Lime 
hat, J. B. das Gefäht feiner Stärke 1, Uneigentlih, das Gefühl 
hober Kraft, hohes Mluthes ıc, 

D 


vg — — — — — 
Ihm nicht ein Loͤwenge fuͤhl in bie Behälterbes Bluta? Th ämmel. 

O Das Löwengefpann, —ed, Di. —e, ein Geſpann von Löwen, 
500 vorgefpannte Lönen. Eybele mit dem Löiengefpanne. 

— Dft von Löwengefpann bahergerollt mit bes Sturmes 
Schnelle — — Sonnenberg. 

A Loͤwengleich, adj.u.adr. gleich einem Löwen, ſtark, muthig, kuͤhn wie 

ein Loͤwe. Wie ruͤhmt die Gage meines Waters Kraft 
Des Ehhnen loͤwengleichen Herkulesniät. Bürger. (R.) 

& Der Loͤwengrimm, —ed, 0. 3. eigentlich, der Grimm eine 

Löwen; umeigentlih, ein fürhterliher verderblicher Grimm, 
Der junge Graf vol Loͤrengrimm. &diller. 

Die Lömengrube, @- —n, eine Grube in ober unter der Erbe, in 
welcher man Löwen unterhält. Daniel in der Loͤwengtube. 

O löwenbaft, adj. u. adr. (R.) einem Löwen aͤhnich, far, muthig, 
kaͤhn wie ein Lime. Davon bie Loͤwenhaftigkelt, hoher großer Muth, 
große Staͤrke. „uns fehlte viel an Löwenhaftigleit." Gottw. 
Müller. (R.) 

Dos Loͤwenhaus, —es, My. —häufer, ein Bepättnig mit ſtarken 
Gitternund Falthären in einem eignen Heinenunb wohl vermahrten 
Hofe, Löwen und andere wilbe relßende Thiere darin zu unterhalten, 

Die Loͤwenhaut, 9. —bäute, bie Haut eines Löwen. Der Eſel in 
der Loͤrenhaut. Uneigentlih fagt ein Sprihwort: Wenn bie Loͤ⸗ 
wenhaut nicht giit, muß ber Fuchsbalg gelten, d. 5. wenn Ge 
walt aichts Hilft, fo maß EiR Helfen. | 

Das Löwenberz, —eınd, My. —en, das Herz eines Liwen, Until 
gentlich ı) ber Muth eines Löwen und Äberhaupt, ein hoher Muth, 

Doch Jungſer Johanna hatt’ ein wahres 

kLoͤwenherz. Ki. Schmidt. (M) - 
In weiterer uneigentliger Bedeutung, eine Prefon bie einen ſolchen 
hoben Muth hat und zeigt. Bo iſt in ber Geſchichte ein Koͤnig Ris 
darb von Ergland unter dem Namen Loͤwenhetz bitannt. =) In 
ber Sternkunbe heißt einer der Sterne erſter Größe in bem großen 
Eöwen, bad Loͤwenherz. 

Loͤwenherzig, adj. u, adv. ein Eöwender,, d. h. hohen Muth har 

bend, zeigend. 

ie ganz allein bie loͤwenherz'ge Jungfrau 

Stritt mit dem Wolf unb zang bad Lamm Ihm as. Schiller. 
Davon die Loͤwenherzigkeit. 

Der Loͤwenhund, —es, 4. — ; Bo. bad Loͤwenhuͤndchen, eine 
Art Eleiner Scheoßhunbe, welche am Halſe, an ben Fuͤßen und am 
Ende bes Schmwanzes lange zottige, am übrigen Körper aber gang" 
turze Haare haben. 





Loͤwenj 


Die Loͤwenjagd, 2. —en, die Jagb auf Löwen. 
Der Köwenjäger, —, 39. gl. ein Yiger, ber auf Löwen jagt. 
Die Löwentape, By. —n, f. Loͤwenaffe. 


158 


Luchs 


Semmerwurz, Sonnenwurz, Schmeerwurz, Schmeerkraut, böfe 
Blume, böfer Heinrich, Maiwurz. 5) Su der Sternkunde, ber 
Rame eins ber beiten Sterne erſter Größe im großen Löwen. 


Die Loͤwenklaue, . —n, die Alane eines edwen. In der Plane O Der Loͤwenſieger, —s, 2M. gl. der Sieger über einen Löwen 


zendsfhreibung führt auch biefen Ramen biejenige Pflanze, welche 
häufiger Bärenfiau genannt wirb (Acanthus L,); in biefem Falle 
in ber Mehrzahl ungewoͤhnlich. 

Der Loͤwenkopf, —es, 3. —köpfe, der Kopf eines Loͤwen; in ber 
Naturbefhreibung, ber Rame einer Wazzenfhnefe mit dicken Nähten, 
und mit einem langen gebogenen Schwanze (Murex pyrum L.), 

O Die Loͤwenkraft, 34. —kraͤfte, die Kraft, Staͤrke eines Löwen. 
Uneigentiih, A eine fehr große Kraft. 

Kus biefen Beilen drehtt ihr ihm Bande, 
Die feine Loͤwenkraft boch nit zerreißt. Gollin. 

4 !öwenkühn, adj. u. adv. wir ein Eme kügn, im pödften Srade 

tüpn. — — das iſt 

Der Uhwenkuͤhne Juͤngling nicht. Schäller. 
Davon bie Loͤwenkuͤhne oder Loͤwenkuͤhnheit. 

Das Loͤwenmaul, —es, By. —mäuler, das Maul eines Lösen. In 
ber Pflanzenbefhreibung ber Rame 1) eines viele Arten enthalten: 
ben Gflanzengefchledjtes; ohne Mehrzahl. Der flehen bleidenbe Kelh 
dei bemfelben if in fünf laͤngliche Abſchnitte getheilt, bie hoͤcerige 
Röder bes larvenartigen Blumenblattes enbigt fi in zwei Lippen 
unb enthält zwei fürzere Staubfäben, been Staubbeutel nahe bei 
einander ſtehen, und einen Griffel mit ſtumpfem Staubwege (Antir- 
rhinum L.); bei Anbern au Hundskopf. Linne hat ben Frauen 
flach® damit vereiniget. =) F Des Enoligen Erdraudes (Fumnria 
bulbosa L.). 4 i 

& Der Loͤwenmuth, —es, 0. Dig. ber Muth eines Löwen; dann, 
hoher, großer Muth. BStieler. „D nur zu gut kenn' ich biefen 
Feuergeit,, — diefen Lömenmuth,“ Benzel: Sternau. 

mit Loͤwenmuth den Kaubenfina bewaffnen. Shiller, 

I Die Lömenmutter, Dig. —mütter, bie Butter von Even, b. h. 
eine Loͤwinn. Schwer it's Loͤwenmuͤtter binden, 

Schwerer, felbit ſich überwinden, I. Rift. 

& Der Eöwennaden, —s, 2%. gl. eigentlih ber Racken eines Lbs 
wen; uneigentli, ber Racken eines ſtarken, muthigen Menſchen und 
ein folder Menſch ſelbſt. 

Derfer, bie vor Nabird Winf erfHrafen, 
Schuͤtteiln unmuthvell vom Loͤwennacken 
Das verhaßte Ich der Knechtſchaft ab. Falk, (M.) 

Das Loͤwenohr, —es, 2. —m, eigentlich bas Ohr eines Löwen; 
uneigıntlih, bee Rame einer Pflanze auf bem Worgebirge ber guten 
Boffnung (Phlomis leonotis L.). 

O Der Loͤwenpanzer, —s, 3. gl. eine Loͤwenhaut als ein Panzer, 
— endlich fehen wir ihn im Lömenpanzer, aber" ıc. Derber. 
x Der Löwenpfennig, —es, 94. —t, Pfennige auf welche ber 

Eime, welchen bee Ranzherr in feinem Wappen führet, geprägt iſt. 

Der Löwenrobbe, —n, 94. —n, f. Seeloͤwe. 

Der kLoͤwenſchuͤtze, —n, 4. —n. ı) Gin Schäge, welher Lünen 
erlegt ober zu erlegen fuht; eim Loͤwenfaͤger. =) + in Name, 
welhen ſich an manden Orten bie Beckerknechte beilegen, weil ihnen 
Kaifer Karl ber Bierte denfelben zugltich mit einem Löwen in ber 
Fahne gegeben haben fall. 

Der Loͤwenſchwanz, —es, Di. — ſchwaͤnze, ber Schwanz eines 2: 
wen. Uneigentlid beiezt man mit diefem Namen 1) eine Art ars 
fhwänzter Affen in Bengalen, bie fih von Früchten, befonders aber 
won Buderrodre nähret; auf der Waldgeifl. 2) Ein Pfiangenger 
ſchlecht, deffen Blume zweilippige Mlumenblätter, zwei höhere und 
zwei niedrigere Staubfäben und einen sinfahen Griffel Hat (Leonu- 
zus L.). 5) Eine auf bem Borgebtege ber guten Goffnung einheis 
mifhe ſchͤne Pflanze (Phlomis leonurus L.). 4) Ein Rame des 
Harfmäundens (Orobranche major L.); au Erbfenwürger, 


obere über Löwen; überhaupt, ein maͤchtiger Gieger. 

Zapfer iſt der Loͤwenſieger. Herder. 

& Der Loͤwenſinn, —es, o. Gh. der Sinn, d. h. ber Muth, bie 
Großmuth ıc. bes wen; bann, großer hoher Muth, 

Löwenfinn hat mit dem Leben 

Mars dein Vater bie gegeben. A. Efherning. 

A Der Loͤwenſohn, —es, 94. — ſoͤhne, ein Sohn bes Löwen gleich⸗ 
fam, d. d. ein Mann mit Eöwenmuth und Löwenfbärte, 

— des Schwerts Novi; 

If dieſer Loͤwenſohn. Ungen. 

A Löwenftarf, adj. u. adr. ſtark wie ein 83we, ſehr Karl. „Hein, 
dagegen (gegen bie Gewalt des Schickſals) bin id Löwenfiark, ſodald 
nur mein Gerz an deinem Hopft.* 3. 9. Ritter. 

Mas ibn fiher kann bededen 

If fein Löwenftarder Sinn. S. Dat. 

A Die Loͤwenſtaͤrke, o. My. bie große Stärke des Amen; dann über⸗ 
haupt, eine ſetzt große Stärke. 

Die Loͤwenſtimme, 3. —n, bie brülende, färhterlihe Stimme bes 
Löwen; bann, A rine fehe ſtarke fürdterlige Stimme überhaupt. 
a Die Lömentapferkeit, 0. Big. eigentiih, die Tapferkeit deB 24 

wen; uneigentiid, eine große autgezeiknete Tapferkeit. 

Auch wie cr (Bachus) einft im Goͤtterſtreite 

Mit wahrer koͤwentapferkeit 

Den ſtaͤrkſten Miefen felbh erfhlagen.. Hageborn. 

x Die Löwentappe, By. —n. ı) Die Tappe, Fuhtapfe eines &bmen. 
2) Ein Rame bed Böwenfußes; ohne Mehrzahl. S. Loͤwenfuß. 

Der Loͤwenthaler, —s, 3. gl. eine Helländifhe Gitbermänze, auf 
melde ein Lime geprägt ift und melde ı Rtblr. 5 Br. in Golde 
gitt. Man hat aud; Heine Sömenthaler, welche 17 Gr, gelten. 

+ Das Löwentlinnen, f. Lewendlinnen. 

Die Löwentute, Wy. —n, in der Raturbefhreibung, eine Art längs 
lider Zuten in Oftinbien, weiß, mit gelben Fleden und am Wirbel 
sehöent (Conus varius L.), . 

Der köwenmwärter, —s, 4. gl. ber Wörter eines koͤwen, befom 
berö bei einem Lömwenhaufe. 

Der löwenzahn, —es, 9. — zͤhne, bie Bühne eines Eiwen, und 
denfeiben ähnliche ſtarke Zähne, 

S:hnaubend blöde (bledt) es feine Loͤwenzaͤhne. Kart. (M.) 
Nneigentlih und ohne Mehrzahl führt in der Yflangendefhreibung 
ein Pflangengefhleht biefen Namen, beffen Biäte aus vielen, tinan- 
bee Ähnlichen, zungenförmigen Amwitterblämden gufammengefept ift, 
deſſen gemeinſchaftlicher Aängliher Kelch aus vielen über einander 
liegenden Shuppen beftchet, deſſen vervachſener, mwalsenförmiger 
Staubbeutel auf fünf ganz kurzen Staubfäden ruhet und beffen Grif⸗ 
fel fi in zwel krumm gebogene Staubwegt theilet (LeontodonL.). 
Sehe bekannt it der gemeine Löwenzahn mit jurüdgefälagenen 
Kelchſchuppen, weicher auf allen Wieſen, Grasplägen m. geib biür 
bei, in allen feinen Theilen einen milchichten bitterlihen Saft hat 
und gute Heilfräfte befigt (Leontodon taraxacum L.,), Er heißt 
auch Butterbiume, Dotterblume, Eierbiume, Auhblume, Pferde 
blume, Saubliume, Moͤnchskopf, Pfaffenbiatt, Roͤhrchenkraut, 
Ruftröbriein. Bruſtebhrlein, Milchſtock, Wiefentattig, Pappen» 
kraut, Seichkraut, Sommerborn, Sonnentwurzel, Kettenblume ic. 

Die Loͤwenzahnraupe, 9. —n, sine Art Raupen, welche auf dem 
Eiwenzabre lebt. 

+ Das Luch, —es. 9. —e, in manchen Gegeuden, eine fumpfige 
Gegend, ein Moraſt. S. bag Koh. 

Der Luchs, —es, M. —e. 1) Ein zum Katzengeſchlechte gehorendes 
wildes Thier, welches mit der Hauskatze die meifte Äpntigkeit, aur 


Luchs 


einen kaͤrzern Schwanz mit ſchwarer Spitze und zugeſpitzte oben mit 
einen Hyarbäftel brispte Opern dat, auch iſt #8 größer und von 
Barde gexdhmiih röthlich und gefirdt Felie Iynx L). Ran unters 
ſcheidet den Kalt luchs odes & das Luchſkalb, den Katzenluchs oder & die 
kuchskahe, Kitſchluchs. S. d. Bet den Jagern iſt aud die Kuche 
finn vom Weibchen gewöhnlich. Uncigentlich neunt man einen ſehe 
fHarf fehenren Menden einen Luchs, weil biefer ein ſchar fes Geſicht 
bat. ©, Luchsauge. 2) Eine Art Porgllanfhneten im Inbifden 
Meere, auf Madagaskar ıc, mit kletnen Fi dan (Cypraca Iynx L.); 
aud die Mafernperzeflane, die Zommerfleden. 3) In ber tern: 
wiſſenſchaft ift der Luchs sin Eternbild zwijgen ben Fuhrmanne und 
dem großen Bären. 

Das Luchsauge, — , ig. —n, bas ſcharf fehende Auge bes Bud 
fes. Warigentlih fagt man von einem Menſchen, er habe Yuchdaus 
e wenn er aus großer Kerne ſehr ſcharf, beutlih fiehet, „Das 

ucsauge bes Argwohns.“ Kofegarten. 

Dir Luchöbalg, —8, 94. —bälge, ber Balg ober das abgeſtreifte 
Fell eins kuchſes, ein ſchönes und keſtbares Pelzwerk. 

& Daß Luchskalb, die Luchskatze, f. Luchs a). 

Luchfen, f. kugen. 

+ Der Luchſer, —8, &. gl. bei ben Iägern, die Ohren des Wildes; 
bei Anderen Lufer, Loſer. 

Der Luchsſapphir, —e, Bi. —e, ein blaßgelber gefledter Sapphir, 
wie bie gefleckte Haut tes Luchſes. 

Der Luchsſtein, —es, 9. —e. 1) Der Rame eines gelben Halb⸗ 
ebelfteines, welcher eigentlich rim Achat ober feiner Hornſtein if 
(Lyncurus), =) @in Name bes Fingerſteines (Belemnit), 

I. Dietüde, 99. —n; Um. das Luͤckchen, eine fehlerhafte Öffnung, 
befonbers am Nande eined Körpers, der Ort, bie Stelle, wo etıras 
in.einer Reihe mehrerer Dinge fehlt. So heißen bie ausgebroche- 
nen Stellen in ber Schneide eines Meffers oder jeder Klinge Yüden; 
auh Scharten. Die Läden ausfähleifen. Cine Luͤckt in einer 
Mauer, eine fehlerhafte Stelle in einer Mauer, wo Steine fehlen, 
wo man hindurch Tann. ine Lüde in die Mauer, in den Mal 
ſchieſen (Breche fliegen). Cine Lüde im Wäherbrette, wo ein 
Bud oder mehrere Bücher fehlen... Gine Luͤcke in einer Handſchrift, 
eine Stelle wo etwas fehlet, ausgelaffen iſt. In feiner Kaffe fand 
fh eine große Luͤcke, fehler viel Geld (fand fi ein großer Defect). 
Eine Luͤde ausfülen, zumachen, chemahls eine Füde büfen. „Da 
fie Höreten, daß bie Mauren zu Jeruſalem zugemadt waren, und 
baf fie die Luͤcken angrfangen hatten zu büßen« (bie @ädten zu büßen 
angefangen hatten). NRebem, 4, 7. Die Lüde büfen möäffen, die 
Stelle eines Andern ausfüllen, vertreten müfen, in Grmangelung 
eines beffern, und damit die Stelle mur nicht leer fel, oder in eine 
unangenehmen Gadıe, 

2. + Die Lüde, 4. —n, im N. D., z. B. im Heolfteinfden, ein 
eingefriedigtes Städt Felb vom mittler Größe, 

+ Luden (Kuken), v. mtr. mit haben, Keransfahren, vom Heuer, 
mit ſchnell bin: und berfahrender Flamme bernnen. ” 

. Die Flammen luckten wild heraus 
Durch bie zerſchmolz'nen Benfter. Blumaner. (R.) 
D. Luden. 

X Der Lüdenbüßer, —, 99. al. ; bie —inm, 9. —en, eine Per⸗ 
fon eber Sache, welche in Ermangelung einer beffeen bie Stelle ei» 
ner andern fehlenden erfeden muß, oder bloß damit diefe Stelle nicht 
Teee fei. Zum Luͤckenbuͤßer it er gut genug. „Menſchen, bie Slof 
Küdenbüfer in ber Gefenihaft find." Rofegarten. Auch mäßige 
Wörter, befonders in Werfen, und in Schriften Ales was nur dient 
eine leere Stelle auszufüllen, 3. B. ein Geſchichtchen oder dergleichen 
in einer Beitfärift, einer 3eitung ıc., weil man flatt derſelben nidts 
Befferes bat, nennt man Luͤckenbuͤßer. 

X Die Lüdenbüßerei, 34. —ın, (R.) die Ausfülung einer Side 
mit einer Bade, befonders einer ſorchen, beyen man fh nur in Ex 


159 


Rude 


mangelang tiner befferm dazu bebient; im fabelnber Webeutung. 

O tüdenbaft, adj. u. adv. Lüden Habend, mangelbaft, unvelliäne 
big, aicht in Aufammenkange, „Eben fo erhalten bie Borfäle des 
Ebene wenigfiens eine luͤckenhafte Anfiht.*r Thämmel Davon 
bie Lüdenhaftigkeit. 

Das Luͤckennetz, —es, 3. —e, bei den Iägeen, eine Art Hafens 
garne, welhe man zur stadt vor bie in dem Lappen gelaflenen Läden 
Rent, Haſen und Bächfe damit zu beräden und barin zu fangen; 
auch Laufbgarn und Laufhneg; im D, D. auch Lucknetz. 

Luͤckig, —er, —ſte, adj. u, adr. Fäden hadend. Gin luͤdiges Miefs 
fer. Die Kıinze if Ikäig. Uaribiig ſaht bufür Ghron. 52, 4 
„Lidichte Mauren", wac Mauren fein würten, die einer Rürte oder 
Lüten aͤhnlich find. S. aus zahnluͤchig. Davan bie Luͤckigkeit. 

+ Das Lucknetz, f. Luͤkennetz. 

f Die Ludihnur, 94. —ſchnuͤre oder —ſchnuren, dei den Jaͤgern, 
eine mit einer Schelle verfehene Schnur an einem Lädennege, melde 
bem Jaͤger das Brihen giebt, baf ein Hafe dem Netze nahe if. 

+X Die Ludel, By. —n. ») Ein Zeintzefhter für faugende Kinder, 
welches eine Roͤhr / mit einer Warze hat, bush weldhe fie bas Ger 
traͤnk wie aus ber Bruft faugen; aud der Lutſcher, dad Suugborn, 
wenn es bie Grflalt eines Hornes bat, S. Kinderdutte. =) Eine 

.  Zabalspfeife; im verädtlichen Sinne. 5) InBaiern, ein unreines 
Wafler, eine Lade, 

Das Ludelborn, —es, Di. — hoͤrner, im Gefsägwefen, bas Puls 
verhorn ber Kanoner, mit feinerem Pulver, welches fie als Zuͤnd⸗ 
frant auf die Kanonen [hätten, fie abzufeuern, 

+ Die Lupdellerche, 2. —n, bie Baumlerhe, Heibelere (Alauda 
arborea L,). 

+ X Der Lubelmacher oder Zubler, —6, 3. gl. ) Eigentlich, 
einer ber Lubeln macht. S. Ludel ı u. a). Beiden Webern, eine 
fSimpflihe Benennung folder Meber, weiche mit fünf Gchäften wer» 
ben, fo diel wie Stuͤmptr. 

+ x Lubeln, v. intrs, 2) Soviel als faugenz in andern gemeinen 

Sprebarten lollen, lullen, lulken, Lutfhen ı. =) Töne ohre 

Worte fingen, lullen. D. Lubdeln. 

» Das Luder, —#, 2. gl. ı) Überhaupt das Fleiſch größerer Thiere, 
melde wir nicht zu effen pflegen, befonbers von Pferden. Gin Pferd 
befömmt Luder, fept Yuder an, wenn es Fleiſch anfeget, did und 
ſtark wird, Das Luder faͤllt dem Pferde vom Leibe, wenn ed mager 
wird. Die Iagbhunde füttert man mit Luder, mit bem Fleiſcht für u. hs 
ungenießbarer getöbteter Pferberc, In engerer Bedeutung, das Fleiſch 
geforbener Thiere, befonders wenn es im Fäulnif übergegangen ift; 
das Aas. Es linkt wie Luder. Dann, ein todtes verweſendes Thlec 
ſelbſt. Bier liegt ein Luder. Uneigentlih ſchimpft man in ber nice 
drigſten Sprechatt auch einen Menſchen, ber entweber ganz gichts⸗ 
wuͤrbig und abſcheulich iſt, ober dem man feine hoͤchſte Verachtung 
dezeigen will, ein Luder, einen Luderkerl ıc.; und noch fllıke 
Schindluder. Seltſam, daß daſſelbe Wert, Luder, im ber niedti⸗ 
sen Sprechart Oberſachſens zu einer Schueicht lbenenmung geworben 
iſt, die ſelbſt der Liebhaber feiner Geliebten gibt. Gi, du kleines 
Ruder! Du Luderchen? Der Begriff des HöhR Abſcheulichen, Richts⸗ 
würdigen und Beräätlichen wird mit dem Worte Luder auch no im 
einigen Ausbräden verbunden, melde vielleicht bicher sm rechnen 
find. Sich dem Luder ergeben, im Luber liegen, leben, fid elacım 
abſcheulichen, unflätgigen Leben ergeben, auf folde Art eben, mas 
bei man ſchon dei Ichenbigem Leibe zum Luter wir 2) Bit dem 
Zigern, eine Lodfpeife für milde Thiere, fofern fie oft in einem 
Luder beſtehet; daun Überhaupt, eine jede ſtatk riechende Bodiprife für 
wilde Thiere. So it bas Yuder, Füchfe anzuloten, eim ardratınee 
Saͤring, ober audy Brot in Schmweinefett gebraten. Ja weiterer Bee 
deutung iR bei den Falkenern das Ruder ber machgemadite Mogel, 
momit fie den Falten zurädiodm, 

2, *%* Das Luder, —6, By. gl, themahle fo viel als das Epkel 


Lude 


160 


Luft 





„Sein Luber mit einem treisen ‚« fein Spiel; im Geidenbuche. Die Luft, My. Lüfte, 1) Derjenige, höchſt buräfihtige, HEAf feine 


In der nichrigften Eprehart fagt man noch Luder oder Schindlu— 
ber mit einem fpielen, mit ihm niedrigen herabwürbigenden Eher; 
treiben, * 

Die Luderhuͤtte, By. —n, bei ben Jagern, eine Hätte, in bern 
Nähe wilbe Thiere durch Ruder gelodt werben, um fie von der Hätte 
aus ſchleßen zu Binnen; bie Schiefhätte, 

Die Buderfräbe, 94. —n, ber Schwarzſpecht (Picas martius L.). 

% Das Lubderleben, —6, o. 9. ein hödfiiederlies, ausfhwei: 


fendis Reben; ‚zuweilen auch nur, ein höͤchſtbeſchwerliches, müde 


fames, —* er 
uͤderlich, f. Lieberlich. 

uns I) intrs, 1) Bei ben Fügen, Buber aber Xas freffen. 
2) £ Auf eine abſcheuliche, niebeig ausfhwrifende Art leben, Sich 
anf das Yuberm legen, Ghrmahls bedeutete ludern 3) and fpieien, 
fo wie Luder Epiel. S. 2. Luder. II) trs, bush ein Luder, 
d. H. eine ſtark ziehente Eodfpeife anlodın; befonders bei ben Iäs 
gten. Ginen Fachs ludern. In weiterer Bedeutung, den Falten 
udern, ihn durch einen nachgemachten Bogtl oder durch Werfung 
bes Febderſpieles wieder an ſich Ioden. — D. Zubern. 

Der Euderplag, —ı®, 94. —plaͤtze, bei ben Iägern, derjenige Plat, 
wohin man bie wilden Thiere ludert, oder durch uber lodt, ©. 
Luder 3) und Lubern II. 

Der Kuberrabe, —n, 9. —n, ber Brofilifhe Beier, Aasgeier 
(Vultur aura L,); aud, ber Kahlkopf ıc. . 

+xX Der Lubler, —s, Mr. gl. f. Ludelmacher. 

Eubolph, —s, —en, ein Monnstaufname, ber jet feltener vorfänmt 
als font und im R. D. in Yulf, verkleiat Lülfchen zuſammengezo⸗ 

wird, . , 

Sudwig, —e, —en, ein Mannstaufname, im N. D. Lobdig, Luͤdeke, 
Luͤtke, in Balern Witkerl. 

Die Ludwigsbirn, . —en, eine Sorte Birnen (Louise bonne), 
Remnid. . 

Der Ludwigsorden, —s, 2. ol. ein Orden, oder mehrere Orden 
von den ehemapligen Königen (in Frankerich) Namens Ludwig geſtiftet. 

O Die Ludwigspiſtole, 9. —n , eine Piftcle oder ein Golbtäd 
von fünf Thalern, welches ben Namen von den ehemahligen Könis 
gen dieſes Namens in Frankreich bekommen hat (Louis d'or). 

Der Ludwigsritter, —s, 2. gi. ein Mitter des Lubwigsorbens, 

+ Die Luf, 2. u. oder die Luffeite, 9. u. in ber Gerfahst, bie 
Windfeite; im Begenfah bed Ters ober bee Berfeite. Die Luf ge 
winnen, ober, einem bie Luf abflehen, ihm bie Winbfeite abge, 
winnen. S. Die Luf halten, gut beim Minde fegeln, unb nicht ads 
treiben. Ein Schiff, welches biefe Gigenfhaft hat, heißt ein guter 
Lufhalter. Davon bie Lufbraffe, Lufpardune, Luftvand :c, bie 
Braffen, Yarbunen, Bänder ıc. am ber Luffeite rines Schiffes. 

Der Yufbaum, —es, 3. — baͤume, gewiſſe flarke Bäume oder Hd: 
ser, deren man fi beim Kielpolen eines Schiffes kebient. 

rafle —n, f. Luf. 

iu — * =. —— in der Setfahrt, biejenige Seite 
bes Buges, woher ber Wind blaͤſet. 

+ Die Luffe, 9. —n, im R. D. 3. B. in Braunſchweig und Han: 
noder ein Bacwert von grobem — ‚ und, wenigſtens in 
Braunfiäwelg, von länglihrunder Beftalt. 

Eufgierig, — —ſte, adj, u. adr. von einem Schiffe, berwiegen⸗ 
be Reigung abend, fih mit bem Worbertpeile ber Richtung bes 
Windes zu nähern ober anzulaufen, meldes gewöhnlih geſchiehet, 
wenn es bei einem farfen Winde viele Segel führt. Davon bie 
Lufgierigkeit. 

Die Buf — ber Luſhalter, die Lufſeite, ſ. Luf. 

Das Luſſpann, —es, Ay. — e, im Schiffbaue, ein Spann im Bor 
füiffe, beſſen Belauf fih gleid if und welches ſich ungefähr in der 
Gegend befindet, wo der große Hals zugeſeht wird. 


fpanntsäftige und Jläffige Körper, welchte srar nit ſichtbar aber 
füpibae it, weicher bie ganze Erde umgicht, jehen Ieerın Raum in 
andern Köspern esfült und zum Leben ber Thiere und Pflanzen 
unensbehetih. iſt. Luft fhöpfen , Athem holen, Beifhe Luft ſcho⸗ 
pfen. In freier Luft, Aderall von Luft umgeben, in der Luft 
ſchwebend, wie auch im Freien, in keinem eingeſchloſſenen Raume. 
Der Sqall entſteht in der Luft, Der Druck ober bie Schwere ber 
Luft, Die Schwere und Dichtigkeit ber Luft meffen. Die Luft 
aus einem Haume pumpen, benfelden vermittelt eines Fünfklichen 
Wertztuges Auftiere machen odır dach bie Luft darin fehr verbäns 
nen. In bie Luft fehten, ſchlagtn, einen vergebligen Schlag in bie 
euft hun, Ich ſechte alfo, nicht als der, ber in bie Luft reis 
Set," one zu treffen. ı Gor. 9, 26, In bie Luft zeben, ſprechta, 
dergeblich, opme etwas dadurch dei Antern zu bemirfen, Gewöhns 
lich wird unter Luft allein (dom die freie Kuft, wie fie bie Erde 
umyieöt, die nit eingeſchloſſen ift, verftanten. In bie Luft gehen. 
Die Luft nigt vertragen fönnen, „Wie Sie befehlen, aux dap ih 
mid mist zu lange in ber Luft aufhalten basf.e Geller. Et 
was an bie Luft Iegen, an ber Luft teotnen, im ber ferien Euft. 
Simwas vor der Luft oerwahten. Einem Baume Luft machen, bie 
überflüffigen Aſte und Imeige ab/hneiden, baf bie Euft freien Dur 
gang zwifgen den übrigen Uften Habe, Der Kiurjel bes Baumes 
Luft maden, durch Aafzrabung ober Auflocerung bes Erbe um bie 
fee. Sinem Eciffe Luft geben, es Lüften, ausiäften, die verfhlofs 
fene unreine Luft aus bem Schiffe ſchaffen uub feifhe Luft hinein. 
bringen. Einem Volldlaͤtigen Luft maden, bush Kblaffeng eines 
Thelles von Blute ber Lust mehe Zutritt und dem Bollblütigem bas 
bush Erleichterung verfhaffen. Luft befommen, felihe Luft 
bon außen bekommen, oder wieber atmen fönnen, wenn man ge 
preßt, beengt oter wenn einem die Luft benommen war; und unel: 
gentiiß, von einem brüdenden Übel, einer Weingfligung te. befzeiet 
mizden, Erleichterung befommen. Ginem Gepreßten, Bedroͤugten 
Luft machta, dasjenige, mas iha am freien Athemholen Hinberte, 
entfernen, und uneigentlid, ihn von einem Übel, das ihn bellcmnt, 
ängftıt, beftelen, ober doch baffelbe verzingern. Seinem Herzen 
Luft machen, daſſelde durch Mittheilung besjenigen erleichteru, wo⸗ 
durch es beflemmt, gepreßt, geaͤnaſtet wird. Einem Gebanken Luft 
machen, ihn miteheuuen. In allen dieſen Fällen und we es nicht 
burg ein eigenes Beilegungswert anders beflimmt wirb, if bie fo- 
gtnannte gemeine luft (gas atmosphaericum, gas ventosum, ner 
etımosphaericus, vulgaris, commıunis) gemeint, melde bie. Erblus 
gel übers gunähft umgiebt, und beren zufällige Befhaffenbeit ver» 
ſchieden if. ine zeine, gefunbe Luft, die feine frembe und bee 
Seſunhrit nachtheillge Theile, z. B. allerlei ſchaͤdliche Dünfte enthält. 
Cine dicke, trübe Luft, wenn viele BDünſte in berſelben fhwimmen, 
end fie weniger durchſichtig iſt. Cine ſchwere druͤckende Luft, die 
dient fremde Theile, als, Dünfle, viel Märmefloff ı. enthält. 
Feuchte Luft, die viele mwäfferichte Dünfte enthält; in Gegenſatz ber 
trodenen. Beide, kalte Luft. Zumrilen if auch ber Rebenbegeiff 
bie Höhe damit verbunden, weil fie ſich hoch über die Erbe erficedt, 
Sich im bie Luft erheben. Die Bögel im der Luft. Cine Feſtung 
in bie Luft fprengen, durch darunter angezündete Pulderminen, 
Des Schiff des Befehlhabers flog in die Luft, weil bie Pulver: 
kammer euer fing. Ehlöffer in bie Luft daren, ſich ungegründete 
Hoffnungen maden, umausführbare Pläne entwerfen. In ber Ru 
tutlehre und Scheibekunſt unterſcheidet man mehrere Arten von Luft 
(Gasartın), wilde man überhaupt in athembare, bie zum Athmen 
tauglich find und das Verbrennen ber Körper beſbrdern (aör respi- 
zabilis) und in unathembare, bie weder zum Athmen noch zur Erhal ⸗ 
tung des Feuers tauglich find («tr irrespirabilis, mephitis) ein» 
theilet, im melde fih theils bie gemeine Luft gerlegen läft, und 


welche fi theils aus ber Aufiöfung verſchledentr Körper, durch Güh⸗ 


Luft 


zung ıc. entwideln. . Deraleihen Luftarten ind: bie des Brenns 
ftoffes beraubte Luft, Lebensluft (dephlogistisirte) f. b.; bie ent ⸗ 
zundbare-oder entzuͤndliche Luft, die Brennluſt, welche ſich bei Be⸗ 
rührung der gemeinen over ber Bebemstuft oter durch Mifhung mit 
derfeisen mit einem ſtarken Rualle entzündet (Gas inflanmahile 
‚leve, gas hydrogenium, ser inflammahilis, mephitis inflam- 
mabilis); ſchwere brennbare Luft oder Sumpftuft, ſ. Sumpf 
Luft; die flußfpathfaure Luft, eigentlich eine wahre, in Euft- 
‚gehalt dargefielte Gäure, auch Zeftige Flußſpathſaͤute (gas 
tluoris.mineralis, gas acidum spalhosum, gas acidum flum 
ricum, aer acidas spathosus, -mephitis fluoris mineralis); bie 
flintende Schwefelluft, f..d.; bie faugenfalzige Kuft, eine uns 
athembarr, ent;änspare mit bem Waffer mifgbare Luft, welde man 
aus bem flähtigen Saugenfalze erhält (gas alcalinum volatile, gas 
ammoniacale, aör alcalinus, mephitis urinosa); bie fohlenfaure 
ober Eohlengefäuerte Luft, au künftiiche Luft, Luftiäure, Sauer 
luft, Kreidenſaͤure, eine unathembare, mit Waſſer miſqhbare Luft, 
welde ſich aus der weinihten Bährung und aus bem milden Taugen: 
falgen und laugenſalzigen Er)en durch Säuren entwidelt, unb von 
welcher bie erflidenben Schwaben ober bie böfen Better ber Bergleute 
berrühren (fixe Luft, gas mephiticum, gas aöreum, gas acidum 
earhonicum, aörfixus, aör factitius, mephitis vinosa, acidum ae- 
reum s, atmosphericum, acidum eretae); verdorbene unreine 
Luft, Stickluft f. Stidluft; bie auf dem Lichtträger (Phosphor) 
erhaltene Zuft, eine eigene unathembare Euftart, welde man ges 
mwöhntih aus dem Bichtträger erhält, wenn er mit einer ägenden 
‚Bauge von feuerbefländigem kaugenfaige gekocht wird (Phosphorduft, 
as phosphoricum, mephitis phosphorica); bie falpeterartige 
— Salpeterluft, f.d.: die ſeeſaure oder kochſalzſaute Luft, bie 
Kohfalzfäure in Luftgeftaltz auch luftige Salzfäure, Kochſalzſaͤure 
(gas muriaticum,, gas acidum muriaticum, asr muriaticu‘, aör 
acidus selinus s, marinus, mephitis muriatica); bie vitriol 
faure Yuft, f. Schwefelluft. Alle dieſe verfhiebenen Arten von 
Luft nennt man nit Lüfte, ſondern Luftarten. Die Mehrzahl 
Lüfte iſt nur gewöhnlih, wenn man mehrere Luftmaffen ober viels 
mehr mehrere Gegenden ober Theile bed mit ber gemeinen Luft ers 
fülten Raumes über ber Erbe bezeichnen will. „Es liebt, was in 
den Luͤften fhwebt.r Bageborn. 
Gin Rorbioind, ber — — 
Mit ftarlen Fittigen die ſchwarzen Lüfte theilet. Schlegel. 
a) In engerer Bebeutung, die leicht oder fanft bewegte Luft, bie 
dem Gefühl bemerkbar wird und leichte Körper als Laub, Mau ıc. 
. in Bewegung feht. . Eine ſtaͤrker bewegte Luft ift Wind und bie 
Luft in heftigſter Bewegung Sturm ıc. Die Yuft koͤmmt von Mit: 
tag, ober wehet aus Mittag. Es iſt ober gehet, wehet eine zaube, 
. kalte, marme Luft. Die Mehrzahl, welde in diefem Falle unge 
wöhntih if, gebraucht Opiz. 
Die Luͤfte, fo bier ſtreichen, 
Sind immer ungefund. 
In biefer Bedeutung ift au das Bw. das Lüften, fehe gewoͤhn—⸗ 
Th. Ein angenehmes, milbes, kuͤhlendes Luͤftchen. 
Die Bruft mit Fler bebeitt, 
Der jedem Lüftchen wid. Seffing. 
Im D.D. lautet dies Wort häufig + ber Rufe, und bei ben Beraleu: 
ten ik. dafür Wetter gebräubiih,. 5) KK Eimas was in ber 
Luft, in ber Höhe if, und bie Hoͤhe ſeibſt. 
+X Der Luft, —ed, 2. —e, ein windiger, leihtfinniger Menſch; 
in Baiten und Franken. 
%* * Die Luftider, 9. —n, bei ältern Berglicberern, eine Benen, 
nung ber Schlagaber. 
Die Luftart, By. —en, eine befondere in ihren Eigenſchaften ab» 
weichende Art vom Luft (Gasart); and Luftgattung. S. Luft ı). 
O Das Luftbad, —e#, Br. —bäder, ein Bad gleihfam in ber freien 


Gampe's Wörterh. 3. Ih 


— 261 


Luftb 


Luft, d. H. die Autſetung bes entblößten Körpers in bie freie Luft, 
bamit biefe benfelben unmittelbar überall berüpre und ſtaͤrke. „um 


mittelbar nad bem Luftbade ginge man am beflen ins Kalte Mafı 
ferbad.* 3,9. Richter. 


O Der Luftball, —es, I. — baͤlle, ein Ball von luftdichtem Ben 


ge, welcher mit brennbaree ober bloß verbünnter Luft im bie Hi 
fteigt und nad Berhättnig feiner Croͤſe eine größere ober geringere 
Laft mit fi in bie Höhe nehmen kann. Die Erfinder deſſelben wa ⸗ 
wen die Sebruͤder Montgoifiee im Jahre 17682. Gpäterhin verfer⸗ 
tigte man ſolche Baͤle von ſehr anfehnliher Größe und befeftigte 
unterhalb beffslben an Seiten ein Meines Chif worin Menſchen mit 
in die Höhe fliegen. . Mon mannte. das Ganze ein Luftſchiff ſowol 
wegen dieſes angehängten Schiffheas, als aud weil man mit biefem 
Balle buch die Luft ſchiffte ober fuhe (Adrostat, Montgullöre, 
machina aörostatica, £uftballon), 


O Der Eufibau, —es, 9. —e, ein Bau in der Luft gleidhlam, 


‚ein -unfigerer Bau der feinen feflen Grund hat. — ſteht es (bäd 
Gebäude fpähender Weisheit) nicht auf ber fern, Erbe, [a ſiehe 
nicht bin, ter kuͤnſtliche Luftbau faͤlt.⸗ Herdber. 


Der Luͤftbaum, —es, 3. — baͤume, bei ben Windmäleen, ein war 


gerehter Baum ober Debel, welcher mit der Lüftung vereiniget if, 
und dazu dient, bie Müphifteine zu lüften, d. h. den Bäufer, wenn 
es möthig if etwas Höher zu flellen, damit zwiſchen den Steinen 
mehr freie Raum fei. 


Die Luftbegebenbeit, 9. —en, f. Lufterfheinung. . 
© Die Lufibefhpaffenheit, 4. —en, bie Beſchaffenheit ber Luft 


in Anfehung ihrer Wärme und Kälte, Feuchtigkeit und Zrodenpeit, 
Beinpeit und Helle, oder Unzeinheit und Dide, wie auch in Anfes 
hung ihres Finfluffes auf bie Gefundheit, bas Leben, das Wachs⸗ 
thum ıc. (Clima). G. ; 


Das Luftbett, —es, 94. —ın, die Benennung eines grofen Iehers 


nen Sackes, welcher luft: und waſſerdicht gemacht ift, indem man ihn 
mit einer Shmiere von DI, Wade ıc. einfhmiert, und vermittelft 
eines Blafebalgs mit Luft anfält, um fi dann barauf- zu Im 
gen und auf dem Waſſer zu ſchwimmen. Auch, ein dergleichen les 
dernes mit Buft angefülltes Kiffen, beffen man fi in warmen Län: 


‚‚ been zur Aühlung bedient , führt ben Ramen Luftbett. 
» O Der Luftbewohner, —s, Wi. gl; die —inn, BB. —ın, ein 


Bewohner, eine Bemohnreinn der Luft, bie Bögel. Zch hörte das 
Lied der freien Luftbewohner, fatt ber Bitten unerfättlicher Schät⸗ 
linge.* Benzel-Eternau 


O Das Luftbild, —es, 34. —er, ein Iuftiges, gleiähfam in bie Baft 


gemabites Bild, ein Bild, Gebilde der Cinbildungekraft, bas Feine 
Wirkiihkeit Hat und dem nichts Wirfliches entſpricht (Phantom); 
auf, Luftgemaͤhlde und Luftgebilde. 

Sind ihm Luftbilder in ber Weite 

Nicht Getter mehr? — Ungen. (RR) 


Die Luftblaſe, By. —n; 8m, das Luftbldachen. 1) Eine mit Luft 


angefülte Blaſe, ober Luft in Gehalt einer Wlafe, befonders in und 
auf einem flüffigen Körper, bergleihen find bie Euftstafen, die in 
einem fumpfigen Waffer auffleigen, wenn man in ben Boben teffels 
ben fößt, die bei der Saͤhrung im bie ‚Höhe fleigem ıc, Luftblaſen 
im Zeige ıc, =) Cine thierifhe mit Luft angefülte Blaſe, dergiel⸗ 
hen find die Luftblaſen der Wilke, vermittelt deren Ausdehnung _ 
durch eingesogene Luft und Bufammenpreffung fie fih im Waſſer he 
ben und fentın können; auf Schwimmblafe, Fiſchblaſe. 


O Der Luftblitzſtoff, —es, 0. DM. derjenige Birpikoff, welcher ſich 


immer, mebe ober weniger, in ber kuft befindet dufteleetricität). 
Dasjenige Werkzeug, deffen man fi bedient, die Befdafinkeit und 
Staͤrke deſſelben zu erforfhen und zu beobachten kkante nah dem 
fremden @riehifhen Namen Luftblisfloffmeffer (Kıftelectrometer, 
atınosphärisches Electrometer) heifen, wenn bies Wort nicht zu 
hart wäre. 

21 


Luftb 


Die Lufiblume, My. —n, eine Shmarogerpflange in Di: 
indien ,. welche auf Bäumen wählt ( Epidendrum flos 
atris L.). 

Der Euftbrunnen, —s, 9. gl. ein Brunnen ober Gewölbe unter 
der Erde, worin bie eindringende feuchte Luft ihre Feuchtigkelt ober 
ide Waſſer abſeht. 

OX Die Luftbuße, 9%. m. eine Bußt, Büßung in freier Luft oder 
eine Buße gleihfam, weiche in Ertragung jeder Witterung, der man 
fi im Freien ununterbrochen ausfept, beſtehet. „Die Soͤuler heill⸗ 
gen miſchten ſich noch in Weltpänbel und konnten es bei ihrer Hohen 
Puftbuße no nit Taffen mit iprem ſchwaͤrmeriſchen Gifer das Bolt 
yum Aufrube zu reijen.“ Bimmermann, (R.) 

© Die Luftdeutung, 2. —en, bie Deutung, Borberfagung aus 
ben Beränberungen und @efhelnungen im der Luft (Adromantie); 
die Luftwahrfagerei. 

© Luftdicht, adj. u. adv. fo bit, fo genau in feinen Theilen zus 
fammenpangend, daß die kuft nicht durchdringen kann; auf, ® luft 
feft. 6. Glas, Metalle, naffes Leber ıc, find Iuftdichte Körper. @t: 
mas luftbicht machen, es genau verfhliepen, fo zubereiten, bad bie 
Luft miht ein» und durchdringen kann. Cine Glasröhre Juftbicht 
verfäliefen (hermetisch).' 

Das Luftbrudwert, —ed, 8. —, ein Werkzeug, bie Luft in ei 
nem Raume zufammenzubsüden ober zu derdichten (Compressions- 
maschine); aud, Drudpumpe. 

& Euftdurdfliegend, adj. u, adv. bie Luft duräfliegend; auch, luft 

- durhfhwimmend, Iuftbucchfegelmd als noch Höpese Aucbrüde, 
Die luftburdfliegenden Bögel, 

3a du befteigft die Luftburchfliegende Fregatte. RI. Sch midt. 

& Luftdurchſchweifend, adj. u. adr. die Luft durchſchweifenb, nad 

aleriei Richtungen burdfliegend. AXuftdurchſchweifende Bögel,* 


Bo. 

A Luftdurchſchwimmend und kufldurchſegelnd, adj. u. adv. ſ. 
kuftdurchfliegend. 

* Luften, v. atr. mit haben, luftig fein, wehen, von ber kuft, wenn 
fie in Bewegung if. Ga luftet. „Er fimmt in ein oh, wo es 
weder (uftet, no bie Sonne fheint- Wolle D. Luften. 

Lüften, v. trs. 1) &n die frele, feifhe Luft bringen, berfelden aus 
fegen, den Bugang ber frifchen Luft verfhaffın. Die Rleiber, bie 
Betten Lüften, fir an bie freietuft briagen und vom berfelben durch- 
wehen laffen. Das Getreibe Lüften, ihm dur Umſtechung ben Zu⸗ 
tritt der Luft verfhaffen. Einen Baum lüften, bie Exbe rund 
herum anfgraben orer auffodern, bamit die Euft Zugang zu bem 
Wurzeln drkomme, auch, ihn ausfhneiden, ober herumfichende Baͤu⸗ 
me der Geſtraͤuch ausſchneiden, abbauen, bamit er davvon nicht ge 


162 


Luftg 


— der Aablick duͤhner Gewölbe zu ſchwindlicher Höfe 
Über einander getpärmt und fo leicht wie ſich Pinien luͤfttu. 
Elubdins, 
D. Lüften. D. —ung. 

Der Lüfter, —, 3. gl. bei ben Ragelämieden, ein eiferner Stift 
neben dem Amboffe, an welchem ber gefhmicbeie Nager aus feiner 
Krone von unten gelüftet ober gehoben wird. Wei ben Drahtzie» 
hen ift er ein fpigiges rundes Eifen, die Löher im Bicheifen nds 
thigen Falles zu erweitern. ’ 2 

Die Lufterfheinung, 29. —en. 1) Eine jede Beränderung, bie 
ſich in der Sufı, melde bie Gebe umgiebt, zuträgt, als Wind, Wol: 
ten, Nebel, Regen, Zhau, Reif, Schnee, Hagel, Blit, Donner ıc. 
(Meteore). Dan theilt fie in Luftige, wäfferige, feurige und glän: 
sende. Andere fagen dafür, Luftbegebenheiten. =) @ine Iuftige 
Eriheinung, eine (nel vorübergehende der Wirklichkeit ermangelns 
be, eingebildete Eriheinung (Phantom). - Lufterfchrinungen has 


ben, fehen. 

© Die Lufterſcheinungblehre, 0. Dig. die Lehre vom den kufterſchei ⸗ 
nungen, von ben Weränderungen, bie in ber Luft vorgeben (Metes- 
rologie)., S. MWitterungsliehre. 

Die Lufteffe; 94. —n, f. Buftfang. 

O Die kuftfähre, 4. —n, eine Faͤhre, ein Fahrzeug in bie Laft 
und in ber Luft damit zu fahren, ein Luftſchiff, Luftball, — uns 
machte fie mit meiner Buftfähre bekannt.“ I. P. Rihter. 

O Der Luftfahrer, —, 2. gl. (R.) einer der mit einem kuftball⸗ 
in die Höhe fleigt, im ober durch bie Luft fährt; auch, Luftichiffer 
(Atronaut, Adrostatiker), Im neuen Zeiten haben fih auch kuft⸗ 
fahrerinnen oder Lufefchifferinnen gezeigt. 

Die Luftfahrt, Ey. —en (M.), eine Fahrt in und durch die Euft, 
Gtieler 

— und ihres Zriptolemes Luſtfahrt. Bof. 
Befonbers eine folhe Fahrt in dem Schiffchen eines Enftdalles oder 
euftſchiffes, wefuͤr man auf Luftreife fagt. 

Der Lufifang, —es, Pi. —fänge, eine Röhre, Leitung, welche ber 
au bient , bie frifhe Luft aufjufangen und an einen beffimmten Ort 
zu leiten. In ben Salzkothen ift ber Luftfang eine Grube, melde 
bis unter ben Roſt bes Herbes gehet. Iſt ber Luftfang ſenkrecht 
und gemanert, fo heipt er Lufteffe. 

Die Luftfarbe, o. 29. diefenige blaue Farbe, welche bie Luft zu har 
ben ſcheint, wenn man durch eine große Waffe berfelben fiehet. Im 
ber Malerei, diejenige bläulihe Farbe, mit welder entfernte Gen 
genflände 3. B. Gebirge und Wälder in ber Ferne erfheinen. 

Das Luftfenfter, —6, 39. al. ein Fenſter, weldes dazu bient, fr 
(he Luft in einen verfhloffenen Raum einzulaffen. 


dörıpft werde, fontern mehr Luft befomme, ic Tüften, fi Luft @ Luftfeſt, adj. u. adv. f. Luftdicht. 
verſchaffen, dur Auffnöpfung, Eöfung beengenter, ober durch Ables Das Luftfeuer, —s, 9. gl. eine Benennung derjenigen Runffeter, 


gung drütmder, zu heißer Kleibungsftüde ıc. uUneigentlich aud, 
fd durd Mitthellung, Entdecung einer beängftigenden, drüdenten 
Sade Erlelgterung verfhaffen Go auch, fein Herz Lüften und 
das Herz lüfter ſich. 
— — dbecr wagete weder ber Unzier 
x Küpnen Berrath, wie fehe auch das Herz ſich zu Lüften begehrte, 
Bof 


F Bei den Foaͤrbern heißt die Kuͤpe luͤften, fie alle drei ober bier Stun: 
den Öffuen, d. h. ben Dedel abnehmen, und mit bee Kräde umräd 
ven, weil ber Waib darin oft auf:zaufet. =) Durd Heben in bie 
Höhe Suft mahen, des Luft Zutritt dom unten verfhaffen, mo aber 
der Begriff des Oebeat die Hauptſache iſt; in die Luft erheben. Einen 
Stein täten, Ihn an bee einen Seite im die Höpe Haben. Gin Jaß 
Ihften, «3 an dem einen Ende In bie. Höhe heben. Den Hut lüften, 
ihn vom Kopf ein wenig in die Höhe heben. Im biefen Pöllen if 
auch lüpfen gemitniih, S. d. „Die flets zum Besfhmettern ger 
küftele Keult.·“ Merten IM.) 


melde in die Luſt Feigen, befonders ber Raketen. 

Die Euftgattung, y. —en, f. Luftart. 

O Das Luftgebäude, —6, 24. gl. gleihfam ein Sebaͤnde in der Luft, 
d. d. etwas bas feinen Grund, keine Wirklichkeit hat, bloß in ber 
Einbiidung beſtehtt. „Die Euftgebäude einer gefäftigen Ppantafier 
(Dichttraft). Knigge, (R.) ©, Luftbau. 

& Das Luftgebilde, —6, 3. Hl. ein Iuftiges Sebilde, d. h. ſowol 
ein Schilde im ber Luft, dann, ein Sebilde von Luft gleichſam, wels 
des fo unförpertih iſt als die Luft fheint, ein SEchatten ıc, 

Hehre Luftgebilde unfrer Ahnen z 
Biegen bort auf Mebelpolftern ſich. K. 2. A. Mündhanfen; 
als auch ein bioßes Gebilde ber Ditkraft, welchem nichts in ber 
Wirklichkeit antwortet, oder welches bloß Taͤuſchung iſt. 
D fahre, leichtbefluͤgelt, 
Gelichter Traum zurdd! 
Dein Luftgebifd' entfiegelt, 
Ih weiß es, wahres Giäd! Juſti. KR.) 


Luftg 


Das Luftgefaͤß, —s, By. —e, diejenigen Gefäße, welche kuft auf⸗ 
nehmen, die für bie Pflanze nöthige Luft enthalten (Traceae, 
aöreı vasa). 

A Das Luftgeficder, —s, Di. u. das Gefieder, d. h. bie Wögel ber 

. Ruft, weiche viel oder meift in ber Luft derumfliegen. „Das Lufts 
gefieber mannigfalte ih auf Erben. Herder 

Und umpält ih und naͤhrt fih mit Ruftgefieber. BoB. 

A Das Euftgefilde, —, 9. gi. ein Grfilte gleihfam, ein Theil 

bes Buftraumes, — — aus unſern milden 
Simmelreinen Luftgefiiden.3 dthe, 

Die Luftgegend, 24. —en, eine der Gegenden des mit Luft erfäl- 
ten Raumes sım,unfere Erde (Luftregion). Dana aud, fo viel als 
Luftſtrich. S. b. 

Der Luftgeiſt, —es, 2. —er, in dee fogenannten Geiſterlehre, ein 
Greif, welcher bie Saft dewohnet; zum Unterſchiede von Erb», Waſ⸗ 
fer» unb $ wergeiflern. 

O Das Luftgemaͤhlde, —s, 2. al. fo viel als Luftbit, ©. 6. 
„Sie bilbete ein fo wunberlihes Luftgemägtb;« ıc. Böthe, 

O Das Zuftgefhöpf, — 8 z. —, ein. viel in der kuft lebendes 
ober fliegenbes Sefhöpf; befonbers ein Wogel, „Im zweiten (Tage 
werke) war ber Himmel aus Waller und Euft gebilbet ; im fünften 
alte Maffer» und Luftgefhäipfe.“ Herber. 

Die Luftgeſchwulſt, Di —en, bei den Ärzten und Wunbäegten, 
eine weiße glänzende und prallweiche Geſchwolſt chme Schmergen, 
melde von Luft herroͤhret, bie fih Bier und da in bem Bellgewese 

‚ water ber Haut angehäcft hat (Emphysema), 
„ten ift die Luftgeſchwulſt der Augenlieder, berienige Zufall, wenn 

- Bft in bas 3.gewebe ber Augenlieder tritt uad fie in eine arofe 

Seſchwulſt aufıreibt; auch Windgeſchwulſt ber Augentieber (Em- 
‚physema palpebrarum, Blepharophysema). Beer. 

Das Luftgeficht, —es, By. —e, tin Iuftigee Geht, fomel eine 

Erſcheinung in der Luft, als aud) etwas, das man nur in ber Eins 

bildung fiehet oder zu fehen glaubt, ein Buftgebilbe, Kraumgefiht. 
Wie Schade! wär es nur ein fhönes Luftgefiht. Wieland, 

Die Luftgeftalt, By. —en. 1) Gleichſam bie Geſtait der Luft. 
Cine Gäure in Luftgeflait darſtelen, b. h. als eine Luft. See⸗ 
faure, kochſalzſaure Luft — ift nihts weiter als bie Kodfalzfäure 
ta Buftgeftalt.« Bilder a) So viel als Buftgebilte, S. d. 
— 6 wirb eine Luftgeſtalt, die mein Auge blendet, bie es ver 
wiret, — und enblid iſt bo alles verflogen." Herder. 

Alsbann wimmelt's von Luftgeflälten im Berg und im Thale, 
Bobmer. 

& Das Euftgetümmel, —s, 4. u. ein Getuͤmmel in ber Luft; 

untigentlich auch, was in ber Luft getummelt wird, Wolken ıc. 
Singegen bringt der Guͤd ein finfires Luftgetuͤmmel. @än: 
ther (iR). ; 

& Das Euftgemebe, —s, 2. al. fo viel als Luftgebilte. S. b. 
— Wo ih ber erfte war, ber ſich durch Sturmwetter binaufarbeis 
tete und durch bas magiſche (sauberifhe) Luftgewebe im bie Thäͤler 

abfah,* Geume. 

& Das Luftgemölbe, —, 9. al. der Bimmel, die die Erbe um 
gebenbe Luft, melde bem finnlihen Xuge mie ein hohes Gewölbe 
erfeint, „Es kann der Inhalt eines Tagewerks werden, daß die ⸗ 
fem blauen Luftgewoͤlbe zum GBegenfpiel — am britten Tage bie 
Erbe entwäffest unb Berge unb Merz, und trodues Land wir." 


Herder. , 

@ Der Luftgürtel, —6, 99. gl. bie Luft im irgend einer Mreite 
ber Erde als biefelbe wie ein Bürtel umgebend gebaht, und im Ans 
fehung ihrer Beſchafſenhelt, iheer Wärme oder Kälte und ihres Gins 
Muffe: auf Lehen und Befundheit der Menfhen und auf bas Wade: 
tum ber Pflanzen (Zone, Clima), „Es fam uns vor, als wären 


163 


Bei den Augtaurz-· 


Luftk 


O Der Luftguͤtemeſſer, —6, 9%. gl. in ber Roturleher, ein Mark 
zeug, bie Güte der Buft zu meſſen, d. h. ben Grab zu prüfen, in 
wie weit fie zum Ginathmen tauglich und zur Erhaltung ber Ber: 
funbheit dienen Binne (Eudionneter). ’ 

O Die Buftgütemeffung, Sy. —en, bie Meffang d. $. Präfang 
bes Grades, im melden die Luft zum @inathmen tauglich unb ber 
Grfundbeit zutraͤglich ſei (Eudiometrie), 

O Der Buftbahn, —s, 2 —hähne, eim Hahn, mwoburd; mm 
Euft ein: ober austäft (Ventil), S. Hahn. „Btatt wie ein Waffer: 
vogel länger über der weißen Flaͤche wegzuſtreifen, rif ih meine 
Lufthaͤhne aufe ıc. 3. P. Richter, Im MWafferbaue, ein Hape, 
burd, beifen Öffnung bie mit dem Maffer eingebzungme Luft ausge: 
laffen werben kann. ö 

Der Luftharniſch, f. Waſſerharniſch. 

O Der Lufthauch, —es, 9. —e, ber Hau ber Luft, bie leicht 
und fanft bewegte Luft. — wenn der Lufthauch bie Wlättermaffe 
dffüete. Benzri-Sternam. 

Der Eufthimmel, —t, 34. u. eine Benennung ber bie Erde wunges 
benden gemeinen Luft ober bes Dunftkreifes; der Wolkenhimmel 

+ Der Luftbonig, —es, 0. WM. eine Benennung des Honigthaues, 
weil man glaubt, baf er aus ber Euft falle; im andern Wegenben 
der Himmelhonig. 

Luftig, —er, —ſte, adj. u, adr, 1) kuft Habend, aus Luft hefke- 

head. Luftige Kbeper. Luftige Schatten, Goftalten, „Ein lufti ⸗ 

ges Gefindel.“ Bürger. 

Ihr Iuft'ger Körper ging burdh bie verfähloßne Thür. Baharif; 
Beſenders frate, ſriſche Luft habend, bem Zutritte ber friſchen Buft 
offen, ausgefegt. Gin Inftiges Haus, Bimmer, Eia Inftiger 
slaf, in freier Luft, F 

Gabriel ſah tha vor ſich in ſͤßem luftigen Schiaft, Aloyflod; 
wo es auch ten Segriff des Leichten, Leifen haben kanm. Dann, ſich 
hoch im bie Luft erhebend und der freien Luft, wie auch bem Winde 
‚befonders ausgeſetzt. „Die luftige Höhe und Weite.- Herder 

— und Mytales Luftige Scheitel. Bop. 
Gethärmte Gtäbte ſchmuͤcken 
Ihr Iuftig Haupt. Demis, 

Dft if damit zugleich bee Begriff großer Leidtigkeit verbumben, 

ine luftige Kleidung, bie ben Zutritt bes Luft geſtattet und zu⸗ 

gleich leicht if. „in Iuftiges Flergewand.· Haybenreid. 

Läuft emfig wie ein Wirth, ber ih die Mühe kürzt 

Und, hurtiger zu fein, ſich luftig aufgefgärzt. Hageborm. 
Luftige Gegenftänbe, in ber Mahlerei, bie in bir wie 
in der Luft ſchwebend, oder im fee leichten umriſſen ıc.. bargeſtellt 
werben, @in luftige® Blatt, bei ben Seldentoirkern, beffen Mich 
fifte weiter als gewoͤhnlich ans einander flehen, fo daß zwiſchen ben 
Kettenfäben größere Awiſchenraͤume ſich befinden. Uncigenttich, ber 
Luft Ähntih, im Anfehung der Leichtigkeit, Seweglichkeit und Unftätige 
feit, leihtfinnig, flatterhaft, unzuvertäffig ; auch windig. Gin 
luftiger Menfh. Gehe Luftig fein. Ich kann und wid es nie 
länger verhehlen, baß ih eins biefeg luftigen Weſen bin.“ Win 
land, in Suftiger Kopf. Das Iuftige Weien ablegen, „Das 
Luftige im Franzöfifgen Ratinenalcharakter,“ in ber Sinnesart bes 
Beanzöfifden Solkes. Lanater. a) Im engerer Bebentung, leicht 
bewegte Luft dabend. Win Luftiges Haus, in meiden merkliche 
Bugtuft iſt. Luftige Erfheinungen, die in eines Bewegung ber 
ganzen Luftmafle ober eines großen Thelles derſelben beftehen,, als 
Wind, Sturm, Winbsbrant zc.; zum Unterfhiehe vom den wäfferis 
gen, fenrigen unb glänzenden Lufterfheinungen, Davan die Luftig: 
keit, bie Beſchaſſenheit einer Sache und uneigentiih auch einer Per: 
fon, ba fie luftig if. 

Die Luftklappe, y. —n, eine Klappe, foferm fle ber Luft ben Im 


wir plögliä aus dem heißen im dem Falten Ruftglirtel getreten,“ &, "gang Öffnet ober verfäließt, befonders an einer Euftpumpe (Ventil). 


@. !uftftric. 


O Das Luftkleid, — 6, ip —er, ein Inftiges Kleid, ein Rleib 


Lufft 164 


sleiäfam für bie Luft, sur leichten Bewegung, zum Fliegen durch 
ie Luft. „Da fliegen gleichſam auf Floßfedern bie Flſche, und bie 
Bägel (hrimmen auf. Flügeln; jene und biefe mit Schuppen und 
Federn , als Luftkleidern gtpanzerte ıc. Herder. 

Der kuftlopper, —s, 2. gl. ein Pferd, welches Boppet ohne bie Zähne 
irgendwo aufzufegen; auch Luftkoͤker, Kuftfhnapper, Windkopper. 

O Der Luftfreid, — s, 34. —e 1) Die Euft-überhaupt, fofern 
fie bie Erdkugel überall glei einem Kreife umgiebt; ber "Dunft 
feris, Sofern in dieſer Luft beſtaͤnbdig mehr oder weniger Binfe 
verfhiebenee Art vorhanden find; ohne Mehrzahl. 

Bergebens Hält bie Nacht mit bunfibelabnen Flügeln 

Den Luftkreis ein. — — ı Bielonh 
3) Sin Theil dieſer Luftmaſſe, ein Theil‘ des mit Luft augefällten 
Roumes um die Erbe, befonders mit Ruͤckſicht auf bie Beſchaffenheit 
der Buft; bie Luftgegend, ber Luftftrich, 

Die Lufttugel, By. —n, eine metallene hohle Kugel mit einer Tanz 
gen am Eade fehr engen AÄbhre, ans welcher bas in ber’ Kugel bes 
finblihe Waſſer vermitteit einer ſerken Hide in Dampf verwandelt 
gleich einem Winde heraus Fährt; bie: Windkugel, beffer die 
Dampftugei (Aeolipila}, 

Die Lufttunde, so. 3M. vie Kunde oder Kenntniß bee Luft und der 
Lufrarten unb ihrer Eigenſchaften, der Eefiheiningen im berfelben ıc. 

O Die Luftläuterung, o. My. die Fiuterung, Reinigüng, Aufpeites 
zung ber Luft. „Die fhwimmende Luftlaͤuterung vom tiefen Grau 
zur fhönften, lachendſten Blanzesbläne.= Herder. 


Luftr 


fliegen unb wenig Nahrung bedürfen (Plantas afrene). 


Die Luftpumpe, 94. —n, in der Natuelchre, ein sufammengefet» 


tes Werkzeug, die in einem eingefhloffenen Raume befindiige kuft 
auf eine bequeme Art entiweber zu verbännen ober noch mehr zu ver: 
dichten (Antlia pneumatica); im, erflen Falle eine Gaugpumpe, 
im andern eine Drudpumpe (Compressionsmasehine). &, Yuft: 
druckwerk. Im engeree Bedentang derſteht man barunter nur bie 
Saugpumpe, vermittelt welcher man bie Laft aus einem eingefhlofe 
fenen Raume pumpt ober in demſelben fo ſeht verbännst, baf man 
ihn als luftleer betrachlen kaun. 


& Der Luftrand, —es, Mj. u. gleichſam ber Manb des bie eine 


Dälfte ber Erdkugel umgebenden Puftlgeifes, joferm man ih ben» 
ſelben als eine die Erdkugel umgebende Hohlkugel denkt; fonft ber 
Gefichtsfreis, auch Dimmelsrand,, welches Wort Schilter gebil- 
bet Hat (Horizont). 
Und, wo verbännt aufhoͤret bie Luft, umfchimmert den Luftrand 
Ewig erhellt bas Gebiet der unſichtbaren Ktherbewohner. Baggefen. 


Der Luftraum, — es, 9. —räume; ein jeder fonfl leerer aber mit Euft 


angefälter Raum; befonbers der mit Luft erfüllte Maum, welchet 
bie Erbe umgiebt, im weicher Webeutung bie Mehrzahl Statt ſindet, 
wenn 'von einzelnen Theilen biefes Maumes bie ‚Hebe iR, in wilde 
man ſich benfelben in Gebanfen theilt. „Wie latıge haben felbf um 
ſert Demonftranten GBewelsthümler) bie Bimmelshiäue aus foldeim 
Slanzgewebe durchfallender Sonnenftrahlen zwiſchen ben daͤmmernden 


Luftraͤumen erfiärti« Herder) Die feinem Zwiſchentdume zwiſchen 


O Euftleer, —er ,——fle; adj. m. ade, von Saft rer. Ein Iuftieerer 
Raum. ;Das Bhmmer wurde, mie eine Glocke luftleer, fo Hitler - 


gewmacht;“ IP. Riäter : 

Die Luftlerche, 99. —n, bie gemeine Bere ober Feldlerche, weil fie 
ſich hoch in bie Laft erhibt. 

Das Luftloh, —s, My. — loͤcher, ein koch, weldre dayu ditnt, 
der Luft den Zugang zu geflatten, Die Luftloͤcher eines Kellers, 
Stales.ıc. Die Luftloͤcher im Eiſe, welche man im Winter macht, 
bamit die Fiſche Laft befommen. Aa dem Körper ber Ziefer befin: 
den fi Luftloͤher, d. h. gewiffe Eier, Meine Öffnungen, durch 
welde fie Luft fhöpfen. Auch die Meinen Amilgeneiume in ben 
Körpern, welche mit Luft angefuͤllt find, nennt mar Buftlöcher (Pori); 
ton Schweißtoͤcher, edler Schwelßgruͤbchen. ©. 

Das Luftmalz, —es, 4. u. Male, welches an der Luft getrodnet 
worden it; zum Umnterfchlebe vom Darrmalie. 

A Das Luftmeer, —e®, 9, u. die Luft, der mit kuft und befons 
bees mit bunftiger Luft angefüllte Raum: gleihfam als ein Meer bes 

trachtet. — — bad ungepfadete Luftmeer. — — Bobdmer. 
— 8 theilte ſich Jegt das drüdende Luftmeer. Baggeſen. 

Der Luftmeſſer, —6, M. gl. in der Naturlehre, eine Benennung 

= folder Berkjruge, mit welchen man bie Enft mißt, d. h. Prüfungen 

: mit berieiben in iheen verſchledenen Figenfkaften anſtellt. Derglei⸗ 
Sen find bie Werkzeuge, die Märme und Kälte, bie@diwere oder ben 
Drud, bie Feuchtigkeit, dem Stitſtoff, die Spannfeäftigkit ber 
Buft ac. zu meffen, melde nach AÄhnlichkeit bes gewöhnlichen Wertes 
Euftgätemeffer, Buftwärmes, Buftfämwere:, Luftfruchtigkeitsmeſſer ıc. 
genannt werben Tönnem. Im engerer Bedeutung verfteht man bar 
unter ı) ein Vertzeug, bie Beränberangen, wilde bie Dichtigkeit 
der Suft Teibet, anzuzelgen (Manometer); ber Luftdichtemeſſer. 
») Ein Werkzeug zu verſchiedenen Verſuchen mit den Lufcagten, bes 
fonders aber ıu beffimmten Abmeſſangen bes Tbrperliden Gehalts 
berſelben in einem Raume (Gazometer). 

Die Luftmeßkunft, o. 9. bie Kunft oder Wilfenfhaft, die Luft und 
bie Boftarten, in Nnfehung ihrer Dichtigkeit, &pannfräftigkeit ıc. 
au miflen, ober ben Grab, in welchem He biefe Figenſchaften befiten, 
au beflimmn (Atrometrie), Dies Mort findet Ach fhon bei Friſch. 


ben heilen der Körper führen dei Manchen auch den Rimen’ber 
Kufträumchen, bei Andern Puftbläschen (Pori). In ber Geſchütz⸗ 
kunſt nennt man in engerer Bebrutung ten geringen Raum, weider 
sund um bie Kugel eines Stückes, wenn man fie in die Mündung 
deffelben Hält, bleibt, indem ber Durchmeſſer ber Mänbung ein wer 


'nig mehr betraͤgt als der Durchmeſſer der Kugel, ben Luftraum; 


gewöhnlicher den Spielraum. 


O Das Luftreihh, —es, o. 3. 1) Dad Reich der Euft ober im ber 


Luft, der Luftteeis als eim Reid, das mit feinen Bewohnern einem 
Seren ober Herrſcher unterworfen it, betrachtet. Die Geiſter des 


— Waſſer⸗- und Luftreiches. Sofern jeder Boarl feet in ber Luft fliegt 


und ledt, kann ber Tuftkreis auch fein Luftreich deißen. „Ih denke, 
To muß einem im Paufe ansgebräteten und immer gefangen gebalte⸗ 
nen Bögelhen zu Mathe fin, wenn #6 unverbofft feinem Kaͤficht 
entronnen, frank und feri in feinem angeflammten Luftreiche umher⸗ 
ſchweift· ıc. Wirlanb. =») Aße biefenigen Weſen, weide das Qufte 
zeih ausmachen, die Luft gleichſam als ihr Reich bewohnen. Das 
Woſſer- und Luftreich fandte feine Abgeordneten, ben glatten Kal 
und den ſcharfſichtigen Falken, 


Die Lufrreife, By. —n, IR.) eine Meife, Fahrt in und burd bie 


kuft. S. Luftfahrt. 


Die Luftroͤhre, ig. —n; Bmw. das Luftroͤhrchen, eine Röhre, bes 


zen Zweck tft, ben Abr und Zugang ber Laft von oder zu einem Koͤr⸗ 
per oder Raume zum befdrdern. So beſinden fi in den Pflanzen 
gerwiffe Luftröhren, im melden ih die zum Lehre der Pflanzen nör 
thige Luft in die Theile derſelben verbreitet. In engerer Bebrus 
tung if bei Menfhen und Thieren die Luftroͤhre, diejenige Enorpe- 
Tge Nöhre, welche aus ber Kettle zur Lenge gehrt und buch welche 
die zum Eeben möthige Euft in die Runge eingerogen und aus derfel: 
ben wieder aufgefloßgen wird Trachea); zam Unterfhiede von ber 
Speiferöhre. Im gemeinen Leben nennt man fie häufig die nn 
rechte Kehle. \ z 


Der Luftröbrenaft, —es, 24. —äfte, in der Biralicherungsktunf, 


tie he in weiche ſich bie Bufteöhre trennet (Bronchene) 


Der Yuftröhrendedel, —$, 99. al. ı) In dir 3 rgliett. ein umter 


Die Auftpflanze, 94. —n, rin Nameder tro@nen Schorfmaofe und - 


amberes leiter — welde an nackte Mauern und Felſen an⸗ 


ben Zaͤpfchen hinter ber Bungemmurjl liegender fhläpfeiger Kner— 
pel (Epiglottis). =) In ter Raturbefhreibeng, eine Art des Bodis 
bornes (Astragalus epiglottis), 


Luftr 


Die Luftroͤhrendruͤſe, 84. —n, in ber Zergliebk. Heine, weichliche 
Dräfen von verfhiebener Größe, welche fih im berienigen Gegend 
ber Rufträhze befinden, mo fie fi in ihre Äfte theilet (Glandulae 
bronchiales). 

O Die Luftröhrenentzundung, 9. — en, eine Entzündung ber 
Laftröpre, in der Luftröhre (Cynanche). ? 
Die Luftröhrenhaut, 34. — haͤute, in der Berglieht, die Hant, wels 

de bie Knorpeiringe ber Luftröhre mit einander verbindet, Man 

‘ unterfheibet bie eigentliche, innere Luftröhrenhaut (Tunica tra- 
cheae propria et intima) und bie Äußere, 

Der Euftröhrenkopf, —es, 9. — koͤpfe, ber Kopf, d. h. das obere 
Ente ber Quftröhee (Larynx). . 

O Die Luftröbrenöffnung, 99. —en, in der Hellfmft die Dffe 
nung, Aulfhmetbung ber Euftzöpre in gewiſſen verzweifelten Faͤllen; 
auch ter Kuftröhrenfhnitt (Bronchotomie), ' . 

Die Luftröhrenfchlagader, 94. —n, in der Bergliehf. eine Schlag: 
aber, welde nad ber Luftröhre gebet (Arteria bronchialis).' 

Der Luftröhrenfhnitt, —es, 9. —e, f- Luftröhrenäffnung. 

Der Luftröhrenfpalt, —es, Be, die Gtimmzige ſ. d. (Glottis). 

Der Buftröhrenftein, es, . —e, eine ſteinartige Berhärtung 

welche fi zumellen in ben Äſen der Euftröpre der Steinmetzen und 
Anberer, bie in den Steingrauben arbeiten, anfeht; auch Lungenftein 
(Caleulas trachene s. pulmonaris). Remnid. e 

+ Das Luftröhrlein, —, 99. gl. 1) Eine Feine Laftroͤhre. ©. d. 

: 2) Ein Ramerdes Liwenzahnes (Leontodon tararacum L.). 

Das Luftfalz, —s, 9. —, in der Luft befindliche Salztheilden, 
welche wie Ad. anfährt, nach Einigen falpeterartig, nah Andern 
ſauer Ent. 

O Die Euftfäufe, 9. —n. ı) In der Naturlehre, bie Über einer 
Flaͤche ober einem Rbrper befindliche Euftmaffe die man ſich bis an 
das Ende bes Euftkreifes benft, deren umfang von bem Umfange 
der Fläche oder bes Körpers beflimmt wird, und in Anfehung bes 
Gewiätes, mit welchem fie auf biefe Flaͤche ober biefen Körper 
drüdt. =) In der Baufanft, die hohle Spindel an einer Wendel: 
treppe, weil fle einer hohlen Saͤule gleicht. 

O Die Luftfäure, 9. u. bei mehrern Naturlehrern, eine Benen: 
mung bee fohlenfauren Luft (fixen Lift). S. Luft ı). 

O Die Luftſchau (—ſchaue), 9. u. bie Beobachtung ter 
Luft im Anfehung ber darin vorgehenden Weränberungen und Er. 


fdeinungen. Unpaßlich fteht es in folgember Stelle für Lufterfheis 
nung felbft. 
Immer bedentlicher ſchien auch dieſen bie feltfame Luftſchau. 


Baggefen 
O Der Luftſchauer, —s, 9. gl. eine leichte ſchuell vorübergehende 
Bitvegung ber Luft, ein Meiner Wind, — plöplih fuhr eim Zufts 
fhauer durch den MWipfel, es rauſcht, ſpricht, Lebt" ıc. Berber. 
© Luftſcheu, —er, —eſte, adj. u. adv, bie Luft fheuend, Bucht, 
Beforoniß dabend und zeigend fi ber freien Luft auszufegen. 

© Die Luftſcheu (bei Ginigen bie Luftſcheue), o. Di. bie Scheu 
vor der Luft, bie Furcht, Beſorgniß fi der freien Luft auszufegen 
(A&rophobie). 

O Die Luftſchichte, 94. —ır, bei ben Raturiehrern, eine Shit 
oder Schichte ter Luft, Indem man fih bie Fuftmaffe nah dem ver: 
Thiebenen @raden ihrer Dichtigkeit in einzelnen Schiäten Über eins 
ander denkt. Die unterſte Luftſchichte iR bie dichteſte und ſchwerſte, 
weil fie von ben obern zufammengebrüdt wird; bie oberfte iſt bie 
könnte und Teihtefle, 

Das Enftfdiehen, —®, 9. u. das &iefen in bie Luft. In enges 
zer Bebentung, bie Geſchictichteit ein Thler in ber Luft ober im 
Finee ım Ihren; zum Mntcefchiebe von Laufſchießen. 

Dos Luftſciff, —s, 94. —e, ſ Luftball, 

O Die Luftſchiffahrt, Mz. u. (R.) die Kunft ſich verwittelſt eines 
Laftballes in die Höhe zu erheben und durch die Luft gleihfam zu 


% 


165 


Luftſt 


ſchiffen (Aöronautik); auch die Luftſchiffkunſt, oder Luftſchifferkunſt. 
O Der Luftſchiffer, —s, 2%. gl. ı) Einer der durch die Luft ſchifft, 
ſich auf einem Luftfhiffe in bie Luft erhebt und im derſelben gleich- 
fam ſchifft (Atronaut); aud ber Luftfegler. 2») Ein Name dis 


Gperbers, ‘ 

O Die Luftſchifferkunſt ober Luftſchiffkunſt, o. . die Kunſt bes 
Suftfiffers, die Kunſt in der Euft zu jchiffen; auch die Lufiſchwebe ⸗ 
tunft. S. Luftſchiffahrt. 

Das Luftſchloß, — ſſes, 99 — ſchloͤſſer, ein Schloß gleichſam, das 
man im die kuft bauet, d. b. ein ſchoͤnes Gebilde ober Äberhaupt ein 
Gebilde der Dichttraft, ein Hirmgefpinnft, Fas Feine Wirktidkeit hat 
und Haben Tann, unausführbare Pläne, unerfülbare Hoffnungen. 
Luftſchloͤſſer bauen, folche Pläne entwerfen, folhe Hoffnungen hegen. 

Das Buftfhövfen, —s, & 2. die Handlung, ba man Luft ſchoͤpfet 
oder Athem holet, bas Athemholen. 

Der Luftſchuß, —ſſes, Bu. — ſchuͤſſe, ein Schuß in bie euft, ein 
vergeblicher Schuß. Luftſchuͤſſe thun. (R.) - 

S Die Luftſchwebekunſt, 0. Siy. die Kunft in der Luft zu ſchweben, 
ſich ſchwebend in ber Luft zu erhalten, veemitteift ‚eines Euftballes 
(Atrostätik), 6, &; Luftfhiffertunft und Luftſchiffahtt. 

O Yuftfchwebend, adj. u. adv, in ber Euft fhmebend. 

Der Luftfchwefel, — , 0. 9M- ſchwefellge Dünfte in ber Luft. Der 
gemeine ‚Daufe pflegt aud ben gelben Blumenftaub von Rıbelhlis 
dern ıc., welchen ber Regen abfpült und ber bann häufig auf dem 
Boden fihtbar ift, Luftfchtwefel zu nennen. 

Die Luftfchwere, ©. 9. die eigentpämlihe Schwere ber gemeinen 
Luft. Dann, bie verfhiebene Schwere ber verfdiebenen Luftarten, 
wie and, die veränderlihe Schwere der mit verfhiehenartigen Düns 
fen ‚angefüllten Luft. . 

Das Luftfegel, —s, M- gl. auf ben Schiffen, eine lange kegtlfoͤr · 
mige Möhce von Segeltuch deren weite Öffnung an das Mars 
gegen den Wind befeftiget wird und bie in ben unterm Raum bed 
Säiffes reicht, wohin der Zug bes Windes ber Möhre folgt und bie 
daſelbſt befinblihe ungeine Luft zu einer andern Eufe hinaustreibt 
und das Schiff auf folde Art won böfee Luft reiniget; auf, bas 
Windfeget, Kühlfeget. 


Der Luftfegler, —s, 9. gl. einer ber durch bie Luft, in ber Luft 


fegelt. „— ba ift er! ein Profet und Luftfegler." Benzel-Sters 
nam. S. Luftſchiffer. 

O Das Luftfeil, —es, 9. —e, ein Seil vom Luft gleichſam, d. % 
etwas ganz Unhaltbares, deſſen man fid als einrs Haltes bedienen 
will, — eben weil man langen Beitraum durch nihts that, als 
fi an einem regelmäßig gefpannten Luftſeil herab = und herauf zu⸗ 
ſchwingen.“ Herder. 

Der Luftſpringer, —s, 99. gl. (R.) a) Ein Menſch, welcher Fünf, 
liche Luftfprünge machen kann, beſondecs fofern er aus tiefer Ge⸗ 
föytettiäjkeit ein Gewerbe madt. Geiltänger und Luftipringer, =) Ein 
Name die fliegenden Eichdornet. s ‚ 

Der Luftfprung, —es, 9. — ſprunge, ein &prung durch bie Luft 
von einem hohen Orte in die Tiefe; dann, ein Sprung in die Luft 
ober in bie Höhe, befonders ein füufliher Sprung diefer Art, Gis 
nen Luftſprung tun. Luftſpruͤnge machen. 

O Der Luftſtand, —es, 9. u. der Stand ober Zuftand in welchem 
fich die Luft beſindet, im Anfehung des Grades ihrer Wärwe oder 
Kälte, und ihrer Trodenheit oder Feuhtlgkeit (Ü fliemperatur), 
Wenn, wie gemöhnlih, bloß auf Wärme und Kälte geichin ieh, 
fo fheint O Luftwaͤrmeſtand betimmr zu fein, „Wir fınben den 
Märmeftand der Luft hier viel maͤtiger.“ G. 

O Das Luftſtaͤubchen, —, 9. gl. ein Stäushen, meihes bie 
Luft verweht. „Wenn nicht rin briliges Werfen über dieſes A beirfhte, 
im tem ich wie ein Luftſtaͤubchen verih-ände, wenn es nit einen 
Funken feiner Deiligfeit im mich gelegt bitte. Benbenreih. 

Der Luftſtreich, —ı6, Si. —e, ein Strtich, welchen man in bie 


Luftſt 


Luft that, welcher Teinen Gegenfland verfehlt, ein vergeblicher Streid. 


eiche thun. . 

O Dir Eufifteider, — , Mr. gi. ein Befhöpf, welches durch bie 
Euft ſtreicht, fliegt, befonbers ein Bogel. — und wie, wenn ber 
(ode Belsbeimohner) vom biefen Luftſtreichern auf bie ganzen Erb: 
gefätehter fhliehen wollte ? Herder. 

O Der Luftſtrich, —s, 9. —e, ela Strich, d. h. eine Gegend, 
ein Theil bes Luftkreiſes den man ſich von einer geringeen Breite 
als Linge denkt, in Anjehung ber Wärme oder Kälte und anberer 
Biſchaffendeſt der Euft, wie aud in Anfehung ihres Einſtuſſes auf 
bie Sefunbheit ber Wenfhen und auf bat Machsthum der Pflanzen 
unter demfelben (Clima); aud der Himmelsftridh, bie Luftgegend. 
„In allen verſchiedene n Dunfträamen und Luftſtrichen.“ Gaiffert. 

O Der Luftthurm, —es, 2. — thuͤrme, fo wie Luftſchloß, ein in 
bie Auft gebaueter Spurm. S. Luftſchloß. „Es verlor fh in Plane — 
und [hmintelte zuletzt vor eitel Stolz oben auf ber hohen Binne Tel» 
nes fhwantenden Luft: und Lufitäurms.“ Benzel:-Gternau. 

& Luftumfränzt, adj. u. adv. vom Euft umtränzt, b. h. von bes 
wegter Euft umgeben, von Winde umwehet ober überall beisehet. 

Am (uftumtränzten Meeresrand. ungen. (R.) 

Die Lüftung, M. —n- 1) Die Handlung, da man etwas täftet; 
ohne Mehrzahl. 2) In ben Winbmüpien, der Balfen in ber Wind: 
möhfe, auf weldem ber Steg des Müptelfens lieget und in einem 
geräumigen Bapfenlohe ſenkrecht erhöhet oder gelüftet werden tanz. 

Der Luftoogel, —s, M. —nögel, eigentiih unb überhaupt, ein in 
dee Luft ledender Wogel; dann befonbers, bee Parabiesvogel, 

© Die Luftwägefunft, 0.9. die Kunft, die Schwert und ben Drud 
der Soft gu mefien (Aörometrie). ©, 

© Der Buftmäger, —t, DM. gl. der bie Sqwert und den Deu 
ber Luft mißt ober zu befimmen ſucht z befombers aber, ein Bert 
eng, moturd man ben jebesmahligen Drud der Luft befiimmen 
Bann (Barometer). Wagner. „Diefe ihre Gemüthsjuftände find 
wie der Stand des Durdfiibens im Luftwaͤger einem abwechſelnden 
Steigen ımb Ballen untermorf:n.“ &, ©, deſſen Berbiw. Barometer, 

O Der Euftwahrfager, —8, 4. gl. ein Wahefager, dee aus den 
Berinderungen und Erſchtinungen im ber Luft wahrfaget (Adromant). 

O Die Luftwahrfagerei, D. u. die Wohrfagerei aus ben Weränbe: 
zungen und Grfheinungen in ber Luft (Adromantie), 

Oo Euftwanbelnd, adj. u. adv. in ber Luft, durch bie Luft wandelnd, 
fliegend, „Vegalus «in (uftwandeinbes Bötterzoß.* Bob. 

O Der Zuftwandler, —s, 4. gl. der hoch in ber Buft, bush die 
Suft wanbelt. Bof. 

Das Luftmafler, —s, 2. gl. 1) Das in ber Euft als Dun be⸗ 
findtihe Bafler, das bald als Megen cher Thau, balb als Schner, 
Hagel oder Meif aus berfelben herabfänt. =) ine Art abgezogenen 
Brantweines, welcher mie man behauptet, bas Athemholen erlelch⸗ 
tern fol, Danziger Luftwaſſer. 

O Der Luftwedel, —®, BA. gi. ein Webel, Faͤchtl, womit man bie 
Suft am etwas wehrt ober bewegt. „Mer es verſtaͤnde, all bie man; 
niqhfachen Luftwebel für Setl und keib mie ſtaͤhlernen Griffen zu 
73 —— Bin. —, fo viel als Euftröhee, bie gleich— 

— die ab: und zuſtroͤmende Luft abgiebt. „Die Luft, 
wege der meißblätigen There.“ Ungen. (8.) 

O Die Buftwelle, u. —#ı eine Luftmaſſe in einer wellenfdemigen 
Bewegung, in melde fie dei Bewegungen in berfelden geräth und 
wohurd Schafe und Töne im Ohre hervorgebracht werden. „— wenn 
er einen Zon fprad; und siekeinde Luftwellen und bas zurüdpral⸗ 
tente @ho (ben zurädprallenden Wieberhall) hörte." Herber. 

Das Lufiwert, —6, By. —, bei Cinigen, bie Benennung eines 
Saugwerkes bei ben Bafferfänflen, weil bas Waſſer durch ben Drud 
der Außen Luft in bie Höhe getrieben wird. 

Die Lufiwurz odes Luftwurzel, I. u. ein Rame der Engeimung, 


166 


Luͤge 


wegen ihrer heilſamen Wirkung in Bruftbefhwerungen. 

O Der Luftzapfer, —s, 2%. gl. ein Werkjeug, welhes man bem 
von vieler Euft aufgefhwollenen Wich, 4. B. bem Rinbvieh, wenn es 
zu viel friſchen Klee gefreffen hat in ben Bau ftöpt, um ihm dieſe 
Luft abzuzapfen, b. h. ihr einen Xusgang zu verfhaffen (T'rokar). 

Das Luftzeichen, —s, 29. of. fo viel als Bufterfheinung, befoms 
ders feltene Eufterfheinungen, fofern fie der gemeine Mann für Bets 
chen oder Borbebeutungen Fünftiger Begebenpeiten hält, 

Der Luftzieher, —d, 54. gl. ein Werkjeug, weldes ben Ab» unb 
Bugang ber ferien Luft befördert. 

Der Buftziegel, —s, 29. gl. Biegel, welche nur In ber Euft getrock⸗ 
net mworben find, \ 

Der Luftzug, —es, 99. u. 1) Der Bug ber Euft durch einen Raum, 
die merklich bewegte Luft, wenn fie in einen Raum, welder gegen» 
über firhende Öffnungen hat, dringt, Man muß ſich vor dem Lufts 
zuge hüten um fi nicht zu exfälten. 

Laß uns zuſammengeſchmiegt im behaglichen Kimmerlein auftfar'n 
Wenn kalter kuftzug engt das Herz. Boß. = 
2) Ein Buglod, ein Luftloch, eine Buftzähre wo bie Luft burchziehet. 

Der Luftzunder, —d, PM.-gl. in der Raturicher, ein fünftihes 
Gemifh, weites ſich am der Luft, befonbers wenn fie feucht if, vom 
felöft entzündet und elnen Schweſelgeruch verbreitenb abbrennt. (Py- 
rophor); au Selbſtzuͤnder. 

Die kufwand, 24. — wände, f. Luf. 
Lufwärts, adv. in der Schifffahrt, nad der Buffelte gerichtet, 
Segend der Bufjeite beſindlich, Tiegenb. ) 

* Der Lug, —e8, 0. Dig. das kügen, eine Rüge. | 

Bon bem Zuge erwuchfen bie alergröfeften Seil. d. Ribes 
lungen &, 8. 5516. j 
— an lauterer Schoͤnheit 
Die kein gleißender Lug defledt. Boß. 
Kuf Lug und Zrug ausgeben, zu beiögen und zu beieägem fadhen. 

*Das Lug, —es, 39. —e, ein Bo, eine Öffnung, Höhle, enger Weg. 
Davon bie Luke. Bei ben Jaͤgern no, ein &oh, eine Höhle, befonbert, 
wenn fie einem Bäre zum Xufenthalte diene. Der Bär gehet zu Lug. 

%*X Der Lugaufdenpfennig, —es, 9. —e, tiner ber auf jebem 
Pfennig Tuget, d. h. ſtehet, ihm mehrmahls betrachtet ehe ex ibm 
außgieht, wie ein Beiziger zu thun pflegt; baher man mit biefem 
Korte ehemahla einem Geizigta bezeichnete, melden Ausdruck Wide 
ter in ben Sagen ber Vorzeit vom neuen gebraudt hat. In manr 
Gen Gegenden mennt man einen folden Geiyigen auch einen Druͤck⸗ 
dempfennig. 

Die Lüge, Du. —n, eine jede Unwahrdeit bie man fagt, befonbers 
eine wiffentli und abfihtiid; gefagte Unwahrhelt und Übertretung 
dee Pflicht des Wahrhaftigkeitz in hartem Werftante, Lügen erdich⸗ 
ten, vorbringen, audbreiten, unwahre Dinge, Brgebenpriten. Ei⸗ 
nem Luͤgen erzählen. X Ginen mit Rügen berichten, ihm Unmwahr 
zes berichten. Sich mit Lügen durchheifen. Ginen Lügen frafen, 
ihn einer Lüge seien, ihn derſtlben befchulbigen, überführen, we 
Sägen der zweite Hal ohne Dentewort iſt. Fine unverſchaͤmte Lüge, 
bie ſich fogleih als LäAge beweifen laͤßt umb von ber Unverfhämtpeit 
des Bügners geugt. Sprichw. X Lügen haben kurze Beine, d. h. 
mit Sögen koͤmmt man nit weit, fie werden bald eutbedit und 
helfen bem Lügner nichts, In engerer Bebeutung verbindet man 
in ber Sittenlehre bamit ben Rebenbegriff, baf bie grlagte Unwahr⸗ 
heit zum Schaden bes Andern gereiht oder gereichen fol, welcher 
Nebendegrif aber bei bem gemöhnliden Behraude biefes Wertes 
nit bamit verbunden if. Doch bebient man fi um bielen harten 
Nebendegriff nit zu vrranlaffen , wenn es nicht etwa abfihtli ge⸗ 
ſchiehet, in ber Umgangs» und Ocriftfpeade lieber bes Wortes Un: 
wahrheit. Das Harte bes Begriffes verfhwindet in dem zufammenger 
fehten Nothluͤge. In weiterer und mehr uneigentlicher Webeutung 
wird Lüge gumellen für Berſtelung und Irrthum gehraucht. Im 


in. bee 


Luͤgek 


167 


Lügen 


Der Bibel Ymmt es aud für Grugelei und don bem Wiberfpruhe 4 Die Lügenfarbe, I —n, gleichſam eine lägenbe Barbe, eine 


in ben Grundfägen und Banblungen vor; im allen biefen Bälen ohne 
Mehrzahl. ©. Lügen. Im O. D. lautet es auch bie Lügen, eine 


Lügen, 
4 Naundig oder Luͤgenkundig, —er, —fle, adj. u. adv. ber 


Lüge ober des Lügens kundig , gefhidt und erfahren Bügen zu erfins 


ben und zu verbreiten. . 
— — Bir fanbte 
Der Abgrund beu derſteckteſten ber Beifter, 
Den lügefunbigften herauf. — Bdiller, 
3% Bugen, v. intrs, fo viel als fehen, ſchauen ober fpähen, weldes 
im D, D. noch gebräudlih und in neuern Zeiten Häufig wicher 

in bie Bücherſprache, befonders im Mittergefhihten, zurbdgeführt 
morbra if. ©. Umberlugen. In engeree Bebeutung, verſtohlen 
fehen , heimlich feine Aufmerkſamkeit auf etwas richten, 5 B. etwa 
einen Bortheit zu erhafhen, einen Anbern zu berüden; daher bes 
lugſen, ablugfen. 

— &s wie ein Sauller fügt, 

Sudem er hier fpielt und doet lugt = 

Bei Pinfeln feinen Schnitt zu machen. Goltau, 
In ber Oberpfalz lautet es lauen; dader lauern. Das Lugen. 
Zügen, v. unsegelm. ich füge, du luͤgeſt, (luͤgſt ©. D, leugſt), er 
lüget (fügt ©, D. leugt); unl. verg. 3. ich fog; gebundene Form, 
ich loͤge; Mittelw. d. verg. 3. gelogen; Wefehtw. Lüge (D. D. leug); 
X) intrs, von Bugen, Zug d. h. Schein machen, wnb durch biefen 
Schein irre leiten, betruͤgen; befonbers burd den Schein ber Wahr 
hdelt beträgen, eine Unwahrheit fagen, vorzäglih wiſſentlich unb 
abfihtlih eine Unmahrheit fagen und daburch bie Pflicht ber Mahr- 
baftigkeit Äbertreten ; mit einem harten und veraͤchtlichen Rebendes 
geiffe. Du ſollſt migt fügen! Im gemeinen Leben, wo es in biefer 
eigentlihen Bedeutung am häufigken- vorfimmt, gebraacht man es 
in mehreren niedrigen Ausbzädın. So fagt man von einem Dien- 
(hen, ber eine geoße Fertigkeit im Lügen bat, er Lüge, daß ſich bie 
Balken biegen; er Lüge, wenn er den Mund aufthue; luͤge bu 
und ber Teufell ıc. Deiß er feinen Lügen einen Schein ber Mate 
heit zu geben, fo fagt man, er läge als wenn es gebrudt wäre, 
Bon biefer Art find auch die Ausbräde: einem die Haut voll Iü« 
gen, ihm fehe belägen, Ihm viele Lügen aufheften; bas luͤgſt bu 


tduſchtude b. 9. unechte, und unelgentlih, ein täufchender Schein. 
„Geifelt diefe (empfinbfame Ghwärmerei) mit bitterm Spotte, ſolche 
grelle Lügenfarben verdienen fhasfe Bauger ıc. Benzel⸗Sternau. 


Der Lügenfeind, —ı6, 94. —e, ein Beind ber Lügen, ber die Lür 


gen Haft und die Wahrheit liebt z ein Wahrheitsfreund. Das Be: 
gentheil würde Lügenfreund fein, 


Die Lügenfrucht, 2. — fruͤchte, die Brut, b. h. bie Folge ber 


Lüge, Falfäpeit, ein in ber Bibel Hof. 10, 15 vorkommenbes fonft 
aber nicht gewähnlihes Wort. 


Der Lügenfürft, —en, 29. u. der Bürft der Lügen gleiäfem, d. $. 


ber Borzuͤglichſte in ber Kunſt zu lügen, ber Teufel; ein in 
Schriften vorkommendes Wort, wildes Stieler hat. 


Der Luͤgengeiſt, —s, 9. —er, tin lägenhafter Geift; befonbers 


ber Teufel, ben man für einen Meifler in ber Lägenkunf Hält, 
Bag nur in Blende und Bauberwerken 
Did von bem Lügengeift beſtaͤrken. Goͤt he. 

Auch einen Lägenpaften Menfhen nennt man einen Luͤgengeiſt. 


Das Lügengeld, —th, =. —tt, bei manchen Gerichten, «in Gelb, 


weldhes eines der einen Anders mit Worten ober Thaten beieibiget 
und befhimpft, indem er ifm z. B. etwas Shlimmes Schuld giebt 
ohne es bemeifen zu koͤnnen oder indem er es gezadezu von ihm ers 
dichtet, als Strafe bezahlen muf. 


Lügenhaft, —er, —efte, adj. u, adv. a) Giner Eige äpnlic, aleich; 


eine Rüge enthalten. ine Iügenhafte Erzaͤhlung. Luͤgenhafte 
Berichte. =) Fertigkeit im Sägen befigend, zeigend; im gemeinen rs 
ben auch verlogen. in luͤgenhafter Menſch. Lägenhaft fein. In 
beiden Bebentungen aud Lügmerifch, und befonders im ©. D. luͤgen⸗ 
baftig. Davon bie Laͤgenhaftigkeit, die Wertigkeit zu lügen und 
Andere zu belägen, 


Lügenfundig, f. Luͤgekundig. 
O Die Luͤgenkunſt, 9%. —kuͤnſte. ı) Die Kunft, bie Seſchicktich⸗ 


keit und Fertigkeit mit einem Scheine ber Wahrpeit zu Lügen; ohne 
Mebrzaft. 2) A Eine der Kuͤnſte des Lügners, ein Lünflihes Mit 
tel, deſſen ex fi bebient, Andere zu befügen und zu tänfgen, eine 
feine kuͤnſtliche Läge. 

— doch von ben Mänten, 

Den Luͤgenkuͤnſten, Haft bu Beine Ahnung. Schiller. 


in beinen Hals, das ift eine unverfhämte Lüge. Sprichw. X Mer O Die Lügenichre, 9. —n, eine Iägenhafte falfche Lehre. „Deiner 
einmahl luͤgt, dem glaubt man micht Teiche wieder. Mer füge Luͤgenlehre bieget ih willig bie ide. Mädter. 

ber Richie auch, der Lügner iR Häufig aud ein Dieb. Die Fögung O Der Lügenichrer, —s, 39. gi. einer der Ehgen lehret, eine fal- 
mit dem britten Wale „einem Lügen“ für, ibm befägen, wie «6 fche Lehre vorträgt. 

Apoflelg. 5, 5. 4 vorkommt, if eine für bie Höhere Schreibart & 3k Luͤgenlich, adj. u. adr. viner Säge Ähnlich eher glei, Lägenfaft. 


O Be 


ehe brauchbare und in derſelben auch mit ungewöhnliche Fuüͤgung. 
Auch als mtr. „Reine Beiffigung wird fügen,“ unwahr fein oder 
(deinen, unesfänt bleiben, Eyed- 10, 04. ID A'trs. auf eine 
lügenhafte, heuchleriſche Art, um zu täufhen, an ben Tag legen 
aber äußern, deũ deln. Ginem Freundſchaft luͤgen. 

Deßwegen logſt ba tädifh mir Verſoͤhnung. Schiller. (M.) 

Rie Hab’ ich ein Sefuͤhl gelogen, . 

Nie dacht’ Ich anders als ich ſchrieb. Pfeffel. (R.) 

Een erblid’ ih dem Mohn, er glüht. Doc Fomm ich bie näher, 
ad! fo feh' ih zu bald, daS bu bie Hefe nur luͤgſt. Böäthe, 
Das Lügen, Eich auf das Lügen legen. Sich das Fügen ange: 

mößnen ı. Die Luͤgung if ungewoͤhnlich. 
Lügenbeweid, —ıd, 2. —e, ein Tägenhafter Beweis, ein 
falſcher, trügliger Beweis, „Vom Thron Gottes bis zum Gewmärm 
der Erde Hann alles Lügembeweis, Pfeil und Hülle des Allbetr ügere 
werben," Herder, 
& Das Ligenbild, —s, Bi. —er, ein Iegendes d. h. ein laͤu⸗ 
ſchendes Rind, ein Zrugbilb. 

Ein Lügenbilb (die unſterblichktelt) lebendiger Befloiten, 

Die Mumie ter Beil, Schiller 


-Diefe Ingemliche Mäper. d. Klage, V. 3515. Mäfte luͤgentlich 
beißen. 


X Dos Lügenmaul, —s, MM. —mänfer, ein lögenhaftee Maul, 


der Mund, fofern man mit bemfelden Lügen ſpricht. Uneigenitid, 
ein Lägenhafter Mesfh, weißen man in ber gemeinen Sprechart auch 
einen Lügenfad nennt. 


X Der Lügenprediger, —s, 9. gl. ein Prediger, welher Unwahrhels 


ten, falſche &rhren vorteägt, ein Mita a, 11. norfommendes Wort, 


X Der Lügenprofet, —ın, Sz. —en, ein Iägenhafter Profet, deſſen 


Profegeipungen ode Borberfagungen nit eintreffen. „Ygamennon 
bieh ihn einen Wahrfager bes Ungiäds: aber Luͤgenprofet getraute 
fi ſeibſt Mgamennen nicht zu fagen.“ Herber. 


Der Luͤgenredner, —s, 2. gl. ein Mebner, welder Unwahrhelten 


verträgt, ein ungewöhnliches und ı Tim. 4, o. in tem fpitren Aus · 
aaben für einen ber Lügen redet, einen Lügner unriätig gebrauchtes 
Wort, wofür aber im Luthers eigenen Ausgaben, wie Hehnan der 
merkt, sihtig Luͤgenreder flehet, und wofür Heumann Luͤgen ⸗ 
lehter fett. S. Meber. 


& Dad Luͤgenreich, — es, Bi. m. ein Reich der Cem 23 


wo nur Cägues find und Lug und Täufgung Statt ſiadet. Das kuͤ⸗ 


« 
Lügen 

genreich des Teufels. Ja ber folgenden Stelle wird das Me e, weis 
des erſt wuhig bald darauf und unvermuthet aber unrafig wirb und 
tobt und jene Muse aleihfam mur Ing, bad Lügenreich genanat. 

Südifh ruhten beine Bogen, 

Bis bu ihn herausbeteogen 

In dein falſches Luͤgenteich. Schitler. 

X Dir Lagenſack, —es, Sn. — ſaͤde, ſ. Luͤgenmaul. 

O Die Lugenzeihung, 29. u. die Handlung, ba man jemand bee 
Sägen zeihet, d. h. derſelben befhurbiget, and mol dieſelben bemeifet. 
Sotel. Auch bie Luͤgenzicht. 

© Die Lügenzicht, o. . 6. f. Luͤgenzeihung. 

O Die kügenzunge, 99. —n, eine lägenhafte Zunge, bie Bunge, 
fofern man Lügen bamit ſpricht, „Sollten wir trauern, weil uns 
die Lügenzunge dre Fama Sothſchaft des Kummers zufläfterte ?« 
Gebite. (R.). Ginem die Lügenzunge ousreißen. Uneigentlich, ein 
tügendafter Menfh. Ich achte der Läfler« und Luͤgenzungen nicht. 

Der Lugger, —s, 24. gi. in der Serfahet, ein Meines zmeimaftiges, 
keichtes und fehr ſchnell fegeintes Fahrztug, weldes vorzüglich alt 
Meldeſchiff, Packbeot und Kaper gebraucht wird, Seine Stengen fie 
gen nit wie bei andren Schifen an ber Borderfrite, fondern an der 
Hinterfeite bes Maſtes. Statt bes Bugfprietes führt er vorm einen 
Tangen wagerecht liegenden Austieger, und hinten hat er ebenfalls 
einen Xuslieger, woran bie Schote feines Trelbers audgeholt wird. ©. 

O Die Luggeftalt, 2. —en, eine tögende, d. b. täufhende Geſtalt, 
ein täufbender Schein. „Go nimmt wieder ihr Geibfihetrug eine 
Kugsgeftalt (Euggeftalt) an.“ 3. 9. Richt er. 

O x Das Luggetraͤtſch, —es, o. 4. lügenhaftes Getraͤtſch ober 
Seſchwaͤg. „Das Luggetraͤtſche ber Schwatſſucht.“ Kofegarten. 
Das Luggold, —es, ». M. gleichſam luͤgendes, d. h. falſches Bold; 

Flittergeold, Kupfergotd, Rauſchgolbd. 

* Der Luginbland, o. Umtaduug, My. gl. ober —e, einer ber ins 
Sand lugtt, ſchauet; ein Wort, womit man ehemahls befonders eine 
Warte . von welder man meit ins Land lugen ober [hauen fan, 
dezeichnete, und welches, wenn man will, zur ſcherzhaften Bezeiche 
Aung eines doch und frei Hiegenden Baufes ıc. aus weihem may weit 
fehen kann und gemöhntiä eine ſchöne Kusfiht hat, neben Sieh— 
dihum gebraucht wirben fann (Belvedere). ©. G. Berd w. Bel- 
vedere, „Sie besbtkerten jeden Kugindland mit Eüsnern (Ihrem: 
mwädtern), ob nicht bie Wäter heimkehrten. Wädter. In Nürnberg 
führt nad) folgender Stele ein Thurm no biefen Namen. „Und als 
ih aus dem Wäldchen trat, fah id ſchon bie Sonne ben hödften 
Särnberger Turm, Luginsland, vergolten.* I. P. Rihter, 

Der Lügner, —s, 9. gl; die —inn, 9m. —en, eine Perfon, 
welcht Läget; eim in ben meiften Fällen hartes More. (in Luͤgner 
fein, fügen. Ginen zum Luͤgnet machen, fagen baf er ein Lägnee 
fei, ihn bafür antgeben, wie auch, machen daß das mas er fagt 
nicht gefhiebt, oder daß er fein Dort nirht halten kaun. Ih muß ar 
Ihnen zum Luͤgnet werden, fagt man aud ohne den harten Rebens 
begriff, ber dem Worte Luͤge anhänger, für, i% kann mein Berfpreden 
nicht erfüllen. So au, an jemand zum Luͤgner werten. Sprichw. 
x Ein Luͤgner muß ein gut Gedaͤchtniß haben, well er, iadem er 
von der wahrheit abweicht, bie immer biefelbe bleibt, ſich Leicht 
wiberfprehen kann. In weiterer und mehr uneigentiiher Bedeu: 
tung tömmt es im ber Bibel für Heuchler vor, aud wel überhaupt 
für einen Menſchen, deſſen Hanblungsweife mit feinem Zwecke nit 
äbrreinftimmt. 

x Loͤgneriſch, —er, —ſte, adj. u. adr. f. Luͤgenhaft. 

+ Das Lühwaſſer, —s, 0. Big. dasiınlge Waſſer, in weldem bie 
Wiite, mern fie rein geweidhen ift, abgefpülrt wird. 

Die Eufe, Mm. —n, eine Öffnung on einem Gebäuse, durch welche 
das Licht eingelaffen wirb, und bie blez mit sinem Laden verſchloſ⸗ 
eh wird, Cine Bodenltuke, Dachtuke. Dann au eine Fallthür. 
os heißen auf ben Schiffen, die viersdigen Bäder in den Berbeden, 


# 


168 


Lum 


welche mit Jallthoͤren, die man Lukendeckel, Lukenklappen nennt, 
verſchroſſen werben Einnın, Luken. Bomos dieſe Offaungen als 
auch bie Deckel und Alappen beißen Luken. Die große Zul, bie 
mitteifte Luke auf einem Schiffe mir drei Luken. Um mist cöthig 
zu baden die Eulen auf dem oberften Dedgange zu Öffnen, bringt man 
in denjeiben zuweilen noch kieine Laken an, durch welche eine Perfom 
dinunterfteigen kann, und nennt biefe Lofe Luken oder Springluken. 
Bumweilen verficher man unter Luke auch den Laben oder die Fallthär 
einer ſolchen Öffnung. ö 

Der Lutendedel, —, 9. gt. ; die Lukenklappe, 3. —n, f. Luke. 

+ Der Lülch, f. Lolch. e 

+ Der Lulei, —es, 9. —e, im Hanndverfhen ı. ein Faullenzer, 
Wüfagänger, in Bremen Lullhack. 

+x Lulken, f. Lullen 2). 

+ Die Lull, 39. —en, auf ben Schiffen, fo viel als Mamiering. 

X Eullen, v. I) intrs, u. trs. ı) @in Wort, meldes bie fanften einem 
Sange ähnlichen Eine nachahmet, womit Mütter, Kintermärteriunen 
it. Kinder zu befänftigen und in Schlaf zu dringen fuhen, und welches 
forhe Töne, die ein Belang ohne Worte zu nennen find, herdorbrin⸗ 
gen bedeutet, - „In Sqclummer lullen,“ duch Eulen in Shlammer 
beingen,, einfhlummern machen. Kofegarten. 

— und bie Wärterinn lullte vergebens 
Heiferen Wirgengefang. — Bo. 
und lullte feine Schöne ⸗ 
Des Rachts damit im Aud. Blumauer. 
Lieber, bie bie Lerchen fangen, 
Die mig in bie Serle brangen, 
Lullten mid in fäpe Ruh. 4. Mirom. (R.) 
In weiterer Bebeutung aud von Zonmerkjeugen. 
— von ber Laut’ in Schlummer gelullt. — Baggefen. 
Auch uneigentiih vom Tedesſchlaſe. 
Lesre Hoffnung! nad der Abinbröthe 
Meines Lebens ein im Ulmenhain 
Suß in Schlaf durch did gelulit zu fein. Bürger. 
&o auch, vom Leidenfhaften, für befänftigen, einſchlaͤſern, aufhören 
machen. „Wie oft lull' ih mein empörtes Blut zur Rode." Bbthe. 
2) + In engerer Bideatung durch Saͤugen ober Saugenlaffen bejdafs 
tigen. Gin Kind tullen, baffılbe an etwas fangen laffen. S. Lul⸗ 
ber und Ludel. Zumellen wird es aud wol von Kındern für faugen 
felbſt gebraudt; in härtern Epreharten lulfen. Il) ntr. mit has 
ben, in der Schifffahrt vom Winde, wo er lullet, wenn bie Stärke 
bef-iben durch einen Rrgenfhaner vermindert worden ift; auch lu⸗ 
nen, Lüven. — D. Lullen. 

X Der Luller, —s, IM. gl; bie —inn, ig. —en, eine Perfon, 
welche lallet, beſonders ein Rind dadurch zu befänftigen und in Schlaf 
sa bringen ſucht. Uneigentliih mennt man in manden Gegenden, 
#4. B. in Konſtanz, etwas mwoburh man umzubige Fleine Kınder zu 
beruhigen ſucht, 3. B. ein gewiſſes Trinkgeſchire (f. Zudel) woraus 
fie fauzen, ein Stüddhen Leder ober fonft etwas was man ihnen im 
ben Mund giebt daran zu faugen, einen Luller; im gemeinen Leben 
anderer Gegenden, Zulp (R.), Ludel ou S. Rinberbutte und au 
Lutſchbeutel. 

OX Der Lullgeſang, —es, I. —geſaͤnge, ein lallender Bıfang, 
mit welchem man einlußıt, „Bute, gefunde Kinber ſchlafen ohne 
Lullgefang tin." Wähter. 

+ Der Zullmann, —es, — männer, oder —leute, auf den Grön- 
landfahrern, ein Mann, welder bie Finken, d. h. tin gefänitlene 
Stuͤcke Speck durch die Wamiering oder Lull in Baljen ober in ber 
Mitte durhgelägte Tounen laufen tät und bie Mamiering mit ben 
Hinten ankarift, wenn eine Bali von fl, Röbing. 

+ Die Luͤmecke, 9. u. bei Planer, ein Pflangengefälcht, beffen 
Blume aus fünf lanzenfoͤrmigen Kıtk: unb Fünf kürzen eifdbemigen 
Blumenbiättern, fünf Staubfäben und zwei Griffeln befiepet (Nama 


f 


Lumm 


(Nama L.); bei Dietrich Waſſergauchheil. 

+ Die Lumme, &. —n, f. Lohme. 

X Die Lummel, 94. —n. 1) @ine alte Mefferflinge oder ein als 
te6 Meſſer, beffen Heft oder Schale verloren iſt; die Laͤmmel. =) 
Bri ben Zöpfern, eine Schiene mit Rerben, womit fie ein bauchiges 

. Gebt beim Drehen auf der Aufenfeite mit Rinnen ober Helfen 





nerjehen. 

X Der Luͤmmel, —e, 9. al. rin grober, plumpes und ungeſchickter 
Menſch. Im Bremifgen iſt der Luͤmmel ein Weldling, fauler 
@älingel. " 

+ Das Luͤmmel, —t, Di. gl das Geſchlinge. 

x Die Lümmelei, 94. —ım, das Betragen eines Lümmels übers 
haupt und in einjeinen Fällen. 

x Luͤmmelhaft, —r, —efle, adj. u. adv, einem Lümmel Apnlic, 
gleich, mach Art eines Eämmeld, Ein luͤmmelhafter Menfh, Gin 
lümmelbaftes Betragen. Give Iammelhafte Stelung. Davon 
die Luͤmmelhaftigkeit. 

+ Lummeln, v. str. mit haben. ı) Im D. D. fälstternd herabhan⸗ 
gen. 2) Moͤßig, liederlich fein. D. Lummeln. 

1. X Luͤmmeln, v. intes, ein Luͤmmel fein, ſich als einen Summer 
eigen, als ein Lümmel handeln. D. Luͤmmeln. &. Aufluͤmmeln. 

2, + Zümmeln, v. trs. bei ben Faͤrbern, bie zu färbenten Baden, 
ehe bie Küpe in völligen Sub koͤmmt, mrbrmabis lüften, bamit bie 
Farbe deſto beſſer eindeinge. D. Lümmeln. D. —ung. 

x Der Lump, —es, 4. —e. 1) Ein kumpen. S. d. 4) Ein ar 
mer, ſchmuziger, elender Menfh, wie auch ein filjiger Scizhals; vers 
aͤchttich. Er if ein Pump. Mit einem haͤrtern und veraͤchtlichern 
Morte nennt man einen jeriumpten, ſchmuzigen, nichtswürbigen und 
verachteten Menfhen einen Lumpenkerl. Lumpenhund brudt ben 
Höhen Grad dirfes Begriffs aus, und Lumpengeſindel, Lumpenpad, 
Kumpenvolt, Lumpenzeug, bijeihnet mehrere folde Menſchen zus 
fammengenommen, 5) Gın Name bes Ger» ober Meerhaſen (Cy- 
elopterus lumpus). 

X Eumpen, v. trs. als einen Lump befanbeln. Einen fumpen. Sich 
nit lumpen Toffen, fih ben Namen ober bie Behandlung eines 
Lumpes nicht jusichen, fein kLump fein, bei einer Ausgabe, bei einem 
Gelenke ac, nit knauſern und geizen, ſondern fih vielmehr auszu⸗ 
seinen fusen, 

3. Der Lumpen, —s, 9 9l.; Wow. bas Lümpden, O. D. — 
fein, ein abgeriffenes ober abgetragenes Stuͤck von einem Beuge ober 
Kieibungskäde, ein Lappen, in verädtliher Bebeutung. Gin alter 
Kumpen. Die Lumpen hängen um ihn herum, von einem Men— 
fen, deffen Kleibung febe jerlampt If. Ales in Lumpen zererißen. 
Her Paplermacher maht aus Lumpen Papier. 
euer fängt bad in einem Pumpen, d. d. das Ungläd trifft päus 
fig nur arme Leute. Dft bejeichnet man mit Lumpen veroͤchtlich übers 
Baupt, ein Gtüd Zeug ober ein Kleid, IH mag feine Lumpen nigt. 
Zumweilen verliert Ah auch ber veraͤchtliche Rebenbegriff, befonders 
Bei dem Berkleinungsworte, meldes dann Überhaupt für Lippen, 
ein Stuͤckhhen Beug gebraudt wirt, Im den meiften Bufammenfe 
gengen bezeichnet es etwas Beringes, Schlechtes, Veraͤchtliches. Im 
®. D. lautet ed die Lumpe. „Die Kumpe, bie ben Bogel [hruct,« 
Kiopfiod. 

Dein ſtaͤrkſter Foliant, der Fluch für den, ber ſchreibt, 
Bar Lumpe, warb Popier, wird Kehrig, wirb zerſtaͤubt. 
Hageborm. 
In andern Sprecharten auch ber Pump. 
Berböngnif, UUßt du benn ben Purpur fo vermobern, 
So füge, was binfort ein Kump erwarten ſol? Günther. 

#. Der Lumpen, —d, 9. gi. eine Art Schleimfiſche (Blennins 
lampenus). 

+ Das kumpenbier, —ed, 9. u. bie Benennung eines Biere, wel, 
des in Wernigerode gebrautt wich, 


Gampe's Wörterb 3. Th. 


169. 


Cpridm, X Das: 


Lump 


x Das Lumpending, —es, 24. —t, tin lumpigta, dr $. ein ges 
—— ſchlechtes, veraͤchtliches Ding; eine folge Bade, eine Lum ⸗ 
panfache. 

X Die Uumpenfrau, 2. —en, f. Kumpenfammter. 

X Das Lumpengeld, —e6, WM. u. ein geringes, undedeutenbes 
Bel, Das if ein Lumpengeld für eine folhe Waare. 

X Das Lumpengelindel, —s, 2. u. f. Lump. .: . 

O Das Lumpengeroebe, —, 4. u. ein ſchlechtes, erbaͤrmtiches 
Gewebe, „Aber dieſer Juͤngling hat aud das Ungemad nicht wahr⸗ 
haftig ertragen, fonbern immer mit kaltem moralifhen Lumpenge— 
webe übrefpinnen gelemt.* Knigge. (R.) ; 

Der Lumpenhbandel, —$, 0. 4. ber Handel mit Lumpen, gum Be: 
huf der Papiermüplen. Davon ber Lumpenhaͤndler, bie Lumpen ⸗ 
haͤndleriun. 

E Der Lumpenhund, — , 3. —, ſ. Lump. 

Die Lumpenkammer, 234. —n, in ben Papiremählen, eine Kam⸗ 
mer, wo bie Lumpen aufgefhättet und ansgelefem werben. 

x Der Eumpenkerl 7 — 8, 4. —e, f. Lump. 

x Der Eumpenfonig, —es, 9. —, ein Iumpiger, erbärmfider 
König. .— wenn er ihm troA feines Purpurmantels und feines Ders 
melinkxagene einen zufammengeflidten Lumpenkoͤnig Ihatt.* Börbe, 

Der Lumpenmann, —s, 34. —männer, f. Lumpenſammler. 

X Das Lumpenpad, —es, 0. 3. f. Lump. j 

Dad Lumpenpapier, —eb, DM. von mehrern Arten, —e, aus Sams 
pen verfestigtes Papier, zum Unterfbiebe vom anderem Papier aus 
anderem Stoffe, 3. B. Baumwolle, Stroh ıc. gemacht. „Wäre dir 
Grfinbung bes Lumpenpapieres früher gelommen, mie viel weniger 
wäre untergegangen," Gerber, 

X Die Lumpenfache, 84. —n, ſ. Lumpending. 

Der Lumpenfammier, —s, 3%. gl.; die —inn, 4. —ın, eine 
Verſon, welche Lumpen für bie Papiermäßlen fammelt; im gemeinen 
Leben der Zumpenmann, bie lumpenfran, das Lumpenweib. 

Der Lumpenfhneider, —s, 4. gl. dei ben Papiermällern, ein 
vom Waſſer getriebenes Schneibewerf, durch welches bie Zumpen ober 
Habern Elein gefhnitten werben; auch ber Habernfchneiber, das 
Schntide zeug. 

O X Der Lumpenſolb, —es, 9%. gl. ein Iumpiger, d. h. geringer, 
ſchlechter Gold; verdchtlich. Echullehrer erhalten hier wahren Lum⸗ 
penſold.· Allg. Deutſche Bibl. (M.). 

X Das Lumpenvolk, —es, o. 2%. ſ. Lump. 

X Die Lumpenwaare, 24. —n, eine geringe, ſchlechte Waare. 

x Das Yumpenmweib, —es, 3. —er, ſ. Yumpenfammier. 

O X Der Lumpenwuſt, —es, 0. DM. hißlihe Eumpen unter eins 
anbtr; baun, bäflihe Iumpige Sieider. 

— Bähnt im Lumpenwuſt, 
DaB eu ein Zurifh Purpurkltid bebedt, Deutſch. Merkur 

X Der Lumpenzeug, —es, U. —, ein fehr ſchlechter Zeug. 

E Das Lumpenzeug, —es, 0.39. fo vielals lumpenpad. ©. Yump. 

Der Zumpenzuder oder Lumpzucker, —s, 2%. gi. im Handel, 
Buder in Sumpen d. h. in Stüden, Buder, welder niht in ganzen 
Broten, fonbern mit abgeflagenen Köpfen ober Spitzen, bie mam 
aurüdbehält, verſchlat wird. In Hamburg nennt man ihn oft auf 
THledtweg nur Lumpen. G. ‘ 

X Die !umperei, 24. —en, eine lumpige, d. 5. unbebeutenbe, ge⸗ 
zinge ober nichtswuͤrdige Lacher. Um eine Lumperei flreiten. Sie 
hadın fi wegen einer Lumperei entzwelet; etwas gelinder fügt 
man dafuͤr bie Lappetti. 

Lumpicht, —er, —fle, adj. u adv, ı) Einem kumpen aͤhnlichz ber 
fonders uneigentli$ und verihtiih, gering, ſchlecht, nihtswärbig. 
Rur lumpichte vier Grofhen gab er zur Beiftener, 3) Einem Campe 
ahnlich; befonbers uneigentiih, Inauferig, filzig. Sich lumpicht 
aufführen. Das war lumpicht. 

Lumpig, —er, —fte, adj. u, adr. 3) Eumpen habenb, aus Lampen 


h) ” 


Luͤne 170 — Lung 
beſtehend, in Lumpen hangend oder. mit kumpen behaͤngt; zerlumpt. faulte Eunge habend. Ein zungenfaules Pferd. Lungenfaul fein. 
Ein iumpiger Rod. Ein lumpiger Menſch, Kerl. Lumpig einhbergehen. Die Lungenfaͤule, o. 9. eine Ktankheit, welche darin befichet, daß 
=) X Als ein Bump, wie ein Lamp. Lumpig fein. Sich lumpig aufs die Runge faul ober angefault ift, 
führen. Ein lumpiger Meaſch. S. Lumpicht. Davon bie Lumpigkeit. Die Lungenfeuchtigkeit, 2. u. in ber Berglieberungsfunft, eine 
+ Das Luͤnekraut, —es, 4. u. ein Name der kriechenden Bad: Weuchtigkelt, melde ſich zwiſchen der Oberfläche der Runge und dem 
tunge (Veronica beecabunga L.). Beuſthautſacke, worin fie liegt, befinbet (Humor pleurae), 
Lunen, ſ. Zullen II): Die Lungenflechte, By. —n, eine Art Baumflehten, welche als eim 
Die Lunge, 9. —n, eins ber eblen Eingewelde im Körper tee Mittel in Eumgenkranfpeiten gebraucht wirb (Lichen pulmonarius 


Menfhen und Thiere, welches aus Heinen lodern durch bie äußere 
Baut feft mit einander verbundenen Lppchen, deren jebes viele haͤu⸗ 
tige Bellen enthält, beichet, in ber Bruſthoͤhle Liegt und bas eigent» 
liche Werkirug bes Arhemholens if, Sie beſteht aus zwel Haupts 
theilen, welde man Lungenflügel und zwar ben rechten und Linken 
nennt, weil ber eine auf ber rechten ber anbere auf ber linken Seite 
ber Bruſt Liegt. Häufig, befonbers im O. D., wird jeber Eungenfläs 
gel bie Lunge, bas Ganze alfo bie Lungen genannt, Cine gute 
Lunge haben, eine gefunde, und daher fowol in langen Zügen Kthem 
holen, als nu in einem Athem lange fprehen, mit ber Stimme 
aushalten, pfeifen, blafen Einnen; befonters verfieht man unter 
biefem Xusteud im gemeinen Leben, gut, d. h. ſtark und lange in 
einem fort fhreien koͤnnen. Aus voller Zunge freien, laden, b. h. 
kart, laut, opne Burädhaltung ; im gemeinen Erben, aus vollem Halſt. 
Feet von der Lunge Sprechen, ohne Burädhaltung, freimäthig; ſonſt 
auch, frei von ber Seber ſprechtn. 
eaß mic erft fein, wo fih's mit freier Lunge ſpricht. 
RL. Sch mibt. (R.). 

In manden Sprecharten heißt die Lunge Bungel, Pumpe, Lumpel, 
und bei ben Taͤgern wird das ganze Geſchlinge init Inbegriff bes 
Derjens unb ber keber, bie Lunge auch wel bie Lunge genannt. 

Die Lungenader, By. —n, in ber Zergliederungskunſt, bie Adern 
ber Lunge, die entweber Bungenfchlagabern (Arteriae pulmona- 
les), bie das Blut aus bem Herzen in bie Lungen führen und bas 
ſelbſt verbreiten, oder Lungenblutabern (Venne pulmonales) finb, 
welche bas Blut von ben Lungen in ben Rungenblutaberfad bes Her: 
send leiten, Bei den Pferden ift bie kungenader eine Aber am 
Halſe, welde nad) ber Lunge gehet unb au Droffelaber heist. 

Der Lungenbalfam, —es, 4. —e, ein Balfam für Grfhmäre 
ober Bunben an und in ber Lunge. 

Das Kungenband, —es, By. —bänber, in der Zergllederungskunſt, 
Bänder, welche aus Berboppelungen ber Brufhaut beleben und die 
Lunge in der Brofinähle feft balten (Ligamenta pulmenalia), 

Die Lungenblafe, Bu. —n; Bio. das Lungenbläschen, in der Zer⸗ 
olleberungskunft, die Heinen Bläschen in bem Innern ber Lunge, in 
welde die Euftröheenäftgen auslaufen, 

Die Luingenblume, 3. —n, ein Name ı) einee Art bes Mutter 
trautes, welche mit der Kamille viele Ähnlichkeit Hat und daher auch 
Kamille, font Hermchen, Kammerblume, Magdblume ıc. genannt 
wird (Matricaria chamomilla L.). Sie bient als gutes Heilmit: 
tel in vielen Krankheiten. 2) Einer Art bes Enzians, blauer Herbſt ⸗ 
enzian, welder auf feußten Wiefen waͤchſt und im Berbfimsnate 
mit einer fhönen blauen Blume blähet (Gentiana pneumonanthe 
L.}. Er bient ala Heilmittel in mehrern Krankheiten, 

Die Lungenblutaber, f. Zungenaber. 

Der Lungenbiutaderfad, —s, &y. — ſaͤcke, in ber Berglieberungss 
kunſt, ein Häutiger Sad am Bergen, welcher bie Lungenblutader 
aufnimmt und auf hintere linfe Rebenfammer heißt (Atrium pos- 
terius sinistrum, s. venarum pulmonalium), 

Die Lungendräfe, 34. —n, in ber Zergllederungekunſt, Dräfen an 
dem untern Theile der Luftröhre (Glandulse bronchiorum). @, 
Luftröhrendräfe. 

Die Lungenentzündung, 3. —ın, eine Entzündung an ober In 
ber Runge. 

Lungenfaul ‚adj. u, adv. au ber Eunge faul, eine faule ober ange: 


L.); auch gruͤnes Lungenktaut, Lungenmoos. S. Baumflechte. 

Der Lungenfluͤgel, —, 9. gt. f. Lunge. 

Das Lungengefleht, —ıs, 39. —e, in ber Zergliederungakunſt, 
ber Name der Rervengeflehte ber Lunge (Plexus pulmonales). Das 
vordere und hintere Rungengeflecht. 

Das Lungengefhwär, —es, 24. —e, ein im oder an ber Lunge 
entflandenes Geſchwuͤr. 

Der Lungenbieb, —es, By. —e, ein Hieb nad) der Zunge ober in 
bie Lunge, fo wie ein Lungenſtich, ein Stich in die Lunge fein würde. 
uneigentlich verſteht man darunter einen derben Hieb; auch fagt mon 
im gemeinen Leben, einem einen Lungenbieb verſeten, für, ihm 
eine berbe Wahrheit fagen. j 

Die Lungenfanmer, 2. — n, in der Berglieberungskunft, bie rechte 
vorbere Herzkammer, aus welder bie Eungenfhlagaber entfpringt 
(Ventriculus dexter anterior s. pulmonalis). — 1 

Der Lungenklee, —s (rierſilbigh, o. Big. ber Fieberklee, Witterkier 
(Menyanthes trifoliata L.). 

Die Lungentrankheit, 9. —en, eine jede Krankheit bee Lunge, 
ober eine Krankheit, bie aus fehlerhafter Beſchaffenheit der Lange 
entfichet, 

ODer kungentrampf, —es, 9. —Mrämpfe, der Krampf, Frampfs 
haftes Zuſammenziehen an ober in ber Lunge, — weil ber Schmerz 
mit einem Lungenktempfe ben Athem Tperite." J. P. Rihter 

Das Lungenkraut, —ed, 8. — kraͤuter, der Rame verfhiebener 
Kräuter oder Pflanzen, welde in Lungen und Bruſtkrankheiten ges 
braudt werben. x) Mehrer Arten ber Flechte, als: grünes Lun⸗ 
genkraut, oder Lungenfledte (Lichen pulmonarius L.), auch Lun⸗ 
genmoos; f. Baumfledyte; gelbes Lungenfraut ober Wandflechte 
(Lichen parietinus L.), f. db; aſchfarbiges Lungenktaut oder 
Hunbafleöte (Lichen caninus L.), f. d.; weißes Lungenkraut, 
mweldes, wenn e# älter wirb eine bem Hirſchgeweiht ähnliche Geſtalt 
befdmmt, obermärts graubläulih anterwärts aber mit einer weißen 
Wolle Überzogen if und auch hirſchhotnfoͤrmige weiße Baumflechte, 
weiße Schleebornflehte und weißes Lungenmoos genannt wird 
(Lichen prunastri L.). 2») Des Mafferboftes oder Hirſchguͤnzels 
(Eupstorium ecannabinum L.). 3) Befenders aber eines Pflans 
zengeſchlechtes, beffen zöheenförmige Blume einen fünfeckigen zöhrens 
förmigen‘, fünffad ausgegadten Kelch, fünf kurze Staubfäben, deren 
aufg⸗ richtete Beutel mit ben Epigen ſich nähern, und einen Briffet 
bat, ber einen fumpfen eingeferbten oder teiterfäemigen Gtaubs 
weg trägt (Pulmomaria L.). Das gemeine Lungenkraut mit herz 
förmigen Wurzelblättern, weldes auch Hirſchkohl, Hirfhmangoib, 
Hirfchmelde, blaue Schtüffelblume Heißt (Pulmonaria offieinalis 
L.) unb das gemeine kangenkraut mit lanzenfdemigen Burzelhiät: 
teen, auch Berglungentraut genannt (Pulmonaria angustifolia 
L.), wurden ebemahls häufig als ein gutes Mittel in Beruftfrankgeis 
ten, Blutfprien und Lungenſucht gebraucht. Außer biefen Pflanzen 
führen den Ramen Lungenfraut neh 4) des gemeinen weißen Ans 
dornd, welcher an unbebaueten Örtern wähft und eifdrmige auges 
fpiste, ausgezadte, molige unterhalb gleihfam eingepuberte Blätter 
bat, an deren Winkeln viele glatt auffigende und dicht an einander 
gepreßte weiße Biumen, bie wirtelfoͤrmig geftellt find, zum Bor 
fhein fommen (Marrubium album, Marrubium vulgare L.); auch 
weiße Leuchte, Hetfekraut, Gotteshuͤlfe, Gottvergeh ıc. 5) Einer 
Pflanze, welche zur Melde gerihnet wird, und auch Traubenkraut, 


ung 


‘471 


Lur 





Schabenkraut, Kroͤtenkraut, Tuͤrkiſcher Beifuß und Motteuſame 
deißt (Chenopodium ambrosioides s, Chenopodium hotrys L.). 
Cie wäh im mittägligen Guropa wild, treibt einen im Aſte ger 
theilten zaudhen und kiebrigen Stengel, laͤngliche, zaude, klebrige, 
einander gegenÄber geſtellte Mlätter und aus ben Winkeln derſelben 
entfiepen einfache nadte Stile, welche Elrine grüne Kügelden tra 
gen, bie fih in kleine .Blämden wie bie bei ber Melbe vermwanı 
bein, 6) Einer Art des Habichttrautes, gülden oder Kranzöfifches 
Lungentraut, welhe eiförmige ausgezadte haarige Wurzelbtätter, 
einen äftigen Stengel, worauf ein ober zwei Heinere Blätter ftehen, 
und gelbe Blumen, deren Kelch mit ſchwarzen Haaren befegt iſt, 
dat, und Lungenwurz, au haariges Mauerhabichtkraut, Milch- 
mwundfraut, Wunblattig, Buchkohl Heist (Pulmonaria gallica, 
Hieracium murorum L.). 7) Falſches Lungenkraut, eine mit bem 
Enzian verwandte Pflanze; Heiner ſchwarzblauer Enzian (Sivertia 
perennis). 

Der Lungenlappen, —s, 3. gl. bie Lappen, in melde bie Lungen, 
flägel getheilt find, ber rechte gewöhnlich in drei, dee Linke im zwei 
(Lobi). 

O Das Lungenmittel,, —e, 9. gl. ein Heilmittel in kungenkrank⸗ 
beiten. 

Das Lungenmoos, —es, DM- — im gemeinen Sehen eine Benen» 
nung berjenigen Arten der Flechte, weiche in Bungenkranfpeiten ger 
braucht werden. ©. Lungenkraut. Außer biefen Flechten führt auch 
bas Steinmoos (Lichen caperatus L,) birfen Ramen. 

Das Lungenmuß, —es, 2. —e, in den Käden, ein Gericht, wel· 
ches aus kleingehackter Kalbslunge beſtehet. 

Die Lungenprobe, 34. —n, im der gerichtlichen Arzeneikunde, eine 
mit berkunge eines meugebornen tobten Kindes angeftellte Probe, bei 
welcher man bie Eunge in ein Gefäß mit Waffer legt, um aus ihrem 
Unterfinfen oder Schwimmen zu erfennen, ob bas Kinb tobt zur 
Belt gelommen ober nad ber Geburt ſchon Athem geſchoͤpft oder ge: 
lebt habe.” 

Die Lungenfaugader, 94. —n, in der Berglieberungstunft, biejeni- 
gen Saugadern, welche theils in den Drüfen neben den Luftröhren: 
äften in der Lunge felbft und an bem Orte wo fi bie Lufteöhre ihei⸗ 
let, theils in den Druͤſen zwifhen ben Sungeneinfhnitten und an ben 
großen Nutgefaͤßen zufammenfommen. 

Die Lungenſchlagader, f. LZungenaber. 

Der Lungenftein, —es, 4. —e, f. guferäprenfein. 

Die Lungenfucht, 9. —en, eine Kranfpeit, welde in einem offe⸗ 
nen und eiterigen Lungengeſchwüre, bas mit einem anhaltenden 


ſchleichenden Fieber verbunden ift und eine völlige Abzehrung des 


Körpers, bis ber Tod erfolgt, mad fidy ziehet (Phthisis pulmonalis) ; 
auch bie Lungenſchwindſucht, in ber niebrigen Sprechart die Lun⸗ 
genfucht. 
kungenſuͤchtig, adj. u. adr. mit der kungenſucht behaftetz; wieauch, dar ⸗ 
in gegruͤndet. Geilerv. Rapfersherg gebrauchte bafür & lungig. 
Die Zungenwurz, o. 9. das Mauerhabichtkraut, ſ. Lungenkraut 6). 
Der Lungerer, —s, 4. ol. (R.) eine Perfon, welde lungert, 
nad etwas lungert. ©. Lungern. — bas-fauer erworbene Brot 
vor bem Munde ber lieben Seinigen weg an bie gewappneten un: 
gerer zu geben.“ Benzel»-@ternau.\ 
Bungerig, —er, —fle, adj. u. adv. (R.) 1) Faul. 2) Wegierig. 
Das fieht fo lungerig aus. Davon bie Lungerigkeit, o. Bi. 
ungern, v. I) ntr. mit haben, im R. D. faulengen, im Bette Lie, 
gen ohne zu ſchlafen, mäffig umbergehen. II) intrs, im R, D, 
gierig nad etwas hinfehen , fireben, mad ober auf etwas ausgehen. 
&o lange ſchaͤmt er ih nad Bnabenbrot zu lungern. Bürger, 
Uneigentli auch vom Magen. 
Bus Stunbe ber lungernden Magen. Det. 
D. Lungern. 
Die kungwurz, 0, 2. der gemeine Gänfifuß, guter Heinrich. 


»t2R ehning, u tra Name des Hausfperlinge; auf 

ne, nee 

+ Die ‚Lünn, f. Luͤnſe. 

Die Lünfe, 9. —n , eine Benennung des Achſen- ober Achenagele. 
©. d. In manden D. D. Gegenden heißt fie au Kipf, anberwärte 
Pünn, Linn. S. 2 kehne. 

Lunſchen, v. intrs. ı) Im Bremiſchen, hiaken. =) Im Dithmarfi- 
Then, nad etwas forfhen, wahrſcheinlich von laufhen; im Dena⸗ 
brädfhen, luͤnoken. Anderwaͤrta hat man das Wort lunzen, mwels 
des im Bette liegen-und fhlummern, ober au nur im Wette lie⸗ 
"gen ohne zu fhlafen , lungerm, zuweilen auch wol Äberhaupt ſchla⸗ 
fen bebeutet. Die feägere Bedeutung iſt vieleicht mit geſchloſſenen 
Augen, fi anftelend aisfäliefeman, laufen. D. Lunfchen, Lunzen. 

Die Lunte, Mz. —n. ı) Ein Etrid, welcher wenn er angebrannt 
ift, fortglimmet, und dazu bienet, bas Pulver im Zuͤndloche bes gras 
ben Gejhäges anyuzünben und biefes dadurch abzufeuern ; ber Zuͤnd⸗ 
ſtrick. Ehemapis feuerte man auf Ahnliche Art auch Wühfen ab. 
X Lunte riechen, uUnrath, Gefahr merken, =) Bei ben Jaͤgern, ber 
Schwanz bes Fuchſes, Wolfes, kuchſes ıc. 

Da padte Weit 

Mi bei ber Lunte. R.Brofämäuster, 

Das Luntenfeuer, —, 99. gl. bei ben Feuerwerkern, ein — 
wodurch bei Luſtfeuerwerken allerlei Bilder und Buchſtaben brennend 
dargeftellt werben und zwar durch beſonders dazu zudereitete unten, 
welche man in Geftalt jener Buchſtaben 1. befeftiget, fie mit naffer 
Anfeuerung anfeuert, und wenn biefe troden ift, anbrennt, 

Das Luntenhorn, —es, Dh. —hörner, ein Gorn ober Überhaupt 
ein Behältnip, die brennende Sunte darin zu verwahren, 

Die Luntenkiſte, Bi. —n, auf ben Sqhiffen, eine Kifte, in welcher 
Eunten aufbewahrt werben. 

Der Luntenfiod, —es, 4. — ſtoͤcke, im Gefhägiwefen, ber Stock 
um melden die brennende Eunte gewidelt ift, um bie Gtüde und 
' Mörfer bamit losjubrennen, 

+ Die Lunze, f. Lunge. 

xt ungen, v. tr. f, Lunſchen. 

+.Die Lupfe, By. —n, der Kolben am Samem tragenden Hanfe. 
pfen, vw. trs. ein wenig fm bie Höhe Heben, aufpeben, aufbeden, 
tüften; im ©. D. aud lupfen. Cine Dede, Hülle, den — 
luͤpfen. Bieicher Primeln Keime 

Luͤpfen ſanft das Moos, das fie umgab. Ungen. 
Den Hut luͤpfen, ihn ein wenig in die. Hohe heben umb wieder aufſeten 
7 m Mitternadt an einen Kirchhof gihen, 
Das lupft ein wenig mir ben Hut, Wieland; 
d. 5. da wird mir ber Hut von den ſtarrenden ober wie man fagt, 
zu Berge fiebenden Haaren ein wenig emporgeboben. Die Thür 
tüpfen, fie ein wenig, unmerklich aufmachen. D. Lüpfen. D. —ung. 

+ Dad Lupp, —es, 4. —e, in ber Schwelz für Lab. 

Die Luppe, 4. —n. ) Auf ben Eifenhätten, ein unförmlidhes 
Stuͤch geſchmelztes Eifen von 100 bi8 116 Pfund, weldes in einem 
klelnen hohen Ofen geſchmelzt worten if, =) Im Holſteinſchen, ein 
Bündel Heu. Shüge. 3) In ©. D. eine Hündinn, Pepe. Mneis 
vn. eine gemeine Hure. Auch Lufhe, in Schiefien Lutſche, 
Loͤtſche. 

+ Luppen, w.grs. verſtuͤnmeln, verſchneiben. D. Luppen. D. —ung. 

Dad Luppenfeuer, —6,  M. gl. ein Breuer bie gepochtea @ifenerze 
zu f[hmelzen, und biefes Schmelzen ſelbſt, welches mit In Öfen, fon« 
bern In einem Loche, bad man auf einer Anhöhe gemacht und außs 
gemarert und mit einem anberm Loche am Fuße der Anhöhe zum Abs 
Taufın ber —** in Verbindung gebracht hat, verrichtet wirb. 

Das Luppenftäd, — s, 4. —, in ben Gifenpätten, die aus ber 
Euppe laͤnglich verfhroteten Städe. 

Die Lurde, By.—n. ı) In der Setfahrt, ber Rame dünner getherter 
Gteide, womit bie Schiffoſeile ummunden ober bie GSchiffsborbe ber 


Lur 172 


gift 





legt werben, bamit fie nicht berleben werben; auch Lurding . =) ©. 
Lurre. 

+ turk, adj.u.adr. lin, linkiſch. L 

+ Dır Lurk, —e, 2. —e, im Helfbeinifhen, 3) Der Lork, bie 
Krbte, 3»). Die gemeine Alette, 3) Ein linkifher Menſch. 

Die Lurke, 99. —n. 2) S. ber Fauer, =) In Sälefien, bide uns 
gleihe Stellen, Knoten im Garne. 

+ Zurfen, v. intrs, 1) Gangen. =) In ber Schweiz, ſchwer reden, 
dir e nicht vellkommen ausſprechen Ennen, D. Lurfen. 

+ Der Lurkd, —es, y.—r, ein linkiſcher Menfh, in Schleſien, ein 
Botenrrißer. Davon lurkfen, Boten grifen, unzühtige Reden führen. 

» + Die &urre, oder Lurde, Di. —n, im R. D. 1) ein Gtrid, S. 
Lurde. =) Falle Briefe, Päffe, Siegel. Dann, + ein falſches 
Borgeben, eine Lüge, blauer Dun, Rank (Chicane), S. 6, 
Verb, Chicane, 3) Der Schenkel. i 

+ Der Kurrendreber, oder Lurdendreher, —S, 2. gl. im R. D. 

a) @iner der Stricke drehet. a) Der Eueren ober Mänke brebet, 
d.h. madet, ein Minkemader (Chicaneur), Gigentli ein Schif⸗ 
fer, weiber bie herrſchaſtlichen Zoͤlle verführt oder unterfhlägt, vers 
botene Baaren führet ıc., ein Beträger, Schurke 

+ Die Lurrendreberei, oder Yurbendreberei, 5. —en, ſowol bie 
ganze Handlungswelfe, als au einzelne Handlungen eines Lurren D 

drehers. Befonders im Seerechte, ale Arten ber Beruntreuung und 
ber Betruͤgerelen, von Schiffern und Kaufleuten, 

+ Die Lurfh, 9%. —ın, in Balern, eine unahtfame weibliche Pau + 
fon, anberwärts + eine Schufel. , 

J. + Die Luſche, (das u gefhäsft) Di. —n. 1) Die Laufe. Auf 
die kuſche gehen, bei Nacht lauſchen gehen, um Hafen und anteres D 
Mid zu ſchießen. a) Der Ort, wo man lauft, bejonbers wo man 
auf ein Wilb lauſchet. 

=. + Die Luſche, f. Luppe 2). 


er möchte es geen haben; befonbers von verbotenen Sachen. „Wie 
fes eitie Luͤſtchen vergeht ihnen bald genug.” Schlüter. „Und 
feiner rechten Hand -tonnte man es anfıyen, baß fie ein-Rüfkchen 
hatte, Ad mit meiner linken befannt zu machen.“ Meißner. (R.). 
And If nur im diefer Bedeutung die Mehrzahl Küfte gewöhnlich, ber 
fenbers wenn es im engerer und nadtheiliger Webrutung für flarfe 
finnliche Beglerden, für Heftiges Verlangen nad, finnlihem Genuß, 
befondess bush Befriebigung des Geſchlechtatriebes, gebraucht wird. 
„Weide aber Kriſtam angehören, bie kreuzigen ihr Fleifh ſammt 
den Lüften und Begienden.« @al. 5, 24. einen Lüften fröhmen, 
über feine Lüfte nit Herz fein, fontem fie befriebigen. In dem 
Lüften leben. Da wurde vom glühenden Hauche bee Luſt 

Die Unfhulb zu Zobe vergiftet. Bürger. 
Da biefe eaſte ihren Urlprang im Kerper haben, fo werden fie auch 
Lüfte des Fleiſches, oder fleiſchliche Lüfte genannt. „Entpaltet euch 
von fleifchlichen Lüften, melde wider die Seele ſtreiten. Wanbelt 
im Seiſte, fo werdet ihr die kuͤſte des Fleiſches nit vollbringen, * 
fa werdet ie ihnen nicht aachgeben, fie nicht befriebigen. Bal. 5, 16, 
In der Bibel wird es aud in der Einzahl für Neigung zum Böfen 
und Röm. 7, 7. aud für die fogenannte Erbfänbe gehraucht. Im 
Öterreihifhen lautet dies Wort der Luft. 
ad Luſtbad, —ıs, Dr. —täder. 1) Ein Bab, das Baten zur 
Luft, zum Wergnügen; ohne Mehrzofl, =) Ein Bab, d. h. ein Drt, 
wo man zur Buhl babet, R 
Luſtbar, —er, —ſte, adj. u. adr. im D. D. fo beſchafſen, daß es 
Luft oder Vergnuͤgen machen kann und macht, angenehm. Gin luſt ⸗ 
barer Ort. 
ie Luſtbarkeit, My.—en. 1) + Die Beſchaſſenheit einer Sache, ba 
fie Cut ober Vergnügen erweden kann und erweckt; 0.34. =) Et 
was, bad zur kuſt, zu einem größern finnlichen Wergnügen gereiht, 
Eine Luftbarkeit veganflalten. An allen Luftbarkeiten Theil nehmen. 


3 + Die Lufche, (das u gedehnt) y.—n, in Schteſten, eine Pfäge: 4 Die Euftbegier, oder Luftbegierbe, 9. u. die Begier ober Ber 
u 


fen, 1. 3 Yofen. 
* Der Eusner, Luͤzner, —s, Di. ol. einer der Tufet ober Lofet d. 5. 
anfmerdet, auf etwas achtet. S. 3. Loſen. „Ehe man fie ins Kampfı 


gierbe nad Sinnenluf, nah finnlihem Genuß, befonders durch Be 
feiebigung des Geſchlechtstriebes. 
Hat Luſtdegier die Siferſucht verſchlungen. Bletand. 


aitter lie, befhauete ein Füsner ihre Ritterſchilde“ Wähter, A Eufiberaufchen, vw. trs. durch Ginnenluft beraufden, hinreifen, 


Die Buft, =. bie Lüfte; Bw. das Luͤſtchen. 1) Das Bergnögen, 
foferu es mehe ſinalich ift und zwar in einem hoͤßern Grabe. Etwas 
mit Luft empfinden, fehen, hören. Seine Fuft an etwas ſuchen, an 
etwas haben, finden, eine Luſt an etwas fehen, ea mit Luft ober 


der zuhigen Befinnung besauben. 
Fahre wohl, du Mofenzeit ber Wonne, 
Die fo oft das Maͤbchen luſtberauſcht. Schiller, 
D. Luſiberauſchen. D. —ung. 


Weranägen fehen, das Angenehme daran zu empfinden, Das dient, Der Euliberg, —es, Bi. —, ein Berg, den man in einem Garten 


gereiät mir zur Luſt. Eich eine Luſt maden, fih den Genuß, bie 
Empfindung von etwas Angenchmen verſchaſſen. Das war eine 


sur Euf, b. b. zum Wergnögen, darauf luſtzuwandeln ıc. angelegt 
ober doch verfhänert Hat. 


Luft! Die Gartenluſt, Jagdluſt, Landluſt ic., die Euft, weihe O Die Luſtdirne, 3. —n, eine Dirne, d. h. weibliche junge Pers 


ein Sarten, bie Jagd, bas Landleben x. gewährt. X @s if lauter 
Luft an ibm oder in ihm, Tagt man aud von einem Manſchen, der 

- Für jebes Angenehme empfängtih, an Allem Vergnügen findet und 
diefes Berantgen fehz merklich äußert. Wefonders aber iſt Luſt das 
Anntiche Bergnügen In einem böderen Brabe, wenn es feinen Grund 
Am Körper bat, Etwas mit Luft geniegen, effen, trinken. 


fon, weile den Lüften frögnet, ſich ben Lüflen der Marnsperfonen 
für Geid und Geldes Werth Preis giebt (Fille de joie). G.; eine 
ſchicklichere Benennung eines ſolchen Belhöpfes als das zu ſehr der⸗ 
ſchoͤnende und eines deſſern Gebrauchs märdige Wort Freubenmäbs 
den, weiches man bafdr gebraucht. Wuhldirne bezeichnet das Wer 
aͤchtliche und Niebrige ber Sache noch beſſer. 


— Die mit Luſt OX Die Luͤſtelei, Rz. — n, die kaft oder ſinnlicht Seglerde nah 


Und Wolluſt beine goldnen Körner 
Im Rei des Höllengsttis 08, Ramler. 
a) Das finnlie Berlangen nah der Empfindung, nah dem Genuß 


Genuß, beſondera nah Speilen und Getränken, bir ben Gaumen 
tigeln; mit dem Rebenbegriffe eines versöhnten Gefhmades (Gour- 
mandise, Gramer, SBeftimmter die Gaumenlüftelei. 


einer angenehmen ober als angenehm geraten Sache, in igem bee OX Lüfleln, v. ntr. mit haben, ein Laſtchen daben, empfinden. NaA 


- rädtligen Grabe. Dann, in mwriterer Bebeutung auch übersarpt 
Bas Verlangen, bie Neijung zu einer Sache Luſt zu offen, zu teins 
Ten, zu fhlafın baten oder empfinden. Die Luſt dazu iſt mir wie 
Dir vergangen. Sinem Luſt zu etwas moren. Einem bie Luſt bes 


etwas luͤſteln. Befonders vom einer Begierde nah finnlihem Gt: 
nuf, vorzüglich nach woblſchmeckenden Epeifen und Sitränfen, wobei 
fi oft der Kebenbegreff son einem verwöhnten Befämade bes Bis 
arbernden einihteiht.: D. Lüften, 


neben. Nah aller Luſt, mach Herzens Luſt tanıem, ſpielen ıc. fo Luͤſten v. I ntr. mit haben. 1; uf d.h. ſtanliches Verlangen nach 


viel und fo lanae mon Neigung dazu bat. Beine Luſt büten, Tin 
Werlinzen beiziedigen,. In biefer Rebeutung iR auch das Wie. Lüft« 
chen km gemeinen Leben uͤblich. Mr hat io sin Luͤſtchen banad, (*.) 


etras empfnven, und ın twriterer Bebeutung, Reizung zu etwog das 
ben. Ich kuͤſte febe danach, ober mich uͤſtet Tche danach. „Sein 
ſpides Spr lauſchet, feine Bunge lüften,“ Derben 


Lüfte 
Das Biel, wornach (wonach) er tüjtet, zu erseihen, Wieland 
Such mit dem bitten Falle ber Perfon. 
— Wenn's ibm 


Ss ſeht nah meinen Zähnen lüfter. Wieland 
Da luͤſtet #8 Braunen J 
Ubermahig nad diefer geliebten Speiſe. Gbthe. 


Sie mußte nicht / wieder Jum Könige kommen, es luͤſtete denn bem 
König,“ es gefiele benn dem Könige fo. ER. », 14. Seltener mit 
dem vierten Falle ber Perlon. „Er bat Bott vertrauet, ber exlöfe 
ihn num, luͤſtet's ihm,® wenn es Ihm gefällt. Matth. a7, 43. 

So hinunterzufkaun umfonft ſelbſt Engel «8 luͤſtet. Kiopftod. 
a) Laft d. h. Beranügen erwerten, gewähren. „Einem Menfchen 
Lüfter feine Wohlthat.· Sprich w. 19, =2. Im biefer Bedeutung 
if es jegt ungrwöhntih. II) D ers, zur Ei, zur Befriedigung feis 
ner finnlihen Begierde brgehren, verlangen, „ie muß es ihr dann 
fein, wenn ihr Geriebter fie nur Lüflet, flatt fie zu lieben.“ Ewald. 
(S.). — D. Lüften. 

Süflern, v. I) utr. mit haben, bas Beröfterungs:_ und Berftärkungss 
wort von lüften, ein beftiges finmlihes Werlaugen nad etwas em: 
pfinden; häufiz mit bem Nebenbegriffe, daß biefes Berlangen anhals 
tend fei. Rah etwas lüften, „Er lüftert ihm anzuklagta.“ At, 
tiſch. Wufeum. (A.). 

Ihr Corwig luͤſtert nicht mad unerlaubten Gütern, Haller. 
ud, wie luͤſſen, mit dem dritten Falle ber Perſon. Mir lüfter 
nidt danach. 

Als was uns luͤſtert zu thun, Wieland; 
in welcher Stelle uns jedoch fomol ber britte als auch bee vierte Fall fein 
kann. Am bäufigften gebraucht man es im gemeinen keben brittpers 
föntih mit bein vierten Kalle der Perſon. Es lüflert mic nad bier 
fer Zpeife. Mic luͤſtert's von euch mein Fünftiges Geſchick zu Hd» 
zen.“ Ramler. (R.). Bon ben Dihtern wird es auch ald tr». mit 
dem vierten Falle ber Cache gebraucht. Zerſtoͤrung luͤſternd fprang 
ber König auf,“ mad Berfdzung lüfeend.* Rofegorten. (R.). 
Uneigentlih brißt in ber Schifferſprache, bas Schiff luͤſtert gut aufs 
Steuer, es läßt fi leicht darch bas Steuer lenken, odır ed empfins 
bet fogleih bie Bewezung bes Steuers und folget derſelben. II; + 
intrs. in manden Gegenden, z. ®; im Holfteiniigen, für lauſchen, 
horchen. Kiüftert! ift auf dem Schiffen ein gemöhntiches Befehlwort, 
wedurch das Schiffsvott aus Achtſamkeit auf irgend einen Befehl ans 
gerufen wird, — D. Luͤſtern, der Zuſtand, da man lüftert, bie hefs 
tige finnliche Begierde nah) etwas, „Es kommt fie ein Luͤſtern an, 
den fhdnen Schäfer zu küſſen.“ Wieland. Wefonbers nennt man 
eine oft fonderbase heftige Wegierbe bei ſchwangern Perſonen, ein 
aa 

&s if ein Luͤſtern nur und geht vielleiht voräser, Wielant. 

Luͤſtern, —er, —ſte, adj, u, adv. ») Ein deftiges finnıites Wer 
langen nad etwas empfindenb und barin gegründet, gewoöͤhnlich mit 
dem Nebendegeiffe, daß biefes Werlangen anhaltend fi, @in lüfter: 
ner Month. Lüftern fein, werben. 

Was auch ber Poͤbtl weiß, kann mich nicht Lüftern machen. 

Dagebern. 
Ein lüfterner Bid, ter täßernhrit derraͤth Etwas lüftern an« 
blicten, «8 mit der Empfindung und Hußerung beftiger Begierde an; 
blicken. Dem Liebling’ — dem — 
Ihr luͤſtern Xug’ im Thale laht. Beim. 
Eine luͤſterne Segier, eine Begier, bie aug Sinnlichkeit entfpringt 
und angenehmen finnliden Genuß sum Brgenftande hat, 
Und hängt vol Läfterner Begier 
Wiob feinen Freuden nah. Meiße 

Befonbers, rin ungeorbuetes, heftiges finnliches Werlangen nad et⸗ 
was empfirbend, So find bie E’dhmongern oft nad gewiſſen Dins 
gen Ikftern. „David warb luͤſtern nach dem Mifler au Bethichm." 
3 Sam 23, 15. „Rad Beute luͤſteru fein. Ramlen, Zune 


173 


Luſtg 
len ſindet man dafuͤr auch fäfter. 
langen erwedenb und unterhaltend. 
Xuͤſterne Koſt.“ Brellmann. (R.). 

Bald laden zu luͤſternen Taͤnzen, 

Bih meine Befpielinnen ein. Beifße. 
„Sie waren alein im Lüflernen Dunkel,* im melden ihre Luͤſtern⸗ 
beit erzegt wurde, Kofegarten 

Die Küfternheit, o. 2%. der Zuſtand ba man fäfleen iſt, wie auf, 
die Befbaffenteit einer Sache, ba fir bie Luft erweckt, luͤtern macht, 

Belebt die Buhlerei nit jeden Sperling mehr, ) 
As alle Khfternheit den traurigen Zibrn? Bageborn. 

O Luſtfahren, v.intr. unregeim. (f. Kabren), mitfein, zur Luft fahr 
sen, eine Euflfahrt machen. 

— hieß ec, ein Here luſtfahre mit Damen, Baggefen. 
D. Luſtfahren. 

Die Buftfahrt, 4. —en, eine Fahrt, welche man zur £ufl, zum Ber 
anägen anftellt, macht. 

O Eufifeiern, v. trs. mit Luft ober Dergnägen, froͤhlich fein. 

Unb Weib und Kind und Munbgefang 

Beim Walzer und beim Becherklang 

Lufifeiern unfer Bid, Schilter. 
Das Bufifeiern, 

Das Luſtfeuer, —, gt. ein jur Laft ober zum Wergmägen ans 
gesäindetrs Feuer; bifonders in ber Feuerwerkakunſt, allerirt brenns 
bare Körper als Raketen, Schwärmer, Benerräber, Seuchtkugtlu ı., 
aus weiden ein Luſtfeuerwerk yefammemgefegt wirt; zum Mater 
ſchlede vom Ernflfeuer und Ernfifewerwerte, 

Die Luſtfeuerbuͤchſe, St. —n, bei den Feutrwerkern, eine Ast BL 
ler oder Heiner Mörfer, bie bloß zur Luft abgefeuert werben. 

Das Luftfeuerwerk, —es, 4. —, ſ. Lufifeuet. 

Die Lufifeuerwerkskunft, oder kaͤrzer, Luftfenerfunft, ». 99. bie 
Zeuerwertötunft, fofeen fie ſich aut mit Eufifeueen befhäftiget, oder 
bie Kunf, bie gu dem Luſtfeuern nötbigen Städte zu verfertiaen und 
anzuorbmen; im Gegenfag ber Kriegeftuerwerksbunſt oder Krieger 
feuerkunſt. 

Der Luſtgang, —es, 9. —gänge. 1) Ein Bang, den man zu feie 
ner Luft, zu feinem Wergnägen maht (Promenade, Spaziergang). 
„Bei einem Luflgange, ben id nah bey @iifätfchen Feldern machte.“ 
G. 2) Dee Weg, der Det, wo man zu feinem Berguügen gehet, 
iInfiwanbelt. — In dem Luſtgang' 

Neben bem wallenden Strom'. Baggeſen. 

© Der ufigänger, —s, 94. g1.; die—iun, 84. —en, eine Perfon, 
welche einen Euftgang macht, welche luſtwandelt (Spariergänger). C. 

Der Luſtgarten, — , Rs. —girten, rin Sarten, weldher bloß ober 
doch dorzuͤqlich zum Vergnuͤgen angelegt ift und bienet; im OD. D. 
ein Biergarten; zum Untesfhiebe von einem Muggarten, Kuͤchen ⸗ 
garten, Obftgarten ıc. 

Der Luſtgaͤrtner, —s, 9. gl. ein Bärtnrr, neigen die Runft vom 
fiebet, Luflgärten anzulegen und gu unterhalim, ober aus mar, ein 
Gärtner, welcher Äber einen Suftgerten gefegt if; zum Unterfäiehe 
von einem Obſtgaͤrtnetr, Weingaͤrtner ıc 

O Das Luftgebäu, oder Luſtgebaͤnde, —®, D. gl. ein zum Behuf 
des Bergnhgens aufgefüßrtes —8 ein Luſthaus. 

Und Hektor kam vor Paris Luſtgebaͤu. Bürger. 

& Das Kuftgebiet, — s, Bi. —e, sin Sediet, in weldhem die Eufk, 
das Bergnügen herrſcht. Bumeilen and von Wergaligen. Hiperer 
und eblerer Krt 

In bes Bimmels Buflgebieten. Ungen. {R.) 

Das Luſtgebuͤſch, —es, 24. —, cin Behüfh, Meint Grhölz, mel 
Get gar Lu d. h. ıum Weranksen dient, barin zu luflwanbelm ıc, 
Stierer. Boequet)z auch das Yuftgehöir. 

O Das Buftgefecht, —es, Siz. —e, rin Gefecht, bad nur zur Laſt 
oder zum Wergnüzen angeſtellt, Brsonnen wir, 


3) Ein heftigen, ſinnli des Br 
Eine luͤſtetne Sacht, Gpeife ıc. 


| eufig 


Un Jeantzeichs Hof; ſchon da ſah Id ihn prangen, 
Im Luftgefecht vor feiner ganzen Schar. Gries. 3 
A Das Lufigefilde, —s, 9. gl. ein Befilde, deffen Schoͤnheit Luft 
ober Vergnügen gewährt, in welchem man luftwandelt und fi ver 
gnügt. „Gdens Lufgefiide.r Bäntpern (R.). In Luftgefilben 
umberfrrifen.“ £nigge. (R.). . 
Das Lufigefühl, — es, Mz. —e, ein Sefuͤhl das Luſt ober hohes 
Bergnügen gewährt, bas Befühl der kuſt. 
Im Luftgefühle meines eignen Werts. Ratfhtp. 
Bumeilm auch von Gefühlen höherer, zeinerer Luſt. 
Seubter Tugend Luftgefühle 
Begleiten mich zur Ewigkeit, Drollinger. 
O Die Luſtgegend, 3%. —ın, -(M.) eine Gegend, welcht Luft ober 
Bergnügen gewährt, eine angenehme Gegend. 
O Euftgeben, v. intrs. unregelm. (f. Gehen) mit fein, Luftwanbele, 
— Heroal erfannt’, wie er vormahls hier luſtging. Sonnenb. 
D. Luſtgehen. S. auf kuſtgang. 
Das Lufigebölg, —t8, 9%. —e, (R.) ein Gepölg, weides zur 
Luft d. h. zum Vergnügen angelegt ober bazu eingerichtet und ver: 


fhönert ift (Bosquet, Park); ein Fufthotz, Luftmäldchen, wenn es 


arof ift, ein Luſtwald und wenn es Hein iſt, ein Luſtgebuͤſch. S. 
6. Berbw. Bosquet. 

O Das Luſtgelag, —ı4, I —e, ein Iufliges Belag, ein Gelag zur 

Luft, zum Bergnögen. 
Dft fammelt auch ein Feiertag 
Dos gane Dorf zum Luſtgelag. Boß. 

O Der Luftigefang, —es, My —gefänge, ein Befang ſowol aus 
kuſt ober, kuſtgeſ angefimmt, als aud zur Luft, zum — 
gefungen und gereihend; ein luſtiger Geſang. 

Der Vögel Luſtgeſang, des Stromes fliller Lauf 
Weckt beiber Bantafle aus leifem Schlummer auf. Wielanb, 

Das Lufigefchrei, —es, 0.99. (R.) ein vor Luft erhobenes Geſchrei, 
ein Gelhrei, welches einen hoben Grab ber Luft ober bes finnlihen 
Vergnuͤgens anzeigt, „DZugendlihes Freuden und Luſtgeſchrei.e 
Herber. Da ſtuͤrzt mit wilden Luſtgeſchrei 

Schnell ein Mänadenfhwarm derbei. 3. Rift. 

Die Luſtgeſtalt, 9. —en, eine Luft erwedende Geftalt, eine Ge: 

falt, bie man mit Luft, mit Bergnägen fiehet, eine ſchoͤne Beftalt. 
Kein Morpbeus (Proteus) ift fo mannigfalt 
As bu (Fruͤhling) in taufend Luſtgeſtalt. Simon Dad. 

Das Luflgetümmel, —s, 9. u. ein Luftiges, ein von Luſt herrähs 
rendes unb Luft vercathendes Getümmel, 

— mit flolzem Luſtgetuͤmmel. Drollinger. 

Das kLuſtgewaͤchs, —es, By. —t, Sewaͤchſe, melde nur zur Luft 
ober zum Wergnägen gejogen ober unterhalten werben ; zum linter: 
ſchiede von Nutzgewaͤchſen, als Kuͤchenkraͤutern ıc. 

O Der Luftbain, —es, 34. —e, ein zur Euft, zum Bergnögen dies 
mender Hain, der bazu angelegt ober zu biefem Awede eingerichtet 
und verfäönert if (Bosquet, Park). ©. Luſtgehoͤlz und Luſtwald. 

Dft feufjt er, wenn er mit gefenkten Blicken 
In feinem Eufihain’ auf und mieber gebt. Würde, 

& Luſthauchend, adj. u. adv, Luft ober von Luft, Wergmägen glride 
fam haudenb, b. d. vol Luft, Vergnügen. „Ab fährt ber Wogel in 
ben Rachen ber begehrenden luſthauchenden Gdlange.* Herber. ' 

Das Luſthaus, —es, 9. —häufer; Bw. das Luſthaͤuschen. 1) 
Sin Haus, in welchem man fi zu feiner Luft, zum Berguögen aufs 
Hält, befondere in einem Garten, in einem kuftgehblz ıc. 2») @in 
Haus, wo man ber finnlihen Luft fröhnet, befonders ein Haus, in 
welchem Lufidienen gehalten werben, „Opium, Opium! rief unfer 
ſchlammernder Banbesherr in einem Luftbaus und Dormitortum bes 
Pubtifums, das viele Hieber beſuchen als benennen.“ J. P. Richter. 

Das Bufibolz, —es, 99. —höljer; Bm. das Luſthoͤlzchen, ein Bots, 


174 


Luſtk 
fAbnert. S. Luſtgehoͤlz. 
kuſtig, —er, —ſte, adj.u.adv. Luſt habenb und erweckend. x) Won 
Luft, Bergnugen. (1) Eu empfindend und feine Euft oder angeneh⸗ 
me ſinnliche Empfindungen auf merkliche laute Art, als durch Sprin⸗ 
gen, Häpfen, Schreien, Scherze ıc. an ben Tag legend, und von 
Soden, in dieſem Zuſtande gegränbet, bavon zeugtud. Gin luſti— 
ger Menſch. X Ein luſtiger Beuber, in der gemeinen Sprechart auch 
ein Bruber Luſtig. Sehr luſtig fein. Einen luſtig maden. X Lu⸗ 
fliger Muth macht gutes Blut. @s gehet hier immer fehr luſtig zu. 
Luſtig leben. Ein luftiges &rhen, Ein luſtiger Streich, ein fpaßhafter, 
über melden man lacht. Ein (ufliges Geſchrei, ein Iuftiger Befang ıc, 
Sich luſtig machen, ſich eine Luft, ein Wergnägen machen. Sich über 
jemand luſtig maden, ihn zum Gegenſtand feiner Luft machen, feine 
Sqhwaͤchen, Unfälle ıc, mit Luft bemerken unb biefe Luft äußern, feine 
Handlungen tadela, feiner ſpotten. Luflig! Immer lufligt ein 
Zuenf, eine Kufmunterung zur Luft, wie aud zum Fleiße, zur Ars 
beit. Da bie Ausbrüdhe, die lauten Äußerungen ber Luft oft roh 
und niedrig find, fo vermeidet man wegen biefed Mebenbegeiffs, der 
leicht damit verbunden werben kann, ben Gedbrauch dieſes Wortes niht 
allein im ber höhern und anfländigern Schreibart, ſendern aud im 
ber anfländigen Sprehart, befonders wenn von Perfonen, bie Ihe 
tung verbienen, bie Rebe iſt. (a) Aus Luh entfpringend, und Luft, 
hohes finnlihes Wergnägen, befonders fofern es fih durch Geſchrei, 
Lachen, Scherze, Poffen ıc. äußert, exweckend. Luflige Einfätte ha: 
ben. Gine luſtige Erzaͤhlung, Unterhaltung. Gin lufliger Anblid, 
@in luſtiges Schauſpiel. Das ift doch luſtig! Das if luſtig zu fer 
ben, zu hoͤren. in luſtiger Kopf, ein luſtiger Menſch, ber Anbern 
Luft, Vergnügen macht, fie auf eine Iuflige Art unterhält. Im O. D. 
wird es häufig noch im weiterer Bedeutung gebraudt, für, ben Bin: 
nen Überhaupt angenehme Empfindungen erweckend, bie finnliche Ber 
gierde reipend, „Das Weib ſchauete an — daß es ein Auftiger 
Baum wäre.* ı Mof. 3, 6. „Die Hügel umher find Luftig." Pf. 
65, 15. Bei ben Mahlern heißt eine Iebhafte, glänzende Farbem⸗ 
gebung eine [uflige, und eine luſtige Banbfhaft nennen fie eine aus 
einem guten Karbentone gemahlte, die [höne Fernen hat, deren Eur 
gen aud wohl gewählt und wehl abgewechſelt find, 2) Bon Luft, 
d. d. finnlihes Verlangen, ein Verlangen, eine Neigung nach ober 
zu einer Bade empfindenb unb an ben Tag legend. „Dre lagen 
iſt altdann nicht ſehr Inflig zur Speife,- bei Friſch. Im biefer 
Bedeutung iſt es nur noch in Bufammenfedungen uͤblich, J. B. eßlu⸗ 
ſtig, arbeitsluſtig, bauluſtig, kampfluſtig ı. 

Die Luſtigkeit, 0.2. 1) Der Zuftand, da man luftig iſt, Luſt, d. h. 
finntihes Vergnügen in hohem Grabe empfindet und an den Tag 
legt. Große Luſtigkeit zeigen, Etwas mit ber gewohnten Luflig: 
keit verrichten. =) Der Bufland, ba man finnlihes Verlangen nad 
etwas ober überhaupt Reigung zu etwas hat; in den Aufammenfes 
dungen Arbeitsluſtigkeit, Tanzluſtigkeit ic. wofäe aber bie kuͤrzeren 
Arbeits luſt, Tanzluſt ıc. gewöhnlicher und beffer find, 

OX Der Luftigleber, —s, 9. gl. ein Menfh, der Luftig, in finn- 
lichem Bergnügen bebt, ein Luftiges Leben füheet (Bon-vivant). Trapp. 
Auch & Hochleber und Wohlleber, ©. 

X Der Luſtigmacher, —s, 9. gl. 1) Eine Perfon, welche barauf 
ausgeht, Antre luſtig gu maden unb fie zu lauten Yusbrüden ige 
ver Euft buch Baden ıc. zu reizen. 

Und jebe Kunft und jeder Zufligmacher 
Fond hier Bewunderer und Lader. Biefeke. 
2) @ine Perfon, bie ih über Andere lufig mat. ©. Luſtig 1). (2). 

Die Luflinfel, 9. —n, eine zur Saft, zum Vergnögen in einem 
Waller a. ober bazu eingerichtete Infel, 

O Luſtirren, v. intrs. mit fein, luſtwandelnd herumirren. 

Und Inflirrten ſſe zuun — — Gonnenberg. 
D. Kuftirren. 


Gepölz zur Euf, zum Wergnügen angelegt ober eingerichtet und ver: O Der Luftfeim, —es, Bi. —e, ein Keim der Luſt, Sinnenluſt, 


Luſtk 


auffeimender Luſt. Vergnügungen ober kLuſtkeime dieſer Art mar 
Gen einen ſehr großen Theil ber Jugenbfreuden aus, die man ats 
ſchulbige Freuden zu nennen gewohnt if,“ Herder, 

Die Lufilugel, 9. —n, in ber Feuerwerkakunſt, Feuerkugeln, wel 
Ge bii Feuerwerken zur Luft aus Dörfern geworfen werben; In Des 
genfag von Ernſtkugeln. 

Das Lufllager, —s, ig. — laͤger, (R.), ein Kriegälager, mweldes 
Bloß zur Übung der Krieger und zur Luft ober zum Vergnügen bes 
Lanbrsberen aufgeſchlagen wird 

OX tüfllicy, adj. u. adv. bie Luſt, Lüftelei erweclend, relzend, ber 
fonders von Eprifen, Betränten und aͤhnlichen Dingen (appetitlich). 

O Das Lufilied, —es, Di. —er, ein luſtiges Lieb, ein Eieb, fowol 


als Außerung ber Luſt, brö Wergnägens, ald auch zur Luft oder zum- 


Vergnügen gefungen, ober weldies Vergnuͤgen maqht. 
— — vo der Nadtigallen 
Luſtlieder ſchallen. Keiſt. 

O Der Lüflling, —es, 2. —e, der den Lüften feöhnet, beſonbers 
der Befhlehtölufl. „Fuͤtret einen gefunden jungen Mann, eim ge: 
fanbes Teufhes Mabchen in bie Kammer bes abgelebten Luͤſtlings 
oder ber feilen Unzucht⸗ ıc. Derber, 

Lüfttinge waren fie oder Tirannen. Klopſtock. 

Der Buftort, —ıs, 9. —Irter, (R.) ein Ort, Aufenthaltsort, wel» 
Ser Luft ober Wergnügen gewährt. „Bilde die nur zuerſt ein, biefer 
Luftert ber erſten Freundlichkeit Habe nur Vaterſchooß und Mutter 
bruſt fein follen.* Herder. 

j — in hoher Felſen Schut, 

Die ſich um biefen Luſtort ziehen. Wieland, 
Befonbers, ein folder Öffentliher Ort, an welden man fi zur Lufl, 
fi zu beluftigen begiebt, a 

— ben Bauern und nahen Stäbtern ein Luſtort. GSthe. 

Der Luftplas, —es, 4. — plaͤtze, (R.) ein Pad, welcher kuſt, Ber 
gnügen gewährt; befonbers wenn man Ihn erft dazu amgılejt ober 
eingerichtet hat. 

O Der Luſtpfuhl, —es, 9. —pfühle, ein Pfuhl ber Luft, d. h. 


bie finnlihe beſonders unzeine Baft, ber man fi ganz Überläßt, mit _ 


einem Pfuple verglichen, in welden man fih ſtuͤrzt ober in welchem 
man ſchwimmt. 
Ach, ih befenn’ es, Herr, ih ſchwamm 
. Im Luſtpfuhl' diefer Erbe. Bürger, 

Die Luftpumpe, By. —n, bei den Feuerwerkern, eine Verbindung 
mehrerer Meiner Shwärmfäffer in ein großes Schwarmfaß, welcht mit 
einer einzigen Brandröhre verſehen und auf cinmahl abgefeuert werben. 

Luſtreich, —er, —fle, adj. u. adr. reih am Luft; viele Luft, Wer: 
gnügen gewähren. „Wenn man bie Etö$e von Deutſchen Monats: 
und Bodens, von Lehr: und Trofl» und Erbauungs und Iuffreichen 
Schriften ſiehet. Berber. ; 

Die Luftreife, 9. —n, eine zur Luſt, zum Vergndgen unternem ⸗ 
mene Reiſe. > 

O Luſtreiſen, v. intrs, mit fein, zur Saft, zum Wergnägen reifen, 
eine Euftreife maden, 

Sleich Iuftreif’ ih zur Heimat! — Sonnenberg. 
D. Luftreifen. 

O &uftreiten, -v. intre. unregelm. (f., Reiten) zur Laſt, zum Ber 
gnögen zeiten, ausreiten, einen Buflritt machen. „Bube, fatile mir 
mein Roß; ih will luſtreiten.“ Wächter. D. Puftreiten. 

Der Luſtreiz, —es, 94. —. ı) Ein hoher Reis, ein bie Euft d. h. 
Hohes Wergnägen erweckender Reiz, Mit Luſtreizen begabt. Luft 
reiz ift Über ihr ganzes Weſen verbreitet. 

Ein neuer Quftreiz fhmüdt die Welt. Hagedorn. 
2) In engerer Bebeutung, ein Reiz zur Ginnenluft, befondbers zur 
Sefchlechtaluft. 3) Ein Mittel bie Seſchlechteluſt zu erweden, ben 
Seſchlechtetrieh ju reizen. 
Luftreizend, adj. u.adv. 1) Luſt, hohes Wergnägen durch feine Reije 


175 


Luſtt 


etwecend, gewähren. Cine luſtreizende Schöne. Ein luſtreizen⸗ 
ber Anblic. =) In engerer Sedeutung, zur Sinnenluſt, befonders 
zur Gefhlechtstuft reizend, \ 

O Das Luftreizmittel, — 8, 9. gl. ein bie Sinnenluſt zeizendes 
Mittel (Aphrodisiacum), 

Der Euftritt, —es, 94. —e, tin Witt, eine Heine Reife zu Pferde, 
melde man zu feinem Bergnägen unternimmt (Spazierritt). „Wiz far 
ben zwei Männer zu Pferde, die einen Luſtritt zu machen fhtenen.« €. 

O Der Eufifdauer, —s, 9. gl. 1) Ein Sqchauer vor innigem Ge 
fühle der Luft. =) Much wol, ein voräbergehender Anfau von Luft 
ober Begierde nad) etwas. i 

A Luſtſchauern, v. mtr. mit haben, vor Luft, Sefuͤhl der Luft 

wem. — denn er gläht, luſtſchauert fürs Boͤſe. — Sonnenb, 
Mit luſtſchauerndem ungeftlim,. — — Derf. 
D. Luſtſchauern. . 

Das Luſtſchiff, —es, 9. —r, ein Schiff, welches zu Buflfahzten auf bem 
Baffer beftimmet ift, Davon der kuſtſchiffer, der ein folhes Schiff uns 
terhält und Perfonen, bie eine Luftfahrt baranf maden mwellen, fährt. 

O Die Luftfchlacht, 94. —en, eine Schlacht zur Euft, zum Bernd: 
gen geliefert. — kam jegt von ber Luſtſchlacht 

Muͤde uiid — Gonnenberg. 

O Die Luftfhlinge, 94. —n, rine Schlinge, welche gleihfam bie Ann; 
liche Luſt legt, darin zu fangen und feft zu halten. „— ſpricht von Kraft 
und kann nicht die bännfte Luftſchlinge zerreißen.“ 3. P. Riäter. 

Das Luſtſchloß, —fes, Bu. — ſchloͤſſer, rin Schleß, auf weldem 
fi& ein vornehmer Bere bloß zu feinem Wergnägen aufhält, 

Die Luſtſeuche, 0. Dip. 1) Die Seuche, d. h. die hereſchenbe übermän 
Fige Begierde nah finnlihen angenehmen Benäffen, befonders nad 
Befriebigung bes Geſchlechtstriebes. Im dieſer ſonſt ungewöhnlichen 
Bebeutung koͤmmt es ı Theffal, 4, 5 vor. 2) Eine abſcheuliche 
Seuche, ober anftedenbe verpeftende Krankpeit, welde die Folge ber 
Ausfäweifungen in ber Geſchlechtsluſt und ber unzucht iſt (die ve- 
nerische Krankheit); im gemeinen Leben bie Franzofen. 

O Luſtſiech, adj. u. adv. vor Luft ſiech; befenters, an ber £uflfeude ſiech 
ober frank (venerisch), Küttner. Lufifich fein. Der Luftfieche. 

O Der Luſtſinn, —ı6, 0. 4. der Sinn, d. h. bie Empfänglickeit 
unb bie Reigung zur Luft, b. h. zum finnlihen Vergnügen. „Ders 
ſchender Luſtſinn und gruͤbelnder kehrgeiſt mifchen ſich in bie träge Gleich⸗ 
guͤltigkeit, in bie ſpotteude Erſchlaffung gegen alles Kußere.“ Meyer. 

O Der Luſtſitz, —es, 4. —. 1) Ein Sitt, welcher kaſt ober 
Vergnügen gewährt, ein angenehmer Sig, wo man mis Vergnügen 
fit. =) Eln Wehnſitz, wo man fi zum Bergnägen aufpält, ein Luft ⸗ 
haus, ein kuſtſchloß. Ihr Feiner Luftfig ıc. Blumauer. (M,) 

Das Lufifpiel, —ıs, 4. —e, ein Schauſpiel zur Lu, d. h. zum 
Bergnögen, zur Xufpriterung ber Zuſchauer, und im welchem fröhliche. 
ober doch micht traurige ober fhredlihe Gegenftände bargeftellt wer⸗ 
ben (Comoedie); in Gegenſat von Zrauerfpiel. in Luflfpiel auffäge 
sen, beſuchen, [reiben. Die Luftfpiele bes Terenz. Tüngers Luſtſpiele. 

® Luftfpielartig, adj. u. adv. die Art eines Luffpieles haben, nad 
Art eines Laſtſpieles (comisch,. ©. Auch ® fuflfpielig. 

O Dir Luſtſpieldichter, —6, 2. gl. siner der Euffpiete dichtet, 
ſchreibt (Comoedienfäreiber). 

O Euftfpielig, adj. u. adv. zum kaſtſpiel gehoͤrend, dem Luftfpiel ans 
gemeffen, demſelben ähnlich (comisch), 6. 

Das Luͤſtftuͤkk, — s, MM. —e, ein Luft oder Vergnägen gewähren: 
bes oder dazu beſtimmtes Stuͤck. In der Gortenkunft, ein Stöc, 
d. 5. ein Theil des Gartens, welder bloß zur Luft, zum Berandgen. 
angelegt und mit Blumen ıc. auf manderiei Art geyiert if; ein 
Blumenſtuͤck, wenn es vorzäglih zu Blumen bıflimmt if. 

O Der Luſttrank, —es, M. —traͤnke, ein bie Luft ober finnlihes 
Vergnoͤgen erweckender Trauk. „ie gallet der Luſttrank, dem bie 
Reue folgt." Wolle, 

& Luſttrunken, —er, —fle, adj. u, adv. trunken gleichſam von 


Luſty 


theiliger Bedentung · 
Und wo Fin Mann in eines Welbes Stricken 
18 wir ein taumelnder Infitrunkner Auerhahn 
Sich fangen laͤßt. — Wieland. 
son bie kLuſttrunkenheit. 
A mare adj. u. adv. mit Luft, b. b. mit Bergnägen, mit 
angenehmer Gimpfinbung vesmengt oder vermifht; auch luſt vermiſcht. 
— Mit luſtvermengtem Grauen 
Bleibt unfer Ritter ſteh'n den Zauber anzuſchauen. Wieland. 
A Quflvermifcht, adj. u. adv, fo viel als luſtvermengt. S. d. 
- Unb mit (ufivermifchtem Branfen 
Tief bes Wandrers Her; durchdringt. Brodes. 

Dir Luſiwald, —es, My. — waͤlder; (R.) Bm, das Luſtwaͤtdchen, 
ein zur Luſt, zum Bergnuͤzen angelegter, ever eingtrichteter unb ver⸗ 
Khönreter Bold. ©. Luſtgehoͤlz und Luſthain. 

6 Luſtwallen, v. intrs. mit fein, zur kuſt, zum Bergnögen, zur 

ng mwallen, Iuflwanbeln, 

—— erhob fih das liebende Paar, luſtwallt' in bes Ufers 
Shattengängen gerad. — Sonnenberg. 

D. Luſtwallen. j 

Suftwandeln, v. intrs, mit fein, bei Andern mit haben, zur Luft, d. $. 
zum Beegnügen, zur Er holung wandeln ober gehrn, einen kauſtgang mar 
chen, eim gutes jedt ſchon gebräucliches Wort für bas undeutfhe fpazies 
zen ober gar promeniren, welches ſelbſt in ber böbern Schreibart 
brauchbar if, und wie man aus folgenden Stellen ſieht auch ſchon häus 
fig genug gebraudt iſt; ungeadtet ed zu benen gehört, die man befons 
ders herdorzog, wenn man Gampe's Sprachseinigumgseifer lächerlich 
mahen wollte. „In melden Ierhainen luſtwandelt ihr?“ Herben 
„Und beibe [uflwandelten in Feld und Zlar," Benzel-Sternam, 

Und luftmandelte oft um @nipeus ſchoͤne Gewaͤſſer. Bol. 

Dort wo bie blühenden Maͤdchen ber Berna 5 

Luſtwandeln. Baggeſen. 

Ste wird mie Paradleſe zaubern 

Wird luſtwandeln mit mie in @ärten Gottes. Hätte. 
D. Lufwandein, „— an tas man im Luſtwandeln burcht Koen- 
feld anftseift." 3.9. Richter. 

Der Luſiwandler, —s, 94. gt.; bie —inn, Di. —en, eine Per⸗ 
fon, welche Infmandelt (Promeneur, Spaziergänger). 

Richt Luſtwandeler, nein! unftättifhe Saſſen bes Feldes 
Preiſen wir uns, Bof. 

Die Eufiwarte, By. —n, eine zur Luft, zum Vergnügen erbaute 
Marte, fih barauf umzuſchauen ic. (Belvedere), Ungen. Ben 
sel» Bternan hat dafür Luſtthurm gebraucht. 

Der Luſtweg, —es, 94. —e, ein Weg, welcher Luſt oder Vergnuͤgen 
gewährt, ein angenehmer Bea, auf welchem man mit Bergnägen grs 
bit, zeifet. Gtieler. „in angenehmer Luſtweg wäre es," Herber. 

Die Luth, My. —en, auf den Schifſen, eine Spier mit einer Klaue, 
womit man auf Shmaden, Kuffen und ähnlichen Fahrzeugen beim 
Lenzen ober wenn man nor bem MWinbe fegelt, bie Stagfock ausfeget, 
bamit fie nicht hin⸗ und herſchlage. Rbding. 

Lutheriſch, adj. u. ady, zur kriſtlichen Lehre, wie fie Buffer vorteug, 
fi befennend, dazu gehdremd. Lutheriſche Kriften (Lutheraner), 
Prediger. Gine Iutherifche Gemeine. Die Iutherifche Kircht. 

O Das Lutherthum, —es, o. 29. die kriſtliche Echre, fo wie fie Bus 

« tiber lehrte (Lutheranismus). 

X Der Lutſchbeutel, —s, 3. gl. rin leinenes Lippen, in welches, 
wie in einen Beutel, in Milch gewelchter Binichad ıc. geſchlagen wird, 
um eine Kinder baran Intfhen, d. h. faugen zu laffen; audı der 
Lutſcher. S. Ludel und Luller. 

+ Lutfchen, v. intre. im N. D. unb in der gemeinen Sprechart ans 
berer Gegenden, faugen, zitzen, aud überhaupt, trinken; O. D. 
zutſchen/ in Baieen ludeln. D. Lutſchen. 


176 


Suft ober wor Saft, b. h. finnfihem Vergnügen; befonbers in nad» X 





Mas 


Der Lutfcher, —, 9. gl; bie —inn, 24. —en. 1) Eine Per⸗ 
fon, welche lutſchet; befonbers ein Rind, welches lutſchet. =) Ein 
Ding, woran man ein Kind latſchen fühl. &. Lutſchbeutel. 

Die Lutte, 4. —n. ı) ©, bie Lotte. =) In den Geldbergwerken, 
ber mit einem für feine Breite boden Rande verſehene Schlammherd, 
morauf man ben Golbſchlich waͤſcht. 

Derluttenjunge, —n, 29. —n, in ben Golbtergiwerfen, ein Zunge, 
welcher ben Geldſchlich in biekutte ſtüͤrzt unb mit einem Befen rühret. 

Der Lutter, —s, Sz. w, bei ben Brantweinbrennern, dasjenige, mas 
dur das erſte Fratt abgezogen wird unb weldes erſt im ameiten 
Feuer geläutert werben muß, ehe es Branntwein wirb und heißt. 

+ Zügel, adj. u. adr. kleln, wenig. R. D. luͤtje. 

+XxX Der Bügel, —6, &M. u. in Eälefien eine verftrdte Benennung 
bes Zuufete, Daß dich ber Kügel! 

X Die Luzerne, 94. u. ſ. Schneckenklee. 

+ Das Luzianskraut, —et, Mz. u. ein Rame bes Bergwegebreits 
ser Wohlverleis (Arnica montena L,). 

+ Das Luzienholz, —es, 34. u. ein Mame bes Holzes bes Bogel- 

kleſchbaumt oder der gemeinen Xraubenfiefhe (Prunus padus L.). 


M. 


SM, ein Lippenbuchſtabe, in ber Reihe ber zwStfte ober, wenn I und 
5 els zwei Buchſtaben gezählt werben, ber dretzehnte der Deutſchen 
Bachſtaben, welcher durch eine‘ leichte Ausftofung des Hauchet, wos 
bei man bie Lippen ſchließt, hervorgebracht wird. Dan nennt ibm 
feiner leiten und fließenden Ausfprade wegen aud einen fläffigen 
Buchſtaden ober Lauter, zumellen auch wol einen halben Setbſtlauter 
(Semivocal). Rat reinem gebehaten Geibfllauter fegt man demfehs 
ben ein b vor, welches Üderfläffig wäre, wenn der Gebrauch es nit 
verlangte, ba bas m immer nerboppelt mwirb, wenn ber bemfelben 
vorhergehende Selsflanter gefhärft ausygefprohen merben fol. 
So könnte man lahm, lähmen, nehmen, Ruhm, rübmen ıc, 
lam, lämen, nemen ıc. fdeeiben, wie man fon fat allgemein 
Name, Strom, firömen zc. ſchreibt, ohne bdoß baburd in ber Aus⸗ 
ſpracht etwas geänbert würde, bagegen bie Verdoppelung bes m fie 
ber Abfiht gemäß ſogleich verändert, 5. 8. Lamm, klemmen, Imme, 
tommen, frumm, kruͤmmen. Xusgenommen ift im, wo bad i ohne 
verbopprites mi gefhärft lautet, bem Fuͤrworte ihm alfo zur Unter: 
ſcheidung das h gelaffen werden müßte. In O. D. Gegenden Iägt 
man anflatt des ichten m ein b hören und fpricht Pamb, nimb ıc. 
und ebrmahle ſchrieb man es auch gemöhnlih fo. In einigen gemei» 
nen Sprebarten wird bas m aud für mm gefegt. Mir willen es 
wohl, Mirtrei, Trinkemer, trinken wir, Diefe Eigenpeit koͤmmt 
fon im Kero vor: „Lragamer®, wie tragen. K. 23 „tuamert daze, 
thun wie das; „bob lehfamer*, dbwool wir leſen. Stammduchſtabe 
if das m nicht Äberall, wie in vielen Fällen, wo andere Budflaben 
bamit abwechſeln, zu erſehen it, 3. B. ſchlampen unb fihlappen; 
unbezweifelt aber ift er es in Mörtern, welche Käne nahahmen, bie 
nur mit Hätfe diefed Lauters nachgeahmt werden Kinnen, 5.8. brume 
men, fummen. Als Zahlzeichen wird DI für 12 geſetht. Als eine 
Kürzung bebeutet M. ober, ein Mark, 3. B. 6 M. &. fechs Marf 
Säbifh, und bei den Arzeneibsreitern Miſche (misce), 

Maal, Maar, Maaf ıc. ſ. Mahl, Mahr, Maß ıc, 

+ Dır Mast, —es, 3. —e, in der Schifffahrt, die Benennung 
eines Gehälfen derſchiebner Shiffäbeamten, 4-8. der Steuermanns: 
maat, Bortemanndmaat, Zimmermannsmaat, Kohsmaatı. ©. 

Die Maatfchaft, 24. u. im R. D. bie Genoſſenſchaft, Gemeinfhaft, 
bas Berhältniß mehrerer zu Einem Zwecke verbunbener Perfonen gu 
einander, wie au biefe Perfonen felbft. In engerer Bebeutung, eine 
Sandelegeſellſchaft. Die ſaͤmmtliche Maenthaft eines Schiffes aber wirb 
nah Soltau gegen Xb. Behauptung nicht Maatidaft, fontern Beik, 
Schiffevoll ze. genannt. 


Macha - 197 


O X Der Maͤchalles, ohne Umentung und Wi. u. ein Menſch, 
ber für einen andern aber ber in einem Hauſe Alles macht, beforget, 
ber, wie man auch fagt, bie zechte Hanb eines Anbern it (Facto- 
tam), @tug. Er if der Machalles in diefem Hauſe. Auch ber 
Almadıer. S. d. u. &. Berbiw. Fac-totum, 

+ Der Machaͤndel, —s, 29: gi. im R. D. der Wacholber. 

Mäaͤchbar, adj. u. adr. was gemaht werben kann, was ih machen 
ober thun laͤßt. Stieler, welcher auch madhlich hat, Davon die 
Machbarkeit. — 

X Die Mäche, o. Mj. das Machen, bie Handlung, da man ein Ding 
maß. Etwas in bie Mache nehmen, in die Arbeit, anfangen baran 
zu arbelten. Das Kletd ift mod in ber Diache, es wird noch baran 
gemacht oder gearbeitet. Einen in ber Mache habın, uneigentiid, 
ihm Übel mitfpielen, ihm fehr ſchlagen, auch, ihn ſehr weten, feiner 
fpotten, ober ihm auf eine andere Art plagen. 

Maͤchen, v. D) tr. überhaupt Werinderungen hervorbringen, Wie 
tungen verurfaßen, befonders fofern fie in bie Sinne fallen und 
bleibend find; ohne Beftimmung ber Art und Meife, und ſowol ohne 
befiimmte Benennung der Beränderung oder Wirkung, als aud mit 
beftimmter Benennung berfelben; eine Bedeutung won großem Um. 
fange, ber fi aber doch nicht willkͤhrlich erweitern läßt, und ber 
mehr bush den Gebrauch erfannt werden muß, indem fi nicht alle 
einzelne Fälle anfähren laffen, ı) Ohne beflimmte Benennung ber 
Verinberumg ober Wirkung, Gin jeber macht es nad feinem Ger 
fallen und fo gut als er es verfichet. Mache damit, was bu willſt. 
Dean laffe ihn nur machen. Was machen Sie ba? „Der Heer wirds 
wohl machen.“ Pf. 57, 7. „Mache es mit und, wie bir's gefänt.“ 
Riht 20, 15. Was ift damit zu machen? Daraus läßt ſich 
viel, wenig, nichts machen. Damit ift nichts zu mahen. &o macht 
es jeher. Mache mir es nicht noch einmahl fo. Gr hat es banadı 
gemacht, bafı es fo kommen mußte. Das ift bald, das iſt leicht ges 
wacht. Mas mache ih, gebe ich ober bleibe ich? X Da iſt nichts 
zu machen, ba läßt fi bie Abſicht, die man hat, nicht erreichtn, wo 
«6 fait in fo vielerlei Fällen gebraucht werben kann, als man Ab- 
fihten hat; beſonders aber gebraudt man biefen Ausdruck in ſolchen 
Fällen, wo von einemWerbienft, Gewinn, ben man madıen, d. h. ſich 
verfhaffen: möchte, bie Rede if, ober auch vom eines Abſicht bei einer 
Perfon anderes Geſchlechts, bie man erreichen mödte; in wel 
en Fälen, in der entgegengefehten Bebeutung gefagt wird, ba if 
etwas zu machen, ba ift viel zu machen. =) Mit beffimmier Bes 
aennung der Veränderung ober Wirkung, einem Dinge, es ſei koͤr⸗ 
perlich ober nicht, die Wirktigkeit geben, ed hervorbringen. Gin 
Kunftwerd, Kunfftit machen. Säöne und künſtliche Arbeit machen 
oder verfertigen. Der Schnelder macht Kleider, der Schuſter Schu— 
pe 1. Käfe, Butter machen. @in Gedicht, Verſe machen, fie duch 
feine Gelftesträfte hervorbtingen, ausarbeiten. Gine Überfegung 
machen, fie ſchrelben. Bücher machen, fie fhreiben, gemöhnlic in 
veraͤchtlicher Webeutusg von einem hanbwerfsmäßigen Verfertigen 
derfelben,, das mehr in Ausfhreiben, Zuſammenſchrelben beſteht. Der 
Ring, bie Kette iſt vom Bolbe gemacht. Gold machen, aus uneblen 
Wetallen Bold gewinnen, fie in Gelb verwandeln, ein vergeblihes 
Bemühen vieler Scheidekünſtler feit alten Zeiten, Im anderem Sinne 
nennt man gemachtes Bold, künflliges, uncchtes, vermifhtes, in Ges 
genfah des echten, gedirgenen. So auch, ein gemachter Edelſtein, 
gemachter Wein. Sich einen Bott machen, bas Bild eines Goettes; 
auf umeigentiih, ſich einen Gott nah feinen eigenen Begriffen benr 
Een. „Mache uns Bitter.“ 2 Mof. 38, 1. „Gott machte ben 
Wenſchen aus einem Erdenkloßer, ex ſchuf ihn. ı Mof. 2,7. ‚Die 
groß iſt der, ber dich (Sonne) gemaht!« Weiße. X Ein Kind mas 
chen, in der pöbelhaften Sprechart, es erjengen; fo auf einer Par⸗ 
fon ein-Kind machen, fie (hwängern. Feuer mahen, «6 auſchla⸗ 
gen, anzänden. Sich ein Bermigen machen, fih Vermögen, d. b. 
Geld und But verfhaffen; wofär man and bloß fih etwas machen 


Gampı's Wörterb. 3. Th. 


Machen 


fagt. Gr Hat fid bei dieſer Sache viel gemacht. Gin Geſeg ma- 
hen. Gi etwas zum Gefege, zur Regel machen. Einem -Znbern 
Plat machen, ihm Raum verfhaffen, ſowol indım man felbft feinen 
Play verläßt, als aud indem man Andere ben ihrigen zu verlaffen 
möthiget; auch uneigentli und als ntr. burch fein Abtreten, Ber. 
ſetztwerden ıc. ober durch feinen Tod einem Anbeen es möglih mes 
en, feine Stelle einzunchmen, Ginem bie Rechnung machen, br 
rechnen was er zu bezahlen hat, und es aufſchreiben. Sich Rechnung 
auf etwas machen, auf etwas erchnen, es zu erlangen hoffen. Gi: 
nem eine Befhreibung, fib einen Begriff, eine Worftelung vox et: 
mas machen. Ginmwürfe gegen eine Behaupfung mahen, fie. vw: 
bringen. Gin Beigen in ein Buch machen, burch Umbiegung eines 
Blattes x. um eine Stelle im bemfelben wieber zu finden. @in Be: 
ſchrei machen, erheben.  Liem 2. machen. Wiel Rühment, Aufbe: 
bens won einer Sache machen. Zuffehen machen, es erregen, be 
wirfen. baß bie Beute auffehen, fih verwundern, erflaunen x. In 
fehe vielen andern Faͤllen bedient man ſich flatt bes allgemeiken bie 
Art und Weife niht beſtimmenden Wortes machen, anderer näher 
beflimmenber Wörter. Go fagt man nit in eigentliher Bebrutung 
ein. Haus mahen, fondern, ein Haus bauen, ob man gleich in uns 
eigentlicher Bebrutung fagt, ein Haus machen, für, eine eigene Haus 
haltung haben, und zwar gemöhnlid mit dem Rebenbegriffe ber Gaſt⸗ 
feeundligteit, So fagt man niät, Biegel machen, fondern ferihen 
ober brennen; nicht Brot, Kuchen machen, ſondern baden: nicht 
Bier machen, fonbern braunen ıc. ZBuwellen gebraucht man madhen 
im gemeinen Leben von beſondern Arten ber Verrichtung oder Herr 
posbeingung; beſonders won ber Weränderung ober Zubereitung zu 
einen gewiffen Zwecke ober Gebrauche. Se jagt man etwas machen, 
feine Rotpburft verrichten, eine Auslterung, einen Stuhlgang haben. 
Das Rind hat nihts gemacht. „Richt ber Reichspofteeiter, ſondern 
bes Reichspofteeiters Pferd Hatte bas Spigramm (Ginngebiät) ge— 
madt.* Leffing. Holz mahen, es klein machen, Hein hauen, zum 
Berbrennen im Dfen ober auf bem Herde geſhickt maden, Im Kr 
gelfpiele Heißt Hal; machen aud, Kegel treffen, befonders viel Kagel 
teeffen, ummwerfen, Das Bett machen, bie Betten auflodern und. 
in Ordnung legen. Das Eſſen machen, #8 kochen, zubereiten. Kıffıe, 
Thee ıc. machen. Wei ben Jägern das gemachte Reue, ber fetih 
gefallene Schnee. &, Neu. Im weiterer Bedeutung heipt machen, 
bewirken baß etwas geſchieht, erfolgt, bie thätige Urſache einer Ber: 
änderung, eines Werpiitniffes, eines Zuſtandes fein; ebenfalls ohne 
bie Art und WBeife zu beflimmen, Den Anfang machen, ben Anfang 
mit etwad machen. Auftalt zu etwas machen, etwas veranſtalten. 
Der Sache «in Ende machen. @inem Luft zu etwas machen, Zaft 
dazu im ihm erregen. Ginem bange machen, in ihm Bangigleit vers 
urſachen. 

Mein eigen Schickſal macht mir bang und bangtt. @ätbe 
Fine Reife machen, fir unternehmen, verseifen. Mob elnen wılsen 
Weg zu machen haben, ihn no zurüdzulegen haben, Täglih 6 
Meilen machen, reifen, ſowol zu Fuß als aud auf andere Art. 
— er richtete feinen Weg auf beide zu and machte mit feiner ſchoͤ⸗ 
nen Begleiterinn ben Durchſchnitt bes Bartend*, ging mit ihe quer 
buch den Garter. Börde, X Einem Beine machen, einem ver 
nicht geben wid, ober ber langſam if, zum Geben ober Shnrlarben 
bewegen, nötbigen, Ginem zu feinem Merunbe, Berträuten, Gehül⸗ 
fen, Stellvertreter machen, Bum Lehrer, Prediger, Aufſeher, Werr 
munb ıc. machen, ihn dazu erwaͤhlen, ernennen, anftelen. din 
Mabchen zu feiner Frau mahen, es zur Frau nıhmen. Ein Mid: 
hen zur Hure machen. Einen zum Sklaven, sum Befangenen mas 
Ken. @r Hat ihm erſt zu etwas gemacht, zu einem bebeutenben, gen 
eheten, vermögenden ꝛc. Manne, ba er vorher gleichſam nichta, une 
bedtutend ıc. war, Gr iſt ein gemachtet Mann, dem in feinen 
Außren Berhäitniffen zu feinem Wohlbefinden nichts fetlt. ine 
Biefe ju Aderland machen. Sein Haus zu einer Breitate für ins 


25 


Machen 


alädtihe machen. Gin Fürftenttum zu einem Rönigerih: machen. 
@inen Berluh, eine Probe madıen, anftelen. Sich Euft machen, 
ſich Luft verfhaffen, fh aus einer beengten und bebrtagten Lage des 
ferien, Einer Sache, dem Waſſer ıc. Euft machen. Etwas zu 
Gelbe machen, es verkaufen. Gines Gluͤck machen, fein Stüd vers 
urſachen, befördern. Sein Gluͤck machen, als mtr, gtüdlich werben. 
Hochzeit machen, fomol feine, als eines Andern chelihe Verbindung 
feiern; aud, bie ehelihe Verbindung vollyiehen., Cine Entdedung 
machen, etwas entdecken. Gine Ausnahme machen, etwas ausnch; 
wien, nicht unter die Megel begreifen; wie auf, als mtr. eine Kuss 
nahme fein. Friede machen, ſowol zwiſchen Streitenden den Fries 
‚ben bewirken, als aud als einer ber Streitenden ſelbſt den Streit 
durch Bergleichung und Übereinkunft enden und ein gutes Werhältnig 
herſtellen. in Bündnis mit jemand machen, gewoͤhnlicher ſchlie⸗ 
fen. Bedingungen mahen. Einen Fehler, ein Berſehen machen. 
Schlechte Sterihe mahen. Mit ifm muß man feine Umflände ma⸗ 
den. Schulden machen. Bid ein Bergaögen, eine Lu machen. 
Sih Sorgen, Unruhe, Kummer machen. Ginem Berdruß, Roth, 
Freude, Hoffnung machen. Ginem Händel machen, ihm Hoͤndel zus 
stehen. Sich aferlei Gedanken machen, allesfei befonbers traurigen 
Gedanken und Borftelungen nachhangen. Sich ein Gewiffen aus 
etwas machen. Sich etwas zur Pfliht machen. @inen zum Ge— 
laͤhter machen. ich ſelbſt Andern zum Belähter machen. @is 
nem Borwärfe, Vorfhläge, Anträge machen. Belanntfhaft, Freund: 
(Haft, Bruderſchaft mit ſemand machen, ibm kennen lernen, im 
freundſchaftliche, brübderlihe Verhaͤltniſſe mit ihm treten. @rmein- 
ſchaftliche Sache mit jemand machen, fib mit ihm zu einer Sache 
verbinden. Einem eine Werdeugeng machen, fi vor ihm verbeus 
gen. Machen Sie von mir viele Gräße, grüßen Sie in meinem 
Namen vielmahls. Reierabend, Schicht madıen, aufhören zu orbeis 
ten, beſondere am Abenb ober gegen Abend. Genft machen, zeigen, 
baf man #6 ernflid meine. Spaß madıen, fpaben, fherien. X ®in 
Spielchen machen, ein Spiel fpielen, brſonders Rarten ſpielen. Halt 
machen, antzalten, inne halten. Bank machen oder halten. S. Bank. 
Große Augen machen, bie Augen weit öffnen, ver Vermunberung, 
Erfiaunen. Gine jämmerlide Miene mahen.. Gute Mienen zu 
döfem Epiele machen. in freundliches, boſts faures Befiht mar 
hen. Bei ben Handwerkern machtt rin Meiſter das Handwerk, 
wenn er auf fein befonderes Verlangen und auf feine Koften das 
Gewerk zuſammenberufen läßt. Gebe häufig wird bie Birkung ober 
Veränderung, beren Hernorbringung machen bezeichnet, auch durch 
«in umſtandwort, wie auch durch bie unbeſtimmte Form eines Aut» 
fageworten ausgedeudt. Einen Kranlen gefund machen. @inen 
front, rei, arm, gluͤctich, ungläktih machen. Ginen vergnägt, 
froh, verbrüßtih, unzufrieden, traurig, eiferfähtig ıc. machen. @ir 
nem den Kopf warm, bas Herz ſchwer, bie Bruſt leicht machten. 
Sich na, fhmuzig, rein machen. Sid, bei Andern beliebt, gefaͤllig, 
verhaßt machen. Etwas fertig, deutlich, Thcherlih 2c. machen. 
Einen frei machen. Sich einer Sache würdig machen. Sich mit 
jemand gemein machen. Sich groß, maufig, breit machen. &, Brof, 
Maufig und Breit. Sich unnuͤß machen, Unnäges reden ober thun. 
Machen Cie es kurz, fallen Sie ih kurz, tragen Sie die Sache in 
ber Kürze por, ohne MWeltläufigkell. Seine Sachen gut, ſchlecht, 
mittermäßig machen. But machen, au gute machen. ©. Gut, 
Einen fellen, gehen, fommen machen, bewirken bag er fält, geht, 
tmmt. Einen laden unb meinen machen. Deine kiebe macht 


mich alle erbduldete Eeiben vergrffen. „Du ließeſt mid entſchlafen und’ 


machteſt mid leben.“ Eſ. 58, 16. „Man will uns glauben mas 
hen." LieFom, „Ein Schatten macht ung oft, zittren.« Mosheim. 
@in bübſcher Spalt, ber zwilchen bie und mir 
Den Biden ploͤtzlich gaͤhnen machte. Wieland. 
unrichtig oder doch unget iſt es in folden Fällen, anflatt ber unbes 
Rimmmien Korm bas Mittelwert ber gegenwärtigen Zeit zu gebrauchen. 


178 


‚fo einzurichten. 


Machen 


„Die Tauben macht er hörend, unb bie &pradlofen rebenb.« 
Markt, 7, 37. Machdem bie Bölfer gewachſen, fih ausgebreitet 
und von fi rebenb gemacht.“ Habener Yu einigen Fallen 
wird aud das Börtden zu dem im unbeflimmiten Falle firhentem 
Ausfageworte beigefügt: Si etwas zu thau, fid etwas zu ſchaffem 
mahen. Die unbeſtimmte Form des Ausfagewertes, welches bie 
bervorgebrate Wirkung ober Werinderung bejeihnet, wird niht 
feiten auch burd das Bindewort daß aufgelöfet. Ee mußte es zu 
machen, daß es fo kommen mußte, er wußte es fo zu verauſtalten, 
Sie machen, daß man das Bläd und bie Liebe 
erſt recht hoch fhägt.* Geltert. Mache, daß es geſchieht, vor 
fi gehet, ſorge dafuͤr, betreibe es. Mache, daß bu fertig wirft, daß 
bu forttömmft, ſorze dafür, wobei ber Rebenbegriff ber Eile Statt 
findet; baher machen zumeilen fetbft Tür eiten gebraucht wird, Mar 
che doch! eilte dech! Mach fort! „Menu ie es fagen wollen, fo 
machen Sie, fon gehe ich⸗ Sellert. X Er macht es mie zu 
lange, er verweilet, zaubert zu lange für mid. Häufig wirb ma: 
den aud von unbelebten und unkörperlihen Dingen gebraudt, bie 
eine wirkende Urſache find ober als eine foldye gebaht werben. Das 
Feuer macht das Bifen, die Wärme macht bas Eis ſchmelzen, bas 
Beuer, bie Wärme iſt Urfahe, daß das Eiſen und bas Eis ſchmilzt. 
Gorgen machen vor ber Beit alt, Die Sonne macht warm, ver 
urfaht Wärme. Geſalzene Epeifen machen burflig oder Durft, ver: 
urfahen Duck. Das dat mie Kopfmeh gemaht. Bas madıt, 
weil er fo Leihtgläubig ift, das koͤmmt daher. Das macht, baf er 
immer Recht zu haben glaubt. Das macht nicht den geringfien 


unterſchied, bas Ändert im ber Sache nihts. — In vielen andern 


Fälen gedraucht man anſtatt machen das Wort thun ober ein am: 
deres Wort, 3. B. Meldung thun, wolde ein Beuriheller in der 
ag. D. Bibl. Meldung machen fagte, Borfhläge thun, gu willen 
thun ıc,; in manden Faͤllen aber auf fowel machen ais thun; 
einem «tiwas fund machen ober Band thun, Zu wiel behauptet if es 
aber, wenn Kb, faat, daß es ungemöbnti fei zu fagen, den Angriff 
madhen, einem Borflelungen madıen, indem in biefen Fällen 
macen bas gemdtntide und thun das ungemöpntihe il. Kuh 
fagt man nicht leicht einen Schnappo machen, welches heißen märbe 
ihn bereiten, abziehen, fonbern, einen Schnappe nehmen. Uneigents 
lich gebraucht mın machen (1) für vorfielen, darſtellen, fhildern. 
Iffland machte den Effigfeimer vortrefflich, er Mellte ihm durch fein 
Spiel meiſterhaft bar, Seine Rolle gut, ſchlecht machen, fie aut, 
ſchlecht fpieten, Er will ben großen Deren machen. „@e will den 
Römer machen, fast man. Ungen. Ih würde ba eine alberne 
Perfon machen. Eine Sache ärger mahen, als fie ift, fie ärger 
vorſtellen, fhilbern. Er if nicht fo reich, als ihn bie Beute machen, 
als fir ibn ausgeben. Er macht fih nur fo arm, er giebt ſich mue 
ben Schein einer folhen Armut, er will nur für fo arm getalten 
fein. Ginem eine Sache fehr leicht machen, fie ihn als fehe leide 
ſchildtrn, ihn überreden wollen, baß fie ſehr leicht ſeil. Einen zum 
VBerbrecher machen, ihn eines ober mehrerer Verbrechen beſchuldi⸗ 
gen, ihn für einen Berbrecher erklaͤren ober Andre von ihm glauben 
maden wollen, baß er ein Verbrecher ſei. Einem ein Verbrechen 
aus etwas machen, ober ibm etwas zum Verbrechen machen, ibm 
eine Sache oder Handlung zum Verbrechen auslegen, für ein Vers 
brechen anfehen und angefehen wiſſen wollen. Ih weiß nicht, was 
ih aus biefee Antwort machen fell, wie ih fie nehmen, wie ich fie 
mie eitlaͤren oder was ich daraus nehmen fol. (2) Sich aus einer 
Sache etwas machen, fie achten, hoch halten, Viel aus eine Sache 
machen, fie bob achten, viel Rühmens von ihre maden, Viel aus 
einer Perfon machen; Er macht (ih nichts daraus, er achtet es 
nicht, Es wird nichts daraus gemacht, es wird nicht grachtet und 
beachtet (3) Bei ben Jägern bat ter Hirſch wenig ober wiel ge 
macht, wenn er am Behden wenige ober viele Enden brfommen hat, 
(4) Habere uneigentlihe Bedeutungen hat machen noch in ben Bus 


Machen 


ſammenſetzungen, welche es buch bie damit zufammengefepten Woͤr⸗ 
ter erhält, und welche an Ort und Stelle ſelbſt nachzuſehen find. 
U, X rec. Sich machen. 1) Sich bewegen, ben Ort verändern, 
ſich begeben mit Tem Nebenbegeiffe der Befhminbigkiit; aber ohne 
nähere Beftimmung ber Art und Weife. Sich bavon machen, ſich 
aus tem Staube machen , fih eilig entfernen, womit zuweilen auch 
ber Begriff des Heimlichen verbunden il. Sich auf bie Weite 
madıen. Bid auf ben Weg machen, fih auf ben Weg begeben, 
Sich zu jemand machen, fi zu ihm begeben. Gib an jemand 
maden, fih an ihn wenden; auch, ſich an ihm vergreifen, Sich 
an Awas machen, ober fih über etwas machen, fich baräber her 
machen, etwas angreifen, einen ernflligen Anfang bamit maden. 
So auf in ben Bufammenfepungen, ſich aufmahen, fi fortmas 
hen ıc. 2) Sich begeben, fih finden, geſchehen. „Ich fehe, bie 
Sachen haben fih fon gemacht,“ find ſchon zu Stande gefommen, 
find fhon gefhehen. Böthe. „Das Geſptaͤch machte ſich ganz nas 
türlid,“ entipann ſich ganz natuͤrlich. Derſ. Derfelbe Schrift: 
ſteller gebraucht es im dieſer Bebeutung zugieih ald imp. „Es malt 
fi viel," es geſchleht viel, es koͤmmt viel zu Stande. Söthe. 
„Benn bu einen Schwager haben fouft, wie ſichs dech früh oder fpäs 
ter macht,“ wie es doch früh oder ſpaͤter elumahl ber Fall fein ober 
gefhehen wird. Derſ. „Es maht fih nicht⸗ Wieland. 5) 
Einen gewiffen Gintrud mahen, auf eine gewiffe Att in die Augen 
fallen; aud zugleih als imp. das madıt ſich gut, bas fieht gut 
aus, III) mtr. mit haben unb mit ber Fügung eines trs. ı) Die 
Urlade von etwas fein, bewirken, ergeben. Bmei und zwei macht 
vier, giebt vier. Zwei mahl brei macht fehe. Es macht zufam: 
men zehn Thaler, es beträgt fo viel, Wie viel macht es, oder, wie 
viel macht bie Kechnung? mie viel beträgt ie? =) In einem ges 
wiffen Zuſtande ſich befinden, beffen Veränderungen als Wirkungen 
von einer Urſache angelchen werben. Mas macht ber Kranke? mie 
befindet er fih? Was mahen Sie? wie geht es Ihnen? Er wird 
es nicht lange mehr machen, er wird nidt mehr lange in demſel⸗ 
ben Zuſtande fein; wie aud, er wird nicht lange mehr leben. — 
D. Mahn. D. —ung, in ben Bufammenfegungen. 

Der Mader, —s, 4. gl; die —inn, By. —en, eine Perfon bie 
etwas macht; beſonders und gewöhntid nur in Bufammenfegungen, 
3: 8. Tuchmacher, Hutmacher, Knopfmacher ıc. mit dem 
Reben‘cgeiff der Beratung, 5. B. Betsmacher, Buchmacher, Ke⸗ 
hermachet, Goldmadher ıc, 

X: Die Macherei, Dg. —en. 1) Das Maiden, bie Handlung, da man 
macht; ode Mehrzahl und in verädtlihee Bedeutung. Das ift fo 
eine Macherei. So aud in den Iufammenfegungen, die Buchma+ 
bereit, Botdbmacherei, Ketzetmacherei. a) So viel als Machwerk. 
ine elende Machttei. 

+ Maͤchlich, adj. u. adv, im N. D. 2) Bemäglig, bequem, träge, 
2) Mit Gemaͤchlichkeit, ohne Mühe, mit Muffe. 

X Das Maͤchſel, —s, 94. u. 3) Im R. D. etwas Gemachtes, eine 
Arbeit, ein Machwerk. =) Eimat, womit man etwas macht, zu⸗ 
bereitet, So nennt man bie Butter ıc. womit man Speiſen zube⸗ 
reitet das Maͤchſel (Merel). 

Die Macht, 9. Maͤchte, (O. D. Machten). 1) Dasjenige, wor 
bush man etwwas macht, b b. bewiakt, hervorbringt, bie Kraft, das 
Bermögen etwas zur Wirklichkeit zu bringen. (ı) Gofern biefe 
Kraft inwohuend, ober eine matürlihe Kraft it; meiſt nur no im 
gemeinen Erben, Große Macıt baden, Ale frine Macht anfiren: 
gen. Mit aller oder aus ganzer Macht fehrelen, laufen ıc.. fo ſehr 
als man kann; im D. D. auch aus allen Machten ober Määten. 
„Die Stimme mit Macht aufgeben," erheben, ſtark freien, Eſ. 
40.9. ‚Rıbın, mein erfter Sohn, du biſt meine erſte Kraft und 
meine erfte Macht.“ 1 Moſ. 49, 5. Sch werde 08 then, wenn #8 
nur irgend in meiner Macht Bett. Un’ 8 rem ſtehrt im Gottes 
Macht. Ohne Macht fein, keine Macht paben, ſchwach fein, Der 


179 


Machtb 


Aranke hat nicht mehr fo viel Macht, um ſprechen zu koͤnnen. 
Uber Macht, auf eine das Maß der Kräfte überſchreitende Art, mit 
größter Anftrengung. Älser Macht freien. über Macht effem, 
tainfen, mehr ale man mag, mehr als man effen oder trinken follte, 
In engerer Bedeutung, eine vorzäglihe Kraft. Mit Macht ſtießen 
fie an. Mit Macht flürzte das Mafler gegen ten Damm. Mit 
Macht drang biefe Vorſtellung in meine @erle, In ber Bibel wirb 
es auch häufig vom Gott für AUmacht gebraucht. Uneigenttih, im 
firttiher Pinfiht, das Vermögen, etwas zu bewirken, hernorzubrins 
gen, bie Freiheit nad feinem Gefallen etwas zu thun ober zu unters 
loffen, Ich Hate Macht zu tbun, was ih will, Das ſteht nicht in 
meiner Macht, in meinem Willen, das barf ih nicht tum. Auch, 
einer Bade Macht baden, darüber Macht haben, barkber zu ge» 
bieten haben, 

— des Bogens hat Fein einziger aller Adhaier 

Macht, denn ih, ihm zu geben nah Wilfühe. — Bof. 
Auch unlörperliden Dingen wird Macht zugelhrieben, oder ein 
heher Grab innerer Stärke, welche fih duch flarfe Findrüde iur 
bert. Die Macht der Liebe, „Ih befam nad und nad meine Faſ⸗ 
fung wieder und ſchalt mich thöriht, dem erſten Eindeude ber Macht 
eines Zonea folge Gewalt Über mic geflattet zu haben.“ Kanes 
von titien. (a) Gofern diefe Kraft auf äußern Umfländen unb 
Verpältniffen beruhet. So fagt man vom einem Menſchen in ſolchen 
Verhaͤltniſſen, in welden er Andere nad) feinem Willen benützen oder 
nad feinen Abfihten leiten karm, er habe Macht in Händen. Ein 
König hat geoße Macht. „Wehe denen, bie Schaden zu thun trach⸗ 
ten, weil fie Macht haben.“ Mia, 1. Seine Macht mißbrau⸗ 
den, vermehren, befhränten. + Ginem Macht geben, etwas zu 
than, Die Obrigkeit hat Macht zu sihten und zu Prafen. Die 
ausübende ober vollziehende Macht iſt von ber gefengebenden 
setsennt, b.. 5. die Maht die Befege auszuüben ober zu volzichen 
iſt von der Macht Belege zu geben getrennt, nit in einer und ber» 
felben Perſon vereiniget. &. Gewalt. Im engerer Bebrutung, bier 
jenigen Kräfte außer uns, welhe wir nah unferm Willen zu ges 
brauden Gelrgenheit haben; beionders bewaffneter Menfhen. Cine 
große Macht anf ben Meinen haben, viele bewaffnete zur Kusfühs 
zung feines Willens bereit ſtehende Menſchen, ein großes Krieges⸗ 
heer. Ein Land mit bewafneter Macht angreifen, einnehmen. 
E. Kriegesmacht, Seemacht, Landmacht. In ber Bibel wirb 
es auch für äußeres glängenbes Anfehen ober Pracht, unb von Boß 
und Schil ler, mit bem Beiworte heilig, für Majeſtaͤt gebraucht, 
„Die Eonne gehet auf im ihrer Macht Rihe 5, 31 2) Ein 
mit vorzüglicher Macht begabtes Welen. Die Mächte bes Himmels, 
sher bie dimmliſchen Mächte, die Götter, oder mächtige Geifter. 

Im alterthuͤmlichen Saale 
Saß König Rudolphs heilige Macht. Schiller. 

&o gebraucht man es auch non mädtigen Etaaten, Die Europäle 
den Mächte. Die Macht Rußland, Die Mächte des feſten fans 
des, bie Staaten bes feften Landes, befonbers von Europa. Go 
auch, die Landmacht, Sermaht. S. db. Zuweiten werben auf 
diejenigen Perfonen, welde eine Macht in fittliher Hinfiht haben, 
eine Macht genannt. Die gefengebende Macht, diejenigen öffentlichem 
Perfonen in einem Staate, weichen die Geſetzgebung Übertragen iſt. 


2. Xxx Die Macht, 4. Mächte, ein Sqleler auch wel andere Kopf⸗ 


bedeckung. „Darum fol das Weib eine Macht auf bem Hoaupte 
haben um ber Engel willen,“ ı Gor. 11, 10. Ührigens if bas 
Bort Macht, in diefer ihm nicht grbährenben Bebentung, durch eis 
nen boppelten Überfesungsfehler in bie Bibel gelommen. ©. Gams 
pi’4 Prelsſchrift. S. 69. 

Die Machtblume, 3. —n, ber Name eines Pflanzengeſchlechtes, 
deſſen fehshiättrige Blumen an dem einblattigen triterförmigen 
Kronbiatte ober Honigbehoͤltniſſe, ſiden, am befien zwoͤlffach ringe: 
kerhtem Rande ſechs Gtaubfäden ſtehenz ber Fruchtkeim feht äufee 


D 


Machtb 


Hä unter ber Wiume und ber Griffel, welcher bie Etaubfäben an 
Länge oͤbertrifft, enbiget fi mit einem ſtumpfen Gtaubwege (Pan- 
eratinm L.); aud Machtlilie. Die meiften Arten diefes Gefhled; 
wei machen im Amerika, einige Arten aber auch in Spanien unb 
Brantreid. 

+ Der Machtbothe, —n, 4. —n, im O. D. ein madtpaben «r, 
bevellmäctigter Bothe eines Staates am ben andern ; ein Geſan ter 
überhaupt, wie aud, ein außerorbentlicher Brfandter (Ambassade ır, 
Plenipotentiaire); ehemapis auch eia Waltbothe, Gewaltbothe. 

+ Die Machtbothſchaft, Dig. —en. 1) Die Würde, das Amt eines 
Machtbethen (Plenipotenz); ohne Mehrzahl. =) Ein Mahtbo'pe 
und bie ihn begleitenden Perfonen zufemmengenommen {bie Am. 
bussade). i 

* Der Machtbrief, —es, My. —e. 1) Ein Brief, in weigem 
aber buch meiden einer Perfon Mat, Vollmacht zu etwas gege⸗ 

‚ben wirds chemahls auf, der Gemaltsbrief, jegt gewöhnlicher, bie 
Vollmacht. =) O Sin Brief, eine Belanntmahung, welde ber: 
jenige ergeben und Öffentlich anheften läßt, welcher bie Macht ober 
die Sewalt in Haͤnden hat (Manifest); aud Machtgeboth. 

© Die Machteignung, Sij. u. die Eignung, Auctgznung ober Ans 
maßung ber Macht (Usurpation), Sonſt auch Ermaͤchtigung. G. 
S. Berdw. Machteignung neben träger Hingebung. Meyer. 

. © Die Machterklaͤrung, 3. —en, eine Erklaͤrung, öffentlie Ber 
kanatmachung besirnigen, ber bie Macht oder Bewalt in Händen 
bat (Manifest), Kuh Machtbrief und Mactgebot. €. 

Der Machtgeber, —6, WR. gl; die —inn, By. —en, eine 
Prefon, welche einer andern Macht ober Bollmaht zu etwas ertheis 
let ı Plenipotent), ‚ 

Die Machtgebung, 9. u. bie Handlung, ba man einem Andern 
Macht oder Wolmaht zw etwas ertheilet; die Bevollmaͤchtigung 
(Plenipotenz). r 

4 Das Machtgebot, —es, 94. —r, ein Behot besjenigen, ber bie 
Macht oder Gewalt in Hänten hat, Baltaus,. 

So hemmt’ er zwar mit ſtrengem Machtgebot 
Den roben Kusbrud; ibees wilden Triebes. Schiller, 
Ir engerer Bebentung, ein ſtreuges willkährlichte Sebot, in weidhem 
Maht ober Gewalt vor Recht gehet (despotischer Befehl). 
Run Ihwand bie Freihelt dertiſchem Machtgebot. Bo. 
„Die Uniserfität (Hechſchule) verliert durch das Machtgebot bes 
Buffffden Raifers (Paul) zmamig feiner Mitbärger.: National: 
jeitumg. Uneigentiih auch für bad was Mahtgebote hervorbringt 
fix madigerrifge Mefionung, fofern fle ih in ben Mienen verräth, 
Cem Anttid ſtrahlt wie Morgenroth; 
Frf Raf und Stirn herrſcht Machtgebot. Bürger, 

5 Das Machtgebünde, —, 94. al. rin Gehände als Beiden eis 
mer Iffentiihen Macht, dergleichen bie aus Stäben beftebenben unb 
mit einem Weile verfehenen Sebände waren, wilde bie hohen Staats⸗ 
Seomtın bee Römer vor Äh Hertrogen Itefın (Fasces), Boß. 

O Die Mahtgemalt, o. 2. eine mintährlih ausgeübte Mat, 
eine Macht, welche Gewalt iſt und nur auf den sigenen Willen, 
midt auf bad Rohe Mädfiht nimmt (Despotisnius). „Eine von 
Brfen Eigenfhaften, über welche er mit aller feiner fultantſchen 
Machtgewalt nie vwölig Meier werden Fonnte.* MWielanb, 
Machtgewalt ausüben, mit Machtgemalt herrſchen (despoti- 
sirem‘, 

Der Machthaber, —s, 3. gl. einer, wilder die Macht oder Bes 
weit in Händen hat; beionders bie Macht über Andere au befehlen. 

O Die Machthandlung, 9. —eın, fo viel als Bewaltandlung. 
ed — end buch Eine Machthandiung den giftigen Bieljeps 
tre über ein ganzes freird Leben andyuftreden.* I. 9. Rister, 

Das Machtbeil, —es, M. u. ein Mame #) ter Goldeitde oder 
des au’denen Wumdfrantes wegen feiner Heilkraft (Solidago L.); 
ash Machtkraut. 2) Des heidnifgen Wundfrauted, welche 


180 


Maͤcht 


auch edtl Wundkraut, groß Wundkraut :c. Heißt] (Senceio 
saracenieus); ach Maͤgdehuͤlle, welches virkeiht daraus cew 
derbt ii, j 

O Machtherriſch, —er, —fit, adj. m. adr, feine Macht auf eine 
bereilhe ober gebieterifge Art anwendenb, ober nad feiner Macht 
und Milllübr heraſchend, nad Art eines Machtherrſchere (despotisch), 
„Diefes Wert, welchts feine Ausſpruüche und Gefege nice felten fo 
macheherrifch vortraͤgt. A. 

O Der Machtherrſcher, —s, 99. gl; die —inn, Bi. —en, eine 
Perfon, welche mie Macht ober Gewalt, bloß nad ihrem Willen 
berrfht, opne auf das Recht ober auf Stuͤnde Mädfiht ju nehmen 
(Despat) Als Ballieng 

Machtherrſcher wäteten — Bang. 

Maͤchtig, —er, —ſte, adj. u, adv. Mad, b. h. Kraft etwas zur 
Birklichkeit zu beingen befigend. 1) Sofern biefe Kraft iawohnend, 
eine eigene matürliche Kraft iſt. „Der Löwe iſt mächtig unter dem 
Thieren.“ Sprihw. 50, 50. „Das Feuer war mächtig im Mafe 
fee über feine Kraft." Weish. 19, 19, Weiner Sinne nide 
mächtig fein, fie mit nad feinem Willen gebrauchen oder ihren 
Ginbrüden nit wiberſtehen können. Wor Zorn feiner nicht maͤch 
tig fein, feinen Born und alfo auch Ah nicht beherefhen können, 
„Richt länger mächtig feiner Schmerzen.“ Rofegarten. In wei: 
teren Bedeutung Fräftig, ſehr wirkſam. Mächtige Arzeneien. 

und bie bu bir Zauberiun Bann prud 

Und fe ſelbſt, 0 Erde, verforgt mit mächtigen Kräutern. Wof. 
„Ihr frenger Blict ſchießt mächtige Strahlen umber." Babartä, 
Den Begriff von Macht in fittliher Hinſicht bezelchnet mächtig noch 
in dem zufammengefepten eigenmädtig. 2) @efrrn kiefe Kraft in 
ben Außern Verhältniffen und andern zu Gebote ſtedenden Perfonen 
liegt, in mächtiger Mann im Staate. Gin mächtiger Minifter, 
@inen mächtigen Freund bei Hofe haben, der bei Hofe wirt vermag, 
ber viel Einſtuß auf bie Perfonen hat, melde ben Hof ausmaden, 
@in mähtiges Haus, ein viel vermögendes , das viel Einfluß hat. 
Befonbers in Hiaſicht auf bie Menge ber zu Gebote ſtehenden ‚sum 
Angriffe und zur Bertpeibigung gefchiaten Perfonen, Ein mächti 
ges Heer. Sin mächtiger Feind. Win mächtiger König. Die 
mädtigften Staaten. Im engerer Bedeutung, überlegene Macht 
ober Gewalt über Andere in rinzeinen Fällen habend. Seinez Fein: 
de nicht maͤchtig werden koͤnnen, fie nicht bezwingen, überwinden 
koͤnnen. Cine Beau, die ihres Mannes mächtig il, welche Made, 
Derefjaft über iha hat, Richt eines Pfenaiges mächtig fein, auch 

‘ nicht einen Pfennig, b. h. nit das Beringfte befigen, oder nad Gut⸗ 
bünfen anmenden finnen. ine Sprache mächtig fein, uneigente 
ld, fie gut verfichen, umb alles was man will, mit Leichtigkeit in 
berfelben ausdrucken Eönnen, Uneigenttib wird maͤchtig aud von 
bem, was Macht ober Keaft und Staͤrke verraͤth, gebraucht, wie 
aud für groß, ſtark, breit, weil in großen Körpern bie meiſte Rat 
oder Kraft zu wohnen pflegt. „Der Buckelochſe hat eine mächtige 
Bruft.r Bunte Eine mächtige Stirn. Machtige umrifſe, bei 
ben Madlern, flarte, beutli im die Augen fallende Umriffe. Zu ⸗ 
meilen derliert ih ber Begriff von Kraft und es bleibt nur ber bee 
Groͤße oder Überhaupt der koͤrperlichen Ausdehnung. Ein maͤchti 
ges Haus, ein großes. Gin mächtiger Berg, Wald. Gin maͤch⸗ 
tiged Waffe. „Maͤchtige Krüger Bob. Go gebrauht mın e# 
befonbers im Bersbaue von Gängen für brrit, und von Alösın für 
bil, Dee Song ift eine Lachter mächtig, eine kachter breit. Das 
Scirferftöp war hier am mächtigen, am dicſten. Oft bezelchnet 
mächtig im gemeinen Leben im weiterer Brbeutung auch sine Menge 
und einen hohem Grab der innern Staͤrke. Mächtig viel @rid. frte 
diel Seld. Mächtig reich, Fön ic. ſehr reich, ſchͤn ıc. Eich maͤch⸗ 
tig viel eintyilben. „Die mächtig große Höher Bir. 45, 4. 
Aber Amyıtas fahe dem mächtigen Gegen in feiner Herde.“ 


Gefner. 


+ Mächtigen, v. tro. Macht geben, ertheilen; im ben zufämmenge 
fegten bemädhtigen, bevollmaͤchtigen, ermädtigen. S. d. D. 
Maͤchtigen. D. —ung. 

Die Mächtigkeit, . u. die Eigenſchaft einer Perfon ober Sache, 
ba fie mächtig iſt; gemöhnlicher die Macht. Im Berghaus allein 
wird es häufig gebraudt und bejeiänet, wenn von Gängen bie Rebe 
if, bie Sreite derſelbea; bei Flögen aber, bie Dide berfelben. ©. 
Maͤchtig. 

Mas Machtkraut, —es, Di. u. ſ. Machtheil. 

Die Maͤchtlilie, . —n, f. Machtblume. 

Machtlos, — er, —eſte, adj. u. adv, deint Macht habend, der Macht 
beraubt. Ein machtloſer Menſch, Feind, Staat. Im weiterer und 
uncigentlicher Bedeutung feine Kraft, keinen Einfluß, keine Birk: 
ſamkeit zeigend. Und machtlos jebe Zauberei. — Alxinger. 

— Daß über meinem braunen Scheitelhaar ° 

Die fhnelen Fahre machtlos bingezogen. Säiller, 
Davon die Machtlofigkeit, o. Sy. der Buftend, da man oder da 
etwas machtlos iſt. 

OX Der Machtmann, —es, Pa. — maͤnner, ein maͤchtiger Mann, 
ein Mann, der derzugliche Macht, Gtärke befigt, und ber Macht 
ober Grmwalt ausäbt. „Denn da bie Götterföhne ben Menſchentöch⸗ 
teen beimohnten, ba wurden eben die Machtmaͤnner (Heroen, Gi⸗ 
dorim) geboren.“ Berber. 

O Der Machtraub, —es, 2. u. ein Raub, b, h. eine geiwaltthäs 
tige Aneignung, Anmafung, bie ih bloß auf die Macht melde 
man befigt und ausäbt grüntet, ohne ein Recht zu haben; mie 
auch, ein Maub ober eine gewalttgätige Aneignung der Macht oder 

. Dersihaft (Usurpation). 

O Der Machtraͤuber, —s, Mp. gl. ein Menſch, ber einen Macht 
saub begebet (Usurpator), i 

&A Der Machtruf, —es, 99. u. ein mit Mast, Eräftigem Erfolg 
—— Ruf, der Ruf eines Mächtigen, eines Macht habers, ber 

L 
— bie (Mannfhaft) ſogleich gehorchte bem Machtruf. Baggeſen. 

Das Machtſchildlein, —e, Wi. gl. ein Schildiein, fofren es ein 
Beichen ber Macht, Auferer Hoheit und äußern Glanzes if; ein aur 
Bir 45, 13 vom Bruffdilde Karond gebraudtes Wort, 

O Der Machtſohn, —es, 9. — ſoͤhne, ein mit vorzägliher Macht 
ober Kraft degabter Lohn, ein Sohn, ber ein Machtmann if, 
„Und als fi die Söhne Bottes mit den Töchtern der Menſchen vers 
mifäten und dieſe ihnen Kinder gebaren, wurden jene Riefen bar 
aus, Machtföhne, Beiden.“ Herder. 

Der Machtſprecher, —s, 9. gl. ein Menſch, welcher durch Macht: 
fprähe berefcht oder hersfhen win; befonbers in einem Freiſtaate 
(Dietator). Ein beaudbans Wert, meldes Ab. vorgefählagen hat 
und welchts Häufig gebraucht worden if, „Die gute Geſellſchaft 
Fonn eben fo-menig, als ein Beeiflaat, einen Machtfprecher vers 
tragen." 6, 

OXxX Die Machtfprecherei, 94. —en. ı) Die Anmafung, da man 
auf Andere durch Machtiprüche wirken will; ohne Mehrzahl. a) Co 
diel als Machtſpruch; in briben Bebentungen im tabelnden und vers 
Adtlıden Ginne. 

€ Machtfprecherifch, adj, u.adv, einen Mochtſpruch enthaltend, nad 

"Art eines Maht’peeders (dietatorisch). „Um biefer machtfpreches 
tifchen Beſchraͤnkung der Deutfhen Sprache und des Deutfhen Gel⸗ 
fles entargemiwarbriten.« E. 

© Die Machtſprecherwuͤrde, 0.29%. die Würde eines Machtiprediers 
in einem. Reeiftaate (Dietatar), G u 

Der Machtſpruch, —s, Mz. —fpräche, ein Spruch ober Ausſpruch, 
welcher nicht auf Kecht und auf Gränden berubet, fondeen welchen 
man blef thut, weil man Mat hat ober zu haben glaubt, und zu 

deſſen Beahtung man Andere beinat und zwingt, Einen Madıts 
fpruch thun. Durch Machtſprüche Herrfgen. 


181 


Maͤdch 


— 05 Papft und Tyraun burch Machtſpruch 
Sriftesflug einzwäng’ Bof. 

A Die Machtthat, 8. —en, eine That, weicht man veräbt, weil 
man Macht dazn hat, ohne auf Recht oder andere Gründe babei zu 
fehen, eine eigenmoͤchtige That. Zener that Machtſpruͤche, diefer 
Machtthaten.“ J. P. ichter. 

Machtvoll, —er, — ſte, adj. u. adv, viele, geoße Macht befigend; 
wie aud , von großer Macht zeugtad. . 

— — kern war jenem ein weit madıtvollerer Retter. Boß. 
— — Bo ber Süd bie Bewäfler — machtvoll wälzt. Derf. 

& Die Machtvollfommenheit, o. 3. die Macht, Sillkaͤhr. Aus 
eigener Machtvollkommen heit etwas than. 

* Der Machtwille, —ns, 0.9. ein mit Macht verbundener Wille, 
ein Mille melden Macht, bie man befist, ausführt, Gtieler. 

O Die Machtwillkuͤhr, 0. DM. bie mit Matt verbundene Willführ, 
befonters fofern fle auf Andere einflieft umb fie druͤcend behzszicht . 
(Despotismus), „Die Refignation (Gntfagung) und Hingebung ım 
aller Oberen Machtwillkuͤht if (in den Befihtszügen diefes Brnähle 
bed) eremplarifd (mufterhaft) bargeftellt.- ungen. 

Das Machtwort, —es, 3. —t, und — wörter. 1) &o viel ale 
Machtſpruch 1). „Ehe ich als Water das Machtwort rede." Wels 
lert, Machtworte ſprechen. 2) Ein mit Wacht wirtenbes, b. d. 
ein ausdruds und nahbrudvelles Wort; in ber Mebrzatt Muchts 
wörter. „Der Deutlihleit wegen wurden die Mactmörter ums 
ſchrieben.“ Herder, 

© Tas Machtzeichen, —®, M. gl. ein Zeichen Äuferer Mocht ober 
Gewalt, befonders einer Staatsgemwalt (Insiguien der Naht). S. 
Dergleichen Machtzeichen waren bei den Römern bie Machtgtbünde 
der oberften Stoatögemalten, die Lanje, in neueren Zeiten bee Zep⸗ 
ter, Lie Keone, das Echwert ıc. 

X Das Machwerk, —es, 34. —e, ein gemadtes Wert, eine Arı 
beit, mit Rüdfiht auf die Art und MWeife, mie es gemocht ift, auch 
die Macherei, und im R. D. Macıfel, Mädyfel; ale im nerihts 
lichen Vertande. Das if fein Machwerk. Ein elende · Machwe k. 

+X Mad, ein nur in der Mebendart aus ber niedrigen Epredast R. 
D. Gegenden, Dad und Mad, vorfommendes Wort, womi man 
allerlei Schlechtes, befonders geringen Pobel aller Art unter einan« 
ber bezeichnet. Golden gemiſchten Pösel nennt man im R. D. auf 
Hanke und alle Mann. 

Die Madente, 9. —n, ein Name ber Meorente. ©. t. 

Der Mader, —s, 4. gl. im N. D. ein Geſellſchafter. In bee 
Schifffahrt überhaupt ein Gehulfe; befonders nennt man Schiffe eis 
ner Flotte, bie einander Beiſtand leiſten, Mader. 

Mädern, f. Medern. 

Das Mädchen, — 8, 2. pl. eigentlich das Berfleinumasiwort von 
Magd, daher es im Altern Schriften aud noch Maͤgdchen lautet, 
eine junge unverfrieathete Perfon meibiıhes Geſchlechta ven jedem 
Stande zu bezeichnen. Die Frau iſt mit einem Mädchen niederge⸗ 
kommen; in Begenfag eines Knaͤbchens. Es find mehe Mädchen 
als Knaben geboren. Cine Schule für junge Mädchen. Gin liches, 
artiges, fhönes Mädchen. . 

Holde Pryllis, bie Blttinnen 

(Zraue mir bie Wahrheit zu) 

Maren anfangs Ehäferinnen 

Dber Mädchen, fo wie dr. Bageborn, 

Dir fhmüdt das fromme Mädchen fi 

Bei feınem Morgenliede. Ramlier. 
So nennen auc Lubhaber ihre Geliebten ihee Mädchen, 

Da führte mich die Liebe 

Zu meinem Mädchen Hin. Bahariä, 
X Sin andres Städichen, rin andres Mädchen, ſorichwoͤrtlich vom 
einem leittlunigen Menfhen, der in jdem Städten oder Drte, 
wohin ex Eimmt, wieder ein andıris Mäbiien zu feiner Gelledtin 


Maͤdch 


man auch die andere belenders in Schleſien und Sachſen uͤniche Form 
Mädel, in der hitern Sqhreibatt aber die O. D. Form Maͤgdlein. 
eb Das Mädel wor jung, war lieblih und fein. Bürger 
Das braune Maͤdel, das er fahr. Böthe. 
Doc fagt man in ber anfänbigen Gprechart nicht wie in folgender 
tele, Mädel, wenn man zu einem Mädchen ſelbſt fpriht. „Bir 
find rin gefaͤbrliches Maͤdel.“ Gellert. Im folden Faͤllen, me 
Mädchen zu vertraulich fein würde, eder mo man mit mehr Ad. 
tuug ſprechen mitt, bedient man fid ber Wörter Jungfrau, Frauen 
immer, junges Frauenzimmer, von abeligen Prefonen birfer Art 
Fräulein, von gräftihen junge Gräfinn, von fürſtuichen Prinzefe 
finn. In engırer Bedeutung verficht man unter Maͤbchen, eine 
junge unverheirathite weiblihe Perfon, welche einer andern befons 
ders weiblichen Perſon aufıwartet, bienet. Er fah bus zierlich ge» 
kleidete Mädchen für bie Gebieterinn ſelbſt an. 
Schriftſteller machen ſich bei biefem Worte, wir bei ähntlchen if. Kind) 
bes Fehiers ſchuldig, ein ungeböriges beziehliches Fürwort nad dem⸗ 
felten ıu ſehen. — and mißfler dem püdfhen Mädchen nicht, 
die (das oder welches) ald Marta feinen — Gruß mit äuferlier 
Demuth und inrerlihem tolze ſehr alerlid aufnahm. Bbtbe, 
in Dienimätden, Stubenmaͤdchen, Hausmaͤdchen, Kinder: 
moaͤrchen :c. 

Die Maͤdchenanſtalt, 89. —en, f. Maͤdchenſchule. 

O Das Maͤdchenauge, —s, Ba. —n, das Auge eines Moaͤdchens. 
— melde nad ibm mit unſchuldigen Mäbchenaugen umperslidte,« 
3. 9. Ritter. Dann für Mädchen ſelbſt. 

Rein Auge fah fie ungeblendet an, 
Miewol ſie jegt nur Maͤdchenaugen ſah'n. Wieland. 

OX Der Maͤdchenbeaͤugler, —s, 4. gl. der die Mädchen beaͤu— 
get, ber gern nad fhönen Mädchen ſiehet. Boß. 

Die Maͤdchenblume, Ba. —n, ein Wort, meldes eigentlich eine 
Blune für Mäbhen, bei ben Mätdhem beliebt ıc. bedeuten würbe, 
welches aber In ber Raturbefhreibung eine Art Archenmuſcheln in 
Of; und Weftindien und an ber Küſte von Afrita im Matt⸗ilaͤndi⸗ 
ſchen Meere bezeichnet (Arca antiquata L); auch Nungfernkanım, 
Jungfernkammmuſchel. Ganı davon verſchieben ift dir Mägbeblüme, 

Die Maͤdchenbruſt, 99. —dräfte, die Bruſt, wie auch des Bufen 
eins Maͤdchens. 

Der Königepurpur weicht ber Möthe meiner Hirten, 
Der Heim ber Maͤdchenbruſt, der Zepter meinen Mirten. 
gobenfein. 

Die Mädchenerziebung, 0. 2%. bie Ersiehung ber Raͤbchen; auf 
bie Toͤchtererziehung, fofeen fie als Toͤchter ihrer Ätern ober der 
Er ziehenden betracht⸗ werben, in Segenſatz der Anabenerziehung. 

OX Der Maͤdchenfaͤnger, —s, 3%. gl. einer ber Mäbden fängt, 
d. h. fie berüdt und im feine Gewalt bringt, ober audı nur, ihr 
Herz fängt, ihre Bumeigung erwirbt. 

Dann ift der vielgemantte Länger 
Belrgentiih ein Mätchenfinger. Gbthe. 

O Der Midibenfor, — s, 0. 29. ein Flox von Mähhen, und 
swar von ſchoͤnen Maͤdchen, eine gemifgte Menge von ſchoͤnen jun⸗ 
gen Maͤdchen, die in ihrer Blüte fleben. 

Die fhöntte Maͤdchenſtor, ein wahres Zulpenbert. Wieland. 

O Das Maͤdchengeſchenk, —es, 4. —t. 1) Das Geſchenk eines 
Märtıns, ein Geſchenk, das von einem Mäbdhen koͤmmt. a) Ein 
Geſchenk, das einem Mäbchen gemacht wird. 

Bald mit fhmeihelnber Red’ und bald mit Maͤdchengeſchenken 
Wirbt er, Sof. 

O Das Maͤdchengeſchwaͤtz, —es, 34. —e, bat Seſchwaͤt ober ge: 
fdwisloe Speehen, Erashlen der Mädchen; wie auch ein Beihmäg, 
eine wortreihe Unterbritung der Mädchen, gemöbntih über unbebrus 
tenbe Dinge, daher es au oft unbebeutenbes leeres Geſchwaͤt bedeutet, 


182 


wählt. Im gemeinen Leben und in der leichten Schreibart gebtaucht 


Auch ſelbſt gute 


Maͤdch 


Und in fuͤßeſtem Maͤdchengeſchwaͤtz erzaͤhlet Ihm Herkla: 
Sonnenberg. - 

Die Mivchengeflalt, By. —eın. 1) Die GBiflalt eines Mäbchens 
als eides fühen, und befonders in Anfehung ber fonfigen Seſchaf⸗ 
fenpeit berfciben; ohne Mehrzahl, a) Ein Maͤbchtn felbt. „Da 
flog Mösıih bie mieniihe Mädchengeftatt mit Armiels Lodentopfe 
unb Schelmenaugen berbeit® at. Benpel-Bterman, 

O Maͤdchenhaft, —er, —eſte, adj. u. adr, ber Art, im welcher 
Mädchen empfinten, denlen und bandeln angemeffen; mie auch, «is 
nes Mädchens Geſtalt, Anfehen, Miene, Art und Weife zu empfine 
ben und zu handeln babend „Sie find mädchenhafter und liebend: 
würbigee fhüdteen,* Ungen. 


— — Bir nach Sitt' und Weiſe 
Sie fo maͤdchenhaft ſich haben kann. Bürger. 
Oft — Araͤubſt du dich maͤdchenhaft Boß. 
Sie fhten fie mehr mit maͤdchenhaftem Grauen 
j As mis Beratung anzuſchauen. Wielanb. 
Zuweilen auch im nadtbeiligen, tabeinben Werftande, fo wie wei⸗— 
biſch. „Werzäeteite, maͤrchenhafte Meihlinge.* Wieland, Da: 
von bie Maͤdchenhaftigkeit, o. My. die Elgenſchaft einer Perfon, 
da fir maͤdchenhaft if. Die ſchͤchterne, verfhämte Muͤdchenhaft ig⸗ 
Reit in ihrem ganzen MWefen tft entzückend. 

X Der Maͤdchenjaͤger, —s, 3. gl. ein Menſch, welcher ben Maͤt⸗ 
hen nachgehet, ihren Aublick ober ihre Reize 1m, zu genießen, 

Das Maͤdchenkraut, —es, 34. u. ein Rame des Heinen Binngräns 
ober Ammergründ (Vinen minor L.); auf Mägbepaime. Eine 
andere Pflanze it das Maͤgdekraut. 

Die Maͤdchenkunſt, 34. —kuͤnſte, eine Kunſt, ein känſtliches ger 
fuhtes Mittel der Maͤdchen, wodurch fie bie Aufmerkſamleit ber 
Männer zu ergegen, biefelben an fib zu ziehen und zufeſſeln ſuchen. 

Das eitle Flittermähten 
- BWergaß bei tir bed Fächerfpiels, 
Des Iofen Winks 
Und afler ihrer Maͤdchenkunſt. Wef. 

Der Mäpchenlebrer, —s, DM. gl; bie —inn, 2. —en, ein Leh⸗ 
zer, eine Lehrerinn, fofern fie nur allein oder doch vorzüglich junge 
Mädchen lehren oder unterrihten. 

Der Maͤdchenraub, —es, 3. u. der Raub, bie gewaltfame Fnts 
führung eines Mädchens ober mehrerer Mädihen; der Jungfern- 
taub (Crimen raptus), 

Der Mädchenräuber, —s, 9%. gl. ber einen Maͤdchenraub begehet, 
ein Märchen gewaltſam entführet. i 

O Die Maͤdchenſchaft, 0. 9. tie Eigenſchaft eines Mätdens ale 
einss folden; bie Jungftauſchaft. 

— und Maͤdchenſchaft Aad bier unnütze Waffen. KL Shmidt, 

Die Maͤdchenſchule, By. —n, ılne Schule, in welder bloß junge 
Mädchen unterrichtet werden; auch bie Maͤdchenanſtalt, befonders 
wenn von riner ſolchen Schule bei ben Herenhatern bie Rede IR. 

O Die Mäpchenfecle, By. —n, bie Seele eines Maͤdchent in Ans 
fehang dir ihnen old Mäbdhen beſonders eigenttämi:chen Gigenfhaf: 
ten, woburd fie fi$ von ber Berle bes Knaben ıc. unterſcheidet. 

She, bie ihr Madchenſtelen keant, entſcheildet. Bürbe. 

X Der Maͤdchenſommer, —, 39. gi. ber Nachſommer, um bie 
Beit der Herbſtnachtgleiche wie auch, bie Fiden oter das Gelpinnf, 
welches man bann auf ben Feldern ıc, findet, S. Marienfaden. 

Die Mädchentreue, 0. By. die Treue eines Mädchens, weichte liebt 
ober fein Jawort gegeben hat. 

Bon Lleb' und ſtiller Maͤbchentreue, 
Mer mag das Mitreden Hören? Gothe. 

Das Maͤdchenvolk, — es, 0. Di. die Maͤtchen uͤberhaupt ober viele 
Mädchen aunfammengenommen; in ber verfraulihen ober auch ver⸗ 
schtlihen Sperchart und in ter leichten Sheeidart, „Ih fühlt: im 
dieſem Kugendlide ale jene Erbitterung gegen das Maͤochenvolk, 


Maͤdch 183 


bier m. C. Wagner. 

Die Maͤdchenwange, 34. —n, die Wange eines Maͤdchens; wie 
auch, eine ihr Apmtihe Wange, eine weiße, zarte it. »— biefen 
liebettrunkenen hochherzigen Juͤngling mit feufden Maͤdchenwangen 
und ſtotzer Maͤnnerſtira.“ J. P. Richter. 

© Der Maͤdchenwunſch, —es, 34. —wuͤnſche, ber Wunfd eines 
Mäbhens, db. b. ein Wunſch, wie er ber Art der Maͤbchen zu ems 

pfinden und zu denken angemeffen if. „Du fiehſt da Mutterlaune 
und Maͤdchenwunſch im drelligſten Kontrafter (Ab ſtiche Benzel 
Sternau. 

O X Die Maͤdchenziererei, 9. u. bie ben Mäbden Häufig eigene 
Birrerei; bann, eine mäbhenhafte Biererei. 

Die Made, 3. —n, rine Benennung aller nacter Würmer ohne 
Füge, welche die Earven verfhiedener Zleſer ind, umb welche befon: 
ters im faulenden Fleiſche, im DObkte und im Höfe leben, wovon fie 
entweder Kleifch: oder Obit» ober Käfemaden heifen. In manden 
Gegenden werden auch die Megenwörmer Maden genannt. 

Die Madebeere, 34. —u, bie Himbeere , weil ſich in ihres Döhlung 
“oft eine Beine Made befindet, 
x Das Mädel, —s, 4. gl. 1) S. Maͤdchen und Magb. 3) 
- Das fhöne Mädel, ber Rame einer Art Bunderbiume (Mirabilis 

jalappa}, 

+ Der Mäpdelbaum, —ed, 34. —blume, ein Name ber Kiefer 
(Pinus sylvastris L.). 

Der Madenfreſſer, —s, 4. gl. ein Geſchoͤpf, das Maben frißt. 
Beſonders ein Weſtindiſcher Bogel, ber fih unter andern von Mas 
den, befonderd von Ticken näfret (Crotophaga L.); auch Ticken⸗ 
freſſer. 

Der Madenkies, —es, My. —e, ein röhrenförmiger Kies. Remnid. 


Dad Madenfraut, —es, Di. u. eine Art des Seifenkeautes, welde 


in Deutſchtand kin und wirder wild wächſt, mit ber ZBurzel, bie 
ber Quecke äbnlih nur bier und fehe fang iſt, ſtark wuchert, eifoͤr⸗ 
mig zugelpigte, ganze, glatte, untermärts aber mit drei merklichen 
Nerven verfehene Witten bat und fleifäfarbige , oft auch weise 
Blumen in Beftalt eines flachen Seraußes trägt (Baponarin offiei- 
nalis L.). Der Saft biefer Pllanze, milder bewegt und mit einer 
Mathe gefhlagen wie Srife (häumt, ſol wie Seife Waͤſche reinigen, 
und mwurke fonft auch als Arienelmittel häufig gebraucht; fie beißt 
auch Waſchkraut, Spazenwurzel und Speichelmurzel. 

&E Der Madenſack, —es, a. — ſaͤcke, eine veraͤchtiiche Benennung 
des menſchlichen Körpers und des Mexrſchen ſelbſt, ſeſern er nach 
feinem Tode eine Speiſe ber Maden ober Würmer wird. „Aber une 
fere Madenfäde serzaufen und fhaben wir ja daruͤber entſehlich ab.* 
3.9. Ridıer, 

Der Madenwurm, —es, 9%. —twürmer, ein an heiten Enden 
fpisiger meiher Wurm, welder zumeiien im After: und Grimm: 
barme bes Menfhen gefunden wicb (Ascaris vermicularis L.}: auch 
der Afterwurm, Maſtwurm, weil er Ad im Mafltarme aufsätt, 
und ber Soringwurm, weil er ſich wegſchnelit und gleichſam fpringt. 

+ Die Mädenzite, 34. —n, ein ſchoͤner Apfel von weinfänertihem 
Geſchnacke; der Bänfeapfet. 

Dir Mader, —s, By. u. im Bergbaue, eine gewiffe flaubige Erb» 
art, welche zumelien auch feucht ift und dann bem Betten gleicht. 
Der Maderamwein, (die zweite Tilbe gedehnt) —es, 4. u. ein auf 

ber Inſel Madera wachſender troffiiher Wein; aud bloß der Mabera. 

Der Maderaguder, —s, 9%. von mehrern Arten, gl. eine fehr 
feine Eorte gereinigtes Buders in Hüte, welche auf Madera brs 
weitet wird. 

+ Dos Mäbefüß, —es, 0. 9%. f. Geifhart =). 

Madig, —er, —ſte, adj. m. adv. Maden habend, von Maden ber 
wohnt. Mabiges Fleiſch, madiges Ob, mabiger Kaͤfe. 

Der Mädling, —es, 9. u. eine Borte weißer Trauben, welde 
dem Ripling am Güte nachſtehet. 


Maͤgd 


Die Magd, 9. Maͤgde; Fin. das Maͤgdlein ober Mädchen (Migb« 
hen) and Mädel, ehemahls überhaupt eine junge, unverbeiras 
there, weiduche Perfon; vormasls auh Mage. „Weil fie noch 
eine Mogd if in ihres Waters Baufe.r 4 Mof. 50, ı7. In en 
Hexer Bedeutung a) eine unbefledte Jungfrau. „Es Heißt im Druts 
ſchen Magd ein felh MWeibabild, das mod) jung iſt und mit Ebre 
den Stranz trägt und tm Baar gebt. Ein jung Weibsblib, bie (das) 
nidt nur ihre (feine) Zungfraufhaft noch hat, ſondern auch Tugend 
und einen fruchtbaren Leib," Luther. Bo wird Marie, bie Muts 
ter Iefu, in alten Kirdenlichern die reine Magbd ıc. genannt. So 
hieß ehemahls bie undeſcholtene umverkeirathete Tochter eines Rit⸗ 
ters, eines Fuͤrſten ic. eine edfe Magd. 

Kaum ift ber Helb hineingegangen, 

So eilt bie ſchͤne Magd den Hitter zu empfangen, Wieland, 

Gortölchn! Gottslchn! bu treue Magd, Bürger, 
a) Eine gewöhnlich unverheirathete, oft au verheirathete weiblicht 
Perfon, welche für Koft und Lohn hie niebrigen gemöhntih beſchwer⸗ 
lichen häuslichen Dienfle verrihtet; bie Dienfimagd. Sich als 
Magd vermicten. Als Magb bienen. Die Hauemagd, Küchen 
magd, Kindermagd, Virhmagd, Bauermagd ıc. Efemabls wurbe 
aud eine leibeigene weibliche Perfon und eine Otlavinn eine Magd 
genammt, von welder Bedeutung noch ber Gebrauch in unterſchrif⸗ 
ten zeugt, ba nämlich weibliche Perfonen, fie mögen unverheirathet 
fein ober nicht, im Übergrofer Dewmuth an ſehr vornehme Perfonen 
fi unterthänigfte Magd unterſchreiben. Da bie bienenden weid⸗ 
lien Perfonen, befonbers auf dem Bande, oft plump unb ungefittet 
finb, fo wird eine grobe, ungebilbete und ungefittete weibliche Pers 
fon in einigen Gegenden uneigentlih und verähtiih mit einex Magb 
verglihen ober cine Magb genannt, 5) In der Naturbeſchreibung, 
(1) braune Mägde, ein Rame ber Feurrrödhen (Adonis autum- 
nalis L.); 2) f alte Mägbe, ein Name tes FJlachtgraſes ober der 
Floctenbiuſe (Eriophoron polystachion L.). — In den gemeinen 
Goreharten lautet biefes Wort Mad und im R. D. Maid. ©, 
Mädchen und Maͤgdlein. 

Magdalene, —ns, —n, ein Welbertaufname, ber gemößnlih in 
Lene, Lenchen, im D. D. Lehnetl abarfürjt wird, 

Der Magdalenenapfel, —s, . —äpfıl, eine Gorte Äpfel; auf 
Margaretbenapfel. Nemnid. 

Die Magdalenenbirn, Bi. —ın, eine Sorte Birnen ; bie Karmes 
fiterbien. Remnid. 

Die Magdalenenpfirfche, eine Gattung Pfirihen, deren man zweier 
lei Arten bat; bie weiße If greß, hat weiße Schale und weißes 
Fleiſch; bie rothe ift auch groß, hat eine rothe Schale und im Flei⸗ 
The rothe Abern. 

Die Magdalenenwurzel, Rz. —n, der gemelae Balbrian, Waſſen⸗ 
baldtlau, beſonders deſſen Wurzel (Valeriana officinnlis L.). 

Der Magddienſt, — s, My. —e, ber Dienft einer Masb, die nie⸗ 
drlgen beſchwerlichen Dienfte in einem Haufe ober in einer Lands 
wirthich aft, welche eine Magd verrihtet; bann Überhaupt niebzige 
beſchwerliche Dienfir. „Wie konnte auf fonft tie Frau — bie pies 
len Berrichtungen für ben Dann Übernejmen, bie man ohnt Bes 
benfen Magbdbienfte nennen barf.e E. Wagner. 

+ Der Migdebaum, — s, 9. —biume, ein Rome bes Sat 
Baumes , well er von gewiffenlofen unverhelratheten Meibsperfonen, 
bie fih haben ſchwaͤngeru laffen, häufig zur Ahteribung ber Lelbes⸗ 
feucht gemißbraucht wird; daher er aud Kindermorb heißt (Juni- 
perus Sahina L.). 

Das Mägdebein, —es, Di. —ı, f. Häffe. 

+ Die Mindeblume, 9%. —n, ein Name ber tamile; auch Migder 
Braut, worunter man befonbers die aemeine Met, bie Feldkamille 
(Matricaria chamazzilla L.), unb birienige Art Komilen verchet, 
bie am gewoͤhnlichſtea Mutterfraut genannt wirb (Matricaris par- 
thenium L). Etwas anderes If die Naͤdchenblume. 


Maͤgd 


degut, ed, Di. —güter, nah Ab. eine Krt lehnbatet 
—— can⸗ Heusifhen Heesfhaften, beionders im Amte 
Sera, melde die Eigenfhaft haben, daß, weun eine Perſon aus 
benfeihen heirathet, fie wieber in Lehn genommen werben müffen ; 
dem Behenhreren aber anprim fallen, wenn eine Manns ober Beide: 
perfon wider das ſechſte Bebet fänbiget. 
+ Die Mägdehülle, M. u. f. Machtbeit. 
Das Mägdelraut, — s WM. u. fo viel als 
(deren davon iſt bad Mädchenkraut. 
Der Maͤgdekrieg, —es, 94. —e, würde eigentlid einen Krieg ber 
Mägte ober mit Mägten bebeuten, Man belegt aber mit biefem 
gamen in ber Raturbefihreibung ben Bärbeginfter (Genista tinsto- 


ria L.). ’ 
+ Die Maͤgdepalme, 94. —n, ſ. Maͤdchenkraut. 
tohiafich. adi. u. adv, eines Magd Ähnlich, gleich einer Magb. 
O,nig Ma, gi Sie (die Ctabtmaus) 
Holt flets mehe Speiſe, befhaffet mägdiglih . Klopftod. 
Das Mägdliin, —s, W- gi. To viel ais Mäbhen, eine junge, uns 
verheirathete, weibliche Perſen jebes Standes. 
und firhe, das Bogelchen lag auf ben Siern 
Brütend, und biidte fie an und rohe * * dem Maͤgd⸗ 
ein. Boß. 


Mägbeblume. Ber 


Das Maͤgdlein figt 
An Ufers Grün, Schiller. 
* Magblic, adj. u. adv. einer Magb, einem jungen Madchen, ei: 
ner Iunzfrau glei), ald ein junges Migdiein, jungfräutig. 
Ab! fo himmtifch duͤnke fie flets Alen, 
Aber meiner kiebe zu gefallen 
Hold und magdlic meinem Blid allein. Bürger. 
Magdlich ſcheu, ſcheu, Thähtern wie eine Jungfrau. „Cie warf 
dem Bater einen Freudenblick zu, amd floh magdlich ſcheu im ihr 
mad.“ Wach ter. 
Die — —— —n, eigentlich bie Liebe einer Magb, eines 
Mäbhend; ohne ae In manden Segenden aber ein Name 
bie Mafliche, Gaͤnſeblume. 
Der Degpiohn, ir, u. der Lehu, welchen eine Magd für 
we Dienſte erbaͤlt. 
* Das —— —es, 4. u. der ledige Jungftaͤuliche Stanb 
einer jungen weiblichen Perſon, bie Jungfrauſchaft. „Ein Weibs⸗ 
bild, das in ihres Vaters Hauſe und ih Magdthum if.” 4 Mof. 50, 4. 
— bar bir bein Magett hum abgewan. d. Ridelungen. 8.8.5568. 
1. X Der Mage, —n, 9. —n, ober ber Magen, — 8, Di. 
gl. ein Wermandter, befonders ein Blutöverwandter. Daher bie 
Magſchaft, die Verwandtſchaft; bie Magsahl, bie Grade ber Ber 
wanbtfhaft. S. Schwertmage, Spillmage, In engeser Bebeur 
tung bezeichnete Mage ehemapıs fomol einen Sohn, wie auf einen 
Säwiegerfohn, und Frauenmage, den Schwager, 
2. + Der Mage, Magen, —s, 0. 9. der Mohn. , 
Der Magen, —t, 2. al. ober aud im gemeinen Eeben Mägen, 
in den thierifhen Körpern, ein Eingemweibe in Geftalt eines hänti- 
gen Sackes, welcher im. ber Bauchhoͤhle liegt, bie gemoffenen Habs 
zungämittel in ſich aufnimmt unb verbanet, db. d. in Rahrungsfaft 
verwandelt, das Übrige Unbraußbare aber in bie Dirme abſeht, 
durch weihe e8 aus dem Körper gefhafft wisd (Ventriculus, Sto- 
inschus). @inen guten, gefunden, ſchwachen, kranken, verborbenen 
Magen baten, Gr hat einen guten Magen, er verbauet leicht 
und fann ſawer verdautihe und viele @prifen vertragen; aud un. 
eigenttih, er kann viel Unangenchmes, befonbers Beleidigungen, 
Bıfkimpfungen, Burüdfegungen te. leicht ertragen, obne baf e⸗ ihn 
dantt und ohne daß er ſich daräber beſchwert. Einen ausgepichten 
Magen baten, der Aues unter einander ohse ſich übel dabei zu ber 
findın, wehl vertragen kann. Gin leerer, gefälter Magen. Sid 
den Magen überlaben, zu viel eſſen. Oinen geofen Magen haben, 


184 


| "Magen 


viel effen Lbnnen. Der äußere Thell des menſchlichen Kepers im 
ber Gegend bes Magens wirb auch der Magen genannt, Bei ben 
wieberläuenden Thieren finder fi ein vierfaher Magen, Aus tem 
erfien biefer Magen, dem Wauſte oder Panfen (rumen), bei Eis 
nigen auch Pfalter oder Salter, koͤmmt tas ſchnell gefsiffene und 
verſchludte Butter wieder in die Höhe, und nachdem es fein gefiuet 
worden iſt, geht es durch benfelben im den zweiten, das Garn, bie 
Haube oder Müge, R. D. Hülle und der Magenzipfel (reticulus) 
genannt, über, wird bier fein zermalmt und gebet als ein dünner 
Brei in den dritten Magen den Faltenmagen, Blättermagen, 
Pfalter ober Salter, ober aud das Bud) (omasus) und wird im 
vierten, dem Fettmagen, bem Lab, Rohde ober Moden ober bem 
Magen in engerer Bedeutung (abomasus) in Rahrungsfaft vers 
mwanbelt. - 

Die Magenader, 3. —n, in ber Zergliedk., verfhlebene darch und 
um den Magen laufende Äfte ber Pfortaber (Venas gastricae), 

Die Magenarzenei, By. —en, eine Arzenei für den Magen, jur 
Staͤrkung beffeiben und zur Beförderung ber Verbauung. 

Dir Magenbalfam, —es, 3A. —r, ein Balfam, welder in ber 
Magengegend eingerichen wirb ben Magen zu flärken- und bie Ber 
—— deſſelben zu befoͤrdern, dergleichen das Öl der Muskat 
näffe iſt. 

Der Magenbrei, —es, My. u. bei Cinigen ber Milchſaft, Nahrungs: 
faft. Remnid. 

Das Magenbrennen, —s, o. My: ein Brennen, b. $. ein nagen⸗ 
bes mit Hige verbundener Schmerz; im Magen unb beffen Schlunde 
(Ardor stomachi), ” 

Der Magenbruh, —es, My. —brüde, ein Bruch ober Worfall 
bes Magens buch bie Bauchmuskeln. 

Die Magenbürfte, 8. —n, ein Werkzeug, welches aus einer feis 
nen weihen Bürfte an einem biegfamen Drapte beftehet, deſſen fi 
die Krzte einſt bedienen wollten, ben Magen von Schleim gu zeis 
nigen, indem fie bamit durch ben Echlund in ben Magen fuhren. 

Das Magendrüäden, —, 0. 9. ein Schmerz am linfen Magen: 
munbe, bee einem unangenehmen Drüden gleiht und welcher eine 
Esampfhafte Bufammenziehung bes Magenmundes ill; im gemeinen 
Erben auch bie Herzensangft, wenn zugleich bas benahbarte Her; 
buch ben Krampf angegriffen wird. 

Die Magendrüfe, 94. —n, bri Einigen bie Gekrdadrüſe. 

Die Magenentzundung, 2. —ın, eine Entzündung ders Magens 
ober im Magen. . 

Das Diagenfieber, —E, 4. gl. ein mit Kopfiseh verbundenes Fie 
ber, welches feinen Grund in ben im Magen verborbenen Zprifen 
und Getränken ober ben darin angehäuften &chleime hat, 

Die Magenflähe, 94. —n, ber hintere unb vorbese breite ober 
flache Theil des Magens.) 

Das Magengefleht, —es, 94. —e, in der Zergliedk., ein Rer- 
vengeficht welches fh am Pleinen Magenzande bildet (Plexus ga- 
strieus). 

Die Magengefhmulft, 23%. —geſchwuͤlſte, eine befonbere ober wi; 
besnatürlihe Kusbehnung des Magens, die von daſeldſt verfegten 
Winden herrätset (Expansio stomachi), 

Der Magengrund, —es, Bi. u. in der Zergliebk., berienige Thell 
bed Magens, welcher neben ber linken Bünbung beffelben etwas 
links liegt (Fundus veutrieuli). 

Die Magenhaut, 34. —bäute; Bw. das Magenbäuthen, in 
bee Bergliebß,, biejenigen vier Häute, melde ben Magen bilden, 
bie Zellhaut, bie innere Haut, bie Sleiſchhaut und bie Außer 
Magenbaut, 

Der Magenhuſten, —s, 4. u. ein Buflen, welcher aus einem 
Reize im Magen ober im obern Magenmunde entfichet (Tussis sw 
machalis). 


Der Magenllee, —®, o. Di. ber Fiebderklet. S. d. 


* 





Magen 


„83 


Mager 





Das: Mayenlrampfyr—t 0:2 · — Eraͤmpfo elc·ſchmeribaſter 
—— mehr den Magen aufommenzichet, | An an Magenträmpfen 


U 

— Magentranfheit, Di. en. eine Krankheft des Magens, bes 
fonbersstsjenige, melde in ſchwacher Berbauungstraft beſtehet. 

Die Magentranziolagader, Bi. —n, in deu Bergliedt,, ein 3veig 

U. breı Giggemweibefhl gaben; walcher zur Haken Magenmündung, am 
‚Arekmen. MR agemeante gehts hin Läuft und beides Magenfiähen ver 

forgt, (Arteria, coronaris;| ventrieuli), 

xD Miagenfräger, $, 4. gi. eine Benennung eines ſchlechten 
Weinen; gewöhnliner Kröger, aub Kopfreißer. 

Die Magenlatwerge, I —n, ein zug Stärkang bes Magens bir: 

gendes Krzeneimittel, mwelhes aus einem Theile eines Pulvers und 
byei Theilen Sirep zufammengefegt ift. 

Das. Magenmilgband, —es, 9. — baͤnder, in ber Bergliehk,, der · 

j jenige Theii der Baudıbaut, wo fie in. bie Äußere Magınpaut Über; 

sgebet, zwifgen .bem, Wagengrunde und bee Mil; — ga- 
strolinsale). -- 

Das Magenmittel, et, ig. gl. ein Mittel-zur Wiederfeeftellung 
und Stärkung -eines verborbenen ober geſchwächten Magens (5to- 
machale) 

Der Migenmund, —es, Sa. u. ſewol biejenige Öffnung, durd 

» welche bie Speiſen und Geträufe in den Magen gelangen, bee obere 
oder Linke Magenmund, (ostium assophageum); als auch biefenis 
‚Be unterwärts ‚befindiihe Öffnung, buch melde das Unbraudhbare 
von ben Rehrunggmitteln aus dem Magen fortgefbafft wirb, ber 

„untere ober tete Magenmund (ostium duodenale); auch ber 
-Magenfhlund , das Mundloch und die Mündung des Magens. 

Die Magennebſchlagader, 94 —n, in der Sergiupt., cin Ameig 
ber Beberfhlagader, Die rechte Magennebſchlagader geht am 
green Magenzanbe nad ber linken Erite (Arteria gastroepiploi- 

oa dextra), 

Das Magenpflafter, —s, 9. gl. ein Pflaſter, welches bei Iran 
Bern oder verborbenem Magen in ber Gegend bes Magens aufgelegt 
wird. Unelgencich und in Scherz mennt man aud eine geoße But 


terichnitte , welche gleihfam ein Pflafler für ben Hungerigen Magen _ 


if, sin, Magenpflafter. 
Die Magenpille, Bu: —n, Pillen für den Magen. Im Osmabräd: 
r' Shen werben bie großen zunden Hausbrote, wenn fie noch nidt ange: 
- Snitten find, in Scherz Magenpillen genannt. 
Dad Magenpulver, —6, 2. gl. ein Pulver für ben Magen, wel« 
„eh den darin befindligen Schleim wegfhafft ober aud bie erfhlaff- 
ten und gefhwähten Fibern bes Magens zufammenziehet. 
Der Magenrand, —esd, 34. —ränder, in der Zerglicdk., ber Rand, 
der ‚gebogene + Äufßerfte Theil bes Magtue. Man unterfheidet ben 
2i Heinen , welcher eingebogen, und den, großen, Magenrand, welder 
ausgebopen odet erpöhit iſt (Arcus minor et,major ventrienli). 
Der Magenreiz, —es, My —e, eim Neig im Magen, befonbers 
berienige Reis im Magen, welden man empfindet, wenn er ber 
s, Rahrung bedarf. „Rinder verbauen ſchaell, baber ihr oft ermeuers 
ter Magenreiz, ‚während bes Zaged.“. C. Rubolppi. 
Der Magenfaft, —e6, Dig. —fäfte, bei dem Kezten „ @äfte, weiche 
Ach im, Mlagez abfondern ;. befonbers biejenige Feuchtigkeit; welche bie 
ushnmege, Flähe des Magens befeuhtet (Liquor gastziens). 
Die Magenfalbe, 4. —n, eine Salbe, ımehte-man- üben dem Mas 
gen einzeibt, zur Staͤrlung beffelben; . 
Die Magenfaugader, My. —n,. in ber Berglicht. ,-bie Gaugabern 
„de Magens, mahhe zum Thell nach den beiden Magenzändern ger 
44 theile Ah mit ben-Milzfangabern verbiuden. 
Die Die Pagenfiun, m; eine Säure, melde fih in ten Magen 


Ben Mogenfäärte, o! = * Biden one harſer ef, welcher 
ie tm Magens exreugtt. 3 
ECampe's Wörterh. PB ö 


Der Magenfhlund „it „Apr 0. Magenmlinb.” = anı7 = 

Des Magenſchmerz end. Ay en, Ehmerjenicher.fohe unanı 
genehme Gmpfladungen im ober am Magen, melde von. Kirämpfen, " 
en Wlihangen, Erläktung ıc.. entfiben ;. das Mar. 

genwe 

Magenfärtend, adj, u. adv. ben Magen ſtaͤrkend, bie Berbauunger 
kraft deſſeldea erhoͤhead⸗ Magenſtaͤrkende Mitte, Tropfen. 

Die Magenflärkung, Sy. —en: ı) Die Stärkung des Magens d. 9. 
ber Berbauungekeaft deſſelben; ohne Mehrzahl. a) Etwas das ben 
Magen oder bie enge R* 0 Magentropfeny Dis 
genwein.: 

Dee: Magenflein, —ı6, My —t,. * —— adever, welder fh 
im Magen mander Thiere erjeuget, bergtsichein der Ziegemfkein ıc. if. 

Die Magentropfen, &. m. Trepfen, d. & eine ıfläffige Aczenei, 
melde meiBilverherflellung uud Staͤrkung eines Baanfen ober.gts 
ſchwaͤchten Dlagens dient. 

Das Magenwaſſer, —s6; 24 gl. ein mit mograftstenden Wien 
abgrogener Brantisein (Magenaquarit). 

Dad Magenweh, —es, 4. u fü Magenfdmer. 

Der Dagenwein, —6, My. —e, ein feuriger Eshftiger Mein, 4 
auch, ein mit magenftaͤrkenden Mitieln verſetzter Wein, ben Magen 
buch den Genuß beffelben zu ſtaͤrken. 

Dir Magenwurm, —es, 8%. —würmer, ein in bem Magen eines 
Thieres leheader Wurm; befenders bie zothen Würmer, welche fi 
zuwellen im Magen ber Pferbe Anden; bei Einigen Engerlinge. 

Die Magenwurft, By: — wuͤrſte, ein Schweinamagen mit Burftr 
fünfel gefänt und dadurch zu einer dicken unförnlien mu 9 
made; imıgemeinen Leben der Sauſack. 

Die Magenmurz oder Magenmwurzel, Ay. —n, ein Name pr der 
Bieberwurzel, als eines guten Mittels in Magenkrantpeiten (Arum 
maculstum L.). 2) Des Kalmus (Acorus calamus L.), 

+ Der Magenzipfel, —s, 9. gl. ein Name bes zweiten Magen 
bes Rinbriches. ©. Magen. 

Mager, —er, — ſte, adj. u. adv. wenig Fleiſch habend. Mager fein, 
mager werben. Magere Hänte, ein magetes Gefiht haben. Mar 
geres Bieh. Bon Menfhen gebraudt man bafür im bee eblerm 
Schreibart hayer, in Gegeuſatz des fleifhigen; befonberd, weni 
fettes Fleifh und Kberhaupt wenig ober gar kein Fett habınd, ‚Ein 
magerer Menſch. Mageres Fleiſch. Uneigentiih, wenige das 
DWachethum, bas Gebeihen ıc. befärbernbe Theile enthaltend, unb 
barin gegrünbet; im Gegenfah bea fetten. Gin mageres Conb, ein 
mageret Boden. @ine magere Weide, bie mit wenigen nahrhaften 
Kräutern, ober mit folden, bie wenig Rahrung geben, bewachſen 
if. Die Saat flehetimager, b. h. bünn,:fhleht, weil ber. Boten 
mager iſt. Eine magere Mapigeit, bie weder niet Robrhaften‘ ents 
Hit, noch An Überfluffe da AR. Magere-Steine meinen die Pkaurer 
foihe, die zu fehe behauen find, ihren Pag nicht gehlrig ausfüllen 
und zu große Fugen laffen. Bei ben Zimmerlerten heißt eim zu 
böünner Zapfen, eim zu bünnes Band mager, wenn er das Zapfen 
loch ober wenn. es ben. Einſchnitt nit genau ansfälet, Im ben Kup ⸗ 
ferhätten find _ magere Schlacken bie von armen firengen Kupfer: 

erzen. Im weiterer umelgesitliher Bebeutung gebraucht man es au 
von untörperligen Dingen end nennt ermwerblofe, ſchlechte, theure 
Beiten magereBeiten;: eine Predigt, ein’ Webiht‘, worin wenig bbrr 

uichte Seher ober Geiſtreiches enthalten iſt, eine magere Prebigk, 
ein magered Gedicht. Davon bie Magerkeit, der Zuſtand da etmcs 

mager iſtz eigenttich und umeigentlih, in manden Gegenden und 
bei Stieler auf bie Magerheit. 

Der Mager, 8, My. u 1) Beiden Gärtnern, eine Krankheit ber 
Bäume, vorzüglich ber Äpfelbäume ; ‚an welder fie leiten, wenn fie 
in au fettem Boben zu viele Nahrung-helommen, fs daß ber über: 

 üffige Gaftıan einem Orte flodt, am welchem ſich Würmer erzen: 
genz daher bei Anbern biefe Krankpeit- auch ber Wurm heißt. =) Bit 


24 


Mage 


186 


Mahl 


mahter MR der Mager eine Yet Feiner Mäube, die Fichte, Shwin: 1. Dad Mahl, —ıb, 2. —e, und bie Mähler, dos Biit chida 


Be. 5) Der Rome eines Geefifhes, auch Magerfiſch (Seinena eir- 
rosa L,). 
Der Magerſiſch, —eb, 94. —t, f. der Mager 5). j 
Der Magerfled, —#, ig. —t, im ber Landwirthſchaft, folde Stel⸗ 
ken die beim Miftberiten umb Pflägen keinen Miſt bekommen haben, 
"wo alfo madhhre bas Getreide mager, d. h. bünn umb ſchlecht Kehet. 
Der Magermann, —8, 2. u. in der Schifffahrt, die Wulien des 
Bormardfegeis. 
Magern, r. ntr, mit haben, mager werben. Stieler hat dies Wort 
.umzictig als tra, für mager maden angefett. D. Magen. 
Miägern, v. tes. mager maden. Fulda. D. Mägern. D. —ung. 
Der Magnet, f. Polſtein. 
Der Magfamen, f. Mohn. 
x Die Made, 24. m, in ber Santwistpfhaft 1) das Mäfen, die 
Handlung da man mähet; ohne Mehrzahl. =) Das abgemäpete in 
‚einer Meihe liegende Gens, bei dem Setreide ein Schwaben; auch 
ein Jahn. S. d. Mas Gras zu Mahden ſchlagen, obes au bloß 
Mabben ſchlagen, es mähmb im Reihen hinſtreden. Die Mahden 
srfteeuin, fie aus einander zeifen, 5) So viel ale im einem Tage 
abgemäprt wird. &. Mannemahd. 4) + Cine Wirfe, bern Gras 
‚ abgemähet zu werben deſtimmt ift, zine Gägemiefe. In biefer Bes 
deutung lautet «4 in manden Gegenden auch Maͤhder. S. Maͤhd⸗ 


land. 

Der Mahder oder Mähver, ſ. Maͤher. 

+ Die Mähveret, =. —ın, in manden Gegenden, bie Seſellſchaft 
dee Mäpter ober Mäper in einem Dosfe, ale Mäher in einem 
Dorfe zufommengenommen, d. h. bie Taglhner, welche das aus: 
ſq ließliche echt haben, den Bauern bes Dorfes das Bros und Bes 
Leribe gegen dem gehörigen Sohn abmähen zw bürfen, wogegen fie 
dem Seren bes Dorfes gegen einen geringern Bohn mähen müffen. 

x Mähdig, adj. u. adv. eigentlich mähig, was gemäpet werben fann; 
in ben Aufammenfegungen einmähbig, zweimaͤhdig, breimähbig, 
% 8. eine felde Wirfe. In andern Gegenden werben bafür mit 
Bauig ober [härig zufammengefegte Wörter gebildet, einhauig, 
einſchuͤrig ic. 

+ Das Mäpdland, 4, Di — länder, in Ofifeiestand, Grass 
Iondb, Heuland, auf weldem bas Gras zu Heu gemadt wird; auch 
nur bie Maͤhde. 

Mäben, v. trs. ehemahls überhaupt ſchneiben, jet aber nur noch in 
eagerer Bebentung für, mit ber Senfe abihneiden, vom Graſe, vom 
Getzeibe, Erbſen ıc. gewoͤhnlich; zum Unterfhiebe vom ſchneiden, 

welches mit ber Sichel gefhiehet. Im R. D. maien, meien. Gras 
mähen. Heu mäben, b. h. das zu Deu beflimmte Beas. Die 
Wiefe maͤhen, bas auf besfeiben befiadliche Gras) Korn, Berfte, 

Erdſen, Wien ic. maͤhen. Uneigentli und bildlich ſagt man and) 
der od, als ein Wefen mit ber @enfe borgeftellt, maͤhe bie Men⸗ 

- Shen ober das kehen, wenn biefed aufpdrt ober jene ſterben. 

Uns maͤht der Tod, wie wie ben Bald. 6, 
In folgender Gtele iſt es auch bichterifh für einbauen gebraucht, 
Aber ben Mühnen ereilt, und wo leicht dem Lobe die Baba iſt, 


Maͤht in die Meide des Baus ihm bie Bwiliingshauer das Um - 


thler. Wof. 
D. Maͤhen. D. —ung, befonbers in den Bufammenfegungen, 
Der Mäber, —t, MM. al. einer der mäher, beſonders ber Brad, 
Getreibe oder andere Feibfrädte maͤhet, mit ber Genfe abhauet; 


zum unterſchlebe vom Gchnitter, der es mit ber Sichel abſchntidet. 


In der gemeinen Eprehart lautet es Mähber. 

Das Maͤhfeld, — es, Di. et: 1) Im MD, der mit Gras der 
wachſene Grand eines Deiches, welches abgemährt wird ober werben 
Tann. =) Auf dem Sqhwarzwalde, Felder, welche vorher Holzung 
waren und durch Verbrennung des darauf befindlichen Golzes, wel⸗ 
ches man vorher mäpet oder unipaust, urbar gemacht reden, S. Maͤhen. 


Dinges, dann bas ſichtbare unb dauernde Arien ber Erinnerung an 
eine Sache, befonders an eine Beit, in welder etwas ift oder geſchieht, 


ober geſchehen iſt. Im der erfien Webeutung, für Bilb eines Din⸗ 


ges iſt es veraltet, außer daß es noch hier und da in einem Bpiele 
bee Kinder vorfinımt wenn fie mit Städen Belb ıc, Mahl ober 
Unmahl fpielen, wo Mahl dirfenige Seite des Gelbes bedeutet, auf 
welche das Wild bes Landesheren ober ein anderen Wild geprägt ff, 
Unmahl, aber bie ientgegengefehte, mit feinem Wilde verfehene Seite. 
In dem Worte mahlen, mit Farben ıc. abbilden, darſtellen lebt es 
noch in biefer Bedeutung. Ful da füpet es in noch weiterer Weben: 
tung an, für Sprache, welche bie hörbaren Jelchen der Bebanten 
enthäit, Gewöhnlich ift es aber nur noch für ſichtbares Beiden, befons 
ders zur Srinnerung an eine Sacht, Wegebenpeit x. So wich im 
Borftwefen, im Mählendaue ıc. bas in einen Baum gehauene,, ge: 
ſchlagene ober gebrannte Beihen ein Mahl gemannt; fo beißen bie 
Grenzzeichen, und die Grenzen ſelbſt Mähler, wie auch andere Bel- 
Sen, 3. B. birienigen weile in ben Fläffen gemadt werben um bie 
gefährliden Stellen in bdenfelben anzuzeigen, bie in einem Pfahle 
beftehen, ber wenn er mit einem Strohwiſche verfehen ik Stroh: 
mabl, und ohne Strohwiſch Bloßmahl heißt; fo Heißt ferner in 
manden Spielen das Zeichen des Detes wo man flehen darf, oben 
von welchem man andläuft, wie auch biefer Det ſelbſt unb das Biel 
ſelbſt, bas Mahl, daher es auch für Biel überhaupt vorfimmt, 

In Summa allem ift fein Mahl und Biel beffimmt. Dpip 
Diefe Bedeutung eines Zeichens, befonbers eines nachgehliebenen Bei 
chens von einer Wirkung bat es auch in ben Bufammenfegungen 
Kußmahl, Merkmahl, Muttermahl, Naͤgelmahl, Wundenmahl ıc. 
Befonbers aber iſt Mahl ein bausrhaftes ſichtdares Erinnerungszeir 
Gen an eine Sache, Begebenheit ober Perſon für die Fänftige Beit, 


- amnb zu biefem Zwecke gewoͤhnlich von einem bauerhaften Stoffe ges 


macht, von Erde, Stein, Erz ıc.; ein Denkmahl. ‚Jakob nahm 
ben Stein, ben er zu feinen Häupten gelegt hatte, umd richtete ia 
auf zu einem Mahl.* ı Mof. 28, 18. 22. 

Fr Edleren, ad) es bewaͤchſt * 

Eure Mahle ſchon eenftee Moss! Klopfiod, 

Die Mahle der Wergdttreung verwittern. Ziebar 
In engerer Belgitung und in der ebiern Schreibart wird Mahl für 
Bieden oder fehlerhafte Stelle von anderer Farbe gebraudt, «in 
Biutmahl, Brandmahl, Eifenmaht, Obftmaht, Weinmabt, ein 
Fieden von Blut ic. Im O. D. auch jeber Fleckenz Mail. Die Wähler 
aus bee Wälde ıc. beingem, wegſchaffen. So beißen auch fehlerhafte 
Stellin ober Flecken im Gefiäte 10. Mähler , -unb gewiffe blaue 
Fleden an bem Pferbefufe, welde von geronnenem Blute entfichen, 
biaue Mähter, andere Ahnlichte Flecken aber, welde von Austzod« 
mung bes Hufes herrühren, bürre Mähler. In tem Schiffbaue if 
Mahl (die Mal) ein vom bännen Brettern gemadhtes Mebel, nah 
dem Belauf ober dee Wucht eines Otüdes Bauholz, welches bient 
die Hölzer danach vorzugeihnen um fie bem gemäß zu bearbeiten. 
Uneigentlih gebraucht man Mahl, die Brit der Wiederholung einer 
Sache, mie oft eine Sache ift ober gefchichersoter dielmehr biefe 
Viederholung ſelbſt zu beztichnen, in welhen! Falle man Bahlmörter 
ober andere ähnlihe Wörter damit verbimber und zu Einem orte 
sufammengiehet, außer menn fomol Mahl als das bamit verbundene 
Bahl: oder andere: Bort förmlich umgerntet wird, wo fir als ver 
ſchledene Wörter abgefondert werden. Einmahl, zweimahl, breis 
mabl, keinmahl, allemahl ıc., fo auch in ben davon durch Andi 
gung be6 6 gebildeten Umfondindeteen damahls, rinftmahls, je» 
wahls, mehrmahls, nachmahls, niemahis, nochmahls, vie 
mahls, vormahls, und den durch Anhängung dir Silbe ig aebilht« 
ten Bellegungemdrtern, eiumahlig, zweimahlig »., damahtig, 
mehrmahlig, vielmahlig ꝛc. Rum noch dieles cine Mahl. Keim 
einziges Mahl Hat er gefehit. Das erſte Mahl, das zweite Mahl, 

Sea 6 er „ıad 


- 


Mahl 


bap Vehte Mahl. Zum beitten Mahle. Ich bin mehrere Mahl dort 
arwefen. Er hat es ſchon einige Mahl fo gemacht. Gegen bie Regel 
wird bem dritten: Falle ber Mopızapi bie ſonſt gewöhnliche Silbe 1m 
suwrilen angehängt, aber nur im gemeinen Leben. Ih danke zu vielen 
Mahlen. Sqhleppend und verwerflih if die D. D. Form den mit 
Mahl gebitveten Umfanswörtern Ratt bes gemähnlihen 8 ein en 
anzupängen, und Infatt damahls, jemahls, niemahls ıc. bamabs 
ken, jemablen, niemahlen ic. zu fagen. Schlecht fagt man im ge: 
meinen Leben mahl für einmapl. Gehen Sie mahl. Etwag beffer 
sit man ein n bavor hören: fehen Cie 'nmahl. — Beraltete uns 
eigentliche Bedeutungen des Wortes Mahl, welde fih von ber eis 
gentlidien Beveutung beffeiben, ein Beihen, Wilb, ableiten laſſen, 
Bad ‚bie bei Ab. als eigene Wörter aufgeführten. ı) Fir Sprache. 





=) Bür Berfammiang, befonders offentliche Berfommiung umb ges | 


richtilche Berfommiung. S. Haͤgemahl, Mahlplatz, Mahlſtatt. 
5) Für Steuer, GSeſchoß, Abgabe. 

m. Das Mahl, —es, 2. —e, und bie Mähler, eigentlich ein feier, 
‚fies Sffen bei einer feierlichen Gelegenheit mo man etwa das Km» 
benfen einer Sache feiert; «in mit dem Worte Mahl, Beiden der 

* Grinnerung snfammenhangendes Wort. „Und Abraham machte ein 
geh Mahl am Zage, da Ilaak entwöhnet warb." ı Mal. 21, 8. 
So auf im ben Wörtern Abendmahl, Ehrenmabl, Freudenmahl, 
Fruͤhmahl, Trauetmahl ıc. In der hoͤhern Schreidatt aud für 
Jedes Een, den gemöpnlihen Genuß der Speiſe, wofür man im 
gemeinen Leben gewöhntih Mahlzeit fagt. Zeſus ſprach zu feinen 
Jängern: kommt und haltet das Mahl.“ Joh. nı, ı=, 

Jezeo halten wir Mahl — — Bo. 

3. x Das, Mahl, —es, 9. —e, im veraltetes Wert, meldes 
ehemapis jede Berbindung, Vereinigung, Überrinfunft bedeutete, unb 
mod in den Wörtern Gemahl, Mahlſchatz aad Vermaͤhlen lebt. 

Die Mahlaxt, ig. —drte, im Forfimefen, eine Heine Art ober ein 
Bell, beffen @ifen auf ber ber Schneide entgegemgefsgten Geite ein 
eingegeabenes Zeichen hat, womit der Foͤrſter bei Anweifung ber 
Bäume im Walde, weiche gefällt werben folen, biefelben mahlet ober 
zeiänet; auch die Mahibarte, in Osnadrit Mahlere. Das Mahls 
eifen, und wenn es bie. Gefalt eines Hammers hat, ber Mahls 

-- Hammer, Forfibammer, Walbhammer. 

Die Mahlbarte, 3. —n, f. Mablart. 

Der Mabibaum, —es, By: —bäume, ein @aum ats Map oder 
Bridım einer gemiffen Sache; wie auch, ein mit einem Maple ober 
Be den verfehener Banm. Co werben bie Marl: ober Grenjbäume 
Häofig Mahibäume aenannt; fonft auch Lohbäume. In den Wafı 
fermäplen if der Mahlbaum ber Jach⸗ ober Wehrbaum, weil er 
das bleibende Beiden und Biel. ber beftimmien MWafferhöpe if. 


$ Die Mablbeere, 9. —n, die Himbeere; viekeiht derterbt auß 


Mabebeere. 

Das Mahlblatt, —ı6, By. —biätter, bei ben Kartenmachern, 
Blitter von dee Größe ber Karten, in welden Alles, was auf bem 
Kartenbiätteen mit einer gewiffen Jarbe ausgemahlt werben fol, fo 
ansgeiänitien ift, daß nur diejenigen Stellen welche biefe befkimmite 


dDarbe bekommen follen, fichtbar bleiben wenn man diefe Blätter auf 


bie Rartemblätter legt. Durch bie Öffnungen berfelben giebt man 
biefen Stellen auf einmapı biejelbe beftimmte Farbe, 

Der Mahlboden (Malboden), —s, 0. böden, im Säiffbaue, 
ber Boden ober Baal wo bie Mahle (Ballen) gezelchnet und zufams 
mengefeht werden. S. 1. Mahl. 

Der Mablbrief, —s, m —r, in ben Seerechten, ein Berteag 
mit einem Sähiffbaumelfter in einer gewiſſen Beit ein Schiff bas eine 
oewilfe Anahl Laflın Hält zu baum, ohne daß wie bei einem Biel 
Briefe bie huge und Dide, welde ein jedes Etäd haben fell, ange 
weint wirb, 

Das Mableifen, —, 9. gt. f. Mahlart. . 


“187 


Mahl 


machen, abbilden, die Seſtalt aines Dinges durch ſichtbare Büge-bam 
Rellen. Buqhſtaben mahlen, ſchreiben, beſonders zierlich ſchreiben. 
Etwas an die Band mahlen, mit einem abfaͤrbenden Körper oder 
Barbenkdrper. Im engerer Bedeutung, mit Barden abbilten, bare 
Rrien, mit gehörigex Wertheitung bes Eihtes und Schatiems. Gin 
Bild, eine Blume, eine Laudſchaft, ein Thier mahlen. Auf Papier, 
Leinwand, Holz, Kalk, Bias mahlen. Mit troduen, mit nalfen, 
mit Gaftfarben, Erbfarden, Öifarben ıc. mahlen. In Waſſer, im 
DI, in Wade mablen, mit Wafferfarbe, Bifarbe ıc. Die mehr 
len, bie Barden did aufteagen (impastiren), @in gemahltes Bims 


. mer, daſſen Wände bemahlt find; wofuͤr man im gemeinen Lehen 


mandesR.D. Gegend Häufig, aber unrihtig, ein vermahltes Zimmer 
hört, fo wie es ebenfalls unzihtig if zu fagen, ein Bi tk fhöm 
gemahlen. ine gemahlte Dede, tie Dede eines Zimmers ıc. anf 
welche man etwas gemahlt hat. Im weiterer Bebrutung and nur, 
mit einer Farbe beſtreichen, anftreihen, eime farbige Oberflähe gm 
ben. „Und laͤſſet ihm bie Henfter — mit Zedern tefeln unb roth 
mahlen.“ Jer. a2, 14. Sich die Wangen, das Gefiht mahlen, 
Fe mit einer rothen ober andern Farbe überziehen, befizeihen. Rue 
bie Unſchulb und GSchampaftigkeit mahlet ihre heiten Wangen roth, 
macht fie erwöthen, Gin gemahltes Geſicht. Im gemeinen Erben 
fagt man aud von Sachen, die lebhafte Farben haben und ſchön 
ausfehen, fie feten toie gemahlt. Rothe Wangen, ein ſchoͤnes Be 
fit, wie gemahlt. uneigentlich fagt man, einem etwas vor Augen 
mablen, es ihm fo lebhaft vorſtellen, beſchreiben als ob ex es wirk⸗ 
lich fähe; im welder Webeutung es mit ber vezalteten bie, Fulba 
anfüpet, nämlid für eben zufommenpängt. .— dadurch, baf id 
euh meitläufig meine Thaͤtulchkeltan — mein wätiges Bauflläms 
pfen fehe auseinander mahlte." 3. P. Aich ter. 

Hab ihres (bee Sinbildungsteaft) Pinfels Zauberei 

Schuf mie bad Alte wieder nen 

Und mahlt in meines Herbſtes Tagen 

Mir meinen blätenreihen Mai, Ebert. 
X &r wid Ales gemahlt haben, fo ſchoͤn, fo ohne allen Zabel ohme 
ale Mängel, als allenfalls eine nad ben Schdahelteregeln gemahlte 
ade fein tanz. Wenn ihen bies Alles miht auſtehet, fe mag er 
ſich's mohlen. Im folgender Stelle if es für mahleriſch ober mit 
ſchoͤnen Barden fhmäden gebraucht. 

Gräber von Zrauerzipreffen umpangen 

Mahlet bald filler Vergigmeinnicht Blau. _ Gatis. 
=) Bon Mahl b. h. ein ſichtbares Beien ber Erinnerung, mit einem 
Beichen verfehen, zeihnen, im welcher Bedeutung es in bem zufams 
mengefegten drandmahlen no ganz gewoͤhnlich if. So aud im 
@äiffbaue, we mahlen bebeutet vorgeiänen, wie ein Etüd zugehauem 
umb bearbeitet werden fol, wo man aber gemöhalih mallen anb 
aud bemallen jagt. S. ı. Mahl. In manden Gegenden mahlet 
man ben Zehenten in der Ernte, ober mahlet ipn aus, db. b. zeidhe 
net ihn aus, bezeichnet bie Garben ober Mandeln, welche als Ze⸗ 
bente gegeben werben follrn; baher bie zu biefer Wahlung verpflich⸗ 
tete Perſon ber Zehentmahler genannt wied. Epemapis gebrauchte 
man mahlen (mailen) und bemahlen auch für fleden, befledem. 
U) Arec. Sich mahlen, ſich natärlic, oder ſich auf eine täufdende 
Art barfielen, Die ſich der Sonne Scheinbild in be Dunftlceis 
Bdiller 

Inben, zum erſten Wahl, vom Morgen angeftrahlet 
Das Weltmere grenzenlos ſich in ihe Auge mablet, Wiefanbz 

in welcher Stelle zugleich auf eine [hdne Art an das Abſplegeln bee 
Gegenftänbe im Auge hingebeutet wird. Dann, ſich auf eine mahlı 
riſche ſcabae Art barftellen. 

Doch fo, wie fie (die Welt) fi) mahlt in deinem Herjen 

So if fie nicht. — — Sqhitter. 
D. Mahlen. D. — ung. 


ahlt — — 


2. Mahlen, v. Iy tzs. 27 Bon Mahl d. h. Athasıs Wird, ein Bild 2, Mahlen, v. trs. unegelm, indem das Mittelw. d. werg. Seit ge · 


Mahlen 


⸗ cy in einigen Gegenden aber auch bie gegenwärtige Brit ich 
mable, bu mäbfeft, dr maͤhlet, d. unl. verg. 3. ich muhl Tautet, 
vwefür man, wenn nicht gemößmlicher, dech wol beſſer ich mahlte fügt; 
eigenttih u. als atr. ſich Hin und her, beſonders im Keeiſe bemes 
gen,‘ in weldier Bedeutung man no im R, D. fügt, das mahlet 
mir im Kopfe herum, bas gehet mir im Kopfe herum. S. Mahl: 
firom. Im engerer und gewöhnlicher Sedeutung bar Hin» und 
Derbemwegen zwiſchen harten fharfen Kbrpern zerreiben. Kaffee 
mablen, die gebrannten Kaffeebopnen durch ein Mäder» ober Wal⸗ 
enwerk zu Pulver jermalmen. Danf mahlen, die Ganfkoͤrner zwi⸗ 
» fin zwei gegen einander gedrehten Waljen’ zerquetſchen und durch⸗ 
quetſchen. Beſonders, zwiſchen zwei gefdärften Eteinen, dertm obes 
- ger fih über dem umtern berumbechet, gereeiben, jermaimen, 
welches in eigenen dazu gebaneten und eingerichteten Gebäuden, ben 
mähten, gefhichet. Zwei harte Steine mahlen felten gut. Ges 
treide mahlen, Getreide anf foldhe Art germalmen, Mehl mahlen, 
Mehl aus folchem zermalmten Betreibe gewinnen, Der Müller 
maählet heute nihe: Auch fagt man von ben Perfonen, welche Bes 
‘ treibe vom Müller mahlen laffen, daß ſie ea mahlen. Mir Baben 
'Yente gemahlen, wir habın mahlen laſſen. X Wer zuerft 
Fümmt, mablet zuerft, beffen Getreide wird zuerft gemahlen, ober 
bis Sprihwort, wer juerft Gelegenheit und Mittel zur Erteihung 


feines Zweckes findet, der bemägst fie zuerſt, oder, bee hat das erfte 


und mähfte Recht darauf. Der Sand mahlet eder bie Rͤder mabs 
len, fagt man, wenn bie Mäder im tiefem trocknem Sande gehen, fo 
daß er über vom Felgen zufanimenläuft und dieſe ihn beim Umdrehen 
des Babes zum heil mit ih nehmen unb bann fallen’ laffen, wo 

‘ man theils an das Bewegen Überhaupt und an’ bad Umbrehen ber ! 
Mäpiräder und Müfıfteine infonderheit, theils an bag Schütteln und ° 
Stieben der Mehles gebacht zu baden ſcheint. Unrigentlih heißt 
mahlen aud, vermittelt eines Mühlwerkes etwas bewirken. So— 
mahlet mın Baffer und Schlamm, aus Bräben und Zeihen, wenn 
man fie vermittelft eines Mäflwerkes aus denſelben ſchafft. D. 

WMahlen. D. —Mung. 
** Maͤhlen, v. trs. vermähfen mit bem britteh dalle einem mäps® 
” ifen, mit einem vermählen; von 3..Maht. S. d. 
Ram mag fle morgen maͤhelen einem anderen Mann, 
d. Nibelungen 4, B. 7777. 
D. Maͤhlen. D. — ung. 

„Be Mahler, —, 4. al.; de —inn, Di. —en, Überhaupt du: 
Derfon melde mablet, zeichnet, bezeichnet} befonbers eide Prrfon, 
welde die Kunft mit Harden abzubilden ober Begenflände barzufiel- 
mabier, Landſchaftmahler, Geſchichtmahler, Kortenmakter ic. 

Bon ciner Perſon, 
fordern Muͤller atmößnlib. 

© Dad Mahlerauge, —s, 4 —n, das Nüge, der Mid rines 
VMahzure, melden er ols "Rönfier auf eine Cade wirft. — er 
varf ein Mahlerauge auf bad reigende Wallen — ihres aufgeürm: 
“ten Bufenflers.“ 3. 9, Riäter. 

‚Die Mahlerei, 9. —ın. 
eber allerlei Begenfiänte mit ibren notärtihen Farben abjubitden, 
die Mablerkunſt; ohne Mehrzahl. Die Mahlerei erlernen) verſte— 
den. WB fonters mit Ruhr anf die Art ımd Weiſe. Gine ſchoöne, 
fälstte Mablerei. Arabiſche Mahlerei, Mapterei nah Art der 
Araber, oder in Frabiſchtm Beftmade (Arabesque). 2) X Gin 
'  Gemihite. Gin Zimmer mit Mahlereten behängen: 
"Die Matlerforbe, Sy. --n, Farben oder Farbentirper, tere ſich 
die Mahler bedienen; zum Unterſchlade von ben Karben, deren ſich 
die Faͤrber, Drucker ıc. bebisnen. Grüne Madterfarbe nennt man 
das Bramfärriger Gr Die grüne Scheeliſche Mahterfarbe, 
oder Schetliſches Sur, ift eine von @crele erfandıme Forde, 
wilde eine Miſchemg aus Arfenit und’ Loblenjauseın Rurfırlark-ifi 


% 


it 


BET. : EN 


* ten verfichet. Daher der Blumenmabter,Derfonenmahler, Thiers ’ 
melde mahlet ober zermalinet iſt aicht Mähler ® 


1) Das Matten, bie Runft zu malen, J 


Wähler 


Der Mabterfieniß, te; wg ⸗e/ en, ale we 
stbrauden, 

Das Mahlergold, =; 6. 9 yertiebene‘ —— 8 ſich 
die Mahler zum Mapien bebiemenz add Mahlgold. Unchtes Ma his 
gold, ein Bemifh aus Zinn und Schwefel, deſſen man ſich ſtatt bes 
echten Bolbes zum Mahlen und Schreiben bedient (Musivgold). 

Mahleriſch, —er, —efte, adj. m. adv. zur Kunft des Mahlers ge 
börehd, im feiner Kunft gegründet; auch, einem @emählde Ahmiich, 
der RKunft eines Mahlers würdig. Eine mahlerifdie Segend, eine 
ſchoͤne Gegend bie fo ſchoͤn iſt, als fie tie geſchiate Hand einie Bat: 
lers aur mahlen könnte, oder fa fhön, daß fie gemahlt zu werben 
derdiente. Ein mahlerifcher Aublic. Eine mahletiſche Stellung, 
Sage, eine ſchoͤne gefälige, wie fie in Gemähfben noöͤthig iſt. Üneis 
gentlidh, fo Tebhaft und angenehm beſchreibend, barftellend , dap’man 
den beſchriebenen Gegenfland gleihfam als ein Gemählde vor ſich zu 
baden glaubt. Gin mablerifches Gedicht. Cine mahlerifche Sur 
in einem Gedichte, Konftüde. 

X Der Mahlerjunge, —n, h. —n, der’ —8 tinen Malers; 
edler, Mahterburfce. ’ 

+ Das Mäbhlerfraut, —es, @4. vn. ein Rame 1) bes Gntterfices, 
weil man mit dem baraus gewonnenen Salze Wähler ober Flecen 
aus ber MWäfhe ꝛc. bringen kann. 2) Des gemeinen Mutterkrautes 
(Matricaria parthenium L.). 

Die Mahlerfunft, 0.9%.die Kun des Mahlers, ober bie Rumfl gu mablen, 
die Maplerei. Glubins gebraucht dafür das kärzere bie Mahlkunſt. 

Dad Mahlermetall, — s, 9. u. bei den Mahlern, Bergöldern ıc. 
selklagenen Meffing, deſſen man fi wie des Mahlergeldes bedient, 

Die Mablermufdel, My. —n, ein Name berfentgen Mufdhelh , bes 
zen Schalen man fh bedient Karben darin anzumaden nd ehe 
bewahren, befonder# der braunen, wie aud ber buntel: ober helgr 
hen Alagmufhel (Mya pictorum L.). 

Die Mablernabt, Da. u. bei den Näferinnen, diejenige Neht RR‘ 
Aet zu nähen; da fr allerlei Müfter, Blamen ıc. uf eine: Wahterie 
ſche Art nähen. 

Der Mahlerpinfel, —s, 94; gl. rin Pinfel „- mie ihn tie Mahler 
zum Wahlen Höffig haben uhb gebrauchen,‘ und "melde mithe’ oder 
weniger fein unb von weichen Baaren ı find; ‘ . Unterfähkbr, zn 
einem Leimpi Maurerpinfel x. ' 

Die Master: ibe, m dat Borsembeitt Paletne), sin 
derling. 

Die Mahlerſchule, 2. —n. 1) Eine Säule für Mahler, d. $. 
eine Anftait, in welcher Unterricht im Maflen und in Allem mas 
zur Kunſt des Mahlera gehört, ertheilt wird (Mapferacademie), 
2) Die Eule eines Miblers, die Geſammtechaft aller Schuler eines 

° berühmten Mahlera, wie aud die Reite der Mahler eints —— in de⸗ 
ren Gemaͤhlden Gin Geiſt herrſcht oder aine gleiche Eigenthame zit . 
in, an Stacaus der Rieterfändifgen Mihlerfihnte. & Sqh 

Das Mäahlerfilber, —8,' 0) 9. erriebene Sihrebläftien, deren ſich 

hie Mahler sim Mahlen bebimenz! auch Mahffirker: Uiredhtes 

Mahıfliber, ein Gemiſch eus Zinn und Wipmeth und ‚Qnedfilter, 

beffen man fi ſtatt des echten gum Mefitn u Bänden‘ Bebient 

283— 1, . — * 
er Mablerfto — rin ee mit einem Meinen 
oiſter über: chen Kagel am oberen Ende, Auf Au 
hen bie Mahler dot der Staffelei die Gib)“ bie dem’ vinſel fütrt, 
fügt, bamit fie fe und fiher feir 

Das Mahlertuh, —eb, 9. — tuͤcher, bie ‚jum Wahlen rugeriqtet· 
beluwand. 

© Der Mahlerverein, —ed, Mm. —e ein Berein von Mahlern, 
ober eine Befciicheft von Mahleen, welhe ihre Beinäpaiigen für bie 
Bervolllommnung und Veredelung ihrer Kun mit efnandre I 
nigen (Mahlerncademie). 6, 


OD Mahlerwachs, —ıt, DM. * Sacht von Hd icenen derba 


* 





Mahlg 00 Mahlz 


dwie es zur er nah gebraucht wird —E—— 3546).6. "Die Mahlmühle, A. — n, eine Mäpte auf welcher Setreide gemoh⸗ 
Dir Mahlgang, —es, Bi. ginge, in ben Mäpten, ein Gang zum - em oben Getzeibe zu Mehl gemacht wird; zum-Untexfhiebe von siner 
- Mabienz —— vom caupengange, Olgange  @. Gang. Schneidemähle, — —— Olmuͤhlt, Lahm ible Mapier⸗ 

Der Nahigaft, 16,29. — gaͤſte, tine Benennung derjenigen Pekfoden, muͤhle Putvermühte ac. 
vweolche ige Getreide in einek:Müple mahlen laſſen, in Bezug auf den Der Mahlmuͤller, —6, 24. gl. hs Mäler in einee watch; 
Mäler, Ein Mäler Hat viele Mahlgaͤſte, wenn viele Perſonen bei + zum Unterfhiehe vom Dimülsr, Scäneibemäller, Stampfmäüler, 

ibm mahlen laffen. Bwangpflihtige Mahlgaͤſte finb ſolche, weide in Papiermäller sıc. 

einer gemiffen Mühle mäffen mahlen laffen, Im R, D, fagt man «Der Mahlpfahl, —es, ig. —pfähle, ein Pfahl, ſoferun er ein, ‚Bis 
’ ar Mare Mahigenoffen, und im Baiern Mahlteute, S. Gaſt. ': den, :befonders ein Grenzzeichen in. Bei den Waffermühlen füget 

Das: Mabigeld, rs, 9. —er), dasjenige Geld, weldediman-tem i- dieſen Rammen tin langer eidener Pfahl, weicher bie Höhe des Wafı 
Möler fie das Mahlen des Geterides bezapten muß; ber Mahtgro- fers umb bas Maß bes Mahls ober Faßbaumes anzeigt; aud) ber 
ſchen, Muͤlletlohn, in manden Gegenten das Molter. -') Eilqhpfahl, Wagpfahl, Sichtrpfahl. S. 1. Mahl. 

Das Mahlgerinne, — gt. bei den Waffermühlen, baenige " Der Mahipil z, —es Ei. —, der Sirkenpilz; Maͤhlpilz, Wehlpitz. 
Gerinne, wildes das Waſſer auf das Rad eines Mahlganges Teitet; F-Der Mahlplatz, —es, 34. —pläge. ı) S. Mahlſtatt. =) Große 
zum Unterfälede von dem wuͤſten Gerinne, weder⸗ das Übrrfläffige gewoͤhnalich braue Flecken auf der Haut. ©. 1. Mahl. 

MWaffer abgeführet wird. X Der Mablfand, —es, e . 9. feiner teodıner Sand, in when 

Das Mahlgeräfte, 8, Mal: “ia den Rapimöflen; dasſcuig⸗ bt: ndie Mäder mahlen· ©: 3. Mahlen.· 
seene Becüfte, welches das Wéhiſtelagetriede * und 7 deſſen ‚Die Mahlfäufe, ng —n, eine Gäule,: foferm fa ein Beiden, befüns 

wi Dee der Bodenfte in unbeweglich Het.  ° J Moe ein Beemgkehen iſt eine Grenzſaͤale. ©. 1.Mahl. 

Bo Mah!goid; f: Maktergeid. Der Mahlfdrat, es) m: fhäße, ein BeldenE, entweber an ° 

er Mahlgraben, 8, Dh. —raͤben, ein Sraten ſofern #8 ein "iu Geld odes Rofkbarkeiten uunpı melden ſich zwei Menlobte- am. Tage ihr 
But, db, h. ein Brenzjeihen, eine Grenze #, Vein: Gremggääten; 2° ze Werkabing geben; -.beri Brautfchag. S. 3. Mahl. Zuwellen 
die Mahlgrube, Heim «6 eine Grube if. ©. 1. Mahl. _ füge auch das Heirathegut, welches die Beau dem Manne bei ber 

Der Mablgrofcen , —, 9. dl TEE Vieh als Mahlgeid. 2) 2 Hetesrh zudringt, dieſen Ramen,s- - 

> In menden Gegenden, eine Abgabe an- bie Dbrigkeit, welche im Fir Das Matifhloß, — "My older bie Benennung eines 


“fe Grofſchen don jedem Scheffei, den man maß ft, sn. Bein orlegifäloffenn ' ee \ 
Die ER, en; f. Maähfgeademin "ch Bien Oas Mahlfilber; f. Maßserfilber. 
Der M 8,94. — haͤmmet f.' Mahlart. - 1 a Die Mabiftatt, 4. pin, erw die Mabifiätte, =. —, 


Der Mahlhaufen g. ein Eibhaufen, ſoften er chi wat in mandın Gegenden die Statt, d. d der Ort, wo ſich ein Mahl, 
ober Beidhen für etwas ‚' befondeed ſofern wech nn ib, ein BP ein Gericht verfammelt, wie aud ber Ort, me, bie prinlichen 
Eten daufen ''@. 7. Mad. urtheile volljögen werben, bie Rihtflätte, ber Grrihtöplan; der 
Bas Mahlholz, —es, 4. —hoͤlzer, su ben Bee, basienige: Mahlplatz. Ehemapis beeichnete es jeden Pla, wo man fid öffent: 
Hola, womit fie * das Brot ein a * * —* machen.“ lich und feierlich verfammelte; dielleicht weil ex durch gewiſſe Mahie 


‘© 1. Mahl. “HER 04 spegeldimet war." Bumellen wurbeies auch, durch Beriwehglung, für 

‚Das Mahihetn, —es za —— it bearizäpterm; ein Ben  MWahlplag gebraucht. Ja mod weiteren Bebeutung hat ein acuerer 

> oder ein Geflg mit einkr Röpee ; He’ Müfige Beste‘, Mods le ihre Schriftſteller Mahlſtatt für einen Plat, wo etwas gefhieht und 

Wasteh ammahlen, darin aufpubermahren, Spuren oder Beiden vom dem GSeſchehenen zurüdgebliehen find und 

Der Mahlhügel, —, 24. di. ein 'Büger, fetern ee ein’ mah, dh zur uneigentlich gebraucht; 
ein Zeichen ; beſenders ein Gerazzeichen If, ©. T. Mahl. Bom Gefiht, der Mahlſtatt deiner Köfe Bürger. 


Mäblig, adj. u. adv. mit oter in einer fanften langfemin Beweguag, Der Mahlſtein, —es, 34. —e. ı) Ein Gtein, als Beiden ber Err 
nah und nad, „Mein Here ziehe vor feinem Knecht hin, ih wid - innerumg am eine Sache, als Dentmahl. „Bur„felbigen Zeit wird 
mhöhtia dianach erelben.· ı Mof. 35,4. Auch aumähfig. S. d. des Herrn Kltoe mitten im Haiptenlande fein, und ein Mahlſtein 
und Gemad. Maͤhlig erhöht.“ Baägefen.- des Deren an den Grenjen.” Ef. 179, 19. " Wir auch, ein mit Zei ⸗ 

“ Nahlis ffeigt das ur u. was ans —R Befen." Je und Bildern verfehener Stein. „He ſollt keiae Saule auftichten 
— m 


4 


°F. noch Mahiftein fegen im eurem Laube. SMof. 26, 1; nach Midas 
in maͤhlig ds en fein seit bier - — ie überfetung, Beine Gteine mit Bilderfhrift. a) Ein Eteln, foren 
Von bem Gewirre des Lebens empor. — Sonnen ers. gr ein Mrengjeichen Ift, ein Grenzfein. 5). Fbr Stein um Mahlen 

+ Die Mahling, f. Mahlſtrom. . in dee Mühle ift e# ungemögntih; bafür fagt mon Muͤhlſtein. 
Das Mahlkraut, —es, 4. u. ein Rame ı)'dre Schlüffeiblume; 2) Der Mahlftrom, —es, 2. — ſtröme, von mahlen, im Kreiſe ſich 
bes Beitbartes ober Wirfenwebeld (Spirsen ulmaria L.), bewegen, ein Etrubel in der See, wo fi das Waſſer in einem Areife 
Die Mahlleute, ſ. Mahlgaſt und Mahlmann. und in teichteeförmiger Bertiefung drehet, und Alles mas er faßt mit 


‚De Mablmann, —s, By. —Iente. '1) + So virfots Weahlgaſt. derum und in dle Titfe drehet, dergleichen bufonbers der unter biefem 
&% ) f Bon Mapt, das Gericht, ein Beriätsunterthan. In’ * Mamen bekannte Strudel an der. Rormwegifhen. Küfe ift. Bon ben 
ben gen Heolsgerihten wurden auch gemiffe Perfonen, welche "@erfahreen, befonters den Beönlanhfahrren wird in Dit, me fig 

* Air das MWeffe’ber Mark ya forget hatten und die in-ter Dolzmiliet das is im Mueife drebet, eine Mohling genannt. 

'Begarigenen Fret ei dein-ipohhgraftn‘ anzıizeigen verbunden waren, + Der Mahlzahn, —es, 34. —jübne, eine Benenmumg ten Baden 
Mahlfeute genannt. S. 1. Mahl am Ende 2‘. oder Stotzähne, zwifgensmelden bie Spelſen gemahlen, bs h. jer⸗ 

"Die Mabltmihe, ni) Diefmigt Wetze Getreide oder Recht, melmt werben. S. 2. Mahlen. 
weide dee Möller vom jedem Scheffel bes gemahlnen Betreiben x. + Das Mahlzeichen, —s, 29. gl. ein überfültes Wort, weihrs ı) 
anflatt bes Mablgeldes befämmt. 2) + Eine Abgabe an den Sans- ein beflimmtes Pörperlices Zeichen‘, etwas daran zu enlcnnen, bee 
beibereen, melde im einer Metze vom jedem Scheffel Getreide, wels- " Beutel. „@s ik ein Mahljeichen bei dem Stuhl bes Herren, daß 
Hein ’tie Yntöktbon wahlen Täpt, oder Aife uiiten Seibe ai⸗ eine -R - Über Herr freiten wieb.r a Mof. 17, 26: mBiche mebet euch bier 
ſolche Mete werth’i heftigen! wi ir als Paniez, als Mahizeichen an biejem Baume,* Header. Selſon ⸗ 


Mahlz 


ders wirb 28 von einem nachgebllebenen Beiden am Körper don tinem 
Falle ıc, gebeaucht, wofuͤt man fonft Naxbe, Bleden ıc. fagt: 2) Im 
MR. D, das Biel und bie Scheibe, wonad gezieltt wird. 

Die Mahlzeit, 3. —en, ein zu gewiſſen beftimmten Beiten wieder ⸗ 
holtes Effın, des Beniefen zubereiteter Rahrungsmittel zu befkfimm- 


ten Betten; die Mittagsmahlzeit, bie Abenbmahlzeit. Des Tages .. 


zwei Mahlzeiten halten. Eine gute Mahlzeit einnefmen, Ginem 

eine Mabijeit geben, ihm zu einer der gewöhnlichen Zeiten zu effem 

geben. Sohl bitomme die Mahlzeit! Einem eine gefegnete Mahls 

eit wünfhen. Im der Höhen Sqreibart gebrauht man bafür 
abe. S. 3. Mahl. 

Der Mahlzettel, —s, N. gl. ein Bettel, welchen bie Mapigäfte von 
dem vereidigten Mählenfhreiber belommen, und auf melden bqs 
Gewicht bes zu mahlenden Getreides angegeben if, um ben Unters 
fäleif beim Mahlen beffelben möglichſt zu verhindern. 

+ Der Mahn, —es, Miu. ber Moin; auch Mage, Magen. _ 

Die Mähndblume, By. —n, dei Planer, ber Rame eines Pflan 


zengefhledhtes im Nordamerila. Die Pflanze treibt einen Maubruür: - 


tigen Stamm, völlig ganze, wechfelsweife igende, anzenfärmige Blät- 
ter und weiße Blumen, bie aus fünf fpigigen in bee Mitte längs 
mit Haaren befehten Blättern befichen, unb fünf Gtaubfäben um 
ben Fruchtteim, deſſen Griffel ih im zwei brüfemartige Staubwege 
theilet, haben (Cyrilla L.). 
Der Mahnbrief, —es, 9. —, ein Brief, in weldem man mapmet, 
befonders, in weldem man jemand mahnet, feine Schulden zu bezaplen. 
Die Mähne, 9. —n, die ſaAmmtlichen langen ‚Haare, melde einige 
Thiere befonbers Pferde und Löwen an bem ebera Theile bes Halles 
haben und melde zu beiben Geiten des Hatſes binabhangen; bei bem 
Pferden im gemeinen Leben au bas Kammhaar. 
Mahnen, v. Ip tes. ein Wort, welches eigentlich ziehe bedeutete, 
Und mante in vil verre. Jwain ı2, 357. 
Dann, ziehen machen, antseiben, in welcher Bebeutung es gemöhns 
lich mähnen Iautete. Man gebrauchte es befonbers und gebrandt es 
noch für durch unkörperlie Mittel und Beweggründe antreiben, zu 
- etwas anhaltın ober beivegen. , 
And mante,'als ſy kunde, ⸗ 
Wit geperden, und mit munbe, 
Daz man ſy lebiget entzeit (bei Beiten). Jwain 7, 460. 
Und mahne ünfre Mutter, baf fie firads 
Berſammle die Matronen um fih her. Bürger. 
Befonbers, zur Erfüllung einer Verpflichtung, eines Werfprechens, 
vorzäglih aber zue Bezahlung einer Schuld anhaltın, auffobern, 
Einen wegen einer Schuld mahnen. Man muß ihn beſtaͤndig mab- 
nen. Dann in weiterer Bebentung für erinnern, ſowel mit dem 
Werhältnigworte an, als auch mit bem zweiten Halle ber Bade, 
»&ie mahnen an Trennung.” Rofegarten. „Die ihn weder an 
die Uaſchuld mod) am bie Grazie mahnen fonnten, bie ex fonfl ges 
gebannt hatte.“ Huber. 
Dep feld ihr von dem Könige mit sehten Treuen gemahnt, 
b. Ribelungen &. B. 2244. 
Daß fie ben glängenden Sohn des hochdeherzten Dbyffeus 
Mahnte des Waterlands. Bof. 
Bumeilen aud) für erregen, anregen, „Amar hatte ſchon mandıs 
ihren Stolz leife gemahnt.* Huber. — Epemahls gebrauchte man 
08 au für ermahnen, Borfielungen maden unb aufmuntern 
e bief mid eu, Here, 
Des manen va verse. Imajn 9, 476. 
Wie aud für vorlaben, vor Weriht zu erfäeinen. II) X imp, Ec 
mahnet mid; (mie), es erinnert mid, «6 Eimmt mie fo wor, fheint 
mir. &s mahnet mid (mir) ala wenn id ihn ſchon gefehen Hätte, 
Su diefer Bebeutung ift es mit der Vorflibe ge, gemahnen im ger 
meinen Beben noch gebräudlih. ©. Gemabnen. — D. Mahnen, 
D. —ung. 


. 


‚190 


Maͤhr 


Maͤhnen, v. tes. a) Mit einer, Mäpne-verfehen. 

— Hald entbeennen vom Mord tie gemähneten Bräter. Woß. 

. KK C. Mahnen 1). D. Maͤhnen. D. —ung. 

‚O Der Maͤhnenbuſch, —es, By. — buͤſche, ein aus einer Mäpne 

beſtehender ober aus einer Mähne gemadter Buſchh, dergleichen bie 

Saarbuͤſche auf ben Heimen find. 

und um die Sqlaͤfen 

Wehte der Maͤhnenbuſch von dem Helm. — Bof. 

Die Maͤhnenflechte, 3. —n. 1) ine von ber Mähne ober dem 
Daoren der Mähme gemadte -Fledte. =) Ja ber Ratusdefhreibung, 
eine Art Flechten an den Bäumen, bie aus langen Faͤden befichet 
(Lichen jubatusy, 

Der Mähnenftier, —es, 29. —, dir Aftikaniſche wülte Ochs (Boa 
'bonasus L.). 

Die Maͤhnentaube, By. —n, eine Abart der gemeinen Zaube, beren 
Sédopf wie sine Mähne herabhangt (Columba jubata). 

Der Mahner, —6, - al; die —inn, Bi. —en, eine Pesfon, 

‚melde mahnt, an etwas erinnrzt, 
Durft und Hunger find die Mahner, bie man nimmer kann be 
fliten. Logan. 
Befonbers eine Perſon, welche an bie Bezahlung einer Sqchuld erins 
nert, bazu auffobert, j 

Mähnig, adj. u. adv. mit einer Mäpne verfehen, eine Mähne habend; 
befonders in ben Bufammenfegungen. ‚ 

TX Das Mahnregifter, —, 94. gl. In manden Gegenden auf 
dem Lande, Bezgeihniffe, nad melden die Schultheißen bie abrig« 
Beitlihen Gefälle einmahnen ober eintgeiben, 2 

O Das Mahnfhreiben, —®, 8. gl. ein Schrelben in weidem 
mean an etwas mahnt oder gemahnet, zu etwas angetrieben wird 
(Literae compulseriales, Monitorium). Ja engerer Bebeutung, 
ein Scheriben , In welhem jemand an eine Berpflichtung, befonbers 
an bie Bezahinng einer Schuld erinnert, oder von einem Anbfen 
daran erinnert, bazu aufgefobert wird; ein Mahnbrirf. 

+ Der Mahr, —es, oder —en, PM. u. in verfdiebenen Begenden, 
befonbens im MR. D. eine Benennung bes Alpes. S. d. Won bem 
Mahre geritten ober -gebrädt werben. Auch, der Nachtmahr, weil 
die Befhwerung oder Bıliemmung, ‚melde man unter jenes Beuen⸗ 
nung, verfichet, bei Rat im Sqhlafe empfunden. wird. 

Bene fie ihn wie ein Nachtmahr weitet, Goltam. 

Die Mähr, f. ı. Mähre. 

Das Mährchen, O. ©. —Iein, —#, 3. gl. das Berfleinungswort 
von Mähre in derjenigen Bedeutung deſſelben, da es eine erbichtete 
@erjählung bebeutet, mit bem Rebenbegriffe, baf man ihr bad In» 
wehre und Unwahrſchelntiche fogleih anfiehrt, Fe auf gar niht für 
Wahrheit ausiugeben gefonnen if. „Gin Mähren erbiäten, em 
finden, eszähten. „Ihre Worte dauchten fie, ats wärens Mährlein.« 
Bue 24, ıu 

Ice fol um einander ein zeitverkuͤrzendes Maͤhrlein 
Bur gemein'amen kuſt den möffigen Ohren erzählen. Bof. 

O Maͤhrchenhaft, —er, —efte, adj. u. adv, einem Mähren ähnlich 
ober gleih, erdichtet, unmahrfheinfig. „Mährchenhafte Werfhdr 
merung ber Gefchiäte.- Gebike. „Wie wiſſen es zu gut, baf biefex 
Rame durch Wißbrauch etwas Maͤhrchenhaftes in Ah fhliepet.« 
Herder. Davon bie Mährchenhaftigkeit. 

* X Der Mährdenträger, oder Mährleinträger, —6, 9. gl. 
— ſich mit Waͤhrchen traͤget, d. h. fir erzaͤhlet, verbreitet, 

riſhtin. 

1. Die Maͤhre, 8%. —n, ober bie Maͤhr, auch dab Maͤhr, —es, 
Di en. 1) x % Das Geräßt, bie Sage, - 

Das was ein genges mÄre 
In allem Tande, Imwain 5, 408. 
a) Die Rachricht von einer Begebenpeit, eine Bothſchaft. 
Bom Himmel hoch da Fomm’ id her 


6 driag euch eine’ nee Mähr. J 

And fie Rene Was mÄre' Haft du vertiommen, 

- Butermätt? — Imainz, 468, 

d. wᷣas giebt ——* 5) Eine erdichtete und uawahrſche in liche 

bung, in welcher Bedeutung: beſonders das Bertleinungswort 

mM n oder Mährlein gewöähulic if. „In ber Hand Hat I 

Knaben ei rende 

bes Himmels 
 Wermcade Binte Ninwegzufgrei’n aa Sr Mäher dor Teams 
Connenberg. 
©. Mihchen. 4). X Die Welfiagung in 6. Mibelungen 
Lieb, B. 6527. 9) * * Eine Begebenheit, ein Borfall einp. 
Auch naheten im böfe märe.  Imwain, 5; 126. 

2. X Die Mähre, 94. —n; Bw. das Mähren, D. D. —leim, 
— en ee beſeaders ein ebie Dierd, ein Bun 
nierp 

eu nahmen ihnen die Mähren mit den Silben von der Hand. 
d. Ribelungen 2.8. zın. 

i man gebraude es jeht nur mod ») ein eleabes ſchlechtes Perb, im 
verädtliher Bebeutung, zu bezeichnen; Märker und no verättliher 
eine Schhindmähre. 2) + Eine Stute ober ein Mutterpferb; beſon⸗ 

- ders im R. D. „Der Dengſt ſchreiet gegen alle Mähren.“ Sir. 
35, 6. Wirlleiht hängt bamit bie Bedeutung zufammen, mad wel 
Ger man im ber niedrigen Sprechart mander Gegenden * Tine 
Oure darunter verftehet. 

1.4 x Mähren, v. inirs. u. trs. 1) @ine Mätre fagen, etwas un: 
wahres und Unwahrfäheintiches erzählen. Im diefer Webeutung iſt 
es nicht gewoͤhnlich; im gemeinen Erben mander Gegenden aber bes 
deutet es Überhaupt ausfagen, erzählen; befonders, langweilig unb 
Alcs unter einander mengenb . Bas er wieber mähret! 

„ Shemapis bedeutete maͤhren aud befreien, von Mähre, Gerüät, 
Sage. Bie wol im was gelungen: 

©s wer er doch gemiret. Iwan, 2, 925. 
») $ Bögern, fäumen, guide. D. Mähren 

2. + Mähren, v. intrs. umrähren, befonders mit den Händen in ei 
ner Sache herumräßren, mwähien, auch mengen. In ber Erde maͤh⸗ 

. zen. Das Wort marren, weldes Fulda als Nieberl. für wireen 
anfüpet, iR vieleicht mit diefem mähren ein und daſſelbe Wort, ins 
dem das was untereinander gerührt, gewählt wird, wenm es danach 
deſche ffen if, ſich verwirret. Es wäre alſo auch mähren zu ſchreiben 
und Mahr ⸗ oder Mahrenflechte, Mahrenlocke, gr Mis 
Kerl), Mahrquaſt, —— davon abzuleiten. D. Mähren. 

+ Die Mahrflechte, oder Mahrenflechte, 8. —n, ein Bäfdel in 
einander geiirstee Haare; bamn, rin Rame bes Weihfelzopfes, 
welder auch Mahrkiatte, Mahrlode, Mahrzopf, Eifklatte genannt 

wird. S. 2. Mähren. 

+ Die Mahrklatte und Mährtode, 8: —n, f. Mahrfichte. 

+ Der Mahrquaft, —es, 9. —e, eine Benennung der in Geſtalt 
eines Quaftes ver'lungenen Kelfer, welche fi zumellen in ben Si- 

-  pfeln der Birkın finden. Fulda. ©. 2. Mähren. 

PX Die Mahrte, 9. —n, im R. D. cine Wachafheibe in einem 
Bienenftode; vielletät au von 2. Mähren, den Begriff eins im ſel⸗ 

aen Theiten eng verbundenen Dinges ausjudzuden. Cine Brotmahr ⸗ 

00, eine Brotiheide, eine Drohnenmahrte, eine Drohnenſcheibe. Das 

der ber Mahrtenhonig, der aus dem Mahrten ausgelaufene Honig. 

+ Die Mährte, 94. —n, eine Art kalter Suppe, welde aus einer 
Bıäfigtels, die mın fonft gemöhnlich trintt, als Birr, Wein, Wilch 
deſtehet, worin man Brot, Sewmmel und tergleihen gebrockt ober 
gehrämelt, und aud wol Zucer, Rufinen ıc. rn hat; von mäh- 
zen, umrädren, unter einander bringen. S. 2. Mähren. In am 
Ser Bejenden, eins Kaltſchalt. Cine Biermährte, Weinmährte, 
Mithmährte ıc. 

O Der Mährton oder Mährhenton, — s, 9. 2. ein mährgen 


191: 


Maib 


Haftee Zon In ber Epäffäng oder Ghrribert, „Sofort beginnt ein 
anderes Ton, Zeiumph des Bottesföhne, Mährs und Ritterton ip» 
zer herzlichen Spaten.“ Herder, 

tDer Maͤhſch, —es, 9. u. das wohlrichende Deegesfraut (Aspe- 
zula odarata L,), 

Der Mai, —es, D. D. —en, u. —t, D. D. —en, ber fünfte 
Monat im Jahre, welcher 31 Tage hat, in welchem fi bei uns bie 
ganze Ratur gleiäfam verjängt umb_mit neues Schönheit prangt unb 
erferuet, daher er von Karl bem Großen den Ramen —“ 

betam, welchen Namen bie Dichter no 
Igyr Kinder des Main, dem Mai. RHamfer 
u WERE t bes Mai ») bie bluͤhende anges 


nehme Beit ber 

Des Lebens Mai blůht einmapl und nit wieder. ESäHilien 

Und ihres (ber Einbilbungstraft) Pinfels Zauberei 

Sqchuf mir das Aite wieder nen, 

Und mahlt im meines Herbftes Kagen 

Dig meinen blätenzeihen Mai. Ebert. 
‚Dann auch, das blühenbe Ausfehen, die biaͤhende Sefichtsfarbe im 
Mai bes Lebens, b. h. In ber Jugend, 

Mit Zpränen, die den Mai von meinen Bangen ägen, Mielanb. 
Auf äpnlihe Art nennt man den Mat bes Blädes, bie fhöne Brit, 
ba das Giud biũuhet, den hoͤchſten Gipfel bes Glädt. In manden 
Gegenben wirb bie Malblume uneigentli aud nur ber Mai genannt, 
3) Eine Benennung ber buͤſcheligen Zriebe und Sahrwädhfe, mie 
aud die bekunlien zugefpiäten Ansspen an den Mipfeln und Äften 
ber Nabelpdlzer, befonbers ber Kiefern, weit fie im Fruͤhlahre zum 
Borſcheln Lommen; und im weiterer Brbeutung, der Jahrwüchſe je 
der Holgart; aud ber Limpf und am gemöhnlihften ber Trieb. 5) 
Ein grüner Baumjmeig ober ein Bäfchel von Imeigen. „Und follt 
am erfen Lage Früdte nehmen von [hönen Bäumen, Palmenzweige 
und Diaien von dichten Bäumen und Bahweiben.“ 5 Mof. 25, 40. 
„Etlihe hieben Maien von ben Bäumen umb fireueten fie auf ben 
Weg." Marc. 141, 8. Im engerer Bedeutung, ein gränez a 
ber feifh ausgeſchlagenen Birke im Fruhlahr und bie Birke ſelbſt, 
welche man aber gewöhnlich die Maie wennt, und beren man fi u . 
vlelen Gegenden zur Ausihmädung ber Häufer, Kirchen und ander 
ser Öffenieiher Öxter defonbers zum Pfingfifefte bedient. Die Hause 
thür mit Maien fömäden. Einem eine Maie fegen. 

Die Fermben beffer zu exfieuen, 

umſtedt ber milde Wirth den Tiſch mit dichten Malen, 

Dageborn. 

Oft wird bies Wört in der Cinzahl and als —— — 
Mai ſtecken oder ſegen. Ein Haus wit Mai fınäden. — Fa den 
Bufammenfegungen Inutet biefes Wort meift Mai, in mehren aber 
and Maien, wo es dann ber zweite Zal nad D. D. Umradung IR. 
Im Dönabrädfgen lautet es Meg. 

Der Maiapfel, —, 2. —Ipfel, eine Benennung der Fruht des 
Fußblattes, einer Amezitanifhen Pflanze (Podophylium L.), melde 
«inem Eleinen Apfel gleidyt —* im Mai reift. 

Der Maibaum, — s, 2. —biume, ein Rome 1) der gemeinen 
Birke, bie im Mai grünet, und bie entmeber feibft ober beren Zweige 
zur Nusihmätung der Däufer und Kirchen x. gebraucht werben; 
auch die Maibirke, wie auch biop ber Mai ober bie Maie, und ber 
Wonnebaum. 

— er fehlte bie Rinde vom Maidaum. BGonnenberg. 
=) Des Ahltirſch· oder Tranbenkisfhbaumes (Pramus padus L.). 

+ Die Maiblede, . —n, in Weffalen, der Beine Weipfifd, uke⸗ 
lei (Cyprinus alhurous L.). 

Die Maiblume, Maienblume, 4. —n; Be. das Maibiäm- _ 
den, D. D. —iein, der Rome einiger im Mai blähender Pflanzen, 
z) ber befannten Pflanze, teren Biumenftengel mit fleinen weißen 

uxnd angenehis ziehenden glodenförmigen Blumen unmittelbar zwi 


Maib 


ſchen ben beiden Blaͤttern aus der Cede id aint Iauuca eonvellium, 
Conrallaria majalis L,); auch Maienglocke ober Maisnglödchen, 
Meienzänten, Springauf, Thallilie. 2) “Des brennenden Hah⸗ 
henfußes (Rnrunchlus eeris L.). 5) Des öwenzahnes (Eeontot 
don taraxacum L.). 4) Dre Peflwurgel (Cacalia-L.). -5) Gelbe 
Maiblume, bie Dotterdiume ober Mattenblame. 6) Rothe Mai 
blume, die Pechnelle. 4“ ; Y ‚ 
Der Maiblumenbufih, es, 2, — buͤſche. 12) Eim Buſch won Weal · 
blamen. 2)Der Rawe- eines Pflanzengeſchtechtes deſſen ıgladen: 
ober trichterfoͤrmige Blumen fünf Gtaubfäben haben, bie ben Grif⸗ 
fei mit Rumpfem Gtaubisege imgeben (Aualäk L.) and Maiduſch. 
Aridere nennen biefed Geſchiecht Felſenſtrauch, welcher Name ber 
einem antern Pflanzengeſchlechte zuldmmt, F 
© Dir Maibufeh, —es, 9. —büfde. 1) Ein But ober Gebuͤſch 
von Malen ober Birken, oder auch ein Saſch von andern Bäumen 
mad Eträuden, befonders foldem, die im Mairfhen grün find. 
und ic brade' ihm fein Effen und lauerte hinter dem Maibuſch. 
2) S. Maiblumenbufh =). Bof. 
Die Maibutter, 0.29. dieienige Butter welde im Mai gemacht wird 
und welde bie beſte und ſchmackhafteſte A, weil. bie Kühe im biefer 
Beit am ber jungen Grafe und den jungen Kräutern das beſte Zut- 
ter haben; au Frählingebutter, Grasbutter, ‚fü 
KDie Maid, 2. —en, eine Magd, d. h. eine junge unverpeiratpete 
weibliche Perfon, ein Mädden, 
Da trat ihn an bie fhönfe Maid, Bürger. 
4 Der (dad) Maidel, —s, 9. gl. im der Gäweiz, ein Rame 3) bes 
* Blaufellhens im erflen Jahre; =) des Meipfelidens ift erſten Jahre. 
Die Maibiftel, 0. —n, die gemeine Saudiſtel ober Bänfebifel 
(Sonchus oleraceus L.): ! 
2 Der Maiduft, —eb, 4. —büfte, ber Duft im Mai ober bes 
Maies, d. h. ber Duft der im Mai greünenben und blaͤhenden Ber 
wädfe; dann überhaupt, ein Heblider Duft der Pflanzen und Blumen. 
Aus dem Früdhtpain, wo der Maiduft dich ummalt, Bo ß. 
ie Maie he Mai > —* 
Bi Datenblatt, ed 2. —blätter, ein Blatt der Mole ober 
Wirte, welches fo wie das Blatt ber Eſpe bek jeder Bewegung ber 
"Buff jlitert, Mir zitterten wie Maienbiätter. Bop. 
© Dat Maiengebüfh, tb, 9. —r, ein Seblſch oder Büfde, 
bufdige Zweige von Maien. 
Wölht ihm bie Tochter bes Herrn früeres Maiengebuͤſch, 
eiches im bähenden Topf fe beſhleuniget, unter dem Laubtad. Doß. 
Die Maienglode oder Maiglode, 9. —n; Vw. das Moiengloͤdchen 
"ober Maiutdichlh, eihNameterglodenfdrmigen Maiblume: ©.d.1). 
Zrog der Maienglödidren Gilberglang. Ebert. 
Das Maienkraut, —et, 9. u. ein Name 1) des Meinen edblkrans 
tes (Chelldonium minus oder Ranunculus ficaria L.). ®) In 
„ Feanten, bes Mondfrautrs ober ber Monbraute (Osmunda lunsria L.). 
OÖ Die Maienluft oder Mailuft, 84- u.; Bw. bas Maientäfthen, 
Buff im Mat, in Anfehung ihrer Bifhaffenheit in diefem Do 
nate, wo fie mit Dänften oft angejüNt, eft milb unb angenehm iſt. 
' — Notheres Abendroth 28 
Duräffeimt die Blätter, purpert bie Mafenluft.. Hösty. 
Der Maienmond oder Maimond, —eb, Bi. —e, der Monat Mai. 
Der fhdne Maienmond. Hält. 
O Die Maienfonne oder Maifonne, o. Di. bie Sonne im Mai, 
"An welchem Monat man ihre mühe Wärme und ihren Schein mit jer 
ſonderem Wohlgefallen empfindet. : 5 
e Himmiifch mild fein Blid, wie Maienfonne, 
Rüdsekrahlt vom blauen Epiegelmer. Gäiller 
Das Maienträubehen oder Maienträublein, —s, 9. sl. ein Name 
des Wafferfarne oder blühenden Barns (Osmunda regalis L.). 
Der Maier, f. Meier. 
+ Der Maififch, —es, - —e, ein Rame 1) ber Aloſe, weil ſie im 





— 


102: 


Mist häufig gefangen wird (Clupea alosa,L;); -e}ıbrs Häfeliizs 
oder DibilriCyprinug dobulg. hu); 4 ETFCHTEITEE TE N 7° 
A Die Moiflur, 9. —ın.; 1) Div, Zlug im Mal, da fie aufs neue 

+ grünet and blüpet. j * 

— fabute nicht ber Maifſlur wur’ 
20; Kühle Geruͤche mic fanft umfäufein,  Phtinem.g:. ‚.© 
a) Die —* oder ber Flor, du bi bie, Bihten, Bluman.im Mai, 
Üdırgoß die moofigen Sipe mit fhnsnigerMaiflur. Sonnenberg. 

Die Maifouake, Big —ın „sine Att Laie: in dee Mffenmmdcin dem 
Ofereigifhen Gern, ber Silbetlacs (Salmo Schiefermulleri). 

Der Moiteofl, —es, 2. fröfte, ein mob, Im Mal, befonders 

Hts) sinfallenber Froſt. hen rat EL 

+ Der Maigaffenzins, —es, Wi. —e,. in einigen Brounfhweigis 

fen. Amtern, eine Art des Ruifspessinfes, welder in brei Marien- 
„‚srofden und zwei Plennigen hefichet, .umb weiher jährlich. am Möeih: 

mactsahende bei Strafe der Berdeppelung für jeden Tag der Ber 
fpätung in das Amt abgehefest werben muß. ’ 

I Dad Maigefühl, —ıs, Di. —t, das angenehme Gefühl im 

v Mai, wo man mit der neu auflebenden Ratur gleichſam ſelbſt wieder 

s men aufledt und fi feineg Lebens freuet. r n 

— — ihr fühen Maigefühle, Sprintmann. 

O Der Maiguß, —ſſes, . —süffe, ein Regengus im Mowat 
Mai. — unter kaltın Maigüffen.“ I. 9. Riten 

+ Das Maigut, —es, Di. u. f, Moitirfhe. f 

Der Malhecht, —es, Dg. —e, ein Hecht der im Mai leitet, 

rt Dad Maiholz, —ed, Dig u. eine, Rame ber gelben ober Golbieibe 
(Salix vitellina L.), _ . . 

Der Maikäfer, —s, 2. gl. 1) Ein bekannter Käfer mit rothhrau: 
neu Blägelveden, ſchwarzem und weißem Baude, und gewöhnlich 
ſchwarzem Halsfhilte, welge im Mai aus ber Erde Eiiehet und fi 
von den Blaͤttern und Blüten ber Bäume und Gträude nähret 
(Scarabzeus melolontha L,), Die Maikäfer entfichen aus ben 
Engerlingen, welche ihre Larven find, and brauchen zu ihrer Ber» 
manblung in Käfer gewoͤhnlich fünf Jahre. S. Engerling. Marichtig 

nennt man ben Maitäfer au Maiwurm z außerdem, führt ‘er noch 
die Namen Heckentaͤfer, derderbi Herenkäfer oder Herenwurm, Rreitz« 
täfer, Kauzkaͤfer, Kolbentäfer, Yaubkifer, Mautwurfstäfer, Raub⸗ 
täfer, Nanten Saͤgenblattkaͤfer, Weidentäfer, Weidenhahn, im 

* Dsnabrüdicen Ecke ltewe, Ecke lwewel, Edernfceerfelis, Der. blaue 
Maikaͤfer, naach Popomwirtfh, ein dunkel deilchenblauer Maikäfer abnt 
Bläget, blog mit zwei kurzen Flugelbeden (Meloö coloreviolaceoL.); 
auch Mailing, Mailander, Schmalzkaͤfer. =) Dem ianghornige 

vr: Moifäfer, ein Name bes Holjkäfers oder Holzbockes (Cerambix L.) 

Die Maikatze, 4. —n; Bo. das Maikigchen 1) Eine Rage, wele 
de im Mai zur Belt koͤmmt und für beffeg gehalten wird als fpä« 
ter geiworfene Kahen. 2) Das Kighen, hd, das raue Zäpfchen 
aus welchem die Bluͤte verfhichener Bäume. heſtehet (Ammentum), 

+ Der Maitenshäring, —⸗s, Bi —e, im Hhringshandel, früh 
arfangene Häringe, deren Fleiſch zart if, die aber weder Milch noch 
Rogen haben; zum Unterfhiebe von bem vollen Häringe. Maikens⸗ 
wrack beigen die ſchlechten ausgemorfenen Häringe biefet Axt, unb 
Maitenewradwrad die ſchlechteſten derſelben Art. 

Die Maikirfche, 24. —n, eine feügreife Kirſche, welche eine helle 
rethe Farbe hat und ſchon im Mai zeif wird; in Öflerseih Fruͤh⸗ 
Birfhe, Kinderkirfche ;, quch Maigut, Eine große, Art beujelben 

deißt doppelte Maikiefhe, ie TE 

Das Maikraut, —es, Wi. —kraͤuter, eine-Rame verſchlebenet nah 
bem Mai denannter Pflanzen, theils meil fie in dieſem Monatıges 
moffn, thrils gu arzeneilichem Webrauche gefammelt werben, 3), Des 
Melerkrautes, weiches von den Landlenten als eig Gemüfe genaflen 
wird. & Meierfraut, 2) Des Schölitrautes, befembers bed großen 
Schoͤllkrautes (Chelidonium majus L.). 5) Der Braunwurz 

GEGerphularia L.. 0 


Mail 


4 Der Mail, tb, My —e, in Baiern, ein Bleden, bas Mahl. 
Davon mailen, fowol vr. nir. eimen Fleck nachlaſſen, als auch tra. 
einen Fied maden, im etwas bringen; fo auch bemailen, befleden, 

Der Mailänder, —s, MM. a. ſ. Maimurm. 

oO Pi Maililie, Du. — , eine im Mei blaͤhtnde eitie, derglelchen 
die Malblume iſt, welche auch Thaililie genannt wird, 


Auch in ber kunbigen Caube, webor Schneerofen unb Eebberr’n- 


Sammt Maililien ſtelz prangen. — Bob. 

Der Mailing, —es, Ip. —e. 1) + Im Öftereeihifhen, ein Name 
der Üfhe, eined Kifhes (Thymallus L,), =) Ein Name bes blauen 
Maitäfers. 3) Des Maimiemes (Melo& proscarabaeus L.). 

Die Mailuft, der Maimond, f. Moientuft, Maienmond, 

Die Maimüde, 9. —n, bie Fintagsfliege, bas Haft Ephemera L.). 

Die Maipflanze, 34. —n, In ber Landwirthſchaft, die Rebenpalme 

: bes Roggens, weihe gemöhntih im Mat zum Bosiheine kommen und 
welde gufammen ber Uinterröggen heißen. 

Die Maipfrieme, 94. —n, ber haarige Binfter, ein Gtaubengemäds 
in gebirgigen fleinigen Gegenden, weldes viele gelbe unb fhöne Blu 
men treibt und ein gutes Schaffutter iſt (Genista pilosa L.); au 
kleine rauche Erdpfeieme, Eleine Heibepfrieme, Klein Beiden, gel: 
bee Klee. s 

Der Maipilz, —e 2. —ı, der Gteinpilz ober Herrenpilz (Bole- 
tus crassipes Willdenow,). 

Der Mairan, f. Meiren. 

- Der Mairode, —n, 4. —n, eine Heinere Sorte ſchmackhafter 
Siattrochen, melde im Mai am bäufigften gefangen werben. 

Die Mairofe, 4. —n. 1) Eine Art kleiner gefültee Roſen von 
duatlerer Jarbe als bie hunberthlattige, welche ſchen im Mai bläpet, 
aber nicht ſtatk zieht (Prorinzzofe, Kosa provineialisL.). a) @ine 
andere Art bunkelfarbiger Roſen (Mosa einnamomen L.); bie 
Bimmtrofe. 

Die Mairübe, 9. —n, eine Art fruͤhzeitiger Alten, welche auf 
Tellerrübe, Fruhruͤbe Heißt (Brassica rapa sativa Zetuude, ra- 
diee candida), 

1. Der Maid ober Maiz, ehne Umendung und My. m. eine Ameri⸗ 
Tanifche Getreideart, welche im Kolben, die aus geofen rundblichen 
gewöhnlich gelben Aörnerm beftehen wählt und am häufigften Tuͤrki⸗ 
{dev Waigen genannt wird (Zen L.). ä 

2. + Der Maid, ein Schlag, Gehen, GS. Meiß. jr 

1. Der Maiſch, es, 24. —, das Bifamträuthen. ©, Bifamfraut 2). 

2. Der Mail, Maifchen ıc,, ſ. Meiſch, Meifchen x. 

Der Maifhein, — s, 94. —t. 1) In ben Kalendern, ber Reus 
‚ monb im Monate Mai. =) + Ein Rame bes Stelnbreche. ©. b. 
Der Maifhnee, —$, (deeifildig) 0. By. hm, welcher noch im 
Mai fügt. uncigentlich A der Blätenfhnee im Mai, bie weiße 
Bluͤte mit welcher Bäume unb Geſtraͤuche im Mai wie mit einem Schnee 
bedeckt find. So auch bie weiße Farbe ber Silberpappel. „Die Gil 

berpappeln, ewigen Maiſchnee teagend.“ 3. 9, Richter. 

Die Maifcholle, 34. —n, bie Plasteife, auch nur die Scholle (Plen- 
raneotes platessa L.), 

Der Maiſchwamm, —es, 94. — ſchwaͤmme, ein Name bes weißen 
Blaͤtterſchwammes, welcher auch Weißling, St. Georgenſchwamm 
heißt (Agarieus Georgiüi-L.). 

Der Maibdieb, —ı6, 9. —, ein Amerikanifder Bugvogel welcher 
anfer Biefern und Würmern befonbers gern Dlals frift (Gracula 
quiscala); auch Maupentöbter, Eifter von Jamaika, Purpurbohle. 

Die Maifeude, By. —n, eine Benennung des Blutharnens bes 
Windoiches, welches fih im Mai einzufinden pflegt, wenn das Wich 
das feifhe Bros frift. 

Die Waifonne, -f. Maienfonne. 

Der Maifonntag oder Maienfonntag, —et, By. —t, ein Rome 
bei dritten Soantages vor Oflern, an welchem in monden Gegen⸗ 
ven, z. B. Schlefiens, Rinder und junge Erute mit gefgmädten Tanı 


Gampe’s idrterb, 3 Ip. 


103 


Maje 

nenztoeigen ferumgehen und fingen, wm dafuͤr eltmaa zu bekommen. 
@. 2. Mai 1). Gin folder Taunenzweig ober Wipfer führt daferbft 
au ben Romen eines Sommerbaumes. 

Ber Maifpecht, —es, 24. —r, ber Blauſpecht, f. d. (Sitte euro- 
preus); aud Grauſpecht, Specht meiſe, blaue Spehtmeife, Baum⸗ 
meife, Holzhacker, Nubhader, Baumpider, Außer dem unter Blau: 
ſpecht angeführten Ramen Kleiher ober Kleber führt er auch noch 
bie Ramen Klauber, Kiaber, Kiener; Kottier, Tottler, Bartäd, 

a Das Maitbal, —e#, My. —thäler, ein Thal im Mat, ein geür 
nenbes Thal im feiner erflen und größten Schönheit. 

Schau, wie aus ſchwebender Mealke ber Glanz im beregneten Maithal 

Schimmert ein Lächeln ihr hold über das Rofengefiht. Bof. 

Der Maithau, —es, 2. u. Than, welcher im Malmonde fänt. 

Die Maitraube, un, ein Hame des Mondtrautes (Osımunda 
lunaria L.). 

Das Maiunfraut, —es, Di. u. die Aders ober Felbkamille. 

Das Maiveilhen, —s, 4. gi. das Hundsveilgen (Viola canine 
L.); aud wildes Veilhen, NRoßveilchen. 

Der Maivogel, —s, Di. — Vögel, ein Rame veifäiedener liegender 
Thiere. 3) Der Heinen ſchwaczen Mewe, welche auch Wrandungel 
heißt (Sterna fissipes); aud fpaltfüßige Meerſchwalbe, Eleine 
ſchwarze Seefhmatbe, Amſelmewe, Erin Mewchen. S. Brandvogel. 
a) Im RD, ein Rame des Raduds, weil er ſich im Bat Hösen 
läßt. 5) Der Schmetterlinge, im R. D. 

Der Maiwurm, —ı6, 8. —wuͤrmer. 1) Eine Battung Biefer mit 
abgefärzten Fluͤgeldecken ohne Flügel, budeligem und gebogenen 
Kopfe, runblihen Bruſtſchilde und Fuͤhlharuer bie einer feinen Per- 
Ienf&nur gleichen GGleles L.). Die eine Art hat ſchwarz gepunfiete 
Flägeldeden und einen Hinterleis der ins bunkel Beilhenblaue ober 
beinahe Schwarze fält, und mit bem Körper eines dicken Burmes 
Köntiäkeit hat (Meloö proschrabaeus L.). Die andere Urt iſt et⸗ 
was klelger, bat einen grünen und zothen mit Gold [himmemben 
Körper (Meloö majalis L.). Beide Arion kommen im Mai zum 
Borfhein und nähren fi vom Gras und Kräutern, Man bedient 
fi berfeiben als eines Mittels gegen ben Siß toller Hunbe, 2) + 
Ein Rame bes Maikäfers, i 

Die Maimurz oder Maimurzel, 3. u. 1) Ein Rame der Schup⸗ 
penwur; obere des Preeifsmteautes (Lathraea L.). 2) Gin Name 
des Kenuenftrauded (Ürobanche major L,). 

O Die Maizeit, Dy.u. bie Beit bes Maies, bie frühe ſchoͤne Jahres 
zeit; und unelgenttih, bie Beit bes Maies bes Lebens aber bir ſchoͤnſte 
Jugendzeit. „Ober, wenn man fie (bie Rinder) doch zum Kufopfern 
und Wegleihen ihrer unwiberbringlicen Maizeit nöthigt, bamit fie 
fie in irgend einem fpäteen Danner ober Wolfsmonat bes Bebens 
recht ausgenjrfen und auskernen.“ 3. P. Riten 

Die Mojeftät, 24. —en, ein fremdes Wort, welches hier Keinen, 
Play finden würbe, wenn es nicht aud in ber Wollsfprade, ieh 
vorzäglih nur als Titel geßrdnter Häupter bekannt wäre, Es ber 
zeichnet biefes Wort ı) bie Höhfte Feiner andern unterworfene Ber 
walt und Würde; ohne Mehrzahl. Die Majeftät beleidigen, ſich 

auf eine grobe Art gegen die hödfte Gewalt im Staate vergeben. 
Das Verbrehen der beleibigten Majeſtaͤt (Crimen laosae ma- 
jestatis). 

Bür blanke Majeftät, und weiter nichts zu bluten, 

Wer das für groß, für fhdn und zährend Hält, ber irrt. Bürger. 
In einem höhern Verſtande wird au dem göttligen Wefen Maje: 
ftät Beigelegt. Dann, bie Äußere Würde dieſer höchſten Gewalt, ber 
damit verbundene Äußere Glanz. Der Koͤnlg erſchlen in feines ganr 
zen Majeflät. Im weiterer Bedeutung, Überhaupt bie größte Er 
habenheit im Kupern, ber Höchfte Grab des Aufren Glanzea, ber Aus 
fern Pracht. Die Sonne gehet auf in ihrer Majeſtaͤt Die Rocht 
von Majeflät im ihrem Sternenſchteier. In ber Bibel koͤmmt 06 
auch für Anerlennung ber Majchät ober größten Erhabenhelt vor. 


25 


* 


Maje 
„Die gebühret bie Majeflät.- ı Chron. zo, 115 Brief Zudä ag. 
2) Eine mit ber pöchften Gewalt begabte Perſon, in welcher Beben: 
tung es als Titel der Kaiſer, Könige und Ihrer Gemaplinnen gt 


wöhnlich ik. Ihre Majeſtaͤten, der Kalſer ober König und feine 
Grmahiinn, ober mehrere folhe Perfonen zufammengenommen. Se 


Majeftät find bei dem Heere angelangt. Ihre Majeftät ind giädiich , 


entbunden worben, Em. Majeftät haben zu befchlen gerußetie. Auf 
eine ungewöhnliche Artiömmtesim Briefe Jubä 8 fürchrigfeitliche 
Derfon überhaupt vor, 

— bämpfenb die Flamme des Rahfhiorrts 

Gab ihm bie Majeftät Donatons alfo zur Antwort. Sonnen, 

Majeftätifh, —er, —te, adj. u. adv. Mojeftät habend, mit Mas 
jeät verbunden, in berfelden gegründet; in ber engeen und weiten 
Bereutung diefes Wortes. Ein majeſtaͤtiſches Anfehen, Ein ma- 
jeftätifcher Anand, Gang. „Inbep daß ber majeftätifche Hahn feine 
gluhzenden Hennen im Dofe herumführt." Sefner. In den Kan 
seleien mander Gegenden heißt auch ber oberſte Erhens: und kandes⸗ 
derr, der mojeftätifche Erbhere; in Gegenfag des niedern. 

Der Majeflätöbrief, —ıs, 9. —e, ein Freiheitsbrief, melden ein 
feld: umb allzin berrfhenber Staat ober Landesherr ertheilt. Ber 
fonders kennt man unter biefem Samen gewiffe Geeibeitäbriefe ber 
Kaifer Sigiamunds unb Mubolphs bes Imelten. 

Das DMojefrätsrcht, —es, 29. —e, das mit ber hchſten obrigkeit⸗ 
lichen Gewalt im Staate verbundene Recht; das Hoheitörecht. 

Der Majeflätsfhänder, —s, By. gl.; die —iun, 9. —ın, f. 
‚Maieflätsverbeedher. 

Das Majeftätäverbreben, —s, My. gl. das Verbrechen ber befels 
digten Mojeftät, basienige Werbredhen, ba man ſich gegen bie Hödfte 
Gewalt und die dleſelbe bekleidende Perſon geöblich vergehet (Crimen 
Inesae majestatis), Bo bied Wort zu viel zu fagen ſcheint, kann 
man auch Mafeſtaͤtsbeleid igung und Majeſtaͤtsverlehung bafür fagen, 

Der Majellätöverbreher, —, 9. gl.; die —iun, 2. —ın, 
eine Perſen, welche ein Majeſtaͤts verbrechen begangen hat; auch 
Maleſtaͤte ſchaͤnder. 

Der Makel, —s, 94 gi. ein fehlerhafter Flecken, wie auch ein Feh⸗ 
ler. Aules Makels bar, ohne alle Fehler. 

X Die Maͤkelei, 99. —eın, bas Miteln, in verägttiger Bebeutung. 1) 
Ein wieberholtes Kabeln. =) Gin Heinlicher Handel. In beiben Bedeus 
tungen auch Mäkferet, in welchem Falle es von Mäfter abgeleitet if, 

Das Mafelgelb, —es, Bi. —er, basjenige Gelb, weldes ein Mäls 
ler für feine Bemöhung befömmt; auch der Mätterichn, bie Maͤt⸗ 
lergebuͤhr. 

Makelig, —er, —fe, adj, u. adv. Makel habend, fleckig, fehlethoft. 

Matellos, —er, —eſte, adj. u. adv. ehne Makel, fledenios, wein, 
feblerios. „Aber auf dem goldnen Herrſcherſtuhle, wo er (Ziber) ben 
Pfuhlduft in ſich fog, ſtrahlte Titus im ungetrübten Blanze mafrl 

: lofer Tugend." Benzel⸗ Sternau. 

x Mateln, v, trs, fleden; in dem zuſammenge ſegten bemakeln, bes 
firden, befhmugen. D. Mafein. 

3, Mäleln, v. trs, Makrl oder Fehler aufſuchen um fie zu tabelm, 
Fehler, wenn fie auch klein find, tadeln und vorwerfen; oft auch «ins 
gebildete Fehler, allo ungegränbet tadeln. Eine Sache maͤkeln. Et: 
was an einer Sache maͤkteln. überall etwas zu maͤkeln finden. Eine 
Sqrift maͤleln (recensiren). 

Nur muß ber eine nicht ben andern maͤkeln. Lefſing. 
Am Damburgifhen, ſchelten, als eine Fortſetzung jemer Bedeutung. 
D. Miten. D. —lung. 

2, Maͤkeln, v. I) intrs. ı) Einen Mälter ober Unterhändfer der Kauf⸗ 
leute abgeben; befonders im R. D. Ge hat viele Jahre gemaͤtelt, 
iß viele Jahre ein Mäfler gewefen. =) In andern Gegenten, einen 
Xröbler abgeben ober troͤbeln. IT} tre. durch die Sefchäfte eines 
öfters etwas bewirken. Gr hat ih zum reichen Danne gemäfeit. 
— D. Maͤkeln. D. —lung. 


194 


Mal 


3. + Maͤkeln, v. ntr, mit haben, ſtinken. Fulda. D. Mäkeln. 

I. Der Maͤtler, —e, ep. al; bie —inn, 2: —ın, Me Perfon, 
melde moͤlelt, d. h. Fehler auffaht um. fie zu kapeln; beionbers 
welde nur tabelt um zu tadeln und Fehler ſtehet wo feine find. 
„Was mande Maͤkler (Rocensenten) darüber fagen werten, barf 
uns nit fümmen.“ 6. 

2. Der Maͤtler, —6, 29. gl. 1) In dem Handelöfläbten, beſonders 
R. D., ein Unterhändier der Kaufleute, iwelder ihre Waaren zu 
verlaufen fuht (Sensal), =) Einer der auf eine muderhafte Art 
in Kleinen Handel treibt, - 

3. Der Möller, —s, 4. gl. Im Shiffbaue, ein auf-und nie der⸗ 
ſtehendes Anie hinten auf dem Schiffe, worin ber Fuß ober bus Ende 
bes Flaggenſteckes zupet; anflatt deſſen ber Flaggenſteck jegt auf 
Kauffaheren gemöhntih in einer Art Bratfpil Behr. Im N. D. 
heißt auf der ſtarke Baum, weiber eine Windmüple trägt Mäfter, 
und nah Rihey führt.audh ber Pfahl in einer Wenbeltreppe und 
ber Pfoften eben im Giebel, weldher ben Knopf trägt, biefen Namen. 

O Die Maͤklergebuͤhr, 4. —ın, f. Mälterlohn. : 

Das Mäflergefhäft, —es, Bi. —r, das Geſchaͤft, die Berriätun 
gen eines Mällıes oder Unter haͤndlers der Kaufleute, Mäklerger 
fhäfte treiben, machen. 

Der Maͤklerlohn, —es, 2%. u. der Lohn ober basjenige Geld, wel⸗ 
ches ein Mälter für ſeine Muͤhe bekoͤmmt (Sensalgebähren, Courtage); 
auch Maͤklergeduͤht, Maͤlelgeld. 

Die Makrele, 8. —n, ein eßbarır Seefiſch, ber ein Bid vier und 
mebe Kup lang wird, ungefäfe armebid ift, auf bem Mäden blau, 
am Baude filberweiß ift, einen plattranden Kopf, ein ziemlich gro» 
Ses Maul, Ueine Bdhne und einen in den obern tinſchließzenben ums 
tern Rinnbaden bat und befonbers häufig im ber Rocdfee lebt (Scom- 
ber scombrus L,). Bei Klein madhen bie Wakrelen, welche auch 
Thunfifche heißen, ein eigenes Gefecht unter den mit offnen Dh 

. ven athmenben Filden aus, das ſich duch drei ſcheilnbare Mädenfiofe 
fen unterfchribet und er nennt fie Pelamydos. Davon der Mare 
lenfang, ber Rang, das Fiſchen der Makrelen. 

Die Mafrone, 94. —n, ein Budergebadenes, weldes in kleinen runden 
Piäghen aus Mehl, zerflopenen Mandeln und Aucker befliher, 

Mal, f. Make 

Der Malaga, o. Nmenb. u. 9. ein füßer Wein, melder kom bre 
Epanifhen Etabt Malaga ben Namen hot, und vom bort zu uns 
gebracht wird; auch Malagamein. - 

Malen, f. Mabten. : . 

+ Die Malge, 24. —n, bei ben Kahnbauern, ein Mahl (eine Mall, 
f. 1. Mobt), wenad bie Konten der Vodenplanken fhrig gehauen wer⸗ 

«ben, an welche bie unterflen Geltenpfanfen zu liegen kommen, 

+ Die Maline, 34. — n, ein Name bes Bahholders ober ber Schneehallen. 

+x Malfern, f. Melkern. 

+ Mall, adj.u. adv. im R. D. thöricht, unbefonnen. 

Die Mall, 9. —en, f. 1. Mahl. 

"Der Mallboden, ſ. Mabiboden. 

1.+ Wallen, v. Ditrs. ©, ı. Mahlen »), Ihntr. in ber Seefahrt, wo 
man Sagt, ber Wind mallt, wenn er hin und bee Täuft ober feine 
fefte Rttung hat. — D. Mallen. D. ung. 

2. allen, v. intrs, u. trs. im R. D. thöricht reden and handeln; 
wie auch, unbrfonnen, ausgelöffen fein. D. Malfen. 

+ Die Mallemude, 4. —n, ein Rome tes Sturmoogels in ben 
Rorbifhen Gegenden. 

Der Malm, —es, 3. u. ein ans Pleinen unzufammenhangenben 
Zheilen beftehender, jerrichener, gepäloerter oder gemahlner Körper, 
als Staub, Sand, Bries ıc. S. Muim. 

Malmen, v. trs. in Meine Theile zerreiben, zwifchen zwei harten 
Körpern in kleine Theile zerdrücken; gemöhnliher zermalmen. 

nachdem fie ben Weizen gemaime. Boß, 

D. Malmen. D. — ung. 


— 


— 


Main 


Malmig, adj. u. «dr. Malm enthaltend, ans Malım beftehens, Im 
Feiutifhen, aus Thon und Mergel beftchend. Malmicht würde fein, 
dem Maine ober einem Malme aͤhnlich. 

2. Dad .Malter, —, DW. gl. ber Rame eined Maßes zu verfhiebenen 
Dingen: ı) Gines Getreidbemaßes, als welches in D. ©. und ans 
dern Gegenden ı2 Scheffel, 48 Viertel ober 193 Mepen hält, eben 
Jo im Danaseödichen, nur mit dem Unterfhlede, das bie Mehen bort 

Sechter genannt werden; ig Sıfart 4 Viertel, 12 Scheffel, 48 Bier 
kei Ober 192 Maͤßchen; im Gothaiſchen a Scheffel oder 4 Wiertel; 
im Mürnderg 3 Megen, 5 Diethaufen, 64 Diethäuflein oder ı23 
Maß; in ber Pfalz und in Branffurt a. M., mo es fo viel als ein 
Achtel if, 4 Simmer, 8 Megen, 16 Sechter ober 54 Geſcheld; im 
Hanndverſchen 3 Scheſſel, 6 Himten ober 15 Metzen; in Weſtfalen 
+ Scheffel, 16 Viertel oder 198 Kannın; in Köln a4 Pal; in 
Danzig ı6 Schefel, 64 Biertel ober 56 Meken. 2) Gines Rus 
Bes zu Schtitholz, als welchte es einen Würfel, deffen Höhe, Länge 
und Breite vier Bus beträgt, ausmacht. Neun Malter madhen vier 
Ktafter zu vier Fuß Dinge, drei Malter aber eine Fleßklafter. 5) 
+ @iner Zahl, wo es fo biel als eine Mandel ober eine Zahl vom 
funtsehn Gtäden if: Ein großes Malter, eine Zahl von breifig 
@täden, — In manden Gegenden Tantet dies Wozt ber Malter; 
in Dsnaträd Malt, 


2. + Das Malter, —s, 29. gl. in manden Gegenden, befonbers 


D.D., tin aus Meinen ungufammenbangenten Teilen befiehenber, 
gerbrödelter ober jerrichener Körper, ale Schutt, Sand, Gries ıc, 

Die Malterbank, 3. —bänte, f. Malterbock. 

Der Malterbod, — 6, By. —böde, ein Map, womit auf bem Ober 
harze bas Holy nad Matten für die Hütten vermeflen wird, ° 
Das Maiterbolg, —es, 0: 9. Holz, welches nad Maltern gemefr 

fen und in Matter gefegt wird ober werben ſoll. 

Maltern, v. trs. nad Maltern meffen. Das Hely maltern ober 
aufmalteen, es in Malter fegen. D. Maltern. D. —ung. 

"Der Malthefer, —s, Dp.gl. rin Einwohner auf Maltha, wie auch 
ein Maitheferritter. 

Die Malthefirammer, 9. —n, eine Xrt Ammern (Emberiza 
militaris), Xemnid. ; 

Der Malthefergeier, —s, 3. gl. der braune Geier, ber fih Häufig 
auf Mattta ſindet (Vultur fuscus). 

Das Maͤltheſerhuͤndchen, —s, 9. gl. eine Art kleiner girrlicher 
und sottiger Humde, weiche befonbers zu Schoohhuüͤndchen dienen (Ca- 
nis melitacus); das Jungfernhuͤndchen, Schooghünbden, Bo⸗ 
tognefertüntchen, ber Angorifche Hund. 

Der Maltheferorben, ber Malthefereitter, ſ. Iohanniterorben 
und Sohanniterrittir, 

Die Mattbeferpfiriche, 9a. —n, eine Art Pflefden (Persica flore 
magao, fructu amplo, serotino, compresso, sortice peululum 
rubente, carde alba), Remnid,. » 

x Der Malvafler, —s, 94. —e. 1) Eine Art Weintrauden, des 
zen Beeren groß unb ſchwarz find, einen guten Befhmad Haben und 
einen leichten Mein geben; au Hammelshoden. ») + Sin Ramr 
bes Buchfinten. 

X Die Milvafierbirn, By, —n, eine Art Birnen. 

X Der Malsofiermustateller, — , My. u. eine Art Weintrauben, 
bie mit dem Malocfier unb-Wusfateler Ähnlichteit hat, 

X Der Malvafierwein, —es, D.u. Malvafler, rin aus Malvafier. 

Die Malve, 4. —n, ein Pflanzengeſchlecht, welches einen boppelten 
Kelch, und zwar einen dreiblattigen Äußeren, unb einen einblats 
tigen in fünf ECinſchaitte geibeiifin Innern Kelch Hat; bie Frucht 
if tellerförmig umd eutpäit viele nierenförmige eingewidrite Samen 
(Malva L.); bie in Deutfhland einhelmiſchen Arten fütnen auch 
bie Rımen Pappel, Walbparpel, Gänfepappel und Siegmarsmurz. 

Mulvenartig, adj. u. adv. bie Art ber Motor habenb, tiner Balve 
dhasih. Im ber Pflanzenichre heißt eine visrblätterige Blumen- 


195 


Malz. 


erone malvenartig (malracen), wenn fänf ziemlich runde und an Ihe 
stm untern Ende Beine Verlängerung habende Biumenblätter eine 
Blumenfrone bilden, z 

Der Malvenbaum, —es, 9. —bäume, ein mit deh Malven nafe 
verwandtes Gewaͤchs von ſchoͤnem Anfehen, welches acht bis neun 
Bus hoch wird, deſſen Stamm aber nicht Helzartig iR (Larateria 
arboren, Malra arborea), 

Der Malvenfalter, —s, 3. gl. ein bie Malven vorzüglich beſuchtn⸗ 
der Zagfalter (Papilio malvacı, Remnid. 

Das Malz, —es, 2. 0. das zum Bierbrauen Seffimmte Beteeite, 
welches man kelmen läßt und dann entweder in ber Darte biret, 
oder in ber Euft trockuet, im melden Male es Buftmalz heißt. Im 
weiteser Debeutung, das dur Einweihen und Döreen zum Sqhro 

- ten zubtreltete Getreide, ebenfalls fofern ea zum Bierbrauen gebrauht 
werden fol, Mat; machen. Gerſtenmalz, MWaijenmals, Hafer: 
mal, X Sprichw. Da ift Hopfen und Malz verloren, ba if 
nichts Gutes zu erwarten, ba if feine Befferung mehr zu Yoffem, 
ober da iſt alle Mühe vergeblich. 

Der Malzbaum, —es, Bi. —bäume, Hei Sen Bravern, zwei bide 
viesedige Stangen, die man beim Linmeifhen quer Über ben Meiſch⸗ 
bottih legt, um auf das baranf gelegte Malzheett die Maljfäde zw 
een und bag Malz beguemer einmelfhen gu konnen. 

Der Malzboden, —s, 94. —böben. ı) Fin Boten, auf weldem- 

a8 eingeweiäte und zu Malz beftimmte Getreibe geteodnet wird. 
2) Ein Boden, auf weichem Molz aufbemapret wird, 

Der Malzbottich, —es, By. —, bei den Braueen, berienige Bots 
th, im melden das zu Malz beftimmte Getreide in Waſſer einge» 
weicht und gequelt wird, bis es wrih wird und an der Spige aufs 
ſpringt, worauf es herausgethan und getrodnet ober geböret wird, 

Das Malzbrett, —es, Dh. —er, in ben Maljbarren, Bretter, auf 
weiden das Malz zum Darren gelegt wird, 

Die Malzdarre oder Malzdoͤrre, 24. —n, in ben Brauflufern, 

‚ ein beſenders eingreihtetee Ofen, in melden man Ferer anpänbet 
und das zu Malz beflimmte Getreide darauf trocknet. Befindet fi 
der Dfen In einem eigenen Gebäube, fo beißt biefes ſeibſt die Malz 
barre und das Mal;haus, 
aljen, v. intrs. u, trs. Malz machen, zu Malz maden, bas zu 
Walz beftimmte Getreide einmeihen und börren, oder wie beim Luft⸗ 
malze gefhicht, bloß am ber Luft trocknen laffen. Im gemeinen Bir 
ben lautet es moͤlzen. D. Malzen. ä 

Der Malzer oder Mälzer, —s, 94. gl. derjenige, meldet molyet 
ober aus Getreide Malz zu machen verſtehet; der Malzmacher. 

Das Malsbaus, —e6, By. —häufer, ſ. Malzdarre. 

Die Malpfammer, 9. —n, in brn Bronfäufern, eine Kammer, 
in weicher bas Malz, ehe man es in bie Mühle zum Schroten ſchafft, 
nachmahls angefeuhtet mwirb. ö 

Der Malzkaften, —6, N al. 1) Ein Kaufen, in welchem man 
Mat; vermahret, =) In manden Begenden, ein Kaſten von bes 
Ritmmter Größe in ten Malzmühlen, welcher zugleih das Map bes 
zu einem Gebraͤude erfoderlichen Walzes if. 

Der Malzkorb, — s, 4. —koͤrbe, ein Korb, im welchem man bat 
Malz von der Darre auf den Malsboben trägt. 

Dir Malzmacher, —s, Di.'ot. f. Maler. 

+ Dir Malzmahler, —s 2% gl. an mandien Orten, J. B. in Dre: 
ben, eine vom Malsmäller verfähichene verpflihtete Perſon, welche 
das zum Malen beflimmte Malz in Aufſicht bat. 

Die Malzmuͤhle, By. —n, cine Muͤhle, auf weicher ausfätiegtiy 
Malz geſchrotet wird, ’ 

Der Malzmuͤller, —s, By: gl. ber Befiger einer Malzmöühte, ein 
Möller, welcher Malz ſchrotet. 

Der Malzſack, —s, 8. — ſaͤcke, ein Sat von flarker Leinwand, 
al; darin von einem Drte zum andern zu ſchaffen; wie ach, «ix 
mit Walz angefülter Sad, 


Malz 


Die Malzfchanfel, 4. —n, eine Schaufel, mit welher man das 
zu Malz beflimmte Getreide, ober das Malz ſelbſt ummenbet, 

Die Malzſcheibe, 2. —n, bie auf der Kenne in Geſtalt einer Scheibe, 
d. h. in eimem flachen runden Haufen ausgebreitete Gerſte, aus wel 
her Malz werben fol. 

Der Malzftaub, —es, 9. Mg. dasjenige, was von dem Malge vor 
dem Schroten dur Sieben abgehet und aus Staub, Keimen ze. ber 
fehet; ouch Darrſtaub. 

Die Malzfleuer, 2. —n, eine Steurr, welche vom Malze entrich-⸗ 
tet wird (Maljaceise), ' 

Die Malztenne, Pi. —n, eine Tenne, auf welcher das zu Malz bes 
fimmte und eingeweichte Getreide gefhüttet wird, bamit es keime 
ober auswadhfe. In manchen O. S. Gegenden heißt fie bie Hummel, 

Die Mamberziege, My. —n, eine Art Biegen mit lappigen Ohren, 
etwas größer als bie Hausziege, melde ihren. Namen vom Berge 
Mamber in Eyrien bat (Capra mambrien); bie Sprifche Ziege, 
Indiſche Ziege, das Sorifhe Schaf mit lappigen Obten. 

+ Die Mamiering, Mg. —en, auf ben Schiffen, ein Schlauch, eine 
von geibertem Segeltuche ober Leder gemachte Röhre, buch welche 
Waffer geleitet werden Tann, und welde vor bad Loch einer Pumpe, 
duch welches fir das Waſſer ausgiet, geſpikert wird, 

X Die Maͤmme, 3. — n. 1) & viel als Mutter; doch nur in 
der gemeinen Sprechart, wofür man chemahis Hiufiger als jeht bas 
mehe Framſiſche Mama gebrauht; au Mamme Man hört es 
nue noch von Eleineen Kindern, und bedient ih ſtatt beffeiben, als 
einer Finbifhen Binennung, beffer und jrgi gewöhnlicher des edlertn 
Wortes Mutter, Diefeide Bewandniß hat es mit dem Werte Papa, 
wofär man beffer bad eble Wort Vater gebraudt, =) @ine feige 
Mimme, die verähtlihe Benennung eines feigen, weibifchen Den 
ſchen, ben man wol auch alte Mämine, altes Weib, auch Mämme 
ſchlechtweg nennt. 


-» Der Mammeibaumn, f. Dutenbaum. 


+ Das Mammele, —s, 9. u. 1) Im D. D. befonbers in Schwa⸗ 
ben, die Mutterbruft; bann, bie Weiberbruft überbanpt, =) @in Ge⸗ 
188, worand Heine Kinder Milch faugen. &. Kinberbutte, 

+ Mammen, v. intrs. im Fraͤnkiſchen in einigen Gegenden, am bee 
Brut trinken, fangen. D. Mammen. 

OX Die Mämmerei, 9. —ın. ı) Das Betragen, bie Deal: und 
Bıntlungsweife einer Mämme, ein feiges und weibifhes Betragen; 
ohne Mehrzahl. =) Eine einzelne Hanblung einer Mämme, eine feige 
Sanbluing. - 

X Der Mammen, —«, 0. MM. ein frembes Mort, welchem hier nur 
eine Stelle eingeräumt wird, weil es in ber Bibel und zumeilen auf 
den Kanzeln voefömmt. Man verftchet darunter im verähtliäen 
Simme, zeitlihes Vermögen, befonbers fofeen man ibm einen zu Bor 
den Werth beilegt umb fein Herz zu fehe daran bänget. Davon ber 
Mammessdiener oder Mammongsknecht ıc., einer der fein Herz zu 
ſehr an zeitlihes Vermoͤgen Hingt ıc. 

1, +X Man, oder Mand, ein Bindewort, welches in N. D. und am 
dern nörblihen Gezenden gebraucht wird. 1) Fuͤr aber. Er tinnte 
es wol, matt or will nicht. =) Bür nur. Laß es man gat fein. 
Er mag man fommen. 

2a. Man, ein Rürwort, weldes Überhaupt nur eine Perfon ohne n& 
here Beſfimmang biefer Perſen und ohne Beſtimmung bes Geſchlechts 
und ber Menge anzeigt und allein in Verbiudung mit Nusfagerdr: 
tern in der dritten Perfon ber Einzaht vorkoͤmmt, alfo au ohne 
Amiebung unb ohne Mehrzahl it Man feat. es fei der Friebe wahr, 
d. 5. die keute ſagen ı#, vb ghet das Seruͤcht. Man kann mise 
Alles willen, ein Menſch kann n’ht Sek wien, Derauf kann man 
ſich nit veriaffen, kein Menſch, ober wir, ober ih. „Man beneidet 
mid, fonft würde man Ar nicht verkleinern.“ Gellert, Was thut 
man nicht ars Sichel Zuweilen mixb ed aud von Thieren gebraucht, 
wırn biefe als Perſenen ober redtad eingeführt werden. „Der Thier⸗ 


196 


Man Zu 


Krieg Hirt auf, man if ber Zwietracht mäbe." Hagedorn. Die 
ſes man wird nur dann gebsaudt, wenn bie Fögung ben erſten 
al der Perfon erfobert; erfobezt fie einen andern Fall, fo bebient 
man fi eines andern Fuͤrwortes, 3.8. bes Wortes ein. Was man 
nit weiß, kann man auch von einem nit fobern Bob veırmiis 
bet man in ber guten Sprech. und Schrtibart biefe Art ſich aunchu ⸗ 
bruden. Überhaupt it von diefem man zu merken, baf es gewähn- 
id gebraucht wird, wenn mon bie Perſon nit näher bezeimem 
wit und. wenn bie Danblung, welche von berfelben ausgefagt wirb, 
von ber Art if, daß fie von einer jeben Perfon ausgeübt werben 
Tann. Dft bedient man ſich deſſelben au auf eine geswungene Art 
für ba, er, fie, ihe, wenn man fi biefer Wörter nicht bebienen wii, 
Dan laffe das fein. - Man höre, was ih füge. Man finde fih zu 
rechter Zeit ein. In manchen D. D. Kanzeleien wird das man um: 
ſchrieben und nod unbeffimmter gemadt; ein fehr verwerflider Gr: 
brauch. Wenn fi ſelbſt nicht einmapı gefhonet wird ıc. für, wenn 
man ſich ſelbſt nicht einmahl ſchenet. Im gemeinen Erben mander 
©. D. Gegenden lautet biefes Wort auh aur ma. S. Mann, 

Mancer, mande, manded, ein Fürwort, welches Perfonen und 
Sachen auf eine unbrfimmte Art bezeichnet, und. mehrere Dinge Ei⸗ 
ner Art bebeutet, unb zwar fo, baß man babri meht an eine Menge 
benft, fo wie man mit einige mehr ben Begriff bes Wenigen verbin- 
det, Die Umenbung beffeiben iſt folgenbe : 


Einzafl. Mehrzahl. 
Erſter FJ. Mander, mande, mandes, Mande, 
weiter J. Mandes, mander, manches. Mander, 


Dritter F. Mandem, mander, manchemm. Manchen. 

Bierter FJ. Manchen, mande, mandıs, Dande. 

Unter den Einwohnern find manche ſeht wohlhabend. Ih bafe fon 

. mande Kreube gehabt, ſchon viele. Manche werben ſich baräber 
freuen, manche ſich betrüsen, d. 5. mande Menſchen. „Dusche Liebe 
ungefaͤhr, das Mancher Gluͤckeſtern iſt,“ mander Menden. Mis 
Gh aelis. »Eo manche Stadt, fo manche Gotter haft bu, Juda, 
und fo manche Gaſſen zu Jexuſalem find, fo manchen Schandaltar 
habt ihr aufgerichtet,“ fo viele, Jer. 21, 13. 

“in Selb, der ſich durch manche Schlacht, 

Durch manch verhtettes Sand bes korbers werth gemacht. Sellert. 
Manches daͤtt —F für ein Ungläd, was.es doch nicht iſt, mande 
ober viele Dinge." Dft wirb es aud mit Verhältniäwärteen ge: 

. braucht oder fat derfelben mit bem zweiten Falle verbunden. Man: 
che von ihnen oder unter ihnen hat ein gieihes Tchick'al betroffen, 
Manche meines Freunde. Es gab ihrer ober teren manche. Im 
R. D. Sauter es mannig, maͤnnig. Ehemahls wurde mand ober 
manig au für ganz gebraucht. 

Nu rot ſy manigen tag. Iwain, 9, 208. 
Maniperlei, adj. u, adv, ohne Umenbung und W., von mander, 
d. 5. mehrerer und verſchiedener Art, Beſchaffenheit, auf mehrere 
und verfhiedbene Veiſe. Ir hat fih ſchon in manderlei Lagen unb 
Verhättniffen befunden, Man verbreitet mancherlei Rachrichten, 
Geruͤchte. Sich mancherfei Gedaaken machen. Dan erfährt mans 
cherlei, was einem nit Lich if. Das damit verbundene Stund⸗ 
wort wird eft au in bem zweiten Fall gefeht amftatt im vierten 
Falle zu ſtehen. 
Der't (Steine) lauchtete mancherle?e mit Scheine — d. Nibe: 
lungen & 8. 13754. 
Indeß trırgen in ber Hauptſtabt bes Landes ber Veränderungen 
manchetlei fih gu.“ Meißner, Auch gebraußt man manderfei 
fo wie allerlei als Grunbiwort, manderlei Dinge, Zufälle, Begehen⸗ 
heiten it. zu bezeichnen und in rin GSanzes zufammenjnfafen, 
Koh felig theift rin Menfhenderz, 
ol Mitgeföhts in Freud’ und Schmerz 
Des Sehens Mancherlei. Woß, 
%s Umfandwort, wie es Judith 3, ı9 verläimmt; Abraham 


/ 


Mandy 


“ warb mancherlei Serfüdht,“ für, auf wancherlei Art, iſt es unge 
wöhntih. Auch if «6 ungewoͤhnlich mancherlei Weife, für, auf 
manderlei MWeife zu fügen. „Nachdem vor Zeiten Gott manhmahl 
und mancheriei Weife gerebet Hat.e Ebr. 2,1. Ghemahis fagte 
man bafür and manderhand, wie man eMerhand für allerlei ſagt: 

Mancherhande Speife bir führte man ihn'n mite. d. Ribelum 
' gen &, 8. 3674. 
Manchmahl, ein umſtandwert ber Zeit, eine mehr ober weniger haͤu ⸗ 
fige Wirberholung auszubruden, Ich bin fen manchmahl kort ges 
weſen, ſchon oft. Ich habe es die ſchon manchmahl gefagt. Mauch⸗ 
mahl miplingt es auch, zuweilen. Im Sprechen unterſcheidet man 
die daͤuflgere oder feltmere Wiederholung durch die Ausſprache, in: 
dem man im erſten Falle den Ton auf bas Wort manch, im anbern 
Balle aber auf das Wort Mahl legt. Man Fann es nicht ohne Uns 
terſchied in allen Fällen gebzauden, wo von einer häufigern Wieder⸗ 
holung bie Rebe if, und wo man mehrmahls oder vielmahls, wie 
es gerade erfoberlich ift, fehen muß. Go ſteht es ungewöhnlich in 
folgenden Gteln: „Denn bie Pharifder effen nihe, fir waſchen 
denn die Hände mandımabl“ mehrere Mahl. Marc. 7,2. Nachdem 
vor Zeiten Bott mandmahl (oftmapls) und manderlei Weiſe gere⸗ 
bet hat.* Ebr. ı, ı. 

+ Die Mand, oder Mande, 9. —n, ſ. Manne. 

I. Die Mandel, 34. —n, ein Wort, eine Zahl von funfjehn Stäl, 
en, gewöhnlich einer umb- bexfelden Art zu bezeichnen. Gine Man: 
dei Eier, Äpfel, Müffe ıc. In ber Mehrzahl bleibt es gewöhnlich 
unverändert, wenn ein Bablwort vorbergehet, wie mehrere anbere 
Wörter diefer Art. . Vier Mandel maden ein Schock. In mandın 
Gegenden fagt man das Mandel, weldes vorzezegen zu werbin vers 
bient, Im engerer Bebeutung, eine Bahl von 15 Getreidegarben, 
welde man im ber Ernte auf dem Felde neben einander fept, um fie 

zufahren; im R. D. eine Hocke, und in Gegenten, wo ein folder 
Baxfen von Garben aus zwanzigen beſtehet, eine Stiege. Im 
Trierſchen fagt man dafür ein Kaften, Kornkaſten, im Oenabrüͤck⸗ 
fen ein Gaſt und in andern Gegenden au eine Gloge. 

23. Die Mandel, 9. —n, bie langrunde platte Frucht bes Mantel 

Baumes, welche in einer harten Schale eingefhloffen ift, in welder fie 

oft noch im Handel vorkommen und bann Krahmanbeln beißen 
Man unterfdeidet in Anfehung des Geſchmacks zwei Arten, füße und 
bittere Mandeln. Im gemeinen Leben nennt Mon fie häufig Mans 
delkerne. Uneigentli führen diefen Namen 1) in der Zergliede⸗ 
zungstunft, von ber Ähnlichkeit in der Geſtalt, zwei laͤnglichrunde 
zöthlihe Debfen, welde zwlſchen ben Schenkeln bes Bogens bed Gau—⸗ 
menvorhanges, fa in ber Mitte des Schlunbkopfes liegen (Tonsillae 
s, Amygdalae). =) @ine Ket Benusmufheln in beiden Indien (Ve- 
zus peetinata L.); aud Kammvenus, Scherbchen. 

3. + Die Mandel, 9. —n, f. Manage. 

Der Mandelbaum, —es, Ba. —bäume 1) Ein Heinee Baum, 
beiten Keuchtkerne bie Manbein find, und deffen Blüten aus fünf 
eiförmigen, fumpfen umd vertieften Biumenbiättern, mit einem ein: 
blattigen, röheenfdrmigen mit fünf Ginfhnitten verfchenen Kelche 
und vielen kurzen Staubfäten beflehen (Amygdalus L.). 8inn? 
dat ihn mit dem Pfiefhbaum, ber eben fo'be Blüten bat, in ein es 
ſchlecht vereiniget. Der gemeine Mandelbaum bat mehfrlsmeife 
fehenbe, glatte, dellgräne, Tärgiich zugeipiote und fägenfdrmig auspe: 
aodte Bitter, bie am Gticiende amwei (male Anfüge haben und 
treibt ſellcfarbige Wiüten, deren immer sel aus einer Knogpe hers 
vorbrechen, umd bie deim Iwelge, an weitem fie bifigen,, das Anfes 
hen einer Ähre geben (Amygdalus communis L.).. Andre Arten 
bluͤhen weiß oder pueperzord, 2) + Eon Namr des gemeinen Dfafr 
ferpäthens ober Paffrnrörters cher @piodelbaumes (Evonyımus 
Europreus L.); ayh Mangetdaum. 

+ Der Mindeibaum, —es, 3%. —hdume, in mindın O. D. Ges 
genden, sin Name der Kicfer \Pinus syivestris L,), 


197 


Mand 


Die Manbelbenzoe, Bp. v. im den Arzenelläten ein Rame ber grd. 
fern Stude ber zeinen Benzoe mit groͤßern Mildfleden. 

Der -Mandelberg, —es, 2. —e, bei ben Zuderdedern, ein Badı 
wert von Mandeln, Zucker, Eiern ac., welchem man bie Seſtalt eines 
Heinen Berges ober Zuckerhutes giebt, z 

Das Mandelblatt, —eb, Dy. —biätter. 1) Das Blatt des Man 
delbaumes. 2) Wegen einer Ähnlichkelt das Blatt des Kirſchlorber 
baumes unb biefer Baum ſelbſt. 

Die Mandelblume, Sij. —n, ein Rame der Küchenfchelle oder Oftem, 
helle, Oſterblume (Anemome pulsatilla L.), 

Die Mandelblüte, Sz. —n, die Blüte des Manbelbaumes, 

Der Mandelbrei, —s, 29. u. f Mandelmuf. . 

+ Das Mandelbrett, ſ. Mangebrett. 

Das Mandelbrot, — s, Wy. u. ein Zuckergebackenes von Mehl, zer⸗ 
rieberen Manbein, Zuder und Gewürz. ‚ 

Die Mandelbutter, o. 2. in den Rüden, Butter, wilche mit jere 
floßenen Mandeln vermifät und verfpeifet wird, j 

Die Mandeldruͤſe, By. —n, Drüfen, welde ben Mandeln gleichen, 
fh wie Mandeln anfühlen laffen; gewöhntih nur Mandeln. S. d. 

Der Mandelfalter, —6, 2. gl. eine Art Zagfalter (Papilio poda- 
lirius), Remnid. - 

Das Mandelbolz, —es, 24. u. 1) Das Holz bes Mantelbaumes, 
2) + So viel als Mangeholz. S. d. 

Der Mandelfern, —es, 33. —e, f. 2. Mandel. 

Die Mandelkleie, B.u. das nad) dem Auspreffen bes Öles aus ben 
Mandeln Übriggebliebene, weldes zum Waſchen gebraucht wisb und 
bie Haut gefhmeibig und glatt erbäit. 

x Der Mandeltoh, —e6, By. — küche, in ben Aüden, ein Kch, 
b. d, eine Ast Zorte, welde aus zerfloßinen Mandeln, Mid, Gier 
bottern 20. bereitet wird, S. Koch. . 

Die Mandelträhe, 9. —n, ein Name ter Blauktaͤhe, weil fie ih 
gern auf bie Mandeln auf dem Felbe in ber Ernte fegt, um Korner 
und Biefet zu ſuchen (Coracias garrula L.). &. Blaufrähe. Aus 
ber ben bort angeführtem Ramen führt fie aud nech die Namen 
biauer Häher, in Öfterreih Meerhäher, Weizhaͤher; Mandeltaube, 
blaue Holzkraͤhe, Galgenrätel, Blaurad, verderdt auch blaue 
Make und Blaurod, von der Stimme biefes Vogels raf! rak! fer 
ner, Heidenelfter, Krigeleifter, Augetelfter, Deutſcher Papagei, 

„ Galdfregel, Halkregel. 

Der Manveltrapfen, —s, 3m. gl. oder ald Bm. das Mandel 
träpfchen, ober —Eripflein, eine Art Arapfen aus geldätten unb 
zerſteßenta Mandeln, Mehl, Autter, Ein ıc. ©. Krapfen. 

Dad. Manbelfraut, —ı6, 9%. u. f. Marienrofe 8). 

Der Mandelkuchen, —s, 94. gl. bie Benennung derſchledener Aus 
Ken, zu melden ober im melde ganze oder geriebene Mandeln gr» 
nommen merben, 

Die Mandelmilh, o. 2%. ein Getränk, welches dem arfhötten zem 
flofenen Mandeln und Wafter bereitet wird, welches bad Unfchen 
einer Milch hat. Einen aͤhnlichen Trank bereitet man auch in ben 
Urzeneiläden, nicht allein aus Dianteln, fondern auch aus aubern 
Kernen und Früchten, melde ein DI enthalten (Emulsio), 

Das Mandelmuß, —es, 9%. von mehrern Arten, —e, in ben Kds 
dien, ein aus gefäätten unb zerriebenen ober zerfloßenen Mandeln 
bereiteten Muß; auch, ber Manbelbrei. 

1. Mandeln, v. I tes, ı) Nah Mandeln zählen. Das Efrite 
bols ıc. manbeln. a) In ber dandwirthfchaft, in Manteln fıpen. 
Das Getreide binden und mandeln. II) atr. mit fein, in ber 
Lanbwirthfhaft vom Getreide, welches in Garben gebunden vund in 
Mandeln sufammengeftellt wird, Manbein gleichſam in ſich erthals 
ten, Manbeln gebın. Das Getrelde mandelt gut, giebt viele Mans 
bein, weit es dicht ſtehet, dicke Halme bat ıc. 

Selches (Betreide) wie reich es gemandelt im Felt' auf berZens 
. ne nun ſchbffelt, Woß; 


dand 


b. $. welches anf der Tenne nun eben ſo diele Abhrner (ſcheſſelweiſe) 
airht, als es auf dem Zelte viele Mandeln gegeben hatte, — D. 
Mandeln. 


a. + Mandeln, v. trs. ſ. Mangen. 
Die Mandeinuß, Py.—nüffe, eine Art weißer laͤnglicher Hafelnäffe, 


weiche den Mandeln aäͤhnlich find (Corylus Fructu oblongö albo L.). 

Das Mandeidl, —es, Dt, Fin aus ben Dlanbelm gepreßtes 
feines DL. . 

Die Mandelpfirſiche, oder die Manbelpfirfhe, 2. —n, nad 
Kb. bir Name einer Art Pfirfihen, deren Körper an Belhmad ben 
fügen Mandein ähnelt. - 

Die Mandelpflaume, 9. —n, eine Rame bee Ratparinenpflawme, 

Die Manbelfeife, 8. von mehrern Arten, —n , fine aus gefloßer 
nen- Mandein und wehlriechenden Dien bereltete Seife, die Haut 

damit zu,refatgen und geſchmeidig umb glatt zu erhalten, . 

"Der Mändelfirup, —ıd, 4 m. Girup aus füpen Mandeln, 
Bunte . 

Die Mandelfpäne, Eh. u. ein Backwerk von Mandeln, Eiweiß und 
äuder, weides anf ganz bänne Scheiben von Zeige aus Weizen⸗ 
mebt und Beaffer geitrichen und gebadın wird, 

Die Mandelfpeife, 9. —n, eine Speife von Mandeln ober relch 
mit Mandeln verfehen. Stieler. 

Der Mandelflein, sb, 4. —t, Steine, melde die Seſtalt von 
Mandeln Haben und Naturſpiele find (Amygdaloides), 

Die Mandelfuppe, My. —n, eine Buppe mit Mandeln. . 

+ Die Mandeltaube, Dy. —n, f. Mandelltaͤhe. 

Der Mandelteig, — s, Mg. u. 1) Ein mit Mandeln zudertiteter 
Zeig zu einem Backwerke. a) Im ben Arzeneiläben, eine bickliche 
Maffe, welche aus zerſteßenen Menbein und auch aus andern Ker⸗ 
nen und Früchten bereitet wird. 

Die Mandeltorte, 2. —n, eine Korte ober feines Madwerf aus 
feinem Mehl, fein gerishenen Mandeln, Eerdettern, Miih unb Auder, 

+ Die Mandeltreppe, 9. —n, In der Baufunfl, eine Urt Wenbels 
teeppen, bei weiher in ber Mitte anflatt der Spindel ein meiſt 
adtetiger Maum befindii if}, der mehr Länge als Breite hat. 

Die Mandeliveide, 94. —n, eine Art Weiden, beren Blätter ben 
Mandelblättern ähnlich find (Salix amygdalina L.); auch Pfirs 
fihmeide, Haͤgenweide, Buſchweide, Pfahlweide, Korbweide, 
Schlickweide. 

Mandelweiſe, adv. nah Mandein, d. h. nad einer Zahl von 15 
Städen, Gtwas mandelweiſe verkaufen, 

Der Mandeljehnte, —n, 9. u. ein Behnte, welcher von ben Ber 


treibemandein auf dem Felde ober nah ben Mandeln gegeben wird; . 


der Garbenzehnte, Zugzehnte z zum Unterfhlebe vom Dorf:, Sads 
und Scheffelzehnten. 

Der Mandler, —6, 9. gt, 1) Eines, ber das geiänittene und ges 
bundene Getreide in Mandeln fept. 2) $ Finer, der manbilt ober 
manget. &, Mangen. An manden Orten werben auch bie Schmarss 
oter Blaufärder Manbfer genannt, meil fie bie gefärbte Leinwand 
vermittelft dee Mandel oder Mange glätten und glänzen. 


+ Mang orer Manf, ein Berhättnißwort im N. D. und in ber ger 


meinen Sprechart in ber Mark, weites gemengt, vermifdt bebeutet, 
Mangander, unter einander. Es koͤmmt in ber Büherfprade nur 
in menigen 3ufammenfegungen vor. ©. Manskorn und Mangs 
forache, wofür man aber beſſer Mengekorn, Mengeſprache oder 
Miſchſptache fagt. 

Die Manae, My. —n, ein Höljermes Werkzeug, weldes aus eineg 
ebenen Unterlage, einen am Boden glatten und mit Eteinen ber 
ſchwert n Kaſten und einigen glatten Watzen befizhet, und meldes 
diemet, gemafchene ober gefäubte Teinene Baden, beſonders Waſche, 
bie man um bie Malzen wicelt und unter bem barauf beweglichea 
Kaften hin: und Gerzollt, meld nnd glatt zu machen; auch bie Rölfe, 
and im gemeinen Eben bie Mangel und + Mandel. Eine Wild: 


198 


Mang 


‚mange, Barbemange, Handimange. Im Hennebergfen wieb-aud 

en od rg u Zuge vermittelt deſſtlhen Glanz zer ge: 
das Daub, wo biefes leht, au l 

wird, die Mang et rs k * — 

Der Mangebaum, — s, Si. —baͤume, ein Oflindiſcher hoher und 
aͤſtiger Baum, welcher zeſtielte, Lange, breite und zugelpigte Blätter 
und ſteausfoͤrmige Blumen treibt, die aus fünf lanzenfoͤrmigen weiß: 
Uchen mit gelben Dieden bezeichneten Blättern: befifen und fünf 
Staubfaͤden haben, melde den Fruchtleim, diſſenSriffel ih mit 
einem gelben Etaubwege endlget, umgeben (Mongifern L.). Die 
faftige, angenchme [üß und fäuerlid ſchmeckende Frucht bat unge: 
fahe die Größe eines Gänfeeies, iſt platt gebrhdt und Frumm gebo- 
gen, daher fie and) nierenförmig genannt wird; fie fhlieht- eine Mug 
ein, deren weißlicher Kern bitter und unangenehm ſchmeckt. 

Das Mangebreit oder Mangelbrett, —es, 24. —er, ein ſtarkes, 
auf ber untern Flaͤche glattes Stüd Holz mit einem Griffe an bem 
einen Gnbe, welches man auf das Mangeholz ober bie Walze, 
worauf ein Stüt Mäfde ıc, gemidelt.ift, aufbeüft und-biefes un- 
tee bemfelben hin» und hertoilt um die Wälhe weich umd glatt zu 
maden; im gemeinen Leben auch + das Mandeibrett, 

—————— — s, 5. hoͤlzer, die runden 

er oder sen einer Mange, auf welche die Waͤſche x 
wird. S. Mange und Mangebreit. ii Fe en 
Eine zierlihe Ele, ein Mangelbolz und ein Drfem. Voß. 

Der Mangel, —s, Dip Mängel. 1) Die Atwefenheit einer mot 
mendigen ober mothiwendig geachteten, ober amd einer gewänfdten 
Sache, mit dem Berbältnifworte an verbunden wird, Mangel an 
etwas haben, etmas, was man zw feinem Bwede mict entde hren 
kaun, nicht haben. Dee Muͤller, bie Mühle hat Mangel an Wafı 
fer, Winde, Mangel am Gelbe haben. angel an etwas feiben, 
die Abweſenheit einer unentbehriihen Sache auf eine lebhafte und 
unangenehme Art empfinden. Mangel an Lebensmitteln. feiben. 
An Best ift mod fein Mangel, ober, man fpärt noch keinen Mans 
gel baran, Zuweilen fagt man aud von Dingem, bie in Menge da 
find, es fei fein Diangel daran, oter man ſpuͤre baran Eeinen Mans 
gel, Es ift an Ciehgabern, Abnehmern ıc. Fein Mangel. Die Sache, 
deren Abweſendeit angezeigt werben foll, wird zuweilen, aber nidt 
aut, aud in ben zweiten Fall geſetzt, obgleih bas Musfagemsrt 
mangeln mit biefem Kalle gefügt werben barf, weil er bier bier fein 
MWifverftändniß erregen kann, „Der Mangel ber täglichen Raprung.* 
Sat. 3, 15. @ zeigt von Mangel an überlegung. „Ein Mangel am 
efpeitöfenfe ift oft Schuld daran, daß ein Menfd in der Gefelihaft 
viele Fehler beacht." Eberhard. Einem Mangel abhelfen. Cinen 
Mangel erfegen. Der Brotmangel, Geldimangel, Kormmanget ır. 
In engerer Bebeutong bereidnet Mangel bie Abwefenheit des zum 
Leben Unentbehslihen,. Mangel leiden, Bittern, brädenben, ems 
pfindlihen Mangel leiden, die Abweſenheit bes zum Beben Iinente 
behrlichen auf eime fehr lebhafte unangenehme Art empfinden. Ja 
Mangel geratpen. Mit dem Mangel impfen, Mangel leiden unb 
bemfelten abzutzelfen fuhen, Man fieht ihm, keinen Mangel an, 
man fieht an feinem Kaperm nicht, bap ex Mangel leitet. =) Eine 
Unvelfommenpeit, ber Abgang ober bie Abweſenheit einer möthigen 
Bontommenpeit, ober eine Figenfchaft, Belhaffenpeit, beren Dafein 
die mötbige ober mögliche Bolltommenbeit hindert. Wergl. Fehler 
und. Gebrehen. Gin weſentlicher Mangel des Haufes if, daß 
aicht Licht genug hat, Rein Minfh ik ohne Mängel, „Rutterus 
ſteht bei mir im einer folhen Werebeina, daß ed mir, alles wohl 
überlegt, reiht Heb if, einige Heine Mängel am ihm entbedt zu 
haben.“ Beffing. Die Mängel Anderer mit dem Mantet ber 
kriſtlichen Tirbe zudecken, fir aus kriſtlicher Biche und Schonung nicht 
befanut machen, ſondern vielmehe verbergen und entſchuldigen. 

— — und haite jemand im Antlit 
Einen Fehler, wie er auch war, sim Flecchen im Auge, 


Mang 


Durft er ſich aur im Spiegel beſeh'n fo giugen von Srımb' an 
ame Mängel hinweg und alle freide Gebrechen. Börde, 

+ Der Mangelbaum, f. Mandelbaum a). 

Das Mangelbrett, ſ. Mangedrett. : 

Mangelbaft, —er, —efte, adj. u. adv. einen Mangel ober Mängel dar 
bend, bie gehörige Wolllommenpeit oft auch Boltändigkeit nicht Habenb. 
ine mangelhafte Bandfärift (eine defecte), bie nit Alles ent» 
Hält, was zu derſelben m vollſtaͤndig zu fein gehört, entweder weil 
fie nicht vollendet mwurbe ober meil etwas davon verloren gegangen 
iſt ꝛe. Das Bud iſt mangeibaft, db. h. ſowol fein Inhalt ift manı 
gerboft, indem es feinen Gegenftandb auf eine unpcelfommene Art 

- Lehanbelt, als auch, es iſt nicht volfiänbig, es fehlt etwas barın. 
Daron bie Mangelhaftigkeit, der Zuſtand einee Perfon und Sache, 
ba fie mangelhaft iſt 

Das Mangelbolz, f. Mangeholz und Mangebrett. 

Die Mangeltrabbe, 94. —n, eine Art wohlfhmedender Krabben In 
den fumpfi.en Gegenten von Sübamerifa (Cancer uca); bie Mo: 
raſttktabbe. si n nn 

⁊. Mangeln, vuntr, mir haben, nicht alles zur mögliden und ges 
wünfsten Bellkemmenheit Nöthige haben, enthalten. +» @s man: 


gelm noch einige Thaler an ber Cumme, die Summe ift nod nit ' 


volltändig, well die Thaler, 
neh nicht dabei find, 
Les, am fie volftändig nennen zu innen. Es mangelt dem Müller 
das Waller, ober es mangelt ihm an Waſſer. Es mangelt jegt 
uberall am Gelbe, Mir mangelt zu meinem @läde, zu meiner Bus 
friebenpeit nichts, d. b. ich Habe Alles was mein Gluck, meine Zu ⸗ 
friebenpeit nolltommen maht. Man laffe es an nichts mangeln.s 
mit dem-zmeiten Falle ber Sache wird es in ber höhern Schreibart, 
wie auch in der Bibel gebraucht. „Dem des Wrots mangelt.“ 
Gprihm. 190, 9. „Daß fie ber alten Opfer mangelt.“ Gothe. 
Beltor, am Schoͤnhrit ein Held, ber Tapferkeit mangelt bie dies 
Is, Boß. 
ben ſo wird es auch außer der Sidel von unfern beſten &chriftftel: 
lern als eim perfönlichen nicht bloß drittperſentiches Ausſagewort 
” gebraucht „' wo es haͤufig in’ weiterer Bebentung auch bioß nicht ba: 
> ben bebentet, edne ben Begelff damit jum verbinden, daß dadurch 
eine Bolfommenpeit verloren gehe. „Cie mangeln bes Muhms.“ 
Abm. 5, 25. „Der eine Heime Zeit der Engel gemangelt Hat.* 
br. ⸗, 9. . 


bie fie volfläntig maden folen, 


Keen von dee Heimath 
meiner, bes Flucht Abwebrer zu werben. 
Bosß. 

wiewol «& (das Sand) der Ebenen mangelt. Derf. 

D. Mangeln. D. —ung if nur in bem zufammengefegten Er⸗ 
mangelung ablich. . j 

2. Mangeln, v. trs. f. Mangen. 

Das Mangelpferd, —ı8, MM. —e, ein in ber Mangel gehentes 


Pferd. 

Die Mangelrübe, 4. —n, die Runkelrübe. 

Die Mi.gelmurg oder Mengelwurz, 4. u. f. Mango 4). 

Mangen, v. trs. mit der Mange ober auf ber Mange wei und glatt 
madınz auch mangeln, + mandeln, rollen, Die Wälhe mangen. 
D, Mangen, Mangeln. D. —ung, —lung. 

Der Manger, —8, 2%. Hl. 1) @iner der manget. 1) Im Hen⸗ 
neberaiäien, rin Schinfärber, S. Mange, und Mandter. 


Sant er, und mangelte 


Das Mangfutter, (Mengefutten, —s, 9. u. gemengtet Kutter, * 


Butter, das aus rntereinanber gemengtem Getreide ic. beftehet. 
Das Mangkorn, Mengekorn), —es, Di. u. gemengtes ober vers 
mitchtes Korn ober Grteribe, Beſonders zmwel ober mehrere Arten 
Getreide, weſche man iuntereinonder anbauet: auch Gemangkorn, 
Wiſchkorn, Miſchelkorn, Miſchgetreide. 
Der Mangold, —es, Big. ven mehrern Arten, —e, der Rame vers 


199 


Es mangelt dieſer Sammlung noch zu Bie⸗ 





Man. | 


Idiebener Gerwädfe." 1) Eines Gewdqhſes, beifen Sauptthell die 
weiſt dicke, lange und geniefbare Wurzel iſt, umb meldes einen aus 

; Fünf längiichen,. fiumpfen, vertieften Blätthen beſtehenden Kelch, 
kein Blumenblatt, fünf wechſelswelſe geflelte GStaubfäben und zwei 
Griffel mit fpigigen Gtaubwegen zeigt (Beta vulgaris L.); im 
R. D. Beete, im O. D. Beige, Bieße, Veißrübe, Beißkohl. Die 
befanntefte Art iſt die mit großen, bien, bunfelrotfen Wurzeln, bieben 

» üben ähnlich find und auch rothe Mübe, Runkelruͤbe, Runtel, 
rother oben ſchwarzer Mangold; Beißruͤben, in Baſel Robnen, in 
Schwaben Rahnen, in Köln KrotenKazotten) heißen (Beta vul- 
geris L., Beta rubra-radiee zapae).: Dapon -umterfhieben iſt bei 
Remnid, Beta sylvestris radiap.crassa, Beta altissima Backm, 
mit ſehr großen diden Wurzeln; die Runkelruͤbe in Feanten-und 
in der Pfaig, Raunſchen am Rhein, Rangers, Burgunderräben 
in Sachen, Dickruͤben, Didwurzein in Darmfabt ıc., Zulips im 
Etſas, bei Einigen Zurneps, Turnips, unb in-manden Gegenben 
Rummelrüben , Rohnen, Ronnen, Rtanderwurz, Rangers, Fut⸗ 
terrüben. ıc. Man benügt: biefelde vorzglich als Wichfutter.. Der 
weiße Mangold fat batd mehr gehulid, bald mehr weißlich gefärdte 
Stengel, dreite Blätter und eime bünnere weife Wurzel (Beta ei- 
ela L., Beta major foliis Jatissimis); aud weiße Bete, meißer 
Beißkohl, Roͤmiſcher Kohl, Schweizermangold, grüner Mangold, 
Beßkohl, Bieß, in Wärzdurg Manihel. Aus bem Gafte berfelben 
bat man in neuem Beiten einen feflen Zucker zu bereiten verſucht. 
Andere Arten find ber Mesrmangold, welcher in England und Hols 
lanb am. Meezufer wild. wählt, fon im erſten Jahre blüpet, 
ſchief geftelte Blätter. umb zwei neben einander ſtehende Blumen 

„jeiget (Beta maritima.L.); die Meerbeete; umb der gelbe Mans 
gold (Beta lutea mrjor Lu); 2) Einer Net des dungentrautes; 
der Hirſchmangold (Pulmonaria oflieinalis L,), 3) Einer Art 
bes Dänfefupes, guter Heinrich, au fhmieriger Mangold (Che- 
nopodium bonus Henrieus L.: 4) @iniger Arten des wilden 
Ampfers, als des Merrampfers (Rumex maritimus L.), auch 
Meermangold; und der gemeinen Grindwurz (Rumex acutus L.), 
auch Mengelmur. 5) Eine Art bes Sintergrün, Walbmangeld 
ober Holzmangold genannt (Pyrola ofieinalis, Pyrola rotundi- 
folia L.). s 

t Die Mangforache (Mengefprahe), 2. —u, eine gemengte, 
gemifchte Sprache, eine Sprache, welche feine Urfprache iſt, fonbern 
aus andern Sprachen gefhdpft hat unb fhöpft; wie auch, eine Spra⸗ 
de, bie eine Urſprache fein kann, aber unnöthiger Weiſe mit Wör« 
teen und Ansdrüden aus fremben Sprahen vermiſcht ift, mie zur 
Beit noch bei ben Geiften bie Deutſche Sprache; auch Miſchſprache. 
— ſo würden wir Beine felbftbilberifhe (fi ſelbſt bildende), fon» 
bern eine undeutlihe Mangfpradye zum gemeinen Gebrauch haben.* 
Saiffert. 

+ Der Manichel,— 6, 9. al. ſ. Mangold a). 

+ Mant, f. Mang. 

Der Mann, —s, 34. Männer (in geisiffen Fälen auch, bie Leu⸗ 

te); Bio. das Männden, D.D. —tein, Rp. gl.und auch die Mäns 

nerchen, ein ſehr altes und in vielen Sprachen lebenbes Wort, wels 

des 1) ehemahls Aberhaupt einen Menſchen bebeutets. 

Der ne kumber erleht (Rummer erlitt) 

Dem erbarmet bes mannes arbıyt. Imain 7, 54. 
Überbieibfel diefee Bedeutung finden ſich in dem Foͤrworte man, in 
dem zufammengefogten jebermann, mofär man ehemahls auch nug 
man faate. Sy teten, als man ba pflag, Iwaim zı, 4755 
ferner in den Wörtern jemand, niemand, männiglih. Auch bie 
Wörter Kundmann, Waͤhrmann ıc., melde von Peefonn beiderlei 
Geſchlechte gebrauht werden, laſſen fi hieher yiehen. Auch wird 
Mann in einigen Bien im gemeinen Lehen ned gehraucht, eine 
Perten, fie ſei männlides oder weibliches Geſchlechte zu kezeihnen. 
Eine Vaare an den Dann bringen, fie-bei jemand anbringen fit, 


Mani. i 


200 


Mann 





"an jeinanb verfaufen. I Fennemeinen Mann, die Perſon, mit 


welcher dd zu thun Habe, Ih halte mich an meinen Mann, an bie 


geſchloſſen worden, buch eine'britte Perlon, 


fen, von welcher ich es empfangen oder erfahren habe, Wran 
die Rott an Mann oder an den Mann gehet, wenn es Roth um 
jemand thut wenn jemand nöthie umd niemand da if. Des Mann 
einen Bogel, auf jebe Perlen koͤmmt eim Bogel d. h. ein ganzes 
Stud, bei Berthellung von Dingen, beren gtrade fo viele als Perſo— 
nen rorhanden find. Ss fehlt mod) ber dritte Mann, bie beitte zum 
Spiele nothige Prefom Di: Verbiadung if durch ben beitten Mann 
nterſtehen Sie ſich 


das, ſo find Sie der (ein) Mann des Tedes,“ b. h. eine Perſen, 
die ihr Leben verllert. Iffland, Bemöpntiher ſagt man im biefem 
Bearſtande, ein Kind des Todes. © Rindi =) Eine Perfon maͤnnliches 


Sciäichts, in welder Bebeutung ed chemahls für eine ſolche Perſon 


“ jedes Alters gebraucht warte, wofür man fich jegt, wenn niht son 


einem Blanne in engerer Bedeutung die Bebe if, bes Wortes 
Mannsperfon ober anderer beſtimmterer Kusbräde bebient, -„Unb 


"Gott ſchuf den Menſchen ihm zum Bilde — und er ſchaf fie ein 


’ Männfein unb Fräulein.“ mW of. ı, 27. 


„Die Tag müffe vers 


loren fein, da ih geboren bin, unb bie Nacht, ba man ſprach: es If 


pr 


tt ein Maͤnnlein empfangen.“ Biobz, 3. Bergl. Mannsbilb 
end Mannsperfon. Doh mennt man in Scherze Knaben no 


Männchen, und in der Roturbefhreibung führt ein Thier maͤunll ⸗ 


es Geſchlechte ebenfalls den Namen Männchen, in Begenfat vom 
Weibchen, wofür man im gemeiom Leben, befonders von Wögeln, 
Er, im R. D. He, Heken und Sie, von Bögeln ach Hahn und 
Henne, ober Hahn, Sie und Siechen oder Sieke fügt, „Und bu 


‘ follt in ven Kaſten thun alleriel Thiere unb von allem Fleiſch, je ein 


Yaar, Maͤnnlein und Fräufein.« ı Mof. 6, 19. 
man ed meift nur von Heinen Thieren. Im engerer Bedeutung if 
dee Mann, eine Perſon männlihes Geſchlechtes nad zurücgelegtem 
Sänglingsalter, vom biefer Zeit an, ba fie ihr völiges Wachsthum 
erreicht hat und in voller Kraft ift, bio zu ihrem Tode; in Wegen 
ſatz vom Knaben und Juͤnglinge. Das Alter, weldes dazu erfobert 


witd, ein Mann gemannt zu werben, braucht noch nidt zo Jahrt 


au betragen, indem man eine männliche Perfon von zwanzig unb eis 
nigen Jahren auch ſchon einm Mann oder doch einen jungen Mann 
wennt; genau genommen nennt man fle aber erſt vom zoften Jahre an 
einen Dann, nah ber Stufenfoige bes menf&Hlichen Aiters im gemeis 
nen Beben „dreißig Jahr ein Mann,“ is zum Goften Jahre, wo bie 
Kräfte merfiih abnehmen und nad weihen ein am ein alter 
Mann ober ein Greis genannt wirds, Das Alter von zo Jahren 
findet au Kant, nach weichem derjenige ein Mann if, „ber feine 
Urt fortpflanzen aber auch erhalten Tamm," dazu erfodırlih. Gin 
Mann in feinen deſten Fahren, bis zu feinem funfzigften Jahre und 
darüber, Ein draver, ehrlicher, rechtſchaffener u. Mann. Das 
2ied vom braven Wanne. Mas Gvangelium vom zeigen Manne, 
Ein esfahrner, kluger, geleheter Mann. Ein Mann von Kennt 
niffen, von Melt, von Befhmad, Gefühl ıc, „&e wird der Mann 


vdon Beitmade in ben Hünften ein Mann vom Lebensart. Bellert. 


in armer, ein gemeinee Manu. Unter dem Kusbrude gemeiner 
Mann, verſteht man als unter einem Sammelworte, oft au übers 
haupt Perfonem geringen Standes, befonders in Auſehung ded ges 
zingen @rabes ihrer fitilihen und Werflanbessiibun. So etwas 
glaubt deut zw Taqt nur noch ber gemeine Dann. Sich Mann 
für Mann ſchlagen, immer ein Dann mit bem andern, Sie folg: 


sem einander Mann für Mann, ein Mann nah dem andern. Sie 


gingen Mann bei Mann, einer neben bem andern. Gie zogen in 
einer fangen Reihe zu vier Mann, ober vier Mann hof, b. $. 
immer vier Männer neben einander. Es wurten sehn Mann bezu 
beorbert, zehn Mänder, ober auch, nur zehn Perfonen. Den Baum 
kinnen vier Mann oder vier Männer nit umklaftern. In dieſer 
Bedeutung gebraucht man auch bad Werkieinungawert Männden, 


Doch gebraudt a 


Maͤnnlein einem kleinen Manne; auch if es ein Bichfofungs« 


wort für, einen lieben werthen Mann, beſonders in dem Mande ei⸗ 
ner Epefzau. Die Wehrzahl Maͤnnerchen aber wird nur im ver 
achtuchen Sinne gebraucht. Im neh engerer Bebrufung verbindet 
man mit ber Benennung Munn als einer erwadfenen männlichen 
Perfon vom zoflen Jahre an, ben Begriff innerer und fitltliher 
Vorzüge und eines höheren Würde in der bäuslihen Geſellſchaft. 
Dan verflchet dann darunter (1) eimen exfahenen, gefegten, ent: 
ſchloſſenen, ſtandhaften, muthigen ıc. kurz, einem Wann, bei wei 
Gem ‚die Kräfte des Verſtandes, Gemüthes und Körpers in voller 


Axtaft And, und gehörig angewendet werben oder doch werben Zön- 
‚nen. Gr hat ih als einen Mann gezeigt. 


So fei geizoft und fei 
ein Dann.“ 2 Kön, a,» Ich fehe meinen Mann, ich flehe, 
ih halte Stand als ein Mann, „Bin id nicht Mannes genug, 
ihm eiamahl Alles zu erfegen?* b. $. bin id als ein Dann nicht 


"Bart genug, mihe fähig ac. Leffing; in welchem Sinne man and 


von mehreen fagt: find wir niht Mannes genug ı.? Ich bin bir 
Mann dafüe, ih fiche die als ein Mann dafür, leiſte bie dafür 
Bürgfgaft, „In bem Schooße des Siäds iſt noch felten in Mann 
erzogen worben." Duſch. : 
D weihe Eöhne fapfrer Franken, ſprechet 
Belnetien um Männer an! RMamier. 
Ein grofer Mann, ein Mann, ber mit großen Vorzugen bes Beir 


‚Bes and Herzens, geoße Berdienfie ohne irgend Anfprüche darauf zu 


gründen, verbindet. Chemahla bezeichnete auf eine ehrendolle Mbeife 
bie biofe Benennung Mann vorzugsweife fhon einen ehrlichen 
Mann. X Ein Wort, ein Wort, ein Mann rin Mann, d. h. 
ein eprliher Dann Hält Wort. (2) Ein tapferer Mann, Als ein 
Mann flreiten, flegen, flerben. Cie mwehrten ih ais Männer. 
Cie fielen als Männer auf bem Rampfplage.. Ehemahls, da die 
Ritter tapfere Männer waren, bezeihnete Mann aud einen Ritter, 
wie aud) einen abeligen Erhendträger, ber fein Beben buch Krirga⸗ 
bienfte verdienen mußte, im welcher Bebrutung bie Mehrzahl auf 
Manne und Mannen lautete, welde Form zuweilen noch vortimmt. 


So turmier’ ih auf meiner Burg mit meinen Vaſallen und Mans 


nen.“ Wächter, Bon jenes Webeutung bes Wortes Mann, für 
tapferer Mann, zührt no bie bamit verwandte Bedeutung, ba 
man e& für freitdarer Mann gebraugt, am häufigflen von Krieges 
bienfte Teiftenben Perfonen. Mnfer Haufen hat nur einen Mann 
bei bem Angriffe verloren. Ginen Marke flellen, ihn zum Kriegs 
bienfle mit Sewehr und Beng abliefeen. Wenn ein Zablwort com 
berzebet, ſo bleiht es wie mehrere Wörter biefer Art in ber Mehr⸗ 
zahl unverändert, Funfzigtaufen® Mann zu Fuß und zehntauſend 
Mann zu Pferde, Die Soldaten Ranten drei Mann hoch. Wir 
viel Mann find geblieben? Es wurden in jcbes Haus ſeche Mann 
gelegt. Mann für Mann vorbeiziehen (defiliren), Die Mehr 
zahl Männer iR in dieſer Webeutung Überhaupt nicht gewöhnlid, 
fondern man fagt Leute, wenn man mehrere fireitbare Männer ober 
Soitatın. bezeichnen teil, Ein Hauptmann mit fanfzig Leuten. 
&r unb feine Leute haben fih brav gehalten. Wohl aber fagt man 
Kriegemänner, welhes edler iſt als Kriegsleute. Bei der Beiter 
rel wird auch ber Heiter in Gegenſat feines Pferdes nur der Mann 
genannt. „Mann und Rep hat er ind Meer geſtürzt.“ = Mof. 
25, 21, ° Auch bie Shiffsmannfhaft wirb in ber Mehrzahl nur 
Mann genannt. Das Schiff ik mit Mann und Maus unterge⸗ 
gangen. (3) @ine verheirathete Perſon mänaliges Geſchlechts, ein 
Gpemann; in Gegenfah ber Frau ober bes Weibes. Ginen Mann 
nehmen, brfommen, haben. einer Zohter einen Mann wählen, 
geben. „Mreiti biſt bu Älter als beine Schroeſter und ſollteſt auch 
eher einen Mann baden.“ Bellert. ‚Darum wird ein Mann 
feinen Bater und feine Mutter verlaffen unb an feinem MWeibe hans 
gen“ a Mof, ne, 24. In Fällen, wo man mit mehr Achtung 
ſprechen wit, fagt man bafür Gatte, Ehegatte, Gemahl. Sm 


Mann 


weiterer Bebeutung unb in Scherz nennt man auch wol ein hier 
männliches Bejglchts in Gegenfag bes Weibhens oder ber Weibchen 
den Mann. Seht wie ber Mann ber Herde 
Den Morgen fühlt, Hageborn, 
5) Außer den angeführten Bebeutungen wird Mann auf verſchie⸗ 
dene Krt nod uneigentlih gebraucht. (1) In bee Raturbefhrribung 
fahrt den Ramen fhöner Marin eine fhöne draunrdthliche Hechtute 
in ben Dftindifchen Meeren (Conus nobilis maritus formosus). 
(a) In der Shiffapet nennt man dad Schiff, weiches dor einem 
“andern: fegelt, den Vormann beffelben; das hinter einem andern 
‚fegeinde, ben Hintermann oder legten Mann. (5) Im Bergbane 
ift der alte Mann das ausgejauene und mwieber. mit Schutt auss 
‚ gefüßte Feld. „Den alten. Mann, finden, auf ben alten Dann 
Zommen, auf ein foldes Feld oben; in ben alten Maun bauen, 
in ein foldes verfhättetes Feld bauen; im alten Wanne durchſchläͤ⸗ 
gig werben, mit der Arbeit an eine verfallene Zeche kommen. ten 
daſelbſt if ber filberne Mann, ber zeihhaltige Raum, welder 
burd das Bufammentreffen mehrerer, Saͤnge entfichet, welcher Raum 
'aud ein Bauch genannt wird. (4) X Der arme Mann, in man 
Sen Gegenden, in Butter gezöftehes Brot; das arme Männchen 
aber bei den Mälleen, bad Diebelch, worein fie das gefloplne Ges 


teeibe verſtecken. (5), In den Buchdruckerelen ‚peipt Männchen auf, 


Männchen abdrucen, unverändert abdrucken, von einem Bude, 
wildes bei ber neuen. Auflage mit ber vorhergehruben [o genau übers 
einfimmenb abgebrudt iſt, daß Geiten, Spalten und Alles genau 
auf-einander trifft unb paßt. — fo baf folglich jebe Zeile vor dee 


andern Männden auf Männden abgidzudt würde." I. P. Ride 


ter, (6) Bei ben Jaͤgern heißt der gefhräntte Gang bes Hir ſchec, 
‚ melden ex nur hat, nahbem er nölig ausgewadfen iſt, ber volle 
‚ Mann ober ber volle Schrank... Der Hafe, das Kaninden magst 
Männdhen, wenn er. ober es ſich auf die Hinterbeine fegt und mit 
ben Vorberbeinen irgend etwas thut. (7) Außer biefen Bebeutuns 
‚gen firht man auch aus bem Wirte Haarmann (f. d.), daß Mann 
ehemahls auch im einigen Fällen ein Ding überhaupt bebeutet haben 
möäfe. — Mit den Worte Mann werden viele Zufammenfegungen 
ebildet.. Stehet es zu Anfange, fo lautet es bold Mann, bald 
anne (bie biemit zufammengrfsgten find meift niebrig), balb 
‚Männer, und bezeichnet etwas bem ober zum Manne und tem 
männligen Seſchlechte Gehoͤriges, dbemfelben Angemeffenes 1c.; flehet 
es hinten, fo bebeutet e bis auf wenige Ausnahmen eine erwach⸗ 
fene Perfon maͤnnliches @elhiehts, melde burd das erſte Wort ber 
Bufammenfelung näher beftimint wird, als Adersmann, Bergs 
mann, Dimfimann, Edelmann, Fuhrmann ıc. Im vielen Faͤl⸗ 
len, aber nug im gemeinen Leben, bezeichnet Mann eine Perfon, 
welche mit bemienigen, was bas bamit zuiammengef:gte Wort bes 
zeichnet, handelt, ee maht ıc. Der Buttermann, Obfimann, 
Kräutermann ıc. In den Bufammenfegungen lautet bie Mehrzahl 
„bald — männer, bald —leute, ober man gebraucht fie auch beibe. 
Männer lautet fie in allen Fäden, wo Mann einen Ehemann bes 
deutet; alfo Ehemänner, Tochtermaͤnner, Wittmänner. @ben 
fo, wenn bei Mann ber Begriff fietlicher und Auferlicher Vorzüge 
Ctatt fintet, 4. 8. Biedermaͤnner, Ehrenmänner, Staatsmän: 
ner, Kriegämänner, Rathmänner it. Leute lautet bie Mehrzahl 
im gemeinen Leben, wenn von männligen Perfonen geringern Stan: 
bes, ober foldien, von welden man gerade niht mit Achtung ſpricht, 
die Dede iſt z 4 B. Arbeitsleute, Bettelleute, Dienſtleute, Edel⸗ 
leute, Hausleute, Hofleute, Landiente, Miethsleute ıc Oft 
bebeutet dann Leute auch Perfonen der Art, als bas game Wort 
bezeichnet Äberhaupt, ohne Unterſchled bed Befhlehts, wie in ben 
Wörtern Arbeithleute, Bettelleute, Dienſtleute, Dorfleute, Haus: 
Leute, Landleute, Miethsleute ıc. WIN man beſtimmt männliche 
Perfonen birfer Art bezeichnen, fo gebraucht man die Mehrzahl Mäns 
wer, Bettelmänner, Dienfiminner, Miethamaͤnner ic. Auf 
Gampe’s Wörterb. 3. Th. 


201 


Mannb 


wenn man mit mehr Achtung ſprechen will, gebraucht man Männer, 

3. B. Amtmänner, Handwerksmaͤnnet, Schiebemänner, Steuer ⸗ 

—— ic. In manchen O. D. Gegenden iautet dieſes Wort auch 
‚nur Ma. 

X Dos Manna, ohne Umendung und DM. u. bie aus dem Hebrli- 
ſcheu beibepaltene Beneunung verfhiedener Erzeugniffe des Pflans 
senzeihes. 2) Bines fühen, verdickten und eingetrodneten @aftes, 
ober eines harzichten ſchleimigen Beſens, welches aus ber Binde, 
ben Äſten und Biättern gewiffer Bäume unb anteree Gewäͤchſe aus⸗ 
Twigt, und fi ſewol im Wafler als im MWeingeift ganz aufidfet 
Dergleihen Gewaͤchſe ſind eine Art ber Cſche (Praxinus orous L.), 
ber Berhenbaum, bie Beber, Fichte, Cie, Einde, eine Artı Shih" 

‚traut umb anbere Gewaͤchſe mehr. Go wird nad Miebupr in 

» vielen Morgenlaͤndiſchen Gegenden ein folhes Wanna, das einem 
Dichle gleiht, von den Blättern gewiffer Cichen und anderer Ges 
woͤchſe gefammelt, Cine andere Art wirb in der Gegend von Iffaha 
gefammelt, und beftehet aus Fleinem, runden, gelblichen Röımem, 
deren man fi wie ber vorigen als einer &peife ober als einer Bus 

‚ that an Speifen bebient. Mod eine andere Art ift bas Perfifche 
Manna. ©. Mannaklee. Bon diefer ober ähnliger Art war viel: 
leicht bas Wanna, beffed in der Sibel a Mof. 16, 15 f. Erwaͤhnung 
gefhicht, und beffen Ptame ih wenigftens erhalten hat. Da man 
glaubte, baß-biefes Manna aus ber Luft gefallen fel, unb baf Bett 
die Juden auf eine wunderbare Art bamit gefpeifet habe, fo wirb 
es in ber Bibel aud Himmelbrot und Engelbrot genannt. lins 
‚eigentlih nennen daher Ältere Prebiger auch wol bad Wort Bottes x. 

‚ bimmtifhes Manna, Gerlenmanna.ıc. 2) Des Gamens ber 
Bluthirfe (Panicumsanguinale L.), befonders aber 5).bes .Gamens 
bes Schwabensgrafre oben Mannngrafes (Feistucafluitans L.), wel⸗ 
den man au Himmelbrot und Himmelthau nennt : 

Die Mannabirn , @. —en, der Name einer vorzäglihen-Art Wir: 
nen, milde bil, grün und ſaftreich iſt unb im Winter reift. 

Die Mannaernte, 3. —n, bie Ernte oder Einfammlung bes 
Manna in Xrabien, in ben Monaten Jultus und Auguft, 

Die Mannaefche, Sy. —n, eine Art ber Ehe im mittägligen Eu- 
zopa, aus welder in. Saft (hwigt, melden man Wanna nennt 
(Fraxinus oraus L). &, Manna ı). 

Das Mannagras, 16, 2. von mehren Arten, —gräfer, bie 
Benennung einiger Gewädhfe, welde zu den Gräfern gehören, unb 
deren efbarer Same Wanna genamit wisb,-bergleihen bie Bluthirſe 
(Panicum sanguinale L.), nod mehr aber bas Schwadengras ober 
Gntengras, wildes daher Mannafhwingel helft. (Festuca flui- 
tans L,), find. Der Game bes lehten, welder Manna ober 
Schwaben heist, bekömmt wenn er geſtampft worden iſt, auch 

- „wol den Namen Mannagtuͤhe. j 

Die Mannagrübe, 0-94 ſ. Mannagras. 

Der Mannabahnenkopf, — s, 3. u. f. Mannaklee. 

Der Mannaklee, —6, 0: y. ein ſtrauchartiges ſtacheliges GSewaͤchs 
in der Zatarei, in Perfien, Sirien und Mefopotamien, von beffen 
Blätiern und Zweigen man einen fähen Saft fammelt, welcher Perr 
ſiſches Manna genannt wird, und nah Niebuprs Bermuthung 
bas Manna ber Juden geweſen fein Zönnte (Hedysarım alhagi L); 
ber Mannahahnenkopf. 

Der Mannafhwingel, —s, 9. u. ſ. Mannagras. \ 

Mannbar, —er, —ſte, adj. u. adv. 2) X % Bon männlidem Ger 
ſchlechte. 2) K Themadls ein Ehrentitel rittermäfiger, moͤnn · 
licher, ıbann überhaupt abeliger mänrliher Perſonen; fo viel als 
mannfefl, mannbaft, von Mann, fofıen es einen tapfeın Mann, 
obre aud einen Dienfimann bedeutete. 3) Beirathöfähig, im bem 
Alter, daß man heirathen und Kinder zeugen ober gebären kann, 
von Mann, fofern #6 einen Ehemann bebtutet. Mannbar wer⸗ 
ben. Das mannbare Alter, dasjenige Alter, in welchem man fü: 
big ift feines Gleichen fortzupflangen. Ein mannbares Mäbhen, 

26 


' 


Mannb 


Davon bie Mannbarkeit, ber Zuftanb da man mannbar iſt. 

* %* Der Mannbothe, —n, 94. —n, f. Manngericht. 

* * Der Mannbrauch, —es, 2. —bräude, ein Brauch, Ber 
brauch im Lehna weſen. 

+ Das Mannbuch, —es, 9. —buͤcher, ein nur noch In manden 

‚ Begenten üblihes Wort, für Lehenbuh; von Mann, ein es 
dendmann. 

* %* Der Manndienft, —es, 3. —, der Lehndlenſt. 

*%* Dad Mannding, — es, 9. —e, f. Manngericht. 

+ Die Manne, .—n, ein großer langer Henkelkorb; auch Mand. 

Mannen, v. I) intrs, ı) $ In ber Sämweiz, in Schwaben und ans 
bern Gegeuden, einen Mann nehmen, heiraten, von weiblichen Per: 
fonen. „In der urſtend wird man mweber welben noch manmen.“ 
@. d. Kayferöberg. =) x * Sulbigen. Dberlin. II) ters. 
mit Mannen, Mannfhaft verfehen. Gin Shif mannen, gemöhn- 
licher bemannen, Im andırn Bebeutungen Mmmt es in ben Zuſam⸗ 
menfegungen entmannen, ermannen, übermannen vor, in berem 
Bebeutungen ber Begeiff des Mannes in Anfehung feiner Kraft zu 
Grunde liegt. — D. Mannen. D. —ung. 

%* Der Mannerbe, 9. —n, tin Erbe A. Geſchlechta; auch 
x * Maumsgeburt, 

& Männerbereitet, adj. u. adv. von Männern bereitet, gemacht. 

— auf bem männerbereiteten Grabmahl. Boß. 

O Die Männerehre, o. 9 die Ehre der Männer, bie Ehre, auf 
welche Männer halten mäfen, „Mag nody fo tief die Bruͤderſchaft 
finten,, in unferer Bruft fon Männerehre gern weiten" Wenzel: 

„Wternau, 

nerebrend, adj. u. adv, die Männee ehrend, den Männern 
Ehre dringend. &. Mann »). 
— — bie mÄnnerehrende Felbſchlacht. WoR. 

& Der Männergebieter, —6, I. gl. ein Gebieter über Männer, 
—— von Männern, ein König, Drerfüherr. Bol. ©: 

aun =»). 

O Das Minnergefhleht, —s, — ein Geſchlecht von 
Männern im ra Sinne. ©. Mann =). 

Welcher komm’ in das Sand besfäatifhen Maͤnnergeſchlechtes. Wo 9. 
© Die Männergeftalt, 2m. u. die Seſtalt, das Aufere unterfhris 
bendbe Anfehen eines Mannes. 
Rad ber Berührung umfliegt u ar nn 
Allen die Männergeftalt. 

O Die Männerband, 2. —hände, bie e Hand ic Mannes, be⸗ 
fonders eines Mannes im vorzägliden Sinne bes Wortes. ©. 
Mann a2. — ich bin #6 werth zu der eblen Ausfährumg bie 
Band zu bieten. IM fie auch fhwädher, wie die doppelte Männer 
band, fo ift fie es doch werth ſich in ihren Bund zu fhlingen,* 
Benzel-Sternan. 

AM Das Männerheer, —e®, 9. —r, Fin Herr von Männeen, 

Zödtet doch größeres Männerheer oft Eine der Schlachten. 
Gonnenberg. 

Männerig, adj. u. adv. Männer habend. Uneigentkid, in der Pflans 
yenlehrr von Pflanzen, die einmännerig, jweimännerig ıc. heißem, 
wenn fie einen, zwei ıe. Staubbeutel haben, 

O Die Männerkraft, 94. =. fo viel als Mannskraft, aber cbier, 

Drum hebt mit Männerfraft Me Band, 
Und habt zum Sterben Muth, Meifner 

Der Männermordb, —es, u. —e, Word an Männern begangen, 
Ein Mord am einem einzelnen Manne, befonders von einer Ehefrau 
an ifrem Manne begangen, ift ein Mannesmorb eder nad Wolke 
O Mannmord, Einen Mannesmorb begehen, veräben. 

A Männermordend, adj. u. adv. Männer, befonders Männer in 
der vorzüglihen Bedeutung des Wortes, d. b. ſtarke, tapfere Min 
mer. mordend, — der männermordende Ares. Boß. 


202 
nn 
meiden in bem Wider iſt, daß es heirathen und Mutter twerben Kamm. Der Männermörber, — , 3. ol.; 


Manne 


bie — inn, By. —ımn, eine 
Perfon, die Männer mordet oder gemorbet hat, ine Perfon, bie 
Cinen Mann morbet, ift ein Mannesmörder oder Mannmörber; 
und eine Ehefrau, beſonders die Ideen Mann’ mordet, ift eine Mans 
nesmörberinn oder Mannmörberinn. 

& Der Männermuth, —es, 0. 9%. ein männtiher Muth, ber 
Muth eines kräftigen, entf&loffenen Mannes, S. Mann 2) (1). 

Aus Männermurh mit Weibertren’ verſchmolzen ıc. Shi mm el. 

x Männern, v. mtr. mit haben. 1) Nach einem Monde verlangen, 
Luft zu hetrathen empfinden, von Mäbten, =) Anfangen ein Baum, 
d. 5. geſetzt, ernfihaft zc. zu werben, von Fänglingen. D. Männern. 

A Die Mämnerfhlaht, 9%. —en, eine Sqchlacht, in welcher Män-. 
ner im bem vorzäglihen Sinne bes Worten, d. h. ſtarke, tapfere 
Männer fehten, oder welde folde Männer einander Lefeen; ehe 
— Mannſchlacht. 

als Mars im Felde der Maͤnnerſchlacht 

mit Deutſchem Blute färtte fein eh'emes Schwert, Küttner 

A Die Männerftärfe, o. 2. bie Stärke, Kraft des Mannes in 
feiner Bıäte. 

Weldem Shönpeit die Gitter und weizende Wii 
Schenketen Boß. 

O Die Maͤnnerſtirn, 5. _, He &tira det Mannes, fofern 
fie einen Ausdruck von Männlichkeit, Feſtigkelt x. hat. — birfen 
liebesteunfenen hochherzigen Sängling mit Brufcen Maͤdcheawangen 
und flolger Maͤnnerſtirn.“ 3.9. Rihter. 

x Männertsl, —ır, —fle, adj, u. adr. fo Biel als manndtoll 
“ ober manntell. . 
Das Männervolf, —et, 0. 4: 1) X Im gemeinen Brben ober auch 
vrrähtlid, alle ober doch mehrere Männer ober männlide Prefonen ; 
gemöhnliher das Mannsvolt. =) A Ein ans Männern, im engern 

vorzügliden Sinne dirfes Wortes, befiefendrs Wolk, 
— im Männervolte Cheruekas. Sonnenberg 

O Der Männerwerth, —es, 0: 2. der Werth eines‘ Mannes, for 
wol in fittliher als anderre Hinfiht. »Sie gehörte zu jener zahl: 
reichen Kiaffe von Weibern, — melde Männenmerth und Min: 
nerbafein als ide Kammergut betrachten und behandeln." Wenzel 
Sternau. 

O Der Maͤnnerwille, —ns, o. 2. ber Mille eines Mannes, ein 
fefter Wille. Mit übermäth’gem Männermwillen Serefäte 

Dre Tchrecktiche — GHiller 

Das Mannealter, —s, 0. BR. das Alter einer Perſon männlihes 
Gefhlehts, in welchem fie ein Mınn wirb oder heiät; in engrree 
Bebeutung, vom dreißigſten Jahre an. 

Das Mannesdild, —es, My. u: dar Bild, die Geſtalt eines Mannes. 
„Mannsbird ift Menfhenbitd, mo Weibsgeftalt vom Manne ſich ſon⸗ 
dert, is Bebürfaif.* Herder, VDerſchteden davon if noch Mannes 
bit. S. d. 

O Das Mannsgefuͤhl, —es. 94. u. das Gefuͤhl eines Mannes von 
feiner Mannpeit. 

(ee) Zeug mit Mannsogefüht die Heldengröfe des Welbes. @öthe. 

Die Marnmebkraft, over Manndfraft, 2%. u. die fämmtrihe Kraft 
fowol bes Körpers als bes Weiftes eines Mannes im ber vorzügltchen 


Bedeutung biefes Wortes. &, Mann 2) (ı) m. (a). Mit Mam 
neskraft Handeln. 

— ber fein Befägt mit Mannestraft 

Schon oft verfhloß, fo bald es Neth befahl. Geltin. 


Der Mannedmord, der Mannesmoͤrder, ſ. Männermord ic, 

Der Mannsmuth, oder Mannesmuth, —es, 0. Dig. der Muth 
eines Mannes, männliliger Muth. Stieler. 

O Der Mannesfinn, —es, 9%. u. der ion, bie Den?« und Em: 
pfindungsweife eines Mannes; auf der Mannfinn.“ Mannes finn 
im Joͤnglingt kopfe, kalter Brit im Glutauge, fehle Haltung im 
ſchtanten Buche. Benzel:&ternau. 


/ 


Manne 


203 


Maͤnni 





Das Manneßwort, —eb, N. u. das Wort, bie Zuſage eines Mans 
nes, «in feles zuverläßiges Wort. Stieler. 

O Die Mannebwürde oder Männerwürbe, 0. 2. bie Würde 
des Maunsd, bie fih auf feine fittlien Vorzüge und feine Borzäge 
in der Gefelfhaft gründet. Mit Manneswürdbe reden und handeln, 
„Im Tagewerte bes verfluchten Aders liegt Manneswuͤrde.· Herder. 

Das Mannesmürbe micht deu Bötterhöge weicht. Goͤtbe. 

Mannfefl, —er, —efle, adj. u. adv. fe, d. h. behartlich, uneefhüts 
terlich wie ein Dann; mannhaft. Aue fanden mannfefl, keiner 
wich ober floh. „Der warmbirzige, mannfefte, fesnbeusfhe Herzog 
won Mitinungen" ıc. L 9. Richter. Ehemahls war es und if es 
zum Ipeil-nod ein Eprentitel bey Aitter und rittermäßiger abeliger 
Perfonen. 

+ Das Manngeld, —s, 94. —er, mod in einigen Grgenden ı) 
für Lipıngeib, von Mann, ein Erhensmann. 2) Für jäpelichen 
Sehalt, welden ein Dieofimann aus der Kammer feines Heren ber 
Limmt. 5) * * Ehemubls auch, eine Beldfizafe, welche für einen 
begangenen Mord erlegt wechea mußte, 

5 Manngemuth, adj. u. adv, das Gemuͤth, bie Binnesart, beſon ⸗ 
ders ben Muth eines Mannes ober ber Männer habend, 

—  Bum beittın fiel durch ihn 
Der manngemuthen Amazonen Schar. Bürger. (f.) 

+ Das Manngeriht, —ı8,  —r. 1) In einigen Gegenden, 
für Eepengeriht, Lehenhef; ehemahis auch das Mannding, bie 
Mannkammer; von Mann, ein Sehensmann. Daoon der Mann: 
richter, ber Eihenrihter; das Mannrecht, das Eehenesht; ber 
Manntag, ber Zag, an weldem ſich die Eepenmänner vepfammelsen ; 

Mannbothe, bes Geriptsdiener bei einem Bepengerihte ıc. 2) 

In Cälefien, bie Benennung elars Landgesihies (Provinzial- 

geriät). k 
Manngierig, —er, —ſte, adj. u. adr. heftige Begierde nad ber 

Bereinigung mit einem Manne empfiabend ; von weiblichen Perfonen. 
+ Das Manngrab, —es, 2. —e, in manden Gegenden, fe viel 

. and als ein Dana in einem Tage umgraben kann; befonbers als 
ein Fiihenmap bei Weindergen. In ber Schweiz, ein Mannfoffel. 

+ Das Maupgut, —es, My. gäter, ſ. Manniehen. 

Mannhaft, —er, —eſte, adj. u, adr. einem Manne, in der vorzüg⸗ 
lhen Bebentung bes Wortes, alfo einem feften, entiloffenen, tas 

-pfern Maune ähnlih, gleich, gemäß. S. Wann =) (1) und (a). 
@in Hree von lauter mannhaften Leuten. Mannhaft kimpfen. 
Cine mannhafte That. Ein mannihaftes Belragen. ©. Männlich. 
Ehrmabls war maunhaft aub ein Eprentitel der Witten und edlen 
Kuchte, und auch no jept bekommen bärgerlihe Kriegsbeamte aus 
manden fürflihen Kanzeleien diefem Titel, abelige aber ben Zitel 
mannfeſt. Davon die Mannhaftigfeit, ber Bufand ba etwas 
miarmhaft if. 

Die Mannheit, 0. My. 2) Die Eigenfhaft, veemöge welcher man 
ein Mann if, oder dasjenige pas ten Mann zum Manne macht. 
Einer Perſon männlihes Geſchlechts die Mannheit nehmen, fie ter 
Mannheit baxauben, fie untähtig machen ihs Geſchlecht fortzupflans 
yon, fie entmannen (castriren). In ber anftänbigen Schreibart ge: 
draucht man «6 aud für fdneiben von Thieren. Beſonders, bie 
Gigenfhoft oder ber Inbegriff der Eigenſchaſten welhe einen Mann 
wm Manne in ber vorzüglihen Bibentung bes Wortets machen, bie 
Kraft, die Feſtigkeit, der Muth ıc. des Mannes. 

ie , bie Kunſt, 

Durch melde wir noch jept des Helden Mannheit leſen. Opis. 
Mneigertlih wird au ber Serie Mannheit, d. h. Kraft, Befkigkeit, 
Muth ıc. beigelegt. „Wenn wir nod die Mannheit ber Gere ha: 
ben.“ Abbe. =) Zumeilen, aber felten, als ein Gammelmsst, bie 
Männer, bie Menfhen im Muannesalter, 

Unfze Kindheit liebt die Wirge, 
Wnfse Jugend Sup uud Wein, 


une Mannheit Epr’ und Kriege, 

Unfee Alter Golb und Stein. Hofmanusmwalban, 
5) *2* Ehemapis der Sehens» und Huldigungseib, wie au bie 
Huldigung felbft; wahrfheiniih aus Manneid verderbt, 

Mannichfach, adj. u. adv. fo viel als mannidfaltig, auf manderlei 
Art, verfhieden. „Mannicfache Verſuche Haben gelehrt," Stune, 

Der mannichfahe Takt, bem jedes Uprmert pidt. Würde, 

%* Mannidfalt, adj. u. adv. fo viel als mannichfaltig, beſonders wenn 

dies Bort zu Ende ber Rede ober bed Satzes zu fliehen Eimmt, 

Krönt-uns mit Freuden mannichfalt. Sim. Dat. 

und bie hohen mannichfalten 

Überiebifchen Seſtaiten. Brodes. 
Davon bas K Mannidfalte, etwas, bas mannihfalt ober mannid: 
faitig il. „Wie er (der Mens) daſteht im feinem hohen Einst 
MWohlgeftalt, Ebenmafe, Symmetrie (Gleihmäsigteit der Theile) 
buch alle Formen unb Gtietert und welch ein Mannichfaltest 
Derber. 

FX Der Mannihfalt, —es, . —e, ein Ding das mannihfait 
ift d. dh. eigentlih, das mande oder viele Falten hat. So nennt 
man in manden Gegenden ben britten ſehr faltigen Magen ber win 
berfäuenden Thiere, Mannicfalt, auch das Zaufendfah, fonft 
den Blättermagen (Omasus), 

© Mannichfalten, v. trs, manniäfalt ober mennichfaltig machen, 
vermehren, verwielfältigen. „Das Euftgefieder mannichfalte ſich auf 
Erden“ Herber pemahis war mannichfaltigen (ein Mort wie 
vervielfältigen) dafür gewohalich, welches neben jemem auch no 
gebraucht zu werben verbient, D. Manmichfalten, Mannicfak 
tigen. D. —ung. 

Mannicfaktig, —er, — ſte, adj. u. adr. von mannich, — mie ches 
mahls das Wort mamd lautete, — und fultig, eigentlich, mande 
b. 5. viele oder body mehrere Falten dabend. ©. ber Mannichfalt. 
Uneigentlih, was vielmahla oder doch mehrmapis iſt und gefhiehet, 
oft, vielfältig, melde Bebeutung aber nicht miehr gewoͤhnlich if. 
Wlan gehraucht es befonbers nod für, viele ober doch mehrere Kbim 
berumgen habend, wo es aber nur von Dingen in einer größeren An: 
sahl und mehr von Innern Verfhiebenpeiten gebraucht wird; weburd 
es fih won verſchieden untesfheibet. Die miannichfaltigen @e: 
ſchlechter und Arten ber Tpiere und Pflanzen. Mannichfaltige 
Kenntniffe befiten. „Schlanke Kräuter darchirren bas Bras mil 
zarten ÄAſten und mannichfaltigeni Laube." Gefner. „Die Schön 
heit if die Einheit in dem Mannichfaltigen, oder das Mannich 
faltige auf Ginpelt zurädgebraht.“ Sulser. „Die mannihfaltiae 
Weisheir Bottes,“ bie fi auf mannidhfaltige b. h. mehrere Arten of: 
fendaret. &ph. 5, 20. „Wir fehlen ale mannichfaltig.* Ja, 3, 2. 
S. Mannihfak um Maunichfach. 

Mannicfaltigen, v. tzs, (R.) ſ. Mannichfalten. 

Die Mannichfaltigkeit, By. —en. ı) Die Eigenfhaft einer Cache, 
ba fie mennichfaltig IR; opme Mehrzadi. Die Mannichfaltigkeit 
der Thiere, Pflanzen, Blumen ıc. „Breuben, bie die Schönheiten 
dee Natur in endlofee Mannichfaltigkeit uns anbieten. Geßner. 
=) Ein Ding bas mannihfaltig ik, Mannichfaltigkeiten, mannids 
faltige Sachen, Rachrichten ıc. 

O Mannichfarbig, adj. u. adv. manderlei ober mehrere verfäichene 
Farben habend, „Die mannidfarbigen Krlezsröde ber alten Teut⸗ 
fben.“ Ungen. (®.) 

A Mannichgeſtaltet, adj. u. adv. eine monnichfaltige @eftalt has 
benb, unter mannidfaltigen Geſtalten vorgeftsllt. „Rah der Bzflen 
Drphifhen Hymne if Beſta, die königliche Tochter bes Kronos, die 
Erige, Mann’hgeflaltete, Liebınöwürdiger ıc. Funke, (R.) 

* Mannig (Manni), adv. fo viel als mander, vieler. 

Run Hatte ih jrmer im heiligen Krieg 
Bu Ehren geritten burg mannigen Sieg. Gothe. 
* Maͤnniglich, adj, jedermann, Am meiften wird eu noch in ber 


} Manni 


Kanzeleien gebraucht, z. B. in ben Kormeln: Kund und zu wiffen 
fei maͤnniglich 1c.;_ entbieten maͤnniglich unfern Gruß ıc. wofür 
Häufig aud jebermänniglic gebraucht wird. Mod wird #6 in ber 
leichten und befonders fherihaften Schreibart nicht felten no ger 
braucht. — bie feldft dem Färftenftamme 
Berborgen finb und ſonſten maͤnniglich. Wielanb. 

* Die Minninn, 9. —en, eine Perfon weibliches Seſchlechts, for 
fern Mann ehemahls überhaupt Wen und Perfon bebeutete. In 
engerer Bebeitung, eine erwadhfene weidliche Perſon, welde mit ei ⸗ 
nem Manne ein Paar, ein Ganzes ausmaht und mit ihm ihr We: 
ſchlecht fortpflangt, eine Fran, ein Weib. „Ban mies fie Männinn 
beißen," ı Mof. 2, 25. Dies Wort wirb, gegen Ad's Wehaup- 
tung, noch von unfern befien Schriftſtellern fortwäheend gebraucht. 
„Mas war das Weib im Paradiefe? Blume ber Unfhulb, Schwer 
fire aus ber Seite (de6 Mannes), Männinn." Herder. (ben: 
berfelbe Schriftſteler bat dieſes Wort fehe oft gebraucht. So auch 
Aubere., — 9 Mann, bie fehlet die Männinn. Bo. 

Unter ihren blühenden Töhtesn ber Männinnen ſchoͤnſte. 

Klopftod, 

Zumeilen wirb es auch von weiblihen Perfonen in einer anberm en: 
gern Bebertung gebrauht, fofern fie an Kraft, Feſtigkeit, Ente 
ſchleſſenheit, Muth ıc. den Männern gleichen. 

— ba die Hotd’ amazonifher Männinnen einbrach. Wof. 
Im gemeinen Leben if es nod Häufig in Bufammenfegungen: ges 
braͤuchlich, bie von den Bufammenfepungen, welde fih mit — mann 


204 


Maͤnnl 


er zum Unterfhiebe von einem zmeimännifchen. 3) k Manne 
füdtig. } 


*%* Die Mannlammer, 9. —n, f. Manngericht. 
Das Mannichen, —s, 9. gl. 1) Ein Erhem oder Lehengut, wels 


enbigen, abgeleitet find, und two entweber bie Ehefrau eines forhen 


Mannes als die Zufammenfegung bezeichnet, ober überhaupt "eine 
weiblide Perfon verftanden wird, deren Belhäftigung, Cigenſchaft ıc, 
das vordere Wort der Bufammenfegung. näher beftimmmt. Die Amt: 
männinn, Hauptmänninn, Rathmänninn ıc., bie Beau oder 
Gattinn eines Amtmannd ıc. wofür men. auch Amtmannsfrau ıc. 
fagt, welde Berennungsart in vielen Fällen nur bie einyig gewoͤhn⸗ 
liche iR wie in Bettelfrau ober Bettelweib, Edelfrau, Fubr 
mannsfrau, Trödelfrau, Zimmermannsfrau ı. Im Fällen wie 


Hofmann, Schulmann ꝛc. wo feine von beiden Formen üblidy if, 


muß man fi der Umfhrelbung bebienen und bie Frau ober Battinn 
eines Dofmannes, Gchulmannes x, fagen, Wörter der andern Art, 
wo bas vordere Wort der Zufammenfegung bie Perfon näher be: 
ſttimmt find Landsmaͤnninn, Sciebsmänninn und vielleicht noch 
einige andere. Dieſer Zuſammenſezungen mit Männinn find äber: 
haupt nur wenige in Berhältmig mit benjenigen, bie ih mit Mann 
enbigen und man muß fi im Abfiht-berfeiben nad bem Gebraude 
richten, wie biefer entf&hieben bat. . 
Maͤnniſch, adj. u. adv. ı) Rah Art eines Mannes, einem Manne 
Abnlich ober glei ; im tabeindem Ginne, wenn ein folder möglich 
tft, ober wenn ein Fall dafür angenommen wirb, wie etwa in fols 
gender Stelle: 

Samb feys (als fei Be) kein Weib fondern ein Mann 

Hat aud fo menniſch geberbt (Bebärde) und Gitten 

Geht aud mit alfo weiten Schritten. 9. Bade. (R.) 
In guter Bedeutung gebrauht man es no in Zufammenfepungen 
mit Grunbwörtern diejenige Art, Beſchaffenheit ıc. einer männlichen 
Perfon anzuzeigen, welde bas damit zufammengefepte Wort bezrich- 
net, wie au eine Gemaͤßheit mit bem, was dieſes Wort beueihnet 
und einen Befis. Bergmännifch, edelmaͤnniſch, Faufmännifch, weis 
demaͤnniſch ıc., mad Art eines Bergmannes, Eselmannes ıc., ihnen 
senis in ihrer Eigenſchaft ze. gegeänbet, wie aud zumellen, ihnen 
gehörend. S. — fh. 2) Einem Manne angemeffen in Zufammens 
fegungen mit Zahlwörtern, einmännifh, zweimännifcd für einen, 
zwei Mann ober Perfonen. Ein einmännifches Bett, im weldem 
nur Eine Perfon Raum hat; ein zweimaͤnniſches, worin zwei Pew 
fonen bequem liegen innen, Gin einmännifcher Wergkübel, im 
Bergbaue, ein Kübel, welden Ein Mann ans dem Schachte winden 


* 


ches nur auf die maͤnnlichen Rachkommen verliehen wird, im R. D. 
das Manngut; zum Unterfhiebe von einem Weiberlehen. ») + Im 
mandıen Gegenden, z. B. im Fuldaiſchen, ein &;hrn, welches auch auf 
wiibliche Nadhtommen verliehen wird, wenn bie männlichen ausges 
#orben find; von Mann, fofern es Überhaupt eine Perfon bedeutet, 


Die Minnlebenfchaft, 39. u. der Befig eines Maxnichens. 
Der Maunlehenderbe, —n, 4. —n, ter Erbe eined Mannlehene. 
Maͤnnlich, —er, —ſte, adj. u. adv. Überhaupt, einem Manne gleich, 


dynlıy, im Wefen, in den Eigenfhaften bes Dtannes gegründet ; im 
D. D. und font aud; mannlich. ı) Bon Mann, fofeen darunter ber 
befeuchtenbe Theil der lebenskraͤftigen Körper, ſowol Yes Ihier- als 
Pflanzenreihes, durch deren Werrinigung bie Fortpflanzung vor ſich 
gehet, verflanden wird, die nöthlgen Gigenfhaften und Theile zu 
dieſer Befeudtung und Rortpflansung habend; in Gegenfag von 
weiblich. ine männliche Perfon. Gin männliche Glled ber 
Geſellſchaft. Dad männliche Seſchtecht, ſowol alle männlihe Per 
fonen zufammengenommen, als auch, ber Inbegriff aller weſentlichen 
und 'unterfheidenden Kennzeichen, welche biefe Perfonen als männ: 
lie bezeichnen. Der männlihe Stamm, dere Stamm eines Ger 
fhlehts von Seiten ded Mannes. Die männliche Linie, bie Aufein: 
anderfolge ber männlichen Glieber eines Geſchlechtee. Männliche 
Erben, Erben männlihes Geſchlechts. Das männliche Glied, mel, 
ches Perfonen maͤnnliches Seſchlechts vom Perfonen weiblichen Ges 
ſchlechts weſentlich unterfheitet. „Alles was männlich, if unter tud, 
fon beſchnitten werten,“ was maͤnnliches Befhlehts iſt. Mof. ı7, 
20. X Etwas Männliches, ein Mann. — 

Doch darf ſich in ben Gaͤrten — 

Rad Sonnenuntergang nichts Maͤnnlich's ſehen laſſen. Witlanb. 
„Meine Bruft Mopft mir voll Unmuth, daß mich die Natur niht 
männlich ſchuf.“ Weise. In der Pfanzenlehre iſt die männliche 
Blüte oder Blume, biejenige, welche die befruchtenden Zpeile, ben 
Blumenflaub, enthält, ber fih auf bem Gtaubfäben oder ben Staub: 
beuteln ohne Fruchtkeim und Staubweg befindet; in Begenfag ber 
weiblichen, welche den Fruchtkeim mit Staubwegen oder den Stem« 
pel enthält und zum Unterfhiede von ben Zmwitterbläten, welche 
@taubbeutel ober Staubfäben und Staubwege oder Stempel zugleich 
haben. In ber Sprachlehre legt man einer großen Menge von Wör- 
tern auf eine unpaßliche Art auch männtiches Geſchlecht (gemus mas- 
eulinum) bei, wohin alle diejenigen Geunbwörter gehören, welden 
man bie Deutewörter ber und eim vorfegen ann, wie aud alle die 
jenigen Fuͤrwoͤrter und Beilegungswörter, bie ſich auf folhe Grund» 
mörter beziehen und biefe Beziehung durch ihre Endung anzeigen; 
zum Unteridiebe vom meiblihen und ungerwiffen ober wie andre 
nicht viel beſſer fagen, vom ſaͤchlichen Seſchlechte. S. Geſchlecht. In 
der Dichtkunſt ift der männliche Reim ein folder, wo das Reimwort 
einfilbig ober bie Reimflibe eine Grunbfilbe bes Wortes, nicht eine 
bard) Umendbung ober Umbengung ıc. hinzugtlommene ift, weil eim fols 
her, ben Zon habend, ſtark oft Hart Mlingt; zum Unterfhiebe vom 
weiblichen, welder zweiſilbig if, und beffen zweite Silbe als ton» 
Ios weich ober fanft Plingt. Uneigentlih, doch nur im gemeinen 
Leben, nennt man auch birjenige Kleibung, welche Perfonen männs 
Uches Seſchlechte zu tragen pflegen, eine männliche Kteidung; befs 
fer, aber auch nur im gemeinen Beben, eine Mannékleidung, Mannes 
Heid. =) Bon Mann, fofern eine Perfon männlihes Geſchlechts 
darunter verſtanden wird, melde das Yänglingsalter zurädselegt 
hat; in Gegenfag des kindiſch und jugenblih. Das männliche 
Alter, dasjenige Alter einer Derfon märnlihes Geſchlechte, melden 
man gewöhnlih vom zoſten Jahre an rechnet. ine männliche Ges 
tait. Maͤnnlich ausſehen. Eine männliche Stimme, eine ſtarke, 


Maͤnnl 


feſte, wie fie Männer zu haben pflegen. In ber Tonkunſt iſt bie 
männtiche Stimme ober Mannsflimme bie Basflimme. Befonders in 
engerer Bibeutung, mit bem Nebenbegriffe des gefegten Weſens, bes 
Senfes, ber Untichloffengeit, bes Muthes ıc, ober Äberhaupt mit 
dem Rebenbegriffe ber Börperlichen, geiftigen und fittlihen Borgüge 
des Mannes, wir auch feiner Borzüge in der menfhliden Gefellſchaft; 
ia Segenfag bes weiblich und weibifh. ‚Bein männlicher Graf 
unb fefler @inn wurden dur ihre weibliche Sanftmuth und Freund» 
lichkeit gemildert. Männticher Muth und weibifge Furcht. 

Als — tie Jabricius und — Gatone 

Roh lebten 
„Mader, ſtehet im Stauden, feid männlich umb gr flarl. ı Gor. 
16, ı5 Sich männlich wehren, d. h. tapfer. 

Unb hielten ſich männtich zu jeglichem Streit, eigtwer, 

In biefem Sinne ſagt man auch mannhaft. Ein männliches Weib, 
weltes ih Über bie Ohmwatpeiten, bie Furcht 10. ihres Geſchlechts 
erhebt und mweldes Entfhioflenheit, Gtanbpaftigkeit und Kuth zeigt. 
Gin männliches Betragen, bas Betragen rined Mannes im vorzüg⸗ 
lichen Sinne des Wortes. Wine männliche Hand ſchreiben, mit 
firfern, feftern und fiheren Zügen. ine männliche Schreibart 
nennt man eine Bräftige, gedrängte. in Daher führt einen 
maͤnnlichen Pinſel, wenn ex ihn auf eine fihere, Eräftige und kecke 
Art zu führen derſtehet. 3) X Männiglih, jedermann, 

Die Männlichkeit, o. 9. die Eigenſchaft einer Perfon ober Sache, 
ba fle maͤnnlich if, doch nur in ber zweiten Bedentung biefes Wors 
tes, da in ber erſten eizentlichen Bedeutung Mannheit Astid if. 
Die Männlichkeit der GSeſtalt. Die Männlichkeit ver Geſichtezüge. 
Belonders gebraucht mon es von bem, mas bem Monne im vorzügr 
Uchen Sinne des Wortes eigen if, geziemt, zufömmt, 

&ub wird an Männlichkeit ein Anab', ein Weib befhämen, 
Hagedorn. 


In ebler ſtolzer Maͤnnlichk eit 
Mit aufgeſchloßnem Sinn, Schiller. 

** Der Mannmage, —n, Si . —n, ein Verwandter von marn⸗ 
licher Seite. 

* Mannmaͤßig, adj. u. adv. einem Manne gemaͤß, angemeſſen, 
männlid. 

Krk Das Mannreht, —es, 9. —, ehemals für kehenrecht; fos 
wol ein Weriht, vor welchem ſich bie Abeligen ſtellen mußten, als 
auch das Recht, mad weichem im biefem Gerichte entfchieben wurde. 
S. —— Ehemahls auch für Landding, Landgericht. An: 

dere ebemahlige Bebrutungen führt DO berlin an. 

*%* Der Mannrechtöbrief, —es, 94. —e, ein Beief, eine Urlunı 
de, womit man beweiſet daß man ein freier, Feines Anderen Dem 
ſchaft und Gerichtbarkelt unterworfener Mann fet. 

*%* Der Mannrechtöfiber, —6, 4. gl. der Weifiger bei einem 
Mannurechte. 

* x Der Mannrichter, —s, 9. ol. ſ. Manngericht und Man 


recht. 

+ Die Mannrutbe, 9. —n, in den ®. D. Marſchgegenben, bee» 
ienige Theil an den Deichen und Gieittefen, melde einem “eben 
anne ober Einwohner eines Ortes nach ber Ruthe zugemeſſen wirb 
umb melden ex in u Stande erhalten mn$; bie Hausmaße. 

Der Manntbart, — s, Dig. —bärte, der Bart eines Mannes. 

x Das Mannsbild, A m. —eır. 1) Das Bild, Bemählde 
ober auf bie Bildfäute eines Mannes, einer Perſen männlides Se 
ſchlechte, melde Bedentung #8 in einigen Stellen ber Bibel zu haben 
färinet. ©. Mannesbild. =) Alles was bas Bild db, $. bie Ger 

“ Ralt eines Mannes, wodurch fih eine Perfom männtihes Seſchlechte 
vom weiblihen umterfcheibet, an ich trägt, jebe Perſon männlihes 
Geſchlechts auch ein Mannemenfch: in ber gemeinen und nies 
drigen Sprechart, mofde mon anflänbiger eine Mannsperfon und 

‚cha Herr fagt; im Gegenſat des Meibsbildes. „David fhlug mas 


205 


dannsg 


Mannsbilder waren in Edom.“ ı Rdn, 11, 15. 

Die Manndbirn, 9. —m, bie Würgbim, 

+ Dos Manndblut, — es, d. Wi. eigentlich, das Blut eines Dan: 
nes, einer männlichen Perfon; in manden Gegenden aber, ein Rame 
einer Art bei Ichannskrautes, welche in England und Italien an 
feuchten Örtern wählt, wegen feiner im Herbſte rothen Blätter; 
das Konrabsfraut (Hypericum androsaemum L.); auch St. Ce: 
eilientenut, Sicilianiſch Grundheil. 

Die Mannſchaft, By. —en. 1) KDie Eigenfhaft, durch welde man 
Mann ift, oder zum männlichen Seſchtechte gehört, die Mannheit, 
in welcher Bedeutung es aoch im D. D. gewöhntih if; opne Mehr⸗ 
zahl. Einem bie Mannſchaft nehmen, ihm ber Fähigkeit ſich fort: 
supflanzen berauben. 2) «Das zwiſchen Behenshreren unb Echensleus 
ten beſtehende Werhältniß, und befonberd die bem Bchensheeen ſchul⸗ 
dige Treue, wie au ter Behmseib, bie Hulbigung; ohne Mehrzaft. 
3) Die Rannen, bie Behnsmänner, als rin Sammelwont. Dann 
aud Feine einzelne Perfon männlihes Geſchlechta, wo es in ber Mehr⸗ 
zahl jedoch nur im einigen, befonbers O. D. Begenben gewöhnlich iſt. 
Das Dorf Hat funfzig Mannſchaften, dienfibare Sinwohner männ- 
lich⸗s Geſchlechts. Bu einer Arbeit junge Mannfhaften aufbieten. 
Ge:cöhnlidh aber gebraucht man ea In biefer Bebrutung- nur in der Ein: 
sohl als Sammelwort. Die zum Bolbatenbienfle ausgehobene junge 
Mannfhaft. Die zum Wenerläfen beorderte Mannfhaft. Die 
Mannfhaft eines Dorfes zu einem Zreibjagen aufbieten. So ge: 
braucht an es auch von einer Anzahl Solbaten. Mit aller Manns 
{haft aufbreden. Die ganye Mannfhaft, bie zur Brgieitung bien: 
te, wurbe niebergehauen. Die Mannfhaft eines Schiffes, tie Bes 
fagung deffriben, alle darauf befindliche Perfonen, bie fowel jur 
Bertpeibigung als auch zur Fortbewegung, Lenkung und Erhaltung 
beffelben dienen, 

EMannfhen un Maͤnnerſcheu, —er, —efte, adj. u.adr. ſcheu vor 
Männerr. bie Maͤnner ſcheuend; von weiblichen Perfonen (prude, doch 
ohne ben Rebenbegeiff des Werfiefiten). G. Ein mannfheues Mädhen, 


© Die Mannfeu(e) und Männerfcheule), 0. 2. die Eden ober 


unnöttige und fehlerhafte Furcht, Beforgnif vor ben Männern; von 
weiblichen Prerfotien. ©. 

k%* Die Mannfhlaht, 3. —m. ı) Der Zobtfälag eines Mans 
nes. Davon, der Mannſchlachter, bie Mannſchlachtung. 2) S. 
Maͤnnerſchlacht. 

Der Mannsdaumen, —s, 9. gl. 1) Der Daumen eines Mannes. 
») S. Mannshand 2). 

XMannsvid, adj. madr. fo did wie ein erwachſener Mann im Leibe 
su fein pflegt, Gin manndbider Baumflamm. 


'+XxX Dos Mannfen, —s, 2%. gl. in manchen Gegenden, befonters 


in Meißen, eine Mannsperfon; in Begenfah eines Weibſens. „Ds 
tas Rind ein Mannfen oder Weibfen fein werde. Bafıcbom. ; 

Der Mannterbe, —n, By. —n. ı) Gin Erbe männlides Geſchlechts. 
2) Dre Erbe eines Dranatehene. Frilſch. 

+Die Manndfabrt, 9. —ın, im Bergdane mander Gegenden, Wie 
Fahrt in einen Schacht auf keitern, bie Hanbfahrt; sum Unters 
ſchlede von der Kabrt in Tonnen. 

x Dat Mannsgedenken, —b, 0. 9%. rin Wort wie Menlchengeden · 
ten, das Denken, Bebeofen, Erinnern eines Mannes und eine ZSeit, 
fo weit er ſich suelderinnern Kann, zu bezeihnen. „Dan hat feit 
Mannsgedenten Erin Beitpiel, daß In ber Stadt ſelbſt nur ein eins 
siges Stocwerk vom Feuer wäre verwuͤſtet worden.“ Ungen. 

Das Mannsgerätd, —es, 34. —e, tigentlich Geräthe für Männer, 
dergleichen Waffen ıc. fein würden. Auf eine ganz ungemöhnlide 
Weite wird es 5 Mof. ae, 5 für Mannelleitung gebraudt. - 

Die Mannsgeflalt, 9. m. die Seſtalt eines Mannes, einer Perfon 
mön liche Geſchlechts. 

Daß ih — mit einem Seiſt in Maunsgeſtalt 
um bein Seſicht zu ringen mi bequecatt. GBiclanb. 


Mannsg 


A Das Mannsgewand, —s, 0. — gewaͤnder, ein Gewand für 
Muanntperfonen, oder wie es Mannsperfonen zu tragen pflesen; im 
gemeinen Lehen Mannskieid, Mannskleibung. „Ein fo unmänn 
Lies Wefen verbient kein Mannsgemand.* Gmalb. (M.) 

Die Mannshand, 9. — haͤnde. ı) Die Hand eines Mannes in Ans 
fefung ihrer Größe, Etirke ıc. — daß fie nun mie ihre meiflen 
Sqhweſtern, glei weiden Brexen, von ber hartın Mannshand zu⸗ 
agleich abgeriſſen und zerbrüdt werde.“ I. P. Richt er. 2) Der 
Rıme eines lärglicen, zungrligen, ledtrartigen grauen und gleigr 
fam mit flurmpfen Bingern verfit nen Bergewähleh, welches zum 
Geſchlechte des Setkortes gehbret (Aleyonium digitatum L.); au, 
Maunsbaumen, Mannsjehe. 

Der Mannsharnifh, —es, 9. —t. 1) Der Harnifd eines Man: 
nes. 2) Der Rame eines Pflanze; Dip. u. ©. MaunsfHilb. 

Das Mannshaupt, —es, 34. — haͤupter, das Haupt eines Manı 
nes. Auf den Shifen nıpnt man bas zunbe Gnde eines Pallers 
ober andern Holzes, welches nad ber Geſtalt eines Kopfes ausge» 
ſchaitten ik, ein Mannshaupt. 

X Mannthoch, adj. u. adv. fo hech ober lang wie ein erwachſener 
Mann zu fein pflegt, d. h. wenn «6 nah einem beflimmtern Maße 
annegeben werben foll, fehs Bus had ober lang. ©. Mannslänge. 

Der Mannshut, —s, 0. —hüte, ein Hut wie ija Mannsperfer 
nen zu tragen pflegen; zum uaterſchlede von einem Srauenhute ꝛtc. 

Der Mannfinn, —es, 9. 2. der Sinn, bie Befinnung, Denlart et 
nes Mannes, ein männlider, b. h. fefter, entſchloſſener, muthiger ıc. 
&ina. In des Wettlaufs bunten Kriegen 

Yflegt fein Mannfinn obzußegen. J. if. 
Aler Iheänen, die lange gehemmt mein fämpfender Mannfinn. 
‚ Baggelen. 

2 Der Mannskerl, —es, 24. —e, in ber niebrigen Gpredart, 
eine junge unverheizathete Manndprrfon. 

Das Mınnölleid, —es, Dr. —er, ein Kleid, Kleider für Manns, 
perfonen, oder wie biefe fie zu tragen pflegen; eine Mannsllidung, 
wenn vom allen Rleibungöftüden, weide man auf einmahl teögt ober 
melde zum ganyen Anzuge gehören, bie Mebe iſt. ©. Danntgewand. 

X Das Mannsklofter, —, 94. —tlölter, ein Minhsktofter ; zum 
Unterfiebe von m. Frauen: oder Nonnenklofter. 

e Mınnöfraft, ſ. Mannestraft. 

Das a By. u. ein Name ber Kuͤchen · ober Dflers 
(Gele (Anemone pulsatilla L.), und ber weißen Kügenhelle ober 
meisen Schlotenblume, Schneeblume (Auemone alpina L.). 

Die Minnölänge, 94. —n, bie gewdhnliche Länge eines erwauhle · 
nen oder vielmehe, in unfern verzwergten Beiten, eines großen Mans 


nes, febs Jaß oder ein Kiafter. Der Brunnen iR fehs Mannes 


laͤngen tief. 


mnöleben, f. Manntehen, 

a aa u. mehrere Perfonen männtihes Gefhichts 
zufammengenemmen , oder auch, alle Miınnsperionen. So find bie 
Mannsleute! Im dir niebeigen Sprechatt das Mannsvolt, Maͤn · 
nervolf. . . 

+Die Mannsmahd, 3%. —en, im D. D. wie aud in einigen anı 

dein Gegenden, fo viel Band, befonbers Wiefe, old ein Mann in ei 

nt Tage abmäpen kann. Ms wird babır biefes Wort au als ein 
beftimmtes Flähenmap fürWielen gebraucht. weldes mit einem Mors 
en Öbsreinfämmt und aud ein Tagewerk heißt. 

Der Manndmenfh, —eın, 34. —en, ein Mannebilb, eine Pers 

fon männtiges Gefhiehts, in ber gemeinen und niebrigen Gpredhart. 

— tort ange't ein Mannsmenſch. Bo. 

2 Das Minnsmenſch, —es, 24. —er, ein Menſch, ein Lieberlis 
hes Veibablld, weiches den Mınndbilbeen madläuft,. «ein gamy 
niehriges Wort. S. das Menſch. 

Die Mannsmüge, 2. —n, eine Möge wie fie Männer zu tragen 
pfligen. 


x 


2606 


Mannst 


Der Manndname, —ns, 4. —n, ber eigenthümliche Rame einer 
Maanszerfon, der Mannstaufname, wenn er ela Kauf: oder Bor 
name if. Ehemahle auch für Mann, männlihe Perfon ſelbſt. 
Dberlin. Im Osnabrädfgen it e6 in biefer Bedeutung no ge= 
braͤuchlich. 

Die Mannsperſon, By. —en, eine erwachſene Perſon männlihes 
Geſchlechts. Im gemeinen kuben und von geringem Perſonen ges 
braucht man bas Wort Munnsbild, von vornehmen Perſonen bas 
Wort Herr. S. auch Wannebitd, Diannfen, Mannskerl, Manns: 
leute, Manne menſch. 

Dir Mannsrock, —es, 3. —röcke, ein Rot für Minnsperfonen, 
ober wie ihn Mannspezjonen zu tragen pflegen. F 

+ Der Mannsſchild, —es, 9. u. 1) Eigentiih, ber Schitb eines 
Mannes, oder füg einen Mann, in welder Bedeutung aud bie Mehr: 
zahl Statt finden wärbe. =) Der Name einer Pflanze, beren viele 
Biumenfiele am Babe der Stengel mit vielen Heimen Blätthen ums 
geben find, und deren zährenfdrmige in fünf Iinglihe flumpfe Lapı 
pen getheilte Blume, fünf Barze Staubfaͤden und einen Fruchtkeim 
mit furzem Griffel und kagelförmigem Staubmege hat (Androsace L.); 
ah Mannsharnifh, Nabelkraut, Mehrere Arten bauon wachen 
in Öierreih. 5) Eine Art Blaͤtterſchwamm mit ſchwarzem Strunke 
und einem Hute, ber den Blättern ber vorhergehenden Pflange ſehr 
ähnlich if (Agaricus androsaceus). 

X Der Mannöfchneider, — , 2. gl. ein Ehuriber, welcher nur 
Kieitungsftäde für Perfonen männtih;6 Geſchtechta macht; zum Un: 
terſchiede von einem Feausmfhneider oder Weibsſchutider. 

Der Mannsſchuh, —es, Bi. —e, Schuhe für Manndperfonen, ober 
wie fe Manusperfonen zu tragen pflegen; zum Unterf&iebe vom den 
Grauen: ober Weiber: und Kinderſchuhen, vom welden fie fih burd 
ben Schnitt ıc. unferfheiben, 

X Der Mannsſchuſter, —s, 9. gl. ein Schuſter, welder nur Schutze 
und Stiefel für Mannsperfonen verfertiget; zum Unterfhiebe von 
einem Frauenſchuſter. 

Der Mannsſtamm, —s, DH. femme, ber männlige Stamm 
in dee Gefhlchtsfolge. S. Männlih 1). ü 

Die Mannsflimme, 2. —n, bie Stimme eines Mannes, eine 
männliche, d. b. ftarfe, fefte und tiefe Stimme, In der Tonkunft, 
die tiefe Stimme, melge nur von einem Mınrs gelungen werden 
ann, die Bafflimme, der Bus; die hohe Mannsflimme würd⸗ 
die tiefe Mittelkimme fein (Tenor); bie hoͤchſte Mannsſtimme nad 
Neihard, bie hohe Mitteifiimme, ber Alt. S. G, Berbmw. Alt, 

Der Mannötaufname, f. Mannsname. 

x Nannötief, adj.u. adv. fo tief als ein ertwachlener Dana gemöhe 
lich lang if, d. h. mad einem bekimmteren Laͤngenmaße ſechs Faß 
tief. S. Mannslänge 

Die Manndtracht, D —en, bie Tracht der Männer, ober bie Xrt 
und Weife, mie fih Männer in Anfehung ber Kleidung zu teagen 
pflegen; bann, Mannelleibung Äberhaupt. „Berblen! ih nicht, fagte 
fie, heute in Mannetracht zu erſchelnen?“ Bäthe. 

Die Mannötreu, 9. u. 1) Eigentlich, bie Treue bes Mannes, br. 
fonders bes Chemannes. =) Der Rame eines Pflanzengefhlehtes, 
beffen Biumen in Menge bit bei einander feen, ein Köpfen bil- 
ben , auf einem gemeinfhaftlihen, mit Epelzen virfchenen Biumen: 
bette platt auffigen und eine gemeinfhaftlihe vielhlattige Hülle 
haben, bie fünf Kelchblaͤtter auf dem Fruchtkrime, fünf mit ihrem 
fpigen Ende rüdmärts gebogene Blum nstätter, fünf Etaubfäben 
und zwei über bie Wlumenbiitter kervorzagende Griffel eigen; 
(Eryagium L). Die gewöpnlihte an ungebauten Ürtern Hiw 
fig wad ſende und im Wradmonate blühende: Art befpt Hiil 
Iräfte, befonders in ber Wurzel, und führt bie Namen Brad, 
diftel, Bradendiftel, Kraufediftel, Lauchdiſtel, Laufdilter, 
Radendiftel, Wahlendiſtel, Walddiſtel, Walzdiſtel, Huudertkopf, 
Hunderthaupt, Mordwurz, Grundwurz, Ellendwutzel, Stech⸗ 


Mannfu 


twurzel, Ohrengel ıc. (Eryngivm ofieinale, Eryngium cam- 
pestre L.), Die blaͤuliche Mannsereu wäh am fandigen Meeres 
ftranbe und Heift Miermannstreu und blane Meerwurzel (Eryn- 
gium maritimum L.). Die flinfende Mannstreu wähft in Ame⸗ 
zitfa und bat im allın ihren Zprilen einen ftarken flinfendrn Geruch 
(Eryngium foetidum L.), 

Die Mannfucht, o. 29. die Sucht, d. h. bie Heftige umgeorbnete umd 
anhaltende Begierde einer weiblihen Perſon nad einer männlichen, 
welche gewöhntic in ter Förperlichen Beſchaffenheit einer folden Yır= 
fon ihren Grund hat, und welche, wenn fie ben heftigſten Orad er 
reicht unb in eine Art von Tolpeit Äbergehet, bie Manntollheit, 

- _Liebestwut (Furor uterinus) heißt. " 

Mannfühtig, —er, —ſte, adj. u. adr. mit der Mannſucht behafr 
tet; in Balern mannſchlachtig. Mit der Mannſucht im hödften 

Srade, ober mit der Manntolpeit behaftet, Heißt manntoll ober 
männertolf. 

X Das Mannbvolk, —8, 3. u. fo viel als Wrannsleute. ©. d. 

Die Mantözche, =. —n. 1) Die Zehe eines Kannet. =) ©, 
Mannsband 2). 

Die Mannszucht, o. My. bie Zucht, d. h. bie Hanbhabung der Orb» 
nung, der Püntkiiäkeit und bes Behorfams unter der Mannſchaft 
oder unter bienfipfliätigem Perſonen. Gute, ſchlechte, frenge Manns, 
zucht halten. Am gebraͤuchlichſten tft es von Handhabung und Er⸗ 
haltung der Orbnung ıc. unter ben Goldaten (Disciplin), 

** Der Manntag, —es, 9. —, f. Manngericht, 

+ Der Mamntheil, —s, 4. —e, in manchen R. D. Gegenden, 
ber Theil, welcher jedem Manne, d. h. jedem Gingefeffenen des Bor: 
fes, vom gemeinfhaftlihen Heulande bei ber jährlichen TZheilung durch 
bas Loos zufänt, 

Das Mannthier, —es, 3. —e, ein männlies Thier, ein Tbier 
minalices Geſchtechta. Mann, ein Monn, eine Perf:n männtihes 
Geſchlechta, ſoften man mehr auf das Thleriſche im Menſchen fichet. 

Bis fie (die Natur) das ſchlaue und dennoch ewig gräffte 
Berlodte Mannthier zulegt durch weiblichen Liesrelz erweicht. 
Shämmel, 
Im alten und neuem Feofhmänsler wird es häuflg für Menſch 
Überhaupt, als eine ben Thleren in den Mund gelegte Benenmung 
gebraudt: Des Manntbier thats, 
Iu biefeg allgemeinen Bedeutung habın es auch Andere getrandit. 
Sa, ſchnattert jene (bie@ans) drauf, wenn doch das Mannthir nur 
Enft unfee Zugenben erriethe. Hagedorn. 

Manntoll, die Manntollheit, ſ. Mannſuͤchtig und Mannſucht. 

© Der Mannvertreter, —s, DM. gi. der Vertreter des Ehemannes, 
ein Mnn, mwelder bie Frau eines Andern überall, wo ſie öffentlich 
erſcheint, begleitet und bei ihr and im Haufe beftänbig freien Auteltt 
dat, eine im Italien eimpeimifge @itte (Cieisbeo). 6. &. Beimann, 

Das Mannweib, — et, My. —er. ı) Eine Perfon, melde männs 
liche und weibliche Zengungstgeile zugleich haben fol ober zu haben 
fdeint; ein Zwitter (Hermaphrodit), a) Ein männlides Weib, 
ein Weib mit Manneöfinn. Die Amazonen, dieſe Manntoriber bei 
ben Alten. - 

O Die Mannmeiblichkeit, 0.29%. elme mit Waͤnnlichkeit oder Mıns 
nesfinn gemifäte Beibliätelt, eine männlihe Seiblichteit. „Die 
Mannweiblichkeit, die ruhige Fuͤlle ipres Dafeins tpaten mehr Wir 

- kung * Göthe. 

Dad Mannwerk, —es, %. —r, im ©. D. fo viel ala ein Mann in 
einem Tage verrid,ten,, vollenden fan, befonbers fo viel als er im 
einem Zage mit einem Poar Dchſen umpflögen, fo viel als er in einem 
Zage mäten kann; ein Tagewerk. Man gebraucht es daſelbſt auch 
als ein Flaͤchenmaß von Feibern und Wirfen, welches ungefähr fo 
viel ats ein Morgen il. In Zürich Hält ein Mannwerk Miefen 
520 Geviertruthen. Hat es ein Zahlwort vor fi, fo hleibt es wie 
andere Wörter, die Maß, Gericht x. beztichnen, im ber Mehrzahl 


+ 


207 


Mark 


unverinbert. Acha Maunwerk. 

+ Die Mannzahl, 9%. —en, im R. D. bie Zahl wie auch bie Zaͤh⸗ 
lung der Perſonen oder Köpfe; von Mann in feine allgemeinſten 
Bedeutung für Minfh, Perfon. „Bitte Id Mannzahl halten ins 
nen, fo bin ich gewiß, ih würde hier weniger Prefonen aufgezählt 
haben, ale auf. der Hamburger Birfe." Bäld. 

X Der Manfch orer Mantſch, — es, Dy.u. eine gemanſchte Sacht, bie 
aus unter einander gemanfhten, b. h. allerlei unreinlid unter ein 
anber gemiſchten Sachen beſtehet. Auch mol überhaupt eine weiche 
Maffe, doch nur In verädtligem Berſtande unb mit bem Begriff ber 
Unreinlikeit. ; 

X Manfhen eder Mantfchen, x. intrs. eigentti mangſchen, 
mangfen, melde Wörter Stieler bat, vom mangın ober mengen, 
nad feinen Theilen unter einander bringen, milden, fälfgen, und 
überhaupt, in einer fläffigen, naffen ober feuchten Sache mit ben Hin 
den mühlen, fie unter einander bringen, wie aud, mit einem fläffl- 
gen obe@ naſſen Körper unreinlih umachen. Ähnliche Wörter find 
panſchen und mähren. S. d. D. Manfıhen. 

X Der Manſcher oter Mantſcher, —s, By. gl.; die — inn, 2. 
— en, eine Drrfon, welde manſchet. 

X Die Manſcherei oter Mantfcherei, Big. —eın. 1) Dos Wanfden; 
in verätliger Brbrutung und one Mehrzahl. a) Etwas Gr 
manfhtes, eine Bade, bie unter einander gemanfät if, Ancigent⸗ 
lich auch, eine Häßlihe, verwirrte Sache, Angelegenheit, 

x Der Manfcefter, —s, 29. gl. ein Zeug aus gejwirntem baums 
mollenem Garne, welcher bem’ Sammer ähntid if, von ber Gtabf 
gleiche? Romens in England, wo er In fehr großer Menge verfertis 
get wird; Wollſammet ober Baumwollſammet. 

X Manfchefiern, adj. ı, adv. von- Maufhcfter gemacht. Manfcher 
ſterne Beinkleider. 

Der Mantel, —e, 39. Mäntel; Bi. das Maͤntelchen, D. D. 
Mäntteln, 1) Überhaupt ein Ding, weidyes ein anderes dedecket. &o 
beißt in ber Sanbnirthfipaft eime Lage Heures Stroh, die auf ein als 
tes Strohdach gelegt wirt, ein Mantel. Bel den Tuchwebern heißt 
Mantel das vorderfte Ende eines Gtüdes Tuch, weldes juerft ge 
webt wird, und nad ber Zutereltung und Preffung bıeffeiben um bas 
ganze Städt geſchlegen wird und daſſelbe greigfom wie cin Mantel 
umgirbt; auch bas Mantelenbe, ber Vorſchuß. Bei ben Giepern ift 
ber Mantel oder die Schate, derjenige Theil ber Form, welcher ber 
Gußmmare ihre Äufere Geſtalt giebt, und welcher mit bem Keme, 
der die Geftalt im Innern formt, einen letzen Meum bildet, im weils 
Gen bie fläffige Waffe gro ffen wird. In der Baufunft heißt die 
Über ben Herd der Rüde, auch eines Stubenherdes derabreichende Ein ⸗ 
foffung ber Effe, weiche ben Rauch auffaffet, auf ber Mantel oder 
ber Schurz, mworunter oft auc die ganze vordere Wand eines Kar 
mins verflanden wird. Die Bimimesleute nennen auch bas Zreps 
prahaus, oder die Einfaffene, worin eine Treppe in bie Höhe gehe, 
einen Mantel. Im Bergboue führt: bas Satlband, melde den 
Erzgang umgiebt, ebenfalls ten Namen Mantel. In ber Raturs 
befheridung wird ein aus einer bünnen mosfeligen Haut beſtehender 
Theil der ſchaligen Erd · und Mafferfhneden Mantel genannt, wie 
aub das Gefieder auf dm Nüden eines Vogels. =) In engerir und 
gewöhnlicher Webeutung, ein Meidungsftüd, weldes über der Kleie 
bung geiragen wird, entseber zug Bedeckung und zum Schutt gegen 
die Kälte, ben Regen und Wind, in weldhem Falle er weit, baf man 
ſich dartin bequem hölfen Kann, und gewöhnlich aud lang, foro' mit 
Hrmeln als ohne Kemer ift, oder zum Schmuck und els ein April des 
volftänbigen Anzuges bei gewiſſen feierlichen Gelegenheiten, wo ex 
von leichterem Gtoffe, leicht umb fümal auf bein Mäden oder über 
den Schultern hiuabhaͤngt, wie ber Mantel ber Prediger, Ritter ıc. 
Den Mantel umnehmen umbängen, anlıgen. Einen Mantel tras 
gen. Im Mantel gehen. Sich in den Mantel bällen. Der Der. 
genmantel, Reifemantel, Trauermantel, Weibermantel, Prebis 


Mant 


208 


Marg 





germantel, Tuchmantel, Zeugmantel, Dedmantel atc. Davon 
der Mantelktagen, bie Manteltaſche, das Mantelfutter ıc., ber 
Kragen, bie Taſche, das Futter bes Martels ober am und im Man: 
tel ic. X Den Mantel nah dem Winde hängen, uneigentiih 
und ſpelchwoͤrtlich, ſich nicht gleich bleiben, nicht nad feften Grund: 
fügen handeln, ſendern fi nur nad Andern und nad ben Zeitum ⸗ 
ftänten riöten, und bafb fo, bald anbers, wie diefe es heifhen, ſpre⸗ 
Sen und handeln. Dre Spanifhe Mantel, eine Art kurzer Min: 
tel, wie bie Spanier auf bem Rüden oder auf ber Schulter zu fra: 
gen pflegen; uneigentlih, ein hoͤlzernes und ſchweres Ding, beinahe 
wie eine Slode gefaltet, mit einer Öffnung an bem obern engern 
unb gerumbeten Ende, welches einem Werbreher, damit ex es zur 
Strafe trage, gleih einem Mantel über ben Schultern befeftiget 
wisb, fo daß ber Kopf nur berausraget, 5) Dir Name berienigen 
Kammmuſcheln, welche ungleide Ohren haben. Der bunte Mantel, 
(Ostrea variaL.) zeiget nur ein Ofe; ber glatte Mantel (Osirea 

- glabra L.) hat Schalen und Ohren, bie sinanber glei find; das 
Maͤntelchen (Ostrem pusio L.) if Elein, glatt und zeigt auch nue 
ein Ohr. 

Die Mantel, 94. —n, in ber SHifffahet, ein Tau, meldes fih an 
dem oberen ober zweiſchelbigen Blode eines Takels befindet, um eis 
nen einfheibigen Block fährt, und an weichem bie Laſt, melde in 
bie Höhe gebracht wird, hängt, wenn man ben Läufer ber Zalje anholt. 

Der Mantelblod, —es, By. —blöde, in ber Schifffahrt, ein Block, 
um welchen eine Mantel fähet. u 

Das Mantelende, —, 4. —n, f. Mantel, 

* Der Mantelberr, —en, 9. —ın, ein Herr, ber einen Mantel 
trägt, befonders als ein Unterfheibungszihen, Ehrenzeichen &o 
biegen ehemahls bie Deutſchen Herren Mantelherren. Oberlin. 

Das Mantelfind, —ed, 4. —er, ein unchelides, vor ber prie: 
fterlihen @infegnung gezeugtes Kind, weil bie Mutter ein ſolches 
ehemapis bei ber Trauung unter ihren Mantel nehmen mußte, wennes 
als ein rechtmaͤßiges Rind angefehen werben ſollte. In weiterer und 
veroͤchtlicher Bedeutung nennt man aud wol Hurfinder Manteltinder. 

Die Mantellirfhe, S1. —n, eine Art woplfhmedender Kirfhen, 
melde eine braunrothe Farbe und Meine Steine Haben, weil fie ans 
ter ben Blättern bed Baumes wie unter Mänteln hangen. 

Die Mantelträhe, y.—n, die Rebelkrähe, die gleihfam mit einem 
grauen Mantel bebedt ift, 

Die Mantelmeve, Di. —n, bie Seemeve ober Fiſchmeve (Larus 
marinus L.) wegen ihres ſchwarzen Rädens und ihrer ſchwarzen 
Flogel. 

* Maͤnteln, v. trs, mit einem Mantel verfehen, bedecken; uneigent ⸗ 
Gh, verbergen, verfielen ıc. Obertin. S. Bemaͤnteln. D. 
Mintem. D. —ung. 

Der Mantelrod, —ı6, 3. —röde, ein weiter Rod, ber ats ein 
Mantel bient, ober vielmehr ein Mantel, weicher wie ein Rod mit 
Ärmeln und zum Zukadpfen ıc. gemacht ift. 

Der Mantelfad, —es, 94. — ſaͤcke, ein Sack, welder eine eigene 
Form hat und zugefhnärt oder zugefhnaft werben kann, ben Mans 
tel umb andere Kleibungsftüde auf Reifen barin bei ſich zu führen; 
ber Watfad. 

Die Mantelfhnur, y. — ſchnuͤre, bie flaele Schnur, womit leid: 
tere, hinten hinabhangende Mäntel um ben Hals befefliget werben. 
Der Mantelfiod, —et, Bi. —flöde, ein Stock auf einem breiten 
Buße, auf welhen man einen Mantel hängt, wenn man ihn niht 

trägt ober wenn ex durchnaͤßt ift und trocknen foll ac, 

Das Manteltakel, —s, M- gl- auf ben Schiffen, ein Zakel, mel: 
qhes wie gewöhnlich mit einee Mantel verfehen ift, biefen Namen 
aber zum Unterfhlebe von anbern Takeln, bie eine andere Einrich⸗ 
tung haben, führt; aud Spanifches Takel. 

Mantelweit, adj.u. adv. weit wie ein Mantel, fehe weit. Stieler. 

Der Dar, f. Wahr. 


‚X Die Marelle, 9. —n. 


+X Marachen, v.trs. im N. D. abmatten, entträften, von Dar, Utähre, 
das Pferb, duch fhwere Arbeit wie bie Pferbe ermuͤden. Sich ma: 
rachen. So au, fih abmaraden. D. Matachen. 

Die Marine, f. Muraͤne. 

Der Marbel, —6, Bi. gl. 1) &o viel als Marmer. S. d. 2) 
Im Dennebergfhen, aud im Holſteinſchen, Elrine Kugeln von Mar: 
bei, womit bie Rinder fptelen, - 

Marbeln, v. trs. 2) Rah Art bes Marbels ode Marmers mit al: 
lerlei Bieten, Streifen, Bögen verfhen, bemahlen ; au marmeln 
(marmoriren). „Das (Helj) bes rothen (Artbrehers) ober bes 
Quebracho eolorado ift trefflich gemarbelt." E. A. W. Bimmer: 

"mann. za) Mit Marbeln (f.d. 2).) ſpielen; maͤrbeln. D. Mar: 
bein. D. —ung, 

Dir Marbelflein, —s, 34. —e, ber Marbel ober Marmer. 

Dad Märchen, f. 1. Maͤhre. 

Der Marder, —6, 2. gl. +) Ein vierfüßiges etwa auberthalb Fuß 
langes Säugethier aus bem Wiefelgefhlehte mit kleinem dreiedigem 
Kopfe, fpigiger mit einem Cchnurbarte verfehener Schnauze, kurzen 
zunben Ohren, Janger glatter Zunge, länglihem Körper, ſehr Eur: 
zen Füsen, woran fünf Halb verwachſene Beben befindiih find, unb 
mit einem langen haarigen Schwanze (Mustela martes L.). @s 
giebt zwei Gattungen davon, ben Baums oder Feldmarber, der auch 

“ edler Marder ober Edelmarder heißt, und ben Hausmarder. &.b. 
2) Das Bel des Marders, befonders des Edelmardersz das Mars 
derfell, als Pelzwerk. Gin mit Marber gefütterter Mantel. 

Die Marberfalle, 9. —n, eine Falle, in welcher man Marder ju 
fangen pflegt. 

Das Marberfell, es, 2. —e, das. Fell bes Marbers, befonders 
bes Edelmarders, welches ein gutes Pelzwerk abgiebt; auch bleß 
der Marder. 

Das Mardergarn, —es, 4. —e, ein Meines Garn oder Reg mit 
engen Mafden, Marder barin lebendig zu fangen. 

Der Mardermuff, —es, 9. —mäffe, ein Muff vom Marderfellen. 

Die Marberwurzel, 9. —n, ein Rame bes Schlangenpoljes. S. d. 

Die Maͤre ıc. ſ. Mähre ıc. 

ı) Eine Art großer fourer Kirſchen mit 
Stiekhn. ©. 2. Immer. =) Eine Art Meiner gelber Aprikofen, 
welche weniger (hmadhaft if; auch Marille, Marelle. Andre beie: 
gen mit biefem Namen auch alle Aprikoſen. Beite Obflarten nennt 
man auch Amarelle. 

+ Die Mareſſe, By. —n, nad Frifh, bei ben Fiſchern, eine Ber 
nennung Eleiner Kiebgarne, beren Gebrauch im Wranbenburgifhen 
durch bie Fifhorbnung verboten if, weil ih zu Heine Fiſche darin 
fangen, 

Margaretbe, ns, —n, ein Weibertaufname; in ber gemeinen 
Sprechart, Grete; Bw. Gretchen, in ber Oberpfalz Meigerl, im 
Balerſchen auch Margerl, im Osnabrüdfhen Meetke. 

Der Margarethenapfel, —s, 4, —aͤpfel, ein Sorte Äpfelz auch 
Magdalenenapfel (Margaret apple), Remnid. 

Die Margaretbenbirn, 9. —en, eine Sorte Birnen (Poire de 
Marguerite), Remnid. 

Die Margaretbenblume, By. —n; Bw. bas Margartethenbluͤm⸗ 
hen, ein Rame der Bänfehlume oder Maßlicben; In andern Gegen- 
den Marienbluͤmchen. 

Die Margaretbennelke, 9. —n, ober dad Margarethennäge- 
lein, —s, 99 gl. nad Ad, eine Art Sartennelken, bexen es fowet 
gefälte als einfache giebt, welde viele Blumen mje in einem Buͤſchel 
trägt und im Julius brühet. 

Der Märgel ıc. ſ. Mergel ıc. 

Märgeln, f. Mergeln. 

Die Margenbirn, 9. —en, eine Sorte Birnen (Poire Madame), 
Remnmich. 


Die Margendiſtel, 299. —en. 1) Die Haferbiſtel oder Acerdiftel 


Marg 


'inis UV. 

+ Der Margendreher, —, 39. gt. ſ. Bogelwurz. 

1 Das Margengras, —es, 4. u. ſ. Mariengtas =). 

+ Das Margenröschen, — 8, 3. sl, 1) S. Marienröshen. =) Blaue 
Margenröschen, ein Reme ber Rugelbiume (Globularia vulgaris L.) 

Maria, —s, —en, oder Marie, —ne, —n, ein Weibertaufname; 
"to. Mariechen, in manden Geginden in Miete, Mitte, Mätie, 
Merge, Meigeln, Meigela, Mita, Miet, im Bäterfhen Miedt, 
Mies ıc. verändert und verberbt, Diefer Name, welden die Mutter 
Keifti führte, koͤmmt in vielem Bufommenfegungen vor, wo ex Mas 
rien lautet, umd irgend etwas Borzägliäes, was man au den baburd 
bezeichneten Dingen bemerfte, zu bemerfen glaubte, ober ihnen aud 
wur mwiltährlich beilegte, begeichnet. Wei ber großen Werchrung In 
welder Maria, die Mutter Reiki, im ber Mömilchen Kircht fichet, 
wo fie entweder Jungftau Maria, ober gewoͤhnlicher unſte Liebe 
Frau und Mutter Gottes Heift, Hat man fon feit alten Beiten 
guehrere Feſte ife zu Ehren eingefährt, welche üserhaupt Mariens 
tage heißen, unb bei deren Benennung man in ber Umendung bes 
Namens Marid bie ateinifhe Endung Marid beibehalten hat, Die 
vornehmften derſelben, die zum Theil auch nod im ber Evangelifchen 
Kirche gefeiert werben, find felgende: Marid Empfängnif, Marid 
Geburt, Marik Verkündigung, welches in ber @vangelifgen Kirche 
bat Heft der Gmpfängnig Keifti it; Marid Heimfuchung, das Ans 
benten der öffentlichen Bekanntmachung ber Empfängnif Jeſuz Mas 
rid Reinigung, das Audenken ber Darſtellung Krifti im Teinpel; 
Mariä Opferung; Marid Himmelfahrt oder Marid Wuͤrzweihe, 
welche den ı5ten Xuguft gefeiert wird, Beringere Marirntage in 
ber Mömifhen Kirche find: das Feſt der fieben Schmerzen Marid, 
oder Marid Ohnmachtsfeier, Marid Bergkampf, welches den Kreis 
tag vor dem Palmfonntage zum Anbenfen ber Schmerzen, welche bie 
Mutter Irfu bei dem Ansli ber Beiden beffelden am Kreuze empfand, 
oefetert wied; Mariä Schneefiier, welches Fe den sten Xuguft 
gefeiert wird, und beffen Name fih auf eine Sage gründet, nach wel⸗ 
Ser 16 einmahl am biefem Tage zu Rom geſchaelet Haben fol; Marid 
Verlöbniß, melde den =5ften Jänner gefeiert wird ıc. 

+ Die Maria-Magdalenenblume, 94. —n, oder Maria-Magba- 

- Ienenfraut, und Maria- Magdalenenwurz, Di. u. ein Rame 
bes gemeinen Balbrians ober großen Waſſerdaldrient (Valcriana 
oRleinalir L,) und bes Gartenbalbrians (Valeriana phu L.). 

Der Marienapfel, —, 94. —ipfel, eine Art früpreifer KÄpfel. 

Das Marienbad, —et, Di. —bäder, in der Scheidekunſt, ein Ges 

"FAR mit Waſſer, umter weldes Feuer angemacht wird, um ein ans 
bered Befäß darsin zu fehen und etwas darin abzuziehen; bas Frauen: 
bab (Balneun NMariae), 

Das Marienbild, —es, m. —ır; Bir. das Marienbildchen, ein 
gemahltes oder gefhnigtes Bild ber Jungfrau Maria, befonbers in den 
Rboiſchen Kirchen; das Frauenbild, Muttergottetbild (Madonna). 

Die Marienblume, 94. —n; Br. das Marienbluͤmchen, DO. D. 
—tein, ein Rame ber Gänfehlumen ober Maßlleben; aud Marien: 
röslein, Margarethenblume (Bellis L.). 

— — — ——e, 94. —brüber, ein Rame ber Karmels 
mönde. 

© Der Matiendiener, —, 99. sl. ein Diener oder Verehrer ber 
Jungfrau Mıria. In engerer Bebeutung, eine Art Mönde (Ser- 
viten). 6. S. Marienknecht. 

Die Mariendiftel, 94. —n, f. Frauendiſtel. 

Der Mariendorn, —ed, 94. u. ein Rame 1) ber gemeinen wilden 
oie cher Hagsbutte (Rosa canina L.); =) ber Daferrofe (Rosa 
spinosissima L.). 

Das Marieneid,—es, 0. 2. fo viel als Frauenglas. 

Der Marienfaden, —s, By. —fäden, ein Rıme ber fogenannten 
Gommerfäden, melde ber abergläubige Haufe für überreſte von 


Gampe’s Wörterb, 3. Th. 


209 


(Serratula arrensis L.).“ 2)"Die Frauendiſtel (Carduus maria 


Mari 


"tem Zude ber Jungfrau Maria Säit, meldes fie im Brabe umgen 
‚habt und meldes fie Hei Ihrer Himmelfahrt habe fallen Laffea; and 
Mariengarn. ©. Sommerfuben. 

Das Marienfeft, —es, 84. —e, ein Bet, welches ber Jungfrau 
Maria zu Ehren gefriest wird; der Marientag. 

Der Marienflahs, —es, ©. 4. 1) ©. Flachekraut. =) Das 
gefieberte Pfriemiengras, Etraufgras (Stipa pennata L,). 

Das Mariengarn, —eb, 4. u. . Marienfaben, 

Dos Marienglad, —es, 4. u. f. Frauenglas. 

Da3 Mariengloͤckchen, —s, 94: gl eine Xrt Glodenblumen mit 
fHönen großen Blumen, welde mit blauer, xöthliher und wei 

‚ Earbe wechfeln (Campanula medium L.); auch MWaldglodenbiume, 
Mariendeilchen. 

Das Mariengras, —es, By. u. tin Rame 1) bes weißen Klees ober 
Hollunderkices , im Öfterreihifhen das Mariengräfel ; =) bes 
Aderfpergels (Asperula arvensis L); 5) bes wohlrichenben Darr⸗ 
grafes, welches auf feuchten Wieſen wähft umb wohl ziehet (Holcus 
odoratus L.), aud unferer lieben Frauen Gras; 4) einer Art 
Gras mit fhönen weiß und grün bandartig gefiseiften Blätter 
(Phalaris picta L.), aud Bandgras, Margengras, Spanifhes 
Gras, Englifhes Gras, Franzoͤſiſches Gras, Wildes Gras, 
Türkifches Gras, Entengras, buntes Gras. 

Der Mariengrofchen, — , 9. gl. in R. S. und am Rirbesrhein, 
eine filberne Scheibemänge bie 3 Pfennige gilt, und auf welcher ein 
Marienbilb geprägt war ober hier und ba aud wol mod geprägt 
ift; auf ein Bapen, und, wo ber Baten 16 Pfennige glit, ein 
halber Bapen. . 

Der Mariengulden, —s, 3. gl. eine Silbermänze, bie se Mas 
ziengrofchen ober ı3 gute Grofhen und 4 Pfennige beträgt, 

+ X Das Marienhuhn, —es, 9. —hühner, f. Marienkäfer. 

Der Marienkäfer, —, 3%. gl. tine Benennung der befannteften 
Art berienigen Heinen miedlihen Käfer, welche Sonnenkäfer ges 
nennt werben (Coccinella L.); im gemeinen Eben auch Marien⸗ 
huhn, Marienkaͤlbchen, unfers Herren Huhn, Rebhuhn. ©. 
Sonnentäfer. 

Lu Marientälbchen, —6,-M: al. f. Marienkäfer. j 
er Marientnecht, —eb, By. —e, ein Auecht gleiäfam ber Jungfrau 
Marla, einer ber fie knechtiſch verehret. Nah Dberlin führt ein 
Mindsorden diefen Namen, vieleicht berfelbe, beffen GSlieder Servi- 
ten genannt werben, die, wenn dies aud nit ber Fall ift, doch Mas 
rienkuechte ober Marienmönde genannt zu werben verbienen, weiß 
fie austhlieflih dem Dienfte ber Zungfrau Marla geweibet find, 

+ Das Marienkraut, —r6, 4. u. der Name 1) einer Art bes 
Balfrautes, des Wohlverleied (Armica montana L.); 2) des ges 
meinen Sinau (Alchemilla vulgaris L.). . 

+ Der Warienmantel, —s, 9. u. tin Name 1) bes gemeinen 
@inaues (Alchemilla L.). S. Sinau. 2) Des Obmfrautes 
(Aphanes L.); bas Marienmäntelhen. S. Obmfraut. 5) Des 
Mutterfrautes (f. d.) (Matricaria L.). 

O Dir Marienmönd, —es, 4. —e, T. Marienknecht. 

Die Marienmünze, I. u. f. Frauenmünze. 

+ Die Marienneffel, 84. —n, ein Rame ı) ber gemeinen Raten 
münze (Nepeta cataria L.); 2) bes gemeinen ober weißen Antorns 
(Marrubium vulgare L.). 

* Dir Marienroden, —$, 0. 3%. ein Name bes Bärtels im Stern: 
bilte Drion. Dberlin, 

Die Marienrofe, My. —n; Bm. das Marienröshen, O,D. —lein, 
ein Nıme 1) der Maßllebe, beſonders ber in Bärten gewoͤhnlichen 
gefülten Xrt (Bellis L.); au bie Marienblume. #) Der Pfingfts 
zofe ober Sichtroſe (Paeonia ofheinalis L). 5) Dee Weinroſe. 
®.b. 4) Der Hagerofe ober gemeinen wilden Rofe (Rosa canina 
L.). 5) Der Pechnelke ober Pechblume (Lychnis viscaria L.); 
auf Mergenröstein, 6) Des Jeldrdachens aber Acerrooheas (Ade- 


27 


| Mari 


nis aestiralis L.); and Margenrhachen, Margaretdenräschen, 

7) Dir Emänelte oder Sammetnelke (Agrosteme coronaria L.), 

wie and bes Ron oder Adercabens (Agrostema githago L.); 

auch Margenrösdeen. 8) Eintger Miten bes Eeimfrautes, als ber 

Pechutike (Silene armeria L.); das wilde purperrothe Margenröfs 

kin, und bes uͤberhangenden Feimfrautes mit überhangenben Wlätem 

bergen und eifl.migen Blättern (Silene nutans L.) z ach wildes 
Morgmnrösteim, weißte Klebnelke, weiße oder ſchwankende Mia, 
rienchstein, wilder Widerſtoß, Gliedkraut, Mandelkraut. 9) 
Did gemeinen meißen Behens, weldes auch Gliedkraut, weiſer 

Widerſtoß 16. heißt (Cueubalus hehen L.). 

Der Marienſchub, —es, 9. u. eine ausländifge Pflanze, welche 
eine ſchoͤne purperfarbige befonders geſtaltete Blume treibt, ein aus⸗ 
achöhltes, weites, am Rande enges zufammengejogenss unterwärte 
bangendea Honigschäftniß bat, welches mit einem Schuhe einige 
Ahnlichtelt Hat und gewoͤhnlich ganz geld oder aud) rothgeſtreift und 
Imsendig mit haarichten Linien und Flecktn verfehen iſt, über dem 
Honigbebältniffe Beht neh eim anderer Korper, ber aus einem bes 
ſendern geſtielten, vertiefte, weißen und purperfarbigen Blätten, 
zwei Stoubbeutelm und dem Staubwege beſtehet (Cypripedium umb 
Befonters Cypripediuns ealceolus L.) Andere nennen fie au 
Sramenfhuh, Venusſchuh, Marienpantoffer, Pfaffenfhub, un 
rechnen fe zum Geſchlechte ber Kuabenträuter, 

Der Marientag, —ed, 4. —e, ein Feſttag, su Ehren ber Jungs 
frau Mario gefeiert, S. Marienfeſt. 


Die Marienthräne, 9. —ı. +) Ein Rame ber VPerlenhirſe (Li- _ 


thorpermum officirmle L.) ; 2) des Chrömengrafes (Coix lacryına L.). 
Das Martentrbpfhen, —s, 9. 9}. eine Spielart den Federnelke. 
O Das Markenveilchen, —®, 9. ar. ſ. Mariengloͤckchen. 

Die Marienwurzel, 9. —n, bie Fenuenmünze (Tanacetum bal- 
samita L,). 

Die Matrille, 3. —ır, 1) &. Marelle. 2) Der Paffinaf; Herz 
marille, 

Dis Marf, —e, Mi. w- die locktre, gelige und weide Maffe ine 
Innern mandes Körper, befombers im den Röhren unb Höhlen ber 
Kuchen der Thiere und im ber Mitte ber Erimme, Stengel und 
älte ber Bäume und Pflanzen. In den Kunochen der Thlere I es 
son einer ölichten Wefdaffenheit. Oft nennt man auch ädalide vom 
nochen eimzefhloffene Maffeın Mark. So wird im gemeinen fer 
den tas Brhirn auch das Mark gennant; z. B. das Mark aus eis 
mem Kalberepfe. In bir Berglieherungsfunft ift das verlängerte 
Mark (Medulle ohlongute) eine Fortfegung des Gehlens, melde 
in bre Nushöblung bes Zapfens am Einterhanptöbeine lirgt, Bon 

-demfeiben firigt das Rüdenmark, meides auf Bas [ange Mark 
Weist, derch das große Hinterhauptalech im den Mädenmarksgung 
AUnab. Mark ift von größferm NUmfange als Gehirn, dos Gehirn 
He ein Mark, aber nicht fedes Mark ein Gehirn. Das gebt, fährt, 
dringt bush Mar und Beim, das macht ben empfintliäflen Eins 
ruf. ureigentlich nennt man ber innren ſaftigen Theil mander 
Früchte, als Zitronen, Pomerenztu, MWerindeeren ıc, welden man 
dei Aabern Fleifh nennt, das Mark. Da große bie Knochen ba 
meifle art entfelten, und große Thiere mit ſtarken Knochen ges 
wösnti auch bie meifle Kraſt und Gtärfe befiger, fo wird vief 
Sark ober üderhaupt Mark als ein Brihen von Stärke angefehen, 
en» in weiterer umeigentlier Bebrutung auf etwas, bas feraft, 
Rahrung giebt und aͤterdaupt das Weffe an einer Sache if, Mark 
grmannt. Daber bie Rebensarten: X Mark ir den Knochen habe, 
Hast fein. Einem Sas Mark ausfaugen, ihn feiner beſten Mröfte, 
fetnes beſten Eigenthumes berauben , ihn entkräften m Das Mark 
Bes Lanbee. Ihr ſollt effkn des Mark im Einder 1 Moſ. 45, 16 
Mneigentiich Heiße bei dem Fördern der Bodenſat nom ber Farbe im 
einer Küpe, über melden ber Drift liegt, To daß bir zu färbenden 
Beugs dinfelden nihe berühren Eianen, bas Dar — In dem 


210 


trauet wurden, 


Mark 


Morte Steinmark IR *6 au Mapgel derderdt. 





Die Rört, 9. —ın. 1) Üderpaupt ein Busen, dia Iinperfichee 


obes fihtbaree Ding zur Grlnnerung. In engerer Bedeutung, bäe 
Beiden, welche bas Ende der Ausdehnung rines Bandes ober BezirS⸗ 
In bie Ränge und Vreite bezeichnen, bie UGrenze, in meider Bebeu- 
tung es chemafis vom allem Grenzen, ſelbſt großer Reide und Anne 
bie gebraudt wurde, und auch die Markung, das Gemerk ober 
Bewerk lautete, jent aber nur vom den Grenzen Heinerer Gebiete, 
als ber Dörfer, Bemeindegäter und Berigtebeziske gewohnlich ifE- 
Die Dorfmark, Feldmark, Holjmart ı, Mark wird nur dgemt- 
Uch von räumlihen Bröfen gebzangt, Grenze aber auch von umme 
sä.mliden » B. von Berttande. 2) Cine mit tinem Beiden be 
zeichnete oder bemerfte Bade, (1) Eine mit Beemzeihen beseih= 
nete Ftaͤche, ein won feinen Grenzen eingefhioffener Beziel, Aue 
in biefee Bedeutung wurde «8 ehemahls vom ganzen Bändern, wie 
der Name Dinemark zeigt, ober vom großen Theilen biefes Andee 
gtbraucht. Co wurden befonders biefenigen Teile bes Deutfhen 


 Rebes, welche on den Grenzen gegen uneußige Radtarn, befone 


ders Slaven und Wenden lagen und als Vormauern gegen dieſelben 
detcachtet wuzten, Marken genannt; uns Markgraffhaften, for 
fern fie gewiffen Markgrofen zur Aufficht und Beripeidbigung anvers 
Bolde Marken waren die Mark Brantenburg, 
Meißen, die Saufig, Maͤhren, Steiermark ıc, wilcht zum Theil 
Ihren Ramem bis jeht nech behalten haben. Jethzt gebraudt man 
Mark nur noch vom Heinern von ihren Grenzen eingefäloffenen Be» 
ziehen, befonders von Brundääden, Semeindegütern 16, melde et⸗ 
nem Dorfe, einer Gemeinde gehören In RM, D. fühern aufer Ger 
meimweiben auch Torfgruden ıc. tem Ram Marken. (a) Eine 


"Art bei Bewiäts, ſofern es mit einem Beiden verſehan it ober 


war. Beſondera If bie Mark ein gewöhnlihes Geld- md Stiber⸗ 
"gewicht, welches 16 Roth wiegtt. Wein Silber iſt eu im kothe ei 
getheilt, und sine Markt Silders Hält 16 Both ober 46 See 
(Roen) oder 298 Grün (Renten). Cine Mark Goldes dingegem 
Hält a4 Karat ober 96 Gran ober 288 Grin. Die Beſchaffenhe it 
des Silbers und Bolbes drudt man durch Beifäge aus. So if eine 
Mark loͤthiges Silbers oder bie Löthfge Mark eine ſolche, bei wels 
Ger fi; > aud 1%, Both Zufap befindet. ine Mark Löthiges 
Goldes Hält 7a Dukaten oder Boldgutber zu r Allir. 8 Par. ges 
zehnet. Uneigenrli gebrandt man Mark in mehrrem Begenbeiz 
als eine eingebituete oder Achmungsmäng, Cine Mark Kübifdh, 
d, 5. eine Luͤbiſche oben Luͤbeckſche Mark, gilt, je nadbem ber Gelb» 
preis ficht, ungefähr 9 Gyr. und baräder; bie Luͤbiſche Staats 
mark von 1506 aber ı Athir, Die Mark in Hamburg iſt die näme 
liches die Banknmark aber, je nachdem der Beibpreis fheht, unger 
fihe 71 Ggr. und baräber. Die Dänifche Mark gitt helb fo viet 
als die Lühiihe- Im Denabrückſchen iſt Me ſchwere Mark 12 Öbe 
nabzätide Schillingez die richte aber 7 Schillinge oder 3 Or. Die 
Mark Bremiſch oder Bremer Mark gilt 52 Bremer Groet. Im 
Schweden iſt die Mark fomor eine Rupfermünze vow 10% Pf., als 
auch eine Eildermänge von 2 Rtöir. 77% Pfenalg, tie Diele zu 
5 Athie. gesehure. Eine Mark Sundiſch gilt in Srealfunt 4 Br. 
Eine Mark Fierdings, zu Rige = Ferdiags oder $ Bır. Im 
Aachen führen au die Petermännchern, melde 4*%% Pfermige gelten, 
den Hımen Mark, Im den mittlern Zeiten rechnete faft jeter Ort 
nach ſelaen tiguen Dlusfin, und ehemahla war ein Mark Silbers 
auch dem Gewichte nad 16 Both vom einer Münze, welche in eben 
Fılle nöger beffimmt wurde, Oft wurde dabel bie Mark reines 
Silbers zw Grunde gelegt, wo es daen auf bie Baffereit ber 
Münze, d. 5. auf bie größere oder geringere Reinyert ihres Silbers 


ankam, wie bird vom berfelden au einer forden Wark gehörte, Im 


Schleswig rechnet man au Zeider nad Marken, und eine Sufe 
Hit 6 Mark Gofdes oter 12 Heit chaffrt, wahrſcheinteich weil fie 
themahle 6 Blast Golbes galt In allen birfen Fällen bieidt Mark, 


% 


Markb 


wenn tin Zahrwori vor bemſelben ſtehet, in der Mehrzatl anverndert. 

Der Markbaum, — es, — baͤume, «in Grenbaum z auch Mahl⸗ 
baum, Lachbaum. S. bie Mark ı). J 

Das Martbuͤndel, — , My gl. in der Zergliederungtkunſt, mar 
Hige Maſſen in Geſtalt von Bänden an der Grundſtaͤche ber beiben 
Hiften des Wehimes, wwelche mit einander zufammenlanfenb und 

hmäler werbenb nach Hinten gehen, wo fie ſich mit bem verlängers 

dan Markeiserbiaten (Crus serebri). _- 

x x Dad: Markting, —es, 9. —e, eine Net Ding aber Gericht, 

pas weldes Adım: , Gronzfbreitigkeiten ie. gebradt wurden, 

Die Marke, 89. —n. 12) So viel als die Dart, ein Zeichen. Ber 

ſonders in manden Bpielen, ein Beihen, welches die Stelle des 
Geldes verteitt. 2) F In einigen Gegenden, befonbers in ber Wet: 
trau, das Gericht Über bie Holgmarf. 

Der Markebrief, —es, My. —t. 1) Die Kaperbrief, werden ein 
Kaper von ber Bundesregierung haben muß, ohne welchen eu feinds 
uche Schife nicht mehmen und aufbringen darf, fontern als eim 


 Werzäuder angefehen wird. =) Der Markbrief, chema hle ein ee ° 


Jerter. 

X Maͤrkeln, v. T) intrs, Handeln, Bingen, Jrlſch. Davon abmär 
Fein, abhanden, im Handeln abziehen; vermärkein, verkaufen , bei 
Feifch unter maͤrkeln. II) tra. fo viel als mergeln. — 
Märkten. 

1. Marken, v. trs. 1) Bon Mark, via Beiden. (1) Zeichnen. „Die 
Orenjengenaugemarfet." Xttifh. Mufeum. (M.) Befonders inben 
Bufammenfegungen abmarken, auswarken, brandmarken. (e) An 
einer Bart kennen, bemerfen, 2) Bon Mark, fofern ein Gewicht 
darunter verflanden wirb, im Döttendaue, Warken zur Ausbeute 
geben. Das Er; market, wenn es im Bentner mehrere Mast Gil: 
bers enthält. D. Marten. D. —ung. ©. b. 

+ Marten, f. Matkten. 

De Markepinfel, —, 9. gl. ein Pinfel, Masten ober Zeichen auf 
Kaufmannsgäter bamit zu mahlen. 

Der Maͤrker, —6, 9%. gl; bie —im, 94. —eın. 1) Der Ein 
wohner, die Eirwohnesiun einer Marl, Die Märker und bie Poms 
mern, bie Einwohner der Mast Brantenburg unb von Pommern. 
Der Rurmärker, Neumärker it. Im einigen R; D. und Rpeinis 
ſchen Gegenden, ber Ginwohner, ber Theilhaber einer Holzmark; 
auch Markgenoß. Der Inmaͤrker, ber wirkliche Theilhaber am eir 
mer Dosf. oder Holzmark; zum Unterſchiede von einem Ausmaͤrker 
obre Fremden. =») %%* Ein Feldmeſſer. 

+ Dos Märkerbing, —es, 2. —e, ober dad Märkergedinge, 
—«, 5: gl. bas Beriht über bie Märker, in Dingen, melde bie 
Mark beterffen, das Markgericht, im der Wetterau bie Marke, 

Der Märkermeifter, —6, Bi. ol. der Worgefehte der Maͤrker. 

> Das Märferrecht, —es, o. bas Korkizecht. 

Der Marketopf, —es ; Ey: —töpfe, ein Zopf mit Farbe ıc., Dat 
Een ober Beiden bamik auf'eine Bade, J. B. Kaufmannsgäter zu 

. maden; Matrkepott. 

Markfett, adj. u. adr. fett d. d. zeih an Mark, ober an weicher 
yarter Maſſe. So hat Remnicd eine Art Erbſen die markfette 
Gibfe angtfährt (Pisum siliqua marima), wahrfgeintih, weit ihre 
großen Hüifen-weid umb faftig fiad. 

Der Marlfriebe, —n6, 3. u. in Weflfalen, bie Sicherhelt einer 

Selr uk gegen wiltähslihe Benägung. . 

Das Markgefäß, — es, Bi. —e, Hie das Mark enthaltenden Ger 
für. Die Martgefaͤße der Pflansen laufen ohne beflimmte Orb⸗ 
aung in ſcheaͤger und wagerechter Rihtung durch das Mark und Bels 
lengewebe, vertheilen fi in den Haͤuten ber Gefäße und bilben zu 
Ieht im ber Außen Haut ein zartes Net (Vasa medullaria), 

Das Marfgeld, 4, 34. —r, f. Markgroſchen a). 

Der Martgenog, —ſſen, 9. — ſſen, in Weftfolen und am Richen 
speine, bee Geneß aber Thellhaber am ine Mast, voszäglid au 


% 


211 


Marki 


einer deimart; auf ber Maͤrker, Erbmann, Ecbett. 

ie Markgerechtigkeit, Sy. — en. «) Die Grrchtigleit oder Las 

Secqhtt, eine umfgloffene Deck, Geld: ober Holymark zu haben. 4) 
Die mit einer folgen Mark verbundenen Gerehtfamen. Es it mit 
Diarktgerehtigkeit nicht zu verwechſeln. 

Das Markgericht, — s, By. —, das Beriht Aber eine Mark, 

beſondera eine Holjmark, amd in Gachen, weiche Biefade angehen‘; 
das Hol geticht. 

eg 2. a. eine Anzopl Heiner Münze, hie eine Mark 
gewähren oder austragen 

5 —* agen muß, indem man fr sipte, 
as Markgewicht, —ı6, Dh. —e, bie Mark, alt ein 
trattet,. 8, die Mark De B i ze * 

Der Markgraf, —en, Bi. —en, ehemahls der Graf oder Befedls⸗ 

Zaber und Aufſeher einer Mark oder eines an ber Gerne gelegenen 

Adhelles eines Bandes; chemapls au der Markmann. In fpitern 
Beten wurde es deu Zitel eines Fürften, ber mit einem Marigrafe 
thume bellehen iſt, ober ein Land Sefigt, weldes eine Mark bie 
ober aoch heißt. Dergleichen wäsen bie Markgrafen von Branden» 
durg, Baden ıc. Davon bie Markaräfinn, fowol bie Gemahlinn 
eines Markgrafen, als auch eine färflihe Perſon weiblihes Ger 
ſchlechts, welche mit ber martgräffihen Würde bekleidet ift, ober zu 
tinem martgraͤfllchen Haufe gehbrt. 

Die Markgrafenbirn, Mg. —en, eine Sorte wohlſchmedender Bir: 
nen (Marquise), " 

Marktgraͤflich, adj. u. adv. einem Markgrafen gehoͤrend, zulommenb, 
Ihm a halich, in der Würde beffelden gegründet. Die markgräftiche 
Würde, Des markgräftihe Zitel. Das markgraͤfliche Haus. Die 
markgraͤflichen @äter. 

Die Darkgraffpaft, 9. —en. 1) Die mastgräffige Würde; ohne 
Mehrzadi. 2) Das Band, das Gebiet eines Markgrafen, fofern «4 
ehemapis ein Grengland war und biefen Titel von Alters her führt; 
auch das Mackgrafthum und bie Marl, ©. die Mark 2) (a). 

Das Markgraftbum, —es, By. —thümer, f. Markgraffhaft. 

Der Markgrofhen, —®, 9. ol. ) Im Sihfiigen Srjgchisge, 
eine Abgabe von jeder Mark Silbers an bie Geiftlien , , weide da⸗ 
für Färdittem in den Kirchen thun, Wergprebigten bälten ı. =) 
In Schleſitn, ein Rame der Kauf: und Annehmelchen bei neu erfaufe 
sen Bauergätern; im andern Gegenden bie Anfahrt, ber Ehren« 

Hay oder Heerfchag, der Leihkauf, im Baiern der Anfal, in 
Rerreih das Pfundgeld. 

4 Das Markhaͤkel, —s, 4. gl. in manchen Gegenden im Berk 
weien, ein Rame des Walbpammers, die angeriefenen Bäume das 
mit zu marken oder zu zeichnen. S. Mahlart und bie Mark ı), 

Die Markhaut, 9y. — haͤute. 1) Die inwendige Belinhaut. S. b. 
=) So viel als Retzhaut. ©, d. 

4 Der Markherr, —en, >y. m, in Weſtfalen und am Rieder: 
sheine, der Brunb» und Gerihtähere einer bolzmark; auch bee 
Holzgraf. S. die Mark a) (1). 

Das Markholz, —es, DM. u. ein markiges Bolss befonbees, + eie 
Rame des Maffreholunders oder ber Balleofen, weil biefeg viel Mark 
enthält (Viburzwon opulus L.), 

Marficht, —er, —fe, adj. u. adr. dem Marke aha ich. 

Markig, —r, —fle adj. u. adv,, Darf habend, catjaltenb, und im 
engere Brbeutung, viel Mark enthaltend. Gin markiger Knochen. 
Cine martige Pflanze. Gin markiger Etengel, ber mit Ioderem 
Mare angefüllt if; and ein foderer Stengel (Caulis inanis). 
Marfige Gewaͤchſe nennt man in der Pflangenichre feihe, bie raue 
artig find und im Stengel eine Todıze Mrarkröhre Haben, unb berem 
Blumen zugleih Hein, vier ober fünftpeitig find (Dumeosae), Uns 
eigenttih, von Mark, in der Bedzutung für Arien von Kraft oder 
für Kraft ſelbſt, Kraft abend, Kraft verratkend. „Ein marliges 
Ofipt,n davater. „Tine minniihe und matkige Predigt. Kofe 


Markt 


garten. Das Markige in ber Zelhuung, bat Kraͤftige, Ausbends 
volle. Ein Mahler’ hat oder führt einen markigen Pinfel, wenn er 

mit fiherer Hand die Farben flark anfteigt. F 

Der Markkoͤrper, —s, Wh. gl. in ber Zergliederungstucft, ber 

" marfige Rörper, zu weldhem fih bie Äſte des Eieinen Gchrurs vers 
einigen (Corpus medullare cerebelli), 

+ Der Markkoth, —es, 9 —t, im Dsnabrüdfgen, eine Art Res 
the, vom welcher zu den gemeinen Abgaben der achte Theil b- eis .ie 
gen gegeben wirb, was von einem Erbkothe entrichtet wird; auch 
ein Minn. 

+ Der Markkoͤther, —6, 4. gl. Im Dsnabrädiden, der Befiter 
eines Markkothes, ein Kther, ber chemapls Theil an, einer Holzmark 
gehabt Hat; in Begenfag ber Erbkoͤther. S. Markkoth. 

Das Markkraut, —es, Di. u. bie Sppic ober die Wafferprterfitte 
(Apium graveolens L.). 

Das Markfreuz, —ıs, 24. —e, ein auf eines Mark ober Grenje 
errichtetes Kreuz. ' 

Das Marflügelhen, —s, 94. gl. ein Rügelden von Mask, ober 
kleiner zunder markiger Körper. Zu ber 3ergliederungstun führen 
biefen Namen Beine rundliche markige Körper, welde auf bım 
@runbe ber dritten Hizahöhle liegen (Eminentine candicantes), 

2 Die Marklinie, By. —n, bie Grenzlinie. S. Markſcheidend. 
te Marklofung, 2%. u. 1) Dasjenige, was man unter die Marks 
ober Grenzfteine zum Zeichen legt, als Kohlen, Gierfhalen ıc.; au 
Das Lorzeihen. S. Fofung. =) Eine Art des Näperschtes, ver 
möge beffen nmihts aus der Mark eines Ortes an einen Frembden 
verkauft werden darf, ober wenn es geſchehen ift, wieder zuruͤckge⸗ 
Iöfet wırden kann; auf bie —— das Geſpielderecht. 

*X Der Markmann, —es, Bi. —maͤnner, ſ. Markgraf, 

+ Der Markolf, —es, 9. —e, ein Name des Holjhehers. 

Die Markordnung, Pig. —en, eine obrigkeitlihe Werordnung , mels 
che eine Keld» oder Dorfmark, befonders aber, welde eine Holymarl 
betrifft. 

O Die Marfpalme, 9. —n, eine Art Palmen auf ben Motullen, 
in Java tc., melde funfsig bis ſechzig Fuß hoch wähft, am Gipfel 
a0 bid a5 Fuß lange Blätter und einen ſehr marligen Stamm hat, 
deffen Mark viel mehlichte und nahrhafte Theile enthält, welche aus 
demfelben burd eine eigene Bebandlung gewonnen und als Gpeifen 
geuoffen werben (Cycas eircinalis L.); bei Anbern mehlgebenbe 
VPalme, Meblpaime oder Mehlbaum. Der halb fremde Rame der: 
fetten ft Sagopalme. 

Der Markpfahl, —es, Mi. —pfühle, ein Grenzpfahl. 
Mark 1). f 

Der Markrain, —et, 9. —e, tin Rain, ber zus Mark ober 
Grense biemt, 

Das Markrecht, —es, 4. —t. 1) Dasienige Recht, vermöge 
defien man an einer Holzmark Shell bat =) Dasjenige, was in 
©aten, milde die Golzmark angrhen, Redtens if. ; 

Der Marfrichter, —s, 9 gl. der Richter in einer Dorf: und Feld» 
mart, hefonders in einer Holjmark; aud der Holzgraf. 

+ Die Markrispel oder Marfriöpelftaude, 2. —n, ein fünf bis 
feht Fuß Hoher Strauch im fühlihen Deutfhland, mit dünnen 
brannrothen Zweigen, zipreffenartigen bläulihgrünen Blättern, bie 
gegen den Herbft abfallen, mit geruchlofen fleifhfardigen Blumen, 
welche zehn weiße, untermärts mit einander verwachſene Staubfäden, 
Bräuntihe Staubbeutel und gräne Staubiwege haben (Tamarix Ger. 
manica L.). 

Der Mirkfaft, —eb, 9%. w. der im Mark enthaltene Saft. 

Dar Marksbein (Markbein), —ıs, 94. —e, f. Marksknochen. 

Die Markfcheide, 34. —n, der Det, wo fih zwei Marken d. h. 
Gremen ſcheiden ober trennen, ober wo zwei in ihre Grenzen eins 

. gelh'offene Vezirke am einander ſtohen; die Marffcheidung. Die 

> Markftzeide eines Dorfes, einer Blur. Auch uneigentlich. „Kants 


E. die 


212 


Markſt 


Markſcheibe ber reinen Brenunft.“ F. & Markſcheibenh. Se⸗ 
ſonders im WBergbame der -Det, wo zwei dechen -an; 
aren zen. 2 ! + 1 

Die Markſcheidekunſt, o. Di. die Kunſt des Markſcheidens, bie 
Kuna, melde das Murtfheiben lehrt. 

Dad Markſcheiden, —6, 0. das Scheiden bee Mark, bie Ber 

‚fimmung ber Grenzen. , Befonders im Werabaur, die Bellimmung 
der Grinjen einre Ice, ſowol über als unter ber Erde vermittrift 

s ber Mepkunft, welche im dieſer Besichung unteriebifche Meftunft 

(Geometria subterranen) genannt wird. - Denn aud, bie Abmefs 
fung und Beflimmung ber Grubengeböube unter ber Erbe, 

© Markſcheidend, adj, u. adv. die Mark oder bie Grenzen beſtim⸗ 
mend. Die markfheidende Linie (Demarecationslinie,; kuͤrzer die 
Markiinie, Grenzlinie Uneigentlich, in der Bernunftforfdung, bie 
Grenzen der Bernunit.beftimmend. „Die markſcheiden de Weltweis heite 
(eritische Philosophie,. C. in marffheidender Bernunftforfher 
(eritischer Philosoph). „Kants markſcheiden de Bernunftforfhung* 
(Crivie ber zrinen Vernunft). G. Derſelbe Sprachforſcher fegt hinzu: 
„Da biefe, nah ber eigenen Beſtimmung ihres Urhebers: „. Kritik 
der reinen Vernunft, bie Unterfuhung ber Möglichkeit unb der 
Grenzen derſelben *", eine verneinende negative) Wiffenfhaft if, 
fo fheint ber Begriff der Mark: ober Grenzfheibung ihr weſen tlich⸗ 
ſtes unterfheitungszeichen zu frin.« 

Der Markfcheider, —s, DM. gl. eine Perfon, welde die Diarkfcheiber 
kanſt verflehet und ausübt. 

Der Markſcheiderriß, — ſſes, Di. —ffe, der Rif oder bie Aufzeich⸗ 
zum. eines Markfheibers, 

Die Markfcheiderftufe, My. —n, in der Markſcheibekunſt, ein Zei⸗ 
hen, weiches ber Mackſcheider in einer Grube ober fonft wo einhauet. 

Die Martfcheibertaiche, Dy. —n, im Bergbaue,. rine Taſche, in 
welcher der Markſcheider feine Werkzeuge bei fi führet. 

Das Markſcheiderzeichen, —s, 2. gl. im Bergbaue, sin Beiden, 
welches man zumeilen zwiſchen Anbaltungspuntte und bem Punkte 
eines Markiheidersuges maht, num, menn etwa Fehler vorgefallen 
find, leisıter wieder nachmeſſen zu Lönnen. 

Der Markiceiderzug, — s, Di. —züge, im Bergbaue, die Ab: 
ober Audnefjung einer Gegend, einer Grube, eines Gtollens, ein:s 
MWaflerlaufes ıc, buch einen Markſcheider; aub nur der Zug. 

Die Marticheivung, Sz. —ın. 1) Dad Warkfhriden, wie aud, 
bie Markſcheidekunſt. Uneigentlih. „Die Markſcheidung ber reis 
nen Bernunft, bie Unterfubung und Beflimmung ber GSrerzen ber 
zeinen Beenunft und ber Forfhungen berfeiben“ (Critic ber zeinen 
Bernunft). ©. a) So viel als Markfcheide. 

Der Markskloß (Markkloß), —es, 9 —kloͤße Bw. bas Marke 
Möächen, in den Küchen, Kiste, zu welhen Rindsmark genommen wird. 

Der Martötnochen, (Marktnochen), —s, 4. gl. ein Knoden, 
welher Markt enthält; beſonder⸗ meider wir! Mark enthält, wie bie 
großen Möhrknchen bed Rindvlehes xc.; das Markbein x. 

Der Markskuchen (Markkuchen), —, 4.ol.; Bw. das Marfds 
kuͤchlein, in den Rüden, Kuchen ober Küchlein, melde aus oder mit 
Rinbsmark bereitet werben. 

Der Markfiein, —es, 9. —e, ein Grenjfein, befonders der Brenz 
fein einer Feld: ober Dorfmark; im Öfterreicifgen, die Grunds 
marke, im 8, D. Mahlſtein, Schrartftein. 

Die Markötorte (Marktorte), p. —n, in den Küden, eine-von 
ober mit Rindsmark gemadte Korte, 

1. Das Markſtuͤck, —s, 4. —e, ein Staͤck, welches Mark ent- 
hält, befonders derjenige Theil eines Knochens, in welchem ſich bas 
Matk befintet, ein Ezech. 24, 4 in umeigentlier Bedeutung vor⸗ 
komwendee Wort, 

2. Das Markſtuͤck, —es, 299. —e, ber Name Hamburgiſcher und 
Lüpeiger Münzen, deren es einfache und doppelte zu 16 und 5= 
Sqilling giebt, i 2; i 5 





Markt 


Der Markt, es, 9. Maͤrkte. 1). Eine Öffentliche und zahlreiche 
" Bufammentunft'von Berläufern und Käufern, die bes Handels wes 
- gew gefhichty wie auch, bie eit einer ſolchen Bnfammenfunft, bie 
oft aoch näher beftimmt wird. Der Wochenmarkt, Sabrmarkt, ber 
wöhenriih, jähelih ein oder mehrere Madl gehalten wird; ber 
Biehmarkt, Roßmarkt, Pferdemarkt, Holjmarktıc. @inen Markt 
halten, 
Märkte bauen, als Wertäafer in bie umliegenden @egenden zu 
Markte reifen. Einem den Marft verberben, ven Räufern, wenn 
der eine mehr bietet als ber andere, welcher ſchon handelt oder bingt ; 
von Berläufern, wenn der eine dieſelben Waaren wohlfeiler als ber 
andere und unter bem Preife verkauft. Zu Markte gehen, Etwas 
zu Markte dringen, es dafelbft zu verkaufen; uneigenttih und im 
gemeinen eben auch, etwas vor Andern vorbringen; z. B. eine Reuig⸗ 
Zeit, eine Rachticht ac. zu Märkte bringen. 
Allein ich konnte gar kein Wort zu Markte bringen. Roft. 
X Seine Haut ſelbſt zu Markte tragen, uneigentlich, etwas Schwir: 
ziges, Gefähelihes auf feine eigene Gefahe unternehmen, ſich ſelbſt 
verantworten. Uneigentlid) nennt man zuweilen auch bas Bufammens 
leben, Drängen, Thun und Trelben ber Menſchen auf Erden, ben 
Markt des Lebens oder bes menfhlihen Lebens. In Anfehung ber 
Wihtigkeit oder Bebeutenheit findet biefe GStufenfolge Statt, daß 
Markt, welde zwar iebe öffentliche Bufammenkunft, zu kaufen und 
zu verkaufen bedeutet, gewöhntih eimen Pleinen Markt, mie bie 


Wodenmärkte, Jahrmarkt aber einen größe, bebeutenbern Markt, 


und Meffe einen wichtigen Markt In größeren Städten, zu welchem 
viele umd entfernte Käufer und Verkäufer fommen, beseihnet. =) 
Derjenige geräumige freie Prag, auf weldem biefe Zufammenkunft 
des. Handels wegen zu gewiffen Zeiten vor fi gebrts befonbers ein 
folder freier Pia im den Stähten und Flecken; ber Marktplatz. 
Ein großer, ſchoͤner Markt. Am Markte wohnen. Sich auf dem 
Markte verfammeln, Solche Pipe bekommen oft von den Dingen, 
melde auf denfelben gewöhnlich und vorsäglich verfauft werben, bes 
fondere Ramen, als Biehmarft, Roßmarkt, Schweinemarft, Holz⸗ 
markt, Heumarkt, Fleifhmarkt, Fifhmarkt, Burtermarft, Naſch- 
markt, Kohlmarkt x. Dft wird auch ber vornehmſte Marktplatz 
einer Stadt nur ſchlechthin der Markt genannt. Im weiterer Be 
Deutung wird aud ein Ort, welcher das Recht hat, daß daſelbſt jähe 
Lid ein ober mehrere Map öffentlich Markt gehalten werben barf, 
ein Markt genannt; jedoch mır ein Bleinerer Ort, melder das 
Mittel zwiſchen einer Stabt und einem Dorfe hält, und gewoͤhnlicher 
ein Flecken Markefleden heißt. 3) X Zumellen auch batienige, was 
man auf dem Markte einfauft. Ginem einen Markt kaufen, ihm 
etwas bei Gelegenheit eines Marktes kaufen, befondere als Ges 
ſchent. - Seinen Markt nad Hauſe bringen. Ungewöhnlicder bes 
deutet es zumeilen auch, was auf bem Markte verkauft wird. „Da 
möffen bie die Bauerweiber alle ben Markt in das Baus bringen.* 
Weiße. 

Das Marktamt, —es, 94. —ämter, in manden Städten, ein 
Amt ober rime Behoe⸗de, wilder bie Preife ber auf bie Märkte ge 
braten Lebensmittel beftimmt, für Ordnung auf bem Markte forgt, 
die Streitigkeiten auf dem Markte entiheibet ıc.. Die Perfonen, 
melde diefe Behörde bilden, führen ben Nomen Markiherren, das 
Bud aber, morein fie das vor ihre Bobörte Kommende und Gehd- 
rend> veriichnen, den Ramen eines Marktbuces. 

Das Martibuh,n— es, 9. — buͤchtt, f. Marktamt. 

Martten, v. trs. .ı) Auf dem Markte Hanbei treiben, kaufen unb 
verkaufen. &. Einmarkten. =) Um ben Preis einig zu werben 
fadhen, handeln, dingen. Lange markten. 
im Wirthahauſe gleich zu markten und-zu quängeln an.” Böthe, 
Sie markteten no eine halbe Gtunde, ber arme Abraham fah 
5 an dem coͤnen Steine fat blind — und ſchloß zuieht ben Han+ 
del ah. Wenzel: Gtesuam .5) t Auf dem Darkte buch Verlauf 


213 


Den Markt beſuchtn. Die Maͤrtte bereiſen, im DO. D. bie: 


— denn Melina fing. 


Marktk 


der Vaaren, bamn, überhaupt durch Verlauf Gelb Ihfen, einnehmen. 
B.el, wenig markten. D. Markten. 

Die Marktfahne, Ba. —n, an manden Orten, eine an Jahres und 
Wohenmäskten ausgeftedte Fahne, nad deren Wegnahme erſt bie 
Borkäufer und Aufkäufer Lebensmittel und anbere Bebärfniffe kau— 
fen dürfen, bamit fie ben übrigen bush früheres Kaufen den Markt 
niht verderben und bie Preife erhöhen, Bedient man fih hiezu 
anftatt der Fahne eines Strohwiſches ober anderen Zeichens, fo heißt 
diefes der Marktwiſch ober das Marktzeihen, Markefchilb ac, 

%** Dad Marktfeld, —es, 94. —er, ber Markt, Marftplap, 

Der Marktplatz, —es, 3. gl. f. Markt =) und Fleden. 

Die Marktfrau, 9. —en, eine Frau, welde zu Markte gehet, zu 
verkaufen, welhe auf dem Markte verkauft. 

Die Marktfreibeit, Di. —en. 1) Die Freipeit eines Ortes, einen 
Öffentlichen Markt halten zu bärfen, ohne Mehrzahl; die Markts 
gerechtigkeit, das Marktrecht. 2) Die Freipeiten bei Gelegenheit 
eines Marktes, welche benjenigen, bie einen Markt beſuchen, bewilll⸗ 
get werden, . 

%*%* Der Marktfriede, —ns, 399. u. ber öffentliche Friebe, die Afs 
fentlige Sicherheit. Oberlin, 

+X Der Marktgang, —ed, Di. —gänge, ber Marktpreis, ben 
Preis um melden eine Vaare auf bem Märkte abs ober weggehet; 
b. b, werfauft wird. 

+X Marktgängig, adj. u. adv. auf bem Markte gängig, von beig 
Preiſe, um melden bie Waaren auf bem Maskte abgehen ober vers 
kauft werben. Der marktgängige Preis, ber Marktpreis. Auch 
fagt man marktgängige® Ron, Korn vom derjenigen Güte, die 
auf bem Markte gilt, Korn, wie es auf bem Markte abgehet. 

Der Marktgaſt, —es, My. —gäfte, eine Perfon, bie den Markt ber 
ſucht, zu kaufen ober zu verkaufen, 

Dad Marktgeld, —es, WB. —er. 1) Gelb, weldes für auf dem 
Murkte verkaufte Waaren gelöfet wird, =) Dasjenige Gelb, welches 
in einer Haushaltung zum @inlauf ber nöthigen Bebärfniffe auf dem 
Bohenmärkten beftimmt if und verwendet wird, 3) Dasjenige 
Gelb, weiches bie Verkäufer für ihren Stand ober ihre Bude an bie 
Obrigkeit entriäten; ba6 Stand» oder Budengeld. 4) + Gin Ges 
fhent an Gelde, welhes zum Jahrmarkt befonders bem Befinbe gen 
geben wird. , 

Das Marktgeleit, —s, 2. —e, das obrigkritlihe Seleit für dies 
jeriaen, weiche zu einem Jahrmarkte reifen, 

Die Marktgerechtigkeit, Dig. u. f. Marktfreiheit 2). 

O Das Marktgetöfe, —s, 0. M. ein Getöfe, wie es auf einem 
Martie, Jahrmarkte zu fein pflegt; ein großes Betöfe. „Daher hält 
auch das Marktgetöfe ber großen Welt allen Wuchs der Phantafie 
(Diätkeoft) fo glädlih am Boden.“ 3. 9. Rihter. 

Das Marktgut, —es, 2. —güter, Güter ober WDaaren, welche 
zum Verkauf auf Märkte gebracht werden; Meßgut oder Meßgü⸗— 
ter, wenn fie zur Meffe gebracht werben, ober wenn ber Markt eine 
meff- heißt. 

Der Marftbelfer, —®, 9%. gl. 1) Eine geringe Perſon, melde ben 
Krömern und Kaufleuten auf ben Märkten und Meffen zum Packen, 
Weofhaffen dee Waaren ıc. bepälflih if. Dann auch =) in allge 
meinen, ber zum Verpaden und Austragen in einer Handlung ges 
haltene Rnedt. 

Der Marktherr, —ın, 2. — en, f. Matktamt. In manden Or 
ten führen auch einzelne Ratböherzen, welche Über bie an den Mazlt« 
tagen zur Stadt gebrachten Behemsmittel 2c, bie Auffiht haben m. 
diefen Nımen; in Breimen Körherren. 

De —— —es, 9 —kaͤhne, ſ. Marktſchiff. 

Der Marktkauf, — s, 3. u. 1) Der Kauf einer Sache anf dem 

Markte. #) Der Preis, um welchen fie daſelbſt gefauft wich; beſſer, 
der Marktpreis. e 

Der Marktknecht, —eb, 9. —e, ein obrigleitliger Diener, welder 


darktk 


ble Befehle das Marktherren ober Wartteneiſters auf ben Waͤrkten 
vell ie het. 

Der Maͤrkttorb, —es, 9. —koͤrbe, ein Kord, ſoſern er dient, das 
anf tem Martte Sekaufte in bemfeiben nad Haufe gu tragen. 

X Die Marktieute, @. u. Beute ober Prefonm, weihe zu Markte 
kommen, zu Faufen ober zu verkaufen, befonders bie erſten. 

Der Marktmeiſter, —s, Sa. sl. eine obrigteitliche Perfon, melde 

. die Aufſicht über die @üte und bem Preis der zu Markte gebraten 
Sehehemittel hat. Er ſtehet unter dem Marktherren, hat bie Mankt⸗ 
knechte unter feinem Befehl und heißt an manden Orten aud ber 
Marktvogt. 

* Der Marktmeiſterfrevel, —, M. ol. ein Beroel, eine Strafe, 
weiche an ben Marktmeiſter bezahlt werden muß. 

Die Marktpflicht, My. u. das Geld, welches für bie Stelle, auf weis 
der mon auf bem Markte frit dat, dejahlt werben muß. 

Der Marktplatz, —r6, 4. —pläße, ber freie Plat an einem Orte, 
deſonders in einer Etat, auf weigem bie Märkte gehalten werben; 
auch tloh ber Markt, = BER — 
er Marktpreis, —es —e, rela, um 

— —— gekauft ober verfauft wird. S. Markgang unb 
Marttlauf »). 

Das Marktrecht, —ed, 4.—t. 1) Das Reht einen oder mehrere 
Mirkte Hatten zu türfen, ohne Mehrzahl; auch bie Marktfreiheit, 
Marktgerehtigkeit. ‚=) Das Mect, bie Breifeit, wermöge welcher 
ein Ort ein Marft ober Marktflecken iſt ind heißt; ohne Mehrzahl. 
Einem Dorfe Marktrecht ertheilen, es zu einem Marktflecken erdes 
ben. 5) Die Rechte, melde unfer ben &lufern und Berfäufren im 
Handel auf den Märkten Gtatt finden. Als Sammelwort bloß in 
Der Einzaht, das Marktrecht, bee Inbegriff biefer Rechte. 4) Das 
Net ber Sbrigkeit, außer bem Bofe nech rine Abgabe vom den Ber 
tiufern auf dem Marke, für bie ihnen erteilte Erlaubniß daſelbſt 
verkaufen zu bürfen, zu erheden; wie auch, dieſe Abgabe ſelbſt. 

Der Marktrufer, —6 4. gl. der auf dem Markte etwas ausruft, 
Sefonters zum Wertauf ausruft. &. Marktfchreier, 

Der Marktfcheffel, —, 4. gl. ein von ber Obrigkeit beffimmter 
unb greihter E&effel, deſſen man ſich auf den Märkten zum Gemäß 
bedienen muß. E 

Das Marktſchiff, —ed, 9. —, auf den Biäffen, größere Stifte, 
melde zu bekimmten Zeiten zum Behufe ber Bohenmärkte von einem 
Dete zum andern fahren; iſt es aut ein Kahn, fo peipt er ein Marktkahn. 

Das Marktſchild, —, 9. —er, [. Markfahne. 

Der Marktfchreier, —s Ip. gl, ein Menfh, welcher feine Gelhids 
riägkeit und Kunf, befonbers im Deilen, Bahnausreifen ic. auf dem 
Zatemärkten öffenttih aueſchrelet (Charlatan); ehemahla ber Marfts 
rufer. Dana überhaupt eine Perfon, melde ihre ober Anderer oft 
nur vorgeblihe Befhiatihkeiten und Borzäge auf eine anpreifenbe und 
unbeſcheidene laute Art befannt machet, erhebt; befonbers foferm bie 
fe8 aus Eigennug geſchiehet. — Davon bie Marktſchreierbude, die 
Marktfhreierfimme ıc, bie Bube, bie Btimme ıc. eines Markt 
fhreiers. 

X Die Markilchreierei, 9. —en, das Setragen, dit Hanblungd 
weile eines Warkftihreies, wie auch, ein einzelner Ball biefer Han« 
delaweiſe. 

X Marktſchreieriſch, adj. u. adv. gleich einem Marktſareler, eine 
Marltfäesierei enthaltend. ine marktfcreierifhe Antänbigung, 
Belmarnahung. 

Der Marktſtand, —es, y.—Tänbe, ber Stand ober bie Gtelle auf 
dem Markte, wo ein Merkäufer feine Wearen feil hat, 

Die Marktfireitigteit, Sy. —en, rine Streitigkeit, welche auf einem 
Martte Heim Hondel ober fonfk entfichet, 

Der Markttag, —es, 2 —, ein Zag, an welchem Markt gehal 
ten wirb; befonbens ber Tag elnes Wochenmarktes. 

F Der Maritvogt, —ed, Wi —vdgte, ſ. Markimeifter, 


214 


Marın 


Der Marktwifh, dad Marktzeihen, f. Markıfahm, 

Dir Marktzettel, —s, 2. gl. ein Bettel, worauf: Marftpreife ober 
auch auf dem Markte rinzufanfende Dinge derzeichnet find, «in Ber 
ztichniß, welches biefe Marktpreiſe, tiefe Dinge enthält. „Bu aufer 
ser örogmütter Zeiten war ein Mädchen gelehet genug, wenn fie (es) 
ein balb Dugend Äfopifhe Fabeln auswendiz wußte und einen Jeßli- 
Gen Marktyettel zu Stande bringen Tonnte.“ Wirfand. 

Der Marktzoll, —et, 2. —ıölit, ber Zoll von den auf ben Markt 
sum ertauf gebragten Maovım. - 

Die Markung, By. —en. 1) Die Haublang, da man eimas.mar- 
tet, zeignet, bezeichnet, befonbers mit Grenzgeihen verſehet. >) Für 
Marl, ein Greuzzeichen, eine Bienze; wie auch, ein in feine Mar- 
ten ober Grengen eingefhloffener Bejirl. Die Forſtmarkung, Feld: 
marfung, Hotzmarkung ıc. 

Das Markungsbuch, — s, 9. —buͤcher, sin obrigkeittihes But, 
in weldem bie in einer Mark liegenden Geunbtäde nad ihren Gren- 
sen zc. befhrieben find; das Flucbuch, Lagerbuch. 

Der Markungsſtein, —s, 3. —«, ein Grenzflein, 

Markus, ein Mannstaufname. Im gemeinen Scherz mennt man 
aub wol einen Diener in rinem Wirthöhaufe und bei dem Balltafel- 
fpict, einen Markus (Marquenr), 

Die Markusfliege, MM. —n, eine Art Sqchuaken oder langbeiniger 
Mäden Tipula Marci). 

O Markvoll, —er, —fie, adj. u. adr. wol Marks. uneigentlich, 
kart, kräftig, „Bon leichter Form and marfoollem Gehalte, wie 
ein Dırlulifhre Abenis.“ BenzelsGternau. in marfoollee 
Ausbrud, Eine martvolle Schrelbart. Gin markvollat Pinfel. 

Die Markwage, By. —n, in den Hüttenwerfen, eine eine Mage, 
worauf maa nur eine art Bolbes cher Silbers wägen fann. 

Die Marfwährung, - u. f. Markgewaͤhr. 

O Markweich, adj. u. adv. fo wei wie Marl. „Dirfen Blumen: 
polypen mit feinen jmdenden markweichen Föhlfäden.“ 3. p. 
Ridter 

Die Markweide, 2. —n, ein Rome bes Bohnenbaumes (Cytirns 
laburnum L.). 

*x* Die Markzahl, 99. u. eine befkimmte, feſt gefeäte Zahl. 

*%* Der Markzahn, —ı#, Br. zähne, der Badınjahn. 

Der Markzieher, —, 9. gi. ein Werkjeug, das Mast ans den 
Röhrlnoden bamit zu ziehen. 

Marlen, v. tra. in der Setfahrt, mit einer Bien vermittelt Marl: 
ſchlage an einander befefligen. So nmiarlet man das Segel am das 
untere Eeif, weil e8 daſelbſt mehr zu Halten hat. Röding. D. 
Marten. D. —ung: 

Die Marlien, rer Marling, 2. em, in ber Schifffahrt, eine 
dünne aus zwei Wornen gemachte und getherte Tin, die mar beſon ⸗ 
ders zum Binbfeln und zum Marien gebraucht, Möbing. 

Der Marlpfriem, — es, Bi. —, auf ben Sqhiffen, eine Art eifer: 
ner, ſpit zulaufender und etwas gekrümmter Pinnen ober Bob 
gen, deren man fid beim Spliſſen nid eines Hebels bebient. Nöbing. 

Das Marlreep, oder Marltau, — es, I. —e, auf ben Shiffen, 
ein bännes Tan, welches an bem einen Ende zwei Arme aber ein 
Spruͤt Hat, die unten an bas Erik bes geoßen und bes Modfegels ber 
feſtiget werben, Es dient basm, bie Mitte bes Begels etwas aufyu 
holen, bamtt ber Steuerer unten barchichen Bine ober vorn bad Bu 
fit feri babe, Möbing: 

Dir Marlihlag, —es, 94. — ſchlaͤge, auf den Schiffen, ein Schlag, 
welcher eatſtehet, wenn man bie Bien mit einem Schlage fo um ein 
Kau ober Holz legt, daß birfer Schlag ober Bang ſelbſt das Lofe 
Gabe tält. Möbing. 

Der Marmel ober Marmer, (andeuiſch, Marmor), —, WM. gt. 
ein Kalkſtein ven bite, feinem und feſteen Gewebe, mwelder eine 
ſchoͤne Giätte und Bllnzung annimmt, in wagerechten Bänten bricht 
und von vielerlei Ast, befonders im Aufehung ber Bande gefunben 


Marmel 


‚wird. Man Hat ihn ganz weiß, gamı ſchwarz, bunk, geſtedt, ges 
ſtreift, geätert x. Gin Palofi ven Marmel gebaut. Einem Ju 
Boden mie Marmel belegen. Eine Wand mit Marmel beileiven. 

.. Ein @rabmapl, eine Säule von Marmer. Eine Gurift in Mars 
mel graben. In Marmer arbeiten. Künflticher, madgrmanten 
Murmer. Giprmarmer. Da bes Marmer eine große Därte hat, 
fo vergleicht man eigentlich und unsigenttih harte Dinge Häufig mit 
Darmel. Em Her, hart wie Marmer, ober ein Herz vom Ülarmer. 

S. Marmeifkin, Marmerhatt, Marmorberz ic. ben fo vers 
sleit man glatte, dem Gefühl Sanfte Dinge, Fäden mit dem Mars 
mer, weil biefer eine ſchoͤne Biitte und Blanzannımmt, befonders aber 
vergiticht man eine weiße feine Daut mit ſchoᷣn geglätteten wrigem Mars 
mer; weile Dinge ſedoch Hiuflser mit dem meipen Alabafter vergtichen 
werben, weil beibiefem ber Begriff der Härtenicht vorherefhend if, wie 
being Marmer. ©, Marmorbruft ic. und Aladaſter. Dis Bor 
mein Diarmef und Marmer find ara folder, die bee Sprachaͤhnlich-⸗ 
keit angemeffener find, ber ganz fremden Form Marmor vorjujie 
den, obgleich dieſe, befonders im den Bufammenfehungen, ned bie ges 
wöhntihe iſt. Fr 

Die. Mirmel- or Marmerarbeit (Marmorarbeit), By. —ım, eine 
Arbeit won Marmei oder etmas aus Mori Berfertigtes; wie auch einc 
Arbeit, der man das Anſeden, basNufere bes Marmels gegeben Sal, 

Die Marmelz ter Marmerader (Marmoraber), 29. —n. ı) Gtne 

Ader im Marmel, womit berieibe Häuftz durchzogen ift. =) Eine Aber von 
armel, b d. Marmet, ber fih als eine Aber im ber Erde hinziehet. 

Die Marmels oder Marmerart, (Marmorart), I. —en. 1) 


Gine befsntere Art des Marmels. Austäudifche Marmelarten. 


2) Die Art des Marmels, im Auſehung ber Farbe, des Anichend, ber 
Härte deffelben. Papier re, nah oder auf Marmelart färben, 

Marmel⸗ oder Marmerartig Marmorartig), adj. u. adv. mob 
Art des Marmile, bem Marmel ägntih, deſenders in Anfehumg 
ber Farbeu, Adern ıc Marmelartig angemahite Säulen (mar- 
morirte). 

Dir Marmel⸗ ober Marmerband (Marmorband), —ıE, . 

— bände, ber Band eines Buches, befien Decken und Mäden mit ges 
marmeltem Papier ober keder Öberzogen Hand; gewbhulich Marmer 
band. „Ihre Bäder find alfo bes Beterndtes und Marmerbandes 
mwerth.* Herder, 

Der Marmel« odır Marmerblod (Marmurklod), —ı, . 
—biöde, ein großes rohes Grüd Darmel, fo wie 14 aus dem Mars 
metbruche Ihnnmt, 

Der Marmei r oder Marmerbohrer (Marmorbohrer), —, 34. 
al. bei den Bildhauren, eim ſtaͤhlernes Werkzeug mis verfhichenen 
fehe ſcharfen Spigen am Ende, womit man Eden von gleicher Weite 
in ben Basmer gräbt. 

Der Marmels oder Marmerbruch (Marmorbrud), —ıs, Du 
—brühe, ein Ort, rine Grube wo Marmek gebrochen wird; die 

- Marmeigmbe. 

Der Marmeler oder Marmler, —s, By. al. ein Künftter, welder 
Moemelarbeiten verfertiget; befonbers einer, ber bir Zimmer mit 
einem Eimfliiden aus Sipe nadgemakten armer aus zieret (Mar- 
morirer). 

Der Marmel- ober Marmerfleden (Marmorfleden), —s, . 
gt. qlecten vom verihiebiner Farbe und Geſftalt, wie fie ber bunte 
Marmei zu haben pfleat. 

Die Marmel» over Marmerlilie (Marmorlilie), By. —ır, eine 
aus laͤnbifche Blume, melde einer Lille gleiht und weiflidhe Kbern 
wie der Marmel, oft and zwtifarbige Vierecke wie ein Besttfpiek 
$at (Fritillaria melengris 2 r 

Die Marmel- oder Marmermuͤhle (Marntormüßle), 4. —ı, 
eine Muͤhle, auf weicher ber Marmel ıpetle in Platten und Städe 
selhniten, teils vi fäbffn, ara'ittet amd geglänget wird; im led 
ten Bals auch bie Marmistichiriferei, 


215° 





Marmor 


Marmeln, v. trs. nad Marmelart bereiten, mit'mermelsctigen Adern 
und Fieen verfehen (marmoriren); auch marbein und marmern. 
S. d. Papier, kehder marmeln. Cine Wand, eine Eäule mar 
mel, ie dae Anfehen einer Wand, rimes Säule non Diarmel chem, 
Gemarmeltes Paper. ° +» ‘ 

— und bunt gemarmelte Ghwämme. von ber tähe 
D. Marmeln. D. —ung. 5 

Marneln (marmorn), adj. u, adv, von Marmel, aus Marmel ger 
made, verfertiget; auch marmern. Gine marmelne ober marmerıe 
Platte, eine Marmerplatte. Bine marmelne ober marmerne Bänte. 

Die Marmels oder Marmerplatte (Marmorplatte), 24. —n- 
eine Platte vom Barmel, b. b. ein langes, breites und verhältniße 
mäßig dimnes Gtüd Marmil, befonders wenn #6 aefhliffen und ges 
glänzt if. 

Die Marmelr oder Marmerfäule (Marmerfäule), 3%. —n, eine 
@dule von ober aud Marmel, 

Der Marmels oder Marmerſchleifer (Marmorfhleifer), —t, 
4 gl. einte der deu Marmel zu ſchleifen und zu glänzen derſte het. 

Die Marmels ever Marmerſchleiferei (Marmorſchleiferei), A. 
—en. 1) Das Marmeiſchleifen, das Schletfen des Darmels; ohne 
Dehrjafl. =) Ein Ort, wo der Marmel gefätiffen und geglänt 
wirb; die Marmelmuͤhle. 

Der Marmels oder Marmerftein (Marmorſtein), —e, 3 
—, fo viel ald Marmel, der Marmel ald Gteim betrachtet. 

Bon edelt Marmelfteine, geume alfe rin Gras. 
8. Ribelungen 8. ®. 16237. 
„Bin großer Saat, erbaut aus Kriſtall und Marmelftein." Wädter, 
Dion gedraucht es unrigentlid wie Marmei, etwas Hartes, Unems 
pfinbliches bamit zu beztichnen. j 
Mein Bufen ft ja niht von Eis 
Und nit von Marmeiftein. Bürger. 

S Der Marmer, —s, 94 gt. fo viel ald Marmel eder Marmor. 
©. d. „Dee Kopf ber Feiebenapfeife beſteht aus rothem ‘Marmer.* 
G. So auch Marmerader, Marmerarbeit, Marmern ic. [. Dar 
melaber ıc. 

Der Marmor, —8, 94. al. 1) &o viel als Marmet, Marmelfeim, 
Ss. Marmel. =) Etwas aus Marmer Berfestigtes, ein Haus, rin 
Yalc von Marmor. 

Die — Run ale ein großer Dann 
Auch endlich feisft in Marmor wohnen Fan. Ur 

In engerer Bedeutung, aus Marmel verfertigte Bilofäulen und ähns 
lie Sachen naf dem Eateinifen Marmora, 4: B. Oxoniensia, 
Arundelians. „Unter feinen Mormorm waren einige unfhägbare 
Freagmenter (Bröhftäde). @äthe. — Die Borm, Marmel, ift der 
ganz fremden, Marntor, vorzuziehen. Doch iſt tie Ipte bie detzt noch 
gewöänlichere, daher fie aud im ham folgenden Bufammanfchungen der 
angeführten Schriftfteher wegen, de ih derfelben dedienten, beibes 
balten worden iſt. ; ä 

Die Marmorader, Marmorarbeit, Marmorart, Marntorartig, 
f. Marmelaber rc, " 

Das Marmorauge, —s, 9. —n, ein Auge von Marmer; ben, 
ein weißes ſtarres, koltes Auge, wie bie Kugen der Marmerdilder, 
— mit bem weißen Marmtorange." 3, P. ntäter. 

Das Marmorbud, —es, 94. —bäber, ein von Marmer gebauetes 
Bad. Das Marmorbad im Kaffıl vereiniget in ſich Kunft mit Pracht. 

Der Marmorband, f. Marmelband. 

Das Marmordeden, —$, 34. gt. cin Becken von Marmer, befom 
ders an einem Cpeingteimnen. „Dee helle Warn plätfheste Holm: 
wafler in ein Marmorbeden.“ Benzei: @ternau. 

Das Marımorbile, —es, 34. —ır, ein Bild aus Marmor perfer 
tiget. Sie icht, ein Marmoerbild, Eeffingz 
d. ». wie ein Marmerbiſd, undemegkidh, karr⸗ 

Der Darmorblod, Marmorbruch, f. Marmelblock, Marmelbruch 


\ 


Marmorb 


Der Marmorboben, —, 2. —böben, ein Fußboden von Dar: 
mer, mit Marmerplatten belegt. 

Der Marmorbrunnen, —s, 2%. gl. ein Brunnen aus ober von 
Marmer gemadt, d. h. bie marmerne Einfaffung eines Brunnend, 

- — zunb 

um einen Marmorbrunnn. — Bielanb. 

A Die Marmorbruft, 99. —brüfle. 1) Eine Beuft weiß, glatt 

und fanft anzufäplen, wie weißer, geglätteter und geglaͤnzter Marmer. 
Die Marmorbruft, der ſchwebenden Füße Bang. GBrnphius. 

. 2) Eine feſte, forte, wie auch harte, d. h. unempfindliche Peuf, 
gielchſam wie von Marmer. In beiden Bedeutungen aud ber Mars 
morbufen. 

& Der Marmorbufen, —s, 2. gt. f. Marmorbruſt. 

A Die Marmorfauft, 9. —fäufte, f. Marmorrehte. 

Der Marmorfelfen, —s, 99. gl. ein aus Marmer beſtehenber Fels 
fen , ober ber Marmer als ein Belfen betrachtet. 

Ber fonder Himmelsluft und Flammen 
D Schoͤnſte! dich erbliden kann, 
Dre muß von Marmorfelfen fammen. 9. Schwieger. 

Das Marmorgebäude, —s, 3. al. ein Gebäude von Marmer. 

Marmorgebäub’ an Marmorgebäuden, 
Yalifi’ an Palaͤſten. Gonnenberg, 

& Das Marmorgebild, —es, 9. —e, ein Gebild von Marmer, 
Marmerbilb. 

Aue die Marmorgebilde ber Böttermenfchen der Vorwelt. 
Gonnenberg. 

Das Marmorgeländer, —s, 2%. gl. ein Geländer von Marmor; 

befonbers an einer Marmertzeppe. Dann, & für biefe Treppe felbfl. 
—  Göon eilt fie tie Marmorgeländer 
Unverhäfter hinauf. — Kiopflod. 

Das Marmorgefimfe, —, 9. gl. ein Gefimfe von Marmer. — 
den Rubin — welder in friner Ringfaffung auf dem Marmorges 
fimfe, — zußig für fih_fortglängte." Benzel⸗Sternau. 

© Der Marmorgott, —es, 29. —götter; bie —göttinn, DM. 
—en, ein Bott, eine Böttinn von Marmer, das DMarmerbild eines 
Gottes, einer Bättinn, „Die Thereſe ftand wie eine Marmorgöts 
tinn auf dem Pharus." 3. P. Richt er. 

O Die Marmorhand, Br. —hände, eigentlid eine Hanb von 
Marmer; uneigentlih, eine harte, fete, Maske Band. „Aber bas 
Möndlein ließ ihm nit von ber eisfalten, eifenfeften Marmors 
band los.“ Benzel»-@ternau, Zuweilen au eine weiße glatte 
Danb, wie von weißem geglättetem Marmer. 

Marmorhart, adj. u. adv. fo hart wie Marmer. Schat Rieberb. 
Speaden. ®. Ein marmorharter Stein. Uneigentlih, kalt, 
unempfindlich, ohne @efühl, 

Dem marmorharten jungen Dann 
In ibeen Armen — Gmpfindung abzuzwingen. Wieland. 

O Das Marmorbaupt, —es, Br. —bäupter, eigentlich, ein Haupt 
von Marmer; dann, A ein hartes, unbepwinglides Haupt, 

— das Schwert — womit er fein (Satans) Marmothaupt — 
Dumpf wie mit Donnerfhlag durchſchmetterad ala Gieger bapim 
ſchlug. Gonnenberg, 

Das Marmorbaus, —b, Pr. — haͤuſet, ein Haus, ein Palaft von 
Marmer gebaut.  Gtürzende Marmorhäufer. — Kiopfted. 

& Das Marmorherz, —ens, Bi. —en, eigentlich ein Herz von 
Marmer. MWneigentlid ein hartes unempfindliches Herz. 

& Marmorberzig, adj. u. adr, ein Marmerherz, d. h. ein hartes 
unempfinblihes Herz habenb. 

Auch tönt er Joſepha Lob, ber dich, Beibeigenfhaft, 
Did marmorberzigen, vom Blut ber Unterihanen 
Ginähsten Zeufel ſchlugz. — Alringer, 

Das Marmorborn, —es, Da. —börner, ein Horn von Marmer, 

ober auch, rin gemarmeltes Dorn. In ber Raturbeſchreibung, eine 


216 


Marmorz 


Art Kroeltuten, wahrſcheialich von- ihrer gemarmelten Oberfiäde 
(Cornus marmoreus), . 
Die Marmorkırfhe, 9. —n, eine Art bunter Herzkirſchen. 
Die Marmorlilie, Marmormühle, Marmorn, ſ. Marmellitie, 

Darmeimähle, Marmeln. 

Der Marmornaden, —s, 3. gl. ein Raden von Marmer. mel 
gacutlich. 1) A Ein ſchoͤner weißer Naden, wie weißer glänzenber 
Raraır. 

— ihr hing um ben Marmornaden bas Raäblein. Sonnenb. 
2) Gin flarrer, unbiegfamer Raden, 

Der Marmorpalafi, —es, 4. — laͤſte, ein von Marmer erbaueter 
Pelaſt. Das Glüd fliehet oft bie Marmorpaläfte und beſuchet bie 
Mooshätten. 

Die Marmorpfirfhe, By. —ın, eine Art Pfiefhen (Persica flore 
parvo, fructu globoso, glabro, serotino, buxeo colore, mali 
armeniaci sapore), 

O Das Marmorpflafter, —s, 2. ol. ein Pflafter von armer, 
ein mit Mormerplatten belegten Boben. 

Braufend ſtampften bie Koß' an ben Marmorpflaſter. — 
Sonnenberg. 

Die Marmorplatte, ſ. Marmelplatte. ' 

O Die Marmorredte, 9. —n, eigentlich, eine Rechte von Marmer; 
bann, A eine fehle, großen unb kraͤftigen Wiberftand leiftenbe Rechte, 
Sqhwent't in bee Marmorrechte das büfter leuchtende Zepter. 

@onnenberg. 
Dirfelbe gebrandt auf biefelbe Art Marmorfauft. - 

Der Marmorfaal, — s, 2. —fÄle, ein Eaal, beffen Wände und 
Bußboben von Marmer gemacht ober mit Marmer belegt find, 

und ein Bebientenfhwarm die Marmorfäle fület. 13. 

Der Marmorfarg, —es, 3. —firge, ein aus Marmel gehauener, 
aus Marmel gemahter Sarg. I. P. Richter 

Die Marmorfäule, 8. —n, eine Saͤule aus Marmer gehauen; bie 
Marmeifiule. 

Das lieblichſte Geficht, bie feinfte Mohlarftalt, 
Nichts zieht ihm anz ex fleht wie eine Marmorfäule. Würbe. 

—* Marmorſchleifer, bie Marmorſchleiferei, ſ. Marmelſchlei⸗ 

er ıc. 

Der Marmorfhwamm, —es, 34. — ſchwaͤmme, eine Art Blätter: 
ſchwaͤmme, welcher gemarmelt ift (Agariens marınoreus); auf 
hochſtleliger Blaͤtterſchwamm, fhwarzflodiger Ringſchwamm. 

Die Marmorſchwelle, By. —n, eine aus Marmer gehasene Schwelle. 

Dort lag ihr Juͤngling auf dee Marmorfhiwelle Fr. Rind. 

4 Marmorfpaltend, adj. u. adr. ſelbſt Marmer fpaltend; von eis 
nem Schwerte, unmwiberftchlid. 

— das mormorfpaltende Schlachtſchwert. Sonnenberg. 

Der Marmorftein, —es; 4. —e, fo viel als Marmels ober Mag 
merfein. — Ein Bild von Marmorftein 

Steht ex bemegungslod, — Bürbe. 

Die Marmorftufe, Mz. —n, eine aus Marmer gehauene Stufe an einer 
Treppe ꝛc. Und führt fie 

hinauf bie hohen Marmorfiufen. Wielanb. 

Der Marmortempel, —t, 9%. gl. ein aus Marmer erbaueter Tempel. 

Der Marmortifch, —ed, M. —e, ein Tifh von Marmer; ein Tiſch 
mit einem marmernen Tiſchblatte. 

Die Marmortreppe, 9. —n, eine Treppe von Marmer gebauet. 

Die Marmorwand, 9. —wände, eine marmerne Wand, oder eine 
Band mit Diarmer befieibet, 

—  menn zwiſchen Marmorwänden 
Der Lifte Shan erraubtes But verfhmauftt. My. 

Das Marmorzimmer, —b, 3%. gl. ein Zimmer, beffen Wänte unb 
Bußboben von Marmer gemacht oder mit Marmer beirgt find. 

la in Marmorzimmern 

Kriſtalle Leuchten, 


Kieift, 


Mar 217 Marf 


%* x Der Marner, —$, 4. gl. ein Sqhiffer; im alten Schriften 


und Dichterwerken häufig. 

Die Marone, 34. —n, eine Art großer ſchmachafter Raftanien; im 
weiteere Bebeutung unb im gemeinen Beben, bie Benennung aller 
größeren Sflaflanien, auf wenn fie von der gewoͤhnlichen Art find. 
Davon ber Maronenbaum, bie Art des Kaftanienbaumes, welder 
jene großen [hmadhaften Kaſtanien trägt (Pagus castanen sativa L.). 

Die Maronte, f. Marunke. 

Mars, ohne Umenbung u. ip. ber Name des Rriegägottes bei bem 
Römern, weicher bei ben Dichtern noch häufig vortömmt, bie auch 
bie Helden und Krieger Übderhanpt uneigentlid, Marsföhne nennen, 
An der Sternwiffenfhaft führt dieſen Ramen ein Bandelſtern, ber 

- mit einem röthlihen Lichte erfheinet un feinen Lauf um bie Eomue 
in einem Jahre 321 Zagın a5 Stunden und 30 Minuten zuräd: 
legt. Im ber Scheidekunſt belegt man das @ilen mit tiefem Ramen, 

Das Mars, — es 3. —e, in der Schifferſprache im R. D. dasjenige 
Seruſt von Brettern, weldes auf bie Sahlingen ber Maften gelegt 
und befefliget wieb und vorzuͤglich zur Haltung ber Gtengenwanten 
biemet, &s dient zugleich ben Matrofen unb Serfolbaten zum Stand⸗ 
plaße, verfhiedene Arbeiten bei den Ranen und Gegeln zu verrichten, 
entfernte Wegenftände zu brobachten und bem Feind in ber Mähe aus 
Heinem Gewehr und aus Drebbaffen zu beſchiezen. Das Bugfprirt 
Hat keinen Mars, weil der Klüverbaum nicht aufredt ſtehet ©. 
Das bihte Mars Hat einen dichten Fußbeden, d. h. die denfeiben 
ausmahenden Bretter liegen dicht am einander. Das Mars wirb 
wegen einiger Ähnlichkeit mit einem Korbe von ber Seeſprache Uns 
tundigen Maſtkorb genannt. Das große Mars, bas Mars am gras 
sen Mafte, das Befanmars, das Godmars.  Dbgleih am dem 
zweiten Üderfabe des Maſtbaumes mug Ketuzhölzer find, fo nennt 
man fle uneigentlih dod auf «in Mars. 

Das Marsband, —es, By. —bänber, ſ. Marsrand. 

Die Mardbant, My. — baͤnke, f. Maftbant. 

Der Marſch, — s, 4. Maͤrſche. 1) Der Bug, vegelmäßige Bang 
einee Menge von Soldaten, befonbers nah einem beffimmten Orte. 
Befeht zum Marſche geben, erhalten (die Marfchordre gebrn, exz’ 
Halten). Sich auf den Marſch begeben, fih in: Marſch ſeten, ben 
Marfd antreten, aufbrechen, den Bug nad einem-Drte antreten, 
beginnen. Bum Marſche dlafen. Auf dem Marſche fein, Halt mas 

. denx. Go auch in den Infommenfegungen, Abmarſch. Anmarſch, 
Aufmarfh, Ausmarfh, Durchmarſch, Einmarſch, Hermarſch, 
Hinmarſch, Ruͤdmarſch u. Mari! it auch das gemöhntide 
Befepimort an die Golbaten, wenn fie fortfhreitem, den Marſch ans 
treten follen, Es fheint im diefem Falle die Wrfehiform eimes unge: 
wöhnliden Wortes marſchen, gehen, einen Marſch antreten, zu fein, 

- weides, nah 5 Borfhlage (S. Berbwb.), 
Sie marfhten him, fie marſchten her, 

n Bier g’zabes Meges, bert bie Durer, ©. 
für das 3witterzort marschiren gebraucht zu werben verbiente, 
=) Der Berg, melden ein Heer oder ein Theil deſſelben zum Orte ſei · 

‚ ner Beflimmung zurfdlegt, und in engerer Bedeutung, ber Bra wel⸗ 
er von bemfriben in Einem Zage zurädgelegt wird; eine Kagereife 


deßeiben. Auf dem Marſche geſchah es. Ginen weiten Marſch zu 


machen haben. Den Marſch vorſchreiben, den Wen, welden bie Trup ⸗ 
pen gu athmen haben (die Marfhroute). Dem Feinde einen Marſch 
abgewinnen, ihn um eine Zagercife zuvortommen. 3) Das Beiden 
um Marſche, welchea mit bem Peibfpiele gegeben wird; mie aud, 
ein Meines Tonſtüͤck, welches bei feftlichen Aufzügen, befombers bei 
teiegerifhen Bügen gefpielt wird. Den Marfch fhlagen, blafen. Eis 
nen Marſch lpielan. Der Schweizermarſch, Gtenadiermarſch ıc, 
Die Marſch, mg. — en (Maͤrſche), ehemahis ein Strich Landes, eine Ge⸗ 
gend überhaupt; im N. D. ein niebriges, fettes, aber naffes und fum« 
a Band, am Meere oder an arofen Fläffen, welches befonbers 
zur Weide gebraucht wird; das Marſchland, in Begenfag ber Geeſt. 


Gampe's Wiörterb 3. Th. 


Dee zur feiften Schar ber flämifhen Marſch ſich Hinfäteppt. of. 
— — Wie bie Pappel, N 
Weld’ auf feuchter Marſch an großen Sämpfen emporwucs, 
ärger. 
Im R. D. wo man harte Baute gern vermeidet, aud bie Maſch. 
Der Marfhall, —es, 94. — ſchaͤlle, chemahls wo et Marfart 
lautete , einer ber Hoffe pflegt, ein geringer @talbebienter; bann, 
die Benennung eines &talmeilers und vornehmerer Perfonen, 
deren Geſchaͤft in ber. Aufſicht über bie zum Rrieges und Hiffaate 
eines gechen Herzen gehörenden Pferde und ihrer Reiter, in ber ber 
quemen Unterbringung besfelben unb in ber Beobadtung ber Orb⸗ 
nung bei Heieslihkeiten, befonders bei feitrlichen Kufzägen beftank, 
Spaͤterhin wurde dies Mort in Berbindung mit andern näher dee 
fımmenden Wörtern gebrauht, eine mit einer hohen Würde beklei— 
bete Perſon zu beztichnen, dergltichen ein Erzmarſchall, Erbmar 
ſchall, Feldmarſchall, Hefmarſchall, Reihemarfhall, Laubmar- 
(Hal ic. iſt. S. dieſe Worter Getingere Perſonen find die Mars 
ſchaͤlle der Ritterſchaft in verſchledenen Gegenden, weiche bie Außrre 
Ordnung unter derſelban aufseht erhalten. In weiterer Bröeutung 
werden auch nod bie Pesfonen, welche bei Belegenheit einer Peiers 
tigkeit, befonders eines feierlihen Zuges, gemählt werden, auf (rs 
haltung der Drbnung babei zu fehen und ben ganzen Bug ober bes 
fonbere Abtteilungen deffelden anzuführen, Marfchälle genannt. 
Dad Marfchallamt, — es, By. —Ämter. ı) Das Amt, die Würbe 
und die bamit verbundenen Dblitgenpeiten eines Marfhallee. =) 
Gine aus mehren Perſonen beſtehende Behörde, imo ein Warſchali 
ben Vorfig hat, umb vor welche alle Angelegenheiten gebracht wer⸗ 
ben , welche in bas Gebiet bes Amtes, das ber Marſchall befieibet, 
gehören, So auch, das Hofmarfhallamt, das Erzmarſchallamt ıc, 


Das Marfhallögeriht, —es, 24. —e, tin Sericht in welchem bee 


Marſchall den Worfig hat und vor umb untere welches alle bem Ge⸗ 
richts zwauge des Marfhalle unterworfene Perfonen gehören. Ja 
Chicken führen auch bie abeligen Austräge ober Mittergerichte dem 
Ramen Marſchallogerichte, weil der Marſchall des Mitterflanbes dar⸗ 
in den. Borfig hat. i 


Der Marfhalisftab, —es, 3. — ſtaͤbe, ein Stab, melden ein Mar⸗ 


fall als Ehrenztichen und zum Zelchen feiner Wuͤrde trägt, 


Die Marfhallstafel, By. —en, eine Rebentafei an Häfen, an weis 


cher bee Hofmarſchall Prrfonen von aeringerm Hange bewirthet. 


Marſchen, v. intes, mit fein, f. der Marich 1). 
Marſchfertig, adj. u. adv, zum Marſche fertig, bereit. Sich marfchr 


fertig. datten, machen. Marſchfertig frin, 


+ Die Marfhhufe, 9. — n, im fürtigen D. S. eine Hufe, bonn, 


au überhaupt, ein Brunbfiäd, worauf bie Verpflichtung für ben 
B. ſiter haftet, bri dem Marſche bee Zeuppen, eine Zahl davon zum 
@irfager zu nehmen. J 


Die Marfchkrankheit, My. m. eine gefährliche hitige Krankheit, welhe 


die Bewohner ber R. D. Marſchlaͤnder, beſonders aber bie frembra 
Kebeier im Herbſte häufig befält, und welche fie entweder auf im⸗ 
mer teäullih macht, ober an welcher fie eines langſamen Todes fire 
ben; auch, bie Ernteſeuche, das Stoppelſieber, weil fie ſich nad 
auch mol noch in ber Emte eingufinben pflegt. . 

Das Marfibland, —es, Di. —länder, f. die Marfh, 

Der Marfchländer, —s, 9. gl. ; bie —inn, 8. —en, ber @in 
wehner, die Ernwohnerinn eines Marfhlandes; im gemeinen Leben 
auch nur der Marſcher ober Märfcher. 

Die Marfchlinie, 9. —n. +) Die Einie, bie Richtung, ber Meg, 
melden bie Zruppen auf dem Marfhe einfhlagen (Marfhroute), 
Hier geht bie Marfchlinie. =) Im Gerfriege, diejenige Binie, nad 
weicher tie Kriegeſchtffe zwar nad dem Striche nahe am Winde ges 
Bellet finb, aber mit Rürtenwinde fahren, . 

Die Marſchordnung, 34. —en, bie Ortnung, in welcher ein Morſch ges 
macht wird, In ber Setſahrt, nennt man fo diejenige Orbnung, in welcher 


28 


Marf 


218 


Mart | s 


eine Fette ihre Meife fortfegt oder aud ben Jeind kreuzend auffaht. O Das Darterbett, —es, By. — en, ein Bett, Eiger, fefern man 


O Die Marfchfäule, Rz. —n, eine Saͤrle gleihfam, d. h. ein Ian 
ger Zug vieler Truppen welche auf bem Marſche begriffen find, ber 
tonbers ſefera fie sin Thell eines Heeres find (Colonne). — unter 
fortrmäßeendem @rfpötte über bie feindliche Marſchſaͤule.“ 3. P. 
Ridter Auch @ Heerſaͤule. ©, d. 

Der Marsgaſt, —s, 9. — gaͤſte, (bei den Schiffen —gaften), 
auf ben Schiffen, bie Benennung derienigen Matroſen, melde ihren 
Plan und ihre Arbeit auf dem Mars baden; auch Maftliimmer. 
Die Marslaterne, Dig. —n, eine Baterne, welde der Anführer einer 
Bictte, eines Belhwabers am großen Mars als ein Unterfhribungt: 
zeihen führt und woran man fein Schiff von vom her bes Nadıts 

_ unferiheiben kann (Marsfanal). 

Die Marbputting, 34. —n, in der Sqchifferſprache, die Yuttingen 
am Mars, welde durch bie Löcher des Marsranbes geben, 

Die Maröraa, 9. —ın, in der Shifferfpradge, eine Gegelftange 
am Marsfegel, 

Der Marörand, —es, My. —ränder, in ber Säifferiprade, ein 
dider Rand von Eichenholz, welder ben Mars umgiebt, unb an beis 
den Seiten mit Löchern verfehen if, durch welde die Meardputtingen 
sehen und an ben untern Bandtauem vermittelft ber Eprirtaue bes 
feftiget werden; auch Marsband. 

Die Maröregeling, 9. —en, in der Sqchifferſprache, das Beländer, 
welches fih auf Kriegsſchiffen an der «Hinterfeite ber Marfe befindet. 

Die Marsichote, By. —n, in der Schifferſprache, bie Schoten oder 
Seile, melde an ten Eden des Marsfegels befeffiget find, biefelden 
nad dem Winde damit zu sichten. &, Schote 

Die Maröfchotentiampe, 9. —n, f. Maftenklampe. 

Dos Maröfegel, —b, 2. gi. in ber Shifferfpradhe, das ymeite 
über dem Mars befindiide Segel bes großen Mafles, das große 
Marsſegel; am Bodmafte heißt es das Vormarsfegel und am Be 

‚ fonmafle das Kreuzſegel. 

Die Maröflenge, 4. — n, in ber Schifferſprache, eine Stenge am 
Mars, woran fih das Marslegei befintet. 

Der Marftall, —es, 9. — ſtaͤlle, ein Pferdeſtan, von Mähre, ein 

‚ Pferd; dod nur in engerer Webeutung, ein folder Stall für bie zahl⸗ 
erichen Pferde großer Herzen ober anfehnlicher Gemtinheiten. Der 
fuͤrſtliche, dersfhafttihe Marſtal. Der Rarhemarftall, worin bie 
Bau, anb Dimfpferde befindti find, 

Der Marftaller, — 8, 9. gl. einer der Über ben Mazftal geſetht if, 
Ts Zitei fagt man bafär sah wol Marftaliberr, melden Kamen 
nah Ad. In Börih, der Borgefepte über den Marſtall des Rathıs 

‚ führt ober führte; fürzer auch, ber Stallhert, Staller. 

Die Marswand, By. — wände, in der Schifferſprache, die Wand, 
welche nad bem Mars läuft und an bemftiden befefliget if. 

Die Märte f. Mäbrte. 

Märten, Märtensgans, Märtendmann s., f Martin x. 

Das Martensholz oder Martbensholz, —es, 9. u. ein ſchlechtea 
zothes Holz, welches aus der Spaniſchen Stabi St. Martha in Well: 
indien zu und gebeacht wird. H 

Die Marter, Pr. —n, ein ſehr hoher Brad der Schmerzen des Kir: 
vers und uneigentlih aud tes Geiſtes, fotern fie abſichttich verurſacht 
werden, Wergt. Qual, Pein. Einem ale Martern antun. Reue grau: 
fame Martern erfinden. Die Martern ber erften Bekenner des Kris 
Benttumes. Sie glebt feiner Eifrsfuhr abfihtiih immer neue Nahrung 
und igut ihm dadurch bie empfindlihften Marterm on, „Mir vieler 
Unruhen und Marten Überhebt ums tie Demutb.- Bellert. In 

endgerer Webeutung wird #6 auch für Folter gebromdt, Die volle 
Martir, die Spannung auf die Briter; am manden Orten der Zug. 

Die Marterbant, 9, — baͤnke, fo viel ats die Foltenbanf. Unekr 
gentlich Äderhaupt etwas, bas zur Marter gereicht, Fine Marter 
verurfacht. Die Schulbank wird leider noch zu efr zur Marterbank. 
„Da eu anf ber Marterbant des Harmıs faf.» 3. 9. Riten. 


arten bazanf smpfindet. „D Lönnten fih Mikicnen Xugen auf 
bad Matterbett bes Boſewichts zihten, — wie fünell wäre bana 
der Kampf mit ber Lockang abgethan, unb ber Zugenbfitg gemonı 
nen." ee u. 

O Der Marterbiß, —ſſes, Di. —ſſe, ein Marter ve nd 
Bil. Die Marterbiffe ee —— — 

Und (will) bein Geſtoͤhn mit Frühen und Marterbiffen erſticken. 
@onnenberg. “ 

Der Darterborn, —es, 3. u. ein Rame der Baferrofe. 

Der Marterer, —s, 34. gl. ; bie Marteerinn, 94. —en, eine 
Perion, welche eine andere eder ein Thier martert, 

Der Märterer, —C, My. ol; die Mäetrerinn u. — n, eine 
Perſon, weihe gemagtert wird, und zwar mit dem Rebenbegriffe, 
dap fie unfhuldig ift. Beſonders verfichet man bazunter eine Per⸗ 
fon, welche des Betenntniffes der Eriflihen Religion wegen in fr: 
bern Beiten gemartert und hingerichtet wurde (Märtyzer) ; ein Blut⸗ 
ztuge, chemahla Marteler. Die Märterer dex iriſtlichen Kirche. 
In weiterer Bebeutung verfiehet man darunter überhaupt auch eine 
Perfon, welde unfgulbig für eine gute ober doch von ihr für gut 
gehaltene Sache leidet, Gin Märterer ber Wahrheit. Bum Mär: 
terer feines Glaubens werden. „Wei dem Schelterhaufen eines frei ⸗ 
wiligen Märterers.“ 6. Fuͤr Märtrerinm fagen Maude Mitte: 
tinn, weißes eben fo wie Zauberinn, Plauberinn ıc. zwar gewöhnr 
lich, aber unrichtig ift, wobei überdies durch bie fehlerhafte Kuslafs 
loffung bes cr an Wohlkiang, ben es boh nah Ab. und Nabern 
bush Weglaffung bes t bekommen fell, wenig gewonnen wird, 

— Fieber ats Mörtirinnen (Märteerinnen), Baggefen. 
Die beſſete Form Märterer für Märtirer das ſchen Btieler. 

O Die Märterergefchichte, 9. —n, f. Martergefäjiähte. 

Die Märtererkrone, By. —ın, bie Krone, &. h. der Ruhm, bie Br 
lopnung eines Maͤrterers ober einer Märtreeinn; dei Stieler 
5 die Märterfrone. „Rein Menſch if heutiges Tages verpflichtet 
nad) ber Ehre der Märtererkrone u trahten.« G, 

O Das Martergeraͤth, — es, 2. —r, ein Seraͤth, Werkzeug, 
welches bienz, eine Perſen damit zu martırn, i 

Unb indem bed befohlenen Zobes 

Eqhrecliches Martergeräch fie bereiteten. Bof. 

Die Martergefchichte, By. —n, die Geſchichte, Erzähleng veräßten 
ober erlittineer Mastern. „Denn Liane hatte von ihrer Mutter das 
Bupähen ber Martergeſchichte errungen. U, P. Richter. Beſon⸗ 
ders die Geſchichte der Mastırm, bie Iefus erleiben mußte (Pas- 
sionsgefhichte). Dann, tie Geſchichte, gefhiätlihe Erzähtung der 
Martern, welche die Märterer ber kriſtlichen Kirche erlitten haben, 
oder die Geſchichte der Märterer (Martyrologium); bit Maͤrterer ⸗ 
geſchichte. Wergt. Leidentgeſchichte. 

x Das Marterholz, —es, 4. —Hölger, im gemeinen kehen 1) ef 
Bols, woran oder womit einer gemartert wird, mie tas Kreuz, bie 
Dasterbant, Im manchen Gegenden Heißt das Doly des Hecken⸗ 
tirſchdaumes oder Ahibaumes (Lonicera zylostenm L.) Marter 

holz. =) Bine Perfon oder Eahe, welche man martert, mißhans 
beit. Eo nennt man einen Bebtenten, bes von feinem Herrn viel 
keiden muß, bas Marterholz feines Herren. . 

O Die Marterjagd, 2. —ın, diejenige Jagd, wo das WIE fo 
lange mit Hunden gejagt wird, bis es entweder tobt ober doch gang 
entträftet hinfaͤlt und von den Hunden tobt gebiffen wird, eine In 
ber That aranfanne Diarter des Micdes (Parforcejagd). Btuf. 

Die Marterfammer, 9%. —n, eite Kımmer, In meiher gemartert 
wird; beionders in dem Serihten, Mejenige Kammer, wo Berbrrher 

: sder eines Werbredens beſchuldigte Perſenen gemartert werben; ber 
Marterkeller, wenn diefer Ort uniee ber Erde iſt. Auch uneigents 
Ka, «in Ort, mo man irgend eine Marter ansfledet. „Wie behind 
entflog Fr der Marterkammet.“ 3. 9. Hihter Der [hdafle. 


Mart 


Aufenthalt wirb bem Gefangenen zur Marterkammer. 

Der Marterkeiler, —6, 9.91. ſ. Marterfammer. 

Der Marterfeebd, —es, y —e, in der Rokunt, bie Benennung 
ber Kiebr, wenn fie lebendig von ber Schale gelöfet werben ; eine 
groname Berritungsozt. 

Das Marterieben, —6, 0. 39. rin Leben, in welchem man ſich 
inurtern maß, in welchern man Martern zu erbuiben fat. 

Marten, v. trs, Marter verurfahen, anthun, im R. D. marteln. 
©, Marter. Ginen martern. Die erſten Bekenner bes Rriften: 
thums marterte man zum Zheil fehr graufam. Im engerer eigent: 
Ucher Bedeutung, in ben Gerichten, einen Berbecher ober peinlich An, 
getlagten martern, ihn auf die Folter fpaunen ıc. (torquiren), 
In weiterer Bedeutung, einen hohen Grab der Wefchwerbe, Mäpe, 
Unruhe, des Mißvergnägens ıc. verurfahen. Er weiß bie Beute zu 
maortern. Dan muß fh martern und quälen und bat nichts ba; 
von. Martere mid nigt mit beinen Zweifeln, beinem Verdachte, 
deinen Bormärfen w. D. Marten. D. —ung. 

O Der Marterört, — 6, By. — oͤrter, ein Ort, wo man Marter 
empfindet, wo jemanb gemartert wird. 

Mas if das für ein Marterort? Böthe. 

Der Marterpfahl, —es, 9. —pfähle, ein Pfahl, mweran eine 

Pirfon gebunden wird, weldhe gemazrtert werben fol, 
Schon firhen, zum keiden und zum Tode noch gepaazef, 
Au rinsın Marterpfahl gebunden x. Wieland, 

Der Marterpfuhl, —#, 99. —pfühle, rin Pfuhl, b. 9. ein tiefer, 
ein unterietifiher Drt, in weißem man Martern erleidet. 

O Die Marterpredigt, y. —ın. 1) Wine Predigt Über bie 
Martergefhichte Zefa oder eines Maͤrterers (Passionsprebigt), 2) 
Eine Predigt, bush die man im unrigentlihen Sinne gemartert 
wirb, etwa weil fie fehr ſchlecht iſt ze. 

Das Marterrab, —es, Bi. —räder, ein Rab, weldes zu martern 
dient. Stieler. Icons Marterrad. 

Die Darterfhule, 94. —n, ein martervoller Zuftand als eine 
Schule 5: ®. ber Erfahrung, ber Bebuld betrachtet. tieler bat 
[1] —— für eine Schule, in welcher bie Schüler unter Martern 
leere. 

Die Marterfäule, Ry. —n, eine Eäule,.gn welder jemand Marter 
teibet. Btieler, 

Die Marterfirafe, 2. —n, eine marternelle Strafe. Stieler. 

Das Möärtertbum, Martertbum, — es, 0.39. ı) Der Butand, bie 
Würde tines Mörterers; in engerer und weiterer Bebeutung, ein 
Märtertbum Iehee und, um des Guten Willen auch keiden nicht zu 
ſcheuen. „Die Welt bedarf der Weifpiele von Märterthum nicht 
mehr,“ ©. Dos Marterthum der Alementine. Pfeffer. 

2) Auch wol, ale Märterer zufammengefaßt als ein Sanzes betrach⸗ 
tet. Das ganze Märterthum Iehet, wie viel ber Menfd für Über 
seugung und bloßen Slauben aufopfern Tann. 

Der Martertod, —es, 4. —e, ein martervoller Zob, 

und flieht ben langen Martertobt, Wieland, 
Und ſchwur ber Sauberinn (Banbrerinn) bei allem Hoͤllengtiſtern 
Den Martertob. Dfeffel (&.) 

Der Märtertob oder Märterertod, —s, DM. u. der Zob eines 
Diärterers, ein unverbienter, gewöhnlid martervoller Kob, Den 
Märtertob leiden ober ſterben. J 

Das Marterurtheil, —es, By. —e, in ben Rechten, datjenige ur⸗ 
theil, in welchem auf bie Marter ober Folter erfonnt wird. 

Marternoll, —er, —ſte, adj. u. adr. viele Marten vrrurfadhend, 
mit vielen Martten begleitet, in martervoller Buftand, Gin 
martervolles Leben. Wines martervollem Zobes flerben. 

Die Marterwodhe, 9. —n, eine Bode, in welcher man Martern 
erleidet, welche mit Martern begleitet ik. Beſonders verficht man 
darunter die Bode, im weide bee Tag firl, am weichem Jeſus ger 
wartest und getöbtet wurte, oder in welcher bas Andenken an bie- 


21 


> 
.— 
— 


Mart 


Marter Tofu gefeiert wird, bie Mode vor Offer, bie Katwoche 
melde mit einem eUgemeinen Ausdrude auch die Matterzeit ge- 
nanat wir) (Passionswode, Passions:eit), Auch uneigenttih. X Die 
Kurzohe iſt gewoͤhalich für die Prediger eine Martertaoche. 

Die Marterzeit, @9. u. eine Brit, im welher man grinzetert wich, 
Wiorter acfiehet. ©. Marterwoche. 

Martha oder Martbe, —na, —n, ein BWeibertaufname, 

Martin, — 6, ein Mennstaufaame; im gem:inen Leben Märten , in 
Batern Mirtt, 

Der Martinsabend, —es, 2. —, ber Abend vor tem Martins, 
fage, an weldem manalleriri Eaftönrkeiten anpuftellen pflegte und pflegt. 

Die Martinsbirn, 9. —en, der Rame zweies Birnforten (Martin 
und Ronville), Remnid. j 

Das Martindfeft, —es, 3. —e, bas Feſt, welches dem heil, Wan 
fin zu Edren gefeiert mind, 

Die Martinsgans, 4. —gänfe 1) In manden Gegenden, eine 
Sons, welde dem Brundpsern zum Beichen ber Ancrtenmung feines 
Geunbhereneohtes am Diartinstaze gegeben werien muß. =) Eine 
Gans, weiche man am Martinsabende ober Mırtinstige zu braten 
und unter allerlei Luſtbarkeiten mit guten Frrunden zu verzehren 
pflegt. Umeigentli nennt man auch ben Schraaus felbft an biefem 
Tage, wovon bie Marfinsgens oft nur ein Theil if, die Mar: 
tinsgans. ofen um biefe Belt die Gefellen bei einigen Hands 
werkern anfangen bei Lit zu arbeiten, wird fie bei denſelben aud bie 
Lichtgans genannt. 

Das Martinshorn, —es, By. —hörner, tin Bırltergebadenes, wel⸗ 
Gım man bie Heflait eines Hornes giebt, unb welches man in tin 
gen Gegenden um bit Belt bes Martindtages zu baden pflegt. 

+ Das Martindlorn,—es, 29. u. ein Rame des Wulterkornes. 

Der Martindmann oder Maͤrtensmann, — e, 24. — männer, 
bie Benennung folder Beute, weiche auf Martini: obee Mirtendtag 
einen Atas entrichten muͤſſen. Beſonders führt im Meklenburgiſchen 
aud im Lübe, berjenige Bübedfhe Katkädiener ben Namen Mir: 
tensmann, welder jähelih auf den Märtenstag mit fonberbaren 
Gebraͤuchen nah Schwerin gefandt werten umb sine gewiſſe Menge 
Bein im bie herzogliche Küche liefen muß; melde Gewohnheit von 
ben Meltenburgern für ein Andenken am bie chemahlige Lehneherr- 
liäfeit über Luͤbeck vom ben Lübeckern aber für eine bloße Erkennt: 
lichkeit ihrer Zouftelheit ausgegeben wird 

%* Der Martindpfennig, —es, 9. —e, an manchen Deten, eine 
gerniffe Abgabe von gewiſſen Bebäuben. Dberlim. 

Die Martinbnacht, By. — naͤchte, das Martinsfrft. 

Der Martinsfhmaus, —es, 4. — ſchmaͤuſt, f. Martindgans ı). 

Der Martinsfhoß, —ſſes, 3. —ffe, in ber Mark Brandenburg, 
eine Art des Schoffes, welcher in den Gtädten um Martinstag ven 
den anfäffigen Bürgern zur Zilgung ber kandesſchulden ober zum 
Gebraud; der Gtäbte erhoben wirb, . 

Der Martinstag oder Märtendtag, — s, 9. —, berienige Kay, 
weicher in tee Römifhen Kirde zu Ehren bes heil. Martin gefeiert 
wirb unb welcher ber elfte November if, 

%* %* Der Martinstrunf, —ıs, 9. —trünfe, rin Trinken, Ger 
lage am Martinstage oder um bie Zeit beffefden. ' 5 

Der Martinsvogel, —, 9. —vögel, ein Rame 1) des Philips 
pinifgen Parabiedvogeld (Paradiseh tristis‘, 2) Des grammwrißen 
Gelers ober blauen Habichts, welcher viele Ahnlichtett mit dem Siei⸗ 
falten hat, aber Keiner iſt (Falco oyaneus). 58) X Zu wol bie 
Martinsgans. 

Märtirer, ſ. Maͤrterer. 

Der Märtler, —s, M gl. bei den Kohlenbreemern, bie Benen⸗ 
nung abgeloͤſchter Kohlenbraͤnde aus einem ausgebzannten Kohlen 
meiler, welde bei neuen Meilen wieder gebraucht werben. 

Martſch, Martſchen, ſ. Matſch, Matſchen. 

+ Der Martſtein, — s, Ds, im Bergbaue, eins Benennäng des 


9 


Maru 


Sehwefeltieſels, dermuthlich aus Markaſit, worunter man einen re⸗ 
gelmtig geformten Kleſel verſtehet, verderbt. 

x Die Marunke, 9. —n. 1) Eine Art kleiner Aprikoſen, Mar 
relle. =) Eine Art geofer, zunder und füßer fowol zother als gels 
ber Pflanmen ; auch Maronte, Malone. 

+X Die Marufcel, y.—n, im Hennebergfen, eine wilde, beſon⸗ 
ders im Anzuge ſehr nadjläffige weibliche Perfon ; anderwärts Schufel. 

Der März, —b, Di. —e, dee dritte Monat im Jahre, welcher 31 
Koge hat, und in welden Frühlings Anfang fält, baber er auch 
Lenzmonat, Fruͤhlings monat heißt; ber Maͤrzmonat. In man: 
den Gegenden enbet man biefes Wort um, des Märzen, dem Mär: 
zen ic. unb bildet dem gemäß auch bie Zufammenfegungen Märzen: 
ſchute, rzenſtaub ꝛtc. In Weſtfalen, naͤmlich in Denabruͤck fagt 
man dafder Maßen. 

Der Maͤrzbecher, —s, 3. gl. eine Art im Mär; bläfenter Rars 

‚ slfen, deren hohle zwiſchen ben fehs Blumenblaͤttern befindliche 
Röder Ähnlichkeit mit einem Becher hat (Narcissus pseudonareissus). 

Das Märzbier, —es, 9. —e, ſtarkes Bier, welches im Märpe 
gebranet, und im Sommer erft ausgefhenft wird; auch Lagerbier, 
weil es lange auf bem Lager Tieget, 

Das Märzblatt, —es, 9%. —biätter, kͤnnte ein im März hervor 

kommendes Blatt bezeichnen. Man belegt aber mit biefem Ramen 
in mandien Gegenden ben Huflattig. 

Die Märzblume, 94. —n, der Rome verſchledener fon im März 
blähender Blumen. 1) Der Raxjiffen, beren eine Art ben Ramen 
Mämbeher führt. ©. d. =) Der Schneeglödchen (Leucojum 
vernum L,); aud weiße Hornungsblume. 3) Der Biayinte, 
4) Des Huflattiges. 5) Der weißen Windblume (Anemone ne- 
morosa); Maͤrzbluͤmchen. 6) Des Söwenzapnes. 

Märzen, v. txs. f. Merzen. 

Die Märzente, Sz. —n, ein Rame ber gemeinen wilden Ente; auch 
Blauente, Blaͤßente ıc. (Anas boschas fera L.), 

nn Märgenfäne, Märzenftaub, f. Märzfchnee, Maͤrzſtaub und 


ra. 

Die Maͤrzerkirſche, 29. —n, ſ. Schwefelkirſche. 

Die Märzfliege, 94. —n, ein Name 1) der Eintagäfliege, des Hafı 
te. 2) Eine Art Fliegen, von welcher bie Maben in ber Baums 
biäte ommen (Musca germinationis). 

Die Märzgerfte,-o. 29. die gweigeilige Sommergerſte ober Futter⸗ 
geefte (Hordeum distichon L.). 

Das Maͤrzgloͤkchen, —6, 2. ol. das Schneegloͤcchen (Leucojum 

„vernum L.). 

Der Märzbafe, —n, 99. —n, ein im März ober zu Anfange des 
Frühlings gefehter Hafe. 

Der Maͤrzhecht, —es, 9. —e, ein Hecht, welder erſt im März leichet. 


Der Märzkäfe, —6, 39. al. Räfe, weiche im März oder zw Anfan: 
ge bes Fruͤhlings gemadt werben. 
Der Märzmonat, —es, ip. —t, ſ. Mär. 
Die Märzmüce, 9. —n, die Cintagsfliege oder das Haft. 
Das Maͤrzſchaf, f. Merzſchaf. 
Der Märzfchein, —es, 9. —e, in ben Kalendern, ber Schein, 
d. b. ber Reumond im März, S. Schein. 
Der Märzfchnee, —8, 0. 29. Schnee, welcher im März fällt. 
‚+ Die Maͤrzſegge, 99. u. das fpihige Riebgras Carex acuta 8 
Der Maͤrzſtaub, —es, 0. 2. Staub, welcher entfirhet, wenn ſhon 
im Mär; Zrodene und Wärme einfält, und als etwas Geltenes be: 
trachtet wird, — und id hatte von ber ganzen Dame wie von ei, 
wer geftorbenen nichts mehr im Auge als ben fernen nadflirgenden 
Staub ben ich indes für viel Märgenftaub (Märzftaub) und Punſch⸗ 
und Demontpulver nicht weggegeben hätte." I. 9. Rihter, 
Der Mirztbau,—ıb, 2. u. Span, welchtr im März fält, 
Das Maͤrzveilchen, —s, M. gl. ein Rame ı) des gemeinen Beil, 
Gens, weiches ſchon im März zu blühen pflegt (Viola martia, 


220 


Maf 


Viola odorata L.), Man hat fie vol ober gefällt und einfach, 
bunfelblau und weiß, oft aud zötHlihblau. =) Das wilde Maͤrz⸗ 
veilhen oder Hundsveilden ift gerudlos (Viola inodorata s. ca- 
nina L.). 3) Dus gelbe Märgveilhen (Viola biflora L.). 4) Das 
rauche Märgveildien, ein zauches wildes Weilden (Viola hirta L.). 

Dad Marzvieh, f. Merzvieh. 

Das Märzwafler, —s, Du. gl. Waſſer von geſchmolzenem Märzſchnee; 
aud wol das mit bem zerihmolgenen Märsfhnee dermiſchte Flußwaſſer. 

Die Maͤrzwurz oder Maͤrzwurzel, By. —n, ein Pflanzengeſchlecht, 
ber welchem ber Kelch eiadlattig und in zehn Finfchnitte getheitt if, 
woran bie fünf zunbliden Blumenblätter und viele Btaubfäben 
figen ; bie Fruchtkeime in ber Mitte bilden ein Kopfchen und jeber 

feltwärts einen langen haarigen Griffel mit einem einzelnen 
@ta ge (Caryophyliata Geum L.). Befonbers, bie eine Art 
biefes Geſchlechts, welche in fhattigen Gegenden im Mär; ober Frühe 
linge wäh, als Xrzeneimittel gebraucht wird und wegen Ihres wärs: 
haften Seruches ber bemienigen der Gewürznelten ähnlich if, auch 
Meitenwurzel, Naͤgleinwurz genannt wird. te heißt aud Heil 
aller Welt, Benebiltskraut x. S. Benediktékraut. 

+ Die Mafch, f. die Marſch. 

Die Maſche, 2. —n; Bw. das Maſchchen, D. D. Maſchlein, 
überhaupt etwas was verbunden, verſchlungen iſt, in welcher weis 
tern Bebeutung chemahis ein Bing, befonbers ſofern er zur 
Berbindung mit einem andem Dinge diente, wie aud ein Ring an 
einem Harntſche, bie Schuppen eines Panzers ıc. Mafchen, Mafen, 
Mufen genannt wurden, In engerer und gewöhnlicher Bedeutung 
it Mafche eine Schlinge, in welchem Sinne bie Schlingen ber Bo: 
geifieller von Pferdehaaren auch Maſchen genannt werben, fonft 
Dohnen, Schleifen, Läufel ꝛc. Am gewoͤhnlichſten verftcht man 
unter Maſchen bie geftridten ober vermittelft der Gtridnabeln oder 
anderer ähnlicher Werkzeuge gemachten Schlinge. Die Mafchen 
zählen, aufnehmen, fallen laffen ic. beim Stricken eines Strums 
pfes ober einer andern Bade, bie man firidt. Ein Rep ober Garn 
mit engen, weiten Mafchen. uneigentlich, ein aus folden Maſchen 
befichenbes b. h. ein geftridtes Werk. a beißt bie Außegmand an 
ben Fiſcher zarnen auf bem reine die Ledermaſche. Im Raufig 
it Mafchel oder Mufchel:, ein Meiner von Waft geflohtener Sad, 
deſſen man fi wie eines Handkorbes bedient. Dann, X eine Schlei⸗ 
fe, Quafte von Band ober Schnuͤren; befonders an ben Hut zu fleks 
ten (Cocarde), 

Kein Band war ihr zu Lieb, fie ſchenkt ihm mande Mafche 
Bald auf den Feſttagshut, balb auf bie Hirtentaſche. Roft. 
Mafchen, v. intrs. u. trs. zur Maſche maden, binden; nad Fulba 

überhaupt bilden. D. Mafchen. 

Die Mafchente, 3. —n, bie gemeine wilde Ente. 

Maſchig, adj. u. adv. aus Maſchen beſtehenbd. „Das maſchige Rep.“ 
Bof. Belonders in ben Bufammenfegungen engmaſchig, kleinma⸗ 
ſchig, vielmaſchig, großmaſchig. 

Der Maſchnagel, —s, 4. —nägel, bei den Seilern, ein Stüd 
Diefhhorm, Maſchen damit zu machen. 

1. Die Maſe, im Bergbaue, ſ. Maße. 

2. + Die Maſe, M- —n; Bw. das Mischen, O. D. —lein, im 
D. D. eine Rarbe, ein Mahl, eine Blaſe. „Kleine Mäslein ober 
Biäglein auf ber Zunge.“ Bluntfäli. Die Mafen von den Blat⸗ 
teen ober Blattermafen, die Maxben von ben Wlattern. In man: 
den Gegenden bas Mas, in Baiern Mofe. 

Die Mafel, 9. —n, bie Waſe; ein Ausſchtag. 

Die Mifelbeere, Mg. —n, die Moosbrere (Vaccinium oxyeoecosL.), 

+ Die Madeller, f. Maserle. ' 

+ Die Mafelfucht, o 3. eine Benennung bes Ausfages; ehemahls 
auch Meiſelfucht, Miſelſucht, Miſſel ze. @s fimmt noch im Ju · 
beneibe vor, mo es deißt: Das mich bie Maſelſucht beſtede, bie 
Naeman verlieh und Jezi ankam.” 


Maf 


221 





f 


Map 





Mafenbloß, adj. u. adr, ehne Mafım. Dserlim. 
et Mofer, —d, 9. gl. 3) Balz, deſſen Falten unzegelmäßig 
und fraus unter umb im «einander verwachſen ſind, umb allerlei Blech 
ken, Flammen, Abern ar. bilden, welche fi am Arbeiten, melde bon 
foldemi Holze gemacht und geglängt iind, fehr gut ausnefmen; auch 
der Flader, das Maferholz und Flaberholz. Da ber Ahorn vor 
lich (hönen Mafer giebt, fo wird er aub Maſer, und befons 
bers eine Art biffeiben der Mashoider, Maserle gemannt. =) 
Die Beldjaffenprit des Holzes, ba es von unregelmäfiger Berwach-⸗ 
fung ber Faſern Fleden, Flammen, Abern ıc. dat, BDirfer Pfei⸗ 
fentopf hat einen ſchoͤnen Mafer, 5 

e Mafer, 94. — n, überhaupt ein Fleden, ein Mahl; befonders 
ı) Zleden, flammichte ober wolkichte, geäderte Stellen von anbertz 
Jarbe im Holge. Dergleihen Maſern ober Flecken' haben beſonders 
bie Wurzeln bes Aheras, bes Rufbaumes und bie Anosren des 
Birtenholzes. =) Fehltrhafte Filecken auf ber Haut, befonbers Nar⸗ 
ben and Muttermaͤhler. 3) Flecken auf ber Haut, als Folge ober 
Ausbruch einer Arankheit, melde Rieden veräsfaht oder mit einem 
fiedigen Ausſchlage verbunben it. Befonbers nennt man rine Aranlı 
heit, welche am häuflgfien Kinder befällt, mit einem Fieber und eis 
nem Ausſchlage venbunben IR, der ih gegen ben vitrten Tag in 
Heinen zothen Flacken am KRörpre zeigt, bie aber nicht zu Blaſen 
werden, fonbern wieber vergehen, bie Mafern; aud bie Flecken, 
Kinderfieden, Möchein; im R. D, Ritteln, Maſeln, Maſſeln 
Meffetn; im D. D. auch Durchſchlechten, Urſchlaͤchten, Urſchlich⸗ 
ten, Urſpring. 

e Maſerbirke, 8. —n, eine Birke, am welcher ſich viele maſerige 
Kustädhfe befinden, 

r Maferfied, —ın, 94. —eın, ober ber Maferfleden, —b, 
Di. gl. ein Fiecken, welcher dem Mafer im Dolze Iymri if, ober 
ine folde mafrrige Stelle ſelbſt. ©. der Maſer. 
. —— vi, — hoͤtzet, maſeriges Hol S. ber 

afer. 
feridht, adj. u. adv, dem Mafer Im Holze aͤhnlich. &. ber Maſer. 
ıferig, adj. u. adv, Maſern ober Maferflede habend. Maſeriges 
Holz. Cine maferige Stelle im Holze. Gin maferiger Auswuchs. 
3, bee Mafır. : 
2 Maserle, 9. —n, eine Axt bes Mhorns, welde an Heden und 
säumen häufig wähft und nur in einem guten Erbreihe das Anfchen 
ines Baumes erhält (Acer cumpestre L.), Den Namen bat fie 
‚om bem fhönen Maſer ihres Holzes, befonbers im ber Wurzel. 
{u den verfhirbenen Gegenden Deutfblands führt fie verfhiehene 
Ramen, als: Masholder, Maseller, Maslieben, Maseller, ver: 
erbte Masweller, Maffern, Anerie, Arte, Agerl, Apr, Epe⸗ 
ır , Appeidören, Ephorn, Heiner Deutfher Ahorn, Gergahorn, 
Nilchahorn, Milchhaum, Weifeper, Weißloͤber, Weißbaum, 
eimahre, Steinahre, Bienbaum, Bienenbaum, weil ex früßs 
»itig blähet und den Bienen RNahrumg giebt, Eren, Waſſerhuͤl⸗ 
n, Woafferatbern, Flader, Flaberbaum, Flaſer, Kieinräfter, 
Schreiberhofs, Schwepſtockholz ix. 

fern, vw. tes. mit Mafern, d. d. flammicten, wolkichten ıc. Holje 
‚efepen. S. ber Maſer. Sqchoͤn gemafertes Holz, meldes (höme 
tafer bat. Die Birke maſert fih, d. p. fie befömmt maferichte 
za wochſe. D. Mafern. 

Mafernporzelane, My —n, eine Art Porzellanfäneden mit 
Feten, bie ben Bommerfleden gielchen (Cypraea Iynız L.); auch 
e Mafern, ber Luchs, die Sommerfleden. 

Mas holder, —, 3. gl. 1) Die Maserfe. 
‚ber, ober Schnerballen. 

afig, —er, —fir, adj, u, adv. befonders im OD. D. Maſen, 6. h. 
eden,, Narben, Maͤhler habend, Befonters im Grfihte. Ein mas 
es Seſicht. ine mafige Haut. Bon ben Blattern inafig ober 
ıttermafig. 


2) Der Bach⸗ 


Die Maske, Mg. —n. 1) Eine Bebecung bes Sefichtes und im wei: 
derer Bebeutung bes Beibes, darch welde biefer derſtellt unfenntiih 
gemacht wird. Bon einer folden Bedecung bes Geihtes allein wird 
grwähntih faroe gebraucht, weldes zugleich oft, wenn aud aicht im · 
mer, ben Begriff bes Saͤßlichen und Cutſtellenden bamit vereiniget, 
welches mit Maske nit verbunden ik. Schäfermaste, Türken: 
maste ıc. eine Maete ober ankenntlich machende Bekleidung bee 
Körpers nah Art ber Kleidung ber Schäfer, Kürten ic. Die 
Maske aniegen, ablegen. lneigentlid, eine angenommene, verftellte 
Denk. und Hanblungsweife, wie and eine einzeine verſtellte Heuchies 
wilde Äuperung, Dandlung. Unter der Maske der Freundſchaft 
erſchlich we ide Bertrauen. Traue nicht jeder Äußerung, jedem Geis 
ne, #8 Eönnte bloß Maske fein. 2) Eine mit einer Maske deklel⸗ 

dee Perfon. G. urtheilet von biefem urfpränglih Frambſiſchen 
Worte, daß es im unlerer Sprache völlig entbehrlich fei und ih in 
alen feinen Bebeutungen bush Larve erfepen laſſe, welches in ber 
Höheren Schreibart ohnedin geſchehen mäffe. 

Masten, v. trs. mit einer Maske verſehen, eine Maske anlegen 
(masquiren); ein Wort, weldes für diefes Awitterwort von Maske 
eben fo gebllbet werben kann und barf, als laruem, in entlarben, 
verlarden ıc. So au ſich masten, ſich in eine Maske fleden, eine 
Maske anlegen, fi verleiten. D. Masten. 

Der Maskenball, — s, By. —bälle, ein Ball, auf weldem bie 
thellnepmenben Perfonen in Masken erfhrinen, S. Maskenfeſt. 
Die Maskenblume, 8. —n, in ber Pflanzenlehre, bie Benennung 
folder Blumen, wenn bie beiben Einſchnitte einer zahenförmigen 

Blume biht zufammenfhliefen (Persouatae) ; auch Larvenblume. 

O Das Maskenfeſt, —es, By. —e, ein Feſt, eine feſtliche Luft ⸗ 
barkeit, wobel bie theilnthmenden Perſenen in Masken erſcheinen, 
ober welche mit einem Maskenballe verbunden iſt (Mascarade), 

Die Maskenkleidung, 2. —en, eine bie Prefon, melde fie twägt, 
unfenntiih machende Kleidung, ober welche eine Perſon als eine ans 
dee, bie fie dorſtellen will, barfellen fol; auch bloß bie Maske. Die 
Mastenkleidung anlegen, 3. B. um auf einen Masfenball zu gehen. 

Die Maskenklette, 94. —n, bie Kipenflette, bie mehr einer Difkel 
als einer Alctte gleicht, baher fie auch reiche Diftel Heißt (Arctium 
personsta L.). 

Der Mastentanz, —es, 3. —tänze, rin Tanz, ben man in Mat 
ken ober Maskenkleidung tanzt, wie auch, ein any auf Diasfenbällen, 
ein & Yarventanz. S. 6, Berbm. 

Der Maskentaͤnzer, —6, 2. 91; bie —inn, 2. —eın, ein Zins 
ser in Mastenfleibung, auf einem Maskenballe, ein ® Rarventänzer. 

Die Madkentaube, By. —n, eine Art Tauben (Colamba macu- 
lsta). Remnid. 

Der Maskolben, —®, 2. gl. eine Art Rohrkolben (Typha la- 
tifolia). 

+ Die Maskopei, 9. —ın, im R. D. eine Befenfhaft, befonbers 
eine Handelagefellſchaft, weiche ih zu gleihem Gewinne und Werlufte 
verbunden dat. Maskopei machen, zu einem gewiffen Zwecke in 
Srfelfhaft, Im Verbindung terten. Im engerer unb verädtlider 
Bebeutung, eine zu Anderer Rachtheil gefhloffene Berbindung, ers 
richtete Geſellſchaft. 

Die Masliebe, ſ. Maßliebe. 

Das Maß, — es, u. —e; Br. das Maͤßchen, O. D. — lein ober 
Mäßel, ehemahls überhaupt eine Grenze, das Biel einer Ausdeh⸗ 
nung, wit ned aus ber Aedendart, einem Ziel und Maß feben, 
erheiet. Sept bedeutet es noch 1) bie durch feine Bernyen heflimms 
te Größe eines Dinges. „Meift bu mer ber Erde das Maß be 
fimmt hat?" Hiob 38, 5; mad Miarlis Überlegung; „wer 
beftimmte ihre Austehnung ?* Befonbers biefe Größe, Tofern fie nad) 

* dem WBerpättniffe mit einem andern Dinge, beffen Größe oder Nut: 
dehnung als Einheit angenommen ift, beſtimmt wish. Das Maß 
eines Körpers ſuchen, finden, befinmen, angeben, Das Maß zu 


Maß 


gu eiwaa nehmen, bie Größe ber Ausdehnuag für etwas, das erſt 
hervorgebracht wirden fol, ſachen und beſtimmen nad Vrrpältnif 
eines beftimmten Körpers, mit weldem «# in Übereinffimmung fommen 
ſell. Das Maf zu einem Kleide, zu einem Paar Schuhe, zu eis 
ner Khür, einem Thore ıc. nehmen. An ben Kriegeſchiffen find alle 
Mafe größer als am den Hanbelsfhiffen, d.h. bie Grdfe aller Tpeile 
der Kriegaräiffe übertrifft die bee Dandelsthiffe, ihe Berpältnip iſt 
größer genommen. „Das Zub in dem Thor bes Torpofs mahte ex 
zwanzig Eden lang und fünf Een hoch, nad ber Maße (dem Ma: 
He) der Umhänge bes Vorhofts.“ = Mof. 38, 18. So aud von 
ber Beſtimmung ber Beit, das Zeitmaß, Tonmaß, Silbenmaß. 
Dann, bie beffimmte Größe in Anfehung ber Ausdehnung, bes för 
perlihen Inhaltes und ber innen Stärke, ſofern fie der jebesmah: 
Higen Abfiht, dem Erfoberniß der Umflänbe gemäß tk; ohne Mehr: 
zahl. Das zehte Maß treffen. ‚Das Maf überfgreiten. „Da er 
dem Winde fein Gewicht machte, und fegte dem Maffer feine gemiffe 
Mage (fein gewiffes Maß). Hiob ⸗28, 25. Das Maf meiner Bit: 


den überfleigt meine Kehfte. Der Schmerz bat fein hoͤchſtes Maß 


erzeiht Sein vol Maß haben, fo viel als nötpig, gut, er 
wänfdt ift, ober, als gerade nöthig, gut if. Im vollen, in hohem 
Mafe, reiälih. Mas das Erden erſetuen und angenehm machen 
Tann, ward ihm im vollen Maße zu Eheil; im O. D. in voller 
Maße. IH fhäge ihn in hohem Maße, d. d. ſche, in hohem Soade. 
Dft dezeichnet Maß auch eine Grdfe der Innern Gtärke eines Din: 
ges, foferm bie Größe ber Innern Stärke eines andern dabdurch be⸗ 
fimmt wird, fo daß eines mit dem andern Äbereintömmt, bas Ber 
Hältnif, Einen nad dem Maße feiner Kebeit, feines Berdienftes 
delopuen. „Und fo ber Bottlofe Schläge verbienet hat, fen ihn der 
diaer Heifen — flogen, nad der Maß (dem Mafe) und Zahl 
feiner Miffethat." 5 Mof. #8, 2. „Beine Pflihten nah bem ver 
fiedenen Mafe der beſondern Bebärfniffe, Umftände und Berdienfte 
des Andern beflimmen.“ Gellert, Mein Dank fleigt in dem 
Maße, als Ihre Wehlthaten fi vermehren. So viel mie nad 
dem Mafe meiner Kräfte möglig war. Zuwellen ſteht Maß allein 
aud für zehtes Map, gutes Berpältnif, Ebenmas. 
und vor allen erfihien beiner Bewegungen Maß. Goͤt he. 

©. Ebenmaß und Gleichmaß. Thnliche Bebeutung hat es in dem 
Worte Augenmafß, mo +6 bie Wertigkeit, bie Größe eines Dinges 
zu beflimmen, bas rechte Berhältniß zu beurtpeiten bezeichnet. 2) 
Die bekannte und befiimmte Größe, nad weißer eine andere umbes 
tannte oder noh unbeffimmte der Xusbebnung und Menge nad, bie 
fie hat ober haben fon, befimmt wird, fetwel wenn von koͤrper⸗ 
Higen Dingen, als auch wenn vom einer Zeit, jedoch nur in alls 
gemeinen die Rede iſt, indem man in bem meiſten Fällen für 
die Arten der Größe und nad ber Belhaffenpeit ber Dinge, beren 
@rd$e beflimmt werden fol, eigene unb eigentpämliche Ramın hat, 
1. 8. Ruche, Klafter, Eure, Fuß, Boll, Linie, Meile, Grab ıc., 
welches alled Maße find die Größe ber Ausdehaung nad einer Ric 
tung zu beftimmen; fermer Hufe, Ader, Morgen, Gevierteuthe, 
Geviertfuß ıc., melden Maße find, bie Größe von Flachen zu de ⸗ 
Mimmen ; Würfelfuß, Würfeljol, Wärfeimeite, Baltenruthe, 
Baltenktafter c., Mafter, Scheffel, Viertel ıc, Faß, Eimer, 
Kanne, Nößel ıc., welches Maße für den koͤrperlichen Inhalt find; 
Tag, Stunde, Mimute, Mode, Monat, Jahre ac., welches 
Mafe für die Zeit find. Meätes Maß und Gewicht führen, Gin 
fatfces Maß haben. Wolles, reichliches Maf geben, niäts daran 
fehlen laffen, Mit dem Maße, wonach ie meffet, fol eu wieder 
gemeffen werden, welches auch uneigentlid verftanden werben kann, 
fo daß Maß bier Verhältnis bebeutet. Dieſe bekannte beflimmte 
Größe, ma mwelder bie Ausdehnung und Menge der Dinge ıc. in 
allgemeinen beftlimmt wird, bekoͤmmt nad bem Bud, den man bas 
bei beabſichtiget und nad der Beſchaffendeit biefer Dinge in allgemeis 
ven, beffimmtere Namen, als: Laͤngenmaß, eine gerade Linie ober 


2 


Map 


ein Kirper, ber eine gerade Linie worflellt, bie Singe und Überhaupt 
bie Ausdehnung nad verichiebenen Rihtungen danach zu beflimmen, 
wohin auch bas Maß der Schneider gehört, welches ber Form uch 
ein allgemeines Maß für Fleidungsſtücke iſt, das aber nad Ber 
fhiedengeit ber Perfon nah ber es genommen wird, in ber Ans 
wendung verſchledentlich abgeändert wird ; das Flaͤchenmaß, eine 
Biäde von bekannter und beflfimmter Wröße, eine unbekannte, im 
iprer Bröhe unbefkiimmte Flaͤche, ihrem Inhalte nach bamit zu mef: 
fen. &o aud das Körpermaß, das Balkenmaf, das Zeitmaß, 
bas Silbenmaß ac. @. dieſe Wörter. Im engeres Bedeutung bes 
legt man auch verfdiebene einzelne Arten :tes Maßes mit dem allge 
meinen Namen Maß, die keinen eigenen Namen haben. Mefonders 
(1) ein Eirperlihes Map zu trocnen Dingen, vorzügliä zu Wetrribe 
in welcher Bebeutung auch nur allein das Berfleinungswort Mäfs 
hen, Mäßtein ober Maͤßel üblih il. In ©. u. R. ©. und einem 
Theile O. D. ift das Maß eines der kleinſten Grteribemage, wel, 
qhes ter vierte Theil einer Meter, bas wieder a Maͤßchen entpält, 
bie in andern Gegeaden Nöpel, Gribel ıc, heifen, ba hingegen in 
andern Gegenden bie Maße, beren vier auf eine Metze gehen, Mäf: 


‚ Gen oder Mäßel heißen. In Thüringen, wo ein Scheffei 4 Wegen 


Hat, gehen 16 Mäfchen auf einen Scheffel. Im Hamburg gehen 
auf einen Scheſſel = Faß ober 4 Pimten, obere 16 Spint, ober 64 
große Maß, oder 128 Peine Maf. Im Deffen Hält ein Himten 
4 Megen oder 16 Maͤßchen. Im Nürnberg hat ein Walter 8 
Megen, ober 52 Diethaufen, oder 64 Diethäuflein, oter 128 Maß. 
In Augsburg biträgt ein Schaf 8 Mepen, 52 Bierling, 128 Bier 
tel oder 5ıa Mißel. Im Böhmen beträgt ein Strich 4 Wiertel 
oder 16 Mäßel, deren jebes wieber ı2 Seidel Hält. Im Bern 
hält ein Moͤtt 10 Maß ober Maͤß, deren jebes wieder 4 Immi 
ober 8 Achterli hält, Im Elfaß geben auf ein Geller 4 Bierting 
ober 16 Mäfel. Im manden Gegenden ift das Maß oder Mif 
auch ein beffimmtes Maß für Helz, fo viel als Klafter, wofür 
man in andern Gegenden auch ein Malter ſagt. Im Hültenbaue 
iſt ein Mag Röftholz ein Haufen oder eine Zahl von 9 bis 10 
Sceiten, iebes fünf Eden lang. (a) Ein Eörperlihes Map zu 
fläfigen Dingen, wo es das gemeinfte kleinere Maß, aber nit al 
lein in verſchiedenen Gegenden feinem Inhalte nad) verſchieden, fon: 
bern ſelbſt in Einer Gegend derſchieden it, je nachdem es bie eine 
oder bie andere Flüffizkeit it, bie man bamit mift. So Hält ein 
Maß Bier oder Milch gewoͤhnlich mehr als ein Maf Wein, Im 
Brandenburgfäen und in andern benadhbarten Gegenden Hält ein 
Maß = Nöfel und if fo viel als ein Quart. Im Dänabrädfhen 
ift #6 fo viel als eine Kanne, beren vier auf ein Wiertel und 108 
auf eine Zonne Bier gehen, deren jebe aber 4 Ort ober 16 Hälfı 
Sen Hält. In Öfterseih Hält ein Cimer Wein 4 Viertel, 40 Maß 
über Achtering, jedes zu 4 Seibel. In Augsburg hält ein Fuder 
8 Ic, 16 Muids, 96 Befons ober 763 Maß, jebes zu = Geibel 
ober 4 Duiztel, Im MWirtembergifhen hält ein Ohm ober Eimer 
16 Immi oder 160 Maß, jebes zu 4 Quart ober Shoppen; in 
Frantfurt am Main und in ‚Heffen aber 20 Wiertel ober Quaͤrtlein, 
oder 80 Maß, jedes zu 4 Shoppen; und in Köln 26 Wiertel, 
104 Muß, iebes zu 4 Pinten, dagegen eine Zonne bafelbfi 160 
Viertel oder 640 Maß Hirt. Im Zürich hat ein Eimer 4 Wiertel, 
52 Kopf, 64 Maß, jedes zu = Qudetli ober 4 Gtogen; unb in 
Bern machen 25 Maß einen Eimer ober Brenten. Im allen Fällen, 
wo Maß ein beflimmtes Maß entweher zu trodnen ober fläffigen 
Dingen bezeichnet, bleibt es wie aͤhnliche Wörter in dee Mehrzahl 
uns et, wenn ein Bahlwort baffeibe begleitet, wie aus bem 
vorhergehenden Brifpielem zu erfehen it. 3%) Die Art und MWeife 
des Birperlihen Maßes. Bmanyig Sceffel Berliner Maß. Zehn 
Kannen Dresdner Maß." Fünf und viersin Fuß lang und zwanzig 
Fuß breit Rheintändifh Maß. Die ehemiapis gewöhntihe und nur 
uch von Wenigen beibchaltene Schreibung biefes Wortes mit aa 





Maßb Mais 


verliert fi immer miehe, da fie keinen hinlaͤnglichen Grund hat, im 
dem man die unlängfi vergangene Zeit von meffen, ich maß, nur 
mit einem a ſchreibt und doch gebehnt ausſpricht. S. auf Die 
Maße, weiches baffeibe Wort if. 

Die Mafbarte, 94. —n, im Handel, felde Warten vom MWallfifäe, 
welche bas gehörige Map Haben und bern ein Wallſiſch wel bis 
500 liefert, 

Die Maßbeere, By. —n, ein Mäme ber Wogelbeire oder Sbereſche. 

"Das Maßdenkmahl, —et, 34. —e, und —mähler, ein Denkmahl 
als ein Maß betrachtet, ober ein Maß, Beihen eines Maßes als 
ein Dentmahi, in Seſtalt eines Denkmahles. Go kann ein Meilen: 
zeigen in Geflalt eines Denkmaptes errichtet, ein Mafdentmahl 
heißen, In einem ähnlihen Cinne fheint Herder dies von ihm 
gebitbete Wort zu gebrauden: „Beit: und Maß: und Weitdenkmahle 
waren fie" (bie Poramiden), 

Die Maße, 4. —n, im O. D. Überhaupt fo viel ald Maß. Außer 
D. D. wird es gewoͤhnlich nur in einigen Bebrutungen des Wortes 


Maß gebraucht, 2) das zihtige Verfältniß bei einer Handlung mit’ 


bee Ratur bee Sache, bem Bebürfnig ıc. in Anfehung ber Größe, 
renge und inneren Stärke. Die Mafe wiffen, bas rehte Verhaͤlt ⸗ 
nip keunen. Maße halten, das rechte Berbältnig beobachten. Man 
muß in allın Dingen Maße Halten, wofür man aud fagt, dad 
Mat Mit Aberſchreiten. Der Möpige Hält Maße im Effen, Srins 
ten und Bergnögen. „Dalte Maße in allen Dingen." Sir. 50, 33. 
„Bühtige mi Herr, doch mit Maße.“ Jerem. 10, 24. 
Es war gu weiter Maße: — d. Nibelungen 2, ®. 1492. 
x Mie Maßen effen und teinten. Über bie Maße oder über die 
Mafen, aufewsrbenttih, ſehr. Über die Maßen lang, kurz, lang» 
weilig ac., fehe lang zc., Jünger, kürzer ıc, als weht, als gut iſt. 
„und fie entfapten ih über bie Maße“ Mazc. 5, 42. „Eine 
ewige und Äber alle Maße wichtige Herrlichkeit.“ a Gor. 4, ı7. 
Im OD, D. fagt man aud aus der Maßen, außer bee Maße, übers 
mäßig. Da das, mas zwiſchen dem zu viel und zu wenig das Mite 
tel hält, bas rechte ober beſte Map iſt, fo wird ein ſolches Werhälte 
utß vorzugsweife bie Maße genannt. Go heißt es in einem altem 
Kirchentiebe: Armut, das bie Maße bricht 
und groß Reichthum gieb mir wiät, 
2) Lie Art unb Weile; meift im gemeinen Leben, befonders im D, 
D. uf Hefe Maße, auf diefe Art. In ber Maße, wir 06 befohs 
Ten ift, fo wie «6 brfohlen iſt. @ie wiffen, in welcher Make dabei 
zu verfahren if. @iner Gabe abheifliche Maße geben. Mit fehe 
vielen Wörtern wird es Hänfig zufammengefegt und umflantwörtiidh 
gebraudt; gewähntid aber von bem bamit verbundenen Worte ges 
seennt gefärieben, z. B. einiger Maßen, auf einige Art; gewiſſer 
Maßen, auf gewiſſe Art; bekannter Maßen, fo wie bifannt if; 
befohlener Maßen, auf bie befohlene Art, dem Befehle gemäß, 
Die Ausdruͤckt gebuͤhrender Maßen, verlangter Maßen, sbener 
"Maßen, ziemlicher Maßen, auf bie gebäprende, verlangte Art ıc.; 
was Maßen, auf weide Art; folder Maßen, auf feihe Art x, 
Mind außer bem O. D. wenig gebräuchtich, eben fo das Bindemort 
mafen und immaßen, für indem, weil, dermaßen, auf diefe Art, 
fo ſehr, allermaßen ıc. 3) Ein Flaͤhenmaß. So heißt im Forſt⸗ 
wefen rine gemiffe befkimmte Wide mie Buchholz, eine Maße. In 
vielen Gegenden werben bie MBicen mad Maßen eingetpeitt, und 
im M.D. werten bie Deidhe und Sielticfen, weiche bie Haustefigerin 
Bautichem Stande erhalten müfl.n, in Maßen gerheilt, weile Haus: 
maßen beißen. Im Berzbaue verſte ht man unter Maße, eine vers 
meffene Flaͤche von beffimmtre Größe, weile zu einer Fundg rube 
ochdrt und nad derſelben axf «ben dem Gange aufgenommen worben 
ie; fie iſt in Freiberg nad Kb, 40 kachter eder 140 Ein, nah 
Zacobfon Go Lahter, im Saͤchſiſchen Obergeblege 42 bachter lang; 
in aubrem Wegenden aber hätt fie =8 kachter in bie Binge und 7 Eat: 
tee im bie Dreite, ober nad Beviertmaß, 14 Grpiertlaßteen. Cine 


felde Mape Hält = Wehr ober 4 Sehen, und 17% berfelßen machen 
eine Fundgrube. Die Maßen belegen, darauf anfahren ober ar: 
beiten Icffen, Die Mafen eindringen, fo viel freies Feld vor ſich 
haben, daß fo viel als jemand an Maßen gemuthet hat, vermeſſen 
werden kann, ohne Älteres bereits belehutes Feld berühren zu bärfen. 

Die Maffe, 9. —n. 1) Die Menge zuſammenhangender und einen 
Körper audmahender Theile; ein Wort, welches man von jebem 
Körper gebraucht, von welhen man nichts beyeichnen will, als baf 
er aus vielen zufammenpangenben Zheilen beſtehet. Cine große 
Maſſe. Cine ſchwere, plampe Maffe. Die Körpermaffe, Fleiſch⸗ 
maffe, Steinmaffe ı: @ben fo gebraucht man es aud von fldffis 
gen und fehr feinen, au unſſchtbaren Körpern. Die Waflermaffe, 
Blutmaſſe, Feuermaſſe, Lichtmaſſe, Zuftmaffe. Bei den Made 
lern ind die Maffen, viele an einer Stile gefammelte Lichter ober 
Schatten. Die Maffen auf ein Bemäpibe richtig verthellen. Lichts 
maffen, Schattenmaffen. In manden Fällen belommen aud vers 
fiehene Arten von Dingen, fofern fie in einem gewiffen Wezug ein 
Ganzes ausmachen, den Ramen Maffe, 4 B. die Erbſchaftsmaſſe, 
bie Schuidenmafle ı, Die Soldaten empörten Ach in Maffe, b. h. 
in geopen Haufen ober alle. Das Wolf erhob ſich in Maſſe. Die 
Gläubiger landen in Maffe auf, 

Ya, ihe gehört auch fo zur ganzen Maſſe. EShiller. 
Buweilen nimmt man beim Gehraude dieſes Mortes auch auf bie 
Beſchaffenheit der Theile Mädficht, und gebraudt es für Stoff (Ma- 
serie), Cine weiche, fee, harte Maffe. Aus feines Maſſe ge 
made. Eint sche, formlofe Maffe. 

30 trüben Maſſen gähret no die Wett 
Und Feine Friedenthoffaung ſtrahlt von fem. Schilter. 

In engerer Bedeutung verſteht man unter Maſſe einen weichen Stoff 
etwas daraus zu formen, befonderd einen Zeig. =) Etwas, bas 
viel Stoff bat, aus vielem Gtoffe befichet. So Kirk eine Keule 
ehemahls eine Maffe (Franz. Massue), „Der flotte wandel vrie 
ein maffe gro8 von blige bei ſwert enn vngefuege mag" — Konr. 
v. Bürz;b. Trofan. Krieg. So nennen bie Bildhauer reinen 
großen Hammer, womit fie auf ben Meißtel ſchlagen, wenn fie ein 
Wert ans bem Gröbften arbeiten, die Maſſe. Im Balltafeifpiele 
if die Maſſe ein Werkzeug, das aus einem lägen an rinem [atte 
gen Gtode befichet und Ähnlichkeit mit einer Schaufel bat, ben 
Bat auf ber Zofel am folden Stellen wegyuftofen, wo man ihm 
mit bem Steßſtocke nit bequem beifommen fann. 

%* Maßen, v. I) tes. gehöriges Maß geben ; mäßigen, ° 
"Wie gebhefet ihr ben Becken auf bie Füße gahn? 

und woRt iht's mihe euch maßen, fo wird auch Zeibe gethan. 
bb Ribelumngen 8. B. 7308. 
I) intrs, urtjeilen. Sulda, Davon muthmaßen. — D. Mar 
fen. D. —ung. 

+ Maßen, ein meift nur im D. D. und im den R. D. Ranzeleien ge⸗ 
bräuhliches Winbeinort, indem, weil. S. bie Maße »), 

+ Der Maßen, —, 94. gl. im Denabrödiden 1) ber Mär; =) 
bie Cingdroffel, Bippdroffel. Sirodtimann. 

O Maflenhaft, adj. u. adr. viele Thelle entpaitenb, im vielen Thei⸗ 
len beifammen; dann, unbehülfii, plump. „Der Sohn verarbeitete, 
mie baa fees mit väterlichen Merken ber Fall if, - die erhabene 

SEinfalt zu maſſenhafter Üserlabung.® Benzels @ternam, 

O Maffenweife, adv: in ganzen Baffen, in großer Menge. 

Denn gefaltlos ſchweben umh:r in Prrfefoneias 
Neiche, maflenwelf’, Schatten vom Ramen getrennt. Goͤther. 

Die Maßerle, ſ. Maserle. 

Die Maßgabe, 9y. u. bie Angebung, Bellimmang des Maßed oder 
‚ber Maße, d, h. ber Größe, der Art und Meile eines Dinges, das 
Berhältniß; die Maßgebung. Etwas nach Mafgabe ber Umfände 
einriäten, abänbern, 

+ Der Maßgeber, —$, 54: al. im O. D. ber die Rei und Meile 


Maßg 


einer Sache, Handlung beſtimmt, vorſchreibt, welcher Vorſchriften 


ertheilet. 
Die Mafgebung, B- u. bie Gebung ober Beftimmung, Vorſchrei⸗ 


bung des Maßes ober deu Maße, d. h. ber Art und Weife, „Uber, 
ohne Mofigebung, wiſſen Sie benn ſchon, ob id das auch für ein 
Gihd Halte?® Bellert, Dann aud für Verhaͤltniß fo wie Maß⸗ 
abe, welches gemöhnlider und beffer if. Die Bezahlung mach 
aßgebung ber Arbeit einriäten. j 


Das Maßglas, —es, 3. —yiäfer, f. Maßkanns. 
X Der Maßhecht, —es, 2. —e, bei den Bildern, ein Het, 


welder ein Jahr alt und etwa eine halbe Ele lang If. 


Der Maßholder, —6, 4. al. ſ. Maserie. 
Maͤßig, —r, —ſte, adj.u, adv. ı) Dem Maße eines andern Din 


* Gigen, fe im Zaum Halten, fie einfäränfen, 


ges ähntih, in uneigentlider Bedeutung, fo beſchaffen wie rs bie 
Belhaffenheit jenes Dinges, das Berpältniß zu demfelben erfobert, 
mit demfrlden übereintommenb, und in diefem übereinkommen ger 
gehndet; doch nur in Bufammenfrkungen, wo es bas Wort beſchließt, 
indem man in andern Fällen gemäß, angemeffen gebraucht. Ges 
fegmäßig, heldenmaͤßig, kunſtmaͤßig, pflihtmäfig, rechtmäßig, 
regelmäßig, ſchriftmaͤßig it. dem Befege, einem Helden, ber Kunfkıc. 
gemäß, angemeffen, damit Übereinftiimmend. Dirfer Begriff wirb 
in andern Fällen kurd bie Vbleitfiiben haft, iſch und lich ausge 
drudt, Bon ben mit mäfig Fofammengrfehten Wörtern werden 
durch Anhaͤngung ber Bilde keit' auch Grundwoͤrter gebildet, bie 
Seſetzmaͤßigkeit m. S. — KReit. 2) Das rechte Mas haltend, bas 
rechte Berhoͤltniß beobachtend, bie Grenzen nicht berſchreitend, und 
in biefem rechten Maße, Berhältniffet gegründet; in Gegenſatz von 
übermäßig und unmäfig. Mäfig im Genufle fein. Die Freuden 
bes Lebens mÄfig genießen. @in mäßiger Genug, Gine mäßige 
Wreube, MWefonders, bad zehte Maß im Genuß der Nahrungsmittel 
baltend, das rechte Verhaͤltniß dabei brobachtend, fo daß bie Bes 
fünbpeit nit leidet, und, in biefem Werbältniffe gegründet Sid: 
Fig effen und trinken. Maͤßig fein. Möfig leben. „Man muß 
freilich gefichen, daß Johnſon, wenn er gleich ſtrenge entbaltfam fein 
Eounte, weder im Effen und (mod im) Teinken ein mäßiger Mann 
war.“ bei Eberhard. Win möfiged Mahl. Ein mäßiges Br: 
ben. Ehemahla auch maͤßlich. 
5) Das gewöhnliche Maß nicht uͤberſchreitend, das Mittel haltend, 
mittelmäßig. Wine mäfige Foberung ; bie bas Mittel hält, nicht 
su groß und and mit zu gering if. Cine mäßige Strafe, bie 
aicht zu hart und miht zu gelind if. Bin mäßiges Bermögen, 
Bergnögen ıc. ein mittelmäfiges. Cine mäßige Wärme, Kälte, 
Es if heute mäßig warm, In ber Zonkunft bezeichnet mäßig 
(moderato) ben Bang eines Stuͤckes, ba es weder zu geſchwind 
noch zu langfam gefpielt werben fol, wofür Andere aud mäßig ge 
hend ober mäßig ſchreitend gebrauchen, theils aber auch bamit eine 
mehr fanfte und fangfame Bewegung bezeichnen (Andante)... In 
vielen Faͤlen wirb gemäfßigt Bafkr gebraucht. Im D. D, ift auf 
bie unnäger Weife verlängerte Form moaͤßiglich gemöpniit. 4) Ein 
beffimmtes Moß oder Gemäß enthaltend, Gin mäßiger Arug, wel 
Ser gerabe ein Map hält. So auch in Bufammenfegungen zwei: 
mäßig, viermäßig ıc. 
äßigen, v. tes, mäßig maden, bas zräte Map ober Werhättnif 
geben. Gelne Betrübniß, feine Freude mäßigen, fie nit bas rechte 
Maß überfhreiten Inffen, fi ihe nicht ganz Hingeben ung’ von ihr 
beherrſchen laſſen. Seinen Zorn, feine Wut, feine Kachſucht md: 
ka son ihr nicht Hin, 
zeigen lafſen. So auch ſich mäfigen, das rechte Maß, Verhältnig 
dbeobachten, feine Beglerben, keidenſchaften maͤhigen, der Bereunft, 
ber Klugheit ac. gemäß einſchraͤnken. Wenn tr in Zorn geroͤth, 
kann ex ſich nicht maͤßigen. ern man auch gereizt und beleidiget 
wird, fo muß man ſich doch mäßigen koͤnnen. Sich im Eſſen und 
Trinken mäßigen. Geinen Zusbzuf mäßigen, werhäten daß er 


224 


Bergl. enthaltfam und fparfam, 


Maßl 


nicht den gehörigen Brad dee Starke Aberfleige und beleidige. Seine 
Anſpruͤche mäßigen, fe nicht überfleiten, ſondern cher berabftims 
men. „Ihre Aufsihtigkeit wird nie das Grab der Hohahtung, weil 
fie durch Beſcheidenheit gemäfigt wieb." Gellert. Cine gemä- 
Figte Wärme, die niht zu groß, ſondern gerabe seht if. Eine 
gemäßigte Luft, bie micht zu warm und nicht zu kalt if. Im ger 
mäfigten Gebgärtel, in welchem eine gemäßigte Luft if, Ein ger 
mäfigtes urthell faͤllen, ein miht firenges ı. D. Mäfigen. 
D. —ung. ©. b. 


Die Mäpigkeit, 0. 34. 12) Der Buftand ba man mäßig it, bie Ber 


tigkeit das rechte Maß, Verhältnig zu beobachten; befonbers im Ges 
nuffe des finnlichen Wergnögens und der Nahrungsmittel. Mäfige 
keit beobachten, zeigen, =) Der Buftanb bo cine Bade mäßig iſt, 
da fie das zechte, wie auch bas gemöhnlihe Map nicht überiheritet. 
Die Mäfigkeit der Foderung if augenſcheinlich. Die Mäßigkeit 
der Priife. Die Mäßigkeit der Kite ıc. 3) In mehreren zuſam⸗ 
mengefepten Wortren bedeutet Mäßigkeit, bie iaenfhaft des Ges 


“ mößleins, bie Gemäßpeit, Die Befegmäßigkeit, Pflichtmaͤßigkeit, 


Regelmaͤßigleit ic. 


Die Maͤßigung, o. Sy. bie Handlung, ba man etwas mäfiget, mie 


aug bie Handlung, ba man ſich mäßiget, bas Beteeben feine Reis 
gungen, Begierven unb Leidenfhaften in Schranken zu halten, und 
fie das Maß nicht überfhreiten zu laffen, und der Zuſtande, in wel⸗ 
Gen man fih buch diefes Beſtreben verfegt. Mit Mäßigung fprer 
Sen, urteilen. Berge. Sanftmuth, 


Die Maßkanne, Sy. —n, eine Kanne, in welde ein Maß gehet, 


oder welche ein MS im fi faſſen kann. ©, Maß =) (a. ben 
fo fagt man ein Maßkrug, Maftopf, Maßglas ıc, 


Der Maßkrug, —6, y. —kruͤge, ſ. Maftanne. 
+ Die Maffunde, 0. 99. bei @inigen für Mefitunft, wofde Andere 


Maßkunft fagen. . In engerer Bedeutung, der wiffenfhaftlige oder 
— Theil der Mepkinft, im Gegenfag von dem angewandten 
le, 


+ Die Maßkunſt, o. 29. ſ. Maßkunde. 
+ Der Maßkuͤnſtier, —s, 3. gl. bei Einigen für Meßkuͤnſtler. 
Die Maflade, u. —n, bei ten Schuftern, tasiinige Heine Werke 


zeug in Geſtalt einer Babe, momit fir beim Masnehmen die Länge 
bes Fußes unter ber Sohle meffen. 


Die Maßliche, 4. —n, eine Rame v’rfhiebener Pflanzen, ı) dem 


ienigen Pflanze und Biume, welche bie meifte Zeit des Jahres auf 
ben Wiefen und grünen Plägen zu finden if, Der gemeinfhaftliche 
Kelch beftept aus zehn und mehren langenförmigen in zwei Meiben 
„geftellten Biätten und umgiebt zweierlei Blümden, nämlich weib⸗ 


Uche, die am BManbe fichen und beren Br ffrt fih mit zwei Staub⸗ 
; wegen enbiget, und in ber Mitte. viele geibliche, teichterfärmige fünfe 


fach eingefgnittene Zwitterblümchen, welde einen verwachſenen Staub⸗ 
beutel und einen Griffel mit eingekerbtem Staubwege baben (Bellis 
L.); auch Gaͤnſeblume, Bänfeftödel. Angerblume, Marlenblume, 
Matgaret henblume, Oſterblume, Monatbluͤmchen, Zeitloſe Baum ⸗ 
baͤllchen, Grasbiume, Gichtkraut, Kaͤſeblmchen Maffüfelein ac. 
In den Gärten ziehet man davon mehrere Gpirlarien, deren Blus 
men groͤßer, bunt und gefüllt werben, und welche, beſonders bie #0s 
then, Tauſendſchoͤnchen genannt werben. Bei einer feltenen Spiels 
art treiben aus einer Blum: mehrere ‚hervor, man nennt fie daher 
bas fproffende Tauſendſchoͤnchen, ober die Maßtiebenhenne (Bellis 
prolifera). „Wenn die Maßlieben und bie Ringelblume von mel: 
nem Grabe dir winken.” Geßner 2) Einer Art der Mucer 
ober Goldblume, bie auf trodenen Wirken und Keiften faft den gans 
sen Sommer über blühet. Da bie Blume ber Mafliebe ober Bänfe 
blume fehr ähnlich nur größer ift, fo wird fie große Mafiliebe, oder 
große Bänfebiume, fonft aus Johanndblume,. Kalbe ober Rinde: 
auge genannt (Chrysanthemum leucanthemum L,). 5) Der Dots 
terblume, bie auch Goldwieſenblume heigt (Culcha palustris L,) 


Maßl 


Eints ſes dm fühlten Europa; auch Kugelblume 


Gtaubengemäd 
(Globularia alypum L,); auch Maffüßeleig.: 5) Einer Art ver - 


Gemfenwurg (Doronicum bellidiastrum), 6) Der Maserle. 

Die Mablode, 34. —n, nah Frifh, in Gälefen ber Name einer 
Urt gelber Pilse mit kurzen Gtielen, 

O Maßlos, adj. u.adv. kein Maß, keine Grenzen habend, unermeßlich. 

Sieheſt du des Metres Höhe, dei Dieans 

Maftofe Flähe winkend, und fäumf noh? Unmgen. (R.) 
Davon bie Maflofigkeit, bie Sigenſchaft, der Zuſtand, ba eimas 
maßlos if, bie Unermeplihkeit, Grenzenloſigkeit. r 

+ Die Mafnchmung, 24. —ın, im ©. D. die Rehmung des Mas 
Ses; bann, die Nehmung ber Maße, bie Exgreifung ober Anwen» 

, bung der Art und Weile bei einen Sache zu handeln ober zu ver⸗ 

. fahren, bie Mafregel. „Damit biefe Maßnehmung ihre ganze 
Wirkung thun Einnte* Wieland. 

Der Maßner, —s, M. gl. im Bergbaue, einer ber eine ober mehs 

eere Mafen gemuthet hat; zum Unterfhiebe von einem Fundgruͤb⸗ 
ner. &, Maße 5% f 

Der Mafofen, —, 4. — fen, im Hüttenbaue, eine Kt Dfen 
sum Gchmelzen des Eifenfteines, in welchem biefe Schmelzarbeit nad 

gewiſſen Jeuerzeiten, alfo gleihfam abgemefien, verrichtet wird, fo daß 
er nur a4 Stunden lang gehet; zum Unterfhlebe von einem Fluß⸗ 
ofen ober Hohenofen. 

Dad Mafrad, —ıs, 9. —räber, beim Wegthau, ein Nab auf befr 
fra umfang rin Maß z. B. eine Ruthe aufgetragen und durch einen 
Stachel bezeichnet iſt und beffen man ſich bebient bie Gänge oder 

Srelte einen Strafe abzumeffen , indem man es fortrollet. 

Die Mafiregel, By. —n, eine Segel oder Borfärift, nach welcher 

: mon bie Maße bie man nimmt, b. h. bie Art und Weife zu handeln 
beftimmt. Seine Maßregeln nehmen, nah Maßgabe ber Sache, ber 

. Umftänbe die nöthigen Worlehrungen treffen, bie gehirigm Mitte 
wählen. Im O. D. gebrauht man dafür Mafnchmung. 

Der Maßſtab, —s, 9. —fläbe, ein Stab, fofern er ein Map 
für anbere Dinge it, ſoſern man ih beffelben zum Meſſen bedicut, 
zu welchem Behuf er von beflimmter Länge und in mehrere beftimmte 
größere und Fleinere Theile getpeilt if; bei den Dexrkleuten ber 

Maßſtock, Richtſteck. Iu der Cedmeßkunſt und Gehbefhreibung 
wird eine gerabe Linie, bie auf Apmlihe Art abgetpeilt it, deren 
Theile eine Zahl von Schritten, Meilen, Grabe ıc. vorſtellen, unb 
nad welcher andere gerade Linien gemefien werben, ein Maßſtab ges 
wannt, welcher zugleih ein verjüngter Maßſtab zu fein pflegt, d. d. 
ein folder, auf welchem bie Lingenmaße, von ihrer wirklichen Länge 

. mehr ober weniger Ins Sieine gebracht find. Bei Lanblarten if} dies 
Berhditalß mo abſtechender, und eine Länge ober Entfernung vom 
einem Grabe ober funfzehn Deutfhen Meilen betzägt auf der Karte 
nad dem verjüngten Diapftabe oft nur bie Bänge eines Achntelgelles. 

Der Mafiftod tt, 9 —flöde, ſ. Maßſtab. 

+ Dos Maßſuͤßelein, —, > gl. f. Maßliebe x) und 4). 

Der Maßtopf, —ıt, 3 —töpfe, ſ. Maflanne. 

+ Die Maßweihe, &. —n, f. Mooswribe. 

haut, adj. u. adv, feit, bid. 
er Maft, — es, Di. —en, ber dide Hohe entrindete Stamm eineh 

‚ Baumes, als ber Fichte, bes Serhenbaumes rc, welder mitten in 
ber Breite eines Schiffes aufgerichtet wirb, bie Segelſtangen, mit 


den Gegeln und bie Taue basan gu befefigen; der Maſtbaum, eher _ 


mahls au der Segelbaum. Auf geöfern, Berfhiffen beſteht er aus 
ancherzen. auf einander gefegten und gefügten Bäumen, weil eines al 
Tein nicht bie gehörige Höhe und Gtäske hat. Kleine Schiffe führen 
nur Einen Mafl, groͤßere zwei und bie größten deci Maften. Der 
große Maſt ober Mittelmaſt ſtehet in ber Mitte und ift der größte; 
der vordere Maſt, Fockmaſt ober Focke im Bordertheile, ber hin» 
tere Maft, Befanmaft oder Beſan im Hintertheile des Schiffes, 


‚Wneigenttih sehnen einige and das Shirflisgenbe Bugſpriet gu ben. 


Gampe's Böcterd. 5. Th. 


— — 


Maſtb 

Maften, nach welchen daun ein ‚großes Schiff vier Maſten fuͤhrt. 

Maſt wird nicht, wie Ab, anfäpet uncigentlich für Shi felbf ge: 

draucht, mol aber Segel, indem man wol fagt, eine Flotte von 

hundert Segeln, aber mit vom hundert Maſten. Wei dem Bims 
merleaten wird aud der große fenkercht ſteheade Baum, wilder eine 

Zburmfpige bilden Hilft und an meiden fi die Sperren fügen, 

der Maft genannt, 

1. Die Maft, 0.2. chemahle überhaupt Speiſe, Kahrung, jeht aber 
no& 1) bie Speife, Rabrung ber Baustpiere, womit fie ſich mäften, fett 
werben. Befonbers birjenige Nahrung, woburch bie Schweine fett wer⸗ 
ben, wo danu wieber norsüglid eine Rahrung biefer Art, welche fie in 
ben Wöälbern finden, die Daft ober Maſtung genannt wird, und welche 
Holzmaft heißt, wenn fie in wilden Baumfrädten als Eichela, Bädeln, 
Rüfien, Kaſtanien ıc. beflcht, wovon fie wicher eigene Namen, nimIih 
Eichelmaſt, Buchmaſt, Nußmaſt, Kaftanienmaft oder Kaͤſtenmaſt 
befömmt; Erdmaſt oder Brutmaſt aber, wenn fie in Würmern, 
Maden ır. beftepet, bie fir aus, der Eebe wühlen. Die ganze ober 
volle Maft nennt man eine Holzmaft, wenn es eine reichtiche Dinge 
von Cicheln und Büdeln giebt; zum. Unterfhlebe vor ber halben 

+ Maft, weun basan kein Üderfiuß ik. In einem andern inne nennt 
man zuweilen auch bie Buhmof bie halbe Maſt ober Halbmaſt, 
weil fie nicht fo gut mäfet als bie Eihelmaf, In einem Jahre 
giebt es mehr, im andern weniger Maſt. Wenn bie Maft gut gt: 
ebth, gebriben bie Schweine. Die-Maſt fäut, wenn bie Eichein, 
Bügeln ıc. abſallen. Die Maſt befiätigen. In engerer Bedeutung 

nennen bie Jaͤger bloß bie Nahrung der wilden Schweine Maſt. =) 
Die Handlung, da man zahme Thiere, befonbers aber Schweint mär 
ſtet oder fett macht, es fei nun, bag man fie in die Wälder’ treibt 
und Gideln ıc. freffen Läßt, ober daß man fie im Gtalle gut füttert, 
Säweine in bie Mafl nehmen, fie in feine Walbung treiben Taflım, 
zur Dolzmaft ober Erbmaf. Schweine in ber Maſt Haben, fie im 
feinem Walde fett werden laſſen. Schweint, Ofen ıc, auf bie Maft 
ſtellen, auf der Maſt haben, fie in ben Stall bringen und mäften, 
Die Gänfemaft ı,, die Handlung, ta man Gänfe ıc. maͤſtet. Die 
Hausmaſt, die Handlung, ba man bas Wich zu Haufe, im Stalle 
möäftet; zum Unterflebe non ber Holzmaſt, Waldmaſt. Die Wiehs 
maft, Herbfimaft ı6,, bie Mäfung bes Viehes, bie Mäftung im 
Herdfte 1. Bumeilen verficht man unter Maſt auch bie Beit, zu 
melden das Wied auf bie Maſt geſtellt ober in bie Maſt geteichen zw 
werben pflegt. J 

2. + Die Maſt, 99. —en, auf ber Weler, ein Shiffbs mit bem 
Binterfange und bem Bullen. Der Binterhang iſt ein sı7 Auf 
langes unb 7 Buß berites JFahrzeug, welches an ben Schiffbock am 
gehängt wird, baram ift wieber ber Bulle ein kleineres Fahrzeug von 
60 bis zo Fuß Einge und 5%, Fuß Breite angehängt. 

S Die Maftader, 34. —n, eine Blutader, weiche fih in bas Gefäß 
erfiredt und in ber Gegend über dem Ende und ber Öffnung bet 
Mafdermes zuweilen auſchwillt und dadurch ſehr ſchmerziiche Ems 
pfindungen verurſachet, beſonders wenn ſich das Slut daſelbſt vers 
Hält, für welchen Fol 6, die Maſtaberſtockung gebraucht (blinbe 
Haemorrhoiden); im N. D. Baden. Üffuet ih die Aber aber, 
fo daß Blut aus berfelben mit bem Stuhlzange abgehet, fo verſchafft 
bied Grleihterung, melden Fall ©, ben Maſtaberfluß nennt (fies 
fendre Hasmorrhoiden), Beide Bufäle begreift er unter ber allge: 
meinen Benennung ber Maftaberfucht. Davon maftaderfüchtig und 
ber Mafaderfüctige oder Mafladerfüchtling, mit ber Mafabers 

ſuchtbehaftet, und eine bamit behaftete Perſen (Hacmorrhoidsrius). 
Die Aber felbft wird gewoͤhnlich goldene Ader genannt, wie au bie 
genannten Aufille. &. Aber. x 

® Der Maſtaderfluß x. , f. Maftaber. 

Der Maflbaum, —es, 2. — baͤume. 1) Ein Bıum welcher einen 

Maſt abyiebt; im engeren Babeutung, bie Tanne (Pinus picen L.). 

2) Der Maſt. ©. b. 

29 


Maſtb 


226 


Maſti 





Das Maſitband, —s, 9: —en, runde und elferne Bänder, welche 
um —— an verfhiebenen Stellen attrieben werben ; auch Mas 
fenbüsel 

Die Maſtbank, 9. —bänte, auf Wöten die vordere ſtarke Bank 

‚ oder Dust, weil fie am Mafte beſtadlich iz aud Marsbant, Maſt⸗ 
bucht, Segelducht. 

Die Maflbuche, 9. —n, ein Name der Rothbuche, weil fie die ben 
Sähmw:inen sur Maft dienenden Büdeln trägt. 
der bei dem Menſchen an ber norbern Fläde bes unterſten Baudı 
wirbels, bed Kxeuzbeines uub ber Steißbeine liegt, und beffen ober 
zer Theil innerhaib ber Bauchhaut, deffen unterer fi aber außer 
derſelben befindet (Intestinwn rectum); im D. D. ber Afterbarm, 
MWeibebarm, im MR. D. Backdarm, von bat, after, hinten, Pins 
ken, Pınkel, Pintendarm, an audern Orten Schladdarm. 

Das Maftdarmgetröfe, —s, WW. gl. in ber Zergliederungskunſt, 
berjenige heil oben am Maſtdarme, welchen die Bauchhaut birbet 
(Mesoreetum). . 

Der Maftdarmnerve, —ns, 94. —n, in der Berglieberungsfunft, 
bee Rerve bes Moftdormes, der Äußere Mafldarminerve, welder 
aus tem britten Kreuzbeinnerven entſpringt. 

Die Mafldarmfhlagader, 94. —n, in der Zerglieherungstunft, 
Schlagadern, melde nah dem Mafldarme hinabſteigen. Wan uns 
terſcheidet bie innere, bie mittle und bie äußere Maſtdarmſchlag ⸗ 
aber (Arteria haemorrboidelis interna, media et externe), 

Der Maftdarmwurm, —es, 9. — wärmer, ein Meiner zunber 

. @ingewiidernurm, bee bie weiten unb kurzen Gebärme, befonbers ben 

» Mofldarın bewohnet. S. Maſtwurm. 

Die Maſtducht, 4. —ın, ſ. Maftbant. 

Die Mafteihe, 4 —n, die Eiche, ſofern ihre Frucht zur Maft 
dient ; befombers ein Name ber MRotheidhe. 

+. Maften, v. trs. von Chiffem, mit einem Maſte oder mit Maften verchen; 
ig deu yufammengefegten bemaften, entmaften. D. Maften. D. — ung. 

2. Maften, v;ntr. mir haben. ») Eine Maſt, d. h. ein Nahrungs 
“mittel zum Fettwerden fein ober abgeben. Kartoffeln, Eihelo ma: 
ſten aut. =) Fett werden. Iunge Schweine maſten nit gut, lafı 
tem ſich mit gut mäften, fegen Erin Fett an. D. Maften. 
Miften, v. irs. in oder auf nie Maft nehmen, fett machen. Schweine, 
Ochſen, Binfe, Hühner ıc. maͤſten. Sich mäften, fi pflegen im 
Eſſen und Zrinfen gütti thun und baburd fett werben. D. Ri. 
= ſten. D. —ung. 

Dr Maftenbügel, —s, 9 gl. f. Maftand. 

* Maſtenkeil ‚auf den Schiffen Maftenkier), — es, . —«, Keite, 
tie auf bee einen Seite bob auf ber andern gemölbt find umb melde 
man auf bem erſten Dede in den Fiſch treibt um den Maft daſelbſt 
fe zu Briten. Abding. 

Die Maſtenklampe, 94 —n, auf den Schiffen, Hornttampen, bie 
an ben Weaft gefpifert find; wie aut, lange lippenfdemige Bäljer, 
bie an beiden Beltin an bie unterm Weſten geſpikert find umb zur 
Feſtiaachung des laufenten Kauwerkes bienen, and Marsfihoten 
Uimpen, weit fie auf Heinen Schiffen zur Befekigung ter Mars» 
footer biem-n. 

Der Maftenfoler, — 8, 2 gI. auf Beinen offenen Fahrzeugen, das 
&chiufe worin der Moſt ſtebet. 

Der Maftenfragen, —6, 2%. gl. der Kragen um den Maſt. S. 
Kragen. 

Der Maflentrabn, tt, Hin dem Keahne aͤhnliches Werk 
zeug sber Gerüft, mit baffen Hätfe man bie Maſften in die Schiffe fept. 

Der Maftenmacer, —s, 74. gl auf den großın Schiffswerften, ein 
Gaudwerker, welder bie Witten, Razen, Stengen. Marfe, Eiel:bänpier 
unb berhauvt alles zu ben Maften gehörige Holsnreh verfertiget. 

Der Maſtenpaſſer, — , 9%. al. ein Palfrz oter äirkei, ber dirkel. 
zune gebogene Sienkel dat um zunbe oder walzenfärmige Körper 


bamit zu mieffen;unb ihren Duchmeffer damit zu finden. 

& Maftenreicy, adf. u, adr. zei an Maften, viele Waſten enthals 
tend. Des Schiffe maſtenreicher Wald. Sqhultlter. 

Die Maſtenſchale, 94. —n, ſ. Maſtwange. 

Die Maſtenſpur, 3%. —ın, im Sqiffbaue, eine Bufommenfägung 
von Hartın Hölzern, melde man ba anbringt, wo ber Huf eines 
Maflıs, Bang'pıls ober ber großen Baͤting auftritt. Riding. 

Die Maftenftuge, 9. —n, im Shiffdaue, Stägen, womit bie Mas 
fen eines Schiffes wenn #6 gefielholt werben fol an. ber Berfeite ab⸗ 
geflägt werden. Wie befichen aus ſtarken Spieren ober Bäumen, 
besen unteres Ende auf dem Dede gegen bem Bord ſtehet unb ber 
obere4-Enbe gezen ben Zop des Mafles gefort if. Möbing. 

Die Maſtfeder, 9. —n, bie Benennung kleiner kurzet fetter Fe⸗ 
bern, welche über dem Steiße der Bänfe beifammenfiehen,, und wels 
de man ihnen gewöhnlich ausrupft, wenn man fie anf bie Maft ſtellt, 

von bem veralteten Beilegungsworte maſt, fett. 

Der Maſtſiſch, —es, Bi —r, ein großer im norbilhen Weltmeere 
Ubenber Fiſch, melden eine Länge von mehr äld 100 Fuß erreicht 
und eine fehr lange wir einen Maftbaum in bie Höhe gerichtete Räls 
teuflofle hat (Physater tursio), 

Der Maftilet, es, 94. —, in D. S. ein Flec oder eine Stelle 
auf bem Ader, mo tin Düngerhaufen gelegen hat, ober wo mehr 
Dünger als am bie Übrigen Etellen hingelommen ift, wo baber bad 
Setreide ober eine andere Felbfeucht Rärker, dichter und üppigee 
waͤchtt; vom bem veralteten Beilrgungsmorte maſt, fett, Selche 
Stellen nennt-man auch geile Flede. 

Das Maftfutter, —s, DM. u. mäftendes Futter, welches zur —X 
ſtung dienet. 

Die Maftgand, 34. —gänfe, eine Gans, welche auf ber Maſt, ober 
weiche gemäftet wird. 

Die Maſtgefaͤlle, Ez. u. bie Gefälle oter Einkünfte von ber Holzmaſt. 

Dad Maltgeld, —es, U. —ır, dasjenige Werd, melden für bie 
Maftung der Thiere bezahlt wird. Wefonbers dasienige Gelb, wel⸗ 
des ver Dere eines Waldes für bie Schweine kefimmt, welche dar ⸗ 
ein zur Maft getrieben werden; der Maftfchilling, das Fehmgeld. 

Die Maſtgerechtigkeit, 3. u. ſ. Maſttecht. 

Dir Maftbafer, —s, 2M. u. terjenige Hafer, welcher dem Deren 
eines Waldes für bie Erlaubniß der Holzmaſt an rinigen Drten 
anftaft dee Maftgelbes gegeben wird. 

Der Maflhirt, —en, 34. — en, ein Dirt, welcher bie zur Waſt 
in einem Wald getrichenen Schweine pätet, 

Das Maſtholz, —ed, Ba. — bölzer. 3) Bol, b. h. Bäume, deren 
Grhdite zur Maftung dienen, als: Eichen, Buchen, Kaftanien, Bas 
fein. =) Ein Geheolz, welches ans ſolchen Bäumen beitehet aber in 
welchem viele folde Bäume machfen; die Maſtwaldung. 

1,0 Maſtig, adj. u. adr. fett, did; dann, als Folge bavon, plump, 
fhwer, Zretet nicht fo maftig auf 

Wie Elrpbantentälber. @äbtbe, 

2. Maflig, adj, u. adv, Miaftbänme habend führend. BR, 

x Der Maflir, ohne Umend. u. Wp. ein blaßgelbes, burhfihtiged, 
jerbrerhliches, Iur iſch en ben Bühnen wie Wachs meiches Harz, welches 
aus dem Mıftirbanme ausſchwiht and Feine Mörner bildet, bie man 
Mafirkörner nennt. Din fhönften durchſichti Ken und trockenſten 
Maſtex nennen die Kaufleute männlihen Maflir, tem werlorr am 
ten, tuchfitigen und klebrigen aber weibtichen. uneigentlich führt 
auch ein Kitt der Wlibhauer aus Pech, Wahn und Ziegelmebl dem 
Namen Maflir, wie auch ein Kitt der Matter, aut Mahler fimif, 
Krribe und Biiitte, bie Ritzen eines &rmähibes damir zu verftmirren. 

X Der Maftirbaum, —e#, Du. — blume 1) @in immergrüneg 
Baum in ben warmen Pintern, mit arfl:birten mechfelswelfe fichens 
ben Blaͤttern und mit minntiden und weiblichen geteennten Blumen 
(Lentisens Tourn., Pistaeia lentiseus L.\. Dieſer Boum ſchwi— 
get ein Hatz aus welches man Maſtit nennt. S. d. =) Eiram 


Marti 


berer in beiten Indien weihfender Baum mit ſchwarzet Rinde, röth- 
tihem Dolje, deſſen Blätter einige Hynlihkeit mit Federa haben, 
führt den Namen Judiſcher Maflirdaum (Calaphylium calabaL.). 
Die Frucht ift ber Kornerktisihe ähnlich und fehmedt bitter, aus ber 
Burzjei deffelben quilit, wenn men fie zerſchaeidet, sin gelber harsis 


ger Saft. 5) Dee Peruniſche Maftirbaum, ein in Peru einpeimi« · 


[her Baum, beffen männliche und weibliche Blöten ebenfalls getrennt 
auf verfdiebenen Blumen wahfen (Schinus molle L.); Mollebaum. 

Das Maftirkorn, —es, By. —Eirmer, ſ. Waftir. 

Das Maltirkraut, —es, WM. u. ein Rome 1) bed Katenkrautes 
(Teusriuin marım L,), =) @ine Art Thimian (Thymus masti- 
china),. 3) Des Mirbeibofles (Clinopodium vulgare L.). 

Das Maſtkalb, —es, Ei. —kaͤlber, ein Kalb, weldes zul 
wirb ober iſt. 

Der Maftkeil, ſ. Maftenkeil. 

Der Maſttlimmer, —«, 94. 91. ſ. Marsgaft. 

Der Maſtkorb, — s, 9. — Erbe, ſ. der Mars. 

Das Malitorn, — 4, —Urner. s) Korn, melden zur Maſt 
bienet; ohne Mehrjapk. 2) Die Benennung bunkelblauer Knoten an 
and im Maftbarme, welche von ber Daftaberftiodtung herrühzen, 

Die Maſtkuh, 2. —Fühe, eine Kuh, welche gemäftet wirk. 

4 Die Maftlinde, 94. —n, in manchen Gegenden, ein Rameiber 
grmeinen breitblattigen Binde, weiche gewoͤhnlich Wafferlinde, Gras: 
finde genannt wird. 

Mafllod, adj. u. adv. des Wafles ober ber Maften beraubt, Mas 

Ssſiff treibt maſtlos auf hoher Ger Gin Schiff maſtlos maden, 
es entmaften. Davon bie Maſtloſigkeit. 

Der Maftmeifter, —s, 24. gt. in den Schiffezeughaͤuſteu, ein Auf⸗ 

feber, welcher für gute Werwaßrung unb zmedimäßigen Berbrauch der 
Bafbäume zu forgen dat. 

Der Maſtochs, —ın, 4. —ın, ein Dis, welder ih auf der 
Daft befindet, welcher gemäftet wird, Auch mennt man mel einem 
großen fleifhtgen Ochſen, und in ber niedrigen Sprehart rinen gre⸗ 
fen, flarten aber plumpen Menſchen einen Maftochfen, oder vers 
gleicht ihn bo damit, 

Die Maftordnung, 2%. —en, eine obrigkeitliche Berorbuung, weis 
he tie Doljimaft und die in dieſelbe getriebenen Schweine betrifft. 


Das Maftreht, — es, Di. u. bad Recht, die Holzmaſt in einem 


Walde zu benägen; Maſtgerechtigkeit. 

X Der Miftrich, ſ. Moſtrich. 

© Das Maftfchiff, —es, 2. —e, ein einen-Maf ober Maften 

. führendes Sdiff. 

— vorrauſchte das Maſtſchiff. Sonnenberg. 

Der Maſiſchilling, —es, 4. —, ſ. Malgeld. 

Das Maſiſchwein, —es, 4. —, ein Schwein, weldes im Stolle 
ober in der Golzmaſt gemäftet wird; auch, ein [Kom gemäftetes ober 
fettes Schwein, Uneigentlih und verädhtiih nennt man in ber nie 
drigen Sprechart einen bidten fetten Wenſchen ein Maſtſchwein. 

Der Maſtſtall, — s, 94. — ſtaͤlle, ein Stall, in welden man bas 
Muftsich aufftellet ;, ber Maſtſtand, ein forher Stand, z. B. für Wänfe. 

Das Maſtſtuͤck, —es, 2. —e, ein gemäftetes Stuͤg Wich, ein ges 
mäftet:s hie. „Der Bruder hatte einige Tage vorher mit debene⸗ 
und Prügelgefihr bas Maſtſtuͤck — — gefangen.“ 3. P. Richter, 

Der Mafttop, — es, 5. —, im Schiffbave, bas obere Ende der 
Teıften und Stengen, und befonbers berienige Theil, um melden 
die Alehtung -Jirgt und ber zwiſchen ben Sahliagen und dem Eſels⸗ 
haupte entyalten il. Abding. 

Die Miflung, Mm. u. 1) Das Mäften, bie Hanblung, ba 
man ein Thier mäfch, =) Die Maft, d. h. bie Nahrung, melde 
ein Thiee fert macht. 5) Ein Sedbiu, welches viel ſolche Rahrung 
giebt ein Maſtholz. 

Dos Maftoich, —s, 9. u, Bleh, welchet gemaͤſtet wirb, ober eu, 
weihes (Kom gemäftet if. 


227 


64 
an Meftvoget, 4, 9. — voͤgel, tin gem aͤſteter Vogel. So auch, 
— gemaͤftetes Geftüarl, das Maſthuhn x. Beinken 

Die —— m. —ın, Maſtholz >). 

Die Maflmange, My. —n, im Egiffbaue, Wangen, d. 5. auf der 
innen Bette nad der Munbung des Miftbaumes ausgehöhlte iange 

Gtüde Heiz, weiche zur Berſtärkang und Befıftigung des Mafſbau⸗ 

mes an: benfelben auf beiben Seiten befefliger werben; auch Mas 

** oder Maſtſchale. 

Maſtwerk, — s, 4. —, alle Miften unb Etıngen eines 
sn jufammengenommen. Ginige rechnen dazu Äberhaupt alles 
Runnpors, alfo auch bie Rasen und Flaggenſtöde. a 
Der Maftwure, —ıs, By. — wärmer, ber @pul- oben Rinbermurm, 

weil ſich tm Maflbarme aufpätt (Ascaris vermigmlaris L.). 

Die Maitzeit, 9. —en, bie Zeit, zu weicher mon das Bird auf bie 
Map ſtellet. d. h. im Stalle möftet, ober zu welher man bie Schwel⸗ 
ne in vie Maft in den Wald treibt. 

Der Matapfel, ſ. Prinzapfel. 

Die Matärfbe, My. —n, in Shlefien bie Benennung gtteiffer Kiäßen. 

Dad Miättrant,—ıs, WM. u. ein Name bes Seizbartes oder Geigz ⸗ 

wedbels. S. Geißbart =), 

Die Motrate, Bu —n, ein mit deeꝛen ausgehepftt gab —*8 
ober tuschnähtes Unterbett. 

Matratzen, v. trs. mit Kaaren ober Wolle ———— auch ausma⸗ 
tragen. D. Matraden. D. — ung. 

Der Matroſe, —n, 34. —n, jeder gemeine Seemann, ber auf eis 
nem Schiffe bienet, d. b. alle Arten zom Schiffadienfte und Arbeiten 
verrichtet z auch ein Bootsmmann, Bootsknecht. Diefe Benennung 
kornt eigentlich nur demjenigen gemeinen Seemanne zu, welchtr 
ſchon getient hat, und im allen Faͤchern feines Dienſtes erfahren nad 
gewandt ift; zum Unterfäiebe von dem Aufldufer. Die Ausbrüde 

Schiffgaſt und Schiffemaat, bie nah Eb. imN.D, dafür gemöpnlih 

fein follen , find ungemößnlid. Die fAmmtliden Matzofem eines 
Skifes nennt man Volk ober Schiffsvolk. In ber Naturdeſchrei⸗ 
bung führt ben Namen Matrofe 1 ).eine Art Warsenkäfer, beffen 
Larve das Fihentelz durchbohrt ımd bahurd beſaubers ben Schiffs 

werflen verberblih wird, daher er. auch Schiffswerfikäfer Heißt 
(Gantharis navalis), 2) @ine Kegeltute in ben Meeren um Aſſen 
(Conus olassiarius). 

Der Matrofenamber, —#, o. 9. ein Rame bes Fucht ambers. 

Die Matroſenhoſe, 9. —n, Hoſen, wie fie Matrofen zu tragen 
pflegen, d. h. lange bis an Andäel reichende und. bis unten him 

ſehr weite Soſen. 

Die Matroſenkappe, 34. —n. 1) Cine Kappe, wie fir Matzofen 
zu fragen pflegen. 2») Der Rame eines Schalthieres. ©, Eifh« 
rriberbaube. Sie heißt auch Matroſenmuͤthe. 

Das Matroſenkleid, —es, By. —er, Kleider, wie fie Tatzofen zu 
tragen pilegen, wie aud Kieiber, bie biefen ähnlih, d. h. leicht und 
weit find und bie man Knaben häufig tragen laͤßt. 

Die lang vergefnen Schulden abzutragen 
Die du noch im Matrofenkieide machteſt. Säillen 

Die Matrofenmüße, 9. —n. 1) Eine Mäge, wie fie etwa Ma⸗ 
trofen tragen. =) Fin Schalthler. S. ——— 2) und 
Fifchweiberhaube, - 

Die Matrofenfitte, . —n, eine ben watrofen eigene @itte. Dann, 
eine zohe Bitte, weil bie Bitten ber Matrofeu zoh zu fein pflegen. 
— Beute, die — ben Ramen füßer Herren behaupteten, weil fie 
keine Matrofenfitten hatten.“ 3.9. Riäter 

Die Matroſenwache, 4. —n, Mr Bade, melde die Matroſen im 
einem Hafen bri den Schiffen und Rieberlagen halten, und die wa: 
enden Matrofen ſelbſtz bie Hafenwache. 

x Matich! ein umfandiwort, benjenigen umfanb bei gewiffen Epies 
tem zu bezelchnen, da einer das Spiel auf eine ſchimpfliche Art gänzs 
Hi verliert, und am Ende bes Spieles aicht einmapl eine gewiffe 


Matſch 


geringe Amzahl Augen, Stiche oder Marken dat. Matſch werden, 
ein Spiel auf dieſe ſchimpfliche Weiſe derlieren. Einen matſch 
machen, ihn ⸗in Spiel auf biefe MWeife verlieren machen. Beim Balls 
tafelfpiele wied man Matſch, wenn man zu Ente des Gpieles nidt 


weiter obs 5 yäßlt. 


1. X Der Matſch, BR Di. —, bei gewiffen Spielen, berjenige- 


Bufand, ober Fall eines Epielexs, ba er das Spitl auf eine fimpfs 
liche Art verliert, und am Sande beffelben nit einmahl eine gemiffe 
Heine Anzepl Stiche, Augen ober Marken ıc. bat. Diefe Anzahl 
und überhaupt bie Art und Weile bes Matſches iſt nicht bei allen 
Spielen gleid, Beim Balltafelfpiet deſtehet ber einfache Match 
darin, wenn der Werlierende im Bählen der gemachten Bälle ıc, nit 
weiter 016 Bis 5 Hmmt; ein dreifacher Matſch, wenn er nur bis 
a lmmt (Tripelmatf&), und ein vierfaher Matſch, wenn er gar 
nihts zählet (Quadropelmatfh), Man gebraucht biefes Wort auf 
unrigentlih von einem fhlimmen fhimpflichen Buftande, in melden 
man bei einer Angelegenpeit, die mit einem Spitle verglien wish, 
“ grraiten if. 
“ ie zog den König Rarl aus jenem gewaltigen Matfche, 
Bopinbord Brittifde Wut fein Spiel verfhlagenwar. KU. Schmidt. 
3, X Der Matſch, —6; Mn. ein weicher faftigen Adrper ober 
mehr dergleichen Körper, welche gerbrädt und zu Einer unter ein 
ander gemifhten zufammenhangenden Maſſe geworden fin. So 
nennt mon z. W. Beeren, Kirſchen ıc., welche in einem Gefäße, in 
ber Taſche ac. gebsädt und zerbrädt worben find, fo daß man bie 
eineinen Beerin und Ateiden ıc. nicht mehr abfendern kann, inbem 


fie in Eine Waffe vereinigt worden find, einen Matfch, und man 


fagt, fie ſſad zu Matſch geworden. Kuh nennt, man in manden 


@egenben den non Mäffe darchwelchten Boden, wenn er ben Zritten , 


fehr nachgiebt, auch bem Koth feibft, einen Matſch. 

3. X Motfchen. v. trs. matſch maden, in manchen Spitlen. Einen 
matſchen. &. Matſch. D. Matfhen, D. —ung. 

2. X Maiſchen, r. trs. zu Matid machen, Weihes und Saftiges sur 
fammentrödhn und zerdrcken, daß es Eine breiihte Maſſe wird, 
S. 2. Matſch. D. Matſchen. D. —ung. 

x Matfhig, —er, —ſte, adj. m. adv, zu Matſch gemacht, einen 
Matſch ausmahend, die Belhaffenheit rind Matfihes habend. 
Matfhiges Obtt. Matſchige Seeren. Matfhig werden, vom 
Dike, vom Erbboben. Es iſt matſchiges Wetter, Ge if mat: 

ſchig zu gehen. 

Matt, —eır, —eıfle, adj. m. adv. 1) Einen ſehr merklichen Mangel 
an Kräften habend und empfinbend, fofern er von innen urſachen, 
‘als Entbrhrung der Nahrung, Krankplit, Verbiutung ıc. herrühret 
und unfähig maht auf andere Dinge far einzumirken; wie auch, 
in biefem Mangel an Kräften gegründet; zu unterfheiben von müde 
undlaf. S.d. Bon Hunger, von Pipe, nad einer Rranfheit matt fein. 
Matt werden, uUnd bie Sonne Ha Jona anf ten Kopf, baf er 
matt ward". Iom 4, 8. Dem matten Körper Erholung unb 
Gtärfung verfhaffen. Sich matt wagen, faften, grämen, quälen, 
durch vieles und langes Wachen ıc. matt werben, ber Kräfte des 
Körpers unb bes. Werften beraubt werden. 

und wenn ſich ja In kurzer Frift 

Sein matt gerahtes Auge ſchließt. Bürbe 

Fibße Wottestraft den Mäben 

Fa 306 matt grauätte Herz @beling. 
untigentlich, einen geringen Grab bee Erbhaftigkeit und Staͤrke har 
sent, feinen ſtarken Sintsud anf bie Sinne ober ben Grit madend, 
Cine malte Etimme, die Stimme eines matten Menihen ıc, bie 
keinen Rarken Eindruck matt. Matt ſperchen, beim @preben 
Diottigkeit verzatpen, wir auch, ohne Weifi uch Brbhaftiokelt fpres 
den. Dos Bier, der Bein iR matt, fchmedt matt, menn bemfel 
den Die Kraft, Gtärke, Friſche fehtt, und Erin Raster Cindruck das 
von gefpärt wird, Beſenders yom Slanzt ober Lichte, keinen leb⸗ 


228 Matt 


haften Einbzud auf das Ange machend. Ein mattes eicht. Wie 

Strahlen der untergepenten Sonne färbten aur mod matt bie Gie 

pfel der Berge, Gin matter Schein, Glanz. 

Dennoch trugen fie ſich auf matt durchſchelnenben Flägeln, Bof. 
Matte Augen, bie keine Eebpaftigkeit, Erinen Ausbrud tigen. Gin 
matter Blid, dem bie Lebhaftigkeit, das Feuer mangelt. Matte 
Sarben, die Feinen Blanz, keine Sedpaftigkeit haben. Ein matter 
Demant, der wenig Glanz, wenig-Zeuer hat, Mattes Boid, bas 
nit geglängt ober geblänkt if, alfo wenig Licht zurädwirft. Et⸗ 
was matt arbeiten. Matte Stellen in einer getriebenen Arbeit, 
Das Matte faͤt neben dem Blänzenden angenehm ins Auge. Die 
Dberfiähe eines Körpers überhaupt wirb matt genannt,. wenn fie 
wenige ober Peine kichtſtrahlen zur ͤckwirft. In diefem Ginne wer⸗ 
den im ber Pflanzenlehre die Theile der Gewähfe matt genannt 
(opaca), wenn fie opne allen Glanz find, Mann außer ber Stim 
me ıc. auch von andern unkörperlicen Dingen. Gin matter Ge— 
banfe, der ſowol von Mangel an Bei und Mangel an Brbpaftigteit 
des Geiftes zeugt, als au wenig ober Keinen Eintrud auf ben 
Seiſt macht. So auch, ein matter Scherz. Cine matte Gdreihr 
art, der es am alles Erbhaftigkeit und Einbrädtichkeit fehut. „Wei 
@ätren, bie mir flets geniehen, wird das Bergnägen endlich 
matt.“ Gellert, Ehemahls wurde mat für, keine Kraft sum 
fernen Widerflande habend, überwunden gebraucht. 

Do fluond er ledig unde mat, Boners Fabeln. 5 
Daher des Bebraud im Schach- oder Kinigefpieie, wo der König 
matt wisb, wenn ber Gegner ihn alles Kroft beraubt, ihn fo in bie 
Enge treibt, daß er einen Bug mehr ihum Kann und ih für üben 
wunden bekennen muß, woburd das Spitl geenbiget wird. Cinen 
matt maden, bin Begenfpieler bapin bringen, daß er mit feinem 
Könige keinen Bug mehr thun kann, woburd ex das Gpiel verloren 
dat. In weiterer Bedeutung wo mat ehemals Untergang, Tob 
rn — —— für todt und ſagte, ein Sand matt 
madıen, für, baffeibe verwäflen. Auch gebrau uͤberhau 
für berandt, nicht habend. j .. RS ” 

Do fie was alles trofies mat. Woners Fabein. 6, 

#) In ben Kupferhätten heißt matt Arenge. 

O Mattäugig, adj. u. adv. matte Kugen dabenb. S. Matt, 

® Mattblau, adj. u. adr, blau, dem #8 an Sebhaftigkeit und Glanze 
fehlt (bleumourant). G. . 

Der Mattbunzen, —s, M. gl. bei den Golbſchmieden, ein Bunzen 
mit matter fein gepunfteter Spige zu Bearbeitung folder Stellen eis 
ner getziebenen Arbeit, weiche matt oder ohne Glan erſcheinen fallen, 

+ Der Mattvamm, —es, - —bimme, ein mit Matten ober 
Deden von Stroh ıc. bekleideter Damm, 

1, Die Matte, By. —n, sine grobe ſtatke Dede, beſonders vom 
grober ſchlechter Wolle ober von Boah, Etwas mit Matten bebecken, 
verwahren, in Matten einpacken. Cine Matte von Etreh, von 
Binfen, von Bafıc. eine Sttohmatte, Binfenmatte, Baftnratte ıc, 
Auf den Schiffen if Re ein Gewebe von Ehiemaendgarn ober Kas 
beigara, womit man Anlertaue, Wandtaue, Rerpe, Maften und 
Rasen an ſolchen Stellen bifieibet, wo fie durch vorbeifchrerbes 
Zauwert [hadpaft werden Finnen, Grfigidee Matte: Heißt fie, wenn 
fie mit = bis 3 Bol Tangen Kabelgaemen durchſpikert wird, fo daß bie 
beiten Enden fih an einer Seite befinten. Röding ©, auch 
Faulmatte, Stubenmatte, Hangematte. 

2. Die Matte, 9. —n, ein Wort, ſowol etwas das keinen 
Slary dat, mie aud etwas Bertiefies ober tief Liegendes, weiches 
gewohnlich keinen Blanz zu haben pflegt, zu bezeichnen. Go nen— 
nen bie Golbplätter die Meinen fehlerh ftın Erüdden in der ftähler 
men Plättwalge Matten, und fo werten am Rieterrbeine bie frh’er 
haften eingeboaenen Beulen in einem m-talleren Seſchiree Matten 
genannt.  Befonders mennt man eine Wieſe sine Matıe im O. D. 
und in ber hoͤhern Schreidart. 


Matt 


Sler wo ber Pelibn 
Sich in die Wolken thürmt aus 
. Herdenbellen Matten. u. 

3. + Die Matte, My. u. oder bi: im der Mehrzahl, die Matten, 
tin verbicteter, verbidter Körper, beforbers bie gercanene ober 
getoͤſete Mild, moraus man Kaͤſe mat; Kaͤſematten. Cine dide 
vieredige in Spanien ehrmapis gewöhnlihe Gilbermänze, eima 
x Atbir. 3 Gr. unferes Belbeh hleß auch, Spanifche Matte. Ja 
ber Raturbefheribung ifl die Spanifche Matte eine feltene Benus 
mufdel in Oftindien, die Buchſtabenmuſchel (Venus literate L.). 

4. + Die Matte, 4. —n, im gemeinen keden mander Gegenden 
für Made, wie auch für M:tte, In der Baufig nennt man auch den 
Schmetterling die liegende Matte, 

5. ** Die Matte, 9. — m, die Metze, Maptmege. Davon bie 
Mattenfreiheit, bie Befreiung von der Werbindliäkeit fih die 
Mahlmetze abziehen zu laffen. Dberlin. 

Matten, v. h ntr, mit haben und fein, matt werben, matt fein; ges 
woͤhnticher ermatten, Die Haͤnde matten mir. Il) trs. matt ma: 
Sen, ermatten. 

— zu raſten vom mattenden Werke. Gcubins, 
Im Schachſpiele, einen matten, ihn ober feinen Sinig matt mar 
gen, ©. Matt. — D. Matten. D. —ung, befonders in den 
aufammengefegten Abmattung, Ermattung. 

Die Mattenblume, 94. —n, ein Rame ber Dotter: ober Butter 
blume, merl fie aud auf ben Matten ober Wieſen häufig wädhlt; 
auch Goldwie ſenblume, (Caltha palustris L.). 

Der Mattenflachb, —e6, 9. u. ı) Das Wolgras, bie Wiefenwolle 
(Eriophorum polystachyon L.). 4) Die Sandruhrpflanze. ©. d. 

Der Mattenfichter, —E, 2. gl; bie —inn, 4. —en, eine 
Prerfon, welche Matten fliht, verfertiget. 

Der Mattenterbel, —8, 0. 9, eine Art Aalberkropf, beren Wurzel 
mürstaft sieht (Chaerophylium aromatieum L,); auf rauber 
Aniskerdei mit breiten Bliaͤttern, milde Engelwurz, Gierfch- 
engelwur; (Gnaphalium arenarium L.), 

Dad Mattenfraut, —es, Siy. u. bie Sanbrußrpflange.] 

Der Mattentümmel, —, 29. u. im ©. D. dee Wiefenlämmel 
(Carum carvi L.). 

** Der Mattenmeier, — , 39. gl. ein Borgefegter, Xuffeber ber 
Birfer, DOberlin, 

+ Der Mattenfafran, —es, 0. 9. die Herbſtzeitloſe Col chcum 

> Die Wattenfähted 

+ attenſchrecke, 3. —n, bie Heuſchrecke 

Das Mattenfhütteln, —, 0. . das Schaͤtteln eines Matte aber 
ber Dalten; auf ben Schiffen ehemapis ein Recht des Schiffarolke⸗ 
von einer Babung Kom etwas für fid zu behalten. ehrt nerficht 
man darunter noch zumeilen bas Begels ober ben Mundraub. 
Röbing S. Mundraub, 

Der Mattenfleinbrech, —es, 0. 9. eine Art des Honrftranges, wel⸗ 
re auf Matten oder Wiefen wäh und gelbe Außeriih weißlicht 
Wlamen treibt (Peucedanum silaus L.); auf unehte Bärmurz. 

Die Mattenweide, ig —n, eine Art Heiner auf ber Erde Fries 
Gender Meibeg (Salix ingubacen L.); auf kleine Felbangerweis 
de, Koppeiweibe. - 

Die Mattenmwolle, 0. 9% das Wiefengras ober bie Wirfentwelle. 

Das Mattgold, —eıB, 0. Wi. mattes Bolb, ungehlänktes Bold, 
Bei ten Bergoltern heiten auch de Mifingblätthen, bie fo fein 
geſchlagen ſind wir Blattzeld Mattgold. Unelsentlih. „Das fanfte 
——— ber ausruhenden Phantafe* (Tinbildungskraftä. 3. P. 

ı ‘®. 

O Mattgolden, adj. u. adv. von mattem Solde gemacht aus mat: 
tem Belde beſtehend. S. Matt, Uneigertlih einen innern Merth 
zu habın fheinend, indem man »u glänzen ſucht, des Beftrebeng um: 
geachtet aber bog nur matt glänzt. „Aber in Flachfenfingen befand 





— 


Mat 


bie Fürftenmutter und ihre Partei auf dan flachen mattgolbenen 
‚Sofprebiger.* 3.9. Rihter, ; y 

Matthoͤus, ein Manndtanfname; im gemeinen Leben Matthes auf 
Mattbe, und in manden Segenden Map und Tews. 

Die Mattbeit, o. 4. der Zuftand einer Perſon ober Bade, ba fie 
matt if, eigentlich und uneigentli, beffer als Mattigkeit, welches 
bloß im eigentliher Bedeutung von Pesfonen gebraucht wirb, benjes 
nigen 3ufland derſelben zu begelchnen, da fie ber Kräfte innerer Ur 
faden wegen beraubt find, ©, Matt. Mattbeit empfinden; zeigen. 

Und der Wandernden Gtien enttzöpfelten Preien der Mattheit, 
Baggeſen. 
Die Mattheit der Farben, des Lichtes, des Golden. Die Mattheit 
eines Gebantıns, Binfalles, 

Matthias, ein Mannstaufname; im gemeinen Beben mancher Gegen: 
den auch Map, im R. D. Thies, im O. D. Hiefel- : 

# Der Mattier, (dreifidig) —s, BM- gl. im Braunfhieigifäen, 
eine Bicine Cilbermünge, welde 4 Pfennige ober einen halben 
Mariengeofhen gilt, 

+ Mattig, adj. u. adr. eime Matte d. h. eine verbidte Mafle 
bilbend. Mattige Mich, geronnene Mild, Die Mild wird mat 
tig, fe wird käfig, fie gerimnt. Daven bie Mattigkeit. 

Die Mattigfeit, 0. 9. 1) ©. Mattheit. =) S. Mattig. 

t Die Matte, 94. —n, f. Regenwurm, 

+ Der Wattkern, — s, By. —e, ein Name ı) bes Ganbr obre 

" Stranbläufers (Glareola Kl); auch Meiner Brachvogel. =) Der 
Sands sder Webralle (Rallus erex L.). 3) ine Art gefledter Waſ⸗ 
ferhühner in Wafferpfählen und Gämpfen in Deutſchland (Fuliga 
maculata); aud $ Motknehel. . 

Die Mattvergoldung, 9. u. eine Wercolbung, ba man bas Belb 
matt läßt. Bei ten Bergoibern in engerer Bebratung, eine ſchlech⸗ 
de VBergoldung, wenn bie Arbeit geſchwind fertig werten fol, ober 
au) eine Bergeldung, wo man in das feine zu verga.dende Schnitz- 
werk keinen Kreidengrund beingen will. 

O Mattwarm, adj. u. adv. 1) @ine matte, d. d. geringe Wärme 
Habend, louwarm. =) Zum Ermatten warm, fo warm, baf man 
davon ermattet. „— und mattwarm zog die Luft um mein träus 
merifches Haupt.“ E. Wagner. 

Mattweiß, adj. u, adv. matt b, h. nicht bienbend weiß, wie 1. B. 
die Farbt ber Milch, bes weißen Porgellans ıc. 

Der Mattzeiger, —d, 2. gi. bei den Steinſchneldern, eim feines 
Werkjeng von Meffing, womit bie eingefänittenen Stellen, welde 
matt bleiben follen, geglättet werben, 

X Mat, —ens, —en, im gemeinen Leben dee vtrkuͤrzte Name Mats 
thus und Matthias. In manden Gegenden verſtümmelt man auch 

“ten Ramen Magtalene in Mag. Auch Bögel als Etare ıc. pflegt 

- man Mas, Mäschen zu nennen; Starmatz. 

1..X Der Mat, —e6, 94. —e ober Diäge, im ber niedrigen Sprtch⸗ 

‚ ast, ein einfältiger dummer Menfh; in vıräßtliher Bedeutung. In 
eben demfelben Binne wird dirs Mort au beſenders häufig im 
Berbindung mit andern Wörtern gebraucht, melde ben durch diefes 
Wort Überhaupt verähtikh angebeuteten Menfhen näher bezeichnen, 
Ein Plaudermas, Saumak, Spielmap, Taͤndelmatz, ein felder 
verähtliker plauberhafter , fäuiiher ıc Menſch. Eine Mas Tun⸗ 
te, im Dsnabrädfhen Matz Pumpe, eine einfältige, veraͤchtuiche 
weibliche Perfor. So au, eine Matztaſche x. Wahtſcheinlich if 
dies Wort ber im gemeinen Leben Ablide zufammengejogene Rame 
IR :tthima eder Matthias, beffen man fich hiezu eben fo bebienet, als 
"der Romen Hans, Räte, Thrine. 

2. Der Map, — ea, 4. —e, im Bergbaue mancher Brgenden, eine 
taube Erb ober Etrinast, untuͤchtiges Erz ac. 

3.+ Der Map, —es, Bu im O. u. N. D. geronnene ſaute 
Miih, von weicher bie M: Erm abgefonbert finb und welde man auf 
Brot Patt ber Butter ſtrelcht; am andırn Osten Quark, Kaͤſebuttet. 


- 


9 


Mat 2 


0 Mauerk 





+x Die Matze, 4. —n, bie dünnen Kuchen bloß von Mehl und Waf: 
fer, welche vie Inden zur Brit ihrer Oftern, Eaubhüiten ac. effen; 
bie ungefäuerten Brote, Judenmage. Edemahls überhaupt Speiſe. 

thaz man zukte (ba; mas 

then kindon tr then hauton. Difrieb, 
In weiterer Bebentung fheint es AÄberhaupt einen berben, feſten 
Körper bebeut:t zu haben und mit Matte, Mag verwandt zu fein, 
daher auch noch ein runder Eugelförmiger Ballen, zu meldem man bie 
Seibe über einander wickelt, * Mage geoaunt wird, 

+ Mäte, der verftümmelte Name Margarethe. 

Die Maͤtze, f. Metze. 

Die Matenfeide, 0. 2. Seide, bie in Magen, d. h. Meinen runden 
Ballın verfendrt wird. 

+ Die Maucel, 39. —n, bie Stachelbeere. S. b. 

Der Maudler, —8, 3. gl. a) Einer ber maudelt. =) ©. ber 
Nimmerfätt. . 

Maucheln, v. intrs, verbergen, dann, heimllch handeln, ſchachern, be: 
teügen; verichtlih. Auch mauchen, medeln, mucheln, mokeln, 
maukeln, maunkeln, mautern. D. Maucheln. 

+ Die Maue, 4. —n, im R. D. die Irmel, 

X Mauen oder Miauen, v.intrs, ein tonnahahmendes Nusfagemwort, 
das Schreien ber Katzen zu bezeichnen, Toofür man auch mauzen, 
miauzen, miaulen, maunzen ıc. gebraucht, ben Begriffzu verftärken, 

Auch maute trautrvoll das Kighen Binz genannt. Badariä, 
Das Maum. 

Die Mauer, Mi. —n; Bir. das Mäuechen, D. D. —lein, eine 
von Steinen, ſowol Feld» oder Badfleinen mit Kalk oder Mörtel 
aufgeführte Wand. Mine Mauer aufführen, fir maden. - @ine 
Mauer om eine Stabt führen ober ziehen, fie mit Mauern umge 
ben, einfhliehen. Ein Gebäude mit einer Dauer fügen. Ginen 
@raben mit einer Mauer fattern. Bumeilem nennt man im meite 
zer Bebeutung auch ein Mauerwerk üserhanpt ine Mauer, unb, 
wenn 6 den geringerer Art ift, ein Maͤuerchen. S. Feuermauer, 
Rrandmauer, Kuttermauer, Dormauer ıc. Im engerer Bedeutung 
aber nennt man bie eine Gtadt umgebende Mauer, bie Ningmauer, 
Stadtmauer, aud mur fhlehthin die Mauer. Feſt wie eine 
Mauer, ſehr fe. Die Krieger flonden wie eine Mauer, d. h. 
feft, ohne zu wanken, fih zur Flucht zu wenden, 

Die Maueraffel, 94. —n, die Kelleraſſel, ber Rellerwurm. 

Das Mauerband, —ed, 34. — bänder. 1) Der Sime außen am 
Haufe, ba wo inmwenbig eine Dede liegt ober der Anfang eines neuen 
Stockwerles if. 2) Im Feſtungsbaue, ber ſteinerne Rand oben an 
einer Futtermauer. 

Der Mauerbefhlag, —es, Di. u. ber Beſchlag einer Mauer, d. h. 
basjenige womit eine Mauer deſchlaͤgt, mas fih am eine Blauer ans 
legt, was am eine Mauer anfhieft, 3. B. das Mauerfalz; auch ber 
Mauerſchweiß. 

Die Mauerblume, By. —n, ein Name bee gelben Lebkojt, oder des 
backes (Cheiranthus cheiri L.). 

Die Mauerbiene, 34. —n, eine Art wilder nicht in Schaͤrmen 
heifammen lebender Bienen, welche ſich an alten Mauern eine künft: 
Uche Wohnung aus Lehm und Sand bautt, gleihfam mauert; auf 
Manrerbienen. e 

Der Mauerbrecher, —b, 9. gl. im bee Rriegäfunft ber Xiten, 
ein Werkzeug, welches in einem vorn mit einem fpigen Eiſen bes 
ſchlagenen Baume ober Balken beſtand, ber am Ketten hing, bie 
Mauern einer belagerten Stadt bamit zu durchbrechen ober zu durch⸗ 

- hen und eimzuftogen; ber Sturmbod. Kuh nah Erfindung bes 

geben Gefhäges pfleate man noch große Kanonen, welde zo Pfunb 

und baräber (hoffen, Dauerbrecher zu nennen. 

Der Mauerbruch, —es, 3. — bruͤche, ein Bruch, b. b. eine 

Öffnung, Rüde in der Mauer, rigentlid vermitteik eines Mauers 

brechets in derfeiben hervorgebracht, dann aber auch vermittelft dee 


⁊ 


0 


groben Befhäges in birfeibe gefhoffen (Breche). Hrynap. 

t Der Mauereppih, —s, 99. u. ein Rame des gemeinen Eppichs 
ober Gpheus, wet er häufiz um alten Maueru wächſt und baran bins 
aufrankt; derderbt ver Mauerswig. . 

Der Vauerer ſ Maurer, . 

Der Mauerepheu, —es, 9. Mg. ber Epheu, weil er fih an Mauera 
diaauftantt; verderbt ber Mauerpfau, 

Der Viauerefel, —s, 3%. al. ſ. Affe. 

Der Mauerfall, —en, Sz. —en, eine Art eothhranner Falken mit 

dankelbraunen Flecken und fhmarz und grün geſtreiftem Schwan;e, 

welchert ſich in altem Gemdurs und auf den Thürmen aufhält und 
von tleinen Bögeln und Mäufen nähert (Falco tinnunculus L.); auch 

Thurmfalk, Kichenfrit, Sprinz, Steinfhmeper, Steingalle, 

Grautopf, Rötherwerbe, Rittelweire, Nüttelgeier, Roͤttelweibel, 

Lachweih, Wannenweher, Wandwehe ıc 

Mauerfeſt, adj. m. adv. 4) Feſt wie eine Mauer. Mauerfeſt fies 

ben, ſehr feit, unbeweglich. =), Dush Mauern feſt, mit Mauern bes 

— ſo und 3ens ben Raub 


fefiget, umgeben, 
R Der mauerfejten Illon gewährt. Bürger, (R. 

Die Mauerflechte, 94. —n, ber Name einiger Arten von —— 
weil fie an alten Mauern wachſen, welche auch Mauerkraͤtze genannt 
werden. 1) Die gelbe Mauerflehte macht einen gelben Schorf 
umd treibt zunsiche gebe Schilder; auch Kichtflechte, f. b. (Lichen 
eandelarius L.). =) Die weiße Mauerflechte beſteht aus weiß: 
lichen oder gelblichen Warzen, welche ih in eine Rinde vereinigen 
(Lichen parellus L.). 

Der Mauerfraß, —es, Dip. u. derjenige fehlerhafte und ſchadhafte 
Bufland einer Mauer unb der Gteine, aus meiden fie beſtehet, wenn 
biefe verwittern,, mürbe werben und zerfallen, gleihfam von dem 
Zahn ber Beit und ber Witterung zerfreſſen werden. 

Der Mauerfuhs, —ıs, 2. —fühfe, eine Art Zagfalter (Papi- 
lio maera). Remnid. 

Das Mauergipsfraut, — s, Di. u. eine Art Bipskraut (Gypso- 
phila muralis); auch Mauerkalkktaut. Remnid. 

+ Dos Mauergrün, —s, 0. ip. der Epheu. 

Dad Mauerbabichtfraut, —e&, WM: u. eine Net des Habichtkrau⸗ 
tes, mweldes auf alten Mauern, trotıen und boden Weiden wählt 
und oft gefledte Wurzelblätter hat (Hieracıum murorumL.) ud, 
Franz. Yungentraut, goldnes ober geldes Yungenkraut, güldene 
Zungenwurz, Buchſpiek, Buchkohl, Buchlattig, Wundlattig, 
Milchwundkraut, Koſtekraut, gelbe Wegwarte, großes Maufeöbriein. 

Der Mauerhaken, —s, ®. gl. ein Hafen an einem Etüde @ifene 
wert, fofern daffelde an oder in eine Mauer befeſtiget wird. 

Der Mauerbammer, —6, 94. —himmer, ein Hammer der Mau- 
zer, welder an ber einen Seite eine cbene Bahn, an ber andern aber 
eine breite Schärfe hat, bie Ziegel damıt zu behauen. 

Der Mauerhafenlattig, f. Mauerlattig. 

Dauerig, adj. u. adv. Mauern babend, mit einer Mauer verfehen; 
in ben Bufammenfegungen hochmauerig ıc. 

Der Mauerkalk, —es, 94. u. Kalk zum Mauern, ber zum Mauern 
zubereitet if; auch Mauermörtel. 

Das Mauerkalkkraut, ſ. Mauergipsfgaut. j 

Die Mauerkehle, 34. —n, bri den Mausern, eine Kehle ba wo ein 
Dad an eine Hötere Mauer flöät, * 

Die Mauerkelle, 9. —n, eine eiſerne lade dreiectige Kelle mit 
einem doͤlzernen Griffe, womit bie Maurer ben Kalk auf and zwi⸗ 
fen bie Eteine tragen und audeinander reihen; bie Maurerkelle, 

Der Mauerkitt, — s, 2. u. der Ritt, deſſen ſich die Mauser ber 
bienen, ber Mörtel, 

Die Mauerflette, My. —n, ber Mauerſpecht. 

Das Mauerfraut, —ed, 39. u. ein Rame verfhiebener Pflanzen, 
melde biufig on onb auf bıu Mauern wahlen. 1) Des Biasfrau: 
tes (Parietaria oflieinalis L.), =) Des Attiche (Sumbucus ebu- 


* 


Mauerk 


Ius L.). 5) Eine Art des unechten Tharmkrautta in Kanaba (Ara- 
bis eanadensis), - 

Die Mauerfrone, Di. —n, bei den altın Römern, eine Kıt Arc. 
nen mit Zinfen in Setelt ber Binnen einer Bıuer, welche als Gh 
zenzeihen- derjinige befam, ber zuerft bei einem Starme bie Mauer 
einee Stadt erſtiegen hatte (Corona muraria, s. obsidionalis), 

Die Mauerlatte, Mg. —n, sine eigene Satte oder auch ein langes 
und breites cichents Holz, melde ober welches man ver Länge nad 
auf rine Mauer legt, damit bie quer über gelegten Balken nicht uns 
mittelbar auf be Mauer zu liegen kommen; auch Mauerplatte. 

Der Mauerlattig, — s, 9. u. eine Art Hafenlattig, weler an 
MRourın, flrinigen Drim ımb auch in Eich: und Flhtenwälbern 
waͤchſt (Prenanthes muralis L.); auch Mauerhafentattig, Mauers 
fatat, Waldſalat, Waldgaͤnſekohl, Wildfonchenteaut. 

Der Mauerläufer, —s, 24. gi. einer, ber auf bie Mauer ober auf 
ber Mauer läuft; bann, ein Rame bes Mauerſpechtes. 

+ Der Mauerlebm, —es, 9. u, der Echm, fofern ır zum Manern- 
gebraucht wird, 

* Die Mauerlüde, 9. —n, eine Side in ber Mauer. Gtieler, 
Belondizs eine in ber Maurer einer Feſtung durch Sanonenfhöffe 
ober auf-andere Art hervorgebrachte Eäde, durch welcht bie Belage- 
rer cinYringen fönnen (Breahe), 


Der Mauermantel, —s, 4. —mäntel, ein Mantel ober eine 


Betieibung von Mauerwerk; doch nur im Beflungsbane, wo man bie 
Buttermacer auch den Mauermantel nennt. 

Der Mauermeifter, —s, 4. al. ein Meifler bes Maurerhand: 
werke; befonbers der pornehmie Meifter unter den Maurern am ti» 
nem Drte, weder bie greßen Arbeiten Äbernimmt, anorbnet und 
—— bie gemeinm Maurer und Geſellen vertheilatz ber Maurer 
meifter. 

Der Mauermörtel, —6, 9%. u. ſ. Mauerfalt. 

Mauern, v. trs. Steine mit einte bindenten Maffe gufemmenfägen 
und auf bdiefe Art ein einem beflimmten Zee angemelfenes Ganzes 
bervorbeingen. @inm Tharm, eine Bräde ıc, mauern. Auch oßne 
Nennung riner Sache und als intrs. Dre Maurer mauert. Gut, 
dauerhaft, ſchlecht mauern. Um bänfigften wird es in ben Zuſam⸗ 
menfegungen aufmauern, ausmauern, einmaueen, zumauern ic. 
gebrautt. D. Mauern. D. — ung. 

+ Die Mauernachtigal, a. —ın, rin Rame bes'Mlaufehihens 
oter Nothichwan er ıMotacilla phoenieurus L.). 

Die Mauerne'fe, 9. —n, eine Net bes Mip krautes, melde an 
Migen und Mauern mähft (Gypsophila murelis L,), 

& Der Miverngertrümmerer, —$, 3%. gl. der die Mauern ber 
Stine jerträmmert, burhbsiht und zerflöret, ein dichteriſcher Bei⸗ 
name des Kriegegettie, 

— — » Ares — Manernzertrömmerer. 

+ Der Mauerpfau, f. Manerepbeu. 

Der Mauerpfeffer, —s, 9. u. der Rame ı) einen Art Hauswurg 
ober des Bausiauhet, welcher anf Dächern unb an bärren unfeuchtbaren 
Drten wärhft (Semper vivam tectorum L.), =) @iner damit vers 
wanbten Pflanze, welde ebenfalls auf Dihern, Relfen unb befonbers 
auf alten Mauern mähft, kegelfoͤrmige, lockere, wechſelaweiſe ſtehen⸗ 
be, aufwärts gericht / te und rin wenig gefsämmte Biättre und gelbe 
Blumen treibt (Bedum acre L.) Cie bat ben Women ven siner 
ſcharfen Elzenſchaft ihres Gates und britt auch kleine Hauswurz, 
Steinpfefſer, Nieſekraut, kleine ſchatfe Katenträublein, Mauer 

traͤubltin, Plattroſe, Warzenkraut Blattlos, falſches Miſe 
kraut, Knorpelkrrut. Aeder Arten find der geiinde Mauerpfeffer, 
ohne ſcharfen Beihm-rt Sedum serangulsre L.), milder Stiims 
pfeffer,; Katzentraͤublein ohne Schärfe, Krörpel; rndb der gelbe 
Manerpfeffer, beffen untere Blätter zurädgefrämmt find, der auf 
Reinigen Viisen wählt, und in ben Gärten aud ale Galatpilanze 
ae zogta wird (Sedum reflexum L.); aud kleine gelbe Dausiwurs, 


Bo. 


231 


Mauerv 


gelbe Kahzentraͤublein. 

Die Mauerpflanze, 89. —n, eine auf Mauren wachſenbe Pflanın, 
In engerer Brbeutung ı) eine im Jäblihen Europa wachſende Pil:n- 
ze mit deeilpaltigen männligen Blumen, welche am glatten Frucht⸗ 
keime ber Bmwirterblume figen (Valantia muralis L.). @) @ine Art 
bes Sterntrautes (Scherardia muralis L.). 

Die Mauerplatte, 94. —n, f. Mauerlatte. 

Die Mauerraufe, ©. u. eine Art gelb biähender Rauke in Frank; 
zei und Jtalten|, welche auf den Diauern waͤchſt (Sisymbrium mu- 
rale L.), 

Die Mauerraute, 9. m. tine Art des Milzkrautes ober Abthonce 
welter an und zwiſchen alten Mauern wähfl, und blafgräne baͤſchel⸗ 
weife beifammen ſtehende Blätter hat (Asplenium, Ruta merariaL.), 
Im neuen Shauplage ber Ratur führt fie den Namen klei⸗ 
nes Rautenmilztraut, unb bei Anbern mesden unter Mauerrante 
aud bie meiften Arten des damit verwandten Frauenhaares (Adian- 
tum L.) begriffen. 

+ Der Mauerfalat, —es, 99. u. f. Mauerlattig. 

Der Mauerfalpeter, — 8, 0. Bi. Ealpeter, welder an Manctwerk 
arihieft. S. Mauerfalz. 

Das Mauerfalg, —ıs, . —, ein Mittelfalz, welches an alten 
Mavrrn, Kaltfeinen und Ballartigen Schiefeen anfhiept, auch Kalle 
ſalz (Nitram ealcareum, Nitrum marmoris). 

Der Mauerfand, —ıs, 0. Di. grober Sand, welden bie Maurer 
mit bem Kalfe vermiſchen, bamit zu mauern. 

Der Mauerfchierling, —e6, 3. u. der gemeine Ehierling. 

Der Mauerfhoß, —ſſet, 34. — ſſe, ein Schos, eine Abgabe, wel 
Ge in ben Brandenburgifden Städten von ben Bürgern erhobım. 
wirb, und wahrfheinlig zur Unterhaltung der Gtabtmauren bes 
fimmt it ober war. 

Die Mauerſchwalbe, Ba. —n, eine Art ſchwarzer Schwolben mit 
weißer Ketle, langen Flägein und kurzen Mäßın, welde ihr Rıft an 
Gemäuer bayrt (Hirundo apus); auf Steinfhmalbe, Kitchſchwal- 
be, Thurmſchwalbe, ſchwarze Schwalbe, Gerfhmalbe, Beierfhmals 
be, Spierfhmalbe, Speier, im Mekeinburgſchen Prerdſchwaͤllen, 
Spirfhmwälfen, im Zillerthale Surmer. 

+ Dos Mauerfhmeinden, —#, 24. gl. die Kelleraffel. 

Der Mauerſchweißf, —et, 94. u. ſ. Mauerbeſchlag. 

Der Mauerfinter, —6, 9. al. eine Art des Sinters, welcher weiß 
und serbredhlih if; er entAchet, wenn bad in Mauerwerk ges 
drungene Maffer ben Kalt auflöfet. 

Der Mauerſpecht, —s, My. —t, eine Art Meiner Spechtt mit 
langem ſchwarzem Scmabel, kurzen [hwarzım Fuͤhen, kurjem Schwan. 
je, grauem Rüden unb mweißpligem Halfe und Bauche, wılder an 
alten Mauern bingef klettern kann (Certhia muraria L.); aut 
Maurrkterte, Maneriäufer, Klettenſpecht, in ber Echweinz Pits 
ſchard, im Zillerthale der Wantfchopper, andermärts der Tobtins 
vogel, weil er fi gem auf Riehhöfen aufpält und im Tedten⸗ 
ſchaͤdeln niftet, Er nähret fi von Bicfern. 

Die Mauerfpinne, 3. —n, die Kelerfpinne. S. b. 

Der Mauerfteiger, —6, 9. gl. im Bergmrfen, ein Bergmann, 
welcher Über bie Bergmaurer gefept iſt. 

Der Mauerftein, —et, 9. —t, rin Stein, fefern er gu einer 
oure gebraucht wird; befenbers im engerer Wibeutung, ein zu 
diefem Gebrauche aus Thon geformter und gebranntie Stein, ein 
Mauerziegel; zum Unterfhiebe von einem Dach ſteine oder Dach - 
ziegel. 

Der Mauerſtuͤrzer, —b, 99. gl. der eine Mauer ſtürzet, umfäzset, 
eine alte Renranung ber Kartaunen. 

Das Manerträublein, —s, m. gt. ſ. Mauerpfeffer 2). 

Der Mauerviertellreis, — s, Di. —e, in bee Sternfunte, ein 
großer Wiert.Iferis, welcher om einer Maurer oder ſteinerntn Parb 
befeffiget it, und bioß döher- und mieheiger zexichtet werden kann 


Mauerv 232 


auerqualrant). 

t Die Mauerviole, . —n, ber Ephtu. 

Der Mauerwall, —es, 9. — waͤlle, im Beftungsbaue, ein Maß, 
ber mit einer Mauer befleibet iſt. 

Das Mauerwert, —es, MM. u. ein gemauertes Werk, Alles was 
aus Steinen, bie zufammengefägt und mit Kalk ober Mörtel ver 
bunten werden, gemacht iſt. Die Belder einer Hand mit Mauer 
merk ausfüllen. Mit Mauerwerk unterftägen,, umgeben, üneigent« 
ti führt biefen Ramen wegen irgend riner Üpntikeit eine präd: 
tige und feltene Kegeltute in ben Afiatiſchen Weeren (Comus zo- 

atus). 

Die — — u — n. 1) Eine Art Wespen (Vespa murarie). 

" 3) ine befondere Gattung vom Biefeen, weiche unter dem Namen 
Goldiwespe (f. d.) bekannter if (Chrysis L.); aud Erimeniwespe. 
pre Bewegung iſt lebhaft, the Flus (nt und oft fickt man fie 
an Mauren und altem Holze bin und ber fliegen, um ein &od zu 
finden, wo fie ihre Eier hinlegt. 

Die Mauerwinde, bie Mauerwurz, 0.9. der Sphen. 

Der Mauerwurm, —t#, 9. —wuͤrmer, bie Kelleraſſel. 

Der Mauerziegel, —s, M. al. ſ. Mauerftein. 

1, Die Maufe, Ei. u. eine Krankheit bee Pfexde am Zeflel, bei 
weiche aus bemfelben eine ſcharfe, finkende und kleberige Feuchtis / 
Yeit Aleßt, welche bie benachbarten noch geſunden Theile angreift 
und bas Pferb lahm macht; auch ber Maͤpfen, die Struppe, weil 
das Haar um ben Feſſel davon ſtruppig wied. Im Weindane wird 
auf eine Krankheit des Weinfteds bie Mauke genannt, ©, Erd» 

Er de Maufe, 9. —n, in Öftereid, bie Benennung ı) einer 
et Bieiner grüner Blattläufe (Aphis L); 2) eines andery Unge 
ziefers, weldes ſich um bie Wein: und Effgfäffer häufig aufpäit 
(Tipula phalsenoides alis deflexis ovato-lanceolatis ciliatis L.); 
5) eines Ungezieferd, wildes ben Hafer: und Gerſtenfeldern großen 
@öäaben thut, andermärts Schnake. 

3. 3X Die Maufe, 9. —n, in manden Gegenden, ı. B. von 
Dresden, eine bide Speiſe, die nicht dick fein darf ober fol, z. B. 

uppt. 

+ Die —— —n. 1) Ein verborgener Det, wo man 
etwas Hinlegt um es aufzuheben. Det im die Maufe legen, 
«4 on einen folden Ort legen, es am einen ſelchen Drt verſtecen; 
wie auf, e6 dahin legen, damit es muͤrde werde, Cine Apfeimaute, 
Ein felger Ort wird im Shmäsifgen auch ein Maukenneſt genannt. 
2) Etwas, mas am einen verborgenen Ort es zu veebergen und aufs 
zuhehen gelegt if. Cine Mauke Apfel. So heißt in manden Ber 
genden, z.B. von Drräten, gefpartes und zurfdgelrgtes Gerd auch 
eine Maufe. Im R. D. lautet biefes Wort Mod. 

1. Dis Maul, —es, 94. Mäuter; Mm. das Mäulden, bie 

< "peeite vom ben Eippen umgebene und gefflcfene Öffnung vorn am 
Kopfe, welcht befonders dient, die Nahrungsmittel für ben Körper 
einzunehmen, und im inneren Raume mit ben Bäbnen zu zermalmen. 
Da Sei Maul mehr auf ben Stoff, bie Waſſe der Thelle, meihe 
daffetbe bilden, gefehen und es mehr alt Wertzeug zur Befriedi 
gung thieriſcher Bebürfniffe betradtet wird, fo gebraucht man es 
ohne nachtheiligen Nebendegriff bloß von Thleren, ausgenommen 
von Boͤgeln, die anftatt bes Maules einen Bänabel haben, Das 
Maul des Hünbes, ber Kate, des Schaſes it. Gin Pferd hat ein 
teeiches Maul, wenn +6 ben Drut bes Gebiſſes lebhaft und ſogleich 
füptet; ein hattes Maul, wenn das Gegentheil Statt findet. Dem 
Pferde das Gebiß ins Maul legen. „Dem Ochſen, ber ba brifget, 
foilt du nicht bas Maul verbindea.s 5 Mof. 25, 4. Das Maul 
der Thiere befämme bei verſchiedenen Thleren und nad ber verſchie⸗ 
denen Mefhaffınkeit deſſelben verſchledene andere Hamen, als Schnau⸗ 
je, Rachen, Ruͤſſel, weiße Mörter man in der niebrigen Sprech⸗ 
art aud vom Munde bes Menſchen gebraucht, wie auf bir Wörter 


“Wii Mn — en — im — * 


Maul 

Freſſe, Flabbe, Schlabbe, Goſche oder Guſche, Schmecker, Ber 
fraͤß, im O. D. auch Waffel, und im R. D, noch Plaͤrte, Kiffe, 
Flotze ıc., alle mit dem Megriffe der Veraͤchtuichteit im höhnen 
Grade. Bon Menfhen gebraugt man Maul in guter Bedeutung 
nur felten unb im gemeinen Leben, indem man ſich des eblesen Mor 
tes Mund bafüs bedient ; faft immer verbindet man bamit eimen 
harten, verädtligen Rebendegrif. Win, großes, weites, beriten; 
bite, ſchiefts Mauf’paben. Ein Maul, das bis an bie Ohren gehet, 
ein ſeht breites. Das Maul aufreifeng auffperren, 28 weit öffnen, 
befonders beim Bäpnen. Das Maut ziehen, verzerren. Ein Maut 
machen, ein werzerstes Maul mahen, ben Mund verziehen, Wis 


> an bas Maul verfhanyt fein, ganz verfgangt fein, gany von Schauz⸗ 


werken gedeckt fein; wofür man and fagt, bis an bie Bähne ver: 
(Ganjt fein. Bis an bat Maul verfhangt zu fein, 
Biöpt jebem Haufen Mannheit ein. Soltan, 

Einen auf bas Maul ſchlagen. Maul, als bas ein fo wichtiges 
Glied bezeihnende Wort, wird im gemeinen Leben auch in vielen. 
umeigentlihen Rebensarten gebraucht, wo zwar oft bad nicht immer 
das eblere Wort Munb dafür gefegt werben kann, weil mit biefen 
Hebendarten ein veräätlihen und oft niebriger Mebensegriff verbuns 
den if. Das Maul auffperren, etwas mit bummer Wrewunberung 
unb Öffaung des Mundes anfehen, Gr fon Maul und Rafe aufr 
fperren, er ſoll ſich Höchlih verwundern. Einem das Maul aufs 
ſperren, Ihm vergebliche Hoffnung machen, ibm gleihfam etwas vom 
halten, wenach er ben Mund oͤffnet, umb es ibm mit geben. ir 
nem bie Biffen in das Maul (in ben BRunb) zähfen, einem kuͤrglich 
zu effen geben, ober einem Effenden mifgänftig, ober feld zu effen 
begierig zufehen, und gleihfum bie Biſſen zählen, die ee in den 
Mund ſteckt. Ginem etwas vor dem Mauie (vor tem Munbe) 
wegnehmen, megfiihen, etwas nehmen beffen er fi gerabe bebienen 
welte, was er fhon ganz fiher zu haben glaubte, Einem bas 
Maul (den Mund) fiopfen, ihm zu effen geben, auch madien, baf 
er [hmwelge., Den Leuten bas Maul wäaͤſſerig machen, fir lüſtern 
nach cimas maden, in ihnen eine große ſinnliche Begierde nad etwas 
erregen, Das Maul waͤſſert mir banah, id empfinde große Ber 
giezde danach. Mas Maul wilden und bavongehen, etwas ven fr 
mand geniefen und ohne baflr zu banken fortgehen. Anbern Leu— 
ten ins Maul fehen möüffen, ihrer Gnobe leben möſſen. Sich et 
was an dem Maule abbreden, oder, feinem Maule etwas abs. 
brechen, fi etwas verfagen, etwas ſelbſt nicht geniepen, bamit e# ein 
Anderer habe. Dos Maul hinbringen, ſich ben notshärftigen Unterhatt 
erwerben. Das Maul hängen ober das Maul bangen Laffen, burg 
nieberbangenbe kippen unb burd Schweigen feine Unzufriedenheit, 
fein Mißvergnügen an ben Zag legen; wofür man aud ſagt, ein 
fhiefes Maut maden. Einem ums Maui gehen, ibm ſchmeicheln. 
@inem nad ben Maule (nad; dem Munde) reden, fo wie er ſelbſt 
zu reden pflegt, fo wir er es gern hoͤret. Gin Iofes, leichtfertigen, 
ungewafchenes, unnäges, grobes Maul haben, eine ſolche Sprache 
führen, loſe, leichtfertig ıc. ſprechen. Es verbrieht ihn das Maut 
(ben Mund) aufzuthun, d. h. zu ſprechen. Gr thut das Maul (bem 
and) ger nicht zu, er hört gar mit auf zu zeben, zu Shwagen. 
Das Maul (ben Mund) zu weit aufthun, zu viel, zu frei ſprechen. 
Reden, wie es in das Maul (ben Mund) koͤmmt, wie bie Gedanken 
und Worte fommen, ohne Überlegung und Wahl. Kein Blatt vor 
das Maul (vor den und) nehmen, ohne Burädkaltung und Rüd- 
fit zu nehmen ſprechen. Sich das Maul verbrennen, burd ums 
eüberlegtes Reben onftopen und fi ſchaden. Sich auf das Maut 
ſchlagen, fh za rechttr Zeit ans Schweigen erinnern. Sich das 
Maul Äber etwas zerrelßen, viel und heftig Über etwas reiben, t6 
tabeln. Ein grobes Maul haben, viel ſprechen unb veripreden, 
auch groß fpreden, prablen, Das Maul auf dem rechten Flecke 
haben, viel und geläufig reden Finnen, fi gut verantworten Eins 
am ic. Immer bad Maul allein haben, allein ſprechta, bas große 


Maul: 


WEort fahren. "Das Dani Halten, ſchweigen. Alnem das Maul 
werbieten, ihm’ zw reben verbieten, welded auf eine grobe Art 
bush bie Worte: hatt das Maul! geſchleht. Einem über das Maut 

. Fahren , ihm mit Heftigkeit und ohne Achtung antwortın; aud, auf 
foldye Art mit ihm ſprechen. Im der Beute Mäuler kommen, ber 
Gegenftand ber Geſproͤche Anberer werden, wofür Ezeh. 56, 5 
auch den Leuten ins Maul fommen gefagt wirds. Sich in ber 

: Erste Mäuler bringen, ‘etwas thun, fo daß Andere von une weben, 

‚ gewähnlih von kabeihaften Dingen. Einem in einer Sache nicht 
das Maut gönnen, ſich mit einmahl bie Mähe nehmen, ihm im 
einer Sale ober um eine Sacht anzufpreden, Einem etwas ind 

Maul Tauen ober fhmieren, einem etwas und wirberbott vorfagen, 

* befreiben, erftären. Sofern Maul in den meiften dieſtr Rebends 
arten das Merkjeug des Sprechens auf eine grobe und verädtliche 
Art bezeichnet, wie auch als das Werfjeug einer plumpen unb gro: 
ben Sprocht, wird es dem Munde entgegengefeht. So fagt 
Kiopfod: — — man dehnt mir zum Maule den Mund, 
%. b. man vdetwandelt meine feinen, zarten Nutsbräde in breite, 
plumpe. Uneigentli begeihnet Maut 1) X eine Öffnung, die mit 

einem Maule Nöntichkeit Hat. So beißt in der Pflangeniehre ber 
häufige Mand um die Öffnung der Bücfe bad Maul (Peristoma s, 
Peristomium), So wird aud von den Tiſchlern die ſchmate Öffs 
mung am Hodel, durch welche dad @ifen Hervorragt, das Mani ges 
nannt. 2) X Etwas, das ein Maul ober etwas ihm Ähnliches hat, 
Ben Mäuter täglich zu fütteen haben, zehn Perfonen taͤglich zu 
fpeiten haben. „Berlummen müffen alle falſche Mäuter,* alle fals 
fhe Yerfonen. Pf. 32, 19. Gin Fäflermaul, eine Prefon, melde 
Lfter! und gern läftert; ein Leckermaul, ein leckerhafter Menſch. 
&o auch Luͤgenmaut, Milchmaul it. In ber Oflanzenfunde, bas 
Ximenmaul, eine Pflanze, deren Biäte einige Ähnlichkeit mit dem 
Maulereines Limen bat, In der Schalthierkunde it das krumme 
Maul eine braunt Stachelſchnecke mit weißen Bändern, beren Müne 
bung ganz derzerret iſt (Murex anus L); auch das afte Weib, 
‚ das rauhe ober haatige Obr, Ohrſchnecke, bucklige Purperſchnecke 
(Grimasse). 3) X @in Ruf, beſonders im O. D. das Berfieis 
nungsmwort Maͤuichen it au antermärts im gemeinen Leben üblid, 
ohne daß ein veräctliher Nebendigriff bamit verbunden — @iner 
Yerfon ein Mäutchen geben, 

orft, cin teilt gefohlnes Maͤulchen, 
D, mie bat es mid entzüdt! Börhe. 

23, & Dad Maul, —es, 94. Mäuler, fo viel ale Maufefel, Manlihier. 
And, Nibelungen 8, 8. zogı lautet bie Mehrzahl Maͤule. 

— — aut trabten die Minier. Boß. 

‘x Der Manlaffe, —n, 4. —n, ein Menſch, weider etwas mit 
gehfinet-m Munde ober dummer Werwunderung angaffet, unb in 
Heiterex Bereutung, rin dummer, gebankenlofer, möffg:r Menſch; 
in verähtlihem Sinne, Für diefes Wort, weiches mit Affe nichts 
zu thus bat, fanbern von Maul und apen ober opem, d. h. offen, 

’ Herfimmt, fagt man im ©. ©. Gibnaffe, Gienaffe, der aufzäts 
net, das Maut Iffnet. Maulaffen feil haben, ben Mund gedan⸗ 
kenlos offen halten; wie auch, etwas gebankenlos mit dummer Wer: 
wumberung angoffen, 

x Maulaffen, J. nır. mit haben, das Maul gebantenlos offen has 
ben , gebanfentes und mälfig fein, daſteben. 

— fort, was maulafft pr? Werner, 
». Maulaffen. 

OX Der Maulaufreißer, —s, 9. gl. einer ber das Maul auf⸗ 
erißet, beſonders vor dummer Wermundirung; ein Maulafft. „@s 

„(dies Wort) iſt mit Maulaufreißer und Gipnaffe von ungefähr el ⸗ 
nerleh Bebeutuna." Wieland, 

%* Das Maulband, —es, 9. —bänder, bie Halfter. Feiſch. 

5 Mauibeerbaum, —es M. —bäume. 1) Gin Baum, biffen 
Blumen theils auf Einen Baume, theils auf verfichenen Bäumen 


Campe's Wbrtesb, 3. ih 


233 


Maule 


ſtehen. Mie männligen fielen ein Kurzes Räsdhen vor, und beflehen 

‘ aus vier eifdzmigen , vertieften Melhblätthen und vier längere 
Sıaubfäben; die weiblihen aus vier runblichen Keihblätthen, einem 
berjförmigen Freuchtkeime und ziwel Langen gefrämmten Griffeln mit 
einfaden Staubwegen ; bie Frucht iſt eine zufammengefiäte füße 
Bere ‚Morus L.), Der ſchwatze Maulbeerbaum hat persförmige 
gesadte, oit im Rappen abgetheilte, oben bunkelgräne, rauhe Biäts 
ter, und beingt Feüchte, bie exſt helltoth find umd zuteht ſchwarz ⸗ 
roth werben (Morus nigra L,). Die männliden und weiblichen 
Blüten fichen bei dirſer Art auf verſchiedenen Bäumen. Der weiße 

Mauibeerbaum if in Ghina einheimiſch, kÜmmt aber auch bei ung 
wie ber ſchwarze fort, Hat bersföcmige, gezackte, heulgräüne unb 
glänzende Biätter und ırägt weiße Beeren (Morus alba L.). Der 
zorhe Maulbeerbaum ift in Rorbamerika einbeimilh, und dauert 
bie daͤrteſten Winter aut. Der Tatarifhe Mauiberrbaum an bet 
Woiga und Zanais trägt Frädte wie ber ſchwarze Mauiberebaum, - 
2) Der Indifhe Maulberrbaum, rin Bam in Indien, welcher 
bie @beeren trägt (Morus indica, Morinda L.). ®. Edbeere. 
Die Maulbeere, By. —n. 1) Die Feucht bes Mautberrbaumes Hub 
biefee Baum’ ſelbſt. Maren das Maniberrblait, das Mautbeerr 
holz, die Mauibeerhede ıc. das Blatt, das Holz bed Maulbeer ⸗ 
baumes, eine Hecke von Mauiberrbäumen ıc. MUneigentlich von eis 
niger ÜÄhalihkeit mit zothen Mauibeeren, Heine Fleiſchwarzen an 
ber innern Oberfläche ber Mugenlieber (Morum palpebrae inter- 
nee); auf die warzige Augenliederraubigkeit (Trachoma enrun- 
eulosum), Beer. 3) Indiſche Mauiberre,*ein Name her Eds 
beere (Morinda L.), 3) Eine Art, Krägelibnefen in Oftindien 

(Strombus oniseus L.); bie Affeifchnede, ber Kellerwurm. 4) 

Sine Art Stachelſchnecken in Otlindien mit gelber Müntung (Mu- 

rer neritoidens); notige Maulbeere, au geflüigelter Gelbmund 

oder Blaumund, bas kleine Geibmundhen, Scqhminkpflaͤſterchen, 
Hohlbeete. 

Die Maulbeerfeige » MM —n. 1) Di Frucht des Maulbeerfelgen⸗ 

baumesſs, wilder in = einbeimiih if, fehr groß wirb, derz⸗ 
flemige, rundlicht, auf der untern Fische filzige Blaͤtter hat, und 
beffen Holy fehe Dauerhaft if \Picus sicomorus L.). 

Die Maulbeermelde, 3. u. ein Gewaͤchs mit einer Blume, bie nur 
aus tem dreifach getheilten Kelche, einem Staubfaden und zwei 
Sriffein mit einfachen Staubwegen beſtehet (Blitum L); ber Erd⸗ 
beerſpinat, auch dloß Beermelde. 

Die Maulbeerpflanzung, Sy. —en. 1) Die Pflanzung ober Ans 
pflanzting von Dauibersbäumen, beſonders/ zum Sehuf ders Seiden⸗ 
baues; ohne Mehrzahl. =) Die dazu angepflamzten Maulbeerbaͤume 
ſeibſt und ber Pop, mo fir angepflanzt find (Maulberrplantage), 

Die Maufbirn, 94. —n, im gemeinen Scherz, ein Rame.ber Wir: 
nen Überhaupt; in engerer Bebentung, eine eigene Art von Birnen 
(Poire du buchet). Uneigentlih, sine Art Anebel in Brellalt einer 
a. ‚sin den Mund zu fleden um bas Schreien au verhindern. ©. 

im =}. 

x Der Mauldrefher, —s, 9. al.; die —inn, Bi. —en, eine 
Prrfon, weiche wirt unb ohne Virftand ſpricht. Friſch. 

X Maulen, v. I) str. mit haben, dem Maulte behagen, gut ſchmek⸗ 
fen. ine Speife, Obſt ıc. wrihe gut maulen. IT, intrs, das 
Maul Hangen Lofer, feinen Unmwil:n, feine Unzufrichenheit durch 
Berzietung bes Muntee, ober auch ohne dieſe, durch mürriſchee 
Etilfhweigen am ben Tag legen; im ber onftändigen Sprechart 
ſchmollen. „Ungesonene Rinder, benen (welden) das abgefhlagen 
wirb, was gefittete befonmen, und bie f:$t maulen und ihre glüds 
dern Bräber täherlihd mahen." Bremen, In andern gemeinen 
Cpredarten ſagt man bfür muden, im D. D. mugen, in Baierm 
zitten unb pfnotten, im N. D. mulen, muffenıe.. — D. Wauten. 

Der Maulefel, —t, 2. al.; bie _Imn, BR. —en. 1) Ein vom 
einem Eſel und eine Stute, ober von einem Hengſte und einer 


30 


Maulf 


Eſelian erzeugte Thier, welchta has Mittet zwiſchen Pferd und 
fer Hal, ſich aber nicht fertpflangt; auch Maulthier, weiches jer 
doch Andere bloß von cinem ſolchen vom eimem Hengſte und einer 
Ofeiian ergeugten Thiere gebrauchen, umb bloß Maul. In ber Bi 
Ki 1 Mof. 56, 24 Bmmt bafür ach das fonft ungewoͤhnliche 
Bert Manlpferd vor. Die Maufefel, melde ein Eſel mit einer 
Stute erzeugt, find größer und ſärker als bie vom einem Dengfte 
und eines @felinn erzeugten, unb haben mehr Ähnlichteit mit Pfer 
Yen, von melden fie ſich deſendera durch die laagen Ohren unters 
jcheiden. Dan bedient ſich ihrer Häufig zum Fahren, leiten und 
daatragen. Davon der Mautefeltreiber, Mautefeiftall ıc, der 
Treider, ber Stall ber Maufefel m. 2) Mneigentlid eine Benens 
aung berjenigen Wespen, weiche mehren Maͤnnchen no Weibchen find 
umb bie wieifte Arbeit verrichten möffen,. 5) Der Rame eines Bieres. 
5X Maulfaul, adj, u, adv. faul im Anfehung des Sebrauches des 
Maules oder Mundes zum Sprechen, nicht gern ſprechend, nit 
aufgelegt zu ſprechen. Gin maulfauler ent. Maulfaul fein. 
Stil und manlfaut faßen wir. @ithe 
Sumeilen gedraucht man ea aud für Abneigung ober Witerwillen zu 
effen habend unb zeigend. Richt maulfant jetn, drav effen. Seſſer 
würde man mundfaul und @ fihneigfelig bafıe fagen, well ber 
Sleichtaut der deiden Wörter Maul und faul ehren Übelllang ver 
arſachet. 
X Der Maulfreund, —ed, ip — e; bie —inn, Di. —en, eine 

. Derfon, welche bloß bem Daute nad, d. h. indem fie es verfihert, 
bet deuert, aber mie in bee That, ein Freund, eine Freunbinn ei» 
ex andern Perſen If; en Zungenfreund, 

X Die Maulfreundfchaft, 2. u. die Freundſchaft eines Manffreum 
bes otes einer Desulfreunbine, 

x Daulfromm, adj. u adv, mit bem Maule fromm, d. $, fromme 
Beben führend, aber in feinem Sandhungen Brine Frömmigkett jeigend. 

X Dir Ülaulfüle, 34. u. dasjenige, was das Maut füller, der ir 
bensuntergalt. Mm die Mauifülle bienen, um beim nöthigen Tater 
balt, um bie Koſt. 

Das Manigatter, —C, IM gl. bei den Schmieden, ein eiſernes 
MWerheng, in Geftalt eines Gatters, den Pferden das Maul damit 
aufjufperren. 

X Maulgerecht, adj. m. adv. fs vier als maulrecht, weldes beſſer 
iſt. „Die ungemeine Corgfalt, mit ber bie Briehen bie Wilbung 
der Wörter dehandelten, muß einen höheren Imed gehabt haben, als 
fe maukgerehht zu maden" Dadenfen. 

X Das Manigefperr, — s, o. 9. das Xuffpereen , weite Öff: 
men des DRundes, mir z. 3, bei großer Berwunberung. Daher ums 
eigentlid, im Bennebergfihen, das Aufſe hen meiden eine Sache erregt. 

O X Maulgefpist, ad} u. adr. das Maul oder ben Mund gefpigt, 
den Mind geipigt habenb, mit gefpigtem Munde, deſenders wenn 
am übre etoas Unwilen, Spott äußerf, 

— Bei welden (Scherzen) maulgefpitzt 
Frau June mit Minerven ſich vom Wetter 
(und mas beauf fetgt beſpricht. — Better. 

X Der Maulheld, —ın, My —en, den nur dem Maufe nad; ein 
Scid if, b. d. dee Mh wühme ein Held zur fein ohne daß er. es nes 
Fa ift, ein Areg precher, Pradter, Zungenbelb, 

&£ Die Maulbure, 99. —n, eine meißtihe Perſon, ride unzüchtig 
[mrißt, alfo gewiß auch unzädtig If, wenn fie auch leine firmlihe 
Die fie ſollte. 

Nau lig —** , adin.adr. ein Maut hadend, ia den Sufafrmete 
fetungım tifmäntig, großmäuig, hattmaͤulig, weichmaͤulig ıe, 
Davon die Maduligkeit, bad mus in jenen Fufammenjegungen, eine 
Eigen’hiatt ober einen Zuſtand bed Maubes zu degeicharn, bie Darts 
wmärifakit m. 

Dir Miuttiemme, £ Munbliemme 

Der Baulforb, —es, Mi — Bike, ein Korb, 8. 5. Flechtwerk von 


234 - 


Mault 


Sifen ober Leber, welches man beifigen gröfern Ahleren, befüuderd 
wilden Thieren un und über das Maul befeftiget, damit fie niht 
keifen Einnen; ber Beißtkorb. 

x Der Maulkriſt, —em, 2. — en, ein Keil, ber es nur bene 
Vaule, d. d. dem mwöstlihen Bekeuntniß mach, midt aber mit ber 
That und Wahrheit if. 3. P. Nich ter gebraucht biefes Mort und 
biibet davon auf rin Gegeawert ben Maulunkriſten, ber nur bem 
Baule aach ein Unfrift it: „Ban zeige mir einen Maulunkriſten 
eder Mautkriſten von Erziehung.“ Daven das Maulkriſtenthum, 
das Kriftentpam eines ſolchen Ariſten. 

t5 Der Maulmacher, —s, My gk; bie —inn, By. —en, eie 
ganz ſchlechtes Wert, eine Perſen, bie einer. Xubern das auf 
gleihfam auffperset, ohne ihr etwas hineinzugeben, d. h. bie iht 
vergeblihe Hoffaungen macht. Kud eine Perfon, bis ein Maul mat, 
dae Maut verjemt, 

Der Maulochs, —ın, Bi. —eın, ber Rame derjenigen here, 
welde ans der Begattung eines Stlerte mit einer Sfelinn ober miß 
einer Stute entfpringen fellen. 

Das Maulpferd, —es, p. —e, f. Mauleſel. 

x Maulrecht, adj. u. adv, seht nach dem Maule, in das Maul paf⸗ 
fend, son einem Biffen, gerabe diejenige Bebfe dabend, daß er bes 
quem ta ben Mund geſteckt werben kana. Einem das fen mauls 
recht ſchueiden. Umeigentiih auch won Wörtern ic., gerabe fo bir 
Tdaffen, daß Be mit Leichtigkeit ausgefpeohen werben Einnen; ie 
beiden Fällen anſtaͤndiger mundrecht. S. Maulgerecht. 

x Die Maulſchelle, Di. —n, eine Bäche, d. d. cin Sqhlag mil 
bee laden Hand auf das Maunl und bie Backen daß es fhallt; auch 
Biop eine Schelle, und eine Obrrfeige, ebler ein Backenſtreich. S. b. 

X Maulſchellen, *. trs. Maulfchellen geben (manlschelliren), Eine 
manifhelm. D. Manifhellen, 

* Der Maulſchlag, —t, 29. — ſchlaͤge, die Mautfäelle, „ja men 
1 das er femen einen mulfchlag vertreit.“ Maneffen Minnel. 

- Das Maulſchloß, —s, Dig. —hiöffer, ein Werkzeug, weldes auch 
wol die Seſtalt eines Gchloffes hat, bie Bippen mit Gewalt zu wei 
fAltehen ober zufammenguhälten und bas Sprechen zu verhindern, 

X Die Maulfperre, 4. u. f. Munbfiemme. 

Der Maulſtich, —eb, ip. —r, in ber Schifferſprache, diejenige Art 
tie, me man das Tau mit einem Schlage um etwas Legt, fü daß 
bieten Schlag ſelbſt das Eofe Ende daͤlt, unb welcher gar deppelten 
Befeftigung ehnes Taued dient, das längs einer Soche J. B. tints 
Dolzes fäprt und woran das eis Bade ſchen befefliget If. Röbing. 

x Der Matılftopfer, —, 99. ak ) Eine Perſen. weiche einer ae 
dern das Mani flapft, d. & uneigentiih, fie zum Schweigen nöthie 
get. 9) Gin Werkzeug oder ein Ding womit man einem das Daub- 
Mopft. „Bär Bor, deſſes Hülfe fo oft angetragen und eben fo oft 
verſchmaht worden if, hat Pitt einen ganz eignen — Maulſtopfer 
in Bırritfihaft gefegt." Ungen. 

X Die Maulfünde, 9. —ır, eine Bände, die man mit dem Maufe, 
d. & mit Borten, im Reden begehrt. Stieler. 

X Die Maultafcye, u. — m. +) Eine Mauifhelle, ein Schlag auf 
das Maul. =) Ein große Maul; au wol, eine Perſon mit einem 
feiden Macke. So iſt in ber Sefchichte eine Griffen von Tyrol um 
ter dem Namen Margarethe Manttafche dekanant. Bumeilen auch 
wor fo viel als Plaubertufhe 

+ Die Mauftbeere, 2. —n, die kriechtnde Himderre, Werghimberer. 

® Der Maultheil, ſ. Mundtheil. 

Das Maulihier, —es, —«, f Mantefet. 

O Maultdiermäßig, adj. w. adv. einem Maulthiere angemiffen, 
wie ein Maalthier. Au nad dem Maße, wie einem Maulthiere 
zu geſcheden pflegt, 

&o mautthiermäßig Gserlafler 
Worb ih son Dingen, klein und greß. KT. Shmikt,. 
Das Maulthierehr, —ıd, 94. —ın, das Die elnss Dlauitpfegen. 


— 


Mault 


Ein VPfect Hat Maulthlerohren ober Eſelsohren wenn fie Lang, bit, 
» die Höhe gesihtet, alſo ben Ohren eines Maulthieres ober Eſele 
» _ äpniid ſlab. i 

Die Maultrommel, a. —n, rin Meines eifernes Werkjeüg, wel⸗ 
des, wenn man es zwiſchea bie Bühne nimmt und eine baran befind: 
He kleine Häplerne Bunge in Bewegung fegt, einen eigenen fums 
wenden Ton von ih giebt; das Brummeiſen, auch, bie Maul 
barfı, Mauibrummel, 

X Das Maulvoll, ohne Umend. u. MM. gl. fo viel ald man auf eins 
wahl in das Moul nehmen kann; anfländbiger ein Mundvoll. in 
Maulvell Wein, Uneigenttih sub, ein Maulvoll yon einer Mede, 
eine teile, ein Wenige aus besfelben, . 

Dos Maulwerk, —ıs, Dip. u. für Maul; anftändiger das Mund» 
werk. Ein gutes 
ſprechtn Einnen, auf fi gut vertheibigen kinnen ıc. 

Der Maulwurf, —ed, 3. —würfe. 1) Ein eines Thler mit 
fpigigen Schnauze, fehe Eieinen und unter ben Hsaren verſteckten 
Augen, kurzen Fügen, die ſcharfe Nägel Haben, und von melden bie 
vorbeen feitwärts ſtehta und zum Geaben gef&idt find, Bir leben 

in ber Erbe, und ſiad am ganıen Köeper mit Zurzen, fehe feinen 
wand weichen Haaren bit bedeckt (Talpa), Davea bas Maulwurfs⸗ 
fell ıc. Da er ein ſqhlechtes Seit dat, fa vergleiht man and fur 
Eätige Menfden mit Wauiwärfen, Im R. D. nennt man ihn Mul⸗ 
mworp, Moltworp, 5 Muimurm, von Mut, Mult, Molt, Iodere 
zerriebene Erde, weil er biefe aufwirft. Die Obesfahfen haben aus 

„ biefem Mull aus Unkenntaig Maul gemacht. Die Iepte Benrnnung 
Ümmt auf in Säriften nor. 

Dier ſieht er einem Mullmurm warten. RM, Buofämäusnter, 
Ya: D. peißter auch noch Windworpe, Hundemorp, Mollmans ze., 
im D.D. Schaͤrmaud, Scharrmaus, Schurmaus, Schaͤre, Erbrage, 
Auswuͤrfel, Wühlmaus ıc. =) Uneigentlich fühern auch einige [pls 
Yige Porzelanfänedinbiefen Ramen, dergleichen der gelbe und graue 


Maufmwurf it (Cypraoa talpa und Cypraea zebra L.). Auch eine - 


Art Etwammtorale peift Seemaulwurf (Madrepora talpa), 

O Naulmwurfblind, adj. u. adr. blind, d. h. kurzüchtig wie ein 

Baulmurf. Daven ber Maulwurfblinde, ein Larzfihtiger Menſch. 
— — Mitleib 
wu Id erab auf die Maulmurfblinden. Rofegarten. (M.) 

Die Maulwurferbfe, 9. —n, eine Kst eckiger Exrbfen, melde 
Mautwürfe und Mäufe aus ben Bärten nesteriben follen (Pisum 
sativum majas quadratum); aud edige Stabelerbſe, Holändifche 
Erbfe. 

Die Maulwurſmaus, 3. —mäufe, eine Art Mäufe in Naflank, 
melde bie Bmicdeln verſchledener Pflanzen annagt, und bet helem 
Lite nit gut fehen kann (Mus talpinus L.); auch Reitmaus, 
Erdgräber, grabendes Kleinauge. 

Die Maufwurfsfalle, 3. —n, eine hefombers eingeriätete Falle, 
Maulmwürfe barin zu fangen. 

Der Maulwurfsfang, —s, 34. —finge. i) Der Bang eines 
Maulwurfes, bie Handlung ba man einen Maulwurf fängt. =) Ein 
Thnftlihes Werkzeug, Daulwärfebamit zu fangen. Davon ber Maul ⸗ 
wurfsfänger, ber Maulmäsfe fängt, befonbers ber ein Geſqchaͤſt dar ⸗ 

aus made unb eu für Lohm that. 

Die Maulmurfögrifle, ſ. Erbgrille. 

Der Baulmurfshanfen,, — , 39. gl. ein Haufen oder eine Grhö« 
bung bes Erde, welche bee in ber Erbe wohnende Maulwurf aufs 
Bist, der Maufmurfshägel. 

Der Maulwurföläfer, —S, 9. gl. ein Rame r) bes Maifäfees; 
#) deu Todtengraͤbers ober Geabllfert. ©. Tobtengräber. 

Die Maufzange, My: —n, bei den Huf» und Waffenfhmieten, eine 
Art Zangen, wride anflait ber Kneipen zwei vienedige Blecht hat 
unb womit das alte Eiſea zufammengehalten wirb, wenn man eh 
Yufemmenfhwelßen wii, 


— 


Maulwerk haben, ein gutes Maul, viel und lange Der 


Maus 


S Dos Maulzimmerden, —s, 94. gt. ein Bimmeren , in wer 
Heim man waulet, in welches man fi zurädjlehet, wenn man uns 
‚sufrieden, mörsf$ und übler Saune if (Bondoir); anfländiger das 
Schmelyjimmerden. © _ 

t Mauneln, v. intrs in Balern, langfam fein, zaubern. D. Maus 
nein. S. Maunen. Davon ber Maunler, ein zauderhafter, auch 
Iangweiliger Menfd. 

+ Maunen, v. intrs, Tangfam fein. In engerer Bedeutung, in Shwar 
sen, aus Bongfamfeit, Trägpeit oder aud aus Furchtſamkeit be 
Mind beim Heden kaum öffnen. D. Maunen. 

X Maungen, v. intrs. fo viel als mauen. Dann, klaglich tun. D. 
Maunzen. 

+ Der Baunzenftein, ſ. Dutterflein. 

Maur, —n, By. —en, f. 1. Der Mohr, 

+ Die Maurade, 39. —n, ſ. Morchel. — 

+ Die Maure, 4. —n, bie Möpe. " 

Mauren, v. trs. ſ. Mauern, 

Der Baurer, —, 39. gl. ein Handwerker, welcher Mauern mb 
Blauezwerl, wie au ganze Gehäube von Stein aufzuführen ver 
ſteht. Davon das Maurer handwerk, das Maurergrwerk, bie Maus 
retzunft, das Handwerternc. der Maurer; der Maurttmeiſter, dee 
Maurergefell ec. Wneigenttih nennt man die Freimaurer auch mus 
Maurer. Davon bie Maurergefeifhaft, der Maurerorben ıc. 

Die Maurerbiene, ſ. Mauerbiene. 

O Die Maurerhalle, 9. —n. die Halle, ber Berfommlungsort 

Freimauser an einem Orte (Loge). Min kann bad Wort auch nach 
dem Beifpiele der fremden Benennung, für bie Maurergeſellſchaft 
an einem Orte feibft gebrauchen. 

1. Die Mar, 94. Mäufe; Bio. das Mäusen, D. D. Maͤuslein 
oder Mäufel, ein weitiäufges Seſchtecht Heinze munterer und [Anele 

let Saugethlere, weicht porn zwei fpigige Schneitegähne, keine Hundes 

sägue und ganz kurze Badenzöhne, zunbe, malte, bald burhfiätige 

Ohren, einen großen dünzen und nadtın Schwanz der Tänger if 

als das ganıe Thier haben. Linn? giebt diefem Mozte eine neh 

weitere Bebrutung und begreift barunter alle Thiere, diren untere 

Sqhneide zaͤhne ſcharf und fpisig find, fo daß außer ben eigentlich fe 

genanaten äufen uch Ratten, auch bas Murmeltkier, bas Meer⸗ 

THweingen und no& andere Thiere bayu gehören (Mus L.). Nach 

dem Orte ihres Aufenthalte unb verfhiebenen andern Umftänden ber 

kommen fir verfhicbene Namen, als: bie Hausmaus, Feldmaus, 

Walbmand, Haftimaus, Waſſermaus, Spihmaus, Klebermaus, 

Speckmaus ir, ©. biefe Miörter, In engerer Bebeutung wird au⸗ 

ter Maus ſchtechthin bie Hausmaus verftanden, welche gewöhnlid 

aſchgrau vom Farbe if, zuweilen, aber jedoch feltrn, aud ganz weiß 
gefunden und als eine Seltenheit betrachtet wird. Eatweder vom 
der Riedlichkeit dieſer Mäufe ober der Mäufe Überhaupt iſt ber Ger 
brauch im gemeinen Beben herzulelten, mad welhren man Mäußs 
hen als ein fcherzhaftes EirhFMungswort von mweiblihen Perfonen 
gebraußt. Mein Maͤuschen! Du Keine Maus! „Börft bu, enge 
tifhe Mauste RL. Shmide — Davon das Mäufefel, der 

Mäufefhwanz ıc., das feinpaarige werg. Sm, der lange katzle 

Schwanz der Mäufe ic, Sprichwoͤrtliche Reensamm find: bie 

Maus hat mehr als ein Eoh, ober es müßte eine arme Usructe 

Maus fein, welde niät mehr ald Ein Eoh Hätte, d. h. kluge Beuı. 

finden mehrere Huswege, wiffen fh auf mehr als Eine Axt zu deln 

fen; wenn die Maus ſatt if, ſchmedt ihr das Korn bitter, mens 
man fait, wenn man einer Sache Überbräßig it, fo findet man kei⸗ 
nen Geſchmack mehr baranz wenn bie Rabe nicht u Hauſe it, dar 
ben die Mäufe frei tagen, wenn der Bere, ber Auffeher ıc. abwe 
fenb if, fo nehmen ſich bie Diener, bie Untergebenen 15. etwas. ber 
aus und maden fi luflig; ber Kaden Gerz if der Mäufe Tod, 
mit graufemen Sebittern if wicht gut fherzen. Die blinde Maus, 
oder Blinzelmaus, ein Spiel welches unter dem Ramen blinde 


Maus 


236 


Maͤuſe 





Kuh bekannter i. S. Blind. uneigentlich atant man Maus 


2) Eine Meine mausfarbene Porztllanſchnecke, an den Enden gelb. 


mit zwei ſchwarzen Flecken und zwel blaffen Querfizeifen auf vem 
Riten; in bem Mittelländifhen Meere, bei Reaſilien und befonders 
auf Buiana (Cypraea lurida), 2) @ine andere Vorzellanihnede 
im Mittellänbifhen und Atlantiſchen Meere (Cypraea ınus L.); 
auch die Finndifhe Maus, ber Kapenbauch, das Karthageniſche 
gefledte Klipphorm, die Krdte, 3) Ein mit kurzen Haaren dicht 
bewahienes Mutlermahl. 

2. Die Maus, My. Maͤuſe; Bw. das Maͤuechen, O. D. Mäuss 
lein, fo viel ats Muskel, ©. d. In engerer Bedeutung nennen bie 
Pferdeuͤr zte ben Muskel an jeher Seite bee Nafe, melde bis zum 
Auge weicht und bie DOberlippe zu bemegen bient, bie Maus. Im 
der Schlfſerſprache ik die Maus ober Stagmaus eiae ringförmige 
Erhöhung, welcht oben um bas tag gemacht wird und dazu dient, 
das das an dem Ende befintlihe Stagauge dagegen liegen fünne, bar 
mit der um ben Maft befinditche Theil ich nicht zuſchliere. Möbing. 

Die Mandader, 94. —n, bei den Pferden, die Xder an ber Raſe 
und der zur Zeite derſelben Hegenden Maas, S. 2, Maus. 

Der Maudadler, —s, 3. gl. ober Mausaat, — es, Bi. —e, f. 
Wachtelfalt. 

Der Mausbaum, —es, 34. —bdume, ber Faulbaum ober Stink 
baum (Rhamnus frangula L.). 

Die Mausbirn, By. —ın, eine Sorte langer gelber Kochbirnen; 
bie Kannenbien, Ritterbien, Suſelbirn, Wadeibien, der Yangflles 
ler, Steengling. 

Das Mausbodsmaul, — es, 3. —mäuter, ober der Mausbods 
maulſiſch, —es, 2. —e, bei Klein, ein eigenes Befhleht ders 
jenigen Fiſche, welche an ben befloäten Zeiten buch eine Öffnung 
in ben bebedten Kicmen Athem holen und weihe ih von den ver ⸗ 
wandten Krepffiſchen durch ihren zufammengebrädten breiten: Fri 
unterfheiden (Gapriscus Kl... Ghemah!s nannte man fie Käufe, 
Seemaͤuſe. Klein zäfls davon 12 Arten auf.- . 

X Der Mauſche, —n, 4. — n, oder ber Maufchel, —8, M. gl. 

. eine peraͤchtliche Benennung eines Juden, in Baiern ıc, Mauſchert. 

r Der Maufhel, —s, 8. gi. auf den Kupfergimmern, ein eifer: 
nes einige Zoll langen Werkzeug, die Heinen Meffel bamit zu riihten. 

X Mauſcheln, v. intrs, 1) Wie ein Maufcel oder Jube haudein, 
mehr oder weniger Liflig und heimiih zu betruͤgen fuhen, Mr mais 
ſchelt zuwellen ein wenig. a) Auch wol, jübiih ſprechen. D. Maus 
ſcheln. 

x Maͤuschenſtill, adv. fo ſtill wie eine Mans, oder fo ſtill, doß man 
eine Maus knidern ober pfeifen hört ober hören koͤnnte; auch matt: 
feftitt,, mausſtill. Ea it mäuschenftil. Sid maͤuschenſtill hal⸗ 
tem, bie größte Stige buch nihts_unterhbecdem. 

Borhin ba bracht’ ber Drobat bes Knifers 
Gefundseit aus, ba blieb's gang mäuschenflill. EKilter, 

Der Mausdorn, —es, 34. —ın, f. Mäufedorn. 

Die Maufe, 4. —n. 
ihre Sußere Bebedung, befond⸗⸗ Orr Wögel, ba fie ihre Federn ders 
liegen und anflatt har »Ogetworfenen neue befommen ; ohne Mehrzahl, 
Die tech, are Bögel find oder Tiegen in bir Mauſe. Im R. D. 
Ing: man bafür Mute. Bon ben Boͤgeln gebraucht man bafdr auch 
die Rauche ober Rauhe. 2) Die Beit, im welder biefe Werändes 


zung vor ih gehet, bei den Vögeln im ben beiden legten Eommers. 


monaten; ohne Mehrzahl, and bie Maufezeit, die Rauche, Rauhe, 
Rauchjeit, Rauhzeit. 5) @in Vogelfaus, in weides man bie Pal, 
Een fegt, wenn fir in ber Mauſe finb ober ihre altem Federn abs 
werfen. 

Der Maͤuſeaar (Mausaar), f. Mautadler und Mausfatk. 

+ Der Maͤuſebeißer (Mausbeißer), —s, 9. gt. ſ. Mauſer 1) 

t Das Maͤuſebrot (Mausbrot), —es, o. Dig. bas Feigwarzen: 
Braut, fisins Cihilfzaut, , 


1) Die Zufaud verfhirbener Ihiere , da fie. 


Der Mäufedarın (Mausdarm), — es, MM. —bärme , eitentlich 
ein Darm ober die Daͤrme ber Maus. Man belegt aber mit dieſem 
Romen in der Pflanzenkunde uneigentlih 3) das Vogelktaut, wegen 
ber Ähnlichkeit feiner Manten mit kleinen Drmen ı(Alsine media 
L.); auch Mäufegebärm. 2) Des Bauhheils, weldes Andere Huͤh⸗ 
nerdarm nennen, aus einem Afnligen Grunde (Anagallis arven- 
sis L.). j 

Der Maͤuſedorn (Mausborn), —ed, Dh. —en. 1) Dir Name 
von Staudengewaͤchſen, melde ein eigenes: Geſchlecht auſmachen, und 
deren männliche and mweiblihe Bläteh auf befonbern Etöden ımb bei 
ben meiften Artea auf den Blättern flchen (Buscus); aud Bräfch, 
Brößten, Rußken, Bruſtwurz it. Die Blaͤtter bes gemeinen 
Mäufedbornes (Auscus mirtifolins #, acnleatus L,) find an dee 
Spitze ſtachtlig und fonft ben Mirtenblättern ähnlih; tafer ex auch 
Mirtendorm, Dornmirte, flechende Palme heißt. Einige andere 
Arten peigen Kufenblatt, Zapfenblatt (Ruscas hypopkillum L,) 
und Zungenblatt oder Zaͤpfleinkraut (Ruscas hypoglossum L,). 
2; Ein Name ber Stedipaline (llex aquifolium L.). 

X Der Maͤuſedreck (Mausored), —es, Di. —er, ber länglich« 
runde ſchwarze Koth bee Mäafe. X Er mengt fi in Alles, wie 
Maͤuſedreck unter den Pfeffer, er mengt fid in Alles wo er nicht 
dinge hbrt. Und im Aldes miſcht er ſich keck, 

Wie unter ben Pfeffer ber, Maͤuſedteck. Gäthe, 

Das Maͤuſeeichhoͤrnchen (Mauscichhoͤrnchen), —s, WM gi. ein 
Rame bi6 Ziebenfhläfers (Myoxus glis L.). 

Die Maͤuſeerbſe (Mauserbfe), By. —n, ein Name ber Erve 
(Orobus L.). , ’ 

Die Mäufefale (Mausfalle), 29. —n, eine Kalle, merin man 
Sräufe fängt, Davon der Mäufefallenmacer, ber Mäufefallens 
Erimer, ber Mänfsfslen macht und damit hanbelt, 

Der Mäufefänger, —s, Mp. gl. reiner der Däufe fängt. In bee 
Raturbefhreibung eine Art Riefenfhlange, welche fih von Mtäufen 
und andern fleinen Thieren nähret (Boa murina), . 

Die Mauſefeder, 2. —n, Federn, welche den Bögeln in der Maufe 
ausfalien, 

Der Miufeiraß, — s, Di. u. ber Braß, das Freſſen ber Mäufe, 
beſenbers bir Mefhäbigung und Berminberung einee Sache daburch, 
baſß et die Maͤuſe benagen ober freffen. In den Scheunen und Spei⸗ 
&ren ‚gebet bush Mäufefraf Vieles verloren. Felber, bie buch 
Maͤufeftaß lehr gelitten haben, daburch, daß bie Feldmäufe bas 
ausgeläete Getreide ac. gefrelfen haben. 

Das Maufegat, —es, 8. —e, f. Mäufen. 

Dos Mäufegedärm (Mausgebärm, —es, 2. u. ſ. Mäufedarm. 

Die Mäufegerfie. (Mauögerfle), o. Di. ı) Eine Art wilder Gerfte, 
bie an ungebauten Drten wäh und wie bie Bartgerſte biüpet, ins 
bem bie mitteiſte Zwitterblume von zwei männlichen umgeben if 
(Hordeum murinum L.); aud Taubgerſte, Taubkorn, Kayene 
form, Wildkorn, Mäufeforn, Loͤthe, Körbegras, Iungfernbaar, 
Gerſtenwalch ꝛec. =) Die Minterloih (Lolium perenne L.); 
auch Maͤuſtkotn, Maus hafer. 

Das Maͤuſegift, —s, By. —e, etwas, das für bie Mäufe ein übt: 
liches Gift iſt. Beſenders, eigentlices @ift, fefern cs mit einem 
Große vermiſcht für die Maͤufe hingelent wird, damit fie bavon ſter⸗ 
ben. Der Arſenik, befonders der biätterige Arſenik (Arsenicum 
sgquamesmm), beffin man fid dazu bebient, heißt daher auch Maͤu⸗ 
fegift, wie auch Rattengift und. Rattenpulver. 

Das Mäufegras (Mausgras), —es, 2. u. eine Heine Pflanze 
mit grasartigen ſchmalen Blättern und weißen Biümden ; auf tröck⸗ 
nen Feſdern unt mageen Giradplägen (Myosurus minimus L.); au 
Maͤuſeſchwaͤnzchen, weit ſich der Frochteeim nach dem Abblaͤhen vie 
laͤngert, und bie Frudt einem: langen dünnen Schwäͤnzchen gleicht, 
bas anf vieien madten Samen beſtehet; Derenzippel, Kuummeljels 
ter, Tauſendkorn. 


® 


Mänfeh GE. - IE 


Der Mäufehabicht (Maus habicht) 2 tb Met. ein. Heiner 
in den Boͤhmiſchen Sebirgen lebender Habicht, weiher fi von Mäu- 
Jen näpset (Falco Bohemicns); aud, ber Maͤuſewaͤchter; bei Ans 
dern führt auch der Mausfalk biefen Kamen. | : 

Der Mäufchafer (Maushafer), —8, 2. u. der Name einiger 
bem Hafer Ähaliher Pflanzen; 1) der Trespe- ober Moggentrespe 
(Bromus secalinus L.); #) bes Taubhafers, Windhafers oder 

SFlughafers (Avenn Latua L.). 5) Die Maͤuſegerſte. S. d. 2). 

Das Mäufeholz, —es,, Big. u. ein Name 1) des Bitterſuͤß (Sola- 
zum dulcamara L.), &.,d. 2) Eines Amerifanifhen Btaubenge: 
wöächfes mit eiförmig zugefpipten, -glatten und blaßgelben Biättern 
und mit weißen, Brummen, die feinen Kelch, ſondeen nur ein,röhrens 
fdrmiges Blumentlatt, acht vorsagende Staubfäben nebft einem Jäns 
gern eberwärts gefrömmten, und mit einem Griffel ber einem ein: 
fagen Staubmweg hat (Dirca palustris L.); auch Ledetholz. S. b. 


Das: Maͤuſekaͤferchen (Mauskaͤferchen), —s, 24. gl. eine Apt „. 


„.  Kleinfäfer ober Echabläfer (Dermesies muriaus). - = 

Die Mäufetartoffel (Mauskartoffel), By. —n, f. Nierenkartoffel. 

X Die Mauſekatze, Rz. —n. ı) Eine Kope, fofeen fie maufet der 
Mönfe fängt, Eine gute, Mauſekatze. Wie auch überfaupt, ‚eine 


Koper 3). Da aber bie Kaben oft au maufen, b. H. nafchen und i 


ehlen was nicht für fie gehört, fa bebautet Mauſekabe nicht allein 
auch eime ſolche bicbifhe Hape, fontern-uneigentiig, und im ‚gemeinen 
Leben auch einen biebifden Menſchen. 

Der Maͤuſekoͤnig A Maustönig), — s, Mermt, der Baunlönig 

„, Wiotagiklla troglodytes L,), —— 

Das Maͤuſekorn (Mauskorn), — s, Di. u. ſ. Maͤufe gerſte. 

Das Maͤuſelraut Mauskraut), —is, Bu. 3) Ein Rame bes 


VdVadentrautes (Filago L.). 4) Einiger Arten der Rupepflange (Gna- . 


phalium L.); kleines Maͤuftkraut, mit ſchwaͤrzichen Biumentöpfe 
den (Gnaphalium uliginosum L.), auch Gumpfeuhrpflanze; 
großes Maͤuſekraut mis ſchmalen Blaͤttere (Guephalium sylra- 
‚kenn L.). . PR R nn : 
Das Mäufeloch (Maus loch), — es, r. —iller, ein Lochals 
- ; @ingeng zum Aufintpalts einer Maus gbrz mehrerer Miufe, X Bar 
Furgt in ein Maͤuſeloch kriechen wollen, von einem in einem hopen 
BGrade furchtſamen Denfhen: 2* 
1. Mauſen, vw I) intrs. Mäufe fangen, Die Kate mauſet gut, 
ſchlecht. Die Kage läßt das Maufen nicht. Die Eule mauſet bei 
‚ Radt, II) X ters, in ber Stille, mit kiſt und Seſchwindigleit wegs 
nehmen, ſtehlen, wodurch es id von entwenden, ſtehlen ıc. unters 
ſcheidet. 
Speck ı. Einem bas Geld aus der Taſche mauſen. Eid auf-das 
Maufen legen. Das Maufen verſtehen. In weiterer. Bedeutung 
gebrauchen es bie Jäger für beſchleichen. Das Wild maufen, «es 
fig beſchleicen. — D. Maufen. D. — ung, nur in dem jur 
+ faminenpefegien Worte Bemauſung. 
Draufen, v, red. feine äußere Sedeckung, bie Haus ober Schale, 
und bie Federn abiwerfen, von ben Ktebſen und Bögeln, beſonders 
won bim lehten, Die Bögel maufen ſich, wenn fie in ben letzten 
Yıiben Sommermonaten bie Federn verlieren und neue befommen, 


+ ‚elle man such ſich manfern, fich febern, fih vauben, und in Lief⸗ & 


land fih Erippen fagt. Die Krebſe maufen ſich, wenn fie eine neue 
Sqalt belommen, bie anfangs ganz‘ wei ig und eine bännenpaut 
pocfhilt und: ihre Schteren abwerfen, wofür man auch ſich maus 


ſtern, im Ds D. mütern fagt. Von den Geibenwärmern gebraus , 


Gen Sinige auch ſich maufen, für, bie Haut ablegen und eine neue 
bekommen, wofür man aber lieber fih bäuten gebraudt. Bon ans 
dern Abieren, 4 B. Schlangen gebraudt man aud ſich haͤuten, 
von bihaazten Thieren, eine ähnliche Veränderung zu bezeichnen, ſich 
haaten oder haͤren. Uneigentlih unb im gemeinen Leben ſagt man 
fich manfen, ſich maußern ober ſich herausmanfern, von Minfihen, 
. bie ſich nach einer Kpankpeit wieder zuſe hends eaholen, wobei ih if: 


Die Kaden manfen eft in Mn Speifelammern Fleiſch, 


Mause 


ters auch ihre, Haut abſchaͤlet, wie auch von Menfd ‚ die ih nen 
und gut-Feiden, pugen ; muflern. D. Maufen, Maufern, Maus 
fern. D. Maufung, Mauferung, Maufterung. 

Maͤuſen, v. trs. in der Schifferſprache, an ber ſtedenden Seite eines 
Befanfegels dicht Hinter dem Leit zunde Löcher ober Gate madıen, 

‚ woburdh bie Dempgarbingen fahren wenn fie keine Aufholes haben. 
2 Lügen werden Maufegate genannt. Röding. D. Mäufen, 

. —ung. 

Das Miufeneft (Mausnefi), —es, Bi. —ır, ein Neft, b, 5. ein 

erſteckter Ost, wo Mäufe niften und hecen. Uneigenttih fagt man 
* — ter in tiefen Gedanken figt, er Hide Mäufenefter im 

opie 7 

Das Maͤuſeohr (Mausohr), —es, Di. —en; Wu. das Mäuſe⸗ 
oͤhtchen, ©. D. Mäufeöhrlein, eigentlich, das Ohr einer Maus. 
Uneigentlih belegt man mit biefem Ramen ı) bie am fhönften gebil» 

„a, beten nit geoßen Opren eines Pfexbes; zum Unterfhiebe von wenis 

ger ihön ober fehlerhaft gebilbiten Ohren berfelben, dergleichen die 

Saſlenohren und Efeischren find, =) Verſchledent Pflangin. (a) 

® Das Vergißmeinnicht, wegen einer Kunfiäteht des rund ausgefhnite 

ttnen Biomenblattes mit den Ofren einer’ Maus (Myosotis L.). 

62) Die Haſetwurz eder wilde Narbe (Asarum L.). (8) Einige 
Arien des Habichttrautes, als das Migelfraut (Hieracium pild-, 

„sella L.) und eine andere Art deffeiben, weite auch Bergmansöhrs 
lin genannt wird (Hieracium anrieula L.), (4) @ine Art bes 
Baldeians, melde unter dem Namea Raphnjchen am befannteften 
ift (Valeriana locusta L,), (5) Den Holunterſchwamm oder das 
Jubatohr (Peziza atıricula L.). (6) Kriehhendes Mäufeöhrlein, 
eine ‚Art bes Hornkrautes, Eriechendes oder filsichtes Hornkraut 
(Cerastium tomentosnum). (7) Weißes und rothes Maͤuftͤhrlein, 
eine Art der Nupepflanze mit getrennten Gefätehtern (Gmapha- 
lium dioieam L.); auch kriechende Papierklume, Kabenpfoͤtchen, 
Haſenpfoͤtchen ıc, (8) Den großen Wegerich oder Wegebreit (Plan- 
tago major L.). 5) @ine Art Schnirkelſchnecken, bie Ohrſchnecke 

u (Helix aurienlaria L.). 

Der Maͤuſepfeffer (Mauspfeffer), —b, 94. u. He Xrt des Roßpo ⸗ 
leies, welche einen ſchatfen brennenden Geſchmad dat, dader man Mäufe 
und Ratten damit titten Fann (Stachys sylvatica L.); and Bios 
nenfaug, Laͤuſekraut, Speichelkraut, Stephandtörner. unceigtut 
lich und im gemeinen Scherz nennt man zuweilen and wol ben Mätte 
ſedreck Mäufepfeffer. 

Das Mäufepulver (Mauspulver), —s, 9%. ol. ein Pulver, die“ 
Mauſe bamit zu vergiften, welches entweber wirklihes Gift, Arſe⸗ 
nit it ober doch zum Theil daraus beftchet. x sv 

Der Maufer, —s, 29. Hl. 1) Eine Perſon, welche mauſet, behend 
und liſtig ieht; bie —inn, My. —en, eine folde weibliche Perfon. 
In manden Gegenden wird ber Dübel oder Weißſtſch Mauſer, Min 
feeffer,, Mäufebeißer genannt, =) Ein Rrebs, der ih maufet oben 
gemanfet hat; im R. D. Muter, Muͤter und verderbt Mutterkrebs. 
3) Andere Bebeutungen hat es in Dudmäufer und Kalmänfer. 
&. biefe Wörter, 

Maufern, v. rec. f. 2. Maufen. 

* Däufefgierling (Mausfhierling), —eb, ©. 2%. der gemeine 
tierling. 

Der Maͤuſeſchwanz Mausſchwanz), —es, 3. —Ihwinze; Bw. 
das Maͤuſeſchwaͤnzchen, ©. D. Mäufefhmänzlein, eigentuͤch, der 
Chwonz einer Maus; in ber Naturbefgreitung, ber Name einer 
Planze. S. Mäufegras. Im geweinen Leben nennt man auch ein 
fehe dünnes Baarsöpfhen der Mannspesfonen ein Maͤuſeſchwaͤnz 
hen, auch Rattenſchwaͤnzchen. 

X Maufeftill, adv. f. Mäuschenftilk, 

X Maufetodf, adv. ganz tobt, vollig tobt. Einen manfetedt far 

gen. „Und flelt fih maufstodt.* Hagedorn. 

Die Mauseule, Di. —n, die gemeine Qule, Nachterle (Stryx aluco 


Maͤuſew 


L.), weil fie ſich dorzüsllh won Feldeaduſen näpret. 

+ Der Mäufrwähter (Mauswaͤchter), —e, 9. al. ſ. Mausfalt 
und Maͤuſehabicht. J 
Der Maͤuſezahn, —es, 3. — zuhne, eigentlich, der Bahn einer 
Maus. Man nınnt aber fo Überhaupt bie beiden vorderſten Schnel⸗ 
dezutae im Obertieſer, welche länger find als die Adrigen; find fie 

beritee, fo heißen He Schaufitzähme. Berge. Mauszaͤhne. 

Die Maufezeit, 9. u f. Maufe. 

Die Mäufezwiebel, ſ. Meerzwiebel. - 

Maudfahl, adj. u. adr. fahl, blaßgrau, wie bie Farbe bee gemeinen 
Da:6 ober Hausnaus; aud mausgrau, mausfarbig, mausfarben. 

Der Mausfalt, —en, 2. —en, ber Bupaar; auch Mausaar, 
Mäufemähter, Mauſer. Der Dausgeier iR vielleicht ein und 
berfeibe Bogel. 

Die Maufefarbe, 9y- u. die gewoͤhnliche alchgraue Farde der ger 
meinen Mous oder Hausmaus, wie auch, eine dieſer Karbe aͤhnliche 
graue Farbe. 

Mausfarben oder Mausfarbig, adj. u. adr, eine Mansfarbe har 
bend; mausfahl. — unter dem mausfarbnen Thore.“ I. P. 
Aiqhter. 

Der Mausſiſch, —s, 94. —e, eine Benennung gewiſſer Seeſiſche, 
als bee Mersbohlen, Merrbroffelm ıc. 

Die Mausgerfle, der Maushafer, f. Mäufegerfte, Mäufehafır. 

Der Maudgeier, —6, 9. al. nad Ab. eine Art Beier, welde ih 
von Mäufen und Frbſchen näprt. ©. Mausfalk. 

Mäufiht, adj. u. adv. einer Mars ähnlich, beſonders in Anfehung 
des Geruchta, den die Maus oder ihr Harn verbreitet, Umeigentlih 
fagt man, der Ungermwein [hmedt mäuficht, wenn er einen Geſchmac 
dat, welden man am beflen zu beyeihmen glaubt, wenn man ihm 
mit dem Gerud der Mäufe vergleicht, weil man bei jenem Geſchmack 
an biefen Geruch erinnert wirb. 

X Maufig, —er, —fe, adj. u. adv. ein aur in der Mebensart ſich 
maufig machen vorlommenbes Wort, für, Ah ungebäfrlih laut 
maden, fid zur Wehr fegen, aumaßend, verwegen fein ıc. „ar 
ſcheiat gerade der Dann zu fein, bee fi am mauſigſtea macht, 
wenn er am wenigften Recht hat." Leffing. 

Der Mauskopf, —es, 9. —koͤpfe, der Kloftermwengel ober Mind 
(Motacilla atricapilla L.). 

Das Mausöhrlein, —s, 9 al. f. Mäufeohr. 

+ Maufeln, v. intrs. langfam arbeiten und wenig ver fi bringen; 
aud muffeln. D. Maußeln. S. Mauneln und Maunen. 

+ Mauflih, —er, —fle, adj. u. adr. in manden Gegenden, für 
wenig ausrihtend bei anfheinender großer Befhäftigfeit; im R. D. 
auf-felig. 

X skin, adv. fo viel als mäuschenftill. 

Muf alles maueftil um ihn fein. Schiller, 

Der Maustburm oder Mäufetfurm, —es, 9. —thärme, ber 
Rame reines feſten Thurmes im Stheine im bee Gegend von Bingen, 
welden der von Mäufen bis bapin verfolgte Erabiſchef von Mainz 
Oatto, fol haben bauen Laffen. 

Die Mausweihe, By. —n, die Weihe (Falco milrus L.). ©. b. 

Der Mausweizen, —d, 9. Bi. der gemeine Lold, Sommerlolch 
(Lolium temulentum L.). 

Die Mauszähne, &. u, eine Art Epigen, weil bie zadigen Kaͤnder 
berfiiben einige Khnlihleit mit den Zähnen ber Mäufe Haben, 


Die Maute, By. —n, fm Wergbaue, ein Mierenerz, bad niht gang - 


weife dricht; auch Mauter. f 

Das Mauterz, —6, 4. —t, f. Maute. 

Die Mauth, Du. —en, im D. D. befonbers in Öfterreiä und Balern, 
ber Bol, welcher von Maaren entrichtet wird; wie auf, ber Dxt 
ober das Haus, mo man ihn entrihtet. Die Mauth geben, ent 
eiöten. Die Mauthen erpöpen. Auf die Mauth gehen. Sid bei 
der Mauth melden. 


238 


Meer 


Der Moutheinnehmer, —s, 2. gi. [. Mauthner, 

Mautbfrei, adj. u. adv. im D, D. zollftei. 

Die Mauthfreiheit, 9. u. im D. D. die Zollfreipeit, vermdge wei. 
her man feinen Bol zu entrichten braucht, 

t * Mauthmuͤhle, My —n, eine Bwangı oder Baunmäple, 

altaus, 

Der Mautbner, —6, 9. al. im D. D. der Bolleinnehmer, auf 
Mauthiinnehmer ; die Gattinn eines folden bie Mauthnerinn ober 
DMautheinnehmerinn. Der Mauthner umterfuht oft wuglei die 
Baarın und Sachen der Anlommenten, um zu fehen, ob verbotut 
Baarın und Baden barunter befiadlih finb. 

* Die Mauthftatt, 9. —ſtaͤtte, eine Statt, ein Ort, wo Mauth 
aber Bol entrichtet werben muß. DOberlin, 

+ Der Mautſch, —6, . —e, f. Ratte, 

Mauzen, v. intrs, ſ. Mauen, 

t Das Mauzenfraut, —es, 9. u. ein Name bee Hunbämelde, wei 
gen ihres fintenden Geruches (Chenopodium vulvaria L.); von 
Mauze, die weiblihen Schamthelte. 

+ Der Mauzenflein, f. Mutterfcin. 

Die Marpi le, 4. —n, ein Baierſches Golbftäd mit dem Wilde 
des Rusfärflen Mazimilian Joſeph, welches 4 Mibir. = Br, 3 Pf. 
güt, bie Eubmwizspikole zu 5 Mtpie. gerechnet (Maxdo’r). Man 
Könnte auch Marküd dafür fügen, 

Der May ıc., f. Mai ie. 

* t Me, adr. chemahle wo es auch meber Tautete unb In bew niedek: 
gen Sprechart vieler Gegenden mod jett für, mehr. Ghemahls gm 
beaudte inan es auf für aber, fonbern (Franz. mais), 

Medern, v. intrs. ein Zonwort, weldes bie zitternde Gtimme der 
Biege und bes Biegendeded nahahmet mb begeihinet; im manden 
D. D. Gegenden mähzen. Die Biege medert. D. Medern. 

Der Meder, —s, @- gl. ein Rame des Berafinken (f. d.), wahr 
ſcheialach von feinem unangenehmen einem Medern ähnliden Befhrel, 
wo bann bas Wort zihtiger Diederer, einer dee mectert lauten würde, 

+ Der Meddick, —es, 9. —, ber Regenwurm. 

+ Das Medefüß, o. Umend. u. Di. cin Rame des Grißharteh (Spi · 
raea ulmaria L 

X Die Medufe, 9. —n, ein Wort, weldes eigenttid der Ei 
genname eins erdichteten Wefens in ber Wabellcher ber Gries 
Ken iR, deffen Kopf mit Schlangen anflatt ber Haare beſeht war 
und jeden ber es erblidte verfkeinte. Im ber NRaturbeſchreibung 
belegt man mit biefem Mamen einen Gerwurm, deſſen Sqcheale ein 
fünffzafliger Stern if, ber fi on dem Enden ber Etrahlen thei. 
let, am biefen getpeilten Enden wicber theilet umd fo fort, fo daß 
eadllch viele hundert feine Strahlen, bie ih wie Haare in einander 
fllgen, entlichen, ber Mebufenfterm (Asteria caput Medusae L.); 
and ber Zottenkopf. 

Das Medufenhaupt, —es, 3. —häupter. 1) Das Haupt ber Dim 
dufe. 2) Eine Art besienigen Pflanzengefhiehts, zu weldem bie 
Welfsmild ıc. gehdet, bezen Stamm viele in einander gefhlungene 
Üße treibt (Euphorbia caput Medusae L.). 

X Der Medufenkopf, —ıs, 3. —Löpfe. ı) Der Kopf ber Drebufe, 
A das Meduſenhaupt. S. Medufe. =) Eine Art Klippkleber (Pa- 
tella laciniosa L,), 

X Der Medufenftern, —ı6, 2. —, ſ. Meduſe. 

Dos Meer, —es, 9. —t; Bio. das Meerchen, O. D. Meerlein, 
em große MWaffermafle auf der Dberflähe ber Eate, mweide vom 
Sande eimgefhloffen iſt. Mahin gehören bas Kaspifche Meer im 
Afen, das tobte und Galilaͤiſche Meer im efemapligen Eaate der 
Juden, bas Steinhuder Meer im Büdeburgifen, das Bacher Meer 
im Trlerſchen, bas Harlemer Meer in Holland, melde, das erfle 
ausgenommen, nur große Banbfeen find, berem es ungleich größere 
giebt, die den Namen Meer nicht führen. Gewöhnlich aber verfiche 
man unter Meer bas ganze große Brwäffen, welchet alles fefte Land 


Merra 


‚ unb alle Jaſeln bes Gehbohdeng umgieht und welchet wel zwei Dritthelle 

der genzen Grbobeufläde bedeat, das Weltineer, bie Ser (Ocean), 

obere “ud nur rinzgehue Tpelle dieſes einzigen zufammenhangenben 
Gewäfert, melde durch verſchiedene Belfäge unteefchleben werben. 
Das Atiantifche Meer ober Weltmeer, das Mittellaͤndi ſche Merz, 
das Adriatiſche Meer, das Baltiſche Meer, das ſchwarze Meer, 

. bas weiße Meer, das roche Mert, das file Meer, das Eitmerrxc. 
Bon andern bexgleichen Theilen ik die See dbtig, 3. B. die Süd- 
fer, die Norbſes, die Oſtſee. Das Saſſer des Mecres if faljig. 
Die Adiere des Merrid. 

Die ihr den fhmellım Tod im alle Meere ' 
Auf Donnergaltenen bringt. : Ramler. 
Ob lech das Meer, mit dem Lateinithen mare verwandt uud mehr 
im DD. gemöhntid, und bie See, befondera im R. D. gebraͤuch⸗ 
ub, biefeibe Sacht bezeichnen, fo werben fie doch nit in allen Zälr 
In eas füs das ander, fondern See dann gebraudt, weru man 


zarpr auf bie Woſſe als auf bas mas dem feflen Bande entgegenges- 


fett ift fichet und Meer daun, mern man mehr auf die Form adh ⸗ 
tet, indem man es ald das große, allgemeine Waffesbepkituif ber 


trechtetz daher auch umeigentiih im der Bibel ı Rön. 7,25 f.- 


= Rön. a5, 15 f. das große eherne Maffergefäß im Worhofe des 
Zempels das eherne Meer heißt. In den Aufammenfegungen mit 
Meer und See beobachtet man meift denſelden interfchleh, doch wird 
im vielen Fällen beides auf gleiche Art gebraucht. Im uncigentlicher 
Webentung für große Dinge, Fälle ıc. iſt nur Meer gewöhnlich. 
So fpriht man biterif& von einem Meere von Menne ıc.; Im el 
mm u von Wonar, Freude fdwimmen ıc. 

Bier beanfenb 

Ein Meer von Feinden idn umfing. Ramler. 
„Ih remote aus einem Meere finnlofer Aylume.e Herber. Sm 


mrilen iſt auch ber Begriff. der Bewegung und Hazube bamit ver⸗ 


bunden. „imlche unfres Blut. und Sedankenfizoms, unfers Mens 
res von Aufwallungen und Trieben ift die Scham." Herder. Um 
eigentiich wird in der hötern Dihtfunft au das Weerwafſſer Meer 
grmannt. 
— Hoch Aufblafend das Meer aus offenen Rüftern. Bot. 

Ya ben Bufammenfegungen bezeichnet Meer theils etwas bem Meere 
Gigenrs, bavon Xusgefagtes, ıheils etwas im demferhen Entpaltenes, 
Wotznbet, theila etwas Äber baffelde zu und Bebradites. 

Der Meeraal, —es, 9. —e, fo viel als Aalſchlange; and ber 
Seraal. S. Aalſchlange. 

Die Mecraalgnappe, J. Meerquappe. 

A Der Meerabgrund, —s, 2. —gründe, der ober ein Abarund 
bes Mertes ober im Meerc 

unter dem Sqhleudera ber Mrerabgruͤnd' erhelenden Wiige, 
®onnenbirg. 

& Meerabrauſchend, udj. u. adv. nad dem Meere hinabeaufend, 
ins Meer Arbmend. —  merrabraufchende Ströme. Bof. 
Der Meeradler, — , 9 gl. 3) Gine Art Adier; der große 

Merradlet. &. Beinbredher. =) Eine Art Abler in Europa, @ibirten 
und Amerika, bie fi mehr am Fluͤſſen als an dem Beefüften aufhält, 
mo fie auf Enten und befonders auf große Kifche lauert, außerdem 
aber amd Fıblhe und Maͤuſe frift (Faleo halinetos, Aquile an- 
Anria s. clamga); auch Flußadler, Entenadler, Entenflößer, Fifchr 
abter, Fiſchaar, Mosweibe, Rohrfalk ze. 3) Ein Mame des Fre 
gattoogels aber der Bergatte. ©. d. 4) Eine Art Noden, weide 
einen glalten Körper, eintn Tangen gejähnelten Stachtl am Schwanze 
Haben, womit fie andere Fiſche toͤdten, uni derem Eriten wie Flügel 

autorheeitet ſiad (Raja aquila L.). 

Der Meeraffe, —n, u —n, ber Rome eines Hilden im rothen 
Bicere, an den Aftikaniſchen Küften und auch im der Nosdfer (Sinin 
zmerins). 

Der Meeralant, a f. Murdſche. 


_ 239 


Meerb 


Der Meerampfer, — , — Eye BEE: bie in Eu 
ropa an den Wetrufera wählt (Bumex maritimus L, 

Die Merramfel, 94. —n. ı) Eine Art Amfeln a Droffein, 
fäwarjgrau und weiß gefprengt und mit einem meißen Flece, bee 
#5 in Gehalt eines Ringes vom der Wruft nad dem Halfe hinauf ⸗ 
wieder, daher fie auch Schirbamfel und Ringamfer, fonft auf neh 
Meerdroſſel, Seeamfil, Stodziemer genannt wird (Turdus tors 
quatus L.) 4) @ine Art Eippfifde mit gränlidem Rüden, geiblis 
sem Bauche, bie mit aſchgrauen mb blafblanen Fleden gefprengt 
find, mis goldgelben Singen um ben Augen und einer mit zwei und 
dreißig Firmen befepten Mädenfloffe (Labrus turdus Kl.) 

A Meeranwohnend, adj. u, adv. an dem Meere wehnend. 

— von merranmwohnenden Böltem. Gonnenberg. 

O Der Mertanwohner, —4, 9. al; die — Inn, Dig. —en, ber, 
bie am Meere wohnet, bie Bewohner einer Merr:stäfle. Ungen.(M.) 

Der Desrapfel, —e, Mg —ipfel. 2) Der Adams ober Parabiede 
apfel. =) ©, Serigel 

Der Meerarm, —ı, 9. —t, der Arm, bi h. ein langer und 
fümaler Aheli eines Merues; ein dei Stieler vorkommendes und 
tm verfhiebenen Bälen beſſeres Wort, als Bersbufen, So würde 
man anflatt Finnifcher, Borhnifcher rc. Meerbuſen beſſer fagın der 
Binnifhe, Bothaiſche Meerarm. So find das Adriatiſche Meer, das 
zothe Mercer Merrarme, tiefes ein Arm vom Jabiſchen Meere, 
ienes vom Mittelländifgen Meere. 

Gern entdedt ihr amndrbliden Pal Reerarme, — Sonnenberg. 

Die Merräfhe, u. —n, bei Klein ein Bifhgelhteht, welches 
dorch offene Ohren athmet und zwei wahre Nüdenfloffen hat, bie ſtrab⸗ 
tig und fladelig find (Mugilcephahus) ; aud Meeralant, Großkopf. 

Die Meeraffel, My. —n, bie Benennung eines Belälehtes in ber 
Ger ichender Würmer, welde viele Beine und viele Küptfpigen om 
den Beiten des Abrpers und Köntichkeit mit ben Affein haben, bei, 
Mällee das Sertaufenbbein (Nereis L.). Arten bavem find 

der Bürftenwurm, das Srelicht ır. 

Die Meeraufter, By. —n, Kufern geringerer Axt, melde auf dem 
bohen Meere gefiiht werben, 

Der Meerbaarfch, ſ. Merrbörs. 

Der Meerbal, —s, 9. —blle, dir Benennung Rugeltäter oder 
Hingtiärunder gelbbrauner Körper, welche von außen zauh und ham 
sig find, immendig aber mei Sand ober Heine Mufgeln enthalten 
und im Mittellaͤndiſchen Meere Häufig gefunden werben (Piln mm 
rina); au Seeball. 

Die Meerbambele, Sy. —n, ber Rame eines Gerfiier; bei Mülte® 
Mittettandiſcher —* heißt (Atherina bepsetus L.). 

Die Meerbarbe, 9. —n, f. Bartfifd. 





Der Meerbart, —eb 2. —bärte, f. Meerpinfel. 


Der Meerbartifch, —eb, 2. —e, f. Bartſiſch. 
* 2 Ebene, 4, — blume; Bi. das Merbaͤumchen, 
D. — lein, bie Rorakenflaube. 

Pt "Dieerberte, u. —n, l Mongelb. 

4 Meerbeherrfchend, adj. n. adv. das Wirer beberrſchenb, auf bem 
Meure Hertſchaft autäbenb, Das vormahls meerbeherrfhende 
Tyras. Ungen. {R.) Die meerbeherrſchenden Enatänber. 

& Der Meerbeberrfher, —&, 29. gt; bie — inn, 9. —en, ein 
Behrerfher, eine Behersfherinn dre Merres. Die Engländer find 
kpt die Dieerbeherrfcher. Deitannia, die Meerbeherrfcherinn. In 
engere Brbeatung, ein @ott, eine Soͤtlian, welchet aber melde dab 
Beer beherrſcht; ber Miergott oder Meerrogott, bie ieerengättinn. 

WBıte nur, 0 Frembling, zum Meerbeberrfcher Peſeiden. Be. 

Der Meerbeifuß, —tb, der —— S. d. 

Der Meerbeißer, — 2. gl. rin Seeſtſch, weldee blaßgrus ober 
ſchmugtg geib ff, mit bimmelblauen Binien und großen | noaryen 
Bledten an ben Seiten gejeiänetift (Maenas I, KL, Sparsı ma :un b.) ; 
ang Meerfgißer. 


Meerb 2 


Der Meerbeſchreiber, —s, 4. al. einer der ein Meer, ober bie 
Meere, ihre natürliche Brihaffenheit, Merkwürdigkeiten it. beſchreibet. 

Die Meerbefhreibung, Sz. — en, bie Befgreibung bes Meeres oder 
ber Meier. 

A Meerbefegelnd, adj. u. adv. bas Meer befegeint, beſchiffend. Ein 
meerbefezeindes Roll. 

O Der Mierbefegler, —@, 99. gl. der bas Meer beſegelt, befhifs 
fet, ein Eerfahser, „Es war einmahl ein alexlichfes eines kand⸗ 
den, — weldes ſich vor ben fehnfuhtövollen Blicen ber Merbe— 
fegler wie ein himmelblauer Streif an ben Djean ſchmiegte.“ Ben» 
sel:Gternau, 

& Der Meerbejwinger, —s, 9%. gl. ein Bezwinger des Meeres, 
der Über das Meier Herrſchaft ausübt. " 

Mit Klammenaugen fahft bu Mofe an 
Und machteſt, Staͤckſter, ihn zum Meerbezwinger. ungen. 

Die Merrbinde, Dip. —n, eine Art Bandfiſche, milde fiiverfarbig 

»- ik und eine rötplihe Müdenfloffe hat (Taeniae altera species 
Gesn. , Enchelyopns 8. Kl.). 

Die Meerbinfe, 3%. -—n, am Meere wachfende Binfen, Wörterb, 
von 1482, „Die Erone do Got mit gekroenet wart iſt von meer= 

pinfen upb fleden.“ Bei Eberlin. 

Die Meerbohne, 34. —n, Merreichel, 

Der Meerbörd, —es, Bi. —e, die Benennung folder Börfe, bie 
fh im Meere aufpalten (Perca marina L,), aud Serbörs; 
zum unterſchlebe von den Flußbbrſen. Beſonders, eine Art im 
Weere Iehender Börfe von benuner Farbe, am ganzen Körper bis 
ger Schnauze mit blauen Flecken gefprenkelt, mit ſafrangelben Au: 
genringen, langen Kiemenfloffen und mit gleihem ungetheiltem 
Schwanze Peren punctata L.). 
boͤrs mit ſchwarzem Schwanze (Perca melanura L.), 

Die Meerbrandung, My. —en, die Brandung bes Meerei. 


Gieich Meerbrandurngen, untergemählt von der Wut der Orkane, 


Bonnenberg. 

Der Meerbraſſen, —s, 99. gl. bei KIein eim eigenes Geſchlecht 
berienigen Fiche, bie eine lange Rückenſloſſe von kaſt gleicher Höbe 
und Breite und fpigige, 3ipme haben (Synagris Kl), Rah Linn? 
bezeichnet dieſer Name diejenigen Feſche, welche ſtarke Schneide⸗ over 
Badenzaͤhne, vertoppelte Lippen, fünfitrahlige Kiemerhäute, ſchup⸗ 
pige Riemendedel. einen plattgedrärdtin Rörper, eine nadı hinten zu 
zetrümmte Geitenlinie und abarrunbete Br.fifioffen haben (Spa- 
zus L.j, Dergleichen find die Wolbbraffen (Syn»gris 4 Kl., Spa- 
rus auratal ); ber@olbitrich (Synagris 6 Kl., Sparus salps L.); 
das Großauge iSynagris „Kl, Spurus boops L.); der Schwatz⸗ 
ſchwang ‚Synagris ı3 Kl, Sparus nelenurts L.); bie ads 
floffe (Spagrus’pägrus L.) tc. £ 

& Der Mersbraten, f. Mörbraten. 

Die Meerbucht, 9 —en , eine Wucht, klelnere @inbiegung bes 
Merres ins Land. S. Meerbuſen. 

Der Meerbulle, —n, 3 —n, I Meerochſe. 

Der Meerbuͤrzel, —s, In. u. ſ. Meermelde 

Der Meerbufen, —s, MM: gl. ein Abeil bed Meeres, welcher ſich 

‚In das fefie Land erſtrect. &o find bag Mirteimeer, bie Oſtſee se, 
Merrbufen tes großen Weltmrers, das Abrintifte, das ſchwatze 
Meer ꝛc. hingegen wieder Bufın bes Mittelmeees, fo wie ber Both: 
niſche, Zinnifhe und Meerbufen wieder Bufen ber Dftier find. 
©. Meerarm. Kleinere Einblegungen des Meeres ind Sand werden 
Buchten, Meerbuchten, Baien, Witen, und wenn fie einen engen 
Einaena babın und Schiffe üch darin ſichet aufhalten, Häfen genannt, 

- Die Meerbutte oder Meerbütte, Bi. —n, Butten ober Buttfiſche, 

weiche im Meere Ieben (Rhombus Kl, Pleuronectes L.\. ©, 


3. Butte. Das Fleiſch derſelben, wenigftens einiger, foll bnlich. 


Reit im Geſcmacke mit Jaſanenfleiſche haben, bater fir bei Eitnigen 
auch Meerfafan, Serfafan heißen. Bei Einigen fährt auf bir Hell: 


240 


Eine andere Art iſt der Meer: 


Meere 


butte oder Hrifbirtte bieſen Ramen (Pleimonbeter hippaglosudik.). 

Die Meerbattel, 9. —n, eine Art Steinmufgeln, weide die Ge⸗ 
ſtalt eine Dattel Hat und bei Andern lange Spitzmuſchel Heißt 
(Pholas dactylüs L.), ; Ind 

Die Meerbiftel, 94. —n. - 1) Ein Mame bes Haffbornes, &, ®. 
2 En vecberdter Rame dee Mariendiſtel. J 

Die Meerdohle, 24. —n, ber. Mame einer Art Makrelen mit ſchie⸗ 
fen Birien, Beinen ſchwarzen Fletken, getbeiltem Schwanze und Beis 
nea bürnen Schuppen (Monedala snariva, Pelamys 4 Kl.) °, 

Dir Meerdrache, — ns, 4. —n. 1) @. Leler 5) und Drachen⸗ 
fiſch. =) Gin Raubt hier im Merre, bias E,cdh. z2, ai erwähnt, 
aber nicht näher bereihrerift. . rer ; 

Der Meerbrehbals, es, 9. — haͤlſe, f. Ohtentaucher. 

Die Meerdroffel, 4. —n, f. Merramſel. 

& Meerdurchwandelnd, adj. u. adv. das Meer ober bie Meere 
durbimanteind, durchſegelad. „Meerdurchwanbeinde Schiffer Bop 

Der Miereber, —s, DM. gl. cine Art Epiegiififige, bei Mütter 
Saurhffelfifih (Zeus aper L.), " 

Das Meerei, — s, Mg. —er, eine Art Meemmälf: , ober eine ges 
wuatene Art Mufdeln, welde man an ber Braſiliſchen Küſte in bee 
Größe eines Hübnereies findet, 

Die Meereihe, 9. —n, eine Art Meergrafes im Atlantiſchen 
Mieze mit einem flahen zweitheiligen glatt gerönberten Blatte, aus 
beffen Spinen warzige Bläschen ent/pringen (Fucus vesienlosus L.) 3 
bie Serrihe. In Schweden füttert mon bie Ediweine bamit, 

Die Meereichel, Bi. —n, eine vielfhatige Muſchel, deren Mewohr 
ner eıne Steinſchnecke it (Balanıs L.); auch Seeeichel, Mertbobne. 

Die Meereidechſe, 94. —n, eigentlich Eitedfen, welche im Meere 
leben. Uneigentlih führt diefen Ramen eine Art Forellen, bei 
Klein Trutten, beren beibe Kiefer mit Heinen fharfen Bühnen 
von ungleiher Größe dicht befept finb und bie braume Schuppen, 
einen weißen Bau, gabelfdimigen Chmanz und rotke Kugenringe 
$:t (Trutta dentata 10 Kl., Salmo saurus L.). 

Das Ülrereiland, — es, By. —e, ein im Mirre liegenbes Eilond, 
eine Meerinfel; zum Unterfhiebe von einer Infel in einem Fiuffe 
ober Ser, Teiche. 

Fern aus dem Meereifanbe, das feinbliche Männer belürmen. Bo, 

Das Meereinborn, f. Sieinkorn. i 

Die Meerelfier, eg. —n, rin austänbifher Bogel mit zattem Sqchna⸗ 
bei, eberwaͤrts ſchwarzem und unfen ſchmuzig weißem Korfe, Halle 
und Rumpfe, und langen rothen Füßen, welcher von Auftern lebt 
und baber auch Auſtervogel genannt wird (Haematopus ostrale- 
gw L.). ©, Auſtervogel. ‚ A 

+ Meeren, v. tes, bet den Holldnbifhen Winnentanbfabrern,. ein 
SHiff an den Kafen mit Tauen brfeftioem Die Taue, deren mar 
ſich da zu dedient. beiten Meertaue. Möbina. D. Wreren. 

Die Meerenge, Pi. —n, ber Ipeit eines Meeres, weiche ſich jibie 
fdem: zwei einander nah nraenätre Henenben Gänbern ober Inſeln 
befindet und den Durchgang aus einem Merre in bat andere, oder 
auf einem Theile beffeiben in ben andern ausmadıt; bei ben Schif⸗ 
fern die Strafe, Die Meerenge bei Salaid, bei Gibraltar, bei 
K-nfantinopel. “ 

Der Meerengel, —e, 94. at. f. Eincetfiich. 2 

Meerengicht, adj. u. adr, einer Meerenge gleich, eine Merrenge ab⸗ 
geben», feienb. ‚ 

Rod iſt durch einen meerengichten Grund von Ohes abgelch nitten. 
Kırmen 

Die Mecrente, By. —n, sine auf ober im bem Meere lebende Enir. 
Stirier r 

Der Meeresboden, —#, 0. MM. ber Boben, bre Seund bes Weerte 
der Meeres4rund, ber Merrgrund 

Der Meerefel, —s 4. at. eine Art Btodfifd; ven grautt Farbe 
und ohne Bart (Gadus merlucius L.). . 


. + 


Meeredf 


Die Drierösfläche,'o. WW. die Oberfläche des Meeres, welche als bie 
Yan -tiefften liegende und wagerechteſte Ebene bei Hoͤhenbeſtien · 
nungen angenommen wird. Der Berg iſt 5000 Fuß über bie 
Meeresfläcdhe erhaben. Auch Merrfläce. 
Drauf von der Meerfläche hub fie Lamgfam bis in die Wolfen 
Sich ımpor nad dem Laufe des Binde — Gomnenberg. 
A Die-Meereöflut; y. — en, die Flut, die Fluten des Miczes, 
Vas Meer, ; Bi oo 
Aber niht bloß im Wellenreiche, 
Auf der wageaden Meeresflut 
iR Möanket bas Giac, und. win aicht weilen. Gonnenserg. 
Auch die Meceflur, weiches ihon Btterer dat. 
7 Die falzige Merrflut. - Boß. 

Das Meergewaͤſſer, —s, My: u. das Gemwäffer bes Meeres, das 
Meer. Dantie Meeres gewaͤſſer.“ Bo. 

Der Meeresgott oder) Meergott, —eb, Dig. —götter; die —inn, 
. — en, aine Bottheit, ‚weiche das Meer beherrſcht, befonders in 

der Fabetiehre der Aiten (Neptunus, Amphitrite, Thetis), 
Auch nicht ber Perlen und Korallen Schmuck 
Der Meeresghttinn wunderſame Gaben. Schiller. 
S. auch Miergott. 

Der Meeresgrund, — es, 29. u. ſ. Meergrund. 

Die Meereöküfte oder Meerküfte, Dig. —n, die Küfte des Meeres. 

Die Meereslänge, 34. u. eigentlich die Lünge des Meeres oder eis 
ads Merres. In der Secfahet, die Länge, d. h. bie Entfernung 
beftimmter Punkte auf bem Terre nad Dften und Welten von tis 
nem als erſten angenommenen Mittagskreife, beren Meffung unb 
Beltimmung vielen Schwierigkeiten unterworfen tft (Longitudo mia- 
ris s. maritima), 'Die Meereslänge beffimmen. ; 

Die Meeresftille, gewöhntiher die Meerflile, 4. —n, ber Zus 
fand bes Meeres, wenn es bei ganz Riller Luft ohne alle merkliche 
Berorgung ift; bie Seeſtille dei Stleler auch Meerrube, am 
Yäufigften die Mindflille. 

Dann ift fiber die Fahrt; dann hemmt die Winde vom Xusgang 
Aolus, ſRatzend die Flut, und (hofft Meerftille ben Enteln, Voß. 

Der Meeresfirom oder Meerfirom, —s, 9. — ſtroͤme, ein Strom 

‚ipber eine Strömung im Meere, eine Segend im Mirre, mo bas 

 Mäffee ſich in einem’ Ströme nah einer Richtung hin oft [ehr rei: 
Fend und viele Meilen weit bewegt; der Seeſtrom. 

Die Meereöwelle, Big. —n, bie Wellen bes Mieres, und das Meer 
feib®. 

I Die Meereswoge, My. —n, die Bogen ober hohen Wellen des 
Meerres. „Mein Dırz geht empor, wie Meereswogen im Sturm.“ 
Weiße. In den Meeteswogen feinen Zob finten. 

Der Meerfaden, —s, 94. —fäden. 1) Eine Art Meerarafes mit 
‚einem fabenförmigen duechſichtigen Blatte (Pucus filum L); auch 
Merrfirang, S. Meerröhre. 

Die Meerfahrt, 9. —en, die oder eine Fahet auf dem Meere. @tie- 
ler. In engeree Bebrutung gebrauchte man es ehemahls von ri 

° mem Kreuzzuge zu Waſſer oder Über Waffer nad bem gelobten Lande. 
Obertin. 

Meerfarben, adj. u. adv, ‚bie fdeindare Farbe des Meeres habend, 
> meeraran, meergrün. Mahler. 

Der Mierfafan, —es, 3. —e, ſ. Meerbutte. 

Die Moerfever, By. —m, ſ. Serfeder. 

Die Meirfeige, Mm. —n, f. Serfeige. 

Der Meerfenchel, —, Wi. u. eine an ben &erkäften wächfenbe 

 fhiemtrsgende Pflanze, beren gelblihe Zwitterblumen fünf Blumen» 
biätter, fünf Stanbfären und zwei rückwärts gebogene Beiffel haben 

"(Crithmum inaritimum L.), Die Blätter diefer Pflanze werden 
ald Salat genoffen. . 

Das Meerferkel, —6, 29. ol. ſ. Meerſchwein. 

Die Meerfihte, 9. —n. 1) ©. Meerkiefer. 2) Fine Art Meer 


Gampe's Wörterd. 3 Th. 


248 


Meerg 


aoraſes (Fucus pinastroides), 

* er ; =. Di. —e, bie Benennung aller Fifhe, welde 

r, aufpalten, gewöhnliger See ; Jum’'un 

‚von dem Flußs und Teiöffeen, . 
— ben gewaltigen Meerſiſch. Woß. 

Die Meerfläce, f. Meeresflähr. ° * 

Die Meerjlafche, 9. —n, ſ. Seeſlaſche. 

Die Meerfiut, ſ. Meeresflut. j 

Die Meerfohre, 94. —n, eine Axt Fohren, welde in warmen Eier 
bern am Meerufer warhfen (Pinus maritima Mill), 

Die Meerfrau, y. —en; Bio. das Meerfraͤulein, die Benennung 
fabslgafter Welen, welchen man weitliche Beftalt giebt und welche 
man das Meer oder Überhaupt das Waſſer bewohnen läßt; auch 
Meetweib, Meerjungfrau, Meermaͤdchen, wenn man bamit ben 
Bigeiff eines. Midhens und einer Jungfrau verbindet; mie 
auch Waſſernixe. „Die helde Meerfrau verbarg dem Gelithten 
ipre Thraͤnen, doch dieſe Nachricht nit; fie hatte es verfproden.« " 
Wenzel:-Gtermau. In engerer Bebeutung ein foldes fabelhaftes 
Welen, welches oberhalb bis zum Nabel im weiblicher Geftalt, uns 
terhalb aber mit einem Fiſchſchwanze verfehen, vorgeſtellt wurde 
(Sirene). Gin ſolches fabelbaftes MWefen in männliher Gefalt 
nennt man Meermann (Triton); Meermenfc aber heift es, wenn 
bas Geſchlecht deſſelben nicht beffimmt und in allgemeinen davon 
geredet wird. 

Der Meerfroſch, —, y. —fröfhe. 1) Eine Art großer Fro⸗ 
fd in Amerita (Rana marina); aud ber Seefrofh. Wahrfhein- 
lid hat er ben Ramen von feiner Bröße, indem man von allen aros 
den Wafferthieren meinte fie müßten im Meere leben, ober indem 
man fie wenigftens nad brm Meere benannte, =) @in eignes Fiſchge⸗ 
ſchlecht, der Froſchſiſch Gatrachus KL). Beſonders eine Art def 
felben, welche unter dem zweiten Paar Floffen, dinter ben Seiten 
fortfägen oder den [ogenannten Armen ein Luftloh auf jeder Seite 
unb im Innern besfelban drei Rımen ober Luftwerkzeuge ohne Spi: 
den oder Stacheln haben (Rana piscatrix, Lophius piscatorius L.) 
Er ficht Hiplih aus, ber dide Kopf nimmt mehr als bie Hälfte ber 
ganzen tänge des Fiſches ein, bie Mugen find groß, ber Raden weit 
und fomol 'oben als unten mit einer beppelten Reihe von Zähnen 
bewaffnet, 

Dir Meerfuchs, —es, Di. —fuͤchſe, der Rame einer Art desje⸗ 
nigen Fiſchgeſchlechtes, melhes Klein mit bem Ramın Gpitmafe 
belegt (Galeus centrina Gesn. , Sgtalus centrina L.). 

O Der Meerfürft, —en, 94. —en, ein Fürft, ein Beherrfäer bes 
Meerts; aud, eine Benennung des Meergottes, 

— mid nennt Meenfel der Meerfuͤrſt. Voß. 

Die Meergand, 2. —gänfe, bei Einigen ein Rame der Kropfgans, 

m —— » MM: —en, eine Gefahr auf dem Deere, zur Ger. 

tier 

Die Meergegend, 9. —en, eine Gegend des Meeres; eine Begenb 
am Merze. „Iu biefen tiefen Meergegenden." Herder. 

Die Meergeiß, 9. —ın, ein alter Rame ber Krabbe (Cancer 
squilla L.). 

a Das Meergefchäft, —es, U. — +, ein Gelhäft, welches man 
auf dem Meere treibt, als Schifffahrt, Scrfifherei 10.5; befinders 
bie Schifffahrt. * 

— Rricht waren der Meergeſchaͤfte fe kundig. Woß. 

+ Das Meergefchnalg, —es, 2. —, eine Benennung ber Sqchal⸗ 
thiere Memnid. 

Das Meergefchöpf, —es, 9. —e, ein im Meere lebendes Ges 
fHöpf; ein Seegeſchoͤpf. A 

Dad Meergeflade, —es, 9M. ol. das Geſtade bes Meeres, gewöhn- 
td nur das Geſtade. Mahler, 

Dad Meergemähs, —s, 34. —. 1) Ein jedes im Meere wach⸗ 
fendes Gewäds, wozu aud bie Korallen gehören, das Seegewaͤchs; 


31 


Meerg 


242 


Meerh 


in Gigenfag dom den Erd⸗ aber Samdgewichfen. 2) In engeree Der Meerhahn, —es, My. —hähne, eine Krt Gpiegeifiäe, die 


Bebeutung, bie Merritaude ober Hornlorale. ©. b. 

A Dos Meergewirbel, — 8, 7. gl. guoße und viele Wirkt im 
Meere, — vie braufende Meergeiwichel. — Sonnenberg. 

Das Meergloͤkechen, —s, 9m. gl. f. Mrtmwinde. 

+ Der Meergob, —ıd, 4. —e, |. Meergrundel. 

Der Meergott, — s, Di. —götter; die —inn, 9. —eın, ein 
Gottheit bed Meeres; wie auch, eine Gottheit, welche das Meer ber 
derrſcht, wofür man beſtimmter Meeres gott gebrauht und den hoͤch ⸗ 
fen Bott, die Höhle Bättinn bes Merres darunter verfichet,, dage- 
gen Meergötter und Meergöttinnen mehr bie Untergötter deztich 
net (Tritonen, Nereiden ac.) j die Meergottheit. Doc beobachtet 
man biefen Wnterfhieb mit genau und gebraucht Meergott und 
Meeresgott In gleicher Bedeutung. 

— Zhetis, die Tochter des altanben Dierrgottd. B ärger. (R.) 

Die Meergottheit, 3. —n, f. Meergott. 

Das Meergrad, —es, Wi. von mehrern Arten, —gräfer. 1) Die 
Benennung von Aftermoofen (Alga), welche entweber auf bem Bruns 
be des Meeres wachlen unb bei heftigem Gturme abgeriffen ans 
Uſer geworfen werben, ober welche am ben Ufern bes Meeres 
wachſen und bei ber Ebbe zum Borfhein Fommen (Pucus L.);5 au 
Errgrad. Es giebt viele Aeten dieſes Gefhlehtes und man unters 
füeidet Eugelförmige, pinfelfdrmige, Borallenartige, gewurzelte 
mit Blaͤttern verfehene ıc. Meergräfer. Arten davon find auch 
die Misreihe, ber Meerfaden x. =) Ein Gedicht von Ger 
pflanzen, bei welchen bas Blatt ſcheldenfoͤrmig, zulammengelegt unb 
abeswärts eingederbt ben Bidtentolben einfhlleft, welcher gleih 
derit und platt, oderwaͤrte mit Staubfäben und unterwärts mit 
Stempeln befept it; die Staubbeutel find Tänglih, obermärts ges 
trämmt und herabhangend; der Fruchtkelm ift eiförmig, faft platt, 
ohne Griffel und mit einem dünnen Staubwege befeät; der Frucht ·⸗ 
balg öffart Eh der Yinge nad and enthält einen eifdemigen Samen 
WZostera L.); aud, der Tang, Seetang, bei Blaner abır Wafı 
ferriemen. 3) Sin Rıme des Wieſenkrautes (Statice armeria L.); 
auch Merrnelde, Seenelle x. 4) Das Sandhaargtas. ©. b. 

O Meergrafig, adj. u. adv. mit Meergrafe bewachſen. 

Am meergrafigen Ctrand — — Bof. 

Meergrau, adj. u, adr. grau welches ins Grüne fänt. 

O Meergrauängig, adj. u. adv. meesgraue Augen habend. „Der 
merrgraudugige Grauen hat ſich abgefchlichen und koͤmmt gewiß 
niät wicher.* 3. P. Ridter. 

O Das Meergraͤuel, —s, M. al. ein gräulidee, Srauen erre ⸗ 
senden Meergeſchoͤpf, ein Meerungeheuer. „Bis heute, wo ih 
mid mit einem Meergräuel hesumbalge.- Thämmel, 

Der Meergries, —es, 2. u. ſ. Perlhitſe. 

Die Meergroppe, . — n, eine Art Mearſiſche, die mit Kiemendedeln 
verſeden find (Blennius L.). : 

Meergrün, adj. u. adv. grün wie das Merrwaffer in Maffe geſehen 
tem Auge erfheinet. 

Der Meergrund, Meereögrund, —e6, By. u. ber Grund des Metres. 

— atılandig wenigften# if er, 

was im Monde gefchieht und im anterſten Mes ⸗ 

tedgrund, Baggefen. 

Der Meergrumdel, —s, 94. gl. oder der Meergründling, —es, 

—t. 1) Der Rame eines den Bründeln Apnlihen Meerfifdes, 
mwelder biäutiche, häufig ſchwarzgeſprenkelte Rüden:, Xfters und 
Schwanjfloffen , gelbliche Kiemendedel, einen gelblichen Bauch, und 
Meine ſcharfe Suppen hat (Gobius niger L.); aud Meergob, 

Gob, ſchwarzer Bob, Kühling. =) Ein Name ber aus Frankreich 
und Poztugall zu und gebeachten Sarbellen (Clupea enerasicolus L.). 

Der Meerbafen, —ım, 2. —häfen, ein Hafen am Meere, tin 
Hafen, melden das Meen bildet, der Serhafen; zum unterſchi⸗⸗ 
de von einem Flußhafen. 


wiffend ausleich 


en — — — 


von einer Seite zur anbsrn ſehe ſchmal, vom Rüden zum Bauche 
ader breit it; Rüden und Baud find fharf, der Körper ift filber: 
glänzend, die Bruft» und Baudfloffen ſiad fehr lang, befonbers aber 
Fund die zehnte Finne ber Nüdenfloffe und die zweite bes Aftenfloffe 
länger ala der ganye Fifh (Zeus gallus L.). 

Die Meerbarfe, My —n, eine Art Sohlen mit großen zautenföm 
migen Schuppen, fägefösmigen Bühnen und beweglicher Zunge .(So- 
lea 6 Kl. Citharus). 

Der Meerbafe, —n, By. —n.. 2) Gin Fiſchgeſchlecht, deſſen 
Kennzeichen ein umpfer Kopf, gesähnelte Kiefer ftatt der Bähnme, 
eine vierftrchlige Kiemenhaut und zwei im einem Keels ufammen: 
gewachſene jufammegejogene Bauchfloffen find (Cyelopterus L.); 
auch Seehafe.. Wefonders.cine Art deſſelben, welche mit beiniäten‘ 
Schuppen bedeckt if und deren in Azeife fiehdende Bauchfloffe einer 
hohlen Ehäffel gleicht, vermittelfb derer er ſich an Steinen feft anı 
halten kann (Cyclopterus lumpns L.); ber Lump. =) img 
sliederten Wurm ohne Höfe, mit eintr walgenfirmigen Schnauze 
awei Öffaungen an der linfen Seite des Halfes, melde eine Flüf: 
figkeit ausfpeiget, wenn man ihn beädt, daher er bei Ginigen auch 
Sprigling heißt (Tetlys L.); der Sechaſe, die Serlunge. 5) ©. 
Dintenfiſch. 

Der — —, 4. ol. bei Einigen ein Mame der Waffee: 
bofe, S. b. / 

Der Meerhecht, —ed, 2. —e, ein Meerfifh, am Kopfe und Mät: 
ten bräunlihgrön, am Baude weiß unb mit eine Meihe grofer 
und langer Zähne verfehen (Chox sphyraena); ber Seehecht, auch 
der Pfeilhecht, wrgen feines bünnen Körpers, * 

O Der Meerheld, —m, 2. —en, ein Held, zu Meere, zur Sir; 
gewöhnlicher Secheld. 

— es empfand ihn (den Shal) oben ber Meerbeid. Baggefen. 

Der Meerbeber, —®, My gi. die Mandeikräpe, 

+ Das Meerheimden, —$, 29. gl. ein Rame der Arabbe (Caneer 
squilla L.). 

Die Meerbenne, 4. —n, f. Meerhuhn. . 

%* Der Meerherr, —en, Di. —en, ein Gere des Meeres, der aul 
dem Meere herrſcht. Auch ein mühtiger Befehlshaber zu Merre 
oder zur Ser, ein Seeherr (Admiral); in einem Wortbuhe, Baſel 
1675, auch In Eebergs Wörterbuhe, 

Die Mecrberrfchaft, DR u. die Herrſchaſt üder bas Meer, die Ober 
derefhaft zu Misere ober zur See. 

Der Meerbirfh, —es, Dig, —e, ein Aet Schteien oder Mopfiice im 
ben @uropäifgen Meesen und im zothen Meere, (Blennius gatto- 
rugine L.); bei Bloc, ber Didhals. 

Die Mecrhirſe, Mu. bei @inigen ein Rame 1) der Steinhitle oder 
bes Gtrinfamend mit Heinen gelben Blumen (Lithospermum ofi- 
einale L); #) ber Gteinhizfe ober bed Gteinfamens mit zungrlis 
gen Samen; au wilde Stein hirſe, rot he Ochfenzunge, Schminke 
murjel (Lithospermum arvense L,). 

Das Meerborn, —ed, Di. —börner, eine gewandene einfäherige 
Squtcke, beren erfled Gewinde bitbäudig iſt (Buceinum L.); auf 
Meertromprte, Pofaunenfhnede ic., im R. D. Kinfhorn, wegen 
der Ähntichkeit mit einem Horne und weil man bie Meergoͤtter mit ſol ⸗ 
&en Hörnern, worauf fie blafen, vorficht, S. Trompetenſchnecke. 

— — Er faßt das gedoͤhlete Meerhorn, 
Mmelches gebreht in bie Breit' auwaͤchſt von ber unterflen Min 
bung. Boß. 

Die Meerhoſe, 9. —n, aud bie Wafferhoje, eine Raturcrſchei⸗ 
nung auf dem Meere. S. Waſſerhoſe. 

Das Mierhubn, —es, My. —hühner. 1) Eine Krt Waſſethuͤhner, 
weiche fih am Mergufer aufpalten (Tringa limosa L.). 2) @ine 
Benennung ber Sohlen ober Bungenfiihe, megen ihtes zarten Blei 
ſches, weiches man mit dem Fielfhe ber Hühner vergleicht. 


Meerh 


Der Meerhund, ſ. Sechund. 

Der Meeribifh, —t6, My. u. eine In FVallen wahfende Pflanze mit 
zunblien, in ſieben fkumpfe Sappen abgetfeilten, weichen, haari ·⸗ 
gen, und immer gränen MBlätteen,' purperrothen Blumen, besem 
viele om bem Blattwinkel an einander chen (LavateraarboreaL,), 

X Meericht, adj. u. adv. dem Meere Ahalich; nad dem Merrwoſſer 
ziehend, ſchmeckend. Rramers Deutſch⸗Ital. Mb. 

Der Meerigel, f. Steigel. 

Der Meerigelftein, — s, 94. —e, bie verfteinte Schale bes Meer 
ober Setigele; = Knopfitein (Ecbinit). 

Die Meerinfel, ag: —n, ſ. Meereiland, 

* 2*— adj. v. dr. sum Meere gehörend, aus bem Meere, vom 

Meere kommend. Mahler. In ber Bufammenfehung übermerifch 
(transmarinns), ©. b. 

O Das Meerjoch, —es, 9. u. bas Io, d. h. bie Bebrädung auf 
bem Meere, im Geehandel, „Der unter bem Englifgen Meerjocht 
Uegende, mit bebräfte Hamburgifche Handel. Arhenpolz. (M.). 

Die Meerjungfrau, 9. —en, fo viel als Merrftrau. S. d. Gr 
meinhin Merrjungfer. 

Und er gebot, baf ihm fein Anchbifcdher Ente 
Beige’ in dem Wunfd’ und ginge bie Merrjungfrau zu umaz 
men, Woß. 

Der Meerjunfer, —®, WM. gl. eine Heine Art Lippfifge mit fhönen 
in bie Farben des Megenbogens fplelenden Gchuppen und zwei Bäh: 
nen in bem Obertiefer (Labrus julus L.). 

Das Meerlalb, —et, By. —Lälber, ſ. Seehunb. 

Der Meertamm, —eb, 3. —HUmme, ber Name von Seeſiſchen, 
Deren Kopf und Wloffen mit blauen gegitterten Strichen gezeichnet 
finb (Novacula L.), 

& Der Meertampf, —es, 2. —timpfe. 1) Ein Kampf mit 
dem Deere gleihfam, unter welchem Bilde man bie Schifffahrt vor 


ftelten kann. 
und bewegt in ben Händen bie mädtige — ON 


6... das mächtige Ruder. 2) Ein Kampf auf = — zur See, 
wie auch, ein Kampf über bie Hetrſchaft ober wegen der Herrſchaft 
yür Ser. 4 

Die Meerkante, Dip. —n, die Serkante. S. d. Stieter. 

+ Die Meerkaſtanie, M. —n, dei Einigen ber Rame des Diem 
igels obere Meerapfels, 
Der Meerkater, —b, 94. al. ſ. Meerrkatze⸗ 
e Meerkatze, =. —a. 1) Eine Benennung aller berjenigen Affen, 
melde lange Schwänze wie tie Katzen Haben, und melde über bas 
Beer zu und gebradt werben (Gercopithecus). Die Meerkatzen 
ber alten Melt haben Backentaſchen wie bie Affen unb rinen nadten 
ſchwieligen Hintern, ausgenommen eine Ast auf Mabagastar; bie 
Umeritanifhen Hingegen Haben keine Sacentaſchen und einen behaar⸗ 
ten After ohne Schwlelen. Meerkatze bezeichnet diefe Thlere in 
allgemeinen, ſowol Männden als Weibden, Das Männden befons 
ders herißt Merrkater. 
neben und wärmt fit." Bäthe. Die große Meerkaße, eine 
Art Halfıfde, bie vier Fuß Tang | Squalus eanicula L.); au 
getiegerter Hat, gelber Hai, Hundehai. 

Dad Meerkagenbrot, —es, Bi. u. ein Rame ber Frucht des Affen 
drotdaumes und biefes Baumes ſelbſt. ©. b. 

Dad Meerlabengeficht, —es, 29. —e, ein haͤßliches, verzerztes Seſicht. 

* Die Meerkiefer, Sy. —n, eine Art Riefeen. auf den Bergen in Italien 
und dem füblihen Frankreich, bei welder bie zwei aus einer gemeins 
fgaftligen Scheibe kommenden BWiätter wechſelsweiſe rund umher an 
den Üten chen (PinusmaritimaMill.); au Meerfichte, Meerfohre. 

or — —ee, 9. —bäume. 1) S. Erdbeerbaum. 

©. Mehlbaum. 
Die Meerlirfde, u — n, die Kraht bes Merrkirſchbaumes ober 


243 


„Der age y mit ben Jungen figt bar ⸗ 


Meerl 


Erdbeetbaumen; auch bie Sandbeere. S. Erdberthaum. 
* Merrklippe, 24. —n, eine Klippe im Weere; gewbhnlich Weg 


Pe Gtieler. 

ehrfohl, —8, 0. 94. +) Ein Gewaͤche, dıfın Blume and 
— eifoͤrmigen, abfallenden Kelchblaͤttchen, vier Preusmeife geſtellten 
großen Blumenblaͤttern, fehs Staubfäben, von welchen zwei kürzer 
und vier länger, oberwärts gefpalten und an bem äußern Zweige 
mit bem Staubbeutel verfehen find, aus zwei Drüfen und einem 
taͤnglichen Feuchtkeime mit einem bideren Staubwege ohne Brifa 
beftehen ; die ruudliche Frucht enthält nur einen Gamen. (Brassica 
s. Crambe L.). Der glatte Meerkohl (Cramhbe maritima LJ 
woͤchſt am bem nörbligen Meesen unb treibt einen glatten Aftigen 
Stengel. Im April und Mai treibt er neue Gpeoffen brever, bie 
bem Spargel gleihen und wie Epinat zu einer Gpeife zugeriätet 
werden, =) ine Art Winde, ſ. Meerwinde (Convolrulus sol- 
danella L.). - 3) Eine Alpenpflange, bie bunfelgräne zunblide 
Blätter aus ber Wurzel und zwiſchen benfelben einen michrigen Stes⸗ 
gel treibt, welder fi mit zwei Beinen blauen ober weißen Blumen 
endiget, Dez Kelch berfelben if fünffach getheilt unb umgieht ein 
glodenförmiges, eingefänittenes und gefsanfetes Wlumenblatt mit 
fünf Stausfäben und einem Griffel (Soldanella officimalis); bei 
Planer bie Drattelblume. 

Der Meerkofos, 0. Umend, u. 3%. gl. eine bart derjenigen” 
tung bon Arge) welche Weinpalme 
Infeln ; baber bie Aa auch Maldivifhe Nuß genannt wird, 

Die Meerkr M. —n, eine Art des Börfes, mit flberglängens 
bem Baude, Näden unb Seiten; bie mit gelben und faplen Flecken 
bezeichnet find, mit ſchwarz geränberten Kiemendeckeln, ſchwarzen 
Flofien und einem ſtarken Gtadel am bez Afterfloffe (Corasinus, 
Perca ı2 Kl,); aud ber Meerrappe. 

Der Meerkrebs, —s, 84. —e, f. Seckrebs. 

Der Meerkreuzdorn, —es, 9. —en, fo viel als Haffdorn. S. #, 
Außer den bort angeführten Ramen führt er auch no folgende: 
ſchmaler weidenbtättriger Stehborn, Serborn, Pferbsbern, Bes 
fi ee Streitbefingftrauh, Rheinmweiben, Finmibeeren, res 


Der Merkel —t, 4. —t, (A) ein Krieg auf bem Meere, zur 

See; gewöhnlicher der Seekrieg. 

+ Die —— —* Du. eine Rrümme, Einbiegung, But 
bes Meerres. 

Die Meerkugel, 4. —n, ber Kugelfifä. 

Die Meerkub, 9. —übe, f. Serkub. 

t DerMeerkuttelfifch, —es, u, ein Rame bes Dintenthieres; 


Sat: 
heipen, auf ben Malbivifhen 


auch Meerluͤlch. 
Der Meerlattig, —6, 24. u. das Merrgras (Pucus). Friſ q. 
ie Meerleier, 94. —n. 2) Bei Mäller, eine Art Gechäpne, 


beren hervorgeſtrecte Schnauze im zwel breite Hörner gefpalten if 
(Trigla lyra L.). 2) Eine Art Spinnenfifde. ©. Beier 5). 

Die Meerlerche, 2 —n, bes Rame ») eines Meerfiihen, welden 
Klein zu bem Rothſiſchen rechnet (Blennius ocellaris), @e hat 
einen großen afhgrauen, geüngeftreiften Kopf, dicht beifammenfte- 
hende Augen mit einer Finne glei einem Fuͤhlhorne über benfelben ;, 
die erfie Nüdenfloffe deſſelben ift hoch und mit einem ſchwarzen weiß 
umzsingten Zlede gezeichnet, ber einem Auge auf Schmetterlingfiägeln 
Apnti if, daher er bei Müller auch Schmetterlingäffd —* 
a) Eine Art Straudlaͤufer, bie etwas Äber 7 Zell lang wird, umb 
bie ein fehe (hmadpaftes Fleifh Hat (Tringa einclus), 

Die Meerleuchte, y. —n. 1) Eine Leuchte am Mteere, bie Feuer ⸗ 

‚ bas Fruer. =) Eine Gattung ber Seehaͤhne nah Mäller 
und ber Helmfifde nah Klein (Trigla lucerna L., Oorystiom 
Kl.) Gr gehört zu den Fluͤgelſiſchen und Hat feinen Namen von 
ben blauen Fledta an ben Ohren, nah Müller aber von bem hadıs 
sothen Banmen unb ber hochrothen Bunge, bie bei Racht leuchten folen, 


Meerl 


Die Preerleukoje, 3. —n, eine Art Cevkojen an den Gerkäften bes 
färlihen Italiens, Franterichs ı.; aud Uferlevkoje (Cheiranthus 
litoreus.). 

Die Meerlilie, 9. —n, eine Art ber Wachtblume, welde in Spas 
nien und Franferih am Meere wädft (Pancratium maritimum L.); 
auch Meernarziffe. 

Die Meerlinfen, d. Ez. u. ein Meines Gewaͤcht, welches im Sommer 
die Oberfläche ſtehender Waſſer debekt (Lens, Lenticula palustris, 
Lemna L.). Die runden Biättden ſchwimmen auf tem Maffer, 
und aus ber untern Fläche berfelben treiben zarte haarförmige Würs 
zelchen, am deren Enbe ſich eine befontere kegelſoͤrmige Roͤhre define 
det, die entweber ins Waſſer hängt oder an dem dabel ſchwimmen ⸗ 
ben Moofe befefkiget it. Nah Linne hat diefes Gewäͤchs Zwitter⸗ 
Blumen und weiblihe Blamen, 

Der Meerlöme, f. Serlöme. 

Die Meerluft, 94. u, die Seeluft. Rramers Deutſch. Ital. Wb. 

+ Der Meerlülch, —es, Mj. —e, ſ. Meerkuttelfiſch. 

Dad Meerlungenkraut, —es, 34: u. eine Art Langenkraut, welche 
an ben nörbliden Meeren mädft (Pulmonaria maritima L.). 

O Das Meermaͤdchen, —6, 2%. gl. fo viel old Merrjungfrau. S. 
Meerfrau. Freundlich und hülfeeih Hatte ihn ein Meermäddhen 
aufgefangen und nad der Tiefe im ihre fihere Freiftätte gebracht,* 
Benzel»Gternau. a 

Der Meermangold, f. Mangerb. 

Der Meermann, —es, 24. — männer, f. Meerfrau. 

Die Meermaud, 9. —mäufe, ein Geſchlecht von Würmern, bie 
fd im Meere aufhalten, und am ben Geiten mit vielen Baferbünbeln 
gleich Füßen verfehen find; bas walzenförmige Maul befindet ſich 

* vorwärts und iſt mit zwei bärftenartigen Fuͤhlern verfehen (Aphro- 

‘ dite L.); die Seemaus. Cine Art davon, der Stachelruͤcken 
(Aphrodite aculeata L.) Pat auf bem Rüdın bürflenartige Sta⸗ 
deln; und eine andere Art, der Schuppenrüden (Aphrodite sca- 
bra L..) ift auf dem Rüden mit 24 Enorpelartigen Schuppen bebedt. 

Die Meermelde, My. u. eine Art Melde, welche an ben nörbliden 
Meeren waͤchſt, und am einem fehsedigen Stengel viele Khren treibt 
(Atriplex littoralis s. portulacoides L ). 

Der Meermenfh, —en, ip. —en, f. Meerfrau. 

Die Meermöhre, By. —n, eine Art Möhren (Daucus gingidium), 
Remnid. 

Das Meermoos, —ı6, 2. —e, Moofe oder Afteemoofe, melde im 
Meere wachfen. 

Die Meermufchel, 9. —n, Mufgeln, welde ſich im Meere finden; 
Seemuſcheln, gum Unterfdirde von den Flußmuſcheln. 

Der Meernabel, —s, 2. — naͤbel. 3) @ine Art Dedelfhneden, 
welche äußerlich eine mabelföumige Erhöhung hat (Umbilicus ma- 
rinus); Seenabel. =) Ein Icberartiges, lahrs Aftermoss auf bem 
Mreresboben (Ulua umbilicalis L.). 

Die Meernadel, 4. —n. 1) Der Radelhecht, ein Meerfiſch (Esox 
belone. L.) ®. Hornfifh. =) S. Nadelfiſch. 3) Eine Art ven 
fleinter, zöhrenförmiger, ungewundener Schnecken; bie Seenadel. 

Die Meernarziffe, 9. —n, ſ. Merrlilie. 

+ Die Meernafe, .—n, bie Zaͤrthe ober Bäfe (Cyprinus vimbaL.). 

Der Meernebel, —es, M- al. ein bier Rebel, welcher auf bem 
Meere oft entftehrt, umb mir welhem mande große Sandbaͤnke fat 
beftändig bedeckt find. 

Die Meernelfe, 94. —n, ein Rame des Wirfenfrautes (Statice L.). 

Die Meerneffel, 99. —n, ber Rame 1) gewiffer Weichtptere oder 
weicher Würmer, Schleimthlere, welche Mb am andere Thiere feſt⸗ 
fegen,, und fih von Fiſchen, Krebſen und Maſcheln nähren (Acti- 
mia K.); Seeneffet, Seeanemone. Bei Andern führen verfhichene 
Arten von Ropfifhen biefen Mamen. =) Des Aftermoofes (AlgaL.). 

Das Meerneft, —es, 2 —er, eine Art kugelichter Shierpflangen 
(Aleyonium L). S. Sertorf, 


244 


4 Meerq 


Die Meernimfe, 9. —n, eine Rimfe, Halbgditiun des Meeres 
«Nereide); auch Meernixe. 

Die Meernuß, 3. —nüffe. ı) Eine laͤnglich runde Schnecke mit 
wenigen Windungen, einer länglihen weiten Mündung und von 
verihiebener Barbe und Zeihnung (Bulla ampulla L.); auch Sie: 
bigei, wegen einiger Ähnlichteit. 2) &. Seenuß. 3) Die haarige 
Meernuß, f. Sammetmuſchel. 

Der Meerochs, —ın, Sy. — en. 1) Eine große Art Rochen mit 
fpiger Schaauze und einer blaugelben Haut (Bos marinus), 4) 
Eine andere Art Fifhe in der Oftiee, welche in die Fläfie fleigt, 
ehbar if, ih von Ziefren, Bürmern ic, nähret, und auf bem Kopfe 
vier erhobene Warzen trägt, die man mit Hömern verglichen bat 
(Cottus quadricornis); aud Meerbulle, Seebulle, und verberbt 
Meerafhe. 3) ©. Seckuh. 4) Zumeilen, eine unziätige Benen ⸗ 
nung bes Bäffels., Remnid. 

Das Meerohr, —es, By. —en, ber Name folder einfhaliger Schal⸗ 
thlege, beren Geſtalt mit einem Obre Ähnlichkeit hat, und bie mit 
einem Kleinen Schnirkel verfehen find (Halivtis L.). „= 

Die Meerorgel, 94. —n, f. Meerröhre. 

Die Meerotter, By. —n, ein zu dem Geſchlechte ber Ottern gehöris 
ges Soaͤugethler, welhes größer if als bie gemeine Fiſch- ober Fluß⸗ 
otter, behaarte Fußſohlen und einen Burgen völlig kahlen Schwanz 

bat; ihr ſchwarzes und fllbergraurs Fell iſt ſehr geſchaͤgt und thewer 
(Lutra marina L., Mustela lustris); Seeotter, Seebiber, Kamt⸗ 
ſchatkiſche Diter. 

Der Meerpapagei, —ı6, Bi. —, bir Name eines Meerfildes 
mit vorwärts abgeflumpftem Kopfe, ber von Müller zu ben Stutz⸗ 
köpfen gerechnet wird (Goryphacna psittacus L.); auch Seepapagei- 

+ Das Meerpeterlein, —s, 0. Dig. der Meerfendel. Friſch. 

Der Meerpfaffe, —n, 9. —n, eine Art Helmfilge bei Klein. 
Geine Augen fiefen auf bem Kopfe, fo baf er gleihfam gen Himmel 
fieht, wie etwa bie Pfaffen beim Gebete, daher er fomol biefen Nas 
men als auf ben Ramen Himmelsguder befommen hat (Urano- 
scopus scaber L.). 

Der Meerpfau, —s, 2. —e. 1) Eine Art Lippfifhe mit ſcho⸗ 
nen Farben, bie in grün, blau, roth unb weißgrau abwechſeln, 
melde im Mittelänbifhen Meere lebt (Labrus pavo L.). 4) Gine 
Art Stügläpfe bei ben Antillen, die mit ſehr ſchoͤnen Farben gezeich⸗ 
wet und deren Fleifh ſchmachaft if (Choryphaena Plumieri). 

Das Meerpferb, —es, 94. —e. 1) @ine Gattung Filge, welde 
zur Drbnung berjenigen Fifhe (Branchiostegi) gehören, melden 
ber Riemendedel ober bie Kiemenhaut fehlt (Pegasus), 2) ©. 
Seepferb. j 

* * Die Mierpforte, 9. —n, ehemapls ein Meerhafen. 

Dad Meerpfriemengras, — es, 2. u, ein Rame bes Sanbhalmes. 
©. Halm »). 

Der Meerpinfel, —s, 9. gl. ein zum Gefhleht der Sandkbcher 
sehörendes Eerthier, welches Über 300 Füße und am Kopfe zwei 
Bündel von vielen Iangen Faſern hat, welde einem buntgefärbten 
Finfel gleihen; der Körper ift grün oder gruͤnlichgelb, bie Schale 
inmwenbig glatt und äuferlih aſchgrau geringelt (Sabella penicil- 
Ius L,); auf Meerbart. 

Die Meerpomeranze, 4. —n, ein Name bes Berigels. 

X Der Meerportulat, —et, DM. u. ſ. Melde. ’ 

O Meerpurpern, adj. u. adv. grängrau, bunkelgrän wie bas Meer 
waffer zu fein ſcheint. S. Purpern. ' 

zu — wo die Nimfen 

Schöne Bewand’ aufzieh'n, meerpurpern. — Bof. 

Die Meerquappe, My. —n. ı) Bine Art Kabeljau mit zwei Kuͤcken ⸗ 

floffen, vier Bartfiden am obern und einen Bartfaben am untern 

Riefee (Gadus mustela L.); auch Krullguappe, Meertruͤſche, 

Meeraalquappe. a) Cine Art flacheliger Gründlinge, welde ſich 

am Mierftrande aufpält. 


Meere 


+ Der Meerradie, = 2, B—n, ſSaͤgeſchnaͤbler. 

Der. Meerrappe, —n, 4. —n. 1) S. Meerkrähe:. 2) Eine Aet 
„WBörfe bdei Rlekmy mit iumpfer Gchnauge j’bneitem — eos 
ſchie fen breiten Schuppen (Scineme umbra L) 

Der. Meerräuber, bie Meerraͤuberei, ſ. Seeraͤuber 

Die Dieerraufe, 94. u. eine Art ber Raule in Italien, bie 
aud in unfern Gärten gejogen wird. 


die aber 


Die Meerrebe, 9. —n, eine Art der MWalberbe, welde in Aflen «» 


an bem Bars wääft (Clematis maritima L.). 


Pe Meerrettig, —s, 2, u. eine Art bes Loͤffellrautes, melde in . 


verihiebenen Kumepkiiden Ländern an Gümpfen, Fluͤſſen und.feud» 

+ sem Dxten- waͤchſt. Der. ichasfe Saft ber. Wurzel und Wiätter bient 

; in vaxrſchtedenen Aeankpeiten; - befonders aber wird bie lange hide 
Wurzel in ben Rüden gerieben und auf verihiebene Art zubereitet, 
nad welcher Bubereitung fie and neh Meerrettig genannt wird 
(Cochlearia arınoracia L.), . - a * 

+ Dad Meerrind, —es, 94. —er, ein Name bes Rohrdommelsz in 
andern Gegenden Moos ochfe, Moosreigel.: 

Das. Meerrohr , tb, Di u. im ober om nem wachfenpsn. Re 

»  &tieler., © FETT, 

Die Meerröhre, 3. —n, der Name 1) fotder Derrfännden, deren 
Schale tine tinfache, gewöhnlich etwas gebogene Röhre, gam habl 
und an. beiden Enben offen ift; bie Roͤhrenſchnecket (Tubulus ver- 
wicularis, Serpula, Dentalium), Mehrere verfkeinte und, zufams 
mengewachſene Meersöhren in Einem Gtüde nennt man sine Meer: 
ober Seeorgel, 2) Eines rt Thierpflamzen im Deere, welche bald 


aus eince einfaches bald in mehurze Zweige-getpeilten hormaztigen . 


Röhre beftchen, aus beren obern Öffnung bad Thier mit vielen, Bis 
ben ober Armen hesporraget (Tubularia L.) auch Meerfaden. 

Das Meerroß, —fes, 4. — Me, f. Seepferd. 

Der Meerfäbel , —,4. gl.-ein, zu den Meerfhweinen gexehineter 
Jiſch mit einer brei Schub langen fpigigen und krummen Rüden, 
..finne, die man mit einem Sabel verglihen bat; daher Ihn auch Ans 
dere Saͤbelfiſch, Schwelifiſch nennen (Delphinus gladius ma- 
zinus L.). 

Das Meerfaty, — Di u. fo viel ald Serfalze Unelgentlich und 
bichterifch für Meer oder Seewaſſer, welches biefes Salz entpält, 
bie Wellen, 

Unb vorfarrehbe Klippen umſchaͤumt — Meerſalz. Bof. 

Das Meerſamkraut, —es, u. am Meerſtraude wachſende 
Art des Samtrautes (Potamogeton eat L.); bei Anbern 
Meerfamenkraut, auch Salzſamkraut, Strandſamkraut, Fluß⸗ 
traut, Flußlack, Waſſerlack, in Liefland Sergras, Sectang. 

Der Meerfand, —es, 0. Dig. der grobe mit Heinen Mufcheln ıc. 
vermifhte Sand im Grunde und an ben Küftıen bes Meeres; ber 
Serefanb. 

Die Meerfau, 29. —en, ober ber Meerſauſiſch, —es, 34: — 
eine Art Haifiihe, odtr nah Klein eine Art Gpignafe mit brau⸗ 
nem Rüden, filberfarbigem Bauche, vorn dicht am Maule fiehenden 
Rofenlödern; bie Schnauze ift am Außerfien Ende buchfihtig und 
mit drei Reihen ſcharfer Zaͤhne verfchen (Squalıs galeus L,), 

Der Meerfchaft, —es, By. —e, ein Setthierchen, deffen eine Hälfte 
einer Walze mit ringförmigen Strichen gleiht, die ih in eine Öff: 
nung mit brei Ringen, woraus ein Bäfchel Fuͤhlerchen tritt, enbis 
get, und beffen andere Hälfte eiförmig und mit raufen Strichen 
verfehen iz; aus ber mit einem Ringe umgebenen nung 
fehen Frumme Stacheln hervor (Holothuria priapus L.). ©, 


Seeblafe. 

Der Meerſchalſiſch, —es, 2. —e, eine Benennung der Merrfikhe, 
welde anftatt ber Schuppen Schalen haben (Pisces erustacei ıma- 
rini); in Gteieemart Meergeſchnalz. 

Die Meeriham, My. —en, eine Art Matr- ober Grefgeiben (Asci- 
dia mentula), —* 


245 


Meerſ 


Der Meerfhatten, —b, 2. al: ein Mame folder Mersfifhe, wel: 
che bei eines dunklen Barbe einen (duppigen Kopf, Ihuppige Rier 
‚. menbedel, eine ſecheſtrahlige Riemenpout und auf bem Rüden eine 
» ‚Bertiefung haben, in welcher fie die Rüdenflofien verbergen koͤnnen; 

bei Matter Umberfifchhe (Scinena). 

Der Meerfhaum, — s, 9. u. 1) Der weiße Schaum, melder 

fi auf dem Meere erzeugt, wenn es in heftiger Bewegung iſt. 

— und nn war weiß. non fprigendem Meerfhaum. Bo. 
da folgt ex, als rifien 
Stieme San, als wirbelten ihn Dxtane wie Meerſchaum. 
Kiopftod. 
*). Ein falgiges Schaum, der ih om Schitf und Äpnlihe Pflanzen 
anhängt und mod und. nad zu einer Krufte wird (Adarck); aud 

Salzſchaum, Salzſtein. 5) Eine mit dem Spedfieine verwandte 

° Miner,; welde fett unb Leicht, ift, eine blaßgelbe Farbe und erdigen 
Bruch bat, fih ſchneiden läßt und im Feuer erhartet. Man findet 

„ biefen Meerſchaum in NRatolien, Thracien, Griechenland unb Zaur 
zien, und macht vorzäglich Pfeifentbpfe baraus (Lythomarga); aucch 

Seeſchaum, Tuͤrliſche Erde 4) Dez Laikartige Rädenfnoden ber 

Seckaten, einer Bamilie bes Dintenthleres , welder oft auf bem 

: Beste ſchwimmend angetzeffen, „aufgefifht und vom ‚ten Känftlern 
benügt wird, Man pielt ihm ehrmapis für den perhärteten. &haum 

‚ be bewegten Merges, . 5). Eim nadter Geewurm; die Gerblafe 
(HolothuriaL.). S. Gerblafe: 6) Wri Einigen ein Name bes Gerforkes. 

Meerfhaumen, adj. u. adv, aus Mersihaum gemacht; in D..®. 
+ merefhaumern. {R.). ©. Meerfhaum 5). in meerfhaus 

mener Pfeifenkopf oder ein Meerſchaumkopf. ‘ Fans 

+ Der Meerfchäumer, —#, 2%. gl. ein Geeräuber, 





5 Dar Meerſchaumkopf, —es, 9. —Löpfe, ſ. Meerſchaumen. 


Die Meerfcheide, 2. —n, ſ. Steſcheide. 

O Das Meerfcheufal, —e6, 9. in Eieufal des mꝛered, 
im Meere, ein Meerungeheuer. 

Uns auch zäplt' er zuerſt mit den Meerfcheufalen. Boß. 

Das Meerſchiff, — s, 34: —, ein dae Meer befahrendes Schiff. 

Sitieler. Auch Seeſchiff; zum Unterfhiebe von einem Flußſchiffe. 
Auf dem Meerfhiff iſt es gekemmen. Schiller. 

Die Meerſchildkroͤte, y. —n, bie Benennung der im Meere Ichen» 
ben GhiidEröten, Serfchildkröten; zum Unterſchlede von den Fluß: 
und Landfchilbfröten. . 

De Meerſchilf, —es, DM. u. im ober am Meere wachſendes Sqhitf. 

tieler, 

Die Meerſchlacht, Di. —en, eine Schlacht zu Meere; gewoͤhnlicher 
die Seeſchlacht. Maßler. 

Der Meerfchlägel, —, 99. at. ſ. Hammerfifch. 

Der Meerſchlamm, —es, 0. 9. der Schlamm, welden das Meer 

‚ auf bem flahen Strande zurüdiäßt, ober Schlamm aus bem Grunbe 
des Meeres, „Nenn bie Erde zuerfl Meer war und all’ ihr Boben 
nur aus Meerfchlamm gerann,* Hreber 

Die Meerflange, 24. —n. 1) Salangen, welde fih im Merze 
auffalten (Serpens marinus L,). a) @ine Art Meeraale ober als 
ſchlangen (Mauraena serpems L,). 3) @in anberer bem Xale ähm 
licher Fiſch, deffen Rüden: und Bauhfloffe vom Kopfe bis ans Enbe 
‚bes fpigigen- Schwanzes ununterbroden fortgehet, und deſſen Farbe 
hellreth if; daher ex aud rothe Meerfchlange genannt wirb (Co- 
pola zubescons L.).. 4) @in Geefifh, welcher jur Gattung der⸗ 
ijenigen File gehört, welchen bie Kiefern zuſammen gewathſen ſind 
(Syngnathus ophidion); aud Seenattet. 

Die Meerfchleie, By. —n, eine Art Eippfiihe, bie den Schlelen 
fehr aͤhnlich iſt und in dem Weere um England häufig gefunden 
wird; bie Farbe ift bunt, bie Floſſen find mit zothen, gelben and 
braunen Flecken gefprentelt (Labrus tinca L.). 

Der Meerfchlund, —es, 2. — ſchluͤnde, rin Schlund, Abgrund 
im Meert. Stieler. 


Meerf 


— ber ſchwarz auffküubeinde Meerſchtund. Bangefen.: 

Der Meerſchmied, —ed, Bi. —e, eine Art Gpiegeififge, bei 
Klein eine Art Flönderaff⸗, von runder Geflalt, mit großem Kopfe 
(Zeus faber L,); aud der Peteräfifch, von einem braunen zunten 
Flede an jeder Seite bed Körpers, melden man mit dem Gelbflüde 
vergleicht, welchen Petrus im Bunde eines Fiſches nah der Erzaͤh ⸗ 


Iung fand. z 

Die Meerſchnecke, 3. —n, Säneden, melde ih im Meere aufs 
halten; zum unterſchiede von ben Fluß: und Erdſchnecken. Oft 
verficht man auch mur das einfhalige Gehäufe folder Schnecken dar» 


unter. 

Die Meerfchnepfe, 94. —n, eine Art Sqilbſiſche bei Möller; 
au Samepfenfiſch von feiner langen Schnauze, welche man mit 

" dem Sanabel einer Schutpfe verglichen hat (Centriscus scolopaxL.). 

A Der Meerfchooß, —t#, 9.99. der Schooß, bie Tiefe, ber Beunb 
des Meered. Mer erkannte no, mas ber Meerfhoof verbirgt. 
Dann, fo viel als Meerbufen, in welcher Bebeutung es Gtieler 
ſchon dat. — und ber Baitiſche Meerſchooß. Bot. 

Die Meerſchwalbe, ig. —n. ı) Eine Gattung Waffienögel, wel: 
&: fd an Merrin, Gern, Weihen und Pläffen aufpalten, wo fie 
#& vorzäglih von Fiſchen nähren, bie fie von ber Dberfläe bes 
Waffırs aufſchnappen (Sterna). Mie Kltern 'verbanten biefe Gat ⸗ 
tung mit bem Beflechte bee Mewe, baher bie vermifhten Ramen 
Meerſchwalbe und Mewe. Die ſchwarze oder fpaltfühige Merr⸗ 
ſchwaibe, ſ. der Brandvogel (Sterna fissipes); aud klein Mew⸗ 
hen, Muͤbeßlin ıc. Eine andere Art (Sterma nigra) führt eben 
falls die Ramen ſchwarze Meerſchwalbe, Beine ſchwarze Ger 
jchwalbe, Vrandbvogel, Maivogel- Die gemeine ‚ober größere 
Meerſchwalbe wird über 14 Bol lang (Sterna hirundo); auf 
Europäifche Meerſchwalbe, Srefhmalbe, ſchwatzplattige Schwal ⸗ 
benmewe, Schwarzkopf, Kleine Mewe, Rohrmewe, Rohrſchmalm, 
Stirn, Spirer, Schnirring. Die kleine Meerſchwalbe wird et⸗ 
was über 8 Bol lang und ift weiß und grau (Sterna minuta); 
aud zweifarbige Mewe, kleinſte Fiſchmewe, Fifherlein. Die ges 
fledte Meerfdhnarbe wird etwas über 11 Bol lang (Sterna nae- 
via); and Kirrmewe (f. d.), Sirrmewe, Aftermeme, Schueerke, 
graue Male. Die dumme Meerſchwalbe wird 25 Boll lang, lebt 
swifhen ben Mendekreifen und hat ben Mamen davon, baf fle ſich 
mit den Hünden greifen läßt (Sterna stolida); auch bie kirre Meer, 
ſchwalbe, der Pinfer, Weißkopf. S. auch Mewe. =) Große 
Meerſchwalbe, ein Name bes Pregattvogels. 5) Ein Mame bes 
Gisvogels (Alcelo inpida L,). 4) @in Rame bes Birnenfraßes. 
6) Eine Art Heimfiide mit großem Bauche, einfaher gezäpnelter 
Schnauze, zwei Kehlfioſſen außer ben Flügeln, einer langen Bauch⸗ 
floffe , zwei Raͤckenfloſſen und drei vorſtehenden fingeräßnlihen Forts 
fügen (Trigla hirundo L.). Auch ein anderer fehr fdner Flägel- 
fifd fühet dieſen Namen, welcher auch vorzugeweiſe nur der fliegende 
Fiſch genannt wird (Trigla volitens L.). 

& Der Meerfhwall, —e6, @4.u. die angefäwollenen, b. h. die ber 
wegten unb gehobenen Fluten bes Meeres. 

Das allein aud glättet am trüben Ausfiuß 

Durch den Metrſchwall Bahn zu dem flillen @iland. Wof. 

ich! «6 naht anmwälzend die Zrut, ein — Meerſchwall. 
Baggeſen. 

Der chwamm, —es, By. — ſchwaͤmme, Schwaͤmme, welche 
im wachſen, und zu ben Thierpflangen gerehnet werben. @ie 
find überall mit vielen größern und kleinern Bädern verfchen und 
fowol ihrer Farbe und Geftalt nad, indem einige weiß, ſchwarz ober 
zoth, andre grün, gelb ober braum find, einige Bällen, Trichtern, 
andre Möhren, Fädern, Bäumen ıc. gleichen, als aud der übrigen 
Berhaffenheit nah verſchieden, indem einige feſt, hart und bolz⸗ 
artig, andere weich und fein find (Spongia). ine Art davon if 
der weile Ucherige Babeſchwamm (Spongis oficinalis L,), wel⸗ 


. 


246 


Meerſt 


ee vorzugswelfe auch nur Schwamm genannt Wii. i 
Das Meerfhwein, —3, 4. —, ı) Ein’aus Amerika äber das 
‘ Deere au und gtbeachtes Feines Saͤugethler, welches nur karze Dh · 

sen und feinen Schwam hat, umb- einen feinen gerunbeten Laut wie 

ein Ferkel von fh giebt; daher es auch Meerferkel geaannt wirb; 
"(Cavia eobaya, Mus porcellus [,). Ma fle nur Erin find umb 
alt viel über einen halten Fuß lang werden, fo nennt man fie ger 
woðhatich in der, Werfieinungsform Meerſchweinchen; im Steier⸗ 
mar? Indianiſches Künele, Indiſchee Kaninchen. 2) Eine Denen 
nung berjenigen Meerſiſche, melde einen langen Rüffel Haben, ber 
bem Schweineruͤſſel gleit (Deiphimus L.). @. Tummier. Mei 

Undern wird aud ber Braunfifh (Phocaena L.), weißer Fury und 

bie it, mb eine ſtumpfe Schnauze dat, und der Buhzkopf oder 

Nordtaper (Orea L) Meerſchwein genannt. 

Die Meerfeele, 2. —n, ber Mame kieiner Fiſche im Meere, bie 
kaum anberthalb Bol lang, an ben Floffen, ben Weiten und dem 
"Rüden mit braunen Querftrichen verfehen find, umb einen halbdurqh⸗ 
fihtigem Körper haben -(Gobius aphya L.). 

Die Merrfeite, Wi. —n, die nad dem Derere zu Hedende ober ge⸗ 
er. Geite, Gegend, „Ino geht nah ber Meerfeite zurüt,« 

erden 

Der Meerfenf, —b, 6. 29. ein Pflamengeſchlecht, mit Blumen, bie 
aus vier laͤnglichen abfallenden Kid; und vier Eerugweife geftellteh 
längern, eiförmigen Blumenblättern befiehen und vier Iängere, pwei 
kürzere Staubfäden und einen Länglichen Fruchtkelm mit einem flums 
pfen Staubwege haben; bie Schote IB am jeder Ede mit einem Heir 
nen Stachel oder mehren beſetzt, daher bie Pflanze ſelbſt au Sta⸗ 
chelſenf genannt wirb (Bunias L.). 

Die Meerfenne, 29. —n, eine Art Üeergeas ober Kang (Fuous 
tendo), Remnid. 

Der Meerſieb, —ı6, 9. —e, eine Art Meerneffeln, twelde efbar 
ift (Actinia judaica L.). 

Der Meerftorpion, —ı6, 9. —e, die Benennung derjenigen Meer, 
fifde, berem Kopf hier und ba mitBärtden bewadfen if; die Augen 
ſtehen nahe beifammen , Kiefer, Baumen und Schlund find mit Bäh- 
nen befept und bie Kiemenpaut beſteht aus fieben Gtraplen (Scor- 
paena L.). 

Die Meerfohle, My. —n, f. Meerzunge. 

Der Meerfpargel, —6, 3. u. eine an ben Küften bes Meltmerres 

" wilo wachſeade Art Spargel (Asparagus maritimus L.). 

Der Meerfpay, —6, 8 —e, f. Mohefperling. 

Der Meerfpiering, —s, 9. —e, f. Meerflint. 

Die Meerfpinne, 94. —n, ein Rame 1) der Krabben ober Same 
Im. ©. b. =) Des Blad: ober Dintenfifhes (Sepin L.); beibe wer 
gen berfiimlichteit in ber Geſtalt. 

Das Meerftacheltraut, —es, My... 1) Eine Art bes Saljkrautes, 
gemeines Salzfraut, weldes am Meerfirande in Gübeuropa wäͤchſt, 
deſſen Stengel ih waub anfühlen laſſen, beffen Blätter unten am 
Ranbe glelchſam ſtachelig, umb beffen Kelche mit einem blätterichten 
Rande eingefaßt find (Salsola kali L.); auch Bockekraut, Kronen 
Praut. 2) Eine Ast des Fingerhutes, welche gelb biähet (Digitalis 
Iuten); aud gelber Fingerhut, gelbe Grödhen, gelbe Waldr 
u ip Bolsbart, Waldſchall, großer Bergfaniket, 

KDie Meerftadt, ig. —ftädte, eine am Mecere lirgende Stadt; ge: 
wbhnlicher bie Serftabt. Stieler, 

Die große Meerflabt Genua, H. Sachs. R. . 

Die Meerftaude, My. —n, ein Mame ber Horntoralle; auch See ⸗ 
ſtaude, Meerſtrauch, Meergewaͤchs, Hornitaube, 

Der Meerſtern, ſ. Serftern. 

Der Meerſtichling, —es, 94. —e, eine Art Makrelen, bes große 
Meerftichling, bei Klein, ber ſtachelige Blauling (Glaueus aou- 
leatus Kl.). 2 

Der Meerftieglig, —es, Du. —⸗, f. Schneammer. 


Meerit 


O Meerfill, adj. u. adv. fo ft, ruhig wie bas Deere bei, einer Wind: 
flite, ſein Leben iſt fo fanft und meerſtill.· 3. Prkichten: (R.) 

Die Meerftille,: f. Meeresftille. 

Der Meerflint, —ed, Bi. —, eine Art Forellen mit bunfelgrauem 
üden, filberfarbigem Baude, Heinen leiht abfallenden Schuppen, 
en Schwauze und -wibrriihem Sende —— 

us L 

Der Meerftrand, —. u... der ðirend des —* a sur 
ber Strambiiiı ';r 

Der Meerfirang — es 2m. m ſ. Meerfaten 

* Die Meerftraße, 2. —n, bie Meerenge. Brtktee.- Aug Fon 
Straßt, 3.8. die Magellaniſche Straße. 

Dee Meerſtrauch, —es, 94. — ſtraͤucht, ſ. Meerſtaude. 

Dad Meerſtroh, —es, o. By. ein Name des Kameelhenes ober Was 
meelſtrodes. Nemnid, X + 

Der Meerſtrom, ſ. Mesreäftrom. 

Der Meerfirudel, =. el. 
Meerwirbel, » 

© Der Meerſturm, ss 2. — ſtuͤrme, * — alten Etırer; 
semöpuliher ber Seeſturm. „In einem Meerſturme verfan? das 
Schiff.⸗ Rationalzeitung. (R.). 

— und faum entrann er bem Meerflurn. 


ein‘ Eendai im. Derwe; ber 


Voß. 


Der Merrtang, —e, 9. u. eine Art brö Zanges, melde auf’ dem’ 


Meeresgrunde wählt mit ſchmalen grasartigen Blaͤttern (Zostera 
marine L.). 

Die Meertafche, By. —n, eine Art Quallen, welde am Rande vier 
Bühler und. mit einer Taſche einige Magie hat (Medıtsa marstı- 
pialis L)» ’ 

Das Meertau, —s, 4. —e, ſ. Merten. 

Die Meertaube, u —a. 1) Bin adeligeer Meerfifih, ber bei 
Müller Stacheltaube Heift (Diodon echinatus).; 2) S. Se: 


Rafdıe. 

Der Meerteufel, —6, 99. al. 2) Ein Merefifh, welder and) Meer 
frof heißt, =) Das ſchwarze Wafferhubn (Fulica aterrima L.); 
audı Flußteufelchen, größeres Bıäfhubn oder Bläßting, Timphahm 

O Die Meertiche, o.. 9. die Tiefe, ber Abgrund des Bent. 

fü — singe Alles zur Meertief’ 
Nrieterfämetteen. Gonnenberg. 

Die Meertraube, U —n, ſ. Meerwegetritt, 

Der Meertritt, ſ. Meerwegetritt. 

Die Meurtrompete, =: —n, f. Meerhoem. ' 

Die Meertrüfche, My. —n, die Merrguappt. 

Die Meertuipe, Ay —n, der Name größer-verfeinter Weereiden, 

Das Meerufer, ober Meeresufer, — , My; gl. das ufer des Meeres, 

As Meerumfloifen, adj. u. ade: vomiMerse unfofen, 'wiigeten. 
„Der meerumflößnenskäzbe" Ramter. Jr 

Das Meerungebener, b; 2Mp- gl. ein Ungeheuer im — »B 
fee große auch wol haͤßliche Merrthiere. Seſondere gewiſſe fahr: 
halte Gefköpfe, mit welden man bas Mer beodikerte unb beudltert, 
©, Menwunder. 

O Veerwmter, adr. tin Wort; eine Richtung‘ abtodrts mad) bem Meere 
und unter die Fläche bes Werres zu bezeichnen: Ach tauſend mahl 
wirft Sonne bu meerunter finfen.“, ungen. 

als flieg ans der Ofiflut 

Dunteibtutig der ‚Dionb, mierrunter zu geben in (im) Kbent. 
Bonnenberg. 

Das Meerveildhen, —b, 2. gl. eine Meerpflange (Leucojum in- 
eanum maritimum)., Feifd. 

A Meerverfhlungen, adj. u. adr. vom Merre verſchlungen. 

Alles fpäpt’ in —— — rg Sonnenb, 


— 


Der meer, = 1, — 5 ſ. Menſchenhai. 
Der Meervogel, —, Wi —vögel, Wafleroögel, die ſich auf und 
am Meere aufhalten. Gtielen @. Seeveogel. 3 


Mr. 


Meerz 


A Das Meervoll, —ı8, 0.10%. alle im Meere lebenden Thiere, welche 

als ein Bolfgleihfam in bem Meere, ihrem Reiche, wohnen, Erberg. 
—  {vermengt mit) bem bumpfen Gehrule 
Alıs Meerwolts Gonnenberg. 

Die Meerwage, - —n, f. Hammerfiſch. 

OMeerwärts, adv. nad tem Meere zu, nad) dem Meere geriätet. Bo f. 

Dos Meerwafler, — , ©. Di. das faljige fhwerere Wafler bes 
Meeres; das Scemwaffer, zum linterfhiehe vom Flußwaſſet, Brun: 
‚menmaffer ıc. 

Der Meerwegetritt, —ed, ip. m. 2) Eine Art bes Megetrittes, 
melde am Meere wählt (Polygonum maritimum L,), 2) Ein 
— * des Roßſchwanzes (Ephedra L.);. au Meertritt, Meer: 
traube. 

O Das Meerweh, —ı8, 0. M. ein Web, ein ſehnliches Werlaugen 
"nad dem Meere, auf dem Meere, zug See zu fein. „Es fheint, 
als obs eine Art von Meermeh gaͤbe; denn gewöhnlich Magen fie 
(die des Secfahrens gewohnt find) auf dem Lande." ungen, (f.) 

Das Meerweib, —es, By. —ır, f. Merrfran. 

Die Meerweihe, 4. —n, die Merrleuchte. ©.t. (Trigla lucernaL.), 

Ds Meerweit, adj.u.adr, weit wie das Meer, ſehr weit, burg Meere 
getrennt. Stieler. 

Der Meerwermutb, —s, ©. Di. tin Rame ber Gartenzipseffe 
(Santolina chnmaecyparissus L.). 

Der Meerwind, —ed, By. —e, ber Seewind. Gtieler. 

Die Dieerwinde, 2 u. «ine Art ber Winde, die in Südeuropa am 
Meere wählt, zarte, wöthliche auf ber-Erbe dinkriechende Stengel, 
Ianggeftieite, glatte nierenförmige Blätter und einzern chende pur 
peefarbige Blumen treibt (Convolvalus soldanella L.); aug 
Meerkohl. 

Der Meerwirbel, —e, 9. gl. ſ. Meerfirubel. 

Der Meerwolf, —ıs, 24. *5* 2) Rad %b. Anfüprung, eine 
Art ausländifcher Wölfe, welche ſowol auf dem Sande als im Waſſer 
leben fol. (Lupns marinus Kl, et Gesn.) 3 wahrſcheinlich aber keine 
eigene Thierart, fonderh nur ein Rame der Hiäne, als welhen ihn 
Remnid anführt. =) Bin Meesfifh mit tief gefpaltenem großem 
Radhen, ſtumpfer ruͤkwaͤrts gebogener Schnauze und farken Zähnen 
(Anarrhichas Jupus L.); ber Seewotf, Wolffiſch. 5) Eine Art 
Boͤrſe mit einem großen Maule, braunen Rüden und filberfarbigen 
Bauche (Perca lahrax L.). 

Dad Meerwunder, —6, 9. gl. überhaupt eine wunderbare Erſchel⸗ 
nung im Meere; beſonders ein wunderbares mie auch fahelhaftes 
Seſchoͤpf im Meere, ald bie Meerfrauen u: Im weiterer Bebeutung, 
eine jebe feltfame und feltene Erſcheinung. Das if ein wahres 
Meerwunder. 

Der Meerwurm, —et, 9. — wärmer; ein Im Meere lebender Wurm: 
» Daß Meerwürmer es (das Menſchengeſchlecht) groß gehug fühlt, 

im Bötter zu werben. Sonnenberg. 

Die Meerwurz 0.99. ſ. Nelkenwurz. 

Die Merrwurzel, 9. u. ein Name 1) bee biäulien auf fanbigem 
Merrfirande wachlenden Mannstreu (Eryngium maritimumn L.). 
2) Des Gundeemannes (Glecoma hedcracca L.). 

Der Meerzahn, —es, Di. —zähne, ober das Mehrzähnchen, — 8, 
=. gl. der Rame von Sqhhalthieren mit einer Schale, bie einem 
Babne gleicht (Dentalium' L.), S. Merrröbre, 

Der Meerzeifig, —es, 95. —e, ſ. Hänfling und Graͤßlein. 

Der Meerzoll, f. Serzol. 

Die Meerzunge, .—n. 1) Eine Art Plattfifhe Im Atlontifhen 
und MitteMändifhen Meere, melde Ähnlichkeit mit einer Schupfohle 
dat, und deren · Fleiſch ſchmackhaſt ift (Pleuromectes soleaL.); auch 
Meerfobte, Zunge, Tunge. =) Ein fhmaler langer Theil eines 
Meeres, glei einer Zunge, ber ſich ins Land bineinerfiredet; mis 
Erbjumge, welche bas Entgegengefepte begeichnet. 

Die Meerzwiebel, 2. —n, ein Bwicbeigewäde, deffen Blume ſechs 


Meerz 


abfallende Blumenblaͤtter, Tehs Kiryere zarte Staubfäben und eindn 
einzeln abfallenden Briffel mit rinfacdhem Staubwege hat (Squilla s. 
Scilla L.\; au Maͤuſezwiebel, befonders die in Spanien, Sici— 
lien und Sirien an fandigen Merrufern wachſende Art (Scilla ma- 
titima L.), auch Haspelwurz genannt, deren große Imiebel zu treffe 
then Arjeneimitteln im verſchledenen Zufällen gebraucht wirb, 

Der Meerjmiebeleffig, —es, 39. u. ein aus ber Merriwicbel Hesor 
genes Waffer, welches zum Burgen ıc. gebraucht, gewoͤhnlich aber 
mit Honig verfegt und bann Meer zwiebelhonig Oxymel — 
cum) genaunt wird. 

Der Meerzwiebelhonig, —es, m. Üf. Meerziwiebeleffig: 

Der Meerzwiebelfaft, — s, o. Bi. der flädtige ſcharſe und bittere 
Soft ter Meerzwiebel, welder als Heilmittel oedrauqht wird. 

+ Die Meeſeke, o. 5. f. Meſerich. 

t —— v. intrs, u. tes, in Solefien, matſchen, manfden. D. 


Meetfchen, 
Das Megelkraut, —es, 9. u. dee Bine eines Pflanze, welche zu 
bem Gefchlechte des Sperberkrautes geredet wirb (Pimpinella satı- 


guisorba), bei Eiänd aber ein eigemes Geſchlecht ausınadt (Pote- ; 


rium L.) 

Dad Megerraut, —es, 94. u. 2) Der Rame eines Pflanzenge: 
ſchlechtes, welches fo wie andere bamit verwandte Gelhlehter wit ⸗ 
telföemig geftellte ober firenförmige Blätter dat. Das Labkraut 
oder Gliedfraut it eine Art davon (Galium verum L.). S. 

xabkraut. Es Heißt auch Blutſtille, verderbt Butterfiiel, Rain ⸗ 
zeig, Raimniz, Sternkraut, Wellſtroh. =) Eine Art Malven 
dan montana). 5) @in Rame'des Walbmeifters (Asperulal..). 

eben, v. intrs biöfen.- Di Megepen. * 
up f. Mehr. 

Das Mehl, —es, 0. 29. ein Sammelwort, einem zu einem feinen 
Pulver, beffen Theilchen man ihrer Feinhelt wegen niht unterfheiben 
Hann, jeemaimten Körper zu bezeichnen: So nennt man bie frinen 
abgefhahten Theilchen von Biegelfteinen Ziegelmehl, bie feinen von 
Hölzwärmern zermalmten Holjtheilden Würmmehl ıc. S. auf 
Bergmeht, Bohrmehl ıe. Borzuͤglich und ohne Beiſat verſtett man 

"arunter bie ju einem feinen Pulver zermalmten kraͤftigen Theue der 
Getreibearten, Hölfenfrächte ıc., melde in den Mühlen durch Beu- 
tein vom ben Hälfen abgefonbert "werben, und woraus man Brot ıc. 
Hädt. Das Korn zu Mehl mahlen. Weines, weißes, grobes; [hmar: 
‚yes Mehl. Schwarzes: Mehl nennt man noch befonders basienige 
Roggenmehl, welches aus dem fehsten und legten Gange koͤmmt. 
Roggenmeht, Wehzenmehl, Gerſtenmehl, Bohnenmehl, Exrbfen: 
mehl, Kartoffelmehl it. Gegrabenes Mehl. nenat man auch das 
Beramehl. ©. d. 

Du Mehlapfel, —* * —dofel, ein mehlichter Aplei. LITT 
'mers Deutfch + Ital. W 

Die Mehlbahn, — bei den Mällern , bie innere @eite des 
Laufes und bas baram bangen bleibende Mett. In’ manden Begent 
ben Täft man dem Mäler die Mehlbahn, di h. das Mehl, welches 
ſich an der Innern Brite bes kaufes anlegt. 

Der Mehlbalfen, —®, 39. gl. bei den Wintmülleen, det wagerechte 
Balken einer Windmühle, bie mit berjenigen Brite ber Bintmähle, 

’ am welcher ſich die Flügel befinden, gleich läuft, und im melden ber 
ſenkrecht fehenbe rw eingezapft ift. 

Die Mehlbank, Ip. —bänte, in den Mählen, derjenige · Theit bes 
Müptengeräftes, welches fi über ber Dede befindet und mit einem 
Sefimfe verfchen HR. 

$ Der Mehlbagen, —s, M- al. im Bergbaue, der Rame eines 
mehlihten Kalfkeines, welcher fih wie Kreide [haben laͤzt. Der 
ihm ähnliche melde Speckſtein heißt in manden Begenben eben fo 
ober Mehlbak. 

Der Mehlbaum, —s, 4. —bäume. ») Bei den Miller, ein am 
der Geite der Zarge oder des Eanfes gegen den Beutel zu angebrach 


He 


Mehlb 


tes Std, worin ſich das Mehlloch befindet, a) Der Rame verſchit, 
bener .Bbhhfe. .. (1) Einer Mer des Dagebormes,' mit roͤthlicher 
glatter Rinde, weißem, ziemlich feſtem BHotze, uhd wechſelsweiſe ges 

- Heften Biättern, welde den Erlenblaͤttern aͤhnlich, obermärte gläm 
ztuo grün, unterwästs aber wollig, filberfarbig'und mie mit Mehl 
bekäubt'find (Coatadkusaria Ly; bie Frucht if eine rethe imiben: 
big gelbe und meplichte Beere und heißt Mehibeere, Mehlfaͤßchen 
Audere Namen. des Baumes ind Mebibäittanm ,. in Öfterzeich Fiſch 
beerbaum, other Adelsbeerbaum, Windadel, wilber Atlafbeers 
baum, Fratienbirlebaum)'in der Schortz Trrebieikintum, in au derc 

Gegeben Weißlaub Mertirſchdaum, Speerlſugebaum, wilder 
Sperberbaum, Spierapfeibaum, Sporapfel, Duaifterbaum, Orel: 
baum, Fliederbaum, Arlasbaum, weißer Arisbaum, rothet Eslein ac, 
(zy Des Weipdornes , beffen mehlichte Beeren tbenfans Mehlbeeren 
Mehlfaͤßchen und unferer fieben Frauen Birmiein heifen (Cratae- 
gus oxyacantha L.); auch Mehldorn, Mehlplaten“ 5) Des 

* Gölingbaumes,' beflem Beeren auch Mebibeeren, Schting. oder 

Schlungbeeren, Hauberrenae, heißen (Viburnum lantana L.); auß 

Mepibeerbaum; Mehtſtrauch Faulbaum. (4) Dex Amerikamiſch⸗ 

Mebibaum, ein Baım ober vielmehr Strauch, beffen eöhrenförmi- 

ges Blumenblatt vier furıe Staubfäben, einen einfachen bünnen Grif ⸗ 

fel mit unterwärts gebogenem Staubmwege hat und eine mehlichte 

Stein frucht trägt die eine yweifächerige Ruß enthält (Lantana L.). 

Cine Art waͤchtt in Afrika umd heißt auch Afrikaniſcher unechter 

Iasmin (Lantana Africana L.). Gin anderer für beibe paffende: 

zer allgemeiner Mame it Mehlſtrauch. (5) Reiner Mehibaum, 

ein Rame einer Art bes Gerberſtrauches mit mirtenartigen Blättern 

(Coriaria myrtifolia L.). (6) Dee Marfpalme, Gagopalme (Cy- 

eas eircinalis L.). - (7) @ines anf ben Gübdferinfeln wachſenden 

Baumes, beffen Stelle mit einem mehlartigen Staube wie —— 

find (Alenrites,.. Nemnid, 

Der Meehlbeerbaum, f. Mehlbaum ») (1) und (3). 

Die Mehibeere, @y. —n, ber Rame verſchledener mehlichter Beeren, 
1) bes Speiselicgebaumes. S. Mehlbaum 2Yy (1); ©) des Mehl: 

« berneb. ©, Mehlbaumay (1); 3) bes Schluingbaumes. S. Mebis 
baum 2)(3)3 4) ber Preußelbteren (Vactinfum vitis idneaL.); &, 6, 
5, ber wilden Sohannsbreren (Ribes alpinum); -aud Mehldrofs 
fel; 6) ber Tandbeeren (Arbutus ura ursi L,): auch Moorberre ; 
7) der Voyelbeere (Sorbus aucuparia 1x). S. Eberefhe: . 

Die Miblveerflaude, My. —n, ein Rame ‚der Sandbeere auch 
Baͤre traube (Arbutus uva ursi Li), e 

Der Vieblbeceſtlauch “rs, '@y. ſträuche, ein Rame aller dei, 

eiehigen Gewaͤchſe deren Fruchte Mehidreren-gepäbnt werben; befon« 
ders aber der Sandbrere. IE; Mehlbeere und Mehlbaum. 

Der Mehlberiteh, 18, Wigs gl. im den Mühlen, der Beutel, kart 
welden bad Mehl gebeutelt vird. S. 2. Beutel. 

Die Mehlbirm, 9: —en. 1) @ine Art mehlichter Birnen, auch 8 
setslehtirm Pyrus-irregularis er + © viel:als Mehibtere, 
moraus es verberbt iſt· 

Die Mebiblume, 4. —n. ı) Eine Art Ssläffelstume, deren Bläts 

ter unten mie mit Veha deſtreuet And (Pännila.farinosa L.); meh: 

uige Schrüffelbiume; rothe Verafchräffelbnuine, : Lerchenbiume, 
Kreuzbluͤmchen, Kaiſerling, Vogelauge. 2). Eine Art Piozint- 
aloe, welche in NRordamerika au Haufe iſt (Aletris farinosa L.). 3) 
Eine austänbifhe Pflanze mit zufammengefedten Blumen, bie einen 
gemeinfhaftligen, vielblattigen Keih baben; auf ter Ecdeibe fies 
ben teichtesförmige Zwitterblämchen mit vier Epigen und vier Staub⸗ 
fätın (Eclipta L.). 

Der Meblbohrer, —®, 3. al. im Bergbaut, ein Bohrer; mit wel 
diem ta# von dem Meifelboperr gemachte Bohrmehl aun' bem Bohr: 
loche berausgegogen wird, um die Beſchaſfenheit bes Gefteines dars 
aut au erfeben. 

Der Mehlbrei, ed, 2. von mehreren: Krten, —, ein aiit Mehl 


Mehld 


gelohter Brei; Mehlmuß, Mehlpappe ver bloß Pappe, R. D. 
Damp, Pampe. 

+ Der Mehldorn, —e6, Bi. —ın, f. Mehlbaum »). 

+ Die Mehldroſſel, By. —n, ſ. Mehibeere 5). 

Das Mehblfaß, — ſſes, 4. — faͤſſer; Bm. das Mebifäghen. x) 
in Auf oder Fößhen zu Mehl ober Mit Mehl. =) Sin Name der 
Mehlbeertn. &, Mehlbaum ı) und 2). In manden Gegenden 
auch Diehihofen, davon der Straud der fie trägt auch Mebihofens 
ſtrauch gerannt wird, , 

Dir Meblfäßchendorn, — s, DH. —ın, eine Art Mispeln, welde 


ſich durch ihre Stacheln an den Äſten von andern Arten unterfheibet 
(Mespilus pyracantlıa L.), 


+ Das Mehlfaͤuſtel, — 8, 2. u. ein Name des Weißzbernts; auch 


Mehlſtiſtgen. 

Die Mehlſtechte, By. —n, eine Art Flechten auf den Stämmen unb 
Bweigen ber Bäume (Lichen farinaceus), . 
Der Mehlſleck, —ıt, . —, in den Küden, Flecke ober unse: 
selmäßige Stuͤcke bünn gemwaljten und zerfhnittinen Nadelteiges, 
welche in Waſſer gekocht und mit gefhmeljter Butter zugerichtet ober 

auf andere Xzt zubereitet werben, 

Der Mehlgips, —es, DA. u. Gips in locerer erbihter Beflalt, wie 
Debl; Himmelmehl. 

Der Mehlbindler, f. Mehlktaͤmer. 

Die Diebihofe, 4. —n, und ber Mehlhoſenſtrauch, —es, 29. 
—träude, ſ. Mehlfaß =). 

Meblicht, —er, —ſte, adj. u. adv. bem Mehle äpnlih. in mehr 
lichtes Yulsıe, welches fo jart ift, baf man beffen Theile nicht uns 
terfheiden fann. Mehlichte Kartoffeln, deren Inneres weiß, mürbe 
und brödelig if. Mehlichte Frachte nımnt man folge, die mehr 
ein trectenes als faftiges Zteifh haben, mie bie Mehlbeeren und 
mande Birnenerten ıc. In ber Mahlerel nennt man biejenige feh - 
lexhafte Art zu mahlen meblicht, wenn bie Gegenftände mit zu grele 

—len Farben gemahlt, bie Lichter zu weiß und bie Schatten zu gras 
gehalten werben. Bon einem Mahler, ber in diefen Fehler verfält, 
fagt man, ex falle ins Mehlichte. * 

Mehlig, —er, —ſte, adj. u. adv. 1) Mehl enthaltend. Die Körner 
bes Zürfifhen Weizens find fehe mehlig. Io der Pflangnichre 
nennt man eine mehlige Hülfe (Legumen farinosum) eine folde, 
deren Rerne mit einee mehlihten Maſſe umgeben find, 2) Mit Mehl 
befäubt, bededt. Sich mehlig maden. In ber Pflanzenlihre heipen 
Schelle ber Pflanzen ebenf. Us mehlig (farinosae), wenn fie mit einem 
weißen Etaube bebett find, oder au aut bamit bedeckt zu fein fGeinen. 

Der Mebikäfer, —e, 9: gl. eine Benennung desienigen Seſchlechts 
von Käfern mit ganzen Flügelbeden, welde von Andern Hausfdyar 
ben genannt werben. und melde häufig ihre Nahrung im Mehle fu 
&en (Tenebrio L.). Die karde beffeiben If der gegliederte, harte 
‚fhalfge und gelbe Meblwurm, eine Lirblingsfpeife ber Rachtigallen. 

Der Mehlkalk, —es, 3. u. lebendiger Kal, welder in freier Luft 
aufgelöfet und in Staub, glei einem Mehie zerfallen it; Staubkalk. 

Der Mehlkaſten, —s, 39. gl. ı) Ein Kaften, welcher zur Aufbes 
wahreung bed Mehles dient oder dazu beflimmt iſt. =) In ben Mahl⸗ 
möhlen, der auf vier Füßen vor dem Mäplengeräfte flehende Kar 
fen , in welchen bas Mehl gebeutelt wird. 

Der Mehfkleifter, —s, 24. u. ein aus Mehl und Wafler zekochter 
Kleifier; Pappe, aud wel Mehlleim. 

Der Mehlkloß, —ed, 25. — Höfe, eim aus Mehl bereiteter KIoß, 
+ Miecbiinull; zum Unterfsiebe von Semmelklößen, Fleiſchkloͤßen ac. 

Der Mehlträmer, —s, 4. gl. ein Krämer ber außer andern Erbenss 
mitteln auch Mehl verlauft ;ebler, Mehibändter; in Balern ıc. Meiber. 

+ Das Mehlkraut, —eb, Di. v. ein Name bes Geißdartes oder Jos 
bannsmebeis (Spirasa ulmaria L,), 

Die Meblkreide, 3%. u. Iodere, einem Mehle Ähnliche Ralkerde; 
Bergmeht. 


Gampı's Wörtesbr 3. Th. 


_ 49 


Mehl 


$ Der Meblleim, —es, 0. 24: f. Mebtktifter. 


Das Mehlloch, —es, PH. —iädyer, bei den Müllern, ber hölzerne 
Seng, dusp wilden das darch die Mühifieine zermalmte Griseibe 
in ten Bautei fiüt. 

Die Meblmeife, 3. —n, ein Name ber Afmeife, wegen der weiße 
grauem Konde, und nch mehr wegen ihres weißen, gleichſam mit 
Mezi befläubten Kopfes (Parus caeruleus), 

Die Mehlmilbe, 9. —n, eine Art Milsen, welche Im Mehle ledt 
(Acarus farinne L.); and blob Mitte und Mehimiete, 

Die Mehlmuͤcke, Mm. —n, eine Art Rachtfalter (Phalaena farina- 
lisı; auch Mehlzündler. 

Die Mehlmuͤhle, Bi. —n, eine Mühle auf ober im welcher Mehl 
gemahlen wird, zum unterſchlede von andern Mühlen; vorzugsmeife 
gemöpnlih nur die Mühle. Davon der Wehlmuͤller, ber Mäller 
in einer Mebtmäple. 

+ Die Meblmutter, 3%. u. ein Name bes Mutterlornes, 

Dad Mehlmuß, —ıs, Bi. —e, f. Mebibrei. 

O Die Mehipalme, f. Märkpaime. 

Die Meblpappe, 24. u. f. Mehlbrei. 

+ Der Mehlpatz, —e}, 3. —, ber Topfllein. Remnid. 

Der Mebipilz, —es, 4. —, ſ. Virkenpil;. 

Das Mehlpulver, —, 9. u. au einem M:ple jerriebenes Sqhith ⸗ 
puloer; sum Untesfhiede vom geibern Kompulver. 

Der Mehlſack, —s, 34. — Tide, ein Sack, Mehl darin aufzubehal⸗ 

- tem oder fortiufhaffen. Im gemeinen Erben fagt man free, plump 
wie ein Dichifad, von einem plumpen und unbepälfliden Menfhen. 

Der Mehlſaud, —es, o. 9. feiner Sand, der aber doch mod groͤ⸗ 
ber als Flugſand ift und auch Formfand Heißt, weil man ihm zw 
Bormen gebraudt. 

Die Meblfchabe, By. —n, eine Art Schaben, welde ſich in Stuben, 
beſenders ‚aber im Meble aufpält und bavon lebt (Blatta ariente- 
ls L,); aud Stubenſchabe. 

Die Mehlſchwalbe, By. —n, ein Rome ber Hausſchwalbe. 

Das Mehlſieb, —es, Di. —e, rin feines Sieb, Wehl durch daſſelbe 
faden zu laffen und zu reinigen, 

Die Mehlfpeife, By. —n, eine Epeife, welche ganz ober bad meift 
aus Mahl bezeitet iſt, ſowol gekocht als in Pfannen gebaden ıc. 
Der Mehlſtaub, —es, 0. 3. feines Mehl als ein Staub detrach ⸗ 

tet, cher Mehl welches verſtaͤubt. 

Die Mehlfieuer, M. —n, eine auf bas ech! gelegte Steuer. 

+ Die Meblftraube, 9. —n, in ben Käden, eine aus Mehl gebak⸗ 
kene Gtraube. ©. Straube, 


Der Meblflrauh, —es, 34. — ſtraͤuche, ſ. Mehlbaum 2) (=) 
und (4). 

Die Mehlſuppe, By. —n, eine aus oder mit Mehl gekochte Suppe. 

Der Mehlteig, — s, My. u. Zeig von Mehl und Waſſer ober eince 
+ Eiäffigkeit, welche vorjugsweife auch nur Teig genannt wird, 
©. Teig. 

Der Mehlthau, — es, 9. von mehren Arten, —e, bie Benennung 
bes weißlicgen fhleimihten Überzuges auf den Blättern der Pflangen, 
welcher oft ihr Verwellen verurfaht, und von welhem man ebts 
maps, ba man den Grand beffeiben nit fannte, glaubte, er falle 
mit tem Thaue nieder, Gine Art deſſelben entfleht von einer eis 
zen Art des Shimmels (Mucor erysiphe L.), melde bie Blätter 
übderziebet. Die andere Art entſteht durch einen weislihen Schleim, 
ben einige Blattiäufe auf ben Biättern abfegen. Die damit Überzos 
genen Blätter muß man entweber abwaſchen, wozu ein Abſud von 
Tabakeblaͤttern am beften dient, oder abſchaeiden und verbrennen. 
Eine Ahnlie Erſcheinung am Getetide wird der Moft genannt. S. b. 
Im D. D. aud in andern Gegenden im gemeinen Sıben hist man 
dofür Milthau, Mitdtbau; in Böhmen ach Trachten. 

Meblweiß, adj. u. adr. weiß wie Mehl. Mehlweißer Zelg, Hei ben 
Pif:sfägliern, ein aus Roggenmepl und Honig gemachter Zeig, ber 


52 


Mehlw | 250 Mehr 





mit antem Aehle gerollet wird, wedurch er fo weiß wie Mehl mirb. 
Der Mehlmweiße, eine Sorte Elblinge. 

Das Mehlweiß, — es, » Mz. in Öfterreih und Steiermart, eine 
an fanbigen Orten häufig wachfenbe Pflanze, welche wiber bie Waf⸗ 
ſer ucht und als ein harntreibendes Mittel gebraucht wird (Oty - 
peola silieulis biloceularibus tetraspermis L.). 

+ Das Mehlweißel, —s, 9. gl. in Schleſien, ı) ein Heiner Ho⸗ 
nigluten, =) Eine Heine Maulſchelle oder Ohrfeige. 

Die Mehlwinde, Di. —n, bei ben Bedoen in verſchledenen Segen: 
ben, eine auf tem Moben angebrachte Winde, bad Mehl com Magen 
vor dem Hauſe damit ſegleich auf ben Boten zu winten. 

Der Mehlwurm, —es, 94. —würmer, ſ. Minttäfer. 

Die Meblmwurzel, 84. —n, bie Bıotwurzel, ©». 

Der Michlzuder, —6, 2. gl. bie aus dem gekochten Iuderfafte an⸗ 
gefhoffenen Zuckertheile, Sofern fie einem brammen ober weißlichen 
Mehle gleihen (Farinzuder); Rohzucker, Kuͤchenzucker. 

Mehr, adj, w+adr. 1) Als ein Beilegungswort, wo es ſowol umge 
endet, als auch ohne Umenbung gebrandt wird, einen höheren Brad 
bee Minge und ber innern Staͤrke auf eine unbeffimmte Art zu ber 
zeichnen. Mehrere Erfahrungen haben es bewitſen. Es ift ſchon 
mehrere Mahl bason bie Rede geweſen. Die mehrere Zahl, beſſer 
bie Mehrzahl, Mit mehrern Worten ſich erllaͤtren. 

Gin Zus, 

Der oft mit mehterm Sluͤck als Rechte 

Der ſchnellen Hunde Epur entging. Lihtwer 
Mehrere find derſelben Meinung, mehrere Menfhen. IH Habe mit 
Mehrern darüber gefprogen. Gin Mechreres findet man weiter uns 
ten, mahr über dieſe Gase, biefen Begenfarb ıc., umftuͤndlicher, weis 
ter auseinander gefept. In ben Kanzeleien gebraucht man es häu⸗ 
fig im zweiten Falle. Des Mebrern erfihen, umftänbliher, weit⸗ 
laͤufiger. Dieſe Erklärungen zeigen bes Mehrern, daß ic. Auf 
fagt man im denfelben um fo mehreres, für, um fo viel mehr, wel⸗ 
es ihnen aber gang gu überloffen if. Sehr Häufig wirb es ohne 
Umenbung gebraucht. Mehr Nuhe und Zufriedenheit im Haufe wür: 
ben ibm mehr Gluͤk gewähren, als Geld und Eut. Mehr Bid 
als Berftand haben, Mehr als Gin Madl. 

Dies und viel anders mehr gab mie ber Argwohn ein, Weiße, 
Es kommen deren immer mebr. Es gicht deren mehr als zu viel, 
Häufig wird auf bie Fade, worauf fih mehr bezieht, verſchwiegen. 
Gr bat, befigt mehr als ih, Mehr will id; nid, Oder man br: 
zeichnet bas, worauf Ach mehr beziehet, im Nadifage deutlicher. „Kite 
Eeute fagen oft mit @inem Worte meht, als die Jugend in gehn Schr 
ren nit fallen kanne (beffee, als die Jugend in zehn Jahren fafı 
fen fann). Gellert. Gr gab mehr als ih erwarten fonnte. Das 
ift mehr als gut iſt. 2) Kia ein umflandiwozt, eine größere Menge 
zu bezeichnen. Dies geſchieht entimeber, intem man das, werauf fi 
bie groͤßere Menge bezieht und wonah man tiefe Wınge beflimmt, 
nennt, ober indem batjinige, worauf ich bie Mehrheit dezieht, bleß 
darunter verfanten ober gedacht wird. Im erſten Falle folgt bare 
auf immer als oder denn. Seit muchr. als tire Moden, Or if 
mehr ale derißig Bahr aft, älter als dreißig Jahre, Das ift mehr 
denn zu viel, BViermohl mehr. Gin wenig mehr. Bier mehr. Nch 
mebr. Immer mehr. Kein Wort mehr! Mod wehen Cie mehr? 
Mas konn ich mehr ıhun? Cs iſt wihts mehr ba. Ih babe nicht 
ober nihts mehr. Ich kann, ich mag nicht mehr. Dies ift ein Sruud 
mebr, es nicht zu thun. Funſaelg Thaler mehr bliten, Zu dieſer 
Megel gehören bie angeführten Beiſpiele wad andere mehr, vud nech 
andere. Fealſch ſteht es aber in folgender Stelle für ncch, ven einer 
Entfernung. 

Jeto fernt es vom Heer der Olympier unter Alphacd 

Eine Meile nur mehr. — Sonnenberg. 

KFelonbers wird mehr unzigentiih gebrceudt. (1) Von riner Hort 


nur auf eine verneinende Meife. Ih fehe und Höre niemand mehr. &s 
IR niemand mehr ba. Mein Bater lebt nicht mehr. Bil du bean 
nicht mehr mein Freund ? Haft du aufgehört mein Freund zu fein ? 
Es regutt nit mehr, es hat aufgehört zu vegren. Ich kann nicht 
mehr geben, ſchiafen ıc. Es wird nit lange mehr dauern, es wird 
bald ansfein, aufhören x. Es fol nicht mehr geſchehen. IH werde 
es nicht mehr thun. Niemahls mehr, ober nimmermehr Kür 
nicht mehr fügt man im D. D. nimmer. Ich will es ninımer then, 
&r tebt nimmer. (2) Einen größern Vorzug, Werth 2. zu brgerche 
nen. Man mus nicht mehr feinen wollen als man iſt, nüht beſ⸗ 
fer, vorzuͤglicher in irgend einer Art. Er ift mehr als ih, er hat 
einen boͤhern Etand, Poſten ıc. ats ih. „Mott iſt mehr bean ein 
Menſch. Slod 55, 20, Su biefem Ginne kommen in alten Bre— 
mifhen Urlunden die Mehren für die Wornchmen vor. (3) Gina 
doͤhern Grad der Innern Stärke zu bezeläinen. „Man muß Gott 
mehr geboren, denn ben Menſchen.“ Npoftelg. 5, 29. Ic liebe 
fie jegt mebr als je. Gr ift mehr zu bedauern, als rin Anberrr. 
„Jeder Menſch iſt feel, und nie muß er es mehr fein, als wenn r# 
bie Wahl feines Gluͤcks beteifft.- Sonnenfele. Um fo viet mehr, 
defto mehr, bem angeführten Grunde 1. gemäß in Höherem Grade, 
Je mehr ih baran denke, deſto mehr fehe ih «8 ein. Mehr und 
mehr, ober je mehr und mehr, immer mehr, je länger beflo ſtoͤrker. 
Mehr und mehr wird man es gewohnt. Das ift nicht mehr als 
billig, das iſt pähft billig. „Bas Handert mar [Kom mehr als vol,* 
veihti vol, üÜberwoll, Leſſing. Mehr als zu gut, zu oft, zu 
viel ıc, Äberfläfig gut iſt, oft, viel. Es ift mehr als gu gewiß, es 
iſt ganz gewiß. Ich fürchte, daß mir bicfe unglädiihe Enttedung 
fon mehr ats zu befannt iſt. Grllert. Diefeg Austruds mehr 
als zu ꝛtc⸗ bedient nıcn fh gewoͤhnlich, wenn man etwes als in 


' einem ſeolchen Brate Statt findend, ber höher und färker if old man 


wuͤnſcht ever alt lieb und gut iſt, bezeichnen will, mo man bann oft 
noch leiter binzufügt. Es iſt Teiber mehr ald zu gewiß, daß er 
tobt iſt. (4) Eine Bergleihung und Kielgerung zu machen, wel⸗ 
het Gebrauch auch fihen in ber vorbergehenden Bedeutung Gtatt fin 
bet! IE bin mehr traurig als zuflig. „Bett mehr gütig als ger 
recht denten, ift eten fo viel, als @ott entehren.“ Bellert, Bei 
künfttz meines Mathes mehr eingeben! Gin noch mehr gelichtes 
Kind, weihen Knedruck Ab. anführt, gehört gerate zu ben Fällen, 
wo mihr eine unnüge Rachahmung bes Franzoſtſchen plus if, bie 
ex ſonſt fetsft mit Met verwiıft, 

Das Wert mehr ift ber zweite Grab vom einem veralterten 
Etammmorte meh, ma, viel, grof, und müßte eigentii$ meher Taus 
ten, und im beitten Grade meheſt, mehefte, was man aber in meift, 
meiſte, gufammengezogen bat, 

Da erweinten ihrer mehte. d. Klage, ®. 5523. 

Es bereichner eine größere Menge, wenn es mit dem Rielen aus⸗ 
deüdtich verglichen wird, iſt aber, wenn es chne folden Bergleih al: 
lein für fi fehet dem Eine entgegengefrgt wie Tiet dem Wenigen. 
Ben jenem vıralteten meh eder ma didete man mittelſt des Ablei⸗ 
tung? lautes t ein neues Weliegengdiwort mehr, mar in derſelben 
Bedeutung, weld es in ber Steigerung mehrer vud mehrefte oter 
mehrſte lautet. Diefe Irpte Ableitung iſt die gewoͤhnlichſte, indem 
bie Meißen mehrere und nide mehre, mie ed von meh abgeleitet 
lautet, ſchreiben. At es bemnech auch nicht rihlig, wern Micps 
ftod fagt, mehrere [ri bas Mufler zu defferere, fo iſt doch nicht zu 
täugnen, daß mehrere, mehrerer wegen Häufeng ber r, für tao Ge 
bir und die Nesfprade hart wird, und daß mehre, von meh abges 
leitet, milden bie Stere Korm und Überdies um «ine Citbe kürzer 
und alfe weniger fülsppend iſt vorgesogen zu werden verbient, mel 
Gen Borjug ihm ©. in feinen Etrifren vab außer ibm and Andere 
eingeräumt baten. Daher haben mehre Dichter orter den Alten 
geia te ıc Hofe „Dei michrin Belsarnbriten" Trapp. 


bauer formel eines Zuftandes, als auch der Handlungen; gewähniih Dad Mehr, opne umend, und DR .u. 3) Die Mehrheit, d. h. bie größere 


fie Mehra 


Menge, befonbers von ber Mehrheit ber Stimmen, im O. D. Durch 
bas Mehr gewähtt werden. Das Mehr mag entſcheiden. Daven, 
bag bie Stimmenmehrheit zu erhalten ein glückliches Treffen, unb 
oft rin Gluͤck it, rührt chne Imeifel ber Sebrauch ber, nah wei» 
Gem man ehemapls das Mehr für ein Glaͤc gebrauchte. 2) + Die 
Gammlang ber Stimmen. Gina Mehr mahen, bie Stimmen fom: 
meln, Zum Mehr fhreiten, zum Stimmengeben und Stimmenſam⸗ 
mein, Daher bie nur im D. D. üblichen Autfagrmwörter, abmebren, 
buy bie meiften Stimmen abfhaffen, verwerfen; eemuhren, durch 
bie meiften Stimmen befsliefen, erwäßlen; uͤbermehren, überftim: 
men. 5) Dasieniae, was in größerer Menge vorhanden iſt, geſche⸗ 
ben ift. Auf das Mehr oder Weniger koͤmmt viel an. „Sollte das 
Mehr auf biefer Seite dem Weniger auf jener vieleicht das Gleilch⸗ 
gewicht haltın?= G. „Run fühle" id; erſt das Mehr, was ih mir 
fest ungern eingefland® ıc. Benzel: Sternau, 

Mehraͤſtig, adj. u. adv, mehrere Üfte abend, Eine mehräftige Ranfe 
(multifidus), in der Pflangeniehze, eine Ranke, die in mehrere Äſte 

„oder Theile getheilt if. 

Mehrblumig, adj. ur adv. mehrere Blumen enthaltend, tragend. Ein 
mehrbiumiger Quiri ———— multiflorus), der von mehrern 
Blumen gebilder wird. 

5 Der — —s, 2 gl. ein ans Moͤrbraten verderbtes 
Bort. N 

OWehrtentig, adj. u. adr. mehr als Eine Bedentung habend, was auf 
mehr als @ine Art gebeutet werden kann. Davon bie Mehrbeutigkeit. 

1. Mehren, v. I trs, 1) Meht machen, ber Zahl und Menge nach, 
wie au uneigentiih, der inuern Stärfe nad) größer mahen; bei 
den Dichtean gebraͤuchlicher als das fonft gewoͤhnlichere vermehren, 

— bie furchthare Menge 
Hatten neue Scharen gemehtt. 
— das cha’ Erdarmen 
Mehret ihres Herens Roth. Bürger 
Auch ohne Nennung einer Sad. 
Ans Erhalten denkt ex zwar, 
Mehr noch, wie er mehre. Gothe. 
Ehemahls gemehren. a) O In ter FRechenkunſt eine Zahl fa viele 
Madi nehmen; als eine andere Einheiten in ſich enthält (multipliei- 
ren). Bürja,. 5) + Im O. PD. vermittelt eines Mehr ober der 
Mehrheit ber Erimmen befäliegen. Zub als intrs, feine Stimme 
bei einer Stimmenfommlung abgeben. IT) rec. Sich mehren, an Zahl 
unb Menge, wie aud am inneger Stärke zunehmen, wachſen. „Die 
Menichen begunnten ſich zu mehren.“ ı Mof. 6,2. „Bein Eins 
kommen mehret fi.“ Wehem. 9, 57. „Das Wort Gottes mueherte 
fih.* Epoftelä. 12, 24. 
So wie fid beine Zapıe mehren, 
Mehrt bein Werbienft ſich um bie Welt. Sellert. 
Dos Mittelmort ber gegenwärtigen Beit wirb in biefer Bebeutung 
auch ald Beilegungswert gehrauht und grfirigert. „Was ift meh 

+ tenber als ter Fiſch im Mafler ?* was vermeheet fih mehr, was If 
fruchtbarer? Herden — D. Mehren. D. — ung. © b. 

2. xæ x Mehren (Meten), v. trs, theillen; nur noch in manden 
Gegenden, in bem zufammengefegten abmehren, für abtheilen. Abs 
geniehrte Rinder, abgetheilte, abgefunbene. D. Mehren. D. — ung. 

Mehrentheils, adv. den mehren ober mehrſten Theilen nah; aud 
meiftentbeits, größtenteils und meift. 

Und mworand beſteht bie Welt? 
Mehrentheild aus Thoren. Bageborn, 

Der Dichrer, —s, 39. gl; bie —inn, ip. — en. 1) Eine Perfon, 
melde mebret; eigentiih und untigentlih. Der Mehrer meiner 
Qual. Meniger qut fagt man ber Mehrere von einer Sache. So 
heißt es von ter Zonfunf. 

Mehrerinn von jeder Freude. Meißner. 
In dem Zitel ber Deutfchen Kaiſer find bie Worte „allegeit Mehrer 


— Klopflod, 


251 


Mehr 


bes Reise eine ſchlechte Überfegung ber lateiniſchen Morte semper 
Augustus, =) In der Rechenkunft it ber Mehrer diejenige Zahl, 
mit weicher man eine andere mebst (Multiplicator). &. Mebren. 

+ Mehrers, adv. im D, D. für mehr, Öfiers. „An Höfen, wo fi 
die befehlenbe und beſchließende Bewalt mehrere conentrirt (In eis 
nen Pant vereiniget) als in Mepublilen« (Beriaaten). Mofer. 

Mehrfach, adj. u. adv. was mehrere Matt iſt ober geſchieht, ‚anf 
mehrere Art, Dem fogenannten: Bieifpatp fehlt ber biätterige Bruch 
und ber mehrfache Durchgang der Blätter. 

X Die Mebrhaberei, 2. u. bie ungeorbnete Begierde, da man ims 
mer mehr haben ober befinen will, 

Die Mebrbeit, 9. u. 1) Der Buftend, ba ein Ding mebe als Eines 
if, Minhe Sprachlehrer gebrauchen es in dieſem Sinne für Mehrs 
zahl. S. d. 4) Dir Zuftand, ba etwas in größerer Mirge ba if. 
Die Mehrheit der Stimmen. 3) Die geößire Anzahl ber Stimmen 
ober ber ftimmenden Perfonen ſelbſt. Die Mehrheit hat es befhloffen. 

O Mebrjährig, adj. u. adv. mebzere Jahre alt, bausend, von mehr 
xern Jahren her, Gin mehrjähriger Bau, Cine mehrjährige Er 
fahrung. 

X Der Mehrmacher, —s, 9 al.; die —inn, By. —en. ı) ® 
Eine Pırfon, weide mehr macht, b. d. welche mehrt, vergrößert; 
befonbers im tadelndem Sinne, melde immer mehe zu bekommen, 
ihre Finnabıne immer mehr zu vergrößern ſucht, ohne eben auf Het; 
mäßigteit ober Unrehtmäßigkeit her babei angewandten ober anyıs 
wendenden Mittel Rückſicht zu nehmen (Plusmader), C. 2) Im ge 
meinen Beben, einer ber mehr, d. b. noch andere Dinge berfelben Art 
madıt. © fagt man wenn Wläfer ober andere Dinge jerbeohen 
ober zu Grunde gerichtet werben: lebt dech ber Mehrmacher nad! 

Mebrmablig, adj. zu mehrern Mahlen ſeiend ober gefhehend. Auf 
mehrmahlige® Erſuchen. 

Mebrmahls, adv. mehr als Ein Mahl, zu mehrer Mahlen. Im 
D. D. mehrmahlen, und bei Manchen unriätig mehrmahl. 

Mehrfamig , adj. u. adv. mehr als Eimn Somen, ald Ein Samen: 
forn enthaltend, in ber Pflanzenlehrt. Cine mehrfamige Kapſel 
(Capsula polyspernia). 

O Mehrfeitig, adj. u. adr. mehr als Eine Seite Habend, zelgend, 
von mehr als Einer Seite. Ein mehrfeitiger Begenftand. „Mihr: 
feitige Beurtheilung,* bie über eine Sache von mehr als Einer Seite 
angeſtellt if oder wird. Rod. (A.). Davon bie Mehrfeitigkeit, 
ber Buftand eines Dinges, ba es mehrere Seiten bat, zeigt, vom 
mehr ald Ciner Seite betrachtet ac. werben Fanı. Die Mehrfeitig« 
teit des abzuhandeluden Gegenftanbes. Die Mehrfeitigkeit einer 
Verfen, bie Eigenfhaft derſelben, ba fir nicht einfeitig If, da fie 

eine mehrfacht Ausbildung erhalten hat. „Die Mchrfeitigkeit sent 
Solchen, verglihen mit turen Einfeitigkett,» G, 

O Mehriilbig, adj. u. adv. aus mehrern Silben beftehenb. € 

mebrfilbiges Wort. 


Mehrſt, f. Mehr und. Meift. 


Der Mebriheil, —es, 24. u. ber mehrere, d. h. ber größere ober 
größte Zheil. „Der wohldenfe Mehrtheil kimmte ihm bei. ungen. (R.) 

Mehrtbeilig, adj. u. adv. mehrere Epeile, mehr als Einen Shell ent: 
haltend, haben. Gin mehrtheiliges Merk, In ber Pflangentchre 
heißt ein Geiffel mehrtheilig (mnultifidus), menn er mehrere Mahl 
geivalten if. Davon bie Mebrtbeiligkeit. 

Die Mehrung, 94. —en. 1) Die Handlung, ba man amehret und 
fi mehrrt. Im der Aechtnkunſt, basienige Rechnen, da man rine 

—Zahl fo viele Mahl nimmt, als bie andere Zahl Einheiten enthält 
(Multiplication), 2) & Im D, D. basjenige, worin fih etwas 
mehret und abgeführet wirb, eine Abzucht. 

Der Mehrwerth, — es, 3. u. der mehrere ober größere Werth, ber 
überſchuß an Werth in Wergleih mit efimae von geringerem Werthe. 
„Der Mehrwerth alles verfumpften ober verſauerten Landes fol — 
vergütet werben." Ungen. (R.). . 


Mehrz 252 


O Die Mehrzahl, MM. m. 1)- Die mehrere ober größere Zahl, 
Mengt. Die Mehrzahl erflärte ſich dagegen. =) Eine Zahl bie 
mehr als Find brzeiänetz wie au ber Zuſtaud, ba ein Ding mehr 
uls Eins if. MWefonbers bedient man fih biefes Wortes in ber 
Gpradichre, derjenigen Buftanb ber Wörter zu bezeichnen, wenn 
ı fie fid auf mehr als Gine Prrfon ober Sache beziehen, welde durch 
Birintrrung an biefen Wörtern ſelbſt oder buch andere hinzugefehte 
Wirter angezeigt wird; beffer als Vielzahl, weldes Andere dafür 
gebrauchen, weil es nicht im Wegriffe liegt, daß man an Birke 
denke, ſondern nug an muhr als Eins, was zwei, drei ꝛtc. fein Fin 
nen (Pliralis), Mär bem beſendern Ball, wo bloß vom zweien bie 
Meta ift, dat man in der Briehifchen Sprachlehre bas Mert Zwel⸗ 
zahl  Dualis), 

Mibrzäbnig, adj. u. adv. meferre Zähne habend, mit mehren Bir 
nen verfehen. In der Pflangenichre heipt eine Blütendecke mehr⸗ 
zähnig (multidentatum), wenn fie mehrere Zaͤhne d. h. Eins 
ſchnitte bat. 

Der Meht, f. Meth. 

* Die Meid oder Maid, My. — ; Br. das Meidchen oder —el 
(Maibet), ein Maͤbchen. 

Ih führer’ einen Freund zum. Maibel jung. Gthe. 

1. Meiben, v. trs, unzegelm. ich meibe, du meideſt, er meibet 10,5 
unl. verg. 3. ich miedz Mittelm. b. derg. 3. gemieben; MWefrhim, 
meibe, verhäten, baf man mit einer Perfon ober Bade ſich nicht 
an Einem Orte befinde, fi beftseben, einem Dinge niht zu nahe 
zu Eommen, ihm nicht gegenwärtig zu werben, befonders fofern man 
es für gefähetih und fhäblih Hält. „Die Kiugheit gebietet auch 
dem deaven Donner, einen Feind, ber Händel an ihm fucht, zu meis 
der, und mit dahin zu gehen, wo er ihn antreſſen Kinnte, er wärs 
de e0 aber für Feigheit halten, vor ihm zu fliehen.“ Gberharb. 
Berzl. Vermeiden umb Fliehen. Eines Menfhen Umgang, Geſell⸗ 
ſchaft meiben. Den Abweg meiden, ihn mit betreten. Die Stadt, 
das Land meiben muͤſſen, fie nicht betreten bürfen, fi von ihnen 
tern halten müffen. 

Bern meid’ ichs, ihrem Blicke gu begegnen. Schitter. 
So auch im weiterer Bebeuiung. Die Sünde, bas Laſter meibem, 
fh der Berſuchung dazu nicht bloß ſtellen, der Gelegenheit dazu aus 
dem Dege gehen. »Schlecht und recht, goftedfärdtig mab meidet 
das Boſe⸗ Hiob a, 3. Gin Fauler meibet die Arbeit, ſucht ab» 
fitith Feine Gelegenheit auf, und laͤßt auch die, bie fid ihm anbie- 
tet, unbenägt, 

Dre Ruhe Sluͤck und ihre erinen Freuden 

Sind mir entflohn, auf immer mid zu meiben. Ungen. 
D. Meiden. D. —um: 

=. % ı Meiden, r. trı. chemapts fineiben, und Im engerer Bedeu⸗ 

tung derſchneiden (castriren). S. Meien. Daher ein Meibe oder 
Meiden ein verſchnittenes Pferd, D. Meiden. D. —ung. 

+ Meien, v. trs. fheeiden‘, mähen. 9. D. Davon abmeien, abmlr 
yını D. Meien. BD. — umg. 

x. Der Meier, —s, 9. 91; die — iun, 9. — en, von dem vers 
alteten meh, mehr, guoß, Überhaupt eine Perfon, melde mebr als 
eine andre iſt, und andıen Werfonen ober aud einer Sache vorge 
til. Bo dießen in dem Mittelalter bie oberſten Pfalyarafın 
Meier, Dausmeisr. Ja fpäterw Jeiten nannte men auch biejenie 
gen vormehmen Gofseamten, melde bea Bateinifchen Ramen Major 
domus fühten, Meier und Hausemeier. „Bald fhwang er fh 
wie Etufe eine Hausmeiers empor." Wähter Im ben Btät- 
ten war der Meinr eine vornchme obrigke itlicht Perfon, welche die 
dehe Berichtönskeit ober auch aur bie bürgerliche Gerichtbarkeit mit 
Ausfätuß der peinlihen eusäste, im Franz Meire, für weldes uns 
übesfiätfige Wort #8 wieder eimgeführt werben Könnte, Noch füd: 
zen geringere Vorgefegte nad Auffcher ben Rawen Meier, deglei 
Ken bie Dorgifepten bee Sanbiwizthfchaft formal einer ganzen Gegend 


Mei 


als eines einzelnen Gutes find; befonbers aber ber Worarfehte eine 
jeben Landgutes, ber gegen einem jährlichen Lohn bie Auffiht über 
den Felddan wub bie Kuchte und Arbriter führt; auch Hofimier, 
Vogt, Feldvogt, Schirrmeifter, in Meigen Hofmtiſtet, in Wögs 
men Staffner, in Pommern Statthalter, Cine weiblide Borges 
fegte biefer Art, wie auch bie Frau sines Meiers if bie Meierinn 
aber Hofmelerinn. Im R. D. hingegen If der Meier ber Befiger 
eines unfreien Bauergutes, welcher daſſelbe nicht eigentpämlid; fon« 
been nur als eim Lehngut vermöge eines Meierbritfes befigt, weiden 
alle neun Jahre erneuert und wafür dem Gutshrern jährlib ein 
arwiffer Bins entrittet wirb; in andern Gegraben ein Zinsbauer, 
im O. D. Guͤltebauer, im Seſſiſchen ein Lanbfiedel x, in fols 
hen Meier ift nah ber Wröfe feines Gutes ober Hofes entweder 
Vollmeier, Daibmeier oder Kothſaſſe. ©. d. 


9, Der Meier, —«, oder der Meierich, —es, Di. u. eine Name 1) 


bes Gauchhells; rother Meier (Anagallis arvensis L.). S. Gauch⸗ 
Beil; =) des Bogeltrautes; Wogeimeier (Alsine media L.); 3) 
des Ladtrautes oder Megertrautes (Galium verum L,); auch 
Meisrkraut; 4) des Krautes vom Mangalde ober der Berte. Ro 
thes, weißes Meierfraut; 5) einer Urt des Wehen, welhe zwiſchen 
den Hecken und in ben Weinbergen wächſt (Cucubalus baccifera L.); 
das bierentragende Behen, der drerentragende Becher, der große 
ſchwarze Hühnerbif; 6) ber Werrmelde (Alitum L.); auch 
Schminkbeere; 7) der Heine Meier, eine zum Geſchlecht des Tons 
fenufhöns gehörende Pflanze, weiche befonters Häufig in Rüdene 
särten als Unkraut waͤchſt (Amaranthus blitum L.); auch Meier⸗ 
traut, Meierhahnenkamm, Heine Melde, Dunbemelbe, mwilber 
Fuchsſchwanzz 8) der Meierih, ein Rame ber Gternblume mit - 
grasartigen Blättern (Stellaria graminen L.); auch kieines Blu⸗ 
mengras. 


3. Der Meier, —b, 9. gl. eine Art Spinnen, der Weberlarht 


(Phalangium opilio L.. 


4. + Der Meier, —6, 2. gl. ein von meien, mäfen, ifäneiben, 


fammendes und in dem zufammengefräten Birkenmeier, vworloms 
menbes 8. D. Wort. ©, b. 


Die Meierbitime, By. —n, die Pechnelte. 
Der Meierbrief, —s, 3. —t, der Brief, 6. h. die Urkande, 


vermitteift welder ein Meise mit einem Meiergute beichnt wirb, 


+ Das Dieierding, —es, ie. —e, im RD, 1) ein Ding ober 


GSericht aͤber tie Dieier, in welchem ſich einige Meier ald Beifitee 
finden. 2) Ein Bebinge ober Wertrag zwifchen einem Gutsherren 
und Weiler; das Melergebinge, Davon das Meierdingsrecht, das 
in diefem Vertrage gegruͤndete Mecht; das Meierbingägut, ein Gut, 
weldes man wermöge bes Meierbingsrehtes beſigt; ber Meier 
dingahof, ein Hof auf weichem ein Meierbing haftet; das Meier⸗ 


‚dingeland, Sand ober Grundſtuͤcke, weide tem Meierbingssechte uns 


serworfen find; der Meierdingemann, die Meierbingsieute, Brute, 
Mieier, welde beim BReierdinge unterworfen find. 


Die Meierei, By. —en, edemahls, deu einem Meier d. 9. vornehmen 


Beamten untergebene Brzirl; auch, bas Öffentiide Haus, im mels 
Hım ein Meier d.h. eine obrigkeitliche Prefon fein Amt ausübt 
(Mairie), Man gebraucht #8 nur nach zur Brjrihnung +) eines 
Heinen zu einem geößeen, bem Pauptgute, gehörigen und brfonters 
zur Biehzucht befimsten Gutes, kandgrtes, welchta ein Meier im 
Ramea des Herren bewirthſchaftet ober verwaltet; auch, ein Meſer⸗ 
gut, Meierhof, Hof, Vorwerk. =) Eines Bauergutes, welches 
ein Meier gegen einen jäbriihen Erbsins an den Grundherra bes 
fiat; auch, ein Meiergut, Meischof, Meierflatt, 


Das Meiergedinge, — 34 al. f. Pirierting s) 

Das Miiergut, ber Meierbof, ſ. Deierei 1) und =). 

Der Meierich, —s, a. u. fi 2. Meier 9). 

Die Meierjogd, 4 —en, a R. D. rine Jagd, wilde der Gutke 


hers auf ben Laͤndertien ſeiner Meien des Jahrs zweimapi anzaflei- 


253 


Mein 





Mei 

Ten herehtlart if, 

Das Meiertraut, et, B.0. 1) &, 2. Meier a). 3) S. 2. 

* Meier 7). 3) ©. Megerkraut (Galium verom L.). 4) Rauches 
Meierkraut, ein Mame bes Kerupkrauied. 5) Weißes Meierttaut, 
eine Urt bes Megerlrautes, welde auf magern Wirfen, trecktnen 
Hügeln und fleinisen Lxten wähft und zum Stotpfärben gebraucht 
wird; das färbente Megerfraut, die wilde Bergröthe, der rotbe 
Waldmeiſter (Aspernla tinctoria L.). 

Das Meierland, —es, Ba. —länder, Band, d. $. Bänbertien, 
Geandftüde, welche zu einer Meitrei ober rigem Melergute ge 


hören. 

Dad Meierleben, —s, 9%. ol. das Meirrgebinge, als ein Echen Bes 
trachtet z wie auf sin Meiergut. S. Meierbing 2). 

Meiern, v. tra, mit einer Beierei verfehen, zum. Meier madıen, in 
sufammengefegten abmeisen und bemeieem. D. Meiern. 

. ung. 

+ Die Meierftatt, my. — ſtaͤtte, ſ. Meierei =). 

Der Meierzins, —ıt, Di. —t, der Bins, weichen ein Meier von 
feinem Gute dem Gutöheren jährlich entriäten muß, 

Die Meile, By, —n; Bw. das Meilchen, bas größte ber im ges 


meinen Erben gebraͤuchlichen Laͤngenmaße, große Gntfernungen das -, 
mach zuibrfimmen, welches aber nit nur in den verfhiebenen ins _ 


bern, fondeen aud in Deutſchland ſelbſt von verſchiebener Gröse If. 


Auf eine gemeine Deutſche Meile rechntt men 12000 Schritte ' 


und 25 biefer Meilen zehnet man auf einen Brad, Sie ſtimmt 
mit der Meile, nah welcher man im ber Grbbefchreibung ıc. die 
Kusbehnungen und Entfernungen beflimmt, und beren genau 15 auf 
einen Grab gehen, ziemlich überein, indem -biefe 22842 Partfee 
Sup beträgt. Im Sachlen Hält eine Pollzeimeile 2000 Ruthen 
sber 16000 Dresner Ülen. Cine Schwediſche Meile beirägt 1”/,, 
eine Ungarihe 324, eine Italiſche Y,, eine Engtifche etwas über %/, 
und eine Kranzöflite beinahe ”, gemeine Deutſche Meile. Eine Tas 
gereife von fehs Meilen, Die hoͤchtlen Gebirge ber Gabe erheben 
ih uod keine Meile hoch über die Merresfläge, Die Entfernung 
des Mondes ven ber Grbe berechntt man auf sooco Meilen. Ge 
if eine Delle Weges bis bin, eine Meite weit. X Eine Meite, 
die bee Fachs neneffen bat, eine große Meile, 

Meilenbrrit, adj. u. adv. eine, oder mehrere Meilen berit, in einer 
Breite von einer ober mehren Meilen. Das Land war meilenbreit 
äberfämemmt. R, In Amerita giebt e# meilenbreite Steine. 

Meilenlang, adj. u. adv, eine ober mehrere Miifen Iang, im einer 
Länge non einer ober mebzern Bieilen. „Der meilenlange Luß 
walb an ber Spree zwiſchen Brelin und Ehorlottenburg.* Ram 
lex. (R.) Wie aus geſchwaͤrzter Zuft die Heufchrecwolle 

‚Herunterfäkt und meileniang die Felder 
Bededt in unabfehbarem Gemimmel Schiller! 
Das Meitenmaß, —ed, Mg. —e, bie Meile als ein Eängenmap dir 
trachtet. Das Meitenmas iſt nicht aͤberall gieid. 

Dis Meilenrecht, — s, 3. vn. dos Medit eines Ortes, daß aufrr: 
halb defieiben eine Weite weit um benfelben gewiſſe Raprungsjmeige 
wicht beteieben werden bürfen, fonberm daß innerhalb diefes Raumes 
die Bedärfniffe für deren Befriedigung irme Rabeungsjwelge for 
gen, aus bein Dete genommen werden mäflen; ber Meilenzwang. 

Die Mellenſaͤule, 2. —n, eine am Wege errichtete Gäufe, auf 
wilder bie Baht der Meilen nah ben darauf verzeichneten Orten 
angegeben iſtz der Meitenflein, wenn ein zugefauener Stein dazu 
dienet. 

OÖ Der Meilenſchritt, ti, =. —t; tin Schritt, welcher eine 
Dieile Berges beuzeift, 

— fein Rufe) mit Meilenfhritten bie Woge 
Rirbertretend, — Baggefen, 

Der Meilenftein, —es, 9 —«, |. Meilenfaͤute. 

O Das Dieilentaufend, —ıt, Bi —, eine Länge von toufend 


Deiten, uneigentlich, eine fehr grofe Untfernung. „Baden — 
an die fie dem Aufommenhange nah nicht über Meitentaufende 
getat," b, d. am bie fie nidjt in geringfen gedach, von weichen 
fie mit ihren Gebanken mehe als taufend Meilen welt entfernt war 
sen, Herder, 

O Meilentief, adj, u. adr. eine ober mehrene Meilen tief, ſehr tif. 
3. P. Alster. 

Meilenweit, adj. u. adr. (R.) eine, ober mehrexe Meilen weit, wie 
auch, fih fo weit oder weiter als eine Melle erfiecdend. Gin 
meilenweiter Weg. Meilenweit geben. ine meilenmeite Aus⸗ 
fit. Man firht von diefem Berge meilenmeit um fih ber 

— — wenn über ben Bergen 

Weilenweite Gewitter die Zeder dee Weit’ entftärgen. Klopſtock. 
In weiterer Bedeutung auf nur fehr weit, fehr lang. ’ 

O Die Meilenweite, 0.29. die Weite, Entfernung von einer Belle, 

— Auf Meilenweite koͤnat ihr Ihn 
Grit dbemmen ſehen. Sqchiller. 9 

Der Meilenzeiger, —, 3. gl. ein Ding, welches bie Baht ber 

Deeiten, um bie gemiffe Örter von einander entfernt find, anzeigt; 

ſewel eine Meitenfdufe, ats ein Meilenſtein. Mneigenttid au, 

für Weite Weges, weil die Meilenztiger gemöhnlih von Meile zu 

Meile an den Wegen erriätet find, 

Indem bu beine Worte 

Berlierſt, if fon ein Meitenzeiger nah bem andern 

Iurädgelegt von meinen Cilenden. shlller. 

Der Meiler, —s, 2. gl. ehemapis überhaupt ein Haufen, ein 
Hügel; jegt aber nur no ber runde und mit Erbe bibrdte Pau 
fen auf einander geſchichteten Holzes, aus welchem bie Kohlen 
berenee im Malde Kohlen brennen. . 

Die Meilerdecke, 9. —n, bie Dede von Erbe, womit der Meiler 
ganz bedett if bis auf Heine Öffnungen, zu welche ber Rau hin⸗ 
auszieht. f 

Das Meilerholz, —es, 2. u. Holz, welches zu Meilen befimmt 
iſt, ober woraus Kohlen gebrannt werden follen. 

Die Meilerkohle, Dig. —n, Kohlen, welche im ober aus Meilen ges 
brannt worden find; zum unterſchlede von Steintohlen ı«. 

Der Meilerföhler, —s, =. gl. ein Köhler, welcher das Sch Im 
— zu Kohlen brennet; zum uUnterſchiede von einem Gruden⸗ 
töhler. 

Die Meilerftatt, Ba. — ſtaͤtte oder die Meiterftätte, 2. —n, die 
Statt, Stätte, ober der Pla, mu ein Meiter fichet oder geflanden 
Hat; die Meilerſtelle, Kohlſtatt, Kohlſtaͤtte. 

Die Meilerſtelle, By. —n. f. Meilerſtatt. 

i. Mein, das zuriguende Bürmert der erſten Perfon, welhes een fo 
wie bein amgeendet wird, S. d. Ms bezeidnet einen Befit, ein 
Eigenthum ber vom ſich redenden Perfon, daß etwas Im ihr geswüns 
bet, ihr wiberfaheen ift, daß etwas mit ihr in naher Verbindung 
ſtehet. Mein Haus, mein Serten. Mein Leib, mein Kopfı mein 
Beben, meine Geſunbheit. Meine Ättern, meine Geſchwiſter, mein 
Freund. Meine einzige Freude. Mein größtes Leiten. Dies if 
mein Werd, mein Betrieb, ih habe es gethan, betrieben, Es if 
nit meine Schuld, id bin daran nigt Schuld. Dft Bepicnet 
mein, daß man etwas wie fein eigen, zu fi erhörend, mit ih ger 
mau verbunden betrachte und es if rin Ausdruck ber Dertrautihkelt 
und Lehr. Meine Tpeure, meine Gute. Meine Biede. + Cap bir 
- zatben , mein Son! Ein Wort, mein Freund! Du bift mein unb 
fonft es ewig Seiten. „Mein Herz und mein Gott.» Iob. 0,83. 
Dft zeiat mein au nur eine entfernte Werbinbung, ein Werbittniß 
an, in welchem man auf eins entfernte Meife mit etivas ſtehet. In 
meinem Sande, Waterlande, am meinem Orte, in bem Sande, am 
dem Orte, me ih geboren bin, mo ich jü Haufe bin. Mein Heib, 
der Held von weldem ich rede, exzaͤhle. Man ziett ihm mädtig dar 
von ab; mas that aher mein Milbfang? er kehrte fid, wicht daran. 


— 


Mein | 254 


Meine 





Mein Karolıs, an elebchena Beil geführt 
Haͤngt Kzon’ und Zepter an ben Nagel. KL. Schmidt. 
Ehemahls gebraudte man es quch in weiterem inne mein Dir, 


Wen hieß die Meinbothen zu ber Herberge fahren, d. Rich 
i * lungen 8, B. 55320. 
* Die Meine, 89. —n, der Wille; der Brtanfı. Davon meinen, 


meine Zrau, wie das Franz. zion sicur, ma dame und meiſt di» Der Meineid, —es, 24. —e. 1) Ein feiſcher Cid, ben man. wife 


* fen gaach zebildet, 3. B. in Eſchendachs Parjifal, min Her Gawin 
ging ı.; in ber Nibelungen Eiebe: . 
Run fahrer gemäprelihen — fprad; meine Frauf Ehrlemfilb. 
* V. 8162. 
Etrht vor dem mit mein verbundenen Grundwortt noch ein Belle: 
gungswort, fo gefbieht die Umenbung in ber Eirzahl fs ale fänte 
dos unbeftimmende Deutewort ein, in der Mehrzabl aber, als ſtün⸗ 
de das beſtimmende Deutewort bie daver. Mein licher Tann, 
meine gute Grau, mein einziges Kind; meine theuten Breunde, 
meine lehten Nachrichten, meine größten Leiden. Eben ſo böufig 
wird mein mit den Wöctern Halbe, wegen, Mille verbunden und 


sufammengejogen , meinethalben,, meinetwegen, meinetwillen. 


Meinethalben mag er fommen, id habe nıdts dagegen, es gilt 
mir gleich. Meinetwegen fol er nicht Teiden, wegen meiner, ich 
will nicht Schuld daran, nicht die Veranlaffung dazu fein. In birs 
fern Kae aber nimmt man meinet richtiger für bem zweiten Fall 
bes die enfle Perſon beyeihnenten Fuͤrwortes ich, welcher meiner 
keist und teffen v bloß in t verwandelt iſt, eben ſo wie beinet in 
denfelben- Zufammenfegungen zihtiger die zweite Kal von du ale 
von bein iſt. Dies wird befonbers beuttih, wenn zwiſchen beide 
Mörten, aus welchen biefe Bufammenfegungen deſtehen, noch ein an: 
deres gefegt wird. Meiner, ſelbſt wegen if es nöfhig. Um meiner 
ober verkürzt mein, feibft willen, Oft wird mein in Geftalt eines 


Umftonbwortes gebrauht, wo +8 underaͤndert bleibt und feine Stele 
gewöhnlich hinter dem Brunbmorte, dann aber wenn man mit Made : 


drut und Feuer ſpricht, auch vor bem Grundworte bekoͤmmt. Was 
nicht mein it, nenne ih and nicht mein. Sie ift mein und ih 


laſſe fie nicht. Gewinn und Verluſt iſt mein, ich trage beides. 


Mein ift ber Ruhm und mein nenne id ibn, mie gebühek der Ruhm. 
Mein wurde fie und mein fol fie ewig biriben! Nicht gut ſagt 
man im gemeinen Leben, es gehört mein, für es gehört mir, ober, 


es iſt mein, Oft wirb mein aud zu einem beziehlichen Fürworte, 


wo 16 fih auf ein vorhergehendes Grundwort bezichet und meiner, 


meine, meines lautet. Du glaubft es fei dein Bad, allein es if 


meines. 

Deßhalb bin num bein Wirth zu Ägoe ih 

Und meiner bu im fernen Eyrim. Bürger. {R.). 
Kuf eine ganz newe und ungemähnlihe Art gebraucht and fleigert 
@äthe mein als ein Bellegungswort: 

Du bit mein, und nan ift dad Meine meiner als jemahls, 4 
d. h. ned mehr mein, noch ſicherer mein. 


2. Mein, der zweite Wal bes Perfonenfärwortes ih, verfürjt aus 
= nem ie damit? auf men beiicht fi ber Sinn Ihrer Mebe, ah wen 


meiner. S. d. 

3. Xx Mein! ein Ausruf, welcher eine mit Verwunderung verbundene 
Frage begleitet. Mein! mie iſt das möglih? 

Mein! fage mir, warum bie Fuͤrſten ſechten? Dageborm. 
Am bäufigften gebrauchen ed die Juden, und für bie edlere Sprech⸗ 
und Sqhreidart ift es zu niedrig. 

4% x Mein, adj. u. adv. gemein. „Dat meine voll.“ Gronefen 
ber Baffen, ©, 1350. Daher das Meinwerk, bei Haltaus, 
das Wert einer Gemeinbeit. Als eine uneigentliche Atdentung biefes 
Wortes, da man unter bem Wemeinen oft etwas Schlechtes ıc. ver: 
ftebet, ſcheiat mein in manchtn Anfammenfetungen gebraucht zu fein, 


1. 8. Meinborbe, Meineid, Meinrath, Meinthat, wo es falſch, 


ſchlecht 2. bedeute, In biefem Sinne gebraucht man auch das 
Mein für Schlechtheit, Vergehen, Malfhbeit , Trug. 

Das Mein, 0. Umend. m. By. und der Meine, die Meine, dad 
Meine, f. Meinige, 

* %* Der Meinbotbe, —n, 9. —n, ein falfher Botpe. 


ſentlich und vertägtich falſch ſchwbrtz zum unttrſchiede von einem 
unmabren (ide, ben man aud mider Wiffen und Willen ablegen 
kann. Einen Meineid (dmdem 2) Der Eidbruch, die wiffentliche 
Übertertung deſſen, was man durch einen @ih derſprochen bat, Ei⸗ 


nen Meineid begehen. &. 4. Mein. 


Meineiden, v. trs. des Meineides befäutbigen. „Der einen men 
ſchen meinaybet.e bei Oberlin. D. Meineiben. A 


Meineidig, —ın —fle, adj. u. adr, +) Eines falſchen Eites (dur 


big. Sin meinridiger Menſch. Gin Meineidiger =). Den adges 
ugten «is oder Fin beihwornes Verſprechea varfäglih überteetend. 
Meineidig werben, fein, Dre Meineidige, Dan, tm biefer Übre 
tretung gegrünbet,, ine meineibige That. H. Gabe bat bafür 
bas hirtere meimeidifch (R.), weides für Meigang hadend unb des 


wodat Dieineibe zu begehen, gebraucht werben Bann, Davon bie 


Meineidigkrit. 


* Meineidiſch, adj, u. adv. ſ. Meineibig. * 
O X Meineln, v. trs. das Verkleinungswort von meinen, Meinun 


den degen und Meinungen auffielen, in tadelndem Verſtande. D. 
Meinen. 


Meinten, v.-I) inte. 1) Dafür Halten, urthellen, daß etwas wahe 


fei, mit dem Mebenbegriffe, dag man fih ber Ungewißheit feines 
UrtHeites bemußt fei, Bergl. denken, glauben, wähnen, vermus 


‚then, „Da fie ihn fahen auf dem Meere wanbeln, meineten fie, 


«6 wäre ein Geſpenſt.“ Wart, 6, 40. 
Ich made meine Berfe flink, 
Bas meint ihr wenn ih feilte? Ungen. 


Ich meine nur fo, id urtheile nur fo obentin, fo wie es mie 


ſcheint, id) behaupte es nicht ıc. Wefonters, nad wahrſcheinlichen 
Gründen ustpeilen. Mas meinen Cie dazu? Run, wenn Sie 
meinen, wenn Sie ed für gut, zathfam, thullch ze. halten. „Mas 
meineft Du, Hab ich Recht?⸗Getlert. IM ch fo gut? Ich meine 
es. X Das will ih meinen, bas meine ich oj.rbinge. =) Mit 
feinen orten einen gewiffen Sinn verbinden, ch fo, def er nicht 
iedbem unb immer offen da liegt. Mas Meinen Sie bamit? was 
wollen @ir bemit fagen, mie verſtehen Sie bas? che weiß ich wie 
er 06 meint, ober was er meint. Co mar es nidt gemrint, fo 
babe ich es nicht verflanden, das habe ich damit nicht fagem wollen. 


» Wie iſt das gemeint? Das meinen Sie? Go frigt man auch 


einen, beffen Rebe man fomel dem Sinne, als auch ben Worten 
nad; nicht verſtanden hat, was meinen Sie? oder, mie meinin ie? 
Damit hängt die Bedeutung zufammen, mit feinen Worten auf jtr 
wand zielen, ben Sinn feiner Rebe auf ihn beziehen. Wien meis 


denken Sie babe? Den einen fihelten und ben audern meinten, ben 
einen jum Schein [heiten und bab:i boch dem anbern in. Sinn baden 
und bir auch mur verſteckt zu nerfichen geben. Du bift damit ges 
meint, Wer ift meine Braut? — Ta, ih weiß nicht, weiche Sie 
meinen?“ Bellert. 5) ine gewifle Sefianung gegen jemand bes 
gen, in Verbindung mit bem Mörthen es. Ei aufrihtig, treu, 
redlich, falfdy meinen. Ich meine #8 gut mit Dir.‘ „Wir werden 
ſtets ſinden, baf Wort es beffer mit den Menſchen meinet, als es 


. ber Menſch mit ih meinen kann.“ Bellert, Im dieſem Sinne 


wird ach Häufig das Mitteimort ber gegenwärtigen Zeit gebraucht, 
gut meinend, wohl meinend, uͤbel meinendb, Ein wohl meintn⸗ 
ber Freund, Rath. Uneigentlich fagt man im gemeinen Leben auch 
von unbebebten Dingen, daß fir es wohl ober qui meinen, wenw 
von ihnen Fine angenehme wohlthuenb: Empfindung in bohem Srabe 
derruͤhret. Der Ofen meint es wohl, wenn er heiß ift unb gut 
mwärmt, Die Sonne meint es gut, fir fheint ſehr warn. 


Meine 


255° 


Meinu 





Die Sonne meint-es gut, fie brennt faft gar zu fehr. Gellert, 
Ghemapis verband: man es im biefer Bebeutung, für — fein, 
ns mit dem⸗ vierten Kalle. 

Das Boll. das bu regiereft, 
Das bih mit Treuen meinet, ar 

d, h. das teeun gegen dich geflnnt iſt. Und in engeren Bebeutung 
gebrauchte man es Ehrmapis als tis. 

gegen jemand hegen und zeigen, ibm lieben; im welcher Bebeutung 

minnen bamit verwandt und wahrſcheinlich das VWerdfterungs: und 

Berſftaͤrkungawort bavon iſt. „Deibamie Achillen eindalteklich meinte.“ 

Konr. v. Wäürzb, Trofan. Krieg. 

und du mich meinſt, wie dich mein Herze tiebt, DOpie 
4) Willens fein, wollen, doch nur im O. D. und in ben Ranyeleien, 
two man gemeinet fein in biefem Sinne gebraudt, auf ähnliche Art 
wie gewillet fein. 

Und if gemeint, mid graufam umzubringen, DO pij. 
U) * %* ntr. mit haben, 1) Bebeuten, 
» Mas eure Beife meine, — b. Ribelungen 8%, 8. 7756. % ! 

Mid wimdert wad das meine. Boners Babein.sz. 
2) Sich erinnern, melde 

in weldher #8 bas Zuſtandwort von dem Worte mahnen fein könne, 
— D. Meinen. D. ung ©&.b. 


Meiner, der zweite Fall bes Perfonenfürmörtes ich. Sedenke meiner. 


Id blieb meiner nit mädtig. Im D. D. und Häufig aud bei ben 
Diätern wird es in mein abgekuͤrzt. Sedenke mein, Wergiß 
mein alcht. Ad, ſprach er, ad, erbarmet euch mein! Gellert. 
ungewoͤhnlich if „mas willſt du mein?« Wieland, für, was 
willſt bu von mie. 
Meiner, Meine, Meines, ober Meins, das zueignende Fürtwort 
für die etſte Perſon, im beziehlicher Bedeutung. &, Mein. 
xx Meinerlei, adj.u.adv, meiner Art, Yon meiner Art. bei Krifd. 
Meinerfeits, adv. von meiner Seite, was mid betrifft. Meiner 
feits iſt nichts verfäumt worden. 
Meinttbalben, Meinetwegen, Meinetwillen, f. Mein, 
—— — , —en, ein Mannstaufnome; im gemeinen Leben 
einert. 
on die, das Meinige, ober ber, die, dad Meine, die abge 
ogene Form bes zueiguenden Fuͤrwortes für tie erſte Berfon, welche 
ed mit bem beftimmenden Deuteworte vrebunden wird, und wel 
de ſich entweder auf ein vorberachendes Grundwort bejiehet, ober 
bei welchem man fi eines benlt, in welchem Falle es ſelbſt als 
Grundwort betrachtet und gebraucht wird, Ich flöre niemand in 


feinen Xırgelegenbeiten, es tümmere ſich alfo auch tilemend um bie - 


meinigen oder meinen. "Die Meinigen oder Meinen, meine Ans 
gehörigen, Berwanbten, Gin jeter thue das Seinige, ich thue bas 
Meinige, was ih zu thum verbunden bin, mas im meinen Kräften 
ſteht. Es IR das Meinige oder Meine, mein Sigenthum. Dafür 
fagt man oft au) nur das Mein. Über das Mein und das Dein, 


ober auch ohne Deutimort, über Mein und Dein ſtreiten, Über bas- 


Eigenthum, ben Belig. . 

* %* Der Meinkauf, —es, 94. —e, ein mit Betrug verbundener 
Kauf ober Kanfoerteag. Oderlin, 

O x Der Meinler, —s, 99. gl. einer der meinelt, S. Meineln. 

* * Der Meinrath, —e8, Mg —räthe, ein falſcher hinterliſtiger 
Rath. 

So greße Meinräthe, fo ba von ihm gefhahn, d. Rideluns 
j gen. B. 3551, 

* Der Meinfchwur, —es, 24. — ſchwuͤre, ein falfher Schwur, 
ein Meineld. Oberlin. Davon ehemohls % der Meinfhmörer, 
der einen Meinthour leiſftet. 

* * Die Meinthat, 2. —n, eine treulofe That, Miſſethat. 

— — bie hougſuize wort 
habent und meintat unbe most 


für wohimelende Gefinnungen, 


Bedeutung Ab. für eine ber erften hält, . 


Zn ie herzen fint begraben. Bonexs Kabeln 33. 
Davon hatte man rhemapls au der Meinthäter, ber eine Mein 

„ that begehet, und.meinthätig, eine Meinthat begehend, siner Mein: 
that ähnlich. 

Die Meinung, My. —en, dasjenige was man meint. 1) Das ur⸗ 
theil über eine Sache, beffen Ungewißheit man fi bewußt tft; bes 
fondexs, ein Urteil nah wahrſcheinlichen Gründen, Eine Meinung 
haben, hegen. Ich bin nicht biefee Meinung, id habe nit biefe 
Meinung. Ia ber Meinung fiehen, fie Haben. Eine vorgefafte 

‚Meinung haben (praeoceupirt fein). _ Wei feiner Meinung dies 
ben, beharsen, mit tavon abgehen., Seine Meinung ändern. 
Anderer Meinung werden. Gines Meinung fein, mit einem Ans 
bern einerlei Meinung haben. Ginem fene Meinung über eine 
Sache fagen, ihm fagen was man darüber meint; aud im gemeinen 
Leben, ihm einen Verweis geben, Vorwürfe maden. „Die wahre 
Breundfchaft feget alegeit gegenfeitige Verbienſte voraus, mwenigflens 

‚ bie Meinung berfelben." Gellert. über Meinungen ſtreiten. 

- Dies ift eine fehe alte ader thörihte Meinung. ° Gelehrte Meise 
nungen (Hypothesen). Iu Slaubensſachen find die Meinungen 
verſchieden. ‚2). Der Sinn, bie Abſicht; ohne Mehrzahl. Dies war 
alfo Ipre Meinung babel? Dies Fonnte ja gar nicht meine Meis 
nung fein. 6 war meine Meinung, Dich zu Äbrrrafben. 5) Die 
Gefinnungz; ohne Mehrzahl. Aus guter Meinung rieth ih zum 
Grieben, weil ih es gut meinte, Ich ſagte es ja mit aus böfer 
Meinung. 4) + Der Wine, beſonders in ben Kanzeleien. „Und 
fende zu uns des Königes Meinung über biefen.« @f. 5, ı7. Be: 
Himmter fagt man in biefem Sinne die, Willentmeinung. 

O Meinungöfrei, adj. u. adv. frei von Meinungen, von blef’une 
grwiffen Metpeilen, Über welde oft Gtzelt entſtehet. — und nur 
ber Geiſt führt den alten Prozeß (Streit), inbeffen Ah meinunge- 
frei Herz; im ruhigen Runde am ‚Herz ſchloß.“ Benzel»Sternan. 

O Der Meinungsgenoß, —ffen, 99. — ſſen, eine Perſon, bie mit 
einer andern gleiche Meinung oder Meinungen begt. „Die Schwei- 
serifhen Kusfhäffe mit ihren verbändsten -Meinungsgenoffen.* 
uUnsen (N.). 

O Der Meinungsglaube, —ns, o. 94. ein Blaude, ber bloß auf 
+, Meinungen, auf Urthellen nad Grünten ber Mahrfheintihkeit bes 
zubet (Probabilismus). 

O Der Meinungskrieg, —es, 24. —e, ein Rrleg, der über Weis 
nungen oder wegen Deinungen geführt wird. 

@ Die Meinungsfonderbarkeit, o. 3. ſowol die Gonderbarkeit 
ainee Meinung, als aud, bie Sonberbarkeit eines Menfhen in Ans 
fehung feiner Meinungen (Paradoxie). GE. 

S Der Meinungsfonderling, —ed, 94. —e, tin Sonderling in 
Anfehung feiner Meinungen, ein Menſch, ber ſonderbare Meinuns 
gen hat und Äufert (ein paradoxer Menfh, auf ein Separatist). 6. 

® Die Meinungswut, 0. Big. die Wut, mit welder Meinungen ge» 
Außert werden, wie aud bie Wut, mit welcher abweichende Mei⸗ 
nungen angegriffen, befimpft, und diejenigen, bie fie hegen, vers 
folgt werben (politischer und religiöser Fanatismis),, & 

® Die Meinungszunft, 99 ——— eine Zunft, welche von 
denjenigen, die gleiche — hegen, gebildet wird, eine Zunft 
in weldier Gleichheit der Meinungen herrſcht (Secte), „Eine oft 
ſchlecht gegründete Worliche für bad Land unferer Geburt, für um 
ſern Etand und für die Meinungszunft, zu der wie ung bekennen.“ 
G. Cine Meinungsjunft in Glaubensfahen ift eine Glaubens» 
zunſt. ©. d. 

®X Die Meinungszuͤnftelei, o. 2. die Neigung land das Bes 
ſtreben, Andere zu feinee Meinung zu bekehren, ihre Miinungen 
mit den feinigen zu vereinigen, und mit ihnen durch Gleichheit der 
Meinungen ein verbunbenes Ganzes, eine Zunft zu bilden (Sectire- 
rei), „Am ſchwerſten ausjurotten find die Borurtbeile der Völker: 
ſchaft, des Standes und der Meinungs: oder Glaubensgünftelei.” G. 


i 


Meir 

X Der Beiran, —:8, 0. 2. eine zum GefGlehte bes Moften ger 
zuchnete bifannte Pflanze (Majorana Toarn,). Der jährige eis 
san (Origanum majoraua L ) dat rifdemige, Lumpfe, ganze, weis 
che und wollige gegenüber fikenbe Blätter, und treibt Heine weiße 
tihe Blüten. Man gebraucht ihn im ber Krieneltunft, wo man for 
wel ein Waſſer, Meirantvaffer, daraus bezeitst, als au rin wes 
fentlihes Bl, Meiranoͤl, daraus ziehet, beſenders aber in ben Küs 
Sen wegen feiner dligen, würrhaften Seſtaudtheile. Meil man es 
hau ſta aud in das Warftfälfittgut, nennen es @inige au Wurſtkraut. 

Die Meiranbuiter, ever der Melranbalſam, —es, 0. 2. in ber 
Axzentikande, ein aus bem Melracu bereititer Balfam. 

Das Miiranöl, ded Miiranmafler, ſ. Meiran, 

Der Meirich, —es, 4. u. ſ. 2. Meier. 

Der Meifh, — es, 4. — tr. 1) Bei den Srantweiabrennern, bat 
mit Waſſet und Hefen vermilhte Watzſchrot, ans welchem ber Brant: 
wein gebrinnt wird; auch der Moͤſch. =) Bei den Bierbrauern, 
has geſchrotene mit heifem Waſſer gemengte Malz, welches bie 
Grundlage bes Bieres if; ber Möfh, im Schieſien Mütfh. 3) 
+ In Öfterreihifgen ber noch nidt lautere Wein, 

Der Meifchbottih, —es, 9. —, in ben Brauereien, ein Bots 
tich, im welchem bas gefheotene Malz eingemelfht ober mit heifem 
Moeſſer vermifät wird; in Baiern Maifhgrand. Dienen dazu Fäf: 
fer oder Rufen, fo find biefe Meifchfälfer, Meiſchkufen. 

Meifchen, v. trs. zäfren, bush Rühren unter einander bringen, ver ⸗ 
milden. Dos Malz meifchen, daffeibe, nachdem heifes Saſſer dar 
auf gegoffen if, umsähren und unter einander bringen, melde 
—* BVerriätung auch einmeiſchen genannt wird, D. Meiſchen. 

—ung . 

Das Meiſchfaß, — ſſes, 9. —fäffer. 1) S. Meiſchbottich. 4) 
Im Weinbane maacher Gegenden, das Faß, in welchem man bie 
BSeeren nach ber Kelter bringt; in Thäringen und Frauken bie Leithe. 

Das Meiſchholz, —es, My. —bölzer, bei den Praxen. 1) @in 
langes vorn etwas breites Holz, meldes einer Schaufel ähntih iſt 
und das Malz im fiebenben Waffer bes Bottiches, wenn gemeifht 
wird, umzuruͤhren bient. 2) Die unten eingelerbten Satten, welche 
auf dem Beben bes Zapfbottiäes Liegen. 

Die Meiſchkruͤcke, Sz. —n, in ben Brauereien, eine hölzerne Rräde, 
nit welher man das Malz, auf welches man heißes Maffer gegoffen 
dat, umrühret und unter einanter bringt. 

Die Meiſchkufe, my. —n, ſ. Meiſchbottich. 

Die Meiſe, Rjy. —n; Bo. das Meishen, O. D. —lein, bie Ber 
nennung derjenlgen Pleinen Voͤgel, welche drei Zehen vorn und sine 
zinten, einen geraden eckigen Schnabel, beffen Kiefren einander 
altich und fhneidend find, und der am ber Epige ſcharf, an ber 
Wurzel aber dorſtig if, eine ſtumpfe mit einem mehr ober weniger 
tiefen Sinfchnitte verfeheue Zunge und bieifarbige Fuͤße haben, und 
bie ih im Frühling und Sommer von Heinen Würmern und Bir: 
fern, im Herbſt und Winter aber von Samen und Koͤrnern nähren 
(Parus L.); auch Mohrsögelhen, R. D. Meeske. GE gieht das 
von viile Arten, 3. B. die Beutelmeife, Blaumeife, Brandmeife, 
Graumeife, Haubenmeife, Koblmeife, Rohrmeiſe, Schwanz 
meife, Taunenmeiſe m S. b. 

Die Meifel, ſ. die Meißel. 

Der Meifenfanz, —ıs, Di. —fänge. 1) Das Fangen ber Meifen; 
0.9. ⸗) Ein Ort, wo Meilen gefangen werben. 

Die Meitenhätte, 94. —n, time Klobenpätte, ſoſern man ih ihrer 
zum Melfenfarge bedient. 

Der Meifenkaften oder Meifefaften, —, 5%- gl. eine Fieine Kalle 
von übereinander geſchrͤnkten und befeftigten Staͤben mit Boben und 
Deckel, in Geſtalt eines Küſtchens, Meifen unb ambere Peine Vögel 
darin zu fangen; ber Meifenfchlag, im N. D. Kippe, Dogels 
klidpe, im Senuebirgfäen Schlaber, verderbt aus Schtagbauer, 

Der Meiſenkloben, —6, Ahj. ai. ein Rieden, Meifen damit zu fangen. 





256 __ 


Meift 


Der Meiſenkoͤnig, —ee, my. —e, ein Name 1) ber Sumpfmeife 

‚(Parus palustris), bee Mönbmelie ober. Graumeiſe. @, b. a) 
bes Baunldniges (Motncilia troglodytes). 3) Eine Art grüner 
Brasmitın, welche eine (Gmarıe Pıaite bat und angenehin fingt; 
aus Schwarskopf, Minh, Meifenmönd. 

2 ea Fa m —t,f Meifentinig 3), 

eiſennuß, Di. —nüffe, eine Art Wälſcher 
Kerne unb zerbrechticher Schale. — — 

Die Meiſenpfeiſe, 84. —n; Bo, bat Meifenpfeifhen, ©. D. 
— lein, eine tieine Pfeife, melde aus ben Blögellaschen der Bunt 
ober aud ben Möbzknochen eines Haſenlaufes gemanıt wied, vunb 
womit man bie Stimme ber Meiſen nahapmet und In bie Sichen 

—— lodın ſucht. 
er Meiſenſchlag, —es, 24. — ſchlaͤge, ſ. Meifenkaften und Schla 

Der Meifentanz, —es, By. —taͤnze, ein Werfteug der —— 
welches ein Geſtell mit mehreta datan sefängten Sprenkeln if, 
Meifen damit zu fangen, 

+ Der Meiß, —es, 9. —e, im Ferfimefen, fo viel als Hau, Be 
bau, Schlag. Binen Wald in Meiße thrilen. Daher abmeißen, 
in Meiße thelten, wie aud abbauen , abtreiben, 

Der Meißel, —s, 9. ol.; Win. das Meifeihen, D. D. —{ein, 
ein mehr oder weniger ſchmales Gifen mit einer Echnelde unb ver 
hältnigmäßtg Tangem Hefte, Holz, Stein ıc. befonders vermittelfk 
eines Schraͤgels zu bearbeiten. Belonbers dergieisen Eiſen ber 
Zifgles, Deehster und Zimmerleute, weiche bei den erflen und leg: 
ten auch Stemmeifen und Durkhfäläge, bei dem Drechelern aber 
Dreheiſen und aud bloß Eiſen Heißen, Die Meißel ber Tiſchler 
umb Drecheler mit gelrümmter und dohler Schaide führen den Ra- 
men Hohleifen. Bei ben Fellenpauren heißen alle Birrkjeuge ohne 
Heft, die Feilen gitterförmig damit einzupauen, Meifel. Die zuns 

ben Datier ber Klempner, bie Berkjeuge der Aupfirfhmirte und 
Säloffer zum Bertheilen ober Berhaucn führen ebenfalls ben Ramen 
Meißel. Ahnlicht Merkzeuge find der Stechdeutel, ber Bunzen, 
ber Grabſtichel ic. S. d. Im Bergbaue ift der Meißel ein Mifen 
mit einem langen Stiele, basjenige, was fih im Dfenloche angefegt 
hat, bamit abzuflegen. Die BSildhautr fähren aufer glatten Breiten 
Meifelm auch zugefpigte Meißel, Meifet mit drei und zwei breiten 
Bähnen, mit einer zafnfirmigen runden Fläde ıc. 

+ Die Meißel, .—n, ober ber Meifel, — 8, 4. gl; Bin. das 
Meifrihen, D, D. — lein, ein Bäufächen von gezupfter Leinwand, 
ober tie zu einem Widelhen zulammengebreiten Faͤben ztrzupfter 
Leinwand, in die Wunden zu legen; gewöhnlicher die Wicke, auch 
bie Schleife, der Denfel, am Bpeine Drafel, in Öfterreih Wuͤr— 
jel (Charpie), Davon bie Meifeimunde, eine Bunde ju berem 
Heilung man Meifeln anwenden muß, 

Der Meißelbohrer, —e, Dig. gl. im Bergbaue, ein eifernes Werkjeug 
mit einee flüplesnen Schneide wie ein Meipel, womit man ins Ber 
fein beingt, wo man mit Gifen und Ghlägel nit arbeiten fann. 

Meißeln, v. trs. mit dem Weißel Searbeiten, Gtwas glatt meikeln. 
Dann, mit bem Melßel hecverbriagen, bilden, Gin Loch meißeln. 
Ein Blid meißeln. 

— wie ein Gebild ans Parifhem Marmor gemeifelt. Woß. 
An weiterer Bebeutung als dns Berkleinunga, und Werdfterunge: 
wort von bem veralteten meißen, ſchueiden. Eo gebraucht man 
no meißeln von dem Seſchnelden der zu langen Ohten ber Pferde. 
D. Meißen. D. —ung. 

Meift, adj. u. adv, der Höcfte Eteigerungsgrab von dem neraltıten 
meh, ten höfften Grab der Menge unb bee innern @tärle zu be— 
zeichnen. Die meiften Menfhen. Die meiften Ctimmen gelten. 
Die meillen Xagen werſen. Die meiſten Stiche haben. Das 
meifte Anfehen haben. Die meifte Zeit ift er admefend. Der meilie 
Theil, ber größte Theil, Auch als Brunbiesel. Die Meiften han— 
dein fo, bir meiften Menjhen, Das Meiſte bei eines Gage thun, 


Meiftb 
mehr als alle Andere ſawol im Anfehung ber Minge, als auf) im 
Anfehung ber Wırkfamkelr, der inneren Büte c. Das Meifle geben. 


Dft aud als Umſtandwort befonders mit dem Wörthen am. Ich -» 
Am mei . 


bin meiſt fertig, meiſten ober groͤßten Theils, beinahe, 
ſten thun, ſprechea, effen te. Das koſtet mir am meiſten über 
windang, bie meiſte librewindung. Im gemieinem Beben für gemti⸗ 
niglich, am hänfigiten. Das geihiebt am meiſten unter ungebilde ⸗ 
ten Leuten. Aufs meifle, aufs doͤchſte. Jemand oder zieren 
ober aufs meifte drei.“ 2 Gox. 14, a7. ben fo gebraudt man 
auch mehrit, wildes baffeıbe Wort und mmr von mehr abgeleitet 
it. Die mehrften Winfiäten. Die mehtſte Zeit. 
Am mehrfien, S. Mehr. 

Meiftbietend, adj. am meiften ober bas Meifte bietend. Etwas an 
ben Meittbietenden vertaufen, z. B. in öffentlichen Werftelgerungrn, 
Ganz uneihtig hört und lieſet man dafür oft, etwas meiſtbietend 
nerfaufen, ober bie Bade foll meiflbirtend verkauft werden.  . 

Meiftens, adv. meiſtentheils, meift, „Ger bat mie biefe Boͤcher wieis 
ſtens verſchafft.“ @ellert. I6 bin meiltens zu Haufe. „Eden 
diefe Gitelteit iſt meiſtens das Wert feiner Schmeichelei,* im ben 
meiften Fällen, gewoͤhnlich. Duſch. 

Meiſtentheils, adv. dem meiſten d. h. größten Theile nah, in dem 


meiften Fällen, gemeinigtih. Es fagt mehr als meherntheilß, wel 


des man auch dafür gebraucht, 

Der Meifter, —s, 8. ol.; bie —Inn, Bi. —eın, der bie 
meiße Matt, die meiften Vorzüge unter Mebreen bat, Din Melr 
fler fpielen , die metite Matt, das meiſte Anfehen haben unb gelten 
maden, Einer Gade Meijter werben, fie in feine Bewalt bekom ⸗ 
men. ih einer Bade Meifter mahen, ſie feiner Gewalt unter 
werfen, fih ihrer brimeifteen. 

— und fühlt ſich neuer Kräfte Meifter. Wieland, 
&inen für feinen Meiſter erkennen, feine überlegene Ztäsfe, Madit 
einräumen, fid) berfeiben unterwerfen. Seinen Meifter finden, et: 
nen Stärfern, wie aub Seſchiktern, von welchem man übertroffen 
wird. Beiner ſelbſt nicht Meifter fein, fich nice in feiner Gewalt 
haben, ih nicht beherrſchen kLoͤnnen. 
Der iſt überall zu toben, 
Der fein eigner Meiiter iſt. 9: Kit. 
O Die Meiſtet eines Staates, bie Maͤchtigſten, Bomehmften beffelden. 
' Und die Meifter bes Staats forgen num wieder für ſich. Sötpe 

. Dann, ber bie meifte Befchidtichkeit, Fertigkeit det. Bo nennt 

man überhaupt Ichen, ber in einem Fade, einer Wiffenfhaft, Kunſt, 

Befchaͤftigung vorzäglib erfahren if und große Sefchialichteit und 

Wertigkeit befigt, einen Meifter in feinem Race, feiner Wiſſenſchaft, 

Kunft ıc,, und wenn es eine weibliche Perfen ift, eine Meiflerinn. 

. Die Meifterinn ber Lieder, die Nachtigall bei ben Diteens „Die 
Meifterinn ber Zöne,* bie Tenkunſt. Meißner Da ein Meis 
fler in einer- Wiffenfhaft, Kunf ie. Anderen wieder feine MWiffens 

- Soft, Zunft, Geſchicklichkeit mitteilen, fie darin untermeifen tan, 
fo wird vorzugsmeife ein folcher, der dies tbut, ein Meifter, Lehr⸗ 

meiſter genannt. „Der Herr mwirb auszotten beide Meiſter und 
Gböler," Maladı ⸗2, a2. „Der Tünger iſt nicht über feinen Mei: 

‚ fer“ Matth. 20, a4. „Ihe follt euch nicht laſſen Meifter nennen.* 
‚ Mattb. 25, 10. inen gefchidten Meifter Haben. So befonders 
in ben Bufammenfegungen ber Schuimeilter, Sprahmeifter, Spig⸗ 
meifter, Scheeibmeifter, Rechenmetiſter, Zeichenmeiſter, Tanz⸗ 
mtiſter, Fechtmeiſter ic. Im dieſer Bedrutung, nad welcher eher 
mapis auch bie Echrer auf hohen Schulen (Doctores unb Magistri) 
bisfen Ramen führten, wird aufer ben Iufammenfrgungen gemäbn- 
ler Lehrer gebraucht, indem man Meifter in engerer Bedeutung 
für denjenigen gebraudt, ber bei Einfihe und Seſchiauichkeit im ſei⸗ 


mem Fache etwas herverbringt, verfertiget. Doch mwirb Mod 
Keflus unſer Herr und Meifter genamt. „Das Bert I 
bet ben Meiſter.“ Gier 9, 2% Beſonders, ein Künfk 


CTampe's Woͤrterb. 3. I 


— — 


Die Mehrſten. 


Meiſte 

ler, eine Künſtlerinn vom vorzüglicher Geſchicktichtelt. Dieſes 

Stanbtud ift von einem beruͤhmten Meiſter. Eine Sammlung von 

SGemaͤhlden und Kupferfiichen von den beften Meiſtern. Es if das 

Werk eines Meiſters. Wir ift eine Meiflerinn in Gtiden, Beides 

nen, Mabien. Gine Meifterinn in Singen, Epielm. Im ger 

meinen Beben derſteht man unter Meifter am Häufigften beujenigen, 
ber aue nöthige Einfihten, Geſchictichkeiten und Fertigkeiten in feis 
nem Gewerbe hat, einen Hanbwerker, ber fein Handwerk gehörig 
erlernet bat, Belelle geweſen it und fi bas Met erworben hat, 
das Handwerk frei zu treiben, Schrdurfhen anzunehmen und Befellrm 
zu halten. Er wird daun ben Geſellen und Eehrlingen entgegengeſeht. 

Meiſter und Beielen. Meifter werden. Ein zünftiger Meifter. Die 

Grau deffelben, bie Meiſterinn. Dee Handwerksmeiſter, Tiſchlet⸗ 

meifter, Schneidermeifter ıc. Ein Dorfmeifter, ein Handwerks 

meifter auf bem Dorfe; zum Unterfhiede von einem Eitabtmeifter, 

Borzugsweiſe wird ber Helbmeifter ober Abdecker in einigen Gegenden, 

5 B. in Schwaben, aud nur ber Meifter genannt. Im weitere 

Bebeutung bezeichnet Meifter den Vornepmfien umter mehrern Ei» 

ner Art, einen Borgefepten, in welder Bedeutung es in vielen Bus 

fommenfegungen vorkoͤmmt, wo bei manden auch ber Begriff eines 

Meifters in ber engem Bebeutung, ber vorzäglihe Cinſicht, Bes 

ſchictichkeit in feinem Fade befipt, Statt finket. Der Baumeifter, 

Bürgermeifter, Buͤchſenmeiſter, Korftmeifter, Hofmeifter, Jäger 

meifter, Keleemeifter, Münzmeifter, Poftmeifter, Nentmeifter, 

Schagmeifter ı. @ine andere und zwar verätlihe Webrutung hat 

es in & Kieinmeifter (f.d), welches eher am jene alten Aupferfleher _ 

und Holsfchneiber bes ı5ten und ı6ten Jahrhunderts erinnert, bie 

Heine Meifter,; petits maltres, genannt wurden. &, G. Berbw, 

Bei den Freimaurern führt der Vorficher ber Halle ben Titel Mei⸗ 

fer oder Meifter vom Stuhl. 

O Die Meifterarbeit, Di. —en, bie Arbeit, eines Meiſters, eine 
meifterhäfte Arbeit, 

Das Meifterbier, —es, 34. u. f. Meiftereffen. 

Das Meifterbild, f. Meiftergemähtbe. 

Der Meifterbrud, —es, 9. —e. ı) @inmeifterhafter, ſchoͤner Drud, 
=) In ber Mahlerel, ein Eräftiger kühner Drud mit dem Pinfel, ober 
ein folder Pinfelftri, welcher ben Meiſter in ber Runft versäth. 

Die Meifterei, 2. —ın. Das Gewerbe eines Meiſters. Im 
engerer Bebeutung, das Gewerbe und bie Wohnung eines Feldmeifters 
ober Abbeckers, bie Feldineiſt⸗rei, Mbbederei; ohne Mehrzahl. 

Der Meifterer, —s, 99. gl. einer ber meiftert, als wirfliher ober 
eingebiibeter Kenner tabelt, X Wer an ben Weg baut, hat viel 
Meifterer, im welcher Mebensart man Meifterer gemöhniih aber uns 
richtig in Meiſter zufammenziehet, 

Das Meiftereffen, —s, 29. gl. bei den Handiwerfren, ein &fen, 
eine Mohizeit, welche einer ber zum Meifter aufgenommen wirb, 
bem übrigen Meifteen giebt. Im ähnlicher Dedeutung gebraucht 
3. 9. Richter auch Meifterbier, wie Hinbelbier 1: „Da nicht 
Waffer und Brot, ſondern Meifterbier und Meiflereifen — bie 
Musteln und Flechſen ber Arbeit fpannt umb fläblt.* 

O Der Meifterfleif, —es, 0. 29. derjenige Fleiß, welchen ein Mei ⸗ 
fer, der etwas Worzügliches liefern wid, auf fein Werk wendet; 

. ein großer Fleiß, ber etwas Vorzuͤgliches lichert. 

Sie zunbete die Hand ber Liche 
Mit Meilterfleif. — — RL Sämibt, 

Die Meifterfrage, Rz. —n, eine Frage, bie nur ein Meiſter im 
feinen Fache beontworten Eann, eine fhwere Frage. Gtielen 

Die Meiftergebühr, Se. —n, f. Meiftergeld. 

Das Meiftergeid, —es, DU. —er, bei den Hındierfern. 2) Dass 
jenige Gelb, welches riner ber Meifter wird an bie Zunft bezahletz 
hei Stieter aud bie Meiftergeblir, und bei Frifch der Miifler 
gulden. =) Dasjenige Seib, meihre die Befillen bei mındın Band, 
merien dem Meiſter für ben Gubrau feines Dandmwerksjeuges gr, 


53 


2 Meifterg 
—— ber Meiſtergroſchen, weit es tägtid in einem Sroſchen 
O Das Meiftergemählbe, —, 2. gl. das Semaͤhlde eines Meis 


ers in feiner Kunſt, ein meifterhaftes Gemählte,. Bärbe. (R.). 
Au das Meifterbitd. Stieler. 

Die Meiſtergenoſſenſchaft, Sz3. —en, ſ. Meifterfänger. 

Der men, —14, ——geſ⸗ «länge, f. Meifterfang. 

Der Meiftergefel, —ın, 2. —en, bei dem Handwerkern, bes» 


jenige Gefeh,, weider bei ber Witwe — Hanbwerters bie Stelle 
des Meifters vertritt, 

O Der Meiftergrad, —eb, u. ber Gut, die Ehrenſtufe, Märbe, 
zu melden einer erhoben wird, ber zum Meiſter in einer Wilfene 
ſchaft, Kunft ernannt wird (Gradus), „Gmpfindlih, bap man ipm 
feinee Jugend wegen ben Aloſoſtſchen Meiſtergrad — in 
Benzel-Gternam. 

Der Meiftergulden, —6, 2. gl. ſ. Meiftergeid. 

Meifterbaft, —er, —efle, adj, m. adr. einem Meifter, d. 9. einem 


in feinem Fade, feines Wiffenfhaft oder Kunſt erfaßenen und gu 


" Ididten Manne gemäß, und in deſſen Binfiht umd Befchidtichkeit 
gegröndet; aud meifterlih, ine meifterhafte Arbeit. Gin mei · 
ſterhaftes Blatt, Staͤc. Meifterhaft arbeiten, mahlen, fingen, 
fpielen ıc. @s if ipm meifterhaft gelungen. 

Die Meifterband, u haͤnde, die. Band, d. h. die mit Einfiht und 
Zertigteit verbundene Geſchiatichteit eines Meifters, Diefe Arbeit, 
diefes Geblide, Gemäpide ıc, if von einer Meiftechand. Mann 
auch für Meiſter ſeldſt. Gin fo volendetes Wert trägt überall bie 
puren der Meiſter hand, bie es verfertigte. . 

Der Meifterjäger, —b, 9. gl. an den Höfen, erfahrene, gefhidte 

Jäger, welche auf bje Jagbjuntes folgen und bie anbefohinen Jagden 


anfellen 

Der Meiferfnedht, —es, M. —, der Kncht einen Meiſters. 1) Der 
vorncehmfle Ancht eines Edafmeifers oder Schäfers, welderdie Schafe 
Yitet; zum unterſchiede von dem Hammelknechte und Laͤmmerkuechte. 
2) Im R. D. ber oberſte Bediente eines Broßgewertes, welder bie 
Auffiht über die Arbeiter Hat, 3) Bei ben Handiwerken, eine Ber 
mennung bes Jungmeifters, welcher die übrigen Meifter gufommens 
beruft. 4) Der Kucht eines Abdeders. ©. Meifter. 

Der Meifterloch, —es, 2. —koͤche, am den Höfen, der vornehms 
Pe unter den Hefkäden,, welcher aber no vom Mundkoche ver 
fhieden if, 

O Die Meifterfunft, 99. u. die Kunft, Gefäidtigkeiteines Meiſters. 
„Unausfprelihe Meiſterkunſt.“ Bürbe. (R.). 

Die Meifterlade, 3. —n, dei ben Handwerkern, die Babe ober der 
Kaften, worein bie Freiheitsbriefe, andere Urkunden des Handwerkes, 
die Gelber und Rednungen ber Bunft ıc. verwahrt werben; aud 
nur die Bade 

Die Meifterlauge, 9. u. bei den Geifenflebern, biejenige In ben 
Üfdertonnen gemachte Lauge, melde zu Geife gehörig ſtark if. 

Meifterlih, —er, —fe, adj. u. adv. fo viel als meißerpaft. 

Das Meifterlicd, —es, 24. —er, f. Meilterfänger, 

Meifterlos, adj. u. adr. Brinen Meifter dadend, unbepersfht, under 
sährat; Bbifombers Im engerer Bedeutung von dem Befellen unb Lehrs 
lingen, kein en Handwerkameiſter habend. Chemapis auch uneigent- 
Ni, ohne Meifter und Aufſeher gleichſam, frei, zägelles, licderlich. 
Meifterlos leben. 

Meiftern, v.trs, 3) Sich zum Meiffermaden, äberwältigen; bemeiftern. 

Die Rrgung meiftert mid. B®rypbius. 
eine Begierten meiftern, barüber Herr werben, fie bezähmen. Sich 
meiftern, über fi Here. fein, ſich beherefhen. =) Als ein Meifter 
ia feiner Art mechen, und überhaupt machen. „Tragen will id; 
was er (ber Schneider) gemeiftert het.« Benzel:&ternam. 
Meiſterte dann für Hersalin anders Gemählbe der Lieben, 
Sonnenberg. 


258 


Meifterf 


In äpuliher Webeutung heißt bei ben Wärbern meiflern, die Grund, 
farbe einrihten, weldes wahrſcheinlich nux oder bob am beflen der 
Meifter verflehet uad thut. Im engere Bedeutung, me iſter haft 
machen, eigentlich und uneigentlich, auch als intrs. und ntr, 
Wenn bein Finger durch die Saiten meiſtert, Schiller; 
d. 5. meiflerhafte Griffe thut, meiſtechaſt ſpielet. Bumweiten, bed 
aus im gemeinen Leben und in Scherz, für lehren; befonders in 
bem zufammengefegten ſchulmeiſtern. 5) Als ein Meiſter beurtheis 
len, tabeln; befonbers im nahtheillgen Werflande als ein eingebil, 
deter Meifter und Kenner auf eine ungebährliche ungegrändete Art 
beusiheilen, tabeln. „Gie verfuhten Wort immer unb melfterten 
den Peiligen in Jerael. Pf. 78, 41. 
Der mein Thun zu meiftern denkt, 
Predigt tauden Ohren. Hagedorn, 
D. Meiftern. D. —ung. 
Das Meifterpfund, —s, 234. —, bei den Wollmebern, ein (dw 
weres Pfund als das gewöhntide, mad weichem fie die Wohle, bie fie 
sum Spinnen anögeben, wägen. 
Oo Der Meifterpinfel, —6, 2. gl. eim meifterhafter Pinfel, d. } 


ber Pinfel, die Geſchictichkeit eines Daplers, der ein Meiſter in feb + 


mer Runft if; fowol von einem wirtlihen Mahler, als von einem 
andern Gcilberer, deſſen Schilderei man ein Gemählde nennt, ;. B. 
des Schliderens der Bitten, der Denkart, ber Hanblungsiweife einer 
Prefon x. Bürbe. (BR). 

Das Meifterpulver, —, m. gi. in der Scheitekunft ehemapie de 
Benennung verihiebener Ricberfhläge (Magisterium), 

Das Meifterreht, —ı6, 29. —e, bei ben Handwerkern 1) bas 

Necht, ein Hantıwert feet und öffentlich treiben und Gefellen uud 
dehtlinge Halten zu dürfen. =) $ Im D. D, aud bas Meifterfkäd, 
... Meiſterrecht an etwas than." Opiz 
Der Meifterfang, oder Meiftergefang, —es, 94. — ſange. ı)® 
Ein meifterhafter, von KAunft und Wertigkeit zeugender Gang oder 
Gefang (Braronrarie). „Iept ſtimmte fie einen Meifterfang an, 
ber Ale in — feat.“ &, =) Der Gang ober Befang rines 
Meifterfängere. ©. Meifterfänger. 

Dr Meifterfänger, oder Meißterfinger, —t, 94 al. bie Benen⸗ 
nung von Dichtern ober vielmehr Reimerm, welde ber Beit nach auf bie 
Minnefänger ober Schwaͤdiſchen Dichter folgten und nad ber gemöhn- 
len Angabe vom 1347 bis 1519 bläpten, melde eine zunftmägige 
Ginzihtung unter fi, idre Gefege, Freiheiten, befkimmte Bufammen« 
künfte und Gebräude hatten, Die Seſetze und Regeln berfelben bee 
trafen vorzüglid den Neim und die Silbenzahl ber Berfe, und wur 
den in ihren Beiden und Bufammenkünften abgelefen; ihre Lieder, bie 
Meiftertiedber, Meifterfänge oder Meiftergefänge, fangen fie in 
ihren Sechen unb Singeſchulen ober bei feicrlihen Berfammlungen, 
nah gewiſſen angenommenen Meiftertönen. Wer jene Re: 
geln vollfommen inne hatte, hieß ein Schuifreund, zum Unterſchiede 
vom Schüler, melden fie mod nicht Inne hatte; ein Singer Hief 
derjenige, welder einige Zöne d. 9. Weifen vorfingen konnte, Dich⸗ 
ter berjenige, milder nah Anderer Zönen Lirder mahte, und Meir 
fler endlich, welcher feibft einen Ton erfand. Die Mitglieber ber 
Bunft, welche Ah auch Meiftergenoffenfhaft nannte, und in melde 
Leute aus allen Handıwerfssänften aufgenommen wirden, führten ben 
Ramen Geſellſchafter. Dieſe Meifterfänger blühten befonbers in 

» Nürnberg, wo ih Hans Eds auszeihnete. In ulm fol neh 
jegb cine Befeljhaft von Meifterfängern aus ber MMeberzunft beſte⸗ 
den. S. aud Merter. 

Der Meifterfah, —es, My. — ſaͤhe. 1) Ein meifterhafter Gap, . 
in der Tenkunſt, 2) Gin fhmerer oder wichtiger Sah, ben gleids 
fam nur ein Meifter in ber Wiffenfhaft, mo er vortämmt, den 
kann. Dergleichetn ift dee Sat in ber Bröfenichre: Das gleiche 
feitige Viered ber längflen Geite eines rechtwinkeligen Dreieckes ifl 
glei den beiden gleihfeltigen Wiereden; ber kuͤrzern Seiten ke 


Meifterf 


feiben Dreleckes (Magister mathoseos), 

Die Meifterfchaft, mg. —ın. 
Würde eines Meifters, in den verſchledenen Bebeutumgen biefes Mor- 
tes; ohne Mehrzahl. ©. Meier. 

Den andern teil ben git mir mine: kraft 

Und mine groffe meifterfhaft. Boners Fabeln, 66, 

d. h. meine große Gewalt, Herrſchaft. „Die Meiſterſchaft über bie 
Sinntihkeit,* die Derefhaft über diefelbe. ungen. Beſonders, ein 
hoher oder ber boͤchſte Grad ber Geſchicklichkeit ıc. in einem Bade, 
Borzägliätelt, Borzug ıc., wovon eine Pexfon, bie fe befigt, Mei⸗ 
fer genannt wird. 

Wer 0 bat volbracht fin wirt mit Eraft, 

Dem wart bie meifterfhaft. Boners Fabela, 66. 

Janger zur Meifterfhaft 

Mit Brief unb ſtelzem Siegel weihenb, 

Gelbenem Ring’ und dem Hut ber Freiheit. Woß. 
Belonbers und gewoͤhnlich, ber Buftanb und bie Bürbe eines Hands 
werfämeifieet. Rad der Meiſterſchaft Areben. Die Meiſterſchaft 
eslangen, das Deiflerreht. =) Vehrere ober alle Meilter einer 
Bunft zufammengenommen, In manden Städten wied zuweilen auch 
noch eine Bunft oder Janung bie Meifterfhaft genannt. 

* Der Meifterfcheeiber, —6, 9. gi. ein meißerhafter, ein vor 
staliher Schreiber. DOberlim. 

Der Meifterfhuß, —ſſes, 2%. — ſchuͤſſe. 1) @in meifterpafter, 
fehe guter, geſchſater Schuß. Stieler. =) Bei ben Bedern, ein 
dewiſſer Schuß d. h. Schleben der Brote In den Dfen, melden fie ala 
Veifterſtüc thun mie. Feiſch. 

Der Meifterfinger, f. Meifterfänger. 

Der Meiflerfohn, —es, 9. —fÜhne, bes Sohn eines Oandwerkea⸗ 
meiters, fofeen er gewiffe Borrehte hatte. Frifch. 

Das Meilterfpiel, —es, M.—t. 1) Ein meiferhaftes Spiel. Das 
war ein Meifterfpiel. Seſonders ein meißerhaftes Zonfpiel, ein 
meißterhaftes Spielen auf einem Zonwerkjeuge. Ge entzädte Alle 
durd fein Meiflerfpiel. =) Im gemeinen Leben nennt man au 
das legte Spiel, welches man Tpielt, 3. B. ein Wrettfpiel, in weils 
dem man ſich befonders zum Meifter des Gegners zu madıen, d. h. 
ihn zu überwinden ſucht. 


© Der Meifierfpieler, —s, 99. gi. ein meißerfafter Gpieler ober ° 


Meifter im Spielen, befonbers auf einem Zonwerkjeuge (Virtuose), ©. 

Der Meifterfireih, —s, Di. —, ein meifterhafter Streich, ein 
von vieler Erfahrung, übung und Geididtihleit yeugender Streich. 
Einem einen Meißerftreich fpielen. Sich dur einen Meiſterſtreich 
aus ber Roth Helfen. 

Das Meifterftüd, —es, 9. —, das Gtäd, d. h. das Werk, bie 
Arbeit eines Meifters, ein meiterhaftes Städ; ein Meiflerwerk, 
Seine Rebe war ein wahres Meiſterſtaͤck. Mies iR unter allen feis 
wen Semählben bas Meiſterſtuͤk, das vorzögliäfte Stac. Xu un 
tigentlich, ber Menih, das Meifterfiüd der Natur, Beſonders 
nennt man bei ben Handwerkern, basjenige Fänfllihe, Geſchicktichteit 
erfobernbe Städ, melden ein Gelee ber Mleifter werben will mas 
Gen muf, das MWeifterfläl. Im weiterer Bedeutung zumeilen auch 
jede Arbeit, bie man zum Beweiſe feiner Cinſicht unb Seſchiclichteit 


verfertiget. 

Der Meiſterſtuhl, —es, 2. fühle, bee Stuht, Big des Weis 
Rees, beſoaders bei ben Freimaureen. B £ 

Der Meiftertag, — m. —⸗, bei ben Handwerkera, derjenige 
Zag, an welchem ſich bie Meifter eines Bewerkes verfammeln. 

* Dad Meiftertbum, —ıb, 0. 2. bie Figenfhaft, bie Mürbe eis 
—— In engerer Bebentung chemapis, ⸗beigkeitliche 


Das Meiſterwerk, —b, 0. —, bat Werk eines Meifters, ein 
meifterhaftes Werl. ©. Meifterfiäd. Mies iR ein wahres Meis 
ſterwerk. Unfene Meiſterwerke in ben Miffenfhoften, deu Künften, 


39 


1) Des Bufland, die Eigenfäaft, 


Med 


der Dichtkunft. ıc., bie Merle unſerer vorzägliäken Gelehrten, Känſt⸗ 
ler, Dichter v., bie Weiſter in ihrem Wade find (unfere classischen 
Werke). „Die alten Kiaffiker ſowol, als bie Meiflerwerke ber feür 
her gebilbeten neuesn Europäifden Sprachen · ıc. Böttiger. 

Die Meiftermurz, oder Meifterwurgel, My. u. 1) Eine fhiemtres 
gende Pflanze, bie bei ben Meiften ein eigenes Geſchlecht ausmacht. 
Sie wäh in Deutſchland auf dem Gebirgen, treibt aus ber Wurzel 
langgeftielte, hellgeüne, gefiebente Wiätter, arte, geftreifte Steage 
mit vielen Imeigen, bie ſich mit großen weißen Blumenboiden endi, 
gen, bie aus fünfblattigen Bieitterhlumen befichen. Die ſtark gi 
Hende und [darf fhmelende Wurzel dient zu einem Aryemeimittel 
(Magistrantia, Imperatia oflieinalis, Imperatoria Ostruthium 
L.); aud größere Meiſterwurz, falſches Spanifhes Glasktaut, 
Kaiferwur;, Oſtritz, Oſtranz, Oſtenz, Wohlſtand. =) Eine am 
dere bolbentragenbe Pflanze, zum lnterfhiede von ber vorigen bie 
ſchwarze Meifterwurzel genannt (Imperatoria nigra, AstrautiaL.); 
auch Oſtrich, Oſtranz, fhwarzer Sanikel, Kaiſerwurz, Wohl: 
land. Die Dolde bildet eine Halbkugel; die erten Binmeuftiele 
tragen einzelne Blumen, die ſaͤmmtlich fünfblattige Switterhlumem 
mit fünf Gtaubfäben und zwei @riffeln, weidhe legte jedoeh mebft dem 
Brugtteime bei vielen, defonbers bei ben Manbblämien fehlen, Dan 
gebraudte ehemapis bie Wurzel ber einen Iet, bie große ſchwarze 
Meifterwurgel (Astrantia major L.) aud ale Xrzeneimittel, 

O Die Meiftergeihnung, 2. —en, die Brinung eines Deiters, 
eine meiſterha fte Beihmung,. „Pier (bei Büger) hängt faſt zu chem 
Srfange (des Meffias) eine Meiſterzeichnung, an bes fein Get mit ' 
Eifer umd Liebe gearbeitet hat," Seume, (.). 

Der Meifterzug, — es, 2. —jüge, (R.) ein meifterfafter Bug, im 
einem Gemäßlbe, einem Spiele, 3. B. bem Königb, ober Schade 
fplele ꝛc. Er entwarf bas Bild im wenigen Zügen, es waren aber 
Meifterzöge. Einen Meiſterzug tum, 

+ Meiftmabls, adv. mei, meiftens, 

t —* Meizel, —, 9. gl. in Scqhleſten bie Blttkatchen an ben 

iben. e 

Der Melkabalfam, —es, 3. u. ein fläffiges, feines, weißliches und 
durchſichtlges Darı, von burhbringendem, ſehr angenehmen flärken: 

dem Geruche und fharfem, bitterlichera, wärzhaften Geſchmacke, wel- 

ches aus mehreren Pflanzen läuft, befonbers aber aus der Arabien 

Balfamflaude (Amyris Opobalsamum L.), beren Holz, das Bal. 

.. einen fat eben fo angenehmen Berg hat, wenn «6 

+DerMelber, —6, 9. gl. In Baleen, Sähmwabenic., ein Mepihänbler, 

Die Melde, 9. —n. 1) @in Pfiangengefälsht, welches Amitter« 
und weiblide Blumen auf einer Pflanze zeigt, bie nur eine Blumen: " 
dee Haben; bie Bwitterbiumen enthalten fünf ben Kelghlättäen ger 
genüber geftellte längere Gtaubfären , und beibe ſowol bie Bini 
als weibliden Blumen haben einen kagelfoͤrmigen Fruchtkeim mit 
kurzem gelpaltenem Griffel und auswärts gebogenen Gtaubiwegen, 
und bringen einen zunblihen, platt gebrädten, madten Samen 
(Atriplex L.); auch Meite, Mitte, Matte ıc. Die Gartenmelbe 
(Atriplex hortensis L.) fann wie ber Spinat genoffen werden, Die 
gemeine ober twilde Melde, Miftmelde (Atriplex patula L.) mis 
an ungebaueten Orten und Mififtielen, und hat lange, ſchmale, beis 
map beriedige blau angelaufene Biätter. Die firauchartige Melde 
(Atriplex halimus L.) wählt in Spanien, Portugoll und Bieginien 
an ber Ser, Hat Eurzgeftielte, Eleine, faft dreiedige Wiätter; auch 
Meerportuiak. Die ſtrauchattige Melde mit eifirmigen Blättern, 
ober portulafartige Melſde (Atriplex portulacoides L.) ober bie 
Meermelde. ©. d. 2) Der Mame einigen Arten des Bänfefufes 
oder Schmerbeld, bei Aadera Zwittermelde (Chenopodium L.). 
Die flintende Melde (Chenopodiam vulvaria L,) ober Hunde 
melde. &.d. Die milde Meide hat herzfoͤrmige gefkirite und [darf 
zugefpigte Blätter, und erpält, wenn fie ſich ipeem Bergehen näpert, 


Meld 


260 


Melkſ 





in allen ihren Zeilen eine zötplihe Jarbe (Chenopodium zubrum Der Melder, —t, 4. gl; bie in, Di. — n, eine Perſon, 


L.j. Die weiße Melde (Cheaopodium album L.) hat langpeftielte 
Blaͤtter, bie auf ter unterm Bläde wie aud ber Bluͤtenkelch weil 
beſtaͤnbt find, und wirb, wenn fie anfängt abzuflerben, ganz weiß. 
Die Heine oder breite SBalbmelde iſt der weißen Melde fehe aͤhnlich, 
und teribt grüne an ben Eden purperfarbige Stengel (Chenopo- 
dium viride L.). 
Wort ein eigenes Pflangengefleht (Atraphaxis L). S. Straudr 
melbe. . 
Der Meldebrief, —es, 3%. —e, ein Brief, in welhem man einem 
Audern etwas meldet; befonbers ein Brief, worin ein Handels freund 
dem Andern etwas meldet (Advisbrief), Friſch führt es am für 
Brief, womit man fih melbet und gegen etwas einwendet (Prot.sta- 
tio), A 
Melden, v. trs. zu eines Anbeen Wiffenfhaft bringen, wiffen laffen, 
mit bem Nebenbegriffe, daß man bazu verpflichtet fei ober bob ih 
dazu für verpflidtet halte, wenn auch mur aus Höflichkeit, wedurch 
es ih von benachrichtigen, anzeigen ıc. unterfdeibst. Die Mad, 
die Gaſtwirthe müffen bie anlemmenden Kremben bei ihrer Wehörbe 
melden. Den Breunben feine Ankunft melden. Sich bei einem 
melden Laffen, ihm fagen Taffen ober ſchrelben, daß man ihn beſuchen 
wolle. Auch gebraucht man ſich melden von bem Beranntmacen feir 
ner Gegenwart ober feines Befuches im verfhiebenen andern Abſich⸗ 
ten. Die Biäubiger meiden fi, wenn fie ib als @iänbiger ber 
Tannt maden und ihre Bezahlung verlangen. Dean „meldet fid bei 
jemand, bei bem man etwas anzubringen, zu verlangen hat ıc, Bes 
fonbers gebraucht man es für Nachricht geben, Anzeige machen, fos 
fern es ſchriftlich geihieht, ebenfalls weil man dazu verbunden iſt, 
ober fi dazu, mern auch nur aus Döflichkeit, für verbunden hält. 
Mein Brieffreund, Hınbelsfreund meldet mir, daß ıc, Ich habe ihm 
das Roͤthige ſchon gemeldet. Im engerer Bebrutung gebrauchte 
man ehemahls melbew für, angeben. „Verbirg bie Verjagten unb 
melde bie Flüchtigen nit." Ef. 16, 3. 
34 meld’ «8 auf Genabe, viel lieber Freunde, bir, b..Ribe: 
Tungen 8. ®. 3609. 
In weiterer Bedeutung, anführen, wobei meift der Nebenbegriff 
Statt findet, das es ausführlicher geſchieht, als Sei dem fonft gleich 
bedeutenden erwähnen, Unfer Berfaffer melbet davon nichts, Die 
gemeldete, oben gemeldete Sache. Ohne Nubm zu melden, ohne 
mid zu zühmen bavon zu reben. X Mit Ehren zu melden, ohne 
mit Beleidigung der Anſtaͤndigkeit davon zu reden, Edemabls ges 
brauchte man es in noch weiterer Bebeutung auch für nennen. Un 
eigentlich gebraucht man ſich melben ober melben and von Thieren 
unb unbelebten wie aud unförperlichen Dingen, für, fein Daſein, 
fein Hersnnahen zu erlennen geben. Der Hirſch und bie Bindion 
melben, wenn fie bei einer unerwarteten Bade rinen Maffenben Laut 
hören laſſen. Bon itchen gebraucht man fhmälen, bellen, vom Fuchs 
und von bean Maub: und andern Thieren [chreden, Der Wind mel: 
bet fi, wenn man ihn ſchon von weiten brauſen böret, Der Wind 
melber etwas, wenn er viner Erſcheinung, Begebendeit vorhergehet 
und fie gleihfam anzeiget. 
en meldet dieſer Wirbelminh ? J. A. Schlegel. 
Der Winter meldet ſich, wenn es Im Serbit kalt und unfreunblich 
wird und andre Zeichen des herrannahenden Winters beebachtet wer⸗ 
ben. Das Fieber meldet ſich, wenn man deſſen naben Anfall em⸗ 
pfindet, Froſt zu bekommen anfängt ꝛc. D. Melen. D. —ung. 
Cinee Sache Meldung tdun oder, vom einer Sache Meldung thun, 
fe melden, fie anführen, 
Die Melveneule, 34. —n, rine Art Rachtfalter, welche man gewöhn: 
lich auf Mitte findet (Phalaena atriplieis). 
Die Melvenlaus, Pu. —läufe, eine Pflanzenlaus, welche auf ber 
N Ide lebt (Apkis atriplieis‘, 
Meldendiwerth, adj. u. adv, wert gemildet, berichtet zu werden, 


3) In dem Worte Strauchmelde bezrichnet dis 


welche etwas meldet, Ehemahls im engeres Wibentung, ein Anger 
. ber, Berräther, . 

O Das Meldeſchiff, —es, 9. —e, ein Schiff, durch welches etwas 
gemeidet, eine pflihtmäßige Radricht an die Behörde Überfantt oder 
von bieler ein Befehl überbeaht wird; befonders foferm es bazu tie 
gens beflimmt und eingerichtet if (Advisthiffi; bie Meldejacht, 
winn es ine Jacht ober ſchnell fegelntes Schiff ik. 

Die Meldejacht, By. —en, f. Melbeſchiff und Jacht. 

x Die Meufle, f. Bienentraut. 

+ Melk, adj. u. ade. im R. D., mo Miih bie Melk lautet, von dem 
Milch gedenben Thieren, wirklich Mitch gehend, in tem Zuſtande, 
das man ed melten kann; mild ober milchen. S. d. Daher melf 
werben, anfangen Milch zu werben. Merikühe, Meitfchafe, Meik: 
giegen Küße ıc., welche meit find. ö 

+ Der Melleimer, —6, 34. gl. ein Gimer zum Melken. Auch 
Melkgefaͤß. S. d. 

Melken, v. trs. unregelm. ich melke, du melkeſt (mitteft), er mel: 
ket (milker) ; uni, werg. 3, ich mold; geb. J. ich mölke; Wittelw. 
b, verg 3. gemolken; Befehlw. melfe (milk). Die Bisen ober 
Etriche an ben Qutern der Rühe, Schafe ic. drädınd ron oben mad 
unten mit ben Fingern flreihen ober Heben und baburch bie Milde 
aus bem Guter fließen machen. Die Kühe, Schafe, Biegen melken. 
Din Bod melten, uneigentlih, etwas Vergebliches, Ihöriätes thun. 
Unsigentlih für aus ſaugen, arm machen. 

Indeß die bumme Schaar bes Skiavenviche 

Sich in ber Knechtſchaft bben Wüöſtenei 

Geduldig treiben, melken, ſchlachten laͤßt. ©. 

In weiterer Bedeutung und in bes niedrigen Sprechart etwas den 
digen Ktntihes orer überhaupt etwas mit ben Fingern ſtreicheln, 
zirhen ober betaflen, wie audı oft und viel in bem Händen baden, 
steren; im welcher Bebeutung man es wrgelmäßla ummanbelt und 
auch bus Beröfterungsmort melfern, in Schleſien malkern dafür ges 
beraubt. Das Meiken. 

Der Melker, —s, 3m. 91.5 —inn, Di. —en, eine Perfon, bie melkt 
oder wirft, 

Und fGönlotige Metferinnen umher, Sonnenberg. 
Uneigentlid. 2) Ein Rame ber Stockeule (Strix stridula L.). =) X 
In ben Bufammenfesungen Bodmelker, einer der etmas Bergebliches, 
ooͤrichtes hut, Hundemeller, Kagenmeller, ber geen Bunde, 
Katzen freiheit, im Händen hat, fi mit ihnen viel zu thum 
macht. 3) A Einer deu ausfauget, bebrädet, „Die Meiter ber 
nöttr.t GE. 

Die Melkerei, 8. —en. 1) X Das Melken, in verähtliher Bedeu: 
tung, befonbers im weiten Sinne, ſofern melten ſtreichelad, zie⸗ 
hend ıc. betaften bedeutet. a) + Eine Anftalt, ein Ort, mo bad 
Vieh gemolken und bie Milch verwahrt wird, Die Milcherei. 

+x Melfern, v. trs. u. intrs, ſ. Melten. - 

+ Die Meiterpappel, 94. —n, bie Anellenblume, 

Das Melkfaß, — ſſes, ip. —fäffer, ſ. Melkaefaͤß. 

Das Melkgefaͤß, —es, I. —e, ein bolzernes Gefaͤß, werein bie. 
Milch gewellen wird; auch das Melkgeſcirr. IE es ein kleines 
Reg. ein Eimer, eine Gefte, ober ein Kübel, fo wird 04 Melkfaß, 
Meiteimer; Meikgelte oder Mellkuͤbel genannt. 

Die Meikrelte, 9. —n, das Meltgeſchirr, —es, y.—, ber 
Metktübel, —s, in. at: f. Meitgofäi. 

Die Melktuh, 3. —kühe, und dad Melkſchaf, —eıt, @M. 
ſ. Det 

Der Melkplatz, —es, 2. —plaͤtze, ein Plag, wo bas Wick gemol⸗ 
fen wirt. - 

+ Der Melkialat, —eb, 0.9. ein Rame be Rahbunge. 

Der Meitidtämel, —s, 7%. gt. ein niebrigte Schlmel, auf welchem 
ber Meter oder bie Melkerinn während bes Meikens figt; der 


u / 


Meltit 


261 


Meng 





Melkſtuhl, wenn er bie Form eines Stuhles hat, 

Der Molkſtuhl, —es, 4. — führe, f. Melkſchaͤmel. 

Das Melktuch, —es, By. — tuͤcher, ein Zub, deſſen man fid bebient, 
bie eben gemolkene Mil durchzuſeihen; beffer das Seihtud. Frifd. 

Das Melkvich, —es, 9. Bi. tin Sammelwort, alles Wiek zu bes 
seinen, welches gemolfen werben kann, mie aud, welches wirklich 
gemolfen wird. 

Die Melkzeit, B4.—ın, diedrit, zu welcher man bie Kuͤhe, Schafe ıc, 
zu melten pflegt. 

Die Melkziege, Mg. —n, f. Melk. — 

Der Melm, —es, . u. der Mulm, Staub, Pulver. 

Der Melnider, —s, 9. von mehrern Arten gl. ber beſte Wein im 
Bunzler Kreiſe in Böhmen, ber ben Namen von ber Stadt Mel» 
nid bat. 

Die Melone, 94. —n, die meift laͤnglich zunbe faftige, füße Frucht 
mit gemeinigli rauher, grüner, gelber ober weißliger Schale einer 
Pflanze, welche zu dem Geſchlechte der Gurken gehört, wie auch biefe 
Pflanze ſelbſt, welche bei und mur in Früpbeeten und Gemähsbänfern 
gejogen wird (Cucumis melo L ); im D.D. aud Plotzer, Piüper. 
Es giebt daven mehrere in Geftalt, Größe, Farbe und Geſchmack 
verfhiedene Arten. Die frühe Melone (Melo moschatellinus s. 
seecharinus), Die weiße Melone, auch Aſtrakanſche Melone, bei 
den Doländern Speckmelone. S. auch Nebmelone, Warzenme: 
lone. Davon der Meionenkern, bie Melonenfhafe, der Me: 
Ionenfaft, das Melonenbeet ıc. ber. Keen, bie Schale, ber Saft der 
Melone, ein Beet, worauf Melonen wachſen ze. 

Der Melonenbaum, —es, 9. —bäume, ein Baum in beiden Ins 
dien mit weichem frautartigem Stamme, langen und breiten in fies 
ben bis elf Lappın getbeilten Blättern und männliden und weiblis 
Gen Bläten, «die auf verfhiedenen Stämmen getrennt fichen und 
einen angenehmen, den Lilien ähnlichen Geruch haben. Die genie: 
bare Frucht it an Geſtalt und Wröfe den Melonen ähnlid, der Länge 
nach ausgefurcht und gelb (Garica papnya L.). 

Die Melonenbirn, Bi}. —en, eine Art laͤnglicher, mittelmäßig gras 
ger und ziemtih ſchmackhafter Birnen. 

Die Melonenviltel, 2 —n, ein in Amerifa in felflgen Gegenden 
mwahfendes Gewäds, welches einen fleifhigen kugelförmigen, mit 
Hödern und Etaheln befegten Körper bildet; zwiſchen ben Hödern 
ober Wirıen brechen die Bläten durch, welche aus vielen zarten Blur 
menbldttern beſtehen, viele kürzere Staubfäben unb einen eben fo 
kurzen Serffel mit vielfachem &taubmege haben (Melocactus Tourn. 
Cactus mamillaris L.). Eine an’ere Art ift rundlich unb einer 
Melone aͤhnllch and bat dide ſchwielichte Furchen und viele Geiten 
und @den, bie ebenfalls mit Stacheln befeat ſiad (Cactus meloca- 
etus L.); auch Tuͤrkiſcher Bund, Papſtkrone. 

Der Melonertürbif, — ſes, Di. — ſſe, eine Art Rürbiffe, beren 
Rantıen in die Höhe fleigen und beren ruht fpigige Anotem zeigt 
(Guenrbita melopepo L.); auch Meionenpfebe. 

+ Die Melonenpfebe, 94. —n, f. Melonenkuͤrbiß. 

X Die Melote, 94. u. im gemeinn Leben ein Rame bes Steinklees 
(Trifolinm melilotus L.). Davon bas Melotenpflafter, ein bar 
aus hereitetes Pflafter. 

Dat Melotengras, —es, Dh. u. das Eavendelgras. S. d, 

Die Melte ıc., f. Melde ıc. 

+ Die Memel, Di. —n, in manden, befonders R. D. Gegenden, fo 
vier als Mehtmilbe; in andern Gegenden Memer. 

+ Memtlig adj. u, adv, miltig. 

Die Memme, ſ. Mimme, 

Die Mend-rle, 3. u. 1) Die Wellttume. =) Eine Gattung Plan: 
sen, bie mit bem Ehrenpreife verrandt iſt, und deren meifte Artın 
in Örererich wachſen (Paederota), 

+ Miren, Mennen, v. trs. in ber Schweiz, führen (miner); D. 
Menen. D. —ung. 


+ Die Menerle, 94. —n, ein Rame der Maserle; in andern Ger 
genden Mewerle. 

Die Menge, 99. —n, ein Sammelwort viele bei einander befindlihe 
Dinge Einer Art zu bezeichnen, mit dem Rebendegeiffe, daß fie aicht 
gezöplt find, ober auch nicht gesäplt werben Innen, Cine Menge 
Menfhen oder auch im gemeinen Leben, eine Menge von Menfden. 
Geld in Menge haben. Eine Menge Büher, Woaren ac. Auch 
mit dem zweiten Halle ber Sache. Cine Menge Geldes bieten. Die 
Menge der Zufhauer war unzäplig. „Das Land mochte fie nicht 
ertragen vor ber Menge ihres Viehes.“ ı Mof. 36,7. Die Mehr⸗ 
zahl kömmt auf bei bem Dichtern von mehrern Abtheilungen, bern 
— eine Menge ausmacht, ober auch nur den Begriff zu verſtärken, 
oft vor. 

Belde Mengen entdedt mein Bit mit erhabentn Händen ! 

Bedariä. 
— fie — vor ber Verſammlung unzählbarıe Mengen zu töbten. 
Klopftod. " 

Begleitet von allen erretteten Mengen. I. A. Gramer. 
X Die ſchwere Menge, in ber gemeinen Eprehart, eine große 
Menge. Cine große Menge Menſchen, oder ach ten größten Theil 
der Menfhen nennt map vorzugeweile auch nur die Menge, fo wie 
man fagt ber große Haufe, gewöhnlich mit gewiffen Nebenbegriffen, 
3: B. ihrer geringern Ausbildung, bee Beſchraͤnktheit ihres Berfam- 
bei, ber Gemeinheit ihrer @itten ze. 

Große gingen zu Grunde: doch mer befhügte die Menge 

Gegen die Menge? da war Menge der Menge Tyeann! Böthe 
In biefer Stelle wechſeln bie Bedeutungen von Menge für großer 
Haufe Boldes überhaupt und Poͤbel mit einander ab. Im armeinen 
Leben unb in der leihren Schreibart gebraucht man bie Menge, fo 
wie die Fülle au umſtandwortlich für fehe viel. „Aeuer.umd Deolg 
die Menge.“ Ef. 30, 35. „Daß fie Geldes die Dinge nah Haufe 
brachten." = Ghron. 24, 22. Ungewoͤhnlich und veraltet iſt es, 
Menge ven einem hohen Grabe ber Innern Stärke zu arbrauden. 
„Durd die Menge ber Kraft,“ Hiob Ko, 18. „Die Menge des 
Alters laß Weisheit beweifen.“ Hiob 52, 7. Wohl aber kann vom 
einer Menge Kenntaiffe, Seſchicklichkteiten ıc. bie Rede fein. 

Die Diengel, 4. —n. 1) ©. Mengelwurj. 2) Der Maängelb. 

+ Das Mengel, —#, . gl. in manden Gegenden, z. B. in Bres 
men, ein Daß zu flüffigen Dingen, der vierte Theil eines Quartes 
oder.ber ſechzehnte eines Stübhens; im Ddsnabrädfhen eine halbe 
Kanne. 

Der Diengeler, —s, M. gl, einer ber mengelt, befonders einer, 
der in Kleinen Handel treibt, eim Höker, auch Zräbler; der Men» 
ger, Mengling. 

x Der Mengelbaufe, —nd, 94. —n, ein Haufen von allerlei um 
ter einander gemengten Dingen, _ i 

X Der Mengeling, —es, By. —e, ein gemengtes, gemiſchtes Ding. 
Im Dsnabrädihen nennt man «in Pferb, welches von zwei verſchie⸗ 
denen Arten gesengt iſt einen Mengeling. 

X Der Mengelklump, —es, 94. —en, ein Klump unter einander 
gemi’chter Dinge, edler Miſchklump (Chaos, Hollaͤnd. Mengel- 
klomp', 

+Das Mingelmuß, —es, 9%. —e, ein Gemenge von allerlei Dinger, 
ein Miſchmaſch. Kramers Deuti+ Stat, Sb. (Hol. Mengelmoes). 

X Mengeln, v. trs. das Werfleinungs» und Veröfterungsirort vom 
mengen, in ber Bebeutung biefes Wortes aber gewoͤhnlich im ver⸗ 
ad tlichen Berſtande. Dann, in Kieinen verkaufen, holen. D. Mens 
sein. D. — ung. 3 

Die Mengelivurz, 9. u. ein Name 1) der gemeinen Grindmwurg 
(Rumex ncutüs L,); aud milder Ampfer. a) Des Saueram-⸗ 
pfer6 :Rumex acetosa L.). 3) @ine Art des Samleautes (Pota- 
mogeton erispum L.), 


Dingen, v. tzs. mehrere Dinge Eines oder auch derſchledener Aut 


Meng 


ohme Orbnung unter einander thun, wodurch fie pagleiä vermehrt wer 
den. Bergl. mifchen. Eins unter bas andere mengen. Roggen untıe 
Weizen mengen. Gemengteb Getreide, Kon; Mengetorn, wofär@i, 
nige auch Mangkorn und Miſchkorn fagen. Das Hundertſte unter das 
Zaufentfle mengen, die serfäiebenartigfien Dinge unter einander bein, 
gen, ohne ale Ortnung vorbringen. Dem Biep fein Futter mengen, Da: 
fer, Korn ıc. mit Hädfel rc. oder aud mit Waffer unter einander men; 
gen, Das Mehl mengen. Die Karten mengen, fie unter einanber 
dringen, daß fie ohne ale Orbnung in Anfepung ber Barden ıc. über 
einander liegen. „Die Spanifche Spracht iſt aus ber Geltifhen, Bas 
teintigen, Gothiſchen und Aradiſchen Hauptfählih gemenget,." Pop: 
witfd. (R.). Sich unter bie Aufgauer mengen, ſich unter fir bes 
geben, ſich unter fie venlieren. Mnrigentlih, ſich in fremde Händel 





mengen, an ihnen unbefugter Meife Theil nehmen, Gr mengt ih 


in Alles. @id in ein Gefpräd) mengen, am bemfelden Anteil neh 

men. In ber Sanbwirtäfäaft fagt man vom Gommergetzeide, es 

menge fh, wenn #6 anfängt gelb zu werben unb zu veifen, was 
mad) und nad) geſchieht fo daß ein Theit mod grän, ber andere ſchon 
mehr oder weniger gerd, das Ganze alfo in Anfehung ber Farbe ger 
mengt if. D. Mengen. D. —ung. 

Das Mengenmaß, —es, 2. —e, ein Map, die Dienge zu meffen: 

"ber Dinge darin zu meffen und danach) zu beflimmen; zum lnters 
fhtede vom Längen: und F 173 j 

O Der Mengenpreid, — s, 20. —e, ber Preis einer Bade, für 
welden man fie erhält, wenn man fie auf einmapı in Dienge kauft, 
welcher mehr ober weniger geringer ift, als ber Preis berfeiben, wenn 
man fie einzeln und von Zeit zu Zeit kauft (Partiepreis). 

+ Die Mengepreffe, 3 —n, auf ber Meffinghätte dei Soelar, 
eine Xrt des Meflinges aus einem Pfunde Bauterberger Kupfers und 
zwei Pfund Galmei, welchet aber nicht verkauft, fenbeem als Zufag 
dum Tafelmeffinge — wird; zum unterſchlede vom Stuͤck⸗ 

und Zafelmeflinge. 

— — 2 9l.; die —inn, Di. —en. 1) Eine Perfon, 
bie etwas menget; eigentlich und uneigentlih. Der Menger ber 
Gpragen, der Sprahmenger. =) } Eine Perfon, bie etwas Im 
Kirinen verkauft; Hoͤter, Höfkerinn. 

X Die Mengerei, 9. u. bas Mengen, Untereinanberbsingen vers 
fiebener Dinge; eigentfi und uneigentlid, im tadeinden Verſtande. 

Das Mengelorn, ſ. Mangtorn, 

x Das Mengfel, —6, 9. gl. mehrere unter einander gemengte 
Dinge, als ein Ganzes betrachtet; der Miſchmaſch, im R. D. Men ⸗ 
geld. „Daß die Kette Raturweſen — zersiffene Raturkette, Mengs 

und Brodniß feir ıc. Herber, 

un Mengfpath, —#, 34. —, ein geblättertee Spath. 

@ De Mengtbeit, 1, 0. —e, einer von ben Aheilen, welde 
man zu einem Mengfel nimmt, ober welde man unter einander mens 
gen will, bamit ein gewiffes gemengtes Wanges daraus entftehe (In- 
grediens). „Eine aus aleelei frembartigen Mengtheilen gufammen, 
gefegte Gpradır.” ©. 

Das st, — e, u allerlei unter einander gemengte 

Inge, der Miſchmaſch. 

Du —X it, —, Rheinlaͤndiſcher Mäplenfein. 
Kemnid. : 

— 8, bei Andern bie Diennige, @y. u. ein gelbrothes 

men erhält, wenn man geglähten grauen Bleitalt 

mit Waffen beſprengt während er no warm iſt, barauf fein zerreibt 

oben mapit umd dann mod gelinde gläßet, und welches ber volllem⸗ 

menfte Bleitalt ift (Minuum, Calx plumbi rubrs, Oxydum plum- 
bi rubrum). Man bebient fi beffelben als einer Farbe. 

Der Mennigbrenner, —s, M. ol. in ben Mennigpätten, bee 
jn ige Arbeiter, welcher den Mennig deimnet, fhlämmet umb 


Die Mennighätte, 2. —n, eime Anſtalt, we ber Mennig aus Blei⸗ 


26 


2 Menih 


kalt gebernnt ober bereitet wird, mit ben day gehörigen Gebäuden 
und Werten, 

Die Diennigmühle, 24. —n, in den Wennigpätten, eine Mäpte, 
auf welcher der Bieikalt aus dem erſten Ofen gefhlemmet ober ges 
mablen wirb. 

Der Mennigofen, —s, 94. — öfen, in den Mennigpätten, ein Ofen 
worin ber Mennig gebrennt wird, 

Mennigroth, adj, u, adv. roth wie Mennig, 

+ Das Mennikenskraut, —ı6, ig. u. bie Gpretilie ober ber Je⸗ 
längerjelieber. 

Der Menſch, —en, My. —en; Bio. das Menfhhen, D. D. Menſch⸗ 

lein, ein aus einem tplesifen Körper und einer vernünftigen Geeie 

beftepenbes MWBefen. Der Menfh if das vorzägliäte Befhöpf auf 

Erden. Ale Menſchen mäfen erben. „Teder Wenſch if frei, und 

nie muß er es mehr Jein, ald wenn es bie Wapı feines Biädes bes 

trifft.“ Sonnenfels. X Da iſt Fein Menfc zu fehen unb im 

hören, Wiemand, Gr dat Alles gethan was mur irgend ein Menſch 

spun.fann. Dft gebraucht man ber Menſch für Menfgen überhaupt. 

Das keben des Menſchen vergeht wie eine Blume, „Was If der 

Menſch, daß bu fein gedenke?« Pf. 8, 5. Häufig denkt man ba 

bem Sebrauche bes Wortes Menſch beſonders nur an feinen fittlis 

Gen Zuſtand. Wir find ja Aue Menſchen, wie find ja Ale vermöge 

unferee Ratur, Schwachheiten, Unvolllommenpeiten und Irethämere 

unterworfen, Denk’ an beine Würde 6 Menfch 
Berund, wufse Beit von @ifen’ 
IR ſehr an Menſchen arm, obgleich fehr a. Wellen, 
@iefeke, 

Wergt. Leite und Perſon. In engerer Bebeutung, ein Menſch männ 
Lies Geſchlechte, wenn man in allgemeinen unb ohne Achtung von 
ipm ſpricht. Wer ik der Meuſch? Mas will biefer Menfh? Man 
dat vor biefem Menfhen Leine Ruhe, Weräätlih gebraudt man - 
in biefer Bebeutung and das Berkleinungswort Menſchchen und 
Menfhlein. Bon weiblichen Perfonen gebraucht man im biefem 
Sinne das harte und hiedrige Wert bas Menfh. ©. d. Unelgent« 
Id und im ber biblifhen Schreibart der ganze Gemäthszuftand des 
Menfhen. Der alte Menſch, ber natürliche Zuftand des Menſchen 
mad) ber Lehre ber Kirche; im Begenfag bes neuen Menfchen oder 
bes befferm, volllommeneen. Auch ber alte und neue Adam. S. 
Adam. Der innere Meuſch, bas Gemüth; in Gegenfap des dufern 
Menfhen, des Körpers. Im Dsnabrädfhen ıc. lautet dies Wort 
Minst, in R. ©. Minfh. Mit Menfhen werden viele Zufams 
menfegungen gebildet, in welchen es meift bald ber zweite Fall ber 
Ginzapf bald ber der Mehrzahl ik, Im Bolgenden find alle birjent 
gen angefäpzt, die einer eignen Anführung aus irgend einem Grunde 
au bebörfen fhienen; andere wie Menſchenleib, Menfhenfhup, 
Menſchentroſt ıc., find nicht aufgeführt, um die Zahl nicht unnık 
thiger Weife zu n. 

E Das Menſch, —es, 3. —er, eine geringe Perfon weibliches Ges 
ſqᷣlechta, befonders eine Bagb; verdchtlich und in der niedrigen 
Sprechart. Ein armes Menſch. Ein Dienſtmenſch, Kuͤchenmenſch 
at. Das Kammermenſch, eine geringe Hofbebiente; eben fo das 
Kehrmenſch. Im harteſten Sinne nennt man eine weibliche Per⸗ 
fon, ber man den höchften Grab bes Unmwillend, MWibertillens und 
ber Beratung bezeigen wid, ein Menſch, ein bäßliches, abſcheuli 
Ge Menſch, und in manchan Begenden it Menſch ein hartes Shimpfs 
wort, fowiel als Hure, worübre man gerihtlid belangt werden kann. 
Dielen harten Siun hatte das Wort bas Menſch nicht immer, im 
bem man anfangs biefe Ferm biof mwäflte, um einen weiblichen 
Menfhen überhaupt näher zu bezeiänen und ihn von dem Menſchen 
im engerer Bebeutung, db. h. bem männlichen Menſchen zu unterfheir 
ben, und gebraudte es uud in gutem Sinne, mweven in alten Urs 
Eunden und nod bei Dptz häufig Beifpiele, vorkommen, ber J. B. 
ein zeigen Mädden „ein weiches Menfch* nannte. Gelten Kimi #8 


Menfchen 


im guten Werftanbe und Bann auch nur von geringen Perſonen dei 
den Reuern vor. 

Das Menfch (die flinke Hanne) gefältt au ungepugt. Hagedorn. 
Beraitet iR die Bebentung, nah welder das Menſch ehemapis au 
für einen Menſchen männtihes Geſchlechte, doch mur verädtlih ger 
draucht wurde. So fagt y. B. O piz non einem Belbfimösder: „0 
da unmenfhlihse Menſch. 

X Menfdeln, Menfhen, v. utr. mit haben, ein Menfä fein, ſich 
als ein Menfd zeigen, d. h. als ein Welen, bas leiht fehlen, ih 
vergehen kann, Welonders als imp, Es menfchelt bei ihm auch, 
er fepit, verfichet es auch. Es hat bei ihm gemenfchelt, es iſt et» 
was Menſchliches dei ihm vorgefallen. D. Denfgein, Menſchen. 
Andere gebrauchen dafuͤr das härtere menſchern. 

© Der Menſchenadel, —e, 0. 2. der Abel, d. h. bie hohe Märte 
des Menfhen als vernünftigen und fittlih guten Wefens, 

O Menſchenaͤhnlich, adj. u. adv. einem Menfden äpntid. „Man 
Tann doch jet hoffen menfhenähntiche Seſchoͤpfe zu zeugen, wenn 
auch wiht Menſchen.“ Lafontaine 

Dad Menfhenalter, —6, 3. al. das gewoͤhnliche Alter der Mens 
fen, dasjenige Alter welches die Menfhen in Durchſchnitt zu arsch 
Gen pflegen, wofür man eine Beit von 30 Jahren annimmt, mals 
Sen Beitraum man gewöhntih ein Menſchenalter nennt. Drei Diens 
ſchenalter alt, 

O Der Menfhenanblid, —e#, 2. u. der Anblid, die Erſcheinung 
eines Menfhen. ‚ 

Wo er fo lang’ umfonft auf Menſchenanblick Harrt, Wieland; 
d. d. barauf, daß er einem Menſchen erbliden möchte, 

© Das Menfhenangefiht, —es, 9. —er, das Angefücht des Men: 
ſchen ober eines Menfhen , dann, ein Drernfch ſelbſt. 

Rein, Fein Menfchenangeficht, 
Hal ein Scheuſal ohne Erben 
Bat man ihe in ben Arm gegeben. Ungen. 

4 Die Menſchenangſt, 9%. u. die Ang, im welde der Menſch, das 
fühlende ſchwache Welen durch Schickſale und Begrbenpeiten im feis 
wen Beben häufig verlegt wird. 

Wann du Fängft ber Erde Luft 
Aue Menſchenangſt verſchlafen 
Und den Traum geſegnet pol. Thämmel. 

Die Menſchenart, 94. —ın, eine eigenthämlihe, von andern fi 
unterfheibende Art von Menfhen (Race) ; ſowol in korperlicher, als 
auch, im fittliher Hinfkht. „Gott [dmemmte fie weg unter bie Erbe 
und ſchuf fatt deffen eine fhmädere Menfchenart.* Herber, 

Die Menfchenafche, 0. 9. die Aſche von verbrannten Menſchen, der 
-fonders bei dem alten Römern, GBriehen, und einigen anderen Wil 
tern, welche ihre Zobten verbrannten und verbrennen. Dann, ber 
taub, in welchen ber Menſch nad feiner Werwelung zerfällt, — 

' führe fie vor die mit Menfchenafche gefülten Grenzhügel dieſes Bes 
bene.» I. P. Nichter. 

O Dad Menfhenauge, —, 9. —n, das Auge bes Menfhen ; 
dann, das Befit des Menfhen ober der fehende Mensch ſelbſt. „Mit 
biefen Wozten fegelte er fon jedem Menſchenauge unzugänglich 
und [hnell wie ein Sturm durch bie Luft." Benzel- Gternan. 

O Der Menfchenbeifall, —es, 0. 2%. ber Beifall der Menſchen, 
bee Beifall der Menge; zum Unterfhiehe vom Welfalle des Gewiſ⸗ 
fens und @ettes, 

Denen (melden) bie Ehre zu nn it, mb die ah! Menfchen, 

i eifall 

— ſich au ihrer Thaten Belohner wählen. Kſopſtod. 

© Der Menſchenbeobachter, —s, 29. gl. ber bie Menſchen, ihre 
Denke und PDanbiumgsmwelfe ıc. beobachtet und baburh zum Mens 
(denfenner wird. G. 

© Die Menfihenbeobadhtung, 9. —en. 1) Die Beobachtung ber 
Menden, ihres Denkens und Handelns ıc.; opne Mehrzahl, =) 


263 


Menfchend 


Cine durch biefe Beobachtung gemachte MWemerlung, Enttelung, Em 
—— „Beine Menfhenbeobahtungen haben mid baräber be: 
det.“ ©. 

O Die Menſchenbeſchreibung, 9. a. bie Beſchreibung des Mens 
fen nad feiner korperlichen, geiftigen und fittlihen Natur, befon- 
ders die Befhreibung des Dienfden als Wemohnerd der Erbe (An- 
thropographie), j 

4 Der Menfcenbefeliger, et, 0. 9; die —inm, Di. —ım, 
dee eder die die Menſchen befeliget. 

Singt dem Grhadenen, 
Menjdpembefeligeri Herder. 

A Menfhenbefucht, adj. u. adv. von Menfhen befußt; befonberk, 
von Benfchen Häufig befucht. „Mrenfchendefuchte Örter." ungen. (R) 

O Das Menſchenbild, —ed, 2. —er, das Bild, die Befalt bes _ 
Menfden; dann, der Menſch feibft. „Mag immer unverisendete hei 
ige Menſchenbild.“ Herder. 

Des Dienfhenbilds erhabme Würde. — Böthe 

© Der Menfchenbilder, —, &y. gl.; die Ian, 2. —n, ber 
Wilder ober Schöpfer des Menfhen; auch Menfhenbildner. „Keim 
— trügbasır Menfh, der Menfhendilder und Nierenpräfer ſprach 
alfo.* Herder. Mann, ein Wefen, etwas, bas ben Menfhen bil 
bet, ausbitpet, auf eine höhere Stufe ber Bildung, Bollommenheit 


erhebt, , 

O Der Menfdenbilbner, —s, 9. gl. ber Bildner von Menſchen. 
S. Menſchenbildet. „Am Belfen ſchmachtete der Menfhenbildner 
(Prometheus) in Ketten.* Benzels@ternau. 

© Die Menſchenbildung, @y u. 1) Die Bildung, Erfdaffung bes 
Drenfgen. =) Die Bildung, Xusbilbung , Wervoltommmung des 
Menſchen, defonbers dem Seiſte nad. „Gebraucht das Feuer, bas 
un Prometheus beadite für eucht iaſſet es heller und fhöner gläns 
wen: benm es if bie Blamme der immer fortgehenden Menſchenbil⸗ 
bung.” Herder. 3) Die Bildung, Geftalt des Menſchen. 

O Der Menfchenblafenbandwurm, —ı, 4. —mwürmer , «ine 
Urt Blafenbandwürmer, bie unter ber Haut eines inneren Thelles 
Des menfhlihen Körpers, auch wol mitten im biefen Zeiten ſelbſt, 
» 8. In ber Leber lebt. . 

Das Menfhenbiut, —es, 0. My. das Mint des Venſchen; uneigents 
Ud, das Sehen eines Menfhen, Menſchenblut vergiefen, einen Mens 
ſchen verwunden, unb in engerer umb gewöhnliher Webentung, 
ihm töbten. „Wenn nur bie eingeführte Religion nachher nigt mit 
fo vielem Menfdyenbiute befiegelt worden wäre.“ Herben. 

Die Menfenbläte, 3. u. ı) Die Biäte, der blühende Zuſtand, 
bas Eräftige Schen und Wirken bes Menſchen. 

Menfcyenbikte (if) wie bie Wiume des Beides. Derben. 
2) Die Blüte der enfhen, d. h. die Braftpolifien, ſchoͤnſten Men« 
ſchen in der Blüte ihres Lebens. 
Biöte und Frucht prangende Mefpeade uns eines ehzenfaften Mans 
ges unter ben geittrelchen Wölkern umper, ja viellelcht bes Metteis 
fees mit der Menſchenbluͤte des Aiterttums wärbig macht · ıc. Bof. 

O Der Menſchenbruder, —, 3. — drüber, ein Menfh als ein 
Bruder des andern betrachtet. „Wift bu, Lefer, mein fo treuer Er⸗ 
degefährte und Menfchenbruder, for x. Herber. 

& Die Menfchenbruft, 9. —brüfte, bie Wruft des Menfden, als 
@ig feiner Gmpfindungen, „— baf er — bie weiteflen Himmel in 
fh trug, ben bie enge Menfchenbruft umfpannen fanı.* I. 9 
Ridter, Daun, ber Menſch ſeibſt. „Die Ratur ſelbſt weite feis 
men (bes Befäpis) zauberifhen Wiederhafl in ber unverborbenen 
Menfhenbruft." Benzel:&ternam, 

X Das Menfchendenten, —®, 0. 9. das Gedenken, Erinnern der 
Menihen; auch Menſchengedenken. Geit Menfchendenten, feit 
Dienfden denken Tinnen, fo lange her als fih Menſchen erinnern 
Einnen. 

Seit Menſchendenken war kein foldes Thier erfäienen, Herder. 


Menfchend 


Der Menfhendieb, — es, 4. — . 1) &, Menfhenräuber. =) 
+ Ein Name ders Seidelt aſtes. Nemnid, 

Der Menfhhendiebfiahl, — es, 94. —biebftähte, ein Diesftahl on 
Minfhen begangen, die Handlung da man Menſchen gleichſam flichit, 
heimlich in feine Gewalt bringt, Gtieler, 

Wenſcheut auf 

und Menſchendiebſtahl traf bes Bannes Fluch. Gerber, 
A Menfchenerbaltend, adj. u. ad. die Menfden erpaltend. 
Freuadliche Schrift bes Befegen, des menfhenerhaitenden Bot: 
tes. Stiller. 

© Der Menfchenerziehber, —s, Pa. gl.; die —inn, Dy. —ın, 

' ein Erzieper, eine Ersichtrinn ber Menſchen, bes Menſchengeſchlechts. 
Roth, biefe große Menſchenetzie herinn. — nicht vor Iret,ämern 
zu bexahren iſt bie Pflicht des Menſchenerziehers, ſondern den Irs 
wenden zu leiten" ꝛxc Wöthe, 

O Die Menfchenergiehung, 9. u. bie Erziehung, Bildung und 
Berochlommaung ber Meniden, bes Menſchengeſchlechtä. „Hier (bas 
Paraties) iſt Menſchen⸗ und Botteshaus, Pier iſt die heilige Stätte 
der Menfenerzichung.* Herder. 

O Die Menfdenfamilie, 2. u. alle Menſchen, unter bem fhdnen 
Wilde einer einzigen großen Familie gedacht. „Die Ungercdhtigfeit, 
Unbern ein GIüd zu beueiten, meldes ihm entriffen war, unb durch 
Krinkıng der großen Menfchenfamilie in der Heinren eignen zu 
zäden, tonnte nie in Duberts fchöner Gerle einheimfh werden.* 
BenzelSternau. 

Der Menſchenfeind, — s, 94. —e; die —inn, By. —en, ein 
Feind, eine Feindinn ber Menfhen, eine Pırfon, welche Menfhen 


264 


Menfcheng F 


3er Menſchenfteude. — Herber, 

Der Menſchenfreund, —es, My. —e; die —inn, BY. —en, ein 
Freuad,, aAne Freundien aller Diesfhea, eine Parſen, welcht alle 
Menſchen als Drenjhen liedt, ihnen wohl will und dieſes Wohlwol⸗ 
len in allen Fallen thätlich zu deweiſen ſacht Philanthrop). 

Menſcheufreundlich, —er, —jie, adj. u. adv, dem Menſchenfreunde 
gemap, gegta alle Meuſchen Labe und Wohlmollen empfindend unb 
äugeenb, uns in dieſer Beflenung gegrändsr. Einen menſchenfreund⸗ 
lic; befandeln. Wine menſchenfteundliche Behandiung. 

Die Kenfchenfieundlichkeit, 0. By. die Eeflanung und bie Dans 
Delmsife eines Menihenfreundes (Pnilanthropie, Humanität). 

Die Menſchenfrucht, 24. —frücte, ein ungewöpaliäes, 4 Mof. 
13, 15. 46 torfommendes Wort, die Leibedfscht eines Menſchen, 
sin Kınd zu bezeichnen, 

Die Menſchenfurcht, o. 9. die Furdt vor Menſchen, tor ihren Urs 
iheilen, ihrer Werfolgung ıc., beſonders fofern-man ſich dadurch wene 
micht vom Ahun des Guten und Wahren dech vom freien Bekennen 
befjelben abſchtecken laͤßt. Opne Menſchenfurcht für Recht und Wahr⸗ 
heit Ipreten und hanbıla, f 

O Die Vienfhengattung, 84. —en, eine Gattung von Menfden, 
fo vier als Menftienast, meron eö fi bioß dadurch unterfcheitet,. daß 
es eine größree Menge ven Cinzelwefen als bie Art in fich begesift, 
da an einen fhärfern Unteefhieb, ben man in bar Naturbefgreidung 
swifgen Gattung und Art mat, bier nicht gedacht wird, „Mir 
blutet bas Herz, wenn ich alle die fhauberhaften Grenen (Xuftritte, 
Vorfäne) in fo viel Zahrtaufenden, Ländern und Menſchengattun⸗ 
gen Überfepe.t Herbder. 


eis Menfchen haft; ohne ihnen übrigens Leib zuzufügen (Misan- A Das Menfhengebein, —s, 4. —e, bad Bebein bes Mens 


throp); mie aud, eine Perfon, melde aubern Menfhen nichts Bus 
tes gönnt, fie verfolgt, ihr Gluͤck zu Aören ſucht. 

Menſchenfeindlich, —er, —ſte, adj. u. adv. einem Menſchenfeinde 
gemif, Meuſchenftindſchaft jeigend,, barin gegrüändet. Ginen mens 
ſchenfeindlich bebanteln, Ein menfchenfeindlides Werfahren. 

Die Menſchenfeindlichkeit, o. WM. die Geſinnung und bie Haubel⸗ 
meife eines Menfhenfeintes (Misanthropie). 

O Die Menfenfeindfchaft, o. 9. die Ftindſchaft, feindfelige Ger 
firnung gegen bie Menſchen. „Bel Swift war diefe Menfhenfeind» 
ſchaft niht witzigt Laune, fonbern ein bitteer Gern,“ Derber. 

& Menfhenfern, adj. u, adr, von Menfgen fern, von Menfhen 
fi entfernt haltenb, 

Wo Freud’ und Ruh erihimmern , 

\ Dem menfhenfernen Bram. Juſti. (M.) 

Das Menfcenfleifh, —es, 0. Di. das Flelſch des Menfhen, bie 
musteitgen Ibeile des menfhlichen Körpers. 

O Die Menfchenform, 9. u, die Form, bie Geflalt, äußerlide 
Burung des Wenfhen. „Das urfprängliäe heilige Rachbild Bots 
tes (?), die Menſchenfotm. Herber. ' 

Der Menfchenfrefler, —s, 3%. al; bie —inn, 39. —en. ı) 

- Menfhen welche anbere Menfhen freffen, d. bh. fih vom Menſchen⸗ 
fleifhe näheren, wie von wilden Vbikerſchaften geſchah und noch ges 
fchleht, welche ihre @rfangene ıc. vericheen (Anthropophag). 2) 
Ein Name des Menfhenbates, 53) Bin Mame des Kahlkopfes ober 
Brofitifden @riers (Vultur aura); aud Aasgeier, Luberrabe, Ins 
diſcher Bußart. 

X Die Menſchenfreſſerei, 29. u. das Freffen ober fen bes Men: 
fhenfleifges, die abfcheulihe Gewohnheit mander mwilben Bölkerfhaf: 
ten, Menihenfieiih zu einem ihrer Roabrungsmittel zu gebrauden 
(Anthropophagie}, 

Die Menfhenfreude, My. —n, eine Freute für Menfhen, Alles 
was Menfhen erfreuen fann. Menfchenfreuden und Menfhenleiten, 
fe vergeben geſchwind unb bleiben nur im ber Grinnerung. 

— Eier fühlt wie bu 
Den zauberifchen Mahnfinn wohlzuthun 


fhen; uneigentiig, der Menſch ſeibſt. bite fahrt Schauer durch 
Menfhengebeine, und ewige Worte verlient nie cure Rraft.* Herder. 

A Das Menſchengebilde, —t, 4. gl. das Gebilde, bie Geſtalt 
des Werſchen. „Mit heiligem Ernfte treten wir zum Elymp hinauf 
und fchen Götterformen im Menfhengebitde.r Herber. 

Das Dienfhengebot, ed, By. —r, ein Gebet, welches Menſchen 
gegeben haben, beſonders fofern es einem göttlichen Gebote wider⸗ 
ſprichtz in Gegenfag eines ſolchen göttlichen Gebotet, 

Das Menſchengedenken, —s, 0. Bi. ſ. Menſchendenken. 

O Menfchengefälig, —er, —fle, adj. u. adv, gegen bie Menden 

gefälig; befonders im engeren umb ſchlimmer Bedeutung, gegen 

Menſchen mehr gefälig, als gut und recht if. „Run barf fih doch 

kein menfhentiebender, d. h. menfchengefälliger Throlog (Sottesge ⸗ 

letzter) bes verzweifelten Einbifien Erüds ſchaͤmen.“ Herder. Dar 
von bie Menfhengefälligkeit, ; 

Das Menſchengefuͤhl, —es, Wz. —e, bas Gefühl bes Menſchen, 
ſowel das Bermögen zu fühlen ober zu empfinden, wie auch, «ine 
einzelne Erregung und Außerung dieſes Bermögend. Alles Men« 
ſchengefuͤhl ift im item erfiorden. Im engerer Bebrutung, bad Ges 
fühl des Menſchen für Alrs ober bie Theilnahme on Alem, was 
den Meuſchen eigen, wichtig if, ibn angebıt (Humanität), „In weſ⸗ 

fen Herz Rotor und Menfhengefühl exftorben iſt.“ G, 

Gingefroren faben wir fo Jahehunberte farrın, 
Menfhengefühl umb Vernunft ſchlich nur verborgen am Grund. 
j @dthe _ 

Der Menfchengeift, —es, 3. —ır, ber Beift, die Seele des Mens 
fen; befonders fein Berfland, „Die Meiterftüde bes Menfchens 
geifle® entflanden ums einzeinen glücktichen Idten“ (Wesfleilungen). 
Benzel⸗Sternau. Auch wol ber Menſch ſelbſt. 

Das Menſchengemuͤth, —es, 3. —er, das menſchtiche Gemüͤth, 
dad Bemüth bes Mernſchen im ganzen edlen Sinnt des Wortis Merſch. 
„Da fih Domers Iliabe einem großen Thrile nad, mit biefem Be= 
mehel beſchaͤſtigt, fo wird das Menfchengemüch bet Dichters bier 
vorzüglich fühlber. Seine Todten laͤßt er nie als Spiere fallen,“ 
Herder. 


0 


Menſcheng 


© Der Menſchengenuß, —ſſese, 9. —senüffe. 1) Der Genuß 

bes Menfhen, b. h. die Freude Über alles Bute und Schoͤnt am 

" Menfhen und über das Bute mas ihm wiberfährt, bie Theilnahme 
daran; ohne Mehrzahl. „Entreiße dich vom Beit zu Zeit ber Geſell⸗ 
ſchaft von Berftorbenen, um in dem Umgange mit Erbenben bein 
Herz buch Menfchengenuf zu laben.“ &, =) Ein Genuß für Mens 
(dem, eimwas bad bem Dienfihen Vergnuͤgen gewährt. 

O Das Menſchengericht, —es, 3. —e, ein über Menſchen gehals 
tenes ober zu haltendes Gericht. „Biche da den Aufſchluß ber Rede 
Gottes Äberbas ſchrecliche Menfchengericht* (die Sündflut). Herber, 

Das Menfhengeripp, —es, 2. —e, bas Geripp eines Menfhen 
(Skelett). j 

Das Menſchengeſchlecht, —ıd, 2%. —er und A —e, das Geſchlecht 
ber Minfhen, ſowol bas ganze menfhliche Geſchlecht, alle Menſchen 
zuflammengensmmen , als au, ein einzelnes Gefhleht ber Men⸗ 

ſchen ; im erften Falle ohne Mehrzahl. Je mehr das Menſchenge- 
ſchlecht zunimmt, deſto mehr Reiz und Stoff zur Sunde. Herder. 
uxiel blidt' auf bie Seelen ber künftigen Menſchengeſchlechte 
Rieber, — Klopfod. 

Das Menfhengefed, —es, 3. —e, ein von Menſchen gegebe: 
nes Befeh; zum Unterfhiebe von einem göttlien Befege, Stieler. 

Das Menfcengefiht, —es, 9. —er, das Gefiht eines Menfhen; 
bann, X ein Menſch ſelbſt. An Unterkehlen, an Augenbraunen, 

An offen Mäulern, bie fies erftaunen, 
Ertenn’ ich das Menfhengeficht. @iefete. 

O Das Menfchengefpenft, —es, 34. —er, ein Menſch wie ein 
Grfpenft, gieich einem Geſpenſt, fo Häßtih, fo ſchrectich 10.5; wie 
auch, ein Wefpenft das ein Menſch if. — vor ber langen Bahn, 
die er mit dieſem Menfchengefpenft ober Befpenfimenfhen burd« 
wanbern fol." Bengel»Bternau, 

Die Menſchengeſtalt, 9. —en, bie Seftalt eines Menfden ; dann, 
ein Mensch feld, oder ein Welen in Menfhengeftalt. Edle, ſchoͤne 
Menfchengeflatt! Man fah im graulichen Schatten Menfhenge 
ffalten einherſchreiten. 

OX Das Menfchengetreibe, —®, 0. 29. bad Treiben, d. h. bas 
hun, das Handeln ber Wenfhen unter und gegen einander; auch 
das Menfdentreiben. „Gelhäfte folten mir Berfireuung gewähren, 
das Menfhengetreibe entwidelte feine Gchlangenwendungen von 
neuem (von neuen) vor mir," Bengels®ternau. 

O Das Menfhengetümmel, —s, 0. 3. dad Betümmel vieler bei und 
mit einander lebender Menſchen, das geraͤuſchvelle unrupige menfhlähe 
Leben in ber Geſellſchaft. „Die Ausfteuer ber Mutter Natur begleitet 
und in Welt: und Menſchengetuͤmmel.“ Benzel»@ternan. 

Die Menfhengewalt, 0. Bi. die Gewalt der Menſchen. Stieler, 
Ich Rebe aicht in Menfchengewalt fondern In Gottes Gewalt. 

a Das Menſchengewebe, —s, My. gl. ein Gewebe, ein Gebilde 
ber Einbildung ber Menſchen. 

Wenn ex (der Weile) das Menſchengewebe ber Erdeſtligkeit ftie⸗ 
het. Kiopftod. 

Das Menfchengewühl, —es, 0. 4. das Gewägl von Menſchen, 
eine große unzählige Menge dicht bei einander befindliher Menfhen. 

O Dad Menſchengewuͤrm, —es, 0. Dt. tie Menſchen in ihrer 
Niedrigkeit und Rihtigkeit, verähtlih mit dem Gewärm verglichen. 
„D Liete — herrlichſtes aller Befäple, nur dem Menfchengemürme 
unbegeeiflih, bas Über ben echten Sinn beines Namens — hin: 
Hriehtrıc. Thämmel. Inbemfelben Einne wird ein einzelner Menſch 
ein Menfhenwurm, Menfhentwürmdhen genannt, , &, Wurm, 

— bes wimmernde Menfhenwärmhen. Sonnenberg, 
Drenfchengleich, adj. u. adr. dem Menfhen oder ben Menſchen gleich 
oder auch nur aͤhnlich. 
Das Richteramt wird hier beftellt 
Dur menfchengieiche Bäume, Hagedorn. 
Das Menfhenglüd, —es, 0. Mj. das SIäd, die Biädfetigkrith: 
Gampe's Bözterd, 3. Th 


265 


Menſchenh 


Menſchen. „Die feligfte (Thaͤtigkeit iſt bie}, welche, alles Antere 
vergiffend, Menfhenglüd ſchafft. Benzel:Bternam 

O Die Menfhengröße, co. 2%. bie gemögnlihe Grlge, Böhe des 
Menfhen. In Menfhengröße. Uneigentlih, bie Hoheit bes Bene 
fhen in äußern Werhältniffen, der Macht, ber ihre ıc. 

— 0 mas iſt Menfchengröfe! Schiller. 
Noch mehr aber, bie Exhabenheit bes Menſchen im fittliher Hinfiht, 
hohe ſittliche Würde bes Menſchen, im Menfhen, 
Daß du das Ideal der Menfhengröße 
Im Bufen mir erfhüttten wilſt. Gollin. 

O Die Menfchengruft, Di. —gehfte, eine Gruft In welder tobte 
Menfhen ruhen ober ruhen folen, Uneigentlih, ber menfälihe 
Körper fefern ex ald eine Gruft des benfelben bewohnenben Geiftes 
zu betrachten iſt, wenn biefer dem finnligen Neigungen und Begier⸗ 
ben beffelben unterliegt. „Und plöglih wird bas ſtotze Bölterhaus 
zur übertönchten Menfhengruft." Benzel»-Sternau. 

Die Menfhengunft, 0. 9. die Sunſt deu Menſchen, der Menge, 
Beifal bes Brewiffens erhebt über ale kleinliche Menfchengunft. 

O Die Menfhengüte, o. 2%. bie ſittliche Güte, das Gutfein dee 
Meunſchen. o wie lohnt 

Die Menfhengäte! Herber. 

Das Menfhenhaar, —ıs, 4. —e, das Baar vom einem Mine 
(hen, befonders auf bem Kopfe beffelben. 

Der Menſchenhai oder Menfhenhaififh, —es, 2y.—e, tie gröäte 
und gefähztigfte Art Halfifhe, beffen weiter Rachen mit drei Reihen 
ſcharfer Bühne befegt ift, und welche ben Menfchen befonbers, bie ex ganz 
verfhlingen kann, gefährlich ift (Squalus carcharias L.); auch ber 
Menfchenfreffer, Sonashai, Meervielftaf, wegen feiner Sefraͤtigkeit. 

Die Menfhenhand, 9. —hände, bie Hand eines Menfhen; dann, ein 
Menſch felbſt, fofeen man auf feine Geſchlcklichkelt mit ben Bänden befon« 
dere Roͤgſicht nimmt. „Von Menſchenhaͤnden gemaht.“ Pf. 115, 4. 

Der Menfhenbandel, —s, 0. 9. (M.) der ſchaͤndliche, bie Mens 
fen entehrende Handel mit Menfhen, ba Menſchen wie Vieh oder 
Baden verfauft werben. Der Sflavenhandel, biefer entehrende , 
Menfchenhandel, Auch uneigentlih, Wirte Kıteen treiben mit ihrem 
Kindern, befonbers bei ihrer Berheiratsung, nch Menſchenhandel. 

Der Menfdienhändler, —s, 2. gl.; bie —inn, 3%. —en, eine 
Perfon welde Menihenbandel treibt. „Sr kaufte fie fammt und 
Tonbers dem Menfchenhänbter ab." Meißner. (A.) 

Der Menfchenhaf, —ffed, o. 29. der Haß gegen andere Menſchen 
als Menfhen, ber, befonbers wenn er ſich thätlih Äufert, auch 
Menfchenfeindlichleit genannt wird (Misanthropie), „Menfchen: 
hab und Hexe.“ Rogebue. 

Der Menſchenhaſſer, —, 9. 91. ; die —inn, 2. —en, eine Pers 
fon, welche bie Menfhen als Menſchen haft; au, befonbers wenn 
diefee Haß fih thaͤtlich äußert, der Menfchenfeind (Misanthrop). 

Der Schalksfreund, Bilz und Menſchenhaſſer. Bagedorn. 

Die Menſchenhaut, 9%. —häute, die Haut, äußere Bedeckung bes 
menjblihen Körpers. X In der Menſchenhaut fteden, ein finnik 
er, ſchwacher Menih fein, der Leit fehlen kann zc, 

Ein Heid fo groß ex if, ftedtt in der Menfhenhaut. RLShmidt, 

O Das Menfhenbeil, —es, © 4. das Hrü, bie Wohlfahrt der 
Menfhen. Bon füher Arbeit Nicht die Beit, 

Die immer fiehtente, ben Rrany 
Dem Menfchenbeil. Herder. 

Die Menfchenberbe, 34. —n, eine Herde von Menfäen, eine Menge 
bei einander befindlicher Menfhen, ein [dom Eyed. 36, 57,38 vor 
kommendes Wort, Befonbers eine Herde, ein Haufen als Bich oder 
idrer Wreiheit und Würde beraubter Menfden, „Aber bie bumpfe 
Menfhenherde hebt ein wenig den Kopf von der Meide verwundert 
auf und bädt fi wieder und frißt weiten“ J. P. KRichter. 

Der Dränger treibt die arme Menſchenherde. Gollin. 
Das Menſchenherz, end, Di. —eın. 1) Das Herz eines Menfgen; 


34 


| Menſchenh 


zum unterſchlebe urn einem andten Herzen; eigentlich anb uneigentlid. 
— Dich ſchmiegen ihre Gerzen 
Sich an ein Menſchenherz nur deſto ſtäͤrker an. Bieland. 
Befonders, die Geſuͤhle und Neigungen des Menſchen, ſofern man 
ihren Sit in das Her; verlegt, 
Dos Menſchenherz 3 
Erweittert euren (ber Künftler) Shöpfungsfreis. Schiller. 
2) Der Name einer Herzmuſchel, weiß ober gelblich mit rötplihen 
Punkten (Cardium cardissa), 

O Menſchenhold, adj. u. adv, holb gegen Menihen, Halb, Liebe 
gegen Menfhen hegenb und beweifene. „Die gute, mienfhenholbe 
Frau.® ungen. . 

- & Die Menſchenhuld, 0. 2. die Held, bie thätlie Liche gegen 

Menfhen. Durch Opfer nicht, darch Menſchenhuld. Ramier. 

„ Die Menfchenhülfe, 0. 2%. bie Hätfe, welche Menſchen leiſten koͤn⸗ 
nen, Hier it ale Menfchenhülfe au ſchwach und vergeblich. 

& Die Menfhenbülle, 34- —n, die Hüle d. h. der Körper des 

Menfſchen, weichen gleihfam eine Hülle bes Geiſtes iſt. 
Aber ba nur in des Menſchenhuͤlle der Hüter fein Schuttkiad 

s Beber umarmt, ®onnenberg. 

Der Menſchenhuͤter, —6, 3. u. rin Hüter, Auffeher, Beſchützer 
der Menfden, eine Hiob 7, zo und in Kirchenliedern vorlommende 
Benranung Gottes foren er die Menfchen unter feiner Obhut hat, 
fie bepätet. „Dem treuen Menfhenhüter,“ in bem Kiegenliebe: 
Mad auf mein Her; und finge ıc. 

O Der Menfchenlauf, —8, Bi, u, bes Kauf, bas Kaufen und 
Berkaufen ber Menſchen. 

a — Menfchentauf 

' unb Menſchendiebſtahl traf bes Bannıs Fluch. Herber. 

Der Menſchenkenner, —s, 3%. 91. ; bie”-inn, 94. —en, ein Kıns 
ner, eine Kennerinn ber Menfhen, ‚eine Perfon, bie turd bäufigen 
Umgang mit Menſchen aller Urt und buch aufmerlfame Beobachtung 
derfelben, bie Ratur bes Menfhen und bie Art und Weife bes ten: 
ſchen Überhaupt in ben verfhiebenen Berhältniffen und Fällen bes 
Sebeus zu denken unb zu handeln kennen gelcent bat und demnach 
einzelne Menfdhen ziemlich riätig zu beurtheilen in Stande iſt. 

Die Menſchenkenntniß, 3% u. die Renntnif der Menſchen, bie 
Millenfhaft bes Menſchenkennere; aus Menfchentunde ©. b. und 
Menſchenkenner. Sich Menfchentennenif erwerben. Biel Mens 
ſchenkenntniß haben, befiten. 

Dad Menſchenkind, — es, 2y. —ır, das Kind eines Wenſchen; 
bann überhaupt ein Menſch, fofern er ein Kind anderer Menihen 
ift; ein Wort, weldes gegen Ab. Behauptung, daß es veraltet fei, 
lowol im gemeinen Leben, als auch in ber leichten und eblen Schreib⸗ 
art häufig genug vorfimmt. „Schnorr war bir erſte, ben ih aufs 
ſuchte und das enthuſſaſtiſche (feurige) Menſchenkind warf komiſch 
(auf eine luſtige Art) dem Pinfel weg." Seume. 

Bin ich vielleicht hier made bei zebenben Menfchenkindern? Voß. 
Bat Blumen, rief er, — hört es Menſchenkinder, 
Bei Blumen biähen für den weifen Finder, 
Eie deigen Hoffnung und Senuß. Schilter. 
Döufia wird Menſchenkind ſowor ſcherzweiſ⸗, als aud Im Unwillen 
gthraucht. Was fagft ba nun, Menfhentind? Menſchenkind, mas 
haft Hu ba gemocht 

Die Menfibenklaffe, 9. —n, eine Klaffe von Menſchen, viele Men, 
fhen *tiner Art x. als ein Gomzes zufanımengefast. „Sollte «8 nie 
auch Menſchenklaſſen nah Ratursigenftaften gebm?" Herder, 

Der Menſchenkopf, —es, 2. —koͤpfe, ber Kopf eines Menfhenz 
bann, ein Meuſch ſelbſt, fofeen man beſonders auf feinen Kopf ober 
Berftind Ridlihe nimmt „Das biöher eine Reihe würbiger und 
unmärbiser Menfchentörfe fo isee aeleitet.* Herder. 

X Der Menſchenkoth, — es, e Mm der Roth, der Xusiwurf def 
Venſchen durch dan After, E ber Menſcheudteck. 


265 __ 


Menſchenl 


Die Menſchenkraft, Da. —ktaͤfte, bie Kraſt bes Menſchen. Er 
that, was Menfchenträfte vermögen. 

Die Menſchenkunde, o. B- bie Kunde oder inwohnenbe Keuntniß 
fowoı tes korperlichen und finnligen als auch und befenders der geis 
figen und fittlihen Ratut ber Menfhen und ber Art und Weiſe 
berieben in den verfhiebenen Berbältniffen und Zufländen bes ke— 
bens zu denken und zu handeln, Menſchenkunde befigen. „Berade 
bie wichtigſten Epowen (Zeitrdͤume) der Römiihen Geſchichte für öfe 
ſentliches Reht und Menſchenkunde — bes Livius — find verlgs 
zen.’ Geume. (R). . 

O Menfhenktundig, —er, —fte, adj. u adr. Menſchenkunde bes 
fgend. Davon ber Menfhentundige, rin Menfh, ber Menſchen⸗ 
Bunde befigt, ein Menichentenner, 

O Der Menſchenkundiger oder Menfchenfündiger, —6, 99. gl. 

ber Menſchen auszukunden verſteht, ber vermöge feiner Menfden« 

Zunde bie Menſchen zu erforfhen und zu prüfen verftehet . 

Die Menſchenkunſt, By. —kuͤnſte, lowol die Kunſt, Kunſtfer-⸗ 

tigkeit des Menſchen Überhaupt, als auch eine einzelne von ben Men⸗ 

Then erfundene, angebauete und ausgeoildete Runft; im erſten Kalle 

ohne Mehrzahl. Durch keine Menſchenkunſt entweipet, Herber. 

Das Menſchenleben, —s, 3. gl. 1) Das Beben, d. h. bie Dauer 
bes Dafeins und Wirkens bes Wenſchen auf Erben. „Kenn ber 
Arzt ein Zeugnis giebt, daß ein Menſchenleben baran hange." J. 
P. Richter. Beſenders mit Beziehung auf bie Kürze dieſer Dauer, 
auf bie Hinfäligkeit bes Menſchen. „Menſchenleben wie Gras.* 
Gerber. In engerer Bedeutung, eine Brit von zo Jahren, auf 
welche man bas Erben eines Menſchen in Durchſchnitt berechnet; ein 
Menſchenalter. Der Menſch, drei Menfhenteben alt. Ramier. 
2) Das Leben ber Menſchen bei unb mit einander, mit Beziehung 
auf bie unter ben Menfhen Statt findenden Berhältniffe, ber fie 
betzeffenden Beränberungen ıc. wofuͤr man gewöhnlicher das menſch⸗ 
liche Leben fagt, Ge geht es im Menſchenleben. Das bringt bas 
Menfcenteben fo mit id. 

Im Menfhenieben, wenn ein Unglückefall 
Das ſchoͤnfte Gluͤck der Sterblichen zerfider. Herber 

O Menſchenleer, —er, —fle, adj. u. adv. leer an ober von Mens 
fhen, @in menſchenleerer Drt, eine menfcheniere Gtabt, ein 
menfhenleres Land, 

O Die Menfcenleere, o. 9. bie Leere ober Ererheit an Deenfchen, 

O Die Menſchenlehre, 9. u. 1) Die Lehre vom Menſchen, feineg 
koͤrperlichen und finnitden, als aud feiner geifligen und fittliäen 
Ratur mad (Anthropologie). 2) @ine Shrift, in welcher biefe 
kehre vorgetragen ift; wo au die Mebrjahl Statt finden konn, 
5) Ein: Lehre von Menſchen erdacht, gelehrt, 

O Der Menſchenlehrer, —6, 99. gl. ı) Ein Schrer ber Menſchen. 
3) Der eine Menfhenlehre zerfaffet, vorträgt, ſchreibt (Anıhro- 
prlog). 

O Menfchenlehrig, adj. m. adr, zus Menſchenlehre gehörig, bieisihe 
betr. ffend (ianthropologisch). 

Das Menfcenteiden, —s, 3. al. ein Leiden, weldes Menften 
teifft oder teeffen kann. @s giebt Menfhenieiden, mit melden kein 
Eher; des Thieres verglichen werben fann. 

Die Menfchenliche, o. 99. bie Licbe zu ben Menſchen, d. h. wohls 
wollende Geſinuung gegen alle Merfchen, verbunden mit Freude über 
ibee Bohifahet unb dem Beftreben dieſelbe mach Rräften zu befbr⸗ 
dern und zu vermehren. us Menfchenliebe etwas thun. Die 
Pflichten der Menfchenliche erfüen. „Man hat bie Lohtprädhr der 
Freundſchaft oft auf Koften ber allgemeinen Menſchenliebe übertrie- 
ben * Mellert. 

Menfchenlichend, adj. u. adv. bie Menſchen liedend, Menfihenliche 
empfi: end und bemeifend, 

O Die Menſchenliſt, Dig. —en, bie Bit eines Menfihen ober der 
Menſchen überhaupt, Was leckſt du meine Brut (bie Bilde) 


Oo 


Menfchen! 


Dit Menſchenwit und Menfchentift 
Dinauf in Tebeeglut? Göthe 

O Das Menfhenlob, —ed, 0. 2. das Lob ber Menſchen, ein Lob 
welches andere Menfhen ertheilen, das Lob der Menge. Erhebt ben 
Hoͤchſten Menfhenioh? Was fragt ber Rechtſchaffene, ber nach Pflicht 
unb Gewiffen handelt nad trüglichem und unfiherem Menfhenlobe, 

O Menſchenlos, —er, —eſte, adj. u. adv. vom Menſchen enthldpt, 
von Fılaın Menfhen bemopnt und beſucht; beſſer menfchenlerr. 

Aus menfhenlofer Höhle, — Blumauer. 
— ba mälsten ib Ozeant 
Ringsum, longfamer Fink zu menſchenloſen Seſtaden. Klopfiol, 
Davon bir Menfchentofigteit, 9. Di. ber Buftand eines Ortes ı. 
ba er menfhenlos ıfl. 
O Das Menſchenlos —et, 3. u. bad 206, der Stand, Zufland 
ber Menſchen. 
Du flirfeft graufam mid zuräde 
Ins ungewiffe Menſchenlos. Gbthe. 

Die Menfchenluft, 9. u. bie Luft, ein lebhaftet Wergnägen, wel: 
ches Menſchen eräpfinden ober empfinden Binnen, wie auch eine Luſt, 
Die ih Menſchen maben. Stirler. „— als wären fie fanfte Kin: 
ber und fäden fehr gern Menfchen and Menſchenluſt.“ I.P.Rihter. 

©X Der Menfhenmelter, —, Wa. gl. einer der die Menſchen 
meltt, b. $. — „Die Menſchenmelker auf Throuen und 
Ritterfiten,® 

Die — — ig. u. eine Dinge von Menſchen. Eine ſolcht 
Dienfhenmenge fah ih no nic auf Eiuem Plage verfanmelt, 

Die Menfchenmilch, ©. 29. bie Mild einer weiblichen Perfon; zum 
Anterfhiebe von der Thiermild,. 

X Menfhenmöglih, adj. u. adr. einem Menfhen möglich; in der 
gemeinen Sprechart auch menſchmoͤglich. Sich ale menſchenmoͤg ⸗ 
liche Muͤhe geben. 

Der Menſchenmoͤrder, —s, 24: gl. 1) Einer der Menſchen mor⸗ 
det. 2) Ein Name des Seidelbaſtes. Nemnid, 

Menfhenmörderifch, adj. u. adv. bie Menfhen morbend; gleich eis 
ven Benfhemmörber, in ber Seſinnung eines Menfhenmörbers ges 
gründet. 
und Weiber,“ 3. 9, Riäter. 

Das Menfchhenmufter, —S, @Wp. al. das Mufler eines Menfhen, für 
einen Menſchen, wie aub, bas Mufer zu einem Menfhen, ein 
Wort, weihes wie E, bemerlt Herder in bee folgenden Stelle 
füslich anfatt bes darin gebrauchten fremden Hätte fegen koͤrnen: 
„In jener Periode (jemem Zeitraumt), ba ſich alles bilbete, bat bie 
Ratur ben Menſchentypus (das Menfhenmußter) fo vielfach ausgedil- 
bet, als ihre Werkſtatt es erfoberte und zulleg.* 

Der Menfhenname, —ns, M. —n, ein Rame für Menſchen. 
Stieler. Dann bie Benennung Menfh, Richt den Menfhen« 
namen verbiemen, mit verdienen ein Menſch genannt ju werben, 

O Die Menfhennatur, Mg. —en, Sie Natur bes Menſchen, ſowol 
In Aufefung feines Körpers, bee bamit verbundenen Siuglichteit, 
als auch In Anfehung feines Gelfles und ber bamit verbundenen 
Bittlihfeit, in ber Mehrzahl nur daun gebräuchlich wenn von ber 
eigenthämlichen Ratur einıeiner Menfhen bie Mebe if. Menſchen ⸗ 
natur annehmen, eim Menfh werden. „IH will Menfhennatur 
faugen und mir wohl fein laſſen.“ Benyels&ternau, 


O Die Menfhennaturlehre, 94. u. bie Roturlchre bes Menſchen . 


ober menfhliken Körpers, die kLehre von der natärlihen Einrich- 
tana und Befhaffenpeit bes Menſchen (Physiologie). Kinberling. 
Das Menfchenopfer, —s, 3. gl. ı) Ein Opfer, das in Menſchen 
deſteht, eine Xufopferung von Menſchen. Stieler, 
— und nicht ein Fußbreit Erbe ; 
Gmoan en ihm das grauf: Menfhenopfer. 
s) Ein Menſch, als ein Opfer betrachtet, 
X Das Menfchenpad, —es, o. By. die Menfhen, wenn von ihnen 


Schiller. 


— — 


»— über den menſchenmoͤrderiſchen Widerfinn ber Höfe 


Menſchenſ 


mit großer Verachtung geſprochta wird, „Das Menſchenpack fürch⸗ 
tet ſich vor nichts mehr als vor bem Berſtaube.“ Göthe. 2 

Die Menfchenpflicht, 29. —en, die Pflichten, melde bem Menſchen 
als Menfhen obliegen, welde bie allgemeine Menſchenlleht vor 
ſchreibt. Belne Menfhenpflichten erfuͤllen. 

O Der Menſchenquaͤler, —s, 4. al. ; die —inn, 9. —en, eine 
Perſon, melde andere Menfhen quälet, „Umpfange Weh für Wep 

ha Menfhenquäteri* Benzel: Gternau.- 

Der Menfchenraub, — s, 9. u. ber Maud, die gemaltfame Ente 
führung, Wegnehmung eines Menſchen. 

Der Menfhenräuber, —6, 2%. gl. ber einen Menfhenraub bege— 
Set; wofür in der Biber nicht gut ber Menſchendieb gebraudt wird, 

Das Menfhenreht, —s, 34. —e. 2) Die jedem Menfchen ale eis 
nem vernünftigen unb freien Weſen zuſtehenden natärlihen KRechte. 
Setine Menſchenrechte vertgeibigen, zurücfedern. Fir Menſchen⸗ 
recht kaͤmpfen und bluten. =) Gin von Menſchen gegebenes Recht, 
Geſe. „Was für ein elendes Menſchenrecht— ic. Serben. 

O Menfchenreih, —er, —fie, adj. u. adv, reih an Menfhen, 
viele Menſchen enthaltend, von vielen Wenſchen beſucht, bewohnt, 

ine menfchenreihe Stabt, ein menfhenreiches Sand. 

O Das Menfchenreih, —es, . u. ale Menſchen zufammenges 
nommen und Ein Reich, Ein Ganzes bilbend, die menfhlihe Geſell⸗ 
ſchaft. Das innere Menfhenreich, uneigentlih, bas Innese des 
Menfden, feine Empfindungen, Reigungen, Begierben, Gebanfen, 
Entfhläffe ıc. welche gleichſam das Reid in feinem Innern ausmar 
Gen, in welhem feine Vernunft hersihen fol, „Diefen Erz⸗ und 
Grundhebel des innerm Menſchenteichs (bie Selbfiliche) bezüpre if 
jegt niht.* Benzel⸗Sternau. 

O Die Menfhenfaat, 2. u. 1) Menfhen, mit einer Saat ver⸗ 
glihen, bie dem Tage ber Ernte, ihrer Bollendung, entgegenwads 
fen unb enitgegenzelfen. e) Eine Saat zu ober von Menſchen, eine 
Saat, woraus Menſchen erwadhlen follen. 

— und bie Erb’ mit draͤngendem Pfluge fih Öffnend, 
Streut’ er Menſchenſaat, die befohlenen Zähn' (bes Drachen) in 
die Furden, Bof. 

© Die Menſchenſatiheit, o. Bi. bie Sattheit, ber Überbruß om 
dien Menſchen und ihrem Umgange, „Bollte Menſchenhaß — ober 
nur Menfchenfattheit Mb deines Herzens je bemädhtigen, fo 1." €. 

Die Menfhenfahung, Di. —en, eine Gagung, bie von Menſchen 
herrüßret, ein von Menfhen gegebenes wilführlides Gebot; eine 
von Menfhen feſtgeſetzte Lehre z deſonders in Begenfag ber göttlichen 
Gebote ıc. 

Put! ford ein Mann flirbt Hungers, weil er nur, 
Was Bott gefagt, nicht Menſchenſatzung lehet! BR. 

Der Menfhenfauger, —s, 9. gl. fo viel als Biutſauger. S. b. 
Uneigentlih, ein Menſch, welcher Antre gleichſam ausfanget, ihnen 
alles das Ihrige nah und na auf eine mehr oder weniger gemalt 
fome und bräcenbe Art entziehet. Auch O Menſchenmelker. S. b. 

Menſchenſcheu, —ır, —fr, adj. u. adv. fen vor den Menfgen, 
die Menſchen ſcheuenb, das Zufammentreffen unb ben Umgang mit 
ihnen angſtlich vermeibdend. Dienfchenichen fein. Ein menfhen: 
ſcheuer Mann. 

Die Menſchenſcheu (Menſchenſcheue), o. 9. bie Scheu vor Mens 
ſchea. Aus Menfchenfhen etwas nit tbun, aus furchtſamet Mäde 
fiht auf anbere Menfhen. WBefonders, biejenige Schtue vor Dem 
ſchen, ba man fie und ihren Umgang ängflid vremeitet, Da alle 
äpnlihe Wörter, 3. B. die Reue, Leſe, Sche, Meile ıc. das weib⸗ 
Ihe Endse daben, fo ift nicht abjufehen, warum wir ten D. Gas 
fen zu gefallen die Scheu, und niht and die Scheue, fagen 
mäßten. 

X Der Menſchenſchinder, —e, 294. ol. ; de —inn, Pi. — em, eine 
Perlon melde andere Menſchen ſchinbet; faſt nur uneigenttih, Fine 
Perſon, welche Andere auf die empfindlihfie Art plagt, fle auf bas 


Menſchenſ 


granfamfle bebzödt und allea des Ihrigen gleichſam bis auf bie Haut 
ober mit ber Haut beraubt. 

X Die Menihenfchinderei, Pig. —en. ı) Das Schinden eines Diem 
[hen oder bee Menſchen; ohne Mehrzahl. Die Menfchenfhinderei 
ift bei ben Amerifanifhen Milben weber unbekaunt noch ungewöhnlich. 
Bifonders uneigentli), empfindlie Dinälung, graufame Webrüdung 
anderer Menihen, unb Beraubung alles des Ihrigen, In unfern 
Beiten der Menfhenfäladterei und Menfhenfhinberei. +) Eine 
einzelne folde Handlung. 3) Kann t# auch einen Ort bebruten, mo 
Menfben eigentlih und uneigentli gefhunben werben. 

Die Menfhenihlaht, 9. —eın, bas Schlahten, Abſchlachten bee 
Menfhen, eine blutige Schlacht, ein Kampf zwifhen Bielen, in 
weihen Menſchen von Wenſchen geſchlachtet, d. h. gemaltfamer Weife 
getöbtet werben; wofür man auch ein Menfhenfhlachten und um 
Rirleen Abrheu dagegen ausjubruden Menſchenſchlachterei fagen 
Tora. Gtieler hat Menſchenſchlacht und Menfhenfhlachtung. 

Doch Krirgesmufe finge nicht die ganze Menfhenfchlacht! 
Gleim. 

© Der Menſchenſchlachter, —, 99. gl. einer ber Denfhen ſchlach ⸗ 

tet, eine bitterfhershafte und zugleih wahre Benennung des Sol 


baten. 
Ih war * 
Fuͤr meinen Köalg decißig Jahr 
Ein Menſchenſchlachtet, genannt Solbat. ©, 

Der Menſchenſchlag, — s, 4. u. rin Schlag d. h. eine ſich durch 
manderlei igenſchaften unterfheibende Art von Menſchen. Ein ber 
ber, ein ehelicher Menfchenfchlag. Es unterfheibet ſich von ber 
Urt dadurch, daß man auch nur wenige and rinzeine Menfhen bar 
unter verfichen fann. 

Die Menfhenfeele, 4. —n, die Erele des Menſchen. Die ver: 
nünftige Menſchenſeele. Dann, ein Menſcd, fofren die Seelt fein 
vorzögliäfter Beftanbtbeil iſt. Es war keine Menſchenſetle da, 

— Über daß im ben 
Mich Erine Menſchenſetle je verlleß! 
Das if ein füßer Blick im Tobet Herber. 

© Dir Menfchenfinn, —es, 94. u. 2) Der innere Cinn, der Bess 
Bond bes Menſchen; der Menfchenverftand, „Ein dem unbefanger 
nen Menfhenfinne wiberfpredenbes Urtheil.“ Klinger „Darum 
iR auf tiefem Felde (ber Befeggebung) noch bie reihe Ernte für ben 
enbifanzenen und gereäten Menfhenfinn übrig,” Benzel:Ster 
au, 32) Der Sion, das Befüht für Alles, befonbers edle und 
Ihöne Menſchliche, die ganze Gefinnung des Wienfhen ald Menfhen, 
«is eines vernünftigen, gefuͤtlvollen und eblen Mefens, bie fi in 
allen feinen Handlungen äufret. „D dba wird fie (bie Andacht) tem 
Menfhenfinne, dem moralifen (fittlihen) Gefühle wibrig.* Herden 
Oer ſelbe gebrauchte bafde auch Zinn der Menfchheit (Humanität). 
Dirfer Schriftſteler, welcher Briefe zur Beförderung des Menfchens 
finnes, wie ex anflatt Humanität Hätte fagen Pinnen, geſchrieben 
kat, erkiärt im einer Stelle ben Begriff diefed Wortes fo: Auch ift 
Kumanität (bee Menſchenſinn) niht bloß jeme Leichte Gefaͤlligkelt, 
ein fanftes Bunortommen im Umzange, fo viel Reize dies auch bem 
aäglihen Beben gewaͤhret. Wielmche ift fie subjective (einmohnend) 
detrachtet ein Gefoͤhl ber menſchlichen Natur in ihrer Stärke und 
ehwihe, in Mängeln und Vollkemmenheiten, nicht ohne Einfiät. 
Was zum Gharalter (jur Eigenthuͤmlichkeit und Wefenbeit) unferes 
Geſchlechts gehört, fehe möglige Ausbildung und Brevolllommnang 
deſſelben, dies iſt bas Objekt (dee Gegenſtand) das der humane 
(minfgenfreundtide and gebildete) Marn vor fih hat, wenach er 
Brett, wozu ex wirlet.* C. hat für diefen Begeiff Menſchenthuͤm ⸗ 
uchteit gebittet, Andere gebrauchen bafür auch Menſchenthum, 
Menſchenfteundlichkeit, Menſchlichkeit u. @. C. Verdw. Hu- 
manität. 


Der Menſchenſohn, —es, 24. — ſoͤhnt, der Sohn eines Wenſchen, 


— — 


u 


Menfchent 


ein Menſch in Anfehung feiner Ahkunft vom andera Menfden. 

Menfcenfohne fägten ut — 5. Müller. 
Borzugsweife wird in der Bibel Jefas Kriftus Häufig der Menſchen⸗ 
ſohn, oder des Menſchen Sohn genannt. 

Die Menfchenfpeife, Sy. —n, eine Speife für Menſchen, zum Un 
terſchiede von einer Goͤtterſpeiſt. Stieler. 

Die Menfhenfprace, I. —n, die Eprade, und eine Sprache ber 
Menfhen; in Begenfag der Thierſprache. „Rannft bu dir eine wer 
dende Menfhenfprache beffer denken, als fie hier warb?" Herten 

O Der Menſchenſtand, —es, 3. u. ber Stand bes Menſchen als 
Menſchen, bie Hürde, bie ihm feine Ratur giebt. 

Der Menfhenfland, den Doctor Mandedil 
Und Freund Hans Jack (menn ihn die Laun' auf Biesen 
Bu gehn ergreift) bei uns verkleinern will, Wieland, 

Der Menihenflein, —ıt, 4. —e, bie Benennung aller fleinarti« 
gen ober harten Körper, welcht fih in verfhiebenen heilen bes 
menfhlihen Körpers erzeugen, z. B. Blafenfleine, Gallenfteine :c. 

Das DMenfhenfterben, —6, Bi. gl. das Sterben, und ein Ster⸗ 
ben der Menfhen; in Begenfag von Viehſterben. 

Die Menſchenſtimme, 9. —n, die Gtimme des Menfhen ober tie 
ned Denfhen, Der Menfhenitimme gebührt vor allem, was tös 
net, dee Vorzug. Ih dire Menfhenfiimmen. In ben Orgeln 
it die Menfhenftimme ein Bug, beffen Pfeifen bie Stimme bee 
Menfhen nadahmen. 

© Das Menfchenftreben, —s, 0. 2. bas Sterben, bie Bemuͤhun⸗ 
gen ber Dienfchen, ein Biel zu erreichen. „Bas it Menſchenſtreben, 
als bin verfluhten Adler bauen, Dom unb Difteln gäten, bas Kraut 
bes Feldes effen, einen Wiffen Brot in Rummer und Drühe; dann 
zulept — Erde sur Gebe. Derber. 

ODer Menfhenftrem, —es, 4. — ſtroͤme, ein Strom, d. h. eine 
große Menge nah einer Richtung ih begebender Wenſchen. 

Da brang tin Dugenb Anverwandten 
Herein, ein wahrer Menſchenſtrom. Goͤthe. 

Der Menfhentand, —ı#, o. Di. Zand woran bie Menſchen fane 
gen, worauf bie Menfhen Werth legen. Stleher. Exrberg. 

O Die Menfhentbat, 24. —ın , bie That eines Denfhen. „I 
in bee Geſchichte eine ſchmerzliche Menfchenthat wie biefe?« Herber, 

O Die Menſchenthaͤtigkeit, 0. I. die Zhätigkeit des Menſchen 
ober ber Menfhen. — einige Gefühle, worauf ale Menfchen: 
thaͤtigkeit auslanfe.“ I. P. Ridten 

O Dad Menfhenthier, — s, Di. —e, der Menſch, feinem Koͤr⸗ 
pre und feines Sinnlichkeit nah, als ein Thier und im ungebübeten 
Buftande, im Stande ber MWilbpeit betrachtet; au Menſchthier und 
härter Menſchenvieh. — mas bie Lebentweiſe des gebildeten Mens 
{hen vom urfpränglihen Zuſtand des Menſchenthiers unterfheiter,« 
Wieland, Wie auch, ein Menfh wie ein Thier gehalten, in has 
tem Drud und zu harten Arbeiten gezwungen für andere Menſchen. 
„Wenn ber Mohr, — um ber Näfherel bes weißfarbigen, — Brus 
ders willen, +in Mavifhes Menfhenthier werben muß, wie nennt 
ihr bas? Benzel⸗Sternau. 

Das Menſchenthum, —es, 0. Di. 3) Das menſchliche Geſchlecht, 
ale Menſchen zufammengenommen. 

— — bein Ruhm 

Bleibt, weit bleibt das Menſchenthum. Logau. 
„Daß Bott über das ganze Menſchenthum zürne.“ Abbt. „Perle 
heit, koſtbarer Aber bes Menfihenchums.e Benzjel» Sternau. 
2) O Alles, was dem Menfhen als Menſchen rigen ift, ihn zum 
Menſchen macht. S. Menfhenfinn =). „Fuͤhlſt bu denn hier nicht 
die mähtige Hand ber Natur, welde bloß bie Auerede bes Hrejens 
dir laffend, dich ins Ich der zarteſten Ginnlihleit ſpanute, daß bu 
aud bei bee geiftigften Wereblung deines Menfhenthums den Kerle 
but (Bel) ber Firpertien Imelbeinigfeit begapien müjıft " Ben 
ztlSternau. S. Menſchenthuͤmlichkeit. 


— — — — 


Menfchent 


© Menſchenthuͤmlich, adj. wm. adr. zum Wenſchenthume geb um 
befondbers zum Dtenfhentgume in ber zweiten Bedeutung, d. b. zu 
bem, mas ben Menſchen zum Menfden maht, gehörig, in biefem 
Menfhenthume gegründet, baraus enffpringenb (hum en‘, ‚De 
Duldfamkeit — eine Feucht ber herrlichen Ausfaat von menfchen« 
thümlihen Gelnnungen.“ 6. 

S Die Menſchenthuͤmlichkeit, o. 4. Hirienige Elgenthuͤmlichteit 
des Menſchen, wodurch er erſt zum Menſchen, zum gefuͤhlvollen ver 
mönftigen und ſittlichen Weſen wird (Humanitit), „Mas nüht 
uns bie Menſchheit, fo Tange die Menſchenthuͤmlichkeit uns fehlt?“ 
E. ©. Menfchenfinn a) und G. Berbiw. Humanität. 

O Die Menſchentochter, By. — toͤchter, eine Tochter ander 
ser Menſchea, ein weiblicher Menſch in Beirat feiner Köflommung 
von anbern Menfhen, „Aber die Menfhentochter Mriane dachte 
fd — aus ber angegebenen Sphäre (dem Kreiſe, in welchem fie 
gebogen war) binauf.* Benzgel:-Gternau. 

Dafür empfange benn bie ebeifte 
Dee Menfhentshter — Herber. 

© Der Menfchenten, —ıt, 3. —töne, der Kon, die Gtimme 

eines Menſchen. 


fo zebet er zu ihnen. 

In Zönen, bie niht Menſchentoͤne ſchlenen. Gries. 

O Das Menfhentreiben, —s, 0. 34. bas Zreiben, bas Thun, 
Hanbeln ber Denfhen. Benzel:-@&ternau. 

O Menſchentrennend, adj. u. adr. bie Menfchen frennend, von 
— entfernend, „Das menſchentrennende Eqhiaſal.· J. P. 
Richter. 

Die Menſchentreue, o. 2. bie Treue eines Menſchen ober ber 
Menfden, befonders im Halten des Verſprochenen. 

Sa, if nur je auf Menfhentren zu bauen? Gries, 

& Menfchentröftend, adj. w. adv, bie Menfgen troͤtend, tröfriä, 

troſteeich für die Menfhen. 
u — — Sollen — — 
— auch fe bie feſtlichen menſchenttoͤſtenden Stunden 
Bwar im Tode nicht, aber doch fhlummen? — Klopftod, 

Der Menfchenvater, —s, 4. — väter, ein Water von Menfchen, 
ein Menſch in vätertihen Berhättniffen betrachtet. „Mine Einrich- 
tung, Sottes ober des weiſeſten Menfchenvater® würdig." Ders 
ber, Im engtrer Bebeutung der Bater oler Menfhen, Adam. 
untigentlich, eine Benennung Settes, fefern ihm bie Menfchen als 
ihrem Bater ihr Dafein verdanken, und ſofern er gegen fie wie ein 
enter Voter gegen feine Kinder guͤtig und Liebrei I. „Das Ur 
shell wird verthellt auf ale Mitfänibige, und der Menſchenvater, 
der bei der Schlange fliehen blieb, hebt an:ı= Herber. 

© Menfbenväterlich, adj. u. adv. einem Menſchenvater eigen, ger 
mis, in feine Gmpjindung und Gefinnung gegründet, „Kühlen, 
wie ſchauer lich aber menfhenväterlich e# wor, daß auf bie erfle 
Werführerinn ber erſte und ganze und herbefte Fluch fie." Herder, 

© Der Menſchenverderber, —6, 9. ol. ein Berderber der Wiens 
fen, ein Beiname bed Zenfels. 

Da ergrimmte der Geiſt des Menſchenverderbere. Rlepftod, 

Der Menſchenverkaͤufer, —s, 9. gl; die —inn, BA. —ın, eine 
Pirflon, die Wenfchen verkauft, Menſcheuhandel treibt; rigentiih und 
gneigentlih. Mande Bätes find Menſchenverkaͤufer an ihren Kindern. 

Der Menfhenverfiand, — s, #. 2. der Verſtand, mie ihn Mens 
fen zu haben pflegen, Das lehrt ber gefunde Menfchenveritand, 
Sie bleibt beftändig dabei, daß das Thler Menſcherverſtand Häts 
de." Gellert. Daun, ber begreifiihe, bem Verſtanbe miht zumi- 
derlaufende Sinn viner Rede ıc. Pierin if fein Menfchenverfland. 

OX Das Menfhenvieh, —es, DM. u. foniel als Menfhenthiert 
befonbers als Sammelmozt, mehrere Menſchen als Thiere betrachtet 
zu bejeiönen, „Das Haͤndewerk götrlider Kräfte, Liche und Abſicht 
(des Menſch) — wird, wenn fihs aufraffen kann, als hingegebenre 


260 


Menſchenz 


Wenſchenvieh in bie wuͤfte wilde Welt geſtoen.“ Herder, 

O Dad Menſchenvolk, —es, Mg. a. alle Menfhen, als ein Bolt, 
als ein verbumbenes Ganyrd unter einem Obrrjaupte betrachtet. 
„Did fommert ber Kürbiß, den du doch micht arpflanzet haft, una 
mid folte nidt jammern eines Menſchenvolkes, meiner ganzen 
Schöpfung voR Erben?" Herder. Dann ‚Im gemeinen Leben und 
verägtlidh überhaupt für Meufen, Dies Menfchenvoltiftmir verhaßt. 

O Die Menfchenweife, By. u. die Weiſe der Menfcen, ihre Art zu 
empfinden, zu benfen und zu handeln. „Es wird van Bott auf Mens 
fhenteife geredet und muß auf gottwärbige Art verftanten wer⸗ 
ben.“ Herber. 

O Die Menfchenmeisheit, o. Mg. die Weisheit der Menfchen, be⸗ 
fonders ſofern fie in MWergieih mit ber göttlichen fehe mangeihaft 
unb beſchraͤnkt if. Ale Menfchenweisheit reiht da niht aus, „Und 
enbiih meld ein Wegwelſer in firben Künften und Miffenihaften; 
ein ganzes Samenkera dee Menſchenweisheit.“ Herder. 

& Die Menfhenwelle, 3. —ın, eine fortbgängende Dienge Dice 
fen mit einer Meereswelle verglichen. 

— — — mengt 
Sich dreiſt in jede Menſchenwelle. SHiltern 

O Die Menſchenwelt, 3. u. bie von Menfhen bewohnte Belt 
db, d. Gebe, Dann, ale Menſchen als ein-Gauzes zufammen- 
genommen. i - 

— zum ſchreglichſten Streit um die Menſchenwelt. Sonnent. 

Das Fr —es, 9 —t, ein Bert von Manſchen gie 
macht. 

Das Herz iſt Bottes Stimme, Menſchenwerk 

Iſt after Kingheit küͤnftliche Berechnung. Schiller. 
In weiterer Bedeutung wirb Pf. 17, 4. bas ganze Thuu unb Lafe 
fen der Menſchen Menſchenwerk genamnt, 

O Der Menfchenwerth, —es, ©. 2%. der Werth des Menfchen ale 
Brenfäen, in ſittlicher Hinficht. „Aus Achtung für Menfhen- 
mwerth," Klinger. 

3a, wenn ein Bmeifel noch an Menfdientwerih 
In trüter Nacht bie Seele mir burhfube. _ Golkin. 

Der Menfchenwig, —es, 0. 9. der Mein bes Menfhen oder ber 
Denfhen. Gtieler. „In allen Ordnungen ber Dinge, bie Gott 
als moͤgllch fah, war Menfdenwig." Gerber. 

O Das Menfhenwohl, —es, 0. 4. bat Wohl, die Wohlfahrt der 
Venſchen. Pür Menſchenwohl tpirig fein. Menſchenwohl wurde 
ihm zur eigenen Pein, er glaubte allıs Erdenglät fein Eigenthum.« 
Benjel:Sternam . 

Die Menfhenmohnung, 94. —en, eine Mohnung der Wenſchen, 
für Menſchen. O Die legte Menſchenwohnung, untigentlich, das 
Grab, Der Ing in Flor und Mantel wallet 

Bur legten Menſchenwohnung per. Bof. 

O Die Menſchenwuͤtde, o. 94. die Würde des Menſchen ala einee 
vernünftigen über alle Eedgeſchoͤpfe exhabenen Wefens; befenbers, 
die fttlihe Würde bes Menſchen. 

Daß wieder auffleg aus ber Eroberer 

Schmachdellen Unfug, Lidt und Befeg und Recht, 

Und Dienfchentwärd’ Bot. 
(Meispeit) die mit Im Rıöftern Menfchenwiirbe, 

Nicht Troft am Tiſch des Bauflers ſucht. Shämmel, 


O Der Menſchenwurm, — s, 94. —wärmır; Bm. bat Men⸗ 


ſchenwrmchen, ſ. Menfhengeiwärm. 

A Die Menſchenzeder, By. —n, ein uneigentliäer Zusbrud, einen 
Minfhen in Anfehung feiner fangen Bıbenstauer und auf wol ſel⸗ 
nes Wuchfes, feines Größe zu dezeichnen. Bo gebracht es Der 
ber von ben Erzuätern: „ine Ramenziiße kaufenviähriger Men: 
fehongebern,* 

O Die Minfhenzergliederung, 99. —en, dir Berslieherung des 
menſchlich en Körpers, im äxztiiher Hinfiht, den Bau, bie Theile a 


% 


Menfchenz 


deffelben genau kennen zu lernen und ſich ber dadurch erlangten Kennts 
wis dei Gelegenpeit zu bedienen (Anthropothomie, Androtomie). 

O Der Menfchenzoil, —es, 2. —sölle, ein anf Menihen geleg⸗ 

ter Boll; au wol Menfhen, fofern fie als rin Ack (Tribut) abges 
liefert werben. 
Sin Bündnis, das von feinem Menfchenzoll, 
Bon keinem Minotaurus ewig mei. Herber. . 
Der Menfihgott, —es, Di. u. ber GSottmenſch. S. d. Gtieler. 
Die Menfchbeit, 84. +) Die menſchuche Ratur ſowoel in kor ⸗ 
perliher und finnliger, als auf im geiſtiger und friiher Hinſicht. 
Die Menfhheit Krifti. Die Menſchheit annehmen, ein Menſch 
werben. Die Menfchheit ablegen, ausziehen, alles Menfglihe, bes 
fonders die ſitillche Wuͤrde, verlaͤngnen, ablegen. 
— — baß bu fo ganz autzegſt 
Der deil'gen Menſchheit tiefſte Wefeneit. Cotlin. 
Bumeilen wird die Menſchheit ablegen, ausziehen auch für ſter⸗ 
ben gebraucht. — 
Menſchheit legte fie ab umb Gotlheit nahm fe an. Bob. 
Oft wird 16 mehr für Mnnlihe Ratur des Wenſchen gebraucht, 
menfhlihe Empfindung, Sefinnung : 
Gr ſtehl's und länger Hält bie Menfchheit es nihtaus. Wieland. 
Bfter aber noch von ber ſittlichen Würde des Menfhen. 
u in ber Bollenbung Strahlen 
Sqhwebet bier der Menfchbeit Sötterbilb, Schil ler. 

‘ ‚Dee Sinn ber Menſchheit. S. Menkhenfinn »). Zuweilen fies 
det es auch, aber nicht gut, für Menſchlichkett. Die Pflichten ber 
Menſchheit ausüben. =) Das menfhlihe Geſchlecht, beſonders 
in Anfebung ber Ausbildung deſſelben. Gefhiäte bee Menſchheit. 
Eine der gangen Menfchheit widhtige Angelegenheit, 

Wer gar kein Ungemch begehret auszuflchen, 
Dup in der Welt niät fein, muß aus ber Menſchheit gehn, 
bogau. S 
Im gemeinen Leben mander Segenden bdeſonders R. S. gebraucht 
man Menſchheit au für eine große Menge Menſchen, welcher Ges 
brauch jebod keine Rachahmung verbient. 
O Menſchheitliebend, adj. u. adv. bie Denfäpeit, d. h. bie Mens 
ſchen liebend. 
Hört was im Traum mir gerufen ein menſchheitliehender Welt⸗ 
. geil. Baggefen. 
Menſchlich, —er, —fte, adj. u. adr. dem Menfhen ober einem 

Menfhen äbnlih, dem Menſchen eigen, in feinem Weſen gegründet. 

Die oder eine reigg: In Der menfhlide Körper, Die 

menfhlihe Natur. enfhlihe Gefühle, Gefinnungen. Dre 

menfhliche Beil. Das menſchliche Seſchlecht. Dann, im einigen 
engeren Bedeutungen: 1) In ber Natur bes Menden als eines ein⸗ 
gelhränften, vergäingligen, bem Irttham und ber Schwachheit uns 
terworfenen Weſens gegründet. Jeren ift menfhlih. Es kann 
einem leicht etwas Menſchliches begegnen, man kann leicht ſeh⸗ 

Ien, eine Schwachheit begehen ı. Menfchliche Schtoachhelt, Unvell⸗ 

kommenheit. „Menſchlich reben* wird Rom. 6, 19 auch für auf 

sine dem Menſchen verfländlihe Art reden gebtaucht. =) In ber 

Natur des Menfchen, als eines filtlihen Miefens gegründet, der fitts 


lichen Wärde deſſelben gemäß; in Gegenfah von unmenſchlich. 


Menſchlich fein. Seine Feinde menſchlich Sehanbeln. Eine menfh: 
liche Behandlung. Man fagt bie Art Krleg zu führen fei jeat 
menfchlicher geworben. 


— — Nicht 

Das Große, nur das Menſchliche geſchebel Schiller. 

Die Menſchlichkeit, 9. —en. 7) Die Gigenfhaft, Eigenthuͤmlich- 
keit des Menfchen als Menfhen, mie auch der Inbegriff alles beffen, 
was ihn zum Menfhen maht; in biefem Sinne ohne Mehrzahl. In 
engerer Bedeutung gebraucht man es (1) in Hinfiht ber Pörperliden, 
finnligen Ratur des Menfhen, nah welcher ex ber Unvoltommenprit, 


270 





Merg 
dem Jerthame unterworfen I. — welcher (Bebler) allenfalls, — 
auf die Rechnung der Menfchlichkeit zu ſchreiben ſei.“ Leffing. 
(3) In Hiniht auf bie geiſtige und fittlihe Natur des Wenſchen; 
in Begeniag ber Unmenſchlichkeit. Dagegen empört fih meine 
Menfhiickeit. Beine Feinde mit Menfchrichkeit behandeln. „Dies 
meihe Mitgefühl mit ben Ehrädhen unfers Gefhledits, das wir 
gemöhnliger Weife Menfhlichkeit nennen, mat bie ganıe Huma- 
nität nicht aus.“ Herder. „Die Kite geben und die Menfhheit, 
bie Erziehung muß und die Menſchlichkeit geben." Sennenfels. 
Dann in weiterer Bedeutung , ber ganıe Aabegriff ber Morzäge bes 
menfhlihen Gelfles und Herzens, ber Menfhenfinn, bie Menfchens 
thümtichkeit ‚Humanität),  „Agathie, die seine Menſchlichkeit.“ 
Her der. 

Die Menſchheit einge Them hier von einem Biel zum andern ; 
Sie kimpft fi immer mehr zur Menfchlichkeit hinauf, Tiedge. 
Die Rise, die bein Dofein ihm gegeben, . 
Die gertneft du für Reine biefem Leben 
» Bär (höne Dienfhliczkeit uns an. EHiller. ' 
=) Eine einzeine in der Schwachheit und Unvoillommenheit bes Mern 
fhen gegsändete Panblung, wo es auch im der Mahrzahl üblich iſt. 
Es laufen da manche Menfhlichteiten mit unter. „Ziefe Abnel⸗ 

* gung gegen bie Menſchlichketten, — fol id das Bewirz ber daͤß⸗ 
Uhften Alltäglichleit nicht fo nennen?” Benzel:Gternam. 

x Menſchmoͤglich, ſ. Menſchenmoͤglich. 

Das Menſchpferd, —es, ip. —e, ein Geſchbpf ber Dichtkraft, 
halb Menſch halb Pferd (Contaurus, Hofldnd, Menschpaard). 

Der Menfchitier, —es, 4. —, ein Geſchopf der Ditraft, halb 
Genf Halb Stier (Minotauras, Holänd, Meuschstier), 

Das Menfhthier, — s, By. —, ber Menfb von Seiten feiner 
thieriſchen Natur bettachtet, das Menfchenthier. 

Ein Maulkorb, das Geſeth genannt; 
j Bıror das Menſchthier biefem fand. €, 
Diefes Wort Hmmt auch, mie Mannthier, Häufig im altın und 
neuen Arofhmäuster in bem Munbe ber Thiere nor. 

X Die Menfhwerbung, ©. Di. dei ben Bottesgelchrten, wenn fle 
von Keriſto reben, bie Annehmung ber menfhlichen Ratur, feine Ge⸗ 
burt als bie eines Wenfhen. Das Feſt der Menſchwerdung Asiftt. 

+ Die Mentel, 34. —n, in Baiern, bie gemeine Führe. . 

+ Der Merh, —es, MM —. 1) Der Haubentaudher (Colym · 
bus eristatus L.); auch Grebe x. =) Die Kauchergans (Mer- 
gus merganser L.), 

Die Merchente, Ps. —n, bie Eisente, f. b. 1) (Mergus albellus); 
aud bie Nonne, weiße Nonne, Winterente, Schredente, Kreuze 
ente, Rheintaucher, Straßburger Taucher, Meventauder. 

Der Mergel, — , 2. at. eine muͤrde, broͤckliche ‚fette, aus Thon 
und SKaikerde beſtehende Gebart von graumelfer ober weißer auch 
gelber Farbe, melde zur Berbeſſerung und Düngung eines ſchlech⸗ 
ten und fanbigen Wobens gebrauht werden kannz hexberbt + Mer—⸗ 
bei. Mit Mergel bängen. Mergel graben. Wenn er wie ein 
Stein verhartet if, heißt er in einigen Gegenden Scyleimfkein, 

Der Mergelboden, —s, 0. By. ein Boden, Erdreich, der ober bas 
mit Mergel vermift if, 

Die Mergelerve, 94. —n, eine mit Mergel vermifhte Erbe, wie 
auch Mergel in Geftalt einer Erbe, 

Die Mergelgrube, Sy. —n, eine Grube, aus welcher man Mergel 
qräbt; + die Mergeltuhle. 

Die Mergellugel, a. —n, BWergel in Rugelgeftalt (Margodts 
globuleris), Memnid. 

Das Mergelland, —es, 4. —IÄnder, Band oder Feld, meldes 
aus Mergeiboden beſteht, deſſen Erde mit vielem Mergel vers 
mifht iſt 

1. Mergeln, v. tra. 
gen. Einen Ader mergeln, 


1) In ber kandwirthſchaft, mit Mergel büns 
a) In ben Mörtern abmergeln und 


“ 


Merg 


271 


Merk 





audmergeln, für völlig entfräften, wo es als eine uneigentliche Bes 
beutung angefehen werben kann. D. Mergein. D. —un- 
2.+Mergeln, v.intrs.u.trs. in Schwaben, taufchen,hanbein. D. Mergeln. 

Die Mergelnuß, 9. —nüffe, in ter Minerlehre, Heine erzhaltige 
Kıeskugein, welde mit Steinmark überzogen find. 

Der Mergelfchiefer, —s, Di. gl. verhärteter, in Geſtalt eines 
Sqhiefers, im dünnen Lagen übereinander liegender Mergel, welcher 
wie Schiefer eine blaue Farbe hat aber nicht fo hart iſt. 

Der Mergelftein, —s, 9. —e, ſ. Mergel. 

Das Mergenrdschen, —8; Wi. gl. die Peänelke. 

7 Die Meringel, 34. —n, eine Art feines Backwerkes. 

— Gin andermahl Frau vom prähtigen Rachtiſch, 
Bon Mafronen und Torten, von Quittenſchnee und Meringeln. 
Boh. 


Der Merl, —es, 2. u. ein Name des breitblattigen Eppihs ober 
Waffereppihs (Siam latifolium L.). 

Das Merk, —es, Bi. —e, dasjenige, woran man etwas merket 
ober merken fol, die Marke, das Merkmahl, Merkjeigen. Das 
Merk auf einem Faſſe, auf einem Waarenballen. 

Merkbar, —er, —fie, adj. u, adv, mas gemerket wird, indem «6 
auf bie Sinne, auf das Gefühl wirkt, oder dadurch empfunden wird. 
Es ift nicht merkbar gewachſen. 

Diefer Fehl 
Ward (mas merkt nicht Eiche ?) zuerſt auch Liebenden merfbar. Bo $. 

x Das Merten, —s, 9. u. 3) Ein Meines Beihen, f. das 
Merk. =) Ein Eleiner nur eben merkliher Theil. Nur ein Merk 
hen! Es fepit nur ein Merkchen. Uneigentti auch von einem 
Hinen Raume, Ein Merken weiter räden. 

Das Merkeifen, —s, 9. gl. ein Eiſen ein Werkzeichen auf etwas 
zu brennen. 

Merken, v. trs. mit einem Merke ober Beiden verfehen, zeichnen. 
Das Bieh merken. Maarendballın merken. Ginen Tag im Kalen— 
bes merken. . 

Graue Steine — und ein Haͤufchen Erbe 

Werden mid Pünftigen Briten merten, Rothe (M.), 
b. 5. werben mic bei ber Nachwelt begeihnen, werben mein Denk: 
und Grinnerungsmahl für bie Zufmft fein. Uneigenttih, im 
Gedanken mit Zeichen gleiäfam verfehen , in Webanfıen von 
anderem gehörig abfontern, herauspeben, um es im Sedaͤcht 
niß zu behalten unb fih baran zu erinneen. Ich werde mir es 
merken. Das merden Sie ih! Sich Weg und Steg merken. Gir 
ne Stelle aus einer Rebe, aus einem Bude merken. Da biefe in» 
nere „Handlung nicht möglih if, ‚ohne bie Sinne und ben Verſtand 
auf basjenige zu richten, was man vom andern in GSedanken abfons 
dern und im Sebähtniß behalten will, fo Heißt merken in weiterer 
Bebeutung auch, feine Sinne und feinen Berfland auf etwas, eigent« 
NH auf die Merkmahle einer Sache rihtenfund durch diefe Merk 
mable vermittelt ber Sinne umb der Berfandes eine Menntnif von 
ber Bade befommen, wo ed zugleich umüberleitend gebraucht wird, 
Auf etwas merfen. Merken Sie auf den Sinn feiner Mede. 

Der Knabe, ben Irin gelehrt 

Auf jede Schönbeit der Natur zu merken. Kleiſt. 
Wohl zu merken! Wohl gemerft! Merke wohl (nota bene)! Die 
Testen Wörter kann man auch zuſammenziehen und fie wie bas dafür 
gebräuchliche Kateinifche als ein Brundimort gebrauhen und in Mm. 
abfürzen. Din Merkermohl (Mw.) an den Manb fehen (ein Nota- 
bene NB;). @ınem ein Merkewohl Mio.) geben. 8. Auch ® ein 
Merkzeichen ©. „Merker mit Fleitz und ſchauet, obs daſelbſt fo zus 
gebet.“ Zer. #, 10. Daran habe id es gemerkt, erfonnt. „An 
den Fruͤcht / merkt man, mie des Bıumes gewartet ift, alfo mer⸗ 
Set man am ber Rede, wie bas Dry gefhidt if.“ Sir. 27, 7. 

Da merkt’ ihm wohl Morclacs. Boß. 

34 merke noch aichte, ich empfinde, fehe, höre michte, Iqh merle 


" Der Merker, —6, 3. gl; die —inn, 9. —ın. 


feine Abſicht. Man merkte wohl, baf er ſich getroffen füplte. JIqh 
merke aus Allem, daS bier etwas Befonders vorgehet. kaſſen Cie 
ja nichte bavon merken, tun und fagrm Sie ja nichts, woran jemand 
etwas davon merken, ober woraus als Mestmahlen jemand anf bie 
Gate jällegen und fie erfahren kaan. D. Merken. D. —ung, 
in ben Bufammenjegungen. —— 

O Merkenöwertb, —er, —eſte, adj. u. adr. des Merkeus werth, 
werth daß man #6 merkt, behält, aufmerft, „Doch if dieſts Mer 
nige, was für bie Sothiſche Literatur gethan if, gleichwel um . 
nichts weniger merfendwerth.* Gräter. (A.) 

2) Eine Per: 
fon, welde etwas merket, wie auch, welde auf etwas mertet, beſon⸗ 
bes melde auf etwas zu merten und es anzumerfen befteflet ift. 
Rah Frifc gab es ſolche Merker in den Zerfien, melde die Zus 
pfern und Traͤgen anmerften. Wei ben Meifterfängern biefen bie 
Borſteher ber Genoſſenſchaſt Merker, weil fie auf einem eigenen Gr» 
ruͤſte, bem Gemerkt, faßen und die Fehler ber Gingenden merkten 

* ober anmerkten. Es gab beren vier; ber erfle, eine Bibel vor ſich 
babenb, gab Acht, ob ber Sänger dagegen verflofe; der zweite, ob 
er im Veremaße bliebe; ber beitte, ob er zecht reime; bee vierte, 
ob ex recht finge. „Merker Reben in allen Buchladen, heißen aber 
Mezenfenten* I. P. Ridter. Auch fann man dies Wort bequem 
für den Aufimärter beim Balltafelfpiele, ber auf das Spiel und bes 
fonders auf bie gemachten Bälle und Spiele zu merken und fie ans 
jumerten hat, gebrauden und überhaupt einen Aufoärter in ähnliden 
Bälten einen Merfer (Marqueur) nennen, a) Im Schifſbaue if 
der Merker der Luke, ein etwas gebogenes Querhols, welches in ber 
Mitte über ber Öffnung der Luke Liegt, damit die Deckel der Sue 
barauf ruhen fönnen. Röbing. 

OX Das Merkewohl, -o. umend und. Mz. u. f. Merken, 

Merklich, —er, —fe, adj. u. adv. mas ſich merken läßt, was fein 
Dafein durch Kennzeichen zu erkennen giebt, Ginem etwas fehr 
merklich zu erkennen geben, fo daß er ober auch Andere es leicht 
merken konnen. ine metrkliche Unzufriedenheit zeigen. Gas if 
ihm ſchon merklich beffer geworben, Die Tage nehmen merklich zu 
Einen mertlihen Schaden, Rortheil von etwas babın. Gbemahls 
wurde es au fuͤr merkwürdig gebraugt Sir. 19. 5. Daven bie 
Merklichkeit, ohne Mehrzahl, bie Gigenfhaft, der Zuſtand einer 
Sache da fie merklich iſt. 

Das Merkmahl, —es, . —e, ein Mahl ober Zeichen, Eigen⸗ 
ſchaft eines Dinges, eine Veränderung, fowel ein Thum als auch 
ein Leiden, woran ober woraus man etwas merfet, erfennet, auf 
etwas ſchließet. Berge. Kennzeichen, Abzeihen, Merkjeichen. 

Der Merkpfahl, —es, 94. —pfähle, ein Pfahl, aus welhem man 
etwas merkt, erfennet, ein Pfahl als ein Merkjeihen. So find 
Grenzpfäble, Plähle an Bateplägen, die Grenze wie weit man 
mit Ciherheit ins Waffer gehen fann zu bezeichnen, Pfaͤhle an bes 
gen die den Weg und die Eänge beffelten bezeichnen ıc. Merkpfähte. 

ie will id) dir der mich im meinen Jugen!rümmern 
Unkundigen des Wega zum Merkpfahl aufseftellt, 
Die Epitterci verkuͤnmern. Zhpämmel. 

+X Der Merks, obme Iimend. u. EM, bas Merten, das Gebäätnif. 
Einın guten Merks, keinen Merks haben. 

O Merkſam, — er, —fle, adj. u. adr. befonters fähig und geirofnt 
zu merken, aufzumerten. @in merkfamer Menih, Merkſam fein. 
Im gemeinen Leben D. ©. gebraudt mon dafuͤr gemerkſam. is 
nen gemerffamen Kopf haben. 3, ©. Aufmerkfam. Davon bie 
Mertfamteit. — 

O Der Merkſatz, —s, 24. —ſaͤte, ein Gap, welcher wegen fels 
ner Wichtigkeit gemerft zu werden verbient, unb aud gemerkt und 
beachtet wird (Maxime). „Zene Lehren und Merkfäge über menfd: 
liche Ratır und Betragm.* Meyer. . 

O Dur Merkſtab, 6, 9 — übe, rin Stab, welcher etwas ji 


Merk 


merken, zu bemislen, gu erkennen, in Erinnerung zu bringen bient; 
und uneigentii Überhaupt eine Sage, melde hiezu dient. „Fine 
3ofammenorbnung von Strophta — und hundert andere Baden 
twurben eben fo viele Merkſtaͤbt ber Erinnerung —" Herder Ih 
fege bieß einige Merkſtaͤde bin.“ Fiſcher. 

Ler Merfflein, f. Markftein. 

Das Merkwort, — es, My. — wörter, ein Wort, woran man efwad 
mertit, wildes ein Zeichen vom etwas iſt; befonbers bei ben day: 
fpielern basjenige Mort bes vorher Spredienben, moran man merft 
bus man nunmehr feiner Rolle gemäß zu fprehen habe. „Dein er 
fs Wort ber Liebe — follte das Merkinort zu bem meinigen an 
bih werben.“ 3. 9. Richter. Gonft Stihmart. S. d. 

Merkwürbig, —er, — ſte, adj.u, adv, wärbig gemerkt ober im Se⸗ 
Hihtniß behalten zu werden. ine merkwürdige Begebendeit, Per ⸗ 
fon. Gin merkwuͤrdiget Tag. Das ift ſehr merkwürdig. Mur 
das Merkwuͤrdigſte aufzeichnen, beſehen, die merkwuͤrdigſten Sachen. 
Kuh dentwuͤrdig. 

Die Merfiohrbigkeit, 9. —n. 1) Die Eigenſchaft einer Sache 
und Perſen, da fie merfwärbig If; ohne Mehrzahl. =) Fine merks 
wördige Bade, Brgebenheit u. Die Merkwürdigkeiten beſehen. 
Die Merkwürdigkeiten aus bem Beben eines Menfhen aufjeiänen. 
In beiten Bedeutungen auch bie Denkwuͤrdigkeit. 

Dos Merkzeichen, —s, 4. gl. fo viel ala Merkmadl. SIG cin 
Mertzeihen maden, ein Zeichen um etwas zu merken, im Gedaͤcht⸗ 
niffe zu behalten ober wieberjufinden, wieberjuerfennen,. Belonbers, 
ein bleibenbes Beiden an einer Sache, melde fir genau bezeichnet 
und unterfhribet (characteristisches Beiden). ©. hat dies Bort 
aud für Notabene, 

O Die Merkzeichenlunde, 0. 9. 1) Die Kunde oben Kenntuiß 
von deu Merkjeihen. 2) Die Runft, die Meskzeihen aufzufuhen 
und anzugeben (Chnracteristik), u 

O X Merkjeihnen, v. trs, mit Merkzeichen verfehen; mie aud, 
durh Merljeihen Fenntlih machen (characterisiren), Welke. 
unbeouem ift biefe Zufammenfegung in breMittelform, wo man für 
die vergangene Zeit gemerfjrichnet fagen mäßpte, Mine merkzeiche 
nende Beldretbung (eine characteristische), D. Merkjeihnen, 
D. — ung. ©. d. 

© Die Merkzeichnung, De. —en. 1) Die Handlung, da man et 
was mit Mertjeihen verfichet, da man bie Merkjeihen angiebt; 
ohne Mehrzahl (Characterisirung), ®) & Der Inbegriff ber 
fimmtligen Merkzeichen einee Sache, woraus man ihren ganzen Zu⸗ 
fand erſieht (Character), Die Merkzeichnung ber Pflanzen. 

4 Der Merlan, —es, 2. —e, tin Rame bes Meer hechtes (Gadus 
Bere, = ) Im D. D, ein Name ber Amfelz wo e⸗ 
i rle .—n. 1) Am D. D. ein 

” ei —*— auch ber Merl lauttt. 2) Der Leshenfait. 
©. b.; aud Merling, in andern Gegenden das Schmerlein, 
Schmierlein. 5) Dee Maspelber, Materie, Meferle (Acer cam- 

sire L.). 

Der Merling, —ed, Di —t, ber Berhenfall, ©. Merle, _ 

Die Merlmeife, 94. —n, die Blaumeife, 

Die Merthe, ſ. Muhrte. 

Der Merz, f. Mir. 

+ Das Merz, —es, Ph. u. in Schhwaben, ber Handel mit Bett: 
waaren, Mehl ıc.; auch Bremer. - 

Merzen, v. ırs 2) x % In Güde fneiben, moren man auch bas 
Birlieinungswort merzein bat, Verwandt iſt bamit bie Mebens 
tung, bie es in bem jett ſaſt noch allein gebräudligen ausmerzen 
(aısırären) bat, wo «4 als untauglid ausfonbern bebeutet, @. 
Aufmerjen. 2) Arbdeln, handeln, bauen ber Merzier bei Friſch 
ber Gorfäufer. 

Das Merzſchaf (Marzfhaf), —et, 4. —e, in der Shafjuät, 
ein ausgemerjtes Schaf. S. Ausmerzin. - 


272 


Meſſ 


Das Merzvieh, —es, o. Big. in ber Landwirthſchaft, ausgemerztes 
Bieh. S. Ausmetzen. 

* Der Meſcheller, —s, al. ſ. Masholber. 

+ Der Meſcherling, — s, ip. —e, die Shmaljbien; auch Met: 
ſcherling. Remnich. 

+ Der Meſerich, —ı6, 3 u. ein Name bes achtblattigen Wald: 
meifterd (Asperula odorata L.); aud Merfede, Möfhen, Meuſch. 

Die Mebpel, f. Mispel. j 

Das Mefamt, —es, By —Imter, in der Römilhen Kirche, das 
Halten der Meſſe als ein Amt d. b, eine feierliche gotteshienfilide 
Meffe betrachtet; gewöhntih nur bie Meile. 

Mehbar, —er, —fle, adj. u, adv, was gemeffen werben kann. Dar 
von bie Meßbarkeit. 

® Der Mefbezieher, —6, 4. gl. ber die Meſſen ober großen 
Märkte zu beziehen pflegt, um daſelbſt feine Waaren zu vezfaufen, 
ober Masren einzufaufen (Fierant, Meffierant), G, 

Der Meßbrief, —es, 34. —e. 1) Bon Meffe, großer Markt, bei 
den Kaufleuten, ein Wechſelbrief, welcher auf eine gewiſſe Neffe ges 
ſtellt it, d. h. welcher auf ober in berſelben zahlbar il, =) Bon 
meffen, in den Geeflähten, ein obrigkeitliches Zeugniß ven ber Größe 
und bem Raume eines Stiffes, Dasbafär bezehlte Gelb heißt Meßgelb. 

Das Mefbuh, —ıe, M. —buͤchetr. 1) Bon Dieffe, einer gets 
tesbienſtlichen Verrichtung in der Mömifhen Kirche, ein Bud, worin 
bie bei ben Meſſen gewöhnlichen Feierlichkeiten aufgeſchrieben find 
(Missale). 2) Vom Meſſe, ein großer Markt, bei ben Kaufleuten, 
ein Handlungebuch, im welchts fir die Mepgeihäfte eintragen, 5) 
O Ein Bud, weldes bas Verzeichaiß der zu. einer Meſſe erſchient ⸗ 
nen neuen Bücher enthält; das Meßverzeichniß (Mießcatalog). 

Die Meſſe, 4. —n. In ber Roͤmiſchen Kirche ehemahls beriinige 
Theil bes Sottendienſtes nah geendigter Predigt und Gntlaffung 
ber Glaubenslehelinge, welcher befonbers im Benuffe bes Abenbmahr 
les beſtand. Dept serficht man barunter denjenigen Theil bes Bote 
tesbienftes, ba ber Pritſter zum Gebaͤchtniß bes Todes Krifti bas 
Abenbmapt ſelbſt genicpet; aud das Mebopfer. Die Meffe Iefen, 
biefen Theil bes Bottesbienfkes durch Ableſung ber vorgefhriebenen 
Gebete 1. halten. Die Meſſe fingen an hoben Feſten, diefen Theil 
bes Bottesbienfles halten ,„ bie dabei vorgeſchriebenen Formeln aber 
fingen. ine folde Miffe heist bie hohe Meſſe, Hochmeſſe, auf 
das Hohamt, Bm die Meſſe eber zur Miffe Iduten. Im bie 
Meſſe gehen. Meile Hören, Da dieſer Thell bes Gottesbienfieh 
als ber wichtigſte Thell eines Feſtes betrachtet wird, To nannte man 
ein Feſt ſelbſt and eine Meife, melde Webrutung ih noch in ben 
Wöirteen Kirchmeffe und Lichtmeſſe erhalten hat. Die kirchlichen 
Eonfpiele, deren Zert aus bibliſchen Sprüchen zufammengefegt zit 
fein pflegt, unb melde befonbers In ber Römifhen Kirche üblich 
find, werben ebenfalls Meffen genannt, =) Ain äffentliher großer 
mit befonbern Freiheiten begabter Jahrmarkt, wozu ehemapls bie 
Befte, die auch Mefien hießen, Beranlaffung gaben, baher die gleiche 
Benennung. Bur Meffe reifen, X Auf die Meſſe zeifen. Die 
Meſſen besichen, beſuchen. In ber Meſſe, während der Mefl. 
Auf der Meffe etwas Faufen. 5) Gin zur Brit ber Meffe atmach⸗ 
tes Geſchenk, welches eine auf ber Meſſe gekaufte oder zum Verkauf 
gebrachte Sacht zu feim pflegt. Einem eine Meffe fhenten, Laufen. 
Ginem etwas zur Meſſe kaufen, als ein Meßgeſchenk. 

Der Mepbiener, —, WW. al. derjenige ber bei Haltung eineg Meffe 
in bee Kirche bienet, gemiffe babei vorfommende Bersrihtungen that, 

Des Batten zahefobernbes Geſpenſt 
Echidt keines Meſſedieners Biode, Erin 
Sohmwürbiges in Priefters Hand zur Gruft. Schiller. 

Das Mefeifen, —s, My. gi. eim @ifen, welches zum Meſſen dienet, 
meldes ein Maß if, Stieler. 

+ Das Meſſel, —s, A. u. fo viel als Mingkorm oder Manftorn. 

Meflen, v. unregelm. ich meffe, bu miffeft, er miſſet (mißt), wir 


Meſſenb 


meſſen ze.; unlängf verg. 3. ich maß; gebund. F. ich. mäße; 
Mittelw. d. verg. 3. gemeffen; Befehlw. miß. I) mtr. mit haben, 
ein gewifles Maß enthalten. Der Balfen mift zo Ellen, iſt zo 
Cu Lanz. Mer Kopf mißt fünf Raunen, er enthält ober kann 
enthalten fünf Kannen, es gebet fo viel hinein. IK) tra. überhaupt, 
genau beffimmen, bem Grade, dem Umfange, ben Grenzen nad; im 
welcher Bebeutung aber nur bas Mittelwert gemeſſen für beftimmt 
gewöhnti if, 8. Gemeffen. Ia engerer Bedeutung, das Maß’ einer 
Sache auffugen, finden, befiimmen, Verfe mieffen, die Menge ihrer 
Bilden in Anfehung ber Länge und Kürze derſelben unterfuhen und mit 
einem geiwiffen Bersmape vergleihen, ober fie bemfelben gemäß ein, 
richten. Im bee Greoͤßenlehre wird ec au won fcber Wröpe gefaat; 
und bebeutet, eine unbelannte Größe vermittelt einer belannten fin, 
ben. und befkimmen, wo bann aud bie Beflimmung ber Anzapl, bee 
Schwere ıc. bazu gehört, wotär man bie befondbern Ausdrüͤcke zählen, 
wöägen ıc. hat, ben fo wirb es auch von ber genaueren Beſtim ⸗ 
ming bes inneren Grabes ber Staͤrke gebraucht. „Wer miffet das 
Braufen bes Windes?* 4 Efe 4, 5: „Ih maß mid in Gedanken 
mit Kleanth,“ Weiße; db, d. ih verglih meine Figenfhaften, 
Kräfte ve, mit ben feinen in Anfehung ihres enge, Größe, Stärke, 
und fuchte ige Berhaͤltaiß zu beflimmen. Go fagt man im gemeinen 
Eeben auch, fih mit jemand meffen, es mit jemand aufnehmen, mit 
ifm einen Mettftreit, einen Bweilampf ıc. beginnen, um zu fehen, 
welcher von beiden ber ſtaͤrkere, geſchidtere, verzuͤglichere ıc. ſei. 
In noch engerer und gewöhnlicher Bedeutung heipt meſſen, bie uns 
befannte Kusbepnung, Menge, ben unbekannten Inhalt mit Hülfe 
eines Dingıs von beffimmter und befinnter Ausdehnung ıc, erfor 
fen und beftimmen, Die Länge, Breite, Höhe, Tiefe einer Sache 
melfen, fie nad einem Eingenmaße erforfhen unb angeben. Etwas 
mit dem Birkel, mit ober nad der Ele, nah Klaftern ıc. meſſen. 
Einen Goldaten melfen, ihn an ober unter bas Map fielen, feine 
Größe ober Ringe zu erferſchen. Getreide in den Sat, Wir, Wein 
in die Kannen meffen, eine vermittelft eines gemiffen Mafes ber 
Rimmte Menge davon hiatinthun. Gr mift das Gerd mit Scheffeln, 
fagt may uneigentlich von eimem, bes fehe niel Geld bat, fo baf er 
es glelchſam nicht zählen kann, fondern beffen Dienge nah Scheſſela 
beffimmen muß. Die Entfernung zweier Öxter meſſen. Die Länge 
and Breite eines Ortes auf bew Erbe meſſen, bie Lage deſſelben 
nad Länge und Breite erforfen und beflimmen. Die Höhen mef: 
fen, in der Sterakunde. ©. Höhe und Höhenmeffung. uneigent- 
U fagt man im gemeinen Eeben, dem Koth mefjen, durch benfelben 
schen, wo man dann ferilih an fi von der Ziefe beffelben Spu⸗ 
zen trägt. — D. Meften. D. —ung. 

Das Meſſenbuch, ſ. Meßbuch. 


© Meſſentlich, adj. u. ade. was in ober am jeber Waffe ift oder ges 


fGicht, was alemahl zur Zelb ber Meffe geſchieht. 
lid) bezahlen, beſuchen. MR, 
Der Meffer, —6, m al.; die — inn, By. —en. 1) Eine 

Perfon, welche miffet, befonbers, welche bazu beſtimmt ober beftelt 
ift, etwas gu meſſen. ri 

Aud bie Erbe — — — 

Zeichnete jegt vorfihtig mit lauger Berne der Meſſer. Bof. 
Borzäglih in Bufommenfegungen ber Erbmeffer, Felbmeffer, Korn» 
meffer, Koblenmeffer 1. 3) ®in Ding, befonbers eine Länge, 
wonad etwas gemeffen wir. ©. Durhmeifer, Halbmeſſer. 

Das Meſſer, —, 94 al.ı Bo. das Meſſerchen, D. D. —lein, 
ein Werkjeug mit einer metallenen, meift Hählernen, an ber einen 
Seite gelhärften und vorn gewhhalich fpinigen Klinge an einem 
Defte, bamit zu fhneiben, wobei es gemiffermafen gezogen wird; 
jum Unterfhiebe von einer Schere unb Ähnlichen Werkzeugen, mit 
welchen bloß vermittelft eines Drudes x. gefänitten wird, Im M, 
D. Meſt. Bon ber verſchiedenen Beſchaffenheit und Beſtimmung 


Einen meſſent⸗ 


273 


Das Mefierbeft, —⸗es, my. —«. 
« dem bie Mefferflinge befeftiget iſt, umb woran man bad Meifer 


Die Meflerfheide, 0. —n. 


Meſſerſ 


Zafhenmeffee, Brotmeſſer, Kuͤchenmeſſer, Botſchneidemeſſet, 
Schlachtmeſſer, Schermeſſer, Federmeſſer, Gartenmeſſet, Pflug: 
meffer ıc. Davon ber Meſſerſchmied, Meſſerhandel, Mefferkram, 
Mefferkrämer ıc., der Handel, Kram, Kräuter mit Meſſern ic. S. b. 
Das Meffer der Weißgäsber Hat einen Haken, womit bie Schmänge 
ber Belle abgefhnitten weeben. Im ben Buderfiedereien ift das Meſſer 
ein bännes und plattes Holz, das einem Meffır gleiht, wonit ber 
in ben Bormen erfaltete und am Rande in Käenern anaefhoffene 
Buder gerbrädt und umgeröhet wird, Das Meffer der Formſchaet⸗ 
ber, womit fie bie Umriſſe auf bie Formen einfäneiden, hat eine 
ſehe fpigige und fharfe Klinge, die einen rechten Winkel macht uns 
etwa einen Bol lang iſt. X @inem bas Meffer an bie Kehle 
fegen, umeigentli, ihm dadurch, baf man ihn bas Schlimmfte bes 
fürdten laͤßt, in bie größte Werlegengeit fegen unb zu etwas bewe⸗ 
gen. ı X Das Meffer fteht ihm an bee Kehle, ex befindet fh im _ 
größter Gefahr, Berlegenpeit, er iſt bapı gezwungen. X Das große 
Meffer führen, auffneiben, lügen, prahlen. hemahls murbe 
Dieffer in weiterer Bedeutung von jebem metallenen Merkjenge da⸗ 
mit zu fhmeiben, zu hauen, zu ſtechen ıc. gebraucht, welche Bedeu⸗ 
tung no unfes Hackmeſſer und Weidemeſſer zu bemeifen. ſcheint. 
Uneigentlid führt In der Raturbefhreibung ben Ramen Meſſerchen, 
eine Art kleiner Gereiheln in ven Norbifhen Merzen auf Secſtauben 
und Zang (Lepas scalpellum); auch das Febetmeffer. 


Das Meſſerbeſteck oder Meſſergeſteck, —ı6, 9. —, ein Beſtec, 


Butter mit einem oder mehren Paaren Meſſer und Gabeln. 


+ Der Mefferer, —s, 9m. gl. f. Meflerfhmied. 
Die Diefferfeile, By. —n, dei den Tammmachera, eine flache Zeile, 


mit welcher fie bie Zaͤhne ber Kämme ſpitzen. 


Der Meflerfiih, —eb, 94. —e. ) Rah Müller, eine Gattung 


von Schilbſiſchen, welde den Ramen von ihrer Befalt hat (Cen- 
triscus seutatus L.). 2) Ein zu bemfelben Geſchlechte, wozu ber 
Karpfen gehört, gerechneter Fiſch, in Schweden, Preußen, Deutfd 
land ıc., ber anderthalb Buß lang wird, mager ift, und einen bän. 
nen ſcharfen Sauch hat (Cyprinuscultratus L.); and Duͤnnbauch, 
tm Preußen Ziege, in Pommern Zide, in Öfterreih Schling. 


Der Meflergurt, —e6, 39. —e, bei ben Fleifhern, ber Gurt, an 


melden bas hölzerne mit Leber überzogene Beftet mit den Schlacht⸗ 


mefjern hängt. 
+ Der Meflerhafen, — 9. al. auf dem Harze, haffelde Werl, 


eng, welches gewöhnlicher der Tſcherper genannt wird, 
1) Das Heft, im ober an wel: 


hand habtt. =) Eine Art Scqhelden, ein Sqchalthier, von ber Hhn« 
Uckeit im der Beftalt (Solen siliqua) ; auch Meſſerſchale, Meffer« 


ſcheide. 
Die Meſſerklinge, My. —n, bie Minge b. h. ber lange unb ſchaei 


dende, gewoͤhnich ſtaͤterne Theit eines Meſſerä; R. D- Laͤmmel, 
Lummel. 


Der Meſſerlohn, —s, 9. u. der Bohn, das Geib, melden ber 


Dieffer für feine Bemuͤhung befömmt; das Mefigeid. 


Der Mefferrücden, —, 9. sl. ı) Der Rüden, db, b. ber ber 


Schneide entgegengefsgte flumpfe und bie Theil ber Meflerkiinge, 
2) Rad Müller, eine Gattung von Gtugböpfen, einem Fiſchge⸗ 
ſchlechte (Coryphaena novacula L.). 


Die Mefferfchale, 9. —n. 1) Die Schalen, moinit bas Meffers 


deft befonbers bei Taſchenmeſſera belegt zu werben pflegt. =) @, 
Mefferbeft =). 
Meflerfcharf, adj. u. adr. fharf wie ein Meſſer. Mefferfcharfe 


Bellen, bei ben Sqhlofſera, breietige Feilen mit beren Schärfe men 
wie mit einem Weffer Einfänitte macht. 

ı) Die Seide zu einem Meſſer 
2) ©. Meſſerheft 2). 


birfes Merkjeuges beldmmt es verſch ledene Ramen. Ein Tiſchmeſſer Der Mefferfhmied, —ıs, 2 —e, ein Sämied, welcher dloß abe 


Gampı's Wirterb, 5. Ip. r 


55 


f 


Meſſerſ 


dech vorzuͤglich Mefferftingen, auch wol Gabeln verfestiget ; der 
Meffermaher, im O. D. Meſſerer. 

Die Meſſerſchmiede, 4. —n, die Werkſtatt eines Mıfferfchmicbes. 
Dann, eine Anftalt, eine Werkſtaͤtte, wo aur Meffer und in gro: 
Per Menge von Prefonen, deren jebe ihre eigene und befonbere Ar⸗ 
beit babei hat, geſchmiedet und verfertiget werden (Mefferfabrique), 

Meflerförmig, adj. u. adr, bie Form, Geſtalt eines Meffırs habend, 
dünn und in eine Schärfe auslaufend (cultratus), S. Meſſerfiſch. 

Die Mefferfpite, 9. —n, die Spige eines Miffers,. Dann auf, 
fo viel man auf ber Spige eines Meſſers faſſen kann, Eine Meffer 
fpige vol. Man nimmt bazu drei Mefferfpigen von biefem Puls 

ver. Unelgentiih, [ehr wenig. „— mur für eine Mefferfpige vol 
Begeifterung.* Benzgel:&ternam. 

Der Mefferzeiger, —s, 29. gl. bei den Metallarbeitern , eine Art 
Srabſtichel, deffen Klinge breit und einem Meffer aͤhnlich iſt. 

Die Meßfahne, . —n, eine Fahne an einer langen Stange, des 
zen ſich die Feldmeſſer bedienen, - 

Das Meßfaß, —ſſes, 9. —faͤſſer, ein Faß, als Map betrachtet, 
gewiffe Dinge barin zu meffen. In ber Laufig ift es ein Map, nah 
welchem bie File bei Ausſiſchung eines Telches verkauft werben, 
und weldes ein Dresbner Biextel hält. 

Die Meffreibeit, y. —ın. 3) Die Feripeit eines Dxtes, ober bie 
ihm ertheilte @rlaubniß, eine Meffe oder einen großen Jahrmarkt 
Halten zu dürfen, Die Stadt hat Meßfreihelt. 2) Die Frelhel⸗ 
ten, welde ein Ort wähzenb der Meffe bat, ober welcht bie zur 
Meffe kommenden Prefonen während berfelben und zum Behufe der 
ſelben haben. 

Der Meßfremde, —n, 34. —n, ein Fremder, welder zue Beit 
der Meffe und wegen der Meſſe an einen Ort fömmt. 

Der Mefgaft, —es, 29. —gäfte. 1) Ein Gaf zur Zeit der Meſſe. 
a) Eine Perfon, melde zur Meſſe an einen Ort Üimmt, befonbers 
um zu kaufen ober zu verlaufen (Fierant). Sonſt O Meßbezieher. G. 

Das Mefgeld, —ed, 4. —er. 1) Bon meffen, das Geld fürs 
Meſſen. S. Mefferlohn und Meßbrief. =) Bon Mefle, das auf 
oder in ber Meſſe gelöfete Held; wie auch, bas zur Meſſe beftimmte, 
unb das jemanden zur Meffe als Gefhent gegebene Gerd, 

Das Mefgeleit, —es, Dy. u. das Geleit ber zur Meffe am einen 
Drt reifenden Perſonen; mie auch, bas dafür zu bezahlende Gelb, 
Das Mefgeräth, —es, 9. —e, bas zur Haltung einer gottes⸗ 

diemfiichen Miffe gehörige und dabei gebräuchliche Beräth. 

Dad Meßgeſchenk, —es, Ba. —e, ein Geſchenk, welches bei Gele: 
genheit oder zur Seit dee Meffe gemacht wird, ober welches man 
von ber Meffe mitbringt; im gemeinen Erben auch nur bie Meſſe. 

Das Mefgefhirr, —es, Pr. —e, Belhirre, Gefäße, welche dienen 
bamit zu meffen. Aramers Deutſch⸗Ital. Mb, 

Dos Mefgewand, —es, Di. —gewänder, ein Gewand, weldes 
tie Pricfter dee Römilgen Kirche bei Haltung bee Meffe anlegen, 
und welches gewöhnlih nur, hinten und vorm bem Körper bis über 
die Knie bebeckt, an bem Seiten aber offen iſt. An manden Orten 
tragen ſolche Bewänter auch ned bie evangelifgen Prebiger bei 
manden gottesbienflihen Werrihtungen, als bei Austpeilung be# 
Abentmahls ıc. 

Die Mepglode, u. —n; Bio. das Meßgloͤkchen, O. D. —lein. 
ı) In der Mömifcdhen Kirche, diejenige @lode, mit welcher jur Meffe 
geläutet wird. Das Meßglädchen befonders ift eine Feine Slocke, 
womit ben Zuhörern das Zeichen der geſchehenen Verwandlung bei 
ber Miffe gearben mird. 2) An den Meßorten, eine Glode, mit 
welcher bie Meffe ein: und ausgeläutet wird. 

Dos Meßgut, —ed, m. —güter, Güter ober Waaren, melde 
für die Meffe beſtimmt find, zur Dieffe an einen Ort ober von ber 
Meffe fortgefhafft werden. ‚ 

Das Meßhemde, —s, 5. —n, ein Mefgeimand, fofern es nur 
aus einem einfachen weißen Stoffe gemacht und einem Hemde ähutlid iſt. 


eier 


274 


Meffi 


Der Meßherr, —ch, 84. —en, in Straßbarg ehemahls, ohrigkeit- 
lihe Perſonen, welde-über Meffarhen entjhieten. Friſch. 

+ Der Meßholder, ſ. Masholber. 

Das Meffing, —s, 0. 94. ein gemifhtes Metal aus Kupfer und 
Binf ober gewöhnlider aus Galmel, weldhes eine gelbe Farbe hat und 
geſchmeidig iſt; in Schwaben Meß. Das Prinzmetall ift eine Art 
Weffing. Meffing machen oder beennen, es durch Bufammenfhmels 
sung bes Kupfers und Galmeies gewinnen. 

Das Meffingbleh, —ed, 3. —e, aus Meffing verfertigtes Blech, 
Meffing zu Blech gefhlagen (Latun). 

Das Mefiingbrennen, —8, 0. 99. das Brennen, d. d. Berfertigen 
des Meffinges, weil diefe Arbeit vorzäglih im Brennen ober Roͤſten 
bes Sarmeies beftchet, 

Der Meifingbrenner, —s, Dh. gl. in ben Meffingbätten, ber: 
ienige Arbeiter, ber das Meffing brennet, es aus Kupfer und Galr 
mei ſchmelzt. 

Der Meſſingdraht, —es, 9. vom mehrren Arten, —e, Draht von 
Mefing, ober zu Draht gezogenes Meffing. 

Meffingen, adj. u. adv. aus Meffing gemacht, von Meſſing. Mefs 
fingene Werkzeuge, Geräthe. 

Der Meflingfeiler, —s, 9M- gl. in den Gemwehrfhmicben , berjinige 
Ürbeiter, welcher den Belhlog zu ben Shäften ber Gewehre auss 
feilet, d. h. überhaupt, verfertiget; auch Zeugfeiler, zum Unter 
ſchiede von ben Rohrfeilern, Schlofmadyern, Schaͤftern ıc. 

Das Meffinggefchirr, —es, Di. —e, Gelhier von Melfing ober 
Merfingbieh gemacht. Friſch. 

Der Meffingbammer, —s, 94. —bimmer. ı) Ein großer Hams 
mer, mit welchem bas Meifing zu Blech geſchlagen wird, =) Ein 
HSammerwert, wo bas Meffing vermitielft großer vom Waffır In 
Bewegung gefegter Haͤmmer bearbeitet und verarbeitet wird; ein 
Meſſingwerk. 

Die Meſſinghuͤtte, By. — n, eine Hütte, in welcher Meffing ger 
brennt ober gemacht wird, mebft den bazu gehörigen Gebaͤuden und 
Rebenanftalten, : . 

+ Meſſingiſch, adj. u. adv. im R. D, gemiſcht. Meffingifch reden, 
fogenanntes Hochdeutſch und Nieberbeutfh unter einander reben. 
Eine melfingifhe Sprache. 

Der Meſſingkram, —es, 99. u. ein Kram, Kramhandel mit Meſ⸗ 
fingwaazen. Frifh. Davon der Mefjingträmer, ber einen Meſ⸗ 
fingtram dat. Go aud ber Mefiinghandel, der Meffinghänbdter 
und bie Meffingbandlung. 

Der Meffingofen, —s, 99. —Sfen, ein Ofen, ia w.Idem das 
Melfing gebrennt wird; ber Brennofen. 

Die Meffingplatte, By. —n, eine Platte von Weffing , Deffing in 
Geſtalt einer Platte, s j 

Die Meflingfaite, 9. —n, Saiten von Mefingyraft; zum Unter 
ſchiede von Stahlfaiten, Darmfaiten. 

Der Meflingfchaber, —s, 9. gl. auf ben Meffinghimmern, ber: 
ienige Irbeiter, welcher das Meffingbled vermittelt des Schabeiſens 
und einer Beige heil und glänzen macht. 

Der Meffingfhläger, —6, 34. gl. auf den Meffinghämmern, der⸗ 
jenige Arbeiter, welcher bas von ben Meffingiäneibern in Zaine ge: 
ſchaittene Beffing unter bem Hammer zu Blech treibt, 

Das Meſſingſchlagloth, —es, Dig. —e, bei ben Metallarbeitern, 
ein Schlagloth za Meffing, welches aus 5 Zeilen Meffing unb eis 
nem Theile Zink, ober aus 7 Teilen Meffing und = Thriten Zink 
beftebet. 

Der Meffingfchmied, —˖s, Ep. —r, ein Handwerker, welcher aus 
Meffing, aber ohme Anwendung bes Feuers, allexiei Arbeiten vew 
fertiaet; an manchen Osten aud Kaltſchmied. 

Der Meffingfchneider, —s, 34. gl. auf den Mefinghämmern, ein 
Arbeiter, welcher das in Platten gegoffene Meffing in Zaine zer 
ſchneidet oder fäget, worauf es zu Blech getrieben wird, 


Meſſi 


Die Meſſingtafel, 9. —n, eine Zafel, b. h. ein betites plattes, 
etwa 3 Fuß langes, 27% Buß breites und "/, Bol dickes Weär 
Beeffing, welches zwiſchen zwei Sttinen, ben Gießfleinen gegeffen 


wird. 

Der Meſſingvogel, —s, Sij. — vögel, eine Art Rachtfalter (Pha- 
laena chrysitis), Remnid. 

Die Meffingwaare, 9. —n, allerlel aus Meffing verfertigte Dinge, 
Gerathe, as Waaten betrachtet, 

Das Meſſingwerk, —es, 34. —e. ı) Ein Merk, eine Anflalt, 
wo das Meſſiag ſewol gebrennt, aid auch brarbeitet und verarbeitet 
wird. =) X Alıriei aus Meffing verfertigte Dinge; ohne Mehr⸗ 
Jahl. tes Meſſingwerk. 2 

Der Meſſingzain, — es, Siz. —e, In den Meſſingwerken, bie ſchwa⸗ 
In Steeifen Meſſingblech, woraus ber Meſſingdraht gezogen wird. 

Die Mehkanne, M.—n. 1) Eine Kanne in weiterer und engerer 
Sedeutung, trodne und flölfige Dinge damit zu meffen, 2) Gin 
Gefäß, welches bei einer Meſſe in ber Mömifhen Kirche gebsaugt 
wird; Meßkaͤnulein. Kramers Deutfd.Ital, Mb. 

Die Mepkeite, By. —n, eine Kette von beftimmter Länge, ober ber 
zen Glieder eine beflimmte Länge, bie Länge eines Schuhes habın, 
um Singen unb Gntfernungen auf bem Belbe bamit zu meffen; bie, 
Mekihnur, wenn man fih einer Schnur, ber Meßt iemen, wenn 
man ſich eines Riemens bazu bebienet, 

Das Meßkorn, —es, o. Dip. in manchen Gegenden, Korn oder Ge— 
treide, welches an ben Pfarrer für ben Gottesdienſt, deſſen weſent⸗ 
liter Theil bei den Romiſchen Kriſten die Meffe it, von ben Adern 
iähelid entrihtet wir; gemöhntiher das Zehentkorn, Zindkom ıc. 

Die Mebfunde, 0. 9. bie Kunte oder Arnntnis, Gnifemungen, 

‚ Weiten, Höhen, Kiefen befonbers auf der Erboberfläge zu meflen, 
wie —* Theile dieſer Oberflähe nad ihren Grenzen x, aufjunehs 
men, ober auch einen Mi auf derſelben abzufteden ıc. Brgenftänds 
Uch betrachtet, ober ausgeäbt unb angewandt heißt biefe Kunbe 
Meßkunſt (prastische Geometrie), unb als eine Sehre, eine Ans 
weifung dezu O die Meßlehre. S. Kunde, Aunft und Lehre. 

O Meßkundig, —er, —fe, adj. u, ade. Mehtunbe habend. Das 

son der Mefkundige (Geometer), „Mur der Meflundige trete 
ein" 5.9. Bidter 

Die Meßkunſt, o, 2. f. Mupfunde. 

O Meßkunſtig, adj. u. adv, zur Meptunft sehleig ;ibie Meptunft 
—— mn die Meßlanſt verſtehend (geometrisch), 

O Der Meßkuͤnſtler, —s, 7. gl. der die Meßkunft verfiehet und 
ausübet (Geometer), 

° Meßkuͤnſtleriſch adj. u. adv, nad ben Megeln ber Meftunft, nad 
‚ Urt bes M ffünfkiers (geometrisch). Ungut gebrandt es Bürja 
für, zur, Mepfunft gehörig. » 

© Die Meßlehre, 0. 9. ſMeßkunde. 

© Meßlehrig, adj. u. adr. sur Veßlehre gehörig, barin gegränbet. 6. 

x Die Meßleute, &. u. Leute weiche eine Meſſe beſuchen lewoi zu 
verkaufen, als auch und vorzüglich zu kaufen. R. 

Meßlich, adj. u. adv. fo viel als mezbar, was ſich meſſen laͤßt, ges 
melfen werben kann. Brit, Bifonbers in ben Zufammenfegungen 
ermeßlich und unermeßlich. Davon bie Meßlichkeit. 

O Die Meßlicferung. 9. —en, eine Lieferung zur Beit ber Meffe, 
wie auch basjenige war eine Dieffe liefert, . B an neuen Büchern. 
.— und unfere Meiflieferungen wurben eben fo gierig von uns 
verfhlungen als nachher von der Breit. J. P. Michter. 

Der Meßmarkt, —et, 9. —märkte, der Marktplan, auf welchem 
bie Mıff- arhalten wird. 

Der Mefner, —s, 24. gl. ein Kicdendiener, welder has Mepger 
‚zäth in Berwahrung und das. bei einer Meſſe NRöihige anzuordnen 
dat; der Kirchner, Küͤſter ꝛt. Grine Battinn, die Mefinerinn, 

Das Mefopfer, —s, 9. al. in der Mömiihen Kirär, ve Haltung 

‚ bee Mefie, fofeen fie als ein unblutiges Opfer aber als eine wiedtr⸗ 


275 


Met: 


holte unbintige Opferung Keifti amgefehen wird. j 
Der Mefort, —es, 9. —Irter, ein Drt, weldee Meffreiheit hat; 


wie au, ein Ort, an welhem Meſſe ober guoßer Iahrmarft ges 
balten wird, 


2 Der Medpfaffe, —n, 4. —n, f. Meßprieſter. 


Der Meßpriefter, —s, 9. gl. in der Mimifhen Kirche, ein Prie⸗ 
fer, beſonders ſofern er deſtimmt if, Meſſe zu Iefen; derdqtilqh 
ber Mefpfaffe. 

Der Meßriemen, —s, 94. al. ſ. Meßkette. 

Die Mepruthe, Ag. —n, eine Rathe, d. h. eine Stange einer Ruttze 
lang und in · Schuhe zc. abgetheilt, auf dem Felde damit zu meſſen; 
die Meßſtange. 

Die Meßfache, 9. —n. 


1) @ine Sacht, Baare, welche zur Weſſe 
gaebracht wird, 


2). Eine Sache, Streltſache, weiche bei Gelegenheit 

einer Meſſe entſtehet. Friſch unter Meßherr. 

Die Meßſcheibe, By. —n, eine Scheibe von Meffing ober Rupfer 
mit vr jüngtem — bern man ſich beim Felbene ſſen ıc. beditat. 

Die Meßſchnur, Di. — n, eine Schnur, etwas damit zu meſſen. 
S. Meßkette. 

Der Meßſtab, —s, 9. —fläbe, ein Stab, etwas bamit zu meſ⸗ 
fen; der Maßſtab, auch der Meßſtock. 

Die Mebflange, By. —n, f. Meßruthe. - 

Der Meßſtock —es, 2. —ftöde, f- Meſtab. 

De Mebliſch, —es, it Bi, das Meßtiſchchen, O. O. 
— kin, ein Hauptwerkjeug bee Felbmeffer, walches aus einem ber 
weglichen Ziſchchen beſtehet, auf welchem das Werkzeug befindiich If, 

.. wohurd man nad ben feften Punkten ſchauet, auf weibem die Wins 
tet der Drelede gemeffen, und biefe fo wie buch biefeiben eine Grs 
genb ıc- aufgenommen werben. ‚ 

Das Mepverzeihnig, — ſſes, 9 —ffe, ein zum Behuf der Meſſe 
eder bei Belegenpeit ber Meſſe erſchelntades Wergeihnip; beſonders, 
ein Berzeihaid von Büchern, meihe zus Weſſe enftienn find. 

Die Mepwaare, By. —n, Warren melde sum Rerkauf auf ber 
Meſſe gemadt find, welde auf bie Meſſe gefhafft oder von ber Meſſe 
gebtacht werden. 

Der Meßwechſel, —, 3. sl. ein auf sine Mefle geflellter, im 

‚ einer Mife zahlbarer Wedel; ber Meßbrief. 

Der Mefwein, — es, 0. Bi in der Mimifhen Kirche, ber Mein, 
weider bit der Mofle gebraugt wird, ober zum Bebraud bei ber: 
ſelben beſtimmt if, 

Die Meßwoche, 4. —n, dlejenige Mode, in welche eine Meſſe 
faut. Mann, eine derjenigen Wochen, durch melde eine Muffe 

- Aauezt, In ber esfien, zweiten, beiten Meßwoche. 

Die Meßzeit, My. —en, bie 3eit, in melde eine Meſſe fält; wie 
au bie Brit, fo Iamge'eine Miffe dauert. 

+ Die Mefte, 4 —n. 1) @in rundes ober tabglich zumbes, bald 
tiefen bald. flaches ‚Befäß. Dergleichen find Ealzmeflen, Pfeffer: 
meiten ı., in welden man Balz, Pfeffer ic. auf den Tiſch fept; 
bie Iher: ober Pechmeſte, weiche auf Reifen mitgenommen unb 
an den Wagen gehängt wird, S. auch Harzmeſte. In Schle⸗ 
fien wirb Häufig auch eine Schachtel eine Mefte genannt. 2) In 
Bronkfurt am Main fo viel als Metze, ein Meß, welches die Hälfte 
eines Simmers iſt. 

Die Meſtel, 5 Mifter 

Das Metall, —s, 4. —, ein mehr oder weniger dehndarer, 
fAmelsbager ,‘ darch fein Verbrennen in rinen erbichten Zuſtand veer 
fepbarer, ſchwerer Koͤrper, beffen Beflandiprile für Ach nicht barger 
Reilt werten können, deſſen Dichtheit bie eines jeden unperbeenns 
lichen Körpers zu Übertreffer pflegt, unb weihen man in ber Ratur 
felten sein umb gebirgen ‚findet. Edle Metalle, Bolb, Silber, 
Meifgoid; in Begenfag bet übrigen Metalle, die man unedfe nennt, 
Gansmetalle, Halbmetalle. S. d, Meines Metall, das Beine 
fremde Aheile eathaͤtt. Unvermiſchtes Metal, das mit keinem an- 


Meta 


dern Wetalle vermifcht iſt; im Segenſat ber bermiſchten. Kurzes 
aber ſproͤbes Metall, ungeſchmeibiges. In engerer Bedeutung nennt 
man ancdle Metalle ſchlechthin nur Metalle. Co heißt das zu zar⸗ 
ten Biätthen wie Blattgold geſchlagene Miffing Metall oder Me: 
tallgoſd. Auch verfhiedene Arten vermiihter oder zufammengefeh- 
tee Deetale führen dieſen Mamen. Dexglellien ift das Metall der 
Gtädgieger, ein Semifh aus Kupfer, Zinn und Meffing ; bie 
Glodenfpeife oder das Blodengut, bas Gießerz, bie esenfals Me⸗ 
talgemifhe find und ſchlechtweg auch Metall Heifen, Die Drgels 
dance nennen Metall ein Gemiſch vom zwei Theilen Sinn und einem 
Theile Blei, woraus bie Seſichtopketfen gegoffen werben. 

Die Metallafche, 9. u. die Aſche von grbranntem Metall, zu Aſche 
gehranntes Metal. - ! 
Der Metallbaum, —es, 9. — blume; Bw. das Metallbaͤum⸗ 
hen, baumähntidhe Anfchäffe, welche bei swedimäßlger Behandlung 
bargrfteit werden Tönnen, wenn ein Metall bush das anbere aus 

feiner Aufiöfung in Säurem abgefhieben wird. S. Silberbaums 

Die Metallbefhidung, 24. u, die Belhidung des Metalles. S. 
Beſchicken und Metallverfegung. 

© Das Metallbild, —es, By. —er, ein metallenes Bilb, ans 
Detoll gegoffen. 

Das Metallblatt, —es, 2. —biätter; VBw. das Metalibiättchen, 
Metal zu einem bünnen Blatte ober Wiättdhen gefhlagen; beſonders 
ein Blatt ober Widtthen von uneblem Metalle, 

Die Metallblüte, IM. von verſchiedenen Arten, —n, bie Benennung 
derjenigen fletigen feberichten Theile, welche ſich auf der Oben 
Hide ber Erze anlegen, wenn biefe verwittern, 3 B. bie Kos 
balibluͤte. ©. b. 

O Der Metallbrei, td, 94. von mehren Arten, —e, Metal in 


Gefalt eines Breird, Retall durch Queckfilber aufgeldfet (Amalga- -⸗ 


ana). Elubins ©. Duidmetall und Quickbrei. 

Ütetailen, adj. u. adv. von Metal, aus Metal gemadt; und in en: 
gerer Debentung, aus unedlem oder aus gemifhtem Metalle gemacht. 
Metallene Anöpfe, Bilder, Metallene Kanonen; in Segenſatz bes 

eiſernta. 

Das Metallgemiſch, —es, Dig. —e, ein Semiſch verſchiedener Arten 
Metalle unser einander, welches man dadurch erhält, daß man beide 
fhmelzt und einander zufegt (Gomposition), Au} ® Miſchme⸗ 
tal. S. db. 

Das Metallglad, —es, 39. von mehren Arten, —giäfer, ein aus 
Metal sher metallifhen Körpern geſchmelztes Glas, 3.8. die Fritte, 

Der Dretallglimmer, —6, 2%. gl. Slimmer ‚mit golbgelben und 
Kiberweifen Wiätthen, Golbglimmer, Glisergiimmer (Mica me- 

. talliea). 

Das Metallgold, —et, o. 2. f. Metall. ; 

Dad Metalldorn, —ed, Mi. — hoͤrner. 1) Fin metallenes Horn. 
=) Ein Stampfhern, eine Art Trompetenfäneden, im Indiſchen 
Deere x. (Buceinum persicum L.); auch Rudelfeſchnecke, Perfir 
ſche Schnede, Brosmaut, Affenfterz. Affenhintere. 

Metollicht, adj. u.ndv, dem Metalle nlich. Stieter. 

Metalig, adj. w adv, Metal enthaltend. 

Metalliſch, —er, —te, adj, m. adr. dem Metalle Ahnlich, Metall in 
#6 enthaltend. in metollifcher Stanz, rin dem Blanze des Mer 
tolles uticher Brany, Metalliſche Körper Meitalliſcher Sand, 
der Wetall enthält, — 

Der Metallkalk, —ıe, My. —t, Metall in Geſtalt eines Kaltes, oder 
im verlallten Bnflande, wo es einer Erbe gleit, bie aber mwirder in 
ein files, dichtes Meta dergeſtellt werten kann. 

Der Metalllönig, —a, 4. —t, Metall in feinem Auftande als 
werer dichter Mörper mit den ihm giefommenben Eigenfhoften. ©. 
—* Auch aur der König (Regulus) in Gegenfag vom Mer 
talltart, 

Das Metallkern, 6, My, =Bötner, ein Bleines gefhmolmen und 


276 


Mett 


wieder erhartetes Gtäd Metal; auch dloß bas Korn. 

Die Metallmutter, 9. — muͤtter, in der Mineriehre, Gxb- oder 
Steinarten, in weichen ſich die Metalle erzeugen. Dergleichen Mer 
tallmütter find ber Durary, Gpath, Ion, Kaltſtein ıc,, mwebhe bir 
Bergleute freundliche Bergarten wennen. j 

O Der Metalireiz, —ı®, 99. u. der Mehs, welden Metall auf Ren 
ven und Muskeln äußert, von-eimem Italiſchen Gelehrten Galvani 
zuerft bemerkt ober doch mehr erferfht, und nah ihen O Galvani- 
ſcher Reis, Galvanifches Reismirtel ©. (Galvanismas) genannt, - 

O Die Metallreizung, 2%. u. bie Reijung dee Nerven und Mus: 
fein buch Metal, ©, Metallers. 

Der Metallfafran, —es, Wi. u. bie ehemohlige Benendung ci 
mes Körpers, melden man buch MWerpuffung bes rohen Spitß 
Hlanzes und Salpeters zu gleichen Zheilen nad forgfältiger Auslau—⸗ 
gung des Rüdftandes erhieit (Crocus metallorum), 

Der Merallfand, —es, 0. 94. Sand mit Metalltheiten, mit @lim: 
mer vermifgt (Arena metallicay; 

Der Metallfchauer, —s, 29. gi. bei den Ärzten, ein abjehrenbes 
Fieber, welches mad einer ungefäldten Queckſilberkar einzutee 
ten pflegt, 

Das Metalfilber, —$, 0. 9. Viattſiſber, welches aus feinem Biun 

aber weiß gebranntem Kupfer geſchlagen wird, . 

O Die Metallverfegung, 34. —ın, bie Berfegung ober Bermis 
ſchung eines Metalles mit einem andern (Legirung). Auf bie Mer 
-taldefhidung. i 

# Der Metel, —6, 9. u. eine Pflanze, welche eine Art bes Geſchlech⸗ 
tes ausmacht, zu weldem der Stechapfel gehört (Datura metel), 
Remnid, 

+ Das Meter, Meterich oder Metram, —es, By. u. bei But, 
terfrant. 

Der Meth, — s, 9. von mehreren Arten, —e, ein Wetränt, weis 
es vermittelt der Bährung aus Bonig mit einem andern flöffigen 
Körper bereitet wird, Dee aus Honig und Walter bereitete tmied 
ſchlechthia Meth, deſtimmter Waſſermtth genannt. Weißer Mech, 
Meth aus weißem Honig und Waffer bereitet, zum Unterfchiebe vom 

: braunen Met, Meth brauen. ©. Weinmeth, Mojimerh, Ef 
figmeth, Biermeth. 

Das Methhaus, —ed, 9. —häufer, ein Haus, wo Meth gemadt 
unb verläuft wird. 

Die Metbfchente, 99. —n, eine Schenk · wo Beth geſchenkt wird. 

Der Methfieber, —6, 9. al, eine Perfon, welde Meih zu ßeben 
ober zu bereiten verficht. 

+ Der Metfcherting, ſ. Meſcherling. 

+X Dad Mett, —es, Di. van mehreren Sorten ober Mengen, —t, 
Fltiſch, von melden bas Bett abgeſondert iſt, befonbers ſolches 
Scqhwetiufleiſch. Daher die Mettwurſt. " 

T. Die Mette, 4. —n, in ber Kömifhen Kirche, derjenige Sottes⸗ 
dlenſt, welcher in ben Rieden und Klöden no vor Anbruch des 
Tages gehalten wird, Im manden evangelifhen Kirchen wird auch 
die Keühprebigt no Mette genannt; dann ehemahls Überhaupt das 
Morgengebet. 

Bis daß fie zur Metten ging am dem anberen Morgen fräß. 
d, Nibelungen 8. B. 5004. 

In weiterer Bedeutung and der Gotteadienſt, welcher in der Racht 
ober am Abend vor einem Feſte gebalten wird, 4.8. bie Kriſtmette. 
2. + Die Mette, 84. —n, im R.D. bie fliegenden Spinnemeben im 

Herbfie, von welden bie @toppeln auf dem Weite, bie Wieſen ıc. 

besogen werben; auch Marienweben, Grasweben, Sommerfaͤden, 

» fliegender Sonmer, Altweiberfommer genannt, z 

3: + Die Mette, 0. 3. in Ehmaben und Watern, der Biem (viel 
deicht mit 1. Mette ober bem Frauzöſiſchen meute verwandt). 

+ Der Mettel, —6, 9. gl. der Regeniwiem. ' 

+ Das Mettenbrot, —e6, Pi. u. ein unsigenttliher Muobsud in 


Mett 
Sqhwaben, bie erſte Bothſchaft von einer glädtien Bade, Begeben⸗ 
heit zu begeichnen. ’ 
© Das Mettengemebe, —6, 2. gl. bie Metten, welche im Herbſte 

‚ bie Wieſen und Belder wie ein Gewede Äberzichen. 

Hier von der herbſtlichen Flur von fhimmerndes Mettengewebes 
Beimgelehrt. ” 

+ Das Metterriholz, —et, 29. m. das Holz bes Heckentitſchbaumes. 

Die Mettwurft, Rj. — wuͤrſte. 2) Murft, melde aus Mett d. $. 
gehadtem S@mweinsfleifhe gemacht ik, beſenders, ſedoch mit dus: 
fhliegtih, wenn fie no nicht geräudert iſt. Geräudert heißt fie 

‘ gewöhnlicher Schladwurft. Im Dsnahrädigen hat man bas Sprich⸗ 
wort von einem unverftänbigen Shwäger: Er kuhrt (kiret, ſchwatt) 
als wie eine Mettwurft, "bie an beiten Weiten offen if. 2) In 
Balern, Wurf, melde man nah der Krifkmette ift. 

*%* Der Meb, —en, 29. —en, einer ber hauet, vom metzen, bauen 
ein nur noch in dem Worte Steinmeg vorfommendes Wort. 

1, Die Metze, 4. —n. 1) Ein Map zu trodenen Dingen. In 
den meiften Gegenden Deutſchlande ift bie Mehe ein Fleines Ma, 
welches ben vierten hell eines Wiertels oder den ſechzehnten eines 
Scheffels beträgt, und im Dgnabrädfhen aud ein Becher heift. Ia 
manden Gegenden hält eine Mehe wieder vler Maͤzchen oder Mäfel, 
Eine folde ober Ähnliche Metze iſt auch diejenige, deren ſich die Mäls 
lee bebienen, das ihmen von jedem Scheffel Getrribe, ber zum Mah⸗ 
len gebracht wird, Gebührende zu meffen; die Mahtmeke; im R.D. 
die Matte. Außer diefem Maß ift aber im O. D. mod ein größe 
zes unter bieferh Namen gewoͤhnlich, welches in- Nürnberg den ade 
tem Theil eines Malters beträgt und vier Diethaufen haͤlt. In Res 
seneburg ift Ale ber gafte Theil eines Schaffes, in Xugsdurg aber 

ber achte Zhell. Im Um hat ein Immi vier Mitteln oder 24 Mes 
gen oder 96 Biertel. In Frankfurt am Main und in ber Pfaly, 
wo man auch Meſte dafde faat, Hat ein Achtel oder Malter 4 
immer, 8 Miten, 16 Sechter oder 64 Geſchelb. In Erfurt hält 
ein Malter 4 Biertel, ı= Scheffel, 48 Mepen ober 19= Mäfdhen: 
Im Öfterreigilhen Hält eine Wetze 4 Blertel oder 3 Achtel und 30 
schen auf ein Muth; drei Wiener Metzen find gleih vier Hamburgis 
(hen Faß. =) In weiterer Bedeutung für Befäg überhaupt, J. B. 
im Hennebergfhen, wo man Salımeye für Salzmeſte fagt. 

2. X Die Mite, y.—n. 1) Eine liederliche ausfäteifende Weihe: 
perfon. Ehemahls wurte #6 als ein mit Maͤdchen verwanbtes Wort 
aud in gleihgältigem Sinne gebraucht, für junge Meibsperfon, ber 
Tonders fofern fie als Beifhläferinm gebraucht wurde. „Einem jeg: 
Tien Manne eine Mege oder zwei zur Ausbeute. Richt. 5, 30. 


Dft gebraucht man es aud für Magd. S. d. Metze wirb als ein. 


weniger unanfänbiger aber verädhtlidierer Ausdruck als das Wort 
Hure gebraucht, indem der Wegriff bes Geſchlechtes darin hervor ⸗ 
fit, mwährnd bei Hure der Begeiff bee fleiſchlichen Bermifhung 
aufer der Ehe aus Sinnlichkeit ober gar als Gewerbe ber derdotlte ⸗ 
Hende Begriff if. Im D. D. wirb Metze auch für Bee ober Petze, 
eine Hänbinn, wenn fie laͤufiſch If. gebraucht. =) Der Rame einer 
ehemapls üblihen Art großer Kartaunen, welche bei Belagerungen 
gebraucht wurden unb 100 Pfund au drüber ſchoſſen. Da ein fol 
des Städ ia D. 8. auf die faule Magd und ia N. D. bie faule 
Mette oder Metje hieß, fo fheint biefes Wort in diefem Falle nur 
eine uneigentlihe Bebeutung ber vorhergehenden zu fein. Man hatte 
ehernahts Scharfe und faule Meben. - 

3. + Die Metze, 4.—n, eine Fleiſchbank. &. Menge, 

%* Die Metelbant, 2. —bänte, die Schlachtbank. 

Die Metzelei, 9. —ın, ein ungeſchicktes Schneiben. S. Mepein. 
Dann, ein unter einer Menge wiederholtes blutiges Hauen und Ste⸗ 
Sen, mit welder Bebeutung oft no ber Begriff ber Graufamfeit 
verbunden. iſt. 

Metzeln, v. trs. das Weröfterungs: und Werftärfungsmört von meben, 
ungeſchiat ſchneiden, fo daß man das Werkzeug, womit man ſchaei⸗ 


—— 


Meuche 


bet, mehemahls fin und her zlehet, keinen velnen Schnitt thut, fon: 
been mehr verffümmelt; im gemeinen Sehen fagt man bafür auch 
zermeheln, fonft aber fehen, zerfegen. Im D. D. gebraudt man 
es auch für ſchlachten, daher dort der Mehger aud Metzler genannt 
wird. Am bäyfigten aber gebraucht man metzeln und befonders nies 
bermegeln, für, mit vielen Hieben ober Stichen miedermaden, töb- 
ten, womit zugleich der Rebenbegriff einer Menge, bie auf folche Art 
niedergemacht mirb ober ih niebermaht, unb der ber Graufamfeit 
verbunden zu fein pflegt. D. Metzein. D. — lung. 

1. Meben, v. intrs. mit bee Mede meffen, abmeffen. Der Mäller 
mebet, wenn er bie ihm zukeumende Mahlmege von dem zu mahlens 
den Getzeibe nimmt. D. Metzen. D. —ung. 

2. Metzen, v. trs. ehemapis [hneiben, hauen, uledermachen ıc.; jegt 
im D. Di neh für ſchlachten gewöhniig. D. Megen. D. ing, 


Das Mebengeld, —es, 34.—tr, dasjenige Geld, welches man bem 


Mäler anflatt der ihm gebährenden Mahlmege giebt; das Mahlgeld. 

© Das Metzenhaus, —ıs, 3. —häufer, ein Haus, in welchem 
fh Megen aufhalten, ober in welchem Megen unterhalten werben ; 
ein gelinderes Auadruck als Hutenhaus. „Diefes große Mepen: - 
baus* (Palnis royal), ®, 

Mekenmwelfe, adv. nah Degen. Etwas metzenweiſe kaufen, verkau⸗ 
fen. 8. " 

+ Die Mebge, 9. —n, bie Schlachtſtätte, bie Fleiſchbank. „Das 
Land umber gleicht einer Metzge, wo Menſchen ſteiſch mwohlfeit ift.* 
Soͤthe. ©, 3. Metze und Mepig. 

+ Mesgen, v: trn im D. D. ſchlachten und gerfauen; auch mebeln 
und mit diefem aus meben gebifdet, D. Metzgen. 

Der Mepaer, —t, 4. al; bie —inn, 34. —en, einer ber 
mennet ober ſchlachtet umb bat geſchlachtete Wied in Städe hauet, 
ein Sdiähter, Bieifher, welche baffelde GSewerbe von verſchiednen 
Griten, von der bes Schlachtens, umd von der des Fleiſchverkaufens 
Bezeihnen ; befonders it Metzger im O. D. gewoͤhmich, wo man au 
Mepier dafür fagt. March der Metgerburſche, Mepgerknect, 
Mesgerhund ac. der Burſche, ber Auecht oder Befell, der Hund it. 
eines Mebgers. Chemahls hieß der Schinder auch Mehger. 

X Der Mebgergang, f. Fleifhergang. 

Der Metgerhund, ber Metzgerknecht, ſ. Mesger. 

X Die Mebgerpoft, 2. —en, die Fortfhaffung von Briefen und 
Soden durch Mehger. 

+ Die Metzig, y.—ın, im D.D, die Fleiſchbank, mo es auch Metzg 
und Metge, Metze lautet. 

Der Metzkaſten, —®, Sy. gt. in ben Müpten, derjenige Kaſten, in 
welchen ber Mäller frine Maflmegen ſchüttet. 

Der Metzler, —6, 2M. gl. einer der megelt. S. Metzeiln. She 
maps aud ber Fleiſcher. 

Der Mebner, —®, 4: gl. in den Mühlen, derjenige Müplentnappt, 
.. das Megen verrihtet und an mandıen Orten auch Mehlmei⸗ 

er beißt. 

+ Der Meuchel, — , 7. ol. in. Schwaben, ein heimtüͤckiſcher Menſch. 

© Der Meucdelbund, —es, 3. —bünde, eine heimliche und bin« 
terliftig zum Nachtheil eines Andern gefhloffene Berbintung (Cabale, 
Eompleat). G. 

* Die Meuchelei, 94. —en, eine meunchteriſche, d. d. heimliche, 
dinterliige einem Andern ſchaͤdliche Handlung; mie aud rine folde 
Anftiftung (Cabale, Gomplott) bei Schottel, „Sie hatte ein 
Complot, auf Deutſch, eine Meuchelri angezettelt." C. „Dam hatte bie 
Ausführung ber Meuchelei dem Schne bes Rönias Übertragen.“ Derf. 

* Meuchelifch, adj. u. adv. meuchteriſch. ©. b. 

Der Meuchelmord, —es, MM. —e, ein beimliher, hinterliſtiger und 
tücitcher Wetfe verübter Mord. Einen Meuchelmorb begeben. 

Der Meuchelmoͤrder, —s, 4. gl.; die —inn, Di. —en, eine 
Perfon, bie einen Meudelmorb begehet. 

Meuchelmörberifch, adj. u. adv. einem Meuchelmorde Ahnlich, darin 


Meuch 


gegruͤndet, gleich einem Meuchelmoͤrder. Hei 
3% Meucheln, v. intrs, u. trs, deimlich, hinterlifiig und tuͤciſch kan 
bein, heimlich und Hinterliftig zum Schaden und Werberben Anderer 
etwas anftiften (cabaliren), Ghemahls gebraugte man es auf im 
weiteren Bedeutung für heimlich Wöles thun, umb fagte bafür auch 
meufeln. „Maufen, meuchelm und machen was fiewollen.“ Luther. 
Darumd teuffeln unb meufeln fie, baber ihre Iofen Griffe." Derf. 
(R.). 8. 6. Berdiw. Cabale, 2) Hinterliftiger, tuͤtiſcher Weiſe 
morten. @inen meucheln. D. Meucdeln. D. —lung- 

O Die Meuchelrotte, . —n, eine meuhlerifge Rott:, eine zum 
Nachtheil und Verderben Anterer heimlich und hinterliftig verbundene 
Motte (Complot), 

Meucheltotten zu bemaffuen. Schiller. 

x Meucelfinnig, adj. u. adv. hinterliſtig, beimtädifd, 

* Der Meuchler, —, MM 9.5; die —inn, m. —en, eine 
Derfon, welche meuchelt, heimtüͤciſcher und Hinterliftiger Weiſe auf 
bad Berderben Anderer finnet (Cabalour), wie auch, welche heimlich 
und beimtätifh mordet. „Daß ich wiederumb meinen Meuchlern 
unb Berfolgern antworte." Wicel. (R.). 

Welcherlei Ice des Tobes fand Ügifihes, ber Meuchler? Bos. 
es morbete fie bie Meuchlerinn Riptemneftra. Derf. 
„Die Meuchler legten nummehr bie kLarve ab." G. 

Meuchlerifh, adj. u. adv. nah Art eines Meuchlers, einer Meute: 
tei ähntih and barim gegründet, heimlich und hinterliflig zum Schar 
ben und Berberben Anderer, „Das Haus, worin Winkelmann von 
feinem meuchleriſchen Bebienten ermorbet wurbe.* Seume. (Ü.). 

— und erfhlug mih meuchletiſch. Boß. 

Konnt' id in ihren Armen träumen, 

Wie meuchteriſch ihr Buſen fhlug? Gothe. 
Stieler hat dafür das kürzere uad beſſere meuchliſch. 

Meuchlings, adr. heimlicher, hinterliſtiger Weiſe. Einen meuchlings 
anfallen, merden. „Der Feind ſtellet ſich, als wollte er bir heifen 
und fädet dich meuchlings.⸗ Bir. ı2, 13. 

+ Das Meukorn, —es, My. u. dee Buchweizen. Remnid. 

Der Meuſch, —es, Dip. u ſ. Meſerich. 

1. Die Meute, 8. —n, bei den Sagen, eine Anzahl Jagbhunde 
won 50 — 60 Gtäd bei ciner Hee jagd; ſonſt eine Auppel und eine Dibe. 

2. Die Meute, 4. —n, ſ. Meuterei. 

* Meuten, v. intrs. Meuterei anfiften. 

Wirk bu ber frrhen Schar, bie nichts als meuten kann, 
Gebieten fonder Furcht x. Grophius. 
In weiterer Bebeutung, Uneinigkeit anftiften, z. B. durch Verltum⸗ 
dung, daher es auch im Schleſten für verisumben gebraucht wird. D. 
Meuten. . 

Die Meuterei, y. —ın, eine unerlaubte Berbindung mehrerer ges 
gen ihre Obern, gegen die Staategewalt. Berge. Auftuhr und 
Verſchwoͤrung. Meuterei anſtiften. Gprmahis gebraudte man 
Safe auch Meute, weovon es herkoͤmmt. 

Der Meuterer, —, M. gl. einer der ſich einer Meuterei ſchuldig 
macht, daran Antheil nimmt. Beſonders einer, ber eine Meuterei 
anftiftet. . 

X Der Meutmaher, —s, Bol. ; bie—inn, Dy.—en, eine Per: 
fon, bie eine Meute oder Meuterei anftiftet, 

Die Mewe, 4. —n; Bo. das Mewchen, ©. D. —tein, der Ras 
me berienigen Wafferoögel, melde einen geraden, ungtzähnten, loͤffe⸗ 
lichten, an der Spltze etwas frummen Schnabel, laͤngere Flügel als 
Schwaͤnze und Burge Füse mit drei burd) eine Schwimmhaut versuns 
denen vorn ſtehenden Zehen und einer hinten frei flebenben Behe has 
ben (Larus L.). &s giebt viele Arten davon, bie fi buch ver⸗ 
ſchledene Brbde und Farbe von einander unterfhriten, Wei ben 
Nenern machen mehrere Bögelarten, welche von ben Älteren zum Ges 
fhroht ber Mewe gerechnet werben, eim eigenes Geſchlecht aus bie 
Meet ſchwalbe oder Seeſchwalbe (Sterna), S. d. Die große bunte 


28 


Mid 


Mewe if am Kopfe, Halfe, Wruft und Bauhe weiß, auf bem Rär⸗ 
ten zur Hälfte (wars, an ben Fügen ſchmuzig gelb, und bie Schwung: 
febern Haben weiße Zpigen; bie graue Meve kat einen gelben Schua⸗ 
bel, graue Flögel und Näden; bie gemeine graue Merwe”(Larus 
canns L.) if Meiner unb hat einen ſchwarz gefledten Ropfunb Hals z 
bie graubraune gefledte Mewe Hat einen [hwarjen Ehnabel und 
heipt dei den Grönlandfahrern Burgemeifter (Larus fuscus L,), 
Die Eleine graue gefledte Mewe (Lurus nuevius L.); bie ſchwarz⸗ 
köpfige Mewe f. Lachmewwt. Die weiße Mewe mit brei Schen 
(Larus tridactylas); auch Wintermewe.. Die Isländifhe Mewe 
(Larus rissa,, ©. auch Brandyogel, Braunkopf, Weiftopf, 
Scwarztopf, bie Ringelmeme, Nobrmeve, Riremeve, Polmewe, 
iegermeiwe ıc. Davon das Memensi ıc,, bas Er ıc. der Meier. 
rt Der Mewenbättel, —6, 3. gl. der Stranbjäger, cine Art 
Ron S. db 3 

+ Der Mewendreck, —eb, 94. —ır. 1) Dre Dred ber Mewe. 2) 
©. Poſthorn. 

Der Mewenfhnabel, —s, 4: — ſchnaͤbel, eigentlich der Sqnabel 
eines Mewe; bei Klein aber ber Kame einer Art Patſchfüße, bie 
einen ſchwarzea Schnabel bat, der dem Schnabel ber Mewen ährllch 
ik, (Plautus rostro larino Kl,), 

Die Mewentaube, My. —n, eine Xbart der gemeinen Taube, fo 
groß wie eine Zurteltaube, mit Braufen Bruſtfedern und von allerlei 
Barben (Golumba turbita); auf die Haistraufentaube, der Kreis 

“ feifchnäbier, das Mewchen. 

Der Mewentaucher, —s, 3. al. ſ. Merchente. 

+ De Mewerle, Mz. —n, bie Waserle oder ber Magholber. 

Die Meye, Meyer, Meynen ic., ſ. Meie, Meier, Meinen ie. 

X Miau, ein Echallwort, wildes das Geſchrel ber Katzen nachahmet. 

X Miauen, x. intrs, Miau freien, von ben Katzen, deren Geſchrei 
dieſes Wort nachahmet; auch mauen, mauzen und maunzen. D. 
Miauen. 

Miqh, der vierte Jall bes Perfonenfürwortes ich, 

Michael oder Michel, —s, —n, ſewol ber Gigenname eines Erzen⸗ 
geld, wo 26 immer Michael lautet, als auch ein Mannstaufname, 
Im gemeinen Leben gebroudt man Michel wie mande andere Ras 
men als Hans, Bürgen, Kite, Thrine, auch verätiih und nennt 
einen groben Menihen einen groben Michel, und einen Menfden, 
ber chne Umftände und geradezu fpriht und banbelt, wie aud nad 


- Ab, einen Menſchen, ber nur fein Deutſch serfichet,, ba er bad ou 


andere Spraden verfichen follte, ober ber in fremben Spraden, bie 
er let foriht, Deutftheiten vorbelagt. einen Deutſchen Michel. 

Die Midyaelöbirn, 9. —en, eine Sorte Herbbirnen, 

Die Michaelsblume orer Michelöblume, 9. —ı, ein Name ber 
Herbizritiofe (Colehieum antumnale L.) j auch Michelswurz. 

Das Michaelsfeſt eder Michelsfeſt, —es, 3. —«, ein su Ehren 
bes Erzengels Midtael ım ber kriſtlichen Kirche eingeführtes Teft, 
welches an dem ihm geweihten Tage, dem Michne!d: oder Michels: 
tage, welches ter zgfte bes Herbſtmonda If, gef-iert wird 

Das Michaelshuhn oder Michelshuhn, —s, u. — hübner, ein 
Binshuhn, welches im Herbſte gegen Michaelstag gegeben werben muß; 
das Herbfibuhn. 

Die Michaelöpflaume, 9. —n, eine Sorte Pflaumen (Prine de 
vacence), 

Der Michaelstag eder Michelötag, —et, 4. —r, ſJ. Michaelsfeft. 

Die Mide, y. —n. ı) Ein im R. D. und in tem Gäiffbaur tr. 
gebräudtihes Wort, weldes Öberhaupt etwas Babelförmiges, in zwei 
Thelle Ausgehendes bezeichnet. So find bie Micken in einem Boote 
Gifen ober Zepter, deren oberſtes Ende zwei Arme wie eine Gabel 
bat, worauf ber Maft aelegt wird, wenn man nicht frgeln kann. Dre 
gabelförmige Au⸗ſchnitt am Ende ber Goffel, welche an beim Mafle 
auf umb nieber fährt, beißt ebenfane Mide, Beim Reep'äläger if 
die Micke eine Art Bol, beffen oberſtes wagerecht Tiegenbes Holz 


Mick 
mit Hirzeenen Srägeln wie mit Reden verſehen If und welches bient, 

‘ die Daten zu tragen, , Daher es im Dönabrätihen überhaupt für 
Stöge gebraucht wird, An ben Pumpen if bie Mide ein Holy 
mit einem gabelföxmigen Ausſchnitte, in melden ber Sedſtock vermits 
teiſt einea Wolzens befefliget wird, Röbing. Im N. D. verſteht 
man barunter au eine Meine Pumpe in dem ‚Däufern ſelbſt, bas 
Maffer aus unterirbifhen Röhren herauszupumpm. Sn ben ef 
fingwerten find Miden zwei Hölzer, mit welchen man bie Griffe ber 
Bange, womit ber Ziegel beim Baden bes Kupfers und Galmeies 
gehalten wird, zufammenbräft, =) Im N. D. ein Heine Brot, 
welches benen, bie gu Hofe dienen, gegeben wirb; vieMeiht überhaupt 
ein Fleiner Theil, befonders von Brot. 

+ Miden, v. intr, u. trs. im Holfteinifgen. 1) Umſchauen, ind Auge 
faffen. =) In Kleinigkeiten tabeln; grollen, ſchmälen. Schütze. 
D. Miden. D. —ung. Im Holfleinfhen ik auch Mik, Greul, 
gebraͤuchtich. 

Der Micker, —t, 94. gl. ‚bei den Fleiſchern, eine Benennung der 
Heinen fitten Gerärme beim Binbviche, 

Das Midadohr, — e6, Di. —eı, eigentlich das Ohr bes Mibas, 
eines aus ber Fabellehre bekannten Möniges, Im ber Raturdefhreis 
bung ein Rame 1) einer Art Mollen: ober Walzenfhneden, einer 
siemiih feltenen DOftindifhen Flußſchnecke (Voluta auris Midae); 
auch Schlidrolle, Sumpfrolle. a) Einer Art Ohrſchnecken im In» 
bifhen Direre und am Borgebirge ber guten Heffaung, bis 9 Zoll fang 
(Haliotis Midae) ; aud Rieſenoht, großes hohles Secohr, Hohlohr. 

+ Das Mivdel, — , 0.79. im RN. D. das mitte Bittergeas, f. 
Wieſenzittergtas. 

+ Die Midder, 9. —n, bie Kalbahräfe. 

Die Miede, 8. —n, bei den Beiniwebern, bie beiben Hölzer, woran 
bie beiden Schäfte bes Leinweberſtuhles angeknüpft find, unb bie wie 
der burh Ehnüre um ben Auerſchaͤmeln befeftiget find. Sie bienen 
dazu, die Schäfte wechfelsweife auf: und niederzugiehen, 

+ Der Mieder, — , 4. gl. bie Stockeute. 

Das Mieder, —b, Br. gl; Br. das Micderhen, O. D. —tein, 
‚ein Kielbungaftüd für weibliche Perfonen, weißes ben keib bebeckt, 
keine Ärmel bat und unmittelbar über dem Hemde getragen wird; 
das Leibchen. Wie ſchalkdaft vereith 

Das fliegende Mieter 
Die ſchlanteſten lieber. Weiße, . 

+ Die Miege, 94. u. im N. D. ber Harn, die Piffe. Daven mie 
gen, harten. 

+ Das Miegemfen, —, 29. gl. im N. D. bie rothe ober braune Ameife; 
and Miegemerten, vonmiegen ober migen, piffen und Emte, Ameife, 

+ Miete, —ne, Bw. Miekchen, ein Weibertaufname im gemeinen Beben 
R.D. für Marie, eigentlich für Mariten (Mariechetn). &. Maria, 

X Die Miete, 94. —n, bie Kate. S. Mine. 

Die Miene, a. —n, rin Bug, eine Bewegung bes Geſichtes als 

» Yusbend einer Innern Gmpfindung, woraus man gemöhntih richtig 
auf den Zuſtand des Bemäths und ber Seele ſchließzen kann. Dan 
arbraudt es von bergleihen vorädergebenden Bewegungen ber 
Thelte bes Gefihts, bie ein unmilfäprlicher Ausdtuck von Eigenfhaften 
bes Gemärhs und Geiftes Find. Wergl. Geberde. ine freundliche, 
finftere, fpdttifhe Miene machen. Einen mit verähtliher Mient 
anfehen. Gine heilige, fromme Miene annehmen, Ad heilig, fromm 
Helen. In eines Minen lefen, aus feinen Witnen feinen &relen- 
oder Gemäthszuftand erkennen. „Die Miene, mit ber ſie biefe Rad: 

» richt aufnehmen wird, fol mir Ihre ganze Seele erltären" Gen: 

“ nenfels. 


— 





Es (das Bint) hab ih, und wurbe 
Keuriger, unb von. dem hochaufſchwelleuden Herzen ergoß ſich's 
In die Mienen empor. Die Mienen verfündigten Philo. Klepft. 
Unrigentlih auch ron Thirren, von unbelebten wie auch von unkoͤr⸗ 
pesliden Dingen, für Geſtalt, Ausfchen, Anfıhen. Das Schaf hat 


— 


Mieth 


eine fromme Miene. Der Wein, bie Epeiſe macht tine gute Wiene, 
hat ein gutes Nufehen, Igeint gut zu fein. „Die Tiabildungslteaſt 
giebt ben Sedanken rd Verflandes gleihfam bie eigenthümllche 
Miene, wobush fie fi leicht von einander unterſcheiben laſſen.“ 
Gellert. Die Diene Haben, bad Anfehen baden, danach cusichen. 
Sie Hat die Miene nicht ihn unbelchat zu quäim. Wielanb, 
Miene machen, burh feine Miene eine Gewartung veranlaffen, dazu 
berehtigen, fi fielen. Der Beind machte Miene, den rechten Fils 
gel anzugerifen, machte Anftalten dazu oder fihien Anfaiten dazu zu 
madıen , fhien ihn angreifen zu wollen. Sprichw. Gute Miene zu 
böfem Spiel machen, bei unangenehmen Gefühlen verguügt ausfchen et. 

OX Wieneln, v. intrs. Bienen maden, bush Mienen zu verfehen 
geben (ininaudiren), — und mienelt Höhft wehlgefäilig mit ſich 
ſelbſt· (im Spiegel). Benzel, Sternau. D. Mieneln, 

O Der Mienenvdeuter, —s, Bi. gl.; bie —inn, Dig. — en, eine 
Perſon, welche die Mienen deutet, von ihnen auf ben Zuſtaud und 
bie @igenfchaften des Gemuͤths und Beiftes zu fliegen verfleht (Phy- 
siognom), ud ber Mieneniefer, ber in den Mienen gleihfam 
liejet was fie ausdrucken. Weide Ausbehde aber find zu enge, Beſ⸗ 
fer, Gefihtöforfher. S. C. Verdw. 

X Die Mienendeuterei, By. —ın, bas Deuten bes Mienen. ©. 
Mienendeuter. 

© Die Mienenfunde, 0.99, die Kunde ober Kenntaiß von ben Mit 
nen auf ben Zuſtand und bie Eigenſchaften bed Gemätdes und Brifes 
zu fhliepen, biefe aus jenen zu erkennen (Plıysionomik); gegenflänb: 
Hd und als Eahre detrachtet dieMienenlehre, E. Umfaffender, bie 
Geſichtskunde. Abend. 

® Die Mienenlehre, &y. u. ſ. Mienenkunde. 

O Der Mienenleſer, —s, M. gl.; bie —inn, Dy.—en, f. Mies 
nendeuter. 

Das Mienenſpiel, —es, 9. u. bas Spiel d. h. bie Abwechſe ⸗ 
lung bie Mienen ſowel als anwilltührlichtr Ausdrücke bes Semüths 
und Seelenjuflandes, als auch als willläprliher Bewegungen des L 177 
ſichte, durch welche man grwiffe inmere Gmpfindungen zc. ausbruden 
wid. Das Mienenfpiel eines Schauſpielers. — und neues Beute 
goſſen Bit und Mienenfpiel des ſchlautn Boͤſewichte in Bertholbe 
Sr." BenzelSternau. 

Bir? Freund, rief mit tragiſchem Mienenfpiel, 
Des weiſen Wunderhotbs Emil. Ratſchky. 

1. + Die Miere, 94. —n, im R. D. die Ameife. ’ 

2, Die Miere, 9. u. ein Rame 1) bes zothen Hühnerbarmes, wel ⸗ 
her auch Sauchhell, Bogelkraut ze. heißt; rothe Miere (Anagellis 
arvensis L.); =) bed gemeinen Hühnrebiffes, welchet auch Vegel⸗ 
meier, Meterkraut ıc. heißt (Alsine media L.). 

+ Das Mies, —es, —e, das Moos. 

x Das Mieschen, ſ. Mieze. 

Der Mieſel, —s, By. gl. bri den Bottichern nah Friſch, die Heinen 
bei ihren Arbeiten abfallenten Stücchen Holz. 

Die Miesmufcel, By. —n, im N. D. eine Benennung ber gemei- 
nen zweiſchaligen Mufſchel mit veilhenblauer Tchale (Mytilus mus- 
enlus L.); Die efbaren Miepmufheln werben von Altern Schriſt ⸗ 
ſtellern auch Klaffmufheln genannt. j 

Die Miete, 4. —n. 1) So viel als Milbe. S. d. Käfemieten, 
Mebimieten. =) $ Im Oanabrückſchen, eine Muͤcke. Mieten heißen 
daſelbſt Maanen, n 

Der Miethader, —s, 9. —äder, ein gemietbeter Acket. 

Das Miethbier, —es, 2. —e, an manden Orten, z. B. in Wit 
tenberg, Biere, welde auf bes Vermieters Haus gebrauct unb vers 
zopft werden mäffen und nit in bes Mirtpmannes Haus gelegt 
und daſelbſt vergapft werben brfen. j 

Der Miethdienfi, —es, Di. —e, rin gemietgeter Dienft, der Dienſt 
eines Mirthlinges. Rramers Deutſch- Itat. Wb. 

1. Die Mieihe, 89. —n. 1) Das Berpältnig zwifgen dem Mir 


Mieth 


thenben und Wermiethenben, umb ber baffelde beflimmende ober ſeſt⸗ 
fegende Vertrag. Einen in bie Miethe nehmen. Etwas zur Mierhe 
deben. Zur Miethe wohnen. Kauf gebt vor Mierhe. Die Mierhe 
auffagen. 2) Das Geld worüber man fid für eine gemietpete Bade 
verglichen hat; befonbers das Geld für eine gemietpete Mohnung. 
Die Miethe bezahlen, ſchulbig bleiben. Ja weiterer Bebeutung che» 
mahls, aud für x X 8chn, Wergeltung. 
Da gaben fie ihm zur Miethe das Ribelunges: Echwert. 
d. Nibelungen &. 8. 5381. 

Und in moh weiterer Bedeutung für Geſchenk. „Es fol niemand kein 
Mietnoh Baden nehmen" ıc. Bluntfhll. 5) + Cine gemiethete 
Bade, beſonders eine gemietpete Wohnung. „Fuͤhre mid in meine 
Miethe.r Thaͤmmel. r 

2. + Die Miethe, 4. —n, In ber Lanbwirthſchaft einiger D. u. 
R. D. Gegenden, in geoßer runder oben fpihiger Haufen Barben 
ober Stroh, welchen man bann im Freien errichtet, wenn man in 
den Scheuern nicht mehr Plat dazu bat; im ©. ©. ein Fehm, Feim 
ober Heimen, R. D. Finne, um Hamburg ein Diemen ıc, 

Miethen, v. trs, id) den Gebrauch einer Sache ober-eines Rechtes [os 
wol über eine Perfon als Äber eine Sache buch ein Begenverfprer 
den, worüber man Abereingelommen iſt, befonbers gegen Beyahlung 
verfhaffen. Einen Aneht, eine Mogb, einen Webienten miethen, 
mit ihnen einen Vertrag errichten, daß fie um beftimmten Lohn für 
uns arbeiten, wobei die Zeit wie Tange biefer Wertrag dauern fol 
nicht mothwenbig genau beftimmt zu fein braucht und wobei bie Ars 
beiten aud verfhieden fein Finnen und nicht eine Arbeit Einer Art 
zu fein braudt,; für melden Fal man bingen gebraucht. Matt. 
20, 2 mo es heißt: „Arbeiter zu miethen in feinen Meinberg,* 
ſteht es für dingen, wofür es im gemeinen Beben auch nod) gebraucht 
wird. S. Miethkutſcher, Miethlakei ıc, Welonders, ſich ben Ger 
brauch einer Sache gegen eime andere bafür zu gebende ober zu Iris 
ende Sache, befonbers gegen Welb auf eine gewiſſe Ztit verſchaffen, 
ohne ben Nießbrauch derſelben, wenn einer bamit verbunben ift zu 
daten, wofär man pachten gebrauht; ch es gleich mit biefem zus 
weilen verwechſelt wird, wern man fagt rin Gut, Landgut miethen. 

" &inen Garten miethen, ſich den Gebtauch beffelden für Belb ıc. vers 
(haffen, da man fi darin vergnügen kann rc. ohne von bem was in 
demfeiden wäh Gebrauch machen zu bürfen. Ein Haus, eine Mich: 
nung miethen. @inen Wagen, ein Pferd, ein Shi ıc. miethen. 
Der Gebrauch dieſes Wortes ift singefhräntt, indem es nicht von 
allen Begenfländen, beren Gehrauch man fi für Geld ie. verfchafft, 
gebräudtic ift, indem man z. B. nicht fagt, Bäder miethen und 
vermiethen, fondern leihen und verleihen. D. Miethen. D.—ung. 

Der Mietber, —s, 94. gl; die —inn, By. —en, eine Petſon bie 
etwas micthet, 3. B. rin Haus, einen Garten, Bumellen wirb «6 
mit Pater derwechſeit. S. Miethen. j 

Die Miethfrau, My. —en. ı) Die Frau, bie @igentpämerian einer 
vermietheten cber zu vermiethenden Sache. =) Cine Frau, melde 
in einem Haufe zus Miethe wohnet. 

Die Mietbfuhre, 2. —n, eine gemiethete Fuhre. 

Das Mietbgeld, —es, 9. —er. ı) Dasjenige Gelb, meldet man 
dem Befinde, wenn man es mielhet, zur Befeftigung bes mit ihm 

. gefäloffenen Vertrages giebt; ber Miethgrofhen, Miethpfennig, 
das Handgeld, N. D. Medelgeld, um Bremen Gottesſgeld. =) Das 
für eine gemiethete Bade bebungene Seld, befonders für eine gemier 
thete Wohnungs; gewöhnlich nur bie Miethe. 

Der Mierbarofben, —, 94. ol. f. Mietbgelb 1). 

Das Mirtbbaus, —es, By. —hlufer, ein Haus, walhes gemiethet 
ober vermiethet wirb, 

Der Miethherr, —en, By. —en, bee Herr, Sigenthämer einer ver 
mietbeten ober zu vermiethenben Soche. 

Der Miethhof, — es, 2. —bife, ein gemietheten Hof, 3. B. Baure 
hof. Keamess DeutſcheAtal. Dh, 


250 


Mieth 


Das Miethjahr, —es, ip. —, vines ber Jahre, auf wilde man 
etwas gemiethet hat; auch wol eins bes Jahre, auf welde man ſich 

Der Mierbtnecht etfeten 
er Miethknecht, —ı6, 4. —, ein auf kurze Zeit gemi 
Knedt; ber Lehn⸗ oder Lohnknecht. *— 

Die Miethkutſche, Sy. —n, eine Kutſche, welche man nebtt ken 
Pferden auf eine kurze Zeit, gu einer Reife ıc. micthet; bie Lohn ⸗ 
kutſche Lehnkutſche. 

Der Miethkutſcher, —s, 2. gl. 1) Ein auf kurze Zeit gemletha 
tee Rutfher. 2) Giner ber eine ober mehrere Misthlatfhen mit 
ben dazu gehörenden Pferden Hält und am Andere zu Reifen vermit- 
thet; ber Lohnkutſcher, Lehnkutſcher, in Baiern Lohnröfier, 

Der Miethlakel, —ın, 2. —en, ein auf kurze Zeit ya feinen Dien⸗ 
ften gemistheter kakei. 

X Die Miethleute, Ei. u. Beute, Perfonen, melde in einem Haufe 
sur Mieıhe wohnen, s 

Der Mietbling, —6, 9. —e, eine auf Furpe Zeit zu einer Arbeit, 
einem Gefhäfte gemiethete Prrfon. „Fin Mierhling, der nicht Hirte 
IR, def die Schafe nicht. eigen find ıc. Joh. zo, a0. Im veraͤcht · 
lichen Bexſtande bedeutet Miethling eine Perfon, melde ſich um 
ſchadden Cohn zu einer Sache, Verrichtung ıc. gebrauchen laͤßt. 

— Bas darf's ber Kraͤnzung? 
Bas des nichtigen Ausrufs 
BWelhen der Miethling pofaunt? Boß. 
Spemapis hie Miethling a) auch derjenige, welcher einen Theil voa 
etwas wieber nur jum Theil gemiethet hatte. O berlin. ») Gin 
Gingepfarrter, 

© Der Miethlingstroß, —ffes, 8. m. ein Troß, Haufe von M 

lingen, von für Geld feilen Perfonen, — * 
—Ein unzäpibarer Miethlingstroff. Bop. 

Der Miethlohn, —es, My. u. dee Lohn, welchen man einer zu gewiſſen 
Dienften gemietheten Perſon giebt, befonders melden bas gemietpete 
S:finde erhält; ber Gefindelohn, Jahrlohn, Liedlohn. 

Der Mietbmann, —es, 34. — männer und —leute ‚en Mann, 
bee von einer Perfon etwas miethet, befonbers bie bei einer Dırjom 
zur Miete wohnet, Chemahls auch, ein Miethling. 

Der Miethmeifter, —s, 19. gl. bei den Abdetern, ein Rame des 
Hatbmeifters, welcher dem Zeldmeiftee untergeordnet if, 

Der Miethpfennig, —e6,g. —e, f. Miethgeld 1). 

Dad Miethpferd, —es, in. —e, ein gemirthetes Pferd, ein Pferd 
welded man zum Vermieten Hält; das Miethrof. 

** Der Miethſchatz, —ıs, Ey. — ſchaͤe, das Wiethgeld. 

Die Miethſohle, 9. —n, in den Galzwerken zu Halle, diejenige 
Sople, melde der Bornmeifter zur Bejahlung ber Bornknehte mim 
tben barf, wenn ber Brunnen Flut bat, 

Der Miethſtall, —s, 9. —fälle, ein gemietheter Stallz; bie 
Wiethſtallung. Kramers Deutfä: Ital, Mb. 

O Der Miethſtuhl, —es, 94. —flühle, ein zu vermiethenter aber 
vermietheter Stuhl, z. B. in ben Rirden. 3. P. Riäter. 

Die Miethtruppen, &. u. gemietfete, frembe auf gemiffe Belt für 
Geld im Seld und Dienſt genommene Truppen, „Die Karthager 
nahmen von ben Lazedaͤmoniern Miicthötruppen.“ Funke, (#.) 

+ Das Miethuhn, —es, 9. — huͤhner, die große Wafferalle. 

Der Mietbvertrag, —es, 9. —vertraͤge, ein Vertrag zwifdgen 
ber mietbenben und vermiethenden Perſon, in melden bie Bed ingun⸗ 
gen unter welchen etwas gewiethet wird, feſtgeſetzt werden (iſeth ⸗ 
eontraet). 

Das Miethvieh, —es, o. 9. eigentlich gemiethetes oder vermiethe⸗ 
tes Vich. In den Schaͤferelen mancher Gegenden, J. B. in ber Lauf, 
der ſteht man bazunter fremde Schafe, melde gegen einen gewiffen 
Lohn Adermwintert werden; gewögnliher Haltſchafe. Epemapls, eine 
Schenkung vor ber Hochtit. 

Der Miethwagen, —s, 9. gl. ein gewietheter Magen, ein Magen, 


Miethw 


welchen man zum Vertaiethen hält, 


Mieibweife, adr. zus Miete, gemiethet. Ein Haus miethweiſe be 


ben, als ein gemictärtes Ding, zur Mirthe. 

O Der Mietbwohner, —, 9. gi.; bie —inn, 9, —ın, eine 
Pirron, weite zur Mirthe wohnet.. Kellner, 

Die Mietbzeit, My. u. die Brit der Miethe, von Anfang derſelben 
an bid vahin wo fie zu Mnbe gehet, 

Der Mictbzettel, ſ. Muthzettel. 

Der Miethzins, — es, By. —e, ber Bine für etwas, bas man ger 
mistiet hat, befombers für eine grmictheie Wohnung; auch biof bie 
Miethe. 

Mietig, adj. uw, adv. Mieten ober Milben enthaltend, voll von Mieten. 

“X Die Mieze, 9. —n; Bw. dar Miezchen, bie Benennung einer 


Kape von ihrem Geſchret; auch Mieke, Mieschen, Minel ic. „Da 


Hat du wirklich eime ſchwere Krankheit am Halſe, bu gutes Miez ⸗ 

ı Men Bensels@ternau, 

Und Mieschen unterm kehnſtuhl ſchuurrt. Woß, 
Anh gebraucht man Mic; ald Eigenwort womit man eine Kate 
»zuft, wolüe man auch Diez, Hinz, Kiez, Minz 1c. fagt. 

+ Das Miezel, —s, @. al. in Schleſien das Kalb. ir 

Die Micke, 29. —n. 1) X Eine Rage, Micz. 2) In Sqchwaben, 

‘im fpigiges Brot. Bel ändern Mile. S. Mide 2). 

Die Milde, 9. —n. 1) Der Rome eines Seſchlechts von Biefeen, 
weicht at Füße, jwri Xugen an den Seiten des Kopfes und zwei 
gegliederte fußförmige Fühlerchen haben (Acarus L.). Beſenders 
bielenigen Heinen Arten biefes Geſchlechts, melde den bloßen Augen 
faum fihtber find, und fi in bee Kinde alter Käfe, im Mehle ıc. 
aufsatten; auch Miete und im gemeinen Beben mander Gegenden 
Miele, S. Käfemilbe, Mebtmilbe, Kränmirbe, Ruhrmilbe. =) F 
In manden Gegtaden fo viel als Motte; befonders 5) ein Rame ber 
Kleibermotte. 4) Eine Art Maden, bie Sarnen gewiſſer Heiner Näfer, 
ir halten ih in ben Büchern und im Holze auf und zerfreffen bei: 

bed, 5 Im D. D. ein Rame des Raubalete, eines Bildes. ©. db, 
:Milbig, adj, u. adr. Milben enthaitend, Milbiger Käfe, RK. Mile 
biges Mehl, Auch mirtig und mielig. 

Die Milbentröge, 99. u. ein Ausſchlag, welcher durch bie Aueſchlag⸗ 

rer Aräpmiihe verurfacht wird, 

Die Mil, o. 29. rim weißer oder weißtihre weiher und milder Kbr⸗ 
per in ſolcher iſt die Mitch in der Wienenzubt, ber weiße dick⸗ 
de Saft in weichem die jansen Bienen, fo lange fie noch die Se⸗ 

ftalt von Maben haben, Hegen. Bel ben Filden männlihes Geſchlechts 
führt ber Same, meldher einen welßlichen, bidlihen zarten Körper 
bildet, dieſen Namen, daher diefe Withe felbft Milcher genannt mer: 
ben, In gembhnliher und engeren Vedeutung hingegen iſt die Mitch, 
eine weiße undurchſichtige Fläffigfeit von angenehmem ſüßlichem Ge— 
- fbmade, weide bei ben Frauen und bei Ben Weibchen ber ſäugenden 
Thiere aus bem Mlihfafte entflehet, fi in ben Bruͤſten und Eutern 
anfammelt, aus Butter: und Käfethelten unb Molken beſteht und den 
Rindern und Jungen der Thiere zur erſten Robrung dienet; im R. 
D. Melt. Frauenmilch oder Menſch nmilch, Kuhmilch, Schaf 
milch, Ziegenmitch, Eſeramilch, Pferdemilch at. Die Morgen- 
mich, Mittagsmilch, Abendmilch. Fruche Milch, eben aus ber 
Bruſt gezogene oder aus dem Futern gemeltte. Saßt Milch, friſche, 
welche einen ſuͤßlichen Geſchmack hat; in Segenſatz ter ſauern, bie 
einen ſauerlichen Bthmad bat, nachdem fie eine Zeitlang g.ftımben 
bat. Geronnene Mil, bie geſtanden hat und bei der fih bie 
dligen ober fetten Theile von ben Köfethellen und Molken gefchies 
bar: und eine feße Geffalt angenommen haben; auch bide Milch, 
weit fie bi ober eigenttih fe it; im M. D. Plundetmilch 
Pumpermilch, Bufammengelaufene oder geläiete Mich, Tolde, 
deren fetti;e, Phige Theile umd Mitten fich geſchieden haben. Milch 
gebın, Mi& in dem Guter abfen:een, von den Rüben, @rt fen ıc 
Die Milch abrahmen, im R. D. abflöten, den Rahm oder Flott 


.. Gampe's Börterb 3. Th. 


31 


Milchb 


von derſelben abuthmen. Bur Milch, amd mel, bed aicht gut, ia 

die Milch gehen, am einen Ort geben, daſelbſt Milch zu eſſen, obee 

su trinlen, Gine füge Mitch effen, füge Miih als eine Speife, 

“tous mit bes Misch oder Muttermilch sinfaugen, -gemiffe Geftns 

Bungen ı7. den ber jarteflen Jugend annehmen, von ber Mutter ober 

Amme Üderfommen. Ein Sefigt, Wangen wie Milch und Blut, 

bie zart weiß und zoth find, MHneigentiih werden auch andere flüfs 

Üge Körper wigen Hrer Üpntickeit mit der Milch in Xofehung ber 

Barde, Dide, oder ber milden Belhaffenpeit Mitch genannt. So 

heiß: der mitchweige dicklicht Saft mancher Pflanyen, J. B. dei £ir 

wenzahnes, der Welfamilch ıc. Milch, und einige biefer Pflangen 
beicmmen ſeibſt biefen Namen. S. Hundemilch und Wolfsmild. 

Gbenfads wigen der weißen Farbe und diclichen Beſchaffeadeit wirb 

eine andere Bläfigkeit Mondmilch geuanut. In den Rüden und 

Arzensilaben wird ein aus Kernen und andern I gebenden Samen 

once Fruchten begeitetes weißes und dictichte Getränk ebenfalls eine 

Mich genannt, S. Mandelmiih. Gehe uneigeatiih wird bie 

bee Art des Rheinweines in einem Meinen Bezirke bei Worms wer 

gen ber milden Befhaffenpeit unferer lieben Frauen Milch genannt, 

Der Milchachat, —es, By. —e, Achat von mildweißer Farbe. 

Die Milchader, My. —n, in der Zergliebderungskunſt, diejenigen 
an: melde ben Milchſaft in bie große Gekrbedrüſe leiten (Venne 
sctoae), “ 

Der Milchahorn, —es, 2. —e, en Name bes Ahornes. Der 
große Milchahorn, bie Leene, weil die jungen Gäößlinge einen 
Mishfaft enthalten (Acer platanoides L.); der Beine Milcha⸗ 
born, ber Felbaporn oder Masholber (Acer campestre L.), 

O Die Mildanftalt, By. —en, eine Anftalt, die Milch aufzuber 
wahren unb zu benäsen, eine Milcherei ıc. „Du wisft erfaunen 
über bie vielen großen Kühe und über meine Wilchanſtalten.“ E. 
Wagner. 

Die Milcharche, 4. —n, f. Milchboot. 

Milhartig, adj. u, adv. bie Het ter Milch habenb, befonbers In An: 
fehung ber weißen Farbe und bielihen Beſchaffenheit. 

Der Mithafch, —s, 9. —aſche; ein Aſch, in welchem man bie 
Mid zum Berinnen und Xnfegen des Mahmes fichen läßt; ber 
Milchhut. 

Dad Milchauge, —, 9 —n, bei ben Augenarzten, ein Auge, ie 
weldem ſich die waͤſſerichte Feuchtigkeit verbunkelt bat, melden bei, 
Wöönrrinnen gefhieht, wenn fih bei Beiegengeit eines Milchabſa⸗ 
* Milch im bie vordere Kugentammer ergoſſen hat (Hypogala). 

.er. 

O Der Milchbach, —es, 9. —baͤche, ein Bad gleihfem, ber fait 
bei Boffers Milch encpält, 

im Thale floß 

Bon deinem Bauberflab’ ein Milchbach. Rättner, 

Das Milchbad, —es, My. —bäber, ein Bab, aus With bereitet, 

ba mar Üb in Milch badet. 

a Die Milbbahn, By. —en, für Milchſtraße. Lirdge, 

Der Milchbart, —es, By. —bärte. 1) Ein aus Mitähaaren ber 
Arbenber Bart, ber erfte zarte, wollichte Bart eines Menfhen; au 
ber Federbart, im D. D. Gauchbart, Löffeibärtiein. Dann auch 
veroͤchtlich, X ein junger Meuſch mit einem folhen Sarte. =) X 
Eine Perion, bie gern Mid und Milhfpeifen genieft; ein Milch⸗ 
maul, Milchzahn. 

Milchbaͤrtig, —er, —fle, adj. u. adr. einen Milhtart habınd. „Fin 
junger milchbärtiger Kremsmönfterer.* Popowitſch. (R.) 

+ Der Milchbaum, —ed, 94. —bäume, ein Rame ı) dee Müller 
ober Biene (Acer platanoides L.); 2) bis Bergahornes (Acer 
pseudoplatanus L.); 3) des Perjbaumes (Cerbera manghas). 

Das Milhbehältniß, — ſes, 2. — ſſe, ein Behättmip für die Mid, 
fir darin auf: bewahren. Ia ber Beralicherungstunf fährt biefen 
Ramen rin Behältnig gleichſam am Rüdgrathe, in welches fih die 


36 


Milchb 


wilchgefaͤße ergiehen (Cisterna lactea). 

Die Milchblume, Mz. —n. 1) Ein Pflanjzengeſchlecht, bei weldem 
das Slameublait biettellerfbemig (hypocrateriformis) if, fünf 
Staubbeutel enthält und einen bis zur Hälfte geſpaltenen und. mit 
rundlichen Staubwegen geendigten Griffel (Galax L.). Der eifbes 
mige Fruchtbalg öffnet fi mit Schnellteaft in zwei Klappen und 
enthält zwei große Gaumen, dader fir von Anderen aud der Schneller 
genannt wird, =) Die genieine Kreuzblume (Polygala vulgaris L.), 


Das Milchboot, —rs, By. —e, märbe tigentlih ein Boet heißen, 


welches Muh zuführt, berbeiführt. In ber Raturbefhrribung bes 
legt man aber mit biefem Ramen eine Meine milgweiße Seemufhel 
im Mittell Andiſchen Merre (Arca lacten L.); die Milcharche. 

Der Milbbrantwein, — s, I. u. ein Brantweln oder hidiges ber 
raufdendes Getraͤnk, welches aus den Molken ber Mil bereitet wird. 
Ein foldhes bereiten die Zataren häufig aus der Pferdemilch. 

Der Milchbrei, — s, My. —e, ein aus Wild und Mehl oder einer 
Häültenfrubt Sereiteter Brei; Milchmuß. 

Die Milchbrezel, Bu. —n , bei ben Beckern, Brezeln, zu welden bee 
Teig mit Mith angemadt wird. 

Das Mithbrot, — s, 9. —bröte; Bio. das. Milchbroͤtchen, bei 
ben Becketn, ein Badioref in Geftalt eines Broͤtchens, zu weldem 
der Teig mit Mild angemadt wird. 

Der Milbbruder, —s, My. —brüber. 1) @ine männliche Perſon, 
melde mit einer andern von besfelben Amme gefäugt worden if; 
sine Milchſchweſter, wenn es eine Perſon weiblihes Geſchlechte if. 
Kuh umeigentiih. — der Thorheit, biefee Milchſchweſter der 
Menfhtrit.e Bengel:Sternau. 2) X Eine Perfon männiides 
Geſchlechts, welde den Genuß dee Milch liebt, ein Milchmaul, 
Mithbart; eine Milchſchweſter, wenn es eine Perfon weiblides 
Geſchlechts if. 

O Die Milhbräberfchaft, 9. —en. 1) Dee Zuftand, der Fall, 
Da eine Derfon von bee andern ein Milchbruder ift; ohne Mehrzahl. 
©. Mithbeuber 1). Im uneigentlier Bedeutung gebraudt es J. 
V. Richter — das Pathchen — mit bem fogar der Kaiſer Jo⸗ 
fef Milchbruͤderſchaft trinken würde, wenn ex ned darin wäre.“ 
a) Eine Perfon oder Perfonen, von welchen ein anderer Milchbruder 
gemefen if. Auf biefeibe Art kann man in beiden Faͤllen von Mild 
ſchweſteen aut Milchſchweſterſchaft gebrauchen. 

Die Milchbruͤhe, y. —n, die Milch als eine Brühe oder eine Bruͤte 
von Milchz Milchtunke. Urelgentiih nennen die Weißgerber die 
Ihwahe Kıtlbrähe megen ihrer mirhmeisen Farbe bie gute Milch 
brübe, wezin fie bie abgehäreten Felle legen; zum Unterfhiede von 
der frifchen oder guten Kalkbruͤhe. 

Der Miilbbrunnen, —s, 2. gl. in der kandwirthſchaft, eine im 
Milchkeller gegrabene Vaſſergrube, bie Milch im Sommer barin 
friſch zu erhalten. 

© Die Milchbruſt, =. —bruͤſte 
«ine Killende, adteente Bruft. Unelgentiih. „Mein Geift flog im 
Die Rizlonen (das SGebiet) ber Sergangenheit — zuräd — und auf 
benfelben Figeln Tüfkern und doch furchtſam un bie Miichbeuft der 
—— BenzelSternau. 4) Eine ſchoͤne weiße und zarte 


2 Ritodieb, —es, Du — e; die —inn, By — en. 1) Eine 
vVerſon, weiche Milch ſtiehlt, and wol nur Milch naſcht. =) X Ein 
Rame der Scenetterlinge, drfonders ber weißen und biafgelben; 
auch Molkendieb, Burtervogel. Mifhtrud, 

Die Milchdiſtel, Pr. —n. 1) Die gemeine Saudillel (Sonchus ole- 
zacens L.) 2») Die Martendiſtel ober Frauentifel (Carduus ma- 
riemns L.). 

Die Mithdrüfe, Pa. —n. 7) Prären, im welchen ſich With abfons 
bert. 2) Die —*4 bee Kaͤlber und Ummer; auch Milchfteiſch, 
Milchſtuͤc. 


£ Digen, nd. u, dr, Milch gebeud, milchend. Milchtues Vieh. 


— — 


2) Eine mit Mith angefälte, 


Milchg 


Milchen werben, Altmilchen, neumilchen. Im R. D. melk. ©, 
Altmilchen, Friſchmilchen. 

+ Der Milchen, ſ. Rainkohl. 

Milchen, v. HD utr. mit haben, Mich abfefen, Milch geben, von dem 
Weibden der Gäugethiere, befonders ſolchen, bie zugleich Ihrer Mich 
mwegen gehalten und gemolfen werben. Gine Kuh mildyt gut, wenn 
fh in ihrem Guter reichlich Wild anfammelt. Aud als trs. 

’ Eine Biege befommft bu mit Iwillingen, dreimahl zu melten, 
Die, zwel Bödtein mäprend, zugleich zwei Gelten bir vol milcht. 

Bo. 

Aneigentlid aud von Pflanzen, einen bee Miih ähnliden Saft flies 

fen laſſen. „Wenn man bie Stengel ber Seidenpftanze, bes Salate, 

des Beigenbaumes x. zerbricht, fo pflegen fie fehe Mark zu milden,“ 

Deynag. IL) trs, & für meifen. „Er milchte bie Kühe. Kopm 

bu. — D. Milchen. 

Der Milder, —s, @. gl. ein Fiſch männtihes Geldlehts, wegen 
feines milhichten Gamens, der Milch genannt wird, ber Milchner, 
—— Leimer; In Gegenſag des Rogeners oder Fiſchweibchens. 

& Milcherfuͤllt, adj. u. adv. mit Mich erfüht ober angefült. — 
midyerfüllte Eimer. “ Bof. 

Der Milcheſſer, —6, 4. gt. ſ. Milchmaul. 

Der Milcheſſig, —ı8, 9%. u, ein aus tem Deolken ber Milch bepeie 
teter Gffig. 

Die Milchfarbe, 9. —n. 1) Die weiße ſehr wenig Ins Biäulige 
fallende Farbe der Milch und eine dieſer Ähnliche Karte; ohne Wehr⸗ 
zahl. =) Eine mit Wild angemachte Farde. S. Milhmahlerei. 

Milhfarben, adj. u. adv. eine Milchfatbe habend; milhfarbig, 
milhmeiß. - 

Das Miihfaß, —ſſes, My: —faͤſſer, ober dad Milchfaͤßchen, —s, 
34. gl. 1) Gin niebziges Faͤßchen, Wilch baseim zu — ) 
Milchgloͤckchen. 


Das WMilchferkel, —s, Sp. gt. f. Spanferkel. 


2 

Das Milcfieber, — 5, 95. gl. bei den Ärzten, ein Fieber fiugenter 
Yerfonen, weiches von überfiüffiger und verborbener Milch Jerrüßs 
sit (Febris lacten), 

Der Mildfladen, —s, Ei. gl. der Milchkuchen. 

Die Milchflafche, Di. —n, eine Flaſche zur Mitch oder mit mitt. 

Das Milchfleiſch, —es, ©. Dip. anztes, weides Fleiſch; beſonders 
die weiche faftige Brufbrüfe an ben jungen Kälbernz das Milch⸗ 
ftüd, die Michdräfe, die Kalbemild. 

Der Millor, — s, 4. —e, eine Art zarten Flores, befonders 
dir mitbmeiße, 

Die Mildfrau, By. —en, eine Frau, welde Milch verkauft, zum 
Bırloof herum trägt; in ber härteen Sptechartt das Milchweib. 
Das Milchfriefel, —e, 4. gl. das weiße Frleſel der Wöhneriunen. 
Der Milchgang, —es, 4. —gänge, in der 3erglicterungstunft, 
Gänge, in weidıe fi die aus den Drüfenkirnden ber Deäfe kome 
menden feinen @änge vereinigen, bie nach der Warze hialaufen und 

deathin die Mil leiten (Ductus lactiferi). 

Das Milchgefaͤß, —es, 2. -—e. 1) Ein Gefaß, Milch darein zu 
millen, ober zu gießen ober Milch darin aufzubewahren ıc. =) In 
der Zergliederungs kunſt, die Saugatern der Dirme , welche zwiſchen 
den Platten des @ihrdfes Uegen und ben miitähnkigen Epeifefaft 
aus den dünnen Därmen vorzüglich im dem greßen linken Haupte 
Bamm führen (Vasa Incten). Auch die Gefäße in den Bräflen, in 
weichen ſich die Mit abfondert, werben Milchgefaͤße zenannt. 

Das Milchgeld, —es, 3. —er, das aus dem Verkauf der Milch 
arlöfet &.1H; nie ud, das zur Milch bellimmte Geld. 

Die Milchgelte, 2. —n, eine Gelte Mitch darein zu melten, bie 
Melkaelte; wir aut eine Belte, Wuch darin aufzubemohren, 

Das Mildigeihirr, — ed, By. —e, ein Veſchirr zu Milch. 

Die Milchgſchwulſt, 9. —geſchwuͤlſte. 1) Eine Sefdmnift der 
Bıuf oder Bröfe, wilde von ſedinder Muh herzühret und mis 


Milchg 
Sezmerz und Fleber Segleitet iſt. =) Eine Seſchwulſt, welche bei 
Schwangern und Mösnerinnen an einem ober dem andern Thelle 
bes Leibes in melten ih die Milch auf eine fehlerhafte Weiſe em 
goffen bat, entftchet. 

Das Milhgewölbe, —6, 29. gl. ein Sewdibe, Mild, darin aufjur 
bewahren. ? 

Das Milchglas, —s, 4. —gläfer. 1) Bine Art halb durchſichtl⸗ 
gem Mfafrs von milhweiger Farbe; opue Mehrzahl. =) Ein Glas, 

„Mild daraus zu trinken; wie au ein Slas ober Flaͤſhchen, wor 
aus mar Meine Kinder, bie nigt an ber Bruſt gefilt werden, Ri 
ſoaugen täst, 2 : 

Das Milhglödchen, —e, MM. gl. 1) Eine Art Glodenblumen von 
Sauer zuweilen weißer Farbe, melde im Herdfte blührt (Campa- 
aula rotundifolin 1.);5 auch Milchfaͤßchen. 4) Cine Benennung 
ber herabhangenten Warzen am dem Halſe ber Biegen. 

Die Milchgruͤtze, 9. u. mit oter in Mich gekochte Gräfe. 

Das Mildihaar, es, Wr. —e, bie weichen, wollichten und welß⸗ 
lUchen Baare, melde dem erflen Bart junger Mannsperfenen aug⸗ 

' mahin; das Federhaat, Staubhaat, im D. D: Gauchhaar, 
Gauchftdern. 

Als er zum Ihenling mun gereift, und um 
Das Kinn tas zarte Milchhaar angeflogen. Schit ler. 

. Im weiterer Bebentung werben auch dle zarten und meiden Baare 
an hfbren Thelten des Rp Milchhaare und Micchhärchen genannt. 

Die Milkhaarraupe, 4. —n, Raupen mit feinen wollichten Haa⸗ 

| ter (Lerene subpilorae). Hemnid. “ 

Der Milchharn, —ee, 9. u. 1) Ein weiglicher ſehlerhafler Harn, 
welcher mit dem aus den Speiſen Beselteten Mitdhfafte vermengt il 

sy Disjinise Meontheit, bei weichen der Bart biefe Befhaffenpeit 
hat (Diabetes chylasa); der Milchharnfluß. N 

Die Milchhaut, Dp. — haͤute. ı) Die Feithaut, welche ſich auf bee 
Milh anfett. =) Auch mol eine milhweiße zarte Haut. ; 

Dir Mitchbirfe, o. D. mit eder In Mitd getochte Hisfe. 

Der Mitchhut, —es, Pr —bäte, f. Miſchaſch. 

Der Milchjaspiß, — ſſes, Pr. —ffe, ein ganz meifer Iaspip. 

Milbicht, adj. u. adv. ter Wilch aͤhnlich, befonders in Aufehung ber 
Karte; auch O milchlich. Min milchichtet Soft, 

Milchig, ndj. u. adr. Milch enthaltend, 

X Der Milchkaſſee, —s, o. I. Kaffee mit Milch, auf wol, in 
ih gekochter Kaffee, 

Der Milchlalgebon, —s, 94. —, ein weißgraner Kalzeden. ©, 
Kalteden enter Ebdelftein. 

Die Milälammer, ig. —n, ie Kammer, Mil darin aufzuber 

-+ wahren. j 

Di: Mithlanne, y. —n; Bm. Milchkaͤnnchen, DO. D. —lein, 
eine Kanne oder ein Rinnden, Milch darin aufzubewahren, wegjus 

.  tiagen, oder als Getraͤnk, befonders zum Raffer ıc. vorzufegen. 
Der Milchkaͤſe, —s, 2. gl. fo viel als Rahmkaͤſe. Rramers 
Dertfh» Ztal,. Mb. s 

Der Milchkeller, —6, . gl. ein eigener Keller, bie Milch barla 
anfsubemchren. 

+ Der Milchkern, —es, Di. u. im R. D. die Sahne, ber Rahm. 
©, 1. Kern und Kernen II). 

Der Milchkeſſel, —s, 9. gl. ein Heiner meffingeneg Keſſel, Milch 
darin ıu fichen. 

O Der Milchkitt, —es, Dip. u, ein Ritt, welcher mit fauser Bild 
onaema⸗t it umb fehr feſt Hält, 

O Der Milchknabe, —n, 74. —n, ein junger Menſch, bem erſt 
noch der Müchbart wäh; in veräheligem Werftande. „Öfteeld; ver 
taufte feire Fahnen an die Milchtnaben der Molbmälter.: Beume. 

Ber Milchkoch, —ed, My — küche, in ben Küdtn, ein Rod d. h. 
eine aufgelaufene gebadene Speife, welche aus Mid und Ciern bes 
witt wird, " 


253 P 


Milchm 


Die Milchkoſt, 0.99. Kofl welche im Milch beſtehet, auch Mirctpeife, 

Dad Milchkraut, —es, By. —kräuter, ein Name ſolchet Kräuter, 
beren Genuß bei ben Thieren ben Zufluß ber Mil befördern fol, 
oder die einen Milchſaft enthalten, 1) Der Kreusblume, bie auch 
Milchwurz Heißt (Polygala L.). 2) Gines Pflanzengeſchlechtes, 
meldhes im folgigen Gegenden waͤchſt, auf ber Erde hinktlecht, Tängs 
liche zugefpigte Blätter und Leine blafedtylihe Blumen mit einfas 
Ger Biumendede, ohne Kelch, mit fünf aufgerihteten Gtaubfäten, 
die den GStaubiweg umgeben, bat (Glaux L.). Brei Einigen auch 
Salzkraut, Mutterfraut, Schieltraut, Semelktaut. 53) Eine zu 
bem Geſchlecht, wozu bie Wolfsmitch 10. gehdet, gehoͤrende Pflanze, 
bie auf Feldern und in Gärten wählt, und deren milhihter Saft 
ſalzicht fhmedt und bas blaue Papier betraͤchtlich roth färbt (Eu- 
phorhia helioscopia), 4) Des gemeinen Bungenfeautes (Pulmo- 
naria ınadulata L.), unferer lieben Frauen Milchktaut. 

Der Milchkriſtall, —s, Di. —e, ein. teüber mildweißer Kritol, 

Der Milchkrug, es, 2. —krüge, ein Krug gu Milch ober mit 
Milch. 


Der Milchkuchen, — , 9. al. ein aus mit Mild angemachtem Teige 


gebadener Kachen. Stieler. 
Die Milchuh, My. —kuͤhe, eine mllchende Kuh, eine Kuh, wel⸗ 
de Dilch giebt. E 
— uab die fingende Magb bei dee Milchkuh. BoS. 
+Xie Milchkumme, 9. —n, eine Kumme ju Wild ober mit 
Mid. ©. 2. Rumpf. * 

x Die Milchkur, Ip. —en, eine Kur, Heilung, welche buch Mild, 
3.8. Gelsmiih ıc. bewirtt wird. „Häprend der Milhlur wurden 
wie beive einander noh verhaßter." 3. P. Richter. &. Kur. 

Das Milchlamm, —es, 94. — laͤmmer, ein Lamm, welches noch 
die Mutterinilch ſaugt. 

— ſchlachtet ein Milhlamm Ihm. Küttnen 

Der Milchleiter, —s, 4. gl. fo viel als Wilchgang. ©. d. 

[9) er ‚adj. u. adv, der Mid Ahnlich. Ein milhlicher Trank. 
Walke. 

Der Milchling, —es, 4. —e. ı) Ein funges Thler, das Mutter 
mild ſaugtz auch ein Säugling. Krameré Deutſch-Ital. Mb. 
a) Dir Pfefferſchwamm. . 

Die Milchlinſe, 9y. —n, bei Müller, ber Name einer runden 
mildınrigen TelUmaſchel (Tellinn lacten L.). 

Der Milhlöffel, —s, Dig. gt. (R.) ein Eifer, Mitch damit zu fAßs 
pfen; kefonders, ein Heinee tiefer und zierliher LIT Milch zum 
Kaffee ıc. damit in bie Kaffe zu ſchoͤpfen. 


Das Milchmaͤdchen, —s, 2. gl. ein Mädchen, weichee Wilch zum 


Verkauf In bie Stadt trägt ober in ber Stadt berumträgt. „Ta, bie 
lobeſamt (n) Liethaber gleichen fo ziemlih dem Milchmaͤdchen in ber 
Dpre® (dem Bingfpiele), Benzel:Sternau. 

Die Milchmagd, 2%. —migde, eine Magd, wilde allein, ser doch 
vorzägtih mit der Milchwirthſchaft zu tham hat, das Vied melket ıc. 
Auch wel eine Magb, welche bie Miid; zum Berkauf träst. 

Der Mithmahler, —s, 99: al. ı) Ein Mahler, ber mit Miläfaee 
ben mablet, 2) + Eine Benennung ber Schmetterlinge, 

O Die Milhmahlerei, Di. —en. 1) Gine von Gabet de Baur er» 
funbene Art zu maphlen, bei der bie Farben anftatt mit Lelmmallır 
oder DI mit Mitch angerieben werben, bie bas Mittel zwiſchen Wal⸗ 


fer: und Ölmapierei bäit, wumb milde bei Wohnzimmern vorzügtich 


beaudhbar iſt, weil die auf folde Art bereiteten Farben bald treck⸗ 
nen und nicht riehen; ohne Mehrzahl. =) Ein auf biefe Art ge⸗ 
madites Semdhlbe. 

Der Milchmarkt, — s, 94. — maͤrkte, ein Marktplag, auf wel⸗ 
chein Milch verfauft wird. 

Das Milchmaß, es, 4. —. 1) Das Maß, welches beim Wire 
anf der Mid Abdlich IR; ohne Meprzapl. 2) Ein Mag, Wild dee 
mit zu mellen, 


x 


Milchm 


X Das Milchmaul, —s, 94. —mäuler. 1) Ein von genoffener 
Mid benegtes und weißes Maul. =) Eine Perfon die gem Milch 
genießt und was davon bereitet wird; auch Milcheſſer, Mithbart, 
Milchbruder. Milchſchweſter, im Osnabrädfgen Milchbauch (Bol 
1änd. Melkhuik). 

O Der Milchmeſſer, —6, 9. gl. (R.) ein vom Gabet de Baur ers 
funvenes Bertieug, welchta aus einer leihten Blaswalze mıt Grar 
ben bezeichnet beftchet und bie Reinheit ber Milch oder den Grab ih⸗ 
zer Berfälthung zu erproben ober zu meffen dient (Galactometer), 

Die Milhmilbe, 9. —n, eine Art Milben (Acarus lactis). 

Der Mithmörtel, —s, 9. u. Mörtel, der mit fauger Milch an⸗ 
gemacht if. » 

Die Milchmuſchel, 94. —n, eine Art Mirsmufdeln. 

Das Milchmuß, —e6, Di. —e, der Milhörel. Stieler. 

Der Milchnapf, — s, .—näpfe; Bir. bas Milchnaͤpfchen, D.D. 
— lein. 1) Ein Napf oder Nipfhen, Mid barin aufzubewahren 
ober worzufegen; die Milchſatte. =) Eine Art Schnirkelſchnecken 
(Helix haliotaidea); auch Milchſchale, weiße Ohrmuſchel. 

Der Milchner, ſ. Milcher. 

+ Der Milchniedel, ſ. Miſchtahm. 

Der Milchopal, —es, 2. —e, ein wlichweißer Opal, S. Opal 
unter Edeiſtein. 

Der Milchpacht, —es, DM. — pachte, der Pacht dee Milch von ben 
Küpen eines Gutes; auch der Kuhpacht. 

Der Milchpaͤchter, —6, 2. gl. ; die —inn, By. —en, eine Perfon, 
melde bie Mil non ben Kühen eines Wutes gepactet hat, um fie 
nah Grfallen zu benägen; auch der Kuhpaͤchtet. 

Der Milhpeterling, —6, 4. u. die Sumpfflige. 

O Die Milhpocde, My. —n, eine Benennung ber Kuhpocken. 

© Die Milchpockenimpfung, 9. —en, bie Impfung ober @inims 
pfung der Milds ober Kuhpocken (Vaceination), 

Die Milhporzellane, My. —n, eine milämweiße und glängenbe Por ⸗ 
jellane in ben Siziliſchen Gewäffern (Cypraca lota L,); bie milch 
farbige Porzellane. 

Das Milchpulver, —s, 9. HL 1) Die unter beſtaͤndigen Umruͤh ⸗ 
zen bis zu einem trodnen Pulver eingekochte Milch. a) Ein Pulver, 
welches bie Vermehrung ber Mil bei ben Frauen befäcbern ſoll. 

Die Milhpumpe, f. Bruftpumpe. 

O Die Milchquelle, By. —n, eine Duelle gleichſam, aus welcher 
Mid fließt. Mir 

— 1? “ 


Unb Wein» und Honigquellen zinnen aus 
Dem felfen. Herber, 

Der Müchrahm, —es, 0. 9. ber Rahm ober fette blichte Theit bee 
Mid, welcher ih oben auf derfelben wenn fie ih in Ruhe befindet 
als eine bie Haut anfest und aus welchem bie Butter bereitet wird; 
der Rabm, die Sahne, im R. D. das Flott, in andern Gegenden 
Schmant, Kern, in Wien das Obers, in der Schweiz ber Niedel, 
Milchniedel. 

Milchreich, —er, —ſte, adj. u. adr. zeih on Milch, viele Wilch 
dabınb, gebenb. 

+ Der Milhrödel, —6, 2 u. der Bwenzapn, wegen feines mildige 
ten Saftes. 

Der Milchreiß, —ed, 24. u. mit ober im Wilch gekochtre Meif. 

Das Miihröhrhen, D. D. Mithröhrlein, —t, 9. ol. in ber 
Bergliehe,, Beine Röhren unter ben Beuftgefäßen, in melden bie 
Wild befiadich if (Tubuli lactei). 

Die Miihrubr, 3%. u. der Durchfall Meiner faugender Kinder, wo⸗ 
bei eine mildichte Feuchtigkeit adgehet; der Mitchftuhl. 

Der Mitchfaft, —es, 2. — ſaͤfte. 1) Bet den Kersten, ber aus ben 
Spelfen bezeitete milchichte Nahrungsfaft in dep thieciſchen Körpern, 
der Nabrungsfift (Chylus). In weiterer Bebeutung, ein milde 
weißer, bitlider Saft. 2) Ein Gaft, her Mid if, MUS. 


— Wie 


Milchſ 


Aber der Knab' Amfiffos 
fühıt fhnel ſich erhärten der Mutter 
Molende Bruſt; nicht folget dem fauzenten Munde ber Milch 
faft. Bo. 

O Die Mildyfaftbereitung,, ©. 9. bie Brreitung oder Ablonde ⸗ 
zung des Miihfaftes aus den verbaueten Nahrungsmitteln (Chylosis), 

+ Die Mildfarte, 9. —n, eine Satte, d. h. ein tiefes Gefaͤß 
Mild darin aufzube-apren und gerinnen zu laffen, ober barin vor⸗ 
zufegen. 

O Milchſauer, adj. u. adv. 1) Saure wie Milch, welde Lange ges 
Manden hat. =, In ber Schtidekunſt, mit ber Milchſaͤure verbuns 
den; aud mildzuderfauer. 

Der Mildfauger, — , WA. gl. einer ber Milch fauget‘ Im der 
Raturbefhreibung führt diefen Namen x) eine Krk großer auslünbi« 
ſcher Shmwalden, von welcher man fabelt, daß fie Minfhen und Zie⸗ 
gen bei Radit bie Milch ausfaugen; ber Ziegenfauger, Biegenmek 
ter, Nachtvogel, Nachtſchade, Pfaffe ıc. (Hirundo caprimulga L,), 
*) Die Stodcule, 

O Die Milchſaͤure, 0. 9%. 1) Die Säure der Milh, wenn fie ge 
fanden hat. 2) In ber Gäeidefunf, eine aus dem Mildzuder ges 
zogene Saͤurt, welde von ber Zuder: ober Sauerkleeſaͤure neh vers 
ſchieden if; auch Milchzuckerſaͤure (Acidum galacticum s, Saccho- 
lacticum), 

Das Milchſchaf, —es, Wy. —r, ein milcheudes Schaf, ein Sqhaf, 
weldes gemoiten wird. ’ 

Die Milchſchale, Sz. —n. 1) Eine Sqchale zu Wild. S. Schale 
2) Der Mame einer Schairkelſchnecke, der Milchnapf. 

Der Milhfhauer, — 8, Mp- gl. ein fieberhafter Schauer, melden 
bie in bie Brüfte tretende und diefeiden anfhmwellende Wilch bei 
Iwangern Perfonen und Wöchnerinnen derurſacht. 

Der Milchſchuee, —s, 0. 2. zu Schaum geſchlagener Milchrahm. 
Kramers Deutſche Ital, ib. ‚ 

X Die Milhfchofolade, 0. Di. in Milch gekochte Schokolade; zum 
unterſchlede von ber Wein » und Waſſerſchokolade. 

Der Milchſchorf, —es, 2. u. f. Anfprung »). 

+ Der Milchſchotten, —#, 2. u. das bide Gexonnene ber Milk. 
Der Milchſchrank, —es, Di. — ſchraͤnke, oder Milchſpind, —es, 
Du. —e, ein Schrant, Spind, worin Wild aufsewaßret wird. 
Der Milchſchwamm, —es, Eu. — ſchwaͤmme, eine Art Bleiner gel⸗ 

der und efbarer Blättesfswämme; im O. D. Rehling, Rechling, 

Pifferfhwamm, um Danzig Pffferling, in Sqiefien Gänfel, 
Galluſchel. 

4 Milchſchwellend, adj. u. adv..gon Milch ſchwellent oder anſchwellenb. 

Selche (‚Hredr) flets darbietet im Jaht milchſchwellende @uter, Bo f. 

Die Milchſchweſter, die Milhfhmwefterfhaft, f. Mithbruder, 
Miigbrüterfchuft. 

O Die Milchfeife DM. von verfhietenen Arten, —n, in der Wilqh⸗ 
mahlerei, ein Bemifh von Mid, Kalk und Si. 

Die Milchſeihe, 34. —n. 1) Das Eeihen, Darchſelhen der Milch; 
ohne Mehrzahl. =) Dasjenige, woburd bie Mil gef:ihet ober durch» 
gefeipet wird; ein Milchſieb, wenn es ein Eirines kegelſbrmiges 
Eirb if. 

Das Milchſieb, —es, . —e, ſ. Milhfibe 2). 

+ Die Milchſiene, 9. — n, in manden Gegenden, eine Eiene, d. h. 
ein hölzernes oben weites unten enges Gefaͤß, bush weldes man die 
Mitd, ſeihet. 

O Der Mildfohn, —es, 29. —fhne, ein Knabe, melden eine 
Amme ſaͤuget unb geoß ziehet, in Anfehung biefes Berhältniffes alfo 
the Sohn. „Die Amme iſt faſt berühmter geworben, als ihr from⸗ 
ar Milchſohn.“ Seume. Auf ähnlide Art fann man ein Mit 
Ken in Anfehung biefea Verhältniffes zur Amme auch eine Milche 
tochter nennen. 

Die Milhfpeife, 2 —n, eine aus Mil aber mit Wild berritete 


Milchſt 


Speiſe, ſowol gekochte ald gebadent. 

‚Der Mildftaar tb, 4. u. bei den Ärzten, eine Art bes Staa- 
zen, bei weihem fih bie Morgagnifhe Feuchtigkeit wibernatärlid 
anbäuft, milhweiß und unburhfigtig wirb, und wobei ih bie Kri 
fantinfe gaͤnzlich in eine milhichte Feuchtigkeit anfiöfet (Cataracta 
lactea), Beer, 

Der Milchſtein, —es, By. —e. ı) Ein weißer unb graulicher Stein, 
welcher fi in WBaffer auflöfet und daſſelbe milchweiß färbt; gemeine 
Weider tragen ihn am Halfe, weil fie wähnen, daß er bie Milch 
vermehre (Galactites), 2) Eine Art milämeißen Marmers. 

+ Der Milchſtern, —es, 4. —, ein Name der Ackerzwiebel, bei 
Planer (Ornitkogalum L). 

J De Milchſtock, —es, =. sie, ein Name bes Loͤwenzahnes 
(Leontoden taraxacum L.). 

Die Milhfiraße, o, DM. in ber Sternkunde ein breiter dem Kuge 
weißlich fheinenber unregelmaͤßiger ih im umenbliden Raume hin: 
ziehender Streifen, welcher durch unzählige Sonnen und Sonnenge ⸗ 
dbdude gebilbet wird; bie Jakobsſtraße (Via lacten), Im ber dr 
bern Shreibart und bei ben Dichtera koͤmmt au bie Mehrzahl vor. 
— und betet — alcht zum Schoͤpfer der Sonnenwirbel und Milch: 
flraßen; zum Schöpfer Himmels und ber Erben." Derber. Ich 
Bing buch bie Welten, id; flieg in bie Sonnen unb flog mit ben 
Milchſtraßen durch die Wäfen des Dimmels.* 3. P. Riäter. 

— Milchſtraßen feimmerten um ifn. Sonnenberg. 
- Die Dichter wennen fie au die Milchdahn, wie Tiedge, und den 
Milchweg wie Käftner. 
Wie um din Himmel Ah ber leichte Milchweg zieht. 

© Der Milchſtrom, —es, 34. —firdme, ein Strom gleihfam, wel 
cher MU ſtatt Maffers enthält. 

Dem Gellipp entwalt ein Milchſtrom im bas wonnige Paras 
bies.: Boß, 

Das Milchſtuͤck, —es, 4. —, ſ. Milchſleiſch. 

+ Der Milchſtuhl, —es, 29. —fübte, ſ. Milchruhr. 


Die Milhfuppe, 2m. —n, eine von ober aus Mitch gekochte Suppe. : 


Im gemeinen Erben fagt man dom einem ſchwaͤchlichen im Gefihte 
blaffen Menſchen er ſehe aus wie eine Milchſuppe, unb unsigentlid 
auch wol, er fei eine Mithfuppe. 

O Die Milchtochter, 9. —toͤchter, ſ. Milchſohn. 

Der Milchtopf, —es, DH. —töpfe , ein Zopf, Milch darin aufn 
bewahren, wegzutragen, zu Boden, ober verzufegen; + ein Milchpot. 

Das Mildtuh, —es, 2. — tuͤcher, ein leinenes Zug, bie friſch 
gemeltıne Mich durch daſſelbe zu felhen; das Seihetuch. 

Die Milchtuͤnche, M. u. eine mit Wild angemachte Tünde. 

Die Milchtunke, 8. —n, eine aus Milch bereitete Zunte zu einee 
Speife. 

Das Milchwaſſer, —, ©. 4. 1) Das von ben Käfetheilen ber 
Mil duch bad Berinnen geſchlebene Waffer, weldes gewöhnlicher 
Motten genannt wird. =) Bei ben Perlen, bie zeine mit einem 
@ilberalanze erhoͤbete Milchfarbe derſelben. 

Der Milchweg, —es, 4. —r. ) Der Weg welchen bie Melkerin⸗ 
nen gehen, das Wish auf dem Felde aber dem Mellplage zu melfen. 
a) Die Mitäftrafe. S. d. 

X Das Milchweib, —ıs, Bi. —er, f. Miläfrau. 

Miüchweih, adj. u. adr. weiß und ſehr wenig Ins Bläukie fallend 
wie Mild. ine milchweiße Hout, eine fehe weiße, zarte und reine 
Sant. Er flieht und fühle im lichen von zwei elaftiſch zunden 

. Mihmelßen Armen ich sefangen und amwunden. Bielanb, 

Die Milchwirthſchaft, o. Wy- drrienige Theil der Eındı unb Pad» 
wirtbfhaft, welcher Kb mit Gemtnnung und Benägung ber Mid, 
durch Abſat der Mit feibft ober ber daraus bereiteten Butter un 
Käfe befääftiget. 

Das Mildwundfraut, —t, 3. wm. eine Art bes Hobictfsautes 
mit geiben Blumen, beren Kelch mit ſchwarzta unb gleihfam mit 


—— 


Mild 


einer durchſichtigen Droͤſe geendigten Haaren deſezt IA (Hieracium 
murorum L.); auch haatiges Mauethabichtkraut, Buchkohl, 
Wundlattig. 

Die Milchwurz oder Milchwurzel, 94. —n. ı) S. Milchtraut. 
2) O Die weiße und einem Milchſaft enthaltende Wurzel einer 
Pflanze, beren länglier Kelch aus ſchuppichten, am Rande haͤuti⸗ 
gen, dachziegelfoͤrmigen Blättern befichet, deren Bluͤmchen zungen⸗ 
foͤrmig, adgefluget, fuͤnffach eingekerbt und Zwitter find, und deren 
mit zwei gefrümmten Staubwegen verſehener Briffel durch ben der⸗ 
wachſenen walzenförmigen Etaubbeutel geht; wie auch dieſe Pflanze 
felöft (Scorzonera L,), (au) O Schwatzwutz oder Schwarzwur⸗ 
zel. &. GE, Verdw,); befonders bie in Spanien einhrimifge Art, 
melde aber auch in Deutſchland Häufig in ben Gaͤrten gebautt wirb, 
weil man fi ihrer ſewol in ben Küden als auch tm der Helltunf 
bedient (Scorzonera offieinalis hispanica L.); auf ſchwatze Has 
fertourzel, Natterwurgel, und Schlangenwurzel, weil man beim 
Sebrauch derſelben als ein Begengift betrachtet. 

Der Milchzahn, —es, 34. — zaͤhne. ı) Bei dem Gäugethleren, die⸗ 
ienigen Zaͤhne, welche bie Sungen berfelben mit zur Melt bringen 
ober doch während ber Brit bes Saugene brfommen, und welde ih⸗ 
nen wicher ausfallen, wenn biefe Zeit um ift umb fie feflere Maps 
zungsmittel gu fih nehmen, Mei ten Pfecben heißen fie Füllen« 
zaͤhne und bei den Lämmern and Hundszähne. Die erfien Bühne 
der Kinder werden auch Milchzaͤhne genannt. 2») Der 
Backenzahn eines Kalbes auf jeder Grite. 5) X S. Milhbart. 

Der Milchzehnte, —n, Dy.—n, ber Bchnte, welder von ber DRild, 
gegeben wird. 

Der Mildzins, —es, m. —e. 1) Der Bin vom ber gepachteten 
ober verpadteten Milch. 2) In manden Begenden, eine Abgabe, 
welde frembe geſchwaͤchte Yerfonen an ben Gerichteherren, in deffen 
Seriätsbezirke fir nirdertommen, entzichten müffın, 

Der Milchzucker, —6, 2. u. ein zudesartiges weſentliches Satz, 
weihed man aus ber Mil erhält, wenn man bie Mollen abbunftem 
und in Krilalle anfdiefen läpt (Saccharum laetis). 

Milchzuckerſauet und Milchzugkerfäure, f. Mithfauer und Mitch: 

urt. 

Mild, —er, —eſte, adj. u.ndv. eine angenrpme ride habend, aicht 
hart, rau ober fharf, Milbes Fleiſch, fie müsbes, Wei ben 
Schuſtern ift mildes Beben folden, welches weich und biegfam if, 
bie rechte Gare hat. Ein milber Sanbflein ift ein folder, ber leicht 
und meih zu bearbeiten ift, unb milde Wergarten nennt man fm 
Bergbave folder, bie mürbe und brädelig find und fich zugleich ſchmie - 
zig anfühlen laſſen. Mildes Kupfer, das gefhmeitig und weich iſt 
und ſich mit bem Grabſtichtl leicht und xzein bearbeiten läßt. Eim 
milder Gang, ein Erzgang fa milbem Geſtelat. In welterer und 
uncigentlich · Bebeutung 1) dem Wefähle nach fanft, angenehm; im 
Segenſatz non raub, hart, Gin milder Wegen. a xegnt mild. 
Mildes Wetter. Milder Sonuenfhrin. &a auch nom Wild des Auges. 

Ihr Bei iſt mild und glängend 

Wie Abendfonnengiut. Rofegarten. (K.) 
@in milbes Lihen,. Eine milde Strafe, eine gelinde. Ein mildet 
Urtheil. Die micbe Preſſe, bei ben Tuchdereltern, buzch welche feine 
Züder einen fanften Blany erhalten, ohne baf fie durch Regen Fler 
ken befommen. =) Dem Geſchmacke nad, angenehm; fehr märte und 
faftig; in Begeufag won fhasf und fower. Mies Obft, füfes, im 
D. D. auf rrifts, welches allein nur füg if. „Milde wie bie reiffte 
Zraube.- Weiße. „Der alte Bein ift milder." &uc. 5, 39 3) Ya 
Bitkihen Bertanbe, fanft, Uebreich, gätig und in einem ſobche Bate 
fande des G:müths gegrändet Gin milde: Semätf, Ein milder 
Mana, Fück ıe Cine milde Behantlung. Mitte Sitin. Miide 
Mörte. „Der mid redenbe Sokrates. Bof. Milda Ehränen, for 
wol Thraͤnen bie ein fonfter meiden Bienfh meines, als auch Ziel 
nun, bie fanft fliegen unb Erleihterung verſcha ſſeu. 


Mild 


Und mild rinnende Thraͤnen enteollten unter den Worten, Boß. 
An den Kanzeieien wirb mildeft auf für gnäbigft gebraucht. Da 
Kreigebigkeit und Wohlthaͤtigkeit eine Bolge -und ein Beweis eines 
tiebreichen und gätigen &innes I, fo wird milb auch für freigebig 
‚und mohlthätig gebraucht. Gin milder Geber. 

Die Fremden beffer zu erfseuen, 

Umfedt bee milde Birth den Tifdh mit dichten Main. Hagedorn. 
Sprichwortlich fagt man, der Milde giebt ſich weih, bee Geighale 
nimmt fi$ arm. „Ihr Bäume, bie ihr uns milde eure reifen Früchte 
gegeben.” Befner. Geine milde Hand auftfun, milhthätig fein. 
Milde Stiftungen. Bumeilen wird es in weiterer Bedeutung vom einer 
Freigesigkeit und Schonung mit Worten, bei der man es mit ber Base: 
heit nicht fo genau nimmt, gebraucht. Man hat fie darin zu milbe 
beriötet, 4) $ Im D. D. fromm, gottesfürätig. &o heißt Lubmwig 
der Fremme bei Altern Sqchriftſtellern Häufig Ludwig ber Milde. 
Auf den Kanzeln und in den Kanzeleien bedient man ih auch nch 
bei Rennung eines Serſtorhenen des Ausbruds Priftmilden ober 
kriſtmildeſten Anbenkens. 

Die Milde, o. 2. die Gigenfhaft einer Perſon und Sache, da ſie 
mild if. Bericht und erquictich athmet fih bie Luft, 

und ihre Milde fhmeigelt unfern Einnen, E Hiller. (R.) 

Die Milde feiner Hutd entfernt ber Greifen Tod. Hagedorn. 
Befonders in uneigentligem und fittlidem Werftande, wo es häufig 
für Mirtepätigkeit, Menfhenfreundtiäkeit gebraucht wird, 

* Mildin, v. I ner. mit haben, mild, meih werben. Mahr 
ler. useigtutlich, die Wilbdeit, Raupkeit ablegen. „Do begund er 
milten de zthant dud Liez «im teil fin mueten.“ bei Oberlin. 
IT) trs. mild maden, S. Mildern. — D. Milden. D. —ung. 

Der Milderer, —s, 3%. gl. ber etmas mllbert. 

Mildern, v. trs. eigentlih milder maden. Dan gebraudt es abır 
überhaupt für milden, milde machen, und zwar ı) bem Gefhmade 
nad, die Härte, Säure, Schurfe einee Sache geringer oder unmerks 
16 maden. Die Zitrenſäure durch Zucker mildern. =) Der innern 

ı Etirfe nad, den unangenehmen Grab ber Härte, Sqhaͤrfe, Raus 
heit geringer machen. Der warme Bein ber Sonne mildert bie 
Kite. Der Abendwind milbert die Hige. Ginen harten Ausdrud, 
en firenges Urteil mildern, Die Stenfe mildern. „Das fanfte 
Mefın tes meiblicen Seſchlechtes mildert ben muthigen Einn des 
Maunes, daß er nidt in Zrog ausazte.« Bellert. 5) O Den 
Grad bed Mangels ber Eitten und ber Vildung vermindern. 

— Zugend und Anmuth 

ang ihr freunbliher Mund; zings warb ben gemilderten Bölfern 

Oeitlg und hehe bie Ratur, Sof. 

Das Mitdern geſchleht durch Werminberung ber äußern efache bes 
Unargenehmen, das Lindern durch Berminderung der Gmpfintung 
der Unangenehmen. D. Mitdern. D. —ung. 

© Der Milderungsautdrud, —es, S. —ausbrüde, ein Kuss 
erut, deſſen man fih flott eines hartem, groben aber rohen aus 
Kiriläkeit, Schonung ıc. bedient, um ben Begriff ber zu bezeichnen⸗ 
tın Sate ıu mildern; ein Milberungsmort wenn es eim blofes 
ort defer Art it (Euphemismus). 6, 

© Das Wiiderungswort, —es, My. —wörter, f. Milberungs⸗ 
ausdruck 

* Wildgebig, —er, —ſte, adj. u. adv, mit Milde gebend. „Früh 
Biete ih ihm an, mildgebig zu fein und wohlthaͤtig.“ Wädter, 

Mildherzig, —er, —ſie, adj. u. adv. eim milden Derz, milbe Bes 
Henunsen hobend, unb dadon zeugend. Davon bie Mildherzigkeit. 

Die Mildigteit, 0. 9. bie Eigtaſchaft, der Bufland einer Prr'cn 
vub Zac ba fie mild ift; befonters einer Pesfon, ba fie llebreich, 
anıt-, freigebla it. 

+ Milnisfich, adr. tm D. D. für mild. 

O Milelich, adj. u, adv, mit Milde, „Sie mildlich begegnet er 
Zıbem. Molke, 


# 


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tilza 


Mildmuͤthig, adj. u. adr. mild gefinnet. Stieler, welcher auf 
mildfam bat. 

Mildreih, —er, —fie, adj. u. adv. reich am Milde, ſehr mild, im 
ber iritten uneigentlihen Bebrutung biefes Wortes. 

Mildthaͤtig, —er, —ffe, adj. u. adr, feine Milde darch die That 
an ben Tag legend, genrizt Milde zu bemeifen ober liebreich und 
ferigebtg au fein; mie auch, im dieſer Gefinnung gegründet. Werol, 
mwohlthätig, gutthätig, freigebig. Davon bie Mildthaͤtigkeit, c, DM. 
die Eigenſchaft, ta man mildthaͤtig iſt, bie Reigung und Fertigkeit, 
Wide toaͤtlich zu bemeifen, 

+ Der Mildthau, ſ. Mebitbau. 

Das Mildzeug, —es, 0. Di. im Bergbaue zu Idrla, bee weil 
Säiefer bes @rsberzes, in weldhem Binnober und Durdfilser bricht, 

+ Der Milik, —es, 9. u. ein Rame verfhietener Pflanzen, - 
1) Großer Militz, eine Art bes Rispeugrafes, weiches in naflenz 
fumpfigen Gegenden wähft und beffen Halme ſechs Fuß hoch werten 
(Poa aguntica L.); auch hohes MWaffervichgras, vielbluͤmiges 
Mafferrispengras. 2) Suͤßer Militz, eine Art Schmielen; Mafr 
ſerſchmiele, Waſſerhirſe, füßrs Waffergras, Quellgras, Quellen 
gras, Eleines Milizuras, Mitents, Milenz (Aira aquatica L.). 
5) Falſcher Milis, f. Watobinfe. 

+ Das Mill oter Mil, —i8, 0. 9. ein Haufe unnägre befonbers 
aus Meinen Theilen beftehentes Dinge, meiche man aut bein Haufe m. 
bee Meinlichteit wegen wegſchafſft. Eberhard. S. Gemüll. 

+ Der Millich, f. Rainkohl. 

Die Million, 9%. —en, eine Zahl vom taufend mabl tauſend. Dies 
Wort ift zwar fremden Urfprangs und undeutſch betent, ift aber feis 
ner Kürze wraen und als ein überall befanntes und gebrauchtes nicht 
su vermerfen, 

4 Das Millionengedränge, —®, 3M. gl. ein Gebränge d.h. drdn 
gende Menge von Millionen. 

Mitionmgebränge kometenumkreiſeter Sterne 
, Bogten heran. Gonnenbera. 

Der Millioner, —t, m. gl. ı) Ein Zadlzeichen, welches eine Baht 
von taufenb mapl tauſenden bezeichnet und auf ber fiebenten Stelle 
von ber reiten zur linken Band ſtehet z ein Zauferbmahltaufenber. 
2) © Ein Reiter, beffen Beld bis jur Zahl von einer Mikion oder 
mehr fleigt (Milliomair), ein Millionnbefiger. 

Ein Sktay ouf feinem Thron war mander König, 
und Milfioner taften oft noch viel zu wenig 
Bir ihre Gier. ©. j 
+ Der Millwürger, —6, 34. gl. ber rotflöpfige Neuntöbter, ©. d. 


‘+ Die Milte, ſ. Melde. 


Die Milz, 94. —en, eins der Eingemweide im menſchlichen und this 
zifhen Kirper von bunkier blaͤulichrother Farbe, das aus fehe Todes 
zem ZeAgewebe und vielen Blutgefäßen befichet (Lien, s. splen), 
Beim Meufhen liegt fie in der Linken Unterripprüugegend, über dem 
queren Grimmdarmsgefröfe, Die Milz Richt, fagt man im gemeis 
nen Leben, wenn man nad ſtarkem Baufen ober auf andere Derans 
laſſung einen lebenden Schmers in ber linken Seite empfindet, Im 
eigentliä, wirb im gemeinen Beben eine geronnene Maffe, welche Bär: 
fen auf dem Kopfe mit auf bie Welt bringen aud bie Milz genannt, 
von Andern bie Pferbegift. 

Die Milzader, Ba. —n, eine jede Schlag ⸗ und Blutader, melde 
nah ber Milz gebet und von der Mil; fimmt (Arteria und vena 
spleniea s. liennlis), In engerer Brbeutung ein Aft ber Pfoxtaber, 
welcher nad dee Milz zu gebetz; wie auch bei Ginigen ein Aft ber 
Hohlader, ber von ber Borbandb bis zu dem Heinen Finger gebet 
unb wilden man ehemabls im Milsteamfpeiten öffnete (Salratell- 
ober). 

Der Milzausſchnift, —es, 3. —e, Im ber Zergliebt., ein Aus. 
fnitt in der Dtils, welcher bie Äußere Flaͤcht derſelben von der in 
aern trennt (Hilus Jiemalis). 


Milzb 


Der Milzbalfam, —et, Di. —e, ein Balfım für Miljwer. 

Die Milzbefgwerung, Bi. —en, ein geringerer Grab der Milp 
krantheit ober Milafacht. 

Die Milzblutader, Sj. — n, in der Zergliebtrungükunſt, eine Blut 
aber, welche bie Pfortader bitben Hilft und mehrere Glutadern vom 
Magen, Magenkeanz, Magenneh, der Gallenblafe ıc. aufnimmt (Ve- 
na jienalis), 

Der Milzbrand, — s, Dig. m. eine Krankheit bes Ninbviehes, bei 
welcher bie Milz ganz ſchwatz und fläffig wisd; in Balern der gelbe 
Scheben, ber geibe Kuopf. 

Die Milzentzändung, Big. —en, im ber Kranfpeitslcher, eine 
Entzüntung der Milz (Splenitis), 

Der Milzfarn, —, 3. u. ſ. Mitzkeaut. 

Das Milzgefleht, — s, 99. —e, in der Berglieberungefunft, ein 
Rersiengefiegt für bie Wilz, weldes fih aus dem Oberbaudgeflehte 
bildet, 

Dos Milzgrimmdarmöband, —es, Mi. —bänder, in ber Bers 
glicherungsfanft, rin Band, burd wildes bie obere Platte bes que 
zen Germmbarmgetrbfes nad ber linken Eeite ber Milz zuſammen⸗ 
hängt (Ligamentum coli lienale), 

Dilzig, adj. u. adv. eine Milz habend, mit einer Wilz werfehrn. 

“Dann, für milzjühtig. Milzicht, weldes Stieler hat, wärbe 
einee Milz ähnlich bedeuten. 

Milzkrank, adj. u. adv. Erant an ber Milg, eine Milzkrankheit das 
bend. Kramers Deutſch⸗Ital. Wh, @. Mitfächtig. 

Die Milzkrankheit, By. —eın, eine Keautpeit bee Milz, ober wel 


he von einer verborbenen Milz beirähret ober ihr wenigfens zuger - 


ſchrieben wird. Deorgleichen IM. die Milzkrankheit ber Pferde, bei 
welchtr fie einen bilden Kauch befommen, heftig und ſchnell atpmen, 
Sehe Röbnen und mager werben. Im emgerer Bedeutung, tim gro⸗ 
Fed Üben, wildes ia Schwächt und Krankheit der Nerven des Unter 
leibes beſſehet, deſſen Sit man aber vorzägli in die Milz verlegt, 
ober weldes man von eine fehlerhaften Befhaffenheit der Milz vor⸗ 
sögtih herleitet ‚Hypochondrie); auch Milzfucht. 

Das Milzkraut, —es, 2. u. 1) Fin zu ten Farnfedntern sh 

. ziges Pflanzengeſchlecht, welches bie Befruchtungswerkjeuge und ben 

baraus entäichenden Samen auf der Hintern Flähe bes Blattes in 

gieiglanfınden Streiſen ober Linien trägt (Asplenium L.), Was 
fonbers eine Art dieſes Geſchtechts, welche in warmen Länbren auf 

Klippen wäh, und für ein heilfames Mittel gegen bie Milzkrank⸗ 

beit gehalten wird (Asplehium ceterach L.); au Miljfarn. 

Beil arch andere ober alle Arten ähntide Kräfte beſigen, nennen 

Ginige auch alle Mitzkraut. Dahin gehören die Kirſchzunge, bas- 

Rogelue, der zotbe Wieberthon, bie Mauerraute ıc. 2) Ein Rus 

me bes goldnen Steinbrechs, welcher gelbe Blumen trägt mit acht 

kurzen Etaubfäden, bie zwei Griffel mit Rumpfen Staubwegen ums 
geben (Chrysospienium L.). 3) @ine Art bee Mondraute, welche 
ach Bteinfarn genannt wird (Usmunda spicent L.); große 

Mitstraut. 

Das Milzpilafler, —s, 99. gl. ein Pflafter Hei Milzweh aufjulegen. 

Die Milzfalbe, 8. —n, rine Salbe bei Milzwed eimzjureiben. 

Die Milzichlagader ‚Wi. —n, in der Berglieberungsfunft, eine 
Schlagader, wilche gefälängelt hinter dem Magen nad bee linken 
Grite zur Mitz gehet (Arteria lienalis), 

X Dad Milzſtechen, — 6, 0. 2 ein Stehen in ber kinfen Seite, 
in die Gegend bee Diily. 

Dir Milzfirang, —es, 9. —firänge, in ber Bergitederungstunft, 
ein verfhlungenet, aus Sehnen beſtrdendes GSeaͤder auf ber linken 
Seite des Mazenmundes, welches ſich bis zur Wilz erſtreckt. 

Die Milzſucht, o. 9. eine Benennung besjenigen übels, welchet in 
Shwihe und Keanfbeit ber Rırven des Uxterleibes beikefet, und 
für beffen vorsägliäften Sig man bie Mi, Hält ober hielt (Hypo- 


4 


ehondaie. Auch ein geringertt Grab dieſes Übels, lefera es fi) 


— 


Mind 


vorzüglich durch unzufriebenheit, muͤrriſches Weſen, Ditterkeit 1a 
äußert, führet birfen Ramen (Spleen). 

Milsfüchtig, —er, — ſie, adj. u. adr. mit der Milzfuht befaftet 
und in berfelben gegrändet (hypochondrisch). „Die Menſchen find . 
nicht, wie ber Sqhaͤferdichter fie fhlibert; aber aud nit, wie dee 
milzſuͤchtige Murrtkopf fie Repet.“ G, Gin miljfüchtiger Engländer. 

» Davon ber Mifsfüchtige, ber an der Milzſucht feibet (Hypochon- 
drist); wofür man auch Mitgfüchtling fagen kann, befondess wenm 
ein verhcdtiiher Mebenbegeiff damit verbunden werben fol. 

® Dır — it ſ. Milzſuͤchtig. 

Dad Milzweh, — o. Di. Weh, Schmerzen an ber Witz; beſom⸗ 
berd, ein geringere Grab bes Milsfucht, 

+ Mimern, v. nir. mit haben, u. intrs, in Grbanfen fein; im O® 
nabructſchen auch, vor fih Hin in Gedanken geben. D. Mimern. 

+ Min, adj. a, adv. im R. D. wenig. 

Minder ‚adj. u. adv. ber höhere Brad’ bes ungemäpntiden Wertes 
min, im hochſten Grabe mindeſt. Man gebraucht «8 für Heiner, 
weniger ,.geringer 1) ber Lrperlihen Größe ab Ausbehnung nad, 
Meiner, im D. D. und In ber höheren Schreibart. Bom Minberr 
auf bas Größere fliehen: . 

Weit eine minbre Gtabt 
Richt Kunſt no Puder guug für Muge Biener dat, Haller. 
#) Der Menge und innern Gtärte nah, weniger, geringer. Der 
eine hat nicht minder als ber andere. Die mindere Zahl, bie Mlkis 
aere, geringere; im D. D. aud bie kleintre Zahl bei einer Jahrzabl, 
bie Zehner und Einer beufelben. Gr iſt brav und fein Bruder nidt 
minder. Senn durch ibe (hmetterab Lieb 
Die Berhe minder Kunft verriath. Gellert. 

Minder reich, minder geſchleet, minder gut. Hierin hat er nid 
bie mindefte Einfiht, nit die geringfke, Nicht bas Mindeſte wife 
fen, gar nichta. Ih zweifle nicht im minbeften daran, midt im 
greingfien, gar alcht. Aufs minbefle oder zum mindeſten hätte 
er 16 dech vorher jagen follen, aufs menigfte, zum wenigften. 5) 
+ Der Würte, bem Worzuge nad), geringre; am meiften im O. D. 
Dre Mindeſte unter uns, 

Mir find nicht mehr nit minder, 

ind Alle Gottes Rinder 

Rad fellen uns wie Bruder frtun. Boß, 
Im D. D. werben auch die Kranzmönde, bie fih Fratres minores 
nennen, mindere Brüder, minte Brüder und Minnerbrüber (Mi- 
noriten) gerannt. 4) + Dem Alter nach, jünger, Sein minder 
rer Beutir, Die mindefte Schweſter, die jünafte, 

+ Der Minderbruvder, —s, 99. —brübder, ſ. Minder 5). 

Die Minderheit, o. 2. ») Der Bufand, da etwas minder ik, 
ala ein anderes, fomol in Anſehuug ber Buhl, Menge, als auf in 
Anfehung ber inneren Stlake und ber Würde. „Da alles Edle nur 
ein Bermurf ihrer Minderheit fheinet.* Meyer =) © Die wins 
dere oder kleinere Zahl (Minorität); in Braemfap ir Mehtheit. 
„Die Minderheit ber Stimmen.“ C. Die Minderbeit Fonnte nicht 
burhbringen, die geringere Zahl Perfonen. „Sollte bie Gewohn⸗ 
heit biind und unbantbar bafäe bfeiben, fo würden wir uns durch 
ben Beifall der erltuchteten Minderheit eines fo greßen Wolfes, wie 
unfere Sprahgencfien, writ miche eis biloknt fühlen.“ Salffert. 

Die Minderberrfchaft, 24. —eın, in Schtefien, bie Benennung 
folder Herrſchaften, deren Beſitzer vor andern Grafen und freie 
herren vwerfgiebene Verrechte, aber keine Stimme auf den Fuͤrſten⸗ 
tagen haben; zum Unterfhirbe vom den Standesherrſchaften. 

Minderjährig, —er, — ſte, ad]. u. adv. minder ben Jahren, bem 

Alter nah, noh nicht das grfeplihe Kiter zur Verwaltung felnes 

Birmögens dabend, fonbern noch rnfer ter Vormundſchaft Uehend; 

in Gryenfap von grofjähtig, volljihrig. Im engerer Bedeutung 

wird es vom unmaͤndig unterſleden, end nach dem Preußiſea 

Geſehbucht IR man bis zum ugyten Jare uumlindis, bie zum a4 Tem 


Mind 


aber minderjährig. MDavon die Minberjährigkeit, o. Di. der 

Zuftond, da man noch minbesjährtg if. 

Mindern, v. I) trs, minder madın; minnera, ı) ber Größe und 
Austebmung nad, nur noch im D. D. we man unter andern das 
Abnehmen beim Stricken und Wirken ber Strümpfe ıc. mindern 
nennt. 2) Der Menge und innern Stärke nad. „I wi fie mehr 
zen und nide mindern.“ Ier 50, 19. —Rit haben ſqaͤdliche 
Gruden unfege Herden gemindert.“ Geßner 
„ Der (bon zagt, ſchon Worte geminderter Geftigkeit redet. Bo. 
Im gemeinen Leben iR das jufammengrfente verminbern oͤblicher. 
U) rec. Sich mindert, minder, weniger ober geringer werden, 
abnehmen. „Mindert ſich nicht unfere Uneupe ſchon, iadem wir fie 
einem Freunde Hagen!“ Bellert. Im O. D. fimmt es in dieler 
Bedeutung aud als ntr. vor. Der Ehmer; mindert aicht, nimmt 
nit ab, wird nicht geringer. — D. Mindern. D. —ung. 

Die Mindernadel, y- —n, bri den Strumpfwirkern, die Schaft⸗ 
matel, fofıza fie beim Abnehmen der Maſchen auf bın Rateln bes 
Stuhlis gebraucht wird, 

O Die Minderzahl, By. —en, die minbere, kleinere, geringere 
Baht, bie Minbeaheit. „Uber dieſer Blaube fegt, mie jeder, bie 
Minderjahl voraus, und erfglafft ag der Menge der Menſchen und 

. Jar» 3.9. Ridten 
Mindeft, f. Minber. 

Mindeftens, adv. zum mindeſten, zum mwenigften. 

Mindeftfodernd, adj. u. adv. das Mindeſte ober Menigfte fobienb, 
für etwas bas verfertiget, übrrnommen und ausgeführt werden fol, 
Der Minbefifodernde, der das mwenigfte Geld für eine Arbeit ıc. 
fodert, Me für das wenigſte Gelb gu machen ih anheifdis macht. 
„Und bo ik es leider fo oft der Hall, daß Mindeflfodernden bie 
ganze Bauausführung überiaffen wird.“ @ilip. 

Die Mine, 3. —n. ı) Sine jur Aufſuchung und Ausfärberung ber 
Erze gegradene Grube, Höhlung; im Wergbaue Grube, Ort ıc, 
=) In ber Kriegskunſt, ein unter ber Erbe gegrabener Keller mit 
den bahin führenken Bängen, bie barüber befindliche Erbe mit allem 
was barauf If vermittelt darin angezändeten Pulvers in die Eufh 

gu fprengen. ine Mine graben, zieden, führen (miniren). ine 
Mine fpringen laffen, das darin befinblide Wulver anzünden und 
das barlber Wefinblide in bie Luft fprengen; uncigentlich aud, 
einen heimlichen Anſchlag zur Erreihung feines Bmedes auf einmahl 
zus Wirklichkeit Fommen laffen, ihn ausführen; oft bedeutet es auf 
nur überhaupt, ein Mittel anıenden. Gr lieh al Minen fprin- 
an, Ihe Herz zu erobern, jeboh vergeblid, 

+ Das Minel, —, 94. gl. in Schleſien, die Kate. . 

O Minen, v. trs. mit Minen verfepen, Minen graben (miniren), 
So auch unterminen. D. Minen. D. —ung. Davon ber Mis 
ner, ber Minngräber, 

Das Minenauge, —s, 4. —n, bei den Minengräbern, das ges 
grabene Bach zu einer Pine, mwoburd die Mine angefangen wird. 
Die Minenbiene, 9. —n, eine Art Bienen, welde ihr Ref ins 
ſandige trodıe Erbeeidh geäbt (Apis eunicularia L,, Minierbiene) ; 

die Höblenbiene, der Gräber, 

Die Minenenle, By. — nn, die Renindeneule (Miniereufe). 

Der Minengang, —es, 39. —gänge, in ber Kriegskanſt, ein uns 
terizbifker zu einer Mine führenber Gang. 

O Der Minengräber, —s, @%. gl. in der Ariegäfunft, befonbere 
Arbeiter, weiche bie Minen graben (Minirer, Minenr). 

Der Minenbald, —ıt, Bi. — haͤlſe, dei ben Minengräbern, ter 
auf eine gewiffe Strecke von der Minenfammer nah Anfülung ber 
felben mit Yulneg verdaͤmmte Minenganz. 

Der Minenberd, —eb, Di. —r, bei ben Minengräsern, berienige 
Ort bei einer Mine, wo bie Zundwurſt, womit bie Mine angejänr 
det wirt, aufböret und wo bie Mine angezündet wich. 

Die Minenlammer, 3. —n, in ber Kriegekunſt, der hohle Raum 


BE 


wi 


Mine 


» unter bee Erbe, welcher mit Pulver angefällt twirb, um bad bay; 
dor Befinblihe in die Luft zu ſpeengen; auch nur bie Mine, 

Die Minenlabung, By. —en, bei ben Minengräbern, die gehörige 
na bem Köiderflsade ac. berechnete Badung Pulver, womit eine 
Mire oirfehen wirb, ö 

Der Minenofen, — , 9. — Öfen, bei den, Deinengräben, eine 
wg we d. h. mit YPuloer noch nit geladene Minenkammer. 

Die Minenraupe, 8. —n, der Blattgräber, ©. d. 

Die Minenfpinne, 3. —n, eine Famitie Spienen, welche ſich in 
ber Erde cin walzenfoͤrmiges Neſt graben, es mit einem leichtem 
Gewebe ausfuttern und an beiden Snben mit einem Dedel verſchlie⸗ 
fe (Minieripion). Remnid, 

Der Minentrihter, —6, 3%. gl, bei den Minengeäbern, bie Öff: 
nung, welche bei Sprengeng einer gehörig gelabenın Mine auf der 
Dberflähe durch ben bäfhelfdrmigen Auswurf der Erdgarbe entiler 
der, vud weiche teihterfemig if. ; 

Der Dinenwurm, — s, 24. —würmer, torven, weiche ſich in 
achtmotten, Fliegen uns Räffelläferhen verwandeln (Minierwurm). 
Remuid,. . 

Der Minenzweig, —e6, 9. —r, bei den Minengräsen, bie Helv, 
nen von bem Hauptminengange auslaufenben Dlinen, 

%* Die Miner, Big. —n, ein jeher auf und unter bee Erbe befinbs 
licher ganz leblofer und aller kebenswerkreuge beraubter Körper, ber 
Sof durch Nohäufung von außen wäh (Mineral, Fossil); eher 
mahls auch VBerggemähs. Dieſes Diner ift von ©. zur @eneues 
zung empfohlen, und verfhiebentlih von ihm gebraudt worden. 
Blelleicht, daß biefe Berge eine geoße Menge don Schwefel oder 
andern Minern enthalten, woburd der Wligficf angezogen wirb.* 
G. Im engerer Beteutung, ein Erz u„Usfellen und Minern.« 
Rofeparten, (f.). : 

O Das Minerbad, —es, 4. —bider. 1) Ein Bat von ober in 
Minerwaffer (mineralisches Bab), ;. B. ein Schweſelbad, Gtapls 
bad ıc. =) Eine Anflait, «in Ort, wo Wineıquellen And unb zu 
baten bendgt werben, 

O Minerhaft, —er, —efle, adj. w. adv. einer Miner ühnlich, wie 
aud , eine Eigenſchaft von einer Weiner babend (mineralisch ), 
Minerhaftes Maffer, das nad einer Diner fhmelt ıc Gin mis 
nerbafter Brihmad, Davon die Minerhaftigkeit. 

O Der Minerkenner, —6, 3. gl. ſ. Minerkunbig. 

® Die Minerfunde, o. Wi. die Kunde ober Kenntnif ber Minern, 
iprer vnatuͤrlichen Entftchung, Beidhaffepbeit, ihres Rupens und Ges 
brauchs ıc., bie, wenn fie gegenänblih und als eine Echee bettach⸗ 
tet und aufgeſtellt wieb, eine Minerichze it (Mineralogie). ©. 

® Minerfundig, —er, — ſte, adj. u. adv. Minerkunde habendb, im 
bee Minerkunde bemandert, aud zur Minerkunde gehörig. Daron 
ber Minerkundige, einer der Minerkunde hat; auch Minerkenner, 
ber, wenn er biefe Kunde mittbeiit und lehrt, Darüber ſchreibt ıc. 
ein Minerlehrer heist (Mineralog). &. 

O Die Winerlehre, 9 —n. 1) Die Minerfunde gegenſtändlich 
als Ecbre betrachtet; ohne Mehrzahl. S. Minerfunde, _ e) Eine 
Schrift in welcher biefe Lehre vorgetragen wird, 

© Der Minerlehrer, —s, 29. gl. ein Lehrer der Minerkunde, wie 
aud einer, ber Über Minerfunde, ber cine Minerlehre ıc. ſchreibt 
(Mineralog), 

O Minerlebrig, adj. u, adv, zur Vinerlchre gehörig, darin gegrüns 
bet imineralogisch). ©. > — 

O Die Minerquelle, Sz. —n, eine Quellt, welche Minerwaſſer 
entbält 

O Dad Minerreich, —e®, ©. Wie. dasjenige Raturreid, weldes bie 
Minern umfaffet. ober alle Minern zu einem georbneten Gangen zus 
Tommengrfaßt (Mineralerib, Regnum minerale), 6. 

® Die Minerfommlung, M. —en, eine & ımmlung von Minren, 
befonders zum Behuf ber Keuntaiß berfeiben (Mineralienenbinet), 


Mine 


OS Das Minerwaffer, —, 79. ol. ein mit den Eigenſchaften und 
Kräften einer Miner gefhwängertee Waſſer (mineralisches Baffır). C. 

+ Das Mingel, —, 94. gl. ein Weinmaß, welches zwei Pinten 
bil. Yulba, 

X Der Minifter, —b, My. gl. die fremibe Benennung der erſten und 
vornehmften Gtaatöbiener, welche den verfhichenen Zweigen ber 
Gtaatsverwaltung vorfichen. Bon biefen Ameisen bie Gtautsperwal: 
tung erhalten fie ihre befondeen Namen, als Minifter bes Innern, 
der auswärtigen Angelegenheiten, ber Mechtäpflege, ber Finanz- 
minifler, Kriegsminifter ıc. 

+ Die Minte, 94. —n, ein vierfpigiges Ding, vom beffen Spitzen 
immer eine im bie Höhe fleht, man mag es legen wie man mil, 
Rüdiger Fulba. 

+ Minten, v. trs. verflämmeln, Kulba. D. Minken. 

Die Minne, 0.9.  ı) Die Lirbe. Ein von unfern Dichtern ſowol 
allein als aud in Aufammenfegungen fo häufig gebrauchtes MRoet, 
daß es auf Peine Meife veraltet, mofür es Ab. ausgiebt, genannt 
werden fann. Der Minne Gh, Der Minne kohn. 

Wenn ber Minne Dienft gelinget. Bürger. 


Man gebraudte es edemahls im allen Bebeutungen, bie das jegt ges 


wöhntihere Liebe hat, ſowol von ber Seſchlechtellebe, ald auch won 
zaͤrtlicher Schufucht, Kreundfhaft und rom höherer geiſtiger Liebe, 
3. B. gegen Wott, wie im folgenber Stelle: „Do wart er gemam 
teret, ober bie minne Gottes was fo freftig in imsıc. bei Oberlin, 

Hat er gen got ſuͤſſe minne. ber Renner ®, 4499. 
Doch gebraudte man es am häufigften von ber kiebe gegen eine Pers 
fon unberes Geſchlechta, und brudte buch das Wort Liche mehr 
Wohlwollen, Behaglihfeit, Freude und Luft bes Lebens aus. Auch 
ſcheint ein feinerer Unterſchied, welden Badernagel zu finden 
glaubte (mam fehe von ber Hagense glossarium zu ber Mibeluns 
gen kiede unter Minne) mit ohne Brund zw fein. Ger meinte: 
Minne fel eigentlih vom wechſelſeitiger ehelicher oder unchellder 
Buneigung und Verbindung; Liebe aber vom einfeitiger leidenſchaft ⸗ 
Hier Reigung gegen eine Perfon anderes Befhlehts gebraucht wor 

ben, In weiterer Bebeutung ehemapls auch (1) für heftiges Berlan- 
gen. „Die hat alfo groſe minne ze ber marter.* bei Dberlin, 
(a) Für Güte, gütlicher Bergleich. Die Minne verfügen, Nah 
Minne ober mad Recht entſcheiden. Daher der Minnerer, ber 
Cdirbsrihter, ber eine Sache gütli beilegt ober beizuiegen ſucht. 
#) Eine Prrfon, bie man minmnet, eine Welichte, ein kiebchen. 
Minne, ab fe gleihgefinnt, 
Ober ih bin freudentedt. Mrager 

Ehpemahls nannte man auch die Eiedesgättinn Frau Minne, 

Frau meine (Minne) nam dir obern handt, Iwain 2, 755. 
5) Der Raubalet, ©. d. ; 

O Der Minnebarde, —n, 9. —n, fo viel ald Minnefänger. 

Und fangft — im Geiſte der Minnebarden,. Rüttner. 

Ber Minnebaum, —es, 9. —däume, bei Planer, ver Name 
eines Pflanzengeſchlechtea, bei welchem fih rin gledenförmiger, viers 
fach eingefänittener Kelch zeiget, welcher von einem vierfaden Denigs 
behältniffe nerfäleffen wird, und mit vier unterwaͤrts haarigen Staub» 
fäden befegt ift (Sirium L.). 

® X Der Minnebrief, —e6, 4. —t , befonders ald Bin. das 
Minnebriefhen, ein Liebesbrief, Lirbesbriefhen (Billet-dour). @, 

O Der Minnebichter, — 8, m. gl. rin Diäter, ber die Minne bes 
finget. S. Minnefänger und Minnebarbe. 

O Der Minnebich, — s, 3. —e, ber heimlich ber Liebe froͤhnet, 
wie duch einer, ber feine Minne, Geliebte entführt. DOberlin. 

Das Minnefener, —, 0. 9. das Eicbesfeuer. Dberlin. 

* A Minnegebrend, adj. Winne oder Liebe begehrend. „ein mins 
negernbe wip.“ Ronr d. Wärzb, Trojan. Arieg. 

Bmwei minnegebrenbe Herzen hatten anders mißelhan. db, Niber 
lungen 8, aıge, 


Gampr's Wörterb. 3 x}. 


289 


Mint 


* Das Minnegelb, —es, 34. —er, Seth, Lohn für Minne, für 
Befriedigung finnlier Liche. 

* Die Minnegier, 0. 9. beftiges Berlangen mad Eiche. „froeibes 
beende minnegie.“ Maneffen Rinner. 

O Das Minneglüd, —s, 0. Di. das Sidce, welches bie Minne 
ober Liebe gemähret; . 

® Der Minnegott, —es, . —götter, bee Bott der Minne ober 
Eiebe (Amor). ©. 

* Die Minnegdttinn, 9. —en, bie Eichesgöttinn, Venus, 

* Minnehaft, adj. u. adv. Hebenswürdig, 

* Minnebold, adj. u. adv. dur Minne holb, angenehm. 

* Der Minneluß, —fed, 24. — kuͤſſe, ein Kup der Liebe, aus 
Riche, 

Dos Minnelied, —t, By. —er. 1) Ein Lich, deſſen Begenfland 
bie Minne ift, worin bie Minne befungen wird, a) Das Lies eins 
Minnefängers. Die alten Minnefieder. 

Der Minnelohn, — s, 4. v. ber Lohn, welchen bie Winne obex 

Liebe giebt, die Belohnung ber Winne auch Minneſold. S. Dinnes 

preis, Ich hatte mid dem Dienft ber Schoͤnſten aller Schönen 

Drei Jahee fonder Minnelchn 
Birtingt, Bielanb. 
* Der Minnemutb, —es, 0. Di. bee Muth, d. h. bie Neigung gu 
lichen. E 
* Minnen, v. intes. u. trs. lieben. „er ſprach, bu weißt wohl 
daz ich dich Herr, minne.“ bei Friſch. Befonders, eine Perfon 
anberes Geſchlechts lieben, bergen, S. Minne, 
Es war ber ſuͤße Trieb ge minnen, 
Der ihm zu zeifen widerrieth. Bürbe, 

. Das mur fagt ihre, daß ih minne, Kölle, 

In meiterer Bedeutung aub von ben Thieren. 
Schwalben, bie im Benze minnen. Schiller. 

D. Minnen. 

* Der Minnepreis, —eb, Siz. —e, ter Preis ber Liebe, der Preis, 
melden ein Liebenber zu erlangen fucht. 

* Der Dinner, —e, 94. gl; die —inn, I. —en, eine Perfon, 
welche eine andere minnet, ein Liebhaber, eine Eiebhaberinn. Nach 
Dberlin war es ehemals auch In weiterer Bedeutung wie Minne 
gebraͤuchlich. Minnate cotie,® ber Liebe gegen Bott hegt. Notker, 
„Ein minner der armaot." „Rudolph I. Gemaßlinn war eine Minne 
rinn oller Zugend.* Friſch. Auch vom Gott fogae wurde es ges 
braucht. S. Mitminner. 

* Der Minneruhm, —es, q. 94. Ruhm in ber Minne oder kiebe. 

Der Minnefang, —es, 4. —finge, ein Bang ober Gefang, beſ⸗ 
fen Gegenfland die Minne if, „Wiädlige Rahapmungen und 'Um« 
bilbungen des leihtern Minnefanges.“ Efhenburg. (A.). 

Bang’ in Eudewigs Saale über dem Minneſang, 
Den ber Kranke vergrub, ſchwebete Walthers Beil. Dof, 

Der Minnefänger oder Minnefinger, —s, MW. gl. ein Sänger, 
Dichter, weicher bie Dinne befingt Im engerer Bebeutung, einer 
berjenigen Dichter, weiche ib in Deutſchland von 1158 — 1547 
befonbers unter ben Schwaͤbiſchen Kalfern aus dem Baufe Hohen: 
Haufen ansgeichneten; daher fie auch Schwaͤbiſche Dichter Heipen. 
@ie haben den Ramen davon, weil fie am bäufisften und beflen von 
Minne fangen, inige der verzägliäften Minnefinger find Als 
brecht von Halberſtadt (Ziturel), Hartmann von Aue (Iwain), 
Konrad von Würzburg (ver Zrojanifhe Krieg, der Nibelungen 
Lieh ıc.), Wolfram von Eſchenbach (Partival ich, Gottfried vom 
Straßburg (Zrikan ober Triftean), Heintich von Veldeck (Eneibt) ıc, 

O Die Minnefängerei, 9. —en. 1) Das Bingen ober Befingen 
der Minne, bas Singen eines Minnefängers; ohne Mehrzahl unb 
meift in verähtliher Bebeutung. „Es fei mir vergönnt, über das 
Mefen der gigentlien Minnefängeret äberhaupt; fo wie über das 
in bes Wolde entfiehenbe Unmefen nur einige Worte zu fagem.* 


37 | 





— — 


Minn 


Schreiber. (8) «) Ein Seſang, beſſen Gegenſtand die Minne 
An, das Lied rind Mlanefängers, in verähtliher Bedeutung. 

%* Minnefich, adj.u. adv. (M.) ſiech vor Minne oder Litbe. ſchwaj 
minnefiehin luiten vur fenneftih ſwere gemeffe if vad gebere,* 
Konrad d. Würzb, Trojan. Krieg. Im bemfelben Gedichte 
tmmt auch minnemunb vor, von Liebe gleihfam verwundet, 

Der Minnefinger, f. Rinnefänger. 

* Dir Diinnefold, —ı6, De. u. fo viel als Minnelohn. 

Welt ihr den echten Minnefold? Wieland. 
Denn mit Icpter, Aron und Belb 
Frohnt vr ſelbſt um Minnefold, Bürger. 

© Der Minneföldner, — 6, Sij. ai. einer ber Minnefoi® empfängt, 
der minnet um ten Minneſold zu empfangen. „Überhaupt Fonnte 
dieſer Minnefäönger und Minnefojdner nädftens wieder ins Haus 
kommen ıc. J. P. Ridter. 

* DieMinnefüße, 0. 2%. bie Süße ber Minne oder Liebe. Dberlin, 

x %* Der Minnetag, —s, 4. —, tin Tag, an weldem man 
ein Paar Hneintge zuͤtlich vergleicht oder zu vergleichen ſucht. 

* Das Minneſpiel, —eb, My. —e, bas kiebesſpiel. Oberlin, 

* Der Minneftern, —eb, 39. —t, ber Liebesſtern. In engerer 
Bedeutung, ber Benusftern, die Venus. 

* Die Minnefteuer, 2. —n, eine Steuer, welde bie Dinne oder 
Siche oleiäfam entrichtet. Dberlin, 

© Die Minnethat, By. —m, eine That im Dienfle der Minne, 
eine Eisbesthat, ein Liebeswerk. 

Doch biefe Art von Minnetbaten 
Därften heuer nicht fo gut geratben. Soltau, (A.). 

* Die Minnewonne, . u. die Wonne, welde Drinne gewährt. 

x Minniglih, —er, —fe, adj. a, adv. mit Minne, PMinne em 
pfintend, Minne einflößend, Lieblih, liebenswärbig z verliett. Min, 
nigliche Frau, ein gewöhnliche Ausbru ber Minnefinger, (R.). 

teaute, minniglide Frau. Hölty. 

„Der minniglihen Dame.“ Benpel:Gternan. 

Er koſet mit ife minniglih. Wicolat. 

Oabon bie Minnigliche, bie Liebensiwärbige, bie Gelichte, 

Run ging bie Minnigliche, alfo ber Morgen roth, b. Mibe 
lungen %, B. 11357. 


Gr ließ bie Minnigliche 

Auf öter Alipp' olein. Schiebler. 
KAis Umftandmwert lautete es ehemahls minniglihen. „Er pflag ih 
zer minniglichen — d. Nibelungen 9, 8. 2729. 

+ Das Minfel, —, 9. gl. ſ. 1. Minze, 

Die Minute, Py —n, tin urſpruͤnglich zwar fermbes Mert, mel 
des aber ſelbſt in ber Sprache des gemeinen Mannes befannt und 
gerähntih if, und welches hier um fo weniger fehlen barf, da wie 
Bis jeät Fein Deutfches dafür haben. WE bezeichnet überhaupt dem 
ſechzigſten Thril eines Samen, befonders ben ſechzigſten Theil einer 
Stunde. Be if sehn Minuten auf acht uhr, «# find von ber ad» 
ten Stunde zehn Minuten »erflofien. Im gemeinen Leben gebraucht 
man «8 and, reinem fehr kleinen Zeittheil zu bezeichnen. Ih bleibe 
keine Miiute länger, Nur noh eine Minute! Im ber Größen: 
lehre ih die Minute ber fehzigfe Theil eines Geades. Im ber 
Maplerei und Beihenfunft nennt man bie Heinen Theile, wenach 
man bie Werhältniffe des menſchtichen Körpers befkimmt, auch Mi: 
nuten, deren 48 auf eine Kopftänge gehen, die in vier heile, jeten 
mit 1a Minuten, getbeiit wird, Tuch in ber Baukunſt ift die Mi: 
nute ein Heiner Ztrit eines Maßes , der Zoe Theil eines Motels. 

O Der Minutengenuß, — fiet, My. —genüffe, ein Genuß, bes 
nur eine Minute obere Minuten lang dauert, b. h. ein febr kurzer, 
füdtiaee Genab. — vertaufgenb alle Erbendpiane gegen Minuten: 
gad und uneefeglide Areibeit.* I. P. Ritter 

Das Mimtenglas, —ed, 9. —gläfer, das Eogalas, ©. d. 

Die Minumirlien, 24. —en, ehemahls eine Benennung ber Loglien. 


290 


Mitt 


Das Minutenrad, —6, 9. — rider, bei dem Uhrmadern, ein 
Rab mit 64 Bühnen, welches ben Minutenzeiger umbredet. 

Der Minutenring, —es, Di. —e, ber Ring ober Kreis auf dem 
Bifferblatte einer Uhr, welcher in 60 Zheile ober Minuten abge 
theilt if, bie der Minutenmeifer von einer Stunde zur andern durch⸗ 
Kuft; zum Unterfhiebe vom Stundenringe. 

Die Minutenubr, 94. —en, eine uhr mit einem Minutenpeiger, 
welche bie Zeit auch nah Minuten anzeigt. 

Der Minutenmweifer oder Minutenzeiger, —s, 2. al. der Weiltr 
ober Zeiger an einer Uhr, welcher bie Minuten zeigt; zum Unter 
ſchiede vom Stundenzeiger. 

Das Minutenweiſerwerk, —es, Sy. —, bat Aaͤbterwerk in ben 
uhren, welches ben Minutenweifer beeumbrchet. 

Der Minutenzeiger, ſ. Minutenweifer. 

Minutlih, adj. u. adv. alle Minuten, in jeder Minute gefächend; 
untigentlich, fehe oft. „Du entfhäpigft und ſtändlich, je minutlich 
bare," Lob. Knaut, 

1. +X Die Minze, 94. —n; Bw. bas Minzchen oder Minzel, fo 
viel als Minze, Hape. ©. Mieze. Daſſetbe Wort ift wahrfhein 

, Mid das in ber Baufig gewöhnliche Wort Minfel, womit man bie 
Kägden an ben Weiden, Erien, Hafeln und Mußbäumen bezeichnet. 

2. Die Minze, eine Pflanze ©. Münze 

t Das Binjelalb, —es, a —Hiber, im und bei Koblenz, ein 

u r 

Mir, der deitte Fall bes Perfonenfärwortes ih. S. Ih. 

Die Mire, f. Miere. a. z 

Die Mirche, Dep. u, rin votes oder braunzotpes durchſichtiges Gummi 
darz von bitterrm unb Iharfem Geihmade und ungenehmem Gts 
suche, welches vom einem unbekannten Baume in dem oflnörblidhen 
Afrika koͤmmt, und in Heinen Städhen ober großen Rösnem zu 
uns gebracht wird. Die echte Mirche fliegt nicht im ber Wärme, 
brennt aber angezündet leiht fort. Wlan gebraudt bies Wort ger 
woͤbntich odae Deutewort und fagt Mirrhen. 

Der Mirrbenduft, —ı8, By. —büfte, ber Duft, angenehme Ber 
ruch ber Mirrhe. — im gewürzten Mirrbenduft. un. 

Der Mirrbenkerbel, —s, 99. a. 1) Eine Art bes Kerbels auf bem 
Alpen, mit gefurhtem edigem Samen (Scandix odorata L). =) 
Der wilte Kaͤlberktepf (Chaerophylium sylvestre L.); Mirrhen, 
kerbelkraut. 

Das eri, —es, 0.24. ein and Mirchen gezogenes flüdr 
tizes DI, 

Die Mirte, 9. —n. 1) Gin im fühliden Euzopa, in Aflen und - 
Afrika einheimifher mäsig hoher Baum mit Beinen laͤnglichrunden 
augsfpigten Blättern, bie immer grün bleiben umb gerieben einen 
angenehmen Berud von fih geben (Mirtus L); aud der Mirten⸗ 
baum. Nah ber Beſchaffenheit ber Blaͤtter nennt man bie Spiels 
arten bed gemeinen Mirtenbaumes, ber einbiümige mit zmri Deck⸗ 
btäitchen verſehene Biutſtiele zeigt (Mirtus commmnis L.), breit 
blattige Mirte, große und Beine ſpitzdlattige Mirte ic. Mir 
fee immer groͤne (dönblattige Daum if lehr beliebt, und bie 
Biweige beffelben, bie man aub Mirten nennt, dienen ju allerlei 
Schmuck, 4. B. zu Kränzen bei Hochzeiten , Feſten x. Bugleth iſt 
er ein Cinnbilb der Trauer und des Tobes. „Allein will ih ind 
@rab ſinken und bort keiner erwarten, wo fine underweltliche Mirte 
um urfee Haͤupter blühen fol. Welpe. =) Deutſche Mirte, ein 
Same bes Porfes, oberber Mirtenheite. S. d. (Myrieacommnnis), 

Mirtenartig, adj. u. adr. bie Art ber Mirte hadend. In der Yflons 
zenlehre find mirtenartige Gewöchſe (Hesperides) folde, bie immer: 
grüne fleife Biätter, wohlsiehende Blumen und viele Etaubgrfäße 
haben. 

Der Mirtenbaum, —rs, 24. —bäume, f. Wirte 1). 

Die Mirtenbeere, 8. —n. 1) Die Frucht ter Miete, welde eine 
eiförmige Beere if, =) Fine Art ber Heidelbeeren. &, Heideldeere. 


Mirt 


Der Mirtendorn, —B, 2. u. ein Name 1) bes Stech⸗ aber Krfl: 
torues (lex aquifoliumL.); 2) bes Mänfebornes (Ruscus aculea- 
tus L.); beide wegen einer Ahnlichteit mit ber Wirte in ben Blättern. 

O Der Mirtenhain, —es, 4. —e, ein aus Mirten beſtehender 
Hoin. Bas im ſtillen Mirtenhaine 

Amor ſchaltiſch ihr entwendet, Got he. 

Die Mirtenheide, 99. u. eine Art bes Wachtbaumes, ein in Rord⸗ 
amerifı und auch im nörblihen Guropa im fumpfigen Gegenden 
wachſender Strauch, welder einem großen Beibelbeesftrauge gleicht 
und Bitter Hat, die ben Mirtenblättern Ähetid find (Myrica ga- 
le L.); auch Deutſcht Miete, Niederlänbifher Mirtenflraud, 
Deutſcher Kerzenbeerſtrauch, Deutſcher Talgbuſch, Olmirte, 
Torfmitte, Heideilbsermirte, Gagel, Porſt it. Mibrere biefex 
Kamen hat dieſe Pflanze von ihrer Eigenſchaft, ba fle ein blichtes 
Bichriges Übelriehenbes Weſen ausfhwigt, welches thells einem feis 
nen Hazje, theild dem Waqhſe gleihet. 

Der Wirtentrang, —s, 994. —kraͤme, ein Kranz von Mirtens 
wweigen. — Ihr [hmädt kein Mirtentranz 
: Die Stiene mehr. Wieland, 

Die Mirtentrone, 4. —ın, eine Krone von Mirtenzweigen. 

&r wirb gefgmädt mit Mirtenfronen 
In biefem Lenzthal ewig wohnen. I. Sähwieger. 

Das Mirtenlaub, —ıs, 0. Di. das Saub, die Heinen länglihrunm 

den Blätter ber Mirte, wie auch bie belaubten Zweige derſelben. 
Doch um bie Grotte her ift unterm Dlirtenlaube 
— — das Helligthum ber Fuh. Wieland. 

Die Mirtenlaube, 94. —n, eine von Mirten gebildete ober eine 
mit Mietenzweigen bezogene Baube. 

Die Mirtenftaude , y. —n, die Wirte ala eine Staude, fo wie fir 
in ben nördlichen Ländern wädhft, wo fie die Höhe eines Baumes 
feiten erreicht. 

Jetzo brach fir Gefpeoß von der Mirtenftaub’ an dem Fenſter. Bof. 

Der Mirtenſtrauch, — es, 24. — ſtraͤuche. 1) Eine Wirte als ein 
Strauch gemahfen. a) Ein Mame ber Mirtenheide. ©. b. 

O Das Mirtenthal, —es, 9. —tbäler, ein mit Mirten bewach 
fenes That. Da 109 bi Sappho leife zum Mirtenthale. Bes. 

Der Mirtenwald, —es, 9. —wälder; Bw. das Mirtenwäld, 
Gen, ein Wald ober Waldchen, ber ober das aus Mirtenbäumen bes 
Aehet. Die Shönften Mirtenwälder find zu ſchauen. Gries, 

O Die Mirtenwand, 9. — wände, eine von Mirtenbäumen gebils 
bete, ober eine mit Mirtenyweigen bezogene Wand. 

— — zwilchen Mirtenmwänben 
Dit Ephen aberwoͤlbt — — Wieland. 
Der Mirtenzweig, —es, Bi, —e, ein Zweig don einem Mirien ⸗ 


baum. — u von Mirtenziweigen, Bürgers 
d. b. in einer Mirtenlaube, 
Mis re. f. Miß. 


Mifhbar, —er, —fle, adj. u. adr. was fi miſchen läft. Mason 
die Mifchbarkeit, o. Di. die Eigenſchaft eines Dinges, vermöge 
welder 26 ſich mit einem andern Dinge miſchen laͤßt. 

Das Miſchelkorn, f. Miſchkorn. 

x Mifcheln, v. tra. das Weröfterungsmwort von miſchen, wirberholt 
miſchen, oder aud nur milden mit einem verhätiicen Rebenbrgriffe. 
Ghemahts auch uneigentlich, für gemeng werben, mit einem Antern 
sufammengerathen, zauken. D. Mifcheln. D. —ung. 

Mifchen, v. trs, zwei oder mehrere ungleihartige Dinge untır einan 
der than, bringen, ſowol von trockenen Dingen, wobei auf krine 
Drbnung gefehen wirb, als aud don fläffigen Dingen, wobei bie ei« 
genen Kennzeichen ber eingeinen Dinge aufgehoben werden, fo baf 
man bat Banze weher mad ber einen Art noch mad ber anberm be— 
nennen kann. Berfe unter ben Hafır miſchen. Gemiſchtes Ges 
treide, Getzelbe welches aus verfhiebenen unter einander geſchütte⸗ 
ten ober gefärten Arten befepet, Miſchgetreidt. Gemiſchtes Obſt, 


291 


Miſ 


Äpfel und Bienen ic., ober auch derſchiedene Arten von Lpfeln ıc. 
unter einander, Das Butter mifchen, bie Abtner mit bem Hädfel 
unter einander bringen. Gemiſchtes Butter, weldes aus mehuern 
Arten bes Butters beftchet, bie man unter einander gethan hat, Die 
Karten mifchen, bie Kartenhlätter unter einander bringen, bamit fie 
debes Mahl im eimer ondern Drbnung, tie fie ber Bufall beingt, 
llegen. Ein gemiſchter Drug, in welchem ſeidene und wollene ober 
leinene Fäden unter einander gewebt find. Gemiſchte Thierge⸗ 
ſchlechter, verſchiedene Tpiergefglehter, die ſich mit einander begat ⸗ 
tet und fortgepflanzt haben. Die Farben miſchen, bie Farben ums 
ter einander bringen, buch Vermengung zweier ober mehrerer Far 
ben, gewiffe andere hervorbringen. Waſſer unter den Mein mis 
ſchen, ober den Wein mit Waffen mifchen, Seſſer unter ben Wein 
giefen und biefen dadurch verdfinnen, verfälfhen Auch mit bem 
sweiten Balle, 
‚Einige mifchten bes Weins in mächtigen Rrägen mit Waſſer. Bop. 
Gemifhtes Meta, ſolches das aus verfhledenen Metallen, die man 
. gufammengefhmeist hat, entftanben if. Gift milden, Gift unter 
Speifen ober im Geträufe bringen und babusd töhten. Uneigentlid, 
auch von unkörperfihen Dingen, Unfere Freuden find mit Beiden 
gemifht. Ungewöpntih it es bie Sache, mit weder etwas ge 
mifht wird, in ben dritten Fall zu fegen; 
Drohungen mifht er Sewait. — Wof. 
Sich in etwas mifchen, Thell baran mehmen, ohne dazu befugt 
aufgefobert zu fein. Sich in fermde Händel mifhen. Man hat 
mid; wider Millen in bas Spiel gemifdt. Auch von Sachen, ſich 
mit etwas verbinden, mit unterlaufen. Bei finnlichen Wenſchen miſcht 
fi unter bie ernſteſten Sedanken oft ein ſianlicher und leigifinniger. 
D. Miſchen. D. — ung. ©. b.. 

‚Der Miſcher, —s, 94. gl; die —inn, 9y. —en, eine Petſon, bie 
etıwad mifet, dermiſchet. 

O Die Miſchfarbe, 94. —n, eine gemiſchte, aus verſchledenen ein. 
fadın Barden gufammengefehte Jarbe. 

O Nifhfarbig, adj. u. adv, gemifhte Barden habend. Miſchfar⸗ 
bige Beuge (melirte), 

® Das Miſchfleiſch, —es, 9. u. gemiſchtes Fleifh; bann, eine 
Gprife von gemifhtem Fletſche, bergleihen man gewößalid aus dem 
Üübriggebliebenen Gtäden Pleifh mat (Ragout). G. 

Das Mifchfutter, —6, 2. u. gemifätes Futter, allerlei mas gum - 
Butter für das Wich dienet, auf bie eine ober die andere Art unters 
einambeg gebracht, gefhättet, Im engerer Bedeutung, MWiden ımb 
Dafez ober Gerſte, Serſte unb Hafer ıc. unter einander gebauet ſo⸗ 
San Mifdung zum Butter gebrauht werden fol; auch das 

iſchling. 

O Das Miſchgefaͤß, —es, 34. —r, ein Seftß, in welchem man 

‚ veefibiedene Dinge unter einander ober mit einanber mifdet. 

Das Miſchgetreide, —6, 0. x. gewiſchtes Betzride, welches aus 
mehreren unter einander gebaueten ober gethanen Arten beftchet. 

x Der Mifhflump, —ıt, 34. —en, ein gemiſchter Rlump 
ober Kiumpen, Haufen, In engerer Bebeutung bie ned unter ein» 
ander gemiläten, mit abgefonderten, ungeorbneten unb unausgebils 
teten Urfioffe (Chaos), Kramers Holänd. Sb. unter Mengel- 
klomp, „Beer und Land fahen noch finfter und veworren aus, als 
eh fie ſich eben erft aus dem urfprüngliden Miſchklumpen herauss 
arbeiteten." G, Wir bie höhere Schreibart © Urgemiſch umb Ur: 
gemenge, G, S. G, Berdw. 

Das Mifhlorn, —s, o. 3. gemiſchtea Korn, unter welhem ans 
bere Getreidearten beflattih And; Miſchelkorn. In weitere Ber 
deutung aud für Mifchgetreibe. 

O Der Miſchkrug, —et, 9. —kruͤge, tin Krug, in welchem man 
Setränke unter einander mildet, 4. B. Wein und Maler. 

Einen Miſchteug ſchent ih bir. Boß. 
Der Mifhling, —es, 9. —e, ein gemifhtes Bing; 1. B. ver 


Mil - 
ſchiedenes unter einander gemifätes Getreide, Futter it. So nennt 
G, befonbers Menſchen, bie von verſchledenfarbigen Menfhen gebo— 
zen, und Thiere, bie von verſchiedenen Geſchlechtern und Arten ers 
nugt find Mifchlinge. Dergleichen Menfhen ‚find die von weißen 
und ſchwarzen, von weißen und Tupferfarbigen, von ſchwarzen und 
tupferfarbigen 8. erzeugten (bie Mulatten, Mesticen tc.); berglel» 
den Thiere find bie Maulefel und Maulthiere ıc. S. auch Blendling. 
Ein Quarz mit verſchiedenen beigemifhen frembdartigen Bteinen 
deißt ebenfalls ein Miſchling. Auch unelgentlich, „Die portifd 
(bem Dichter) erlaubten Karaftermifhlinger I. P. Rikter. „Die 
Feintifhe Mundart if ein Miſchling aus der Nieder» und Ober: 
deutfhen.e Abelung. 

x Der Miſchmaſch, —es, 9. —t, ein gemiſchtes Ding, in ver 
ächtlichee Bedeutung, wefär man weniger verädttih ein Mengfet, 
und ohne biefen Rebenbegriff ein Gemiſch ſagt. So nennt man als 
lertit unter einander gemiſchte Speifen und Betränte, befonters 
aber allerlei ofne Ordnung und Marl unter einander gemorfene 
Grbanten Säge, Worte ıc. einen Miſchmaſch. „Ein altes Phönis 
ziſches Dentmaht, ober vielmehr ein Miſchmaſch von Dentmapi.* 
Herber. 

x Miſchmaſchen, v. intrs. u. trs, einen Miſchmaſch machen, Alles 
unter einander milhen, in Unorbnung dringen. Btieler D. 
Miſchmaſchen. 

x Der Miſchmaſcher, —s, 2. gl. ber einen Miſchmaſch macht. 

X Die Miſchmaſcherei, 9. —ın. 1) Das Mifämalden ; veräßt: 

ih und ohne Mehrzahl, 2) Ein Miſchmaſch. Stirler, 

O Die Mifchfpeife, 29. —n, eine gemifäte Speife, eine aus ver⸗ 
ſchiedenen einfaden Nahrungsmitteln, 3. B. verfhiebenen Fleiſchar⸗ 
ten it. zufammengrfegte Epeife, 

Das Mifchfpiel, —es, Dip. —«, ein gemifätes Spiel; befonbers ein 
gemifhtes Schauſpiel, welches kein reines Luflfpiel über Trauer: 
fpiel x. if, Kramers Deutſche Ital. Mb. In eben bemfelben, 
wie auf im einem zu Bafıı 1675 gebrudten Deutfch: Batelniiden 
MWörterbude ſteht dafür Mitteifpiel (Tragicomoedis), Miſch-⸗ 
fpiel hat auch Leffing gebraugt. (M.) 

© Mifhfpielig, adj. u. adv. dem Mifhfpiel gehörig (tragico- 
nisch). „Das Stuͤck gehört zu ber mifchfpieligen Gattung." G. 

O Der Mifcftein, — s, 4. —e, ein gemiſchter Stein, eine ges 
mifhte Steinast, bie aus groͤßern und Eleinern zufammengemachles 
nen Städen verfhirdener Steinarten beftehet (Breccie), 

„O Der Miſchtheil, —e8, 94. —e, einer der Thelle, welche zuſam ⸗ 
men ein gerniſchtes Ganzes ausmachen, bie zuſammengemiſcht werden, 
damit ein Ganzes von gewiſſer Art und Beſchaffenheit daraus ent ⸗ 
ſehe (Ingrediens). 6, 

Der Miſchtopf, —s, 4. —töpfe. 1) Ein Kopf etwas darin zu 
miſchen. #) O @in Zopf mit gemifhter Spelſe, mit gemildten 
Flelſcharten, und biefes gemifchte Bericht ſeibſt (Tripotage). G. 

© Der Miſchtrank, —es, 94, —tränke; Bir. das Mifchtränt 
hen, ein gemifhter Trank, 4. B. Miſchwein, gemifäter Wein 105 
befonbers eine gemiſchte ſtuͤſſige Atzenei (Mixtur),. E. 

Die Miſchung, ip. — en. 1) Die Handlung, da man ein Ding 
mit dem anberm miſchet; mie auch, bie Art und MBeife etwas zu mis 
(hen, obere mie etwas gemiſcht it. =) Der Buftanb, ba etwas ge> 
miſcht, auf cine gemiffe Art zufammengefept if. Die Miſchung der 
Farben. Die Mifhung ber Haare, bei ben Hutmachtrn. @o nennt 
Kant die Empfintungs: oder Rörpereiaenfhaft bie eigent hümliche 
Miſchung, imtem er fagt: „Die eigenthuͤmliche Miſchung (Idio- 
synerasia:, bie mit eigretbümlichen GSefühlen verbundene Empfind» 
Uchteit für grwiffe Eindrüde;* 4. B. wenn jemanb fühlt, daß eine 
Katze im Immer iſt, cd ex fie glei nicht fiebet. 5) Ein Semiſch. 

Der Miſchwein, — es, 9%. u. ſ. Miſchtrank. 

O Das Miſchwort, —es, By. — woͤrter, rin gemiſchtes Wert, ein 
Bort, deſſen Beſtandtheille aus zweitrici ober gar aus drelttlei 


292 


Miß 
Sprachen genommen find, 

Die Mispel, 94. —n. 1) Die rundliche frifhige Frucht bes Mis⸗ 
pelbaumes, melde fünf Reinartige Höderige Samen enthält, 'einen 
unangenehmen herben Geſchmack hat und erſt einen Froſt ausſtehen 
und zu faulen anfangen muß, ehe fie genoffen werden faan; auf 
Diespel, In antern Gegenden Nespel, Nispel, Hespel, Aspetl, im 
N. D. Mispel, Wispeltuͤte. a) + Die Miſtel. ! 

Der Mispelbaum, —es, 9. —bäume, em Baum, welden Einige 
au nem rigenen Geſchlechte machen, Anbıre aber mit dem Weißtorne, 
Gifeseerbaume x. vereinigen (Mespilus L.). Der gemeine Mit: 
pelbaum tft mehr ein äftiger Strand als Baum, beifen Äſte fig 
mit langen fleifen Dornen enbigen (Mespilus germanica L.), 

Die Mispelbien, By. —en, eine Arı Meiner länglicher, gelblidros 
iher Birnen mit geiblihem, mehligem Fleiſche; bie Hagebuttendirn 
oder Hahnbuttenbirn (Lazerolenbirn). 

Mispelbraun, adj. u. adv, bei ben Färbern, braun wie teige Mit 
peln, eine Art ter braunen Farbe. 

Wiß, adv. im N. D. verfehlet, vergebens, ungemiß. X Baben IR gewiß, 
Eriegen iſt miß, iſt ungewiß. Darin find &ie mif, barin irren ie fid. 

Renurt Runft nicht, was miß — wie er auch geübeite, 
Schuf ter Äftpetifer, miß; Klopftod. 
Häufig koͤmmt biefes Wort in Zufammenfegungen vor, fewel mit 
Grundwörtern,, als aud und befonders mit Ausfagrwörteen, wo es 
ehemabis burhweg miſſe jegt nur neh in wenigen Worten z. B. 
Mifferhat lautete, im allgemeinen eine Gntfernung, Abmeldung, 
Trennung, Abweſenheit bezeichnet, und bem Bateinifdhen dis antwors 
‚tet. Genauer beffimmt bebeutet miß im den Bufammenfegungen 1) 
Cine Abweihung ober Abweſenheit in Anfehung bee Seſchaffenheit, 
eine Verſchledenheit, befonders eine fehlerhafte, widerliche Berfchie⸗ 
denbeit. Mißhellig, in Begenfag von einhellig. Mifarbig für 
bunt, Mißlaut, Mifton, Mißklang, mißlauten, miftönen, mißs 
klingen. Dann auch, eine Ahweihung von ber vorgegebenen Befhaf: 
fenheit, wo es ben Begriff falſch austeudt, Mißſchwoͤren, fallch 
ſchwoͤren. Mißſchwur, falſcher Schwur, Meineld. Chemahls hieß 
mißſagen, lügen, und Mißfarben waren falſche unechte Farben. 
=) Cine unmwillfährlide Entfernung von einer Abſicht, bie Berfeh⸗ 
lung eines Bieles, #8 fei aus Werfehen, aus Jrrthüm ober durch Bw 
fol. Mifgehen, mißgreifen, mißſchlagen, mißtreten ıc. fehlge- 
ben , fehigseifen,, fehlfhlagen, fehltweten x. Daven ber Mißgang, 
Mißgriff, Mißtritt ꝛc. Mißbeuten, bie rechte Deutung verfehten. 
Mißungen, mißgiüden, nicht wie man wänfhte und hoffte gelin⸗ 
gen, glüden. Zuwellen aud eine Entfernung von einer Abfiät, eis 
nem Bwede, im tbätliher Bebeutung z. B. mifratben für ab» 
zathen. 5) Eine Satfernung, Abmeihung ven einer Abſicht, 
Bellimmung, Regel, wo es die Wegeiffe über, böfe, ſchlecht auf eine 
mildere Art ausbrudt und ein Bumwiberlaufen. gegen jene Abſicht, Wer 
fimmung, Regel bezeichnet. Mißfallen ‚mifbandelm, mißbrauchen, 
bias Mißfallen, bie Mifhandlung, ber Mißbrauch, bie Mifheirath, 
Mißwachs, basMijahr, Mifgebot, ber Mißmuth, das Mihvergnde 
gen, mifmüthig, mifivergnägt, miß launig ıc. 4) Eine Entfernung von 
der Bollfländigkeit und Bolfommenpeit, einen Mangel an berfeiben, 
Die Mifgeburt, das Mißgefchäpf 1. ; dann auch Überhaupt, einen 
Mangel, eine Abweſendeit ber mit Miß zufammengefehten Bade, 
Mißtrauen, Mangel an Wertrauen, Mißgunſt, mifgönnen , mißr 
billigen, Mißbilligung ꝛc. — Im allın biefen Fällen it Miß ein 
Milcerungemort, woburdh man bir Bezeichnung berfelben Begiffe durch 
war beftimmtere aber härtere Wörter vermeibet, unb oft bruden 
die mit Miß sufammengetegten Wörter auf einen niebrigern Brad 
aus, B Miffall und Miſſethat ift weniger als Unfall und Un« 
that, Miß Hat in den Iufammenfegungen allemabl ben Ton, umb 
«6 iſt nur eine Eigenheit dar Meißner ober picHeiht nur Ad., wel: 
er behanptet, deß in dem Wörter mißfallen, mifigebdren, mig 
lingen, mifcathen, miftrauen, mißverfichen , der Zom auf fallen 


Mika 


gebäsen it. liege. Im ber Ummanblumg findet untes ben mit miß 
sufammengefegten Ausfagemörtern ein Unterfhieb Statt, indem beim 
Wittelmorte ber vergangenen Brit die hinjugefommene Silbe ge for 
wol vor als au hinter miß gefeht wird Ib. flellt darüber bir 
Begel auf, daß bie Silbe ge bei thaͤtlichen umb Äberleitenden Bager 
wörtern bem Worte miß vorgefidt werden mäüffe, indem miß bei dies 
fen Sogemörtern bapon untrennbar fei, daß fie aber bei unäberleir 
tenden thätlihen und bei zuftänkligen Ausfagewörteen madgefedt 
werte, bei welchen miß aud in ber gegenwärtigen unb unlängft per 
gangenen Beit, wenn fie üblih wäre, davon getrennt werben wärs 
de, fo daß man fagen müßte ich greife miß, es rieth miß. Aus: 
grnommen find biesen bi-jenigen mt miß zufammenjsgien Ausſagt- 

. wörter, bie an und für fi die Eilbe ge vor ih haben, fir in bir 
fen Zufommenfegungen aber verlieren, 3. B. mißgebrauden, miß⸗ 
gefallen, mißgelingen, mißgerarhen, von welchen bas Wittelmort 
aud lautet mißbraucht, mißfallen, mißrathen. Allein ber Gr 
brauch hat beinahe bushgängig der Silbe ge ihre Stelle hinter dem 
Worte miß ongewiefen und biejenigen, wo ge vor demſelben flehet 
find faſt als Ausnahme zu betrachten. 

Die vorzögligen und noch gebräuhlihen ober beaudhbarın 
mit miß zufammengefehten Wörter find im Polgenden angeführt 
und erfläst. Hier möge noch bas Werzeihnif der Äbrigen ehemabls 
gebräuchlichen zum Theil auch noch brauhbartn Wörter biefer Art 
der Beoftänbigkeit wegen folgen: Miarbeit, mißarbeiten, Mifars 


beiter. Stielee Der Mifbad, mißbaden, —baren f. mißge: * 


berden, Feifh. Mißbau, Frifch. —bauen, —bedenken, —ber 
folgen, —beiohnen, —benamung, —beobachten, —beflimmen. 
betragten, Stieler. —betreiben, —bewegen, —blafen, 
—brauen, — brechen, Stieler. —breben, falfh drehen , uneir 
gentlich verdrehen, übel auslegen. —ehren, Stielen —ebrer: 
dietung, —fahren, übel fahren, übel verfahren, — färben, — fruch · 
ten, —fußen, —gebühr, Ungebährlihfeit, fi mißgehaben, —ge⸗ 
nießen, —geſchehen, —gefichen, —gemöhnen, — gewohnheit, 
Stieter. —gleichen, unterfhieden fein, abweichen, —grüßen. 
— halten, Feifd. —beilen, hören, — hut. —hüten, Ober: 
Lin. —jagb, —jagen, —fehren, Dberlin, —Hagen. —Har, 
d. Nibelungen 8, 8. 8974. —kommen, —kunft, —füren, 
— laben. —lage, —laffen, Dberlin. —lIeben, übel, böfe Ieben, 
Säilten —legen. —Ichre, —lehren, —lehrer, —leſen, 
Btieler — leugnen, HBaltaus. —Loben, — lehn, — lohnen, 
—machen, — merken. —niefen, mißbrauchen, Oberlin. —pfle- 
ge, pflegen, —preis, — reichen, —reiten, — richten. Slleler. 
—ritt, —ruͤchtig, Übel beröchtiget, Haltaus. —fhrift, — ſeg ⸗ 
nen, —fegen. —finnen, Stielerx. —ſtechen, W. Kra mere 
Deutſch⸗ Ital. Wb. —ſtecken, —flellig, mißgeſtaltet, Balts 
ans — ſtich, M. KRxamer. —tragen. —troͤſten, M. rar 
mer —troͤſtig, ungläctich, verderdlich, Haltaue. — vergel 
gen, — vernehmen, —vertrauen. —waͤgen, Stieler. —wahn, 
— waͤhnen, —walten, — weg. — wiſſen, Stieler. — wuͤnſchen, 
Stieler, —ahlen, —zaͤhlen, — zeigen ıc. 

Mißachten, v. trs, Mittelw. ber derg. 3. gemißachtet, nicht achten, 
geliader als verachten. D. Mißachten. D. —ung. 

— — furchterlich nie — 
Die Mißachtung zu aͤußern — Boß, 

Auch für Verachtung. „Bom Hohngelääter der Mißachtung ver 
folgt. Dreyer 

Mißaͤndern, v. trs, Mittelo. bee verg. 3. gemißänbert, ſchlecht Ans 
deren, ändern und dadurch fhlimmmahın. D. Mifänbern. D. —ung. 

Mißarten, v.utr. mit fein, Mittelw, d. verg. B. mifgeartet, ſchlecht 
arten, ausarten, D. Mißarten. D. — ung. 

Der Mißbegriff, —es, 4. —e, ein Tıtfcher Irciger Wegeiff. 
biefe wenigen unerheblihen Mißbegriffe* Beffing. 

Mißbehagen, v. ntr. mit haben, Mittel, d. verg. 3. mißbehagt, 


293 


Mißb 


ſchlecht behagen oder gefellen, ein unbe hagliches Gefuͤßl verurſachen. 
Es mißbehagt mir, Opiz ſagt dafͤr mißhagen; 
Died was mod mirgend war, wie kunm' es wohl (wol) mifhagen, 

Das Mißbehagen, —t, o. 94. die Empfindung, ba einem etwas 
nit bebagt, übel brhagt. 

Dem Eifenkönig gab bies großes Mißbehagen. Wieland, 

Mißbehaglich, —er, —Re,fadj. u. adv. Mißbedagta rrregend, veruzs 
fadend; mit Mißbehagen verbunden. Gtieler. »Er fand ba om 
Öffentlichen Orten überall eine Kiofterflille ; bas war ihm ſehr mißr 
behaglich⸗ BSeume (N) 

* Mifbelieben, v. mtr. mit haben, Mittelm. d. verg. 3. mißbe⸗ 
hebt, kein Belieben Haben, nicht geem habın ober fehen. Gtieler. 
D. Mißbelieben. 

Das Mißbelieben, —, 9. 9. der Mangel an Belieben, das Bu 
wibırfein. 

Misbeliebig, —er, —fir, adj. u. adv. fein Belieben, Feine Neigung 
zu etwad habenb, und barin gegrändet; weniger ols mißfällig. 
Wieland gebraucht «s für mifbehaglic unangenehm: „Dies wür⸗ 
be ben mißbeliebigen Folgen biefee Entbedlung zunorlommen.* 

* Mißbeobachten, intrs. u. trs, Mittelmost d. verg. 3. mißbeob ⸗ 
achtet, mangelhaft, unziätig beobachten. Stirler. D. Mißbeob« 
achten. D. —ung. 

Mifbeffern , v. trs. u. rec, Mittels, d. verg. 3. gemifibeffert ober 

mißgebeffert, bas Beffere verfehlen , bei der Abſicht beffer zu mar 

Sen, ſchlimm oder ſchlecht maden; ein brauchbares und befferes 

Wort als das von Lichtenberg bafür verſuchte verſchlimmbeſſern, 

D. Mifbeffern. Auch O Zerbeſſern. S. d. D. —ung. 

Mißbeten, v. intrs. ungegelm. (f. Beten), Mittelw. d. derg. 3. 
mißgebetet, vergeblich beten. D. Mißbeten. 

Mißbieten, v. intrs. unsegelm, (ſ. Bieten), mit haben, Mittelw. 6. 
virg. 3. mifgeboten, niedrig, wenig bieten, fo daß bas Gebot nidt 
angenommen werben kann. Ehemabls, ſchiwpflich entbieten, beihimpfen. 

@ie geleiteten feine Helbe, daß es ihnen niemand mißebet. 


b. Ribelungen 2. ®. 5980. 
D. Mißbieten. S. Mißgebot. 

Das Mifbilb, — —s, By. —er, ein verfehltes, ſewol ein von ber 
Schonheit ale von ber Ähnlichkeit abweichenbes eder ſich entfernenbes 
Bil. +80 fhien zwar nicht bie That des Gebanfıns Mifbilb.* 
Klopſtock. 

Mißbilden, v. tre. Mittelw. d. derg. 3. mißgebildet, fehlerhaft, 
fowol von ber Schönpeit als auch von ber Ähnlichkeit abweichend 
bilden. „Mifgebiidete Wefen.“ Lapater, Dann, von der Bils 
bung bes Seiftes umb der Sitten, falfh bilden. Gin mißgebilbeter 
Geif. Keine mifgebilbete Eehrerion.« Herder. D. Mifbilderk 
D. —ung, fomwel thoͤlich als zuftändlih. — mas rings um ihn 
zu feiner Bildung ober Mifbiliung beigetragen.“ Herder. 

Mifibiligen, v. trs. Mittelw. d. verg. 3. gemißbilliger, für umbil« 
lig erkennen , ertiägen, nit billigen. Gtmas mifbiligen. (ine 
mifbilligendbe Miene. D. Mifbilligen. D. —ung. 

* Mißbinden, v. trs. unzegelm (f. Binden), Mittelm. d. verg. 3, 
mißgebunben, falſch, fehlerhaft binden, verbinden. D. Mifbin« 
den. D. — ung. Davon auch ber. Mifbund oder dag Mifbänds 
ni ©. d. . 

Die Mißbitte, 8. —en, eine verfehlte, vergebliche Witte, 

Mifbitten, v. trs. unzegelm, (f. Bitten). Mitterw. d. verg. 3. mi 
gebeten. bergeblich bitten. D. Migsittn. 

O Der Mißblid, — es, 34. —e, ein fallcher irwiger Bid, „Wine 
Serle im Unmuth ihrer Wönfhe nah GBenup bärkend, ben fie dur 
ihre eigene Leere binmeggefherdt, rihler im Mißblicke ihrer Aranke 
heit diefe Shöpfung nach falfhen Belegen." Meyer 

Der Mißbrauch, —es, Br. — braͤuche. 1) Ein fehltrhafter, anrech⸗ 
tee, tem Zweck ober dere Brflimmung zuwider laufender Gebrauch; 
ohne Mehrzahl. Mißbrauch von feinem Vermögen, von feinem 


Mißb 


Anſehen, feinem Cinflaffe machen. =) Ein tadelatwerther, [hät 
her Brauch. Mißbraͤuche adfhaffen, . 
Mißbrauchen, v. trs. Mittelm, b. verg. 3. gemißbraucht und, min 
ber gut, mijbraucht, auf eine falſche, bem Bmede oder ber Meftim- 
mung zuwider laufende Art gebrauchen. Eine Sage mißbrauchen. 
„Da bie heilige Dede fo mißbraudt war." Herder. Ginen miß 
brauchen, AS feine Rachſicht, Rahgirbigkeit, Gutwilligkeit, Shwi: 

Se ıc. zum Nachtheile befeiben zu Muge machen. 

Der Raifer wird mißbraucht, ea kann nigt fein. Schilter. 
Eine Fran, ein Mädhen mißbrauchen, ſich Jeiſchlich mit ihr, ihm 
vermifhen, befonders ſofern dies mit Gewaltthaͤtigkeit verbunden it. 
Auch wird ed wie das einfache brauchen mit der Sache im zwelten 
Falle verbunden. „Und bie dieſer Welt brauchen, daß fie derſtlbigen 
niht mißbrauchen.· ı Eon 7, 51. D. Mifdrauden. 

* Der Mißbraucher, —s, 9. gl. (R.); die —inn, Di. —m, 
eine Perfon, bie etwas mißbraucht. „Die Mißbraucher zus Berant⸗ 
mortung ziehen.” Ungen. 

Mißbraͤuchiich, när. (M.) auf eine unrechte, der Abſicht, ber Beftim: 
mung entgegenlaufende Art gebraudit (abusive), 

Das Mifbändnif, —fes, 9. — ſſe, ein die Abſicht verfehlenden, 
ein nadıtfefliges, ſchaͤdliches Suͤndnißz befonkers ein ſolches Ehe 
bäntnif. „Dean Hreobet fagt, baf biefe nicht aufgehört habe, Ihrem 
Bruder Bormürfe wegen eines folden Mißbuͤndniſſes zu maden.“ 
Buhhol: Auch der Mißdund. 

© Der Mißdank, —es, 0. 2%. ſchlechtet Dank, milber als Unbank, 

O Mipvanfen, v. intrs. u, trs. Mittelm. b. verg. 3. mifigebanft, 

ſchlacht danken, zum Dank ſchlecht beichnen, Doch wirb meine Ber 
abung mie auch mißgebankt, for m. Wolke D. Mifdanten. 

% Mißdenten, v.iatrs, unzegelm. (f. Denken), Mittelw. d. verg. 3. 
mißgedacht, falſch, unrichtig denten, irren. Gtieler. 

Ich wane (mähne) Freunt Hartman 

Du miſſedenckeſt daran. Jwain a4, 162. 

D. Mißdenken. Davon luͤßt ſich auch der Mißdenker ableiten. K. 
Mißdeuten, v. tra. Wittelm. b. verg. 3. gemißbdeutet und mißgebeus 
tet, wie aud, doch umgut, mißdeutet, falſch, ber Abſicht bes Reben 
"pen ober Pandelndem zumiber deuten. Eines Worte mißbeuten. 
. „Aber biefe kiede warb mißverftanden, mifgebeuter,* m eifner. (R.) 

„Kus ber mißdenteten Gtele.r Herder. D. Mißdeuten. D. 

—tung. S. d. 

ideutung, Sy. —en. 1) Die Handlong, ba man etwas miß ⸗ 
ie ohne an a) Eine falſche, irsige Deutung, bit Worte ıc. 

worin biefeibe enthalten iſt. , 

Mißdienen, v. inte u. utr. Mittelm. d. verg. 3. mißgebienet 
" und mifdiemet; ſchlecht, auf eine ber Abſicht entgegengefepte Art bier 
nen. Keifh. Sinem mißdienen. Dies wird bie nicht miäbienen, 

nit jchadtich fein. Ehemahls auch, beleibigen. 

&o'man berer einem hie mißedienet hat. d. Ribelungen e. 


i . B. 3694. 
ifoienlih. nd u. adv, nit bienlih, auf eine ber Abſicht wider⸗ 


" fpschende Art dienend. 

x Der Mipdienf, es, u —t, ein ſqhlechter, der Abkät, bem 
Bmede zumider laufender Dieäft; dann, eine unverbienftlihe Hand⸗ 
fung; in Gegenfag von Merbienft. „306 bewändt feinen freunden, 
Öns (baf) alle ding mit auß onfern Verbienften ober Mißdienſten, 
fordern auf freyer Wal Gottes wat begegniad.* Zur ich. Bibel. R. 

Der Mildrud, — s, .—e 1) Ein ſatſcher, feblezhafter Drud, 
2) @ Etwas folfh, fehlerhaft Bebrudtes, wie au eimas Gedruck⸗ 
tes, eine Drudfheift, mit welder man feinen äwed d. b. dem Abſat 
der Schrift verfehlt unb bie baher Liegen bleibt umb endlich als Padı 
papter nerhrandt werden muß (Maculatur). „Mandes gute Wert 
ift fhon zu Mifdrud gemorben.“ 6. 

O Miftruden, v.trs. Mitteim. b. verg. 3. mißgebrudt, falſch deul; 
ten, verbruden. Zramen D. Mifdruden. ©, auch der Mifbruf. 


294 


wi 


* Mißbünfen, v.utr.u.imp. Mitten, d. verg.3. mißgebünft und 
mißdünkt. 1) Übeldänten, Imeifel, Bebenkiihkeit haben, Wörtern 
duch vom 1482. Dberiin. „Mir mifoünker über bie frohe Er⸗ 
ſcheiaung bes Menfchen,* es fleigen mir darüber einige Zwelfel, Bes 
denklichkelten auf, Ungem ®. a) ütet, b. . unzichtig bänken, 
feinen, mißfallen. .Mißduͤnkt doch mein Lob ſchon eurer Eifer 
fußt.r Wachter. D. Mißduͤnken. 

® Mißempfehlen, v. trs. unxegelm. (f. Empfehlen), Mittelw. b. 
virg. 3. mißempfohlen, übel, fhleht empfehlen, eine ſchlechte Ems 
pfehlung fein (disrecommandiren), C. So ıtmas mißempfiehlt. 

Sich mifempfihlen, ſich über, ſchlecht empfehlen. 

Daß nicht zaͤh die ‚Henne ſich mißempfehle bem Gaumen. Bo. 
D. Mißempfehlen. D. —ung. 

O Mißempfinden, v. ntr, unregelm, (f. Empfinden) mit ber Fb 
gung eines trs.; Mittelm. b. verg. B. mifempfunden. ı) Eine 
wibzige unangenehme Empfindung haben. =) Ball, unziätig em: 
pfinden. D. Migempfinden. D. —ung. 

Miflen, v.ntr. mit haben, ı) + Xbwefenb fein, &o fagt man im R. D. 
das kann nicht miffen, bas kann nicht ausbielben, nicht fehlen. 7) 
Mit ber Fügung reines trs. nit haben, eutbehren, befonbers eine für 
nothwendig geachtete Sache, mad welder man verlangt. Ich kann 
bie Sache nicht miffen. 

Die, wenn von Wein und Liebe wol 

Ein Baft zu viel begehrt, 

Und fie doch etwas miffen folk, 

Am liebften Band entbrhrt. Ramler, 
Im D. D. aub mit dem zweiten Falle, Eints Dinges miffen. 
Vermiſſen unterſcheldet fih von miffen dadurch, daß es noch ben 
Begriff Yinzufügt, man bemerkte ben Mangel, bie Abweſenheit eines 
Dinges, entbehren dadurch, baß es den Begriff der Ertragung bier 
ſes Mangels binzufägt, Entrathen druckt den Mangel einer as 
he am allgemeinften aus. 3) X Die Abweſenheit, ben Mangel eis 
mes Dinges empfinden; gewöhnlicher und beffer vermiſſen. So ge« 
ringen Abgang wirb niemand miſſen. Auch mir bem zweiten Falle. 
„Bo man fein wird miffen." ı #öm. 20,39. 4) * Im M. D., ter 
Doffnung und Erwartung entgegen einterten, geſcheden; fehlfchlagen. 
5) K% Iren. D. Miſſen. D.—ung if ungewoͤhnlich und Hmmt 
böhflens in ber zweiten Bebeutung vor. 

O Der Mißerfolg, —e6, Dy. —e, ein bem Bunfde, der Erwar⸗ 
sung und Abfiht entgegenlaufenber @rfolg; ein uͤbler Erfolg. Wolle, 

Die Mifernte, 34. —n, eine fehlgefälagene, ſchlechte Ernte, der⸗ 
gleihen in einem Misjahre Statt findet. 

Mipernten, v. intrs, Mittelw. b, verg. B. mifgeerntet, eine ſchlechte 
&rnte Haben. 

Mißerzieben, v. ters. unzegelm. (f. Erziehen), Mittelm, b. erg. 3. 
mißerzogen, ſchlecht, fehlerhaft erziehen. D. Mißerziehen. D. 


— ung. 

Die Miſſethat, my. —en. 1) KK Fine aus Werfehen, Jrrtham 
ent/pringenbe That, ein Berfehen, ein Fehler, wie auch, eine unbile 
ige That. =) Eine vom Rechten abweichende, ben Geſehen aumiber 
Laufende That. „Ders vergilt ans nit nah unfeer Miffethat.* 
In engerer Bebentung, eine fehr boͤſe That, ein grobes Verbrechen, 
welches ſchwere Etrafe verdient. Vergl. Unthat, Freveithat, Ber: 
brechen. 

Der Miffethäter, —s, 2. gl; bie —iun, 9. —en, eine Pers 
fon, weiche eine Miſſethat begangen fat; ein Berbrecher, eine Ber 
brecheriun. 

* Die Miſſewende, ſ. Mißwendbe. 

* Der Mißfall, —s, 2. —faͤlle, ein, ber Erwartung entgegen ein ⸗ 
tretender Fall, ein unerwünſchter, uͤbler, ſchllmmer Fall, ehemapls 
au eine Geſahr. Im engerer Bebeutung, ein Wißgebären, eine zu 
früge Niedertunft, im R. D. auch ber Mißktram. In der Pflam 
zeniehre wigb ber. Kal, wenn blühende Pflangen , bie mit weiblichen 


Mipf 


volllommenen Beugungsierfjeugen verfehen find, mit Früchte tras 
gen, aud der Mißfall genannt, 

Mipfallen, v. atr. ungegeim, (f. Fallen), Wittelw. d. verg. 3. mifs 
fallen. 2) K% @inen Mißfall thum, fhlecht ausfallen, mit gelin- 
gen. Ehemahls auch, zu zeitig niederfommen. M. =) Unangrnehm, 
übel in die Sinne fallen, Und erweden; in Begenfag von mohlges 
fallen oder bloß gefüllen. Geine Perfon, fein Betragen mißfällt 
einem jeben. „@ine gute Lehre mißfaͤllt dem Mutpwiligen." Bir. 
21, ı8. 

Das Mipfalen, —6, 0.294. 1) K* Das Miflingen. 2) Die 
Empfindung, ba etwas miffält, unangenehm im bie Sinne fällt. 
Bergi. Mißvergnägen, Unluſt, Verdruß. Miffallen an etwas 
haben, bas Haͤßliche, Unangenehme, unſchicliche, Unrechte x, an ei: 
mer Sache empfinden und mißbilligen. Mißfallen empfinden. Sein 
Mißfallen dufren, an den Tag legen, 

Mipfällig, —er, —fle, adj, u, adv. 
fadend. @inem mißfduig werben. Gib jemanden mißfälig mar 
den, (R.) Ein mißfäliges Betragen. Das Mißfaͤlige. a) Mip 
fallen empfindenb, mit Dipfallen, in ben Karzeleien. Etwas miß⸗ 
fätig vernehmen. 

Die Mibfälligkeit, 0. 2. 1) Der Zuftand, ba etwas mipfälig if. 
2) Das Miffallen. + 

* Der Miffang, —es, By. —fünge. 1) Ein ſchlechter Fang. Ei⸗ 
nen Miffang thun. =) Ehemahis wurbe ed auch für Irrthum ger 
beaudt, wie Aenolbi aus einer Urkunde vom ı570 anführt. In 

- derfelben Webeutung für irren im Urthell sc. wurbe ehemapls auch 
mißfangen gebraucht. Schitter. 

Die Mißfarbe, ig. —n. 1) x x Eine Mannichfaltigkeit in der Farbe, 
tie auch, eine unangenehme und wibrige Mannichfaltigkeit der Karben ; 
ohne Mehrzahl, =) Eine widrig verfhiebene Farbe, wie and, eine 
falſche unechte, ober auf, eine verblidene Farbe, und ein folder Jar⸗ 
bentörptr. 

* Mißfarben oder Mißfarbig, adj.u.adr. 3) Mannitfaltige Far⸗ 
ben habend, bunt, =) Wibrig verfhiebene Karben habend, oder auch 
mur Eine wibeige Farbe habend; mie aud Beine, nämlich frifce, 
fonbern eine beide Farbe habend. 

Dep wurden [huelle Helde mißefarh fürwahre. b. Ribelun: 
' gene, B. 65366, 
„Birbe madhet miffevar." Maneffen Minnef. 

Mipfaffen, v. trs. Mitteln. d. verg. 3. mißgefaßt, falſch faffen, 
falſch verſtehen, mipverfiehen., Das Mittel, mifigefaft könnte pas: 
lich für, ſich in ſchlechter oder übler Beifkesfoffung befindend, gebraucht 
werben. R. Das Mißfaſſen. 

O Die Miffolge, 84. —n, eine ber Erwartung , dem Wunſche ents 
gegenlaufende Folge, eime Äble, unangenehme Folge, Wolke, 

O Nißfolgen, v. I) intrs, mit fen, Mittelm, b. verg. 3. mißge: 
folgt, auf eine dem Willen, ber Borſchrift emtgegengefepte ober doch 
nidt angemeffene Art folgen, nicht folgen, nit geherſam fein. II) 
ntr, Mit fein, anf eine unerwänfdte, unangenehme Art folgen, ers 
folgen. Wolte. — D. Mißfotgen. 

O Mipfolgern, v. trs. Mittelm. b, verg. 3. gemißfolgert, unrichtig 
folgeen. D. Miffoigern. D. Miffolgerung, ſowel von ber 
Hantlang ba man mifforgert, als auch von einer gemiffolgerten 
Bade. 

Die Mifform, By. —en, eine fehlerhafte, unangenehme, wibrige 
Form. Bumeilen aud uneigenflih X, ein mißfdrmiger Menfh, ein 
mifförmiges Ding, Weld eine Mißform! 

O Rifformen, v.trs. Mittel. d. derg. 3. mifgeformt, fehterbaft, 
unangenehm, widrig formen. Gin mißgeformter Men’h ıc. „Sol 
che mißigeformte Wörter begreift ber Speahgebraud eben fo wenig 
unfer ih, als“ ꝛc. Wolke, D. Mifformen. D. —ung. 

Mitförmig, —er, — ſte, adj. u adv. eine Mißform habınd, zeigend, 
Haltaus. „Mifförmige Kobben.“ Bos. 


2) Mipfallen erregenb, verur · 


205 


Mißg 


und mic ergegt im Gewblt mißfhrmiger Reifen Erſcheinung Derſ. 
Daven bie Mißfoͤrmigkeit. 

O Nißfügen, v. rec. Wittelw. d. verg. 3. mißgefügt. Sic miß ⸗ 
fügen, fi über, fhteht fügen. D. Miffügen. D. —ung. 

O Mipfüblen, v. ntr. mit der Fägung eines trs. Mittelm. d. verp. 
3. mifgefühlt, unrichtig, falſch fühlen, empfinden. — baf — die 
am herrtlichſten bewiefenen und anerfannten (Raturgefege) am ſchad⸗ 
deften Abertreten, mißgefühlt und mißbraucht· (find) ıc. Herber. 
D. Mißfuͤhlen. S. auch Mifgefäht. 

O Der Mißgang, —es, Pi. —gaͤnge. 1) Ein das Biel verfehlen⸗ 
ber, uncichtſger, irriger Gang. „Dies war bes gewoͤhnliche fo nad. 
theilige Mißgang fo vieler Geſetzgeber.“ Meyer. =) Ein ſchlechter 
Fortgang. 

* Mifgängig, adj. w adv, einen ſchlechten Fortgang habend, bet 
Haltaus. RM, 

Mißgebaͤren, v. ntr, unsegelm. (f. Bebären) mit haben, Mittelm. d. 
verg. 3. mifgeboren. ı) @inen Mißfal bei der Mieberkunft has 
ben, eine ungeitige Geburt zur Welt bringen (abortiren); fehlgebaͤ⸗ 
ten. =) Gine Mifgeburt ober Mißgeſtalt zur Welt bringen. 

Daf ih — euch bemahre vor bem miß⸗ 
Gebornen Sohn des hienverrädten Vaters, Schiller. 
D. Difgebären, 

Die Mifgeberde, Mg. —n, eine wiberlige, unangenehme Seberde; 
weniger als Ungeberbe (Grimasse), 

Mifgeberden, v.rec. (K.). Witteim.d.verg.3. mißgeberbet. Sich 
mißgeberden, fi übel, widerlich geberben, überhaupt, ſich auf eine 
unanftändige Weife benehmen, wofür man fonft aud mifbären fagte, 
D. Mißgeberden. D. —ung. 

Mifgeberdig, adj. u. adv. Mifgeberben machend, weniger als uns 
geberdig. 

O Das Mißgebllde, —e, 9. gl. ein von der Shönfeit und Mes 
gelmäfigkeit abmweichenbes, ein haͤſtiches Grbilde. 

Mifgebilde im Reihe der Natur. — GBonnenberg. 

Das Mißgebot, —es, 4. —e, ein ſchlechtes, zu nicbriges Gebot 
auf eine Bade. Gin Mifigebot tbun. 

Die Mifgeburt, 94. —en. ı) Der Zufall, ba eine Perfon mißge 

- bäret oder eine ungeitige Geburt zus Welt bringt; der Miffall, im 
NR. D. Mißkram. 

Anna ift fo wunberhäbf*, daß Schwangere dh fegnen; 

Es geht nit ab ohn' Mißgeburt, ſeo balb ſie ihr begegnen, Bogam. 
a) Eine Geburt, d. h. ein zus Melt gebrachtes Geſchoͤpf, deſſen Bes 
ſtalt vom der gemöhnlihen und vegelmoͤßigen abweicht, auch, eine uns 
volllommene mangelhafte Giburt (Menstrum). Im ben Reäten wird 
in engerer Brbrutung nur ein ſolches Gefhäpf eine Mifgeburt ges 
nannt, welches keine menfhlide Geſtalt und Beine Bernunft hat. 
Unelgentlih auch vom unförperlihen Dingen. „Der gemeine Etolz 
auf Geburt, Reihthum — if bie unförmlihfte Mifgeburt ber Ehr⸗ 
Tiebe.* @ellert. 

%* Der Mißgedanke, —ns, 94. —n, ein irriger, wie auch ädler, truͤder 
Gedonte. Haltaus, Dberlin. 

Mifgefallen, v. ntr. mit haben, Teittelm, b. verz. 3. mißgefallen, 
fo viel als miffallen =). 

Der thut was ihm mißgefaͤlt. Ganig. 
Das Mifgefallen. 

O Das Mißgefübl, —es, Pi. —e, ein unangenehmes, mibriges 
Gefüpt, wie aud, unrihtiges Gefähl und Mangel bes Srfühls. „Mer 
de dem, dem bie Meinen Empfindungen feiner ſelbſt über jeden edlerm 
Beweggrund hinwegfegen, bei dem Mifigefühl für den Abel dra Be 
bens — bis zur hödften Werahtung beffen fleigen kann, ter bie 
Biätfeligkrit feines Dafeins in Wirkungen für bas Befte bes Menſch⸗ 
beit ſucht.“ Meyer 

Mifschen, v. unsegelm. (f. Gehen) mit fein, Mittelw. d. verg. 3. 
mifgegangen. I) intrs, mit fein, fehl gehen, irre gehen. ID) ntr. 


Mißg 


mit fein, einen ſchlechten Fortgang haben, mißlingen. 
Tuot er bas, im miffegat felten. Bonere Fabeln. 7. 
Es mißgehet mir. Die Sache mißgehet. Dann au, übel ergeben. 
34 foll fie meiden beide, jo kann mir nimmer mißegahn, d. Ri⸗ 
belungen &, 8. 67. 
Das Mißgehen. S. au ber Mißgang. Br 

* Mißgehorden, v. intrs. Mittelw. b. verg. 3. mißgehorcht, «# 
om Gehorfam fehlen laffen, ſchlecht geboren. Haltaus. R. D 
Mifgehorden. 

* Der Mifgehorfam, —$, o. 29. ber Mangel an Gehorfam; ges 
Linder als Ungehorfam. 

O Mißgelaunt, adj. u. adr. Ädel gelaunt, miflaunig. 

O Das Mifgemählve, —s, 3. gl. ein GSemaͤhlde, welches 
nicht wohl gerathen if. 

O Der Mifgenuß, —ſſes, 8. —genüffe, ein unzehter, unechter, 
mie and, ein ſchaͤdlicher Benuß. 

O Das Mifgefchent, —es, 3. —, ein ſqaͤdlichet Geſchenk, bas 
ben Namen rined Geſchenkes nicht verbient. — aber aud bas gold» 
ne Saturniſche Alter entwich, Pandorens Mißgeſchenke erfüllten den 
Gebball« ıc. Benzel»@ternau. i 

Das Mißgeſchick, —es, By. u. ein den Wünfden und Erwartungen 
autwiberlaufenbes, ein wiberwärtiges, feindliches Seſchick 

Wie ein Blis aus heitrer Biäue 
Stärst herein fein Mißgeſchick. Ziedge, 

O Der Mifgefhmad, —es, 0. 94. 1) Ein unangenehmer, haͤßli⸗ 
cher Geſchmack. =) Ein falfher, unrichtiger Geſchmack, im Bebiet 
bes Schönen. „Bittlihe Beſchtidenheit wird fie (als Künftler) aud 
vor dem Mißgeſchmack bewahren, baß fle etwas leiften wollen, was 
fie noch nit ober vlelleicht nie leiſten Fünnen.“ Ewald. (R.). 

Das Mifgelhöpf, —es, Di. —e, ein von der gewöhnlichen @eftalt 
und von Regelmäßizkeit und Schönheit abweichendes ober berfelben 
beraubtes Gelhöpf (Monstrum). 

Die Mißgeftalt, 2. —eın. 1) Eine von bem Berwöhnlicen, wie 
auh vom Schoͤnen und Regelmäfigen abweichende ober deſſelben er⸗ 
mangelnde Geſtalt, ehemahls Miffeftalt. Auch im weiterer unb uns 
eigentlier Bebeutung. „Doc beffert fi ber Sachen Mifigeftalt.* 
Bieland. „Die Mißgeſtalten, melde die Zeit dem Kriftenthum 
anfing.“ Henke, „Die Mifigeflalt ihres Gparafters.« Tpüms 
mel, 2) X @ime mißgefaltete Perfon, ein mißgeftaltetes Ding. In 
ber Pflanzentehre heist eine Pflanze eine Mißgeſtalt (monstrum), 
menm bie heile berfelben .wibernatürlic gebildet ober mol gar fo 
gefaltet And, daß die Blumen ſich nidyt gehörig entfalten ober bie 
Befruchtungswerkjeuge ausfhliefen; ein Mißgewaͤchs. 

Mifgeflalten, v. trs, Mittelw. d. verg. 3. mißgeflaltet, eine Mif- 
-gefalt geben, häpli geflalten. Ein mißgeftalteter Menſch. „Mifs 
geſtaltete Bwerge." Wieland. D. Mißgeſtalten. D. —ung. 

O Die Mifgeftaltheit, 0.99. die Eigenfhaft einer Perfon oder Gar 
de, ba fie mißgeftaltet iſt. j 

O Mißgeſtaltig, adj. u. adv, eine Mipgeftalt habend. Mißge⸗ 
flaltige Rieſen. 

O Das Mifgetön, —es, 0. Di. ein umangenehmes, wiberliches 
Getön. 

Durh Mißgetoͤn und rauhe Melodie 

Berbrängt ber Rrieg bes Friedens Harmonie, Ungen. (R.). 
Dann auf, ein unangenehmes Singen, Diäten, eine folde Sprache. 

Deines Volles Mifgetön, traurige Teutonia | 

Ctimmen einft boltgefinnt Ghariten in Harmonie, Woß. 

Dos Mifgemähs, —ee, 9. —, ein fehlerbaftes, von ber ges 
möhnlihen Seſtalt abweichendes, der Bolllommengeit ermangelndes 
ober wibernatürlich geſtallet · Gemähs. Gtipler. „Unter gemeis 
nen, ungelhidten ober gar verwahrlöfenben Händen welft bie frembe 
Pflanze bald mad dem Wedel ihres Wobens, oder artet in Mißge⸗ 
waͤchs aus,* Efdenburg. 


296 





Mißh 


* Der Mißglaube, —ns, o. 9. ein falſcher, irriger Glaube, wie 
auch Aberglaudbe. „Das Bockfahren kommt aus Mißglauben.“ b. h. 
bas eingebilbete Boctfahten ober Reiten auf Böden der Baubrerin 
nen berupet aufXberglauben. 8. Sachs. RM. Dann aud, ein vom 
berefhenben ober richtig gehaltenen Glauben abweihender Glaube, 
als ein milbernbes Wort (Heterodoxie). 

* Mißglauben, v. atr. Mittelw. d. verg. 3. mißgeglaubt, faiſchlich 
glauben, nit glauben. Dberlin. D. Mifglauden, ' 

Mißgläubig, —er, —fle, adj. u. adv. Mifzlauden habend, beſon ⸗ 
bers einen vom bersfhenden und für richtig gehaltenen Glauben abe 
weichenden Glauben habend, ber bei dem Allen fehe richtig fein kann 

‚(heterodox), Davon der Mifgiäubige, der einen ſoichen Blauben 
hat, hegt. „Wie viel unfhädliher ſalckt jegt ein Mifgläubiger 
feine Grillen in bie Druderei.“ Leffing. Aus einer alten Urkunde 
von 1432 führt Arnolbi an, daß es ehemahls auch für wortbräs 
Gig gebraucht worben fel. 

O Das Mißgluͤck, —e6, 0. 2. ein verfehltes Glück, Mangıl an 
Bit, das Miflingen. „Weil dieſelbe Bufäligkeit des Mißglüds 
bie Zugend wie bas Lafter trifft." 3. P. Richter, 

Mißglüden, v. ntr. mit fein, Mittelw. d. verg. 3. mifigegiädt 
auch mißglüdt, nicht gläden, übel gläden, nicht gelingen. „Uns 
fer mifgtüdter Dithyrambenfänger,* dem es mißgeglädt if.“ 
Serben, 

Mifgönnen, v. trs. Mittel, d. verg. 3 gemißgoͤnnt, nicht gönnen, 
befonders den Befig oder Genuß eines Butes nicht gönnen, weil man 
ben Befiger ober Genießer für beffen unmwärbig hält. Einem etwas 
mißgoͤnnen. „Mein Herz mißgdunt euch euren Schlaf. Pfeffer, 
{R.). D. Mifgdunen. ©, au die Mißgunſt. 

* Der Mißgönner, —s, 2. gl. ber etwas mißgoͤnnet. „Ob bas 
Wert glei von etlihen Mifgönnern als eine ungeitige Arbeit ges 
tabelt wird." Leonh. Shmwarzendb. R. 

Mifgreifen, v. intrs. unregelm, (f. Greifen), Mittelm, b, verg. 3. 
mifgegeiffen, das Biel im Greifen verfehlen, fehigreifen, falſch greis 
fen. Wefonders in der Tonkunſt, einen falſchen Kon greifen. Uns 
eigenttih, einen Mißgeiff thun. &. Mifigriff. — endlich im ih: 
zer Bernunft koͤngen fie nicht bie unendliche Folgenreihe einer That 
—— und mißgreiſen.“ Sonnenberg. D. Mißgreifen. 

. ung. 

Der Mifigriff, —es, 2. —e, ein verfehlter Griff, ein falſcher 
Griff, befonders im der Tontunſt. Ginen Mifgriff thun. Uneigent ⸗ 
lich, eine irrige, ſchlechte Wahl, Ergreifung eines Mittels, wodurch 
man feinen Iwe verfehlt. Zuweilen auch überhaupt ein Berfehen, 
ein Irtthum. 

Die Mißgunſt, eo. M. der Auftand, ba man einem Anberm eimas 
mifßgönnet, ba man es ungern und mit Unmillen fieht, daß er irgenb 
ein Gut befigt ober genießt, weil man ihm beffelben nicht für wärs 
big hält. Die Damen und bie Witter fahn 

Sie neibifh, ihn vol Mißgunſt an. Wieland. 
Beral. Abgunft, Neid, Scheelſucht, Eiferfucht. 

Mißguͤnſtig, —er, —fle, adj. u,/adv, Mifgunft haben, zeigend, im 
terfeiben gegränbet, 

Mißhagen, v. ntr. mit haben, Mittelm. d. verg. 3. mißbagt, fe 
viel als mißbehagen. ©. d. 

Da begunnte biefe Maͤhre den guten Reden mißehagen. 
belungın 8 ®, 4560, 
„Mishagte eu denn bas Ehimpffpiel ber Meifterfinger.- Bäder 
ter. Ehemehle auch, befhwerlih, läflig fein. D. Mißhagen. 

Mißhaͤglich, adj. u. adv. übel bedagend, beſchwerlich, läftig: Davon 
bie Meßhaͤglichkeit. Haltaus. 

Der Mißdall, —s, My. —e, ein von ber Reinhelt abweichtader, 
ein unreinee, unangenebmer, wibriger Hall ober Ton (Dissonane), 

* Mißhallen, v. ntr. mit haben, Mittelw. d. verg. 3. mißgeballt, 
einen abweichenden, verfdiebemen, bann, einen unangenehm abmels 


d. Rir 


Mißh 


qhenden, einen wibrigen Ton haben (dissoniren). uneigentlich, im 
feinen Abſichten und Miinungen abıwerden, uneinig fela. Ehemahls 
gebrauchte man es au für, ım feinem Reben und Thun von ber Bor⸗ 
ſchrift abweihen, dagegen handeln. „Die ha.ptfäglihen Bulen, von 
welchen niemand fol mifhällen und abweigen.“ Rom. Immens 
torb. (R.). D. Mißhallen. a 

Miß hallig oder Mißhaͤllig, —er, —fke, adj. u. adr. einen abwei⸗ 
enden, verſchiedenen, bann, einen unangenehmen, widrigen Hall 
aber Ton habenk, von fi gebendz; in Gegenfog von einhallig. Uns 
eigenttid, wo man es gewoͤhnlich mißbellig ſchreibt, von dem gehd · 
zigen Berpältnip abweichend, übel ſtehend. Dann, in feinen Abſichten, 
Meinungen von Nndern ahweichend, uneinig; in Begenfap von einbellig. 
Da fie aber unter einanber mifbellig waren.“ Apofteig. a8, 25. 
In weiterer Bedeutung, nit übereinftimmenb, entgegengrfegt. 

— in ben Sturm mißbelliger Winde. Boß. * 

Derſelbe Dichter gebraucht mißhallig au für verſchiedenartig: 

Richte mehr, als umtpätize Sa, nur zufammengemwisrte 
unb mifhallige Samen ber nit einträgtigen Dinge. 

Davon bie Mißdaͤlligkeit ober Mißhelligkeit. 

Der Mifbandel, —s, Ey. u. ein ber Abſicht niht entſprechender 
Handel, ein undorthellhafter, fhlehter, unglädlihee Handel. Ehe⸗ 
mabls für Miſſethat, Höfe That; auch Mißhandtung. Haltaus, 

Mibhandeln, v. I) intrs, Mittelw. d. verz. 3. mißgehandelt, Adel 
handeln, unrecht handeln. „Was habe ih mißgehandelt oder ger 
fündigt?« x Mof. 34,36. Im ber Bibel, wo biefes Wort am hin 
figten in diefer Bedeutung vorfimmt, lautet das Mittelwert auch 
misbandelt. „Wir haben mißhandelt.“ Pf. 106, 6. Tupbith 


7, 29. Much kommt bafeibft wider jemand mißhandeln vor, wel: _ 


Ges ungemöhnlih if. „Deine Lehrer haben wider mid; mißhan ⸗ 
beit,” Ef. 45,27.; 66, 24. 
banbelt, aus Beradhtung, Daß, Born, ober andern frinblichen Leidens 
ſchaften großes übel, große Echmerjen 1c. zufügen. Beleidigen iſt das 
alyrmeinere Wort, brudt aber einen geriagern Brab der Stärke aus. 
“Einen mißhandeln, ihn ſchlecht, hart, graufam behandeln, empfind» 

Ud beleidigen, befhimpfen. „Man Hielt mehr, ale man verfpgoden 

datte, in Hoffnung, die Blauen würden ſich miht aebulbig genug 
mißhandeln laffen, um Beine Belrgenheit zu größern Mishanblungen 
zu geben.” Wieland, Das Mitteimort lautet aud in biefer Bes 
deutung häuffg mißgehandelt. 

Ward je ein Menſch fo niehrig mißgehandelt? Schlegel, 

D. Mifbanden D. —ung. @. b 

O Der Mifhandler, —s, 4. al.; bie —inn, 9. —en, eine 
"Perfon, bie mißpandelt, unrecht, ſchlecht panbeit; wie au und befons 
ders eine Perfon, welche jemand miphandelt, ſchlecht, Hart behanbelt, 

* — do, Mißhandler! ruft fie. Boß. 

Die Mißhandlung, 3. — en. 

Sandlung z. weniger als Miſſethat. 2) Eine ſchlechte, harte Bes 
handlung Anbrer, thaͤtliche Beſchimpfung atc. 

O Der Mißhauch, —es, Aj. —r, din’ unangenehmer, wibriger 
Hauch. Uneigentlich vom Winde. 

Ausgeraf't hat enhlih ber Of mit ruſſiſchem Mißhauch. Boß. 

Die Mißheirath, 3. —ın, eine unvorthellhafte, madthellige Sei · 
sath, befonhers eine Heirath vornehmen Perfonen, wenn fie eine Perfon 
unter ihrem Stanbe heirathen; aud ein Mifibänpnif (Mesalliance), 

Mißheirathen, v. intrs. Mittelm, d. verg. 3. mifgeheirathet, eine Mißs 
beiraththun, befonbers, nnterfeinen Staud heicathın. D. Miß heitathen. 

Mifhenig, f. Mißballiq 

Die Mißhelligkeit (Mißhaͤlligkeit), By. —en, ber Zuftand zweler ober 

“ mehrer # Dinge, bafiemibhilkig ind; ehemahls aud die Mifhelle, Miß 
hellung. Umelgentlih u) ber Mangeibes richtigen, guten Berbättaife 
fe, der Mınael am Übereinfiimmung. Cine Rolge der Mißhellig« 
Reit ik die Unrinigkeit. Wergt. diefes und Zwietracht und Zwiefpalt. 
„Die Mißhelligkeit im ber biefe Race mit ihrem Charakter ſtehet 

Gampes Wörterb, 3. Ip. R 


297 


UI) trs, Derteim, db. vera. 3. gemifis ” 


2) Eine unrehte, unerlaubte, böfe 


Mipl 


Leffing. =) Die Berſchledenhelt in den Meinungen und Grunbr 
fögen, und bie Äußerung derſelben. Es hertſchen zwiſchen ihnen 
Mifpeltigkeiten.. „Ein gutes Wirterduh kann bie Verſchiedenbei 
ten aufjäplen, bie in ben Bedrutungen berfelden Wirter, nah Maße 
gabe der über bie Baden bei der Natiom mod fortbauernden Miß 
helligfeiten im ber Sprache, Statt haben.“ Garve. Als mildernber 
Kustrsd wich Mippeligkeit zuweilen auch für Uneinigkeit gebraucht, 
in werde fie Überzugepen pflrgt, S. Mißhallig. 

* Mißhoffen, v. ntr. mit haben, Mittelw. d. verg. 3. mifgehofft, 
vergebii hoffen, fi im feiner Grwartung unangenehm getäuſcht 
finden. D. Mißhoffen. 

* Die Mikhoffnung, 9y.—en, eine getäufäte, vergeblicht Hoffauna. 

O Mißhoͤren, v. intra. u. trs. unrecht, faiſch hisen, durcht Gehor 
falſch verncpmen; auch wol für mißverſtehen. 

Mißhoͤr mich nicht, bu holdes Angefiht. Böthe. 
D. Mißhoͤren. 

Das Mißjahr, — es, 9. —e, ein ſchlechtes Jahr, im weichem die 
FZeldfruchte ac. aicht gerathen find, in welchem DMifwads eingefallen 
if. „Bei ben zunehmenden Mif und Fehtjahren. 3. P. Ridter, 

Der Mißkauf, —6, 8. —e, ein ſchlechter, unvostheilfaftre Kauf. 

Mißkaufen, v. intrs, Mittelm. d. verg. 3. mißgefauft, ſchlecht dau. 
Ten, fi im Kaufe betrögen, ſich im Kaufe übervortheilen laffın, 
D. Mißkaufen. 

Mipfennen, v. trs. unrrgelm. (f. Rennen), Mittelw. b. verg. 3. 
gemißtannt, auch mißkannt, umnzedht kennen, unscht beurtheilen, 

das Entzegengefipte deſſen, was eine Sache an ſich bat, an ihr zu 

erfennen glauben. Bergl. verfennen. ie mißkennen mid. — 
meinem nie von mir miffanntem Perunber 1. Ladvater. „Ih 
habe Ihre Guͤte mißkannt! Sie meinten es mit mir fo vätrelih.* 

Shiller D. Miätennen. D. —ung. „Darum thut Mißken⸗ 

nung ber gutmötsigen Warnerinn auch weh." Benzjel-&ternau. _ 

Mißkenntlich, adj. u. adv, ſchwer krunttich, weniger als untenntlid. 

Die Mißkenutniß, 9. —ffe, eine fehlerhafte, unrihtige Kenntniß, 
wir aud Mangel an Kenntnig ober Kunde, wofür man auch Miß- 
kunde fagen Tinnte, „Weil die meiften Menſchen nur ans Mifs 
kenntniß der Geſchichte Jede auffallende Naturbegebenheit für uner 
hört baltch* ıc. Rationalzeitung. (A.) 

Der Mißklang, —es, 4. —Elänge, ein falfer, unangenehmer, 
wibriger Klang, ber dem seinen, angenehmen Bufammenklange zur 
witer if (Dissonsnz). Wergt. libellfang. — ber mie auf ber 
Bank mit bem übelgeruch feiner hörmernen Dofe und einem Miß. 
lange bestfhre Werte entgegenrödte“ Thämmel. 

Erf manchen Mifklang ſtraft' ee. Mob, _° 

Mißkleiden, v. trs. Mittelw. der verg. 3. gemififfeibet, verkleiden, 
burd Kleidung umfenntlih mahen, verſtellen. Uneigentlih, del ‘ 
Heiden, übel anftehen; im @egenfag von kleiden d. d. gut Bleiben. 
S. d. Diele Farde mißkleidet ihn. Born mißkleldet das fihönfte 
Sefht. D. Mißkleiden. D. —ung. 

Mißklingen, v. mtr. unzegelm, (f. Hungen) mit haben, Mittelw. d. 
verg. 3. mifigeflungen, umrein, übel Hingen, auf eine dem reinen 
angenehmen Bufammenllange sumwiberinufente Art Klingen, 

Was In ber Dinge Lauf jest mißklingt, 

Zinet in ewigen Harwonien. Klopfiod, 
Uneigentich. — und nihts mißklang im unfere Kröptichkeit. Kos 
fegarten. D. Mißklingen. S. auch ber Mißklang. 

+ Der Mißkram, —es, 9. u. ſ. Mißfall. 

O Die Miblage, By. —n, eine unangenehme, mißliche Rage. 

* Der Mißlauf, —eb, By. —Äufe. 1) Gin verzesliher, des Zie⸗ 
tes verfehlender Lauf, =) Der üble Fortlauf oder Fortgang einer 
che. Dann, ein Übier Zufall, Go gebrauchte man chemapis 
Mistäufe für, burh Kritg herbel geführte Uafäle. R. 

* Miflaufen, v. intrs. u. mir, ungegelm. (f. Laufen) mit fein, 
Wittelw. d. vor. 3. mißgelaufen, des Zleles im Laufen verfihlen, 


58 


Mißl 


vergeblich Taufen, Dann, eine falſche Richtung, wie auch einen üblen 
Jortgang nehmen. Stieler. D. Mißlaufen. 

© Die Riflaune, 9. —n, eine üble Saune, „Im Miflaune 
fügen.* dangbein. (.) Die Miftaune verſcheuchen, vertreiben ıc. 

O Mißlaunen, v. ntr. mit haben, Mittelm, d. verg. 3. mißgelaus 
net, miflaunig fein, Miflaune haben, R. Seſenders if bad Mit: 
telw. mißgelaunet für mißlaunig äblid. D. Mißlaunen. 

O Der Mißlauner, —6, 24. gl. eine Perfon die mißlaunst ober 
Mistaune bat. M. , 

O Mißlaunig, —er, —fle, aqj. u. adr. Mißlaune hadend unb 
barin gegränbet, Mißlaunig fein. „Dein mißlauniges Stilſchwel⸗ 
gen." Khämmel, Kofegarten fhreibt dafür ungat mißlaunigt. 

Mißlauniſch, —er, —fe, adj. u, adr. der Mißlaune Häufig, leicht 
ausgefegt, zur Mißlaune geneigt, unrichtig wird es für mißlau— 
nig gebraucht. „Ih fand bie Frau von 8. ein wenig miflaunifg.* 
Ungen. 

Der Mißlaut, —es, 34. — c, ein unzeiner, fehlerhafter, unangte 
nehmer Laut, im Verbindung mit anderen Lauten. — und unfer 
eben nicht zartes Gefühl, am bie bunten Zöne mehrerer Sprachen 
bereits gewöhnt, tzug kein Bedeuken ber unfrigen bie wibermärtigs 
fen Mißlaute eingunerleiben.“ Kolbe. Vergl. Mißtlang und Übel— 
laut. 

Mißlauten, v. ntr. mit haben, Mittels, d. verg. 3. mißgelautet, 
übel, unangenehm, wibrig lauten. D. Mißlauten. 

* Miflantig, —er, —ſte, adj. u. adv. übel, wibrig lautend, ans 
Mislauten zufammengefegt, Wörterb. von 1482. M. 

Mißleiten, v. trs, Mittel, d. verg. 3. mißgeleitet, falſch, übel, Lels 
ten; eigentlih und uneigenttld. „Ah bin mifigeleitet worden und 
habe mi alzu fehr mifleiten laſſen.“ Leffing. 

Melde — offenes Mundée anflarsen ben Fragenden, felber bea 
Bez nidt 

Miffen zum ferneren Dorf, auch wel mißleiten durch Befhelt. B of. 
Häuflger lautet bas Dittelmort mißleitet. „Diefe inner Berupis 
gung, bie and ber Erkenntniß irriger Schritte und mißleiteten @utr 
meinens entficht." Benzel» Eternau, 
; — doech zuvor mißleitet befihloß fr. Bo 
D. Mifteiten. D. —ung. 

Mißlenken, v. trs. Mittelm. d. verg. 3. mißgelenkt, falſch, übel Ten 
ten. Dann auch wneigentlih für mißleiten. D. Mißlenken. D. 
—ung. 

Mißlich, —er, —fle, adj. u. adr. 1) Xx von miß und lich b. b. 
gleih, alfe ungleig. Im N. D. wird es noch unrigentlih für anpaß 
und für migmüthig gebraucht. =) Bon miffen, was miſſen, d. b. 
fehlen, fehifälagen kann, was gegen unſere Bünfhe und Heffnungen 
ſchlichter werben kann. Vergl. Bebenklich. Wine mißliche Bade. 
Es if ein mißliches Dirg um foihe Würgfhaften. Eine mißtiche 
Unternıhmung. Es fit mißlih bamit aus. Davon bie Miklichkeit, 
0. 4. der Zuſtand einer Soche, ba fie mißlich iſt. „Die Mißlich⸗ 
Peit tea menfhlihen Ebene» Opiz Die Miflichkeit einer Sache, 
Urternchnung. 

Mißlingen, v. ntr. unregelm. (f. Gelingen) mit ſein, Bittelm, ber 
verg. 3. mißlungen, ſchlecht gelingen, eiven ber Erwartung und 
dem Wunſche zumiber laufenden Erſelg haben. „Die beſten Abſich⸗ 
ten miflingen oft und gewinnen einen traurigen Ausgang.“ Ber 
tert, Die Sache ift mir mißlungen. „Die mißlungenſten Verſe 
find folgende: Ien. Liter, Zeitung. (R) BD. Miälingen. 
D. — ung it ungemähnlid. 

1. % Dad Mifmabl, et, My. — , und —mähler, ein 
ungrhbriges feblerhaftes Map, ein Fleden. 

2. Das Mißmahl, —es, 9. —e, im R. D, ein ſchlechtes Mahl, 
Gaftrabl. 

Der Mißmuth, —es, 0. 94. bie untehaglihe Bemäthsftimmung, ba 
man unzufrieden iſt, an nichts Wergnägen findet und zu nichts Eufk 


208 


Mist 

Hat. Mißmuth empfinden, Seinen Mißmuth Außer. 
Unmutb. 

Mibmüthig (Mißniuthig), —er, —ſte, adj. u. adv. Mifmuth ha⸗ 
benb, zeigend, Mıfimüthig fein, Cine mifmäthige Stunde. Wolfe 
gebraugt dafür mißmuthlih. Davon die Mifmüthigkeit, der dus 
fand, da man mipmäthig if. 

O Der Mißort, —es, 4. —Irter, ein unsehter Ort. Dies Wort 
ſteht Hier night am Mißorte. „An melden Mifort hat bus Schi⸗ 
ſal mid verfegt.- Wolle, Davom bildet berieibe Sprach forſcher 
auch miforten, an einen unrehten Ost fielen, aud, in Unorbnung 
bringen; mißortig, einen Mipert habend; mißortlih, am einem 
Mißorte beſindlich. 

O Das Mißpaar, —es, 3. —, ein ungleiches, nicht Abereinfkims 
menbes, wie aud, ein unangenehm vrefhiebenes Paar. MR. . 
O Mifipaaren, v. trs, u, rec, Mittelw. b. verg. 3. mifigepaart, uns 

pastih, ſchlecht paarın. R. D. Mißpaaren. D. —ung. 

O Mißpaarig, —er, —fte, adj. u. adr. fi ſchlecht zuſammen pa 
rend. RM. 

Der Mißpidel, —s, 99. gl. im Bergbaue, ein weißer Arſenikkles, 
welcher mit Arſenik vererztes Eiſen if; aud weißer Nies, Giftkies, 
Waſſerkies. 

Mißpreiſen, v. trs. unregelm. (f. Preifen), Mittelw. b. verg. 3. 
mißgepriefen, übel, fdiedt preifen, d. 5. verachten; im Osnabräd« 
fHen noch gemöpalid, D. Mißpreiſen. D. —ung. 

* Der Mißrath, —es, Sij. u. ein Adler, ſchlechter Rath, Stieler. 

1. Mißrathen, v. zer. unregelm. if. Rathen) mit fein, Dittelw, b, 
verg. 3. mifrachen, nit gerathen, fchleht gerathen, auf eine bie 
Erwartung unb bem Bunfdhe zumiber laufende Art greatben. Das 
Getreide und Obſt ift mißratben. „Und alle fhöne Nachahmungen 
beffelben bisher find mißrathen.“ Herder. 

Doc gegen Einen, ber bad große Loch erhielt, 
Sind taufend, beren Hoffnungen mifriethen. 
D. Mifrathen. D. —ung iR ungewoͤhnlich. 

2, Mifrathen, v. trs, uneegetm. (f. Matben), Mittelw. b. verg. B. 
mißgeratbn. 3) Schicht rathen, erratten. =) Schlechten Rath 
geben. »So mifrieth er mie kein Ding-* Die Klage, B. 2245 
Dann auch abrathen. Einem etwas mifrathen, im weicher Weden« 
tung man jebod beſſer abrathen gebraucht. D. Mifrathen. D. 
— ung. 

Mißrechnen, *. intrs. Mittelw. d. verg. 3. mißgerechnet, falſch rech⸗ 
nen, ſich im Mechnen verfchen. — auch bei ihm ſtoß er (ber Plan) 
aus zeinem Perzen, inniger Liebe und — mißrechnendem Berifte,* 
Benzel» Eternan, ö 

%* Die Mißrebe, 8. —ın, eins üble, ſchlechte Rebe. Etieler. 

* Mifreben, v. trs. übel reden, Boͤſes reden. „Denne ih von wiben 
mifferedbe.* Maneffen Minnef. D. Mißreden. 

O Der Mißruf, —es, 0. 9. ber üble, nachthe ilige Ruf, In Miß- 
ruf kommen (in Miferedit\. „Webzch der Rheinweln in Mifruf 
Pommen Bnnte* C. In Mißruf bringen. 

Mißſchaffen, v. trs. unregelm. (f. Schaffen), Writtelm. b. derg. 3. 
mißgefhaffen, haͤßlich, mißfoͤrmig ſchaffen. — um bi einem miß⸗ 
geſchaffenen — Beezier an ben Hals zu werfen.“ Wieland. Auch 
uneigentlih. „Mas dieſe (Denkfreibeit) exrzeugt iſt bleibend, mas fie 
mißſchafft vergeht." Ungen. Auf eine nicht nachzuahmende Weife 
it in folgender Stelle mif vom Ausfageworte, zu welchem es gehört, 
durch mehrere dazwiſchen gefegte Morte getrennt. e 

Rennet Kunft nicht, was mif-, wie er auch grübelte, 
Schuf der Älbetiler, — — — &Klopfed. 
D. Miffhaffen. D. —ung. 

Der Mißſchall, —es, 9. —r, ein unangenehmer, unreiner Schall. 

O M ßſchallen, v. ntr, uneegeim. if. Schaffen) mit haben, umanges 
nehm, widerlih, unzein ſchollen. Uneigentlih. einem Mißſchalle äfns 
Kid, einen unangenehmen wiberwärtigen Cindruck machen. 


Bergl. 


Bürbe. 


Mißſ 


Welde (That) — laut in die Jubelhimne ber Schöpfung 
Mißſcholl. Soanenberg. 
D. Mißſchallen. 

Mißſchaͤtzen, v. trs, Mittelw. d. verg. 3. mißgefhägt, aicht gehörig, 
nicht nad Würden ſchäten. D. Mißſchaͤzen. D. —ung. 

Mißſchießen, v. inte⸗ unregelm. (f. Schießen), Mittelw. d. verg. 
B. mißgeſchoſſen, im Schießen das Biel verfehlen, fehlſchleßen. 
Sprichw. Ein guter Schuͤtze ſchießt auch miß, bei Schottel. ®. 

D Mißſchießen. Davon laͤßt ſich auch ber Mißſchuß für Fehlſchuß bilden. 

O Mißſchildern, v. trs. Mittelm. d. verg. 3. mißgeſchildert, ums 
richtig fhildern; wie auch, mißfaͤllig, widerwaͤrtig fhildern. „Ders 
gleihen mißgefhilberte Karaktere (Perfonen: oder Bemüthsbarftels 
lungen) — find bei feinem Dichter häufiger als bri Gormellle.* Lef: 
fing. (8) D. Mißſchildern. D. —ung. 

Der Mibichlag, —es, 94. — ſchlaͤge. x) Ein miflungener, ver- 
fehlter Schlag (Coup manque), =) Eine mißlungene, fehl geſchla⸗ 
gene Abſicht. Im Dsnabrädfhen auch, ein Fehletr. 3) Der Zufall, 
ba etwas mißſchlaͤgt oder migeäth. 

Mipfchlagen, v. unregelm. (f. Schlagen), Bittelw. d. verg. 3. miß⸗ 
geſchlagen. I) intrs, das Biel im Schlagen verfehlen, fehlſchlagen. 
II) nır. mit fein, fehlfälagen, nidt nad MWunfd einſchlagen, mißs 
zathen. Die Ernte it ganz mißgefchlagen. (R.) D. Miffchlagen. 

* Mißfchreiben, v. trs. unregelm, (f. Schreiben), Mittelm. d. verg. 
3. mißgefchrieben, falſch ſchreiben. „Diefes if entweder mißfchrier 
ben (mißgefhrieben) oder von ben Berichtern fehr Übel gebrehet wor⸗ 
den.* Ungen. (®.) D. Miffehreiben. D. —ung. Dies legte 
Wort fann auf gut, fheint es, für eine falſche Shreibung unferer 
Sprade, bie nicht gut eine falfche oder ſchlechte Rechtſchreibung 
genannt wird, gebraucht werben. 

Der Mißſchuß, —ſſes, 9. — ſchuͤſſe, ſ. Mißſchießen. 

Mißſchwoͤren, v. intrs. unrtgelm. (f. Schwoͤren), Mittelw. b. verg. 
83. miß eſchwoten, falſch ſchubren. D. Mißſchwoͤten. Davon der 
Mißſchwur, ein falſcher Schwur, ein Weintib. 

Mißſehen, v. intre uaregelm. (f. Sehen), Mittelw. d. verg. 3. mi: 
gefehen (x miſſeſehen) falſch ſehen, nicht recht ſehen. „Babe id 
daran miffefehen daft mix leid.« Maneffen Winneſ. D. Mif: 


fehen. 

* Mißfprechen, v. intrs. u. trs. unregelm. (f. Sprechen), Mittelm, 
b. verg. 3. mißgefprochen (3% miffefproden) 2) Falſch ſprechen, 
fi verſprechen. „Was ber Fürſprechtt mißfpricht, bas hat keinen 
haben”, bei Schottel. (M.) 2) Ehemahls auch, Wöfes ſprechen, 
Boſes nahfagen. „Hab ih daran lender miſſeſprochen.“ Manefs 
fen Minnef. D. Mißſprechen. 

* Der Mißſprecher, —s, 29. gl. ber übels ſpricht, madrebet. 
Dberlim. g 

Der Mißſtand, —es, 0. 34. ein bier, mipliher Zuſtand. In 
Mifitand gerathen. Mer Mißſtand unferer Staatspapiere, der ger 
zinge Werth derfelben. Dann auch für übelſtand, fehlerhafter, un: 
angenehmer Buftand, Anblid. Das verurſacht einem Mißſtand. 
„Gegen ben Mißſtand ber Hier zweckwidrig einfallenden männlihen 
Enbung® ic. Zen. Liter 3eitung (R.) 

Mißſtaͤndig, —er, —fle, adj. u. adv. einen Mipftand habend, übel 
anfteb nd, 

* Mißfteben, v. unregeim. (f. Steben), Mittelm. d. verg. 3. miß⸗ 
geitanden. I) mtr. mit haben. 1) Über ehen, anfehen, fi nicht 
fhiden. „Das miffeftat.* Maneffen Minnef. 2) xx Hnrinig 
fein, nit äbereinkimmen. Wörterbuß vom 1482, II) trs. 

lagdugnen, nit geſtehen. Dberlin. — D. Mißſtehen. 

Mißſtellen, v. trs. Mittelm. d. verg. 3. mifgeflellet, unrecht, ſeh⸗ 
Ierbatt frllen, entfielen, bei Shottel. R. Uneigentlih, in ein 
falſches Eicht fielen. D. Mißſtellen. D. —ftellung, ſowol thäts 
lich als «uhändiih. „Ihe Sit, wir viel eine Mißftellung bes 
Suten ſchaͤdlicher if, als bie entfhiebenfte Bocheit.“ Meyer. 


EEE... DR 


Mipt 

Mipflimmen, v. Mittelw. d. verg. 3. mifgeflimmt. E) trs. falfh, - 
ungichtig ſtimmen. uneigentlich, in eine üble Stimmung verfegen. 
— und auf ber andren Geite mißflimmt er (biefer innere Gäpen: 
bienft) ihre Empfindungen." Ungen. II) ntr. mit fein, eine vers 
ſchiedene, wie aud eine falfhe, Äble Stimmung haben. D. Miß: 
ſtimmen. D. —ung, in tpätliger und zuflänblier Bedeutung. 
„Diefe Mißſtimmung verſchlang mich ganz." Peftaloızi. (R.) 

Mißſtimmig, —er, —ſte, adj. u. adv, in einer Mifftimmung be: 
findlih, mifgeftimmt, &avater gebraudte es auch für mißklingeny. 

* Die Mißthat, 9y.— en, fo viel als Miffethat, eine unerlaudte, ums 
rechte, ſchlechte Ahat. Stieler. „Die Mifthaten der eingeinen 
Menfhen.“ Artifhes Mufeiim.(R.) „Die Breigrafen genoffen bos 
Borrecht, fi) von einer ihnen Schuld gegebenen Miäthat Iosfhwir 
zen zu Binnen,“ Wädter, 

* Mißthaͤtig, adj.u.adr. Übels thuend, Wöfes veräbend. Haltaus, 

Mißtbeilen, v. trs. Mittelm, d. verg. 3. mißgetheilt, unreßt, uns 
gleid theilen; im Dsnabrädfhen gewöpntig. D. Mifcheiten. D. 
— ung. 

Mißthun, v. intrs, u. trs. unzegelm. (f. Thun), Mittelm. d. verg. 
3. mifgetban, unrecht, Aber thun, gefegmwideig handeln, „Wir har 
ben gefündiget und mißgethan." ı Rön. 7, 8; 2 Ehron. 6, 57, 

Auf wer ohne Bedacht mißthut am vermwaifeten Kindern. Bo4. 
In alten Schriften lautet bies Wort auch milfethun, und als Mit: 
telmort miffechan. , 

Bmei minnegehrende Herzen hätten anders miffetban. 6. 
belungen 8, ®. 1192. 
D. Mißthun. S. auch Miftbat und Mifferhat. 

Der Mißton, —es, 4. —töne, ein unreiner, father, den Sohlklang 
flörender Ton (Dissonanz); wie auf ein umangenehmer, wibriger 
Zen; eigentlich und uneigentlih,. „Kein Mifton ftört bie fäße Han 
morie." Geßner. 

Kein Mifton darf in ihre (ber &eligen) Jubel bringen, Eollim, 
Zwiſchen beiden Freunden herrſcht ein Häpliger Mifton. 

Miftönen, v. ntr. mit haben, Mittelm. d. verg. 3. mißgetoͤnet, eis 
nen Miston, Miftöne ven fid geben. Gin mißtoͤnendes Geſchrei. 
Miftönende Worte, Berfe. D. Mißtoͤnen. 

O Mißtönig, —er, —fle, adj. u. adv. einen Miften, Mißtöne vom 
fi gebend, mißrönend. „Diefes Elingt jedem unverwöhnten Ohre 
mißtönig.* Wismanr. (R.) 

— mißtöniges Rödeln erhob fi. — Bof. 
Davon bie Mißtönigkeit, o. . der Zuſtand, ba etwas mifs 
tönenb- if. 

Mißtrauen, v. ntr. mit haben, Mitteln. d. verg. 3. gemiftrauet, 
mißtrauet, nicht trauen, kein Butrauen ober Bertraurm haben unb 
äußern. Ich miftraue ihm. Zuwellen au als trs, einem etwas 
mißtrauen, es Ihm nicht zutzauen, „Aber ich mißtrauete ihm bie 
Macht dich feft zu halten." Schiller. 

Das Mißtrauen, —s, 0. 2%. ber Bufland, da man nicht trauet, 
kein Zutrauen ober Bertrauen hat; wie aud, bie Äußerung, woburd 
man biefen Mangel an Bertrauen an ben Zag legt. Vergl. Arge 
wohn, Verdacht. Miftrauen hegen, äufern, Gin Mißtrauen 
in etwas fehen. „Dos edle Miftrauen gegen uns feibft, zu dem 
uns bie Freundſchaft mit fanfter Hand führen will," @ellert. 

O Mißtrauenlos, —er, —efte, adj. u. adr. fein Mißtrauen habend, 
zelgend. Lafontaine 3. Davon bie Mißtrauentofigkeit. 

*Miftrauig, adj, u. ady. Miftrauen habend, beweifend, Erbergs 
Bberterb 

Mißtrauiſch, —er, —fle, adj. u. adv. Mißtrauen habend, begend, 
und barin gegränbet; and und beffer miftrauig und miftrau: 
ih, melden Wolfe gebraucht. in mißtrauiſcher M nid. 
Ein mißtrauifher Wiid. Ein mißtrauiſches Betragen. Dann 
auch, sm Mißtrauem geneigt, leiht Mißtrauen hegend. 

O Wißtraulid, adj. u.’adv. ſ. Mißtrauiſch. 


Nis 


Mißt 


* Mißtreffen, x. ntr. unregelm. (ſ. Treffen) mit haben, Mittelw. 
d. verg. 3. mißgettoffen, daneben treffen, das Zul verfehlen. R. 
"In ber Tonkanuſt, den rechten Ton nicht iriffen, derfehlen. D. 
WMißtreffen. 

O Mißtrennen, v. trs, Mittelw. d. verg. 3. mißgettennt, irriger, 
unrechter Weerſe trennen, „Der mißtrennt Butes und Geiſt,.“ Flop 
od. iR, D. Mifirennen. D. —ung. e 

Midtreten, v. iatrs, u. trs, unzegeim. (f. Treten), Mitteln, d. verg. 
3. mißyetreten, das Ziel im Treten verfehlen, ſehlteeten, ſalſch ters 
ten. D Mißtretan. D. —ung. 

Die Miftreue, 0. 2. 1) KK Der Mangel ber Treue. 2) Eine unrehr 
te, unsmwedmäßige Zreue, 5. B. die Mißtreue eines Überfegerd, R. 

Der Miptritt, —es, 4. —e; ein wrrfrhiter, falſcher Axitiz im 
Denabrüdiden ganz übtich. Ginen Mifieritt thun. In weiterer 
Bereutung überhaupt ein Verſehen. Das war ein großer Miftritt. 

* Dir Mißtroſt, — es, 0.99. sin fhleäter, leidiget Troſt. Haltaus. 

* Mißtroͤſten, v. trs. Mittelw. d. verg. 3. mißgetroͤſtet, ſchlechten 
Teoft geben. Ehemahls wurde es auch gebraucht für flatt des Zero: 
Res Kummer und Betrüdniß geben, ſehr befümmern; daher ſich mif: 
trößten, verzweifein. Haltaus. D. Mifteöften. D. —ung. 

O Das Mihurtheil, —es, Dip. —e, ein unrichtiges, falſches Uxtheil. 
„Da er Iutlanend morallfhe Härte gegen jede genialiide ſchon aus 
ibrem Mefurtheile über Sione Fannte,* J. P. Ritter, 

© Mißurtheilen, v. intre, Mittelm. d. verg. 3. mißgeurtheilet, 
falf&, unrihtig urthetien, ein unridtiges Urtheil fällen, 

Benn es bie mißnreheilend bad Wolf ber Achiver verleih'n wird. 
"BD. Mißurtbeilen. Voß. 

‘ Mißverbinden, v. tra. unzegelm. (f. Verbinden), Mittelm. d. vera. 
3. mifiverbunden, auf eine unrechte, fehlerhafte Art, wie auch auf 
eine nachtheilige Art verbinden. Sich mißverbinden, auch, eine Miß ⸗ 
verbindung oder Misherrath teiffen; auch fit mißvermählen. D. 
Mifverbinden. D. —ung, befonders für Miftrirath, 

O Mißverchren, v. tra, Muteim, b, verg. 3. mißverehret, auf eine 
warehte Art vercheen, auch wol das Gegentheil von verchren, für 
mist ehzen und als ein milberndes Wort für verachten. „Mißver⸗ 
ehrt, fein fie, Klopftod. (R) D. Mißvetehren. D. —ung. 

Das Mifvergnügen, —s, 0. Dip. bas unangınebme Befähl beim 
Anbiid ober bei der Erfohrung einer mißfätligen Sache. Dir Unluft 
unteriheiset fi vom Mipvergnüsen bush ihre "nalige: Stätte. 
Bergt. Miffallen und Verdruß. Mißvergnuͤgen über etmas empfin 
ben, äsfren. Einem Mifvergnügen verurfaden. 

Mißvergnügt, —er, —efte, adj. u. adv. Miforrgnägen empfindend 
und Äußerendb, wir aud, darin gegründet, Mißvergnuüdt über et 
was fein. @in mifvergnügtes Beben, Die Mıfvergnügten vers 
banben fih gegen ihn. 

Das Mifverbalten, —, 0. 3%. ein Übles, den Befehen ic, zuwider ⸗ 
lauf ates Berbaiten. 

Das Mifverbäliniß, — ſſea, 4. — ſſe, ein unriätiges Verhaͤltniß 
(Disproportion!; wie au, ein unangrnehmes, mwitriaes Verbätt: 
nis. Dies Mißverbäteniß fälr Leit in die Augen. In Mißver: 
hältmiß teten. In Mißverhaͤltniſſe verm'cdeln, Ehemahls fagte man 
dafür auch Eirzer Mißverhalt. S. Verhalt. 

O Mißverhaͤltnißmaͤhig, adj. w. adv, einem richtigen, guten Ver⸗ 
bältatffe nit aemäß, demſelben nicht antwortnr, 6, 

© Mifvermählen, v. trs. Mittelw, d, verg. 3. mißvermaͤhlt, un 
vortbeilpaft, auf eine nachtheilige Art vermähien. ©. D. Mifr 
vermählen. D. —umg. 

© Mißvernebmen, v. trs. umzegelm, (f. Vernehmen), unscht, 
falſch dern ⸗ dinen. 6, 

© Das Mißvernthmen, —e, 0. 94. +) Eigentlih bas unrechte 
Bernehmen oder BVerſtehta. =) Unsigentlih ber Zaſtand zweier 0 er 
mehrerer Prrfonen, zwiſchta weichen Erin gutes Vernehmen herefät. 

„Man ſad, 08 dertſchte ein Mifrernchmen unter ihnen." ©. 


300 


Mißw 


Der Mißverſtand, —eb, 0. My. 1) Dee falle, aurichtige Verſtand 
eines Wortes ober einer Aede, ba man einen andern Sinu burit 
derbindet als ber Metenbe oder Gchreibende tamit verbunden haben 
mil; auch das Mifverfiändnif. a) 8 Zür Miſßverſtaͤndniß. S. b. 

O Mißverſtaͤndlich, —er, — ſte, adj. u. adv. dem Mifverftande 
ueiseworfen, was man leiht mißverftehen fann, Wolke, Davon 
die Mifverftändiichkeit. 

Das Mißverſtaͤndanß, —Ted, 9. —ſſe. 3) So viel als Wißver⸗ 
Band. Allen Mıfoerfländniffen vorbeugen. =) Cine Unernigkeit, 
Cparnung, foteen fie von einem Mißderſtande herrägret, In Miß 
verſtaͤndniß leben. Alle Mißverfländniffe endigen. 

Mißverſtehen, v. trs. unsegeim. (iſ. Verſiehen), Mittel. d. verg. 
3. mißverftanden, anr cht, falſch venſteden, einen falſchen Ginn in 
etwas legen. Bielleicht mifverkand fie meine lehten Werte.“ J. 
P. Richt er. D. Mißverſtehen. 

O Mißverwandeln, v. trs. Wittelm, d. verg. 3. mißverwandelt, 
in etwas Schlimmes oder auf eine üble, anrechte Art verwanbeln, 
Scqlegel. (RM) D. Mifverwandein. D. —ung. . 

Der Mißwachs, —6, 0. Pi. 1) Das fehlerhafte, päplihe Wachs⸗ 
thum, oder Badien; beffez Mißwuchs. Den Miftwachs eines Glle 
bes verhindern. In ber Pflangenichre if der Mißwachs (Suffoca- 
tio incrementi) ein mageres und ſchwaches Wachhethum, wobei bie 
Blaͤtter bieihen, kleiner werben und bie Pflanze felbft enbtih aus⸗ 
gehet. =) Das fehlgelhlagene Wahsıhum, der gegen alle Erwar⸗ 
tung ſchlecht ausgefallene Ertrag ber Keldfrüäte ıc Der Himmel 
beyüte uns vor Mißwachs 3) Etwas fehlertaft und ſchlecht Benade 
fenes, wie auch, ein unmäges, ſchaͤdliches Gewaͤchs; eigentlich und 
uneigentlid. 

— und was für Mißwachs 
Sonft — wild derberſcheßz. Boß. 

Mißwachſen, v. ntr. varegelm. (ſ. Wachſen) mit fein, Wittelw. d. 
vteg. 3. mißgewachſen. a) Fehlerhaft, zäßlich wachſen. 2) Mans 
geldaft, ſpaͤrlich wachſen, nicht gedeihen, nicht gerathen, beſonders 
von den Feidfruͤchten. D. Mißwachſen. 

Die Mißwahl, By. —en, eine ſchlechte, übte, wie auch nachtheilige Wahl. 

Mißwaͤhlen, v. intes, Mittelm. b. verg. 3. mißgewaͤhlet, auf eine 
ſalechte, üble, wie auch nachthellige Weife wählen, D. Mißwaͤh⸗ 
len. D. —ung. 

* Mifiwarten, v. trs. Mittelw. d. verg. 3, mifigemwartet, Äbel, ſchlecht 
warten, vernadläffigen. Haltaus, D. Mifwarten. 

Mißweiſen, v. tra, unsegeim. (f. Weifen), Wittelw. d. verg. 3, falſch, 
unrihtig weiten. D. Mißweiſen. D. —ung. Die Mifweifung 
ber Mannetnadel, iwınn fie abweicht, falſch werſet. 

* Die Mißwende ober Miſſewende, Ba. — n. 1) Die üble Ben 
tung ciner Sache, und mas einer Bade eine üble Wenbung giebt, 
fie ſehl ſchlagen läßt, Einbert. 

Ane ale miffewende, Boners Fabeln. 87. 
Befonters, Mifgefhid, Unglüd. S. Mifwenden. „Ih babe er⸗ 
fuͤrt bie Pflicht meines Ordens zu befreien von Miſſewende bie Diem 
fen, fo oft ich's vermödte.* Wächter. =) X %* Dee Fehler, bag 
Vergeben. Dberlin. Ehemahls hatte man auch bie Beilegungs- 
wörter miffemenbe und mijfemenbig für unbeflinbig. Oberiin, 

* Mißwenden, v. intrs. u, rec. unregelm, if. Wenden), Mittelm, 
b. verg. 3. mißgewandet ober mißgewandt, ehemahis auch mifwanbe, 
unrichtig, übel wenden; untlgentlich, eine Äble, unermünfhte Wen, 
dunz nehmen. „Das Glöck hatte fih mißwandt.* Echmanm. (A.) 
Ebrmasis aut für abwenden. „Mißwende Ungläd,* bei Frife. 
(R.) D. Mißwenden. D. — ung. 

Mißwerfen, «. trs. unregelm. (f. Werfen), Mittelm. b. verg. 3. 
mifigeworfen, tas Biel im Merten verfihlen, fol. werfen, fehlwer 
fen. M Rramer. D. Mißwerfen. D. —ung. 

* Der Miöwille, —ns, oder Mißwillen, —6, 0. 99. ber böfe 
Bile. Oberdin. 


Mißw 


Mißwirken, v. mtr. mit haben, Mittelw. d. verg. 3. mißgewirkt, 
eine ‚nerwünfdte, üble, aachtheilige Wirkung baden. Dir Arpınei, 
bas Wittel mißmwirkte. 8, Ehemahls gebrauchte man 16 für miß ⸗ 
hun, fündigen. D. Mißwirken. D. — ung. 

© Mißwollen, v. intrs. unsegeim. (f. Wollen), Mittelm. b. verg. 
3. mıfgewollt, dbei wollen, Hdles wänfhen und zu erzrigen trade 
ten; tm Brgeniah von mwohlmollen. „In Deutſchland haben wie auf 
Fäue, mo Mißwollende Andern zu ſchaden gedenken.“ @öthe. D. 
Mıfwolln. 

Das Mipmwort, —ıs, Dy. —r, und — wörter, ein bem Begriffe, 
bes Bedeutung, dem Bmede niht angemeflenes Wort; ein falſches, 
uarichtiges, auch, unangenepmes Wort. Mifworte ſprechen. Mifs 
wörter bilden. Davon bildet Worke mifimortig, Mißworte entpal- 
tendb; mifmwörtlich, mit ober in Mißworten ıc. 

Der Mißwuchs, —es, 0. Di. fo viel als Wiswads In ber zweiten 
und daitten Bedeutung. S. d. — er (dir launige Schrrftfleller) 
verlei⸗t ſich zwar nah Wermögen ale Aus» und Mißwuͤchſe ber 
Menfspeit ein“ x. 3, P. Richter. 

Der Mißwurf, —es, 94. — wuͤrfe, ein falfher, ein verfehlter Wurf. 

Mißzeichnen, v. tes. Mitteln, d. verg. 3. mißgezeichnet, falſch, uns 
richtig. wie auch, haſlich zeichen Stieler. Unter den Reuem ge 
beauht 6 Wieland. D. Mißzeihmen. D. —ung. 


Mißziehen, v. tre. u. intrs, unzegelm. (f. Ziehen), Mittelm. b, verg. 


3. mifgezogen, falf, unrtätig, ſchlecht, nachtpeilig ziehen. Btie 
ler, D. Mißziehen. D. —ung. 
%* Mißziemen, v. mtr. mit haben, Mittelw. d. verg. 3. mifigejie 
met, übel ziemen, übel anft-hen, 
@int es mir alles mißeziemt. bie Rlage, B. a69g. 
So muoffe Euch das miffezimen. Iwair 7, 194. 


O Die Mifizierde, Dt. —n, eine übte, ſlechte Zierde, etwas has ' 


verſtellet anfatt zu zieren, Bei Behäuben und bereiten Gaſſen iſt bie 
MiEzierbe, welche dieſe Schorkteine geben, (Amer zu vermeiden. Bü f ch. 

O Mißhzieren, v. trs. Mittelw. d. derg. 3. mißgezieret, auf eine 
üble, ſchlechte Axt zieren, durch etwas verſtellen und haͤßlich machen, 
anſtatt daffelbe dadurch zu zieren ; dann, übel anfttheu. 

Din Helben mißziert's, bes 
Schickſals Kampf nicht mit unerfhrodnem 
Antlig und fapferm Herzen zu deſtehen. Jeniſch. (M,) 
D. Mißziern. D. —ung. 
O Die Vlißzufriedenbeit, ©. 3%. ber Mangel an Bufriebenfeit, 
. weniger als Unzufriedenheit. — zus Mißzuftiedenheit feines Bunr 
beögenoffen.“ ungen. So fagt aud mißzuftieden weniger als uns 
sufrieben. 

Der Mißzug, — es, 9. — zuͤge, ein unrichtiger, fehlerhafter, ſchlech⸗ 
ter, nachtdeiliger, wie auch daͤßlicher, entflelender Bug, z. B. auf 
dem Spielbrette, im Seſcht, auf einem Semählde ıc. 

1. Der Mitt, —e8, 0, 4. ber Roth von Menfhen und Thieren. 
Menfhenmift, Viehmift, Pferdemift, Kuhmift, Schafmift, Zaus 
benmift ze. Miſt mahen. Beſonders ſolcher mit Gteoh, Laub ober 
andern Pflanzentpeilen vermifhter Roth, fefern derſelbe als bie nor 
zoͤglichſte Art des Dunges gebraucht wird. Stroh in den Miſt mer 
fen, damit ex fih bamit vermiſche. Etwas auf ben Mift werfen, zu 
den Difte auf den Miſthaufen. Stroh zu Mift machen. Trockner 
Miſt, fetter Miſt, Strohmift, Holz: und Waldmif x. Mift 
fahren, breiten xt. X Das iſt nicht auf deinem Mifte aemadtın, 
uneigentlich, bas iſt nicht beine Srfinbung, bein Einfall, das baft tu 

aicht von bir ſelbſt. X Wie mit Mift fahren, fehr langſam fahren. 
DJa weitener Bedeutung, befonbers im N. ©. heißt jeder Dünger Miſt. 
In nech weiterer Bebrutung beipt Mift im gemeinen Shen jeber 


fätedte unreine, fhmuzige Körper, 4 B. Kurfehriht, welchee Stu⸗ 


benmift beißt, Gaſſenkoth ie X Werd wie Miſt haben, fehr viel Geld. 
Undigentüih und derochttich wird auch jede ſchlechte, untauglige Bade 
Miſt genannt. Die —ſchen Gtaatepapisre find jıpt Mift, 


301 


Miſteld 


2. + Der Miſt, —es, 0. 3. der Mebel, befonbers wenn er in feinem 
Staubtigen herabſintt. MR. D. @s fält deute viel Miſt. 

Woburh der Wolken Dunk und ſchwarze Miſt vergeht. Opin 

Das Miſtbad, —ıd, 3. —bäbder, in ber Scheidekuaft, diejenige 
Urt am einen Körper Wärme zu bringen, ba man ſich des Miſtes 
dazu bedient; wie au, biefe Bersihtung mad die dazu nöthige Bor 
richtung ſelbſt. — 

Die Mifibahre, ty. —n, eine Bahre, MIR auf und in derſelben 
Don einem Orte jum andern zu ſchaſſen; die Mifltrage, terun es 
eine Bahre ift, bie getragen wird. 

Der Milibauer, —n, 3. —n, ein Bauer, welder ben MIR aus. 
ber Stadt zur Düngung feiner Felder holet. j 
Das Miſtbeet, — s, 9. —t, im den Bazten, ein mit Brettern ein 
geſchloſſenes Lieines Bert von guter mit vielem Miſt verfehener, Er⸗ 
be, Gewaͤchſe und Pflanzen zum Berpflangen früh auf bemfelben zu 
ziehen und weldes gemöhntih mit Blasfenflern oder Matten bedect 
wird ınn die Bemähfe wor Froft zu fhügen; auch Treidebeet und 
Frühbeet. Gin kaltes oder blindes Mifibeet nennt man «ein ge 
woͤhnliches Bert, um mweldes man einen kleinen Braben zieht unb 

mit bisisem Mifte, gewoͤhnlich Pferbemifte ausfälet. 

+ Der Miftbeller, — 8, 99. ol.; Bm. das Miſtbellerchen, D. D. 
—Lin. ı) Ein Name bes Murmeltpieres, =) Sin Bauerhund, wels 
Ger auf dem Mifte bellet. r ü 

x Das Miftbier, — s, 9. —e, in mandıen Gegenden, befonders 
N. D. basjonige Bier, weldes jemand feinen Nachbarn giebt, wofhr 
ihm biele ein oder mehrere Fuder Mift auf feinen Ader fahren. 

Der Miſtblaͤtterſchwamm, —es, 4 — ſchwaͤmme, eine Art Hohe 
fletiger Blätierfhwämme mit gledenförmigem ıumd gersiffenem Sute 
defien Blätter ſchwarz find, und welder gern auf bem Mifte waͤchſt 
(Agaricus finetarius); auch Miſtpilz, Mififhwamm, 

Das Miftoreit, —es, 9. —er, in der Lanbwirtäigaft, Bretter, . 
welcht auf den Miſtwagen unten und zur Seite gelegt und geſtellt 
werten, ben Miſt darauf und dazwiſchen zu laden, Auch eine mit 
Bretteen befhlagene Gagenleiter auf dem Miſtwagen. 

Die Mifiel, .—n, ein Pflanzengefälcht, woren Linnt fehs 
Arten anführt, bie bis auf eine, melde aus der Erbe hervorwaͤchſt, 
nämlich die Erbmifkel (Viscum terrestre L.) als Schmarsgerpflans 
zen auf andern Gewächſen wachen (Visenm L.). Die einzige bri 
uns vinheimifhe I tie weiße Miſtel (Viscum album L.), welde 
auf verfhiehenen Bäumen , befonders Eichen waͤchſt, daher fie von 
zugaweiſe auch Eichelmiſtel heißt, tod wird fie, weun fie auf Mels 
den, Lnden, Tannen ıc. wähft, au Weidenmiſtel, Lindenmiſtel, 
Tannenmiſtel zc. genannt, Die Frucht iſt eine Heine, zunde, glatte 
Brere, bie einen platten, herjfämigen Samen und einen jähen klede⸗ 
wigen Saft enthält, woraus der Bogelleim beneitet wird. Die Üde 
und Bweige berfriben wachſen gabelföemin, umb bie dicken, glatten, 
ganzen, länglihrunden vorn [dmalen Biätter fliehen paanweife eine 
omder gegenüber. Cie führt auch ben Ramen heiliges Rreuis 
holz, Ginfler, Kinfter, Kenſter, Affotter, Mabrentaden, und 
Heit aller Schaden ober Krankheiten, weil man ihr große Deils 
Brite puſchrieb. In manden Gegenden lautet dies Mor der Mifel, 
—t, 9. gl. ‚ 

Die Miftelbeere, By. — n, bie beerförmige Frucht der Miſtel. S. Miſtel. 

Die Mifteldroffel, 8%. —n, die größte Art Droffein mit braunfat» 
lem Kepfe, Halfe, Rüden, Flügen und Schwanze, weißen Knien, 
Baude und Eruft, wo aber bie Febern an den Spiten ſchwatze 
srate eder ſchupp · ufoͤrmige Fleden haben. Einige Federn unten an 
ber Biuft find geldich, der Schnabel if fhwargbramn, die Füße find 
geibiih und bie Klauen fhräritih. Sie hat den Namen bavom, 
bef fie gem bie Breren ber Mifter frißt und beißt auch Miſtet-ie⸗ 
mer, Miftler, Miſtelfink. Schnarre, Schnarrbroffel, in Käruthen 
Bahrer, in Stelermart Zärrer, in andern Öflerseihiichen Gegenden 
Zarrejer, andermärts auch Stich, weil fie alle andere Drefisin von 


. 


Miftelf 


dem Orte durch Stiche oter Stosen mit dem Schnabel von bem Orte, 
wo Mifteln find verteeibt (Turdus viseivorus L.). 

Dir Miftelfint, der Miftelziemer, f. Miſteldtoſſel. 

1. Miften, v. I) intrs, feinen Koth von fid geben, vom ben größern 
Zpieren gebräuhlih. Das Pferd, der Ds miſtet. U) tr. ı) 
Mit dem Mifte, in Geſtalt des Miftes von fi geben, Biut miften, 
s) Mit dem Mifte vängen. Den Ader miften. Fett miften. Ges 
miftete Äder. 53) Den Mif aus dem Stalle ſchaffen, in dem zus 
fonımengefegten ausmiften. Im Dsnabrädfhen ſpricht man bafür 
mefen. — D. Miften. D. —ung. 

2. + Miften, v. ntr. mit haben, nebein, als feiner Staubregen nie 
derfallen; im R. D. vom Rebel, aber nur drittperſonlich gebrduch⸗ 
ih, Es miſtet Heute den gamen Tag. D. Miften. 

X Der Miftiint, —en, 2. —en. 1) Ein Rame bes Bergſinken. 
S. d. Außer ben dert angıführten Namen führt er auch nod bie 
Ramen Faubfint, Rorbfint, Goldfink, Quetſchfink, Romert, et: 
ſcher, im R. D. Qudtfint, in Öferreih auch Meder, Pienken, 
im Zillerthale Pant. Unelgentiih , eine unzeinlihe ſchmuzige Pers 
fon, bie man au wel einen Mifthammel nennt. =) + Der Eiwens 
jahn (Leontodon taraxacım L.). 

Die Miftfliege, By. —n, eine Ars Fliegen, welche fi) geen auf bem 
MWiſte aufbält (Musca fimetaria L.). 

Der Mifter, —6, 3%. Hl. einer der miſtet, der den Miſt aus bem 

Stalle 1c. ſchafft, damit bänget. 

+ Die Miſtforke, 9. —n, ſ. Miſtgabel. 

Die Miſtfuhre, By. —n. ı) Die Fuhre, das Fahren bes Miſtes 
auf das Feld. Miftfuhren thun. =) Cine Fuhre d. h. ein Huber, 
ein Bagen voll Miſt. 3) Die-deit, zu welcher ber Mil auf bie 
Felder gefahren wird, Die erſte Miftfuhr faͤlt in den Junius, bie 
zweite in den Auguſt ıc. : 

Die Mifigabel, My. —n, in ber Landwirihfhaft, eine große ameis 
oder breizadige eifeene Babel am einem hölzernen Stiele, ben Mif 
damit zu faffen und aufzuladen, ober aud auf bem Felde audeinans 
ber zu ziehen und zu flreuen; im R. D. bie Miftforte, Grepn 

+ Die Miftgälle, 9. —n, f. Miſtgauche und Miſtpfuͤhe. 

Die Miftgauche, 9. von mehrern Sorten, —n, die Gaucht von dem 
Mitte, d. h. das aus bemfelben zufammengelaufene Leäftig büngenbe 
Waſſer; das Miftwalfer, in manden Gegenden aud die Miftgalle, 
Miftgälten, im R. D. der Aal (Abel). 

Die Miftgrube, By. —n, eine Grube, in welche man den MIR ſam⸗ 
melt und bas Miftwaffee laufen laͤßt, bamit er faule und zur Dün, 
gung arfhidt werde. Dann auf, bie Grube unter bem Abtritten. 

Der Mifthafen, —s, 9. gl. in ber Eandwirthfaft, ein großer 
sweizadiger eiferner Haken an einem hölzernen Stielt, den Mift bar 
mit von bem Miftwagen zu ziehen ober aud auseinander zu ziehen. 

X Der Miſthammel, —, 4. —bimmet, ſ. Miftfint. 

Der Miftbaufen, —6, 2. gl. ein Haufen Mif, Miſt zu einem 
Baufen auf einander geworfen. 

Der Mifthof, —es, 9. —höfe, in der Landwirthſchaft, ein Hof, mo 
die Miftgrude ift, oder wo ber Mift gefammelt wird ; bie Miftftatt. 

7. Miftig, — er, —fte, adj. u.adv. Mift enthaltend, mit Miſt befudeit, 

9. + MWiltig, adj. u. adr. im R. D. nebelig, befonders, wenn ber Mes 
bel ats feiner Megen faͤlt. Miſtiges Wafler. 

Der Miftläfer, —s, 9. gl. ein jeder Käfer, welcher fi im Mifte 
ober Kuswerefe der Menfchen und Thiere aufpält. Belonbers ı) der 
Pillen: oder Dredkäfer, f. b. (Scarabaeus stercorarius L.). =) 
@ine andere Art im feifhen Miſte, befonders Kuhmiſte, lebender 
fdwarjer Käfer (Scarabaeus fimetarius). 3) @ine Art Speckkaͤfer, 
welcher Mich im Pferbemifte auf ben Etraßen aufpält (Dermestes 
stercoreus L.). 

Die Miftkarre, By. —n, ober der Miflfarren, —s, 9. gl. eine 
Kırer, ober ein Karren, worin der Miſt von einem Orte zum ans 
dien geſchafft wird. 


302 
Der Mifttorb, —eb, 9. —koͤrbe, ein Korb, Miſt barin zu tragen, 


Mit 


ober bazeın zu fammeln, 

Das Mifttraut, —es, 9. u. f. Miſtmelde. 

Die Miſtlache, 9. —n, f. Miſtpfütze. 

Der Miſtlader, —6, 3%. gl.; die —inn, By. —en, eine Perfon, 
melde Mift ladet, aufladet; ihre Arbeit, das Miftiaden. 

Die Miftlafe, 9. u. die Safe ober das Biöffige in einer Muftgeube, 

Die Miftleiter, My. —n, eine Leiter auf einem Miftwagen, 

Der Miller, —s, 9. gt. f. Mifteldeoffet. 5 

Der Miſtlerſtich, —6, Di. —e, bei den Bogelſtellern, ber Bang 
ber Miſtler im Herbie, vermittelft eines zahmen Miftiers in einem 
an einen Baum gehängten Bauer, auf welden jene begierig ſtechen, 
d. b. zuftoßen. 

t = Miftmagd, 9. —mägde, die Gtalmagd, KRramers Deutſqh⸗ 

tat. W@b. 


Die Miftmelde, 3. u. ı) Die ſtinkende Melde, Hundsmelde (Che- 
nopodium vulvaria L.). =) ine andere Art beffelben Geſchiech⸗ 
tes, der Schweinetod (Chenopodium rubrum L,). 5) Eine Art 
des Bingelkrautes, Waldbingeltraut (Mercurialis perennis L.). 
4) Rah Ad. ein Rame ber gemeinen Melbe ober Walbmelbe (Atri- 
plex patuia [.). 

* * Der Miſtmonat, —es, 2. —e, tin Rame des fehften Mor 
nates im Jahre, Junius, DOberlin. 

Der Miftpfubl, —es, 94. —pfühle, ſ. Miftpfüge. 

Die Mifipfüge, 9. — n, ein Pfüge von zufammengelaufener Drift 
gaude; die Miſtlache, der Miſtpfuhl, ©. D. die Miftgäne, Mit: 
Be, in Schleſien bie Miſtluſche, im R. D. Meßlake, Adels oder 

pool. 

Der Miſtpilz, —es, 9, —, f. Miſtbidtterſchwamm. 

X Das Miftregifter, —s, 3: gl. nah Frifch, in der Landwirth— 
ſchaft, ein Megifter, Verzeichniß, welches nachweiſet, welche Äder in 
jedem Jahre gemiftet worben find. . 

Die Miftfhaufel, 34. —n, eine Schaufel, Miſt, befonders trodnen 
Bift vamit aufjufaffen, 

Der Miſtſchwamm, — es, 9. — ſchwaͤmme, f. Miſtblaͤtterſchwamm. 

Die Miſtſtatt, 9. —flätte, oder bie Miſtſtaͤtte, Sy. —n, eine 
Statt oder Stätte, b. h. ein Plot, auf welchen ber Wiſt aus den 
Ställen geſchafft und gefammelt wird, gewoͤhnlich eine Bertiefung 
ober eine Grube, 

+ Der Miftfubel, —b, 294. 91. ſ. Miftpfüge, 

Die Mifttrage, a. —n, f. Miſtbahre. 

Der Miftvogel, —6, Dig. —vögel, eine Art Tagfalter (Papilio po- 
puli. Nemalch. 

Der Miſtwagen, —s, 9. gl. in ber Landwirthſchaft, ein Wagen, 
Miſt barauf auf ben Ader zu fahren. 

Das Miftwalfer, —s, 9%. u. f. Miſtgauche. 

+ Das Miftzeichen, f. Mebetzeichen. 

Mit, ein Wort, weiches überhaupt ben Begriff einer Geſellſchaft, Ger 
meinfhaft unb Werbindung bezeichnet. 1. Als ein BWerhältnigmert, 
welche immer ben beitten Fall ber Perſen oder Bade zu fi nimmt 
und weldes bebeutet, eine Begleitung ober eine Befeufhaft, d. h. 
eine Theilnehmung an einer Danblung zu Einer 3eit, oft auch an 
inem Orte. Sie famen mit einander, ber Sater mit bem Sohne. 
Mit jemand in einem Garten arbeiten, an Einem Tiſche effen. Mit 
einem effen, trinken, mit ihm in Gefelfhaft, oder auch, bei ihm, an 
feinem Zifhe, Bereinigen Sie Ihre Bitten mit ben meinigen, Reh: 
men Sie es doch mit, ober mit ſich. Ale mit einander, ale inegt⸗ 
fammt. Bumeilen wird mit einander aud für fämmtlid, ganz und 
gar gebraudt, welcher Gebrauch aber keine Rahahmung verdient. 
Eins mit dem anbern tbun, unterloffen, zuglei mit dem andern, 
Eins mit bem andern ausſtreichen, zugleih mit dem andere, beites, 
als gleich fhleht 10. Mit dem Wege geben, geben wohin der Weg 
fuͤhret, auf dem Wege gehen, bleiben; ungewöhnlich, 


Mit 


303 


Mit 





Dies if der Heilige Weg, mit welchem Gabriel fortging. 
Klopflod. 

+ Dit der Leiche gehen, beſſer, mit zum Begräbnis gehen, bie Briche 
begleiten ; bei Mubern zur Leiche gehen, mit zur Keiche gehen. Des 
Rahbruds wegen wird mit im gemeinen Erben noch oft bas Wort 
fammt beigefügt. Er mit ſammt feiner Frau. 

Unb bie verzuffaen Schwingen mit ſammt dem Fleiſche bes Eride 

huhas. Voß. 

Auein beibe find zu unterfheiben, „Mit beuter auf ein Ilbereinftims 
men mehrerer Dinge durch ihr Zugleichſein ober überhaupt dadurch, 
daß fie zugleich; gedacht werden, ſammt buch ihre Äpntichkeit.“ Eder 
barb. Dann auf, eine Gemeinjhaft, Ahrilaehmung an einem Bus 
#anbe, an den Umfänben eines Andern. Sich mit den Redhligen 
freuch und mit ben Traurigen betrüben. Freude und Leib mit jes 
mand theilen. Mit die will ih leben unb ſterben. Mit jemand 
leben, mit ihm gemeinfhaftiich aufammen leben ; zumellen auch, aber 
ungut, zu gleiher Zeit mit ihm leben, fein Zeitgenoffe fein. „Ber 
meta habe mit Heinrih dem Vierten gelebet.“ Denis, Mit ie: 
mamb einerlei Beburtsort, gleihrs Alter und gleiche Größe haben. 
Ah fühle mit Ihnen biefed Berürfnig. Meine Wäünſche ſtimmen 
mit ben Ihrigen Äberein. Beide haben bie größte Ähnlichkeit mit 
einauber, Richt gut fagt man: bie gange Stelle bis mit bem uns 
terſtrichenen Worte, für, bas unterfirihene Wort no dazu genoms 
men, mit eingereänet (inclusive). Bom Jänner bis mit Junlus; 
beffier, vom Iäunes bis Junius einfhlieflih. Bumellen wirb mit 
auch gefeht, wo man beffer bei gebraudt. „Einem Dominikıner 
habe getzäumt, ex fhliefe mit feinem Weitlinde." Klinger „Mit 
einer Laie ſchlafen.“ Welpriin, Diefer allgemeine Begriff des 
Wortes mit, nad welchem #8 überhaupt eine Begleitung, Geſellſchaft 
anbeutet wirb in unzäfligen Fällen auf eine mehr ober weniger un- 
eigentliche Axt anders und näher befimmt. Dann beutrt es 1) auf 
ein Werkzeug, womit etwas verrichtet wird, Mit ber Feder fhreis 
ben. Mit dem Meffer ſchneiden. Mit der Ele meffen. Mit dem 
Stocke ſchlagen. Mit dem Schwerte darein fhlagen. Durch biefe 
(Schwerter) ziefen fie, erwarben mie unfere Banbbefigungen, und 
mit biefen werben wie fie vertpeibigen.* Robertfond Geſch. Mit 
dem Finger auf jemand zeigen. Mit den Augen fehen, winfen. Ich 
habe es mit meinen Ohren gehört. Mit ber Zunge lecken, anflofen, 
Dann and, auf ein Mittel, Hälfsmittel, Mit Bitten, mit Freund ⸗ 
lichkeit unb Gefäigkeit richtet man viel aus. Mit Gewalt ſeht 
man nit Alles buch. Mit barem Belbe bezahlen. Mit Belbe 
beſtechen. Mit der Stimme errufen, Mit Bottes Hülfe. „Mit 
Gott wollen wir Thaten thun.“ Pf. 50, 14. Mit Kath und That 
brifbehen, Mit gutem Ratte an bie Hand gehen. Mit bezeichnet 
eine nähere und unmittelbarere Verbindung, durch aber eine ent⸗ 
ferntere, Beide wurden und werben zumeilen verwechſelt. „Mit 
Sotes Ereftin,“ buch Gottes Kraft, Otfried. =) Ginen Stoff. 
Mit Farben mahlen. Mit Dinte fhreisen, Mit Leibe fliden. 
Mit Gifen beſchlagen. Mit Buder verfüßen. Mit Dt tränten, 
Mit Roth befubeln, Mit Erde anfuͤlen. Mit Biumen bepflanst. 
Mit Korn, Gerfte befien. Sich mit Kenntniffen bereichern. ‘Mit 
Ruhm und Ehre Ihmüden. Mit einer Krankdeit behaftet fein. 
Mit Unglät fhwanger gehen, Den Untersiät mit bem Leichten 
anfangen. 3) Einen Wefig, eine Eigenfhaft oder Eigenfeit. Mit 
vielem Berftande begabt fein. Mit guten Anlagen geboren werben. 
Mit einem Gebzehen auf bie Melt kommen. Das Mäbden mit 
den blauem Augen unb zofigen Wangen, Gotz mit ber eifernen Hand, 
Friebrich mit der gebiffenen Wange. Der Dann mit dem Degen, 
Briebei mit dem Beinamen ber Große. 4) Einen Gegenfand ſo⸗ 
wol der Perfon als auch der Sache. Mit jemand fprechen, ſcherzeu, 
fpielen, fireiten x. Ginen Vertrag mit jemand machen, eingeben. 
Er macht fh mit ihr viel zu "haften. Ih habe mit ibm viele 
Beige, er vezurfaht mir viele Mübe che ih melum Bed dei adır 


mit ihm erreiche. Mas hat er bemn mit Ihnen vor? Ich halle es 
mit ber Tochter, ih nehme bie Partei ber Tochter, füliege mid; an 
die Tochter ıc. Ih halte es mit dem Weine, ih halte mid am den 
Bein, ziehe ben Wein vor 0. Mit folden Sachen mag ih nichts 
sa thun baden, Mit einem Sohne nireberfommen. Mit etwas 
Ehre einlegen. Mit etwas beſchaftigt fein. Mit ber Arbeit, ober 
mit Xrbeiten inne halten, Mit der Arbeit vorrücen. Mit einer 
Cache zu Rande, zu Ende tommen, fertig werben. Den Beſchluß 
mit etwas machen. Es ift mir mit dieſer Sacht unglädli gegan- 
gen. Einen mit einer Sache beauftzagen. Mit etwas zufrieden 
fein, Mas wollen Sie mit diefen Worten ſagen? Miss wiüft bu 
mit biefee Sache? was willſt du mit ihr machen, wozu bringfk du 
fie, wozu erwöähnft bu ihrer? Komme mie nit mit dicker Secht, 
lap mi bavor in Rufe, ſprich nicht bavon. „Wenn man mir mie 
tem Rachruhme kommt, [o muß ich notpmenbig laden." Welfert. 
Pit dem Eifen ıc. auf jemand warten ‚ wicht chen effen ıc, als bis 
er lümmt. Es first gefäheli mit ber Tache aus. Ges if aus mit 
ihm. Es ficher nicht gut mit ihm. „Mie wird #8 nah unfeem Tode 
mit bem Nachruhme audfehen ?« Geilert. Es ift mit biefer Bade, 
wie mit jener, die eine verhaͤlt fi fo wie die andere. Ws if mit 
feiner Theilnahme nur Werfielung, Ich bädte, es ließe ſich mit 
threm Berflande noch wohl (mol) halten.“ Bellert. Wie lange 
dauert es mit uns, fo find wir tebt. Wie wurbe es noch mit dieſes 
Gade? was wurbe nech baraus, wie entwidelte fie fih, wie entigte 
fie? Weg mit ſolchen Sachta, Reden ıc.! Im gemeinen Erben des 
zeichnet man durch mit auch oft einen Begenftanb des Unmwillens unb 
biefen Unwillen ſelbſt. Mit deinem ewigen Kabeln! „Ad bie höfe 
Fran mit iprem verwänfäten Befuhe, Gellert, 5) Die Art unb 
Weile, mie etwas geſchieht. Mit Rachſicht behandeln, verfahren. 
Mit Überlegung, wit Üderritung urtheilen, zu Werke gehen, Mit 
Eifer und Fleiß arbeiten. Mit Heftigkeit angreifen. Mit Eines 
tigkeit, Paͤnttlichkeit und Ordnung etwas ausrichten. Mit Eite, eilig. 
„Sie ging mit Eile hinein zum Könige“ Markus 6, 25. Dem 
Tode mit Gtamdpaftigkeit entgegen fehen. Das kann ih mit gutem 
Gewiſſea thun. Mit Zittern und Zagen erfheinen. Mit Eeftaus 
nen, mit Schrecken, mit Berwunberang, mit Freude, mit Kummer 
eine Nachricht vernehmen, Mit Schmerzen gebaͤren. Mit effnen 
Armen, mit Derzligfeit empfangen. Mit vollen Hinten fommen. 
Mit freundligen Mienen und mit fanftem Lone ſprechen. Mit 
vollem lagen laͤßt fi aicht gut banken, bei vollem Magen. Mit 
Ehren zu melden. Mit Erlaubniß zu fagen. Mit &himpf und 
Schanbde beſtehen. Mit Recht etwas beiten. Mit Bortteil, mit 
Rachtheil verkaufen. Mit unrecht tadeln. Mit Maßen zähtigen, 
mäßig. X Dit Frieden laffen, in Frieden, in Rufe. Mit Einem 
Maple ift er nit zufrieten, wenn es nur Einmahl gefhieht. Mit 
Einem Mahte, oder mit Eins, auf einmapt, plöglih. Mit Einem 
Mahle geſchah ein Anal. 5) Wine Brit, wenn etwas gefhicht oter . 
geſchehen fell, Mit der Zeit wird es fih finden, geden m. Mit 
den Jahren wied man esfahener und klüger. Mit dem Alter vers 
liert fi dies. X Mit naͤchſten, nädftens. Mit Zaged Anbruch 
virzeifen. Mit bee Gonne auffbchen, zu ber Zeit, minn die Eonne 
aufgepet. Mit tem Abende kam er am, ba #6 Atend wurde, Mit 
dem Schlage zwölf wird zu Mittag argeffen. Den Haterriht mit 
bem neuen Jahre anfangen, zu Anfınge bes Jahres. „Das länge 
Über Hört dech mit dem Tode auf.r Gellest, 

Und fo enizüdte feine Beruf 

in frifher Scherz mit jedem Morgen, 

Mit jedem Abend neue Sul, Hagedorn. 
Mit biefen Worten elite fie davon, indem fie dieſe Worte ſprach. 
Mit Thorihlug anfommen, gerade vor und zu ber Zeit, da das 
Thor verfhloffen wir. 7) Unrichtig wirb mit aumetlen gebraucht 
für gegen oder wider. „Aus @iferfucht mit ber Bibliothek Boͤcher ⸗ 
fammlung) zu Bergamo.* Denis, „Die entfeglihe S:indfhaft des 


Mitaͤ 


Pıpfles mit ben Könige von Frankrelch. Reinharbd;z — für von. 
„Ein Schelm mit 20, mit 40 Iapren.“ bei Heimags fehlerhaft 
fäe damit, bei Günther und Andern. „Man weiß ed zu nichts zu 
gebrauchen, als die Stube mit auszuftreuen. Hoffmann. 2. Als 
Umfanbwort, wo ed ebenfalls eine Gefsllfpaft, Begleitung bejeidh: 
net. Mit babei fein. Mit dazu gehören. Mit zum Begräbnis 
gehen. Mit Gevatter Rehen. Dies ia ſchon mit darunter begrif- 
fen. Bie fann mon fo etwas mit anfeen, enhiren! Mit unter, 
din und wieder, auch, zumellen. Es Luft zumeilen etwas Menfd: 
liches, eacherliches mit unter. Mit unter finzet ih poch etwas 
Gutes, Die viesjährige Ernte geht wol mit, d. b. fie iſt gerade 
nicht ſchlechter als andere gewoͤhnliche Ernten; fie darf fih neben 
andern Ernten’ wol no fehen laffen. Mit unter ift er ein wenig 
grob. Mit nihten, keinesweges. — Sowol als Berhältnigwert 
als auch als Umfandwort wird mit zu vielen Bufammenfegungen ges 
braucht. &. Damit, Sort, Womit, Hiemit, Mitbin. Am häufig» 
ſten werben mit dem Umftandiworte mit. burdh 3ufammenfegung neue 
Grunbmörter und Ausfagemörter gebildet, mo ed eine WBraleitung, 
Geſellſchaft, Semtinſchaft, Theilnedmung, balb ber Zeit, balb bem 
DOrte, bald der Sache und dem Zuftande nah anzeigt und immer 
ben Zon bat. In ber Umwandlung wied mit vom Xusfagrmworte 
getrennt. Won den Ausſagewortern, welche mt dein Worte mit za⸗ 
fammengefegt werben folgen bice nur bie gebraͤuchlichtten, nah wel 
den fi bie übrigen leicht erfiären laffen. Um abır unndtpige Wie 
derholumgen zu vermeiben und ben Raum zu ſparen, find die meiften 
derfelben nur angeführt, und hieder vermiefen worden, ſoſern fie als 
lein die Bedeutung baden, als irs. u. intrs,, in Befelfchaft gemein: 
ſchaftlich oder zu gleicher Zeit mit Anderen ober mit Anderem (mit 
antern Dingen) vornehmen, thun ıc., und ale ntr., in Geſellſchaft 
ober zu gleiher Beit mit Anderen oder Anderem eine Weränberung 
erleiden, in einem Zuftande beſiadlich fein. 3.8. mitaͤchzen, v. intrs, 
augleih oder gemeinfhaftlidy mit einem Andern ädjen. Mitadern, 
vw. I} intrs. in Geſellſchaft, zugleich mit einem Andern ober Anderen 
adeen. II) trs. zugleich mit Anderem adern. Das legte Bert noch 
mitadern. Mitalbern, v. intrs am bem Albern, ben Alberelen eis 
nes Anbdern Theil nehmen. Mitbaden, v. I) trs. zugleich mit Xu» 
dern und Naberem baten. IT} mtr. zu gleicher Zeit mit oder neben 
Anderem baden, gebaden werden. Mitbeben, v. ntr, mit Anbern 
ober Anderem in langfam zitternde Bewrgurg gerathen, oder in 
langfam zitternter Bewegung fein ıc. ic. Aus bemfeiben Erunde find 
von ben mit fhen zufammengefegten Ausfagemörtern vermitteli des 
Wortes mit gebildeten nur wenige angeführt, weil biefe ſich unend⸗ 
lich vermehren, aber dabei aus den einfachen mit dem Worte mit 
arfammenzefegten Ausfagemörtern ohne Schwierigkeit erllären laſſen. 
2. 2. mitanbeten, miterfimpfen, mitverjängen ıc., au gleicher 
Zeit, in Befenfhaft mit Andern oder Anderem anbeten, erlämpfen, 
verjängen ıc. 
Stimmen nicht (baden bie Werge) mitanbetend ber Seraphim 
Lieder zu fingen. Rlopflod. 
Du, zum klcht zwanglofer Bernunft von Luther 
Miterkämpft. Bof. 
— zur mitverjüngten Gehenna. Sonnenberg. 
Mitähzen, v. intrs. —adern, v. intrs. u. tre. —albern, v.intrs, 
— altern, v. atr. mit haben, f. Mit, zu @nte. D. Mitaͤchzen ıc. 
Der Mitältefte, —n, 9. —n. ı) Der mit einem Anderm zugleich 
der Kitefhe iſt, wir auch, das Amt eines Äiteflen verwaltet. @) Dem 
jenige der auf bem Äiteften folgt, nad ibm ber Älteſte und Ange: 
“senfle, Bornetmäte In ber Würde if, von folden bie Ähnliche Ämr 
ter betleiden, 3. B. Prebigtämter bie mit der Xuffht über bie Abris 
gen Perdtzer ıc. verbunden find (Consenior). Davon das Mität: 
teftenamt, bie Mitaͤlteſtenwuͤrde, bad Amt, bie Würde des Mit 
älteffen ıConseniorat), 


O Der Mitanbeter, — 6, 9. gl.; die —inn, 9. —en, eine 


__304 


Mi 


Pesfon, ober Überhaupt ein Wefen, bad zugleich mit anbern ambetet? 
Freut eud) der Freuden bes Serophs, ihr Mitanbeter. Klopftod. 

O Der Witangellagte, —n, 4 —n, der guglei mit einem Ans 

bern angeflagt iſt. „Moreau und feine Mitangeliagten.* Ungen. (®.) 
‚Der Mitbeflagte wied aud dafür gebraucht; deffer bezeichnet dies 
aber einen der zugleih mit Aadern beflagt, bedauert iſt 

Mitängften, —ängfligen, v. tes, usrec. f. Mit, zu Ende. D, Mit 
Ängsten ic. D. —ung ıc. 

% Der Mitanbeber, —s, 39. gl. ber etwas mit anpebt, anfängt, 
mit einem Anderen fliftet, Haltaus. : 

Mitarbeiten, v. intrs. (R.) mit einem Andern zugleich arbeiten, an 
Giner Sache mit ibm arbeiten, Theil an ber Arbeit eines Anbern 
nemen. D. Mitarbeiten. D. —ung. 

Der Mitarbeiter, —s, 4. 94.5 die —inn, BY. —en, eine Per 
fon die mit einer andern zugleich arbeitet, befonders bie an Einer 
Gate, an Einem Gegenflande ıc. mit ber andern arbeitet, an ihrer 
Ürbeit Anteil nimmt. Der Mitorbeiter an einem gelcheten Werte, 
an einer Beitfhrift ıc. Der Gehuͤlfe it ein folder Mitarbeiter, ohne 
melden eine Sache nicht zu Stande fommen kann, weil bie eigenen 
Kraͤfte allein wiegt binreihen, j 

Der Mitauticher, —s, 9. 91. ; bie —inn, ig. —en, eine Per 
fon, bie zugleih oder neben einer andern bie Aufſicht über etwas 
führer (Coinspeetor). 

O Der Mitausprud, —es, Du. —ausbräde, etwas, das zugleich 
mit einer andern Lade etwas ausjubruden bient. „Stimme unb 
Grberten bienen zum Mitausbrud ber Worte," Kiftemaker. (®.) 

Mitbaden, v. trs. u. ntr. mit fein. —baden, v. intrs. u. tra, [. 
Mit, zu Fade. D. Mitbaden u. D. —ung ıc. 

O Der Mitbeamte, —n, 9. —n, ber mit einem Andern oder mit 
Andern zugleih einem Amte vorflchet, bei berfelben Anſtalt ıc. als 
Beamter angeftellt if} (Amtscollege), Glubins. Auch ber Amtt-⸗ 
bruder, Amtsgenoffe. 

O Der Mitbeauftragte, —n, 94. —n, ber zugleih mit einem 
Anderen einen Auftrag brfommen bat (Goncommissarius). 

Mitbeben, vontr. mit haben. —bedhern, vyintrs. ſ. Mit, zu Ente, 
D. Mitbeben ec. D. —ung x 

O Der Witbediente, —n, 4. —n, einer ber zugleich mit Andern 
Diener bei einer Herrſchaft if, „Bihtlih der Gänfling feines 
Heren, warb ex bob von keinem feiner Mitbedienten gehaft.« 
Meißner (R.) ! 

© Der Mitbefliffene, —n, 299. —n, ber zugleich mit Andern fi 
einer Sache, bilonders ber Wiffenfhaften auf einer hoben Schule bes 
fitt$t (Commilito). G. 

Mitbegehren, v. I) intrs, mitzugeben, mitzureifen begehren. IT) trs. 
— mit andern Dingen degehren, verlangen. — D. Mitbe⸗ 
gr ren. 

* Mitbegnaben, v. trr. zugleich mit einem Anbern begneden, ehe 
mabls beichnen. D. Witbegnaden. D. — ung. Saltaus. 

+ Der Mitbehanbigte, —n, 24. —n, f. Mitteichnen. 

Der Mitberlagte, —n, PH. —n, (8.) der zugleich mit einem Ans 
bern oder mit Anderen beflagt iſt. ©. Mitangeklagte. j 

Mitbefommen, v. ntr. unzegelm. (f. Bekemmen), mit baben, f. 
Mit, zu Ende, D. Mitbefommen, 

Mitbelebnen, v. tes. einem mit Anbern zugleich über eine und bie 
felbe Sache bie Lehen ertheilen. Davon ter Mitbeichnte, ber auf 
ſolche Axt beiehnt if; im D. D. ach der Mitbehandigte. D. Mits 
belehnen. D. —ung. 

Die Mitbelchnfchaft, 94. —en, Im Lehenrehte, der Zuſtand oder 
das Verbältnis, da jemand mit ainem ober mehrern Xudern mit bers 
felben Sache belehnt mortrn iſt. 

Mitbellen, v. intrs, f. Mit, zu Ente. D. Mitbellen. 

O Der Mitbericht, —eb, 4. —e, ein Beriht, ber in berfelben 
Bade zugiei mit bem Berigte eines Anderen abgefapt, eingereigt 


Mith 


305 


Mite 





vird, det Bericht einee Mitherihterattee# (Oorreistian). Gimpiuik 
© Der Mitberichterſtatter, —6, 29. gl. der zugleich; mit einem oder 
.“ mehrern Andern Sericht über Eine Sache abflattet (Correferent), 
Der Mitbefib, —es, 0. 9. ber gemeinihaftlige Befig, der Antpeil 
an einem Beflpe. 
Mitbefigen,, 1.mtr. unzegelm, (f. Siten) mit haben, und ber Fü- 
„güng eins tra, mit. einem ‚obem mehzern Anberm zuglelch in -Mefig 
‚haben, Tatheil an einem Befige haben. D. Mitbeſiten. 
Der Mitbejigen, —s, By. aka bie —inn ig —ın. elae Bew 
fon, die den Mitbefig von eier Bade hat. Tat th 
Mitbeforgen, vösrs..n. inte, beten, x. inte unzegelm: (f. Des 
ten). —trüben, v. tzs. in zoo. f. Mit, zu Ende, D. Mitbefors 
gen x. Du ung, inc il... . 
Die, Mitbeträbnif, 9. 99: bie Apeifaahme au ber Betruͤbniß Anderer. 
Mitbetteln, v. intrs. f. Mit, zu Cade. D.Mitbetteln. ; 
Der, Mitbettler ,,—t , 2: gi s bie — inn, Dip —en, eine Per 
‚#08 ,. bie mit. einer anderem zugleich ‚ober in Beleilihaft bettelt, ber 
Genoffe,, bie Genoffinn eines Bettlere, einer Bettlerinn, 


Dar Mithevollmaͤchtigte, —n „in, der zuglelch mit einem. 


Aundern inseiner Bade bevaimäctiget iſt (Concommissarius), 
Bitbewerben, vr. rec, Sich um eine Sache mitbewerben, ſich zu glei ⸗ 
sähe Zeit mit Anden barum hegerben. D. Mitbewerben. D.—ung- 
r Mitbewerber, —s, 2. gl; die —inn, ig. en, eine Ders 
fon, welde ſich zasleich mit rinen ober mehreren Undern um’ etwas 
berpieht (RivalYssmiht ſo aut bloß der Mitwerbern S. b- 
Mitbieten, v. iatee. u. tr. unregeim. (ſ. Bieten). —bilben, v. tes. 
she Rit u Bade: D. Mitbieren ıc. . Dr —ung-: . 

Die Mitbitte, My. —n, eins gemeinfgaftlige Bitte, die man in Ges 

‚nfellfchaft mit Andern verbringt. 

Mitbitten, vr. intrs, u, trs, (f- Bitten). —blafen, Y% 
iates, u, trs. unzegelm. (f. Blaſen). X —bleden, v. iatre 
bleiben, v. utr. unergelm. (f. Bleiben) mit fein. —blöfen, 

un 9, intra. u. tre . blühen, v. nix, mit haben, {. Mit, su Ende, 

..D. Mitbitten ic. D. —ung. 

Mitbluten, v. atr- mit haben, zugleich mit Anbern bluten, und un 
era erden. Sein unfhulbiges Weib mußte mitbiuten. O. 

itbiuten, 

O Der Mitbotbfehafter, —, 2 gl. der zugleich mit einem Aus 
been an Sinem Orte Bothfäafter if. 

Mitbrachen, v. tra. —braten, v. ntr. mit haben a, trs. unzegeim, 


Der Mitbuͤrge; tm ig un, ber mit eibem Haben sugleid für 
‚biefeibe Perfon oder Sache bärget. 

Mitbürgen, v. intrs. mit Xadern-zugleiä für eine und biefelde Per. 
fan,oder Sache dargen. D. Mitbärgen: D. —ung. 

Der Mitbürger, —, Wi. al.z bie —inn, Wi. —en, sine ver· 
fen, welche mit einer andern in einer und derſelben Gtabt, ober im 
writezer Bebeutung in bemfelben Staatt Bürger ober Bürgerinn iſt. 


Die Mitbärgerfchaft, ie. 9. 1) Die Eigenfhaft, ber Buftand, be 


+ eine, Perſon zugleich Suͤrger mit-einee andern iſt. =) Die fÄmmtlis 
den Mitbürger. . 5 
Die Mitbürgfchaft, Ay —en,' eine mit Naben gemeinfhaftiig 


s Ährenommene oder geleitete Bürgfäaft. 
RMitburzeln, v. nam mit fein. —bablen, v.intrs. —bampfen,. 


r. mtr, mit haben u. trs, —darben, v. mtr. mit haben, f. Mit,- 


« a8 Babe, D. Mitburpeman; D. —ung. 
Mitdafein, v. ntr, unzegelm. (f. Sein) mit fein, mit andern 
‚Malen ober Dingen augleich dafein, vorhanden fein '(eoätistiren). 
So auch O das Mitdafein, — , 0. Mg, ber Zuſtand, ba man je 
Eleicher Bei mit Andern da ober vorhanden If (Cosxistenz), G. 
Mitdenten, v. I) intxs. zugleih mit Anbern denken, fein Denfoer- 
mögen, — man faun-allerbings viel Aubern made 
ten lernen, allein mit ihnen mitdenken ober ihnen gar vordenken 
wird man mlemahls mehr." Heeder, II) tra,'zu glelher Beit mil 
elmm andern Dinge: denken, im Gebanken vorftıllen.. Wei einem 
; —— ausleich defien Cigeaſchaften mitdenten. — D. Mitbenfen, 


. ung. - 

Mitdienen, v, intrs, zugleih mit Xabern bienen, mit Ifnen ig ie 
nem Daufe, bei @ines Hertſchaft ıc. dienen. D. Mitbienen. 

Der Mitdiener, —®, 9. g1.; bie —inn, @. —en, eine Perſon⸗ 
bie zugleih mit einer ober mehreren andern dienet, benfelben Dienſt 
verzichtet, mit ihr ober ihnen bemfelben Herren blenen 

Mitdingen, v. intrs, u. trs, untegelm. (f.-Dingen). —dreſchen, 
v, intes, u. tra. ungegelm, (f. Drefhen), f. Mit, zu Ente. D. 
Mitdingen. D. —ung. * 

Der Mitdreſcher, —, I. ol. der zugleich mit Anbera briſcht, als 
Dreſcher mit Andern axbeitet, 

Mitbruden, v. intrs, u. trs. —bdrüden, v. ntr. mit haben u, ter. 
f. Mit, gu Ende. D. Mitdruden u. D. —ung. 

Der Mitbruder, —6, 99. gi. ber zugleich mit Anderem beudt, ihm 
deuden Hilft, ber Gefährte bes Druders, 


. Braten). brauchen, (f, Mitgebrauhen). —brauen, v. X Mitbudeln, v. intrs, f. Mit, gu@nde, D. Mitbubern. D. —ung.' 
„intes. 9. te. — brechen, v. mtr. mit fein w.-intrs. ungegelm, (f. "Mitdulden, v. ntr. mit haben, zugleich mit Andern bulben, Teiben. 


' Brechen), f Mit, za Ende: D. Mitbrachen ic. D. —ung. 
Witbringen, v. tr. unzrgelm. (f. Bringen), mit Ad dringen, Toms 
wmend in feiner Gefelfhaft ober bei ſich haben, na, ſowol von 
‚. Berfonen als auch von Baden, Er brachte feine ganze Famille mit. 
Haben Sie das Werlangte mitgebraht? Das Mitgebrachte einer 
Braun, was fle bei ihrer Berhriratfung dem Manne zugebsaht hat; 
gewöhnlicher das Eingebrachte. D. Mitbringen. D. —ung. 
Der Mitbruder, —s, 9. —brüber, ein Mitmenfä als unfer 
. Bender betrachtet. Im gemeinen Beben auch wol einen, ber mit eis 
nem Anbeen in vertrauten brüberlien Werpältnifen lebt. So auf 
Mitfchwefler ; von einer folden weiblichen Perfon. 
Mitbrummen, v. intrs, u, atr. mit haben. O —budflaben, r. 
intrs. u. tra, — bügeln, v. irs, ſ. Mit, gu Ente. D. Mitbrums 
men ı. D. —ung. 
© Witbublen, rv. intre, zuglei$ mit Andern um eine Pırfom ober 
‚um etwas buhlen (rivalisiren), 6, Das Mitbuhlen. 
Der Mitbuhler, —, Mh. al; bie —Inn, 9. —eın, eine Perſon, 
... welde zugleich, mit einer andern um eine Perfon buhlet; ein Mes 
., bentuhler, eine Mebenbuhlerinn (Rivel, Rivalion). Dann auf 
‚ee Pesfon, die zugleich mit eine andern. um etwas buplet, b. }» 
fh bewirbt; ber Mitbewerber, die Mitbewerbetiun. 


Genpes Winter. g. Ih 


Dann bin ih mitduldend, im 
Bas es auch fei. 
D. Mitbulden. D. —ung. 

x Mitpürfen, v. mtr. unzegelm. (f. Dürfen) mit Haben, mitgehem, 
mitreifen, mitfahren ic. dürfen. Er barf nit mit. D. Mitbürfen. 

Mitegen, v. intrs. u. trs. ſ. Mit, zu Cote. D. Mitegen. D. —umg. 

© Dad Miteigenthum, —es, 9. —thümer. ı) Das Figentfums: 
zeit mweldes man zugleih mit Andern über eine Sache hat; ohne 
Mehrzahl. Das Miteigeithum Haben. a) Eine Sache, bie man 
zug leich mit Andern als fein Eigenthum befigt. 

Der Miteigentbümer, —s, 2. 9.5 die —inn, Dh. —en, 
eine Perfon, bie gugleih mit Andern das Mitelgenthum über eine 
Sache hat, ober eine Sache als Eigenthum befigt (Coproprietair), 

G Miteigentbümlich, adj. u, adv. als Miteigenthum. „Eimas mil 
eigenthämlich befigen." &. „Dee miteigenthiimliche Befo.: Deef. 


Angft; bann tragen zugleich wir 
— Bof. 


. 


‚Miteilen, v.intrs. mit fein, f. Dit, zu @nde. D. Miteiten. D. —ung. ! 


Mitempfinden, v. mtr. unzegetm, (f. Empfinden) mit haben und der 
Bögung eines ⁊ce. zugleid mit Anderen empfiaten, an ber Empfins 


bung eines Kubern Theil nehmen; aub, mit Anbern gleide oder 
D. Mitem · 


dech ahnliche Fmpfindungen haben (syınpathisiren). 


pfinden. D. —ung. „Zrof der Miteripfindung Hermei, 


39 


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J 


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Mite 


, Die du) Mitempfindung feiner — ———— Meisner! 
© Der Witempfinder, —s, 9%. al.; die --inn, My —en, eine 
Derfon, bie mit empfindet, befonders Befäht des Schönen, Exrhabrr 
men ıc, mit einer andern theilt. „— und fagtes Blnmpfaieiin, 
Ele, Hehe!» 3.9. Rihter. 
A id floh in bie Staͤdte 
ı Dir für igeuer Liebe Leiden 
Keine Mitempfinder hat, Alxiager. 
©: Der Mitengel, —8; 4. gl. ein Engel als Benof, a ans 
_ dus Engel betroqhtet. 
— — Witengel dereinſteus 
Deinem Daͤlion, gehe nech nit! — — Gonnentrige 
Der Miterbe, —n, 34. —n; die im; Ba —en ; eine-Parfon, 
welhe zugleih mit.eimer andern erbt; mit ihr an can und berfels 
ben Erbſchaft Theil Hat; ein Erbgenoß, eine Erbgenoffinn; ehe 
mahls Miterbuihm. 
Miterben, v. ntr. mit haben, (K.) ſ. Mit, gu Ende. D. Miterben. 
Die Miterbfhaft, 9. — en, eiae zugleich mit Anderen gethane Erb ⸗ 
fdaft, wieraud, das Met mit ihaen au einer Bubfhaft Theil zu 
mchmen; in ber legten Bebeutung ohne Mehrzahl. 
Miternten, v. intrs, u, ters, —effen, v. intes. u, fra, antegelm. (f. 
Eſſen), f. Wit, su Ente D. Miternten ıc. 
Der Mitefler, —«e, gl; die —inn, Di. —em, eine Perfon 
arie — — den ungemäffneten Orehnen, 
Die der emfigen Bienen Gewlek > in Zrägfeit, 
Rur Miteffer. Bot. 
- Alt gemeinen-Brben mennt man umeigentlich die Miteffer eine Krank 
deit ber Rinder, bei welcher ſie aicht gebeihen wollen, fondern Im: 
.. mer mehr abnehmen, ober vielmehr, gemiffe vorgeblide, afdfarbige 
+ ober ſchwaͤrzliche Kleine Würmer, weiche in der Haut ſtecken, an ben 
@äften zehren und jene Krankheit verurſachen follen (Comedortes, 
Crinones); aub Dürrmaden, Zehrwuͤrmer. Die Miteffer Haben. 
Za ber gemeinen Cprehart Sachſens verſteht man unter Miteffern 
auch aus bir Raſe herabhaugenden Rog. 
© Witewig, adj. u. adr, zuglei wit Anbern ewig (cofternell). 6. 





Dabon die Mitewigkrit, der Zofland, ba man mit Anderen emig iſt, 


von Ewigkeit zu. Emigfeit da ober-vorbanden iff (Cokternitüt), 

Mitfahren, v. mtr. u. intrs, unregelm, (ſ. Fabeen). 1) Mit fein, 
in eines Andern Geſellſchaft fahren. Ich din, wie Sie ſetrn, nicht 
mitgefahren. e) x Mit haben, im uneigentliher Bebentung, einem 
mitfahten, auf eine gewiffe Art mit ihm verfahren, und zwar auf 
eine unangenehme übte Art; mitſpielen. Alſe habt ihr ben Toͤch⸗ 
teen Jatael mitgefahren.“ Geſch. d. Sufanma ®. 57. „Fahren 
Sie mir nit fo übel mit. Bellert. D. Mitfahren. 

Die Mitfahrt, By. u. 1) Die Fahet in Geſeaſchaft eines Andern, bie Bes 
Hlettung eines Anderen auf einer Fahrt. Theſens, ber — fi Selb 
wider Willen bes Waters zus Mitfahrt anbot." Herber. 2) Ehe 
mah's die Mitwirkung, bie Höife, 

Mitfallen, v. mtr. unregelm. (f. Kalen) mit fein. —falyen, v. trs. 

. —fangen, v. tes. umeraelm. (f. Bangen). —färben, v.trs. —faften, 
vw. ntr. mit haben, f. Mit, zu Ende, D, Mitfallen ic. D. —ung. 

Die Mitfaften, f. Mittfaften. 

x Mitfanlen, vr. ntr. mit fein. —fanlenzen, v. mtr. mit haben. 
—fedten, v. intrs. unzegelm. (f. Fechten), ſ. Mit, zu Ente. D. 
Mirfirten xc. D. —ung. 

Der Mitfehter, —, 9. gl. der mitfiht, an einem Gefechte Theill 
nimmt. 

O Die Mitfeier, 9. u. eine Feier die man zugleih, in Berrinis 
gung mit Antern begehet. 

@:.iora erbat ih auch ferbft 

Ia.der Seinigen Kreis Mitfeier bes Tags vom Hersal. 
. &onnenberg, 
Bitfeiern, v. tea f. Mit, du Gnade, D. Mitfelern. 


306 


Mitg 


Mitfertigen/ v. hites Mit, zu Ende OMitfertigen· D. Kung, 
Der Mitfertiger, Bi gl. einer der was zugieich mit Anbei) 
ober Anbereid ferthget j ehemahtseid Verweſer, Bormendic Haltaus. 

Mitfeuern , x. -imrs... X —fiedeln, vw. intre. m, trs. —finden, 
v. utr, mit haben, u. trs. unzegelm. (f. Finden). —fifdyen‘, r. 
äÄntrd, wies. —flatterm, vo/intes, u. ner. mit haben. —flchen, 
v.ıntrs. —fliegen;, v. intrs,. mit fein-a. ntr. ungegelm. (fi Flies 
gen). fliehen, v, intrs. ungegelm. (f. Fliehen). —fließen,'r. 

. — umenetm (f-Fließen) mit: fein. —flächten, v.intes mit fett 

. tes, f. Mit, zu Ende. D. Mirfeunm x. Di — ung 

: gitfölgen,. v. imtrs. iu, te. mit few, ett Audern wol ‚te 

fenfGaft Aaderer fölgen. 
— Ehrte den kommenden Baft mit fröhlich gefrierten —— 
Ben der Tage diadurch und sin mitfolgende nis. Bf. 
D. Mitfolgen. : 
*X Mitfolgig, adjiu. wir. übereinflimmen, einflinnmig. ATPT 
— v. intes. a. tr« unregeim. f- Senm), f. Mit yu-@nbe, 
D. Mitfteſſen. 

Die Mitfreude, m. u. pie Theinahme au ber deeude 
„Ber die zärtefte Mitfteude fuͤhlen winl, der ſehe wicht Trade Rin 3 
der an, Sondern bie Kiterm bie ſich üher frohe freuen.“ 3.9. mise 

Mitfreuen, v. rec. Sich mitfreuem, fd mit Andern jugleih MM 
an Anderer Freude Autheil nehnien. 

I weiß aicht tsas es iſt, doch iſte die Farde 
Der Freude und mitfreuend theil ich fie. wstrten wi)! 
'D. Mitfrtuen. » 

Mitfrieren, v. mtr. unregelm; (f. Frieren) mit —— 
r. iutrs. 9 Mit, zu Ende. Di Mitfrierem ic, Ya $ 

Der Mitfröhner, —8, 9 gl. 1) Der zugleich mit Adern febhuet. 
2) K%* Der zugleich mit einem Andern Feftnehmung oder Belt 
nefmung einer Prrfon ober Sache verlangt ober erhalten Yet, 
'DObertim, 

Mirfühlen, v. atr. mit haben; zagleich mit Anbren füpten, wit Xnbten 
auf gleiche oder ähnliche Weife fühlen, an bem rad fie fühlen, Ans 

tpeit'nepmen. „Kühlen @ie immer jebes Wiend mir, ‚aber prüfen 
Sie 18 erſt genan." walk; m 

Dir, ber einfam titt 


Brachte Troft mirfäßtenden WernfGenanttif, .O 
Menſchlicher rg Voß. \ 
Das Mirfühlen. &. auch dat Mitgefühl. ' Br 


Mitführen, v. tea. f. Mit, zu Ende. D. Mitfuͤhren. D. —ung. 

Der Mitführer, —6, Dh. gl. ; Me -inn, Dt. —eit, eite Perfon, 
die zugleich mit einer amdern ein Fühter, eine Führerinn‘ a 

Mitfüttern, v. trs. f. Mit, zu Ende. D. Mitfhtterm' D. —ung. 

Die Mitgabe, 9. —n, dasjenige, was einem Andern witgegeden 
wird. In engerer Bebeutung, basjenige an Gelb und Gut, mas ben 
Toͤchtern bei ihren Serhtirathung mitgegeben wieb; bie Mlirgift, 
bad Hrirathögut. 

Mitgadern, v. intrs. —gähnen, v. intrs, —gähren, v. ntr. um 
gegelm. (f. Gaͤhren) f. Di, zu Ende. D, Mitgadern x. D.—uns. 

O Der Mitgang, —es, 4. —gänge, das Gehen, ber Son, in 
Grfeüfhaft eines Andern oder ihn zu beglücken. 

beißt Zaufenden Mitgang! Sonnenberg. 

Der Mitgaft, —es, 4. —gäfte, eine Derfon, welche zugleih mit 
einer andern ein Gaft ift (Convire). 

Mitgäten, v. intrs. u. trs. ſ. Mit, zu@nbe. D. Mitgdeen. D. —tiing- 

OÖ Mitgebären, v: ntr. unzegelm. (ſ. Gebaͤren.) mit haben und ver 
Fügung eines trs. mit Andern zugleih zur Welt bringen. Davon 
der (die) Mirgeborene, bes (der) —n, I. —n, eine Perfon, bie 
zu greiher Beit mit einer andern geboren ift und Icht, allo auch gleis 

qes Altes mit ihre ift (Cometanus), unb in engerer Webrutung, eine 

‘ Perfon, bie von Einer Mutter zu gleicher Zeit mit riner ober jwei 
andern geboren if, ein Bwiling ober Driling. 


4 


Er) 


Mitg 307 Mitg 





lt Ad ee N ne: gr "Werfen, weiße mitvinee andern sugli6 ub / grnit, an ben dBr- 
>. Mitgeborne fpielendıfeht und feſter Buß des andern. heil mimmtz\iein Mont, wildes das einfache Ges 
a Mit fanften- Banden an einander kaüpften. Gbehe. noß bloß näher beffimmt und verſtaͤrkt. „Daß die Heiden Witerhen 
Auch Adeshaupt für. Gefpwißler. : „Dabei. bie — ber Gas . . fein, und Mitgenoſſen feines Berpeifing.“ Epheſe 5, 6. Me 
milie, bie Liebe der Mitgebornen® ic. Gbthe. D. Mitgebdrem. * Sefahrten meiner Reife, Mitgenoſſen 
*8 v. unregeln. (1. Beben). intrsa. 24 mit Anbern.ger . Koh dee.Wefahrtl- ⸗ 1 Derbernn 


ben: Seun ag fieht, daß Andere geben, fo giebt er mit.  Uytrs. O Der Mitgenuß, —fes, 2. —genüffe, ein Genuß, welgen mon 
gıben, damit es mitgenommen werde. Gineyı einen Brief mirgeben, mit Andern gemsinfhaftlich hat; ‚ein, Benuf, om welchem man Teil 
damit ex ihn mitnchme.und am bier Behörbe.adgehe. « Tefonders, er mimmt, „IA glaubte bei bir einen recht Kichevollen Mitgenuß' (des 


aem bet. ſich entfernt zur Begleitung ober Geſellſchaft etc. geben. Eie Gebes) mir-deripeechen gu dürfen.“ ‚Meihaeler (M), 


nem einen Botben; einen Wirgmieifen, eine Bebedung mitgeben) In Mitgenuf am Gemeinfhag der Menfhpeite Ments. an 


engerer Bedeutung, tiner Tochter bei —— Verfelratpung einen Der Mitgeſchaͤftsfuͤhrer und bee Mitgefhäftötäger, —, 2. UL 
den feinen Wexıiögens abtreten, damit fie ihu den Männe u der zugleich mit einem-obes Arewaa dera bie Wefhäfte unee prt 
bringe. „Ih Fann bie freilich nihts mitgeben. WellertiT Bus zeiten fahret, belergt. 

weilen ‚aber ungeiwöhnsth fürıbefehlen ;” als! ein. milberer Kusbrifkt. Das. Mitgefchöpf, —es m, * mit aubern leich⸗ ande 


MWet BHiſchef hatte feinen Pfarrern heimlich mitgegeben, en in Befellfcpaft mit andern Iehenbes@efhäpf. Die Aher⸗ unfeBitı 


das Befen der Bibel zu erſchweren. Sulzer, — D. — . geſchoͤpfe. Seſonders ein mit uris dedeudes Gefchͤpf gleiher Art, 
—ung. ©. auch die Mitgabe, Mitgift. ein.Mitmenfh. „Ein reizendes Bergnägen quillt aus bem ——— 


„Der Mitgeborene,in, 2. 12, ſ. Mitgebären. . I nee Mitgefhöpfe.* Bimmermann. . 
Die Mitgeburt, By. em... 1). Der Ball, da etwas: wugleih mit ei X Der Mitgefell, —en, 2. —n; die —imn; 2. — eine 


nem Anbern geboren if. ") Dasjenige, * zugleich mit tinem·Vexrſoa, die ſich mit einer.andeen im gleichee Geſeſchaft, im zicichen 


Anbern.getsren iſh. geſelligen Berhältniffen befindet. „Die Dönde ſehen ‚niemanden: (mies 


Der Mitgefaͤhrte, —n, 4. —n, einer weißer ber Befäpete eines‘ ı wand) als. ibre Mitgeſellen. Bimmermann. „oh Krogenins 
++) Apbbeni dei einen Banblung; Unternehurungsiftz eigentlich ein über: - dem Haufen feiner Mitgefellen zevend ic. Ungen” In enigenet Ber 


.= fülltes Wort; weiches alleuf alle das ein ſacht Geführte dieß derftaͤrkt. beutung, bei den Handwerkern, ein Geſell, bez zugieich mit Madern 


„Die Mitgefährten feiner Kelege.* Haller. Gefell if, an Einem Drte, ober bei Binem Meilen, ee 


Der Mitgefangene, —n, 4. —n, bed mit einem. oder mehrern X Der Mitgeſpann, —ıs, m. —e, (R.} fo Sie als Mitgehärfe, 


«4, nern dugleich ober’ auch. in Einem’ ——— defangen fat. Röm..ı  Mitgefel; &,-d; und den: Sefpamn. nr ans 
u wo ro ı * Mitgewinnen, x. ritr. ungegeim. (f. Gewinnen) mit haben, dei, 


u 


* 


O Das Mitgefuͤhl, —es, . — de at, meldet man mit, zu Ende, D. Mitgeminnen. - 


ulladdin qdaſtuch datl deſonters, die Aheiltnahme an den Ber Der Mitgewinnf, —es, 2: —t, ein: Bewinnft, den min gagteit 
fühlen Aoberer, wilde aus gleicher ober ähnlicher Bemüthaftimmung, mit einem. andern ober noch außer einem andern Gewiunf —* der 
Ert zu empfiaden at. entfpringt (Sympathie), mad Kant, „das: Nebengewinnſt, wenn er geringer iſt. 

Gefühl der Mitfrende oder /des Mitleids- an.bem- Wergnägen oder Die Mitgift, Sy. —en, f. Mitgabe. 

nun: Anderenmuo Mitgirren, v.int:s; zugleiä mit Anden girren, im Cirren Befenfoft 

Seit ſt herzles ohne Mitgefühl. ediller, = Iaften; ſocauch mitgurren von einem geöbern Laut dieſer Art. D. 
— bi: unparteiifchen me. oder: Begengefühle mahe gebrecht.· Mitgieren, Mitgurein. .  , 
perten Der Mitgläubige, —n, m. en, der zogleich mit Andern Biefetbe 


WMitgehen, *. inter. ——2— «fs Geben) mit fein, in Geſeilſchaſt ¶ Sache giaubt, ‚mit ihm fidy zu demſelben Glauben befknnt, In dem 


mit einem abee-mehsern. Anbern gehen, Ihm ‚oder itnen im Sehen neuem Zeiten haben einige Verfechter ber Religion — — mu u 
Sefeufhaft leiften. Ich kann diesmahl nicht mitgehen. Unsigent«.; ' ı Gläubigen aufgelöbtet« 1c, Bäthe, 

Hd auch von unbelebten Bingen, zugleich mit andern fortbemegt, Der Mitgläubiger, —s 9. gl. (M) ber zugleih mit einem oe 
fortgefhafft werden. Der Bogen gehet-mit, ‚wenn nam ihn deſſel⸗ mehrera Auberna der Gläubiger einer Perfon ift. 

den Weges neben ſich fahren dh. Der Brief iſt mitgegangen, mit Mitgleiten, v.ntr. u. intrs. ungegelm, (ſ. Gleiten) mit ſein, zugleiä 


LE bite Yolbjı wifle man befikimmene ſagt mita bgehen, Iakigemelnen: * init Andern eder Anderem gleiten; im gemeinen Leben mitglitfhen. 


—* 


Leben ſagt man ebenfalls a es. gehet nad mit, wer es iR D. Mitgleiten, Mitglitfchen. 
ertedalich, mittelmägig. D.'Mitgeheni Das Mitglied, —ı8, Dip. —er, ein Glied, d. h. ein Theit, ber mit 


Der Mitgehülfe, —n, 4. —n die nn, 9. —en, eine Vers andern gemainfhaftiid einen Körper, ein Ganzısıausmadt, in Bes 


fon, bie zugleich mit Anlırn bei etwas-hilft, ı „Dermönia, die Toch . zug anf biefe andern -Zhrlle. MWelonders uneigentiih, eine Perfon, 
ter der Siehe, war eine tpätige Mitgehülfinn Jupitere bei feiner welcht mit andern Ein Ganzes, Gime Geſellſchaft bildet, im Bezug 
Schöpfung." Herder. auf biefe andern. Ein Mitglieb ber bürgerlihen Befelfhaft. Fin 


Mitgeigen, v.intrs, u. trs, f. Mit, u Ende, D. Mitgeigen, Mitglied des Ktubbe. Spricht man vom ben Thetlen eines ſoichen 
Der  Mitgeiger, — , 9. gl. einer bee mitgeigt; befonders rin Gels Ganzen, vom ben Prrfonen einer Geſellſchaft überhaupt, ohne ihr Wer: 


ger, der mit einem anbeden susteid gelgt, oben ber ein onfpiel * Hältmis zu einander zu beftimmen, fo ſagt man bleß Sm; un 
der Beige begleitet. 7 fämmtliden Glieder bis Wereins befchloffen etc. 


%* Das Mitgeld, —es, 4. —ır, das sm; weihid einer Berpeis O DerMitgott, —es, 2. —götter; die — inn mn 


zatheten als Mitgift gegeben wird. Haltaus. heit, die zugleich neben einer anbern Bott ober Göttian 8 Beus 
O Witgeniefibar, adj. w. adr. was Andere mitgeniefen Zönnen. und feine Mirgötter und Mitgoͤttinnen. x 
Gin mitgeniefbar Bob enfreuet, . 3a, Mitzötter bee Racht! — Sonnenberg. 


Ein nit theilbores ige, Micolal. f Mitgraben, v. intrs. ı, trs. ungegelm. —Hrämen, v.rec. —gras 


O Mitgenichen, v. tes. unregelm. (f. Gmießen), ſ Mit, zu Ende, fen, v. intrs. f, Mit, zu Cade. D. Mitgraben x. D. un). 


D. Mirgemisfen. ° h Mitgreifen, v. trs. unregeim. (f. Greifen), zugleih mit Aarern grei · 


-»Der Mitgenoß, fen, ag — ſen; die Anm, 0. en, eine ‚fen, wie auch, no, bazu greifen. Ginen-Bon mitgreifan): nit am 


Mitg 


Sem zugleich, ober zu andern noch dazu. Den’ Hehler mitgreifen, 
mit dem Diebe, Ihm zugleich mit dem Diebe feſt haiten. D. Mit: 
* greifen, ung. ' j 3 . 
Der Mitgrumdherr, die Mitgrundherrſchaft, ſ. Micherr und Mit, 
Fr k. ’ “ 
x Senn y v. intrs. u. trs. —gurgeln, v. iitrs. u. trs. ſ. 
? Mit, zu Ente. D. Mitgrungen ıc, S 
Der Mitgutsherr, die Mitgutöberrfchaft, fr Mithere und Mit 
“ hersfhaft 2): | 
X Mitbaben, v. ntr. mit haben und der Bügung rind trs. mit ſich 
ober bei fi Haben, mitgenommen ober mitgebradt haben, . 
Mithadten, v. intrs. u. tra, —hallen, v. ntr. mit haben, ſ. Dit, 
"ya Ende. D. Michaden vw. D. ung. 


Mitbalten, v. trs. ungegelm. (f. Halten), mit Andern zugleich Halten, 


Halten Selfen,. tneigenttih. Gines Partei mithalten, fie zugleich 


zit Andern halten. Gin Belt ı. mithalten, es mit Anbern zu⸗ 


glei oder in Gefellfchaft feiern. Ginen Erfegiztel mithaften, ein 
Mitglicb eines Pefezirfels fein unb zur Haltung ober Unterhaltung 
beffelden durch Aufhaffung neuer Schriften beitragen, D. Mithals 
ten. D. — ung. 

Mithaͤmmern, v. intes. u. tr⸗. ſ. Mit, au Ende. D. Mithaͤm⸗ 

mern. D. —ung. 

Mitbanbeln, v.intrs. mit Anbern zugleih handeln, wirlen. „— Mo 

der Eher (Kor) als wirflihe Perſon yub als blinde Menge mithans 

© ltr Schiller. (R.) Im engeree Webrutung, in Gefenfhaft mit 
einem Anbern handeln, Handel treiben (mit ihm associirt fein), D. 

’. Mithandein, D. —ung. 

Mithängen, v. tr. —barnen, v. intes. —haſchen, r. intrs. u 
ar, hauen, v. intes. u. tes, unzegelm. (f. Hauen). —heben, 
v. tra, ungegeim. (f. Heben). —heften, v. tee. —beilen, v.ntr. 

3 vemitfein, m tra, —heigen, vi tes. ſ. Mit, zu Cute D. Mit 

daͤugen. D. —ung ec. 

** Mitbellen, v. intrs. mit Anderen einpellig fein, äbereinfimmen, 
DHaltaus. BD. Mithelen. D. —ung. . 

Mithelfen, v: intrs. ungegelm. (f. Helfen), mit Xnberm zugleich bei 
eines Sache Helfen. Ich habe babei mitgeholfen. Ih wi ihm gem 
mithelfen, ih will ihm geru auch Hülfe Liften. 

— — fondern ihm ſenbet 
Sein blaulockiger Bruder des Meeres mithelſende Fiuten. Boß, 
D. Mithelfen. 
Der Mithelfer, — Mj. g1.; bie —inn, ip —en, eine Peiſon, 

“. Wir bei etwas mithilft; edler der Mitgehuͤlfe. 

Du Drelhauptige auch, Mitlurbige unfers Beginnend 

i und Mithelferinn ſtete Bos. 

In engerer Bebeutung, ber Xmiögefährte eines Helfers (Syndiaeo- 
mus), ©. Helfer. : 

O Der Mitherr, m, 3. —em, ber zugleich mit einem Anbern 

—Herr Über eine Sache il. Dee Mitherrt eines Hanblungshaufes 

GCompagnon). Der Mitherr eines Sutes, beflinmter ber Mits 

guts herr, umb wenn man anf fein Cigenthumacecht auf Grund und 
Boten befonders Mädliät nimmt, ber Mitgrumbherr. 

v Der Mitherausgeber, —$, 29. gl. der zugleich mit einem Andern 

etwas herausgiebt 5. B. ein Bud. 

Die Mitherrfchaft, 9. —em. 13) Eine Hersfhaft, melde mehzere 
sugleich mit einonder befigen, führen; opne Mehrzahl. =) Eine 
Serrſchaft, d. d. ein Here ober eine Frau, oder beide, weiche zugteih 
aber in Grmeinfhaft mit tiaer andern etwas befift (Condominium), 
Die Mirherrfchaft eines Gutes; Beflimmier die Mitgutsherrfchaft, 
zab menm auf das Cigenthumsredht über Grund und Boden Iefons 
Bars aefehen wisd, die Mitgrundherefdjaft. 

‚Bitberifhen, x. intrs. f, Mit, zu Ende, D. Mitherrfchern, 

O Ser Mitherrſcher, —6 , 9. gl; die —inn, 9. —en, eine 

2,  BDerfen, welche wit einen andern gemeinfhoftiih hersiht, die Verr⸗ 


308 


Mithoffen, v. atr. mit haben und bee Fägung eines tzs. 


+ Mithuften, v. intre, ſ. Mit, zu Ente, 


ſchaft mit ihr tpeilt (Mitregent, Mitregentinn). Henke. (8.). 

Mitheten, v.intenwtxs, ſ. Mit, zu@nde, D. Mithegen. D.—ung. 

Mithin, ein Sindewort, folglih.. Daß, da bie erſten zwern Brüder 

— einander tobtflugen — mithin die Moſaiſche Weſchichte abge⸗ 
ſchmackt feier x. Derber, 

Der Mitbirt, —en, Bg.—m; die —inn, Di. —en, eine Perfen, 
bie zugleid mit einer andern an Einem Orte, bei Einer Hersfdaft 
Hiet ober HSirtian ift. 

Mithobeln. v. trs. f. Mit, zu Ende, D. Mithobeln. D. ung. 

augleid) mit 





Andern hoffen, mit. Anbern gleie Hoffnung hegen. 
— Ride macht es ben Klar ſtolz, zu erlangen, 3 
et es aud überfgwänktih, was mitgehöffet Nipffes.! Wo. 

D. Mithoffen. ze Zee 
x Mithopfen, v. intre, mit Andern in GefeRfgaft Hopfen, ihaen im 
Hopfen Geſellſchaft leiſten; befombers, einen ‚Hepstanz mittanzen. 


— felber auf dem — Balle hopfeten drei dergleichen Kitusköpfe 


mit." I. 9. Rihter D. Mithopfen. 

Mithuldigen, v. intrs. zugleich mit Andern „Aber wild 
ebiee Mann wird niht gern mithulbigen?* Bengel- Gterrnän. 
D. Mithuldigen. D. —ung. 

Mitdungern, v. mtr. mit.haben, f. Mit, : zu Ente. D. Mit⸗ 
hungeen. n-. tn 23 
Mithuͤpfen, v. intes, 1) Mit haben, mit Mubern zugleich Hüpfen, 
fpxingen. 2) Mit fein, Hüpfend fih-mit Anbern entfernen: D. 

Mithüpfen. 
D. Mithuften. 4 

Die Mithut, ip. —en,.(R.) eine Hut; b. h. ferwol das Gutungs⸗ 
zeht als auch bie Hutung ober Weide, welche man mit Anbern 
meinfhafttich deſigft. : 2% 

Mithüten, v.intrs u. tes. ſ. Mit; zu Ende. D. Mithäten. Densung, 

Der Mithüter, —s, 3. 91.; die —inn, By. —en, Tine Ptefon, 
die einer andern beim Hüten Seſellſchaft leitet, oder zugleih mit ei, 
ner andern Huͤter ober ‚Hüterinn if. ’ . 

Die Mitjagd, By. —en, das Recht der gemelnſchaftlichen Jagh das 
Recht, glei einem Andern in einem Beziske jagen zu bärfenz das 
Mitjagen. Befonbers, das Recht bes Landespexsen, im ben Jagdge⸗ 
hügen feiner Sandesfaffen und Lehnsmänner die Tagb auszuhben. 

Mitjagen, v. intrs. u. trs. — jammern, v.intes. —itren, v. 
atr, mit haben, m. -intrs. — jubeln, v. intes. ſ. Mit, zu Ende, 
D. Mitjagen ꝛc. D. —ung. “ 

Der Mitjünger, —e, Dt. gl. der zugleich mit Anbern ein Jünger 
if. Themahle auch für Mitigäler, 

O Der Mitfaifer, —s, 9. gl. den zugleich mit einem Andern Rals 
fer it, entweder im: demſelben Beide ober in derſchiehenen Reichen. 
Hente (R.) 5 

Mitlämpfen, v. intrs. zugleich mit Andern Fimpfen, mit Xnbern an 
einem Rampfe Theil nehmen. 

Ich habe viele Kämpfe mitgelämpft. Soltin. 
D. Mitkämpfen. 

Der Mitfämpfer, —8, Dh. gl. der mit Andern an einem Rampfe 
hell nimmt; befonbers, ber mit Audern im Kriege kaͤmpft. „Das 
Auge des Mitkämpfer und Mitwerder iſt auf ihn gerichtet. Herder, 

Mitlauen, v. intrs, u. ir, —faufen, v..tes, X —fegeln, v. 
inte, —kehren, v. intrs, m. irs, —feltern, v.tes, ſ. Mit, u 
Gate. D. Mitkauen cu D. —ung. 

Mitkeuchen, v, intrs, ı) Mit haben, mit Anbern zugleich keuchen. 
3) Mit fein, mit Anbern keuchend gehen. D. Mitkeuchen. 

x Mitkichern odes Mitkidern, v. intre. —findern, v. intre, 
— titten, v. 12s, —Elaffen, v.intes, f. Mit, zu Ente, D. Mit - 
lichern ı€ 

Mitflagen, v.intes, zugleich mit elnem Anderen Magen, am feinen Ra 
gen Speifinehmen,- Im engertr Bebentung, mit einem Wabern. zu⸗ 


Mitk 309 Mitl 


lelch ober in derfelben α . anteingens ⏑- — — mittkunbigt Sterne, 
Der Mitklaͤger, —e, 19. gl.; die — inn, Wi. — en, eine Perjon, —e *— (dimmert dech 8 Halb in bag file wu Derſ. 
ei zugbeidh nit Andern in berſelden Sache eine Rlage aubringet. Mitkuͤſſen, v.rintze, u. txs, ſ. Mit, zu Ende, D. Mitkäffen, 
Der Mitllang,' es, 9: —Mänge, ein mit einem oder mehreren X Mitkutfchen, v. mtr. mit fein u. intes. 2) Mit Anbern zugield, 
." andern Klängen zugleich hoͤrbarer aber gehörter Klang, auch wol.ein in Gefelihaft im ber Kutſche fahren, ober gefahren werben. 2) Mit 
zu einem andern geböriger, einflimmenber Rlang. ..:„eimem Andern zugleich die Kutfe-ienten, führen (mflkutschiren). 
Mitllappern, v. intrs, u. ntr. mit haben. —Maffchen, v. inter, BD: Mitkutſchen. 
—flettern, v. inte. —klimmen, v. intrs, -Pimpern, v.in- Der Mitfutfher, —, Ei. ot. der sugleih mit Audern Rutfäre if, 
"tra; u. tr, ⸗klingen/ v.utr, unzegelm. (f. Klingen) mit haben? .::' defonders der es zugleich mit einem Xndeen bei Einem Herzen if. 
—fopfen, voutz) mithaben, u. tes. —Mldppeln, wire. nat Mitlächeln und Dilladen pr. intes,. —laben, v. wi. uneigelm. 
» Ten, vo ute mit-habem, u. te: Anallen, wintr mit haben, u. > Sf; Baden). —lagern, vi tz u. rer. — lallen, v. intes. 
axns.narren, winter. mit haben. —Enaftern, x.ntr. mit has, — landen, v. intrs. m tz. —— w. intes, f. Dit,"zu 
a — m f Mit, wu Ende. D: Mittlappern ꝛc.  Ender -D, Mitlaͤcheln ꝛc. D, rung 
ni r and den XMitlaffen, v. trs. unzegelm. (f. Eaffen), mitgein, mitreiſen, mit 
An Ditnedt, 6, m, der mit eimem andern zugleihRneht Tommen sc, ;Taffen, oder mitgugehen ıc. geftatten, erlauben. D. 
in, befonbersl wenn wer an’ bemfelden Orte bei einem Herzen if. Mitlaffen. 
Mittneten, v. tra. ſ. Mit, zu Ende -D; Mitkneten. D. ung: Mittaufen, x. intzs, unsegelm. d. Laufen), mit Ag —[dugnen, 
Der Mitlneter, —6, 2ig. Hl: der beim-Rneten Hit, Befellfhaft Ieie » ‚w. intes. u. axc. —laufhen zw intrs, ſ. Mit, au Ente D. 
'n fat,’ bet den ideen in manden: Gegeben ; »®B. im Selpaig und Mitlaufen x. Du: , 
bdarmburg, derjenige Aneter, der and: Unterfneter Heipt. Der Ditlaut, ed, 99. —ı, cin mis. einem andıen jugleiä narterer 
Mitknien, w. ntt. nis haben.knuͤtten, v; intrs, u, tie: A aodes gehörige caut aud wol, ein zu einem anbern gehörenderund damit 
chen, » we atrmit· haben , wm fi, u. Ente D. Mit ⸗· — ——— In engener Bedeutung, in ber Sprahtunf, 
enien ıc. D. ung. ein Laut; welcher nit für fi alein, ſondern nur In Gefenfhaft 
x Mittollern; v. H.utr.. 2) Mit fin, yugleid; mit Kabern-tellern v-> obseımit Hälfe eines Gelöflauters heruorgetkaht und gehört wer 
«aber: Ad} ‚um (feinen ‚Mittelpunkt foxtbemegen, =) Mit-haben, zus. den kann (Consomant); in Geasnfan, des Selpſtlautes. Minige 
oleih mit Audern ben Koller haben.) Hl) tra. auelei mit Undern. ii. behaupten, biefe aan anpaplic, da bit Erlöftäute den Ras 


? .  Mollert,) wollen machen. — D.-Mitkollemi men ber Mitlaute cher ienten, weil fie bei den Abrigen kauten mir 
Mitkommen, v. intes ui zite.uneegelm, (fi Komm) mit fin, in ei; tönen, Anbere haben baf —— ober Brähbfäut und Beftime 
.2s <@ejelfhaft,. Begleitung einer andern Perſon —— mungsiaut zu ſetzen verſu S. ». u. E; Berbw. Consonaht, 
D. Mittommen. Hans n.int e und Beitzäge sur weitere Austiid, b, Deutfden Spr 


X Mitköntien, visit unzegfim,) (fe: Kinen).mik, baden, —— 4 95.  Mneigentlih, aber unpaßlich hat man Mitlaut auch für 
mitzeifen, mitfapren, mitfommen ıc. innen. D. Mittönnen. bereinftimmung gebraucht. „Bieräber fichen mit N. einige andre 
Mitköpfen, v.tre. —Toppeln, v. tens —fofen, v. intrs. 73598 —— im Mitlaute.“ Bragur (M,) 
gen, intee· kraͤhen, w. intra, —— — v.trs, 2 it, Filtankene: 7 ner. zit haben, Zübuten, v. Intes, u. tw . fit, 
‚ya nde. D. Mitkhpfen-sciı Die zu Ende. ® itfaute . ing. 


: Wittsanten, v. mtr, mit haben, ih nik Xudern Iyant win, an. De —8 4,0, * der Gpradtunft, das Bilden, or 
kiben.. Bitlaut hrber, ausgetruit wird, e. Mittaut ind 


m... ca. v pi { 
u re et ar 


vos anansheifbaun 
"if der Stahl abſcha⸗idar, bafı mitt fstramte Gefunen, Ber. Witfeben,y. ntr, mit haben, mit Andern zugleich in Gefeniaft les 
Mitleben. Davon der Mitlebende, —n, u —n, 


D. Mittranten. r 
—— v tm u. 20 —trängen, v ken, fragen, v. * der zu gleicher Brit mit Andern ledt, ber Beigemoffe. 
Are. m irer —krauen, vi —* u. tz, —fräufeln, v. — Der bie Shaar Mitlebender alle beflegte. Woß: 
—— v. inte. f. Mit, au: Cade. D. Ditkshnten ıc ꝛc. Mitleken, v. tet. u, intes, f Dit, gu Ende, D. Mitieden. MM. 
ung. ung. 
Mitkreupigen, wc tea jugleih, Im Befeäfgaft. mit Anbeen kerujigen. “ güttegen, v. tes, Mh jugleil) mie Andetn und gu Audera Icjen. 
; Unperwendet blikte den mitgefrenzigte Yängling m 9% and, ſich mitiegen,, Dann, X mit Aübeem zugleidy batitägerig 
Auf ben Kobten. — — ,.ı Klopflod. . werden. D. DMitiegen. 
D.:Mitkreuzigen. D. ung. Mitlehren, v. I) intrs, zugleid mit Andern Ichren, Erfeee ſeia. 
Mitkriehen, v. intrs. unzegelm. (f. Kriechtn) mit fein, ſ. mit, fr) Serkla lehrt auch mit. — Gonhenberg 
Güte. De Mitkriechen. I) trs. jugleich mit Anderem lehren. Belm Sprachuateetichte bia 
2. X Mitkriegen, v.ntr, mit haben, und bes Bügung eines tr. zw _ Rehtihreibung glei$ mitlehren. — D. Wittehren. D. —üng. 
glei mit Andern kriegen, befammen, Der Mitichrer, —b, u. gl; die ran, sg. ein, - eine Parfin, 
9. Mitkeiegen, vi intra, zuglehh, ie Befenfaft mit Ändern. Arieg bie mit aings oder mehreren andern zugleich Echter, Lehreriau iR, 
führen. D. Mitkriegen. defonders am Ciner Schatte oben Eehranflalt, Baron HMitlehe 


Der Mitfrieger, —b, Bi: al. (M) elm Rieger, ber Ingleih mit, ons kerſchaft, bie familien Mitiehrie und Miticheerimmen, : - 
dern Zeil am Rrisge wine, der —* Ktiegogenoſſe Das Mitlelb, —eB, oder das —** 4, 1) De⸗ 
ſtri⸗·gſcamaera). som Leid aber beiden, welches mar pugirich mit Ändern eihpfinbet, trägt, 
Mitkrigeln, v. inten, m, trı. tönen, W ws Au jeln, * Ate.  Mitteiden trogen, ehemafıs bie Öffentlichen Laſten mit Anden fear 
mit fein u. ses, —fümmern, v. ies, u. 200 L Wii. zu Ende, „.gen., Im engerer Bebextung, has kelb eder Eriben, ». 9. bie 
D. Mitkrigen mw. D. —ung. fmerjsafte Smpfintung, melde das deihen Audeter in ma erregt 
© Mitkunbig, adj. u. adr. mit Anbeso zugleid einer Eache — „und weiche mit dem Munfde Hiefed Leldes Audeeer jir heben ober zw 
- ‚ basnm miilbeen berbunden ift. Bergt, Belleid tab Batmherzigkeit. Dit 


wifenb, : 
- Du Dpipouptige auf, Bitbundige unfert Beglanizh. Koh bed oder Mitreden empfinden, El warr Im; Einem fein 


Mitl Z0 Mitm 


itleid äußern, bereigen. Mitleiden erregen. Im S.D. auch. Mitleiern, . intre m.,trs, Heimen,w.tes, —leiften, r. tre 
u Beil, @. auh Mftieipinbeit: =) S:Die Kupemug; der Muse, Leiten, v.tra Ienfen, vi tz. — lernen. * we. 
- ‚heut des Mitleihe, Tränen als Ausdrug deffelben Eſen, v. imtess u. ixo. ungegelm. (fr Leſen. lieben v.äntrs. 
4 deit rinnt das Mitfeid die Bang’ herunter <— Klopftad. u.trs, liefern, v.trs. fr Mit / zu Ende. D. Mitieiern ic. D. —ung 
Mitleibenp v. I) mtr. unzegefm. (f. Leiden), mit haben. 1) mit Müliegen, v. mtr. unsegeim, (f. Birgen); mit haben, mit Andern 
Anderen zuglelh gemeinfhäftii leiden, an Andezer Beiden hell zugleich in Geſellſchaft Hegen, und in engener Bedeutung, bettidge⸗ 
. nehmen, Hälfe und Troſt und und unfern Mitleidenden! Die mit» is fein. D. Mitliegen u er . 
‚deibehben Xpeite, SRerven. U) Strk. umtegeim.. bemitleiden. IH  Mifloben, v. trs. f. Mit, au Enbe: D. Mitloben. ine 

‚Jah, fü mitleldete angiädtidhe Groͤße in der Maleſtaͤt ihree Falles.“ Der Mitleber, .—b, igl. der. zugleich möt-Andern etwa Lobt. 
nen. — D: Mitteiden. S Mitleid. i_ @pemapis,berzugieiä wit Unbrın ehmaßgelabet, verfpricht. Oalt aua. 
"Die Mitleidenheit, 0.2. der Buftand, da eine Perfon oder Sache Mitloden, v.trs, —löffelp,v. intes.u.tese —[öfchen, v.tesiwiäntes. 
" jugteih ober in’ Geimeluſchaft mit andern Tridet Die Mitieidenheit  —Lofen, wiintrs. —Idfen, vi tin; löthen; m tes. —lügen 
eines Glledes, ber Nerven rc, Orb dem’ Ürgten, der Zuſtand derfelben, wm. inirs. w.tie. ſ. Mit, zu Sude. Di Mitoden ıt. -D, "ung. 
da es ober er bei Steankheit und Schmerzen eines andern mit ihm fund: Mitmachen, v. trs. mit Andern zugieich, in @efellfhaft maden, thun 
—*8 entfernterer Brrbinbung fießender Blieber, Nerven ic. auch was Andere thun, unb'es zugleich mit ihnen thuun. Aule Moden 
icidet, Ochmerzen empfindet, „Wie, wenn ich das geduldige, Iefende mitmachen. — daß Ir — bad Weinen und Umarmen — nicht 





"und meugitrigt Pabıtlam (dfe Eeſeweity zur Mitieidenheit göge?« witmaen kann." Herden . 
" zhümmel. Za rg ber en ba man mit eine Nonne vbne Bahn, dt ua 
‚„. ‚Anderen gleie Eepewide Laftın teägt; in welcher Bedeutung zu⸗ vor Begierde ſirbt, ein Taͤnchen mit zumachen mt tamb, 
* weiten aud das'Mitietbeht debraucht wird. Mie Aröır zu Mit „Die größte Bewatt uber, werde ee — — 
menheit ziehen, fie zur Eatrichtung der büngestihen Abgadem zie« ten Zugenden und-Eifter zu ber gürten, liegt im dem Beifpieie Win, 
den. @id Her Täuldigen Mitleidenheit zu - entziehen fuden, bee  zeluer Werölnen,. und ih dem Anſteckenden einer: in. gleidyen Geſin ⸗ 
Übernahme feines Antpeils an bem bürgerlichen Baften. nungen und Handlungen übereinflimmenden Menge. -Iemesiahmt 
& Die Mitleivenfchaft, 9. — em.  *) So viel als Mitleidenpeitz mm nad, was biefe-tput pflegt man mitzumachen.“ :Satoe XIn 
ohne. Mebtzahl, „Die Ditledenſchaft bes Magens in andern engerer Bedeutung fast man im gemeinen Erben von einer Perfon, 
Keanfheiten." Ehlüter. Kann mifverffänden werden. 2) Eins fie macdeimit, mwennfie fit Übertettungem bes fehflen: Geböpes zu 


mit einee andern zugleich vordandene, verbundene Leibehfäaft. Schulben kommen läßt, im/mieltem Sinne man seine ſolche Perfon 
Mitleivenswärbig, veſſer Mitletbswärdig, —dt, fit, adj.u.adr, einen Mitmacher, eine Deitmacherinn nennt; D. DH 

des Mitleiens oder Mitleids würdig, Mitleid negbienend,‘ ++ Die Mitmagdi; 29. —-mägde.: eine'Ragbj' bie gugleit mit — 
Mitleidenewuͤrdig felber dem Neitenden. Bug. been bet derfelden Perfon bienet = — 


„Er der jüngere, ſchwaͤchere, ein mitltidewuͤrdiger Sqaͤferr· Her.’ Minmäben‘, vi intie,te ten, ſ. Mit ende, D. Mitinägpe. 
ber. Und id Sin mitleidsnkrdiger ais ex. Shilter (R) D. —ung B — —— 
Der Mitleider, —s, 9. gl. 1) Dee mit Anbern leidet. 2).Der "Mitmahlen, v. intrs, ı: we, mit Xabern. zugleid; wie auch in Mer- 
mit Andıen Mitleid has. X Beffer Reider als Mitleider, es ift befe' = bindung mif ander Dingen mahlen, ſowot fofeen mahlen mis, Far ⸗ 
fx: heneipet als bemitteitet ju merfin. ben barftellen, als aich foloeh esigemmianmien bedeutet, ı Di: Mits 
Mitleidig, er, —ſte, adj. iu. Adv. Witleid habeund mb zeigend⸗ ÄR 1% 110, "Road 2 JCHEITT S- Tage uan DIET BELLE BESTE BEE ZEZE Zen SEZ EST ET ET 
und basin gegrfindet. Wergt. Batmherzig. Ben Sie doch mit: X Mitmangeln, v. intr. u. trs, mit anbern Perföndn:zujteidiiman. 
leidigt Mine mitleibige Paondlung. In engerer Webentung, zum  geln ober sollen, mangelt deifen, wie duch/ mit andern Dingen jur 
Mitleid geneigt, leicht zum Mitleid zu bewegen. Ein mritleidiger' * glaich wangeln. Di Mimangeln Di —ung: ı;) : 
enih. Gin mitleidiges Herp haben. Davon bie Mitteidigkeit, X Mitmanfhen, v. intre. —artern, v. ri ureer maͤ⸗ 
der Zuftand des Gemuͤths, da man zum Mitleid geneigt if. fin, v. trs, Xmatten, 'Y. intrs, mauern; vw ts. X—muu⸗ 
* *Miitleidlich, adj. u. adv, mit Anderm zuglei zu leiden, zu fin, v. trs. u. ins, —andderm, vi intra tr. — mehren, 
tragen. Mitiebliche Steuern. Haltaus. 5. "om te, — meinen, v. tee, fi Mit, zu @ade. D. Mitmanfcen ıc. 
© Mitleidlos, —er, —efte, adj. u. adv. kein Mitleid Haben u 2 De Tung. ‚ 5 
+ jeigend, ; _ io fpraät ihr saufen Mäntier mitleidloe , Der Mitmeifter, es, 8. gti bie —inm,) 24. en, eine Mer: 
Fuͤr euch aut ſorgend und für ener Statt. Schiller. (M.) fon, die mit einer andern wald Weiſter, Meikerinn ift, in einer 


Bop Hat bas. Härtere mitleibs[o6 : . Kunft 16. befonbets in einer Zunft. — mit allen von ihm und 
u 8 — und die hurtigen Moffe feinen Ditmeiftern neu gebildeten oder au neu umgeprägttä For 
Säleiften. ihn mitleibslos zu den zäumigen Schiffen. — men.“ Böttiger. * 

Davon die Mitleidloſigkeit. Mitmelden, v. tr, — melken, v. trs. ungegelm. (ſ. Melken). 


Mitleidsvol, ur. —tÜe, adj. u. adr. vol Mitleide, inniges Mit | —mengen, v. trs. f. Mit, zu Ente, D. Mitmelden sc. D. — ung. 
*. «Isib ampfindenb. " Der Mitmenfh, —en, 24. —en, ein Wenſch, föleen er mit An« 


Geish bie Seraphim fanden mm fie in ttuͤberem Blane oh perm fugteih Lebt, und Menfär fo gut iſt wie fies auch Neben 
Nitleidavoll. — — Kiopftod menſch, Naͤchſter. 

N Dann f&iprbe mie bein Bötterbilb vor Kugen, „ Ritmerfen,'r. tr. —meſſen, v. trs. umregelm, (f. Meffen) 

2,8073 Das mitleibsoolle, freundlich marnenbe,  Gollin, 7° © —mebeln, tr. — meucheln, vu rs. —mielben, v. tra’ 

Mitleidswerth,, —er, —efte, adj. m. adv. bes Mtieite ober Delle ſ. Mit, zu Onde. D. Mitmerten. D. —ung. . 

Ieibens, wert. - OX Der Mitminner, —6, 2%: al. dee zugleih mit einem Anden 


s Doä tätl' er auf gefehlt, fo war er mitleibenerth. Wieland." minmet, ein Mitliebenber, Rebenbubler. Er bdelohnte reichtich ben 
5. Mitleidsrmardig, fr Mitleidenewärdig- Boten, bee ihm anfagte, der Kabchter Habe dieſen Mitminner aus 
. Der -Mitleioungdnerpe, —nı. 2: —n, in ber Beratichetungelunf) | bem geſchefft.⸗ wiäter BE er Gere 3 
ein Rerue, ber —— des breiäftigen Rerven ents Mitmiſchen, v. tre. —miften, v. intrs, u.-trs. 
I} 


4 — modern, 
“echt (Nerrus symp eticus). ‘water haben/ ſ Mir, sv Ende. - "Wi Mitmifhen. D.—ung 


it 


x Mitmögen, v. intes, anrıgenmv(f: Möghi); mögen uter-Euf, 
-Reigung Haken, mitzugehen; mitzuerifin te, D. Mitmbgam. .- ' 
Mitmorden, w, ‚Intrs.. u. ters, murmeln, x. inten! ſ. Bit, 
iu Gase, '»: Mirmorben w. D.—ung: 
x Mitmhffen; winter. unsegeim. (ſ. — mit haben, mitgehen, 
mitreifen, mitfahren ıc, möſſen. D. Mitmüffen, 
Mitrräben, v. inte, u tes ſo Mit, zu Ende.. D. Mitmähen, Di ung. 
Die Mitnahme; . ri die — da: man — verſon eder 
Eache mit fi) nimmt: - R 
O Der Ditname; un; =. zn, eieftams, wegen man PR 
"hit einem Under führt, So Haben‘ kühmche: Perfonen auper Iprem 

Belhlehtsnamen ae einih Mana, durch welchen ſte ſich von As 

bern mit gleihem Gefhlchtänamen unterſcheiden, ober, melden fie} 
"a Her ihelgen von einem! Nndern’ ats einem beſendern Grunde nad 

daju genomiten habtn, j. 5. — — oder aud Shmidt 
genannt Phiſeldeck. blu 
Mitfarren vi fnteni a: — wi intel! —e 
v. irs. u, rec, ſ. Mit, unbe) Di’ Mitnawen KR, Di+ung. 
Mitnchmen v. trs. unregelt.(fMehehen), mit fi; mafımin.-Meld, 
Fiten Baief mittehmen:>Buretieh auch; bikbifheniMeife 
Aue? ich aeurn. Befonders, zus Geſellſchaft, Begkeituing;peirikitihd 

"Hohen, > Einen’ Weiler, ben,’ Bühressmimehmens 'stinehe 

wvertlich, die · Areft rauben, ntkräften , «rfhdpfen.." Borhe Krank: 

ten nehmen mit. Ach, bie Dausforgen mehmemreinen . fahr 
mitt Beriten Wer mei hae das Lane fahr, nigra: 
So etidas iR! wor mit zunedmen ſo ehwas tann aau wol, de die 

Kar dern da iſt, thun danu man fich wohigefallenstaffen. 
B. Mitnchnien. Di ung. Sorangern ſich bee jus za Genctral . 
Won ſeiner GSattinn kreimnte | To dinmelssih. wre jeht Eitnet muns 

PR yon "Meifner (R) ©, aud Mitnahme. a. 

Mitneigen ; v. tru> Anetiieit, Wi tr: ungegelm, 4 Nennen)? 

—neuerf; v. tr Ritz zu Ehe. D. Mitmenneme. D. —ung. 
oO Der Mitnentrer, 8, 20 9E ber zu Renesungen. mitwiett. 

Dient Mitneueret: hode 117 ng age 
Dritnieen, wintts. wär. nie ſen wihte,mit habamı nippen, 
Mirs: u: fs nofen Tv Inten ‚enter DMimikenic, 
x Nitmörigen ter. 79) BR indern hlelch mörhigen. Mann 
u Du —R Tupac bieten) ialaden. 5) Nothtgen mit zuge · 

"hei, mitzureifen ıc. D. Mirnothigen· D.ang. .v nd 
Mitnüben, v. trs. fon; wtee, opfern, vr. imtraoes ers. 
"_grbnen, vi ten! orgeln,'v, Intte, u, tr, —pacdten, 
iem·. u. teil‘ '—palfen, v. Inte. 17,0 X.pamfchen,iv. 

’ Äntfss) X —papern, v. däten.tu, ters, —— r. infes. 

Paſſen oire mit baden. patfcheny' wöinten, und tr. 

a nen ihre: A. a m Bir. D. Mimktemic. - 

ug 1 AI SZ EN " wı.e ınub 
Mrityeltfeben;, Ir —— —8* ir a. Anden sugleidypeittidien. 
2 ya — mitjugepen adthigen. D. Mitpritſchen. 


D:—u 

x Mitpelen,, tm, —pfähten, ws, —pfänden, v. Ars, 
pheffete, v. tr: —pfelfen, v. intrs. u. tes, ungtgelm. (fiPfeis . 
— ‚pflanzen, 'v. tre. pflegen, v. tie, F Mit, su Sin. 

D. Mitpeljen ꝛc. D. — 

Der: »Mitpfleger, 4, g/äk Bir mit daran mehrern — 
augleih Plleger iſt. So heißen ober hiepen in Frankfurt am Main 
bie zwölf Abgeofhneten ber Borgerſchaft, did mit den fehs Mbgsotb> 
meten bes Ratte bie Einkünfte des Armenhaufes verwalten ober 
vermwaltkten. die Mitpfleger. 

©, Die Mitpflegerfi * > u He Pfiegertäaft, melde man yt« 


"Ah te Anterh, übernimmt. „Die Etänte möfın di - 
Er ehe der Mi etein ad ea ten 
heftü.den, vie —pfligen, #-trs: m. intes,. — pftopfen 


v. tra Hfufchen, v PA —pichen, ve intfe, nt —pik⸗ 


3115 


* = 


Mitn - 


woilgeem,.. * „ante y.Rit, re 
Re 


few, v. intre..m 3 
D.- Mitpfläden-r 
Mitpinſeln, v. Irtrs. mit,anbern 
Dinfes überfahren, — *5 * 8 Mit vadern Perſonen 
zugleich pinſeln, bepinfeln. Dit anbtka Perſonea — 
——— weinen, — D. Rirpinfetn. D. —ung. ı 
Mitpipen, x. inte en, vy.Äntrs, ' — piadten, 2. tro. 
plagen,.n; ten, X,— plappern,, v. intre. W, trs. blärten, .' 
w.intes. u es; ‚plätten, v. ir⸗. u. intes. —fatzen. 
zir. mit fein w.-Äntes, —plauberh, v. intis.w.tre. Splimbern, 
. —— 4 tus, -rpolftern, v. tr, —poltern, v. mtr. mite ha den 
"unb-feinsu, Intss, planen, v. intrs. Mitte) % we... 
‚mitpoftunet« prägen, v..tee —prablen, #. ihtre.- prafe 
‚feln,-v. mtr. wit. haben: —— y. intes. fi’ Dit, je en. 
D. Mitpipen u D. — 


* vie, mit: an 


O Der Mitprebiger.. 7* ws gl. ber jugtii mit —* —— 
Alt baſondart ‚au 


Wrxbiger intm Drte, ‚ea tin Klee (Cohpestor). 
—— vr —— -piffen,, v. rs. bein, w. 
ler prüfen; notes... pri — gie —* 
‚Bern; mu re Hunter, m nu. 

v. trs. —— ln Di ut He ur —— — 

puſten zu. Ferien; Pe, Ya —quafen;‘ where, 
— wie. Eee u - werlen, „votes. "glerfhen,“ 


* 


v. ien X—quiten, m — Bach en} vi Pr ee 
ernten u. u FE N Mi,” mom. 
Der Brenn * if mit Abt 
er vr, ti mi B 
Gr Miu mit ahnt —* el, „Bit weft 
3: istperfhmmanmnanober lee: NEN, enüu r mit x 
— tärthıret "im —— 


Miträdern; v, —raen, Zu tra 
men, v.intee wütrs, — ranzen, T. inte, * Tin — rav⸗ 
„peln,.w; inte. u.mir, mit haben, ſ. Mit, zu Ende." D. ‚Mich. 


been ac. D. —ung. 
Anbern in — —* 


v.D-ntr, mit,baben „mit 
‚du! — —— A), * ſeln, mit Kubern In Geſniſcaft 
mie a von einem Orte zum andern ſich degedes. D. Mitraſen. 


Mitraspeln, v. trs. u. inte. —raffeln, x, intrs, Hlintr. pi 
sihähen. Semaptben „.merintzs, B. Im. 1 (f. Märchen 
—rauben, v. ae, ir⸗ P Tit, au Upte. — 


pein ꝛc. D. —ung 


v. ODer Miträuber, — MA der zugleich Bir Kader ein Riw 


u be A, mit Kahern vaubet. zanben hilft, „Meifmer. "(W.). 
—— en, inte. u, txa. mit Anbien zugfeld, in Beiehthaft 
abe raugta Rauchen Sie.mit! in, Pfeifen mitrauchtn. 


Aecs mtr. mit babe; kann es audı Debeuten, # Arie antrrn en 

egleich rauchen. Non: mon x, Didi. als Kauc aufkeigen. D. 
"Mitch em .J ı 

Miträucern, v. trs ——— v..trs.'u. dee raumen⸗ Ar⸗ 
aurenr itre. U. intzs. —auſchen, v. ntr. mit haben. 

„u räusperst, vörec. — rechen, v.tre. u, intrs, ſ. Mit, [. One. 
Dr Mitraͤuchttu u. D. —ung ie. 

Mitrenen, v. I) trs. mit andern Dingen zuglelch th Rechnung bein · 
gen, berec neun. Dies int nicht mitgirechnet. If) intrs. mit Anteedgur 
let An Wefelfhaft rechnen, rehnen helfen. D. Mitrehinen. Dun 

Mitreden; w. intra: m, trs, mit Andern zuglech reden, am einem Sa⸗ 
fpeäde Theil nehmen, ſtin Wort bazu ‚geben. Du haft Yin wicht 
mitshrehen, Ein Wörtden im einee Sache mitreden. D. Mitreden. © 

Der Mitrebder,; —s; 3M. 91. in ben; Sreftädten, einer der zuslelch 

: mit bern Mebbre if, mit ihnen am der Kuszüftung eines Schiftts 
deit Hat; aia Schiffefte und. 

Mitteiben; v. atro mstgn, näsimen,y, intrs, u. trs, — reini⸗ 
gen, v. trs. —reifeg,.r. äntrs, reifen, ntr, mit frin v. tr8, 

Aurcatienn. ie Ae ihem · reiten, v..iniri, unsegetm., ff Weiten) 


rt... Jar 


Mitr: 


3127 





du in dt a tz 
mit fein, —teizen, v.trs. reinen, v- imtrd, dhrtgitm. iſ. Ren 
nen) mit fin, —retten, v. trs. n. intre, — richten, v,-intes, 
n. ts. f Dit, ja Spde, D. Mitreiben ed! wg ıcıı 
Der Mitrichter, —#, 9%. ol. der zußtei mit eiuem Andern uber 
etwas richtet, zu gleichet Beit mit einem Andern Riäter if. Auch 
wel ber Weifiger in einem Geridte, 
Mitriehen, v. tra. unzegelm. (f. Rieden), —riffeln, vi tes, —rins 
geln, v. tes, — ringen, v. intes, unregelm: (f. Bingen). —rins 
nen,;v. atx, ungegelm, (f. Rinnen) mit fiin u. Haben, —rigen, 
v. ra, —öcheln, x. inte. —rollen, v. mtr: mit fein 0 Haben, 
8. trs, —röflen, v. tra. —räden, v. inte u; dw. mit: fein, u. 
tr, — übern, r. intrs, —rufen, v. intrs, u'tis. unsegeim. (f. 
Rufen), —ruben, v.utr. mit haben, —rühmen; vw tr. u, intın, 
rühren, v. trs. [. Mit, gu Sade. D. Mitriechen 1a D.-—unb. 
x Ritrumpeln, v. intes, u, ntr. 1) Wit haben, ant andern Pexfos 
men oder Dingen zugleich fumpeln, 
Gethfe erzegen. =) Mit fein, in einem tünipeniben’ Mögen mitfab: 
„zen. &e ik mitgerumprlt. D. Miterittpein, DE 
Mitrümpfen, v. tr, —runzehn, v. Trs. upfen, wi trs. —tbr 
fien, v. txs, m. zoo. F Mit; eat, "Di Mitruͤmpfen wur D. 
‚—ung t% J * F F m tv nimm - rt — 
x Mitsurfchen, v. mtr. u, äntre, tt fein: ay Wit andern Dingen 
aber Perjonen zugfeih wüffhen. ⸗) IM’ bie Miebeigen Gpredart, 
„mit anbeen Perfonen in Grfel une D. Mitrutfhen. v 
Sitrütteln, x. imers. u. tra. [ MET je Gum. ı Di Mitcätteln, 
' AD TUng- H 24 F J en u >: —— 
tfhen, we tra. u. intrn. fe DIE, gi Enhe, Di:@itfien. 


Mitfagen, x. rs. x) Dürd 'einm Meltten ;’einch Cepunben dem 


uud gleichfam mitgicht, einem Aadern fagen. Er Hat 


mom ed ſagt 
bbek darch den Bothen, 


«4 mir mitfogen läffen, mit 
fagem laffen. a) Auf fethe Art jugtel mit Anderens wiflen laſſen. 
Wan laffe es Ifm initſagen, man Tafe es ihm zugleich and fagen. 
D: Mi agent. .. 

5 a v. tie, —Jalgen, v. teil 


irs. 


— v. un & 


—fammeln, v, intzs. u. trs. Ritt, gu Inte, Di Mitfägen ac. 
ıD. ung. ' j ZUBE BE *41 
x Mitſammt, . Mit. ae — 
© Der Mitſatau, ie, 0 ie Stan, WER Benoflt, Gefäpste 


anderer Gatane sher Teufel; ber Mitteufel. 
ae ahndat (at net) ich nie uch, 
den Dibus in mir, — Sonnenberg, 
y. Inter, u. trs, ungegeim. If. Sau ⸗ 


v, intrs, 


— J— udern, 
17 —— ale: mit haben. — ſchaufeln, v. tes. m. 


intrs. —fchauleln, v. nir- mit haben, u. ter, fi Mit, zu Ente, 
D. Mitfäubern ı. D. —ung. 

O Nitihäumen, v. mir. mit haben, zugleih wit Anbern ober Ans 
derem fhdumen; eigentiih und uneigentlih, — und ba will id 
mid) in den entzändeten Schwaden fenten und mitfchäumen wie der 
dende Menſch.“ J. 9- D. Mitſchaͤumen. 


Riäten D. 
i "intra. u. ten. f. Dit, gu Ende D. Mitfchelten. 
ir ai ze —— ¶ · Scheren). D trs.- mit aabera Dinga 
zu gleicher Zeit fAeren; rigentti uad umeigentdiä, II) imtes, mit 
andern Perfonen gemeinfhaftlid ſqheren, ſcheren Helfen, III X res, 
Sid) mitfheren, iM 


5* eben und veraͤchtiich, ſich mit Naben 
1: wenbegetin. — D-, itſcheren. D. —ung. 
Mitfcherzen, *. intre, Aſcheuchen, v. tze. u. 


ein Gerwhpel ) 8. dı -bumpfes 


Reiſenden ac. 


— —ſcheuern, 


wire u, änten ⸗ ſchichten vu tus. —[diden, vr. tr. — ſchie ⸗ 
. ben, w. intes, u. tes. unsegelm, (j, Schieben). —[hieden, vuoln-. 
tre. u. tes auregelian. (fi Schießen). — ſchiffen, ve inses, tr 
—fhildern, v. intra, u. tes, —fdimmeln, v. atr. mit feim. 
wihimpfen, vw. Autra. u. tr. —fchinden, vu tra. ‚unsegelm; 
(Stinden). X —fdiabbern, v. intrs, a. tes. — ſchlachten, v. 
tra; neinirs.. —fchlafen, v.:mtr. umgegelm (f Schlafen) mit har 
‚benzf. Dit, zu Gabe. D. Mitfcherzen 1, D. —ung. — 
Der Mitfeläfer, — 9. gL.3 (R.) die —inm zB —en, eine 
Perſon melde mit: einer audern in Ginem Zimmer ober in ‚Eins, 
Bette fäft;. in’ engertr: Bebentung ;. eine Perſon welche der andere 


beiſchaaftꝛ ein Beifchhäfer „ eine Meifhiäferinn- -- ‚ 
tDer Mitſchlagbug, —ı6, 9 * —* 
Mitfhlagen, v. trs.u. intro unregelm. (f. Schlagen). X —ihlam: 


pampen, v. intes,, X —[hlampenp, vn inte, u. axs. Mi 
Eabe. D. Mitſchlagen * D. —ung nr 2 an 2 
Witſchlaͤngeln om, utr. u Aiten,- mit fein malt. Andern aber Kae 
ze ih’ in fdlängelnder The bewegen. : , : 55 
— Mildjöger vom Raulafug treiben; hr, 
sc enberthiere die Stra' derod, mitſchlaͤ ein ‚Streifzug: 
ö D: Misfchlängelm. —RW * Bonnenbazg. 
Miiſchlappen, vw. inte, m tra. —fchleiden, v. äntws. unzeggim. 
— pen ern mit fein, f. Mit, zu Ende, D. Mitſchlappen ae. 
nd Be ms u ..gpp Tepe recht 
12. Mitfchleifenr ,» w; sem) 3) Bugkih mit. andern Dingen . 
'Söleiferführen. 2) Dugleich mit aubern Dingen, ſchleilen, dem ed · 
Soden gteih-mahen. D. Mitſchleifen. D. — ung · 
#, Mitſchleifen, v. to. unregtim. (fr Schleifen), mit aubern Din: 
zemeie fgteifen,-d. d. fhanf, ‚blank maqhen. D. Mitſchleiſen. 
— ung . 
Mitſchltiß en, v. intrs, u..zra, unpegeim, (f. Schleifen). ſchlem⸗ 
men, v intes, wtrs, — ſchlendern, v. un mit fein. ⸗ſchlen · 
—— v. arm u. tr. —— r..trs, u. intrs, 
ern, wiinten iu, tes, fließen, wointes,u, tra. ungegelm. 
‚4 Schließen): —fhlingen, v. tra. unzegeim. (f. Solingen" 
—fchluchzen, v. intrs, —ſchiucken, v. intra. u. tze. — ſchlum⸗ 
mern, ır. inte, mit haben, —ſchluͤpfen, w. intrs. u. tra, mit, 
sn fdplürfen, v. ars. [hraachten, v, mix. mit haben. hd 
ben, v. trs. —fchmanden, v. intra. u, ers. —fchmaufen, v. in- 
traruiten — ſchmelzen, vo ntn unsegelm. (f. Schmelzen) 
fein, u. trs, zegelm, —ſchmerzen, v. mtr. mit haben, a 7 
ben, v; tr7.-. intra —ſchmieren, vw ten u. intes, — ſchmin⸗ 


ei ten, vr. tra m fl len, v.untewmit haben. —ſchmoren, .v,.atr. 


. it haben, u. tu —jpmüden, v. tec. — ſchnallen, v. ter. 
„ fhnappen, v. intes. ⸗ſchuappſen, v. intes, u.try, —[duar« 
ben, v. ntr. mit haben. — ſchnattern, v. intra. u. tu. — ſchnei⸗ 
ben ‚vr. ten ungegeim. (f Schneiben)., —iönellen, v. ntr. mit 
fein; n. tes. —ſchnitzen, v. ts. —[huüffeln, v. intre. —f&nup« 
fen, v. intre. u. ters. —fbnüren, v. tes. —ſchnurten, v. mtr. 
» mit haben, auch X v. intze. u.tes, —fhrauben, v. trs. — ſchrei⸗ 
.bem, v. inte. u. tes. unzegelm, (f. Schreiben)... — ſchreien, v. 
Aatra. u. tes. ungegelm. (f. Säpreien) mit, haben. —fchreiten, v. 
intrs. unregelm. (f. Schreiten) mit fein. — ſchroͤpfen, v. tre. 
—fhroten, voten ſ. Mit, gu Ende. D. Mitfcleifen ıc ». 


ung *t. 12* * 
O Die Ritiöwd, @y. —en, eine Sqhuld, ein Vergehen, m 
jemand zugleich mit einem Anden auf ih ladet. „Die * * 
endlich — beſchlich er mit ben — — — eiſernen Ketten *8 
ſchuid. Benzel⸗-GSternau. BE WE 
—— —— — — ober ung Ko Kndern eines 
gemein ena [hulbig. Beine Mitſchuldigen angeben. 
Dir Mitſchuldner, —6, 9. gl; die Inn „. — a Pra: 
fon, meige anmeinfäaftiic mit.rinsg, anbern stwas (duibig if. 


Mitſ. 


Der Miiſchuͤler, —s, m. 9; bie —inn, Di. —en. eine Perfan, 
welqhe uslelch mit 3 andern dri bamfeihgn Keiner Edäler, Chir 
ee it, mid ihe diefelbe Schule befucht, 
itfi een, v. intes-wuprz. Ko-jshuppen, vates. u. intrs, ⸗ſchuͤp⸗ 
BER u. intrs, —ES —fpätteln, tr. — ſchůt⸗ 
ien, irs. —ſchuͤtzen, v. tx. —ſchwaͤchen, v. ir. · — ſchwan⸗ 
„fen, u mir, mit, haben, u. intrs. mit ſein. —[dwären, v. ntr. 


uaregeipidh Schwiren). —fchwärmen, v. intry, ‚zridmärzen, 
v. trs. — ſchwatzen, v. * u. tr⸗ Achweben, v, ntr, mit 
„haben. .— *5 v. i —[hweigen u * unregeim, (f. 
 Siweigen möt.hapen.. — ſch vi —ſchwemman, 

— —— . Dufan 
tem. D. — ug. * 

Die Mitſchweſter, * — , ſ. Mituder. 

—— v. intrs, unrtgelm. (f. Schwimmen). —ſchwin⸗ 
„gen, v. trs. u. rec, ungegelm. (f. Schwingen). —ſchwirren .r. 


„atz,;amit haben u, feia. — ſchwihen, vıntr. mit haben. —idwören, 
v. intes, u. fra, ungegelm.-(f. Schivören). —fegelm, v. nr. u. 
‚ansrs, mit fein, ‚—jehen, ©, intrs, u. trs, ungegelm..(f. Sehen), 
—fehnen, v.rec. X— ſeichen, vw intrs. —*** v. trs, — ſei⸗ 
‚ben, v.tr4.f. Mit, u -Ende, D. Mitſchwimmen ıc. D. —ung. 

—8 — v. nir. unregelm. (ſ. Sein) mit fein, mit, einem andern 
‚Dinge —* fein, vorhanden fein (coöxistiren). Im gemeinen 
*8* häufig auch für mitgegangen, mitgereiſet, mitgefahren ic. fein, 

DMitfein. 
ee v. tes, unzegelm. (f. Senden). —feben, v. tes. 

„—fenfjen, v. intrs,. —fieben, v. trs.. —fiehen, v. ntr. mit 
baben, —fi eden, v. ntr. mit haben, u, tra. unergelm. (f. Sieden). 
—fiegeln, v. trs. u. intrs, —fiegen, v. intes, f. Mit, zu Ende. 
D. Mitfenden ic. D. —ung. 

© Der Mitfieger, —s, Rp. gl; bie im, 4. —en, eine Pers 
fon, die zugleih, in Geſellſchaft mit einer andern einen Sieg erzuns 
. gen hat. 

Kehrte bann feet Mitfiegerinn, heim, ‚auf bie Häusliche Infel. 
Gonnenberg. 

Mitfingen, v. intrs, u. trs, unregelm. (f. Singen). —finten, * 
ntr. unzegelm, 4f. Sinken) mit fein. —finnen, v. intrs, unregelm. 
4. Sinnen)... —ſitzen, v. ntr. untegelm. (f. Sigen) mit haben, 

uk Mitggn Ende. D. Mitfingen ıc. D. —ung., 

x Mitfollen, v. mtr. mit haben, mitzehen, mitfahren, mitreifen ıc. 
foen. Id ſollte mit, hatte aber Feine Luft. D. Mitſollen. 

Mitfonnen, v. trs. —forgen, v. ntr. mit haben, f. Mit, zu Ente. 
». Mitfonnen it. Di —ung. 

+ Der Mitfoviel, ohne Umenb, u. =. der Buchtiak ober Ksthfint. 

Mitfpalten, v. trs, —fpannen, w trs, —fparen, v. tru u, in« 
trs. —fpaßen, v. intrs. —fpeien, v. intes. —fpeifen, v. intes. 
‚Me tes, —fpenben, v.trs. u, intes, —fpiden, v. tx, ſ. Dit; 
zu Ende, D. Mitfpaften ı. .D. —ung. 

Mitfpielen „x. D intes, 1) Mit andren Perfonen gemeinfsaftlig 

„ fpielen , ifmen im &pielen Geſellſchaft Leiten. Wollen Sie nigt mits 
fpielen? 2) X_@inem mitfpielen, ihm auf gewiſſe Art begegnen, 

‚Ihn Auf gewiffe-Xrt behandeln; befonbers in fhlimmer Sedeutung. 

Cinem übel. mitfpielen... „Wie hat er mir darauf mitgefpielet?* 
Bellert, ‚‚Al) trs. mit Andern gemeinſchaftlich sage Ein Spiel 
mitfpieten. — D. Mitſpielen. D. —ung. 

Der Mitfpieler, —s, - al; bie —inn Mi —en, eine Yerfom, 
weiche mit Andern gemeinfhaftli fpielat, 3. 8. ein Epiel, ein Zone 
ſtac, auf der Schaubaͤhne. „Richt weil Ihre Mitſpielet vortreffe 
ud, "fondern weil fie. gut find" x. Got he. 4 

Mitfpießen, v. tr. —fpinnen, v. intrs.u.trs, ungegelm. (f. Spins 
nen).. —fpiben, v. trs. —fpötteln und —fpotten, v. intrs, 
. —fprechen, v. intrs. u. tra, unsegelm. (f, un: f Di 
wu Ende, D. Mitfpießen ac. D, —ung. j 


Gampı'4 Mörterb. 3. Th. — 


313 


Mitſt 


Mitfprengen, veT) tes, a1) Mit Anderen aber Auderem zu gleicher 
Beit fprengen, bıfprengen, a) Mit Audern cder Anderem zugleich 
ſpreagea, ateſprengen, in die Luſt fpremgen,, IE) intrs, mit ſein, 
in Gefetfhaft mit Andern im geöpten Saqunelllauf zeiten. — » 
Mitfprengm. D. —ung. 

Mitſpringen, v. unzegelm. (ſ. Springen), I) intrs. ı) mit Jaben, 
wit andern Perſonen in GeſeUſchaft fpeingen,. Gprünge machen. 
B), Mit, fein, mit Andern sugleih fpriegend fih entfernum. - IL) mtr. 
mit fein, mit andern Dingen zuglelh fpringen, mie aud) eigen 
@prung ober Spränge befommen. — D, Mitfpringen. ., 

Mitfprigen, v. intrs. a.trs, — ſprudeln, w.ntr. mit haben. uk 
* ntr. mit haben, u. trs. —[puden; v. intrs. + —fgulen,v.trs. 
‚4. intrs, —fpüren, v. intes,.w. trs, f. Mit, zu Gabe.- D, Mit: 
fprigen x. D. —ung, 

O Der Mitſtaat, —es, 29. —en, eim zuglei mit und neben andern 
Staaten heſtedender Staat, ein gleichzeitiger Staat, Sie (bie Rufs 
„ de Regierung) Habe, ihre Mitſtaaten auf die ſchrecuchen Folgen 
"night aufsierffam gemadte it. Ruffifhe.Rote. 

Mitftäbehn, v. I) srs,. mit Kndern zugleich, Räbeln, mit @täsen ver 
‚ Sehen. , u) Offintrs. ‚mit Anberm zugleich fäbein ober flaben, bie 
" Budflaben herſagen (mitbuchstabiren). D, Muniben,D-—ung. 

Mitſtacheln, v. trs, — ſtallen, v. intes.. —ffammeln, v. intrs. ı. 
ie⸗· flampfen, v. tr. u. intrs, ſ. Mit, zu Ende, D. Mits 
Radeln ı. D. —ung 

Der Mitftand, —es, * —ftände, ein Staub, ber zugleich mit 
anbern Stand eines Keiches oder Spa, if. „Ihre Mitflände des 
Reihe." Haltaus. (R.) 

Dikln eln,.v, trs. x—fäntern, v.intes, X-Raveln, v.jnige. 

Bu Mr fen, xy. intrs. — ärten, v. tm, —fläuben, v. trs. 
ee v. ntr. mit haben, —fläupen, v. tra. — ſtechen, vr. 
trs, ungegelm. (f. Stehen). —fleden, v. tra. —fiehen, v. ner. 
unzegelm. (f. Stehen) mit haben, au mit fein. —fteblen; v. in- 
trs. u. tes. uneegelm. (f. Stehlen). —fleifen, v. tes, —fleigen, 
v. intes, unregelm. (f. Steigen) mit fein. — ſteigern, r. trs. 

‚ —feinigen, v.trs. —flellen, v.trs. —flempeln, v.tirs. —flers 
ben,.v. ntr. unzegelm. (f. Streben) mit fein, — ſteuern, v. in- 
ers, U ntr, mit fein. —flihheln, v. intrs, u. tes, —fliden, v. 
intzs, u. trs, —fliften, v. tes, T. Mit, zu Ende. D. Mitſtaͤn⸗ 
sein. D. —ung. 

Der Mitftifter, — , 94. gl; die —inn, m. —en, eine Perfon, 
hie mit einer anbırn gemelnſchafttich etwas ſtiftet, eine gemeiniafts 
lie Stiftung madt. 

Mitfiimmen, (R).v, I) intzs, mit andern Perfonen zugleich flimmen, 
feine Stimme geben. II) tes. mit andern Dingen zugleid flimmen, 
bie zehte Stimmung ‚geben. III) Kntr. mit haben, gleichfam 
feine Stimme mit hören laſſen, zu gleier Beit hörbar fein, mitlaur 
ten. o⸗ nannte man bie Mitiaute ehrmapis mitſti mme ade Buq· 
Raben. — D. Mitſtimman. D.,—ung, (R.) .- - 

Mitfiinten, v. ntr. unzegeim. (f. Stinten). —ftochern, v. intrs. 
—fioden, v. ntr. mit er: —flöhnen, v. intrs. —flolpern, 
v. ntr. mit haben., O —folzen, v. intra. —ftopfen, v. trs. 
—foppeln, v.trs. — ſtoͤren, v, iatrs. u. tes, —ſioßen, v. trs. 
u. intrs, ungegelm. (f. Stoßen). —flottern, v. intrse. —ftrafen, 
v. tes, —ffranden, v. ntr. mit fein. Araucheln, v. atr, mih 

‚haben. — ſtreben, v. äntrs, —fIreden, v. trs. —ſtreichen, v. 
ix⸗. u. intra. ungegelm. (f. Streihen)s —flreifen, ‚ve trs. u. in- 
„tra, —— v. intrs, u. trs. ungegelm. (f. Streiten), [. Mit, 
zu Ende. D. Mitftinken ꝛc. D. —ung. 

Der Mitfreiter, —, 4 gl; [R.) die. —inn, 2. —en, eine 
Perfn welche mit einer ober mehrern andern in Geſellſchaft, gemein: 
ſchaftlich reitet, am bemfelben Streite Theil nimmt. 

Mitfiriden, v. intrs,u.trs. —firiegeln, v. trs. —frömen, v. utr. 

mit habın. —firudelg, v.ntr, mit haben. —ftücfeln ya» —füden, 


40 


Mitt 


v. trs. — ſtuͤmpern, v. intrs. ſ. Mit, zu@ibe: D. Mitſtricken ic. 
D. —ung. . 

Mitftürmen, v. I) ntr. mit haben, mit Anderen zugleich fürmen, fürs 
mild fein. Al) intrs, mit andern Perfonen In Befekfhaft ftürmen, 
d. bh. mit großer Heftigkeit und Ausgelaffenheit fi betragen, etwas 
tun. 5 

O bu Trauter — der mitſtuͤrmt zu dem Orgten ber Natur. Bof. 
111) trs. mit andern Perfonen gemeinfhafttiit türmen, mit Sturm 
" angreifen oder einnehmen. — D. Mitflürmen. D. —ung. 

Mitflürzen, v. ntr, mit fein, u. trs, —flußen, v. ntr. mit haben. 
— ffuͤhen, vi tes, —fuhen, v. inte, a. tr. —fummen u. 
—fumfen, v. ntr. mit haben, u. intes. —fünbigen, v. intrs, 
—tadeln, v. tr. —tafeln, v. intrs. —täfeln, v. tes. f. 
zu Ende. D. Mitflärzen x. D. —ung. 

Der Mittag, —es, 4. —e. 1) Die Witte bes Tages, bieienige 
Seit, in welcher die Sonne ihren hoͤchſten Stand üder dem Grefihts 
Eeeife hatz bie Mittagäzeit.. Es iſt fhom Mittag." 3u Mittage 
efen, Mittag maden, zu Mittag effen umb dazu mit ber Arbeit 
eine Stunde ober länger inne halten, Ginen auf den Mittag zu 
ſich bitten, zum Mittagseffen, Da bei uns bie imwölfte Stunde von 
‚Mitternaht an gerechnet, im bie Mitte des Tages fällt, in melder 
gewoͤhnlich bie Hauptmahlzeit gemoffen wird, fo verficht man unter 
Mittag auch Häufig die zmölfte Stunde ober vielmehr den wWrädtn- 
ſchlag zwölf. 6 geht auf Mittag, ober es wird bald Mittag fein, 
es wirb bald zwölf pe fein. Im meitener Bebeutung ift man mod 
zu Mittage, wenn bies auch exft mehrere Stunden nad dem eigent: 
Then Mittage geſchleht, fofeen nämlich von ber Hauptmaplzeit bie 
Bede it, wilde vo bin Meiften zu Mittag, d. h. um 182 Udr, eins 
drnommen wird. Bildlich bei ben Dichtern, das männlide Alter, 

welches bei’denfelben aud nad einem anbeen Vergleihe ber Som⸗ 
mer, unb wenn von bem fpätern männliden Alter bie Rebe if, ber 
OHerbſt genannt wird. “ 
Mein Mittag ift dahin, ber ohmgefäge die Wage 
Des kurzen Lebens hielt, Ganip. 
a) Diejenige Gegend am Himmel, in welcher man bie Tonne zu 
Mittage fiehet, welche ber Mitternacht entgenengefegt iſt, und welche 
man zur sehten Hand hat, wenn man bas Weficht gegen Morgen ober 
Aufgang der Gonne richtet, die Mittagegegend; ohne Wehrzadl. 
Aug der Süden. Gegen Mittag gelegen fein, wohnen:e. Dre Wind 
Ummt von Mittag, im gemeinen Leben aud wol aus Mittag. — 
Dies Wort iſt wie Mitternacht gebildet und lautete ehemahis Mit: 
tentag, worand man Mittag gemaht hat, weiches eigentiih Mitt 
tan gefärieben werben müßte. &, Mittel, zu Ente, Faſt bei allen 
mit Mittag zufammengefegten Wörtern iſt bem Worte Mittag ein 
s angehängt. Beſſer würbe dies weggewotfen werben, ba ähnliche, 
mit Abend und Morgen zufammenge'sgte Wörter dein ſolches 8 Haben, 

O Mittagen, v. ntr. mit haben, Mittag werben. Es mittaget. In 
folgender Etelle wirb es von ber Sonne gebraucht, melde, indem fle 
gleiäfam einen Wittag ober halben Tag alt wirb, d. h. in ihrem 
Iheinsaren Laufe den Höchften Punkt erreicht hat, Mittag maht: 

Sählummer kam herab auf ben Mädenz bie morgende Bonne 
Cab ihn noch ruhn, mittagte, und wet" ihn jego vom Schlaf 
D Mittagen. auf, Sonnenberg. 

Mittigig und Mittäglich, adj. u. adv. 1) Mittägig, sur Beit des 
Diittages feiend, hefchchend. Die mittägige Stunde, die Mittages 
Rande. Die mittägige Mahlzeit, die Mittagsmahizeit. Cine mit 
taͤgliche Maflzeit wird in demſelben Verſtande gebraudt, bedeutet 
abre aud eine Mahlzeit, welche berienigen bie gu Mittage ringe⸗ 
nommen wird, der Harptmahizeit, ähnlich if. =) Mittäglih, (1) 
Gegen Mittag liegend. Dir mittäglichen ®änder, In der mittäge 
lichen Gegend, (2) Was alle Mittage geſchieht. Mittägrich effen, 
ins Speifchhud geben. 

Mittags, air. am Mittage, zu Mittage. Er kam gerade Mittags 


t, 


\ 


314 


Mittagsg 


an, uarlcqhtig fügt man bes Mittags, indem man Mittag6 ſür den 
zweiten Bau Hält, da es doch ein aus Mittag durch Andaͤngung des 
% gebilbetes Umflandiwort if, j * 

Die Mittagsblume, ig — n, "dee Rame Hes zahlreichen Pflanzen⸗ 
oeſchlechtes, weiches ſich durch felme dicen, ſonderbar geſtalteten Blät- 
ter, bie in ihrer Form fehr verſchieden find, auszeiänet. Die Blu: 
men beffeiben find fhön und Affen ih meift Mittags; baher ber 
Rame (Fiocides, Mesembryanthemum L.). Bas @isfraut (Me- 
sembryanthemucm erystallinum EL’) ift eine Art davon. 

Das Mittagsbrot, —es, 3. u. Abrrhaupt hasjentge, was man zu 
Mittag ipt, doch aur von Einer und einer einfachen Epeife, bei bee 
Überdies auch mer bad West die Hauptfahe if. S. Mittägseffen 
und Mittagsmahl. 4 

Das Mittagseffen, —6, MN gt. 1) Dasjenige Effen, weldes man 
am Miktage zu ih nimmt, umd weldes aus mehrern Gerichten ber 
ſteden Yan; wie auch, der Genuß dieſes Eſſens; auch die Mittags: 
mahtzeit. 2)Ein Effen, eine Speife, welche man gewöhnlicher am 
Mittage als zu anderer Brit, 3. B. Abends, genießt, 

Die Mittagsflähe, 9. —n. 1) Eine jede gegen Mittag gelegene 
ober gerichtete Fläde. 2) Im ber Sternkande, eine Flaͤche oder 
Gore, melde durch die Mittagsgegend gehtt, ober buch die Schritels 
linie und die Melt» ober Himmelsadfe (Planum meridiani), Sie 
ſtehet auf der Cbene des Geſichtekrelſes und bes Gleichers ſenkrecht, 

und jeber Punkt bee Himmelskugel muß bei ber ſcheinbaren Umbre, 
bung derſelben um ihre Achſe täglich einmahl bem Scheitelpunkte am 
nädften komimen, wenn er fih in biefee Ebene befindet, : 

Der Mittagsgang, —es, 3. —gänge. 1) Ein Bang, den man 
sa Mittage, vor ober nah dem Gifen made, =) Im Bergbaue, 
ein Gang, ber feine Richtung gegen Mittag nimmt, ober zwiſchen 
der zwoͤlften unb dritten Stunde ſtreichet. 

Der Mittagdgaft, —es, 2. —gäfte, ein Gaft, der bei jemand 
zu Mittage fpeifet, 

Das Mittagdgebet, —es, By. —, ein Gebet am Mittage vor 
ober mach bee Mahlzeit zu beten oder gebetet; gewöhnlicher Tiſch⸗ 
gebet, welches aber ein allgemeinerer Ausdruck iſt. 

& Das Mittagegefilde, —6, 9. gl. ein gegen Mittag Hegenbes, 
oder aud) ein vom der Mittagsfonne beleuchtete: @efilbe. 

Die Mittagögegend, 2. —en. 1) Diefenige Meit: ober Himmelds 
gegend, mo wir auf ber nörblihen Halbfugel der Erbe Wohnenden 
die Sonne in ihrer täglichen ſcheiabaren Bewegung als auf ihrem 
hochſten Standpunkte über dem Gefihtskreife erbiiden, bie Suͤd⸗ 
gegend; ohne Mehrzahl, Genauer genommen, bie Gegend des Hims 
mels rm ben Mittagspunft herum, 2) Eine mad biefer Bimmelds 
gegend zu gelegene Gegend auf ber Erbe. 

Das Mittagsgeläut, — es, Dy. m. das Weldut oder kaͤuten ber 
Glorten zu Mittage, 

Der Mittagsgifang, —es, 9. —gefinge, ein Befarg um Mits 
tage, nad dem Mittagseffen zu fingen ober gefungen; gemähnlidher 
ein Mittagelieb, befonders wenn es ein kirchlicher Gefang iſt. 

Die Mitragögefellfchaft, Sz. —m, eine Sefellfhaft, mit welder 
man zu Mittage fpeifet; weniger beftimmt, die Tiſchgeſellſchaft. 
Die Mittagsglode, By. —n, eime Bode, melde zu Mittage ges 
läutet wieb; befonbers eine Glode, fofern fie bie Mittagsftunde am 
yeigt, zrodif upe fhlägt, in welcher Bedeutung bie Mehrzahl nicht 
gemöhntih if. 

A Die Mittagsglut, 9. —n, die Glut oder große Hige zur Mittagds 
zeit, wo die Sonne am hoͤchſten ſtehet. 

— — ber feurige leuchtende lumpen 
Stand in der Mittagsglut hoch aͤber dem Meere bes Tobes. 
Klopkod. 

Dann überhaupt eine glähenbe Giger, meil bie Hige zur Mittansreit 

am größten iſt; auch bie Mittagshitze, doh von einem g’eingerm 

Grabe. In Mittageglut, die biefe Raten fengt, Coltlu. 


P 


17: 


O Mutagshell, adj. u, mdr.:fo hell wie am —*— „ee lamun 
Die Mittagshoͤhe, my. m, in der Sternkunde, die ſenige Höhe 


Mittagsh 


Acdqhlung ſucht ic, bekänbig In Mittagegluten zum dabſal. Bio f. 
‚© Dir. Nittagebimmel, — sb, 0. * der Omas über und, wo 
-bie Soume zu. Dittage ſtedet. 
: ‚Wann bie Sonne nunmehr an bem Mittagsyimmet —*— 
Bob. 
- Dann und wi, die Gegend bes Himmels na bee: EN 
hin. Am Mittags himmel ieg ein-Bemwitter auf, 
‚Die Mittagshige, 0:0. f. Mittagsgtut. 


aben am dem mittagsbellen Häuschen an." UP. Richter. 


ber Sonne ober ter Sterne, bie fie: zur Mittagezeit erreichet „ı wenn 
fie im jprer ſqeinbaren täglichen Bewegung in hen Mittagskreis gets 
kommmen ſind (Altitado wreridiana)... .. 
. Schen verkürzte tie Bonn’ aus der Mittadahöte bie Schatten, Bof, 
Sterne, rerlche dei und nicht untergihen , treten täglihigmeimahl im 
den Mittagäfzeis, wo fie bann bas eine Mahl ihre-größte, das ans 
dere Mahl ihre kleinſte Häse. erreichen. Spricht man in ſelchem 
Falle von den. Mittagshähe ſqlegtdin / vroftcht nam darruter 
bie größte Höhe. 
Der Mittagsimbiß, —ffet, m. iM, * Im diß zur Mittagszeit, 


entweder anflast bes eigentlichen Mittagseflens genommen, ober im. 


‚bex -Bebeutung ſaͤr Mittagseffen gedraucht. — sunarts ich 
Dich zum Mittagsimbiß.e Waͤcht er. 


O Die Mittagsklarheit, o. 2. bie æa⸗ Her. am Mittage; 


denn, die höhe Kisrpeit, 
huldigt ex in — Mittagsklarkeit 
Dem Binigen Befep dar Liebe und der Wahrheit ?— ungen. (R.). 
‚Die Mittagstofl, e. MM. bie Ref, ar. die Belöftigung 
am oder zu Mittage, 
Der Mittagsékreis, — es, =. —t, in der Eteratunde und Erdbe⸗ 
ſchreibung, rin größter Krris am ber ſcheinbaren Hicamelakugel, oder 


— — 


über bie Erdlugel in Bebanken gezogen, welcher buch bie heiben : 


Pole unb ben. Bheitelpuntt gehet; aud der Mittagszirkel (Me- 
ridian); Unter dem Mittagekreife eines Detes auf der Erde vers 
ſteht man gewöhnlich nur diejenige Hälfte diefes größten Kreifes, 
welde von reinem Pole zum anbern bush jentn Dirt, b. h. ben 
Sheltelpunkt beffeiben gehet und ben Sieicher unter rehten Winkeln 
durchſchneidet. Ale Orte zwiſchen beiden Polen, bie unter einem 
und bemfelben folden Dittogstreife liegen, haben zu berfelben Beit 
Mittag und gleiche Bänge. - Erſter Mittagskrels Heißt derjenige, 
welcher durch einen beliebigen Punkt bes Sleichers gezogen und ale 
der erfie von allen, von weihem man bie @rabe ber Eänge zu zaͤh⸗ 
len anfängt, detrachtet wird, Gewöhntich wird ber buch bem weſt⸗ 
lihften Ort ber Kanariſchen Inſeln, durch die Infel Berzo gezogene 
Mittazeketis nämlih, als ber erfle angenommen, 

Die Mittagstüfle, 9. —n, bie gegen Mittag oder Süden liegende 
X 


ſte. 
‚Das Mittagdland, —es, 3. — laͤnder, ein gegen Mittag Liegen: 


bes Sand, beſenders ein foldes Land von Europa aus betrachtet; 
bas Suͤbland 

Der Mittagäländer, — 
landes, gewöhnlicher ber 


2. gl. der Bewohner eines Mittags 
&dländer. 


Mittagslaͤndiſch, adj. u, adv. zu einem Mittagslante gehörig, bar 


ſelbſ einpeimifh, aus bemfelben kommend; gemöhnlider und beffer 
fuͤdlaͤn diſch. 

Das Mittagslicht, —eb, o. =. bas helle Zatzeelicht. Kramers 
Death Ital. Web. 

Das Mittagslied, —es, 9. — er, ſ. Mittagsaefang. 

Die Mitragölinie, y. —n, in der Sterakunde, die Duräfhnittes 
linie ber Mittagoflaͤche mit ber Fläche des GBefihtofreifes (Linea 


meridiene). 


Die Mitiagöluft, My. wo die aus Mittag obere aus ber Mittagts 


‚315 


Mittagsſ 


gegend tommtnbe, d. Hi van dieſer Begenb her in Bewezung adfehde 

‚Lift; wie auch, eine jur Mittagszeit wehende-Buft. . RE daben 
deut Mittagsiuft. Wine ſolche ark iehenide Luft Heift Mittags: 
‚wind, Süpwind. : 3mmeilen verſtedt mon unter Dittagstuft pn 
wol eine warme ſchwuͤle Luft. 

Dos Mittagsmahl, —es, 3: —e, ter X —möhter; in Mahl, 

— d. d. eine feierliche mit Mannichfaltigkeit, Üserfluß aeg Gpeifen und 

Betxroaoͤnke verdandent Mahljeit zu Mittage; 

Gr darf mit feiner Zeit nad Wigfähe (halten * 
Und nux beim Mittagsmahl fe ſeh'n und unterhalten. Bärbe. 

AIn der Höhen Schrelbart überhaupt au von der Mittagsmahljeit. 
‘I will im meinene Bäfteen Sqatten füpe Iruchte zum Mittagse 
mahl bie auftifhen." Wepmer, 

Die Mittagämablzeit, 2. —en, -biejenige Mahlzeit, welche man 
Mittags zu fh aimmt, mie auf die Speiſen, abs welchen fie de⸗ 
Repet. Im gemeinen Leben auch das Mittagseſſen, Mittagehret, 
in. ker böhem Schreibart das Ritagemaht; * bei'WBonnehmen 

die Mittags taftl. 

Die Mittagsmilch, 0.9. diejenige With, — * wo bie nähe 

1. täglich derimahl gemolken mwirben, zu Mitfäge gemolden wich, - 

Die Mittagsnetke, my. —n, eine Krk Nelken im wehltihen Afien 
and in bee Türkei, deren Blumen fih am Mittag öffuen | u Abends 

witder [hlisfen (Dianthus pomeridianes L.). 

Der Mittagöpol, —es, : u. der uns nad Mittag: gelegene Pol; 
gewöhntider der Sübpol. Mienn von dem Mittagkpole ber Hims 
meld: und der Erdtugel zugieid die Rede if, Tann aud bit Depu 

zahl gebraucht werben, 

-Der Mittagdprebiger, —6, 4 ol. einssPrebiger, wein bie 
Wilttagrpredigten von Amts wegen hält . 

Die Mittagöprebigt, 2 —ım, eine Predigt, welde Bonntags 
jur Mittagszeit gefalten wird; zum Umtesfhiebe von einer Frühe . 
Petit, Vormittagsprebigt oder Amtspredigt, und Madmittags« 
Predigt, 

Der Mittagspuntt, —es, 34. u. in ber Sternkund⸗ ber Dur qh ſchaitis 
punkt bes Mittagskrelſes mit dem Geſichtekreſſe nad ber Wittäge- 
felte Hin; der Suͤdpunkt, bei den Schiffen der Suͤden (Meridien), 

O Der Mittagdraum , —eb, 94. u. berjenige Raum eder Theil 
bes Raumes, . welden bie Sonne am Mittoge einnimmt und fein 
bar burhläuft. 

Über den Mittagsraum war fon bas Commengefpann hin. Bof. 

Die Mittagörube, o. 94. die Auhe oder der Schlaf, melden mar 
fi nah der Mittagewahlzeit Aberläßt ; im gemeinen Erben ber 
Mittagsfchlaf. Mittagseuhe halten. 

+ Die Mittagsſchicht, My. —en, bei-brn Serqleuten, bielinige 
Schicht, wilde von Mittag ober ı= Uhr am bis Abends um 8 Uhr dauert. 

+ Der Mittagsfchichter, —6,, Diygl. bei den Bergleuten, ein Berg 
mann ber bie Mittagaſchicht gäut. 

Der Mittagsfchlaf, —es, o. 4 f. Mittageruhe. Im gemeinen 
Sehen gebraucht man bavon gewöhnlich das Verkleinungewert, weil 
ein ſolcher Schlaf nicht lange zu bauen pflegt. Ein Mittageſchlaͤf⸗ 
en maden. 

Der Mittageihlummer, —s, 9. u. ein Leiter Purger Mittageſchtaf. 

Der Mittagsfhmans, — es, 9. —fhmdufe, ein Echmang, der 
zu Mittage gegeben wirb, 

Die Mittagsfeite, 9. —n, bie mittäglige ober gegen Mittag him 
Tiegende ober gerichtete Seite eines Dinges; die Suͤbſeite. 

Die Mittagsfonne, o. 2%. bie Sonne zur Mittagezeit, wo fit am 
höchlten über dem Seſſchtekrelſe ſtehet umb am heißeflen ſcheint. 
„Komm unter mein fhattizes Dad, benn bie Mittagtfonne brennt 
fhon.“ Beßner. Klein die Mittagafonne Hit, Wr. 
ft auf der Schein ber Sonne jur Mittagszeit Gin Zimmer hat 
die Mittagefonne, wenn es gegen Mittag liegt und bie en. ger 
gen Mittag bineinfheinet, 


Mittagsf 


Die Mittagöfpeife By —n, eine Speiſe, welche man am gewähn, .' 
Derfeibe patıaud Mittäger < 


a. Der -Mittagsfirchl et, A un ber Strahl, bu $.: der .' 


Aichſten zu ‚Mittage,ißt, Stieler 
fuppes, wine folde Suppe. . 


warme Schein der Mittagsfonne; gewoͤhalich nur in ber Einzahl 
v umd im der Höhen SBchreibart, mo es auch Überhaupt‘ für aroße 
Dipe.gehraudt wird, Was iſts (hr Mähe und Gklavenarbeit, ber 
Aderbau, das Durdwäplender: Erde unter dem brennenden Mit» 

tagsfteahte.* Dexter, 'Mnb;wo:bem Mittagsftrahl - > 
@in Pappelwaͤlbchen wihrt. Böthe, 


Die Mittagsfiunde, Di —n, die Stunde bes. Mittags; die Stunde 
„don zwölf bissin Uhr, ‚Im weiterer Bebentung werben auch biefe ' 


und die naͤchſt vorhergeenbe und barauf folgende Stunde — 
r (genommen die Mittags ſtunden genannt. 
Die —— my —n, f. Mittagsmahheit. 
‚x. Der Mittagöftern, —es, Wp u.\bie Sonne...“ 

Dang aſchleſft und ſchaarcht er (dee Betzunkene) wie ein ein 
Bis daß ber Mittagsftern erſchein. 6. Sad M. 9 
Der Mittagsibau, —ıb; Mm nah 26. ein Ahau, 'welder um » 
die Mittagszeit, fallen fol, bergleihen wie.bei uns nicht teanen ; 

zum Untesihiede vom Morgen: und Abendthau. 


Der -Mittagötifch, —s, By.—e, die gewöhnliche Mittagsmaptzeit. 
Den Mittagstifch bei jemand Haben, bei.ipm gewöhnlich zu Mittage 


Aorifen.: Die Mittagstifch koſtet im biefem Sprifehaufe woöͤchentlich 
‚am Thaler. , Minen Mittagstifh hatten, zu Mittage. Andere für 
»;&helb fpeifen. „Im engerer Bedeutung gebrqucht man es im gemeinen 

Leben von Freitiſchen, freien Mahlzeiten zu Deittage.. Geine Mit: 

tagstiſche vallıpaben, die ganze Wode hindurch freie Mittagemafls 
seiten, bald bei dem einen, bald bei dem andern halten» - 
Die, Mittagduhr, tg. —en,. eine Gonnenußr, melde auf einer 

‚Bläde, bie nah Mittag: gerichtet if, beſchrieben wird; sum Unters 

chiede von einer Morgen: und. Abenduhr. 

Das Mittagsvolt, —6, 9. —völker, ein gegen Mittag wohnen⸗ 

„oe bes Wolf; Stheler. Gewoͤhnlicher Sübvolt.. 

Der Mittagswind, —es, 94. —e, ſ. Mittagsluft. 

‚Die Mittagsézeit, o. My. bie Zeit bes Mittags, bie Zeit, ba bie 
Sonne am höchften über bem Belichtükerife ſtehet. 

Der Mittagözirkel, —s, We. al. ſ. Mittagskrtis. 

—— adv, mad Mittag zu gerichtet, gegen Mittag geler 

; fübmwärts , in ber — ſonnenhalb, "auf ber Sonnenhalhe 

Pr Gonnenfeite. 

‚Mittändeln, v. intes. —tanjen, v. intrs. u. trs. f. Mit, zu Ente, 
D. Mittändein x, 

Der Mittänger, —s, Pyr gl. (R.); die Mittängerinn, 9. —en, 
eine Perfon, welche mit einer andern zufammen tanzt, ein Zänzer, 
eins Zängesinn , melde zualei mit andern einen Tanz ausführen, 

Mittappen, v. intrs. —taffen, v. trs. u, intrs, —taufen, v. trs. 
f.. Mit, zu Ende, D. Mittappen ꝛc. D. —ung. 

Mittaumeln, v.W) ntr, mit haben, mit Anden zugleich taumeln, 
hin: und herfhmantend bewegt werden ober fich bewegen: II) intrs, 
mit fein, mit andern Perfonen taumelnd fi von einem Orte zum 
andern begeben. — D. Mittaumeln. = 

«Die Mitte, 9%. v. berienige Punkt, diejenige inte, ober derjenige 
biefen Punkt, biefe Sinte enthaltende Theil eines Körpers, welcher 
von ben Enden beffelben gleihweit entfernt if. Die Mitte eines 
Birfels, einer Kugel, eines Marktes, einer Stadt ıc. In bie Mitte 
treten, in ber Mitte fein, fliehen. Ginen in der Mitte des Leibes 
amfalfen. Die Mitte bes Leibes, auch blof bie Mitte; im Henne 
Berafchen, die Gegend bes Leibes Aber ben Hüften und bie Mefihaffen« 


heit derſelben in Unfehung ber Höhe, Breite, Dünne, Feinhelt ıc. : 


(Taille). @twas in der Mitte halten, durchſchneiden. In ber 
Mitte gehen, zwifchen zwei oder mehreren andern, fo daß ſich deren 
wuf jeder Seite gleih vide kefinten, 


3:6 


Uneigentlid auf von einem ' 


u. Mittel 


Fe der von ben: heiten Außesfiii ‚Grabin'Häffersen ober von 
zwei andern entgegengtfegten Bufänden gleichweit entfernt ift, ber 
awiſchen beiden Das Mittel Hält, ober vom beiden etwas: hat, aus 
beiben gechiſcht iſt. Bwiſchen dem Buten and Scchlechten, Wornch: 
men und Geringen ıc, in der Mitte fiehen, fih in einem Zuſtande 
befinden ‚imuweldem wimas dom Guten und Bamehmen forweit wie 
vom Sqlechten und Beringen 2c, entfernt if, mo. weder bas eine 
nod das andıze ganz, ſondern von beiden -gieihfam etwas!ift. "Bini- 
n fen Furcht unb Deoffaung in ber Mitte ſchweben Die Mitte 
halten, ‚im der Mitte Reben; auch, das Mittel halten, Einer aus 
unferer Mitte, einer aus ‚unferer Orfekiaft . ann von uns,.' 6. 
auch das Mittel und Mitten. ! 
Mittel, der, die, bas mitte, adj. in des gRitte —— befitih, 
von den Kußerften gltichweit entferntz eigenttih und uneigentlid. 
"Dee mittle Binger. Der mittle Suchſtabe. Bon mittler Bröfe, 
weder qgusgroß. aoch zu Bein. Won mittlem Alter, weder jzu alt 
4 aoch zu jung. » Bon mittler Die, weder zu bie nod gu dünn. 

Die mittlerBapl, welche weber zu groß noch zu Mein iſt, welde et: 

‚muß weder zu groß noch zu gefing angiebt. Mas mittle Werhält- 

nip. Die mittle Bewegung, in ber Sterntunde, biejenige Bewe: 

gung wines Wanbelfternes, -vermöge welcher ee in gleider -Beit 
gleiche Theile oder Weiten von feiner Bahn beſchrelbt. X Mittler 

Weile, ‚mittler Zeit, indeifen; welches von Wielen auch zuſammen 

gezogen wird. Dem Worte Weile wird unndthiger Welfe zuwellen 

no ein n ampehängt,: nach dem Muſter der Mörter zuwe ilen, bit 
weilen. „Dod mittierweilen diefe einer; glädtihen Mufe genofien.* 

Meißner (R) Don gebraucht für mittle Häufig, um nicht zu 

fagen gewoͤhnlich, bed, wie es fheint, mwißbräudglich mittlere, mel 

ches nad) ber, Ähnlichkeit: mit andern folden Wörtern. der höpere 

Srad von mitte fein würde, ber aber bei bem Begriffe biefes Wor: 

tes niht Statt: finden fann, ba etwas, bad genau genommen wirt: 

lich in der Mitte iſt, miht noch mehr oder in noch Göperem Grabe 
bie Mitte einnehmen Tann. Ad. ninımt daher mittlere für ein eis 
genes Beilegungswort an, läßt aber mittelite für den Hödften Brad 

‚von mittel ober.ber, die, das mittle gelten, mie es auch wirklich 

ber Bau ift, aber nur ber Form und nicht ber Bedeutung nad. 

Denn mittelfte wird in berfelben Bedeutung wie mittle gebeaucht 

fär, ganz genau in ber Witte befinbiih. Der mittelfte Finger. 

Der mittelfte Gig. Der mittelfte Sohn, In uneigentliher Be: 

beutung ift mittelfte gar nit gewoͤhnlich. Nur dann, winn man 

es mit dem Begriffe ber Mitte nicht genau nimmt, unb darunter 
niht gerade ben Punkt, welcher von ben Gnden, Eden, ben Gren: 
jen überhaupt gleichweit entfernt zwifchen benfelben Liegt, verfkchet, 
fondern auch bie Punkte, bie in ber Mähe beffeiben Hiegen, kann 
man mittlere gelten laſſen und es von bemjenigen gehrauden, mas 
von ben Enden, den äuserfien Grenzen entfernt und der Mitte nahe 
it, wo bann mittelfte bas was gerabe und genau genommm in ber 

Mitte iſt, bezeichnen würde, Iſt aber nur von drei Dingen bie 

Rebe, 3. B. von brei Brüdern, fo kang man ben zweiten nur ben 

mittlen ober mittelften nennen, unb mittlere wärde bier ohne 

Sinn fein. Ehemahls Hatte man auch das Beilegungawort ber, 

bie, das mitte, und fagte der mitte Zag,.für Mittag,. ber mitte 

Theil des Tages, fo wie wir noch Mitternacht (die mitte Nacht, 

woraus man bie Mitte bee Nacht, zufammengezogen Mitternacht, 

machte) haben, f 

&:in Sars ber mar bereitet wohl um mitten Tag d. Nibe⸗ 
Lungen 8. U, 4205, 

Mit Mittel werden eine Menge zufammengefepter Wörter gebildet. 
Das Mittel, —s, 94. ol. ı) In weiterer Bedeutung, eine Ders 
bindung mit andern, etwas bas mit andern zu einem Ganzen ver 
bunden if. So heißen im Dergbawe taube Mittel, taube Bern: 
arten, Flöge bie Fin Erz enthalten; ſchwebende Mittel ſolche Stein. 
oder Erjmaffen ;. wo. Erze und‘ Steine [dem ober⸗ und unterhalb 


Mittel: 


weghebrochen Ant’ In ber Ratarlehre wird üͤberhoupt bie! Waſſe, 


welcht einen Abrper umgteht und Mm weicher er ſich bewege, oben in 


wielcher Bewegumgen Portgepflanzt werben, ein Diitlefigenannt (Me- 
dium), 


in welchem ih ber Shall, das Licht fortpflanit ac. Gehen bie 


vichtſtra hlen aus der Saft ins las ober Waffer, und aus biefem - 


wieder in bie kuft, fo fagt man fie gehen durch verſchiedene Mittel. 
Auch eint Befenigaft, eine Zunft wird gumellen: noch ein Mittel 


genannt: So Beiden’mch am manden Drten die Bandwerksgänfte - 


Mittel. Auch die Zunft der Bergleute führt den Namen Mittel, 
und im manchen Gtäbten, J. Bi in Afdersichen, iſt der Stadtrath 
in drei Mittel ober Alaffen, Aötpeilüngen getheilt. Bumeilen wird 
es auch noch wie Mitte gebraucht für, Geſellſchaft, Gemeinſchaft. 
Einer aus unſerm Mittel. „Die Kaufleute koͤnnen den Verfamms 
kungen durch einige Abgeordnete aus ihrem Mittel beimohnen.“ 
Wieland, — melde einer Herde gleicht, die fi einem Führer 
ergiebt, aber jeben andern Amweibeinigen mit vorgeftredten Behren 
aus ihrem Mittel treibt, Benzel Sternau. Sither gehört 
aud der veraltete Auadruck: ins Mittel für unter, zwiſchen. „Paur 
Ius trat ins Mittel unter fie.- Apoftelg. 27, 2:1. „Und hat bie 
Banbfhrift aus dem Mittel gethan,“ Hat fie wragethan. Eol. a, ig. 
») Bon dem Beilsgungsiworte mittel, To viel als bie Mitte, wel: 
es in dieſer Bedeutung aber gewöhnlicher il. „Das Mittel des 
Landes." Nie. 9, 57, „Die Pharlſaͤer und Schriftgeledrten brach 
ten ein Weib — und flrllten fie ind Mittel dar. Top. 8, 3. 
Im Mittel eines Thales.“ Haller 
— am ſicherſten geht bu im Mittel, Woß; 

b. h. auf ber Mittelfteaße,. In weiterer und unelgentlider Beben: 
tung von bem, was zwiſchen zwei Dingen, zwiſchen zwei Kußerſten 
von beiden gleichweit entfernt befindlih if: Wine Cache hält zwi: 
ſchen zwei Dingen das Mittel, wenn fie von einem fo weit ald von 
bem andern entfernt if, wenn fie mit dem einen fo viel ober fo 
wenig gemein bat, als mit bem andern. Sich ins Mittel fhlagen 
ober legen, in bas Mittel treten, zwiſchen zwei ſtreitende ober tin. 
einige Perfonen, in einer freitigen, unausgemadten eder ſchwierigen 
Sache gleihfem in die Mitte treten, unb zwiſchen ben entfernten 
und entgegengefesten Perfonen ober Dingen eine Bereinigung, Über 
einkimmuna- bemirten,, alfo ben Sterit, bie fhreitige Sache beilegen, 
endigen. Da etwas zwiſchen zwei flreitige Sachtn, Perſenen ıc. 
gleichſam in die Mitte GSetretene bie Bereinigung der deiden entge⸗ 
gengefegten bewirkt, ober bie —* von ber Bertinigung bes Gate 
gegengefehten I, fo heine Mittel id weiterer unelgentlicher Bedeu—⸗ 
tung dasjenige, wobucch etwas bewirkt, beſonders wodurch ein Zweck 
erreicht wird. Ale Mittel verfahren, anwenden, feine Abſicht, fels 
nen Zweck zu erreihen. Oft wird Meg damit verbunden, Alle 
Mittel und Wege verfuhen. Weg im dieſer uneigentiichen Webeus 
tung unterfheiber Ad von Mittel baturh, baf es eine Handlung 
ober mehrere in inen Plan verfnöpfte Handlungen einen Zweck zu 
erreichen bezeichnet; Mittel aber überhaupt jedes zur Erreichung 
eines Bioedes brauchdare ſchidliche Ding. Gin Werkzeug iſt ein 
Edeperlihes Mittel, welches zur Erreichung eines Zweckes gebrauht 
wird. Gin Mittel erfinnen, an bie Band gebtu. Ge if ein fal: 
ſcher Orundvfap, daß der Aweck die Mittel able, daß ein guter Zweck 
unerlaubte Writtel ihn zu erreihen zu erlaubten made. Durch recht⸗ 
mäßige und unrechtmäͤßige Mittel (per fas et nefas), Da zur 
Errcichung vieler Aweckt das Brib ein bequemes umd wirkfamts Mit: 
tet ift, fo werden in eingefhränfterem Sinne unter Mittel befonders 
Geld, Vermögen, Relchthum verſtanden. 
bemittelt fein, bei Gelbe ſein, dermoͤgend fein. S. Bemittelt. 
Bu Mitteln gelangen. Die Mittel zu einer Unternehmung haben, 
das Grlb, bad Bermögen dazu. Im noh eingefhränfterem Ber: 
ſtande wied basjenige, wodurch man bie verlorme ober zerrättete 


317 


So iſt die Luft dasjenige Mittel, in welchem wir leben, 


Das Mittelalter, —s, e MM. 


Das Mittelband, —es, DM. 


Mittelb 


Heitmittel genannt. ı Gin guten, Lräftigen,. wirffamen , unſqhäd · 
Hägen ıc. Mittel. Gin Mitter wider das Bieher,, bie Gicht ıc. 
Nah den verfhiebenen Wirkungen, die man daburch berootzubrins 


‘gen, un nad ben verfhiedenen Krankheiten, die man baburd zu 


vertzeidsn.fucht, befommen biefe Mittel befondere Namen, als Staͤrk⸗ 
mittel, Berubigungsmittel, Schlafmittel, Schweißmittel, Btech⸗ 
mittel, Reinigungsmittel, Abfuͤhtmittel, Fiebermittel, Gicht · 
mittel, Schwindſuchtmittel u. Im der, Schelbelanſt unterjheibet 
man biwegende körperlich oder ſichtbar wirlende Mittel, bie zur 
Thellung eines Körpers bienen und in Stoßen, Meiten, Sieden, 
Beuteln ıc. beftehen (mechenische Mittel) ; auflöfente ober zer 
fegende Mittel, die zur Aufldfung eines Körpers bienen (chemische 
Mittel); und gegenwirkende Mittel, moburd bie Gegenwart diefes 
ober jenes Gtoffes entbedt wird, i 


Die Mittelader, 94. —n, in ber Berglicherungskunft Hei Zinigen, 


eim Aft der Seberaber, weide aus berfeiben im Arme etwa in der 


. Mitte beffeiben -entfpringt und zwiſchen biefer und, ber Hauptater 


liegt (Medianaber). 2. 
) Das mittle Alter, welches zwi⸗ 
ſhen dem jugendlichen und hohen ober, ſpaäͤten Alter, in ber Mitte 
liegt, das männliche Xlter oder Mannsalter. =) Ia ber Belteede 
nung und Seſchichte, bie mittien Jahrhunderte nad Kelſti Geburt, 
eine uagenaue und fhmankenbe Zeitheſtimmung · 


Die Mittelart, Di. —en, eine Art, welche zwiſchen zwoet anberm 


Arten bas Mittel Hält, von beiden etwas in fih vereiniget, von 
beiden aber doch auch verſchieden if. 


O Die Mittelbahn, 94. —en. 1) Eine Baha, welde zwiſchen am 


bern in ber Mitte Iäuft, mweber rehts noch links abmeiät und am 
ficherſten zum Biele führet; im gemeinen Beben bie Mittelftraße. 
Befonders uneigewtlid. 

Mit ſeſtem Heldenfäritte wandelt fit 

Die (male Mittelbahn bes Shidiihen. Säillen 
2) Die Teittellinie oder ber Mittelkreis ber Erde (Acquetor), als eine 
Bahn betrachtet, auf weidher ober über welde die Eonne fleiget. 

— und willig flogen fie (bie Roffe) 

Die Mittelbahn ber Erbe unter ih. Bürger (N). 
hönder, eig’ in der Mitte befindil- 
ches Band, An ten Drefäflegein verſteht man barunter ein lebder⸗ 
nes Band, mit melden man bie an bem Flegel und an bir Huthe 
befindliden Rappen verciniget. Am greben Geſchüte if es dad Band 
ober der Gürtel zwiſchen bem bintern Briefe und bem Stabe des 
Munbftäden ; "aud der Mittelguͤrtel. 


Mittelbar, —er, —fie, adj. u. adv, in angewanbten Mitteln feinen 


Srunb Habend, durch Mittel gefhehen, bewitkt; im Begenfah vonums 
mittelbar. Gott hilft den Menſchen nur mittelbar, bush Mittel 
bie Wort finden läßt, bie der Menſch anmınten muß und beren güs 
ten Erfolg @ott begänftiget. Dann, durch ein drittes Ding mit eis 
nem andern in bem Verhältnis von Kirfache und Wirkung, Grund und 
Folge ıc. zufommenhangend. Das folgt aus mittelbar barans, ver⸗ 
mittelt anderer daraus dergeleiteter Schlüſſe. Der mittelbare Ber: 
Band odre Sinn einer Rede, ber nicht in den biofen Worten, fon» 
bern in den damit bezeichneten Sachen, barin verftedtt zu ſuchen if; 


der bilbliche auch mol ber geheime umb oft auch ber uneigentliche 


Berfand ober Sinn, Mittelbare Reihsftände hlehen im Deutſchen 
Heike ſolche, die böhern Meihsftänden und durch biefe dem Kaller 
und Meihe unterworfen waren.“ Dascn bie Mittelbarkeit, ber Zus 
fand einre Sache, ba fie mittelbar if, geſchtehet. 


Bei Mitteln fein, ever O Der Mittelbaß, —fjed, 2. —bäffe, in der Zonkunf, ein 


Bas für die Bafgrige, wilde das Mittel zwiſchen dem Großbat 
eder tiefen Baß (Contrabaß) und dem Heinen Baß (Violoncello) 
tät, wie aud bie Baßgeige, bie Mitteibafgeige, auf welcher biefes 
Ba gefpleit wird (Violon). S. auch Mittelgeige. 


Befundpeit wieder herzuſtellen fucht, ein Mittel, Arzeneimittel, Die Mittelbauchsgegend, My. u. in deu Beeglicberungsfunft, bie 


Mittel 


— in ber Mitte bed Bauches, deren mittler Thell bie Rabelge -⸗· 
Seichen, und beren entgegengeſegter 


gend, besem Seitentheile die WM 
Theil die Sendengegend if (Regio mesogastrica), 

Der Mittelbaum, —es. WM. —bäume. ı) in in ber Mitte bes 
finvtier Baum. s) Baum von mittler Größe, ber, wie man 
im Forſtweſen fagt, smifhen einem angehenden Baume und einem 
er * Mittel hält, 

ittelbegr 

— en Begriffen in bee Mitte ſtehender, fie mit einander 
perbinbender Begriff, Wefonbers ‚dir beitte Begriff bei Schluͤſſen, 
weiten bie beitden Borberfäge gemein haben und welchte bie Ber: 
Hinbung tes Ci hiuffages mit bem Borbesfägen erweifet; auch bas 

- Mittelalieb (Terminus medins), 

Das Mittelbein, —et, U. —e, ein swifhen zwei andern im ber 
Mitte dfinntiches Bein, So rennt man dae mittelfte Paar Beine 
hei den fchsfäßigen Ziefern bie Miittelbeine. 

O Der Mittelbelang, — es, Ei. u. die Mittelzabl, Durdfänittes 
gapi. Kaͤttner. . 

i ittelberge, Ez. a. im Bergbau, zwiſchen anbera in ber Mitte 

— —* "one Erb» unb Steinarten. Im Hohet ſteinſchen 
Fidggedirge verficht man unter den Mittelbergen einen ſchwarzen, 
thonigen und armen Sähiefer zwifhen ber Kammſchale und bem Date. 

Das Mittelbier, —ed, 9. von mehren Arten, —e, rin Bier von 
mittier Söte und Stärke 

Mittelblau, adj.u.adr. beiden Faͤrbern, blau, weldhes zwiſchem richtem 
Dimkelblau und dem rechten Blau das Mittel pält, 

Die Mittelblutaber, 9. —n, In ber Zerglladerungstunſt 1) S⸗ 
ei old Mittelader, f. d. (Vena media), 2) Die Mitrelbluts 
aber bed. Herjend (Vens media eordis); Kmmt an ber platten Herz⸗ 
fläche von bes Spite, geht im ber Gegend dir Scheide wand beider 
Herjtammern fort und ergieht ſich in bie Kranzblutaber, 

Der Mittelboden, —6, My. —böben. ı) Der mittle, zwiſchen 
dem oben und unteren liegende Boden. =) Boden, and, Grbreid, 
weldes zeifden (dmerem und leichtem bas Mittel hält; ohne Mehrzahl, 

Der Mittelbohrer, —s, M. al. im Bergbaue, ber zweite Bohrer 
in einem Bagbohrer oder zueimännifhen Bohrer, wemit nad bem 
Anlangsbohrer Ins Beftein gebohret wirb, und bie Eher zum Schie⸗ 

emadht werten. 

De ——— — , ig. — voͤgel, eine Art bilgruͤner gelbge⸗ 
fli@ter Wögel von der Gräfe einer Taube, bie perbenweife ziehen enb 
fih auf ben Prien in ber ride von Moräften aufhalten ; auch Geld 
ſchnepfe (Plurielis, Pardalus tertins, Gallina novalis media), 


Popowitſch. 
ittelbruch, —ed, —bruͤche, bei ben Schloſſern, ein Eis 

a Bee oder dem Mingerihte eines Schloſſes, das 
auf jmei Meinen Säulen rubet, mit dem Beben bes Schlofſes glei 
täuft und ein Tod hat, durch weldes ber Schluͤſſel in bie Eineiätung 

0 Rirteibune, — s, 9. — duͤnde, oder das Mittelbuͤndchen, 
—e, 9 gi. bei ben Meſſerſchmieden, ber mittle Ring, wilden fie 
zuweilen auf feine aus zwei Hälften beftehende Meſſerſchalen, in bee 

i öthen. 

Du —— —$, —3* gt, ein Bürger in mittelmäpigen Ums 

en; ebemahle Mitterbürger. 

an 3 —es, u in ben Marſchtaͤndern ein ziwis 
dem einem &er: und Hofdeiche in ber mitte liegender Deich, 

Das Mittelving, —s, Ep. —r, ein Ding, weiches zwifhen anbern 
im dee Mitte legt. Im engerer und mehr uneigentlider Bedeutung, 
ein Ding, welches pwiſchen zwei andern bas Mittel hält, vom einem 
fo viel mie don bem andern am Eh dat. . 

Der Pirine Hüonet. das [hörte Mittelding 
Von müttertihem Reiz und väterliher Staͤrke. Wieland, 
Ein Mittelting von Weifen und von Affen. Schiller. 


_38. 


et, 9 —e, In ber Denllehre, ein zwilden _ 


Mittelf 


In ber Sittenlehte verſtehen Ramt und Anbere unter Mittelbin: 
gen, gleihaättige Dinge, bie weber geboten nod verbeten finn, und 
bie eiſt kur die Umſtaͤnde zu guten oder zu böfen werden (Adia- 
plıora), = ' 
Die Mitteldinte, 4. —n, f. Mittelfatbe. . 

Der Mittelendzweck oder Mittelzweck, —6, 9. —e, rin Biel, 
mwelgen man als ein Mittel zur Erreihung den doͤchſten ober -lepten 
Zweckes zu erreichen fuht; der Zwiſchenendzweck, Zwiſchenzweck. 

+ Der Mittelenke, —n, 9. —n, auf großen Gütern bee mittelſte 
ober zweite von ben bzri Enten. S. Ente 

Die Mittelente, My. —n, eine Art mlider Enten vom mittler Brife 
(Anas mediocris Kl), Zud- bie Schmarrente wird Mittelente 
genannt, In weiterer Bedeutung auchej / de Ente von-mittiry Sedfe, 

Das Mittelerz, —es, My. —e, in manden Hütienwerten, biejenige 
Sorte bed zu verfhmelzinden Erjes, weihes ſchlechter if als Stuf⸗ 
er5, und beffer als bas gemeine, 

Die Mitteleule, By. —n, bie Zteineute. 

Der Mittelfalf, —en, Di. —en, des Berfalt; and Geierfalk, 
Raudfalt, 

Mittelfähig, —er, —fle, adj. u. adr. bei ben Bergleuten und dem 
Sewerken an folden Orten, wo die Zauft Mittel heißt, fähig ia das 
Mittel oder im bie Junft aufgenommen zu werden; zunftfählg. Das 
von bie Mittelfähigkeit. 0. 

Die Mittelfarbe, 9. —n, eine Farbe, welcht zwiſchen zwei Haupt: 
farben bas Mittel Hält, Im der Mahlerti find Mittelfarden feide, 
bie durch bie Bermilhung odre aus dem Übergange ameler Farben 
in einander entflehen; auch halbe Karben oder Halbfatben, Mits 
telbinten ober auch nur Dinten unb mit Rädfiht auf die Baxben, 
aus beren Mifhung fie entftehen, gebrochene Farben. 

Die Mittelfeder, 9. —n. ı) @ine in ber Mitte pwiſchen andern 
befindliche Feder. a) In der Haushaltung, Federn von mittler Bröje 
und Stärke, bie zwiſchen den Schleiß⸗ und Flaumfedern das Mittel 
halten. 

Das Mittelfeld, — s, 9. —er, bas mittelfte Feld, befonders in 
einem Wappen. In der Runftipradhe der Katurbeſchreiber Heißt dee 
mitte Theil einer Oberfläche faft bis zum Rande bas Mittelfeld 
(Discus). Illiger. Auch die Mitterflähe. 

Dos Mittelfel, —es, 4. —e, in ter Ierglicberungstunt, nah 
Ab, ein boppeltes, bie Sruſthoͤhle und die Lunge ber Länge nad in 
zwei gleiche Theile theilentes Häutchen, welches mit bem Zwerchfelle 
micht gu verwechſeln ift (Mediastinum), 

+ Der Mittelſilz, —e, 94. u. in den Ungariſchen Bergmerken, eine 
mittle Gorte jartes Schlammes, 

Dir Mittelfinger, —s, 8. gl. der mittle oder mitteiſte und anglelg 
lingfte Ringer bir. Haub, daher ve auf im N. D. der Langelei heißt. 
Bei den Fartnern, die Mittelzehe des Balken, 

Die Mittelfläche, 8. —n, bie mitteifte Fiide. Bei den Raturbe- 
ſchreibern fo viel als das Mittelfeld. @. b. 

Dos Mittelfleifh, —es, 0. 9. 1) Bei einigen Briglichereen fe 
viel als der Damm, oder bie Dammaegenb, ſ. d. (Perinsenm), =) 
Im Hohenlohſchen, ein lappichtes Fleiſch, welches im Innern bes Och⸗ 
fen 126 Janget, werauf bie Lunge und Leber Uegt, auch Kronfleifch, 

Die Mittelforn, 29. —en. 1) Fine Form, bie bas Mittei Hält, 
nit zroß und nicht Mein if ıc. =) O Im bee Sprachlehre, bicies 
mige Form die Ausfagewirter bei ihrer Umbildung, in wildes fie 
eine mittle Bebeutung, theils bie Bebrutung eines Ausſagewertes, 
theils bie eines Weilegungs: oder Umſtandwortes haben (Participiul- 
form. Participium). S. Mittelmort. 

Mittelfrei, adj. u. ade. mittelbar frei. Am Deutfhen Staataredhte 
Hieben Mittelfreie, ſelche Abelige, die zwiſchen dem boben und nie 
been Abel in der Mitte -unb unter ben höhern Meigsftänden fans 
ben; in Gegenfag ber Meichöfreiem. 

Der Mittelfries, — s, u. —e, ein ziwifdgen zwel andern in der 


Mittelf 


arte befindlichen Fries. An dem Kanoaen ber Beitd jwilden dem 
interfeiefe und Bobenfriefe. 


Die Mittelfure, 

T Betdbäuf;“ ine Herihe: mitten auf: einem Cetei; im Muterfäiee 
son den Mechfelfürden te 

Der Mittelfuß, —es -i.—füßt, in yifen andertı ih der Mitte 
“befindlichen Fuß, mie auch ein Buß, der im Anfehung ber Größe, 
Biae Te. zwildien andern das Mittel pdLti): Im der Berglicherungs: 

Fonft iſt er der mitteilte Theil des Faſes im engfien Werftanbe, wel: 
"Ser aut Fat’ —— — vn Mitteifuptuogen pet 
* (Metätärsus). ! 

Der · Mittelfu Inochen, 4, =. al. ſ. Mittelfuß. 

Die Mittelfußfchlagader, Be. —n, in dee! dergtlederungekanſt, 
Chlagabren, welche aus ber vorbern Schlenbeinſchlagader entfprins 
gen und nad dem Mittelfuße Laufen. Die Äufere und innere Mits 
teifüßfhlagaber (Arteria ınötatarsen externa et interna)). 

-X Der Dittelgalop, —es, 24. #. ih der Meitkanft, derjenige Bang 
dee Pferdes, welcher aus dem Trabe und Balop zufammengefegt if. 

Der Mittelgang, —ıs, Bi. —gaͤnge. 1) Ein Bang, der zwiſchen 

‚ einem fänellen und Tangfamen das Mittel Hält. Ginen Mittelgang 
geben. =) Der mittle ober mittelfte Bang, ober überhaupt ein yinls 

ſchen andern befinblicher Bang. In der Bergliederungstunf iſt ber 
Mittelgang eim Grhörgang in ber Achſe der Spindel (Tubulus 
centralis), 

Die Mittelgattung, 24. —en, eine Gattung, melde zwiſchen zwei 
anberh bas Mittel Hält, von beiden in manden Stüden etwas an 

A bat, von beiden aber auch in andern Städen verfhieden Ik; 

"wie audy eine Gattung, bie in Anfehung der Groͤße, Büte ıc. bas 

Mittel Hit, Im der Sprachtkunſt iſt die Mittelgattung der Aueſa⸗ 
grwört:r, biejenige Gattung derſelden, welche zwiſchen der thätlichen 
und leibentlihen im ber Mitte fichet, welche aber mehr leidentlich 
oder zuſt udlich it (Gemus neutrum), 

Das Mittelgebirge, —s, IM. gl. ein zieifhen andern in der Mitte 

 Siegenbed ober zwiſchen andern das Mittel haltendes Gebirge, oder 

’ ein folder Theil eines Sebirges. „Das reizendſte Mittelgebirge an 
Umfang feiner Thaͤler und ihrer Bergrriben bis zur Schneeftufe der 

" fernften Obofel." Meyer Im Bergbaue verſtehet man darunter 
befonbers das ziwilhen dem Borgekirge und dem hohen Gebirge Kies 
gende Beötege, welches zum Berghaus am bequemften * 

Mittelgedeckt, ſ. Gedeckt. 

Die Mittelgeige, u. —ı, eine Beige, welche pwiſchen — gewähns 
liden Armgeize und der großen Baßgelge In der Mitte ſtehet, ge⸗ 
woͤhnlich die Baßgeige in engerer Bedeutung (Violoncell), oder ber 

Meine Sas. ©. Mittelbaß. 

O Der Mittelgeift, —es, 2%. —er, ein zwiſchen andern bas Mit: 
tel haltender Geift, weber ein großer no ein Heiner Bei; ein mit 
telmäßiger Sei. Beift d. Journale. (R.). 

Das Mittelgefhirr, —s, 2. —e, derjenige Theil eines Pferbeges 
fhirres, welcher bie Diitte des Beides bebedt; zum Unteefgiebe von 
dem Border: und Hintergeſchirte. 

Dad Mittelglied, —es, 2. —er, das mittle ober mittelfte unter 
äwei oder mehrern andern Sliedern. Das Mittelglied bes Fingers. 
Untigentiih, ein bas Mittel zwilden andern haltenbes Ding, ein 

‚Mitterting. — bad wie Mittelglieber zweire Welten find, in der 
zen einer wie frei ſchaffen, wenn wir uns in ber andern als geſchaf⸗ 
fene Werkzeuge finden." Unmgen. In ber Denticher fo viel ala 
Mitrelbegriff. S. d. 

O Der Mittelgrad, —s , 2. —e, ein zwiſchen bem hödften und 
niebrigftien in ber Mitte ſtehender Grab. In ber Sprachlehre bei 
Gteig:cumgen, derjenige Brad, welcher höher HE als der unterfle ober 
Untergreb unb niedriger oder geringer als ber oberte ober höcfte 
"Grab ober Obergrad; der zweit⸗ Grab, menn man bie drei Steige-⸗ 
zungsgrube bloß yäplet (Gomiparativus gradus) ; auch bie Mittelfufe, 


319 


Mitteli 


Der Mittelgrofchen, —s, 4. gl. ſ. Mittelmänpe, 
Die Mittelgröße, 3. u. eine mitte oder mittelmäsige Größe, 


—n, die mittle ober mitteifte Kurt. Sm Der Mittelgrund, —es, By. — gründe, (R.) der in ber Mitte lies 


' gende; ober auch das Mittel haltende Grund. Im ber Maplerei, dep 
mittelfle Gennd eines Gemähldes, als derjenige, auf weldem gewöhnt 

ih die Hauptgegenſtaͤabe bargefeilt find; zum Unterfhiede vom Vor: 
der · und Hintergrunde. 

Der —— —es, Di —, Fine Art Sattelgurt, Im ber Mitte 
bes Battels angebradt; zum Unterfhiebe vom Dbergurte und Kreuz 

gurte, 

—* Mittelguͤrtel, —6, al. f. Mittelband. 

Das Mittelgut, —s, 2. u. Gut, d. h. Waage, welche von miltler 
@üte if. 

Das Mittelbaar, —es, 0 —e, bei ben Perudenmahern, bie von 
bee Dede eines Perude bis zum Hinterfopfe Hinabgehenden Haare, 
welche Bürger als bie Haase ber Dede find, gemöhnlih ald Sammels 
sort in der Cinzahl. : 

Die Mittelhand, Dy. —hände, in der 3erglieberungsfunft der mittle 

Theril ber. Hand greifen ben Fingern und ber Handwurzel, welcher 
aus fünf befondeen Möhrentnochen, ben Mittelhandknochen beſtehet. 

Der Mittelhandknochen, —, 3. gl. f. Mittelhand. 

O Der Mittelhändler, —t, 39. gl.; die —inn, Di. —en, eine 
Perfon,. weiche etwas vermittelt, als Mittelsperfon etwas unterhans 
beit; gewöhnlicher, Zwiſchenhaͤndler. „Doc beide taͤuſchten ſich, als 
fle ih wechfelfeitig fhmeichelten, die edle Konfequenz (Folgerichtlg⸗ 
Zeit) zum Mittel zu verfhmeljen und ben beweglichen Mittelhänds 
ler zum Zweck binaufjufgrauben,“ Bengels@ternau, 

Das Mittelhartwerk, —es, 3%. u. in ben Hättenwerken, auf Rup- 
ferzechen, der Stein, welden man aus abgebörrtem Etein, mit Robr, 
ober Haldenfhladen gefhmelzt erhält; auch Mitteihartwerkflein. 

Der Mittelhaufe, — s, 4. —n, ber mittelfte oder der in ber 
Mitte ib befindende Haufe. S. auch Mitteiheer, 

Der Mittelbecht, —es, I. —e, ein Hecht vom mittler Größe; 
auch ein Schuͤſſelhecht. 

O Das Mittelheer, —es, Di. —, bas in dee Mitte zwiſchen ans 
berm Heeren ober zwiſchen ben Flügeln befindlihe Heer (Centrum); 
das Mitteltreffen, f. d.z ehemahls aud der Mittelhaufen, nah 
Beifh. 

Der Mittelbeller, —e, M. ol, ſ. Mittelmänze. 

Der Mitterbengft, —es, 2. —t, ı) Ein Hengſt mittler Größe ıc. 
=) } Auf den Biehhämmern, bie fonderbare Benennung einer Sorte Bles 
Ge, welde zu ben ſchwarzeta Deppelblechen von mittler Dide gehört. 

Das "Mittelberz, —ens, Di. —m, eine Art Herſmuſcheln aus Oft ⸗ 
inbiem, weiß mit velldenfarbigen Firden (Cardium medium L.). 

Das Mittelholz, — s, 9. —hölger, im Forfiwefen. 1) Ein Holz 
obere Grhoͤlz, welches ans Mittelbäumen befichrt. =) Das Holz von 
Mittelbäumen, wo bie Mehrzahl nur von michrern Arten gebraudt 
— konn. Auch wel bie Mittelbaͤume ſelbſt, im Anfehung ihres 


* Ritteftorn, — tb, Di. —börner, ein Horm, befonders ein 
Jagdhora von mittlee Bröße; zum Nnterfhirde von bem Müben- 
borne und dem * oder Hifthorne. 

Die Mittelhuͤlſe, 3. —n, tine Art feltener Meſſerſchelden oder 
Sche ide nmuſcheln im Weittelländifhen und Atlantiſchen Meere (Solem 
legumen L.); aut Saubohne, Pferbebohne, 

Die Mitteljagd, 2%. u. dieienige Jagd —— — welche 
das Mittel zwifhen ber hoben und niedern Jagd Hält unb 
das» Mehwilbbwet, Birkwilbbret und bie Hafılhähner unter fi 
begreift. - 

Dad Mitteljahr, —s, 4. —e 1) Ein Nahe, zuoifhen ‚antern 
Btiträumen betrachtet. Die Mitteljahre bes Ledens, bie Jänglinges 
und Mannsjahre, ba man in der Mitte bes Lebend alııdam, mehrer 
alt nech jung if, — in ben deſten Mitteljahten.“ — 3. 9 


Mittelk 


RNichter. a) Ein Jahr von mittler Fruchtbarkelt, Gate ıc. 
5) Ein Jahr gegen das andere in Durdfänitt genommen. R. Rah, 


Mitteljabren reinen; ä 
Der Mittelkauf, —es, 9. —e, ein mittelmaͤßiger Kauf, ber nicht 
theuer und nicht mohlfeit iſt. Haltaus. . 
Der Mittelflang, —es, 24. — kiaͤnge, ein weder zu hoher necht zu 
tiefer,. weber zu rauher noch zu fanfter, weder zu ſtarker noch yu 
ſchwacher Klang. . —X er 

Der Mittelftäver, —#; al. der mitterſte Aläner der brei Kid: 
ver auf großen Schiffen, welcher aus Leinwaud gemadt wird; auch 
der Binnentläver; zum Unterfäiebe vom großen Ktüver ober But: 

"tentiäher, welderaud von Leinwand gemadt wird, und vom Stutm⸗ 
tluͤver. 

Der Mittelknecht, 4, 9. —e, ein Knecht, welcher wilden dem 
Groß: und Kleinknechte in ber Mitte ſtehet. Ia ben Schäfertlen 
Hasen die Mittelfnehte die Mutterſchafe zu hüten. 

Dad Mittellraut, — s, Wig-u. eine Art Kraut: oder. Kopftohl, bie 

. mit dem Beifage Erfurter Mittelkraut Remnid anführet. Ws 

 wiäft niedrig, I oben platt, weiß, zart und vom vorzuͤglicher Bäte 
(Brassien capitata compressa, caule breri). rt 

Der Mitteltreis, — s, iy —r, ein in bee Mitte zwiſchen anberit 
befindlicher Kreis. In ber Erdbeſchrelbung, dee mittelfte in Gebans 

‚ Een um bie Erbe gezogene Kreis zwiſchen beiden Polen, bel Andern 
auch bir Mittellinie; gemöhnliger der Gleicher (Aequator). 

O Die Mittellürzung, 9. —en, eine Kürzung ober Verkürzung eis 
nes Wortes in ber Mitte, dadurch daß eine Slide oder ein Buchſtabe 
mitten aus bemfelben weggeworfen wird; zum Unterfhiebe von einer 
Anfangstürgung und Endkuͤrzung. 

X Die Mitteltub, 2. —tühe, f. Mittelvieh. . 

Das Mittelland, —es, By. — lander. 1) Ein in der Mitte liegenbes 
Sand, auch nur ein rund um ven andern umgebenes Land. =) Sand, 
Erdreich von mittler Gäte, weder gut noch ſchlecht; ofme Mehrzaft, 
aud der Mittelboben, 

O Der Mittelländer, —&, 9%. ol. der in einem Mittellande Lebt, 
wie auf einer der mitten in einem Sande; -fern vom Merze lebt. 
„Der Mittelländer kann fih von ber Härte bes Seedienſtes Beinen 
Begriff nahen.“ 8. Forſter. 

Mitteländifch, adj. u. adv. x) Zu einem Mittelande aehörig, aus 
bemfeiben kommend ıe. 2) Mitten zwiſchen zwei oder mehren koͤn⸗ 
dern liegend. Das Mittelländifche Meer, derjenige große Thell des 
Kllantilhen Weltmeeres, welder von Europa, Afien und Afrita eins 
gelchtoffen IM; das Mittelmerr, ehemapıs auch das Wendelmeer 
eder Endelmeer, weil es gegen Morgen keinen Ausgang hat und 
man bort am Enbe ummenben muß. 

Der Mittellaut, —es, .—e. 1) Ein Laut, welder zwifhen anbern 
das Mittel hält, vom beiben etwas an fih hat. „Ih moͤchte fie 
(8, 8, ü) daher faft derſchmolzent Doppellaute in Begenfag der uͤbri⸗ 

“gen, obere noch licher Mittellaute in Segenſat ber Grunblaute nen: 

‚men,® Rüdiger. 2) Fur Mittelton hat es M. Kramer in feinem 
Deutfh : Ital. WE. 

Der Mittellauter, —$ 


. bejrichnet, 
+ Dir Mittelleib, —es, 99. u. der Selb in feiner Mitte, die Mitte 


bes Beides, Kramer, nad bem Bol. Middellyf, 

Die Mittelleinmand, o. Bi. eine aus bem kurzen Werge verfertigte 
g:inwand, welche zwiſchen ber ganz fläjfenen und ganz haͤnfenen das 
Mittel Hält; au Wergleinwand. ar 

Die Mittelerde, 29. —n, fine Art Lerchen von mittlere Brfe; 
auch Heidelerche, Waldlerche (Alauda sylvestris Kl.). 

Die Mittellinie, 9. —n, bie mittle ober mittelfte Linie. In en 
gerer Bebeutung in ber Erbbefhreibung fo viel als Mitteikreis. S. b. 
„In den gemäfigten Erbgürteln wie unter ber brennenden Mittel: 
tinier ıc, ©, uneigentlich auch für Mittelſtraße, das rechte Mittel, 


@. gl. ein Lauter, welher einen Mittelaut 


520 


Mittel 


rund auf beiden Seiten iß: je zuweilen bie Mittellinie weidlich äber- 
fSritten worden.“ Meißner. (MR). s 1,14%. %. er. — 

Mittellos, —er, —efle, adj; u, adv. (M.).ohme Dliktel phyn ‚Rüge 4 

gen, der Mittel bexaubt, unbemittelt. VDir Milteilbſe aber, 
vom Amte auf zweimapl 24 Stunden eingethuͤrmt werben. Ratio 

» malzeitung. Davon die Mittetloſigkeit. : sr 

Die Mittelmagd, ag. —mägde, auf großen dantgüteen, eine Bir 

. magd, :welde zwiſchen der geafennundTieinen Magd in⸗ der Mitte flehet. 

Der Miltelmann, —e8,i Wi: —miuner, ab Min ‚Dapm aus, 
Mittelſtande. „Der Mittemgumsglaustzbie) Obermänner fehen 
barum auf ben höheren Spreſſen ber Staatsleiter, um beffer, bie W, 
Reigen zu Überfhauen." 109 I PrrRigten;ı a) Ein -mistelndene 

‚ vermittelnder Mann, der Mittelemann. -- Lest 

Das Mittelmap, —s, My —t. 1) Ein Map, welches zmifgen 
einem geößern und Fleinerm bie Mitte Hill. ©) Dasienige Werhäit- 
niß, ba weder auf der einen. Geite zu viel im irgend einer Art nch 

r.auf ber andern 'zu wenig iſt oben gefdjichet, bas rechte Map, melhes 

‚won seinem zu hohen. und greingen Grabe gleich weit entfernt iff- 
„Dabuch wird das felige Mittelmaß der ihdsgüter erhalten.“ 
Ebeling. Dann auch wol für Mittelmägigkelt. 

Mittelmäßig, adj. u. adv. ein mittles Mas habenb, das Mittelmap 
haltend, weber geoß mod; Mein, weber viel noch wenig, fomel von ber 
körperlihen Größe und Menge, old. aud-von der Innern Stärke ıc. 
Mittelmäfig groß, reich, gelchet, alt ıc. Eine mittelmÄfige @röpe, 

i, Mitteimäßiger Reihtpum, Verſtand ıc. Im engeren Bebrutung pere 
bindet man bamit ben Begriff ber geringen Beſchafftaheit, und mil- 
telmaͤßig bedeutet dann mehr ſchlecht, gering.ıc. als wiegut, vorjüge 
ih ic. und wieb auf geſteigert. Mittelmäfige Einfihten, Kennt . 
alffe. Gin ſehr mittelmäßiger Verſtand. Davon die Mittelmäßige 
keit, 0. DA. ber Buftand eines Dinges, da es mittelmäßig if; ſowol 
in weiterer Bebeutung: - 

In golbnee Mittelmäßigkeit, Blumauer; 
als auch in engeren: Die Mittelmaͤßigkeit eines Kunſtwerkes. 

Der Mittelmaft, —es, 24. —«, der mitielfte Maft auf deeimaftl- 
gen Sqhiffen; aud ber große Maft, weil er unter allen der hoͤch ſte 
unb ffärkfte if, 

Die Mittelmauer, By.—n, bie mittelfte Dauer, eine zwiſchen andern 
befinblide Mauer, S. Mittelwand. 

Bas Mittelmeer, —es, By. —e, ein mitten zwiſchen Ländern Kies 
gendes Meer, Beſonders eine Benennung bes Mittelländiihen Mee⸗ 
zes, „Die Ausfuhr nad Portugal, Spanien und dem Miktelmeere.* 
Ebeling. Des Mittelmeers fandoolles Ufer. — Gries. 

O Mittelmeerifch, adj. w. adv, zum Mittelmeere gehöremb,. fi auf 
daffelbe bezichenb 1c, „Der mittelmeerifche Handel.“ R. Beſſer, der 
Mittelmeers handel. 

Das Mittelmehl, —es, 3. u. Sei ben Maͤlern und Beckern, Mehl 
welches bad "Mittel zwiſchen bem groͤbern Schrotmehle und bem feis 
nern Griesmehle Hält und mweldes man von ber Spitzklele und dem 
zum beitten Maple bush die Mäple gegangenen Briefe bekömmt; 
Aftermehl, Pollmebt. 

Die Mittelmänze, 94. —n, eine Münze, nad weläer man in Salz ⸗ 
werkaſachen in ben Salzwerken zu Halle rechnet. ı Pfennig beträgt 

ı nad derſelben a’, Mitteiheller, ı= Pfennige ober ein Grofden 5% 
Mitteigrofchen ; 5 Mittelpfennige kingegen maden einen Mittel: 
srofhen, Go Mittelgrofgen ein Mittelſchock oder 17 Brofden. 

Mitteln,:r. trs. ein von bem Grunbworke bas Mittel herfommenbes 
fonft für, fih ins Mittel legen, vermitteln, und, bie Mitte fuchen, 
srhräuhlihes Wort. Man gebraucht es nur noch in ben zufammen« 
gefegtin Wörtern ausmitteln, vermitteln umb bemittelt. ©. db. I. 
D. Mitten. D. —ung. 

X Der Mittelohs, —en, 24. —en, f. Mittelvieh. 

Das Mittelpapier, —s, Bi. —, eine mittle Corte Papier, bie 
weder zu geob mod zw feim, weber zw geoß nod zu Elein iſt ıc, 


Dee Mitteivfeinig,—eb, 2. =; f. Mittetimlnge * 


Das erd, —se ‚f Mitt "ps ee} 
Wittelpf m —, . a u: 


— — — we ein Bis, vn 
der weden Hoch hoch niebrig oder gerinatfll] " 
Der Mittelpuntt, —s, u —t, ——— ante u. 
sabe in der Mitte eines Winges befindeh, d. h. von der 
‚Serben Aberall gleihweit eutfernt iſt weun er iM’einern Reötfe, oder 
elner Kugel gzebdacht wird, oder der don allen intel sand eitbuhften, 
wie auch vom allen Beitenlihien ober @eitenflädjen Tea 
chat, wenn #8 ein von gerdden Einien eingefhlöffener Kbepet 
if (Centrum), Auch derenige Pantt in einem Körper ober einen ART, 
re B. einem länglisrunden,:längliätieretigen, iklinten Te. 88 
durch welchen. eine gerade Linie where Ebene fo gelegt werben kann, dap er 
tabiedh in zwei gleiche oder Ahnliche Bälfteh’ zethelit wird, heißt ber 
vr Mittszpuntt und zwar ber Mittelpunkt der Groͤße. In der Erb: 
den und Raturlehre unt-cfgälßtt man nd: Br Witielpuntt der 
Bewegung, denjenigen Punkt, um welchen fig ein te oder meh⸗ 
ztze bewegen und Kreiſe oder Keeladegen befhekibenz': den Di 
puntt des Gleichgewichts/ denjenigen Punze in einem zuſanimenge⸗ 
fegten dab geordueten Banyen non Mrfern, bie ven dußern Kräften * 





getrieben. werben, iielder-unterftügt werden muß; wenn das Ganze ' 


im Bleihgewiäte fein doll. Mirken- bie unter einander verbundenen 
Körper bloß als Gewichte, fo wird iemer Punkt ber Mittelpunkt ° 
ber Schwere Jenaunt, [: Schiberpunft; ben Mittelpunkt der Kräfte; 
benjenigen Punkt; in weidem die wirkenden Kraͤfte ſind oder gedacht 
werben; ben Mittelpunft des Schwunges, f Schwungspunft 
den Dlittelpuntt des Stößes, denjenigen Punkt eines in 2 
befiäblichen Korpers, wo man ſich feinen voͤlligen Stoß vereint vor ⸗ 
Helen Tann, fo daß 'das auf: dieſen Punkt flofenbe Hinbernißdie 
ganze Wirkung des Steßes empfängt und, wenn es nit ausweicht, 
bie weitere Bewegung bes Körpere gänzlich aufhält; den Mittels 
punft der Umdrehung, denjenigen Punkt, um melden ein Koͤr ⸗ 
er fi drehet, 4. B. ber Schwengel einen mp; Mittelpunkt der 
Maffe oder ber Traͤgheit mizbe:won:Euler ber Shwerpuntt ber 
Maſſe genannt, wenn man nicht ſowol auf bie Schwere bes Kin 
+ perd, als. vielmehe auf andere auf die Maſſe beſchteunigend wirfende 
‚Kehfte-Müdfiht: zu nehmen hat. Uneigenttih nennt man bem Mit 
telpumft auch basjenige, in welchem ſich als dem. das Ganze Zuſam ⸗ 
menhaltenben und Eemkenben mehrere Dinge zu einem Ganzen verel⸗ 
nigen, auf welches fi mehrere Dinge als auf das —— ber 
siehen.. — Wohl dein Bangen, Mlabet 
31:3 Sich einmaht eine, ben ein. Mittelpunkt: =" 
l Bär viele Sanfenb wird; ein Hal: — Sällier 
„Bert mittlere Hhupttage, die fi ‚genau anf einander beziehen, Licht, 
Sonne, @abönth, mb ’bie:glängende Heilige Mictetpunkte dee 
Sabpfung  fnd.riderbiee: So inne men auch wol die Haupt · 
Aadt eines Bandes: den Wittelpunkt beffelben j und ſo wurde irrig 
Paris ber Mittelpunkt bes gutem Geſchmackt von Bielen wid lange 
‚genannt, ober bafär gehalten. 
© Die Wittelpunftöbeniegung, Bi. ern, bie Bewegung um den 


+ Mittelpuntt; tanıı,.' bie Sewegung reines. Mörpers, base fich von 
rcht, von demſeidea ader immer: ' 


' — andern Rbtpär zu entfernen 
wahrend angezogen wird, fo daß dus biefementgegeninitfenben Mtäf: 
‚ten eine Bewegung bes fid zu entferten frebenden Korpers umten 
ansiehenben, Hängen entfbeht (Canrälbeiiegung)s ·· 
® Das Wittelpunbtäfeuer., #6, DA. u. ein feuer, weiches man 
im Mittelpuntte ober. im-Junern ber Erde —— um gewiſſe 
Erſcheinuagen daraus zu erfiäsen: (Ceutr alfeuet). E. 
+Der Mittelrabe, — n, pin, ein Namt der oewrdauge * 
* Rrie; Beibleiter Rabenteägeiss 
Das Miteir ade, A. ⸗ — — 
ur ahteı mehreren Aadenn / In den uhren iſt es ein ıMab mit ſechtig 
Bäpnen, wodurch das Steigtrad dm Bemegungügtfent pich. 
Eampe’s Mörterd, 3. Th 


I 3 


Mittelf 
en, Anden der Fenergewehre 
—— ar * ung we ——— * 


Da — 28 , — u. —e⸗, ber —— unter’ drei ober mehr 
pen Men: Alben‘ Kandnen führer dirfen Kamin ein Meif oder 
Stab wit — Plätigen, womit us Se unter brm Büadlöge 
iert wi 
De eiftegel; ep Den fen nick —— Hier 
gel , ober der mittelfte unter dert getan dere Kamonenzi 
via ei wege bafferse "im der Mitte jefammın 
Dee Mittelring; "N it, der mitteifte"äntehiptet obere 
“ide Ningen. Wil den Sginieben , ber Ring — Rade * 
Mades neben bei Bode. 
Die Mittelrippe, 3. —n, Bein ve Mitte Befindütde te 
» fonderd‘ bie Rippe eines Blattes, welde vom Sttele beſſelden Hs 
jue Spite iauft und das Blatt in zent Härten theitt. 
Das 28 Mittelröbrchen, —⸗, Di: gl. dab mrittere Aöprdhen, beſon 
am Schafte eindb GSewehres durch welche der eadeſtock et 
De —— 4, 9. di der ehr vs ate⸗⸗ 
Wer feerberühmte' Menekiüs fhap =; 4°’ Ks 
Ihm ouf'der'Fiudt die · kanze Hinten’ nad, * = 
- Den Mittelrhden und die Bruſt hindurch: —— {R.)% - 
Bei den Vögeln wird ber zwiſchen dem’Wozberräden und dem Wär 
gel Liigende Thell Mittelruͤcken genannt (Tergumy. ' Inter Bader 
wirthſchaft nennt man ben mittelften erhöheten Theil einect Acer⸗ 
beetes den Mittelt uͤten, ‚ bewöpätigpehtune. ben Rüden. ! * 2 


Mittels, fe Mittelſt. :' 


Das Mittelfalz, —ts, By. — / in ber Scheldekunſt, bie —— 
' ufaniniengrfegtee Salze, welche auf der Berbindung der Säuren mit 
Laugenfalzen oder mit einfhladienden Serben - entflehen, wenn dieſe 
Baugenfalze öber Erden mit Gäuren gefättiget find’ (Neutraifälst). 
Man theilte ſie ehemahls in vollkommene und wahre, b, hi foldhe, 
bie aus ber Verbindung der Saͤuren mit Batgenfalgen entſtehen (Nau- 
tralfalze imengerer Vedeutung), unb in unvollfönimene odes erdi⸗ 
ge, d. 9. folde, die aus der Werbinbung der Säuren mit Erben nt» 
ſehin. Im engerer Bebeutung nennt man iegt gewo du ir’bie 
legten Mittärfare. '-@s diebt deren ſo wie Arten i Bapk 
der eigentpümliien Erbarten und der Sauren mit eidander herme hrt 
beträgt, und man benennt fie bon ber Erdart und ber Säure, welche 
man dazu gehiomiien Kat, 3. B. ſchwefelſaute oder fdswefeigefäuerte _ 
Bittererde, Sitterſalz, Saglandiſches Salz; ſchwefelſaure Alaun- 
erde, Alauu 18. Das Glauberſche Satz; dad gemeine Kochſatz 
Aind — Miteefalge, die æ* Baugenfalze zum Ban: 
Yaben. ur ars m 
Der Mitefomme, u Re per Sammtt, welcher zwiſchen 
—3* — —— und geeingen“ Arten? dae 11771 daut und w u 
Der Diitteifap, +, w ie, in in ber gitte ſtehender Cap, 
welcher zwiſchen zwei ober mehrern andern'ten Übergang und bie 
Berbiibung Macht,‘ „Die Mäje ift unbankbor, — weil wir ja rbb 
nen Wire der Berechauug, Beinen Mittelfap ve it 
haben.“ Serben 3 Zur 2 
Die Mittelfäufe, By —n, eine in ber Mitte ober — —— 
bern beftadliche Saule. 
Der Mittelſchilb/ —⸗ees, 9. —er, In‘ Beppentaatt, ein wo 
„Mitte eines geöfern liegender Eleiner Shit; 
Der Mittelfchlag, —es ‚2. vi. ein mititer Schtag, de Hi eine 
wittle Art, Gattang. Ein Pferd vom Mittelſchlage, welches ‚mittel 
wmhhig at, weder groß Mod Bein ist. Im weiterer und uncigent ⸗ 
licher Bebeutung auch von einer mittlen Befch Menheit „Diefer Deris 
2 wish der Mittelſchlag bexienigen Preife fein, werde in den Tahren 
are rg Statt gehadt Haben Kligem.tBeitung. ı 
Dev Mittelihlamih ts; Wi. us im Häftenbane, ein EAlaım 


4ı 


son mittier —X dd diejenige orte des gepodten oben, 
über dem Herde grwafhenen Erzes, welches ſich im exflen Geaben 
unter dem Gefälle fegt; zum Unterfhiebe vom Roͤſchſchlamme und 
Sumpfſchlamme. 

Der Mittelſchlammherd, —e s, 9. —, im vbuͤttendaue, derie · 
aige Herd von welchem man ben Wittelſchlamm erhaͤlt - welder 
"eine Rıtzung vom jehn Graben hat. 

Der Mittelfchlich, —es, 9, yon mehren Arten, es; » equg 
von mittier Befhaffenheit, Wäte, 

Die Mittelfhnenfe, 9y. —n, eine Meine Art @änepfen, „deren 
Weil fehr-zart und wohlfämedenb if. Sie Haben feine und ſchmate 
‚. Bebern, daher fie auch Haar ſchnepfen heifen. Anbere [reiben Darts 
ſchnepfe, weil fie auf ipzer Stelle verharset-umb erſt aufflieget, wann 

man bidpt bei ihe iſt, baher fie auf in Erankreid la sourde Heißt 
—— gellinula), Sie faͤhrt auch den Ramen Waſſerſchnepfe, 
here a , —— Scäuepfe, Pubeif@nepfe, 
Waſſer huͤhnchen, Haarbu 

Das Nitteiſchoch, —edo, 4. — Er 

Der Mittelfchritt, th, 9. u. tin Sqhritt, der zwiſchen einem gro⸗ 
fen und kleinen ober zwiſchen einem ſchnellen und langfamen bas 
Dittet Hätte, Ginen Mittelfchritt gehen. O In der Zonkunft, im 
Mittelſchritt, mit gefhwind und niet langfam (Andantino). G. 

Der Mittelfprot, —e6, 9. von mehrern Arten, —, bei ben Ih» 
seen, Schroi von mittler Größe, 4. B. ber Haſenſchrot und Hühr 


nerfhrot. 

x Das Mittelfhwein, 4, Ze f. Mitteivieh. 

Der Mittelömann, —e# , Dy. —männer, f. Mittelöperfon. 

Das -Mittelfpann, —et; Mg —t, f. Lehtſpaun. 

Die Mittelöyerfon, I. —em. 2) Eine Perfon, buch welche als 
durh ein Mittel eine höfere Perfon ober Kraft etwas ausxichtet, 
dewirtt. 2) Eine Perfon, welche ih bei einer frritigen, ſchwieri⸗ 
gen ıc. Sache ins Mittel ſchlaͤgt, fie vermittelt, befonders, melde 
amei. fieeitige Parteien vergleihet. umb-vereimigets ein Mittler, 
Bermittier, eine Mittierinn, DBermittlerinn, im,gemeinen Leben 
auch Mittelömann, Schiebdmann, welches auch wol vom Perſonen 
meiblihes Geſchlechta gebraucht wird, 

+ Die Mittelfee, 9. —n, ehemapis für Mittelmeer. 

Die Mittelfeite, 9. —n, die in der Mitte befindliche Geite, 

%* Das Mittelfpiel, —s, 24. —, 1. Miſchſpiel. 

Der Mittelſpruch, —et, 94. — ſpruͤche, ein vermitteindes Spruch, 
der Xusfpruch einer gRittelöperfon, Daltaus, 

Mittelft, adv. durch das Mittel, mit Hölfe. Mittelſt des Weldes ven 
i&afft er ſicha. Mittelſt feines, Beikandes fegte ih es durch. „Es 
ift eine ber angenehmflen Berfaffungen, in bie uns bie @inbildungskraft 
mb ein ſtille⸗ fegen, wenn wir uns mittelſt derſelben aus 

‚ wafern innen weg im ein goldenes Weltalter ſeden.“ Gehner. 
Mittels wärte richtiger fein, — wo er ihm anbefichlt, so Nellen 
ziertih copieren (abfrelben) und mittels zweener Magen (beffek, 
auf zwei Wagen) auf öffenttiche Koſten Kiefern zu Laffen.” Denis. 

O Die Mitteltadt, 9. — ſtaͤdte, eine Stadt vom mittier Bröpe, 

-— ‚Ballsmenge ır., welche jwilchen einer Gropflabt und Kieinftabt, auch 
in Anfehung der @itten und Xusbilbung in der Mitte ftehet, „Es 


‚giebt einen Ginnenreig, den alle Mäbdhen haben Könnten und oft im 


einer Mittelſtadt kein einziges beflt-" I. P, Rihter, 

Der Mittelftand, —es, My. —Rände 1) Der mittelfte Stand 
zwifden mehren. =) Der mittle Stand ober Zuſtand einer Perfon, 

eſonders im Betreff bes bürgerlichen Manges und des Bermögens, 
welder ywifdhen voruchm unb gering, wei und arm bas Mittel 
daitz ohne Vehrzabl. Zum Mittelftande gehören Im Mittels 
Rande leben. 

Mittelländig, adj. u. adv, in der Mitte feinen Staad habend. In 


der Pflangenlehee. wisd die Durjel mittelitänbig genannt (centrn- | 


Is), wenn der Trieh aus der Mitte derſelben Eimmt. Bum Mittel 


322 


€— 


Rande gehdrig, bemfeibin angemeffen, wuͤrde mittelſtaͤndiſch heifen. 

Mittelfie, [. Mittel. 

Der Mittelfteg, th ig · ⸗ e ber mitterße -Mitpg, Bei ben Buß» 
deudern führt biefen Mamen der seitefte ‚im: —— 
„Länge aach geleste Stes-· 

Der Mittelſtein, 4, . A) Ein Stein von mitties Ber. 
+) Im; ** * dee rode neh einmahl durchgeſtochene unbige 
ſqmeigte Stein, weiden man. hei Behmelzung bir — — 
‚und — 2 Roßpaufe: ıwjeber, fünfmal. zub rauuuet. 

vorn Die Mittelfielle,. Mpir—u. 2); Dig-Gtele im. ber Mitte, ai 

teilte ‚Stelle, A): @ine mittelmäßige, GSaeüt. it 

Der Mittelflempel, —t, ME ah. 2) Des mitteifte unter en 
Stempela, . B. der milteifte unter ben drei Pohftempein im Pod» 

troge eines Pochwettes. =) Ein Stempel von mittler 
Bei den Buhbinbern, beriemige: Stempel, mit melden i.‘.auf dem 
Rüdın der Büher zwiſchen den Scken bie 3ierrathen von Gelbe auf. 
bruden ; ia Gegenaſat bar, Edſtempei. ‚ 

Die Mittelftimme, —n, in der Tentunſt, tine Stimme nen 
mittier Hoͤhe umb Ziefe. Man verſteht darunter bie-beiben zwiſchen 

; bem Baß oder ber tiefen- Chtimme und der. hohen ober Hocflinimme 
‚Legenden Stimmen, welche nah ihrem Verbältniß zu einander bie 
bobe Mistelftimme ober Alt und bie tiefe Mittelftimme. (Tenor) 
beißen, 

Der Mittelſtollen, — , Mu; im Wergbaue, Stollen in einem 
Grubenbaus, ber 30 bik go Bacteg Tiefe hatz in Gegenfag der Tas 
geftollen und Ziefflollen, 

Die Mittelftraße, 9. —n, die mittelfte Straße unter beein, Ber 
fonbers uneigentlih, das Mittel zwiſchen zwei ‚Äupreften Benden ; 
ohne Mehrzahl, auch, doch weniger gebräuchlich, ber Mittelmeg, 
in der höheen Schrelbart die Mittelbahn, auch wot das Mittel: 
maf. Die Mittelſtraße Halten. Auf ver Mittelſtraße bleiben. Die 
Mitteljtraße verlaffen. 

Der Mittelftreif, —ıs, 2. —, ber mittelfte Streif, In der Bau: 
tun, eine Abtpeilung unter ben Streifen des „Bauptbelfens, 

Der Mittelftrih, —ed, 24. —, ber mittelfte Strich, ein in der 
Mitte befinbiicher Strich. Dann, derjenige Strich ober Dappeiftcih, 
welder zwifhen jufammengefegte Mörter gefept wird, um bie Ber 
ftandtheile dem Auge fogleid) unterfhelblih zu mahın; u 'W. Er» 
biaffen, Erb⸗ laſſen, Erbrübel, Erı bübeln, Ersbenten, Exden: 
find ıc. 

Das Mittelfiüd, —es, Di, —e. 3) Das mittelfte-Btäd, wie aud 
ein Stüd ars ber Mitte, Gin Ditterfthdh non eittem Fiſche, eind 
ber Stuͤcke, bie zwifchen bem’Kopfe und Schwanze befindlich find; 
zum Unterfdhiebe vom Kopfſtuͤcke und Schmaugftüde- · Die Mittel: 
flüde einer Zibte ac., die zwiſchen den beiden Enbftäden Sefinbifihen 
Gtädr.; Die Mitteiftüde:eimes: Berghohters,-im Wergbaue, birjeni: 
gen Gtäde ober Staugen, melde: zwiſchen bie obern und undern 
Gtüde eingefraubt werben, um ben Bohrer daburch nad Belieben 
su verlängern, In den Eiſenhütten ift das Mittelſtuͤck das mittelfte 

+ Mt Milen, weides aus der einem Hälfte bes Dädels auf dem 

+ Beesenpammer geſchrotet wird. Das Mittelſtuͤck eines Wäpbobens, 
bei. den Böttichern, das mittelfte derjenigen Btäde, melde den Be: 
ben · des Faffes ausmachen. Beſteht biefer aus einer geraden Bahl 
von: Städen, jo ſiad zwei Mittelſtuͤke babe, weiche zufammen' tie 
Ditte ausmadhen. ») Ein Bidd von mitte @rdfe,, Büte ıc. 

Die Mittelfiufe, By. —n, die mittelfte Stufe, in weiterer Webers 
tung auch nur bie zwiſchen ber oberften und unterſten deſtadlichen 
Stufen; eigentlich unb mmeigentlid. „Xndern ben Troſt —— 
den ex für ſich verloren fühlte — wurde fein Lieblingegeſchaͤſt unb 
die einzige Mittelſtufe zwiſchen unglück und Wü, die ihm noch 

‘ vorbehalten fhien.“ Benzels@ternau. Ya ber Sprachlehre, bie 

mittelfte unter den Gteigesungaflufen (Comparativus), Kindes 

ling. Auch der Mittelgrad. ©, d. u. 


Mittelt 


O Der Mitteftag, —, m. —, ein zwiſcheu gewie ändere Wage 
— Deiten falender Teg; dann, ein Tag, der im Auſehung beffen, 
Was a bemfeldem! geſchiedt, wie man ih zufringe, das Mitte Hätt: 
rn fo wie bie Erde ihre finftern — Mittelalter hatte, fo haben oft 
‘Kinder — finftere Mitteltage vol lauter — Bitfe* (Kilfe). I. P. 
Riäter. 
Die Mitteltiefe, 9. u. 1) Die Zirfe im ber Mitte cines Dinges. 
Die Mitteltiefe eines Faſſes, bie Tiefe deſſelben in ber Witte, ba 


vo⸗ es am weiteſten if; aud bie Spunbtirfe. 2) Eine Tiefe, weiche 


awiſchen einer gabſern und geringern in ber Mitte if. 
Der Mittelten, —s, 24. —töne.\ 1) Ein zwifhen andern Zinn ' 


? in deu Mitte Hegender Ton, befonbers wenn er ben Übergang von ° 


bem einen zum andern matt, ober bemfelben zu einer Berbinbung 
bient. Im engerer Bebrutung, @ dit Dritte der Zonart, In welder 
ein Städt gefegt if, oter der Tonart, Im welcht man im bemfelben 
ausgewicen ift (Mediante) ; weil fie wie Äberhaupt bie Dritten wis 
+ fdien dem Grundtone "nid feiner Fünfte mitten inne Liegt. G, =) @in 
Ton, welcher zwifgen zwei andern Tönen das Mitter halt, welcher 
ar. Yon briden etwas, ber mit beiden eine Ähnlichkelt hat. „Wie fragte 
mit einene Mitteltone' vom - Sqhaltheit unb Laden, ob fir. Mei 
mer RR) 

Dad Mitteltreffen, —, 9. gl. im ber Krlegstunft, der mittelfte 
Theil eines in Sqhlachtordaung aufgeſti Uten Heeces, meldes fi 
welfdjen: ben beiden Flägeln befindet. Dann auch, der mittelfte Theil 
eines Hermes, welches in großen Abtheiluagen Hinter einander am: 


ract und weldes fi zwifhen dem Worbder, und Dintertreffen bes 


findet. Einige ©: D. Güriftfirller gebrauden baflıy Mittelhaufe, 
Saſachthaufe. ©; auch Mittelherr. 
© Miiteltuch, —es, Bi. —tädher. ı) Tuch von inittier @äte aud 
'1 Brite; aus Mittelmolle gemebt; wie auch, ein Tu, I. 8. ein Halte 
tuch von mittier Gräfe. =) Bri ben Zögern find Mitteltuͤcher ſolche 

— Töcher, bie 574, bis 4 Silen hoch und zum Dammhirihs 2 Saus 
jogen ıc. hinzeigend find, Mad Ab, giebt es *rzen hohe kmb (mas 
te, weiche bei weitläufigen Tagben an bit Hohen Zäher angehefs 
tet werden, und welche zwifchen den Hohen Täͤchern und Fäuftähere 
die Dritte Halten. Gammelmörttiih nennt man die Mitteltäder jur 
’ fammengenommen bas Mittelgeug. 

Die Mittelurfache, =. —n, eine irfähe, weiche nur mitteldar, 
als einer böhern Urſache unteraeorbnit wirft. 

Das Mittelvieb, —es, 0. 2. Bieh von mittler Größe, Büte. So 
AR ein Mittelodhe, Mittetpferb, eine Mittelkuh ıc., befonders aber 
ein Mittelſchwein, ein Di, Pferd, eine Kup, ein —28 ic. yon 
wittler Geöpe und Bäte, 

Der Mittelmall, —es, 9. — wälle, ber mittelfte Wal, ober ein 
in der Mitte befindlichen Bol, Im Feſtungebaue heißt Mittelmall 
berjenige Theil eines Walles, welcher fi zwiſchen zwei Bollzerfen 
befindet und fie mit einander verbludet (Courtine) ; beſſer ber Zwi⸗ 
ſchenwall. S. ©. Werbm, 

Die Mittelmand, 9%. —mände, bie mittelfte, oder in ber Mitte des 
findlihe Wand, befonders, eine zwifhen ben Aufern Wanhen im Ins 
nern eines Bebäubes befintiine Wand, Die Bimmerleute nennen 
auqh die hölzerne auf bie Dachbalken mad ber Länge bes Gebäuden 
aufgerichtete Wand, welde bie Gtuplbatten in der Mitte unterkägt 
und das Dad Überhaupt haltbarer macht, die Mittelwand. Ia ber 
derglieberungsfunft bilbet bie Bruſthaut mit ihren zwei &äden in 
bee Aruſthohle eine Sheidewand, welche edenfons Mittelwand (Me- 
diastinum) heißt, 

Der Mittelmandraum, —s, 3. — räume, in ber Zerglicherungss 
tun, Räume, welde ih nad vorn umb nad Pinten zwiſchen bem 
Weuftyautfäden befinden; der vorbere und hintere Mittelwandraum 
(Gavum mediastini antisum et posticnm). 

Der Mittelweg, — s, 3. —e, fo viel als Mittelftraße; eigentlich 

: mb aueigeatlich· „Den mißiiche Mittelweg iff, fi mit ben Thorn 


7 


Lean 

Mittel 
retefligen za toöllen, ofıie fie zu beffekh.e Benptt» Oteenie) 

Und preifeft mir Dem golbmen Mittelweg, Sitten, 

Der Diittelmegerich oder Mittelmegebreit, —eE, 2. u. eine Kt 
Megtsic ober Wegeberit, welche mit bem großen Begeri viet Üpn« 
lichteit, nur mehr fpigige als fhumpfe, mehr panzige als glatte Bihts 

ter an kürgern Gtielen, Püsjere und bieere Ähren und weiße Bin 
“ men hat (Plantogo media L); auf wrißer Wegerid. 

Das —— —s, 9. u. dasjenige Werg, welches bie porite 


Heöbti giebt; dir Herde. 
Der Mit ind, —, u —, eis peiſchea mei Dauptisinben 
definbticher Wind, 4. ©, Worb, Rorhweſt, Saben, @übwel; 


auch ber Zwifchenwind. 

Die Mittelmolle, 0. 2. die Wolle vom Schwange und von ben Eden: 
keln dee Schafe; Wolle dom mittler Güte, Länge. Mei ben Weiße 
gerbern, bie lange und grobe Mole, aus welcher die Botten am bis · 
teen ber Schafe beſte hen. 

Das Mittelmort, —s, 94. —wÄhtir. 1) Ein Wort welches wi ⸗ 
fen andei andern, die Apnrihe ober verwandte Begriffe begeiänen, 
im ber Witte ſehet. Temahnen if ein Mittelwort zwiſchen bitten 
und befehlen. Dann auch ein Wort, meldes weder etwas Gutes 

noch etwas Böfes, ſondern etisas Gieihgäftiges, das er durch bie 
Umftänbe gut ober böfe wird, bejelchnet (Vocabulum ker). 2) In 
ber Sprachtehre, eine Art Wöbzter, wilde von Ausſage woͤrtern bee 
Eommende BWeilegunigämärter, oft aud Grundwärtee mit dem Reben 
begeiffe einer Beit find, umb melde zwiſchen dieſen Woxtarten umb 
‚den Ausfagemörterh das Mittel Halten, vom dem - Eigentfämilden 
beider etwas am fih haben (Participium); bel Antern ndh Klop⸗ 
Kods Borſchlage, das Wechfelwort. Das Mittelwort ber 
wärtigen Zeit (Participium praesentis), 5. B. gehend, eine ger 
hende uhr, davon der Gehende; das Mittelmort ber vergangenen 
Zeit (Participium praeteriti), 4 8. eingemadt, eingemadpte 
Früäte, davon bas Eingemachte. Anbere haben auch tie Gattung 
von Ausfagewörteen, melde das Mittel zwiſchen ber thätlihen und 
Teibentlien Hält und Überhaupt Buflände bezeichnet, (Verbum nen- 
trum) Mittelmort genannt, wofie man aber beflimmter Mittels 
zeitwort ober Mittelausfagetvort ober Zuſtandewort fagt. 

Der Mitteljahn, —es, 9. —jäbne, ber mittelfte ober im ber 
Mitte befindlide Bahn. Wei ben Pferden heifen bie zwiſchen dem 
awel vorbern Zähnen und dem Edzäpnen befindbliäen Bätme Mittels 
zähne, und bei den Füllen diejenigen Bätme, welche fie mad bem 
beitten Jahre anflatt bes Vorſchieber befommen, 

Das Mittelzeihen, —6, 9. ol. das mittelfte oder im ber Mitte 
befindliche Zeihen. Wei ben Zägern IE es ‚dasjenige Beiden eiite 
Hirſchfaͤhrte, weldes entftehet, wenn der Hirſch mit bem Hinterfuße 
msar in bie Bühste bea Borderfußes initt, aber doch am ingenb einer 
Geite ein wenig baneben tritt, 

Die Mittelzeit, 3%. u. eine mittle Belt, bie poiſchen frä-und fpdt 

‚ bas Mittel Hält. Zuwellen auch und wie es ſcheint beffer he Weit: 
telalter,, bie mittlen Jahrhunderte feit Krifli Geburt. 

O Mittelzeitig, adj. u. adr. zur ober in die Mittelzeit gehörig, ben 
Mittelgeit angemeffen, aus ber Mittelzeit, „— bie — bie Kühnpeit, 
Kraft und Mannihfaltigkeit des Gothiſchen (im ber Bauart), mittels 
zeitige Barborei nennen." Kättner, Davon bie Mittelzeitigkät. 

Das Mittelzeitwort, f. Mittelmort =). 

in + Die Mittelyent, =. u. in manden DO; D. Gegenden, eine Art 
ber Bent ober Gerichtbarkeit, welche zwifden ber Oberzent unb 
Niederzent im bes Mitte flehet; auch bie Fraißzent. 

Der Mittelgeug, —ed, By. —e, ein Zeug von mittler Bäte x. 

Dad Mitteljeug, —es, 2. von verfhichenen Arten, —e, allerlei 
snfommengehörenbes Zeug von mittier Beihaffenpeit. Im Hüttene 

baue derficht man barunter eine Gattung Eiſenerz von miıtler Bis 

fhaflınpeit, welches weder bruchig und fpröde ned-zu weih If. Wei 
ben Agern werben bie Mitteltähre das Mitteljeug genannt. 


Mittels 


ae — —— 
— 
Te 


Hl 


—8 


Ritsen gtapeuecda 
48* itte, Mitten bu 
ausfhnelden, aus'der Mi 
‚Auch wpeigenstih von ber-Zrit, unb- mis | 4 
an an ne ‚Mitten unter der Predigt, Mitten 
im. fen, warde —— —8 Stüde blieben fie ſtecen. 


‚mi 


Mikeufande yeilden Beten 


Mitth 


2) Eine nad biefer Himmelagegend zu auf der 
Erdt liegende Gegend, ß 


Theil des Himmelsgemöldes nah Mitternadt zu. Dis Mitternacht: 
himmel teuchtete mit tiner feurigen Rothe. - 4 


Hiufig.in Mitte für in ber. Mitte, mitten ‚unter... 4 + Mitternahptiänder, der im einem Mitternahtlande wohnet; wofar 
- Ye . „rm. In Mitten Fand ah Bine 2 Dpia, f aber Morbländer gewoͤhnllcher ift. — — 
x, Der Tittenſommer, —s, 3. gi. f. Mittfommer, , . Dir Mitternachtpol, —e6, 2%. u. der.in unfern Gegenden fihtbare 
Kr, Der Mittentag, —s mt ber Mikbag. „25. „Hab miht untergepende Meitpoi; gemöhntiger der Mocbpob, - m 
Die Mitfsrnaht, 3y. —nägte, ı) Die Mitte der Nat, ber mittle Der Mitternahtpuntt, —es, 9. u. in ter Gternkunte, uber 
. Beil der Matt, ba der Mittelpunkt dre Sonne bei ihrer ſchelaba -· - Duxhfämittspunkt des Mittagsferifes eined Ortes mit dem Seſihts · 
F xen tägliden Bewegung ben tiefflen Stand unter dem Seftatreiſe kreiſe in derjenigen Pimmeldgegend, nad welcher bee auf unſerer 


‚N&tag zwoͤlf, ober dız Überyang von zwölf Uhr zu ein uhr in der 
* = N ‚gemöbn über fi Be, tün Y b „meblf Sia,cins in, ber 
* Kat di Piityinadlt, h 


u 


ist üb, 
I 


rttnait,, € 
en 
—— Toften 


® Rn famen Mitternacht, 


© Seit bet der tiefen Stille 


.Rifternait "bei deiterm gefteentem Himmel erhabene Bilder dar: 
"zeit, erdaben⸗ Grbänfen veraniapt. Die fhamslide Mitternacht, 


ee fe od Ginfimfeit in derfelben, ober aud url die ' 


—— — '2) Dit iinſge Himimielsgegend, weichtr 


... Mittög — {ft und, nad welchtr der auf unferes HSalbku-⸗ 
"a, Be 


wWeltpel ſtebet, Dir Mitternachtgegend oder Nord; 

€ ohde MigrasL Segen Mitternacht liegen, zeifen ıc, Der Wind 

re aus Mitternacht. In ben folgenden Zufammenfesungen mit 

Adrittern acht wird, zug Milberung der Hirte aud) Häufig bas 6 ein 
geſseben, z. S. Mitternachtsgegend, Mitternachtähimmei 1e. 


"A Witternachfen, v, mtr. mit haben, Mitternadt werden, ganz 
fnftet, ſHwarn werden. Es mitternachtet. 
Esteglier ward er, und Alles was dunkel, was Nacht nur 
var wa KB 9.7 4 ae an ihm war 
\ j Mitternachtete if. — — Sonnenberg. 
* —— x 
—— Mitternachtgraus, —es, 0. I. ein Graus, Grauen, wel, 


rs die Mitternacht, dann Überhaupt, welchte tiefe JFinſteraiß ertegt. 
> Ein neues Chaos ohne Zag 
7 Mi Mittermächtgraus aͤberbedet. 3.8. Shlegel. 
Ritternaͤchtig und Mitternaͤchtlich, adj. u. adv. ı) Mitternächtig, 
wat um Mitternacht iſt oder geſchiehet. Der mitternächtige Schlaf. 
‚Häufiger wird fm biefer Bedeutung auch mitternaͤchtlich gebrauct, 
) Mittermächtlich. () Begen Mitternacht Liegend, nörblic. Em 
4 mitteraach tiiches Fand. Im diefer Bebeutung wisd es auch gefteis 
wert. (2) Der Mitternacht hnlich, Ihe angemeffen, darin gegrüns 


det. Mitiernaͤchtliches Dunkel. Eine mitternaͤchtliche Gegend, eine , 


’ wit mitternädtlisem Dimkel bebedte, 

E.rc aing Gasriel jedt anf dem mittetnaͤchtlichen Bergen. Kiopftod, 
€ir mieernaͤchtliches Schrecbltd. Uneigentlih von einer atles 

""gsäteh, alter Fufftigung ermangeinden Gage, Bei, „Diefe Gedan 


——— 
dee Macht ingeſtoͤrt 
naochdenken und ih über bas Jediſche erheben kanu, oder fofern bie \ 


“ Palblugel ſich 
Mitternacht, 7 


Weltpol liegt; Norden (Septentrio, boreas), 

in bee Mitternacht, um Mitternadt. 

an bie 

or  Wehflagen mitternachts. 
— Mittetnachto, um Cternenfhein. Bürger 

4 Der Mitternabtfhauer, —s, 9% al. ein Schauer, welchen bie 

Mitieenadt, dann überhaupt, meiden, dicke Kinfterniß energt, 

„Kann du die and in Worten ber urkunde mehr finnlide Schilde, 

zung des großen Radıtgrabes, des Mitternachtſchautrs im unenb: 

Uger Ihmwarzer Wüfte denken ?« Herder. 

Bir — am, —n, bie gegen Mitternacht Hegende oder 

geri ie eines Dinges; die Nordfeite. 

O Die Mitternachtfonne, 9. u. bie Sonne ber Mitternacht gleiche 
fam, der Bolmond. „D du ftile Mitternachrfonne I" J. P. Richter. 

Die Mitternachtftille, 0, Bi. die Otille dee Mitternacht, welhe um 
Mitternadt zu hereſchen pflegt. 

Die Mitternachtflunde, My. —ın, die Stunde der Mitternadt, 

Die Mitternachtuhr, Dig. —ın, eine Sonnenudr, welche auf einer 
no Mitternacht gerichteten Aläche beſchrieben ift, 

Das Mitternachtvolf, —ed, By. —völfer, ein gegen Witternadt 
mwohnenbes Moll, Stieler. i 

Mitternahtwärts, adv. mad ober gegen Mitternaht hin gerichtet, 
gelegen; gemöfntiher nordiwdets. 

A Das Mitternachtwetter, —, 2%. gl. ein mitternäätlihes Wetr 
ter, Gewitter, fomol der Zeit nah, um Mitternacht, als auf ſo 


Bo$. 


ſchwarz, ſchrectich wie bie Mi 
.— wie ſtaͤrmiſches Meer in Mitternachtwettern. ®onnenberg. 
Der Mitternachtwind, —es, Mr—ı, ein aus Mitternacht wehen, 
ber Wind; gemöhnliger der Nordwind. a 
Die — SI u. die Zeit ber Mitternacht, bie Mitter⸗ 
nacht. 6. 1). A * 
8 Der Mitteufel, —e, 9. ol. ſ. Mitſatan. 
Die Miltfaſten, 39. gt. die Mitte der Faſten ehemahl⸗ auch Mi 
telfaften, Mitterfaften. Der Sonntag nad Mittfaften, , 
O Der Mitthäter, —$, 39. 98.5 die —inn, By. —en, eine Per 
fon, die mit einer oder mehseen andern Perſonen gemeinſchaftlich 
eine Tfat und zwar eine böfe That dexubt hat (Complice). Räbdiger. 
Der Mitibeil, —es, 9. a. dee April, welden man mit Xaders an 
einer Sache Hat. Balteus, . - : 
Wittheilbar, adj. 4 adv, was ſich mittpeiten Jöpt, mag mitgetpeitt 


ı 


4 


Mitth 


‚werben Tann; in rigenfllte und undgentiigee Bedeutung. Baron 

„ bie Mittbeitbarkeit.ı 

Mittheilen, v: tes. ») Tpeit an etwas nehmen laſſen, einem Anbern 
einen Theil von dem Beinigen geben. Bergl. Geben, Schenken, 

Berehren, Beſcheren. Ginem Armen etwas, eine Babe mittheis 
ten. „Der dem Pungrigen fein Brot mittheilet.e ge. 16, 7. 
In weiterer Bobeutung fagt man auch, tinem eine Nachricht mit ⸗ 
theilen, eine Nahriht, bie man erhalten hat ihm aud befannt mas 
den, wnb auf. biefe Art Theil baram nehmen laſſen. Ginem einen 
Belef, eine Schrift mittheilen, fie ihm geben, bamit er fie auch 
Iefe. - Einem feine Gebanten, Meinang mittheifen, fie ihm fagen, 
erbffnen Bo auch ſich mitt hellen, feine Gebanken, Wirinungen, 

uUrtheile über etwas Anterm eröffnen, feine Empfindungen, Bänr 
Ihe ıc. Andern Außen, weil man bei ihnen Theilnahme daran vom 

. dasfegt obererwarsit. „Mic; mitintbeilen, wann ih giädlid bin.* 

Wieland, Mittheilend fein, fi germ mittpeilen. Er iſt gar 
:swihtmittheitend, erift verfäloffen. Unelgentlich, von feinem Bus 
ande, feiner Eigenfhaft, Bigenthämlidkeit etwas auf andere Übers 
Yehen laffın.“ Das Feuer theilt ber Luft, melde baffelbe umgieht, 
feine Wärme mit. Das Balz theilt bem Waller, morin.es aufge 

v ‚Iöfet iſt, feiner Seſchmack mit. „Wo has Herz beſcheiden ift, da 
theilet es unfern Außerlihen Hanblungen ben ber Wefheibenbeit eis 
genen Liehreig unbemerkt in allen Fällen mit." Gellert, Durch 
den Umgang tmb bas Beifamimenfein werben oft Lafter wie Krank⸗ 

deiten mitgetheilt. &o auf fidh. mittheilen. "Beine Beträbnig 
theilte fi den Übrigen mit, erregte die theilnehmende Weträbnig 
der Üdeigen. » Die Kenmkheit sheitt fich aicht allein. durch unmittel: 
bare Berührung bes Keaufen , fonbern auch durch bie Buft mit, =) 
Mit andern Prefonen in Semeinſchaft, mit andeen — zugleich 
theilen. D. Mittheilen. D. — ung. 

Dr Mittheiler, —s, 399. gl.; die —inn, 34. —en, eine Perfon, 
wie etımas mittheilet. Einige nennen bie Griechen, andre die Pe⸗ 
atger als Ardeder und Mittpeiter der Buhfaden.“ Eigen 
ug RI. 5 

O Mittbeilfam gung; +; adj. u. adv. gern mittteilend, Rede 
“ung sie Mittbeilung Habend und zelgend. „Er Hatte mit verſchie⸗ 
denen mittheitſſamen Herren Vetanntſchaft gemacht,“ Ungen. Da: 


* 


+ wow Mittheiſſamteit, o. MM. Die Eigenſchaft eines Menſchen, da 


er gern mittheilet, bie Reigung Andern von bem Seinigen und fi$ 
. mätzuthrilen.:. 
Mittbun,v. tes. unzegeim. (f. Thun), mit anbern Perſonen in Ges 
‘ meinfhaft, ‚mie auch mit andren Dingen die man thut, zu gleicher 
Belt tun, D. Mitthun. S. aus Mitthaͤter. 

Der, bie, das Miüttle; adj, f. Mitte. 

+ Das Mittle, —6, 29. gl. in einigen OD. D. Gegenden, 5. B. in 
um, ein Wetreidbemapß, melden 6 Mehen ober #4 Wiertel pält und 
der vierte Theil einen Immi it. 

Der Mittler, —t, 4. af. ; die —inn, ip, —en. .) Eine Pers 
fon, welche etwas mittelt, vermitt:tt, befonbers, welche Ich zwiſchen 
zwei feeitigen Parteien ins Drittel Thtägt, fe verglelcht und vers 
einiget; bie Mittelöperfon , Im gemeinen Leben auch der Mittelds 
mann. Sa -engerer Bebrutung und befonbers in ber Sprache ber 
Bibel und ber Kirche wird Kriftus der Mittler genannt, weil ex 

#4 gleichſam zwiſchen Gott und ben Menfhen, die von ihm irrige 
Begriffe, und vorigen Furcht und feine Liebe Yattın, img Mittel 
ſchlug unb bie Menfhen zu Bott näher bradte, Fe Bott Lieben 
lehrte. Sein Zob. welcher bie Folge biefer Benühung sobre feiner 

+» Beher war, wird baher der Mittiertob ober auch ber Verfühnungss 
tob' genannt; =) Wei manden Banbiwerkern, ein Mitterbing zwi⸗ 

fen einem Geſellen und Lehrlinge. @. Halbgefell. 5) + In —* 
daufen, ein Name der Äſche im dritten In hee; in durcich Äh, in 
Üßerzeih Aſhung (Salmo thymalkıs L.), 
Das Rutleramt, — Mj. u. das Amt eines Mittlere Eermitt⸗ 


325 


Mittw 


lets... WBelonbers in engerer Bebeutung in der Kirchenſpracht, bas 
Amt ober Werhältnig Kriſti au — swifhen Gett und ben 
v Minfden, 

Der, die, das Mittlere, adj. ſ. Mittel: R Das Mittlew gedrauch 
der der aud für das Mittel, in bemjemigem Sinne, weihen es in 
der Naturlehre hat (Medium): „In biefem Falle mußte ein Mitts 
leres zwiſchen treten, das den Begenfland dem Sinne zubereitete.« 

Der Mittlertob, —es, 0. 29. ber Zob riſti als Mitten soifhen 
Gott und vu Benfäen. S. Mittler. 

* ber fh 
Berigeforfam dem —X klagen. — Riopfod. 

Mittlerweile ober Mittlerzeit, adv. f. Mittel. t 

+ Die Mittnacht, My. —naͤchte, ſ. Mitternacht. 

Mittoben, v. intrs, —töbten, v. trs. —tollen, r. ntr. mit ba: 
ben u. intrs. tönen, v. air. mit haben. —tofen x. atr. mit 
haben u, intes, —traben, v. intrs. —tragen, v. äntes| u, tra. 
unregels, (f. Tragen). X —trällern, v. intra, u. tus, X—frame 
peln und —trampen, v. intes, —tränfen, v. tr, X—traps 

eln und —trappen, v. infes, ſ. Mit, gu Ende. D. Mittoben ıc. 
? — ung. 

da Mittrauen, v. tes. mit —— Perſenen pogleich trauen, dach prit⸗ 
tterliche Ginfegnung ehelih verbinden. D, Mittrauen. D. — ung. 

Mittrauern, v. I) mtr. mit haben, sugleih mit Anden teauten, 
d. $. Traurigkeit empfinden. IT) iutrs, zugleid mit Anbern trauern 
d. 5. Treuer anlegen, tragen, — D. Mittrauern. 

Mittreiben, v. wer. unregelm. (f. Treiben), —trennen, v, tr. 
—treten, v. intts, in trs, unregeim. (ſ. Treten), ſ. Mit, zu Cube 
D. Mittreiben.e. D. —ung 

Der Mittrieb ; —eb , 2. u. bas Reät, ſeis Bich mit bem eines 
Anberd gemeimfhaftlich auf ten Grund und Boten brffeiben treiben, 
d. 8. darauf weiben zu loffen ; bie Roppelweibe, Diitweide, Grmeintzift, 

x Mittrilern, v. intes. u, tra. —trinken, v. intrs. u. trs. unter 
geim: (f. Trinken), f. Mit, zu Ente, D. Mittrillern ac. 

Der Mitteinker, —&, 84. gl. ber mit Andern gemeincchaftlich trinkt, 
an rinem Trinkgelage Theil nimmt; ber Mitzechet, wenn bies Trike 

Ein. sin Bechen.ift. 

x Mittrippein, v. intrs. mit fein. —trodnen, v. wtr. mit fein 

u. tes. —troͤbeln, v, intss, —trollen, v. intzs, mit ftin 4, zec. 

—trommeln, v. intrs. u. trs, —trompeten, vw, intes. u, trs, 

—tröften, v. tr; X—trotten, v. intrs, mit fein. —troßen, 

v. intrs, trüben, v. tes, —trumpfen, v. intre, ſ. Mit, zu 

Ente D. Mittrippeln ꝛc. Di—ung - 

xx Der Mitifommer , by u, bie Gomtmerfonnenmwenbe, Tor 
bannestag; ber Mittenfommer. 

Mittummeln, - v: äntes. u. tra, —tlnden, v. tz, —tüpfeln, 

. z tra: —tufchen,. v. tes. f Mit, gu: Ente. D. Diittummeln ıc. 

—ung. 

Kr Der Mittwinter, —s, 2. u. bie Wintsefonnenwende, Weiß 
nachten ;. in Grgenfag von Mittfommer. Haltaus. Davon ber 
Mittwintermonat, der letzte Monat des Jahres, ter Artiimonat. 

Die Mittmoche, 3. —n, die Mitte dee Wode, der mittelfte oder 
vierte Tag in ber Woche, Gemwöpnlicer fagt man bafärınah ber 

\ Ähnlichkeit der Namen der Ädrigen Wochentage ber Mittwoch, —rE, 
ober der Mittwochen, welches lehte aber ganz fa'fh il. Mole 

hat dafür Mittwochtag gebildet. Die krumme Mistworhe, in man. 
den Gegenden , bie Mittwoche in bee Karwoche, wo es vieleicht aud 
eärens, ober sar&me verberbt if, Oft wirb es auch als Umſtande 
wort gebraucht, im weldem Balle man bemfelben ein 8 anfängt, 
Witewochs Fam er an. Mittwocho gefhicht «8 gemöhnlih, Wolfe 
Hat dafür mittwochtags gebildet, weldes aber dort Hingt, Im 
N. S. hängt man aratt bes, & rin cn om und fagt Mittwochen. 
Mittwöchentlich , adj. u. adr. was 4 gewöhalide Witteohes, ober alle 
Mittwehen grisiht, | 


Miti 


326 


Mir 





Mitäben, v. trs, mit andern Prefonen ober Dingen zugleich üben. 
So auch ſich mituͤben. D. Mitäben. D. —umg. 

O Mitunglädfelig, adj. u. adv. mit andıen Menfhen ober Wefen 
zugteiä anglädfelig. „Mitunglädfelige Menſchen.“ Klopfkod. 
Die Miturfache, 9. —n, eine zuglei mit odes neben einer ober 

mehrern andern Statt findende Urſache. 

© Der Miturfacher, —b, 9. al; bie —inn, 2. —en, eine 
Prefon die zugleich mit einer andern Urſache an etwas if, etwas 
derurſa cht. „Man Hört di für den Milurſacher bes Ungiäds,“ 
Mufius. (R.) 

Miturtbeilen, v. intrs. f. Mit, zu Ente, D. Mitnetheilen. 

O Der Mitverbredder, —8, 9. gl.;.bie —inn, 2. —en, eine 
Perſen, die gemeinfhaftlih mit einer oder mehreren ambern ein Bers 
deren begehtt, am einem Berhbrechen Theil nimmt (Complice). 

Mitvergleihen, v. D) trs. mit audern Perſonen ober Dingen sugleid 
vergleiden. II) rec, Sich mitvergleichen, Mb zugleich init Andern 
vergleichen, einen Sergleich ſchließen (compaciseiren), — D. Mit: 
vergleihen. D. —ung. 

© Der Mitvergleicher, —, WW. gl. ; die —inn, 2. —en, eine 
Verſon, welche fi mit einer oher mehrern andern vergleicht (Com- 
paciscent), 

Der und bie Mitverfchworeme, des und der —n, By. —n, (R.) 
eine Perfon, melde fih gemeinfhaftlih mit einer ober mehrerm ans 
bern zu etwas verſchworer hat. 

Der Mitvormänder, —t, 29. gl. der gugleih mit einem Anders 
Bormönder iſtz befonder.s bei einem umd bemfeiben Münbel, 

Der Mitverwefer, —, 24. gt. ; bie —inn, By. —en, eine Per 
fon, welde zuglei mit einer ober mehreren andern eine Sache ver: 
waliet, berfelben vorsftepet. „DMitvertefer der Schule. Beragur. ft.) 

OX Das Mitvieb, —es, 0. 2. das andere Bich, mit weldem 
‚ein Bieh, ober rineigentiih bee Menſch zugleich Wirh if. 

So het das Renfchenthier Immer aus 

Was Reues, und ermäbder mie 

3u Yıllem und martern fein fhuldiofes Mitvieh, d. aeue 
#rofämäuster. 

Der Mitoncfteher, —6, 9. gl. ; die —inn, U. —en, eine Per 
fon, welde zuglelch mit einer oder mehreen andern eine Sache ver⸗ 
ſtehet. „Thorlacius, Mitvorficher bes Magmäanifden Infituts.* 
Brugur. (R.) 

O Ber Mitvortrag, — es, 2. u. der Vorttag, welden man jur 
gleich mit oder neben einem Andern mocht oder zu machen dat (Ger- 
relation). Glubins. SBeffer der Mitbericht. 

Die Mitwache, 4. u. Me Wade mit einem ober mehrern Audern. 
Die Mitwache Haben, mit Andren zugleich wachen. 

Mitwachen, v. ntr. mit haben u. intre. —mwachfen, v. ntr. unge 
geim, (ſ. Wachſen) mit fein, f. Mit, zu Ende. D. Mitwachen ıc. 

Mitwadeln, v I) ntr, mit haben, mit andern Dingen zugleich wat: 
keln ober im mwadender Bewegung fein. IN) intrs, a) Mit haben, 
mit andern Prrfonen zugleih mwadeln ober in wadelnde Bewegung 
verfehen. =) X Mit fein, mit einer andern Perfon wadelnd gehen ober 

Aberdaupt gehen. 5) X Mitprägeln. S. Wadeln. — D. Mitwadeln. 

Mitwaifnen, v. trs. — wagen, v. intrs, u, trs, —mägen, v. trs, 
—wäblen, v. intrs. ». tra. f. Mit, gu Cade. D. Mitwaffnen x. 
D. —ung. 

Der Nitwähler, —4, u. 91.5 (9) die -inm, Bi. —en, eine 
Perfon, die zugfeidh mit Anbern waͤhlet, bie Wahl vornimmt. 

+ Der Mitwaldein, —6, Sp. gl. bee Weidengeifig: Remnid: 

Mitwalten, v. trs. u. intrs —wallen, v. ntr. mit haben u. intrs. 
mit fein. K—malten, v. intrs. (Baltaus). —malzen, v.intrs. 

"tes. — waͤlzen, v. tes, X—mamfen, v. trs. u, intrs. — mans 
bein, v. intrs. mit fein. — wandern, v. intrs, mit fein. —wans 
ten, v. atr. mit haben u. intrs, mit fein. —märmen, v. trs, 
— warnen, v. ters, —marten, v. ntr. mit haben m. trs. — wa⸗ 


ſchen, v. ten. u, intrs. ungtgelm. (f. Waſchen). — wäflern, v. trs. 
— waten, v. intrs. X—watſcheln, v. intrs. mit fein. —weben, 
v. intes. u. trs. —wechfeln, v. intrs, u. trs. — wecken, v. tra 
f. Mit, au Ende. D. Mitwallen u. D. —ung. 

O Mitweben, v. ntr; mit haben, zugleich mit Anbern wehen, aus 
berfelben Gegend wehen. Mitmehende Winde, bie aus berfelben 
Gegend, aus ber man limmt ober nad der Gegend, in wilde man 
til, wehrn, bie alfo gänftige Binde find. 

Dean 26 trieb mitiwehende Kühlung. — Baggefen. 
D. Mitwehen. 

Mitweichen,, v. I) ntr. mit fein, mit andern Dingen zugleih weich 
werden, II) intes, ungegelm, (f. Weichen) mit fein, mit Anbern gu 
gleih weiden, jurädweiden, III) tzs. mit andern Dingen jugleid 
weich machen. — D. Mitweihen. D. —ung. 

Die Mitweide, m. —n. ı) Das Necht, fen Bieh mit dem Wich 
eines Aabern gemeinfhoftiih auf beffen Grund unb Boben weiben zw 
toffen. ©, Mittrieb. =) Der Grund und Boden, auf weldem man 
biefed Recht ausüben darf. 

DMitweiden, v. intrs. u. trs. —weifen, v, tr, —meiben, v. trı. 
— weinen, v. intrs.. — weißen, v. trs. — wellen, v. ntr. mit 
fein, unzegeim, (f. Welten) u. trs, ſ. Mit, zu Ende. D. Mitwei ⸗ 
den. D. — ung. 

O Die Mitwelt, o. 9g. die jegt mit ums lebenden Menſchen; in 
Segenſat ber Botwelt und Nachwelt. „— er bildte nur bafin, 
nit auf das Grinfen ber Mitivelt, ben Jubel der Radwelt,- Bens 
sel» Eternau, 

Dem Mimen flit bie Nachwelt keine Kränge, 

Drum muß er getzen mit ber Gegenwart » 
uf feiner Mitwelt ih verfihern ꝛe. Gäilten 
Mitwerben, v. intrs. u. trs. unregelm. (f. Werben). 2) Bugleid 
mit Andern um etwas wire: Um eine Braut mitwerben. Um 
ein Amt mitwerben, gemöhnlider und beffee ſich mitbewerben. 
#) Zugleich mit Anbern werben, antwerben. D. Mitwerben. D. —ung. 

O Der Mitwerber, —&, 9. gl.; bie —inn, 9. —en, rine Per: 
fon, welde zugleid mit einer oder mehreren andern um etwas wirbt, 
ober jemand anmirbt. ine Perfon, melde zugleich mit einer an: 
dem um ein Amt, eine Anftelung fi bewirbt, fagt man gemähnlis 
ser Mitbewerber. „Das Auge ber und Mitwerber 

iſt auf einander gerihtet.* Herder, 

— v. intre, u. trs, ſ. Mit, gu Ende, D. Mitwerfen. 

. ung. 

Dos Mitwefen, —s, 9. ol. ein Weſen, weldes zugleich mit einem 
anbsen ba il, vorhanden If. 

Mitwefentlih, adj. u. adv. zu, mit Anbern weſentlich (commubstan- 
tiel); Eeberga mb. 

Mitwetten, vw. inte, X — weiten, v. inte, —wehen, v. tes 
—michfen, vr. trs, —wideln, r.tzs. —mwibmen, v. trs. — wie⸗ 
gen, v. ntr. unzegelm. (f. Wiegen) mit haben. —wiebern, v, 
intrs. ſ. Mit, zu Ente D. Mitwetten ic. 

* Der Mitwille, —ne, 0. 2. ein mit dem Willen Anderer Aber 
einfimmenber Wille, die Beiflimmung. Haltaus. 

Mitwimmern , v. intr⸗. —winbeln, v. tr, —winden, r. trı 
ungegelm. (f. Winden). —winten, v. intrs. u, trs. —winfeln, 
v. intes. f. Mit, zu Ende. D. Mitinimmern ıc. 

O Nitwirbein, v. intrs. ı) Mit fein, in wirbeinder Bewegung fi 

ı mitbegeben. 

Dortpin (sum Wbbel ber Hölle) gehört ie, ber wirbelt aur mit, 

weil ein Gott ihm verangeht. Sonnenberg. 

=) Mit haben, zugleich mit Andern wirbela, ben Wirbel ſchlagen. 
D. Mitwirbein. 

Mitwirfen, v. I) str. mit haben, u. intrs, ») Mit anbern Perfonen 
ober Dingen zugleih wirken, wirffam fein. Bei einm Sache mit: 
wirken, Dirfe Aezenti hat. vorzäglig mitgetvirkt. =) Bu einem 


mim 


327" 


Mode 





: Ge ee rm Serfen gemeinfdaftiid wirken aber weben 
U) vrs, :jugleid mit andern Diagen wixten, weben. — D. Mit: 
as "DD —ung „Prior moralifge (Mettige) Handlung ‘ges 


ii 


ohue die Mitwirkung des Wilener Gonnenfels, 

Der Mitwirker, —6, 2. 91.5 (R.) die —iun, 0 —eın. ı) Eine 

Serſen —*8 eier. Sache mitwirtit. =) Aiae Perſon, welche ‚mit 

—* wit — wi „x. tes. m. intes, ſ. Mit, 

D. Mitwirthſchaften x. 

—— v tr. ungegelm. (ſ. Wiſſen) mitt haben und ber Fͤgung 
einee trs. mit andern Perſonen oder Dingen zugleich wiſſen, um et: 
was wifftn, — was allein mitwiffend die Made fehl. Wop. 

Das Mitwiffen, —6, 9. 9%. der Buflond, da man gemeinfhaftiid 
* Anbern um eine Sache weiß. Mies iſt ohne mein Mitwiſſen 


fpehen. 
Die Mitwifienfäeft; v2. das Wien zugleich mit Andern um 
«ine Sache. 


Der Mitwiffer, — , 9. al; die —inm, 9. —eın, eine Perfon, 
die mit Anders um eine Sache wrif, 

Mitwittern, v. intrs, u, trs. —witzeln, v. inten —mwißigen, v. 

or ſ. Mit, su Ende, D. Mitwittern ıc. 

Mitwohnen, v.ntr. mit haben, mit Andern an eintm Orte, in einen 
Banfe-ıc. wohnen. Haltaus D. Mitwohnen. D. —ung. 

Der Mitwohner, —s, iM: gl. 5 die —inn, Di. —en, eine Perfen, 
die mit einer ober mehreren anbern gemeinfhafilid an einem Drie 
mohnet, In engerer Bebeutung, im mandın Gtäbten, fo viel als 
’ Beifäffe, @gugverwandter; im Begenfah der Bürger. 

x Mitwollen, v. intrs. unzegelm. (f. Wollen), zuglei mit andern 
Verſonen wollen, tfun wollen, befonbers mitgehen, mitzeifen, mitfah⸗ 
zen x. wollen, Bumellen auh als trs, eine Gade mitiwollen, fie 
sigleid mit Aubern wollen, fie mit ifnen thun wollen, oder auf) 

air, mit’ ihnen wollen, daß fie geſchehe D. Mitmolien. 

Mitwudern, v. intrs. u. ntr. mit haben. — wuͤhlen, v. intrs, 

—ipundern, v. re. — wuͤnſchen, v. tr. —mürgen, v. intrs. 
tee. —wrzen, v. tes. —milten, v. intrs, f. ‘Mit, zu Ende, 
D. Mitwuchern ꝛc. D. —ung x. 

F Die Dis, 94. —en, im Frönkifhen, die Wege, Mahimete, 

Mitsagen, v..ntr. mit haben, —zahlen, v. intrs, w. trs, ſ. Mit, 
su Ente. D. Mitzagen ıc. 

Mitzäblen, v. I)’ trs, mit Aabern jugleich unter bie Zahl begreifen. 
. 4 nit mitgezählt worden. II) intrs. u. trs. mit Andern jur 
er süßen, zählen Helfen. III) O ntr. mit haben, fid mit um 
ter det Aahl befinden, ein Theil eines Sauzen fein, mwelder mitges 

Abit wird, „34 zähle mit unter meinen Mitbärgern.« Huber. — 
—— D. —umg. 
mir bneln, v. trs. —zjahnen, v. ntr. mit haben. —zähnen, v. 
tr. —zanlen, v. intrs. —japfen, v. trs. u, intrs. —jaubern, 
v. intes, —zäumen, v. trı. —jdunen, v. tr: —jaufen, r. 
“Intrs. u. te⸗. —jechen, v. intes.ü.tes, f. Dit, zu Uni. D. 
Mitsähnein u. D. — ung. 

Der Mitzecher, —s, Mm. ol. ſ. Wit Faler. 

Mitzehenten, v. intrs. u. tr. —zehren, v. intrs, — v. 
intra. u. trs. *7 eideln, v. trs. u. intes. —zeigen, v. tre. f 

"st a Ende, Mitzehenten ic. D. —ung, 

O Die Mitzeit, 0. 9. die gegenmärtige Zeit. Mneigenfid, bie in 
ber’ gegenwärtigen Beit zugle ich lebenden Menſchen, die Witcnenſchen, 

bie Mitwelt. „Die Mitzeit und Nahmwelt.- Kofegarten, (R.) 

© Mitzeitig, adj. u. adv. zur Mitzeit gehörend, in der Mitjelt Ier 
Abendð wie duch, zu gleicher Zelt ſeiend, geſchehend. Die mitzei⸗ 

ige Seſchichte, bie Geſchichte ber neefhlihenen Wilke und —* 

a einem mad demſelben Zltraume (eyacktenirtiche GSeſchichte). C. 

Davwon dir — 


fMitzen, r. ten im Gelntitäen, ie æu · mepnnen. @. Bir. D. 
Miten. -D. —ung. 

X Mitzerren, v. I) intes, mit Antern armeinfhaftrich gexwen. II) trs, 
mit fidy geszen, gemaltfamer Meife mit ſich ziehen, mit fi nehmen, 

D. Mitjerrm. D: —ung. 

De Mitzeuge, —n, 9 —n, ber zugleih mit Andern in einer 

>» Bahr Beuge if. 

PMitzeugen, v. I) äntes, mit Xndern ein Beugniß ablegen. II) trs 
mit Undern zugleich zeugen, bervorbringen, D. Mitzeugen. D. —ung. 

Mitzieben, v. uncegetm. (f. Ziehen). I) intzs. mit fein. 2) Bugleid 
mit Anbeen ziehen, auf bem Buge begriffen fein. „Bpher als Leib 
mebilus (Lribarjt) freuete ſich auf feinen Autheil am deldtragen und 
Mitziehen. 3. 9. Sihter. Uneigenilih auch von Sachen. 

Bum GIäd if immer unverfehet, 

Ger! er Hinzu, das Räfden mitgezogen. Wieland. 
=) Zugleich mit Audern ziehen, die Wohnung verändern. II) tre, 
mit Andern zugleich, in Befellfhaft ziehen. D. Mitziehen. D. —ung. 

Mitzielen, v.intrs, —jieren, v. tes, —zimmern, v. intra, u. trs. 
—sirkeln, v. tr. —zirpen, v. intes, —zifcheln, v. intrs, 
—zifhen, v. intrs, ſ. Dit, zu Ende. D. Mitzieien ıc. D. —ung. 

Mitzittern, v. I) ner. mit haben, mit Xntern zugleich zittern; bes 
fonders mit Anderw aus Teilnahme, Mitgefühl zittern. „Die mit» 
sitteenden Resven beim Anbli eines Eribenden.“ Wieland, -II) in- 
trs, mit fein, zitterad, mit ungtwiffen Schritten mitgehen. — D. 
Mitzittern. 

Nitzigen, v. intrs, —jögern, v. intes, —jollen, v. intzs, u. trs, 
x —zotteln, v. intrs, mit fein. —juden, v. ntr. mit haben, 
—judern, v.trs, —jügeln, v.txs. — zuͤnden, v.trs, —jupfen, 
v. tr. 4. inte, —zuͤrnen, v. mtr. mit haben, uw. intrs. 
x —jwaden, r. trs. f. Mit, zu Cade. D. Mitzigen x. D. 
—ung. 

O Der Mitzwed, —s, 2. —, ein Aweck, welchen man zu gleis 
der Zelt mit einem andern zw erreichen ſucht. „Gr enthält fein 
glüpentes Hery, dat ben Mitzweck auch gut, auch edel zu, feinen, 
um bie Liebe biefes Belichten zu finden,“ Sonnenberg. 

Mitzweifehn, v. inte... —jwiden, v. tr. —jwingen, v. trs. 
ungegelm. (f. Bwingen), —yjwirnen, v. tr. — zwitſchern, v. 
intrs, ſ. Mit, zu Ende. D. Mitzweifelm ıe. 

X Das Möbel, —s, By. —n, eigentifd, jedes bewegliche Gut, der 
fonders aber Hansrarh in den Bimmern und- Kammern, wodon man 
su feines Bequemlichleit Sebrauch mat, ade Tiſche, Stähle, Bet: 
ten, Spiegel, Schränke, Kaſten ıc., ein zwar aus Mobilien emtflan« 
denes, aber in Deutſche Form gegoffenes und im gemeinen Leben 
m bekanntes Wort, welches Taum-mebz für fremb angefchen mer 


ben kaun. 

x Möbeln, v. tes, mit vela verfehen (meubliren); befonders in 
dem zufemmengefepten ausmöbeln. ©. auch Vermoͤbeln. D. Moͤ⸗ 
bein. D. —ung. 

+ Moblicht,, adj. u. adr. em Nusdreud der Gerber, welde ein Leder 
mobliht nennen, wenn es eine Äberfläffige Bare befommen bat, ir 
dem #8 zu lenge im Kalle Tag, woron es weich wird unb bie Farbe 
durqhſchtagt. 

Die Mode, . —n, bie angenommene Art und Welfe bes Berdal- 
tens im geſelſchafttichen Beben ; fofern mai fie für angenehm unb 

* Ihn Hält; befonders, die angenommene aber fehe preänbrilihe Art 
und Meife fh zu Beiden umb zu (hmüden. Vergl. Gebrauch, Br: 
wohnheit, Sitte. Sid mad ber Mode Beiden, tragen. X Rah 
bes Mode gehen, ſich fo Bleiben umb pupen, mie es bie Mote mit 

" #& beingt. Der Mann nad der Mode, ber ſich genau nah ber 

Mobe richtet. Das bringt bie Diode To mir ih, Be if die Mode 
fo. Eine Mobe mitmaden. Mine neue Mode erfinden, aufbein 
gen ꝛe Mies iſt Längft aus der Mode gekommen. Solche Ausdrüde 
Find jept zur Mode geworben, ı röten mad der Mode. Bumeilte 


Modra 


wird +3 im gerueinen Lehen auch ohne Deutewort gebraucht. Mas 

wor hundert und eft noch vor langerer Zeit Mode war, wird oft 

wicher Mode. Dies ih nit mehe Mobe. 

Die Modeamme, 2. —n, eine Amme mad der Mobe; in en 

gerer Bebrutung, eine Amme weldye mit ben mobifhen Kltidbern-aud 

Fehl.e und uͤble Eigenfhaften, bie hesfhenb geworden find, angrs 

nommen bat, ober auch, eine Amme fofem fie Mobe if, fofern os 

bei Wornehmen Mede ift, eine Amme zu halten. 4 

und verbuhlte Mobeommen: fäugen a: 
Ste mit @itermilh aus gift’gem Blut. R:2.%. Mändpaufen. 
© Der Modeausdruck, —es, 4. —aus druͤcke, ein Xusbeud, weicher 
Brote ober zur Zeit beliebt und herrſchend geworden ift. „Ein Modes 
austrud, baburd er den gens du monde befannt umb nad Halle 
zurdbegufen wurde.“ Herder. 

Dad Modeband, —es, ig. —bänder, Wand ſo mie «8 grrabe 
Mode ik. - . 
O Die Modedame, By. —n, eine modiſche, d. b. fi in allen 
estäden nad der Mode rihtende Dame; in ber gemeinen Sprechart 
das Modeweib, und mit einem haͤrtern Ausdrucke, wenn fie es übers 

treibt, eine ModenÄrrinn. 

Der Modedichter, —s, 9. gl; bie —inn, By. — en, eine Per 

‚ fon, weiche ſich im Dichten oder Verſemachen nad der Mode, ober 
dem herrſchenden Geſchmacke richtet. 

Die Modefarbe, 2. —n, eine Farbe, welche in Kleidern, Gerd: 
then ıc. Diebe ift. 

O Ber Modegeiſt, —es, o. Dig. ber Geiſt ber Mode, bie hertſcheude 
Neigung ANıs nad ter Mobe zu haben. „— und ber Modegeiſt 
fhmädte Eier fon: mit Iofalen Bergierungen* ıc, Ungen. (R.) 

Das Modegerätb, —es, By. —e, ein Geraͤth mad) bee Mode; wie 
aud jedes Geroͤth, weldes bient bie Mobe mitzumaden. 

O Der Modegeſchmack, — es, o. 24. ein Ceſchmad, welcher Mobe 
if; zum unterſchiede vom wahren, reinen Geſchmack. — baf aber 

fpäteze ben Ägipterſtil, wie wie das Chinois und A la Grecque zum 

Modegeſchmack mißbrauchten* ac. Herder, j 

Der Modehandel, —s, 0. 9. der Handel mit Medewaaren. Einen 
Modehamdel anlegen. Davon bet Mobehändier, iR.) die —inn, 
eine Yerfon, melde einen Mobehandel treibt, und bie Modehand: 
lung, (R.) eine Haudlung, in weldes Medewaaren verkauft werben; 
der Modeladen. 

O Der Modeherr, —ın, 2. —en, ein mobifder, d. h. ſich in 
allen Etäden nad ter Mode richtender Herr; mit einem häztern 
Ausbrude, wenn er es übertzeidt, ein Mobenarr. S. auch Modeling. 

Der Modebut, — s, By. —büte, ſ. Modekleib. 

Das Modekteid, —es, 4. —er , und bie Modekleidung, 4 
—en, ein Kleid, eine Kleidung nad ber Mode, fomwol in Aufıhung 

des Ehnitted, als aud ber Farbe ıc, > en fo aud Den ben einzels 
nen Kleibungsäden. Mobshüte, Modeſchuhe, Mobeftiefel ıc., 
Hüte, Schuhe, Stiefel ıc. welde fo gemacht und überhaupt vom fols 
er Befihaffenheit find, wie bie Mode verlangt, 

Der Modelopf, —es, 2. —töpfe, ein Kopf nah ber Mobe. Im 
den Befläten heißt der Kopf eines Pferbes, mwelder von ben Opren 
bis an tie Dbrelefje einen halben Bögen wacht, ber Modekopf, 
weil ex am belichteften‘ if; and halber Ramskopf. 

Der Modefram, —ed, My. u. 1) Der Kram ober. Feine Handel 
mit Mobeivaaren. 2) X Alteeiei mobifde Dinge, befonders modiſche 
Kleider und Putzſachen z in verähtlihem Sinne. 

— befdenkt fie täglich [ice 
IJ Mit neuem Modekram, wit Spihen. — MWielanb. 
Die Modekrankheit, 4. — en, eine Krankheit, melde, gleichſam 
Modbe iſt, d. d. eine herrſchenbe Krankheit. Zuweilen auch woheine 
Krantheit, welche man als Felge einer gewiſſen Mode ober eines 
" Mobriafters bat; , . x 
Dir (dad) Model (Modi), —s, Dir al, 3) Inder, Baukunft, 


o 


328 ° 


Model 


ein Maß, bie Slieber and Theile ber Saͤulenerhnungen und 
ber Säulen, im welder fie von einander ſtehen ; auezume ſſen unh zu 

» beflimmen.. Man-theilt ihn wieber im 30: Fleinere Meile oben Mi: 
nuten, 2) Ein Bid, Mufter, befonters bei ben Mäherinnen- und 
Weber. Model in ein Tach nähen, In weiterer Bebrutung, übers 
haupt ein Begenflanb, welden man als ein Borbild, Mufter nadp 
bildet, befomberd in dem bilbenben Künften, wo man «perzäglicd ein 
eines nad) verjängtem Maßſtabe werfertigtes Lünfiliches Städt aber 
Werk von Holz, Thon, Gips ıc. darunter verſtehet, nach weichem ‚ein 
anberes gewöhnlich größeres audgeäsbritet ‚wirt. Im biefemWeben: 
tumg lautet e4- gewöhniid; das Model; bei Aubern had Modell 
welches aber unbentfhe Betonung bat, Das Mobel,einer Mühle, 
eines Kunftgezeuges ıc. Bergl. Vorbild, Mufter, Beifpiel. 3) Eine 
Form, einem fiäffigen oder weichen Rörper barin eime gewiſſe GHeftatt 
su geben. Ein Gießmodel, Anopfmodel, Kugelmodel, Töpfer 
mobil x. S. b. , : 

Der Modeladen, —#, 2. ol: f. Modehanbel. % 

OX Der Mobdeslaffe, —n, By. —n, ein mobifher Safe, ein Baffe, 
welcher alle Dioden mitmadıt. a 

—  Mobelaffen, 
Die nad allen Dirnen gaſfen. Blumaner. 

O Das Mode⸗land, —es, 3. — laͤnder, ein.Sand ber Mode, ein 
Land aus welchem neue Moben kommen; wie auch ein Sand, in wel 
chem etwas Mode it, ober Leicht zur Mode wird, „Dinab alfe in 
bie Ziefe! ins Mobeland neuerer morgenländifher Dirngefpinfe, 
Ägipten. — Herder. j 

Das Modeslafter, —s, 9. st. ein Lafer, weldes gleihfam Mode 
ift, welches beſonders bei mobifhen Leuten von gewiſſem Zone-ge: 
woͤhnlich ober herrſchend ift. e 

Das Mobel:brett, —es, Di. —er, in ben Stüdgiepereien, fo viel 
als Kormbrett, S. b. 

Der Mobdeler ober Mobler, — 8, 2%. gl, einer der etwas mobelt; 
befonders ein Künftier, ber ein Mobel: von ober zu einer ‚Bade 
macht (Moudellirer), E om 

+X Das Model-geer, —es, BY. u. in-manden Gegenden D. D. ein 
Rame der Kreuzwurz (Senecio vulgaris ‚L.);: auch Balbgretis, 
Sperrenftich ıc. 

Das Modelbolz, —es, Big. —hölzer. 1) Ein Holz, weldes als 
Meobel zu etwas bient. 2) Ein Dolz welches etwas bamit zu mas 
dein dient. In ben Gifenpütten, das Holz, worin bie Stange bei 
bem großen Durchſchnitte einer Roͤhre, welche gegoffen werben foll; 


ſtedt. 3-9 
OX Der Modeling, —es, 2. —ey ein fi auf eine ſtlabiſche 
und verähtlihe Art in allen Etäden nah der Mode Fihtender 
Menfh; mit einem- haͤrtern Worte, ein Mobenarr. „Die Ber 
mäßigten unter ben Mobelingen belachten und belädelten Herzlich 
bie Figur." Ungen. * 
Die Modelkunſt, Di. u. bie-Runft Model zu machen; wie auch, bie 
Runft abzuformen und überhaupt zu formen (Plastik, Modellirfunf). 
Der Modelmader, —s, Wi. gl. ein Künftter, welcher Model. zu 
maden verfichet. ©. Model 2). ind biefe Mebel in Holz gr 
ſchnitten, fo heißt der fie verfertiget de Kuͤnſtler Modelſchne idern 
beftehen fie aber in ir sarbeit, fo heißt eu Doden ſhien 
Modeln, v. trs. 1) Überbaupt geflalten, bilden, mit dem Nebenbe 
oriffe des Kleinlichen und bes Öftern Änternd, was nad feinem 
®inne modeln, 7 

Nun modelt Frankreicht Mi das ganze Deutſche Mei, Up 
Dana, ein? gewiffe beflimmte Gehalt geben, ohne jene Rebenbegriffe. 

Eine ‚Gergatte zur Sünelen Fahrt modeln, ihr eine ſolche Weftant 
ben, weile die Schnelligkeit Im Segeln Gegänftiget. Mefonders, ‚eine 
beſtimmte Beftalt gehen um ‚etwas. Anderes danach auezuarbriten, 
„in, weicher Veheutung es als iutrs, ‚gebrauhtuwind ((modeliiren). 
In Gips, Thon, Wacht modein. Das Modeln verfariem „ar Mit 


Model 


allerlei Bildern, Zeichnungen verfehen; beſondert bei den Webern. 
Zeug, keinwond modeln. Gemobelte Zeuge, Bänder; in Gegenſat 
der glatten. Gemodelte Bachſtaben, bei den Shönfhreibeen, Schrift⸗ 
ſtechern und Schriftgirpern, mit zierlichen Zügen it. verfchene Buch⸗ 
Haben. D. Modeln. D. —ung. 

Die Modelfammlung, 2. —en, eine Sammlung von Mobeln, 

Der Modelſchneider, —, M. gl. ſ. Modelmachet. 

Der Modelftein, —es, 9. —, eine derſteinte Boprmufel, Bohrs 
mufheiftein (Terebratulit,, Remntd, 

Der Modiltifchler, —, 4. alr f. Modelmager. 

Dad Modeltuch, —es, Pr. —tücher, bei den Räherinnen, ein Tuch, 
worein Motel db. h. allerlei Mufter in Bildern, Buhktaben ıc. ges 
näfet find, um bavon gelegentlih Sebrauch zu machen und danach 
autsunähen. : 

X Der Modenarr, —eın, Br. —ın; bie —naͤrrinn, ip. — en, 
f. Modeherr, Modefrau und Moteling. 

‚Der Modeprebiger, —s, %- gl. ein Prediger, beffen Predigten 
während einer 3eit am bäufigfien befugt werden, welcher gleihfam 
in ber Mode iſt; ober aud ein Prediger, welcher im mobifhen Bes 
(made prebiget. 

O Der Modepriefter, —s, 9. gl.; bie —int, 9. —en, ein 
Prieſter der Mode gleihfam , welcher ber Mobe huldiget, welder in 
die Seheimniffe der Diode eingemeihet it, Moben erfindet ic. — 

_ Bo$ man barauf ſchwbren follte, bie Faͤchermoden hätten vor 2000 
Jahren bei ben Sriechiſchen Damen — eben fo häufig gewechſelt, als 
bei den Mobepriefierinnen im Parifer Braslatte u. Böltiger. 

Der Moder, —s, Ph. u. ein durch Waſſer, Räffe feiner Feftigkeit 
und Dauerdoftigkeit beraubter und mehr oder weniger aufgeläfter 
Abrper; N. D. Mudder. Go Heißt die non beftändig ſtehendem 
— * durchdrungene CErde, ber ſchlammige Boben eines Sumpfesic. 

oder. 

Dennoch zweifelt man, ob ber Karren vorwärts, ob rädwärts 

Getz'? und ob er dem Moder entfireh', ob tiefer Hineinfant, Ungen. 
In weiterer Bedeutung wird im gemeinen Leben in R. S. ber vom 
einem. ſtarken cher anhaltenden Regen verurfachte Keth Mober, 
Modder, Mudder genannt. Im Bergbaue iſt der Moder eine ſtau · 
bige oft feuchte Decffe, In engerer Bedeutung if Dicher ein von 
ber Fäulnig aufgelöfter umb fo vertrockneter Körper, baß er bei leich⸗ 
ter Berührung erfüllt. Zu Moter werden, verfaulen, vermweien. 
Wir werden zu Moder und Stande. Bergi. Moraft, Sumpf, Roth. 

Der Moderduft, —es, 9. u. der Duft bes Mobers, ein bumpfigee 
Seruch. Febhlich Täftete num altenden Moderduft 

Rings auf heimiſcher Flur jeglicher Singergtiſt. Boß. 

Die Moderente, u. —n. 1) Die Rorbifhe ſchwarze Ente, auch 
braune Setente (Anas fuses L.). 2) Die Bergente, welche ſich 
im Norben im unterirdiſchen Höhlen aufhaͤlt und ſchwarz gezelchnet 
ift (Anas morila L.); auch Murente, unterirbifhe Ente. 

A Die Modererbe, o. 9. mederige ober auch aus vermoderten Koͤr ⸗ 
pern beſtehende Erbe, „Daß fein Seiſt Othem des kebens wieder in 
zerruͤttete Mobererbe hauchen und Sottesgeſchlecht daraus ſchaffen 
ante,“ _ Herder. 

Das Modererz, —ı6, 2. von mehreren Arten, —e, im Wergbaue 
mancher Brgenben, Sifenens, welches im einem mohberigen ober ſum⸗ 
pfigen Boben gefunden wird; aus Sumpferz, Moraflerz, Wiefen- 
ers, Moraftftein. 

Der Moderſiſch, —s, 4. —e. ı) Ein in moberigem Waſſer le⸗ 
binder Bild, =) Bei Müller, eine Gattung Wallerfifge, wel 
Ge fh in fhlammigen Gründen ſüßer Waffee in Amerife aufs 
halten, movon fir auch einen mobreidten Geſchmack haben (Amia 
calra L.). j 

Der Mobderfleden, —8, 3. gl. bei den Tuchwebern, Flecken, welde 
im Tache entttehen, wenn #6 zu lange auf dem Tuchbaume bleibt und 
nicht abgrrollt umb geläfter wird, 


Sampı's Börterb 3. Th. 


329 


Modef. 


Der Modergrund, —es, 2. u. der moterige Grund eines Waſſers; 
R.D. Mudtergrund, 

Der Moderbamen, —s, 34. gl, ein KHamen an einem eifernen 
Ringe, ben Moder, Schlamm aus Gräben, Teichen ıc. bamlt zu 
zithen; NR. D, Mubdberhamen. 

Modericht, adj. u. adv. dem Mober Ahnlich. Ein moberichter Gen 
sch, Seſchmack. Maridtig wird bies für moberig gebraucht. 

Moderig, —er, —fle, adj. u. adv, ı) Aus oder beſtehend, Mor 
ber enthaltend, vol Motderd. Ein moberiger Boten, moberige Erbe, 
Moderiges Waſſer. Irrig wird damit mobdericht verwechſeit. 

Aus dem modrigten (moderiht:n) Grab Famfl du erholten zuruͤck. 
Kiopftsd 
2) 5 Dem Mober aͤhallch, befenters ia Anfehung bes Gethrnalfes 
unb Geruches, mobericht. Bin moberiger Gelhmat, Getuch. Der 
Fiſch ſamedt moberig. Das Waffen zieht moderig. 

+ Dos Mobderforn, f. Mutterkorn, 

+ Das Moderliesken, —s, 9. gl. ber Spierling oder Schhnelder⸗ 
karpfen (Cyprinus aphya L.). 

Die Movdermühle, 4. —n, ein Triebwerk, welches pliih einer 
Wirbmühle mit Flügeln verfehen it und welches vom Winde brwegt 
wird den Moder aus Gräben und Zeihen zu ſchaffenz R. D. Wubr 
der muͤhle. 

Modern, v. atr. mit haben, zu Moder werben, in Moder zerfallen, 
von feften Körpern, wilde durch Mangel an friſcher Luft und Aeuche 
tigkeit aufgelöfet werben, zerfollem,. Die Bäder und Haudſchriften 
fad in biefem bumpfigen Gewölbe halb gemobert. Er modert 
(den im MBrabe, Das modernde Gebein. Vergl. Faulen. D. 
Modern. h 

Der Moverprabm, —eb, Bu. —e, ober ber Moberprahmen, 
—$, PH. gl. ein Prahmen, den Meder aus Zeichen, Kunftläffen ac. 
die man zeiniget, wegjufäßeen; R. D. Mudberprahm. 

Das Modermwaller, —s, 4. al. ein moberiges Waſſer. In em 
gerer Bebeutung nennt-man moberiged Waſſer, welches über einem 
Ichmigen Boben ſtehet; zum Unterfhiede vom Bruch: ober Moses 
waſſer. S. d. und Sumpfwaffer. 

Der Modeſchneider, —e, 9. al. ein Schneider, welcher Kleidunge-⸗ 
ſtuͤcke nad ber neueften Mode macht; "wie auch ein Schneider, wel⸗ 
Ser in ber Mobe ift, bei welchem jeber arbeiten laſſen wid. 

Der Modeſchnitt, —ed, Di. u. der Shnitt der Rleibungsftäde nad 
ber Mode. u; 

Die Modefchönhelt, 99. —en, eine motifhe Schoͤndelt, eine Sqhbu ⸗ 
heit welche Mode it, „Da biefer geblämelte Stil bie neucfe Mor 
befhönhelt iR, form. Herber . 

Die Modeſchrift, . —en, eine Schriſt, welcht häufig gelefen with 
und berem Lefung gleihfam zur Mode gehört. 

Der Modeſchriftſteller, —s, 3. gl. ein Scäeiftkelier, welcher im 
modifhen Geſchmacke Threibt, ober beffen Schriften gleihfam nur 
weil es fo Moede ift gelefen werben. - 

Der Modeſchuh, —s, Mi. —, f. Motelteib. i 

Der Modefpott, —es, 0. 2%. ein Spott, wrider Mode ift, welde 
man aus Mobe Aufert, „Das brauche ich nicht zu bewelſen, unb 
bas wird Fein Mobdefpott wegrümpfen.* Herder. 

Die Modefprache, y. —n, eine Sprache, welcht Mobe ift, ober 
wie fie Mobe if. @tieler. 

OX Der Mobefteiß, —es, 9. —e, ein Fünfliiher Steiß, weichen 
man aus Mobe einft ſchoͤn fand und trug (Cul de Paris), Pfeffel. 
Auch der Afterſteiñ. © b. 

Der Mobeftiefel, —s, 9. al. ſ. Modekleid. 

O Der Modeſtolz, —ı6, 0. 34. ein Stolg, weder in ber Mode 
feinen Grund hat, welhen man barhber Aufırt, daß man bie Mobe 
mitmacht and mitmadhen fan, „Sogar miin Unziät nachzuahmen 
wird Modeſtolz.“ Wenzel: Sternan, 

Die Modeſucht, o. By. die Sucht ide neue Mode miltzumachen. 


42 


Modeſ 


Modeſuͤchtig, —er, —ſte, adj. u. adv. (M.) Mobefucht hadend und 
seigend. Unfere modeſuͤchtigen Damen. 

© Der Mobdetand, — s, 0. DM. allerlei Zand, d. 9. Dinge 
ohne rigentlihen Werth und Rugen, weicher zur Mode gebört unb 
welchem die Mobe Werth und Borzüge giebt. ©. fhlug daher bier 
fee von ihm gebildete Wort für Nippes vor. As ift aber auch im 
ber Folge in weiterem Einne für allın Modekram gebraucht worden. 
— und zip nit in jeber (Beitiufe) ber nen aufgelommene Mobes 

tand ten Strom ber Wenigen nad fih?" Ungen. 

O Der Modetbor, —ın, 24. —ın, ein Menfh, der auf Moden 
einen grofen Werth legt, neue Moden zu erfinden ſucht ober fie fo: 
aleid mitmaden will und in fofern ein Chor if, „Wir nennen die 
Franzeſen Mobethoren; fie ſinde allerdings, db. h. vorzäglid im 
Kieinigkeiten, und wir ahmen ifnen treulih nad," Ungen. (R.), 

O Die Mobethorheit, 9. —en. 1) Die Zhorheit, da man nu 
neue Droben zu erfinden fuht, oder neue Moden mitzumachen eilet; 

. ohne Mehrzapl. 

und zeift jegt nach ber Stabt, ber man von allen Enben 
Guropens den Tribut ber Modethorheit zeut. Wärbe. 

© Die Modetracht, 9. —en, eine modife Tracht, eine Tracht 
welche in ber Mode iſt ober au war, — aus einem Heinen Bänb- 
chen nirblid INuminister Gemaͤhlde (ausgemoplter Bilder) von alten 
Italiſchen Modetrahten.“ Böttiger. - 

Die Modewaare, By. —n (R.), Baarın, welde in ber Mode find, 
Mit Modemwaaren handeln. ; i 

Das Modeweib, —ıs, 24. —er, ſ. Mobebame. 

© Der Mobewig, — s, 4. u. ein Mid, welder, ober fo wie ex 
Mode if, — weil man fie eben gemößntih dem Modewitz zur 
Höhnifhen Schau bloß ſtelt.“ E. Wagner. 

O Die Modezeitſchrift, y. —en, eine Zeitſchrift. welche bie neue: 
ſten Moden anzeigt und beſchreibt (Mobijournal), Hat eine ſolche 
Schrift die Form einer Zeitung, fo heißt fie Modezeitung. 

O Die Modezeitung, u. —ım, ſ. Mobrzeitfhrift. 

Der Mobezeug, —es, By. —t, din Beug, wie er gerabe Mor 
be iſt. \ 

O Der (die) Mobezieratb, — es, Di. —eın, ein Zierrath, wel 
dem man trägt, weil es die Mode fo mit fi bringt. 

As Modezierrath darf der Braut bie Uhr nicht fehlen. G@otter, 

Modiſch, —er, —ſte, adj. u. adv. 1) Der Mote gemäß, nad der 
Mode. Mobifche Kleider. Cine modiſche Tracht. Sich modiſch 
leiden. Modiſche Beräthe, Mobifche Maaren. Modifhe Sitten. 
0) Der Mobe fälgend, biefelbe deobachtend. Mobifche Herzen und 
Damm. Modifhe Sqhriftſteller. " 

+ Der Mobt, f. Moth. 

+ Die Möge, 0. 9. im N, D. bat Vermögen, bie Macht, Gewalt, 
„Diefer Brief fol Beine morge ober maht haben,“ bei Frifh. 
Wie auch, das Mögen, Wollen, bie Neigung. Über feine Möge efs 
fen, über fein Bermögen, mehr als man mag, als einem ſchmect. 

Mögen, v. atr. mit haben, u. intrs, unregelm. ih mag, bu magft, 
ee mag, wie mögen 16.5 gebunb. F. ich möge, bu mönft, er moͤ⸗ 
ge 2; um. verg. B, ich mochte; geb. F. ich moͤchte; Mittelm. b. 
verg. 3. gemoct; Befehlw. (mern man es bilden mil) möge. 
a) Können, Kraft, Bermögen haben etwas zu thun, durch Fein Dins 
derniß, Beine Cinſchraͤnkung abgehalten wirben zu fein und zu hans 
dein. „Mag aud ein Blinder dem andern den Weg iweifen ?* Burc, 
6, 39. Seiter mögen meine ſchwankende Knie nicht.“ Befiner, 
»Das Sand mochte nicht ertragen." ı Mof. ı5, 6. 

Daß ideen Blanz im Sonnenfdhein 

Die Xugra kaum ertragen mochten. WBierlanb. 
Diefe außer dem O. D. wenig gebräuchliche Bebeutung koͤmmt auch 
noch in ben Kanzeleiem vor, 3. B. Es bat ihm folhes nicht derdacht 
werben moͤgen. In biefem inne fimmt auf not bas Dittelmort 

"dar gegenwärtigen deit mögend vor, Indem bie Etasten oder Stände 


550 


Mög 


der vereinigten Riederlande moͤgende Herren betitelt werten; zum 
Unterfgiede von ten größmögennden ‚Herzen, ben Ständen von Hals 
fand, und ten Gochmögenben Herren, ben Etäuben ber färhmtligen 
vereinigten Staaten der Niederlande. Zuwellen ift mit bem.Ber 
griffe bes Wefiges der Kraft auch der Begriff der Kußerung derfels 
ben verbunden. 
— — — Mögen benn Erze 
An Trie gefhlagen fo viel, und bas krumm gehöenete Schaltrohr? 
Boß. 

In engerer Bebentung wird mögen gebraudt (1) für Können b. h. 
Mat, Erlaubnis Hasen zu thun, fofeen ber Wille eines Anbern 
nicht daran hindert, Warum find Sie niht gefommen, daß ich fra⸗ 
gen mag? Vor mir mag er es thun, d.h. was mid) betrifft, fo fan, 
To darf er es thum, ich werde es ihm nicht wehren. Mag er dech 
fagen was er wid, „Mag er doch ben Berdacht haben.“ Weiße. 
Dft deut man aud bamit ben Begriff aus, da man einen Anderh , 
einem gewiſſen Zuflande eber ſich ſelbſt Überläft, womit benn 
ein gewiffer Unwille verbunden if. Er mag nun zuſehen, mie 
er ohme mid, fertig wird, burdlömm. Er mag nun fühlen, 
wie es thut ꝛc. Im biefem Halle bedient man ſich auch bloß der 
gebundenen Form, momit man einen Wunſch ausbrudt, fo baf bie 
Bedeutung [Kon etwas von ber eines Wunfhes und Wollens ans 
nimmt, Dan kann nämlih auch fagen: Er ſeht nun zu, wie er 
ohne mic fertig wird; er fühle num, wie es tHut, Bäufig bebient 
man fich (2) diefes Wortes, ſofern an ein Zulaſſen, Richthindern 
babei gedacht wird, um zugleic eine Gleigglitigkrit damit an ben 
Tag zu legen. Mag es doch fein, wos fümmerts mid. Mögen 
die Leute fagen was fle wollen, mir gilt es glei, , Meinetdalb 
mag er laden ober weinen. @s mag kommen wie es wolle, ober 
wozu es wolle. Mas ich aud Jagen mag, man achtet nicht darauf. 

Man mag gleid ſtumm und fähllos fein. 

Man fei nur fhön, fo nimmt man ein, @ellert; 
db. h. es if gleichgültig, man fei flumm und fühliee, man nimmt 
bed ein, wenn man ſchoͤn ifl. Erhr Häufig bedeutet mögen (3) fein, 
geſchehen, erfolgen Fünnen, wenn von einer ungewiffen ober aud 
möglihen Sache bie Rede if. Fe mag recht gut fein, daß es fo 
gelommen ift, Was es aud Eoflen mag. Worin wol die Bebingun- 
gen defichen mögen? Mas mag unfer alter Frtund machen? Mas 
mag bies bebeuten? Wenn von einer möglihen Sache bie Rebe if, 
welche unter gewiffen Umflänben Teiht in Wirklichkeit übergehen 
kann, gebraucht man mögen in ber gebunbenen Form, wo es bann 
gewöpnli eine Beforgnip einſchlleßt. Wenn fie nicht bald kom⸗ 
men, möchte es zu fpät fein Weizen Sie ihn nicht, er möchte Sie 
font beleidigen. Daraus möchte wol nichts werden. DBiren Eile 
auf, id möchte fonft Höfe werben. Sein Cie auf ber Hut, man 
möchte uns hören, ſehen, verrathen ıc. Oft fließt es aber auch 
eine Bermutbung, eine Babefheinligkeit ein, Es möchte ihm eine 
fo gute Gelegenheit nicht leicht wicher kommen. Es möchte eins 
leicht fo ſchlimm fein als bas andere. Cs mochten etwa acht Tage 
vergangen fein, als ıc. „Im Grunde mag fie ihn wohl Iriben kin 
men.“ Weiße, „Ih möchte biefes Weges fo bald nicht wieder Toms 
men,“ Leffing. änmellen gebraucht man es fpöttifc auch in eis 
nem entgegengefehten Sinne. 

Unb eine Frau if ohne bem (bied) ein Bamım. — 

Ein Eımm? ba magſt bu Weiber kennen? Leffing. 
s) Dft dient mögen! auch, einen Rath, eine Witte, einen Befept, 
unb befonbers einen Wunſch ausjubruden, Gr mag ſich nur In 
Adt nehmen. Er mag immer eilen, bamit er mit zu ſpaͤt Bimmt, 
Das möchte er ja unterweges laffın ! Er ließ mich erſuchen, dab ih 
doch auf ein Wort zu ihm Zommen möchte Gag ihm er mödte 
fogteih mad Hauſe gefen. Ih gab ihm ein Beiden, daß er fhmei- 
gen möchte, wo es das Mittel zwiſchen befehlen und wänfden ober 
bitten if, auſtatt daß follen nur einen Befehl anzeigt. Daß wir 


Mög 


ein Files Leben führen mögen.” ı Zim, a, ». Diefe lehte Bes 
deutung bes Wänfhens maht den Übergang zu beriemigen Sauptber 
bentung, nad welcher mögen 3) für wollen gebraucht wird. Doch 
ift mit diefem Begriffe in allgemeinen bee Rebenbegriff des MWänfdens 
und Begehrene, ober baf bad mas man will gefällt, angenehm ift, 
mod genau verbunden und häufig wird mögen für ein befkimmteres 
Wollen nur als ein milderer Ausbruck geſegt. Er möchte wol, 
wenn er koͤnnte. Ih möchte wol willen, was an ber Sache iſt. 
Das moͤchte ih nicht gern, 4. B. haben, thin ıc. ober daß man es 
thäte ıc, Gr hat es nur nicht geſteden mögen. Ich möchte gern, 
daß Sie ein Paat würden.* Gellert. Ih möchte das nicht hun, 
ih Hätte nicht Luft, id würde mid hüten, das zu thun. 
"36 möchte wol ber Raifer fein. Gleim, 

Er mag das wol feiben, er hat dad gern. Im R. D. fagt man 
au er mag tab, er hat bad gern, er ißt bas gern. Fuͤr mollen 
gerabezu, befonbers fofern ed Neigung, kuſt empfinden, etmas zu 
tun unb gefchehen zu laffen bebeutet, wird es mar in ber härtern 
Soprech· und Schreibart gebraucht. Ich mag nicht, ich will nicht. 
Ih mag nichts weiter hör. „Braben mag ich nict.* Eur. 16,5. 

3 bebarf ihn (den Spiegel) nicht mehr. Denn was ih vormahls 

geweſen 
Kann ich nicht — mas ich jetzt bin, mag ich nicht in ihm fehn. 
i IR. Bir. 

Im D. D. aud mit bem zweiten Falle der Sacht. „Deere mag id 
nicht. Eſ. i, 1a3. — 
% B. bürfen, koͤnnen, wollen, müſſen, ſehen, hören ec. auch in der 

„ unbeflimmten Form gebraucht, wenn man es mit einem andern Aus: 
fageirorte im der unbeflimmten Korm verbindet, anflatt daß eigentr 
lich bas Mittelwert ber vergangenen Beit fiehen ſollte. 36 babe 

. vicht Hören, fagen, thun mögen, für, gemocht. D. Mögen. 
D. —ung iſt ganz ungemöjalid. 

t Die Mögenbeit, o. 9. im R. D. bas Vermögen, bie Kraft 
Holänd. Mogendheid). 

Moͤglich, adj. u. adv. x) lberfaupt mas fein ober geſchehen mag 
ober konn. An firengerem Ginne, keinen Wiberipeud in fi ſchlie⸗ 
Send, von Dingen, fie mögen wirtii da fein ober nicht; in Gegen» 
fog von unmdglich. Gifesues und ledernen Geld ift ein mögliches 
Ding, eiſernes Fleiſch and ledernes Glas aber oder eine endliche 
"Eroigkeit, eine fehlerhafte Tugend find unmögiihe Dinge. Im ges 
meinen Sehen gebraucht wan es in weiteren Berftande auch von bem 
was unter gewiſſen Umftdaben fein ober geſchehen Tann, Es ift 
nit möglich, baf er fih fo Hätte verrechnen follen, fagt man für, 
es iſt hoͤchſt anwahrſcheinlich, fak nicht glaublih, ob «6 gleich Sehr 
wohl der Fall fein kann, umd es keinen inneren Wider pruch enthält, 
wenn man behauptet, daß fih der beſte Mehınmeilter derrechnen 
Tonne. Cine mögliche Sage. Es ik möglich, daß es geſchieht. 


Oft dient #8 eine Berwunderung auszubruden. Ifs mözlih? Wie . 


war bas möglih? Zuwtilen gebreucht man es aber bioß umflands 
wortlich, für wirttich. Wie iſt bies möglich zu machen? wie iſt 
bies zu beiwerfflelligen? Ich will fehen, baß ih es möglich made. 
Dft bient es auch, eine Sache als ungemiß zu deeiänen. Es ik 
moͤglich, dat ich fomme, vieleicht komme ih. Moͤglich! vieleicht, 
Möglihen Falles fagt man aud im gemeinen Leben, oder möglis 
chenfalls, für, auf den möglihen Fall oder im beim möglichen Falle. 
Bon ber banbeinden ober ſprecheüden Perſen gebraudt, bedeutet 
möglich keinen Biderſpruch mit ben Fähigkeiten und Kräften birfer 
Perfon oder mit ben Verbälteiffen und umfänben berfelben enttalsı 
tend. Es if mir nicht möglich. So viel oder fo gut es mir mög: 
lich it. Aloe Mögliche verſuchen. „Ih habe briner Kodıter alle 
mözlihe Borkellungen gethan.“ Bellert. „Sein Mögliches tban.* 
Seume. {f.) Häufig hört man bafdr ungut, fein Miglihttes 
thun. Inzwiſchen that ber Dann fein Moͤglichſtes, das Fräulein 
gu unterhalten.“ Wieland, Überhaupt Ieibet der Begriff, welden 


E) 


35H 


Die Möglichkeit, 9. —en. 


Mob 


möglich ausdruckt, eigentlid Beine Steigerung, denn war einmaßl 
feinen Widerſpruch einiäliept, hat [hen den hödkten Grab der DR ge 
Uchteit. Judeß, da möglich nad bem Odligen nit immer In biefer 
ſtrengen Bedeutung genommen wird, fonderm auch eft in eiriek weis 
ten, wo ein Mehr ober Weniger Statt findet, fo Laffen fich im dies 
fem Falle verihiebene Grabe der Möglicpkeit annehmen, z. B. wenn 
man fagt: Mienm es möglich if, daß feihft ker Weiſe Shen mahe 
am Ziele ber Bollenbung mod ſtraucheit, wie viel möglicher muß 
ber Ball bes angehenden Zugendbefliffenen fein! Die Bufarmenfer 
dungen größtmöglichfler, beftimöglichfter ıc. aber prebirmen auf jevem 
Ball als hart, ſprach- und finnmibrig verworfen zu werden, Man 
fagt bafde richtig, möglich größter, möglich befler u. = + Im R. 
D, für mäßig, bilig. @in mögliches Belb, 

1) Die Eigenfhaft einer Sache, ba 
fie möglid iſt. An der Möglichkeit bee Bade zweifte ih nicht, 
aber an ihrer Wirklichkeit. Die Möglichkeit ber "Boritauer nah 
bem Zobe, - 

Barum er unfre Belt vor taufend andern rief, 

Als Alles in der Nacht ber Möglichkeit as fhllef, Biefeke; 
b. b. als noch nits wirklich da mar, ſondern mur möglich ums 
noch unbekaunt war. X Rah Möglichkeit, fo viel, fo gut als 
möglig if. a) Cine möglihe Sage. Das Mei ber Mögrichkeis 
ten. Ge wor keine Möglichkeit, ihn zu Überzeugen ı., eu war 
eine unmöglide Sache. 


Mögen wird wie mehrere Ausfagemdrter X Die Möglibmahung, o. 9. die Handlung, da man etwas 


möglid, d.h. wirflih macht, da man etwas beiwerffkelliget, ausführt, 

„Die Woglihmahung biefer Unternehmung.“ Allgem. Zeitung. 

{R) S. Mistid 1). 

Der Mohn, —ıs, By. von mehrern Arten —e. 1) Ein Pflanzenge: 
ſchleqt, weiches ſich durch vier große rundliche Blumenblütter, viele 
zarte und kurze Staubfaͤden, einen großen rundlichen Frochtkeim 
mit einem platt auffigenden, ſchitdſormigen und eingekerbten Staub 
wege, buch eine Fugels ober IÄnalihrunde hohle Frucht mit vielen 
Kieinen Gamenfirmem auszeichnet (Papaver L.), Der wilde 
Mohn, f. Feldmohn. Der in Gärten angebaute Mohn, der Gartens 
mobn (Papaver somniferum L.) wird vorjugsweife Mohn ges 
nannt, er blüht weiß unb roth, ober auch bläulih, und in ben war: 
men Ländern ziget man bie unreifen Samenkapfeln beffeiten auf, 
bamit der mildartige Saft hepausbeinge, melden man verbiden 
1458 und als ein betäubendes, im einen tiefem Schlaf verfegendes 
Wittel (Opium) gebraucht. Won biefer einfhiäfernden Eigenfhaft 
bes Dohnfaftes, wurden ber Wohn und die Mohnförner, die auch 
nur Mohn genannt werben, hänfig bildlich für Schlaf gebraucht, 
Co fagt man, ber Gott bes Schlafe befrinzt mit Mohn, fremet 
Mohnkörner, d. h. führet dem Schlaf herbei. 

daß er (ber Schlaf) aud heute, 

Segnend, Fränze das Haupt miz mit dem heiligen Mohn. Bäthe. 
Derfelbe Dichter gebraucht es im berfelben Bedeutung auch in ber 
Medrzahl: 

GSottilicher Woxpheus (Sqhͥlafgot?) umſonſt bewegſt bu bie lieb⸗ 

lichen Mohne. 

Daher nennt man bie Mohnkbrner auch Schlummerkoͤrner. 

‚Des Schlafes Fittig flieht fein Bager, 
Der Rute Mohn fein krankes Her. Meiner. 

8. auch Mohnſaft. =) Der ſtachelige Mohn ober Stachelmohn 

ift dem wilben Mohn äbalih, bat Ihöne blaßrbthliche Blumenblät⸗ 

ter und am Ende berfelben einen ſchwarzen halbzunden Filed oder 

Ragel (Papaver argemone L,, Argemone mexicana); auch At 

kermohn. 3) Der gefrönte Mohn mit veilhenblaum Blumen, 

in Epanien und im fühlihen Frankreich (Chelidonium hybri- 
dum L.); unechtes Schöltraut In der gemeinen Sprechart fait 

man Mahn, Maan, Maen, Mag, Magfamen, und in D. D. 

Mage, Magen. 


— 


Mohn 


Mohnartig, adj. w. adv. die Wet des Mehnes abend, dem Mopne 
gleih. Im der Pflangenlchre find mobnartige Pflanzen (Ahoem 
dese) folge, bie einen hinfilligen Kelch und eine Kapfıl ober ſcho⸗ 
tenartige Feucht haben. Wilibenom, 

& Mohnbefrängt, adj. u, adv. mit Mepn, d. 5. mit Mohnhänptern 
als Einnbiib des Schlafes befrinzt. 

Der mohnbefrängte Gett des Ehlummerd.  Wirlanb. 

Der Mobnfladen, —6, 3. gt. f. Mohnkuchen. 

Dad Mohnbaupt, —es, 9. —häupter, bie zunde ober laͤnglich⸗ 
zunte Samenkapſel bes Mobnrd, melde auf dem fangen, geraben 
und fleifen Stengel bas Anfehen eines Hauptes bat; aud ber 
er — Ahnlich dem Mohnhaupt'. Boß. 

Die Mohnkloͤße oder Mohnkloͤßchen, ©. u, in verſchledenen Ger 
genden, eine Speiſe aus mit Mid gerirbenem und peefüßten Mobs 
ne, welder mit in fieine Etäde oder in Rubeln zerfänittenen Teig 
oder auf mit Mörfeln von zerfhnittener Semmel vermifht wirb; 
in mınden Gegenten auch Mohnftriezel, 

Der Mobntopf, —s, 34. — opfe, f. Mohnhaupt. 

Das Mohntorn, — s, 3. —körner, ober das Mohnkoͤrnchen, 
——e, 39. gl. die Heinen blauen ober weißen Gamenlörner bes 
Mobnes. ©. Mohn. 

Der Mohnkuchen, —s, 24- u. eine Art dünner Kuchen, welche 
mit einer Lage vom zertiedenem Mohn bebekt find, Mohnfladen, 
in Misren und Ungarn, Kolätfchen. 

Dad Mohndl, —es, 94. u. das aus dem Mohnfamen gepreßte DI, 
deffen ſich die Mahler Häufig zu den Ölfasben Bedienen; im O. D. 
Magol. 

* Die Mobnräute, =. u bie Monbraute, S. Mondfraut, 

Der Mobnreiber, —s, 34. gl. 1) Eine Perſon, welche Mohn 
reibet; die Mohnreiberinn, eine ſolche weibliche Perfon. =) Ein Reir 
ber, bh. ein hölgeenes Werkjeug in Geſtalt einer Fleinen Keule, 

"Mohn zu &peifen in elnem tiefen Mapfe bamit zu reiben ober zu 
jermalmen; im gemeinen Leben bie Reibekeule. 

Die Mohnrofe, 9. —n, eine Art Roſen, wahrfäeintih von ber 
Ügntihkiit mit Medablüten (Rosa papeverina), Nemnid. 

Der Mohnfaft, — s, My. u. der Saft des Mohnes, befonders ber 
milhmweige Saft, welcher aus ben unzeifen gerigten Mopniöpfen 
fliegt, wel&en man did und teoden werben laͤßt und als ein ber 
täubendbes, in geringer Menge genommen aber als tiefen und langen 
Sqhtaf bewirleades Mittel gebeaugt (Opium). Mer zu biefem Bes 
Huf aus bee ganzen Pflanze gepreßte Eoft (Meconium) if nidt fo 
Träftig. Dom bivier Sigenſchaſt des Safıss rührt ber unsigentlihe 
Sebrauch in felgender Stelle: 

Und ihren Mohnfaft goß bie braune Naht herab. Wieland, 

Der Mobnfame, — ne ar Mohnſamen, —b, 2. u. ber Gar 
me, bie Samerkiener bes Mohnes; ſhlechthin and nur ber Mohn; 
im D. D. Magſamen. - 

Der Mobnfanenflein, —es, 9. —t, eine Steinart, die aus Met 
nen dran Mosaldsneen Italien Körnetn gu beſtehen ſcheint und ſich 
befonders bei Rordhtim findet {Mfeconites); auch Hirſenſtein. 

Der Mohnfiengel, —s, 9. gl. ein Stengel Mohn, mir ben Mehn⸗ 
Socpie, — aus ber Dötterfand empfängt er ben Mobnflengel® it. 
Bengels Eternam, 

Die Mobnfuppe, My. —n, eine Suppe von oder mit zerriebenem 
Mohne. 

+ Di Mohntaube, ip. — n, f. Monatitaube. 

1. X Dir Mohr, —es, Mg. von mehrern Arten und Mengen, —e, 

‚ein dichter, derber umb feſter Drug von Seide. Bewäffertir Mohr, 

Silber mohr ꝛtc. 
sr. Mohr, —s, M. — en; die —inn, —en, eigentlich bie 

brasnen oder braungelben Birohner bes alten Marrttanterns im 

noͤrdlichen Tfella, und der btnachbatten ſoͤſtentaͤnder im Wilteläns 

difchen Merroz dann ſpaͤterdin uͤber haupt alle farbige Modameber im 


2. 


332 


————swhswße — — — 


Mohr 


fäblihen Aflen und auf den Müften und Iufeln bed Tatifhen Mees 
zes, wie aud bie Bewohner Kıhioplens, welde lehte in der Bibel 
häufig unter biefem Ramen vorkommen. Zum Unterfhiebe nannte 
mon in nenern Breiten bie Bewohner bes nösblihen Aſrika Mauren, 
und bie Belenner Mohamebs im ſüdlichen Aften ıc. bloß Modameber, 
Mohren nanote man nun aber bie ſchwarzen, Franstaarigen, bids 
Ippigen, flumpfnafigen Bewehner des ſuͤdlichen Afrika unb mehrerer 
fübtiher Jaſeln; gewöhntih die Schwarzen (Negern), X @inen 
Mohren weiß waſchen wollen, bas Unmögliche verfuhen. Eid eis 
nen Mohren Halten, einen Folhen ſchwarzen Afrikaner als Bedien⸗ 
ten. ‚Unzigentlic führen dieſen Ramm 1) eine Art Echmetterlinge, 
wahrſcheinlich wegen ihrer dunkeln Farbe (Papilio antiepa L.). 
⸗2) Eine ſchwarze ober ſchwarzbraune bitbäukige Spindelſchnecke, oben 
mit einem ober zwei weißen oder gelblichweifen Etrelfen umgeben, 
gebänderter Mohr (bandirter Mohr, Murex morio L.), Auch 
eine Art Dattelfchneden, welche aufım bunkeidraun, inwendig weißs 
blau ift, führt den Namen Mohrinn. 3) Diejenigen krankhaften 

Menſchen, welhe man gewöhnlicher und beffer Kafertafın nennt, im 
bem ber Name weiſſe Mohren, wemit man fie belegt ſehr unpaßlih 
it (Albinos). Andere nennen fie Nachtmenſchen; ©. bat 
Weißtinge und Kreidlinge (Cretins) dafür gebildet. 4) In bre 

Scheldekunſt, gewiffe ſchwarze ober ſchwarzgraue Körper, mitt in 
der Geſtaltt eines Pulders. Befenders der minerifhe Mohr, 
mwelder ein grauss Pulser aus Duedflder und Schwefel ift, die 
man entweber durch Meiben ober durch Schmelsen mit tinanber-vers 
bunden batz auch Queckſilbermohr (Aesthiops mineralis). S. 
Eifenmobe, Pflanzenmohr, Quedkſilbermohr, Spießglanzmohr. 
5) Gin ſchwarzes fumpfiges Band; dad Mohr. S. Moor. 6) 
+ Eine Bau, traͤchtiges Shmein auch Mok, Mude, . 

Der Mobrapfel, —t, 4. —Ärfel, eine Sorte AÄpfel (Holinb, 
Veentjes-appel), Remnid, 

Das Mobrband, —es, p. —bänder, ein glattes feibenes Band 
‚mit woifiger Wäfferung wie gewäflerter Mohr. - 

Die Mohrbirfe, BB. —n, f. Meorbirke, 

Die Möhre, 4. —n. 1) Eine befannte Dolbenpflanze, beren zur 
Biltzrit ausgebreitete Dolde fih zur Zeit ba ber eifdrmige mit Bor 
fien befegte Same relfet am Rande gunfammenziebt und in ber Mitte 
eint Vertiefung dildet, daher fie von Einigen Vogelneſt genannt 
tier Daueus L,); auch Mörte, Müre, Murten. Die gemeine 
eber milde Möhre (Daueus vulgaris, dauens carota L.) wächſtt 
auf Antöhen und trockenen Mirfen und bat eine Hinne weiße fehe 
faferige Wurzel; aud weiße Möhre, Schweinemähre. Die zah⸗ 
me Möhre, -Gartenmöhre, gelbe Möbre und vorsugsmelfe dioß 
bie Möhte, au gelbe Ruͤbe und Mohrräibe Daucus sativus L.) 
if der wilden Möhre aͤhnlich, Bat aber eine dickere, laftige, geibe 
und füsfhmelende Wurzelz; im D. D. auch bleß Ruͤbe, im R. D, 
geibe Wurzel ugd au dloß Wurzel, bei Andern auch Klingele 
möhre, Britelmöhre. Eine Unterart if die rotbe Möhre, melde 
MG dleß burch ihre kethgelbe Farbe unterfheidet «Drucus sativus, 
rarlice rubrr, erassa), uUnedzenttich führt wegen einer Ähnlichkeit 
der Ramen Möhre eine Art Kegeltuten (Conus dnmeus), 2) 
+ Dir Mattenlteinbrech ober Bırıflrang et. (Peucedanum sileus 
L,). 3) Meife Möhren ein Name des Paftivafs (Pastinnea za 
tiva L.). 4) Fälſche Möhre oder falſcht Mohreäte, ſ. Möhrens 
traut. 5) Spaniſche Möhre, ein Name bes Dredkegutes (Tor- 
dylium L.). 

+ Der Mopregel, —d, 9%. al. der Blutegel wegen ſelner ſchwar⸗ 
sen Rare. 

Der Mohrenbauch, et, 4. — baͤuche, würde eigertiih den Bauch 
eines. Mehren Sitinten. Müttern belegt aber mit dleſem Namen 
bis ficinen Hampren Por Tasthreden mit bohem Bäder nnd ſchwarz ⸗ 
besenem, blau untermifditer: Itante, oberwärts gelb und weit ccf 
(Cypraca caput serpentis L,); auch Schlangen⸗ oder Ottickoͤrf⸗ 


Mohr 


hen und Schildkroͤtchen. Schlangentöpfhen nennt älter nur 
bie größeren , die unten ſchwarz, an ber Brite grau und oben zuth 
und weiß gefledt find (Cypraca mauritana L.) 

Die Mohrenbinde, Bu. —n, sine Winde, wie fie die Diohren fra. 
gen, In ber Ratursefhreitung, eine Art Stachelſchnecken im Art 
Tanifgen Meere (Murex morio L.); auch gebänderter Mohr 
(Mehreäturban), _ * 

Der Mohrenbund, —es, 29. — buͤnde, der Bund, die Kopfbedek⸗ 
fung eines Mohren, und eine demſelben Ahnliche Kopfbebeitung ; 
Türkifcher Bund. &, der Bund, Cine Art sunder Seeaͤpfel mit 
hohen Maren, fünf Bingen und biden umpfen, Eingenben Sta: 
drin, im Jadiſchen Meere (Echinus cidaris L,); auf Tuͤrkiſchet 


Bunb, 

Die Mobrenerbfe, ye —n, eine Art Widen (Vicia narbonensis), 
Nemnid. : 

O Das Mohrengefiht, —es, 94. —er, das ſchwarze Geficht eines 
Mohrfn; dann, rin Mohr, eine Mohrinn ſelbſft. „Den gamım Zug 
eröffnen zwei hanbfefte grlernte Liufer, pechſchwarze Morengefic: 
ter.“ Böttiger. 

Mobrengrau, adj. u. adv. bei ben Fdrbern, von einer grauen Farbe 
auf Feite, welde Ind Schwarze file, 

Die Mohrenhirfe, My. u. eine Art bes Honiggrafes, welche aus 
bem Bande ber Bohren, aus Mauritanien unb Inblen zu uns ge« 
bradt morten if, und tm ben füblihen Kindern Guropas, beſon ⸗ 
ders auf Maltha wegen ihred Rugend und ihrer arofen Ergle- 
bigkeit an Samenkornern Häufig angebauet wird (Holsus sorg- 


ham L.); auch Mohrhitſe. Man bedient fih bes Samens zur Habe ' 


zung, befonbers als Brei ıc. Auch andere Neten, als das zucker⸗ 
füge Honiggre® (Holeus saccharatus L.) wird auf’äßnlihe Art 
Benäht, 

Das Mihrenhuhn, —es, 34. —hühner, eine Art Jaſanen (Pha- 
sianus morio L.). Gr dot eine ſchwarze Haut, ſchwarzen 
Kam, ſchwarze Kchllappen unb nah Funke ſelbſt ſchwarze 
Knschen, 

Der Mohrenfnabe, —n, ip. —n, ber Amade, Sohn eines Mobs 
zen, Beſonders eine folder Knabe, wenn er einer vornehmen Perfon 
bient, aufmartet, 

Mohrentnaben umher, nachtrugen bie Ehleppe — Sonnenb. 

Der Moͤhrenkoch, — s, 2. — koͤche, in den Küden, ein Sch, 
d. 5. eine aufgelaufene Spelſe von geriebenen Möhren, Giern, Butter 
und Eımmel, . 

Der Tiohrentopf, —es, 2. —füpfe, eigentlich ber Mopf eines 
Miseen, ober auch ein ſchwarzer Kopf. Bann, ber Name verfihier 
beser Thlere mit einem ſchwarzen Kopfe. 
fAwarzen Ropfe, wie au, ein rothes Pferd oder Eisſchtumel mit 
fhrarzem Kopfe und ſchrarzen Füpen ein Mohrenkopf; wie 
aud, eine weiße Taube mit [hwarjem Kopfe, und eine Art 
Grasnäden mit eine ſchwarzen Platte auf bem Kopfe (Motaeill 

“atrienpilla L,), bie in manden Gegenden auch Schwarzkopf, 
Minh und Gradfpag beißt. Umeizentiih nennt man im ber 
BSLritelunf eine auf ober um ben Helm einer Abzichhlafe anges 
brachte Vorriätung, welche mit altem Wafler, das man von Zeit 
du Belt vermirteift eines Hohnes mit frifhem erfeht, angefüflt mirb, 
um bie Verdichtung der aufgeſtiegenen Dämpfe zu beſchleunigen, einen 
Mohrentopf (Capnt Acthiopis). 

Das Mohbrenfraut, —es, Ti. u f. Mohrenfalbet. 

Das Mihrenkraut, —es, Di. u. eine Art Eoferfront, meidrs auf 
Wırien vad aumellen im dem ‚Beiden in Brandenburg und Sachſen 
wis, und mit den wilden Mähren den ganzen Sommer über unb 

= fpärre roch Brühe (Unserpitium prutenienm L.); Preußiſchea Yas 
Firfraut, wit Echertgen Samen; kleine falſche Herzwurgel; falſche 
Mohre, falſche Mohrrühe, Peſtilenzwutz. 


333 


So peift ein Pferd mit 


+ Das Möbrlein, —s, m. dl. 


Mok 


Die Mohrenkrone, By. —n, eigentlich, üne Moheiſche Krone, bie 
Krone eines Mohren; in ber Raturbefihreidung aber, ber Rame cis 
ner ziemlich Teltenen Balzenfchnede im Perſiſchen Meere, auf bem 

“Rap ic. (Voluta Asthiopien), 

Der Mohrentümmel, —s, My. u. 1):Der Rönigslämmel, =) 
f Die Möpre (Daueus carota L). 3) + Kretifher Mohren» 
kuͤmmel, bie Hirſchwurz ober das Wogelneft aus Kreta, wäh in 
Öflerreih , der Schweiz und Frankreich, und hat einen feharfen 
wuͤrzhaften Geſchmack (Athamanta eretensis L.). 

Das Mohreniand, —b, 9. — laͤnder, und —lande, ein vom 
Mohren bemohntes Band; ein unbeftimmter Ausbeud, S. Mohr. 
Befonbers ein von Mauren betmohntes Lanb, 

Sie führen fie vieleicht im biefe Mohrenlanbe, Wielanb. 
In engerer Bedeutung und ohne Mehrzahl ein Rame Äthiopiene. 

Mohrenlaͤndiſch, adj. u. adv. zum Mohreniande gehörig, in bems 
felden einheimiſch, gewoͤhnlich, baber Fommenb ıc. 

Die Mohrenmuͤtze, Ry. —n, die Mäge, Kopfbedeckung eines Moh⸗ 
zen. S. Mohrenbund. Uneigentiih, eine Art Saͤgeſchnaͤbler mit 
fhwarzem Kopfe uad Halfe und einer weißen Platte, bie gleihfam 
eine Möge vorfielt (Mergus cucullatus) ; auch Mohrenvogel, 
Kappentaucder, 10. 

Der Mohrenpfefer, —s, 9m. u. dee Ehiwarypfeffer. 

Die Mohrenfalbei, vw. eine Art Salbei in Griehentand und " 
Afrika, bie gang mit einer weißen Wolle bebedit if, deren weiße 
basrige Blumen Ähnlichkeit mit Leinen Rappen oder Gärten hüs 
ben (Suivin Aethiopis L,); au Mohrenkraut, Mohrifher Schars 
kei, Tuͤrkiſcher Scharlei, zahmes Muskatellerkraut: 

Der Mohrenſtlave, —n, MM. —n; die — ſtiavinn, Rz. — en. 
1) Der Stlave, die Sklaviun eines Mehren. 2) Ein Sklade ober 
eine Stladign, welder ein Mohr, welche eine Moßrinn if. i 

Der Mobrentanz, —es, By. —tänze, eim Tanz der Mehren, ein 
Mobrifher Zand. M. Kramer. 

Die Mohrentaube, Sy. —n, eine Art dee Schleiertaube, bie ganz 
ſchwarz ift und nur einen weiß gezeichneten Kopf und ehem folde Biäs 
gelipigen bat. 

Die Mohrente, 3. —n, ine ſchwarze Ente in den nörblihen Ges 
genden, bie fih von Schalthieren nähert (Anas nigra). Remnid, 

Der Mohrenvogel, —s, 34. —nöget, f. Mohrenmüge. 

Das Moͤhrenwachs, —es, o. Mg. in ber Bitnenzucht, biejenigen 
von Farbe braunen Wachstafeln, melde ſich oben im Stocke befinden, 

Der Mobrenmweizen, —s, o. 24. f. Kuhtrizen, 

Die Mobrerde, f. Moorerde. 

Die Mohrhirſe, Mg. u f. Mogrenhirfe. . 

Mohriſch, adj, u. adr. dem Mohren gehbrend, ihnen ähnllch, eigens 

thuͤmtich; Maurifh, wenn man unter Mohren die nösblihen Afrte 

kaner, bie Mauren verftchet. 


Der Mohrkrebs, —es, y—e, Krebſe, melde im Kochen ſchwaͤr · 


zer werten. Memnid. 

1) (Das 5 dunkel ausgeſprochen) 
ein Heinee Mehr. 2) (Das oͤ hei) eine Beine Moͤhre. Außer biefen 
belegt man mit biefem Namen 5) eine Forte aus Burgund fammenber 
Meinftäde. Zu derſelben ſcheint ber Augſchwarze aber kleine Kläuner, 
auch kleiner füßee Burgunder gemamnt, au gehören.  Memnid. 

+ Der Mobrmann, —es, 94. — männer, bie Waffesjungfer (Li- 
bellula L.). 

Die Mohrmeife, 9. —n, ein Rame 1) der Minhmeife, Arämelfe 
oder Grzumrife (Parus atrionpillus Kl, Parus palustris L.); 
aut Mohrvoͤgelchen. 2) Der langa⸗ſchwaͤnzten Meile oder Schwarze 
milfe, Bergmeife; richtiger Moormelfe (Parus oäudatus L.). @, 
Beramiife. 

Die Motrrübe, m. —n, f. Moͤhre. 

+ Das Mohrvoͤgelchen, —6, 4. af. f. Mohrmeife 1). - 

4 Die Mok, Dt —en, In Schwaben, ein tehgtiges Schwein. 


Mok 


+ Das Molele, —, . —n, in ber Schwein, bie Ruf. Davon das 
Moteihen, das Kalb. ' 

+ Mofeln, v. intra, in Ghwaben, beimlid betreiben, befonders von 
einem Handel, wo man Wortpeil fuht. 8. Maucheln. D. Mokein. 

# Der Moter, —6, 2; gi. dei den Schiſtazimmerleuten, ein ſchwe- 
zer eiſtrner Dammer mit zwei Bahnen an einem ziemikh Langen 

© tiefe, bie eifernen Bolzen damit in das Schiff zu fhlagen. Kb: 
ding. Aus dem Hollaͤndiſchen, wo Moker ein Shmiebehammer heißt, 

+ Der Moterbetel, —, Mg. gl. im Squiffbaue, ein eiferner Keil, 
Horp zu fpalten. Röbing. 

+ Die Mofräne, f. Morine. 

+ Die Mofrille, 9. —n, eine Art eingeſalzener Fiſche. Freiſ qh. 

Der Molch, — es, 4. —t. ) Eine Art ungeſchuppter Eidechſen 

mit dicem Kopfe, Körper und Schwanze, ber am Ende ſtumpf unb 

fo lang als ber Räden if, mit vierzehigen Border+ und fünfjehigen 

Hinterfüßen. Die Farbe auf dem oberm Theile iſt meifi glänzend 

fhwars obex grow, auf bem unten aber gelblich ober bläulich, zuweilen 

auch weißlich oder braun; oft if ber Oberleib aud gelbgefledt. Auf 
dem Rüden befinden ſich zwel Reiten Warzen, and welden er fo 
wie auch aus ben Luftiäcern eine milchichte Feuchtigkeit ſpritt, durch 
welche er, auf eim kleines Kohlenfeuer gelegt, bie Kohlen austöfät, 
ohne fih jedoch daburch gegen das Berbeennen, mie man fonft fa- 

beite, fügen zu Können (Salamander, Lacerta salamandra L). 

2) @ine andere Art ungefhuppter Bibehfen, bie ih in ſtehenden 

Baffern und Suͤmpfen aufpält, oberhalb bräunlih und mit Marzın 

beſeht, unterhalb aber fafrangelb und braumgefledt ift, peipt Waſſer- 

mol (Baffersnlamander, Lacerta palustris L.). Im D. D. ift 
daflc Mo, Moldwurm zc. uͤblich, in der Schweiz Quattertetſch, 
nah Popomitfc im vielen Wörterbüchern Dim. Haͤufig bedient 
man fi des Wortes und Begriffes Molch in Bildern bes Ekels 
unb dumpfer unterirbifger Örter unb Gefängniffe, und im gemeinen 

Leden mander Gegenden nennt man aud wol halb in Scherz halb 

aus Etet einen dien Menſchen einen dicken Molch. 

+ Die Molde, f. Mulde. 

+ Der Moldwolf, —es, 9. —woͤlfe, bie Mautwurfgeide. 

+ Der Molbwurm, f. Maulwurf und Molch 4). 

+ Der Molk, —es, 4.—, [. Molkendieb. 

Die Molke, u. —n, die wöfferigen Theile dee Milch, nadbem bie 
Fett: und Käfethelle fih baven gefäleben haben; das Milchwaſſer, 
Käfewaffer,, im ©. D. die Schotten, Miſchſchotten, Sirp.n, 
Strotten, im R. D. Waddick, Warte, Wade, im Dithmar ſiſchen 
Heu (Serum lactia). Die Molken trinken, zur Seſundheit. ©. 
Molkenkur. Am gewöhuficften gebraucht man es in ber Mehrzahl, 
und im ber Einzahl Limmt es nur felten vor. 


Hier preßt ein Hark Gewicht ben ſchweren Sat ber Molke. Haller . 


Im Meißniſchen ic. lautet es das Motten, und in Öfteeseih ber 
Mölln. „Ein leichtes Molten wird bem bäuerifhen Rinde bie 
deſte Mandelmiih.“ Bellert. In manchen Grgenben nennt man 
au ben kaͤſigen und ben fetten Theil dee Wilch ſelbſt und was bas 
von gemacht wird Molken. „Die Sibentaler und Baner Käs haben 
veder alın Belvetifhen Mulken den Preis,* bei Stumpf. 

Der Moltendieb, —es, By. —e, eigentlich einer ber Motten ſtieblt; 
"uneigentlih aber und im gemeinen Sehen, ein Rıme ber gelben 
Gämetterlinge; der Buttervogel, aus Mol, Molkenſtehlet, vers 
decht Motfenteler, Moltenftauber, Moltentöfer, Milchdieb. 

Das Molkenfaß, — ſes, 9. — faͤſſer, in der Lanbwirtäfkaft, ein 
Faß, über weiches der Sat mit ber gesonnenen unb abgerahmten 
Milk gelegt unb gepreßt wird, damit tie often barein ablaufen, 

Die Moltenlirfhe, 9 —n, eine Sorte hellrether eder roſenrother, 


und auf der einen Brite molken- oder milhweißer ſaͤßer Ftuͤhlirſchen. 


Remnit. 
Die Molkenkur, a. — en, diejenige Kur ober Hellung, ba man 
Moiten trinft. Die Motkenkur gebrauchen. 


334 


EEE u — — — — 


— 


Monat 


Der Molkenloͤffel, —, 9M- at. ein großer blecheratr & 

Wafler von ben Molken damit Re 7— ch. — 

Der Molkenſack, —es, 9. —fäde, ein Sad, in welchen man bie 

„Moiken thut, bamit das Woͤſſer ichte abtaufe, 

+ Der Moltenftehler, —s, 29. gl. ſ. Molkendieb. 

+ Das Molkenweſen, —s, 0.29. Urs was zur Xufbewaprung und 
Benögung ber Milch zu Butter und Räfe gehört. Sie hat das 

— * 

„adj. u. adv. den Mollen aͤhnll— 
—— ballch, befonders an Farbe, 
Alluchtlich herunter vom Rabe 
Suſcht bieich und molkig (motkicht) ein Schattengeſicht. Bürger. 

Molkig, —er —ſte, adj. u. adv. Molken enthaltend. S. Molkicht. 

t * — —es, Di u. die Schluͤſſelbiume; Mohlkraut. 

emnid. 

Der Moll, — s, 94. —, ein bünnes wollenes Gewtht mit raucher 
Dberfläße, au welchem bie Rettenfäben rechts, bie Ginfdlagfäben 
links geiponnen werben. Er liegt gemöbnlic 7 bis 8 Biertei breit 
und befömmt nad dem Scheren einen Strich im Rahmen, b. h. er 
wird, wenn er noch naf iſt, mit einer Streiche geſtrichen. 

Du Rod von Moll, fort Pubermantıl werden. Burmann. 

2. + Die Molle, 9%. —n, die Multe; bann, bie Multenmufdel 
ober Napfmuſchel. 

2. +. Die Molle, 34. —n, in Schwaben, das Rindvich. 

Der Moilebaum, f. Maftirbaum, ” 

Das Mollenkraut, —es, 3. u. ber Wunterhaum (Ricinns cam- 
munis L.). 

+ Das Möllerbrot, —es, 0. 2. ber Hagedorn (Oratnegus oxya- 
eautha L.). 

+ Das Mölftroh, — es, 0. 9. nah Fulda in R. D. ber Hider 
ling, Stroh in @eftalt eines Mulles. . 

+ Der Mollwurm, j. Maulwurf. 

Molm, Molmig, f. Muim, Mulmig. 

Molſch, —tr, —efte, adj. u, adv. in manchen D. u. N. D, Gegen. 
ben, von mol, fo viel als weich, befonders vom Obſt, wenn es 
eine ſolcht Weihe hat, bie ber Faͤulniß vorherzehet in Schwaben - 
mol, in antıen Gegenden mulſch, mauf, mautke, mc!>, in Dis 
nabrüt mälst, malſam. 

+ Die Motte, ſ. Meibe 

t Die Moltebeere, Molterbeere ober Muliebeere, 84. —n, eine 
Art Brombeeren, welde in den torfigen Gegenden Shwedens, Rors 
wegens unb Preußtus wihft, wie au, ber Strauch ber fie trägt. 
Die weißen Biumen, beren es männliche und weiblihe giebt, wachſen 
auf verfgiedenen Steäuhen; bie Beeren find dräunlih, haben einen 
mäffeeigen Geſchmack, und werben in Schweden mit Zuger einge: 
mat; fie Heipen auch Maultbeeren, Pautkenbeeren, Kraffelbeeren, 
Kräpbeeren, kriechende Himbeeren, Berghimberren (f, d.), Xes 
tindeeren, Schelberten, und ber Strauch Fruͤhlingsbrombeer 
ſtrauch (Rubus chamaemorus L.). 

+ Der Monımeler, —s, 9. gi. in Schwaben, der Stier. ©, b. 

* Der Mon, —es, 9. —r, für Mont. 

Schach Bois, erſtgeborner Bohn 
Des Firmaments, Ohelm von Sonn’ und Mon. Wieland, 

Der Moͤn — es, 94. —e, ein zu bein Geldlehte, wozu der Karpı 
fen, die Karauſche ıc. gehören, gehdrender Fifh (Cyprinus cepha- 
lus), NRemnid. 

Der Monat, —es, 3y.—r, Me Zeit, in weite ber Mond fich eins 
mabı um bie Erbe bewegt, ober bie Zeit von rinem Neumende zum 
andern, welche nad einer Mittegahl 25 Lage, ı3 Stunden, 44%. 
Minuten beträgt; ber natürliche Monat isyuodische Monat), Im 
ber bürgerlichen Beiteinthrilung zählt man bie einzelnen Stunden 
und Minuten nicht eher mit, als bis fie ganze Zage ausmachen, da- 
her einem Monate abwechſelad bald 29 und 30 Zage, balb 50 und 


Monat 


5ı Tage gegeben werben. Die legten heißen Sonnenmonate, in 
deren jebem bie Sonne im Durhfänitt gerechnet den zwölften Theil 
des Thierkrelſes durchlduft, und melde genau genommen 30 Tage, 
10 Stunden, 29”, Minutın betragen, fo daß za ſolcher Moncte 
auf ein Sonnenjahr gehen. Die erfien Mondenmonate, welche ih 
in ihrer Dauer nad dem Monbmwedfel von einem Reumond bis zum 
andern richten. In der bürgerlichen Iritrehnung und im gemeinen 
Leben bedient man fi biefes Wortes und Zeitraumes zur Bellinis 
mung einer Zeit [ghe härfi. Drei Monate alt. Im vier Monas 
ten. Reun Monat jhmanger gehen. Im der Bibel und bei den 
Diätern wird Monat oft in Mond verkürzt, ober das Wort Mond 
bafür gebraudt. ©. Mond. Im R, D. lautet es Maan, Man, 
Mon, und im O. D, namentlih in Öfterreih auch das Monat. 
Die Zufammenfigungen werben von Ginigen mit Monat, z. B. 
Monaterdbeere, Monatrofe, von Xadern, der leihtern Ausſprache 
wegen, mit Monats: gebilbet, 3.8. Monatebuh, Monatsmitte, 
Die Zufammenfegungen mit Monats find gewöhnlicher, bie mit 
Monat aber bıffer, Die beffern Bufammenfegungen mit Monat 
‚+ 8. Monatblume, Monatgeld, Monatrofe, Monatfold, mos 
natweife, bat aud Friſch. 

Monatig, adj, u. adv. einen Monat bauernd, einen Monat alt; au 
mondig. @ine monatige Heife, Arbeit. Ein monatiged Rind. 
Befonders in ben Bufammenfegungen breimonatig, viermonatig 2. 

Monatlang, adj. u. adv. einen Monat oder Monäte Lang dauernd. 
Stieler ©. Mondenlang. 

Monatlid, adj. u. adv. was alle Monate ober jiden Monat ift ober 
gefbichet; auch mondlich. Monatlich bezahlen. Cine monatliche 
Beſſichtigung. Die monatliche Reinigung bes andern GSeſchlechte, 
der Monatsfluß; im gemeinen Lehen auch bloß das Monatliche. 

O Der Monatöberiht (Monatberiht), —es, 34. —e, ein Ber 
richt, welcher monatlich abgeflattet wird. 

Die Monatöblume (Monatblume), 2. —n; Bir. das Monats 
blümchen, ein Name verfhiedener Pflanzen, melde bas ganze Jahr 
hinburd ober alle Monate biäpen. 1) Der Mafliehen ober Bänfe 
blumen (BellisL.). 2) @ines Pflanzengefglehtes (MenyanthesL,), 
su welhem ber Fleberklee (Menyanthes trifoliata L.) gehört. 

Das Monatöbudy (Monatbuch), —es, 9. —büder, ein Bud, 
welches monatlih gefhrieben wirb, ober aud in welhes monatlich 
etwas eingetragen wird, Bei ben Kaufleuten dasjenige Handels: 
bach, welches nad ben Monaten eingetheilt ober eingerichtet wird, 
und in weldes alle Poften eingetragen werben, die zu gewiſſer Zeit 
fänig find, umb die man in biefem ober jenem Donate entweder zu 
empfangen ober zu bezahlen hat, 

Die Monatderbbeere (Monaterbbeere), By. —n, eine Art Gerd» 
beezen, welche bis in ben Herbſt blübet umb Früchte teägt. 

"Die Monatöfrift (Monatfrift), EM. u. bie Frift, Dauer ober 
bie Beit eines Monats, In Monatfrift, in Zeit von einem Monat. 

Dad Monatögeld (Monatgeld), —es, M.—ır, Gelb, weiches 
monattid bezahlt wirb, deſonders Cold ober aud bie Bezaflung 
für Lehrflunden, melde monatlich entrichtet wird; wie auch, bas 
Wirthſchaftageld oder Haushaltungsgelb, weldes bie Hausfrau yan 
ihrem Manne monatlih befimmt, &o beißt au ber Bold ober 
Lohn, melden die Schiffeleute monatlich erhälten, das Monatgelb 
oder Mondgeld. 

© Der Monatöbeilige (Monatheilige), —n, 3. —n, ein Hei⸗ 
liger, wie im Kalender beren beinape an jedem Tage der Monate, 
welche man ihnen geweihet Hat, verzeichnet find. Ich als ein 
ſchlechter Monatsheiliger, mag mid ‚allenfals mit den Monats 

- zeitigen — gemein mahın." J. P. Riter, 

Der Monatökäfer (Monatkäfer), —s, 29. gl. eine Benennung 
derjenigen Käfer mit ganzen jarten Flugeldeden, welche nur einen 
ober einige Monate leben. Dabin gehören der Maitifer, Kuniuss 
kaͤfet oben Brachtaͤfer und Sutiustäfer oder Sohannskäfer. 


335 


Mind) 


Das Monatöfind (Monatlind), —et, 9. —er, eine umso. 
tommene, darchaus ‚mangelhafte Leibesfruht, melde in ben erflen 
Menaten wieder abgehet; auch Monkalb, Mondkalb, Mondentkalb, 
Mutterlaib, Abgaͤnglein. 

O Das Monatskupfer (Monatkupfer), —s, 9%. gl. in den Ras 
kindern, bas Kupfer ober Bild. bei einem jeden Donate, auf oder 
neben jebem Wlatte, auf welchem bie Monatstage ıc. ſtehen. 

Der Monatöname (Monatname), —ne, 4. —n, der Rame tis 
nid Monats, als Jänner, Hormung, März ic. Die von Karl dem 
Großen herruͤhrenden Monatsnamen. 

Der Monatöradieg (Monatradief), —es, 2. —e, ober bad 
Monatsradiefhen, —6, Wi. gl. eine Art Rabiepe, welhe alle 
Monate im Sommer hindurch gefäct werden innen und gebeiben, 

Der Monatörettig (Monatrettig), —es, 94. —e, rine Art fleis 
ner, runder und weißer Mettige, welde man den ganzen Sommer 
hindurch fäen kann. 

Der Monatsring (Monatring), —es, 4. —t. ı) Ein Ring, 
auf weldem bie Bonate verzeichnet find, z. S. bei gemiffen immer: 
währenten Kalendern und Monatsuhrenz aud wel auf ben Ziffer: 
blaͤttern der Monatsußren, ber Ring, auf weldem bie Menats 
namen fiehen. =) Ein Ring, in melden ein Monatöfleln gefaffet if. 

Der Monatfold, — es, 2. u. ber Gold, welder monatlich ausges 
zahlt wird. Stieler. Friſch. 

Die Monatsrofe (Monatrofe), y. —n, eine Axt Rofen, melde 
den ganyen Gommer hindurch blühen und dunkler als bie hundert⸗ 
blattigen Stofen find. ‚ “ 

Die Monatöfhrift (Monatfchrift), 2, —ın, eine Schrift, wel⸗ 
che monatlich erfheint und menatlid verfendet wird (Journal), Die 
Berliner Monatsfhrift, bie Deutſche Monatsfhrift. Davon ber 
Monarsfhriftfteler, der Berfaffer und Heraudgeber einer Mienatsr 
fhrift (Journalist). R 

Der Monatöftein (Monatftein), —ee, Ey. —e, ein Erelflein, In 
welchen das Beiden bes Monats, worin man geboren wurde, ge» 
graben ift, und welcher von manden Leuten mod aus einem alten 
Aberglauben in einen Ring gefaßt getragen wirb. 

Der Monatötag (Momattag), —es, ip. —t, tiner der Tage, 
aus melden ein Monat beflehet. 

Die Monatdtaube (Monattaube), By. —n, ein Name der gemeis 
nen Felbtauben, weil fie mehrere Monate nah einander oder meb+ 
rere Mahle im Jahre brüten (Columba dasypus); auch Trommelr 
taube, Federfuß, Raubfuß, Rodler, Gluglu, Mobntaube. ine 
Art bavon machen bie Mondtauben aus. 

Die Monatsubr (Monatubr), 2. —en. 2) Eine über, melde 
monatlih nuz einmahl aufgezogen zu werben braudt. =) Eine Uhr, 
welde ten jebesmahligen Monat anpeigt, womit zugleich bie Anzeige 
des Monatötages verbunden zu fein pflegt. Bine Taſchenuhr, welche 
auf biefe Art eingerichtet it, zeigt mur ten Monatstag, aber nicht 
den Monatinamen on, 

O Der Monatözeiger (Monatzeiger), — , 94: al. ein Beiger, 
melder den Monat zeigt, 3. B. auf Wanduhren. I. 9. Kidter 
gebraucht es auf eine ungute Art in einem Bufammenfange, mo 
Zagemweifer richtiger fein würbe, 

Monatweife, adr. nah Monaten, auf einzelne Monate, im jebem 
Monate. Friſch. Monatweiſe mietben, bezahlen. 

Die Monatzeit, 9. —m, das Monstlide, die menatliche Reinis 
gung. Xud kann es wie Jahreszeit, Tageszeit, einen Theil ber gan» 
gen Brit, welde ein Monat begreift, bezeichnen. 

Der Minh, —es, 4. —, in der Römıfhen und Brirdifhen 
Kirche, eine Perfon männlihes Befhlehte, welche fih au goftet, 
dienſtlichen Berrichtungen und Beldäftigungen mit mehren andern 
verbindet, mit dieſen fih dem ehelofen Stande wibmer und ton om, 
bern Menſchen abgefondert in einem Gebäude, weldes Kloftır beißt 
gemeinfhaftlih lebt Wiw., gewöhnlich im deraͤchtlicher Beheutung 


Mönch, 3 


heißen auch Drbensgeiftliche und Otdensmaͤnner, umd führen nad 
"der Verſchtedenteit dirſer Orden oder ber ihnen vorgeſchriebenen. Re⸗ 
dein ic. beſonbere Ramen, als Auguſtinermoͤnche, Bentdiktsmoͤncht, 
Franzmonche, Klohmoͤncht ze. Gine welbliche Perſon birfer Aet 
Heipe Nonne, in Moͤnch werden. Mie ein Möndı leben, ein: 
fam, im Bertorgenen. Gin unniffender Moͤnch iſt jegt beinahe 
zum Epriäinorte gemozben, wegen der Dammpeit und Unmiffenpeit 
der melften Mönche jegt und ehemahls, ob fie gleich ehemahls einzig 
im Befig der Gelehrſamkrit, bie jedoch nur damahls Gelehefamkeit 
genannt werben fonnte, waren. ‚Unelgentlidh hat man im gemeinen 
Leben verfhiebenen Zhieren unb Dingen von irgend einer näheren 
oder entfrentenn AÄhnlichteit ben Ramen Moͤnch gegeben. 2) Ber: 
fhiedenen Tpieren. (1) Dem Geterfönige ober Kuttengeier wegen 
de8 kahlen einer Cage Ähnlichen Fleckes auf dem Kopfe, oder wegen 
bes Kranzes von Haatfedern um feinen kahlen Hals, ben man mit 
eine? Monchskutte verglichen hat iVultur momachas Kl.). (a) Eis 
ner Art Grasmädın eder nah Klein Beuftwenzel mit einer [ware 
zen Platie auf bem Kepfe (Motaecilla stricapilla L., Sylvia atri- 
eapilla Kl.) @ine Abart hat eine rothliche Platte (Motacilia ru- 
brieapillaL.). (3) Einer Art Meifen mit ſchwarzem Kopfe (Parus 
atricapillus Kl., Parus palustrisL.); aut Mönchmeife, Afchmeife, 
Grarumeife, Korhmeife ıc. (4) Dem Brauehahne z Moͤnnick 
(Tringapugnax). S. Braushahn. (5) Einer Art Hatfiſche, melde 
aud Eugetffch und Meerengel genonnt wird (Squalussquatina L.). 
(5) + Ginem gefhnittenen Zhiere, beſonders einem gefhnittenen 
‚ Pferbe, weil es fih dann nicht begatten kann, wie fih ber "ind 
nicht begatten barf. (7) Einer aſchgrauen mit laͤnglichen Punkten 
geirtäneten Schnecke, melde zu ben Tuten gehdret; ber graue 
Mönd, auch bie alte Fra, Keine gefeönte Achattute, das Tür: 
ıfche Papier genannt (Conus miniraus L.). Cine andere Kegels 
!ute (Comus monschus L.) in ten Meesen Kfiend führt ebenfells 
den Ramen Mind. Eine Art Malzenſchnecken heit der braunger 
ſdedte Mönd (Volnta pertuss L.5; auch brandige Fapilirone, 
Möndystappe, Katdinalshut (Basiardmöge). Remuid. 2) Bır 
fhiedenen Dingen, wobei bie Ähulichkeit und Bergleihung, melde 
yur Benennung Anlaf gab, mehr oder weniger dunkel oder and 
nichrig if. (1) In ter Baulunft führt die ſeulrechte Spindel, um 
melde ſich eine Wendeltreppe drehet, wie aud bie Spindel auf ei 
nem Ihurme ober anberm Gebäude, welche ben Kmopf ixägt, ben 
Namen Minh, im N. D. Maͤkelttr. (a) Im Hüttendaur heißt 
Mind ber Gtempri, womit bie Kapellen in bie Minge, welde 
Sonnen heißen, feft geflogen werten. (5) Wei einer ehemapis mehr 
gewöhnlichen Art mit Bohlziegeln zu decken, iſt bee Mönch derjenige 
Hobtziegel, welder über zwei neben einander liegende Hoplslegel, 
melde mit ihrem aufwärts chenden Rante an tinander floßen, bie 
Ronnen genannt, gebet wird. (4) Im Waſſerbaue heist Moͤnch 
oder Waſſermoͤnch ter in bie Höhe gerihtete Zapfen cher Kolben 
in tem Ablaſſe eines Teiles, dermittelſt deſſen man ben Teich zu⸗ 
ober ohfhägtz; auch der Schlägel, Schupkolben. Zumellen wird 
auch ter ganze Ablas ſammt ber dazu gehörenden durch den Damm 
gehenden Minne, in deren Öffnung ber Kolben paffet, Moͤnch ges 
nannt. (5) } Sin Name des Hohlfeelfels, wobei man vielleicht am 
den dicken Bauch eines Möndes gebadht hat. (6) Wei ben Bad 
beudien, berienige Fehler beim Borbeauftwagen auf bie Form, wenn 
biefe nit überall ober nicht gehörig geſchwaͤrzt it, and ber Fehler 
eines Mogens, wenn barauf Stellen gar nicht oder zu blaß abge 
druck fine (7) Die ausgearteten ftacheligen Stoͤcke bes milden 
Safrand. — Im D,D. wo bies Wort ach Muͤnch lautet, wird 
es im zweiten Kalle auch Mönchen umgernbet, welche Form 4. B. 
in dem zufammengefegten Mönchentanb gewählt il. Im D. D. 
ſagt man sch im gemeinen Leben, einem den Mönch ſlechen, d. h. 
ihm die Fauf zeigen, fo baf bey Daumem herdorſtehet. Andere ges 


| 
das Moͤnchlein. Solche Perſenen, da fir verfätebene Orben bliden, 


ß Monchsg 


drauchen dieſen Ausdruck noch im anderer Bedeitung. In 

genden Stelle ſchelut «6 für hintergehen, betrügen —— en 
„Wie fie (bie ©äranjen) beronftlrigen unb wellen erhotchen, auf 
gr At fie euch wieber don Mönd Reken Finnen. Wähter 
= — mit Moͤnch find ſeltener, als die mit 

* X Die Moͤnchelei, 34. —en, bie Handlungsiseife einer P 

’ erſen 
welche woͤnchelt, ohne Mehrzehl; wie auch, ei 
einer ſelchen Perſon. bei ee — — 

* x Voͤncheln, v. intrs. u. atr. mit haben, 
möndıfh benfen und hanteln, Es iſt das 
moͤnchen und findet ih bei Shottel, D. Möndein. 

Mönden, v. I) intrs. mit haben, den Mind machen, möndif fein, 
Kuh als ner, zum Mönde werben; vermönden. Friſfch. IT) ten, 
ı) „son WM fe machen. 2) Berſchneiden (custriren), ©, 
Woͤnch ı) 6). ‚— D. Moͤnchen. D. —ung. 

x Die Moͤncherei, 2. —en, das Minheteten, Mindtiwefen, mins 
chiſcht Denfart, in verähtlihem inne und ohne Mehr ahlz wie 
auch, eine moͤnchiſche Gandlung. „Wenn ih überall eine felche Kul. 
tur fände, wie von Antona dis Macerata, fo wollte id fe den 
Mönchen ihre Möncherei verzeihen." Seume. (M.) 

O Du Moͤnchentand, —es, 3%. u. Tand in ben Hantlungen und 
Deſchaͤftigungen ber Mönde, oder die für wichtig und Heilig gehal · 
tenen Handlungen, Serrichtungen, Gebräuche sc. ais Tand betrachtet. 

— Ürgerlih war's für manchen ſegar von uns Teufeln, 


den Moͤnch maden, 
Derkieinungsmort vom 


Wenn sehtgtäubig Gefindel um Moͤnchentand In den Himmel 
Aufftieg, — — — Toh. 
Die Möndente, 9. —n, eine Xrt Enten (Anas monacha), 


Dem 

O Die Moͤnchheit, 0. 9. 1) Der Stand, Zuftand, Migenfha 

ber Mönde als ſolche. „Gin Pfaff, welder glaubte, das —— 
Menfhheit ſei ehrwuͤrdiger, denn das Geſeh dee Moͤnch heitee 
MWädter 2) Auch mol, alle Mönde sufammengenommen, ale 
ein Ganzes; wie Kriftenheit, 

Moͤnchiſch, adj. w. adv, einem Mönde Ipeiih, im Mönchsweſen, in 
bee Denkart ber Mönche gegründet; meift Im nachtheiligen, verächt 
hen Berftande. Moͤnchiſches Weſen. Möncdhifhe Dentart. Min 
chiſſch handeln. Moͤnchiſche Dummpeit, unmiffenpeit. 

O Moͤnchlich, adj. u. adv. einem Mönde ahnlich, eigentfämlih, ge⸗ 
hörend; ohne ſchlimme Rebenbebeutung. 

Unb was ein moͤnchlich Haupt (Gwärmt unter feiner Platte, 
Rt. Shmibt, 

Die Moͤnchmeiſe, 94. —n, f. Mind ı) (5). 

Der ——— — * 4. u ber Ablaß, welchen ein Mind 
predigt, oder durch päpftlice Ablafdriefe ertheilt ! 
für Ablaß überhaupt, — — * 

Keine Ruh, Einfätäferung nur mit Angfltraum 
SEgafft dir Moͤnchſsablaß um Werbienft des Andern. Woß, 

Die Mönhöbirn, By. —en, eine Sorte Birnen, Remnis, 

t Das Möndöblatt, —es, 9. u. ein Rame bes Simenjahnes 
(Leontodon taraxacım L.). 

Der Moͤnchsbogen, —s, 24 al. bei den Buchtrudern, ein fehler: 
baft abgebrudter Bogen, wenn ganze Beiten ober Spalten ober klei— 
Here Stellen mit ben Ballen gar nicht gefhwärzt worden find. 

Der Moͤnchſchlag, — s, By. — ſchlaͤge, bei den Buchtrucern, ein 
Schlag oder Druck mit den Ballen, buch welchen die Jarbe nicht 
übers oder micht gleih Mark aufgetragen worben tft, wedurch eim 
Minhshogen entfichet. 

O Die Moͤnchſsdummheit, My. u. bie den meiften Mönden beſon⸗ 
bees der feüpern Sriten eigene Dummheit, Unwiſſenheit. „Die Pa 

ar. Mönhsbummheit.* —— 
er nchögeier, —, DM. al. der Beiegkönig (Vultur papa L, 
@. Mind ı) (1) a En 


Moͤnchsg 


Die Mönchsgelchrfamkeit, o. Sy bie Gelehrſamkeit der Mönde; 
befonders einfeitige Gelehr ſamkeit der Moͤnche, melde oft nur Ges 
Ichsfamkeit hieß und heißt, ohne es au fein. 

O Der Moͤnchsgeſchmack, —$, 0. By. der Geſchmack der Mönde, 
im’ fittliher und wiffenfhaftliher Hinfiht, welcher ungebilbet unb 
überhaupt ‚gewöhnlich ſchlecht war. „Das Belrädz — eurer Lite: 
zarifhen Marktſchreler mit ihrem Mönchsgefhmad und (ihrer) Klo⸗ 
fertheorie.« Gonnenberg. 

Das Moͤnchsgewand, —es, 4.—r, ober — waͤnder, das Sewand, 
bie auszeihnenbe Kletbung eines Moͤnches. 

— im ſchlichten Moͤnchsgewand'. Herber. 

Die Moͤnchskappe, 9. —n, bie Kappe an ber Wönchekutte, wie 
aud die ganze Kutte. Uneigentlih führen biefen Namen in bee 
Raturbefhreidung wegen einiger Ähnlichkeit mit einer Möndskappe 
ı) eine Art Walzenfhneden (Voluta pertusa L.); Andere Arten 
find vie Biſchofs muͤtze (Voluta mitra L.) und bie Papfltrone (Vo- 
luta papalis L.). ©) @ine Art feltener Archenmuſcheln im Inbis 
[Gen Meese, die große herzfoͤrmige Arche mit einer innern Scheibe 
wand (Arca concamerata L.). 3) Ein Name bes großen blauen 
Gifenpätleins (Aconitum napellus L.). 4) @ine Art Arum ober 
Arondıwurz mit bereiten Blättern, in Spaniea, Portugal, im ſuͤd⸗ 
den Fraukreich ıc., deren Blumenſcheide einige Khnlichkelt mit eis 
ner Möndslappe hat (Arum arisarum L.). ine andere Art deſ⸗ 
ſelben Gefhlehtes (Arum proboscideum) führt denfeiben Namen, 
5) Der Wohlverlei (Arnica montana L.), 

Die Moͤnchskirſche, 2. —n, bie Tudenkirfhe, 

Das Möndsklofter, —s, Si. —kloͤſter, ein Klofter, in welchem 
Mönde beifammen leben, ein Mannektofter; zum unterſchlede von 
einem MonnenHofter. 

O Der Moͤnchsknecht, —es, Wi. —, ein Knecht ber Mönde; uns 
eigentlich, einer ber vor Mönden eine knechtiſche Ehrfurcht und Um 
terwerfung Äußert, „Der Italläner if ein edler, herrlicher Menſch; 
aber feine Regenten- (Herren) find Mönde oder Moͤnchsknechte.“ 
@rume, 

Der Moͤnchskopf, —ed, Wp. — koͤpfe, eigentlih der Kopf eines 
Moͤnches. Uneigentlih. 1) + Ein Rame einiger Pflanzen, (1) bes 
Lömwenzahnes (Leontodon taraxaeım L.); auch Moͤnchsblatt, 
Mönchspiatte, Pfaffenplatte; (2) ber Hergerbfe, welche auch 
Blafenerbfe, Herzſame Heift (Cardiospermum L.). 2) Rad 
Friſch eine Münze, melde drei Bapen gilt, von bem barauf ges 
vröaten Bilde eines Biſchofes. 

Die Moͤnchskrone, 9. —n, eine zierlie Art Difteln, die in Eng ⸗ 
Ionb, Portugall, Frankreich und andern füblihen Ländern Europas 
wäh, und breen Blumenboden marfig und efbar wie bie Artifhode 
if; die molltöpfige Diftel (Garduus eriophorus L.). 

Die Moͤnchskutte, 3. —n, bie Kutte ober Kleidung eines Möns 
Ges; das Ordenskleid deſſelben. 

Das Moͤnchsleben, —s, 0. Di. das Leben ber Mönde in Gemein 
fhaft nad ihren Orbensregeln. Bumeilen auch für Moͤncht and. 
Das Mönchsichen ermählen, ein Mind werben. 

O Die Moͤnchslehre, 94. —n. 1) Eine Lehre, welche von ben 
Minden ihren Urſprung hat, welche Mönde geben. =) Die Behre 
von ben Mönden, ihren Arten, Untesfheibungszeihen ıc. (Mona- 
chologie). 

Der Mönchsorden, —, 4. gl. ein aus Mönden beſtehender ober 
von Minden gebilbeter Orden. 

Der Möndnepfeffer, —s, 2. u. ſ. Keufhbaum. 

Die Möndysplatte, By. —n. 3) Die Platte, melde den Minden 
beim Eintritt in ben Dxben auf dem Kopfe gefhoren wird. 2) f Ein 
Name bes Swerzahnes. S. Moͤnchtkopf. 

+ Die Moͤnchspuppe, 94. —n, die Judenkirſche ober Schlafkirſche. 

Der Moͤnchsrhabatber, —, 0. 29. 1) Die Biuzzel bes Alpen: 
ampfers IRumex alpinus), wegen ihres ahahasbrräpntihen Geſchmak⸗ 

Campe's Wörter, 5. Th. 


337 


Mond 
tes. =) Der Gartenampfer ober Englifhe Spinat (Rumex pa- 
tientia L.). j 
Der Möndsring, —es, 4. —, der Ring von Haaren, welder 

auf den Köpfen der Moͤnche, wenn ihmen bie Platte gefhoren wird, 
ſtehen bleibt; ber Kran. Gtieler. 

Die Mönchsrobbe, y.—n, eine Art Robben im Abriatifhen Meere, 
bie ungefäbe 8 Fuß lang wird (Phoca menachus), 

Die Moͤnchsſchrift, (Mönchfchrift) 9. von meprern Arten, —en, die 
Särift, Art, zu ſchreiben, bexen Eh die Mönche im Mittelalter bibienten, 
und welche eig, mehr ober weniger ungefällig füridas Kuge war und 
bei ber ganze Silben, Wörter und Namen durch Rürzungsjeiden auss 
gebeudt wurden. Man bedient fi ihrer nur noh in England und 
Holland zu Büdertiteln, überſchriften und Gtellen, melde dadurch 
ſogleich Ins Auge fallen ſollen. Dann auch, biefe Säriftzäge ſelbſt. 

Der Moͤnchsſchuh (Moͤnchſchuh), —s, . —e, eigentlid ber 

Schuh eines Moͤnches. Im der Naturbefhreibung, ber Name einer 
Mufdel, welde mit einem Schuhe einige KÄhnlichkeit hat und Im Mits 
teänbifhen Meere gefunden wird (Patella fornicata), 

Der Moͤnchsſchwan (Moͤnchſchwan), —es, 3. — ſchwaͤne, der 
Dronte. ©. d. 

O Der Moͤnchsſinn, — s, o. 9. ber Sinn, bie Denkart eines 
Möndyes ober ber Moͤnche. 

O Der Moͤnchsſitz (Moͤnchſitz), —es, 2. —e, ein Sig, Xufente 
baltsort der Mönde. „Die beiben KRıöfter an ben beiden Enben der 
Stadt find, wie bie meiften Moͤnchsſitze, terffiihe Pläge.- Seume, 

Der Moͤnchsſtand (Möndıftand), —es, 0. 2. der Stand, bie 
Berpältniffe der Mönde im ber menſchlichen Gefelfhaft, In dem 
Moͤncheſtand treten, Den Mönheftand verlaffen. 

Der Moͤnchsſtrick, — s, 3. —e, ber Etrid, welchen bie Mönde, 
befonders die Striemoͤnche um ben Seib tragen. Stieler. 

Die Mönchstaube, 4. —n, die Säleiertaube, 

Die Mönchstugend, 34. —en, bie Tugend oder Tugenden eines 
Mindes, die guten Eigenſchaften und Bertigkeiten beffelden als 
Minh. Im engerer Bedeutung, bie Tugenb ober Bolltommenbeit, 
melde ein Mind erlangen kann, wenn er alle feine Gelübde fireng 
befolgt, befonders wenn er im Berfagungen und Kaſteiungen gegen 
fh ſehr ſtrenge iſt. „Eben biefer moralifhe Heroismus (Helden 
muth im Bittliden) if es, aus welchem Mipgeiffe bie fanatiſche 
(blinbeifrige) Märterer: und Mönchötugend bildeten.“ Benzels 
Sternau. 

Das Moͤnchsweſen, —, 0. Di, Alles was bie Mönde, ihre 8 
bentart, ihre Einrihtungen zc. betrifft. Das Moͤnchsſsweſen beifer 
einrichten, abfhaffen. Im nachthelligen Werftande das Moͤnchs- 
unweſen, worunter man auch das Unweſen, welches bie Mönde trei: 
ben, verſte het. 

Die Moͤnchswurz, My. u. der Wohlverlei (Arnica montana L.) 

O Das Moͤnchthum, —es, 0.2. das Moncheweſen, die Denk: und 
Hantlungsweife der Mönde. „Der Geift des Moͤnchthume und ber 
Zefuitifhen Erziehung derrſcht font noch uͤberall in folden Jaſtitu⸗ 
ten" (Anflalten). Hente. 

Für Weisheit, Shin’ und Helbenzuhm 
Serrſcht Moͤnchthum jept und Nittertfum, Voß. 

Der Mond, —es, (O. D. —eın), D.—t, (D.D. —en), ein Weit: 

körper, welher ber Erde am nädften ift und uns daher nädft der 

Gonne, ungeachtet ex viel Fleiner als bie Erbe ift, am größeften em 

ſcheint, welcher mit einem von ber Gonme erborgten Lite zur Racht ·⸗ 

zeit leuchtet und und feine erleuchtete Seite bald ganz, balb abnechr 
menb immer weniger, bald gar nit und bald wieder zunehmend ims 
mer mehr zeigt, und welcher bie Erde auf ihrem kaufe um die Sonne 
begleitet, Indem ex fi ſelbſt in bar Beit, welche bie Gebe zu ibrem 

Laufe um de Sonne braudt, d. h. in einem Jahre, zwoͤlfmahl und 

brüber um bie Erde bewest. Dee Mond geht auf, wenn er über 

dem Gefihtstgiife rfheint; ex gehet-unter, wenn er wieder unter 


435 


Monda 


Seite mehr ober weniger zulehret, befonders wenn er bann buch 
Wollen unſten Augen niht entzogen if, Der Mond nimmt ab, 
teenn wir von feiner ganzen erltuchteten Seite täglich immer weni: 
ger erbliden, bis inte gar michts mehe davon fehen, was gefhieht, 
wenn er ums feine bunfle Seite zußchrt, mo er bannn, wie man fagt, 
neu wird, und ber neue Mond ober Neumond genannt wird; er 
nimmt zu, wenn wir nad biefer Beit bacon immer mehr erbliden, 
bis wir zuleht feine ganze erleuchtete Hälfte wieder fehen, mo er bann 
voller Mond ober Vollmond genannt wir. Ju der Zeit vom 
Bolmonde bis zum Reumonde und vom Reumonbe bis zum Koll: 
monde wird er erfled aud lehztes Viertel genannt, weil man nur ben 
vierten Theil ober noch weniger ber erleuchteten Mondſchelbe, in Ges 
alt einer. Sichel ſiehet. S. Monbdävierte. Im abuehmenden 
Monde, R. D. im Wannen. Im zunehmenden Monde, Im gt: 
meinen Beben wird er au vom feinem Seuchten bei fat, bas Licht 
genannf, unb man fagt, bas neue, zunehmende, vole, abnebmende 
Licht. Wegen feines fanften Lichtes it der Mond bei Dichtern und 
Liebenden ſehr delfebt, man befang und befingt ihn und hebient ſich 
feiner zu derſchiedenen biüblichen unb uneigentlihen Xusträden, zu 
welchen gehdet, wenn man fagt unter bem Monte, für auf ber Erbe. 
Warum find ber Ihränen unterm Mond fo viel? 
Bei den Dichtern iſt die D.D. Umendung bed —en, Dig. —en, fchr 
Äblih, deren man fi aud in ben Iufammenfegungen abwechfelud 
mit Mondes und Mond bebient, 
Wie füg und freundiih lacht 
Des Monden file Pracht. Weiße 

Der erfle Fol lautet im D.D. auch + ber Moaben, bei Opiz ber 
Monde und zumeilen bebienen fi die Dichter aud mod ber fonft 
Seralteten Form Mon (f. b.) welches in manden Gegenden Dan, 
im ®. D. ber Mahnd und im Osnabrückſchen die Mane lautet. 

SOvprichwhrtlich fagt man ber Mann im Monde, wenn man von eis 
nem uns ganz Fremden unb Untheilnehmenden ſpricht. Ja weiterer 
Bebrutung mennt man and) bie Begleitflerne audener Mandelfterne, 
als bes Jupiter, Saturn ıc, Monden. 

Fort zeißt ex (ber Stern) dich im feines Schwenges Kraft 
Sammt feinem Ring und allen feinen Monden, Eäiller. 
tineigentlih, x) Die Zeit von einem Neumonde zum andern, ein Monat. 
Ferumblid ben ganzen Mond herbergt' er mi — Eof. 
Fünf Monde find's Ehiller. (R.) 
2) Bon ber Ähnlichkelt mit dem Mende, wenn er aus bem Tehten 
Biertel und ehe er ins erfle Biertel tritt, wo ber erleuchtele Theil 
beffeiben einer Sichel gleicht, belegt man verfhiebene Dinge mit bem 
Namen Mond, Der halbe Mond im Tüskifhen Wappen, das Bilb 
des fihelförmigen Mondes, Der Tuͤrkiſche Mond, die Mende ſichel 
als Zürkifhes Wappen ober Mappenzeihen. Der halbe Mond, im 
bir Reftungsbautunft, eine Art Außenwerke. Brei den Meifgerbern 
it der Mond ober Monden ein ſichelförmiges Schabeifen. S. Schlicht⸗ 
mond, Streichmond. 5: In berRaturbefhreibung. (1) Eine Met menb» 
förriger Berflerne im Inbifhen Meere (Asterins lumm). (e) Das 
Mönchen, eine Art Nachtroͤgel (Phalsena noctua lunula Hufnag.'. 

O Der Mondabend, —es, 2. —e, ein mondheller Abınt. „Er 
bat fie — in den Mondabend binaudgugeben," 3. P Rihter. 

Das Mondalter, —8, 3. gl. bie Beit, melde man vom Reumonb 
anıre+met zaͤhlet, bis wieber zum Reumonde. 

Dos Mondauge, —s, 4. —n, ein fehlerhafte: Auge, beſondere 
ber Pferde, wenn bie Sehkroft deſſelben mit dem Monde ub: urb 
zunimmt, weicher Zuſtend gewöhnlich von einem Felle herrüdret. Si 
damlı ein Alnf verbunden, fo nennt man biefen Montfluf 

Mondäugig, adj. u, adv. eia Monboune hadend, mit dem Fehler ei: 
med Mondauges behaftet. Ein monbäugiges Pferd. Davon die 
Mon*äugiskeit an zc. 


Das Monbbein, — s, Bi. —r, in ber Berglieberungstunft, «ine 


338° 


benfelden tritt. Der Mond fheint, wenn er uns feine erleuchtete 


Monde 


der Handbeine, welches am hinterm vieretigen Theile der Grundftaͤcht 
der Speiche liegt (Os lunatum). 

A Mondbefhienen, adj. u. adv. vom Monbe beſchtenen. — bie 
weite mondbeſchienene Landſchaft.· Sonnenberg. 

A Mondbeſchimmert, adj.u. adv. vom Motbe befhimmert oder bes 
(dienen, wofür man auch mondbeſchienen und mondbeleudtet ſa⸗ 
gen tann. 

Sanft befhattet vom Baubr bes monbbefhimmerten Weinftodb. Vo ß. 

O Der Mondbefchreiber, —6, 24. gl. ber den Mond, befonders 
aach bee Beſchaffenheit feiner Oberfläche beſchreibt, der Verfaller eis 
ner Mondbeſchreibung (Selenograph), 

O Die Mondbefchreibung, 4. —eın, bie Befhreibung des Mom 
bes, befonbers nach ber Befhaffenkeit feiner Oberfläche, fo weit man 
biefeibe zu Kennen glaubt (Selenographie). 

A Monvbeftrablet, adj. u, adr. vom Monde beftrahtet, 

— zum monbbefirabiten Aufgang. Sonnenberg. 

Der Mondbewohner, —s, 3. gl. ein angenommener Bewohner 
des Mondes; auch Monbbürger, Mondfohn. 

Der Monpblid, f. Mondeblick. 

Mondblind, adj. u. adr. denjenigen Fehler am ben Augen hadend, 
dba man mit bem ab: und zunehmenden Monde mehr ober weniger 
gut fehen kann. Fin monbblindes Pferd, wolle man auch rin 
ſchoͤnblindes ſagt. ©, Mondauge, 

Die Monpblindheit, o. 2%. ber Zufland, ba man wondblind iſt. 

O Der Mondbürger, — , Wi. gl. ſ. Mondbewohner. 

Der Mondenblid, f. Mondeblick. 

Der Mondenglanz, —es, o. DM. ber Slanz, bas kicht ober ber 
Schein bes Dionbes, 

Als wenn im nädht'gen Wald uns Monbdenglanz ummeht. Böthe, 
Beſſer tft der Mondglanz, welches Andere gebrauden: 
— — Da fab in der Feru' er 
Hoch an der mittlesen Alp, fein Watreffästhen im Mondglang. 
Geonnenderg. 

O Das Mondenheer, —e3, 3. —r, ein Heer, eine große Menge 

von Monben, — Kometen 
Stürmen — MWonbenheere degrabend, Sonnenb. 

Das Monbenjahr oder Montjahr, —e#, Pi. —r, in ber Beite 
rechnung, ein Jahr, melden bloß nad ber Anzahl ber Umläufe bes 
Montes um die Erbe beftimmt wird, und aus zwölf Mondenmona: 
ten, nad einer gewifien Reihe von Jahren aber, we «in Schaltfahr 
eintritt, aus breischn Montenmeraten brftefet, und alfo gewöhnlich 
354 Zope, 8 Stunden, 48°°%,, Minuten, in einem Schalthahre 
aber 385 Tage, #ı Dtunben, 32%, Diinuten betsdgk; zum Uns 
teefhiehe won einem Sonnenjahre. 

Mondenlang, adj. u. adr. einem ober mehnere Monte oder Monate 
lang, db. b. dauernd. Min mondenionges Schmeigen, „Batımen 
mondenlang nicht zu fehen, bas will ih fhmören.* Meiner. (9) 
Auch mondlang. 

— Daun ferfert er mendlang 
Wieder sum Erik mir fh ein. — Gonnenberg. 

Das Mondenlicht oder Mondlicht, —rt, 0. 9 das Fiht ober 
deuchten des Mondes. As it Mondlict, wie baden Mondlicht, der 
Monr iheinet, — Unb ein weißer Xitar leuchtete hell neben ihm 
im Mondentichte.e 3.9. Ritter Dann, ber Monb ſelbſt. 
„Bir dos Monrtiht fhimmert.* ungen. 

Der Mondenmonat. — et Be. —e, in ber Jeitrechnung, ein Mos 
nat, biflım Daver allein burch den Lauf bes Mondes um bie Erde 
behimmt wird, Me Bett von rırem Reumondbe bid aum anırmn, cher 
29 Tage, 13 "runden, 43" Minuten; zum Untrefhiede von eis 
nr Sonnenmonnt. ©. Monat. 

Der Mondenfhrin, —et, 0. Mm. ber Fein, bas keuchten des 
Mondes; gimdtnlicher und heffev Mondſchein 

— im laum Mondenfhein. Bieland. 


Monde 


339 


Mondn 


A Der Mondenſchimmer oder Mondſchimmer, —®, o. 2. die kenklet (Medicago circinnata L.). 9 Des baumartigen Sqhnek⸗ 


Schimmer, ber matte Schein, das 'hwade Leuchten bes Mondes. 


terkiees; Mondkleeſtrauch. &. Strauchklee. 


Aidano fand ebel tm Mondſchimmet vor ihr.“ 3. P. Rihter. ‚Ps Mondkleeſtrauch, —es, 9. — ſtraͤuche, ſ. Mondklet 5) und 


Sittſamtett umflog wie Mondenſchimmer 
Ihre Roſenwangen, ihren Bud. Hölıy. 

Die Mondenuhr, f. Mondsuhr. 

"A Monberhellet, adj. u. adv, vom Monde oder Monbfheine erhrllet; 
im gemeinen Beben monbhell. 

Der Mondeshlid, Mondesglanztc. f. Mondsblid, Mondsglanz ıc. 

Der Monpfarn, —t, 34. u. ı, &. Mondfraut 1). 4) Eine Art 
bed Arauenhanzes (Adianthum lunulatum), Remmid.. 

** Die Mohdfeier, By. —n, ber Neumond, das Reulicht. Geis 
ler v. Kapfersberg. 

Die Mondfinfterniß, 9. —ſſe, die Verfinfterung oder Berdunke⸗ 
lung bes Donces, wenn er vol it, buch ben Schatten ber Erbe, 
mwelse ih dann gerade zwiſchen Sonne und Mond befindet, 

Der Monpfifch, —s, 24. —e, der Meerhahn. 

Der Mondfieden, —s, 4. Yl. x) Flecken, welde man im Monte 
oder auf der Dberflähe bes Mondes wahrnimmt, und bie man nah 
kdrer verihiedenen Bılaffınheit theils für Werge, thrils für Ipäler ic, 
Hält, die man mit eignen Namen belegt und auf eignen Karten, wel⸗ 
Gi Mondkarten heißen, dargeſtellt hat. =) Flegen, welde eine 
mondfärmige oder Sichelgeſtalt Haben, 

Der Mondfluß, —fies, 24. —Tläffe, ſ. Mondauge, 

Monpflüffig, adj. u. adr. mit dem Mondfluffe behaſtet. Yin monds 
flüfiges Pferd. 

Mondförmig, adj. u. adv. bie Form ober Geſtalt des Mondes, vor 


bem exſten und nad dem Ichten Viertel wo er einer Sichel gleicht, 


babend, In der Pflanierichze heißt bei den Karnfräutern ein Häuf: 
&ın mondförmig (lunatus), wenn bas Häufsen von Gamenfapfeln 
einen halben Kreis beſchreibt; ein Watt Heiff mondförmig (luna- 
tum), menn bie beiden Lappen am Stielende in einer geraden et⸗ 
was ausgebogenen Linie fliehen unb fpigig zulaufen, bas Blatt oben 
ater runb iſt. 

Das Mondgeld, f. Monatgeld. 

Die Mondgeftalt oder Mondsgeſtalt, . —en, die Geflalt des 
Mondes, welche bie eines runden Körpers ift; ohne Mehrzahl. Die 
ſchelabare Geſtalt des Mondes wechtelt ab, je nahbem er und feine 
ganze erleudhtete Seite oder nur einen Theil berfelben zufchret, Im 
erften Falle erſcheint er als eine runde Scheibe, im andern als ein 
arößeres ober Fleineres BWeuhftäd diefer Scheibe und quiet nur als 
eine Sicher, für melde Abwechſelungen ver Seftalt bie Mehrzahl äb⸗ 
lich {ft (Menbphasen, phases s. apparitiones lunae), 

Der Monpglanz, |. Mondenglanz. 

O Der Mondglanzkegel, —s, 4. gt. der Glanz, Schein ober bie 
Strahlen bes Mondes, fofern fie zufammen in Geflalt eines Kegels 
indie Augen fallen. „Eine Stunde vor Mitternaht fHößt bie Eptgebes 
Mondglanzkegels auf bem Teiche gegem ben Doppeltfurm.* 1 ädter. 

O Mondhell, adj. u. adv. vom Monde ober Mondſcheine bel, ers 

” Leuchter, Eine mondhelle Racht. (R). „Die Racht war monbhell,* 
Meisner. (R.) 

O Das Mondjahr, (®.) f. Mondenſahr. 

OMondig, adj. u. adv. einen Monat lang baurend, währent. Molke, 
Der Mondkaͤfer, —s, 3. gl. eine Art Käfer, wahrſcheinlich von 
ber mondförmigen Beihnung (Scarabaeus Junaris), Remnich. 

Das Mondkalb, f. Montalb und Monatkind, 

Die Mondfarte, m. —n, eine Karte vom Monde, d. h. eine bildliche 
Darftilung ver Monbfheibe mit ben Fleden, welche man barauf 
wahrnimmt. &. Mondfleden. 


Der Mondfler, —s, 94. u. der Rame einiger Arten des Schnecen⸗ 


Bee. 1) Des breiblattigen Schnecentlees mit nierenfärmiger Hülfe, 
geſtrahlter Echredenfiee (Medicago radista L.). =) Dir gehie · 
derten Schnedenfices mit nierenfoͤrmiger Härfe, Spanischer Schnet« 


Strauchkier. 

Der Mondkoller, —6, 4. gl. nah Zehntners Werfiherung, eine 
Art ves Kollers der Pferde, welcher fih beim Mondſcheine äußert. 
Unvere betrachten ihm, wie es fheint mit Recht, als ein Mäprden. 

O Der Mondlönig, —es, 4. —e, aleichfam Hin König auf 
dem Monde, über dort möglihe Bewohner. - „Die Röniginn — gab 
für den Augendlick ihre Unterhanblung mit dem Mondkoͤnige auf.v 
Benſel Sternau. 

Die Mondkrankheit, o. 9. ſ. Mondſucht. 

Das Mondkraut, —e, Bi. u. 1) Eine Art des Traubenſarne, bie 
fid auf trodnen Hügeln und Zriften findet, «in faftiges, weiches 
geldgränes Blatt aus der faferigen Wurzel treibt, welchte in neun, 
eif und mehzere einander gegenüber geftellte mieren, ober monbför: 
mige Lappen getheilt il, und aus deſſen Gtiele ein anderer kurzer 
@tiel entipringt, welcher aber in kurze Zweige getheilt ift, bie mit 
Heinen teaubenfdrmig ſtehenden Kouͤg ichen bebedt find, in melden 
vieler zarter flaubichter Samen enthalten iſt (Osmunda lunarial.); 
auch Mondraute, Mondbfarn, Keberraute, Eifenbreh, Erdſtern, 
Walpurgistraut, Maitraube, in Franken Maienfraut, im Billers 
thai Blachkraut, Peterefchlüffel. =) Das Silberblatt (Lunaria 
L.). S. d. 3) Das graue ober weiße Hungerblämden (Draba in- 
cana L.). 4) Kleines Mondkraut, ein Rame bes Pfennigkrautes 
{Lysimachia numularia L.). 

Die Mondkugel, My. u. der Mond als eine Kugel oder ald ein Fugels 
förmiger Körper betrachtet. „Alle diefe Urſachen bringen bei ber Mondes 
kugel (Mondkogel) nur ein ſcheinbares Schwanken hervor." Bilder. 

O Der Monblauf, —es, 34. —läufe, ber Lauf oder die Bewegung 
des Mondes ſowol am Himmel vom Aufgange did zum Riebergange, 
als auch der kauf beffelben um die Erbe. 

Und fühlt den Monblauf in feinen Bebeinen, Soltau. (R.) _ 

& Mondleer, adj. w. adv. ohne Mond, b. h. ohne Monbfhein, vom 
Monde niät erleuätet.. — in einermonbleeren Ede. J. P. Ritter. 

O Mondlich, adj.u,adv. 1) Dem Monde ahnlich; zum Monde gehb⸗ 
zenb; mie and, vom Monde oder Monbfeine herrährend. 

Und für den Durfſpith trägt fie die mondliche Hipp’ in bee 
Rıöten. Bof. 
„Oft in der monblichen Dämmerung fhwebte ein Nahen. Mat: 
tbifon. — Tief unter ihm glaͤnzte 
Mondlich bas Zobesmerr. Sonnenberg. 

Und mit Schatten der Jungfrau'n 

Tanzt ee mondlichen @ifenreipn, Sof; 
in welder Gtelle «6 bei Monbliht oder Mondigein, ober Sgatiä, 
gleich dem Montfiral, 3.8. fo Leit, fo unkbrperlich zu bebeuten 
ſchelnt. =) O Monatlih. im Monate. Wolke. 

Das Monvlicht, f. Mondenticht. 

Das Mondloch, —es, 4. —Iäcer, in der Shwrls, bieBenennung 
Lerjenigen Höhlen imben Bergen, in welden man bie Mondmilch findet, 

O Mondlos, adj. u. adv. ohne Mond, ohne Monbfhein, vom Monde 
nicht erleuchtet, „Als er in der noh monblofen aber ſternreichen 
Dämmerung — Hinaufging.- I. P. Rihter 

Mondlos flieg aus Often bie Nacht. — Sonnenberg. 

Der Mondmann, —es, p. u. ber Mann im Monde. S. Monb. 
Gtieler 

Die Mondmilch, 0. WM. rine feine weiße Kalkerbe. die in Nigen der 
Feilen und in Kläften der Gebirge gefunden wirb und bie mit Waffer 
vermifht wie Milch ausfichet (lac Innae). Unmiffende haben 
Diefe Erde, bie wie Mehl ausfichet, als ſolches benügt uud sum Made 
tbeil ihrer Geſundbeit gegeffen; auch Bergmehl, Himmelsmebl. 

& Die Mondnacht, Dig. —nähte, sine mondpile Neqht; auch Die 
Mondſcheinnacht. 


Pr. 


1 


Mondr 


— Mic bes Sommers fanftere Monbnacht. Rlopftod. 
D dann ihr Brüder ſchwur id mit euch im Braun 
Der killen Mondnacht, ebleren kledesſlug. Bop 

Die Mondraitte, 2%. u. f. Mondktaut. 

Der Mondfamen, —s, Pu ber pondförmige Same einer Pflanze, 
welde ebenfans Mondfamen ober Mondſamenkraut heift (Meni- 
spermum L.). &s ſchlingt fi wie der Epheun um andere Körper 
und in bie ‚Höhe; eine Art gleiht auch in ber Geftalt ber Blätter 
dem Epheu und Heißt epheubiätterigeds Mondfamentraut (Meni- 
spermum virginieum L.). @ine andere Art ift das Stanadifche 
oder fhilbblattige Mondſamenkraut (M. canadense L,), 

Die Mondöbahn, WR. u. bie Bahn ober ber Weg des Mondes um 
bie Erbe, 

Der Mondsblid oder Mondesblick, Mondblid, —es, 2. —e, 
ber Blick gleihlam, d. h. ber Schein bes Mondes, befonbers wenn 
er zwifchen Wolken, bie ihn öfters den Augen verbergen, durchſchei ⸗ 
net. Stieler. Mie Monbesblide 

Den Sterblichen ſcheinen. 
Derſelbe Dichter gebraucht auch Mondenblick: 
Daͤmmrunge faͤben, Mondenblickt, 
Nachtviolenduft verwebend. 
Die Mondsbruͤche, ©. u. f. Mondewandelung. 


Göthe. 


Der Mondfhatten, —s, 29. u. der Schatten, weldenber Mondwirft. 


Bei einer Sonnenfinfternig befindet fi bie Exde im Mondſchatten. 

Die Mondfcheibe oder Mondöfcheibe, By. —n, bie Scheibe bes 
Mondes, bie von ber Eonne eriruchtete halbe Oberflähe bes Mom 
bes, bie bem Auge als eine glänzende Scheibe erſchelnt. 

Der Mondfchein, —es, 4. —e. 1) Der Schein, das Leuchten 
oder Licht des Mondes; ohne Mehrzahl, auf der Monbenfchein, 
das Monblicht. @s if jest Mondfchein. Wir baden biefe Naht 
Mondfhein. =) Wei den Kunfttzechslern führt ben Namen Mond: 

t Tchein, ein Drehſtahl mit einer mondfoͤrmigen Schneide, bauchlge Sa⸗ 
Hen damit aus zudrehen. 

O Mondſcheinlos, adj. u. adv, ohne Mondſchein, vom Monde ober 
Meondfheine nicht erhellt. „Mondfcheiniofe Kammern.“ Rofes 
garten. (R.). . 

as Die Mondfcheinnaht, My. —naͤchte, eine Naht, im welder 
Mondſchein ift, eine monthelle Nacht; die Mondnacht. 

D nit vergebens 
Slickt in den Trauerhaln 
Die Mondfheinnacht des Lebens 
&o fhaueriih herein, Tiedge. 
Niätiger ift diefe Form als bie härtere, Monbfcheinsnacht. 
— Einf — in einer Mondſcheinsnacht. Wielant, 

Die. Mondfchnede, By. —n. ı) Überhaupt, eine gewundene Schnecke 
mit zunder ununterbrohener Mändung, die Schraube (Turbo L.). 
2) Der Rame einer Oſtindiſchen Schnede, deren Schalen bünn, mond» 
förmig rund und nicht fehe bauchig find; bie eine Schale ift gang 
weiß, die andere Icherfarbig, inwendig haben fie ſehr feine erhobene 
Strahlen, bie man mit Kompafflrihen verglichen hat, dader fie 
auch Kompaßmufchel Heißt (Ostren pleuronectes L.). 

O Der Mondsdurchmeſſer (Monddurchmefler), —s, 3M.gl. der 
Durchmeſſer des Mondes, weldher etwa 470 Deutfche Meilen beträgt. 
— velches ungefähr eine Deutfche Meile ausmaht, den Mondes 
durchmeſſer auf 470 Meilen gerehnet." Filder. 

O Die Mondsflähe (Mondflaͤche), a. —n. 1) Die Fräde des 
Mondes als eine Schtide betrachtet, die Oberfläche bes Mondes, „Die 
Befhrelbung einzelner Theile der Mondflaͤcher“ Fiſcher. 2) Eine 
Flaͤche auf dem Monde, 

Der Mondöglanz oder Monbesglanz, —es, 0.2. der Blany, bie 
Helle, ber Schein bes Mondes, Etieler 

— beim fanften Monbesglanz. Wieland, 


340. 


Monds 


in welden bie Monbbahn bie Sennenbahn am ber fheinbaren Hims 
melsfugel durchſchneidet (Nodi lunae), S. Knoten. 

O Der Mondfohn, —es, 9. —föhne, ein Sohn, b. h. ein Bus 
mwohner bes Mondes; nah Erdenſohn gebildet, „Daher können bie 
Mondföhne bei unſerer Sonnenfinfterniß nicht anders fagen, alst ıc, 
3. 9. Richter. 

Die Mondsfichel oder Mondesfichel, By.—n, die Sichel des Mon» 
des, b. d. der Mond, wenn er von feiner erleuchteten Hälfte der 
Erbe nur einen geringen Theil zufehret, welcher bann in Geſtalt eis 
ner Sichel ſichtbar iſt. 

— ſchaell geht 


Dee Wollen Bug, bie Monbesfihel wankt. Schitter. 

Die Monpdstafel oder Mondtafel, 3. —n. ı) Bumeilen für 
Mondkarte. 2) Eine Tafel, ein Blatt zc., auf welchem gewiffe dem 
Mond betreffende ſterukundliche Btrechtungen fliehen. Beſonders fol« 
che Zafeln, welde den wahren Standort bes Mondes für jebe Zeit 
berechnet angeben. Mayers Mondstafeln. 

Der Mondflein, —es, Bi. —e, ein Name des Fraueneifes oder 
@piegelfteines (Selenites). 

O Mondftill, adj. u, adv, ſtill wie ber Mond, fehe ſtill und fanft. 
— auf jenen Abend beutenb, wo er neben Winaß Zimmer monde 
fit aufs und abging.* I. 9. Richter. Mahler führt es in ber 
ungewöhnlichen und unbsauhbaren Bedeutung, für ohne Mondſchein, 
finfter 3. ®. eine monbflille Racht, auf. 

Der Mondſtrahl, —es, I. —en, bie fanften aber matten Lichte 
firaplen,, weldhe ber Mond von fi wirft. 

Abendglanz an Berg und in Thal, Mondftrahl ſchen in Ofen, 
Sonnenberg. 
Die Mondſucht, o. 2. eine Kronkbeit, deren Anfälle gewoͤhnlich bei 
ben Mondwechſeln eintreten, wo bie bamit behafteten Kranken im 
Sqlafe aufflehen, mit gefhloffenen Augen allerlei verzihten fo gut 
fie 28 aur febend thun Pönnten und Überdies auch allerlei gefährliche 
Bewegungen und Berrihtungen vornehmen, bie fie wachend zu ums 
ternehmen nit wagen würden und beren aller fie fi nad bem Erwa⸗ 
Sen nicht bewußt And; die Mondkrankheit. 
Mondfüchtig, —er, — ſte, adj. u. adv. mit der Mondſucht behaftet. 
Fin Mondfühtiger, einer der bie Mondſucht hatz auch Nachts 
wandler, Nachwanderer, Nachtgaͤnger. 
Die Mondſuͤchtigkeit, o. DM. der Zufland eines Menſchen, ba er 
monbfühtig ober der Mondſucht unterworfen if. Zuweilen auf für 
Mondſucht ſelbſt. 
Die Mondsuhr, Mondenuhr oder Monduhr, Sy. —en, eine 
ruhe, welche in ber Nacht bie Stunden vermittelt bes Schattens, 
welchen ein auf ber Fläche derſelben angebrachter Körper ober Zeiger 
im Mondſchein darauf wirft. r 

Der Mondsumlauf, —es, By. —läufe, ter Umlauf bes Mondes, 
der Lauf bes Mondes um die Erbe von einem Punkte biefer Bahn 
bis wieder zu biefem Punkte; wie aud ber Zeitraum, welden der 
Mond bazu nöthig hat, ein Monat. 

Web euch, ſeh ih mit Mondbsumflauf nicht bie ganze Werfamms 
fung. Sonnenberg. | 

Das Mondöviertel, —s, 4- al. (M.) eigentli der vierte Theil 
bes Mondes. Man verfieht aber darunter 1) bie Theile ber er⸗ 
leuchteten Mondflaͤche, fo wie wir fie zu verſchiedenen Zeiten immer 
von fieben zu fieben Tagen exbliden, als vom Neumond bis babim, 
wo wir die erfeuchtete Mondflaͤche zunehmend halb feben, erſtes Vier⸗ 
tel, dann bis wir fie immer nod zunehmend gänz fehen ober bis 
Vollmond wird, zweites Viertel; dann bis wir fle abnehmend wiebder 
nur halb ſehen, drittes Wiertel; endllch bis wir fie, immer mehr 
abnehmend, gar nicht mehr fehen und Neumond wird, letztes Vier⸗ 
tel. 2) Die vier Zeiten, im welchen dieſe Lichtabwechſelungen bes 
Mondes eintreten. 


“ Der Monbölnoten, —6, Bi. gl. in des Sternkunde, die beiden Punkte, Die Mondböwandelung, Mg. —en, die zu beffimmten Beiten eintees 


Monde 


tenbe Abwechſelung ober Bus und Abnahme bes Monbliätre, dem 
Neumonde zum erften Viertel, zum Vollmonde, zum letzten Biertel 
und zufegt wieder zum Reumonbe; auch bie Mondebräde und der 
Mond wechſel. 

O Die Mondszahl (Mondzahl), 9. —en, in der Zeitrechnung, 
blejenige Baht, weiche amyeigt, wie viel Tage bis zum erſten Iänner 
ſeit bem tegten Reumonde verfloffen find, welche alfo den -Unterfhteb 
eines buͤrgerlichen Gonnenjahers und Monbenjahres zu berechnen 
bient (Montepacte), 

Der Mondtag, f. Montag. 

Die Mondtaube, By. —n, eine Art Haustauben mit Bäſcheln auf 
ben Köpfen und größer als die Feldtauben; fle legen und brüten 
mehrere Donate hinter einander, wie die Monatstauben, Wegen 
des Tones, melden fie von fi geben, nennt man fir aud Trom⸗ 
meltauben. 

Die Monbubr, f. Monbsuhr. 

& Mondumbämmert, adj. u. ade. vom Monde rundum ſchwach 
beleuchtet, 

— und blickt' in die monbumbimmerte Gegend. B of. 

A Mondbumkränzet, adj. u, ade. vom Monde umfränzt, d. }- umgeben. 

Mondumkraͤngte Planeten. — Bonnenberg. 

A Mondumleuchtet, adj. u, adv. vom Monte rundum beleuchtet 
ober erleuchtet. 

Auf ben monbumleuchteten Alpen. Baggefen. 

& Mondummanbelt, adj. w. adv. von Monten ummanbelt, 
Jede (Sonne) von Erden umkreift, von mondummandelten Er 

ben. Sonnenberg. 

A Mondummwimmelt, adj. u. adv, von Menden in wimmelnder 
Menge umgeben. 

— bir bimmlifchen Ähre Bewohner 
Gehen des monbummimmelten Sterns weitkreiſenden Bauf niät. 
Rlopfod, 

Das Mondveilchen, —s, 99. gl. f. Silberblatt. J 

4 Mondverfilbert, adj. u. adv. vem Monde gleichſam verfilbert, 
d. h. vom blaſſen Lichte des Mondes beſchienenz auch wol wie nom 
Monde, deſſen blaffe Lichtſtrahlen Silberſtrahlen genannt werben, 
verfilbert, filderweiß wie bie Mondſtrahlen. ‘ 

Die bu unter ber Dämmerung 
Mondverfilberter Pappeln weil. Sth. 

Der Mondrogel, —8, 2. —vögel, eine Art Rahtvögel, bei Aus 
dern bee Waffenträger (Phalaena bombyx bucephala L.), 

Der Mondwechfel, —s, My. gl. ber Wechſel des Mondes in Anfer 
hung feines kLichtes, bie Zu, und Abnahme bed Monblihten, Die 
Beiten des Mondwechſels. 

Der Mondzirkel oder Mondszirkel, ——s, WM. gi. in der Zeitrech⸗ 
Aung, ein Beitlauf von 19 Jahren, nah weldemn bie Mens und Boll: 
monbe wieber auf biefelben Tagt follen (Cyclus lunae). 

Die Möne, 3. —n, in Shmaben, ein Gefpann zum Bebufe bes 
Aderbaues. 3. 6, Schmib, Davon anmönen, anfpannın. Rad 
Fulda aud bas Frohnjagdzeug. 

+Xx Mönig, —er, —ſte, adj. u. adv. fo viel als monbäugig, 

Das Monfalb, —s, 94. —liber, ein fleifhiges Gewähs, wel; 
ches zumeilen in der Bärmutter entfiehet; im R, D. Mancntind, 
Bumeiten verſteht man auch wol eine umzeitig höchſt mangelhafte Leis 
berfrucht darunter, Anbere fhreiben Mondkalb. &, Monatkind, 

Der Montag, —es, 34. —e, der zweite Tag in ber Mode (dies 
Innmae), weil er bei ben früheſten Wölkren bem Monde gebeiltgdt 
war, Am Montage. Gi geſchah Montage, am Montage. Der 
baue Montag wurbe nah Frifch, der Montag vor dem Anfange 
der Faſten, welcher gleichſam no& zu guter legt mit vielem Eſſen 
umb Zrinfen zugebracht wurbe, genannt, daher er aud der Frefs 
montag hieß. Zett nennen bie Handwerker jeben Montag, wo fie 


341 


Moor 


nit arbeiten, und in weiterer Bebentang, jeden mäßigen Tag einen 


blauen Montag, fonft aud einen guten Montag. Unter ben ver, 


lornen Montage verſtehet man im einigen Gegenden den Montag 
nah bem Fefle der Erfcheinung Kriſti. Montag.un Mondtag ana 
man mit Wolfe fo wnterfheiben, daß man mit Montag von Ron, 
bee Mond, bem zweiten Tag ber Wohe, und mit Mondtag von 
Mond ber Monat, einen Moenatstag bezeichnet. Mondtag nnte 
aud einen durch den Mond bezeibneten Tag, am welhem der Mond 
am Himmel ſtehtt, an beffen Abend er ſcheinet ze. brdeuten. 

Montäglich, adj. u, adv, was gewöhnlih am Montage, ober auch 
alle Montage ift ober gefhiehet. Gewoͤhnlich wird dafür unristig 
montägig gefagt. „Bei meinen montägigen Predigten." Teller. 
©. Zägig und Taͤglich. j 

+ Der Mook, —es, 24. —e, der Honigludud, Nemnih. 

Das (der) Moor, —es, Di. —e, in manden Gegenden, die Moͤre, 
ſchwarzes fumpfiges Sand, wie batjmige Ifl, woraus man Torf ſticht z 
im ©. D. Mur, Gemor, Gemoͤrich. Gin wildes Moor, ein gro: 
bes unzugaͤngliches Moor. Ein Hochmoor, im N. D. ein hochliegen⸗ 
bes Moor, auf dem nur Deibe ober geringes Etrauchwerf waͤchſt; 
zum Unterflebe vom einem Leegmoote ober miebrigem Weore. Ans 
dere ſchreiben Mohr. , 

Der Mooraal, —es, By. —e, ein Kal aus einem moorigen ober. 
fümpfigen Waffer; zum Unterfhiebe von einem Flußaale. 

+ Die Moorbeere, Sy. —n, ein Rame 1) ber großen Heibelbeere 
(Vaeeinium uliginosum L.). &. Heibelbiere. 2) @in Name ber 
Mehl: obere Preißelberre (Arbutus uva ursi L.). 

Die Moorbirte, Big. —n, eine Art Heiner Birken In Rordamerika 
(Betula pumila L,); aud Meine Birke, Erine Sumpfbitke, nie 
brige Zwergbitke, Mootbirke. 

Der Moorboden, —, 0. 2. mooriger, aus Moorerbe beftehender 
Boben. Die Wirfe Hat einen Moorboben. 

Der Moordamm, —es, 2. —bimme, ein Damm burh einen 
Moor geführt oder gegen ein Moor aufgeführt; der Moorbeich. 

Der Moorbeich, —es, 4. —, [. Moordamm. _ 

Die Moorente, 9. —n, eine Krt milder Enten, Hein und bunt, 
mit geiben Fäpen und gelbem zadigem Schnabel (Annas muscarial.), 
Sie fliegt wie eine Schwalbe üb:er dem Waſſer, flugt bie Fliegen 
weg und heißt auch Fllegenente, Mackentt, Muͤckente, Langkragen. 

Dir Moorerde, 3%. vom mehrern Arten oder Miſchungen, —n, cine 
Ast Erde von ſchwarzer Farbe, welche aus bem Maffer niebergefhlne 
gen if, aus verſchiedenen andern Erbarten, virfaulten Pflanzen und 
Thiertheilen befieht und fi Häufig in Mooren und Cuͤmpfen finder, 
ober da mo Moore waren. 

Die Mooreule, 4. —n, eine Art Eulen in moorigen Gegenden 
(Strix palustris) ; auch Sumpfeule. Behfein 

Der Moorfahrer, —E, 9. gl. im Bremifen, ein Schiffer, weider 
ben Zorf aus bem Moore zu Waſſer zur Stadt bringut. 

Die Moorgegend, By. —en, eine moorige, Moor enthatbrabe Gegend. 

Das Moorgras, — es, M. u, eine Art in Mooren oder Suͤmpfen 
wahfenden Riebgrafes (Carex cespitosa L.). 

Der Moorgrund, —ıs, 94. —grände, rin meoriger Grund; bann, 
«in Moor ſelbſt, welcher tief liegt. 

+ Der Moorgrundel, —s, 85. gl. in Schwaben der Schlammbeißer 
(Cobitis fossilis L.). 

+ Der Moorhauer, —s, 9. gi. Im Holfteinifäien, eine eiferne Hade, 
bie Safenftüde, welhe aus den zwiſchen den Äckern befindlichen Frä« 
den ausgeftohen und aufs Land geworfen werben, in Heine Städe 
au bauen. Shüge Gigentli einer der Möce banct, ſticht. 

Die Moorheide, Mz. —n. ı) Eine moorige Heide, Palbung. =) 
Eine im Moore wahfende Heide. Befonbers, eine auf fampfigen 
Plägen und in fendten Gräben auf bem Felte madhfente Art Hride, 
welche etwa einen Fuß had wird und im Fräflinge und Heröfte blüs 


Moor 


het (Erica tetralix L,); auch Sumpfbeibe, Torfheide, Niederlaͤn⸗ 

biſche Hide, Winterheide, braunrorhe Beſenheide. 3) Die Note 

"  marınhride (Andromeda polifolia L.). 

Die Moorhirfe, o. 9. ſ. Mohrenhirke. 

Moorig, —er, —fle, adj, u. adr. aus Moer beſtehenb, Moor ent 
Haltend. Mooriger Boben. Cine mosrige Wirfe. 

+ Der Moorkolben, —s, 2. gi. ein Rame ber Brofgwärmer (Gy- 
rinus. 

Das Meorland, —ıt, 3. — laͤnder, mooriges Band. 

Der Moo meier, —$, 34. gl. im R, D. ein Meier, ber ſich in eis 
nim Mor angebanet hat, 

Die Moormeife, Hd. —n, T. Bergmeife. 

Die Ikoorpflanze, 9. —n, ein in Mooten ober moorigen Gegen⸗ 
bea wahlende Pflanze, 

& Die Moorquappe, 99. —n, f. Meerguappe. 

Der Moorrosmarin, — es, 2. u. f. Porſch. 

Die Mosrfhmide, Dr. —n, [. Rafenfchmiele, 

Die Moorſchnepfe, By. —n, tiae Benennung folder Schnepfen, 
melde fih in Mooren und Säm;frn aufschalten pflegen, mie die 
Doppelfäpnepfe, Haarſchnepfe, Niedfchnepfe zc.; zum Unterſchiede 
von ben Waldſchnepfen. 

Die Moorfeide, o. B. ein Name des gemeinen Wollgrafes ober Dur 
nengrafis, ©, db. 

Das Moorfpinnenfraut, —e, 9. u. ein zu ben Bräfeen gehd— 
rendes Yilanzengeihleht, welches auf fumpfigen Wieſen mwädft 
(Scheuchzerin L.). Der Halm endigt Gh in eine einfache Rispe 
oder Kpre, bie vier bis fünf auf ihrem befonbern Stiele rubende 
Biäten enthält; jche Wiume zeigt fehs laͤngliche foigige, rüdmärte 
gebogene, draͤunliche Wiättchen, hat fecha kurze GStaubfäben mit laͤn⸗ 
green Staudbeuteln und drei ober ſechs Fruchtkeime am deren Aufern 
Sette der Griffel ober haarige Staubweg befinklic iſt. 

Der Moorflein, —es, 34. —e, ber Gilenflein. 

Der Moorfumpf, —es, 4. —fümpfe, ein Sumpf, beffen Boten 
moorig iſt, over ein tief Hegenber fumpfiger Moor; zum Untesfgiede 
von einem Hochmoote. 

— und was für Migwachs — 
Sonft auf aſchiger Heid', im kalten Moorſumpf 

mwilb bervorſchoß. Boß. 

Der Moorteih, —es, Bi. —e, ein Teich in einem Moorgrumbe, 
Brird. 

Der Mooroogel, —s, My. —vögel. 1) Im N. D. das Waſſerhuhn 
{Falica L.). ») Gin Name ber Maormtiſe ober Mohrmeife, 5) 
Das Moorvögeihen, ein Name ber braunen Grasmäde. ; 

Der Moorvogt, —es, Di. —vögte, im R. D. bee Wogt ober Auf⸗ 
fcher eines Zorfmoores. 

Das Moormafler, —6, 94. u. das auf einem tiefliegenten Moore 
ober übır moorigem Brunde flebende Waſſer; Bruchwaſſer. 

Die Moortweide, De. —n. ı) Die Rosmarinmeibe, S. d. ©) Die 
trichende Weide, eine Heine niedrige Art Meiben, beren Samen⸗ 
tapfein eine geibrotbe Farbe haben (Salix repens L.); aud Erb: 
weide, Gtundweide. . 

Das Moos, —es, ig. —e. 1) Eine Klaſſe von Berichten, melde 
in ihrer äußern Geſtalt ben andern Pflansen gleihen, auch Geſchlechte⸗ 
ober Rrudttbeile, aber einen einfahren Bau baten und fih von ihnen 
buch ihre Fruͤchte und Blätter unterſcheiden, unter ſich ſelbſt aber 
auch auf vielfade Art verfhieden find (MusciL.); D. D. das Mies, 
Sie Lieben befonders feuchte Etantörter und grünen größtentheils 
das ganze Jahr, befonters in kühlen und kalten Gegenden. Sie find 
oft bit, glei rinem Pilze, in einander gemachfen, fühlen fih meiſt 
wech und fanft an, bededen feuchte Stellen, Bergyipfel, Baumftäms 
me unb Steine ac. Man iteilt fie überbaupt in Laubmooſe und 
Lebermeofe (f. d ) und Baummoos, Ertniood, Farnmoos, Anos 
tenmoos, Lungenmoes, Aftermoos ıc. Sich auf oder in das Moos 


— 


342 


Moos 


lagern, Mit Moss bewachſen, welchet häufig ein Zeichen hobet XL 
ters if. ©. Moestnopfen, Moosgrau, a + Eine mit Moos be⸗ 
wachſene Segend, in mauden beionb:rs D. D. Gegenden. So nem» 
men bie Yiger einen mit Moos, filgigem Brafe ıc. bewachſenen Bo ⸗ 
den ein Moot. Im D. D. wird au ein Moor ober Sumpf Hu» 
fig ein Moos oder Gemüs genannt, weil in folgen Gegenden viel 
Moos waͤchſtz daher heißt im D. D. auch ein Feiner Sumpf eine 
Mooslahe. Daher auf; moofen, v. intrs. in Schwaben, in folder 
Segend geafen. 3) F Im Danabrückſchen, Muß; bann, brauner Kohl 
und Öberhaupt ein gekochter Kohl. Daher ber Moospott, ber Kohltapf. 

Der Moosachat, 3 u. —. Kate, in wilden die Natur Mess 
wachgebildet hat (Achates muscosus L.), 

+ Der Moosämmerling, —es, 34. —e, ein Rame bes Robrfper: 
linges, weil er fi gern in feuchten, fumpfigen Gegenden, wo viel 
Moos wählt, aufhält, 

Der Moodapfel, —s 9. —äpfel, eine Art Äpfel. Friſch. 

© Die Moosbant, y. —binke, eine mit Moeg bemadfene Bank. 
„Die Reugter arıch fie hinzu, amd fie gewahrten auf einer Moos: 
bank rınen Pilger.“ F. Rind, 

Der Mooſbaͤr, —es (em); Dr. —e (m), eine Benennung ber gel: 
fern Art Bären, weiche ſich in feuchten fchattigen Milben, wo viel 
Moss wäh, aufhalten, im gemeinen Beben auch Moſelbär. 

Die Mooöbeere, 4. —n. ı) @in Name der Moorberre ober gro⸗ 
Sen Heidelberre (Vaccinium nliginosum L,); audı Morsheidels 
deere. 2) Cine andere Art faurer Heidelbeeren, bie in moofigen 
Gegenden wähft und zwiſchen bem Moofe binkricht, eifdemige, glatt 
zanbige und zurhdgerolite Bıätter bat (Vaccinium oxyeoccos L.); 
auch Mofeibeere, Moftberre, Sumpfberre, Behnbeere, Finnbeett, 
Rauſcharuͤn. 

&A Moosbewmahfen, adj. u. adv. mit Moofe dewachſen. S. Moos, 

Zeifhen moccbemahf'nen Mauren. Ar. Stollberg. 

Die Moodbinfe, y. —n, ein Rame der Nabelbinfe, und auch wel 
nod anbrer Arten. Memnid,. " 

Die Moosbirke, f. Moorbitke. 

Die Moosblafe, By. —n, eine Heine Blofenfhnede, melde Binnf 
in Sämeben auf.bem Moofe in der Sebße eines Haferlornes fand 
(Bulla hypnorum L.), 

Die Moosblume, 3. —n, tin Name ber Dotterblume, weil fie an 
feuchten Orten wächſt (Caltha palustris L.), 

Moofen, v. H O ntr. mit haben, Moos anfegen, mit Moos hebedt, 
vom Moofe Übermahfen werden, beſenders vor hohem Altır „Die 
moofenden Schätel.- Sonnenberg. 

— in moofenber Tempel 

Dumpfe Düftre verbannt. — Derſ. 
IT) trs. 2) Mit Moofe verſehen, bedecken. S. Memoofen. =) # 
Im Dangabrückſchen, effen, wie auch als intre, in Schwaben, auf eis 
nem Meofe grafen. ©, Moos a) u. 5). 3) + Zu Moos, Muf 
maden, mußen. Im Osnadrückſchen, auch berb prägeln, zu Moos 
ober Muß aleichſam fhlagen; mofen. D. Moofen. 

Die Moosflebte, 4. —n, eine auf Steinen an feudten Orten 
wachſende Aledhte mit Heinen grauen geyadten, am @nte Fraufen 
Biätthen (Lichen sazatilis L.); auch Steinflehte, Brunnenflechte. 

+ Der Moodgeier, —s, 94. gi. im D. D. bie Benennung einer 
Art Beier, welcher wie Ad. vermuthet berfeibe Mogel fein fol, wel⸗ 
her Mäufefslt Heißt (Falco buten Kl, . 

& Das Moosgelüft, — s, ip. —e, ein mit Mocs bewochſenes 
Getluͤft. Mo fein lebender Ba nitder am Moesgekluͤft 

Mollt buräfihtige Flut, — Boß. 

A Moosgrau, adj. u. adv. vor Alter grau und mit Moos bewach ⸗ 
fen — unb moesgrauer Pelfenftärzer ic. Meyer. 

O Moosgruͤn, adj. u. adv. 1) @rän mie Recae⸗) Bon barauf 
befin-tihem Moofe grün, Ein moosgrüner Baumftamin. Ein moos⸗ 
grünes Dad. 


Moos 


4 Das Moosgrün, ehne ment. u. 9. 1) Das Grün, bie gräne 
Farbe nes Moofet. =) Grünes Moos ſelbſt. 
— — ba lagert’ BSeroal 
Rah ſich dem Blumengeſtad', vor offener Hütte, ins Mootgtüͤn. 
Sonnenderg. 

Die Moosgrundel, 84. —n, rine Art Bartgrundeln, melde ih 
in lettigen und moofigen Gründen am Beflabe der Seen aufhält. 

Die Mooshaube, 3. —n, ſ. Kappe 1). 

Die Mooöheidelbeere, Bu. —n. 1) &. Moosbeert 1). 2) Eine 
Art des Grbberrbaumes auf ben Alpen unb andern hohen und Falten 
Gegenden, deren ziemlich; fäße Beeren epbar fine (Arbutus alpinaL.), 

Das Mooshubn, f. Birthuhn. 

Die Moodbummel, Su. —n, eine Art rauher, fahlzelber, unter 
dem Moofe niftender Hummeln (Apis muscorum L.). 

Mooſicht, adj. u. adv. dem Meofe aͤhnlich. 

Moofig, —er, — fie, adj. u. adv, ı) Mit Moos bewachſen. Min 
moofiger Plag. Ein moofiger Baum. Sin moofiges Dad. Häufig 
fliegt mooflg den Mebenbegeiff Hohes Alter mut ein, 

In birfem moofigen Sebdu. Efhenburg. 
— Gin moofiger Gretftein ragte darüber 
Unter wehenden Schilfen berver, — Kiopflod. 

Die Moodfapye, 9. —n, ſ. Kappe »). 

Der Mooskarpfen, —s, 34. gl. 1) Ein alter Karpfen, weil ein 
folder zuwriien mit DRoos bewachſen gefunden wird; auch wol über 
baupt hier und ba ein Rame ber Karauſche (Cyprinus latus). ») 
+ Eine Art Heiner Wiibflne 

Der Mooskelch, — s, By. —r, in ber Pflangenlihre, ber befonbere 
gebildete Keich bee Mosfe (Perichsetium), Brei ben weidlthen Blus 
men bleibt ex bis zur Reife bie Frucht ſihen, zeigt ih am untern 
GSude ber Borfte und beficht and riner Menge dachziegelfoͤrmig über 
einander liegender Biätter, bie fih ven den Biättern bes Mooſes 
bush ibre Einge obır Werite unterfhriben; bei ben männliden Bius 
men befieht er aus einer Menge von Blättern, bie fih von bem übrls 
gen durch ihre Gehalt unb ihren feinern Bau unterfheiden. 

Der Mooskoͤcher, —s, Pi. gi. eine Urt Gerläher,, der ein ments 
artiges Apjchen hat, aus binnen, fadenlörmigen, etwas äfigen Stiel⸗ 
Sen beftebet, bie mit rin-förmigen und hornfarbigen Munzeln bedeckt 
find (Tuhularia muscoides L.) 


* Der Mooslolben, —s, 3. gl. der Kolben bes Kolbenrohrts 


* 


(Typha, Beiid. 

Die Moobfrabe, 84. —n, ein Werkieng ber Bärtner, bas Moos 
von b.n Baumen damit zu fragen; ber Moostraper. 

Der Mooskratzer, —, 3%. gl. einer der das Moos von ben Bäumen ıc. 
teapet. Dann, ein Werkjera das Mios atzufragen ; dia Mooskratze. 

+ Die Mooskub, 9. —kühe, ſ. Moosreiber. 

O Das Moctloger, —6, m. gl. ein Boger auf Moos, von Moss 
gemadt. „Dort legten fie ihn auf weich gepeiſtertes Maoslager." 
Bensel:Eternau, 

Die Moosmaner, @y. —n, eine Mauer, melde ohne Kalt aufges 
füseet wirb, und bei melden die Fugen mit Moos verflopft werben, 

+ Der Moosochs, —ın, 4. —ın, f Moosreiber, 

Das Mootvulver, —6, 9. u. ber Bärloppfamen, das Herinmehl. 

Der Moosreden, —#, 9. gl. ein Rechen mit. weiten Zähnen, das 
Moos in !rn Wäldern bamit zufammenzjurehen. 

+ Der Moosreiber, —®, Wr st. im O. D. ein Rome des Rohr 
bommeis; od Moestuh, Mootochs S. Most m). 


Die Moosrofe, 4. —n, eire Art Ro’en, bern Murzel feine Aus- 


Täufer treibt, urb deren Imeige und Reiche dicht mit zarten unb meir 
den Btaheln, mie mit Moofe dewachfen End (Rosa muscoasa Mill); 
v ret · xdt Moftrefe, 

Der Mootid immel, — 9. u, eine Art des Staubmooſes, wel: 
rm eis ik and auf Baunriaden und Moofen eine kalkartige 
"rufe bildet (Byssus lacten), 


343 


Mor. 


Die Moosfhinede, Dh. —n, eine Art Meiner Erbſchnecken in Bir 
ten, faſt durch ſichtig unb ven den kurzen Fühlhbrneta an bid an bas 
Rüdenfgiib mit einem braunen Striche gezeichnet (Limaz hiali-. 
aus L.). 

Die Moosfchnepfe, 8. —n, eine Art Schnepfen, bie zu ben Walde 
ſchntpfen gehört, aber rinem ſchutllen Flug hat und ih in moraftis 
gen Gegenden, wo viel Roos wächſt, aufhält (Scolopax gallinago 
L.); auch Miebfchnepfe. 

Die Moosfhraube, 9. —n, det Müller, eine Art berjenigen 
Schrauden ober Schraubenſchnecken, die Birnentörbhen ober Bipden 
genannt werben; fie ift ſeht Mein und grünlidgelb (Turbo musco- 
zum L.). 

Dr Mossihwamm, — es, Dy. — ſchwaͤmme, eine Art weißer, eh ⸗ 
barer, unter bem Moofe wachſenber Erbihmwämme, welde man im 
Mai findet; im Öfterreihifgen Dörnling, Dornſchwamm, Mirss 
fdwamm, Raͤsling, Reifling, anderwärts auch meißer Aprılls 

ſchwamm, und we er erft im Mai hervorkoͤmmt, meifer Mais 
ſchwaͤmm. 

Der Moosſperling, —es, 4. —«, eine Art Sperlinge, melde ſich 
in moofigen, mit Rohe bewachſenen Segenden aufhalten; ber Rohr⸗ 
fperling, Wiebfperling. In bem gemeinen Gpsrharten, trfendert 
D. D. wird biefes Wort in Muſchelſperling, Mutſchelſperling, 
Muſchelniſchel verderbt. 

4 Der Moosftein, —es, 4. —, ein mit Moos bemadiener oben 
bevedter Stein, — Gr ſaß auf bem Moosſtein'. Riopftod. 

Der Mooäftengel, —®, 34. gl. in der Pflanseniehre, ber ſich aus 
jrihnende Stengel ber Moofe, welcher bit mit Heinen faſt aiemahls 
geflirlten Blaͤttern bebeat ift (Sureulus). 

Das Moosveilchen, —®, 3. gl. das März: ober Ehneegibtägen 
(Leucojum rernum L.). 

Die Moosweihe, By. —n, die Sumpfweiht. S. b. Friſch. 

Der Mops, —6, 9 Möpfe; Bw. das. Möpschen, eine Art Hunde 
von mitzeimäfiger, mrift geringer Größe mit breiter, flumpfer, 

- fhwarger Schnaupe, dangenden Lefzen und bidtım Körper (Canis fri- 
estor); im R. D. Moppel, Döppel, in Schmaben Mopper. Es 
iR eigenttih ein Wienbling vom Enaliidhen Bullenbeiper und dem 
Beinen Däntiden Hunde; auch ber Mopebumb, und, menn er klein 
if, das Mopshäntchen. uneigentlich unb von dem mürrifhen vers 
deiehlien Anfehen der Mlöpfe nennt mon auch rinen mäzriihen unb 
verhriehlichen, auch wol, einen bummen Menfhen einen Mops. 

tx Mopfeln, Mopfen, v. tes. in Balcın, prügem. D. Mopfeln, 
Mopfen. D. — ung. 

X Das Mopägeficht, —es, 9. —er, bas Befiht bes Mopſes. Um: 
eigentlich aim diefem- ähnlichen , bäßliches Deenfhenangefiht mit brei⸗ 
tem plattem Wunde und kurzer Aumpfer Rafez auc mel, tim ver⸗ 
beießliches märrifhes Beiht, unb, ein Menſch mit einem folden 
Gefihte. 

Mopfig, adj w. adv. Nem Mopfe eigen, auch mol einem Mopſe Ibns 
Hd, wofäe man mopficht fagen möste. Ein mopfiged Seſicht. Uns 
eigenttid, Häßlih im Seſicht, verdelezlich und mürrifh, aud wol 
dummn. 

* e Mor, Mohr, adj. u. adv. ſchwarz, dunkel. Davon der Mohr 
une bas Moor, ber Morafl. 

Die Moräne over Muräne, M. —n, ein Rame veriäiehener epba- 

zer Fiſche. 2) Eines dem Male ähnlichen Gerfiihes, deſſen Flelſch 

für eine ledere Spelfe geachtet wirb (Muraena helena L.); ber 

Meeraal. 2) ine Art ſchmadhalter, dem Lade an Wröge und Ges 

Rait ähnlicher Fiſche (Salmo mureenn L.); ouch Lachemuraͤne. 5) 

@in dem Häringe in G:fait und Größe Ahmlicer Fiſch, mit länglir 

dem Kepfe, großen Augen und filderfor'men Schuppen. Gein Fleffch 

if zart und ſchmachaft; er findet ih häufig in ben Seen Schlefiend, 
der Mark und Pommerns und heißt in Schleſien Muraue Im ger 
meinen Beben lautet bies Wort häufig Maräne, Dioträne. 


Moraft. 


Der Moraft, —ıb, 9%. Moraͤſte. 1) Weiher und tiefer Kath; bes 
fonters wenn er auc fetter ſchwarzer unb ſchlammiger vom Waſſer 
burdtrungenee Erde deſtehet. VBergl. Moor, Bruch, Marſch. Im 
Morafte Beten bleiben. =) Eine Gegend, welche aus folder Erbe 
dedehetz ein Moor, Die Moräfte austrodnen, 

Die Moraftbirke, 94. —n, in Eiefland, die 3wergbitke. S. d. 

Dad Moraſterz, — s, 24. —e, f. Mobererz. 

Der Moraftfifih, —s, Br. —t, bie Schlele. 

Moraftig, —er, — ſte, adj u. adv, 2) Moraſt enthaltend, kothig. 
Ein morafliger Berg. 2) Moräfte oder Suͤmpft enthaltend, Cine 
moraftige Graenb. in moraftiged Land. 

Die Morafttrabbe, 8. —n, eine mit dee dandkrabbe und Berjr 
trabbe nahe verwandte Art Krabben in den fumpfigen GSegenden von 
@ädamerifa (Caucer uca). Herbf. 

Die Moraſtlerche, 3g- —n, die Sumpfierde (Alauda mosellanaL.), 

Die Moraiſchleie, By. —n, rin Name der Schleie (Cyprinus tinca 
L.). Remnid. 

Der Moraftitein, —es, 9. —e, eine Art Gifenftein, weiße man 
in morafigen' oder fumpfigen Gegenden findet; Sumpferz, Moders 
erz. Grenz: ’ 

Der Mörbraten, —s, 2%. gl. Im R. D. ein märber Braten; befon« 
ders dos zarte mürbe Fleifh am FRuͤckgrathe der Mindes und Schwei⸗ 
me rc, ber Sunbenbräten, verderbt Mehrbraten, 

+ Die Morde, 3: —n, der ſchwarze ober gemeine Rachtſchatten 

” (Solenum nigrum L.). Wörterb. 1432. Hulba. 

Die Morchel, . —n. ı) Eine Benennung besjenigen Erdfäwän- 
me, diem But ouf ber Dbesfläe einen nepförmigen überzug hat 
und auf ber unten Fläde eben und glatt it (Phallus L.); au 
Morchelſchwamm, bei Andern Aderſchwamm, Gichtſchwamm, bee 
fonters bie epbare Art deſſelben (Fhallus esculentus L.), wozu bie 
Spitzmorcheln und Stodmordein gehören. In meiterer Beben 
fung nennt man alle getrockaete ıfbare Schwaͤmme Mordeln. =) 
Die Bifhefsmäge (Helvella mitra L.), ©. d. 3) @in Rame 
der Truͤffeln, bie in manden Gegenden Erdmorcheln peifen., In 
Öfterzeih ımb Baiern lautet dies Wort Maurache; 

Die Morchelblume, By. —n, das Dunengras ober Flahsgrat. E. d. 

Der Mord, —es, 2. —e, diejenige Handlung, ba man einen Mens 
fen vorfäglih und ohne wie die Obrigkeit nad den Geſetzen dazu 
befugt zu fein ums Eben bringt, Cinen Mord begehen. An einem 
Morde Anthell nehmen. Sich eines Mordes ſchuldig machtn. 

— Da fo viel Morde der Freier \ 
Richt ihn zu warnen vermocht. — Wo. 
Der Brudermord, Batermord, Muttermerd, Kindermord, Serbfls 
morb ac. Beter und Mord fhreien, Über Bewalt, über mörberifhen 
Anfat ſchrelen, zu Hülfe rufen. Dann au, im gemeinen Beben, 
fehe häufig ſchrelen, fchreien ats fläfe man am Spieße, wie man 
auch fogt. Mord und Todtſchlag gebraucht man im gemeinen 8er 
ben oft in gleicher Bebeuiung, ob beide Wörter glei von einander 
verſchieden find und der Mocb zwar ein Todtſchlag aber nicht jeber Todt ⸗ 
ſchlag ein Word it, ©, Todtſchlag. Marcus entfland Mord und 
Todiſchlag. Die biblifhen Nebendarten, Morb treiben, burch den 
Mord ausrotten, Mord gebet unter ihnen bar ıc. find ungemöhns 
lid. Cine Hinrihtung burd bie Obrigkeit, welche gefehmäßig ges 
fSieht, iR kein Morb, ob man fie gleich ehemahls in allgemeinerer 
Webeutung auch einen Mord nannte. Üben fo wird bie Zäbtung 
eines Gegners im Bweitampfe, ſofera man- benfeiben für erlaubt 
Hält, fein Mord genannt, wenn man nad ben Regeln des Imeilams 
pferd babri verfahr und dem Gegner fi gehörig mehren lieg, meil 
mit dem Begriffe bes Mordes zugleih bes Mebenbegriff verbunden 
iſt, daß man ben Annefallenen unbewehrt unb obne baf er fi vers 
theidigen fann ums Leben bringt. Vergleie Meuchelmord. Im 
weiterer Bebeutung wird auch bie muthiniliige und boshafte Täbtung 


eines Zhirses Morb genannt, Chemahls hieß auch der Lob übers 


34__ 


Mordb 


haupt, in engerer Bedeutung aber, ein gewaltſamert Tob, J. B. durq 
einen Sturz, durch einen Fall ins Waſſer ic. ein Mord, uneigent. 
lid und in ber hoͤern Schreibart nennt aud bie vorſehliche bospafte 
Bernichtung einer Sache ober Auſhebung eines Buftandes einen Mord, 
@inen Diord an ber unſchuld begeben, oder bie unſchulb morben, 
eine Jungfrau, junges Kaͤdchen ſchaͤnden. Einen Mord an der Zeeis 
heit, einen Freiheitemorb ıc. begehen, S. Morden uns Moͤrder. 
Im gemeinen Scherze wird ein Bier in Eisieben Morb und Kodtr 
ſchlag genannt, vieheiht weit es ſtark ik und in ber Trunkenheit 
su Sahlagertien Veranlaffung giebt. Eden fo fagt man im niedrigen 
Schtrze von einer Sache, bie haͤllich ſchmeckt, fie ſchmecke wie Mord 
und Todtſchlag. Auch wird Mord häufig als ein Fluch gedsaugt. 
Mord! fluht ex laut, bei Schwert und Epieh, Bürger. 
Verwandt iſt damit eim anbrer Gebrauch im gemeinen echen, wo 
man mehrere, Wörter mit Mord zufammenfegt, um eine ſehr ſchlechte, 
abſcheuliche Beſchaffenheit eines Dinges anzuzeigen, z. B. Mordwtg. 
Ehemahls bedeutete Mord in einer noch weitern Bebeutung auch ein 
ſchweres Berbrechtu. 
Die Mordacht, 9. u. bie Strafe ber Acht für eine Mordthat. 
O Der Mordanflifter, —s, &%. gl.; bie —inn, Dy. —en, eine 
Perlon, weide einen Mord ober eine Moͤrderti anflifiet, 
Die Bunft des koͤniglichen Angehdhts 
Hat fie verwirft die Morbanftifterinn. Schiller, j 
Die Mordart, 2. —Ärte, eine ehemapis im Kriege gebräudlige 
Mofle, welche aus einer Art an einem lamgen Gtiele beftand, 
* A Morbbefledt, adj. u. adv. fi mit einem Morde befledt has 
bend. Davon ber Morbbefledte, 
Bo man ben Morbbefledten bei bem Tobten fichet, " 
So bluten ihm bie Wunden. — b. Ribelungen & ®, 41684. 
Die Mordgier obre Morbbegierbe, o. 9. die Begierde zu morden, 
einen Mord zu begehen; im höherm Grabe, die Mordgier. Befon: 
ders vom bem Werlangen auf bem Schlantfrlde feinen Feind zu er⸗ 
legen, Wir fah'n den Feind mit Mordbegier. GIeim, 
Morbbegierig, —er, —fe, adj. u, adv. Mordbegier hegend, zei 
genb, verrathenb, 
oben fpäht 
Graf Salshuri mit morbbegier'gem Blid, Schiller. 
Dad Morbbeil, —es, 2. —e, ein sum Morben, Thdten, bienens 
bei Beil, . 
© Der Mordbeſteller, —d, 3. 61.; bie —inn, 8%. —en, eine 
Perfon, welche die Ermordung eines Meuſchen bei einem Meuchel⸗ 
mörber beftellt, welde einen Meuchelmözder zu einem Morde bingt, 
Meißner. 
4 Der Mordblick, —es, My. —e, ein mordenber Blick gleichſam, 
ein’ ſchrecklichet Blick den man auf jemand wirft, als ob man iha 
ermozben wollte, ; 


_ flammenben Morbbiids 
Mief bie verworfene Gattinn zum glei verworfenen Gatten, 
Beonnenberg. 

Der Morbbrand, —es, 3. —brände, ı) @in durch abfihtlihes 
unb beshaftes Anfteten entflandener Brand; auch wol, ein mit 
Mord oder Berunglädung von Perfonen verbundener Brand. =) O 
Ein Brand, Brander, womit man einen Moerbbrand entftehen 
macht. „Dir ſchwaͤrzeſte Engel — bat ſchon vom Himmel ben Stern 
ber Biche geeiffen um ihn als Morbbrand in bie Höhle zu kragem* 
3.9. Richter 

Der Morobrenner, —s, 4. 9l.; die —inn, 9. —en, eine 
Perfon, melde abſichtlich und bodhafter Weife einen Brand fliftet 
ober Feuer anlegt; befonbers, wenn fir zugleich bie Abſicht hat, im 
dir daburch verurfachten Verwirrung zu rauben und zu morten. 

X Die Morbbrennerei, 9. —eın, das Verbrechen eines Morthren: 
ners unb bie Ausäbung dieſes Berbrehene, „Mein Herz, das gern 
ben Mhrdertien, Barbareien, Morbbrennereien und allıı bei Abs 


Mordb 


ſcheulichkeiten ein Enbe machen mödte.® ũ beel. von Felebrich 
bes Il, Werken. 

Mordbrenneriſch, adj. u, adv. glei einem Morbbrenner, ns Art 
eins Morbbrennere. 

Der Morbbrief, —es, 4. —e, ein Brief, in welchtin man einem 
Andern Befehl ober Kuftzag zu einen Morde giebt. 

Das Morbeilen, —, 9. gl. rin Eifen, d. d. rifeenes Werkzeug, 
womit man morbet ober toͤdtet. M. Kramer. 

Morven, v. intes, wm, tra. einen Mord begehen, veräben. Ginen 
Meniden morden. Seimlich morden. Im weiterer Bebeutung nie 
dermahen, erlegen, mit harten Mebenbegriffen. Die Meinungsiut 
entyweite fie und ein Bruder motdete ben andern. Man ſchlug und 
morbete ſich in birfer Schlacht mit grenzenlofer Wut. uneigentlich, 

A verniäten, zu Grunde rihten. Die unfhulb -morben. Die 
Ereipeit morden, Du haf mein Glück, ben Frieben meines Hauſes 
gemordet. D. Morden. D. —ung, gewoͤhnlich nur in dem zus 
fammengefegten Etmocdung. 

Der Mörder, —S, I. gl.; bie —inn, 2. —en, eine Perfon, 
welde einen Mord begehet, weiche mordet; elgentlih und uneigent« 
Bid: Bum Räuser und Mörder werten. An einem zum Mörber 
werben, ihn miorten, ermorden, Gin Watermörber, Muttermör: 
der, Brudermoͤrder, Kinds ober Kindermoͤrder, Selbſtmoͤrder, 
Meucdelmörder ic. Gin —X der Unfhufd, der unſchulbige Maͤb ⸗ 
den verführt, ihre Uaſchuld gleichſam mordet, ſie ſchüͤubet ıc- 

— ber Möcder unſrer Ruh. Wieland. 
Sa der Raturbefhreibung fütrt ber zothe Seidenſchwanz ben Ras 
men Mörder (Ampelis carnifex L.); auch Buͤttel. 

X Die Mörderei, 2. —eın, das Morden, mit bem Rebenbegriffe 
bes Abſcheues und ber Breaitung, wie and mit bem Mebenbrgriffe 
bey Bielheit ber Morbe unb ber Bersohnfeit zu morden. Friſch. 
„Dein Herz, bad gern ben Moͤrbereien, Barbarelen, Mordbrenne⸗ 
zeien — ein Ende machen möhte* Überf, von Friebrich 
bes II. Werten. 

Die Mördergrube, 3%. —n, eine Grube ober Höhle, fofern fle 
Räubern und Mörbern zum Aufenthalte ober Schlupfwinkel bienet; 
die Morbgrube. In weiterer Bedeutung, überhaupt ein Kufent: 


haltsort von Mirdern, bonn auf, u boshaften laſterhaften 


Menlchen. 

Die Mörderband, 1m 4. — haͤnde, die Hand eines Mörders, und 
uneigentiih ein Moͤrder ſelbſt. Durch Mörberhand fallen, ermors 
bet werben. — giebt ihm eine meue noch härtere Welt, wohin 
Menſchen noch nicht kommen wären, wo Moͤrderhaͤnde und Geſchlecht 
eines Wörbers erfordert (eufobert) wärben, es zu baden und zu bes 
vbltern.“ Herber. 

O Die Mörberhöhle, 34. —n, eint Höhle wo ſich Mörder aufpals 
ten. Uneigentti überhaupt, ein Ort, wo es abſcheulich hergehet, 
einer ben andern verfolgt, mörbet ac. 

Die ganze Welt verkehrt im eine Mörberhöhle. Wirlank, 

O Die Moͤrderhuͤlfe, 0. 0. bie Hälfe eines Mörder, bie Hälfe 
bei einem —— 

— indeſſen be 
meine Moͤrderhuͤlfe oft. Schiller 

Mörberifch, —er, —efle, adj. u. adv. einem Mörder aͤhalich, nad 
Art eines Möxcbers. Einen mörberifch angreifen. Mörberifche 
Gebanten, Abſichten. Dann, Morbluft dabend, an bem Tag legend, 
davon zeugend. „Die mörberifche Stadt.” Eye, aa, 2; 24, 6.9. 
Eine mörberifhe Schlacht, die Brwris von großer Morbiuf it, wo 
wiele Menfhen gemordet ober geblieben find. Mörderifche Waffen 
nennt man nit allein folge, welche zum Morden bienen, ſenbern 
aud folge, mit melden viel gemorbet wirb ober wurbe.. Unelgent- 
th und Im gemeinen Beben gebraucht man thörberifch für ſehr hef⸗ 
tig; moͤrberlich. 

Das if ein graufam moͤrdriſch ungewitter. 
Gampe's Wörterb, 3. Ip. 


Säiller, 


345 


Mordg _ 


© Der Mörberfrüppel, —6, 89. gl. ein Rräppel ber min Micker 
ik. oder war, Go nannte Herter verkrüppelte Solbaten (Invali- 
den), wie es ſcheint aicht mit Unseht Moͤrderktuͤppel, weik fie vom 
Staate . vom Bürften broorrechtigte Mörder find: 

ſobald — alle bann 

xu Sieberträppet dh die Straßen ziehe 
Unb bettelm, 

x Mörderlih, —er, —fle, adj. u. adv. fo viel ats mörterifd ; de⸗ 

foubers unrigentlih, für fehe heftig, ſehe fast, 

Mit feiner häuf’gen Reiterei 

Dieb Seiblig moͤrderlich. Bletm, 
X Mörberlic, ſchreien, teinken ıc. Mu fagt mon wol ein mörder 
licher Weg für Morbweg, fehr ſchlechter Weg. 

O Der Moͤrderſtahl, —es, Ep. —fähle, ber Stahl, b. h. bas 
Sqchwert, bir Digen, befonbers ber Dot eines Möebers, ober Äben 
haupt eine ſolche Malle, fofeen man bamit morbet; auch der Morb: 
ſtahl. Der mit dem frehen Mörberfiahle ih 

Bu mahen wagt ber Ehrfurcht Heifhenden, Gollin. 

O Die Morbfadel, Di. —n, eine zu Mord ober Berberben bier 
mende Badel. „Die Grlehen gaben bem Amor (Pirdedgotte) unb bem 
Zobe biefelbe Geſtalt, Schonhtit unb Fackel; für mid iſte eine 
Mordfackel.“ 3. P. Rigter, 

sk Morbfeig, adj, u. adr. fiig zum ober im Werben. „Der merk 
feige ſchalc· Ronrab on. Wäryb. Erojan. Rrieg. 

* Das Morbfeuer, —, 2%. u. fo viel al⸗ Morbbronb. 

—— Sorg war 
Ya der belagertem Stadt, 
Bor Morbiferor und vor ten. B. Sad. m, 

4 Das Mordgebrül, —es, 0. 9. ein Gebräl womit man das 
Morden begleitet. Difien Opren Morbgebrüf umpallte. & Hiller, 
Dann au wol X eim heftiges, ſcheecliches Gebrüll. 

A —— adj. u. adv, durch einen Merd d. h. durch das 

bei einem Morde vergoffene Blut gefeuchtet ober befeuchtet. 
—  unb voll bes Humpigen Blutes 
Weiten bie Eingemweib' auf bie morbgefeucdhtete Erbe. Woß. 

Die Morbgefhichte, By. —n, bie Gefhichte ober Erzäplung von 
einem Morde, und in weiterer Bebrutung, rin Word, eine mit- 
Mord und Todtſchlag verbundene Begebenpeit ſelbſt. Eine Morb:, 
geſchichte adfingen. .— unb in ber fhönen Literatur (bem fhönen 
Diſſenſchaften aud Künften) find — bie Erzähler (haurrfiher Morb⸗ 
unb Gefpenftergefchichten am ber Zagesorbnung grivefen.“ Ungen. 
Gs Hat fih eine Mordgefhichte sugetzagen, 

N Dos Morvgefhoß, —ſſes, I. —ffe, ein Gefhoß womit man 
morbet , ein töbtiihes Geſcheß. i 

Dad Mordgeſchrei, — s, 1. u. ein Seſchrei, womit man bas 
Mosden begleitet, 5. B. in einer Schlacht. Dann ein Gefhrei, bas 
‚einen Mord verfündiget und uneigentlih, X ein fehr heftigen, führer: 
Udes Gelber. Gin Morbgefährei erheben. 

Der Mordgefell, —em, 2. — cn, ber Geſel d, h. der Theilnehmer 
an einem Morde; bann, ein Mösber ſelbſt. 

Ihe wart. mit Babington, dem Gochrerräther 
und feinen Morbgefellen einverfanten. Schiter. 
A Das Morbgetümmel (mit fo gut, Morbesgetümmel), —, 
SR. u. ein moͤrderiſches Betämmel, Getümmel Seim Morden, 5 Ge⸗ 
tummel verbunbenes Morden, wie beſonders in der Schlacht, im Kriege. 
Mit entfepliher But warf dann ſich der düſtere Glutſturm 
auf Breiftoaten und Fürfientgümer in Mordesgetuͤmmel. 
Sonnenberg 
& Das Mordgeiseht ‚ + Du. —e, ein Gewehe zum Morden, 
sum Zödten, unb nehmet 
Das — und das Motdgewehr. Voß. 
4 Mordgewohnt ‚adj. vw. ade. des Mordes oder Morbens gewohnt. 
— bie moibgewahnten Banden. Ghiller. 


44 


Mordg 


Die Morbgier, 0. 2. f. Mordbegier. 

Mordgierig, —er — ſit, adj.u,adv. Morbgier hegend, am ben Tag legend, 

Die Morbglode, 9. —n, eine das Zeigen zum Morden gebende 
Blode. DOberlim, z e 

* Mordgrimmig, —er, — ſte, adj. u. ady, bis zum Morden em 
grimmt, mit mörterifhem Grimme, 

— ber morbgrimmige Mann. b. Ribelungen 8. B. 68328. 
In bemfelben Berichte Fimmt auch das Beiltgungswort morbgrimm 
vor. Auch in Konrad. Würzb, Troj. Kriege: „wann ba 
geſchah morbgrimme fhabe.“ 

Die Mordgrube, 4. —n, fo viel als Mörbergrube, 

© Die Mordgruft, 34. —grüfte, eine Gruft wo Mord und Zob 
#, eine Morbgrubt. 

Dier it der Pfuhl ber verworfnen Natur, des Bersänglihen 
Morbgruft. Baggefen. 

* Morbig, —er, —fle, adj. u. adv. morbgierig, mörderifh, „Die 
zwen morbige man.» Konz. v. Bürzb. Zrojam. Krieg „Die 
morbigen wolfe.“ Ew. Wish. bei DObertin: j 

5 Der Morbleller, —s, 9. ol. im, Beflungsbaur, Kelet eder Ger 
wölbe unter dem Walle riner Frftung, aus welchen der Graben bes 
ſtrichen werden kann (Casematte); beffer vieleigt O Wallgewoͤlbe 
ber Blinbgewoͤlbe. G, 

X Das Morblind, —ıs, By. — er. ı) In ber niebrigen Sprech⸗ 
art, eine Art von Berwünfhung, ein böfes abfcheuliches Kind. Du 
Morbtind. 2) X Ein Mörder, in welder Bebeutung es = Rdn. 
6, 31. 52 vorkommt. ‘ 

O Der Mordknecht, — s, ip. —e, rin gebungenee Wörder, ober 
überhaupt, eim Mörder, als ein harter Beratung bezeichnender 
Ausdeud für Boldat. Schiller. (R.) 

Morblih (Moͤrdlich), —er, —fle, adj. u. adv. einem Morbe Ahn ⸗ 
lid, gleich. Einen morblic anfallen. Dann, Mord ober Tod herbei⸗ 
führend, todtlich. „Gin jeber habe ein moͤrdlich Waffen in feiner 
Band.“ Ejed. 9, 1. \ 

Nicht Enäfimus aber entfloh den mörblichen Bieben. -Woß, 
Davon die Moͤrdlichkeit, o. 8%, bie Eigenfhaft einee Sache, da fie 
mörttich, toͤdtllch if. Die Moͤrdlichkelt eines Schlages ıc. 

+ Mordlings, adr. im N. D. mordlich, mordlicher Weile, 

‚Die Mordluſt, o. 2%. bie Luft zu morben, b. h. ſowol bie Wegirrde 
zu morten, ale auch die Freude am Torben, „Auch wenn der Ziger 
gefättiget iſt, todtet er andere Afiere aus bloſſer Morbiufl,« 
Bunte (R.) ber wilden Mordluſt Opfer. Haug. 

Mordluſtig, —er, —fie, adj. u. adr, Mordluſt Hegend, am ben Tag 
legend, berin gegruündet. 

Das Morbmelfer, —s, 9. gl. ein Meffer zum Morden, ein Miffer 
als Vorbgewehr, Im gemeinen Leben auch wol, ein febe großes Meffer. 

Die Mordnacht, By. — naͤchte, eine Naht, in weicher ein Morb 
ober Moste begangen werden ſoden ober begangen worben finb, 
Gtieler. Mer benft niht mit Schaudern an jene Mordnacht, 
die Variſer Bluthochzeit? 

Das Mordnetz, — s, My. —e, ein Rep, ſefern batjenige was in 
dem elben gefangen wird, lesben muß. Uneigenttih, & Radftrlun: 
gen, Beranflaitungen Aubere zu morben, mit einem-Rege, bas auf 
fie geſtelt wich, verglichen, 

Die Unglädfeligen! Wir afrungdlos 
. Sle in bes ausgefpennte Morbnep ſtuͤrzer. Killer. 

Die Mordrache, 94. u. ) Eine mit Mord verbundene Nahe, eine 
Ride durch Mord, 2) Die Mache ober Raͤchung eines Mordes, Stirier. 

Der Morbrächer, —s, 24. gl. ber einen Mord raͤchet. 

* Dir Mordratb, — s, 4. u. ein Rath, eine Berathung, in wel: 
Hr Morb, Ermordung berathſchlagt wird. 

Die Mordraupe, MM. —n, die Benennung folder Raupen, welde, 
anbere anfallen und feeffen (Larvicidue, Phal. noct. undatee, Del- 
Fhinii); auch Raupentoͤbter. 


— REN 


Mordſt 


* Der Mordrecke, —n, 3. —n, ein morderiſcher Aiefe ober auch 
ein ſolcher Held. S. Recke. 

Daß ihr bie Mordreden je laßet für den Saal. d. Ribelun: 
j gen &, ®. Bagı. 

+ Der Mordſchelm, —ı8, 3. —e, im N. D. ein Schelm, ein 
Balgensogri. 

& Die Mordſchlacht, 2. —en, eine moͤrderiſche blutige Schlacht 

— — das haben wir e 
Für jene Mordſchlacht auf ber altın Feſte 

s Auf Lügens Ebnen. Schiller. 

Der Mordſchlag, —es, 9. —ſchlaͤge. 1) Ein mordlicher, toͤbtli⸗ 
Ger Schlag. — wie am Hochgerichte der Sünder fein Haupt (beugt) 
vu dem Mordfchlag.* Sonnenberg. Im Preußifhen nah Sey⸗ 
nad für Tedtſchlag gewöhnlih, two man fagt: Zobr- und Morbs 
ſchlag. =) Bei ben Bilthauern, ein Schlag, bei welchem ber Mein 
fiel ausfährt, und auf bem Marmer eine matte Spur, zurücttüßt; 
aud ber Prellſchlag. 53) In ber Gefhähkunft, eine hohle metallene 
Kugel mit einem platten Boten, worin ein Zündloch befiadlich iſt. 
Dean lıgt fie unten In bie Feuerballen und andere Feuerkugeln, da⸗ 
mit fie beim Berfpringen Schaden anrichten, 

Die Morpfchuld, By. u. diejenige Schuld, ba man einen Mord auf 
fi arlaben hat. Stieler. ie 

A Mordſchuldig, adj. u. adv, eines Mordes ſchuldig, das Werber: 
Gen sined Mordes auf ſich habend. Ein Morbfhulbiger, ein Moͤrder. 

Kannſt du auch Made fegnen, 
So nimm, Gott, meinen Schmer, 
Und grab' ihn bem verwegnen 
Morbfhuldigen Ins Herz. Thümmel, 2 

Der Morbfihwamm, —es, Bi. — ſchwaͤmme, eine Art Wiätter: 
ſchwamm, deſſen überaus [Harfe Milch tödtlich iſt (Agaricus nece- 
tor L.); ber toͤdtende Blaͤttetſchwamm. 

Das Mordſchwert, —es, 9. —er, ein Schwert womit man mer 
bet, welhes zum Morben bienet, Stirler, 

Immer näher noch tobte ber Krieg, bier bligte fein Mord⸗ 
ſchwert. Sonnenberg. 

O Der Morbfinn, — s, o. 34. dee Sinn für das Morden, bie 
Reigung zu morben, Ginen eignen Sinn diefer Ket glaubt Ball in 
den fleifhfreffenden Thleren mahrsunchmen und den Brund beffelbem | 
in einem Theile bes Sehirnes als befien Sitz zu flaben unb zwar - 
swifhen den Werkzeugen bes Rouffinnes und der Schlauheit am 
Hinterkopfe; and der Würgfinm. 

O Der Mordfprung, —es, 9%. u. ı) Ein Spyrung welchen man 
an obır zu jemand thut ihm zu morden, „Den Morbfprung wadı 
ihrem Herzen.“ 3. P. Ridter ») Ein morbliher, tödtliger, ſehr 
gefährlicher Sprung (salto mortale), Wolfe, Souſt halsbrechen ⸗ 
ber Sprung. i 

A Der Mordſtahl, —es, 4. —flähle, ein Staͤhl, d. h. ein 
Schwert, Degen, befonders ein Doih zum Morben ober Überhaupt 
damit zu töhten; auch der Moͤrderſtahl. 

— — eber hätt’ ich 
Den Mordſtahl euf bie eigne Bruft gaddt. Shiller. 

Der Mordſtich, — s, 4. —e, und ber Mordfloß, —es, 4. 
—ſtoͤße, f. Mordſtreich ı). 

Der Mordſtreich, — s, 4. —e. 1) A Ein mörberifher Streich, 
d. b. Schlag, Hieb. 

Kein Ertils fing deinen Mordſtreich auf, — Schiller. 
Eben fo cin Mordfich, Mordſtich, weiche Woͤrter M. Aramer 
in feinem Deurſch Ital. Ab. hat. =) X Ein ſchredtichtr abſcheuli⸗ 
der Streich, b. h. eine folche Handlung. 

* Das Mordflid, —es, 24. —. 1) Die Morbthat. Stieler. 
2) O Ein Stuͤck, 8. ein Schaufpiel, deffen Segenftand ein Morb 
it, ober in welchem Grmorbungen vorlommen; wie aud, ein Gr 
mählde, auf weldem Mord ober Erziorbungen vorgeflelt find. „Das 


Mordfu 


—— Morsfiüde 2 .P. Richter. 

O Die Mordfudt, ». 2. die Cucht, bie wilbe ungtzaͤhmte Begler 

zu morden. Wie ohumählig zu ſendern bie Religion und bie 
Mordfucht, Klopſtock. 

O Morbfühtig, —er, — ſte, adj. u. adv. von Morbfuht ergriffen, 
biefeibe am den Tag legend, darin gegründet, „Der morbfüchtige 
Krecht.“ Miharler. (A.). 

Die Mordthat, 2. —en, eine moͤrberiſche That, ein Mord. Eine 
Mordthat begehen, verüben. Im D. D. fagt man dafuͤr ein 
Mordſtuͤck. 

* Der Mordthaͤter, —®, 3. gl. der eine Vordthat verübt. Halt» 
aus Stieler. 

* Morbtbätlih, ‚adj. u. adv. 
Mord'hat abzielenb Haltaus. 

A Der Morbverraib, — s, 94. u. ein mit Merb verbunbener 
Berrath, ober ein Berraty, ber einen Morb zur Folge hat, bee 
Berxrath an einen Mörder, „D Morbverratbie — Herber. 

+ Der Morbvogel, —s, Mr. —vögel, im N. D. ein Raub» ober 
Stofnogel, In Bremen nennt man fo ein Brett auf weldem Spis 
den vermittelſt eines bazu eigen eingerichteten bolzes, in Falten ge⸗ 
legt werben, 

Die Mordwaffe, 9 
Deutſch· Ital. Mb, 

X Der Mordweg, —es, 2. —e, ein ſehr ſchlechter, boͤſer Meg, 
auf welchem Herr und Geſchirr leicht zu Schaben kommen Finnen, 

* Die Mordwehr, 24. —en, eine Wehr, Waffe zum Vorden +8. 
ein Delch; die Mordwaffe. Stieler. 

Der Morbwurm, —es, 9. — wuͤrmer, in ber — 
ber Hlendrache ſ. d. Furia infernalis L.). 

& Die Mordwut, o. 9. bie Wut, wütige Begier zu morden. 
Auch als nach dem Getuͤmmel ber Hürmifchen Arteg' und der Morbmut 
Naſender Bärger, bie. Rufe begrüßt" Italiens Fluren, Cludius. 

DS Mordwütig, —er, —ſte, adj. u, adr. von Mordwut ergriffen, 
Mordwut an den Tag legend ; wie au, basin gegründet, 

Das Mordzeihen, —6, 24. gl. das Beiden eines Mordes, Zeichen 

an dem Körper eines Todten, ober andere Umflänbe, wöraus man 

" erfennt, daß er ermorbet worden ſel. M. Kramer. 

Die Morelle oder Morille, 8%. —n. 3) 8. Matelle. 2) @rope 
bunkilrothe ober ſchwarze fanre Kirſchen. Wnbre verfichen darunter 
bie Heritlefhen, umb mod Andre bie Mheimifhen Kleſchen. 

+ Der Morfling, —et, 9. —e, in manden Gegenden ein Kar 
pfen, mwelger weder Mh noch Mozen hat; au der Keiner. 

* Morgeln, vw. trs. f. Morgen v. IT). 

Morgen, ein umftsuhmort bre Zeit, welches aus dem Srundworte der 
Morsen eniftanden ift, birfenige Zeit anzuzeigen, welche nadı ber 
nädften Naht, bie auf heute folgt, eintreten wirb. Sieber Heute 
als morgen. X Heute mir, morgen bir. (Heute goth, morgen tobt. 

Morgen, morgen, nur nidt hut, 
Epreden immer tedge Beute. Weiße, 
Morgen ift der beflimmte Tag. Etwas bis morgen 'eber die auf 
morgen verſchleben. 
Doch zu’beiner ge beftimm’ ih bie — 
Morgen Boß; 
b. h. ben morgenben Tag. Morgen früf, morgen in ber Fruͤhe, am 
nädfifulgenten Lage früp. Morgen Mittag, morgen Nachmittag, 
morgen Abend. Heute ober morgen, wird im gemeinen Beben auch 
gebraucht eine umgeroiffe Fünftige Beit zu bezeichnen. Swiſchen, ober 
binnen heute und morgen kann fi #iel äntern. Durch Anhängung 
des e wird biefes Unftandwort aud zum Beilegungsimorte gemacht. Der 
morgene Zag. Bor diefes e hat fi ein, biefem Mozte ganz feems 
des d eingefhlihen und man hört gemöhnliher ber mergende Tag; 
nah €, Bermuthung der leichtern Ausſprache wegen, wie verſchiedent⸗ 
lich für verſchiedenlich. Morgendes Tages, morgen; welches viel⸗ 


einer Mordthat aͤhnlich, auf rine 


—n, ee Waffe zum Morden. MRAramers 


347 


Morg 
leicht au nor zuſammenge zogen iſt aus morgen be&-Kasee. „ip 
me dich mit bes morgenden Tages.“ Sprihiw. a7, 1. „Ür bat 
nod einige Rieinigkeiten wegen unferer morgenden Abreife zu bes 
forgen.“ Gellert. Im O. D. gebraudt man dafhe morgig, nad 
heutig, gefirig gebildet, umb chemapis auh mergenig. A Dichter 
xiſch wird dies Wort auch als Brundiwort das Morgen gebrauft, 
für das, was morgen fein aber gefhchen ann, wird. 

Und in dem Hrute wandelt ſchon das Morgen, Sıillır 

b. h. in dem, was heute geſchleht, liegt [hen der Keim zu dem was 

morgen geſchehen wirb ıc, 

Morgen, v. DO atr. mit heben, Morgen —— uneigentiich 
feinen Dozgen beginnen, anfangen zu fein. Die mergende Sonne, 
bie am Morgen aufgebenbe, 

bie morgende Sonne 

Sah ihn noch zuhn, mittagte Sonnenberg. 
Muſe, du ſchweigſt, br wuͤrdigſt niht ben morgenden Dichter 
VBorzuſingen, was nur bie Verklaͤrteren hören am Abend 
Ihres vollenbeten Taufe, Baggefen. 

+ II) Ktrs. auf morgen verfähieben ; bei Stieler morgen. Eine Bade 
morgen. „Din abend nachtet an dem Inte bin ſchelten wil ih mors 

- gen.« Maneffen inner. — D. Mörgm. Man fagte auch 
mornigen. 

t. Der Morgen, —®, 9% al. 1) Die erfte früpe Tageszeit, von ba 

an wo ber Tag anfängt zu graum umb bie Sonne aufgeht. Bis 

gu weicher Zeit man ben erflen Theil des Tages Morgen nennt, if 
unbeftimmt; gewöhntih rechnet man ihn bis zur Belt da man früß- 

‘ füdt, oder etwa bis um 7 Ober 8 Ußr, und nennt bie Übrige Beit 

bis zum Mittag Vormittag. Es gehet gegen Morgen ober argen 

den Diorgen. Dre Morgen beiht an, Be wlid Morgen, 

Noch eh ber Morgen grauf, gehft tu wohin bu wife, Badariä, 
Heut ift ein ſchoͤner Morgen: Am feäten Morgen. „Bel frühen 
Morgen kam ber arme Arsuntas aus dem bihten Hain.“ Gefner. 
Guten Morgen! ber gewöhnlide Gruß und Wunſch am Morgen. 
Einem einen guten Morgen fagen, bieten, wünfıken, ihn mit jenen 
Worten am Morgen grüßen. Heute Morgen Fam er, Dielen 
Morgen gelchah es. Geftera Morgen. Ale Morgen früh aufı 
ftehen. Häufig verſteht man unter Morgen auf bem gangen Vor⸗ 
mittag. Unelgenttih und in ber dichterifchen Schreibart if ber Mo 
on bes Srhend, die Jugend bis zum männlidın Alter, welche Beit 
man nad einem andern Wilde auch ben Frühling des Bebens nennt. 
— bie, Then atı frühen Morgen ihres 2.bens von ber Philsfophie 
(Weisheit) amgeftrahlt® ıc., "Wielanb. 

Mein Morgen ift vorbei, ber Früßling meiner Tage. 

Hell’und, daß unfer Morgen in bie Tage 
Des einzigen Monarden fill! Namler. 

2) Die Gegend am Himmel, wo bie Sonne und die Geſtirne auf zu⸗ 

gehen Ihrinen, die Morgengegend, auch Often; ohme Mehrzahl. Unter 

tem wahren Morgen wird in firengerem Berftande derjenige Punkt 
am Himmel verſtanden, wo bie Eonne tn ben Bleiher tritt; um 

Unterihiebe vom ſcheinbaren Morgen. Gegen Morgen gerichtet 

fein, liegen, zeifen. Der Mind Fimmt von Morgen eder aus 

Morgen, 

2. Der Morgen, —®, ©. gl. ein Beibmaß, weldes ungefäte fo 
obet Feld oder Acker als ein Mann mit Einem Gefpanne ben Tag 
über bearbeiten kann, begreift, aber doch im dem verſchtedenen Mes 
genben noch verſchleden Ift-und verſchleden benannt wird, als Tage⸗ 
wert, Juchart, Mannwerk, Manntmabt ıc. In der Marl Bram 
benburg gehen 400 Giviertrptben anf einem großen und 180 Ge⸗ 
viertruthen ouf einen Heinen Morgen; in Sachten hält rin Mors 
gen 150 Serientruthen zu 15 Ehub = Zoll Lelpziger Mo; im 
Er furtſchen 163 @eriertrutben; im Sanndverfden und Braun: 
ſchwelgſchen ı50 Geviertruthen; im Bremiſchtu eben fo viel ober 6 
Hund; in Hamburg 600 Gerierteuthen oder ao Scheffel Kusizat 


Eanig. 
* 


Morgena 


mb in Danzig 300 Gevlertruthen. In Rürnberg, wo man Felb 
und Wald danach mift, fält er 200 Stviertruthen ober etwas über 
2 Acker. Im Durlahfden, wo man au Ader und Juchatt dafür 
arbrauct, beträgt er 116 Geviertrukhen zu 16 Schuh, und in Bern 
wo Juhart bamit aud gleihbebrutend if, Sı2a50 Werner Geviert⸗ 
fuß, wenn Kder oder Wirfen, und 45000 folder Fuße, wenn Wal ⸗ 
dungen danach dermeſſen werben. Gin Nheinländifher Morgen 
aber hält 2 Mpeinländifhe Jucharte oder 600 Rheinlaͤndiſche Ges 
vierteuthen. 


348 


Morgeng 


— — Berhaßt und fuͤrchterlich 
IR bir das feſtliche Roth am morgendaͤmmerden Himmel, 
Wieland, 
Endlich büftert es Racht, und morgendämmert’ es wieder, 
Sonnenberg. 


D. Morgendämmern. D. —ung. ©. b. 


Die Morgendämmerung, MM. u. bie Dämmerung am Morgen, 


das Eiht, welches man ſchen eine Stunde vor Aufgang der Sonne 
im Suftlreife wahrnimmt; im N. D. bie Ucht, ber Krik (Schein) 


vom Tage. 
+ Die Morgenbiftel, 94. —n, ſ. Marienbifter. 
Morgendlich (beffer vieeigt morgentlich), adj. u. adr. 5) Was am 


Die Morgenandadt, 3. —en. ı) Die Andacht, andaͤchtige Stim ⸗ 
mung am Morgen und bie Äußerung derſelden, die Erhebung ber 
Sedanken zu Bott am Morgen; ohne Mehrzahl. =) Ein Gebet, 


eine Betrachtung, weldes zur Erweckung oder Raͤhrung biefer An: 
dacht bienet, 


O Der Morgenanzgug, — s, 94. —anzüge, ein Anzug für ben 


Morgen (Negligee), „— und bes Amtmannd Toter Julchen 
trat in einem leichten Morgenanzuge raſch in das Zimmer." 8a» 
fontaine. 

Die Morgenarbeit, 9. —en, eine Arbeit welche man am Morgen 
vornimmt. 

& Der Morgenatbem, —6, 24. u. ber frifhe Athem ber Luft 
gleidfam und bie Kusbünflung ber Gewuͤchſe am Morgen, bie frifhe 
reine Morgentuft und eine neue Friſche überhaupt. — unb ber 
unge Baum webt und fhauert und ſtaͤhlt bie Glieder im Morgens 
athem ber erwedten Schöpfung.” Herder 

© Die Morgenau, 9. —en, eine Au am Morgen, wie aud, eine 
feif begränte ıc. Au, bie gleihfam in ihrem Morgen if. „Der 
alte Mann fprad hinter dem Sprachgitter bes Gchlafs mit Zobten, 
bie mit ibm über die Morgenauen ber Jugenb gezogen waren.“ 
3.9, Richter. 

© Die Morgenaufwartung, 94. —en, f. Fruͤhaufwartung. 

Der Morgendeſuch, —es, 74. —e, ein Beſuch, welchen man früh, 
am Morgen ablegt. — fo gab fie vor, fie fäme von einem Mor: 
nenbefuche.“ 3. P. Ritter. 

Die Morgenbetrahtung, 9. —en, eine erbaulihe Betrachtung 
am Morgen, ein längeres Mosgengebet. „Morgembetrachtung über 
undefannte Greubenhimmelhen." 3. P. Ridhter. 

© Das Morgenblatt, —es, 3. —biätter, ein Blatt, d. h. eine 
Schrift, melde beſtimmt iſt am Morgen gelefen ja werben; aud 
wei rin Blatt, welches am Morgen ausgegeben wird. 

& Das Morgenblau, —es, 0. Dip. das Blau des Himmels am eis 
nem heitern Morgen. „Unter einem friſchen Morgenbiau ging er 
vol Hoffnungen." 3. 9. Richter. Derfelbe gebraucht auch bie 
Morgenbiäue: „Die Morgenbläue wurde mit immer hellen Gold» 
floden gefüllt,« 

& Der Morgenblid, —es, My. u. ter Antrud; bes Morgens; auf 
mol ber Morgenftrapl, bie Strahlen ber aufgehenben Gonne, 

O Die Morgendlume, 29. —n, eine dem Morgen gleihfam ent, 
biößte, am Morgen aufgeblähete Blume. »— mo ihm eine neue 
Morgenfonne und neue Morgenblumen in mahes Lıben hauden.“ 
3.9. Ridter Auch, eine Blume, welche am Morgen aufzublüs 
hen pflegt; wie Mittagadlume. 

X Dad Morgenbrot, —es, 4. v. überhaupt dasjenige an Nahe 
rung, was man am Morgen zu fih nitamt, brfonders wenn es aus 
wirfliher Speiſe, ald Brot ober Euppe ıc. beflehet, nicht blo aus 
einem @etränte; gemöhnliher das Fruͤhſtuͤck, im D. D. Imbif. 
S. Morgenimbif. 


O Der Worgenduft, —ıs, 4. — duͤfte. 


Die Morgenfeier, 9. u. 


Der Morgengaug, —ed, 9. —gänge. 


Morgen ift ober gefhieht; ein von Morgen entweber mit Einſchie⸗ 
bung bes d ober nach der Ähnlichkeit vom hoffentlich, wiſſenilich, 
verſchiedentlich, eigentlich, duch Einſchlebung des t gebilbetes 
Wort, Die morgendblihe Sonne, bie Morgenfonme, die Sonne 
bei und balb nad ihrem Aufgange, „Wei einem morgendlichen 
Spazierganger (Luflgange),. Meipner (ft) 2) Dem Morgen 
Anti, gleich, fo ſchoͤn, frifh ze. wie bee Morgen. 
Die Hoffaung, im morgenblich blühenden Kranze. Tiebge, 
Eine morgentlih dot, — Kretſchmar. 
2) Der Duft, feine 
Dunft, welcher am Morgen aus ber Erbe und ben Pflanzen aufs 
Reigtz ofme Mehrzahl, „Morgenbuft, ber um alle Weſen, am 
meiften in ber Ferne, dem Bette Aurorens (üwimmt." Herder. 
Und leicht wie Morgenduft. Rüttner. 
Ein holder Traum aus Morgenbuft gewebt. Bärbe, 
a) Der Duft, Berud, melden bie Pflanyen, befonders bie Blumen 
am Morgen ausbauen. 


Das Morgeneffen, —, 2. gt. ein Effen am Morgen, das Früh: 


füd, Gtieler. 
2) Die Beier des Morgens burh Er 
hebung friner Gedanken zu Bott ıc. =) Eine Beier, Feierlichkelt 


am Morgen. 


O Das Morgenfef, —es, 4. —e, ein am Morgen gefeiertes 


Bet, ober die feſtliche Begehung tines Morgens 5. B. an einem 
Geburtstage ober Hochzeitatage. Dann aud) wol, ein folder fehler 
Morgen feibft. „Wult nahm es für Ferubdenlohn feiner Bemähung 
um Raphactens Morgenfeſt.“ I. P. Richter. 


Dir Morgenfroft, — s, 2%. —fröfle, ein am Morgen ober gegen 


Morgen eintretenber Froſt, befonbers zur Beit des Sonnenaufganges. 
— — Leidt mih vertilgen 
Könnte der Morgenfroſt — Bof. 


& Die Morgenfrühe, 39. u. bie Feühe des Morgens, bie Früfe 


am Morgen; banm, die Morgenröthe. S. Frühe. „Und da eben, 
mie ſchoͤn bie Blaͤue hervorgehet, fihimmer weiter woͤlbt und webet — 
woran alle Gchilderer dee Morgenfrühe ihre geößte Kunft fehen ıc.* 
Serben 


Die Morgengabe, 94. —n, überhaupt etwas was man einem Ans 


bern am Viorgen giebt, In engerer Bedeutung, ein Geſchenk, wel 
ches ber Ehemann feiner Gattinn am mädhflen Morgen oder Tage 
nad der Bermäplung zu machen pflegt; jegt nur mod bei dem for 
ben Abel gewöhnlich, 

ı) Ein Gang, melden 
man am Diorgen macht, thut. =) Im Bergbaue, ein Bang, wels 
cher nad Morgen ſtreicht, deſſen Streichen auf bem Kompaſſe jiwls 
fden die Stunden 3 und 6 fällt. \ 


* Der Morgenbruber, f. Marienbruder. 

Morgend, ein Beilegungsimort, weldes aus morgen gebilbet iſt und 

ı an weidhes man rin d gehängt hat, fo daß man ber morgende Tag Morgen gelefen ober hergrfagt zu werden, im gemeinen Leben ber 
font für ber morgene Tag. S. Morgen adv. Morgenfegen. 

4 Morgendämmern, v. ntr. mit haben, Morgenbimmerung ver Der Morgengebanke, —ns, DB. —n, ein Gedanke, welchen man 
den, anfangen von ber Sonne beleuchtet, erfellet zu werten. an Morgen hat. Beſonders verſteht man unter Morgengebanten 


Dad Morgengebet, —es, By. —e, das Gebet, mweldes man am 
Morgen versihtet; wie auch, ein Gebet, welches beflimmt if, am 


Morgeng . 


feomme Gedanken am Morgen, eine andaͤchtige Setrachtang am 
Morgen. i 

A Das Morgengefilde, —s, 2. gl. ein gegen. Morgen liegendes 
Geſilde; wie aud, ein Gefilde am Morgen, zur Morgenzeit. 

4 Das Morgengefühl, —es, By. —e, Wrfühle om Morgen, wel: 
che der Morgen ersegt, einflößt. „Und fiche, biefe Entzädung, dies 

- unnenubare Morgengefühl, wie's ſchrint alle Wefen zu ergreifen,« 

Derber, \ 

Die Morgengegend, @. —en. 1) Eine gegen Morgen Tiegende 
Gegend. =) Diejenige Gegenb am Hicamel, wo bie Sonne aufges 
bet, der Morgen ; ohne Mehrzabl. S. Morgenpunft. 


Dad Morgengeläut, — s, By. u, das Beläut ober Bäuten ber ' 


Blodın am Morgen. 

Bich, wie ledendig im Därfhen am Eee, wo's Morgengeldut 

tönt, Sonnenberg. 

Der Morgengefang, —eb, Di. —gefänge, ein Gefang am Morgen 
zu fingen ober gefungen, zu Lobe bes Morgens ober Gottes; ein 
Morgentied, wenn es ein geiflliher Seſang biefer Art il. In weis 
terer Bedeutung Überhaupt, ein GBefang am Morgen, ein früher 
Selang: 

Jetzo flört nur etwa der Nachtigall Abenbgeſang mic, 

Etwa ber Morgengefang dsender Schwalben am Sims. Wo$. 
Auch ber Mosgenfang (Dell. Morgenzang) „Wie hier zinges 
um Luft und Wipfel von Morgenfang.* Herber. 

Das Margengefpräh, —es, My. —e, ein Belpräd am Morgen. 
Im Bergbaue, fo viel ale Morgenfpradie- S. d. 

a Das Morgengewand, —ıt, 34. —getvänder, ein Gewand, 
welches man am Morgen anlegt (Neglige); das Morgenkleib. 

A Das Morgengemölf, —es, By. —r, ein Gewoͤlt in der Mor⸗ 
geugegenb. ©. Morgenwolke. 

— vom Morgengewölk nur ſah ih ber Welt gu. Sommenb. 

AM Der Morgenglanz, —e6, 0. Di. der Glan; am Morgen, bie 
Morgenzöthe, das Licht ber Morgemfonne, und ein biefem Äpniicdher 
Glanz Mahler. j 

Wie im Morgenglanze 
Du rings mi anglähft 
Fröpling, Sellebter! Göthe, 
Diefen göttligen Traum bifbet ihr Seraf mir! 
Ihren ahndenden (ahnenden) Wunſch Hunt ex in Morgenglanz. 
Bo. - 


Die Morgenglode, Ba.—n, eine Elode, fofern fe am Morgen ges 
Iäutet wieb, ſefern fie den Morgen verkündet, 

& Die Morgenglut, 2. —en, bie Glut d. b. ber Belle rothe 
lany am Morgen in ber Diorgengegenb, das Morsenrotb, mel: 
gentlich ſteht es in ber folgenden Stelle für Hohes, frifäes Roth. 

, Die Rofen ihres Mundes, 

Ihrer Wangen Morgenglut. Sim. Dad. 

& Die Morgengdttinn, 2. u. bie Bittina des Morgens, ber 
Frübe, welche dem Gonnengotte vorangehet (Aurora, Eos). 

Die Morgengrenze, 9. —n, die Grenze gegen Morgen; ein Iof. 
15, 5 vorfommenbes Wort. 

Der Morgengruß, — es, By. —gruͤße, ein Gruß, meiden man am 
Morgen an jemand richtet, ſoewol bie Banblumg des Erliens, als 
auch bie Worte, berem man fi babei bedienet, 2 B. guten Mor 
gen, Mahler . 

Der Morgenhafer, —6, 0. Mt. eine Gpielart des gemeinen ober 
jahmen Bafers, Futterhafers (Avena sativa), 

A Der Morgenhain, — s, 4. —r, ein Hain, ſofern man ihe 
morgens beſucht. 

Ihre Hier waren Zephire Floͤgel. 
und der Morgenhain ihr Putgemach. Hölty. 

O Die Morgenhaube, Wu. —n, eine Haube, welch morgens zum 

Morgenanguge getragen wird. „Aufert uns ber Bräutigem, baf 


349 


torgen! 


wir ihm im eines Morgenhaube beffer gefallen, als in bem ſchoͤn⸗ 
fen Auffage, bann ıc. @äthe. 

* A Die Morgenbeitere, e. 9. die Geitere am Morgen, bie Mor 
gearöthe. Mahler. 

& Die Morgenbelle, 0. Dig. bie Helle am Mergen, eine beginnende 
Diele, Auch uneigentild. 

Du uͤberftrahleſt fihtsartih : 
Dre Borwelt Rat mit Morgenhelle. Hageborm 

Der Morgenbimmel, —s, 0. 3. 1) Die Gegenb am Himmel 

nad; Mergen zu. a) Der Himmel zus Morgenzeit, wie er am Mor⸗ 

gen ben Augen erfheinet. Seſenders ein zeiner heiterer Himmel. 
Sqhwang buch bie Naht wie Morgenhimmel bie Blägel, 
Sonnenberg. 

* Die Morgenhut, Di. u. die Morgenwacht. Dberlim. 

+XxX Morgenig, adj. u. adv, f. Morgen adr. 

Der Morgenimbiß, —ſſes, My. —ffe, rin Imbiß, welchen mon 
om Morgen gu fid nimmt; ein Frühftäd, „Dre Morgenimbiß 
wurde gebsaht und nicht berübrt.* Benzel⸗Sternau. 

O Das Morgenfleid, —es, 24. — er, und bie Morgenkleis 
dung, By. —en, ein Kleid, eine Kleidung, melde man am Mogs 
gen und füs ben Morgen anlegt (Neglige). „Im biefe Erzählung 
trat fie felber fesundlid herein im weißen Morgenkteide* I. 9. 
Richter. 

+ Das Morgenkorn, —es, o. My. Korn, welches in sine gewiſſen 
Menge von einem Morgen Landes entrichtet werden muß. Oberlim. 

Die Morgentühle, 0. My. bir Kühle der Luft am Morgen. 

Die Morgenkühlung, 2. —en, bie Küplung am SRorgen, kühle 
Morgeniuft ober Fühler Morgenmwinb. - 


O Der Morgentuß, —ſſes 3. —küffe, ein Kup, welden man 


zum guten Morgen giebt ober empfängt, — indem fie freiwillig 
im Zimmer blieb und dem Morgentuß (kaffe) ber Mutter ent 
ſagte.“ 3. P. Richter 

Die Morgenküfte, Di. —n, die gegen Morgen liegende Küfte. 

Das Morgenland, —ıd, 2. —länber, überhaupt ein gegen Mors 
gen liegendes Land, deſondere ein den Europäern gegen Morgen lies 
gendes Land, Sorzüglich verſteht man barunter bie uns gegen 

"Morgen Legenden Länder Afiens (ber Orient), und In engerer Bes 

* deutung wird Alrinafien das Morgenland (Levante) genannt, 

Der Morgenländer, —s, Di. gl; die —inn, Wz . —ın, ber Ein 
mwohner, die Ginmohnerinn eined Morgenlandes und bes Morgens 
lanbes in engerer Bedeutung (Orientaler). 

Morgenländifch, adj. u. adv. zu dem Morgenlande gehörig, in dem⸗ 
felben Sefindiih, eintzeimiſch, demſelben eigen, daher fommrub (orien- 
tnlisch). Die morgenländifhen Köten. Morgentänbifche Wöls 
Fır, Erjeugnifie, Sitten, Spraden. Der morgenländifche Handel, 
der Dandel mit dem Morgenlande und welden das Morgenland 
treibt, 

Die Morgenlaute, 4. —n, bei den uhrmochern, ein Merk in ben 
Thurmahren, durch weldes, etma morgens, wenn ed vorher aufs 
gezogen worben iſt, zu einer befiimmten Zeit, Dioden in Bewegung 
gefeht ober geläutet werben. 

& Das Morgenleben, —®. o, 4. das Jugendleben, bie Jugend⸗ 
jeit. „Sahre meines Morgenlebens.“ Kofegarten. (R.) 

4 Dad Morgenliht, —ıs, Pr. 3) Das Licht, bie Helle am 
Morgen; auch, bie Morgendimmerung. „Wer zäthfelt nun, warum 
das Morgenticht fe lange vor der Morgenfonne geſcheffen morben ?* 


Herder. „ale Tewpel bligten wie von Morgenliht.* I. P. 
Rihter Dft if auf ber Wegeiff bes Sanften und Schönen das 
mit verbunden. 


Und, o fie ſelbſt glänzt ibm im Morgentigt, Wieland. 
2) Die Morgenfonne, 
Dad Morgenlich, —ıd, 2. .—er, ein Bieh am Morgen zu fingen 
ober gelungen, ©. Morgengefang. j 


Morgen! 


ie Morgenluft, 34. —lüfte; Bw. das Morgenluͤftchen. ı) Die 
art ns wo fie Füpt und friſch za fein pflegt; ohne Mehr⸗ 
L . 

Km gapp, Rapp, id wittee Morgenluft, 

Rapp, tummle bih von binam, Bürger 
Bon einzelnen fanften Bewegungen berfelben gebraucht man auf 
die Mehrzahl. Euch Blumen grüßen die Heblihen Morgenpüfte 
und bie fumfendben Bienchen.“ Befner =) @ine Luft, d. b. ge⸗ 
linder Wind, welcher ih am Morgen erhebt, ober welder aus Mor: 
gen fimmt. Wir haben Morgenluft. .— und aufgebläßt vom 
Morgentüften flog das Schiffchen ins Meer hluaus.“ J. P. Rich ter. 

— — wit Eiptem Hauch 
Erhebt ih Mergenluft. — Gollin. 

* Das Morgenmahl, —eẽ, 2. —e, oder X—maͤhlet, ein Mahl, 
welches man am Morgen ober Bormittage zu fi nimmt (Dejeund, 
Heländ. Morgenmaal); das Fruͤhmahl. Dies Wort kömmt fen 
in der Büriher Bibel vor: „Das Morgenmahl, fo bu haft, 
bring dem Dantel.“ (B.) . 

O Der Morgenmahler, —6, 9. gl. einer ber den Morgen mahlt, 
mahlerifch deſchreibt. „Der fimpfe (einfahe) Morgenmahter iſt ber 
einzige Mahler ber Schöpfung." Herder. Auch mol einer, ber 
eine Laudſchaft ıc. mie fie morgens erfgeint,' wenn fie von ber auf» 
gehenden ober nit lange aufgegangenen @onne befienen wird, 

Dos Morgenmeer, —es, 4. —e, ein gegen Morgen kirgenbes 
ober bat gegen Morgen liegende Meer. ©. Dftimeer. 

Die Morgenmilh, 0. Mg. diejenige Milch, welche morgens gemol: 
ten wird, ehe man bie Kühe austreibt; zum Unterſchiede von ber 
Mittags; und Abenbmildy. , 

Der Morgennebel, —s, 3. gl. Rebel, welder Ad morgens er⸗ 
hebt, oder von der aufgegangenen Sonne niebergefhlagen wird, 

Das Morgenopfer, —s, MY. gl. ein Opfer, welches man am Mir 
gen bringt. untigentlich. „Die Eide — unwillig raufgend und 
mwogenb, bampft ihr Morgenopfer gen Dimmel.« 6. Mann auf 
fo virl als Morgengebet. Gott fein Morgenopfer bringen, 

* * Der Morgenort, —es, 34. —r, rim gegen Morgen liegender 
Drt; ein ganz ungewoͤhnliches a Chron. 6, 10 verkommendes Wort. 

x Die Morgenpfeife, 24. —n; Bw. das Morgenpfeifhen, eine 
Pfeife eder ein Pfeifhen Tabak, welche aber weihed man am Mor 
gm raußt. 

Der Morgenpuntt, —es, Pi. —e, im ber Sternfante, ber Durqh⸗ 
fhnittspunft bes Sleichers mit dem Gefihtelreife an demjenigen 

"orte des Dlmmeld, wo bie Eomne unb bie Sterne aufgehen; ber 
Ofpunkt, Dften (Ortens). Die biefen Punkt umliegende Gegend 
eift bie Morgengegenb. 

+ Fi —— 2. u. in manchen Gegenden fo viel 
als Morgenſprache. S. b. 

Die Morgenrede, 2. u. ſ. Morgenſprache. 

Der Morgenregen, —#, 2. gl. 3) Ein Megen, welcher mor · 
gens fänt. =) In ber Bibel fo viel als Arühregen, sin Mrsen, 
welder in ben Mergentaͤndern im Herbſte int. S. Fruͤhregen. 

Der Morgenreif, —es, 4. —e, ber Reif, welcher am Morgen 
fiat, Btieler. 

A Die Morgenrofe, 9. —n, eine am Morgen aufgebtochene 
oder am Morgen abgrpflädte Rofe. 

In dem Reiz ber jungen Morgexnroſe, 
kachte mir ber bolde Kleine zu. Shillter. 
Ich fche Air, und Morgenrofen ſchmüͤcken 
Die heitre Stirn und alängen um ihr Harpt. Up. 
Im Wörterbugeivon 1482koͤmmt es nah Feiſch fir Himmelſchlüſ⸗ 
ſel vor, Das Marlenröshen ober Lihtrödden (Lyehnis dioica L.) 
wird bier und ba verderbl auch Morgenrötlsin genannt, 

Morgenrotb, adj. u. adv. eigentlich an Farbe der Morgenröthe 

glei, gelblich zoth (aurorfasden, aurorfarbig). Dann, eine fanf 


350 


Morgent 


te, angenehme ober auf eine hohe rolhe Farbe kabend. Ich fah 
ide Antlig Morgenroth,* Rofegarten. (R.). Uneigentlih, fhön, 
lieblich. — ih möchte auch hinfiberzichen in bas morgentotbe 
Biden, mo bie liche mihts verlangt als eine Sunsfeau und einen 
Dichter.“ J. P. Ridter 

A Das Morgenroth, —en, 0.99. 1) Das Roth des Himmels 
am Morgen in bee Morgengegenb, bie Morgenzötfe. „Weis und 
unfhutbig wie bie eilie, wenn fie am Morgenrorh fih öffnet.“ 

Geßnaer. 

Das Blut, das er vergoſſen, 
Dreh ihm im Motgenroth. Thümmel. 

Da bas Morgenroth den kommenden Tag anfünbiget, fo wirb «8 
auch für bie Zeit ba der Tag anbridt gebraucht. „Wobalb es Mor: 
genroth iſt, ſprach er, will ih an dem Fluß hinaufgehen.“ Ger 
ner. Uneigentiih und ſchoͤn dichteriſch wird es au für ben Mor 
gen, Anfang eines neuen Fünftigen Sehens, für bem Morgen dis 
Auferfiefungstages gebraucht. 

Ach du fhlummerft langen Shlummer 

Und dein Morgenroth if fen. Meißner. 

Der — fort zu höheren Leben reißt ; 

Dur mandıs Schickfals Naht und Zob, 

Bis ein zum großen Morgenroth. Woß. _ 
Bumeilen auch wie Mosgensöthe, für ſchoͤner, lleblicher Anfang, auf: 
blühende Schönpeit, R 

Der Morgenrotbapfel, —s, 99. —Äpfel, ein zunder Wiaterapfel 
von mittier Groͤße. Bein Geſchmack ift nicht ſonderlich, daher er 
meift in ben Küchen gebraudt wirt, 

Die Morgenröthe, By. —n, die Möthe bes Himmels, oder bee 
rothe Schein vor Auſgang ber Sonne, welcher von ber Bredung der 
Connenftrahlen in ber Luft herrührtt. 

Bor tauſend Motgentoͤthen 

Blänzt biefes Steened Licht. Opi. 
Bon ben Dichtern wird bie Morgenröthe oft als eine Perſon, wel⸗ 
Ge dem Sonnengotte vorangrhet und ihm die Himmelathore öffnet, 
vorgrfkelt (Eos, Aurora), Auf zofenfarbnen Fittig 

Raufhet die Morgenröthe vorbei. Bahariä. 

Umigentlid. A Die Morgenrötbe des kebens, bie fruͤhe ſchoͤne 
Belt des Lebens, bie ſchoͤne angenehme Fugendzeit. „Wenn dann 
die reichſte, deſte Seele unter der Morgenröthe bes Bebens mit bem 
uneewieberten Herzen — eingefentet wird ins übermauerte Burg: 
verließ bee Eher it. J. P. Richter. „Ih wände, daß auf 
diefe Morgenröthe ein ſchoͤner Tag folgen möge." Gonnens 
fele A Die Morgenrörhe ber Zeiten, bie frührſte Zeit, „Für . 
mih — merehre ih alle — bies Porm (bis Schoͤpfungsgen aͤhlde 
Mofte) — aid das urältefle Srüd ats ber Morgentoͤthe der Zei⸗ 
ten. Herder. 

& Morgenröthlich, adj. u, adr. der Morgenroͤthe an Harte Ahnlich 
(aurarfarbig). . 

— und wehten wie morgenröthliche Blige. Sonnenberg. 
Dann, eine fanfte liebliche Röthe habend, atf eine liebliche Axt ie - 
genbiid, . 

Leset fie In Med’ unb Gefange bie morgenräthliche Tochter 

Oben erfenuen und Tod. @o$. 
Dann überhaupt, der Morgenröthe äpntih, eben fo lleblich, angeuchm. 
Das, was bie Zeit verſchlungen 
Geht morgeneöthlih auf. Tiedge. 
Uneigentiih ach, für jugendlich feiſch Lebbaft. 
— mit ſchimmernder Wange 
Und mit morgenröthlicher Freude dis Lebens gekraͤnzet, 
Stand ein Jüngling Klopfkod, 

in weldher Stelle zugleich der Begriff einer angenehmen fanften RE: 

the, welche lebhafte Freude auf den Wangen verbreitet, bamit ver: 

buuden if. " 


Morgen 


Die Morgenrub, 0. 2%. die Ruhe, der Schlaf am Mergen. 

Lifette wiegte ih im füßer Morgenrub, Babariä. 
Morgend, adv, am Morgen, zur Dörgengeit; ein aus dem Grund ⸗ 

worte Morgen durch Antängung bes 8 gebildetes umflaondiwort, Mor: 
gend arbeiten. Morgens frühaufftehen. Mit heute, gefteen ıc, verbuns 
ben heute morgens, gefleen morgens, gebraucht man bafür gewoͤhn⸗ 
Ucher und lieber Morgen und fagt heute Morgen, geſtern Morgen. 
Unndtbiger Weiſe wid vor dem 8 noch ein d eingefhoben. „Mor 

- gende ch als die Sonn anbricht.“ Dpis. Ganz wiberfinnig fagt 
man, wie Heynap berichtet, im N. D. vor Morgens für vormit⸗ 
tags: Vor Morgens nähtern bleiben. . 

Der Morgenfang, f. Morgengefang. 

O Der Morgenfänger, —s, 3%. al; bie —inn, 3. —en, ein 
Sänger, eine Sängerinn am Morgen, wie auch, ber ober bie den 
Dorgen bringt. Belonbers ein Diäter, ber den Mergen, feine 
Shönpeit ic. befingt — kurz ber Morgenfänger, der Lobfänger 
Sottes in der gangen lebenden ertwadhenben Natur, bau iſt ber Dich⸗ 
ter ber Chlpfung." Herder. 

Der Morgenfhein, —es, 4 —e, der Schein am Morgen; fos 
wol bie Morgenröte, als auch, ber Schein ber aufgebenben Sonut. 
Mahler, Stieler. 

O Der Morgenfhimmer, —s, 0. MM. ber Ehimmer, das Licht 
des Morgens, befonbers bes anbredenden Morgens. 

und beim erſten Morgenfhimmer. Böthe x 
Stieler bat das Morgenihimmern für Morgendbämmerung. 

Der Morgenfchlaf, —es, 0, 2. bder Schlaf am Morgen; auch, bie 
Morgenruh. Der Mocgenſchlaf ift leife. 

— — Wer bi bu Heiner Wit, 

Der meinen Morgenſchlaf fo toukühn unterbriht? Wielanb, 
Der Morgenfhlummer, —, 24. u. der Schlummer am Morgen 
» ober gegem Morgen. 

M Morgenfhön, adj. u. adv. ſchon, feifh wie ber Morgen, ober 
wie das Diergenroth, 

Bar fo jung und morgenfhön. Böthe. 
Der Morgenfhug, — fies, M. — ſchuͤſſe, ein Schuß, welder mors 


gene geſchlehtz beſonder? verfieht man darunter auf Aeiegtflotten 


ben Sqhuß, welher ſeden Morgen bei Kagesanbruh auf dem Satiffe 
bes Wifehlöhabers getban wird, durch welchen bie Befagung zu ihrer 
Arbeit an Worb aufgeweckt wird, 
Der Morgenfegen, —6, DW. gl. das Morgengedet, 
- Bas fluht er feinen Morgenfegen - 
Dis bie befhneiten wilden Höhn? Goͤthe. 
Die Morgenfeite, By. —n, die nah Morgen gerichtete ober ge 
gen Morgen liegende Saite eines Dinges, 


x Der Morgenfeufjer, —s, 9%. gl, tin Geufjer, d. $. ein inniges 


turıes Behet am Morgen, „Das Erwachtn nach ſolchen Augenblik⸗ 
Ben it immer einfilbig, und ich wette bei jedem Unverborbenen nar 
tuͤrlich⸗ Weber, Morgenfenfzer und Preis Gottes.“ Derber, 

Die Morgenfonne, ©. Mg. die Sonne am Morgen bei ihrem Auf⸗ 
garhe, die aufschenbe Sonne; wie auch, der Schein, ber Wlan der 
aufgehenden Sonne. „Die frühe Morgenfonne flimmerte ſchen bins 
ter ben Bergen auf und verfänbigte den ſchoͤnſten Herbſttag.“ 
Seßner. komm, daß ih unter bie Blumen dich führe 

Dort in die Morgnfonne — Kiopftod, 
„Wir arbeiten von der Morgenfonne bis zur Abenbſonne,“ von 
Arfgang bis gu Untergang ber Sonne. Seßner. 

O Morgenfonnig, adj, w. adr. 1) Der Morgenſonne audzefest, 
Morgenfonne babend. Wine morgenfonnige Gtefe 2) Mit der 
Morgenfonne ober einer Morgenfonne gleichſam verfehen. Wor⸗ 
genfonnige WBangen, die wie die Morgenfonne zeit und ſchoͤn 
glänzen. 


— und leuchteten Theaͤnen 
Über bie morgenfonnigen Biaugen (bes Cugela). — Sonnenb. 


351 


Morgenft 


Die Morgenfpeife, By. —n, eine Speife am Morgen als Fruͤh⸗ 
fü zu geniehen. Stieler. 

+ Die Morgenfprade, 94. —n, in manchtn D. u, R. D. Staͤd⸗ 

- ten, bie Befprehung und Beratkung ber verfammelten Glieder tie 
nee Befenfhaft am Morgen ober Bormittage. Bo heißt in Brer 
men die vorläufige Berfammiung des vornihmftien Rathederren am 
Morgen vor ber Berfammlung bes ganıım Rathes, Morgenſprache 
oder Morgenratb, bie Morgenrebe, Im weiterer Bedeutung führ 
xen diefen Nomen noch an manden DOxten bie Berfammlungen der 
Bünfte, weit fie gewöhnlich vormittags gehalten werden. Im 
Bergbaue heißt bie gemeinfhaftlihe Beratpung ter Bergbeamten 
und Gteiger auch die Morgenfprache ober bas Morgengefpräch. 
In manden Mrihaflätten verfland man aud baruntır bie Abſchlede 
und Urtheile, weil man fie meift vormittags machte ober gab. 

+ Der Morgenfprachöberr, —ın, 2. —en, in manden D. und 
R. D. Gtädten, ein Name der Handwerks, ober Zunftheeren, d. d» 
derjenigen Natpsherren, welche ber Zunft vor⸗ und beigefegt Mint. 

Das Morgenfländchen, —s, 3M- gl. ein Staͤndchen, meldes man 
einer Perfon am frühen Morgen bringt (Aubade), Beifh. Ah 
O Fruͤhſtaͤnbchen. €, 

Der Morgenſtern, —es, By. —e. 1) Gin ben Morgen ankündl 
gender ober am Morgen fihtbarer Stern. 

Im Feigentang, ipe Morgenfiecne, 
Schfinget unferm Bolt! Voß, 
In engeret Bebeutung und verzugsweiſe wird bir Venus, melde gleichſam 
der Sonne vorhergehtt, vor dem Aufgangt derſelben gefehen wird, der 
Morgenſl⸗⸗ genannt, Ebtuderſeibe Stern heißt auch der Abend⸗ 
flern, weit ee mad lintergang der Sonne wieder fihtber iſt und 
aleichſam bem Abend ankündiget. 2) @ine ehematis gebraͤuchliche 
Waffe, welche in einer Reule befland, die an ihrem bien runtll 
Sen Ende mit eifernen Spltzen ober Stacheln, wodurch deſſelbe eie 
nige Ähnlichkeit mit einem firabienden Sterne defum, verſehen war. 
s) Ein Name einer ziemlich feltenen Syintelmalje (Volnta cera- 
mica); auch Pimpelchen, Schnepfenkopf. 4) Der Name vrrfgier . 
dener Vewaͤchſe. (1) Eines im Dftindien wachſenden Baumes mit 
geflieiten, eifoͤrmig augefpisten, einander gegen Über feberben Bit 
teen, mit Zugelförmigen Kabpfchen an tem Epipen der Afle, Me 
aus bit mihen einander geftelten Blumen auf einem gemeinfhafte 
tihen Blumenditte beſtehen (Nauclen L.). (2) Des Wieſendocks⸗ 
bartes (Tragopogon pratense L.). (3) Einer zu ber Familie dee 
Malve gehörigen Pflanze (Ketinla vesicaria), "Wie mäsf in Ita⸗ 
lien und Afrita, trägt fömefelgelde Blumen mit einem rot hen 80 
den, und Sat einen aus neun bis zwdif ſchmalen haarigen Bloaͤtechen 
beftchenten Sußerlichen Kelch; bee innerlihe Kelch iſt aufgebiafen 
und umgiebt die Frucht, wenn fie zeifet, wie eine Blaſe. Sie heist 
ouch Stundendlume ,, Wetterrösitein. (4) Des Gitgmarstrautes 
(Malva alcea L). 

Der Morgenftilffand, —ed, 3. u. in der Sternkunde, ber ſchein⸗ 
bare Stillſtand sines Mondelfternes am Morgen in einem Punkte 
bes Thierkeeiſes, auf einige Tage (Statio matutina); in Gegenjag 
bes Abendfilllitanbes. 

Der Morgenfirahl, —ıs, I. —eın, bie Strahlen ber Morgen 

“ fonme und diefe felbſt. „Dort ber Morgenftrahl giebt Allem Erben, 
Mefen, Rege, Dafein wieder.” Herder 

War er im erften Morgenſtrahl erwacht, Bried, 
Derlelde gebraudt Morgenfiraht auch uneigentfih von einem er 
freslihen fhönen Anfange, Anbreden; 

Dech keiner Hoffnung Morgenſtrabl erwacht. 

Die Morgenſtunde, 9. —n, eine Etunde der Morgeneitz daun, 
ber Morgen, bie Morgenzeit ſelbſt. Sprichw. Morgenfiunde hat 
Gold im Munde, bie Morgenkunten ab fie ben mit dem Ber 
ande Arbeitenden Geldes wert, Unrigentlih. CO) Die Morgen: 
ſtunde tes Lebens, bie frühe Jagend, die Zeit gleich nad der Ber 


Morgenf 


durt. Euch wiegt ber Engel der Auhe fa bee Morgenſtunde des 
Erhens mit Wiegenliedern ein u. 9. P. Richter, 

Die Morgenfuppe, 2. —n, rin Suppe, weiße man morgens 
als Weüpkäd vergehrit, Btieler. 

Der Morgenthau, —e®, 9. Dig. der Thau, welder morgens vor 
Sonnenaufgang fäht. tim ben Morgenthau, die Zeit ba er fült. 

Wie Phebphor glänzt, ber um ben Morgenthau 
Aus Thetis Armen fh —— — 
Das Morgentbauen, —s, o. Di. das Thauea am Morgen, wie 
82 die En ju welder ber Morgenthau faut, der fehhe Morgen, 
&o fehten wir bis mit dem Morgenthauen . 
Des Lichtes erſter Schimmer ſich eatpält. Briet. 

D Das Morgenthor, —es, &y. —e, das gegen Morgen Hegende 
Thor. Uneigenttid, bei den Diäterm, bie Morzengegend, durch 
wilde ber Sonnengott gleihfam wie duch ein her herauffäßet. 
— no Thitis das Morgenthor des Himmels — aufriegiht.“ Bof. 

Durds rote Morgentbor ber heiten Sternenbühne 
Raht das verfiärte Sit der Welt. Haller, j 

O Der Morgentifh, —eb, ip. — ; Bir. das Morgentiſchchen, 
ein Tiſch oder Tiſchchen, vor welchem eine Pesfon am Morgen ihren 
Put beforgt (Toilette); auch Nachttiſch. ©. d. 

Natur und Binfalt helfen ide 
Un ihrem Heinen Morgentifhchen. 
eaentlich, ſ. Morgendlich. 

—* rue. —es,  — trinke, Fin Zranf, melden man 
morgens au ſich nimmt. j 

Der Morgentraum, —es, Bi. —träume, ein Traum, welden 
man wie gemöhnlid, gegen Morgen hat. „Fure unerfälte ln) MWün: 
fe, die Morgenträume bes letten Schlummers, die Qudigeii 
bes erſten Wicbererwadend.“ Benjel»Gternan, r 

Xts in dem hehren Gemah — 
Ich neulich zahl im Morgentraum. — Boß. 

Der Morgentrunk, —es, @4. u. ein Arunk, wriden man morgens 
tput. M. Kramer. 

Die Morgenubr, 94. —en, eine Sonnenupe, melde bie Morgen: 
funten bis zu Mittag anzeiget und auf eine gerade gegen Morgen 
griegene ober gerichtete Flaͤcht beihrieben if; zum unterſchiede von 
einer Abent:, Mittagd: und Mitternachtsuhr. j 

Das Morgenvolf, —es, 4 — volker, ein gegen Morgen wohnen» 
des Wolf; befonbers, ein ben Wenohnern Guropas gegen Morgen 
wohnenbes Volk. 


Bürger, 


“Die Morgenwahe, 9. —n, im Kriegaweſen, befonders ehemapis,. 


dirjenige Wade oder Wachztit, welde unmittelbar auf bie Rachtwache 
folgt und gegen Morgen füllt; bann, der feäge Morgen ober bie früpe 
Morgenzeit felbſt. „Sie kamen ins Lager um die Miorgentwacde.- 
ı Sam. 21,11. „Boneines Mocgenwacht bis zurandern.“ Pf. 1360, 
6, Die Morgenwache fdlagen (bie Iteveille, Diane fälagen). 


& Die Morgenwange, 3. —n, bie Miangen am Morgen, bie 


then Wangen tines Wicberermadhenden. 
ee — das Erfitingstägeln bes bimmlifden kebens 
Dir um die Morgenwange, wie ewiger Bröpling emporfäuwrbt, 
Gonnenberg. 
Morgenmärtd, adv. gegen Morgen gerichtet, gelegen; oſtwaͤrts. 
„Wo war bad Land des Elenbs, 
grgen den bezeläänet ?* Berber 
Deauf kam das Bolt, das morgenmärts 
Die Köften Aſiens beisopnte. Hansmalb. 
In der Bibel wird ed mit verfhiebenen Berpäitnifwörteen verbun: 
ben, 5. B. „bie Grenze von morgenmärts“, 4 Mof. 34, 4; „das 
Thor gegen morgenwirte“, Ezech. 46, 19, welcher unrictige 
Gehrauh mit Recht ungeiwöhntich und veraltet ift, weil märts bem 
Begriff einer Bewegung nach einem Oxte elaſchließt. 
Dir Morgenwecker, —6, 5. gl. eine Perfon ober ein Ding, wor 


352 


das Mofes noch mehr morgenmärts. 


Morſch 


durch man morgens aus tem Schlafe gewedt wird, 

A Das Morgenwehen, —6, 9%. u. das Wehen bir Buft am Mor 

gen, eine gelinbe Ütorgentuft, 5 
— reget ſich Kelm und Spreß 
Im Morgenweh'n. — Bop. 

Die Morgenweite, 4. —n, in ber Sternkunde, die Entfernung 
betjenigen Punktes, in welchem rin Beftien aufgrhet vom wahren 
Mergenpunkte, und melde ein Bogen bes Befihtäkseifes if (Am- 
plitudo ortiva). Sie if entweder noͤrdlich, wenn bee Kufgangds 
punkt bes Geſtirnes vom wahren Morgenpunfte gegen Mitternacht, 
ober füblich, wenn ex gegen Mittag enifernt iſt. 

Das Morgenwerk, —es, I. —e, ein Werk, eine Arbeit, welde 
man am Wlorgen vornimmt; bie Morgenarbeit, 

Der Morgenwind, —es, M. —t. 1) Ein Wind, welder aus 
obee von Morgen herwehet. =) Ein Wind, welcher fh morgens 
erhebet, ober zur Morgenzeit wehrt. > 

Die Morgenmwolte, 8. —n, bie Wollen am Morgenhimmel, bes 
fonders wenn fie von der Morgenröthe oder ben Sonnenſtrahlen ge - 
färbt erſchelnen. „Run fhoß bie Gonnenflamme immer näher ad 
die entzändeten Morgenmwolten herauf.“ 3.9. Ridter. 

— Blüte der Jugend färbt, 
Wie Purpur junge Morgenmolten, 
Der Keuſchen fanftere Wange roth. 8.8. Seamer. 

Der Morgenwunfh, —es, 9. —wünfde. 1) Sin Wunlch, wel 
Gen man am Morgen thut. #) Der Morgengsuf, ba man einem 
einen guten Morgen wänfdt, 

Die Morgenzeit, 9. u. bie Zeit des Morgens, der Morgen. 

Ju biefen Tieblihen Bebälden . 
pflegt dfters-fih zur flilen Morgenzeit 
Aimanfaris mit Baben zu erfrifhen. Wieland, 

X Morgig, adj, 1) Bon morgen, was morgen fein ober gefächen 
wish. Der morgige Tag. =) Bon Morgen, ein Feldmeß, einen 
Morgen haltend; in beu Aufammenfegungen breimorgig, ſechsmor ⸗ 
sig x. Win breimorgiger Ader. 

Die Morile, f. Morele und Marelle. 

Der Mörf, f. Merk, 

+ Morkſen, v. intrs, im Rrakifchen, ungefSidt, nit glatt ıc. ab- 
ſchneiden. D. Morkfen. 

Der Mornell, —es, Di. —e, ober die Mornelle, 84. —n. ı) 
Der Ribit (Tringa vanellus L.). 2) Eine Kst Regenpfeifer, der 
zen Fieifh ſehr ſchmackhaft if, Gr Hat rien zunten Kopf, unb 
findet fih Häufig in England umb andern nörhlihen Linbern (Cha- 
radrius meorinellus L., Gavia morinellas Kl); aud ber Zitrous 
vogel, Pomeranzrogel, wegen bes gelten Fleckens auf feiner Beuſt, 
und Woffenreifer, wegen feiner idchertichen Bewegungen. Der 
langgeſchwaͤnzte Mornell (Gavin brachyptera vocifera Kl.) hat 
einem ſchwarzen Näden, weiten Bauch, ſchwarze Streifen an den 
Baden und Halſe bis zur Bruſt und einen ſchwarzen Flecken an ber 
Etiem; auch Seemornell. 

Morſch, —er, —tfle, adj, u, adv, von fehlen und harten Körpern, 
{6 verwefet und im Zanern aufgelöfer, daß es Leicht beit, Bin 
morfcher Knsdhen. Gin morſchet Bahn. Morfches Hola 

Mag (der Wechſelwinde Epiel 

Is ber Brandung Madıen) 

Morſch des Fahrzruge Bau som Kiel 

Bis zum Wimpel krachen. Matthiſen. 
An mweitexer Bebeutung nennt man auch antere härtliche, aber mürbe 
Körper morſche, z. B. ein morſcher Apfel, ber fo mürbe und wei 
if, daß er längerbin faulen und verwefen würke. Im gemeinen 
Leben gebraucht man es auch von Dingen, bie gang, und glei 
morfhen Körpern, bem Anfhein nah leicht zerbrochen werben. Der 
Arm, bad Bein ging morfih entzwei. Etwas morfch entzweibre: 
Ken. Ungewöhntich if bee von Ad. angeführte Kusbrud, er blieb 


- 


Morf 


morſch tobt, für, er blich pibttlich umb vöNig tobt, ober wie man 
auch jagt, maufetobt, 

Morfen, Mörfen, v. trs. f. Mörten. : 

Der Mörfer, —s, ip gl. 3) Win tiefes Gefäg von Metall oder 
Stein, einen harten Körper vermittelft einer Heinen Keule von bers 
ſelben Maffe, melde Mörferkeute, Märferflößel ober bloß Stoͤßel 
beißt, barin zu zerſtoßen ober zu zerzeiben. Ein eiferner, meifins 
gener Mörfer. Der fleinernen Mörfer, weiche tiefen Schalen gleis 
Gen, bedient man fi gewoͤhnlich nur etwas barin zu zerreiben und 
au vermifhen, befonders in den Arjeneiläten. Etwas im Mörfer 
ftefen, yerftoßen, gerreiben. Im gemeinen Beben lautet es Häufig 
Mörfet, im Öfterreihifgen Mortel, Mörtel, im R. D. Matter, 
Möfer. 2) Ein grobes Gefhäg, einem großen Mösfer ähnlich, 
welches ſchraͤg in bie Höhe gerlchtet wird, Bomben, Granatın, 
Beursfunein 10. daraus in einem belagerten Ort zu werfen; ein 
Beuermörfer, ehemapis eine Wurfbühfe. Gin hangender Mörfer, 
welcher an Schildzapfen in bee Mitte berfelben hängt; zum Unters 
ſchlede von einem fiehenden. Ein Biodmörfer, Fußmoͤrſer. ©. b. 
3) Xuf den Schiffen wird bas kupferne Behäufe, in welchem fih 
bie Kompaßroſe bewegt, unb welches bei ben hangenden Kompaffen 
von Gas if, and ber Mörfer genannt. 

Der Mörferblod, —es, 2. —blöde, in ber Gefhägtunft, bes 
Slock, bas Gerüft, in weldem ber Bio hängt ober flchet. 

Die Mörferkerze, 3. —n, bei den Wadslihtziehern, Wachslichter, 
welche nicht gerollt, fondern in Formen, bie tur, , oben bider als 
unten find und mit einem Mörfer einige Ähnlichkelt haben, gegoffen 


werben. 

Die Mörferkeule, M.—n, f. Mörfer 1). 

+ Der Mörferfuhen, —, 2%. gl. ein in einer tiefen in der Mitte 
erhobenen Borm gebackener Kuchen; in Sachſen Schitbelkuchen, in 
Ötterreih Kugelhopf. 

+ Der Mörfing, f. Wörfing. 

Der Mörtel, —8, 9. von mehreren Arten gt. bei den Mauren, 

„ Kalt, ber mit geobem Sande ober mit Elein geſtoßenen Steinen ver: 
miſcht ik, zum Mauern und befonders zum Bewerfen; bie Speife, 
im Öfterreihifchen das Maͤlter. &. Malter. 

O Die Mörtelarbeit, 34. —en, von Mörtel, befonders von feinem 
Mörtel gemadte, und zwar zierlibe, halberhobene Arbeit am ben 
Decken, Wänden, Säulen ıc, (Stuccaturarbeit); auch Bipsarbeit. G. 

Die Mörtelhaue, By. —n, dei ben Maurern, eine Haue ober Hadk, 
den Mörtel bamit zugubereiten und unter einanber zu ziehen, 

Die Mörtelfelle, 9. —n, bei den Mauren, eine breiedige ganı 
flache eiferne Kelle mit einem Griffe, ben Mörtel aufjutragen, aus 
einanber und in bie Fugen zu ſtreichen; bie Mauerkelle, Maurerkelle. 

Der Mörtelfneht, — s, 4. —e, ein Handlanger der Maurer; 
auch Mörtelträger, weil ex den Mörtel derbei trägt. Friſch. 

Die Mörtelpfanne, 9. —n, bei den Maurern, ein mit Brettern 
eingef&loffener Raum, ben Mörtel darin zu bereiten und aufjuber 
mwabren. 

Der Mörtelträger, —t, 99. gl. f. Moͤrtelknecht. 

Die Mörtelwäfhe, 24. —n, bei den Maurern, ein dünner Möc 
tel, welder in bie Fugen zwiſchen ten Steinen gegoffen und mit der 
Relle eingetrihen wird, 

+ Mörten, v. D) trs. malmen, Mein floßen, Hein zeiten; auch moͤr⸗ 
fen (Hoänd. morselen), mürfen, murten, mörtein, II) ntr. 
mit fein, in Heine Stücke zesfalen,. Gin mit Mörfer, motſch ıe. 
verwondted Wort. Im A. D. bat man aud das Wort murt, et» 
wos bas Piein gerieben, geſtoßen iſt zu bezeichnen. — D. Mörten, 

* X Mos, 0.9. in Scherz und in ber niedrigen Spredart, Gelb. 
Mos cher Mofen baden, Beld haben. Man hört dafür auch Moſts. 

Das Mos ıc., f. Moos ıc. 

rt. Der Moͤſch, ſ. Meiſch. 

2, + Der Moͤſch, —ee, 29. —e, ein Name bes Sperilngts. ©. d. 


Sampe'a MWirtend. 3. Th. 


353 


Mofib 


+ Das Moͤſch, —es, MM. u. das Meffing; woraus EB verberbt i 

+ Die Moſchbeere, Si. —n, die Botzelbeere, Eibiſchbeere. — 

Die Moſchbirn (Moſchusbirn), 2. —n, sine Sorte Birnen, bie 
nah Biſam riecht. 

t X Die Moſche (das o gedehnt), Siy. —n, in der gemeinen Sprech⸗ 
art mandıer Gegenden, befonders Schleſſens, wo man auch Muhla 
ſaat, bie Kuh; Motſche, Motſchel, im Hennebergfäen Diodel, 
in Schmalkaiden Meuſch, in andren Gegenden Mutfhe, in Auge. 
burg Mutſchel. Io engerer Bedeutung, eine junge Kuh, welde 
nod nid« getragen hat, eine Kalbe, Färfe, R. D. Queme. 

+ Der Möfhen, —, 34. u. das mopiriehende Degerkraut (Aspe- 
zula odorata); Gliedttaut ı. 

+ Das Moſchenkalb, —ıs, 3. — kaͤlber, im gemeinen Leben man 
Ger. Brgenden, ein Kuplalb; gam Unterfhiede von einem Ochſen⸗ 
ober Bullenkalbe. 

Die Mofchente (Noſchusente), 9. —n, bie Bifamente; auh 
JIndiſche, Kaitiſche und Lybiſche Ente. 

Die Moſchmaus (Moſchusmaus), 4. —maͤuſe, eine Art nad Siſam 
riechender Mäufe auf den Antillen (Mus pilorides); auch Bifgmratte. 

Der Moſchochs (Moſchusochs), —en, 24. —ın ‚eine Art Ochſen 
in Rorbamerifa, deffen Fleiſch nah Bifam riecht (Bos moschatus L.); 
auf Biſamochs. 

Die Moſchratte (Mofchusratte), By. —n. ı) Die Bifamfpigmaus 
(Sorex mioschatus L.). 2) Die Bifamsatte (Mus zybeihicus). 
Die Mofchrofe, By. —n, eine Art Rofen, weiß und ins Seide ſpie⸗ 
kend, und ſowol einfach als auch gefäht (Rosa -ımoscata Milleri). 
Sle Hat einen angenehmen, bem Bifam Aharladın Geruch und wirb 

mit ber Damadzenerrofe von Vielen verwechfelt. 

Das Moſchſchwein (Mofhusfhwein), —s, 34. —, tas Bifam- 
ſchweia; auch Nabelſchwein. 

Das Moſchthier (Moſchubthier), —s, 24. —, f. Biſamthiet. 

x Der Moſchus, ohne Umend, u. 39. der Bıfam. G. b. 

t Die Möfele, 2%. u. 1) ine Heine mit dem Mußtraut (Corcho- 
zus) mahe verwandte Pflanze in Arabien (Antichorus). e) Das 
wopiriehende Megesfeaut (Asperula odorata L.). 

+ Die Mofelbeere, 8. —n, bie Moosderre. &, b. 2). 

+ Möfeln, v.ntr, mit haben, nad; Moosıc, riechen, ober wie Bulba 
und 3.6, Sämib es erlläzen, nad Leimen flinken, leimihtriehen. 
D. Möfein. 

Der Mofelwein, —es, 24. —e, Beln aus ber Gegend der Mofel; 
der Mofeler. 

+ Die Mofeöthräne, 9g. —n, das Thrͤnengras. @. d. 

Der Mostowiter, —s, 9. gl. eigenilich ein Ciawohner der Stabt 
Mosfeu (Moskwa), und in weiterer Bebeutung ehemahls ber Name 

bes Wolles ober der Boͤllerſchaft, welche fpäter und jegt ben Ramen 

un = hessen ' 
er Moskowiterapfel, —s, P. —Äpfel, dee Sibiriſche Eisapfel. 

Der Moskowiterkohl, —es, o. 9. ein Mame des Gerfchen. F d. 

+ Die Moſſel, 3. —n, bie Maſchel. 

Der Moft, —es, 9. vom mebrern Arten und Wengen, —e, ber 
füße ausgepreßte Saft aus verſchiedenen Früchten, als Bein, Obf, 
vor der Saͤhrung. Weinmoſt, Apfeimoft, Bienmoft, Quitten» 
moft. Rad der Gährung wird daraus Wein, pfelmein, Birn- 
mein * In engerer Bebeutung wird ber aus den Weindtern ge 
preßte Saft, fo lange er nicht in Bätrung gezangen if, vworsmad- 
weiſe Moft genannt. Moſt preffen, madın. Im pe 
man einen ſchlechtern Moft, weju bie Trauben mit ben Hülfen, 
Klmmen und Kernen gefioßen werden, Mafch oder Marfh. Im 

233* der Muſt. 
er Moſtapfel, —, Bi. —ärfel, der Donigapfil, Säßl 

Die Moftbeere, By. —u, ſ. Moodbeere 2). LT 

Die Moflbirn, By. —en, eine Art Birnın von mittler Größe, melde 
teig werden muß ehe fie geneffen werden kann, und melde dann 


45 


Moſtd 
deaum wie bie Lederbirn wird; im Würzburg bie Trigbirn, im 
der Shwel, Moͤſt lerinn und Hofjbirn. ’ 

Die Mofloüte, Sig —n, fin mangen Gegenden, z. B. im Meißen, 
ein Welih wie eine Däte gefaltet, welche man in bad Spundloch 
fest, wenn ber Moſt braufet, vielleicht nah Ad. Sermuthung bad 
Berflisgen der geiftigen Theile zu ve nindern. 

x Moſteln, v. I) tes. Moſt maden; auch moſten. IL) mtr. mit har 
ben, nad) brur Mofte ſchmecken, von jungen Beinen. — D. Mofteln. 

x Voften, v. trs. Moft madın. Im Fraͤnkiſchen ift moͤſten befons 
dies, die Weinderren in einem Behälter zerfiofen; ehemahls auf 
mbllern. D. Moſten. D. —ung. 

Moſtig, —er, —ſie, adj. u. adr. dem Moſte Ahnlich. Moſtig 
ſchraecken, von jungem Meine. 

Die Mofitelter, 3. —n, bie Weinfelter; gewoͤhnlich aur Keltet. 
&tteler. E 

x Der Mofller —#, 94. gl; dir — int, By. — en, eine Peefon, 
weihe Moft macht, d. h. bie Trauben tritt und preft, damit ber 
Saft auplaufe ; im D. D. auch Trotter, Trottknecht. Möftterinn 
heist in ber Schwriz die Moſtbirne. 

Die Mofimährte, 4. —n, eine Dläßrte vom Moſt und Semmel. 
S. Währte, — 

Der Moſtmeſſer, —s, 9. gl. (R.) ein von Gadet de Baur erfun⸗ 
denes Wertzeug, bie Büte ober Stärke bes Moſtes zu beffimmien 
(Gleukometer). 

Der Mofimetb, —ed, 7. u. ein deur Mech Ahnliches Betränf ans 
Moöft gewacht. Stieter. 

Die Moſtpreſſe, 9. —n, eine Preſſe, den Soft aus Trauhen und 
Obſt zu preſſen. 

x Der Moͤſtrich eder Moſtrich, —es, Bh. vom mehrers Arten, —e, 
ber mit Moſt ober Werneſſig zerriebene und zu einem dännen Muß 
subersitite Senffame; im R. D. Muſtert, bei Frifh Moſtart, 
in Llefland Mäflting 5 gewehnlicher nur der Senf. 

# Die Moftrofe, ſ. Moosrofe. 

- Dir Mofifuppe, By.—n, eine aus Moſt gemachte Euppe, E tiefer, 

Moſtſüß, adj. u. adr. füp wie Moſt. Moffüße Apfel. Frifg. 

Die Mosweibe, f. Maßweihe. 

+ Der Moth, —es, ip von mehrern Arten, —e, im gemeinen 
Erben mander Gegenden, z. B. in Meißen, eine Benennung des 
Korfes oder einer fhmaryın, feiten und leckern Erbe, melde bem 
Torfe äpniih iſt, und aus verfaulten Holz⸗ und Öflanzentheilen bes 
firhet. Andere fhreiben es auch Modt, und es ift mit Moder und 
bem RN. DMudde ober Mudber mahrfheintid ein und beffeite Wort, 
weitem mon bier unb ba auch ein Kvorfept und Amerb, Kmuth fagt. 

+ Der Moibbeifer, —®, 94. gl. der Shlammbeifer, S. d. unb 
Merb. j 

FxX Die Motfhe, tbas 0 gebehnt) By. —ın. 
Moſche. 2) Eine Stute, 

+ Dos Motfchel, —E, 9. al. ein Fällen. S. Motfhe a). 

Die Motte, Di. —n. 7) Der Rome berienigen Meinen Rachtobget, 
beren Barmen oder Würmer Pelzwerk und wollene Sachen benagen 
und kahl madım (Phalaenae tineae L.), und beſenders dieſe Larden 
felbft. Eine weiße Haupt, melde in ben Bienenfliden großen Eder 
ben anrichtet und auch Schade umd Richwuen beißt, gehört mie 
20. vermuthet auch Kicker. 2) y Ein Aame der übe in manchen 
Groeaden. 5) Die Silbermotte. ©. 6. ’ 

Die Mottenblume, 3. —n, [ Mottinfrauf 3). 

Die Mottenfliege, 9. —n, nah Friſch, ein Name besfenigen 
Aattongeld, deffen Larve ber Blattwickler oder bie Wideiraupe if, 

Der Motienfraf, — es, o. 94. 1) Der Fıoß ker Motten, bad Wer 
feeſſenwerden oder Benagtwerben durch bie Motten, anb ber dadurch 
angerichtete Echade. —) Etwas burch Hr Molten Benagtre, der⸗ 
gieiden Ricibungefläl. „Und dirs veraltert wie Mottenfruf,« 
Sieb 1%, a5; nah Wihaslis Überlegung. 


2) Eine Kuh. €. 


35 


Muck 


8 Mottenfraͤßlg (Mottenfreffig), adj. m. adv, durch Mattenfraß 
angrguiffer, vreissbt, „MRoitenfeäfige Aleider.® Tet. 5, 2 Dis 
Wort würte ber Sprachaͤdntichtenr gemäß, wichtigen Motten fachend, 
gera ſreſſend bedeuten, wie flriichfsafig ıc Din im ver argrfähes 
ten Stelle zu bezeichnenden Begriff wbrbe mottenzerfteſſen bezeichnen. 

Der Mottenkäfer, —.s, 2%. gl. der Pılzläfr, ©, d. 

Das Mottenkraut, —es, 4. u. ein Name verftiebener Rrluter, 
besen Geruch bie Motten vertzeiben fol. 1) Dis wilden Rosmarind 
ober Mutterkrantes (Sedum palustre L.); auch Porfh ic. S. d. 
=) Einer Art ber Koͤnigekerze, welche in Iehmigem Boden an ſchat⸗ 
tigen Orten woaͤchſt, mit glatten glaͤnzenden herjförmig sugefpieten 
Blättern, und gewöhnlich gelben Blumen (Verbascam blattariaL.); 
auch Schabenkraut, Mottenfame, Goldfnspfchen. 53) Einer Art 
ber Rupepflange, weiche auf’ fandigen Feldern waͤchſt und mit einer 
feinen Wolle ganz überzogen ift (Gnaphaliuns arerarigm L.); auch 

‚ Mottenbiame. S. Sandruhrpflanze. Auch eine andere Art ter 
Rubrpflanse (Guaphalium steechns L;) führt den Namen Mote 
tenkraut, Mottendlunme und Flußblume. &. Rainblume. 4) Das 
Sroubrofraut (Chenopodium botrys L.). 5) Der gemeine Cteins 
fire, S. d. 6) Einer ausiänbifgen Pflange (Pentupetes phoenicen). 

Der Mottenfame, —ns, 3%. u. f. Mottenfraut a}. 

O Die Mottenwelt, 9. uw. die Welt, d. d. die Erbe, auf welcher 
bie Menſchen gleichſam wie Motten. ein eines unmwictiges und uns 
nüges Leben führen; ein veradtender Ausdruck. 

Dre Zrbdel, der mit taufendbfahen Tand 
. Im dieſer Mottenwelt mid dränget, Wöthe, 

Das Motthuhn, —es, 9. —huͤhner, eber das Motthuͤhnchen, 
—«, 99. gl. eine Art Strandiäufer (Tringa ochropus) ; aud ger 
punkteter Strandlaͤufer, rothes Waſſerhuhn. 

Die Moͤtze, Mutze, Br. —n, f. der Mus, 

+ Moßen, v. intes. in Baiern fo diel als zaubern. D. Moten. 

g Motzig, —eır, —fle, adj. u. adv, im Vergbaue, wo Kurze Gänge, 

welche nik weit ins Feld freien, mogige Gänge genannt. werben. 

F Des Wübeflin, ſ. Meerſchwalbe. 

* Der Much, —ıs, 3. u. bes Schimmel, Fulda, Davon mm 
chelig, mucheln ıc. 

Die Möwe, f. Mewe. 

x Mucheln, v. nir. mit haben, nad Schimmel, bann Überhaupt verbors 
ben, anbrüdig riechen oder ſchmeden. Das Mehl, die Butter muchelt. 
Man fagt dafür au muchen, mudhzen, niuͤcheln, müdzen, im 
©. D, miechteln, im Öfterreiifhen au dladeln, im antern Str 
genden muffen, müffen, mufjen, muͤfzen, münden, muͤnchzen tc. 

X Nudlig, adj. u. adv. verdorben, anbrüchig riechend ober ſchmeke 
Fond; aud muglich, muffig, mäffig, muͤſzig, mänig ı. im 0.8. 
muifterig. 

x Muchſen, ſ. Mudfer. 

x Muͤchzen, v. Hntr, mit haben, ſ. Mucheln. IN) intrs, f. 
Muthen. D. Madsen, 

x Der Mud oder Muds, — es, . —r, ein geringer, unvernefins 
Her Zaut, welchen man hören läßt, wenn man etwas ſprechen win, 
aber chne roh eine Silbe geſprochen zu haben, plägtih abbricht. 
Einen Muck edtr Muds than. Nicht einen Muck von ſich geben, 
Richt Muck ſagen, nicht das GSeringſie. 

X Die Mucke, Rz. —n. 1) üdle Laune, eigenſinniges Weſen, bes 
ſonders fofern es ſich duch märsiides Schweigen und Betragen 
äußert, Mucken baten. Im weiterer Bedeutung wirb es auch vom 
fehlerhaften und üdlen Eigenſchaften und Servohnheiten, bir nie 
ins Auge fallen, gebraucht, wofuͤr im K. D. auch Nuͤde gewöhntich 
iſt. Auf feine alten Mucken kommen. Einem bie Mucken vertrei⸗ 
ben. Umeigentiih auch von Pferden und andern Dingen. Das Pferd 
bat Mucken, heimliche Jebler, uͤble EigeniZaften, J. B. wenn es 
ſtstiſch it ıc Die Sache Hat ihre MuFen, ec finb übte Umtade 
bamit verbunden, Fe hat Schit ierigketen u 3) Im D. D. für 


4 





‘ 
i Muͤcke 
Mäte. 5) + Im Weinbau mander Segenden, ein Werkzeug, wos 
mit bie Weinbeeren von den Kammen abgeriffen werben. 

Die Muͤcke, By. —n; Bo. das Mädchen, D. D. Muͤclein, bie Be 
nennung wehrer Geſchlechter vom Zitfern, weiche zwei Häutige durch⸗ 

ſichtige Zidgel, einen laͤnglichen gefhmeidigen Leid, lange Büje und 

einen Saugeräffel ober Stachel Haben, womit fie emyrfintlih fledhen, 
und welche auf Schnaken heifen, 1) Des vorzugsweiſe ben Namen 
Möde führenden Befhiehts, meides fih in, feuchten waſſerreichen 
Gegenden Hiufig finter und befonders Abends herumfliegt unb laͤſtig 
wird, wobel fie ein feines Summen, wildes man ein Singen nınat, 
hören Täßt; Schnake, im O. D. Gälfe, Goͤlſe. Diejenige Mäde, 
bei ber dies vorzüglich ber Fall ift, wird im engerer Bebeufung 
Mide genannt (Culex pipiens L.); auch Singſchnake, Lie 
müde, weil fie nad bem brennenden Lichte fliegt. 2) Desienigen 
Geſchlechts, weiches befonders lange Beine at, daher es bei Mäls: 
ler aud ben Kamen Langfuß führt (Tipula L.). Biele Azten hal» 
ten wie die Fliegen bie Fiügel ausgebreitet, viele legen fie auf den 
Küden. Da bir Larven berfelden fih meift in der Gebe und an 
den Durzeln ber Pflanzen, bie fie oft fehe befhäbigen, aufhalten, 
fo werden fie auch Etdſchnalen ober Schnaken in engerer Beben 
tung fälchtkin genamnt. Die größte Art, die Bahmüde, hat 
glasartige Flägel, bie einen 300, und Binterfüße, die zwei bis drei 
3oH Tang find. Die Männchen daten an ben Flügeln braune Böll 
‚hen und weiße Flecken. 3) Gines Seſchlechts, welches Abenbs in 
großer Menge in einer tanzenden ober fpringenben Bemegung her 
umflieat und einen hornartig umgebogenen Rüffel hat; bei Möller 
der Hüpfir (Empis L,). Im D. D. lautet biefes Wort Mude und 
wird faft von allen zweiflägeligen Biefern und ſelbſt von Heinen Bis 
geln gebraucht, in welder Bedeutung es Muſche und Muilſchel Län 
tet, Umeigentlih nennt man im gemeinen Erben ſpoöͤttiſch und ner: 
ähtlih auch wol einen ſchwachen Menſchen eine Müde. 

+ Mudelig, adj. u, adv. im Froaͤnkiſchen, dit und fett, ſchwappelig; 
im Deffifhen madelig, in ber Pfalz malelig. 

x Muden, v. I) intrs, 1) Einen Mud tpun, einen Mud von ſich 
hören faffen; auch mudfen, weldes ben Begriff verſtaͤrkt bezeichnet. 
Er darf nit einmahl.bazu muden. Der Huub mudt, wean er 
einen nnterdeädten Sant hören IApt, ald wenn er bellen wolle. „Es 
fol nit ein Hund muden.* 2 Mof. 11, 7. a) Bein Mifvergnü« 
gen und muͤrriſches Weſen durch Stillſchweigen ober bush einzelne 
mörsife Laute, wie J. B. Kinder hören laſſen, wenn fie in folder 
Stimmung von Andern angerübrt, fi mit unmwiliger Bewegung 
wegwenben, an den Tag legen; auch progen, in Schwaben moken 
und in, weitere Vebeutung maulen, fhmollen, im R. D. auch 
ſchulen. Gr muckt. 3) + Im Fruͤntiſchen, für niden, ſigend cher 
ſtehend ſchlafen, auch wol nur, bie Augen [hlirfen als ob man ſchla⸗—⸗ 
fen wollte, 4) + In Schwaben, bewegen; aud muffen. 3. G. 
Sähmib,. LE) ner, mit haben. Macken haben. Unrigentlid und 
als imp. aud von Sachen. Die Bade mudt, ober es muckt mit 
ber Sache, fie fintet Schwirrigkeiten, Hintermiffe, geräth Ins Stocken. 

+ Der Müdenbaum, —ıs, 39. —biume, die Schwarzpappel. 

Das Müdenbein, —es, Dig. —e, das Bein einer Mäde. Uneigente 
Lid, 1) im gemeinen Erben, ein dünnes Bein; bann, eine Perſen, bie 
dünne Beine, keine Wabın hat, =) Der Rauchhafer ober Yurrhafer, 

Der Mädendred, — es, Mg. —e, ber Dred, Auewurf einer Muͤcke. 
Unsigentlih, in ber Roturbefhreibung, ber Rame einer Kegelſchnecke, 
der Sandtute, ©, b. 

Die Müdenente oder Mücente, 299. —n, eine Spielart ber Bil: 
felentez; auch Fliegenente, weit fie mit ihrem Schnabel liegen, 
MWäden 1c. geſchickt zu fangen weiß (Anas elypeata muscaria), 

Der Müdenfang, —es, 4. u. ı) Der Bang, bas Fangen ber 
Möden. a) Ein Ding, Werkzeug Mäden zu fangen. In der Ras 
turbefreibung führt biefen Namen (1) eine Art Leimkrout, bas kie⸗ 

ige deimlraut, an melden fih bie Fliegen, Müden 2, gleihfam 


__ 358 


Muͤcken w 


fangen, Indem fie baran kleben bleiben (Silene muscipula L.); (a) 
der Pehnelle, weil an ber klebrigen Feuchtigkeit decſelben Fliegen, 
Mäden it. bangen bleiben (Lychnis viscaria L.). 

Der Müdenfänger, —s, 3%. gl. einer ber Miden fängt; danc, 
ein Name des Fliegen[hnäppere. ai 

Die Müdenfliege, By. —n, eine Art E nalen (Tipula Marei L.). 
Remnid,. ‚ : 

Der Müdenflor, —es, My. —Möre, ein Flor gegen die Mädın, bie 
Müden abzuhalten. M. Kramer, 

Das Müdengarn, —s, 4. —e, f. Müdennes. 

Das Müdengitier, —s, 4. gt. bei den Radiern, ein aus feinem 
Draht gemahtes Bitter, welches anflatt eines Aenflerflägels im Soms 
mer eingefegt wird, um zwar bie Luft aber mit Fliegen, Mäden ıc. 
tinyalaflen. ni? 

Das Müdenglas, —es, 9. — laͤſer, ein Bias Mäden darin za 
fangen, WM. Kramer. 

Das Müdenkraut, —es, I. u. ein Name x) bes Floͤhkrautes ober 
Pfeilktautes (Polygonum persicaria und kydropiper L.), mel» 
ches die Mäden vertreiben fol; ehemahls au nur Mudın, a) 
Des Floͤhalantes Anula pulicariaL,) und bes Muhralantes (Inula 
dysenterica L.), welche daſſelbe bewirken follen. 5) Der gemeinen 
Dürrmwurz (Conyra squarrosa L.). Remnid, n 

Die Müdenmotte, 4. —n, eine Art Dämmerungspägel, welche 
Üpntihkeit mit einer Mäde Hat (Sphinx euliciformis L.). 

Das Muͤckennez, —es, 9. —r, ein Reg bie Maͤcen von etwas 
abzuhalten; das Müdengarn. 

Das Diüdenpulver, —s, 9. gl. rin Yulver die Mäden zu töbten. 
MR. Kramer 

Der Midenfhimmel, —s, 2. al. ein Schimmel, weißts Pferd 
mit Heinen ſchwarzen Fleden wie mit Wuͤcen geztichnet; auch Flie⸗ 
genfhimmel. Stieter 

X Das Müdenihmalz, —es, 0. Di. gleichſam has Schmalz ber 
Miden, ein Wort womit man etwas bas es nicht giebt, 3. B. ein 
Mittel gegen etwas was gar nihts helfen kann, auf eine laͤcherliche 
Meile bezeichnet. Stieler. M. Kramer, 

Der Midenfhwamm, — es, 9m. — ſchwaͤmme, ein Name bes Flie⸗ 
genſchwammea (Agaricus muscarins L.). 

Das Müdenfchen, —s, ” u, ein Gehen, ba man Mäden Fieber 
oder zu fehen glaubt. Die Ärzte belegen mit biefem Ramen benjes 
nigen Zufall ber Augen, der gewöhnlich dem ſchwarzen Staare vor ⸗ 
hergepet, ba ber Kranke ſchwarze Punkte, Striche, geihlängelte und 
allesiel andere bunfie Beftaiten firht ober zu fehen glaubt, befonters 
wenn er auf einen weißen etwas entfernten Graenfland und am hätte 
figften, wenn er in den blauen Himmel ficht (Myodesopsin). Breen, 

Der Müdenfeiger, —s, 89.-gl. elgentilch einer, ber die in ein Bis 
tränt: gefallenen Muͤcken ausfelget, uneinentlih, einer ber es mit 
Kleinigkeiten genau nimmt, fi viele Mühe darum giebt, inbeſſen 
er wichtige Dinge unbachtet List. Es if aus ber bibliſchen Metents 
art Müden feigen und Kamelt verſchlucken entflanden. Die D. 
Sachſen, weiche nit feigen fondern feiben zu fagen pflegen, haben 
teriger Meife Häufig Muͤckenſaͤuger und Müdenfauger daraus ges 
macht. Go laͤßt z. DB, Meisner in feinem Alzibiades Perikles 
den Alzibiades einen Muͤckenſauger nennen, 

Der Müdenftahel, —s, My. gl. ber Saugſtachel einie Mäde, 
©tieler. 

Der Müdenftecher, —, 39: gt. rin Name ı) des Fliegeuſchnaͤp⸗ 
pers; a) des Biegen: ober Grißmelfers. 

Der Muͤckenſtich, —ı#, 94. —, der Stih einer Mäde, „— gegen 
Sonnen» und Müdınflih.* Böttider, 

Die Muͤckenwanze, 99. —n, eine Art auf Bäumen lebender Wan: 

+ gen (Cimex tipularius L.); auch Baumwanze, Baumſſoh. j 

Der Müdenwedel, —s, 2%. gl. ein Wedel, die Mäden damit zu 
verjagen. 


Muckenw 


_356__ 


Muff 


Der Muͤckenwuͤrger, —s, 3. ol. eigentlich einer ober etwas das + Der Mudderprahm, —es, 39. —, ſ. Moberprahm: 


weiten würgt, tötet; in ber Raturdeſchrelbung, ein Name einer 
rt des Dunbefchles (Apooynum androsecmifolium); auch Flit⸗ 
genfalle. j 

x Der Muder, —b, D- gl.; bie —inn, 2. —en, eine Perfon 
weiche mudt, melde bie üble Gewohnheit bat, ihr Mifnergnägen 
und ihre üble Laune durch mürrifhes Weſen, unmilige Laute ımb 
Benezungen ober au durch eigenfinniges Stillſchweigen au äußern, 
In engerer Bebeutung, eine Perfon, melde bie Geraohnheit hat, 
ſchaͤbliche Abſichten unter einem tüdiften Schweigen und Saufhen zu 
verbergen. Beſonders, eine folde Perfon, welche bazu ben Dedinenr 
tel der Religion gebraudt, indem fie Reömmigkeit heuchelt. Rah 
Fulda bezeichnet es auch einen Meuchter, Meuchelmdader. 

x Die Muderei, 29. —en, bie Sinnesart and Handlumgsweiſe rlı 
nıs Muckers, bie Heuchelei, wie auch einzelne Hanblungen deſſelben. 

+Xx Muckern, vr. intes, u, ntr. mit haben, im D. S. für ftottern, 
gleiyfam nur einzelne Mude von fih hören laſſen. R. Dann auf 
wol, ein Muder fein D. Muckern. 

+ Müdiid, adj. u. adv. ben Mädın Ähntih ıc Dann im R. D. 
klein, undeutlich. Muͤcklich fhreiben, Cine muͤckliche Hand ſchreiben. 

XMudifh, adj. u. adv. Muden habend und am den Tag Isamb; 
in Sqwaden mockiſch. Muckiſch fein, muden. Ein mudifhes 
Befen. 

x Muckſen, v. intrs, einen Mad von ſich geben, hören laſſen; beſon ⸗ 
ders, ben Mund zur Berantwortung, zum Widerſpruch, jur Hupe 
zung von Uuzufriebenpeit ac. Öffnen und einzelne Xöne dören laffın, 
In weiterer Bedeutung auch, ih regen. Muckſe nicht. Gr barf 
nit muckſen. Antere ſchreiben auch muchſen. „Weist bu wohl 
(mei), daß dazu eine Frau nicht muchlen basf? Weiße, Das 
Muckſen. &. Mudın un Mud. 

x Der Mudier, —s, 9%. gt. 1) Einer ber mudfet, ») Ein Mude. 
In weiterer Bedeutung, eine geringe Bewegung. Kinn Muckſer. 

t Das Mud ober Müdd, —es, Di. —e, in mandın Gegendan 
auch bie Mübte, By. —n, im D. D. ein Maß für trocne und 
fläffige Dinge, 1) Kür trockae Dinge, befonbers Getreide, mo 88 
fo viel ais ein Scheffel if unb in Bürih 4 Biertel 16 Birslinge 
ober 54 Migti, in Bern aber ı2 Werner Maͤß, 48 Immi oder 96 
Achterli Hält. Im Bafel hat die Müdde 4 KRöpflein oder 8 Becher, 
uud 5 Müdten geben anf einen Sack. Im Sfterreich iſchen gehen 
auf das Mud 50 Megen, ı20 Biertel ober 240 Achtel. m) Bär 
flüge Körper, wo es in dee Schweiz gewöhnlid if und einem 
Saum ober ı= Geflren ober 92 Maß oder 3%, Eimer gleich koͤmmt. 
In Augsburg gehen auf ein Mud oder Muid 6 Beſens, 40 Map 
oder 96 Seibel, und 16 Mub machen ein Fuder. In Bogen, wo 
das Mub ein Dimap. if, Hält daſſelde 120 Hamburger Pfund, Ans 
dere unter biefen Ab, (heiten dies Wort Much; auch findet man 
dofie Muͤth, Muͤtt, Muid, Muidd. 

+ Die Mudde, . —n 'ı) Im R. D. ber Mober, Schlamm; 
ohne Mehrzahl; auch Mudder. a) Die Eau, weil fie fi gem im 
Ghlammr, Kothe wäljt; varigentlih, ein ſchmuziges Weib; Mutte. 
3) 8 Mauße »). 

+ Mudbdeln, v. trs. im 8. D. ben Schuz im Seſicht abwiſchen, ab⸗ 
waſchen. Friſch. Auch mudden. D. Mudbeln. 

+ Mudden, v. tr. ſ. Muddeln. 

Der Mudder, —s, 0, y. ſ.Mudde und Moder. 

7 Der Muddergrund, der Mudderhammer, ſ. Modergrund zc, 

+ Mudderig, adj. u. adr. ſatammis, meterig, 

+ Die Muddermähle, ſ. Modermuͤhle. 

+ Mabddern, v. D) ntr. mit haben v. intrs, ben Mudder ruͤhren, ber 
wegen, auftuͤhren. Gin Schiff mubbert, wenn es in der Fahrt ben 
Grund berührt, fo daß Schlamm ac. In die Höhe Hmmt und bad 
Maffee teühe macht. U) trs, vom Mudder, Schlamme zeinigen. 
— D. Muddern. 


+ Muddig, —er, —ſte, adj, u, adv. im R. D. moberig, ſchlammig. 
Das Wafler, ber Fiſch ſchmeckt mubdig. 
und bie Ent’ entwatſchelt der mubdigen Späte Glubius. 
Müde, —r, —fle, adj. u. adv. durch wiederholten Gebraud ber 
Kräfte etwas zu thun ober zu leiben, ber Rräfte anf einige Zeit ber 
zaubt und der Ruhe und Erholung bebürftig; ſowol von den Kräfs 
ten bes Körpers, als auch von denen des Geiftes, Mer ben ganzen 
Tag gehet, ober arbeitet wich müde, if am Abend müte. Bid 
muͤde geben, arbeiten, ſprechtn. @in Pferd müde reiten, jagen. 
Gin mäter Wanderer. Rum wohl bekomm’ 48 mir; 
Id din auch endlih milde Dverbed, 
Sn hohem Erabe müde druckt man in ber niedrigen Eprechart buch 
bunbsmäde, font durch müde zum Hinfallen oder Hinſinken aus. 
Aneigentlih, an einer oft wieberholten ober lange anhaltınten Sacht 
den Befhmar ober bie Luft, Neigung dazu vertiegend, berfelben über 
bräffig. IH bin nun mühe dich laͤnger anzuhören. „Dietes fei ber 
einzige Ehrgels, den man ber Jugend einzuflöfen nit müde werde." 
Bellert, „Des Erbarmens mübe fein." Ten. 15, 6. — mübe 
her Qual,“ Bpf. „Müde der Wanderung." Baggefen, und 
ſchmachtett bu, bes Lebens müde." Rofegarten. (R.). Gin des 
Sehens Müber, — 
* Die Muͤde, o. 2. der Zuffand, ba man mäbe if, die Mübigkeit. 
Biel der edelen Epeife fie vom ihrer Muͤde ſchleb. 
d. Ribelungen L. B. 154 
— Erdbeben ſchon war in ber Urzeit, näher gedraͤngt nur 
Bolgen fie jegt; bald zuh'n fe in taufenbjäge'ger Muͤbe. 


©onnenberg. 
S. auch kebensmuͤbe. 
* Muͤden, v. I ntr, mit haben, muͤde werben. 
Eh er’s gericht’te wiebere, (zu) müben er begann. 
b. Nibelungen 8, ®, 6259. 
IT) trs, mäte mahen; gemöhnlicer ermäten, 
Sene (Gans) mit flatterabem Sauf’ vor ben Langfam folgenden 
B Alten 
Muͤdet fie. Bof. \ 
&o auch ſich mäten, ſich müte mahen, ermäben, 
— im mulmigen Sande mid müÄdend Voß. 
untigentlich, müde b. $. läfig, uͤberdruͤſſig machen. 
mit Berdfe mit dies das Nifere müdend. Voß 
IH) rec, Sich müten, müte werben, und untigentlih, ncdhlaffen, 
Stius hat ein böfes Weib, mil fih germ vertragen; 
Meint, Ihe Grimm werd’ endlich fich müden vom ben Plagen. 


Loegau. 
D. Muͤden. D. —ung. 

& Müderfcättert, adj. u. ndr, bis zur Mübe erſchüttert. 

(die HöUe) MWarf die Müderfchättertem tiefer herab (hinab). 
Gonnenberg, 

Die Müdigkeit, 0. 0. ber Zuftand, ba man mübe if, die Mübe. 
Tor Müdigkeit nicht weiter fönnen, umfallen ıc. 

1. Der Muff, — s, Br. Müffe, beſſer, Muffen; Bi. das Müff: 
hen, ©. D. Müfftein, ein sur Erwaͤrmung ber Hände unb wen 
es groß ift, auch zur Erwaͤrmung ber Unteraume und des Bauchts 
bienenbes Städt, weldhes zu ben Rleibungsftäden in weiterer Bıd:us 
tung gerechnet werben kann. Es bat newöhnli bie Geſtalt einer 
hohlen Matze, in beren Höhlung man die Hände ſteckt, und iſt mit 
Ebern eder Wolle ausgehopft, oder mit Rauchmerk gefüttert, ‘oft 
ganz aus Baudwerd. Ginen Muff tragen. Ein ſeidener Muff. 
Ein Federmuff, Baͤrmuff. S. d. Handmuͤffchen find Heine Möffe 
der gemeinen Beute, die faum die ganze Hand debecken. Im O. D. 
nennt man einen Muff ein Stüger, Stuger, Schlupfer uar Schlies 
fer, weit man mit den Händen HineinfSiäpfet, wie au, ein Stau 
oder Stauder, 


Muff > 


2. + Der Muff, —ıs, 24. u. 1) Im D. D. ber Schimmel. ») Ein 
Geruch, zundchſt wol der Geruch des Schimmels, und eim demſelbeu 
aͤhulicher Getuch, dann aber auch, wenn von Knaſter die Rede iſt, 
ein guter Seruch. 

3. X Der Muff, —es, 4. —t. 1) Gin bumpfer einzeiner kaut, 
melden große Hunde hören laſſen, und welcher Bein eigentlichts Bel 
Im if. ©. Muck. 2») + Ein Hund feibft, weder immer muffet, 
dann, welcher immer bellet. Im Hennebergfähen und um Keblıny 
auch, eine mürcifhe Perfon, 

+X Der Muffel, —s, 39. gt. ein Gefäöpf mit dicken herabdan⸗ 
genden Eippen; beſonders ein folder Hund, 3. B. tin Mops, im 
N. D. eine Lobbe. Im weiterer Bedeutung, ein baͤßliches Seſicht 
mit herabfangendem Maule, ein Bragengefiht, bifonbers in ben 
bildenden Känften, von Zhierlarven, bie zumeilen als Zierrath ange 
beat werden. Bumeilen bezeichnet man wit Muffel einen heuchle⸗ 
sitchen Ropfpänger, 

Die Muffel, 4. —n, in der Echelbekunſt, ein gewehnlich irtenes, 
Halb walzenförmiges, mit einem platten Boden ver’ihenes, vorn cfs 
fenes, hinten und an ben Seiten aber mit Heinen ſchiefen Einfhnits 
ten verfehenes Gerdth ober Behäufe, weiches man Über die Tcherden 
und Ropellen fegt, bamit nicht Aſche oder Kohlen hlutinfallen. 

Das Muffelblatt, — s, 3. —blätter, in den Hüttenwerien, eine 
thönerne gebrannte Tafıl, worauf bie Muffel im Ofen zu ſtehen 
Hoımt; bie Muffelplatte. 

Der Muffelherd, —e6, 9. —, ber Heine oben zugemauerte und 
nur mit ſchmalen Öffnungen verfehene Herd in den Maljbarsen, 

X Muffelig, adj. u. adv, $ 2. Muffig. 

Der Muffeltäfer oder Müffelkäfer, —s, 94. al. der BSamentäfee, 

+XxX Muffeln, v. I) intrs. ein befonbers ſchuithenbes Geräufch durch 
bie Raſe hören laſſen, befonders beim Kauen, wobei bie kuft durch 
die Mafe ausgefloßen wird. Dann, mit Hervorbringung dieſes Ge⸗ 
zäufhes fauen, eſſen, unb im tweiterer Bedeutung und verbchtlich 
fär kauen und effen Überhaupt; im R. D. mummeln ober mim: 

mein, im D. D. mampfen, mumpfen, muͤmpfen, muͤmpfeln. 
IE) ntr. mit haben, in Schwaben für muffen, übel ziehen. III) trs. 
mummen, verpällen, Fulda, — Damit hängt vielleicht die Bebeus 
tung von beträgen zufamimen, welde das Wort muffen auch bat, 

"DD. Duffın. 

Die Muffelplatte, 4. —n, f. Mufferbtatt, 

Dad Muffeltbier, —es, 9. —e, das wilte Schaf, in Earbinien, 
Griechenland, ber Barbarei, in Eibieien ıc. (Ovis ammon L.); 
auch Sihirifche Ziege, morgenlaͤndiſches Schaf, morgentänbifher 
Bod, ber Ziprifche milde Widder, das wilde Steinſchaf (Muflon). 

1. X Muffen odee Müffen, v. utr. mit haben. x) @igentlih nah 
Duff oder Schimmel, dann, nach etwas Verdorbenem rlechen, (me: 
den. Das Mehl, bie Butter, bas Wildsrett mufft ober müfft. 
Dann überhaupt Übel, Häplih ziehen, Es mäfft in der Stube, In 
derſelben Bebeutung wird auch das Weröfterungemwert müffern, im 
Dennebergfäen aud müdern gebraucht. =) Zuweilen wird es auch 
in entgegengefegter Bedrutung vom Tadak, für gut riechen gebraucht. 
Der Ruofter mufft vortreffid. D. Muffen, Muͤffen. 

9 X Muffen, v. intrs, einen Muff hören laffınz von greßen Hans 
ben. Io weiterer Bedeutung, bien. D. Muffen. 

3. + Muffen, v. intrs, im R. D. maulen, ſchmellen; muden. D. 
Muffın. 

4. + Muffen, v. intrs, u. trs. bririegen. Fulda. S. Muffern 111) 
D. Muffen. 
+ Der Muffer, —®, 9. al; die —inn, 9. —en, imR.D. 

eine Perſon, welche muffet, d. h. fhmollet, manlet, 

+ Mäffern, v. ntr. mit haben, f. 1. Muffe, 

1. X Muffig oder Müffig, —er, —ite, adj. u. adv. ſchimmelig, 
anbruͤchig. Muffig wiegen, ſchmecken. Dann Äberhaupt, übel rie- 
Send, In antern Gegenden muͤfficht, mulfterig. Sie ſchien ein 


357 


Muh 
—— ben muffigen Grab' eutkrochen. Mirlanb, Daven 
die Muͤffigkeit. 

2. X Muffig, —er, — ſte, adj. u. adv, einen Muſſel habenb, daß ⸗ 
Kb; auch muffelig, welchts richtiger iſt. Ein muffiges Seficht. 
Dann Überhaupt päpfic, wie and mürriſch. „IH will dir bein muf 
fig (muffiges) MWefen vertreiben.” @bthe. 

So ein Sünbenvater und muffiger Ketzer. Shiller. 
Davon bie Muffigkeit. 

x Der Mufffnafter, —s, 9. al. Rnafter, weiher muffet ober für 
ben Tadakrauchte angenchm zieht, S. 1. Muffen =). 

1. X Mufjen edtr Müfjen, v. ntr. mit haben, bas Berſtaͤrkungs - 
wort von 1. Muffen, flat nad dem Schimmel, ober ſehr verborben, 
und in weiterer Bedeutung, fee haͤtlich ziehen. D. Mufzen, Muͤfzen. 

2, X Mufzen, v. intrs. bas Weröftesungswert von 2, Muffen, wie: 
becholt oder ſtark muffen, beiten. D. Mufsen, 

+ Der Möger, —$, 2. gl. die Spigmand, Reutmaus (Sorex aranens), 

+ Muglih, f. Muchlich. " 

+ Muggen, v. intrs, u. tr». im Osnabruͤckſchen, mit großer Begierde 
effen, ohne fh durch etwas babei flörem gu laſſen, ohne ſich dabti 
um zuſehen. D. Muggen. 

+ Der Muggert, —, 0. 94. in Bremen, ber wilde Btifuß (Arte- 
misia vulgaris L.). 

x Muh! ein Laut, welcher bem matäslihen Bant der Kühe und Ofen . 
bezeichnet und nachahmet. 

Die Mühe, By. —n, bie Anfivengung der Kräfte, fowol des Kr: 
pers old bed Weiftes, foferm fie lange fortgefeht müde macht und bes 
ſchwerlich falt. Sich Mühe geben, feine Aräfte anſtrengen. Sich 
siele Muͤhe um etwas geben, um etwas zu erlangen, zu bewirken. 
Er giebt fi vier Mühe um did.“ Beltert. Große Mühe mit 
etwas haben, feine Kräfte ſehr anfrengen müſſen, es zu bewisfen ıc, 
Den hatte viele Mühe, ehe man «6 dahin brachte. Einem Muͤ he 
machen, deru ſachtn. Es bat mir nit wenig Mühe gekoſtet. Cine 
"Mühe über ji nehmen, etwas übernehmen das Mühe keſtet. Ich 
nehme mir nicht dir Mühe, danach zu fragen, ih wende fie alcht an. 
Keine Mühe fparen, ſcheutn. Sich die Mühe nit verbrießen lafs 
fen. Sich durch feine Mühe von etwas abpalten, abſchneden laſſen. 
Ginen der Mühe überheben. @s if nicht der Muͤhe werth, sobre 
es Lohnt nicht die Mühe, wefür man auch unrichtig hört: «6 ver⸗ 
lohnt Mc nicht der Mühe, d. h. e4 iſt nicht werth, daß man ſich 
beppalb anfisinget. Das ift ja nur eine Beine Mühe, das verum 
fa&t ja mur geringe Xuftrengung. Cinem feine gehabte Mühe ver 
güten, bejatten. Für gehabte Mühe, 

Herr, ſprach ber gute Bauer, 
Tas fon für feine Mühe fein? Gellert; 
d. h. was bin ich fdr feine angewandte Mühe fhuitig, mas fol id 
dafür vergüten? In weitere und uneigentither Bıbautung, A Ber 
fdwerde, Müpfeligteit, Briten, Kummer ıc., welche zu, ertragen es 
Mühe koſtet, im welder Bedeutung «6 in ber hihern Schreibart, bir 
fondeed in der Mehrzahl vorfömmt, alfo niht wie Kb, behauptet, 
ungewöhnlich if. Breundffaft umb Liede verfügen bed Sehens Mühen. 
Richt enden Übnnen von ded Erden Mühen. Shubart. 
Der uns nad kurzen Muͤh'n, zum Schlummer 
Den kühlen Schock ber Erde doͤhlt. Woß. 
Bon dem Schwelze drinee Mühen, 
Werten bort ein Blumen biühen. Bärger. 
Goch herauf bis zu mir traͤgt Deines Windes Brfieber 
Den verlorenen Chan menfhliger Mühen und kuſt. Ed liter. 

A Das Müheleben, —s, o. 9. ein Leben vol Wuͤhe, beſonders 
in meitirer und unelgentliher Bebeutung, vol Belhwerbe, Beiben, 
Kummer ıc, So ſtieß Gott den Menſchen auf ben neuen Pfab feis 
nes Mühetebend, Uffnete ihm die Pforte zu allen Erfindungen“ ic. 
Herber. 

O Muͤhelos, — er, —eſte, adj. u, ady, ohne Muͤhe, mit keiner Mäpe 


Muhen 


verbunden, keine Muͤhe verurſachend. „Des alltäglichen Lebens unb 
feiner muͤheloſen Wechſelwirkung.“ Beuzel-Sternau. „Muͤ⸗ 
heloſer Seduz. Der ſ. 

— Und ganı müh'los in Seligkelt leben die Wenſchen. Bof. 
Davon bie Muͤheloſigkeit, 0. 2%. der Zuſtand einer Sache, ba fie 
möhelos it, wie auch bie Belhaffenheit eines Zuftandes, ba #r 
mühelos ift, 

x Muben, v. intrs, Muh fhreien, ein Wort, welches das gewoͤhn⸗ 
liche Schreien der Kühe und Schſen mahapmet und bezeichnetz im 
der Schweiz mugen. Die Kuͤhe muhen. D. Muhen. „Aus fers 
nen Thaͤlern ſchallt das Muhen ber Herde.“ Matthiſon. Ein 
Viröfterungs » und Verſtaͤrkungswort bavon muchzen hat Mahler. 

Mühen, v. Ip tes. 3) Mühe maden, verusfachen; bemühen. Mas 
müheft bu weiter ben-Meifter?: Marc. 5, 35. So aud ſich müs 
ben, fih Muͤhe machen, ih Mäbe geben, ſich d. h. feine Kräfte ans 
Ärengen, „Seibſt Zeufel würden ſich vergeblich mühen.“ Wädter. 
Am häufigen mit der unbeſtimmten Form. 

Doch jene . 
Muͤhet ſich aufzuftefn. — Bo; 

und mit dem Brunbmorte, welches ben Gegenſtand bezeichnet, für 

oder gegen melden bie Mähe angewendet wird, im vierten Falle. 

Muͤhet euch nicht mich zu tröften." Eſ. zu, 4. 

— und mühn ſich umfonft ihn zu hemmen. Bo. 
2) & Beſchwerde, Plage, Berbruß, mie auch, Beiden, Kummer verur⸗ 
fa&en. Do moute In mit bem ſchwerte 
Der Drugkſaß. — Imwain 8, 18% 
Daß ber fo lange fhwirge, das muͤhte den Köniz ſehre. 
db. Nibelungen 8. ©. 487. 

Sich mühen, fih trönken, ih befümmern. 

Die Angft 

Mit melder ſchwer arbeitend er fih müht. Fr. Stollberg. 
II) * imp. verbeiegen. &s müher mid), e6 verdrießt, kraͤnkt mid. 

Doch muet mich nicht fo fere; 

Er pot mir nie bie @rxe, 

Da; er mid het angefeben. 

D. Mühen. D. —ung. 

Der Müher, —e, 9. gi.; bie —inn, DA. —en, eine Perfon, welche 
fi mähet, Stieler. , . 

O Muͤhevoll, —er, —fte, adj. u. adr. 2) Vol Mäpe, befonbers in 


— 


Zwain 1, 745. 


weiterer und uneigentlicher Bebeutung, vol Beſchwerde, reiben, 


Kummer x. — auf mührvollen Reifen. Alringer. 
um meinem mühevollen Leben 
Die Wonneflurben einzumweben. Pfeffer, 
a) Biete Mühe Habend, mit Mäpe belaftet. „Dem muͤhvollen Dul⸗ 
ber.“ Herber. 3) Biele Mühe koſtend, erfobernb. 
Bas mis erleben, daß mein eigner Sohn : 
Der Staatötunft mühenolles Werk vernichtet. SKiller. 

S Die Mühgebühr, 34. —en, die Sebüͤhr für bie gehabte Mähe 
bei einer Gade (Kecompense). E. 

+ Der Muͤhlarzt, —es, 84. Ärzte, ein Möller, welcher Muͤhlen 
auszubeffern alfo überhaupt den Mühlenbau verſtehet, welcher gleich ⸗ 
fam ein Arıt für Exanke, d. h. fhabhafte Mühlen if. Friſch. 

Der Muͤhlbach oder Muͤhlenbach, —es, 24. —baͤche, ein Bad, 
welcher eine Maͤhle treibt; im R. D. mo eine Muͤhle Grindel Heißt, 
der Grindelbach. 

Was bie Muͤhlenbaͤche toſen. P. Flemming. 

+ Der Mühlbereiter, —s, DM. gl. bei ben Papiermadern,- derjenige 
Gefell, weicher die Gefhiree gu rechter Zeit verforger und auf biefels 
ben Acht hat. 

Der Müblberg, —ed, 94. —e, der Berg, bie Anhöhe, auf welcher 
eine Windmühle flchet. 

Die Müblbefcbauung, s. —en, f. Muͤhlenſchau. 

Der Mühlbottih, — s, Di, —e, die hölzerne Bekleidung oder Ums 


358 


‚Der Müblenbau, —es, 4. —e. 


Muͤhlenf 


gebung der Muͤhlſteine, weil fie einem Bottiche gleichet. 

Der Muͤhlburſch, —en, 2. —en, f. Muͤhlknappe. 

Die Mühle, 34. —n; Bio, das Mühlhen. 1) Gin zufammengr 
feptes Wert mit Rädern, Walzen, Gteinen ıc. andere Körper zu 
mablen, b. h. zu zermalmen, dergleichen die Hanfmühlen, Senf: 
mühlen, Kaffeemühlen ıc. find. Beſonders ein ſoiches Tried⸗ 
werk, vesmittelft beffeiben Getreide zu Mehl zu malen, eine 
Mahlmuͤhle, Kornmuͤhle, waren die Waſſermuͤhle, Schiffmuüͤhle, 
Windmühle, Roßmuͤhle, Handmühle Arten find. Getreide zur 
Mühle, in die Mübte, auf bie Mühle ſchicen, bamit «6 bort ges 
mahlen werde. Die Mühle gehet, wenn fie vom Waffer, ober Winde 
3. in Bewegung gefeht wird; fie flehet, wenn biefe Bewegung nicht 
Gtatt findet, Bi ben Mällern wird auch eim einzelner Gang bee 

Muͤhle, de Mühle genannt» Die Mühle ſtelen, den obern Mäpfs 
fein Höher Nellen; die Mühle zufammentaffen, idn niedriger ftellen. 
X Das ift Waſſer auf feine Mühle, das iſt ihm eben recht, erwünfät, 
das begänftiget feine Abſichten. Im weiterer Beteutung werden auch 
viele Ähnliche Trieh⸗ und Mäderwerke, befonders wenn fie durch Waſ⸗ 
der oder Wind in Bewegung geſetzt werden, Mühlen genannt, bei 
welden ber Zweck meift iſt, etwas zu germalmen, zu flofen, zu flams 
pfen, zu zerſchneiden oder fonft zu beaxdeiten. , Dergleichen find die 
Stampfmählen, Lohmuͤhlen, Papiermuͤhlen, Pulvermübten, 
Schneide: ober Saͤgtinuͤhten, Walkmuͤhlen, Schleifmühlen, 
Bohrmuͤhlen, Fegemühten ıc. Bei den Zusbereitern heißt dem 
Zuge die Mühle geben, es anf ber Walkınühle walken laffın. S. 
auch Bandmühle, Krappmuͤhle ıc. 2) Ein Brettfptel, welches 
von zwei Perfonen, deren jede g Steine hat, auf einem Brette wor⸗ 
auf brei im einander geſchloſſene Vierede beſiadlich find, gefpielt 
wird; das Muͤhlenſpiel. Mühle fpielen. Beſonders wird eine 
ſolche Stellung dreier Steine eines Spielers in diefem Spiele eine 
Mühle genannt, wenn fie tie Eden und bie Mitte einer der Seiten 
eines Viereds, ober auch bie Durchſchaittepunkte der drei Wickede 
in ber Mitte der Seiten fo befegt halten, daß mwenigftens einer ber 
Steine auf eine benahsarte leere Stelle gezogen, wodurch bie Maͤhle 
aufgemacht wirb, und wieber zurüdgezogen werten kann, weburdh bie 
Müple zugezogen und bas Recht erworben wird bem Gegner einen 
Stein vom Breite wegsunehmen. Gine boppelte Mühle ift eine 
ſolche Stellung von fünf Eteinen eines Spielers, bei melder er 
buch Biehung eines Gteines, wodurch die eine Mühle geöffnet ober 
aufzemakt wird, bie kndetre Müpte zugleich zumacht, unb heißt eine 
Zwickmuͤhle, weil er bei jeber Bumahung der Maͤhle dem Gegner 


einen Stein nimmt, und ihn dadurch gleichſam fo lange zwickt cher 


zwadt ! bis er endlich Alles verloren hat. 

Das Mühleifen, —s, 94. gl. 1) In den Mofimüßten, ein Eifen, 
um welches fi ber obere Muͤhlſtein becbet. =) Bei den Strumpf ⸗ 
wirkern, eine eiferne Stange im Strumpfwirkerſtuhle, melde länge 
bem Scwinger und unter bemfelben unter ber Biegung liegt; auf 
bie Muͤhlſtange. 

Dir Mübhlenamtmann, —es, 9. — männer, ein Xmtmann, 
welcher über mehrere Möplen geſegt ik. , 

Der Mühlenanter, —s, 94. gl. ein Anker, an welchem eine Ediffr 
möple auf dem Fluſſe liegt. 1 RR 

Der Mühlenarbeiter, —s, . gl. im Bergbaue, ein Arbeiter, wel 
er in ven Pochwerken und Waͤſchen arbeitet, 

Der Muͤhlenbach, f. Mühlbach. 

1) Der Bau, bes Bauen in ei 
ner Mühle oder an einer Mühle. =) Die Kunft Mühlen zu bauen; 
die Muͤhlendaukunſt; Ahne Mehrzahl. Den Mühtenbau derftehen. 

Die Mübhlenbaufunft, o. 2. bie Kunſt Mäpten zu bauen; ber 
Muͤhlenb ıu. 

Der Mühlenfatbaum, —es, 9. —baͤume, ber Fackbaum an eis 
nee Waffermärte; zum unterſchiede won einem Wehrfachbaume. 

Die Müblenfrohne, Dig. —n, die Fechnen ober Frohnditnſte bei ei 


« 
Miühleng 
nem Mäflenbaue; wie auch, bie Froßne, das Getreide des Herru 
zur Müble au ſchoffen. 

Das Mühlengeräft, —e3, 7. —e, im Möffenbaue, das Geruͤſt, in 
und auf meidee das Vorberrad einer Waſſermühle zu Hegen koͤmmt. 

Das Muͤhlenhaus, —es, 94. — haͤuſer, bei den Wintmällern, das 
Haus oder Gebäude, welches das Wäplenwerk ber Winbmäple ents 
hält; ober au, eine Wefleitung der WFindmühle. 

Der Mühlenfnapp, ſ. Mühlfnapp. 

Der Vühlenmabler, —s, 2. gi. f Muͤhlmahler. 

Die Muͤhlenordnung, . — em, eine obrigkeitliche Vererbnung, 
welge den Mölfeen vorfhreist, was fie beim Mahlen und überhaupt 
als Müller zu beobachten haben. 

Der Muͤhlenpacht, —es, 4. —e, ber Pacht für eine Muͤhle, bie 
verpahtet cher gepadtet ift. 

Das Mühlenpferb, —es, 4. —e, oder dad Mühlenroß, —ſſes, 
u. —e, das Pferd in einer Nofmühle, ober überhaupt ein Moß, 
welches ein Müplenmert im Bewegung fest. Aud wol ein Pferd, 
fofern es fon im ober bei einer Mähle gebraudt wird, 

Die Mühlenfhaw, (Muͤhlenſchaue), My. —en, die Eau oder 
Belhsuung der Mühlen durch eine obtigkeittiche Perfon; die Mühs 
kentefhauung. - ! 

Div Mühlenfchleufe, 34. —n, die Waſſerſchleuſe, bei ober oberhalb 
einer Mühle. 

Der Müblenfdjreiber, —®, 2. gl. in manden Gegenden, eine betr 
eibete Perſon bei einer Mäühleumage, durch welche das Gewicht bes 
in bie Diüßte gelieferten Getreibes und beo daraus exkaltenen Meh⸗ 
les aufzezeichnet wird. = 

Das Muͤhlenſpiel, —es, Mz. —c. 1) Ein gemiffes Beettfpiel; 
0.2. S Muͤhle 2). Frifh. a) Das Brett mit ber möthigen Beide 
nung nebft ben Steinen, worauf und wumirbiefes Epielgrfpielet wird, 

Der Muͤhlenſtuhl, —es, 24. —ftüble, ſ. Bandmuͤhle. 

Der Muͤhlenteich, —es, 9. —e, ein Zeidy oberhalb einer Muͤhle, 
in welchem fih bad für die Muͤhle nöthige Waffer fammelt, 

Die Mählemwage, 94. —n, eine ber Obrigkeit zugehörige Wage, 
im welcher das in die Wuͤhle gelleferte Getreide und bas daraus cm 
Haltıne Medl gewogen wird. - 

Das Mühlenwaffer, Müblenwerf, f. Möühlwaffer, Muͤhlwerk. 

Dre Müblenzwang, —es, 0.94. 1) Die Verbindlichtett, nah wel⸗ 
cher man fein Getteide im einer gewiffen Mähle maplen faffen muß, 
a) Das Recht, mad, welchem man bie Erfüllung biefer Verbladlich⸗ 
keit foheen unb eriwingen Fımn, . 

Der Mähler, —, Fi. gl.; die —int, By. —en, im O. D. für 
Düfer; auch Mähınsr, Kein Muͤhler mahle. Blumauer 
In ber Raturbefhreibung, eine Name 1) ber Ehmeiterlinge; =) 
der Kaufguappe (Cottus gobia L.). 

Der Mühlifel, — 2. al. ber Möllerefel, - 

Der Mühlgang, —es, 34. —gänge, der Gang einer Mifte, das 
Gerinne, das Wofferrab umd bie inwendigen Mäder und Betriebe ir. 
dufammengenommen,. Mei einer Mahlmuͤhle bet Mahlgang- 

Der Muͤhlgaſt, —es, Dr. — gaͤſte, eine Prefon, weiche auf einer 
Mäte mahlen laͤßt, der Mahlgaſt. 

Dad Muͤhlgebiet, —es, By. —e, in den Mahlmütlen, dasjenige 
Geſtell, worauf ſich der Steig, der Lauf und ber Mumpf beſindet. 
Fuͤglich kann man auch bad Gediet, uͤber welches ſich der Muͤhlen⸗ 
swang erfisckf, barunter derſtehen. 

Die Mühlgerechtigfeit oder Muͤhlengerechtigkeit, 0. D. bie Ser 
sehtigkeit, b. dr das Met ober bie Erlaubniß, eine Mühle, befons 
berg eine Maplmühkt anzulegen und baraufzu mahlen; das Muͤhlrecht 

Das Mühlgerinne, —, 3%. 9. im Müstenbaue. das Gerinne, in 
weldem das Waffer zum Waſſerrade ber Mähle läuft and es um⸗ 
treibt; Sei einer Mapımühle das Mahlgerinne. 

O Das Muͤhlgetoſe, —8, 0. Mg. 516 Getöfe einer Mäple, meldes 
buch das Rauſchen bes Malers und bush bie Brwegung der Rader 


39 


Mihlſt 


and Steine verurſacht wird, „Da hörte das Muͤhlgetbͤſe ein Paar 
Stunden hindurch auf. Benzel»-Sternau, f 

Das Muͤhlheimchen, —®, Sih. gl. bie Hausgsile, weit fie ih häu⸗ 
fig in, Mäpten aufhoaͤlt. 

Der Muͤhlherr, —en, 9. —en, bee Herr, Eigentümer einer Müpte. 

* Mühlih, —er, — ſte, adj.u.adr. 3) Einer Mühe aͤhnlich, gleich, 
Mike verurfahend, beſchwerlich. „ein muelich laſt. bei ODbertin. 
»viel arge vad vil mwolichen fac." d. Nibelungen k. Xud, für 
ſchwerlich. 

— das Könnte muͤhelich gefächen. b. Ribe lungen €. B.50ı2. 
4) Mit Gefabe verbunden, gefaͤhrlich. 
— viel muͤhlich es euch ftapt. d. Ribelungen €. B. 61960. 

Der Muͤhlkaͤfer, —s, 9. gl. der Mehlkafer (Tenebrio L.). 

Der Mühltnappe, —n, 9. —n, ber Gehülfe eines Müllers, bes 
ſonders auf Getreidemuͤhlen; ſowol ber Gefell als aud ber Lehrling. 
Sie heißen auch Muͤhlknechte, Muͤhlbutſche, Muͤllerburſche, und am 
manchen Orten Muͤhliſche. Borzugsweife beldmmet im manchen Gegen⸗ 
ben nur der geſchickteſte und erfahrenſte der ſelben benMamen Muͤhlknappe. 

Der Muͤhlkrapp, —es, DM- u. bie äuferffe braune Schale bes Krap⸗ 
des, bie auf ber Krappmühle abgeflogen wird. 

Die Muͤhlkunſt, 89. —Eünfte, ſ. Muͤhlwerk. 

Der Mühllauf, —es, 9. —läufe, die Hölgerne Einfaffung, in wel⸗ 
her ber Müpiftein Läuft. Frifd. . 

+ Der Mübhlmahler, —s, 9. gi würde eigenttid einer heißen, der 
in bee Mühle mahlet; im Balern und Augsburg aber nerficht man 
darunter einen Edimesterling, weil er von den Alügeln, wenn er 
angefast wird, einen feinen Staub wie frined Mehl fahren läßt. 

Der Mühlmeifter, —, M. gl. ter Vorgefeäte einer Muͤhlez auch 
dee Muͤller. 

Die Müblmebe, 8%. —n, fo viel als Mahlmete. ©. 6, 

Der Müblner, —s, 9. gl. fe Mühter und Muͤller. 

Muͤhlos, f. Mühelos, 

Der Mühlpfabl, — s, My. —pfähle, am der Waffermüßlen, ein 
Pfapı, weiber Lie gefegmäßige Döhe bes Waſſers und bes Fachbau⸗ 
meh jeiget; ber Mabipfabt, Eichpfahl, Sicherpfahl. 

Die Mühlpfanne, 9 —n, Hei den Mäleen, bie Pfanne, in welr 
Ger das Mähleifen läuft, 

Das Mühlpferd, —«—, 2. —e, f. Mühtnpferd. 

Das Mühlrad, — s, 9. —rÄder, dasjenige Rad einer Mühle, 
welches vom Maffer umgetrieben wird, 

Der Mühlrechen, —s, 9. gl. bei den Wafferinäften, ein Stehen 
db. 6. nahe deiſammen und gesen bın Strom fhräg flefende Pfäpte 
vor dent Maplgerinne, zu verhindern, daß nit allerlii, was auf br 
Waſſer berbeifhwimmt, auf und zwiſchen die Käse fomme, 

Dos Mühlreht, —s, 4. u. f. Muͤhlgerechtigkeit. 

Das Mühlrofi, f. Muͤhlenpferd. 

Das Müblfpiel, ſ. Muͤhlenſpiel +). 

Die Müblftange, 9. —n, f. Mühteifen 2). 

Der Muͤhlſtaub, —es, 0. By. der Mehlſtaub. 

Der Münlftänder, — , My. gt, ber Ctänter, dide Balken, auf wel⸗ 
den eine Winbmähle ſtehet. 

Der Mühlfteiger, —b, Wr. ol. Im Bergbauc, efn Steiger, meiden bei 
den Pohrreten und Zinawäſchen die Aufſicht füge wab umter dem 
Rühtmeiter ſteht. - 

Der Muͤhlſtein, —ıs, Sy. —e. 1) Einer der gerundeten Gteine, 
jwifgen melden das Getreide in den Mühlen jermaimet wird, und 
von weichen der untere fefltiegende Bodenſtein, der otere aber, der 
fi auf irmem umdredet, der Länfer heißt, Sefenders führt den 
Ramen Rheiniſcher Muͤhlſtein, ein ſchwarzgrauer kleinloͤcheriger, 
ſehr Hartır Stein, welcher vorzuͤglich bei Riebesmenig am Rhein ger 
brechen und zu Wäpl- und Bauftelnen geberuht wied. Er iſt eine 
Iöherige Eva. Unelgenttih führen in manıhen Degenben bie Shret: 
Benberger oder Ergelgrofhen den Ramen Mäühifteine, 


Muůhlſt 


oO Müstfteinähnlich, adj. u. ade, einem Muͤhlſteine am Gsöge und 


Schwere aͤhnlich. 
GEinwärts brach er den Schlld 


Muͤhlſtein —s, U —e, eine Art Setfiſche von ſonder . 

u BEN, eib ift fehr karz und enbigt fh Irelsfönmig, fo 
das er wie abgeſchnitten erfheint (Tetradon mola); auf Kiump: 
ſiſch, ſchwimmender Kopf, Spiegelfiſch. 

Ser Mühlwagen, —s, M. ol. 1) Ein Wagen, auf welhem Be 
treibe zur und Mehl ıc, aus ber meärle geſchafft wird. a) Wei den 
Paplermachern, eine Benennung, morunter fie ben geoßen Berdaum 
und feine Angeweide, ben Baum mit ben Stampfloͤchtra, bie Etauben 
und die Stampfen zufammenfaffen. j 

Das Mühlwafler, —s, M.gt. ein Maffer, welches eine Mägle treldt. 

Das Mühlwehr, —es, 4. —e, ein Wehr, vermittelft deffen das 
Baffer einer Mühle aufgebimmet und auf bie Müple geleiter wirb. 

Die Mühlmwelle, 8. —n, eine Welle für ein Müptrad, oder bie 
Wrle eines Mühizades. Brifd. Derfelde bat auch Muͤhlenbalken 

- und Muͤhlenſaͤule. 

Das Mühlwert, —es, By. —t, ein jedes gufammengefegter Wert, 
mo durch Hölfe angtbrachter umb in Bewegung geſetzter äter allerlei 
Dinge zremalmet, aztt ſtoſen, erſchaliten, geftampft, eeihliffen ober 
aud auf irgenb eine Axt braxbeitit umd zubereitet werben, ein noch 
allgemeiner dezeichnendes Wort als Muͤhle. S. d. @pemafis auch 
Ihllunſt. ODberlthn. 
ine —— wie niot wie ein Muͤhlwerk ſAlak 
An einander auf Wort und Wintt asien 

Die Muhme, 4. —n; Bm. bad Mühmden, D.D. —lein. 1) Die 
Säwefter des Waters und ber Mutter, in Bezug auf bie Kinder; 
aud die Bafe, im Donabrädfigen Mäne. Dann auf, eine Ben 
wandte, mit melher man Geſchwiſterlind if, und in weiterer Bebrus 
tung jede nade, Häufig aber auch entfernte Seitenverwandte. Unis 
gentlih wird im gemeinen Leben mander Gegenden auch eine Kin 
derwärterinn Mubme, Kindermuhme, und hier und da auf bem 
Sande auch eine weibliche Perfon, melde bie Aufficht über bas Bieh 
führer, auch Muhme, Viehmuhme, an andern Drten adır Viehmutter 
genannt. Ghemakis sertand man unter Muhme, Muͤhmchen 
aud eine Belichte, Beifstäferinn, vieleidht weit bie ehelofem Berti: 
chen birfelben gewöhnlid; unter bem Kamen ihrer Muͤhmchen ober Ber 
wandten bei fih Hatten. =) Die @umpfmeife (Parus palustris L.). 

Die Mubmengerade, Bh- u. die Gerade, welcht einer Mubme zu: 
tmmt. Daltausd. &. Brrade 

Das Muhmenhaus, —#, m. —häufer, das Husenpaus. Halt 
aus: &, Muhme, am Ende. 

Mahmlich, adj. u. ade, in den Berhättniffen, ta eine Perſon Mnhme 
von einer andern ift, gegrondet, bemfelben anzemeffen, in dem Kan 
zeleiworte freundmähmlih. ©. b- 

+ Der Mühmling, u wi —t: 

gt, ein Verwandter. 

a —333 u. — en, bie Berwandtſchaft. „end Hiuftih 
weber an muimfchaftnod en aufpietihaft. Weiler u.ftenfe söhberg. 

+ Die Muhrfee, o. m. die wert ober behle Be, Röbing. 

* Das Mühfal, —es, o. 2. ber Zuſtand, ba man Mäpe. d.h. Br: 
fümwerten, Leiden, Kummer und Noth zu tragen hat, eher ertragen 
hat. Haltaus, Dann möffen wir dies Kleid 

Je ärger wie betagen, 
mit Roth und Muͤhſal tragen. EfGeeming, 
— unten if aue fein Muͤhſal. Riepfled, 
Bof fagt aud mad Ähnlichteit mit dem Monte Trübfat, bie Muͤhſal. 
mMäbfem, —er, — ke, adj m. adv. 7) Mit Waͤte, d. dr Anfteen 
gung der Aröfte verbunden, pieteibe erfodernd. Cine mühfame Ar 
beit. in mühfames Berdäft, Wert, Gin mühfames tebın füt: 
een. Sich mühlam und gürmmertic ernähren, durchbringen. 2) 


mit dem mühliteinnähnlichen 
Felſen. Boß. 


ehemapis, und im Seidl 


300 


Mut 


X Seneigt und gewohnt Maͤhe amgumenden ober fh anzufirengen. 
“in muͤhſamet Menſch, ber fih etwas fehr angelegen [ein, ſich feine 
Mose verdsießen läßt. 

Die Mübfamkeit, 0. My. 1) Die Gigenfhaft einer Sache, da fie 
mühfam ift, Mühe enfobert, 2) Die Geubthelt, Fertigkeit einer Per 
fon, da fie mühfam iſt, ober ſich Reine Mühe verdtleßen ıäßt. 

Mühfelig, —er, —ſte, adj. u. adv. von Mühfat. 1) Mir Mäpfst 
verbunden, Mühfat verurfarhend, ſehr beſchwerlich, unangenehm und 
mit Sefhöpfung der Kräfte verbunden ine mühlelige Arbeit, 
Ein muͤhſeliges Gefhäft, Amt. Ein mühfeliges Eben führen. =) 
Mübfat empfinbend, erduldend, elend, „Kommt Ger zu mie alle, 
bie ipe möühfelig und beladen feib,* Matt. nı,08. D ihr Muͤh⸗ 
feligen! „Warum iſt das Lit gegeben ben Mühfeligen?* Hiob5, 20. 

Die Münfeligfeit, I. —en. 1) Die Eigenſchaft einee Gage, bie 
Beſchaffenheit eines Zuſtanbes, da fie, er müpfelig ift; ohne Diebe 
zahl. 2) Fine müpfelige, Mätfal veruefahende, mit Mäpfal verr 

* bundene Sache, muͤhſelige Umſtaͤnde. „Ich würde über bie philofo, 
phiſchen Mühfeligkeiten nur laͤcheln oder den menfhllden Berftond 
bebauermmäflen, wenne ıc, Herder. Wir werben burd große Müh- 
feligkeiten nicht felten gu einem dautrhaſten Blüde geführt.» Gellert. 

Muͤhvoll, ſ. Muͤhevou. 

Die Mühwaltung, 2. —en, eine Hanblung, melde mit Müpe 
verbunden if, eine Bemähung; befenbers fofeen man fie übemon:- 
men hat, ohne bazu verbunden zu fein. Ginem eine Mübwaltung 
auftzagen, vergelten. ” 

+ Das Duid, —es, 34. —e, ein Bemäß zu fläffigen Dingen in 
Augasurg, woron 16 auf ein Fuder geben. S. Mub, 

+ Die Mukeze, Müfneze, ſ. Stahribeere. 

Die Mülbe, f. Mitte. 

Die Mulde, Du. —n; Bin. das Muͤtdchen, O. D. —lein, 
ein Hölgernes langes Gefäß, allerlei dinein zu thun, welches 
eine halbe ober weniger ald halbe ausgepöhite Walze vorſtellt, mit 
ſchmalen ſchraͤg asflaufenden Minden an ten Caden. Sin größeres 
Sefig tiefer Art mit Handhaben an bem Enden heißt ein Trog. 
Eine Mulde vol. S. Backmulde, Bademulde. ine Fleiſch⸗ 
mulbde, eine Mulde, das Fleiſch frifh geſhlachteter Thirre barein zu 
legen ober barin zu fragen, Im Bergbaue iſt bie Mulde eine Ber: 
tiefung in den füligen Wlögen, bie menn fle viel länger als brrit if 
Groben, und wenn fie wuͤrfelicht iſt, Pfeiler genannt wird, In 
manden Gegenden, beſenders im R. D. lautet bies Wort Molde, 
Morge, Milli: und Molle, im O. D. Mütte, Murder, Multer, 
im Hıfäften Mule, Mulle, um Koblenz; Mahl, 

Das Muitendlei, —es, 8. v. Im Bergbaue, Blei, wie es aus ber 
Mande gelommen und das nech nicht in ber Arbeit geirefen iſt. 

Muldenfoͤrmig, adj. u. adr. die Ferm, Geſtalt einer Muite habend, 

Das Muldengemölbe, —s, 7. gl. in der Baukunſt. 1) Gin 
mulbenförmiges Bemälde, ein Tornengemltbe, welches fih am beiten 
Eden mit einem halten Kugelgewbide ſchliezt. =) Fin Kreuzges 
mälte, weelches in ter Mitte ein viezerfigrs Feld hat. 

Die Multenmufhel, 24. —n, die Rapfmufiel, ©. d. 

+ Die Mulje, 2. — n, ein duch Dämme adgefhloffener Maum ober 
ein Bafen, wo die Schiſſe res Wind und Wellen geſchütt ſind. Rbbing. 

Der Mul, — s, 99. —e. 1) Die rothe Reerbarbe, melde der 
Matrete Ahnlich ift aber einem beinahe vlereckigen Kopf hat (Mullus 
barbatas L.); auch Häringskönig if. d,), Rothtart, =) Die 
Kan!guappe (Cottus gebio L.); eng Muͤll, Mäler. 5) Der Kater. 

Dos Mull, —es, Mu. ein bridtihen, zereisbener Körper, GKutt, 

. feere &ute, Etauderde; im ©. D. Gemuͤlle, Gemuͤlſter. S Mulm. 
In enareer Brbeatung, bie durch Dreſchen abgeldjete Haut ber ge: 
tro@neten Krappwurzel, welche als bie ſchlechteſte Sorte ber Bärxber:; 
zöthe verkauft wird; auch Staubroth. 

Die Mulle, y.—ı. 2) Nach Klein ber Rame eines Jiſchgeſchlech⸗ 
tee, mrird turch offene Obren athmet, zwei wahre Mäderfichten, bie 


Mull 


mit ſtrahligen ober ſtachelichten Finnen unterftägt find, einen nach 
dem Maule zu fleil herabfteigenden, an ben Seiten zufammengebeäd: 
ten glatten Kopf, raufe, feilenastige Kiefern und einen breiten plat» 
ten Rüden hat; bie Farbe ift gelb ober reth. Die Schuppen find 
bi und feft, geben aber leicht a6 (Mullus KL). =) In Gämaben, 
die Rate. -3. ©. Shmid, 5) © Mulde, 

+ Dullen, v. trs. im R. D. gu Mull machen ober zeiben, mulmen, 
malmen. D. Mullen. 

+ Der Müllen, —6, 9. ol. ber Keuſchbaum. 

Der Müller, —, 9. al.; die —inn, 9. —en. 1) Der Alles 

— was zum zweckmaͤßigen Gebrauch einer Mäple und zur gehörigen Uns 
terbaltung berfelben gehört, verflchet ; befonbers wenn er Befiger ei ⸗ 
ner Mühle iſt oder derſelben vorſtehet; and wol der Muͤhlmeiſter, 
der Mahl ober Getreidemäler, Waffermüller, Windmüͤller, 
Walkmuͤller, Papiermäller ıc. Im engerer Bebentung wird ber 
Müplmeifter einee Getreibemähle vorzugsweife mur der Möller ger 
nonnt, Im D.D. Lautet dies Wort unmittelbar von Mühle auch 
Muͤhler und Muͤhlner. =) In der Raturbeſchreidung, ber Name 
(1) einen Art Stoechelboͤrſez auch Dornfifd, Steinpicker, (Gastero- 
steus spinachia L.), (a) Die Raulquappe (Cottus gobio L.), 
(3) Das Müllerhen, die gefhmwägige Grasmäde (Motacilla' cur- 
xuen L.), wegen ihres einförmigen Geſchreies, weldes wie Rlapp! 
Rapp! Klingt. 

Die Müllerart, 9. —Ärte, eine Heine Art mit Langem Stiele, wel ⸗ 
de bie Müller ehemahls zur Zierde trugen. 

Müllerblau, adj. u. adv. weißlich blau, wie fi die Mäler zu tra⸗ 
gen pflegen, heüblau, mälerfarben. Ein müllerbiauer Rod, R. 

Der Müllerburfch, — n, 29. —en, f. Muͤhlknappe. 

Der Müllerefel, —, 3. gl. ein fer, fofern fih ein Müller defs 
felben bebient, Getreide herbei» und Wehl zurückzutragen. 

Die Müllerfarbe, e, 9. eine weißlich blaue Farbe. 

Miüllerfarben, adj. u. adr. möllerblan, 

+ Der Mülleringmwer, —#, 99.1, die @elbwurs (CurcumalongaL.). 

Müllerifch, adj. u. adr. einem Möller ähnlich, angemeffen, eigen. Frif ch. 

Der Müllerkäfer, —®, 9. gl. 1) Eine Art Mehikäfer, deſſen Lage 
ven bie Mebimürmer find (Tenebrio moliter),. a) @in bem Mal: 
Käfer ſehr aͤhnlicher aber faſt noch eiamahl fo großer und gefledter 
Rifer, weiber im Jullus zum Verſchein kommt, baher er aub gres 
ger Juliuskaͤfer, gemarmelter Maikäfer und auferbem noch Meins 
Mifer, Tannenkäfer, Donnerkäfer, Dünenkäfer, Walker, Tiger 
heißt (Searahsens fullo L.). 

Der Müllerfarren, —, 99. gl. ber Karren, auf welchem der Mälr 
er das Mehl abfahren Idht. Stieler. 

Der Muͤllerknecht, —es, Di. —e, der Kaecht eines Mällers ; aud wol, 
ein Molerburſche. Ich liebe mie den Müllernecht. Goͤt he. 

Der Muͤllerlohn, —ed, 2. u. f. Mahtgeld. 

Die Mülterrebe, 24. —n, ſ. Mülermein, 

Der Müllerfad, —ı6, 9. —fäde, ber Mehlfad, Stieler. 

Die Müllerfchabe, Di. —n, die Kühenfhabe. S. d. 

Die Müllertraube, 9. —n, ſ. Muͤllerwein. 

Die Müllermage, 39. —n, im Mäßlendaue, ein Werkzeug, womit 
'man bie Gefälle des Waffers zum Wehuf eines Drählenbaues unters 
ſucht und obmägt. 

Der Müllerwein, —s, 2%. u. eine Corte aus Burgund herſtam ⸗ 
menden Weines; auch Muͤllerrebe, Muͤllertraube. 

+ Der Mullgrund, —es, My. —gruͤnde, im R. D. tin aus Mull, 
lockerer Erde beſtehender Grund, Boden. 

Der Muͤlling, —es, 3. —e, bie Alxite (Cyprinus phoxinus L.). 

Die Muͤllingeͤbirn, By. —en, eine Sorte Birnen, Remnid. 

Der Mullfrapp, —es, 0. Di. bie ſchlechteſte Sorte bes Krappes. 
S. Mull. 

Der Mulm, —es, 29. von mehrern Arten, —e, ein locktrer, bidl⸗ 
beliger und ſtaubichter Koͤrper, befonbers lockert ſtaubichte Erbr. Im 


Kampr’s Worttab. 3. Ah. 


361 


Mumm 


Sergbaut nennt man Mulm ausgewittertes und lockeres faublätee 
Erz. S. Eiſenmulm, Kupfermulm. Im gemeinen Leben neant 
man auch derfaultes ober vermittertes Holz, weldes in Heine ſtau ⸗ 
bichte Thelle zerfallen it, Mulm. Auch verficht man zuweilen bie 
FZaalaiß ſelbſt darunter, wenn man fagt, ein Saum hade den Mulm. 

Mulmen, v. I) tre. zu Malm machen. ID ntr. mit fein, gu Dulm 
werden, ſtauben; auch multern. — D. Mulmen. 

Mulmiht, —r, —ſte, adj. u. adv, dem Mulme Ahnlich. Muh 
michte Erbe, Mulmichtes Holz. 

— shnmähtig im mulmigen (mutmichten) Sanbe mid windenb. Bo 6. 

Mulmig, —er, —ſte, adj. u.adv. aus Mulm beftchend, Mulmt ent 
daltend. Mulmige Erde. Muimiger Boden, Mulmiges Ex, im 
Bergbaur, verwittertes, beddeliges Erz. Die Bäume werden mul 
mig, wenn fie anfangen zu faulen. Davon die Mulmigkeit. 

+ Multi, f. Molſch. 

+ Mufficht und Mulfig, adj. u. adr. ein mit mulſch oder molſch 
verwanbtes Wort, die Befhaffenpeit eimer Sache, bie gefroren oter 
erfroxen, bann wieder erweicht und baburd verberht ift, zu bejeiche 
nen. So fagt man in Branten von den Weintrauben, wınn fie ges 

_ froren oder erfroren gewelen finb, fie ſchmecken mulſicht. 

Die Multebeere, ſ. Moltebeere. 

Mulfterig, adj. u. adv. im R, D. ſchimmlicht, nach Shimmel rie⸗ 
Head und ſchmeckend. 

+ Multerig, adj. u. adv. fo viel ala mulmig. 

+ Multern, v. atr. mit fein, ſ. Mulmen. 

1. % Die Mumme, 84. —n. 1) Eine Sarde, Masle; bonn über 
haupt, eine Unkenatlichmachung durch befondere Kleitung, wie auch, 
eine durch eine karve ober eine ganze beſondere Kleidung unfenntti 
gemadte Perſon. Mummen gehen ober Taufen, durch eine Masle 
untenntlid gemacht, gehen. Mies Wort lebt noh in einigen Zuſam⸗ 
menfegungen, welde folgen. 2) Bei den Floßfuͤhrern, ein Beiden, 
eine Boje, welche fie bei niebrigem Walfer zur Bezeihnung bed Bahr 
waffers anbringen. Gewöhnlich beſteht fie in einem Otraude oder 
in einer Stange, bie mit etwas behaͤngt ober perfehen if. Im bies 
fem Balle Tann man gerabe baranf zu fahren, IM es abereine biche 
Stange, im welhem Falle ein ſolhes Zeigen ein Bloßer heist, fo 
darf man niht darauf zu fahren, weil man bann aufs Trockne ober 
auf den Brunb geräth. 

2. Die Mumme, 9. u. der Rame eines dicken, flarken, dunkelbrau⸗ 
nen unb füßlid [hmedenben Bieres, welches zu RNraunſchweig im Herdft 
und inter gebrauet wirb und ſich bis in ben Sommer, auch Länger, hält. 
Man Hält dafür, daß es ben Kamen von einem gewiffen Keiftof 
Mumme babe, ber es 1489 gu Braunſchweig erfunden haben fol, 
Ein Bier, welhes man zu Wismar brauet, wird aud Mumme ge 
nannt, welches aber nicht wie die Braunfhmweiger Mumme befonnt 
iſt, die entweder einfache Mumme, Stabtmumme heißt, wenn von 
dem gewöhnlichen Biere biefer Axt bieMebe ift, ober boppelte Mum ⸗ 
me, Schiffmumme, wenn fie fläcker iſt und auch zu Waffer verführt 
werden farn. 

3. + Die Mumme, 8. —n, in manden Gegenden, ein verfhnlts 
tenes Thier. 

X Der Mummel, —b, 24.91. 2) Der Name eines erkiäteten @rfhlpr 
fes, womit thbrichtt Beute bie Rinder fürchten machen, indem mon ihnen 

ſagt, fie würden von bemfeiben geholt zc., und welhes man gemwöhns 
td ſchwarz und abſcheulich beſchreibt und durch eine vermummte, eis 
nen bumpfen Laut (mum, mum) austfloßende Perſon vorſtelltz auch 
ber Mummart, Mummanz, Dummelat, Mummelbaͤtz, Mums 
melmann, Mummeltbier, ſchwarze Mann, ber Kinderfreffer, 
teil man ben Kinbern weiß macht, ex fceffe fie,. im Henneberzihrn 
Freßmann, in Weſtfalen, wo man hn als’ein altes abſchemiches 
Weib vorfelt, bie Eteninne (von eten, effen), auch MWotermöme, 
im D. D. Bugmann (ven dem veralteten Buße, eine Larve) im 
R. D, Budde, Buddeke, Butke, Bullkater, Bullemann ı, Sin 


Muͤmm 


362 


Mund 





Gin Ipntihes ſchrecklich⸗ · Weſen haben bie Mandingos in Afrila, wor 
mit fie ihre Weider ſchrecken und zahm madın, und welches fie 
Mumbe Jambo nennen. Conft hat man auch bie Wörter Maus 
mau ober Baubau, rin abſcheulichas, Furcht einflögendes Weſen zu 
bezeichnen, und als bas allgemeinfte, das Wert Popanz. Dirher 
achört aud der Aneht Ruptecht, womit man bie Kinder gu Weib 
nachten ſchredt, weicher ben heiligen Kriſt begleitet, die böfen Kins 
der zͤchtiget ober au im Sacke mit fertnimmt; der Klaubauf in 
Efrerei und Baiern, welcher am Nidele: ober Klausttage vor Brih- 
nachten ben Heiligen Rikolaus begleitet; in Baiern au die Frau 
Berft, weile den Kindern ben Bauch auffhneibet, in Kranken, bie 
Berch oder Brech ıc. =) Etwag womit man ſich mummet cher vers 
mummet, So heißt in ulm ein Leinentuch, womit fih bie Trauer: 
mägbe das Gefiht bis über bie Naſe verbähen, Mummel, I. 6. 
Sqmidb. 

+ Die Muͤmmel, 99. —n, oder bad Muͤmmelchen, —s, 94. sl. 
im R. D, ein Rame ber Waſſerlilie oder weißen Seeblume, auch 
wol ber gelben Serblume, welhe aus Muͤmmelkraut genannt 
wisb (Nymphaca alba und lutes). 

Scqhweb' ih als ſchoͤne Eihelle, von blauen Libellen umflattert 
Über die duftenden Muͤmmelchen hin, — Bo. 

+ Das Mümmeltraut, —ıs, 9. u, f. Muͤmmelchen und See— 
biume (gelbe). 

x Rummeln, v. I) intrs. 1) Den bumpfen aut mu oder mum 
von Ah hören laffen, wie bie Kühe ıc. Im weiterer Bebeatung, ums 
deutliche Tine vom fih geben, unvernehmiih ſprechtn, zwiſchen bem 
Bäpnen murmeln; im R, D. and mumpeln. 

Und num mummelt' er bumpf aus vollen kauenden Baden, Bo$. 
Dann Überhaupt murmeln, heimlich, unsernehmiich zeben. Alsdann 
foht du geniehriget werben, und aus der Erbe reben, und aus bem 

Staube mit beiner Rede mummeln.“ Ef. 29, 4. 2) Sangfım unb 
beſchwerlich kauen. S. Muffeen. Davon aufmummeln oder auf: 
mümmeln, auf folde Art aufeffen, Das Weiche vom Brote ıc, wel 
des alte ober zahmlofe Perfonen auf biefe Art genteßen beißt in 
Schwaben Mumpfel, Mumfer, Muſel. 3, E. Schmid. Aa 
Nürnberg in nah Berndt (im Schteſiſchen Idiot) ein Mumfel 
ein Mundvoll. IT) trs, bas Seſicht derhoͤllen, dann überhaupt, 
verhällen, in ben zufammengefegten einmummeln, vermummeln. — 
D. Mummeln. D. —ung. 

Mummen ‚v. trs, das Geficht verfällen, ann Überhrupt, nerhällen, 
untenntlich mahenz; befonders In den zufammengefegten einmum ⸗ 
men, vermummen. D. Mummen D. —ung. 

* Das Mummengefiht, —es, DI. —er, ein gemummtes ober 
vermummtes Geaſicht, wie auch dasjenige, womit man bas Geſicht 
mummt obere v’rmummet, bie Larde. : 

* Das Mummentleid, —es, 94. —er, (A.) ein Kleid zum Mums 
men ober Bermummen, zum Gebtauch für bes Mummenipiel. 

* Der Mummenmantel, —s, 39. —mäntel, ein Mantel zum 
Mummen oder Wermummen, zum @ebraud für das Mummenſpiel 
(Domino). . 

* Die Mummenfchanze, f. Mummenfpier. 

* Dad Mummenfpiel oder Mummeljpiel, —et, 4. —, tie 
@piel, eine Luhbarfeit, wobei man gemummt oder vermummt, b. $. 
dur beſondere Alridung und burh eine Barca unkenutlich gemacht, 
erſchtinet (Mosquerade); ehemahls aud die Mummenfhange, bei 
Andren ber Mummenſchanz. Dann aud für Peffenfpiel. „Kaffe 
dich kurz mit deinem Cündenregifler und ende den Mummenſchanz 
batb.» Waͤchter. - 

Dir Mummer, —®, Py. gl, einer ber mummet, elnmummt ober 
vernummt. Rah Fulba au, rin Verräter, 

Die Mummerei, 8. —em. ı) Das Bermummen, ober Unkenntlid: 
maden des Geſichts umb der Perſon überhaupt durch Easne und bes 
fordızr Kleibung. Wozu biefe Mummerei? 


Der Masken Scherz, wo Mummerei und if 
Verliebte poort, Gepaarten günfig il. Hageborm. 
Wneigenttih, Verſta lung, Zäufdhung. 
Sie firht tech feine Mummerei 
Daß alles, alles eitel fei. Un. 
2) Fine Luftbarkeit, bei welcher map fi vermummt, in Mummen, 
Heibeen exſcheiut (entweber Masquerade ober auf Bal en masque); 
auch Mummenfpiel. 


Ssaufpiel, Sal und Mummereien. @öthe, 


+ Das Mummergold, —e3, o. I. das Kapıngalb. 
+ Mumpeln, v. intrs, u, trs, ſ. Mummeln I »\, 


X Mumpfel, Mumpfeln, v. intre. ſ. Mummeln I) e). 
+ Der Mind, Münden, ſ. Mind und Mönchen. 
— Mund, eine ehemahls am verfhiedene Wörter angehängte Silbe 
bie als Namen biemten und bienen, für, Mann, 3. B. Siegmund. 
2. Der Mund, —es, 9. Münde, oder X Münder; Bo. das 
Münden, D. D. —lein, oder Muͤndel. 2) Der mit Zunge, 
Bähnen und Gaumen x. verfehene unb buch bie Lippen verfchlef: 
fene Raum zwiſchen dem oberen und unten Kinnbaden, meider 
bient fowol die Rahrung einzunehmen als auch, bie Luft ein 
und ausgmatgmen unb Töne ausjufleßen; gemöhntih nur von Diem 
ſchen, ba man biefen Theile am Kopfe ber Tpiere überhaupt Maul, 
welches jebodh von Menſchen au, im gemeinen Sehen unb mern man 
verähtiih ſpricht, gebraͤnuchlich ift, und bei verfhiebenen Zhieren, 
Schnauze, Rachen, Ruͤſſel ıc. bei ben Wögeln aber Schnabel 
nennt, welches zuweilen auch wie bie übrigen vom Munde bes Men: 
(dem gebraucht wird. Ein Kleiner, ſchoͤner, wotber, ein großer, 
bäsither, dicer sc. Mund. X Mund und Nafe auffperren, vor 
Berwunbrsung. „Run babe ih einem Stoff, worüber bie Hreeen 
Rafın und Münder auffperren follen.* KL Sähmibt. X Vom 
Munde auf gen Himmel fahren, unmittelbar, ohne erſt ind Fege: 
feuer zu fommen, in ben Simmel fahren, vom ber Seele, bie ben 
Klıper wie man meinte durch ben Mund veriäßt, Da der Mand 
ein fo wichtiges Glied für bie Erheltung bes Körpers unb für bie 
Spracht ift, fo bat man viele bamit gebildete uneigentiide Redens⸗ 
arten eingeführt, Ginem bas Wrot vor dem Munde wegnehmen, 
ihm bie Rahrung bie er ſich zugebacht hatte und deren er ſich eben 
bebienen wollte, entziehen. Sich etwas am Munde abbrechen, an 
feiner Nahrung, an feinem Unterhalt. Der Mund läuft ihm voll 
MBaffır, vor Lüfternheit, nad einse Sptiſe ober überhaupt mad 
einer Fade. Einem den Mund mälferig mahın, ihn nah etwas 
lüften, begierig maden, Den Mund nicht aufthun, ſchweigen, 
kein Bort zeben, Die Hand ober ben Finger auf ben Mund Tegen, 
sum Beiden bes Schweigens, kann für ſchweigen ſelbſt. Meinen 
Mund halten, ein andertrautes Beheicaniß verſchwelgen, nit aut: 
plaudern. In Aller Munde ſein, ber Gegenſtand bee Geſpräͤchs, 
ber Rebe Aller fein. Die Rachricht ging oder lief von Munde zu 
Munde, von einer Perſen zur andern, wurde verbreitet, 
Drei Worte nenn’ ih euch inhsitihwer, 
Sie gehen von Munde zu Munde Schiller. 
Die drei Worte bemahret euch inhaltfämwer, 
Sie pflanget von Munde zu Munde, Derf. 
d. h. biefe Worte verbreitet weiter, machet weiter brfannt. Ginem 
bad Wort aus bem Munde nehmen, gerabe das fagen mas er fagen, 
und in bem Augenblick fagen, mo er 14 fügen wollte, in Mort im 
Munde haben, es eben fagen wollen. Einem bie Morte in ben 
Mund Iegen, ihm die Morte bie er ſprechen foll vorſagen oder vers 
färeiten; aud, einen ſprechend ober bie Morte eines Anbeen anfäh- 
zen, bie er gefagt haben fo. Go legt der Tchaufpfeldichter ıc. bem 
rebend eingeführten Perſonen bas Mort In den Mund, „Meine 
Bweifel:, Frag⸗ und Ertldrungafucht — legt mir Fragen an fie in 
ben Mund ıc. Serbder. Sich mit dem Munte gut behelfen fin 
nen, mit dem Munde gut fortkönnen, ben Mund auf bem rechten 


Mund 


Blede haben, mit ber Sprade gut fortfönnen, eine gute Babe zu 
sehen haben; twofür man auch fagt, gutes Mundwerk haben. Kein 
Blatt vor den Mund nehmen, ohne Iurädpaitung, frei, freimäs 


thig fpreden, Etwas immer im Munde führen, immer bavon fpres. 


Gen. Im gemein Eben gebraudt man fa in allen biefen unb 
nch andern Mebensarten das Wort Maul, & d. In den O. D. 
Kanzeltien ſagt man von Mund aus für mündlich. Im verſchiede⸗ 
nen Bufammenfegungen wie Mundſemmel, Mundwein ıc. bezeich⸗ 
nıt es unmittelbar füf ben Tiſch eines vornehmen Herrn beſtimmte 
Raprungsmittel und in andern wie in Mundkoch, Mundſchenk ıc, 
bebeutet «8 eine Perſen, melde mit biefen Rahrungsmitteln für eis 
nen folden Herren zu tbun hat. Uneigentlih btdeutet Mund bie 
Öffnung, ten Eingang eines Dinges, ober zu einem Dinge, auch 
wol ber Ausgang aus bemfelden; bee Magenmund, Ofenmund ıc. 
Der Mund einer Kanone ıc., bie Mündung berfeiben. In andern 
Flur gebraucht man dafür allein oder doch gewöhnlichet Münde, 
Mundloch und Mündung. 2) In ber Raturbefhreibung ift das 
Muͤndchen eine filtne Blafenfhnete in Oftinbien (Bulla verru- 
cosn L.); aud ber weißt Kürbif, das Perichen ıc. i 

K% Der Mund, —es, 24. Münber, ein no in Vormund, 

Muͤndet, mündig lebendes Wort, welches chemahls fo viel ala eis 

nen freien Männ, einen mänbigen und unbefholtenen Bürger, ber 

fein Bermögen felbft verwalten und vor feiner Obrigkeit auftreten 
barf, um Ad und Anbere zu [hüten uns zu vertreten, bebeutete, 

Daher Vormund, einer ber ein Mund für Unmändige it. Daher 

bei Düfzesne das verloren gegangene Munder (Munderus) für 

Denkſchrift (Memoire, Promemoria), was ben Beriäten Überge- 

den wird. Daher ferner aud Bedemund, bie Witte ber Beibeigenen 

an ihren Heren unb bie bamit verdundene Erkaufung bes Rechts zu 
heiraten. Daher endiih auch mundtobt d. 1. bes Madre ſich ſelbſt 
gu vertreten und mit bem einigen nad Belichen zu fKalten, ver 

Kuftig. Ehemapts hatte man davon auch bie Mörtır Munbberr, 

«in Schus herr, Böuner, eine odrigkeitliche Perſon, in deren Vor⸗ 
mundſchaft ſich jemand befindet; Mundgeld, das Schutzgeld, ober 

Gelb für geleiteten Briftand, Mundmann (f. d.), und andere mehr. 

Die Mundart, 3%. —en, eine Art des Mundes, d. h. ber Sprache, 
eine eigene Art zu reden in berfelben Spreche, wie bie Einwohner 
verfhiebner Begenben ober Haupttheile eines Landes haben unb wels 
Se fig nidt allein b verfhiebene Ausſprache, fonbeen auch durch 
Abwetichungen in ber Blidung, Bebentung und im Gehrauche ber 
Wirter unterfheibet (Dialer), Die Oberdeutſche, Mitteldeutfche, 
Mieberbeurfhe Mundart. Eine Munbart hat wicber verfhiebene 
Sprecharten. S. d. Weller wäre es biefe, durch Ab. eingeführte 
Unterfheibung, nah G.'s Borfhlage, durch Sprechart (Dielect) 
und Unterfprehart (Idiom) zu bezeihnen, weil Mundart in Grunde 
eben fo unpaflih ift, als wenn wir Federart für Schreibart jagen 
wollten; indem ber Mund nur bas Werkzeug zum Gprehrn wie bie 

- Beber zum Schreiben if. 

Der Mundartgenoffe, —n, 94. —n, ein Genoſſe derfelden Mund 
art, d. h. eine Perſon welche biefelde Mundart ſpricht ala bie andere 
Perfon, melde mit berfelben aus berfelben Banbfhaft il. „Die 
Eteyermärker und ihre Mundartgenoffen.“ Popowitſch. (R.) 

3 Mundartifch, adj, u. adr. zu einer Mundart gehörig, barim ges 
gründet, dieſtibe betreffend (provinciell), Mundartifh ſprechen. 
Mas mundartifce Mörtrrbud* (Provinziallexicon), Alopftod. 
Befter mundartig, noch Seffer fprehartig. S. Mundart, 

Der Mundarzt, —es, 4 —aͤtzte, an mandın Höfen, ein Arzt 
für ben Munb, für bie Pflege und Erhaltung der Zaͤhne ber Herr⸗ 
haft; am Wienre Hofe, ber Kammer: , Zahn: und Mundarzt. 

Der Mundbeher, —s, 99. gl. berienige Becher einer Perfon, aus 
welchem fie ausſchließzlich zu trinken pflegt. 

Der Mundbeder, —s, WM. gl.; die —inn, 2. —en, an brn 
Höfen, ein Weder, welcher bas Brot für die hertſchaftliche Tafel zu 


# 


363 


Mundf 


baden batz zum unterſchlede vom Hofbecker. 

O Der Mundbebatf, — s, 94. u. ber Bedarf für den Dun, hate _ 
tenige mis man an Nahrungsmitteln bedarf; befonbers.im Kriegbs 
wefen (Proviant), 

Der Mundbiffen, —s, 3%. gi. in Biffen, fo groß als mam ihn 
gerögaud in den Bund nimmt, ein Manddoll. „Der ungern ber 
keibigen Ringier einen Mundbiſſen vom feinem Früpftäd aufopfemt,« 
Thümmel, Ja engerer Bedeutung aud wol, tin guter Biffen. 

Die Münde, 94. —u, bie Müntung, befonders ber Kasfluf eines 
Fluffes, die Gegend, wo fi «im Fluß im ben andern ober ins Meer 
ergießt; gewoͤhnlicher die Mündung. Häufig Emmi 14 no in Ei: 
genwörtcen vor, Dünamünde, Orlamünde, Prenemünde, Schwi⸗ 
nemünde, Tangermünde, Udermünde ıc. 

Der Mündel, —, 3%. gl. eine unmündige Prrfom, melde einem 
Bormunde anvertrauet it; beſonders ein ſolches Rind, beiberiei Br 
ſchlechts, wenn es feiner Kitern , ober bach ſeines Waters beraubt if 
(Pupille). Bei Andeen aud der Mündling, das Münbel, ober 
Muͤndlein, und wenn von einer weiblichen Perfon die Rebe ift, die 
Mündel, 9. —n. 

Das Mündelamt, — s, 34. —ämter, ſ. Muͤndelrath. 

O Das Münpelgeld, —s, Dy. —ır, Gelb, weldes dem Mäntel 
ober ben Muͤnbeln gehört (Pupillengelb). 

Das Muͤndelgericht, — es, By. —⸗e f. Muͤndelrath. 

O Das Muͤndelgut, —es, Sy. —guͤter, ein dem WRünbel oder ben 
Muͤndein gehöriges Gut, Eigeatfpam (Bonum minorum, Minoren- 
nengut). 

Mündeln, v. intrs, f. Mündten. D. Münden, 

O Der Muͤndelrath, —es, 2. —rthe. 1) Ein Ratp, eine ger 
wihtlihe Behörde ober Bericht, weldes für bie Angelegenheiten ber 
Münbel forgt, darauf fiehet, baf ihnen orbentlihe Bormünter ger 
fett, daß fle wie es ihre Umflände geflatten, gut erjogen werden 
und ihr Sermögen treulich verwaltet wird tc. (Pupällenratt, Pupil- 
leneollegium); das Mündelgericht, Muͤndelamt. 2) Ein einzel: 
nes Mitglied eines folden Rathes (Pupilleuratp), In ben neuern 
Granzsfifgen Berfaffangen vertritt bie Stelle des Pupillencollegiume 
und der Obervormundſchaft äberhaupt ein fogenannter Familienrath. 

O Die Mündelfache, 2. —n, eine ade, welche ein Möndel, 
ober das Gigenthum eines Mändels betrifft. 

* Munden, v. mtr. mit haben, mit Wohlgeſchmack gleihfam in den 
Mund eingehen, wohl ſchmecen. „Der Bein munbete ihm nikt 
metr.» Wächter, „Wie ſüß mir biefer Piel munderi« Bürger. 
Uneigentlih au von andern Dingen, für 8 angenehmen Genuß ges 
währen, wohl behagen, So mumdet nidt dem Mäben ber füße 
Schlaf. Kofegarten. (#.) „Dee Sag mundet euch nicht, Rits 
ter.» Wachter. D. Munden. 

Münden, v.ntr. mit haben, und ärec. vom flirfenden Körpern, aus⸗ 
fließen, Ah ergiegen. Gin münbenber Fluß, der fih in einen am 
been Fluß ober ins Meer ergleßt. .— der (Fluß) ſich 50 Meilen 
oberhalb Neu Orltans mündet." Ungen. (M.) In weiterer Beben- 
tung aud) von Möhren, Höhlen ıc., feinen Nusgang in eine Begend rc, 
haben. D. Münden. D. —ung. ©. d. und Zufammenmünden. 

%*%* Der ober tad Munder, —s, 9. gl. bei Düfresne eine 
Denffhrift (Promemorla, Memoire) melde ein fetier Mann (ein 

* Mund) bei feiner Obrigkeit einzeiät. S. 2, Mund, 

Mundfaul, adj. u. adv. 1) Faul im Munde, bie Mundfäule Habınd. 
2) Faul den Munb aufzuthun, zu ſprechen; anflänbiger und zugleich 
beffee kUndenbd als maulfaul. ” 

Die Mundfänle oder Mundfaͤuiniß, Wi. m. eine Krankheit bes 
Duntes, bet welder das Bapafleifh ſchwilt, oder auf zufammen: 
fistt und bei jeber Berührung blatet, bei welcher bie Bühne wadılig 
werben und ausfallen, and im Munte Geſchwüre entfteben, mit 
welchen Zufälen zugleich ein heftiger Üble Geruch verbunden if 
(Stomscace), 


Mundf 


+ Das Mundfaͤulkraut, —es, 9. u. id Sfterreich, die ſtinkende 

> Melde, Hundemelbe. 

Der Mundfiſch, —es, By. —e, ber Alant ober die Iäfe (Cypri- 
nus jeses L.). 

+ Dad Mundgeld, —es, 4. —er, f. 2. Mund. 

x Der Mundglaube, — no, o. 2. ein Slaube, ben man nur mit 
dem Munde befennet, ein geheuchelter Glaube, ber Blaube eines 
Maultriſten; zum Unterfhiebe vom wahren Glauben ober Herzens⸗ 
glauben. 

T Das Mundgut, —es, 9%. —güter, in manden Gegenden, 5. B. 
in der Saufig, 2) Eßwaaren, Rahrungsmittel; die Mundwaare 
(Vietuslien). Davon die Munbgutfteuer, bie auf Mundgäter oder 
Mundwaaren gelegte Steuer. =) K%* Sin Zafelgut (Domnine), 

* Die Munvharfe, 8. —n, die Maulteommel, das Brummeiſen. 
Beif 


riſch. 

* Der Mundherr, —en, 39. —en, ſ. 2. Mund. 

Dad Mundholz, —es, 9. u. f. Hartriegel. 

Mündig, —er, —fir, adj. m. adv. ı) Einen Mund haben, in Ber 
zug auf die Welhaffenheit deffelben ; in ben Bufammenfegungen großs 
mündig, kleinmuͤndig, rothmünbig, zartmuͤndig. =) Ia dem 
Alter und Auftanbe befindlich, fi ſelbt Drund, d. h. Schut (dafs 
fen, für ſich ſelbſt ſprechen, ſich ſeldſt vertpeibigen zu Binnen, wo 
man nad ben bürgesiiden Seſetzen vom der vaͤterlichen Gewalt bes 
feeit ik; geoßjährig, volljährig (majorenn); in Wegenfag von uns 
mündig. Mändig werben, mündig fein. Fär münbig extlären, 
In weiterer Bebeutung gebraudt man auch mündig ven bem Bus 
fande bes Berflandes, ba man ſich in allen Fällen ſeibſt Helfen, ih 


allein leiten kann, in welchem Sinne Menfhen oft nie mändig wer: _ 


ben, fonbeen immer unter Bormunbfhaft Anberer ftehen, d. d. anı 
dre Menſchen haben mäflen, die für ihre Angelegenheiten forgen, 
ihnen Rath ertheilen ıc. 

O Muͤndigen, v. tes. für mönbig erflären. D. Münbigen. D. —ung. 

Die Mündigkeit, 0. My. der Zuſtand einer Perfon ba fie mündig 
if; die Grofjährigkeit, Volljährigkeit (Majorennität). 

Der Mündigkeitöbrief, —s, 9. —e, ein Brief, eine Urkunde, 
weburch man für mänbig erliärt wirb, 

® Die Mündigkeitöverleibung, 39. u. die Berleifung der Müns 
digkeit, die Wergänftigung, vermöge welger eine Perfon für mün ⸗ 
dig erflärt wirb ohne es ham Alter unb ben Befegen nach zu fein 
(Venia astatis), F. S. Yiterserlaß. 

X Die Mündigmahung, 9. u. ſ. Muͤndigſprechung. 

Die Mündigfprehung, 9. u. die Handlung, ba man eine Perfon 
mänbdig fpriht, d. 6. fie für münbig erklärt, Friſch. 

+ Muͤndken (mündden), v.intrs, im R. D. ı) @in Möndden, einen 
Heinen Rund ma&en, zierlich, jängferlih than. =) Sehr wenig eflen, 
fid wenig munben laffen, kaum often, Für bie Scheiftfprade könnte 
man e# in mänbeln verwandeln. Fulda führt an, bap im Mek⸗ 
Ienburgifhen münten für wenig effen, und wenig zeben gebraucht 
wrebe. . ‘ 

Die Mundklemme, 9. —n. ı) Ein Werkjeug, woburd der Munb 
sufemmengekiemmt und das Sprechen verhindert wird. =) Cine 
Krankpeit des Munbes, melde in einem Krampfe beftrhet, woburd 
die untere Rinnlade gemwaltfam gegen bie obere gezogen unb ber 
Tound gefchloffen wird, fo daß er nur mif Gewalt geöffnet werben 
Kann (Trismus); amd ber Kinnbacenzwang, die Klemme, ber 
Klammflu, im gemeinen Sehen Mauffperre, mit weldem Worte 
an befonters biefe Krankheit bei ben Pferden bezeichnet, bei wels 
Gen fie auch bie Dirfchfrankheit genannt wird. s 

Der Mundkoch, —es, 9. — küche, an den Höfen, ein Koch, welcher 
dloß für die dercſchaſtliche Zafel die Speiſen zubereitet; zum Unter: 
chiebe vom Hefteche. Die Mundkochinn, felne Sattin. 

O Der Mundkuß, —ſſes, 94. —küffe, ein Kap auf den Mund; 
yam Unterſchiade von einem Panblufe, — daß er bei Ihr von 


364 


Mundp 


Gentenzen zu Biden, von biefen zum Bänkekuß, dann zum Munbs 
kuß gelangter ıc. I. P. Aichter. 

O Die Mandkuͤche, 24. —ı, an ten Höfen, eine Ale, werin 
nur für die hereſchaftliche Tafel die Speifen zubereiter werben; zum 
Unterfiebe von der Hofkuͤche. 

Der Muntlad, —es, 2. —e, Heine weiße ober gefärbte Schel⸗ 
ben von Zeige aus Welzenmehl gebaden, welde man im Munde 
weih und naß macht, um bamit anflatt bes Birgellades Briefe zu 
verfhliefen (Oblate), j 

Das Mundleih, —es, 4. —, on Wafferfänflen, bie äuferfle 
Köpre, am welcher ber Mund ober bie Mündung if, woraus das 
Daſſer ausfleiget. 

Der Munpleim, —es, Wi. u. ein feiner aus Haufenblafe bereiteten 
Leim, welden man um etwas bamit zu beſtreichen, welches zuſam⸗ 
mienhaften fol, mit dem Munde bemrgt. 

* Die Mundleute, &. u. Perfonen, welcht ih unter Bormuntfhaft 
befinden, weldhe von Anbern vertreten werben. DO berlin, 

Mündlich, adj. u, adv. mit dem Munde, fofern der Mund überhaupt 
das Sprachwertzeug it; im Gegenſatz von ſchriftlich. Cine Rad 
richt mündlich mittheilen, in eigner Perfon, fie mit feinem Munde 
erzäbtend, Mündlicd Befehl geben. Ein muͤndliches Verſprechen. 
Das mündliche Bebet, eim gefprodenes, lautes Gebet; zum Unters 
ſchiede von dem Bebete im Herzen. In andern Fällen, wo «4 nidt 
dem ſchriftlich entgegengefegt it, if es ungewöhnlich. 

Barum ber 

Herzlich daßt und muͤndlich lieht, Dpiss; 
d. h. im Herjen haht und mit dem Munde, feinen Morten nah, 
Hebt, Davon die Münblichkeit, 0. Di. der Umftanb da etwas 
mönblih gefagt, verfpeosen ıc. if. Die Mündlichkeit bes Were 
fpredens bürgt nicht für bie Zuverlaͤßigkeit beffelben. 

Der Mündling, —es, 23. —e, eine Perſon bie neh nicht mäntig 
ik, mod unter Bormunbfhaft ſtehet, in engerer und weiterer Bir 
beutung. S. Münbig a). 

Das Boll, bat immer Kind 
Und Münbling bleibt. Fr. Stolberg. 

Das Mundloch, —es, By. — locher. 1) Das Lo eines Dinges, 
welches ben Danb beffeiben gleisfam vorſtellet, durch welches man 
in baſſelbe, ober aus demſelben gelangen fann. Das Mundish 
eines Dfens, eines Alintenlaufes, eines Stallens ıc. Im Bergbaus 
if das Mundloch dee Ausgang eines Stollens. In den Hüttenwer⸗ 
ten, bie obere Öffnung des DOfens, burch melde bie Proben finein« 
grfegt und herausgenommen werben. 2) Dasienige Loch einer Floͤtt, 
an welches ber Mund angefeht wird und im weldes man biäfet. 

*%* Der Munbmann, —es, 84. — männer. ı) Ein Mann, iwels 
her jemand vertritt, für ibn bie Bormunbfhaft führe 1. he 
mahls auch ber Schledarichter. Oberlin. a) Ein Münbling. 
Frifd. Obertin. S. Munbleute, 

Das Mundmehl, —es, 0. MM. bas frinfte Welzenmeht, fo wie ea 
zu dem Backwerk für fürflihe Tafeln genommen wird; befonbers 
im 0. D. 

Der Mundnagel, —s, My. —nägel, bei ben Ragelfhmieden, RE 
gel mit platten Röpfen für bie Dachdecker unb Maurer, weil fie 
biefelben im Munde zu halten pflegen, um fie glei zum Einſchlagen 
bei ber Hand zu haben, . 

Die Munbdöffnung, 24. —en. 1) Die Öffnung des Munbes, ſowol 
die Handlung da man den Mund Öffnet, als auch ber offene Raum, 
welden man bei biefer Handlaug erblickt. =) Die Mänbung, Öff» 
nung, in welder Bebeutung es ein Überfültes Wort it, melden 
Nemuih für orificium, npertura anführet. 

Der Mundpfropf, —ed, 2. —e, ein Pfeopf in ben Mund ber 
bie Mänbung zu fteden; befonters in dem Geſchügweſen, berjenige 
Pfeepf, womit tie Muͤndung eines Stuͤckes verwahret wirb, damit 
kelat Unzeinigfeit hineinlomme; ber Zapfen, Spund. 


Munde 


Der Mundraub, —eb, 2. u. bei ben Sähiffern Nee was beim 
Ein: und Ausladen von efbaren Baaren ze. genommen wird, welches 
ihnen zugeftanden wird; auch Fegele, weil es nach geſchehener Ardeit 
sufammengefegt wird; bann aud, mas das Schiffsnot! auf Kauffahr 
rern an Efwaaren zu feinem Bedürfniß flieht, Röbing, 

Mundsecht, adj. u. adv. seht für den Mund; foviel, aber anfändi- 
ger, ale maulccht. ©. d. 

Der Mundreif, —es, Du. —e, in ber Gefhägkunft, der Reif ober 
Stab en ber Mündung ber Kanonen. 

Das Mundrobr, — s, My. —röhre, bei ben Buͤchſenmachern, ein 
eifernes Rohe mit Rirfen, bie BWüdhfenröhre imwendig danach zu 
ziefen. 

Die Mundrofe, 24. —n, ein Rame der Rofenmalve oder Rofen 
pappal; auch Stockroſt genanat /Malra rosen. Alcen L,}, 

Die Mundfalbe, 8. —n, eine Salbe, den Mund, die Eippeh, wenn 
fie mund ıc. find, damit zu [hmlesen (Mtuntpomade), 

%** Der Mundſchatz, —ed, PM. u. eine Abgabe, melde an dem 
Mundmann von ben Münblingen entridtet wurde. Haltaus. 
Der Mundſchenk, —ın, 34. —ın; bie —inn, 24. —en, eine 
Pırfon, beren Geſchaͤft es if, einer andern Mein ıc. einzuſchenken 

und barzureihen. Banymeb der Gbtter Mundſchenk. 
— Mundfhentinnen, Rinder der Ehänpeit, 
Soſſen ihm Rektar aus jeglichee Zone der Welt ja das Bold: 
horn. Sonnenberg. 
An ben Höfen, berienige welder das Detraͤnk für bie Hrrefhaft in 
Auffiht bat, umb bei Tafel einſchenkt. In Polen hatte man cher 
mahls Krongroßmundfhentin und Greßmundſchenken, bie ve 
dem Kronſchenken und Schenken no verſchieden waren. j 

Der Mundfchließer, —6, 29. gl. ber ben Mund verſchlleüt. Im 
ber Berglieberungsfunft führt diefen Namen ein Mutter, welder von 
ben Fortfegungen ber meiften andern zum Munde gelangınden Mus: 
feln und vom Badınmuslel gebildet wirb und mit feinen Feſern bie 
ganze Munbfpalte umgiebt und zur Schliefung bes Mandes dient 
(Musculus orbicularis oris). 

Die Mundſchraube, y-—n, ſ. Munbfpiegel. 

Die Mundfeite, 3%. —n, in ben fürfliben Köchen, biejenige Seite 
der Rüde, auf welcher bloß bie Speifen für bie herrſchaftlicht Tafel 
bereitet werben; zum Unterfhlebe von ber Hoffeite, 

Die Mundfemmel, My. —n, Semmel von frinften Weizenmehl, 
fo wie fie für die Tafel vornchmer Herren gebaden werben. 

Die Mundfpalte, 9%. —n, bie mit ben Lippen beſetzte Spalte bes 
Munbes, der @ingang bes Dlunbes bei Menfhen, und bes Maules, 
der Schnauze, bes Mahens or. bei Thleren (Kictus). 

Dir Mundfpatel, —s, 3. gl. dei ben Wunbärzten, ein Spatel 
mit einem Einfhmitte an ber Spige, drffen man ſich bebient, wenn 
man einem Kinbe bie Aunge löfet. 

+ Der Mundfpiegel, —s, 9%. gl. eine Art Schrauben, den Mund 
dei einer Munbliemme auseinander zu bringen; die Mundſchraube. 
S. Spiegel. z 

+ Der Mundfprud, —es, 4. — ſpruͤche, im O. D. ein Spruch, 
melden man häufig im Munde führet, 4. B. rin Sprichwort, auch 
ein Leitfprud. 3. } 

+ Der Munpdftein, —es, By. —e, in manden Gegenden, ber Grenz: 
fein eins befreiten Bezistes (Mundat). 

Das Mundflid, —es, 4. —e. 1) Dasjenige @tüd ober ben 
nige Theil eines Dinges, welcher in den Munb genommen wirb 
oder an den Mund zu ſtehen ober zu Kegen Eimmt. Das Munde 
FÜR einen Zabakspfeife, am einem Wlafetomgeräthe 4. B. einer 
Trompete, einem Horne, einem Blafebaf, einer Geifldte ꝛc. Mei 
den Drgelpfeifen in das Mundſtück derienige Thell berfelben, durch 
welchen dee Wind bineinktäfet, Das Mundftüd an einem Pferde ⸗ 
gaume, das Gebiß, weiches in ben Mund gelegt wird. 2) Dasienige 
@tät, oder berienige Theil eines Dingen, welches beffen Mäntung 


365 


Mund 


enthaͤlt oder ausmacht. Das Munbfläd einer Kanone; in Segen ⸗ 
fage bes Boden⸗ ober Zapfenſtuͤckes. Wei ben Schwertfegern if 
es ber oberfle BSeſchlag, welcher bie Mindung ber Schelbe eines 
Sabels 10. umgiebt, 3) X Der Mund. Ginem einen Schlag auf 
das Mundfiüd geben. Gin gutes Mundflüd haben, gutes Mund 
wer. 4) Das verkehrte Munditüd, eine Art Sqmirkelſchnecken. 
&. Sperrmaul. 

Dos Mundftüdeifen, —s, 24. gf. bei ben Sporern, ein @ifen, 
weiches aus zwei Hälften befichet und zufsmmengelrgt ein rundes 
Loch läßt, worin das Muntfkäd einer Reitſtange feftgehalten wird, 

Die Mundſtückform, 9. —en, bei den Drgelbauern, bie Jorm zu 
ben Mundflöden ber Oxrgelpfeifen. 

Das Mundſtuͤcklocheiſen, — , 39. gl. bei den Sporern, ein eiſer⸗ 
nes Werkjiug, mit welhem das Lo in das Mundſtück eines Gebiſ 
fs gemadt wirb. 

© Der Munbtbeil, —eb, 9. —e, berienige Theil von Rafrunges 
mitteln, welder auf eine Perfon für feinen Mund timmt, befonders 
bei den Soldaten (Munbportion). ©. 

* Mundtodt, adj. u. adv. tobt dem Munde nah, nicht vor Gericht 
zeden, ih mit ſelbſt vertreten dürſendz beſenders ehtmmahls vom 
einem, ber nicht mehr für fih und Andere auftreten und fpreden 
durfte, wie 4. B. Verichweuber, Sumbesflähtige, Verbrecher, Yanbes= 
veriwiefene, ober auch Unmwärbige ıc. „Ih fol munbtobt fein.“ 
Benzel:&ternam ©. 2. Mund. 

© Dad Mundtuh, —es, By. — tuͤcher, ein Tuch zum Gebrauch 
für den Mund. Befonders, ein eigens dazu beſtimmtes Tuch, ſich den 
Mund bei und nad bem Gffen baran abjutwifhen (Servieite). „Die 
meiften Engländer bebienen ſich bei ihren Mahlzeiten keines Munbs 
tuchẽ. ©, 

Die Mündung, 9. —eın, bie Öffnung, der Eingang in, oter ber 
Ausgang aus einer Cache; das Mundlodh. Die Mündung eines 
Geläges, einer Kanone, eines engem Thales ıc. In der Pflanzen: 
lehre ift die Mündung ber obere eemeiterte Theil in ber Röhre 
der Blume (Limbus); und bei ben Schneden iſt fie bie weite Öff» 
nung des Behäufes zu welchem fie and und eintsiehem (Or, aper- 
tura). SBefonbers der Ort, wo fih tin Maffer, befonders ein Fluß 
in den andern oder in das Merr ergieft. Die Mündung ber Oder, 
ber Weichſel. S. Münbe, 

Der Mündungdfries, —es, I. —e, in bem Geſchuͤtweſen, mer 
taflene Reifen, welde den Worberibeil ber Kanone um bie Mändung 
derfelben verfiärken. 

x Der Mundvoll, ohne Umend. u. Bi. gl, fo viel als man im 
oder mit dem Munde fallen Bann. Ein Mundvoll Mein ıc, oder 
Weines. Im Rürnderg sc. Mumfel. S. Mummeln I) »). 

Der Mundvorrath, — s, 2. —vorrätbe, ber Vortath am br 
benemitteln, befonbers im Kriegsweſen (Provision, Proviant), M.t 
Mundverratb verfehen, verfergen (virproviantiren). 

Das Mundwaſſer, —s, 3. al. ein heilendes oder ſtaͤrkendes ıc, 
Waffen für den Mund, bdaffelde im ben Mund zu nehmen, ober ben» 
felden bamit zu reinigen, 

+ Der Mundweck, —rd, 94. —e, in ber Gegend vom Nürnberg, 
eine Art Wede ober Weißbrot. Frifch. 

Die Munbmweibe, 2. —n, ber Bartriegel (Lignstrum vulgarelL.). 

Der Mundwein, —es, By. —e. 1) Dir für bie Herefhoft und 
bie berefchaftlice Tafel beffimmte Wein. Dann, ein töftiier Bein. 

Mir if ber Mundwein großer Fürften 
Kur mattes Waffen ohne Freund, J. %. Sählegel, 
2) Ein Wein, welcher einer Perſon am beſten muntet, am deſten 
ſchmeckt. 
Sein Abt, bem ſonder ihn auch nicht fein Mundwein ſchmdte. 
Hagedorn. 

x Das Mundwerk, —es, e. My. 1) Der Mind mit Inbegriff 

der Eippen, Zaͤhne ıc, Sie ik fin, wur ihr Mundeoret if Häßs 


Mund 366 Münze 


uch, ihe Mund, a) Die Fertigkeit leicht umd viel gu reden, @Bur 
tes Mundwerk taben. n 

Der Mundwinkel, —s, 2%. gl. die Winkl an beiden Selten bes 
Mundes, melde bie Bippen bitden. 

+ Mund, Munten, I. Munkeln. 

Munkelig, adj. w. adv. im M. D. träße, nebrlig. Munkelig Wetter, 
&. Munkeln D) ı). 

x Munteln, v. D ntr. u. imp. 1) Dunfel, tgübe fein., Es muns 
keit ald wenn e6 regnen weite, es iſt trübe, dunkel, ala ıc Im 
RM. D. bat man auch bas Wort munken, woron munkeln das Bers 
Hieinungswort ift und Ful da führt and munk für dunkel an. a) 
Unrigentlid von bumpfen Gerühten. Cs munfelt, man ſpricht 
heimlich davon, fagt ſichs ind Ohr. 

@s munfelt fogar auch von ben Nachteulen 

Das nicht viel Gutes bedeute ihr Heulen. R. Frofgmäuster. 
Ks förmliges mtr, gemunfelt werben. 

e — und wundere Dinge ja würden im Wolke 

Munteln, bliesh du aurüd. — — Bonnenberg. 

3) Im Hennebergſchen, nicht gutſ vichen, müflen. XI) intes, 
+ Heimlid, verborgen banbeln; in ber kaufte nah Fulba. Daher 
der Dinner, ber Heimliches zu erfunden fuht (Spion). Sprichtw. 
x Im Duntein ift gut munkeln, wo «6 ſewel heimlich wehen 
bedeuten Tann, als auh deimlich handeln, beſonders allerki vers 
liebte Handlungen vornehmen ı. — D. Muntein. 

+ Wunfen, v. trs. auskaadſchaften, wie aud, verrathen. Friſch. 
D. Munten. 

+ Der Munter, —s, 9. al. ber etwas munfet; ein Aueſpaͤher, 
Berritber. Friſch. ©. Munken IN 1). 

Dad Münfter, —6, 9%: al. eine Domkirche, Hauptkircht, wie aud, 
eine Rirhe (Rloſterkirche) überhaupt. 

Brundild ging vor das Münfterlatn. d. Nibelung 8.8, 3387. 
Befonders im O. D. Das Straßburger Münfter, Ehemahls aud, 
ein Alofter. Davon ber Muͤnſterthurm ıc. 

Munter, —er, —fir, adj. u. adv. ein Merk, welches denjenigen Zus 
fand bezeichnet, ba man feine Kraft fühlt und biefelbe im lebhafs 
ten Bewegungen und ſtarken Empfinbungen äufest. Bunädft gr 
brauqht man es in Begenfoy vom Ihiäfrig, von demjenigen Zuſtande, 
da man gemug gefhlafen Hat, ſich geſtaͤrkt füstt und dies durch Lebe 
haftigkeit des Körpers und bes Gremürhs dufert, Mumter werden, 
Munter frin. Einen munter maden. 

D geht fie ſhon untex 

Die Eonne fo fröh? 

Wir find ja nch munter, 

D Gonne, veriieh! Dpverbed. 
Dann wird 14 auch bem matt, ſchwach entargengefegt und bezelchnet 
denjenigen Buftand, ba man bei korperlicher Geſundhelt ſich ſtark 
fühit und biefes Gefühl im Bewegungen und Mienen ausdeuckt. 
Geflern war er nit wohl, heute ift er aber wieder ganz munter. 
Der alte Mann ift noch fehr munter Auch gebrauht man es 
von Mienen, Bewegungen 1. die dieſen Iufiand austruden, in dem ⸗ 
felsen gegründet find. Muntere Kugen, muntere Bewegungen. 
Ein muntere Gefihtsfarbe. Cine Arbeit munter angreifen, Im: 
mer munter! als ein Zufmenterungsmwogt; daher aufmımtern. 
„Er war voller Diunterfeit und bie Behhaftigkeit feines Weis 
Res ſchien auch feinen Leib munter und lebhaft zu wachen; ans 
Bott dag bei Andern bie Shläfrigkeit und Schwaͤchlichkeit bes Beir 
bes fh ber Seele mitzutheilen pflegte Schlegel. Auch von 
Thieren , die im Befähi ihrer Kraft fi lebhaft und leicht bewegen. 
Ein muntere® Pferb, ein minterer Humd, In biefer Bebrutang 
befonders, mo «3 einen Bufland korperlichen Wohlbefindens, ber ſich 
buch lebbafte Bewegungen rc. Aufert, bibeutet, ſogt man bafür im 
D. D. fanzig, in Shwaben musper, im N. D. Eregel, waͤhlig, tauger, 
terig, tanger, fadf,. In weiteger Bebrutung gebraucht man muns 


ter au vom BemsÄthe und Geifte, wenn fie ſich im Sefähl ber Rraft 
eshaft Außen. Johann, bee muntre Seifenfieber. Gin mutter 
ter Kopf, der, was man ihm beibringen will, leicht ſaßt, geſchwind 
lerut. Gin munterer Selelfhafter, ber wegen Teiner Lebhaftigkeit 
und feines Frohſians leicht an ber heitern Stimmung und an ber 
Frbhlichteit der Seſeilſchaft Theil nimmt und biefelbe vermehrt. 
Dann auch, im diefem Zußande gegründet. Unterdeß Daphne ihn 
mit dem muntern Weſen der Wertraulihleit und Unfhulb einer 
Sqweſter begegnete." Ungen. Gin munterer Scherj. @in mun ⸗ 
terer Ton. Luſtig druckt einen höͤhern Grad dieſes Zuſtanbes aus, 
bei welchem neh das Gefuͤhl einer merklichen Luft, eines merklichen 
Bergnügens bamit verbunden if, Man vergl. auch lebhaft, aufge 
weckt. Uneigentiih nennt man auf in gewiſſein Grabe belle ober 
lebhafte Karben, muntere Karben; in Gegenſatz ber totten. In ber 
Zonlunf nennt man gleichfalls ben Vortrag, welcher ben Zuſtand eines 
munteen Meuſchen nahahmen feH, munter (Allegro), @in mun: 
ters Stüd (ein Allegro). 

Die Munterkeit, o. Wi. die Eigenfhaft, der Zuſtand einer Petſou 
und Sache, ba fie munter if, Mit Munterkeit an bie Arbeit ge: 
ben. Die Munterkeit ter Xugen, des Gemüthes, Kopfes, Seiſtes. 
„Dunterkeit und Freude tönt (tönen) jeht durchs Thal und frohe 
Eicher hört man von einem Berge zum andern.“ Bepner Die 
Munterkeit ber Farben. 


Muntern, v. trs. munter mahen; in ben Zufammenfegungen aufs 


muntern, ermuntern, 

Der Münzabfall, eb, By. —fälle, dasjenige, was beim Münzen 
an Mitall abſallt. 

Das Münzanıt, —es, 94. —ämter, einXmt, eine Behörde, welche 
bie Auffiht über die Münze d. 5. die Münganflalt vines Landes 
herren führet. z 

Die Münzanftalt, 9. —en, ſ. 1. Münze. 

Der Münzbalfam, —es, 3%. u. rin aus der Münze bereiteter Bals 
fam. In ber Pflangenlchre führt bisfen Ramen die Frauenmänze 
(Tanacetum balsamita L,); auch Frauenkraut, Frauenmwurzel, 
Marienwurzel, Zuderbtätter, Pfefferbiätter. Im nenen Shous 
plate ber Ratur if ber Sranfemänge (Mentha erispa L,) auch 

ber Name Mäönzbalfam beigelegt. 

Der Münzbeamte, —n, 29. —n, ein Sei einer Münze angefteliter 
Beamter, ber, wenn er geringerer Net iſt ein Dünzbebienter heißt. 

Der Münybebiente, —n, Mg. —n, f. Münzbeamter. 

Die Münzbeihidung, 3. u, die gehörige Werfegung des Boltes 
und Eilbers, damit die daraus zu prägenden Münzen ben zihtigen 
Gebalt ober bas richtige Korn befommen. 

Das Münzbuh, —es, Di. — bücher, ein Bud, in welchem Mön- 
zen beſchrieben und abgebildet find; ein Muͤnzwetk, wenn es von 
beträtiichem Umfange il (numismatisches Wert). ' 

1. Die Münze, 94. —n. ) Ein geprägtes Stuͤck Metol, ats 
wöhnlik von gerundeter, felten don eckiger Geſtalt. Eine goldene, fil- 
berne, kupferne, eifeene Münze, Gine Münze ſchlagen, fie vermit⸗ 
telſt einea Ehlages prägen, dann Übertaupt fie prägen. Alte 
Muͤnzen. Roͤmiſche, Griechiſche zc. Münzen. Cine Cammlung 
von Münzen. Worzüglib, eine bei einer defondern Gelegendeit, 
sum Andenken an eine wichtige Begebenheit gefhlasene Münze 
(Biedaille); eine Schaumuͤnze, weil fie eigentlih nur zum Ber 
ſchauen und niht wie antere Mänzjen für den Handel und Wandel 
brüimmt if, Eine Gedaͤchtnißmuͤnze, Denfmünze, Begraͤbniß⸗ 
mängeıc. Am bäufigfien gebraucht man es als Gammelwort von 
grprägtem Mita zum Behuf bes Handels und Wandels, für Gelb, 
Münze prägen, ſchlagen. Die Münze erhöhen, feigeen, atfes 
gen ıc. Silbermuͤnze, Kupfermuͤnze, Scheidemünge, Reihsmüns 
je. X @inem mit gleider Münze berablen, umeigenttidh, ihm Glei⸗ 
He6 mit Bleihem vergelten. Schwarze Münze bezeichnet eine in 
Baieen übliche Kst zu rechnen, wenn Grunb;infen und gearich tlicht Stra 


Muͤnze 


fen brzahlt werben, nach welcher auf ein Pfund Regensburger 
in weißer Münze 56% Gulden, auf ein Pfund Pfennige 8 Schiuin ⸗ 
ge, 240 Pfennige oter 1", Gulden, auf einen Schilling 4 Ber, ober 
8%, Kreuzer und auf einca Brofhen 7", Pf. ober 2’, Kreuzer ges 
hen.  Ghemapis hieß auch mit vielem Kupfer vermifäte Silber 
mänze ſchtwarze Münze, zum unterſchiede von der weißen oder feis 
nen Gilbermünje, Im engerer Bebrutung verſteht man unter 
Münze kleinere Geltforten, gewoͤhnlich von Viergrofgenftiden an 
abwärts gerechnet, Elein Gelb, im O. D. Händegeld; in Segen: 

. fat vom groben Gelde (Courant), Doch werten im R.D. aud große 
Gelbforten mit Kusfhluß ber Thaler unb Bulben barunter verftanden. 
Gerd IR das allgemeine Wort, Münze bie gewöhnliche Art des 
Geldes. S. Geld. uneigentlich führt eine Beine Porgelanfhnede, 
welcht ale Mönze gebraudt wird, den Namen Münje. S. Mus 
ſchelmuͤnze. =) Das Haus und bie ganze Anftalt, wo man Müns 
sen ober Gelb prägt; die Muͤnzanſtalt, ehemapis die Muͤnzſchmie⸗ 
de, Frifch. Bumellen auch das Meht Münzen zu fhlagen, das 
Muͤnzrecht (Mänjregal). 


2. Die Münze, 29m. von mehreren Arten —n. 1) Gin Pflanzen 


geſchlecht, deffen Kennzeichen ein roͤhrenfoͤrmiges mit vier Einfänits | 


ten verfehenes Blumenblatt, vier aufgerichtete abſtehende Gtaub: 
fäben von ungleihrr Länge, ein aufgerichteter über bas Blumendlatt 
bervorgagender Griffel mit einem gefpaltenen Etaubmege und vier 
kleine im Kelche enthaltene Samen find (Mentlıa L.). Bei allen 
Arten ſtehen bie Blätter einanter gegenüber, bie Bläten aber er: 
[Seinen tHeils wirtelförmig, theils in längeren und kürzeren Äften. 
Die zahme Münze oder Gartenmünze (Mentha sativa L,) wird 
in Gärten ihres angenehmen Geruchs wegen gezogen. Die grüne 
Münze, auch Franenmünze (Mentha viridis L.) hat ganz grüne 
end glatte, nirgends mwollige Blätter, und ift von flarfem wärshafs 
tem Gerude. Die fraufe Münze oder Airaufemänse (f.d.) (Men- 
tha erispa L,). Die rotbe Münze oder Batfammünze (Mentha 
gentilis L.) wädhft im ſuͤllchen Guropa, iſt wenig raud und hat 
zotbe Stengel und einen angenehmen Gerud. Die Kanariſche Muͤn⸗ 
je (Mentha canariensis L.) waͤchſt baumartig, hat einen holyics 
ten Stamm, ſaͤgefoͤrmig eingekerbte, wollige unterwärts weiße Blaͤt⸗ 
ter, bie nicht abfallen, und weiße zumeilen roͤthlicht Blumen. Ans 
dere Arten find die Bahmänze, Fiſchmuͤnze oder Kroͤtenmuͤnze, 
die Pfeffermünge, die Roß⸗ oder Pferdemünze, bie Adermünze, 
Kormünze, Teichmuͤnze oder Feidmuͤnze und bie Spitzmuͤnze, 
©. d. Wörter. =) In meiterer Bedeutung bekommen verſchiedene 
anbere sen, bie zu anbern Geſchlechtern gehören, wegen einer 
Äpntiätet im Seruch, im ber Geflelt ıc. den Mamen Münze, 
(1) Eine Art des Bienenfeautes, die Bergmünze (Calamintha L.). 
beionters bie Meindiämige Bergmuͤnze oder Bergackermuͤnze, 
Heiner Polei (Melissa calamintha L.). (s) Die Feld» oder Mafı 
ferkreffe, die Bahmünge Cardamine arvensis L.). (5) Das Ra: 
deattaut, bie Kahenmuͤnze (Nepeta L.). (4) Ein Art des Rhein 

. forn, die Frauenmänze (Tanacetum balgamita L.). (5) Das 
gemeine Dürskraut, die gelbe Münze (Conyza squarrosa L.). 
(6) Der Rubralant ober gelbe Münze (Inula dysenterica L.) (7) 
Cine Art bes Xhimians, der blaue Bergthimian oder Steinpolei, 
welcher auch unter dem Namen Bergmuͤnze vorfömmt (Thymus 
scinos L.). (9) Gine in Virginien wachſende Pflange mit (dar: 
lochfarbigen Blumen, bie einen langen Griffel, zwei Staubfäben 
Haben und einen angenehmen Seruch vom fih geben, große After 
münze, auch Amerifanifhes Birnentraut (Monarda dydi- 
ma [.). 

Das Münzeifen, —®, 39. gl. dasjenige Eiſen, d. 9. der eiferne 
oder vielmehr flählerne Stempel, womit bie Münzen geprägt wer: 

ben, ber Muͤnzſtempel. 

Münzen , vw tes, Münze prägen ober ſchlagen, worunter man auf 
bie vorhergehnbe Zubereitung bed Metalles bis fie runde platte Gtüde 


367 


Muͤnzg 


geworben find, bie mit dem Geproͤge und einem Rande verſehen 
werben, begreift. Das Recht za muͤnzen haben, das Recht Münzen 
su flogen. Gemuͤnztes Gitter, Silber in runden Gtüden mit 
einem Gepräge; in Gegenfap bes ungemüngten, das im Gtangenıc. 
ift. Auf eine wichtige Segebenheit ıc. ein Stäl münzen, bri Gele 
genheit und zum Andenken derſelben eine Münze ſchlagen. Daher 
die umeigentlihe Medengart: darauf war es gemuͤnzt, barauf zielte 
es, barauf war es abgefehen. Das mar auf mid gemuͤnzt, bas 
galt mir. Man fieht, daß er es auf Cie gemuͤnzt hat, daß er 
feine Abſicht auf Cie gerihter hat. Unelgenttiih fagt man auch, 
neue Wörter, Benennengen muͤnzen, fie bilden und einjufähren fur 
den. D. Münzen. D. — ung. 

O Die Münzenbefdreibung, 4. —en, be Seſchreibung merk 
wücdiger, deſonders alter Münzen (Numismatographie). : 

Der Münzenfenner, —$, 3%. gl. eine Perfon, melde Mänzentennts 
nig ober Münzenkunde befigt (Numismmatiker),, S. Muͤngen⸗ 
fenntnif. 

Die Münzenfenntniß ober Muͤnzenkunde, 3. u. bie aelehrte 
Kenntniß oder Kunde von merfiwürbigen, befonbers alten Mänzen, 
ba man ihr Alter, idre Echtheit, ihren Werth ıc. zu märbigen ver 
fleht und ihre GSeſchichte kennt; die Muͤnzwiſſenſchaft, oder O bie 
Münzlehre, wenn fie wiffenfhafttih georbnet if und gegenftänblid 
betrahtet wird (Numismatik). - Richt fo richtig in Münztennts 
nit, Muͤnzkunde, Muͤnzwiſſenſchaft, Münztenner, meil-biefe 
Wörter genau genommen bie Kenntnig, Kunde, Wiffenfhaft zu mäns 
zen, ober beffen was zum Münzen erfedarlich if, und Muͤnzkenner 
einen, ber das zum Münzen Gxrfoberliche kennt ober verſtehet, bes 
seinen wuͤrden. 

© Münzenkundig, adj. u. ady. Mänzenkunde befigend, zus Mäns 
zentunde gehörig, daven handelnd ıc. (numismatisch). 

Die Münzenfammlung, 9. —en, eine Sammlung von Münzen, 
befonders von merfmwürbigen, alten und feltenen Münzen ; vorzuͤglich 

nn fie miffenfhaftiih geortnet ik (Mängcabinet); auch ber 
uͤnzenſchatz. 

Der Muͤnzenſchatz, —es, 4. — ſchaͤtze, ein Ghag an Münzen. 
©. Münzenfammiung. 

Der Münger, —s, Di. gl; die —inn, 9. —en, eine Perfon, 
welche münzet, d. h. Mänze fhlägt oder präget. Ein falfher Muͤn⸗ 
* ber falſche Münzen fhlägt, der Gelb nachmacht; beſſer Falſch⸗ 
muͤnzer. 

X Die Muͤnzerei, 9. —en. (R.) 1) Das Mänsen, befonders ver 
aͤchtlich und von einem ſchlechten Mänzgen. 2) Der Ort wo gemänzt 
wird, die Münze, 

Der Münzfälfcher, —s, 4. al; die —inn, 3. —en, eine Pers 

. fon, welche die Münze verfälfher, etwa durch Beſchneiden ober auf 
andere Art; ber Muͤnzverfaͤlſcher. Oft verſteht man auch einen 
Falſchmünzer darunter, menn er den innern Gehalt der Muͤnzen durch 
ſchlechtere Zuthat verringert, 

Die Muͤnzfaͤlſchung, a. —en, bie Faͤlſchung ober Werfälfhung 
ber Münzen; die Münzverfäifhung. Das Berbrechen ber Münze 
faͤlſchung (Crimen falsae monetae). 

Die Münzfreiheit, Da. —en. 1) Die Freipeit, das Kecht münzen 
zu dürfen, das Muͤnztecht; ohne Mehrzahl. =) Eine in Anfehung 
ber Münze ertheilte Areiheit. 

Der Münzfuß, —e, ey. —Thfe, bie Art und Meile werde bei 
Prägung ber Münzen in Anfehung des Gehaltes verſelben beebachtet 
ift, das Werhältniß bes Innern Werthes zu dem angenommenen ober 
f-ftgefegten. 

Das Muͤnzgekraͤtz, —eb, I. u. basienige was in ber Mänge vom 
Mitıle bei bee Bearbeitung abgehet, abfänt; auch Münzträg. ©. 
Gitrig. 

Der Münzgenoffe, —n, 9. —n, ein Benoffe bes Mänzerätes, 
der zugleid mit einem andern bad ehe hat mänzen zu däsfen. 


Munzg 


Die Münzgerehtigkelt, 2. u. f. Münreät. 

© Der Münzgleiher, ſ. Muͤnzwaͤger. 

Der Muͤnzhammer, —s, 9. —bämmer, ein großer Hammer, 
heffen man ſich bedient, wenn man Münzen fhlägt, eine Jett felinere 
Art zu möngen, ba man ſich bes bequemern und wirkfamern Deuds 
werte babei bebient, 

Das Münzbaus, —s, 9. — haͤuſer, das Haus im welchem ger 
mönzt wird, bie Münze. Gtieler. 

Der Münzberr, —en, 2. — en. ı) Ein Heer, melden bas Reät 
Sat zu münzen. a) Ja ben ehemahligen Keigsfätten, ein Raths⸗ 
hier, welher bie Aufſicht Über bie Münzanftalt hatte. 

Der Münzlenner, die Münzkenntniß, ſ. Muͤnzenkenner, Mün« 
jenfenntniß. 

Das Muͤnzkraͤtz, ſ. Muͤnzgektaͤb. 

Das Muͤnzkraut, —es, 3. u, bad 
mularia L.) 

Die Muͤnzkunſt, 0. 34. die Kunft gu münzen, Mänzen zu ſchlagen. 

xx Das Münzmahl, —eb, 3. —e, der Mänzfiempel, Haltaus. 


Friſch. 
De: 


Pfennigkrant (Lysimachia nu- 


Mängmeifler, — , DA. gl. der Meiſter oder Vorgeſetzte einer 
Miärze, ber befonbers dem Gelbe und Silber ben im ber Mänzorbs 
nung beftimmten Bufag giebt, Die Münzmeifterinn, feine Battinn. 
An Ötereriä aiedt es oberfie Erbmünzmeifter,, 

Das Münzmeifteramt, —es, Big. —Ämter, das Amt eines Mänz- 
meifters. Im Böhmen giebt es ein oberſtes Münzmeifteramt, weis 
&es zugleich die Auffiht über alle Bergwerke und Bergfläbte hat. 

Die Münzorbnung, 9%. —en. ı) Eine Ianbeoherrlide Berorbnung, 
nad welher bas Gelb im Lande ausgemänzt werten muß. 2) @ine 
lansrößerelihe Werorbnung in Betreff bes feemben im Sande gängen 
Mänyforten. . 

© Das Münzpfund, —es, 34. —e, eine wirkliche ober eingebit, 
bete Münze, melde Pfund genannt wird, bergleigen in Frankreich 
bie livres und in England die Pfunde Sterling find; beſtimmter als 
Pfund. „Bir Bo Muͤnzpfund (livres) oder so this. unfers 
Gelbet." ©, 

Die Münzpreffe, y. —n, eine Preſſe, in welcher vermittelt eines 
Drudes das Metanftäd zwiſchen ben Gtempeln geprägt mwirb; das 
Druckwerk 

Die Muͤnzprobe, 8. —n, die Probe ober Probung, Prüfung bes 
Schrotes er Koenes einer —* — er 
er Münsprüfer, —s, si f. njwarbei 

De a dr = —ränder, der Rand um eine Mänze, 
ber gewoͤhnlich mit verſchiedenen @inferbungen ic. ober auch mit 
Schrift verfehen iR, bamit bie Münze niät beſchnitten werbe. 

Das Mauͤnzrecht, —s, 2. u. das Recht Münzen prägen zu bärfın; 

ie Muͤnzgerechtigkeit. 

Da Münsfehlag, *5. 4. — ſchlaͤge. 1) Das Chlagen, Prägen 
ber Müngez ohne Mehrzahl. =) Das Bepräge einer Münze, 

Der Münsfchlager, —s, 4. — ſchlaͤger, der Münzer, beſenders 
wenn bie Münzen geſchlagen und nit gepreft werben. Friſch. 
Der Muͤnzſchloſſer, —s, 2. gl. in den Münzen, tin Schloſſer, 

weicher bas darin nmöthige Wifen: ober Stahlwerk verfertiget. 

Fer Münzfchreiber, —s, 4. gl. der Schtelber in einer Münze, 

Die Münzforte, 2. —n, eine befonbere Sorte ober Art ber Düns 
ze, fowol in Anſehong bed Metalles ald in Anſehung bes Werthes 
und ber Größe; die Muͤnzart. Grobe Münzforten, Thaltrſtuͤce, 
Sweiguibenftüde, Euibenftäde, halte Thalerſtuͤge, halbe Gulden 
Rüde; zum Unterfhiete von den kleinen Münsferten, welche bie 
Münzen unter halben Balbenftäden begreifen. Gute, ſchlechte Münze 
forien. 

Die Muͤnzſtadt, u. — ſtaͤdte. 1) Eine Stadt, melde bad Münze 
recht hat. a) Bine Stadt, in welcher fih eine Münze befindet und 
in welder der Lanbesherr münzen laͤßt. 


368 


Muͤrbe 


Der Muͤnzſtand, —es, 9. — ſtaͤnde, cheinahls eia Reicht fand, welder 
das Mduzrecht hat. In engtrer Bedeutung derſtand man darunter 
birfenigen Reihe: ober Kreisſtaͤnde, welcht eine eigne Verbindung in 
Betreff bes Muͤnzweſens unter fih geſchleſſen hatten. 

Die Münzflatt, 9. —fätte, ober die Muͤnzſtaͤtte, 4. —n, 
eine Gtatt ober Gtätte, d. h. ein Ort, wo gemünzet wirb; bie 
Minze. e 

Der Muͤnzſtempel, —6, DM. gl. einer ber Stempel, zwiſchen wel: 
Ken die Münzen ie Gepräge erhalten; bad Muͤnzeiſen. 

Das Münzftüd, —s, 4. —. 1) Ein Staͤc Metal, welches zu 
einee Münze zugerichtet it und gemuͤnzt werden fol, 2) Ein ſol⸗ 
ed gemänztes Gtäd Metall, ein Beldftüd. „Win goldenes Münze 
fü. Popowitſch. (M.) 

Der Müngverfälfcher, die Münzverfälfhung, f. Muͤnzfaͤlſcher, 
Muͤnzfaͤſſchung. 

Die Muͤnzverfaſſung, 9. u, bie Berfaffung des Wiünzweſens. 
Beil. 

O Der Münzwäger, —s, 99. al. In ben Mängen, berienige, wel 
der den Bolt: und groben Silbermuͤnzen das gehörige Gewicht giebt 
Gastirer), Auch & der Muͤnzgleicher, weit wir für justiren gleie 
den und ausgleichen fagen. ©. 

Der Münzwarbein, —es, 9. —e, in ben Münzen, ein Wardein 
d. d. eine-verpfilhiete Perſon, melde ben Gehalt und wahren Werth 
der Münzen erforfhet und beflimmetz bei Stieler Miünzprüfer. 

Der Münzwart, —es, By. —e, ber Vorficher einer Mänze (Münz- 
director), 

Das Muͤnzwerk, — s, . —r (R.) 1) Ein zufammengefehtes 
Wert, ein mit Mäbern ıc. verfebenes Teiebwerl, das Metel zu 
Deönzen mit Hülfe deſſelden zuzubereiten und zu prägen; die Müns 
ze, Muͤnzanſtalt. =) ©. Muͤnzbuch. 

Das Muͤnzweſen, —s, 0.299. Ale was die Münze und dad Münjen 
betrifft, damit in Berbinbung ſtehet, dazu gehäret, 

Die Münzwiffenfhaft, f. Müngenkenninif. 

Die Münzwürbigung, 2%. u. bie Bärbigung einer Münze, d. h. 
e Peöfung und Beflimmung bes Gehaltes und Werthes derſelben. 

riſch. 

Der Muͤnzzettel, —s, My. gl. gewiſſe Zettel, welche bei Mangel an 

» barem Gelbe in einem Gtaate in Umlauf garfegt werden, und ber 
darauf gefchziebenem oder gebrudten Summe in barem @elbe glei 
gelten oder gelten follen. S. Papiergeld. 

Das Münzzeihen, —6, 2. gl. im Mänziwefen, gewiffe Beiden, 
welche mit auf die Mänzen geprägt werden und welde die Mänzs 
ſtadt bezeichnen, wo bie Münze geprägt morben if. 

Der Muraal, —ıs, 9 —e. 1) Der Sälammbeißer (Cobitis Los- 
silis L.), 3) Die Moräne (Muraena helena L.), 

Die Muraͤne, f. Moraͤne. 

Der Mürbbraten, —6, 3. gl. ber Mörbraten. S. b. 

Mürbe, —r, —fte, adj. u. adv. ein Wort, meldes denjenigen Bus 
ftand fefler und beſonders zugleih faftiger und eSbarer Körper bes 
seihnet, da der Aufammenhang ihrer Theile Teiht arteennt werden 
kann und ihr Saft zum Theil eimgetrodnet ober verbunfter iſt. 
Berzt. Morſch. Müches Obft, mürbe Apfel, Birnen. Mürbes 
Fleiſch. Das Fleifh mürbe kocher. Den Stodfifh durch Mäffern 
und Klopfen mürbe maden, bie feften, zäben Theile beffeiben erweis 
Gen. Auch nennt man Holy und Steine märbe, wenn fie im Ins 
nern verweſet und aufgelöfet ſich leicht zerbrechen laffen, Uneigent⸗ 
lich Heißt, einen mürbe machen, ihm fo lange zuſeen bis er mad 
giebig wirb, bis fein Widerſtand, fein Muth, feine Kraft gebrochen 
wird. Im Ofnabrädihen ıc. mür. 

Die Mürbe, 0. 99. ber Zuftand einer Sache, da fie märbe if; beffer 
als die Mürbigkeit, welches man gewoͤhnlich bafür gebraucht. 

O Mürben, v. Ip ner, mit fein, mörbe worden. Die Äpfel mürben 

" fhon, II) irs. mörbe machen; eizentlihunbuneigentli. &. Mürbe. 


Muͤrbl 


„Dre Erdkletß wird gebemätkigt, gemürbt, zerrieben und alfo ges 
Häntert® ıc. Herden — D. Mürken. D. —ump. 

x Mürblich, adj. u. adv. ein wenig müsh, M. Kramer, 

+ Die Murdyel, Sy. —n, bie Rıleraffel oder bee Rellermurm, 

Die Murente, By. — n, ſ. Moberente 2). 

+ Der Murf, —es, 9. —r. 1) Fein Siät Brot. Feſch. Rach 
Fulda in der Schwelz Murr. X Aucein Heiner umanfehnlicher Rent, 
wo «6 aber Murds zu lauten pflegt, =) + In Dithmarſen, das Mar. 

+ Murfen, v. ) mtr. &. intrs, ein Must fein, ih müreifh zeigen. 
U) trs. im R. D. morben, abſchlachten. — D. Murten. 

Der Murkoibe, —n, 84. —n, tie Kaulquappe (Cottus gobio L.). 

x Murks, ein Schalwert, mit welhem man einem groben aut, be⸗ 
fonders ein Fury chgehoßenes Brunzen der Schweine nachahmet und 
bezeichnet. Auch hat man davon in ber niedrigen Sprechart bad Grund⸗ 
wort ber Murk oder Murks, einen leihen unaufehnlihen, auch wel 
mözrifäen und murrenden Menſchen zu bezeichnen; fonftein Murrkopf. 

X Murkſen, v. intrs, ben Laut Murts von fi geben. Uneigentlid, 
märriih fein, feine Unzufrietenpeit, feinen märrifgen Einn burd 
Murten an ben Tag legen. D. Murkfen. 

Der Murkftein, —es, 94. —e, ber Rame eines zuſammengeſehten, 
aus Glimmer, Quarz und Branat beflefenden Gteines; gemifdter 
Geſtell ſtein. 

O Der Murmelbach, —es, 24. —baͤche, ein mit murmelndem 
Serduſche dadinfſlieſender Bad. 

Der Mucmelbraſſen, —s, 99. gl. eine Art Weerbraſſen, welche 
duch Bewegungen mit bem Maule kuftblaſen in bie. Höhe keigen laͤßt 
und baburd einiges Gerkufh mach (Sparus mormyrus L, Syna- 
gris 16. KL) 

O Der Murmelfall, —es, 9. fälle, ein Waſſerfall welder ein 
murmelndbes Geräufh erregt, ein Meiner Wafferfall. 

Des Baͤchteins Murmelfal, Bürger (R.) 

Der Murmelfifh, —es, 24. —t, tin murmelnder Fiſch, d. h. ein 
Fiſch welder ein gewiffes GSerduſch berborbringt, S. Diurmelbrafe 
fen. Bei Maller führen biefen Ramen biejenigen Bauhfloffer, 
deren Kiemenöffnung im einer langen Rige ohne KRiemendedel beſte⸗ 
bet (Mormyms L.), , 

O Das Murmelgetöd, —e8, 0. 4. das Getsſe welches entfichet, 
wenn Biele unter einander murmeln, d. h. balblaut ſprechen. 

{ — ringe bob Ah bie ganze Berfammlung 

Auf von den Sitzen mit Murmelgetbo.“ — Sonnenberg. 

Murmeln, v. Dntr. imit haben, ein gelindes, bumpfes und unver 
uchmlidhes Gerduſch Hervorbringen, hören lafıın. Die Duelle mur ⸗ 
melt fs fanft. Ein murmelnder Bag. @s murmelt ber Dohner 
von fern, Im Murmeln kühler Bäde. U;. 

Auch uneigentlich vom Beräufh beim Befbwäg Mehrerer. 
— und gleih bem Geriefel ber Bäde 
j Murmelt’ überatt fröplih Geſchwoaͤ. — Gonmmnenberg. 
IT) intrs. dumpfe unnernehmiihe Töne Hören laſſen. Ginem tms 
Die murmeln. Dann, mit gebämpfter Stimme undernehmlid zes 
den, befonbers wenn #8 von Mehrern zugleih gefhicht, Man murs 
melt bavon. Es wirb bavon gemurmelt, man ſpricht heimlich bas 
von, fogt ſichs Ins Dhr. ©, auch mummeln, munfeln, Unctigentlich, 
feine Nnzufeiebenheit laut äußern, für mursen, in welcher Beben: 
tung *6 anfer ber Wibel ungewöhnlich it, „Diefe murmeln und 
Hagen immertar.* Brief Zub. 6. „Es erfub fih rin Murmeln 
unter ben Griechen wiber bie Ehrder.* Apoftelg. 6, ı. III) tra, 
2) Murmelnd fagen. Unverflänblihe Worte murmeln, Einem et ⸗ 
was ins Ohr murmeln. „@ine Unfliftmägigel murmelte ber Kam ⸗ 
merberz,“ Benzel:&ternau, =) 4 Durch fein Murmeln bes 
wirkten, hervorbriagen. 
Qudlen murmelten Chlummer um fie unb lodten in Träume. 
®ounenberg. 
D. Durmeln. D. —ung, if ungemöpnfid. 


. Gampe's Wörter. 3. ©}. 


369 


Mus 


O Die Murmelquelle, Sy. —n, eine murmelabe, mit murmelabemn 

Gerduſch fliegende Dice; auf ber Murme!quell. 
Murmelquellen, blau erhekt. Ungen. (R.) " 

Das Murmeithier, —s, 3. —e; Bm. das Murmelthierchen, 
ein Bäugethier, das zu ben Ragethiegen und zum Seſchlecht ber Matte 
gerehnet wisb, vier Ichen, einen kurzen bünnharigen Shwang, aufs 
arblafene Baden mit fehs Beifen Sarthaaren an jeber Seite dat 
und fo groß wie ein Raninhen mwirb (Mus marmota, Arctomys 
marmota), 8 Lebt auf ben Alpen inHöhlen und bringt ben gröf: 
ten Theil bea Jahres barin fhlafend zu; auch Bergratte, Alptatte, 
Bergmaus, Becgdacht, Alpenmaus, Alpmaus, Alpenmurmels 
thier, Murmelmaud, Murzgerhen, Bärmaus; in der Schweit, 
Murmentie, Miſtbellerle in Ertjburg Murmamentl. Uneigent 
lich nennt man aud einen trägen, ſchlaͤfrizen, wie aud einen Hipl 
den Menſchen im gemeinen Erben ein Murmelthiet. 

Der Murner, —, 3. gl. eine im Reineke der Fuchs gemöhalige 
B.nennung des Katerd. 

+ Der Murr, —s, 239. —, In ulm, ein AMentlicher Ausrulee ber 
Befehle. Fulda und I. GC, Schmid. i 

+ Der Murrbach, —es, p. —baͤche, ſ. 1. Muere. 

1. + Die Murre, 9. —n, in Zirol, eine Art Eaaminen, welde aus 
Sand und Steinen beftehet unb von ben Gebirgen herabſtürzet aud 
in engerer Bebentung eine trockne Murre genanat wird, zum Unter 
fdirbe von einer naſſen, wenn bergleihen Sanb und Steine nom 
einem Bade, wilder dann Murrbach heißt, herabgeführet wirb. 

2. + Die Murre, By. —n, im R. D. ein burhlößerter Koplentepf , 
ſich darüber zu wirmen, bie Feuerkieke. 

Murren, v. I) ntr. mit haben, u, intes. bumpfes un chea 
Geraͤufch, dumpfe unvernehmiihe Tine bervorbcingen. Dann, im 
D. D. peimtic ſprechen. Man murret bavon, für, man murmel 
davon. Im engeren Bebeutong, feine Unzufrlebenpeit, fein Mifores 
guügen buch bumpfe unveruehmliche Töne und überhaupt laut Aus 
gern. Über etwas murren. „Da murrete bas Bolt wider Mofe.* 
2 Mof. 15, a4. IT) tes. mureend fagen. „Und zähnefletfhenk 
muerten bie gefeffelten Ungeheuer graufe Töne bes ohnmächtigen Zor ⸗ 
nes." Benzels Sternau, „So murtte ber Bropard.* Darf. — 
D. Murten. 

Murrig, adj. u. adr. ſ. Muͤrriſch. 

Muͤrrifch, —er, —fte, adj. u. adr. feine Ungufriebenprit, Unkehage 
lichteit, fein Mißvergnügen durch Worte ober vielmehr bumpfe uns 
vernehmlihe Töne und durch Mimen und Geberden Äufeen, an bem 
Tag legen, und, zu folgen Uußerungen geneigt, berfelben gewohnt; 
auch mureig, Muͤrriſch fein, ausfehen. @in mürrifher Menfh. 
Gin muͤrriſcher Sinn. Dann, im biefee Gemuͤthaart gegränbet, 
Ein mürrifhes MWefen an ſich Haben. Im O. D. fügt man bafüe 
grantig, in Balern auch fhieferig, im N. D. gnarrig, gnurrig 
ober tnuttig, gnarsk ac, wo für muͤrriſch fee auch gnarren, 
oder knurten, quarten ıc. gebräuhlih iſt. 

X Der Murrkopf, — s 9. —Eöpfe, ein mäerifher Wenſch. „Beibk 
den engen Murrfopf erweiterte die Unabhängigkeit feines Tanft gräm- 
Uden Lebens zur Mittheilung für Anbere.* Meyer 

X Murrlöpfig, adj. u. adv, einem mürrifhen Kopf, d. 6. Sinn ha: 
bend, moͤrriſch. —— 

Die Murrmeiſe, 9. —n, bie Gumpfmeife. 

O Der Murrfinn, —es, 9. 4. rin müsrifger Clan, anhaltende, 
üble Eaume. „Mie oft hat meine freie Schweigerferie mit dem Ge 
genbrude bes Murrfinnss biefes unglädiihen Fuͤrflen gelämpft.® 
Thämmel. » 

O Wurrfinnig, —er, — ſte, adj. u. adv. Mursfun haben, an den 
Zag irgend. „Ein fo murrfinniger Mann.“ Thämmel. 

+ Murten, f. Möhre. 

+ Rurt, adj. u. adv, Murten, v. trs. f. Moͤrten. 

Das Mus, ſ. Mus. 

47 


Mufche 


1. X Die Muſche, 9. —n. ı) Im D, D. rin Rame gewiffer Hei, 
ner Bigel; auch Muß, Mufhel 2) Ein Schoͤnpflaͤſterchen (Mouche). 
Kein Brätterden fuhr auf, die Mufche mußt’ es decken. Bahariä. 

2. + Die Muſche, 9. —n. ı) In Baier, eine Hure; anbermärts 
Muſſe, Muze 2) In manden Gegenden ein Kuß; anderwaͤrts 
Guſche. 3) ©. 3. Muſchel. 

1. Die Mufchel, 9. —n; Bw. bad Muſchelchen, D. D. —lein, 
ine olgemeine Benennung ber blutlofen, weihen und mit feinen 
ſichtbaren Belenkın verfehenen mwurmartigen Thiere, welde in hazs 
ten Gehäufen obere Schalen wohnen. In engerer Bebeutung derglei · 
den Schalthiere, deren Schale aus zwei gleichen Hälften beſtehet, bie 
fi an einem Bande oder Gewinde Affnen laffen, 3. B. die Perlen: 
mufhel, Kammmuſchel 1.5; befonbers wenn fie lang und gemllbt 
find (Conche). Man unterſchridet Flußmuſcheln und Seemuſcheln. 
Die gem ine Mufchel, oder bie efbare Miefmufhel iſt eine ber ber 
Kanntefien Sremufdjein und heißt auch Blaubart (Mytilus edulisL.). 
Die Mageilanifhe Mufchel, eine andere Art Miefmufdeln, melde 
aus ber Magellanifhen Meerenge fimmt, unb einem gefpaltenen 
Hufe ähntid if, wenn man ihre Schalen neben einander legt (My- 
tilus ungulatus L.). Dft verficht man unter Muſchel das Thier 
allein ohne bie Schalt, z. B. in ben Rüden, wenn vom bergleichen 
efboren Thieren bie Rebe iſt. Kalbfleifh mit Muſcheln. Aosge: 
Rochene Muſcheln. Noch öfter verſteht man aber unter Mufcel, 
bie Schale des Thieres allein; beſtimmter Muſchelſchale. Ber 
feinte Muſcheln. Karben ia Muſcheln. S. Muſchelfarbe, Mus 
ſchelgold, Mufcelfiiber. Oft werben auch leere gewundene @er 
mufdeln, auf welchen blafend bie Merrgoͤtter ber Alten vorgeſtellt 
mweıden, bieß Muſcheln genannt. Uneigentliih beißen auch ı) von 
Wuſcheln verfertigte Dinge Mufcheln, 3. B. hernfoͤrmige Muſcheln 
als Irinfgefäirre, 

Bil: aus dem Kelch' bie Muſcheln bee Säke mit Bafte ber 

Reben. Gonnenberg. 

2) Klexlei andere Dinge, bifonders Berziezungen, wegen einer Ähn⸗ 
lichkeit mit ben Muſchelſchalen. So heißt in ber Berglieberungs: 
Zunft eine an ber innem Fläche jebts Seitentheiles bes Rich 
ober Siebbeines befinblihe und nah außen gewundene Anochenplatte 
bie obere Mufchel (Concha superior), eine andere Tängere umb 
breitere unter biefee mehe nah aufen befindliche bie mittlere Mus 
fdyel (Concha media). Die unteren Muſcheln (Conchae infimae) 
liegen an ter Rafenflihe bes Oberkiefere. Die weihlichen Scham⸗ 
theile führen ebenfalls ben Namen Mufchel. An ben Gefäßen ber 
Dirfhfänger ıc, fährt den Namen Muſchel der Meine muſchelfbrmige 
Schud. Auch ber ansgrhählte Shell bes Außen Ohres wirb wegen 
feiner Gefalt bie Muſchel, Ohtmuſchel genannt. Im R. D. laur 
tet dies Wort Muſſel. 

2. + Die Muſchel, Ds. —n, im D. D. ein Heiner Vogel, wie auch 
eine Fliege. ©. Muͤcke. 

3. + Die Muſchel oder Drufche, 99. —n, in manden Gegenden, 
+ 8. in Säiefien und in ber Laufis, ein von Baft, Etroh, Sinſen 
sc. gefleditener Got mit einer Handhabe, ben man als einen Hand» 
kerb am Arme trägt. 

Der Muſchelachat, — s, Di. —t, Achat mit Mufhrloerfliinungen, 

Der Mufcelatlaß, — ſſes, 4. von mehreren Sorten, —ffe, eine 
Art Ktlas mit Beihnungen bie ben Schalen ber Rammmufheln che 
Auftrn gleiden. 

Die Mufchelblume, My. —n, bei Planer, eine auslänbifhe Waſ - 
ferpflange mit eifdemigen Bidtt @. vwelche auf tem Baffır ſchwiment, 
und eine weiße baarige Blume opme Kelch biltet (Pistia stratio- 
tes L.\. ‚ 

+ Die Mufcheleifchel, 9. al. ter Moprfperling; auch Murfchels 
eifchet; nah Ad. Muſchelniſchel. j 

Das Muſchelerz, — s,  —t, rim Gifenerz, welches in Geflalt 
ron Mufheln beit, 


— 


Muſchelſ 


Die Muſchelfarbe, By. —n, eine Farbe, welche man in einer Mas 
ſchel bat und aufbemahret. 

Der Muſchelfiſch, —et, 4. —e, ein Wort weldes bei Stieler, 
Friſch und anbern vorfämmt, und welches Friſch rrllärt, ein Fiſch 
in einer Mufhel, die zwei Schalen hat. Ginen folden Fiſch giebt 
es aber niät. 

Der Mufchelflob, —es, Sy. —flöhe, eine Art Schilbfloh oder Eins 
auge in flehenden Waffern (Monoenlus conchaceus). 

Der Mufcelflor, —ed, 3%. von mehren: Sorten, —flöre, eine 
Art Fler mit Zeihnungen, bie Muſchelſchalen gleichen, 

Mufcelförmig, —er, — fie, adj. u. adr. bie Form, Geflalt einer 
Muſchel, befonders ber Kammmuſchel ober ber Aufter abend; mus 
ſchelicht. Borzuͤglich von Verzierungen, bie platteund, ein wenig 
gemölbt und geſtrahlt find, 

Das Muſchelgehaͤuſe, —s, 3 gl. das Gehäufe einer Muſchel, die 
Mufherfdale. 

— bie Fiſcherinn unter ber Doppel 

a Reiäte dem nackten Kind’ ein Dufchelgehäufe zum &pielen. Bo $. 

Dad Muſchelgold, —e6, o. Di. mit Honig abgeriebenes Blattgolb, 
welches in Muſchelſchalen zum Mahlen aufbewahrt wird. BDergleis 
Gen Blottfilber wird Mufchelfilder genannt. 

Das Mufhelhorn, —es, My. —börner, eine Muſchel in Geftalt 
eines Hormes, beſonders fofern fie dient barauf zu blafen. Die Ari⸗ 
tonen blafen auf ihren Mufchelhörnern, 

Der Muſchelhut, —es, 9. —hüte, ein Hut an deſſen aufgekremp⸗ 
ter Seite eine Muſchel befeſtiget ift, wie die Pilger zu fragen pfles 
gen. „Auf dem befhornen Haupte thronte beiheiben ſtolz ber Me 
ſchelhute Bengel» Sternau, 

Der Muſchelkalk, —es, Di. u. der aus Maſchelſchalen gebrenste 
Ralf. 

© Der Mufchelfenner, bie Muſchelkenntniß oder bie Mufchel- 
kunde, f. Schattbierfenner, Schatthiertenntnif ıc, 

Der Muſchelkoͤnig, —es, 4. —e, f. Muſchelſchlucker. 

Der Muſchelkrebs, — s, 4. —e, rin Seekeebs, welcher In einer 
leeren Mufhelfchale lebt ober doch feinen nadten Cchranz bazeiı 
herberget; der Einſſedlerkrebs ober Einſtedler. ©, Einſiedlet. 

Der Mufcheltürbif, — ſſes, 29. —ſſe, der Melenenkürbis. 

Die Mufcellage, 94. —n, ine Lage ober Schicht von Mufdelnz 
bie Muſchelſchicht. „Die Muſchellagen und Berſteinerungen.*“ Gerber, 

Der Mufhelmarmer, —s, 34 gl. ein mit verfteinten Muſcheln 
burhfestir Marmer, 

Die Mufhelmünze, 9. —n, Münze, Selb weldes in Mufdeln 
befteht, deſſen man fi im mehren Gegenden Afiens, Afrikas ıc. bes 
dient, Umziätig wird bie Meine, ſtark glänzende, weiße smb ftrchs 
gelbe, lawendig biaue Muſchel ſelbſt, weiche anſtatt des Welbes dient 
und melde Muͤnzmuſchel beißen folte, Muſchelmuͤnze nenannt 
(Cypraea moneta L.); eub Guineifhe Münze und bloß Münze, 
Bruftbarnifh, Otterkoͤpfchen (Kauri, Simbipuri). 

+ Die Muſchelniſchel, 3. —n, f. Moosfperting und 1. Muſche. 

O Muſchelreich, —er, —fle, adj. u. adv. reih an Mulcheln, viele 
Moſcheln enthaltend. Gin mufcelreiches Waſſer. Denn aud, mit 
vielen Mufheln geziert. 

Grtönt ein Lied vom mufcelreichen Waͤnden, 
Das eine ber Rajaden fingt. Up 

Der Mufchelfammler, —8, 99. gl. der Mufcheln fammelt; befons 
ters bır sine Mufdelfammlung anlegt. Friſch. 

Die Muſchelſammlung, 8. —ın, bie Sammlung von Mordeln 
aller Art um fie nah Seſchlechtern, Arten ıc. zu orbnen, entweber 
jum eigenen Bergnägen oder gu Iffrntlihem Gebrauch und zur Belıhe 
zung überhaupt; basn, bie gefammelten Mufcheln feibt, auch wol, 
ber Drt wo fie ih Sefinten. Eine Muſchelſammlung befiden. 

Der Mufchelfand, —es, 0. Dh. grober, unzeiore Sant, welcher mit 
vielen Heinen Wuſcheln vermiſcht if. 


Muſchelſ 


Die Muſchelſchale, Ba. —n, tie Schale ober bie Schalen einer Mus 

fdei; im R. D. Muſſelſchulpe. 
, Braga fült ber Barden Muſchelſchale 
Hit Begeift'sung und Frunens Lohn, R. 8. X, Mändhaufen. 

Die Muſchelſcheide, Sy. — n, eine Art Seeſchelden, bie mit Mur 
ſchelſtuͤdchen, Steiachtn, Pflanzentheilen ıc. fo fſeſt bebedt iſt, daß 
man nichts devon abreißen fann (Ascidin conchilega). 

Die Mufhelfaikt, 9. —en, f. Muſchellage. 

Der Mufchelſchlucker, —, PA. gl. einer ber Muſcheln ſchtuckt, d. h. 
ißt. Daun eige Kıt Taucher in Siam mit braunrsthem Kopfe und 
Helfe, die üb von Maſcheln nähret und bie Größe ber Zaugergans 
erzeiht (Mergus rubricapillus L.); auch Mufheltönig. 

Die Mufchilfeide,o. 29. ein feitenartiges Gefpinnft, welches man von 
den Steck auſcheln bekommt, und welches wie Seide versebeitet wird. 
Das Mufchelfiiber, —6, 0. M. ſ. Muſchelgold. 

Der Mufhelfverling, —es,  — e, der Baumfperling. 

Der Muſcheltaffet, —8, 9. —. 1) Eine Art von gejogenem 
Taſſet, in weiden zunbe Stellen, tie Muſcheln, eingewebt find, 
a) Ein Zaffet von Maſchelſtide (f. d.) wärbe auch Mufdeltaffet ges 
nannt merten fönnen, 

O Der Mufchelmagen, —6, 2. gl. ein Wagen in Geflalt einer 
arofen Mafchelſchate, dergleichen von den Künſtlern ben Mrergätierm, 
ber Bicbesjöttinn, ben Feen ıc. als Fuhrwerk gegeben wird, „Das 
fhöne Beipann ihres Muſchelwagens.“ Herder, 

- Das Mufchelmerf, —es, D. u. ein Werk, eine Arbeit in der Bes 
falt einer Maſchel, ober auch von nadgrmanten ober natärlihen 
Fünftlih zufammengefegten Mufheln, Cine Höhle, ein Saal mit 
Muſchelwerk. 

Die Muſe, 9. —n. 1) Bei ben Griechen und Römern, eine ber 
neun Göttinnen welhe ben Wiffenihaften und ben fhönen Könften 
vorflonden umd im melden biefe ſelbtt verſdalich bargeftellt wurden, 
Die Mufe ber Geſchichte, bee Sterakunde, ber Dichtkunſt, ber Zons 
Bunt re, Dader bezeichnet bie vorſtehende Sättinn au bie Wiffen« 
ſchaft ſelbſt weichen fle vorſtehet. Urania war feine Mufe, d. h. die 
Steenmwiffenfhaft mar die Wiffenfhaft, welde cr liebte und trieb, 
Unter Muſe ſchlechthin wird gewbhniih die Muſe ber Ditkunft ver 
fanden, und ein glädlicher geiftreiher Dichter wird Häufig ein Guͤnſt ⸗ 
ling der Mufen genonnt. Gin Freund ber Mufen Heißt jebex, wel 
her Alnfle und Miffenfhaften Licht und beguͤnſtiget. Dieſes bie 
Deutihe @prahähnlihleit in nichts beleidigende Wort findet hier eine 
Gtıle, weil es fehe häufig gebraucht wirb und auch in mehreren Au: 
fammenfegungen vorkoͤmmt. Iu ber höfern Schreibart ſagt man 
dafür Eöttinn mit Hinzuffigung der Wiffenfhaft oder Kanſt weicher 
fie vorſtehet, und Logam hat dafdr Kunſtgottinn gebraucht, weldre 
bob nur für birjenigen Maſen paßt, die ben Känften vorkchen. 
3) Uneigertfich, in ber Sprache ber Bofliffenen, auf ein Miethpferd 
eine Mufe. 3) In ber Pflanzeniehre, ber Name eines Pflanzenge 
ſchlechtes, welches mit ben Dalmen viele Khalichkelt Hat, von melden 
fie aber burch Wiäte und Frucht verfhieben ind (Musa L.); auch 
Pifang, welden Namen wenigſtene mehrere Arten führen. 

+ Das Muͤſeken, —s, 99. gl. ı) Im N, D. bas Difushen. ») Die 
Stachelmakrele. ©. d. 

+ Der Muſel, —s, 9. gl. ein unförmlihes Stuͤc, das von einem 
Ganıen abgehauen oder abgebrochen, abgeriffen ik. So heißen bie 
Wibde, woraus Bretter geiänitten, bie Klöge, woraus Scheite gu 
fpalten werben bier und da Mufel. Wei ben Wittihern, melde bie 
Heinen bei ifere Arbeit abgehenden Klbtze darunter verfirben, lautet 
es Miefel. In Ehwaben verficht man unter Mufel (vieleiht vom 
Muh, etwas Welches) das Weihe vom Brote; auch Mumrfel. 

X Der Muſelmann, —es, 4. — männer; die —männinn, —en, 
ei aus Doslemier, b, bi Welenner bes Islam ober tes wahren 
(Zärtifsen) Slaubens, verberbtes Wort, womit man bie Türken 
und bie Bekenner Moahameds Überhaupt bezeichnet. 


371 


Mufent 


Mufelmännifh, adj. u. adv. einem Mufılmanne ober ben Mufelmän 
nen gehösenb, eigen, angemeffen, in ihrem Slauben, ihren Sitten 
gegründet. Dann auch fo viel ale Tüͤrkiſch. „Dort zeigt ein mut» 
feimännifcher Herkules feine feltene Beibeofärke.. ungen. (#.). 

+ Mufeln, v. intrs. u. trs. in Schwaben nahen, wahtlſchtialich von 
min, mauſen. 9,6. Shmib, 

+ Mufen, v.intrs. u. trs, 1) Maufen, 2) Im R. D. ernfihaft 
nachdenken. 3) K%* Fiüßeen. Fulde, D. Mufen. 

Der Mufenberg, —6, 9. —t, in ber Fabellehre ber Alten und in 
dee Dichttkuuſt, ein Berg, auf mweldiem bie Muſen ihren FSohnſitz bat: 
ten, wo alfo Künfte und Wiſſenſchaften einheimirh waren, wo ber 
bie Dichter begeifkernde, von dem Hufe des Dichterpferdes aufge: 
ziffene Quell, ber Mufenquel, Mufenborn (Hippocrene) floß, wels 
ee bie Dichter begeifterte ıc, Solcher Berge gab es in Briehen: 
land mehrere als ber Parmaf, Helikon, Pintus. Den Mufenberg 
zu erklimmen ſuchen, ben Ramen, Ruhm eines Dichters zu verdienen 
fügen. 

Der Müfenborn, —es, Bi. u. f. Mufenberg. 

Der Mufenfreund, — s, 4. —; bie —inn, 94. —ın, ein 
Freund, eine Freunbinn ber Mufen, eine Perfon, welche Wiffenfhafs 
ten und Künfte, befonbers die Dichtkunſt liebt. 

O Der Mufenführer, —, 2M. gl. ber Führer, Anführtr der Rufen, 
ein Beiname des Muſergottes (Musagetes). 

Der Mufengott, —s, 3. u. ber Gott ber Mufen, das Haupt ber 
faͤmmtlichen Mufen un) babur der Vorſteher und bas Sinnbilb ber 
Biffenfhaften und fhönen Künfte (Apollo), 

Der Muſenguͤnſtling, —e, My. —t, ein Sünfling der Mufenz- 
beſonders ein verzägliher Dieter, welchen bie Maſen gleihfam vor 
andern begünfkigen. — bie raſche Ausblldung, welche feit einem 
halben Jahrhunderte bie vermadläßigte, bie verſchmähte (Deutfhe 
Sprache) von wenigen unaufgefoberten Mufengünfllingen ems 
pfius ·· Boß. 

O Muſenhaft, adj. u. adv. ben Muſen Ahnlich, wie auch, den Maſen 
angemelfen ıc, Ciae mufenhafte Seſtalt. — ber (Apoll) ein Ideal 
(Mifterbitd) Griechiſcher Gultue (Ausbilbung) iſt zur tpätigen und 
mufenbaften Helbenjugent.= Herber. 

® Die Mufenballe, 94. —n, eine den Mufen, d. $. ben Kärften 
und MWiffenfHaften geweipete Halle; befonbers wenn @egenftänte ber 
Künfe und Wiffenfhaften, Kunftwerke barin aufgeßelt und verwahrt 
finb (Museum) 6, 

O Die Mufentunft, 9. — fünfte, eine ber Künfte, welde bie Ms 
fen treiben, und als Sinnbilber berfelben bezeichnen; beſonders die 
Dichttunſt. 

Wohl erkennt er und teifft Heiliger — 
Bielfach redenden Ton 

Der Muſenquell, —es, 4. —«, ſ. —*8 und Dichtetborn. 

Die Muſenſchar, o. Sy. bie Schar ber Muſtu, bie neun Muſen. 
Stieler. 

Der Muſenſitz, —es, 4. —e, ein Sit der Muſen. Uneigentlid, 
ein Ort, wo Känffe und Wiſſenſchaften blühen. Beſonders pflegt 
man hobe Schuten Mufenfige zu nennen, daher benn auch Hochſchü- 
ter, ſeſern ſie ſich der Kuͤnſte und Wiſſenſchaften 6: Aeaisen ober bes 
firigen ſollen, Mufenföhne genannt werben. „Den Mufenfis Per 
ſtiz. 3. 9. Rigter, 

Der Mufenfohn, —es, 3. — ſoͤhne, ein Sohn ber Mafen, 
Mufenfib. 

O Der Mufentempel, —s, 994. gl. ein den Mufen geweiheter Tem: 
pel, und in weiterer Bebentung, eim jebre ben Maſen gleihfam ges 
weiheter Ort, In welchem man ihnen halbiaet, wo Runftwerfe aufges 
#elt und bewahret find, und mo min birfe Kumftwerke betrachtet und 
von ihnen zu fernen ſucht (Museum), Auch nennt wol bas mit ge⸗ 
Ichrten Pälfsmitteln verſehene Arbeitszimmer eimes Gelehrten, Höfe 
lich ferzend, feinen Mufentempel, 


* 


Muſenv 


O Der Muſenvater, —, 9. —vaͤter, eigentlich der Vater der 
Muſen. Dann einer, ber Water ober Berfertiger eines Kauſtwerkes, 
3 B. Dichterwerkes if, au weldem, bilblich geſprochen, ber Beiſtand 
ber Mufen oder einer Mufe nörhig iſt. „Der Mofenfohn, ber bie 
Babe verfertiget (in Berſe gebracht, gereimt) hatte, agiste (fpielte) 
felder mit als Muſenvater.“ 3. P. Riäter. 

Der Müsefler, —s, 99. gl. dee Didel (Cyprinus dohula L.). 

+ Dufig oder Müfig, f. Mufig. 

Die Musfate, 9. —n, bie Frucht des Muskatenbaumes, aud wel 
birfer Baum ſelbſt. Wie hat die Geſtalt und Bröße eines Pfirſiches 
ift unten aber gleich einer Wirme zugeſpitzt; ihr Fleiſch If daͤrtlich 
und fhmedt herbe; fie enthält aber einen einer Ruf äbnligen Kern, 
daher er Muskatennuß genannt wird, welcher ein bekanntes ange 
nehmes Gewürz abgiebt. Man unterfheidet weiblihe Muskaten⸗ 
nüffe (Myristica fragrans), männliche (M, fatua) und wilde (M. 
aylvestris), welche von verfhiebenen Bäumen fommen. Zumeilen 
Tommen fie mißgeflaltet und verwadhfen vor und hıifen bann nad 
igzer befondern Geftalt Diebsnuͤſſe, Koönigsnuͤſſe, Zwillingsnäffe, 
Über ber ſchwarzen, bünnen Schale, welche biefen Kern unmittelbar 
umgiebt, Legt ein fafreiges Gewebe von rother Jarbe hart an, wel⸗ 
ches forgfältig abgeldfet wird und bas feine und keſtbarere Gewürz If, 
das man unrihtig Musfatenbiume oder Muskatenbläte genannt Hat. 

X Der Musfateller, —s, 3. von mehren Arten, gl., ber Rame 
eines füßen, angenehm und wärhaft ſchmedenden Weines; beſſer 
Mustatwein. Dee befte wird in Mittelltallen gebauet, Die Bela: 
teouben, welde biefen Wein liefern, werden Muskatelertrauben, 
Mustatelierwein, ober Muskattrauben genannt, In Oſterreich 
wird aud ber Butebel Muskateller genannt. 

X Die Musöfatelleraprifofe, 9%. —n, eine Sorte Apritefen. 

Die Mußlatellerbirn, 3. —en, eine Art Elriner wohlſchmedender, 
wörzbaft riehenter und frühreifer Birnen; auch Muskatenbirn. 

Die Muskatellerkirſche, By. —n, eine Art glängenb dunkelrother 
sche füser Kirſchen, welche um Iohannstag, bei günftiger Witterung 
euch noch früher zeif wird; Pragſche Muskateler, 

Das Muskatellerklraut, —es, Bi. u. 1) Bine Art Salbei mit 
Länglichen herzförmigen, runzeligen und rauden Blaͤttern, in Itar 
lien und ®izien (Salvia selaren L.). a) &, Mobrenfalkei. 

Die Mudlatellertraube, der Muskatellerwein, fi Mustateller, 

Der Mustatenbaum, —rs, 4. — bunte, cin in Ofindien wat 
fender, einem Diendaume äynllher Baum, mit glatter, bunkelgrauer, 
bier and ba grönliher und immwendig rether Minde (Myristica), 

Die Muskatenbirn, f. Mustatellerbirn. 

Die Muskatenblume oder Muskatenbluͤte, 4. —n. 
Blume ober Blüte bes Musfatenrbaumes, 
eines frinen von biefem Baume kommenden Gewürz. S. Muss 
Tate. a4) @in Rame der Nachtviole, Frauenviole oder Frauen ⸗ 
veilchen (Viola matronalis, Hesperis matronalis L.). 

Die Musfatenhiazinte, 24. —n, eine Art Hiazinten, bie wenn fie zu 
welten anfangen, Bart nah Mustaten riechen (Hyacinthusmuscati L,), 

Das Muskatenholz, —es, ©. Di. ber Name einer auslaͤndiſchen 
Solyart, welche rbthlich und mit ſchwarzen und pusperfarbigen Adern 
durchzogen if, die Im bemfelben wie bie Adern in einer burdges 
fHnittenen Mustatennuß fpieten, oft aber auch einige Äpntihkelt mit 
Bochftaben haben (Lignum literstum). Der Baum, von welchem 
es tammt, fol ber Piratinera Gujanensis fein, 

Die Muskatennuß oder Muskatnuß, By. —nüffe 1) S. Muss: 
Bate. 2) Eine Art Pofaunenfäneden (Buccinum murexr). Nemnid. 

Die Dusfatenrofe, Pr. —n, ein Rame der Molſchrole. 

Das Mustatendl, — s, 0. MM. ein feines Dt, melhes ſowol ans 
ben Müstatennäffen, als auch aus ber fogenannten Muskatenblüte 
bereitet wird, 

Die Musfattaube, By. —n, der Rame zweler Arten von Tauben 
(Columba senen et alba), Remnid, 


1) Die 


h 


372 


Unelgentlih, der Rame' 


Mustelf 


Die Musfattraube, 94. —n, f. Muskateller. 

Der Mustatwein, — s, 4. —e, ſ. Muskateller. 

Der Muskel, —s, By. —n, bie Benennung der meiden Theile ber 
thierifhen Körper, melde aus zeisbaren Falern beſtehen, gewöhnt 
langlich ab runblid find, durch ide Infammenziehen zur Bewegung 
des Körpers und beffen Blleber dienen und bas Fleiſch bes Rörpere 
ausmahen (Musculus); auh bie Maus und bri Altern Beraliebes 
zen, das Mäusen oder Maͤuslein, auch mol zuweilen & der 
Bleifhlappen. Das anbeweglichere Ende ber Muskeln wird der 
Kopf oder Anfang, das beweglihere bie Anſetzuug ober das kigent: 
lie Ende genannt. Einen gefieberten Muskel (Musculus penna- 
tus) nennt man In ber Berglieberungstanft einen folden, bei dem fi 
bie Muskelfofern an eine lange fhmale Flechſe von beiden Gelten un: 
ter ſpigen Minkeln angefegt haben; iſt bies nur auf einer Gelte ge 
ſchehen, fo Heißt er ein halbgefieberter Muskel (M, semipennatus). 
Der durchſlochtene Muskel (M. complexus) iſt ebendaſelbſt ein 
Ratenmustel, welder von ben oberen Bruſtwirbeln und untern Hals: 
wirbein koͤmmt, an bie obere Halbfreisföraige keiſte des Hinterhaupr 
ten gehet, and bem Kopf ſchraͤg rückwaͤrta beugt. Mer große und 
eine runde Muster find Muskeln der Schultern unb bes Ober 
armes (M, terca major et minor); der bienförmige Muskel 
(M, piriformis) bat ben Mamen von feiner Beftalt und hilft den 
Dberfhenfel sädmwärts im bie Höfe heben; der halbflechſige Muster 
(M, semitendinosus) Mmmt vom Sitzbeinknorren und beugt dem 
Unterfenkel; der halbhäutige Muskel (M, semimembranosus) 
mmt ebenfalls vom Gigbeinknorren umb Hilft ebenfalls den Unten 
ſchenkel beugen. 

Die Muöfelblutader, 9. —n, in ber Berglicherungslunft, Blut⸗ 
abern, welde das Blut aus ben Muskeln zurädleiten, 

Der Muskeleindruck, — s, Py.—rinbrüdfe, in ber Senglieberungs: 
kunſt, bie Benennung gewiſſer Einbräde am äußern Höder bes Oben 
armbeines, beren beei find, bee vordere, mittle und hintere, 

air — —— 2 —n, bie Faſern, aus welchen bie Mudkeln 

rächen, 

Die Mustelhaut, 2. —häute, im ber Berglirderungstunft, eine 
feine Haut, welche die Musteln umgiebt, 

Der Musfelbautnerve, —n, Bi. —n, in ber Berglicherungttunft, 
bee Name eines Armmerven, welcher ben Hakenarmmuskel buräbch* 
tet (Nervus musculoentaneus), 

O Mustelig, — er, —ſte, adj. u. adv. Muckein habend, vol Mut: 
fein; dann, Harfe Muskeln habenb (museulös). 

Muskelig Aroht ipm der Halt. — Bol. 
O Die Mutfelkraft, &%. u. die Kraft, Stärke in den Muskeln. 
— Beſeht den Heinen Fant ’ 
. Bot Muskelraft und But, Ungen. 

Die Muskellehre, 4. —n. 1) Die Eher von ben Htusfein, vom 
ihres allgemeinen unb befonbern Kigenfhaften, ihrer Beftimmung ıc. ; 
ein Theil der Köenerichre (Myologie); ohne Mehrzahl. =) Eine 
Schrift, wride bisfe Lehre abhandelt (Myologie). 

Der Musktlnerve, —n, 24. —n, in ber Berglieberungstunft, die 
Riesen der Muskeln. Der gemeine Muskelnerve (Nervus oguli 
motorius) hHeift bafelbft einer ber Augennerven, welcher von den 
Morkbändeln des großen Gehirnes Fmmt. 

Die Mustelfcheide, 94. —n, in der Berzlieberungetunft, Flechſen, 
melde ur Belefligung ber Muskeln dienen und einige Khnlichkeit mit 
einer Scheide haben (Veginae, fasciae), 

Die Muskelſchlagader, y.—n, in ber Bregliederumgstunt, Schlag: 
abıeen, welche das Blut zu bem Mutkeln Leiten, Beſenders Helfen 
einige Kopflchlagadern, die aus ber innern Kopf’älagaber entiprins 
gen, bie untere und obere Mustelfhlagaber ober Oberaugenboͤh 
lenſchlagadet (Arteria museularis inferior und arteria superor- 
hitalis), 


O Muskelſchwach, adj. u. adv, ſchuach an Muskeln, ſchwache Vieh 


Muskelſ 


Helm heabend, raftles. — und wir wären nach Hauſe gekeramen 
ganz verftopft, geſichtafaltig, muskelſchwache ıc. J. P. Rihter. 
O Die Musteiſchwaͤche, o. 9. bie Schwäde in ben Muskeln ober 

Schwaͤcht bes Körpers Überjanpt. 
O Mustelftarl, adj. u. adr. fark an Muskeln, ſtarke Muskeln har 
bend (musaulös); dann, ſtark, Fraftuol Aberhaupt. 

O Die Mustelflärke, 0. 2. die Stärke in ben Muskeln, Stärke, 
Kraft bes Körpers überhaupt. 


© Die Muttfelzgerglieberung ober Muskelzerlegung, 9. u. bie . 


Berglieberung, Beslegung ber Muskeln, ‚um ihren Mau 20. zu unter 
ſachen (Myotomie), ein Shell ber Berglieberungstunft, 
Der Muskelzweig, — s, By. —e, in ber Serglicherungstunft, ein 


Biweig eines Muskelnerven. Eo Heißt befonbers ein Bmeig bed Mur 


feihautnerven ber Muskelzweigz zum unterſchtzde vom Dautzjmeis 
gt, dem andern Imeige biefes Nerven. Min Aneig bes Babenbein 
nerven heißt der tiefe Muskelzweig (Ramus profundus nerri pe- 
ronaei ). = 

Der Muskochs, bie Muskroſe, dad Muskthier oder Mustuschsic, 
fe Moſchochs ıc. 

Der Muskkaͤfer (Muskuskaͤfer), —s, 3. gl. ein Rame des Tod⸗ 
tengräbers und anderer zu bem Weichlecher deſſelben gehbrender Kaͤftr, 

E wegen Ihres bifamartigen Gerucdes, 

x% Die Muspel, By. —n, der Rohrdommel. Wigterb. v. 1488. 
Auch dei Nemnid. 

2. Dat Muß, (bas u gebehnt) —eb, Pi. —e, bei Einigrn X bie 
Muͤßer, ehemapis jebe Speife, eine zu einem dicken Brei gekochte 
Maſſe, befonbers eine ſolche Spelſe. Das Apfeimus, Birnmuß, 
Pflaummuß, Kirſchmuß. Gin Mandelmuf, von Mandeln, 
Wilch, Eierbottern x. MWaffermuf, von Mehl und Waller, Bier 
muß, von Bier und Brot. Häufig wird eine folge breiiäte Maffe 
auch Dappe genannt. Themahle bedeutete Muß, befonders eine 
Cprife, aus dem Sewähsreihe, wolde wir jegt Bemüfe oder Zur 
gemuͤſe ſagen. Daher der Mußgarten, ber Bemüfes ober Rüden: 
garten; der Mußmengeter, einer ber mit Semüſe, mit Köchenge⸗ 
wählen handelt; das Mußwerk, Gemäfe ıc. 

2. X Dad Muß, (das u gefchärft) o. umend. m. Bi. ein Wort, wel 
Ges im gemeinen Erben den Begriff einen unerläßlihen ober unbers 
meiblihen Rothwenbigkeit dezeichnet. Es it ein Muß, es muß ger 
ſchthen, es muß fein. Es if eben fein Muß, cs muß eben nicht fein. 
Sprichw. Muß ift ein bitter Kraut, ober, Muf ift eine harte Ruß, 
bie Rothwendigkelt, der Zwang ift fehr umangenehm. „Beritih jett 
nothinindig eine Schablsshaltung, ein theures Liebes Muß; Muß 
aber it no kein Segen, Gchabloshaltung Bein Erfag bes Werlore 
nen.“ Herder. 

Der Mußapfel, —s, 94. — dfel, überhaupt AÄpfel, welche gut find, 
Muß dataus zu bereiten. Beſonders aber eine gewiſſe Sorte platt 
gebrädter RApfel, beren es grohe, runde gelbe und Heine giebt. 

Die Muße, (das u gedehnt) Di. u. die von den beſtiaten, gewoͤhnlichen 
Beſchaͤftigangen, befonders von ben Amts: ober Berufegeſchaͤften übrige 
freie Beit. Sein Amt laͤßt ihm nicht vier Muße, es bleibt ihm von 
feinen Amtsgefhäften wenig Belt übrig, bie er nad feinem Gefallen 
verwenden Lnnte, Viele Mufie Haben, viele freie Beit zu dellebl⸗ 
ger Anwendung. Beine Mufe gut anwenden. Wenn ih Muße 
bazu finden werde, wenn id bazu Seit habem werde. Die gelchrte 
Muße, die von Amtsgefhäften freie und zu gelchrten Befhäftiguns 
gen verwendete Brit. Bumeilen au, gänzliche Freihelt von LTD 
fimmten und Amtsgefhäften. „Zur Trügheit in den Armen einer 
wolluͤſtigen Muße gewöhnt findet ee (ber Zaͤrtling bes Giäde) bie 
Zugend und bie Verdienſte zu mühſam.“ Dufd. 

+ Muffelig, adj. u. adv, .zauderhaft, langſam. &. Muſſeln. 

+ WMuffein, v. intrs. u, trs, 1) ©, 3. Muſtern. 2) In Hamburg 
fubiin, fhmusig zu Werke geben. Miden. 

+ Der Muffelwagen, —, ©. al. auf grofen Ediffen, der Raum 


373 


Muüffen 


seifhen des Bäting und bem Bodmafe, Möping. 

+ Mußen, v. tr. 1) Xx Muß, Speife geben. Gin Rind mußen. 
Dberiin. a) In Schwabea, Map, Weri effen. 3.6. Schmid. 
3) Au Mus maden, fhlagen. Riche y. D. Mußen. D. —ung. 

Müffen, v.ntr, mit haben, verwandelt in berümmandlung in einigen 
Beiten fetn win 4; ich muß, bu mußt, er muß, mie müffen, ihr muͤffet, 
fie müffen; geb. Form, ich müffe, du muͤſſeſt, er müffe ac. unl. verg. B. 
ich mußte; geb. Fetm, ich müßte; Mittelm. b. verg. 3. gemnät. &s 
deztichnet a)mothiwendig fein, ſowol von natärliher als fittliher Roth ⸗ 
wenbigkeit; in Werbindung mit einem anbten Ausſageworte in ber 
unbeflimmten Form. Gin ſchwerer Körper, welcher nicht geftügt if, 
muß zur Gebe folen. Wer leben wid, muß eſſen. Wer den Zwed 

‚wid, muß aud die Mittei wollen. „Sie müfte ihren Wreth niet 
Eennen, wenn fie dieſes zu ihen im Stande wäre." Gellert. Müfs 
frm Eie es denn bushaus haben? Ich muß Aues willen, wenn ich 
bilfen ſell, id kann nicht anders Helfen, als wenn ih Alles weil, 
erfahrt. Im weiterer und uneigentlier Bebeutung beztichnet ed oft 
nur eine vorgegebine ober eingebilbete Rothwendigkeit. Er muß Al⸗ 
led wiffen, ex hält dafür, er bildet ih ein, es fei mothwentig, baf 
er Alles wiffe, ex mil Alles wiſſen. „Für ihn ift Alles, zu feinem 
Vergnügen muͤſſen ale Gefhöpfe bafein." Dufd. Bumellen brudt 
es and einen Unmilen aut. Muß ich denn auch immer geſtört 
werben? Muͤſſen Sle fih denn um Alles befämmern? Dit deztich⸗ 
net muͤſſen aud eine anfheinende Rottwendigkeit im Bufammentzrfs 
fen der umfände, in Ereigniffen. Es mufte fi gerade fo fügen. 
„Ale Zage bat fih ein Hindernig finden müffen." Bellert. Muͤſ⸗ 
fen mie uns fo wiederfinden? Ad, daß es fo kommen mußte! In 
biefer Bedeutung wird es aud gebraucht, zugleih einen Wunſch aus 
subruden. So müffe es bie and glüden! Es mäüffe dir gelingen! 
Bumriten ift auch hier bee Nebenbegeiff bed Unmwillend bamit verbuns 
ben. Daß es gerade jetzt geſchehen mußte! Warum mir aber auch 
Ales mißlingen mus? Eben fo oft wird müffen gebraucht, eine 
Sache ald eine folder, von ber man fef überzeugt iſt, und bie nicht 
wol anders fein kann, zw beztichnen. Sie müſſen bas ja befier 
wiffen, als ih. Jetzt muß er ſchon ba fein, er ift etzt ſicher ſchon 
da, „Melde Woluft müßte es fein, eim Herz wir bas ihrige zu 
belohnen!" Gellert, Dieſe Sewlßheit ober Überzeugung mwisb oft 
"au nur zu einer farken Bremutfung. Es muß wol nidts an ber 

. Bade fein, fonft Hätte man fhon mehr bavom gehört „Der Water 
muß aber doch feine Urfachtn Haben.“ Weise, „Ihe müft euch 
Alle deredet haben, mir zu wiberipredden." Beilert. Drum müfr 
fen mol @efpenfler fein. Au biefe Bermuthung finkt oft bis zur 
ungewißheit ober Unmwiffenpeit vnd muͤſſen bebeutet dann fo viel als 
mögen. Wer muß es wol gerelen fein. Melde Zeit muß es wol 
fein. Wer muß benn ba fein, ich höre Mopfen. Doh koͤmmt bie 
fee Sebrauch mur im gemeinen Beben vor, Endlich bezelchnet muͤſ⸗ 
fen oft au nur einen möglichen Ball, wo es bana in der gebundes 
nen Form gebraudt wird. Er kommt fiher, er müßte denn eine 
Abhaltung haben, Ich halte ihm für gut, id müßte mid benn fehr 
isern. Er müßte Mh anders befonnen haben. a) Au einer Hands 
lung, rinem Buflande gezwungen werben ober gezwungen fein; von 
Perfenen und Sachen und gemöhnlid in Verbindung mit einem ans 
bern Ausfageworte in ber unbeflimmten Form. Der Shwädere 
muß unterliegen, nahgeben. Wenn man etwas recht will und «6 
recht autängt, fo muß es geben. Was ich befchle, muß gefheben. 
35 wit und werde nit, wenn id nidt muß. 

Am beften gern gethan, denn wer nit will, ber muß. Opiy 
Es fol und muß gefhehen. Ich follte e# wei thum, aber ih muß 
es barım nicht gerade them. „Die Menſchen thum Bleles, was fie 
nicht folten, und Wieles niht, was fie folten; aber fle thun Alles, 
was fie müſſen.“ Eberhard. „IH fol alfo bas thun, was ih 
nicht laſſen basf, ih muf bas tun, maß id nicht laſſen kann.⸗ 
Derſ. ©, Som. Oft wird aber auch, befonders wenn von ti⸗ 


Mußeſt 


dle Rede iſt, welche durch Umftant- und Bırbiltniße 
das mit moͤſſen font gewoͤhnlich vers 
bunkene Xusfogewort weggelaffen. IH muß fort won zur, be) 
gehen, zeifen, weiten ıc, I muß nad Haufe, nämlich mid begeben, 
34 muß son hier, ich muß, id muf. Gotter. 
&r mußte daran, etwa gehen, er mußte ed thun, fi gefallen laf: 
fen ı. Die Sache muß mieber herbei, nämlid gebradt, geſchafft 
werten. Oft wird die Bedtutaug von muͤſſen nicht fireng genom⸗ 
men und man bezeichnet damit häufig nur ein geoßes Verlangen, eine 
deingende Witte. Sie müffen aber aud Ihe Berſprechen, meine 

"Witte erfüen. Cie müffen es aber auch nicht vergeflen. Sie müfs 
fin aber aud fommen. Du 
Dft gebraucht man es aud bei dringenden Ermapnungen im belch 
genden None, mie auch bei Aurehtweilungen im gebieterifgen Zone. 
„Diefe Empfindfamfeit eurer Hrrjeh müßt ihr zu einem lebendigen 
Gefühle ars beffen, was gut, recht, wahr, Idhlih und heilig iſt, heis 
lgen.« Gramen, Dirfee große Bedankte muß deine Seele unter 
idrem Brame mächtig auftichten.“ Bonnenfels. Das muͤſſen 
Sie nicht von mir verlangen, erwarten. „Wenn fie anderer Meis 
nung find, fo muͤſſen fie wiſſen, daß fie jung find und feine Erfah» 
zung haben.“ Gellert. Dft gebraucht man es auch im gemeinen 
Beben und im ber leichten Schrelbart, eine Mebe zu begleiten, zu mels 
Ser man fi gebrungen füplt, ober ber man dadurch ein gewiſſes 
Gewicht geben will. „Ban bin ih noch nicht fertig, muß ih Ihnen 
ſagen.“ Leffing +39 muf bi bo mod etwas fragen." Gel⸗ 
lert. — No if von müffen zu bemerfen, daß es in ben zus 
fammengefehten Zeiten, anfatt in bre Mitteiform zu fehen, 

* in bie unteflimmte Borm gefeht wird, wie das Xusfagemwort, mit 
welchem es verkünden ifl. Er hat viel Ungemach ausflchen mäffen, 
nicht gemußt; er hat ſich Wieles muͤſſen gefallen laſſen. Ohne ein 
anderes Xusfagewort aber wird es zegelmögig gebraucht. Wir bar 
ben mohl gemußt. Er hat ohne umftände fort gemuft. — Che 
wahre wurde müffen, wie Ab. bemertet, aud für innen unb für 
bfrfen gebraudt. — Das Müffen. S. auch das Muß. 

Die Mufchlunde, 9. —n, eine Gtunde der Muße, eine Stunde, 
ka man won feinen gewöhnligen beflimmten Geſchaͤften frei ik, Im 
den Mußeſtunden feine Bieblingäbefhäftigung vornehmen: 

Der Muäfladen, —s, 9. al. f. Mußkuchen. 

+ Der Mufgarten, —d: M- —gärten,, bes Semuͤſegarten. ©. 


1. Muf. 

O Das Mufgebadene, —n, 2. u. ein Bebadenes ober madwert 
gewoͤhnlich von Butter ober Biättertelge, mit Muf von Pflaumen, 
Kirfhen ıe. gefuͤllt. 

RXA Das Mußhaus, —es, 
der Speiſeſaal. Friſch. 

Mußicht, adj. u. adv. einem Mufe, bidten Breie ähnlich. 

Mußig, adj. u. adr. Muß enthaltend, Muß unb befonbers viel BMiah 
gehend. Im Hüttenbaue nennt man das Binn mußig ober börv.ig, 
menn es Hämperig und kaotig ift und nicht zein fließt; auf miljig, 
mufig, müfig, muͤſſig. 

Miüfig, edemadis mußig, 


ner Bewegung 
'wistiz näher beitimmt wird, 


nam hiam 


Di. —häufer, das Speilehaus; auf, 


—er, — ſte, adj. u. adv. 2) FRuße, 
+. 6. übrige freie Zeit von feinen armöbulihen beftimmten Geld ‚iften 
Basınd; edemadls auch Ki muflic. Mahler. Eine müfige Sitande, 
im welcher man folhe Muß: hat, Eeine müfige Zeit gut an enden. 
3a-melteree Webeufung, ven Befhäften, Arbeiten übertaus ;t frei, 
aar keine Geſchaͤfte, Krbeit habend. Der Ihätige kann nirht müs 
fig fein und er matt fi ein Gethäft, wenn er eins bat. „Der 
Dauevater fahe Arbeiter am Markte müßig ſteben.· Mott b. »0,5. 
Eciar Linder müfig gehen Taffen, unbefäfftigt. Die Fıferte Neben 
jest mäfig !m tale. Umelgentiih, von Dingen, zrachracht. 
ein Metd müfig legen laffen, ohne es zu getrandin, zu näsen, 
mit Vortheil asıufraen, 
Dir müf’ge Panzer hing an ber beruften Brnd. Badartä. 


374 


mußt mid aber aud nicht verraten. 


Must 


„Wenn der unfanbere Geift wieberfommt, findet er das Haus mi: 
fig,” undenägt, unbemoßnt. Matt}. 12, 44. Dft auch fo viel 
als enwirkfiom. „Alles, was bie Verſtand erkernet, und es nicht 
fo ertenmet, baß es das Herz billiget und Hebt, iſt eine mäßige Er · 
Konntaiß.e Geilert. Am Häufigften wird muͤßig in nachtheitigem 
Sinne gebraucht für, In unerlaubter Buße lebend, in Mufe lebend 
ba man thätig, befhäftigt fein ſollte. eine Brit müfig subrin 
gen, unthätig, ohne überhaupt etwas, befenbers ohne etwas Rüt⸗ 
liches zu thun. Müßig geben, unthätig, unbefhäftigt fein, ba 
mean etwas then, ba man befhäftigt fein fellte; im R. D. lebig 
geben. Ein muͤßlges Erben führen, eim unthätiges, gehäfttefes. 
2) Ghemapls fagte man, einer Bade muͤßig gehen, fe vermeiden, 
fie fliehen. 

Die bei ter kieb in Arbeit ehe, 

Die wird man faft beftändte ſehn 

Der andıra Arbeit muͤßig gehn. Logau— 
Einer Perfon mäßig gehen, fie meiden, fliehen. — Davon bie 
Muͤßlgkeit, 0. IM. der Zuſtand, ba man ober ba etwas mäßig if. 

1. + Müßigen, v. trs. 1) Müßig wachen, Mufe verftaffen. ©. 
Abmüfigen. 2) Sich einer Sache muͤßlgen, Im O. D. ſich ihrer 
enthalten, fie vermeiden, „Die Banbieute folen fih des Jagtus 
zu und ihrer Arbeit warten." Bluntfäti. D. Müfigen. 

—ung. 

2. + Muͤßigen, v.trs. machen das man mi, zwingen, in ben Kam 
zeleien und im D. D. Sich zu etwas gemüfiget fehrn. Im D.D, 
wird bafdr auß.bemüßigen gedraucht. D. Muͤßigen. 

Der Muͤßiggang, —eb, o. Wi. der Zuftenb, ba man müßig gehef, 
d. 5. unthätig, unbefhäftigt if, da man thätig, befdäftiget fein 
folte; befonders der Zuſtand, da man mäßig gehet wHl man faul 
if, Feine Luſt zu arbeiten hatz im R. D. Lediggang. ein Beben 
im Mäßiggange zubringen. Den Müfiggang lieben. Sich brm 
Müfiggange ergeben. Sprichw. Müßiggang ift aller Lafter Ans 
fang, im Mäfiggange verfält man auf alleriet Möfes und if im 
Gefahr, ein laſterhafter Menf gu werben. Der geſchaͤftige Mir 
Figgang, da man bie nothmendigern Befhäfte, eruſtern Belhältigune 
gen vermeibet aus Xbmelgung bagrgen, und ba man allerlei Unnd» 
thiges, Unnäges, ober bo weniger Rüplihes und lnzeitiges vor 


nimmt, 

Der Müfiggänger, —s, M. al; bie —inn, My. —en, eine 
Verfon, weiche müßig gehet, ben Müflggang liebt; im R. D. Le⸗ 
biggänger. 

O Müfiggängerifch, adj, u. adr. ‚glei einem Mößiggänger, bem 
Möfizgange ergeben; dann and, im Mäfiggange gegründet, aus 
dem Müfiggange entfpringend, „— um ihres muͤßiggaͤngeriſchen 
und leitgläubigen Hafens nad) Neuigkeiten zu fpotten,“ Wieland. 

+ Der Mußtleber, —s, 9. u. ber Haſenklee. 

Das Mußkraut, —s, 34: u. ein Pflanzengeſchlecht, woven einige 
Arten zu einem Muß gefoht und gefpeifet werden. Die Blumen 
Haben fünf Sertä: umb fünf Blamendlätter, viele zarte @taubfäben, 
einen bieten Griffel mit boppeltem Staubwege (Gorchorus L.); 
auch Mufpflange. Das gemeine Mußlraut (Corchorus olito- 
rius L,) heißt auch Kohlmußpflange und Jubenpappel. Es hat 
hellgrüne, hersförmige Wiätter und geibe Blüten. 

Der Muftuhen, —, 94. gl. Kuden mit Pflaumenmuß bebedt 

ober gefült: Mußflaten. 

**Muſtlich, adj. u: adr. f. Muͤßig. 

x} Der Maßmenger, —s, 19. gl. eine Perſon, welcht Geraöfe 
verfauft, Keil. 

Die Mufpfanne, 24. —n, eine Pfanne Muf darin zu machen. 
Stieler. 

Die Mußpflanze, M. —n, f. Mußkraut. 

Das Mufrheil, (das u arbehnt) — s, U. —e, im ben Rehten, 
die Hälfte besjinigen Verrathes an Erhensmitteln, welche fig drei⸗ 


Mu 375 Mufterf 


sig Tage nach dem Hoher Hines Mannes In ber Haushaltung beffels 
ben findet, und mad ben Gähffhen Fechten feiner hinterlaffenen 
Witwe achörtz ehemapis'uuch bie Hofſpeiſe. S. 1. Muß. 

+ Das Mufthier oder Mirethier, —es, 3. —e, das Elend ober 
@lenbtbier, ; 

Der Mußtopf, —ed, 9. —öpfe, ein Topf zu Muß ober mit Muß. 
®tieler, 

- Die Muftorte, 34. —n, einı Korte mit Muß, Stieler. 

FX Das Mußwerk, —8, 0.99. allerlei Gemäfe.. &, 1. Muß. 
Keifh 

+ Dad Muf, et, 2 —e, is Most. 

Das Mufter, —s, 9. al. Br. das Muſterchen, D. D. —kin. 
1) @in in feiner Art volfommmer ober bach bafür geachteter Gr: 
genftand, in welchem bad MWefen tiner gewiffen Art von Dingen an: 
geſchauet werden kann und weihe man nahahmet, wenn ein Ding 
biefer Axt hervorgebracht werden ol 5 fowel von Perſonen als a: 
den. Sie iſt bas Muſter gute Hausfrauen. Gin Muſter der 
Rechtſcha ffen heit, Beſcheidenheit, ba Fleißes ze. „Indem es in ſei ⸗ 
nen Erfahrungen an Muſtern har Vortrefftichkeit ober an Bels 

" fplelen außrrorbentliher Echlcchtigker febit: fo wird 1 weniger ge 
zeigt, die Menſchen, mit denen (wechen) er in Werbinbung firdet, 
genau zu beobadten.* Garve. „— ba fie (die fharffinnige Prüs 
fung und Beurtpeilung) jeht bie Berigung mehrerer Jahr hunderte 


überfhauet, an ben Alten Mufter, am en Reuesn Beipiele findete ac. 


Bötbe. Im Höheren Shane ik Muter das Bollkemmenfte feiner 
Urt, das zwar nachgeahmt, aber nihtrrriät,' mod weniger über 
trofien werden Bann (Ideal). „und Mifter, ewige Muſter erwar⸗ 
ten — vielleicht eine fpätere Beil. Dieder, Gott denfen wir 
und als das Muſter aller Wollommenteit Das Mufter ber Shin, 
heit, Zum Mufter erheben, zum Mufle verebemm (idealisiren), 
Die Exhedung, Wereblung zum Mufter (Ienlisirung). In biefem 
Sinne, wo man wol aud um beflimmtrr zusehen, hoͤchſtes Mufter, 
volltommenftes Mufter fast, wird auch Sırbild und Urbilb ges 
beaudt. S. d. Wörter und Mufterbegeiff. Menu von Dingen bie 
Bere iſt, To beztichnet Muſter beſonders rinen folgen in feiner Art 
volfommenen ‚ober für vollkemmen geachteten degenſtand ber Rad 
'aftmung, an "wilden das Berhältniß feiner Meile 16, deutlich zu 
erfehen ift, mono man fit bei ber Nachahmang gihtet; im vielen 
Fälen aud das Model (hlodellum, modele), „Beige ihnen bie 
BWelfe und Muſter des Hauſes.“ Ezech. 43, 12. Go überhaupt 
in den Künſten. @in Mufter maden (modelire), Gin Mufter 
zu einem Tempel, einem Denkmahle, einem Zrinmafe c, So 
beißen auch befonter® die Rähercien und @tidirein, oft auch nur 
genaue Beihnungen ıc., nach welchen bie Näherinnen und Stickerin⸗ 
nen näten und flicken, mie aud bie Gtäde Papterc., melde bie 
Größe und Feem der Theile von Aleidungsfläden ds Zemel ıc,, 
oder auch ganzer Kieibungsftäde als Mügen, Daubn ıc, zeigen, 
nach welchen biefe zugeihnitten und gemadt werben, Vuſter. Im 
gang entgegergefehter Bedeutung wird in ber gemeinn Sprechart 
sumellem ein bißliher, abſcheulicher Menſch ein hißliäes Mufter 
Betannt. 2) Ein Meines Std von einem Banıen, befla Beſchaf- 
fenbrit daraus zu erfchen; doch gewöhnlich nur von Kühen, Zeu⸗ 
gen, Gtoffen, Binden und bergleihen. S. Muſterbuch, Muſter⸗ 
karte. Auch wneigentlih für Prebe. 
Um ihnen von feiner Macht 
Ein Hrines Mufter zu weiſen. Wielanb, 
3) Ein Bild, eine Geflalt, eine Zeichnung in einen Beug, in ein 
Band ıc. gewebt oder darauf gehzudt. Der Brug, ber Kattın, bad 
Bank bat ein gutes, ſchoͤnes, feines ꝛc. Muſter. Gefhmdtofe, 
bunte Mufter. Im weiterer Bereutung heißen bei den @örtnern 
auf bie Gefalten, Formen, welche fie den kuſt und Blumesftüden 
sehen, Mufter. 

Der Nuſterbaum, —ed, 2. — baͤume; Bw. das Muſterbdum⸗ 


hen, bei ben Gärtnern, Bäume ober Bäumen in einem Mufter 
ober zierlichan Blumenfläde, welden man bush Beſchneiden ic. eine 
gewiſſe Geftalt gegeben hat, 


O Der Muſterbegriff, —es, 2. —e, ein Mufter, fofern es nur 


im Begriffe da if, und bemfelben in der Wirklichkelt nichts, obere 
bod nichts Sihtbares antwortet, ein Wegriff, eine Vorſtellung vom 
etwas als Mufler, ber ober bie bie Stelle eines Muſters vertritt 
(Ideal), „— und Muflerbegriffe, wenach fie andere Ideen ent⸗ 
widelt und in ein Ähnliches Banzes zufammenfegt.* Witte. 


© Dad Muflerbild, —6, 9. —ır, ein Bid, ſekern es ein Min 


fer if, befonders im dem hoͤhern Ginne biefes Wortes, ein Mufler 
felbk (Ideal), „Das unübertseffdare Muſterbild der Wolllemmens 
:ı 6 


deit. 
O Der Muſterbildner, —s, 99. gl. eine Perſon, bie Mußer bil⸗ 


bet, Muflesbilder mat, entwirft ober auch nur benkt, in Gedanken 
vor fi) dat; befonbers im Höhen inne des Wortes Muſter (Iden- 
lisirer). 


Das Muferbuch, —es, 3. — bücher. 1) Ein Bud, welches Mufer 


sum Nähen, Stricken enthält ıc. Dann aud, ein mufterhaftes Bud, 
ein Buch, das im feiner Art ſewol in Pinfiht auf dem Inbalt als 
auf bie Form und Darftelung ein Mufter ift (classisches Bud); 
auch ® Mufterfgrift und Muſterwerk. G. 2) Ein Bub, in wels 
dd Mufter ober Feine Probeftäcde von Zühern, Zeugen, Bändern ır, 
befeſtiget find, bamit man fie befehen, vergleigen und barunter währ 
len Fann. Bergl. Muſterkarte. 


Die Muſterelle, 34. —n, eine Ele, welche ein Mufter für andere 


Een if, nad welcher bie Länge ber übrigen Ellen beſtimmt wird; 
gewöhnlicher bie Eichelle. 


Der Muflerer, —6, 29. gl. x) Einer der muftert, Mufter macht. 


2) Einer der muftert oder genau und flüdweife heſichtiget. 


® Die Mufterform, 39. —en, eine Form, fofern fie ein Maſter 


ift, oder als ein Muſter zu betrachten it unb betrachtet wird (Ty- 
pus), 6, 


O Der Muſtergeiſt, —es, By. — er, ein Geiſt, der fein eigenes 


Mufter ift, der feinem andern nachahmet, ſich nach keinem andern 
bildet, fondern Alles aus und durch ſich ſeldſt iR (Originalgenie). 
Leifing. Man kann in gleider Bebeutung auch Muferkopf ges 
brauden, 


Mufterhaft, —er, —fte, adj. u, adr, einem Mufter ähntih, volls 


kommen wie ein Mufter fein muß, und Nahapmung verbienend. 
Eine mufterhafte Beſcheidendeit. @in mufierhaftes Betrigen. 
Mufterhafte Schriften, Briefe, Darfellungen, Davon bie Mus 
flerbaftigkeit, 


Der Mufterherr, —ın, =. —ın, ehemahls eine Perfon, welcher 


die Mufterung ber Zruppen Übertragen wurde. Es mwarın bei bem 
Beeren epemapis aud beſtaͤndige Mufterherren angeflent. G. bat 
den Franzöflfhen Imspesteurs aux revues biefen Deutſchen Namen 
beigelegt. 


Die Mufterkarte, 2. —n, eine Karte, d. h. eim großes ſteifes 


Blatt, oder mehrere folhe Blätter zufammengefägt und zum Bufams 
menlegen eingerichtet, worauf Proben von Türen, Beugen ober Bähs 
been ic. befefliget ind, um fie von ben Kaͤufern befehen und daraus 
wählen zu laffen. S. Mufterbuh =). „Die mitfhiffende Befehl 
fhaft, — aus Lappen von verſchledener Büte und Farbe zufammen- 
gefegt, unb bie du mir wel nicht zummthen wirft in eine Muſter⸗ 
karte zu bringen" 2, Thämmel. Umeigentiih nennt man auch 
wol neben einander befindliche Einzelweſen ber verfhietenen Theile 
eines Ganzen, 4. B. ber verfhiebenen Scharen eines Krirgshreres, 
bie gleichſam Proben jener Theile und des aus ihnen befichenbume 
Ganzen ab, eine Mufterkarte. h 


O Der Mufierfopf, —es, Di. —köpfe, ein muftezhaftee Kopf, 


ein Kopf, d. d. ein Menſch, der in feinee Art ein Mufter if, otee ” 
and ein Kopf, der frin eigrars Muftr ift (sin iderler, nrigineller 


Muiterl 


Hopf). S. Muftergeift. Auch in den Känften if ein muflerhaft 
gezeichneter oder gebilbiter Kopf, wie auf ein mad einem dem 
Grifte vorſchwebenden Muſter gebilbeter ober gepiäneter Kopf, ein 
Mufterkopf. 

* Mufterlich, adj. u. adv, mufterhaft, nad einem Mufter. Friſch. 

© Mufterlos, adj. u. adv. fein Dufter pabend, ber Mufter deraubl. 
Dann, mad keinem Muſter gemacht, gebildet, unpeltommen, uns 
regelmaͤßig · O In bee Sprachlehre kann ein unregelmoaͤßiges Aus 
ſagewort, welches in ber Ummwanblung durchgaͤngig ober dech in ben 
meiften Zeiten von ber Megel abweicht, Fin mufterlofes genannt 
werden (Verbum anomalon). &. 

X Der Muſtermacher, —6, 4. ol; bie —imn, Du. —en, eine 
Yerfon, wilde Mufter machet; befonbers, welde Mufter ju Ber 
then, Werkjeugen, Triebwerken ıc. macht (Modelirer). 

1. Muftern, v. trs. 1) Muſter machen. Dann, mit einem Bufter 
oder mit Wuftern verfehen. Einen Beug muflern. Gin Band mus 
fern. Gemufterter Rattun. Gemufterte® Band. 2) Städmweife 
und genau befehen, um es in allen Zheilen kennen zu lernen unb 
zu exforfhen, ober auch um bas Gute von bem Schlechten abzufon» 
bern. Go werden bie von den Gewerkern kommenden Zeuge geinus 
ftert, d. h. deſchauet um zu erfahren, ob fie bie gehörige Befhaffen 
heit haben. Die Truppen, bat Heer muſtern, fie vor ſich erſchei⸗ 
nen laffen und unterfuhen, ob fie ferb und Alles an ihnen, umb 
was zu ihnen gehört, im gutem swemäßigem Stande ift, womit 
zugleſch Aelegeütungen als bie Hauptfadhe verbunden find (die Re- 
wue passiren faffen). Die Mufterung ber @oldaten (Revue). 
Sophor, der Heerfuͤrſt, der das Sandvolt zu muflerm pflegte.“ 
Ser. 52,25. In weiten und uneigentlihen Bebeutungen, had 

den einzelnen Theilen prüfen, bepztpeilen. Etne Sqhhrift, ein Bud 

miuſtern (critisiren). 
Gleich war ein Schwarm von Vigeln ba 
und muflerte bes Eremblings Lieber, Midhaelis, 
D. Muſtern. D. —ung. 

2. + Muftern, v. trs, ein im R. D. gebräuhtides und mit maufern, 
mauftern verwandtes Wort für, mit Kleidern verfehen,, pupen; im 
Dmabrädigen muten. D. Muftern. D. —ung, welches che: 
mahle auch für Kleidertracht, Mode gebtaucht wurde, 

3. * Muſtern, v. intrs. {m R. D. murmeln, lüften; auch puflern, 
im Hannoverfhen muſſeln. D. Muftern. 

Die Mufterorbnung, 3. —en, bei den Gärtnern, bie Orbnung, 
d. h. Vertpritung der Gewädfe in den Muftern eder zierlichen Euft- 
unb Blumenftüden, 

Der Mufterort, —s, 94 —Irter, ein Det, an weldem gemuftert 
wird. Stieler, S. Mufterplab. 

Der Muſterplatz, —es, 4. —pläpe, ein Plot, welcher zur Mus 
fterung, beſonders zur Mufterung ber Truppen beftimmt ift. 

O Die Mufterprote, 94. —n, eine mufterpafte Probe. »— Sr: 
- ben alter Ideen, aber feine Erblaſſet And Probemufter jener Ers 
siehung, odwol Reine Mufterproben derfelden,“ 3.9. Richter. 
Die Mufterrolle, 4. —- 2) Eine Rolle, melde Wufter, d. h. 
Proben von Beugen it. enthält, 2) Eine Nolle ober Lifte, melde 
bei einer Mufterung bee Truppen, darüber wie man fie befunten 
hat, verfertiget wird. In weiterer Rebentung, im Golbatenmefen, 
ein jedes Verzeichniß der Soldaten nad ihren Kamen ıc.; auch ber 

Muftiraettel. 

Der Mufterfähneider, —s, 2. gl. ehemahls, ein Mobefäneider, 
E. 2. Muftern. 

Geispus if gereij't, I munter, iR gelehrt, — und wirb verladt. 
@i der neue Mufterfhneider hat ihm ned Fein Kleib gemacht. 
Logau. 

O Die Muſterſchoͤnheit, 9m. u. eine Schoͤnhelt, welche ein Mufer 
ift, die Höhfe denfbare Schönheit (idealische Sqchondeit). 

Der Mufterfchreiber, —6, 9M- gl. derjenige, weißer bei eines Mus 


ı 


376 


Muth 


ſterang der Trupptu Alle nitderſchrelht, was bi berfelben bemerkt, 
gelobt ober getadelt wird. In wertere Bedeutung derjenige, wel⸗ 
cher die Mufterrollen Hält, worin bie Ramen ıc. ber Goldaten ver 
zeiänet finb. 

& Die Mufterfchrift, 2. — en. +) Eine mufterhafte Schrift, eine 
Schrift, die ein Mufter ift oder aB ein Muſter betrachtet werden 
taun (elassische Schrift). G. „Diienigen Mufterfchriften, melde 
gerade jept ein Echrer mit den ScÄlern Lief't.- Benz. =) Eine 
Schrift, VBorfheift, nad welde man als nad einem Mufter 

- fchreibet. 

O Der Mufterfpriftfteller, — 9- gl. der Berfaffer einer Mur 
ſterſchrift, ein Schriftſteller des als folder ein Muſter ift (classi- 
scher ®ähriftfteller, Classiker), 6. 

© Die Mufterfhule, 9 —n, eine Schule, welche ein Muftee für 
anbere Schulen fein fol, bie bınad eingerichtet werben (Normal- 
fäule);: „Die Normalfäulen ‚difes Landes, die meiſtentheils nits 
weniger als Muſterſchulen fint® €. ” 

O Das Muſterſtuͤck, —es, 9 —e, ein mufterhaftes Stuͤck, ein 
Stuͤck, welches ein Mufter a feiner Art ift (olassisches Städ), 
„Mufterftüde aus Giceros Norm." Allgem. Deutſche Biblioth, 
(R.).: Eine Sammlung vor Mufterftüden (Chrestomathie). " 

+ Der Muftert, —s, 9. —e, der Moͤſtrich, Senf. 

© Die Muftertugend, 9. u. bie mufterhafte Tugend, bie höäfe 

. smübertzeffdare Tugend (itealische Zugend). 

Die Mufterung, 9. —en, bie Hanblung, da man muſtert. Be⸗ 
fonbers bie Mufterung Fr Truppen, bes Deere, bie Befihtigung 
und unterſuchung beffelen, um zu erfahren, ob fie in demjenigen 
Iuftande find, in weichtn fle fein follen (Revue); auch die Heer⸗ 
ſchau (e), Waffenſchau e) und chemapis die Mannzahl. Eine Mufte- 

' zung anflelen. Der Nuflerung beimohum. 

© Das Mufterwert, —es, 34. —t, ein mufterhoftes Wert, ein 
Wert, weldes ein Taſter in feiner Art iſt oder als ſolches betrach 
tet wird, „Die Duſterwerke ber Altene (bie clnssischen Werke 
derſelben). C. ‚Bon manden Wahrfeiten mäff.n wie von feemben 
Mufterwerken ir jebem Zahrfunfjig neue Überfedungen gegeben wer⸗ 
ben.“ 3. P. Rihter. S. Mufterfheift und Muſterbuch. 

O Das Muffervort, —es, By. — wörter, inıber Sprachkunſt, ein 
Wort, welches als Mufter für anbere Wörter berfelben Art betrach ⸗ 
tet wird, nad welchem fie fih in ber Umenbung und befonbexs, 
wenn von Auſagewoörtern die Rede it, in der Ummanblung richten 
(Parad'gma, . 

© Der Muferzeihner, —®, 9. al.; bie —inn, Di. —en, eine 
Perfon, weche Muſter für Näherinnen, Gtiderinnen, Weber, Kattun: 
drucker ze. zeichnet, „Merkmeifter und Muſter zeichnet in yon.“ 
Seiſt d Journale. (R.). 

Der Muftezettel, —s, 9. gl. ſ. Muſterrolle. 

Das Musheil, ſ. Mußtheil. 
+ Die Mitede, 0. 29. —n. 
mis). =) Die Grelugel. 

+ Muter, ſ. 2. Muftern. 

+ Der Tuter, —, 9. gl. im R. D. ein Krebs, ber ſich mutert, 
ber ir bee Maufe ift ober geweſen ift; ein Maufer, auch wol, bed 
unelgtig, ein Mutterkrebs. ©. b. 

+ Muern oder Mötern, v. ntr. u. rec. neue Schalen befommen, 
von ben Krebfen; maufen, maufern. D. Mutern. 

+ De Müterih, —s, 2. u. das Mutterfraut (Matricaria par- 
thınium L,), 

1. Ber Muth, —6, 0. 2. ebemapis überhaupt bas Begehrungs- 
vermögen bes Menfchen, im welder Webrutung man jeht Gemüth 
und Herz gebraudt. „Der Here verhärtete ihm feinen Much une 
verftodte fein Herz" 5 Mof. », 50. 

Gin weyb, bie man hat erkant 
In fo frtem muote; Imwain 5, 445 


1) Die Gerpflaume (Uva prunilor- 


Muth 


Dann, in engerer Bebeutung, für Semuͤthaaxt, Benhthesefhaffen: 
heit, „Etoljer Much Limmt vor bem Ball," Eprihw. ı6, 18. 
Luſtiger Muth macht gutes Blut. Yept hat es dieſe Bedeutung nur 
noch in ben zufammengefegten Demuth‘, Edelmuth, Großmuth, 
Hochmuth, Sanftmurh ec. Im nad emgeser Bebeutung, bie 
durch die Umftände veranlaßte ober hervorgebrachte Stimmung des 
Gemäthes, die Gemüthsftimmung. Wie ift dir zu Muche? in wel: 
her Bemütsekimmung bift bu, was empfinbeft bu? Du kanunſt ben» 
fen wie mir da zu Murhe war. Es warb ihm dabei nicht wohl zu 
Muthe, ex wurde beforgt, furchtſam, er verſprach fi davon nichts 
Gutes. Reihe wiffen ger nicht, wie einem Armen zu Muthe if, 
was ein Armee empfindet, leibet, Der Mißmuth, Wankeimuth, 
-Übermuth ıc. Dana, die Gefinnung, Abſicht. 
uf liegen (lügen), triegen Rat din muot. Boners Fabelm a8. 
„Alspaib bas bi Ara: vernam, ba erſchrak fi fer, und fragt im wes 
ee muot het?? Gesta Romanorum. „Da dom aintr ber ie 
firaf; varın wolt, da him fie muot hatt.* Ebend. Ehemahls auch, 
das Belieben, ber Wille. Sy lauffent nad Irem müte, 
Be walde unb a4 velbe. Iwain 1, 497; 
In ber engften Webentung if ter Muth diejenige Stimmung des 
Gemuͤthes, ba man Gefahren und Schwierigkeit niht fürdtet, fon« 
bern verachtet, meil man frine Kräfte fühlt und fih auf biefelben 
verläßt, Bergi. Dershaftigkeit, Hühnheit, Tapferkeit. Muth dar 
ben, beiten. Bolt Muthes fein, großen, hohen Muth Haben, Einem 
Muth modern, einfpeehen, einfiöfen. Den Muth eshigen. Muth 
fallen. Den Much verlieren, finfen loffen. Mir if dee Much 
vergangen. Ginem ben Much zauben, btuehmen. Der Helden 
- muib, Loͤwenmuth. S. d. Gutes Muthes fein, guten Bush har 
dp, den Muth nicht finken laſſen, ſich nicht fürdten, auch, vergnügt, 
Yeiter fein. „Bein Cie Heute gutes Muths. Gellert, X Guter 
Muth ift halbes Leben, Da ber Muth aus Befühl ber Kräfte ents 
fpsingt, alſo ein hohes Mas ber Kräfte und Lebhaftigkrit voraus: 
fegt, To beztichnet Much auch dleſe Reäftigkeit und Lebhaftigkeit ſelbſt. 
Ein Pferd von Muthes, mit wichtig, voller Much, Es if kein 
Muth und kein Erben tn ihm, er fühlt und äußert keine Kraft, une 
ternimmt alfe auch mihts, zeigt keine lebhafte Bigierbe, Neigung 
zu etwas. Seinen Muth on jemand kühlen, fagt man im gemeinen 
Leben, für, fein Iebhaftes Gefühl, befonbers bes Bormes bei einer 
empfangenen Beleidigung on jemand auslaffen, ſich dafür an ihm 
eidrn. In biefer Bedeutung it auch bas Bertleinungswert das 
Mitkhen, O. D, Müthiein gewöͤhntich. Sein Muͤthchen kühlen. 
„Kühle bein Muͤthlein niht,* Sir. 10, 6, Wei ben ältern D. D. 
lautet dieſes Wort häufig das Muth, doch if der Muth am gewoͤhn ⸗ 
lichſten; fo auch in Bufammenfegungen, der Bangmutb, Edelmuth, 
Einmuth (auch die Einmuth), Eitelmuth, Gleichmuth, Hoch⸗ 
mueh, Heidenmuth, Lömwenmifth, Üsermuth, Unmuth, Wantels 
muth, Bweifeintutb. In mehren Infommenfedungen-ift jebod bas 
Deuterwort die ringefähet, die Anmuth, Demuth, Grofmuth, Klein» 
much (bei Audern der Kleinmuth) Langmuth, Sanfimuth, Schwer 
muth, Wehmuth. Die Armuth gehbrt nicht hieher. 
2. + Der Muth, —es, Di: u. im N. D. wo es Mood lautet, ber 
Schaum auf bem Diese; wie auch, ber Haferſchleim. h 
+ Dos Muth, —es, .—e, ſ. Mud. " 
A Mutbanreijend, adj. u. adv, ben Math anreijend, zum Muth 
angeiuenb, — Dee mutbanreisendbe Rosbfeonl, Baggefen. 
& Der Mutbanriijer, —s, 7%. gi. bee zum Muthe aurtizet, oder 
ben Mur anzeizet. — Der Muthanreiser Epopens; Bof. 
* A Mutharm, adj. & adv. an Muthe arm, wenig Math habenb. 
Stieler, 
& Mutbbefeclt, adj. u. adv. mit Muthe befreit, exfuͤlt. Muthbe⸗ 
ferite Ahalır.“ Boß. 
Kmpsr — lief gegen des Afrilaten 
Muthbeſeelte Bruſt mit dem Schwert’ an. 


Kampe's Wörterb, 5. Th. 


— Deeſ. 


377 


Muthi 


x Die Muthe, 2. —n, die Hantlung, da man efmas muthet ober 
foͤrmlich begehrt; bie Muthung. Ein Geſell verrichtet die Muche, 
"bei den Handwerkern, wenn es förmiih um das Meiſterrecht anbäit. 

+ Mutbein, Muteln, Mütern, v. utr. mit haben, maufen, maufern, 

Muthen, v. D tntr. mit fein, im ©. D. ı) Einen Math, d. h. 
Sinn, eine Gefinnung baden. Gemuthet ober au gemiütkhet fein, 
gefinnet fein. Wohl gemuthet fein, wohl gefinnet fein, auch, gutes 
Mattes, d. h. ohne Furcht und Gorgen, vergnuͤgt, ſeia. Ge iſt ge» 
muthet zu verreifen, er ifl gefonnen zu verzeifen, ex will verzeifen, 
2) + Ein Berlangen empfinden. So wird. im Froͤnkiſchen muthen 
vom Rinbviche gebraucht für, mad ber Begattung verlangen. 11) 
* trs. begehren, verlangen, anſuchen ober erhalten. Ein Geſell mu⸗ 
thet bas Meiſterrecht Heißt bei ben Haubwerkern, cr füht bei ber 
Innung darum an. Ein Cohn muthen, ben Behnsperren um bie Er 
theilung bes Echens formlich erſuchen. Im Bergbaut muthet man 
eine Fundgrube ıc, bie man bauen mill, d. h. man hält um bie Erlaubs 
naiß und Selehnung dazu an. Ehemapls auch für anmuthen und mit 
dem zweiten Kalle. Run muthet fein niht mehrer. — d. RNibe 

Iungen®, 8, 0473. D. Muthen. D. —ung. ©. b. 

+ Der Mutber, —s, 9%. gl.; bie —inn, 2. —en, reine Perfon, 
melde etwas muthet, um etwas anſucht, anhält; beſonders im Werge 
baue. ©. Muthen II). 

* Muthfällig, adj. u. adv. ben Muth fallen Taffınd, muthles. MM. 
Reamer, 

O Der Muthgeber, —, 4 gl.; die —inn, Di. —eın, eine 
Perfon und umeigentlih auch eine Sage, bie iu giebt, Muth 
macht, mit Muth erfüllt. 

Die Trbfterinn, die Murhgeberinn, 
- Die Belänftigerian, die Heffaung. Derber. 

4 Der Muthgedanke, —ne, 8. —n, ein Bebante der Muth eins 
flögt, mit Muthe erfüllst, Mutbgebanten, Wahngebanken 

Streitend. — Herder 

+ Das Mutbgeld, —ed, 9. —er, basienige Gelb, welches man bei 
ber Muthung einer Sache entrichtet, beſonders bei ben Ganbwerkern; 
ein Muthgroſchen, fofern e8 ehemapis einen Brofhen betrug, 

+ Der Mutbgrofhen, —s, 9. gl. ſ. Muthgelbd. 

Mutbig, —er, —ſte, adi. u. adv. Muth habenb, feine Kräfte fühe 
lend und baranf bei Unternehmung einer gefäheliden ober ſchwleri ⸗ 
gen Sache bauend, unb im biefem Gefähl und Bertrauen gegründet, 
davon zeugead. Muthig fein. Muthig in bie Schlacht gehen, mu: 
tbig den Kampf beginnen. Ein mutbiger Angriff. Dann aud, feine 
Keoft lebhaft äußeendb, ih bes Gefühlen beufelben erfreuend. Ein 
mutbiges Pferd, Gutes Futter und wenige Arbeit macht die Pferde 
mutbig. Im Antlig der Buben 

Lahr mutbiger Sinn, Salis. 

Davın bie Mutbigkeit, o. 9. der Zußand, da man muthig ff; 

bed nur in der lepten Bedeutung. Die Muthigkeit eines Pferdes, 
In ben Iufammenfegungen, mo biefes Wort die allgemeinege Bebeus 

tung ‚von Muth bat, lautet es, unmutbig ausgenommen, mlthig. 

©. Demütbig, Einmuͤthig, Freimäthig, Grofmüthig ıc. Bon 

tiefen zufammengefegten Wörtern werben vermittelt der Lilbe Beit 

eberfolls Beundwörter gebilbet, bie Einmüthigkeit, Freimuͤthig⸗ 

keit ac 

+ Das Muthjahr, —es, 5. —e, bei einigen Banbiorefern, bas 
Jahr, iveihes zur Muthung bes Meiſterrechtes beſtimmt ift, in mel: 
dem man das Meifterreht mutpet. 

* Muthigen, v. trs, muthig wachen, mit Math erfüllen. 
mutiget bich (&mfer, zu deinen Lägenfhriften) bas* ıc. Lutber. 
(8). „Umflänbe Können birfe Hefnung ſtaͤrken und zw arfůbrli chen 
Berſuchen muthigen.“ Shas. 

Berzelhung muthiget zu edlerem Erkuͤhnen, 
Und feiner Tabel Ichrt das hoͤchſte Sch verdienen. ——— g. (R.) 
D. Muthigen. D. —ung. 
48 


— 
7 


„Birteiät 


Muthl 


Mutbleer, adj. u. adr, ohne Muth, muthlos, Stieler. 

Muthlos, —er, —eſte, adj. u. adr. des Muthes, d. h. des Gefäß 
les feiner Kröfte und des Vertrauens darauf bei Gefahren beraubt, 
keinen Muth hadend. Muthlos werden. Muthlos fein. Ginen 
muthlo® maden, Dann auch, ohne Lebhaftigkeit, Munterkeit, mies 
dergeſchlagen. Davon die Muthloſigkeit, o. 3%. der Zuſtand, da 
man muthlos it; wie auch, muthlefes Betragen. 

X Der Muthmacher, —s, 3. gl.; die —inn, 9. —en, eine 
Verſon ıc., bie zu etwas Muth macht, antreibt. Stieler. O berlin. 

Muthmaßen, v. intrs, u. trs. mit bem Bemäthe, nad) feinem Sinne, 
nad feinen Geranfen gleihfam meffen, baburh aus wahrſcheinlichen 
Gründen bafüz halten, für wahr halten. MWehaupten Tann ih «6 
nigt, aber ih muthmaße es. Gr muchmaht nidt ohne Grund, 
dap biefe Stelle fo lauten möffe (re macht die Conjectur, conjec- 
turirt). Ich habe es gemuthmaßet. VBermuthen unterſcheidet ſich 
son muthmaßen dadurch, daß dabel größere Ungewißzheit und Dun: 
kelheit State findet. Im Juͤdiſchdeutſchen bebeutet muthmaßen nach 
Hepnag gewiß wiſſen. D. Muthmaßen. D. —ung. ©. d. 

Muthmaßlich, —er, — ſte, adj. u. adv. einer Wutkmoßung ähnlich, 
in einer Muthmagung gegründet, im ©. D. muthmäfig. @in 
muthmaßliches Urteil über eine Sache fie. Muthmaßlich if 
eu noch baffelde. Im O. D. fagt man muthmäßig für, zu vermas 
then. Daven die Muthmaßlichkeit, o. Di. die Gigenfhaft einer 
Bade, da fie muthenaßlich iſt, ober fi muthmafen läßt. 

Die Muthmaßung, Di. —en. ı) Die Handlung, da man muthma⸗ 
Bet; ohne Mehrzahl, a) Dasjenige, was man muthmaßet, eim ouf 
wehrfheinligen Grünben beruhendes Nrtheil. Es iſt keine blofe 
Muchmaßung, es iſt zuneztäßige Bewippeit. Seine Muthmaßun— 
gen für Wahrheiten ausgeben, Gelehrte Muthmaßungen, buch 
Sruͤnde uaterfiügte wahrfheinlie Urtdeile über bie zedhte Bedart ıc, 
(Conjecturen). Gelehrte Muthmaſtungen machen. 

Muthreich, adj, v. adv. reich an Mulh, vielen, großen Muth has 
den; ehemabis murhesreih. „Der Muthesreiche.* Parcivat. (M.) 

Der Muthſchein, —es, 4. —r, im Erhuswefen, ein &krin, wel- 
Ger beim Muther vom Lehnhofe, zum Beweiſe, daß er wirklich bas 
geben gemuthet ober ſoͤrmlich darum angehalten dabe, ertheilt wird, 

* Muthfiech, adj. u. adv. am Muthe firh, wenlg ober keinen Muth 
haberd. „Dir muotficche man." kei Oberlin, 

O Der Muthtrank, —e8, 9. 1. cin Trank, Getränt, welcher ober 
weldes Muth erregt oder erregen fol, 3. ©. Brantıwein, welcher 
ben @olbaten ver einer Schlacht gegeben wird, 

Abdul Ließ bush bie Wengen herum jeht reichen ben Muthtrank. 
, z Eonnenberg. 
Die Mutbura, 34. —n. ı) Die Befinnung, dann für Zumuthung. 
Die Maſchatt flett kalt und Hirt 
Die Muthung des Jankers vom Steine Bürger. 
2) Das Bigehsen, bie Anhaltung um eine Code; der Muthzettel. 
Im Berabau⸗ nimmt ber Bergmeitir bie Muthung an, er beftäti- 
get die Mutbung, wenn er tem Mutbır bie Leden erfheikkt, 

Mutbvoli, —er, —fle, adj. u. adr. vol Muthet, wit Math erfüllt, 
fehe mutbia. 

Girl dem Brichen erklimmt muthdoll ter Schonheit 
Alte Pan, Be$. 

Der Mutbwille, —ne, oter der Mutbwillen, —s, 0. 29. 1) 
Ehemapis für das Begehren, der Wille Äberdanpt; denn, Luft, Rei. 
gung. wie auf in engerer Webrutung, freier Wille: in @raınfah von 
Zwang. Im eos emgerer und jett nur neh gewöhnlicher Berrun 
tung, bas Berlangın nah Veftiedigung einer Lu, weicht fhr An: 
dere ſchaͤdlich if, und bie abfihtlihe Welrldigeng biefes Werlangens, 
eb man aleich einſteht, daß es für Audere fhädtich if ober ſchdlich 
werben kann. @s if wehr ala Peichtfertigkeit und weniger als 
Ftevel und Bosheit. Murkwillen begehen, treiben, „Ein Narr 
treiber Muthwillen und hats mod dazu feinen Epott.* Sprich w. 


378 


Mutter 


120, 85, „Er darf mit ihe ſcherzen, und den Scherz bis zum Muth: 
willen treiben.“ Z. Jakobi. Dft wird Muthmille aud in geiinr 
derem Sinne, beinahe wie keichtfertigkeit und auch von unfhäblichen 
aber be unnäpen Handlungen gebraucht. In härterem Sinne koͤmmt 
es aber in ber Bibel z. B. Richt. 20, 5, wo von einer Ehänbung 
und Ermordung bie Rete if, für Bubenftäd ober Fredel vor. Bür 
Relgung oder Fertigkeit Wöfes oder Schäͤdliches aus Lu, zur Luft 
zu thun ift 6 Pf. 140, 9 gebraucht: „Herr, laß bem BWottlofen feine 
Begierde nit und ſtuͤrke feinen Muthwillen niht.* =) F Im ge⸗ 
meinen Raben mander Gegenden führt nah Remnid bie Pfau: 
nelfe x. den Ramen Muthwille. 

* Muthwillen, v. intes, mutbmwillig fein, Muthwillen treiben. „Da 
fie fo bey im warend, mutwilletend bonn die Heyden.“ Bhrider 
Bibel ı Mace 7. R. „Mo aber ainer mutwillen welt ıc. H. 
Bade. (RR) D. Muthwillen. 

Muthwilig, —er, —fle, adj. u, adv. ehemapis freiwillig; muth⸗ 
willend. Jett gebraucht man es nur in ber engeen Bedeutung bes 
Wortes Muthwillen, Muthwillen habend, begehend, ausäbenb, ımb 
in bemfelben gegröndet, S. Muthwille und Leichtfertig. Gin 
muthwilliger Menſch. Muthmwillig fein. „Win verwöhnt Kind 
wird muthillig wie ein wild Pferd," Sir. 50, 8. Muthwillig 
fündigen, mit Bor'ah, mit ber Einfiht daß es böfe und ſchaͤdlich ſei 
etwas tun. Muthwillige Gänden, in Gegenſat der Schwachheits⸗ 
oder Übereilungsfünden, Muthwillig etwas verderben. Luther 
gebraucht au bas unnötkiger Weife verlängte muthmwilliglich. 

* * Murhwilligen, v. tes. wilfüpelih und mit Worbeigehung bes 
Rechtes verfahren, behandeln, wie Arnolbi aus einer Urkunde von 
1437 anführt. Es Lönnte auch muthwitlig machen bebeuten. D. 
Murbmwilligen. 

Die Murbwilligkeit, 9. —ın. 1) Die Elgenſchaft einer Perfon, 
da fie muthwillig iſt, da fie gern Muthwillen übt; ohne Mehrzahl. 
a) Eine merhwilige Handlung, bed meift im gelindern Berflande 
bes Wortes muthwillig. 

Der Muthzettel, —s, Dh. gl. im Wergbaue, ein Zettel ober eine 
furze Schrift, worin eine Perfon um bie Belehnung eines Bergge⸗ 
bäubes anfıhet oder daſſelbe muthet. 

+ Der Mutfchel, —s, 9. 91. ber Baumfperling. 

+ Die Mutichel, a. —n, (dab u gedehnt) bie Kuh; bie Mofche, 
Motfhe. 

+ Das Mutfchel, —, 9. al. ein Stuͤck, eine Schnitte Brot. 
Brifh. Wasefheintih von 2. Mutzen. S. d. In Schwaben, 
nah 3. 6. @hmid, eine Art Weißbrot. 

+ Das Mutfchelimehl, — es, 0. 2. Erin geriebenes Beot. Fulda. 
©. das Mutſchel. 

+ Der Mutſchelſperling, oder Mutfcheleifchel, f. Moosfperting. 

+ Das Mitt, —es, By. —e, ein Gemäß zu trocknen Dingen in 
Bern, weichen 1a Maß oder MIR Hill. S. Mud. 

+ Die Mutte, a. —n. ı) S. Mubte. =) Im Haundverſchen, bie 
mitte, 3) Ebendaſelbſt, Hindirnif, Witerieglihkelt. 

1. Die Mutter, 9. Mütter; Sm. das Muͤtterchen, ©. D. Muͤt⸗ 
teriein, ein Wefen meiblidhes Beftlehtr, weldes tin enderes leben⸗ 
bes Weſen zur Welt bringt ober gebracht hat, in Beziehung auf bie 
fes Befen, meldes dei Menſchen ein Kind und bei Thieren «in Zum 
ges heißt; zum Unterjhiche vom Water, welder es geztugt hat. In 
ben gemeinen Spreharten wird dies Mort auf verfhirbene Art vom 
ändert und verunftaltet, 3. B. in Mämme, im R. D. Möme, 
Moͤhmke, Maorıc, und ehrmabts lirfen Mh vornehme Mätter ober 
tie es fein wolten von ihern Minden Mama, Mamma nennen, 
Mutter werben, ein Kind aetären, bekommen, 5 

Mad gehet der die Mutter an, 

Die folder Mutter werben Eınn? Leffing. 
Cine Perfon zur Mutter mader, fie ſchwuͤngern. 

DO weh mir, daß bu mid zur Mutter gemacht, 


Mutter 


Bevor br mid machte zum Weibet Büͤrger. 
Sie ik Mutter von zehn Kindern, fie hat zchn Kinder geboren, 
Keine Liebe iſt größer als die ber Mutter zu ihren Kindern, „Sie⸗ 
ben Tage laß 16 (bad Schaf) bei feiner Mutter.“ = Mof. 22, 50. 
So heißt cd auch 5 Mof. 22, 6 won Wögeln: „Du fenft nicht die 
Mutter mit den Jangen mehmen.“ Im weiterer Bedeutung pflegt 
man im gemeinen Leben aud eine alte Braun Mutter, Muͤtterchen, 
oder altes Mütterdyen zu nennen und amjureben, Unelgensiid 
nennt man Mutter ı) eine weibliche Perſon, welche gleigfam bie 
Stelle einer Mutter vertritt, bie Befinnungen, das Anfepen und bie 
Achtung einer Matter hat, Co wird eine gute mütterlig gegen bie 
Unterthanen gefinnte Fürflinn, und mipbräudlig aud mol jebe ze; 
gierente Fürfinn Mutter bes Landes, Landesmutter genannt. Go 
Sekömmt auch eine KÄbtiſſinn von den ihr untergebenen Ronnen, zus 
weiten au) wel von andern Perſenen, ben Ramen hochwuͤrdige 
Mutter. In Schwaben heißt auch eine Vathe in Bezug auf bas 
Kind, wildes fie aus bee Kaufe gehoben dat, eine Mutter. Der 
Begriff der Stelloerteatang einee Mutter ober mütterliher Bein: 
nung, Gorge hat Mutter auch in ben Aufammenfegungen Hauss 
mutter, Pflegemutter, Walfenmutter x. S. auch Stiefmurter, 
Schwiegermutter, Kindermutter, Wehmutter. Auf dem Banbe 
wird auch eine brjahste weibliche Perfon, melde für das Bleh Borge 
trägt, eine Mutter, Vie hmutter, auch Viehmuhme genannt, 2) 
Ein zur Zucht beſtimmtes Hausthier weibliches Geſchlechts; auch wol, 
“ein folhes weiblihes Thier überhaupt, in ben Zuſammenſetzungen 
Mutterpferb, Mutterfwein, Mutterfhaf, Mutterfülen, Mut: 
terbiene, Mutterhafe ıc. 3) @ine Sacht, von welder eine andere 
ihren Urfprung bat, im melder bee Grund bed Dafeins einer andern 
tegt. Die Erde iſt unfer aller Mutter und Grnäpeertnn. Die 
Roth if eine Mutter der Erfindungen, Der Müfiggang tft eine 
Mutter alles Bbſen. In weiterer Bebeutung wird and dasirnige, 
was einem Dinge feine Form und Geſtalt giebt, eine Mutter ges 
nannt. ©, Schriftmutter. Im Bergbaue heiben in noch weiterer 
Bebeutung auch bie Bagerflätte ber Erze Mütter oder Erzmuͤtter, 
Metallmütter. Jedes Metall bat feine eigene Mutter, dricht in 
einer ihm eignen Stein» ober Erdart. ©. Perlenmutter. Bon 
einer andern entfernten Khnlichteit nennt man auch 4) etwas Hohe 
18 , das beflimmt if, eim anderes basein paſſendes oder barein ger 
Höriges Ding aufzunehmen, eine Mutter. So beißt ber hohle ums 
tere Theil einer Form zu Shwärmern ıc. bie Mutter; eben fo ein 
mit Schraubengaͤngen verfehenes rundes Lech, welches eine Schraube 
aufnimmt, unb beflimmtes die Schraubenmutter genannt wird. 
Wifonters führt den Ramen Mutter im biefem Ginne der häutige 
Sack in der Beckeahohle weiblicher Perſenen und Thiere, worin bie 
Frucht empfangen, gebildet und bis zur-Meife getragen wird; bie 
Bärmutter, Gebärmutter. Dicher gehdrt ber Ausbeud im gemris 
nen Sehen, bie Mutter ftöht auf, Eeibfämergen, Biäfursen ıc. beim 
weiblichen Gefchlechte zu bezeichnen, weil man aus Unwiſſenheit bie 
Mutter für den Gi berfelden hielt. S. Mutterbeſchwerde. Ta 
weiterer Bebeutung nennt man im D. D. ein Ohr von Draht, in 
weldes ein Hälden von Draht bas Häftel eingreift, bie Mutter 
oder das Mütterlein, Mütterle. Im gemeinen Lehen bient Mutter 
in einigen Bufammenfegungen ben Begriff der zufammengefepten Wörs 
ter gu verfärken, 5. B. Mutterallein, Mutternadt, Mutterferle ıc. 
9. Die Mutter, 9y. Mütter, ber dicke Bodenſat mander fläiger 
Körper, befonders bes Weines und Eſſiges. Den Wein auf ber Mut: 
ter liegen Iaffın, auf den Hefen, auf dem kager. Im M. D. Tautet 
es Moder und bebeutet fo viel als Mubbe, Mubber, etmas Schlam ⸗ 
michtes, Zrübes, Dbgleih Rien es laͤcherlich udet, für Moder 
in tiefer Bedeutung das Wort Mutter zu gebrauden, wie man #6 
in ber Bibeutung für Mutter gebraucht, fo iſt es doch ganz gemöhn« 
lich umb es ließe fih dies Wort vielleicht auch als rine umeigentlie 
Webeutung des vorhergehenden Wortes ertlaͤten. 


ug 


Mutterb- 


3.% %* Die Mutter, 8. u. die Mauth. SäHilter. Davon bat 
Mutteramt, der Mutterfrevsf ıc. 

Die Mutterader, 9. —n, f. Frauenader. 

X Wutterallein, adv, ganz oletn, gleichſam wie ein von feiner Mukr 
tee verlaffenes Kind; auch mutterferfemallein. S. Mutterfaete. 

A Der Mutterarm, — es, Di: —e, ber Arm, und uneigentlid, bie 
Sorgfalt, lichevole Pflege ber Mutter, 

‚Und eine tzeue Mutter hält 

Mit Inbrunft dich und liebewarm, 

Zu ifrem frommen Mutterarm. Pedels, 
In weiterer ımeigentlider Bedeutung aud von ber Rafur, welche 
eine Mutter ber Erbenben genannt wird, 

Bier im Mutterarm ber ſchoͤnen 

Ülerfreuenden Natur. Biumauer; 

Der Mutteraft, —es, 29. — le, ein Hauptaft. Remnid. 

A Das Mutterauge, —s, 3. —n, bas Xuge, und uneigentliä 
die forgfame liebedelle Auffigt und Xufmerkfamkeit der Mutter, und 
bie Mutter ſelbſt. „Über bie Wiäffe iheer Wangen, benen (meiden) 
der erfie Roſenthau Hinweg iſt, lacht ein hohes Fröplihes Mutter: 
auge." Herder. „Ruhet die Fruͤhlingéeſenne nit wie eim gebroche⸗ 
nes Mutterauge über ihrer Melt und blidet warn an alle Deren, 
an böfe und gute?“ I. P. Ridter j 

Der Mutterbalfam, —ıd, 2. m. ein Balfam, ein balſamiſches 
Mittel gegen Mutterbeſchwerden. 

Das Mutterband, — s, 9. —bänder, in ber Beräliederungstunft, 
Bänder, weiche bie Bärmutter in ihrer Page erhalten. Die breiten 
Mutterbänder (Ligamenta uteri lata) geben von ber Bärmutter 
ald Fortjegung bee Aufern Haut berfelben zu beiten Briten von Ihe 
an bie innere Fläche des Begens; bie runden Mutterbänber (L, 
uteri teretin) gehen zu beiben Seiten oben vom Bande ber Bir 
mutter gegen ben Bauchriag und zu biefem hinaus, morauf fie fi 
mit dem Bellgewebe unter ber Haut vermiſchen. 

Der Mutterbaum, —es, Bi. — baͤnme, im Forftisefen, «In Baum, 
welden man zur Befamung im Schlage ſtehen LÄßt; ber Samen 
baum, Schlag huͤter. 

Das Mutterbein, —e6, Py. —e, im gemeinen Leben, an ben Ginter⸗ 
füßen bes Wiches bas Selenk, wo Keule und Bein aneinander ſchlit hen. 

X Die Mutterbeſchwerde, By. —n, oder die Mutterbeſchwerung 
Bi. —ın. 1) Die Beftwerde ober Befhnerden, welde eine Mute 
tex als ſolche hat ‚ober Haben kann, =) Cine Krantpeit weiblichen 
Pirfonen, welcht von Shwäde ber Bauchnerden Hergähret und ih⸗ 
sen Namen vom großen Saufen daher belommen hat, weil biefer 
glaubt ber Sig ber Kraukheit fei in ber Wärmutter (Hysterik, 
passio hysterica); au Mutterkrankheit, Mutterplage, Mutters 
fhmerzgen, Mutterweh, and bloß die Mutter; im Osnaträdfhen 
re —— ober das Moorbruͤen. Won dem⸗ 
elben a zen auch bie Benennungen anberer Ei 
fälle per. S. Muttergrimmen, : — — 

4 =. —— u 4. u. das Wett, in welchem, tie aud 

anb, ober Fall, ba eine Perſon weibilhes © 
wird, bas Kindbett. m ’ —— 
Hätte mich nicht Krankheit, 
Mein erſtes Mutterbett hinreiſßen Eianen? Gerber. 

Die Mutterbiene, 3. —n. ı) Ein Rome des Meifels in einem 

—— Fa ns weidllchen Biene in demſelden und ber 
u er Brut; bie Königinn. = Die un 
eines Mutterfiodes. . * — — 

Die Mutterbirke, 8. —n, bie Hangebirke, 

Die Mutterbirn, 9. —en, eine Sorte Birnen. Remnid. 

Die Mutterblume, 9. —n. 1) Bri ben Biumenliehhabern, biejes 
nige Blume, weide man zum Gamentragen firhen läßt, =) Die Kdı 
Genfgrle (Anemone pulsatilla L.). 5) Die Mishhiume oder ges 

Kreugblume (Polygala vulgaris L.). 


Mutterb 


380 


Mutterh . 


Der Mutterbruh, —, vruͤche, bei weiblichen Perfonen, O Mutterfreundlich, adj. u. adv. fo freundlich wie eine Mutter ge 


ein Bruß ter Bärmutter, ba biefe in bie Mutterfheibe finket, ober 
auch bie innere Hant ber Mutterjheibe ſchlaff macht und buch bie 
Scham breabhanget (Prolapsus uteri); ber Vorfall der Mutter, 

auch nur ber Vorfall. 

Der Mutterbruder, —s, Di. —brüber, der Bruder der Mutter 
einer Pırfon, ber Oheim (Onele), 

Die Mutterbruft, 3. —brüfte, die Beruf, dann uneigentlih, A bie 
sirtliche Liebe einer Mutter. Bumellen bient es auch ein vertsaulis 


des Berdaͤltaiß, eine enge Werbindung wie zwiſchen Mutter und 


BR: anzubeuten. 
ba lebe 
Som feöplihen Getuͤmmel abgeſchleben 
Un deiner Mufen fanfter Mutterbruſt. Deutfd. Merkur. 
*) So viel als Muttermild, „Der Gäugling follte ih die Mut: 
terbruft feisp bitten.“ Gerber. 

a Der Mutterbufen, —s, 9. u. ber 
Gig särtliher liebender Gefühle ıt. 

Sie fuͤhlt ein filles Sehnen 

Bel neuer Ahnungen den Mutterbufen deinen. Wieland. 

Die Mutterbrüfe, Sz. —n, bei den wiedrefäuenden und gehöenten 
Zhieren, trüfmaztige Ertöpungen an ber Aufern Fruchthaut, welche 

‚ sufommenhangen und viele Thier- oder Mutterkuchen aus zumachen 
Sceinen (Cotyledones); * neuen Shauplage ber Ratur 

Zafhendräfen. 

Dad Muttereifen, —s, My. gi. bei ben Metall- und Bolgarbeitern, 
ein Gifen, wowit man bie Gänge einer Schraubenmutter ausbrehet. 

Das Mutterende, —s, 9. —n, In ber Zergliedk., das innere ber 
Birmutier zugewendete Ende der Gireflöde (Extremitas uterine), 

O Das Mutterentzuͤcken, —s, o. By. bad Eatzuͤcken, weiches eine 
Mutter über ihre Kinder empfinbet. 

Ales Ecben athmete Liebe, und Mutterentzüden 
Shlua bas Herz ber Natur, — Gonnenberg. 

Die Muttiererde, 8. u. 1) Die gewöhnliche Gartenerde, die gleiche 
fam bie Mutter alee Gewählte if. 2) Die Erbe, ber Erdbobden 
überhaupt, als eine Mutter alles deſſen, was auf ihr If, betrachtet. 
„Water iſt's, der bie Muttererde befeelt und bie Mutter bildet ihm 
Glieder.“ Herber. „Dee Pfarrer fünnte bann, wenn er auf bie 
tedte Muttererde und ben Gottesacker binfäher ıe. I. P. Nidter. 
Dann, bie Erbe, fofern von ihe neue Anpflanzungen auf andere Ers 
den gleihfam ausgehen, bie als ihre Ablömmlinge zu betrachten 
find, wie die Pflanze ober Tochterſtaaten und —fläbte von ben 
Mutterflaaten und — ſtaͤtten. 

Gebe, fo wareft auch du gefhaffen, einft jüngere Welten 
Bu ihm Hinauf, ats Muttererbe, als Eonne zu führen. 
Sonnenberg. 

Der Muttereffig, — s, 4. von meheren Arten, —e, ein mit 
Wibergeit, flintentem Maut, gewiffen Wurzeln und Kräutern abge» 
jogener Effig, als ein Mittel gegen Mutterbefhwerben. 

Das Mutterfieber, —s, MM. ai. ı) Ein mit Matterbeihwerben 
zuwellen verbunbenes Fieber, =) Bei Einigen, eine Art eines hitzi⸗ 
gen Ficbers, welhrs zumellen bei weiblichen Perfonen ans zu beftis 
ger Bigterbe nad tem Beiſchlafe entfichen fol. 

Der Mutterfleden, —s, 9. st. f. Muttermahl. 


Bufen eineg Mutter, als 


Der Mutterfluß, — ſſes, 94. —flüffe, dee Kasfluf einer, gewöhnlich, 


weißen, Fruchtigleit aus den Geburtstgeilen bes weiblichen Geſchlechts; 
der weiße Fluß. 

Die Mutterfreude, By. —n, die Freude, bie Freuden ber Mutter 
eis Mutter Über ihre Kinder, ie erlebte Feine Mutterfreude, fie 
ward micdt Mutter, oder fie erlebte keine Freude an ihrem Rinde, 
an ihren Kindern. Daß ich mit Mutterfreuben mid freute, mit benen 

(melden) bee Mütter 
Keine fh jemahle freute, — — KAlopfied, 


gen ihr Rind tft. 
Ram im nähtlichen Tragm, ſeo mutterfteundlich, fo lebend 
Cine der Himmliſchen nieder au min — — Sonnenberg. 

Dad Mutterfüllen, —s, 29. gt. ein Pillen meiblides Geſchlechtes; 

ein Stutenfüllen, zum unterſchlede von einem Hengfifüllen, Im 
Danabruͤctſchen, wo es Moorfüllen lautet, fagt man: X ee gab ſich auf 
fein Mutterfällen, für, es machte fih auf die Beine. 

A Dos Muttergefilde, —s, 2. gl. ein Frucht tragendes Befilde, 
gleihfam die Mutter deſſen, was barauf wÄhft und Icht. &. Muttes- 
erbe, Alfo, nachdem im Innern der ſchwangeren Erde ſich völlig 

Audgedifbet ber Menſch, entfleigt er dem Muttergefilde. Boß. 

O Das Muttergefühl, —es, 99. —e, bie Gefühle zaͤrtlicher Liebe, 
Sorge. ıc, eine Mutter, „Das Wort bed Heils (mar) auf ihren 
Lippen, inbränfig Muttergefühl und vertrauensnole Grgebenheit 
in ihrem Herzen.“ Benzel:-&ternau. 

Die Muttergerfte, 9. u. f. Mutterkorn. 

O Die Moüttergefhichte, By. —n, rine Seſchichte, wie fir etwa 
Mütter ihrem Kindern, ober wie fle etwa alte Mütterchen erzählen, 
„Eine Muttergefhichte vom Baume und unter Blumen." Derber. 

O Dad Muttergeſchlecht, — s, 24. —, ober —er, das Se⸗ 
ſchlecht der Mutter, das Seſchlecht von mütterlichtr Seite. 

Doch nicht weil mein Muttergeſchlecht preiswärbiaer auhub. B of. 

O Die Muttergeftalt, 2. u. 2) Die Geſtalt der Mutter oder einer 
Mutter. #) Die vom ber Mutter buch bie Geburt emylſeooive Geſtalt. 

— — Erin Bug ber Ähnlichkeit bleibet 
Ihm von ber Muttergeſtalt; aur Jupiters Spuren behält er. Boß. 

& Bas Muttergetoͤn, — e, Pi. u. das Getön, d. h. bie Stimme, 
bas Rufen ber Mutter. 

Ober das Muttergetön der — Kuh und bed Schafes. Bo. 

Das Muttergewähs, —s, MRz. —. ı) Ein Gewäds, bas als 
Mutter anderer Bewächle betrachtet wird, ober zur Fortpflanung 
beftimmt iſt. =) Ein fleifhiges feplerhaftes Gewaͤchs, welches ſich 
zuwellen in ber Baͤrmutter erfeuget,, das Monkalb. 

Die Muttergicht, ©. u. bei Einigen, ſolche Mutterbefäwerben, 
melde aus einem im Körper befindlichen Sichtſteſſe entftchen. 

© Das Muttergluͤck, —e6, 0. My. dat Glac einer Mutter, das 
Biüt Mutter zu fein. — eine Art von Entfhäbigung für das 
Mutteralüd, das ihr verfügt mar." @öthe. 

x Dos Muttergottesbild, —es, y. —er, ein Wild der fogenanns 
ten Mutter Gettes, d. 5. Kriſti, alſo ein Wild ber Maria, beſen⸗ 
bers ale Gegenſtand ber Berehrung in ber Roͤmiſchen Kirche. 

@in. uralt Muttergottesbild. — Gätller. 

Das Muttergrimmen, —s, 9. u. ein Rame der Darmgicht beine 
weiblichen Geſchlechte, weil fie der gemeine Dann ber Bärmulter zu⸗ 
ſchreibt, oder den Sitz berfelben in ber Bärmutter verlegt (Mutterkolik), 

Der Muttergrund, —es, 34. u. in ber Zerglledk., der obere April des 
Körpers, d.b. bes größeren obexen Theiles der Bärmutter (Fundus uteri), 

Das Muttergut, — s, Bp. —gäter, ein Gut, @äter, bie von ber 
Mutter berräßren, von ihr geerbt ſind (Bonum maternum), 

* Mutterbalb, adv. von Seite ber Mutter, von muͤtterlicher Halbe 
oder Seite. Oberlin. 

Der Mutterbals, — s, We. —hälfe. 1) Der Bald ter Mutter. 
#) In ber Zergliebk., ber untere, fid abgerundet enbigende Theil 
ber Baͤrmutter (Cervix uteri). 

Der Mutterhaldgang, — s, 9. —sänge , im bee Berglichf,, ber 
untere Theil der Berärmutterhöple, welcher im Mautterhalfe Best 
(Canalis cervicis uteri}, 

Der Mutterbammer, —, 4. —bimmer, bei ben Buf- unb 
Baffenfämieden, ein Hammer mit Lumpfer Spige, womit fie bie 
Lbher zu ben OKraubenmättern vorfhlagen. 


» Der Mutterhäring, —es, By. —e, ein zu dm Geſchlecht wozu ber 


Häring gehört gehörendes Fiſch, der Maiſiſch, bir Alſe (Clupenalosal,) 





Mutterh 


Das Mutterbarz, —tB, Di. u. der harzige Saft weicher aus einer 
Art des Steineppiches in Äthiopien, welchen man riet oder über ber 
Burjel abſchneidet, rinut unb an ber Luft erhartet, und welchen 
man als ein Bittel gegen Mutterbeſchwerden gebraudt (Galbanıım). 
Die beſte Art ift dlaß von Farbe, kommt in Etäden von ber Größe 
einer Haſeltuß zu und, zeigt innerlih, wenn man fle zerbricht, 
helle weiße Körner, hat einen bitterlichen Beihmad, und einen eiges 
wen unangenehmen Geruh. Mean erhält daraus auch durch Abs 
siehang erſt ein weißes füchtiges DI, Mutterharzöt (Galbandt, 
Oleum galbani essentiele album), bann wenn man weiter gehet, 
ein gelbes, dann demkelblaues unb zuiegt hwarpbraunes ſehr Min 
tentes ÖL. Bet Einigen führt and bie Pflanze feibft, ven weider 
biefes Harz Mmmt, benfelben Ramen (Bubon galbanum L.); bei 
Aobern bad Galbenfraut. 

Der Mutterhaſe, —n, 9. —n, ein Haſe weiblides Grfälchis, 
bie Häfen, ber Sephafe; zum Unterſchiede vom Nammier. 

Das Mutterherz, —ens, Bi. — en, das Herz sine Mutter, befons 
bass als Eis der Empfindungen ber Siebe, Gorge 1c. für ihre Rinder, 

—  batb brechen Bram und Schwmerj 

Mein tiefgebrugtes Mutterherj. Bürbe, 
in Mutterherz gegen jemand haben ober zeigen, ihn muͤtterlich, wie 
eine Mutter lichen, 4 

Mutterherzig, adj. u. adr. ein Mutterherz dabend. Stieler. 

Das Mutterholz, —es, Pi. u. bas Holz des Heckenkirſchbaumes 
{Lonicera zylosteum L.). 

Dad Mutterhborn, —e6, Dip. —höener, einer der beiten Theile 
oder Roͤhren, aus melden bie Bärmutter mander Thiere beſtehet. 


Der Mutterhuſten, —s, 9. u. ein trodner krampfhafter Huften, 


wilder mit ben Matterbeſchwerden zirweilen verbunden iſt. 

O Die Mutterinfel, 9%. —n, eine Infel, weldhe als die Mutter 
anderer Iufeln betrachtet wird, befonberö wenn biefe um jene here 
um Uegen und von berfelben ausgegangene Pflanzungen enthalten, 

— und es ringte fih da ein Häuflein winziger Anfeln 
Au um die Mutterinfel, Gonnruberg. 


Das Mutterfalb, —e, 8. — kaͤlber. 2) Gin Kalb weibliches Gew 


ſchlechts, im gemeinen Beben auch Faͤrſenkalb, Mofchenkatb; zum 
Unterfiebe von einem Ochſenkalbe und Bullenkalbe. =) S. Mes 
nattind. 

Die Mutterkaͤlte, o. My. im gemeinen Eben, eine Kaͤlte, welche 
man ber Birmutter in manchen Fällen ober bei manchen Perſontu 
sufhrridt, und welche Urſache ber Unfruchtbarkeit fein fol. 

Die Muttertamille, Dy. —n, f. Mutterkraut 1). 

x Das Mutterkind, — es, I. —er, ein Rind; im gemeinen der 
ben auch überhaupt ein Menfh, wenn man einem Nachdruck darauf 
legen will. Bott behüte davor jedes Mutterkind, jedermann. „Die 
Abreriten machen ein Welch gegen alle Meifen, meburdh ein Abderis 
tiſches Mutterkind hätte Füger werben Finnen." Birlanb, 

Es lernte Joſt ohn Unterlaß- 

Daß ihm ber Kopf faſt rauchte; 

Kein Mutterkind üudiete das. Bageborn. 
"a engeser Bebentung, rin von feiner Mutter vorzüglich geliebtes 
Kind, ein Scheoftind. &, Mutterfohn, 

Die Mutterlire, 24. —n, bie Hauptkirche oder vornehmfte Kirche 
in einem Kirchfpiele, bei meldher der Pfarrer mohnet und in welder 
er gewöhnlich prebiget; zum Unterſchiede von ber Tochterkircht, wel“ 
cher er neben jener vorſtehet. E 

Bald auf Feierzug nad) der Mutterkirche des Bandes, Sonnenb. 

O Rutterfirdlih, adj. u, adv. zur Matterktrche gehörig, einer 
Muttertiehe ähnlich, ihr zu vergleichen — ber Hebenfifte — 
geiftlige @atelliten (Felgeſterne) bes mutterkitchlichen Planeten 
(Wandelflems).t Bengel»Sternan, 

Das Mutterforn, —es, 29. — koͤrner, f. Brandkorn 2). Es 
peipt auch aoch Kornzapfen, Diuttergapfen, Kormmutter, Roggen: 


Ü 


381 


Mutter 


mutter, Martinskorn, Afterform, Hahnfporn, Xobtenkopf ı- 


(Clavus), Ban unterfheidet bas gutartige Mutterkorn, weldes 
blaß veildenblau, ohne Geruch und Geſchmack und inwenbig weiß 
und meplig ift, auch unfhäblid fein fol; und bas bösartige Mut ⸗ 
terforn, mweldes dunkel veilhenblau ober ſchwarz ausfiehet, Inwen« 
‚ big diäuli grau iſt, übel zieht, einen ſcharfen ägenden Geſchmack 
hat und mitgemahlen und unter Brot gebaden bie Kriebelkrankheit 
verucſachet. Solche Körner in ber Gerſte heißzen Muttergerfie, 
Gerſtenmutter. Diefe Wörter werben fowel ald Gammelmörter, als 
aud in ber Mehrzahl von einzelnen Körnern biefer Art gebraucht, 

Der Mutterframpf, —es, Dig. —kraͤmpfe. 1) Die Brampffafte 
Bufammenziehung des Muttermundes in der Geburt. =) überhaupt 
krampfhafte Zufaͤlle der Bärmutter; im gemeinen Shen auch eine 
Benennung ber fogenannten wilden Wehen. 

Die Mutterkrankheit, Rh. —en, eine Krankheit der Baͤrmutter. 
©, Mutterbefhwerde. 

Der Mutterkraͤnz, —b, 4. —kraͤnze, in der Entbindungstunf 
und Munbarjeneilunft, ein runder ober runblicee Körper, aus mans 
Serlei Stoffen gemaht, melden man bei einem Vorfalle ber Birs 
mutter, biefe zurüdzubrängen und zurüdsuhalten gehdrigen Ortes 

befeſtiget (Pessarium). Asten davon find der Schribeninutterfrang, 
Malgenmutterfrang ic. 

Das Mutterkraut, —es, 2. von mehrem Arten, —Eräuter, tine 
Benennung verſchiedener Pflanzen von Ihrer ihnen vom gemeinen 
Bann beigelegten Heilkraft in Mutterbeſchwerden“ 2) Des norzugee 
weile fogenaunten Mutterkrautes (Matricaria L.), Dies Pflanzen⸗ 
geſchlecht hat zufammengefeäte Blumen; bie Ranbbiämden find weib⸗ 
lid, zungenförmig und am Ende breizadig; bie auf ber Scheibe find 
Bmitter, trichterfoͤrmig, fuͤnffach eingelerbt, und haben einen ver⸗ 
wahfenen walpenfdrmigen @taubbeutel, einen länglihen Fruchtkeiet 
und einen zweifpaltigen Griffel. Das gemeine Mutterfraut (Ma- 
tricarin parthenium L.) wädft wild, biäßet in Befätt eines flas 
Gen Straußes und fat weiße Randblümchen und gelbe Bmitterbius 
men auf der Echeibe; im gemeinen Leben auch Mutterfamilie, Mes 

’ tram, Metteram, Meterkraut, Metterih, Müterich, Fieber⸗ 

traut, Maͤgdeblume x. Mas kamillenartige Mutterfraut (Mas 


“» triearia chamomillaL,) iſt eine andere Artdavon, und detüt auch Maͤg ⸗ 


beblume, Maͤgdekraut, Hermchen ıc. S. Kamille, 2) Des Milde 
frautes ober Strandiſopes (Glaux maritima L.). 5) Des Bin 
nenfrantes (Melissa oflieinalis L.), wie aud der Feltmänze (Me- 
lisıa enlamiutha L.), welche wildes Mutterraut genannt wird. 
4) Des Mattenfrautes oder Porſchas (Ledum palustre L.). 5) 
Des Beifußes (Artemisia L,), 6) Des Griedifhen Heuss (Tri- 
gonella foenugraecum L.). &, Heu. 7) Des Loͤwenfußes (Al 
chemilla vulgaris L,), 8) Des gemeinen ober weißen Anderns 
(Marrubium vulgare L.). 9) Des Liwenfhwanzes ober Derjges 
fpannes, welches wild Mutterfraut genannt wird (Leonurus car- 
diaea L.). 10) Des gamanderartigen Ehrenprilfes (Verouica teu- 
crium L). 

Das Mutterfrautöl, —e6, ©, 4. das biäutihe Ör, welches aus 
dem noch friſch n Araute und ten Blumen bes gimeinen Mutierfeaus 
tee !Mateicaria parthenium L.) brreitit wird. S. Mutterkraut. 

%* Der Mutterkrebs, —eıs, 9. —e. 1) Ein Krebs wribliged See 
ſchlechts, beſenders wenn er Gier unter bam Schwanze hat; Eier⸗ 
frebt. 2) + Im NR. D., ein Keebs in dar Maufe, der Mutır, 
Müter. 

Dir Mutterkuchen, —#, DM. al. 1) So viel ale Nachgtbart. ©. b, 
a) In ber Pflanzenlehre, die Beuenneng ber zwei Hälften, aus 
welchen der Same biflehet und welche ih beim Keimen in Blattchen 
verwandeln (Gotyledunes); auch Samenlappın, Samenblaͤttchen. 

Der Muttertammel,—b, 2. w der Almifhe Kümmel, Gartın 
kuͤmmel (Cantinum L.). 

Der Mutterluß, —ſſes, Dig. — kuͤſſe, der Rap weihen cine Matter 


Mutter! 


ans inniger Biche ihrem Kinbe giebt. Stieler. 
und übers! um uns 
Mutterfuß und Kinderumarmung. — Gonnenberg. 

Das Mutterlamm, —es, 9. — immer, in der Sqafzucht ein 
Samm weibliches Seſchlechts; zum Unterſchiebe von einem Bock⸗ 
lamme. 

Das Mutterland, —es, 24. —lÄnder, 2) Das Sant, bie Erde als 
eine Mutter deffen betrachtet, was darauf wählt und lebet; und 
in engerer Bedeutung, das Beburtöland, Baterland, 

Der befte Salt, ben in den Ehooß 

Dir, Mutterland, dee Chöpfer go. Blumauer 
a) Däsirmige Sand, aus melden bie Anbauer eines andern ned nicht 
oder noch menig bewohnten und angebauten Bandes audargangen 
find; im Bezug auf dieſes Sand, meldes im Wechſelbezug Tochter: 
fand (Colonie; heißt; au, das Stammlanbd, 

Die Mutterlauge, 9. —n, in ber Gceidefunft und bei einigen 
Handwerkern, eine kLauge, aus welchtr bie darin befindlih gemefenen 
Balztheilhen, deren Mutter fie gleihfeom war, bereits geſchleden 
worden find; aud bie Hecklauge. In ben Salzwerken nennt man 
die Mutterlauge bes Satzes bie Mutterfohle, auch wilde Sohle, 

O Die Rutterlaune, By. —n, Üble Laune, wie fie Mütter gegen 
erwahlene Tochter zuweilm äußern. „Da fiehſt da Mutterlaune 
und Maͤdchenwunſch im deoligten Kontrafter (in drolligem Abſtiche). 
Benzjel:Bternam - 

O Der Mutterlaut, —es, 24. —e, ber Eau, die Stimme einer 
Diutter, womit fie ibren Kindern ruft. 

Eu — zuft fir mit Mutterlaut. Sonnenberg. 

Die Mutterleber, 4. —n, ſ. Nachgeburt. 

Der Mutterleib, — s, 9m. u. ber delb ber Butter, in Bezug auf 
das baraus entfproffene Kind. 

Doch ſſeht man Kinder, bie im Mutterleibe 

Schon unterfhoben find. Blumauer, 
Sewdhatich wird es ohme Dentewort gebraucht. Don Mutterleibe 
an, von ber Geburt am, Made wie ber Menſch von ober aus 
Mutterleide koͤmmt, mie er geboren wird. „Barum haft bu mic 
aus Mutterleibe fommen laffen ?* warum haft du mich geboren wers 
dem laſſen? Hiob 10, 15, : 

Mütterlih, —er, —ſte, adj. u, adv. 1) Der Mutter gehörig, von 

Abe herkommend, herrührend, in welcher Bedeutung es Frine Steiger 
zung leidet. Die mütterlihen Ahnen. Won mütterlicher @elte 
mit jemand verwandt fein, Das muͤtterliche Bermögen, das Ber: 
mögen ber Mutter, ober bad von ber Mutter Pimmt, wofür ınan 
aut das Mütterliche fagt, Dann, ber Mutter äpntih, den Em: 
pfinbungen und @rfinnungen einer Mutter angemrffen, benlelben 
ähnlich, barin gegrüntdt. Mas mußte ihr möütterliche® Herz dabei 
empfinden! Ginen mätterlich lieben. Muͤtterlich für jemand fors 
gen. Die mütterlihe Pilege. Muͤtterliche Ermahnangen. 

— Herlta, du muͤtterlich Mabchen. — Sonnenberg. 
uneigtatlich das muͤtterliche Land, das Land, in weldem man ges 
toren ift, das gleihfam umfree Mutter iſt. 

Sei mir gegrößt, bu muͤttetlich Land, im Belergefange, 
B von ber Lühe. 
Dann die Erbe überhaupt, bie eine Mutter Aller genannt wird. 
Mättertich Land, o Erbe! wie fehn’ ich nad bie mich herum 
ter (hinunter), Klopftock. 
So aud, die mülterlige Stadt, die Geburtaſtadt, Waterflabt, 
— Der bu vor ben Thoren 
Bon deiner mütterlihen Stadt 
Einft Lieber tele, Ramler. 
Davon die Mütterfichkeit, o. My die Eigenſchaft einer Perfon, ba 
fie möütteriih aefinnet iR, mütterlid bantelt, 

Die Mutterliebe, 0. By. 2) Die zoͤrtliche Liebe bee Mutter gegen 

ihre Kınber. * 


— — 


382 


Muttern 


Eine Mutter —, ber es, Mutterliche zu fühlen 

Nicht u klein iſ. — — Rlopſtec. 
Dann, eine dieſer ähnliche Liebe. Jemand mit Muttetliebe behan⸗ 
dela. Mutterliebe gegen Jemand empflaben, a) Eede gegen bie 
Mutter, Der Sohn legte dadurch die innigfte Mutterliche an 
ben Toy. 

Mutterlos, adj. u. adv. der Mutter beraubt. Gin mutterlofes Rind, 

— als ein des Lemniſchen Bottes 

Muttetloſes Geſchlecht fie ſchautte. — Woß, 
Davon die Mutterlofigkeit, o. My. der Zuſtand, ba man ber Mut⸗ 
tee beraubt if. 

Der (die) Mutterlofe, —n, 99. —n, eine mutterlofe Perfon, bee 
fonters rin mutteriofes Sind, " x 

Das nie bu ihnen, biefen Mutterlofen, 
Statt meiner eine böfe Mutter gebe. Herder, 
Im gemeinen Beben ift Mutterlofe, Mutterlbechen, Mutterlofeke 
auf ber Rame einer Art Eieiner Bilde, von welden man mwähnt, fie 
entänben niht aus Regen fondern aus Schaum und Echlamm. 

O Die Mütterluft, 0. 9. bie Luſt, d. h. bie Freude, bie Wonne 

ber Mutter als Mutter, wie aud eine biefer Ahnlihe Freude. 
Bon ihr geherzt mit Mutterluſt. Boß. 

* Der Muttermage, —n, 24. —n, tin Verwandter von mätter 
licher Geite, 

Das Muttermahl, —s, 3. —, ober —mähler, ein Wahl am 

Reihe, b. 5. ein Flecken ober Auswuhs auf ber Haut, melde Kinder 
zuweilen aus Mutterleite mitbringen; auch Mutterfleden unb im 
O. D. Anmahl, Abermahl. 

O Dad Muttermaͤhtchen, —s, 4. gl. ein Maͤhrchen, wie es 
Mütter ihren Kinbern, ober Überhaupt unwahre Maͤhrchen, wie fe 
alte Mätterhen zu erzaͤhlen pflegen. S. Muttergefchichte, — in 
Muttermaͤhrchen, — das Kinder befriebigt." Gerber. 

Die Muttermeißel, 4. —n, f. Mutterjäpfäten. 

+X Der Muttermenfh, —en, Dp. u. im der gemeinen Sprichart, 
ein Menſch, mit einigem Nachdrucke baven zu reben. Ich fanb und 
fad keinen Muttermenfden, b. h. feinen Menfchen, niemand, Hat wel 
je ein Mutterme uſch dergleichen erlebt? irgend «in Menſch. 

Die Muttermilch, o. 3. die Mitch der Mutter, befonders in Bes 
zug auf das Kind, welches fie fäuget; im Begenfag ber Ammen, 
mild. Etwas mit der Muttermilch einfaugen, es in ber zarten 
Jugend von ber Mutter Äberfommen, mitgetheilt erhalten. 

Der Muttermorb, —et, 34. —e, rin an ber Mutter begangener .. 

„Mord (Matrieidium). 

Der Muttermördber, —s, 4. gl; bie —inn, Bi. —ın, eine 
Perfon, bie ihre Mutter morbet ober gemorbet Bat. 

Der Muttermund, —ıs, 34. — muͤnde. 1) Der Mund ber Mut: 
ter, ale Werkirug des Sprechens; ohme Mehrzahl. 2) Im ber Ben 
gliebt., die Öffnung, ber @ingang an ober zur Bärmutter, eine 
Spalte am Ente des Mutterhalfes (Orificium uteri). Die tele, 
wo bie Bärmutterbößle in ben Bang bes Halfes Übergehet, nennt 
man ten innern Muttermund; zum Unterfhiebe vom äußern, wor 
unter man bie äußere Öffnung ber Mutteriheite verſtehet. 

# Die Muttern, in der Schwelz eine Art Ropfendel, eins ber vom 
aöglihften Futterkeäufer (Phellandrium mntelline). 

%* Muttern, v. D) trs. ols Mutter fäugen, unb überhaupt fdugem, 
Erifd. I) atr. mit haben, nah ber Mutter arten, ber Mutter 
ähntiä fein, M. Kramer. — D. Muttern. 

X Mutternadend over Mutternadt, adj. u. adr, in ter gemeinen 
Sprechart, gany nadt, fo wie man aus Weutterleibe Eimmt; fabens 
ober fafennadt, im M. D. ſtocknackend. 

Das Mutternägelein, —s, 3%. al. f. Mutternelke =). 

Der Muttername, — ns, Mm. —n. ı) Der Rame, bie Benrnnung 
Butter, D tie ſüß if der Muttername, wie füh ift es Mutter 
genannt zu werben, 2) Die Rome ber Mutter; bana, O ein Rome 


Muttern 


ber von bem Ramen ber Matter hergenommen If (Matronyınicum), 
3. B. bie Dirjaden von Pletone ihrer Mutter, 

Die Mutternelte, Sz. —n. ) Solche Reifen oder Meltenftäde, von 
weldhen man gute Serten aus bem Samen ziehet und. melde man 
au biefem Iwede Samen ragen läft; Samennelke. 2) Soiche Be 
wöärjnellen, welche man am Raume reif werden läßt bis fie von 
ſelbſt abfallen, um fie zur Vermehrung zu gebrauden; -aud Mut: 
ternägelein. 

Die Mutterpfeife, 9. —n, im Bienenbaue, bie Beutzellen, bie 
für bie Beut befimmten Pfeifen oder Bellen; zum Unterſchlede von 
den Honigpfeifen. 

X Der Mutterpfennig, —es, 2%. —e, Pfennige, d. h. Gelb, wel⸗ 
ches die Mutter befigt, fpart, befonbers foldhes Gelb, wenn «8 bie 
Mutter einem Rinde zufet, vorzüglich einem in der Fremde ber 
ſindlichen Sohne außer dem ihm som Water befiimmten Gelbe, he im · 
lich zuſchlat. Gr hat Mutterpfennige. 

Das Mutterpferd, —e6, Dip. —e, ein Pferd weibliches Sefchlechts, 
befonbers wenn es gefohlet hat ober fohlen fol; die Stute. 

Dad Mutterpflafter, —s, WM. gl. ein Pflafer, welges man in 
Mutterbefhwerden, oder bei Magenkrampf ic. auf ben Leib legt 
(Emplastrum hystericum), 

Die Mutterplage, 4. —n. ı) Die Plage, welde eine Mutter als 
uw * ober haben kann. =) So viel als Mutterdeſchwerde. 

. d. 2) 

Das Mutterröbrhen, —s, 24. gl. an den Feuergewehren, ba6 
Röpehen.am Schafte, worein ber dadeſtoc geihoben wird, 

Die Mutterfalbe, 9. —n, eine Salbe bei Matterbefiämwerben eins 
zurtiben. Stielen 

Das Mutterfchaf, —es, 94. —e, ein Sqhaf welbliches Geſchlechts 
fobald es einmahl gelammt hat; ein Tragefchaf, eine Schafmrutter; 
©. D, Muse. 

Die Mutterfchaft, ©. MM. der Buftanb, bie Eigenſchaft einer weibs 
lichen Perfon, ba fie Mutter wird ober if. 

Die Mutterfcheide, Di. —n, im der Zergliedk., eine weite, haͤutige 
srkrämmte und etwas platte Röhre Hei dem weibliden Gefhlchtr, 
wilde zwiſchen dem Moftbarme und ber Harnblaſe Im Beden liegt 
(Vagina uteri). 

Der Mutterfchmerz, —ens, Mm. —en. 1) Ein Schmerz, melden 
eine Mutter Über ihre Rinder empfindet, „— aber in idren Augen 
war Licht und Mutterſchmerz und nichts weiter,“ 3. P. Richter. 
*) So viel ala Mutterbeſchwerde. S. d. 4). 

Der Mutterſchooß, —es, Dip. u. 1) Der Scheot der Mutter, Im 
Mutterfchooge Fgen. =) Dee Schooß, d. h. ber Brib einer Mutter, 
die Bärmutter, ber Mutterleib 

— — ihren Sohn, 

Den fie in ihrem Mutterfhoof getragen. 
Uneigentlih au vom bee Erbe, bas Innere ber Erbe. 

Beil mein Sid in dem Mutterfchooße ber Erde gefhlummert. 
Klopflod, 

Befonbers in Hinſicht auf Bewädle, welche fie erjengt und Minern, 
die fih im ihrem Innern bilden ober auch ſefern fie Todtes und Ber: 
welenb: 8 gleichſem im Iderm Schooßt verbirgt, 

%* Die Mutterfchule, 8. —n, bie Schule, d. h. ber unterricht 
berd bie Matter ertheilet. Iriſch. “ 

Das Mutterſchwein, — s, 4. —r, ein Schwein weibliches Ber 
fhlehts, befonbers wenn es fon geworfen bat ober zur Fottzucht 
beflimmt iftz eine Sau, Kährmutter, Schierinmutter, im D. D. 
and Yole, Sup, Mor, im R. O. Mutte. 

Die Mutterfchmelter, 4. —n, die Schweſter der Mutter einer 
Perien, bie Baſe, Muhme (Tante), 

Der Mutterſchwindel, —s, 29. u. ein mit Bewußtlofigkeit verbums 
bene Schwindel bei weiblichen Perſonen, welder nah dee Meinung 
bed großen Haufen, feinen Grund in ber BWärmutter haben fol. 


&äsiller 


383 


Mutterft 


X Die Mutterfeele, 2. u. in ber gemeinen Sprechart, eine Seele, 
db. 5. ein Menſch, wenn man Nachdruck bdarauf legen will, We if 
keine Mutterſeelt da, rin Menſch, durchaus niemand. Im gemeis 
nen Erben bildet man bacon auch ein Umſtandwert, mutterfreien: 
alein, ganz allein, »öNig allein, gleichſam wie ein von ſeiner Mut» 
ter verlaffenes Kind. Verberbt Hört man bafür au mutterfeligs 
allein. 

Der Mutterfegen, —s, 9%. u. der Segen einer Mutter. Stielen 

Der Mutterfinn, — s, 0. 2. der Sinn, d. h. bie Art einer Mat⸗ 
ter als Mutter zu empfinden und zw benten; bann, eim biefem äbns 
licher Einn, Etieler. „Belas Mutterfinn und Freundſchaft zau⸗ 
berten ein Parabies um mich ber.* Benzel;Sternam, 

Die Mutterfohle, 24. u. f. Mutterlauge, 

X Der Mutterfohn, —es, 4. —fühne, gewoͤhnlicher das Mutter 
ſoͤhnchen, D. D. —lein, ein von feiner Matter befonbers geliehter 
unb verzärteltee Cohn; gewöhnlih nus in verähtlihem Berftande 
und tabrind, s 

O Die Mutterforge, 9. —n, bie Sorge, melde eine Mutter für 
ihr Ainb trägt; wie auch, bie Sorgen, welche ihr bie Kinder verurs 
ſachen. Dee Matterllebe, der Mutterforgen vol. Herber. 
Dann ou, eins biefer aͤhnliche Sorge, eine zärtlihe Sorge, Soug · 
folt, wie fie Mütter ihren Rindern beiveifen, Iemanb mit Mut 
terforge pflegen, warten. 

Der Mutterfpiegel, —s, 3. gl. ı) In der Entbinbungstunft, ein 
Werkzeug, womit man bei ſchweren Geburten ben Muttermund Öffe 
net, um bie tobte Frucht aus Mutterleibe zu holen. =) Ein Spiegel 
für Mätter, b. h. etmas das ihnen zeigt, wie Mütter ſind und fein follen. 

Die Mutterfpradhe, 34. —n. 1) Eine Sprache, wrihe man vom 
feiner Mutter eriermet hat; gewöhnlid aber, bie Sprache bes Muts 
texlandes, biejenige Sprache, welcht im Lande, wo man geboren if, 
deſprochen wird, unb bie man fdom im der Jugend burd Übung ers 
lernet ; in Begrnfag von fremden auslänbifcken Spraden. =) ine 
urfpränglihe Sprache, die aus keiner andern frähern entftanben zu 

fein ſcheint, eine Hauptfprache, Stammfpradye; befonders In Se⸗ 
sirbung auf jüngere von ihe abflammende Cpraden, die Tochter⸗ 
fprachen, &o if die Lateinifche Sprache eine Mutterfpradye des 
jegigen Italiſchen, Franzöfifhen und Spaniſchen Eprade. 

O Der Mutterflaat, — s, 94. —n, ein Staat, welcher gleihfam 
die Matter eines ober mehrerer jüngerre Staaten it, bie aus Abe 
tmmlingen von jenem gebitbet oder von denſelben geiftet find. In 
engexer Bebeutung, „derjenige Staat, welchtt bie oberfle ausäbende 

 Gewoltübereine Colonie (einen Pflanzftaat, Tochterftaat) dat." Kant. 

Die Mutterftabt, 2. — ſtaͤdte. 2) Die Gtburtaſtadt, die Stadt im 
weißer man geboren ifl, 2) Eine Stadt, don mwelder bie Stifter 
since Pflanzflabt ausgegangen find, abflammen; befonbers wenn fie 
in nahen Berbältniffen mit dee Pflanzfabt ſtehet, melde in dieſem 
Berbättniß eine Tochterſtadt Heißt. 

Der Mutterflein, —s, 94. —e, rine verfieinte zweiſchalige Mu⸗ 
fet, wegen einer Äpntikeit mit den Aufern Thellen ber Bärmuts 
ter; im gemeinen Beben auf ber Maunzenſtein (Hysterolithus, 
Anomia hysterita). 

Die Mutterftelle, 0. 9. die Stelle d. h. das Wrepältniß einer Mut 
ter, Mutterſtelle bei jemand verteeten, (R.) ihm anftatt bes Tribe 

den Matter, bie entweber abweſend ober geſtorben ift, eine Mutter 
fein, möärterlih für ibn forgem. - 

O Die Mutterflimme, 9. u. bie Stimme ber Mutter, fofeen fie wuͤt⸗ 
terlihe Liebe, Sorge 16. auszubruden gebraucht wird, .— eine 
Bauberfliimme, — ber Gerle bes Kindes, fo lange fie Rind fein 
Fann, ein befannter Ton, eine lieblihe Mutterflimme Herder. 
Geborde ber zaͤrtlichen Mutterſtimme! 

Der Mutterſtock, —eb, 9. —flöde. 1) Der Hauptſtock, meiden 
gleihfam bie Mutter ber bavon fortgepflangten ober vermehrten 
Beide ik. So deißt der Hauptſtamm bes Welnftodes ber Matten 


Muttert 


ock. Mefonbers 2) im ber Blenenzucht ein Blenenſtock, welcher 
om Kortpflanzung bienet; auch ber Pflanzſtock, Leibſtock, Stamm⸗ 
ſhwarm, Ständer, und in manchen Gegenden auch eine Mutters 
biene , Reibbiene. 

Dat Muttertheil „—es, it, ber von ber Mutter geerhte 
Zeil des Wermögend; zum Unterfhiete vom WVatertheife. 

O Die Mutterthräne, By. —n, Ihrinen, werche eine Mutter vers 
gieit, emtweber vor Freude ober vor Betruͤbniß über ihre Kinder. 
nn und die Mutterthräne 

Biel in die Thraͤne des Bufenfinds zu den Füßen des Kriegers. 
Sonnenberg. 

O Der Muttertitel, —8, 24. u. ber Aitel, d. b. die Benennung 
Mutter; der Muttername, Benzel:Sternaun j 
Der Muttertod, rt, 9. Mg. ber Tod einer Mutter für ihre Kin⸗ 

ber; mie aud, ber Tod einer Mutter in ber Riederkunft. 
Herkia gebachte des Muttertodes, — Gonnenberg. 
Dies Wort Eimmt ſchon bei Stieler vor, für Tod ber Mutter. 

O Der Mutterton, —es, By. —töne. 1) Der Zva, bie Kine 
d.h. die Stimme, die Sprade, Rede, ber Gefang einer Mutter, 
AG horchte ben zärtlihen Muttertönen mit Kpellnabme zu. =) 
Der Ton, d. h. bie Art und Weife zu fprechen, zu erjählen, deren 
fih Mätter zu ihren Kindern, ober auch mol überhaupt alte Müt: 
terchen au bedienen pflegen; ohne Mehrzahl. — oder man ergeiff 
ken lebrreichen erbaullchen Muttirton.« Herder. Zuweilen aud, 
die herefhente Art und Meife der Mütter, ſich als Mütter, befone 
ders gegen ihre Kinder zu nehmen, Das iſt fo ber jetzige Wutterten, 

O Der Muttertraum, —es, 9. —traͤume, der Traum, d. h. die 

. angenehme, oft von aller Mahrfheintihkeit entfernte Vorſtellung 
einer Mutter von tem künftigen Glücke ze. ihrer Kinder und ibrer 
eignen baven zu hoffenden Freude rc, „Jecha verlor fih zum tat: 
fendfen Mahl" in fügen Mutterträumen ven Eänftiger Gohnes: 
terrlichleie,e Benzel-&ternau, 

O Die Muttertreue, 0. My. die Treue, d. 5. bie Unmanbelbarkeit 
ber Mutter in ihrer Siehe, Sorge ıc, für ihre Kinder; dann, eine 
dieſer ähnliche Treue, Mit Muttertreue erzog fie ihre Kinder, 

Der Tochter Tchwermuth aufzuheltern 
Etrengt Mutterteen umfonft der Siehe Scharfſinn an. Bürbe, 

Die Muttertrompete, DB. —n, in der Zergliederungekunſt, zwei 
bäutige Möhren auf beiden Seiten bee Baͤrmutter, welche ih on 
dem innern Ente in den Seitenwintel ber Gebaͤrmutterhoͤhle Öffnen 
und bie von ben Eierſtoken losgeriſſenen und befhwängerten Bläs— 
hen in die Baͤrmutter leiten (Tubae Fallopii), j 

Das Mutterveilben, —s, 2%. al: eine Art Rachtelolen ober Nacht⸗ 
vellchen, bie in Italien einhelmiſch it, zwei bis drei Bus babe 
Ctengel unb aus biefen viele Zweige treibt mit vielen tangenfürmis 
gen, ausgezahnten, etwas rauben Blättern, mit gewoͤhnlich rethen, 
aber auch fleiſchfarbenen und weißen Blüten, welcht Abends und in 
Der Racht fehr angenehm riechen (Viola matronalis, Hosperis ma- 

“ ronalie L); auch Frauenveilchen. j 

Das Mutterverbienft, —et, 2. —t, das Verbienft, bie Merdienfte 

‚ einer Mutter, welche ſſe ich befonbers duch bie Erziehung ihrer Kinder 
erwirbt, „Tollte ea nicht zue Deutihen Nationalfreiheit gehören, 
Bas ein Genaie, welchts fetbft niht Mutter fein kann, frembe, wohl: 
gehilbete, aber ausneftofene Finder aufnäbme und fih an ihnen 
Mutterverdignft eemärbe® Herder. 

Das Mutterwaſſer, —s, 9. von mehrern Arten gt., ein mit Beil: 
Beintern abgezo zenes Walker wider Mutterbeſchwerden. 

Das Mutterweh, — es, M. —en. 13 Die Beten einer Mutter 
bei einer Riederkunft. 2) Eo vlei als Mutterbefäwerbe; ohne 
Mehriad, + 

X Der Mutterwein, — s, 94 1. im gemeinen Reben, ein Mein 
mit heitlräutern angemacht, ale ein Mittel wider Mutterbefäwerben. 

© Die Mutterwelt, Bu 1) Eine Welt, bie gieichſam eine 


384 


Mutze 


Mutter von anbern Welten iſt. 2) Die Melt, d. h. bie ſammt 
lichen Verhältniffe und Umgebungen einer Mutter. 
Bierbu fo ganz für bie Mutterwelt, ja für die Natur ganz 
Bil, für den haͤuslichen Kreis, für bie Liebe gefhaffen. 
Bonnenberg. ' 

Der Mutterwitz, —es, 6. 9. natürlicher Wig; dann Äberfaupt; 
natürlicher Berſtand oder bie Antage dazu, welche man mit auf bie 
Welt bringt, weichen man von der Mutter gleichfam in ber Geburt 
erhalten hat. Biel Muttecwig haben. Er hat nit ein Künfdgen 
Mutterwig. Man fegt demfelben ben Schulwik entgegen. , 

Mutterwikig, adj. u, adr, Mutterwig habend, verrathend. 

Der Mutterwunih, —es, 34. — woͤnſche, der Wunſch einer Mut: 
ter für ihre Kinder; dann, überhatipt ein guter, von Eiche und 
Wohlwollen seugender Wunſch. M. Kramer, ' 


"Die Muttermurz, 94. u. eine Benennung veefhiehener Murjeln 


oder Gewaͤchſe, welche Beilträfte wider Mutterbeſchwerden befigen 
folen. 1) Der Baͤrwurz oder deo Baͤrendilles, Baͤrenfenchels 
(Athamanta meum L.). Beſenders aber 2) des Mohlverleich 
oder Bergwegebreites (Arnica montena L.), ©, d, 

Die Mutterwut, o. By. bei einigen ejten, fo viel alg Liebeswur 
(Furor uterinns), ©, Liebesfieber. 

Der Mutterzapfen, —s, 94. gl. oder bas Muttersäpfchen, ©. D, 
—iein. 17) Bei den Ärzten, ein Zäpfihen eder eine Wieke, welde 
in bie Mutterſcheide geſteckt wird, bie monatliche Reinigung zu bes 
fördern, eder einen Borfall zuruͤckzuhalten ıc.; die Muttermeißel. 
2, Ein Name des Mutterkornes. S. b. 

O Die Nutterzärtlichkeit, 0. 34. die Zaͤrtlichkeit einee Mutter, 
wie auch, eine Zärtlichkeit bie derjenigen einer Mutter ähnlich ober 
‚gleich if, Mein Pers, für dich nur Mutterzärtlichkeit 

Empfindend Buͤrde. 

Der Mutterzimmt, —es, 9. u. die Rinde eines Baumes, des 
Mutterzimmtönumes (Laurus malabatrum L.), welder für eine 
Art bes Bimmtbaumes gehalten wird, Sie iſt ber wahren 3immk 
rinde aͤhnlich, nur brauner, bier und von weniger gewuͤrzhaftem 
Seruche und Geſchmacke; fie wird vom gemeinen Mantie für ein gus 
tes Mittel wider Mutterbeſchwerden gehaiten, 

O Die Mutterzucht, 0. 9y. bie Bucht, Auferziehung durch die Mut: 
ter. — baf kein Geſchoͤpf huͤtfloſer auf die Weit koͤmmt, Tänger 
Bater⸗ und Mutterzucht nötig hate (als ber Menfh) ac. Herder. 

Die Mutterzwichel, Rz. —n, In der Gärtnerei bei den Zwieben 
gewädfen, eine Imiebet, welche ſchon Blumen getrieben und Junge 
Zwiebeln bervorgebradt bat, 

FX Der Mus, —et, 9. —e. 1) Fine Verkürzung, Werftüme 
melung. 2) Ein verkuͤrztes, verhümmeltes Ding, 3. B. ein Thier 
mit geſtugtem Schwanze. Auch hennt man wol einen fehtechaft 
Pleinen Menihen, und uneigentlich, einen dummen Menſchen einen 
Mus. Ehemahis nannte man auch einen Eurien Not, einen Weit: 
rock einen Mutz. So heißt im Fraͤnkiſchen noch ein Mod, wie ihn 
ber gemeine Mann trägt, eine Mope, Muse. 

+ Die Mutze, 94 —n. 2) Ein Schaf. 2) Ein Tanges, ſchmales, 
binten und vorh erbobenes und abgeftumpftes Fabrzeug, Werbe uns 
Magen darin über ein Waffer zu fehen; die Mutte, Mutje, die 
Fähre, in Wien Stodpiätte, Ufsrpiätte. 

Die Mike, 94. —n; Bw. das München, O. D. —lein, ebemahrs 
überhaupt etwas, bas zur Welleibung biente, dader in Ulm unter 
Mus, Mugen nad Weiderkteidungsftüde verftanden werten. S. Mutz. 
Befonders, mas jur Bedeckung des Kopfes dient, 2.2, eine Biſchofe— 
müse, Daarmübe. Beſonders eine zur Erwaͤrmang ober Bequem⸗ 
lichteit dienende Kopfbedeckung beider Geſchlechter von verſchiedenem 
Stoffen und verfhiedener Geſtalt, doch gewohntich rund, eine hodle 
balbkuger vorſtellend ober farfformig, und meift ſchlapp. Wine 
Müte tragen, auf dem Kopfe. Die Müte auffegen, abnehmen. 
Cine Pelzmuͤtze, Fuchsmuͤtze, Bärmüge, Klappmuͤtze, Reifemüsr, 


| Mutz 
getermib⸗ 


ESeteſeite Eber Nachtmite ie. "Die Süden ber 


‚Weiber, Mäschen und Rinder find gemöhntid Hein, und Tienen der, 


naau am Kopfe an. Im D. D. fant man bafle Häufig Haube, 
Kappe, im RD. Muge, Müffe, aus Hülle, Kips, Kipp. Uns 
eigentiih, wegen einiger- Ähnlichkeit‘ x) ber zweite Magen der wie: 
berfäuenden Thiere (Reticalum); auch bie Haube, bas Gar. 2) 
In ber Pflanzeniehre, die zarte Haut, melde in\@eftatt‘einer, m üge 

‘ ober Käppe die Spitze ber Rüde an den Laute und 2 efeer 

- Inder bedeckt, und welche aus der in ber Mitte Jerplagten Blumen 
krone entftchet (Calyptra), 5) Das Muͤtzchen, eine Art des,Riet, 

der Haſenklee (Triföliun arrense L.): 4) Bei Müller, eine 
Art Schneden mit weißlichgelber Schale, welche einen ſtark gezüh⸗ 
netten Ranb bat (Patella barbara L.). Cine andere Rapfihnede 

- führt den Mamen Sineſiſche Mike (Patella chinensis), 5) Die 
Dolnifche Müge ift eine Art Irompetenfhneden, ein Schwanzborn 

“im Imdifhen und Awmetikaniſchen Weere (Buccimim testieulus). 
6; 8. Biſchofsmuͤtze. 2 

3. + Muben, u. trs. in manden ©. u. MD. Gegenden, puten, 

„ seren; im Dsnabrüdihen muten, in Hamburg mutern, anders 
- wärts muſtern, munſtern. - * 

Taͤglich fie fi ziert, preyſt (brüfet) und pugt ‘ 

Bor dem Spiegel ſtreycht, zafft und mußt. B. Sachs, i 

urſpruͤnglich wahrfheintih nur- Heiden. &. Möge. D. Musen. 

:&, Aufmupen. . N hi T 

2 + Muben, v. trs. im gemeinen Beben; befonders im D. D, verkür⸗ 

-. gem, ſtutzen, abftugen. Die Bäume mutzen. D. Mupen. D. —ung. 
> 3. + Muben, r. intrs. in Schleſten, fpielen. - Die Kinder mutzen 
mit einander. Bermbr Chief, Idiot, Di Mugen. —- — 
AK Der Mutzen, —s, Wr. al. im DO. D. eine kurze Meidüng germeis 
‚ner Sente, ein Wamma. S. Mup. ° — 

Die Mütenaloe, 9. —n, eine Art ber Aloe, deren Blätter auf: 
neftust find wie bie Spigen einer vieretigen Müte (Aloe mitrke- 

\ tormis); ; a 

Miütenartig, \adf. u. adv, nad Art einer Möge, einer Müge ähn ⸗ 

ı Mb. ‚Im ber Pflanzeniehre beißt die Samendecke müsehartig (ca- 
Iyptratus), wenn fie bie Spige bes Samens fo, wie das Müthen 
die Buͤchſe umg ebt. 

Des Muͤtzenband, —es, 9. —bänder, ein Band ſowol die Wüpe 
unterm Kinne damit zugubinden, als auch um den Kopf über tie 

—Muͤtze zu binden. j J 

Das Muͤtzenblech, —es, 3%. u. dünnes Blech, woraus die Schitder 
an den Grenabiermägen gemacht werben, 

X Der Muͤtzenfleck, —es, My. —e, ein Flec d. h. Stuͤcchen Zeug 
zu einer Muͤte für weibliche Perfonen oder Kinder; vorzuͤglich, 
wenn er dazu befonbers eingerichtet, etwa gefticft ift. 

+ Das Mubengeriht, —es, 4. —e, im Heſſiſchen, ein Bericht, 
welches über nen vereblichte Peibeigene gehalten wirb, wenn fie ei⸗ 
nes andern Abeligen Leibeigne (vielleiht ohne Erlaubniß ihres Eis 
aentbumsherren) gebeirathet haben, wo ſie dann eine geringe Strafe 
erlegen müffen. R . 

X Der Muͤtzenmacher, —s, 9. st.; die —inn, 94; —en, eine 
Perfon, melde Muͤten macht, befonbers eine dergleichen weibliche 
Derfon ‚weiche Weider: und Mindermüsen made, Man Eönnte eine 

ſolche ya Müser, Müserinn, nad) Hüter gebildet, nennen. 
Das Müsenmufter, —s, M. 31. das Mufter zu einer Müge, aus 
Papier geſchnitten. 

Das Müsenpulver, —s, 4. al. ein aus verfhiebenen Stoffen, 
unter welchen vorzüglich Blelweiß ift, bereitetes Pulver, urſpruͤng⸗ 
lich bie Schilbe an ven Grenabiermäsen, dann überhaupt metollene 

2 Sachen, als Silbergeſchite ꝛc. bamit zu reinigen umb zu pugen. 

Der Muͤtentechen, —, 9. at. ein Rechen, Mögen daran au häne 
gen; befonbers der mehrfache Reden der Kürfhner, an melden fie 
auf Jabrmartten bie zum Verkauf gemahten Rügen hängen: 

Ganpe'is MWösterb, 3, Ip. 


BE 


Der Mireifamint, ZU Dh. —e, dei ben Gomminebern, ain 
geblümter Sammt, PT en — * wird. 
Der Muͤtzenſtrelf, — —. Ein Streif, ein ſchmales ofı 

aber auch verbältnigmäßig breites E feinen.und bännen Zeuges, 
welcher entweder glatt ober gefältelt um ben Rand einer Weibgrs 
möge gefegt wird. =) Gin, Streif Zeuges, weldier gefüttert und 
mit Bin A vdertſehen uͤher die Wohe um ben Kapf 
gebanden with." = ' DL WERNE TTS ur 
Der Müber, —6, ©}. dl. H S. Müsenmaher. ‚ =) } Gin Rame 
) 





ber Spigmaus, Meutmaus (Sorex arangus L). j 
Mübig, adj. u. ady. mit einer Müge verfehen, in Bufammenfegungen 
8 ®. rothmuͤtzig ic. (R.). ° Cine uneigentlihe Webeutung bat es in 
ſchlafmuͤtzig, die von Schlafmüge bergenommen ift und nicht hieher 
“gehört. ©. . are A — 
X Das Mutzohr, —et, By. —en, ein gemuptes d. h. abgefugtes Ohrz 
wie aud, ein hier mit folen Ohren. M. Kramen —E 
Die Myrrhe, Myrthe 1c., ſ. Mitthe, Mirte c. 


1 * 3* 
J 


N fie wierjebnte Buch labe des Deutſchen Abe, welder mit An- 


Stoßung ber Zunge an ben Gaumen und bie Zaͤhne und Ausftofung 
“ber Luft durch den Mund und, die Rufe, ausgefprocen wird, Wegen , 
“ der dabei nöthigen Aucſteßung der Laft duch bie Rafe wird er auch 

der Naſenlaut, und weil er feiht,auszufpreden ift und gleichfam in 

der Mede fliegt, ein Müffiger Mitlaut, auch haiber Selbſtlaut oder 

Halblaut' zemanlit, Vor g und E wird er mit einem flärkern durch 

die Naſe fenen Haude ausgeſprochen und man läßt dann in der 

Ausfprahe nah dem n eim ſanſtes g hören, auch wenn das g ober 
€ amt folgenden Silbe gehört. So ſchreibt man banzge, ſchwin-gen, 

Bunzge, Anster, kraͤn⸗ken, hinsten, Fun-ken, ſpricht aber nit 

bann:ge, fhreinnsgen ıc., ſondern als ſtuͤnde bang⸗e oder bangage, 

fhwingsen oder fhwingsgen, » Bungee oder Bumgrge,. Angster, 
kraͤng⸗ten, Fungsten. In den Zufammenfegungen bingesen findet 
biefe Berfhmelsung nicht Statt und man fagt ansgreifen, anskleir 
den, bavonsgehen, hihsgeben, hinstleben, Unsginube, Unstraus, aber 

‚nicht angsreifen ober. angsgreifen, ang-kleiden ı. »Bor dh, i und 

j wich e8 auch mit gelinderem Hauche durch die Mafe audgefproden, 
mancher, tuͤnchen, Münden, Linie, welches gewoͤhnlich wie Linje 

geiprochen wird, Auch bier find die Bufammenfegungen ausgenoms 

men, 3. B. Sonnenjahr.— Daber, dag das n vor g und £ fo leicht 
und fliefend auszufprechen ift, Loͤmmt es, daß biefe Buchftaben in 
vielen Sprecharten auch mit einem n voran ausgefproden werben, 
ohne baß biefes nöthig iſt. &o fagte man, und fagt auch bier und be 
noch Koning, Pfenning, Honing, für König, Pfennig, Honig. So 
auch vor b und f, wie in nadend, Bardend, Taffend, für nader, 

Barchet, Zaffet. Im andern Fällen nimmt das n ein d ober t des 
" Wohlflanges wegen zu ſich, wo ed eigentlich überfläfig ift, wie in 

lebendig, weſentlich, für lebenig, weſentich. Im der Umwandlung 

ber Ausfagewörter und in den Ableitungen ‚von benfelben wirb häufig 
ein n angebradt ober auch dem n ein d angehängt. So wird aus 
» geben, gegangen, Gang, aus fliehen, geftanden, Stand, aus tau—⸗ 
gen, Tugend ıc. Ganz entgegengefegt if bie Ausſprache bes n vor 
den Lippenbuchſtaben, wo fie [hwerer ift, und wo man es gewöhnz 

ih in m verwandelt und häufig ein p barauf folgen läßt, wie im 

Imbiß, immaßen, empfahen, empfangen, empfehlen ıc., kofür 

in manden Gegenden auch entfahen, entfangen, entfehlen geſpro— 

hen wird, Doch hat auch vor folhen Buchſtaben bas n in vielen 

Fällen feine Stelle behalten und man fagt und fhreibt rihtig Ranft. 

fanft, Hanf, Senf, Kunft, Vernunft, Zunft, fünf ır. obgleich 

im gemeinen deben bäuflg Mamft, ſamft, Hamf, Semf, Kumfe rc. 

geſprochen wirt, fo mie man auch unrichtig Imder für Ingber, 


49 


Ra — Nab 


und Jumfer für Jungfer ſagt. m wechſelt n in einigen Doͤr · 
tern in verſchledenen Sprecharten ab, indem man in manden Ger 
aenden Mispel für Mispet, in D. D.'Müde für Mude ſagt. In 
manden Wörtern ift dem m_aud) ein g (ae) oder k vorgefeht wor⸗ 
den, wie im genau fatt des alten nau, Knicks von neigen, Ges 
nid 1c.; ‘in andern Hingegen hat es fich jeiner leichten Ausſprache 
wegen felbft aufgebrängt, wie in Matter, wofuͤr man im N. D. It⸗ 

« ger ober Adder fagt, in Maſt ıc. für Aſt ıd wo es rigenttic das 
verſchluckte Deutewort ein, eine iſt,'ne Abber, 'n AR ıc. In Schriſ⸗ 

* gen bedient man ſich des M cder MR. häuftg als eines Zeichens, wel: 
Ges einen Namen, den man nidt weiß ober nit nennen will oder 
nicht zu nennen braucht, anzeigt ober erſetzt. Oft ift es auch nur 
das allgemeine Zeichen für einen Namen. Us Zahlzeichen vertritt 
MN die Zahl 13 indem J und J gewöhnlich nicht als ziwei Buchſta- 
ben gezählt werben, J 

Ma! im gemeinen Leben, ein Ausruf und Zuruf für. um. 

Die Nabe, 4. —n, überhaupt eine Roͤhre; in engerer Vedeutung, 
die hohle, auf der Außenſeite in der Mitte erhötiete Walze in einem 
Made, worin die Speichen befefliget find, und in welcher die Achſe 
fett; in manden Gegenden der- Nabel. In engerer Bedeutung 
wird nur ber vordere bünnere Theil biefer Walze Nabe genannt, ber 
didere hintere Theil aber der Stoß und der dickſte in der Mitte 
der Bock ö 

„Der Nabel, —s, 9. Näbel; Vw. bat Näbelhen, O. D. — lein, 
eine runde Vertiefung, wie aud und zwar gewöhnlider,, eine ſolche 
Erhöhung anf oder an einen gewoͤlbten Körper. Go, heißt in ber 
Baukunſt der Schlut eines Gewoldes, befonders, eines runden ber Nabel. 
Aud) derjenige Punkt in der Achfe einer krummen Linie, welder ges 
möhnliher der Brennpunkt heißt, wird der Mabel genannt. An 
den Schnecken ift ber Nabel die gewundene Vertiefung in der Mitte 
ober auch bie Spige, in welde fid bie Bindungen enben, In ber 
Pflangeniehre heißt der etwas laͤnglich hervergezogene Mittelpunkt 
des Hutes eines Pilzes der Nabel (Umbo); und am Samen verfteht 
man barunter ben Eindruck an ber Stelle, wo Ah der Keim befindet 
Hilum). Der Nadel eines Schildes ift die fpigige Erhöhung in 
ber Mitte ber Blibung beffeiben. 3 

— und traf dem Ajas den fiebenhäutigeu Stierſchilb 

Mitten gerad’ auf den Nabel. — Bof. 
In engerer "und gewöhnlicher Bedeutung ift ber Nabel bie Wertier 
fung mitten auf bem Bauche ber Menfchen und Ihiere, in deren 
Mitte fih eine etwas gemundene Erhöhung befindet, welde bie 
Marbe von der dort befindlic gemefenen Rabelfchnur if; ö 

Die Nabelbinde, 94. —n, eine Binde, d, d. ein ſchmaler Streifen 
Leinwand, womit neugebornen Kindern ber Unterleib ummidelt wird, 
um ben Nabel nieberzubrüden. 

Das Nabelblatt, — es, Br. —biätter, in ber Pflangenlehre, ein 
Blatt, mit welchem der Stiel an der untern Flaͤche dereiniget iſt, 
weil fih bort badurd; eine Erhöhung bildet, ; 

Die Habelblutader, By. —n, in der Zergliederungsfunft, eine Blut: 
aber, melde nur bei neugebornen Kindern vorhanden ift, aus dem 
Mutterkurken entfpringt und durch den Nabel zur Leber gebet (Vena 
umbiliealis), 

Der Nabelbruch, — es, 84. — bruͤche, ein Bruch ober Austritt eines 
Theiles ber Gedaͤrme durch den Mabel ober in ber Nabelgegend (Om- 

“ phalocele). Dahin gehören der Nepbruch, Darmbtuch und Darms 
netzbruch. 

Die Nabelflechte, 9%. —n, in der Pſlamenlehre, Flechten mit nas 
welförmigem Laube. &, Naübelförmig. PVefguders eine folde Art 
Fichten auf Feifen, Steinen und Baumflämmen, deren ſich die Hoch⸗ 
länder häufig bedienen, um roͤthlichbraun damit. zu färben (Lichen 

‚ omphalodes). Die zottige Nubelflechte (Lichen velleus L.) währt 
in England, Schweden, im ber Schweiz und in Kanada; bie obere 
Bäche der Lappen ift aſchgrau mit runden ſchwarzen Schüdden, bie 


untere-aber ‚mit vielen weißen, braunen und ſchwarzgen Ahferchen und 
zwiſchen benfeiben mit-Meinen Warzen befeat; das Wliefmoos, 


Nabelförmig, adj. u. adv, die Form, die Geftalt eines Rabels har 


bend. So heißt in der Pflanzenlehre das Laub der Flechten nabel 
frmig (umbilicata), wenn, es auf feiner untern Flaͤche in ber Mitte 


einen hervorragenden Punkt hat, an welchem es mit bem Körper, 


. worauf es. wählt, befefliget üft. . ul 
Die Nabelgegend, @y. u. in ber Bergtieberungslunft, ‚ber mittie 


Theil der Mittelbauchsgegend, wo ih ber Nabel befindet (Regio 
umbilicalis), . 


OX Der Nabelguder, —, 9. gl. eine wie es feint vaßliche 


Benennung gewſſer Rarren in ben frübern Jahrhunderten, die Ab: 


ziehung und ungeftörte Ruhe der Seele und Bergeffen ihrer ſelbſt 


dadurch zu bewirken fuchten, baf ſie unvermandt auf ihren Mabel 
faben (Hesychasten). 


Das Nabelherz, —es, 24. —en, eine Art milchweißer Herzmuſcheln 


in Indien (Cardium retusum L.). 


Nabelig,.adj. u, adv. einen Nabel habend, mit einem Rabel verfehen. 
. Nabelige Schnecken. Gin nabeliger Schild, In der Pflanzeniehre, 


ein nabeliger Hut, ber Hut eines Pilses, wenn er einen-Rabel hat 
(umbonatus). S. Nabel. 


Der Nabellöcher, —s, 34. gl. eine Art Geelöcer „ welche aus eins 


fachen dünnen Röhren, die am obern Ende mit runden geftteiften und 
geftrahiten Schildchen befegt find, beftehet, ; Frifch hat fie sine becherar⸗ 
tige Geftalt und mitten aus bem Becherchen koͤmmt ein erhobener 
Punkt zum Vorfhein, unter welhem der mit einem Rande umger 
bene Stil. eingefentt ift (Tubularıa acatabulum L.), J 


Das Nabelkraut, —es, Pr. u. 1) Eine in warmen kaͤndern wad- 


fende Pflanze, beven wechfeläweife und gegenüber flehenbe, zunbliche 
Biätter an ihrer unteren Flaͤche mit den tiefen zuſammenhangen 
„undgtwas vertieft find, fo daß fie mit einem Schilde oder auch ei: 
nem.Napfe, Becher Ähnlichkeit Haben, baher fie auch nabelformiges 
Becherkraut genannt wird(Cotyledon umbilicus Veneris L.); ud 
Mabelpflange, Venusnabel, Domnerkraut. Die kleinen Bitumen 
find weis und -vöthlid gemiſcht und haben zehn Gtaubfähen. 2) Ein 


» Name des Bruchkrautes oder Durchwachſes (Bupleurnm rotundi- 


folium L.). 5) Ein Name die Flachskrautes, Leintrautes ober 
gemeinen Frauenflachſes (Autirrkinum linaria L.) ine Art 
diefes Geſchlechtes führt ebenfalls ben Namen Nabelkraut (Antir- 
rhinum eymbalaria); das Flachskraut mit Epheublättern, Feige 


woarzenkraut. 4) Eine Art Mannsparnifh oder Mannsihitb mit 


großen Reihen (Androsace maxima L.). 5) Eine Art des Stein: 
bred auf ben Alpen, welche ihrer fchönen Blumen wegen in ben Gärz 
ten gezogen wirb (Saxifraga cotyledon L.); auch Nabelſteinbrech, 
Frauennabel, Frauenkraut, Gänfeblume, Zuhnwehbluͤmchen. 6) 
Eine Art Wintergrün (Pyrola umbellata); doidenförmiges Win: 
tergruͤn, ſtaudiger Waldmangold. 7) Der blutige Storchſchnabel 
(Geranium sanguineum L.). S. Storchſchnabel. 


Der Nabelkreiſel, —6, 3%. al. die Benennung einer Ordnung ber 


Kreifeifhneden, melde genabeit find oder eine durchbohrte Spindel 
haben (Trochi umbilieati). Borzugsweife aber führt dieſen Nas 
nen eine Art dieſer Schnecken, welche roſtfarbig, gemötbt rund ifk, 
einen walzenfoͤrmigen Nabel unb etwas gesähnelte Windung bat 
(Trochus umbilicatus L.); bei Mütter Wirbelfchnede. 


Die Nabellinie, By. —n, in der Pflangeniehre, bie äußerlich erho: 


bene Linie, melde die zwifchen der Annenhaut und ber Schale lau—⸗ 
fenbe Nabelſchnur madt (Raphe). Illiger. . 


Das Nabelloch, — ed, My. — loͤcher, in der Schalthierlehre, ein Tod, 


welches neben der Wurzel der Spindel im Mittelpuntte des Grundes 
der Schale liegt (Umbiliem), Illiger. : 


Nabeln, vw. trs. 1) Mit einem Nabel verfehen. S. Nabel. Genas 
belte Schüedten, Genabelte Schilder Bof. 2) Ein Kind nabeln, 


ibm das Ende ber abgefhnittenen Nabelſchnur nieberbrüden und ein: 


Nab 
tinden. Di-Mabeln. Di —ung. ai 
Die Nabelbffnung, 94. u. 1) Bei weugebornen Kindern, diejenige 
Öffnung des Körpers, wo bie Rabeifhmur eine Berbinbung mit, der 
Mutter -unterhätt, =) In der Bautunft, ir einem Khgeigewölbt, bie 
Öffnung im Nabel ober in’der Mitte der Kuppel. * 

Die Nabelpflanze, 4. —n; f. Nabelkraut 1). er 

Die Nabelrinne, 94. u. in ber Zergtieherungstunft, ber votdere Zeit 
ber fangen Leberkinne (Possa umbilicalis), — 

Der Nabelfame, —ns, 9. ı. ein Name 1) bes Klebtrautes ‚(Ga- 
Num aparine L,), 2) Einer Art der Hunbssinge (Cynoglossum 
omphalodes); aud Nabe’jamentraut. "0" 

Das Nabelfamentraut, ed; 4. u. f. Nabelfinte 2). _ 


Der (das) Näbelfhild, et, 34. —e und —er; Vw. das Nabel: ' 


ſchildchen, O. D. —lein, ein genabelter ober mit eihem Nabel verfehener 
— Schild. S. Nabel und Mabeln. 

man darunter ein Schitd, weldes auf ber Rabelſtelle aufgeſtellt if. 
Die Nabelfhlagader, 9a. —n, in ber Zergtiederuugsfunfl, bei un: 
gebornen Kindern, der fortgefehte Stamm ber Berfenichlagäber, wel: 
— der neben der Harnblafe nad vorn und zur Rabeloffnung Binaus- 


gehet (Arterid umbilicalis). Mad ber Geburt verwächt fie und ' 


 bieibt aur noch in ihrem Anfange offen, we aus ihr bie Bfafenfählag: 
-abern und in’weiblichen Körpern die Gebaͤrmutterſchlagader und bie 
Schelbenſchlagader entfpringen. 


Die Nabelfhnede, Sy. —n? eigentiih eine genabette Schnee, 


welche man aber zu ben Kreiſelſchnecken rechnet. In der Raturbes 


ſchreibung belegt man mit biefem Mamen zwei Arten von Sihnickele | 


fäneten, ı) eine ziemlich fetten? Erdfhnede in China; nad Anbern 
- auf IJamaita (Helix eitrina); auch Zitronſchnecke. =) Die fharfı 
gewundene braunbunte Nabelfhnede, cine Erdſchnecke in Europa 
(Helix lapieida); auch Steinpider, Lampe. 
Die Nabelfhnur, By. —en, bielenige Häutige Möhre, melde das 


Kind in Mutterieibe mit bem Mutterfuhen und ber Mutter verbin: , 


det und durch welche Blut: und Schlagabern Taufen; ber Nabel— 
frang, im R. D. bloß der Strang. Da fie bänn iſt und wenn bie 
Feucht zur Welt gelommen ift zufammenboret, hat man fie mit einer 
Schnur oder einem Strange verglihen. In der Pflangenichre heißt 
von einiger Khnlichkeit ein Heiner Faden, woran ber Same fo lange 
er noch nicht vollkommen reif ift hängt, die Nabelfhnur (Funisulus 
t - ümbilicalis). { ce 
Das Näbelfchwein, —es, 9. —, dis Biſamſchwein. 
Der Nabelſteinbrech, — es, m. ir. f. Nabelkraut 5). 
Die Nabelftelle, 83. —n, diejenige Steile,, wo fih ber Nabel befin- 


Nbete In ber Wappentunſt verfieht man baruhter diejenige, Stelle _ 


sorgihed Wappenfähitbeh, "werde etwas niedrigen ats die Hergfterke ff. 
Der Nabelftrang, —es, my. —Mrätge, f. Natelihllüir.. zur 
Das Nabeltudi, —es, m —tüchir, em Meines zuf ımmengelentes 
Nuch, werches heuneborne — — 
2° geteht ande mit ber Robelbinde atıfgehunden witd. 
Der Nabelwurm, —es 9. —ıhritiet, 1) Der Jadenwwurin 2) 
"line Rt Gefhrt am Mader der Kinder, weidiee, man fr Inen 


SDurm anfah, ber den Rahel anftele, bie Mabzung ausinuge und 
de Magerfeit des Kinder verutfage (Yermis mmbiligalis), „ber 
int. 9'710 a ner — —8 m 
Raben, vw. trs, mit’einer Maße 'oerfehen., Ehemahlz bedeutete eb. pad 
Alba’ anfügen.‘ D. Nabeh. D, —ung., . ; 
Der Rabenböbtir, —e, My. 'öt. bei bin Steuma 
"ger, worhit fie die Rabe eines Rades ausbohren, ber Mäher. In en—⸗ 
gever Bedeutung derjenige Bohrer, memit bas mit den Lochbohrer 
gebefirte Loch erweitert wird. * 
Die Nabeneiche rt, im Forſtweſen, eine Eiche die zu Raben 
aauglich if. "ae — ii Zoil im Durchmeſſtr Und zo Eilen im 
der Ränge“ Babel und witd au Achſeneicht arnaunt, weil fie au 
Aqſen ebenfalls braucbat if. Te 


WR... 


In tee Wappentkunnſt verſtehet 


ern, ein jeder Bob: , 


Nach 
— a2 9 > —AW — 
Das Nabengelb, —es, Bi. —er, fo-viet ats Achſengelb. Oberlim. 
Das Nabenholz, —es, 9. —böljer, Holz und Etüde Holz, welde 
zu Naben tauglid und dazu beftimmt find. s 
Das Nabenloch, —ı6, By. —löcher, das gleihweite kLoch in dee 
Nabe, wörein die Achſe geſteckt wird. 
Der Nabenring, —es, 4. —e, bie eifernen»Ringe in der Rabe, 
‚„bejonbers bie um bie Nabe gelegten Ringe, damit fie nicht auseim: 
2 ankjegehe wern fie pladt ober aufſpaltet. In engerer Bedeutung bir 
ee | der Ausern dlache der Nabe, dergteigen bie-Speidhenringe 
“nd Sto ritige find. , i 
Dir Naͤbet, —6, 4.91; das Mäserchen, D.D. —lein, ein Bohrer, 
womit bie Haben ausgebobret werben; der Mabenbohrer.. Im weis 
terer Poddutung, ein jeder Bohrer; der Mäbiger. Der Anftehnäber, 
Bandnäber, Drahtnäper, Hahnennaͤber, Hobinäber, Pfeifennäber, 
Schlauhnäber, Zapfennäter ıc. Im Öfterreihifhen fagt man da: 
fe Dinger, map in ben gemeinen Spregarten O. u. R. D. Eher 
“offer Aber. ° \ 
Der Naberſchmied, —es, By. —, ein Sqhmled, welder befonders 
abter ober Bohrer verfertiget; der Bohrſchmied, auch der Beug- 
“ fühmieb, weil er zugleich Sigen und andere Mestzeuge verfertiget. 
Der Näbiger, —s, 4. at. ſ. Naͤber. —— 
Nach. 1, Als VWerhäitnigwort, wo es immer mit dem dritten Falle 
gefügt wird und 1) die Richtung einer Bewegung in bie Genenb 
‚wo fi ber @egenftand befindet, bezeichnet, befondbers wenn diefer Ge 
genfand ein Ort ift. Zur Meffe nach Leipzig reifen. Mac Amerika 
auswandern, Mach Schiefien fhreiben. Im biefer Webeutung gu 
braucht man im D. D. aud auf und ehemahls fagte man dafür gen, 
welches jegt nur. noch von ber Richtung einer Bewegung nad) einem 
gewiffen Orte geöraudt wird. Eben fo fagt man, nach Haufe ge: 
hen, reifen, ſchreiben, ſchiken, verlangen 2c., aud wol, nach Hofe 
gehen, fahren, fchreiben ıc,, wofür ieboh gewöhnlicher ift an ben 
Hof gehen x. Ungewöhntiher und ſchlecht iſt es banegen gefagt, 
zu Haufe geben, kommen ic. Auch andere Brunbiwdrter werben 
in dieſer Bedeutung obgleih nicht fo gut mit mach verbunden, jebodh 
mit vorangefegtem Deuteworte. Mach ber Stabt geben, reiten, fab- 
zen, [hiden ꝛc. Nach bem Walde fahren und Holz helen. Im N. 
D. ı6. geſchieht dies auch auf eine verwerfliche Art mit andern Mär: 
„ten, wo man fonft andere Berhältnißwörter gebraucht, 3. B. nah 
dem Markte fahren, für zu Markte, oder auf den Markt fahren; | 
mac Bette geben, für, zu Bette geben ıc. „Er ging nad) winem 
Wirthahauſe.* Nicolai. „Etwas nach dem Schneider zum Mähen 
‚bringen. Bobe, „Der Gang nad) der Kirchen ıc. Böllner. Oft 
„ Wird, dem Worte nach neh das Wort zu hinzugefügt. Mach Abend 
34 fatten, fdiffen e. Sich mit dem Geſichte nach Abend menden, 
De Wind has fih nach Morgen gedrebet. Der Hafen Liegt nach 
—*8 Sgewoͤhulicher gegen Abend. -Das Dorf liegt nach der Stadt 
un: de Ahıras nach ſich ziehen; gegen ſich her oder bin. Vergleiche zu, 
age aa. märte. Eben fo gebraucht man nach, wenn ber Gegenſtand 
eine Cache ober Perfon if. Mach Stod und Hut, ober nach dem 
rs. Btode und Hute greifen. Mac dem Kopfe fhlagen, Sich nach e 
ma, umſehen. Nach etwas ringen, fpringen, fÄhnappen, - 
2,200 DR, welche Blammenitröme fhoß die Hpder 
f Mach feinem Leben! Ramier, 
j &n sngerer Bedeutung ift mit ber-Richtung einer Bewegung, welde 
N nach bezeihmet, nech der Rebenbegriff verbunden, daß biefe Rewe: 
gung in. ber Abſicht geſchie het, etwas au befommen oder zu bolen, 
woburd es fih von au befonders unterfheibet, wo biefe Abfiht nicht 
ausgedruckt wird, Mach Wafler gehen, gehen Waſſer zu bolen, nad 
den Maffer geben, nad einem beftimmten Waffer, es zu holen, zu 
„bringen, dagegen zu Weine geben ‚beißt, an einen Ort me Wein ver: 
- kauft wird 20. geben, and dort eine Zeitlang bleiben um ibn zu 
‚teinten,. Mach dem Arte ſchicken, bamit er komme; ganz verfähie: 
den von, einen zum Arzte ihiden, wo bas Antommen bes Geſchicten 


Nach 388 Nach 


beim Arzte ıc. der Zwed iſt. »Ich will nach Veilchen ‚gehen. gehen dem Grunbworte. Dem Körper, nacybin ich aefindr in Anfehung 
fie zu ſuchen. Beltert. Sich nãch ot bäden, fd "büten & bes. Körpers, was ben Körper berzifft.. Einen nur dem Bamen na 





*- mas aufzubeben. —3 nur in Anfehung, feines Razıens," Seinen, Kersiepfien nach, 
Inden nen Sylvia Mh nach dem ne Hückt. Beitert, 2 ; dem Knfhein nad) zu urtheilen. Tem Alter mach, könnte en mol 

m Mad) Schägen graben, graben um’ de zu finden, zu — kiuger fein. Iumeiicn tann es aber auch vor dem Orunbwerte;ites 
Warum duchirct nach Gut und Gelb ' £ E ben, Nach feiner Miene ‚u ſchließe 1. Dfe deutet much auch ‚anf 

Der Menſch die fernften Meere? Weiße. ee. Vorbild, Mujter, Map ꝛc., wo ber Beariff bes Nabfolgens no 


In uneigentliher Bedeutung bezelchnet nach die Richtung einer De: "immer jur Grunde liegt, Nach der Natur, nach dem Leben mablen, 
mäthebewegung, einer Beglerde, eines Berlangens, Strebens x. „Indem man ber Natur, dem lebenden oder wirkichen Gegenſtande 
‚ Mad) etwas frägen, forfken, im e8 zu erfahren, Sich nach etwas ä " überall folgt. Etwas nad einem Mufier virfeitigen Mir nad), 


ertundigen. Sich ne etwas richten, Nach etwas ringen, fireben, “sic Folget nad, mir eifert. nad. ' ne 
ringen, ftröben es zu befommen, u erreihen, Nach hohen Dingen Mir nad, ruft Kriftus unfer, Se, B ®.% 
tradıten. Einem nad dem Leben traditen. „Der ‚nbeawingjide m Mir nach ihr Kriften allel Set. "Angeln. - ®% 
Wunſch der Seele nach Unfterblichteit.r Gellert. , Mach etwas arbeiten, es bei feiner Arbeit zum Mufter nehmen. 
Seht wie fein Auge nach mir ſchmachtet. Derf. - Ein Stuͤck nad. dem Franzöfifhen bearbeitet, nadı dem in Franzb⸗ 


Auf eine ungewöhnliche, wenn nicht verwerfliche, Art hat man ea auch ſiſcher Sprache geſchriebenen Stücke, indem man daſſelbe dabei zu 
für an’gebraudt. Nach dem Urtheil der Andetn kehrt mön, ſich Grunde legte und ibm in ben Hauptſachen foigte., Nach einer Wars 
nicht. Popowĩtſch. Fr F zeichnung zeichnen. Ra der Vorſchrift fhreiten. Nach dem Wins 
O- dent zurüc nach deinen Refentagen. Schiter. — kelmaßt, nad ber Schnur abmeſſen. Nach der Elle, nach dem Ges 
\ “u ibiefer ganzen’ Bebeutung wird bas Wort Mad) bem Grunbinerte wichte verkaufen. Etwas nad) der Hand verlaufen, nad dem mnthe 
vorgelegt. ° 2) Bezeichnet nach eine Bewegung, wie and. eipen-dus . maßlihen Gewichte ıc., obne «& zu mägen, zu melfen, Much unferm . 
ftond hinter einer Perſon ober Sadıe, (1) In Anfehung des Rate Gelde gerechnet, wenn man bad bei ung gemöhnlihe Geld zum, Maß: 
mes, Ortes, wie auch, ber Ordnung, Kolge, Aue nad) einander, flabe nimmt. Etwas nach. dem Gehoͤre fingen, fpieien, indem man 
— @iner nad dem Andern. "Mein Bruder folgt nach mir, fowol ee es bloß höre und dann finget oder fpielet, Nach Noten fpielen, 
gehet hinter mir her, als auch unelgentlich, er folgt im Alter auf ' indem man Noten vor fic hat und denſelben gemäß ſpielet. Dieher 
mich, if der nach mie Geborne. Mach fih ziehen, hinter fih ber _ gehört bie Redensart bes gemeinen Lebend:, einen nach Noten prü— 
sieben. Nur mad), immer nach! folge, fomm nur nad. Kehre geln, ihn nad Werdienft, derb prögeln, wie es ber Sache weaen 
um deiner Schwaͤgerinn nadh.e Ruth ı, 15. XImmer ber Raſe welcher er geprügelt wird angemeifen iſt. Nach Stand und Wäre 
»» nach, immer vor fih bin, gerade aus. Dem Mege nach, fe wie der den, dem ‚Stande, ber Würde (einer Perfon) gemös; Nach Ehren, 
“Meg Läuft, in ſolcher Richtung wie der Weg nimmt. „Al fie zogen ber Ehre gemäß. 
der Strafe nah.“ Apoftelg. 8, 56. Co aud in den jufammen- „Da ftritten wohl nad Ehren die Degene kühne unbe hehr. 
geſetzten Wörtern nachgehen, nachfolgen, nachwerfen. (2) Mit . & Nibelungen &, V. 568. 
MRüdiiht auf allertei Verhättniffe und' Umſtaͤnde, als Kortfegung bee Bumeilen bezeichnet nach auch eine Ähnlichkeit, wo ebenfalls der Bes 
vorigen Bedeutung in uneigentlichem Sinne, Gr ift ber erfte nach griff einer Nachfolge ober eines Vorhergehens zu Grunde Liegt. Nach 
itm, er folgt auf ihıt in ber Würde, Im Range ıc, Nach jenem _ feinem Bater arten, feine Art annehmen. Es viedht nad) Kojen, 
iſt mir diefes das Liebſte, Merthefte, jenes gehet biefem gleichſam Es ſchmedt nadı Bier, wie Bier. X Man hat ihn nach mir ger 
vorher, und dieſes forgt nad), es nimmt im Anfebung des Werthes mannt, fo wir ich heiße, weit ich fo heiße. In weiterer Bedeutung 
für mid die zweite Stelle ein, Mad der Regel, ber Regel aleide , eigt nad), überhaupt nur eine Art und Weife an. Etwas nach als 
Jam fotgend, fo wie es die Regel vorfchreibt, beftimme, Mah'den " Ten Ifeiteh ober alfen feinen Theilen nach kennen, ‚Etwas ‚nach 
- Gefegen richten, nad) feiner Beenunft handeln, fo wie fle es dor · allen Umftänden wiſſen. Nach der Reihe, etwas ber Länge mad} ers 
füreiben. Bid nad) der Werorbnung richten, fo handeln, verjahs zaͤhlen. Verwecſlich ‚aber if folgender Gedrauch des Mortes nad. 
zen, ſich fo verhalten, wie fie es beftimmt. „Uhfere Empfindungen »Die Schulben wurden bi auf einige tauſend Thaler nad) bezapit;« 
richten fih nad) den Vorſtellungen unfers Berftandes.« BeLItet, , Bülhimg. zei ift Reiner, ber, ee nicht auf einen Hellet nach 
@ine Sache nach feinen Abfihten, nach feinem Plane elhridten, fo wüßte. #8 od£. habe bie. ‚fefahtnen Saden bis Auf,einige 
wie e6 die Abfihten, der Plan erfobern. Mach feiner Meife thöen. © Mudinigkei n: ad | femmitjd mieber exhatten.« ‚dei Pepmas, (im 
Mac) feinem Sinne handeln. Nach Belieben, fo nie es belicht. „.? Antibar6.)., KR u, Kaufe Mer Zeit, wo ed allemahi wor dem 
Dies ift nicht nach meinem Munfhe, nicht fo wie ich es’wünfce, | * — ober B gen, —— ie Stsig deſſelben vpertgitt, 
nit meinem Wunfhe gemäß.: Mac) meiner Einfiäf, tietner@ins "eher" Mi, ve eh ee ». Rad) bep. Godhjeit ic. 
fit gemäß, fo wie ich es einfehe. Mach meinen Begriffen nach Nas act, ed Wie» nah, dem Tode werden ?, Im Jahre 
meinem Urtheife, Dafürhalten 1. - A — nad eitt Fk, Amel Wagt nach einander, „„Macı- dem 
id) wild — Mit jr,tempffen nad) deinem Raht. H. Sachs. iR) = Faden —— —9— —* her Freude kommt leid," Spri 
„Die Menfihen weichen blos nach Maßgabe ihrer Erziehung Bun'eins sr 13... Mach der 2 tan, u: 3* 
ander ab.· Fettert, In dieſer Bebeutung ſtehet nach auch Häufig fünfen ei dr ipfe ne nad) fünf Uhr, a 
binter dem Grundworte. Meiner Meinung nad. Seiner me griffe ber Zeit iſt de a ber Vegriff,ciner Bere ung / in ⸗ 
deit mach. Menn es mic nach ginge, mac meiner Meinung, mei: dem bad Frühere als eine Urfache ‚Des, — ** eeſcheint verhun⸗ 
nem Wunſche, meinem Millen. „Der Mond blieb feiner Ratur nad) den. Nach Be Jefagt Hüt,..wag deſche hen ib, * 
talt und unempfindlich.“ @eltert." Geſtalten Sachen nad), im niqt anders’ hatt eih. „Wir ** ſehen, wie er N nah r 
D. D. fo wie die Sachen fteben, beftelnt find. So auch ſonach. Zur '"Weiefe aufführen ' ‚piit, “ Geller 
weilen auch mit bem zweiten Falle, 5. B. meines Bebünkens had, ° Mad dir Kihn "nichtd hinfork Li, Ser; geipinnen, Ra mise 
ihres Gefallens nach, mo bad nad) auch meggelaffen wird, Meines ol x bof ‚das, mas in Anſehung ber Zeit nad) einer, Eade geſhir · 
Beränfens, Dafitchaltens konnte es unterbleiben, für nad meinem * fe eine 7 —2 if, und sörgen.derfeiben geſaab, St 
Bedünken, Dafürbalten. In andern Fällen, wo es im Anfehung ”' „u 11 nah Ma ebemap Au * um —* J 
dedeutet und eine Sache näper befkfmmt, ſtehet es fa immer noch BR I gar oh RR ee * 


Nach 


Dagß der nach Schaden weinet, der in ba —* gethan; d. Ribe⸗ 
lungen 85 8.. 5975. 

2. Als umſtandwort. 
—binter winer andern Sache in Anfehung des Maumes ober ber Ord⸗ 
m nung, Kolge bezeichnet und zuweilen auch das Wort. hinten zu vers 

ſtaͤrken gebraucht wird, ‚Hinten nach. Beſonders in. Zuſammen- 

fegungen mit Ausſagewoͤrtern. Dies bleibet nach, dahinten. Ah 
kenne, folge nach. 2) Der Zeit. Nach und nach, auf ein Mahl 
immer nur wenig, langſam hinter einander; auch wol, mit mebr 
ober weniger fangen Unterbrehungen; im Gegenſatz von ploͤtzlich, 
» 'quf ein Mahl. Mach und nach vergehen, 
werben. Nach und. nach feine Schulden: bezahlen. Mach wie vor, 
onnahher wie. vorher, _ Die biuflg workommende Berwehslung. biefer 
. Bebensart gegen bie Abſicht bes Fedenden in vor wie nach follte 
vermieden werben... Nach gerade. wird es Zeit, es fängt an Zeit 

‚zu werden. Bergl, Almäblig, Algemach. — Das a in nad) 

„wirb ‚im N. Di geihärft, in ©. S. gebehnt ausgeſprochen. 
Man gebrauht es man zu vielen Zufammenfegungen mit Wöͤr⸗ 

teta verſchiedener Art, 3 8, nachher, hernach, banadı, 
rmachmahle,- nachmittags, Nachlibel, Nachklage, Nachwehe ıc., 
vowa ed, gewoͤhnlich eine Folge in ber Zeit bezeichnet. Beſondere 
— aber mit Nusfagewörtern, wo es meilt- eine Drbnung, dolge 


im Raume bejeichnet, und ben damit zufammengefegten Wörtern 


aud ale feine uneigentlihen Bebeutungen mittheilet. Alle dicfe 
mit nach aufammengefegten Ausſagewoͤrter werben mit bem britien 
» Kalle ber. Perfon gefügt und haben ben Ton auf nad, fo wie aud 
fa ale die, übrigen mit nach gebildeten Bufammenfegengen, In 
der Ummanblung mirb das nad) getrennt und bem .„Aisfageworte 
nachgeſetztz zuweilen bleibt es aber auch getrennt entweder unmittels 
bar ober durch mehrere eingefhobene Worte bavon geſchleden, vor 
+ bemfelden fliehen, um einen groͤzern Rachdruck barauf zu legen, 
Nach eilet ihm. 
Wenn fie bie nach von den Bergen taumelt. Remter. 
Diejenigen dieſer mit nach zeſammengeſetzten Ausſagewoͤrter, melde 
nur allein ober doch vorzuͤglich biejenige Bedeutung ‚von nach belom⸗ 
men, da es ein Nachahmen und Nachfolgen in ber Zeit und Orb⸗ 
nung, fei es einer Hanbiung ober eines Zuſtandes bedeutet, und 
welche überdies felten -ober feitener als andere vorkommen, find 
lod bieher verwiefen worden, um den Raum für nöthigere Erktäs 
s zungen zu fparen. Dergleihen Wörter find z. B. nachbabbeln, 
Wwintes, bas Babbeln eines Audern nachahmen, babbein wie er 
babbelt, und II) tra. babbeind nahfagen; nachbaden, v. intrs. u. 
‚rs. nad) Anbern ber. Beit und Folge nad baden; nachbiegen, v. ntr. 
- 9, tra. ber ‚Biegung eines audern Dinges folgen, unb,.binten nad) 
an sine gebogene Richtung nehmen; nachbreiten, v. trs. binten 
breiten, nachdem Andere gebreitet haben breiten; nachbubbeln, 
achbubbern, v. mtr. bubbeln, bubbern wie etwas Anderes bubbelt, 
"rbubbentz nachbuͤbeln, nachhuben, v. intrs, einem Andern in Bü: 
‚heleiem, Buͤbereien nachfolgen, nahahmen; nachbullern, v. ntr. 
hinterher, ober hinten nad bullern; nachdahlen, v. intes. bas Dah⸗ 
len oder im Dahlen nadahmen 16, ic, 
Nachachten, «r, intes, auf, etwas achten und demſelben gemäß han⸗ 
bein, verfahsen, befolgen. Dem. follet,ipe.nachachten. D. Mac: 
achten· D. ung: 
+ bammiten. darauf achte und ſich danach richte, es deſoige. 
Nochadern, a. intza., u. tra, (M). 3) Pinterper adern, einem An⸗ 
dern am Adern, nahfolgen, . wie auch, äpmsim; Adern nachahmen. 
“Einem nahaderm. - Au wol, bem was geadert ift, bier und da 
j "nachheifen, wo es nicht seht geadert war. Hier und da nachackern. 
he) Hiyterher adeen, der Zeiut nad, atcende naghoien. Ein liegen 
nciht Stud, geld —* Eben jo i * — 
gen und D. NRahadırn.. 
3 —* vi iuiro· ie Afejohne übgrtegung magen si ober Chun, 


_ 39 


ı) Des Dres, wo es ein Sein und. @efhehen 


Nach und nadı fertig - 


Nacha 


was man Andere thun ſieht. »Der Affe aͤfft immer nach, aber 

nachgeahmt hat er nie." Herder. Wolke fagt dafür nachaffen, 

‚wie auch fhon Stieler hat, und zwar rihtiger, weil nahäffen, 

genau genommen, etwas Anderes bedeutet, aamlich, nad dem Bor 

gange eines Andern, wie ein Anderer äffet, Affen. Auch ale tra, 

Einem etwas nachäffen. -D. Nachaͤffen (MR. D. —ung. 

Der Nachaffer, —6, 4. gt.; die —inn, 4 —en, eine Perfon; 
weiche nachaffet. Stieler. 

Nahaffifh, adj, a. adr. gern nachaffend. Btieler. 

Nahahmen, v. intrs. u. trs. fo handeln oder fo machen, wie eine 
andere. Perfon handelt —* wie eine andere Sache iſt, die wan ſich 
zum Mufter geuommen bat; und in engerer Bedeutung, dies mit 

Uüberlegung und auf eine zwedmäßige Art thun, wodurch es ſich vom 
gebantentofen nachmachen und nachaffen untirfheidet. „Der Affe. 
Äfft immer nad, aber nachgeahmt hat er nie. Herder. Einem 
nahahmen, nad feinem Borgange, wie er ſelbſt handelt, handein, 

‚etwas machen. „Renne mir ein fo geſchicktes hier, dem ich nicht 
nachahmen fönnte.“ Leffing. „Denen (welden) fobann, unter 
dem Gefege der Mode aud; bie bluͤhendſte Geſtalt nachahmen muß: 
te“ Herder. Ginem in einer Sahe nachahmen, «6 in biefer 
Sache gerade fo mahen, wie der Andere, „In andern Staaten 
ahmt man jenen hierin nadı.« Ebeling. Einen nahahmen, 
in feiner eignen Perfon einen Andern in Anfebung.feiner Eigenbeis 
ten, Mienen, Sprache ıc. darſtellen. Elnen Schaufpieler nachah⸗ 
men, ihn ſelbſt, feine Perfon mit feinen Gigenheiten barftellen; 
unterfhieben von, einem Schaufpieler nachahmen, ihn im Spielen 
sam Dufter nehmen, mit ihm gleihe Regeln im Spiel befolgen, 
Einen in einem Stüde nachahmen, in eigher Perfon einen Andern 
in einem Stüde kenntlich barftellen. Einem und einen nachahmen 
wird aud häufig verwechſelt. „But! fo ahme die Mutter darin bie 
Altmutter nach.“ , P. Rihter. Die Stimme, dem Gang, bie 
C hreibart ıc, eines Andern nahahmen. Die Natur nahabmen, 
matürtihe Gegenftände fo darftellen, wie fie wirklich von Ratur 
find, „Die größte Gewalt aber, melde bie Geſelſchaft hat durch 
— —— Tugenden und Laſter zu verfürken, liegt in dem 
Beiſplele einzelner Perfonen und in dem Anſteckenden einer in glel⸗ 
Gen Gefinnungen und Handlungen übereinftimmenden Menge, Ies 
nes ahmt man nad; mas biefe thut, pflege man mitzumachen.“ 
Garne Im folgender Stelle ift das nad), wie mit den mir Nuss 

. Sagewörtern zufammengefegten. Berhättnisiwörtern nicht felten ge» 
dicht, nit vom Ausfageworte wie fonft gewöhnliä iſt getrennt, 
weiches zwar einige Därte verurſacht, aber bad nicht fo ſeht übel 
Bingt als Ad. meint: 

Nachahmſt du etwa unfern Bundsgenoffen? Schlegel. 
D. Nachabhmen. D. —ung ©. ?. 

Der Nachahmer, —s, Sy. gi.; die —inn, 9. —ın , sine Verfon, 
welche nachahmet. „Das Verdienſt des Befcheidenen erwirbt fi 

witlige Nachahmer.“ Gellert. 

OX Die Nachahmerei, 34. —en, für Rachahmung in beiden Bar 
beutungen; verähtiih. - Zuweilen aud die Sucht hadzeabmen, in 

veraͤchttichet Bedeutung. »— Die Nadyahmerei hat fie wohl (mol) 
noch befeuert, mit einem großen, Manne beitö keter zu wallen.« 


„Rübiger. 


Ginem etwas, zur · Nachachtung bekannt mar O X Das Nachahmervich, —s, o. 9. ein farfer Ausdruck 


blinde Nachahmer peraͤchtlich zu beztichnen. — mande Until mb, 
Gewaitthat an unfeger viel erduldenden Sprache, befenbers von dem 
fröhnenden Nachahmerbieh verübt,«e Böttiger. 

O Das Nadhahinefpiel, —es, Py. —r, ela Spiel, In melden die 
—— Alles nachmachen indifen, mas reiner berſelben vormacht. 
O Rachahmlich, adj. u. adr. fo heſchaſſen, daß es nach jeıhmt were 
ben kanaz sim Gegenjag von unnahahmlid.. Davon die Naſch⸗ 


feit. 
Die ehe ahmung, "© , 


r DH. —en, ) Die Handlung, da man, nach⸗ 


Nacha 


390 


Nachb 





ahmet; ohne Mehrzahl. 2) 8 Etwas NRachgeahmtes, eine nachge⸗ 
ahnmte Sache. 


Die Nachahmungsgabe, o. 94. bie Gabe, natürliche Antage zur 


Rachahmung, Andere nachzuahmen. „Beine Nahahmungsgabe 
überflieg allen Glauben. @öthe, 

Die Nachahmungsſucht, e; I. die Sucht Alles, und daher oft 

" plind, ohne Uberlegung nachzuahmen. j 

Der Nachahmungstrieb, —es, o. My. ber Zrieb, das was man 
fiebet,, aachzuahmen, welcher fi befonders an den Kindern zeigt. 

Nahähren, r. intrs, nad einem Andern, mahbem Andere ſchon ger 
äbret d. h. Ähren geleſen baden, Ahren. Ginem nachaͤhten. Auch 
als ts. Wiel, wenig nachaͤhren. D. Nadyäpren. D. —ung. 

X Nachalbern, *. intrs. die Albernheiten eined Andern nahahmen. 
Einem nahalbern. D. Nachalbern. 

x Nacalefanzen, Nachalfanzen, v. intrs, u. tes. ehemabls, auf 
eine liftige betruͤgeriſche Meife nahmaden in einer Stelle aus Mats 
tbefius bei Frifh: „es ahmet und alefanzt ber Zeuffel Gottes 
Werd nad,“ Im der jept gebräuchlichen Bedeutung des Wortes als 
fangen wärde nachalfanzen bedeuten, eines Anbern Beifpiel folgend 

°  alfanzen, bie Alfangereien Anderer nahahmen., ©. Alfanzen. D. 
MNachalefanzen oder Nachalfanzen. 

Nachalten, x. mtr, mit fein, im Altwerden folgen, glei einem Ans 
dern aber fpäter alt werben. Stieler. D. Nachalten. 

Nadyangeln, v. trs. mit der Angel nad etwas fireben, mit ber An- 
get zu fangen ſuchen. Oberlin. Uneigentiih, X einer Sache 
nachangeln, ämfig danach ſtreben. D. Rachangeln. D — ung. 

Die Racharbeit, Sy. —en. 1) Eine Arbeit, welche in Abſicht der 
Zeit nach eines andern, ober weiche hinterher verrichtet wird; in 
Gegenfag der Vorarbeit. Im Bergbaue heißt die Ürbeit, melde 
ein Bergmann nad feiner ordentlichen Schicht ichtet, bie Nach⸗ 
arbeit, auch bie ledige Schicht; und bei den Färbern find die Nach⸗ 
arbeiten das Abſteden, Ausſpülen und Trocknen der gefärbten Sa⸗ 
den; sum lnterfhiebe vom Färben als ber Hauptarbeit und von 
der Ausorbeitung oder der völligen und legten Bearbeitung. Im 


Deihbane ift die Nacharbeit diejenige Arbeit, welche fpätergin, wenn . 


i iharbeit geſchehen ift, zur völligen Bollenbung an berfeiken 
—— Ei, 2) Eine Arbeit, welde nad) einer andern als 
i ußter verfertiget tft, 
— 5 a u. ters. 1) Hinter ober nad einem Anbern 
arbeiten, ſowol in Anfehung ber Zeit als auch der Drbnung. 2) So 
wie ein Anderer arbeitet arbeiten, ihm gleich arbeiten. Ihm kann 
teiner nacharbeiten. 3) Rah ber Arbeit eines Andern ale nad eis 
nem Mufter arbeiten, durch Arbeit, in ber Arbeit nachahmen. Dies 
fes Bild iſt jenem nachgearbeitet. „Diefer Wagen ift dem fürfl: 
iichen nachgeardeitet.“ (R.). Dann and, arbeitend nad etwas fire: 
ben, in weihem Sinne bie Jäger uneigenttih vom Leithunde fagen, 
er arbeiter nach, wenn er nachſuchet. 4) Einer Arbeit nachhelfen, 
ſie verbeſſern. Fehlerhafte Steuen nacharbeiten. Ginem nachar⸗ 
beiten müſſen. 5) Eine Arbeit nachholen. Das Verſaͤumte nach⸗ 
arbeiten. D. Nacharbeiten. D. — ung. ©. auch Nacharbeit. 
Der Nacharbeiter, —s, 9%. gl. einer der nacharbeltet, in den vers 
fhievenen Bedeutungen biefes Wortes. S, Naharbeiten. 
Nachaͤren, v.trs. fo viel ats nahpflügen. S. Nahadern. D. Nach⸗ 
 ären. D. —ung. j 
Racarten, v. Dntr. mit fein, nad einem Andern arten, feine Art 
oder — Beſchaffenheit annehmen; auch nachſchlagen, im 8, 
D. nachſchlachten. Die Kinder arten ben Ältern nicht immer nach. 
II) trs. nach ber Art eines andern Dinges machen, „Mücgenrtete 
Wörter foihe, bie demjenigen, was fie begeihnen in Anfehung bes 
Zones und ber in ihnen vorkemmenden fanften oder harten Bud: 
ftxben ber Sage, bie fie anzeigen, anpaffend gemadt fin: Breis 
finger. Mahler hat das Bw. nahärfen für nahapınen. — 
D. Nachatten. D. — ung. na 


Nachaͤtzen, v. trs. 1) Rah etwas Anderm als einem Muſter ägen, 
ägend nahahmen. =) Durch Ägen nachhelfen. D. Nahäsen. D. 
ung. ‘ 

OX Nachaͤugeln, v. intes. x) Xugeind, b. h. mit halb geſchloſſe 
nem ober auch mit zaͤrttich blicenden Augen nachſehen, d. h. einem 
ber fi entfernt mit ben Augen folgen, . 

— und Äugelt ihrem Liebllag nach. Hölty. 
#) Einen Andern im Äugeln nahahmen. D. Macdugeln. 


—ung. 

X Nahbabbeln, v. intrs. u. trs. f. Nah. D. Nachbabbeln. 

Nahbaden, v. intes. u. tr. u) Dinter Anderen der Zeit und Bolge 
nad) baden. 3) Rad) Anderm, was [don gebaden ift, baden. Roch 
Brot nahbaden. 53) Mad der Art und Meife Anderer baden, ein 

Gebaͤce nahahmen. Auch im weiterer Bedeutung, etwas das zu 
feiner Bollendung gebacken, d, b. getrodnet ober gebrenne werben 
muß, nahformen. „Denn ber berühmte Modelliver (Modler, For: 
mer) Ghigi — hatt’ es (das Kunftwerk) wirklich nachgebacken.“ 3, 
pP. Xtchter. D. Nachbacken. D. —ung. ' 

Nachbaden, v, inirs, u. trs. f. Nah. D. Nachbaden. 

Der Nachbar, —, (bei Einigen —n,) 4. —en; bie —inm, 
4. —en, ben Worten nah, ein Nahewohner (vom bauen, ehe 
mahls au wohnen), eine Perfon, welche nahe an. uns wohnet, 
und überhaupt, welche fih ganz nahe neben uns befindet, aufhält, 
In bdiefem weiteſten Sinne heiten bie Perfonen, welche neben une 
fipen oder fteben, und deren Wohnung ober Zimmer an bie unfrigen 
flogen, unfere Nadybarn. In engerer und gewöhnlicher Bebeutung 
find Nachbarn diejenigen, deren Häufer nahe bei einander liegen, 
befonters beren Haͤuſer unmittelbar an einander ſtoßen. Auch bie: 
jenigen, deren Grundſtuͤcke an einander grenzen, nennen fih in bie: 
fer Hinſicht Nachbarn. Ein Hausnahhbar, Feldnachbar, Garten: 
nachbar xch In manden Gegenden, 5. B. im Meisnifhen, beißen 
in weiterer Bedeutung bie Einwohner eines Dorfes, welche Wrund⸗ 
ftüde befigen, und aud wol bie Einwohner überhaupt Nachbarn. 
Im N. D. lautet dieſes Wort Maber, Mauber, und ehemahls law 
tete ed Nachgebur. i 

Der Nachbardienſt, —es, 94. —r, ein dem Rachbar zu leitende 
Dienft, nachbarlicher Dienſt. Dbertim., 

O Das Nachbardorf, —es, 94. —dirfer, f. Nachbarland. 

O Das Nachbarland, —es, By. —laͤnder, (M.) ein benachbartes, 
ein angrenjenbes Land, So kann man auch die Nachbarſtadt, das 
Nachbardorf, für, benachbarte Stadt, benachbartes Dorf bilder, 

Nahbarlich, adj. m. adv, 1) Nahe bei dem-anbern befinbtich, an⸗ 
grenzend, benadibart. „Das Geſicht ift der mahbarliche Einn-des 
Gehöres,“ Herder. 2) In ber Nachbarſchaft, In bein Werbält: 
niffen der Nachbarn gegründet; wie aud, nad Art einev Rachbarn, 
als Nachbar; und im engerer Bebrutung, als ein guter Nachbar, 
einem quten Nachbar gemäß. Die nachbarlichen Beſchwerden, bie 
jenfgen, welde Rachbarn gegenfeitig zu tragen haben; auch, # for 
fern Nachbar einen Dorfbewohner bezeichnet, folde Beſchtoerden, 
welde bie Dorfbewohner tragen muſſen, Nachbariiche Befättigkeiten. 

Oft beſuchten wir dann uns nachbarlich. Boß. 

Das Nachbarmahl, —es, 9. —e, und —nrähler ‚rin Matt, din 
Mabtpeit, welche man den Nachbarn giebt. M. Kramer - ' 

Das Nahbarreht, —es, 4. —e. 1) Ein Recht, - welches einem 
als Nachbar zuſtehet, z. B. daß er als Nachbar dad Räherrecht Sat, 

' wenn tiner feiner Rehbarn fein- Haus verkaufen will. 4) + Das 

" Recht in einem Dotfe'jü wohnen; wie au in engerer Gedentung, 
Recht fih in demſelben amfäffig zu machen; ohne Mehrzahl. S. 

achbar. 

Die Nahbarfhaft, 9. —en. 1) Der Zuſtand, da man ein Made 

bar if, das Berhäflnii ars Rachdar im Anfehung ber ihm als fol 
em obliegenden Pflichten und Werbindfihkeitin ohne Mehrzahl. 
Altes tpun, wozu bie Nachbarſchaft verbinber; auffodert. - Gate 


D. 


Nachb 


allein feinen Obliegenheiten nahfommen , ſondern auch gefällig, ver⸗ 
bindlich ſeia. =, Benachbarte, nahe om ung wohnende oder neben 
unferm Eigenthume ihr Gigentkum befisende Perfonen, mie auch, 
tiefe nah an unſerer Mobnung ober unferm Gigenthume befindiihe 
Gegend. Die Nachbatſchaft befuhen, In ber Nachbarſchaft Ber 
Tue machen. 

x Die Nachbarbleute, Er u. benachbarte Leute, Nachbarn, ohne 

Anterſcheidung bes Beihiedhtes, „Rratı Gare trollte am Morgen zu 
den armen Nachbateleuten.“ Benzel⸗Sternau. 

O Der Nachbarſtaat, — s, Sg. —en, rin benachbarter, angren ⸗ 
sender Staat. — fo nerträgt max fi bed fo höflich zufanımen, 
wie zwei gefittete Eheleute, die einander nicht leiden mögen, ober 
zwei Nachbarſtaaten, beren einer den andern gern verfhlingen 
mödte, wenn er nur bürfte= Ungem, - 

O Die Rachbarſtadt, 9. —fädte, f. Nachbarland. 

O De Nahbarflern, —es, M. —e, ein benachbarter, d. d. neben 
einem andern ſtehender Stern. 

Gteilt er fie dort an den Himmel ats Nachbarſterne zu funtelm 
Bop. 

© Die Nachbarftube, 94. —n, eine benachtarte, d. b. eine neftn 
ber andern liegenbe, mar burd eine Banb-von ihr abgeſonderte 

“ tube, „Jetzt kam Benette aus der Nahbarftube des Buhbinders 
— zuräd.e J. P. Rihten 

Der Nachbarweg, 1, 1) Ein benachbarter Meg, 2) 
+ Iu Oberfachfen, ein Weg, auf welchem nur bie Nachbarn d. 5. 
ie Einwohner eines Dowfes gehen, fahren .ıc. bürfen, &. Nachbar. - 

Nachbauen, v. intrs. u. tes, 1) Mad dem Vorgange eines Aubern, 
: ‚einem Mufter gemäs bauen. Einem machbauen. 2) Dinten nah, 


nachdem das Meifte, naͤchdem etwas Anderes gebauet iſt, bauen, ! 


Das Rebenhaus nahbauen. 5) O Bauend nachhelfen. „Er rüftete 
ſich zum Reifen, bas am beten feinen —— Körpre (nad 
Krankheit) auf: und nachbauete. ⸗J. P. Kichter. D. Nachbauen. 


D. —ung. 
Der Nachbauer, —s, M. gl. einer der nachbauet. S’keler. 
ONachbeben, v. I) ntr, mit haben. +) Hinten nad, in Anfehung 


der Beit, beben, Nah dem Griffe bebt bie Saite noch nach. 2) 
As Mit der Fuͤgung eines trs. , ein amberes »orangegangenes Ber 
ben gleichſam nachahmen, wieberhoten, 

— — den Sqwuns der ſtrafenden Aechte, bes Donnernden 

Huf eich, 

Bebte bie bange Ratur in allen Tieſen der Schopfung 

Schauernd nach Atepſtock 
IT) intes, mit fein, bebend nachgehen, nachſolgean. — D. Nach-⸗ 
beben. D. —ung. 

Nachbedenken, v. intrs. unregeim. (f. Denken), hinten nach beben: 
fen, nachdem die Sache ſchon gefheben und es zu ſpaͤt iſt. Sprichw. 
Vorgethan und nachbedacht, bat Manchem [on groß Leid ges 
bracht. D. Nachbedenten. 

Nachbedingen, v. trs, unregelm. (f. Dingen), hinterher bedingen, 
mach gefchehener Sache bedingen. D. Nahbebingen. D. —ung. 
Nachbegehren, v. I) ters. hinten mad; begehren, nadbem man ſchon 
vorber empfangen bat. IE) intre. begehren nachzufolgen, madızus 
kommen; felten. - Dem Abgereiſeten nachbegehren. — D. Nach- 

begehren. 

X Nachbeißen, v. unregeim. (f. Beißen). D) intre. einen ig bin: 
ten mad thun. tmeigentlich, ale mtr. von, enden Dingen, als 
Eenf, Üerrerettig ıc., binterber beißen, nad dem Genuß ein Bei⸗ 
sen auf ber Zunge vrrurfahen. II) ins nad vorangegangenem Ge: 
nus einer Sache beißen b. h. effen. Bei einem Glaſe Wein etwas 
nachbeifen. Nah einer Arzenei etwas nachbeifen. Bergl. Mache 
ttinken. — D. Nachteißen. D. —ung. 

Nachbeizen, v. irs. 7) Nachdem andere Dinge gebeipt find beisen. 


Nachbarſchaft Halten, eim guter Nachbar fein, als Nachbar nidt 


Nachb 


) Mit der Beige wachtelſen. Mod ein wenig nachbeizen. D. Mache 
beigen. D. — ung, 

Der Nachbellagte, —n, 24. —n, derſenige, gegen welchen eine 
Nachklage vor Sericht augebracht if, Haltaus. 

X Nachbelfern, v. intrs. f. Nachbellen. 

Rachbellen, v. Inte. ı) Bellend nachfofger, hinter jemand ber Seh 
len, ‚Die Hunbe bellen den Fremben nach. =) Das Bellen nach⸗ 
ahmen, und, im Bellen nahahmen. Sinem Bunde nachbellen. 
Aud als irs, uneigentlib, belend aachſprechen. Im gemeinen Ber 
hen ſagt man bafür auch nachblafſen und nadptelfern. D. Nach- 
beiten. 

O Nachbereiten, v. trs. 3) Rad bem Mufter eines Audern bereiten, 
@) Hinten and bereiten, zubereiten, zurecht machen, 

Sorglich reichte die Matter ein nachbereitetes Bündel, Böthe. 
D. Nahbereiten. D. —ung. 

Der Nachberg, —rd, By. —e, im Bergbane ı) eine Shiht war⸗· 
bernigen tauben Edieferd, welchet im Mansfeldifhen unter der 
Shit der fogenannten Dberberge bricht, und im Zentner efma ein 
Pfund Kupfer enthält. =) Eine a bie 174 Bell bide Schale, welche 
üser ben obern Aupferſchiefern im Heften liegt. And Kochberg. 

Nachberſten, vw. mtr. enregelm, (f. Verflen) Hinten nad beeften, 
nachdem etwas [dom geborften ift, noch mehr, noch weiter berften. 
D.-Nachberften. 

Die Nachbeſchickung, 4. —en, im Hüttenbaue, eine nach ber ir 
ften ober fräbern, aber nicht gebörig ausgefallenen Wefhidung vors 
genommene Beſchickung. 

Maͤchbeſſern, v. trs. Hinten mach beffeen, nadtem etwas fertig ift 
neh daran deſſernz mie aud, nahbem ein Anderer ſchon gebeffert 
bat, noch beſſera. Ein Kunſtwerk nahbeffern. An einem Dinge 
nachbeffern. In ber Baufunft beißt nachbeffern, nachdem ein Ber 
Bäube fertig gemorden ift, mit bem Hammer und Gifen bie Bor⸗ 
wände der Mauern eben machen ober vergleichen, indem dad, was 

noch von Steinen bervorraget, hinweggearbeitet wird. D. Nach 
beffern. D. —ung, 

Nachbeten, v. intrs. u. tra, ein Gebet nachſprechen, meldet ein- Anı 
derer vorbetet ober vorfpeiht. Einem nachbeten. Ein Gebet nadır 
beten. Mneigentlih, ohne Überzeugung, ohne Kenntnif, oder auch 
ohne Bemwußtfein nachſprechen, was man gehört ober gelefen hat; 
verächtlih,. Anderer Ausfprüde, Meinungen ıc. nachbeten. D. 
Nachbeten. D. —ung. 

Der Nachbeter, —s, Di. al, (R.); die —inn, 2. —en, eine 
Peefon , weldie Anden machbetet, Im ber uneigentlihen Brbeus 
tung unb verachtlich. - 

X Die Nacbeterei, o. MM. (R.) das Nacbeten, nie and etwas 
Nachgebetetes; veraͤchtlich. 

O Der Nachbeterſchwarm, —es, 94. —ſchwaͤrme, (R.) ein 
Schwarm, d. h. eine Menge non Nachbetern; veroͤchtlich. 

O Der Nachbetertroñ, — ſſes, o. Wz. (N) der Troß, bie Menge 
gemeiner Nechbeter; veraͤchtlich. 

Nachbetrachten, v. tes. nah einem andern betrachten, hinterher bes 
trachten. D. Nachbetrachten. D. —ung. 

Nachbeugen, v. tes. 1) So wie etinas Anderes gebengt iſt, ober mie 
ein Anderer gebeugt bat, beugen. 2) Pinten nah beugen, mit 
Beugen nachbelfen. Gewoͤhnlich wird nachbiegen bamit verwechfelt. 
D. Nachbeugen. D. —ung. 

Nachbewegen, v. trs. 1) Hinter etwas her bewegen, ber Sewegung 
eines Andern folgen laffen. So auch, ſich nachbewegen. 2) &o 
bewegen, wie ein Aoderer vorher beivegte, elne Bewegung nachad⸗ 
wen. D. Nachbewegen. D. —ung. 

Nachbezahlen, v. trs hinterber bezahlen, wenn fen vorber ein 
Theil bezahlet worden iſtz wie auch, nadıbem etwas fertig gemacht’ 
. ‚ bie Bezahlung feiften (postnumeriren). C. D. Nachbezahlen. 

. ung. 


* 


dachb 

Nachblegen, 7. ate. unzegelm. (f. Biegen) mit fein, ſ. Nah. D. 
Nachblegen. 

Das Rachbier, —et, 4. —e, ein ſchwaches geringes Bier, welchea 
nochbertitet wirb, d. h. welches, nachdem das eigentliche Bier abges 
ſchoͤpft iſt, aus andern auf die Treber gegoſſenem Waſſer gebtauet 
wird; das Afierbier, Halbbiet, Treberbier, Speiſebier, Tiſchdier, 
dannes Bier oder Diinnbier; in Balern Scheps, Hainzli, im Oſter⸗ 
reihifhen Haͤnſel. Vergl. Kofent. 

Nachbieten, v. tes. u. intrs. unregelm. (f. Bieten), 1) Einem Ans 
dera folgend bieten, wie er bietet, bieten. =) Sinter ber bieten, 
nahbem ein Anderer geboten bat bieten, oder, nachdem man ſelb ſt 
ſchon gebeten hat, fpäter nohmapis, ned mehr bieten, D. Nach⸗ 
bieten. D. — ung. &. auch Nachbet. 

Das Nahbild, —ee, IM. —er, ein durch Rachbitdung oder Rad: 
abmung entflandenes Wild, welches nit vöige Gleichheit mit dem 
Borbilde, Urbilde oder Mufter zu haben braudt, indem ber Künftier 
nicht ſtlaviſch abbitget, fondern aud vom beim Seinigen hinzuthut; 
es ift daher verfhieben von Abbild. „Die Kriftiihe Grazie (Garita, 


Hulbinn), bie, nachdem fie in ben Lobgefängen auf bie heilige Jungs 


frau fange gepriefen war, auch anf ihre Nachbilder überging.« 
Herber, 
Mir fahn das Nachbild deffen, ber — Blumauer. 

Nachbilden, v. intrs, u. trs. 1) Rach etwas Anderem, ale Bufter, 

Boͤrbild oder Urbilb bilden, bie Bildung, Seſtalt ac. einer andern 

Sacht nahahmen. Aus Wade, Thon ze, etwas nachbilden. „Mem 

woilt ihr Gott nachbilden ?« von wem weit ibe bie Rüge zu einem 

Milde Gottes entichnen? Ef. 40, 19.55. Es bezeichnet aber nach⸗ 


bilden nicht gerade ein ſtlaviſches Rachmachen, fonbern deutet mehr - 


anf ein freied Rahahmen, bei welchem ber Sildner nur die Haupt: 
fachen beibehätt, Äbrigeud aber nach Gutbefinden bavon ober bazu 
thut. In weiterer und uneigentlicher Bebeutung, im Weſentlichen 
ähntich bilden, und uͤberhaupt, nahahmen, „Die Griehifhe Spra⸗ 
he nachbilden.“ Kiftemader. (R) „Diefes Lied iſt chillen 
teeffiihem Gefange an die Freude zu offenbar nachgebildet. ungen. 
(2.). 3) Hinter ber bilden, fpäter bilden, mie auch, 5) bilbend 
nadpeifen. D. Nachbilden. D. —ung. 

O Nahbildern, v. intes. nad einem Anbern, ſewol in Amfehung 
ber Zeit alt ber Drbnung bilbern, Bilder ſuchen, in Bilbern bIät- 


S. Bildern. Ginem nad: 


teen, wie auch, in Bildern fprehen. 
bildern. D. Nachbildern. D. —ung. 
Dir Nachbildner, —e, Mg. gi.; bie —inn, Mz. —en, ein Biltd⸗ 
ner, bitbenber Künftler, welcher nachbildet, und in weiterer Ber 
deutung, Überhaupt eine Perfon, melde nachbildet. S. Nahbils 
den, und Bildner. 
Nachbildnerinn der ſchaffenden Ratur. Ungen. 9. 

Die Nachbildung, Ba. —en. 1) Die Handlung, ba man nahbite 
ber; ohne Mehrzahl 
ade, wofür man in ben meiften Fällen beffer Nachbild fagt. 
Nahbinden, v. trs. unregelm. (ſ. Binden). Bei den Jaͤgern heißt 

nahbinden, beim Stellen In einem Hauptiagen die Leinen ber züs 
. Her an bem andern Gnte bes Tuchts witber anbinden; zum Unter⸗ 
ſchlede vom vorkinden, wo bie obern und untern Beinen von ben 
Zücerg am Heftel ober Bäume angebunden werden. D. Nadjs 
binden. D. — ung. 
Der Nachbiß, — ſſes, 9, — ſſe. 1) Ein Bit, ber bintecher, bins 
‚ tennadı gefhicht. 2) Etwas mas man nachbeißt. j 
© Die Nahbitte, m. —n, eine hinten nach gethane Bitte; zum 
Unterfhiebe von einer Worbitte, , : 
Nachbitten, v. äntrs. u. tes. unzegelm. (ſ. Bitten). ı) Hinterbee 
bitten, fpäter bitten. Men hatte idn anfangs vergeffen einzulas 
ben, er wurbe alfp nachgebeten. =) Auch wel, mie ein Anberer 
bittet bitten, das Bitten nahatmen. D. Nachbitten. 
0 Nachbittern, vw. Ip irs. hinten nad bittern ober bitter machen; 


392 


2) Etwas Nahgebittetes, eine nachgebildete 


wie auch, no mehr bitten, ber Bitterkelt nachhelſen. IN) mtr. 
mit haben, hintennach bitter fein, bitter [hmeden; einen bittern 
Nach geſchmack haben. — D. Nahbittern. D. —umg. 

x Nachblaffen, v. iutrs. m. trs. ſ. Nachbellen. — 

Nachblaͤnken, v.trs. hintennach biänken; wie auch, mit Blänken nad: 
beifen. D. Nachblänten. D. — ung. 

Nachblafen, r. intrs. u. trs, unregelm. (f. Blafen). 1) «Hinter eis 

onen ber blafen, ihm buch Staſen nachfolgen'maden. - =) Das Bici 
fen eines Anbern nahahmen, 5) Hinten nach blafen, ſpäter als 
etwas vorbergegangenes blafen, D. Nachblaſen. D. ung.“ 

O Nachblaffen, v. atr. mit haben and fein, hinten nad, oder Tp&t 
ter noch blaffen, blaß werben. D. Nachblaffen. : 

Nachblättern, r. imtrs. 1) Mad etwas blättern, blätternd madıfur 
Gen, nahfhlagen um etwas zu finden. =) Dis Blättern eines An⸗ 
been nachahmen. D. Nachblaͤttern. D. —ung. 

O Nachblauen, v. ntr. mit haben w. fein, hinten nach, ober fpätes 

nach biawen, blau werden. D. Nachblauen. 

Nachblaͤuen, vw. trs. Hinten nad biäuen, b. h. blau machen, auch 
mol, X fehr prügeln. D. Nachblaͤuen. Dr — ung. 

X, Nahblehen, *. intrs. u tra, fo viel als nachzahlen. ©, Ble ⸗ 
chen. D. Nachblechen. 

Nachblecken, v. iatrs. u. ts. 1) Im Wieden der Zähne nachahmen. 
2) Hinter einem Her bieden. D. Nachblecken. D. —ung. 

Nachbleiben, v. atr, unregeim. (f. Bleiben) mit fein, Hinten biete 
ben, zurädbleiben, 1) bem Maume nah. Gr konnte nicht mie 
fort anb mußte nahhbleiben, =) Der Beit nach, übrig bleiben, zu— 
eiebleiben, As I nichts machgeblieben, - — unter ber Bebins 
gung, daß er nicht länger als einen Monat nachbleibes 3, W. 
Richter Im engerer Bebeutung, nach bem Kobe eines Andern 
übrig, zurüdbleiben. 

O wie gut wenn ein Bohn bem abgeſchledenen Deanne 
Nachbleibt. Bof. 
Dann auch für überleben, 
wenn binfort id bas Reben zu feiften 
Strebte, wenn nachzubleiben fo großem Sammer ih ränge, Voß. 
- Mneigentiih auch X für unterbleiben. Die Sache it nachgeblieben. 
O. Nachbleiben. 

Das Nachbleibſel, —s, 3M. gt. etwas das nachgeblieben, übrig ges 
blieben iR. „Davon find noch einige Nachbleibſel in bes Rachts, 
des Mittwochs⸗ ꝛc. Wolle, Im’Horfleinfhen wirb Nablibels vom 
Speifen, wie aud von Erbfhaft für Nachlaß gebraucht, Sch üpe. 

Nachbleichen, v. I)utr. untegeim. (f. Bleichen) mit fein, hinten nad 
bieichen, bleich werben, gebleicht werben. IL) tra. vegelm. 1) Das 
Bleihen eined Anderen nahabmen. Einem nachbleichen. 2) Bin 
ten nach, nachdem Anderes gebieicht iſt leihen, — D, Nachblei⸗ 
Gen. D. — ung. 

Nahbleien, v. tre, Hinten nad bleien, mit Blei oder mit Wteiem 
verfeden. D. Nachbleien. D. —ung. 

Nachblicken, v.intrs. (R.) hinter einer Perfon ber blicken, einer Der: 
fon, bie ſich entfernt mit den Blicken folgen. Uneigentlich auch efe 
ner Sache, die ſich entfernet, bie vergeher, mit den Augen des Gei— 
e gleihfam, mit feinen Gedanken folgen. D. Nachblicken. 

—ung. 

Nachblinken, Nachblinkern, v. ntr.. mit haben. 
enden, blinkernden Schein hinter ber werfen, 
blinken, blinfern. D. Nachblinken, Nahblinken. - 

Nachblinzeln, Nachblinzen, v. intrs. ı) Einem Andern, der bfins 
zet ober blinzelt, nachahmen. 2) Mit blinzelnben ober blingenben 
Augen nachſehen. D. Nahblinzeln, Nachblinzen. 

Nachblitzen, v. D ntr. mit haben, hinten nad blisen, fowel in An: 
fehung des Raumes al der Zeit. IL) intrs, hinter ber Bilge wers 
fen. — Das Nachblitzen. u 

Rachbloͤlen, r. imtrs, u. tes, 1) Das Bidken nachahmen. Ginem. 


») Einen blin⸗ 
2) Dinten nach 


Nachb 


nahblöfen. Als tre. X Einem etwas nachbloken, 3.8. bidlend ſa⸗ 
gen oder fingen wie er. a) Hinter ber biöfen, ſowol ſpaͤter bloͤlen, 
als auch, einer fih entfernenden Perfon ein Bloͤken gleihfam nach⸗ 
ſchicken, nachfolgen laſſen. Als trs. blökend nachrufen, nachſchrelen. 
X Einem etwas nahbiöfen. D. Nachbiöten. D. — ung. 

Machbluͤhen, v. mtr. mit haben. 1) Hinten nad) bluͤhen, [päter blü⸗— 
ben. 2). Gleich einer andern früher blühenden Sache btühen, ihr im 
Blähen gleihfam mahabmen; feiten. D. Nachbluͤhen. 

Nachbohren, v. intrs, u. trs. 1) Rad einem Andern, mad eines 
Anbern Borgange bohren. 3») Hinten nad bohren, nachdem bad 
Meifte oder das Übrige ſchen gebohret if. Noch einige Röder nach ⸗ 
bodren. 3) Dem Webohrten nahbelfen. Gin koch nachbohren, es 
nochmahle bohren, erwa mit einem ftärtern Bohrer ec, D. Nach⸗ 
bohren. D. —ung. 

Der Nachbohrer, —6, 39. al. 1) Einer ber nahbohret. =) Ein 
Bohrer, mit welchem man nachbohret. Bei ben Feuerwerkern ift 
er ein Hohlbohrer, womit bie Raketen vödig ausgebohret werben. 

Nachborgen, v.trs. 1) Hinten nad; borgen, nachdem man ſchon geborgt 
bat nod mehr borgen. =) Nah dem Worgange und Beifpiele eines 
Anbern borgen. Ginem nachborgen. D. Nachborgen. D. —ung. 

+ Dad Nahbot, — es, By. —e, ein Bot, Gebot, welches man bin: 
ten nad thut. ©. Nachbieten. 

Nahbrachen, v. intrs. u. tv. 1) Näd bem, mas ſchon —— if, 
braden. 2) &o braden, wie ein Anderer gebracht hat. Finem nadıs 
braden. D. Nachbrachen. D. —ung. 

Nachbraden, v. tra. nach dem was ſchen gebradt if, braden. ©, 
Braden. Noch zwanzig Stuͤck Schafenahbraden. D. Nachbracken. 

Nachbraten, v. tre. unregelm. (f. Braten). 1) Rah dem Borgange 
eines Äntern, wie ein Andrer bratet, braten. 2) Rad bem, was 
fhon gebraten ift, braten, etwa weil es nicht reichte ıc. Mod et⸗ 
was nahbraten. D. Nacbraten. 

Nachbrauchen, v. I)ntr, mit haben und der Fgung eines tra. hinter 
ber brauchen, noͤthlg haben, außer und nad dem, was man hen 
früher gebraucht hat, 11) trs. unrichtig für nachgebrauchen. ©. d. 

und Brauchen. — D. Nachbrauchen. 

Nachbrauen, v. trs. (R.) 1) Einem. Andern das Brauen ober im 
Brauen nahahmen, nachfelgen. Dat Ünglifhe Bier nachbtauen. 
=) Hinten nad, nad tem, was fräber geb.sıuet if, brauen, Tpäter 
brauen. Noch Bier nachbrauen. D. Nacdıbraueg. D. —ung. 

Nachbrauſen, v. I mtr. wintes, hinter ber braufen, braufend nad: 
fahren, braufend nachfolgen. 

Fuͤrchterlich ſtrahlt's aus dem Meere von Metern, das Wogen, 
mie Alpen 
Watzend im Sturm — ber Wagenburg nachbrauft, Sonnenb, 
Auch, hinten nach beaufen, in Anfebung ber Zeit, Al} trs, braus 
end, mit Gebraus an einen ih Entfernenben richten, auf diefe Art 
fagen x. „Ieber Wind würde mir von ben väterlihen Hüften 
Verwünfhungen nahbraufen.* Leifing — D. Nachbraufen. 

Nachbrechen, v. unregelm. (f. Brechen). I) ntr. mit fein, hinten 
nach brechen, nachdem es ſchon gebrochen iſt weſter brechen Il)intes, ı) 
Am Brechen nachahmen, nachfolgen. 2) Rah Maßgabe eines andern 
Dinges brechen, wie auch, brechend nacharbeiten. Im Bergbaue heißt 
nachdrechen, einem Gange im Vrechen ober brechend nachfolgen, auf 
demielgen weiter arbeiten, Die Schweine brechen auf bem Acker 
den Furden nadı, wenn fie beim Aufbrechen, d. h. Aufwählen der 
Grbe den Kurden folgen. 111) trs. 1) Nah einem Anbern, nadır 
dem er ober wie er gebrochen und gebrecht hat, breden, Ginen 
Brief nachbrechen, fo wie fie ein Andrer zu bredien pflegt. Einem 
nachbrechen, auf ber Brede, Im bdiefer legten Bereutung iſt es 
regeimadig. 2) Binten nad brechen, nachdem ſchon Anderes ober 
das Meiſte gebrochen und gebrecht iſt, brechen. ©. Brechen. IV) 
X re. Sich nambrechen, ſich hinten nah brechen, nachdem man 
ſich früͤher ſchon gebrechen oder fi übergeben hat, — D. Nach— 

Campe's Woͤrterb. 3. ch. 


393 


Nachb 


brechen. D. —ung. 
Der Nachbrecher, —, 2. at. einer ber nachbricht StieTer. 
Nahbreiten, v. trs. f. Nach. D. Nachbreiten. D. —ung. 


Rahbrennen, v. ID) ntr. unregelm. (f. Brennen) mit fein, nad An: 
berem, ber Zeit und Folge nah, brennen. Wei ben Jaͤgern been 
net ein Gewehr nach, wenn es nicht in bemfeiben Augenblicke fonz 
bern etwas fpäter losgehet, wenn bas Pulver auf ber Pfonne ab⸗ 
brennet, Dann aud, fpäter mod, aber ſchwaͤcher brennen, nachdem 
ber eigentliche Brand fhon vorbei iſt. — Albano, in welchem ber 
heiße volle Zag nachbrannte.“ I. P. Rihter. I) trs. regeln. 
binten nad brennen, außer bem, was ſchon fruͤher gebrennt ifl, bren: 
nen, Roh Brantwein, Kaffer, Biegel zc. nahbrennen. — D. Nach⸗ 
“ brennen. D. —ung. 

Nachbringen, v. trs. unregelm. (f. Bringen) hinter ber bringen, 
nachdem man das Übrige ſchon früher gebraht hat bringen, oder 
aud, einem Andern nahfolgen und ibm bringen. Einem etwas 
nadıbringen, Uneigentlid für nachholen, einbringen, mas nachge⸗ 
blieben if. Etwas Berfäumtes nahbringen. D. Nahbringen. 
D. —ung. 

Nachbroͤckein, v.ntr, mit fein, w. tms, nach Anderem, fpäter in Meis 

nen Stüden abfallen, und als trs. auf biefe Art abfallen machen, 
in Meine Stuͤcke brechen, in welder Bebeutung nachbrocken gewoͤhn⸗ 
licher ift, wobel an größere Stoͤcke, beſonders Wrot u. dal. melde 
zu einer Speife, 3. B. in eine Suppe gebroden werben, gebadt 
wird. D. Nachbrödein, Nachbrecken. D. —ung. 

Nachbrocken, v. trs. f. Nachbroͤckeln. 

Der Nachbruch, —e6, Mz. u. bei den Glaſern. 1) Der zweite Zug 
des Bleies, welcher durch das Zugwerk gefhiehet. =) Der Sag ober 
die Beten und bie Scheiben, die zu dieſem Rachbruche bes Zie hwer⸗ 
tes gehören. 

Nachbruͤhen, v. trs. nachdem man ſchon gebrübet hat, nohmahls 
brüben, wenn es etwa noch nicht genug gebrühet war; ober, hinten 
nach, nachdem man Anderes gebrähet bat brüßen D. Nachbruü— 
ben, D. —ung. 

Nachbruͤllen, v. intrs, u. trs, 1) Das Brülfen nahahmen, und, 
bruͤllend nachahmen. Einem nachbruͤllen. Ginem etwas nachdruͤl⸗ 
fen. 2) Hinter her brütlen, fein Vrüllen nachfolgen daſſen. Eis 
nem nachdruͤllen. Als ntr. von Toͤnen ac. brüllend nachıtönen. As: 
intrs, auch wol, bruͤlend nachgehen. 5) Mit brülfender Stimme 
nahrufen, nachſchrrien. Er bruͤllte ihm eine Drobung nad. D. 

Nachbruͤllen. D. — ung. 

X Nahbrümmeln, v. intrs. 1) Das Brümmeln nachahmen. S. 
Brümmeln. 3) Wie cin Brümmel gleihfam, db. h. aus allen Aräfs 
ten mit grober Stimme nachſchreien. D. Nachdruͤmmeln. D. — ung. 

Nachbrummen, v.intrs; u. trs. 1) Das Brummen, und, brummend 
nahabmen, Einem nahbrummen. Ein Lirbdhen nahbrummen. =) 
„inter ber brummen, mit feinem Brummen verfolgen, Alstrs, aud, 
brummend nachrufen. Efnem etwas nahbrummen, Kuh mol von 
toten: und andern Tönen, als ntr, drummend nahtönen D. 
Nachbrummen. . 

Die Rahbrunft, By. u. bei den Jägern, bie Brunftzeit ber geringer 
Hirſche, welche nad ber gewoͤhnlichen Brunftzeit ber ſtarkern eintritt, 

Die Nachbruft, Br. —brüfte, bei ben Fleiſchern, ber hintere Theil 
der Bruft von einem geſchlachteten Rinbe; zum Unterfdiebe von ter 
Vorbruſt und tem Bruſtkerne. 

Die Nachbrut, 2. —en. 1) Die Brut, melde nach einer andern 
erfolgt, das fpätere Brüten, 2) Das in folder Brut Musgebrütete, 

Nachbruͤten, v. intes, hinten nad, ſpäter brüten. D. Nachbtuͤten. 

x Nahbubbeln und Nachbubbern, v. otr, mit haben, Nachbuͤ⸗ 
bein und Nachbuben, v. intrs. f. Nah. D. Nachbubbeln 2, 

O Nahbuhflaben, v. trs. wie ein Anderer die Buchſtaben vor ze⸗ 
fon bat, fie nachſagen (nadhbuchstebiren); au nachbuchſtaͤdeln. 

D. Nachduchſtaben, Nachbuchſtaͤbeln. D. —ung. 


50 


Nachb 


Nachbuͤcken, v. rec, Sich nachbuͤcken. 1) Sid dinter her büden; 
auch, ſich nach etwas, das z. B. gefallen iſt, buͤcken. 2) Das Buͤk⸗ 
Een eines Andern nachahmen, ober auch, fih büden, nachdem er ſich 
und wie er ſich gebädt hat. D. Nachbuͤcken. 

Nachbuͤgeln, v. trs, u. intte. 1) Wie ein Andrer bägelt bügeln. 
Einem nachbuͤgeln. 
ſchon gebuͤgelt it. 5) Nachdem man ſchon gebägelt hat, nochmahls 
bigein, weit es etwa noch nicht genug gebügelt war ober um bier 
und da no nachzuhelfen. Auch wol im gemeinen Beben, basjentae 
bügein, was ein Anderer nachgelaflen hat, was er hätte bügeln ſol⸗ 
ten. D. Nachbuͤgeln. D. — ung. 

Nachbuhlen, v.intrs, 2) Nach reines Andern Vorgange buhlen, buh⸗ 
len wie er buhlet. Ginem nachbuhlen. 2) Wie ein Buhle glei: 
fam nad etwas ſtreben, mit Gifer nachſtreben. „Dichter werben bi 
veſingen und in ihren (Gefängen ben Zauber beiner Kunft nad 
buhlen. Herder. „Der nicht etwa nur in der Sprade ihnen (bem 
Römern) nachzubuhlen fuhte, fondern« ıc, Derf. D. Nachbuhlen. 

X Nachbullern, v. ner. mit haben, f Nach. Das Nachbullern. 

Der Nachbuͤrge, —n, DB. —n, ein Bürge, der nach dem Haupt⸗ 
bürgen fid zum Bürgen fee, und welcher nad bemjelben in Ans 
ſpruch genommen, ctwa in Ermangelung deſſelben ats Serhffchuldr 
ner betrachtet wird; ber Afterbürge, Ruͤckbuͤrge. 

Machbürfchen, v. intrs, 1) Rachdem ein Anderer gebuͤrſcht bat, ober 
wo ein Anbever ſchon gebüciht bat, bärfhen. 2) Pinter ber bür— 
fhen, einem einen Schuß nachſchicken. D.Rahbkıfhen. D. —ung. 

Nahbürften, v. trs. uw. intrs, 1) Nachdem Anderes gebürfter ifk, 
bürflen. 2) Mit der Bürfte hinter ber treiden. Einen den Staub 
nachbärften. 3) X Kuh wol, was ein Anderer nacharlaffen bat 
und buͤrſten follte, bürften. 4) Nah dem Worgange, Beilpiele eines 
Anden buͤrſten. D. Nachbuͤrſten. D. — ung. 

Die Nachbuße, Mz. —n. 1) Eine Buße, bie man hinten nad 
giebt, entrichtet. 2) Buße, die man hinten nad thut, ſpaͤte Buße, 

Nachbuͤßen, v. I trs. hinter her buͤßen, d. h. liefern, geben, made 
tem man ſchon gebuͤßet bat. Etwas nachbuͤßen. IN) ntr. mit has 
ben, binter her duͤhen, fpäter bäfen. — D. Nachbuͤßen. D. —ung. 

x Nachbutteln, v. inter. 1) Das Butteln nachahmen. =) Rad 
tt oasg butteln, butteind nad etwas graben, fuden. In ber Erbe 
nchbuttein. D. Nachbutteln. 

Nachbuttern, v. intrs, u. irs. 1) Hinten nach buttern, nadıdem 
mar ſchon dos Meiſte gebuttert hat. Rod rin wenig nachbuttern. 
2) Im Geftift bes Barterns nachfolgen, auch, darin nachahmen. 
D. Nachbtittern. D. — 

x Nachdahlen, v. intrs. ſ. Nach. D. Nachdahlen. 

Nachdampfen, v. I} utr. mit fein, hinter her dampfen, ſowel ber 
Zeit als auch dem Raume nach, als Dampf, oder auch, im Geſtalt 
eines Dampfes, nachdringen. M X trs. dampfenb, gleich einem 
Dampfe nachſchicken. Einem eine Tabakswotke nachdampfen, ſie 
ihm dampfend nachblafen. D. Nachdampfent. D. —urs. 

Nahdämpfer, v. trs. aufer dem was vorher ſchon gebämpft ift noch 
Minpfen. D. Nachdaͤmpfen. D. — ung. 

Nachdanken, v. inırs. 1) Rach eines Andern Vorgange, Beifpiele 
danken. 3) Binter ber danken. Stieler. D. Nachdanken. 

Nachdatten, v. trs. ») Hinter ber barren. =) Noch mehr Darren. 
5) Das Mageblicbene Barren. D. Nachdarren. D. —ung. 

Nachdecken, v. intrs, u. tro. 1) Im Degen oder das Decken nacha he 
men. Einem nachdecken, 3. B. einem Tiſch. 2) Nah einem Ans 
bern beiden, der Reit und Ordnung nad. 5) Hinter ber, jpäter 
Biden, zu bem wes ſchon gedeckt iſt deken. D. Nachdecken. D.—ung. 

Nachdehnen, v. intrs, u. trs. 1) Im Dehnen nachfolgen, gleich einem 


Andern dehnen. 2) Hinten nad behnent, uech mehr dehnen. D, 
Nachdehnen. D. — ung. 
Nachdem (der Ton gedehnt auf der letzten Silbe).) 1) X Als um: 


ſtaudwort (a) der Zeit, nad dieſem, wenn dleſes geſchehen iſt ac.; 


2) Hinten nach buͤgeln, nach demjenigen, was 


Nachd 


beffer, nachher ober hernach, ober wenigſlens getrennt nach dem. Wir 
‚wollen es nachdem ſchon ſehen.“ Gellert. (2) Ein Verhältniß, 
eine Ärt und Weife auszubruten, Nachdem es fich £rifft, fo wie es 
ſich teiffe. Oft wird auch das Wörtchen je davor gefiät. Se nahdem 
es mir einfälle. =) Als Binbewort, eine Zeit zu bezeichnen und zu 
beftimmen, daß eine Sache nad einer anbern geſchthen ift, ober gm 
ſchieht ober gefhehen fol. Nachdem er dies gethan hat, ift an keine 
Verſoͤhnung zu denken, Ich will nun gerne flerben, hadıdem ich 
bein Angefiht gefehen babe. 1 Moſ. 46, 30. Am gewöhnlichſten 
wird es bon einer vergangenen Zeit gebrauht, ba man von einer 
Brgenwärtigen lieber als oder ba, und von einer künftigen licher 
wenn gebraucht. Obgleich nachher und hernach gieihbedeutenb find, 
fo find dies bach nicht die Wörter nachdem und demnach. S. Dem⸗ 
nad. Ganz unrigtig wird nachdem für inbem gebrandt. 

Nachdenken, v. intrs, unregelm. (f. Denken). 1) Mach einem Anbern, 
mwelder mit feinem Denken vorgegangen ift, ber vorher gedacht 
bat, denken, ber Krt au denken und bee Grbanfenreihe eines Andern 
fetgen,, alfo nicht auf eine eigenthümliche Art, unabhängig von Aue 
tern und ohne Rüdfiht auf bad was Andere früber gedacht baden 
denken; im @egenfag von vordenken. „Zian kann allerdings vitl 
Andern nachdenken lecnen, allein mit ihnen mitbenten, ober ihnen 
gar vorbenfen, wird man niemable mehr. Herder. In dieſer Be 
deutung auch als trs. Cinem ettvad nachdenken. =) Mit dem Den 
fon nady etwas ftreben, mit den Gedanken einer Sache nachgehen, 
genauer bamit befannt zur werben ſuchen, inben man über ihren Zu⸗ 
fommenbang, ihre Urſachen und Folgen deaket, fie erforfhet. Eines 
Sacht nachdenken. »Mardochsüus dachte dem Traumt nach bie im 
bie Racht.“ Eftb. 7, 9. „Mic kann ich aber einer Kufgabe nachden— 
ken ohne fie durchzudenken? Wie kann ich bie Auflöfung zu finden 
hoffen, wenn id von ber NMufgabe und ihren Theilen keinen brutie 
den, vollftändigen und genauen Begriff babe fe Leffing Auch in 
Berbindung mit bem Berbäftnißiwerte über, Über etwas nachden⸗ 
fen. Ein nachdenkender Dann, einer der nachdenkt, wie and, einer 
Der nachzubenken gewohnt und geübt if. — Wert. dutchdenken, 
überbenten, betenten, überlegen. Bon nahfinnen unterfheibet 
fd nachdenten daburch, daß ſich ber Werfland Sei biefens fowol miß 
bekannten als unbtkannten Begenfländen befhäftiget, bei jenem aber 
nur mit folhen bie ihm bisher unbekannt And; beim Machgrübeln 
beſchaͤftiget er fih mit unerforfglihen Gegenfländen ober folchen, 
deren Erforſchung feinen Nugen bat. Das Nachdeuken. Mit Nach⸗ 
benfen bandein, Ohne Nachdenken fein, nicht nachbenken, leichte 
ffnnig, unbefonnen fein und handeln. So auch, kein Machdenken bar 
ben, Die Nachdenkung iſt ungewöhntich, obgleich das einfache Dette 
tung in Denkungsart, Denkungsrmeife zc. (beſſer Denkart, Denk 
weife) vorfömmt, und man auch mit Nachdenkung Zufammenfegune 
gen verfucht hat, 3. B. & nachdenkungsvoll, tief nachdenkend; auch 
Nachbedenken und Nachgedenken. 

Der Nachdenler, —e, 3}. gi. die — inn, Rz. —en, eine Perſon, 
welche nachdenket, in beiden Bedeutungen. Hm nicht em bloßer 
Nachdenker zw fein, fo ic „Der Beltor — legte feine Bereitwil⸗ 
ligkeit — bein Nachdenker mäser vor.- J. P. Richter. 

Nachdenklich, —er, — ſte, adj. u. adv. 1) Nachdenkend, befonbers, 
des Rechdenkens gewohnt, darin geübt. „If benn kein gemiffens 
haft nachdenttichet Monn ohne Latein möglich » Leffing Med 
dentiich ſein. Davon die Nachdenklichkeit, o. Da. die Eigerfäaft 
einer Perſon da fie nachdenklich IM, wie auch, die Beſchaffenbeit, der 
Zuſtand einer Sache ba fie nagbenftid iſt. =) Dem nachzüdenken if, 
Nachdenken verdienend, erfobernd. Bine nachdenktiche Sache. Auch 
Kaddenken veranlaſſend, Bedenken verurſachend. „Nachdentlich iſte 
aber.» J. P. Kisten 

Nach deuten, v. jutrs. u. trs. 1) Hinter ber deuten. 2) Im Deuten 
nachfolgen, nach der Art eines Anderen deuten. D. Nachdeuten. D’—ung. 

Nachdichten, v. intrs. u, txs. 1) Nah eines Andern Vorgange aber 


Nachd 


Belſplele dichten, ihm fm Dichten nachahmen. Er dichtete ihm als 
feinem Wuſter nach. Dies Gedicht IR einem Schillerſchen nachge⸗ 
dichtet. 2) X Zuweilen auch wol fo viel als nachdenken. D. Nach⸗ 
dichten. D. — ung. 

O Der Nachdichter, —s, Mü al. einer der nachdichtet, ein nachah ⸗ 
mender Dichter. 

Nachdienen, v. intrs, nach Andern dienen, ſputer dienen, den Dienſt 
nachholen. M. Kramer. D. Nachdienen. 

Nachdingen, v. trs. unregeim, (ſ. Dingen), nachdem ſchon fruͤher et⸗ 
was gedungen It, ober nad einer geſchehenen Sache dingen. D. 
Nachdingen. D. — ung. 

Nachdolmetſchen, vw. intrs. nach dem Vorgange, nad ber Weiſe 
eines Andern delmetſchen, wie auch, ihm nachbetend boimetfhen, 

Heillger Eutber, bitte für bie Armen, 

Denen (welchen) Geiftesberuf nicht ſcholl, und die bad 

Nachdolmetſchen. — Boß. 
D. Nachdolmetſchen. D. —ung. 

Nachdonnern, v. I) utr. mit haben, hinten nach bonnern, donnernk 
madtönen, II) intes, u. trs, 1) Das Donnesn, ober im Donnern 


nadahmen, 

— jenen Mind 

Des meuhelmdcherifhe Hand 

Die unglätfhwangre Kunſt ihm nachzudonnern faud. Falk, 
8) Hinter ber donnern, einen Donner gleihfam nahfhiten, ihn mit 
feinem Donner verfolgen. Einem nachdonnern. Uneigentlich, von 
Zinen, Schallen, welche mit dem Donner verglihen werben. Dem 
fliegenden Feinde nachdennern, mit Kanonen &. binter ihm ber 
fhiegen. Einem Flüche nachdonnen, fie idm mit bennernder Stimme 
nachtuſen. — D. Nahdonnern. 

Nachdoͤrren, v. tra. 1) Rad) Anberem was fon, was früher gebdrret 
it börren, fpäter börren, =) Roch dazu börren, 5) Das Rachge⸗ 
biiebene doͤrren. D. Nachdoͤrren. D. —ung. 

Nachdraͤngen, v. trs. u. res, hinter Andern brängen, bem Gebränge, 
indem man an bemfelben Theil nimmt, fotgen. @iner brängt den 
Andern nah. Sich nachdrängen, fih Hinter Andern mad einem 
Orte, mad einer Sache drängen. 

Senem die Bruft zu dbuchbabren — 
Mit nachdraͤngender Band, — — Bol. 
Xuch uneigentiih won unkoͤrperlichen Dingen, von Beidenfchaften it. 

Die mächtige Liche 

Dränate Kerkla mir nad, — Gonnenberg. 
D. Nachdraͤngen. D. —ung. 

Nachdraͤufchen, v. trs. ı) Hinter ber, binfen brein draͤuſchen, d. h. 
das Waffer ic. in vielen Zeopfen ſchleubern. 3) + Mas Andere bräus 
hen, ſchwatzen, ihnen nahfdmagen. Stieler. D. Nachdrtaͤu⸗ 
fhen. D, —ung. _ 

Naͤchdrechſeln, v. intrs. u, trs, 1) Im Drechſeln und drechſelnd nad: 
ahmen. Einem nachdrechſeln. Eine Sache nachdtechſeln. Uneigent: 
Gh, tünftlih aachahmen. 2) Nah Anberm was fhon gedrechſelt iſt, 
drechſein, fpäter drechſeln, noch dazu drechſeln. In beiben Faͤllen 
auch X nachdrehen. D. Nachdrechſeln. D. — ung. 

Nachdrehen, v. intrs. u. trs. 1) Rah dem Vorgange eines Anbera 
drehen, wie er drehet dreben. 2) Radbem fhon gebrehet ift, noch 
drehen, neh mebr dreben, wie and, drehend oder burh Dreben 
nachhelfen. Im gemeinen Beben gebraudht man nachdrehen, 5) auch 
für nachdrechſeln. D. Nachdreben. D. — ung. 

Nachdreſchen, v. intrs. u. tes. unxegelm. (f. Dreſchen). 1) Rad 
dem Vorgange ober Beiſpiele eines Andern dreſchen, wie er driſcht 
ober draſch dreſchen. Einem nachdreſchen. 2) Hinter her dreſchen, 
wie auch, nachdem ſchon gedroſchen iſt noch dreſchen. Den Dreſchern 
das Stroh nachbteſchen, es nad ihnen dreſchen, um zu ſehen ob fie 
sein ausgebrofhen haben, Noch etwas nachdteſchen. 5) Das Rach⸗ 
gebliehene dreſchea. D. Nachdreſchen. D. ung. 


395 


Nachd 


Nachdringen, v. mtr. u, intra. unregelm. (ſ. Dringen), mit ſein, 
hinter ber dringen, dringend, eindringend nachfolgen. Das Waſſer 
bringt mit Gewalt nach, in bie gemachte Öffnung. Einem nach⸗ 
bringen, ihm mit Eifer, mit Bekämpfung ber Hinbecniffe nachfolgen 
Dem Feinde in bie Stadt nachdringen, unmittelbar hinter ibm, 
ihn verfoigend in die Stadt bringen. D. Nachdringen. D. —ung. 

Nachdrohen, v. intes. 1) Eine drohende Miene nachmachen, wie ein 
Anderer brobet drohen. 3) Hinter her drohen, eine Drohnng gleid: 
fam nachſchicken, elaer Perſon bie fi entfernt. — ihm nachdro⸗ 
hend.= ungen, (R.) D. Nachdtohen. D. —ung. 

Nachdroͤnen, v. ntr. mit haben, hinten nad) drönen, einen drönen: 
ben Schal hören Laffen, hinten nach eine drönende Erſchütterung 
verurſachen. D. Nachdroͤnen. D. —ung. 

Der Nachdruck, —es, ur. —druͤckt. 1) Bon nachdruͤcken, O. D. 
nachbrucken. (1) Die Handlung, be man nachdruͤct, ein Druck, den 
man nad einem vorangegangenen thut, ein wieberhoiter Druck 
ohne Mehrzahl. Beim Weinpreffen ift der Machdrud das zweite 
Preffen nach dem erften geringern Preffen. Bei ben Iägern beißt 
das Wiederkauen bes Rothwildes ber Nachdtuck. S. Nachdruͤcken. 
Uneigentii, ein Drud geihfam, eine große Kraft, welche nachhilft, 
melde die vorher angewandte vermehrt, ihr erft ben gehörigen Or: 
folg gicht. Etwas mit Nachdruck unternehmen, angreifen, mit gro: 
Her Kraft und mit Erfolg. Mit grogem Nachdrucke reden, mit 
kraͤftiger Stimme und beftiger Bewegung. Einer Sahe Nachdruck 
arben, ihe größere Kraft, Wichtigkeit verleihen, ihren Kortgang bes 
ſchleunigen, oder ihren Erſolg bemicten. Ohne Nachdruck, ohne hrs 
ſchteunigende, ober ben Erfolg bewirkende Kraft, Dad Beib mus 
feinen Bemäbungen ben Nachdruck geben, muß ihm heffen, muß das 
Beſte bei der Sache thun. Nachdruck auf etwas tegen, es wichtig, 
von größerer Bedeutung machen, 3. B. auf ein Wort, etwa dadurch 
bag man es mit.höherer Stirame ausfpriht, oder es fonft vor ans 
bern berworbebt, (2) Was durch den Nachdtuck ober zweiten Drum 
erhaften wird, Im Meinbaue ift ber Nachdruck berienige Moft, 
meiden man buch bad zweite färkere Proffen erbätt, der Nadhe 
ſchuß, Nachlauf; zum Unterſchiede von bemjenigen, welcher rom 
fetbft aus den Trauben rinnt ober weichen man durch ſoᷣwacheß ref; 
fen aus benfelben erhält, dem Vordruck, Vorſchuß oser Vorlauf. 
«) Bon nahbruden, (1) bie Handlung, ba man nachdeucket, befan: 
bers mit Beeinträchtigung ber Mehte des rechtmäßigen Berlegert; 
ehne Mehrzahl, Eich des Nachdruckes ſchuldig machen. {2) Eine 
auf ſolche Art nachgebrudte Sache, befonders, eine folhe Schrift. 
Nachdruͤcke verkauſen. Seine Sammlung enthält viele Nachdrüde. 

Nachdrucken, v. I) trs. im ©. D. für nochdruͤcen. S. d. Mühtig 
gebraudt man es allein für, nad dem Vorgange und Beiſpiele eis 
nes Andern drucken, im Druden nahabmen. So drudt z. 2. cin 
Beugbiuder ein Muſter nach, welches er mit Wohlgefallen gefeben 
hat. WBefonderö in engerer Bedeutung, eine Schrift, gachdem fie 
ein Anderer gebrudt hat, auch bruden, vorzügtich fofern dies auf 
unrehtmäßige Art und zum Schaben bes rechtmäßigen Berlegers get» 
ſchleht, ber ih bas Seht dadurch, daß er das Merk unternahm, 
ben Verfaſſer dafür bezahlte ıc. darauf erworben hat. Fin Rach 
nachdrucken. Ginem Werteger eine Schrift nachdrucken. Unges 
wöhntid und verwerſlich ift die von Ab. angeführte Vedeutung, von 
neuen bruden, wofür man deſſer abbruden, auflegen fagt, IL, KR 
Gtemapis im O. D. auch ats intrs, mit fein, für nachrücken, 

So mil ich mit dem andern Zeug 

Nachdrucken. Theuerdank. 
D. Nachdrucken. D. —ung iſt ungewehnlich; man fagt dafuͤr 
Machdruck. ©». 2) + 

Nahdrüden, v. tes, 2) Hinter ber drüfen, hinter etwas bad gr: 
drüdt wirb ober warde druͤgen, bemfriben, indem man es bräft, fol⸗ 
gen taffen, 2) Nahden man ſchen gebeütt hat noch dru den, durch 
einen Druck, bush Druͤcken nachtelfen. Im gemeinen Erben wird 


— 


Nahd 


nachdräden auch wot uneigentlih für Rachbruck geben gebraucht. 
+ Bei den Tägern heißt nachdräden, wieberkauen, gleihfam hinten 
nach drüden, nochmahls drüden. D. Nachdruͤcken. D. —ung. 

Der Nahdruder, —s, 8%. al.; die —inn, 34. — en, eine Perſen, 
welche nachdrucket, befonters, welche zum Rachtbeit-dbes rechtmäßigen 
Kertegers eine Schrift nachdruckt ober nachdrucken laͤßt, weiches mit 
Redt als ein ehrloſes Gewerbe betrachtet wird. 

O Nachdruckeriſch, adj. u. adv. einem Nachdrucker gemäß, in bem 
Weſen, in dem Gewerbe eines Nachbruders gegränbet, bamit zuſam⸗ 
menbangend, — und zwei jähriihe Bädermeflen, bie nachdrucke⸗ 
riſcht in Krankfurt nicht einmahl gezählt. 3. P. Richter. 

Nachdruͤcklich, —er, — ſte, adj. u. adv. Nachdruck babend, zeinend, 
mit Nachdruck. S. Nachdruck 1). Eine Lade fehr nachdruͤcklich 
betreiben, mit großem Nachdrucke. Einen nachdruͤcklich ermahnen ır. 
Gine nachdtuͤckliche Ermahnung. Einem die Wahrheit nachdruͤck⸗ 
lich ſagen. Nachdruͤcklich ſprechen, mit Nachdruck (patherisch). Zu— 
weilen auch ald ein mitdernder Ausdruck für derb und greb. Im 
©. D. wird dafür auch nachdruckſam gebraucht. — Davon die 
Nachdruͤcklichkeit. 

Nachdrucksvoll, —er, —ſte, adj. u. adv. toll Rachdrude, mit großem 
Nachdruck, Fehr nachdrücktich. Eine nachdrucksvolle Mebe. 

Der Rachdruſch, — es, Mz. u. 1) Das Nachdreſchen, das nochgah⸗ 
tige Dreſchen; auch, das fpätere ‚Drefgen, 2) Das nachhet ober 
fpater Ausgebroſchene. 

X Nachbudelt, v. intra, u. trs. 1) Das Duden nachahmen, wie ein 
Anderer budeit dudeln. Einem nachdudeln. Dann, als trs, dudelnd 
aachſingen, oder and, machfpielegn. Ein Liedchen nachdudeln. =) Hin⸗ 
ter ber dudeln, dudelnd nahfoigen. D. Nachdudeln. D. —ung. 

Nachdunfeln, v. D ntr, mit haben, nah einiger Zeit dunkel ober 
dunkler werben als es war, Manche Farben, 4. B. Koͤllniſche Erbe 
dunkeln nach, werben mit der Zeit dunkel und fallen ins Schwarze. 
„Auf dem weinen Sande folte wieber kicht in ihe Leben einfallen und 
die mätterliche Hand follte deſſen nachdunkelnde Farben neu übers 
mablen." 3. 9. Bihter, ) tra. :) Roachdem man [hen geduns 
keit bat neh mehr dunkeln. Einige Etellen in einem Gemählbe 
nachdundeln. a) Hinten nach bunkern, fpäter Dunkeln. — D. Nach 
dunkeln. D. —ung. 

X Nachdurfen, v. ntr. untegelm. (f. Dürfen), mit haben, nachge ⸗ 
ben, nachlaufen, nachfahren ze. dürfen. D. Nachduͤtfen. 

x Der Nach durſt, —es, 0, 2%. im gemeinen Leben, ein Durſt, wels 
ches fih ben Morgen darauf einzufinden pflegt, wenn man ben Tag 
vorher des Getraͤnke zu viel zu ih genommen bat. 

Nachegen, v. intre. u. trs, 1) Rach einem Andern egen, ber Zeit 
nad Drditung nad; wie auch, hinter einem egen, ibm mit ber Ege 
fotgen. Ginem nadyegen. 2) Hiaten nach egen, fpäter egen. D. 
Nachegen. D. —ung. 

Der Nacheifer, —e, o. 4. der Eifer, das lebhafte Beftreben nach⸗ 
sefommen, es Andern gleich zer thun, Andern gleich oder bach aͤhn⸗ 
lich zu werden, Der Nacheifer erwecken. 

Der Naceiferer, —s, 4. gl. einer der Andern naceifert. 

Macheifern, v. intrs. ) Bebhaft ſich Bemühen nachzukommen, es An: 
bern gleich zur thun, Andern ähnlich, gleich zur werden. Doch and 
idy vermaq's bir nachzueifern.“ Meißner. (R) 2) Gleich einem 


Anvern eifern, 06 ihm im Gifer nachtzhun. D. Racheiften. D. 
ill. 
Die Nacheife, 9. ı. 7) Die Handlung ba man nahritet. In en: 


gerer Bedentung, bie Danblung ba num einem flächtigen, befonbers 
einen entſprungenen Gefannenen, Berdredier nacheifet. Die Unter 
thanen zur Macheile aufbieten, =) Das Meht flüchtige Berbrecher zu 
verföfgen uud Andere bazu aufbieten ga dürfen. Die Macheile baden. 
Nacheilen, v. intrs. mit fein. 7) Dinfer ber eiten, einer Perfon ober 
Sshe eilig nachſelgen, beſonders in der Äbſicht fie zu crreichen, fie 
fell zu heiten, zuräfzubringen . Ginem Fluchtigen nacheilen, 2) 


396 


Nache 


Gleich einem Andern eilen, es ibm im ber Elle gleich thun. 
Nacheilen. D. —um. + 

Nacheiſen, v. intra. 1) Nach Andern, wenn fie geeiſet haben eifen, 
mie au, hinter nr fpäter eifen. =) Rachdem man geeifet bat 
nochmahls eifen. D. Raceifen. D. —umg. 

Nacheitern, v. mtr. mit haben, hinter her, fpäter eitern; irie auch, 
noch mehr eiteen. D. Nackitern. 

Nachempfinden, v. intes. u. tra. unregelm. (f. Empfinden), 1) Wie 
ein Anderer empfindet empfinden, auf gleiche oder Ahntihe Art em⸗ 
pfinden, So ſchoͤn, daß eines Türken Herz 

She nachempfunden kätte. ©. Jakebi. 
Ber kann ben Jammer nache mpfinden. Pfeffer 
3) Pinter her empfinden, fpäter empfinden, Ich hab's nachempfuns 
den. D. Nachempfinden. D. —ung. ©. b. 

Die Nahempfindung, 2. —ın, cine nochher ober fpäter gehabte 
Empfindung; In Gegenfag der Borempfindung. 

heiß firömten des Traumes 

Nahempfindungen ein. ‚Sonnenberg. 

A Der Nachen, —s, "9. st. fo viel als Kahn. Doch ſcheint Rachen 
ein kleineres Fahrzeug ais Kahn zu bezeichnen. Man fügt mot: der 
Rachen eins Greoͤnlaͤnders, aber nicht leicht der Kahn deſſelben. 

Nadıenförmig, adj. u. adv. bie Form, tie Gejtalt eines Raqhene 
habend; gewoͤhnlicher kahnfoͤrmig. 

Das Machenkraut, — es, 9%. u. eine mit dem Derant ober Loͤwen— 
maule verwandte Planze in ben gebirgigen und fleinigen (drgenben 
Sibiriens, deren Some nadenförmig ifi (Cymbaria daurice), 

& Nadenummimmelt, adj. w. adv. von Raden ummwimmelt, &. h. 
von fegr vielen Nahen, bie berumfabren, umgeben, 

auf nahemummimmelter Infel, Sonnenberg, 

+ Nacer, ein Berbättnigwort im D. D. für nad). 

der that fehr erjchroden, 

As man ihm ſagt' #6 ging naher Wien, Schiller. 

Der Nacherbe, —n, 4. —n; die —erbinn, Mz. —en, ein nah 
dem erſten ober Hauptetben, wenn dieſer etwa geftorben ober auch, 
wenn ein folder gar nicht vorhanden iſt, eingefegter Erbe; im O. 
©. der Üftererbe. 

Nacherben, v. ntr. mit haben und oft mit der Fügung eines trs, ı) 
Rad Andern in der Ordnung erben, >) Hinten nad, fpäter erben, 
D. Nacherben. D. —ung. 

%* Die Nacerbfabung, Rs. —en, bie Einfetung ober Ernennung 
eines Nacherben, oder dev Nacherben. Baltaud 

Nacherſinden, v. trs. unregelm, (f. Finden). - 1) Nachdem ein Ans 
derer erfunden bat, fo wie er erfinden oder ju erfinden ſuchen, bier 
feibe Grfindung ma ihm machen. Einem etwas nücherfinden. 2} 
Sinten nah, fpäter erfinden. D. Nacherfinden. D. —ung. 

Nacherbalten, v. unregenm. (f. Halten). D) ntr, mit haben und der 
Füaung eines trs, hinten nad, jpäter erhalten, noch mehr erhal 
ten, nachdem man bas Andere Schon vorher erhalten bat. U). tr, 
nad einer gewiſſen Zeit mod) erhalten, fortbauern tafien. — D 
Nacherhalten. D. —ung. 

O Nacherkennen, v. tes. uwnregetm. (f. Kennen), nach andern Din 
gen, ſpoͤter erkennen. D. Nacherkennen. D. —ung. 

O Nacherkenntlich, adj. u. adv. nach andern Dingen, nachdem man 
Anderes vorher erkannt bat, füh erkennen laffend. „Die materialen 
(fofftihen) Vorſtellungen baben. entwiber das Änßere (Erfierkenät: 
liche), oder das Innere Macherkenntliche) ber Dinge zu ihrem Bars 
wurfe.· Abit, R. 

Die Nachernte, Mz. — n, eine nach der Haupternte gehaltene Ernte, 
in welcher das ſpaͤter reif geworbene oder das Nachgebliebene eine 
geſammelt wird. 

Nachernten, v. intrs, u. irn. 1) Rachtem Andere fhon geerntet has 
ben ernten, fpäter ernten, 2) Das Nahgeslichene eraten. D. Nach⸗ 
ernien. D, —ung. 


Nache 

Nacherobern, v. intrs. u, trs, 1) Im Erobern nachfotgen, nach eis 
nem Andern Eroberungen machen. 2) Binten nad, fpäter erobern. 
D. Nacherobern. D. —ung. 

Nacherwaͤgen, v. trs. unregstm. (f. Erwaͤgem, hinten nach, nade 
ber, fpäter erwägen. Stieter. D. Nacherwaͤgen. D. —ung. 
Nacherwaͤhnen, v, trs. nachher, hinter her erwähnen. Btieler, 

D. Nachetwaͤhnen. D. —ung. 

Nacherzaͤhlen, v. trs. 1) Rech dem Vorgange eines Andern erzählen, 
ihn fih zum Muſter nehmend erzählen. 2) Was ein Anderer vor: 
ber erzählt bat nad ihm erzählen. „Man hat es ibm taufend Madı 
madherzählt.“ Ceffing. (MR), D. Nacerjählen. D. —um. &. d, 

Der Nacherzäbler, — 8, Wz. at. (R.); die — inn, MWz. —en, eine 
Perfon, weiche etwas nacherzaͤhlet. 

Die Nacherzaͤhlung, Wz. —en (M). 1) Die Handlung, da man 
naderzäblet; ohne Mehrzahl. 2) Eine einer anbern nadhgebilbete, 
nachgea hmte Erzählung; wie aud, eine Erzählung, bie man nah 
einer anbern oder nad etwas Anderem folgen laͤßt. 

Nacherziehen, v. intre. u. tes, unregeim, if. Ziehen), nah dem Bor: 
ganze und Meifpiete eines Andern erstehen, „Ürzieher ber Menfchen 
erzichet Gott nad.“ Herder. D, Maceriicken. D. — ung. 

Nacheſſen, v. intrs, u. trs. unregeim. (f.'Eflen). ı) Wie ein Anbe: 
zer ißt offen, ibn im Eſſen, d. b. feine Art und Weife zu effen nad 
abmen, (Einem nacheſſen. Auch bloß, im Gffen nachfotgen, eſſen 
ba man’ ſteht des ein Anderer igt. — als du (Eva) gerade unter 
dem Baume anbiffeft und ich (Adam) aus Cinfalt bir nachaß.« J. P. 
Rideer. =) Hinten nah, nachdem man vorher etwas Anderes ne 
noffen hat, eſſen. Das Prot nachefien, Gin harter Ausdruck für 
beide Bebewtungen it nachfteſſen. D. Macheffen, Machfreffen. 

Das Racheffen, —&, 4. gi. ı) Die Handlung ba man nadikt, ba 
man etmas nabiät; ohne Mehrzahl, 2) Ein Eifen, eine Speife, 
welche nad einer andern, und in engerer Bedeutung, welche nad) 
einem Hauptgerichte, befonbers nach dem Rleifhe und noch vor bem 
Braten genoffen wird. Im R. D. ift die Machloft eine Speife, 
welche nad ber Suppe aufgetragen wird, : 

Nachfabeln, v. intra. u. tre. 1) Rach dem Borgange und Beiſplel 
Anderer fabeln, oder ihnen im Fabeln nahahmen. 2) Etwas Fa— 
belbaftes nacherzaͤblen. D. Nachfabeln. D. —ung. ‘ 

Nachfahren, v. unregeim. (f. Kabren). I mtr. mit fein, fofern fah: 
zen äberbaurt eine Bewegung von einem Drte zum andern, ober 
eine Berinberung bed’ Ortes anzeigt, heißt machfahren, einer Bewe— 
gung, einer Veränderung ded Ortes und Zuſtandes felgen. s@r wird 
nichts in feinem Sterben mitnehmen, und feine Herrlichkeit wirb ibm 
wicht nahfahren.“ Pf. 49, 13. „So fahren fie ihren Bätern nad). 
Pf. 49, 20. Im O. D. fagt man auch no, einem im Amte nach—⸗ 
fahren, für nadfotgen, fein Radfolger fein. II) iptrs. mit kin, 
2) Hinter ber fahren, auf eine vorangebende Bewegung, befonders 
wenn fie ſchnell iſt, eine ähnliche folgen laſſen. Mit der ‚Hand nach— 
fahren, 3. B. um etwas zu greifen, feit su halten, Bei den Ja— 
sern fahren bie Hunde nach, wenn fie binter einem Stuͤcke Selld 
Berlaufen. Ein Stud Wilb führt bem andern nach, wenn es bens 
felben Mer nimmt. Der Jäger fährt nad, wenn er mit ber Hand 
bei dem Beſuch am Hängefeil nahareift und den Hund Bürzer hält, 
er fährt su nach, wenn er eihem flüchtigen Wilbe, das er nicht 
recht yım Schuß haben kann, bas angefhlagene Gewehr nachrichtet. 
Im Sergbaue heißt Ben Becgleuten nachfahren, mach ihnen einfabs 

zen, um nachzuſehen ob Alles gehdrig gefhiebt. 27 Auf einem Fubr: 

mwerfe ober Fahrzeuge binter einem Anders fahren, Ihm nadıfeigen, 
befonders um thin einzuholen, zu erreichen, Ehrmahls bedeutete el⸗ 
ner Sache mit Rest nachfahren, fein Recht auf eine Sache ver 
felgen, behaupten. IET) ırs. auf einem Ruhrwerke ober Kabrieune 
nachbringen, nachfolgen laſſen. Eich Kiſten und Kalten auf dem 
Yatwazen nachfahten laſſen. — D. Nachfahren. D. —ung. ©, 


397 


Nachf 
auch Nachfahtt. 


Der Nachfahrer, —e, I. gl. 1) Im D. D. ber Nachfolger 4. ©. 
im Amte; auch gekürzt + ber Nachfahr. 2) Im Bergbaue, ein Berg⸗ 
beamter, welder bie Sruben befäbrt und nachficht ob die Geſchwor⸗ 
nen ihre Schuldigkeit thun. S. Nadhfahreg h v. IN 2). 

Die Nachfahrk, 34. —en. 1) Die Hanblung, da man Andern nad 
fährt. 2) + Die Nachfolge in einem Amte ic; im O. D. 3) + In 
manden Gegenden, bie Verbindlichkeit feinen Wein in einer dazu 
berechtigten Kelter keltern, fein Getreide in einer Bann s oder Zwang⸗ 
mähle mahlen au laſſen 2c-, bie. Berbindlichkeit gleibfam nad eines 
ſolchen Kelter, Mühle ic. zu führen, 

Die Nachfährte, My. —n, dei den Jaͤgern. 1) Die Fährte bes Bine 
tern Fußes, bie Hinterfährte, 2) Diejenige Fährte, welche ein 
hier ober Hirſch nadigelaflen bie ca ober er bereits gemacht hat; 
die Dinterfährte, Müdfährte, Micberfährte. 

Nachfallen, v. ntr. unregelm. (ſ. Fallen), mit fein, binter einem 
Dinge ber falten, ihm im Falle folgen; auch, hinten nad fallen, 
nachdem fchen Anderes gefallen iſt, nod fallen. D. Nachfallen. 

O Nach faͤlſchen, v. trs. 1) Auf eine falfche, beteuͤgliche Weiſe made 
abmen, nadımaden. 

Send (Freundſchaft) In nachgefälfchter Klarheit 

Kur dein Bilb mir Schmachtenden zum Troſt. Boß. 
2) Rach dem Vorgange und Beispiele eines Hundert fälfhen, verfäl 
fen. D. Nachfaͤlſchen. D. — ung. 

— v. tes, Nachfalzen, v. tes, ſ. Nah. D. Nachfalten ıc, 

. —ung. 

Der Nachfang, —es, m. u. ein Bang, welcher nach bem eigentlis 
hen, nah dem Hauptfange getban wird, „Der Machfang der Hä⸗—⸗ 
ringe war beffer als ber eigentliche." Ungen, (R,} 

Nachfangen, v. trs. unregelm. (f. Kangen), f. Nach. D. Nachfangen. 

Nachfärben, v. I) trs, 1) Im Färben nachahmen. Einem etwas nach⸗ 
färben, 2) Rad Anderem was bereits gefärbt iſt färben. 3) Was 
bereits gefärbt. it nodhmabls färben. Il) mtr. mit haben, bei ben 
Mablern, feine Farbe burch andere durchſcheinen Laffen, fie andern 
Farben, die bamit gebrochen werben, mittheilen. — D. Nachfaͤt⸗ 
ben ꝛc. D. — ung. 

Nachfaſten, v. intrs. hinten nad, fpäter faglen. D. Nachfaſten. 

Nadrfaufen, y. atr. mit fein. Nachfechten, v. intrs. ſ. Nach. D. 
Nadfault ꝛtc. 

Nachfegen, v. intrs, u. trs, 1) Mad eines Beifpiele, Weife fegen, 
2) Rachdem ein Anderer gefegt hat fegen, uochmahle fegen, ober 
auch, wo ein Anberer gemwefen it und dad Fegen nöthig gemadit 
bat ſegen. Ginem nadyfegen müffen. 53) Hinter her fraen, das 
Reafel hinter einem ber ſtrelchen. 4) X Als intrs aud noch in ber 
gemeinen Sprebart für nachfolgen, nachgeben, mit einem Nebenbes 
ariffe des Hinftreihend über ben Boden mit den Füßen ober dem 
Kleidern. D. Nachfegen. D. ung, 

Die Nachfeier, 9%. u. 1) Die Feier eines Tagts, einer Begebendelt, 
welche Später vor ſich gehet, ale fie eigentlich ſellte, nachdem dee cis 

gentlich bazu beftimmte Tag ſchon verfiofen if. Al. Schmidet. (M}. 
a) Eine zweite Beier, weiche noch nad der eigentüichen veranjtaltet 
wird, (ine Eleine Rachfeter veranftalten. 

Narhfeiern, v. tes, 3) Nah Andern feieen, wie aud, nach dem eigente 
lichen Zage, fpäter feiern, uDer Geburtstag foll machgefeiert were 
ben. Ki. Schmidt. iR.) 2) Rach ber eigentlichen Feier nohmatıs 
feiren, D. Nachfeiern. D. ung. 

Nachfeilen, v. trs. uahdem Anderes gefeilt iſt feiten, ſpaͤter feilen, 
wie auch, mit der Feile nachhelfen. D. Nachſeſlen. D. —ung. 
Nacyfertigen, v. tes. nach Anderem, fpüter fertigen, verfertigen oder 

fertig machen. D. Nachfertigen. D. —ung. 

Nachfeuern, v. I; intra. 1) Rachdem Andere gefeusrt haben feiern, 
fpäter feuern, d. h. aus einem Geuergeimehre foiegen. a) Kahn 


Nachf 


ſchon gefeuert iſt feuern, nochmahls feuern; auch in ber Bebentung 
des Wortes feuern, Beuer mahen, tinheigen. 5) Hinter etwas her 
feuern, fhiegen, IN O ner. mit haben, nad ber Art eines anbern 
Binges feuern ober feurig fein, in uneigentliher Bebeutung. „Das 
liebe Kind, deffen ſchiaachtende Augen, in Betrahtung vertieft, ber 
Seelteagroͤße nachzufenern ſchienen, bie Guibo feinen göttlihen Ibes 
alen (Mufterbitdern) eingeprägt hatte Thaͤmmel. Doch fann es 
in biefer Stelle auf eine andere neue thätlihe Bebeutung haben, 
feurig ober fehr eifrig nachſtreben. — D. Nachfeuern. D. —ung. 
Nachſiedeln, v. inte. u, trs. ſ. Nachgeigen. 

achfinden, v. intrs, u, trs. unregelm. (f. Finden). 
Drt, wohin fih ein Anderer begeben bat, nad ıhm finden. Auch 

wol als rec. ſich nadyfinden. a) Hinten her finden, wenn man 3. 
B. nit mehr darauf gerechnet hat. Cine nachgefundene Sade, 
D. Nachfinden. 

Nachſiſchen, v. intrs. u, tre. 1) Nahbem ſchon ein Andrer gefifht 
bat fifhen, 3) Nachdem man ſchon gefifcht hat nochmahls ſiſchen. D. 
Machfiſchen. D. —ung, 

Nachflattern, v. intrs, 1) Mit haben, nach dem Vorgange und Beis 
fpiele eines Andern flattern, =) Mit fein, hinter etwas ber flats 
tern, ihm flatternd folgen. Auch als ner. mit haben und fein. — 
Kinder mit lang nachflatternden grünen Hutbändern.« I. P, Ride 
ter. In beiden Bedeutungen auch uneigenttih, 3. B. jeber Shbr 
nen Teihtfinnig nachflattern. D, Nachflattem. D. —ung. 

Nachflechten, v. trs, unregelm. (f, Flechten). 1) Das Flechten, im 
Fichten nahahmen, Ginem etwas nachflechten. 2) Hinten nah 
flechten, nad Anderem flechten, D. Nachflehten. D. —ung. 

Nachfliegen, v. ntr. u. intrs. unregelm. (f. fliegen), mit fein, 1) 
Rah eines Anbern Porgange und Beifpiele flirgen. =») Hinter ber 
fliegen, fliegend nahfolgen; beſonders, wenn von belebten Weſen 


ı) An einen 


die Rede ift, um bas Vorfliegende zu erreichen, einzuholen D, 
Nachflitgen. 
Nachfliehen, v. intrs. unregelm, (ſ. Fliehen), mit fein. 2) Raqh 


dem Beifpiele eines Andern fliehen. 
— ber Kinderfluht nachflohen bie Väter. Sonnenberg. 
3) Einem Fliehenden nacheilen, ihm fliebend nachfolgen. 
Bergebens lodte fie mit liebevoller Stimme, 
Nachfliehend ihm in ihren Arm zuräd, Wieland, 
D. Nachfliehen. 

Nachflichen, v. mtr. unregefm, (ſ. Fließen), 
in feiner Rihtung folgend, fliehen, Auch auf etwas Bezug habend, 
als Folge von etwas fließen. Die fliefen meine Thränen nad, 
3) Rad dem was fhon gefloffen ift, noch fließen. D. Nachfließen 

Nahflößen, v. trs. nach Anderem flögen, Anderem fößend folgen Tafı 
fen, Roh Holz nahflößen, D. Nahflögen. D. —ung. 

Nachfloͤten, v, intrs, u. trs, 1) Auf ber Flöte nahölafen, nachah ⸗ 
men. Auch uneigentfich, im flötenden Tone nadjfingen. =) ‚Binter 
her Möten, flötend nachfolgen. D. Nadflöten. D. — ung. 

Nachfluchen, v. intzs. u, tre. 1) Mad bem Beifpiele eines Andern 
nahen. 2) Hinter einem her flugen, ihm Flüche nahjenden, D, 
Nachfluchen. D. —ung. 

Nachfluͤchten, v. I) intra mit fein, ſlüchtenb nachfolgen, gleih An⸗ 
dern, aber fpäter flüchten, IT) trs. 2) Nah und zu dem was ſchon 
gerüchter it ſtüchten. 2) Alühtend nachbringen, nachſchaſfen. — 
D. Nachfluͤchten. D. —ung. 

Nachflüͤſtern, v. I intrs, eines Flüfern nahahmen. Einem nach: 
fluͤſtern. 10) ers, flüfternd nachſprechen. — D. Nahfläftern. D. 
— ung. 

& Nacfluten, v. ntr, u, intes, mit fein, als Flut, flutend nachflle⸗ 
Sen, unelgentlich, aleih einer Flut d. h. in großer Zahl nachfolgen. 
Eine nachilutende Menge, 

— und fIntet’s von Engeln bed Todes, mie Urnacht, 
Bärhterti hinter ihm nah. — Sonnenberg, 


+) Hinter etwas, Ihm 


398 


Nachf 
D. Nachſluten. 


Nachfodern, v. trs, mad dem und zu dem was man ſchon gefobert 
hat fodern. Roch Gelb nachfodern. D. Nachfodern. D. — ung. 

Die Nachfolge, o. 34. 1) Die Handlung, da man nachfolget. Unei⸗ 
geutlich, die Handlung eder ganze HSandelweiſe, ba man einen Ans 
dern zu feinem Muſter und Borbilde nimmt und bemüher it wie er 
zu benfen und zu banbeln, wie aud, die darin erlangte Übung und 
Bestigkeit, Die Nachfolge Keifi, dei den Gottergelehrten, das 
Denten und Handels nad bee Lehre und bem Beifpiel, weiche Kris 
ſtus gegeben bat. =) Der Zuftand, da etwas nadfoiget, bie Folge 
nah einem ober etwas Anderem. Die Nachfolge in einem Amte, 
einem Wefige ac., bas Eintreten in bas Amt, in ben Befig eines 
Borfahrers oder Erblaffers, ber gefeglihen Ginridtung gemäß oder 
vermöge des Rechtes ber Geburt; wie au, zumeilen bas Recht zu 
biefee Rachfolge, welches bie Erbfolge heist, wenn man einen Erb: 
laffer im Befige feiner Güter und Gerechtſamen folget. 5) Gine 
fpitere Zolge von etwas. Das if noch eine Nachfolge jenes Irre 
tbumes. ; 

Nacfolgen, v. mtr. u, intrss mit fein, Im O. D. auch mit haben. 1) ° 
Hinter einem Dinge biefelde Rihtung nebmendb fih bewegen. Ginem 
auf bem Fuße nachfolgen. Ginem mit den Augen nachfolgen, ihm 
nachſehen, Blide nachſchiken. In engerer Bedeutung, fi bintes 
etwas ber bewegen um es einzuholen, su erreichen, perfolgen; eigente 
lid und unelgentiih, aber ungewöhniih. „Folgeſt bu ber Gerech⸗ 
tigkeit nad, fo wirft bu fie kriegen.“ Sir. 27, 9. Uneigentlich, 
bem Beifpiele eines Andern folgen, ihm nachahmen. Folge ihm nicht 
nad, made es nicht fo wie er. „Kolget ihrem Glauben nad." Ebr, 
13, 7. Die verfhiebenen Arten nadızufolgen werben durch befondere 
dieſelbe genau bezeichnende Wörter ausgedruckt, als: nachbeben, 
— bringen, —eilen, —flirgen, —fliehen, —fluͤchten, —aaufeln, 
— hinten, —hoden, X —hodeen, X —bopfen, X —humpeln, 
—huͤpſen, X —huſchen, X —butfhen, X —iachtern, —jagen, 
—teuchen, —klettetn, —Eimmen, X —ktabbeln, —kriechen, 
—tfrüden, —lärmen, —laufen, X —leiern, —mühen, X — pi 
ten (ich), X —patfchen, —pilgern, Xpolteen, X — preſchen, X 
— pumpen, X purzein, X —querlen, E —ranjen, —rafen, — 
kaufen, —reifen, —rennen, X —rumpeln, X —rutfden, T 
— ſcheren (äh), —ſchleichen, X —fhlendern, X — ſchlumpetn, 
— ſchluͤpfen, —fhriten, X—ſchurten, — ſchwanken, X — ſchwaͤn⸗ 
gen, — ſchwaͤrmen, —ſchweben, — ſchwimmen, — ſchwirten, — ſo⸗ 
gen, —fprengen, — ſpringen, X — ſtapeln, X —ſtapfen, — ſtehlen 
(ſich), —feigen, —ſtoͤhnen, X —flolpern, —ſtolzen, —ſtraucheln, 
—fteeihen, — ſtreifen, —ſtuͤtmen, —ſtuͤtzen, —ſummen, —fumfen, 
—tanzjen, —taumeln, — toben, —tollen, X —tortein, —tofen, 
—traben, X —trampeln, X —trampen, —trappeln, —trappen, 
—treten, —trippeln, K—trollen (fi), —trotten, —tummteln, X 
— wackeln, —mwallen, — walzen, wandeln, — wandern, — wan⸗ 
ken, — waten, X — watſcheln, X —wiſchen (wuſchen), + — wu⸗ 
dein, —wuͤten, —ziehen, X — zotteln, welche Wörter fämmtlich 
mit ſein verbunden werden und bedeuten, bebend, dringend oder draͤn⸗ 
gend, eilig, flatternd, fliegend, fliebend, ſlüchtend oder auf der Flucht, 
gaukelnd oder gaukelhaft, binkenb ıc, ıc, nachfolgen. Der größte 
Theil diefer Wörter wirb aud gebraudt, n Natabmen ber Hand» 
tung, weldes bad mit Nah zufammengefegte Kuöfagewort bezeichnet. 
audzubrufen, mo fe bann mıt bem Dülfsfageworte haben verbunden 
werben, alfo: nad dem Vorgange, dem Beilpiele, der Welſe eines 
Andern beben, bringen, eilen, flattern, fliegen, fliehen, flüchten, gaus 
kein, binken, büpfen ıc. ıc. In enaerer Bedeutung heift nachfol⸗ 

gen, nah dem Willen, der Vorſchrift, kehre eines Ändern fid vers 
halten, denſelben Folge leiten. „Will mir jemand nachfelgen® ıc. 
Matth, 16, 23. =) In der Meike, fonol in Anfehung bes Raus 
mes als ber Zeit, nad einem obes etwas Anderem folgen, ber ober 
das Raͤchſte mach demfelden fein, Des Nachfolgende fahre fort, der 


Nachf 399 


nachſt ihm abwärts fh Belindende. Mer nachfolgende Soha, der 
im Alter nach dem andern, dem früher geboren folgt, Die nach 
foigende Stelle, die zunächſt folgende, bie bernach, weiter unten 
angeführte. Ginem in einer Etelle, einem Amte nadyfolgen, nad) 


ihm, nachdem er fie, es erlediget bat, fie einnehmen, es bekommen 


oder annehmen. Ginem im Beige feiner Güter nachfolgen, fie 
nah ibm befommen, beſonders ats fein Erbe. Die Etrafe, bie 


Reue wird nachfolgen, wird nachter, fpäter eintreten, erfolgen. : 


Der nachfolgende Wille Wottes, bei den Gotteögelchrten, der wirke 
Hhe Rathihiuß Gottes vun ber Menihen Seligkeit, welcher fih auf 
Abe vorhergebenbes Verhalten gründet; in Gegenſat bes vorherges 
henden Wiens. Zuweilen wird nachfolgend® im gemeinen &chen 
wie nachgehends für nahder, hernach gebraucht als ein Umſtandwort 
ber Zeit, gebildet aus nachfolgendes, mahgehendes, dem zweiten 
Kalle bes umgeenbeten Zufandivostes ber gegenwärtigen Bert, gleich⸗ 
fam nachfolgendes oder nachgehendes Fußes, wie man fagt, ftehendes 
Buße. Das einfache folgen hat ebenfalis bie Wedeutungen bes jur 
fannmengefegten nahfolgen. Dies wied aber theils des Rachdrucks 
megen, theils bie Zweideutigkeit, welche das einfache folgen zuwellen 
derurſachen könnte (f. Folgen), zu vermeiden, oft auch ber Ründung 
der Nede wegen häufiger gebraucht. D. Nachfolgen. D. — ung. 
S. auch Nachfolge. 

Der Nachfolger, —e, 84. al; die —inn, M. —en, eine Perſon, 
welche einer andern madfolget, beſenders 1) eine ſolche, weiche einer 
andern in einem Amte, einer Würde, Geredtfame ic. folget, es 
oder fie nach ihm befümme, in Begerfag von Vorgänger; im D. D. 
Machfahrer, in Gegenfas von Vorfabrer, Borfabr. In biefem 
inne ift zumeilen aber ungesoduntich auch Folger gebraucht. 2) Eine 
ſolche Perfon, welche einer andern in der Denk⸗ und Handelmeife 
folgt, fi die Denk: und Handelweiſe einer andern zum Mufter 
nimmt. Die Schüler und Nachfolger Kriſtl. „Seid meine Nach 
folgen." ı Gor. 4, 26. 

Nach folglich, adj vw. ade, 1) xx Für nachahmlich. Schat Ries 
derd. Sprahen ©. =) Im Radfolgenden. 8. Eine Sache 
nachfolglich anführen. j 

O Die Nahform, 99. —en, eine nad einer feüherm als dem Mur 
fer gemachte ober gegebene Form, eine nahgeahmte Form. 

D wie fhau ih mit Luft die Werke der gricchtſchen Bildner, 
Melde bie räuberifhe Zeit und gelaffen, oft freitich in Nachform 
Kur — — ECludius. 

Nach formen, v. trs. nach etwas als dem Muſter formen, eine der 
Form eines andern Dinges gleibe Form geben. Eeſtalten nachſor⸗ 
men.“ Eihenburg. (R.) Auch uneigentlich für nachdilden, wie 
in einem Bilbe darſtellen. \ 

Oft nachformte das Leben ein Traumgebilb. — Sonnenberg. 
D. Nachſermen. D. —umg. 

Der Nahıformer, —$, Mr. at. der etwas nachfermet. 

Racıforfchen, v. intrs. nad etwas forfhen, dauach forafältig fra⸗ 
gend, wie aud barüber fiharf denkend zu erfahren fuchen. Cmfig 
nachforſchen. Einer Sade nachforſchen. Einem Entiprungenen, 
Berfchollenen nachferfhen. Dem Grunde nahforfhen, nah bem 
Grunde forihen. „Forſche ihr (der Wahrheit) nach und ſuche fir.“ 
Eir. 6, 28. D. Nachfotſchen. D. —ung. Nachforſchungen 
anftellen. 

Der Nachforſcher, —s, 24. gl. einer ber nachforfhet. 


O Die Nach forſchungsgabe, 0. 2. die Gabe nahzuforfhen, die 


Forſchkraft. Kant, 

Die Nachfrage, My. —n, bie Barblumg da man nach etwas fraget, 
was man zu wiffen, zu bilommen wünfht; wie auch, die deshald am 
jemand gerichtete Frage. Es ift viele Machfrage nah einer Mater, 
wenn Biele danach franem ob und wo fie zu befommen if. Man hat 
ja die Machfrage, eo ſtehet einem ja frei danach zu frasen, Etwas 
zus Nachfrage haben, für ben Gall, daß jemand danach fragen follte, 


Nachf 


Eine Nachfrage anſtellen, durch ſorgfältiges, gemanes Fragen zu ew 
fahren fügen. Ich danke für die Nachfrage antwortet man einem, 
ber fih mad unferm oder ber Unfrigen Befinden erkundiget. 

Nachfragen, v. intrs. ı) Rach etwas fragen, um ed zu erfahren, um 
zu erfahren wo es ift ac. Einer Sache nadjfragen. Als ih — 
nach Korinth kam, war mein erftes, bem Philofophen Kratee nach⸗ 
jufragen.« Wieland. Derfelbe gebraucht ed au von ben Xugen 
für, fragende Blide thun, bie ein Verlangen verrathen etwas zu 
erfahren: — — end feine Augen fragen 

Dem Kummer nach, ber feinen König druͤckt. 

Auch allein für ſich. „Da fie fahten und nachftagten.“ Richt. 6, 
29. X Einer Sache nidt nachfragen, nicht danach fragen, fi 
nit barım befümmern. =) Eines Anderen Frage nachahmen, wie 
derholen, fo fragen wie er gefragt hat. Ginem nahfragen. D. 
Nachfragen. &. auch Nachfrage, weiches anftatt Nachfragung ge 
woͤhnlich ift. 

Der Nachfrager, —s, 94. gl; die — inn, My. —en, eine Perſon 
welche nach etwas fraget, einer Sache nahfragt. Scha Niederd, 
Sprachen. ®. : 


x Nach freſſen, v. intxs, u. trs. unregelm, (f. Freſſen), f. Nacheffen. 


D. Nachfteſſen. - 

O Die Nachfreube, Dy. —n, eine nah etwas erfolgende Freude, 
eine fpätere Freude, gleihfam der Anhang einer gröfern, die map 
früber empfunden hat. 

ER v. zeo, u. imp, hinten nad Freude empfinden. D. Nach 

teuen. 


Nach frieren, v. ntr, unregelm. (f. Frieren) mit haben, fpäter noch 


feieren, noch mehr frieren als es fon gefroren hat. Es wirb noch 
nadıfrieren, D. Nachfrieren. 

Nach friſchen, v. trs. hinten nah, nohmahls friſchen, aufriſchen. D. 
Nachfriſchen. D. —ung. 

Die Nachfriſt, 94. —en. 1) Eine nachher noch, eine zweite fpäter 
gegebene Fri. =) + In mandıen O. D. Gegenden, eine anöftehen« 
be, rüdftändige, verfallene Zahlung; ein Ref. Die Schulden und 
Nachfriſten eintreiben, 

Nahfröbnen, v. intrs. 1) @feich einem Anbern, wie ein Andrer fräh« 
net feöhnen. Einem nacfröbnen. R. 2) Hinten nad fröhnen, 
Brobnbienfte nachholen. D. Nahfröhnen. D. —ung. 

Der Nachfröhner, —s, 4. gl.; die —inn, 9. —en. 1) Gine 
Prrfon bie nachfroͤhnet. 2) + Im O. D. ein Frötner, d. h. ein zu 

‚gerichtlihen Zwangsmitteln beredhtigter Elä.higer, welcher einem 
andern nachſtehet; im Gegenfag des Vorftoͤhners. S. Froͤhnen. 

O Der Nachfruͤhling, —es, MM. —e, die nad dem eigentlichen 
Brählinae folgende Iabreszeit, ein Anhang bes Früklings gleichſam 
oder die Zeit des überganges vom Frühlinge zum Sommer. „Die 
Stunde, — bie ihn zugleih von dem Vater und ber Freunbinn in 
ferne Erdeden warf, jene in ben Rachwinter, ihn in. ben Bor: und 
Nachfruͤhling. I. P. Richter. . 

Nachfuͤhlen, v. D ntr. mit haben und ber Fügung eines trs. 1) Sleich 
einem Anbern, wie oder was ein Mndrer fühlt fühlen. „Ih fühlte 
ihr nach, was fie wol bier empfunden haben mochte ıc® Benzel⸗ 
Sternau. »Sol eier Anabe, anſtatt Schönheiten nachzufuͤhlen 
— ſolche [hen in ber Schulſtube zeugen ® J. P. Ridter. 2) Pin 
ten nach fühlen. Gchmerzen nachfühlen, Jullenne eilte in den 
Garten, fühlte es aber nach, daß Abdeonie ihr Du nicht ermwichert 
hatte» 3. P. Richter. U) intrs. nad etwas fühlen, mit ben 
Händen unterfihen ; ungewöhnlich. — D. Nachfühlen. D. —ung. 

Nach fuͤhren, v. trs. führend folgen, hinter her führen. Einem etwas 
nacführen. Oft auch für nachfahren, zu Wagen ıc. nachbringen. 
D. Nachfuͤhren. D. —ung. 

Der Nahführer, —, 9. gl; bie —inn, My. —en, eine Perſon, 
die nahflöret, etwas nadıführer. 

Nachfuͤllen, v.trs, 1) Nachdem man ſchon gefdilt bat nochmahls füllen, 


Nachf 


den Abgang durch ſpäͤteres Fdlen, durch Xuöfällen erfeten. Den 
Ben, cm BWeinfag nachfuͤllen. =) Rod bazu füllen. -Im die 
Flafhe noch etwas nachfüllen. D. Nachfuͤllen. D. —ung. 

Nacfüttern, w. trs. nad Andern, fpäter füttern; aud, nachdem fon 
gefüttert ift nochmahis fütfern. Noch ein wenig nahfüttern. D. 
Nachfuͤttern. D. —ung.' 

x — v, intrs. f. Nah. D. Nachgackern. 

X Nachgaffen, v. intrs. gaffend nachſehen. Ehemabts gebrauchte man 
es auch uneigentlih in verädtlihem Sinne, für, nach etwas fehen, 
auf etwas achten. j 

Mann (denn) bu mürbft kein Mut darvon han, 

So bu nachgaffeſt alte Friſt 

Dem, en die mit befothen if. 5. Sachs. R. 
Solcher Schrift müſſen wir glauben end nicht vnſter Vernunft in 
ihren speculationibus nachgaffen.“ Eramen u. Gegenb. R. D. 
Nachgaffen. D. —ung. 

— v. intrs, f. Nach. D. Nachgähnen. 

Nachgaͤhren, v. mtr. unregelm. (f. Gähren) mit haben. ı) Nah An: 
derem näheren, Später gäbeen. ®) Rachdem es ſchor gegohren hat 
noch mehr ober nohmabld gähren. Das Bier bat noch nachgegoh⸗— 
ren. D. Nachgaäͤhren. 

Nachgaͤllen, v. trs. hinten nach gätlen, no mehr aällen, noch mehr 
adllen oder nallenbitter machen. D. Nachgaͤllen. D. —ung- 

Der Nachgang, —es, MH. —gaͤnge. 1) Die Handlung da man 
nadachet, wie auch, da man einer Sache nachgehet; ohne Mehrzahl. 

Stieter. 2) Ein Gang, den man hinten nah, frater madt. 

Nach gaͤngeln, v. intrs. u. irs. 1) Nach bem Weifpfele eines Andern 
gänaeln. 2) Gängelnd nadfelgen, unb, am Gängeibande nachfol⸗ 
gen laffen. D. Nachgaͤngeln. D. —ung. 

Der Nachgaͤnger, — 8, p. al; die —inn, By. —en, eine Per: 
Ton, melde einee andern nahgehet, nahfolget, befonders in einem 
Amte, einer Verrichtung ıc. Nachgeher bezeichnet daffelbe, aber in 
anny eigentliher Bebeutung. 


Nachgaͤten, v. intes. 1) Wie ein Anderer gätet gäten. 2) Was gen, 


gätet if nochmahls gäten, und baburd was etwa mod) ſtehen gebiie: 
ben oder wieber gemachfen ift weafhaffen. Damit hängt zufammen 
die Bedeutung 5) das Rachgelaſſene, Berfiumte beim Gäten nach— 
holen, Andern nachgäten müſſen. D. Nachgäten. D. —ung. 

X Nadygattern, v. inte. mad etwas gattern, gatterno zu erfahren, 
zu finden ſuchen. D. Nachgattern. D. —ung. 

X Nachgaukeln, v.intrs. ſ. Nachfolgen ı), Nachgaunern, v.intrs, 
f. Nah. D. Nachgaukeln ı. 

Nacgebären, v. ntr. unregelm, (f. Getären) mit haben unb ber 
Kügung eines trs. ı) Nah Andern, fpäter gebären, Ein nachge · 
borner Sohn, ein jüngerer, der ſchon ein ober mehrere Geſchwiſter 
vor fi bat. =) In engerer Bedeutung, mac bem Tode bed Was 
ters gebären. in nachgebotnes Kind, im ©. D. eine Nachwaiſe 
(Posthumus), D. Nacrgebären. ©. auch Nacgeburt. 

Nachgeben, v. unregelm,. (f; Geben). I) trs. 1) Rachdem man fhon 
argeben hat nochmahis geben, nod mehr geben. Noch Geld nadı: 
geben. Rod etwas nachgeben, weil das fhon Begebene mod nicht 
hinreichend war. 2) Hinten nad geben, fpater geben, etwa ba 
man früher hätte geben follen. Bein Gelb nachgeben, mas man 
z. ®. als Beitrag zu entrichten hatte. Den Bau nachgeben, nad 
ber Feſtlichkelt, nad dem eigentlichen Tage ı. Die Karten nad) 
geben, etwa wenn man übergangen worden ift, ba man hätte geben 
feiten. 5) Rahlaffen, die Wirkung einer Kraft vermindern, auf 
börem mit der bisherigen Kraft zu wirken, 3. B. menu man etwas, 
was man feſt hielt, weniger feſt hält, wenn man einen Drud ver 
mindert, wenn man etwas mas man feſt anfpannte ober anıoq, 
Io#erer hätt oder macht ıc. Gin wenig nachgeben. Bei den Zagern 
beißt nachgeben, dem Hunde bei dem Suchen mebr Spielraum laſ⸗ 
fen; wie auch, eine Schraude am Gewehre, bie ju feit angejogen 


400 


Nachg 


iſt, aachtaſſen. Uneigentlich, nachlaſſen, fahren laſſen. Ich kann 
von meinem Rechte nichts madıgeben. Auf ähnliche Art gebraucht 
man es im D. D. für + zugeben, einräumen. 
SH Hab’, ih geb’ es nah, bes Herren Bund, verhöhnt. 
. @Grppbius. 

Bumeilen gebraucht man es auch für zulaffen, erlauben. Einem ets 
was nachgeben. Ihm iſt nadıgegeben worden, baß er feine nade 
Verwandte ehelichen darf, Befonders gebrauht man es allein für 
ſich, oder als intrs, für, von feinen Foderungen, Anfprüchen nadıe 
laffen, von feinem Worfage mebr ober weniger ablaffen; wie auch, 
feinen Sinn, feine Meinung mehr oder weniger nad bem Sinne und 
ber Meinung Anderer ändern, Andern nicht weiter wiberfteben oder 
wiverfpregen. In allen billigen Foderungen eines Andern nachge— 
ben, Andern gern nachgeben, X Der Berftändigfte giebt nach. 
Nachgebeud fein, gern und leicht nachgeben. Im diefer Bedeutung 
wird das Mitteiwort nachgebenb wie ein Beilegungswort gefteigert: 
nachgenender, nachgebendſte, wofür man aber doch lieber nadıgiebig 
gebraucht. Berg. nachſehen. Bei den Jagern geben bie Bunde 
nad), wenn fie aufbören zu fuchen, A) ntr, mit haben. x) Auf: 
bören denfeiben Grad ber Stärke zu äußern, 3. B. ber Spannung, 
des Widerftandes ıc. Cine Stahifeber giebt nad, wenn fie nicht 
mehr benfeiben Widerſtand, dieſelbe Epannfraft äußert, wenn fie 
ſchlaff wird, So giebt auch cin aufgefpanntes Seil nad), wenn es 
etwas ſchlaſf wird. Der Boden giebt nad), wenn er fi nieber: 
beugen läßt und zur Seite ausweiht. 2) Rachſtehen, geringer fein. 
Ginem an Geſchicklichkeit nichts nachgeben. Anden in der Stäcte, 
Dite nichts nachgeben, ihnen darin glei fommen. — D, Nacıges 
ben. D. —ung. 

O Das Nachgebilde, —s, 4. gl. ı) X Die Handlung da man 
nachbilbet; verachtlich und ohne Mehrzahl, a) Etwas NRachgebildetes. 

Sonft ale drei dem Nachgebild' 
Des Zaufenbkünitlers ähnlich, Dfeffel, 
In weiterer unb uneigentlider Bedeutung, etwas Nachgeahmten, 
ine Rachahmung. „Mander Hochgeſang diefes Dichters iſt bloßes 
Nachgebilde eines Hora;ifhen.“ G. 

Der Nachgebrauch, —es, 9. u. der nahfolgenbe, fpätere Gebrauch. 

Nachgebrauchen, v. trs. ı) Mac dem Beifpiele eines Andern per 
braudien. 2) Nah Anbern, hinten nad, fpäter gebrauden. ine 
Arzenei, das Bad nachgebtauchen. Unrichtig wird biefes Wort 
häufig für nadbrauden, fo wie nachbrauchen für nachgebrauchen 
gefegt. D. Nachgebtauchen. 

Die Nachgeburt, Sz. —en, eigentlich "eine nachher, nach etwas er: 
folgte Geburt und das darin zur Melt Gebrachte. In biefer Beden⸗ 
tung aber ift es ungemöhntih, und man bezeichnet bamit nur einen 
runden, diden und ſchwammichten Körper, ber aus Haͤuten, Blut: 
gefäßen und einem zelligen Gewebe beftehet, ſich mit ber Feucht in 
ber Bürmutter bildet, mit derſelben wermittelft ber Nabelſchnur 
verbunden iſt und nach der Geburt aus der Mutter tritt; auch bir 
Afterbürde, in Schwaben Burti, wegen Ähnlichkeit mit einem run: 
den Kuchen der Mutterkuchen, und wegen ber ſchwammichten Be: 
ſchaffenheit Mutterleber, im R. D. Damel, 

Nachgecken, v. intrs. f. Nah. D. Nacıgeden. 

+ Die Nachgedanfen, Ez. u. im R. 2, bie Gedanken eines Nach- 
denkenden. Gin Menſch ohne alle Machgedanken, ohne alles Nahı 
benten, ber gar nicht nachdenkt. 

Nachgedenten, v. intrs. unregeim. (f. Denken) gedenken, d. b. bie 
Gedanken, den Vorfag haben nachzufolgen. D. Nachgedenken. 

O Das Nachgefuͤhl, —es, Bi. —. 1) Das Gefühl, weldes man 
binten nad oder fpäter hat, welches eine Sache nahlift. „Wie 
time bean das Kind zu Nachgefühl der Notbwenbigkeit ohne das 
Borgeluͤhl der Freibeit?° 3. P. Fichter. 2») Ein nahbaucrndes 
Gefühl, ein nah einem Märkern Gefühle fortbawendeo Gefühl, wel: 
des gleihfam der Rachhal davon if. „Wilhelm ins ftille Nachge- 


Nachg 
fuͤhl des Schmerzens verfenkt« sc. Goͤthe. 
Nadıgehen, v. intrs, unregelm, (f. Gehen) mit fein. a) Sinter her 
geben, in Anfebung ber Orbnung, zu Fuße demjenigen, was vor: 
„  ausgebet ober bewegt wirb, folgen. 
Sarge nad." 2 Sam. 5, 31. _Uneigentlih, einem .anbern Dinge 
ı . ben- Borrang, Vorzug Inffen; gewöhnlicher nachiteben. Das Uns 
— wichtige muß bem Wichtigen nachgehen. 2) Winter her geben, im 
Anfebung ber Richtung, deſſelben Weges nad einem Anbern geben, 
ber Richtung, die er genommen hat, folgen. Einem auf bem Fuße 
nachgehen, ihm unmitteisar folgen. Der Spur nahgeben. Bes 
fonbers nachgehen, um ben Worangegangenen au erreihen, ober et: 


was baburch zu bewirken. „Id. will ihm nachgeben, er möchte fonft . 


gar zu große Hänbel anrihten,e Gellert. Ginem überall mad 


gehen, um ihm über etwas zu ertappen. X Einer Perfon madıges. 


- ben, auch uneigentlih, dadurch daß man ihr überall folgt, um fie 
it, ihr Liebe zu beweifen and fid um ihre Liebe zu bewerben. 
»Daf bu nit bift ben Jünglingen nachgegangen“ Ruth, 5, 10. 
In, weiterer uncigentlicher Bebeutung. (1) Seinen Bang gleihfam 

nach etwas Fichten, b. b. etwas zum Biel feines Beſtrebens mahen, 
es mit Sorgfalt hetreiben. einen Gefhäften, feinem Gewerbe, 
dem Bergnügungen nachgeben. Dem Möpßiggange, bem Zrunte ır. 
nachsehen, ſich demſeiben Aberlaffen. „Wer umnöthigen Sachen 
nachgehet, ber iſt ein Rarr.« Spribw. 12,11. (=) Rah etwas 
als dem Muſter, ber Vorſchrift gleichfam geben, fih verhalten. Eis 
nem Befehle nachgehen, fi mac bemfelben verhalten, ihm folgen. 
In biefem ‚Sinne hört man aud im gemeinen Leben, er will es oil 
‚Alles ihm nachgehen, es fol Alles nad ihm, nad) feinem Willen 
sehen eder fih richten; wo man aber beffer jagt: er will, e# ſoll 
Alles nad ihm gehen, ober ihm nad gehen, fo daß bas nadı zu bem 
Worte ihm gezogen wird. Im D. Dr und in ben Kanzeleien bömmt 
nachgeben au für nachleben, geborchen vor. 5) Den Gang eines 
Anbern, d. h. feine Art und Weife zu geben nahabmen, nahmahen. 
Einem nachgehen. +4) Auf eine im gemeinen Beben vorkommende 
und ‚niht zu empfehlende Art wirb bas Mittelmort nachgehend, 
im zweiten Kalle nachgehendes, nämlich Fußes, zufammengesogen 
machgehends, als ein Umſtandwort ber Jeit für nachher — 
S. Nachfolgen 2). D. Nachgehen. 

X Nachgehends, ſ. Nachgehen 4) und Racfolgen 2). 

Der Nachgeber, —6, 9%. gt. f. Nachgaͤnger. 

Nahgeifern, v. intes, ſ. Nah, D. Nachgeiſern. 

Nachgeigen, v. intre. u. txe. 1) Rach dem Worgange und Weifplele 
eines Ändern geigen, wie er geigt geigen. =) Das, was ein An- 
derer vordere geigt, nachher auch geigen, auf ber Beige nachſpielen. 
5) Hinten nad geigen, auf ber Geige fpieienb nachholen. In allen 
Bebeutungen in. bee gemeinen Sprechart, ober verädtlid von einem 
ſchlechten Geigen auch nachfiedeln. D. Nachgeigen. D. — ung. 

Nachgeiſieln, v. txs. 1) Rachdem man Andere gegeißelt bat geißeln, 
fpäter geißeln, =) Mit Geißelhieben nachtreiden. D. Nachgeißeln. 
D. —ung. 

Nachgeizen, v. intra. ſ. Nach. D. Nachgeizen. 

Das Nachgeld, —es, My. —er, dasjenige Geld, welches einer bei 

” einem Tauſche ıc. neh nachzahlen muß. Dberltin. Auch, das bei 
einer Zahlung ſtehen gebliebene Get. Haltaus. 

Nachgelten, v. ntr. mit haben, f. Nah. D. Nachgellen. 

Nachgeloben, v.trs. u. intrs, hinten nach, fpäter geloben. D. Nadjs 
geloben, D. ung. 

O Das Nachgemaͤhide, —s, 3. al. ein nad) einem andern ald 
Mufter ober Berbilde gemahltes Gemaͤhlde (Copie). 


Nachgenießen, v. trs. unregeim. (f. Geniefen) nah Anderem, hinten 


nah, ſpaͤter genleßen. Etwas nachgenießen. Er ‚bat fein Beben 

noch nachgenoſſen, in feinen fpätern Jahren, ober nachdem er bazu 

in Stand gefegt war. D. Nachgeniefien. 

Der Nachgenuß, —ſſes, 34. — genuͤſſe. 
Sampı's Mörterb. 3.2. 


1) Der Genuß nad einer 


401 


„Und; ter König ging bem . 


Nachg 


Sache, ber ſpaͤtere Genuß, bas ſpaͤtere Genichen; ohne Mehrzahl. 
„Der Nachgenuß bes Abends füͤllte melne ganze Seele aus Atk. 
Dufeum (R.). 2) Eine Sache, welde nah einer andern Genuf 
gewährt, gleihfam der Anhang eines fräbern groͤßern Grauffes iſt, 
etwas was man hinten nad nody als einen Genuß empfindet. _ 
Nachgerathen, v. mer. untegelm. (f. Gerathen) mit fein. 1) eich 
einem Amber gezathen „gleiche Art, Beſchaffenheit, Eigenſchaft mit 
ibm belommen; befonders in gutem Zinne. ») Hinter ber gerathen, 


. turd Zufall nach einem Drte zu jemand kommen; felten. Wie bit 
bu mir hiehet nachgerathen? D. Nadıgerathen. 
Machgerben, v. trs. 1) Rad Anderem, fpäter gerben. 2) Mas ſchon 


gegerbt ift nochmahls, noch mehr gerben. D, Nachgerden. D. — ung. 

* Das Nachgeticht, — s, 3. —e, ein zweites nieberes Gericht, 
welches dem erften nachſtehet. Haltaus. 

Der RNachgeruch, — eb, 94. — geruͤche, ein nadgelaffener Geruch, 
ein Geruch, meiden ein Ding nicht fogleih anfangs, ſondern erſt 
fpäter von fih giebt. Stieler, i . 

Der Nachgeſang, —es, 9. —gefänge. 1) Ein nad einem anbern 
Geſange folgender Befang, =) Gin nachgeahmter, nachgebilbeter 
Geſang. Herder. 

Nachgeſchehen, v. mtr. unregelm. (f. Geſchehend mit fein, hinterher, 
fpäter gefiheben. Stieler, Das kann nachgeſchehen. D. Rad: 
geſchehen. 

Der Machgeſchmack, —es, MM: u. ein Gefämad, welchen man nad 
dem eigenclichen Gefämade, nach bem Genuffe einer Sache Im Munde 
empfindet; der Nachſchmack. Auch uneigentlih. Dies ift der Made 
geſchmack unerlaubter Gendife. 


* Das Nachgeſetz, —s, 34. — ein untergeerhnets, weniger 


wichtiges Gefes. Haltaus, 

Nahgewinnen, v. unregelm. (f. Gewinnen). D ntr. mit haben 
und ber Fügung eines trs. hinten nah, fpater, wie auch, nad 
dazu gewinnen, ı II) tra. im Bergbaue, f. Nachſchlagen I) 3). — 
D. Rachgewinnen. D. —ung. . 

Nachgiebig, —er, —ſte, adj. u. adv. gern umd- Ieiht nachgebend, 
gewohnt, Fertigkeit befigenb nachzugeben. Ein nachgiebiger Menſch. 
Nacgiebig fein. Verst, Macfichtig und Gefaͤllig. Davon die 
Nacygiebigkeit, die Eigenfchaft eines Menfhen da er nadıniebig ift. 

Nachgieren, vo intrs. 7) @ierig nachſehen. 2) Gierig nad eiwas 
fireten. Einer Sache nadmieren. D. Nachgieren. 

Nachgießen, v. trs, untegelm. (f. Gehen). 1) Hinterher gieken, 
nach einem der ſich entferne gießen. Einem Waſſer nachgießen. >) 
Hinten nad gießen, zu etwas noch dazu giehen. Fin wenig Waller 
nachgießen. 5) Gießend nachbiſden, nachfermen. Ein Büp aus 
Erz nachgiehem 4) Rad unb zu bem; mas fhen gegeffen b. 6. 
buch Bichen geformt ift, neh gießen. D. Nachgießen. D. —ung, 
S. auch Nachguß. 

+ Die Nachgift, 9%. w. mac nach Anberem gegeben wird; im M. D. 
für Radtifh. 

Nachgirren, v. inter, 1) Das Girren nahahmen, 2) Nach etwas 
das abwelend ift girren, girrenb nah ihm hin verlangen. Ginem 
nachgitren. D. Nadgirren. 

O Der Nachglanz, —es, 0. 9%. der Glanz, melden eine glänzende 
Sache, Eriheinung nachläft, zaruͤckläßt. Uneigentich, Licht, Auf— 
Härang, melde aus einer frähern hellen Zeit nageblicben it, ſich 
erhalten hat. 

Daß fpät der Wedfanz buch bie Barbarennecht 
Fortalomm. Bos. 2 

Nachglaͤnzen, v. I) mtr. mit —* einen Slanz nadlaffen, binten 
nach glaͤnzen. Uneigentlich, einen lebhaften Eindruck zurüctlaſſen. 
Bloß die Bergangenheit-glänzt nach· it. J. P. Richter. IT) ers. 
nach dem Anderes geglaͤnzt iſt glänzen, d. h. ihm Glanz mitt heilen; 
auch wol, nochmahls glaͤnzen. — D. Nachgtlaͤnzen. D. —ung. 

Nacglätten, v. tes, 3) Nachdem Anderes geglättet ift glätten, fpä⸗ 


5ı 


4 


* 


i 
* 


Rachg 


402 


Nachh 





ter glätten. 2) Dem Seglätteten nachtelfen, noch * gbätten. 
D. Nachglaͤtten. D. - ung. 

O Nachglauben, v. intrs. w. trs. nad eines Andern Weifpiele glau⸗ 
ben, glauben was und wie ein Anderer glaubt. — benn er glaubt 
es feinen Bewunderern nad.“ Benzel:-&ternau. 

Die Schöne, ohne ſich in Kragen zu verſteigen, 
Glaubt ihrem Hüon nad. Wietand. 
D. Nachglauben. 

Machgleiten, v. atr. u. intre. unregelm. (f. Gleitem mit fein, Hin 
ter ber gleiten, gleitend folgen. Er lieh feine Hand nadhaleiten. 
Einem auf bem Eife nachaleiten, fowol, fein Gleiten nadafmen, 
als au,“ Hinter ihm ber gleiten. Bo aud im gemeinen. Erben 
nachglisfhen. D. Nachgleiten, Nachglitſchen. 

O Nachglimmen, v. ntr. unregelm. (f. Glimmen) mit haben, nach 
Verlauf einer gewiſſen Zeit oder Sache noch glimmen. „Ob ein vers 
fprungener Funke davon In Penettens Herzen fih verhalte und nad: 
glimme.. 3. 9, KRichter. D. Nachglimmen. 

X Naͤchglitſchen, v. mtr, mit fein, f. Nachgleiten. 

X Nachglotzen, v. intes, mit glogenden Augen nachſehen. D. Nads 

glotzen. 

Nadglühen, 4. D nir. mit haben, noch nachher gluͤhen, Äter eide 
serie Zeit hinaus noch glähen, glühend fein. — als ih ihre von 
ber Meife fanft nacglübenden Wangen anfah.“ 3. P. Fihter. 
IF) trs. 1) Rachdem Anderes geglüher ift glüben, fpater glüben. 
3) No mebr glähen. — D. Nachgluͤhen. D. —ung. 

Die Rachglut, 0. 99. eine nachgelaffene Giut, eine Glut, die man 
nad einer gewiffen Zeit noch empfindet, ineigentlih, A, ein mache 
gelaffenes, noch fpäter fich regenbes, ſehr fewriges, ledhaftes Gefühl 

Da brenne, tief empfunden, 
Die Nachglut jener Stunden. Tiedge. 

X Nachgrabbeln, v. intrs. ») leid einem Andern grabbeln, grabs 
bein wie er grabbelt. =) Nah etwas grabbeln, gtabbelad vo 
ſuchen. D. Nachgtabbeln. D. —ung. 

Nachgraben, v. intrs, unregelm. (f. Graben). 1) Nah dem Bo: 
gangs unb Beifpiele eines Andern graben, fomol in Anfehung ber 
Richtung, . als auch ber Art und Weiſe. Ginem nadgraben. =) 
Dre Richtung eines Dinges beim Graben folgen. Der Schnur nadıs 
graben, nach ber Binie, welche bie Schnur bezeichnet. 5) Nah et: 
was graben, grabend nabfuhen. Bergrabenen Schaͤten nachgraben. 
4) Nachdem [hen gegraben it nech geraden, wo mehr graben, tie 
fer graben. D. Nachgraben. D. —ung. 

X Nadıgrämeln, v: imtrs, f. Nah. D. Rachgrämeln. 

Nachgraͤmen, v. rec, Sich nachgraͤmen, ſich hinten nad grämen, 
nchher Gram empfinden. D. Nachgrämen. H. Sachs gebrauchte 
dafür auch das Nacdergeämen, weil man für nach gebraüchte 
und im D. D. noch gebraudt, wofür man auch Nachgram fügen 
tönnte.. Darauf gewißlich folgen mus 

Nachrew und Spet, Schand und Nogergrämen. (Rt) 

X Nachgrapſen, v. inte. f. Nachgteiſen. 

Dos Nachgras, —es, 0. Bi. nahgewahfenes Gras, welches zum 
jweiten Mable gehausm und zu Heu gemcht wirb; das Grummet. 

Nachgtaſen, v. intrs, 1) Nachdem ein Anderer gegrafer bat arafen. 
Einem nachgrafen. 2) Nachdem fhon gegrafet it nochmasls grar 
fen, noch mebr grafen. 5) ®rafend, -auf ber Weide gebenb nad) 
folgen. D. Rachgraſen. D. — ung. 

Nadıgreifen, v. intrs. u. tes, unregefm. (f. Greifen) 1) Rah et: 
mas bas fih entferner greifen, um es zu haſchen, zu balten. Von 
einem plumprn Nadgreifen gebracht man in bee gemeinen Sprech 
art nachgrapfen. 2) Bie ein Anberer greift greifen. Die Zöne 
richtig nachgreifen. 5) Stuten nach greifen. Die veriäumten ober 
Serfehlten Thne nadigreifen. 4) Greifend nachforfhen. Giner 
Sache nacgerifen, ihr durch vieies Wegreifen, Befählen nmadıfors 
Shen, fie dadurch unterfuhen; ein von J. P. Rigter gebrauchtet 


Autd ruck. D, Nachgreifen. D. —ung. 

Nachgrinfen, v.intrs, ſ. Ruh. D. Nachgrinſen. 

X Die Nachgrübelei, 2. u. das Rahgrübeln, die Hanblung, ba. 
man nadhgrübelt; veraͤchtlich. 

Nachgruͤbeln, v. intrs. 1) Rad etwas gräbeln, gräbelnd zu erhal: 
ten fuhen Beſonders uneigenttich, durch anhaltendes mühfameg 
Nachdenken zu erferſchen ſuchen, was nit zu erforſchen ift ober 
doch keinen Augen bat. „Dod wie ſchwer und teäglih Is, Erfins 
dungen nadzufphren, mo Ein Zufall, Fin großer Kopf, in Aus 
genbliden, in Stunden, in Zasen mehr thut, ala bie fpätere (ds 
ftige Spekulation (Spähung, Borfbung) ihm, Sahrhunderte zuges 
fanden, nachgrübelte.e Berber. Geiler» Rayfersberg ge 
brauchte dafür F nachgrideln. 2) Im Grübeln wachfolgen, glelch eis 

nem Andern und wie er grübelt grübeln. D. Nachgruͤbeln. D. 
— ung. 

Der Nachgräbter, —6, 24. al. (R:) einer der nachgräbeft und nd: 
augräbeln gewohnt ift. 

Das Nachgrummet, —c#, 0. My. nachgewachſenes Grummet, Gras 
welches nah gehauenem. Grummer wieder gewachſen ift, und zum 
dritten Mahl getauen umd zu Hei gemacht wird; Späthen, Herbſt⸗ 
hen, in Öfterzeich und Schwaben Aberömt, 

Nachgründen, v. L,trs. mas fihon qegrünbet if noch ehr gränten, 
beffer gründen, z. B. im einem Gemaͤhlde. 11) Xx ak intrs. had 
dem Grunde forſchen. Einer Sache nachgruͤnden, nach Ihrem 
Grunde forſchen. 

Derbalben fe — mit vernänftigen Spigfünden (Spikfindigkeiten) 
Der Ehrifft nahgrübeln und nachgruͤnden. H. Sa (MR). 
D. Nachgruͤnden. D. —ung. 

Nachgruͤnen, v. nte. mit haben; Hinten nach grünen, fpäter noch 
gecnen. D. Nachgruͤnen. 

Nachgrunzen, vw. I; intes, das Grunzen eines Andern nadabmen, 
ihm im Grunzen folgen.  Uneigentlid, bas fhlchte unangenehme 
Singen eines Anbern, fofern man cs ein Gruuzen nennt, nachah⸗ 
men. 41, X tes. arunzend, mit wiberlicher rauber Stimme nach— 
fingen. — D. Machgrunzen. 

O Nachgruͤßen, v. intra u. irs. nach dem Vorgange und Beiſpiele 
eines Andern grüßen; wie auch, nach einem empfangenen Gruße 
wicder grüßen. Darauf tsat er — bewegt von en währen 


—— Freunde zuruck.“ J. P. Nidter. D. Nachstuͤten. 

—ung. 

x Besen v.intrs, in ber vertraulichen Syrechart fuͤr nadfehen. 
D. Machgucken. 


Racguraein, vw. I rec, Sich nachgutgetn, hinten nach gurgeln. 
Ten Hals fih mit dem Surgelwaſſer nacgurgein, etiva nachdem 
man bie Krjenei eingenommen hat m. IL X trs. aus voller Gur⸗ 
ger nachſingen. Auch bloß nahfingen, fefera gurgeln von einer ger 
wiffen Art zu fingen gebraucht wird. €. Burgen. — D. Nach— 
gurgeln. D. —um. 

x Rachaurren, v. mirs. f. Nach. D. Nachgurren. 

Der Nachguß, —Mes, DB. — guͤſſe. 1) Die Handlung, da man 
nachgieher, befonders, durch Gichen wachbildet; ohne Wehrzadl. 2) 
Eine duch Gießen nahgebilbete Sache, ein nachgegoſſents Stück. 
Die fimmtliten Nachguͤſſe End gut geratien. 8) X Ein fpäter 
nachfolgender Regenguß. 

X Nachhaben, v. ntr. mit haben und trs. ein nur im genieinen ter 
ben üblihes und burch ein anderes dabei ausgelaſſenes Ausſagewort 
zu erlärendes Wort, für, nadbefommen, nacherhalten haben, nad 
gebracht, mahgebolt haben vw. Du feid es nachhaben, ſollſt es 
nachbe kommen. D. Nachhadeu. 

Nachhacken, v. intre. u. tr» 1) Hinter Ber baden, nad einem 
oder etwas, der ober das fih entfernet baten, einen bad thun. 
2) Nah dem Borgange und Beiſpiele eines Andern baden. 5) Pins 
ten nad baden, naddem fhon gehackt iſt no baten, Mod elm 


Nachh 


mahl nachhacken, hinten nad noch einen Hack thun. Noch Pils 
nachhacken, hinten nad noch mehr Holz baden zu dem, was ſchon 
gehackt if. 4) Das Rachgebllebene hacken. Beinen zu ndenben 
Antheil nahbaden, ihn fpäter baden als es etwa hät na ſchehen 
ſollen und fo das Verfüumte nachholen. D. Nachhacken. „ —ung. 

Nachhageln, v mp. nachdem es ſchen gehagelt hat noch mehr hageln. 
D. Nacht ageln. 

Nachhaͤkeln, v intrs. u. trs, 2) Das Häkeln, beſonders ſofern eine, 
tünfttiche weiblihe Arbeit barunter- verfianden wird, nayabaen. 
2) Dinten nah, nachdem andere Dinge gemacht find haͤkeln, ober, 
noch mebr bäkeln. Roh einen Beutel nachhaͤkeln. 3) Mit ober 
an hätten nad fi ziehen. D. Nahnäteln. D. —ung. 

Nachhaken, v. intrs.u.trs r) Hinter ber baten, hakend folgen, z. B. mit 
dem Hakenpfluge⸗ 2) Mach ober zu dem, was ſchen gebaft iſt, noch 

5) Wit oder an einem Haken nach fih ziehen. D. Nach—⸗ 
haten. D. --ung. 

Id Det Nachhall, —es, Mz. —e, ein nachgelaſſener Hall, ein Hall 
ber nad; hinten nadı hörbar ift, nachdem das benfelbew Dervorbrins 
gende fhon aufgehört hat zu hallen; befonders, eim gleichfam nad: 
geadinter ball, eim zurüdgeftoßener Hall, der nad) dem eigentlihen 

. Palle vernommen wirb (Echo ; eigentlih und uneigentlih, Der 
Nachhall in den Bergen. „Die Oben Gatulls und Horaz(ens) find 
mie ein Nachdhall ber Sriehifhen Lyra.“ Herder. 

Der Ewigkeiten Nachhall frage: 
Gr ift nicht mebr! Ramler, . 

Dann auch für Rachruhm. Der Nachhall feiner Thaten.“ G. 

A4 Der Nachhalidonner, —s, Bi. al. der nahhallende Donner, 
Donner, ber einen Rabball. zurüdlä fit. 

Nachhalldonner durchbebten der Shöpfungen Rund. — Eonnenb. 

A Nacbalten, v. U ntr. mit haben, binten nad) halfen, noch hallen 
wenn das den Hall Berurfahende ſchon ſchweigt. a 

Lange halt es den Hochverraͤthern der Meuſchlichtelt nad), bumpf, 

Meit halt's nach, voll Entfegen nach in ben Klüften Gehennas. 

Klop ſt ock. 

IF) trs. ben Hall nachabmen, zurüdgeben. So ſagt man von ben 
«Bergen uneigentlich, daß fie Zöne nachhallen, wenn biefe fih an 
ihnen ftoßen und brechen, und davon ins Ober zurädpralen. Dann, 
nachſprechen, bie bloßen Toͤne wiederholen ohne auf Sian unb Vers 
ftand zu fehen. Fine Summe-von Sägen nur nadhallen. Henke, 
(8) — D. Nachhallen. D. —uyg. 

Der Nachhalt, — ei, @. u. ein Halt, ben man nach oder außer 

— Kubern bat und woran man fi. bält, wenn alles Andere niht mehr 
Hält. „Kein Almofen — aber Freunbfhaft muß ihr Vertrauen auf 
Kapital legen; wie leicht geht Barfhaft ohne Nachhalt zu Grunde,« 
BenyelsSternau. . 

Nachhalten, ve unregelm. (f. Halten). I)'ntr. mit haben, gleichſam 
bis nach der gewöhnlichen Zeit halten, bauern, das Zeinige leilten, 
Tange balten, wiberhalten. S. Nachhalt. IT X % intrs nad: 

folgen, verfolgen. 111 trs. 1) Hinter ber halten, hinter einen 
Gehenden balten. 2) Dinten nah bauten, fpäter und nad) ber ei— 
' gentlihen Zeit halten. Eine verfäumte Lehrſtunde nachhalten. 5) 
Buräcdbalten. Haltaus. D. Nachhalten. D. — ung. 
Der Nachhalter, — 8, DA. gl. ber etwas nahhält. Bei den Ceilern, 


ein eiſerner Fing vorm mit einem Wirbel, beffen Spige zu einem 


Halen gefrämmt ift. 

O Nachhaltig, adj. u. adv. einen Nahhatt babend, nachher, fpäter 
noch anhaltend, dauernd. „— er ſchien nunmehr zum erften Mable 
zu merken, daß er äußerer Hölfsmittel bedürfe, um nahhaltig zw 
wirken." Böthe, Davon bie Nachhaltigkeit, der Zuſtand, die Ber 
ſchaffenheit eines Dinges, ba es nahbaltig if. 

Natbämmern, v. trs. 1) Das Hämmern nahahmen. =) Hinten 
nah hämmern, noch mebe bämmern; aud wol, mit bem Dammer 
nachheifen. D. Nachhaͤmmern. D. —ung. 


403 





Nachh 


+ Die Nachhand, 0. . ı) Im manchen Gegenden, ber Hintertheit 


eines Yferbes, das Dintergeftell; im Gegeufag der Vothand ober 
des Botdergeſtelles. Aud könnte Machhand 2) als Gegenwort vom 
Borhand im Kartenfpiel den Umftanb bezeichnen, ba man hinter ber 
Hand it, und bas damit verbundene Recht bei gewiſſen Spielen. 


Nahbanbeln, #. intrs. 1) Seine Handlungen nah eiwas, einer 
Sach arichten. „Es wird mir doppelte Pflicht fein, dem 
Befehle ein.“ Ungen. (R.). 2) Rachbem Andere ſchon 


ge handelt haben ii, wirken. 5) Hinten nad handeln, d. h. 
ding· a. D. Rachhandeln. D. —ung. 

Nahbangen, v. nır. unregeim. (f. Dangen) mit haben, nad einer 
Sache zu bangen; dann uneigentlih, zu einer Sache Hang, Neigung 

" haben, Erinen Gedanken nahhangen, Hang haben fi ihnen zu 
überlaffen und ſich ihnen wirklich überiarfen. 

— — — Nicht ja erfreut midi 

Nachzuhangeh dem Gram bei der Rachtkoſt. Bo. 
Seinen Begierden, Leibenfhaften nachhangen, aus Bang mad) ihnen 
fie zu befriedigen ſuchen. 

Und hängt (dargt) voll Lüfterner Begier 

Bloß feinen Freuden nah. Weiße. 
Bei ben Zaͤgern it nahbangen, einem Birfche mit dem am Hängk« 
feile geführten Leithunde nachſuchen, ihn auf biefe Art aufſuchen. 

Auch wirb eo vom Leithunbe ſelbſt gebraucht, melder einer Fährte 

oder auf einer Fährte nachhanget, wenn er eifrig auf berfeiben 
fortfuhet. Wei X. lautet Diefes Mort ungeadhtet deffen, was er 
in der Anmerkung bazu fagt und defien, baf er bangen und hängen 
zichtig unterfheidet, unrihtig nahbängen. D. Nachhangen. 

+ Der Nachhaͤnger, — 6, 39. gi. der einer Perfon oder Sache nach⸗ 
banget, auhanget, ber Anhänger. Mahler. Beiden Reepſchlä— 
gern ift ber Machhaͤnger ein Werkzeug, bie Drehung aus dem Hür 
fing, Stickllen und anderem Tauwerke zu bringen, d. h. zu wers 
bindern, ba es fih niht aufbrebet. Röding. 

Nachhanglich, — er, —ſte, adj. u. adv. nachhangend, Hang nah ef? 
was babend und zeigend. Davon bie Nachhaͤnglichkeit, die Eigen: 
fhaft ba man Hang nah etwas hat und zeigt. Berber. 

Nahhären, v trs. bei den Gchlädhtern , von einem geſchlachteten 
— —— von ben Borſten 5* iſt, bie kleinen Grunb⸗ 

aare mit einem Meſſer wegſchaffen. D. Nachhaͤren. D. —u 

Die Nachharke, 4. —n, f. Nachrechen. * Ka 

Nachharken, v. intes, u. trs. 1) Rad dem Vorgange und Beiſpiele 
eines Andern barken, wie er barket harfen, ihm im Harken nadıs 
folgen. 2) Mit der Harke hinter ber ziehen. 3) Nachdem (dom 
gehartet iſt nochmahls barken, mod mehr barfen. 4) Das zu har⸗ 
Een Berabfäumte mahholen. D. Nachharken. D. —ung. 

Nachharten, v. ner. mit fein, binten nad harten ober hart werben, 
noch mebr harten. D. Nachharten. 

Nachhaͤrten, v. trs hinten nad hörten, nod mehr hörten. D. Nach⸗ 
bärten. D. —ung. j 

Nahhaspeln, v. I intzs. a) X Mit fein, haspeind, haepelig mad: 
gehen. ©. Haspeln. =) Mit haben, das Daspeln eines Andern 
nachahmen. Al, ırs. hinten nah, Tpäter haspelm, wie aud, bie 
Arbeit des Haspelas nahholen. — D. Nahhaspeln. D. — ung. 

Nachhauchen, v. Ijintrs. 1) Hinter her hauchen, einen Haud) gleid- 
fam nachſchicken. =) Den Sauch ober das Hauden nahahmen. II) 
trs 1) Mit bem Hauche gleichſam nachſenden. Uneigentlih, vom 
ber kuft. Die Buft hauchet uns Kühlung nad. =) Mit dem 
Hauche, als einen Hauch nachfolgen laſſen. Das b mus bei biefem 
Worte nachgehaucht werden. — D. Rachhauchen. D. - ung. 

Nahbauen, v unregeim. (f. Hauen). I) intrs. ı) Nach dem Bor 
gange und Beifpiele eines Andern bauen. 2) Binter drein bauen, 
nad einem ber fi entfernt bauer. Dann, hauend nachfolgen, ver: 
fo gen. So hauet bie Reiterei nad, wenn fie dem fliehenden Feinde 
naheitet und auf ihn einhauet. Ad) trs. a) Hauenb nahbitben. 







s 


Nachh 


Eine Bilbſdul⸗ nachhauen. 2) Hinten nah, nachbem Anderes ges 
hauen iſt ober Andere gehauen baben hauen, nochmahid hauen, auch, 

" noch dazu bauen, was noch zu hauen ift hauen, 5) Mit Hieben 
nachtreiben. — D. Nachhauen. 

Nachhaͤufeln, Nachhaͤufen, v. inter. u. trs, 1) Nah dem Bor: 
gange und Beifpiele eines Andern bäufeln, häufen 2) Späterhin, 
nechmahls häufen, häufen. D. Nachhaͤufeln, Nachhaͤufen. D. 
— ung. 

x Das Nachhauſegehen, —s, o. 94. die Handlung, ba man nadı 
Danfe geber. „Im Nachbauſegehen.“ Benzel⸗Sternau. 

X Die Nachhauſekunft, 0.9. die Ankunft zu Haufe. Bel meiner 
Machhauſekunft. Gewoͤhnlicher aber ſchlechter, die Zuhaufelunft. 

X Die Machhaufereife, 24. u. die Reife nad Haufe, die Rüdreife. 
So tönnten wir wol gar unfere Nachhaufereife aufammen madhen.« 
Thammel. 

Nachheben, v. trs. untegelm. (ſ. Heben). 1) Hebend nad ſich ziehen, 
nach ober zu ſich heben. So bald ich aus dem Brunnen bin, 

— — Eie nachzuheben. Bellert. 
2) Hebend nachhelſen, nachhelfend höher heben. 5) Rachbem Ans 
deres gehoben iſt heben. D. Nachheben. D. —ung. 

Nachhecheln, v. irs. nachdem Anderes gehechelt iſt hechetn, nochmahle 
becheln, dazu hecheln. D. Nachhecheln. D. —ung. 

Nachhecken, v. intes. hinten nad hecen, ſpaͤter hecken. D. Nach—⸗ 
hecken. 

Nachheften, v. trs. 1) Nachdem Anderes geheftet iſt heften. 
ober hinter Anderes heften. D. Nachheften. D. —ung. 

Nachheilen, v. I) ntr. mit fein, hinten nad, fpäter deilen. II} trs. 
1) Rachdem man Anberes oder Andere gebeilet hat heilen. =) Rad 
bem Beifpiele eines Anbern heilen, eine Heilart nahahmen. — D. 
Nachheilen. D. —ung. 

Nachheifchen, v. intrs. u. tra, fo viel ala nachverlangen. D. Nach— 
heiſchen. 

Nachheizen, v. tre. nad Andern heizen, nachdem ſchon geheizt iſt 
nochmahls heizen, noch mehr beizen. D. Nachheizen. D. —ung. 

Nachhelfen, x. intrs. unregetm. (ſ. Helfen) helſen oder behülflich 
fein, dab etwas nahlomme, nachher geſchehe, was nachgeblieben, 
surüdgeblieben eder verfäumt iſt, beifen daß etwas meiter vorwärts 
komme. Giner Sache nadıbeifen, indem man bas mas fie aufhält 
wegſchafft, indem man an fie feibft Hanb antegt wc. Dann, durch 
Bereinigung feiner Kraft mit der Kraft eines Anbern fördern, er⸗ 
feihtern. Ginem Shöter nachhelfen, ihm ba bebälftih fein, wo 
er nicht fort kann, bei einer fchweren Stelle ıc. Einem ber in ber 
Rede ſtecken bleibe nachbelfen, gemötntiher einhelfen. Sich mad 
helfen, feine Kräfte anftcengen um nachzukommen. D. Nachhelfen. 
€. auch Nachhuͤlfe. 

Der Nachhelfer, —s, 9. gl.; die —inn, Mz. —en, eine Perſon, 
werde nahhüft. 

Machber, ein umſtandwort ber Zeit, fo viel als hernach. Wenn bar 
duch Äberhaupt nur eine ſpaͤtere Zeit bezeichnet wird, hat es den 
Zen auf ber. @inige-deht nidhher. Es kann nadıher geſchehen. 
Bezeichnet es aber eine befiimmte fpätere Zeit, daß etwas nad eis 
ner beſtimmten Zeit ober Sache it, geſchieht oder geſchehen foll, fo 
kekiınmt nadı den Ton. Mächber nicht vorber kam er, foll es ges 
ſchehen ıc. Weber verher noch näher. 

Der Nachherbſt, — es, My. —e, bie Zeit nach dem eigentlichen 
Herbſte, ber leute Theil des Herbſtet, ein ameiter Herbſt gleichfam 
in Anfehung ber Witterung, wenn fie noch herbſtlich ift da fie ſchon 
winterbaft fein könnte. Dee Spätherbft ift davon noch verfhieben. 

© Nachberhfilih, ndj.u.adv. zum Nachherdſte aebörend, dem Radı: 
berbfte gemad, To befchaffen wie ed im Nachberbſte zu fein pflegt. 

ie wenn ſtürmtfcher Regen das dunkele Sand ringsum deckt, 
Am nadherkitlichen Tage. of. 

Nachberig, adj. nachher ſelend, geſchehend; nahmahlig. 


2) Rach 


Der Führer 


Pi _ 


Nah 
bes Prinzen, nachherigen Koͤniges. 

Re; v. intes, Nachherzen, vw, intes. u. tes. ſ. Nach 

syhherrfden ıc. 

re v. tes, (8.) hinter. her heden. Einem bie PS nad: 
heiemi „Denn die Mutter hatte ihre fromme Zohter zu Lieb, um 
ihre biefen Wolf in ihr Even nachzuhetzen.“ I. P. Richter. D. 
Nachhetzen. D. —ung. 

Nachheucheln, v. I) imtrs, nach eines Audern Beifpiele heucheln, 
gleich ihm heucheln. Einem nachheucheln. II) trs. auf eine heuch⸗ 
leriſche Art, als ein Heuchler nachahmen. Freundlichkeit, Frömmigs 
keit nachheucheln. Mit nachgeheuchelter freundlicher Miene. — 
D. Nachheucheln. D. —ung. 

Nachheulen, v. I) intes, ) Mit haben, nad) bein Borgange unb 
Beifpiele eines Andern heulen. 2) Mit fein, beulend nachgehen, 
nachfolgen. II) trs. heulend, mit heulender Stimme nahfprechen, 
nachſingen. — D. Nachheulen. D. —ung. 

Der Nachhieb, —es, My. —e, ein Hleb, weicher nach einem vorher: 
gegangenen folget. Zuwellen auch, nah Ad., & für das Rachhauen 
im Kriege; in dieſer Bedeutung ohne Mehrzahl. 

Nachhinken, v. intrs. ı) Mit fein, hinter ber hinten, binfenb nad: 
folgen. Ginem nachhinken. Uneigentlih und veruͤchtlich, auf eine 
unvolllommene fümperbafte Art nahfolgen, thun was ein Anderer 
vor ihm that. „Iſelin und was bem nachhinkt und nachlallet. 
Geiſt d. Journ (R) Auch von Versfüßen als ntr,., auf eine 
fehlerhafte und unangenehme Art nachfolgen. 2) Mit haben, das 
Hinken, ben binkenden Bang eines Andern nachmachen. Einem 
nachhinken. D. Nachhinken. 

Der Nachhinker, —s, N gl. einer der nachhinket; eigentlich und 
uneigentäh. R. 

Nahhobeln, v. intrs. u. trs, 1) Nach dem Vorgange und Beifpiele 
eines Andern bobeln; auch, feine Art zu bobeln nachabmen. =) Nach 
bem mas ſchon gehobelt ift hobeln, nachdem Andere ſchon gehobelt 
haben hobeln, ihnen im Bobeln nachfolgen; wie auch, nochmahls 
bebeln, mit bem Hobel nachhelfen. D. Nachhobeln. D. —ung. 

Die Nachhochzeit, By. —en, gleihfam eine zweite nachgehaltene 
Hochzeit, eine Luſtbarkeit und Schmauferei unmittelbar nad dem 
‚Doczeittage oder mehrere Zage, gewöhnlich ben Sonntag barauf 
veranftalter, 

x Nachhocken, Nachhodern, v. intrs, f. Nachfolgen »). D. Nad: 
boden, Nachhockern. R 

Nachhoͤhnen, v. intes, u. trs, das Höhnen eines Andern nachahmen 
und vergelten, glei einem Andern höhnen; wie au, hinter ber 
böhnen, hoͤhniſch nachtufen, nachlachen. 

— — - niemand uns nachhöhnet. Bo, 
D. Nahhöhnen. D. —ung. 

Nachholen, v. tes. 1) Das RNachgebliebene ober Nachgelaſſene holen, 
zu dem was fchen voraus ift bringen. Gr iſt mit ber einen Schwe⸗ 
fer vorausgegangen und: wich bie anbere nachholen. Uneigenttic, 
das Berfäumte ſpaͤter als es hätte geſchehen follen tbun, es aber 
mit bem Vorbergegangenen wieber in gehörigen Zufemmentang, in 
die gehörige Orbnung bringen. Das Berfäumte, eine ausgefallene 
Stunde ꝛc. nachholen. =) Hinten nad. holen, nachdem man ſchon 
vorher gebolet hat noch holen, noch dazu holen. Noch Geld ır. 
nachholen, deffen man fpäter noch bedurfte. Roh Tuch zum Kleide 
nachholen, weil das fhon Beholte nicht hinrelcht. 5) + Finbolen. 
Wir Eönnen bie Alten nicht nachholen, noch weniger alfo übertreffen. 
D. Nachholen. D. — ung. 

x Nahhopfen, v.intrs. mit fein, ſ. Nachfolgen 1). D. Nachhopſen. 

x Nachhorchen, v. intrs, ı) Rad etwas bin horden. Horde doch 
nad, ob jemand da if. 2) Nah bem Aufhoͤren befien, morauf 
man horchte, noh borden. „Giochi (nahhordyend entzädt), Tat 
es war mehr .. wie Traum — feine Stimme« ic. Benzel—⸗ 
Sternau. D. Nachhorchen. 


Nachh 


Nachhoͤren, v. DX intrs, ı) Rad etwas hin hören, mit dem Ges 
bör nachforſchen. Höre doch nad was er wil. 2) Nah demjenl⸗ 
gen, wad man hörte ober zu hören glaubte, mod bören, nachdem 
ber Ton, Laut ic. ſchon aufpehört hat. IL) trs. hinten nah, ſpaͤ— 
ter hören: — D. Nachhoͤren. 

Nachhuldigen, v. intrs nachdem — gehulbiget,haben huldigen, 
ſpater hulbigen. D. Nachhutdigen. D. —ung. 

Die Nachhuͤlfe, 9%. u. eine nahgeleiftete Hülfe, wie auch die Hälfe, 
woburd einem nahgeholfen wird. &. Nachhelfen. 

x Nachhumpeln, v. intrs. mit fein und haben, Nachbüpfen, v. 
intrs, mit fein und haben, f. Nachfolgen :). D. Nahhumpein, 
Nachd uͤpfen. 

X Nachhuren, v. intrs. nach dem Weifpiele eines Andern, gleich ei— 
nem Andern huren. In ber Bibel wird es auf eine ungewöhnliche 
Urt von Abgötterei gebraudht, und „fremden Göttern nadıhuren,« 
= Mof. 54, 15. 16 heißt.in hartem Werftande, ihnen abgöttiih 
anhangen, ergeben fein. &o fagte auch Herder, ben ‚Bögen nadıs 


buren. D. Nachhuten. 
Nachhuſten, v. intrs. 1) Hinten nad, hinter her huſten. =)'Das 
Huften eines Andern nahmadhen. Cinem nachhuſten. D. Nach— 


buften. D. —ung. 

Die Nachhut, 34. —en. 1) Die But, das Recht zu hüten in einer 
Gegend, nah einer gewiffen Zeit oder mach vorangegangener Hut 
eined Anbern im berfelben ; in Gegenfas von Vorhut und ohne 
Mehrzahl. Auch der Machtrieb, die Nachtrift. Die Nachhut ha: 
ben. Das Rindvieh bat bie Vorhut, das Schafvieh die Nachhut, 
das Rindvieh wird zuerft, dann das Schafvleh auf dem Brachfelde 
- gebütet. 2) Die Hut, Aufficht über das Nachfolgende und bie bazu 
beftimmten Perſonen. So ift die Nachhut bei einem «Deere der 
nadzichende Theil deffeiben, weicher von hinten her bas Heer vor 
unvermutbetem Überfall ıc. hütet, der Nachtrab (die Arriere- 

garde). 
eaßt ihn und Orteweinen hie die Nachhute * d. Rbeltun⸗ 
gene.®, 7 
„Sept rüdte bie Machhut an“ Wachter. Rob — bie Horfte 
der Nachhut an, Meyer, 

Nachhuͤten, v. intrs. die Nachhut haben, fein Vieh erft dann auf gie 
ner Weide hüten und büten bärfen, nachdem vorher anderes darauf 
gehütet werden if. Einem nachhuͤten. D. Nachhuͤten. D. —ung. 
©. auch Nachhut. 

x Nachhutſchen, v. intra, mit fein und haben, f. Nachfelgen ı). 
D. Nachhutſchen. : 

Nachimpfen, v. trs. binten nad, nad Andern impfen. Die äbrigen 
ae wurben am andern Zage nadygeimpft. D. Nadimpfen. 

. ung. 
Nachirren, v. D intrs, mit fein, in ber Irre, des Weges unkundig 
nachfelgen. Einem nacireen. Dann, durd Irrgänge ıc. nachfolgen. 
Gern ir ich deinem füßen Ad 
Mehmüthig buch die Schatten nach. Voß. 
U) ntr, mit haben, eines Anden Jrrthume folgend, gleich ihm 
ieren, in benfelben ober einen ähnlichen Itrthum verfallen. Dem 
irrer Luther nach mit unrechter Dolmetfhung« Wicel. (A.). D. 
Nachitten. 

X Nachjachtern, v. intrs, ſ. Nachfolgen 1). D. Nachjachtern. 

Die Nahjagd, By. —en. 1) Die Handlung da man nadjaget, bes 
fonders ım N. D., wo man einem Fluͤchtigen nachjaget ober nad 
eiler, ibn in feine Gewalt zu bekommen. Dann das Recht und bie 
Verbindlichkeit, einem flüdhtigen Verbrecher nahzufegen. =) Eine 
nach einer antern, der Hauptjagd, angeftellte Jagd. Cine Madı- 
jagd halten. 

Nabiagen, v. I) intrs, mit fein, binter ber jagen, in größter Eile 
nacfelgen, um etwas zu erreihen, befonders wenn es zu Pferde 
oder Wagen geſchtehet. Jaget euren Feinden. nach," verfolger fie. 


405 8 


Nachk 


— auf entfernte Meilen 

Jage die der grimme Schatten nah. Shilfer. 
Uneigentlih, mit großem @ifer, großer Begierde nad etwas fire: 
ben. Dem Vergnügen nachjagen. In ber Bibel auch, der Gerech— 
tigkeit 2c, nachjagen. 11) ers. (R.) binter brein jagen, d. 4 in 
größter Eile nachfolgen machen. Die Hunde dem Wilde nachjagen. 
Auch ohne den Begriff der großen Gil. Erſt jagte er ben einen Be: 
—— fort, dann jagte er den andern nad. — D. Nachjagen. 

. —ung. 

Der Nachjager, —s, 9. gl. einer ber nahjaget, einer Sache nadıe 
jaget; eigentlih und unelgentlih. Shay Niederb. Sprad. R. 

Das Nahjahr, —es, 4. —e. ı) Im R. D. der fpäter folgende 
Zheil bes Jahres, ber Herbſt. 2) Das Jahr nach dem Tode eines 
Beamten, 5°}. eines Predigers, in weldem die Rachgelaſſenen 
deffeiben noch alle Einkünfte der Stelle genießen; gemöhnticher das 
Witwenjahr, Gnadenjahr.' 

Nahjammern, v. intrs, ı) Mit haben, nad einer entfernten oder 
verlornen Perfon ober Sade jammern, nah ber Entfernung oder 
bem Werluft derſelben um fie jammern. „Wo alfo auch in einem 
Beitalter der Üppigfeie und des allgemeinen Verderbens ſich ſchon bie 
‚Kräfte des Genius vergehrten: man fieht wie elend es fobann mit 
bem nadhjammernden Geſchmacke 5— Herder. 2) Das Jam 
mern eines Andern nachahmen. D. Nachjammern. 

Nachjauchzen, v. I) intrs, ı) Mit haben, bas Jauchen nachahmen, 
nad dem Beiſpiele Anderer jauchzen. =) Mit fein, jauchzend nah: 
folgen. II) ers. 1) Rad) dem Vorgange eder BVeifpiele Anderer 
jauchen, jauchzend rufen, 

Wie das ſuͤßeſte Saltengetoͤn — es nachjauchzt. —— —— 
2) Hinter ber jauchzen, jauchzend nachrufen. 
Jauchzen an dem Ufer alle Freunde 
Hoffnungslieber nad). Goͤt he. 

In beiden Bedeutungen auch nachjubeln. D. Nadjauchzen. 

X Nachjubeln, v.intrs. mithabenu. fein, u. irs. fo viel als aachſauch⸗ 


Sof. 10, 19. 


zen. ©, b. Beerzug jubelte nah. — — Bonnenberg. 
D. NRadyjubeln. 
Nachkalben, v. ntr. mit haben, nachdem andre gekalbt haben talben, 


ſpaͤter kalben. D. Nachkalben. 

Nachkaͤlbern, v. intrs, Nachkaͤmpfen, v. intrs, Nachtargen, ” 
intrs, f. Nach. D. Nachkaͤlbern :c. 

Nachkarren, v. I) intrs. hinter her farren, den Karren nachſchieben. 
II) trs. ı) Xuf dem Karren nachſahren. Ginem etwas nachkatten. 
2) Rachdem fhon gelarret ift mach karren, mod dazu tarren. Noch 
Sand nachtarten. 5) Das Nachgebtiebene, Verſaumte fpäter noch 
farren, wegkarren 0. — D. Nachkarten. 

Nachkauen, v. intrs. u. trs. 1) Binten nad kauen, nad bem Bes 
nuß einer Sache"tauen; aumeilen auc wol für nahefien, menn man 
den Begriff des Kauens babei vorzüglich hervorheben will. 2) Die 
Art zu kauen eines. Andern nahmaden. Cinem nachkauen. Uns 
eigentlich, einem etwas nachtauen, es auf biefeide ausführliche oft 
auch widerliche Art fagen, vortragen. &. Borkauen. D. Nachkauen. 

Der Nachkauf, —es, 4. u, ı) Die Handlung da man etwas nadı- 
kauft, eim-Kauf, ber fpäter, auf die Lette gefhicht. 2) Dasjenige 
was man nachtauft. 


Nachkaufen, v. trs. 1) Hinten nah, fpäter kaufen. 2) Nach Anbe: 


rem, was man ſchon gefauft hat, nad Faufen, dazu kaufen. Roch 
Beug zum Kteibe nachkaufen. D. Machkaufen. 
Nachkegeln, v. I) intrs. nad, hinter Andern kegeln. IT) tes. bas 


Berfäumte im Kegelfpiele nachholen. Seinen Stamm nadfegeln. — 
D. Nachkegeln. D. —ung. 

Nacıfehren, v. I) intes. ı) Einem Andern nachfolgend fchren, mie 
aud, nad) feinem Rorgange und Beiſpiele Pehren. 2) Rachdem und 
wo ein Anderer gekehret hat nochmabhls kehren, wie and, hinter ber 
kehren, nachdem einer das Kehren nötbig gemadt hat, nad feinem 


acht 


Weggange kehren, inem nachke hren můſſen. IT) tra; hinter ber 
kehren, mit dem Befen se. nachſtreichen. Einem ben Unvath nach 
kehren. — D. Nachtehren. D. — ung. NE: j 

Nachlkeilen, v. trs. nad, hinter ber keilen, mod mehr keilen, eimlei: 
fen. Uneigenttih, X’eln * Brot nachteilen, einen Keil Brot 

acheſſen. D. Rachkeilen. D. — ung. 

— v. ntr. mit haben und fein, hinten nad, ſpaͤter keimen. 
D. Nachkeimen. 

Nachkeltern, w. intrs. u. tra. 1) Nachdem Andre gefeltert haben Ekel: 
tern, foiter keitern. 2) Radbem man fon gefeitert hat noch— 
mabis feltern, nad bem mas ſchon gekeltert iſt noch mehr Beitern, 
D. Nachteltern. D. —ung. 

Rachketſchen, v. tre nachtragen; Im Eiſaß. Oberlin. D. Nas 
ketſchen. D. — ung. 

Nachkeuchen, v. inte. 1) Mit haben, bas Keuchen zines Andern 
nahmadıen. 2) Mit fein, keuchend nachlaufen. 

Aisa feinem Herrn zu Buße nachzukeuchen. Wleland. 
D. Nachkeuchen. 
x Nachkeulen, v. I) intrs. nah dem Beiſplete eines Aadern keulen. 
IT) trs 1) Rachdem man Andere geteutt bat, Beulen, 2) Keuienb 
d. d. derb fhlagens nachtreiben. — D. Nachkeulen. D. —ung. 
x Nachkichern over Nachfidern, v. I) intrs. ı) Das Kichern oder 
Kickern eines Andern nachmachen. 2) Nah dem Beifpiele eines 
Anderen Ahern oder kickern, ihm darin nachfolgen. 5) Hinter brein 
tihera ober kickern. IT) ers; klcherad oder kickerud nadrufen. — 
D. Nachtichern, Nachkickern. 
+ Das Nachkind, —es, Mz. —er. 1) Ein nachgeborenes Kind. 
2 Im D.D, für Rachtemme. 3. »Unfre Nachkinder nach etlichen 
Geſchlechten.⸗· Breitinger. 
x Nachfindern, v. intrs. die Rindereien eines Antern nahahmen, 
D. Nadlinker. 
Nachlitten, w. iws. f. Nah. D. Nachtitten. D. —ung, 
Nachtiäffen, v. intes. fo viel ald nadseilen, bejonbers von Kleinen 
"Hunden. D. Nachklaͤffen. 
Nachklaftern, v. trs, mit ber Kiafter nachmeſſen. D. Nachtlaftern. 
D. —un 
Die Nactinge, =. —n. 1) Eine Klage, die man hinten nach über 
etwas erhebt. 2) In den Rechten, diejenige Klage, welche nad 
ausgeltagter Sache ber Beklagte gegen ben Kläger bei bemfeiben 
Gerichte andringet. S. Gegenklage. 
Nachklagen, v. intre. 1) Rach dem Beiſpiele eines Anbern Lagen, 
wie er klaͤgt Hagen, „So klagte der Haſe dem Leoparden nad.“ 
Benzel-Sternau. „Mus bilftd unfruchtbar nachklagen“ (nad: 
zuffagen)!_ Herder. 2) Hinten nad Flagen, D. Nachtlagen. 
Der Nachklaͤger, —s, M. al. der zine Rachtlage anbringet. 
Der Nacklang, —es, Dr. —Hänge, ein nad dem eigenttichen oder 
Hauptkliange noch eine Zeitlang fortbauernder Klang, weicher ganz 
derfeibe if, nur baß er an Stärke immer mehr abnimmt bis er ſich 
ganz verliert, j 
— erwedt vom Nachklang füher Lieder. Wieland, 
uaelgentlich. 1) Etwas das anderm Borzügliden feiner Art im 
der frühen Zeit aͤhulich i und bavan erinnert. „Könnte ih — 
nur einen Laut voriger Kage, Nachklang der Stimmen von Alters 
erwecken.“ Herder. „Wenn ich and in unfern Zeiten einen rei⸗ 
nen Nachklang der Meisheit Geiechiſcher unbRömifher Muſe höre.» 
Derf. a) Zuweilen nah Ab. bad nachfolgende Urtbeil ber Met 
über eine, befonbere böfe Hamblung. Ehemahls auch für Rachruhm. 
Wir denken gar niht nah, was wir an hoffen haben 
Für Nachtlang bei der Welt, wenn unfer Beib vergraben 
Am Sande liegen wirb, Opiz. 

7) sk Wine. &latſel. Haltaus. 

Nachklappen, Nachklappern, v. I: intrs. u. mtr. mit haben. 1) Das 
Klappen nachahmen, im Klappen nacfolgen. 2») Dinter her, wie 





Nacht 


aud), hinten nad Mappen, 3) Als intrs, mit fein, Mlappenb nad: 
foigen. In üden per Bebeutungen auch unchkiappern, wenn klap⸗ 
pen fo viel als xlapp Alapp bören laffen bebeutet, nur ald Beröfte: 
zunge: und Verſtaͤrkungswort. 11) Xtrs. nah Ändern klappen, b. h. 
Hopfen; auch X nachtlappſen. — Das Radkappen, Nachtlap⸗ 
pern, Nacht appſen. 

Nachklappern, # ıntrs. und ntr, mit haben. Nachklappſen, v. tra, 
ſ. Nachklappen. 

Nachklatſchen, v- D iutrs, 1) Rah dem Vorgange und Beiſpiele eis 
nes Andern Batfhen, ibm im Klatſchen nahjolgen. 2) Hinter her 
klatſchen, einen Uatfgenden Schau ertegen; Il) txs. ı) Bitten 
nah Eiatihen, d. b. Llatſchend ſchlagen. =) Klatihend d. h. waſch⸗ 
haft nachreden, ſo wie man es von einem Andern gehört hat. Einem 
etwas achklatſchen. 5) Einem fih Entfernenden oder Abwefenden 
klatſchend d. h. wafhhaft nachreden, von ihm erzählen. Bon reinem 
Boͤſes nachklatſchen. 111) utr. mir haben, hinten nad ein Katz 
fdendes Geraͤuſch hoͤren laffen, — D, Nachklatſchen. 

X Rachklauben, v. intes, ı) Rah Anderen klauben. a) Klaubenb 
'b. d. auf mühlame Art nad etwas fireben, ed zu befommen fuchen, 
und uneigentlch, auf mühfame Art nahforfhen. Darüber kann er 
lange nachtiauben. D. Nachtlauben. 

Nachkleben, v. intrs. u. trs. 2)’ Wach ber Weiſe eines Anbern Meben, 
wie auch, ihm im Kleben nahfolgen. =) Hinten nad kleben, wie. 
auch, nachdem fhon geklebt iſt nodmahls kleben, mod dazu eben, 
Butter nachkleben, auf das Brot, nad mehr Butter bie aufſtreichen. 
In ben eigenttihen Bedeutungen auch nachkleiben, und wenn man 
* eines Kıieifterö dazu bedient, nachkleiſtern. D. Nachkleben. 

—ung. 

Nachklecken, v. I X trs. 1) Hinter ber klecken. Einem etwas nach⸗ 
fleden. 2) Rod dazu klecen. Noch etwas nachklecken. II) air. 
mit haben, hinter ber, wie auch, hinten nad im Rieden abfallen. — 

* D. Nachklecken. 

XNachkleckſen, v. intrs, u. trs, Eiedfenb d. h. Kleckſe machend, über 
haupt ſchlecht, unreintih nachſchreiben; wie au, ſchlecht, unreintid 
nachmahlen. D. Nachkleckſen. D. —ung. 

Nachkleiben, v. ers. f. Nachkleben. 

Machkleiden, v. trs. nach dem Mufter, der Weiſe eines Andern Zei 
den. Sich den Modeſtlaven nachkleiden. D. Nachktleiden. D. —ung. 

Machkleiſtern, v. intrs. u. trs. f. Nachtleben. D. Nahkieiftern. 

Nachklettern und A Nachklimmen, v. intrs, mit fein, f. Nad: 
folgen ı), D. Nachklettern, Nachklimmen. 

X Nachklimpern, v. intre. u. tre. 1) Das Klimpern eines Andern 
nachahmen, klimpernd nachſpielen. 2) Hinten nach küimpern. D. 
Nachtlimpern. D. —ung. 

Nachklingeln, v, iatrs ſ. Nach. D. Nachktingeln. 

Nachklingen, v. mtr. unregelm. (ſ. Klingen) mit haben, hinten nad 
Bingen, rınen Klang nahlaffen, nah dem Anſchtage ober anderer 
Herverbringung des Zones noch eine Feitlang Mingen, — in deſ⸗ 
fen (des Schaggräbere) Gehör der rollende Geldtopf nadıklingt.e 
BerzjelsSternau, Ghemahls gebrauchte man eo auch für nad: 
hallen. D. Rachklingen. &. auch Nachklang. 

Nachklirren, v. nir. 1) Wit haben, hinten nad ein Ktirren boͤren Taf: 
fen. 2) Mit fein, klirrend nachfolgen, mit Gektirr nachfallen. D. 
Nachklirten. 

Nachklopfen, v. intrs. u. trs. ı) Das Klopfen nahahmen. 2) Pins 
ten nah Elopfen, nad dem mas ſchon geklopft ift kiopfen, noh mebe, 
klepfen. 3) Klopfend ober vermittelft Kiopfens nachbelfen. D. 
Nachtlebfen. D. —ung. 

Nachkloͤppeln, v. intrs u, trs. 1) Rad) eines Anbern Beifpiele, Mir: 
ſter Elöppeln, 2) Nach oder außer dem Gekloppelten noch Höppein, 
5) Das zu kloͤppela Macgebliebene ober Verfäumte nachholen. D. 
Nachkloͤpreln. D. ung. 

Nachkluͤgeln, v.intes. ı) Einen Andern im Klägein nachahmen, dar: 


Nachk 


im nachfolgen. Gimem —— 2) Auf gie Mügelnde Weife 
nachdenten, nachforſchen. D. Nachkluͤgeln. D. —ung. 

Nachknallen, v. I) ntr. mit haben, hinten nad nalen, ben Rach— 
Hau eines Knalles hören laffen. U) X intrs, für nachſchie ſen, eis 
nen Schuß aus einem Feuergewehre naqſqicen. S. Knallen. — 
D. Nachknallen. 

Nachknarren, v. atr. mit haben, Hinten nach knarren, einen fmarı 
xenben Sant. hinten mad hören laffen. ben fo, nur mit Werfchies 
benheit des Sautes nachknaſtern, nachknattern ꝛe. D. Nachknatren. 

X Nachknaupeln, v. trs. hinten nad knaupeln, knaupelnd nadeffem, 
©. Anaupeln. D. Nachknaupeln. 

Nachkneten, v. intrs. u. trs. ») Nach bem MWeifpiele eines Anderm 
tneten. =) Hinten mad kneten, nody bazu Eneten. D. Nachtne⸗ 
ten. D. —ung. 

Nachkniſtern, v. D ntr, mit haben, ein Kniftern hinten nach hören 
Laffen. IF) trs. hinten nad kniſtern d. h. Onifernb eſſen. — D. 
Nachkniſtern. 

Nachknurren, v; intrs, u.trs. 1) Das Knurren nadapmen. Einem 
Hunde nachknurren. =) Hinter her kaurren, tnurrend nachfolgen. 
D. Nachknurren. 

+ —— tten, vw. intrs, u. trs, fo viel als nachſtrien. D. Nadhe 
knuͤtten. 

Nachkochen, v. T) mtr. mit haben, nachdem es ſchon gekocht hat noch 

kochen, nad) ber Zeit, ba etwas abgekocht hat, noch kochen. II) tra. 
1) Nach ber Weiſe eines Andern, eben fo wie ein Anderer kocht ko— 
Gen. Sie kann ihr biefe Suppe mit nachlochen. =) Nachdem es 
fhon gekocht hat noch kochen laffen. 
dem, was {hen gekocht ift, noch kochen. 

- D. Nachkochen. D. —ung. 

Nachkoͤdern, v. trs, mit einem Köder nachlocken. 
D. —ung. 

Nachkollern,v. Dntr. ı) Mit fein, hinterher kollern, um feinen Mit- 
telpuntt fi bewegend einem anderm Dinge ſich nahbemwegen. =) Mit 
baden, einem Andern im Kollern nachfolgen, wie er kollerig fein 

- ober bem Koller haben, IT) tes, +) Das Stollern eines Andern nadıs 

- abmenm, wie er-Follert kollern. >) $inter ber Bollern, d, h. kollern 
machen, — D. Nachkollern. D. —ung. 

Der Radıtomme, —n, 4. —n, eine Perfom beiberlei Geſchlechta, 
welche nach uns koͤmmt, db, h. nad uns lebt, zumeilen auch, welche 
nad und folge, im Amte, im Befis ber Güter ıc, für Madfolger, 
Erbe, Unfre Nahlommen werden einft über uns richten. 

Gnug, wenn verfegt in hoͤhre Sphären 
@in Nachkomm' uns ins Delle fest, 


Roch Kaffee nachkochen. — 
D. Nachkoͤdern. 


?effting-. 


An engerer Bedeutung find Machkommen biejenigen Perfonen,. bie 


nad und fommen-oder leben werben, fofern fie von uns abftammen, 
die Rinder, Kindesfinder ıc. in Gegenſat der Vorfabren. Bergl. 
Nachwelt. In biefer Bedeutung, bie mehr im der Wibel bors 
:imme, it auch Machkoͤmmling gewöͤhnlich. — Ab. welder meint, 
Nahlomm oder beſſer Nahlomme für Nachkommer, fei ein wenig 
ungewöhnlich, und ber biefes Wort im zweiten falle des —ns um: 
endet, irre in beiden Stüdem. Sa giebt, wenn auch nicht viele 
doch mehrere ähnliche Wörter, z. S. der Vürge, ber Zeuge ıc. und 
man endet fie im zweiten alle um bed —n, wie überhaupt bie 
meiften auf e enbenden Grundwoͤrter melde das Deutwort der zu 
ſich nefmen, z. B. der Bothe, ber Laffe, ber Laie x. 
Nachtommen, v. intes. unregelm,. (f. Kommen) mit fein; nad) einen 
ober etwas fommen, ſowol in Anfehung bes Raumes ale der Brit. 
Er koͤmmt mir nach, er folget mir, ec nimmt denſelben Veg dem 
ich genommen babe... Befonbers, beffelben, Weges geben um etwas 
au. erreihen, einzuholen. Er kann nihe nahlommen,. er dann 
nicht ſchaetl genug vorwärts um dad, was for vorans ift, einzubo- 
ken Gebe nur voraus, id werbe balb nachkommen. In weiter 
zer Bedeutung unb als mtr, auch non Sachen, für nachfolgen, nach- 


BR 2. II 


5) Rad dem, aufer und zu 


Nachk 


her gefchehen x. Das wird noch nachkommen. Die Folgen kom: 
men nad. Uneigentiih, einem Befehle nahtommen, ihn befols 
gen. Seiner Pflicht, feinem Verſprechen nachkommen, fle, es gleich⸗ 
fam einholen db. h. erfüllen. An ber Bibel wirb es auch für nad: 
ſtreben gebraucht. „Dem Guten nachlommen.“ ı Petr. 5, 15. 
D. Radytommen. ©. aud die Nachtunft. 

Die Nachkommenſchaft, By. —en, ein Sammelmort, Perfonen wer: 
de nad uns kommen b. b. Leben zu bezeichnen, bie Nachkemmen. 
Iſt von diefen in Allgemeinen die Rebe fo ift nur die Einzahl ge: 
wöhnlich; verfteht man aber in angerer Bebeutung die Rachkommen 
eines Einzelwefens barunter, bie Rinder, Kinbestinber ıc. fo ift von 
ben Radhkommen mehrerer folder Einzelweſen auch bie Mehrzabt 
üblich. Ich feh’ in ihnen ſchon 

Nachtommenſchaften, bie berrinfk, wie und; 
Die Vorſicht glädtih macht. Gieſeke. 

Der Nachkoͤmmling, —es, 94. —e, eine Perſon, welche nachtͤmmt. 
Beſonders eine Perſon welche nah und von uns koͤmmt, von ung 
abftammet, ein Rachtomme. „Die Nachkoͤmmlinge der Gottloſen.* 
Biob a», 8. 

X Rachkoͤnnen, v. ntr. unregetm. (f. Könnem) mit haben, — 
men; nachgehen ic. innen. D. Nachkoͤnnen. 

Nachkoſen, v.intrs, 1) Eines Andern Worte wiederholen. Dbert im. 
2) X Rad eines Andern Beifpiele, Borgange kofen.. D. Nachkoſen. 

Die Nachkoſt, o. By. Koft, d. b. Speife, welche nad ber Suppe, 
ober überhaupt hinten nad genoffen wird. S. das Nacheſſen. 

Nachkoſten, v. imtrs. u. trs. 1) Nah dem Borgange und Beifpiele 
eines Andern koften. 2) Hinten nad often, nachdem man Anderes 
getoſtet hat koſten. D. Nachkoſten. D. — ung. 


X Nachkrabbeln, v. I) intrs, 1) Mit haben, nach dem Vorgauge 


und Beifpiele eines Anderg trabbeln. 2) Mit fein, krabbelnd nadıe 
folgen, nachtriechen. 

Er rafft fih auf, er Prabbelt nad. Böthe. 
IF trs. nad etwas krabbeln, Erabbeind nachſuchen. — D. Nach⸗ 
krabbeln. D. — ung. 

Nachkrachen, v. ntr.. 5 Mit haben, Hinten nad: einen. Krach thun, 
kradiens nachhallen. 

Hohl nachktache nde Deonnererfhütterumgen.. — Bonmenberg. 
2) Mit fein, hinter her krachen, krachend nachfallen. Auch wol 
zuweilen al$ intes, aus einem krachendan Geſchoß nachſchiegen. D, 
Nachkrachen. 

Nachkrächzen, vw. intra. Nach lraͤhen, v. intes, ı. tzs. ſNach. D. 
Prachtekähyen, Nachktaͤhen. 

Nachkrallen, v. intrs. mit dem Krallen, oder Erallend hinter her fah⸗ 
ven, um zu greifem, zu kratzen ıc. D. Nachkrallen. 

X Nachkramen, x. intrs, u. tra 2) Rad: dem Beifpiele eines. An⸗ 
bern kramen. 2) Kramend db. h. unser verſchiebenen Sachen fie aus 
ihrer Ordaung bringend nachſuchen. 3) Was ein Antror ausgekra⸗ 
met und in Unordnung gelafen hat madhräumen,. miede® an Ort und 
Stelle und im Orbnung bringen. D. Nahftamen. D- —ung. 

Nachkraͤmpeln, v. iners, u, tra 2) Rah dem Voryange und. Beir 
fpiete eines Anderen kraͤmpeln. >) Hinten nad. främpeln, nad) oder 
zu — was gettaͤmpelt iſt neh trampeln. D. Nachkraͤmpeln. D. 


Nachträntetn, Nachkranken, v. ner. mit habe, nad) einem Zufalle, 
#- ©. einer Hauptkranfheit noch länger Eränkein, kranken. D,Madje 
kraͤnkeln, Nachkranken. 

Nach kraͤnzen, vers. f Nach. D. Nachkraͤnzen. D. — 

Nachkratzen, v.intrs, u,trs. 2) Nach der Weiſe eines Anbern: Erageim. 
Dann: uneigenttidr. (1) Kratzend eder wie gefragt d. h.. fehr. ſchlecht 
nach ſfechen, vorn Kupferfiehern. (=) X Heasent: b, Ii Schr ſchledtt 
and unangenehm auf ber Geige mahfpieren, 2) Nahbern ſhou, ges 
Eraat IE aden, nech mehr Eraser. I) ner. mit haben, bincem 

nad; eine Empfindung erregen, bie mit einem Kragen: zu vergleichen 


* 


Nachk 


iſt. Diefer Mein kraht im Halfe nad. — D. Nachkratzen. D. 
— ung. 

Rankrauen, v. intes, u. trs. Nachkraͤuſeln, v. iutrs, u. tes. f. 
Nach, D. Machkrauen, Nachktaͤuſeln. D. —ung. + 

Nachkreiden, vw. irs. 2) Mit Kreide zum Zeichnen nachzeichnen. 
#) Nahdem ſchon gefreider iſt nochmahis reiten d. h. mit Kreibe 
weiß übergiegen. D. Nactreiden. D. —ung. 

X Nachkreiſchen, v. intrs, u. trs. unregeim. (ſ. Kreiſchen), in ber 
gemeinen Spredart mancher Begenden für nachſchreien. D. Nach- 
freifchen. ö j j 

O Nachfreifen, v. mtr. u. intrs, mit fein, Ereifenb, d. 6. im Kreife 
fid) bewegend, ober.auch nur, feinen beſtimmten Meg verfolgend 
nachfolgen. 

— Dem Zug nachkreiſet ein Votleſchwarm. Sonnenberg. 
— (unter) nachkreiſenden Dampfen Derf. 
D. Nadykeeifen. 

O Nachkreißen, v. intes, ı) Mit haben, bas Kreißen einer Perfon 

nachahmen. 2) Mit fein, kreißend nachlaufen. 
— Nachkreißt' er dem Wagen. Sonnenberg, 
D. Nachkreißen. 

Nachkriechen, v. intrs, unregelm. (f. Kriechen) mit fein. 1) Rach 

dem Vorgange und Beifpiere eines Andern Briehen. 2) Kriehend 
nachfelgen, binter her kriechen, befonders um etwas zu erreichen, 
„Diefe Schalenthiere des moralifchen Dafeins mögen — ihren Fuͤhl⸗ 
hoͤrnern nachkriechen.“ Benzels Sternau. Uneigentlih, auf 
eine kriechende, niedeige Weife nachfolgen, nahahmen, wie auch, auf 
foihe Weiſe befelgen. 

Emige Litanel bes Hergebrachten zu beten, 

Immer nur nachzukriechen gebeiligter Weife ber kehrer. Clubius. 
D. Nachkriechen. D. — ung. 

X Nachkriegen, v. mtr. mit haben, in ber gemeinen Sprechart für 
nachbefommen. D. Nachkriegen. 

Nachkritzeln, v. intre. u.tra. 1) Nach der Weiſe eines Andern Erigein, 
a) Kritelnd nachmachen z. B. eine Zeichnung. Befonders, kritzelnd 
nachſchreiben. D. Nachkritzeln. D. —ung. 

Nachkruͤcken, v. I) trs. mit der Kruͤcke nah ſich ziehen. 1h) X intrs. 
mit fein, mit Hülfe der Arüde oder ber Irhden nachfelgen. — 
D. Nachkruͤcken. 

Nachkruͤmeln, v. I) ntr, mit haben und fein, in Kruͤmein nachfatlen, 
hinten nah, allmähtig abfallen. IE) trs. nah und zu dem was 
ſchon gefeämelt ift nod in Arümden oder Meinen Thellen fallen 
taten. — D. Nachkruͤmeln. D. —ung. 

Nachkruͤmmen, v. trs. ı) Der gekruͤmmten Midhtung eines Dinges 
folgen laffen ober folgen machen. Sich nachkruͤmmen, der ge: 
främmten Richtung eines Dinges folgen. =) Dinten nach, dachdem 
man Anderes gefrämmt bat, främmen, D. Nachkruͤmmen. D. —ung. 

Nachkugeln, v. I) intes, u. trs. 1) Ginem Anbern im Kugeln fotgen, 
wie au), ihm barin nahahmen, =) Sinter ber Fugen, die Kugel 
ober ald eine Kugel binter etwas herfhieben. IT) ner. mit fein, 
als eine Kugel ober gleich einen Kugel hinter ber rollen, — D. 
Nachkugeln. D. —ung. 

Nachkuͤndigen, v. trs. u. intre, hinten nad, Anbern darin folgenb, 
ündigen oder auffünbigen, 5. B. ein Datlehn. D. Nachkuͤndigen. 
D. —ung. 

Die Nachkunft, 0. My. 1) Die Handlung, mie auch ber Umſtand, da 
man oder ba etwas nachkoͤmmt. =) Für Nachkommenſchaft. Herder, 

X Die Nachkuͤnſtelei, 9. —en. ı) Das Nadfünfteln, =). Etwas 
Rahactänfteltes. 

Nachkuͤnſteln, v. ters. küͤnſtlich nachahmen, nachbilden, ober nachzu⸗ 
bliden ſuchen; wie auch, gekuͤnſtett, geſucht ıc, nachbilden. 

— und fie mähnten 
Alſo auch kuͤnſtle ber Ienfeitsgdge die Lüge bes Traume nach. 
D. Nachküͤnſteln. D. —ung. Sonnenberg. 


408 


Nachl 


Nachküſſen, v. iatrs. u. tro. ı) Rad dem Vorgange und Beiſpiele 
eines Andern Eiffen, wie auch, nad ihm kuͤſſen, in Anfehung ber Ord⸗ 
nung. „Und bed kuͤßt euer Säugling feinen Zitern den Kuß bee 
Liese nach⸗ Herber. 2) Rad Andern, nachdem man Andere ge: 
kußt hat küſſen. D. Nachküffen. D. —ung. ‘ 

x Nachkutſchen, v. intrs, in einer Kutſche nachfahren ; im gemeinen 
Leben überhaupt auch zu Wagen ‚nahfabsen (uachtatſchiren). Stir 
ler, Einem nachkutſchen. D. Nachkutſchen. 

Nachlaben, v. trs hinten nad laben. D. Nachlaben. D. —ung. 

Nachlaͤcheln, Nachlachen, v. intes. 1) Nach der Weiſe-eines Anbern 
laͤcheln, lachen, wie auch, fein Laͤcheln, Lachen, wenn er barin etwas 
Eigenes bat, nachahmen. Auch überhaupt, im Laden einem Andern 
folgen, lachen nachdem und weil er verber lachte, . 

— Dann lachten über ben kehrer 

Bügellofe bie Meng’ antegende Gaukler dem Volk vor, 
. Und nachlachte bas Bolt, — Sonnenberg. 
a) Eichelnd, lachend nachſehen. Dann auch, hinter her laden, bei 
ber Entkernung eines Anbern lachen fo daß es ihm gilt. „Er ſprengt 
fort, — fie Sachen ihm nach.“ Ungen. (R.) D. Nachlaͤcheln, 
Nachlachen. 

Nachladen, v. intrs, u. trs. unregelm. (f. Laden). 1) Rach ber Weiſe 
und bem Beifpiele eines Anbdern Laden, 2) Rah und zu bem was 

” Shen geladen ift laden. D. Nachladen. D. —ung. 

O XNachlalleien, v, intrs. u. ters. fo viel als nachlallen; veroͤchtlich. 

Doech ihr, Kunftjängerfein, 

Mögt meine Melodeien 

Rur nit flugs nadfalleien. Bürger. 
D. Nachlauleien. 

Nachlallen, v. I) intrs, bas Lallen eines Anderen nahahmen... Cinem 
nachlallen. II) trs. fallend nachſprechen. — wie bie nachlallen⸗ 
ben Griechen dichteten.“ Herber. 

Bergoͤnne mir, Rajabe, nachzulallen, 

Bas mein erflauntes Ober durchdrang. Ramler. 
Kuf eine neue, nicht nachzuahmenbe Art gebraudt es I. P. Richter. 
für nachhallen: „Da flug ber von allen Wäldern nachgelallte Knail 
eines Cchuffes duch bie ſtille Rat.“ (R.) — D. Nadlallen. D. 
— ung. 

Nachlammen, v. ntr. mit haben, hinten nad, nachdem Andere gelams 
met haben lammen. D. Nachlammen. 

X Nachlaͤmmern, v. intes, mit fein, hinter her lämmern, d. h. lang ⸗ 
fam nahfoigen, mit einem tabelnden Nebenbegeiffe. Stieler. ©. 
Limmern. D. Nachlaͤmmern. 

Nachlangen, v. tra, 1) Nachdem man ſchon gelangt ober zugefangt 
bat nehmahls aulangen. Roh etwas nachlangen. 
tangen‘,, einem -fih Entfernenden zulangen. Er entlam buch das 
Fenſter und ließ fi bas Kaͤſtchen nachlangen. D. Nachlangen. D. 
—ung. 

Nadlärmen, v. intrs, 1) Mit haben, nad ber Weife, nad bem Bei: 
fpiele eines Andern lärmen. 2) Mit fein, laͤrmend nadfolgen. D. 
Nachlärmen. 

Der Nachlaß, —ſſes, 34. u. 1) Die Handlung, da man nadläft. 

Ohne Nachlaß arbeiten. Etwas ohne Nachlaß verlangen, ohne bas 

von nachzulaſſen ober abzugeben. Uneigentlih, für Erlaß, Berzeis 

bung. „Über der minbefte Argwohn geaen die Unfehlbarkeit ihres 

Geiftes ift ein Verbrechen ohne Nachlaß.» Meyer, Derfelbe Schrift: 

fleller gebraudte es auch für Crholunge“ „Bier, wo Anir eine Woh 

nung befaß, um einfam und unabhängig fi verbergen zu können, 
wenn feine Brele Nachlaß brauchte vom widrig Alltaͤglichen.“ 2) Das« 
jenige was man nahläßt, zuruͤcklaͤßt, befonbers was ein Geſtorbener 
nachgelaſſen hat z auch die Nachlaſſenſchaft, Verlaſſenſchaft, und 
ehemahls auch das Gelaß. Dann auch, was man erläffet, an bem 
was man zu fobern hat fallen läßt (Rabart), Nachlaß bekemmen. 
Ohne Nachlaß bezahlen müfen, 


2) Binter ber - 


F 255 


NR 


Nachl 


achlaſſen, v. unregelen. (ſ. Laſſen). 1) mtr. mit haben. x) Mit 
ber Fügung eines irs. Nach oder hinter ih laſſen, indem man 
fih entferntz befounders von Sterbenden; auch binterlaffen. Der 
Water fonnte ihnen wenig Bermögen nachlaſſen. Die nachgelaſſe⸗ 
nen Kinder. ‘Die Nachgelaſſenen, alle Perſonen, bie rine fterbenbe 
Perſon verläßt und auf bes Erbe läßt, befonderd ber Überlebende 
Mann oder bie Überledende Frau mit den Kindern. Die naygelafs 


ſenen Werke, Schriften eines Verſtorbenen. Uneigentlih, Der Bein 


Satz läffet mach, es fegt ſich. Il) tra 2) Maharhen, nahfolgen lafr 


bat einen Fleden in dem Zeuge nacıgelaffen, gemaht und ben man 
fieht nachdem ber Mein verdunſtet it. Dann, binten faflen ohne 
darauf zu achten, niht beobachten, unterlafen; ungewoͤhnlich. — 
ben Wucher aber baben wir nadgelaffen.” Rebem. 5, 10. a) Ben 
feinen hoͤhern Grabe der Stärke, der Heftigkelt fahren laſſen, ab: 
nehmen, vermindert werben. Die Kälte, bie Wärme, ber Regen, 
bie Krankheit 2°, laͤßt nach, Sein Eifer, fein Fleiß wirb bald nad 
laſſen. Ein nachtaſſendes Fieber, weldes eine Zeitlang nachtäßt, 
in ben quten Tagen, bann aber ausbricht (ein intermittirenbre Fit: 
bar), Nach einem beiten Sommer find machlaffende galichte Fieber 
bier Sehr gemöhnlih.« Ebeling. In ben Ealzwerien heißt, bas 


fen. Man wollte mic ihm nicht nachlaſſen. Bei ben Jaͤgern, bie 
Hunde nachlaſſen, fie der Fährte nachgehen laffen, In weiterer Bes 
deutung auch von unbelrbten Dingen, 3 B. von einer Flüſſigkeit, 
nachtaufen laſſen. Durd ben Bahn noch Waſſer nachlaſſen, nad 
Waſſer nachlaufen daſſen. In den Salzſiederelen heißt nachlaſſen, 
noch mehr Sohle in die Pfanne laufen laſſen, wenn bie früher hin: 
eingelaffene Sohle zu fehr eingekocht if. 2) Seiner natürlihen Rei: 
gung und Richtung folgen laſſen. Eine Feder nachlaſſen, ihre Span: 
mung aufbeben, ober auch nur, Ihe einen geringern Grab ber Spans 
mung geben, @in Zeil ic. nadfaffen, es nicht mehr fo ſtraff anzie: 
ben. Eine Schraube nachtaſſen, fie ein wenig zuräddreben. Auch 
alein für fih. Er follte davon nachlaffen, that es aber nidt, Im 


"eigentlih, (1) Nah feiner Neigung handeln, mahen laſſea; geftätr 


D 
M 


ten. * Einem zu viel nachinffen, tem zu viel geſtatten. (2) Aum heil 


fahren faffen, von feinen Anfprüchen, Koberungen zum Theil exlaffen. 


Bom Vreife etwas nachlaſſen. Ih kann nichts nadhlaffen, am Yreife, 
von meinen Foderungen ze. Won ber Rechnuug etwas nachlaſſen, 
nicht die volle Summe bezablen, fondern etwas davon ſchwinden laſ⸗ 
fen. „Ih wi von So Rthlr. bis auf 30 nachlaſſen.“ Gellert. 
Einem etwas an ber Strafe nachlaſſen, Ihm einen Theil derſelben 
erlaffen, ſchenken. Bon feinen Anſprüchen nichts nadylaffen. In ber 
Bibel auch für machlaffen machen, aufböten machen, aufteben. „Ich 
wollte meinen Bund mit euch nicht nachlaffen ewiglich.“ Kit. a, 1. 
II) intre. fahren laſſen, auf etwas nicht beſtehen; nadıgeben. Er 
wird fhon nachlaſſen. „Nachlaſſen inet groß Ungläd.“ Pred. 
19,4 — D Nachlaſſen. D. — ung. ©. d. 
ie Nachlaſſenſchaft, Wz. —en, ſ. Nachlaß. 
achlaͤſſig, —er, — ſie, adj. v. adv. nachtaſſend, keinen beträchtlichen 
Grad der Kraft, Spannung zeigend. Etwas nachlaͤſſig binden, d. h. 
nicht feſt. Beſonders, in ber Anftrengung feiner Kräfte nachtaſſend, 
nicht den gehörigen Fleiß, nit die geböriae Aufmerkfamkelt, Sorg⸗ 
fatt anmendend, Gin nachtäffiger Menſch. Nachlaͤſſig fein. Eine 
Sacht nadıläffi; betreiben, Naclaͤſſig arbeiten. Sein Amt nach— 
taͤſſig verwalten. Nachlaͤſſig neben, obne auf fein Äußeres dabel zu 
achten, ohne guten Anitand. Nachlaͤſſig tanten, ohne fih befonbere 
Wühe babei zu geben. Sich nachlaͤſſig hinſtreden. 

Nachlaͤſſig bingelehnet 

Schlief fie un dem Klavier. Bahariä. . 
Gine nadıläffiue Kleidung, welche von Mangel ber Aufmerkſamkelt 
und Sorgfalt für ein gefälliges Huferes, und für Reihlihteit und 
Ordnung in derfelben zeugt. Zuweilen wird es aud wol bem Ge— 
Eünftelten entgegenarfept. Ihe base hing ia nadläffigen Locken über 
Efultein und Racken. 


Gampe's Mörterb. 3. Ip. 





49 


Nachlaͤ 


Nachl 


"Und ein ſchneeiges Wand nochtaͤſſtee Locen gefeſſelt. Boß 
Im O. D. fagt man dafür hinlaͤſſig. Fahtlaͤſſiz ift davon noch ver 
ſchlebdea und bereichen einen, bem es an gehörigen @rnfle und dem 
eb wegen Peichtfien, Gedaukenloſigkeit und Berftreumg an Xufinerks 
Beit fehlt wer laͤſſig iſt, dem febit es an Eifer, weil es ibm Mühe 
macht und er bie Mäbe fheuet. Vergl. auch faul, träge, verbroffen. 


Die Nacläffigkeit, My. —en. 1) Die Eigenfhaft da man nchläfig 


iſt, wie auch die Beſchaffenheit einer Sache, ba fie nahläffig ift ; ohne 


Mehrzahl. 2) Ein einzelner Fall, ba man fih nachlaͤſſig zeigt, eine 
nahläfıge Handlung. Sich Nachlaͤſſigkeiten zu Schulden kommen 
laſſen. 


Die Nachlaſſung, 9%. u. 1) Die Handlung, da man etwas nachtaͤtzt. 


2) Der Zuſtand ba etwas nachlaßt, im O. D. wo Nachlaſſung für 
GEntkeäftung, Abnahme, Wertuft der Kräfte gebraucht wird. 


Nachlauern, v. imtrs, lauernd nachftellen, auflauern, M. Kramer. 


D. Nachlauern. 


Der Nachlauf, —es, Ph. — fäufe. 1) Die Handlung da man nad: 


Läuft; ohne Mebrzabt. Im Nachlauf begriffen ſein. 2) Etwas das 
nadläuft ober nachgelaufen iſt, z. B. eine Fluͤſſigkeit, bie nachher, 
fpäter gelaufen ober abgelasfen iſt. Wei ben Branntmeindrennern " 
it ber Nachlauf basjenige, was von bem Lutter, neun ber Brannt: 
wein fhon in erfoberliher Menge und Stärke abgelaufen if, noch 
gewonnen und was wenn wieder Latter in die Blafe Bimmt, binzu: 
gethan wird. 5) + X Etwas das Rachlauf ober Radlaufen verurs 
ſacht. ©. Liebestrank. 


Nachlaufen, v. iutrs. untegelm. (ſ. Laufen), mit fein, einem Andern 


im Laufen folgen, mad) berſelben Richtung und wie ec Läuft laufen; 
befonders, binter ber laufen un einzuholen, zu erreichen. Einem 
nachlaufen. Ben Fluüſſigkeiten ıc. als mtr. feinen auf nah ter 
Richtung eines andern Dinges nehmen, wie auch nad ober auf Der: 
anlaffung einer Eache laufen. X Eich ſchlagen, daß das Bar nadır 
täuft, beffer, danach Läuft. Uneigenttih. X Einer Perfon nachlaufen, 
fh bemühen immer um fie, bei ihr zu fein, ihr gefällig zu werden 
und ibre Gunf zu erlangen, „Gr (Äuft mir auf allen Schritten 
nad,” Bellert, Gemöhnlic gebraucht man’ es auf biefe Art in 
üblem Berftande. Den Mäbten nachlaufen. Im weiterer Beteus 
tung überhaupt auch fuͤr nachfolgen. “Ihm läuft bas Gluͤck auf dem 
Kuse nad.“ Bellert. Ungewähntic iſt ber bibliſche Gebrauch für 
nadfotgen, fofern dies fein Verhalten nach etwas einrichten bedeutet. 
Den Gögen, der Abgoͤtterei vr, nachlaufen. D. Neochisufen. 


Der Nachläufer, —s, By. gl; die — inn, MM. —en, eine Verfon, 


melde einer Perſon ober Sache nahläufe. Im Schat Riederd. 
Sprachen ift es much für Merfolger angefest. 8. 


Nachlaugen, v. tes, Nacläugnen, v. intrs. u. tr. ſ. Nach. D, 


Nahlausen ıc 


Nachlauſchen, v. intra. laufend nahfeben, nachforſchen. D. Nach⸗ 


kaufen. D. —uma, 


Nachlaufen, v. trs. ſ. Reh. D. Nachlauſen. 
O Der Nadlaut, — ed, 94. — e, ein Saut, ber nad einem andern, 


bem Hauptlaute, als Fortſequng deſſelben und bis er fich verliert, 
vernommen wich,‘ 

— und nun ſchwieg auch der Harfe Nachlaut. Klopftod. 
uneigentlich für Rachahmung, Wiederhelung. „Es IR immer Nach⸗ 
laut einſer) und derſelben Sage.“ Herder. 


Nachlauten, v. ntr. mit haben, hinten nach einen aut, von ſich ge: 


ben, nachdem die Urfache, weiche den eigentlihen Laut bervorbraäte, 
‚veräber it aoch lauten, D. Nachlauten. 

uten, r. intes, Nachläutern, v. intrs. u. tra f. Nach. D: 
Machlaͤuten, Nachtdutern. 


Nachleben, *. I) mtr, mit haben, nad einer Perfon ober Sache, nach⸗ 


dem jene gelebt ober dieſe fi ereignet bat leben. 
Und ibm ſinkt in Dunkel ber Stamm nachlebender Kinder. Voß. 
Die Nachlebenden, die nach uns Eebenbem, bie Nahlommen, „Die 


54 





Nachl 


Griechen — Tiefen — bem Verꝰ?orbenen mit feinen Nachlebenden 
die Mitenpfladung.“ Hecder. IE) intes, nad etwas als ber Nagel, 
Fihtihaur leben, d. h. ſich verhalten, handein, Cines Audern Mil: 
ten, Befeble nachleben. Au, einen Andern fih zum Mufler nebs 
mend, kach feinem Belſpiele Ieben. Lebe deinem braven Vater nach. 
— D. Nachleben. &.d. D. —ung. 

Das Nachleben, #, 0.3. ı) Ein nad) bem eigentlichen Leben ger 
füsetts Leben. „Und meld ein lumpiges, knechtiſches — Nachteben 
biefes grabesluftige Zurüdathmen aus lauer Vergangenheit, Ratt eines 
frifhen Zugs aus frifher Luft" I. P. Richter. 2) O Ein nad: 
folgendes, nachdauerndes Leben, gleichfan ein Anhang bes eigentli: 
hen Lebens, Seins, ſeine Schmerzen waren unermädet erneuete 
En » feinen auf immer abgefchiebenen Kreuben rin  ries 

achleben zu verſchaffen.“ @dthe. 5) Das Leben ober Verhalten 
nad dem Muſter, bem Willen, der Lehre eines Andern, 

Naclecken, v intes. u. trs +) Rah dem Beiſpiele und dee Meife 
eines Andern leden. 2) Nah dem was [don geleckt ift noch leiten. 
D. Nachlecken. D. — ung. 

Nachlegen, v. trs. 1) Nach dem Beifpiele ober der Weife eines Ans 
bern legen. 2) Rad, bem und zu bem, was fihon gelegt iſt, legen. 
Holz nadılegen, zu bem brennenden Holze oder auf die Kohlen, nad: 
dem bad erfte Holz verbrannt if. 5) Machdem man fon gelegt bat, 
nohmapls Legen, noch mehr legen. Mod Bohnen nachlegen, in bie 
Erde, wenn bie fruͤher gelegten etwa erfroren find. - D. Nachle-⸗ 
gen. D. —ung. 

Nachlehnen, v. intes, u. trs. ſ. Nachleihen. 

Nachlehren, v. intrs. u. tre. 1) Rad dem Worgange und Beiſpiele 
eines Anbern lehren, einem Anbern in ber Lehre folgen, 2) Binten 
nad, nach Andern, bie ſchon Lehre empfangen haben, lehren. 5) Rach 
bem was fchon gelehrt ift no Lehren. D. Nachlehren. D. — ung. 

Nachleiden, v. ner. unregelm. (f. Leiden), mit haben. ı) Sinten 
nad) leiden, fpäter leiden, an den Radmwehen leiden. 2) Einem 
nadleiden, nah ihm auf gleihe Art leiden. D. Nachleiden. S. db. 

Das Nachleiden, -- 8, MM. gl. ein machfolgendes, [päter erfolgtes 
Leiden. Das find die Nachleiden davon. 

X Nachleiern, v. intrs. u. trs. 1) Nach dem Beifpiele, nach der Meife 
eines Andern leieen; eigentlih und uneigentlih. 2) Lelernd, d. h. 
eintönig und unangenehm nachſpfeten. 5) + Leiernd, d. b. ſehr lang: 
ſam nachfahren. S. Leiern. D. Nachltiern. D. - um. 

Nachleihen, v intrs u. trs (f. Leihen). 1) Nach dem Beiſpiele eis 
nes Kudern leihen. 2) Nah und zur dem was fhon geliehen ift teis 
ben. Rod Geld nachleiben. In der gemeinen Sprechart auch nad): 
Ichnen. D. Nadyleiben, Nachlehnen. D. —un. 

Nachleimen, v. trs. ſ. Nah. D. Nachteimen. D. —ung. 

Nacleiften, v trs hinten nad, fpäter leiften. Den Eid der Treue 
nachleiften, nachdem ihn Andere ſchon geleiftet haben. D. Nachlei⸗ 
fin. D. —üng. 

Nachleiten, v. trs 1) Nach dem Beifpiele und Muſter eines Anbern 
keiten. 2) Leltend nahführen, nad) derſelben Wihtang, feinem Wors 
sänger folgend leiten; eigentlih und uneigentiih. D. Machleiten. 

. Und. 

Raclenfen, v. trs. >) Rad dem Borgange, Beifpiele eines Andern 
lenken. 2) Rah berfelben Fichtung, wie der Vordermann lenkt, 
Ionen. D. Nachtenken. D. - una: . i 

Das Nachlenfgarn, es, 4. —e, bei den Tuchmachern, dasjenige 
Mollengarn, wodurch bie jerriffenen Kettenfäben eines Tuches, bas 
gewedt werden fol, wieder ergänzt werben; beiier Zubußaarn. 

Nachlernen, v. intrs u, irs. 1) Mach dem Vorgange und Beiſpicle 
eines Andern fernen. 2) Rah und zu dem ſchon Melernten lernen, 
5) Hinten mac lernen, bas zu lernen Verf mte ober aoch übrige 
nacht olen. .-— um von ihr die Fıllärung biefer Ziteilupfer nach⸗ 
zulemen.“ J. P. Fihter D, Nechlernen. 

Die Nachlefe, 3. —n. ») Die Handlung, ba man nad) der eigent:- 


40 


dachl | - 


lid) vo-angenangenen keſe, noch lieſet oder einſammelt. Tine. Mad: 
leſe balten. Aie Machleſe erlauven, das Sammela ver sespersieten 
und zuch tgebliesenen. hren auf dem abgeernteten gebe. ‚Die Aach⸗ 
feje im Weinderge, bie Einſammtung ber dei der Lee zuräcgeblier 
benen Zrauben. Der Keoat es gang anders trıch, - 


Uns nur die Nacytef übrig dtieb. Schiller. 
2) Das in ber Nachteſe Eingefammelte, 
1. Nachlefen, vw intrs m. trs. unregeim. (f. Leſen). 2) Nach dem 


Beifpiele, nah der Weife eines Ändern Iefen, einfammeln. 2) Na: 
dem ſchon geleien ift nochmahis Iefen, das Nachs oder Ibrisgebliebene 
lefen oder einfammeln. „Wenn bu beinen Weinberg geleien haft, fo 
follt du nicht nachleſen.“ 5 Mof. 24, 21. 
umd bem ich jetund nur bie Sorbeern nachgelefen. Weiße. 
Im Weindaue beißt nachlefen, die in der Weinleſe bangen geblier 
benen Trauben abreimen und die abgefallenen Beeren auflefen. 5) 
Nadı und zu dem ſchon Geleſenen leſen. Rod Linſen nachleſen. 4) 
Einem Anbern nachfelzenb auflefen, wie auch, was ein Anderer ver: 
fireuet hat oder liegen nelaffen bat auf.eien. Einem Andern nachlt⸗ 
fen-mürfen. D. Nachteſen. D. -ung. S. die Nachleſe. 

2. Nachlefen, vaintrs. vw. trs uncegelm. (ſ. Leſen). 1) Rad dem 
Mufter, nad ber Meile eines Andern lefen, wie auch, das Leſen ei: 
nes Ändern in Unfebung bes Tones, ber Ausſprache x. nadhabmen, 
Ginem nachleſen. =) Im Lefen folgen. Ginem BVorlefenden nad: 
leſen, das was er liefet ſtillſchweigend im demſelben oder in einem 
andern Buche mitiefen, um zu jeben ob er richtig liefet, eder ch 
Berfhiebengeiten in den Büchern ıı. Statt finden, 7) Rachſchlagen 
und Icfen, lefend nahforfchen, zu erfabren, zu lernen ſuchen. Gine 
angeführte Stelle in der Urſchrift nachlefen. Gr bat darüber ſehr 
viel nach elefen. Gr erfuhte feine Zuhörer, das Borgetragene zu 
Haufe in dem Werke ſelbſt nachzuleſen. D. Richlefen. D. —ung. 

Nachleuchten, v. I) mtr. mit haben, hinten nad feuchten, einen leud: 
tenben Glanz nahlaffen oder zurüdiaffen. IL intrs. hinter her 
leuchten, leuchtend ober mit einer Leuchte folgen. Einem nachleuch⸗ 
ten. — D. Nachleuchten. D. — ung. 

Nachliebeln und Nachlieben, v. intrs. u, tes. f. Nach. D. Nah: 
liebeln ıc. 

Nachliefern, v. trs. nad und zu dem ſchon Gelieferten liefern. Die 
su bem Werke gehörenden Karten unb Kupfer werben nachgeliefert. 
Befonderd, noch Lieferung ober als Lieferung nachgeben. Das Land 
mußte für das Heer noch vielertei Bebürfniffe nachliefern. D. Nudys 
liefern. D. - ung. 

Nachlispeln, v intrs, u. tr 1) Rad ber Weile eines Anbern lie: 
pein, fein Bispeln nadabinen. =) Liepelnd nahfprehen, was ein 
Andrer-vorber fprach. 5) Hinter her Lispeln, lispelnd nahrufen. D. 
Nachlicpeln. D. —um. 

Nachliften, v. intrs, mit Lift nahftetten. m. Kramer, D. Nachll- 
fin. D. —un.. 

Nahloben, v. ers f. Nah. D. Nachloben. 

Nachlocken, v Dtrs. nahzulommen, nachzufolgen lofen. Einen Sund 
ſich nachlocken. Ihr Beiſpiel lockte Andere mach. IT intrs nad 
ber Weife eines Andern locken, feine Lockſtimme nachahmen. — D. 
Nachtlecken. D. — ung. 

Nachlodern, * ntr mit haben, nach derſetben Dichtung, auf dieſelbe 
Art lodern, wie etwas anderes lodert z mie auch, nachdem etwas an⸗ 
deres geschert bat lodern. — und ihre Flammen lodern noiben 
nach in ben tiefen Baͤumen. J. P. Fichter. D. Niclodern. 

Nachloͤffeln, v. intrs u. irs Nachlohnen, v intrs Nachlöſchen, 
v. intrs u. trs Machlofen, v. intrs Nachlöthen, v. ıntrs u. 
ers ſ. Nah. D. Nachloͤffeln sc D. — ung. 

x Machluchſen, v. inırs. mit Luchsaugen nachfenen. D. Nachluchſen. 

Nachlırgen, v intrs u. trs +) Nach dem Weifpiele eines Andern 
Täaen. 2: Pügend nacerzählen. D. Nachiügen. 

X Nachlullen, v. intrs. u. trs. 1) Nah dem Beifpiele, nad) ber 


Nachl 


Weiſe eine? Audern lullen, fein Lullen nachahmen. 
fingen. D. Nachlullen 

X Nachlungern, v. mirs. lungernd nachgehen, nachſtreben. Giner 
Sache nachtungern. D. Ruglungern. 

Nachmachen, v. tra. 1) Wach der Weiſe, nach dem Beiſpiete eines 
Andern machen. Einem ttmas nachmachen. Anderer Mienen und 
Eeberden nahmıden. 2) Rah dem Mufter eines andırn Dinges 
‚mahen, bergo. bringen. Faſt nichts it fo künſtlich, daß er es nıht 
nachmachen Bante. Muchgem .dite Edeifteine, Perlen zc. unchte, 
Buch Kunft gemahte, fo das fie den echten übmiich finds. Vergl. 
nachthun. 5) Pinten nad, nachdem Anderes gemacht ober gefdjes 
2 it mahen. Ich werde ds noch nachmachen. D. Nachmachen. 

—ung. 


a) Lullend nach⸗ 


Die Nachmahd, 94. —en. 1) Die Handlung, da man nah Andern, 
fpäter, ober nachdem fhon einmahl gemäher iſt mähet; ohne Mehr: 


zahl. 2) Dabjenige, 
Grummet. — 

Nachmaͤhen, v. intrs. u. trs. 1) Nah dem Beiſpiele, nach ber 
Welle eines Anbern mäben, wie er mäbet mäben; wie auh, einem 
Andern gleich mäben. Ihm Kann niemand nachmtaͤhen, fo geihwind, 
fo gut ic. mabın als er. 2) Hinten nad, nad und zu dem ſchon 
Gemaͤdeten mäben. 3) Das zu maͤhen Nachgebliebene mähen. Grin 
Staͤck nachmaͤhen, nachdem Andere bas ihrlze ſhon gemähet baben. 
D. Nachmaͤhen. D. — ung. 

1. Nachmabhlen, v intrs u. tre. Mittelw. d. verg. 3. nachgemablet. 
1) Rach bem Beiſpiele, nad ber Weiſe eines Andern mablen, d. b. 
mit Farben darſtellen. =) Ein Gemählbe nachmahlen, nach einem 
andern Gemählde als dem Mufter mabien. Uneigentlih im weiterer 
Bedeutung, Züge, Schrift ıe. nahmahen. Die Urſchrift nachmah⸗ 
ten. (8). D. Nachmahlen. D. —ung. , 

2. Rachmahlen, v. trs. Bitterw. d. verg.3. nachgemablen, hinten nach, 
nad uab zu dem fhon Gemabtenen nah mablen. D. NRachmablen. 

X Nachmahls, ein umſtandwort der Zeit fur, nadher oder hernach; 
im O. D, nahmabten, auch wel gar dernachmabls, hernadıs 
mahlen. 

x NRahmähren, v. intes. u. trs. f. Nach. Nehmiäbren. 

x Rachmanſchen, v. intrs. u. trs. ſ. Nach. D. Nachmanſchen. 

© Der Nachmann, — es, My. — männer, der nachfolgente Mann, 
der Nachſelger. — melden alles Mark in ben Gebeinen fror, 
wenn er im rafhen Trabe die Knochen feines Nachmannes klappern 
hörte.“ Benzel⸗Sternau. 

Nahmartern, v. I intrs. u. trs, nad; bem Beifpiele cinre Andern 
merteen, Ib X'ree Sich nachmar ern, fih mierteen, große 
Muͤhe ıc. geben nachzukommen. — D. Nudhmartern. . 

Die Nachmaſt, 0. 94. 1) Das Mäften hinten nah, nach ber cis 
gentlihen und Hauptmaͤſtung. 2) Die nah ber eigentlichen Maſt in 
den Wälbern noch uͤbriggebliebene Maſt. Schwrine in bie Nach 
maſt treiben ober ſchlagen. 2 

Machmaͤſſten, v. trs. hinten nad mäften, außer und nah bem fen 
Gemaͤſteten mäften. D, Nachmaͤſten. D. ung. . 

Nachmauern, v.intrs, u. trs, 1) Rah beim Mufter, nad ber Meife 
eines Andbern mauern. 2) Dinten nah, fpäter manrın. 5) Wie 
auch, das zu mauern Nadgebliebene, Verfäumte mauern. D. Nach⸗ 
matern, D. —ung. 

X Nachmaulen, v. intes, Nachmauſen, v intrs. f. Nah. D. 
Nachmaulen ic. 

Nachmeckern, v intre. u. tre. 1) Im Medern nachfolgen, das 
Meckern nahahmen. 2) Meckernd aachſingen. 3) Hinter ber met: 
kern. D. Nachmeckern. D. — unq. 

Nacd meinen, r. inter. f. Nach. D. Nachmeinen. 

Nachmeineln, v. fra mit Hülfe des Meißels nachbilden; auch wol, 
mit dem Weigel nahhelfen. D. Nahmeißein, D. —ung. 

Radmeiftern, v. ıntes, u. t25. 1) Meiſternd nahahmen, nachbilden. 


was zum zweiten Mahle gemähet wirb, base 


D 


nr 


Ar %h 


M. Kramer. Cr Fonnte es niht nachmeiſtern. J Nach eines 


Anderh Vorgänge, Beiipiele meiſtera, tadeln. D, Nachmeiſtern. 
D. —ung, 


Nachmelden, vw. tre. hinten nah, ‚(päter milden. D. Nachmelben. 


D. —ung. 

Nachmelken, v. I) tes, 1) Rah anbern,. fpäter melken. Die äbrl: 
gen Kühe nachmelten. 2) Nah umb zu bem was ſchon gemolfen iff 
melken. Roh Miih nachmetken. IL, intzs, nad dem Borgange 


und Beifpiele einer andern Perfon melten, ihr gleich melken; feiten,. 


D. Nachmelken. D. — ung. 

Nanmengen, v intrs u. tr, 1) Nah bem Meifpiele, nah bee 
Weiſe eines Andern mengen. =) Hinten nah, noch bazu, noh mehr 
mengen. D. Nachmengen. D. —ung. . 

Nahmeflen, * intrs. 4. trs. unregelm, (f. Meffen) meffend nach 
forſchen, burch Meſſen die Groͤße, Menge zu erfahren ſuchen. Be— 
fonderd, nachdem cin Anderer ſchon gemeſſen hat, um au erfahren, 
ob ex tichtig gemeſſen habe. Einem nachmeſſen. Das Getreide 16, 
nachmeſſen. D. Nachmeſſen. D. —ung. 

Nachmetzeln, v. intrs. u. tes. Nachmeucheln, v. intre. u. trs. fi 
Nah. D. Nachmetzelu ıc. 

Nachmiethen, v. trs, außer und zu bem ſchon Gemietheten fpäter 
micthen. Den Garten habe ih erſt nachgemiethet. D. Nade 


mietten. D. —ung. . 
Nachmiſchen, v. intrs, u, tr. 1) Rah dem Weifpiele, nad bee 
Weife eines Andern mifcten. 2) Im Miſchen foigen, nah einem 
Andern milden. 5) Dinten nad, außer dem ſchen Gemiſchten mis 
ſchen, dazu miſchen. — und hieß bie Herolde jezo 
Mein nachmiſchen im Kıugz. — Bo 
D. Nachmiſchen. D. —ung. _ * 

Nachmiſten, v. intrs u. tes. 1) Mach dem Beiſpiele, nadı ber Weiſe 
eine Ändern miften. Einem nachmiſten. =) Hinten nad, fpäter 
miften. Die Dinteräder nachmiſten. D. Nachmiſten. D. —ung. 

Der Nachmittag, — es, Bi. — er, bie Zeit nah dem Mittage bie 
zum Abend. Den Nachmittag ausgeben, nah Mittage. Den Nach— 
mittag zu Daufe zubringen, bie Zeit nad Mittage. 

Nahmittigig, adj. u, adv, nahmittags feirnd oder geſchehend. Die 
nachmittagige Ruhe. in nachmittaͤgiger Beſuch. „Dier brach 
man erſchrocken die vormittägigen Unterbandlungen ab, um ſich zu 
neuen nachmittägigen zu rüften“ J. P. Richter. 

Nachmittaͤglich, adj u, adv aule Rachmittage gefhehend, ſelend. 

Nachmittags, adv. nah Mittag, am Nahmittage, ben Nachmittag. 
Er pflegb nasımittage feine Beſuche zu machen. 

Das Nachmittagsgelaͤute, —s, 0. Ba. das Geldute, 2äuten am 
Nachmittage. »Kuf bem Berge — wehte ihn — das Nachmittags: 
gelaͤute von Plumenbähl an 3. P. Richter. 

X Die Nachmittagskirche, Da.u. die Kirche, d. h. ber GBottesbienft, 
welcher nachmittags gehalten. wird "Vesper. ©, Kirche. „Unten 
faab ih die Mutter, die fonft nur in die Nachmittagskirche ging, 
ſchon angepugte ꝛc. 3.9. Kidter. r 

Der Nahbmittagsprediger, — 8, Mz. gl. ein Prediger, deffen Amt 
es befonders if, nachmittags zu predigen ober bie Nachmittagskirche 
äu halten, der Vesperprediger (welches gewöhnlich der Dinconus if); 
jum Unterfchiebe vom Früh: und Amtsprediger, 

Die Nachmittagsprebigt, Bi. — en, diejenige Predigt, melde nad» 
mittags ober in ber Nahmittagsfirhe gehatten wird, bie Vesper⸗ 
prebigt; zum Unterfhiede von der Krühprebigt, Amtsprebigt. 

Die Nahmittagsrube, o. 9%. die Ruhe, der Schlaf, melden man 
fih nah Mittage nah dem Eſſen gönnt; ber Nachmittagefchlaf 
ober das Nahmittagsfsiäfhen, und kürzer, die Mittagsruhe, 
der Mittageſchlaf und das Mittagsſchlaͤfchen. 

Die Rahmittagsf*icht, 94. — en, im Bergbaue, birjenige Schicht, 
melde auf ben Nachmittag fällt. 

Der Nachmittagsſchlaf, —s, o. Di. ſ. Nachmittagsrube. 


Nachm 


Die Nachmittagsſtunde, By. —n, eine der Stenden zwiſchen Mits 
tog und Abend; wie auch, eine Lehr- ober Unterrihtsflunbe, welde 
nachmittags gegeben ober genommei wird, ' j 

Die Nachmittagswache, By. —n, eine Wade, welde nachmittags 

gebakten wird; "beionders auf Deutſchen Schiffen, die Wade von 
Mittag bis um 4 Uhr. j E 

Die Nachmittagszeit, 0... bie Zeit'vom Mittage bis jum Abend, 

O Die Rachmitternacht, 3. u. bie Zeit nah Mitternacht, ven 
Mitternacht bis zur Morgenbäinmerung. 

O Nachmitternaͤchtlich, adj. u. adr. was nah Mitternadht, und 
uneigentlich, in einer frühen bunleln Zeit it oder gefhiehet, — au 
vieten Plägen an der See fdhimmerten itm Sterne aus einer tiefen 

nachmitternaͤchtlichen Bebenofrühe herauf» 3. P. Richter. 

Nachmodeln, v..trs. nad etwas ale dem Model formen, bilden, nad: 
formen, nachbilden. D. Nachmodeln. D. —ung. 

Nachmodern, v. ntr. mit haben und fein, nach einer andern Sache, 
fpäter ats fle, aber gleich ihr modern, uremobern. D. Nahmodern. 
D. —umg. ; 

x Radmbgen, v. intre, unregeim. (f. Mögen) Luſt, Neigung has 
ten nahzufeigem, nadhjufommen x. D. Nachmoͤgen. 

Nahmorden, v. antrs, u. trs. 2) Rad dem Borgange und Beifpiele 
eines Ändern mordtn. 3) Pinten nad, nah Grmordung Anderer 
morden. D. Nachmorden. D. —ung. 

Nahmüken, v. rec. Sich nahmühen, ih bemuͤhen nadzufommen, 
mübhfan folgen; rigentiih und uneigentih. D. NRachmuͤhen. 

Nachmünzen, v. intrs. u. tra, 1) Rah dem Vorgange und Beir 
fplete eines Andern münzen; veſonders aber unrechtmäßiger Meife 
nach der Art eines Ändern, indem man fi feines Wappens, Nas 
mens ıc. im einem nachgentachten Stempel bebiemet, müngen, umd 
ſalſch muͤnzen. >) Rach und zu dem mas ſchon gemünzt ik münzen. 
D. Nahmünzen. D. —ung. 

Der Nahmünzer, —s, Bi. gl. einer der Gelb nachmünzet. Gier 
wöhnlih iſt er zugleich auch ein Falſchmuͤnzet. 

Nachmurmeln, v. 1; intrs u, 1rs, 3) Rach der Weile eines Audern 
murmeln,; fein Murmeln nachahmen. 2) Murmeind nachſprechen. 
IN nte. mit fein, murmeind uacpflteden. D. Nachmurmeln. 

Nachmurren, v. intrs. f Nach. D. Nahmurren. 

x Nachmuͤſſen, v. nte. mit batm, nachtotgen müͤſſen; eigentlich 
und wmigentiih. D. Nachmuͤſſen. 

Nachmuſſern, v inte. u. tes. ») Mah dem Borgange, nach der 
Weiſe eines Andeen maftern. 2) Nahdem ein Anderer gemuftset 
dat nochmadts muftern, muſternd nachſe hen. 5) Nach andern Dins 
gen, foäter muftern. D. Nachmuſtern. D. —ung. 

Nachmuthen; v. trs, nah Andern, hinten nach, fpäter muthen. ©, 
Muthen. D. Nachmuthen. D. — ung. 

Nachnaͤhen, v. intes. u. tra, 1) Mach dem Mufler und Beiſpiele 
eines Andern nähen, einer andern Perſen gleich nähen. 2) Kaͤbend 
ober mit ber Radet nachbieden. Nachgenahete Seidenblumen.“ 3. 
BP. Richter. 3) Hinten nad, fpäter nähen, noch dazu nähen. 
D. Nadmäben. D. — ung. 

X Nachnarren, v. intes, f Nach. D. Nachnatren. 

Nachnaſchen, v intrs, ir. trs, 2) Rach bem Beiſpiele eines Andern 
nafchen. »Scharf iſt ihr Bahn, File der Hauch von dem fie lebt. 
Dein Zahn nafsteft du nach? “ed iſt was fie berührt.“ Herder. 
e} Hinten nah, nah dem was man [hen genaſcht dar naſchen. D. 
Nachnaſchen. D. — ung. 

Machneden, v. intre. w. ers. ſ. Mad. D. Nachnecken. 

MRachnehmen, v. trs. unrigeim. (f. Nehmen) hinten nad, nechmahls, 
noch dazu nehmen. D. Nachnehmen. D. —ımma. 

Nachneigen, v. trs. der Riheung eins Dinges im Reigen folgen 
laufen. Als ree ber Richtung eines Dinges in Reigen ſelbſt folgen. 
D. Wadmeigen. D. — ung. 

Nachnennen, v. trs, nach dem Beifpiefe eines Andern, hinten nach 


— — 


Nachp 


nennen, einen Ramen nachſprechen. D. Nachnennen. D. — ung. 
— v. trs. hinten nach, nochmahls negın. D. Nachnehen. 
—ung. 

Nachnicen, v. intes. Nachnieſen, v. ntr. mit haben, ſ. Nach. D. 
Nachnicken ıc. 

Nachnieten, v. tes. 1) Rach ber Weile eines Ändern mieten, 
Nah andern, fpäter nieten. D, Nachnieten. D. —ung. 
X Nahnippen, v. inıre. u. trs, ı) Nah «ines Anden Vorganze 
und Beiſpiele nippen. 2) Nippend nachtrinken, auf ten Genuß ct: 
nic Sache ober nah bem was man ſchon wippend getrunken hat, 

nippend irinien. D. Nachnippen. D. — ung⸗ 

x Nacdavthigen, v ins. 2) Moͤthigen nachzufolgen. 
nady, jpäter nörbigen. D. Nachnoͤthigen. D. —ung, 

Nacholen, v. trs, hinten nad, fpäter dien; wie aud, nochmahls dien. 
D. Nachoͤlen. D. —ung. 

Nachopfern, v. intrs. u. ixs. +) Nah dem Vorgange und Beilpiele 
eins Aubern opfern. 2) Dinten nah, fpäter, wie auch, noch bazu 
opfern. V. Nachopfern. D. —ung. 

dachordnen, v. tes, 1) Rach cines Anderen Beiſpiele ordnen. =) 
Rad, einer andern Sache orduen, is ber Ordnung folgen laffen. 
Im Deutfhen Staatörchte find bie nachgeordneten Perjonen, welche 
bein Areisoberfien an die Seite gefegt find, ihnen mit Rath und 
That beizuſtehen und im Wothfalle ihre Stelle zu vertreten. Une 
eigintlid;, im Anfehung bes Werthes nah reiner andern Sache felgen 
fajjın. „Es wäre edel und fhön und hob lohnend, jede Heinere 
ackücht ber einzigen grojen ausdauernd nadızuorbnen. Benzel 
Sternau. Unterordnen druckt denfelben uneigentlihen Begriff 
aus einem andern Sefihtspuntte aus, D. Nachordnen. D. —ung. 

Nachorgeln, v. intes, u. trs. 7) Nat der Meije eines Anden or 
geln; ergentlih und uneigentüid. 2) Xuf ber Drgel nachſpielen. 
D. Nachotgeln. D. —ung. 

Machpachten, v. tre. Hinten nah, mie auch, zu bein fhen Gepachte⸗ 
ton pachhten. D. Nachpachten. D. — ung 

Nachpacken, v, I: intrs, u. trs. 1) Nach ber Weiſe eines Andern 
packen. 2) Nah und zu dein [hen Geradien packen; auch, noch— 
mabis packen. Il; X rec, Sich nachpacken, nad einem Andern, 
ksmı folgend ſich fortbegeben; aud ſich nahfheren, wenn man mit 
Unwlulen und Beratung ſpricht. — D. Nachpacken. D. —ung. 

x Nachpanſchen, v. intrs u. irs X Nachpapern, v.intrs, u.trs. 
ſ. Sa. D. Nachpanſchen ıc. 

Nachpappel, v. intrs. u. tra. nach dem Beiſpiele eines Anbern papr 
pen, fein Pappen nachahmen; wie auch, hinten nad pappen, ſowol 
in ber Bebeutung far ejfen, als auch für, mit Pappe ober Altiſter 
iteven ac. D. Machpappen. D. ung. 

Nachpaſſen, v. intra. nah dem Beiſpiele eines Anbern paften, z. B. 
im Kartenfplele. D. Nachpaſſen. 

X Nachpatſchen, v. I) ınırs, 1) Mit haben, nad bem Beifpiele, 
nah ber Weiſe eines Andern patſchen. =) Mir fein, patſchend 
d 3. im Kothe, nahfolgen. 145 trs. nach Anbern, hinten nah pat- 
ſcheu, patſchrud fhlagen. — D. Nachpatſchen. 

Nachpauken, v intes w. tr, 3) Nah dem Behpiele, nad der 
Weiſe eines Ändern panten; eigentlich und unrigentlich. 2) Xuf 
den Paukden nachidungen, vortragen. 3) Pinter ber, wie auch, bit: 
tem nach pauten. Grmaem nachpauken. D. Nodpauten. 

Machpeitſchen, v. intra w trs. 1) Rad der Welle eines Antern 
peitihen. 2) Mit ber WDeitfhe Ginter beein ſchlagen. 3) Pinten 
sah, uach Andern peitihen, ſpäter peitſchen. 4 Mit Peirfchen: 
bieben nachtreiben. D. Michpeitfhen. D. ung. 

Nachpelzen, v tes. Nachpfinden, v. ir. f. Nach. D. Nadya 
peiten ic. D. — ung. 

* Die Nachpfarre, 3. —n, eine nachſtehende, der Bauptpfarre 
"untergesetnete Pfarre; Tochterpfaere. Saltaue, 

MNachpfeffern, v. intes. u. tra, 1) Nach dem Beij,iele eines Aubern 


2) 


2) Dinten 


Nachp 413 


pfeffern. 2) Sinten nad, ſpaͤter, wie auch, noch mehr pfeffern. 
D. Nachpfeffern. D. —ung. 

Nachpftifen, v. uncegelm. (f. Pfeifen). Ir intrs, u. trs, 1) Nah 
dem Seiſpiele, nad ber Meife eines Anbern pfeifen. 2) Hinter 
ber pfeifen. Einem nachpfeifen, bas Pfeifen nach einem fih Ent 
fernenden rihten, um idm batacch ein Zeichen zu geben, etwa fies 
ben zu bleioen 10. 3) Mas eim Anderer vorher gepfiffen hat nach 
idin pfeifen, pfeifend wiederhelen. I) mtr, mit haben, bınten 
nah pfiifen, noch einen pfeifenden Zon binten nad hören lallen, 
3. 8. von Orgelpfeifen. — D. Nachpfeifen. D. —ung. 

Nahpfianzen, v..intes u. tr. ı) Rach dem Vorgange und Beis 
fpiele eins Anbern pflanzen. 2) Nach Anberem, fpäter pflanzen. 
5) Das Rahgebtiebene, was noch zu pflanzen ift, pflanzen. 4) 
Nochmahls pflanzen, dazu pflanzen. Die atsgegangenen Bäume 
nachpflanzen. D. Nachpflanzen. D. —ung- 

Nachpfluͤcken, v. intrs. u, trs, 1) Nach Andern, ihnen nachfelgenb 
pfladend. 2) Hinten nach, fpäter, wie auch, noch dazu pflucken. 
Roh Blumen nachpfluͤcken. D.-Nahpfiäden. D. —ung. 

Nachpflügen, v. imirs, u. tru 3) Nah dem Beifpiele, nad ber 
Meife eines Andern pflügen. 2) Einem Anbern nachfolgend pflür 
gen, hinter ber pflügen. 5) Hinten nah, fpäter, wie auch, mod 
mapls, unb nod dazu pflägen. 4) Was früher bäfte gepflägt wers 
ber folen nachhoten. D. Nachpfluͤgen. D. —ung. 

Nachpfropfen, v intre. m. ırs, 7) Rach dem Spifpiele oter ber 

‚Weile eines Andern pfropfen. =) Dinten nah, fpätes pfropfen; 
wie auch, nochmadle pfropfen, noch bazu pfeopfen. D. Wade 
pftopfen. D. — ung. 

Nachpfufcben, v intre. u. trs. 1) Rach dem Worgange und Beis 
fpiete eines Andern pfuſchen. Einem nachpfuſchen. 2) Ale ein 
Pfufher, pfuſcherhaft nachahmen, aachmachen. Gin Meifterwert 

- nahpfufhen. Frankreich mit feiner nur nüchgepfufigten Rönfts 
fhen Form.“ Klinger D. Nachpfuſchen. D. —ung. 

Der Nachpfuſcher, —8, 9%. gl; die —inm, Bi. — en, eine Pers 
fon, bie etwas nachpfuſchet. 

Nachpichen, v. intrs. u. ixs. Nachpicken, v. intre. u. trs. ſ. Rad). 
D. Nachpichen ꝛec. D. — ung. 

Nachpilgern, v. iatre. mit fein. 1) Nah dem Beiſpiele eines Ans 
bern ” gem. 2) Pitgernd, als ein Pilger nachtolgen. D. Nach⸗ 
pilgern. D. —ung. 

Nachpinfeln, v. I} intrs. nah bee Meife eines Andern pinfelm, db. 
ſewol mit dem Pinfel beftreihen, als auch Hagen. - IL, tr, mit 
dem Piufel nachahmen ober nadhbiiden, nabmaslen ; veraächtlich. 
— um beffen Geſicht und breite Hohe Bruſt nachzupinſeln.“ J. P- 
Richter. — D. Nachpinſeln. D. —ung. 

Nachpipen, v.intes. Nachplacken und Nachplagen, v.intrs. u.trs. 

f Nach. D, Nachpipen ıc. 

Nachplappern, v. inirs. u. trs. 1) Nah der Weiſe eines Andern 
plappern. 2) Auf eine plapperhafte Art nachſprechen ober nach⸗ 
erzählen; im gemeinen Leben auch nachpapem, und anfäntiger 
nach? laudern. D. Nachplappern, Nachpapern, Nachplaudern. 

Nachplaͤrren, v. inter. u. ix⸗ Nachplaͤtſchern, v. intıs. Nach— 
plaͤtten, v. inirs, u. trs ſ. Nach. D. — ten ic. 

Nachplatzen, x. I: mtr, 3) Mir haben, hinten nah, fzäter plagen. 
2) Mit fein, plaſend nahfliegen. AL) iners hinter her plagen, 
wie auch, X binter ber ſchiehen. — D. Nachplahen. 

Nackplaudern, v. intes, u. tıs. ſ. Nachtlarrern. 

Machplumpen, v. ntr. mit haben und fein, ſ. Nah. D. Nach— 
plungen. 

Nachpluͤndern, v. intrs, w ers. 1) Nach bem Vorgange, Beifgiele 
eines Ändern pländern, 2) Rachdem fhen geplöndert it, nachmahls 
—— und, plünternd noch dazu nehmen. D. Nachptuͤndern. 

lg. 

Nachpochen, v. intes. ſ. Nah. D. Nachpochen. 


r 


Nachp 


Machpoltern, v. intrs, u. mtr... 1) Mit haben. (1) Rach dem Rei⸗ 
ſriele oder ber Weift eines Andern poltern. (2) Sinter ber peiterm, 
laͤrmen. 2) Mit fein. (1) Polternd nahfoigen. (2) Pelterud, mit 
Eepolter nahfalten. D. Nachpottern. 

Nachpoſaunen, v. intrs. u. tra. 1) Nah dem Mufßter, nach ber 
Weiſe eines Andern poſaunen; eigentlich und umeigentih. 2) Pin: 
ter ber poſaunen, wie auch, auf ber Poſaunt naholaſen. Uneigent⸗ 
lich, poſaunend gleichſam, auspofaunend nachteden. D. Nachpo⸗ 
faunen. 

Nahprägen, v. trs. nach dem .Beifpiele und nah der Art eines Au— 
bern prägen; befonders, das Gepraͤge eines Andern unsehtmäßiger 
Weiſe nachahmend prägen. Gelb nachprägen. Uneigentiih, nahe 
bilden, @inem neue Mörter machprägen. „Plane mußte ibm ides 
gemahtte Glied mit dem dazu gehörigen kobe oder Tadel in fein ern⸗ 
ſtes Gehirn nachpraͤgen.“ J. P. Richter. D. Nachpraͤgen. D. 
— ung. 

Nachpraͤhlen, v. intre. f. Mad. D. Machptahlen, 

Nahprallen, v. ntr. mit fein, prallend oder geprellt nachfliegen. 
D. Radıpralien. 

Nachpraſſeln, * mtr. u, intrs, 2) Mit haben, hinten nah, d. h. 
nad Anden, fpäter praſſeln. =, Mit fein, hinter ber praſſeln, 
praſſelad nachfallen, narhfliegen ıc, 

und das Geſindet huſch! huſch! huſch! 
Kam binten nachgepraſſelt. Bürger. 
D. Nadpraffein. . 

Nachpredigen, v. intes. u, tr, 2) Had dem Weifpiele ober nad 
der Bieife eines Anbern predigen. 2) Als eine Predigt, in Korm 
einer Prebigt nachſagen. D. Nachpredigen. D. — ung. 

Nachprelten, v. ters. 1) Rah dem Weifpiele ober ber Weiſe eines 
Andern prelenz; eigentlich und uneigentiih. 2) Hinter ber preien, 
prellend nachfliegen machen. D. Nachprellen. D. — ung. 

X Nachpreſchen, v. intrs. mit fein, in größter eſchwindigkeit nad 
eiten, befonders zu Pferde, D. Nachpreſchen. 

Nachpreſſen, v. intrs. u. irs. 1) Rah bem Neifpiele oder ber Veiſe 
eines Andern preffen. 2) Mad bem was ſchon gepreßt iſt prefien, 
foäter preſſen. 5) Was fhon gepreßt iſt nochmahls preiien. D. 
Nachpreſſen. D. —ung. 

Nachproben, v. intrs. u. tra, 1) Einem Andern folgenb proben. 
2) Hinten nad, fpäter proben, D. Nachproben. D. —ung- 
Nachpruͤfen, vw. intrs, u. trs. 2) Rad dem Deifpiele eines Anbern 
prüfen; wie auf, ibm im Gefchäfte des Drüfens nahfolzenb yräs 
fen. 2) Mad gefhebener Pruͤſung Anderer, prüfen. 5) Rahmahls 

pruſen. D. Nachpruͤfen. D. — ung. 

Nachpruͤgeln, v. intrs u. ers. 1) Rach dem Beifplele und ber Weiſe 
Anderer priseln. 2) Rad der Prögelung Anderer prägen. 5) 
Die Prügeln nachtreiben. D. Nachpruͤgeln. D. —ung. 

Nachpudern, v. intre. u. trs. 1) Rad der Weiſe eines Andern pu— 
bern. 2) Nachdem ſchon gepubert ik nohmahld pubera: auch, nad 
ter Puberung anderer Berjonen oder Dinge pubern, D. Nachpu⸗ 
bern. D. ung. 

x Nachpuffen, v. Dntr. mit haben, hinten nad puffen, einen 
Puff trun. Al; ingen u, ir. 1) Rab bem Bilfiieie und ber 
Weifr eines Andern puffen, 2) Hinter ber paffen, and einem Pufs 
fre ſchießen. 5) mir Pafen ober Kanfihligen nachtreiben. — 
D. Nachruffen. D. —ung. 

Nacpulvern, v. tes. nah und zu dem mas ſchon gepälvert. if päl 
vern. D. Nachpuͤlvern. D. — ung. 

Nachpumpen, v intes, m. ters, 1) Nah der Melle Anderer pums 
pen, 2) Nah und zu den was ſchon gepumpt ift pumpen. 57 X 
Für nachborgen. S. Pumpen. D. Nachpumpen. D. — ung. 

X Nachpumpern, v. otr. 1) Mit haben, binten nach pumperm. 
Sit fein, hinter her pumzern, eder um, rad nachtelzen. D. 

achpurpern. 






Ä Nachp 


F Nachput ʒelu v. atr. mit fein, hinten nad, wie auch, binter ber 
purzein, D. Nahpurzein. 

+ Nacdpuflen, v. intzs. u, trs. im R. D. für nachblaſen. D. Nach⸗ 

en. 

— v. tes. 1) Mach dem Beiſpiele ober ber Weiſe eines ans 
bern pugen, Im Puthe nachahmen. Schatz Rieberd. Sprachen. 
8. 3) Nahbdem ſchon geputzt iſt nachmahls puhen. D. Nachpuben. 

— ung. 

— v. intes. ») Das Quaken eines Andern nahahmen; 
wie auch, quatend nahfagen, nachſingen; auch nadguäten. So 
auch nachquieken und nadyquietfihen. D. Nachquaken, Nachquieken, 
Nachquietſchen. 

Nachquaͤlen, v. ers. 1) Nach eines Andern Meife quälen. 2) Sin 
ten nach ‚Tpäter quälen. D. Nachquaͤlen. D. — ung. 

Nachqualmen, v.ntr, mit haben. 13) Hinter ber quaimen, berfelben 
Kihtung nahfelgend. 2) Hinten nah, fpäter quaimen. D. Radı 
quaimen. 3 

Nach quellen, v. D ntr. unregeim. (f. Duellen) mit fein. 1) Hinten 
nad, fpäter quellen; mie aud, nech mehr quellen. IT) trs. regeln. 
hinten nach, nah bem was ſchon gequellt iſt noch quellen machen. — 
D. Nachquellen.. 

Nachquerlen, v intrs. w. irs. 1) Rah und zu dem mas ſchos 'ger 
quertt ift querien. 2) Querlenb, fih queriend nachfolgen. D. Nach- 
quesien. D. —ung. 

X Nachquieken, v. intrs. Nachquietſchen, v. intrs, f. Nahquafen. 

1. Machrädern, v. trs. nad Andern, jpäter räbern; beionders in 
der Bedeutung, mit dem Rabe binrihten. D. Nachtaͤdern. D. 
— ung. 

2.+ Naiırätern, v. trs, fo viel als nachſieben. D. Nachtaͤdern. 
D. — ung. 

— v. intrs, u. tes, 1) Nach dem Beiſpiele eines Andern 
raffen. 2) Radı und zu bein ſchon Gerafften raſfen. 5) Hinter eis 
nem Maͤher der das Gemaͤhete zufammencaffen, um es zu binten. 
D. Nachrafſen. D. —ung. 

Nachrammeln und Rachrammen, v. intrs. u. trs, 1) Rach dem 
Beiſpiele und ber Weiſe eines Aadbern rammela, rammen. 2) Sins 
ten nah, zu dem was ſchon geeammelt ober gerammt ift rammeln 
eber rammen; wie and, nohmahis, noch mehr vammein ober vamı 
mer, D. Nachtammeln, Nachrammen. D. — ung. 

Nachranken, v ntr. mit haben, und rec, nach ber Weife und Ri: 
tung eines andern Dinges ranfen, ſich rauken. D. Nachtanken. 

X Nachranzen, v intrs mit fein, nach dem Beifpiele eines Antern 
zangen, vanzend nachgehen. S. Ranzen. D. Nahranzen. 

X Nacrappeln, v. I; intrs, hinten nah, wie auch, biater bee rap⸗ 
veln d. b. ein Rappeln, ein gewiſſes Gerauſch bernorbeingen. II; 
nte, mit haben. 1) Dinten nach vappein, d. h. ein Fappeln, eiu 
gewiſſes Gerauſch bören laſſen. =) Hinten nah, ſpaͤter rappeln, 
b. &. verräitt fein. ©. Mappein. — D. Nahrappeln. 


"Marhrafen, v. Ti ntr. mit haben, u. intrs. mach der Meife eines“ 


Adern rafen, d. b. von Sinnen fein, und, fid wie ein Nafender 
betragen. II bloß als intes. mit fein, raſend ober wie raſend 
nachfelgen, verfolgen. 
— mit ſchwefelig loderndem Glutblick 

Raften die Schwarzen der Hölle ihm nah. — Sonnenberg. 
IT A trs raſend machthun, befonders, vafend cher wie zafeud 
nachſchreitn 

Laut auf ſchmettert die Melt vor Zriumpb nachtaſ't ihm ber 

Himmel. Sonnenberg. 


D. Nachreſen. 

Nachraspeln, v trs. nach und zu bem ſchon Geraöpelten raspein, 
ſpaͤter radpein. D, Nüchraspeln. D. —ung. 

Macrafleln, vr. mer. 1) Mit haben, Hinten nad vaffeln, d. h. ein 
Raffeln von fih hören laffen, raſſelnd nachhallen. 


414 





Nachr 


Unter nachtaſſelnden Wetterſchlägen und ſtürzenden Fluten. 
Sonnenberg. 

2) Mit fein, raſſelnd nahfofgen. 
Sräbrend ber prangende Lagen 
Schntll dem Sturm bes Gefpanns machraſſelt. 

D. Nachta ſeln. 

Nachrathen, v. intrs.'u. trs. 1) Rach dem Vorgange und Beiſpiele 
eines andern rathen, daſſelbe rathen. 2) Hinten nach rathen. D. 
Machtathen. 

Der Nachraub, — es, #4. u. ein nah einem andern Maube voll⸗ 
führter Raub, ein fpäterer Raub, bei weldem bas beim frühern 
Burüdgela,,ene nachgehort wird. 

Nachrauben, v. inirs u, tra. 1) Mach dem Weifpiele eines Anbern 
rauben. 2) Nah einem Anderen folgend rauen. 3) Raͤch und zu 
bem fon Geraubten rauen, D. Nadırauben. D. — ung. 

Nachrauchen, v intrs u. tr, ı) Nah der Meife eines Andern 
rauhen, nämlich Tabak. 2) Bitten nah, fpäter rauchen. Deu 
guten Zabaf nachtauchen. D. Nachtauchen. 

Nachraͤuchern, v. intre. u. trs. 1) Rah dem Peifpiete, nad der 
Weiſe eines Andern raͤuchern. 0) ‚Binter ber raͤuchern, d. 5. mit 
dem Rautfaffe oder der Mäuherpfanne nachgehen und räuhern, 
cher nachdem ſich einer entferne hat räuchern. 5) Hinten nad, ſpa 
ter räuchern. D. Nachraͤuchetn. D. — ung. 

Nachraufen, v. intrs. u. ts. 4) Nah bem Beiſpiete eines Andern 
saufen, ihn darin nahahmen. 2) Mac und zu bem ſchen Beraufs 
ten raufen. D. Nachtaufen. D. —ung. 

Der Nachraum, — es, 9. —räume, was nachgeraͤumt wirt. 1) 
So viet als Abraum, Afterſchlag. 2) Dasienige ſchwache Holz, 
alte Stüde sc, melde in einem abgesäumten GCehaue fieben ge: 
blieben find. 

Nachraͤumen, v. intrs. u. tra. 1) Nah der Meife eines Andern 
säumen. 2) io ein Anderer geräumt bat nochmahls räumen; mie 
auch, was er im Unordnung gebracht hat mach feiner Entfernung 
aufräumen. 5) Nad dem wad ſchen geräumt iR räumen, ſpaäͤrtt 
riamen. D. Nachtaͤumen. D. —un.. 

Nachraupen, v. intrs v. irs. 2) Nad den Vorgange und Beifpiele 
eines Ändern raupen. 2) Nahbem fibon geranpet ift nechmahls 
zaupen. 3) Hiuten nad, fpäter raupen. D. Nachraupen. D. —ung. 

Nachrauſchen, v. I ner. 2) Mit haben, Binten nad raufhen, fe: 
wol ein Rauſchen binten nah bören laſſen, wie auch, das Sauſchen 
nachahmen. ») Bit fein, rauſchend nadfliefen, rauſchend nachflit⸗ 
gen. II intes, mic fein, zaufhend nadfoigen, mit Geräuſch ſich 
hinter ber begeben, — — oder dem Adler nachzurauſchen.“ I. 2. 
Richter. — D. Nachtauſchen. 

Nachrechen, v. intre u. trs 1) Mach dem Belſpiele, nach der Weile 
eines Andern vet. 2) Hinter ber rechen, mit dem Rechte nach— 
jieben, In ber Landwirtoſcheft, nachdem das zeſchuttene Getreide 
gebenden und in Garden aufgeſtellt iſt, die uͤbeiggebliebenen zer: 
freuten äbren mit einem großen Rechen fammelny in mandın Ger 
genden nachſchleppen, im R. D. nachharkten, hungerbarlen. 5) 
Was vom frübern Reden nad oder zurückgeblieben it, ober auch, 
was ein Anderer hätte dechen follen, sehen. D. Nachtechen. D. 
— ung. 

Der Nachrechen, —b, Wi. al. der große Nechen, womit bie zer: 
Besen Äbeen nah dem Aufeinden zuſammengerecht werben ;- die 
Nambarke, im ©. D, auch Hungerkarke, im ©. D. ber Heſchel⸗ 
techen, vieleicht aus Haſchelrechen won haſchen vererbt. 

Nachrechnen, v. intrs. u, trs. 1) Mach dem Beiſpiele, ned ber 
Meife gines Anden rehnen; aud wol, ibm gleid rednen. Ihm 
vermag Niemand nachrurechnen. 2) Fechnend nahfsrfhen, durch 
Rechnen zu erföhren ſuchen und erfahren, Es laäßt ſich fein Alter 
ja nachtechnen. Einem etwas nachtechnen, für ſich, ohne Sem 
Willen berechnen, 3. 8. was und mir viel er braucht ı. Das kann 


— 


Boß. 


Nachr 


man an den Fingern nachtechnen. 3) Was ſchon gerechnet ıft noch— 
mans rechnea um been Ruhtigkert zu erferſchen. 4) Dinten nad 
rechnen, nod dazu reinen; ungewöhntid. D. Nachrehnen. D! 
— ung. 

Dee Nachrechner, —6, 9. ot. 
ein folher Beamter (Revisor). 

Nachrecken, v inırs u, x. fo viel als nahireden. D. Nacreden. 

Das Nachrecht, —es, 3. —r. 1) Ein Medit, eine Berechtfäme, 
melde man erft nad einer gewiſſen Zeit oder nah einer gefhenenen 
Sache dafür erkennt. So behält man ſich in manden Gegenden bei 
Erteilung eines Abſchiedes 1c: bie gewöhnlichen Nachtechte vor, fns 
dein man fih gegründete Anſprüche fihert, welche ſich nah der Ent 
laffung noch eracben könnten, und bir man mit Zug und Necht gelr 
ten mafen Tönnte, a) In andern Gegenden verſteht man unter 
dern Madyeshte oder den Müchrechten einen beftimmten Antheil, 
werchen Jaͤger, Förfter ıc. von den sintommenden Strafgeldern em- 
pfangen und ber ihnen, nachdem ber Grunds ober Gerichtsherr das 
Ecinige bavon — hat, zukoͤmmt. 

Die Nachrede, My. - 1) Cine Rede, welche nach einer worherge 
gangenen Rebe — Eine Nachtede halten. Zuwellen wird eis 
ner Schrift, einem Buche eine Nachtede beigefügt, in welcher noch 
mandes nachgeholt wirb, wo fie bann gewöhnlich ber Borrebe ent: 
gegen geſetzt iſt. In manchen Gegenden verfieht man in ben Red: 
ten unter ber Machrebe eine Schrift, welde auf bie Mliderrebe 
folgt [Duplik), 2) Was nachgeredet, d. b. hinter dem Rüden eis 
ner perſon von ihr gerebet wich; in nachtheiligem Berftande und 
ohne Mehrzahl, Die Machrede der Übelmollenden fheuen. Ale 
übte Nachrede vermeiden. Einen in üble Machrede bringen ıc. 

Nachreden, v. intes u. tra. 1) Rach dee Art und Meile eines Andern 
reben, ihn im Reben nadyahmen, in Anfehung feiner Stimme, feines 

‚Zones ıc. 2) Mach dem Bergange eines Anbern reden, ihm im Ne: 
ben nachfolgen, wie auch, nach ibm daffelbe reden, frine Rede wier 
berhoien. So wie ich es gehöret babe, nde ih es nach. „Es 
iſt fiherer verftandigen Männern nachzureden, als chne richtiges 
Gefaͤhl der Kraft etwas zuerft ſprechen.“ Meißner, (R.) 3) Din: 
ten nad) reben, hinter Eines Rüden reden, d. h. in feiner Abweſen— 
beit von iom fprechen, unb zwar etwas Nahtbeiliges von ihm fores 
Gen. Man redet ibm viel Bbſes nah, D. Rachreden. ©. auch 
die Nachtede. 

Der Nachreder, —8, MM. al. 
Bedeutungen, befonders, ber Andern ubles nachredet. 
Nachieder.“ Mörterb. v. 1432. 8. 

* Nachredig, adj. u. adv. bie Gewehnheit, Neigung habend Antern 
nachzureden, gewöhnlich, übtes nadreten, Dberlın. 

Der Rachredner, -#, 4. al. einer ber eine Nachrede fchreibt, ober 

nach einer andern Rebe ober zum Beſchluß hinten nad eine Mrde 
hält. 

Nahregnen, v. ntr. mit haben, hinten nad, noch mehr regnen, Es 
bat ncch nachgeregnet. D. Nachtegnen. 

Nachreiben, v. rs unregelm, (ſ. Reiben). 
relben. 2) Nochmahls reiben, noch dazu reiben, 
D. — ung. 

Na Hreichen, v. I) trs, nach und zu dem mas man fihon gereicht hat, 
zeichen, wie auch, nah einem "orangegangenen, Vorangeſtlegenen ır. 
binreigen. ID OD ntr mit haben, bis nah einer gewiſſen Jeit, 
über einen Zaſtand hinams reichen, fich erftreden, dauern, „Meine 
Freundſchaft wird ihm nachreichen bis in die andere Weit.= J. 9. 
Richter. (R) D. Michteichen. D. — ung. 

Nachreifen, v. ntr mit fein, hinten nah. fpäter als Anderes reifen. 
Tas interest muß nacdreifen. D Nachreifen. 

Nachreimen, v imtes. u. tr. Machreinigen, v. intrs. u. tra. ſ. 
Mich. D. Mi = eimen, Mahreiti ne. 

Die Nadpreife, 39. —n. 3) Eine Reife welche nad einer feühern 


der Andern nachrechnet z beſonders 


einer ber Andern nachredet, in allen 
„Ufterkojer, 


ı) Hinten nach, fpäter 
D. Nachreiben. 


45 


ſachr 


Reife eines Andern gethan wird, beſenders ihn einzuhalen. =) In 
weiterer Bedrutung, X x eine Feife weiche für den Herrn gethan 
werden mus, wie and, die Verbindtihleit zu einer folhen Reife, 
Ehemahls aud fur Verfolgung. Oberlin. 

Nachreifen, v. intrs, 3) Rab bem Weifpiele eines Andern reifen. 
2) Pinter beein reifen, deſelben Weges reifen um ben früher Ger 
relfeten einzuholen ıc, D. Nachrerſen. D. —ung. 

Nachreißen, v. unregelm. (ſ. Reißen). ID} mtr, mit fein, nachdem es 
ſchon geriſſen iſt noch reßen, weiter reifen, einen größern Ris ber 
Kommen, Il) trs 2) Rach ſich, hinter her reißen. Er ftfürzte bin: 
ab und riß ihn nach. =) Hinten nach, nachdem ſchon geriſſen ĩſt 
noch mehr reifen, Am Bergbaue werden bie Etroffen nachgeriſſen, 
wern fie ſtuͤckwelſe mach einander gebradhen werben. Die Fichte 
nacreifen heist, wenn din @tollen, eine Strede ober ein Ort zu 
niedrig befunden wird, ber Zirfte nacharbeiten oder nad ber Decke 
des Ztollens ober der Streckke arbeiten. 5) Reißend, d. h. mit ber 
Reißfeder nahabmen, nachzeihnen. Eine Zeichnung, einen Grund: 
eig ꝛc. nachreifen. D. Nachteißen. D. — ung. 

Nachreiten, v. intrs, unregelin, (f. Reiten) mit fein, hinter her reir 
ten, zu Pferte nadhfolgen; in Gegenfag von vorreiten. Beſonders, 
hinter ber reiten am einzuholen. Dee Knecht mußte nachreiten um 
bas Bergeffene nachzubringen, D. Nachteiten. D.—ung. 

Der Nachreiter, —$, 9. at. der einem Andern nadreitet, hinter 
ihm her reitet. „Die Roſinante tes Worreiters, ber bier ungläds 
tier Weiſe Machreiter geworden if. Ungen. 

+X Nadreitern, v. intrs, f. Nach und Reitern. D. Nachreitern. 

Nachrennen, v. intrs, unregeim. (f. Nennen) mit frin. 1) Rad dem 
Beifpiete, nad; ber Weife eines Ändern rennen, 2) Binter her renz 
nen, befonders, um es zu erreichen, zu befommen. Uncigentlich, 
eifrig und begierig nad) etwas Areben. Rennt dem ſcheuen Glüce 
nad." Leffing D. Nachtennen. 

Nachretten, v. trs. hinten nad retten, fpäter retten. Gtieler. D. 
Nachretten. D. —uny. 

Die Nachreue, 0, 3. (#.) die Reue, welche man nah einee Hand: 
lung ober Unterlaffeng empfindet; beſtimmter und nachdrücklicher ats 
Reue, weiches übrigens daſſelbe ſagt. 

— daß, ihn nicht quälte die Nadeen. Boß. 

Die Nachricht, By: —en, die Bekanntwachuag einer Sache durch 
eine gewiſſe Perſon an eine andere, bie babei nicht gegenwärtig 
war, fie geſchehe muͤndlich ober ſchriftlich. Ginem Nachricht von 
etwas acben, bringen, ertbeilen, Gute Macdrichten befommen. Ih 
habe lange feine Nachricht von ihn. Vergt, Meldung, Vericht,’ 
Anzeige, Belanntmadung, wie aud, Getuͤcht, Zeitung. 

Der Nachrichtorief, —ı8, 94. 8, ein Brief, welcher von etwas 
Nachricht giebt (Avisobrief); der Benachrichtigungsbrief. 

Nachrichten, v. I} intra. nah dem Beifpieie, nah dev Weiſe Anderer 
richten, ein Urtbeil foreben. 2) Bei ben Aägern, mit dem Seite 
und Schweißhunde auf einer Fährte nachſuchen. IN} trs. 1) Aach 
Undern, fpäter richten, d. h. verurtbeiten, wie auch, binrichten, 
3) Nachdem es ſchon gerihtet ober geſtellt iſt nehmahis sichten, 
Die Jäger richten das Jagdzeug nach, wenn fie an bemjeiben bay, 
was bei bem erſten Riten vergeffen wurbe, in Ordnung bringen. 
5) Dinter bee richten. 
Garne ac. nachgerichtet, wenn fie hinter den Treibern aufgefteitt 
werden. — D. Nachrichten. D. —ung. 

Der Nachrichter, —s, MM. gl. berienige welcher nad des Ridters 
Acfprırche verfährt, Ihn in Ausführung bringt, Pelonders berfenine, 
welcher ein gefälltes peinlihes Urtheil vollziebet, rinen Merurtpellten 
nach dem Urtheilefprude binrihtet. 

Die Nachrichterri, My. —en. ı 
eines Rachrichters; ohne Mehrzahl. =: 
richters. 

Nachrichtlich, adv. 


Das Amt und die Bershtfomen 
Die Wohnung bes Rab: 


als eine Rachricht, zur Nochticht. Einem nah: 


&o werden non ten Jagern die zücer, _ 


| Nachr 


richtlich etwas zu wiffen thun, zu feiner Rabriht. An ben Ranie: 
feien weich es nah Ib. zuwellen auch für, jer Mahaczung, fih ba: 
nach zu richten arlıaccht, 

Nachriechen, v. unsrgeim, if. Riechen). I intrs. hlater ber riechen, 
giehend, mit bem Birudh zu erfahren fuchend nachgehen, Hıntr. mit 
haben, hinten nach riechen, einen Geruch nadlaffen. — D. Nachticchen. 

Nachrieſeln, v. mir. mit fein, riefeind nachfallen, mie auch riefeinb 
nabfliesen. &, Rieſeln. D. Nachtieſeln. D. —ung. 

Nachriſſeln, v.intrs. u.trs. Nachrindern, v.ntr mit haben. Nach⸗ 
ie v. tee. u, rec. ſ. Nach. D. Nachriffeln gs D. — ung. 

Nachtingen, v. unregelm. (f. Mingen). I) intrs. 1) Rach dem Ber: 
genar und Beifpiele eines Anbern ringen. 2) Ringend, db. b. mit 
Anitrengang Aller Kräfte ſtreven nadzulommen, etwas zu erreichen. 
— unb wenn denn mun unfere ehriihen Better, bie Stadhovfe, 
gitienthale ıc. nachraͤngen, wie fie tönnten, bie Sammler fammel: 
tene ze. Berber I, OÖ tra. ringend, mit großer Kraftanfiren: 
gung nahabmen, nachthun. 

end Knabe und Mabchen 
Mingen, wie Tirae und Ansht, gelehrig das ehelihe Spiel nadı, 
D. Nachringen. Sonauenber g. 

Nachtinnen, v. ntr. unregelm. . Rinnem), 1) Rach derſelben Ride 
tung rinnen, 2) Hinten nad, nah etwas als der vorangegangenen 
urfache rinnen, Meine Ehränen rinnen bie nach, dem (Entfernten, 
Getorbenen it. D. Nachtinnen. 

Nacrigen, v. tre. ı) Nach dem Beifpiele, nach der Weiſe eines An 
bern rigen. =) Hinten nad rigen, wie aud, nodmahis rigen, wei: 
ter rigen. D, Nadrigen. D. - ung. 

Nachröceln, v. intes. nad der Weife eines Andern rödern, fein br 
dem nchabmen. D. Nachroͤcheln. 

Nachrollen, v. I, nr. ı) Mit fein, binter ber roflen, rollend ſich 
Binter Ser bewegen. Der Stein rollte nach, 3. B. vom Berge. 
Ser nachrellende Wagen, 2) Mit haben, nach Anbern, in Anſe- 
bung ber Zeit, rollen, hinten nad tönen mie ein gerollter Körper, 
Der Brle uiſcht durch bie feufsende kuft, Ihwere Donner rollen iom 
naher Benzel-Sternau. Dana auch, nahtönen mit foldem 
Seraͤuſch, wie das eines vollenden Körpers. »— und tauſendfache 
She rollten ihnen made ıc. BenzelıSternau. IE intre nach 
dem Beifpieie, nah der Weile eines Andern vollen, mit der Moile 
Seasheiten. IIT) tes. hinter ber rollen machen. — D, Machtollen. 

ung. 

25 v.trs, hinten nach roͤthen ober roth werden, D. Nachroͤthen. 

Nahrüchtig,adi u. adv ein «rrüät, befonberd ein übles Gerät non ſich 
nachla ſſend. · OQtwas Nachr uͤcht ges yon jemand fagen.=- Ungen. R. 

Nahriden, v. I inies. 1) Ginem Andern ber vorher watt, im 
Htüden folgen, nachdem er gerät bat räden. Ginem nachruͤcken. 
2) Binten her rcen, tangfam und in Orbaung ausrückend nahfol: 
an, Die zweite Abtbeitung bes Heeres rüfte der erſten nach. 
IL trs. hinter ber eüten, buch Räden nadfotgen laffen, nachbrin⸗ 
gen. Fine Sache tes andern nachruͤcken, — D. Nahräden. D. — ung. 

Naͤchrudern, v- intes. u, trs. (M.) ı) Nach dem Beiſriele nach der 
Krt eines Andern rudern, auch, feine Art zu rudern in Anfehung ber 
Penerungen dabei nahmaden,. =) Mir Huͤlfe ber Maber ober was 
dem ähnlich if machfoinen, und als irs. nachdewegen. Das Schiff 
nareudern. D. Rachtudern. D. —ung. 

Der Nachruf, — e, M. u ı) Die Handlung dba man nachrufet. 
2} Dasienize was man nachrufet, ein Ruf, Austuf, fowel welchen 
men einem der ſich entfernet hören laͤßt, als auch meiden man bin: 
ten nah, nadı einer Sache tönt, 3) Ein Ruf, weidhen man nad 
feiner Entfernung, nad feinem Tede an Andere nechlaͤßt. Dann 
au, ber Huf, das gute ober böfe Gerücht, welches einer nad fh 
käst, zurädiäßt. S. Nachtuhem. 

Nachrufen, v. intrs. u. trs. unregelm. (f. Kufend. ı) Rah dem 
Eeifriete, nad) ber Weife eines Unbern rufen, fein Rufen uachah⸗ 


4416 


Nachſ 


ern. 2) Nach dem Andern baffcite rufen mas er ruft, wieberhoten 
mas ein Anderer rief. 5) Pinter ber rufen, einem der ſich entfernt 
rufen, jurofen, damit er es höre. 3) Nafen nochzukommen. Das 
Nachtuſen. D. — ung. €. auch der Nachtuf. 

Nachruhen, v. atr, mit haben, hiaten nah ruhen, noch mehr ruhen, 
D, Nachtuhen. 

Der Nachruhm, — es, 0. MM. der Ruhm, ber gute Ruf, melden man 
na feiner Fntfernung, nach feinem Tode aurütläßt, 

Machrühmen, v. intrs. u. tes. 1) Rach dem Beifpirie, nach der Weite 
eines Andern rühmen. 2) Nühmtih nachſagen. Einem etwas nad: 
ruͤhmen, etwas zu feinem Ruhme Erreihendes in feiner Abweſenheit oda 
ibm fagen, D, Machtuͤhmen. D. —ung ©, auch det Machruhm. 

Nahrühren, v. intes, u. trs. 1) Rah ber Meife, nach dem Beifpiele 
eines Andern röäheen. =) Mad und zu bem was fhon gerübret ift 
rühren. D. Nachtaͤhren. D. —ung 

Nachrumpeln, v. mtr. u, intrs mit fein, rumpelnd, mit Gerumpel 
nachfallen, nachkommen. D. Nachrumpeln. 

Nahründen, v. trs, hinten nah, nochmahls, noch mehr ründen, ber 
Fändung nachhelfen. D. Nahrönsen. D. —ung. 

Nachrupfen, v. intes, u, ers. 2} Mad dem MWelfpieie, nach ber Weile 
eines Anterm rupfen. =) Hinten nah, nad oder zu dem was ſchon 
gerupft ift zupfen. Bei ben Hutmachern, das ſtehen gebliebene Hair 
eines ſchon gefärbten Dutes mit bem Raufmeſſer vollends wegſchafe 
fen. D, Nachtupfen. D. — ung. 

Nachruͤſten, v. trs.u. rec. 1) Nach dem Vorgange und dem Beiſpiele 
eines Andern rüflen. 2) Nachdem ein Anderer ſich geruüſtet bat, ſich 
xuͤſten, fpäter rüſten. D. Nachruͤſten. D. —ung. 

X Nachrutſchen, v. nir. u. intrs. mit fein, 1) Rad der Meife eines 
intern rutſchen, fein Rutſchen nachmachen. 2) Hinter ber rutfchen, 
zutfhend nachfelgen. D. Nachrutſchen. 

Nahrütteln, v. tes. ſ. Nah, D. Nachruͤtteln. D, —ung. 

Nachſaͤen, v. intes. un tee. 9) Rach dem Meifpiele, nad ber Meife 
eines Andern ſaͤen. 2) Roach ober zu dem ſchon Gefärten fien. D. 
Nachfaen. D. — ung. 

Die Nachſage, o. 9%. der Nachruf. Daltaus, ’ 

Nahfagen, v. tes. 1) Was ein Anderer erft fagte nah ihm fagen, 
wieterboien. Ein Wort nachſagen. „Döreft du was Böles, das 
ſage nicht nah Sir 19, 7. In onıerer Pebeutung, auf bas 
Anferer, auf das Zeugniß eines Anbern nachſagen, wieberfigen ober 
erzaͤhlen; nachreden. inem etwas nachſagen. 2) .Biuter eines 
Rüden, in beffen Abwefenbeit von ihm ſagen; nachteden. Einem 
etwas Boͤſes, etwas zum Rubme nachſagen. „ie kann uns doch 
nicht Schande nachſagen.“ ı Mof. 38, 23. D, Nachſagen. 

Nachjägen, v. intrs. w irs. 3) Nach dem Beifpiele, nah ber Weiſe 
eines Audern fügen, =) Mad ober zu dem was arfägt iſt fügen, 
nesmahls fügen, mehr fügen. D. Radıfigen. D. —ung. 

Nacfalben, v. ters 1 Mach dem Borgange oder Zeifpieie eines Ans 
bern fatben. 2) Dinten nah, nah ber Salbung Anderer falben, 
D. Machſalben. D. —ung 

Nachſalzen, v.iatrs. u. trs 1) Rad dem Veiſpiede, nach ber Welſe eines 
Andbern Salzen. 2) Rack ober zu’ dem ſchen Eelalsenen noch ſalzen, wie 
auch, nechmahls falgen, mehr ſalzen. D. Nachſalzen. D. —ung. 

Nachſammeln, v. D intrs u. irs. 1) Mach einer Beifpieie ober Weite 
famneln, 2) Rad einem Andern, nachdem ein Anderer ſchon vor: 
ber gefammeit bat, Sammeln. Das Übrige nachſammeln. Fi) rec. 
Es ſammelt Th noch immer etwas nach, 28 findet ſich immer noch 
hinten nad etwas zuſammen. — D, Nachſammeln. D. — ung. 

Der Rachfammler, —t, Br. gl; (9) die —inn, Di. —en, eine 
Perlon, weldie nachſammelt. 

Der Nadıfab, — es, My. —fühe. 1) Ein Cop im ber Rebe meider 
auf einen andern verhergehenden folgt und ſich darauf beziebet; in 
Gegentbeil von Vorderſatz. In engerer Bedeutung, ber lebte Sat 
eines Schluſſes, ber Schlußſatz, Hinterſatz. 2) Im Deihbaue ver: 


' 


Nachſ 


ſteht man unter Nachſatz bie Maſſe bes Waffers, welche durch ihren 
Nachdruck den Strom und beffen Höhe unterhält, 

Nachfäubern, v. tra. nach Andern ober nach Anderem fäubern, wie 
auch was ein Anderer verumreiniget nachließ, wieder fäubern. MM. 
Kramer D. Nahfäuben. D. —ung. 

Nacfäuern, v. intrs. u. trs. hinten nach fäuerm, nochmahis, noch 
mehr fäuern. D. Nachſaͤuern. D. —ung. 

Nachſaufen, v. intrs. u. trs, f. Nachtrinten. D. Nacfaufen. 

Nachſaugen, v. intrs, u. trs, 3) Rad) ber Weile eines Andern faus 
gen, 2) Dinten nah, fpäter faugen, mie auch, nochmahls, noch 
mebe ſaugen. D. Nachſaugen. 

Nachſaͤugen, v. tre. nad Andern, hernach fäugen; auch wel, nod: 
mahls fäugen. D. Nachſaͤugen. D. —ung. 

Nahfaumen,v.trs, Hinten nad, nad Anderem mit einem Saume wer: 
fehen. D. NRahfäumen. D. —ung. 


Nachſaͤuſeln, Nachfaufen, v. ntr. u. intre, ı) Mit haben, hinten" 


nad ein Säufeln, Saufen erregen, =) Mit fein, binter her fäus 
fein, faufen b. h. ſäuſelnd, faufend fig bewegen, D. Nachfäufeln, 
Nachſauſen. 

Nachſchaben, v.intrs. u. tre. ı) Nach eines Beifpiele, Weife ſchaben. 2) 
Hinten nad, nochmahls, noch mehr ſchaben. D. Nachſchaben. D. — ung. 

X Nachſchachern, v. intrs. Nachſchachteln, v. intrs, u, tes. ſ. 
Nach. D. Nachſchachern ıc. 

1. Nachſchaffen, v. trs. untegelm. (f. Schaffen). 1) Nach dem Bor: 
gange, Belfpiele eines Andern ſchaffen, hervorbringen, fhaffend nach⸗ 
ahmen. „Gedanken, — bie kein Gefander kennt, einer nachſchafft.“ 
3. 9. Richter. 3») Binten nad, nah Anderem, fpäter ſchafſen. 

D. Nachſchaffen. D. ung. 

3. Nachſchaffen, v. trs. (K.) 1) Hinter ber ſchaffen, d. h. bewirlen, 
dafür forgen, daß nachgebracht, nachgeſchiiet werde. Einem Abges 
reiſeten bie zuruͤkgelaſſenen Sachen nachſchaffen. =) Hinten nad, 
fpäter fhaffen; wie auch, dazu ſchaffen, anſchaffen. Dieſe Sachen 

- find erſt nachgeſchafft. D. Nachſchaffen. D. — ung. 

Naͤchſchaͤften, v. trs, nah Anderem, fpäter ſchaten. D. Nachſchaͤf⸗ 
ten. —ung. 

"Nachfchäkern, v. intrs. f. Nah. D. Nachſchaͤkern. 

Nachfchälen, v. trs, nad Anderem, noch dazu ſchälen. D. Nachſchä- 
ten. D. —ung. 

Der Nachſchall, —et, 34. —e, ber nad bem eigentlihen Schalle 
noch fortbauernde, hörbare Schall. 

Nachſchallen, v. ntr. regelm. u. untegelm. (f. Schallen) mit haben. 
1) Dinter ber, wie aud, hinten nach fallen, d. h. als ein Schall 
hörbar fein. 2) Einen Rachſchall, als einen Rachſchall hören laſſen, 
von ſich geben. — ber Abgrund 

Scholl hohl brönend ihm nad. — Baggefen. 
Auch mit der Fügung eines trs. . 
Caura ſcholl mir bas Thal, Laura ber Hain mir nad. Bahn, 
D. Nachfchallen. &. auch der Nachſchall. 

Nachſchanzjen, v. intrs. 1) Rach bem Borgange, nad) ber Meife eines 
Andern fhangen, 2) Nachdem Anderes vorber gefhanzt ift ſchanzen. 
D. Nachſchanzen. 

Nahfhärfen, v. intrs. u. trs. hinten nah, nad Anderem mie auf, 

 nohmahls, noch mehr ſchüͤrfen. D. Nachfhärfen. D. —ung. 

Nachſcharren, v. intrs. u, trs, ı) Nad eines Beifpiele, Weife ſchar⸗ 
zen, 2) Hinter her, wie auf, hinten vach fharren, und noch dazu 
fharren. 2) Rah etwas fharren, fcharrend nah etwas fireben, 
duch Scharren, Xuffharren zu finden, zu bekommen fuhen. Im 
Sande nachſcharren. D. Nahfharren. D. —ung. 

O Nachſchatten, v.trs. 1) Rach Anderem, binten nad ſchatten (nad: 
schattiren). 2) Den Umriſſen, welche ber Schatten hat folgenb nad: 
bilden, abbilden. Ginen Kopf nachſchatten, ein Schattenbilb bas 
von machen (silhouettiren), D. Nachſchatten. D. —ung. 


O Der Nachſchatten, —s, 3m. gl. ein nadgebildeter, aurädgewors 


Gampe’s Wörterb, 3. Th 


417 


Nachſchi 


fener Schatten, J. B. bas Sitb eines Schaitent im Spiegel. — 
und er war unwillig, daß die kindiſchen Spiegel umher ber einzigen 
Göttinn fo viele Nachſchatten nachzuſchicen wagten.“ I.P.Rihter. 

Nahfhägen, v. intrs. u. trs, Nachſchaudern, v. ntr. mit haben, 
f. Rad. D. Nahfhägen, Nachſchaubern. D. — ung. i 

Nachſchauen, v. intrs, 1) A Binter her fhauen, mit ben Blicen 
verfolgen, Einem nachſchauen. 2) Nach etwas ſchauen, um ben Zuſta nd 
befielben zu erfahren 2c. ; nachſehen. D. Nachſchauen. D. —ung. 

Der Nachſchauer, —s, M. gl.; die —inn, Di. —en, eine Per: 
fon, welche nachſchauet, befonters welche nah etwas ſchauet ob ed 
in Ordnung ift, in welchem Zuſtande es fi befindet ze. 

Nachſchaukeln, v. I intrs, 1) Mit haben, nad ber Weife efnes Ans 
been fhaufeln, 2) Mit fein, in ſchaukelnder Bewegung nachfolgen. 
II) trs, in ſchaukelnder Bewegung nachfolgen Taffen. — D. Nach⸗ 
ſchaukeln. D. —ung. 

Nachſchaͤumen, v.ntr. 1) Mit haben, binten nad fhäumen. 2) Mit 
fein, hinter ber ſchaumen, ſchaͤumend nachfolgen, 3. B. fließen ıc.. 
Auch wol uneigentlih als intrs, ſchaͤumend 5. B. vor Wut, nude 
eiten. D. Nachſchaͤumen. 

Nachſcheiden, v. unzegelm. (f. Scheiden). T) trs. nad Andern fcheie 
den, II) intrs, nachdem ein Anberer gefchieben ift ſcheiden, fi 
trennen. Uneigentlid und als ntr, nad) Andern bon ber Erbe ſchei⸗ 
ben, fterben. Ich werde bir bald nachſcheiden. — D. Nachſchei⸗ 
ben. D. —ung. 

Der Nachſchein, —es, 0. M. ein Schein, welden ein fheinenber 
Körper nach feinem Verſchwinden noch zurücläßt. „Der rotbe Mache 
fein der untergegangenen Sonne." Bürde, (R.) Auch uneigentlid, 
ein nahagebliebener Schein, Glanz. 

— ber erften Herrlichkeit Nachfchein. Sonnenberg. 

Nachſcheinen, v, ntr. unregeim. (f. Scheinen) mit haben, Hinter bee 
feinen, einen Schein hinter ber werfen; wie au, hinten nad ſchei— 
nen, einen Schein nad) fi zurädiaffen. Zuwellen aud wol, fpäter 
ſchelnen. D. Nachſcheinen. 

Nachſcheitern, v. atr. mit fein, f. Nah. D. Nachſcheitern. 

Nachſchellen, v. I) trs. hinter her ſchellen. II) ntr. mit haben, Hin 
ten nad jhellen, gleich einer Schelle ertönen. — D. Nachſchellen. 

Nachſchelten, v. intrs, u, trs, unregelm. (f. Schelten), inter her, 
wie aud, hinten nad ſchelten. D. Nachſchelten. 

Nachſchenken, v. trs. Hinten nad, nad oder zu dem ſchon Geſchent. 
ten fhenten. D. Nachfchenten. D. —ung. 

Nachſcheren, v. unregeim. (f. Scheren). I) trs. nad Anbern, fpäter 
ſcheren, wie aud, nohmahls oder mehr fheren. II) X rec. Sich 
nachſcheren, fih hinter einem ber begeben, fih nad ihm fortbegeben; 
als ein verähtliher und harter Xudbrud, wofür man auch ſich made 
paden fagt. — D. Nachſcheten. S. aud die Nachſchur. 

Nachſcherzen, v. intrs. ı) Rad eines Peifpiel, Weife [hevjen, 2) Mit 
fein, fherzend nachfolgen. D. Nachſcherzen. 


— 


Naͤchſcheuchen,x. trs. ſcheuche nd nachtreiben. D. Nachſcheuchen D. — ung. 


Nachſcheuern v. intre. u. tes, ı) Hinten nad, nad andern Dingen 
feuern. 2) Rad eines Entfernung weil er es nöthig gemadt hat 
feuern. D. Nachſcheuern. D. —ung. 

Nahfhichten, v. tre. 1) Rah eines Weifpiele ober Weiſe ſchichten. 
2) Rach Anderem ſchichten, ſpaͤter zu Anderem fhihten. D. Nach-⸗ 
ſchichten. D. —ung. 

Nachſchicken, v. intrs. u. trs. 1) Hinter ber fhiden, Ginem jemand 
nachſchicken, jemand hinter ihn her ſchicken, beſonders ihn einzubelen ıc. 
Einem etwas nachſchicken, was er vergeffen bat oder noch mitnehmen 
fol. 2) Hinten nad, fpäter fhiten. D. Nachfchiden. D. —ung- 

Nachſchieben, v. intrs. u. trs. unregelm, (f. Schieben). ı) Nah 
eines Borgange, Beifpiete ſchieben. =) Binter ber fhieben, Den 
Karren nachfchieben. Gine Kuger nachſchieben. Dann auch, ſchie⸗ 
bend nachhelfen, die Bewegung dur Schieben erleichtern. 5) Rah 
einem Andern, ihm nachfolgend ſchieben; auf der Kegelbahn, Ei 


53 


Nachſchi 


nem nachſchieben. 4) Dinten nach ſchieben, das au ſchleben Ver— 
ſaͤumte nachholen. Eeine Kugeln, feinen Stamm nachſchieben. 5) Als 
inirs. mit fein, ſchneil und * nacheilen. S. Schieben. D. Nach⸗ 
ſchieben. D. —ung. 

pe Nachſchieber, —, 5. gl. einer der nachſchiebet, in den vers 

- fhiedenen Bedeutungen biefes Wortes. In ber Raturbefhreibung 
werben die Schwantfuͤße Nachſchieber genannt, weil fie den Körper 
gleihfam nachſchieben. S. Schwanzfuf. 

Nachfkbielen, v.intrs. ſchielend nahfeben. D. Nachſchielen. D. —ung. 

Nath ſchießen, vr. unzegeim. (f. Schießen). I).intrs. u. trs. ı) Rad 
eines Borzange, Beilpieie ſchiefen. 2) Rah einem Andern, in Ks 
fehung der Orbnung, fihießfen. 2) Hinter ber ſchießen, ein Geſchoß 
nachſenden. — Gr wollte flich’n; 

Doch Agamemnon ſchoß bie Lanze nach. Bünger, ‘m, ) 
Beſondere, aus einem Feuergewehre hinter ber fhiefen. Einem eine 

» Kugel nachfäyiefen. 5) Binten nad, fpäter ſchießen, mit dem Feuer⸗ 
gewebre treffen, erlegen. 4) Dinten nad, nad) ober zu bem was 
ſchon an Beide bergefchoffen oder zuſammengeſchoſſen iſt herſchieſen, 
hergeben. Roh Gerd nachſchießen müfen. S. Nahfhuf. 5) Als 

‚ Äntes, allein mit fein, fchnelf, plögtich und mit Gewalt nacheilen. 
II) ntr, mit fein. 1) Plöglich und ſchnell nachfallen. „Die: noch 
immer nacfhiefenden Trümmer.“ Kofegarten. (R.) Auch vom 
Waſſer, fhnel und grwaltfam nahfiefiten. 2) Hinten nad, nad) 
Anderem in die Höhe fdhießen, im fihnellen Wachsthum folgen, aud, 
das Abgeſchnittene x. ſchnell wachſend erfegen. — D. Nachſchießen. 

Raͤſſdifen v. intrs, u. trs. (R.) ı) Dinter ber fjhiffen, zu Schiffe 

nachfolgen. Einem — — 2) Zu Schiffe nachführen, Bu 
fhafen. D. Nachſchiffen. D. —ung. 

Nachſchildern, v. trs. 1) Rach dem Beiſpiele, ber Weiſe er ns 
been (dübeen. 2) Schildernd nachahmen, nachzeichnen. D. Nach⸗ 

ſchilbern. D. —ung. 

O Der Nachſchimmer, —$, 2%. u. ein nahgeworfener Schimmer, 
wie aud, ein nachgebliebener Schimmer. »— indem. er den Mady 

ſchimmet eimer tief im Auge liegenden — Glut doch nicht ganz ver 
barge ıc. E. Wagner. 

Nahibimmern, v. ntr. mit haben. 1) Seinen Schimmer nachivers 
fen. 2) Nach einer geiwiffen deitenod; fhimmern. D. Nachſchimmern. 

Nachſchimpfen, v. intet. u. ixs. 1) Nach eines Meife, Beifpiele [himpfen. 
2) Hinter her ſchimpfen, Schimpfworte nachrufen. — ob fie mie 
nachſchimpfen oder fluchen.“ ungen. R. D. Nahfhimpfen. 

Nachſchinden, v. trs. unregeim. (ſ. Schinden). 1) Rach Eines Vor: 
gange, Beiſpiele ſchinden. 2) Rach Anderem, ſpaͤter ſchinden. D. 
Nachſchinden. D. —ung. 

Der Nachſchirrhaken, —s, My. ala bei den Seilern, ein eifernee 
Haken an einem lanaen Etiele womit ber Seiler bie ftarlen Faden 
ausjiehet, wenn er fie an ben Nachfhlagehafen befeftigen will, da: 
mit er fid) beim Ausziehen nicht die Pand verlege. 

x Nacfdylabbern, v.intrs. u.trs, 1) Binten nad fhlabbern, ſclab⸗ 
bernd genießen. 2) Einem nadfhmwagen. ©. Schlabbern. D. Nach— 
ſchlabdern. 

Nachſchlachten, v. intrr. m ir. 1) Rah eines Vergange, Weife 
fhlahten. 23) Rad andern, noch dazu fhlachten Noch ein Thier 
nahfhlachten. IH + nir. mit haben, im Rt. D. von Schlacht, nas 
fürliche Art, für nacharten, in weicher Bedeutung — auch nach⸗ 
ſchlagen gebraucht. S. d. — D. ————— —ung. 

Der Nachfchlag, — es, Dr. — ſchlaͤge. 1) Ein Schlag, welcher 
aachgegeben wird, —8* binten nach erfolgt, trifft. 

Ach! mie viel Fahr umringe ben Donna 
Der kaltes Eifen taftet an. 
Mitten in feinem Siegsgenuß 
Foelgt ihm ber Nachſchag auf dem Auf. — ) 
2) In ber Zonkunft verſteht man darunter eine Note, welche nad 
einer andern, bie mehr gilt, angeſchlagen oder gehört wird; zum 


418 


Nachſchl 


unterſchiede vom Vorſchlage und Aufſchlage. 5) Etwas das nachge⸗ 
ſchtagen iſt. Dieſe Münze iſt nur ein Machſchlag. 

Der Nachſchlagehaken, —s, Mz. gl. bei den Sellera, ein auf eis 
nem mit Steinen belegten Schlitten befeſtigtes Geftell, woran bie 
Enden der Eden zu einem ‚Zaue gelegt werben, wodurch fie ſtraff 
angezo⸗ gen werben, indem nämlig die andern Enden ans Klappers 
gefhirr angelegt find. 

Narbfihlagen, v. unregelm. (f. Schlagen). I) intrs. u. trs, 1) Dim 
ter, ber ſchtagen, wie auch, hinten nad ſchlagen. Mit dem Stocke 

nachſchlagen. Den Bat nachſchlagen. Im ter Tonkunſt, nad eis 
ner andern Note, nah einem andern anihlagen, bösen laffen. 
Eine Note, einen Ton nachſchlagen. S. Nachſchlag. 2) Dura 
Schlagen nachbilden. «Feld nachſchlagen. 5) Durch Schlagen b. d. 
Graben nahforfher, auffuchen; im Bergbane, Einem Erze, einem 
Gange nachſchlagen. "Dafetsft heißt nachſchlazen auch, bie Erde 
ober Gänge, wenn fie verfhramt find, Loofhlagen und gewinnen; 
auch, nachgewinnen. 4) Aufſchtagen und nachforſchen, nahfuchen. 
Eine Stelle in einem Buche nachſchlagen, das Buch auſſalegen und 
die Stelle darin ſuchen. 

Biel alte Wappenbücher ſchlug ih nah. Schiller. 

AM) ntr, mit fein (mach Ad. mit haben), nach eines Andern Art eine 
(Hagen, feinen Schlag, d. b. feine natürliche Art befommen ; im. D. 
nachſchlachten. „Wo ſchlagen die Kinder den Äitern ähnlicher nach, 
als bei den Miiden, Grönländern und Quäkern« I. P. Ridter, 
— D. Nacfhlagen. D. —ung. 

Der Nachſchlaͤger —s, =. gl. einer ber nachſchtäͤgt. ©. Nach 
fhlagen: 

x ———— vr. intrs. Nachſchlampen, v. intrs. ſ. Rad. 

D. Nahfblampampen ı. 

Nahiclängeln, v.ntr. u. reo, fhlängelnd, in Schlangentinien nad» 
folgen, ſich nachziehen. D. Nachſchaͤngeln. 

x Nachſchlarfen, v. intrs, mit fein, ſchlarfend, in Schlarfen nachge⸗ 


1) _ 


ben. D. Nacıfhlarfen. 
Nachſchleichen, v. intrs. untegeim. (f. Schleichen), mit fein. 
Rad bem Beifyiele, nach ber Weife eines Andern ſchleichen. 2) Binz 


ter ber fihleihen, ſchleichend nachfolgen. Finem nahfhleihen. Auch 
X ald'ree, ſich nahfäleihen. Beſonders, hinter her fchleihen um 
zu belaufen, etwas zu erfabren, heimlich zu befommen, Er ſchleicht 
‚ ihm auf. allen Fritten nah. Unelgentlich, nachſpüren, nachforſchen. 
Wenn der Philoſoph der Natur in ihrem verborgenen Gange nach⸗ 
ſchleicht.“ Sonnenfers D. Nahfhleihen. D. —ung. 

Der Nachichleider, —s, IM. al: die —inn, Mi. —en, eine Per 
fon, welde nachſchleichtt, befonders etwas zu erfahren, zu erwifdhen, 
In engerer Bedeutung © für Nahsigter; auch Feldſchleicher (Trai- 

, mer); G, 

1. Nachſchleifen, v. iutrs. u. trs, Anregelm. (ſ. Schleifen). 1) Rah 
der MWelfe eines Andern ſchteifen, durch Reibung glätten ober ſchaͤr⸗ 
fen. 2) Hinten nach, nechmahls, oder dazu ſchlelfen. D. Nach-⸗ 
ſhleifen. De —una. 

@. Nachſchleifen, v. 1) txs. 3) Hinter her ſchleiſen, auf der Schleife 
hinter ber ziehen, fahren. Dann überhaupt, über den Boden hin⸗ 
tee ſich ber ziehen. 

Hart yeinigt’ ihn der nachgefdueifte Speer. Bürger (M.). 
a) HBinten * ſchleefen, nach Anterem ſchleifen. Eine Note nach⸗ 
ſchleifen, fie nach andern Neten geſchleift vortragen. IT) ntr. mit 
haben, Hinten bee ſchleifen, über ben Beben bin cinem Buge nad: 
folgen. — der nachfchleifende Saum ihres Mantels.« 3. P. 
Richter. — D. Nachſchleifen. D. — ung. 

Nachſchlendern, v. intrs. mit ſein (R.), mit langſamen nachläͤſſigen 
Schritten nachgehen, nachforgen. 

Oder dem Rich nachſchlendern. 
D. Nachſchlendern. 
Nachſchlenkern, v. intrs, u. trs, 3) Rad dem BVeiſpiele, ber Weiſe 


Glubius. 


Nachſchl 


eines Audera ſchlenkern. 2) Hinter ber ſchleukern. D. Nachſchlenkern. 
Nachſchleppen, v. D ırs. 1) Hinter der ſchleppen. Ein Schiff nad: 
ſchleppen, ei am Schlepptau binter fid ber ziehen, fortzieben. 
x Sic nachſchleppen, mühfam und mit Beſchwer nachfolgen. Doch 
ift der Begriff des Shweren und Mühſamen bamit nicht nothwen— 
big verbunden. 
Gr (der Vogel) fhleppt des Gefängniffes Schmach, 
Mod ein Stüdhen bes Fadene, nad. Goͤthe. 
2} + In minden ©. ©. Gegenden für nabrehen. ID O intrr, 
ſchleppend db. h. langſam und fid verfpätend vortragen, im Spiel 
hinten bieiben; in ber Zontunft. i 
Bald eitt men vor, balb ſchleppt man nad. Bürbe, 
IM) X ntr. mit haben (&.), ſchleppend, b. b. herabhangend unb 
auf dem Posen fhleifend nachgezegen werden. Das Kleld ſchleppt 
nach. S. Nachſchteifen ID. D. Nachſchleppen. D. —uns. 
Nachſchleudern, v. D) trs. dinter ber ſchleadern, ſchleudernd nachwer⸗ 


fea. Und ſaleuderte das eine Schwert dem andern nadır J. P. 
Nichter. 11) nir. 1) Mit fein, ſchleüdernd, geſchleudert nachflie⸗ 
gen, 2) Mic haben, nad etpas Anderem, ihm folgend ſchleudern, 


geihlestert fliegen. — D. Nachſchleudern. Di —ung. 

Nachſchließen, v. intrs, unregeim, (ſ. Schliefen). 1) Nach eines 
Reiipieie, Weife ſchließen, einen Säluß sieben. 2») Hinten nad 
ſchlleden, den Schluß ziehen. D. Nachſchließen. 

Nachſchlingen, v. iatrs. uaregelm. ¶i⸗Schlingen), nad Anberem, bins 
ten nach fhlingen. D. Nachſchlingen. D. —ung. 

Nachfchloßen, v. imp, hinten nad, nochmahls, nod dazu fiofen. 
D. Machſchleßen. 

x Nachſchlottern, v. Dante. mit haben, ſchlotterig herabhangend, 

eder ſchlotterad nah gezogen werden. IL} intrs, mit fein, ſchtotternd 

nachfolgen, nachzieden. — D. Nachſchlottern. 

Nachſchluchzen, v. DH intrs. 1) Ned eines Seiſe ſchluchjen, ‚bus 
Echluchzen eines Andern nachahmen. =) Sinter ber ſchluchzen, einem 
ſich Entferzenden fein Schluchzen folgen taffen. ID ntr. mit fein, 
ſchluchzend nahfoigen, 111) irs. ſchluchze nd nachrufen. — D. Nach⸗ 
ſchluchzen. 

Nachſchlucken, v. intrs, u, trs. 1) Rach eines Andern Weiſe ſchtuk— 
ken, 2) Hinten nach, nah Anderem ſchtucken, verfiiuden. D. Rach⸗ 
ſhluchen. D. — ung. 

X Nachſchlumpen, vw. intrs. mit fein, ſchtumpig, in nahläffigem, 
liederlichem Hazuge ze. nachfolgen. D. Nachſalumpen. 

Nachſchluͤpſen, v. iates, u, ner, mit fein, hiater her ſchlüpfen, 
ſchnell, leicht und unvermerkt nacfsiaen, 

Sie ſchlüpfen herund bunte Jephors ſhluͤpfen nach. X. A. Shmir. 
D. Nachſchluͤpfen. 

Nachſchlürfen, v. intes, u. trs, ı) Nach dem Beiſpiele, der Weiſe 
eines Andern fhlürfen. _ 3). Dinten nah, nad Anserem ſchlürfen, 
ſchuefend zu ſich nehmen, In ih ziehen. D. Machſhlütfen. D. —ung. 


Dir Nachſchlaͤſſel, —e, I. gl. ein nach Art des rechten Schlüſſets 


pemicter Shräfel, ber nach oder aufer Kam rechten ein Schloß 
fügiiegetz ein Keifchlhidel,sund an er zu Diebersien , gebraucht 
wird, Diedeſchluͤſſel, Dieterich. 

Nachſchmachten, ‚v.intes. u. ırs, mit haben, ſ. Nach. D. Ned: 
fhmastten. 

Der Rachſchmack, —et, My. u. ſ. Nachgeſchmack 

x Nahfhmabdern, v. intrs, u. irs ſchmadderig d. h. ſchlecht, ne 
tzecſt nachſcheeiden, nechmahlen. D. Nachſchmaddern. D. —ung. 

Nachſchmaͤhen, X Nachfehmilen, v. intzs. 1) Nach dem Beiſpiele, 
der Weiſe eines Anbern ſchmaͤhen, ſchmälen. 2) Pinter ber färmis 
ten; Schmähworte oder Schmäbreben nadhenfen. D. Nachſd maͤhen. 
D. — ung. 

Nachſchmahen, *. inirs, ſ. Rab. D. Nachſchmatzen. 

x Nachſchmauchen, v. inirs. u. ters. 1) Rah bem Beiſpiele, ber 
Weiſe eines Aadern fhmsuden,, 2») Hinten nad ſchmauchen, nad 


419 





Nachſchn 


ben man ſchon geſchmaucht hat ſchmauchen. Noch ein Pfeifchen 
nachſchmauchen. D. Nachſchmauchen. D. —umg. 

© Der Nachſchmaus, —ıs, Mz. — ſchmaͤuſe, ein nad einem an⸗ 
been Schmaufe, dem Hauptihmaufe, oder nah dem eigentlihen Ta— 
ge, nach gefchebener Sache gegebener Schmaus. 

Und aus dem Hodzeittage bei und wird trodener Nachſchmaus. 
E Bof, 

Nachſchmauſen, v. intrs. u. ire. ı) Nah dem Weifpiele eines Ans 
bern ſchmauſen. 2) Hinten nach fhmaufen. D. Nachſchmauſen. 

Nachſchmecken, v.I)ntr. mit haben, nah dem eigentlichen Geſchmacke 
noch eineh anderen ſchwaͤchern auf ber Zunge nachlaſſen, verurfachen. 
Diefe Speife fhmedt unangenehm nah, bat einen unangenehmen 
Nach geſchtnack. M) intrs, nad dem Peifpiele eines Andern ſchmeke 
ten, verſuchen. — D. Nachſchmecken. 

Nachſchmeicheln, v. intrs. f. Nach. D. Rachſchmeicheln. 

x Nachſchmeißen, v. intrs. 1. tr. unregelm. (f. Schmeifen), fa 
viel ais nahwerfen. S. d. D. Nahihmeisen. 

Nachſchmelzen, v. D nr. unsegeim, (f. Schmelzen), mit fein, bins 
ten nach, fpäter ſchmelgen, fläffig werben. IT) intrs. u, £rs. regeim. 
x) Nach der Weiſe eines Ändern fhmelseg, Mäfie maben, 2) Hin⸗ 
ten nach, noch mehr, nad dezu ſchmelzen. — D. Nachſchmelzen. 
D. —umng. 

O Der Nachſchmerz, —ens, By. —en, ein binten nad) oder nach⸗ 
her empfundener, wie auch, ein nach oder auf etwas folgender, an- 
baltender Shmerz, „Ein bioßer Nachſchmerz über Liane (dien fein 
Zuſtand nie mebr mu fein" 3. P. Hidter. 

Nachſchmerzen, v. atr. mit heben, hinten nach ſchmer zen. D. Nach- 
ſchmerzen. 

Nachſchmettern, vw. I mtr, mit ſein, ſchmetterud, mit Meichmetter 
nachfallen, nachfliegen. IT) intrr, u. trs. 7) Schmetternb nah mer 
fen. 2) Mit ſchmetternder Stimme nachfingen; ungewoͤhnlich. — 
D. Na bſanmettern. D. —ung. 

Nachſchmieden, v. intrs. u, tes, 1) Nach dem Beiſpiele, ber Weife 
eines Andern fhmieben, 2) Schmiedend hacbilden. TI Hinten nad, 
nach Anderem, ncch dazu ſchmledea. D. Nachſchmieden. D, —ung. 

O Nachſchmiegen, v. rer. ſich nahfdmieren, ſich mac erwas, dem: 
feiben gemäß ſchmiegen; eigentlich und uneigentlid. — und das 
fie megen großer Übereisftimmung ihrer eigenen Gemütbsort mit 
ber feinigen, fi in allen Mrämmungen und Wendungen feine kaune 
ibın nachzuſchmiegen und ihn faft immer zu ihrer Abſicht herumzu⸗ 
belen wußte. Engel, D. Nachſchmiegen. D. — ung. 

Nadfiomieren, v. intrs, u. trs. 1) Mach eines Weifpiele, Meile 
ſchenirren. =) Sinten nah, nochmakls, noch mehr fhmieren. 5) 
X Eitig und ſchlecht nachſchreiben. D. Nachſchmieren. D. —unse. 

x Der Rachſchmierer, — 5, My. gl. einer der nachſchmieret, eilig 
und ſchlecht nachſchrelbet. 

Nachſchminken, v. intrs. u. tes. 1) Madı eines Beifpiele, Weife 
fhminten. 2) Rachdem ſchen geſchminkt ift, nochmals ober noch mehe 
füminten. D. Nachſchminken. D. —ung. 

Machſchmoren, v. I) ters, nah eines Weiſe fhmoren, ID mtr, mit 

a binten nad, neh mehr fhmoren. — D. Nachſchmoren. 
. —ung. , 

Nachſchmuͤcken, v. trs. 1) Mach eines Peifpiele, Weite ſchmücken. 
2) Binten nach ſchmuͤcken, nch mehr ſchmücken. D. Nahfhmüden, 
D. —ung. . 

X Nachſchmunzeln, v. intrs: Nachſchnappen, v. intes. ı. ntr, 
mit haben. f. Nah. D. Nachſchmunzein ıc, 

x Nachſchnappſen, v. hntr. mit haben, hinter her ſchnappfen d. $, 
fhnappen. , 11) intrs. u, trs. hinten nad, nachdem man fhon ges 
ſchnappſt bat noch ſchnappſen, einen Schnapps, ober etwas als 
Ehnapps trieken. — D. Nadichnanrfen. 

Nachſchnarchen, v. intrs. das Schnarchen eines Andern nachmachen. 
D. Nachſchnarchen. 


Nachſchn 


Nachſchnarren, v. D intrs, mit haben, ſchnarrend nachtbnen, ſchnar⸗ 
rend hinten nad gehört werden. II)trs, ſchnarrend nachtonen laſſen. 
Den Ruhm ber Amadis und Eide nachzuſchnarren. Wletand. 3. 

D. Nachſchnarten. 

Nachſchnattern, v. intes, u. trs. 2) Das Schnattern nachahmen. 
») X Schnatternd, d, h. viel und unverſtaͤndig nachreden, nachſpre⸗ 
den; veraͤchtlich. D. Nachſchnattern. 

Nachſchnauben, v. intrs. u. trs. 1) Rad eines Meife ſchnauben. 
a) Hinter her ſchnauben, ſchnaubend nachrufen. 

Der König mies ihn ſchnoͤde von ſich ab, 
und ſchnob dies bonnernde Gebot ihm nach. Bürger. (®.) 
3) Hinten nad ſchnauben. D. Nachſchnauben. 

Nachſchnaufen, v. inte, Nachſchnaͤuzen, v. tr. f. Nach. D. 
Nachſchnauſen ıc. 

Nachſchneiden, v. intrs. u.trs, 1) Nach bem Worgange, ber Weile 
eines Andern ſchneiden. =) Mo ein Anderer angefangen bat zu 
fhneiden, fortfahren zu ſchneiden, weiter ſchneiden. 5) ‚Binten nad, 
nad ober zu dem Geſchnittenen ſchnelden. Roh Brot nachſchneiden. 
4) Schneibend, mit Hülfe von Schneidewerkzeugen nachbilden. D. 
Nachſchne iden. D. —ung. 

Nachſchneien, v. imp. mit haben, hinten nad, noch mehr, noch dazu 
Thneien, D. Nachſchneien. 

Nachſchnellen, v. ner, mit fein, und tre. hinter ber ſchnetlen. D. 
Nachſchnellen. D. —ung. 

X Nacfihniden, v. trs, hinter her ſchnicken. D. Nachſchnicken. 

Der Nachſchnitt, —es, 5. —e. 1) Gin hinten nad getbaner 
Schnitt, auch wol überhaupt, die Handlung da man etwas nach ⸗ 
fhneibet; ohne Mehrzahl. =) Etwas durh Schneiden Radgebilbetes, 

Nachſchnitzeln, Nachſchnitzen, v. intrs. u. trs. 1) Mad eines 
Beifpiele, Weife fhnigeln, ſchnitzen. 2a) Schnigeind, fhnigend wach: 
bilden. 5) Nah Anderen fnigeln, ſchuiden. D. Nachſchnitzeln, 
Nahfhnigen. D. — ung. 

x Nachſchnuͤffeln, v. intrs. 1) Schnüffelnd nachſuchen, nachſpüren. 
Schat NRiederd. Sprachen. R, =) Rah eines Beiſpiele, Weife 
fhnöffeln. D. Nachſchnuͤfſeln. D. — ung. 

Nachſchnuͤren, v. intrs. u, tre. 1) Mach eines Weiſe ſchnren. 2) 
Hinten nad, nohmels ſchnüren. D. Nachſchnuͤren. D. —ung. 
Nachſchnurren, v. I) nir. 1) Mit haben, binten nad ſchnurren, 
ein Schurren von ſich hören laſſen. 2) Mit fein, fhnurrend mad: 
fliegen. II) intrs, ı) Hinten nad ſchaurren, ein ſchnurrendes Cie: 
röufh ereegen. 2) Rah dem Morgange, Beijpiele eines An: 

"been ſchnurren. — D. Nachſchnutren. 

Nachſchoͤpfen, v. intrs. u. irs. 1) Rad eines Vergange, Melfpieie, 
Meife ſchoͤpfon. 2) Nach ober zu dem Geſchöpften ſchoͤpfen. D. Rays 
fhöpfen. D. —ung. 

O Der Nachſchoͤpfer, —e, Mi. al. 1) Einer ber nahfähöpft. =) 
Einer der einem Andern nahfhaffet, ein fpäterer, nahahmenber 
Cchöpfer. Als ich diefe zwei Machfihöpfer des verhäilten Urſcho— 
pfere verglich⸗ I. P. Mihter, 

Der Nachſchoß, — ſſes, My. —ſſe. 1) Eim Schoß, der nah andern, 
fpäter aufgefheffen ift, 2) Ein Echo, eine Abgabe, bie nad ans 
tern, abermahls gegeben werben muß. 

Nachſchoſſen, v.Intr,. mit fein, fo viel als nachfchiefen. S. d. I)N a). 
IM)ers, hinten nach ſchoſſen, als einen Schoß geben. — D. Nachſchoſſen. 

Nachſchrauben, v. intrs. u. trs, 1) Nach bem Beifpiete, der Meife 
eines Andern ſchrauben. =) Nachdem fhon geſchraubt ift noch mehr 
ſchrauben. D. Nachſchrauben. D. —ung. 

Nachſchreiben, v. inter. u. trs, unregelm. (f. Schreiben). 1) Nach 
eines Beifpiele, Weife ſchreiben. 2) Duch Schreiben nachbilden, 
nad etwas als einem Mufer ſchreiben. Cine Verigrift nachſchtei⸗ 
ben, 3) Den Morten eines Andern mit der Feder ac. auf bem Par 
picre re, folgen, feine Worte, fo wie er fie fagt, niederfihreiben, 
Tinen Vortrag nachfhreiben. Nachgeſchriebene Hefte, Auch, wie 


420 


Nachſchu 


ein Anderer geſchrieben hat ſchreiben. Einer ſchreibt dem Andern 
nah ohne ſelbſt zw denken und zu unterfuhen, 4) Hinten nad, 
nad ober zu dem fihon Gefhriebenen fhreiben. Dann aub, was 
feüher Hätte gefhrieben werden follen hinten nad fhreiben, nach 
holen, 5) ‚Hinter ber fhrelben, nachdem einer fört ift ihm einen 
Brief nahfolgen laſſen; wie auch, ſchriftlich nachmelden. Ginem 
nachſchreiben. Es wurde ibm nachgeſchrieben, daß ıc. Zuweilen 
auch mel 6) hinter eines Rüden von ihm fhreiben;' gewöhnlich im 
nactbeitigen Verſtande. Man hat ihm mancherlei nachgeſchrieben. 
D. Nachſchreiben. D. —ung. 

Der Nahfchreiber, —t, I. gl. einer ber nachſchreibet, befonders 
in der zweiten Bedeutung biefes Wortes, 

Nachſchreien, v. intrs, u. trs, unregelm. (f. Schreien). 1) Nah 
eines Beifpiele, Weile Schreien, fein Geſchrei nadahmen, =) Bin 
ter ber freien, laut nahrufen. „Ein Genanäifh Weib fAhrie 
Kriſto nahe Matth. 15, 22. 

Und Diomeb fhrie taut Cytheren nah: Bürger () 
D. Nachſchreien. 

Nachſchreiten, v. intes, unregelm. (f. Schreiten), mit fein. 1) Rach 
eines Vorgange, Meife fhreiten. 2) Mit gemeffenen Schritten 
nachfolgen. — wie er nachſchreitet und nachtraͤgt. I. P. Ride 
ter. D. Nachſchreiten. : 

Die Nahfhrift, By. —en. +) Eine nad) dem Mufter einer ane 
dern gemachte Schrift; in Gegenſatz der Vorfchrift. ©) Eine nad 

dem Bortrage eines Andern niebergefchriebene Schrift. 5) Eine 
hinten nad gefhriebene, der Hauptihrift angehängte Schrift, 
Nachſchrift des Herausgebers, Wefonbers, etwas am Ende eines 
Beiefes nah dem Echiuffe deſſelben nech Seſchriebenes (postscrip- 
tum). Gewöhnlich zeigt man bergleichen hinter Briefen mit ben 
Buchſtaben RD, S. an. 

Nadıfchröpfen, v. trs, Hinten nad, nad Anbern ſchroͤpfen. D. Nach⸗ 
ſchroͤpfen. D. —ung. 

Nachſchroten, v.trs. hinterher, wie aud, hinten nad; fehroten, noch 
dazu ſchroten. D. Nachſchroten. D. —ung. 

Der Nachſchroter, —t, Bi. gl. 1) Einer ber nachſchrotet. 2) Bei 
den Brunnenmachern, ein grober Cöffelbohrer, womit bie Löcher im 
den Brunnenzägen erweitert werben. 

Der Nachſchub, —es, 34. — ſchuͤbe, die Handlung‘, da man nade 
fhiebet, ber Schub, melden man nad) einem Antern, auf ibn fol: 
gend bat; beſonders im Kegelfpiele, wo man in manden Gegenden 
auch Nachſchuß und mie Ab. bemerkt & Nachſitz dafür ſagt. 

x Nachſchuppen, Nachſchuͤppen, v. intre. u, trs. 1) Roc eines 
Belipieie, Weife fhuppen, fhüppen. =) Hinter ber, wie aud, hin— 
ten nad, noch dazu fchuppen, fihüppen. D. Nachſchuppen, 
Nachſchuͤppen. 

Die Nachſchur, Mz. u. eine nad ber eigenttichen Schur noch vorge: 
nommene Schur. 

Nachſchuͤren, v. intrs. u. tr. 1) Hinten nad, nachdem ſchon ger 
ſchuͤret it, nochmahls, noch mebr ſhüren. 2) Schürend nadhber 
noch dazu than. „Ber kann bie Ütherflimme der Menfhentiche 
unter fo vieten Menfhen, bie fe ausgießen, erſticken und über— 
bauen, genug Brennftof nachſchuͤren.“ 3. P. Rich ter. O. Nach 
ſchuͤren. D. —ung. 

x Nachſchurren, *. atr, u, intrs, mit fein, f. Nachfeolgen. O. 
Nachſchurten. 

Der Nachſchuß, — ſſes, Mz. — ſchuͤſſe. 1) Die Hantlung, da man 
nechſchleßt; ein Shuf, welcher nah einem andern geſchtebt. ©. 
auch Nachſchub. =) Etwas das nachgeſchoſſen wird, befonbers nadı: 
geihoffenes Geld. Dann, ein nad bem erſten Weitvrane noch bins 
ten nad gegebener zweiter Beitrag. 5) Etwas das natfhieft, 
von neuen ſchnel in die Höhe währt ober gewachfen ifl. Im Bein: 
bare mander Gegenden wird auch derjentge Woft, welcher bur 
Treten ober Preffen derausgebracht wird Nachſchuß genaunt; aud, 


Nachſchuͤ 


der Nachbrud, in Gegenſatz des Vorſchußes oder Vorlaufes. 
Nachſchuͤtteln, v. intrs. u. trs. ı) Rah bem Borgange, ber Meife 


421 


Nachſe 


2) Hinter Ser ſchwimmen, ſchwimmend folgen. 
ſchwimmen. 


D. Nach⸗ 


eines Andern ſchuͤtteln, das Schuͤtteln nachahmen. Mit dem Kopfe Nachſchwindeln, v.ntr. mit haben und fein. Nachſchwinden, v.ntr. 


nachſchuͤtteln. =) Dinter ber, wie auch, binten nad, nach ober zu 
dem ſchon Geſchuͤttelten f[hüttein. Roh Obſt nachfchätteln. „Wenn 


du beine Obſtbaͤume haft gefhättelt, fo font du nicht nahfhätr Nachſchwingen, v. trs. unregelm. (f. Cchtwingen). 


ten." 5. Mof. 24, 20. D. Nachſchuͤttein. D. —ung. 

Nachſchuͤtten, vw. trs. hinter her, wie auch, hinten nach, nad} ober 
su bem ſchon Gefhätteten [hätten D. Nahfhätten. D. 

- ung. 

Nachſchwanken, v. atr. u. intrs. mit fein, f. Nachfolgen 3). D. 
Nachſchwanken. 

x Nachſchwaͤnzen, D v. intrs, mit fein, In ber gemeinen Sprechart 
und verädtlic für nachgehen, nachfolgen. IE: trs. nach eines Ans 
dern Beifpiele, Weiſe ſchwaͤnzen, d. h. verfäumen, S. Schwaͤnzen. 
— D, Nachſchwaͤnzen. 

Nachſchwaͤren, v. mtr. unregelm. (ſ. Schwaͤren), mit haben, hinten 
nah ſchwaͤren. D. Nachſchwaͤten. 

Der Nachſchwarm, —es, By.— ſchwaͤrme. 1) In der Bienenzußt, 
ber nad dem erften folgende, d. h. ber zweite Schwarm von einem 
Bienenftode in einem und bemfelben Sommer; in Segenfat des 

Vorſchwarmes. 3) Ein nachfolgender Shwerm. ‘„Er meinte fei- 
nen Rachtrab und Nachſchwarm von einem halben Duhend Iuns 
gen" 3. P. Richter. 

Nachſchwaͤrmen, v. imtrs, 1) Mit haben. (1) Nach dem Meifpiele, 
der Meife eines Andern ſchwaͤrmen. da) Hinten nad, nah Ans 
bern, fpäter ſchwaͤrmen. 2) Mit fein, ſchwaͤrmend nachfolgen. D. 
Nachſchwaͤrmen. 

Nachſchwarzen, *. mtr. mit haben, hinten nad ſchwatz werten, 
noch mehr ſchwarz werden. Die Kupferftihe ſchwatzen nach, wenn 
fie ber Luft ausgefent find. Bon ben Farben gebrauhen bie Mabier 
in biefem Kalle nachdunkeln. S. d. D. Machſchwarzen. 

Nachſchwaͤrzen, v. trs. hinten nach, nochmahls, noch mehr ſchwaͤrzen. 
D. Nachſchwaͤrzen. D. — ung 

Nachſchwatzen, v. intrs. w trs. ) X Das Schwatzen, Neben eis 
nes Andern nahahımen. 2) Auf-tine geſchwaͤtzige Weife nachreben, 
nachſprechen, in allen Bebeutungen; auch überhaupt fo viel wie 
nahreben, nachſprechen. „Da mar kein Weibchen, bas nidt ben 
naͤchſten Abend fein Urtheil vom Schaufpiele und Schaufpieler nadıs 
ſchwatzte.· Meißner. (R) D. Nachſchwahen. 

Nachſchweben, v. mtr. u. intre. mit fein, hinter her ſchweben, 
fhwebenb nahfolgen; eigentlich und uneigentlic, 

— nachſchwebt' er dem Weiten, Sonnenberg. 
D. Rahfhmeben. 

Nachſchwefeln, v. trs, binten nach, nochmahts, noch mehr ſchwefeln. 

D. Nachſchwefeln. D. — ung. 


Nachſchweifen, v. I) intrs. mit fein, ſchweifend, b. h. ohne bes 


fimmten Zweck beim Gehen Habend, nachfolgen. 
und zum Rihthauf 
Schritt ber Zug, nachſchweifte der Volkaſchwarm. — Sennenb. 
IT) ir⸗. ſchweifend nachwerſen. — D. Nachſchweifen. D. —ung. 
Nachſchwelgen, v. intes. ſ. Nach. D. Nachſchwelgen. 
Nachſchwellen, v. mtr. unregelm. ſ. Schwellen), mit fein, hinten 
nach, nach oder außer dem was ſchon geſchwellen iſt ncch mehr fhmels 
ten. D. Nachſchwellen. 
Nachſchwemmen, v. trs. 


1) £inter ber ſchwemmen, b. b, binter 
ber fhwimmen mahen, 2) Kinten nah, außer bem fhon Ger 
ſchwemmten noch fhwenmen. D. Nachſchwemmen. D. — ung. 

Nachſchwenken, v. intrs, u. trs. x) Nah dem Muſter, der Weite 
eines Anderen ſchwenken. Hinter ber fhmerten, ſchwenkend nad: 
werfen. D. Nachſchwenken. D. —ung. 

Nachſchwimmen, v. mtr. u, intrs, unregeim, (f. Schwimmen), mit 
fin. +) Nach bem Veifpiele, ber Art eines Andern fchieimmen, 


unregelm. (f. Schwinden), mit fein, f. Nah. D. Nachſchwindeln, 

Nahfhwinten. 

2) Hinter her 
ſchwingen, mit einem Echwunge hinter her bewegen. 

Zövtendes Erz nachſchwingend. — Boß. 
So auch, ſich nachſchwingen, ſich mit einem Schwunge hinter her 
bewegen, ſich ſchwingend nachfolgen; eigentlich und uneigentlid. 
Ihm ſchwinge dich nach auf hohe Ehrenſtuſen. 
Sich bir auf Rewtons Pfad, o Mufet nachzuſchwingen. Us. 
3) Hinten nach, nachtem ſchon gefhwungen ift ned ſchwingen. D. 
Nachſchwingen. D. —ung. 

Nach ſchwirren, v, nir. u. intre, 1) Mit haben, hinten nad ſchwir; 
zen, ein ſchwirrendes Seräuſch vernehmen laſſen. a) Mit fein, 
binter Ser ſchwitten, ſchwirrend nachfolgen, nacfliegen u. dergl. 
D. Nachſchwirten. 

Nachſchwoͤren, v, intrs u. trs. 1) Rad dem Vorgange, Beiſpiele 
eines Andern ſchwoͤren. a} Hinten nach, nah Andern ſchwoͤren. 
D. Nachſchwoͤren. 

O Der Nachſchwung, —t, 94. u. die Handlung, da man etwas 
oder ih nachſchwinget, ein auf einen andern vorhergegangenen fol 
gender, ober nad etwas gerichteter unb es zu erreichen gemadhtes 
Schwung; eigentlich und.uneigentlih. Haͤlt mid auch ber Nach⸗ 
ſchwung in bie lichtvolle Höhe, aus ber dir herabfhimmerft, immer 
nod fern von bir.« Zhüämmel. ” 

Nachſegeln, v. intrs, mit fein, mit Hüffe ber Segel nachſchiffen. Ins 
eigentlich, im gememen Beben überbaupt fir nachfolgen unb befons 
ders, in ben Zob nachfolgen. D. Nachſegeln. D. —ung. 

Nachſegnen, v. intrs. u. tre. 1) Mach eined Vorgange, Beifpiele 
fegnen. 2) Hinter ber fegnen, Segenſpruͤche, Segenewünſche nach— 
folgen laſſen. 5) Hinten nah, nad Anderen ſegnen. D. Nachſeg⸗ 
nen. D. —ung. 

Nacfehen, r. intr. ı. ers. unregeim, (f. Sehen). 1) Binter ber 
fehen, mit ben Augen folgen; A nahfhauen, X nahguden. 
„Kies Bolt ſahe Mofe nach bis er in die Hüötte am. = Mof. 
55, 8. Umeigentlih, binter etwad Vorübergegangenes ober Ent 
gangenes gleihfam her ſehen, ohne es bekommen, genofien zu 
baben. Die Gelegenheit it uun entfhläpfe und ee mag nachfeben. 
Gewoͤbnlicher fagt man dafür das Nachſehben haben, nachſehen müfs 
fen, 2) Hinter etwas @efchebenes, das nicht geſchehen ſollte, gleiche 
ſam ber feben und hingehen Taffen, ohne Unwillen etc. daruͤber zu aͤu⸗ 
Been, ohne es gu ahnden c. Man muß Andern Manches nach ſe— 
ben, mein man nicht zu häufig ſelbſt VBerdruß baten will. „Denn 
länger fieht fie ihm nicht nach. Gellert. 

Aber woblan! bies wollen wir nabfeben einer bem andern. Boß. 
@in Glaͤubiger fieht bem Schuldner nach, wenn er mit Ibm nicht 
ſtreng verfährt umb ibm zur Besahlung Tänaere Friſt geſtattet. 
Unbebeutende Übereilungen fann man ben Kindern leicht nachſehen. 
In ähnlicher Bedeutung gebraucht man aud burch die Finger fes 
ben. S. Finger. Überfeben wird auch in äbntidem Zinne ger 
braucht, nur das dies von ber Sache, bie man hingehen füßt, nach⸗ 
fehen, aber von der Perfon, der man etwas hingehen läßt, gebraucht 
wird, unb dap Üüberfehen oft ein unmilltihrlihes Hingebenfafen, 
indem man es gar nicht bemerkt, bejeihnet, beim Mackfeben aber 
immer Bemußtfein deſſen, mas man nanfiehrt, Statt And. Man 
vergleihe auch nachgeben 3). Das Mittelmort der gegemmwärtigen 
Seit nachfebend wird auch ats Belfegungömworr für nachſichtrich, je⸗ 
boch nicht auf die beſte Art, gebraucht. Gin nacfebender Mater, 
Nachſehend fein. S. Nachſicht une Nachſichtig. 5) Nach etwas 
feben, mit Hülfe ber Augen nochferſchen, unterfuben, im welchem 
Buftande etwas frei, ob eb im dem gehörigen Zuſtande fei, gie 


i dachſe 


ſchehe und dergl. Man fche mach, mo die Kinder find und was Ne 
machen. Ein guter Hausvater ficht überall und fleißig in feinem 
Hıudwefen nad. Eine Arbeit nachfehen, fehen, unteriuchen, ob fie 
gebörig gemacht fei ze, Die Wöfhe nachfehen, unterfühen ob fie 
woltzäptig ſei. Eine Rechnung nachſehen, ob fie richtig ſel. D. 
Nachſehen. 

Der Nachſeher, —s, My. gl. einer ber etwas nachſiehet ob #8 richtig, 
geboͤrig in Ordnung il, geſchiehet ır. - . 

Nachſehnen, v. rer, Sich nachſehnen, fih ſehnen nachzukommen, 
nachzufolgen. D. Nachfehnen. 

Nachſeifen, v. trs. hinten nah, nochmahla, noch mehr ſeifen. D. 
Nachſeifen. D. —ung. — 

X Nahſein, v. ntr. unregeim, (ſ. Erin), mit fein, nachgefolzt fein, 
nachgekommen fein, wie au, eingehett haben. Gr iſt iyn,nadır 
nämlich gefolgt, gereifet at. Ih bin nach, ich habe es nachge dolet 
und eingeholet; uch, ich bin noch nicht fo weit, wis er; eigentlech 
und tneigenfih. D. Nachiein. 

Nachfenden, r. intrs. u. trs, uuregelm. (ſ. Senden), hinter her, 
wie auch, hinten nad fenven; edler als nachſchlcken. D. Nadh ſen⸗ 
ten. D. — ung. 

Nachſengen, v- jatrs. u, trs, ı) Nach eines Sorgange und Beiſpiele 
fengen. Einem nachfengen und dresuen. 3) Dinten nad, nad Au⸗ 
terem ſengen. D. Nachſengen. D. — ung. 

Nachſenken, v. tes. hinter ber, mie auch, hinten nad ſenken. D. 
Nachſenken. D. — ung. 

Machſetzen, v. I) intrs. u. tra. +) Rach eines Vocgange, Beifpiele 

fenen. Er ſetzte dem Wagehalſe immer nach, im Spiele. 2) Nach 

einem andern Dinge folgend fegen. Winen Punkt, noch ein Wort 
nachſeheu. Befonders uneigertiih, Ginen in ber Achtung nachſe⸗ 
ken, ibn weniger achten als Andere, 5) Hinten nah fegen, nad) 

Aubern, ſpaͤter fegen. Im Hüttenbaue, ben Zaſatz nachjigen, eins 

tragen, welches vermittelt eines Löffels, der Nachſahlöffel beißt, 

orfhieht.- Ginen Erben nachſehen, ibn ia Ermangelung oter nad 
dem Abzange ber baupterben ernennen. 4) Das zu fehen Verfäamte 
ober Rachgedtiebene nadıyoten. Eine Brite nachſeben, bei den Schrift: 
federn. II) intrs, 1) Hinter her fegen, einen, Sig tun, in Eigen, 

Eprüngen, d. h. ſchnell und eifelg nachfetgen, bachellenz von bem 

bioßen verfolgen verſchleden durch bie babe: Statt findende Seſchwin; 

digteit und dadurch daß verfolgen au uncigentlech gebtaucht wird. 

„Die welche dem Überläufer nachſehten, verfehlten ihn, indem fie ei: 

nen ganz uncechten Wez verfolgten.“ Ebechard. Man febte dem 

Entſprunzenen nad. 2) + Im ©. D. verfolgen, fortſeden. „ir 

weilte nicht abtaffen, feinem berzlichen Begehren nachzuſthen.Opiz. 

— D. Nachſezen. D. ung. 

O Der Nachfetzer, —s, Bi al. einer ber nechfeger, beſonders, der 
ſchuell nache let, verfolget. »O halt ein! wich Alaus dem Nachſe⸗ 
ker zu, halt ein und haue ja nicht.“ Meißner. (R.). 

Der Nachfebtöffel, —s, - st. ſ. Nachſeben I. 5). 

Nachſeufzen, v. intes. u. rs. 1) Nach dem Deifpieie eines Kubern 
feufjen, fein Geufzen nahapmen. =) Dinser ber feufsen, mit feinen 
Eeufzern verfelgen. 5) Seaftend nachtufen. D. Nachſeufzen. 

Die Nachſicht, o. Mz. 1) Das RNachſeben; eigenciich und uncigenttich. 
Die Naͤchſicht einer Rechnung, gewoͤhnlicher das Nachſehen. Die 
Naͤchſicht baden, nachlehen, das Radıfeben baben. Vorſicht iſt befier 
als Machſicht. =) Das Nahfeben einer Sache, bie nicht it wie fie 
fein fodte, ba man fie zwar fieht, aber nahdem fie geſchehen iſt hin⸗ 
gehen läßt, ohme weiter darauf zu alten, ohne #8 ſtreug bimit zu 
nehmen unb ohne fie zu ahnten, mie auch, die in einem ſolden Rach 
feben, Hingebenlaſſen erlangte Fertigkeit, Nachſicht haben, beweis 
fen. Nachüicht gegen Jeinand, ober mit Jemand haben, „Rie fel 
die Kraͤnkichkeit bes Rindes eine Urſache zur Nachſicht gegen feine 
böfen Reigungen.e Gellert, Einem Schuldner Nachficht Beweis 
fen, ihn jur Tezahlung nicht ſtreng anhalten, fondern ihm dazu Zeit 





— 


Nachſo 


laſſen. Ich rechne auf Ihre Nachſicht. Im enzerer Febentung iſt 
bei den Kauſleuten bie Nachſicht diefenige Friſt, die man einem 
Schordner zur Bezadtung feine Schuld nech uber die gefehte Brit 
geſtattet. 

Nachſichtig, —er, — ſte, adj. u. adv. Rachſicht hadend, zeigend, wie 
auch, zur Nachſicht geneigt. Die Ültern find gegen bie Kinder oft 
nur zu nachſchtig. Ein nachſichtiger Freund. ‚Davon die Nach— 

ſichtigkeit, Die Cigenfhaft da man nachſichtig iſt. 

Machſichtlich, adj. u. adv. mit Nachſicht, von Rachſicht zeugent, dat⸗ 
in gegrünbet, ‘ 

O Der Nachſichtstag, —et, My. —e, fo viel ald Friſttag. ©. d. 

Nachſichtvol (Rachſichtsvoll), —er, —ſte, adj. u. adr. viele große 
Nachſicht dabend, zeigend, „Puͤnktlichleit in feinen eignen Hand- 
lungen und nachſichtsvoll gegen Andere⸗ Meisner (8) 

Nad;fidern, v.ntr, mit fein, fiternd, d. &. in einzelnen Iropfen made 
dringen, durch einen Fitz ꝛc. Co auch nachſintern. D. Nachſickten. 

Nachſieben, v. intes. u. tas 1) Nach dem Beiſpitle, bee Weiſe eines 
Audern ſieben. 2) Siebend nachfoltgzen, binter ber Reden. 5) Sins 
ten nad, nah oder zu dem ſchon Geliebten ſieben; auch, von neuen 

ſieeben. D. Nachßſeben. D. un. 

Nachſieden, v. trs. uare zelm. (f. Sieden), 1) Nach eines Weiſe fies 
ben, 2) Rah Andern, nad oder außer em was ſchon gefotten iſt 
no ſſeden. D. Nachfieten. D. —ung. 

Nachfiegein, v. trs. binten nad, na Anderem fiegen. D. Nady 
iegeln. D. —ung. z 

Nachfiegen, v. intrs. im Siegen nahfolgen, Btieler.- D. Nah: 
fie en. 

© Die Nachfilbe, Br. —n, eine nachfolgende, hinten an einem 
Mörte ungebingte Sitbhe (Sufäzum) G. , 

Nachſingen, v. iutes. u. trs. unzigelm. if, Singen). 1) Nah eines 
Beorgange, Weiſe fingen Einem nahjingen. Dana auch, nah 
eines Auweĩſung, Sangmweife fingen. 

Unferem Schulz, dem Luther noch ſelbſt nachſaͤng' an der Drgel. 
Bos. 
Einem etwas nachfingen, mas er gefutgen bet wieberbelen, auch 
fingen. So cuh in ber Bedeutung des Wortes ſingen für dichten. 
2a) Nach einem Andern, auf ihn folgend fingen. Einer ſingt vor, 
bie Andera fingen nah. D. Nachſingen. D. —ung. 

Nadıfinken, v, atr, unrezeim, if. Zinten), mit fein, hinter her fine 
ken, fintend felgen. D. Nachſinken. 

O Der Machſinn, —es, 9. Bi. ein Einn, ben man hinter ber in 
etwas leit, over hinter ber in etwas ſindet. „Da fing num einer 
bie erfie infangsfübe — ohne Aufommendang, Bor: und Nachſinn 
auf.e Herder. ig 

Nachſinnen, v. intrs. uncegeim, (f. Sinnen), finnend nachferſchen, 

durch Sinaen, tieferes Rahdenken za erfschhen, herauszubringen 

2, was man vorber nochh nicht cetaaat bat, Ginem Dinge 







men, darubte ſinnen um es herauezubelngen ꝛec. Über eiwas 
Ninnen. 

Ich ſann dem Zweifel nach, ber meine Rube ſtoͤrte. Getlert. 

Zuweilen wird es für aachdenken übernaurt gebraucht. D. Nach- 





ſinnen. Die Nachſinnung ie ungewohntich. 

Der Nachfinnuer, —s, 8. gu; die in, Di — en, eine Verſon 
weine nasfinnet, Stieter. 

Nachſintern, vw. nir. mit haben und ſein, ſ. Nachfidern, D. Ride 
ſintern. 

5 Der Nachſitz, — es, Wz. u. ſ. NRachſchub. 

x Nachſitzen, v. utr. unregelm, (ſ. Siben), mit baben, hinzen nad, 
nach Andern, wenn fie ſißen oder zeſeſſen baben, ſigen; wir auch, 
nah einer gemilien Brit, ſpaäter ſigen. Dir Schüer, der mit ſeiner 
Arbeit nicht fertig geworden ift, muß nachſihen. D. Nadfigen. 

X Nachſollen, v. nir, mit haden, nachfolgen, naheiten feiten. D. 
Nachſollen. 





Nahe > 


Der Nachfoinmer, —b, Mz. al. Sommerwetter nad dem eigentli: 
hen Sommer, bie Kit bes Überganges vom Sommer zum Herbſte; 
der Soatfommer. So wie man ben Madıfommer einen fliegenden 
Sommer nennt“ 3. P. Richter Auch uneigentiih. Ich fonne 
mich, von ibr (dev Rude) gepflegt und erguidt an dem Nachſem⸗ 
mer nuͤtzlicher Thaͤtigkeit, an bem fanften Strahl bantbarer kiebe.“ 
Benzel:Sternam ’ 

O Der Nadhfommertag, — es, Pr. —e, ein Tag im Rachſommer. 
— wie ein ſtliler duchfihtiger Nahfommertag." 3. P. Richter. 

Die Nachforge, 24. —n, Sorge, die man nad) einer Sache, welche 
urſache davon ift, bat, empfindet. Sprichwort: Berforge verbütet 
Nachſorge, wenn man, vorher bei Zeiten, für etwas geforgt hat, 
braucht man es nicht hinter her zu thun und fh Sorge ja machen. 

Nachſpaͤhen, v. intre. nach etwas fpähen, fpähend zu erfahren, zu 
entbeden, berauszubringen fuhen. 

Eurer kübnern Bahnung 


Spähe der Regeler nach. Bof. ' 
„Dem Spiele der Gedanken nachfpähen.e Moris. (R) D. Nahe 
feäben. D. — ung. 


Der Nahfpäher, —E, Bi al.; die —inn, Di. —en, eine Perfon, 
welche nachſpaͤhet, befonders, welche einer Sache nadfpähet. 

Nachſpalten, v. I, utr. mit fein, hinten nach, wie auch, noch mehr 
fpaiten, weiter fpalten. IT) tes. hinten nad), nad ‚oder aufer dem 


mas geſpalten iſt falten, d. h. fpaiten machen; nachfpällen. D. 
Nahfpalten, Nachſpaͤllen. D. —ung. 

Nachfpannen, v. intes, u. tie. ſ. Nah. D. Nachſpannen. D. 
—ung. 


1) Nah dem Beifpiele eines Anbern 


Nachſparen, v. intrs. u. trs. 
D. Nachſpa⸗ 


ſparen. 2) HSinten nad ſparen, noch bazu ſparen. 
um D. —ung. 
Nachſpaßen, r. intrs. f. Nach. Nachſpaßen. 
Nachſpeien, v. intrs, u. trs, unxegelm. (f. Speien). 
Beifpiele eines Audern fpeien. =) Dinter ber ſpeten. 
fpeien, aus Beratung. Einem Waffer nadıfpeten. 


D. 
1) Rah bem 
@inem nad 
Aus, hinten 


nad, nochmahls Tpeien. Blut nahfjeien. D. Nachſpeien. D. 
—ung. 
Die Nachfpeife, Mz. —n, eine Speiſe, welche man hinterher, nad 


antern Speijen genießt. Stieler, 

Nachſpeiſen, v. intrs, u. trs. ı) Des anfländigere Mort für nade 
effen. S. d. 2) Kd ters. nach Andern, fpäter fpeifen, d. h. Speije 
zu effen geben. D. Nachſpeiſen. D. — ung. 

Nachſpenden, v. tra. binten nah, nad ober außer dem Wefprabiten 
noch ſpenden. D. Nachſpenden. D. —ung. 

Nachipiden, v. intra, u. irs. 1) Mad eines Beiſpicte oder Weiſe 
fpiden. =) Nah Andern, ſpaͤter ſpiken. D. Nachſpicken. D. 
— ung. 

O Nachſpiegeln, v. ntr. mit haben und ber Füguftg eines trs. als 
ein Spiegel, glei einem Epiegel nachbilden, ein Bild zurücwerfen. 
— welche ein freubiges Befiht zum Himmel aufboben und ibm 
einen nch ſchoͤnern darauf nachſpiegelten.“ I. P. Richter. D. 

. Nachfsiegein. D. —ung. 

Dos Nachſpiel, —ed, Pr. —e, ein Spiel welches nach dem eigent: 
lichen Spiele, dem Hauptſpiele folget; belonbers ein folches Schau— 
friert unb Sonfpiel. Uneigentiih gebraucht man es aud von tiner 
nachſo penden Begebenbeit, Handlung. 

Nachfpielen, v. intre, u. irs. 3») Rach dem Beifpieie, der Meife eis 
nes Audern fpielen, bas Spielen nachahmen. Einem nadıfpieien, 
Einem Echaufpieter nachſpielen, fein Epielen fih zum Muſter ned» 
wien und fih zu eigen: machen ſuchen. 2) Was el Anderer vechte 
gefpielet bat nah ihm fpicien. Gin Stück nad bem Gehör nadıe 
fpirlen. 53) Hinter her fpielen, Zonfpiel nadfoigen laſſen. Einem 
nachſpielen, ihm zu Ehren dei feinse Entfernung fpielen, auf Ten- 
merkjeugen. 4) Hinten nad fpielen, nachdem etwas Aaderes vors 


423 


Machſp 


hergegangen if ſpielen. ine audere Jarbe nachſpielen, im Kar⸗ 
tenſpitle. (X.). Auf der Bühne ein Stück nachſpielen, as Nach- 
ſplel geben. (R). D. Nachſpielen. De —ung ©. auch das 
Nachſpiel. 

Nachſpinnen, v. intrs, vw. trs. unzegelm. (f. Spinnen). 1) Nach ‚eis 
nes Beifgiele, Weife fpinnen,. 2) Hinten nad, mad ober außer bem 
(dom Gefponnenen fpinnen. 5) Was nach zu Spinnen ift ober zu 
Spinnen verfäumt, zurückgeblieben ift fpinnen, nachhelen. D. Nach-— 

innen. D. —um. 

Nachiplittern, v.ntr, 1) Mit haben, hinten nach ſplittern. 2) Mit 
fein, binter bee fplittern, zerſplitterud derer in Splittern⸗nachflte⸗ 
gen. D, Machſplittern. 

Nachſpernen, v. tra. vermittelt ber Spornen nehtreiben. 
lich, durch ſtarte, maͤchtige Antricke na afrzt gen machen. 
ſpernen. D. — ung. 

Nach ſpoͤtteln, Nachſpotten, v. intrs, 1) Rach eines Beifpiefe, Weiſe 
ſpoͤtteln, ſpotten, feinen ſpoͤttelnden ober fpottenden Ton nechabmen. 
2) Hinter ber ſpoͤtteln, ſpotten. D. Nachſpoͤtteln, Nachſpetten. 
D. — ums. 

Nachſprechen, v. intes. u. trs, unregelm. {f. Sprechen). 1) Rad 

eines Vorgange, Meife fprechen, feine Sprache nachahmen, in feinem 
Zone fpreden x. Einem nachfprehen. =) Bas ein Anberer ger 
forschen bat nah ihm fpbechen, misderhofen; auch überhaupt, mas 
man vorher gehoͤrt, gefefen bat ſerechen; mit dem Nebenbegriffe, 
dag man es nit vorher felbft geprüft hat. Ein vorgefpeochenes 
Wort nachſprechen. 

Die Weit ift bir, o Fremdling, ſprich's nicht nach. Falt. (MR). 
5 Hinten nach, nach Anderem ſprechen. Ela Gebet nachſerechen. 
D. Nachſprechen. D. —ung. 

Der Nachiprecher, —s, Mj. al.; die —inn, 9 —en, eine Perſon, 
bie etwas nachſpricht, beionders, fofern bies ohne Rachdenken und 
Prüfung geſchiedt. 

X Die Rachſprecherei, 9. —in. 
tegung und Prufung; ohne Mehrzahl. 
Nach geſproche⸗ nes. A 

O Das Hachfprechefpiel, — s, ig. —e, eine Net Pänderfviel, 
welches barin beiteht, daß aewife Worte, bie in irgend, einent wies 
tracht nicht leicht auszuſprechen find, ſchnell ein oder mehrere Mahl 
ohne Anſtos auegeſprochen werten müfſen, wibeigenfalls ein Pfand 
gegeben werben muß. 

Nachſprengen, v. D trs. hinter ber fprengen, fpringes maden, ſchaett 
nacht lten machen; wie auch, Hinter ber fprengen, mit einzelnen Tro⸗ 
pfen benthen. LI) inirs. mit fein, fpringend nadheiien, in geö$ter 
Eite nacfoigen, verfolgen, befonders zu Pferde „Gin feinster 

Reuter (Meiter) erblidte und beide, fprengte nach, ergriff fier m. 
Meisner (R.). 

wo ber bihtefte Schwarm kintummelte, fprengte Patceklos 

Ka. — op. 
D. Nacfrrengen- —un. 

Nachſprießen, v. ntr. unergelm. (f. Spriefen), = fein, nah Aude⸗ 
rem in bie Söbe fprichen; auch nadforeiien. D. Nahfpriefen.: 
Nachſpringen, v. nte, u. intrs, uncegelm. (f. Springen), mit fein. 
1) Narh dem Meifpiele, der Weife eines Andern [pringen, 2} Din 
ter ber feringen, ſpringend nadfoigen, befenders um einzuholen ıc. 

Auf Erben fprang der tapfre Diomeb 

Änten nad. Bürger. (M.). 
Im gemeinen Leben such mit fommen. Nachgeſprungen fonmer. 
3) Hinten nah, noch meht (peingen, einen groͤſern Eprung beicms 


Uneinents 


D. Nach⸗ 


1) Das Nachſprechen ohne Über 
2) Etwas auf biefe Art 


D 


a 


men. D. Nachſoringen. 
Nachſpritzen, v. utr., äntrs. u. trs. mit haben und — ı) Nach 
eines Beifpieie, Weiſe [prigen. 2) Hiuter her fprigen. . Madye 


fprisen. D- — nit. 


Der Nachſproß, —ſes, B- —ſſe, ein neßgelemneser, foätrr ge 


Nachſp 


kommener Sproß Stieler hat es im unmelgentliher Bedeutung 
für Rachkomme. 
Rachſproſſen, v. mtr. mit fein, ſ. Nacyforießen. D. Nachſproſſen. 


Nachſprudeln, v. ner, mit haben und fein, intrs. u. trs. ı) Rad 
eines Weiſe fprubeln, fein Sprubeln nahmaden. =) Hinter her, 
wie auf, hinten nad fprubein. D. Nachſprudeln, D. —ung. 


Nachſpruͤhen, v. mtr. mit haben, hinter her, hinten nad fprüben. 
D. Nachſpruͤhen. R * 

Der Nahiprung, —ed, 94. u. ein Sprung den man hinten nach 
ober hinter drein thut. 

Nachſpucken, v. intrs. 1) Nah eines Weife fpuden, feine Art zu 
fpuden nachahmen. 2) Hinter ber, wie au, hinten nad) fpuden. 
D. Nachſpucken. 

Nachſpulen, v. trs, mad oder außer dem Befpulten fpulen, wie auch, 
das noh zu Sputende fputen, nachholen. D. Nachſpulen. D. 
— ung. 

Nachſpuͤlen, v. trs. hinter her ſpuͤlen, ſpuͤlend, wegſpuͤlend nachfol⸗ 
gen machen. D. Nachſpuͤlen. D. —ung. 

Naͤchſpuͤren, v. intrs. nad etwas ſpüͤren, ber Spur folgend zu er— 
forfhen, zu entdeden fuhen. Der Bund, der Iäger fpliret bem 
Milde nad. Einer Sache, einem Diebe nachſpuͤren. D. Nach—⸗ 
ſpuͤren. D. —ung. 

Der Nachſpuͤrer, —6, MM. al.; die —inn, By. —en, eine Perſon 
weiche nachſpuͤret, befonderd, welche einer Sache nahfpüret. 

+ Nachfputen, v. ree. Sich nachſputen, fih fputen, d. h. eilen nads 

utommen. D. Nachfputen. - . 

niäf, das zum böhften Grabe gefteinerte Wort nahe ale Umftands 
wort 1) denjenigen Umftand in Anfehung bes Ortes zu bezeichnen, 
da etwas im hoͤchſten Grade bei und neben einem anbern Dinge fih 
befinde. Gr wohnt bier naͤchſt an. 

Nqaͤchſt ide fteilt er ſich ſelber. — Boß. 
a) Den Umftand in Anfebung ber, DOrbaung , bes Ranges, ba etwas 
unmittelbar auf ein anderes Ding höherer, vorsügliherer Art folget. 
»Du den ich naͤchſt den Göttern am meiften ehre.- Gesner. Der 
mächft Hefte, der naͤchſt, d. h. gleich, unmittelbar nad bem Weiten der 
Befte it. „Der Preis für die befte Beantwortung biefet Frage ift 
22 Dufaten, für die naͤchſt beſte 6 Dulaten.« Jen. Liter. Bei: 
tung. (R.). 5) Einen Umſtand in Anfehung der Zeit, mo es entwe- 
der (1) eine unmittelbare Folge nach einer Sache andeutet. Naͤchſt 
dem, oder dem naͤchſt, unmittelbar hierauf, Oder (2) eine erſt vers 
gangene Zeit; neulich. Ihr martetet naͤchſt in ber Nacht.“ Gäns 
ther. Die naͤchſt vergangene Wode. (5) Oder auch eine zukuͤnf⸗ 
tige Zeit für nädftens, nähfter Tage: ©. Nächſte und Mädıftens. 

Der Nachſtaar, —es, 94. —r, in der Heilkunde, eine Art dei Staa- 

res, ber gewöhntih ein Kapfelftaar if, der erft nad ber Ausziehung 
oder Nieberbrüdung des Staares entfichet, indem oft bie Staarlinfe 
nur ausgejogen wird, bie durchſichtige Kapfel aber zurädbleibt und 
fih von neuen verdunkelt (Cataracta secundaris). Wenn biefe 
Berdidung erft fpät erfolgt, fo ift es ein fpäter Nachſtaar. Beer. 

Der Nachſtachel, —s, By. —n, in manden Gegenden, ber kegeſta⸗ 
el der Blenen und anderer Biefer, der fih nah Ad. nad ober hin: 
ter dem zum Stechen bienenben Stachel befindet. 

Nahftaheln, v. intrs. u. tra, 2) Rach eines Beifpiele, Welſe fta: 
heim. 2) Hinter ber ſtacheln, vermittelt eines Stachels oder etwas 
was dem ähntich, damit verglihen wird, nachtreiben. 5) Hinten 
nah ſtacheln. D. Nachſtacheln. D. —ung. 

Nachſtammeln, v. intrs. u. trs. ı) Rad eines Meife ffammeln, bas 
Stammeln eines Andern nadabmen. =») Stammelnd nahfprehen. 
Uneigentlih, unvolltommen nachſprechen ıc. nicht nad Gebühr, wie 
ſicha gebört auedrucken. 

— wie — ihn die himmliſche Thronhatf' — nicht nadflammelt. 
Sonnenberg. 
5) Hinter ber flammeln, ftammelnb nahrufen. „Er hörte den Dank 


424 


Nachſt 


nicht, den ihm B. nachſtammelte.“ Spies. (®.). D. Nachſtammeln. 

Nachſtampfen, v. intes, u. trs, ı) Rach eines Weiſe, Beiſpiele ſtam⸗ 
pfen. 2) Rachdem ein Anderer vorher geſtampft hat nach ihm ſtam⸗ 
pfen. 3) Hinter ber, wie auch, binten nad, nad oder zu dem ſchon 
Geſtampften ftampfen. D. Nahflampfen. D. —ung. 

Der Nachſtand, —es, 4. —ſtaͤnde. 1) Der Buftand, da etwas 
nachſtehet; ohne Mehrzahl und ungebräudlih. Xx x uneigentlich, 
ber Schaden, Nachtheil. Haltaue. 2) + Etwas das nachſtehet, 
nachſtehendes d. h. ruͤcſtäͤndiges Geld. Die Nachſtaͤnde eintreiben. 

+ Nachſtaͤndig, adj. u. adv, nachſtehend, rütftänbig. Haltaus, weis 
der auch nachſtellig hat. Nachſtaͤndige Gelder. Davon, die Nach⸗ 
ſtaͤndigkeit. 

Nachſtaͤnkern, v. intrs, ſtankernd, durchſtänkernd nachſehen, nadfüs 
chen. Überall nachſtaͤnkern. D. Nachſtaͤnkern. D. —ung. 

Nachſtapeln, Nachſtapfen, v. intrs, mit fein, ſ. Nachfoigen ı). 
D. Nachſtapeln, Nachſtapfen. 

Nachſtaͤrken, v. trs. hinten nad, nochmahls, noch mehr ftärken, d. h. 
fowol Stärkung, neue Kraft geben, als aud, mit Stärke verfehen. 
Die Waſche nachſtaͤrken. D. Nachſtaͤrken. D. — ung. 

Nachſtarren, v. intrs. mit ſtatren Augen nachſehen. 

— nachſtartt ihm mit Hohn ber Hoͤllenbeherrſcher. 
D. Nachſtarren. Eonnenberg. 

Nachftauben, vr. mir, mit haben und fein, als Staub oder wie Etaub 
nachfliegen; auch nachflieben. D. Nachſtauben, Nachſtieben. 

Nachftäuben, v. trs. Hinter her fläuben, als Staub oder wie Staub 
hinter ber treiben. D. Nachſtaͤuben. . . 

Nachſtaͤubern, v. intrs, fläubernd nacfehen, nachſuchen; auch X 
nachſtoͤbern. D. Nachſtaͤubern, Nachſtoͤbern. 

Nahftaunen, v. intrs. erſtaunt hiater her ſehen. D. Nachſtaunen. 

Nachſtaͤupen, v. trs. hinter her ſtäͤupen, ſtaͤupend nachtreiben. D. 
Nachſtaͤupen. 

Der, die, das Naͤchſte, f. Nahe. 

Der Naͤchſte, —n, 94. —n, eine Perfon ſowol männlices als weil⸗ 
Tiches Gefhlehts, melde und am nädıften angehet, mit uns am ges 
naueften verbunden if. Ehemahls verſtand man darunter einen 
Radıbar, der uns am nähften wohnet, in welder Bedeutung es auch 
in ber Bibel 3. B. 2 Mof. 11, = vorfümmt, Gewöhnlich verfteht 
man aber in weiterer Bedeutung unter dem Mächften jeden Mens 
Then, ber und ala Menfh nahe angehet. „Du follt beinen Mädhe 
flen lieben gleich dich feibft.* „Wer ift benn mein Mädrfter« Luc. 
10, 29. Die Mehrzahl ift in biefer Bedeutung niht fo gewöhnlich 
als die Einzahl. Die Naͤchſtinn, für eine ſolche weibliche Perfon, 
welches 2 Mof. ıı, 2 vorfömmt) iſt nit gewoͤhnlich. 

Machſtechen, v. unzegelm. (f. Stedyen). D) trs. ı) Stechenb, mit dem 
Grabſtichel nachbilden. in Bild nachſtehen. S. Nachſtich. =) 
Hinter ber ſtechen, nach einem ber ſich entfernet ſtechen. Einem 
nachſtechen. 3) Hinten nad ſtechen, nochmahla ſtechen. II) intes. 
1) Dinten nah, nach Anbern ſtechen, im Kartenfpiele, (R.). =) f 
Schnell nahgehen, nadhfolgen. Im Bergbaue beißt ben Haͤuern 
oder Bergleuten nachſtechen, ihnen nadfabren, um zu ſehen ob fie 
gehörig ibre Arbeit verrihten. — D. Nachſtechen. D. —ung. 

Der Nachſtecher, —6, 9. al. einer ber nahftiht, Nachſtiche macht. 

Nachſtecken, v. intrs. u. trs. 1) Rach dem Beifpiele, der Weife eines 
Andern ſtecken. 2) Hinten nah, nad ober aufer dem was [don 
geſtect ift teten. D. Nachfieden. D. —ung. 

Nachſtehen, v. ntr. unregeim. (f. Stehen), mit haben, bei Andern 
mit fein. 1) Mad ober hinter etwas fiehen, ben unmittelbar bar: 
auf folgenden Plab einnebmen. Der nachſtehende Sup. „Der 
Brief, der nachſtehet,“ ber Hier folgt. Rabener, Uneigentlid, nah 
etwas ftehen oder folgen, als das geringere, Das Unwidtigere muß 
dem Wichtigen nachſtehen. Ich fiche ihm gern nach, id laffe ihm 
gern ben Vorzug. „Die Zärtlichkeit fol der Freundfhaft einige Aus 
genblide nachſtehen.“ Wellert, 2) x x Nach bem, was geſtanden hat 


j 
Nachſt 
und nicht mehr ſtehet, ſteden, noch ausſtehen, rüdfändig ſeln. 
Nach ſtehende Gelber, 
Da ſtuande beſſer lon nach. Iwain s, 194. 
S. Nachſtand 29) D. Nachſtehen. 

Nachſtehlen, v. unregelm. (f. Stehlen). TI) intrs. u. trs, 1) Nach 
dem Beiſpiele eines Andern ſtehlen. =) Hinten nad, nad oder au: 
fer dem Schon Geſtohlenen ſtehlen. IL) rec. Sich nachflehten, fi 
unbemerkt hinter her begeben, hinter ber ſchleichen. — D. Rad: 
ſtehlen. 

Nachſteifen, vr. trs. Hinten nad, noch mehr ſteifen. D. Nachſteifen. 
D. — ung. 

Nachſteigen, v. intrs. unregeim. (ſ. Steigen), mit fein, hinter her 
ſteigen, ſteigend nachfolgen; eigenttich und uncigentlich. Ginem auf 
den Berg nachſteigen. Auf den Gipfel der Ehre nachſteigen. D. 
Nachſteigen. D. —ung. 

O Der Nachſteiger, —, 94. gl. einer ber nachſteiget. „Der Mit: 
teimann glaubt, dle Obermänner fleben darum auf ben’ höhern 
Sproffen ber Staateleiter, um deſſer bie Nachfieiger zu überfihauen, 
indes er felber des Auge weniger auf den Kopf feines Nachſtei⸗ 
ger als auf den Hintern feines Vorfteigers beftet, unb fo alle auf 
und ab. J. 9, Richter. . 

Nachſtellen, v. intes, u. trs, 12) Mach oder hinter etwas ftellen, 
2) Hinten nad fielen, was noch zu flellen ift ſtellen. So flellen bie 
Jaͤger das Jagdzeug nach, wenn fie das was bei bem aufgeflellten 
Jagdzeuge noch vergefien ober verfehen worden ift, in die gehörige 
Ordnung und Stellung bringen. In derſelben Bedeutung gebraudt 
man auch nachrichten. 5) Mach etwas ftellen, d.h. nach etwas gerich⸗ 
tet binftellen, aufftellen, als Fallen, Netze, Schlingen ıc. um barin 
zu fangen und in-feine Gewalt zu bekommen. So ftellen die Jäger 
den wilden Tbieren nach, indem fie dieſelben in aufgeflellten Fal⸗ 
ten ac. zu fangen ſuchen. Bei den Iägern beige nachſtellen auch 
nur, ſich vor ein Holz fiellen, damit das Mitb da nicht bineinkome 
men kann, fonbern im ein anderes Soli, 
einfaufen muß. Dann Überhaupt, durch Lift zu bekommen ſuchen, 
jebosh ſelten. Ginem Amte nahftellen. Sft auch, feindtih und 
heimtich in feine Gewalt zu befommen unb aus bem Wege zu räu— 
men fuhen. Einem nachſtellen, wofhe man ehemabts nah dem 
Erben flellen faate. D. Nachſtellen. D. —un. S. d. 


Der Nabfteller, —®, 34. gt. einer der einem nachſtellet. Stieler.‘ 


Alten feinen Nachſtellern entgeben, 

%* Nachftellig, adj. u, adv, f. Nachitändig. 

Nachſtelleriſch, adj, u. adv. nachſtellend, gleih einem Nachſteller. 
Stieler. 

Die Nahftelung, 99. —en. 1) Die Handlung da man nachſtellet; 
obne Mehrzahl. 2) Ein einzelner Fan da man einem nachſtellet. 
Alten Nachſtellungen entgehen, 

Nachſtempeln, v. jutrs, u. trs. 1) Nah eines Beifpiele, Weiſt ſtem⸗ 

— peln. 9) Den Stempel nahahmen, mit nachgemachtem Stempel 
verfeben, befonders wenn bies widerrechtlich aefhieht, Papier, Kar⸗ 
ten nachſtempeln. 5) Nachdem ſchon geſtempelt ift nochmahls ſtem⸗ 
pein. D. Nadfteffipein. D. — ung. 

Naͤchſtens, ein Umſtandwort ber Zeit, eine nabe zukuͤnftige Zeit in 
Allgemeinen zu bezeichnen. Ich will es naͤchſtens thun. Im O. D. 
lautet es naͤheſtens. 

Nachſterben, v. ntr. unregelm. (ſ. Sterben) mit fein, binten nach, 
nad, Andern fterben. „Leihen — benen (melden) Trauernde nad 
ſterben.“ 3.9. Richter. D. Nachſterben. 

Die Nachſteuer, Mz. -—n. ı) Eine Steuer, welche nach und außer 
einer ſchon entrichteten berfeiben Art noch gegeben wird, =) In 
manchen GSegenden für Abzuasget. S. b. - 

Nachſteuern, v. I intes, 1) Mit fein, mit Hülfe bes Steuerrudere 
nahfhiffen. =) F Mit haben, nachhelfen. IT) trs. nachdem man 
ſchon gefteuert bat nochmahls, noch mehe feuern. — D. Nu 

Gampe's Woͤrterb. 5, Th. . 


425 


wohin man es verlangt, .. 


Nachſt 
ſteuern. D. — ung. 


Der Nachſtich, —es, My. —e. 1) Ein Stich, welcher hinten nach 
geführt wird; ungewöhnlich. 2) Etwas bag nachgeſtochen iſt, ein 
nachgeſtoche ner Aupferſtich. 

O Der Nachſtichel, —s, 3. gl. ein Stichel ober Grabſtichel, wel⸗ 
Her nad) vorhergegangenem Erbrauche anterer Stichel und Werk⸗ 
zeuge von ben Kupferſtechern gebraucht wird, „Ein Itallaͤniſcher 
Dimmel voll Klarheit und Wärme, it mit einer, vieleicht nr bie 
ſem Künftter mit ber Rabirnabel und Nachſtichel erreichbaren Wahırs 
beit — hier wiebergegeben.« Ungen. (K.) 

Nachſticheln, v. inte. 1) Nach dem Beifpiele, ber Weiſe eines Ans 
- figeln, =) Mit feinen Stichen nachbilden. D. Nachſticheln. 

. —ung. 

Nachſticken, v. intrs, u, trs. 1) Mach eines Beifpiele, Meife ftiden, 
gleih ihm ſticken. 2) Stickend, mit ber Nabel nachhilden. Fine 
Stickerei nachſticen. Gine Bandfhaft nachfliden. 5) Hinten nad, 
nach ober außer dem ſchon Beftidten ſticken. D. Nachſticken. D. 
--ung. j 

Nachſtieben, v. ntr. mit fein,-f. Nachſtauben. 

X Nachfliefeln, v. 1) intrs, mit fein, in der gemeinen Sprechart zu⸗ 
weiten für nachgeben, II) + trs. im R, D. nachdem ſchon geſtiefelt 
b. 5. geftängelt it nochmahls ſtiefeln, da wo bie Stiefein weggekom⸗ 
F odet vergeſſen find, ſtiefeln. S. Stiefeln — D. Nachſtiefeln. 

. —ung. 

Nachſtieren, v. intes, mit ſtierem Btide nachſehen. D. Nachflieren. 

Nachſtiften, v. tra, hinten nach, fpäter ſtiften. D. Nachſtiften. D. 

—ung. 

Nachſtimmen, v. intrs. u. tra. 1) Rach dem Worgange, Beiſpiele 
eines Andern ſtimmen. =) Rach ber Weife, nah ber Stimmung eis 
nes anbern z. B. Tongerätbes flimmen, biefe!be Stimmung geben. 
5) Pinten nad, nohmakls ſtimmen, bie Stimmen fowot geben dis 
fammeln. 4) Bon Tonwerkzeugen, binten nad, nochmahls flimmen, 
bie rechte Stimmung geben, Die Beige nachſtimmen, wenn ſich die 
Saiten gezogen haben, D. Nahflimmen. D. —ung. 

Nachſtinken, vw. ntr. unregeim. (f. Stinten) mit haben, binten nad 

ſtinken, einen @eftan? nachtaſſen. D. Nacftinken. 

Nachflöbern, v. I) intes. foniel ats nachſtaͤnbern. IE) mtr. mit ha⸗ 
ben, hinten nad, nod mehr flöbern, d. h. fein regnen, ſchnelen. — 
D. Nachſtoͤbern. a 

Nachſtochern, v.intrs. 1) Mach eines Beiſpiele, Meife ftohern. =) Gtos 
Gernd nachſuchen. D. Nachſtochern. D. —ung. 

Nachſtoͤhnen, v. intrs. mit haben und fein.‘ Nahftolpern, v. ztr. 
w. intes, mit fein, f. Nachfolgen 1). D. Nachſtoͤhnen ıc. 

Nachſtolzen, v. intes, mit haben n. fein. 1) Rad eines Weiſe ſtolz 
tbun, fol; einhergehen, fein ſtoizes Weſen nahahmen. =) Stoljend ' 
hinter ber geben (nadstolziren), D. Nachſtolzen. 

Nachſtopfen, v. inter. u, trs, ı) Rad eines Beifpiele, MWeife ſtopfen. 
=) Hinten nad, au bem was ſchon geftopft iſt noch ſtopfen. Unri— 
gentlih, im gemeinen Beben, viel ober ſich zwingend nacheſſen. D. 
Nachſtopfen. D. —ung. 

Nacfloppeln, v, intrs, u. trs. ı) Ginem Anbern im Stoppeln nad: 
folgen, nad Ibm floppeln, 2) Hinten nad floppein, mühfam nad: 
formen; eigentlih und uneigentlih. D. Nachſtoppeln. D. — ung. 

Der Nachfloppier, —e, MM. 91.; bie —inn, I. —en, eine Pers 
fon, welche nachſteppelt. Stieler, 

Nachſtoͤren, v. intrs. +) Rach eines Beiſpiele, Weiſe fiören, in ef: 
was ſtoͤren. 2) Sinten nach ſtoͤren, von neuen ſidren. D. Nabe 
ſtoͤren. D. — ungq. 

Der Nachſtoß, —es, 94. —ſtoͤße. 1) Ein nah einem andern Sto⸗ 
Se folgender Stoß, welchen man nach einem vorhetgtgangenen thut. 
In ber Fechtkunſt iſt der Machiloh derjenige Stoß, weihen man 
tbut, wenn man den bes Gegners abgewiefen bat ıc. 2) Ein hine 
ten drein gerichteter Stoß. 

54 


Nachſt 


Nachſtoßen, v.intrs, u. tr. uncegeim. (Stofen). 1) Nach eines Vor⸗ 
gange, Meife Hoßen. =) Hinter ber floßen. 5) Hinten nad flor 
ben. „Er wußte bie Stoͤße zu pariten (abzulenken) und beftens 
nadzufiofen“ R. Dann, von binttn floßen und baburdı fihneller 
vorwärts bringen, foßenb nadbeifen, 4) Rah oder zu dem ſchon 
Geſtoßenen ftoßen, Roh Pfeffer nachſteßen. Uneigenttih, biuten 
nach folgen laſſen, anfügen. „— werben nicht befmegen vom Bud: 
Binder noch immer zwei lecre Blätter, eins am bie Borrede, eins an 
ben Beſchluß vor: und nachgefloßen sc.» J. P. Richter. D. Nach⸗ 
ſtoßen. D. — ung. 

Nachſtottern, v. tes. u. tes. 1) Nah eines Reiſpiele, Weiſe ſtottern, 
fein Stottern nachahmen. =) Stotternd nahfprehen. 5) Hinter 
ber fottern, flotternd nachrufen. D. Nachſtottern. D. — unq. 

Nachſtrafen, v. intre. u, trs. hinten nad ſtrafen. D. Nachſtrafen. 

Nachſtrahlen, v. mtr. mit haben. 1) Hinter ber, mie auch, hinten 
nah firabien, Strahlen nachwerfen. 2) Racdı eines andern Dins 
ges Weiſe ſtrahlen, gfeih dieſem ſtrahlen. 3) Als trs. ſtrahlend 
nachbilden, oder nachbildend, von fi zurädwerfenb ſtrahlen. „Weil 
ein Hofmann und ein Demant außer ber Härte noch reine Farben 
Iofigteit haben mäfen um fremde Karben treuer nachzuftrahlen.“ 
3.9. Aichter. D. Nachſtrahlen. 

x Nachſtrampeln, v. trs. f. Nach. D. Nachſtrampeln. 

Nachſtranden, v. utr. mit fein, hinten nach, naher ſtranden. D. 

Maͤchſtranden. 

Nachſtraucheln, v. mtr. ») Mit haben, nach eines anbern Weiſe, 
nach und gleich ihm ſtrauchtin, d. h. fehlen. =) Mir fein, binter 
der ſtraucheln, d. h. unſicher gehen und zu fallen in Gefahr fein. 
»— ber mir auf meinem Außfleig nahwanbelte, cber vielmehr, um 
gerecht zu fein und zugleich anfpraglos nahfteaudelte.- Benjels 
Sternau. D. Nachſtraucheln. 

Nachſtreben, v. intrs, 1) Mad eines Anbern Belſplele ſtreben, ih 
deſtreben. 2) Streben nachzukommen, einzuholen, au erlangen, ſich 
eigen zu machen. Einem nachſtreben. Dem Guten nadfireben. 
D. Nachſtreben. D. —ung. 

Der Nachſtreber, —s, 9. al. ; die —inn, Mz. —en, eine Perſon, 
weihenadpftrebet, befonbers welche einer Sache nachſtrebet. Stieler. 

Nachſtrecken, v. trs, ı) Rah dem Beifpiele, ber Weife eines Andern 
fireten, nad etwas, was fi entfernt, ausſtrecken, es zu baften, au 
faffen. „Ste blickte aͤngſtlich nah ihm zuruͤck, und fch, wie er ihr 
bie Arme nachſtreckte“ Lafontaine 2) Hinter ber fireden. 
D. Nachſtrecken. D. —ung. 

Nachſtreichen, v. unregeim. (f. Streichen). I) intre. 1) Rah eines 
Andern Beifpiele, Weiſe fireihen. 2) Mit fein, hinter ber ftreichen, 
Rreihenb folgen. „IR er nachgeſtrichen.“ Mihaeler. (9) 
II) trs, 1) Hinter ber flreichen. =) Hinten nad, nohmahls, nod 
mehr ftreihen, 5) Streichend nachahmen. X Ein Stückchen nad 
freichen, auf ber Geige, — D. Nachſtreichen. D. —uns. 

Nachſtreifen, v. I) intrs. mit fein, hinter ber flreifen, ftreifend, 
erunmftreifend nachfolgen, IT) trs. nad dem Mufter eines an: 

— Dinges ſtreifen, mit Streifen verſehen. — D. Nachſtreifen. 
— ung. 

Nachſtreiten, v. intrs. unregelm. (f. Streiten). 1) Rad dem Bor: 
gange, Beifpiele eines Andern ſtreiten. 9) Rach einem Andern ſich 
in Streit einlaffen. D. Nachſtreiten. 

Nachftreuen, v. intrs. u, tr. 1) Rad dem Beifpiele, der Mteife 
eines Andern fireuen, 2) Hinter ber freuen. Blumen nachſtreuen. 
3) Rad) ober zu dem fhon Geſtreueten fireum. Rod Stroh nadıs 
freuen. D. Nachſtreuen. D, —ung. 

Der Nachſtrich, —ed, u. —e. 1) Die Handlung, da man nad: 
ſtreichet; obne Mehrzahl. =) Ein nadgemadter, wie auch, ein 
nachgeſetgter Strich. 

Nachftricheln, v. trs. 1) Nach eines Andern Beiſpiete, Weiſe ſtri— 
Geln, 3) it feinen Strichen nachbilden. D. Nachſtricheln. D. —ung. 


* 


PEN RE 


426 


Nachſu 


Nachſtricken, v. intrs, u. trs, 1) Nach eines Beiſpiele, Weiſe ſtrik 
ken, 2) Strickend nachahmen, nachbilden. Ein Mufter nachſtrik⸗ 
ken. 5) Pinten nach, nach oder außer dem fhon Seſtrickten ſtrek⸗ 
ken, wie auch, was noch zu ſtricken ift nahheten. D. Nachſtricken. 
D. —umn. 

Nachſtriegeln, Av. intrs. n. trs 


1) Rad eines Vorgange, Meile 


firiegein, 2) Hinten nach, fpäter ſtriegeln. D. Nachſttiegeln. D. 
ul, 
Nahfirömen,-v. I) ntr, mit fein. 1) Hinter ber firimen. Das 


nachſtroͤmende Safer. Dann, gleich einem Strome, in Menge, 

Fuͤlle fi binter her bewegen. 

goltenes Glanzgewoͤlk aus dem Morgen 

Stroͤmte wie Atut von Mofen itm nah. Sonnenberg. 
2) Auf eine vorhergegangenr Beranlaffung Armen, Man ſchlug fi 
daß das Bliut nachſtroͤmte. IL) intrs, mit ſein, in Menge, wie ein 
Strom aleihfam, nachfolgen. 

Boll Ungeduld — firdmt die Menge ohne Zahl 

Dem edten Paare nah, — Wieland. 
III) tra, nahftrömen machen. — D. Nachſtroͤmen. D. —ung. 

Nachſtrudeln, v. mtr. mit fein, ſtrudelnd nachſtröͤmen. D. Made 
ſtrudeln. 

— v. intrs. u. trs. fiümperbaft nachahmen, z. B. nad: 
ſpielen ꝛc. D. Nachſtuͤmpern. D. — ung. 

Nachſtuͤrmen, v. I) ntr. mit haben. 1) Dinter her ſtürmen, als 
Eturm von binten ber kommen. =) Hinten nah, 3. ©. nad einer 

- Bindflitte Aürmen. Il) tes, ſtuͤrmend nachführen, hinter ber trei⸗ 
ben. Al) intrs. mit fein. 1) Mit ſtuͤrmiſcher Eile und beftigkeit 
nachfolgen. Den Fliehenden nachſtuͤtmen. 

Und nachſtuͤrmendes Laufe einholt mit hurtigen Füßen: Voß. 
a) Im Sturmiaufen nachfolgen. Die zweite Abtheitung ber Peias 
gerer flürmte ber erften nah. — D. Nachſtürmen. D. — ung. 

Nachſtuͤrzen, v. D mtr. u. intrs, mit fein, hinter her ſtürzen, flür: 
send folgen. »— und fie wäre gern dem Opfer nachgeſtuͤrzt.“ J. P. 
Ridter II) ters. % Hinter ftürzen, d. h. flürzen maden. 2) 
Hinten nah ſtuͤrzen, d. b. haſtig ireren, austrinfen. Noch einen 
Becher Mein nachſtuͤtzen. 111) intrs. mit fein, in größter Eil unb 
unaufhaltſam nachfolgen. 

Das Regiment nach. 
D. Nachftuͤtzen. D. — ung. 

Die Nachfuche, Mj. u. bei den Jaͤgern, das Fecht, ein angeſchoſfe⸗ 
nes Wild in einem fremden Gebiete aufzuſuchenz bie Folge. 

Nachſuchen, v. intrs. u, trs, 1) Rach etwas fichen, es zu finden, 
zu entdecken, zu bekommen. Wan muß nachjuchen ob man es fin: 
det, Etwas, oder um etwas nachſuchen, bei einem Hödern dbaram 
anhalten, a) Nah einem Andern, nachbem er gefirht bat, ſuchen, 
ihm im Suchen nachfolgen. Einem nach ſuchen. D. Nach ſuchen. 
D. — ung. S. d. 

Der Nachſucher, —t, 4. al; die —inn, Di. —en, eine Perſon, 
weiche nachſucht, welche etwas nachfucht. 

Die Nachſuchteng, Wz — en. 1) Die Handlung ba man nachſachet; 
ohne Mehrzahl. 2) Ein einzelner Fall, da man nachſuchet. Mad 
ſuchungen anſtellen. 

x Nachſudeln, v. intrs, uw. tra. 
baft machen. Einem nadfudeln. 
ſchreiben, mahlen x. Gin Bildnis nachſubeln. (M.) 
bein. D. — ung. 

X Der Nadfudler, —«, 4. pl. (R.) einer der etwas nachſudelt 
fhmuzig und ſchlecht nachſchreibet, nahmahiet ze. 

Radıfummen, vertärft Rachſumſen, v. ntr. u. intrs. ı) Mit has 
ben. (1) Das Summen, Eumfen nahabmen. (2) Binten nad 
fummen, nah dem eigentlihen Echalle oder Klange noch fommen 
Das nahſummende Wogen tes Glodentons* 3. P. Rihter 


ihm flürze 
Schiller, 


ı) Nach eines Weife fubeln, fubels 
2) Sudelhaft nahmaden, z. ®. 
D. Nachſu⸗ 


Nachſuͤ 


2) Mit ſein, ſummend, ſumſenb nathfolgen, nachfliegen. D. Nach⸗ 
ſummen, Nachſumſen. 

O Die Nachſuͤnde, My. —n, eine nachher ober ſpaͤter begangene, 
wie auch, eine hinten nad noch begangene Sünde. Sie (die Papiere) 
enthielten Rechtfertigungen und zugleih Nacfünden.« 3.9. Richter. 

Nachfündigen, r.intrs, 1) Rac eines Belfpiele jünbigen, aleid ihm 
fündigen. =) Hinten nad, abermahls fündigen. D. Nachſuͤndigen. 


Nachfüßen, v. trs. hinten nach, noch mehr fülen, D. Nachſuͤßen. 
D. — un 
Die Nacht, 3. Naͤchte. 1) Diejenige Zeit, ba bie Sonne tief um 


ter dem Geſichtakreiſe it und kein Eegenflanb auf derjenigen Hälfte 
der Erde, wo man fih zu biefer Zeit befindet, von ihren Strahlen 
erleuchtet it, fo baß er wenig ober gar nicht gefehen werben kann; 
in Gegenfag des Tages. Es wird, es it Nacht, die Nacht bricht 
on, bricht herein, uͤberkaͤllt, Abereilet uns. Die ganze Nacht ſchla—⸗ 
ſen. ine finftere Nacht, in welder weder Mond noch Sonne 
leuchten. Bildlich giebt man ber Nacht einen Eihleier, einen Mans 
tel ze. , In welchen fie Alles aleihfam huͤllet. Eine fternbeile, mond⸗ 
beite Nacht, in welcher die Sterne, der Mond leuchten, Die langen 
Nichte im Winter. Die lange Macht, ein Feſt bei ten Juden, 
tas fie in ber Nacht in ihrer Säule feiern. Die zwbif Nichte, 
die zwölf Rächte von ber Kriſtnacht an, in deren Befchaffenheit der 
gemeine Mann bie Witterung für die zwölf Monate bes Jahres in 
voraus angezeigt zu Anden glaubt. Tag und Macht arbeiten, bis 
fpät im die Race, oder, faft unaufhörtih. Ginen Zag und Naht 
bewachen, unausgeſetzt. Sprichw. In der Macht, oder bei Nacht, 
ober auch Nachts (nur nicht bes Machte) find alle Kahen grau, 
ober ſchwarz, d. b. in der Racht find ſich alle Dinge berieiben Art 
ſehr ähnlich, bei Nacht alfo unterfuht, nimmt man es nicht fo ge: 
nau. Schlafiste Nächte haben, nicht ſchlaſen Binnen. Der Krante 
hat eine gute Macht gebabt, Hat in ber Naht Ruhe und Schiaf 
genoffen. 
geben. Im gemeinen Leben fuht man biefen Wunſch zierlicher und 
anftinbiger auszubruden, indem man eine geruhfame Nacht, ober 
deffer, eins angenehme Ruh, wünfcht. Diejenigen, die eine wohl 
ſchlaſende vber wohlruhende Macht wünfhen, fagen etwas Mibers 
finniges. Einem gute Nacht fagen, wänihen, aud wel, auf aut 
Franzöffh, neben. Gute Macht nehmen, b, b. gute Racht fagen, 
nad Abſchled nehmen gebitber; nicht fehr gemöhntid. „ind nabmen 
fröhlich gute Nacht.r Gellert. Uneigentliä fant man, ber Welt 
gute Nacht fagen, von ihr gleichſam auf Immer Abſchled nehmen, 
fterben, — Auf die Macht, gegen die Zeit ber Macht. Bei Nacht, 
ın der Racht, während ber Naht; wofür man unrihtla zuweilen 
böret bei der Nacht. Bei Macht arbeiten. Bei Nacht und Nebel 
davon gehen, unter Begänftigung der Dunkelheit, Über Nacht, bie 
Nacht Über. Über Nacht an einem Orte bfeiben, daſelbſt die Nacht 
aubeingen. Vor Nacht, ehe es Nacht wird, Unrichtig iſt bafür 
vor Nadıts, da man nicht fagt vor Abends, vor Tages. Zu Nacht, 
auf die Nacht zu, gegen bie Racht b. h. Abends. X Zu Nacht 
eſſen, am Abende effen, das Abendbrot eſſen. »— meine Xlten fpeis 
ften zu Naht, und id aß beut zum erſten RahL« Benjel-&ter 
mau. — In weiterer Bebeutung gebraudht man Macht auch von 
einem Zuftande ber Dunkelheit, ba bie Sonne, ob fie gleich über dem 
Geſichtskreiſe ſtehet, bel zu feuchten verhindert wird. So faat man, 
es wirb Macht, wenn om Tage dicke Wolken die Sonne verbeden, 
wenn eine Sonnenfinflernig il x. Won einem biditen Walbe fagt 
man, ed fei ober hertiche Macht barin, und meint ben bunfeln Schat⸗ 
ten ber Vaͤume, weiche bie Sonnenſtrahlen niht durchlaſſen. 
Sulamith folgte der führenden Mutter 
Unter die Mirten und unter bie Macht einladenter Schatten. 
Klopftod, 

An ber Nicht fagte man ebemahls für, heimtih. Oberlin. In 
noch weiterer und umeigentliher Bebeutung wird Nacht aud von 


427 


Gute Naht, ein Gruß oder Abſchied vor dem Schtaſen⸗ 


Nachta 


ber Dunkelheit ber Erkenntniß und bem gaͤnzlichen Mangel kerfel: 
ben gesraucht. „ine undurchdtiugliche Nacht ziebet ihre Dede 
vor bad Aufünftiger Sonnenfels. Auch iſt bie Macht ein Bits 
beö Zobes, bed Crabes und bes Schredtih en Überhaupt. Macht uns 
Graus umfängt mid. ‚Das Bei der Naht, bas Todtenreich, 
ber Zob. 

Der Ball, ber mich ins Reid der Macht zu ſchleudern Srannte, 

Ramler. 
Unb eh’ ber Abend koͤmmt, kann eine frühe Nacht 
Auf ewig mir die Augen fließen. aller. 

2) Ehemahls gebrauchte man Macht auch für den Zeitraum von eis 
nee Nacht zur andern, und man fagte über acht Nächte ober Nacht, 
wie wir fagen Über acht Tage. 

Da fprad ber König Gunther: Üser biefe fieden Nacht 

So kuͤnd' ih euch bie Mähre. — b. Nibelungen &., 5805. 

‚Die entwelt Gr viergebn nacht. Imwaing, 47. 
So bebeutet noch jest in dem Worte Faſtnacht, Naht, ben Abend 
ober in welterer Bebeutung den ganzen Tag por einer m. Belt. 
In dem Worte Weihnachten if Rachten die alte O. D. Mehrzahl 
für Nächte, 

& Der Nachtaar, —e®, ober —en, Di. —e, ober —en, ein Ras 
me ber Eule, befonbers bes Kauzes. 

Gleich dem tönenden Bogel, ber Nachts bie Gebirge burchflattert, 
Shailis von Göttern genannt, und Machtaar unter den Menſchen. 
Boh. 

Nacd:tabeln, v. intrs, f. Nach. D. Nachtadeln. 

Nachstafeln, v. intrs, nah Anbern, nachdem Andere getafelt haben 
tafeln. D. Nahtafeln. D. —ung. 

Nah-täfeln, v. trs. hinten nad, nad Anderem, ober nadı Kndern 
täfein. D. Nachtaͤfeln. D. —ung. 

Nach-taͤndeln, v. intrs, f. Nah. D. Nachtaͤndeln. 

Die Nachtangel, 94. —n, ein mit vielen Angeln verfehenes uns 
font noch befonders eingerihtetes Seil, weldes zur Nachtzeit queo 
über einen Strom gelegt wirb, Fiſche in Menge bamit zu fangenz 
ach, die Nachtſchnur. j ; 

Der Nachtanfer, —s, 34. gl. neh Ab, auf den Schiffen, ein bew 
Größe nah auf den Hauptanker folgender Anker, welcher gebraucht 
wird, wenn biefer forttreibet, Allein diefe Benennung If unges 
woͤhnlich, und ber in Anfehung ber Größe auf den Pflicht: eder 
Hauptanker folsente Anker beift Raumanker. 

Nach-tanzen, v. intrs. u. tra, 1) Nadı elnes Borgange, Beifpiele 
tanzen, wie auch, eines Art zu tanzen nahabmen. 2) Wie ein Ans 
derer vortanit nad ihm tanzen. „Run laft aber ben Menuettäns 
der bed Andern Ballet nachtanzen.“ Bürger. (®.). 5) iutra. mit 
fein, binter ber tanzen, tanzend nachfolgen. 4) Dinten nad, nadı 
dem fhon getauzt Ik tanzen. D. Nachtanzen. 

Der Nach⸗taͤnzer, —6, My. al; die —inn, 9. —en, eine Perfon, 
meine nachtanzet, ſowol, welte bas Tanzen einer andern nahahs 
met, als auf, weilte auf fie im Tanze folgt. 

Nacstappen, v; intre. 1) Nah eines Beifpiefe, Meife toppen, feim 
Tappen nahmahen. Einem nahtappen. 3») Zappend nah etwas 


fusen. „Dem Nütägliten blind nachtappen.“ Ungen (K.). % 
Mit fein, tappend natfetgen. D. Nachtappen. D. —ung. 
Die Nabtarbeit, By. —en. 1) Das Arbeiten bei Naft; ohne 


Mehrzahl (lucubration), 
ift ber Geſundheit ſchaͤblich. 
„tiget wird. 

Der Nactarbeiter, —s, 4. gl; bie —inn, Dh. —en, eine Pen 
fon, welde bei Rat arbeitet, zu arbeiten pflegt. Im engerer Ber 
beutung, eine Perfon, welde in ben Staͤdten Abtritte ausriumel, 
weil bies in ber Naht gefäehen muß, bamit ber Geſtank niemanı 
beiäftige. 

Nachtaffen, v. intze, u, tra, 1) Rad eines Beifpiele, Meife taffem 


das Nachtarbeiten. Die Nachtarbeit 
2) Arbeit, weiße zur Raqhtzelt verfera 


Nachta 


a) Hinten nad, mad ober außer dem was ſchon getaſſet iſt taſſen. 
D. Nachtaſſen. D. —ung. 

Nach⸗taſten, v. intrs. nah etwas taſten, taftenb nach etwas fühlen 
fügen. D. Nachtaſten. » 
Nach⸗tauchen, v. intrs. hinter her taugen, im Kaufen ober linter: 

taten nachfolgen. D, Machtauchen. 

Nach⸗taufen, v. intrs, u. tes. 1) Mad eines Beiſpiele, Art taufen. 
2) Dinten nah, nad Anbern taufen, wie auch, nochmahls taufen. 
Auch uneigentiih, das Bier nahtaufen, es nochmahls mit Waſſer 
verbünnen. D. Nachtaufen. D. — ung. 

Nach⸗taumeln, v. ner, u. intes, mit haben und fein. 
ben, nad eines Weife taumeln, fein Zaumeln nachmachen. 

* fein, taumelnd nachfolgen. i 
— wenn fie bie nach von ben Bergen taumelt. 
D. Nachtaumeln. 

O Nach⸗taͤuſchen, v. trs, 
f&en nahabmen. 

Sqnell nachtaͤuſcht ’r (Abaddon) ben Engel bestidtse. Sonnenh. 
b. b. er nahm ſchnell die Beftatt bes Lichtengels am anf eine täu: 
ftenbe Art und täufhte dadurch. 2) Nah dem Borgange oder Beit 
foieie eines Anberen tänften. 3) Rah Antern, natdem Antere 
fton getäufät find täuffen. D. Nachtaͤuſchen. D. ung. 

Das Nachtbeden, —E, DM. al. ein Becken d. h. ein Gefgirr, in 
welhes man, wenn man in ber Rast bies Beduͤrfniß fühlt, den Harn 
geben laͤßt; beffer das Nachtgeſchirt, der Nichttopf, Kammertopf. 

Nachtbedeckt, adj. u. adv. f. Nachtbelaſtet. 

& Nachıtbehangen, adj. u. adv. mit Racht d. h. Finſterniß gleichſam 
bebänat, d. h. bedeckt, umgeben. 

tie nachtbehangene — — Melt. Schnenbern. 

Der Nachtbehen, —s, 4. u. eine Art des Behens, welche bei Racht 
bluͤhet Cuenbalus noctillerus‘, 

A Nachrhefleidet, adj. u. adv, mit Nast glei am bekleidet; fin 
fer, Strettih, »— nachtkbekleidete Wirbelorkanes, fireflige Zins 
fternis durch ſhwarze Wolfen herbelführend. Sonnenberg. 

Nachtbelaſtet, adj. u. adv. mit Ray, d. h. dicker Finſterniß gleide 
ſam beiaftet, bebedt, nachtbedeckt. 

Und näherte ih dem nachtbelaſteten Hügel, Klopſtock. 

OX Dad Nachtbier, — es, 2. u. das Bier, weldes man zu Nacht 
d.h. Abends, um es dann zu trinken heten käht. Jedes Kind, 
das mit dem Nachtbier vor ibm voräberlief.e 3. V. Richt er. 

Das Nachtbild, — es, 4. — er. ı) Ein Bild, weldes einen Ge: 
genftand bei Nast barfteilt; ein Nachtſtuͤck. =) A Ein nägtli- 
ea, ein fhrediihes Bid, GSteifnis. 

Die Nactbfatter, My. —n; Bin. das Machtbrltterhen, ©. D. 
— lein, Blättern, melde zur Maätzeit zuweilen austreten, mit 
Samerz und Entzündung verbunten und ſowel wars, 
getb, ald aus roth ober weiß find (Epinyetis), . 

9) Nahtblau, adj. u. adv, dunketblau, ſhwarzblau. „EZiehet da 
entſtel beoben dem nachtblauen Himinel ein beiler Tropfen. I. P. 
Ritter. 

A Der Nachtblick, —et, 4. —e, ein finflerer, firediiter Pit, 

Mut entfunkeit drob des Unholde Nachtblick. Mattbiffen, 

Die Nachtblindheit, o. My. 1) Derjenige franküafte Zufall an den 

© Augen, ber dem fiwarien Staare veranzugeben pflegt, ba der Kranke 
klaget, daf er zum Zehen nit 2iht genug babe, cher daß ibm bas 
gihr niit heil genug feine, wobei ihm if, ats ob Sims und Un— 
zeinigkeit vor ben Augen wäre, und wobei er an einem dunklen 
Orte ober Abende wenig oder gar nitts von bem ſehen kann, mas 
Andere bann neh erfennen können Hemeralspia, Coecitas cre- 
puscalaris,. Beer 2) Auch wol eine nd tlihe Blindheit, ganze 
liche Blindheit. »— und fie freute ih ihrer Nachtblindheit. 
3. 9. Kirter. 

Die Nachtblume, 84. —n, eine in ber Nast aufbluͤhende, fih If: 


1) Mit has 
2) Mit 


Ramler. 


1) Zäufgend und in ber Abſicht zu täu⸗ 


428 


fSwarjs ° 


Nachte 


nende Blume — nur Nachtblumen buftene sc. J. P. Richter. 
In engerer Bebeutung, der Rame einer Oſtindlſchen Pflanze, deren 
Blumen fih Abends gleih einem Sterne ausbreiten, und in ber 
Rot mit einer fhönen Weiße glänzen (Nystanthos L.), Dee 
Trauerbaum (Nyotanthos arbor tristis) ift eine Art bavon, 

Das Nachtbrot, —es, 0. I. das Abenbhrot, Abeubeſſen; aud das 
Nachteſſen. Seraphine trug das Nachtbrot auf.“ Falk. (®.). 
* x Die Nachtbuͤchſe, 99. —n, ehemahls eine Art Stüde, welche 

bis 75 Pfund Eifen ſchoß. ⸗ 

Der Nachtdieb, —es, 4. —e, ein naͤchtlicher Dieb, der bei 
ſtiehlt. Stieler, ; 

Die Nachtdieberei, Mz. —en, bei Nacht verübte Dieberei, Haltans. 

+ Der Nachtdrud, —en, 4. —en, ſ. Alp. 

O Rachtdunkel, adj. u, adv, dunkel wie bie Racht, ſeht dunkel; 
und uneigentlich, ſehr unverſtaͤndlich. Durch die Bemühungen ber 
Kritiler it dieſe Stelle nachtbdunkel geworden.“ Gebike, (R.). 

& Nachtdurchwallend, adj. bie Nacht durchwallend, bie Kacht hin: 
durch wallend; auch uneigentlid, einen einfamen Raum durchwallend. 

— ein nachtdurchwallender Pilger. Baggeſen. 
& Nachtdurchwandelnd, adj. bie Racht durchwandelnd, in ber 
Racht umherwandeind, . ! 
— bas nachtdurchwandelnde Scheufal. Boß. 
& Nactvüfter, adj. u. adv. düfter wie die Radır. 
In fernefter Ziefe 
Saß nachtduͤſter mit Iobernden Augen als wären’s zwei Schluͤnde 
Bol vothftrömenber Abgrendsgtut — das chaotiſche Weſen. 
Sonnenbers. 

Ö Nächtelang, adj. u. adv, ganze Nächte lang, ganze Nähte bins 
tuch bauernd,. »— immer gemepend ruben und figen fie wie bie 
Mitten tagelang und nüchtelang.“ J. P. Richter. Stieler bat 
nachtlaͤng. 

A Nachten, v. ntr. mit haben. 1) Racht werten, Nacht fein. 
nachtet ſchon. Wenn es nachtet, wenn es taget, 

Rimmer ruht der Kummer mir. Voß. 
Uneigentlih und bildlich, gleich ber Nacht dunkel fein, dunkel werben. 
Bo die Walder am bunkeiften nachten. Schiller, 
— aus einer nachtenden Wolle Klopſtock. 
Das Auge nachtet, verſinſtert ſich, erblindet. 
Seit Bott mein Auge nachten ließ 
Bent ih nur Grab und Eike, Kazner. 
&o wie Naht auch von Dunkelheit ber Begriffe, und ber Finſterntß 
und Echrediichteit des Erabes oder für Tod felbft gebraucht wird, 
eben fo dient machten, dieſelben Begriffe ausjufagen, 
Und fo nadjtet ber Sian! Bof. 
s) In Übernachten hat es die Webeutung, bie Macht zubringen, 
mofür man zud + nähten jagt. D. Machten. 

+ Nächten, ein umſtandwert ter Zeit, in ©. D. un ©. ©. für, 
geſtern Abende, „Rifa farb mir naͤchten“ Sogar. In weiterer 
Bebeutung für nächſt, neulih, eine kurz vorher vergangene Zeit zu 
bezeichnen. 

Naͤchten, ſ. Nachten. 

O Die Nachterde, 9, u. die nächtliche, in Nacht gehuͤute Erbe. 
„Ich Fhiffte in tem üser die Nachterde hingedeckten MWoltenhimmel“ 
J. P. Richter. 

A Nachtergießend, adj. u. adv. Naht, Finkterniß alelchſam ergie⸗ 
fend, d. J. weit verpreitend. »— nachtergiefende Stuͤrme,“ bie 
finfteres Donner; und Regengewbik berteifägren. Sonnenberg. 

Die Nacterfcheinung, By. —en, eine nächtliche Erſcheinung, bie 
man in ber Naht bat. 

Wieder begann dagegen He dunkele Nachterſcheinung. Bof- 

Das Nachteſſen, - 8, Ba. gt. ſ. Nachtbret und Me atmatl. 

Die Nachteule, My. — n, eine Penennung der Euch überhanpt, 
weil fie mur bei Nat auf Raub augfllegen. ©. Eule, Vorzüͤglich 


Racht 


Es 


Nachtf 


wird bie gemeine ober braune Eule (Strix ulala L.) Nachteule 
genannt, Wegen einiger Hontichkeit führen. auch einige Arten der 
Rachtfaiter den Namen Nachteulen oder Nüchteutchen (Phalaenae 
zoctuae L.), 3. B. das glatte Nachteulchen oder die Wollmotte 
(Phalaens noetua leporina L.); bie gelbe Nachteule (Ph. noctua 
eitragoL.) ıc., X Ausfehen wie eine Nachteule, haͤßlich, verſtoͤrt. 

* * Der Nachtfahrer, —s, 99. gi. der bei Racht führt, herum: 
fhweift; ehemahls ein Zauberer, So nannte man eine Zaubrerinn, 
ein Geſpenſt eine Nachtfrau. DOberlin. 

Der Nacıtfalter, —s, 4. al. die Benennung berjenigen Falter 
oder Schmetterlinge, welde nur Nachts herumfliegen (PhalaenaeL.), 
Nachtſchmetterlinge, Nachtvoͤgel; zum Unterſchlede von den Dim 
merungsvögeln und Tagefaltern. ., 

Das Nacıtfeuer, —s, 9. gl, ein bei Racht angemadtes, unter: 
baltenes Keuer, » - i 

Der Nachtſink, —en, 24. —en, ein zum Gefhleht des Finken ges 
hörender Vogel in Südamerika, der meift bei Naht herumfliegt 
(Fringilla nocetis,. Nemnich. j 

Der MRachtſiſch, —et, . —e. 1) Die Benennung folder Fiſche, 
welche am Zage ruhig find und bei Nacht ihre Nahrung ſuchen 
(Pisces nocturni), 2) Cine fehr ſchmachafte Art Forellen im 
Genferfee ıc. (Salmo albula L.). 

xx Die Nachtfrau, Di. —en, ſ. Nachtfahrer. 

Der Nachtfroſt, —es, My. —fröfte, ein in der Nacht einfallender 

- Kroft, im Frühling unb Herbfie, 

Der Nachtgang, —ed, My. —gänge, ein Gang bei Naht. — um 
zu ſeden, ob er bald Mondfgrin für feinen Nachtgaug habe.“ 3. 
9. Aidter. 

Der Machtgaͤnger, —s, Wh. 91. ; bie —inn, By. —en, ſ. Nacht⸗ 
wanderer. 

Das Nachtgarn, —es, Mjy. —e, tin Serdengarn, mit welchem 
Lerhen, auch wol Wachteln und Hühner zur Rachtzeit geſtrichen 
werben; das Nachtneb, Deckgarn, Streichnetz. 

& Das Nachtgebilde, —s, Di. gi. ein naͤchtliches Gebllde, ein 
Gebitde, welches man In der Naht fiehet oder zu feben glaubt. 

' Did Bat ein leeres Nachtgebild' geräufht.. Goltin. 

A4A Nachtgeboren, adj. u. adr, in ber Racht, fofern fie ein Bild des 
Flaſteru, Schredüichen iſt, geboren. } 


Jene berufet 
Strafs das unfihtsare Graum ber nachtgebornen Schweſtern. Bo$. 

O Der Nachtgedanfe, —ns, 4. —n, ein naͤchtlicher, d. h. fin 
fterer, ſchrediicher Gedanke. „Der dunkelſte Nachtgedanke, ber fich, 
über meine etwa noch grünenben Profpekte lagert.“ J. P. Richter, 

4 Das Nachtgeſluͤgel, —s, 9. at. nachttiches Geflügel, Böger, 
welche bei Racht ausjliegen, wie Eulen, Rachtſchwalben ze, 
wenn auch tängft. bie alte Barbaret von neuen wie Nachtgeſluͤgel 
über tie haufıt.» E. Wagner. 

Der Nachtgeiſt, —es, Mi. —er, ein nästliher, bei Nadıt mieten: 
der, cin fhauriger Geiſt. „Ein Falter Mind, ein Machtgeift ſchwebt 
auf bieien ſchwarzen Bewäffern.“ Herder, Beſounders beim aber— 
gläudigen Haufen, ein Geiſt, ber ſich Nachts feyen läßt, ein Ge: 
ſponſt, Nachtgcſpenſt. 

& Nachtgekleidet, adj. u. adv. in Nacht gleichſam gekleldet, mit 
Naht bekfeidet, in Dunkel gthüllt, fürchterlich, ſchredlich. 

Angſtlich ſtand Elioras Schatzgeiſt zwiſchen dem beiden, 
Awiſchen ben ſurchtbaren Nachtarkieiseten Hiienweigda. Sonnenb, 


O Dis Nasıtgemählde, — €, Mp. gi. ein Gemaͤhlde, weldes einen | 


Ergenftand, eine Wegebenheit hei Racht daeſtelletz ein Nachtſtück. 
Uneigentlid, ein büfteres, ſchauriges, ſchrecdliches Gemäbite, eine 
ſolche Darftellung ſowol mit dem Pinfel, ais mit Worten, «Das 
Gemägtbe einer wutergebenden Welt ift groß, feierlih und fuͤrchter⸗ 
lich — durchaus Nachtgemaͤhlde.·“ Sonnenberg. 

Der Nachtgeſang, —ts, 8. —geſaͤnge, Tin noͤchtlichtt Gefang, ber 


429 


Nachtg 


in ber Nacht angeſtimmt wird, Herder. (R.). 
Das Nachtgeſchaͤft, —es, By. —e, ein Geſchaͤft bel Racht. Stieter. 
Die Nachtgeſchichte, M. —n, eine bei Nacht vorgefallene Geſchichte 

d. b. Begebenheit, Stieler. Wofuͤr Hältft bu denn bie Madhts 

geſchichte · I. P. Richter. 

Das Nachtgefchirr, —es, By. —e, f. Nachttopf. 

Die Nahtgefhmwulft, 34. —geſchwuͤlſte, eine Geſchwulſt, befonders 
im @efichte, welche zumeilen während ber Nacht entſtehet und von 
einer Anhäufung und Stockung der Feuchtigkelten berräbret. 

Das Nachtgeſicht, — , M. —, ein naͤchttiches Geſicht, eine 
naͤchtliche Trſcheinumg, bie man bei Nat bat, beſonders ein Traum. 
Stieler. Großmechtiger Koͤnig fog an 

Uns deinen Kuchten dein Nachtgeſicht. H. Sao, R. 

Das Nachtgeſpenſt, —es, 34. —er, ein daͤchtliches, in der Racht 

ericheittendes Geſpenſt. 
Allein am End’ iſt's doch rin bloßes Poſſenſpiel, 
Dos Machtgefpenfter fi in unferm Schädel maden, Wieland. 

Da bergteihen eingebitdete Eeſchelnungen durch bie Einblldungs⸗ 

traft und Dunkelbeit der Macht oft fhrettih genug au fein fheinen, 

wirb auch etwas Schreckliches, Häßliches damit verglihen und dar—⸗ 
unter verſtanden. „Der verftümmeite Lapplänber, der afenmäpige 

Neger, das Rachtgeſpenſt von Albind — würden viekeigt nie auf 

dieſe Denkart getommen fein.“ Herber.. ' 

A Die Nachtgeſtalt, By. —en, eine naͤchtliche Geſtalt, Erſchel⸗ 
nung; dann, eine finftere, traurige Geſtalt. »Die Nachtgeſtalten 
aus Flor.“ J. P. Richter. 

Die ſchwarz umflorte Nachtgeſtalt (der Witwe) dem Aug' 
Der Wett in ſtillen Mauern zu verbergen. Schiller. (R.). 

& Das Nachtgeſtirn, —s, By, —t, ein nädttiher, d. h. zur 

Nachtzeit Irudtended Geſtirn. 
Wie über jedes Machtgeftien 
Der fanfte Mond als König herifht. Sanabeim. 

© Das Nachtgewand, —es, 4. —e, oder — gewaͤnder, ein nächte 
liches Gewand, d. b. ein Gewand ober auch eine Kleidung, bie bes 
fonders bas weibtihe Geſchlecht für die Nacht antegt und auch am 
Morgen vor dem Anzuge für den Tag noch anbthält Nexligée). ©. 

Im Nachtgewand — fährt jene aus dem Paten, Wieland. 
Und im Valaft angelangt, erblicken 
Sie im Nachtgewund ben Großfultan, Falk. (R.). 

A Nachtgewohnt, adj. u, adv. der Naht, d. h. der Dunkelfejt, 
Finſterniß gewohnt, 

— ber Eulen nachtgewohnte Brut. SchMler (R.). 

A Dos Nachtgewoͤlk, —es, My. —e, ein nädtlihes Gewoͤlk, d. h. 
duntle, ſchwarze Wollen 

Die ſchwarzen Nachtgewoͤlke deckten 
Den Himmel und bie Erde weit und breit, Hauswald. 

O Nachtgleich, adj. u. adv. der Nacht gleich, bunte, ſinſter; eigentikh 
und uneigentlih, wo es auch fär finfter mabend, verſinſternd ges 
braucht wird, Aber ein Schwarm, abbolb des Vernunft — 

Ehmirmte bader, nachtgleich — Bof. 

Die Nachtgleiche, By. —n, diejenige Zeit im Zahre, in welder 
Zag und Naht gleich lang find, welder jährlich zweimahl, im 
Brübtingse und Herbflesanfange der Fall ift, weil dann bie Sonne 
über dem Gleicher ftehet (Aegquinoetium), Die erfie Heft: die 
Fruͤhlingenachtgleiche, die andere die Herdſtnachtgleiche. 

O Der Nachtgleichenpunkt, —ed, 8. —e, in ber Sternlunde, 
bie beiden Punkte, In welchen fh die Sennenbahn mit dem GSlei— 
her durhfchneidet, und in beren einem bie Sonne iches Wahl zur 
Zeit einer Nochtgleſche ſtehet (Asquinvetinipunit). 

Die Nactglode, Wy. —n, eine Glocke, melde zu Naht ober Aends 
geläutet wird. Friſch. 

A Das Nacıtgrab, —es, 9. —gräber, das naͤchtliche d. b. fin 
ſtere, ſchredliche Grab, „Kannft du bie and in Worten der Ur 


Nachtg 


tunde mehr ſinnliche Schilderung bes großen Nachtgrabes, des Mit: 
ternastsfhauers in unendtiher ſchwarzer Wüfte denlen?“ Herder. 

A Dad Nahtgraun, —6, 0. M. ein nähtiihes Graun, bas Braun 
der Nacht; wie auch, bie naͤchtliche und eine ihr ähnliche Finſtecniß. 

Die Herrſcher im Lit und im Nachtgtaun. Bagaefen. 

Die Nachthaube, By. —n; Bir. das Nachthaͤubchen, O. D. —lein, 
eine Haube ober Kopfbedeckung, womit die Frauen und Muͤdchen 
das Hanpt zur Rachtzeit bedecken, Lie ſie auch mol vor dem Schlafene 
gehen und befonders am Morgen, ehe fie fih für den Tag antlei: 
ven, tragen; Schlafbaube. In O. D. führt auch bie Nachtenühe 
der Männer biefen Namen. 

& Der Nachthauch, —es, 0. My. der Hauch der Luft, d. b. Wind 
jur Rahtzeit, mit dem Nebenbegriffe des Kalten und Schaurigen. 
— mo Finfternig auf dem Abgrunde (ag und lebender Nachthauch 
bie Wogen durchwuͤhlte.“ Herder. 

Nach⸗thauen, v. mtr. mit haben, hinten nah, nod mehr thauen, 
D. Nachthauen. r 

& Das Nachthaupt, —es, 2. —hbäupter, ein nänttihes, di h. 
fürdtertihes, ſchreuliches Haupt. S. Nacht und Naͤchtlich. 

Kronen, aus Mettern im Born, umglänzten blutig ihr Macht 
haupt. ‚Sonnenberg. 

Das Nachthaus, ed, Wr. —häufer. 1) Auf den Schiffen, ein 

hölzerner viereiger Kaften ohne alles Gifenwerk, welcher in ber 

Mitte bes Schiffes gerabe vor dem Steuer ftchet, brei Abtheilunz 

gen mit Schiebern bat, im beren mittelften eine Bupferne in bemwegs 

sen Bügeln hangende Lampe befinduih iſt. In den andern bei: 
den Abtheilungen, bie duch Glasſcheiben abgefondert find und duch 
bie Lampe bei Naht erhellt werden, befindet fi ein Steuerlompaf. 
a)+ In manden Gegenden ift das Nachthäuschen das heimtihe Gemach. 

Das Nahıtheer, — es, ii. —r, ein nähtlihes, d. h. ſchreck⸗ 

tihes Heer. 


&ä 
wenn bu das Nachtheer 
Deiner Diener für jest zur Schlacht freiwillig uns hergiebſt. 
Sonnenberg. 
Das fogenannte wilde oder wätende Heer kann auch das Nachtheer 
genannt werben. 

Der Nach⸗theil, —es, Sj. —e, Bin Theil, welcher nad einem ans 
bern, nach ben andern folgt; in Gegenſatz von Bortbeil, Da biefer 
Theil geringer ober fehlechter fein Tann oder ift, aid bie übrigen, fo 
bedeutet Nachtheil überhaupt auch etwas, mad uns zum Schaden, 
Berluft ze. gereicht. Alles mas ein Übel für ein Ding IR, dieſes 
Ding mag eine Perfon oder eine Sache fein, iſt ein Schaden; eine 
Sache, die an fih kein Übel if, aus ber aber ein Übel für ein Ans 
deren entftehen kann, gereicht ihm zum Nachtheil, biefe Wirkung 

mag eine wirkliche Berfhlimmerung oder bloß bie Verhinderung eir 
ner Werhefferung ober bie Beraubung eines Gutes fein, Wenn bas 
Abel in der Beranbung eines Gutes befteher, fo if es ein Verluſt; 
und wenn etwas bie Merminterung eines Gutes in einem antern 
wirkt, fo thut es ibm Abbruch. Eberbard Man muß bie bar 
aus entftehenben Nachtheile zu vermeiden ſuchen. Kine Sache bringt 
Nachtheil oder gereiht uns zum Nachtheil, wenn le ung irgend 
einen Schaden, Verluſt zuzlehet. Etwag zu jemandes Nachtheil 
thun, fo daß er Schaden bavon hat. 

Nach⸗theilen, v. trs. hinten nah, nochmahls theilen. D. Nude 
theilen. De — ung. 

Nachtheilig, —er, — fe, adj. u. adr. Rachtheil bringend, Schaden 
ober Merluft irgend einer Art verurfahend Dies it ber Geſand— 
beit, dem guten Ramen ıe. nachtheilig. Nachtheilige Umflände, 
Zufaͤle, Einribtangen ı. Daven bie Nachtheiligkeit, o. Mz. die 
Kefhaffenbeit einer Sache, da fie naditheilig iſt. 

Die Nachtberberge, 89. —n, eine Herberge, in welcher man über: 
nacıtet oter uͤbernachten fan. > 

Der Nachthirte, —n, My. —n, auf bem Bande, ein Hirte, welder 


450 


Nachti 


bie Pferde auf der Weise bei Naht hütet zum Unterſchlede vom 
Tagehirten. 

Das Rachthorn, —es, 34. —hörner, bei ben Orgelbauern, ein 
gebestes Ftoͤtenregiſter, welches nicht über 2, 4 ober 8 Fus groß iſt. 

Die Nachthoſe, By. —n, f. Nachtkleid. 

Nach-thun, v. tes, unregeim. (f. Thun) nah dem Borgange, Bei: 
fpieie oder Muſter eines Anderen Chun, oder mit gleicher Kraft: 
anrencung bewirken, was ein Anterer vor und bewirkte. Einem 
etwas nachthun. „Ein Krmerer richtet fih oft dadurch zu Grunde, 
bad er es einem Keichern an Aufwande nachtbun will, dba er bod 
nicht even fo viel Vermögen bat. Eberhard. Das vermag id, 
nicht ihm nachzuthun. Nachmachen, twelhes oft in gleiher Ber 
beutung gebrauht wird, aber immer davon unterfhieten werben 
fo@te, ift davon fu verſchieden, wie das einfahe machen von thun. 
e) Hinten nad, nad ober aufer bem was ſchon getban- ift no 


thun. 5) X Pinten nah, noch dazu thun, d. $. fügen D. 
Nachthun. 
Hoͤch ſtens bildet zum Affen ben Regeſten kleinliches Nachthun. 


Giubius, 

Die Nacht:hut, 3. u, bie Hut oder Wache bei Naht, über Nacht. 

Die Nadıt:bütte, 9%. —n, eine Hütte, in welder man ſich zur 
Rachtzeit aufpält, wie z. B. die Rachtpütten auf ben Feldern, im 
Gaͤrten ıc. 

Der Racht-huͤttenmeiſter, f. Nachtmeiſter. 

Naͤchtig, adj, u. adv. eigentlich, Nödte habend, aus Nächten befte⸗ 
hend, in einigen Sufammenfegungen, 3. B. dreinaͤchtig, aus brei 
Nächten beftehend, drei Nächte anhaltend, dauernd; mitternähtig, 
um Mitternacht gefhehend, über Mitternacht dauernd; uͤbernaͤchtig, 
was uber Naht geftanden batıc. Goͤthe gebraucht es auch für 
naͤchtlich: Aber wenn in naͤcht'ger Stunde 

Süfer Lampe Dimmrung flieht. 
Bei den Jaͤgern heißen mächtige Gänge foldhe Gänge eines Witbes, 
welche Ser Hund gar nicht ober doch Ealtfinnig anfäut, weit fie 
wenig Geruch mehr haben. j 

Die Nachtigall, 8. —en, ein aus Rast und dem alten Ball (von 
gällen, fingen) sufammengefegtes Wert, eine Art ber Grasimikden 
au bezeichnen, bie buch ihren mannihfaltigen,, kuͤnſtlichen und ſchö— 
hen Gefang, ben fie vorzüglich zur Machtzeit hören läst, vor allen 
Cangvögein berühmt und beliebt ift (Motscilla luseinia L.), Man 
unterfcheidet ben Rothvogel, deſſen Farbe rötblihhraum ift und der, 
weit er auch bei Tage ſchläͤgt, auch Tageſchlaͤger und Dirrling ge 
nannte wird, end ben Sproffer oder Sproßsogel, der mehr grau 
If und vorzüglich bei Naht fchlägt, daher er auch Nachtſchlager 
beißt. Wei den Dihtern befömmt fie aufer bem Griechiſchen Nas 
men Philomele mancherlei Beinamen, 3. ®. Sängerinn der Naht, 
Konigiun des Gefanges, Koniginn bes Froͤblings ꝛt. Die Virgi— 
niſche Nachtigall, die zu einem audern Eeſchlechte gehört, führt 
biefen Namen ihres angenehmen Gefanges wegen (Loxia cardina- 
lis L.). Bie hat rothes und blaues Eeſteder. Uneigentiid nannte 
man ehemahls auch eine Art bes groben Befhüges, welches 45 Pfund 
ſchog, Nachtigall oder Singerinn. 

Der Nachtigallaffe, —n, By. —n, eine Art einer [höner Affen 
in Brafitien, welche bödftens einen halben Fuß lang werben (Uistiti, 3 
auch 5 Affennachtigall, Biſamaffe. 

Der Nachtigallknecht, — es, My. —e, rin Name ber SEaumnachtigall 
ober der braumnefledten ®rasmüde (Motacilla modularis L.); 
auch Braunelle, Zaunſchliefer, Wollentramper. 

Der Rachtigallton, —ed, Wz. — toͤne, der Ton, die Thne, welche 
bie Rachtigall hervorbringt, ber Gefang ber Nachtigall. 

ihr freundticher Blick ift 

Sorronfhein, ihr Laut jüßer denn Michtigaliton. WoS. 

Nachrtilgen, v. ers. hinten nah, fpter fiigen, vertilgen. D. Nach⸗ 

tilgen. D. —ung. 5 


Nachti 


— 


Nachtl 


O Der Nacht imbiß, — ſſes, Dr. —ſſe ein Imbis zur Raht, das O Die Nachtlaube, Dig. —n, eine naͤchttiche d. h. ſeht dunkle kaube 


Nachteſſen. »Wartete bis zur Zeit bes Nachtimbiſſes⸗ Waͤchter. 
Kuh gekürzt, der Nachtime. 
Ihr wollt nicht zum Nachtims bleiben? Göthe. 

Der Nach-tiſch, —eb, My. u. dasjenige, was nach ber eigenttichen 
Mabiieit auf ben Tiſch gefeht misd, dieſelbe zu beſchließen, gewöhns 
lich Obſt, Batwerk, Zuckerwerk ic. (Desert); im N. D. Nadıgift, 
was binten nad gegeben wird, 

O Der Nach-tiſchwein, —es, My. —t, Bein, welcher zum Rad: 
tifh gegeben wird, „ER wurde ein guter Nachtiſchwein aufgefegt.« 
ungen ®. 

Die Nahıtjade, Me. —n, f. Nadıtlleid. 

Die Nachtjaad, IH. —en, eine zur Rachtzeit angeſtellte Jagd; 
auch das Nachtjagen, bie Abenbjagd, und weis man ſich ber Fackeln 
babei bedient, Fackeljagd. 

Die Nachtjupe, Di. —n, ſ. Nachtkleid. 

Die Machtkaͤlte, o. My. bie bei Nacht oder mit ber Nacht eintretende 
Kälte, — erinnerte bie Berblutete — an bie Gefahr der Nachts 
Blte —“ J. P. Richter, 

M Dir Nachtkampf, — es, MM. 
auch, ein ſchreclichet Kampf. 

— ſelbſt Dtin ſank in dem Nachtkampf. Bagheſen. 

Die Nachtkerze, 3. —n. 1) So viel als Rachtticht. ©. d. =) 
Der Name eines Ameritaniſchen Pflanzengeſchlechtes, welches ſich 
durch einen langen röhrenförmigen, auf dem Fruchtkeime ſtehenden 
und abfallenden Kelch, duch vier herzfoͤrmige ardgebreitete Blumen: 
biätter, acht kuͤrzere gekruͤmmte Etaubfäben, einen langen walzen— 
förmigen Fruchtkeim, der einen dünnen Griffer mit vier didern 
ruͤk waͤrts gebögenen Staubwetzen trazt, und durch ein langes, viers 
ediges und vierflappiges, viele Beine nadte Samen enthaltendee 
Samenbehaltn!g unterfheibet (Denothera L.), 

Das Nachtkleid, — es, WA. —er, cin Meid ober Rleitungsffüd, 
welches man zur Naht um basin zu fchlafen, au wel Abends und 
Morgens nad und vor dem eigentlihen vollen Anzuge, zur Bequem: 
lichkeit anlegt oder anbebält; bergleihen Nachtjacken, Nachtjupen, 
Machtmieder, Nahtwämfer, Nachthauben, Nachmuͤten, Nachts 
hoſen ac. ſtad. Aue zu dieſem Behuf dienende Kleidungsſtücke zu: 
fammengenommen machen bie Nachtkleidung aus (Deshshilld, Ne- 
gligde). „Und das leichte Machtkieid ift bad Ichte halb durchſichtige 
Gewoͤll vor dem fhimmernden, freundlich taͤchelnden Monde, ber 
hinter der Hülle durchblickt, um und die Nacht hold zu verſilbern.“ 
Bensel:Sternam 

Der Nachtlopf, —es, 34. — koͤpfe, ein Mame des braunen Sport: 
flügels. &. Spornflägel. 

Die Nachtkoſt, o. 9. die Ko, melde man zu Macht, Abends zu 
fi nimmt, das Abendeſſen. 

— und rüftete drinnen bie Nachtkoſt. Wo. 

O Die Nachtkugel, 4. —n, eine Benennung ber gläfernen mit 
Waſſer gefüllten Kagel, welche die Schuſter ic. Abeabs ober bei 
Nacht vor bie Flamme ber Lampe bangen, bamit durch dieſelbe ein 
fehe vermehrtes Liht auf bie Stelle falle, wo fe ihre Arbeit vor 
nehmen, „Die Sonne wirb für bih ein herunterbangenber Ballons 
ofen und Ztubenheiser ber Welt und der Wend eine Schuſters Nacht⸗ 
kugel auf dem Bichthalter einer Wolle. 3. P. Riten, _ 

Das Nacıtlager, —s, 3 gl. 1) Das nächtliche Lager, der Dirt, 
wo man übernachtet, befonbers wenn man auf der Feiſe ift; bie 
Nachtherberge (Nahtquariier), 2) Der Kufentbait über Nacht an 
einem Drte, befonders auf ber Reife. Grin Nachtlager an einem 
Drte nehmen, haben beſtellen. Einem ein Nachtlager bei ſich 
geben, 

Die Nachtlampe, By. — n; Bw. das Nachtlaͤmpchen, eine Lampe 
mit einem ſchwachen Dochte, die man bie Racht über brennen läßt. 

Nachtlang adj. u. adv. f. Nächteiang. 


—tänıpfe, ein nachtlicher, wie 


»Er legte ihr die Biete vor: fie ſollte ihre Freundinn — in bie 
Nachtlaube der Inſet jegt Nachts — (zu gehen) bereben« 3. P. 
Rihter. 

X Der Nadıtlaufer, —s, M. ol; die —inn, 9. —en, eine 
Perfon, weiche in ber Racht Serumläuft, herumfhwärmt, ber Racht⸗ 
f[hwärme. Kramer. 

Das Nachtleimfraut, —t, My. u. eine Art des Leimkrautes, welcht 
bei Rade blührt (Sileme noctiflera L.), 

Der Nachtleuchter, —s, 9. gl. eine Art Leuchter mit einer weiten 
und tiefen Dille, in welcher ein Rachtlicht Shwimmet. 

Naͤchtlich, adj. m. adv. 1) Bei Racht ſeiend oder gefhehend. Das 
nächtliche Dunketl. Naͤchtliche Zuſammenkoͤnfte, Beſuche. Mei 
naͤchtlicher Weite, bei Nacht, zur Nachtzeit. =) Jede Racht ger 
ſchehend, alle Noͤchte. 

Denn um Kunigunde, die Schoͤne, 
Barb naͤchtlich und täglich fein Sinn. R. Weder. 
3) Ks Umſtendwort allein, in der Radıt, bei Nacht. 
Naͤchtlich feh ich taufend Sterne. Günther. 
As kurze Zeit, bie einer naͤchtlich wacht. Opiz. 
4) O Bir mitteeniserih, nah der mitternähtlihen Gegend zu, 
gegen Mitternacht wohnend ic. „Die nächtlichen Kimmerier.- Bof, 
5) & Dee Radır in Anfehung der Finfternis, wie auch, ber Ehren: 
lichteit ähntih, dunkel, ſchrecklich, traurig; In weicher Bedeutung 
auch die Steigerung naͤchtlicher, naͤchtlichſte Statt inbef . 
benn bei ber unterſten Hoͤue, 
und bei ihrer naͤchtlichſten Mage! — Klopſtod. 
— im naͤchtlich aufmwirbeinden Dampf, Collin; 
b. b. im dunkel ober ſchwarz aufwirbeinden Dampfe. 
und nicht glüdlicher Mag’ ich nch einfam, und weine die Nacht 
durch, 
Und ben mir niͤchtlichen Tag. Klopſtock. 
— mich rcipt mein banger Gedanke 
Smmer nächtlicer fort, Derſ. 
Ach! im der naͤchtlichſten von meinen Lebenäftunden 
Biſt bu, Geliebte, mir entſchwunden. Kretfhmanm, 

O Die Naͤchtlichkeit, 0. 94. 1) Der Buftayd eines Dinges, ba es 

naͤchtlich ift. 2) Ein nägtlihes Ding ſelbſt, naͤchtliches Dunkel. 
Bon dunklen Ulmenzwelgen 
Fault dieſe Naͤchtlichkeit. Tiedge. 

Das Nachtlicht, — es, Mi — er Vw. das Nachtlichtchen, O. D. 
—tein, ein Licht, welches in ber Nacht leuchtet. So heißt bei 
Dpiz ber Mond sein edles Nachtlicht.“ In engerer Bebeutung, 
eine Art dünner, mit bünnem Dochte verfehener Lichter, oder auch, 
ein biofer in Di ſchwimmender Dodt, welche man bei Naht bren- 
nen läßt. 

Die Nachtliebſte, —n, 94. —n, eine Art in Oſtindien einheimi- 
ſcher Zuberofen (Polianthes amica nocturna L.). 

Das Nachtlied, — et, a. —er, ein zur Nachtzeit gefungenes ober 
ja fingendes Lich, ein Abendlied. „Sie fhmwirrte ein Nachtlied ab.“ 
tangbein, 

O Der Nachtloͤhner, —s, M. al; bie —inn, u. — en, 
eine Perfon, weiche ciner andern bei Naht um Lohn zu Fienfle 
fiehet, befonders der finnlichen Liebe zu froͤhnen. „Als er einſt eine 
Nachtloͤhnerinn aufgegabelt.- Bobe. 

Die Nactluft, Di. —lüfte; Bw. das Nachtläfthen, eine zur 
Nachtzeit mebende Luft, und, ba biefe kuͤhl oder kalt zu fein pflegt, 
in weiterer Bebeutung, eine fühle, kalte Euft. 

und flilt ben Schmerz der Wunden, 

Der in der Nachtluft ſtaͤrker fh erhebt. Arten. 

%*% Der Nachtluſer, —6, 94. at. ein nähkticher Aupaſſer. Oberlim. 

Die Nachtluft, 9. u. ober die Nachtluftbarkeit, Big. —en, eine 
bei Nacht veranſtaltete kuſtbarkeit. 


Nachtm 


Doz Nachtmahl, —es, 94. —e. 1) Das Abendmahl, bie Abend⸗ 
mahlzeit. 
ich euch ben Aufſchluß davon gebe. Meißner. R. 2) Das Abend⸗ 
mahl, der Eicchliche Felergebrauch. 

Hans! das Nachtmahl nehm’ ich darauf, ich bin ganz unſchul⸗ 
dig, Boß. 

+ Der Nachtmahr, —es, oder —en, My. u. fo viel als ber Alp. 
S. d. und Mahr. 

+ Das Rachtmaͤnnchen, O. D. —lein, —s, My. gl. ein Name bes 
Alpes. ©. d. 
Dir Nachtmantel, —s, Mg. —mäntel, ein Mantel, welchen bie 

Frauen Abends nah dem Auskleiden und Morgens vor bem Aus 
Heiden zur Bequemlicteit umnehmen. Dann, ein Alles bededen 
ber, in Racht d. b. Finfternis büllender Mantel. . 

— das granfe Gewand, das rings ibn umfrömte, warf er 

Breit, wie der Wett Nachtmantel von fi. — Sonnenberg. 
Uneigentlih führt dieſen Ramen in ber Pflanzenlehre ber gemeine 
Sinau; auch Frauenmantel, Marienmantel. 

Der Rachtmarfch, — es, m. —märfhe, (R.) ein während ber 
Nadt, zur Nachtzeit unternommener Masfh, 3. B. eines Kriege: 
beeces. 

Der Nachtmeiſter, —, M. gi. im Hoͤttenbaue, ein ‚Hüttenmeifter, 
welcher die Schmelzbütten in ber Racht beſucht, um zu fehen, ob 
tafelbft Alles gebet wie es fol, und ob bie Arbeiter gehörig arbeis 
ten; ber Nachthuͤttenmeiſter. 

Der Nachtmenſch, —en, Mg. —en, bie Benennung einer Art Men 

x Shen, weiche nur bei Racht follen ſehen tönnen, und aud den Nas 
men weiße Mohren führen, 

Das Nachtinieverz—s, Da. gl. ein Mieber, weldes zum Schlafen 
geben angezogen wird, S. Nachtkleid. f 

O Der Nachtmonat, —es, By. —e, ein nähtliher Monat, ein 
Monat, während beffen es Naht ift, mie in ben Pollreifen, beren 
jährlich mehrere find. 

— wenn nach ſechs Nachtmonaten annaht 
Oben ber Halbjahrtag aufhellend ben ewigen Winter. Baggefen. 

Der Nachtmord, —es, 4. —e, ein bei Nat verübter Mord, 
Stieler. 

Die Nachtmotte, 4. —n, fin Name der zur Nachtzelt berumflie: 
genden Motten; auch nur ſchlechthin Motte und Nachtſchabt (Pha- 
laena tinea L.). 

Die Nachtmuͤcke, 9. —n .f. Iobanntiwurm. j 

Die Hachtmüse, 4. —n; Sir. das Nachtmuͤtzchen, O. D. —lein, 
eine übe, welche man beim Schiafengeben auffept, zur Bequem: 
lichkeit aber auch zu Jeder andern Zeit auf dem Kopfe trägt. Im 
gemeinen Lehen bie ſchimpfliche Benennung eines tragen, einfättigen 
Wenshen. In beiden Fällen auch Schlafmuͤtze. 

Der Rachtnebel, —E, 9. gl. eigenttich, ein bei Nacht einfallender 
Hebel. Dann, die Benennung eines Geſichtefehlers, da man bei 
Tage zwar gut ſiehet, in ber Dämmerung aber blödſichtig iſt. 

Dos Nachtnetz, tt, 9. — tr ſ. Nadıtgaen. 

Die Nactnimfe, By. —n. 1) Eine Kit Nimfen, d. 6b. mit vier 
neplörmigen Flügeln verfehener Biefer, welche nur bei Mache zu 
Worfchein kemmen (Hemerobius L.). 2) X Eine zur Nachtzeit 
fih der Sinnenluſt ber Männer Preis gebenbe und baburd; Erwerb 
fuhende Nimfe, d. b, liederliche Dirne. 

Nachetoben, v. inte, ı) Mit baten, nah dem Meifpiele, der 
Meile einet Andern toben. 2) Mit fein, tobend, mit Toben nad 
folgen, verfolgen, 

Abdul geht wie Flamm' ibm voran, nachtobet ihm Alles. 
D. Nachtoden. Sonnenberg. 

Nach-toͤdten, v. tr. 1) Nach dem Beifpiele, Borgange eines An⸗— 
been töbten,. 2) Sinten nach, nach ober außer dem was ſchon ger 
tötet ift töhten. D. Nachtoͤdten. D. — ung. 


432 


Erinnert mich beim heutigen Nachtmahl daran, daß 


Nachtr 


X Nach⸗tollen, v. intrs. 1) Mit haben, bie Tollheit eines Andern 
nadhabmen. 2) Mit fein, wie toll nachlaufen. D. Nachtollen. 
O Der Nach⸗ton, —ed, I. — toͤne, ein nad) dem eigentlihen Tone 

neh anhaltender hoͤrbarer Ton. 

Nacetönen, v. I) ntr. mit haben, hinten nad) tönen, mad bem ei: 
gentlihen und ftärkern Zone noch einen -Ahnlihen fhwächern und 
immer ſchwaͤcher werdenden von ſich geben. Die Gloge toͤnet noch 
lange nach, nachdem fie augeſchlagen iſt. IH) O tre, nachtoͤnen mas 
chea. Dann, in Toͤnen nachahmen, nachſpielen, nachſingen. 

Ihr Engel 

Toͤnt's mit der gotdenen Has iht nah. — Klopftod, 
Nneigentlih, einen empfangenen Eindruck fo wiedergeben, daß man 
ihn als denfelben erkennet, „Der Dichter fühle den eigenthämlichen 
Stolz ber Edlen Ihrea Etandes fo innig, und tönt ihn fo lauf 
nad.“ Ewald. (R.). — D. Nadıtönen. D. — ung. 

x NRadstorkeln, v. intrs. (f. Terkeln) mit haben und fein. Machs 
tofen, v. intzs. mit haben und fein, f. Nachfolgen 1). D. Nadı: 
tortein, Nachtofen. 

Der Nachtpelz, — es, 9. —e, ein Pelz, welchen man zur Bequem: 
thkeit vor dem Schlafeungehen und nad dem Aufſtehen trägt; auch 
der Schlafpeli. 

Dad Nactpfauenauge, —, M. —n. ı) Eine Art Rachtfalter, 
die mit bem Pfauenauge Ähnllchkeit hat (Phalaena pavonia). >) 
Eine Art Dämmerungsvöger, wegen gleicher Ähnlichkeit (Sphinx 
ocellata), j 

Der Nachtpocher, —s, Mz. gl. in ben Bergwerken, ein Arbeiter, 
welcher in dem Pochwerke über Nacht die Auffiche hat; zum Hnter- 
fhiede vom Tagepocher. 

Der Nacıstrab, —tE, 9. —e, ber nachfolgende, ber binterfte Thell 
eines Kriegebeeres, der Nachzug, der Nachtrupp, die Nachtrup⸗ 
pen, die Nachhut (Arriere-garde); in Gegenſatz nom Vortrabe, 
— Vortruppe, den Vortruppen und der Vorhut. S. 

rab. 

Der Nachtrabe, —ns, 99. —n, bie Benennung verfihiedener bei 
Nacht herumfliegender Wögel, welche zugleih eine wibrige Stimme 
baben. » 2) Der Machtente, ober bes beichhuhns sc; auch Machte 
ram, Nachtrapp. 2) Einer Heinen Are Keiher mit drei Rotfehern 
auf dem Kopfe; auch bunter Reiher, Schildreiber, Kifchreiber, 
MNachtteiher, Nachtram, Nachtſchatten, Koder (Ardea nyeticorax 
L). Beſonders 5) ber Rachtſchwalbe. S. d. „Ihm fingt die Eule 

nicht banges Ungkuͤck und der traurig kraͤchzende Machtrabe. Gef 
ner. In ber folgenden Stelle kann fowot biefer Bogel ald auch 
bie Nachteule oder bad Kaͤuzchen darunter verftänden werben. 

Wo Leichenton Nachtraben fingen. Voß. 
4) Uneigentlid nennt man im gemeinen Leben einen bei Nacht here 
umſchwaͤrme uden Menſchen, oder auch, wie z. B. im Osnabrürihen, 
einen ber Nachts arbeitet, ober überhaupt aͤrmende Geſchaͤfte treibt, 
einen Nachtraben. 


Nach⸗traben, v. intrs. mit fein, hinter her traben, trabend nadıfet: 


gen. D. Nachtraben. 

** Die Nacdı-tracht, o. 94. 1) Das Streben nach etmat, beſondere 
etwag zu erbalten, zu nebmen, ober zu Shaben, Haltaus. 2) Eine 
nad andern nufgetragene, aufgefegte Tracht, ber Nachtiſch. Er: 
bergs Woͤrterb. 

Nach-trachten, v. intrs. nad etwas trachten, trachtend gleichſam 
verfuigen, db. b. zu erlangen ſuchen. „Er trachtet und jaget Ihnen 
nad." Pred. 5, 15. Einem Dinge nachtrachten. In engerer Be 
deutung, nahfteken, in feine Gewalt durch Eift und ähnliche Mittel 
zu betemmen fuchen. „Die Inden trachteten Jeſu nadı.e Joh. 5, 
18. D. Nachttrachten. D. —ung. 

Der Rachstrag, — es, 9, träge, etwas das nachgetragen wird, 
3. ©. Bed, welches man nad der ſchon abgetragenen Hauptiumme 
noch abträgt oder giebt. Gin Nachtrag zu einer Schrift, etwas mas 


Nachtr 


zu näherer Beſimmung, Erlaͤuterung, Berichtigung, Vermehrung ır. 
derfelben oder eines Theiles berfelben angehängt ober nahgefhikt wird. 
Nach⸗tragen, v. trs. unregeim. (f. Kragen), x) Binter her tragen, 
tragend nahbringen, Sie legten bat Kreuz dem Simoni von Gy 
zene af, daß ers Jeſu nachträge.* Eur. 23, 6. 
_ ed huͤpften 
Dohrentnaben umher, nachtrugen bie Schleppe. — Sonnenb. 
uneigenttich, X einem etwas nachtragenn, eine geſchehene Sache 
gleichſam überall nachtragen, fie nicht vergeſſen, ſondern den Andern 
immer darauf aufmerkſam machen, ihn daran erinnern und badurch 
Vorwürfe machen; wie auch, feinen Unwillen äber eine gefchebene 
Eahe und ben Borfag fih dafür zu rädhen gleichſam überall mit 
berumtragen, um feine Rache gelegentlih auszuüben. Er wirb bie 
es ſchon nachtragen. 2) Pinten nad, nad oder aufer bem, zu bem 
was fihon getragen iſt tragen. Roh Holz, noh Waſſer nadtragen. 


Etwas In eine Rechnung, in ein Bud nachtragen, etwas noch bazu ‘ 


Gehörendes, darin Ausgetaſſenes ober zur Verihtigung ze. Dienendes 
barein eintragen, ſchreiben. Auch, nah Andern, fpäter fragen, Dit: 
fer Baum Hat feine Fruͤchte nachgetragen. Zuweilen auch, nos 
mahls tragen, 
Nachtragen. D. —ung. ©. aud der Nachtrag. 

Der Nachsträger, —s, Bi. gt; die —inn, By. —en, eine Perfen 
melde etwas nachtraͤgt. 

O Nab-träglih, adj. u. adr. in Geſtalt eines Rachtrages, als 
rin Nachtrag. 

Nach-traͤllern, v. intrs, u, trs. 2) Mad eines Meifpiele, Meife träl: 
lern. 2) Xrälernd nadhfingen, wieberboten. D. Machträllern. 

* Der Nach⸗trapp, —en, 9. —en, ein Rame 1) ber Nachteule; 
2) ber Nachtſchwalbe. 

+ Der Nacht-ram, —et, 34. —e, f. Nachtrabe 1) u. 2). 

X Nachstrampeln und Nachstrampen, v. intes, mit haben und 
fein. X Nach-trappeln und Nach-trappen, v. intrs, mit fein und 
haben, f. Nachfolgen 1). D. Racıtrampeln, Nachtrampen, . Nach ⸗ 
trappein, Nachtrappen. 

Der Nacht⸗raub, —es, Ryu. ein Hei Macht veruͤbter Raub. Stieler. 

Er (ber Loͤwe) broͤlt dem Herrn, der ibm den Nachtraub gab, 
Den ungebearen Dant, 3.8 Suber, 

Nach-trauern, v. intrs, 1) Nah dem Vorgange, ber Meife eines 
Anbern trauern. ©) Hinten nad, fpäter trauern. 5) & Irauernb, 
mit Zrauer nachdenken. „Er trauerte dem Zorn des Waters nad.“ 
Benzjel:Sternau. D. Nahtrauern. 

Nach⸗traͤufeln, v. mtr. mit haben und fein, u, trs, Madhstraufen, 
v. ntr, mit haben und fein. Macheträufen, v. tr, ı) Als mtr, 
hinten nach, no mehr, dazu träufeln, traufen; auch nadhtriefen. 
2) Wis tes. binten nad, noch mebr, dazu träufeln, träufen, b. 6. 
traufen machen. D. Nachtraͤufeln, Machtraufen, Nachträufen. 
D. Nachtraͤufelung, Nachtraͤufung. 

Nach⸗traͤumen, v. I) mtr. mit haben. 1) Hinten nach, fpäter traͤu⸗ 
men, außer dem was einem früher geträumt hat. II) intrs, nah 
ber Meife eined Anbern, auf aͤhnliche Art mie er traͤumet eder ge: 
träumt bat träumen, d. 5. feinen Gedanken und Einblldungen nads 
haugen. „Edle Pichet ſagte Klotbilde, nachdem wir lange geſchwie— 
gen und ben Abweſenden madıgeträumt hatten.“ E. Wagner. D. 
Nachtraͤumen. 

7 X Nach⸗trecken, v. intrs, u. trs. fo viel als nachzlehen. 
D. Nachtrecken. D. —ung. 

Nach-treffen, v.ntr. untegelm. (ſ. Xreffen), mit haben, und auch mit 
der Fuͤgung eines trs. nach eines Vorgange treffen, gleiches Gluͤck 
mit im babend treffen. D. Nachtreffen. 

Nach:treiben , v. tes. unregelm. (ſ. Treiben). x) X Ra bem Beis 
fpiele, na& der Meife eines Anbern treiben. Mußt du es ihm denn 
fo arg nachtreiben? =) Hinter ber treiben, antreibend folgen mas 
Gen. Die Küͤchtein ber Henne nachtreiben. Die Pferde nachtrei⸗ 


Campe's Mörterb, 3. zb. 


433 


Die Erdbeerftauden Haben noch nachgetragen. D. 


N. D. 


Nadıte . r 


5) Einem Andern nachfolgend treiben. 
— und trieb 
Im Hui fein ehernhuftges Geſpann 
Tydlden nad. —, Bürger. T8.).- 
Auch ald intes, Ginem nachtreiben, mad oder Pinter ihm freiben, 
b. b. hüten, S. Nachtrieb. 4) Durd Treiben won hinten ſchneller 
vorwärts bringen. So treibt man bei ben Holsflößen bie in bas 
Waſſer geworfenen Edjeite nach, wenn man fie mit bem Floßhaken 
vom Ufer abflöst. 5) * Im N. D. für nadtragen, in uneigeutliher 
Bebeutung,. Einem etwas nachtreiben. D. Nachtreiben. D. —ung- 

A Dis Nacht⸗reich, —es, My. u. bad Rei ber Racht, die Unter 
weit, bie Hölle, ale ein finftres, ſchreckliches Reich betrachtet, 

— des Nachtreichs 
Fuͤrſten au ſchrecken. — Sonnenberg. 

Der Nacht⸗reif, —et, 94. —e, ein Reif, welcher in ber Racht faͤt. 
Stieler. 

Der Nacht⸗reiher, —, 9%. gi. ſ. Nachtrade 2). 

Die Nacht⸗reife, 84. — n, eine bei Nacht angetretene ober gemachte 
Reife. Mecht boffend nahm Plane dem Befehl der Machtreife zum 
guten frommen Bater auf. 3. 9. Rich ter. 

Nach⸗treten, v. intrs. u. trs. unregeim. (f. Treten). 1) Rad eihes 
Anderen Beifpiele, Meife treten. 2) Sinter ber tretend, feierlich 
einhertretend folgen. . 

Mir trat mit ſittſamen Geberden 

Ein ‚Hrer vergelb’ter Diener nad. Lichtwer. 
„Der Teufel fhien ihm nur als Kammermohr nachzutreten.« 2. ». 
Richter. Dann überhaupt, nadfolgen, nahahmen, gleihfam im 
eines Anbern Fußſtapfen treten. ineigentiih. So viel als nach⸗ 
geben, nahftehen, an Aufeben, in ber Würbe ıc. Er muß ihm nadıs 
treten. S. Nachttitt. 5) Dinten nad treten, noch mehr treten, 
dazu treten. D. Nachtreten. D. — ung. 

Der Nactsreter, —s, 4. al. ; die —inn, Mz. —en, eine Perſon, 
melde einer andern nachtritt, und im weiterer und uneigentlider 
Bebeutung, weiche ihre nachfolget, nachahmet. „Die neuern Italie⸗ 
ner (im Bade ber Tonkunft) und beren Nadhtreter.« Ungen. (R.). 

Der Nacıstrieb, —es, 9. —t. 1) Das Rachtreiben; ohne Mehr: 
zahl. ©. NMachtreiben 5). Dann, das Met nachzutreiben. S. 
Machhut 1). 2) O Ein hinten nach, Tpäter aufgefhoffener Trieb. 
„Daum beine alte Wärterinn, ein ehrliches treues Geſicht und Ges 
fhöpf, vol Mütterfinnes, aus welhem ber Pflegefinn aufgefproßt 
war, mie ein Machtrieb aus den Wurzeln bes abgebauenen Stam: 
mei,“ I. P. Richter, 

Nach triefen, v. mtr. mit haben und fein, f. Nachtraͤufeln 1). D. 
Nadhtriefen. 

Der Nachteriegel, —®, 29. gl. ein Riegel, befonders an ben Sätsf: 
fern, welchen man beim Schlafengeben vorſchiebt, damit in ber Naht 
niemand herein könne, 


Die Nach-trift, 94. u. ſ. Nachhut 1). 


ben. 


Nachetriltern, v. intrs. ir. trs. 1) Rach einet Zeifpiete, Weife trit:' 


lern, fein Triilern nachahmen. 
gen. D. Nachtrillern. 

Nach⸗trinken, v. intrs. u. trs, unregelm. (f. Trinken). 1) Rach eis 
med Veifpiele, Vorgange trinken. 2) Hinten nad trinken, nad eis 
ner genoffenen Speife ze. trinken. „Etwas auf eine eingenommene 
Argenet nachtrinten.- (K.). D. Rachtrinken. 

X Nachtrippeln, v. intra. 1) Mit haben, bas Trippeln eines An: 
deren nahabmen. 2») Mit fein, trippeind nachfolgen. — und kam 
mit zwei Händchen voll gepfiädter thauiger Aurikel machaetrippelt.= 
3. 9. Ridter. Ich tripple nach, fo lange delt, Bötbe. 
D. Naͤchttippeln. St 

Der Nach-tritt, —es, By. —r. 1) Die Handlung, ba man nadtritt ;« 
obne Mehrzahl. 2) Ein hinten nah, Hinten drein gemachter, ge 
gebener Tritt. 

55 


a) Teillernd, mit Trillern nachfime 


* 


Nachtr | 


Der Nachteritt, —es, 94. —e, ein Ritt, welchen man bei Nacht 
maät. 

Der Nacht⸗rock, —eb, 9. —rade, ein Rot, welcher von Frauen 
oder Mädchen beim Schlafengehen um ibn Nachts anzubelalten ans 
gezogen wird. Dann, ein bequemer Hausrock, weichen Mann perſo⸗ 
nen Abends und Morgens, auch wel am Tage zur Bequemlichktit 
tragen; der Schlafrock. 

Kenn mit Bachus ober Cypria 
Ih den Scherz im Machtrod ſchlendern fah. Ungen. 

Nach⸗trocknen, v. ntr, mit fein u. trs, binten nach, fpäter trocknen. 

D. Nachtrecknen. D. —ung. 

x Nachztroͤdeln, v. intes. 1) Rad) eines Beiſriete, Weiſe teöbein, 
2) Mit fein, troͤdelnd, zaudernd nachſolgen. D. Nuchtröpeln. 

x Nad-trofen, v. intrs, mit fein u. zeo. (R.), ſ. Nachfolgen 1). 
D. Nachtrollen. 

Nahstrommeln, v. intrs, u. tes. Nach trompeten, v. intrs. u. trs. 
3) Nach eines Beifpieie, Weife trommela, trompeten, trommelnd, 
trompetend nadabmen. „Dean nachtremmeln kaun man freitid 
jeden Takt, allein nachgetrommelt ift nicht nahaefpielt.- Manſo. 
2) Hinter ber trommetn, trompeten. 5) Auf der Trommel nadıs 
ſchlagen, auf der Trompete nachblaſen. D. Nachtremmeln, Nach— 
trompeten. 

Nab:tröpfeln, v. trs u. atr. mit fein. Nachstropfen, v. ntr, mit 
fein amd haben. Nachetröpfen, v. trs. a} Als air, hinten nad, 
noch dazu tröpfeln, tropfen, b. b. in Zröpfihen ober Tropfen abfals 
Ien. 2) Als tra, bieten nad, noch dazu tröpfein, tröpfen, d. h. in 
Troͤpſchen ober Fropfen fallen laſſen, fallen machen. D. Nachtroͤp⸗ 


fein, Radıtropfen, Nachtröpfen. D. Nachtröpfetung, Nactropfung: — 


O Dad Nachtroth, — es, 0. Pi. das Roth am Himmel gegen bie 
Rat; auch der Nordſchein. = — fo oft ih in bas Nachtroth bert 
ſchaue.“ J. P. Richter. 

Nach trotten, v. intrs, mit fein, f. Nachfolgen 1). D. Nachtrotten. 

Die Nacht⸗ruhe, o. My. ı) Die nächtliche Ruhe, Stile. a) Die Ruhe, 
der Schlaf während der Rad. 

Nach-trumpfen, v. intra. ı) Rah eines Beifpiele trumpfen. a) Hin 
ten nach trumpfen. D. Nachtrumpfen. 

Die Nacht-runde, Bu. —n, die Runde, welche zur Nachtzeit gemanıt 
wird, S. Runde. 

Der Nach⸗trunk, —es, 94. —trünfe. ı) Ein Trunk, ben man bin: 
tem nach trinkt. 2) Etwas, bas man nahtrinft. 

Der Nach-trupp, —es, Di. —e, und bie Nach⸗truppen, Ei. u. 
f. Nach trab. 

Naͤchts, adv. bei Naht, zur Nachtzeit. Diefes Wort if aus Nayt 
duch Anhängung des 8 zum Umftanbsworte gemacht unb es iſt falſch 
des Machts dafür zu fagen, ob es aleih in der Bibel miht felten 
worfömmt, 3. ®. 4 Mof. 12, 95 = Ebron. 7, 12; Pf. 91, 5. 
Derfetbe Tall findet mit Abende, Mittags, Morgens Statt, mo 
des Abende ır. zu fagen, wie Ab. thut, ebenſaus, ber Ähnlichkelte— 
regel nach, fatfh if. Ghemahis ſagte man dafür nachtens. 

— ber bat uns Nuchtens beftahn. db. Ribelungen &. B. 6508, 

Der Nacht-faͤnger, —t, 3m. al; bie —inn, 94. —en, eine Per: 
fon, wie aud ein Vogel, welche oder welher bei Nacht ſinget. So 
Zonn die Nachtigall, welche auch den Namen Machtſchlaͤger, weil fie 
bei Nacht ſchlaͤgt, führt, Nachtfängerinn heißen. In der Raturkes 
fhreibung führt den Namen Nachtfänger bie Grasmücke (Motacilla 
eurruca L.). 

Die Nacht⸗ſchabe, By. —n, f. Nachtmotte. 

+ Der Nachtefhade, — ne, 4. —n, f. Nachtſchwalbe. 

1. Der Racht⸗ſchatten, —®, By. von mebrern Arten gl. 1) Ein 
Pflanzengefhleht, welches einen einblattigen fuͤnffach ringefcnittes 
nen Kelch, eim rabförimiges in fünf Lippen zerfchnittenes Slumens 
dlatt, fünf kurze Staubfiden, dicht bei einander ftchenbe beinahe 
verwachſene Staubbentel, einen laͤngern Griffel und eine rundliche 


454 


Nachtf 


zweifäcerige Beere mit vielen Heinen Samen traͤget (Solanum). 
Eine Art davon iſt ber ſtrauchartige kletternde Nachtſchatten, mit 
unterwarts ganzen, obermärts in drei Lappen getheilten unb gegen; 
über geſtellten Blättern, deſſen Blumenblatt ſowot blau als auch 
weiß unb in ber Mitte um die Staubfäden mit zehn heilgeünen Punk: 
ten gejeihnet if (Solanum Julcomara L.). Obgleich einzelne Theile 
der Pflanze, 3, B. die Beeren fhärlıh find, daher man fie zu ten 
@iftpfianzen zahle, To wird fie bob auf mancherlei Art zu wirkfas 
men Beilmitteln gebraucht. Die frifhe- Rinde der Pflanse bat einen 
widerlich Füßen Geſchmack, daher fie auch Bitterſaͤß heißt; ihr wir 
derlicher Eeruch giebt ihr auch ben Namen Maͤufeholz, und außer: 
bern nennt man fie noch Hinſchkraut, weil fie gegen den Einf ober 
die Engbruͤſtigkeit gebraudht wird, Alpranten, wildes Sestängers 
jestisber, wilde Sttickwurz. Die gemeinfte Art ift ber gemeine 
Nadırfhatten mit untermärts hangenden weißen Bluͤtenſträußen, 
woraus ſchwarze Beeren werben (Solanuım nigrum DL.) Er wicht 
überal als ein Tiftiges Unkraut, äußert ſchaͤdliche Eigenſchaften und 
heist auch Saukraut, weil die Schweine davon ſterben, und im O. 
D. Mordye. Die Kartoffel geböct aud zum Beihleht des Racht- 
fhattens, und heist fnolliger Nachtſchatten (Solanım tuberosum 
L.). 2) Schwarzer ober brauner Nachtſchatten, ein Name ber kuol⸗ 
gen Braunwurz, welche auh Feigwarzenkraut heist (Scrophularia 
madosa L.). ine andere Kit, bie Waſſerbraunwurz führt ben Ru 
men weißer Nachtfchatten (Serophularia agantica L.). 53} Klet⸗ 
ternder Nachtſchatten, eine Pflanze, beven Blume keinen Kelch, fünf 
Etaubfaden und einen rundlicen Fruchtkeim mit brei Griffeln hat, 
an deren Spiden auf ber einen Gelte ber Staubweg beſindlich if, 
und beren Biumenbede ſich enblih ganz ſchließt und beinahe bie Ge: 
flalt einer Beere, worin ein rundlicher Same Uegt, befömmt, daher 
fie auch Beerblume heißt (Basella L.). 4) Rother Nachtſchatten, 
ein Rame ber gemeinen rotben Jubenfirfhe (Physalis Alkekengi 
L.). 5) Dre Waldnachtſchatten, ein Name ber Moifsberre, ober 
Wolfekirſche, auch ſchoͤne Frau, Tollkraut ı. genannt (Airopa 
belledonna 1.). 6) Fatſcher Nachtſchatten, ein Name des zwei— 
blattigen wohlriechenden Anabentrautes (Orchis bifolia L). 7) 
Amerikanifher Nachtſchatten, ein Namt der Amerikaniſchen Schar— 
tachbeere (Phytolacca decendra L.). S. Scharlachbeere. 8) Eine 
andere Rorbamerifanifhe Pflanze, der dreiblattige Nachtſchatten 
(Trillium L); bei Planer Dieiblatt. Die Blume derſeiben be— 
ſteht aus drei eifäzmigen, ftehen bleibenden Kelch- und brei faſt dis 
lichen etwas größeren Blumenblättern, fehs Staubſäden unb drei 
BGriffeln mit einſachen Staubwegen. 9) Die genieine Maldrebe (Cle- 
matis vitalba L.), 

2. + Der Nachtſchatten, —E, 9. gl. ein Rame der Nachtſchwalbe. 
nah Nemnih, ein Name tes Mahtraben cher Kachtteihers. 

Der Machtſcherben, —$, 95. gl. ſ. Nachtbecken. 

Die Nachtſchicht, By. —en, im Bergbaue, die Schicht ober Arbeite 
zeit in ber Racht, von Abende 8 Uhr bis Morgens 5 Uhr; zum Une 
terſchitde von bee Fruͤhſchicht und Tageſchicht. 

Der Nachtfhichter, —6, M. gl. im Bergbaue, ein Arbeiter. wel 
der in der Nachtſchicht, Ober in ber Racht arbeitet; zum Unterfhicbe 
vom Tageſchichter. . 

Das Nachtſchießen, —, 4. al. eine Feiertichkeit, da zur Racht⸗ 
zeit nah einer Scheibe geſchoſſen wird. 

Der Radıtfchladenläufer, —t, 39. gl. im Hüttenbaue, derjenige 
Arbeiter, welchet Rats die Schlacken vom Schmelzofen wegläuft. E 

Nachtſchlafend, adj. bei Naht Thlafend. Die & nachtfhlafende Zeit, 
ein unfinniger Auöbruc bei daltaus für die Zeit bes erſten Schlafes. 

Der NMachtſchlaͤger, —t, Bi. gl. cin Name des Sproſſera. S. Nadı: 
tigal und Nactfänger. Es könnte auch einen bezeichnen, ber fi 
in ber Racht mit Andern ſchlaͤgt. 

Das Nachtſchlos, — Mes, My. — ſchtoͤſſer, ein Schloß, womit man 
etwas bei Nacht verihlit. M. Kramer. 


Nachtſ 


Die Nachtſchluͤſſelblume, Wz. —n, ein Name der Rachtlerze (Oeno- 
thera biennis L). ' 

Der Nachtſchmaus, —es, Bi. — ſchmaͤuſe, ein naͤchtlichet Schmaus, 
der bis In bie Kacht dauert. Stieler, 

. — wirtommen Bohn, zu ben Nachtſchmauk. Sonnenberg. 

Der Nachtſchmelzer, —, DM. gl. in den Schmelzhuͤtten, ein Schmel⸗ 
jer, welcher in ber Racht bei der Arbeit des Schmelzens beſchafti⸗ 
get iſt. 

Der Nachtſchmetterling, —ed, Dr. —e, f. Nachtfalter. z 

F Der Nachtſchnabel, —s, y. —ſchnaͤbel, ein Name ber Saat: 
träbe, 

Die Nachtſchnur, 9. — ſchnuͤre, f. Nachtangel. 

+ Der Nachtſchreiber, —s, Mj. gl. am einigen Orten, ein her: 
fchrelbet, weicher bie Rachts in die Stadt kommenden Perfonen auf: 
ſchreibet. Es kenn überhaupt gebraudt werben von einem ber in 
der Nacht Shreihet. 

Die Nachtſchwalbe, 34. —n, eine Krt großer Shmwalben etwas Ele: 

‚ner als der Kuckeck, aſchgrau und mit ſchwatzen Streifen, mit lanı 
gem glatten Kopfe, bärtigem Unterfhnabel, großen Augen, weiten 
Obren und langen Flügeln (Hirando caprimulga Kiein., Capri- 
ınulaus L.); die großbärtige Schwalbe. Sie fliegt mur in ber 
Dunferheit aus und man fahelt von ihr, daß fie ben Biegen die Milch 
ausfauge und die Kinder in der Racht befhädige, daber bie Namen, 
Biegenimelfer, Geißmelker, Biegenfauger, Müchfauger, Kindermel⸗ 
fer it. Außerdem wird fie auch Taaſchlaͤget, weit fie bei Tage nit 

‚um Borſchein Eimmt, Nachtrabe, Nachtrapp, Nachtwanderer, Nachts 
vogel, Nachtram, Nachtſchade, Nachtſchatten und Pfafſe genannt, 

Der Nachtſchwaͤrmer, —s, 29. gl; die — inn, By. —en, eine Pers 
fon, weihe Rachts berumfhwärmet, fih bald hier bald ba beiufliget, 
Unfug treibt ı. Kramer in feinem DeutſcheItal. Woöͤrtb. hat auch 
bie. Wörter Nachtlaufer, Nachtfchreier, Nachtſtaͤnker, Nachtbaiger, 
und Erberg Nachtſchweifer. 

"Die Nachtſchwaͤrmerei, 34. —en, bas Herumſchwärmen bei Racht, 
wie auch, arögelaffene laͤrmende Euftbarfeiten, Bergnügungen bei Racht. 

Nachtſchwarz, adj. w.adr. ſchwarz, dunkel wie die Racht. „Der 
nachtfchwarze Bimmel,s Kofegarten. R, Uneigentlih, mit dem 
Nebenbegriſſe des Schrecklichen. 

Nachtſchwarz rauſcht dein Floͤget, 
Wuͤrger Tod, um mich. Kofegarten. R. 

Der Nachtſchweiß, —es, By. —e, ſtarke Schweiße, walche beſonders 
ſchwache, mit auszehrenden Krankheiten behaftete Perfonen in ber 
Macht zu haben pflegen, 

* Das Nachtiebel, f. Nachtſiebel. 

3% Die Nachtſelde, By. —n, die Nachtherberge. Helbenbud. 
Friſch. 

* Das Nachtſiebel, —s, My. gi. ebemadis, 1) das Nachtlager; das 
Machtſedel. Ich bot ihm auf meinem Meierhofe ein Nachtſedel an.* 
Wachter. 2) Eine Abgabe, welche man anfatt bes zu gebendben 
Nachtlagers entrichtete. 

X Das Nachtfiken, —$, 0. Ph. das Kuffigen und Arbeiten bei Naht 
(das Leeuhriren), j 

Der Nahtfiker, —s, MM. al; bie —inn, Di. —en, eine Perfon, 
welche in ber Rat noch auffiget und arbeitet, 

Die Nachtſpinne, 4. —n, eine Xrt Spinnen von mittelmäßiger 
Größe, melde am Tage rubig, bei Nadıt aber thätig il (Aranen 
noct ıena L). } 

Dis Nachtſtaͤndchen, —-2, 89. gi. ein Staͤndchen, welches man einer 
Berfon in der Naht dringt (Pehtmnsik). Stieler. ©. Ständen. 

Dad Nachtſtellen, —s, 9%. u. bei ben Jaͤgern, das Umſtellen eine 
Gehoͤlzes mit Tuͤchern ober Kappen in der Naht, bamit bas Abends 
beransgegangene Wild nicht wieder hereinkann. 

Der Nachtſtern, —es, Byte, ein bei Naht leuchtender Stern, Bei 
Matzler, ber Abeudſtern. 


— ß— 


tachtır 


Die Nachtſtille, ©. N. die naͤchttiche Stile, die Stille bei Kacht. 
&tieler. Friſch. 

O Der Nachtſtreit, —es, m. 
bei Racht. 

Ja mit Recht erwartet ihr jept von mir zu dem Nachtflreit 
Kubıen Thatenentwurf. Sonnenberg. 

Das Nachtſtuͤck, —es, My. —e, bei den Mahlerm und Kupferfte: 
Gern, bie Darſtellung einer Handlung, einer Gegend, irgend eines 
Gegeuſtandes bei Nacht, wo bie Beleuchtung von Litern, vom 
Monde ıc. herfömmt. Gin Nachtſtuͤck von Schalten, 

Der Nachtſtuhl, —es, My. — ſtuͤhle, ein VWehättnig mit einem Ge: 
(hier, in-Geftalt eines Stubles, zu Auslerrungen bes Beibes bienend, 
sen man ſich zur Bequemlichkeit in der Rat, um nicht weit gehen- 
zu bürfenin der Rähe hat; der Leibſtuhl. 

Die Nachtſtunde, 94. —n, eine ber Stunden der Racht, in welche 
bie Racht getheilt if, 

Die Nachtfünde, 2%. —n, eine Sünde, weihe man in ber Racht, 
unb in engerer Bebeutung, im Bette begehet. Stieler, 

Der Nachttanz, —ee, My. —tinze, ein Zani bei Naht. Friſch. 

A Das Nachtthal, —es, M. —thaͤler, ein naͤchtliches, dunkles 

Thal. uUntigentlich für Todesthal, ber Tob. 

Zu bem Erd’ in dem kLichtreich kommt freudig ihr, 
Die Bott rät, von dem Machtthal ker. Kiopftod. 

Die Nachtthat, 4. —n, eine bei Racht verübte That. Stieler, 
Dann, A eine fürdterfihe, fhredlihe That, bie bas Licht ſcheuen 


u. ein naͤchtlicher Streit, ein Streit 


muß, 

"Der Nachttiſch, —es, 4. —, ein Tiſch, auf welchen das Geſchmeide 
beim Auskleiden abgelegt wird und über Macht liegen bleibt, und 
vor welhem am Morgen aud ber Pug wieber angelegt wird; ber 
Putztiſch (Toilette), ü 

Der Nachttopf, —es, 4. —töpfe, ein Kopf, Geſchirr, das Waſſer, 
befonbers bei Nacht dartin abzufchlagen; + das Nachtbecken, + der 
Nachtſcherben, das Nachtgeſchirt. 

OÖ Der RNachttraum, —es, My. — traͤume, ein nähtliher Traum, 
ein Traum, welchen man in der Kacht bat; zum Unterſchiede von 
einem Traume, weldien man auch am Tage haben kann. 

Es umfhmebt mid in ber Dämmerung bie Geſtalt, 
Die im Nachttraum und bes Tags Traum mir erfheint. Voß. 

Der Nachttrunk, —es, 94. —trünfe, ein Trunk, den man zu Racht, 
auf bie Naht zu fih nimmt, ber Schlaftrunk. Gtieler.- 

Das Nachttuch, —ed, Dr. —tücer, ein Tuch, weldes man auf bie 
Racht umthut um bamit ſchlaſen zu gehen. Uneigentiih, A ein einbül- 
lendes, verbunteinbes Tuch, mit welchem bie Macht gleichfam die Erbe 

bebedt, wenn bie Sonne untergrgangen if. — wenn fie aufblidt 
bie Morgenröthe, und bie Enden ber Erbe, bas große ſchwarze Nachts 
tuch am Saume erfaßt" zc Herder 

Die Nachtuhr, 94. —en, eine Uhr, welche dir Stunden in ber Rat 
vermitteift des Mondes: und Sternenlichtes anzeigt. 

A Nachtumdort, adj. m. adv. mit Racht oder von ber Racht um ⸗ 

flort, d. h. mit Finſternis bebett, ſchwarz. 

Graunvoll wallten indeß bie nachtumfloteten Fahnen. 
Sonnenberg. 
ANahtumgeben, adj. u, adv. von Naht, Finfternif umgeben. Kud,- 
von finftern Motten umgeben, barin verborgen. 
— und bu, lober Strahl ’ 
Des nahtumgebnen Blige. — Schiller, 

A Nachtumwölkt, adj u. adv. von Nacht, Finfterniß umgeben. Un⸗ 
eigentlich, ſeht finfter, traurig, wie auf, von ber Racht bes Toben 
umgeben, d. h. exſtorben. 

Ergett ein Marmorbild r 
Den nachtumwoͤlkten Blick? Gotter. 

Nahstünden, v. trs, 1) Rad eines Anden Beiſpiel, Weiſe taachen. 

a) Hinten nad, nochmahle tünden. D. Nachtuͤnhen. D. —ung- 


Nachtu 


O Das Nachtungeheuer, —e, 94. gt. ein nuͤchtliches, ein ſchreckliches 
Ungeheuer, Dich zu verderben bu Nachtungeheuet. — Sonnen, 

Nacestufchen, v. intrs. u, trs, 1) Rach eines Beifpiele, Weiſe tufchen, 
b. d. mit Zufihen mahlen ober zeihnen. 2) Mit Tuſche nahbilden, 
nahahmen. Ein nachgetuſchtes Bin. D. Nachtuſchen. D. —ung. 

Nach tuten, v. intrs. u,trs, ı) Rad eines Weiſe tuten. Einem nadıs 
tuten. 2) Hinter ber tuten. 5) Zutend nachblaſen, wieberhoten, 
D. Nachtuten. “ 

a Nachtverhuͤllt, adj. u. adv. von ber Racht, Dunkelheit gleihfam 

verhält, und dadurch verborgen, verheimlicht. 

Auf jenen nachtverhuͤlten Reiſen. Wödingk. 
Das nachtverhuͤllte Schiefat, das in dickem Dunkel verborgene, d. h. 
unbefannte. ® 

Die Nachtviole, 9. —n. 1) Ein Pflanzengeſchlecht, weiches einen 
aus vier aufgerichteten Blättern beftchenden Kelch, vier Ereusmeile 
gefichte gleihe Blumenblaͤtter, vier längere und zwei kürzere Dtaub: 
füben und einen-unten gefpaltenen Staubweg auf dem Fruchtleime 
zeigt (Hesperis L.). Gine Art bavon, beren Blumen Abends und 
in ber Kacht angenehm riechen, beißt Mutterviote, Mutterseilchen. 
®.b. Eine anbere wohlriechende Art, deren Blumenblätter gelblich⸗ 
grau und mit blaurothen Äberchen burdjogen find, if in Ungarn 
und Öfterreih ein he imiſch (Hesperis tristis L.), 2) Ein Rame bes 
iwriblattigen wohleiehenden Knabenkrautes (Orchis bifolia L.). ©. 
Stendelwurz. 

Der Nachtvogel, —s, 4. — voͤgel; Bw. das Nachtvoͤgelchen, 
D. D. —lein. 1) Ein Bogel, welcher nur ober beſonders Rachts 
aus flieget, z. B. Nachteulen, Nachttaben, Rahtfhwalben. — ein 
vorüberfhießender Nachtvogel konnte fie ja durch ein Entſetzen toͤd⸗ 
ten,“ 3, P. Richter. 3) Eine Benennung ber Rachtfalter. 3) Uncis 
geutlich auch mol ein Rachtſchwaͤrmer. 

& Nachtvoll, adj. u. adr, gleihfam voll Naht, Dunkelheit, d. h. 
ganz dunkel. Wieland. 3. 

Die Nachtwache, By. —n. 1) Diefenige Wade, welde zur Nacht⸗ 
zeit verrichtet wird, Nachtwache thun, verrihten. =) Eine Wadır, 
d, 5. eine wachende Perfon, welcht bei Naht etwas bewachet. 53) 
Die Zeit, welche eine in der Naht wachende und etwas btwacheude 
Perfon auf ihrem Foften zubringen muß. Ehemahls töeilte man bie 
Naht in dieſer Dinfiht, befonders bei ben Krlegahreren und in ben 
Bellingen in drei bis vier Theile oder brei bis vier ſolcher Nachts 
wachen. Tauſend Jahr find vor die wie eine Nachtwaächt.“ Pf. 
50, 4. Ju ber vierten Nachtwache kam Jeſus zu feinen Iüngern.“ 
Matt. 14, 29. j 

Das Rachtwachen, —®, 0. My. das Wachen bei Rat, befonders 
um su arbeiten (bad Lucubriren). j 

Der Nachtwaͤchter, —$, 2. al. einer der beſtellt iſt, während ber 
Racht Sei etwas zu machen und für deſſen Sicherheit zu forgen. Ber 
fonders einer, ber bei Nacht der öffentlichen Sicherheit wegen in den 
Etihten und Dörfern wacht, die Straßen durchgehet and bie Stun: 
den abruft; in mandım O. D. Gegenden ber Stillwaͤchter. Uneis 
senttich wird aud wol zumelfen ber Haushahn ber Nachtwaͤchter ges 
naunt. 

Das Nachtwaͤchterhorn, —ed, My. — hoͤrner, dad Horn des Racht 

waͤchters; beionders fofern es eigener Art iſt. 

O Nachtwaͤchterlich, adj. vw. adv. bem Nachtwaͤchter, zum Amt bes 
Rachtwaͤchters gebörend; auch, gleich einem Rachtwächter, nach Att 
eines Racht waͤchters. 

Den Abihieb einer heiligen Peruͤcke 
Bon eines Sfarrd ehrwürd'gem Granium 
Cing ich nachtwaͤchtertich von-Haus zu Baus herum. KL. Schmidt. 

Das Nachtwaͤchterlied, et, 2. —er, ein Lieb, wie es die Naht: 
wichter sbanfingen pilegen, 

Die Nahtwähterffimme, 0. 9M. die Stimme eines Rahtwähters; 
kann, eins sinkönige, unangenehme, auch tel, fqute durchdringeade 


436 


Nachtz 


Stimme, dergleichen bie Rachtwächter gewoͤhnlich haben, 

O Nachtwandeln, Nadıtwandern, v. uir. mit haben, bei Racht 
herummanbeln, herumwandern; beſonders mit gefhloffenen Augen, 
bei Naht träumend herumwandeln und‘ allerlei Berrichtungen vors 
nchmen. — Wann war es, baf bie Baby 

Zum festen Mabl nachtwandelte? Schiller. (R) 
D. Nahtwandeln, Nachtwandern. D. —ung. 

Der Nahtwanbler oder Nahtwandrer, —2, 34. al; bie —inn, 
4. —en, eine Perfon, welche bei Racht wandelt, wandert; beſon⸗ 
bers aber, eine Perfon, welche Nachrs im Schlaſe aufftehet, mit 
geſchloſſenen Augen berummandelt, allerlei Berrichtungen vornimmt, 
ohne ſich alles deſſen deutlich bewußt zu fein, und welche erfhredend 
aufwahen, wenn man fie dei Namen ruft; im D. D. auch Nachte 
Kur, Schlafgaͤnger, fonft au ein Mondfühtiger, eine Monds 
füchtige. 

Kännft da den Wagen (das Sternbild) zu feiner Zeit hervorführen? 
und die Nachtwandrerinn über ihre Söhne tröfien? BHerber. 
In manchen Gegenden führt auch bie Kachtſchwalbe ben Namen 

Nachtwandret. 

Der Nachtwaͤrmer, —s, MM. gl. fo viel als Bettwärmer; eigent⸗ 
tih und uneigentlih. Stieler. 

O Nachtwaͤrts, adv. gegen Mitternacht, 

Selber liegt fie im Meer — nachtwaͤrts. Moß, 

Der Nachtwein, —$, 0. 9%. ber Wein, Trupt Weines, welchen man 
auf die Rat als Rachtteunk zu fih nimmt. Stieler. 

Der Nachtweiſer, —6; 4. gl. in der Schifffahrt, rin Werkzeug, 
mit deffen Hülfe man jur Nachtzeit finden kaun um wie viel bee 
Rordſtern Höher oder miebriger ſteht als ber Pols ober Angelpunkt, 
um bie Breite and bie Stunde der Nacht zu beſtimmen (Noctilabium), 

Das Nachtwerk, — es, Mz. —e, ein bei Rat verfertigtes Werk, 
Nachtarbeit. Mabier. 

Der Nachtwind, — es, 34. —e, ein in ber Racht entfichenber oder 
wehenber Wind. vom Nachtwind zugeführt. Wieland, 
Auch wol, cin kuͤhler ober Falter Rind ıc. „Aana man — ans dem 
ſchauder hafteſten Machtivinde (der Geiſt Gottes auf den Maffeen) 
eine dritte aöttlihe Perfon — beweiſen?“ Herber. 

O Die Nachtwelfe, My. —n, eine nähttihe b. h. ſowot eine ig 
der Rat ſich ſammelnde, ald auch eine finftere Wolke. 

Merr du ſtandſt? Bott gebot’s! Tagwolke, 
Nachtwolke ſchwebt' hinten nad bem ‚Heer 
Des Geſetzvolke. Klopſtock. 

O Das Nachtwunder, —s, 2%. gl. ein in ber Racht geſchehents 
Wunder. J. P. Kichter. : 

Der Nachtwurm, — es, My. —märmer, ein bei Naht, im Finſtern 
feuchtender Wurm oder vielmehr, ein ſolches Biefer. Mahler. 

Das Nachtzeichen, —s, 4. gl. ein Seien, welhes man jemanden 
bei Macht durch Ferner, Schießen u. dgl. giebt (Madtsignal); im 
Gegenfatz vom Tagzeichen. Befonders auf Schiffen, we man fih 
der Feuer, Laternen, Kanonenfhüfe, Raketen, Blidfener 20. dazu 
bedienet. 

Die Nachtzeit, o. 94. bie Zeit ber Nacht, welche mit dem Abend ame 
fängt und bis zum Morgen dauert. 

Das Nachtzeug, —rd, Mm. —e. 1) Ale Kteibungsflüde, welher 
man fih zar Bekleidung in der Racht, oder auch vor dem Schlafene 
sehen und nach dem Auffteben zur Beguemſlichkeit bedient. =) In 
engerer Bedeutung, eine Art bequemen Ropfpuges, welchen Grauen 
und Mäden ehemahls trugen 6z. B. Dormeuse, Cornette), Bes 
ſtimmter, & Nachtkopfzeug und Schlafhaube. €. 

Der Nadıtzug, —es, Ba. — zuͤge, ein zur Nachtzeit angeſtellter Bug. 
Bel den Adern, das Umgichen eines Gehölzes bei Naht mit Tüs 
dern eder Lappen. 

Die Nachtzuſammenkunft, Mz. —kuͤnfte, eine naͤchtliche Zuſam⸗ 
mentunft. M. Aramer. 


Nah 


O Das Nachuͤbel, —, 4. gt. ein Hinten nach folgendes übel, 
ein Über das ſich erſt Hinten nad) zeigt. Nachuͤbel des Krieges.“ 
Beder, 

Nahüben, v. txs. u. res, 1) Rad dem Mufter und Beifpiele eines 
Andern üben. - 2) Rad Anbern oder Anderem üben, wad man fhon 
früher bätte üben follen fpäter üben. D. Nachüben. D. —ung. 

Das Nachurtheil, —e, By. —e, ein hinten nad) gefältes urtheil 
„Die fheibende Kreunbfhaft empfiehlt mir ihren Rachtaß. Er ift ber 
Srundton sum Nachurtheile⸗ BenzelsSternau. Im ber Denfs 
Lehre ift es ein Urtheil, zu welchem man durch Schiäffe gelanget; 
zum Unterfhiche vom Vorurtheile. 

Nachurtheilen, v. intrs, ı) Rah eines Vorgange, Beifpiele ober 
MWeife urtheilen, wie er urtheilet urtheilen ; auch bloß, eined Andern 
Urteil nachſprechen, ohne ſelbſt feinen Verſtand dabei zu gebrauden. 
Einem Andern nahurtkeilen. (K.) 2) Hinten nad, nah gefhehes 
ner Sache urteilen. D. Nachuttheilen. D. —ung. 

Nacvernünfteln, v. intre. f. Nah. D. Nachvernänfteln. 

O Der (die) Nahverwandte, —n, 4. —n, Verwandte in abe 
fteigender Binie (Descendenten). €. 

© Die Nachverwandtſchaft, 9. u ſowol der Zuſtand da man ber 
(bie) Radhverwandte eines Anbern ift; als aud, bie Rachverwandten 
einer Perfon gufammengenommen (Dessenden:). G. 

* Der Rachvogt, — s, My. —vögte, ein nachgeſetter, unterges 
srbneter Vogt. Haltaus. 

Die Rachwache, By. —n, bie nachfolgende, die zweite Wade. 
Stieler. Die Nachwache haben. 

Nachwachen, v. ntr. ı. intes. mad einem Andern, nachdem er ger 
wacht bat wachen. Stieler. D. Nachwaächen. 

Nachwachſen, v.ntr. untegelm. (f. Wachſeu) mit fein, 2) Im Wachs- 
thume folgen, von neuen wachfen, hinten nad wachſen. Das Gras 
wählt nach, nachdem man es abgehauen hat. „Die nachwachſende 
Generatien.“ Ungen. {N.) „Wieder neue Händel; fle wachſen nad 
mie bie Köpfe ber Hydra.“ Gothe. Auch, auf eine Ahnliche Art, 
einem früher Gemahfenen in ber Richtung 2r. folgend wachſen. 

Trinkt mit mir und wachſet mie nah. 8%. %. Schmid, 
2) Im Wachsthume nachkommen, wachſen ober biefelbe Ausbehnung 
befommen, ale etwas früher Gewachſenes. Die Kinder wachſen den 
älteren nah. D. Nachwachſen. 

Nachwackeln, v. intrs, ») Hinten nad wadeln, eine wadelnde Ber 
wegung bersorbringen. 2) Mit fein, wadelnd.d. b. bald auf bie 
eine bald auf bie andre Seite wankend nachgeben. D. Nachwackeln. 

Der Nachwagen, —s, 9. al. ein Wagen, ber einem voranfahren⸗ 
den Wagen folgt. „Mol breifig Bei: und Nachwagen, alle mit Meh— 
befahern beſetzt, folgten ber Poſt.“ ©. 

X Nacmagen, v. rec, Sich nachwagen, es wagen nachzufolgen. 
D. Nachwagen. i 

Nachwaͤgen, v. trs. nachdem ſchon gewaͤgt ift nohmahls wägen, um 
die Kichtigdeit zu erforfhen. Sinem etwas nachmwägen. 

So wigt ie ihre Eans erſt nah. Soltan, 
Im gemeinen Sehen uneihtig nachiviegen. S. Mägen und Wirgen. 
D. Nachwaͤgen. D. —ung. 

Nachwaͤhlen, v. intrs. u. trs, x) Rach eines Beifpiele, einem Ans 
bern nachfolgend wählen. 2) Ginten nah, nah ober außer bem 
Gewaͤhlten wählen. D. Nachwaͤhlen. D. —ung. 

Die Nachwaife, 9. —n, tin nad dem Tode des Waterd geberenes 
Kind, eine nachneborene Waife  Posthumus), 

Machwalfen, v. tra, ») Rad dem Vorgange, der Melfe eines Audern 
malten. 2) Binten nah walken. D. Nachwalken. D. —ung. 
Nachwallen, v; ztr. u. intrs. mit fein, hinter ber wallen, wallend 
folgen. »— nachwallendes Haupthaer.= Boß. Ginem nadıwals 

Ion. D. Nachwallen. D. — ung. 

Nachwalzen, v. intre. mit ſein. 1) Mac eines Beiſpiele, Weiſe wal⸗ 

sen. =) Hlnter her walzen, im Walzen folgen. 5) Pinten nad, 


. 


— — 


Nachw 


fpäter walztn. D. Nachwalzen. 

Nachwaͤlzen, v. I) tre. 2) Rad eines Vorgange, Beifpiele waͤlzen. 
a) Hinter her waͤtzen. 3) Hinten nad, noch bazu wälsen. II) A rec. 
Sich nachwaͤlzen, von groben Maſſen, ſich ummälsenb folgen, 

Dem Qualm ber Stübte waͤlzt es (bad Verhrechtn) ſich nad. 
⸗ Schitter. (R.) 
— Zu tauſenden waͤlzten 
Da fie (Todesengel) ſchwebeten, Donnerwolken des hohen 
Gerichta ſtuhla 
Ihrem eilenden Fluge ſich nah. — Klopſtock. 
D. Nachwaͤlzen. D. —ung. 

Der Nachwandel, —s, e. 9. dei nad einem Muſter, einer Ru 
gel atc. eingerichtete Wandel. Daltaus bat es für xx Nachrecht. 

Nachwandein und Nahmandern, v. intes. mit fein, hinter her 
wondein, wandern, im Wandeln cher Wandern nachfolgen. 

— 6s ordnet' Odyffeus 

Selbſt nachwandelnd das Werk. — Beß. 
Beſenders wird nachwandeln uneigentlich gebraucht wie nachfolgen, 
nach eines Weifpiele ober Willen feinen Wandel d. b. fein ganzes 
Verhalten und Handeln einrichten. „Damit bu nit andern Goͤttern 
nachwandelſt.“ 5 Mof, 28, 14. Auch ald mtr. für begleiten, folgen. 

Run wandelt Im @eleite 

"Dir ewig Ruhe nad, Bürger. (8) 

uUnd unelgentiih, wie nadfolgen. 

Stille Bewunberungen wanbelten dir, bu Stimme der Liebe, 
Durch die Herre der Schaurnden nad, — Klepſtock. 
D. Nachwandeln, Nachwandern. D. —ung. - 

Der Nachwandler, —s, B4. gl.; die -inn, 2%. —en, eine Pers 
fon welche nachwandelt. Gtieler. 

Nachmwanken, v. intrs, mit fein, mantend machfolgen. D. Nade 
minfen. : 

Nahmärnen, v. trs. binten mad, nochmahls, nad mehr wärmen, 
D. Nachwaͤrmen. D. —ung. r 

+ Machwaͤrts, adv. ı) Rad gerichtet, gegen hinten gerichtet. „Die 
Gonjunetionen (Bindemörter) erfirefen ſich dfters vorwärts und 
nachwaͤrts (vor und hinter fi) buch viele Perloden (Säge) durd.« 
Sambert. Heberich und Nleremberger haben * nachwaͤrts 
auch (a tergo). 2) + Für hernach. 

Nachwaſchen, v. inter. u. trs, ı) Rach eines Beifpiele, Weiſe mie 
ſchen, einem Anbern glei waſchen. 2) Hiaten nah, fpäter, ach 
dazu waften. D. Nachwaſchen. D. —ung. 

Nahwällern, v. trs. hinten nach, noch mehr wöffern. D. Nachwaͤſ⸗ 
fern. D. — ung 

Nahmaten, v.intrs, mit fein, in einer ober durch eine Fläffigfeit ıc, 
mwatend noaͤchfolgen. Einem buch das Waſſer, in dem Sande nach— 
waten. D. Nachwaten. 

X Rachwatſcheln, v. intes, mit fein, ſ. Nachfolgen 1). D. Nach- 
watſcheln. 

Nachwedeln, v. I intrs, m. trs. mit einem Mebel oder wedelad 
nachttelben, hinter ber bewegen. O Uneigentlih. „Dein Bater 
wedelte mie noch mit einem Ledenden Flammenblicke nah“ I. P. 
Richter. U) inte, mit fein, mit bem Ehwanze mebelnb nadıs 
forgen; von Hunden. — D. Nachwedeln. D. —ung. 

Das Nachweh, —es, 9. —en, ein Web, welches men hinten wach 
erft, oder rad empfindet. Die Nachwehen einer Kraakheit. Die 
Machwehen bes Krieges. In engerer Bedeutung verſteht man unter 
Nachwehen die Schmerzen im Upterfeibe und Näden, mrige eine 
Gebärerian nach ber Riederkunft empfindet. 

Nachwehen, v. D) ntr. mit haben, binier her wehen, als Minh von 
hinten kommen, Uns nun lieh in die Segel — 

Fahrwind — nachweh'n. — Voß. 
IN) trs. wehend hinter ber führen, treiben. Der Sind wehte und 
ben Etaub nad. — D. Rachwehen. 


Nachw 


Nachweichen, v. Dante. 1) unregelm. (ſ. Weichen) mit fein, hin: 
ten nach aus feiner Stelle weichen, im Weihen folgen. 2) Megelm. 
hinten nach, noch mehr weichen, d. h. welch werden. Al) tere. bin: 
ten mach, noch mehr weichen, d. h. weich machen. — D. Mad: 
weichen. D. —ung. 

Nachweiden, v. intes, 1) Nah eines Beifpiele weiben; wie auch, 
im Weiden nachfolgen, wo ein Anbrer geweldet bat meiden. 2) Hin⸗ 
ten nad, nad Andern weiden. D. Nachweiden. D. —ung. 

Nachweifen, v. txs. Hinten nad, ſpaͤter weifen. D. Nachweifen. 
D. —ung. 

Der — +6, M von mehrern Arten, —e, nach dem er: 
ſten Preffen noh aus ben Hüifen, auf welche man Waſſer gegoſſen 
Hat, ausgeprefter Wein, Treſterwein; im geweinen Leben Later, 
Zauerwein, Lorwein, Leit, Lurke, im Öfterr. Glaser, Leutentrank. 

Nachweinen, v. intes, Linter ber weinen, mad der Trennung von 
einer geliebten Perfon ober Sache aus Betruͤbaiß und Liebe, Ber: 
langen zu unb nadı berfeiben meinen. 

Kinder verfügte ja Bott. Laß und nah anderen umfhaun, 
Die uns einmahl nachweinen, und ſtehn an unſerem Grabe. Voß. 
D. Nadımeinen. 
Nachweiſen, v, unregelm. (f. Weifen). I) intrs. hinter ber weifen, 


mit Fingern nad einem Gegenftande ber fih entfernt weifen. Einem 


mit Xingern nachweiſen. IT) tra. nad etwas weijen, und in meis 
terer uneigentliher Bedeutung, nah etmas hindeuten, anzeigen wo 
man etwas was man ſucht finden Fünne Kann ex mir nicht bem 
Mann nachweiſen, der ıc.# Leffing. Cine Steue In einem Bude 
nachmeifen. Zumellen auch, für buch Aufzeigung bemeifen, Gr 
Tann fein Recht nicht nachweiſen, buch Aufzeigung einer Urkunde ıc, 

— D. Nachweiſen. D. — ung. 8.b. 

© Das Nachweiſeamt, —ed, MM. —änıter, eine Auſtalt, wo man 
auf allerlei Anfragen und Geſuche Rachweiſungen und Auskunft er: 
Hart: auch Nachweiſungsanſtalt (Intelligenzeomptoir); bie Nach⸗ 
weifungsftube, in Hinſicht auf bie Stube, in welcher biefe Rach— 
mweifungen gegeben werben. 

O Die Nahweifebibel, 9. —n, eine Bibel, In welder bie aͤhn⸗ 
iihen Stellen an andern Drten und folge, big auf einander Bezug 
haben, nachgewieſen find (Consordanz), 

O Das Nachweiſebuch, — ed, ip. —tüher, ein Bud, weldes 
alerlei Nahweifungen enthält (Adrelsbuh, Adrelstalenter), 

Der Nachweiſer, —s, 2. gi. einer der nahweifet, Rachweiſungen 
giebt, Uneigentlih, O ein Negifter, welches Sachen, Böörter ac. 

nachweiſet. G. 

O Die Rachweiſeſtube, 9%. —en, ſ. Nachweiſeamt. 
Radchweißen, v. trs. hinten mad, nochmahls, ned dazu weißen. D. 
Nachweißen. D. —ung. . 
Die Rachweiſung, Wz. —en. ı) Die Handlung da man nachweiſet, 
eine Sache nahmelfet; ohne Mebrzaht. 3) Eine nachgewieſene 
Sache, befonders eine nachgtwieſene Stelle, rin nachgewitſenes Wort 

in einer Schrift (Citat). 

Nachwelken, v. D atr, mit fein, hinten nad welken, im Wellen 
ober Werwelten folgen; elgenttih und uneigentlih, IT) trs. hinten 
nach, nach ober außer bem Gewelkten weiten, d. h. well machen. — 
D. Nachwelten. D. —ung. 

Die Nachwelt, o. My. 1) Eine Welt, d. h. ein Bufammenbang der 
Dinge, welche nad) ber gegenwärtigen folgen wirb ober kaun. 2) 
Die Welt, d. h. bie Menfhen, melde nah ben gegenwärtig lebens 
den fchen werben, ohme Beziehung auf uns, ob fie von und abs 
ſtaumen oder nicht, welche Beziehung bei Nachkommen, Nachkom-— 
mienf haft Etatt findet; im O. D. bie Afterwelt. „Pflanze für bie 
Macwelt, bie Vorwelt pflangte für dich.“ G. 

Da wider ihn mebr Feinde fih gefellien, 
Xla dir bie Machwelt glauben darf. Ramler. 

Nachwenden, v. tra, zegeim, u. unssgelm. (f. Wenden), 1) Rad 


438 


— — — 


Nachw 


eines Beifpiele, Morgange wenden. 2) Rach etwas richtenb wen: 
ben, In beiten Bebeutungen auch, ſich nachtvenden. D. Nachwen⸗ 
den. D. —umng. 

Nachiverben, v. intrs, u, tes. unregelm. (ſ. Werben‘, ı) Rah eines 
Beifpiele,- Borgange werben, =) Binten nah, fpäter, noch mehr 
werden. KK Nachfolgen. Mabter. D. Nachwerben. D. — ung. 

Nachwerfen, v. intrs. u. trs, uncegelm. (f. Werfen), 1) Rab dem 
Beiſpiete, der MWeife eines Ändern werfen. =) Hinter ber werfen. 
Einem rinen Stein nachwerfen. 5) Hinten nad, nach ober acßer dem 
was fhen geworfen iſt werfen. Holz nachwerfen, in ben Ofen ic. , 
nachdem das erſte verbrannt ift. D. Nachwerfen. D. ung. 

Nachwetten, v intes. f. Nach. D. Nachwetten. 

Nachwetzen, vr. I) trs, nad ober aufer dem ſchon Gewenten wehen. 
1) X-intrs. wetend b. b. mit ben Füßen ober den Kleibern über 
ben Boden binfteeigend nachfolgen ; wie nachfegen. — D. Nach- 
wegen. D. ung. 

Nachwichſen, v. trs. 1) Rad dem Beifpiele, der Weife eines Andern 
wichſen. 2) Hinten nad, nad Ändern, ober nahdem ein Andrer 
Thon gewihft hat wichſen. D. Nachwichſen. D. —ung. 

Nachwickeln, v. trs. Hinten nad, noch dazu wideln. D. Nade 
twideln. D. —ung. 

X Nachwiegen, f. Nachwaͤgen. 

Nachwiehern, v. intrs. ı. trs. 1) Nach eines Meije wiehern; wie 
au, das Wiehern nahahmen; eigentlich und uneigenttih, =) Bin» 
ter her wiehern. D. Nachwiehern. D. — ung. 

Der Nachwille, —ns, 9. —n. ı) Ein nachher ober ſpaͤter gefab⸗ 
ter Entfhluß, Wille, Haltaud. =) Ein dem letten Willen noch 

- beigefügter Anhang iCodieill). 

Nachwimmeln, v. intrs, mit fein, in wimmelnder Menge nachfol⸗ 
gen. D. Nahwimmeln. 

Nachwimmern, v. intrs, 1) Das Wimmern nahahmen, 2) Hinter 
her wimmern, fein Bimmern gleihfam nachfolgen laſſen. Einem 
nachwimmern. D. Nachwinmern. 

Der Nachwind, —es, My. —r, ein hinten nah ober von hinten 
wehender alfo guͤnſtiger Wind. Mabter. Btieler. „Gin friſcher 
Nahmind trieb uns (Bhiffenbe) in wenig Winuten weit von W. 
weg.“ Bärde. (M.) 

Nahmwinden, v. D trs: 1) Hinter her winden, windend, mit bee 
Winde nahsichen,. =») Hinten nah, mad oder außer dem Gewune 
denen winden, nochmahla winden. IT) rec, Eid; nachwinden, ſich 
windend nachfoigen, in Bindungen nadfolgen, ih nadızieben. 

Und wand ſich zwiſchen Mirtenhecken 
Der Dame nach. Engelſchall. (K.) 
D. Nachwinden. D. —ung. 

Rahminken, v. intrs, u. trs. 1) Eines Winfen nachahmen. 2) Wim 
ten nachzukommen. D. Nachwinken. 

Nachwinſeln, v. intrs, 1) Rad eines Meifpiele winfeln, fein Wine 
fein nachahmen. 2) Hinter ‘ber mwinfeln, fein Geminfel gleichſam 
nachfolgen laffen. D. Nachwinſeln. 

Der Nachwinter, —s, 4. al. gleichſam ein nach dem eigentlichen 
Winter eintretender Winter, d. h. Falte Witterung im Fruͤhlinge, 
wo man biefelbe nicht mehr vermuthete, Wie nad einem wegge— 
ſchmolzenen Nachwinter auf einmahl die geüne Erdendecke in Blur 
men und Bluͤten hoch aufflattert« ıc, I. P. Richter. 

Nachwirbeln, v. ntr. u. intrs, ı) Mit fein, wirbelnd, in Wirbeln 
nahfoigen, nachfliegen. 2) Mit haben, nad eines Weiſe wirbein, 
fein Wirbein nachahmen. D. Nachwirbeln. 

Nachwirken, v. I) nir. mit haben, hinten nach, nach ber eigentlis 
hen Zeit wirken, feine Wirkung äußern. Die Arzenei hat nachge⸗ 
wirtt. „Es ſcheint, bie Angſt um ihe Mind bat jept erſt, da es ges 
rettet iſt, nachgewirkt.· Huber. IE: intrs, binten nad wirlen, 
wirlſam ober thätig fein. 11h) trs. binten nach, nah ober außer 
dem fhon Gewirkten wirken; auch, was früher hätte gewirkt wer⸗ 


Nachw 


ten ſollen wirken, es nachholen. In ben Salzwerken, das ver: 
ſaumte ober verhinderte Wirken ober Sieben bes Salzes nachho— 
tea. — D. Nachwirken. D. —ung. 

Nachwirthſchaften, v. intra. ſ. Nach. . Nachwirthſchaften. 

Nachwiſchen, v. intrs, 1) Mad eines Beiſpiele wiſchen, im Wiſchen 
nachfolgen. 2) Hinter her wiſchen. D. Nachwiſchen. D. — ung. 

Nachwittern, v. I) intre. duch die Witterung, witternd nachfor⸗ 
fhen, zu entdeifen, zu finden Juden. II) ntr. mit haben, Bin: 
tem nah, fpäter noch wittern, gewitterhaft fein — D. Nachwit⸗ 
tem, D. — ung. 

O Der Nachwitz, —es, o. Wj. hinten nach angewandter Witz, ober 
Anwendung bes vergleichenden Verſtandes nach gefhehenee Sache. 
„Lüfterner Vorwitz und reuiger Nachwitz.“ Herder. 

Nachwitzeln, v. intre, f. Nah. D. Nachwitzeln. 

Nahmogen, v. ntr. mit fein, wogend, Wogen fchlagenb nadfolgen, 
nachftiömen. Uneigentlih von Maffen, beren Bewegung mit einem 
Woyen vergtirhen werben kann, 3. B. von weiten Gemändern, lan⸗ 
gen Haaren ic. 

Weit nachivogt’ ihm das Tobeögewand. — Bonnenberg. 
Mie auch als intrs, mit fein. Eine nachwogende Menge. D. Nach 
magen. 

Rahmülsen, v. trs. nad eines Mufler, Beifpiele wötben. D. Nach⸗ 

(ben. D. —ung. . 

O Nachwoͤlken, v. nır. mit fein, in Geſtalt einer Molke, oder wie 
eine Wolle nadıfolgen, nachziehen. 

warum 0 Beliebte 

Sollte Planttenſtaub, und weht" er au her von ber Sonne, 

uns nadywöllen auf fernerem Pfad’, zu höherer Lichtwelt. 


®onnenberg. 
D. Nadımöiten. 

x Nachwollen, v. intes, unzegelm. (f. Wollen), nachgehen, ober 
überhaupt nahforgen wollen. D. Nachwollen. 

Das Ylacwort, —es, 4. —e, ein nachfolgender, nacgefentes 
Wort, d. b, kurze Rede; in Genenfag von Vorwort, Etieler, 
Etwas mit einem Vor⸗ und Rodymorte begleiten. 

Nachwuchern, v. intre. f. Nach. D. Nachwuchern. 

Der Rabwuds, —e s, Mj. — wuͤchſe. 1) Dae Nachwachſen; ohne 
Mehrzahl. Den Rahwuchs befördern. „Der Vertrieb von Haar 
zen und von Brennholz — ift Rürker als ihr Nachwuchs.“ J. p. 
Richter. 2) Eimas das nachwächſt ober nachgewachſen if, „Wie 
aber — keine Sorge für die Erhaltung des Nachwuchſes mehr 
übrig war.“ Benzel⸗Sternau. 

Nahmühlen, v. intrs. ı) Rad eines Beifpiele, Meife wählen. 2) 
Mühlend nad etwas ſuchen. Einer Sache nachwuͤhlen. D. Nach— 
wählen. D. —ung. 

Der Nachwunſch, —t, By. —wuͤnſche, ein hinten nach getbaner, 
ein nahgefhitter Wunſch. Stieter, 

Nachwuͤnſchen, v. trs. hinten nach, fpäter wuͤnſchen; wie auch hin⸗ 
ter bee wünfden, feine Wuͤnſche nachſolgen Laffen. Einem alles Gute 
nachwuͤnſchen. D. Nachwuͤnſchen. D. —ung. 

Nachwuͤrgen, v. trs. dinter ber, hinten nad, nad dazu woͤrgen, 
d.h. ge x wuͤrgt ad, mit Zwang hinunterſchlucken, ald auch et: 
würgen. D. Nachwuͤrgen. D. —ung. 

Nachwirzen, vitrs, 2) Rad eines Beiſpiele, Weiſe würzen. 2) Hin⸗ 
ten nad, nohmahls, noch mebr wärzen. D. Nachwuͤrzen. D. —umg. 

Nachwiten, v. intre, 1) Mit haben, nad eines Meifpiele, Meife 
müten, 2) Mir fein, wütend, in Wut nachfolgen. D. Nachwuͤten. 

O Nadıyaden, v. trs, zadig nahbilben. Dann, zatige düge nad: 
ahmen, zackig ober in fhlchten Zügen nachſchreiben, abſchreiben. 

und flüchtiger Schreiber 

Enfige Schar nachzackt auf unzähligen Biättern die Urs 


ſchrift. Sonnenberg. 
D. Nachzacken. D. —ung. 


u 


Nachz 


Nachzahlen, v. I) intrs. im Zahlen nachfelgen, nad einem Audern 
seblen, Il) trs. hinten nad, nach oder aufer zu dem ſchon Gezahl: 
ton zahlen, weil es etwa mit zureichte 10, Noch Gelb nachzahlen 
müfen, Bergleihe nachbezahlen. — D. Nachzahlen. D. —ung 

Nachzählen, v. intre, u. trs. was fihon gezaͤhlet ift nochmahls zäh: 
ien, um zu erfahren ob es richtig gezaͤhlet ift, oder ob bie Zahl noch 
richtig iR. Einem nachsählen. Das Gerd nachtaͤhlen. Auch bich, 
zählen um bie Zahl zu erfahren. Die Glieder einee Geſelſchaft 
nachzaͤhltn. D. Nachzaͤhlen. D. —ung. 

Dir Nachzäbler, —s, Sh. al. einer ber nadzäbtet, Im Hätten: 
baue, ein Kuffeber, welcher barauf zu achten bat, daß bie gefegte 
Anzahl Kübel aus ber Grube gezogen, ober das völlige Treiben vers 
richtet werde, 

Nachzapfen, v. trs, hinten nad, noch mehr, noch bazu zapfen. -D, 
Nachzapſen. D. — ung. 

O Der Machzauber, —s, By. u. ein Zuſtand, der einem anbern durch 
Zauber nahgeskint, d. h. ihm ähnlich hervorgebtacht iſt. Ich raffte 
mich aus dem Nachzauber des Schlafes auf. Benzel-Sternan. 

Radızaubern, v. intes. u. tre. 1) Nach dem Beifpiele, nad ber 
Weife eines Antern zaubern. Ginem nachzaubern. =) Die Bau: . 
berei eines Andern nachahmen, durch Zauberei nahahmend hervor⸗ 
bringen. Auch, zaubernd nadbiiden. 

Aue Schweise ber Welt fhien nachzuzaubern in Gold fle (bie 
Kbenpröthe),, Sonnenberg. 
5) Durch Zauberei nahlommen, nachfolgen mahen. D. Nachzau⸗ 
been. D. —ung. 

Nachzechen, v. intrs u. trs, 1) Nach eines Borgange, Beiſpitle ze⸗ 

den. 2) Hinten nach, noch mehr zechen. D. Nachzechen. D. —ung. 


Nachzehren, v. nir. mit haben, hinten nad zehren, verringert wer⸗ 


ven. DR: achzehren. D. —ung. 

Nachzeichnen, *. intrs. u. ire. ij Mach eines Mufter, Beiſpiele 
zeichnen. Ginem nachzeichnen. 2) Zeichnend nachbilden. Etwas 
nachzeichnen. 5) Hinten nach, nach ober außer dem Gezeichneten 
zeichnen. D. Nachzeichnen. D. —ung. ©. b. 

Der Machzeichner, —s, By gl; die —iun, By. —en, eine Per: 
fen, welche nachzeichnet. 

Die Nachzeichnung, My. —en. 1) Die Handlung ba man nach⸗ 
seiner; ohne Mehrzahl, =) Eine nad dem Muſter einer anbesn 
gemahte Zeichnung (eopirte Zeihnung). 

Nachzeigen,, v. intes, u. tr. 1) Hinter her zeigen. @inem mit 
Zingren nad ihjeigen. =) Zeigen, anzeigen, wo etwas madman furht 
zu finden fei, nachweiſen. „Er zeigt nach, daß ſchen feit langer 
Beit ein Galactometer (Mildmefler) im eonservatoire des arts 
aufbewahrt wurbe," ungen. (R.). D. Nachzeigen. D. —ung. 

O Die Nachzeit, W. m. die nachkommende, zukünftige Zeit; zum 
Unterfchiede von der Jetztzeit und in Gegenfas der Vorzeit. „Die 
Vorzeit bildet die Nachzeit.“ J. P. Nidhter, 

Nachzerren, v trs. mit Gewalt hinter bee sieben. D. Nadyyers 
ren. D. —ung. 

Nachzeugen, v frs. nad; Andern, fpäter zeugen. Gin nachgezeugtes 
Kind, D. Nachzeugen. D. —ung. 

Nachziehen, v. unregelm. (f. Ziehen.) I ters. hinter ber ziehen, les 
hend hinter fih ber bewegen. Den Magen nachziehen. Uneigent 
lich, von einem Berlangen nachzufelgen ergriffen werden, 

Kommt ein Schwarm von Araniden geflogen, - 

Dir den Flug nad deinen Ufern lenkt, 

D wie fühl ich da mich nachgezogen! Un gen, (8). 
Die umeigentlihe Bebeutung, welche Ad. unter biefem orte an: 
ſuͤhret, nad) fich ziehen, für, zur Folge haben, gebört nicht bieher, 
weil nad) hier nicht zum Ausſageworte ziehen geböret, IT) futrs, 
mit fein. 1) Binter ber ziehen, einen Zug bildend nadfaigen. 
Und es zog ihm viel Molke nach.“ Joh. 6, 3. Auch von einzelnen 
Perſonen, fir, nachteiſen, nachfolgen, beſonders, mit Sad und Pad. 


Nach; 


Rebeerta zog dem Manne nach“ a Moſ. 24, Gr. Auch bie Jäger 
ziehen dem Milde oder ber Faͤhrte nad, wenn fie ihm ober ihr 
nachgehen, es ober fie auffuhen, Uneigentlid, and als nte, von 
Sachen, nachfolgen. »Biüdfetigkeit haͤlt man oft für eine Mode⸗ 
bame, die dem Gluͤd von ſelbſt nachziehen werbe» Cwald. {f.). 
=) Im Bichen, b. h. in her Veränderung des Wohnertes oder ber 
Mohnung nachfolgen. Ginem in baffeive Haus nachziehen. 11) 
ntr, mit fein. 1) Einem andern Dinge in bexfelben Richtung lang— 
fam folgen. Die Wotken ziehen dem kuftzuge nad. =) Hinten 
nad, nod mehr ziehen. Das Zugpflafter hat neh nachgezogen. — 
D. Nachziehen. D. —ung. ©. auch Nachzug. 

Nachzieren, v. trs. u. rec. ſ. Nah. D. Machzieren. 

Nahzimmern, v.trs. zimmernd nachbitden, nachmachen. Cine Sache 
nachzimmern. D. Nachzimmern. D. —ung. 

Der Nachzins, f. Gatterzins. 

Nachzinſen, v. irs. hinten nach, fpäter alnfen. 
D. —ung. 

Nachzirkeln, v. trs. +) Zirkelnd, fowst mit Huͤlfe deB Zitkels, ale 
auch, aͤngſtlich genau nachbilden, nachmachen. =) Auch wol, mit 
dem Zirkel nachmeffen. D. Nachzirkeln. D. —umg. 

Nachzirpen, v.trs. u, intrs. Nachziſcheln, v. intrs, u. trs, ſ. Nach. 
D. Nachzitpen ꝛc. D. —ung. 

Nachziſchen, v. H) intrs. 1) Nach eines Beifpiele, Weiſe ziſchen, fein 
Ziſchen nachahmen. 2) Hinter her ziſchen, mit Ziſchen verfolgen, 
I) ntr. mit haben, ziſchend nachfliegen. j 

— nachzifht” und ergriff fie bie Flamm' — Sonnenberg. 
II) v. tes. ztihend nachrufen. 
und sifcht es 
Dft aus den Fenftern ihm nach: febt ba den Banner ber Nixe. 
Sonnenberg. 


D. Nachzinſen. 


D. Nachziſchen. D. —una: 

Nachzittern, v. nie. mit haben, hinten nad zittern, eine zitternde 
Bewegung ıc. beibehalten. „Gin Anaftgefhrei ber Mutter kann in 
ihrer Tochter buch das ganze Beben nachzittern.“ 3. P. Kichter. 
If} intrs, mit fein, zitternd nachfolgen. 

— ic zittert! ihm nah — Sonnenberg. 
D. Nachzittern. 

X Naczotteln, v.intrs. mirfein, f. Nachfolgen 1). 

Die Nachzucht, 0.9. mas nad andern, zuleht gejogen ober aufgr- 
zogen if, „Die Nachzucht ber Schafe.» ungen. (R.). Beſonders, 
in ber Bienemzuht, die legte Zucht, die legten jungen Bienen vor 
dem Minter. 

Nachzuckern, v. trs. hinten nad, nohmahts, noch mehr zudern. D. 
Nachzuckern. D. —ung. 

Der Raͤchzug, —es, Mm. —zuͤge. 1) Das Rachtlehen, ein hinter 
ber, wie auch, ein hinten nah unternommener, folgender Zug. =) 
Ftwas das nachziehet. So ift im Kriegswefen ber Machzug ber 
Hinterfte Theit eines ziehenden Kriegsheeres. S. Nachtrab. 5) Ets 
was das nachgezogen iſt, 3. B. ein nachgeahmter Schriftzug. 4) 
Ik Der Nachtheil. Friſch. 

OX Der Nachzuͤgler, —s, 24. gl. einer ber zum Rachzuge gehös 
get, einer der nachziebet. Beſondere, ein Soldat, ber abſichtlich 
zurödbleist, um im Müden des Heeres fih allerlei Unorbuungen, 
Autſchweifungen und Erpreffungen zu erlauben (Trainard), 
deren erfte Sorge fein fol, bie Machzügler arretiren (oechaften) 
zu laffen, um ben Unerdnungen, bie im Rüden ber Armee (bes 
berres) Statt haben, ein Enbe zu machen“ Aus einer Verord⸗ 
nung Napoleons in ber Hamb, Zeit. 

Nachzupfen, v.trs. 1) Nach eines Beiſplele, Welfe zupfen. x) bin: 
ten nah, außer dem fhon Gezupften zupfen D. Nachzupfen. 
D. —um. 

O Nachzuͤrnen, v. mtr. mir haben. 1) Rah dem Beilpiele eines 
Anbern järnen, 3) Mach Berlauf einer geriffen Zeit ober Sache 





440 


D. Nachzotteln. 


Nacken 


noch zürnen, D. Nachzuͤrnen. — aber etwas würbe mir and 
Beben greifen, bas lange trübe weinende Nachzuͤrnen berfeiben« 
(bee Frau). JI. P. Richter. 

Nachzwitſchern, v. intes, u. tra. 1) Mac eines Weifpiele, Meife 
zwitſchern. 2) Hinter her zwitſchern. 3) Zwitſchernd nachſingen. 
D. Nachzwitſchern. 

+ Nadeln, v. nir. mit haben, u. intrs, in Baiern, wanken. D. 
Nadeln, a 

Der Naden, —6, ol. 1) Der hintere Theil des Halfes, fo weit 
bie Halewirbel gehen. In weiterer Bebeutung wird es im gemeinen 
Leben wie Hals gebraubt und bezeihnet dann auch zuweilen den 
Rüden. Einem auf dem Naden liegen, auf dem Halfe, d. h. ihm 
zur Laſt fein. + 

und fält entzädt ber Amme um ben Nacken, Wieland; 

b. 5. um den Hals, umarmt fie. Einem immer auf dem Naden fein, 
immer um ihn fein, ihm nit verleffen. X Einem ben Nacken 
fhnieren, ibn abprägein. Etwas im Naden haben, im Noden 
bleiben, im Adern, babinten. 

Den Danen trieb des Mitters Eiporn, 

Die Peitſche den Polsten, 

Und Hohburg blieb im Naden. Bürger. 
Uneigentlich fagt man von einem halsftarrigen, eigenfinnigen Den 
ſchen, er habe einen barten, ftarren, unbiegfemen Naden. S. Hart 
nädig. Einem den Naden beugen, feinen Starrſinn, Elgenſinn 
brechen, überwinden. So gehorchten fie niht, ſondern bärteten 
ihren Naden, wie ber Made (Nacken) ihrer Bitenn a Kön.ı7, 14. 
Im Wirtembergihen fügt man + Nauben fürRaden, 2) Die Ha 
kendaare beim weiblichen Geſchlechte, fofern fie glatt aufwärts ges 
ſchlagen und auf bem Scheitel brfefiget werben, weflr Kinders 
king Nackenwulſt gebilbet hat (Chignon), Einen Naden mas 
hen, dieſe Dasre hinten aufwärts ſchlagen und befeftigen. 

Dos Nadenbandb, —es, Pr. —bänder, in der Zergliederungetunft, 
ein Band, welches vom äußern ‚Binterbauptchöder unb ber Reife 
unter ihm am bie boppeiten Spihen ber Dornfortfäne aller ‚bald 
wirbel gebet (Ligamentum nuchae), Wiebemenn. 

Die Nadenblutader, 89. — n, in ber Zergliederungekunſt, Blut⸗ 
abern in ber Gegend bes Madens, 

OX Das Nadengehbent, —e, 34. —e, ein Scherzwort, womit 
I. 9. Richter einen Zopf, welcher hinten am Naden herabbängt, 
bezeichnet: — dieſes Madengehent an ber vierten gebantenvollen 
Gehienkammer.« 

Die Nadengrube, 9. —n, die Grube ober Vertiefung im Nacken 
oder Genick (Nuche), 

Das Nadenhaar, —es, Mm. —t, bie Haare am Racken ober über 
dem Radfen. ‚ 

Das Nadenloh, —et, Bun. — loͤcher, bie Blaſelocher des Vallſiſches. 

Der Nadenmuskel, —s, 94. —n, in ber Bergliederungstunft, bie 
Muskeln des Nadens, Der zweibaͤuchige Nackenmuskel (Musen- 
lus biventer cervicis) beugt den Hals ſchräg nah binten. Der 
abfeigende Nackenmuskel (M. eerricalis dessendens) beugt ben 
Sals ebenfalls nach Hinten; der Quermuskel des Madens (M, 
trausversalis cervicis) beugt ben Hals ſchraͤg nad einer Brite, 
und ber Dornmusfel bes Nadens (M. spinalis cerrieis) krümmt 
den Hals ihräg rüdwärte. “ 

Dar Nackenſchenkel, —s, M. st. im Weindaue, ein auf der Bbae 
eines Weinitodes getriebenes Ende, this auf weldes man bad alte 
Holz; abichneibet und dieſes auf brei bie vier Mugen verknotet. 

Der Nadenfhlag, — s, Wr. — ſchlaͤge, ein Schlag in ben Ragen. 
Uneigentlich faat man im R. D. im gemeinen Leben, er hat bavon 
viele Nackenſchlaͤge, man redet diefer Sache wegen fehr übel von ihm, 

Die Nadenfhlagader, Pa. —n, in der Zergliederungstunft, Schlag: 
adern, melde das Blut zum Maden führen. Die aufifeigende 
Nackenſchlagader (Arterin cervicalis adscendens) entftebt aus ber 


Nacken 


untern Schilbboeruͤfenſchlagader umb giebt ben meiften Radenmus: 
fein Imeige; bie flache Nackenſchlagader (A. cervicalis superi- 
cialis) fimmt von ber Schlüfferbeinfhlagaber; und bie tiefe Madens 
ſchlagader (A, cerricalis profunda), welde ben tiefen Raden« 
und Rüdenmusteln Imeige giebt. 

O Der Nadenwulft, —es, — wuͤlſte, f. Nacken »). 

O Der Nadenzigenmusfel, —d, 34. —n, in der Zerglieberungd: 


Eunf, ein Muskel, ber von ben Duerfortfäten der brei oberſten Körpers. Die Madtheit eines Gemäpldes. 


Bruft: unb bee drei eder vier unteren Balswirbel koͤmmt, zum bins 
tern · Theile bes Bigenfortfages gebet und den Kopf ſchraͤg rütwärts 
siehet (Musculus trachelomastoideus‘,. Biebemann. 

Der Nadenzweig, —es, By. —e, in der Zerglieperungstunft, Zweigt 
von Schlagadern, welche indie Nagenmuskeln geben (Rai cervicales). 
Nadet oder Nadt, adj. u. adr. mit nichts bekleidet ober bedect als 

mit feiner eigenen Haut. Nackt gehen, ohne alle Bekleidung. is 

nen nadt ausziehen, bis auf bie Haut. Die nadte Haut, bie 
bloße, unbebette. Gin nadtes Schaf, welches feine Wolle verloren 
dat. Gin nackter Vegel, ber keine Federn hat. ine nadte Ger 
fait, in ben bildenden Künften, eine unbefteidete, unb in engerer De 
deutung, eine ſelche, bei ber Theile des Koͤrpers, welche bie Scham: 
haftigkeit und Gewohnheit zu bedecken befiehit, unbebedt find, Gin 
nacktes Knie, ein nadter Schenkel. Bloß, welches eine weitere 

Bedeutung hat, wird von folhen Körpern ober Theilen beffelben 

gejagt, welche bedeckt zu fein pflegen, biefer Bedecung aber auf 

eine Zeit beraubt find, So gehen viele Bitde ganz nadt, bie Eu: 
zopäer aber gumeilen mit bloßen Körper, bie armen und gemeinen 

Leute häufig mit bloßen Füßen. S. Bloß. In andern Zäuen ift 

kahl gewöhnlich, welches aber von nadt dadurch verfhieben iſt, daß 

es von der, einem Körper ober Theile deſſelben gewöhnliden ober 
batan gewohnten Bebeckung beraubt bedeutet, 
ein kahles Kinn ıc., eine Fable Stelle ı, S. Kahl und aud Blatt. 

Zuwellen iſt nadt aud nur, ber Bedeckkung, Bekleidung größten: 

theita beraubt, ſchlecht bekleidet, „Du hat ben Nackenden bie Kieir 

ber ausgezogen." Hiob 22, 6. ine befonberd im gemeinen Erben 
gemwöhntiche Form ift nadend, eine ſchlechtere nadig ober nadicht. 

Dies nadichte Gebilde. Overbed. Den Nadenden Heiden. In 

weiterer Bedeutung wird nadt auch von anbern als thierifhen 

Körpern gebraucht für unbedeckt. Eoheißt in ber Pflangeniehre nadt 

(audus) ein Etengel, ber gar keine Blätter, Schuppen ober bergleihen 

hat; ein Halm, ber Feine Wlattfheiden und feine Biätter hat; ein 

Strunk, ber ohne alle Bebeckung ift; ein Querl und eine Traube, 

moran fi weder Blätter noch Rebenhlättee befinden ; eine Granne, 

bie ohne Haare ift; eine Blume, "bie keinen Kelch und keine Miu: 
mentroue Hat. Ein nadter Sam. ift ein ſotcher, beffen äußere 

Haut mit feiner Hülfe bedectt ift. Madte Gerſte, eine Art Pleiner 

Gerfte ohne Hülfen. Die nackte Hure, ober nadte Jungfer, ein 

Rame ber Zeitloſe. Madte Felder, bie mit nichts bewachſen find, 

&o aud, nadte Berge, Bellen, fr kahle. Die nadte Erbe, die bloße 

unbebette Erbe. — es verlor fi bayegen Xbenbs zeitig, ſchlief in 

einer Kammer auf ber nackten Erbes ıc. Gbthe. Den unelgent: 
tihen Gebraud, nacktes Schwert für bloßes aus ber Scheibe ges: 
genes zu fagen, wie In dem Wrudikäde eines alten Bebihtes auf 

Karl ben Großen vorkoͤmmt, hat Wirlanb ermeuert: 

und jeber Doth und jeber nadte Degen 
Säieiht in bie Scheibe ſtill zurdd, 

uneigentlich wirb nackt auch gebraucht für, ber gehörigen Gegen: 

" fände ermangelmb, arm, mager, 3. B. sin nacktes Gemäbibe, mie 
auch für, aller andern GCigenfhaften beraubt. „Die bioße nadte 
Fähigkeit, bie au ohne vorlie gendes Hinderniß keine Kraft, nichts 
als Fähigkeit fel, if ein tauber Schall.“ Herber, 

x Nidifh, —er, —ſte, adj. u. adv, fpaßhaft, drotlig, verwandt 
mit ſchnakiſch. in nädifher Meufh, Streich. Das ik naͤckiſch. 
MDeicher (Kup) meet am beften? fragte fienedifge (nädih). Böthe, 

Gampe’s Wörterb, 3. Ib. 


441 


Ein kahler Korf, 


Nadelb 


Ein Bube, den nichts froͤhlich machte, 
Ad was er für recht nädifch dielt. Hägeborm. 

® NRadtbeinig, adj. u, ade. madte, unbebette Beine hatend. „Iene 
nadtbeinigen Frauen und Jungfrauen.“ C. 

+ Die Nadte, 0. 94. f. Racktheit. 

Die Nadtbeit, 4. —en. 1) Der Buftand eines Dinges, da ch 
made if; ohne Mehrzahl, im D. D. Nackte. Die Nadtheit eines 

„Deine Madtheit if 

Shwäde* Herber. =) & Etwas Radtes, eine nadte Stelle. In 
diefem Bilde find viele Nadtheiten an ben Gefalten. 

Die Nadel, 3. —n; Bo. das Nabelchen, ein bünner und 
an dem einen Enbe fpikiger Körper, befonbers beraleichen 
Werkzeuge von Metal, 3. B. bie Nadeln ber Kupferfiecher, bie 
Mabdeln ber Goldſchmiebde, Prüfe: ober Streichnadeln, bie Mabeln 
zum Streifen, oder Stricknadeln, welche an beiben Enben ſtumpfe 
Spisen haben; bie Nadeln zum Ehnüren, ober Schnärnadeln we. 
Die Nadel in einem Flintenſchloſſe ift das flihlerne Stk, melden 
im Schnellergehäufe auf einem Stifte laͤuft, und durch deffen Deuc 
in bie Höhe das Gewehr losgehet. Die Nadel im Kompaffe ober 
Kompaßnadel ı. In engerer Bebeutung, feine geglättete und ges 
wöhnlih Heine Werkzeuge von Stahl, entmeber damit zu nähen, ie 
welchem Galle fie Naͤhnadeln heißen, ober etwas damit anzufleden, 
zu befefligen, in welchem Falle fie Stecknadeln genannt werden, 
S. Nähnadel, Stednadel, Packnadel, Haarnadel ꝛe. Etwas mit 
Nadeln anſtecken, mit Stecknabeln. Sich mit ber Nadel naͤhren, 
burd Rüben, als Schneider ober Nähen, Räherine. X Etwas mit 
der heißen Nadel nähen, fehr eilfertig, und daher ſchlecht. X Etwas hei 
einem auf der Nabel haben, im Hennebergfhen, etwas bei ihm gut 
haben, und in ſchlimmem Verſtande, einen Bermeis, eine Strafe zu 
empfangen haben. Im weiterer Bebeutung nennt man Mabeln 
au bie ganz fhmalen, faft runden und fpigigen Blätter ber Fich⸗ 
ten, Zannen, Waholdern, Zedern ac., welde aut Tangeln genannt 
werden. S. Nadelblatt. Unelgentiih führen im Mafferbaue bie 
untern Ballen, welche quer Aber einen Schleufenboben oder ein Biel 
gelegt werben, fo baß fir gerade über ben Kleibalken eintreffen, wie 
auch bie Shwingen, welche man bei ben Mühlen ıc. burb ben Ro 
f&läget, ben Namen Nadeln. In ber Raturbefhreibung führt eie 
Thurmhern in ben Afritanifhen und Indiſchen Meeren, eine Art 
Pofaunenfhneden ober Kinkhörner den Namen geferbte ober gefrönte 
Nadel (Buccinum erenulstum L.); auch Pfrieme. Cine andere Art 
beigt ummundene Nabel (Buceinum dimidietum). S. Seenadel. 

Die Nabelarbeit, By. —en, eine Arbeit, welche mit Hülfe ber Nadel, 
fei ea die Nähnabel, Stridnadel oder Stidmabel ic. verfertiget wich, 
Meibliche Madelarheiten. (Mt). 


‚Die Ülabelbahre, By.—n, bei ben Tteumpfwirkern, basjenige Städ 


bes MWirkahles, morin bie Raben fleden, auf weide bie Raſchen 
eines Steumpfes gefhlungen werben. 
Der Nadelbaum, —esd, 99. — baͤume, ein Baum, welcher anflabt 
bes Raubes Mabeln bat, wie 3. T. bie Fichte, Kanne. ©. Nadel. 
Rabelbereit, adj. u, adv. bei ben Zuchmadhern von ben Züdhern, be: 
weil ober fertig, fo baf es von dem Schneider mit ber Rabel verar⸗ 
beitet werben lann. 

Die Rabelbinfe, 94. —n, bie Heinfte ArtWinfen (Seirpus acicularis 
L) auf Spießbinfe, Quellbinſe, Moosbinfe, Meinfte Weiherbinſe. 
DasRabelblatt, —es, My —biätter, ein mabelförmiges Blatt, ober 

ein pfeiemenförmiges Blatt, welches fehr ſteif iſt und gewöhnlich der 
Binter über ausbauert, wie z. B. von Fihten, Tannen sc. (Foliune 
scerosum). Auch 6108 die Mabel, und, die Tangel. ©. Mabel 
Das Nabelblei, —es, In. —e, oder bad Nadelbleiſtuͤt, —«, 
Di. —e, an ben Strumpfwirkerſtuͤhlen, biefenigen Bleir ober Etüde 
Blei, worein bie Mabeln bes Stubles gegoffen und bie mit ihrer 
ſchraͤg abgefänittenen " Enden in die Mabelbahre befeſtiget werben 
Sit heigen aud Unterbieiftüdte, zum Unterfhiede von ben Oberbieien. 


56 


Nadelb 


Die Nadelblume, My. —n; bei Planer eine in China wachſende 
Pflanze, Seren Blume aus einem eimblattigen, fünffach eingeferbten 

Aeiche, fünf Blumenblaͤttern, finfjehn Otaubfäden mit vierfächerigen 
Staubbeuteln und einem fünffad geftteiften Griffel mit ſtumpfem 
Staubwege beftehet (Watica L.). 

Der Nadelbrief, —ed, 9. —e, ein Brief Steknabeln. S. Brief. 
Die Nadelbüchfe, 34. —n; Bo. dag Nadelbuͤchechen, eine Heine 
Buͤchſe, Nadeln darin zu verwahren eder auch bei fih zu fragen. 
Der Nabeldraht, —es, My. von mehrern Arten, —brähte, Draht, 
woraus Nabeln gemacht werben, ſowol Stecknadeln, als Paarnadein 

!und Stricknadeln ıc. 

Die Nabeldrufe, 99. —n, eine Drufe, welche in Geſtalt von Eis 
nen Nabeln oder Spießchen angefhoflen ift; die Spießdruſe. 

Die Napdelfeder, By. —n, in einem Rlintenfhioffe, eine Feder, wel: 
che die Nabel mit dem Schlagſtücke zufammenpreffet, damit bas Ge— 
mehr nicht vor ber Zeit loegehet. 

Die Nabelfeile, 4. —n. 1) Beiden Golbſchmieden, feine runde 
Bellen, womit fle feine und beſenders durchbrochtne Krbeiten aus— 
feilen. 2») In der Natuchefhreibung, eine Art Stachelſchneden im 
Afritanifhen Meere (Murex radule); auch Feilnadel. Nemnid. 

Dir Nabelfifh, —s, Di. —e, eine Benennung berjenigen Fiſche, 

- welche bünn und lang find, und Ähnlichkett mit Mabeln haben, Be 
fonders führen biefen Ramen eine Art berjenigen Hifhe, deren Kie: 
men zufammengewachfen find: 2) Eine zwei Fuß und drüber lange 
Urt in verfhiebnen Europäifhen Meeren, welche ſehr ſchmal ift und 
in eine Epige ausgebet (Syngnethus acus L.); auch Hornfiſch, 
Merenadel, Setnadel, Spitznadel, Sacknadel, Trompete. 2) Eine 
„andere Art, bie ı bis ı'/, Fuß lang wirb (Syngnathus typhleL.); 
auch Meernadel, Trompete, Trommeter, Blindfifh. S. Meernadel. 

Nadelförmig, adj. u. adv, bie Form ober Geſtalt einer Radel har 
bend, in Werhätents feiner Länge dünn und rundlih, und am Ende 
zugeſpitzt. In der Pflanzenlehre heißt ein Haar nabelförmig (aci- 
eularis), wenn es ſtark, kurz, fehe Spigig it und am andern Ende 
eine Erweiterung bat. 

Das Nadelgeld, —es, 34. —er, Geld, welches Mabeln bafür zu 
faufen beftimmt if. Bei vornehmen Frauen iſt bas Nadelgeld, 
eine .beufelbenFährlich ausgefegte Geldſumme, womit fie ihre Hei: 

‚ nen Webürfniffe befriebigen , befonders Putz ıc. anfhaffen. Burri: 

- fen wird auch ein Celd, welches man meiblihen Perfonen als eine 
Erkenntlichkeit, wenn fie etwas gebracht, gethan haben zc. giebt, 

‚ein Madelgelb genannt. 

+ Das Nabelgras, —es, Dig. u, in der Schweiz, eine Art Wegerich 
auf ben Alpen; Alpenwegerich Plantogo alpina L.). 

Der Nadelgrund, —et, 34. — gruͤnde, in ber Seeſprache, ber 
Grund bes Weered, wenn er vell Hriner fpigiger Muſcheln liegt, 

Der Nabdelhafer, —s, o. Mr. die Sandpfrieme, ©, b. 

Der Nabelhalter, --4, 3%. al. bei ben Wundärzten, eine Beine ei: 
ferne Röhre, worin fie bie Heftnadel, wenn fie etwas zufammen: 
beften wollen, halten, 

Der Nadelhecht, — et, My. —e, ber Hornhecht. 

Das Nabelbolz, —et, Ri. — hoͤlzer. 2) Holz, d. h. Baͤume, welche 
Mateibtätter ober Radein haben; auch Tangelholz, Harzholz, 
Schwarzhotz, todtes Holz, oder ſinſteres, ſchwatzes Holy; zum 

unterſchiede vom Laubholze. Dergleichen Nadelhoͤlzer find Fichten, 

Tannen, Lerchenbaͤnme, Wacholdern, Zedern ꝛtc. 2) Ein aus fol 
chen Bäumen beſtehendes Gehoͤlz. 

Der Nadelkerbel, —s, My. u. 1) Ein dem Kerdel nahe verwand— 
tes Pſtanzengeſchlecht, deſſen Samen einen langen fpipisen Fortſah 
bat (Scandix L.}. Veſenders der langgeſchnbelte Nabelkerbel 
(Scandix pecten Veneris L.); aud Hechetkamm, Schnabetmoͤhre. 

‘ 8) Rei Antetn ein Name bes Krauenmänteldiens oter Jungfern— 
kammes (Aphanes arvensis L.); auch Nadelmoͤhte, Heinet Nabel: 
fraut, 





= 


2 Nadel 


Der Nadelknopf eder Mabefkopf, es, m. —knoͤpfe, —koöͤbfe, 
der Knopf oder Hopf, d. h. der runde Zeit an der einen Ende 
einer Stecknadel. 

Der Nadelfnopffchneider, —s, 2%. gt. bei den Nabiern, berfenige 
Kıbeiter, weiber den gefponuenen Knopfbrabt zu ben Nabel 
Euöpfen zerſchaeidet. 

Das Radelkiffen, —s, 99. gl.; Bw. das Nadelkißchen, ein n fiffen, 

“ih: und Stenabein darauf zu ſtecken, bamit fie nicht verloren 
geben, ober bamit man fie bei ber Hand. babe, 

Das Nadelkolbenmoos, —es, My. u. eine Art Kolbenmoofes mit 
Tanjenförmigen, Tpigigen, ein wenig vertieften, glänzenden, gelb: 
gruͤnlichen, fleifen, am Rande wie mit Knorpeln eingefagten Bifts 
tern, welche auf ben Bergen und in Radelhoölzern mähft (Lyeo- 
podium selago L.); auch tannenförmiger Bärlapp. 

Das Nadelkraut, —es, u. u. f Nadelkerbel. 

Das Nadelloch, —es, 2. — loͤcher, das Seh, Ghr in einer Raͤh⸗ 
nadel. Friſch. 

Die Nadelmoͤhre, 4. —n, ſ. Nadelkerbel 2). 

Nadeln, v. intrs, ı) Mit Radeln verſehen, befeſtigen, anftedeh: 

Der Tante Jungfer pudert, ſchmiert, 

und glaͤttet, nadelt, fattet, ſchnͤrt. Blumauer. 
2) Nähen. So neunen die Schuhmacher das Annahen der Über: 
ſtaͤmme an das Oberleber, nadeln. Auch bei den Handſchuhmachern 
heist das Zuſammennaͤhen zweier Stuͤcke Leder nadeln. D. Ras 
bein. D. —ung. 

Das Nadelöhr, —es, I. —e, das Ghr oder bie Meine Öffnung an 
dem dickern Enbe einer Naͤhnadel, Packnadel, Ehnürnadel ıc, 

Das Nadelpapier, —ed, MH. u. bei ben Feueriverkern, ſtarkte, 
graues Papter, welches au Hüllen gebraudt mirb. 

Der Nadelſchaft, —es, Bi. —e, der gerade, lange und zugefpigte Theit 
einer Nabel; in Gegenſatz ber Spitze und bed Kopfes ober bes ODhres. 

Die Nadelſchnecke, 94. —n, chemabts rine Venennung aller ders 
lenigen Schneden, welche tinfhalige Gehäufe, die Tang und ſchmat 
in die Höbe gewunden find, baden; auch Schraubenſchnecken, 
Hirſchhoͤrner. 

Der Nadelſchwanz, —es, My. —ſchwaͤnze, ein Schwanz fo ſpitig 
gleichſam wie eine Radel; wie auch, ein Thier mit ſolchem Schwanze. 
In der Naturbdeſchreibung führt dieſen Names eine Art Enten, tie 
Spitzente. © d. 

Der Nadelſkorpion, —es, 4. —t, eine Art Waſſerſtorpion oder 
Moferwanze >. lineuris), Nemnich 

Die Nabeifpige, By. —n, die Spitze ober bas fpitige Ente einer 
Nadel. 

++ Der Nabelftein, —es, My. —e, der Polftein (Magnet). Obertin. 

Der Nadelſtich, —er, My. —e, ein Stich mit einer Mabel, beſon⸗ 
ders beim Rüben. „Jedes feiner (Renophens) Gefpräche if wie ein 
ſchoͤner Teppich mit Gold geſtickt und bis anf-jeben Nadelſtich vou 
Natur, Orbnung und Epmmetrie (Ebenmab),‘ Herder. 

Die Nadelfiren, 0.9. in ber Landwiethſchaft, dad Streuen ober _ 
Unterfireuen ter Nadeln des Naberhorzes tn ben Vichftäflen, tie 
auch, die Radeln ſelbſt, fofeen fie zur Streu oder zum unterſtreuen 
fr das Wich gebraucht werden; zum mefact⸗ ven ber raubſtreu 
und Strobſtreu. 

Der Nadeltwalch eder Nadelwacht, —ee, ©. My das zarte Pfrit⸗ 
mengrad. ©. d. 

Die Nadelwanze, 24. —n, die Pfuͤhenwanze. ©, d. 

Das Nadelwerk, #8, Mp. -- #7 ein mit Hulfe ter Nadet, veſon⸗ 
ders ter Lkaͤhr ober Stiknadel verfertigtis Wert. M. Kramer. 
Der Nadelwickler, — 8, 9. gl. eine Art Nachtfatter, welche die 
Kadeln ber Fihten sufemmenmideln oder sufammenfpinnen (Phalse- 

na torılrix pieaena 1.) 

Der Nadelwurm, — et, 9. — wuͤrmer, ein Rundwurm oder Tpul: 

wurm von nadelſoͤrmiger Geſtalt in den Gebärmen ber Seite, Boͤrſe, 


5 
No; 


haut ber U . — is; a DE ER | 
Der Nadler, —s, 29. gl. ein, Handwerker, welder Radeln verfer: 
‚ tiget; feine Frau, die Nadlerinn, in Nürnberg Heftleinmachet, 
+ in Sſterreich Spängler. 
‚(erlei Radeln auch mit vielerjei anderer kurzer Waare, befonbers 
von Metall. 2 — 
Die Nadlerwaare, Wz — , allerlei kurze Waare, beſonders von 
ang rn bie, Radler zu handeln pflegen (Quincaillerie). 
+ Der Nabdling, —es, My. —e , gine Nadel vol, fo, viel Zwirn ald 
‚ man.auf einmaͤhl einfäbelt; Nähling. 
+ ———— ntr, mit haben, ſ. Nicken. In Schwaben heißt naf— 
fen ſchlummern. 
Der Nagekaͤfer, —s, 9. gl. ein Käfer, welcher naget, benaget. 
Remmich führt unter dieſem Namen eine beſondere Art Käfer an 
(Myrrlus). wur a . 
1, Der Nagel, —s, a. Nägel; Bw. das Naͤgelchen, ©, D. —lein, 
bie mehr ober weniger breite, Scharfe ober fpihige hornartige Bes 
bedung der äuperfien Guben ber Ginger und Zehen an dem menfds 
„ lien und tbierifhen Körper. In China gelten lange Nägel als 
Yus. Die Migel abſchneiden, beſchneiden, das Überflüffige, Bor: 
— ſtehende am benfelden. Mit den Mägeln krahen. Im gemeinen 
. Reben fagt man, ber Nagel blühe, wenn fih in bdemfeiben weiße 
„ ‚wollihte Fiedden befinden, bie man Blünden, Blüten nennt. . &. 
Nagelblüte. Etwas bis auf den Nagel abglätten, eö bis auf bas 
Geringfle, bis in feine Meinften Theile ſchön, vollkommen, gefällig 
maden. „Sein (Bosens) Stil (feine Schreibart) ift kraftvoll, ſtraff 
von Sedanten und Ausbrud, bluͤhend wo es ber Inhalt fobert; bar 
bei hoͤchſt wohlttingend unb bis auf den Nagel adgeglättet.- Ungem, 
Die gebogenen fpisigen Nägel ber Thiere heißen gewöhnlicher Krals 
Ion, Nauen 1. Im ber Pflanzentehre wird ber Nagel auch ats 
ein Lingenmap gebraucht, und ein Nagel lang (Ungvis) bezeichnet 
die Länge.bes Nagels am Mittelfinger oder einen halben Zoll, Uns 


eigentlih wirb in ber Pflanzentehre ber fpigige unterfle Theil eines 


Blumenblattes Magel genannt, und auch ein Fell im.Xuge, wenn 
es wegen feiner weißlichen Farbe mit einem Nagel Ähnlichkeit bat, 
befonbers die Haut, weiche bei ben Pferden aus dem Winkel der 
Augen bis zum Xugapfel gehet, führt diefen Namen, Der Nagel 
der Hornhaut. ©. Hornhautnagel. ’ 

2. Der Nagel, —s, Di Nägel; Bw. das Nägelden, O. D. —lein. 


ı) Ein in Verhäitnig feiner Die langer und zugefpigter Körper, 


‚ wei Dinge bamit zu verbinden und zuſammenzuhalten. Dergleichen 
„find die hölzernen Mägel der Zifhier, Schufter ıc. Beſonders aber, 
‚Toihe Körper von Eiſen, welde mit einem Kopfe verfchen find, unb 

welche von ihrem verfhiebenen Gebrauch und ihrer verſchiedenen 
‚n. Größe verfhiedene Namen befommen, 3.8. Bandnägel, Brett: 
naͤget, ganze und halbe, Schindelnaͤgel, Lattenmägel, Rabnägel, 
Schloßnägel, Gufnägel ıc. Auf den Schiffen heißen eiferne Nägel, 
welche die Gefalt der hölzernen haben, d. h. malzenförmige ober 
vieretige Pflöde vorftellen, Bolzen, Tpigige eiferne Nägel mit Köps 
fen aber Spiker. Ein, halber Nagel, wird daſelbſt ein kurzer ausge: 

‚ böblter Klamp_genanat. Etwas mit einem Nagel, mit Naͤgeln be: 

feſtigen. Einen Nagel einfhlagen, elntreiben, ausziehen. Haͤuftg 

- werben bie Mägel auch nur eingefhlagen, um etwas. Naberes daran 

au befefligen, zu hängen. Gin Bild an einen Nagel aufhängen. 
Den Hut an den Nagel Hängen. , X Etwas an den Nagel hängen, 
- wneigentliih, etwas bei Seite fegen, vernahläfigen, nicht weiter 
betreiben, ſich nicht weiter darum befümmern, Eine Wiſſenſchaft, 
fein Gewerbe am den Magel hängen. 
Mein Karolus, von Licbhens Seil geführt, 
Bängt Aron’ und Zepter an den Nagel. KL. Schmidt. 


“einen hohen Nagel haben, ſtolz, badhmüthig fein; unb, einem ben 


’ ieg, Tr Schwalbenente der Reh 
a — npen; Shyalbungnirn cuh h· r: 


Gemöhntih handeln fie außer mit als - 


‚Die Nageleifenfeber, By. —n, bei den Weipnagelicmieden , 
Uneigentlih fagt map auch im geineinen Leben, einen Magel oder 


N Nagele 


‚Nigel niederklopfen, tm demuͤthigen. In,vberſchiebenen Faͤllen wirh 
bafür auch Zwecke gebraucht. Im weiterer Bedeutung werben auch 
"wol bie Wirbel an den Geigen ec. Naͤgel genannt. Im Wi 
bergſchen verſteht man unter Nagel auch den fehjehnten Theil einer 
Klaſter, weil das Klaftermaß mit 16 Nägeln bezeichnet iſt. 2) 
Nagelchen oder gewöhnlicher Naͤgelein eine Art Gewürz, weldes 
. bie Geſtalt Heiner Nägel bat; auch Gewuͤrznaͤgelein, Wuͤrznaͤge⸗ 
lein, Gewürzneite, Wuͤrznelle, auch bloß Neil; S. Gewürz 
: nelke. 5) Eine Benennung fhöner wohlrichender Blumen, melde 
unter dem Namen Nelken befannter find. S. Nelte. a 
Die Nagelbant, 9. —bänte, auf den Schiffen, eine Latte ober ein 
Holz, worin, hölzerne Nägei ober Pinnen figen, weldes an bie 
Band ober an andere Stellen befefliget wirb, um laufendes Zau- 
werk zu belegen. Röbing. ’ 
Dos Nagelbein, —es, Bi. —e, in der Zerglieberungskunſt, eine 
Benennung ber Thräͤnenbeine, weil fie einige Ähnlihkeit mit den 
 Mipeln an den Fingern haben. . a 
X Die Nagelbluͤte, Dy. —n, weiße wolklchte Flede in ben Finger⸗ 
nögeln, bie auch Blumen oder Blaͤmchen und Magelfleden genannt 
werben. f — 14 
Der Nagelbohrer, —s, 4. sl. ein Heiner Bohrer, die Löcher * 
ben Nägeln damit vorzubohren; X ber Fritt, R. D. Frittboor; 
Nagelbraun, adj. u. adv. f. Nagelfarbe. re 
Die Nageldode, M. —n, bei den Grobſchmieden, ‚ein, Werkjeng 
mit einem Loche, worin ber Kopf eines großen Magels gefdimiehet wird. 
Das Nägelein, —, 2%. gl. 1), S. 2. Nagel 2) und 5). 2) Gelbe 
Nögelein, eim Name bes ‚Lales ober der gelben eich (Cheiran- 
thus eheiri), \ u 7 + dm 
Der Nägeleinbaum, —esd, 9. —baͤume. ı) Gin Oftinbiiher 
Baum, welher die Gewürznägelein trägt (Caryophillus L,); auch 
Neltenbaum. 2) 4* Ein Name bes Türkiſchen Holunders.mit blauen 
oder weißen oder göthlihen Mläten, weiche in ber Geflalt Ähnlich- 
keit mit’ Gewürzuägeln haben, und Nägleinblume oder Nägel 
blumg heißen; aud) ein Name des Jasmins, deffen- — 
ben GSewuͤrznaͤgelein ebenfalls äͤhnlich find. * 
Die Nägeleinblume, 3%. —n, f. Naͤgeleinbaum 2). j 
Dos Nägeleingras, — es, Di. v. der Name 1) einer Art bes Rieb 
grafes, fingerförmiges Riedgras (Carex digitata L,); =) ber Ri- 
geleinſchmiete, Meines Nägeleingras; 53) des Bergnägeleins (f. d. 
und Sandnelte); 4) bes Ackernelkengtaſes (Holosteum umbellg- 
tunt L.);, sub Blumengras, Weißnaͤgelein, verbrühet, Kraut, 
— putte 5) einer andetn Pflanze (Cela⸗irum ()). 
‚Remnid. . ; us .. VE 
Das Nägeleinktraut, —es, 9. u. 1) Die Relteawurzge &, 6. 
. 2) Das frühe Sungerblümden (Drabaverna L.); auch Nageltraut. 
©. d. .,5) Die Becherblume (Poterium sahguisorha L.); auß 
Nagelkraut. 4) Eine Art des Habichttrautes (Hieracium pilo- 
sella L.); auch Nagelkraut. 
Die Rögeleinnuf , Bi. —nüffe, die Nelkennuß, Nuß von Mabar 
gaekar, - — — 
Die Nägeleinrofe, My. —n, der Koruraden. ©. Raden. 
Die Naͤgeleinſchmiele M. —n,.. eine, Art Gras aber Shmiglen, 
deren Blüte mit Heinen Reiten Äpntichtele hat (Aira earyophylien 
L.); auh Keines Nägeleingeas, kleines Augentrofigeas, Silher- 
baargras, Sitbergras. ‘ —— 6 
Der Nageleinſchwamm, f. Naͤgelſchwamm —* 5 
Die Naͤgeleinwurzel, 9. —n, ſBenediktsktaut. * 
Das Nageleifen, —s, Wr. al. 1) Bei den Ragelfhmicden,. ein 
‚vierediges Eifen mit einem doche, die.Ragellöpfe darin zu ſchwie- 
ben. 2) Lifen, woraus Nägel gefihmichet werden; obne Mehrzabl. 
dünnes ſchmales Stüd Bich von einer. Mifdung aus Cifen, 8 
Stahl, welches dicat, den fertigen Nagel aus dem Rageleifen gu geben . 


Nagele 


Der Rageler, —, 2. gt. 1) Einer ber nagelt. =) Einer ber 
Nägel macht, ber Ragelfhmich. Fulda. . 

Die Nagelfarbe, 99. u. bei ben Färbern, eine braune Farbe, melde 
aus einer Mifhung ber roten und falben Karbe beftehet. Diefes 
Braun heißt nagelbraun. 

Das Nagelfell, — es, M. —e, ein fehlerhaftes Fell am Auge, wenn 
die angewachſene Haut ber Hornhaut ein wenig verbidt ift (Ptery- 
gium, Ungula), Ss gleicht einem Fingernagel, ift oft auch bie 
und Iederartig, ober Imorpelartig, ober fleifhiht und immer ganz 
weiß; aud nur, der Nagel, beim Rindviehe der Hauk. 

Der Nagelfeld, —ıd, 9. —en, f. Nagelfluhe. 

Nagelfeſt, adj. u. adv. burd einen Ragel oder durch Raͤgel feft, bes 
feftiget, im ber Mebensart, niets und nagelfeſt, db. h. In einem 
Haufe befeftiget, daß es nicht ohne Belhädigung bes Ganzen, ober 
nur mit Gewalt meggenommen werben Bann; in @egenfag ber ofen 
beweglichen Dinge. Gewoͤhnlich wird in Kaufdriefen von Häufern ıc. 
die Bedingung gemaht, baf Alles was niet: und nagelfeſt ift un: 
verlegt und ohne weggenommen zu werben, mit an ben Käufer über: 
gehen Tolle, 

%*%* Das Nagelfeft, —es, 94. —e, ein Feft, weldes man ehemakts 
zu Ehren ber brei Nägel, womit Jefus and Kreuz geheftet wurde, 
feierte; ber Mageldtag, der Tag an mweldem es gefeiert wurde. 
Oberlin. 

Der Nagelfleden, —s, Mj. gl. bie weißen Flecken in ben Fingers 
nägeln; die Wolken, Nagelbluͤte. 

+ Die Nagelflube, 4. —n, in ber Schweiß, eine Art derjenigen 
Menagfleine, welche aus Kiefeln von verfhiedenen Karben beftehen, 
umd durch Jaspiß ober verbarteten Thon zufammengefegt find (Brec- 
ein heilvetica); auch Nagelfels. Nemnid. 

4% Der Nagelfreund, —es, 3. —e, der weitefle Werwandte; 
von Nagel, dem äußerften Theile der Glieder. Oberlin. Derfelbe 
führt in aͤtznlichet Bedeutung auch der Nagelmage an. 

Die NRagelfügung, 94. —en, im ber Zerglieberungstunft, eine Art 
unbeweglicher Weinfügung, da ein Knochen in bem anbern mie ein 
eingefhlagener Ragel ſteckt, wie 3. B. die Bühne in den Kinnladen 
(Gomphosis). 

Das Nagelgeſchwuͤr, —es, 94. —t, tin Geſchwuͤr an oder unter 
dem Flagernaget, weldies gewöhnlicher der MBurm genannt wird 
(Panarieium). 

Das Nagelglied, —es, By. —er, dasjenige Glied ber Finger und 
Sehen, an mweldyem ſich der Nagel befindet (Phalanz tertia). 

Der Nagelhagel, —s, Si u. in der Bejhügkunft, eine Art des 
Hagels, ber aud aften zerbrochenen Nägeln ober andern fleinen 
Etüden Eifen beftchet. 4 

Der Nagelhbammer, —s, 94. —hämmer, ein Hammer ober Ham: 
merwert, mo Kranseifen und Meine Stangen Eifen zu Nägeln ger 
fhmiedet und zubereitet werden; bad Magelhammermwert. Unter 
Ragelhbammer kann man aud einen Hammer, mit welhem man 
Rägel einfihlägt, verftehen. 

Der Nagelbandel, der Nagelhändler, f. Nagelkram. 

Das Nagelherz, —ens, 4. —en, eine Art mit Dornen ober Sta⸗ 
Sein wie mit Mägeln befegter Dergmufchein im Mittelländifhen 
Meere (Cardium aculeatumL.); Igelmuſchel, bornige Herzmuſchel. 

Das Nagelholz, —ıs, MM. —hölger, im Wafferbaue, ein zaͤhes 
Städ Richenholz zu ben Nägeln oder großen Zobben, melde durch 
bie Bapfen des Sieles gefhlagen werben. 

Der Nagellopf, —ıs, 94. —Üpfe, der Kopf ober bas dicke geplat ⸗ 
tete Ende eines eifernen NRagels; die Mageltuppe, Nagelplatte. 
Der Nagelkorb, —es, 94. —koͤrde, ein Korb zu Nägeln oder mit 

Nägeln. 

Der Rageltram, — es, Dh. u. ber Kram mit Nägeln; auch, wenn 
er beträcdhtlicher iſt, der Magelbandel. Davon ber Nagelkraͤmer, 
Magelbändfer, der einen Ragelkram oder Ragelhandel hat. 


444 


Nagelf 


Das Nagelkraut, —td, My. u. ber Hame ») eines Pflanzengeſchlech⸗ 
tes, welches eine einfache Blumenbede, fünf knorpelichte, gefächte, 
ſtehen bleibente und fpigige Biätter, fünf Staubfäben und einen 
eiförmigen zugefpisten Fruchtkeim mit einem kurzen gefpaltenen 
Griffel und ſtumpfem Staubwege zeigt (Illecebrum L.); aud Mär 
gelfraut, Mettentraut. 2) Einer in Italien und Frankreich eins 
heimifen Pflanze, beren Beine Bluͤmchen auf gabriförmig getheil- 
ten Stielen ftehen, fünf eilörmig zugefpigte ausgeböhlte Keich ⸗ und 
fünf kurze, laͤngliche, eingekerbte Biumenblätter, brei kurze taub: 
faͤden und drei noch Fürzere Griffel mit ftumpfen Staubwegen has 
ben. Die dreitlappige Frucht enthält viele Samen (Polyenrpon L.). 
5) Einer Art des Habichtkrautes oder der Mäufeöhrden (Hiera- 
eium pilosella L,), welche wider bie Rothnägel an ben Fingern 
unb bei vernagelten Pferden ſowol aͤußerlich als innerlih gebraudt 
heilſam fein foll. 4) Der Bedherbiume (Poterium sanguisorba L.). 
5) Desfrühen Hunger:lämdens (Draba vernaL.), S. Nägeleinkraut. 

Die Nagelfuppe, 99. —n, f. Ragelkopf. 

Dad Nagelloch, —ed, 4. — locher, ein Lo, wo ein Mage geſteckt 

_ bat, ober in welches ein Magel gefchlagen werben foll. 

+ Der Nagelmage, —n, 24. —n, ein Verwandter, Wetter von ber 
Mırtter ber. Fulda. S. Ragelfreund. 

Dad Nagelmabl (Nägelmahl), — es, 93. Nägelmahle, das Mahl 
db. 5. bie Wunbe ober zurfdgebliebene Rarbe von einem eingefchlas 
genen Nagel, Daß ih lege meinen Finger in die Mägelmable.« 
Joh. 20, 25. 

Die Nagelmufcel, 94. —n. 1) Eine zweifhatige, walyenfärmige, 
an beiden Seiten offene Mufchel, melde gewoͤhnlich verfteint ange: 
troffen wird (Solenites). 2) Die Riefenmufchel (Chama gigas L.). 

Nageln, v. I) trs. ı) Einen Ragel einfhiagen. 2) Bermittelft eines 
Nagels ober mit Nägeln befeftigen, verbinden. @ine-Zafel an einen 
Pfahl, ein Schloß an die Thür, ein Leber auf einen Kaſten ic. nar 
gen. IT) intrs, bei ben Jaͤgern, mit ben Rägeln an ben Füßen, 
ober mit ben Klauen in ben Boden eingreifen. Der Fuchs bat ger 
nagelt, wenn feine Spur in dem meiden Boden zu fehen if. — 
D. Nageln. D. —umg. 

x Nagelneu, adj. u. adv. völig nen, moffr man aud funketneu, 
funteinagelneu fagt. Der Vergleich iſt vermuthlich von einer eben 
erft (mit Mägeln) befchlagenen, d. i, völlig fertig gewordenen Tiſch⸗ 
lerarbeit bergenommen. 

Die Nagelplatte, 4. —n, ſ. Nagelkopf. a 

X Die Nagelprobe, By. —n, koͤnnte eine Probe bezeichnen, melde 
man mit ten gefhmiebeten Rägeln vornimmt, um zu erfahren ob 
fie zut find. Dean verftebt aber darunter die Probe eines völlig 
ausgetrunfenen Blafes ober Bechers, ta fo wenig barin geblieben 
fein nıuß, daß es ald Tropfen auf ben Fingernagel getropft ſtehen 
bleiben muß. So trinken, daß biefe Magelprobe gemadt werden 
tann, beißt in Franken auf ein Näglein trinken. 

Der Nagelrohe, —n, 9. —n, eine Art Moden, die auf bem 
Rüden mit dreißlg größern und kleinern Stacheln, und am Maule, 
an den Xugen, zur Seite und am Schwanze ebenfalls mit Staceln 
wie mit Rägeln befegt ift (Aaja clavata L.). 

O Der Nagelfarber, —6, 24. 3l. ein Ebelften (Sardonis). ©. 
Eveiftein. 

Die Nagelfchere, 94. —n, eine Schere, die Nägel an ben Fingern 
und 3eben bamit abzuſchneiden ober abzufneipen. 

Der Ragelfhmied, —es, 4. —e, ein Schmied, welcher Raͤgel 
aller Art fhmiedet; im DO. D. ber Mageler ober Nagler. 

Die Nagelfchmiede, 9y. —n, die Werkſtatt des Ragelſchmledes. 

Die Nagelfhnede, y.—n, eine Art Stadelfchneden, die Herkuleds 
keule. ©.d. Eine andere Art Stachelſchnecken, bie bis 8 Zoll lang 
wird und beren Stacheln bis zwel Zoll lang werben (Maurer cornu- 
tus L.); beißt auch gezackter Schnepfenforf, aezadte Herkuleskeult, 
Schnepfenſchnabel, Hahntei, und Stachelſchnecke vorjugsweife. 


Nagelf 


Der Nagelfpnieider, —, 2: y1! ein Xibelter, ber bie Hölgernen 
Nägel mit einem Schneideme ſſer zuſchneidet, daß fie genau paffen; 
befonders im Schiffbaue. 

Der Nagelfchnis, —es, 9. —, das von den Nägeln an brn Fin 
gern und Beben Abgeſchnittene Mahler --. 

Die Ragelfchrote, By. —n, bei den Schenleben und Schloffern, ein 
fdarfes Eifen auf einem Kioge, die Nägel barauf abzuſchtoten; bie 
Abftröfe: 

Der Nagelſchwamm, —es, 94. — ſchwaͤmme, ein in den Wärberh 
unter ben abgefallenen Blaͤttern wachſender Blätterfhwanm mit ges 
mwölbtem, gelbem, geftriheltem Hute und weißen Blättern unb 
Strunke, wegen feiner Ähnichteit mit einem Nagel (Agariens cla- 
vus L.). Auch eine andere Art Blaͤtterſchwamm im Kärntpen führt 
biefen Rawien (Agarieus esonlentus), 

Der Naͤgelſchwamm, —es, 94. — ſchwaͤmme, ein In den Wäldern 
wachfender efbarer Blätterfhwamm mit ſchinuzig gelben Hute und 
feuergelben Blättern, welcher einen würsbaften an Gerwärgnägelein 
erinnernden Gerud: hat (Agaricus einnamomus L.)- 

*%* Der Nageldtag, —es, 4. —e, f. Nagelfeſt. 


O Der Nagelftein, —es, 9. —e, rin Edelſtein, deffen. Barde der 


Farbe der Fingernägel gleicht (Onyx). 6. S. Ebelftein. 

+ Das Nagelfiroh, —es, 0. 9. f. Mietnagel. 

Das Nagelwerk, —es, 9. —e, ein aus Batten befiehendes zuſam ⸗ 
mengenageltes Werk. Brfonbers nennt man aus Latten serfertigte 
Sartenhaͤuschen ıc. Nagelwerk. 

Die Nagelwurzel, 34. —n. 1) Die Wurzel, d. h. das in ber Haut 
fledende Ende ber Raͤgel an Fingern ober Zehen. 2) ©. Nietnagel. 

Die Nageljange, 9. —n, eine Zange, eingefhlagene Rägel damit 
wieder auszugiehen; zum Unterſchlede von einer Kneipzange, Feuer 
zange ıc. 

Da Nageizieber, —, MM. gl. bei den Shieferbedtern, ein eifernes 
Werkseug, vorn mit einem gefrümmten Daten verfehen ‚’momit fie 
die Mägel aus ben Schiefern ziehen, wenn fie ein Schieferbady aus 
befiern. 

Der Nagelzwang, —eb, 0. My. die Beſchwerde, melde von-Rath« 
nägeln verurfaht wird, Den Nageljwang Haben, ſchmerzhafte 
Rotbnänel haben. 

Das Nagemaul, —es, 94. —mäuler, ein Maut, weldes zum Rar 
sen eingerichtet ift, womit man naget; wie aud, ein Geſchopf mit 
einem ſolchen Maule. 
Sörfe, der Zander, dieſen Namen. 

Magen, v. intrs. m. trs, mit Hülfe ber Zähne von einem feften Körs 
per los zu machen fuchen, oder aud mit ‚Hülfe ber Zaͤhne und ber 
Feuchtigkeit im Munde erweiden und in Beinen Theilen losbringen 
oder audfaugen. An einem Knoden, an einer harten Brotrinde 
nagen. Bergt. Klauben. Der Hunger peinigte fie fo, daß fie das 
Beber and andere Dinge nagten. 

Daß wir für (vor) Bunger und Elend ſchier 
Magen müffen bie rigenen Knochen. Shilter, 
Am Hungertuche nagen, uneigentlih, an bem Rotbwendigften Man: 
get leiben, ſich elenb ‚bebeifen müffen. X Gr wird baran zu nagen 
haben, er wirb viel Mühe bamit, viel Unannehmlichkeit davon has 
ben. Umeigenttih und als ntr. mit haben wirb magen auch Für, 
eine anhaltende, nad und nad, immer mehr zunehmende, aleichfam 
verzehreude, fhmersbafte ober unangenehme Empfindung verurfachen 
gebraucht. Es quälte fie nagender Hunger. Boß. 
Gin nagender Schmerz, Kummer. „Nagende Vorwürfe" Dufd. 
„Ihr Mann, den bie Eiferfuht nagte.- Bagedorn „Mein as 
gender Serdacht.“ Schlegel. Im biefer Bedeutung aud mit ber 
Fügung eines ırs, 
Stete nagt ein ſcharfer Reid 
" Sein biutend Herz. Hagedorn. 
D. Nagen. D. —ung. 


— 


446 


So führt in der Raturbeſchreibung eine Art 


Nahe 


Der Nager, —, 3%. gl. einer ber naget, beſonders, ein nagendes 
Zhier, ©. Nagethier. 

Das Nagetbier, —es, My. —e, ein Name derjenigen Säugetbiere, 
welche vier fpisige Schneibesähne haben und damit nagen, 3. B. bie 
Ratten, Mänfe, Durmeltbiere, Wiefel, Marder, Iltiſſe, Eichhorn-⸗ 
chen ıc. Bei Audern heipen fie Nager, 

er Ragewurm, — es, My. —mwürmer, ein magender Wurm. Hul⸗ 

ins Mb. 

Der Nagler, —b, 9. gt. f. Nageler. 

Das Näbbrett, —es, 2. —er, f. Naͤhlloben. 

Der Nähdraht, —es, 4 —e, bei den Papiermadern, Drahtfäben, 
wodurch bie Wobenbrähte einer Papierform mit einander verbuns 
ben find. 

Nabe, naͤher, nachſte, adj. u.mndv. wenig von einem andern Dinge 
entfernt, Doch ik der Begriff biefer Entfernung besichlih unb es 
koͤmmt auf die Umfländeran, nad welden baffelbe Ding bem Einen 
mabe, bem Anbern aber weit ober entfernt fein fann, 2) DemDrte 
oder Kaume nad. Ein maher Ort, Garten, Wald, Es ift eine 

: halbe Stunde weit ‚bis zum naͤchſten Dorfe. Er ift mein naͤchſter 
Nahber. Nahe dabei ſtehen. Mahe vor der Stadt. Mäber kom⸗ 
men. Komm mir nicht zu nahe. Dies it der nächte Weg, ber Fürs 
zeſte ober gerabefte nad einem Orte, Ehemahls auch nahen. 

Gr kam zu ihn'n fo nahen, daß er bie Reden ſah. d. Riber 
lungen &ieb. B. 369. 
Daher X von nahen, in der Naͤhe. „Sie war bie einzige, die biefe 
Begebenheit von mahen fah.- Bäche, Wei Einigen lautet ber 
dritte Grad in ber Steigerung mähefle, „Die näbefien Engel,* 
KRiopftod, Die große Wahrheit hat mir das naͤh'ſte Koͤrd ⸗ 
den vertraut. Thaͤmmel. 
Ehemahls aud der mahefte. Des Röniges nabefte Mage — d. 
"Riebelungen Lied. B. 4741, wie aud im erſten Steigerungss 
oxade naher, „Der Held ba jprang bar naher.“ — b. Riebelun: 
gen. B. 6461. Uneigentli. Der Wahrheit nahe, näber fommen, 
bie Wahrheit beinahe auffinden, das Wahre beinahe treffen, Das 
Eömmt ber Wahrheit am naͤchſten. Um ber Sache näher zu kom⸗ 
men, um bad Ausſerweſentliche abzuküͤrzen und auf bie eigentliche 
Sache zu ſprechen wc. zu fommen. Einem etwas nabe legen, nahe 
beingen, es fo bemerftich machen, daß er barauf achten muf, umd in 
engerer Bedeutung, einem etwas auf fo Äberzeugende Art demerklich, 
deutlich machen, daß er es einfehen, daß er nachgeben muß, wie aud, 
ibm fo mertlih und auffallend etwas Grbitterndes, Beleldigendes 
fagen ober thun, daß ex es nicht überfchen kann und zum Unwillen 
und Zorn gereizt wird. Man hat es mir fo nahe gelegt, daß ih es 
werbe,thun mäffen, d. h. man hat es mir fo deutlich, dringend zu 
verfichen gegeben, daß ar. Wenn es einem fo nahe gelegt wirb, fo 
muß man mol ummwillig werben. Im biefem Einne verftcht man im 
D. D. unter naben Reben ſolche, bie bem Andern nahe geben, ihn 
zeijen muͤſſen, welcher Gebrauch aber verwerflich if. So auch, eis 
wen zu nahe treten, ihn kraͤnken, beleidigen, ihm Nachtheil und 
Schaden verurfahen. Gines Ehre zu nahe treten, fle keaͤnken, vers 
mindern. X Eines Ehre zu nahe zeben oder fprchen, nachtheitig 
von ihm fprehen. + Es iſt ihm am mabe gefchehen, d. h. zu viel, 
unrecht. Es gehet mir nahe, d. b. es trifft mein Gemüth, es kraͤnkt, 
fÄnierst, betrübt mid. «Sein Abzug geht mir etwas nah“ Page: 
born. 2) Der Beit nah. Die Beit da es gefäjchen muß iſt mabe, 
ift bald ba, bald gegenwärtig. Der Frühling it nahe, Naͤchſten 
Tages, nähfter Tage, an einem der unmittelbar auf ben gegenwär: 
tigen folgenden Aage, wofüp man aud ganz kurz fagt naͤchſtens 
©. d. IA will ihm mit naͤchſter Port fhreiben, mit her erften bie 
bahim wieder abgehet. „ie muß ja wohl (mol) nahe am ſechig 
Jahren fein", fie muß wol bald ſechzig Jahr att fein. Bellect. 
„Du bift ein Mann, dem Alter näher als der Zugend*, mehr alt 
als jung. Meißner, 


dahe 


Elin Juͤngling naͤherbem Knaben —BR 
Sang dieſe Lieber, Koſegartenz— "iR, 





d. h. dee mehr noch ein Knabe als ein Jüngung war. Er iſt dem Nahen, v. intrs, u. ntr, mit fein, nahe kommen. 


Tede nahe, er wird bald ſterben. Die Gefahr iſt nahe, fie tritt 
bolp ein. Bei nahe, bat, fo dag nicht viel dazu fehlte. S. Beinahe. 
Ach wurde ebemahls und wird zuweilen nodh im gemeinen Beben 
nahe altein für beinahe gebraucht, : . j 
Ich Hätte von feinen Handen 
d. Mibelumgen 8. B. 6424. 
„Ein nabe funfzigfähriger Mann.r. Meißner, (R.) Ich war nahe 
dabei, eine Fhorbeit zu begeben, .d. b. 66 fehlte-niche viel, es wäre 
Beinahe geſchehen, daß ih eime Thotheit beging.'. Setuner ift in bies 


nah genemmen ben grimmigen Tod. 


446 


Din dem Punkte · iſt ſelbit dre Helb cin .Stämpen gegen jebes Mär 


Raheſ 


bemüschen.“ Bean zeleS ternau. 
Hier nahet ſchon dir Schar der unverletzten Helben. Schlegel. 
Jetze dem Bruder genaht. — Bagsseſeunu. 
Die Zeit nahet, gewöhnlicher, nahet heran. Auch als imp. allein 
für ſich. Und es loͤſcht das Licht ber Sterne, 
Und es naht gewitterſchwer. Schiller. 


U} rec. Sich naben, nahe kommen, e 


fer Bedeutung die Verbindung „mit dem Werhältnißworte zu. „Mir | 


bat fies ganz eigens angethan, daß ih mid, ganz nahe zu in einem 
mythologiſchen Falle befinde unb alle Tage fürdte, verwanbelt zu 
werbem* Gothe. Ehemahls fagte man für nah in dieſer Bedeu⸗ 
tung auch nad. 103 r e = 
Rd bin nach Hungere tot. Boners Kabeln. 52. 
3) Berſchiedenen andern Berhäitniffen nah, fo daß mehrere ober alle 
dazwiſchen beſindliche ober gedachte Dinge ausgefhlofen ſind. Gin 
naher Verwandter, mit meiden man nit erft buch mehrere an: 
dere Mittelperfonen verwandt iſt. Mit jemand nahe verwandt fein. 
Ein naber Freund, ein dertrauter. In mähere Verbindung mit 
jemand treten, im -gemauere, engere. Sich näher mit jemand be: 
kannt mahen, genauer, Etwas nähere beftimmen, ' Die naͤchſte Be: 
deutung, bie unmittelbar in dem Worte liegende, die erſte. Die 
naͤchſte Urſache, die unmittelbar vorhergehende. - Der naͤchſte End: 

“ gmwed, der ummittelbare. „Der Menſch kommt niit bes naͤchſten Ans 

Tage ſich Sprache zu bilden in die Welt.» Herder. Jeder iſt fih 
felöft ber naͤchſte, ber ihn am unmittelbarften und am meiften angeht. 
©. der Naͤchſte. Er ift der nächte nach ihm, nad ihm ber erite in der 
Würde, an KAnſehen. Der Perfon des Königes am naͤchſten ſtehen, auch, 
in ſolchen Berhältniffen mit bem Könige ſtehen, daß man ihn Leicht 
ſprechen und auf-ihn eimmirken kann. Ginem nahe kommen, ihm 
aͤhmich fein. 
Farbe ähntidr, faͤlt ins Gelbe. Der naͤchſte Preis, der dem Gier 
Bote, dem Wunſche des Käufersiam nuͤchſten immt, ber miedrigſte, 
gerinafte. X Maͤhern Kaufs, oder näher kann ih es nicht geben, 
v, h. um einen geringern Preis. 

Du kannſt hier naͤhern Kaufs die eble Freiheit Priegen. Ganik. 

X Cs näher geben, von feinen Foberungen, auf, von feinem Wis 

derſtande, feiner Hihe nachlaffen. — Im ©. D. wird mahe gu eis 

nigen anderwaͤrts ungemöbnlihen Bufammenfegungen- gebraudit, 3. 

3. banabern, für baber und bier, definahen, für behhalb. 

. Die Näbe, Mm. —n. ) Die @igenfhaft eines Dinges, ba e# ei: 
Atem audern nabe ifts ohne Mehrzahl, und in Begenfag der Meite, 
Ferne. Die Nähe ber Stadt, des Gartens x. Die Naͤhe ber Beit, 
der Trennung ꝛe. Die Nähe der Verwandtſchaft, Freundſchaft ıc. 
In der eigentlichen Bebeutung zumeiten aud wol bie Nahheit. =) Ein 

“ geringer Atwifhenreum; in Gegenfas von Ferne. Iu der Mähe 
gut fehen können. Etwas in der Naͤhe betrachten. Je mehr ic 

feine Thorheiten in ber Naͤhe fehe, deſte mehr fange id an ihn zu 
haſſen.“ Weiße, 3) Ein naher Ort, eine nahe Gegend, In der 

Mähe wohnen, wicht weit von ung, in ber Rahbarfhaft. 

Biilften aus Mähen und Fernen fih zu. — Sonnenberg. 
2.+ Die Nähe, I. —n, in Schwaben ein plattes Fahrzeug; im 
Yin Mar 3.6. Schmib,. 
© X. Das Nabedabei, o. Umend. u Di. fo viel als bas Beinahe. 
S. d. (Dag’Accessit). G. 

Nahehin, adv. beinahe. Die Geſellſchaft mochte nahebin aus breifig 

Terfontn beſſeben. ’ 

Das Naͤhemaͤdchen, —s, WM. gt.- ein Maͤdchen welches mäbet, ober 

au nähen verfichet, eine Raͤherinn, ſofern fie nod ein Mäbhen ift, 


Selene jagte dern in biefem- Thale, 

Sie naht ſich ihm und fragt: was mahft bu da? Pfeffer, 
„Der Tag nahet fih.- Ebr. 10, 25. 111) O tes. nahe bringen; 
eigentlich und uneigentlig. „Und Unſterblichkeit nahet uns Gott.“ 
Nachtigall. (R) — D. Naben. D. —ung, in ben Zuſam⸗ 
menfegungen, 


Nähen, v. intrs. a. tes. 1) Wermittelt ber Nadel und eines Fabens 


— ⸗ 


D 


zuſammen verbinden, wie auch, auf ſolche Art beazbeiten, ‚hesvors 
bringen. Mühen lernen. Im Nähen unterrichten. Eeinen Nuters 
hatt mit Nähen verbienen. - Hemden, Züher, Kleider näben. Ber: 
sierungen, Zwickel ır. nähen, mit Nabel unb Iwirn ober Seide ıc. 
bervorbringen , ausnägen. In ber Schifferſprache verftcht man uns 
ter nähen auch nur binden, feit Sindenz-s. 8, einen Bot näb 

ober annäben. 2) + In Baieen, auch, prügeln. D. Nähen. D. 


u j 
er Näber, —s, 9. gl. ; die —inn, 94. —en, eine Perſon, wel: 
he naͤhet, und in engerer Bebeutung, welche aus bem Rüben ein 
Seihäft, Gewerbe mat, beſonders eine ſolche weibliche Perfon, wel: 
de nicht fo richtig eine Naͤhtetinn genannt wirb, 


Die Näberei, 9. —en. ı) Das Nähen, die Art und Meife zu nã⸗ 


ben; obne Mehrzahl, befondere im tabeinden Cinne Dann aud, 
bie Kunſt, Geſchicklichkeit zu nähen. =) Eine genäbete Sache, Ars 
beit. Gewoͤhntich fagt man Mähterei, welches weiter nichts als leih- 
tere Aussprache für ſich bat. 


Der Naͤherkauf, —cd, 4. u. f. Naͤherrecht. 


Diele Farbe koͤmmt ber gelben nahe, iſt der gelben Maͤhern, vw. 1) tre⸗ näher bringen. Einem etwas nähern. ‚Dad Bud 


bem Auge näbern. f 

Wie von der Fackel ber Zaun aufflammt, bie ber Wanderer foralog 

Mäberte, oder vielleicht in dbämmernder Früge binwegwarf. Voß. 
U) rec, Sich nähern, näber fommen. Er näherte ſich fardhtfam, 
Die Zeit, dee Frühling ac. naͤhert ſich. Sich der Beulksmmenteit 
nähern. Sowel als trs. als and) als rec. wird es gemeinialih für 
naben, nahe bringen und nabe fommen, woven man es aber unterfchei: 
den ſollte, gebraucht. Eberharbinimmt an, daß näher, von welchem 
nähern gebülbet iſt, nur cine Entfernung.angeige, die bloß vergleis 
chungsweiſe geringer als eine vorhergehende ift, nicht ala eine Dar: 
herge hende tie [how nabe war, fo daß nähern nad ibm weniger iſt 
als nahen. Er fagt: „Ein Ding nähere ſich einem andern, wenn bie 
Entfernung zwiſchen beiden überhaupt verminbert wird, in welchem 
Grabe ds auch fein mag; fie naben ſich einander, wenn fie bis zur 


‚Beiniten Entfernung überhaupt ober zu berjenigen Keinften zu ges 


D 


N 


langen fuhen, im welcher fie binlänglid auf einander wirken En: 
nen — D. Naͤhern. D. ung. 

as Näberrecht, —s, Fu. u. basienige Rechteverhaͤltniß, in wel: 
dem jemand ein näheres Recht auf eine Sache bei beren Verkaufe 
bat, aid ein Anderer, - und nad weldem er bei bemfelben Gebot auf 
biefe Sache das Vorrecht vor Aubern hat, aud fie, wenn fie ſchen 
verkauft morben ift, für diefes Geld zucht erhalten Fann; ber Vor: 
kauf, Näberkiuf, der Einftund, das Einffandsreht, im O. D, 
auch die Mähergeltung, das Naͤhergeltungsrecht, der + Kaufzug, 
Astrieb, das Abtriebigeld, das Vorgeld, das Zugrecht, die Loͤſung, 
das Geſpilde (Jus retractus). ! ; 
abefäulig, adj. w, ady. in der Vaukunſt, vom ben Säulen in Xnfe: 
bung ihrer Entfernung von einander, 6’ Model von einander ent: 


# Nahez u 


ent et Mach Ad. wirde in berfelben! Bedeutung — 
ſcoͤnfutig gebraucht allein biefe Wörter ſouten = nabefdutig 

© wicht hätt Hebrakkhtmwerbih. - Mehefältig efäutig 

fine alle Fünf Saͤulenorduumgen fein, er Me Säftniffe 

‘ad bis vur Häplichften Übertreißting VErNähe und Ferne der Säulen 

von einander, Feinſaͤulig wärden nur'dle drei ſchlankeren DOrbnuns 

gen, die Ionifche, Korinrhifhe und Römifche zu nennen feln in Ver: 
gleichung mit den beiden dickſauligen, der Doriſchen und Toskanifchen ; 
fhönfänlig aber eine’ Ordnung nur bin; wenn fowol die-Werhält: 
niffe ber Säulen, Frieſe und Gebälte- san Ind unter fih ſelbſt, als 
ihe Aöftand- von’ einander, Amn Gebäube, welches — ttagen — ie: 

ren follen, angemeffen find & s 

FNabeyu,adv. im O. D. ziemlich, „Daß fie entmeber ep ins Mu: 
ſter einer guten Hausfrau darftellen, ober als Jungfraw leben u 
fterben wirb.« Wieland. 

Das Nähgern, —es, Di. —e, Garn, damit zu nähen. Xuf den 
Schiffen verfteht man darunter das bännfte Garn, welches zweidräh⸗ 
tig iſt und jum Nähen der Segel gebraucht wirb; zum Unterſchiede 
vom Kardusgarn, Segelgarn x 

Die Nahbeit, 0. 2%. f. Nähe ı 

Der Ri htaflen, 4, . gi. "a; das Mäptäftchen, ein Kaften 
ober Kaͤſtchen, welcher, welches die zum Nähen nöthigen Geräth— 
ſchaften enthält ober aufzunehmen beftimmt ift, 

Das Nähfiffen, —s, 4. gt.; Bio. das Nähtifchen, O. D. —lein, 
ein Kiffen oder Kißchen, welches bie Näherinnen vor ſich binlegen 
oder anfhrauben, um basjerfige was ober woran: fie nahen mit einer 
Rabdel daran feſt zu ſtecken. 

Der Naͤhkloben, —6, Why. al. bei den Waters, ein Higernes Bert: 
zeug, womit fie bie helle, welche sufammengenähet werben follen, 
auf dem Knie jufammenhalten; auch das Naͤhbtett. 

Der Nähtorb, —es, My. — koͤrbez Bio. das Naͤhkoͤrbchen, ein Mei 
ner Korb, in welhem Frauenzimmer ihr Naͤhzeng haben. 

Die Naͤhkunſt, 9. u. die Kunft zu nähen, befonders mit Hülfe ber 
Rabel allerlei fünfllihe Verzierungen oder Rahbildungen hervorzus 
bringen; X die Mäherei. 

+ Nählen, v. intrs. f. Nuſchen. . 
+DerNäbling, —es, 34. —e, fo vieläwirn, als man auf Ciumahl 
einfäbelt; der Nadling. J dppei 
Der Nahme undbie bavon abgeleiteten und damit zufammengefeäteh Wör: 

ter Mamere. Ein anderes ift die Nahme in Abnahme, Aufnabmere. 

Die Nähnabel, 34. — n, eine geglättete flählerne ſpidige Radel mit 
einem Öhe am andern Ende, welche zum Nähen dient; zum Unter 
fhiede von Stecknadel, Hiarnädel ıc. In der Raturbefhreibung 
führt ein Thurmhorn, eine Art Frompetenfhneten ober Kinfhörner 
in Dftindien mit verboppelten Gewinden ben Namen Nähnadel 
(Buceihum duplientum L ); aud Stahlnadel. 

Das Nähpult, —ed, 3. —e, ein Pl. mit einem Kiffen ; werah 
die Sacht, am welcher man nÄäbet, mit: einer Radel befeftiget wird, 
und in beffen innern Kaum allerlei zum Raͤhen erfoderllche Dinge 
verwahrt werden um bei der Band zu fein. 

4* Die Nahr, e. 9. ebemahls für Nahrung. - ; 

Der Naͤhrahm, —es, By: —e; oder der Raͤhrahmen, —«, m; gt. 
ein Rahm ode: Rahmen, in welchem basienige'mas genähet, d.h. 
audgenaͤhet ·ODder geſtickt werde ſoll, gefpahkt led. 

Nähren, Rahren, vi’T) ner. mit haben, viel folder Thelle emthatten, 

‘+ melde im thlerifhjen Körner vertanet leicht in Blur und@äfte übers 

gehen, und zum Wachtthum oder zum ‚Eräftigen®efteben des Körpers 
dienem Manche Speiſen naͤhten ſchlecht, andere gut. Zuweilen auch 
mit der Füguung eines tra. Die Milchſpeiſen haben ihn gut genähs 
ret, Tiytrs. 3) Die nöthigen Wabrängsmittel zur Erbaltung des 
&rbens gewähren, verſchaſſen. Er n'brete ibn mit ‚ben Früchten 
des Relbes:- FMof. 52, 15. In bäuclier Stille von unferer 
"Arbeit genÄhrt =" Grpner, 


* 


447 


© Das Nührgefhäft, —es, 94. —t. 


Sich naͤhrtn, ſich die nöthigen Rah⸗ 


MNahtt 


rungsmittel und äberhagpt feinen unterhalt verfhaffen, fein.Leben 
erhalten. Sſch #rbärmNcd, kümmertich naͤhren. Sich durch feir 
net Bände Arbeit, ſich mit Weben, Nähen ac., ſich vom Unter: 
‘richten Anderer'nähren, X Sleibe inw Lande und mähre did; xeb+ 
lid. Im O. D. auch mit dem zweiten Kalle der Sache. „Sich fet: 
"mer Hände Arbeit naͤhren.“ Pf 123, 2. -sSic; Betteins rühren“, 
durch dasjenige was mian erbettelt. Opiz. ©. aud Ernähren, wel: 
Ges faft gewöhnlicher it. Im engerer Bedeutung, Speife, Nahrung; 
* geben, reihen; wie auch, als gewöhnliche Nahrung barreihen. „Du 

« nähreft: dein Bott mit Engelfpeife« Wetsh. ı6, so. Sich von 
ober mit groben Speifen währen, fih grober Speiſen zu feiner Nah: 
rung bedienen, ' Umeidentti, unterhalten, in bemfelben duſtände, 

demfelben Grabe’ der Stärke ac. erhalten, ober auch, den. Grad ber 
Stärke erhöhen, vermehren. - Man muß Alles vermeiden, was bie 
Leidenſchaften nähren kann, Ein Feuer nähren, «6 — 
"elgenttich und uneigentlich. 

Und in der Grazien zücht'gem Gchleler, 

Naͤhren fie (die Frauen), wachſam das ewige Feuer 

Schöner Gefuͤhle mit heiliger Hand, Schiller. 
Den Geil, den Werftand mähren, ihm gleichſam Nahrung schen, 
d. h. Stoff, Belegenheit ſich zu üben und auszubilden und neue Er⸗ 
tenntniffe zu fammeln. 27. %% Befbüten, fhüten. 

Mid muos ein piderman neren. Imwain 3,522. 
D. Nähen. D. —ung. S. aud die Nahrung. 

Der Nährer, —6, Dh. gl.; die —inn, By..—en ‚eine Perfon, 
welche eine andere. nährer, ihr Rahrung, Unterhalt giebt oder ver⸗ 
fhafft ; der Ernährer, die Ernährerinn. Uneigentlich auch von Gar 
den, welche Mabrung gewähren, —⸗ „Die Erbe ihre 
Mutter und NMährerinn.« Herber, 

Ida erreichten fie nun, ben quelligen Nährer bes Wildes. Bo. 

ı) Ein Geihäft, eine Bes 
fdäftigung, woburd man ſich Mahrung, Unterhalt verfhaftt. =) Das 
tbierifche Geſchaͤſt des Nährens, bie thieriſche Berrihtung bes Koͤr⸗ 
per& ba er bie empfangene Rahrung zu feinem Gedeiben und Wachs- 
thume verwendet und verwanbelt (Nutriffonsprocelr, Nutrition). C. 

Rahrhaft, —er, —efle, adj.u.adv. 1) Rährend, d.h. eine Nahrung, 
oder wie es ehemahls hieß, Nahe abgebend, gewährend, viele näbs 

vrenbe Theile enthaltend; Mahrbafte Speiten. „Der rothe Klee, A 
ſehr nahrhaft.“ Funke. (M.) Im weiterer Bedeutung, + fett, 
— Bängt. Den Boden mit Mift nahrhaft maden, ibn düngen und bar 
durch ergiebig machen. 2) + Bemuht fi zu naͤhren, fih eg 
su verihaffen, nahrſam. Ein nahrbafter Menic, Ort, Erwerbiwei - 

+ Nahrhaftig, —er, —fie, adv. u. adj. fo viel als nahrhaft. 
von-bie Nahrhaftigkeit/ 0. 94. die Eigenfhaft eines — RX 
—— einet· Speiſe, ba fig mahrbaft iſt. 

Der Maͤhriemen, —s Mr gl. bei ben Sattisrp, fümale un ann 
Riemen, damit zu nähen. 

+ Näbrig, adj. m. adv im M. D. erwerbfam, 

Der Nähring, —eb, Br. —e, ein Fingerring ober Meif, dergleichen 
fih die Schneider bedienen, die Raͤhnadel am hinten Ende fortjus 

3 bräden und ſich das Mäben dadurch zu erleichtern. 

O Die Mahrkraft, Sp. —kraͤfte, die Kraft zu mähren, welche nahr⸗ 
‚hafte Speifen befisenis. fonft auch Nahrungskcaft. 

Naͤhrlich —er, —fle, adj. u. adv, 1) Nährend, Nahrung, Unterhalt 

1. gewährend; sEr ward von feinem Amte entfernt, befam aber aulest 
doch wieder eine mährlihe Steille.- Jen. Lit. 3eitung. (R.) 
2) X Gerade nur fo viel ober fo befchaffen, daß es zur Rabrung, 
sur Rothburft hinteicht. Es reiht naͤhrlich zu, ift gerade nur zur 
Rotbdurft hinzeihend. - Ein mährlicher Mann, ber fi mühſam, 
motbbärftig nähret: Häufig wird es in weiterer Bedeutung für 
"bürftig, Lümmertih, gering gebraucht. Sich naͤttlich behelfen, Eümz 
merlich. Mährliche Seiten, — FERN Naͤhrlich genug 
haben, faum genug haben, 


— 


Naͤhrl 


obgleich non ſern 
Der große Lama biitzt, und naͤhrlich bie Vpgmen 
Des Dorfes wiber ſte mit Macht zu Felde ziehen, AL. Shmibtr 
Davon die Mährlidjkeit, o. My. die Befhaffenpeit einer Sacht, da 
fie naͤbrlich iſt. 

OÖ Der Naͤhrling, —s, 9. —e, ein Rind, ein junger Meuſch, 
ben man groß zichet und erjichet (Alummus). Deynag. 

Nahrlos, —er, —fte, adj. u. ade, 1) Keine Nahrung gebend, ge⸗ 
während, keine Nährkraft befitend. Wahriofe Eprifen. a) Der 
Nahrung, d. dh: des Erwerbes, des Unterhaites und ber Gelegenheit 
dazu beraubt. Ein nahrlofer Ort, an welgem keine Nahrung ift, 
d. b. an welchem man nit mis Zeichtigkeit fh Nahrung oder In: 
terhalt verfhaffen fann. Mahriofe Zeiten, in welchen man ih nur 
mit Mäte Rahrung verfhaffen kann, i 

Die Nabrlofigkeit, o. 2. die Eigenfhaft, Beſchaſſendeit eines Din 
ges, ba es mabrlos If, wie auch ber Buftand, da man ſich nur mit 
Mühe Nahrung ober Unterhalt verfhaffen fann, Die Nahrlofigkeit 
eines Ortes, Die Nahrloſigkeit ber gegenwärtigen Zeit. 

Das Näbrmittel, —E, Di gl. ein Mittel der Währung, b. h. ber 
Grhaltung bes Bebens, ein Mittel fh zu nähren, bergleihen befon: 
bers Speifen und Getränke find; gewöhnliher aber nicht beffer, 
Mahrungsmittel, M. Aramers Deutid. Ital, ib, Man würde 
dafür beffer Nahrmittel fagen, von dem veralteten Naher, Rahrung. 

O Die Nährmutter, 94. — muͤttet, f. Nährvater, 

O Der Rahrfaft, —es, 9. —fäfte, der aus ben genoffenen Rah: 
mitteln im Magen bereitete Saft, welcher eigentlih zur Rährung 
ober Erhaltung des Körpers dient und wegen Ähnlichkeit mit der 
Mit auch Milchſaft gemannt wird (Chylus); gewoͤhnlicher aber 
nit beffer, Nabrungsfaft. 

Nahrſam, —er, — ſte, adj. u. adr. 1) Nahrung und zwar, vorzlgs 
tihe Raheung gewaͤhrend, gut mährend; fetten, gemöhnliher nabes 
haft. 2) Die Nahrung, die Verſchaffung des Unterhalteo begünfti: 
gend, erleihteend. Gin mabrfamer Ort (R.), wo man leicht feine 
Nahrung finden, erwerben kaunz gleichfalls ungemöhntig. 5) Um 
feine Rahrung, feinen Unterhalt bemüht, Fin nahrſamer Menſch. 
Davon bie Nahrfamkeit, 0. 3%. (8.), bie Eigenfhaft einer Perfom, 
und bie Befhaffenheit eines Dinges, ba fie, es nahrfam if. 

Der Näbrftand, —es, o. 9. berienige Stand unter ben Menfchen, 
und biefe ihn ausmachenden Menfhen feibft, welche Gh vorzäglid 
mit Ermwerbung ber Nahrung oder bes Interhaltes auch für Anbere 
befäftigen, wozu befonders alle Handwerker, Aderbauer ic. gebd: 
sen; Im Gegenfag vom Behrflande und zum Unterfiebe vom Lehr: 
und Wehrftande. Der Wehrſtand foll leben! 

Der Naͤhrſtand fol geben! Gäilfer. 

O Der Nahrftoff, —es, 9. —e, der naͤhrende Stoff in den Rahr: 
mitteln, welcher eigentlich basjenige ift, was den Körper näbret; 
in weiterer Bedeutung, Rahrmittel. Auch, doch nicht beifer, Mabr 
rungeſtoff. 

Die Nahrung, 94. —en. 1) Dasienige was nähret, was ben Koͤre 
per eigentlich erhält und ſtaͤrkt; der Nahrſtoff, ehemahls bie Mahr. 
Mitch giebt viele und gute Mahrung. Der Abgang vom Körper 
muß buch neue Mahrung erfent werben, In weiterer Bebeutung, 
ein geniefbarer Körper, welcher nährenbe Thelle ober Mahrftoff ent: 
pätt, ein Nahrmittel, dergleichen Epeife und Getränke find. Dem 
Körper die gehörige Mahrung geben, Ich will bir Kleiber und 
beine Nahrung geben.“ Richt. ı7, ı0. Das Wich finbet auf den 
bärren Wiefen wenig Nahtung. In neh weiterem Sinne, Alles 
mas zur Erhaltung bes Erbens, nicht bloß durch Eſſen and Trinken, 
dienet, mötbig ift; ehne Mehrzahl. Weiner Nahrung nachgehen, 
fih feinen Unterhalt, Alles was zur Erhaltung bes Lebens nöthig 
if, zu verfhaffen ſuchen. Einem feine Mahrung entziehen, bie 

Wittel fi zu naͤhren, feinen Unterhalt zu verfhaffen, „Kein Kriegt» 
mann flicht fh in bie Händel der Nahrung. > Kim. =, 4. unel⸗ 


J 


48 _ 


Nahru 


> genttich bazeichnet Nahrung Alles, was bie Fortbauer eines Dinges 
oder Zuſtandes bewirkt, mie auch das Gedeihen einer Sache, ihr 
Bahsthum, die Bermehrung ihrer Kraft, Staͤrke befoͤrdert. Dem 
Bener Nahrung geben, brennbare Körper in baffelde legen und 6 
dadutch unterhalten. Nahtung für bie Wiſbeglerde. „Erfte Mabs 
zung für den gefunden Wenfhenzerftand von Ihiemee „Die un: 
nugen Echäge bes Gebächtnifies in Mabrungen bes Geiſtes verman« 
dein, Leifing. (R.), »Das Derz wich in der Wohlfahrt der An— 
bern die Nahrung feiner Freude finden.“ Gellert. =) Alle bieje: 
nigen Mittel, woburch man fih Rahrung und Unterhalt verſchafft, 
jufammengenommen, bas Gewerbe. Mahrung treiben, gewifie zus 
fammengebörende Geſchoͤſte, wobuph man fih Rahrung ober Unter: 
halt nerfhafft, treiben, ein Gewerbe, „Mas ift eure Rahrung ?« 
wobusch nähret ihr euch? ı Mof. 46, 33. Gute Nahrung haben, 
burd Anwendung jener Mittel gut genäbet werben, fein gutes Kuss 
fommen haben, auch, guten Berdienſt oder Erwerb haben; mobel 
denn au auf günftige bazu mitwirfende Umflände Rüdfiht genom« 
men wird. Die Nahrung gehet ſchlecht. Es ift keine Mahrung 
unter ben Leuten, es fehlet ihnen an Mitteln und Gelegenheit fi 
Rahrung ober Unterhalt zu verfäaffen. 3) (Fin Ding, ein Zefie, 
mit melden die Mittet zur Nahrung ober zum Unterhalt verbunden 
find. &o nennt man 3. B. ein Befisthum an liegenden Gründen, 
aus melden man feinen Unterhait jichrt, eine Nahrung, wie aud 
ein Haus, mit weichem gewifle Gerechtigkeiten zu bürgerlichen Ber 
werben verbunden find, &, Braunahrung, Schenknahrung ıc. 

Nahrungslos, —er, —efle, adj. u. adv. ter Nahrung, der Mittel 
fid zu ernähren beraubt, Nahrungeleſe Zeiten. Tavon die Nah: 
eungslofigkeit. 

O Der Nahrungsfleiß, —es, 0. 9. ber Aleiß meiden man anwen 
det ih Nahrung zu verfhaffen, oder melden man in jeiner Rab: 
rung, b, h. in feinem Bewerbe anmwenbrt, baffeibe immer mehr zu ver 
volfommnen unb ergiebiger zu mahen (Industrie). Den Nah— 
eungefleiß beförbern, 

Das Nabrungdgeld, — es, —er. 1) Geld, weiches zur Mahrung, 
sum Unterhalt, beftimmt ift, verwendet wird, 2) Ein Geld, eine 
Steuer, welche von ben Rabrmitteln aller Art entrichtet wird; ber 
fer, bie Nahrungsſte uer (Comsumtionsfteuer). 5) Gin Gelb, eine 
Abgabe, welche von ber Rabrung, d. b. dem Gewerbe entrichtet wird; 
beſſer, bie Nahrungfteuer, die Gewerbeſteuer, das Gewerbegeld 
(Patentfleuer). 

Die —— dad Nahrungsmittel, ſ. Nahrkraft, Nahr- 
mittel. 

Der Nahrungsmangel, —$, o. My. der Mangel an Rahrung. 

A Nahrungfproffend, adj. u. adv. Rahrung hervorſproſſen Laffend, 
ernährend. 

— und fierblihen Menſchen auf nabrungfproffender Erbe. Boß. 

4 Die Nahrungsquelle, 3. —n, eine Duelle der Nahrung, d. $. 
eine Eadhe, ober auch eine Berbindung von Umfländen, welche Nah: 
rung, Unterhalt gewährt ober bie Berihaffung deſſelben beguͤnſtigtt. 
„Das Rennthier ift die reichſte Mahrungsquelle des Eappländers.* 
Funke. (R.). Der Handel, ber Kderbau ic. ift für bie Bewohner 
eine erglebige Nahrungsquelle. Kürger, bie Nahrquelle. 

Der Rabrungdfaft, f. Nahrſaft. 

Die Nahrungsforge, By. — n, die Sorge, bie Werlegenpeit, in wel: 
der man fi wegen feiner Nahrung ober feines Unterhaltes befindet, 
indem man bie Mittel dazu nicht mehr hat ober balb nicht. mehr zw 
haben fürdtet. Mabrungsforgen haben. 

Die Nahrungsfteuer, 94. —n, f. Nahrungsgelb =) u. 3). 

Der Nahrungsftoff, f. Rabrftoff. 

© Die Nabrungsvorfchrift, By. —en, eine Werfäeift, melde ber 
Arzt einem Kranten in Anjchung feiner Rahrung, der zu genichenben 
S:peifen unb Getränke macht (diaetetifche Berihrift, Regime). ©. 

O Die Rahrungdwaare, 4. —n, Nahrung oder Rapemistel, als 


Naͤhrv 


Baare betrachtet Vietualien). Brantweia und andere Nahrungs: 
maaren.“ Geiſt d. Sourn. (R.). 3 

Der Nährvater, —s, 39. — väter, ein näßreüber Water, wie auch, 
eine Perfon, melde wie ein Water für Naprafg and Unterhalt forgt, 
der Pflegevater. M. Kramer, „Der Drud ift männtih (männits 
ches Geſchlechte) und oft Haustyrann ber erſten (bee-pflicht , des 
smeiten (des Mechts) Mährvatere Benzel:Sternau. ben fo 


ann man von einer ſolchen weiblichen Perſon Mährmutter gebtauchen. 


Nabfäulig, f. Naheſäutig. 
Die Naͤhſchule, Di. —n, rine Schule, Unterriöätsanftalt, worin Mäd: 
Gen im Nähen unterrichtet werben. a e 
Die Näbfeide, ©. 24. Seide dümif zu nähen, beſonders zu biefem 
Behuf gezwirnte Seide. 

Die Nähftunde, 84. —n, eine unterrichtoſtunde, in welder bas Rd: 
ben gelehrk, gelernt wird. " 

Die u or. Nähte. 


—* andere 
ſedung 


Die verborgene Naht; eine Art zu nähen, deren man fid deim Kuss 
Ritfenbebient und wo bie“ Stiche sbehlg oder gar nicht zu fehen find. 
=) Der Drt, we jöti Stüde verimibteit Mader und Zwirn, und in 
weiterer Bedentung, auch af andere Art zufammengefügt worden 
find, Die Mähte bügeln, Mopfen. * Die Naht ift aufgeplagt, das 
tleld iin der Naht geplatzt, an einer ber Stellen, wo die Theile 
deffelben zufimmensenähet‘ find. * Die Nähte aufttennen.‘ Beiben 


ſchlechte Maht nähen: "Wefombers in den Zufanmen 


Segeln ift eine platte Naht eine folhe, mo bie Kanten ber Mfeiden 


der Segel ungefähr einen Bol breit Aber einänder Hegen; iſt biefe 


in ber Mitte noch eimmaht durchgenähet, fo heißt fie durchgenaͤhte 


Maht (Bois. Papenaad), Röding. Uneigentlich fagt man im 


N. D. X auf die Naht greifen, aus der Näht Hauben, nämid ber ’ 


Gelbtaſche, das lehte Gelb aus dem Taſchen zufammenfuhen. Daher 
bielleiht: X einem auf die Naht fühlen, ibn ausforſchen, wie auf, 
auf bie Probe ftellen. In weiterer Bedeutung, ber Ort, wo zwei 
heile mit einander verbunden find, an einander ftoßen, fo daß bies 
buch eine Spur bemerklich ift. So teißt bie Fuge zwiſchen zwei 
Planten an den Schiffen, wo fle in der Länge Jufammenftoßen, und in 
melde, um fie dicht zit machen, mit Gewalt Werg getrieben wirb; bie 
Naht. Offen heißt fie, wenn durch das Schlingetn Bes Schiffes das 
Merg aus derſelben herausgegangen M. Auch die Spalten, melde 
ſich zwiſchen den Brettern einer Schleuſe ıe. befinden, werben Nähte 
genannt. Im Wafferbaue führt aud der Ort, wo bie Beſedung von 
swei Deihpfändern, wenn fie nicht in Einem fortläuft, sufammenftößt, 
pen Ramen Naht. So ift ferner bei den Bleharbeitern die Naht 
derjenige Drt, wo amei Städt Blech zufammengenietet find, An eis 


nem Flintentohre ift die Naht bie Stelle länas dem Rohre, wo daſ⸗ 


ſelbe auf dem Dorn zuſammengeſchweigt wird. Beſonders verfteht 
man in ber Ferglieberungskunft unter Naht diejenige Verbindung 
von Knochen, ba fie mit ihren ausgesarften Rändern genau in einan: 
ber greifen, wie bie Schaͤdelknochen (Sutura), mo fle entweber ge: 
sahnt (demtata), zadig ober fägeförmig (serrata), fhippenartig 
(squamosa), zackig in einander greifend unb ſchuppig zugleich (lim- 
hose), ober meift gerade, nur mit wenigen Krämmungen in eihan: 
der paffenb ift (harmonis), In biefen Fällen heißt fie eine währe 
Naht, falſche Maht hingegen, wenn bie Ränder nur Aber einänber 
gehen. ©. Arammabt, Pfeilnaht, Winkelnaht. Die Näbt am 
Sodenſacke (Aaphe),ift einne merkliche Kalte in ber Mitte deſſelben, 
melde bie Scheidewand bes Hobenfades von außen bejeihnet. Sn 
ber Pflangentehre ift bie Maht eine tiefe Furche, melde fih aufen 
an ber Haut einer Kapfel zeigt (Sutara), Auch bie Striche, welche 
bie Haare kurzhaariger Thiere, wo fie gegen einander laufen, bilden, 
werben Mähte genannt. > 
Die Nahteidechfe, 94. —n, eine Art Eibechſen in Sübamerifa um 
* . Inbiew (Lacerta tegüitiv). Remmid, £ 
Gampe's Wörterb. 3. Th. 


449 


1) Die Art und Welſe zu nähen. Eine ' 
I Haudnatt; Steppnaht, Schneidernaht, Schuſternaht ꝛc. 


Name 


Die Nähteret, die Naͤtherinn, fi Möterel, Maͤhettan. u 
Der Nabtbafen, —6, 3. gi. ı) Bei den Kücfhnerm, ein Merkirug, 
" wie eine Melde Zange, «die Enden der Felle am bie Raht herbelzu⸗ 

' ziehen, um fie ohne baf Runzeln entſtehen ufammenjunähen. 2) Im 
Schiffbaue iſt der Nahthaken ein Haken am einem Stiefe, bei dem 
Kalfatern bas alte Werg aus ben Schiffänahten zu reißen. : 

+ Näbtern , v. intrs, in ©. &, nähen, befonbers fi durch Mäherel, 
Nähen feinen Unterhatt: verfhaffen. R! Che nähtert. D. Nähten. 

O Naͤhtig, adyl d. adv. eine-Maht oder Nähte habend, in den Zufam: 
menfesungen tinnähtig, zweinäthig, 4. B. folde Stiefel, R. 

Die Nahtnadel, 9. —n, eint-MNähnabel. In der Shifferfprage 
iſt bie’ Nahtnadel eine ſolche grofe und breledige Nabel, Segeinäbel, 
ie weldjer die Nähte ber unteren Segel genaͤhet werben. Nöding. 

+ Die Naftprefenning, 94. —en, in der Schifferſprache, lange Strei⸗ 
fen- Prefenning, melde zuweilen nod über bie kalfaterten Mähte 
geſpikert werden, damit das Werg nicht herausgehe. Röbing. 

-Der Naͤhzwirn, —6, My. von mehrern Arten —e, Zwien fofern er 
damit zie nähen dienet. 1 ' Abd, 

Das Naͤhzeug, es, 8. ie 1) Alles was zum Nähen erföbertih 
if) Seferders ein Stüd,- eine Arbeit woran man nähert, =) Ein 
Geraͤth Behättuig- niit den zum Nähen nökhigen Werkzeugen, ©. 
Naͤhkaſten, Naͤhpult. 

Der Name, —ns, S. —n, ein Wort, ein Laut, womit man ein 

Ding feinen Merkmahlen und Unterſcheidungézeichen nah beſouders 

für das Behör bezeichnet, fo daß man ſich bei bemfelben fogteih das 

Ding felbft vorſteilt. So find die Wörter Menfh, Shiet, Pflanze, 

Baur, Stein, Seete ic. Namen, und zwar allgemeine Namen, 

weil ſie ganze Maffen und Geſchlechter von Gegenſtänden brzeichnen; 

"gm üunterſchiede don den befondern, eigenen Namen oder Eigen: 
namen?‘ „Des Moenſch, der feinen Schöpfer zu kennen vorgiebt und 
doch nichts gegen (für) ihn fühle, werbient ben Namen bed Menfhen 
nicht.“ @ellert, „Da nennt man doch eim Verbrechen bei feinem 
zehten Namen.“ Weiße. X Das Ding muß doch einen Namen 
haben, es muß doch als-basjenige, wofür es angefeben, genommen 
werben ſoll bezeichnet werden?‘ &. auch Amtenume, Ehrenname. 
In weiterer Bedeutung. verſteht man zuwellen unter Mante über: 
haupt jebes Wort, mwoburd die Unterfheldungsseihen eines Dinges 
angedeutet werden, So nannte Wolf die Bellegungswörter zufaͤl⸗ 
lige Namen, bie Grundwoͤrter aber weſentliche Namen, felbfiflän: 
dige Mamen; bei Andern Hauptnamen. Im engerer und gewühne 
licher Bedeutung it der Name ein Wort, welches ein einzelnes 
Ding von allen andern Dingen unterfeibet und ihm allein zutömmt, 
3. 8: Deutfchland, Schlefien, der Harz, der Broden, die Der, 
Brieg, Ernft, Berner ze., weiche Namen man eigene, rigenthlms 

uche Namen, Eigennamen nennt. Ginem Rinde, Drte, Dinge 
einen Namen geben. Einen mit Namen, bei feitem Namen nen: 
nen, vufen. Den Mamen verändern. Einen fremben Namen ah: 
nehmen. Unter fremdem Namen reifen, um unbelannt zu bleiben 
(ineognito reifen). @inen bem Namen nah kennen, nichts weiter 
» von ibm wiffen als wie er beißt. Gin Mann, mit Namen Veit. 
Wie If; wie lautet Ihr Mame? ıdie heißen Sie? „Fühle, wie mir 
bei feinem Namen bas Herz fhlägt,“ d. h. wenn er genannt wirb 
und ih an ihn denke. Weite Beinen Namen’ unterfhreisen, 
S Geſchlechtaname, Taufname, Vorname, Zuname, Beiname, 
Uneigentti gebraucht nan Mame ı) entgegengeſetzt der Sache, der 
Wirklichkeit, der That ſelbſt, von etwas, das damit nichts gemein 
bat als den Namen, ch es gleich das Wefentlihe damit gemeın bar 
ben sl, Sich unter dem Mamen eines Freundes bei jemanb eins 
ſchmeicheln, indem man fi für feinen Freund ausalebt, ſich feinen 
Freund nennt. »Etlihe find imit. dem Namen und nicht ber That 
nad Freunde. Eiri 57, 1. S. Namenkriſt. +) Für Anſehen. 
Seinen Namen zu etwae hergeben, etwas unter feinem Ramen, auf 
fein Anfehen geſchehen, thau daffem, .Auf eines Matten börgen, 


57 


Name 4 


Säutben maden; rauf einehdindenm-Infehkir, Imbem san ihn, ige 
Auv Denneg und zu fagen bequcht, dad mar es. für ihn verfanges nm 
„098 Berlangte zu, befommen. Ich, wag den Namen: wicht haben, 
daß es von mir berfömmt, id mag nicht das Anſe han ‚haben;, mag 
iqt von mit Tagen laſſen, daß ac. ‚Dann, das urthell Auderer über 

unſern ittlihen.oder bürgerlichen Werth, befonders ein ſolches Bf: 
fentliches urtheilz der Ruf. Einen großen, berühmsen Namen bar 
ben, hinterlaſſen. Si einen berühmten, unfterblichen Namen ma« 
‚Sen. Auf einen ehrlichen Namen. baiten, auf den Ruf ber. Ehre 
litrit. Seinen guten. Damen erhalten, getten. ‚Eines guten Na- 
., men kraͤnken, beleidigen. Ginen-um feinen ehrlichen Mamen bvins 

gen. Suche in Geldgefhäften deinen guten Namen (Credir), feit 

4u gründen.“ G, Ungewöhnlich ift der Gebrauch des Wortes Name 

für. Kubm, meiden ein berühmter Rame x, glebt. Einfaͤttig im 

Bortrage, natürlich in der Ausführung und erhaben in dem Shitbes 


12 


zungen find Me (Minkeimanns: Schriften) Werke der Unfterblihkeit . 


würdig, find, der Mag unfers Iapıhugdertge Herden, 8). Für 


Perion ſetbſt. So nannte man ebemabls die fonenannten drei Pers 


a ‚Ionen. in der Mottheit die drei Namen. So fteht in der Bibel ker 
ame Gottes oft für Gott feibft-., So gebramdt man im’ Henne: 

. bergfhen ‚auf dem Lande auh Mannsnaime und ;Weipername, > für 
MRoannsperfon und Meibsperfon. „Ihren Mamen- vertitgeft dir" b. 
d. fie feisft. Pf. 9, 6, „Mein Schwager weigert ſich, feinem Bens 
der einen Namen zu eriweden," Madkommen zu erzeugen. 5 Mof. 
25, 7. Ein Feind des Eriflihen Namens, d..h. der Kriften, alles 
defien was Keik ik,umd.heißt.  Dicher geböven and bie Kusbrüdte, 
‚in jenjandes Namen, an feiner Statt, füs ihn. 36 iade Sie in 
feinem, Namen ,ein, an feiner Statt, auf-fein Beheiß 16. 
selommen. in meines Baters Namen.“ Zah 3,45. Im Namen 


460 


* Ati, ifte.(de 


Der Nameuheld, —tüy 


Ih bin - 


* 


Raneit 


jtio nominalis) Kanfz ‚in Gegenſatz ber- $adh- 
ie Erklärung eines Gigennamens, 


* 


erklärung. =) 


De Ramsaf urſt, en, Big. —en, ein Fuͤrſt, der es nur dem Na⸗ 
— 1 — 


a nach ik, der aur ben Namen eines Fürſten führt. Stieler 
So aud, der Namenkaifer, Namenkönig. 
Der Namengeber, —s, WB}. al; die —inn, 34. —en, eine Pre 


ſon, eie einer andern oder einer Sache ben Namen giebt. „Torone war 
- Napengeverinn bey Etadt Torone.r,gunke. (R.), Namengeber 


einer Handlung fünn derjenige von einer Handelsgefehfhaft genannt 
werden, unter, beffen Namen bie Handlung geführt wirb (Gompli- 
mentarius). GEatel hat bafür unpapiig Namenführer angefept. 

Die Namengebung, MM, —en, ‚tie Gebung eines -Mamene. 
Herber. “u 

O Das Namengediht, —es, By. —e, ein Gedicht, deſſen An 
fangsbuchſtaben von jeber Zeile oder jedem Berfe zufammengeiefen 
einen Ramen geben (Acrostighon). Gatel. ®.,Leiftenvere, ‘+ 


Der Namengefährte, —n,. Di, nr, einer der ein Gefägrte in 
Anſehung des Namens iſt, ber benfeiben Kamen füpze; ; envet· 
ARE, geil. Stieler Namengenoß. Auf sine-vermexfliche Ast wurde 


;, Mamengeführte von Cinigen für Dewtewort, Yrtitsi gebraucht; - 
—en. 4) Einer ber nur dem Namen 
nad ein Heib iſt. =) O Einer ber von feinem Heldenthum den 
Ramen führt, wie die. Deroen ‚bes Altertbumd. — jene Starken, 
‚Meltbeziwinger und Namenhelden vom Alters per. Bexder. 
Der Namenkaifer, —s, Sy. at, ber Namenfonig, — es, 4. 
—ej ſ.Naui⸗ für —— — u 
Der Stamentrilt, —en My —en, eine Perfon, bie nge dem Mar 
men nach ein Krifk ift ohne es mit der That zu fein, ohne ais ein 
xriſt zu handeln; ein SGcheinkeift und in der gemeinen und-nier 


4 “fs . 


, %6 Rihters, im den Kangeleien, Namens des Nichterd, Index. ,, deigen Sprechatt ein Mauiktiſt. 


Bidet heise in jemandes Namen auch, auf fein Gebeiß und im Per: 
trauen auf feine Verheißung, in feinem Geiſte. Thut alles in dem 
Namen des Deren Iefu.- Cat. 3, 17. »&o ihr ben Bater etwas 
bitten werdet in meinem Namen.“ Joh. 16, 46. Im Ramen Gots 


.. ts taufen, auf fein Gehels und zum Befenntnik deſſtiben, im ımelz _ 


Gem Sinne man auch fagt, auf eines Namen taufen, welches wichtis 


ger bedeutet, einem Kinde bei ber Kaufe deſſen Namen geben.” „Im - 
Im gemeinen Leben ge⸗ 


Namen Gottes wanden.“ mM ich 4.5. 
braucht man aud, im Namen Gottes als rinen Bunid, als eine 
Gormel der Froͤnmigkeit zc. Gehe, reife in Gottes Namen, mit 
Meet ac. Okt bezeichnet es auch dem Begriff, ba$ man nichts dager 
sen habe, daß man es gern aulaffe. Er mag es in Gottes Namen 


Ayun. Unter feinem eigenen Mamen etwas thun, es ſelbſt thun und . 


ahne ben Schein erıweden zu wollen, daß es in’ eines. Anderen Namen 


aefehe. — In mandıen Gegenden wird dieſem Warte unnöthiger 


Meife ein n angehängt, ſo daß e& der Namen lautet. 
© Das Namenvild, —es, My. —er, ein Tild von einer Sache, 


weißes im Namen derfelben keat. „Rehmrt die Ginkieitung bes 


Ramenbildes binweg.= Herder. . 
O Der Name nbiſchof, —es, By. —bifhfe, ein Biſchof, der nur 


dem Namen mach ein Biſchof iſt, der nur den Namen von einem . 
Dete odee Bande als Viſchef führer, wie z. B.aein Biſchef von’ Fer 


xufalem (ein Biſchof in partibps infidelium)s ein Titelbifdrof. 
Das Ramenbu GH, ti, RE. — buͤcher, rin, Buchs in weichen Na⸗ 
men, deſonders Eigenizamen ‚verzeidimet: find (Nomenelator), Leib: 


wis . Ginige, haben es auch fün Wortsrober Wprterkuh, aber ohne 
‚ Nahfunge, nerfuht. In Frantken und andern O. D. Gegenden, - 
wäh, uch Weil, das Abecebuch der Alader unpaßlich ein Namen« O 


‚MR acmanar. ‚ “ 
‚Die Namendeutung, Mz. — en, die Deutung der Ramen. 
Die Namenerklaͤrung, Bye. ..) Diejenige Grtig wug, weiche 


deet auc Hinteefheibung- dea Gegenftandes wen alfem andern gereicht ı 


se a A WMoͤglichleit 
1% 


oder die utichumg den Sache bauanp er 


Das Namenlehn, —ıs, 8. —e, ſ. Namenwechſel. >). 


Die Namenlifte, 9. —n, eine Lifte, ein Berzeihmig von Namen, 
befonders yon Figennamen. „Dann hätten Mitnenfhen und Nach: 
kommen ihn vieleihe in bie, dauernde Mamenlifte ber erhabegen, 
edlen Menſcheafreunde eingetragen. Meifner. (Re, 

Namenlos, adj. m adr, ı) Krinen Namen pabend, ungenannt, wit: 

hekannt. X Ein namenlofer Schriftächer, ber ſich nicht genannt 

hat (Anouymus). X Gin namenleſes Bud, deffen Berfaffer ſich 
nit genannt hat (ein smonymes Bud), Daß uns bad Tempels 
en bes namenlofex flillen Verbienftes heilig bleibe* Derber, 

Zu engerer Bebeutung, Heinen berühmten Namen babend, unbe 

rühmt, unbelannt, . Was if vom Geſchmack einer Ration (eines 

Bolkes) zu halten, die (das) auf ihren (feinen) Richterſtuͤhlen des 

Geihmads nameniofe fade Eicteren veuchret?« Herder. 

dem Fremdling, 

fie ih gegeben. Schitler. 

Bop hat ba 


Dem Namenlofen, hat 
In biefer Bedeutung leidet es aud) die Steigerung. 
für namlos, weiches fih bei Stirier findet: . 

Denn fein einziger if ganz namles unter ben Menſchen. 
2) Wofür man keinen Namen bat, unausſprechtich. Gin namentd« 
fer Schmerz. „Wehe mir, wehe bes namenloſen Jammers.“ Weir 
fe. Davon bie Namenlofigkeit, o 3. -die Eigenfhaft einer Pers 
fon eber Sache, da fie-namenigs iſt, in beiden Bedeutungen. 


‚Der Namenmeier, —5, Ph. gl. ſ. Namenträger ı)- [ 
O Die Namennennung, 33. — en, bie Nennung des Mamens, bei 


Namen, auch wol, die Belegung mit einem Namen, bie Namenge 
bung. „Die Berführung und Numsunennung der Thiere.* Herber. 
Das Namenräthfel, —&, By. gl. ein aus einem Namen in wei 
terer und engerer Bebeutung aemaMtes Raͤthſel (Calembourg). G. 


« Auch, Wortfpiel. 


"x Das tamenregifter, — 6, Mi. pl. ein Regiſter, d. h. Berz ich⸗ 


niß; von Mamen, befonbers von. Eigennamen. 
O Namenrih, —er, —ſte, adj. u. adv, seid an Razıcn, vir® 


* 


” Nawmenr dan 
Mayen. babendysnMileileinit mar Beine Chr fo main uns äunf: ‚nfaffengeit -oheg, kind” feinte -Wechäßtälfte sbitseäfett wi V 
r.nyıme); bei, Anden. aus die: — "ige 


teid· Kals Lade) Herder, au! a are et nE“ 
nn 1 mamenreichen Genips num on ame in ital 
Der rigen Menſchlichteit  Bafe ur © 3 ne 
O Die Namenveihe, My. —n, eine Mei, —— von Na⸗ 
men. „Eine Namenreihe taufe udjahriger Menenzederme Serber. 
Der Namentuf, —es, By. u. beruf, die Aufrufung beim Mas 
zen, wie auch, der Ausyuf des Namens. ı- Sitüeler hat ad.für be⸗ 
„wühinter ‚Name, Ruf, BR PT BE | Tu 7) 55 TEILE) WuE BPE, 113% K 
Der Namenfhänber, rd hr ab, einep ber ben masen. Ramen, 
„‚güten Buf,fas hate: Sticks. 7 1, 2. nt. rn tg 
Des Mamensieiu —ed, By, .mrtzusig, Romenstag is aim Feſte de⸗ 
n trachtet un "u. Biete ger . sont —X 
— — dect Tag, ba bien geſchah, iin... 
», Mar juft das Namensfeſt der heiligen Agathe. Wielanb.' 
Das Namenfpiel, ts, a. — et, knsıBpiefen mir beim-Nanten, 
YE Beseriesuna der Bachſt aben des Kamen, ſpielende Deutung 
deſſelben ꝛc. Da Seth indes verſchnundenen, betauerten Abels 
Stelle gefegt wurde (im morgenlänbifienWargenfpiele).r.Bierber,t 
Derfelbe gebrauchte es much, fin Wortipiekt Das Achte beſtatigt Fin), 
nMamenfpiel , aus, der Griechtſchen Sprachte die ten-Ligenthämee'‘ 
Kaduyrns). angleich Privatnaniamd unfriegerifhen Bürger: mennf, 


uk iha dem. Befehiehaber kann) dem Tyoxanuen unb dem Serie: + Namfundig, er, —ſte, adj. u. adv. dem Kamen nad 


ger entgegenfegter ©; Name, re. tz rar 
&Die Namenfprechung,: By —en, inikerofanklang, eine 

nung, ‚bie, in, ginen Gefalihaftehandiund in den Hastblungsbädieen 

geführt wird, dergbeichen jeber Thelthaber⸗ine ſeſaen Sitchten zuti 

Füprenmuß. Eigentlich wiede dles Wart-bie Bprehang bed Ranenc 

‚ ober der Namen, bebeuten«,, 7 12 nd ri! IB In wi 
Der Namenstag, —es, Big us, berfenige Bag, Abti welchem. im 

Kalenber berfelde Name ficher, melden man führer... Seinen Nas 

menötäg feiern, t. 


Der Namenbzug, —es, 94. —zuͤge, bie imsinander gesogenen Anı,. ‚sufagımengejogen tft. In biefer Bedsutund"&siınt k 


‚fangebwhflapen eines ‚Kigennamens,: ober auch win Zug, welcher dan 
-Rumen verftellen, fol ‚(Monogranim).) 2 Etwas mit: feinem. Mas 
mens zuge bezeichnen, ner sl tyra Sande arme tet an 
O Der Namentäufh, —et, MM. u. ber Tauſch, Aus taufch ber Mes 
‚mg, wie auch, ‚ber Kauf; Mechfel;mib feinem Marten gegta den 
einer andern Perfon, sjewDarauf erpählte er ihren erſten Namen: 


wechſel — bannrihren zweiten Namentaufch· I. 9, Richter. mi: 


Nantentlih, adj. u. adv, mit Namen, mit auöbrüdiiher Nennung 
des Ramens. Ein namentliches Bergeicwih ben Mitglieder, sein 
Berzeihmih, im, meldeum bie-Mitglitber: mit. ihren Namen beunnat 
find, Ginep namenslid« aufrufen, nennent Dasıt In biefem Wor⸗ 
te, welches igentlih namenlich Tamten-folte, Dit. das. eingefihobene 
%ohlilangsst. aid ; ! 


im. ir} 
Der, Ramenträger, —. Ms al. dr Deri einen Namen trägt, fäbet/i. 


In geofen md weitläuftgen Handlungen, fo viel ald Buhbalter 


Bermälter einer Gemeinbeit. Friſch. t , 

+,Das Namentuch, —es, My. — tuͤcher, im: Hasfteitfchen, ein Zub, 
‚im, weiches: Mänchen, weiche näden Jemen, Busıftalien ,-Ramien; Bet: 
hen 27. auänäpen, lemen.: Bde 

Die Namenverwecfelung, By. —en, bie Berwedfelung des Mas 
‚mind ıperjgiebener Dinge „Eniser unb-M.,Weamer gebrauchen 
es füs Namenwechſel 2) &,.b- «- ae ft zu 2 

- Das Namenverzeichniß, —ſſes, 34. — ſſe, ein Bergeihnis von Nas 

men, befonbers von Gigenaamen (Nomeuclator). 

Der Namenwechſel, —6, Mz. gl. 1) Der Wechſel mit dem Na: 
men. „Darauf erzählte er ihren erſten Namenwechſel — bann 


‚ihren zweiten Ramentaufd.e 5. P. Ridter, Auch wol die uns Der Nanniefterflein, — s, 94. —e, ein 


willkaͤhrliche Berwechſelung des Namens ober der Namen. ı =) In 
‚ber Rebekunft, ein Nebebitd, nad weidem rin Ding,mit feiner Be: 


meulehue 2 -.1:...d 2 


Nad 


I... Pte deu — MEktt 


O Das Vamenzeichen, —, 9.’ gt. ein Zeichen, welches den Ma- 
‚men einer Perſon oder Sacht vorfiekit, und} entweder eine 

Kürzung des Namens, einuPaar Suchſtaben bes Ramene Ik einans 
der nezogen ‚aber, ein wiltührlichet Reihen fein-Eanns- " „Die Fahr: 
f oſtaben fanden ohne Aweifel ba; Me Mamenzeichetr —*244 


‚Derber. - J.P.AMiqcht 
‚wollten ‚anfongs bie Mn 


er gbranht Namensjeihen: Und’ Wir 


mensseicen: unter. bin Auffügen ibelaffen.« 


mhafk, adj. u. ady..fihem Namen Haben. .Erwas Hämbaff Yale 
aan 7 ham Mae n u mocihen es Bat ge bea res. neuten. "Sc na 
haft machen, fih nennen: Im engerer Bebeutung ) einen melt des 


ruͤhmten Ramen habend, 


, lingerumg, auch namhaftig lauter. . sDiefe - wurden" man 
. Gürfion in. ihren Geſchlechten 1.Ghrom 5,58, ur 
„weihfan mit, Namen genanmf bi: beftimcht, ausdiehettiäh im DO. 
‚eimmambafteg Weleht, - Dann, ba bas Bebeutende, Anfehhliche 
- genannt werbam barf ober. genanuh gu: werben verbient, Fünfepit 
hedeute ad befonbara im .D. Me tet I den Manigefefen: Eine van. 


wo es im O. D. mit: einer urwinen Bere 






hafte EnmmeiWaldes. 1: Eine namhafte Menge." Er hat im Cpirt 
ewas Nachaftes uacxloren.. ann — 


bekantz, 


wie ud). deutlich beftimmf ;  hefonders t-O. D.ünb-tu.ten Känı. 
ärleien. Etwae mamfanbig. maden, es nengen, dd — 


‚Kine gamtundige Summe Geldes‘, —— — 


fimmtee -dnmeilen auch, 
beruͤbmt. 


** Namlich, en, fe; 


wir nampaft / anfepetich, beträgenig | 
pi #3 B * Din. 
wdjoon. ade, einen Homen,’b. HMuf pas 


ib 


benb, berühmt. ı Die namlichſten oder fütnebmften. Ghiter 6.- 


Kaufsreberg. u 


aͤmlich, adj. u. adv. ' 1). Co viel als namentich, aus milden e 


& Yefondere a 


Winvergort vor, ehmas vorfer nar allgemeht Nudchesenes Hamdızı 


Ach ‚anzugeben, genaw zu 


beftimmmen , zu erflären voder veitet LIFE x 


führen, - Ach will bir. bad. Land wesen, nämlic, Bas 2 « 
2 Mof. 17,3. Diefer Meg führt. nach mehrer — 
een mbrulich) mach ‚Eeippiß 1 Br bech berfhiedcher Caden, ” 
nämlid) ıc. 2) Als ein Färwort für, ebenderfelbe, ber vdrher ge: u 


nannte. Es if ber ndmliche Menfh, mei 


war, ‚obersfhen einmahls 


chet ennma 
genannt worden iſt IE r % Sk 


der naͤmliche Grund. Dies if das Nämtide. Erik R A 


diche, er hat ſich noch nicht gelindert, I Diefer 


‚ausgebreitet: und bei den 






beſten Schriftkeutern fo & 


ft fo meit 
5 und üser: 
»bied [6 gut zu werteridigen, daß das, was Ay. dagegen — — 


und zwecllos iſt. &, Weiträge zur Beförbe 
v. Deutfden @pr. IV, &riya fi Nehmuch 
nehmlich] ac. iſt damit nidıt au vermedhfeln,- - 

‚ (Fastor); aud + Namenmeſer. .Sacohsfons ra) Ghemahls, dee Die Nämlichkeit, 0.9. der Zuftand da eim Ding das nimri 


baffelbe ift (Idemtität), o 
res ift, ba es beinfeiben v 
viliiet (ausbildet), befto 


Eden, und deito mehr bekoͤmmt es jene all, 
lichteit, durch die — nur die Scatlirung (Spattuhe, 
audgenommen — alle civilifiete Nationen (geflitete 


ter) fih bis zum Ekel ale 
Namlos 


ter, gelb und roth neftrei 
‚im Winter reifen. 


Sandftein. in der Herrſch 
aiefer. es * 


Tr. d, weit. Ausg. 
in annchmiih, vor⸗ 


die ober 
der da es das Kämlihe ift)’war rin ante: 


oͤlig gleich if, “Re mehr ein Wolf ſich cie 
mehr verliert es van feinen Shärfen und 
gemeine Rerm, jene Mam⸗ 
Roftufuny 


ebilder ß 
ichen.“ üttaer. N 


adj. u. adr. f. Namentos. —— 
+ Der Nannapfel, —, 9. Apfel, eine Art iemtic 


' aroßer plat- 
fter und mweinfäuerlicer Epfer, weiche fgir 
- Nuarpartiger gefceifter 
aft Rannieft in Mähren; any Hip Mag: 


Napf 


Der Napf, ty A Minfe; Bro. das Mipfhen, OD. —lein, 
. ; überhaupt tin tiefes Befäß, Nad die Soͤhae Aaronis nahmen ein 
"jeglicher feinen Napf und thäten Feuer darein.« 5 Mof. 10, 1. 
„Die Meffer, Beten, Löffel und Näpfe waren lauter @orp.«'2 Wh co n.) 

4 22. Bei den Bufchlägern find bie NMäpfe (Näppe) vierkantige, tiefe Ge: 

‚Säße, woreig ‚ber serftopene Same, aus welchem Öl gepreßt werben foll, 

‚mit ben Haartuͤchern getban wird. Befonders ein irdenes Gefäß von bes 

‚ teädtlicher Ziefe, wofur man in manchen Faͤlen ud Kump, Aſch 

„und Schale fagt. Ein Napf mit Mith, jur Suppe ıc, Raͤch dem 

„neefhiebenen Gebrauche, wozu man foiche Gäfäpe beftimmt, bekomm: 

men .fie,guh verfchiedene Ratten, ı: "Elm Milchnapf Suppennapf 

Spälnapf, Punſchnapf, Spucknapf x; ein Suppenmäpfhen, 

Vogelnaͤpfchen ı. unrichtig Iautet bei’ den wönifgen" Diqter 

Baggeſen die Mehrzahl bie Mapfen : 

Nerbfrant trug aus ber Senne hinaus bie födumenden Napfen. 
Doch koͤnmt vielleicht dieſe Form im O. D. vor, indem in manchen 
alzwerken nach Friſſch die Saltzpfannen Mappen genannt werden. 

„Mneigeutti ſagt man in D, &. 5, B. in Meigen, X in das Naͤpf⸗ 

"hen treten, ein Verſehen maden, ober auch, aus Berfehen Schaden 
un; umb, bei.jemand ins Naͤpfchen treten, ſich Bei ihm verhaßt 
‚maden. ° In ber Roturbefhreibung nennt man-Mäpfehen ı) die 
Kelde, worin verfhiedene Frühte und: Blumen fiten, z. B. bas 
Näpfhen einer Nette, GFicel ıc, (Alveoli), 2) Das Stüfeigen, 
ober eine Art Frucht bei verfchledenen Flechten (Sentella). 

Dir Häpfchenfobalt, 18, My: u. der Scherbenkobalt 

an Napfkuchen, —#, 2. gl. ein in einer Form ,.bie einem Rapfe 
gen. sebadener Kuchen + Mäpfenstuhen; Aſchkuchen (fd), in 

ſterreich aufgelaufenes Koch. 


* 


Die Napfmorchel, Dy. —n, ein Name des Beherfhwammes. ©. d. 


Im Öferzeigifhen nennt man fie Schäffelmaurace.. j 

Die Napfmufchel, By. —n, ber Name einer Gattung Eänekeh, 
die keine Mindungen haben, bie etwas. Fegelförmig gebauet find 
and auf Felfen und andern harten Körpern ſehr fe fisen (Pätella 
L.); audh Napffhnede, Schuͤſſelmuſchel, Muldenmuſchel, Schal: 
mufchel, verderbt Schelenmufchel, Topfauſter, halbe: Aufler, 
Klippkleber, Sternfchäffer, Rampe, Bodsauge, Elbogenmuſchel. 

Die Napfſchnecke, Rz. —n, ſ. Napfmuſchel. 

Der Napfſtein, —es, Mʒ. —e, napffoͤrmige verfiinte Meere, 
Schäffelieine, fteinerne Kegel (Alveoli). 

Naͤppen, Näpper, ſJ Noppen ie. 


+ Napfen,v. s. v. trs. im Holfteinfhen, flehlen maufen, Schü; 
de. An ts kapſen. D. Napfen. i 
1. Die Na —n; Em. das Naͤrbchen, Di D. —lein. 1) Die 


zuräcgebtieben vertiefte oder erhobene Epur einer gebeilten Wun— 
de, eines Gefhmwäres 1. Gin Geſicht voller Narben. Narben 
von Polen, Podennarben, Blatternarben.. Cine lange Rarbe 
won einem Hiede ift eine Schmarre, und wenn fle gering ift 
Ehramme. Im D.D. auch Mahlzeihen, Anmahl, Wunben- 
mahl, Mafe, im N. D. Lidteken, Liekteken ꝛc. In weiterer Be: 
deutung werben bie Heinen theils rundlichen, theils Länglichen Ver— 
tiefungen auf ber äußern Seite ber zubereiteten Felle auch Narben 
genannt, und die Eeberarbeiter verfteben unter der Matbe (in man: 
den Gegenden den Naͤrben) überhaupt vie Außere Haut’ auf den 
Fellen und zuweilen die ganze auswenbige Seite eimer Haut, auf 
welcher bie Haare waren, , Die Marbe wegnehmen; biefe Narben 
megfhaffen, oder die Cherhaut verlegen; abnarben. In der Pflan: 
jenichre verſteht man unter Marbe nah Ad. eine Bertiefung an 
dem Samen ber Gewaͤchſe, ba wo er in feinem Behaltniſſe anges 
mwahfen war (Hilum), Rah Willdenow aber beißt biefer Eins 
drud, unter weichem der Keim bet Samens lient der Nabel, und 
bie Marbe ift nach demfelben eine Vertiefung ober ein anderes Maß, 
in der Nähe ber Spitze ober an ber Spitze des Griffels, von mwels 
dem fie fi% theils darch ihre Geſtalt, theils durch ihre Farbe un: 


452 


Nard 


‚tefitdeti(Stigimmy. Im den Elern iſt die Märbe ein einer: weis 
Fer Kreis, in welchem fid) das Thierchen entwidelt.- =) Ju der 
Graffhaft Rietberg nennt man Marbe die mit einem befondern Mefs 
fer, dem Sieht oder Büideflebe abgeſchnittene Heide. 

2. + Die Narbe, 8. —n, im D. D. die Narb, 84. —en, base: 
nige Eifen an den üren, welches auf einen Kloben paßt und vor 
weldes ein Pfloc geſteckt oder ein Schloß gelegt wird; bie Rrampr. 
In Stelermark lautet dies Wort nur Atb; 

Narben, v. I) mtr. mit haben, eine Narbe geben, anfegen. Die 
Munde narber: &! Wernarben. II) tm. 1)-Mit Ratben verfer 
hen, narbig machen. Ein Zell narben oder närben, die Haare oder 
Wille von det Außren Beitk-abflöfen,. wongach die‘ Marbeh ſichtbar 
werden. Im ber Pflanzenlehre heißt eine Wurzel genarbt, Narben 
habend (cicatrisata), wenn fie darch das Möfterben bes Etengels 
Narben oder Vertiefungen auf der Oberfläche hat. - =) + In ber 

Sraffchaft Rietberg, ſchneiden. — D. Marten. D. ung. 

Narbenbruͤchig, —er —fle, adj. u. adv. bel den —— ern 
der. Narbenfeite bruchtg ober Bruͤche habend. -'* 

+ Das Narbenfraut, f. Nardenkraut. ; 

Das Narbeniever, ie, 3. gl. natbiges⸗keder. — * 
Narbenlos, —er—efte adj. u. adv. öhne Narben, — Narben 
habend. "Bei den. Lohgerbern Heißt das lobgare Leber narbenlos, 
wenn es an Ehillen gar keine Narben bat md dafelbft das Wafı 
fer ſtark einfaugen kann, meldes ein- Fehler des Teberd-ift; auch, 
Beine‘ Karben surintiaffend‘ AIch tebte in Liebe und ihre yarte Hanbı 
'heilte alte Wunben. — ' Marbenios?«: Benzel»Stermau. Davon 

die Marbentofigkelt, ver Auftand bh etwas narbenlos iſt. 

Die Närbenfeite 94. — bei den’ @erbeen und Leberarbeitern, 
diejenige Seite der Haut, wo das Haaraoder bie: Welle befindiich 
war and’ auf welcher mad ber Zubereitwig bie Narben fühtbär find, 
azuwellen auch nur bie Narbe genannt; in Gegenſatz der Fleifch: 
ober Hazfeite, 

Der Narbenftrich, —es, 4. —e, bei ben Weißgerbern, eine Art 
‚bie Felle qu ſtreichen, da fie, nahdem man fie mit den Pumpkeufen 
‚gewadtt Hat, mit dem Streichetſen auf der Rarbenfeite mad der 
Länge ftreiht, um vie Narbe nicht zu brain. Einer Haut ben 
Marbenfttich geben.‘ 

Narbicht, adj. w. — einer. Narbe ahntich Bei ben Sahmeles 
heißt das Euch narbicht machen; ihm Keauſe geben. ' 

Narbig ; er, —fie, adj. u. adv. Karben Habend, mit Narben ver: 
feden. Gin marbiges Geſicht. Marbiges Leder. Papier narbig 
machen, fo daß es einer narbigen Haut ähnlich fieht. In ber Plan: 
zenlehre heißt der mittle Stod narbig leientrisatus), wenn er pin 
ben. Uberbleibſeln der Blattfiete Erhobenheiten auf feiner Fläche 
bat; ein Stengel iſt narbig, wenn er durch das Abfallen der ‚Bit: 
ter Mertiefungen betömmt. 

Die Narde,;y. —n: 1): Eine in Dftindiem einheimifche Art Bart ⸗ 
grafes mit langer braunrötblüher oder gelbbräuner Wurzel von an: 
genehmem bitterm Gefhmade (Andropogon rardus L.); gemeinhin 
aud; Spiea nardi, meil es feinen Samen im einer Ähre trägt. Ce 
werben batatıd wohlrteende Waſſer und Gle gezogen, welche Mars 
denwaſſer und Narbendt beißen. Auch wird Marde oder Narben 
ſchlechthin für dergleichen wopisiehendes Öl, oder wohleiechende 
Salbe gebraucht. 

Keine Narde trieft Aus der Locke des Gottes Chr, Stolberg. 
3) Die Celtifhe Marde (Valeriann Geltica L.) eine auf ben hohen 
Gebirgen ber Schwelz ze, wachſende Art des Baltrione deren Wurs 
zel einen angenehmen würzhaften Weruch umb würshaften babei Bits 
terlichen und etwas fharfen Geſchmack hat, und faft noch kräftiger 
ift als die bes gemeinen Baldriand; auch Mardenbaldrian. Cine 
andere Art des Baldrians, der Gartenbaldriau wird milde Narde 
genannt {Valeriana pha L.). 3) Wilde Narde, ein Rame ber 
Haſetwurz, wegen ihres wuͤrzheften Geruches (Asarum europaeum 


Nard 453 


15.4) Bahme Narde, ein’ Name bes zahmen Schwarzkuͤmmele 
(Nigella sativa L.); auch Nardenfame, 

Der Nardenbaldrian, —es, 2. Pr f. Marbe a), 

Dad Nardengrab, —ed, ig. u. eine Art‘in unfruhtbaren Gegen: 
den Häufig wachſenden Grafes, welde aber ein ſchlechtes Heu giebt, 
und feiner borfliger geraden Ähren wegen aud Borftengras, Pfries 
mengra®, in ber Schweiz Mätfd genannt wird (Nardus L.). 

+ Dis Nardenfraut, — es, MM. u. ein Name des Schwarzkämmels 

"(Nigella L.), befonders bes zahmen oder Römifchen Schwarzkuͤmmels 
(Nigella sativa L.), wegen bes angenehmen Berudes bes Eament, 
welcher dem ber Dftinbifchen Narbe ähnlich ift; in andern Gegenden, 
Nardenſame, zahme Narbe, 

Das Nardendi, —es, a. u. ſ. Narde 1). ° 

Der Nardenſame, —ns, 9%. u. f. Nardenkraut. 

Das Narbenwäfler, —s, W%. u. f. Narbe ı). 

Die Nardenwurz ober Nardenwurzel, 94. —n. ı) Die Rarde. 

S. d. ı). 2) ©. Beneditröfraut. 

Närgeln, f. Nörgeln. 

Der Narr, —en, MH. —en; die Raͤrrinn, By. —en; Bm. 
das Naͤrrchen, D: D. Märriein. 1) Gigentlih, eine Pers 
fon, weldie gegen die Kegtin der Meisheit und Klugheit handelt. 
"Ein Mare fein. Zum’ Narren werben. Finen zum Naeren machen, 

. ihn verleiten „närrifme Dinge au Chun ober zu glauben. Ginen 
zum Narren haben, ihn wie einen Menfchen behandeln der anweiſe 

uenb unffug zu handeln. ober dergleichen zu glauben gewohnt iſt. 

Einen Narren an etwas gefrefen haben, eine blinde unvernünfs 
tige Liebe darauf geworfen haben. Narr und Thor find theils in 
fofern verſchieden, daß Marr härter und niedriger ift, thells in for 
fern, daß bie Handtungen bed Narren auffallender und zugleich fo 
unſchaͤdlich find, daß man barüber lachen ann; baher fi zum Mars 
ren machen, oft nichts anders beißt, als fih au einem Gegenitande 
des Gelächters mahen, fi Lächerlih machen. Daher koͤmmt es auch, 
daf man oft vorzugsmeife einen Menfchen, der allerlei unverftändige 
ober aud nur feltfame Poffen treibt, weiche Lachen erregen oder doch 
erregen follen, einen Marten nennt, biefe Perfon mag nun wirklich 

möreifch fein oder ih nur fo ftellen, wie dies bei ben Marten, die- N 

man fonft an Höfen hielt, bäufig der Kal war, ©. Hofnarr, 

Schallenarr. ont traten die Marktſchrelier und Quadfalber mit 

ihren Marren Öffentlich auf. Auch hieiten bie Schügengefeilichaften 
und bie Zuͤnfte bei ihren Aufzügen einen Narren oder Hanswurſt 
zum groben Spaßmachen. ©. d. Der Begriff, daß man über dig 

Handtungen des Rarren noch laden kann, findet aud in den Fällen 

@tatt, mo ber Marrheit ein Unverfland zu Grunde liegt, wie in 

den Wörtern Bücernarr, Kleidernar, Modenarr⸗ Putznart, Mei: 
 bernarr :e. eine Perſon welche eine unverfländige und lächerllche 
klebhaberei an Büchern, Kleidern, mebifhen Sachen ıc. hat und 
zeigt. in guter Mark, welcher bie Gutherzigkeit oder Rachſicht zu 
weit treibt, auf eine unverftändige Art und zu feinem Rachtheile gut: 
berzig und nachſichtig ift, und bafür mol noch oben ein ausgelacht 
wird. Cine weibliche Perfon biefer Art ift eine Märrinn, ſowol in 
der gelindern Bedeutung, als auch in der bärtern, wo eine Perfon, 
welde unvernünftig, gegen Meicheit und Klugheit handelt, barunter 
verftanden wird. Im biefem karten inne fagt man zu einer welb⸗ 
lichen Perfon auch wol um einen unterſchied zu machen, bu Narr! nicht, 
du Naͤrrinn! Gierauf gender füh ohne Zweifel Kants Bemerkung, 
nah werher Närrinn keine fo harte Bedeutung bat ale Marr, bie 


Narr 


gemäß, nad welchem aud der Begriff ber Aufgeblaſenheit mir dem 
eines Narren nit Immer, öfter mit bem eines Gecken verbanden 
if. Im ber vertraulichen Sprech⸗ und Gchreibart verlieret ſich ber 
Harte und verächtlihe Nebenbegriff oft ganz, und man nennt eine 
Yerfon, ein Meines Ding, -beienderd wenn fie oder ed Pollen ober zu 
achen macht einen kleinen Marten, ober ein Märchen. Geh, bu 


“Heiner Narr! „Das gute Märchen.“ Geltert. „Ihr Bars ift ein 


gutes Märchen, es läßt fih zu allem bereben, was ihrer Einbil⸗ 
dung einfällt.” Eeffing. =) In engerer Bedeutung, eim bes freien 
Gebrauches feiner Wermunft ganz beraubter Menſch; ein Mahn: 
twigiger, Wahnſinniger, Verruͤckter, und, am härteften, Xoller. Cin 
Marr werden. Wie ein Marr reden, lachen. In biefer Bedeutung 
{ft Von weiblichen Perfonen auch der Narr gebräudlih. In ber 
Bibel wird unter Narr auf eine fonft ungewöhnliche Art häufig, ein 
undernuͤnftiger unbefonnener Wenfh, und oft aud ein Gottlofer 
verfanden. Im gemeinen Leben find eine Menge Sprichwörter und 
ſprichwoͤrtlicher Redensarten gewöhnlich, in welchen Narr theils in 
einer der weitern Bedeutungen, theils in ber engern zu nehmen iſt. 
Jedern Marten gefällt feine Kappe, oder feine Weife. Kinder und 
Natten reden die Wahrheit. Herren und Marren haben frei reben. 
Ein Narr madt ihrer hundert, Gin Narr kann mehr fragen, als 
fieben Weife beantworten. Bei bem Trunke erfennt man den Mars 
ren. Marren haben mehr Gläͤck als Recht. Hänge dem Marren 
nicht Schellen an, man kennt ihm fo. So lange der Marr ſchweigt, 
Hält man ibn für fing. Marten muß man mit Kolben laufen, ober, 
mit Keulen grüßen. Die Narren wachen ohne Begleßen. Wenn 
die Narren kein West aͤßen, fo wärde das Korn wohlfell fein. 
Narren wirft man bald aus ber Wiege. Sete Marren nicht auf 
Eier. Narren find aud Leute. Und fo andere mehr, 5) In ber Ma: 
turbefihreibung, ein Name (1) einer Art berjenigen Vögel welche zu 
der Ordnung ber Gans gehören, welde in Ghina zum diſchfange 
abgerichtet wird (Pelecanus piscator L.); auch Einfaltspinfel, 
Maffertöipel. Wahrſcheintich hat er biefe Namen baher, weil er 
fih zum Fifchfangen für Andere gebrauden lift, und fie nicht für 
fi fängt. (3) Der Zippammer (Emberiza ein L.). ' 
arren, v. 1) x intrs, als ein Narr handeln, Narsheiten begehen. 
„Daft bu gerrarret, und zu bach gefahren und Boͤſes vorgehabt.“ 
Epridw. 50, 32. 

Denn das Gold ber neuen Welt macht, daß alte Melt fehr 

narrt. Bogau. 
Bumeilen aud, X Späfe machen, Poſſen treiben; im gemeinen Ber 
ben auch wol + narrſchen. Dit jemand narren. II) rec. ı) Rarır 
heiten begehen, närrifh, auch wol laͤcherllch handeln ober reben. 
Warum fellen wir bean weinen, wenn bu dergleichen ihm narreft.= 
Wicel. (®.) =) X Zum Narren machen, als einen Karren bebans 
deln, zum Narren haben, befonders ihm aufziehen, mit vergeblicher 
Hoffnung binhaiten, neden ıc. „Es iſt eine Ehande — daß ein 
fol Weib forte unbefchtafen von uns fommen, und einen Mann 
genartet haben.“ Judith ı2, ı2. Im ber Bebeutung für neden 
lautet «6 auch nÄrren, welhes man befonders aud vom Neden und 
sum Born Reijen ber Bunde gebraucht, indem man fie zerrt ıc. und 
Naͤrt zu ihnen fagt Ihren Ton wenn fie murren nachzuadmen, von 
welchem Baute es in dieſer Bedeutung aud; abgeleitet werben kann. 
Da warb mein Rips bineingeiwerrt . 
Hab wie ein Murmelthier genärrt. Bürger. 

D. Narren, Nieren. D. —ung. 


fie erſt durch ein Seilegungewott 5. B. aufgeblafen, bekommen fol, X Närren, v. trs. f. Narren IN 2). 
Denn er aber Überhaupt einen Narren, eine männliche närrifhe Die Narrenfliege, My. —n, der Rome einer Art ſchwatzer und 


Perfon, und eine Närtinn, eine weibliche närriſche Perſon fo unter: 


raucher Fliegen (Anthorax morio). 


ſcheidet, daß der Marr, „ein Abgeſchmackter fei, der zugleich aufges X Die Narrenfrage, 94. —n, eine närrifdhe Frage. Stieter 
blaſen iſt,* und die Märrinn, „diejenige, die bei ihrer Neigung An: X Das Narrengefhwäß, — ed, I. u. natriſches Geſchwäs 
nehmlichkeiten, guten Anftand und muntern Wit zu zeigen, gar su Das Narrenhaus, —es, 2%. —häufer. 1) @in Hıus, ım weichem 


flatterhaft und gaufeind tft, fo ift dies dem Sorachgebrauche nicht 


Narren db, h. wahnwitzige Menfhen verwahrt und von andern Men: 


Narr 


Shen abgefondert werden, bad Tolltaue (Narrmspital). In mei: 
terer uneigenzliher Bebeutung und auf eine harte und bittere Krt 
wirb auch wol die Erde ia Hinſicht auf bie fie bewohneaden Wen⸗ 
fen ein Natrenhaus genannt. 2) Un manden Orten ift das Nar⸗ 
zenhaus oder Narttnhaͤuechen fo viel, ais Drillhaͤuschen. S. d. 

Das Rarrenbeil, —es, o. Di. ein Name des gemeinen ober rothen 
Gauhbeild oder Acergauchheils (Anngallis arvensis L.); aud 
Gedenheil, Vernunfttraut, Verjtandtraut, Vernunft und Ber: 
ftand, Wutkraut x. welche Ramen es erhalten bat, weil es für 
ein gutes Mittel gegen Rarrheit und Raferei gebatten wird. 

Der Harrenhode, an, 4 —n, eine Art bes Knabenkrautes, 
maͤnnliches Knabenkeaut (Orchis maseula L.); auch kleines früs 
bes Ktuabentraut, Meine frühe Stendelwurs, männtide Ragwurz ıc. 

Die Narrenjade, 4. —n, f. Narrenkleid. 

Die Narrenfappe, 4. —n. 1) Eine an ben Zipfeln mit Schellen 

versehene Kappe, dergleichen ehemahls die Hof: und Ehallsnarcen 

trugen; die Schellenfappe ; bei Gtieler auch Nartenmuͤtze. Eich 
um die Marrentappe zanten, um den Dorzug in einer närrifhen 
ade, 3) + Ein Trume bes biauen Sturmbutes oder der Voifes 

mura, wegen ber fappinförmigen Geſtalt (Acoaitum napellus L.); 

wie aud nah Nemnih des gelben Sturmhutes (Aconitum Iycoc- 

tonum L.). 5) Der Name mehrerer Schneden, (1) Einer Art 

Rapfſchnecken (Patella antiquata L.); aut Dragonermüge, Mas 

gesjenmäge. Fine andre Art führt evenfails biefen Namen (Patella 

hungserion) ; weit? Dragonermäte oder Matrofenmite. Eben fo 
eine dritte Ker,-die Kifhmeiberbeube (Patella equestris); auch 

Dragonermüte: (2) Eine Art Glen- oder Breitmufgel, das Dih: 

fenbers ‚Chama cor L.). 

+ Die Rarrenkirchweih, 9. u. die Faſtnacht. Friſch. 

Dad Narrenlleid, —ed, I. —er, das Kleid, die Kieibung eines 
Narren, Hanswarſtes, von bunten Flicken zuſammengeſetzt, bazı bie 
Sarrenkappe x. ; die Nartenjacke. Dann cine in irgend einer Sück⸗ 
ſicht bamkt zu vergleichende Kleidung, 3. 8. wegen ihrer Laͤcherlich⸗ 
keit, Geſchmacktoſigkeit zc. Eine joihe Kieibung ale Maske, bie Marz 
renmaske. 

Die Rarrenkolbe, 93. —n, oder der Narrenkolben, —6s, 9. gt. 
1) Eia Kolben, wie ihn ehemahls bie Zihalfönarren au tragen pfleg⸗ 
ten, Auch ein kurzer Stock mit einem ausgefhnipten Fratengeſichte 
und einer Schellentanpe, bergleihen die Hof und Schatkanarren 
audı wel trugen, und womit man bie Narsheit und ben Belt des 
Zabels und Spotteo (Momus) abbildet, führt diefen Namen. Auch 
beißt Nartenkolben 2) in manden Gegenden, bes Rohr: oder Wal 
ferkolden (Typha L.), weit man nah Brifcd besateihen ehematls 
den Hof: und Schalkanarren anftatt eines Gewehres in die Hände gab. 

Die Narrenliebe, o. By. eine närrifihe Eiebe. Stieler. 

Die Narrenlufi, o. 24. eine Lu, Euftbarfeit für Marten, 

Die Narrenmasfe, 99. —n, f. Narrentleid. 

Die Narrenmüie, Mi. —n, f. Natrenlappe. 

X Die Narrenpofle (X Narrenspoſſe), 9. —n, bie Poffe, bee 
Epaf, Scherz eines Narren, fine närzifge Poſſe. Rartenpofjen 
mad, reisen. Dana uberbaupt, ungereimte, unnüte Dinge, 

X Die Harrenrıde, By. —n, eine nfreifhe Ride, Etieler, 

Dr Marrenfcher, — s, Mz. —e, ein närsifger Schet- Stieler, 

“nie Narrenfcule, o. 9. die Schule gieihfam eines Rarren, bei 
enem Narıen, Stieler. 

x Das Narrenſeil, —es, Mp. u. ein in einigen uneigentlihen Ku 
draden rortonmendes Wort. Am Narrenſtile ziehen, näsrifh fin, 
närceiih handeln. Cinen am Mareenfeile führen, ihn zum Narren 
baten, ihn Affen, mit leeren Worten hinhalten ꝛc. 

Das Narrenfpiel, — s, M- —e, das Spiel eines Narren, ein 

"  närritheg, ungereiintes Spielen eder Spiel. X Maerenfpiei win 
Raum baben, zu naͤrriſchen tollen Spielen muß man Daum haben, 
weit Andre teiche dabei Schaden nehmen Finnen, 


454 


Narz 


Die Narteuſprache, 0... bie Sprache db, die Worte eines Mars 
ren. Stieler. Cine Nacrenſorachte führen, Er 

Der Narrenflein, —es, Mi. —e, cin Ziprt womit, man, den.foges; 
nannten sifenftein benennen £önnte. Man pruitcht aber, gemöhne, 
„ich darunter die. für Koflen.achaltenen vertegsfurten, Waurgein bes 
Beifuges, weisen man alerlei Kräfte-beliegte, auch Biifupeohlen 
(Lapis stultorum, artemisiarum carboues). in 

Der Narrentanz, —es, Di. —tönge, ein näreiſcher Tanz. Uneir; 
gentüch fage man auch, der Naxrentanz zehet wieder an, für, die 
Norrbeit, das ndrrifge Retragen. ee az 

* Die Narrentheipung, 2. —en, nireifhe poffenbafte Daublun: 
gen, närrifhrs ungereſintes Heft; auch ax bie Natrerhei. „Mars 


entheidungen laſſet won wuch nicht geſaget werden.“ Epbrf. 54 


Halt die Luft uas rein era Narrentheidung uab- Halblob. 
st Shmibe. 


Die Narrentracht, Bi. —en, sine näruifge Tracht, bie Zrache zie 


nes Narren, d. b. feine Xer ſich zu Neiben,, 


Der Narrenwirter, —s, 74. gl: die —inn, By. —er, ine » 


Perfon, weihe ber Narren in einem Rarrenpaufe wartet. „Ss feute 
es beinahe feinen, als ob bus Regentenverbienft eines Narpen: 
wärtersd mebe befage, als bas eines Zürften.“ Thümmel., .. 

Das Narrenwerk, — es, By, u. nierifhes, Beginnen, naͤtriſche 
Handlungen. M. Kramer. 

X Das Narrenzeug, —es, 0. 9. naͤrriſches Zeug, Rarrenpoſſen. 

x Der Narrer, —t, 9. gl. einer ber Andere narret. Stielen. 
Derfetbe bat auch Marreriun unb Natrerei. 

* Narrhaft, adj. u. adv. einem Nareın ähntiäh, naͤrtiſch Sticker, 

Die Narcheit, Wz. — en. 1) Die Eigenfhaft, ber Zuſtand eine 
Perfon da fie ein Narr ift, aid ein Rarr bantelt. Die Narrheit 
eine; Menfhen. Daran ift feine Narcheit Schuld, Zuweilen auch 
wol, bie Beſchaſſenheit einee Handlung, eines Anflandes, ba fie naͤr⸗ 
riſch if, da er ben Narren verrath, in ber harten Bedeutung bes 
Morten, gewöhnlicher und gelinder Die Thorheitz; ehemahls die Mars 
rei, Die Marrheit diefer Liebe füllt in bie Augen. Um biefe Me; 
deutung von ber vorigen zu unterfcheiden gebraucht man im gemef, 
men Leben bie Naͤrrſchheit (on näsciib, eigentiih —E 
2) Die Handlung eines Rarren, eine naͤrriſche Handlung. Nare 
beiten begehen. So etwas zu thun iſt cine Mattheit. 

Naͤrriſch, —r, —te, adj. u. adv, 1) Der Teisheit und Klogheit 
zuwider handelnd, von Perfonen, und zuwider laufend, von Sachen. 
Ein naͤrriſcher Menfch. Naͤtriſch handeln. Etwas Nattiſches tbun, 
glauben. Das iſt naͤtriſch. Gin noaͤrriſchet Anzug, dir von Rarr⸗ 
heit zeuget. Dann, poſſenbaft, fiheriih. Ein naͤrriſcher Menſch, 
der elachen macht durch feine Handlangen, Pollen; wie auch, ber 
an ſic lchertich iſt. Naͤrriſche Dinge vornegmen. Oft auch X fir, 
fonterbar, auffallend. Das ift doch naͤrriſch. Letthin aing es mie 
ganz näreifch. Laß bir etwas Naͤtriſches erzaͤhlen. ©. Narr uns 
virgt. Thoͤricht, Albern. 2) In engertr Bedeutung, des freien 
Gebrauches der Bernunft beraubt; wahnwihig, wahnſinnig, ter 
ruͤckt, toll, Gin naͤrriſcher Menſch. 
Er lacht als ob er naͤcriſch waͤre. — Davon X die Naͤrriſchheit 
cher Nirrfchheit, ſ. Narrheit 1). 

x Narrſchen, v. intrs, f. Natren D. 

Die Rarziffe, 9. —n, ein Zwlebelgewͤchs, welches einen geraden 
diatten Stetgel treibt, bei ber Blume eine lange platte, der Länge 
nah ſich öffnende und verwelkende Kelchſcheide, ſechs in eine Spide 
endenbe platte, fiernfarmig ausgebreitete Blumenblaͤtter zeigt am 
und um dem Ticbenten trichterz ober walgenförmigen Wistte, in befe 
ſen Köbre beei kürzere und drei längere Staubfaden befindiih fine; 
ter ſtampfe, breisdige Keuchtleim finet unter ben Blumenblätten 
und tigt einen Griffot mit breifpattigen Staubwege (NareissusL.}; 
fa manhen Cegenden Beitidfe, um Hamburg Zitteleofe, Die ſchoͤn⸗ 
fie und fihe mohtrichende iſt die weiße Natziſſe (Narcissus port 


® 


Min möchte närrifh meiden, . 


Marz 


455 


Naſe 





u D.)y and Sofepheftab , «weißer Stern. Eine andere Art hat 
ſechs weise Blumenblätter und einen bunfeigelben Beer mit einem 


‚ mebe krauſen und gefranfeten Ranbe (Nereissus bieolor L.). Auch 


giebt es ganz gelde Warziffen, welche Heiner find (Narcissus mi- 
nor L.). Die vielblämige Marziffe mit meifen Blumenbfättern 


— und bald gelbem bald weißem Becher hat viele Blumen am einem : 


Stengel und einen angenehmen Gerud (Nareissus tarettarL, Ta- 
wette). Andere abweichende Arten nennt man Rofennarziffen, Lie 
liennarsiffen, Bergnarziffen, Kugelnarziffen ıc: Davon die Mars 
ziſſenzwiebel, das Narziffenblatt ıc., bie Imiebel ıc, einer Narzife. 

Der Narziffenlauh ‚eb, ©, 9. eine Art, des Bandes, beffen 
Wurzel im Alter Holzicht wird, ſich reckt, in-die Quere Legt unb 
eine unzählige Menge Ueiner Fafern giebt, die man mit bem grauen 


Davon die Naͤſchigkeit, a. My. die Eigenfchaft, ba man näfhiz if. 
X Die: Rafıhkage 9. —n, eime gaſchhalte Katze. Uueigentlich, 
eine nafhhafte Perſon. A 
+ Das Nafchlein, —s, By. gt. del den Jaͤgern, ſ. Raſe. 
Die Nafchluft, 0. Mg. die Luft, -Neigung zu nafgen, nad Raͤſche⸗ 
'reien. eine Nafchiuſt bezähmen. 

Dir Nafhmarkt, —et, 9%. —märkte, an manden Orten, z. B. 


» "in Breslau, ein Marktpfag, wo zu Beiten alfesiei Näfherelen, aufer 
1. bem aber auch andere Dinge als Obſt, Geflügel, Wildbret sc. ver 


kauft werben ; zum Unterſchiede von einem Korumarkte, Kohls oder 
- Gemüfemarkte ıc. a 
X Das Nafhmaul, —s, My. —mäuler; Bio. das Nafdındul- 
hen, —s, 2%. al. f. Näfher. 


Das Naſchwerk, — es, 0. DM. allerlei Räfherei. ©, d. 2). 

Das Nafchwilddret, —es, Pu. Wildbret, welches an der Breme 

‚ in ein fremdes Gebiet» übergehet und bafeldfl, weggeſcheſſen mich, 
theils mit Sitien, theile mit Rarziffen Ähntigkeit haben, mit fechs - welches man gleichſam mafht, auf eine unerlaubte Weife erfegt. 

Staub faͤden, gwifhen welchen ſechs ganz Meint Schuppen figen, einm Ein in folhem Falle erlegter Hirſch wird ein Naſchhirſch genannt. 
dreifachen Staubivege und eiförmiger breiflappiger Frucht (Amaryl- Die Nafe, 34. —n 5 Um. "das Mischen, ©. D. Näskin, 

Ins L. Lilionareissus Toprn.); auch Liliennarziffe: "per hervorragende Theil am Worbertheile des Kopfes ber Mens 

2 Die Naſch, 9. —n, im Hotfteinifgen und in Hamburg, eine ſchen und vieler Thiere,, unmittelbar über dem Munde, in welr 


„Haare eines Greifes- verglichen bat (Allium senescens L.); ber 
vertaltende oder altwerdende Lauch, Bergnarsiffenlaud. 
Die Narziflilie, 4. —n, rin Gefhteht fdöner Blumen, welche 


P) 


Schachtet, Dofe, ſowol von Holz als.von Pappe. Shüpe 

Naſchen, v. iutrs, u. trs, .ı) Aus Lüͤſternheit von etwas effen;_ ber 
ſonders, wenn bies in Meinen Theilen znd heimlich oder von Audern 

. unbemerkt gefhieht. Won etwas naſchen. Die Kinder und Katzen 

naſchen gern. Umeigentlid, und in weiterer Bebrutung, fich einen 
unerlaubten und flüchtigen Genuß verfhaffen, befonders, wenn dies 

heimlich gefhieht. So fagt man von einem Manne, ber von einem 
Mädden oder einer Frau zur anbern gehet um von ihnen einen 
Genuß zu erhafdien, er naſche. Im N. D. fagt man bafür flidern, 

-fliren, fnötren, fnopen, ſnuckern. =) Durch Nafhen etwas bemirs 
ken. Ginen Zeller leer naſchen, ihn darch Raſchen leer madıen. 
Sich fatt naſchen, fih duch vieles Mafıhen fättigen., 
’ Selbſt in dem Meinberg nafcht fih das Reh nicht immer 
.' ; arnießbar,, Baf; ) 

db. wird es nicht immer geniefbar, ſamachaft, wenn ed aud im 
Weinberge viel, naſcht. D. Naſchen. 

Der Naͤſcher, —s, 4. gl; die —inn, Min —en, ‚eine Perſon 
welche nafhet, ımb in engerer Bebeutung, eine Perfon welche gern 
naſchet, welde ſich das Naſchen angewöhnt-batz «igentlih unb wmeis 
gentlich. In ber eigentlihen Bedeutung in ber. niedrigen Sprechart 
ein Naſchmaul, eine Naſchkabe, im. ©. D. Naͤſchel, Naͤſchling. 


Die Näfcherei, Rz. —en. ı) Das Naſchen, die Handlung baımam - 


nafchet ; weun man vom einzelnen Bällın fpridt, auf in der Mehr⸗ 
aehl üblich. Bie ſeit Evens Näfhrret ; ZEN 
j Der Weiber Erbtheil Leiden fe. Hagedorn, 
Beſonders, bie Luft, die Gewohnheit zu nafhen; ohne Mehrzahl. 
Einem bie Naͤſcherei abgemöhnen. =) Efbare Dinge die man mehr 
aus Luͤſternheit und weil fie gut ſchmecken ißt, als um fid) daran zu 
füttigen, z. B. allerlei feines Badwerk, Suderwert; im gemeinen 
Beben auch Naſchwerk. 


Naſchhaft, —er, —eſte, adj. u. adr. "gern naſchend, das Naſchen 


lebend und zu naſchen gewohntz; im Holſteinſchen nah Fulda auch 
‚nur naſch. Ein mafchhaftes Kind. Die Kagtzen find nafhbaft. 
+ Naſchhaftig, —er, —ſte, adj; u. adv. im ©. D. fo viel als 

naſchhaft. Davon die Nafhhaftigkeit, o. Bi. bie Neigung, Ge: 
wohndeit zu naſchen; audy die Mäfcherei. 

Der Naſchhirſch, — s, 34. — er, ſ. Naſchwildbtet. 

Der Naſchhunger, — o. Di. ber Hunger, d. h. die Begierde zu 
nafchen, bie Lüfternheit nad, Näfıhereien, die Naſchluſt. 


Raͤſchig, —er, —fle, adj. w. adr. mafhhaft, gern naſcheud, eigents- 


sh und uneigentlidh ; gendfdyig, X wernafcht, Naͤſchig fein. 
Andre mögen naͤſchig geifen, da bei Gretgenbortbeinätyen, Logan. 


dem ſich die Geruchnerven endigen, und vermitteift deſſen alfo ge— 
rohen wird. Cine größe, lange, Eleine, gebogene, ſtumpfe, aufger 
ſtaipte x. Maſe. Cine Stumpfnaſe, Habichtönafe, Adlernafe ıc. 
©. diefe. Etwas vor bie Naſe, ober an bie Mafe halten, um es zu 
riechen. Durd bie Mafe eben ober fingen, fo daß babei entweder 
zuviel ober zu wenig Luft durch die Raſe ausgefteßen und die Rede 
ober der Geſang dadurch undeutlih und unangenehm wird, Auf bie 
Nüfe follen. Ginen mit der Mafe auf etwas flogen, ſowol eigent⸗ 
lich als unelgentlih, für, ihm etwas recht merklich, ſichtbar, hands 
greiflih mahen. Eben fo wie andere Theile bes Körpers hat audy 


bie Naſe Bevanlaffung zu einer Menge uneigentliher und bitdlicher 


Aebensarten , aber meift nur im gemeinen Leben, gegeben, Einem 
bei der Naſe herumführen, ibn äffen, ibm abfihtlih vergebliche 
Boffaung machen; mit dem Rebenbegriffe der Cerinafhägung. Ei— 
nern etwas. auf die Mafe binden oder heften, es ibm befannt maben, 
eb ihnm wiſſen laſſen. Das. bindet man nicht jedem auf die Nafe. 
Einem eine Mafe drehen, anfegen, eine wähjerne Mafe dreben, ihm 
etwas weiß maden, eine Unwahrheit, einen umftatthaften Bor« 
wand ꝛc. glauben machen, 

‚She wollt. mie, höre ich wohl, ein Feines Naͤschen drehen. 

i .'. Wielanb, R 

„Ans einem Rechte, Gefege eine wächſerne Naſe machen, die man drer 


si, hen lana wie mam will, db. 5. es nach Gefallen erfiäten und, ans 


wenden; Einen bet der Naſe zupfen, ihn auf etwas aufmerklam zu 
machen, an etwad zu erinnern ıc. Daber, zupfe dich an deiner 
Nafe, fei nur anf bich feibft aufmerkfam, achte auf did ſelbſt, naͤm— 
Lich ehe dir Andere aufmerkjam machen, erinnern willſt ıc, Es Tiege 
ihm vor der Mafe, gang nahe vor ihm, fo daß er es fehen, bemers 
ten muͤhte. „Der Nafe nachgehen, gerade aus, wohin bie Nafe ges 
richtet iſt. 
Der einz'ge Mey, ſich noch herauszuſinden, 
War, auf aut Glück der Naſe nachzugehn. Wielans. 
Einem etwas vor der Naſe wegnehmen, was gerade vor ihm war, 
und woron er eben feioft Gebrauch machen wollte. Einem die 
Thuͤr vor der Mafe zumahen, indem er eben hineingehen wollte. 
Einem -auf der’ Mafe ſpielen oder herumtanzen, geringidäsig mit 
ihm Alles, was einem einfällt, vornehmen. O Einem an die Naſe 
ladyen (xire au no2), ihm ins Gefiht lachen, ihm ohne Schar ots 
lachen. 
Faſt überlaut ihm an die Naſe lacht. Bretand. 
Sich die Naſe begiegem, ſich betrinken. Es fehlt ibm awei Finger 
üser der Naſe, &6 fehlt ihm. an Berfiand, Den Biuger an bie Naſe 


L 


Nafe 


tegen, bie Geberbe eines Nachdenkenden machen. In anbern Ber 
dendarten wirb beſonders barauf, daß bie. Rafe Werkzeug bes Beru: 
es und des Grkennend überhaupt iſt, NRülfiht genommen. Gine 
gute, feine, bänne Mafe haben, etwas bald ziehen, bann etwas 


"456 


dald merken, auffpären, fo unmerflid und verftedt es au fei. Bon . 


diefem Gebraucht ift eö berzufeiten, baß bie Zäger die Nafe für ben 
Geruch ſelbſt ſeten. 
ruch. Die Naſe in Aues ſtecken, alles berishen, unbefugt unterſue 
chen, ſich um Klles bekümmern. Stecke bie Nafe ins Buch, ſagt 
man hingegen au Einem, ber in einem Buche leſen ober lernen und 
nicht umherfeben oder andere Dinge treiben foll. Die Nafe überall 
haben, überall, bei Allem fein, ſich um Alles bekimmern. Laß bie 
Mafe davon, befümmere dich darum nicht, menge bich darein nicht, 


Gin Bund verliert die Mafe, b. h. ben Ber 


Nafen 


prinusnasusL.); imEferreiäfhen Dafihg;; aud wird er Schreiber 





' ‚genannt, weil fein Gingeweide ſchwatz iſt. Ad. vermuthet, baf er 


berfelbe Fiſch fel, weiher anderwärts Schnäpel heißt, Ganz uneis 
gentlih wird hier umb da in ber gemeinen Spredart bie Pimper: 
nuß oder Blaſennuß (Staphylen pinnata L.)) abgeſchnittene Naſe 
genannt. — In manchen Sprecharten befonders D. D. lautet der 
zweite und dritte Fall der Einzahl, der Mafen; im N. D. lauter 
dies Wort Naſe, auch Mibbe; und int gemeinen Scherze nennt man 
bie Raſe den Riecher, im D. D. Schmecker, von ſchmecken für tier 
Ken, und im N. D. auch bie Snurte. ; 


Der Naſeſiſch (Mafenfifh), —s, 4. —e, f. Rufe a). N 
Die Nafegieh, Bu. —en, dei den Brönlanbfahrern, eine Bien am 


großen Mafle, an welder das Zau mit dem Nafehalen feft- if. 


Das ſticht ihm in die Mafe, reizt feine Begierde, Lüfternpeit. Das, Der Naſehaken, —6, 9%. gl. beiden Grönlandfahrern, ein großer 


fhnupfte ihm in die Mafe, fiel Ihm auf, machte ihm flusig, verbroß 
ibn, wofür man auch fagt, das verſchnupfte ihm. Ginem etwas 
unter bie Naſe reiben, es ibm ſehr merklich und berb zu verftehen 
geben, es iöm vormerfen, 


Mifvergnäügens und der Beratung. Die Mafe aufmerfen, ober in 


Die Mafe rümpfen, als ein. Zeichen bes Das Nabeifen (Mafeneifen), —s, Dy. gt. ein 


eiſerner ‚Hafen, welcher in die Naſe bes Wallfifhes, wenn man iha 
an bie Seite befeſtigen will, gehakt und womit ber Kepf des Mall: 
ſiſches etwas in bie Höhe gehelt wird. S. Nafegien. 

Eifen, an ber Naſe 


su befeftigen, die Kluppe. Friſchlinm— 


bie Höhe werfen, den Kopf in die Höhe werfen, b. &. ihn fhnel Das Naſehorn (Mashorn), —es, 2. —härner,‘ eins ber groͤß⸗ 


feitwwärts in die Höhe richten zum Beiden ber Meradhtung, bes 
Hohnes. 
Der edelmuͤthige Hohn, der auf der Nafe ſaß, Badharid; 

b. h. ben er burch Rümpſen der Nafe oder eine ähnliche Geberde äußerte, 
Die Nafe bangen faflen, d. h. ben Kopf bangen laffen aus Beſchaͤ— 
mung, Kleinmuth ıc. Mit einer langen Naſe abziehen, mit Be: 
ſchaͤmung ädee ben mijlungenen Berſuch, wie auch, mit einem Ber 
weiie, ine lange Mofe, cber auch nur, eine Naſe befommen, eis: 
nen Verweis, wie auch zuweilen eine abfhlägige Antwort, : Sich eine 


ten Landthiere in Aflen und im füblihen Afrika, von plumpem Kir: 
perbaue, mit einem Horne auf ber Mafe, mit kurzen Füßen, DIE 
Ber runzeliger grauer Haut, melhes in naffen fumpfigen Gegen⸗ 
ben lebt. Das Nashorn in Afien hat nur ein Horn, 11, bis 
= Fuß lang, das in Afrika zwei Hörmer. Bei beiten ſizen bicfe 
Hörner nur in der Haut, find unten hohl und rüdwärts gekraͤmmt. 
Das vordere Born bes legten iſt auch bis = Fuf lang und ffl fo bes 
weglich, daß es Mappert, das weiter hinten ſtehende if etwa 12 big 
16 Zoll lany (Ahinoceros 1). ’ ! 


Lange Nafe, ober eine Mafe Holen, einen Verwels ıc. Ginem eine Der Nafehernkäfer, —s, MM. gl. die Beuennung folder Käfer, bie 


Mafe geben, einen Verweis, wofür man im R. D. näfen fagt. In 
weiterer und uneigentlicher Bebeutung nennt man 1) Mafen vers 
fhiebene Hervorragende Dinge, bie man mit Naſen vergleiht. So 
verftand man ebemahls darunter auch Vorgebir,*, PBalbinfein und 
ins Waffer hinein fi erſtreckende Theile bes Landes, weiche gleich: 
. Sam Rafen bes Landes find, Im ber Schweiz führen bie Landſpitzen, 
welche fih in einen See hinein erftreten, neh ben Namen Nafen 
ober Planken, und in manden R. D. Gegenden werben bie Berg: 
gipfet auch Naſen genamtt. In der Schifffahrt heißen kleine ber: 
sorragende Landfpisen noch Naſen. Gbendajrlöft heift das Vorder⸗ 
taeil des Schiffes gleichfalle Naſe, und am Pfluge ift die Mafe (bie 
Pflugnafe) berjenige Theil, welher dad Streichbrett mit ber Griff⸗ 
fäule verbindet. 
hervorragende Theil oder Zapfen am obern Ende, moran fie auf bie 
Ratten gehängt werben, an ben Bobeln ber Tiſchler iſt fie der vorn 
in die Höhe ſtehende Theil, moran bie Hand -anarlegt wird. Im 
Huͤttenbaue ift die Mafe die äußerte Spige bes Geblaͤſes, und bie 
säbe Unart, welche fih daran arfest. S. Naſenſchlacke. An den 
Benftern find Mafen oder Waffernafen hervorſtedende Theile, welche 
das am Blafe herablaufende Waller ableiten. Bei den Hutmachern 
ift die Naſe das fhmole platte ausgefänittene Städ Helz oben mit 
einer Kerbe verſehen, welches unter dem vorberften Gnbe bes Ka: 
bogens angebracht ift und über welchem in ber Kerbe bie Saite bes 
Foachbogene liegt. Wei denZägern enbrih iſt das Naͤslein, verberht 
Naͤßlein, Mäfchlein eine geringe Erhöhung in ber Fährte eines 
Hlrſches, welche entſtehet, wenn ber Hirſch mit enge geſchloſſenen 
halten auf weichem Beben gebet. 2») Gin Ding mit riner Nafe 
ſelbſt, in welder Bedeutung c& befonbers im gemeinen Leben in Zu⸗ 
fammeniegungen von Perfone gebraucht wird, fie nad ber Wefhaf: 
fenheit ihrer Rafen zu bezeichnen. Cine Breitnafe, Stumpfnafe, 
Piattnafe a. Im 2. D. führt aud ein eßbarer Alugfifh, welcher 
größer ift als ein Häring, wegen bes in Geſtalt eiaer Naſe aufı 
wärts gebogenen Oberkicfers, den Namen Naſe oder Nästing (Cy- 


An ben Das und Hohlziegeln ift bie Mafe ber : 


wie das Nashorn vorn auf dem Kopfe ein Horn haben... Der Eur 
ropaͤiſche Nafebornkäfer ift braun, wird 1%, Zoll lang und drüber, 
und bat das Porn ganz vorn auf bem Kopfe (Searabseus nasicor- 
nis L); auch fliegendes Naſehorn. Der Oſtindiſche Naſehornkaͤ⸗ 
fer iſt noch einmahl fogrof und ſchwarz (Sonrabaens rhinoceros 
L). Der Rarolinifche Nafehornkäfer iſt ſchwarz, bödertg und hat 
ein kurzes gerabeftehendes Dorn (Scarahaeus Garolinns L.). 


Der Nafehornvogel, —e, By. —vögel, eine Art Hornyögel- in- Ins 


bien, deren Stiraborn mit ber obern Kinnlabe verwachfen unb in 
bie Hohe gekruͤmmt iſt; er lebt von Ratten, Mäufen ıc. und frigt 
bie Därme ber von ben Jaͤgern erlegten Thiere-begieeig, baber er 
gewoͤhnlich bie Jaͤger begleitet und auch Jaͤgervogel genannt wir⸗ 
(Biceros rhinoeeros L.). 


Der Nafeluder, —s, 9 gl. auf Schiffen, berienige Poften, wel: 


der beitimmt ift, bie Gegenſtaͤnde zu entbeten, die dem Schiffe bei 
Annäherung gefäbrli werben koͤnnen; der Auskucker. 


O Naͤſelbuchſtabe oder Näfelftabe, —ns, Dy. —n, ein Buchftabe, 


welcher genäfelt, d. h. durch bie Nafe ausgeſprochen wird (Nasal- 
buchſtabe); 4. B. bas n ber Franzoſen nach Selbſtlautern. ©. fügt 
dafür Naſenbuchſtabe. 


O Der Näfellaut, —es, 9. —e, ein Laut, welcher genaͤſelt, durch 


die Nafe ausgeſprochen wird (Nasallart), G, fagt dafür Nafenfaut,_ 


Näfeln, v. intrs. 1) Wei den Jaͤgern, Mit der Mafe riechen, ſuchen; 


fünuppern, verberbt näffeln. - Befonders gebrauchen fie es vom Beit: 
hunde, wenn ee bin und wieber fhnopert und nicht recht fuchet. 
2) Durch die Rofe foreden. S. Naſe. Die Franzofen naͤſeln. Ans 
bere und auch Ab. fagen dafür weniger gut niefein. EL) C) tra, 
durch die Mafe ausfpreden. „Der Franzoſe naͤſelt mih,= fagt der 
Buchſtabe n in Klopſtocke grammat. Geſpraͤchen. — D. Näs 
fein. D. —ung. 


Maſen, v. I) intrs. mit ber Mafe riechen, ſuchen. IT) trs. 1) Mit 


einer Naſe verſehen; befonbers als Mittelmort der vergangenen 
Beit, genaſet. Uneigentlid, eine Raſe d, h. einen Verweis geben; 


Naſena 


im N. D. naͤſen. 3) QX Sich naſen, ſich mit ben Raſen nähern, 
berühren, ſich kuͤſſen. 

Wie Philipp und Marie fih nafen. Soltau, 
III) rec. Sich nafen, in den Hüttenwerten, wo man biefen Xusbrud 
gebraucht, wenn fid beim Schmelzen Schladen an bie Born anfegen. 
— D. Mafen. D. —ung. 

OX Der Nafenaft, —es, 4. —Äffe, ein Aſt, d.h. ein Auswuchs ven 
Raſe, eine ungewöhnlich große ober mifgeftaltete Naſe. S. Aft. 

Ein, Heiner Knirps von tieren Bliden, 
Mit einem Nafenaft, der fieben Zolle maß. Kl. Schmidt. 

Der Nafenausfihnitt, —es, 2. —e, in ber Zergliederungskunſt, 
ber Ausfhnitt am vordern dicken Theile des Nafenftüdes (Imeisura 
nasalis), 

Das Rafendanb, —es, 2. —bänder, ein Band, welches um bie 
Nafe gelegt wird. An einem Pferbezaume, derjenige Theil, welcher 
über ber Raſe des Pferbes liegt, Auch ehemahls an den Helmen ein 
gewiffes Band, Dberlin. 

Das Nafenbein, —t, 3%. —e, In der Berglieberungsfunft, bie 
Beine oder Knochen ber Mafe, ‚welche unter dem Rafenftüde deö 
Ctirnbeines liegen (Ossa.nasi). 

O Das Nafenbiut, —s, 0. DH. Blut weides aus ber Nafe läuft 
4 B. nad einem Kalle oder Schlage auf biefelbe. 

Im Laufen ftürzt, und Mafenbiut 
Wunbenftröhe hielt. Ungen. 

Das Nafenbluten, —, 0. 9. das Bluten aus ber Raſe. Das Na⸗ 

ſenbluten haben. f } 

:& Der Nafenbuchftabe, f. Räfeibuchftahe. 

x — 4, Dj: gle ber wait Chi in der Rafe; - 

der Mafen . - 

‚Das Rafeneifen, f. Naseifen. - 

Die Nafenbremfe ‚„ 4. u. eine Art Bremſen mit ungeflecten FI: 
geln und einem ſchwarzen mit gelben; Haaren beſetzten Hinterfeibe, 
melde. ihre: Gier: in bie Nee der end, Dechſen xc. legt (Oestrus 
nasalis L.), 

X Der Nafendrüder, — — gl. f. Mafenquerfäer. 

Der Naſenfiſch, — s Bi er fi Rafe-s). , ; 

‚Die Nafenfläche, 34. —n, bie Flaͤche der Kafe. "ge der Zergliede⸗ 
rungstunft wird ‚bie innere ‚Sitäe des Dperkiefers die Nafenfläde 
genannt (Facies nasalis). 

Der Nafenflügel, —t, m. gl. In te Berglieberungetunft, bee uns 
tere auswärts gebogene Knorpel an beiden Geiten ber Raſe (Ala 

., nasi); aud Wafeniappem. 

Die Nafenflügelblutader, a. —n, ‚im ber Bergliederungäkunft, 

‚ Bintabern -in ‚den Ralgnflägein, deren ed. obere und untere giebt 
(Venae alarer nasi). 

Der Nafenfortfah, at. — ſaͤtze, in der Zergliederungékunſt, 
ein Fortfat am untern Rande ber. Thränenbeime,, der nad innen 
Ginabachet und den Ehränengang büben Hilft. 

Das Nafenfreft, —es, By. —tr- tin Ameritanifhes Thier aus dem 

— Beſchlechte der Halbfuͤchſe, welches ih von andern Halbfüchſen be: 
fonders durch bie lange, 
ſcheldet (Viverra_nasma L,). 

Der Nafengang, —6, WM. — ginge; in der Bergliederungstunft, 
biejenigen Gaͤnge, welde in ben ‚großen Rafenhöhlen- nad außen 


liegen (Meatus narium), Dan unterfcheibet ben oberen, mitteln 
unb untern, i j 
Die Nafengaffe, 94. —n, in ben Hättenwerken, eine Dille, melde 


unten im Schmelzofen beim Aupferfhmelgen gemadt wirb, bamit 
der Anſat von ber Naſe gleich in-ben Ofen fomme; 
Dad Nafengefhwür, —s, 4. —t; ein Geſchwuͤr in der Rafe, 
wovon der, Nafentnorpel ſelbſt oft angefreffer wirb (Ozaena). 
Das Naſengewaͤchs, —es, 4. —e, ein fleifhartiges Gewaͤchs, wel: 
Ges im Innern der Raſe entftehet, ſich im Aſte verbreitet, zuweilen 
Gampe's Mörterb. 3. Th. 


—— 


hervorragende und ‚bewegliche Raſe unten O Der 


Naſeno 


das ganze Raſenloch ausfülle, zuwellen auch in ben Mund hanget 
‘(Poly pus nasi), 

Das Nafenhaar, —es, F. —e, bie Haare in ber Rafe, am ber 
Rafe. Friſch. j 

Der Naſenhauch, —es, 34.—e, ber Haud buch bie Rafe, Dann, 
bie Gewohnheit, gewiffe Buchftaben, befonders bie Gaumenbuchftas 
ben, mit einem Hauche durch bie Raſe auszufprehen (Ahinesmus), - 

Die Nafenbaut, My. —häute, die Haut über und in ber Nafe. 

Der Nafenhautnerve, —n, Bi —n, in der Zergliederungskunft, 
bie Nerven der Mafenhaut, welche Imeige bes Unteraugenhöhlenners 
ven find (Nerri nasales superficiales), 

Die Nafenhöble, 9. —n, in ber Zerglieberungskunft, bie Höhlen 
ober inwendigen Räume ber Mafe, welde durch bie Nafenfheidewank 
getrennt werben und ſich am hintern Rande ber Gaumenbeine oͤff ⸗ 
nen (Nares). 

Die Nafenhöhlenblutader, 34. —n, in ber Zerglieberungstunfl, 
bie Biutabern der Nafenhöhlen (Venae nasales internae), 

Der Nafenböhlennerve, —n, 29. —n, in der Zergliederungstunft, 
bie Nerven, welche fi im bie Mafenhöhlen verbreiten und aus bem 
Rafenziweige kommen, 

+ Das Nafenborn, ſ. Rafehorn. 

Der Nafenkeil, —es, 94. —e. ı) Bei ben Sattlern, ein mit einer 
Naſe, d. h. einem im bie Höhe ſtehenden Theile verfehener Keil am 
Sattel. &, Nafe. 2) In ben Hüttenwerken, ein Stü Eiſen, 
welches in ben Stihofenäber ber Form eingemauert wird, Wie auch, 

eine Erhöhung von Koblgeftübbe, welde unter der Form im Krumms 
ofen vorgerichtet wird. 

X Der Nafenklemmer, —s, ®M. gl. etwas das bie Naſe klemmt. 
‚Im Schwaben nennt man Naſenklemmer ein enges Blas, burd 
welches beim Trinken bie Raſe geflemmt wird, J. G. Shmib. 
OX Der Nafenklügling, —ıs, 4. —, ein Rafewelfer. ©. b. 

„As ihm ein Mafenklägling zurief,e Wächter. 

Der Nafenknorpel, —, B%. at. bieienigen Knorpel, welde bie Ras 
fenhöblen einfaffen und bilden belfen. 

OX Die Nafentnospe, 84. —n, eine Knospe, d. h. ein Auswuche 
auf ber Rafe; au wor, eine zothe mit Erhöhungen ze,, melde Aus ⸗ 
wuͤchſe verſprechen, ober mit Auswuͤchſen verfehene Mafe felbft, weis 
che gleihfam Enospet, „Der Gerihtöhalter mit rofensother Mafen« 
knospe.· I. 9, Richte r. 

* —— —es, Mr. u. das Ebwenmaul (Antirchinum:L. » 


2% —— —, 4 gl. etwas das in der Rafe kriecht. 
In-ber Raturbefhreitung, ber Mame einer Bremfe, deren Sarben 
in ben Stienböhlen ber Bennthiere leben, bie davon durch Rieſen 
aus dem: Raſenloͤchern zuweilen ganze Bündel von fi geben (Oe- 
strus nasalis, Remnid, 

X Die Nafentuppe, 8. —n, bie Kuppe, db. h. der unten hervor 

ſtehende gerumbete Theil der Raſe, deren äußerfter Theil bie Mas 


fenfpige ift. 
wm. 3l. f. Naſenfluͤgel. 


Fe Nafenlappen, —s, 9m 

afenlaut, f. Räfekaut. 

Das Naſenloch (Rafelob), — s, My. —locher, die Locher ober 
‚Öffnungen an-der Raſe, die Offnungen ber Rafenhöhlen; bie. vor: 
been Mafenlöcher , : welche äußerlich unten an ber Rafe fihtbae find 
und burdy welche die riehbaren Ausdünftungen ber Körper zu den 


1... Miechnerven fleigen; die bintern Mafentöcher, bie innerm Öff: 


nungen. ber Mafenhöhlen am Hintern Bande ber Gaumenbeine 
(Choanae). 

Die Nafenöffnung, By. —en, die Öffnungen der Naſe, in der Zer⸗ 
glieberungskunft befonders diejenige Öffnung, welche von dem untern 
Rande bes Nafenbeines und bem innern Mande des Mafenfertfages 
gebildet wird und von-ihrer Geſtalt die — — ol 
tura piriformis narium), 

58 


Naſenp 


X Der Naſenpoͤpel, —s, My. gt. der verdidte zaͤhe Schleim in ber 
Naſe. 

X Der Naſenquetſcher, —s, 94. gl. bei Ad. die Naſenquetſche, 
nn, ein Sarg mit einem ganz platten Dedel, welder 
aleihfam bie Nafe der darin liegenden Leiche quetfher; auch ber 
Mafendrüder. 

Der Rafenring, —s, 9. —e, ein Ring, welder einem Thiere, 
3. B. einem Bären burh die Nafenfheibewand gescgen, ober 
welcher in ber NRafenfheibemanb oder ben Rafenflägeln zur Bierbe ger 

+ tragen wird, wie bei manden harbwilden Wölfern. 

Der Nafenriden, — , 3. gl. der obere fharfe Theil der Nafe 
von * Wurzel bis zur Spitze auch ber Grath der Naſe (Dorsum 


Die Muterkisikiehen, 94. —n, in ber Berglieberungstunft, die 
Blutabern auf dem Nafenrüden (Venae dorsales nasi), 

Die Nafenfcheivewand, By. —wände, in der Zergliederungskunſt, 
bie meift — Scheidewand zwiſchtn den Naſenhoͤhlen Septum 
narium). 

Die Naſenſchiene, =. —n, eine eiferne Ehiene an der Raſe eines 
Pfluges. ©. Nafe. 

Die Nafenfchlade, Wr. —n, im Hüttenbaue, Schladen, welche zur 
Dieinrbeit genommen * zur Haltung der Naſe quer an bie Brand: 
mauer grfegt werben. Naſe. 

Die Nafenfchlagaber, m. —, in ber Berglieberungsfunft, eine 
Schlagader, welche das Blut zu den Aufern heilen ber Raſe führ 
wet und auch durchs Nafenbein einen Zweig in die inneren Theile ber 
Naſe giebt (Arteria nasalis). 

Der Naͤſenſchleim, —es, 0. 34. der Schleim, welcher fih in ber 
Naſe abfondert und die Wände der Nafenhöhlen anfeuchtet, X Der 
Rotz, und wenn er verbidt ift, E der Naſenbutzen, Nafenpöper. 

Die Nafenfhleimbaut, 4. due, in ber Bergltebetungskunft, 
diejenige Daut, melde bie innere Nafenflige beleidet und viele 
Schleimbaͤtge und Befäße enthält, aus weichen ſich der Rafenfchleim 
abfonbert (Membrana pituitaria narium). 

+ Der Nafenfchnalger, —s, 9. gt. f. Naſenſchneller. 

Der Nafenfchnelfer; —s, 4. gl. ein Schneller mit einem an ben 
‚Daumen geftemmten und losgefhnellten Finger an bie Rafe, welchen 
man einer Perfon giebt oder worit man fie bebrobt, um ihr auf 
eine recht beleibigende Art feine Terachtung zu bezeigen; auch Mas 

»  fenftäber, im gemeinen Leben ein Fips, im O. O. der Nafenfchnalzer, 
die Hirnfchnelle, der Sternitel, Stirnitel. Im R. D. Nafenftä: 
ber. Einem —— ober Naſenſtuͤber geben. 

Die Nafenfpite, Wz. —n, die auberſte Spige der Nafe, oder ber 
äußerfte Shell ber Raſenkuppe (Apex naris), 

Der Nafenftachel, —s, 23. —n, In der Zergllederungakunſt, ber 
aus ber Mitte des Nafenausihnittes hervorragende ſpitzige Zhelt 
(Spina nasalis),. Ein ähnlicher hervorragender Theil am innern 
Bande des Gatrmenftüdes beißt der hintere Mafenftachel (Spina 
nasalis posterior), 

X Der Nafenftüber, — 6, 4. al. f. Nafenfchneller. 

Das Nafenftüd, — es, =. —e, in der 3ergliedf., derjenige Theil 
bes Stirnbeines, welcher zwiſchen ben Xugenhöhienftäcen liegt (Pars 
zasalis). Das auffteigende Nafenftüd (Pars perpendicularis) ift 
ein Iheil der Baumenbeine, liegt gang an ber Nafenfläce des Ober: 
tiefers und fliegt einen großen Theil ber Kieferhoͤhle. j 

Der Nafenftubhl, —es, By. —ſtuͤhle, im den Hüttenwerken, eine 
im Schmelzen von Geübbe gemahte Erhöhung unter der Form, 
auf welcher bie Rafe ruhet. 

O Der Nafenton, —ıs, 394. —töne, ein durch die Rafe vorfom: 
mender Ton. „Der unreine Nafenton der Zproferinn mißfiel mie,- 
Seume. R. 


Der Nafentropfen, —6, 4. gt. bie, — weiche 


zuweilen in Tropfen aus der Nafe laͤu 


I» 


458 _ 


Naß 


Dad Naſentuch, —s, 94. —tuͤcher, ein zum Schnäugen ober Mei: 
nigen ber Rafe dienendes Tuch; das Taſchentuch, weil man- es in 
ber Taſche bei fi führet, und das Schnupftuch. 

Die Nafenwurzel, 24. —n, ber eberſte Theil der Nafe, ba wo fie 
swilden ben Augenböhlen bervortritt (Radix nasi). 

Das Nafenzäpflein, —s, 34. gl. Meine Zapfen aus Dingen melde 
zum Nieſen reijen bereitet und welche man in gewiſſen Bällen in bie 
Naſenloͤcher ſteckt. 

Der Naſenzweig, —es, 4. —e, in der Zergliedke, ein Nerven: 
zweig, welcher aus bem Augenzweige, einem Zweige bes breiäflis 
gen Nerven, entfpringt und nach ber Raſe gehet GRamus na- 
sociliaris). 

Der Naferümpfer, —®, M. dt. einer der bie Rafe rämpft; ſchlech⸗ 
ter ber Mafenrümpfer, welches Nicolai gebraudt. Klopftod 
frgte dafür auch nur der Ruͤmpfer. Im ber Raturbefhreibung 
führt diefen Mamen eine Art Hornfifhe, nah Müller, von bem 
Buräüdzieben der obern Eefje und der Mafe, - woburd die Zähne de⸗ 
obern Kiefers entblöͤßt werben (Balistes ringens L.), 

Nafeweis, —er, —eſte, adj. u. adr. 'vereilig, ohne Kingpeit a 
Veiheidenheit urtheilend ober fprechend , und baburd oft beleidi⸗ 
genb, und, von biefem Fehler ‚jeugend, Mafeweid fein. - Ein nafer 
tweifer Knabe, Eine nafeweife Frage. Mafeweis unterſcheidet ſich 
von vorwitzig dadurch, daß ber Mafrweife etwas zu wiſſen verlangt 
und fragt, um zu zeigen, daß er barüber auch wetheilen und mite 
ſprechen koͤnne, ober meil er fih doch einbildet barüber urtbeilen 
unb ſprechen zu Binnen, wenn er es sleich nicht verſtehet, ber Rors 
wit ige aber etwas zu erfahren und au miffen ſucht, wae er Tr 
wiffen Earin oder zu erfahren nicht fuchen follte: * 

X Der Nafeweis, —es, 34. —e, ober der (bie) Näfeweife, tes 
(der) —n, 4. —ı, eine nafeweife Perfon. „Ei, geh deintr Mede, 
Nafeweis! fagte ich verbrieflih.“ Bafontaine. „Sind viele Mas 
feweifen und Kluͤglinge brinter.« Luther, 

Die Nafeweisheit, o. By. 1) Die Cigenfhäft eher Perfom, ‘mie 
auch, bie Befhaffenheit einer Sache, ba fie nafewets ‚- Erine 
Mafeweisheit muß ibm verwieſen werben. Die Mafetveisheit-einer 
" Frage. 2) Ein einzelner Fail, ba einer ſich aaſeweis zeigt. 


"OX Nasführen, v. trs. an ber Raſe führen, äffen,. käufchen⸗ @, 


+ Du überfinnliher, finnlicher Freier, 

Ein Mägdelein nasführet dich. Böthe, 
D. Nasfuͤhren. D. —ung. 

Das Nashorn ıc. f. Nafehorn zc, 

Nafig, —r, —fle, adj. u. adr. eine Nafe babend, mit einer Rafe 
verfeben, in mebrern Bufammenfehungen bie Beſchaffenteit ber Raͤſe 
su bejeichnen, 3. B. beritnafig, großnafi 9, geradnafig, krumm⸗ 
nafig, fangnafig x. . 

Der Näsling, —es, u. —r, f. Nafe =): : 


Naſe. 


+ Die Naspel, 84. — n/ die Rispet. 


OX Nasrümpfen, v. Iyintrs, die Rafe ruͤmpfen, zum Beichen bee 
Mißfallens, der Verachtung, des Hohnes. „Mas fhiert mich nase 
ruͤmpfender Junker Gefpöttt® I) trs. mit Rümpfen der Nafe fas 
gen. Welche Barbaren! — nasruͤmpfte das gluͤhende Mädchen.“ 
Ki Schmidt. — D. Nasrümpfen. D. ung. 

Nah, näffer, näſſeſte, adj. u. adv. von einem fläffigen Körper. fo 
durchdrungen, ober auch nur auf ber Oberfläche fo bedeckt, ba bie 
Flüſſigkelt dem Auge fihtbar it ober durch Drücken bee davon burd: 
drungenen Körpers fihtbar gemacht werben fagn, N. D. naitz aum 
Unterfhiede von fendyt. Der Regen macht naf. Ein naffer Boden, 
der vom vielem Waſſer durchdrungen zu fein pflegt, -„Ahr Brief, 
no nafi vom meinen Thraͤnen, liegt aufgefhlagen wor mir.“ Son: 
nenfels. Ehemahls auch mit bem zweiten Falle. 

— die &hitbe trüb’ unde Blutes naf. d. Mibelung 8. DB, 6484. 
Im Müblendaue heist der waffe Fall bie-Höhe bes fliegenden Maf- 
fers auf dem Fachdaume bei einem unterfhlädtigen Waſſerrade. Bei 


Naß 459 Matt 





ben. Echeidekuͤnftlern, bernaffe Weg. S. Weg. Uneigenttih und 

im gemeinen Beben wird auch eine Prrfon, welche Räfe, Fluͤſſig⸗ 

keit d, 5.’ Getränke liebt, und etwas; wobel Getränke in Menge vor: 

Eömmt ober gebraucht wird, naß genannt. X Gin naffer Bruder, 

| ein: Menſch ber germ trinkt, ein Saufer, In Baiern, £ ein Naf: 
kuͤttel. —. Damit ber Poͤbel von Athen 

Beim naſſen Shmauf von ihm zu reden hätte, Wieland. 

Ion weiterer Bebeutung wird nafi zuweilen für fläfig gebraucht. 

So nennt man im Handel naffe Wagren Wein, Bier, Brantwein, 
DI 1. weil fie flöffig find und naß machen. 

Dad Naß, —ſſes, Pr jedoch felten, Maffe, etwas das naß macht, 

ein flüffiger Körper. 
—  meil ber Thränen Maß 
Am Auge glänzte; — — Sauswalb. 
Alſo ſchwamm In dem bunkelen Naß — ber Dreimaft. Baggefen. 
Ih ſchuͤtt' au hin das heirtge Naß (ben Wein). Gollin. 
So nannte auch ſchen Bahariä das Burner Bier Wurznet Naß, 
und Opis ben Rhein das eble Maß. Andre fagen dafür das Naffe, 
welches aber auch etwas das naß geworben b, h. von einer Flüſſig— 
keit durchdrangen ober auf ber Oberfläche bedeckt if, bedeutet. 
Weiß, daß das Maffe feuchtet. Schiller. 

‚Der Naffauer, —s, 94. gl. ſowol einer der aus dem Fuͤrſtenthume 
Raffar als au von dee Inſel Raffau gebürtig iſt; die Naffaueriun, 
eine folge mweiblihe Perfon. In der Raturbefhreibung führt biefen 
Namen eine Mond» ober Schraubenſchnecke, weil fie bei der Infel 
Raffau, aber auf bei Barbados, Amboina x. gefunden wirb (Tur- 

.. bo petholasus. L.). EL ' 

Die Näffe, o. 2. der Zuſtand eines Mörpers, da er nap iſt z wie 
‚auch, ein map machender, d. h. flüfiger Körper ſelbſt. Sid der 
Mäffe ausfegen. Etwas in ber Näffe tiegen laffen. Biete Näffe 
ift den Gewoͤchſen fhäbtih. An den Hüttenwerken nennt man Naͤſſe 
die Feuchtigkeit, welde dem Erje vom Wafchen noch anbängt. Die 

Naͤſſe abziehen beißt dafetoft, beim Zrodnen bes nafien Eczes ben 

s Abgang an Gewicht, welchen es dadurch erfeibet, vom Ganzen abs 
ziehen ober abrechnen. Die Naͤſſe aus dem Zreibherde ziehen heißt 
chendaſelbſt, die überfläflige Feuchtigkeit im Treibherde durch darauf 
geſchuͤttete trockne Afche, welche hernach wieber abgefegt wird, her⸗ 
ausziehen, ? 

Die Naffel, ſ. Aſſel. 

Näffeln, v. D ntr. mit haben, ein wenig na$ fein; wie au, ein 
wenig Feuchtigkeit won ſich geben. IT) trs. ein wenig mäffen, naß 
machen. — D. Naͤſſeln. D. —ung. 

Naſſen, v. mtr. mit haben. 1) Raf fein; M. D. naten. 2) Näffe, 
viele Feuchtigkeit von fi geben. Die Bunde maffet, wenn Raffee 
ous berfeiben läuft. Die Hände naffen, wenn fie von ſtarker Ku 
duͤnſtuag naß werden. D. Naffen. 

Naͤſſen, v.trs, naß machtn, ein vom naß richtig gebildetes Wort; 
beſſer als neben, daher man auch lieber benaͤſſen ıc., mie durch⸗ 
näffen fagen follte, anſtatt beneten. Bon ben Jägern wird es als 
intes, gebraucht, für, den Harn laſſen; auch ſeuchten. D. Naͤſſen. 
D. —ung. 

Der Naßhaufen, —d, 9%. gl. bei den Brauern, ein Haufen ger 
nääter Gerfte, z 

Naßkalt, adj. w. adr. kalt und dabei aaß, vom Wetter, mie ed ber 
fonders im Herbfte häufig ift, wenn es bei für biefe Jahreszeit kal— 
‚tem Wetter regnet, ober mebelig iſt. 

Naͤßlich, adj. u. adv. ein wenig nas. 

+% Der Naßkuͤttel, —s, Dr. ar. f. Nof. 

Die Naͤßprobe, Mz. —n, im Hüttenbaue, bie Probe, welche mit dem 
nafien Eriſchliche vorgenommen wird, 


Das Naßpochwerk, —es, 2. —e, im Hüttenhaue ein Pochwerk, 


mo bie Erze naß gepocht werben. Auch bad Erz, welches burd das 
NRaßpechwerk aufgebreitet worben if, 


O Rafwarın, adj. u. adv. warm und dabei naß ober ftucht. Maß⸗ 
warme Luft, — fie paddelte bei dieſer — Reinigung (dem Scheuern) 
ber Stube fo recht in ihrem naßwarmen Element.“ 3, P. Richter. 

x — — — — fo viel als Aſt, befonters wenn er 
noreig ift; im auch Knaſt, im Onabrück No h 

Die Nath, f. Naht. M DE 

Der Näther, —s, Bi. gl. 1) Rad einer verberbten Form, einer 
ber näher, für Räder; eine folhe weibliche Perfon, die NMätherinn, 
©. Näherinn. 2) Im Mafferbaue, ein ftarker aus Pfählen und 
dazwiſchen gefichfenen Muthen beſtehender Zaun, ben Damm eines 
Teiches oder das Ufer eines Fluffes badurh gegen das Waffer zu 
fihern; ein Strichjaun. Wahrſcheinlich von nähen, ehemahts im 
einem weitern Sinne für verbinden, flechten. 

Der Naͤtſch, —es, 0. 34. ein Rame 1) des fpihigen Riebgrafes 
(Garex scuta L,), 2) bes Borftengrafes ober haarfoͤrmigen Pfries 
mengrafeö; in ber Schweiz (Nardus strieta L.). S. Pfriemengeas, 

1. t Natfchen, (das a gedehnt) v. intrs. in Schlefien, mit unangenehr 
mem Zone weinen. D. Natfhen. Davon ber Matfcher, bie —inn, 
ein Kind, meldes natſchet. + 

2. + Natfchen, (das a gefhärft) v, intes. ſchmaten. Fulda. Anders 
wärts knatſchen. D. Natfghen. 

Die Natter, My. —u, ein der Schlange Abnliches füfelefes hier, 
welches fi duch ben mit Schildern befegten Bauch unterfheidet 
(Coluber L.). Man bezeichnet mit diefem Ramen entweder das 
ganze Geſchlecht und rechnet aud bie Diter und Wiper das, oder 


auch nur eine befondere Fattung. Dieggemeine Matter :Coluber he- 


zus L.) wirb ı bie > Fuß lang, hat einen großen braunen herzför: 
migen Flet auf dem Kopfe und einen dunkeln braunen Streif, bre 
durch bie Augen Läuft, Die gehörnte Matter wird ungefähr zwei 
Buß fang und hat auf bem Kopfe den Fühlhörnern ber Schneden 
ähnliche Nuswäcfe (Goluber serastes L.). Die AÄgiptiſche Matter 
ober Viper wirb etwa 5 Fuß fang und bat einen blaulihen Oberleib 
(Coluber vipera L,), Bilblih werden mit Nattern Dinge und Bus 
Hände vergliden, melde en bem ‚Herzen das. Meufchen gieihfam nas 
gen, ibm Qual verurfachen, keine Rube bes Gemüthes laſſen. 

Die Matter bes Vorwurfs —, bie mir giftigem Geziſch 

SJebe Freube dir raubt, im innerſten Gemüth 

Nagend. — — Herder. 
Dies Herz, um welches ſich der Reue Nattern winden. Bürde. 

Der Natteraal, —es, I. —e, ſ. Natterſchlange. 

Der Natterbiß, —ffes, Di. — ſſe, der Biß einer Matter; ber Nat⸗ 
terſtich. Uneigentiih, empfindliher Schmerz, Dual, „Die Strafe 
folgt mit Natterbiſſen.“ Buͤrklin. (K.) S. Matter. 

Die Natterblume, 8. —n. ı) Die gemeine Kreuzblume eder Wild: 
blume (Polygala vulgaris L.); aud Natterzuͤnglein. a) Das Nat ⸗ 
terblümdhen, ein Name der Knorpeiplume, ©. d. 

Der Natterhals, —es, 9. —hälfe. 1) Eigentlich, der Hals eir 
ner Matter, ober eim glei einer Matter langer-gebogener ober fehr 
gelenter Dale, 2) Gin Thier mit einem folhen Halſe. So führt 
biefen Ramen ein zu ber Drbnung ber Spechte gehöriger Zugvogel, 
nicht viel größer als eine Lerche, welcher von ben Barven ber Ziefer 
und von Amelfen fih nähret, und ben Hals fehr gelen? drehen und 
winden kann; auch Detervogel, Nattetwendel, Natterzwang, Dis 
terroindel, und Halsdreher, Halewinder, Drebhals, Wendehals, 
mwelhe Namen gewöhnlicher find (Iynx torquilla L.). 

Der Natterkopf, —es, Bi —köpfe. 1) Der Kopf der Ratter. 2) 
S. Diterkopf 4). s 

+ Das Natterkraut, —es, 3. u. ein Rame r) der fetten Henne 

ober Schmeerwurz ſ. d. Sedum telaphium L.); 2) des Dt: 

‚ terkopfee. ©. d. 4); 5) des Schlangenmorbes; auch Nattermilch. 
S. d. 4) des Pfennigkrautes il.ysiinachia numnleria L.). 

5 Natterlodig, adj. u, adv. Locken die aus Mattern befichen ha⸗ 
bead; ſchlangenlockig, fhlangenharig. 


Natt 460 ratur 





Zragenb die ruchtbare Beute bes natterleckigen Scheuſals. Boß. 
Die Nattermilch, 0. By. eine Oflange weiche Heilkräfte gegen Rat: 
tern» und Schlangenbiffe befigt und beren Wurzel einen milchichten 
Saft enthält (Scorzonere humilis L.); auch Matterfraut, Nat— 
terwurz, Schlangenmorb, wilde Haferwurz, Kraftwurz niedrige 
Skorzonere ıc. 

Die Natterſchlange, 9. —n, eine Art Schuppenſchlange in Fgipe 
ten mit feinem Kopfe (Angnis colubrinus L.); aud; Natternal. 

Der Natterftich, —s, 4. —e, f. Natterbiß 

+ Der Ratterwendel, —s, . al. f. Natterhals 2). 

Die Natterwurz, My u, 1) &. Matterfraut 5). 2) Eine Art bes 
Befetrittes in Deutſchland, mit einfahem Stamme und glei einer 
Natter gekruͤmmter Burzel (Polygonum bistorta L.); aud Schlans 
genwurz, DOtterwurt, Viperwurz, Drachenwurz, Schlangenkraut, 
Schlippenwurz, Gaͤnſeampfer. Krebewurzel, weil man fie gegen 
Krebasfhäben für dienlich haͤlt. 3) Einige Arten des Arum ober ber 
Keronswurj. (1) Die Dradenwurz (Arum drasunenlus L.). (2) 
Die Fieber, Magens ober Zehrwurz; Heine Natterwurz (Arum 
maceulatom L,), 

Die Natterzunge, DH. —n, eigentlich, bie Bunge einer Matter; 
uneigentlich, 1) eine giftige, verläumberifhe Bunge, d. i. eine ſolche 
Yerfon. Dann =) ein Rame einer Art des Farnkrautes, welche auf 
Waldwieſen wählt, ein einziges fettes Blatt treibt und einen Sten: 
gel mit gelber Spige In Geftalt einer Ratterzunge, woran Bläte 
und Fruchtknoecpchen befinbiich find (Opkioglossum L.); auch Schlan⸗ 
genzunge, Natterzlingleinfraut. =) Das Natterzuͤnglein, ſ. Rats 
terblume, 5) @ewiffer Berfteinungen. S. Sclangenzunge, 

+ Der Nattergwang, —es, 94. —zwaͤnge, ſ. Natterbafs 2). 

Die Natur, 4. in einigen Fällen, —en, ein zwar aus dem Batel: 
nifhen Übergenommenes und undeutfh betontes Wort, weldes aber 
in der Deutihen Sprade fo einheimifh geworben und bei allen 
deutſch Redenden fo bekannt und gebräuchlich iſt, daß es hier nicht 
febten darf, Die mannichfaltigen Bebentungen und Gebraucharten 
werben fih auf folgende zurädführen laffen. Dan verficht darun⸗ 

“ ter 2) am gewoͤhnlichſten, bie urfprünglihe Art und Ginrihtung 
eines Dinges, aus welcher fih ale Werfhiebenbeiten und Weränder 
rungen beifelden erklaͤren laffen, baber man fie auch als eine in den 
Körpern befindliche Kraft betrachten kann, welche jene Verfchiedens 
heiten und Weränberungen bewirkt und fi durch birfeiben äußert. 
»Ih habe an vierzig?) Bedeutungen bed Wortes Natur zufammenz 
gezaͤhlt. Jede umfagt einzelne Befihtepuntte. Und ner Eine ſagt 
mir, es fei: das reine Verhältniß aller Kräfte in einer Sache zu 
ihrem Zwed; aber wer loͤſſt mie in jeber einzelnen bie Frage Ihrer 
Berbältniffe, den Zirkel ihres Zweckes und ibrer Kräfte” Meyer. 
Die Natur der Dinge unterfuhen, erforfhen. Der Matur eines 
Dinges gemäß fein, ter mfprünglihen Art und Einrichtung deſſel⸗ 
ben angemrffen fein, bamit uͤbereinkemmen. Es ift wiber bie Mar 
tue des Steines, baß er von innen heraus wachſe. Das Eis tft ſei⸗ 
ner Natur nah kalt, das Waſſer maß, der Stein bart x., ober 
das Eis iſt von Matur katt ꝛc. Die Natur des Menfhen, feine 
urfprängliche Art zu fein, bie in ibm von feinem Entſtehen an’ lies 
nende Kraft, bie fich auf mannichfaltige, bei allen Menſchen unb zwar 
in Banzen auf aleiche Art burch manchterlei Veränderungen ıc. äußert. 
Die Matur eines Menfben, bie ursprüngliche Art zu fein, die eis 
nem einzelnen Menihen eigenthümlich iſt, die in ihm Tienende 
bei ihm dutch befonbere Umſtaͤnde anders geartete Kraft zu Ent 
widelungen und Veränderungen. Die Matur bes Menfhen bringt 
es mit fh, daß er Speife und Trank zu ih nehme, fchlafe, wach⸗ 
fe ıc. „Der Unterriht, mo Kinder Stunden lang auf rinerlei Sache 
wurten follen, ftreitet mit der Natur eines zarten Kindes.“ Geller 

Mich, ſprach fir, Tote jene Flur, 
Und ich, au Tüftern von Matur, 
Blog hin, Desf. « 


Ach ſelber. 


Die Naturen find verſchieden, wenn vom ber Natur verſchla 
bener Menſchen die Rede iſt. Dem Triebe der Natur folgen. In 
Krankheiten mug die Natur bas Beſte thun. Die Natur hilfe 


keiſe tft fih bas Band, es entzweien fi zart bie Maturen, 
Und von ber holten Scham trennet ſich feurig bie Kraft, 
Schitlter. 


In dieſer Stelle Können unter Naturen überhaupt natürliche Kräfte 


oder Triebe ztc. verſtanden Werden, in welcher Bedeutung man es 


auch von Andern gebraucht findet. Sonnenberg gebtauchte die 
Mehrzaht Naturen auch ven ben matürlihen Gefühlen ; umnibe 
ſtaͤndlich. Wefonders gebraucht man Natur von ber urfprümgtir 
hen verſchiedenen Befhaffenheit bes Körpers wie aud des Geiftes 
der Menfhen und den baraus herfließenden verihiedenen Cigens 
ſchaften derſelben (Naturell); wofür Rotker tas gute Wort 
Anaburt (Angebutt) gebrauchte. ine gute ober ſchlechte, flärke, 
arfırnde ober ſchwache Matur haben, Won Natur ſtark, geſund, 
ſchwach fein, fhen fo cber doch mit ber Anlage dazu geboren 
fein, Pigiger, kalter Natur fein, -ober hitzig, Fat von: Ma: 


tur fein. 


— — Die Eiche \ z 
Wird leicht zur Wut in heftigen Maturen. Säilter. (A) 
Und jett an bed Jahrhunderts ernftem Ende, . 
Wo ſelbſt die Wirklichkeit zur Dichtung wird, J 
Mo wir ben Kampf gewaltiger Naturen j 
Um ein bedeutend Ziel vor Kugen ſehn, „ Derf.; 
in welcher Stelle unter gewaltigen Naturen Wefen mit einer geival- 
tinen Natur verftanden werbeh. Auch ſpricht man Yon einer ſittli⸗ 
den Natur des Menſchen, von einer Metur Gottes, non einer 
göttlichen und menfhlichen Matur in Krifte, die man feine beiden 
Maturen nennt. ' Inder Bottesgelebrtheit wird die Mutur der 
Offenbarung, zumeilen auch der Gnade enfargengefeht, und man 
verftebet barunter nah Ab. bie Fertinkeit des Gebrauches ber bleßen 
natüörlihen d. b. dem Menfihen bei feiner Entftchung mitgetheilten 
Rräfte. Das Licht der Matur iſt daſelbſt, bie durch biefe Kräfte 
erlangte Erkenntniß, in Gegenfas der Offenbarang. In ber Bibel 
wird, wie Xb, bemerkt, unter Natur auch die ungeänberte Forts 
dauer der natürlichen Beſchaffenheit bes Menſchen, nebſt allen eiges 
nen darin gegründeten Veraͤnderungen verſtanden und ber Gnabe 
entgegengefegt; anberwärts wird dafür bad Fleiſch gebraucht, ia 
Gegenfag bes Geiſtes, der = Petr. 1,4 bie göttliche Natur ge: 
nonnt wird. In meiterem Sinne wird bie eigentbämfihe Art und 
Merife einer jeden Sache die Matur derfeiben genannt. Die Natur 
dieſer Sache bringt es fo mit ſich. Dies Liegt in der Mitar der 
ade. „Die Treue ber ehelichen Piebe gründet ſich auf das gegen: 
ſeitige Berſprechen, und auf bie Natur bevtichem @ellert. So 
feriht man aud von ber Natur (dem Genius) e'ner Eprade, Eben 
fo nennt man gewiſſe äußere Berbättniffe, im weiche ber Menfh von 
feinem Entftehen an geräth, bie Natur. Eo fat man Altern und 
Kinder, Geſchwiſter find mit einander durch bie Matur, oder duch 
das Banb ber Matur verbunden. „Die erbabenfte Liebe zu Bott, 
tie über bie füßefte Liebe der Matur genen einen Sohn feat,“ d. b. 
über die Liebe, welche ein Vater ober eine Mutter über den Schn 
von Natur empfindet. Getlert. Da die Natur die urſprüngliche 
Art zu fein if, die durch Beine willkuͤhrlichen Einwirkungen von augen 
beftimmt worden iſt, To wird fie oft ber Kunſt entgrgengeiret. 
Im Stande der Natur leben, in einem foren Zuftände, wie es bie 
Natur des Menfhen mit fih bringt, erfobert, ohne alle kuͤnſtliche 
Einrichtung, Berfaffing, buͤrgerliche Gefeke ic, Der Matur ge— 
mä$ teben, ganz einfah in allın Etüden, chne alle eingebildete 
ober angekünſtelte Vebirfniffe, Verfhönerinsen ꝛc. Der Natur 
getreu bieiden, ſowol ibr gemäß leben, als auch von einem Bildner, 
fle getreu nachbilden, "Iye nichts ankünfteln und nichts davon weg: 


Natur 


461 


Naturd 





nehmen. Bon Natur viel Verſtand haben, ohne daß er erſt durch 
unterricht und Übung entwidert zu werden brauchte, Bon Matur 
Wig haben, ohne ihn von Andern zu entlehnen. Gin Menſch if 
fauter Natur, auch wol, iſt bie lautere Matur, wenn er immer 
fo fpridt und handelt wie es feine urfprängliche Art zu fein mit 
ſich bringt, ohne fih im geringften zu verftellen ober Zwang amzur 
»thun. Gin Künftfer zeigt in feiner Arbeit fauter Matur, wenn 
derſelbe nicht nur der Natur getreu bleibt, fondern auch bie ange: 
wandte Kunft gefhidt zu verbergen weiß, Eine Sache ift von Na— 
tur fo wie fie ift, wenn fie urſpruͤnglich ſo if. Bon einer Sad, 
‘bie duch Menſchenhuͤnde oder fonft überhaupt buch Kunft verändert 
ift, fagt man, fie fei nidt von Mater fo. Etwas in Natur geben 
(in natura), eine Sache fo geben, wie fie von Matur ift, nicht vers 
ändert, nicht burd eine andre Sache bie ihr gleich gefhägt wird 
erfegt. Seine Lieferungen in Natur entrichten, d. b. in den wirt: 
lich verlangten Lieferungsftäden 5. B. Getreide, Heu, Stroh ze. 
'-unb- nit ja Gelde cher auf andere Art, woburd nur ber Werth 
iener Sahen erfegt wird. 2) Die in allen Wefen urfpränglid; lie: 
gende unb bie Verfhiedenheiten und Veränderungen an und mit 
denfeiben begruͤndende Kraft ale Eins betrachtet, mo man benn oft 
davon ald von einem für fi beftehenben, ten Grund aller übrigen 
Keäfte in fih enthaltenden Weſen fpriht, in welcher Bedeutung die 
Mehrzahl ganz ungewöhnlich ift (Natura natyrans), Die Natur 
wirft nach unabanderlichen Gefegen. Der Lauf, der Bang ber 
Natur, die Folge der Weränderungen, Zuftänbe vermöge jener 
Kraft, bie wir Ratur nennen, nah ben unahänberlihen Gefegen bi® 
felben. Die Natur thut feinen Sprung, es geſchieht in der Natur 
Ades nah und nah, indem ſich eins aus dem andern entiwidelt. 
Die Schuld der Natur bezahlen, fterben, ihr mit dem Tode gleich 
ſam bas zurädgeben, was fie uns bei unferm Gntfichen und Belle 
ben gab, Won der Matur mit vielen Schönen Antagen beſchenkt 
fein. Die Natur hat ihn fiefmüttertich behandelt, ihm mit vor: 
zuͤglichen Geiſtes⸗ und Körpergaben wenig ober gar nicht verfeben. 
»D wie ſchoͤn biſt bu Matur, im deiner Heinften Verzierung fo fhön!« 
Gesner. Der Stimme ber Natur folgen, ihren Gefegen. »Das 
große Interefje des Menſchen liegt darin, daß er biejer Etimme 
der Matur, die ihn zum Schönen, zum Guten hinruft, gehorſam 
werbe,« Sulzer. „Das Glück iſt nicht fo Uebrelch gegen fle gewe⸗ 
Ten, als bie Natur.“ Sellert. 3) Der Inbegriff. aller Dinge 
(Natura naturata). In der ganzen Matur ift fo etwas nicht zu 
finden. In engerer Bedeutung, der Inbegriff aller koͤrperlichen 
Dinge, und in noch engerer, ber Inbegriff aller Lörpertihen Din: 
ge auf Erben. Die drei Reihe ber Natur, bie drei großen Als 
theilungen in welche man alle körperliche Dinge auf ber Erbe vers 
theilet, bie Thiete, Pflanzen und Steine, Erben ıc. ober Alles was 
gar kein Leben hat, Die Befhhreibung der Natur, bie Befhreidung 
biefer Dinge, E. Maturbefchreibung. „Ihm ſchmuüͤckt ih bie ganze 
fhöne Natur.“ Beßner, 
feindlichen Sturme bes Weltalle ausgeſetzt ſcheinet, fo iſte nit als 
teinz; es fleht mit ber ganzen Matur im Bunte“ Herder Be 
rrachte die Natur um dich her. 
Süße, heilige Natur 
Laß mich gehn auf deiner Spur, Hölty. 

In der Matur ben Schöpfer erkennen Iernen. Die Religion ber 
Matur, die aus der vernünftigen Betrachtung ber Matur gefhöpft 
wird, Im biefem Sinne fegt man Natur und Offenbarung einan« 
ber entgegen. In ben bildenden Künften begreift man unter Ma— 
zur ale fihtbare Cegenſtaͤnde, welche fih durch die Kunſt darſtellen 
taffen. Die Natur nachakmen, treu barftellen. Rad) ber Natur 
arbeiten, nad natürlichen Köcpern, die man babei wirklich vor 
Augen hat. Die belchte Natur, die Thiere, auch wol in weiterer 
Bedeutung, bie Pflanzen; in Hegenfad der unbelchten ober todten, 


„Ze allein unb einzeln bas hier jebem ' 


Die Mehrzahl in biefer Bebeutung ik ungewoͤhnlich, tümmt aber 
bo vor. 
Ein zaͤrtliches Gefäht ging fanft dur die Naturen. Duſch. 
Bumeilen wirb bas Deutewort weggelaſſen unb blof Natur gefegt. 
Menſchen begläden 
Lehrt ung Natur, Ungen.; 
melde Auslaffung Ab, zu ſtrenge mißbilliget. In noch engerer aber 
ungemohnlider Bedeutung wird aud ein einzelner natürlicher Hör: 
per ober ein Theil beffeiben Natur genannt, Die weibliche Natur, 
bie Zeugungsglicber bes Weibes, Diefen Sinn bat es nun nech in 
bem Beitegungsworte natürlich behalten, wo biefe Blieber bie nos 
türlihen Theile genannt werben, 


O Die Naturabneigung, 99. —en, eine Abneigung, bie man von 


Natur von einer Sache bat, bie ihren Grund in unferer Natur bat 
(Antipathie), 


O Die Naturanlage, 4. —n, eine Anlage, melde man von ber 


Ratur befommen bat, welche angeboren if. 


Die Naturbegebenbeit, 9a. —en, eine Begebenbeit in ber Natur, 
« fowel in weiterer Webeutung, 
eine Sonnen » und Monbfinfternif, bie Erſcheinung eines Schweif: 


in ber Welt überbaupt, wie z. ®. 
fternes ıc., ale aud in engerer Bebeutung, auf ber Erbe, wie z. B. 
ein Gewitter, ein Erdbeben 1c.; auch ein Naturereignif, Zuwei⸗ 
Ien auch wol, eine Begebenheit ober Weränberung an einzelnen nas 
türlihen Körpern, als bas Wahlen ber Körper, bie Krankheiten ıc. 


Der Naturbeobachter, —s, 94. gl,; bie —inn, 24. —en, eine 


Perſon, welche bir Natur beobachtet, 


Die Naturbeobachtung, 3. —en. ı) Die Beobachtuag ber Ratur; 


ohne Mehrzahl. 2) Eine einzelne über bie Ratur gemachte Beob⸗ 


achtung. 


O Der Naturbeſchreiber, —s, 29. gi. einer ber bie Natur d.h. 


bie Dinge in ber Ratur, befonders auf Erben befhreibt, ©. Nas 
tur 3) und Naturbeſchteibung. „Unter ben neuern Naturbeſchrei⸗ 
been beftätigen Bechſtein und Donnborf bie Sache." Funke. (MR) 


Die Naturbefchreibung, Wy. —en, die Befhreibung ber Natur 


db. 5. ber Dinge in ber Natur befonbers auf Erben, ihrer S-floit 
und ihren Eigenfheften nah. Wird ihre Entfiehbung, die Art und 
Meife ibeer Kortdauer, bie Weränberungen berfelben während ibrer 
Dauer, bie Zeit ihrer Dauer, ihr Zweck und Gebraud ıc. erzählt, 
fo ift dies Maturgefchichte, welche von jener bloßen Befhreibung zw 
unterfheiben if. Kant beſtimmt ben Begriff ber Naturgefchichte 
(Raturhistorie), im Begenfag der Naturbefchreibung. durch: „die 
Lehre von ben Weränberungen der Erbgeflait und ber Erdgeſchoͤpfe, 
bie fie duch Wanderungen ıc, erlitten haben.“ Die Mehrzahl von 
beiden ift nur dann gewöhntih, wenn von einer foldhen ſchriftlich 
abgefaßten Beſchteibung und Geſchichte ber Natur bie Rede if. 


Der Naturbetrachter, —s, 9. gl; die —inn, Bi. —en, eine 


Verfon, melde bie Ratur betrachtet, Betrachtungen über bie Natur 
anſtellt. Stieler. 


Die Naturbetrahtung, m. Pe 1). Die Betrahtung der Ratur 


in ihrem Wefen und ihren Werken; obne Mehrzahl, ») Eine über bie 
Ratus angeflellte Betrachtuug. 


O Das Naturbild, —es, By. —er, ein Bild aus der Natur here 


genommen, wie aud, ein Bild, weldes die Natur nadabmet, ober 
fie finnsirdfich darſtellet. „Hier einige fimpfe (einfache) Naturbilder 
gewählt, ganz wie fie find, Herder, »Alles im heilige Sagen, 
MRaturbiid — gebüllt.- Derf. 


Naturblind, adj. u, adv. von Ratur blind, blind geboren. Gtie: 


ler, Davon die Naturblindheit, angeberme Blindheit. 


O Die Naturblume, 3. —n, eine natürliche, von ber Ratur 


hervorgebradhte, ungelünftelte Blume, urz, das Griechtſche Dras 
ma war eine Matuchlume der Zeit, aus Veranlaſſungen des bes 
mahls Iebenden Geſchmacks hervorgewachſen.“ Herber. 


worunter man alle jedes Lebens beraubte natärtiche Dinge verftehet. O Der Naturdienſt, —es, 0. 3. der Dienft, die Verehrung, welche 


Nature 


der Natur als einer affwirkenden Kraft, als einem eigenen Weſen 
‚gleirhfam bargebracht wird ober wurde, „Und welher Wilfenfdn; 
ten, welder Meligion? genau ber, bie wir entwidelt, ber Ratar: 
fehre und des Naturdienſtes“ Herder. 

%* Naturen, v. trs. mit einer gewiffen Ratar, gewiffen natürlichen 
Anlagen verfehen. Stieler. „Plate, einer ber einen breiten Kopf 
bat, d. i. der wohl naturer iſt zum Stubiren.e Wicel. (R.) D. 
Nutaren. 

Das Naturereignif, —ſſes, —ffe, f. Naturbegebenheit. 

Die Naturerfcheinung, 94. —en, eine natürliche Erfheinung, eine 
Gefgelnung in ber Natur, eine Begebenheit, ein Ereignig in ber 
Raͤtur, Sofern wir fie mit unfern Sinnen wahrnehmen (Natur: 
plaenomen), £ 

O Dad Naturerzeugniß, —ſſes, 3. —fe, ein Erzeugnis ber 
Natur, ein Körper, wie ihn die Natur hervorbringt (Naturpro- 
duer); in Gegenſat von einem Kunftergeugniffe. N 

Der Naturforfcher, —s, 4. al.; die —inn, 9. —en, eine Per: 
‚fon, melde den Begebenheiten und Veränderungen in ber Natur 
nahferfhet, ibre Gefege und Entftehung zu erforfehen und au erkläs 
ren fuht, ehemahls aud Maturkundiger, und weihe ein Maturs 
kenner (eine —inn), oder ein Naturkundiger (sine —kundige) if, 
wenn fie diefelben wirklich mehr ober weniger erforfät hat, 

Die Naturforfhung, o. By. die Forfhung in der Katur, bad Ber 


ſtreben“ die Begebenheiten und Veränderungen in ber Natur und, 


die Geſeze, mac welchen fie erfolgen, zu erforfchen, welche Fors 
fhung, wenn fie zur wirklihen Kunde oder Kenntniß geworben ift, 
Naturkunde ober Naturkenntnif if. 

Die Naturgabe, 9. —n, eine Babe, vorzäglihe Eigenſchaft, wel: 
che jemand von ber Ratur empfangen bat, welche angeboren ift, 
sum Unterfdiebe von ben erworbenen Eigenſchaften. S. Gabe, 

Der Naturgang, —ed, 9%. u. ber einfahe Gang ber Natur in ib: 
ren Veränderungen, Begebenheiten, Stieler. 

O Das Naturgemählde, —s, 34. gl. ein Gemaͤhlbe nah ber Na: 
tur, welches bie Natur nahahınet, Gegenftände ber Ratur barfteilt; 
ſowol von wirftihen Gemählden, als aud von mahleriſchen Befhreis 
bungen, „Dasteben ber Darftellung in feinen Naturgemählden« ıc. 
3. 8. Müller, 

Naturgemäß, adj. u. adr. der Natur gemäß, angemeffen, mit ihe 
übereinftimmend; auch naturmäßig. Ein naturgemäßes Leben, 

Die Naturgefhichte, m. —n. f. Gpaturbefihreibung. 

Das Naturgefeh, —es, Di. —e. 1) In der Naturlehre, die Gr: 
fete, nad weißen ale Begebenheiten und Veränderungen in ber 
Natur erfolgen, 2) Sittlich betrachtet find bie Maturgefeße ſolche 
Geſetze und Vorfhriften für unfere freie Handlungen, bie ats der 
Natur bed Menihen und bem einfahen Gebrauche feiner Vernunft 
herfließen; zum Unterfhiebe von den Staatsgeſetzen ıc. Den gait- 
zen Umfang biefer Geſetze bejeichnet man fammelmörtiihb und ohne 
—— durch die Einzahl, das Naturgeſeh oder das Geſetz der 
Natur. ' . 

O Die Naturgeftalt, 9. —en, eine natürliche Beftalt; in Gegen: 
fag von Runftgeftalt. „Sie (bie dichteriſche Griechiſche Faber) firömt 
in alle rohe Miffenfhaft Naturgeftalt und Kunſt hinüber.e Herder, 

O Das Naturgemächs, —es, 4. —e, ein natäclihes, von der 
Natur bervorarbradtes Gewäaͤche. „Er befchreibt den Lebens: und 
Mieisheitebaum als Naturgewächs, mie eins bavon Adam af,“ 
Herber, 

O Die Naturgewalt, o. 3%. bie Gewalt, Kraft der Natur, als ei: 
nes Inbegriffes vom’ Kräften oder aldeines eigenen Wefens. Tiedge. 

O Der Naturglaube, —nt, 0.9. ı) Der Glaube.an Gott und 
göttliche Dinge, zu welchem man fih durch den bloßen Gebrauch 
feiner Vernunft, alfo auf einem natärlihen Wege erlebt (Natura- 
Hsmus); in @egenfag bes Dffenbarungsglaubene. ©. a) Der 
Gtaube an Bott, der auf dem Beweife bes Dafeins Bottes aus ber 


46% 


Naturl— 


Ratur beruhet und bie darauf gegruͤndete Lehre (Physiootheole > 
© Der Naturgläubige, —n, 3. —n, einer ber den —— 
ben hat oder ſich dazu bekennt (Naturalist), E. 

© Das Naturgut, —es, M. —güter, ein Gut, d. h. eine von ber 
Natur erzeugte Sache und wie fie von Natur if, „Fin an Nature 
gütern (Naturalien) reiches Land.“ G, 

© Der Naturhang, —es, 3. u. ber natürliche Bang zu etwag, 
bie Neigung, welde man von Natur zu etwas hat. G. 

Das Naturjahr —es, ʒz. —e, ſ. Natürlich. 1). 

O Der Naturjüngling, —es, Di —e, ein die Natur liebender, 
ber Natur freu bleibender Jängling. „Do als dieſe Klänge dem 
entzüften Naturjängling nur noch bringendermadte.« @. Wagner. 

» en —8, Bi gl; die —inn, By. —en, f. Natur: 
orfcher. 

Die Naturfenntniß, 94. u. f. Naturforfhung. 

Die Naturkette, 9. u. die Kette, auf einander folgende Relhe ber 
Dinge in ber Natur. — daß bie Ketie Naturwefen — jerriffene 
Maturkette, Mengfel und Brodnif ſei.“ Derber. 

Dad Naturkind, —es, My. —er, ein Kind ber Ratur, b. h. eim 
Menfh ber nah ber Ratur, im Stande der Natur lebt. — jenen 
Naturkindern, bie ihe Wilde nennt.* Berbder. 

O Der Naturlönig, —es, By. —e, ein König ber Natur, ein 
Herrfher über die natärlihen Dinge auf Erden. — fein eigner 
* Gott auf der Erbe zu fein, Statthalter und Naturkönig« ıc. 

erber, 

Der Naturförper, —s, 9. gl. ein natärlider, d. b. zum Reide 
ber Natur gehöriger Körper, er fei belebt oder unbelebt. r 

Die Naturkraft, By. —Eräfte. 1) Diefenige Kraft, die in- jedem 
Körper mannichfaltig geartet die mit bemfeiben vorgehenden Ver— 
änderungen heruorbringt. 2) Sofern Natur als ein Inbearif' als 
ler biefer Kräfte betrachtet und gleihfam als ein eigenes Weſen ge= 
badıt wirb, eine einzelne Kuferung diefer Kraft, oder eine einzeine 
Kraft biefes Weſens. 

Die Naturkunde, 0. 3. f. Naturforfhung. 

Der Naturkundige, —n, 34. —n, f. Naturforfher. . 

Die Naturkundigung, 0. Bez. fo viel als Naturforfdung. »Bittene 
lehrige Abfichten verderben die Maturkundigung. G@abr. Wagner, 

O Die Naturkunft, 9a. —künfte, eine Kunft, welde die Ratur 
fhon lehret, welche man ohne befonbern Untersiht und ohne daß 
viel Umfände dabei möthig find, lernt und übe. Maturkuͤnſte 
maden aufrihtig; Schutkünſte ſtolz und graufam.« Gabr. 
Wagner, 

Die Naturlehre, 34. —n. 1) Die Lehre von ber Natur, bie Behre 
von ben Begebenheiten und Veränderungen in ber Natur, ihren 
Urfachen und Gefegen, aus welden und nad melden fie ſich ereig⸗ 
nen; ohne Mehrzahl (Physik), Wird fie auf mwilfenihaftiiche Are 
behandelt, fo beißt fie Natutwiſſenfchaft. Naturlehte ber reinen 
Vernunft, derjenige Theil der Lehre vom Überfinnlichen, welcher bie 
Natur betrachtet. Natuͤrliche und uͤbernatuͤrliche oder überfinne 
liche Naturlehre. 2) Eine Schrift, ein Buch, worin biefe Lehre 
abgehandelt wird, Grens, Funkes ꝛc. Naturlehre. 

O Naturlehrig, adj. w. adv. zur Maturlehre gehörig, darin ger 
gründet, baven handelnd, daraus entichnet (physikalisch). 6. Nu: 
turiehrige Verſuche, Schriften, Eäpe. 

Natürlich, —er, — ſte, adj. u. adv. überhaupt, dev Natur gemäß, 
in ber Natur gegründet, bamit oͤbereinſtimmend. 1) Im der ur« 
fpränglihen Art und Einrichtung eines Dingrs gegruͤndet, berfeiben 
angemefien. Die natürlichen Cigenfhaften eines Menfhen, die er 
von der Natur hat, mit welchen er geboren ifl; in Gegenſatz von 
ben erworbenen, buch Erziehung ıc. erlangten, Natuͤrliche Fi: 
higkeiten, Zriebe, welche bie Natur An uns gelegt hat. Die natüre 
liche Gemäthsart eines Menſchen. Ein natürlicher Huager, wel: 
gen Menfgen und Thiere vermöge ihrer natürlichen Ginrihtung, 


' 


Natiel | 


9. h. welche ihnen bie Matur gegeben hat, empfinden. Natuͤrliche 
Bewegungen oder Borgäange im Körper, folde, bie nach ber urfprängs 
lichen Eintichtung des Körpers, und gang unwillkührlich erfolgen, 
als, bie Berbauung, bie Ahfonberung ber Säfte, der Blutumlauf rc., 
welche Ad. nicht gut natuͤrliche Handlungen nennt. Der Wunid 


nad Geſundheit und Wohlfein iſt ein gang natuͤrlichetr Wunſch. 


Mes Kann natuͤrlicher fein, als daß man ift, wenn man hungert, 
ruhet wenn mam ermattet iſt! Die kLiebe, bie Tugend, bie Sünde 
ift dem Menfhen natürlich, bee Menfh hat von ber Ratur Em: 
Ffänglicyfeit, Antage dazu. Der natürliche Tod, welder nad ben 
Gefegen ber Natur von felbft erfolgt; sum Unterſchiede von einem 
gewaltfamen, In der Sprache ber Gottesgelehrten wirb ber nitlire 
liche, auch, ber leibliche oder zeitliche Tod, d. h. ber Tod des Körpers, 
den geiſtlichen und ewigen eutgegengefegt. Das natuͤrliche Leben, bad 
thieriſche, in Gegenfag des geiſtigen und geiftlicden. Die natuͤrli⸗ 
de Gotteelehre ober Religion, weide bloß aus ber reiten Anwens 
bung ber Vernunft und aus vernünftiger Betrachtung ber gangen 
Ratur entfpringt; in Gegenfag einer gegebenen und geoffenbarten. 
Natuͤrliche Strafen, ſolche die nothwendig ans ben Seſeten ber 
Ratur aus ben Verbrechen folgen, in denſelben ganz gegründet find; 
in Gegenfag ter willkührlichen. Matürlice Pflichten, melde uns 
die Ratur auflegt, weliw anf Gefegen der Natur beruhen. Die 
natuͤrlichen Folgen, welche nah den Gefegen der Natur aus einer 
Sache entftehen, ihren Erund allein in der Sache haben. Das folgt 
daraus ganz natuͤrlich. Natuͤrlich mußte es fo kommen. Da etwas 
was natbrlich ift, ‘was nadı Befegen ber Natur, alfo nothwendig, 
von ſelbſt aus einer Sache folgt, von jedem Menihen Leicht erkannt 
werben Bann, gebraucht man natürlich im gemeinen Beben aud ats 
eine Bejahung, Belästigung von einer Sache, die fih gleichſam von 
feloft verſtehet. Ungewoͤhnlich ift 8 aber natuͤrlich für; von Ratur 
gu gebrauden, „Alle Menſchen find nathrlich eitel.e Weish. 13, 1. 
Im Waſſerkunſtbaue nennt man es einen natürlichen Fall, ober das 
Waſſer werde durch einen matärlichen Wall im bie Höhe gebracht, 
wenn das Waſſer dur Röhren von einem Orte zum anbern geleir 
tet wich. Im weiterem Sinne ift natuͤrlich, ber eigenthämlichen 
re ind Meiſe einer Sache gemäß und darin gegränbet. Kus ber 
Sache konnte natuͤrlich nichts werden, da fie gleich kalſch angefan⸗ 
gen wat: In einer andern weitern Bedeutung ift natärlich, mit 
einer Bade zwaleih entitehenb unb in biefem gleichzeitigen Entfichen 
“gegründet, Altern und Kinder, unb Geſchwiſter ſtehen in einer 
natuͤrlichen Berbinding mit einander, ober auch, fie find durch mas 
tuͤrliche Bande mit eimander verbunden, d. h. bie Kinder und Be: 
ſchwiſter find ſchon durch bie Ratur fo eng mit ben Ältern und mit 
einander verbunden, ſie treten glei bei ihrer Geburt im dieſes nahe 
Berhältnig zu einander. Die nathrlice Geſellſchaft, die Befeufhaft 
' zwifchen Xitern, Kindern und Seſchwiſtern, in werde fie fogleich bei 
der Gebiet treten. Der notärliche Oberherr, unter befien Ober: 
berrigaft man geboren ifl, und bem man von feiner Geburt am un: 
terwerfen it, Der Rauch ift ein matürliches Beihen bes Feuert, 
‚meil er. nur mit ober bei einem Feuer entſtehet. Welonders häufis 
bezeichnet nathrlich, ber wrfpränglihen Art zu fein gemäß und barin 
segtünbet, mit Ausſchließung aller milltährlihen Einwirkungen und 
Beränderungen von außen, wo es bann überhaupt dem Künfttichen 
in weiterer und engerer Bebentung, mie auch dem Gekuͤnſtelten, 
Geywungenen entgegengejegt wird. Der natheliche Menfh oder 
Moturmenfh, der im Stande der Matur lebt. S. Naturı) in 
nathrlicher Menfh, ber aud in der bürgerlichen Befelfhaft unter 
gefitteten Menfhen, bie üb von ber Natur mehr ober weniger 
‚ entfernen, ber Ratur wenigſtens in Hauptfachen getrew bleibt, ſtch 
zit verfiellt, offen, vertraultch und einfah iſt. In engerer Ber 
Beutung nennt man einen Menfhen, befonders ein Kind, natuͤrlich 


(nair), mern fie unter Menſchen, bie fih won tor Natur mehr oder , 


‚weniger entfernt haben, ber Tatur gemäß ſprechen und hanbein, 


463 __ 


Natürl 


dadurch ron der Kunſt ober dem Kuͤnſtlichen der Menſchen ſehr abs 
ſtechen und file beſhhämen. Sie gefät wegen ihres natuͤrlichen 
(neivun) Weſens. Ein natuͤrticher Einfall. — Die natürliche 
Freiheit, welche jedes Geſchoͤpf im Stande ber Natur geniest. Na— 
tuͤrlicht Rechte, welche jedem Menſchen ven Natur zufomeren. Die 
natuͤtliche Erbfolge, wo immer bie Kinder von ben Aitern erben; 
sum Unterſchliede von jeber andern bar Übereinkunft, Vertrag :c. 
beftimmten. In natürlicher Verbindung leben, in einer Verbin 
bung, welche bloß das natürliche Beduͤrfniß und bie Reigung ſchließt; 
in Gegenfas von jeftr andern bürgerlichen oder rechttichen Merbin 
dung in der bürgertichen Geſellſchaft. Ein natürliches Kind, ein 
in einer ſolchen natürlihen, unehelihen Verbindung gejrugtes Kind, 
welches zu den Rechten anberer Kinder, welche in einer gefegmäßis 
gen he geboren und eheleibliche Kinder find, unfähig iſt. Der na⸗ 
türlihe Zug, ber von Aufgang bis zum Untergang ber Gonne 
dauert; zum Unterfhiebe vom künſtlichen im geſellſchaftlichen Beben, 
der von einer Mitternacht bis zus andern gerehnet wird. Ein mas 
tärlihes Jahr, die Beit von einem Fruͤhliage ober Herbite bis zum 
anderh, bei Sfieler das Naturjahr. Natuürliches Haar, eigt⸗ 
nes Haar, im Gegenfag bes falfhen, Cine nathriiche Geſichts⸗ 
farbe, die durch Umſtände nicht verändert, bie nicht gekünftelt iſt. 
Matürliher Wein, ber nicht gekünfleit ift, fondern fo, wie er aus 
ber Traube kommt. Gine natürliche Bewegung, Stellung, eine 
ungezwungene. Cine natürliche Schreibart, eine ungefänftelte, uns 
geswungene. Mit unrecht wird natuͤrtich zumeiten als ein gelinber 
rer Ausdruck für plump, ungeſchickt gebraucht, weil man fid werleis 
ten täßt, bas von ber Natur fi mehr ober weniger entfernenbe 


"Künftiihe und Abgemeffene anfläntig und fein zu nennen. Das 


Fan ziemlich natuͤrlich heraus. Zuweilen heißt natürlich auch wer 
niger Lünfttich, weniger geſucht, im Gegenfap bes mehr Künftlihen, 
mebr Geſuchten. So iſt in der Tonkunſt die natuͤrliche Tonleiter 
eine fothe, deren Toͤne durch keine vorgefeste Zeichen veraͤndert 
werben, zum ünterfhiebe von einer ſolchen, wo bies geſchieht, ber 
vorgefeßten. 2) Der Rene, db, h. ber in allen Weſen urforängli 
Tiegenben und die Berfhiebenheiten und Veränderungen an und mit 
denfelben begränbenden Kraft als Eins betrachtet, gemäß, barin ge 
gränbet, daraus herzuleiten und verſtaͤndlich; in Gegenfag von uns 
natuͤrlich, widernatuͤrlich, uͤbernatuͤrlich. Natuͤrliche Kegebenneis 
ten, Erſcheinungen, Ereigniſſe, wofär man gewoͤhnlicher Naturbe— 
gebenheiten, Natuterſcheinungen, Naturereigniffe gebraucht. Des 
gehet ganz natuͤrlich zu. Die natuͤrlicht Zauberei, bie Zauberei, 
d.5. Bewirtung auffallender und dem Unkundigen unerklaͤrbarer Er⸗ 
ſcheinuugen, welche auf ganz natürliche Art, d. h. nad ben Geſeten 
ber Natur hervorgebracht werden. Daher iſt der gemeine ber "a: 
turgefese und Naturgehelmniſſe unkundige Haufe geneigt, XAlles was 
er nicht begreifen und erftären fann, für nit natürlich su dafs 
ten, und bei foiher Gelegenheit zu fagen, das gebt nicht natuͤrlich 
zu, gebt nicht mit natuͤrlichen Dingen au ꝛc. 3) Bur Natur, for 
fern ber Inbegriff aller Dinge darunter verflanden wird, gebörig. 
So nennt man natürliche Körper in engerer Bedeutung ſolche, weis 
che zu einem ber drei Heide ber Natur gehören. Dana, ber Ratur 
ober einem Begenftande in der Ratur aͤhnlich, gemäß. @in natuͤr⸗ 
liches Gemaͤhlde, in welchem bie Natur treu nachgeahrnt iſt, welches 
fie treu darfellt. Das Bild iſt ganz natuͤrlich, If dem Gegen 
Rande, ben es vorſtellen fol, ganz ähnlich, ſtet Kine Natur treu 
dar. Einem etwas fehr natuͤrlich nachahmen. Eine Role-fehr nas 
tuͤtlich foielen, Das fießt natuͤrlich fo aus, gerabe fo, eben fe. — 
Die Steigerung biefes Wortes findet nur in denjenigen Bebeutun: 
gen Statt, wo eime Vergleichung möglid tft. 


Die Natürlichkeit, Rz. — en. 3) Der Buftand, bie Gigenfchaft ei⸗ 


ner Sache, da fie gatuͤrlich if. Die Natürlichkeit ber menſchlichen 
Zriebe. Die Natuͤrlichkeit bes Hungers, des Zobes m. Die Nas 
tuͤrlichkeit der Liebe zwiſchen Item und Kindern, Die Natürliche 


Naturl 


kit (Naivetd) eines Menſchen. Die Natürlichkeit einer Farbe, 
einer Bewegung, ber Schreibatt. Die Natürlichkeit einer Erſchel⸗ 
zung, einer Vegebenheit. Die Natürlichkeit eines Gemählbes, eis 
ner Darftellung. 

Das Naturlicht, —eb, o. Bi. Licht, d. 5. Erkenntniß, weihe mir 
duch Gebrauch unfrer natürlichen Kräfte erlangen und bie wir aus 
der Betrachtung der Ratur fchöpfen. 

Naturmäßig, adj. u, adv. ber Natur gemäß, der Ratur angemeffen. 
Friſch. Cine naturmäßige Lebensart. Davon die Naturmäfigs 
keit, ber Zuſtand, die Eigenfhaft einer Perfon ober Sache, ba fie 
watarmägig it. „Richt unfere größere Naturmäßigleit, ganz im 
Begentheil, die Naturwidrigkeit unfrer Verbältniffe, Buftänte und 
Sitten treibt uns anı x. Schiller. 

DerNaturmenfh, —en, 94. —en, der Menſch im Zuſtande der Natur, 
ohne alle bürgerfihe und kuͤnſtliche Werbättniffe , S. Natur. 
Dann auch, in weiterer Bedeutung, ein zwar in ber bärgeriihen 
Geſellſchaft lebender aber ber Natur fo viel ats möglih treu bleir 
bender Menſch. 

O Die Naturoffenbarung, o. 9. die Offenbarung ber Natur, bie 
Offenbarung, melde ber vernänftige Forſcher ber Natur in berfels 
ben findet; in Gegenſatz einer uͤber natürlichen Offenbarung. 

‚Die Naturorbnung, o. 9. bie Ordnung in der Natur, welche auf 
unwanbelbaren Befeben beruhet, „Geftörte Naturorbnung. «Derber. 

Die Naturpflicht, M. —en, eine Pflicht, melde die Natur auflegt, 
welche auf einem Maturgefege berubet. — fo wenig ans Maturs 
pflicht und Schutdigkeit, alae a. Herder. So haben Zltern, 
Kinder, Gefhwifter Naturpflichten gegen einander, 

— eäs fand Jungfraͤulichkeit, Recht und Naturpflicht 

Ihr vor dem Blick. Roß. 
In weiterer Bedeutung auch von einer Weränberung, bie aus Ra- 
turgefegen nothwendig erfolgt. „Die gefhlagene Saite thut ihre 
Naturpflicht, fie Eingt.« Berber. 

O Die Naturpracht, 0. 9%. die Pracht der Matur, wie auch deſſen, 
was natürlich ift d. 6. ber Matur tee if, „Daher bie Geſtalt ber 
älteflen Poefle in ihrem Meihthum an Bildern und Zönen, in ihrer 
Naturprucht und Naturſchoͤnheit. Herber, 

Das Naturrecht, —es, 9. —r, ein Recht, weiches bie Nature er: 

-theitet, ein Recht, welches dem Menfhen als Menfhen von Ratur 

aufer ber bürgerlihen Geſellſchaft und ohne Rüdfiht auf diefelbe 
zufömmt. Sammelwoͤrtlich begreift man unter dem Maturgefege 
den Inbegriff dieſer Rechte (Tas maturae); auch, das Mecht ber 
Natur, in Gegenfag des bürgerlichen Rechts, Staatsrechts ıc. 

O Naturreih, adj. u. adv. relch am Natur d. h. Natürlichkeit, 
hoͤchſt ungeswungen, „Maturreiche, lichte Folge biefes Werke, das 
zeige bule Herder, 

Des Naturreich, — es, My. —e. 1) Das Reid ber ganzen Natur, 
affe Dinge zufommengensmmen als Pin Banzes betrahtet; ehne 
Mehrzahl. Nah Ad. wird es bei ben Gottesgelchrten auch Reich 
der Macht genannt, und dem Gnadenteiche, weiches fih nur auf 
die Menfhen und befonbers auf bie Glaͤubigen erfirede, entgegenge: 
fest, 2) In engerer Bebeutung bringt man alle auf und unter 
der Erbe beſindliche Körper in brei Hauptabtheilungen, bie man 
Naturreiche ober die Reihe ber Ratur nennt, nämlich bas Thier⸗ 
reih, das Pilanzenreih und bas Minerreich. 

Die Naturreligion, o. DM. die natürliche aus ber Natur nefhöpfte, 
ober allein aus ber vernünftigen Betrachtung bee Natur bervorger 
gangene Religion. „Die reinere, fo abgejogene, lautere — Mas 
turreliaton — Meer fand, lehrte, prebigte — Bottle ıc. Herber. 

Die Naturfache, By. —n, eine natürliche Sache, jede Sache, bie 
zur Natur, in das Mei ber Ratur gehört, befonbers Naturkörper, 
Euſt zu Naturſachen ift ein Merkmahl ber Eroßmuͤthigkeit.“ Babr, 
Wagner. 

O Die Naturſammlung, M. —en, eine Sammlung von Rature 


464 


"Die Naturfhönheit, 3. —en. 


Naturw 


koͤrptrn, von ben Dingen aus ben brei Raturreichen, beſonders, 
wenn fie geordnet iſt (Naturaliencabinet). &. Cine Natur und 
Kunflfammlung (Museum), 

Der Naturfhauplag, —es, 34. —pläße, bie ganze Natur ala ein 
Schauplatz betrachtet. „Es feine mir kein Bortheit zu fein, daß 
wir unſer Theater (unfere Bühne) gleichſam zu einem unenbliden 
Naturſchauplatze ausgeweitet haben.“ Goͤthe. Dann auch wol, 
ein Shauplag, auf weldem man bie Natur betrachtet, Schauplag 
der Natur. 

Die Naturfhen over Naturfchene, 0. 29. eine Echene, welche man 
von Natur vor einer Sache hat, die Naturasneigung (Antipathie). 
Stieler. Kiuberling. 





1) Die Schönheit ber Natur unb 
alles befien, was natürlich it; ohne Mehrzahl. „Daher bie Geſtalt 
ber aͤlteſten Poefie — in ihrer Naturprahl und Narurfchönheit.“ 
Herder, 2) Eine Schönheit der Natur, etwas Schönes in ber 
Ratur; aub wol, etwas ungefünftelt, von Ratur Schöngs. 

Die Naturfeltenheit, 3. —en, eine Seltenhelt in der Matur, ein 
felten vortommenter, natürlicher Körper, bergleigen man befonbere 
in Raturfammmiungen aufbewahret. 

Der Raturfinn, —es, 0. 94. der Sinn für bie Nafur, für bie 
Schönheit, Ordnung ıc. in berfelben. 8. Sinn, ebſt biefem 
heiligen Ernft unterfdieb ibn von gemeinen Shwärmern [ein reiner 
Maturfinn.- Gruber. 

Aber fein ftetes Geſchaͤft war, jebem, wie fih, den Maturfinn 
Höher zu heben durch Religion. — — Baggefen. 

Das Naturfpiel, —es, 299. —e, tin Spiel der Natur, ein Raturs 
körper, ber vom ben gewöhnlichen feiner Art abweicht und beq bie 
Ratur gleichſam fpietend, zum Spiel ober als ein Spiel hervorbrachte 
(Losus naturae), 

Die Naturſprache, 2. u. eine natärliche, ungekänftelte und einfache 
Eprade, die Epracde bes Naturmenſchen. Auch wol, eine Sprade, 
bie gleihjam bie Ratur mit uns ſpricht. „Und num endlich biefe 
ganze fo reihe, fimple (einfache) RAaturlprache das sunge - 
Bimmels und ber Erben" ıc. Herder... 

Der Naturftand, —es, 0. Bi. ber Stand ber Natur. @. Hatur, 
Sm Maturflande leben. 

Und bes im Raturftand gegründeten Rechts. — atfarev. 

O Der Naturſtuͤrmer, —6, 9. gl. einer, der auf bie Ratur ein- 
ſtuͤrmet, ihr ganz zuwider Handelt, fie zu zerruͤtten fuchet ober dro⸗ 
bet. — wie viel fie Gefahr lauſen, fi in Unpäßlichteiten und 
Krankheiten leichtfennig unter Behandlungen flach gelehrter Natur⸗ 
ſtuͤrmer oder verwegner Quackſalber, u werfen." Gaiffert. 


Der Naturtrieb, —es, Di. —e, ein Trieb, welcher in der Matur 


eines Weſens gegründet if, Im engerer Bebeutung, ‚ein foicher 
Trieb, ber mit ber Natur eines Weſens fo genau verbunden, fa feſt 
barin gegründet ift, daß feine freie Mahl dabei Statt finbet-(In- 
stinet). Den NMaturtrieben folgen. Geht diefer Trieb bei Thies 
ven auf Verrihtungen, die wir fünftlih nennen, wie z. B. bas 
Bouen der Bienen, Bögel, Biber, bas Weben ber Spinnen zc., fe 
beißt er au Aunfttrieb. 

Die Naturverehrung, My. — en, die Verehrung ber Netur, ber Mas 
tutdienſt. Herber. 

Das Naturvolk, —ed, Mz. — voͤlker, ein im Stande der Ratur, 
ohne eine bürgertiche Fänftihe Berfofung Lebendes Wolf, „Kuh 
alle Naturvoͤlker, die wir Wilde nennen. Herder. 

O Naturvoll, adj. u. adv. voll Naturober Ratuͤrtichleit, ganz nad ber 
Natur befhaffen, „Der naturvolle Charakter der Griehen.e Herber, 

Die Naturwaffe, 4. —n, Waffen, womit bie Natur verfehen hat, 
natürlihe Waffen, als Hände, Füße, Zähne, Hörner it. „Natur: 
maffen find bie verfagt.- Herder. 

Der Naturweife, —n, Mz. —n, ein Meifer, der feine Weisheit aus 
ber Natur ſchoͤpft oder gefhöpft hats mie auch, ein Weiſer, deſſeun 


MNaturw 


Beisheit la einer vertrauten Kenntniß ber Natur beſtehet. Stie: 
ter, »Es iſt das Bird jenes Naturweiſen.“ Becher. 

Die Naturweisheit, o. My. Weisheit, bie aus ber Ratur geſchoͤpft 
ift, und in einer vertrauten Kenntnis ber Ratur beftebet, Rach 
dem Vorbilde Gottes ſoll dieſe Religlon, Moral (Sittenlehre) und 
Naturweisheit bie erſte lachende Morgenröthe deines Untertichts 
und deiner Kilbung werben Herder. 

Das Naturweſen, —6, 4. gl, ein natuͤrliches ober zum Reihe ber 
Ratur geböriges Weſen. „Rein Maturwefen, bei bem noch alle 
Seelen: und Körperfröfte sufammenfireben.e Herder. 

Naturwidrig, adj. u, ade. der Natur zuwiberlaufend, entgegen. 
Gine naturividrige Erziehung (M,). Davon die Naturmibrigfeit, 
ber Zuſtand, die Eigenfhaft einer Sache, ba fie naturwidrig ift. 
.— die Naturwibrigkeit unfeen Berhättniffe, Zuſtaͤnde und Sit: 
ten" ıc. . Schiller. 

O Die Naturwirkung, Mm. —an,. eine natürlihe Wirkung ,. eine 
Wirkung, die nad natdeticen Gefegen erfalgt. „Sollte alfo ni ht 
auch bei dirfens, wie bei alten Aeihen fortgefegter Natucwirkungen 
ein Fortgang unumgänglich: feine Berber. 

Die Naturwilfenfchaft; Di. —ım. 4) Die, wienfhafttice Kennt: 


Mehrzahl. 
lehret wird. 


») Ein Buch, eine Schrift, werin diefe Biffenfgaft ge 


Das Naturwunder, —s, My. gi. ein Wunder, wunderbares Ding, : 


wunderbare Gintihtung m. in ber Ratur, 
© Dir Naturzögling, — s, . —e, gleichſam ein, Zogling ber 


Ratur, ein der Natar üͤberlafſener, in ehren; Finfalt und Yu: _ 


ſchuld aufgemachlmer Menſch. 

Der Naturzuſtand, —es, M u der natürliche Buftan, worin fih 
etwas urfprünglih, bei feinem Entfichen befinket,  Befonbers von 
den Menfhen, ber Stand ber Ratur, welcher dem bürgerlichen ıc, 
Buftande entgegengefegt wird. »Ss ift fon ganz. gewoͤhnliche Bor: 
audfekung geworben, ben Menſchen aus einem fogenannten Matur: 
zuflande — hinaus zudempnſtrirent (Hinanszubeweifen). , Herber. 


Du Raturzwel, td Mat, ein-äwek, weihen: fc gleichtam 


: die Rate zu arreichen vorgeftedt Hat, welchen ein Weſen feiner na: 
‚tärlihen Beftimmeng;nah erreichen fol, 
Doch eine Koniglun — bie ſollte 
Bon dem Naturzweck ausgenommen fein. 

+ Nau, adj. „adv. genau; and kaum. 

- + Der Nau, rt, M. —e, ein Name des Döbels Cyprinue dobu- 
ta L.). Kemnit. 

+ Die Nau, 34. —en, f. 2. Nabe. . 

t Die Naufahrt, Du. —en, an der. Donau, die Fahrt auf der Do: 
nau abwärts von fimbis nach Ungarn; in Gegenſat vom Gegen: 

mi triehe, ber Kahrt hen Strom aufwärts. 

+ Nauten, y. mtr. mit haben, in Schwaben, einniden > fhlummern, 
D. Nauren. 

Neapel, —E, der Name einer Stabt und eines Königreihs in Unter: 
‚ italien. Davon ber Meapler, —s, Bi. gl. bir —inn, 24. —en, 
ein Bewohner, eine Bewohnerinn Neapels,: eine Perfon, bie aus 
Steapel gebürtig iſt un Neapeliſch, zu Menpel gehörig, aus Rea⸗ 

«+, pei kommen, gebüctig ıc., Formen, weiche kürzer und Deutid find, 
was bei Menpolifaner und Neapelitanifch nicht der Fall ifk. 

O Das Neapelgelb, 0. Umend. u. Dh. eine gelhe Fatbe, ‚die man 
aus einem ans gleihen; Iheilen Salınial und Alam mit ı2 Theilen 
Bleiweis beftehenden, bis zum dunkeln Nothglähen erbisten unb 
nad bem Erkalten ganz fein geriebenem Gemiſch erhält (Giallolini), 

Der Nebel, —; Me; gr. waͤſſerlge, durch die Kälte verdichtete und 
daher ſichtbare Bihnfte in der Nähe der Erbflühe, weiche bir Luft, 
in ber fie ſchwimmen, mehr ober weniger undurchſichtig machen, und 

welche wenn he böder in der kuft ſchweben, Wotfen heißen; im N. D. 
der Miſt. S. d. Su Herbſte entſtehen häufig Nebel. Der Ne— 
Gampe's Woͤrterb. 3 Th. 


Schit ler. 


— ⸗ 


Mebelfeucht, adj. u. adv: feuht von Nebel. 
Der Nebelfled, —es, Dy. —e, tin nebliäter, wie Nebel erſcheinen⸗ 


Nebelf 


bei fällt, fagt man, wenn er in trapfbarer Geſtalt in Staubregen 
ober Thau übergeht und zur Exde fällt; er fleigt, wenn er ſich in 
die Höhe erhebt, fich daſeldſt verdichtet und Mollen bildet, worauf 
gewoͤhnlich ein trüber Tag und oft Megen folgt. Es ſteigt ein Nebel 
auf, eo entficher ein Rebel. X Bei Naht und Mebel davon gehen, 
heimlich, in aller Stille. Einem einen Mebel vor ben, au, vor bie 
Augen maden, ihm einen blauen Dunſt hormachen. S. Dunfl: Es 
ift mir wie ein Mebel vor den Augen, ih kann nicht fehen, nicht er⸗ 
kennen, als befände ich mid in einem Rebel, In weiterer Bedeu⸗ 
tung nennt man auch anbere Körper als Waffer, wenn fie in Dunft: 
geftalt erfheinen trodne Nebel, font noch Landraud, Heertauch, 
Sonneuraud ic. Uneigentiih, Artwes gleich einem Rebel Durch; 
fihtigeö, weiches eine Sache halb und halb burchſcheinen ober durch⸗ 
fehen täft, So ift unter feibenem Nebel in ber folgenden Stelle, 
ein feidener Schleier ober anderer leicht gewebter Stoff gemeint: 
Ein feidener Nebel, der im zauberifhen Lichte 
Die ſchoͤnſte Bruſt verrleth. Engelſchall. (R.) 
So mag der Mebel deiner Sinnlichkelt 
Auf Augenblide fi zertheilen. Hauswalb, 


Die Nebelbant, Ws. —binke, in der Seefahrt, ein auf ber See 
nis der Natur, ober die Raturkenntniß als eine Wiffenfhaft; ohne 


oder an ber Küfte ſich zeigenber Nebel, welcher in ber Ferne einer 
Bank, einer Küfte ähnlich fieht, ©. Bank. In weiterer Beben: 
tung, ein über einer einzelnen Stelle ſchwebender Nebel. »— unb 
ſtatt — bes Blitzes überfloß nur bie ſchimmernde Naphtaquelle ri: 
nes fanften Seiligenſcheines bie ganze Nebelbank I. P. Rihter. 

O Die Nebelbinde, Rj. —n, eine. Binde von Rebel gleichſam, eine 
Winde ober etwas derſelben zu Bergieienbes, weiches gleich einem 
Nebel verbirgt, untenntlih madt. =-— eine graue Mebelbinde 
hatte fih über ihre (dev Kigen) Wimper gelegt.« E. Wagner, 

Der Nebelbogen, —s, 34, gl, eine Art Regenbogen, welcher fih in 
einem Reber biltet, aber nur weißgrau erfheint, 

O Die Nebelbede, 99. u. eine Dede von Rebel gleihfam, der Ne: 
bei foleen er etwas bebedt und unkenntlich macht, ober etwas, das 
wie ein. Rebel eine Sache einhällt, untenntlih macht. 

Da feh' ih ohne Mebelded’ und Schleler, 
Wie feinen Glanz ber Monb von Zeit zu deitergängt. Bauzwalbd, 


A Der Nebelbuft, —ed, 9, u. ein Duft, ber einem Mebei gleicht, 


ein nebelichter Duft. 

dier iſt kein Froſt, Bein Nebelduft. I. Shwieger. 
Doch bald verfhmindet 
Die Spur von beiden fern im Mebelduft. Gries. 


A Der Nebelbunft, —es , p. —bänfe, ein neblichter Dunft, fei- 


ner Rebe, M. Kramer. 
im Nebeldunft phantaftifäe Beftalten, 


Bol. 


O Nebelfarbig, adj. u. adr. bie Farbe des Mebeld habend, meißs 


grau. Die Charaktere ftehen fo nebels und wafferfarbig ba.« J. 
P. Richter. 


4 Die Nebelferne, 9%. u. bie wie in einem Nebel eingehüllte, nicht 


deutlich zu erkennende Ferne, 
Was ic erblid" in dunkter Mebelferne. Gries. 


M. Kramer, 


ber Fleck. In ber Sternwiſſenſchaft nennt man überhaupt biejenigen 
Sterne, welche man als weiße Woͤlkchen ficbet, Mebelflede; beſonders 
verfteht man aber darunter diejenigen Sterne biefer Art, welche auch 
duch Fernroͤhre betrachtet nicht zu unterfheiben find, fonbern bloß 
ats nebelichte Stellen, im welde ihr Licht als ein matter Schimmer 
aufammenfließt, erfheinen. Andere, bie ſich durch Kernröhre ale 
einzeine wie in einen Nebel eingehällte Sterke, und in ganzen 
Haufen neben einander erkennen laſſen, werben Mebelfterne ger 
nannt. 


O Die Nebelform, 9. —en, eine unbeſtimmte unbentlihe Form, 


welche wie ein Rebel opne beffimmte. umriffe iſt. Auch erniebere 


59 


— 


Nebelg 


aan den menſchlichen ee fo tief, bad man ihm bie Gabe 
zu fhematifizen, d. I. umbeftimmte Mebelformen zu fhaffen, ale 
eine Leiter andichte, auf der allein er zur Erfahrung fommen konn 
tee Serder. ⸗ 

A Das Nebelgebilde, —s, My. gt. ein Gebilde aus Rebel, ober 
ein luftiges täufhendes Bebilte aus Rebel, — ber Strahl, ber 
über ben Wolfen wohnt, fpiegle fih wenigflens in ben Mebelbil- 
bern , unter ben Wolken wieder ec Benzel⸗Sternau. 

de Das Nebelgebüft, —es, 0. DH nebetichtes Bebäft, Rebel, 

— wie ber Herbſttag 
Klar aus 6 Nebelgebäft fih hervorringt. Wo. 
Das Nebelgefiht, —es, My. —er, ein umnebeltes, unkenntliches 
Geſicht, welches man mie in einem Rebel fieht. , 
Dänmern nur ſah ichs im Mebeigefiht — Sonnenberg, 

A Die Nebeigeftalt, 99. —en, eine Geſtalt, welde der gebailte 
Rebel bildet, wie auch, eine von Rebel umhüllte alfo nit deutlich 
zu erfennende Geſtalt, oder eine Geftalt, die nicht deutlich zu ers 
kennen ift, als wäre fie in einen Nebel gebällt, „Ein zehnfach 
bunter Rebel, ber fi um eine hell glänzende Figur zieht, ſie ab⸗— 
bilden will, und fie zut Nebelgeſtalt macht mit hier und da beilen 
Streifen.«e Berber. „Wie oft ſpricht man nicht von ber wolfenlofen 
Sonne ber Wahrheit, den Mebelgeſtalten ber Käufhungrie. ungen. 

© Das Nebelgewand, — es, WM. —gewänder, ein Gewand ven 
Nebel ateihfam, ober ein Nebel ald ein Gewand, fofern er etwas 
um huͤllt, verbirgt. 

Doch er (Satan) war 
Sonn’ im Nebelgewand, nur Licht, nicht Strahl mehr bes urlichts. 
Gonnenberg. 
O Das Nebelgemölt, —es, 9. —e, Gewoͤlk, welches ſich von auf: 
gefiegenem Rebel gebitbet hat, 
und Nebelgewoͤlk — 
Axreiſete ſchwatz um bie toſenden Räder. — Sonnenberg. 
© Der Nebelglanz, —es, ©. 3. der Glanz gleichſam bes Mebele, 
wenn die Sonne barauf fhrinet ; auch mol, für Lichter Rebel ſelbſt. 
Füileft wieder Buſch und That 
Still mit Mebelglang. Goͤthe. 
O Rebelgleich, adj. u. adv. glei einem Rebel, wie ein Reber, 
&o fentt fi nebelgleich ein Dunft von Mohn und Flieder, 
Und Bilienbuft auf feine Augen nieder, Mielanb, 
Nebelgrau, adj. u. adr. welßgrau wie der Rebel, 
Weit in nebelgrauer Ferne 
Liegt mir bad vergangne Gluͤck. Schiller. 

O Dat Nebelgrau, o. uUmend. u. Mj. die graue Farbe des Rebels; 

dann der graue Rebel felbft, 
Drunten zartes Nebelgrau 
Wie ein Dampf entfteigt ber Au. Woß. 

O Der Nebelgrund, — ed, My, u. ber Rebel als ein Grund für ein 
Gemähibe ober als ber Bintergeund in einer Landſchaft betrachtet; 
wie aud, ein grauer, dunkler Grund ober ber fih in anderer Hinſicht 
zit dem Mebel vergleichen läßt. „Er bildete aus ben vielesiei Ibeen 
mit Farben ber Liebe ein Gemählde auf Nebelgrunde ıc, Göthe. 

& Der Nebelhauh, —es, 2%. u. Rebel der glelchſam ein Hauch 
ift, ein leichter Nebel, dann überhaupt Rebel. 

und qualmend, wie von Saͤmpfen Nebelhauch. Folsin. 

A Die Nebelbüde, 9. u. eine Hülle von Rebel gleichſam. 

Bor ihrem (ber Sonne) Glanz bie Mebelhülle riß. Goltin, 

Mebelicht, adj. u. ade. einem Rebetähntih. Ein mebelichter Stern, ein 
Hebeiftern. S. Mebeifled. „Einen einzigen neblichten Stern permanz 
delt das Fernglas in einen. Himmel voll Sternen" (Sterne), Köftner, 

Rebelig, —er, —ſte, adj. u. adv. Rebel enthaltend, aus Nebet bes 
ſtehendz Im R. D. miftig, daakig.“ Mebelige Luft. Mebeliges 
Wetter. Mebelige Tage. Davon die Nebeligkeit. 

Die Rebellappe, 4. —n. 


— — — 


— — — 


6 _ 


Nebelſt 


bie man bei nebeligem Wetter Über ben Kopf ziehet; wofür Sttes 
ker auch Mebeimüge hat. 2) In dem Rittergefchichten ber mitt: 
lern Zeit, eine Zauberfappe, durch bie man fi in einen Nebel ver 
wandeln und unſichtbar machen Tonnte; auch das Helmtkaͤpplein, 
die Tarnkappe. Auch gebraucht man diefes Wort von andern un: 
fihtbar machen follenden Dingen, z. B. von einem Finge. Im ge: 
börnten Siegfried wirb es von’einer Wolke gebraudt, womit ber 
Amwerg ben bebrängten Siegfried bedeckt und baburh vor einen wü: 
tenden Rieſen ſichert. 

O Das RNebelkleid, — s, 34. —er. ) Ein Kieid von Nebel 
gleichſam, ober der Nebel, ber etwas mie ein Kleid umgiebt, 

Schon fand im Nebelkleid bie Eiche. Got he. 
2) Ein Kleid gegen den Rebel, bei nebeligem Wetter anzuziehen. 

Die Nebelträbe, Pu. —n, ein Name der aſchgrauen Krähe mit 
ſchwarzem Kopfe, Flügeln und Schwanze (Cormix cineren L. Cor- 
vus cormix); auch, Aſchktaͤhe, Holzkraͤhe, Winterktaͤhe, Schild⸗ 
teihe, Sattelkraͤhe ıc. 

Dad Nebelland, —es, Dy. — laͤnder, ein nebeliges, in Nebel ger 
bülltes Land. m. Kramer, 

Die Nebelluft, By. u. nebelige Enft. -Stieler. 

O Die Nebelmaffe, DH. —n, zuſammengeballter Rebel, ber. eine 
unburhfichtige Maffe bildet. I. P. Nidter. 

O Das Nebelmeer, — es, By. —e, ein weit audgebreiteter Rebel, 
ber eine Gegend wie ein Meer bebedt. „Der heutige Morgen hatte 
bie ganze Gegend unter ein Mebelmeer gefeat.« J. P. Richter. 

Die Nebelmüpe, By. —n, f. Nebeltappe ı), 

Nebeln, v. I) nte. mit haben, mebetig fein, zu Nebel werden. Es 
nebelt, es ift mebelig, ober auch, es fänt ein Meber. „Die bunkela 

Wotken träufeln ab, nebeln.« Herder. Danır and, von Rebel.ber 
bet, umgeben fein. 
Aus den Wäldern und Au'n, aus denen (weißen) Bäühe bes Todes 
Dunkel von nebelndem Quell nad ‚Satans Throne fih wälgen. 
Klopſtock. 
Sie auch, einem Rebel gleichen, wie etwas in Nebel Gehütltes un:' 
kenntlich fein, — aus nebelnder Ferne. Sennenberg. 
IT) trs. mit Nebel bedecken, umgeben, eigentlich und uneigentlich in 
den Wörtern benebein, umnebein. — D. Mebeln. D. — ung. 

& Die Nebelnacht, 9. —nichte. 1) Eine nebelige Rat. =) 
Ein dicker Rebel, der bunket und unſichtbar macht wie bie Nacht, ohne 
Mehrzahl. Tod ihn enteiß, in Mebelnacht gehüllt 

* Apollo. Rürgır. (M). 

A Das Nebelpoliter, —$, My. gl. ein Polfer gieichſam von Mebel, 

zuſammengeballter Nebel als ein Polfter für eine Luftgekait ıc. ı 
Hehre Luftgebilde unfeer Ahnen 
Miegen bort auf Nebelpolſtern fh. 8.8. X. Mündhaufen, 

Der Nebelrauch, — es, 34. u. Rebel, der in Beftalt eines Raudes 
auffteiget. Stieter. Der Nebelraud; an den Waibbergen. 

Der Nebelregen, —s, ®%. gl. ber feine Btegen, in welchen fid der 
Hebel oft aufidfet. 

+ Das Mebelseifen, —s, in Baiern, bad Meißen bes Nebels, bas 
Aufiöfen beffelben in feinen Regen, . 

O Der Nebelfchatten, —$, My. gt. ein Schatten, Mangel an Licht 
ober Glanz; vom Nebel verurfaht. „Die Sonne war verſanken, der 
weite Bee mit Nebelſchatten bezogen.“ J. P. Rider. 

Der Nebelfchleier, —s, 9. gl. ein Schleier von Rebel gleihfam, 
ber Rebel, der gleich rinem Schleier eine Sache unngiebt und ent: 
weder unfihtbar macht, ober doch nur halb unb halb fihtbar Läßt. 

"Bo Fein Mebelichleier 

Ihres Urftoffe Reine trübt, Matthifſon. 
Darn auch wol, ein wie Nebei halb ober ein wenig burbfiätiger 
Schleier. 
O Der WRebeiftein, —es, Mz. — e, ein Mame womit ein zum Kie— 


3) So wir Regenkappe, eine Kappe, geſche chte gehörender Ebelſtein, ber Ghalcchon, wegen feines ne: 


f 


Nebelſt 


belichten truͤben Anſehens belegt werden koͤnnte. ©, Chalckbon * 
dem Worte Edelſtein. 

Der Rebelftern, —es, 9. —t, eiser derjenigen Sterne, bie in * 
unenbliher Ferne von uns find, baß ihrer viele bei einander nur 
wie ein Mebelfied eriheinen. S. Mebelfleck. 

f Gleichſt bu nicht, 

D Wahrheit, einem Mebelfterne? Pfeffer. 

Der Nebeltag, —es, Ba. —e, ein nebeliger, von Mebel truͤber Tag. 

A Das Nebelthal, —s, By. —tbäter, ein mebeliges, von Mebel 
erfültes Thal, Ruft drein bie Nachtigall 

Liebend· nach mir aus bem Nebelthal. Got he. 

Die Nebeltrübe, 0. 84. eine Truͤbe, welche von, dickem Rebel 
herruͤhret, oder eine derſelben aͤhnliche Truͤbe. 

Alſe ſah ber Erdner auch nicht mit jcbiſchem Bliae 
Mit dem Auge vol Nebeltruͤbe, die Jurchtbaren wandeln, 
®onnenberg. 

A Nebeltrunfen, adj u. adv. benebeit, trunten und feiner Sinne, 
bie gleichſam In Neber gehhilt And, nicht mächtig. 

er ſchwankt, wie nebelteunfen i 

' In einen Arm, ber ihn unfigtbar unterftägt. , Mielanb. 

A Nebelummwebt, adj. u. adv. vom Rebel, ober wie mit einem er 

. bei ummebt,.b, h. umgeben, unbeutlic gem acht. 

Benn die Olmpiſche Vorzeitſchlacht, im Gebraus der Orfane 
Seiner SORMEFEN: wie nebelummebt, aus ber Kerne vorbeizog; 
Sonnenberg. 
Der Nebelwind,. — =. —t,.ein Wind, weiher Rebel berbeifäptgt. 
— unerquidtidh. wie ber Mebelwind. G the, 

Das Nebelgeihen, —6, 94. al.,in ber Schifffahrt Zeichen, wo⸗ 
duch mon fich auf Schiffen bei nebeligem Wetter bad Nöthige zu vers 
Heben giebt (Mebelsignal), +, 

Neben, ein Wort, womit man überhaupt ben Begriff der Mähe br: 
jeinet. 1. Als Berbättnigwort,; wo es fowol mit bem briften als 
vierten Fatle gefüget wird; 1) mit bem dritten Kalle, einen Zuſtand 
ber Rube dicht zur Seite eines andern Dinges zu bejeihnen, wo⸗ 
buch es vom bei nerfcieben it, meldes ein Naheſein bezeichnet, 


aber ohne zu beſtimmen ob zur Seite, vor ober hinter einem Dinge. . 


Meben einer Perfon fiten, flohen, liegen ze. Meben einander wohs 
nen. Meben ihm will id figen. Neben einem vorbeigehen, wo 
derjenige, vor bem man vorbeigehet im äuftande der Rube fih beſin⸗ 
det und neben bloß die Nähe bezeichnet, dicht vor ihm vorbeiachen, 
X Neben ber Wahrheit vorbeigehen, niht bie Wahrheit fagen. 
Sich neben einem fegen, indem man ſich fhon dicht bei ihm, zur Seite 
befindet. „Neben ibm fol fih Lagern der Stamm Ifafgarr 4 Möf. 
2,5. „Meben mir,“ in meiner Gegenwart. ı Sam, V 
uneigentlich begeiänet meben einen Zuſatz zu einem Dinge mit Beißer ' 
haltung beffeiben, wie auch ein Sein und Gefhehen zu gleiher Brit 
mit einem andern Dinge, welches ald bad Vorzügtichere und Wichti⸗· 
gere betzachtet wird. Du follſt Beine andere Götter haben, neben 
mir“. = Mof. 20,3. „Du font beimes Welbes Schweſter nit 
achmen neben ihr.“ 5 Mof. 18, 18. „Denn wenn bie zwei les 


mente ber Poeſſe, das Ideale und Sinntiche nit innig verbunden _ 


iufammenmwirten, fo müfen fie neben einahber wirken, ober bie 
Porfie Ik, aufgehoben.“ Schiller. (#.). In biefer Bedeutung 


kommt ce am gewähnticften in den vielen bamit gebildeten Zuſam. 


fegungen vor, mo «6 in allgemeinen ein Ding bezeichnet, meihes 


fih nahe, zue Seite bei andren ‘Dingen berfelben Art befindet 
und in vielen Faͤlen ben Nebenbegciff hat, bap biefes Ding bem 4 


anbern nachſte he und geringer unb unmwihtiger fei, unb wo 
es den mit Haupt aufammengefegten Wörtern entzegengeſetzt 
wird, 3. B. die Mebenabficht, eine Abfiht, welcht man nad 
meben ober außer einer andern wirhtigern, ber Sauptabicht, bat 
und nah ober äugleich mit derfelben zu erreichen fucht; der Mes 
benaltar, ein Altar in einer Kirche nebem"einem andern, jur 

f Pr * J 


—67 


Nebenb 


Seite, ber nicht ſo pichtig geachtet und imeniger gebraucht wich, 
auch gewöhnlich Kleiner und weniger koſtbar ift als der Dauptaltar; 
ber Nebenanführer, ein Anführer neben einem andern, dem Haupts 
anführer, dem er zur Seite gefeht,. aber untergesrbnet ift. Auf 
dieſelbe oder aͤhnliche Art find alle mit neben zufammgefetten Wär: 
ter zu erklaͤren, daher im Folgenden nur bie vorzuͤglichſten erklaͤrt, 
anbere aber bieher vermwiefen worben find, 2) Mit bem vierten 
Bade, eine Bewegung biht, bei ober zu einem Dinge, ihm au 
bie Seite, zu bezeichnen. „Daß er ihn fese neben bie Kürften, 
feines Wolken“ Pf. 115,.7. 8. :»Wegrabe fie neben mich.« 
Zob, 4. 5. Unridtig wird oft der britte Kal gefekt, wo ber 
vierte ſtehen follte, und umgekehrt. „Seinen Kopf mit den Federn 
fol nan.meben Yein (ben) Altar werfen, 5 Moſ. ı, 16. 3) Ehe: 
mabls auch mit, dem zweiten Zale, in gieidher Bebrutung, 

Da wart du je beneben mein (meiner). b. Riage, ®. 1908. 
2. Als Umftanswort, bit bei oder an einem andern Dinge, ihm 
zur Seite, in ben Zufammenfegungen nebenher, nebenbei, bameben. 
S. auch Nebſt. Im ©. D. hängt man unnäger Meife ein b an 
und fagt nebend, im R. D,'neffen, neven. 

Der Nebenabfhieb, —es, Bm. —e auf ben Reicht aub Bandtär 
gen, ein Abſchied, elcher neben ober nach, außer dem eigentlichen 
Abſchlede, bem Hauptabfiebe, abgefaffet wird, und einzelne ober 

ſeltene Fälle angeht. 

Die Nebenabſicht, die Rebenader, ber Nebenaltar, f. Neben ı. ı). 

O Die Nebenandeutung, Dy.—en, eine Anbeutung neben oder auy 
ber einer andern, der wichtigern, auf melde es norshglih ankömmt, 
gemacht. „Der Stuhl, worauf unfer Stygiſcher Oberfühenmeifter 
thronet, ift nicht ohne bie giftigiten Mebenanbeutungen.“ ungen,{®.). 

Der es big Nebanangelegenheit, ber Rebenbe· 

ſ. Neben 1. . 

Die — D. — en, “eine Arbeit, meide man neben oe 
aufer jeiner eigentiihen Urkeit, der Hauptarbeit, zu verrichten hat, 
und melde berfeiben aachſtehen muß. 

O Die Nebenart, M. —en, eine neben einer andern Art hefte- 
gende Aut. Sie bezieht ſich auf eine Hauptart, und kann übrigenk 
fowot eine Epielart, ald auch eine Xbart ober Unterart fein. 

Der Nebenartifel, —E, 94. gl. rin eine Rebenfade betreffender 
Artikel, In der Gottesgelchrtheit werben unter Nebenartikeln ſol ⸗ 
Ge Glaubensichren verſtanden, welche nicht zum unentbebrlichen 
Grunde ber Heilsorbnung gehören; in. Begenfap ber Dauptar 
tikel ober Grundwahrheiten. 

Das Nebenauge, — 6, By. —n, ein neben einem andern befinb: 

. liches Fuge. In ber Bieferichre beißen brei kleine glänzende Küs 
.. gelhen, welde auf ber Stirn in einem Dreiecke fiegen und bat Ber 
den ip ber, Berne gm erleichtern ſcheinen, Mebenaugen (Ocalli, 

' $temmata', 

Di Nebenaußgabe, By. — n. ı) Eine Ausgabe, melde man neben 
ober außer ben gewöhufiden, beſtimmten und gröfern zu beftreiten 
bat (Extraausgasen),  Wiele Nebenausgabın haben. 2) Gine 
‚zweite geringere Ausgabe eines Werks neben einer andern, Au— 
ber der Prachtauagabe no eine Mebenausgabe auf Drudpapier 
veranftaiten, 

Die Nebenbahn, 94. —em, eine neben einer ambern, feitwärts lau⸗ 
fende Bahn. geffing. 3. 

Daͤs Nebenband, — s, 8. —bänder, in ber Bergliederungstunft, 

folge Baͤnder, welche ben banptbändern ber Knochen zur Hälfte 

bienen (L gunente accesso 

Der Nebenbau, — es, 4. —t. 9 Gin neben einem andern unters 
nommener Bau. s). Ein neben einem andern Bau ober Gebäude 
aufgefübrter und zu bemfelben als dem Hauptbaue gebörender Ban; 
bas Nebengebäude, wenn es ein Gans ift. 

Die Nebenbedeutung, Sy. —en, eine iBebertung, melde ein 
1. B. ein Wort nod nebem ober außer der eigenttiche, Der $ 


Zade 
Jupp 


Nebenb 


bedeutung bat, „Man aber bog bie Schlange eine Heine 
benbebeutung daram. © Herber, 

Der Nebenbediente, —n, 4. —n, f. Neben r. ı). 

Der Nebenbegriff, —ıd, Mn: —e, ein Begriff, welcher nö neben 
oder außer bem Hauptbegriffe Statt findet und durch diefen herbel— 
geführt wird, So bezeichnet z. B. das Wort neben fer dem 
Hauptbegriffe der Nühe, bes Befindens oder VBewrzgend zur ober 
nad der Seite eines Dinger, aud ben Mebenbegriff bes Unterges 
ordneten, Geringern. 

Nebenbei, adv. ein überfülltes 

bedreutet als neben, 


neue Mes 


‚Hort, welches eigentlich nicht mehr 


— — inm dem Eßſaal, nebenbei 
Verſteckt ihr fie, Schitler. 
Am häufigen gebraucht man es für, auf eine mehr zufaͤllige Art, 
nicht eigentiih beabfihtiget, als Fine Nebenfache, bie man tut, 
vornimmt, wenn es die Hauptfache zuläßt oder mern man Buft bat; 
aud nebenher. Mebenbei kann es gefhehen, Mebenbei etwas 
.„ tbun, verbienen. 
Das Nebenbein, —es, M. —e, ein neben einen andern hefindiis 
ches Bein, i * 
Der Nebenberg, Nebenbericht, die Nebenbeſchaͤftigung, der 
Nebenbeſcheld, die Rebenbetrachtung, der Nebenbeutel, ber 
Nebenbeweis, die Nebenbinde, die Nebenbitte, ſ Neben ı. 2). 
Das Nebenblatt, —es, By. —blaͤtter, in der Pflaͤnzenlehre, Bldt 
ter, melde bei ober zwifchen ben Blumen fliehen und fehr eft eine 
von ben andern Blättern verſchledene Geſtalt und Barbe "haben 
(Bractese),. in folhes Mebenblatt ift bas fhmale blahgküne 
Blatt an der Bindenbräte, A 


Nebenblätterig (Nebenblattig), adj. d. adv. in der Pflangentehre, 


ein Rebenblatt ober Rebenbiätter habend. in nrbenbtätteriger 
Quert (Verticillus bracteatus),' Gine nebenhlätterige Traube 
(Racemus bracteatus), bei beren Binmen Rebenbtätter fehen. 

O Der Nebenblid, —es, Pr. —e, ein Blick, ben man neben eine 

Sache, auf eine Mebenfahe wirft, und von ber Hauptſache abziehet, 
tiefe atfo dabei weniger beachtet, fle ein wenig aus ben Augen täßt; 
in uneigenttiher Bedeutung bes Mortee Bid. „D es iſt fehr 
wahr, befrieblgte Herzen beduͤrfen außer ſich nichta, und wer ber 
Liche Mebenblide vergoͤnnt, mag bie Reidenfhaft kennen, aber bie 
innige Zärtlichkeit Bennt er nihe.= Benzel:Sternam . 

Der Nebenbruder, —6, 9. —bräder, der Mitbruder, ia ber wels 
teiten Bebeutung biefes Wortes, der Rebenmenſch. „Mein Stolz 
entfernte alle meine Mebenbrüder von mir. Duſch. 

Der Nebenbubler, —s, 3. al.; die — un, 4. —en, eine Ber 
fon, welche neben, d. b. zugleih mit einer anbern um elite Sache, 
und in engerer Bedeutung, um’dle Liebe einer und’ berfeiben Per: 
fon buhlet ober wirbt, ſich bemuͤhet (Riva), 

Die Nebenbuhlerei, 94. —en, das Bublen zuglelch mit einer an— 
dern Perfon um eine und biefelbe Sache, in welterer und engerer 
Bedeutung (das Rivalisiren), „Daß er bald den Verdacht der Mes 
benbuhletei verdiene.r 3. 9. Richter. 

Nebenbuhbleriſch, adj. u. ade. zugleich mit einem Andern um eine 
Sache bublend, danach ſtrebend. „Die Zerträmmerung einer, neben: 
bublerifchen Macht.“ ungen. (R.). 


threm Mefen gegründet. "Mebenbuihterifche Ränke,'den Medenbufter 
gu entfrenen, auszufterhen ac." “ 

Die Pebenbuhlerfihaft, 9. u. die Eigenfgaft, 
man Redendußler, Nebenbahlerinn if.’ —— 

Der Nebenbuͤrge, —n, By. —n, einer ber fih neben oder außer 
einem Anbeen, der fih vorzüglich werbürgee oder der Hauptbfirge 
tft, für etwas verbürget oder verbuͤrget hatz auch der Afterbürge, 
Nachduͤtge. 

Die Nebenbürgſchaft, 9%. u. die Bärgihoft des Nebenbärgen, 


‘ber Zuftand, ba 


466 


Dann, einem Nebenbuhler, 
einer Rebenbublerian in engerer Bebentung ähntih, angemeſſen, in 


Nebeng 


Der Nebendienſt, — s, 9. —e. ı) Ein Dienſt, welhen man 

neben ober außer andern verrichtet, der aber geringerer Art if. 
2) Ein Dienft, geringeres Amt, welches man neben ober aufer eis 
nem anbrkurbermaltet, 

Das Redending, es, Wit, ein Ding, welches einem andern 
Dinge als unwihtiger nachſtehet. Sich bei Nebendingen aufpalten 
S. Nebenſache. 

Die Nebendruͤſe, 9. —n, eine neben einer andern Drüfe, welche 
als Bauptdrüfe betrachtet wird ‚liegende Drüfe, - Dann, fo viet ale 
Mebennierr. 2 

r Nebenein, adv, oben ein; neh dagu. Beiſpiele, bie zugleich ben 
großten'@Weiftern "unter den Gelöhrten und Künftlern nebenein ſehr 
lehrreiche Winke geben.“ Hirpel,: 

Die Nebeneinanderftellung, 4. —en, die Hanblung, ba man 
eine Sache neben die andere flelt, ober auch mur in Gedanken nes 
den einander hält, um fie zu vergleichen oder ihren Unterſchled zu 
zeigen ıc. 

Die Nebeneinfahrt, der Nebeneingang, f. Neben 1. 1). 

Die Nebeneinkünfte, Ey:w. Einkünfte, weihe man neben ober außer 
‚ben gewöhntfhen, beftimmten bat, und geringer als biefe zu fetn 

. pflegen (Aceidentien)g auch Mebeneintnahme, Mebengefälle, mit 
ben Mebenbegriffen, welche Einnahme und Gefaͤle von den Ein 
fünften anterſcheiden. ** 

Die Nebeneinnahme, By. —n, ſ. Nebeneinkuͤnfte. 

Der Nebenendzweck, — s, My. —e, ſ. Neben 1. 1). 

'@ Der Nebenerbe, —n, Bin, Hin Erbe, welcher neben dem 
Haupterben erbet (Legatarius). E. ©; Nebenvermaͤchtniß. 

Die Nibenfabel, . —n, in Dichterwerken, eine der Bauptfabel 
zur Seite geſtellte oder untergeordnete Dichtung; auch, da fie im 
jene eingeſchaltet ift, bie Zwiſchenfabel. . 

Das Nobenfäch, — es, 94. — faͤcher, ein neben einem andern des 
findfihes Rah; und uneigentlich, kin neben einem anderh, als dem 
eigentlihen und Hauptfache bettiebe nes, ober, ein jenem an Widtig: 
Leit nahftehendes Rah, 3. Biber Willens, der Kunſt. 

Die Nebenfarbe, Py: —n, f. Neben 1. 17 und Hauptfarbe. 

Die Nebenfelge, By. —n, eine neben einer- andern befindliche Felge. 
Im Berghaue, die Felgen an einem Düspefrade,. welche bie Bruft: 
felgen und die Arme beffelben unterftägen, damit das Etirnrad am 
einem verfärften baspel ber Arößen Gewalt beffer wiberfiche. 

Die Nebenflanfe, Mi. —n, in der Befeftiaungstunft, eine neben 
der Hauptflanke befindliche, ihr umtergeorbnete Flanke; auch bie 
Mebenftreike (Second-Nanc) &. Flanke. 

Der Nebenflügel, —d, 3. at. ſ. Neben I: 1) und Hauptflägel. 

"Der Nebenfortfab, —ed, 24. —füpe, In der Berglieberungefunft, 

Fertſade, welche fih'neben andern ald Sen Baupffoctfägen befinten 
(Processus accessorü), | © ° de ann ade i 


Die abenlcage, m. en, fe Neben n. 1), =0% 09 

"Die Nebenfrau, Bi. Zen, eine Frau, welche matt’hoch neben ober 
Außer. einer 'anbern, ber eigenttichen Frau hat. &tfeler. Auch 
bie Kebefrau, die Mebengattinn, das Nebenwelb, die Nebden- 

" gemahtinn. et 

— Sch haͤtte ſelbſt Jacob beſchworen, 

Daß er bie Schweſter mic zu meiner Nebenfrau naͤhme. Bobmer, 

und die andern zeugt’ ich mit Rebenftau'n in ber Wohnung! B 08. 

Der Nebengang, —ed,' Ma. —gänge. 1) Ein Bang, werden man 
neben ober außer einem andern zu’teben bat oder gebet, Rei ben 
Zägern auch fo vier als Wiedergang. 2) Ein neben eirtem andern 
befinttihtr Bang; mie and, ein Gang, welcher einem andern, 
dem Hauptgange nachſtehet, Meiner, unbebententer ift ats biefer, 

Die Nebengaffe, 9. —n; Vw. das Nebengaͤßchen, der Nebengaſt, 
f. Neben 1. »). 

Das Nebengebäude, dad Webengebirge, f. Neben r. »), 

O Die Nevengattin, By: —en; fo viel als Nebenſtau. S. ®. 


Nebeng 


Denn ſchen ward Arkas (auch diefes 
Kraänkt ber Juno bas Herz) von der Nebengattinn geboren: Voß. 

O Der Nebengebrauch, —e3; My. —bräude. 1) Ein Gebrauch, 
ben man noch nebenbei son einer Sache machtz ohne Mehrzahl. 
2) Ein neben ober außer andern Gebraͤuchen beftehender Gedrauch. 
„Jede Partei batte ihre beſendere Kirbendisciplin (Kirchenzucht) 

« and Mebengebräuche bei der Kaufe, dem Abendmahl, in ben Ba: 
flen.- Ouvrier. (8), 

Der Nebengebante, —n, 94. —n, f. Neben 1. 1). 

Das Nebengefälfe, — , WB. gl. ſ. Neben 1. 1) und Mebeneintünfte. 

Das Nebengefüß, — es, My. —e, em neben ober außer cinem 
andern in einem Körper befindliches Gefuͤß. Am ber Pflanzenlehre 
find die Mebengefäfe borſtenfoͤrmige Berlängerungen der Haut von 

verſchledener Befhaffenheit, die inwendig hohl ſind, mit bem Zell⸗ 
gewebe in Berbindung ſtehen, und mie Einige glauben, zum Eins 
faugen beffimmt find (Vasa secunderin?, 

Die Nebengegend, 8. —en, f. Neben 1. ı) und Nebenſtrich. 

O Der Nebengeift, —es, 4. —er, ein neben’ ober außer einem 
andern vorbandener, mie auch, ein einem andern untergenrdneter 
geringerer Seit, b. h. gelſtigee Wefen, „&o ändert ein Geiſt die 
Mebengeifter und mit ihnen bie Menge* 3. P. Pidter, 

Das MNebengeleit, — es, 4. —t, f. Neben 1. 1) und Beleit. 

"Die Nebengeliebte, 94. —n, eine Geliebte, bie man fih neben 
ober außer einer andern ober aufer feiner Frau hält, 


Das Nebengemah, —ed, 4. —gemäder, f. Neben 1. 2). 


4 Der Nebengemahl, —s, 4. —e; die —inn, 4. —en, fo 


viel als Mebenmann und Mebenfrau, 

” Der um die Nebengemablinn — mir zuͤrnte. Voß. 

Der Nebengenuß, das Nebengericht, das Nebengefchäft, das 

Nebengeſchenk, f. Neben r. ı). 

O Der Nebengefhmad, —es, o. 9. ein Gefhmad, welchen eine 

Bache noch neben oder außer ihrem eigentlichen Gefchmacke hat, dee 
Nebenfhmad, beſſer der Beigeſchmac, zum Unterfhiebe vom Nach⸗ 

‘ gefhmade 

Dos Nebengefhöpf, —es, 4. —ej ein jebes Geſchoͤpf, welches 
neben oder außer einem andern vorhanden if; ein Mitgefchöpf, 

weit es zugleich mit ihm febt. 

‘Der Nebengefell, —en, By. —en, en neben ober aufer einem ans 
bern gehaltener Geſell; auch der Mitgefell. 

Das Nebengefen?, —ıs, By. —e, im Bergbaue, ein neben bem 
Hauptgange ober Stollen abgetieftes Gefent, wenn fid das Erz in 
jenem verliert oder abſchneidet. 

DieNebengeftalt, Py.—en, eine neben ober außer einer andern befinb« 
liche, wie auch, eine derſelben untergeorbnete Geſtalt (Rebenligur). 

“Das Mebengeftefl, das Nebengewerbe, f. Neben r. 1). 

„ Der Nebengewinft, —es, —e. 1) Gin kleinerer Gewinn, 

der in Bergleich mit einem großen ober dem größten nur als Nebens 

ſache betrachtet wird. 

BGauptgewinſte erhält. 

Der Rebenglaͤubiger, dad Nebenglied, ſ. Neben r. ı). 

Der Nebengraben, —s, 9%. —gräben, ein neben einem andern 
Graben geführter Graben. Im Waflerbaue ift der Mebengraben 
ein neben einem Kunſtgraben eder Kunfifiuffe zu beiten Zeiten ges 
gogener Braten, von welchem er durch den Wen für die Menſchen 
ober Thiere, weiche die Fahrzeuge ziehen, getreunt ift, und weicher 
ie fremden und witden Waſſer aufzunehmen beſtimmt ift, bamit 
biefe dem Kunftfluſſe nice Shaden: 2 

Der Nebengrund, —es, 84. —geände, f. Neben I. 1). 

"Die Nebengruppe, 94. —n, eine neben xiner andern befinbtide 
Gruppe; befonders in ben ſchoͤnen Künften, eine ber Hauptgruppe 

° unfergeorbnete Gruppe, 

Das Nebengut, —es, MM. — guͤter. 

Gute liegendes Gut, 


2) Ein Gewinſt, ben man noch außer dem 


ı) Ein neben einem anbern 
ein benachbartes Gut, 2») Ein von dem 


469 


Nebenk 


Bauptgute abhaͤngiges, ihm untergedrdnetes Gut. Sm ben Fech⸗ 
ten verſtehet man zuweilen unter Nebenguͤtern bie zugebrechten 
Güter; in Wegenfag ber Erbguͤter. 

Der Nebenhalm, —es, 2. —r, ein neben dem Saupthalme aus 
einer Wurzel gewachſener Halm, befonders am Roggen; in mans 
den Gegenden die Maipflame. In Meißen werben bie jämmtll: 
hen Nebenhalme ober Maipflangen auch Unterroggen genannt, 

Der Nebenbandel, —E, o. 4. f. Neben 1. 1). 

Die Nebenbandlung, 9. —en. ı) Eine Handlung, befonbers In 
einer Didtung, welche ber Haupthandlung zur Seite gefteilt ober 
ibt untergeorbnet if. 2) Ein neben ober aufer einem andern 
Hanblungshaufe, ober aud nur Handlungsgewoͤlde befindlihes, mie 
auch, ihm nadıflegendes oder davon abhängiges Handlungshaus. 
©. Haupthandlung. 

Das Nebenhaus, —es, 24. —häufer, f. Neben 1. 1). 

Das Nebenhäutchen, —s, 4. gl. in ber Ziefertehre, ein Haͤutchen 
an den Gelenke ter Hinterfläget einiger Ziefer (Accessoria ala- 
rum membrana). ' 

Nebenber, adv. neben, zur Eeite, und zwar herwärts, fo wie neben⸗ 
hin, neben, jur @rite Hinmärts beteuten würde. Man gebraußt 
6 aber nur überhaupt für, neben, zur Seite, von jeder Bewegung, 
fie möge berwärts ober hinwaͤrts geſchehen. Mebenher gehen, reis 
ten, fahren. - Uneigentlith fo viel als nebenbei. S. b. Es geſchah 
fo nebenher. Mebenber ſtellen heißt bei den Jaͤgern, dem Euher 
bei einem Jagen mit bem Zeuge nachruͤcken und bieien befonbers bei 
einem Beftätigungsjagen in ber Stille abwerfen und nahridyten. 

Der Nebenberd, —es, 24. —e, Im Hüttenbaue, ein Herb zur Seite 
des Worbertiegeld im Stihofen; der Schlackenherd. 

Mebenhin, adv. f. Nebenher. 

Der Nebenhobe, —ns, 9. —n. 1) Ein neben dem andern behind» 
ticher Hobe. 2) In der Zergliederungstunft, ein zweiter Ueinerer 
on der hintern Flaͤche bes ‚Bodens ber Länge nad llegender und mit 
diefem zufammenbangenber Hode (Epididymis). 

Der Nebenhodengang, — es, Bi. —gänge, in der Zerglieberungds 
Eunft, ber Bang am Nebenhubentopfe, ber hinten am Hoden hinab ⸗ 
und in,ben Samengang übergehet (Ganalis epididymidis). . 

Der Nebenhodentopf, —es, m. —töpfe, in ber Bergficberunger 
tunft, der Kopf db. 6. bas obere dickere Ende bes Nebenhodens (Sur 
put epididymidis)., j 

Der Nebenhof, —es, 34. —höfe, f. Neben 1. 1). j 

Die Nebenhöhle, 99. —n, eine neben einer Höhle hefinbtihe, wie 
euch, eine einer andern, ber Haupthöhle, nachſtehende Kleinere, 
geringere Höhle. Im ber Zerzllederungskunſt find bie Mebenhöhien 
die Hieinern oben am die großen Rafenhöhten ſtoßenden Höhlen in 
ber Naſe (Sinns narium). * 

Der Nebenhügel, — €, MM. gi. ein neben einem andern Hügel, ober 
überhaupt, ein zur Seite liegender Hügel „Mir möffen ‚von ber 
allgemeinen Höhe in das Thal ober auf den Medenhügel hinunter.“ 
Herder. 

Das Nebenjagen, —$, 0. 94. f Neben 1. ») und Hauptiagb. 

Die Nebenfammer, Ba. —n, eine neben einer andern Kammer, 
ober überhaupt neben einem Gemache befintlihe Kammer. In ber 
Berglieberungskunft find bie Mebenfammern Hoͤblen neben ben Herz · 
tammern, weide tom denſelben durch ben ſchwieligen Ring geſchie⸗ 
ben und Eürjer aber weiter find als dieſelben (Atrin cordis). Die 
vorders finfe Nebenkammer heißt auch Hohlblutabderſack E. db.) 
die hintere linke Nebenkammer aber Lungenbdlutaberſack. S. d. 

Das RNebenkind, — es, Br. —er, ein Kebelind. Stieler. 

Die Nebenkirche, 99.—n, eine neben einer andern befindliche Kirche. 
Beſondere, cine von einer andern, der Haupt; ober Mutterfirde 
abhängige, zu ihr gehörige Kirche; gemähnliger bie Tochter kitche. 
e, auch Beikirche. 

Die Nebenklage, m —n, ſ. Neben J. 1). 





Nebenk 


Der Nebenknecht, —ed, 4. —e, ein Knecht, den man noch neben 
dern eigentlichen Knete hat, Stieler. So auch bie Nebenmagd. 
Beide Wörter köunen aud, wie Nebenmenfh, für Mitknecht, Mit: 
magd gebraucht werben. 

Der Rebenknoten, —s, M. gl. f. 

Der Nebenkoch, —es, Bm. — toͤche, ein Beikoch. Stieler. 
tann man einen nebenan kochenden Koch darunter verſtehen. 

Die Nebenkoft, Wr. u. eine Koſt, welche man neben oder zu einer 
andern genießt. \ 

Die Nebenkoften, &. u. bie Koften, welche man neben ober außer 

> den eigentlihen geößern Koften noch zu beſtreiten hat (Extrafojlen), 

Die Nebenfrankheit, Rz. —en, f. Neben r. ı). 

"Der Nebenkreis, —es, By. —e, tin neben einem andern befindli« 
licher Areis. 

Der Nebenkrift, —n, 4. —en, ein jeder Krift neben ober aufer 
uns; der Mitkriſt, wenn man mehe auf bie Zeit fieht, da ec ndms 
lich mit uns zugleich lebet. j 

Ich war ein Menſch — dein Mebenkeift. Orypbins. 

O Die Nebentunft, 3. —kuͤnſte, eine Kunft, welche man neben 
ober außer einer andern treibt ; befonberd, eine einer andern Kunft 
untergeorimete, nadıgefegte Kunſt. „Damit er nit — das Regieren 

zur Mebentunft made.“ 5. P. Richter. 

Die Nebenlade, das. Nebenlager, das Nebenlehen, f. Neben 
1. ı) und Hauptlade ıc. 

Die Nebenlinie, 9. —n. 1) Cine neben einer andern gesogen? 
oder befindliche Binie, =) Eine -Gefhlehtslinie, welche neben ber 
Hauptlinie fortläuft. 


Auf 


Der Nebenlohn, — et, 2. u. ein Bohn, ben man noch nebenbei - 


verdient, empfängt, 

Die Nebenmacht, 34. — maͤchte. 1) Eine neben ober außer einer 
andern Macht Etatt findende Macht, Gewalt; o. 3%.; mie aud, 
ein neben einem andern befindlicdes mit Macht begabtes Tiefen, 
3. 8. ein folher Menfh, ein folder Staat. „Der Alleinherrſcher 
kann Feine Nebenmacht vertragen.“ Klinger, 2) Eine einer an 
dern Macht untergeorbnete, ihr an Stärke nachſtehende Macht. 

Die Nebenmagb, 94. —mägde, f. Nebenknecht. 

Der Nebenmann, —ed, 94. — männer. ı) Ein Mann, eine Perfon, 
welche ſich neben einer andern, ihr zur Seite befindet. So find bie 
in einem Gliede neben einander ſtehenden Solvaten NMebenmänner 
von einander, zum Unterfhiebe von den Border: und Hintermäns 
nern. Zuweilen aud für Nachbar. a) Ein Mann, melden eine 
Frau no neben ober außer ihrem Manne bat, und mit dem fie eis 
nen unerlaubten Umgang unterhält; ein Kebsmann, auch ber Ne: 
bengemahl. Selbſt Benus, als auf Erden‘ 

Sie Derchen lich gewann, 
Ermwählte bei ben Gerben | 
Sich ihren Mebenmann. Weiße. 

Der Nebenmeifter, —, 9. gl. ein Meifter, der neben einem ans 
bern Meifter ift, ihm aur Seite gefept ifi; auch, bee Mitmeijter. 
Der Nebenmenfh, —en, 94. —en, ein jeber Menfh, welcher fih 
neben ober aufer einem amderm befindet; ber Mitmenfh, wenn 
man mehr auf bie Zeit fiehet, ba er nämlich zugleih mit andern 

lebet. 

Der Nebenmond, —es, Wi. —. i) Ein neben ober außer einem 
andern Monde befinbliher Mond. Der nähfte Mond bes Saturns 
und feine Mebenmonde. 2) Eim Wild des Monbes, welches fih 
zumweilen neben und außer dem wahren Monde am Himmel zeiget 
und gewöhntih mit weißen ober ſtrahlichten Streifen begleitet iſt 
(Paraselene), I 

Die Nebenniere, 94. —n, in ber Bergliederungskunft, ein dräfenars 
tiger Körper von bräunliher Farbe, welcher über jeber Riere liegt 
unb eine röthliche Jeuchtigkeit enthält (Ren suceenturiatus). 

Die Nebennierenblutaben, Sa. —n, Blutadern, melde fid von 


479 


Neben 1. 1) und Hauptknoten. 


Rebenſ 


oben her in dle Rierenblutadern ergießen (Venne suprarenäles), 

Die Nebennierenflagader, 34. —n, Schtagadern, melde in bie 
Mebennieren gehen und am jeder Seite zum Theil aus der Haupt: 
fhlagaber (Aorta) fommen (Arteriae suprareuales). 

Der Nebenort, die Nebenperfon, f. Neben 1. ı). 

Der Nebenpfad, —es, By. —e, ein neben bem Hauptpfade obre 
rechten Pfaye hinlaufender Pfab. £ 
Der — fo Lange fi durch Mebenpfabe wandte. Gries, 

Die Nebenpfarre, 9. —n, eine ber Hauptpfarre nachſtehende, une 
tergeorbniete Pferre. * 
Das Mebenpferd, —es, Bi. —e, eim neben einem andern Pferde 

befinbfiches Pferd, j ’ 

Der Nebenpfeiler, —s, 9. gl. ein neben einem andern befinblihee 
Pfeiler. In der Baukunſt, ver Pfeiler zwiſchen zwei -ogenſtellun-— 
gen, welder Kragfteine hat. 

Die Nebenpflicht, 34. —en, eine Pflicht, bie man neben aber aufer 
anbern zu beobachten hat, eine untergeordnete Pflicht. 

Die Nebenpforte, die Nebenpoft, f. Neben 1. 2). 

© Der Nebenpreis, —es, 34. —e, ein Preis, welder neben ober 
außer einem andern ausgefegt iſt ober erworben wird, und welcher 
geringer iſt als ber erfte oder Hauptpreis (das Accessit). 

Der Nebenpunkt, —es, 9. —e, ſ. Reben 1. ı), und Danptpunft, 

O Die Nebenquerftüge, 9. —n, in der Dreiedsichre, die Quer⸗ 
flüge ber Ergänzung (Cosinus versus). Bürja. 

Die Nebenrechnung, die Nebenregel, dad Nebenreich, die Ne» 
benreife, ſ. Neben 1. 1). 

O Der Nebenreis, —es, 4. —e, ein Reiz, welchen eine Sache 

nebenbei bat. „Breilih hat der Krieg noch Mebenreije.- I. P. 

Ridter, } . 

Die Nebenrolle, 34. —n. ı) Eine neben einer andern befindlihe 
Rolle. >) Eine Rolle, welche man neh neben ober außer einem 
andern übernimmt, fpielet; wie auch, eine einer andern an Wichtige 
keit, Bebeutung nachſtehende Holle, 

Dad Nebenroß, —ſſes, Br. —ffe, ein neben einem andern Roffe, 
——— deſſelben befinblices, gehendes Roß; das Nedenpferd. 

teler, R 
— als in dem Staube das Mebenroß fih berummarf. Voß. 
Gben fo kann man fagen der Nebenochſe, ber neben einem ander 
gebende oder ziehende Ochſe 1c. i 
4 Nebenfaal, —es, My. —fäle, ein nebenan befindliher Saat, 
fieler. J 
Und in dem Nebenſaale nun lud die Glocke zum Feſtſchmaus. 
onnenberg. 

Die Nebenſache, 9. —n, eine neben einer andern Sache vorkom— 
menbe, bebanbelte Sache, eine der Hauptſache nachſtehende Sache, 
welche nur nebenbei verrichtet wird, Sich bet Nebenfachen aufhalten. 

Der Nebenfag, —es, Mz. — füge, ein neben einem andern aufges 
feilter Zas, ein bem Hauptſatze untergeorbneter Satz. 

Die Nebenfünle, der Nebenſchacht, f. Neben 1. ı) und Haupta 
fiute, Hauptfhadht. & n 

O Der Nebenfchabe, —ns, oder der Nebenſchaben, —s, =. 
— ſchaͤden, ein neben einem andern größern Schaden Statt finden, 
ber Schade. Doch liche fi von der unentbehrlichen Ausficht feiner 
(eines Prinzen) künftigen Hohmürde durch Manches der Mebene, 
ſchabe abwenden.“ J. P. Kidhter. 

Die Nebenſchale, By.—n, in ber Schatthierichee, die Heinen Scha⸗ 
len’ einer vielfhaligen Mufchel (Valrulae accessoriae). 

Die Nebenfchanze, 84. —n, f. Neben 1. 1). 

Das Nebenfchiff, —ed, 93. —e, ein neben einem andern befindlie 
ches, wie aud ein ihm nachgeordnetes Schiff. Stieler. 

Der Nebenfhmad, f. Nebengeſchmack. 

O Die Nebenfchnittlinie, 9y.—n, in der Dreierlichre, bie Schnitts 
finie der Ergänzung (Cosecante). Bürja. 


Nebenſ 


Der Nebenſchoß oder Nebenſchoͤßling, —, 4. —e, ein neben 
einem andern Schoffe hervortreibender Schoß ; befonders bei ben 
Gärtnern, eln neben und außer bem Sauptfhoffe, d. b. nit auf 
dem Schnitte bes vorigen Jahres hervortreibender Scheſß; aud, der 
Wafferidiof, das Wafferreis. 

Das Nebeufhreiben, die Nebenfhuld, der Nebenfhulbner, 
die —inn, f. Neben BE 4 

Die Nebenfhrift, 94. —ın. 1) Eine nebenbei, zur Seite geſchrie 
bene Schrift, 2) Eine außer einer andern, ber Hauptſchrift, ges 
fhriebene,. derſelben nach ſtehende Schrift. 

Die Nebenſchulter, 2. —n, in der Kriegsbaukunſt, ber von ber 
flreihenden und bohrenden MWehrlinie abgefhnittene Thell eines 
Zwiſche nwalles. 

O Die Nebenſchuͤſſel, 34. —n, eine neben und zu einer andern 
Schuͤſſet als dazu gehörend aufgefegte Schäffel. 

Die Nebenfeite, 94. —n, eine neben einer anderh befinbrihe Seite. 
Dann, eine neben ber Hauptfeite befindliche Seite, welcher fie nachftehet. 

Der Nebenfinn, —es, ©. Mp. fo viel ald Nehenbebeutung. * 

O Der Nebenfohn, —ıs, 9. —fühne, ein neben ober außer bem 
ehelichen Sohne gejeugter Sohn. „Priamos Mebenfohn Demo: 

- Toon." Boß. 

Die Nebenfonne, 9. —ı. 
dern Sonne befindlihe Sonne, 2) In der Maturlehre, ein Bild 
der Sonne, welches ih. zumeilen aufer ber wahren Sonne am Hims 
mel zeigt, und von einem gefärbten Ringe, mie ein Regenbogen, 
umgeben ift, ober aud einem. Schweife äbntihe Städe eines 
folhen Ringes an ſich hat (Perihelium); auch Beifonne, im O. D. 
Wahnfonne. 

Die Rebenforge, 
georbnete Sorge. 

Das Nebenfpiel, —et, Br. —e, ein dem Hauptfpiele untergeord: 
netes Spiel. 

O Der Nebenfpieler, —®, =. gt. ; die Inn, By. —en, ein Spie⸗ 
ler, welcher neben einem anbern fpielet, bemfelben aber untergeorb: 
net ift; beſonders ein folder Sgaufpieler, welder nur Rebenrolen 
fpielet (Pigurant), 6. 

Die Nebenfproffe, Br. —n, im ber Pflangenlehre, die Bortfegungen, 
welcht bie Wurzel zumeilen an ber Beite mat (Stolones);: Wur— 
zelfproffen, Spröflinge. 

% Die Nebenftelle, 4. —n, bie.Stelle neben einem Dinge, bie 
mad ber Hauptftelle oder erften folgenden Stelle, „Die Griechiſche 


Mn, eine ber Hauptjorge nad: ober unter: 


Sprache hat die erſte, — die Zeutihe Sprache behauptet die Mer - 


benftelle« Schottet, (®.). 

Der Nebenftern, — es, DB. —e, ein neben oter aufer 'einem ändern 
Sterne befinbliher Stern; wie aud, ein einem andern Sterne an 
Grhe ac. nachſtehender Gtern, 

© Die Nebenfteuer, BD. —n, eine neben oder aufer einer andern 
aufgelegte Steuer. » 

Das Nebenftift,—es, 99.—r, ein neben oder aufer einem größeren, 
vornehmern Etifte beftchenbes, demſelben untergeorbnetes Stift. 
KThemaſtn Fuchſtes, derzeit Kanonikus (Btiftsheir) am geringften 
der Mebenflifte — Benzel:Sternau. 

Der erg — Nebenftraße, ſ. Neben 1. >. und Haupt: 
firabt, Hauptſt 

Si Nebenftreiche, en. —n, f. Rebenflanke. 

MNebenftrih, —s, 4. —e, ein neben einem andern Striche, 
ober überhaupt, meben einem Dinge brfindliher Strich. Auf dem 
Kompaffe find Nebenftriche bie neben ober jwifhen den Hauptſtti 
en befindlichen Stricht, welche die Mebengegenden anzeigen, und 
biefe Rebengegenden felbft. 

Die Nebenfiube, 94. —ın, Em, das Nebenſtuͤbchen, eine neben ef: 
ner ander Stube, ober überhaupt neben einem Bemahe befindliche 
Stutt. Dann, eine ber Hauptſtube nachgefegte, geringer als Be 


a 


1) Eine neben ober außer einer ans 


Neben 


geachtete Stube. So wat auf bem Reihstage zu Meyemöburg bie 
Mebenftube ein Zimmer, wo ſich die fürklihen Geſandten ingeheim 
ohne ihre Schreiber verfammeiten ; zum Unterfhiebe von ber ordent- 
lichen färfüchen Ratheſtube. Anftänbiger in beiben Fällen das Ne 
benzimmer. 

Das Nebenftüd, — es, y. —e. 3) Gin meben einem andern bes 
ſindliches oder zur Seite deffeiden beffimmtes Gtüd (Pendant), 

- 2) Ein unmwichtigeres, bem Kauptftäde untergeorbnetcs Städ. 

Die Nebenflunde, 4: —n, eine Stunde, ober Äberhaupt bie Belt, 
weihe man nebem ober bei feinen Xrbeitsftunden und Amtegefhäf- 
ten zu beliebiger Aumwenbung übrig hat.- Cine Befdäftigung für 
die Mebenftunden. 

O Die Nebenftüge, 4- —n, in ber Dreiediehre, die Stuͤte det 
Ergänzung (Cosinus), Bürja. 

Die Nebentafel, 4 —n, f. Neben 1. 1). 

© Der Nebentänzer, —s, 4. gl.; die —inn, MM. m, ein 
Zänzer, . eine Zänzerinn, weiche ben Haupttängern untergeordnet 
nur zur Aufführung bes Zanzes und zur Ausfüllung behülfllch Jad 
(Figurant), 

O Die Nebentafte, 94. —n. 1) Eine neben einer andern befinde 
liche oder liegende Taſte. Zum reinen Spiel ift nöthig, daß Feine 
Medentafte mit miebergebrücdt werbe. 2) In ber Dreiediehre, bie 
Taſte der Ergänzung (Cotangente),. Bürja. 

Der Nebentheil, —esd, 9. —e, ein Thell, ber neben oder mit ans 
bern Theit eines und beffelben Ganzen iff; wie aud ein dem Haupt: 
theite nachfehender, untergeorbneter Theil. Aueſamt nur — Mer 
bentheile der Bülber.« Herber. 

Das Nebenthor, die Nebenthür, der Nebentiſch, f- Nebm 1. 2). 

Der Rebenton, —es, 34. — töne. ») Gin neben einem andern 
tiegender, auf ihm folgender Ton (Seeuude), So ift D ber Ne: 
benten von G,. Dann, ein neben ober aufer einem anbern gebör; 
ter Ton. 3) Ein Zon, in weldien aus dem Haupttone ahsgewiden 
wird, und ans welchem man in den Hauptton wieber abergehet. 

Der Nebentritt, —es, a. —t,. |. Neben 1. ı). 

Der Nebentrumum, —6, 94. —trümmer, im Pergbaue, bie ment: 
ger mächtigen Truͤmmer neben einem mädhtigen Trumme. 

Die Rebenuhr, 34. — au, eine Art Sonnenuhr, welche der Haupt: 
ubr untergeorbnet iſt. 

2= Nebenumfiand, die Nebenurfahe, ber Nebenverbienft, F 

chen I. 2). 

@ Das Nebenvermächtnif, —ſſes, u. — ſſe, ein Vermächtnis, 
weiches neben und außer dem Hauptoermädtniffe, der eigentlichen 
Erbſchaft gemadıt it, (Bebenlegat). G. 

Der Nebenvertrag, —es, By. —e, ein neben oder qußer einem am: 
bern abgefchloffener Vertrag. 

Der Nebenverfand, —eb, My.u. bie Nebenbebeutung. M. Kramer. 

Dab Nebenvolk, — es, 9. —voͤller, ein neben einem andern mehr 
nendes oder lebtndes Bold, Stieler, „Endlich wiſſen wir's auch 
von inätern oder mitticen Mebenvölfern in Afien.“ Herder. 

Der Nebenvormund, — es, Pr. — münder, und der Nebenvor: 
fieher, —t, 84. gt. ein Bormund, ein Borftejer, ber einem an- 
dern zur @eite gefcht if. 

Der Nebenwortheil, —ıt, 3 —e, [ Neben 1. ı). 

Das Nebenwachs, — es, 0. My. das Vorwachs. 

Die Nebenwahrheit, Dy. —en, eine einer hoͤhern oder wiätigern 
Wahrheit untergeordnete Wahrheit. 

Der Nebenwall, bie Nebenwand, ber Nebenmeg, f. Neben 1.1). 

Das Nebenweib, — et, Di. —er, ſo viel als Rebenfran. Stieler. 

— mid) felber gebar ein erkauftes Nebenweib. BoR. 

O Die Nebenwilt, 0, 2. bie neben uns vorhandene und chende 
Weit; die Mitwelt. Ih will nicht — mit dem gewonnenen 
Schate der Erfahrung — die Nebenwelt vergefien, der ich mugen 
feh,“ BenzeleSteraau 


Nebenw 


Das Nebenwerk, —es, 2. —e, ein neben einem anbern Werke be: 
ſiabliches, wie aud, ein dem Hauptwerke nachſte hendes untergeorbs 
neted Werk Dann much Fa eisl ale Ziedenſache. 

Der Nebenwerber, —s, 9%. gl. ber neben einem Anbern, zugleich 
mit einem Andern um etwas wirbt, ber Mitbeiwerber. „Aus Beis 
forge, baß Andere möchten beiveget werten, ſich dazu anzubieten 
und alfo den Namen feiner Mebenmerber befommen.« Bobmer, 

Der Nebenwind, — es, 9%. —e, rin Wind, welder aus einer Wer 
bengegend wehet. ©, Nebenſttich und Hauptwind. 

Der Nebenwinkel, —s, 94. gl, in der Meßkunſt, ein neben einem 
andern Wiukel, ein in derſelben Grunblinie liegender Winkel. 

O Der Nebenwohner, —8, 34. al. ein neben einem andern Mohr 
ner befinbliher Wehner, ein Nachbar. Uneigentlid, von ben Munde 
und Spreharten in einer Sprade, »— mie unter allen dieſen Me: 
ben: und Anwohnern eine Kamilienhetrfhaft zu errichten und zu 
erhalten fei.e Herder. Im ber. Erbbefchreibung verfteht man uns 
ter Nebenwohnern ſolche Erdbewohner, welche zwar auf einerlei 
Breitenkreiſen, aber auf entgegengefegten Punkten derſelben ober 


unter ontgegengefegten Mittagskreifen wohnen (Periveci);' aud > 


- Ummohner. D 
Das Nebenwort, — es, 3. — woͤrter. 1) Ein neben einem an: 
bern ſtehendes oder auch neben einem andern gebrauchtes Wort, In 
engerer Bebeutung in der Sprachlehre, bei Ginigen, ein Wort, 
welchen neben bas Ansfagermort gefegt wirb und daſſelbe beftimmt 
(Adverhium); bei Andern Beimwort, Zuwort ve, beffer Umftanbs 
wort, 2) Ein weniger wichtiges, bem Hauptworte nachgeſetztes 
Mort. 

Nebenwoͤrtlich, adj. u. adv. nad Art eines Nebenwortes, ald Ne 
benwart (adverbialisch). A . 

Der Nebenwurf, —et, 34. — wuͤrfe, in den Ungariſchen Bergmer: 
ten, ein Flügelort. “78 0 ned 

Der Nebenzeuge, bad Nebenziel, f. Neben r. 1). 

Die Nebenzierde, ty. —n, ein Ding, welches neben andern Dins 
gen, ober nebenbei zur Zierbe bienet. „Allein die Dichtung it benn 
doch nicht bie weſentlichſte Abſicht weder der Sprache, noch dre ge: 
fsttfchafttichen Lebens, fondern nur eine Nebenzierde.“ Abel. (R.). 

Das Nebenzimmer, —s, 4. gl; Bw. das Nebenzimmerden, 
f. Nebenftube. ä 

Der Nebenzoll, —et, 34, —ıölle; f. Neben 1. 1). 

Der Nebenzug, — es, m. — zuͤge. 1) Ein neben einem anbeen 
Zuge gemachter Bug, mie aud, ein unmidtigerer bem Hauptzuge 
nachſte hender, eine Rebenfahe, einen Nebenbegriff ꝛc. bezelchnender 
Zug. „Mie da aus einem Hauptſtriche und Urbilde viel nene Ber 

- griffe, bloß buch Iufäge, Anwendungen, Mebenzuͤge entfleben.« 
Herder «Was ben Ausdruck ter Heinen Befhaffenheiten ber Ge— 
banken — oder nenn du fie licher Nebenzuͤge? — treffender macht. 
Klopftod, 
weiche nicht immer fonbern aur bei gemiffen Gelegenheiten gezogen 
werden, Nebenzuͤge genannt. 

Der Nebenzwed, — es, EM. —e, ein Zweck, melden man neben 
ober außer sinem andern zu erreichen Tucht, und welcher dem Haupt⸗ 
zwecke untergeorbnet if. 

Der Nebenzweig, —et, My. —e, ein neben einem andern hervor⸗ 
ſproſſender Zweig. „Mit Eproffen und Nebenztweigen.“ Herder. 
Die Nepenzwiebel, 94. —n, Heine Bwiebeln, welhe ih an der eis 
genttihen oder Hauptzwiebet anfegen (Bulbuli); bie Zwiebelbrut. 

Der Neoͤtr, f. Näber. 

Nebfl, cin Berhättnifwert, weldes mit dem britten Falle gefügt wirb 
and wie neben in ber uneigentlichen Wedentung ein Sein oder Ge: 
fteden zugleih mit einem andern Dinge Hezeichnet ; im N. D. nef⸗ 
fent, nesend, "und im gemeinen Leben und in ber Kanzeleiſprache 
aut, unnöthig verfängt und fhleppend, nebeft, nebenſt, denebfl, Er 
nebft feinen Kindern wurde dazu eingeladen. Ungerrögntic iſt es 


472 


2) Bei den Orgelbauren "werben biejenigen Regiſter, 


Nehm 


in ber eigentlichen Bedentung des Wortes neben. : 
For ihm Legt der Tod, nebſt ihm liegt has Beben. Mithof. 

Neden, v. trs. durch Beine Beleidigungen, als Stoben, Ziehen ıc. je 
feinem Vergnügen, bie Rube flören und zum Umwiller, zum Jorne 
reisen, Einen Bund fo lange neden bis er heißt. Vefonders bon Menfhen, 
auf folhe Art und durch Spöttereien, Anzäglickeiten ıc, und poſ⸗ 
ſenhafte Handlungen beunruhigen und zum Umwillen, Zorne reizen. 
„Ihe lebhafter Witz verleitet fie .oft,, ihre Geſchwiſter zu necken.⸗ 
weiße „Mas fih liebt, das neckt ih gem“. Gellert. Auch 
ald inixs. Er neckt gem. Im O. D. fagt man dafuͤr + jeden, 
im #. D. zergen, tergen, terren. D. Mecken. D. —ung, : 

Der Neder, —s, M. gi.z die — inn, Pa. —en. eine-Perfon, 
melde neift, beſonders welche gern net, Ehemahls gebraudteman 
bas ort Meder auch von gewiffen Waſſergeiſtern, bergleihen die 
Nigen find. j 

Die Nederei, 94. — n. 1) Das Neien, befonbers rin wiederholten 

_ Reden,» 2. 2) Handlungen, Kebru, wodurch man Andre nedt. 

Neckhaft, —er, —efte, adj. u. ad, 2) Einer Mederei ähnlich, ne 
tend. 2) Zu Redereien geneizt. ‘Ein neckhafter Wenſch. Days 

bie Neckhaftigkeit. 

Nedifh, —er, — ſie, adj. u, adv. zu Nederelen geneigt, gern nek— 
fend, „Man muß ben gemeinen Dann in England nicht durch et: 
was, das ihm auffält, reizen. Denn da wirb er balb, wo nicht 
er nediih.e Buͤſch. Nicht damit zu verwechſeln iſt naͤk⸗ 

Der Neckſtein, —es, DH. —e, im Bergbaue, eine bräunlice Berg: 
art, bie zinnartig ſcheint und doch nicht iſt. Cie nett gleichfam 
bie Bergleute duch ihr Kuöfehen, nach melden fie diefelde oft für 
Bwitter halten, i j J 2 

Die Neer, 4. —en, wine foldhe Bewegung eines firömenden Ma 
fers, ba bad Waſſer duch ein Hinderniß zurädgeftoßen,. etwa durch 
eine im Wege liegende Sandbank oder eine hersorranende Spite 
des ufers eine dem Strome entgegengefepte Richtung bekömmt (Dofe 
län. Neer). Röbing 0 . 

Der Neffe, —n, By. —n, bes Bruders oder ber Schweſter Sohn 
(Nereu); im ©. D. aud für Enke. Dah bu mir, nech meinen 
Kindern, nod meinen Meffen keine Untreue erzeigen wölleft.« 1. 
M of, 21,.25. Da es noch ein Deutfches Keih gab, befamen bie 
geiſtlichen Kurfürften vom Kaifer den Titel Meffe, die weltlichen 
aber den Titel Oheim. Die Neffinn iſt nicht gewoͤhnlich; man 
fagt dafür Nichte, 

+ Die Neffe, Mz. —n, in manden Gegenden, z. B. in Meißen, bie 

Blattlaus. 

O Die Reffengunſt, 0.9 die Gunſt gegen Neffen, bie Segönſtigung 

der Meffen, die man mit Recht, befonbers den Paͤpſten zum Botwurf 
wachte (Nepotismus); auch, die Neffenbeguͤnſtigung. „Um ben 
Vorwurf der Neffengunft zu vermeiden, 6. Hennag fhlägt da 
für Nefferei vor. 

Die Neffenfhaft, Sy.—en. 1) Der Zuftand, bas Berhaͤltniß eines 
Neffen als folhen, o. Mz. >). Die fämmtlichen Reifen zufammen: 
genommen. ine zahlreiche Meffenſchaft. 5) 5 Für Reffengunft 
(Nepstismns), Mädıter. 


O Die Nefferei, 94. —en, ſ. Neffengunft. 


Nehmen, v. unregeim. ich nehme, du nimmſt, er nimmt; geb. F. 
ich nehme, du nehmeſt. er nehme; unf, verz. 3. ich nahm; geb, 
F. ich nahme; Mittele. d. verz. 3. genommen; Befehlw. nimm. 
I}tre. überhaupt, nahe bringen, am fich bringen, aueigen, ohne Be: 
flimmung ber Art und Weile, bie erft buch’ andre beigefehte Mörs 
ter beftinsmt wird, buch weiche Allgemeinheit nehmen fi von füfr 
fen und greifen unterfcheibet, welhe zugielh die Mittel anzeigen, 
buch melde jened Mahebringen, Zueignen aefhicht. Etwas mit ber 
Hand nehmen, in bie Hand nehmen, es mit die Band foffen un» 
on fi ziehen. Etwas auf die Schulter, auf ben Rüden nehmen. 


Nehm 


Der Schſe nahm ihn auf bie Hörner. Etwas in ben Mund nehs 
men. SIn engere: und gemöhntiher Bedeutung, mit Hülfe ber 
Hund ober ber Hände nahe bringen, an ober zu fi bringen. 
Hut und Etod nehmen, mit ber Hand ergreifen, befonters um 
fortzugeben. Ein Buch vom Tiſche, Celd aus bem Kaften nehmen. 
Ginem etwas aus ber hand nehmen. Ein Kind auf den Arm, auf 
den Schoß, bie Geliebte in die Arme nehmen. Einen bei ber Hand 
nehmen, feine Hand faffen, etwa ihn zu führen c. X Einen beim 
Kopfe nehmen, ihn ungeküm umhalſen, wie aud uneigentlich, ihn 
faffen und fortfieppen. Etwag zu fi nehmen, es zu ſich fieden, 
einſtecken. Geld zu fih nehmen. Speiſe und Trank zu ſich neh⸗ 
men, fie genießen. Ich habe heut no nichts zu mir genommen, 
noch nichts genoffen. Ein Kind zu ſich nehmen, in fein Haus aufs 
hehmen,. Xrzenei nehmen, ober einnehmen, fie in den Munb nehr 
men und verfchluden, um gefunb zu werben. Etwas auf ſich neh— 
; men, fowol eigentlich, etwas auf ben Rüden ıc. nehmen, als auch 
uneigenttih, fi anheiſchig machen etwas auszuführen, zu verants 
worten; aud, etwas ber fih nehmen. Das win Ih fhon Aber 
mic nehmen. 8. and aufnehmen und übernehmen, Etwasg an 
fih nehmen, 28 3a fidy nehmen, in feine Werwahrung, Pflege. Uns 
richtig ader in uneigentliher Bedeutung für annehmen, von Zuftäns 
den, Veränderungen ıc., 5. ®. eine Farbe, einen Glanz an fih nebs 
men, für annehmen, — und nahm dabei alle Laſter bes Hofle— 
bens deſto Leichter an ſich. Adelung. Ctwas zur Hand, vor bie 
Hand nehmen. Gin Werk in Krbeit nehmen, ober gemein, in bie 
Made nehmen, Das Maß zu etwas nehmen. Muß nehmen, 
meflen, um fih danach zu rihten. In den Ausbrüden, bie Polhö⸗— 
de, Sonnenböhe, bie Höhe eines Sternes nehmen, bebeutet meh: 
men allein ſchon meſſen. Eine Abfıheift von etwas nehmen, es ab: 
ſchreiben. Ginen in die Mitte nehmen, fo daß bie andern zu bei— 
den Seiten oder vorn und hinten befindrich find. Jemand zu fid in 
den Wagen nehmen, ibn zu fih in denſelben heben, ober fleigen 
Taffen, @inen an feinen Tifh nehmen, ihn an bemfelden fpeifen 
laffen, und in engerer Bedeutung, ihn für gewöhnlich an demſelben 
fpeifen Iaffen. Jemand in bie Kot nehmen, ihn für Geld bekdftir 
gen. Einem ben festen Biffen aus bem Munde nehmen, fowot eis 
gentlich, jals auch uneigenttih, ihn des Letzten, was zu feinem Uns 
terbalte diente, berauben. So wie in biefen Rebendarten nehmen 
(don meht oder weniger umeigentlih gebrauht ift, fo ift bies no 
mehr der Fall in"ben folgenden. Jemand im ſelnen Schug nehmen, 
ihn fhägen, vertheidigen. In feine Obhut, in Aufſicht nehmen. 
Su Acht nehmen. Sich in Acht nehmen. S. bie Acht. Eine 
Gewohnheit an ji nehmen, gemöhnliher, fie annehmen. ©, d. 
Einem dad Mort aus bem Mitnde, von der Zunge nehmen, gerade 
bas fügen, was ber Aubere ſagen wollte, Sich jemand zum Muſter 
nehmen. Gin Beifpiel an etwas nehmen, «3 fih zu einem Bei 
fpiele dienen laſſen. Sich Zeit zu etwas nehmen, es langſam thun, 
nicht uͤbercilen. Sich Zeit zum Bedenken oder Bebenkjeit nehmen. 
Etwas In Überlegung nehmen, es überlegen. Etwas in Gedanken 
nehmen, fih etwas denken, in Gebanfen wählen, Sich bie Freipeit 
nehmen etwas zu thun, aus eiguem Antriebe, ohne vorhergegans 
gene Erlaubniß. Eid etwas herausnehmen. ©. Hrraußnehmen. 
X Kein Blatt vor den Mund, ober in ber gemeinen Sprechart, vor 
Bas Maul nehmen, freimätbig, ohne Scheu und Rütfisten ſprechen 
und urtyeilen. Etwas in Befig nehmen. Ein But in Pacht nehs 
men. Platz nehmen, fih ſegen. Seinen Sig oben an, neben an 
nehmen, fih oben an ober neben an fehen. Voſt nehmen ober Port: 
pferde nehmen, ich von ber Poft Pferbe geben laffen unb bamit rei: 
fen. Friſche Pferde nehmen. Die Belezenheit nehmen, wie fie 
koͤmmt, fie benügen. Unterricht, Stunden nehmen, Ah Unterriät, 
Unterrihteftunben geben faffen, „Nimm dir wieder einen Sprach⸗ 
‚meifter.“ Bellert. Einen it bie Lehre nehmen, ihn zu ſich neh 
men unb unterwerfen. Geid für etwas nehmen, fih Weib dafür 


Gumpe's Wörterb, 5. Th 


473 


- Danb nehmen, 


bet." Ef, ı, 2. 


Nehm 


geben, fi& baflr bezahlen laſſen, wofke man auch bloß nehmen 
ſagt. Bas ſoll man bafür nehmen? mas ſoll man fich dafür ges 
ben, bafür bezahlen laffen? „Ih weilte nicht viel nehmen. Wet: 
tert, Gr nimmt viel für feine Waare, er ift theuer bamit. Im 
engeres Bedeutung hbeißt Gelb fiehmen, ſich beſtechen Laffem; in weis 
terer Bebeutung fagt man aber, bier wird dies Gelb nicht genoms 
men, hier gilt es nicht, ober bier iſt es nicht gäng und gebe. Wenn 
man von ihm etwas verlangen will, fo muß man glei Gelb in bie 
fo muß man es bereit haben, um ihn dadurch zu 
gewinnen. ine Perfon zur Ehe nehmen, mit ihr eine ehelihe 
Verbindung ſchließen. Eine Derfon zur Frau nehmen, fie zu feine 
Frau machen, Gine Frau, einen Mann nehmen, fie cher ihn hei— 
rathen ; aud; blog nehmen, im gemeinen Leben, Nimm fle, wenx 
fie bir gefänt. Sie wit ihm nicht nehmen. Oft ift mit nehmen 
ber Rebenbegriff der Gewalt verbunden, und es bedeutet Bann, auf 
gemaltthätige Art fih nahe bringen, und im weiterer Sedeutung, 
fih eigen maden. Ih laffe mir nihts nehmen. Einem Andere 
das Seine nehmen. Die Feinde nahmen ibm Alles, Wo es denn 
oft als rin miideres Mort für ſtehlen ſtehet. Er nimmt, wos er 
findet, Einem feine Freiheit nehmen, einen gefangen nehmen. 
Außer ben angeführten Fällen wirb nehmen noch in vielen andern 


» Fällen auf mannihfaltige Art gebraucht, bie fih nicht alle anführen 


laffen und die aus dem Gebrauche zu erlernen find. Hieher gehde 
ten eine Menge folher Fälle, in welhen nehmen alfertei thättiche 
Veränderungen begeihnet. Die Flucht nehmen, fliehen, wofür man 
yesöbnliher faat, die Flucht ergreifen. Seine Zuflucht zu jemand 
nehmen, zu ihm fliehen, bei ihm Schu, Hülfe fuhen. Beinen Weg 
mwobinnehmen, ihn bahin richten, ſich dahin begeben. Sein Nahtias 
ger an einem Orte nehmen, wählen, daſelbſt über Nacht bleiben. 
Abſchied nehmen. Urlaub nehmen. X Gute Naht nehmen, Kar 
bern eine gute Nacht wuͤnſchen umb ſchlafen geben. „Und nahmen 
pöfiih gute Nacht.“ Bellert. Gin Herz nehmen oder faffen, 
Muth faffen. Sich die Mühe niht nehmen, ſich nicht bemühen, 
Anſtand nehmen etwas zu thun, anfteben, ſich bebenten es zn than. 
Einen Anlauf nehmen, anfegen zum Laufe, Sprunge ic. X Ride 
Umgang nehmen Binnen, gleichſam niht um die Sache geben, fie 
nicht vermeiden Binnen, niht umbin können. Mit etwas fürlich, 
nehmen, cö fih gefallen Laffen, fid damit begnügen. Das Wort 
nehmen, anfangen zu ſprechen, ober fortfahren zu ſprechen, ba vor: 
ber ein Andrer ſprach. Theit an einee Sache nehmen, bei derſel⸗ 
ben mit thatig fein, wie auch, reinen Theil an berfelben haben, fir 
nen Theil davon bekommen. Im weiterer nneigentlicher Bedeutung 
gebraucht man nehmen auch von Weränderungen unb Hankfungen 
bes Gemüthe und ber Seele, Etwas zu Herzen nehmen, etwas 
auf fein Herz, fein Gefühl und feinen Willen eimwirken Taffen; auch, 
fih über etwas betrüben. In der Bibel koͤmmt auch ber fonk un: 
gewbtzuliche Ausdrud, etwas zu Ohren nehmen, für hören vor. 
„Höret the Himmel und Erbe, nimm zu Ohren, denn bee Herr tee 
&, Vernehmen. Anthell an Anderer Stäck, Une 
glä nehmen, ſich daruͤber auch freuen ober betruͤhen. Etwas über 
nehmen, es übel empfinden, dadurch befeidigt werben, mie aud, 
es Übel auslegen. Mehmen Sie es wie Sie mollen, legen Gie es 
aus, deuten Sie es wie Cie wollen. Wenn man es fo nehmen 
mil! Gin Wort in einem anbern Verſtande ats ih feinem eigehte 
then Sinne nehmen. Eine Sache für die andere nehmen, fie yore 
wechſetn. Er nimmt feine Macgiebigkeit für Furchtſamleit, er 
Hält fie dafııe. 

Nimm für den Dichtertrieb nicht keichtigkeit zu reimen. Täſtner. 
Wenn man es von diefer Seite nimmt, von Mefer Seite betrachtet. 
Mon mog bie Bade nehmen mie man witl, fo koͤmmt nichts dabei 
heraus. Wenn wir es genau nehmen, wenn wir es genau betrach⸗ 
ten, ine Sache genau nehmen, de gerade fo wie fir iſt betrach— 
ten, Dan muß es bamis'nicht fo - genau nehmen, nicht jo fehr dar⸗ 


00. 


Nehm 


auf achten, wenn ed micht ganz fo iſt wie es fein fol; Mas ſoll ich 
aus biefen Reden nehmen? was ſell ich davon halten, was fol ih 
daraus [hliefen, auf mih beziehen? „Ich weiß nicht, woher Sie 
es nehmen,“ ſchliehen. BWirland, Auf eine ungewöhntite Art 
fagte Büſch „unter bas Gefeg nehmen,“ für, dem Gefege unters 
werfen, 11) Ale nte. mit haben, in einen Zuſtand verfegt werben, 
Schaden nehmen, Schaden, Nachtheil erleiden, befonders am feinem 
Körper, an feiner Befunbbeit Esaben erleiden; au, zu Schaden 
tommen. &inen Anfang nehmen, anfangen; fo'audh, ein Ende 
nehmen, enben. Die Sache nahm eine gute, alütlihe, ſchlechte, 
englädtiche ıc. Wendung, wendete fih gut ıc., flug gut ıc. aus, 
Überhand nehmen, fih ausbreiten, um fih greifen. Das Übel nahm 
überband. X Wunder nehmen, fi wundern, „Die ſchifleut darab 
wunder namen.“ Theuerdank, Kap. 72. Dafür fagt man jent 
drittperföntih, bie Sache nimme mich Wunder, eder es nimmt 
mid wunder, vs wundert mich. Nimmt Die das nicht wunder? 
% Den Zob nehmen, ihn empfangen, erleiden b. h. getöbtet werden. 

Ich hatte von feinen Banden nah genommen ben grimmigen Tod. 

. db. Ribelungen'®. ®. 6424. 

Ef) rec. Sich nehmen. 1) Sich betragen, fi benehmen. Ich 
hätte mich noch wol anders babei nehmen können,“ Eeffing. «Ber 


weiß, wie albern fie ſich dabei genommen batle Derf. 2) * Aus- 


feben, ib annehmen. Wie nimmt ſich denn bie Sache? Beſſer, 

wie fiebt fie aus, wie nimmt fie fi aus, wie macht fie ih? 

Im Öfterreihifgen lautet die erfte Perfon in ber gegenwärtigen 

Beit, + id nimm. Diefe Form koͤmmt aud in ber Klage vor: 
Bon der Wahrbeit ich das nimm. W. 94. 

D. Nehmen. D. Nehmung, befonders in ben Bufammenfegungen. 
3 Die Nehm⸗endung, Da. —en, oder ber Nehmfall, —es, 3. 
—fille, bei einigen Sprachtehrern, der fechöte Fall (Ahlativur), 
Der Nehmer, —s, Da. st.; die —inn, Bi. —en, eine Perſon, 
melde nimmt, beſonders mit dem Rebenbegriffe ber Gewaltthaͤtig⸗ 
keit. „Der eigenmähtige Geber und Nehmer der Länder» ıc. Un: 
gen. (R.) Am gebräudhlihften in den Iufammenfegungen Abneh⸗ 
mer, Cinnehmer it. S. d. In ber Seeſprache heise der Mehmer 
ober Aufbringer ein Schiff, weldes ein feindliches Ehif weg⸗ 

nimmt. ! 

Nebmlich, f. Naͤmlich. 

Die Nebrung, 34. —en, bie Riederung, Niebere, eine niebere, ber 
fonders an ber Eee liegende Eegend. Die Danziger Nebrune, 

Der Nehrzoll, —es, Wr. u. im Mühlenbaue, berienige Bol, um 
welchen bie Wehrlatte hoͤher zu legen dem Beſitzer einer Mühle er: 
laubt ift; auch Erbzoll, Zehrzoll. 

Der Neid, — es, 0. 34. das anhaltende Mißvergnügen über bad 
Gute, welches Anbern zu Theil wird oder wurde und weiches men 
ſelbſt zu befigen begehrt, Berge. Mißgunſt, Scheelſucht, Eifer 
ſucht. Meid empfinden, blicken faffen. Aus Neid Böfes von je: 
manb fprehen. , Das fpriht ber Meid aus ihm, das ſpricht er aud 
Meid, X Bor Meid berften wollen. Vom Meibe gefreffen werben. 
Der Meid nerzehret ihn. Ein giftiper Neid, ein großer, ber oft 
Sehr fhädtiche Folgen bat. Ehemahls gebrauchte man Meid in wei— 
terer Bedeutung für heftiges Verlangen, heftige Begierde, Beibens 
ſchaft überhaupt, wie aud für Haß. »Er fhtug auf ihn mit groffem 
neyd. Theuerbanl, Kap. 106, 

Seit ſturben fie jämmertiche von zweier ebelen Krauen Neid. 
b. Nibelungen B. 24. 
Auch bezeichnete es ehemahls einen hoben Grab innerer Stärke. ©, 
Neidiſch. 

X Der Neidbau, — es, 9. u. im gemeinen Leben und in den Rech⸗— 
ten, ein Bau, welcher aus Neid gegen einen Ändern, bem man bar 
durch fhaden will, unternommen wich. 

Reiden, v. I) ntr. mit haben, Neid empfinden. 

Zeus fiebt neidend mein Bid. — TR. Bi 


474 


Neid 


Auch mit dem dritten Falle, einem neiden, einem etwas wiht 
‚gönnen. 

— ie werben nun bald bie Mäbhen mir neiden. Sonnenberg. 
II) txs. mit Neid bemerken, Reid über etwas zeigen, benciben, 
„Keine meldete, verfsigte die andere.* Berber. „Du neideteſt das 
8006 des zum Menfhen gebornen Geiſtes.“ Wenzel Sternar. 
Einen neiden, über ibm Reib empfinden. „Wenn ihn Bürftem neis 
ben." Hagedorn. 

Rachdem ihn zernichtet ein Bott, ber bie Danafr neidet. Voß, 
Einem etwas neiden, ihn darum beneiden, Ehemabls auch mit bem 
aweiten Falle, \ 

Ihr habt une bie geneidet jo mandes Reden, — b. Ribelungen 

Lied, B. 9528. 
Auch in weiterer Bedeutung, von einer heftigen Leidenſchaft Über: 
haupt, befonders von Zorn ober Haß ergriffen handeln. 

Zraun, nicht acht' id, was mich neidet des Königs Etzelen Weib, 

d. Nibelungen, ®. 7144. 
D. Neiden. 


Neidenswerth, —er, —eſte, adj. u, adv. werth geneldet oder benei⸗ 
bet zw werben; beneidenswerth. „Gin neidenemerthes Gtüd für 
einen Sftanen* Meisner (RM) KRiopfto® gebraudt bafür nei 
deswerth : — fie waren beinah fhon über dem Grabe 

Meideswerth, 

A Neidentflammt, adj a. adv, von Reide gleichfam entflammt, von 
heftigem Heide ergriffen. 

Der neibentflammte Hermeias. Baggeſen. 

Der Neider, —s, 4. al; die —inn, Bi. —en, eine Perſon 
welche etwas neibet, eine andere Perfon meidet. Rice Reiber ha— 
ben. Beier Neider als Mitleider. 

OX Die Neiderei, MM. u. das Neiden, ein Heinliher Neid. „Die 
Meiverei der verfhiedenen Provinzen Deutſchlands gegen einander.* 
Ungen, 

O Der Neidesblick, — s, Ey. —, ein neibifder von Meib zei 
gender Bid, 

Die nad dem Segen unfers Deutſchen Sandes 
Mit Neidesblicken raubbegierig ſchauen. Ediller. 

O Das Neidgift, —es, 0. 9. bus Wift des Neibes gleichſam, der 
Reib als ein Gift betrachtet, wegen der frediihen Folgen, bie er 
baten Eann, „Diejenigen aber die ſich bloß von Hecheleitn aller 
beraustommenben Schriften näbren, und bie nüslihflen durch ihre 
in Neidgift getauchten Febern mehr ober weniger in. Berfall zu 
ſturzen ſuchen.“ Saiffert. 

+ Der Neidhaken, —s, My. gl. ſo viel als Neidnagel oder Nietnagel. 

S Der Reidbammel, —e, #%. —hämmel, ein neidiſcher Wenſch. 

x Der Neidhart, —es, Dh —e, ein neidiſcher Menſch. »Es iſt 
kein Sauren Über des Neidharts kauren.“ Sir. 25, 19. 

x Neibig, —er, — ſte, adj,u. adv. Reid hegent, an den Tag legend. 

Die mie — werrm neidig und gehaß. Jwain. (f.) 
„Darum hats der Meibige verboten. Herder. Ehemahts gebraud: 
te man neidiglich, welches daſſelbe Wort ift aud in weiterer Bebeu— 
tung von andern heftigen Reidenfehaften für heftig, jornig, grimmig ze. 

Da hub ſich unter Degenen Mord und neidliher Haß. d. Hiber 
lungen. V. 7752. 
Daron die Meidigkeit, die Eigenſchaft einer Perfon, da fie neibig 
iR. S. Neidiſch. 

Neidiſch, —er, —te, adj. u. adv. Neid empfindend, an ben Tag 
tegent, baven zeugend, Gin neibiſcher Menſch. Neidiſch fein. Li: 
nes Andern Gluͤck mit meioifhen Augen anſchen. In weiterer Ber 
deutung, mach milder Mein ehemahls einen hehen Grab Innerer 
Etirfe bezeichnete, in manden Gegenden auch ſtark, beftig. Wine 
neidifhe Kälte Neidiſch reanen, Neidiſch ſchiagen, heftig; im 
welcher Bedeutung man ebemahls auch Zufammenfegungen machte, 
3 B. Neibfihlag, ein grimmiger Schlag. 


Neid 


Er ſhlug mir einen Neibſchlag. die Klage, B. 1498. 
Neidiſch effen, fehr begierig. Ein neibifher Schelm, ehemahls 
ein arger, beimtädtifcher. 

Meidlos, —er, —eſte, adj. u. adv. ohne Reid, keinen Reid empfin: 
dend, zeigend. Btieler. „Meiblofe Zerien- Bof. 

— Kor feiner helleren Klarheit 

Reigten ſich feine Brüder, jetzt micht nur neidlod, — Kjopfod, 
Davon bie Neidlofigkeit. 

Der Neidmagel, ſ. Nietnagel. 

O Die Neidjucht, o. By. ein hoher Brad bes Meides, bie Sucht 
zu beneiden. 

O Neidfüchtig, —er, —fle, adj. u. adv. Reldſucht habend, an ben 
Tag legend, wie au, van Meibfucht zeugend. „Merden neibfüchs 
tige Damen meine Freunde (Freundinnen) bleiben, wenn" ıc. 3. P. 
Kihter. 

O Neidvoll, —er, — fe, adj. u. adv. voll Reibes, von Reid gleid- 
ſam erfidt, Meibvoll fahn es die Andern — Voß. 

+ Die Neife, 99. —n, in Schwaben, bie Rußfhale, Nemnih. 

+ Neifeln, Reifen, v. trs. die Raͤſſe aus ber Schale brechen. D. 
Meifein, Neifen. D. —ung. 

Die Neige, 9. —n. ı) Der Zuſtanb, ba ein Ding geneiget wirb, 
und, ba es friner Abnahme, feinem Ende nabet; eigentlich von eis 
nem Fafle, welches bald leer ift und an bem einen Ende aufachoben, 
an dem andern alfo geneigt wirb; ohne Mehrzahl. Das Faß geht 
auf bie Meise, es if bald leer, muß balh geneigt werden. Das 
Bier, ber Wein gebet auf die Meise, ber Vorrath davon gehet aus, 
Uneigestitt, die Abnarme, bas Einten, ber Verfall ıc. 

Zenfend ber Meige des Tages. — Baggelen. 
Erin Vermoͤgen iſt auf ber Meige, es iſt nicht mebe viel davon ba. 
Es gebet mit ihm auf bie Meige, er nabet fib feinem Enbe, auf, 
feine Umſtaͤnde gerathen ‘in Verfall, ober, er nimmt ab an Kräften, 
Gefundseit, Vermoͤgen. 

D die Welt kommt auf bie Neige. Bageborn. 

— benn ihre Schönheit geht allmählig auf die Meige. Leffing. 
s) + Die Neigung, Verneigung, die Handlung ba man fich ſelbſt 
neiget. „Man veritebet biefe Zeilen falfh, wenn man Gharlotten 
eine baͤneriſche Meige, einen dummen Knicks machen laßt. keffing. 
5) Ein flüfiger Körper, der in einem meift leeren Gefäße zuiche 
noch übrig ik, und welchen man babufch aus bem Gefäße befönimt, 
das man baffelbe Heigt. Für biefe Bedeutung ift die Mehrzahl nicht 
ungewoͤhntich. Die Meigen aus verfhiebenen Fäffern oder Flaſchen 
zufammengiefen. Die Meige trinken, was noch in einem Gefäße 
übrig it. Fine Noise zurädiaffen, ein wenig der Fluͤſſigkeit, weiche 
in einem Gefäße in größerer Menge war, zurücklaſſen. Uneigentlid, 
im gemeinen Leben, aud ber Neft von einer jeten Satbe. „Die Meige 
der Sebensfreuben, ber Geſundheite ıc. 6, In biefer Bebeutung wird 
aut dad Bin. Neigchen gehört, doch nur im gemeinen Leben, 

Neigen, v. I tra. aus einer fenfrehten Stellung ober auch wage · 
rechten Page nah ber Erde bewegen ober wenden, „Mean nun eine 
Dirne kommt, zu der ih fpreie: neige beinen Krug unb laß mid 
trinten.“ 1 Mof. 24, 14. Gin Baf neigen, es an bem hintern 
Ente aufbeben unb höher fielen, bamit bas vorbere Ende tiefer 
tiege; auch, es luͤften, M. D. hellen. Das Haupt neigen, es vors 
wärts ober auf bie Zeite aus feiner geraden Richtung finfen Iaffen, 
Eeinen Körper neigen, ben obern Theil beffelben abwärts bewegen, 
ihn beugen. Sich neigen, feinen Körper, fih beugen, Sein Ohr 
zu etwas neigen, in ber Bibel, es gleihfam zu oder auf etwas bins 
richten, um zu hören und zu erhören. Im engerer Bedeutung heißt 
fih neigen, fein Hanpt und feinen Oberieib aus Ehrfueit, aus 
‚Höfli!keit ober wie Eberhard will, aus Wohlmollen (von Höhern 
gegen Geringere), vorwärts gegen bie Erbe beugen; ſich verneigen. 
Eich vor jemand neigen, und fich einern neigen, ebemahls and 
ohne fit und unregeimäßig in ber unlängft vergangenin Zeit nieg. 





475 


Neig 


Da nieg ber Rönisinne Siegfried — d. Ribelung. . W, 365. 
Bergl. ſich beugen, büden, verneigen. Uneigentiit, ſich zu je: 
mand neigen, in ber Bibel, fid zu jemand wenden, zu thin mas 
er wünftt, was ihm angenehm iſt. „Meige dich zu meinen Bitten,« 
börse und erhöre fie. Ganig. Sich gu einer Sate neigen, eine 
Reigung zu ihr bekommen, Luft zu ihre bekommen umb diefer Luft 
nadgeben. Das Herz zu etwas neigen, es zu lieben, auch, au vers 
langen cufangen, „Die Götter haben fein Berz'zu euch geneigt,s 
baf er euch liebt, wohl will. Attifh. Mufeum. (R.). 

Aue das Neigen 

Bon Serzen zu Berien, Gthe. 
Eines Willen zu etwas neizen, ihn darauf hinlenken, bewirken daß 
er es wolle, verlange, S. Geneigt. Einen neigen, ibn genrigt.maden. 

Meig’ ihn burs beinen hochberedten Mund. Ediller. 

11) rec. Sich neigen, eine Rihtung nah unten bekommen aus ei⸗ 
ner fentre.ten Stellung ober wagere*ten Sage. Die Bäume neie 
gen ihre Wipfel, wenn ber Wind fle bewegt und beugt, ober &' nee, 
Brüdte fie niederbrüden. Ein Haus neigt fih, menn es aus feis 

‚ ner wageresten Sage koͤmmt, inbem ber Grund an einer ober ber 
‚andern Stelle nachgiebt; es ſenkt fih. Eine Fläne neigt ſich, 

wenn fie von ber wagerehten Mitkung mehr oder weniger abweicht. 

Einten neigen ſich gegen einander, wenn fie einander ſich almählig 

nähern, mitt gleitweit neben einander fortlaufen. In der Plan: 

zeniehre. heißt ein aufreiter Stengel geneigt /cernuus), wenn bie 

Spitze deſſelben eine mwagerette Richtung genommen bat, Die Son: 

ne neiget ſich, fie beweget fit fhelubar abwärts nah bem Bim:- 

melscanbe, fie mabet ih ihrem Untergehen. Uneigentliü von ber 

Beit, unb andern unförperiihen Dingen. Der Gag neiart fi, 

nähert fih feinem Ende, „Als bereits ber zweite Tag fich neiste, 

ba ıc. Meißner, (9) Auch wol als förmlidhes ntr. ber Tag ber 
ginnt zu neigen, auf bie Neige zu geben, d. 9. fih feinem Ente zu 
nahen. Dein Leben neiget fih. Cine Gate neiget fih au ihrem 

Ende, nchet Ihrem Ende. ine Sache neiget ſich au etwas, wenn 

fie gleihfam durch eine Ähnlichkeit zu iht hingezogen, mit ihr fih am 

vereinigen, ‚eine zu werben ſucht. Seine Lehre neigt ſich zur Bott: 
lofi;keit, man bemerkt in ihr gleihfam einen Bang zur Gettlofig« 
keit, als Leite fie darauf hin. Im einer weitern Bebeutung ge: 
brauchte man neigen ebemabis auch noch für vermindern. „Dit Lies 
be wollen meinen kammer neigen.“ Graf fraftn. Zoggenburg. 

Eit diu Sunne ir liehten Sin 

Gegen ber Feite hat geneiget, Beine v. Belded; 
mie aut, für zu Boten fihlagen, befiegen. 

Eit bu mit haft geneiget. Parcidal. (R.) 

Auch som Bemüthe, von ben Bebanken, fih auf etwas rihten wurbe 

es ehemahls gebraucht: 

Da nayg ich umb in alle lant, Swain ır, 8493 

b. h. da denke ich umher in allen kaͤndern, ober da durtging ich in 

Gedanken alle Länder, — D. Meigen. D. —um. ©. b. 

Die Neigung, Mj. —en. 1) Die Handlung, ba man etwas neiget. 
In engerer Bebeutung, ba man ſich oder feinen Körper aus Ebr: 
furdt ober Höflichkeit, ober wie Eberhard will, aus Wohlwollen 
neiget; bie Verneigung. S. auch Verbeugung, Büdting, Knicks. 
Eine Neigung maden. =) Der Zuſtand, ba etwas ſich neigt, feine 
ſenkrechte oder wagerechte Richtung verläßt. Die Metzjung bes 
Bodens mit ber. Walferwage unterfuhen. Die Nigung eines Ge: 
bäubes zit verbinbern ſuchen. Die Neigung der Kompafnabel, ihre 
Abwelchung von ber mwagerehten Lage (Inelinstion), jum Unter: 
ſchiede von ihrer Abweſchumng in ber Hihtung nad Rorben(Declination). 
Die Reigung weler gerader Linien gezen einander. Uneigenttich 
it Neigung eine nad unb nah. durch Gewohnheit entſtandene Fer: 
tigkeit zu begehren , 'die fich von bem Hanze dadurch unterſcheidet, 
daß fie ein ſchwaͤcheres Begehren ausdrudt und auh aus vernänftis 
gen Seweggrunden entfichen kann; vom Triebe aber dadurch, daß 


- 


eig 
biefer nicht allein ftaͤrker ſondern auch angeboren if. Neigung zu 
atwas haben, empfinden, : Seine Neigung befriedigen. „Wir fom: 
wien mit einer allgemeinen Fähigkeit zu unzähligen Meigungen und 
Leidenfhaften auf die Welt. Sulzer „Es kann keine gute Neis 
gung in einem Herzen wohnen, wo bie unmäßige Begierde nad 
Meichtbum hettſcht.· Gellert. In engerer Bebentung, we bie 


Mehrzahl ungewoͤhnlich ift, iſt die Meigung bie Fertigkeit, das - 


Moht einer Perfon zu begehren und fih barüber zu freuen, mebr 
ats Geneigibrit und weniger als Liebe, bie eft daraus entftehet. 
Meigung gegen eine Perfon empfinden. S. aud Abneigung uns 
Buneigung. 

O Die Neigungsehe, 4. —n, eine Ehe aus Neigung, Liebe, nicht 
aus andern KRüdfichten gefchloffen. Thut mir nit bar, daß Meis 
gungsehen oft f[hieht und Amwangsehen oft gut genug ausfüllen« ıc. 
3. P. Rikter. 

Der Neigungsfompaf, — ſſes, 99. —ffe, ein Kompaß oter Mer: 
ug, weiches dazu bient, ben Grab ber Meigung ber barin ange: 
brahten Kompagnabel zu beobadhten und zu beſtimmen, auch bie 
Meigungsnabel, welher Name eigentiich der babei angebrachten 
Nabei zukoͤmmt. 

Das Neigungsloth, —es, 2. —e, das Einfallaloth. S. b. 

Die Neigungsnadel, 9. —n, f. Neigungstompaf. 

Der Neigungswintel, —t, 24. gl. der Einfallswinfel. S. d. 

Nein, ein Umftanhwort, womit man Iäugnet, daß eine Sache ift ober 
geihieht, geweſen ober geſchehen ift, fein ober geſcheben wird, oder 
womit man anzeigt, baf etwas nicht fein ober geſchehen ſolle, daß 
man etwas nit wolle ac.; befonbers als Antwort auf eine Frage; 
Willſt du es haben? Antw. Nein! Mein, das kann das ſeu niht 
fein! Auf etwas nein, oder mit nem antworten. ben fo wie Ja 
wird ed auch als Grundwort gebraucht. 

Umſonſt finb alle Kragen, 
Gr wiederholt fein mofifh Nein. Gellert. 

OX Die Neinfrau, 9. —en, f. Neinherr. 

DOX Der Neinherr, —ın, 94. —en, ein Bere, eine maͤnnliche 
Perfon, welche immer ober zu Atem Nein fagt, es nicht zugiebt, 
erlaubt 1c.; eben ſo Meinfrau,. eine felhe Frau. Oberhofmeiſte⸗ 
zinnen find, wie es nad; bem Modelle der Jahtrren Meinherren 
giebt, wahre Meinfrauen“ I. P. Richter. 

Das Neinwort, —es, 9. u. das Wort Nein, ald ein Grundwort, 
eine beffimmte Eiugnung einer Sache, ober feinen Wibermwilien, fei: 
nen. Einſpruch gegen etwas auszubruden. „Ehrifius hat bas Ras 
wort unferer Sünde mit feinem Blute wieberum zum Neinworte 
gemacht.“ Luther „Der beitte Grund if, daß ker Mann bas 
Meinwort feltener zurhlnimmt.” 3. 9. Richter. 

F Neifen over Nefen, v. tes. plagen, Schaden thun. So ti [21 
in dem Liebe: Herzlich thut mich verlangen ıc 

. Trotz dem ber fie thut meifen. 
D berlin hat nöfer, noifen, angelegentlich bitten, mit Witten be 
Türmen, dann überhaupt, laͤſtig fallen, und Fulda nafen, nauffen, 
plagen, befchweren „ welche daſſelbe Wort zu fein fheinen. D. Nei— 
fen, Nefen oder Nöfen. D. —ung. 

Der Neiß „f. 1. Gneif. 

+ Neißen, v. ntr. mit haben. ») Wahrſcheinlich won Naſe, durt ben 
Geruch wahrnehmen, im.ber Pfalz neußen. Dann, bem derute 
nachgehen, nadipären,. auffuchen, auch durch den, Geruch locken. e. 
Dfnaufen., Au ward ber Lew raffe 

Fu feinem Kampfarfellen; geuoffen, Serie 8, 246; 
®. b. num falrte der Löwe ganz taſch feinen Kampfgefellen nah. 
a) Rah Eher; und Oberlim bebeutete neißen der neyffen auch, 
nad Art der Schweine mit ben Rüſſel eufeübtt. 5) Verbriefen. 


476 


Nelk 


+) Gin aus. Nägeleim ober Raͤgelchen zuſam⸗ 

womit man am gemöhrlihften fomol ein aus⸗ 
laͤndiſches Gemürj, bie Gewaͤrrnelke, E. d-), ais auh und ags⸗ 
weiſe ein inlaabiſches Pflanzengeſchlecht und beſonders deſſta Blu⸗—⸗ 
men bezeichnet. Dieſes Geſchlecht zeigt einen walgenfärmigen, fünfe 
fach audgesehaten Reid, fünf Blumenblaͤtter, die aus einem breiten 
eingelerbten Theile und einem ſchmalen (pig zulaufenden Theile, der 
einem Nagei gleict und im dem Kelche ftertt, beſteherr, zehn Staube 
füten und zwei längere Griffel mit umgehozenen Etaubmegen ‚Ca- 
syophylius Tourn Disanthus L,), Zheils zum Unterſchiede won 
den Gewürgnelfen, theils zum lihterfhiebe von ben wilb machfenben 
Meiten und andern mit ben Namen Kelten belegten Gewädfen 
nehnt man fie Bartennelden, in Franken, Heſſen y. Grasblumen. 
Höhle Netten, bie gemeinen, bie nur fünf Blumenbrätter haken, 
zum Unterſchiede von ben vollen oder gefüliten, die deren viele has 
ben. Davon das Nelkenblatt, der Meltenftengel ıc., bas Blatt 
ber Meike, ſowol ber Blume ald bes, Etengels, der Stengel ber 
Meike ıc. Bon den oorzunsmeife fogenannten Melten ober Gartens 
netfen giebt es viele und fhöne Arten und Abarten, bie an Farbe 
und Größe ſehr verfhieden find, 3. B. bie Bartneile, Donner’ 
nelte, Federnelke, Jungfernelke, Kartbäuferneife, Mittagsnelke, 
Sandnelke ıc. Melken durch Senker vermehren. Die wilde Meike, 
ober buͤſchelige Bartneite wählt mild, ihre Blumen find purpers 
forbig, am Rande wenig eingelerbt, weiß getüpfelt und firhen oben 
uwiſchen ben Blättern in Gehalt einer Doibe beifanmen (Diauthus 
armeria L), MWitde Meike wirb auch wegen einiger Ähnlichteit 
eine Art ber Pichtrofe (Lychnis dioica L.) genannt. Die flolze 
Meike oder*büfnelige Federnelke, hohe Federnelke waͤchſt an fend: 
ten graſigen Orten und treibt bei einander flebenbe geſtielte Wins 
men (Divuthus superbus L.). In bee Pflangeniehre führen außer 
der Bemwürznelfe und einigen Arten ber kLichtreſe auch noch anbre 
Pflanzen wegen einer ober der andern. Ähnlichkeit den Namen Melz 
ten. (1) Die Kornnelke, ober ber Raben. (2) Die Spaniſche Nel— 
fe, ober ber Pfauenſchwanz, die Paradiesbiume (Poinciana L.). 
(3) Die Indiſche Neike, oder Stundenblune (Hibiscus mutabilis 
L.). (4) Die Tuͤrtiſche Meife, oder Zunisblume. (5) Die Ser 
ober Meernelte oder das Wieſenkraut (Statice L.), (6) Die Mauer: 
nelke ober das Gipskraut Gypsnphila miralis L.'. (7) (Fine Art 
des Hornkrautes, das filtiae ober kriechende Hormfraut (Gerastium 
tomentosnm ; auch ktiechendes Mäufeöhrlein, Kröutlein der Be: 
buld. (3) Die flinkenbe Melde Chenopodium vulvariaLL,), =) +Bei 
ben Zägern, der Lieine graue Schopf Haare on ber Wurzel ber Mur 
the des Fuchſes. 

Der Neikenapfel, —s, 4. —Äpfel, eine Sorte Äpfel (Engl. the 
gilliilower apple, Holländ, Angelierappel). Remnid. 

Nelkenartig, adj. m. adv, bie Krt ber Reite habend, In der Pflan— 
ieniehre beigen Pflanzen nelkenartig (earyophyliese),. bie einem, 
einblattigen, eöhrenförmigen Kelch, eine fünfbfattige Blumenkronc, 
dehn Stauhfäben und Tange Nägel an der Blumenblaͤttern haben. 
Eine vielblattige Blumenkrone beißt welfenartig (caryaphyllacen),, 
wenn fünf Blumenbiätter an ihrem untern Ende ſeht ſtatk verlaͤn⸗ 
gert find, umb in. einem einbigttigen Kelcht ſtehen. 

Der Neilenbaum, — 25, .-—biume 1) Ein auslandiſcher Baum, 
welcher die würzjbafte Meile ober bie Bewürsneite traͤgt. ©, Ge 
würsneifenbaum. 2) Ein immer grönendes Bemähe auf ben Ka⸗ 
nexifhen Infeln, befien Summ und Klaätter blärtich angelaufen 
Hab, und deſſen Blumenkelch fünf Splgen zeist und fünf Eis ficken 
metge, Finffpaitige Buͤmchen umpicht (Cocalia Kleinia L.);. auch 
Kohlbaum, Kleiniſche Peſtwurzel. 





satus), Nemmich. 
Die Melle, My. —n. 
mengezogenes Wert, 


Es neißt mid; ohne das ſchon, fo viele Worte mite cuch WERBEN iu Die Nelkenblüte, Be. u. tie Btüte dea Nelfeniaumes, melde man 


müften« Wächter. D. Meißen. 


Gemüginägelein nennt. 


+ Der Nejämer, —t, B. gi. der Säutetflein (Basaltas mail: BR Hektenblütfarbe, 0. 9, bie braune Zarhe ber Nellenblüte ober 


> — — 


Nelk 


der Sewuͤrznaͤgeleln. Wei ben Faͤrbern, eine derſelben Ähnliche Faibe. 

Meltenbraun, adj. u. adv. brann wie bie Bewürzuelten find, roͤt htich 
oder gelblichbraun. 

O Nelkenbunt, adj. u. adr. fo bunt wie Reiten in ihrer Mannich⸗ 
faltigteit von "Karten, 

Yurpurn, grünlich und blau, rofig und nelkenbunt. Baggefen. 

Der Nellenflor, —et, 94. —e, ber For, d. h. der Mlüheftand bes 
Reiten; wie auch, bie Zeit zu welcher bie NRelten blüben , und meb: 
zere blühende Reiten feibt. Einen fchönen Meitenflor haben, viele 
ſchoͤne bluͤhende Selten. 

Der Nelkengaͤrtner, — 6, 9. gl. einer ber beſonders die Kunft Mel 
fen zu. ziehen und zu vermehren verfteht und ausübt. 

Das Nelkengras, — es, 3. von mehrer Arten, —graͤſer. 1) Das 
Rägleingros oder Kderneltengras. ©: b. 2) Dir Sandurlke. ©. d. 
3) Das gemeine Hornkraut (Gerestium vulgatum L.). Weißes 
Nelkengras ift ein Name einer antern Art des Hotnkrautes, bes 
Aderhorntrabtes (GCerastium arveme L.). 

Meltengrün, adj. u. adv, blaße ober blaugeim, wie bie Stengel und 
die Elätter der Melken. Bei ber Faͤrbern, eine diefem Grün ahn⸗ 
che Farbe, welche aus Blau und Grän gremiſcht wird, 

Das Melkenkraut, — es, MM. u. 7) &, Ragelkraut r): a) Ein 
Kan. der Dinmur ober Benediktwutz, beſonders einer Art bers 

*  felben, beren Wurzel gegen den Frühling wie Gewürgnelten richt 
(Geum urbanum L.); auch Meltenmurz. 

Die Nelfenlaus, 9. —läufe, ein grünes Befer, welchen ſich oben 
am Stengel der Reken nade am Kelche aufhält und bie Pflanze 
auefaugrt (Aphis earyophylli); aud dire Maufe. 

Das Nelkenmaß, —es, y.—e, bei ber Retkenfreunden ober Netken⸗ 
gärtnern, ein aus mehrerm Birken beſtehendes Maß, bie Gröfe 
oder ben Umfang der Bartennelte damit zu meffen. 

Die Neltennirte® mg. —n, eine fhöne, in Zeilon 1e. einheimifhe 
Art Mirten mit drei Mahl gefpaltenen vielblumigen Btumenftielen 
und umgekehrt elförmigen Blättern (Myrtus carynphyllata L.). 

Die Neltennuf, By. —nüffe, eine nad Gewürzneifen riehende und 
fhmertende Nuf, fo arof wie eine Musfatnuf, aber runder, brau— 
mer und leichter, welche die Frucht eines Baumes auf Madagaskar 
fein ſoll (Nux earyophyllata); aud Mus aus Madagaskar, Näg- 

leinnuß. 

Der Nelkenpfeffer, —s, My. u. bie dem ſchwarzen Pfeffer ähnliche 

Freucht ber Gewuͤrzmirte, melde unreif gepflädt wirb unb ben Ge— 
ſchmack ber Gewuͤrznelke, des Zimmtes und ber Muskatnuüſſe in ſich 
vereinigetz and Jamaiſcher Pfeffer, Wunderpfeffer,, Englifches 
Gewuͤrz, Allerieimärz. 

Die Neitenrinde, 9 — n, bir bünne röthlihe cher röthlich brauue 
in längliche Roller gerolite, einen Reftengeruh und flarfen würz— 
baften Geſchmack habende Rinde eines in Brafiiten, auf Kuba; Mar 
danastar ze. wachſenden Baumes, welcher für bie Reitenmirte ges 
dalten wirb (Cassin caryophyliata offie ); auch Nelkenzimmt. 

Das Nelkenroͤschen, —®, ©. gl. ein: Name ber Stechueike (Agro- 
stemma coronaria L.) 

Der Nelkenfiein, — 8, M. —r. 1) Die verffeinten Slieder einck 
Serthieres, welhe Don Einigem fir verſteinte Stahelm einer Krb 
Seeſterne, von Andern für verfeinte Stacheln des Seeigels gehalten 
merben Qaryophylbi lapidei).. =) Steine, welche einen angenehr 
men Geruch, befonders nach Beücdyen haben, Kaher He auch gewbhn⸗ 
lich Beithyenftrine heißen ——— violeceiz Jolithi); auch· BViolen⸗ 
ſteine Steinbluͤte. 

Der Nelkenſtendel, —, Myau eine Arl des Stenbels (Fatyrim 
nigrume L.); auch fhmvarzee Anabenktaut, ſchwarze Becegeilem. 
ſchwarze Faunblume, im Zilerthate Brarurellen 

Der Neſtkenffack, — es, Az — floͤcke ane eiriefne Vflanze ber Gar⸗ 
teuneiken, fe möge bluͤhen ober niht;. möge ior Lanbe ader fr vinem 
Zopfs hen. Zar legtan Failt deißt Fe Kopfnelie,. ©. Stodk. 


477 


Nenn 


Der Neltenftrauß, — s, 9. —fräufe, ein aus Reifen beftehen⸗ 
ter Strauß. 

Die Neikenviole, 94. —n, tin Name bes gelben kackes ober Gold ⸗ 
tades (Gheiranthus cheiri L.% 

Der Nelkenwurm, — et, 34. — wuͤrmer, eine Art Eingeweibewürmer, 

Die Neltenwurz, 3. u. f. Nelkentraut =). 


Der Reltenzimmt, —es, Br u. 1) &. Nelkenrindt. 2) Ein 
Bame ber Neltenmicte. Remnid: 53) Der Name eines ausluͤndi— 
fhen Baumes (Laurus eulilahan). RMemnid, 


— Men, eine Ableitſilbe, deren man ſich bedient, nee Ausfagewörter 
aus andern Ausfagewörtern zu bilden, 1) Zhätlihe Ausfagembrter 

» aus zuftändlichen, 5. B. Öffnen von bem veralteten offen, offen fein, 
efen ſtehen; marnen von wahren, alfs ſehen machen; feftenen von 
feſten ıc, 2) Berflärkende Ausfagemörter, einen böbern Grad inz 
merer Stärke der Handlung zu bezeichnen, 3.8. ſehnen von fe 
ben; niemen, beim Zatien noch nemnen. @s ſcheint jes 
doch in diefen und andern Fällen vielmehe bie Silbe —en, nicht 
—nen, bie Xbleitfiibe zu fein, indem bie Etammmörter, vom wels 

- den auch wol nicht zu erweiſen if, daß fie durchgaͤngig Ausſage⸗ 
wörter find oder gewefen find, Then ein n hasen. & — En. Rad 
Ab. wird ben Ausfagewörtern auf —nen von Ginigen aud noch 
eine ben Anfang ber Hanbinag ober bea Zuſtandes, melde fie ber 
zeichnen, angebenbe Bedratung beigelegt, wevon lehnen in einer im 
©. D. befannten Bebeutung, für anfangen zu liegen, sum Beifpiet 
angeführt mirb, 

Mennbar, adj. w. adv, was genannt, mit einem Worte, Autdrucke 
bezeichnet werben kann, Davon bie Nennbarkeit, o. By. ber Um⸗ 
fand, ba etwas genannt, benannt werben kann. 

O Das Nennbeiwort, —es, My. — wörter, in ber Sprachlehre, ba® 
Beimort eines Nenmwortes (Adjestiram). Junker. ©, Beimorf. 
ennen, v.tre. regelm. vw. unregelm. unl. vera.3. ich nanute nennte), 
geb. F. nennete; Mittelw. d. verg. 3. genannt (gemennt). 1) @ir 
nen Ramen geben, „Bott nenrete das Licht Zag, unb bie Finfkere 
nip Naht, ı Mof. 1,5. Dos Kiab wurde nah feinem Water i 
genannt, bekam ben Namen feines Waters »Du ſollſt mit eirem 
neuen Namen genennet werben,” mit einem nenen Ranten belegt 
werben. Ef. 62, 2; 65,15, 2) Bermittelft bes eianem, zukom⸗ 
menben und unterfhribenden Wortes bezeichnen, ober bei bem ie 
thuͤmlichen Namen erwähnen, rufen. Cine Sache, eine Verfom 
nennen, ihren Namen anführen, entioeder fügen sber ſchreiben, 
und dadurch beaeichnen- Etwas ſchoͤn nennen, bavan ausſagen, af 
es Schön if. Einen bei cher mie feinem Ramen nennen „ ihn: mit 
Ausfprehung feines Mamend bezeichnen. „Das ift meim ame, bei 
dem man mid nennen foll* = Maf. 5, 15. Des Wert, welches 
fast, wie man. eine Sahe nennt, wirb gleichfalls in den vdierten 
Kalt zeſegt. Man mennt ihn nur ben guten Waltbeur Pfeffer. 
Sie nennen ſich Freunde. Noenne mir ihn nicht mehr, laß mich 
feinen Ramen nicht mebr hören- Sich nennen, ſich auf eine unter: 
ſche idende Art mit Worten beseihnen. Daher, 806 einem ber ſich 
genannt bb. feinen Namen arfsgt bat, dan auch ven Anderm 
Sabei genannt wirb, Lönmt es bean, baf ſich nennen. auch ale ner, 
und fie genannt merben, heißen. gebrandt wird; melde Art ſich 
auszudrucken aber der gutem Schreib ⸗ unb · Sprechart fremk iſt. Er 
nennt ſich Squeaz, er heißt Saunen. Das Dorf neunt fidr Dar 
bieson.. Zumeller hat nenne ben: Rebeubegriff, mie Bebrutuag, 
mie Madhärıd nemten. Ger = Gott, ben wir Ale Vatre mamın.. 
Bungen werner im nit. 

Wer HE wor fear Bes Bolfk Verſangen ? 

Mer, acht” er, nennt man: rer alte mih?! (dertert.. 
Kart „ gemannt ber: Große; Zubmigt, gewunnt der Die, beſſer 
mis dem Meauamen Bes Graf. ach aber ber Große sa. Einen Dee: 
tr namen, ihan dere Kane Satet gebem, weil! er der Batiar des 
Reummendem il, er ak: füldise cuage greq; gpmchtast an liest, 


Nenn 


Ich bein Water! n 

Berworfner! nenne mid nicht Bater, 

Ich Eenne bi nicht mehr. Gotter, 
So genannt gebraucht man bei einer Benennung um anzuzeigen, 
daß man bivfe Benennung und bie Sache, welche fir ausdruckt, nicht 
geradehin anerfenne, ober daß bie Benennung zwar Ablih, aber 
genau ober in gewiffer Rädfiht genommen falih oder uudeutlich 
fe. Wie klein und erbärmiih Mad nicht oft die ſegenannten gro: 
fen Männer! In ben KRuuzeleien fömmt genannt mit verfdicher 


nen Beimwörtern vor: oben genannt. ober obgenanut, oft genannt,. 


vor genannt ober vorhin genannt, mehr genannt ac. 3) 1 Im 
D. D. beſtimmen, fett ſegen. Ein Genanntes, ein ſeſter Gehalt, 
fefte befiinmte Winfänfte (ein Fixum). Ju Nürnberg find uber 
waren die Genannten bie Glieder bes äußern oder weitern Mathe, 
aus welchen bie Gileber des Innern ober engeren Mattes erwählt 
wurden. Bo kommt es auch noch ı Woſ. 41, 45 vor: „Diarao 

nennete Joſeph den heimlihen Rath,“ er beitimmte, er ernannte 
ibn dazu. D. Nennen. D. —ung. 

5 Die Nennsendung, My. — en, in der Sprachlehre, bei einigen 
befonders ältern Sprachlehrern, die aus dem Latelniſchen wörtlich 

z uͤberſetzte unpoßtihe Benennung der erften Entung der umendrichen 
Wörter (Nominativus), Andere fagen bofür ber Neunfall, Nen: 
nee; beſſer, wie ea fheint, © ber erfte Fall ober der Utfall. ©. 

Der Nenner, —s, My. gl. einer der mennet, benennet, wie auch 
ein Ding, das ztwas nennet, So heißt 1) bei Cinigen ber erite 
Fall der umendiihen Wörter der Nenner. =) In der Rehnutges 
Eunft, diefenige Babl eines. Bruches, weiche benennet ober ausfaget, 
in wie viel Theile das Gange getheilt worden feiz zum linterfihiebe 
vom. Zähler. 

Der Nennfall, —s, aımfälle, f. Mennendung. 

O Der Nennwerth, —es, 0. Di. derjenige Werth, welchen eine 
Sache dem Mamen nah, welchen fir angenommener Seife hat (No- 
minalwerth), und welcher oft weit höher angenommen ift als ber 
wahre Werth, ber Sachwerth (Realmerth) eigentlich geftattet. 

Das Nennwert, —es, Mr. — wörter, in ber Sprachtehre, eine 
Gattung von Wörtern, welche bie Dinge ober ihre Eigenſchaften 
benennen, atſo ſowol die Grundwoͤrter, als auf bie Beilegungss 
wörter (Nomen); bei den alten Sprachlehrern aud nur der Name. 
In engerer Vebeutung gebrauchen ed Andere, z. B. Junker, ner 
für Brundwort (Nomen substantivum). 

+ Der Nept, —es, 9. u, ein Name der Kakenmünze (Nepeta ca- 
taria L.) 

Ner, xine Ableitfilbe wie —er, Grundwoͤrter aus andern Wörtern, 
btſonders aus Grundwoͤrtern, damit zu bilden, eine Perſon maͤun— 
tiches Geſchlechte zu bezeichnen, bie mit dem Grundwerte, wovon 
e3 abgeleitet iſt, in einer nahen Verbindung ſtehet. Der Veſtaͤnd⸗ 
ner, der etwas in Beſtand oder Vacht nimmt ober hat; ber Buͤnd⸗ 
ner, ber Theiſhaber an einem Bunde; ber Kellner, ber bie Aufficht 
üser den Keller hat; der Söldner, ber um Golb dient; der Böll: 
ner, ber Finnehmer bes Zolles u, a. m, Andere werben von Aus. 
fagewörtern gebildet, eine Perſon zu bejeihnen, welche wie dadurch 
audgefagte Handlung verrichtet, z. B. der Bildner, von bilden, ber 
etwas bildet; der Redner, von reben, ber gut rebet, zu reden ver⸗ 
ſtehet 2c. neben welchen man auch die von benfelben Ausſagewoͤrtern 
abgeleiteten Wörter Bilder und Reder Hat, bie man aber noch von 
jenen in der Bedeutung unterfcheidet. S. d. W. Die allermeiſten 
von Ausſagewörtern abgeleitetm ®runbmörter auf er werben aber 
vermittetſt der Silbe —er gebildet. S. — Er. 

Der Nerfling, f. Nörfling. 

Der Nerve, —n, 4. —n, aud bie Nerve, By. —n, ein Wort, 
womit man gemiffe Theile in ben thierifhen Körpern bezeichnet. 
1} Die feflen vanbartigen Theile, welche die Gelenke mit einanber 
verbinden; die Sehnen, Flechſen, Spannabern, Bänder, (Liga- 


478 


Nerv 


menta). So heißt befonbers die Sehne; welche hinten am Beine’ 
eines Pferdes am Nöhrbeine hinanteriduft, der NRerve. Da biefe 
Nerven ober Sehnen viele Spanukraft befigen, fo bedient man ſich 
derſelben auch den Bogen damit zu befpannen unb ben Pfeil damit 
fortsufhnelien, und nennt auch wol bie Eniten, wegen ihrer Spann: 

- kraft, Merven. 
— nicht eitles Geſchoß von ber Nerbe veriendend. 


Bob. 

Nur einzle e 
Starke Schütt'rungen raufheten nad durch die Merben ber Harfe. 

a Klopfiod. 
In der Pflonzenichre nennt man die Adern oder die Theile, Äſte 
des Stieies, die fih auf dem ganzen Umfange des Blattes verbrei: 
ten, und mehr ober weniger merkiih find, auh Nerven. Am .bäus 
figften und gewoͤhnlichſten aber verfleht man unter Nerven 2) weis 
he, weiße, marlige Fäden, bie entweder aus beim Gehiene ober 
aus bem Rüdenmarke entfpringen, ſich duch ben ganzen Körper in 
Zweigen verbreiten, und bie von einer Scheibe non weißem Zell: 
gewebe, bie gewoͤhntich eine bünne gallertartige Feuchtigkeit emtr 
hält, umgeben find (Nervi); bei Ginigen unſchictich auch Spanns 
abern. Die Rerven find ber Sig der Empfindung und ber Bewegang, 
und haben verfhiedene Namen, 5.8. Sehnerve, Geruchnerve ic. 
indem bes Todes Gefuͤhl ihm 
Jede Nerve beſchleicht. — — Klopftod. 
Denn ob in mir auch jede Merve zuckt. Gotlin. 
Der drefaͤſtige Nerve (Nervus trigeminus) entſpringt nahe An ber 
untern Band der vierten Hienböble, und theilt fih in ben Augen, 
Ahrönens und Stirnzweig; der zurkdinufende Nerve (N. recur- 
zens), der in ber Beuft erſt abwärts, baum ıwicher aufwärts läuft; 
bie weichen Nerven (N. molles) find Zweige bes Mitleibungsnerven 
und roͤthlich, bilden ein Geflecht und geben vorzüglich an bie 
Blutgefäße. Andere Nerven bekommen Ramen von ben heilen, 
zu ober duch welche fie laufen ꝛc. Ihrer Geſtalt wegen vergleicht 
man bie Nerven mit Bäumen, und nennt die feinen Rerven am 
‚Urfprunge der größern Wurzeln, bie dicken, bie aus mehrern eine 
seinen neben einander liegenden Nervenfäben beftchen, Stämme, 
Nervenitimme, welcht ſich wirber in Heinere Nerven, in Mervens 
alte und Nervenzweige theilen. 5) Bei ben Walkern werben die fale 
fhen Falten, welde beim Watken in das Zud kommen, auch Ner⸗ 
ven genaunt; Walkrippen. 

* Nerven, v. ir, 1) Mit einer Rerve ober mit Nerven verſehen. 
©. Entnerven. Einen Bogen nerven, ihn mit ber Nerde ober 
Sehne befpannen,. 2) Den Nerven beſchüͤdigen. So fagt men, 
ein Pferd nereet füch, wenn es im Gehen mit den @ifen ber Hinter- 
füpe den Nerven ber Vorderfuͤhe befhädiget. D. Nerven, D.—ung, 

Der Nervenaft, — es, 34. —aͤſte, f. Nerve 2). 

O Der Nervenbau, —s, 34. —e. ı) Der Bau, bie ganze Ein: 
richtung ber Nerven; ohne Mehrzahl, =) Ale Nerven zuſammen- 
genommen, ald ein zufemmenhängendes Banzes betrachtet (Rervenr 
system); auch das Mersengebäude. — fo mus man fih oft fo 
gemaltfam wieder aufraffen, daß der ganze Mervenbau brönt,“ 
Bürger. (R.). Ein guter, feter Nervenbau. 

Das Nervenbein, —s, Mn. —e, f. Gedankenbein. 

O Die Nervenbefhreibung, Mz. —en, derjenige Theil ber Bers 
gliederungstunft, weicher fi; mit Befhreibung ber Rerven beihäfs 
tiget (Neurogruphie), » 

Das Nervenbündel, —s, 99. al. mebrere mit einander verbundene 
Merven, bie zu Winer Vorrichtung des thierifhen Lebens gebdren. 
Der Nervenfaden, —s, 9. —fäden, tie einzelnen Faͤden oder 
feinen Zheite, welche neben einanber liegend bie Merven bilben, 
Das Nervenficber, —g, 2. gl. eine Art Fieber, welches von eis 

nem krankhaften Zuſtande ber Nerven fierrähret, unb wobei beſon— 
bers bie Nerven ſehr angegriffen werten. j 
© Das Nervengebäude, —e, 4. 3l, C. S. Nervenban. 


Nerv 


Das Nervenkeflebt, —et, 9. —, in ber Berglieherungskunft, 
eine Verbindung mehrerer Rervenfäden eines Stammes, ton wel: 
chem fie fih Shen getrennt hatten, wie aud mehrerer Nerbenflämme 
unter einander (Plexus). ° 

Der Nervengeift, —es, Mr. ſ. Mervenſaft. . 

Das Nervengras, — es, BB. u, ein Name bes Sandrohres (Arundo 
arenarla L). 

Die Nervenhaut; By. —häute, in der Zeratieberungstunft, bie 
duͤnne Ausbreitung bes Marked vom Sethnerven, weiches burd die 

Slebplatte dringt; weiß ift und viele megförmig. verbreitete Gefäße 
bat (Tanien nerven), _ * : 

Der Nervenlibel, —s, 39. u. ber Higel: ober Reiz ber Mereen; 
auch wol, «im unwillkuͤhrlicher fihmersbafter Reiz: berfeiben in ben 
Buffohlen und in ber flachen ‚Hand, ; 

Der Nervenknoten, —6, 34 al. in ber Zerglieberumgäfunft, meh: 

- - zero verrinfzte Mervenziweige, welde zuſammen ein rothlidges Klüntp- 

u Gen Bilden (Gauglion). Einfach heißen fie, wenw fe aus Fäden 
beffetben Etammes, zufammengefegt, wenn fie aus Faͤden verſchie⸗ 
dener Stämme beftehen. 

Nervenkrank, adj. u, adv. an ben Nerven ktank, eine Rervenkrant: 
beit haben. in nervenktranter Menſch, eder ein Nervenkranker. 

Die Nervenkrankheit, Pa. —en, eine Krankheit bet Merten, ober 
eine Rrantöeit, weige in ber fehlerhaften Beſchaffenheit der Rerven 
ihren Grund hat. 

O Die Rervenlchre, 99. —n. 1) Derjenige Theil der Koöͤrperlehte, 
welcher fih mit den Meruen beſchäftiget, ihrer Beſchreibung, Eins 
teilung, Seſtimmung ıc. (Neurologie); ohne Mehrzahl. 2) Eine 
Sährift, welche diefe kehre enthält. 

Nervenles, —er, —eſte, adf. u. adv. ber Nerven beraubt; befonz 
bers im ber zweiten Vedeutung des Wortes Merve, ber Merven 
gleichſam, des Sttzes ders Kraft beraubt, Eroftiod, entnerst. „Mer 
find jeue nervenleſen Figuren (Seftalten) dert? Abbt. ö 

. Sein Rem ift nervestiot, fein Athem fhwer. Wielank. 
Davon die Merventofigkeit, o. Bi 

O Das Rervenmittel, —s, . gi. ein die Merven flärkendes Mite 
tel, Heilmittel (Newriticum), 

Das Nervenpflaſter, —s, 94. ol. ein Pflafter für Franke Merven, 
ober in Rervenkrankbelt. Friſch. 

O Nervenreih, —er, —fir, adj. u. adr. reih an Rerven, viele 
Merven habend, nervig. Uneigentiih, & kraftooll; beffer, nervig. 
S. d. „Rürier und nervenreicer Auserud.- Leffing „Ein 
nernenreicher Mebner.e Parater. 

Der Nervenreis, —es, 4. —e, ber Reis ber Nerven, welden von 
kufen lommend bie Nerven empfinden. Die Empfänglihkeit dafür 
ift die Mertenreisbarkeit, 

Die Nervenröbre, 9. —n, in ber. EHaltbierichre, eine Heine offene 
Röhre im Intern der Schale der Schiſfokuttel, weiche durch die 
Waͤnde gehet, aus welchen fe zufammengefegt it Sipho); auch bloß 
die Röhre, 

Der Nervenfaft, —es, 9. u. rine febr feine Fläffigteit, welche 
von Zinigen in ben Merven angenommen unb für den Sig ber Ems 
pfindung und bes Bebens gehalten wich (Pluidum nerveum); aud 
Nervengeift, die Lebensgeiſter. 

O Die Nervenſalbe, W. —n, eine Salbe, mit welcher man ſich 
beftreiht, die Nerven baburd, zu ſtärken (Unguentwn. nervimum), 

Die Nervenfchlinge, Sz. —n, in der Zergliederungekunſt, bie Bere 
einigung ameier gleich bier Rerven, bie fo In einander übergesen, 
ba$ man ben Drt ber Bereinigung an feinem von beiden unterfchel 
den kann (Anse}. * 

O Nervenſpannend, ei. u. adv. bie Rerven fpannend, aueſpannend, 
ibre Spunnkraft reizend, ſtaͤrkend. 

Geftarkt vom der nervenfpannenden Vergiuft. Baggeſen. 

Der Nervenfiamm, —es, 2. — ffimme, f. Nerve 2). 


479 


Neſſel 


Nervenſtaͤrkend, —er, —eſte, adj. u. adv. tie Nerven flärkend. 
Nerventiärtbade Mittel (nevritische, analeptische Mittet). 

Die Nervenfiartung, My. —en, bie Stärkung der Rerven; wie 
au, ein nervenfärkendes Mittel. 

© Die Nervenverfaffung, 4. —en, die Berfaffung, Befhaffen 
beit der ſaͤmmtlichen Nerven. „Fine gute Nervenberfaſſung (Nervens 
system) haben.“ 6. 

O Rervenvoll, —ır, —ſte, adj. u. adr. viele Nerven habend; um: 
eigentiih, nervig, kraftvoll. 

— — mit einem braunen Stocke 
In nervenvoller Band. Engelſchall. (B.). 

Die Nervenwarze, 94. —n; Br. das Nervbenwaͤtzchen, Heine Wer: 
zen am Ende ber Nerven auf der Zunge und im ber Raſe, welche 
der tigentlihe Sig bes Geſchmackes und Geruhes finb (Papillae 
nerveae). 

Der Nervenwurm, —eb, By. —märmer, der Babenwurm, wegen 
feiner Ahnlichteit mit einem Nerven; beſonders eine Art deſſelben 

‚AFılaria medinensis); auch Hautwurm, Neſſelwurm, Beinwurm, 
Babenfchlängtein, Guineifcher Drade. 

Die Nervenzerlegung, 34. —en, derjenige Zeil der Bergticherunge: 
Zunft, weidrer ſich wit ber Zerlegung und Unterfuhung der Nerven 
beihäftiget (Neurstamie). 

O Der Yervenzufall, —s, 34. —fälle, ein die Nerven angreifens 
ber tranksafter Zufall, Wahrlich, ein bloßer Nervenzufall ifte* ze. 
3. 9. Nichter. 

Der Nervenzweig, —es, 9. —e, ſ. Nerve 2). 

RNervig, — er, —ite, adi. ti. adr, Nerven Babend; in engerer Ber 
beutung, viele und ſtarke Kerven habend und baber fark, kraͤftig. 
Ein nerviger Körper. Cine nervige Fauſt. Vo, weicher ben 
Unterfhieb der Beiltgungswoͤrter auf — icht unb —ig micht gelten 
täft, ſagt dafuͤr nervicht, welches mach jener Unterfcheidung nur, 
Nerzen äbniich bedeutet: 

und bemmte die nervichte Kauft an bem filbernen Hefte. 
Eine nerbige Schreibart, Sprache, eine kraftvolle, geiftreiche und 
gedrängte, In ber Pflanzeniehre if ein Blatt nereig, wenn bie 
Nerven deſſelben gerabe gefredt, hart und über bie Klähe bes 
Biattes erheben find. ©. Nerve 1). - Davon bie Nervigkeit, 
o. Bi. die Gigenihaft einer Sahe ba fie nereig ifi. 

O Nervigen, v. ters. necoig machen, an Nerven ſtaͤrken. — er ſchlen 
ein Italieniſches (Italifhes) Gewächs zu fein, ein Recpolitaner im 
tã zlichen Babe des Golfs genervigt, 3. P. Rich ter. D. Nercis 
gen. D. —ung. 

+ Der Merz, —ub, 34. — e, die Sumpfotter. Andere ſchreiben auch 
Nör;, Ri. 

+ Der Neſchber, —®, Mr. u. im Salſeldſchen ein verwerren durch⸗ 
einander liegender path, in weichem nieren; ober neſterweiſe ans 
fängtid fauler und in bee Ziefe guter Gijenfein bricht; auf 
Mefchbering. 

+ Nefen, ſ. Reifen. 

+ Die Neöpel, 3. —n, f. Mispel. 

Die Reffel, By. —n. 1) Gin Pflanzengefhteht, deſſen maͤnntiche 
und weibliche Blumen getrennt find ; die männlihen enthalten vier 
Staubfaͤden und ein Heines kugelfoͤrmiges Honigbehältnig, bie weibs 
lien einen eiförmigen Fruchtkeim, weiber ib mit einem haarigen 
Staubwege endigt (Urtien L.). Well bie meiften Arten mit zarten 
Stacheln ober Haaren verfehen find, wilde, wenn man fie lädt der 
rüber, fo daß fie niht umgebogen werben, einen brennenden Schmerz 
verurfahen, fo nennt man fe auh Brennneſſeln, im manden Ge: 
genden Kiterneffeln. Die gemeine große Reffel (Urtien dioicaL.), 
unb die kleine jährige Neffe WUrtiex urens L.) wachſen bei uns 
wild, Die hanfartige ober hunfblätterige Mefjel wählt in Sisi- 
tien, wird bis ſechs Fuß hoch und ift mit großen heftig brenunenden 
Stacheln bejegt, melde feiht abgehen und im der Haut Reden Eisi- 


Neſſel 


ben (Urtica dannabina L.). 
neſſel währt tm fäblichen Europa, hat eine Tugeiförmige Gefalt, 
eiföemige ausgezackte Diätter und brennt heftig (U, romana s, 
pillulifera L.). Sprichw. Was eine Meffel werben will, brennt 
balb, mas einer zu werben verfpridet, wozu er Anlage hat, zeigt 
ſich früͤhzeitig. Neſſeln brennen Keinde und Freunde, ein mit einer 
Neffet zu vergleihender Menſch, 3. B. ein Gändelfühtiger, Zabel: 
fürstiger ꝛtc. zeigt fih ala ſolcher gegen Alle, die mit ibm zu thun 
haben, Kluge Hühner legen auch wel in bie Neſſeln, kluge Leute 
begehen auch wol Fehler. 2) Die taube Meffel, ein Pflanzenger 
fhteht, welches in Anfehung der Blätter eine Ähnlichkeit mit ber 
vorzugsweiſe Neffel genannten Brennneſſel, aber keine Sta— 
Kein hat und alfo auch nicht brennt, zeigt einen röhrenförmigen 
Kelch, eine rahenförmige Blume, die ſich mit zwei Lippen endiget, 
vier Staubfäden und einen Griffel mit zwei fpigigen Staubwegen 
(Lamium L.); bie Zaubneffel. Die große rothe taube Neffel ober 
Taubneſſel treibt glatte purperfarbige Stengel (L. Iaerigatum L.); 
die gemeine rotbe taube Neſſel, oder Heine flintende Aderneffel 
bat purperfürbige und gefleckte Blumen (L. purpureum L.). Die 
weiße taube Meffel hat weife Blumen und heißt auch Bienenſaug, 
Wurmneffel (L. album L.), 5) Die todte Meffel, ein drittes 
Pflanzengefhleht, welches mit dem vorigen ganz nahe verwandt 
ift, mit bem erften aber nichts als eine Ähntichkeit ber Blätter ge: 
mein hat (Galeopsis L,); bei Dietrich bas Katzengeſicht und 
bei Planer der Hohlzahn von der ausgehoͤhlten Eeſtalt des Blu—⸗ 
menblattes, beffen untere Lippe mie mit zwei hohlen Zähnen beſetzt 
iſt; auch Hanfneffel. Davon der Neffeiftengel, dat Meffelblatt, 
der Mefelfame ac. der Stengel, das Blatt, der Same 1. ber 
Neffe. 

Der Neffelbaum, —es, My. —bäume, ein Pflanzengeſchlecht, wel: 
des auf einem Stamme männliche und Bmwitterblumen zeigt, welche 
legte einen Kelch mit fünf Einſchnitten, einen fait gleihen Frucht 
keim, zwei haarige fange Griffel und fünf Ctaubfäben haben (Gel- 
tis L,); auch Bohnenbaum, Birgelbaum. Der gemeine Meffel: 
baum (Celtis australie L.) währt in Sübeuropa und Afrika, wird 
bis funfzehn Schuh hoch, erreicht ein hohes Alter und hat rauhe 
untermärts ſehr aderige, Im eine lange Spige auslaufense Wlätter 
mit ungleihen Haͤtften. 

Die Neflelblafe, m. — n. 
daran brennt, verurfachte Blafe. 2) Cine Art Rollen: oder Walgen: 
ſchnecen in den Afritanifgen Gewäffern (Voluta persicula L.); 
auch Kornelkirſche. 

Der Neffelbrand, —es, 9%. u. das Brennen der Reſſel, d. h. das 
Stehen ber feinen Staheln ber Neſſel unb bie einem Brennen gleis 
chende Empfindung dieſes Stechens. 

O Neſſelbrennend, adj. u. adv. wie eine Reſſel brennend, brennen: 
den Schmerz verurſachend. „Der meffelbrennende Bram.“ Kretſch— 
mar. {R.). 

Das Sefletfiber, — 4, DM. gl eine Art bed Fiebers, wo bei einem 
Wechſel von Froſt un Bige Heine Erhöhungen auf ber Haut, wie 
bie Blaſen von dem Stich ber Brenuneffel zu Vorſchein kommen, 
brennenden Schmerz verurfachen, nad; einigen Tagen aber wieber 
vergeben; bie Meffelkrankheit, die Neſſelſucht, und wenn ein Frie⸗ 
fel Yamit verbunden ift, das Neſſelftieſel. 

Der Neffelfint, —en, 99. —en, f. Braunkehlchen. u 

Die Neffelfliege, My. —n, eine Art Fliegen, wahrfheintich weit fie 
fh häuſtg auf Neffen findet (Musea urticae), Nemnid. 

Das Neffelfriefel, —s , My at. f. Neffetfieber. 

Das Neflelgarn, —es, 24. von mehren Arten ober Mengen, —e, 
ein zartes aus ben Fäben ber Stengel von der großen Nrennneffel 
tereitetes Garn. Gewöhnlich nennt man jegt ein anderes zartes und 
glattes Garn von Baummwolle Meffelgarn, da Is eigentliche nicht 
mehr gewoͤhnlich ift. 


480 


Die Mömifche Neſſel oder Pillen-O Das RNeſſelgeſtraͤuch, —es, Sj. —e, von Reſſeln burchwachſenes 


1) Eine von Neſſeln, wenn man ſich 


Neſt 


Geſtraͤuch, oder auch, große in Menge beifammen ſtehende Neffein, 
welche gleihfam ein Geſtraͤuch bilden. 

Halte die Luft und rein von Narrentheidung und Halblob, 

Und ben Noben von einbrechendem Neffetgefträud). KL. Schmidt. 

Der Meſſelhopfen, —®, 0: 3%. bei Einigen, ber taube Hopfen oder 
Fimmeihopfen. 

Der Neffeling over Nefteling, —s, 4.—e,. sine Karpfenart, 
ber Ukelti oder die Albele (Gyprinus alburnus L,). 

Der Neſſelkoͤnig, —es, 4. —e, ein Rame des Zaunköniges; Pr 
ſonders diejenige Art, weiche Meifenlönig, Schnestönig oder Wins 
terfönig heift (Motacilla troglodytes L.). 

Die Neffelfranfheit, By. —en, f. Neffetfieber. 

Die Neſſellaus, Sp. — laͤuſe, eine auf Neffen lebende Art Blatt: 
läufe (Aphis urticae\, 

O Neffeln, v. trs. mit Reffeln brennen, ſchlagen. inen neffelr. 
D. Neffen. D. un (Urticatio); auch bas Reffetpeitfhen, 
8. Z. Heinze 

O Daß Neffelpeitfchen, Br 4. ſ. Neffeln. 

+ Die Neſſelranke, 9. —n, f. Neffeifeide, 

Der Neffelfauger, —6, 94. gl. ein Ihier, das an den Reſſeln faus 
set. Diefen Namen führt eine Art Blattſauger auf ben Reſſela 
(Chermes urticae). 

Der Neffelfhmetterling, —ed, My. —e, der Name einer Art 
Schmetterlinge, entweder weil fie nach ben Reffeln fliegen, eder 
weil fie ihre Gieridarauf legen (Papilio urtieae); der Meffelvogel. 
S. auch Meffelfpanner. 

+ Die Neſſelſeide, o. 2%. die Flacheſeide (Cuscuta Europaea L.); 
auch Neffelranten. 

Der Neſſelſpanner, —s, M. ol. eine Art Nachtfalter, warfhein 
lich weit fie ſich um Reſſeln aufbält und darauf ihre Eier legt (Phalae- 
na urticata), Ein anderer Nadıtfalter heißt wahrſchelalich aus eb⸗ 
nem äbnlihen Grunde Neffelfpinner (Phalsena Caja), Remnid, 

Der Neffelfpinner, — Wy. gt. f. Neſſelſpanner. 

Die Neffelftaude, 4. —n. 1) Eine ſtaudig gewachſene Reſſel. 
2) Ein im Sizilien wachſendes Staudengewächs mit ſägeartig ein- 
geferbten Blättern, lippenförmigen Blumen, zwei kuͤrzern und zwei 
lãngern Staubfäden, und einem Griffel, ber ih mit zwei ungfeihen 
Staubmwegen endigt; in dem Kelche liegen vier zunblide Beeren 
(Prasium L.). 


Der Neſſelſtrauch, —es, 94. —ſtraͤuche, hohe Neffeln, werde ei— 


nen Strauch bilden M. Kramer, welder auch Neſſelge— 
ſtraͤuch bat. — 
Die Neſſelſucht, u. —en, fo viel als Reſſelſteber. Andere untepe 


ſcheiden beide noch von einander, 

Dos Neffeltuch , —es, 9%. von mehrern Arten, — tin au 
Neffelgarne verfertigted feines Gewebe. 

Neffeltuchen, adj. u. adr, von Reſſeltuch gemacht. Gin neffeltuche: 
nes Kieib, 

Der Neffelvogel, —, Bi. —voͤgel. 1) S. Neffelfhmetterfing. 
2) Das — eine Art Radtfalter (Phalneua urtica- 
ls), Remnid. Auch Neffelwurm, womit man eigentlih wol, 
jedoch nicht gut, bie aus den Giern deſſelben ausgebrochene 
Raupe bezeichnen will. 

Die Neſſelwanze, Ma. —n, eine Art Wangen, weil fie ſich wahr» 
fheintih auf Neffen findet (Cimex ruber). Rn 

& Der Neffelmurm, —es, 9. —würmer, f. Neffelvogel 2). 

Der Neffelzwirn, —es, m. u. Zwirn aus den Fäden einer Kot _ 
Neffen gemacht. 

Das Neſt, —es, DA. —er; Bm. das Nefthen, ©. D. —lein, eis 
gentlich, ein Haufe mehrerer bei einander befindlicher, mit einender 
verbundener Dinge. So Heißt im Berabaue, eine enge bei eins 
ander befindlichen Grjes ein Meft, und ein Erz bricht neſterweiſt, 


* 


-. 


Hefte 


— 


Netz 


wenn ac ſich In ſolchtn Neſtern, deren kaͤnge und Breite ungefähr * eigentlich Neſthocker. Auch ſagt man nah Nemnic baflr Mel: 


gieih Ind, Findet. Das Mefi auf bem Kopfe ber Frauen, bie zus 
ſammengeſchlungenen, aeflehtenen ober gemidelten. oben auf bem 
Kopfe mit einer Nabel ober einem Kamme befeftigten Haare, bus 
Haarneſt, Zopfneft, die Neſtel. Zn engerer und gesöhntiher Bes 
deutung, ein auf mannihfaltige Art von.Keifern, - Strohhalmen, 


Stoffen zuſammengeſetztes, geflohtenes und hohles Ding, welches ſich 
viele Thiere, beſonders Boͤgel, machen, um darin zu wohnen, vor—⸗ 
uͤglich aber Jungen darin zu werfen ober audjuhedten, ! Gin Vo— 
geineft, Wespenneſt, Raupenneft, Rattenneſt ıc Die Schwalben 
bauen fich Mefter von Korh und Lehm. Zu Mefte tragen, von den 


Bbgeln, wenn fie allerlei, was ſie zur Verfertigung ihres Meftes 


brauchen, berbeitragen, : &, auch Horſt. 


Auweilen verſtehet man 
unter Met auch die darin befindlichen Eier und Jungen ſelbſt. 
Ein Meſt Bogel. Das Neſt auinchmen. Uneigentiih, eine 
Wohnung, ein Baus, wie and ein ganzer Ort, Dorf ober Stadt, 
doch nar wenn fle ſchlechter Art find und wenn man mit Mer: 
achtung davon Sprechen wit. in elendes, ſchlechtes Neſf. Ein 
fettes Neſt, ein feſter Ort, Beſonders in Bufammenfepungen, 
&, Dieböneft,, Felſenneſt, Hureuneſt, Raubneſt ıc. Im 
gemeinen Scherze und verähtich nennt man auch bas Bert ein 
Mel. Im Mefte lienen. Er will nicht aus dem Mefte, 


Dad Neftsei, —es, 24. —er, dasjenige Ei, weiches man beim Aus⸗ 


Die Neftel, a —n. 


nehmen der Gier des Federviehes im Pefte liegen laßt, bamit 
wieber andere bazu gelegt werben. 

Papier und Belb 

Bar rings umber zur Schau geſtellt, 

And wie ein Meflei hingelent,. Soltau. 

1) + Ein Melt, Haarneft. ©. Mefl. ») 
Schmale lederne Riemen, ober auch runde Schnüre, etwas bamit 
luzuſchnallen, zuzufhnären, zu: ober anjubinden, Die Schnürmes 
ſtel, Schuhneftel, Hofenneftet. @inem bie Meftel oder eine Ne— 
flet, ein Neſtlein Enäpfen, ihn zum Beifchlafe untüchtig maden, 
durch Unterbindung der Hoben. 


Der Neftelbefhlag, —es, 9: — ſchlaͤge, ein Stückhen dünnen 


Bleches, womit eine Neftel an ihrem Ende befhlagen ift, bamit 
man fie 3. B. begnem durch bie Schnürlächer ſtecken könne, 


Der Nefteling, f. Neftiing. 


Das Meſtelleder, —s, 9. al. im Handel, bergoldetes Leber zu Tep⸗ 


Neſteln, v- trs. 


Die Neſtelnadel, 94. —n. 2) Eine Schnörnabel, 


Remnid,. 
1) Mit einer Reiter ober mit Refteln verfehen. 2) 
Zum Beifhlafe, vermitterft einer Refter untähtig machen. 
Und wenn ih dann nicht weiter kann, 
Steh’ ih, wie ein geneſtelter Mann, 
S. Nefſel. D. Neſteln. D. —ung. 


pichen. 


Sbthe. 


2) Eine ſtarke 
Nadet, mit welcher die Neftel ober das Haarneſt auf dem Kopfe feſt 


geſteckt? wird, bie Neſtnadel, Haarnadel, Kopfnadel. 
Der Neſtelſtift, — s, 9. —e, ber Stift am Ende einer Reſtel. 


Brife. 


+ Der Meſtelwurm, —ed, 94. — wärmer, im D. D. ein Name ı) 


Meſterweiſe, adr. in Neftern, im großer Menge beifammen, 


bes Bandwurns (Teenia L.). 
medinensis), 


2) Des Nervenmurmes (Filaria 


— ins 
be die Heinen (Biefer) nefterweife beifammen Lieben." 5. 9. Ride 
ter, Das Erz bricht neſterweiſe. ©; Neſt. 


Die Neflfeder, u. — n, die erften haarartigen Febern, weiche bie 


jungen Bögel im Mefte belommen, ehe ibnen bie echten Federn 
wachſen. 


XDer Nefiheder, —s, Mj. al. der im Neſte hedet. - Man ver: 


ſtehet darunter im gemeinen Leben ein Ferkel, das kruͤpptlhaft und 
&berhaupt ſchlechter als bie übrigen deſſelben Wurfes ift, vlelleicht 


Ganipe's Wörterb, 3. Th. 


+ Die Netterneflel, 


quaker. 


Die Nefltammer, 94. —n, diejenige Kammer oder Höhle des Ham: 


fler® unter bee Erbe, welche ihm zum Nefte oder Aufentbaite dient; 
sum Unterfiede von feiner Boreatböfammer, 


Das Nefttüchen over Neſtkuͤchlein, —, 3. gt. das legte Kid: 


Moos, Febern, Haaren, Erbe und andern weihen und biegfimen 


ein, meldes In einem Mefle boll Eier ausgebrätet wir, N. D. 
Meſtkuͤken, im Dithmarfchen Neſtkuk, im Prätzifhen Meſtquak, im 
Fränfifhen Neſtguͤckel, Neſtgoͤckel, in Helfen Neflrüder, im Mirtem:” 
bergſchen Reſtkegele, Neſtkoͤgele. Uneigentiih im gemeinen Lebtn 
das jüngfte und letzte Kind derſelben tern. 


Der Neftler, —s, 94. gi. ein Handwerker; welcher allerlei Reſtela 


macht oder befehlägt ; feine Frau, die Neſtlerinn. Im engerer Bes 
deutung, + ein Beutter. S. Neſtel 2). 


Der Neflling, —es, 9. —t. ı) Ein junger Raubvogel, fo lange 


er noch im Refte ift und noch nice fliegen Fann; aud ein Raubvo— 
gel, welchen man im Nefte gefangen und dann zahm gemadt har, 
2) So viel als Reſtkuüͤchlein, der Iehte Vogel einer Brut. Ineie 
gentlich, das legte feiner Art. „Der Neftting meiner Schreibſelig⸗ 
tie Thümmel. 


Die Neftnadel, f. Neſlelnadel. 
X Die Neftraupe, #4. —n, bie Benennung folher Raupen, welche 


auf den Baͤumen in Neflern beifammen leben; zum Unterſchiede von 
den Stammraupen, Ningelraupen ıc. 


Die Neflttaube, My. —n, eine junge Taube, welche noch nicht aus: 


geflogen, fondern aus bem Reſte ausgenommen iſt. 


X Neit, —er, —eſte, adj. u. adv, nichts enthaltend, an ſich habend, 


was bie Wahrnehmung feiner Schönheit und Genauigkeit, fowot für 
das Gefiht als für den Verſtand hindert, was alfo aud nichts 
Überfläffiges enthält. Wergt. rein, fauber, zierlih. Gin nettes 
Kleid, ein fauberes, zierlihes unb zugleich paſſendes. Sich nett 
kleiben. Nett iſt der Anzug, den fie trägt. Blumauer. 
U fieh, wie nett bas Köchhen if. Geßner. Gin netter 
Menſch, ein netted Mädchen, wenn fie hübſch, ſchlank find und bes 
fonders, ſich nett tragen. in netter Ausdruck, ein genauer bir 
ſtinimter. »Wer bat jemahls bie ganze Verſtrickung der Zeltum: 
fände — netter überdacht als Cromwell ?“ Abbt. „Mette Bes 
griffe find bei uns faſt notwendig mit bem Brwußtfein ihrer Mas 
men verbunden” Lambert. „Bier habt ihre eine Befhreibung 
plan und nett.= Goͤt he. 

— Iſt's des Kaiſers Bill’? 

Sein netter runder Bil? — Shiller. 
Das macht nett sehn Thaler, gerade, genau zehn Thaler, Bei 
den Kaufleuten, rein, nach Abzug der Unfoften, bes Gewichté, bes 
Packgutes (netto), Es koftet das Stud nett zwei Thaler. Der 
nette, Gewinft. 


Mz;. — n, bie Heiterneffel ober Meine Brenus 
neſſel. 


Die Nettheit oder Nettigkeit, 0. My. bie Eigenſchaft einer Sache, 


da fie nett iſt. mr Rechte nad jener Nettigkeit, bie mehr noch 
als der Pup gefällt» Meifner (RM). Die Mettigkeit eines 


Ausdrucks, ber Schreibart, 
Das Net, —s, MM. —r; Vw. das Neschen, O. D. —lein, ein 


ans Fäden, gewöbnlich mit vielen Maſchen geſchlungenes unb ger 
Inipftes Werl, Gin Meg verfertigen, fleiden. Das Mi eintz 
Perücke. Ein Meb über ein Pferd zu decken. In engerer Bedeus 
tung ein ſolches Werk, fofeen es bienet Fiſche, Rögel und andere 
Thiere barin zu fangen, und zu biefer Abficht gewoöͤhnlich noch auf 
verſchledene Art eingerichtet it, wo es verſchiedene Namen befömmt. 
Die Fiſcher und Zaͤger, bie fich berfeiben befonders bedienen nennen 
fie überhaupt Garne. Ein Fiſchnet oder Fifherneg, ein Jagdnch 
ober Fägernh, ein Vogeineg, Lerchenneh, Splegelneg, Streich 
nei sc, Das Netz auswerfen, File darin zu fangen Gin Reg 


61 


Netzb 


ſtellen, einen Walb mit Netzen umſtellen. Das Wild ins Netz trel⸗ 

ben. Uneigentlich, einen ind Meg locken, ihn an ſich locen und wie 

in einem Rege fe halten, &o fagt man, eine Buhleriun werfe ibre 

Tepe aus, um Llevhaber zu fangen. Einem das Meg Über ben 

Kopf werfen, ihn mit Lift fangen, ober an ſich felfein, Uneigents 

lich nennt man Netz megen einiger Abhnlichkeit in der Geflalt ı) 

In ber Meß: und Zeichenkunſt, die neg ober gitterförmig, b. 6. in 

gleihen Entfernungen unter rechten Sinkeln treugmweife gezogenen 

geraten Einien, welche das genaue Zeichnen und Entwerfen erleich⸗ 
tern. Einen Riß buch ein Mey abzeihnen. Auch bie id dburde 
treuzenden Linien auf Banblarten, welche bie Mittagskreife, Breis 
tenkreife, Glelher, Wendekreiſe, Polkreiſe ıc bezeichnen, werben 
das Netz genannt. Bei ben Tuchmachern wird berienige Fehler, 
welder entftebet, wenn beim Weben bes Tuches verfhiebene zerriſſe⸗ 
ne, durch Unachtſamkeit bes Webers nicht wieder zufammengelnüpfs 
te Kettenſaͤden ſich mit ben benachbarten Faäben ıc. verwickeln, 
ein Nep genannt. =) Im den thieriſchen Körpern, ein haͤutl⸗ 
ger von Gefäßen netzformig durchkreuzter Theil der Cingeweide 

(Omentum); die Nephaut, O. D. Schlem. Beim Menſchen ift 

das große Mes (Omentum majus) eine Fortfegung der äußern 

Grimmbarms: und Magenhant, bie aus zwei Platten beftehend vor 

dein Krummbarme berabbängt, und fi zum heil bis an bie Milz 

erfiredt; das Heine Ne (O. minus) koͤmmt aus ber Querrinne 
der Leber, geht am den Heinen Magenrand und hängt mit dem gro— 

‚ ben Rege zuſammen. Anbre nennen wegen gleiher Aühnlichteit auch 

! gie Darmhaut (Peritonaeum) und nad Andern das Zwerchfell 

! (Diaphrogma) das Netz und bie Neghaut. 

Der Nekbaum, —es, 3. —bäume, bei ben Maurern, biejenigen 
Bäume eines Gerätes, welche in ber Mauer in dazu gemadı: 
ten ober gelaffenen Löchern befeftiget werben; wahrſcheinlich won 
Ned, Sofern es ehemahls Überhaupt ein verbumbenes: Wert, eine Ber: 
bindung bebrutete. , 

Das Nesbeden, —s, 9. al. ein Becken etwas barin zu benegen, 
ober worin Waſſer It etwas damit zu benegen. 

O Der Nesbeutel, —®, 9. gl. ein negförmiger, wie ein Netz ges 
firidter Beutel, oder au ein Meg ald ein Bentel gebraudt. „Und 
rings umher eine Menge Megbeutel, gefühlt mit Perlen, Bingen, 
Görteln und anderem Geſchmeide.“ Golten. 

Der Negbrud, —es, Pr. —bruͤche, derjenige Bruch bei Menſchen 
und Thieren, wenn das Mer in die Seiften ober in ben Hobenfad 
tritt (Epiplocele). Tritt bas Ret in ber Gegend bes Nabels aus, 
fo nennt man einen folden Bruch einen Netznabelbruch (Epiploom- 
pkalon). 

Die Nee, Mj. u. etwas womit man neget ober naf ma. Bo 
nennen in Schlefien bie Spinner und Spinnerinnen ben GSpeidet, 
womit fle den Faden negen, bie Netze. 

1. Regen, v. trs. mit einem Netze verfehen; benegen. D. Netzen. 
D. —ung. 

2. Reken, v. tes, bie zwar gewößntiche, aber minder gute Form für 
näffen, naß machen. &. Maͤſſen. Dieſe Borm ift fhen alt und 
neben wurde und wirb auch für benegen, benäffen gebrandt; 

and netzt' ihr Aug’ und Mund, d. Klage, B. 55085. 
Betten Kärbern heißt negen im bie Blaufüpe tauchen. D. Mes 
gen. D. —umg. 

Das Nesfaß, — ſes, 94. —fäffer, bei den Zuchbereitern, ein vier: 
Santiger hölgerner Trog, im welchen bad aus bem zweiten Waſſer 
gerzubete unb gefhorne, nah bem erſten Scheren nicht wieber ge: 
weilte Tuch in weichem Wafler angrfeuhtet wird. 


482 


Netzw 


trtuzweiſe gefägten duͤnnen Theilen beſtehend. In ber Planen: 
lehre heißt eine zwiebelige Wurzel negförmig (retieulata), wenn bie 
Bmichel ganz aus negfärmigen Däuten beftehet; halbnetzfoͤrmig (sem- 
reticulata), wenn fie aus einer feften Maffe beftchet, ihre Aufere 
Baut aber netförmig ift. Eine Samenbede heizt negförmig, wenn 
fie wie ein feines Reg den Samen bit einfhließt. Davon vie Netz— 
förmigteit, 
Die Netzgabel, 9. —n, bie Forte. ©, Forke. Stieler. 


Die Nebhaut, My. —häute, eine nepförmige Haut, die mit 


Gefäßen mesförmig durchzogen if. 
(retina). 

Dad Netzhorn, —es, 94. —hoͤrner. f. Reprolle. 

Dad Nebjagen, —s, WM. gl. bei den Zägern, eine Art zu jagen, 
ba das Wild in die dazu aufgeftellten Rege getrieben und darin 
entmeber aefangen oder eriegt wird. 

Die Netzkammer, 84. —n, bei den Brayern, eine Kammer, d. h. 
ein Gemach, wo man das Malz, ehe es in die Mühle gebracht wird, 
—— d. h. naͤſſet ober anfeuchtet; beſſer bie Naͤßkammet. S. 2. 

chen. 

O Die Neblante, 3. —n, nehfdemig, nach Art eines Netes ge: 
ſchlunge ne und gelnäpfte Kanten (Filet), 6, : 

Der Netzkeſſel, —s, 3. gl. bei den Faͤrbern, der Keffet in einer 
Färberei, in weldem die Beuge genegt werben. 

Die Nebkoralle, 9. —n, eine Art Korallen (Reteporae, Retepo- 
xitaa). Remmnid. 

Die Negmelone, 9. —n, eine Art Melonen, deren Schale wir 
mit einem Rege überzogen iſt. 

Der Nebring, —s, 94. —e, ein Ring an einem Netze. Ötieler. 

Die Neprolle, 4. —n, eine Art Zuten oder Zutenfhueten. Cine 
andere Art wird gelbes Meshern gemannt, weil fie mit gelben 
Strichen netformig gezeichnet iſt (Conus textile L.). 

Die Metzſchlange, 9. —n, eine Art Schlangen In Amerika, beren 
Barbe auf dem Racken ins Schmwarggraue fält, und auf beren 
Schappen ſich weißliche Flecken befinden, bie in ihrer Stellung ein 
Netz bilden (Anguis reticulatn),. Remnid. 

Die Nepfhnede, 9. —n. 1) Eine Art Stahelfäneden im Mit: 
tellänbifhen Meere und in Amerika mit negförmiger Beihnung (Mu- 
zex retieularis L.). 2) Die Gitterfchnede oder das Gitterhorn 
(Buceinum retieulatum L.). 

Der Metzſchwamm, —es, 9. — ſchwaͤmme, ein Shwamm, etwas 
damit zu näffen, anzufeuchten. ©. 2. Neben. 

Das Netzſehen, —6, 0. 9. ein Erankpafter Zufall ber Augen, der 
ben [hmarzen Staare verangehet, da bie [hwarjen Beftalten, welche 
mon zu ſehen glaubt, ſich vermehren und ein ſchwarzes Retz ober 
einen ſchwatzen Flot bilden (Visus reticularis), Beer. 

Der Nepftänder, — 8, 2%. gl. bei den Papiermachern, ein Stänber 
mit kaltem Aaunmaffer, worin das Papier alaunet, alfo genäffet 
wird; von 2. netzen. 

Die Nebftange, 4. —n, eine Stange, das Mep in ber Höhe zu 
erhalten. &, Netzgabel. 

Der Nebitern, —es, D. —e, eine Art Seeſterne mit fünf Strah 
ten, auf beren obern Fläche ſich ein erhobenes Retzwerk zeigt (Aste- 
rias reticula L.), P 

Der Nebflih, —es, Mz. —e, bei den Räferinnen und Stickerinnen, 
ein Stih ober eine Art zu mäben, wobei bie Fäden des Grundes fo 
aufammengesogen unb mit bem Näpfaden snfammengefhärit werben, 
daß fie ein mepförmiges Anfehen erhalten. 


Die Netzhaut bes Auges 


Der Nebfirider, — 6, 8. at. ; die —inn, 2%. —en, eine Perfon, 
melde Nepe firidt aber verfertiget, 

Die Netztute, Bi. —n, eine Art weißer Kegelſchnecken mit geben 
negartigen Bändern (Comus mercator 1.); aud der Kaufmann. 
Das Netzwaſſer, —b, 0, 2 Waſſer, ſofern es zum Benegen einer 

Sacht dient, - 


Die Netflechte, 9. —n, eine Art Flechten (Reticularia). 
Remnid. 

O Der Neöflügler, —s, 4. gt. Btefer, melde netförmige, bi 6. 
häufige, mit Xbern nepfdrmig burchzogene Flügel haben Neuroptera). 

Reyfdrmig, adj. u. adv, die Form, Geſtalt eined Rees habend, auf 


“ 


Nehtw 

O Das Netzwerk, —ı8, M. u. 
sufammengenommen. 
verfhlungen und durchbrochen ift. 
Säleire von Netzwerk.“ Wädter. _ 

O Die Metzwurſt, 34. —würfle, BWürfte aus gehadtem Kalb fleiſche 
in lange Streifen vom Kalbnege gewitelt (Fricandeiles). 

Neu, —er, —efle, adj. u. adv. überhaupt, erft feit kurzer Zeit 
vorzanden, ebem erſt ober vor nicht länger Breit gemacht, geſchehen, 
entfkanden; in Gegenfag von alt, Ein neues Haus, das eben erit 
ober uniängft gebauet worden ift. Ein altes Hans mit einem neuen 
Dade, auf welhes man anftatt bes alten Dadgg ein neues gemacht 
bat, Gin neues Kteid, Ein neues Bud, weiches erſt kürzlich 
geſchrieben, berausgelommen if. Gin neu gebornes Kind. Ein 
neuer Baum, ben man vor kurzen gepflanzt bat. Ein neues Pferd, 
meldes man erſt feit kurzer Zeit in Befis hat ober eben erſt in Bes 

- fig nimmt, wenn ed ſelbſt auch fihon alt an Jahren if. Ein neuer 
Einfall. Gine neue Lehre. Kine neue Liebe, Das neue Jahr, 
das eben erft angefangen wird. Auf eine ähnliche aber ungemöhns 
Ude Art nennt Lihtwer bie Saft im Frühliag, bie ſich gleichfam 
mit bem Jahre ernenet ober verjängt bat, neue Kuft: 

Der Eebenshaud der neuen Luft 
Gröffnet unfer Herz der Freude. 
Meue Häringe, erft vor Burgen, in diefem Jahre gefangene. Neues 


2) Allerlei Rebe unter einanber 


Euch trägt die Vollbuſtge ben 


Brot, von biesjährigem Getreide. Meuer Mein, biesjähriger. Im, 


D. D. fagt man auch neues Brot, neues Bier ic. für friſches, 
welches in biefen Fällen gewöhntiher und beffer ift, weil man friſch 
von folhen madı nicht lange vorhandenen Dingen gebraudt, bit, 
wenn fie älter werben, von ihrer Bollkommenheit zu ſehr verlieren, 
indem fie fi ihrem -Werberben und Untergange nahen. Junges 
Brot für friſches ober neu gebackenes zu fügen, wie aud wol hier 
und da geſchteht, ift ebenfalls ungut. &, Jung. Der neue Mond, 
ber, nahbem er wegen feiner Stellung, in mwelder er uns feine 
duntle Beite zukehrte, eine Zeltlang unſichtbar war, von neuen und 
nad und mach Immer mehr fihtbar wird, der Neumond; auch das 
meue Licht und das Meue, im gemeinen Leben. Dieuer Shner, 
ber aufs neue ober friſch gefallen iſt, wofür bie Jäger bloß das 
Meue ober ein Neues fagen. Bei ben Tuchſcherern ift ein neuer 
Ziſch, ber Tiſch, auf weldem fie fheren, wenn darauf ein neues 
d.h. wieder ein anderes Tach befeftiget iſt. Eine neue Einrichtung, 
eime anbere als bie biöherige. ine neue, bie neueſte Mobe. Der 
meuefle Geſchmack, fo wie er eben Mode if. Im neueſten Ges 
ſchmacke (modern). Meue Beamte anfegen, andere Beamte, bie 
au vorher fhon Beamte gemwefen fein können, Der neue König. 
Sin neuer Prebiger, ber an de Stelle bes vorher ba gewefenen 
getommen ift; ein Prebiger, bem eine neue Stelle, bie erft errichtet 
worben ift, gegeben wird, ift der erſte Prediger im diefer Stelle, 
Gin neuer Diener, ein neuer Freund, ben man moch nicht lange 
bat, Das neue Teſtament, bus noch nicht fo fange ba ift, als bas 
alte, Neue Fuͤrſten, bie noch nicht fange Fürften find; und in en: 
gerer Bedeutung, ſolche, welche die fürſtliche Würde nad der Mitte 
bes. ı6ten Jahrhunderts erhalten haben ; jet auch ſolche Deutſche ıc. 
Fuͤrſten, melde bie fürftiiche Würde erſt in biefem Tabrhunderte 
won ber Franzoͤſiſchen Reglerung erhalten haben. Die neue Welt, 
nit allein bie feit einigen Jahrhunderten entdeckten Erbtheile, 
Amerita ., in Begenfat ber alten Weit, Afien, Aftifa und Eu— 
ropa; fondern auch bie jehige Meit, d. h. bie jegt lebenden Men 
fen, ebenfalls In Wegenfag ber alten Welt. Cine neue Begeben— 
heit, bie fi eben erſt ober nicht vor langer Zeit begeben bat. Die 
neue Geſchichte, die Befhihte bee neuen Begebenheiten. Da ieboh 
in biefem alle das neu und alt beziehli fein kann, je nachdem 
man einen Zeitpunkt annimmt, wo bie Grenze bes alten und neuen, 
aber alten, mitteln und neuen fein foll, und ver und nad biefem 
Beitpuntte wieber verſchledene Stufen geiten laͤßt, fo unterfheibet 


483 


=) Sin Wert, eine Arbeit, bie wie cin Rep ° 


Neu 


man, mie man ferkft bie Beit unterfheibet, mo man kon einer 
reuen, neuen, neueflen, mittiern, alten, ditern unb ätteften 
Bet freiht, eine neue, neuere, meuefle ıc. Geſchichte, wo benn bie 
neuefe Gejhiäte die neueften Begebenpeiten , bie zu unfcer am 
neuen Dingen fo reihen Zeit vorfallen, erzählt. Gin Bufag von 
neuerer Hand,* von fpäterer Band, b. h. ein fpäterer Bufat. In 
ber Saukunſt Heißt bie Deutfhe Ordnung bie neue Drbnung. Es 
was Neues, was erft geſchehen ift, ober auß, was man noch nicht 
gewußt Hat, Etwas Neues erzählen. Was hört man Neuss? 
Sag“ an, was neu gefhehen iſt? Schiller; 
b. $. was aufs neue, fo eben oder was Neues gefchehen iſt. Meue 
Einfiten, Kenntniffe, Gedanken, bie man vorber noch nit gehabt 
hat. Neue Beneife für etwas anführen, vorher noch unbekannte 
Oder unbenügte. Menue Kräfte fammeln, von neuen Kräfte fammeln, 
ober gleihfam andere anftatt ber durch bie vorbergegangene Anftrens 
gung verlorenen. Neuen Muth faffen. Neue Pflanzen, nette 
Ahiere, die man erft ober kürzlich entdett hat und vorher noch wide 
kannte. Gine neue Lehre. Die Sache iſt mic noch neu, nch uns 
belannt, Won einem Menfhen, ber mit einer Sade noch unbe: 
Eannt, darin noch unerfahren ift, fagt man auch, er fei in biefer 
Sache nod nen, 

Rle war ein junges Paar in Licbeefahen neuer. Wletanb. 
Dad wäre eine gang neue Foderung, tine ganz ungewoͤhnliche, ums 
erhörte. Da bas Meue nicht immer etwas Gutes ober gar bag 
Befte ift, fo ſagt man im gemeinen Lehen zumellen au don etwas, 
das wider unfer Vermuthen und Wollen gefhehen fol, in einem 
ziigöitligenden Werftande: das wäre was Meurs! Im engerer und 
zum Theil uneigenttiher Mebeutung wird neu in Beziehung auf 
manderiei Eigenſchaften gebraucht, bie an neuen Dingen gtwoͤhn⸗ 
lich zu bemerken find. Bo ſagt man ı) eine Lade wieder new 
maben, fie mieder in einen ſolchen Zuſtand feten, ber bemjenigen 
aͤbnlich iſt, worin fie fich bei ihrem Entfleben befand, 4,8. Werte 
ber Kunft, weile neu genzant werben, wenn fie aus ber Hanb bes 


Künftiers fommen, wo fie dad befte Anfehen haben, weiches ſich fe 


wie fie älter werben mehr ober weniger verliert, Cine Sache it 
alfo wicber wie neu, wenn fie wieder fo ousficht, fo befhaffen ift, 
ats fir bei ihrem Gntfichen war. In anderm Berſtande aber ift 
ein Kunftwerk new (modern), wenn man auf den Geift und bie 
Kunft, in melden und mit weicher es verfertiget ift und auf den 
dabei angewandten Geſchmack ıc. Ridfiht nimmt, wo man es bem 
alten umb alterthuͤmlichen (antiken) entgegenfeht, und, da bie alı 
ten Griegen und Mömer es und im ben bildenden Künſten uber: 
thaten, nadfegt. Gin Werk ter neuen Kunſt. Dies iſt von netter 
Kunft (modern). a) Da ferner was meu iſt beffer ind Auge fällt, 
als etwas Altes, ober etwas was man in Gebrauch hat, fo ger 
bdraucht man neu zuweilen aud, um biefe Eigenſchaft zu bezeichnen, 
für, ungebraucht umb baher noch feine ihm beim Entflehen gegebrne 
Velllommenheit, Schönheit habend. Ein neues leid, welches no 
nicht getragen und baher noch gut und ſchoͤn if, wenn es aud ſchon 
vor langer Zeit gemacht wurde. Neues Beld, welches noch nicht 
fh Umlauf war und neh glänzend it. Das Haus ift noch neu, iſt 
noch wie neu. 5) Da das, was man neu macht, oft beſſer if ober 
bad; fein Könnte und follte als bas Alte, fo wirb neu au zuweilen 
mit dem Mebenbegeiffe bes Beffern gebraucht; in Gegenſatz von alt, 
doch nur in ber Bibel und in der bibliſchen Schreibart. Der meue 
Menfd,. Gin neues Leben anfangen. @in neues Herz. Der neue 
Eian, — Umſtandwoͤrtlich gebraucht man neu noch in Rerbindung 
mit ben Mörtern auf unb von, aufs neue, von neutn, eine Wie: 
berholung, da etwas wieber gea gemacht wird, ober entfichet, was 
zwar Thon da mar, aber vergangen iſt. MWergt, Abermahls uns 
Wieder. Aufs neue machen, arbeiten, fünbigen ıc. Aufe neue 
verlieren, fallen ıc. Bon neuen anfangen, Es regnet von neuen. 
Daß man Geremonien (dufere Bebräude) von neuen einriöten 


Neu 


484 


Neue 


— — —— — 


fon, will mie nicht eingeben," Luther. 

Deine Kader leuchtet hoch, 

Wehet frömender von neuen, Overbeck. 
Bon neuem, ober gar vom neuen zu fagen iſt unrichtig; doch fin: 
det man von neuem aud bei guten Schriftfiellern, wovon nur ein 
Beilpiel: — fang er von neuem, Veß. 

Zuweiten wird auch bloß neu für, aufs neue ober von meuen gefeht, 
3. 8. in ben Zufammenfegungen neugeſcheukt, neuverjüngt, neu⸗ 
vermählt. ©. b. 

O Der Reuanbauer, —t, My gl. ber ein Land, eine Begend an⸗ 
bauet, oder fi in einer Gegend anbauet, bie vorher noch nicht an: 
gebauet war (Colonist); kürzer und beffer der Neubauer. „Vor 
jmelfuntert Fahren, wie man keine Neubauer aufeahım, mar bie 
Menge der Anchte in Weſtfalen ſehr groß. Möier. „Rur bie 
Meubauer und erften Anfänger mahen eine Nusnahme,* Ebeling. 

X Neubeden, adj. u. adv. new ober frifh gebacken. Neubackenes 
Brot. Unzigentlih und verähtlih nennt man einen neubackenen 
oder neugebadenen Edelmann ıc. einen folden, ber erſt kuͤrzlich 
bay gemacht werben iR. 

Der Neubau, —es, Di. —t. 1) Dad neue Bauen oder Anbauen 
eines Ortes, einer Gegend. »Seitdem aber der Neubau übschend 
genommen, fett ſich jedes Kind, das nicht zum Hofe gelangt, auf 
feine eigene Band. Mifer 2) Ein neuer Bau, Anbau an einen 
Orte, in einer Gegend (Colonie). 

Der Neubauer, f. Neuanbauer. 

Die Neubegierbe (Nenbegier, Neugier), 0. 9. bie Begierde, das 
Berlangen etiwad Neues, d.h. was modı nicht bekannt ift, beionbere das 
eben erft geſchehen ift und einen bebeutenden Einfluß auf ben Zuſtand 
ber Dinge bat, zu erfabren; wozu man ganz unſchutdige und ſelbſt 
kobenämürbige Beweggruͤnde haben kaun, da hingegen die Neugier, 
Die zugleich ein beftigeres Verlangen biefer Art ift, gemöhniid eine 
geibenfiheft zum Bewepgrunde bat, Aus Meubegierde mad etwas 
fragen. Was Cie auch von diefer Frage denken, melde das Ans 
feben einer fonserbaren Meubegierde, wo nicht gar bes Vorwitzes 
bat: fo bitte ih Sie babe ze. Dufd. Mit ber Wißbegierde darf 
die Neubegierde nicht verwechſelt werden, ©. d. und Vorwig. 

Neubegierig, —r, —fie, adj. u. adr. Neubegierde empfindend, au 
ven Zap legend, dariu gegrümbet, 

Der (bie) Neubekehrte, —n, 2. —n, eine Perfon, melde erſt 
vor kurzen bekehrt worben it, welche ſich erſt vor kurzen zu einer 
für befſer gehaitenen Meligien gewendet hatz ein Neuglaͤubiget, 
der einen neuen und beffern Glauben angenonmen bat, auch ein 
Neubekennert, ſofern er fh gu einem neuen beſſern Glauben bes 
keunet (Prosetyt, Neophyt). 

O Der Reubekenner, —&, 9. gr. f. Neubekehrte. 

O Die Nenpelebung, 9%. u. eine von neuen vor fid gehende oder 
tewirtie Verebunz. — in den Gricchiſchen Kunſtwerken iſt ein 
eisiger Same zu ſeinee Meudtlebung.“ Herder. 

Neubeittiſch, adj. u. adr, ſ. Neuengliſch. 

Der Neubruch, — es, Mg. — bruͤche, ein nen ausgebrochenes, d. b. 
vor kurzen ober ſpaͤter als Fine andere Gegend ausgerodeted, von 
Käumen 1, geveinigtes und zu Fetd ober Wieſe gemachtes Stück 
Sans; das Gereut, Neugereut, Neureut, Neurode, Rodeland, 
Mobacker, Rode, Reutfeld, Roͤdter, Geraͤumte, Stockraum 
(Ravalacker). Davon der Neubruchgebent, ein Zehent, der won 
einem forhen Reubruche entrichtet wich, 

Neudeutſch, adj. u. adr, Deutfd, wie ed im meuen Briten d. h. zit 
unferer 3eit gefhrieben und gefproden wird; wie auch, beit neuen 
d. 5. ben jenigen Deutſchen anzemeffen rc.; Im Gezenſatz von alts 
deutſch. Ja ih wünfhte, man trüge fogar altdeutfche Mifter vom 
Zeit au Zeit ins Reudentſche — üͤber⸗ J. P. Richter, 

Der, bie, das Meute, adj ber, die, das men it; in einigen Beder⸗ 
wnzen dieſes Wortes ald rin Grundwors gebraucht. Der Neue, 


ber in gewiſſem Werftande noch mer iſt, bas mas er iſt, erſt feit 
Burgen iſt, 3. B. ein neu ausgebobener oder neu geworbener Sol 
bat (Kecrut). 
Sieht da bringen fir einen Neuen! Schiller 

Ja weiterer Bedetrtong verficht man unter den Neuen, ſowel bie 
jene lebenden Meuſchen, als aud die Menſchen, die in unjerm Zeits 
alter ober and karz zuvor gelebt haben. Die Xiten fo wie bie 
Meuen. Das Neue, im gemeinen Leden das eue Liht, ber Reu⸗— 
mond, und bei ben Jagen, ber neu oder friſch gefallene Schnee; 
auch ein Neues und die Neue, werunter fe auch Thau und nebe⸗ 
lige Witterung, befonders am Morgen verſtehen. &. Neu. 

Die Neue, 0. 9%. 1) Die Neuheit. 2) ©. der, die, dad Neue, 

Neuen und Neuer, v. I) trs, neu madıen, wieder neu machen; bes 
ſonders im den Zufammenfegungen erneuen, erneuern, verneuen, 
verneuern. Dem ernſt fol ih im nemen, Jwain 7, 758. 
Neuern verftärte und veröftert eigentlich ben Begriff, melden neuen 
bezeichnet; and Lönnte es neuer machen bezeichnen, allein man ges 
braucht gewöhnlich beide gleichdentig. IL) intes, in ber Blenenzucht 
fagt man, bie Bienen neuen, wenn fie anfangen an ben Werke zu 
arbeiten. — D. Neuen, Neuern. D, —ung. 

Nenengland, —es, 0. Di. das nee, d. b. jenige England; wie 
auch, eim neu enttedtes Land, welches Neuengland genannt wird; 
sum Unterfdiebe vom alten England. 

Der Reuengländer, —, Bi. gl.; die —inn, 34. —en, ein Eng 
länder, eine Erzländerinu der neueſten oder jedigem Zeit; wie much, 
eine Perfon aus Neuengland, In der Rasurbefhreibiag führt ben 
Namen Neuenglaͤuder eine Art VBögel beifeiben Geſchlechtes, wozu 
das Haſelhahn, die Wachtel 10, gehören, well fe in Neuengland ge 
funden wirb (Tetrao marilundus), Remnich. 

Meuengliſch, richtiger aber ungewoͤhulich Meuengländifh, adj. w. 
ade. ben Engiändern neuer Zeit eigen, nad Art der jehlgen Engs 
Linder; auch meubrittifh. Die neuengliſche Berfaffung. &o auch 
neufranzoͤſiſch, neugriehifch, meurdmifcy ı., bem neuen ober jetzi⸗ 
gen Franzeſen, Grichen 1. eigen ic. 

X Neuerdings, adv, neuetlich, vor furgen; mie auch, von neuen. 

Der Neuerer, —&, My- gl. einer der neuet eder meuert, etwas Meires 
bieher Ungewoͤhnliches macht, aufbeingts gewäbniih im tadeludem 
Einne, ba das Reue oft aur gewählt und eingeführt wirb, weil eg 
neu if ohne zugleich beffer zu fein als das Kite ober Bisherige, 
Bei M. Kramer, der Neuerungſtifter. „umge Beute, Schwaͤrt 
mer, Enthuſtaſten (Begeiſterte, Beuertöpfe) und Neuerer.“ Klinger. 
Dre Neuer, von neuen gebildet, iſt im dieſem Einne wicht gewoͤhn⸗ 
lid, aber wol in dem zuſammengeſetzten Etneuer. 

Neuerlich, adv. in neuern Seiten; für neulich wird es ungut ges 
bra icht. Als Beilegungsiwert, z. ©, in neuerlichen Zeiten, iſt es 
ungewöhalid. 

Meuern, ſ. Neuen. 

O Das Neuerthum, —es, 0.9. ein nach dem Muſter and als 
Gegenſatz von Alterthum gebilbetes Wort, bie neue Zeit unb bie 
Menfhen in derſelben zu bezeichnen. »Verthrer unfree Eultur (Aus—⸗ 
bildung) meinen, daß das Neuerthum derrchaus auf ben biaber höch⸗ 
fien Stufen der Ausbildong ehe: mc. ungen Seſſer das Meits 
thum, weldes BenzelSternau gebfoucht bat. 

Die Neuerung, 9. —en, die Sandlung, ba man etwas neuert 
oder mewet, etwas Neues einfaähret, was bieter nicht gewöhnlich 
war; beſonders ba man etwas Neuss einführet ober einführen will, 
weil es etwas Neues if, in welhem Bade es in mißbilligendem 
Verſtande gebraucht wirt; dann auch, eine ſolche nen eingeführte 
Eache mit demſelben Mebenbegriffe, wedutch eo füh von ber Meuig⸗ 
keit und dem Merten unterſcheidet. Neuerungen anfanıen. Meuse 
ritngen in der Verfaſſung, in ber Lehre, in ber Schreibung ıc, 

Die Neuerungsbegierde, o. DM, die Veglerde nad) Sisaerungen, zu 
neues, 


Neue 


Der Neuerungskitzel, —, o. Dig. ber Kihel, ber Reiz, welchen 
man nach Neuerungen empfindet, „Der Neuerungskihel iſt eben fo 
tadeihaft als die hurtnädige Anbängtigkeit an dem Kiten." Ade⸗ 
Lat. Et.) 

O Die Neuerungdluft, o. BD. die Luft zu neuen, Neuerungen zu 
machen. 

O Reuerungsluſtig, —er, —ſte, adj. u. adv, Neuerungstuft has 
bend und zeigenb; wie auch, bavon zeugenb, 

— und neuerungeluſtig, des Wahns voll 
Selbſt ſich gaͤngeln zu können empört es ſich wiber die Throne, 
Sonnenberg. 

O Die Neuerungsſcheu (oder — ſcheue), o. My. die Scheu vor 

Reuerungen. 

O Neuerungsſcheu, adj. u. adr. Scheu vor Neuerungen empindend 
und zeizend, 

So wie neuerungsſcheu fingt der Kanoniker. Boß. 

Die Neuerungsfucht, 9.2. de Sucht mag Neuerungen, die Sucht 
zu neuern, 

Neurrungsfüchtig, tt, —ſee, ai. u. ady. Neuerungsfaht em» 
pfludead unb zeigend, : 

Der Neuerungfiifier, —, ©. gt. f. Reuerer. 

Der Neufänger, —#, ip. gl. im Bergbaue ‚derjenige, welcher ei⸗ 

: nen napen Gang, ober einem Gang zuerft gekunden und aufpenom- 
mean bat, wie auch berjenige, meiden bie letten Mafer zn 
bat; vielleicht aus Meufinder verderbt, 

Der Reufinder, 6, M. at. fi Nenfänger, : 

© Der Neufranke, —n, 9%. — n, ein Kranke ber netten Bet; In 
dieſer neuen Zeit mammte man die Franzoſen, bie ſich ſeit' der Um⸗ 
wandlung ihres Staates ganz verändert zu haben and neue Mens 
Shen geworden zu fein ober werben zu wollen ſchienen, bie Meier 
franzofen, and Neufranten, bie aber wieder ganz bie alten Frans 
7* geworben ſind, daher man auch nichts weiter don Neufranken 

hoͤret. 

O Neufranken, 4, das neue Frankreich, naͤmlich zur Zeit ber 
Stantsummäliung ober glei darauf, wo es vom alten, Frank; 
veih eben fo verſchieden mar, wie vom neueſten. «Gin Be 
pubtitantr (Breibärger), ber nah Neufranken —— x. 3 p. 
Richter. 

Ö Meufraͤnkiſch, adj. u. adv. den Neufranken eigen, angemeffen, 
son ihaen bertonimend; neuftanzoͤſſſch. S. Meufrenfe. 

Der Neufranzofe, —n , 24. —n, und Neufranzöfifch, adj u.ady, 
f Neuftanke und Meufraͤnkiſch. 

O Der Neufündler, —6, 84. af. einer-der neue Kunde, ober Fänd: 
kein (Erfindungen Projeste) macht (etn Projectmacer). Es find 
Augendiener, Meufuͤndler, Glethner, Dreizäingler, Pfefferlecker.“ 

ı Wöhter, 

Neufirfilih, adj. u. adr. den neuen Fürſten gehörend, in ifrer 
Mürde gegrüntet, S. Neu uns Altfuͤrſtlich. 

Der Neuganger, —$, My. gl. im Bergbaue, berfertige, welcher eis 

- Men-neuen Bana entbliäer wad ergangen Hat, 

Neugebaden, f. Neubaden. 

Reugevorei, adj. u. adv. ne, ehem ert geboren. in neugebornes 
Kind. „Der nengeborne König der Juden.“ Mattb. 2, ı. Sich 
wie neugeboren beiinten, fo wobt, fo friſch, mminter, lebenskräftig, 

‚ als woaͤte man erſt geboren, 
O Die Reugeburt, Sy. —en. 1) Eine son neuen vor ſich gegan⸗ 
gene Exburt, die BHlebergetirts ohne Medrzahl, 
Siebe die Neugeburt ber Ratur, — Sonnenberg. 
a) Eine neue Gebart, etwas von Neuen Geborenes, aus einem ale 
ten in einen nemen Zuſtand ober gang men Hervorgegangenes. 
+ Dis Neugereut, es, By, — ſ. Reubruch. 
Neugeſchenkt, adj. u. adv. eben erſt, oder auch, aufs neue geſchenkt. 
Dein neugeſchenktes Aben. — Herder. 


485 


Neuj 


O Das Neugeſetz, —es, 24. —e, ein neues Befeh. 

— ba fab er in feftlicher Pracht weiter an ben Bergen 
Bitter zur Gruͤudungéfeier bes Meugefebes heraufziehn. 
Sonnenberg. 

Der Neugeworbene, —n, 4. —n, einer ber erft geworben ober 
angewerben ift, hefonbers zum Soldatenbienfte (Heerut), Stieler, 
Auch bloß der Meue. S. der, bie, dad Meue. 

Das Neugewärz, —es, 9. u. bad neue Gewärz, ber Name eines 
von der Gewürimirte (f. d., lemmenden Gewürzes; auch Engliſches 
Getohrz, Allerteigewärz, Iantaikapfeffer. 

Die Neugier, ec. My. f. Meubegierbe. Auch fagt man bafdr Neus 
gierde, „Run fangen fie an mit der größten Verfhlagenheit und 
Meugterde nad) dem Herrn aller dieſer Bunder zu fragen.“ Rude. 

Neugierig, —er, —ſte, adj. u. adv. Neugier habend, am ben Tag 
legend, davon zeugend, darin gegruͤndet. Meugierig fein. Meur 
gierige Fragen, Blide. Davon die Neugierigkeit, o. Rz. bie Eis 
aenihaft einer Perfon da fe neugierig if. 

O Der Neuglang, —ı6, 6. 34. ein neuer Glanz, wie auh ber 
Glanz der Neuheit. »— fie bekleidet mande bekannte Ideen mit 
Meuglanı.“ Benuzel⸗Staͤr gau. 

© Der Neuglaube, —ns, o. 9%. ein neuer, ‚auf neuen ober ver: 
änderten Sagen und Wahrheiten berubenber, oder au, ein neu 
aufgetommener Glaube (Neologie, Heterodozie), 

Neugtäubig, —er, —fte, adj, n. adr. ben oder einen neuen late 
ben babend, wie auch, bazu gebörend, barin gegründet, baraus 
fließend 1. (neologisch , Imtaröäct); ber Neugläubige. ©. Neu ⸗ 

bekehrte. 

Der Neugrieche, —n, Mz. —n, die nenen, jetigen Briegen, in 
Gegenfag der alten Griechen. Davon Neugriechiſch, ben Neugrie⸗ 
Gen eigen; angemeffen, von ihnen berrührend und Neugriechenland, 
das Land der Neugriehen, unter welchem Namen man aud wol das 
untere Italien verſteht, welches in alten deiten uk Sriectſhe 
Pflanzſtaͤdte enthielt. 

Die Neuheit, ig. — en. 1) Der Zuftanb, bie Gigenfäaft eines Din 
des da ce neu if. Die Noubeit eines Haufes, Kleides m. Auch 
wet die Neue, in Bedenfag ber Altheit und Ilte, Beſonders, ber 
Zuſtand ever die Eigenſchaft eine Sache, ba fie er geſcheden if, 
ba fie bisher unbekannt, ungewöhnlih war, Die Neubeit einer 
Begebendeit. Die Meuheit einer Lehre, Behauptung, eines Bages ır, 
Eine Sache, reicher ber Reiz der Neuhelt Werth verſchafft. 2) Eine 
nere, bisher uch nicht bekannte oder erfahrene Sache; gewöhrliche r 
die Neuigkeit, Die Neubeiten lieben, neue Rachrichten, Veraͤnde⸗ 
zungen ꝛe. „Die Meuheiten unſers Zeitalter.“ Rüdiger. Als 
ob's benn — ſolche ſenderbare Meuheit geweien wäre, Gott ober 
etwa gar ſich oder einzelne Leute bei elnem neuen Namen zu heit 
nen,.“ cine ſo uncchörte Sade, Herder, 

Die Neuwigkeit, 9. —en. 1) Dev Zuſtand, bie Etgenſchaft einer 
Sache da fie keu iſt, ohne Mehrzahl; beſſer bie Neuheit. 2) Eine 
neue Sa*c. Beſonders eine neue Nachricht, eine neue Segebenheit. 
Eine Neuigkeit erzähten. Aue Meuigfeiten wiffen wollen. 

x Der Neuigkeitöfeimer, —s, 3%. 1. einer der Neuigkeiten zu 
erfabren fahrt, um fie wieder erzählen zu Linnen; im veraͤchtlichem 
Gerftande, 

Das Neujahr, —es, Mr. bas neue Tabr, ober vielmehr bee An 
fang, ber erſte Tag eines neuen Dahres; befiimmter der Meujäbre: 
tag. Das Neujahr fetern. Auf Neujahr. Mad Neujahr, Zum 
Meujahr Elack mönfben, befer, gum nenen Jahte. ‚Das große 
Neujahr, ber ſechſte Jänner ober das Feſt der beiligen brei Könige 
oder der Erfheinung Keil, Im Wirtembergiſchen und in einigeh 
"andern Laudſchaften, wird biefer Tag auf eine ganz entgezengefegte 
Art das Heine Neitjahr gerannt, 

Das Nenjahrsfeft, ud nr — der Rerladeetas als ein u 
betra tet, 


“2 


Nem 


Das Repiehrägefüpent, tt, Dt, ein Geſchent, welches man 
jemanden zum neuen Sabre giebt, welches an vielen Drten anftatt 
bes Weihnachtsgeſchenkes, an andern aber noch außer bemfelben ge: 
macht wird. 

Das Neujfahrslied, —es, Di. —er, ein Bieb am Neujahrstage ober 
Pteujahröfefte zu fingen. 5 

Die Neujahrsmeſſe, a. —n, eine Meſſe, welde zu Aufange des 
neuen Jahres gehalten wird, wie 3. B. im Beipzig. 

Die Reujahrönacht, 9. — naͤchte, die Racht, in welcher das neue 
Gabe anfängt, welche man an vielen Orten zu feiern pflegt, inbem 
nan [om ben legten Abend bes Jahres, ben Silveſterabend, feier 
ah begeht und auf, biefe Art Mitternaht und zuglelch bas neue 
YJabr erwartet (Media nox‘, 

Der Neujahrsumgang, —et, By. —gänge, ein Umgang, welder 
zum neuen Jahre an einem Orte gebalten wird, um Gaben und 
Geſchenke einzafanmeln, worauf ſelbſt viele Prebiger und Schulleh⸗ 
wer als auf einen Theil ihres Einkommens angewiefen find. 

Der Neujahrswunſch, —es, 94. —wünfde, ı) Ein Wunſch wo⸗ 
mit man einer Perfon zum neuen Jahre Gluͤck wünſcht. Seinen 
Herjahröwunfd abſtatten. 3) Fine Heine Schrift, ein Blatt, worin 
ober worauf biefer Wunid enthalten ift, ben man einer Perſen an: 
#att rines mändliden Bunſches zuſtellt. ' 

Dad Neuland, —es, My. — laͤnder, f. Neubruch. 

O Die Meulehre, My. —n, eine neue Lehre, befonders eine neue 
Blaubenslehre. . 

© Neulchrig, adj. w. ade. 1) Eine neue Lehre enthaltend. =) Cine 
weue Eehre habenb, lehrend, vortragenb (neologisch). 6. „Uber 
bie Zroftfprühe eines neulehrichen (meulehrigen) Pfarcheren* ıc, 
Kt. Schmibt. Davon die Neulchrigkeit. 

Reufich, adj. u. dr. vor Burgen, was unlängft gewefen ober geſche- 
hen if. Neulich ift dieſer Fall eingetreten. Erſt neulich habe ich 
ibm erinnert, Die neulihe Begebeuheit. Im O. D. lautet das 
Umftandwort au neulichen. 

X Dad Neuliht, —et, 94. u fo viel als Neumond. „Bom Neu— 
lichte Bis zum erſten Wiertel.- Popomitfd. (R.) „In keinem wie 
derkehrenden Kaufe von Neus und Bolllicht.“ 3. P. Ridter, 

Der Neuling, —e6; Bi. —t. 1) K%k Ein Ding mas neu oder das 
erfte feiner Art ift, ber Grftling. „Millt bu aber ein fpeyfopffer 
dem Derem thun von ben früdten, folt du die neuling am fheuer 
derren“ 3 Mof. ». Büriher Bibel. (R) 2) Eine Perfon, 

* melde in einer Sache noch nen bamit noch unbelannt, darin 
noch unerfahren iſt. Denn er iſt fein Neuling in Kenntniß 
der Schoͤnheit · Weiße, in Meuling in einer Lehre. „Fin Bis 
(hof fol nicht fein ein Neuling,“ ein Reubelehrter. ı Zim. 5, 6, 
Eben fo verwerflich als ungewöhnlich ift die Bedeutung, in welcher 
man, nah Ab., Neuling aud für eine Perfon, welde Neuerungen 
Llebt und zu maden ſucht, gebraudt. 

X Der Meumacher, —6, My. gl. ber etwas wieder wie neu macht, 
ausbefert. M. Kramer. 

+ Die Neumannskraft, o. 2%. ber 
(Verbaseum lychnitis L.). 

Der Neumarkt, —ed, 94. — maͤrkte, der neue Markt, bie Benen⸗ 
nung von Marktpläten, bie jeboh nur in Bergleich mit ben alten 
neu find; in vielen Städten, In Leipzig bat man fogar einen alten 
Meumarkt, weil es daſelbſt no einen neuern giebt. 

Neumodiſch, —er, —te, adj. u, adv. ber neuen Mode gemäß, bar: 
im gegründet, nad ber neuen Mode; aud wol nur modifh. Meu: 
modifche Kieiter. Neumodiſch gehen. 

Der Neumond, — es 3M. —e, ber Buftand bes Mondes, da er 
nen ift, und ber Mond ſelbſt in biefem Zuſtande. S. Neu, Auch 
das Newlicht und bleß das Neue; in Gegenfag von dem alten 

. Monde oder Vollmonde. Es it Neumond. Wir haben Neumond. 
3 bin feind euren Neumonden.« Ef. ı, 13. 





Name einer Art ber Mollblume 


486 


Neun 


Neun ‚adj, u, adv. eine Grundzaht, welche auf acht folgt, unb ums 
verändert bleibt, wenn ein Grundwort dabet fiehet; N. D. negen. 
Um neun Uhr, auch bloß um neun. (Es hat neun (nicht neune) 
geſchtagen. Gr kam vor neun ober vor neunen. Cine Zahl von 
neun ober von neunen. Giner von ober aus neunen. Die neun 
Muſen; aud nur die Neun. 

Welche Goͤttinn von en Nennen 
Seitet meinen trunfnen Sinn? 8. F. Framer. 
Ale neun merfen, b. h. alle neum Kegel mit ber Kugel umſchleben. 

Die Neun, 4. —en. ı) Das Zahlzeichen 9 1X), weldhes bie Zahl 
neun ausbrudt, 2) Fine Zahl von neun einjeinen Etüden ıc, 

Die Neunauge, (dad Neunauge, —), By. —n, ein aalfärmiger 
wohlſchmeckender Flupfiih ohne Gräten, Schuppen, Ceiten:, Bruſt⸗ 
und Bauhflofen, mit bebeiten Riemen unb fieden In einer Linie 
am Halfe herunter befindlichen Seitenöffnungen zum Ausathmen ber 
Luft, melde man Augen nannte unb baber dem Fiſche, feine beiden 
mäbren Augen bazu gerechnet, ben Namen Meunauge gab; auf 
Bride, ber Pride, Lamprete, Steinfauger, weil er fi an Steine, 
Muſcheln ıc. anfauget (Petroinyzon L.). 

Der Neunbatiner, —s, 3%. gl. in einigen O. D. Gegenden, eine 
Münze welche neun Basen gilt, 

Das Neuned, —es, 34. —e, ein Ding mas neun Eden bat; ber 
fonbers in bee Meßkunſt, eine Fläche, melde durch neun gerade Bir 
nien eingefhleffen iſt, alfo neun Eden hat, 

Neunekig, adj. u. adr, neun Eden haben. 

Der Neuner, —s, 4. gl. eine Zahl von neunen, neun Einheiten 
old win Ganzes betrachtet, ober ein Ganzes, weldes neun Eiubeiten 
entbälti" In Beffen ift der Meuner eine Sandesmünze, welche neun 
Pfennige gilt und auch Weißpfennig, (Albus), leichter Groſchen 
genannt wird, In Frankfurt am Main finb ober waren bie bir 
gerlichen Neuner eine obrigkeitlihe Behörde vom neun Perfonen, 
berem Geſchaft es ift ober war, bie Rechnungen bes Rathes durchzu⸗ 
ſehen und Verschiedenes bei der Verwaltung ber Kämmerei zu befor« 
gen. In ber Rechnungskunſt wird aud wol das Zahlzeichen 9 ein 
Meuner genannt. S. Meunerprobe. 

Neunerlei, adj. 0. Umend. u. adr. von neun verfehlebenen Arten und 
Beihaffenheiten. Neunerlei Blumen, Geriäte ıc Eo auch neun: 
zehnerlei, meunzigerlei, von neungehn, von neunzig verfchiebenen 
Arten, Im gemeinen Leben nennt man meunerlei Luſt eine gewiffe 
aus verfhiebenen Zuthaten beftehenbe Arzenei, beren vornehmſter Be⸗ 
ſtandthell Mohnfaft ift und welche ben Kindern Schlaf zu werfhaf: 
fen gebraudt wird (Regnies Nicolai); in andern Gegenden aud 
allerlei Luft, Ainderrube, 

Die Neunerprobe, My. —ır, in ber Rehnungelunft, eine Probe 
eines berechneten Poftens, nad welcher man in ben gefummten Zah⸗ 
len unb in der Summe gleihriele Reuner wegwirft und das übrig 
Bleldende mit einander vergleicht. 

Neunfach, adj. u, edv, neunmahl genommen, neunmabl fo viel, fo 
groß; auch neunfaͤltig. Meunfach zufammenkegen. Ein neunfaͤl⸗ 
tiger Ertrag, Davon bad Neunfache. Das Neunfache erfegen 
muͤſſen. So au neunzehnfach, neunzehnfältig, und neunzigfach, 
neunzigfaͤltig, atunzehnmahl, neunzigmaht genommen. Das Neuns 
zehnfache, Neunzigfache. 

Neunfaͤltig, adj. u, adv. ſ. Neunfach. 

Das Neunflach, —es, My. —e, ein von neum Flaͤchen eingefdlof: 
fener Körper, 

+ Das Neungleih, —es, 0. 9%. f. Neunbeit. 

+ Dad Neunbämmerlein, —s6, 4. u. ein Name des Allermanns⸗ 
barnifhes (Allium vietorialis L.); auch Giebenbämmerfein. 

+ Das Neunheil, —es, 3%. u. ein Name bes Bärlappes (Lycopo- 
dium elavatım L.); auch Neungleich. 

Neunhundert, beſſer getheilt, neun Hundert, adj. a adv. eine 
Grundzaht, hundert neun Mahl genommen. Neunhundert Gefan- 





Neun 


zene. Bon neunhunderten entkam nicht einer. So auch neun⸗ 
zehnhundert. 

Das Reunhundertel, —s, BM. gl. der neunhandertſte Theil eines 

GSanzen. 

Neunhundertſte, adj. die Orbnungssahl von neunhundert. 

Neunjährig, adj. u. adv. neun Jahr alt, neun Jahr dauernd. Gin 
neumjähriges Pferd. So auch neunzehnjährig und neunzigjährig, 
neunzehn und neungig Jahr alt, ac. 

Neunjaͤhrlich, adj. u. adv. was olle neun Jahte geſchieht. So auch 

—— und neunzigjaͤhrlich. 

+ Die Neunkraftwurzel, 3%. —n, ein Mame bes großen Huflätti- 
Bed, weil.er neunerlei Heilkräfte befigen foll (Tussilago petasites 

‚ L.); aud Meunträfter, Meunfraut. 77 

+ Das Neuntraut, —es, 9. vu. f. Neunkraftwurjel. 

Neunmahl oder neun Mahl, adr. zu neun verfciedenen Mahlen. 
Meunmahl neun macht ein und achtzig. So auch neunzehnmahl 
und neunzigmabl, zu neungehn und nennzig verfhiedenen Mahlen, 

Neunmahlig, adj. nsunmapı geſchehend. Co aud- neunzebmahlig 
und neunzigmahlig, neungehn und neunzig Mahl geſchehend. 

Neunmännerig, adj. u. ady. eigentlich neun Männer habend. In 
der Pflanzeniehre heißen neunmännerige Pflanzen (enneandria) 
folde, deren Staubbeutel amd Stempel in eine Blume. vereiniget 


find, deren Staubbeutel und Fäden unter fih nicht verwachſen find, - 


und deren neun Gtaubfäben entweder eine gleiche ober unbeftimmte 
Ränge haben, , 

Neunmonatig, adj. u. adr, neun Monat alt, neun Monat bauernb, 
Ein neunmonatiges Kind. Die neunmonatige Schwangerfäaft. 
So aud neunichnmonatig. 

Neunmonatlich, adj. u. adv. alle neun Monat geſchehend. So auch 
neumehnmonatlich. 

Der Neunmoͤrder, —s, 3%. gl. ein Rame ı) des Neuntöbters; =) 
der Horniſſe, weil man glaubt, baf neun berfelben ein Pferd töbs 
ten fönnten. . 

Das Neunpfennigfiüd, —et, Dig. —e, eine Münze von neun 
Pfennigen, ein Neuner (f. d.), oder Neunpfenniger. 

‚ Neunpfündig, adj. u. adv, neun Pfund haltend, wiegend. So auch 
neungehnpfündig und neungigpfünbig. 

Neunfeitig, adj. u. adv, neun Seiten habenb. 

Neunfilbig, adj. u. adv. neun Silben habend, aus neun 
ftehend. Ein neunfilbiges Wort, aud, ein Neunfilber. 

X Die Neunfpige, 4. —n, ein Ding mit neun Spigen. Im ges 
meinen Leben in manden Gegenden, ein Name ber Melde. 

Neunftimmig, adj. u. adv. in oder für neun Stimmen gefegt, Gin 
neunftimmiges Zonftüd. 

Der Neunftrahl, —es, 2. —e, in der Raturbefhreibung, eine Art 
aufgerister Serfterne mit neun Strablen (Enneactis). 

Neunftrablig, adj. u. adv. neun Strahlen habend. Ein neunftrah: 
liger Geeftern. 

Neunftündigfadj. u. adv, neun Stunden alt, neun Stunden dauernd. 
&o aud neunzehnftändig und neunzigftändig. 

Neunftündlich, adj. u. adv. alle neum Stunden geſchehend. So au 
neunzehnſtuͤndlich und neunzigſtuͤndlich. 

Neuntaͤgig, adj. u. adv. neun Tage alt, neun Tage dauernd. 

— Gab neuntägigen Shmaul. — Bof. 

So auch neunzehntägig und neunzigtägig. 

—— adjiu.odv. alle neun Tage gefchehend. So auch neun⸗ 
zehntaͤglich, neunzigtäglich. 

Neuntaufend, beifer getheilt, neun taufend, adj. u. adv. tauſend 
neun Mahl genommen. So auch neunzehntaufend und neunzigs 


tauſend. 
So auch 


Neuntaufendfte, adj. die Orbmungszapt don neuntaufend. 
Reunte, adj. die Orbnungszafi von neum Des neunfe Monat ber 


Silben ber 


neunzehntaufendfe und neunzigtaufendfte. 


487 


Neun 


Schwangerſchaft. Der neunte Julius, ber aeunte Tag bieſes 
Monate, 


O Die Neunte, 94. —n, im der Tonkunſt, der neunte Tom von eis 
nem andern Zone, welchen man zum Grundtone annimmt, welcher 
bie Zweite von ber Achte biefes Grundtones ift (None). 

Neuntehalb, adj. 0. Umend. acht ganz und das meunte halb. Neuns 
tehalb Jahr. Eo aud neunzehntehalb und neunzigſtehalb, acht⸗ 
zehn ganz und das neungehnte halb, und neun und achtzig ganz und 
das neungigite halb, . 

Das Neuntel, —s, Mg. gl. ber neunte heit eines Ganzen, für 
Neuntheil. Sehe Meuntel find fo viel ald zwei Dritte. Ein 
Neuntel Thaler, 2 Ggr. 8 Pfenn, oder 4 Mel. So auf das 
Neunzehntel und das Reunzigſtel, ber neungehnte unb der neun: 
siafte Theil eines Ganzen. Im Sergbaue ift das Meuntelder neunte 
Thell vom Metal oder Erze, welche den Stollnern ald ihre Gebühr 
sutömmt. i 

Neuntens, adv. zum neunten, fürs neunte, als neunte, Neuntens 
er verfproden, daß it. Go auch neunjehntens und meunzige 

en 

O Das Neunthalerftüd, —es, 4. —, ein Geldflüd, weldes 
neun Thaler gilt ober drei Dukaten (Souverain). 

Neuntheilig, adj. w. adv. aus neun Theilen beſtehend. So auch 
neunzehntbeilig und neunzigtheilig. 

Der Neuntödter, —$, 94. gl. ein Raubvoge welcher ein Unterger 
ſchlecht bei den Balken ausmacht und ber Meinfte berfelben ift (Falco 

us Kl,, Lanius L,), Den Ramen Neuntöbter hat er von 
ber Volksſage, daß er täglich erſt mem Thiere töbte, bevor er ſich 
erlaube, ein einziges zu verzehren. Die Heinfte Art Neuntöbter ift 
der Dorndreher, welder gemeinhin Reuntöbter genannt wird, und 
aufer den unter Dorndreher angeführten Namen noch folgende Nas 
men führt: Neunmörder, Dornteih, Dornkteult, Dornkrejel, 
Dornbeher, in Steiermark Dorndreuel, in Schiehen Gartentren- 
gel, in Stay Wartenktengel, im Hannöverfhen Rabraker, anders 
wärts Heckenſchmaͤter ıc. Der große Neuntoͤdter ift biäulich grau, 
weiß am Baude, an ber untern Seite der Flügel und an ber 
Kehle, und heißt bei ben Jägern in Stelermart Zwergel, in andern 
Öfterreihifhen Gegenden das Handwerk, fonft die Wildelfter, Krüds 
eifter, Speratfter, bei Andern Geigelelfter, Waldheher, Würgs 


engel. 

Neunwoͤchentlich, adj. u. adv. alle meum Wochen geſchehend. So 
auch neunzehnwoͤchentlich. 

Neunwoͤchig, adj. u. adr, neun Wochen alt, neun Wochen bauernd. 
So auch neunzehnwoͤchig. 

Neunzadig, adj. w, adv. neun Baden habend, 

Neunzehen oder Neunzehn, adj. u, adr. eine Hauptzahl, neun unb 
zeha. Meunzehn Thaler, Es waren ihrer neumehn. . 

Neunzehnerlei, Neungehnfah, —fältig, —hundert, —jähri 
—jährlib, —mabl, —mahlig, —monatig, —monatlid, 
_ pfünbig, — fündig, —ftindlih, —tägig, —täglih, —tau⸗ 
fend, f. Neunerlei, Neunfach ze, ö 

Neunzehnte, adj. die Orbnungszahl von neungehn. 

Neunzehntehalb, dad Neunzehntel, Neunzehntend, Neunzehn⸗ 
theilig, Neunzehnwoͤchentiich, —woͤchig —zoͤllig, ſ. Neunter 
halb, Neuntel, Neuntens ıc. 

Neunzig, adj. u. adr. eine Hauptzahl, neun zehn Mahl, ober zehn 
neun Mahl genommen. Meunzig Tage. Einer von neunzigen. 
Der Neunziger, —t, My. 91. 1) Neungig einzelne zufammengenam: 
men als ein Ganzes, So hat man in einem gewiffen Kartenfpiele 
(Picket) einen Neunziger (Repick), wenn man aus der Hand, d. h. 
aus feinen Karten ohne noch auszufpielen,, dreißig Augen zählen 
kann, welde, wenn der Begenfpieler gar nichts zählt, neunzig gel: 
ten;. zum Unterfhiebe von einem Sechziger. =) ine Perfon von 
meunzig Fahren; eine weibliche Perſon diefes Xiters, eine Meunji- 


Neun 


gerian: So zhlt man au weiter. ein Einundneunziger, Zwei⸗ 
undneungiger a. 5) Mas 1790 gebauer ober verfertiget iſt. 
So if ein Meunziger ein Weln von ı 790, RR: — 
Neunzigerlei, Neunzigfach, — faͤltig, —jährig, —aͤhrlich, 
—mahl, —mahlig, —monatig, —pfuͤndig, ſ. Neunetlei, 
Neunfach at. 
Neunzigſte, adj. die Ordnungszaht vom meunzig. Der neunzigſte 
Theil. In der Sternwiſſenſchaft heißt derjenige Punkt ber Sonnen: 
bahn, welcher für einen gegebenen Zeitpunkt von ben beiden eben im 
Himmelsrande befindlichen Punkten dee Sonnenbahn, ober von den 
Ponkten bes Auf» und Unterganges um go Grad entfernt ift, ber 
Meunziafte, EN 
Neunzigftehalb, Neunzigftel, Neunzigftens, —— 
—fündlih, — taͤgig, — taͤglich, — tauſend, —theilig, — woͤ⸗ 
chentlich, — woͤchig — zoͤlig, f.NMeuntchatbre., Neunftändig sc. 
Neunzoͤllig, adj. u. adv. neun Zoll hoch, lang eder dick. So auch 
nennzehnzoͤllig und neunzigzbllig. 
Der Neupfaͤnner, —« , 4. gt: in den Salzkothen, ein Salzſtüͤck, 
weiches in einer neuen Pfanne gefotten und daher unvelner ift als 
anderes als. 





Das Neureut, — es, My. —e, und die Neurode Bi. —n; fe viel 


eis Neubruch. ©. d. 
; An ein new route. 
+ Neußen, f. Reigen. j 
Die Neuftabt, 99. —flädte, eine neue Stadt, wie auf, ber neue 


Swain 5, Sı3. 


oder neuere Theil einer Stadt, in Begenfag ber Altſtadt. Auferbem - 


daß ſolche Theile von virien Stätten bie Neuſtadt heifen, führen 
biefen Namen aud eine Menge ganzer Stäbte, 

O Neufüchtig, —er, —ſte, adj. u. adv. Sucht nad dem was neu 
it, wie auh nah Reuerungen habend und bemweifenb, 

O Die Neufüchtigkeit, ©. Mz. die Suht nad dem Neuen und nad 
Neuerungen, die Eigenſchaft beffen, ber neufühtig if. „Ein Lieb 
wider die Neufüchtigkeit.“ ungen. 

Meuteftamentlich, adj. u. adv. das neue Zeftament betreffend, dazu 
gebörend, barin gegründet. Die neuteſtamentlichen Ehriften, Eine 
neuteſta mentliche Lehre. 

O Das Neuthum, — es, f. Neuerthum. 

O Neuvergöttert, adj, u. adv. neu d. h. eben erſt, oder aufs neue, 
ron neuen vergoͤttert. 

— liegen vor ihm bem neuvergoͤtterten Menſchen (Iefus). 
j Ktopftod. 
O Neuverjüngt, adj. u. adv. aufs neue verjüngt, 
Mein neuverjängtes Leben. — Gerber. 

O Neuverlodt, adj. u. adv, aufs neue verlodt, ober auch, eben 

erſt verlockt. 
Dies IR das Lenkſeil jest, das meinen Prachtrulnen 
Mit UÜUbermuth vorbei die Meuverfodten führt. - Thümmel. 

O Neuvermäblt, adj. u. adv. meu b. b. eben erſt, unlaͤngſt vers 

mähtt, wie auch, aufs neue, wiederum vermäßlt. 
Die Neubermaͤhlten, jest allein. Bürde, 

+ Der Nruvegel, — ,, My. —vdgel, die Schneeammer, ton das 
Steue, bei den Jaͤgern für Schnee. S. ber, bie, das Neue, 

O Die Neuwelt, o. Mi. die neve Welt, fowol die in newern Zeiten 
entbetten Erdtheile, Amerika at., als aud bie jeht lebenden Men: 
fhen als rin Ganzes aufammengefaßt. „Die Induftrie (der Kunfl: 
fleiö) ber Meumwelt.“ Benzel:Sternau, 

+ Die Nibbe, By —n, im R. D. ber Schnabel, wie auch, bie Rafe. 


Davon Schnibbe, Schnippe, Schnabel m. Nipp und Rippen tommen ' 


ebenfalls von diefem Worte und bb tft nur in bas härtere pp ver; 
manbelt; 
+ Der Nichel, —$, 99. u. der Haben, Kornraden. Remnid. 
Nicht, ein Umſtandwort, im Zufammenhange ber Mede ober mit Hans 
sen Sägen etwas zu nerneinen; zum Unterſchiede don nein, welches 


488 


ůů⏑ m ee — — — 


Nicht 


allein für ſich verneinet. Ich begreife.ea nicht. Er kann nicht ef: 
fen, nicht trinken, Auch nicht ein einziges Wahl. Nicht fo viel ift 


.abrig geblieben. Nicht fange darauf Micht jeser kann es, Go 


und nicht anders foll es fein. Gar nicht, Ganz und gar nicht, 
durchaus micht, ſchlechterdiugs nicht, nicht in geringften ober ih 
mindeften find verſtaͤrkte Berneinumgen. Die Stelle, welche dies 
Wort in ber Siebe belönimt, iſt zwar nicht für alle Faͤle genau und 
unabönberlih beſtimmt, doch ift fie auch nichts weniger ats ganz 
willkuͤhrtich. Gewoͤhntich fteht es binter bem Ane ſageworte ober 
wenn deren zwei zuſammengethoͤrta, zwiſchen beiden. Ich mag nicht. 
35 verſtehe mich nicht Dazu, Zurne nicht! Abmmt er nit? 
Bi er nice Eommen? Wer follte dies micht glauben. Dies ift 
nicht zu bezweifeln. Es bebagt ihm nirht zu arbeiten. Im‘lege 
ten Zalle trifft es ſich micht felten, daß das nicht ſowel zum vorher: 
gehenden ats auch zum nachfolgenden Ausfagemorte gejogen werben 
Pann, ohne daß ber Sinn merklich dadurch verändert wird. Es be: 
bagt ihm nicht zu arbeiten, es beliebt mir nicht zu effen, Fann fe: 
wol heißen, es behagt ihm, nicht zu arbeiten, es beliebt mir, nicht 
zu effen, als auch, es behagt fhm nicht, zu arbeiten, es belicht mir 
nicht, zu effen. In Bälen aber, we biefe Stellung Zweideutiglelt 
verurfahen kann, deut man füh lieber anders aus, um. biefe zu 
vermeiden; 3, B. beſtehl ihm micht zu gehen, wo befehl ihn, nicht 
zu achen, und beſiehl ihm micht, zu geben merklich verſchieden son 
einander find, Oft, befonders in ter Dichtkunſt, wird dieſe 
Stellung bes Wortes nicht, ohne Anderung bes Einnes veräm⸗— 
dert, Auch wicht bie Armuth ſectbſt ſottte mich abhalten, redtich 
zu danbeln,“ für, auch bie Armuth ſelbſt folte mich nicht abs 
dalten ıc. Duſch. Gezwungen iſt dieſe Stelung vor bem Bes 
feblworte. 
Nicht frage zwar zu ſehr, was der und jeder thut. Opia, 
In einem Borberfage wirb nicht befonders häufig vorangefteilt, 
Nicht der Berluſt ift et, mas ibn ſchmerzt, fondern ı. Micht def 
ich damit behaupten wollte, er fei ıc. ind mit dem MWortr nicht 
noch anbere Umflandiwörter verbunden, fo loͤmmt asf bie Stelle, 
welche nicht einnimmt, oft febr vier In. Anfehung der Beftimmung 
tes Sinnts an. Er thut ofe nicht, was er fell, es geläicht oft, 
daß er nicht thut was er fol; er thut nicht oft, mas er jo, es ges 
ſchteht felten, baß ex thut was er follz es thut oft, wider nicht 
fo, es gefhieht oft, daß er etwas thut, was er nicht tun fol, 
Benn-jemand viel nicht ißt, wenn jemand viel nicht weiß, 
Du ſch, 

d. h. wo nicht viel ißt, nicht viel weiß, etwas ganzg Anteres bedene 
ten würde, Hat man im Vorberfane ſchen nicht gebraucht, fo ges 
braubt man im Rachfatze zwar auch nicht, um zu vermeinen, aber 
oft audy noch, in welchem Iesten Falle man jedoch anſtatt bes erſten 
nicht gewöhnlicher weder fest. „ 

Es fheint nicht Mond noch Steen. Mofegarten. 
Richt feiten bezieht Th die Verneinung auf ein torbergegangenes 
ober ausgelaſſenes Wort. Bald will er, bald wieder nicht. Er 
mag wollen ober nicht. Schmweig, wo nicht, fo w. Nicht wahr? 
fo if es, für, iſt es nicht wahr, daß es fe it? So au, ‚nicht fo? 
iſt es aicht fo? Nicht dech! als ein Verbot für, das will it, nicht. 
Miche fo gelirmt! laͤrmt nicht fo, Nicht fo böfe, mein lieber Pe— 
ter.» Weiße, Unbentih ift es und fheint dem Franıöfifchen nad 
geahmt, wenn man nicht in Räden, wie bie folsenden find, ges 
braucht. Er rertangt mehr, als ich micht geben kann, „Xite Peute 
fagen oft mit Einem Worte mehr, als bie Jugend in einem Jahre 
nit faffen kann.= Gellert, Befonders gedören bieher bie vers 
boppelten Berneinungen nichts nicht, feiner nicht, niemand 
nicht. ⸗Habt het nichts an nicht? Opis. »Es ik 
in ibm kein Geiſt nicht mehr.“ Derſ. „Keine antere Gefaͤlligkelt 
habe ich ihm nicht erzeigt,e für, eine andre x, Gellert. Doch 


‚ giebt:es Bälle, wo bie doppelte Verneinung nicht nur nicht Übers 


bein die eine Berneinung bie anbere arfheöt. 


ſo undeutſch iſt es, 


Nicht 


ſtuͤſſig, ſondern ſelbſt nothig iſt, und eine Bejahnng auädruckt, ins 
Dies iſt befonbrrs 
ber Fall, wenn die Berneinung in den Borfilden un⸗, miß⸗, abe, 26, 
enthalten iſt, mo nicht biefe Berneinung zwar aufbebt, aber doch fo, 
das das Grgentbeil baden’ nicht beſtimmt behauptet wird. Es iſt 
mir nicht untieb, ee bat mie nicht mißfallen, fie ift.ihm nicht ab: 
geneigt, fagen blof, daß die in unlieb, mißfallen und abgeneigt lies 
gende Berneinung im gegenwärtigen Kalle niht Statt finde, aber 
fie fagen weniger als, es ifk mir lieb, er hat mir gefallen, fie ift 
ihm gemeint, ober fie follen doch weniger fagen, baber man ſich bie 
fer Art auszudrutken bedient, wenn man durch bie beftimmte Beja: 
hung nicht zu viel fagen will. Zum Behuf biefer Art ib ausju: 
drucken und auch um Ichonenber zu fpreden, bat man mit Nicht 
eine Menge Zuſammenſetzungen gebilbet, von melden verfhiedene an 
Ort und Stelle zur Probe angeführt And. Eben fo find bie bops 


pelten Verneinungen nicht überflüffigs wenn fie in zwei Sägen auf 


einander folgen. Mir wird nichts in der Welt zu ſchwer fein, das 
ich nicht für fie wagen wellte- Gellert. Oft bilbet nicht in 
Verbindung mit allein oder nur einen Worberfap, und fondern auch 
folgt dann im Rachſatze und beziebet fi darauf, Nicht ailein bie 
Zhiere leben, fonbern auch den Pflanzen kann man ein Erben zu: 
ſchreiben. Nicht nur die Stadt wurde eingenommen, ſondern auch 
die babei liegende Fefte, 
auch bäufig verbunden, woron ſchen im Obigen Belſpiele vorgekom⸗ 
men ſind. Wo nicht heute doch morgen. Wenn nicht dies ein 
Sindetniß fein wird. Daß oder bamit nicht Zeit verloren werde. 
Es ift nicht anders, es iſt, es verhält ih fo. Wenn es nicht ans 
ders [sin kann, wenn es fo fein muß. Nicht anders als, gerabe fe. 
Es mar. nicht anders, als fellte bie Melt untergehen, ' Ungewöhns 
lich ift der Gebrauch des nicht In folgenber Eteue, wo es überhaupt 
verneint und für niemand, nicht eine Perfon flehet: 
— und es war nicht, 
Der ſie begrub. — Boß. 
Oft verliert das nicht ſeine verneinende Bedeutung, wenn man ſich 
deſſelben bei einer Frage, bei einem Ausruft bedient, wo das nicht 
die Bejahung, bie, Beflätigung in voraus verlangt und voraufegt 
und den Ton niemabis hat. Iſt's nicht wahr? Habe id; es nicht 
vorbergefagt? Warum nicht gar! ein Ausruf der Mißbilligung und 
bes Unmwillens, „Meike unfelige Vertraulichkeit herrſcht nicht ums 
tern ben Bafteen!« Bellert. 
Wie fpielt die fchöne Blafe nicht 
&o bunt am goibnen Sonnenliht! Weiße, 


Bürte in dersfeihen Fuͤuen ber Ton auf nicht gelegt, fo Ume ein, 


ganz andrer Sinn heraus; 3. 8, welche unfelige Vertraulichkeit 
heerſchte nicht unter ben Laſtern, welche unfelige Bertrautichteit 
gäbe es, bie nicht unter dem Laſtern hereſchte. In andern Fällen 
it Ah anftatt dieſes nicht das Wort doch fegen, in noch anbern 
Bleibt es lieber ganz weg, z. B. adı wie lieb Habe ich dich, für, wie 
Lieb habe ich dich nicht! Ein anderer nicht nachzuahmender Gebrauch 
if es, nur nicht für nicht einmahl zu fegen. „Dies war mir fo 
verähtlih, daß ih nur nicht darauf antwortete. Ungen. ben 
wenn man (wie Klopſtock und Wieland) 
nat Richt, nad bem Lateiniſchen non modo fär beinahe fagt. Ich 
ſcheut falfhe, wur nicht fantofe Exrkfüeungen, wie das verbrannte 
Feind dis Feuer.“ Klepſtock. Unmlateinifche Beier Könnten dabei 
dentn: er ſcheue zwar bie falfhen, aber nicht bie Ännlofen Erktä- 
zungen. „ Außer den erwähnten Bufammenfegungen‘, welche mit nicht 
gebitbet werben, wo es vorangefene wird, bildet man noch anbere 
für das gemeine Beben, wo man nicht anbängt und wo es eine Wer: 
neinung des voranftehenden Woctes anzeigt, Ein Taugenicht oder 
Zusdenicht?, einer der nichta taugt, ein Willnicht, ber nicht ober 
niemabls wi ꝛc. In Thunichtgut, einer der nicht gut thut, ſteht 
es in der Mitte, und in Bergikmeinnicht, Siehmichnicht (Fenfers 
Gampe’s Börterb. 3. Ih. 


Mit wo, wenn, baf, damit wirb nicht: 


Nichtg 


jalonsie) Hat es eine aubere Bedeutung. Dieſes Nicht Lauter im 
ben gemeinen Sprecharten nich und nit, im M. D. auch nig, in 
Balern nöt, in der Oberpfalz niat ze, und iſt wahrfheinlih aus 
ne oder ni, welhes im gemeinen Leben noch bieBerneinung nein if, 
und icht etwas zufammengefegt, 

Nicht, ebemahls ein Grundwort, mit bem vorhergehenden Nicht gieis 
ches Urfprunges, weiches jept nur noch umftandwörtlid mit den Ber- 
haͤltn ißwoͤrtern mit und zu verbunden gebraudyt wirt. Mit nich: 
ten oder wie man ehemabis fagte, mit nichte und mit nicht, fei= 
neawegea. „Roc lies er mit nichte darvan.“ Theuerdank, 8.565. 
So ſeyt ir mit nicht ein tuglider man.“ Ebend R. 74. Im 
Aheuerdank lautet es auch nur nichten. X Etmas zu nichte 
maden, zu einem Rihts machen, zu Grunde richten, verberben, wie 
auch, untauglic, unkräftig magen. Ihr habt vieles zu michte ges 
macht.“ Wöthe. Eines Anbern Pläne, Anfhläge zunichte machen, 
fle vernichten, vereiteln; wofär man and faat, zu Maffer machen. , 
Ungewöhnti und nerwerfilh find die von Hennay angeführten 

. Aussrüde zu nichte gehen, und zu nichte fommen, für, gu Grunde 
geben, vernichtet werden, 

Der Nicht, —es, Di. von mehrern Arten, —e, im Hättenbaue, ein 
weißer, feiner und mebligee Körper, welcher in Beftalt weißer Flok⸗ 
ken beim Schmelzen des Zinkes in die Höhe fteigt; aud Hätten- 
nicht, Weißnicht, Augennicht, weil er für bie Augen heilfam ſein 
ſoll, Zinkblumen, Galmeiblumen, Galmeiflug, Almei. 

Die Nichtachtung, 0.39. ber Mangel der Achtung, bie Unterlaffung 
der Achtung, welche noch weit von Berachtung entfernt iſt. 
„Uber das kalte Bad der Nihtachteng iſt für ihn (den Schwaͤr— 
mer) ein tobtes Meer, worin feine Fiammen sifhen und fein Mine 
bas zu Grunde gebt.“ Benzel:Sternan, 

Die Nichtbeachtung und Nichtbeobachtung, o. Ey. der Mangel, 
die Unterlaffung ber Beahtung und ber Beobachtung. „Die Wohle 
ffandagebräude, teren Nichtbtobachtung einem Mangel an Welt⸗ 
kenntniß umd Lebencart zuneihrichen wird," G. 

Die Nichtbildung, 0. 9%. ber Mangel, bie unterlaſſung der Bile 
bung. „Die Bildung ober Nichtbildung feines Geiſtes.“ Meyer. 

O Das Nichtdaſein, —s, 0.2. der Mangel bes Dafeind. „An meir” 
nem Dafein oder Nichtdaſein mup Ihnen doch fehr wenig liegen.“ 
Meifner. (R..- 

O Der Nihtbenter, —s, My. af. einer der niht Denker it, ber _ 
aus bem Denken oder Nachdenken keine Angelegenheit, fein Gefhäft 
macht. „Mur der Schwache, Feige und Michtdenker koöͤnnen ſich mit 
ben Börtern Schickſal, Zufall tröften.“ Klinger 

O. Der Nihtbichter, —, 4 gl. einer der nicht Dichter ift, aus 
dem Dichten kein Geſchaͤft maht, ober aub, zum Dihter gar nicht 
geboren ifl. — weil die Nichtdichter, bie Erklaͤrer fie (diefe Ger 
ſchichte) nicht bearbeitet — haben.“ Herber, 

O Nichtdichteriſch, adj. u.adr. bes Diterifhen ermangelnd, went: 
ger und fhonender als undichteriſch. 

Die Nichte, .—n, Ber. das Nichtchen, O. D. —lein und Nice 
tel, des Bruders ober ber Schweſter Tochter, im D. D, auch des 
Sohnes. oder der Tochter Tochter, bie Enkelinn; ehemahls and 
Mifte und Miftel. j 

Die Nichterfcheinung, 2. u. die Untertaſſung zw eiſcheinen, das 
Aucbleiben der Erfheinung. Fuͤr Nichterſcheinung vor Gericht bes 
ftraft werben. 

O Dad Nichtgedenfen, —8, 0. 34. das unterbleiben, Unterfaffen 
bes Bebentens, ober einer Sache zu gedenten. In engerer Bedeu: 
tung, bas Verfprechen einer gefhehenen Sache nicht mehr zu geben: 
ten, fie nit zu ahnden (Amnestie), Keliner. Nichtgedenken 
zuſichern (amnestiren). 

Der Nihtgelebrte, —n, My. —n, einer ber nicht Gelehrter if, 
bes auf ben Namen eines Gelehrten keinen Aniprud macht und mas 
hen kann (Uliteratus). 

62 


Nichtg 


Die Nichtgemeinſchaft, o. Di. ber Manget ber Gemeinſchaft. 

Die Rihthaltung, Wa. u. bie Unteriaffung zu halten, 5. 8. ein 
Verſprechen, einen Vertrag. 

© Die Nitböflichkeit, e. My. der Mangel an Höftigkeit, die in: 
terlaffung beffen, was bie Hoͤflichkeit verlangt. „Die Nichthoͤflich⸗ 
keit bes Präfibenten und bes Polizeiherrene 1. Seume. 

O Das Niht-ich, —s, My. gl. Ales was niht Ich if, ein Wort, 
welches zuerft Fichte in Gegenſaz vom Ich, dem reinen Vernunft⸗ 
weſen, gebrauchte, und welches nach ihm ſehr oſt in Eraft und in 
Spott zebraucht worben iſt. 

& Der Nicht⸗ichzuſſand, —es, 9. u, der Zuſtand eines Richtlcha 
db. hjeines Dinges, bad nicht Ich ift. „Das Ich bes Fräuleinsfah mit weib: 
licher Schneligkeit in dem plögiihen Tode des gefürhteten Gemahie 
das Univerfaimitter (bad Amitter) fih aus dem fürdtertihen Nichte 
ichzuſtande zu retten, ber fie eigentlich aufa Bette warf.“ Wen: 
zet⸗Sternau. 

Nichtig, —er, — ſte, adj. u. adv. Feine Weſenttichkeit, keine Wirk: 
tichkeit, keinen wirklichen Gegenſtand habend. „Unfere Bäter haben 
falfhe und nichtige Götter gehabt. Serem. 16, 19. 

— wie nichtiger Chatten und Zraumbild, Bof. 

Und in nichtiger Sehnſucht 

Nah dem ſinkenden Echemen haft. Derf. 
Nichtiger Rath. Michtige Anfhläge. Daun, Feine Kraft, Bültige 
keit habend. „Rod gäffeten unfese Augen auf die nichtige Hälfe.“ 
Klagel. 4, ı7. Michtige Auöflüchte, Entfhulbigungen. Etwas 
aut und nichtig machen, välig unkräftig, ungültig (ed annulliren). 
Aud) in Anfehung ber Zeit, keine lange Dauer habend, vergänglich. 
„Der nichtige Leib. Phil. 5, 21. „Ach wie nichtig, ad) wie flüchs 
tig if ber Menihen ebene ic. ker Anfang eines alten Kirs 
chentledes. 

Die Nichtigkeit, 0. Wr. 1) Der Zuftand‘, bie Eigenſchaft eines 
Dinges, ba es nichtig ift; ohne Mehrzahl. Die Nichtigkeit eines 
Zraumes, eines Gebildes ber Cinbilbung, ibe Mangel an Mefent: 
lichkeit, Wirklichkeit. Die Nichtigkeit eines Verſprechena, bie line 
gültigkeit beffeiien. Die Nichtigkeit des Lebens und aller irbiſchen 
Dinge, ihre Vergänglichkeit, Unzuverläßigkeit. =) Cine nihtige 
Sade. Man muß ſalche Michtigkeiten verachten lernen. Dann 
aud, ein nichtiger Zuſtand, ein Zuftand ber Vernichtung. 

Doch eh’ ich ſinke in die Nichtigkeit, 
&o ein aufböre, ber fo groß begonnen. Schiller. 

O Der Nibtlenner, — 6, 9. gl. einer der nicht Kenner if, keine 
wahre gründtihe Kenntnif von einer Seche, in einer Wiſſenſchaft 
oder Kunft hat. „Sie fiel mir anf wie ein bizärced (feltfames) Be: 
mählde dem Michtfenner= BenzelzSternau— 

Der Nichtleiter, —s, 9. gt. In ber Maturlehre, eine Benennung 
allen derjenigen Körper, im melden buch Reiben an andern Blitz- 
ff in bemerklichem Grabe erregt werben Eanır, und welche biefem 
Blit ſtoff nicht von ſelbſt fortteiten ober im ihre Maffe verbreiten, 
fondern auf ibrer Flaͤche behalten (Gorpora electrica, idio -ele- 
errica). Die voriiglihften Körper dieſer Art finb Glas, Ebeifleine, 
Harze, Bernftein, Tchwefel, Wachs, Seide, trockne Euft ıc. ©. Lei— 
ter und Halbleiter. 

Nichts, rim aus ne oder ni, ber Werneinung, und icht, ichts, etwas 
iufommengefeptes Wort, welches nicht etwas |hetentet, unb wel 
des dient etwas zu wermeinen ober efwad zu bezeichnen, was nicht 
vorhanden if. Bald wirb es ofs ein Umſtandwort und bald als 
ein Beilegungämort und bald als ein Grundwort gehramft. Ich 
babe nihte. Haben Eie nichts davon gehört? Er weit nichts 
daven. Beffer etwas als nichts. Er will durchaus michts ober 
ſchlechterdings nichts mit ber Sache zu thun haben. Es kann nichts 
aus der Sache werben, fie kann niht zu Stande kommen, nit aus⸗ 
rführt werben. Es ift nichts an ber Sache, fie il nice wahr, 


490 


Nichts 


ed nur bas ik? Das iſt ihm wie nichts, iſt ihm als wenn es nicht 
wäre, fo gleihgkitig, fo gering, auch, fo leiht. Er nahm es wie 
nichts, er bob e6 wie nichts, in welchem Einne man im gemeinen 
Leben auch fagt, mir nichts bir nichts. „Mein Leden ift wie nichts 
vor bir. Pf. 59, 6. Bon ihm if nichts Gutes zu erwarten, 8a 
fehr ber Schein auch bagegen ift, fo iſt es nichts beflo weniger wahr. 
Schleppend und unnüger Weiſe hängt man, befonders im D.D. unb 
O. S., zuweilen noch ein niht an: „Habt ihr nichts eignes nicht ?« 
Dpis. „Um nichts nicht zu gewinnen.” Lohenſtein. Eben fo 
unftatthaft ift auch ein amderes verneinenbes Wort bei nichts, 
„Wird denn nimmermehr nichts aus div ?« für nimmermehr ober 
nie etwas. Rabener. — IH weiß bamit nichts anzufangen, 
Mit nichts anfangen, bei dem Änfange eines Unternehmens, Bewer: 
bes nichts d. b. keine äußere Mittel, weber Geld noh Belbes Werth 
haben. Sprichw. Wo niches ift, hat der Kaifer fein Recht vera 
loren, aud, wa nichts it, kann man nichts nehmen. Aus nichts 
wirb nichts, wo Erine wirkende Urfache vorhanden ift, kann auch 
keine Wirkung erfolgen, ober, mad niht vorhanden ift, kann nicht 
ben Grund von etwas wirklich Borhbandenem enthalten. Bott ſchuf 
bie Welt aus nichts, er ſchuf fie, bie vorher niht ba war, Bu 
nichtd werben, vergeben, ganz aufhören, vernichtet werben. Bes 
fonders wird es als ein Grunbwort ohne Umenbung gebraucht, for 
wol um ein Ding, was gar nicht vorhanden ift, als auch und noch 
mehr den Zuſtand bes Nichtdafeing, des gänzlichen Mangels alles 
Lebens, aller Kraft unb Mirkfamkeit zu bezeichnen. Das Nichts, 
ein Nichts ehemahls auch ein Nicht. 

Das war alles gar ein Micht. die Klage, ®. »5gı. 

Bott rief die Welt aus dem Michts hervor. 

Ein Schöpfer, ber allmähtig das Michts gebären hieß. Duſch. 
In das Nichts verfinten. „Rube zu fuchen und fi ind Nichts zu“ 
fenfen.e Herber. 

Der weite Schooß des Nichts verſchlingt dein Meer von Gluͤck. 

Buͤrde. 

Befruchtet mit der Kraft bes weſtnreichen Wortes 

Gebtiert das alte Nichts. Halter. 
In weiterer und unelgentiiher Bebeutung wird nichts in weit we⸗ 
niger frengem Sinne gebraucht. So nimmt man es nicht fo ſtren⸗ 
gt, wenn man fagt, ein Menſch habe nichte, wire nichts, Zune 
nichts, tauge nichts ıc., wo man bloß fugen will, er habe, wilfe ac. 
fehe wenig, brauche fo wenig wie nichts. Das iſt, ober das heißt 
nichts gefagt, d. h. nihte mad zur Sache dient, mas befricbigend 
wäre ıc. Das hat nichts zu jagen, bas bebeutet nichts, das hat 
wenig zu fagen, iſt niht von Bebeutung, wofür man auch ſagt, das 
hat nichtd auf fh. Etwag für nichts achten, für gering, fo ans 
fehen ald wenn es gar niht da wäre. Sehen Sie mid fir nichts 
en? Mit ihm ift nichts anzufangen, an mahen. Wie gar nichts 
iſt doc der Menfhen Leben, wie nichtig, wie vergängiih, wie uns 
zuverläfig. „Mie gar nichts find alle Menſchen.“ Pf. 59, ı2. In 
biefer mweitern Bedeutung wird es auch häufig ald Grundwort ge: 
braucht, ein Ding, eine Sache, zuweilen auch mol eine Perfon von 
Zeinem ober fehr geitagem Werthe zu bezeichnen, wo amd, aber uns 
aut, die Mehrzaht ſewol ohne Umentung die Nichts als auch mit 
ber Umenbung die Nichtſe vortömmt. Je mehr wir bie Unzulängs 
lichkeit oder das Nichts unferer Kräfte einfehen« ıc. Gellert. 

Gefhästes Nichts der eitlen Ehre! Haller. 
»Gin Franzbſiſcher Offizier, ber ihn mit einer Menge Nichts une - 
techielt,e Meißner. (M.) — Andreas bel Sorte —, ber feine 
Kopien (Abbilder) zu Originalen (Urbildern) log, wie fein Water, 
ein Schneider, mit feinen Bunftgenoffen menfhlihe Nichtſe zu Et⸗ 
was Benzel⸗Sternau. Es werben mit nichts auch anıdiere 
Mörter zufammmengefegt, wo *& im feiner weiteren Bedeutung ſtehet. 
©. Nitsnudig, Nichtswuͤrdia, Nichtethuer ıc. 


mie and, ſie hat Beinen Mert, Wenn es weiter nichte ik, wenn OOX Das Nichtsdaruͤber, 9. Umend. u. My. etwas mo nechte dar · 


‘ 
ichts 
AUber gehet, weiches von keinem Anbern uͤbertroffen wirb (das Non- 
plusultra), ©. , 
Mein, Biſchof, bir gebührt ber Kranz; 
Du bift das Nichtsdaruͤber. Ungen. 
wefär G. © bas Weitergehtenicht gefagt hat. S. Nichtweiter. 

Das Nichtfein, —s, ©. 24. der Mangel des Seins ober Daſeins. 
„Sein oder Nichtſein, das ift bie Frage.“ Shakefptar” Wie viel 
ifb über den Urfprung ber Kleidung gerathen und gefhrieben! über 
ihre Gutes und Aöfes, Sein und Michtfein« ac. Herder. 

x Nichtögültig, adj u, adv. nichts geltend, nichts werth. M. Kras 
mer. Dason die Nichtsguͤltigkeit. 

X Der Nihtöfönner, —s, D%. ol. ein Menfch, der nihte Fann, 
nichts gelernt hat. 

x Nichtsnutz und Nichtönußig, —er, —fle, adj. u. adv. feinen 
Nugen habend. Cine nichtsnutze ober nichtsnutzige Sache. Ein 
nichtsnubiger Menſch, ber zu nichts zu gebrauchen if, nichts taugt; 
im gemeinen Leben aud der Nichtenutz. Andere fagen & nicdhte- 


nügig. — und biefe armen Richtänägigen wären ein Paar Zeuts 


fer Meiner. (R.). Davon die Nichtsnugigkeit. 

S X Der Nichtsthuer, —s, 9. al. einer der nichts thut, d. h. 

nichts Rouͤtliches thut, mäßig gehet (Faineant). 
Am Ende, ſei's num morgen ober heute, 
Sind alle des Mugen Nichtsthuers Beute. R.Frofbmäusler. 

X Die Nihtöthuerei, 0. M.. das Richtethun, Müfiggehen (Fai- 
nesntise). 

X Das Nichtsthun, —s, 0. My. das Unterläffen bes Thund, nüd: 
lichen Handeins und Wirkens, bas Müfiggeben. „Er wälste fih 
in fauerfäßer Pein des Nichtöthund.« Benzel &ternau. 

Nichtswerth, —er, —eſte, adj. u. adv. feinen Werth habend. 
Stieler. Eine nichtswerthe Bade. Gin nichtswerther Menſch. 

Nichtswerthe find es, die bu unterjohft! Bürger, {R.). 

% Der Nichtöwiffer, —s, By. gl. der nichts weiß, michts verfteht, 
unmiffenb ift (Ignorant), 

Nichtöwürbig, —er, —ſte, adj. u.adv, keine Würde, Beinen Werth 
habend. ine nichtswürbige Lade. Nichtewuͤrdige Dinge vor: 
nehmen, Dann, feinen fittiihen Werth habend. Ein nichtswür⸗ 
diger Menſch oder eim Nichtswuͤrdiger. Nichtswuͤrdige Hand⸗ 
lungen. 

Die Nichtswürdigkeit, Mz. —en. 1) Der Zuſtand, die Eigenſchaft 
einer Perſon oder Sache, da fie nihtswärbig iſt; ohne Mehrzahl. 
Seine große Nihhtsmwärbigfeit. Die Nichrswürbigkeit feiner Hand: 
Lungen, feines Lebens, 2) Eine nihtswärbige Sache, Handlung, 

O Die Nihtthat, 9. —en, eine nicht geſchehene, unterbliebene 
That, wie auch, die Unterlaffung einer That. ; 

Fobert die Zeit Nichtthat von mir. Sonnenberg. 

Die Nichttheilnahme, 0.9. der Mangel an Zheilnafme die Erman- 
gelung ber Theilnahme. 

Die Nihtübung, 94. u. die Unterbfeibung, Unterlaffung ber Übung. 
Aus Nichtuͤbung etwas verlernen. 

Die Nihtvermifhung, 0. 9%. die Unterlaffung der Vermiſchung, 
die Erhaltung der Meinheit, bes unvermifhten Zuſtandes. — und 


Erhaltung und Nichtvermifhung dee Elemente (Urftoffe), Weſen 


unb Arten." Herder. 

OX Das Nihtweiter, o, Umend. u. By. ein aus ben Morten nicht 
weiter! zufammengejogenes Grundwort, ben Stillftand einer Hand» 
lung ober eines Zuſtandes zu bezelchnen, tie ober ber nit weiter 
geben], länger dauern kann ober fol (das Nonplusnltra), — ober 
bis mie Freund Bain fein allgktiges Michtweiter zuruft.« Rüdiger. 
„Seine Schiffeſprache, bie er für das Nichtweiter der Bolllommens 
heit hält, Ungen. 

OX Das Nichtwiederfommen ,—®, 0. BA. bas Ausbleiben, Weg: 
bleiben. »Das Nichtwiederkommen dieſer Perfonen machte die Aus 
ſtiz (die Gerechtigkeit, dad Gericht, bie Rechtebehoͤrde) aufmerk: 


491 


Ni 
ſama ıc. Ratlonalzeitung. 

Das Nichtwiſſen, —6, 0.29. ber Wangel bes Wiffens, ber Zuſtanb ba 
man etwas nit weiß, ber unverſchuldet fein kann, daher, auch nidt 
zum Bormwurf gereiht, und von ber Unmiffenheit, die in wngerer 
Bebeutung und gewöhniih vom Nihtwiffen aus eigner Schuld ges 
braucht wirb, wohl zu unterſchelden it, Das Nichtwiſſen ift Feine 
Schande aber bad Richtwiſſenwollen. 

Das Nichtwollen, —$, o. 9%. ber Mangel bes Mollens, bie Une 
terlaffung bes Wollene. Daraus ift fein Nichtwollen zu erklären. 
Die Richtzahlung, o. ®%. die Unterbleibung der Zahlung. Stieler. 

Im Falle der Nehtzahlung. 

O Der Nil, —es, 9. —e, bie Bewegung mit dem Kopfe, ba 

man nit, und bas Beiden, weihes man dadurch giebt. 

Ein füßer Blick, 

Ein Winf, ein Nid. Hölty. 

Holdes Lächeln, Win! und Nicke. Voß. 
Im Holfteinifhen wird Nil für Neigung Überhaupt gebraudt, Es 
— ben Mid fegen, auf die Kippe, fo daß es ſich neigen, fal: 
Ien kann. 2 

+ Das Nil, —es, 4. —e, ſ. Genick. 

X Nidel, —8, —n, f. Nikolaus. 

1, Der Nidel, —s, My. gt. 1) In Schwaben, bie Spitze; ber Rak⸗ 
ten. Remnid. =) Im D. D. befondere in ber Schweiz, ein Bobls 
kreiſel, von Ric, oder niden neigen, ein Ding was fid oft neiget. 
5) In andern Gegenden 3. B. in Franken und N. D, ein Meines 
Pferd; vieleicht davon weil bie Pferbe beim ſchweren Ziehen faft 
bei jedem Schritte, ben Kopf nieberbewegen, bamit niden. nel: 
gentiih und in ber niedrigen Sprechart, ober wenn man mit Abs 
fheu und hoͤchſter Beratung davon ſpricht, eine ſchlechte höchſt Lie: 
berliche und widerliche weibliche Perfon. Gin haͤßlicher Nickel. Ein 
Schandnidel, Saunidel, 

2, Der Nidel, —s, Di. gl. wenn von mehren Arten und Mengen 
die Rebe ift, im Berg: und Hüttenbaue, ein eigenthümliches Me: 
tal von grautichweißer etwas ins Gelbliche ſpielender Farbe, leb⸗ 
haftem, metalliſchem Glanze, etwas dehnbar, koͤrnig im Bruce, fehr 
feuerbeftändig und ſtrengfluͤſſig, welches theils gediegen, theils vers 
erzt, theils verkalkt gefunden wird. Gereinigt heißt dieſes Metall 
Nickelmetall, Nickellönig (Nieolum, regulus nicoli). ©. Nidel: 
etz und Nideiocer. 

Die Nidelblume, 9. —n, in der Scheidekunſt, die Blumen bes 
Nickels (Flores nicoli), 

Das Nickelerz, —et, 4. —e, im Bergbaue, Nickel mit Schwefel 
vererzt, and mit Eiſenkobalt und Arſenick vermifht, von weifigrauer, 
auch blaßroͤthlicher metatlifher alänzender Farbe, ſowol derb als 
auch eingefprengt (Nicolum mineralisatum); auch Kupfernidel, 
weil ee öfterd Kupfer vermuthen läßt, was es aber beim Buguter 
machen nicht liefert. 

Der Nidelkönig, dad Nidelmetall, f. 2. Nickel. 

Der Nidelocher, —s, MM. al. im Bergbaue, Ridel in Beftalt eines 
Ohers oder in Verbindung mit andern Metallkalken, ſtaubig, ſowot 
derb als auch als Befchtag auf den Kobaltergen, von verſchiedener, 
bis ins fhmusige Grau ſpielender apfelgrüner Farbe (Nicolum 
ochrsceum), 

Der Nidelvitriol, —es, 9. —t, ein fhöner grüner Witriot, wel: 
den man aus dem vermitterten Kupfernidel lauget. S. d. und 
Nickelerz. 

Nicken, v. In ntr. mit haben w. intre. das Veroͤfterungawort vom 
neigen, fi oft neigen, nieberwärts und wirber in die Höhe bewe: 
gen. Die nidenden Halme, Der nidende Helmbuſch. 

Und oben nidt ein Buſch von einem grauen Beier, Nlringer. 
In ber Raturbeihreibung wird etwas nidend genannt (nutans), 
wenn es in einer aufcehten d. h. beinahe fenfrechten Linie an der 
Spige in einem rechten Winfel abwärts gekehrt if. ITliger. Mit 


Nick 


492 


Nieder 





bem Kopfe nicken, den Kopf ſchnell niebermärts bewegen unb wie- 

ber in bie Höhe richten. Mit ben Augen niden, den Blick und bie 

Kugenlieber nieberfhlagen, beſonderä dadurch rin Arien gu gebe‘ 

in beiden Fällen aud nur niden. Im engerer Bedeutung, db, 

eine Eleine Neigung bes Kopfes vor ſich hin ein Zeichen geben, be. 
fonders das Zeichen ber Bejahung, ber Beiftimmung. Einem nicken. 

Sie nickte mir freundlich. Einen nickend grüßen. Beſonders nidt 

man auch mit dem Kopfe, wenn man ſitzend fhläft, wofuͤr man im 

D.D. * naffegen, nafzen, naͤten, neben fagt. Daher gebraucht 

man nicken auc für ſchtafen ſelbſt, doch nur von einem leichten 

Schlaſe im Sigen ober Steben. Auch uneigentlid. 

bas Gewiffen 

Gaͤhnt, nickt und ſinket von neuen aufs Kiffen. N. Froſch- 
‚mäusier, 
S. aud Einniden, Zunicken. IT) tra. 1) Reigen. „Run nidt 
dort die Diftel ihr einjames Haupt“ Rothe. (R.) 2) Nidend 
thun, nickent zu erkennen geben. 
Man wird für dieſen Wohlgenuß 
Gar lieblich Dank mie niden. Bürger, 
uns ed nickten Ja! bie Drei Baggeſen; 
d. h. gaben ihre Beiſtimmung durch Ricken zu erkennen, ober fag- 
ten nickend ja! x , 
Wie freundlich nit der reigende Biätenbaum 
Mir feinen Morgengruß durch's Fenſter. Koſegarten. (R.) 
Dann, nidend, d. b. ſchtummernd, im Schlafe, fhlaftrunten machen. 
— Gr (der König) nidte 
Metigiousebitte. Zrapp. 
D. Riden. D. —ung. 

Der Nider, —s, 93. gl. 2) Einer der mit, mit dem Kopfe nit, 
ein Zeichen dadurch giebt. Im N. D. nuc der Henker, weil er das 
Nil ober Genick abflößt; wie auch, der Zeufel, 0) X Der Nie, 
das Niden mit dem Kopfe; dann auch, ein leichter kurzer Schlaf, 
Einen Nider maden, cin wenig niden, fhlummern in einem 
Stuhle ze. 

Der Nidert, —s, 9. — „ſ. Nire. 

Der Nickfang, f. Genidfafg. - 

Die Ridbaut, My. —häute, bei mehrern Thieren, eine dünne, oft 
Burhfheinende und bewegliche Haut, welde fie unter bem obern Aus 
genfiebe haben, und womit fie das Auge, befonders im Schtafe, 
gegen Staub, Licht ze. verwahren; fie bewegt fih beim Blicken auf 
und nieber (Membrana nietitans); auch Blinzhaut, Augendede. 
Nemmnmich. 

+ Der RNickiſch, —es, Ma. u. das fpigige Rirdgras (Carex aeuta L.); 
der Miekich. Remnid.* 

Die Nidjdinepfe, R. —n, eine Kst Schnepfen, weit fie wahr 
fheinfich mit bem Kopfe nidt (Scolopax nutans). Nemnich. 

X Der Nickſtnhl, —s; 9. — ſtuͤhle, ein Lehnftuhl, im welchen 
man ſich gemöhntich fest um zu niden, db. b. ein wenig zu ſchlafen. 

OX Die Nidftunde, BY. —n, eine Stunde in weicher man nic, 
fitend ein wenig fhlahmert, Nadhmirtags ober Abende. „Das muß 
ir in den Nickſtunden ein Mönd oder ein Meib erzählen. Wädter. 

Nie, ein Umftandwort ber Zeit welches vermeinet, zu Feiner Zeit, for 
wol von einer vergangenen als von einer künftigenz audı niemahls, 
in Gesenfap von je. »Ich habe neh nie gefeben ben Gerechtene ıc. 
Pf. 37,25, Das wird nie geſchehen. „Mie fei die Krankticfeit 
des Kindes eine Urfahe zur Rachſicht gegen feine böfen Neigungen,« 
Gellert, z 

Mie Kaffer ward fo reihe, — 5. Nibelungen 8.8. 2oy, 
%. b. nie warb ein Kaifer fe reich. Mehr denn mie für, mehr als je 
mahls if in ben D. 2. Hanzeleien gebräuchlich, aber nur biefen zu 
übertöffen. ine zweite Berneinung zu nie zu legem ift fehlerhaft, 

Zücwahr seıbiente Siegfried nie nicht allen forhen Haß. d. Nis 

beiungen &. ©, 3470. 


— — 


Habt ihr auch je einen Mangel gehabt? Sie fprofen: nie Feie 
nen.“ Tuc, 22, 35, 

+ Kiebeln, v. ntr. mit haben, im Fräntiſchen und Wirtembergifhen, 
ncbein, nebelregnen. D. Nisbein. 

* Ned, adj. u. ady, angenehm. Daher X nieben, gefallen, wie 
au, brachten; und unſer nieblid). 

+ Der Niedel, —s, 34. u. in manben D. D. Gegenten, ber Rahm, 
bie Sahae auf ber Wild, Davon das Micdelbrot, Nickel oder 
Rahm, in welden man Brot gebrockt hat, rine Sippe von Rledel 
und Brot, . 

Nieden, ein Umftandwort des Ortes, unten. Zu eben ber Zeit, ba 
fih droben ber Himmel lautert und fondert, — ſiehe! fondert und 
lautert ſich aieden bie Exbe.* Herder. „Nieden im Thate!« Derf. 

Nieden bei dem Rheine. — b. Nibelungen 2. ®. So. 
S. Dienisden, 

Nieder, —er, —ffe, adj. u. adv. dem Frbboden ober dem Mittels 
punkte ber Erbe nüber als ein anberes Ding; in Gegenfag von ober 
und hoch. Cine niedere Gegend. in nieberes Land. „Ich mohne 
fiber in meiner niedern Hütte» @eßner, »Sich der Armuth recht⸗ 
fhaffener Verwandten und ber niedern Stufe jhämen, auf der fie 
Reben, ift mit bloß Stolz, es iſt zugleich Graufamkeit.“ Bellert. 
Uneigentlih, ber Würde, dem Range nadı geringer als etwas Ans 
beres, Die nisbere Jagd, bie Jagd auf arringeres ober mie bie 
Jaͤger auch fagen auf unedles Wildbret, welches auch niederes Milde 
dret genannt wirb; in Gegenfas. ber hohen Zagb und bes hohen 
Wildbrets. Die niebere Gerichtbarkeit. Die niedern Gerichte, cher 
Miedergerichte, wo über nievere d. h. geringere Sachen entſchleden 
wird als in den oberen Gerichten. Die niederen Wilfenfhaften, wel 
he andern on Wichtigkeit nachſtehen; in Gegenſah der hohen und 
hoͤhern. Niedere Schulen, geringere, in welden bie Anfangsjrände 
der Wiffenfhaften und Sprachen, ober niebere Wiſſenſchaften gelehrt 
werden z in Gegenfag ber hoben Schulen. Die nievere Geifttichkelt, 
bie gesingern Geifllien 5. B. Dorfaeiftiiche, Prediger 1c.; im Se⸗ 
genfag der hoben, der Pröpfte, Äbte, Bifchöfe ꝛt. Die hoben und 
niedern Staatödtener. Micdere Metulle, geringere, als Zinn, @ir 
fen ıe., gewoͤhnlicher unedle. So werben in Sachſen verihichene 
Echneleute auf niedere Melalle betichen, In andere Bällen ift niee 
drig und unter gewößnlich. ©. d. Wörter. In fittlihem Verſtande 
könne 16 zuweilen für niedrig vor, wo «3 mildernder Ausdrud iſt. 
Ein nieberer Stol;, Figennug. 

Der Beige ſucht fh nur durch niedre Flucht zu retten, Weiße, 
Auch als Grundwott, ber Micbre, die Niedern, das Miedre. „Auf 
fih ben Haß der Niedern laben.“ Gelert. 

O dieſe Zeit hat fuͤrchterliche Zeichen, 

Das Nivdre ſchwillt, das Hohe fenkt fih nieder. Böthe, 
As Umftanbwort koͤmmt es, aufer in Zuſammenſetzungen befonbere_ 
mit Ausfagewdstern, felten vor und zeigt eine Bewegung nah nieden 
sher unten at. Xuf und nieder geben, laufen ꝛxc. Auch mit ben 
vierten Kalle des Ortes. Den Garter, ben Berg auf und nieder 
kaufen. = 

: Und durch bie weißen Zähne nicher Schnitt nn 

Das fcharfe Era bie Zunge vom ibm ab, Bürger, (RR) 

Mieder mit ihm! merft ihm nieder, ftoßt, hauek ihn nieder. In ben 

bäufigen Zuſammenſehungen mit Kusfagemörtern bedeutet es ebenfalls 

eine Bewegung nah unten zu, nach unten bin. Whemahls gebrauchte 
man +5 aud als Verhältnißwort für unter, „Rider imos unter ibm. 

Monfeeifhe Bioffen. S. auch Danieder und Hernieder. Ben 

Berfhiedenen ift nieder für die erfle Vergleichſtufe oder für den 

zweiten GEGrad gebalten worten. welchem ber erſte und dritte Grab 

ober bie zmeite Wergleihilufe fehlten, von Antern für ben erſten 

Grab, wo der zweite und britte fehlten. Allein ob nieder gleich 

von einem in der Schweiz nech befannten Morte nie), — naten 

ober unter 5. B. der Thurm fol nid ſich fo tief ats hech fein,« 


2 


Niederb 


d. b. unter ihr, unter ber Erbe, im Grunde, Bluntſchli, — abs 
ſtammet, fo iſt biefee nieder daron doch nicht der zweite Grod ober 
bie erſte Bergleichſtufe, weit daun ber dritte Grad ‚ober die Mweite 
Bergleichſtufe niedſte beißen müßte, da er doch niederfte beift. 

X Niederbammeln, v. atr. mit haben, bammeind nieberbangen. 
D. Niederbammein. 

Niederbannen, v. tes, nieden hinbannen; buch einen Vaunſpruch 
hinttreden, feine Kraft brechen. D. Nieberbunnen. D. —ung. 

Hicderbeben, v, ntr. mit fein, bebenb nieverfinten. D. Niederbeben. 

Niederbegeben, v, ree. fich niedechegeben, fich nad unten-zu, uns 
teuhin, an einen niedern, Ort begeben, D. Niederbegeben. D. — ung. 

Niederbeißen, v. trs. unregeln. (ſ. Beißen), belßend, mit Beizen 
nieberbringen. D. Niederbeiſen. D. —ung. 

& Niederbeten ,v. trs. durch Beten von oben herab bewirken. Sie 
beteten Genen auf ibn nieder. D. Nieberbeten.- 

O Niederbetten, v. tes. unten bin beiten. Auch bloß A nieberlegen 
wie auf ein Bett. — auf Kofen niebergebettet r 

— Schlummerte ſie — — Soennenberg. 
Anrigentiih, A vom Tode. 7 — 
— vwo ins Kühle — mich einſt zu meiner Kindheit Geſpielen 

Miederbettet ber Zot. Sonnenberg. 
D. Nieberbetten. D. —ung. ? 

O Nieberbeugen, vr. trs. nad; ımten, abwärts beugen, Beſondere 
uneigentlih, vom Gemuͤthe, für, befümmert, muthlas machen sc. 
und von ber äußern kagt, im eine bärftige, traurige Lage bringen, 
bemüthigen ꝛc. Der Schmerz, das Ungläd bat fie niedergebeugt. 

(Das harte Los) das Trojas Hersfher nieberbeugt in Staub. 
Gollin, 
Senen foreol, bie er hoch mit glänzenden Ruhme verberrliht, 
Als bie er niedergebeugt. Dos. 
D. Niederbeugen. D. —ung. 

Niederbewegen, v. trs. nah unten bewegen. Sich niederbewegen, 
deine Bewegung abwaͤrts richten. D. Niederbewegen. D. — ung. 

Niederbiegen, y. ntr. unregelm. (f. Biegen) mit haben, nach unten, 
abwärts biegen, nad unten eine gebogene Richtung annehmen. So 
heißt in ter Pflangenichee ein Stengel niedergebogen (deelinatus), 
deſſen oberes Ende nah ber Erde gemeigt iſt, fo daß ber Bogen 
nad, oben ſtehet; ein Blatt heißt niebergebegen (reelinatum s, re- 
Nexum) wenn bie Spige deſſelben nach der Erbe gekrümmt ſtehet. 
Auch als rec. ſich niederbiegen. Im gemeinen keben wird niebers 
biegen häufig mit miederbeugen (f, b.), wovon es verfhieben if, 
verwechſeit. D. Miederbiegen. D. —umg. 

Niederbinden, v. trs. unregelm. (f. Binden), unten bin, niebrig 
ober auch niedriger binden. D. Mieberbinden. D. —ung. 

Niederbitten, v. trs. uncegelm. (f. Bitten), bitten berunterzufoni: 
men, fih niederzubegeben; wie auch, durch Mitten bewirken, daß etr 
was berablomme, von chen ber geſchehe. D. Misberbitten. 

Niederblaſen, v. ters. unregelm. (f. Blafen), durch Blafen nieder: 
bringen, niederſtreckea. D. Niederblaſen. D. —ung. 

as Nieberbteien, v. trs. 1) Wie Blei niederfallen machen, nicher 
halten als märe es von Blei. 

Mir verfagt Klettern und Eprung, 

Ein Zauber bleit mih nieder. Goͤthe. 
Auch koͤnnte es 2») heißen, durch Blei nieberfallen machen, nieber⸗ 
ſchießen. D. Niederblelen. D. —ung. 

Niederblicken, v. 1) intrs, nieberwärts blicken, ben Blick niederſen⸗ 
ken. 
Uneigentlich für niederſchelnen. 

Wind! brich bie Wolke, das fie niederblicke 
Die Königinn der Racht, — Herder. 
IN A trs. durch den nad) unten gerichteten Blick zu erfennen geben, 
br Auge blickte Beratung nieder. — D. Niederblicen. D.—ung, 
D NRieberblinfen, v, atr, mit haben, einen blinkenden Schein min 


493 


„Er dlickte von ungefähr zur Erbe nieder. Meißner (RM) 


Niederb 


derwerfen. Kein Sterniein blinkt niedet. D. Niederblinken. 

Niederblitzen, v. T) ntr. mit haben, ı) Als Blibſtrahl niederfahren. 
Da blitzt es nieder. 2) A Gleih einem Blitze nieberfahren, fe 
ſchnell ober fo glänzend ober fo verbeerend. Ihre Augen blitzten 
nieder, warfen einen bligenten Blick abwärts. So beftreift ein 
donnerndes niederblihendes Unglück ber Rachbarſchaft bie entiegenen 
Sander nur mit einigen Tropfen.“ I. P. KRisdter IN A trs, mit 
dem Dlige, aud, wie mit einem Blige, und, eınem Blige an Kraft 
und Schnelle gleich, nieberwerfen, vernichten. 

Wer wird nah ibm ben Spötter niedecblitzen, 

Der Alpen über Alpen thuͤrmt. Blumauer. 

— als bort Melfon vor Abukit 

Niederbligte der Franken 

Flott' und hemmte des Siegers Gang. 
D. Niederbliben. D, —ang. 

O Nieberbluten, v. uir. mit baden, biuten und nicberfliehen, ober, 

das Blut nieberrinnen laffen. »— bie aufgebedte Bunde biutete 

ungefühlt nieder.« 3. P. Richter. D. Mieberbluten. 
 Niederbebren, v. irs, buch einen Stich cher duch Stiche, womlt 

» man einen gleihfam burchbohret, mieberftreden, tödten, Die Grau: 
famenphohrten alles nieder, D. Miederbohren. D. —ung. 

Der Riederbordb, —es, m. —e, in der Schifffahrt, dee niebere 
oder niedrige Borb eines Schiffes. Dann und war gemöhntih, ein 
Schiff ſelbſt mit niederm Morde, dergleichen jedes Schiff if, welches 
allein Ruder führt ober doch außer ben Gegelu auch noch Ruder ge 
braucht. 

Niederbrauſen, v. mtr, mit haben und fein, braufend niederfallen, 
braufend nieberfahren, niederkemmen. D. Nieberhraufen. 

Niederbrechen, v. unregeim. (f. Brechen). D) ntr. mit fein, brechen 
und, nieberfinten, oder nieberfalen. Gin niebergebrochener AR. 
Untigenttih S niederſinken. Ach, als er näher trat, war feine 
theuerfie Natalie am bunten Grabesgerüfte niedergebrohen ange 
lehnt.· 3.9. Richter Ehemahls, 5. B. in ber Klage, ®. 
2750 fagte man nieberbreften. AU) trs. brechend nicderreißen. Gin 
Haus nieberbrehen. — D. Niederbtechen. D. — ung. 

Miederbreiten, v. tee. unten bin breiten, Ein Tuch niederbreiten. 
D. Niederbreiten. D. —ung. 

Niederbrennen, v. untegelm. (f. Brennen). I) ntr, mit fein, ver 
brennen und dadurch dem Boden gleich ober beinahe gleich werben. 
Das Holz ift fhen niebergebrannt. Die ganze Stadt brannte nies 
der. Gin Sicht brennt nieber, wenn e6 nad und nad ganz dere 
brennt. II) tre. heffer regelm. nieberbeernen machen, dadurch ters 
Bören. Eine Statt, einen Walb nieberbrennen. — D. Nieder 
brennen. D. —ung. * 

Niederbringen, v. tra. unregelm. (ſ, Bringen), nad unten, untenr 
bin bringen, zur Erbe bringen. Er bat das Heil uns nieberge 
bracht. In weiterer Bedeutung, durch angevenbete Kraft zur (Erde 
bringen, nieberweifen 36. Keiner ber Kämpfenden fonnte ben ans 
bern nieberdringen. In ber gemeinen Sprechart auch niederktie⸗ 
yen. ©, Bringen. D. Nieberdringen. D. —ung. 

Nievderbrödeln, v. I) nir. mit fein, in Heinen Breden nicderfallen, 
ahfailen. IL) ers. in Eleinen Brecken nieberfallen machen. — D, 
Miederbroͤckeln. D. —ung. 

O Niederbruͤllen, v. I intzs. fein Brüffen nad unten richten. Uneis 
gentlid end als ntr. A vom Donner ıc. I, ts, 3) Brüllend 
oder wie ein Bruͤuen niebertönen laſſen. £ 

Dies Woͤttchen wird dach bald ben Himmel gang verhäffen, 

Wird Blide nieberfpei'n und Donner niederbruͤllen. Klringer. 
5) Durch Brüllen niederfaßen mahen. — D. Viederbrüken. D. 
ung. 

Nicderbüden, v. trs. nah unten, nad ber Erde Süden, grwähntid 
als rec, ſich niederbäden, 4. ®. um etiwad ton Boten aufzungbs 
men, oder eins Laſt auf fi zu mepmen ic. nSeraet buͤdte ſich nie 


Baggefen. 


2 Niederb 


494 


Niederf 





ber auf bie Erbe.⸗ ı Mof. 18, 2. D. Miederbäden. D. —ung. 
Niederbügeln, v. I) intes. niederwärts bügeln. 11) trs. burd Bi 

geln niederbringen, gleich oder eben machen; wie auf bügeln, daß 

es nlederwaͤrts flebet. Bei den Hutmachern beißt niederbuͤgeln, den 
fertigen Hut, nachdem er mit ber Slanzbärfte mit reinem kaltem 

Waffer ausgebärftet worben, mit einem heißen Bügeleifen bügeln, 

und ihm daduch rechten Glanz geben... D. Niederbägeln. D.—ung. 

Die Nieberbugt, 94. —en, im Ehiffbane, eine ſolche Bugt ober 
Krümmung der Hoͤlzer eines Schiffes in fenfrehter Richtung, - bei 
welcher bie erhabene Seite bes Bogens nah unten zu gelehrt if, 
wie 3. B. bei den Bauchſtücken, wenn fie von oben ber geichen 
merben, 

Niederbürfchen, v.trs. nieberfhiegen. D. Niederbuͤrſchen. D. —ung. 

Niederbuͤrſten, v. trs. nieberwärts dürften, durch Bärften eine Ric 
tung nah unten geben. D. Niederduͤrſten. D. —ung. 

Niederdeutſch, adj. u. adv. in bem niedern oder miebriger liegenden 
helle von- Deutihtand einheimifh, gewoͤhnlich, daber kommend; in 
Gegenſatz von oberdeutſch. Die nieberbeutfche Sprache oder Mund: 
art, weiche in biefem Theile von Deutſchland geſprochen wirb, wozu 
man auch bie Hollaͤndiſche und Frieſiſche rechnet, in engerer Bebeu: 
tung aber auch die niederfächfifche nennt und die Holfteinifche, Weſt- 
fäliihe und zum Theil Nieberrbeinifche Sprechart barunter mit bes 
greift, Gin Niederdeutſcher, ber in Nirberbeutichland wohnet; im 
Giegenfah von bem Dberdeutfchen. S. Plattdeutſch. 

Niederdeutſchland, —es, der nördliche miedere ober niedriger llegen⸗ 
de Theil von Deutſchland, mworunter man in weiterer Bedeutung 
auch die vereinigten Niederlande begreift, in engerer Bedeutung 
aber nur den ehemahls Weſtfaͤliſchen und Rieder: und Oberfähfl: 
ſchen Kreis, in engfter Bedeutung aber nur den Meflfätifhen, Nies 
derſaͤchſiſchen Kreis und den nördlichen an der Oſtſee gelegenen Theil 
des Oberfähfiihen Kreifes; in Gegenfag von Oberdeutſchland. 

Niederbonnern, v. Intr. mit haben. 1) Als Donner, ober wie ein 
Denner nirbertönen. Es donnerte nieder. 2) X Mit bonnernbem 
Getoͤſe niederfallen. TI) intrs. den Donner niebertönen laffen. Zeus 
donnerte nieder, III) A tre. 1) Donnernb, mit bem Donner nies 
derfmettern, zu Boden werfen. „Giganten, Erdgeborene mit 
Schlangenfüßen, die ben Himmel ſtuͤrmend vom Jupiter niederge⸗ 
donnert wurden.“ Bop. In weiterer Bedeutung, wie vom Donner 
gerührt niederwerfen. =) Mit bonnernber Stimme in bie Tiefe fagen. 

— und Donatoa erhub fi, 
Donnerte laut durch die Wetterpoſaun' in dle Ehöpfungen nit: 
ber: Sonnenberg. 

D. Niederbonnern. D. —ung. 
Niederdrängen, v. tes abwärts, zur Erde drängen. S. Mieberbrin: 
’ gen. D. Miederdrängen. D. — ung. 

Niederdrehen, v. tra. nieoerwaͤrts, nad unten Bin drehen; wie auf, 
durd Drehen, Abdrehen nieberbringen. D. Niederdrehen. D. 
—ung. . 

Nisberdringen, », intrs. u. ntr. uncegelm. (ſ. Dringen) mit fein, 
nad unten, abwärts bringen, Gr drang vom ber Anhoͤhe durch 
bas Wolf nieder. Mit niederdrängen wurde es nicht felten vere 
wechſelt. Dies if der Fall in folgender Stelle, wo es zugleich un: 
eigentlich gebraucht if, 

Rei’, Arne, Alte und bie Jungen 
Wurden von feiner ſtert niederdrungen, H. Sachs R.) 

d. h. zu Boden geworfen, befiegt. D. Miederdringen. 
Niederdruͤcken, v. trs. alederwaͤrts, zu Boben dbrüden und baburd 

dem Beden gfeih mahen. ine Erhöhung niederdrüden. Einen 

Blaſebalg nieberbrüden. „Bier einen niedergebrädten Riefen: 

temyel, dort eine Stabtgaffe unten auf dem Meeresboben« ıc. 3. 

P. Rihter Auch von einer Laſt als atr. Die Saft druͤckt mid 

nieder. Im der Pflamenlehre ift ein Meifhiges Blatt niedergebrädt 

(depressum), wenn die Oberfläche beffelben tingebrüdt ober ausge: 


pögIt if. Uneigentlich. 1) Unterbräden. Das Berbient, gute 

Anlagen ıc. nieberbrüden. 2) Rieberbeugen, muthlos machen, Der 
Kummer vrüdt mich nieder. D. RNiederdruͤcken. D. —ung. 

X Niederouden, veintrs. nad dem Boden zu, auf ben Boden due, 

Od auch jener fü berg’ und nieberduud' in bem Meifig. Bof. 

. D. Niederduden, 

X Niederdürfen, v. ner, unregelm. (f. Dürfen), fih nieberbegesen, 
niederkommen börfen. D. Nieberbürfen. 

Die Niedere, 34. —n. 1) Die Beſchaffenheit einer Sache, ba fie 
nieber ober niebeig iſt, ohne Mehrzahl; in welcher Bebeutung +6 
aber ungemöhntih iſt und Niedrigkeit gebraucht wird, a) Eine 
niedrig Tiegende Gegend, befonbers an einem Bluffe, an ber Str, 
wofür man auch Niederung und in Preußen Nehrung fagt; in R. 
D. die Sinke, Senke. 

Niedereilen, v. inirs. mit fein, niederwaͤrts, nad einem nichern 
Drte eilen. A 

Niedereifend und wallend umher burd; die Söhne der Erbe. 
D. Niedereilen. Sonnenberg. 

Niederfaͤcheln und Niederfachen, v. trs, buch Fäheln, Faden nies 
«ber ober zu Boden werfen, D. Nieberfächeln, Niederfaden. D. 
—ung. ‘ 

Niederfahren, v. unregelm. (f. Fahren). I) mtr. mit fein, ſchnen 
nieterwärts, in bie Ziefe bewegt werben. Ein Wiis fuhr aus der 
Wolke nieder und töhtete ihn, Zur Grube niederfahren, fterben. 

Und auf ber Erbe blied ber ird'ſche Schmud 

Baräf, dem Miederfahrenden nicht folgend. Schiller, 
IE) intrs, ſich niebeewärts, in bie Tiefe bewegen, begeben, mit dem 
Rebenbegrifſe der Schnelle. Mit der Hand nieberfahren. Ich 
Tahe einen Engel niederfahten vom Himmel- Dffenb. ı8, 1. 
So heißt es aud) in der Bibel, Kriſtus fei niedergefahren zum Hölle, 
II) ers, 1) Riederwärts fahren, auf einem Kahrjeuge oder Fahr⸗ 
werke, a) Durch Fahren nieberdrüden, zu Boden werfen. Des 
Gras niederfahren. Ginen Wenſchen niederfahren. — D. Ries 
derfahren. D. —ung. ©. aud Miederfahrt. i 

Die Niederfahrt, By. —en. 1) Die Bandlımg, da man nieder⸗ 
fährt; ohne Mehrzahl. Wei der Nieberfahrt. Die Miederfahrt 
Krifti zur Hölle. 2) Ein Ort, wo man nieberfährt; im Gegenfag 
von Auffahrt, 

O Der Nieverfall, —t, 9. u. bie Handlung, da man nieberfällt, 
4. B. auf die Knie; wie auch, der Umftand, da etwas nieberfält, 

Niederfallen, v. unregelm. (f. Fallen). I) nte. mit fein, zu Boden, 
auf bie Erde fallen. Unter einer Laft nieberfallen. Etwas nieder: 
fallen laſſen. Es fiel ein fanfter Megen nieder, IT) intes, mit 
fein, fich fetdft nieberfatlen laſſen, fih mit einer gemiffen Heftigfeit 
auf bie Ktnie werfen, fih lanahin sur Erde werfen. „Laffet ung 
anbeten und Enien unb nieberfallen vor dem Heren.* Pf. 95, 6. 
Das Feldgefloͤget fällt nieder heißt bei ben Tägern, es fest fi, 
koͤmmt zur Erbe, nachdem es vorher aufgetrieben worben if, — 
D. Niederfalten. 

Niederfaͤllen, v.trs. 1) Niederfallen machen; bann, Ju Boden ſtrecken, 
durch irgend eine Waffe. 

mit gewalt ir gnuoge er niedervalte. Ronr, v. Würzb. Tre 
jan. Krieg. 
2 Niederſchlagen, fällen, in ber Schtidekunſt. D. Niederfällen. 
, —ung. 

+ Niederfälig, adj. u. adv. Leicht aleberfallend. Miederfällig wer: 
den, nieberfaßen, im D. D. wo es auch bedeutet, einen Techts ſtreit 
verlieren. Davon bie Miederfälligkeit. 

Niederfauften, v. trs. bei den Hutmachern, ben nad bem Plattfau— 
fien bes Kopfes erböbeten Rand einen Dutes mit ber Grunbflide 
bes Kopfes gleich mieberdräden. D. Mieberfauften. D. —ung. 

Niederfegen, v. tes. niederwärts, auf bie Erde fegen. D, Nieder: 
fegen. D. — ung. 


Niederf 


Nicderfeuern, v. I) intrs. nach unten, in bie Xiefe feuern, ſchleſen. 
U) tes. buch Beuern ober Schiefen zu Boden fiteden, werfen, ber 
Erbe gleih machen. — D. Niederfeuern. D. —ung- 

X Niederfinden, v. intzs, unregeim. (f. Finden), ben Weg nad ir 
nem niebern Orte finden. D. Miederfinden. 

Nieverfladern und Niederflammen, v. utr. ı) Mit haben, flale 
kerndes, flammendeo Licht niebermärts verbreiten. 2) Mit fein, 
fladernd, flammend nieberfahren. D. Niederflackern, Miebers 
flammen. 

Nieberflattern, v. intra. u. ntr, mit fein, Ratteend fi aiederbewe⸗ 
gen. D. Nieberflattern. 

A Nieberfleben, v. trs. durch Flehen nieberbringen, von oben her 
sewirken. Gegen auf eines Haupt niederflehen. D; Miederfleben. 

Niederfliegen, v. intrs. u. ntr. unregeim. (f. Fliegen) mit fein, flie« 
gend ſich nieberbewegen. D. Miebderfliegen. 

Niederfließen, v. ntr. unregeim. (f. liefen) mit fein, nicberwärts, 
auf ben Boben, auf bie Erde fließen. Das Blut flof in Strömen 
nieder. — wenn ber weiche Duncubuſen, wogend wie ein meißes 
Rofenblatt auf ben Athemwellen läge, und mit ihnen aufs und nie— 
derflöffe.“ I. P. Kihter. Uneigentiih, A von Gewäntern, von 
Ben it. in Fülle und ſchmiegſam ſich niebermwärts verbreiten. ©. 

ließen. 
und fein ſchwarzes Gewand floß nieder wie Macht. — Sonnenb, 
D. Niederflichen. 

Riederflimmern, v. atr. mit haben, einen flimmernden Schein nit- 
dermerfen. D. Niederflinmnern. 

Niederflößen, v.trs, niederwärts flößen. D. Nieberflößen. D. —ung- 

Nieberfläftern, v. mtr. u. intrs, niederwärts flüftern, und ters, flüs 
fternd nieberfagen. D. Niederfluͤſtern. 

& Niederfluten, v. ntr. mit fein, nieberwärts, auf ben Boden, auf 
bie Erde fluten. D. Miederfluten. 

+ Die Niederfolge, Sy. u. die Verbindlichkeit ber Untertfanen und 
Lehnemaͤnner, dem Sehn: und Breundheren in niehern d.h. geringeren 
Fällen zu folgen, 3. B. Berbreher zu verfolgen und aufjufengen. 
Dabin gehört aud die Jagbfolge, Hoffolge, Lehnsfolge ıc. Ihr 
ift die hohe Folge oder Heeresfolge entgegengefegt- 

Miederführen, v. trs. niebermärts, am einen nichern Ort führen. 
D. Niederfähren. D. — ung. 

Nieberfüllen, v. trs. im Bergbone, bie losgehatenen Steine ober 
Erden aus dem Schurfe ober wo es ſonſt nöthig iſt, wegihaffen. 
D. Niederfühen. D. — ung. 

Niederſunkeln, v. mtr. mit haben, einen funkeinten Schein nieberz 
werfen. D. Mieberfuntein. 

X Niebergabeln, v. tes. 1) Mit einer Babel niederholen. =) Mit 
einde Babel nieberfiehen. D. Riedergabeln. D. —ung. 

X Niebergaffen, v. intes, gaſſend niederfehen. D. Micdergaffen. 
D. —ung. 

Der Niedergang, —et, By. —gänge. 1) Die Handlung, be mar 
niebergebet. Beim Miedergange vom Berge. Umeigenttih, bie 
fheinbare Bewegung der Sonne nach dem Rande bes Gefihtöfrrifes 
und unter denfelben; ber Untergang. „Bern Kufgang ber Sonnen 
Bis zum Miebergang.= Pf. 50, 1. Ehemahle in engerer Bedeu— 
tung, der Niebergang ober bie Nieberfahrt Mrifti zur Hölle, bie 
Hoͤllenfahrt. Oberlin. =) Ein Ort, we man niebergebetz ber 
fonbers, bie Gegend, wo bie Sonne nieder- oder untergehet, und 
die nade diefee Gegend bin liegenden Länder. „Zenfeit dem Jordan 
gegen ber Sonnen Miedergang 5 Mof. 11, So. 

Bon feinen Thaten ſprach mit taufend Sungen 

Born Aufgang bie zum Niedergang ber Ruf. Bürde, 
— — — auf alles Bett. 
Box Niedergang BE fern zum Auſgeng. So 

O Die Nitdergebriidibeit, 0. De: ter Zufand, da etwes nickers 
sebchde ifi; beſenders der Auſtand des Gemities, ba man mutthtos 


495 


Niederh 


gemacht if, »Da rip ſich Francesfo aus ſeiner traurigen Nieder⸗ 
gedruͤcktheit auf und rannte hin gu Cuemonde.“ BWähter. 

Niedergeben, v. intzs. unregelm. (f. Geben) mit fein, nieberwärts, 
nad) einem nietern Orte geben. Umeigentlid und als mtr. von ber 
Senne, für untergeben; vom Waſſer, für, abwärts fließen. Auf 
bem glatt niedergehenden Lebensftrome* 1c. 3. P. Richt er. Kuh 
fegt man wol von einem Hanfe, es gebe nieber, wenn ed nad und 
nad ſinket. Im Bergbaue beißt niedergehen, unter einem durch 
Mauern befefligten Stroffenkau, in ber Firfte der Strede unter eis 
nem folden Bau ein Gewoͤlbe fprengen unb darauf ben Bruch hier 
bergeben oder fegen Taffen. D. Niedergehen. S. aud Niedergang. 

Nicdergelangen, v. intrs. vw. ntr. mit fein, an einen niebern Dit, 
hinunter gelangen. D. Niedergelangen. D. —ung. 

Das Niedergeriht, —es, .—t. ı) Ein nieberes Gericht, welches 
über geringere Dinge entfſcheidet, wie auch, die Gerihtbarkeit über 
niedere Rehtsfäle; im Gegenſag von bem Hochgerichte oder obern 
Gerichte. a) Wei ben Iägern, ein nieberes Gericht ober Vogel⸗ 
fhneite; in Gegenfag von Hochgericht. S. Gericht. 

Niedergefchlagen, —er, — ſte, adj, u. adr. und Niedergefchlagene 
beit, ſ. Niederfhlagen. h 

Niedergiefen, v. unzcegelm., (f. Giefen). I) trs. von einer Höhe 
herab» ober hinabgiefen, auf bie Erde gießen. Uneigentiih A, ın 
Fuͤlle, in Menge niederfallen laſſen. 

Dad Baum und Roſenbuſch ben Spref 
Schnell hub und Biäte niebergof. Bo. 
II) & rec. Sich niebergießen,, fi nirderwärte erglehen, wiebers 
fliegen. j 
Schneeicht befhäumt vom murmelndem Duell, ber über fie nieder 
übern fih goß in bie Reſen und Beilden, — Sonnenberg. 
IH) imp. Es gieft nieder, es regnet in Güffen. — D. Nicher 
fen. D. — ung. 

Niederglängen, v. ntr. mit haben, feinen Glanz niederwärtd, nieder 
verbreiten. j 

— und (es) glänzt” auf fie nieber bie Sonne. Sonnenberg 
D. Niedergtängen. 

Niebergleiten, v.ner. unzegelm. (f. Bleiten) mit fein, nieberwärts 
gleiten, gleiten und nieberfahbren, ober auch, nirberfallen; im ber 
gemeinen Sprehart niederglitſchen. 
glitſchen. 

Nieberglimmen, v.ntr. 1) Mit fein. (v) Glimmend nieberbeenmen, 
3.8. von einer Räucherkerze. (2) Glimmend nieberfallen. 2) Mit 
haben, einen glinimenden Schein niedermerfen. D. Miederglimmen. 

X Niederglitfchen, v. atr. f Riebergleiten. 

X Niedergloben, v. intes. mit glogenbem Xugem nieberfehem D. 
Miederalogen. 

Riederglüben, v. mtr. mit haben, einem glähenben Schein mieher: 
werfen. D. Riedergluͤhen. 
Niedergreifen, v. intrs. unzegelm. (ſ. Greifen) nieterwärts greifen. 

D. Niederareifen. 

X Niederguden, v. intrs, tn ber gemeinen Sprechart und leichten 
Shreibart, nieberfehen. D. Niedergucken. 
X Niederhaben, v. trs. wiebergebradgt Haben, Er bat ihn nieder, 
er bat ihn niebergemorfen, er hat es dahin aebradıt ihn nieberzus 
werfen. Ich babe fie minder, 5.8. bie Axzenei, ich habe Be niehar- 

geſchlact, hiauntergedracht. D. Miederhaben 

Niederhacken, vw. tes. darch Hacken niederbringen, hackenb fälle, 
umhacten; ebier niederhauten. Ginen Baum ntederhackam. D. 
Miederhacken. D. — ung 

Niederhageln, v. atr. mit haben und fein, als Hagel, wie and, 
gleich eigen Hagel niderfalm, Ge hagelt nur fo nieder. Eine, 
Früchte ha getten in Meage wieder, 8. 5. ftalen im großer Tienge 
zicder. Unpuflih ıE es in felgtaher Erle won Blüten gebrunct, 
wenn eb naht etwa auf die Weiße der Mihten gehen wet dageiweif 


D. Riedergleiten, Nieder 


“ 


Niederh 


niederfallen bebeuten ſoll. 
als ein dichter Bluͤteuguß 
Bor feinen Nagen niederhagelt. Ungen. (R.). 
Kuh als trs, wo der Hagel als eine wirkende Kraft gebacht mir. 

“Das Getreide, auch, bie Fader d. h. bie Früchte auf dem Felde 
‚find niedergehagelt, find vom Hagel miebergefhlagen worben, D. 
Miederbageln. D. — ung. 

MNiederhaͤlein und Niederhaken, v. trs. mit Häleln, mit Haken 
niederziehen. D. Niederhäkein, Niederhaken. D. — ung. 

Mieverhallen, v. mtr. mit haben, tieberwärts halfen, felnen Ball 
untenbin verbreiten. D. Niederhallen. 

Niederhalten, v. irs. unregelm. (f. Halten). 1) Rad unten hin, 
nieberwärts balten. Die Hand nieberhalten. =) In ber Riedere 

halten, wicht‘ in die Höhe Fommen Laffen; und uneigentlih, nit 
emportonmen, mächtig werben faffen, nigt Willen und Freiheit 
laſſen, ſehr einfhränfen. 
Helft den gemeinen Feind mir niederhalten. Schiller. 
Den Soldaten wollen fie niederbalten. Derſ. 
Di Nieverhatten. D. —ung. 

x Nieberbaltig, adj. u. adr. fih nad der Niedere haltenb, ab» 
ſfchüfftg; auch nmederhellig. Wörterd. v. 1482. 

Riederbangen, v. ntr, unregelm. (f. Hangen) mit haben, beſtimm⸗ 
ter als bangen, niebermwärts, nad unten zu hangen. Niederhan— 
gende Awerge, Fruchte, Lippen re. 

Kein Warum vernebmt ihr von ihm; Naht hängt um ihn nieder, 
Sonnenberg; 
d. h. Racht, Unwifſenheit umgiebt ihn überall. D. Niederhangtit. 

Niederhaͤngen,x. tes. niederwaͤrts hingen, antenhin hängen; auch 
niederhenken. D. Niederhaͤngen. D. — ung. 

Niederharken, v. tr⸗ nitderwaͤcts harken; wie auch, mit ber Harke 
niebecreißen. D. Niederharken. D. —ung. 

Niederhauchen, v. trs. hauchend, mit einem Hauche nleberbringen, 
nieverwerfen,. D, Niederhauchen. D. — ung. 

Miederhauen, v. trs, unregeim. (f. Bauen), bush Hauen niederfallen 
mahen, duch Hauen zu Moden fireten. Bäume niederhauen. 
Dee Keind hieb Alles nieder, ſtrecte Alle"mit dem Säbel zu Boden. 
D. Niederhauen. D. —ung. 

Niederheben, v. trs. unregeim, (f. Heben) beden, wegnehmen unb 
nieberferen ober nieberlegen. D. Miederhedben. D. ung. 

Niederhelfen, v. intra, unregelm. (f. Helfen) niebergelangen beifen. 
Einem vom’ Wagen niederheifen. D. Miederheifen. D. — ung. 

xx Niederbellig, adj. u. adv. abfhäffig, jah. Oberlin. Heynap. 
&, Niederhaltig. 

+ Das Niederhemde, —t, 94. —n, im R. D. das Unterbembe. 

A Niederhereichen, v. I} intra, mit fein, berejhend, als ein Herw 
fer, Here niederkommen. ‚ 

Sicher fo herrſcht Tebovab nieder — Sonnenberg. 
M trs. herriſch, mit herriſcher Stimme nieberzufen, &, Hertſchen. 
Befeble niederberefihen. — D. Nieverherrfäen. 

Niederbeken, v. trs. 1) Niebermärte, nad einem ober an einen 
niedern Dre hegen. =) Bis zum Niederfallen hehen. ' D. Nieders 
heben. D. — ung. 

Niederhinken, v. intrs, mit fein, hinkend fi nleberbegeben. D. 
Niederhinten. 

X Nicberhoden, v. intrs. mit fein, ſich auf die Ferfen niederlaſſen; 
auch niederkauern, im O. D. nah Ad. niederhaucden. D, Nie: 
berhoden, 

Niederholen, *. trs. aus der Höhe zur Erbe holen, untenhin hofen. 
In ber Serforade heißt etwas nieberholen, etwas worauf irgend 
eine Kraft wirkt es am feiner Stelle zu erhalten, niebersieben, es 
gefchebe mit ben Bänden oder vermittelt Werkzeuge. D. Nieder 

holen. D. — ung. 


” 


Der Niederhofer, —$, 2. gt. ber etwas nieberholet, Im ber Eee: 


496 


Niederk 
Ä 
ſprache werben Taue, vermittelſt welcher man eiwas z. B. tag: 
ſegel 10, nieberholet, Miederholer genannt. 

% Die Niederhölle, 0, ©. bie niebere unterfte Hölle, die eigentiice 
Döle; in Gegenfag der Dberhölle ober bes Fegefeuers. Dberlin. 

Der Niederholunder oder Nieberhofder, —s, Di. u. ber At: 
tih, Aders ober Feldholber, weil er niedrig wählt; aud + Nie 
derkraut. 

Das Riederholz, —es, 9. u..das unterholz. Friſch. 

X Niederhumpein, Niederhuͤpfen, X Niederhutſchen, v. intrs. 
mit fein, humpelnd, huͤpfend und hutſchend ſich mieberbegeben. D. 
Miederhumpeln ic. ü 

O Rieberirren, v. intrs, mit fein, irrend, d. h. den rechten Weg 

verfehleud nieberwärts geben. 
ori bafte ben Mater 
und ben Zobeshügel verlaffen, und war zu bes’ Ölbergs 
Thale niedergeirrt. Kiopfiod, 
D. Nieverirren, , 

Die Nieverjagd, 9m. u. bie niebere Jagd, tas Met, niedered, Hei 
neres ober geringeres Milbbret zu jagen. . 

Niederjagen, v. trs, nah unten gu, umtenhin jagen; wie auch, bis 
zum Rieberfallen jagen. D. Riederjagen. D. —ung. 

Niederkaͤmmen, v. ers. niederwaͤrts kĩͤmmen; wie auch, buch Kaͤm⸗ 
men nieberbeingen. D. Niederfämmen. D. —ung. - 

& Riedertämpfen, v. tro. Fümpfend, im Kampfe zu Beben werfen 
übermwältigen, deſiegen. Ungeheuer kaͤmpft er nieder. Tiedge. 
D. Miebertaͤmpfen. D. —ung. 

Mieberkärren, v. trs. 1) Mit oder auf einem Karren an einen mie 
been Dit fahren, fhäfen. 2) Sit dem Karren niederfahren, zu 
Beten fallen maden, D. Niederiarren. D. — ung. 

O Nieverkartätfchen, v. trs, mit Kartätihen nieberfdießen. — ber 

» auf feinen morgentärbijhen Feldzuͤgen die Gefangenen zu Zaufenden 
niederkartaͤtſchen tiep.* Seume. D. Niebertartaͤtſchen. D. —ung. 

X Nieberkauern, v. intrs. ſ. Niederhoden. 

Nieberkehren, v. I) trs. niebermärts kehren, 

‚ Bub der Tod, der feinen Köder Icert, 
Wird eineGenius im Rihtgewanbe, 
Der die Fackel laͤcheld niederkehrt. Muͤchler. 
I) intrs, mit fein, nah einem niedern Orte hin kehren, zuruͤch 
tehren. — D. RNiedeckehren. D. —ung. 

+ Nieberkeffeln, v. trs. im Bergbaue, untex, ben Mauren in dem 
Zrieblanbe eines Stollen oder im alten Wanne, unter einem alten 
Schacht, ber aufammengeben will, ein Gewölbe fprengen, um batın 
fortarbeiten zu können. D. Niederkeſſeln. D. —ung, 

X Niederkeulen, v.trs. mit einer Keule niebers ober zu Boden ſchla— 
gen. D. Nieverkenten. D. ung. 

Niederkippen, v. D nir. mit fein, fippenb, auf der Kippe ftehenb 
nieberfinken. AT; trs. auf foldhe Bet niederfinten machen. — D. 
Mieberliporen. D. — uug. 

Niederklappen, v. I) ntr. mit haben, kiappend niederfallen, ober 
and wel, Aappend nieberhbangen, IL) irs. bie Klappe ober Klapr 
pen nieberfhlagen. — D. Nieverflappen. D. —ung. 

Niederklefen, v. I mtr. mit jein, in Klecken nieverfallen. IN 
trs. in Klecken nieberfallen lafien. — D. Nieberklecken. D. 
—ung. 

Das Niederkleld, —s, My. —tr, das unterkleld, worunter man 

ſowol Weſte als auch und befonders die Beinfleiber verflebet; au 
+ Mieverwat. »Sichwarz und weiße Niederkleider.“ Herder. 
„Mie er nichts gerettet hatte, denn bad Wamıe und die Mieders 
Elsivere Wächter, 

Miederklemmen, v. trs. Hemmend nieberhalten. D. Niederklemmen. 
D. —ung. 

Niederklettern, vw. intes. mit fein, kletternd ſich nlederbegeben, nie⸗ 
dergelangen, zur Erde gelangen. D. Niederklettern. 


Niederk 


O Riederklingen, v. mtr. unregelm. (ſ. Klingen) mit haben, nieber- 
wärts Hingen, feinen Klang nad unten hin verbreiten, unten vers 
nehmen laſſen. 

Stimme Hang da nieder vom Thron’, fo toͤnte bie Stimme: 
D. Niederffingen. Sonnenberg. 

Niederklopfen, v. trs. Hopfend niederſchlagen, zu Woben, tem Bor 
ben gleich Hopfen. D. Niederfiopfen. D. — ung. 

O Niederfnien, v. intrs, mit fein, auf bie Knie nieberfinten, ſich 
niederlaſſen. Bor einen nicherfnien, auch, O ihm niederfnien, 

Balten bie Engelreih’ ihm au Sind’ und knien ihm nieber, 
D. Niederknien. Sonnenberg. 

Nieverkohlen, v. Dntr. mit fein, zu Kohlen nieberbrennen. IL) trs. 
‚du Kohlen niederbrennen laffen. — D. Niederkohlen. D. —ung. 

X Niiderfolern, v. I) mtr. mit fein, nieberwärts kollecn. II) trs. 

‚ nieberwärts fallen maden. ©. Kollern. D. Nieverkollern. D. 
ung. 

Nieberlommen, v. unregelm, (f. Kommen). D) iutrs mit fin, nad) 

einem niebern Orte, zur Gebe kommen. Al) mtr. mit fein... 1) 

Nieberwärts fommen,. und in weiterer Bebentung, & nach unten 

‚sm fih verbreiten, gelingen, 

und die Stimme Jehovah's Lam zu Ihm nieber: — Gonnerb. 


uneigentlich, fih gleihfam nieberlaffen und basjtnige, worauf bie 
Nieberlaffung gefhieht, einnehmen, befegen. 
— ganz fam auf ihn nieber da Gatan. Sonnenberg. 


2) In das Kinbbert, in bie Wochen koınmen, b. h. entbunden wer⸗ 

‚ben. Sie wird bald. nieberfommen. Mit einem Knaben nieber: 
tommen. — D. Nieberfommen.. 

X Niederkoͤnnen, v. ntr. unregelm. (f. Können) mit Ki, nishenı 
gelangen Binnen. D. Niederkoͤnnen. 

Niederfrachen, v, ntr. mit fein, krachend nlederbrechen, alederfallen, 
zu Boden fallen. D. Nieberkrachen 

+ Das Niederkraut, — es, Ei u. f. Niederholunder. 

x Rieberkseifeen, intrs, u. trs. mit Breifhender Stimme nieber: 
rufen Mieberfreifchen. 

Niederkriechen, v, intrs, unzegeim.. (f. Sehe). ) ‚mit frin, nieder: 
waͤrts, om einen niebeen Ort ıc, kriechen ieberfriechen. - 

X Nieberkriegen, v. tre.;f. Nieberbringen. 

— v. tms, kritelnd nirderfhreiben. D. Niederkriteln. 

‚D. —ung 
Niederkruͤcken, v.tre. mit ea Arhde niederziehen. D. Niederfräden. 
Niederfrümmen, v. trs, nieberwärts främmen. 
— mit niebergefrüömmten Haupt — Sonnenberg. 
D. Niederkruͤmmen. D. — ung. 

Niederkugeln, v. HD ntr. mit fein, glei einer Kugel nieberrollen. 
IL: tra. nieberfugeln machen. — D. Niederkugeln. D. —ung: 

Die Niederfunft, 2%. u. 1) Das Kommen an einen nledern Ort. 
=) Der Buftand, da eine weiblihe Perfon niebertömmt, d. h. ent: 
bunden wird, und bie Zeit, wenn dies zeſchtehet. Die Miederkunft 
erwarten, Ver der Nieberkunft geſchah es. Cine fhwere, eine 
leichte Nieberkunft haben, 

Niederlaͤcheln umd Niederlachen, v. I) intrs. lächelnd, lachend, 

« dann, freundlich, Ueblich niederblicken. Uncigentlich. Freundlich 
lächelt ber Mond auf ung nieder. 11) A tes. mieberlicelnd, nit⸗ 

derlachend zu erfennen geben, 
Laͤchelte dann Beratung bem Fenfeitöhoffenden nirber. Sonnenb. 
D. Nieverlächeln, Niederlachen. D. —ung. 

Die Niederlage, By. —n. 1) Bon wiederlegen. (1) Die Hanbiung, 
da etwas niebergelegt wich, ohne Mehrzahl; gewöhnlicher bie Nie: 
berlegung. (2) Cine bei jemand nichergelegte ober in Berwahrung 
gegebene Sache (Depositum), Ein Ort, wo Vorräthe, befon: 
ders von Baaren miebergelegt, d. b. auf einige Zelt verwahret wer⸗ 
den. Dergieihen Örter find die Miederlagen der Kaufleute, die, 
wenn fie aus eigenen Häufern beftehen, auch Vorcathöhäufer (Ma- 

Gampe's Mörterh. 3. Th. 


⁊ 


497 


Niederl 


gezine) und- im N. D. Speicher helgen. Auch bie Stapeiſtaderz 
wo gewiſſe Waaren niebergelegt werben müſſen, bie Niederlags 
ſtaͤdte werben zuweilen nur Niedetlagen genannt. (4) Das Seat, 

‚ etwas an einem Orte niederlegen zu dürfen, wie audı, die Berbind· 
Uichkeit, etwas an einem Dete mieberlegen zu mäffen; ohne Mehr: 
acht. So verficht man unter Mieberlage oft das Stapetrecht ober 
aud nur das Krahnrecht. Im Wien ift die Niederlage die Sefug⸗ 
nip eines auslänbifden Kaufmannes, in Grofen. handeln zu bürfen, 
baher ſolche Kaufleute bort Miederläger und Miederfagevermandte 
genannt werden, 2) Von nieberliegen, (1) + Der Zuftanb, ba man 
nieber: ober banieberliegt, d. h. bettlägerig, krant if, Mad einer 
kurzen Miederlage fterben. Beſonders aber (2) ber Zuſtand eines 
Kriegäbeeres, da e6 banieber liegen muß, ober da es miebergeiegt, 
d. bi arfhlagen wird, ' Eine große, völlige Niederlage leiten, Im 
R. D, Unterlage, welches daſelbſt aud mod nam Unterliegep @iu- 
seiner in einem Hampfe gebraucht wirb, 

+ Der Niederläger, —s, 4. gt.; die —inn, 94. —en, f. Nik 
berlage 1) (4). 

O Rieberlagern, r. intes. u, zee.fih auf bas Bager ober als auf ein 


Lager mieberlegen, nieberlaffen, Ih auf ben Boben fagern, Lagern 
wir bier nieder. i 
. — — — da lager (Hexeal) - r 
Roy ſich dem Biumengeftab‘, vor offener Hütte, ine. ran 
Mieber zur Nachtruh. — — Sor Pr 
D. Nieberfagern. D. —ung. .. . 
Das Nicberland, — es, 9.— länder unb fan. £ 
niebrighliegenors Band; in Gegenfag bes Oberlanden, Das Mier 


derland Habfl.e = Sam. #4, 6. Beſonders bekannt find uitter 
dem Namen ber Mieberlande, bie ebemabligen ſiebzehn am Rieder: 
shein und am ber Rorbfee gelegenen Rieberbeutfhen Santfhaften, 
wovon bie bem Haufe Öfterreih untermorfenen bie Oſterreichiſchen, 
die Frankreich unterworfenen aber Franzöfifihe, beide zufammen 
aber die katholiſchen Niederlande genannt wurden, sum Unterfihiche 
von ben übrigen fieben zu einem eignen Etante vereinigten land: 
ſchaften, ben vereinigten Mieberlanden, die man nad ber einen 
Bardfchaft auch nur Holland nannte, Dept Had fie ale. nebft eini: 
gen Theilen vom ehemahligen Weſtphäliſchen Kreife, ausgenommen 
einige an Brankreich abgetrene Feſtungen und Infein zu einem Gan- 
sen, dem Königeeihe Holland, vereirtiget. 

Der Niederländer, —6, 9. 914 die —inn, Dy. —en, die Ein— 
mwobhner, die Einwohnerinn eines Nlederlanbes; in Begenfah von 
Diekländer. Im engerer Bebeutung, ein Einwohner der Rieber: 
tanbe, ben man aud Holländer nannte, S. Miederland, 

Niederlaͤndiſch, adj v. adv. zu einem Niederlande, und in engerer 
Bebentung, zu ben Rieberlanden gehörig, im denfeiben einhe imiſch, 
daher kommend; in ber weitern Bedeutung in Begenfaä von ober: 
laͤndiſch. Die Mieberländifche Sprache. Die Niederfändifhen 
Mahler, melde bie Miederländifche Schule bildeten, Die Mieber: 
ländifche bohe Bolbfarbe,. bei den Faͤrbern, rine goldgeite Farbe 
für Boenzeuge. Niederlaͤndiſches Schwefelgelb, bei den Fälhern, 
eine ſchwefelgelbe Farbe. Die Miederländifche Mark, ein Gold: 
unb Sitbergewicht Die zum Sitber wird in ı2 Pfennige eber 
238 Grin, ber Pfennig zu 24 Grin fein eingetheilt; die zum 
Golbe hält 8 Unzen und eine Unze =0 Engel. 

Niederlangen, v. ntr. mit haben u. trs. nieberwärte, bis untenbin 
fangen, D. Miederlangen. D. —uny, 

O Der Nieberlaß, —ffes, 4. — laͤſſe. 1) Die Handlung, da man 
niederläßt, befonders da man ſich niederlaͤßt ;.ohn® Mehrzahl, - >) 
Gine durch die Anbauung, bäusliche Rieberfaffung Mebrerer ange 
baute Gegend ober ganzes Sand, mit ben barim befinbiichen An: 
pflanzungen, Wohnungen und Menſchen (Colonie), Efhenburg. 
Dies Wort ift beſſer als Miederlaffung, bie —“ des Nieder⸗ 
laffens, welches man auf baflc gebraucht. 


63 


Niederl 


‚498 


Niedern 





Miederlaffen , v. trs. untegelm. (f. Laſſen), niederwaͤrts laſſen, nies 
Bergelangen, fi nieberbewegen laffen, Jemand an einem Seile 
. vom Thurme niederlaffen. Den Borbang niederlaffen. Die Klapr 
pe eines Tiſches niederlaſſen. So auch ſich niederlaſſen. Sich an 
einem Seile niederlaffen, von einer Höhe. Die Böget laſſen ſich 
nieder, wenn fie aus ber Luft herabfemmen und fih fegen. Im 
engerer Bebeutung, als ein anftänbigerer Aurebrur für fich ſezen. 
Uneigentlich, ih an einem Orte niederlaffen, feine Mobnung, feinen 
Aufenthalt baferbft nehmen, wie auch, ſich dafelkft anbauen; auch, fich 
haͤuslich nieberlaſſen. D. Miederlaffen. D.— ung. S. Nieberlaf. 

-Mieberlanfen, v. unregelm, (ſ. Paufen). I) imtrs. u. ner. mit fein, 
nmiebermwärts, nad unten gu, auf ben Boben laufen, If) trs. ı) 

. Im Saufen niederwrefen, au Boden wörfen. Ginen niederlaufen. 

m 2) Nieberwärte, nach einem niebern Orte laufen oder laufend ſchaf⸗ 
fen; in der Sprade ber Bergleute. S. Laufen. — D. Miederlaus 
fen. D. —ung. 

‚Miederlegen, v. trs. nieberwärte legen, auf den Moden legen. Gine 
Saft niederlegen, welche man trägt, fie auf bie Erde legen. Sich 
nieberiegen, fih auf die Erbe Tegem, und in erigerer Bedeutung, 
fi auf ein Lager, ind Bett legen, um zu ruben, zu ſchlafen. Cine 
Sache bei jemand niederlegen, fie bei ihm hinlegen und in Ber 
wahrung geben (deponiren); im D, D. hintergeben. Waaren an 
einem ri. nieberiegen, fie babin bis zum Gebrauch in Berwahrung 
bringen. Uneisentlich, ein Amt, bie Regierung ıc, nieberlegen, ſich 
Derfeiben freiwillig begeben und in andere Hände übergeben, Uns 
xichtig jagt man aber, einen Titel nicberlegen, für ablegen. „Als 
phanſus, der bernach ſelbſt (ven felbft) den Römiſchen königlichen 
Zitet (ben Roͤmiſchen Königstitel) niederlegte⸗ Pütter 2) un⸗ 
einentlih ehemahls auch, zu Boden ſtrecken, erlegen, beflegen. 
„Mit bem du bie Feynde Israels nieberlegen wirſt.“ Zuͤr ich. Bir 
bel,a Mact. 15. (R.). 

Gott geb dir dazu Heil und Bräd 

Das bu ben Trachen fegeft nieder. H. Bade. (MR). 
Ungemöbntih ift, einem bas Hanbwert niederlegen, für, ibm bat 
Bandwerk legen, ihm die Ausübung beffeiben verbieten, und noch 
mebr, einem bie Straße nieberiegen, ibm birfeibe zu reifen nicht ex 
Lauben, So ift es auch verwerflich für abſchaffen. „Das aͤrgerliche Faſt⸗ 
nachttaufen ift niebergelegt.« Edfcher, D. Miederlegen. D. — una. 

Wiederleiten und Niederlenfen, v. trs. niederwärts, an einen nie: 
dern Ort leiten, lenten, D. Nidberleiten, Miederienten. D. —ung. 

X Nieberlefen, v. tes. unregelm. (f. Leſen). 1) Bis unten bin, bis 
su Ende tefen. Cine Seite miederlefen. 2») Bon einer Höhe fein 
keſen nieberwärts an bie anten Befindtichen richten. Der Prediger 
las etwas von der Kanzel nieder, beffer, er las es ad. D. Ni 
leſen. D. —ung. 

Miederleuchten, v. D ntr. mit haben, ein Peuhten ober fein Licht 
nieberwärts verbreiten. +) Rad unten hin leuchten, indem man bas 
richt dinadhaͤlt. AL) intrs. 2) Nach einem niebern Orte leuchten, 
vorleuchtend führen, Einem bie Zreppe nieberleuchten; beſſer, bins 
attzıhten. — D. Niederleuhten. D. —ung. 

Yiederliegen, v. 1) atr. unregeim. (f.Liegen) mit haben, nieberwärts 
Liegen, su Boden, auf ber Erbe liegen. „Wie Halmen von bee Him: 
mel?s Schlohen nicberfagen. Ramler. In ber Pflangenlebre heißtein 
Stengel niederliegendb ideenmbens‘, menu er anfangs in bie Höbe 
gehet, dann aber fich gleich wieder zur Erde neigt und dem größs 
ten Theile nad) geftrestt if. Uneigentlich, gelagert fein, auf etwas 
gefenkt fein. Nacht lag um den Erbkreis nieder. — Sonnenb, 
In engerer Bedeutung. ı) Krank nieberliegen, bettlägerig fein. 

Dis das Maͤdchen mit Gefahr bes Lebens 
An den Blattern plögtich miederlag. Falk. (R.). 
Unejgentlich, ohne Rebhaftigkeit fein, nicht betrieben werbem, 
Hanbıy liegt any nieder, 
— Bw. und Kunfifleig liegen nieder. 


Der 


Schiller. 


2) Zu Boden Miegen, ber Kraft ober aud wol des Lebens beraubt 
fein, befonders in einem Kampfe unterliegen, beſtegt fein. 
Das bie vereindt mit aller macht 
Miederligen in diefer ſchlacht, Theuerdank, X. og. 
Richt aus den Händen leg’ ih dieſes Schwert, 
als bis das ſtelze Engiandb nieberlieat. Schiller. 
©. Niederlage 2). 11) tes durch Siegen etwas niederdrücke. Gin 
Bett, bas Grace ıc. nicderlirgen. — So wie man ehemahls c irgen 
für liegen fagte, fo fagte man auch niedergeliegen für nicberlicgen, 
z. B. in ber Klage, 8: 2710. D. Nirderliegen. 
O Niederliöpeln, v. intrs, u. trs. niederwärts nah unten zu fig 
peln, und, lispetnd fagen. De Mieberfiemin. D. — ung 
Niederloden, v.trs. niederwärts, unten bin feten, d. $. durch eine 
Lockung zu formen vermögen. D. Miederioden. D. —umg. ° 
Niedermahen, v. trs. X machta, daß etwas nieberwärtd gerichtet 
fe, als ein allgemeinir Ausbrus. Die Krompe eines Hutes, bie 
Klappe eines Zifches it niebermachen, fie niedertaſſen. Uneigent- 
üb. 1) X + Einen giedbermahen, ſebr ſchelten und fhlmpfenz 
wofür man gewöhntiher einen heruntermachen ſagt. =) Gleihfam 
niebrig, ber Erde aleih machten, nieberbanen, fünten. Die Stadt 
wurde erflürme und‘ Alles, mad man bewaffnet fand, niedergemacht. 
. ' Da ber Krieg von allen Seiten 
&o viel Zaufend niedermacht. 
D. Niedermadyen. D. —ung. 
Miedermaͤhen, v. trs. mit der Sichel oder eigentlich Genfer nieben 
bauen, Getreide, Bras niedermähen. unelgenttid und bilbtic, 
& in großer Menge au Boden - Funden, töbten. De Tod mährg 
Alles nieber. ' rn . 


%. Tſcherning. 


ber mit moͤrderiſchem Schwert 
Die Soͤlker niedermaͤhet in ben Schlachten. Sältter. 
Denfeiben Sinn hat das Bild in folgender Stelle: 
Mit ihrer Sichel wird bie Zungfrau kommen 
Und feines Stoljes Saaten niedermaͤhn. Schiller. 
D. Niebermähen. D. —ung. 

A Niedermalmen, v. tes. malmenb, jermalmend nieberfireden, 

vernichten, . 
Und malmt (ber Drade) mit der Bruft bie begegnenden Waldun—⸗ 
gen misder. Boß. 
uneigenttih, Sein nirbermalmenbes Donnerwort. D. 
malmen. D. —ung. 

Nicdermebeln, vw. trs. meheind niederhauen ober niederſtechen, mit 
mehrern Stichen eder Hieben töbten, mit dem Rebenbegriffe ber 
Grauſamkeit. Der Feind metzelte Greiſe, Weiber und Kinder nie 
der. D. Niebermegeln. D. ung. 

X Niedermögen, v. intra, unregeim. (f- Mögen), fi niebersegeben 
mögen. 

O Niebermurmeln,, ». Dntr. mit fein, murmeinb nieberfließen, 
Eins Hare Duelle murmelt neben ber Hütte nieder, IT) intrs. u. 

‚. tr, murmelnb vor fih fih foredhen. 

Düfteren Ärgere murmelte da vor fih nieder der Weltmann: 
D. Niedermurmeln. D. —ung. Sonnenberg. 

X Niedermüflen, v. ner. mit haben, ſich miebersegeben müffen, mit 
Gewalt nieberbeiwegt werden. D. Niedermuͤſſen. 

* Niebern, v. trs, aledrig machen; gewoͤhnlicher erniedern. ©, d. 
Sich niedern, fi erniebrigen, 

Göttern läßt er feine Throne, 

Miedert fi zum Erdenfohne. "Killer, 
Ehemahis and wol, als utr. niedrig werben, an Höhe abnchamn. 
Der oben, die Gegend niebert ſich, wird niedrig. Dann auch, 
geringer, ſchlechter mahen, Ein Erben niederen, es geringer, ſchlech 
ter maben. D. Nübdern D. - ung & d. 

Niedernäben, v. intre. niebermärts nähen, Sei den Schneidern 
heipt niedernäben, bas Oherzeug des Hintertheils eines Kleides auf 


Nie der⸗ 


‚Miedern 


bas Oberzeug bes Worbertheils etwas umfhlogen und eins aufs ans 
dre nähen. D. Miedernähen. D. —ung. 
Riederneigen, v. trs. niebermärts, zut Erde neigen. 
Er bett den Kopf in ber Hende fein 
Gang ſchwermuͤttig nidergeneiget, 9. Sad, 
D. Miederneigen. D. —ung. 
X Niedernöthigen, v. tes. nieberzufommen, nieberzufigen ic. nöthis 
gen. D. Niedernöthigen. D. —ung. 
Niederpfluͤgen, v. tes, mit ber Pflugſchar nieber, wie . mit ber 
Pfugfhar durchſchnelden und zu Boden fallen machen. D. Niebers 
pflägen. D. —ung. 
X ——— v, ntr, mit fein, platſchend nieberfallen. D. 
Niederplatfhen. 
Niederplaͤtſchern, v. atr. mit fein, plaͤtſchernd niederfließen, nieberfal: 
ten. D. Niederplätfchern. 


(R.). 


X Nieberplumpen, v. utr, mit fein, plumpenb, wie aud plump .- 


nieberfallen. D. Niederplumpen. 

X Niederpoltern, v. D) ntr. mit fein, polternd nieberfalien. II) trs. 
durch polterndes Weſen nicderfhlagen, b. h. muthlos maden. „Gr 
polterte bie Schwachſtarken nieder.e Benzgel: Sternau — 
D. Niederpoltern. D. —ung. 

Niederpraffeln, vw. ntr, mit fein, praffelnd niederfallen, D. Nies 
derpraffeln. 

X Nieberprefhen, v. intzs. in größter Gil nieberrennen, nieberrel: 
ten, nieberfahren. ©. Preſchen. D. Miederprefchen. 

Niederpreifen * trs, mit geoder Gewalt eg au befonbers 
vermittelft einer Preſſe. D. Niederpreffen, D. —ung. . 

X Nieberpurzeln, x. ntr, mit fein, nieberwärts, an einen niebern 
Det purjeln, purzelnd niederfalien.. D. Niederpurzeln. 

+ Niederpuften, v. tra. nieberblafen. D. Niederpuften. 

Nirderranmeln, Niederrammen, v. trs, duch Rammeln, Rammen 

niedrig machen, ber Erde gleich madıen. Miederrammeln auf un: 

eigentlich, X für niederreifen mas hoch war, aufgebauet war. Ein 
Bett, welches aufgebettet ift, niederrammeln.. D. NRiederrams 
meln. D. —unz- 

4 Niederrafen, v. D ntr. mit-feim, rafenb, wie rafend, d. h. mit 
großer Gewalt und zerftärend nieberfallen. Hagelwetter rafer nies 
der. II) trs. buch fein Raſen niederfallen machen. Der heulende 
Sturm raſet Bäume nieder. — D. Miederrafen. 

O Niederraffeln, v. mtr. mit fein, raffeind nieberfahren, nieberfals 
len. „Wild raffeln Dagelwetter auf meine @iche nieder.“ Koſe— 
garten (R) D. Nieberraffeln. 

Niederraufen, v. trs. raufend nieberziehen. 

D. —ung. 

Niederrauſchen, v. mtr, 
gen. 


D.. Niederraufen, 


mit fein, raufhend nieberfallen, nieberflies 

— wenn Gottes Regen nieberraufhht. Bürger. (8.) 

— mo ber Quell von gelegeten Steinen 

Mieberraufht in den Bad... — Bo. 

D. Nieberraufchen. i 

Niederrechen, vw. trs. nieberwärts sehen, mit bem Rechen alederzie- 
hen. D. Niederrechen. D. —ung. 

Niederreden, v. iutrs. u. tes. 1) Seine Rede nad unten bin ridhs 
ten. Gott redete in frühem Zeiten oft zu den Menfhen nieder. 
2) Dur feine Rede gleihfam nieberwerfen, b. h. zum Schweigen 
bringen. Ginen niederteden. D. Nieberreden. D. —ung. 

Niederregnen, v. mtr. mit haben und fein, als Regen, wie aud, 
mit bem Regen und wie ein Regen nieberfallen. Es regnet Eteine, 
es regnen Früchte nieder. Zuwellen aud als trs. wo ber Regen 
ats eine wirkende Kraft beiviachtet wird. Die Blumen find vom ſtar⸗ 
ten Guſſe niedergeregnet, fie find vom ſtarken nieberfallenden Res 
gen abgefhlagen worden. D. Niederregnen. 

Nieverreiben, v. txs. nieberisärts, nach unten ju, mad bem untern 
ober hintera Ende hin reihen. 


499 


Niederr 
Au’ jegt rüdten voran mit * Se ſſeln, und faßen-bie Tafel 
Miebergereih't Sonnenberg. 

D. Niederreihen. D. u 

Nieberreifen, v. intrs, nad einer niedern Gegend reifen. D. Nie: 
berreifen. 

Nieberreißen, v. trs. unregelm. (f. Meißen), nieberwärts reifen, zur 
Erbe, zu Boden reifen. Einen Aſt niederreißen, vom Baume. Er 
ſtuͤrzte und riß feinen Radıbar mit nieber. Ein Haus niederreifen, 
es cinreißen unb bem Boden gleih maden.. Uneigentiih, vernich⸗ 
ten, zertrümmern. Er riß das Gebäude feines Blüdes ober fein 
Gluͤck nieder. D. Miederreifen. D. —ung. 

Nieberreiten, v. unregeim. (f. Reiten). I) intes. mit fein, zu Pferde 

fi nieberbegeben. II) trs. im Reiten vom Pferbe ober bem Thiere, 

melches man xeitet, niebertreten, zu Boben werfen laflen ober mie: 
berreifen. Gin Bäupiden, ein Kind, einen Jaun nmieberreiten. 

D. Nieberreiten, D. —ung. 

Niederrennen, v. unregelm. (f. Nennen). I) intrs. mit fein, niebers 

wärts, nad einem niebern Drte rennen. III) trs. im Sennen nit 





berreißen, zu Boden werfen. Ginen nieberrennen. Bon einem 
+ Pferde niebergerennt werben. 
Die Reifigen — rennten nieder zu ber Erb 
Den unbewehrten gmeinen Mann. H. Sad. (R.). 


D. Niederrennen, D. —ung. 

Riederriefeln, Nieberriefen, v. ntr. mit fein, nieberwärts, gur Erbe 
riefen, rieſen. Gine Quelle riefelt zur Seite des Altars nieder. 
D. Miederriefein, Niederriefen. D. —ung. 

O Nieberringeln, v. I) ntr.mit fein, in Ringeln nieberfallen, nie: 
berhangen. Dad braune Haar ringelt an Hals und Schultern mies 
der. II) rec, fich niederringeln. ı) In Ringeln nieberfallen. 
3) Ringelnd ſich niederbewegen. D. Niederringeln. D. —ung. 

A Niederringen, v. txs. unregelm. (f. Ringen), im Ringen nieder 
werfen, überimältigen, befiegen, Rad gewaltigem Kampf.rang er 
feinen Gegner nieber. D. Niederringen. -D. —ung. 

Niederrinnen, v. mtr. unregelm. (f. Rinnen) mit jein, niebermärte 
innen, jur Erbe rinnen. D. Niederrinnen. 

Niederrollen, v. Datr. mit fein, nieberwärts rollen, auf bie Erde 
rollen, ine nieberrollende Kugel. Der Vorhang rollt nieder 
Uneigentiih. Das entfeffelte Hauphaar rollte über Naden uns 
Schultern nieder, Dann aud, zu Boben rollen, rollend mieberfal: 
len, nieberflürzen. „Miebergerollte Reih'ne (von Steeitern). Sons 
nenberg. 11) trs, ı) Riederrollen maden. Cine Kugel nieder 
rollen. 2) Durch Rollen nieberbringen , niebrig made. — D. 
Miederrolen. D. —ung. 

Nieberrudern,, v. I) intzs. nieberibärts rubern, d. h. mit Hülfe ber 
Ruder fahren. II) trs. rubernd nieberfahren, Ginen Kahn nie: 
berrubern, zubernb fo auf ihn fahren, daß er unters Waffer kömmt 
ober umfält. So aud niederfleuern, in beiden Bebeutungen. — 
D. Niederrubern. D. —ung. 

Miederrufen, v. unregeim. (f. Rufen). I) intrs. nieberwärts rufen; 
nah einer niebern Gegend hin rufen, II) tra, ı) Rieberwärts 
zufenb fagen. 

ba tiefen bie Thronen 

Mieder zu ihm: wir kennen allein bas Befet, bas wir geiyn. 

Sonnenberg. 


— — — 


2) Rufen niederaufommen. 
Ruft es zum * — ſie nieder; — Sonnenber«4. 
D. Niederrufen. D. —ung. 
X Niederrumpeln, v. ntr, mit fein, rumpelnd nieberfallen, niebers 
fahren. D. Niederrumpeln. 
X Nieberrutfchen, v. utr. u. intrs, mit fein, nieberiwärts rutſchen, 
rutſche nd ‚niebergelangen. D. Niederrutſchen. 
Niederruͤtteln, v. trs. durch Rütteln niederfallen machen. D. Nie: 
derruͤtteln. D. —ung. 


» 


Niederſ 

Ni bein, v. trs. mit dem Saͤbel niederhauen. Ginen nieberfäs 
bein. D. Miederfäbeln. D. —ung. ° 

Nicderfagen, *. trs nad unten him fagen, ben unten Befindlichen 
fügen. D. Niederfagen. . 

Niederfigen, v. trs. vermittelft der Säge niederwerfen, fällen. Gi: 

nen Baum niederfigen. D. Niederfägen.' D. — ung. 

Der Miederſatz, —es, My. — ſaͤte, dasjenige was ſich nieder b. h. 
unten hin, zu Beden fett; ber Bodenſatz. „Das Wort — ſelbſt 
(bedeutet) Miederfaß, was unten im Meere bleibt. Berber. „Der 
Niederſatz ber Wafler.- Popowitſch. {R.) . 

X Niederfaufen, v. trs, ») In fih faufen, faufend- niederſchlingen. 
2) Zu Boden faufen. Einen nieberfaufen, ibm fo lange zufaufen, bis 
ernicht mehr kann, biser zu Beden fällt. D. Niederfaufen. D. —ung. 

Niederfäufeln, Niederfaufen, v. D ntr. mit haben und fein, ſau— 
felnd, faufend mieberfahren. ZU) trs, fänfelnd, ſauſend nieberbrins 
gen, nieberfallen mahen. Der fanfte Weſt ſaͤuſelt Blüten nieder. 
— D. Nieverfäufeln. Niederjaufen. 7 

Niederfchaffen, v. trs. niedbermärts, nad einem niebern Drte ſchaf⸗ 
fen. --D. Niederfhaffen. D. — ung. a 

Niederfchallen, v. ner. regetm. u. unregelm. (f. Schalen) mit has 
ben, feinen Schall nieberwärts verbreiten. 

— von ben en umder ſcholl nieder mit Rachhall 

Donnergebrätl ber Feucuſchlͤnde. — Gonmenberg. 

D. Niederſchallen. 

-A Niederſchaudern, v. utr. mit fein, ſchaudernd, von Schanber er 
artffen niebesfallen. D. Niederfhaudern. 

A Niederfchauen, v. I) intre, niedermärts, unten hin, zur Erbe 
(hauen. — Bein nieverfhauendes Auge. Klopftod, 

Auch uneigeutlih von ber Sonne, vom Monde und von ben Ster— 
nen. II) A trs. nieberfchauend, durch fein Nieberfhauen zu erken⸗ 
men geben, aud) wol mittheilen. 

— — — — Bergeiter, Jehovah, 
Schau bie Himmel herab, ſchau Wohlgefatlen mir nleder. 
D. Riederſchauen. D. —ung. Sonnenberg. 

Niederſchaufeln, v. trs, ſchaufelnd aiederwerfen. D. Nieberfchaus 
fen. D. —ung. 

A Nieberfhäumen, v. ntr. mit frin, ſchaͤumend nieberftrömen. 
D. MNiederſchaͤumen. 

Niederfcheinen, v. D ntr. untegelm. (f. Scheinen) mit haben, feis 

"men Schein’niebermärte , nad unten bin verbreiten. Mild ſcheint 
die Sonne auf unsnieder. IL: ©trs. durch Scheinen finten machen. 
„Die Fröhlingsfonne ſcheint die aufgethärmten Schnechaufen nie 
der.» GE, D. Niederſcheinen. - 

Miederfcheuchen, v. trs. niederwärts, zur Erde ſcheuchen. D. Nie 
derſcheuchen. ». —ung. 

Niederkhiden, v. trs. Nieberfchieben, v. trs, unregelm. (f. Schies 
den). Nieverfchielen, vw. intrs. niederwärte, nah einem untern 
Drte ſicken, fhieben, fielen. Das Niederſchicken sc. D.—ung ıc. 

Niederſchießen, v. anregelm. (f. Schiefen). I) ntr. u. intrs. mit 
fein, piögtich und ſchnell ſich niederwärts bewegen, niederwärts fah: 
zen. Ein Blig [hof zwiſchen uns nieder. Ploͤtlich ſchoß ein Maub: 
wogel auf das arme Thierchen nieder. Bald fam er aus dem Wafı 
‚Re hervor, balb ſchoß er wieder nieber. II) trs. mit einem Schuffe 
ader mit Schäffen niederfallen machen, zu Bobeh ſtrecken, aud, der 
Erde gleich marhen. Einen Vogel amd ber Luft niederfhiefen. Er 
"wurde als ein Kundſchafter niedergeſchoſſen, erfhoffen. Ein Haus 
nieberfdjiefen mit Kanenen- D. Niederſchießen. D. —ung. 

Niederſchiffen, vw. I) intrs: mit fein, ſich zu Schiffe niebermärts bes 
geben. I) tre. zu Schiffe niebermärtd fhaffen, bringen. D. Nies 
berfchiffen. D. — ung. 

Niederſch immern, v. ntr. mit haben, feinen Schimmer niederwaͤrts 
werbeeiten. D. Niederſchimmetn. 


Der Niederfhlag, —ıs, 4. — - 1) Das plöglihe und Hefe 


500 


Niederſ 


tige Nieberfallen. Der Niederſchlag des Regens. 2) Ein Schteg, 
welcher niederwärts gefähret wird, Co ift in ber Tonkunſt ber 
Miederfchlag, ber niederwärts geführte Schlag desjenigen, der ben 
Takt ſchlaͤget (Thesis); in Gegenfag vom Aufſchlage. 5) Ein 
Schlag, durch welchen man etwas nieberfchlägt, Der Miederfchlag 
eines Baumes, Im Osnabrüdfhen gebrauht man Micderfchlag 
auch für Todtfchlag. 4) Im der Scheidekunft überhaupt, ein aus el: 
ner vorbergegangenen Auflöfung abgefonderter Körper, er mag fi 
in feſter oder flüffiger Geſtalt abfondern. In engerer Webeutung, 
ein in Geſtalt eines Pulvers von dem Auftöfungsmittel darch Hin: 
zuthun eines britten abgefonderter Körper, ber im Waſſer entwer 
ber nur ſehr ſchwer ober gar nicht auflösbar ift (Praecipitatum).“ 

Niederfchlagen, ' v. unregeim. (f. Schlagen). I) X ntr. mit fein, 
plöglih und beftig miederfallen. Ausgleiten und niederfchlagen. 
EineBomte flug neben ihm nieder. "II) imtrs, niebermärts ſchla⸗ 
gen. Im ber Tonkunſt ift niederfhlagen, durch den Riederſchlag 
ein Beihen geben. &, Niederſchlag 2). AI) ters, nieberwärts 
ſchtagen, burh einen Schlag ober bürd Schläge unten bin bewegen, 
au Boden fhlagen. Der Regen hat die Mlüte, der Hagel die Feld: 
froͤchte — Et hub feine Hand auf wider fe, daß 
er fie niederfchlüge in ber Wüften.- Pf. 106, 26, 

Eenn im Streite 
Der eh’ene Donner von den Wergen, ihm jur Seite 

. Den Feldberrm niederſchlug. Ramirr. ’ 
Einen Bau niederfhlagen, ihn fällen. @in Gehoͤtz, einen Ro 
niederfihlagen, bie Bäume in bemfelben. In weiterer Bedeutung. 
Den Bi, bie Augen niederfchlagen, fie zur Erbe ſenken, auf ben 
Boben heften. Gine Klappe, Krempe ıc. niederfchlagen, fie nies 
derlaſſen. Der Bär ſchlaͤgt das Gefträuh, das Getreide nicher, 
heißt bei den Jagern, er drüdt es nieder. Im der Scheidekunſt 
fhldgt man einen in einer Ftöffigkelt aufgelöieten Körper nieder, 
ober ſchlaͤgt ihn aus derſelben nieder, wenn man einen dritten hin: 
zuthut, welcher das Auflöfungsmittet ſtaͤrker anziehet, fo daß es den 
aufgelöfeten fahren läßt, welcher fih nun in Gehalt eines feinen 
Yulvders nieder oder zu Boden fegt und Mieberfchlag heist; aud 
fällen, niederfällen (praesipitiren).. So ſchlaͤgt man das Bilber 
aud dem Salpetergeifte mit Kupfer, das Kupfer mit @ifen ıc. nie 
ber. Die Säure im menſchtichen Körper miederfhlagen, fie durch 
ein Mittel z. B. Bittererbe mildern, dämpfen, oder wie man au 
fagt, dreden. im nieberfchlagnendes Mittel, welches die Wallung 
des Blutes mildert, nach einer Erzuͤrnung, mad einem heftigen Kr: 
ger x. Umeigentlih. Eine Sadıe, eine Federung, einen Rechts- 
ftreit niederfchlagen, fie aufhören machen, durch einen Machtſpruch 
oder Vergleich plögtih aufseben. Einen Beweis niederfchlagen, ihn wis 
derlegen, unträftig, ungültig machen. Eines Hoffnung, Muth nieder 
ſchlagen, ihm diefelbe, denfeiben benehmen. Einen nieberfhlagen, ihn 
In einen fihtbaren Zuftand des Trauerns verfegen. Diefer Unglärtsfall 
bat ihm gany niebergefihligen. »Biele Über erhalten ihr niebers 
ſchlagendes Übergewiht vom der @emalt’ der Findbiltung.« Beklert. 
„Eine niederfhlagende Empfindung. Seume. (R.). In biefer 
Bedeutung wird befonders das Mittelmort ber vergangenen Zeit 
niedergefchlagen gebraucht, für traurig, befonders Muthtofigkeit 
(oder Kleinmuth), und, von diefem Zuſtande jeugend, darin gegrün— 
ber. Ich bin fehe niedergefchlagen. Cine niedergefhlagene Miene. 
Davon die Niedergeſchlagenheit, derZuftand desjenigen, ber niebers 
geſchlagen iſt oder des Niebergefchlagenen, ber gleihfam von bem, 
was ihn traurig, mutblos gemacht bat, zu Boden arfhlagen ift, den 
Kopf bangen laͤßt und die Augen niederfhlägt. — D. Niederſchla⸗ 
gen. D. —ung. 

O Das Niederſchlagkupfer, —s, My. u. das aus dem Kupferwaf: 
fer burch Eifen niedergeſchlagene Kupfer (Cementfupfer). 

O Das Niederfhhlagmittel, +8, 99. gi. dasjenige Mittel, vermit: 
teift deſſen man einen aufgelöfeten Körper aus feinem Auftöfungs 


Niederſ 


mittel nlederſchlͤgt (Praeeipitans). 

Niederfchlängeln, v. I) mtr. mit fein, — niederfahren. 
Blitze ſchlaͤngeln aus der Donnerwolke nieber. 

— gleid, niedergeſchlaͤngelten Bligen. Sonnenberg. 
Auch ale rec. ſich ſchlangelnd nlederſahren, und non bem Haaren, 
in geſchlaͤngelten Toten niederfallen, niederhangen; auch, ſich ſchlaͤn⸗ 
gelnd nieberwärts erſtrecen. Ein ſchmaler Meg ſchlaͤngelt ſich von 
ben Bergen nieder. Il,trs. eine ſchlaͤngelnde Kichtung niebermärts 
geben. — D. Mieberfchlängeln. D. —ung. 

Nieberfchleichen, v. intrs. unregelm. (f. Schleichen) mit fein, fehlei: 
chend, d. h. langfam und Leite fich nieberwärts begeben, und in weis 
terer Bedeutung von debloſen Dingen, fi auf ſolche Art niederwärts 
bewegen. D. Miederfhleihen. D. —ung. 

X Nieberfcplendern, v. intrs. mit fein, niebermärts ſchlendern, nad 
einem niedern Orte fhlendern. D. Micderfehlendern. 
Niederſchlenkern, v. trs niederwaͤrte ſchlenkern, ſchlenkernd niedere 

werfen, D. Niedetſchlenkern. 

Niederſchleppen, v.trs, niederwaͤrte, an efmen niedern Ort ſchteppen. 
D. Niederfhleppen. D. —ung. 

Niederfchleudern, v. trs. nieberwärts fhleudern, ſchleudernd nieders 
— wie auch, mit der Schleuder zu Boden ſtrecken, töbten. D. 

Niederſchleudetn. D. —ung. 

Nreberfhlingen, v. trs. uncegeim. d. Schlingen), verfhlingend nier 
berbeingen, hinunterſchlingen. 

Schlang’s in ben Abgrund nieder mit einmal. — Eonnenb, 
D. Niederſchlingen. D. —ung- 

Niederſchloßen, v.utr. mit haben, als Schleßen, auch, gleih Che: 
Sen niederfallen. Aus ale trs. wo die Schloßen als eine wirkende 
Kraft betrachtet werben. Alles Getreide iſt niedergeſchloßt, (R.), 
d. b. ift von den Schlofem niebers ober zu Boden gefhlagen. D. 

__ Rieberfchlofen. 

Niederſchlucen, v. tes, ſchlucend niebers ober hinunterbringen, 
X binunterfhluden. Einen Biffen nieberfchluden. Uneigentlich, 
X eine Beleidigung, einen Ärger miederfchtuden, fie oder ihm ver⸗ 
ſchmerzen, bei ih behalten, feine Empfindung dabel nicht Aufiern. 

— Was fie audı wiſſen mögen, 

Mein ift die Mapst, fie mäffen’s nieberfhluden. Schitter. 
Uneigenttich auch in ber-bößern Schreibart für verfhlingen. Des 
Meeres Abgeund ſchluckt' ihn nieder.. D. Niederſchlucken. D. — ung. 

O Nieberfhlummern, r. utr. mit fein, fhlummernb nitberfinten. 
Auf dem Porter ber Slcherheit forglos niederſchlummern.“ Kofer 
garten. (R) D. Niederſchlummern. 

Niederfchlüpfen, v. mtr. u. intes, mit fein, ſchnett und entgleitend 
nieberfabren, fich nieberbegeben. D. Niederſchluͤpfen. D. —ung. 

Niederfchlürfen, v. trs. einfhlärfend niederfchluden. 
ſchluͤffen. D. —ung. 

X Nieverfhmeißen, v. trs. unregelm. (f. Schmeißen), nieberwerfen. 
D. Nieberfchmeißen. 

Niederſchmettern, v. D) atr. mit fein, mit ſchmetternder Gewalt 
nieberfallen. 

Mun ſchmettern Bageliröme praſſelnd nieber. Karfätı an. 

II) trs. ſchmetternd, zerſchmetternd zu Boben werfen. 

Adramelech, ber niebergefchmetterte Stolze. — Klopftod. 
Dann, mit großer Gewalt, ganz oder [ehr (dien. Jeht rufte 
ıelef) bie niebergefhmettertm Kräfte Satam in fi zuſammen. 
Klopfiod. — D. Niederſchmettern. D. —umg- 

O Nieberfchmiegen, v.ree. Sich niederfhmiegen, ſich nieberwärte, 
am dem Boben fhmiegen, „— ımb wer ih nicht geduldig im Etaube 
niederſchmiegte, der durfte mer in der @ile ſein Sündel fhnüren« ic. 
Benzel»Bternau. D. Riederfhmiegen- 

Niederſchnellen, v..trs. X Nieberfhniden, v. tes. nicherwärts, 
nad einem nieberm Orte ſchnellern, ſchnicen. D. Niederſchnellen. 
Miederfhniden Dr — ung. 


501 


D. Nieder 


Niederf 


Nieberfchrauber, v. tre. nieberiäcts ſchrauben, wie and, burg 
Shrauben niederbrüden. D. Nieberfhrauben. D. —ung. 

O Nieberfchreden, v. tra. turh Schrecken nieberfalen maden. 
Einen nieberfchreden. 

Miebergefthredit Hebet Fein Baum an ben Waſſern 
So ſich mit Stolz Kiopfod. 
D. Niederfhreden. D. —ung. 

Niederſchreiben, v. trs. uncegeim. (f. Schreiben), ſchriftlich gleich: 
fam nicberlegen, zu Papier bringen. Gerichtlih etwas niederſchrei⸗ 
ben. D. RNiederſchteiben. D. —ung. 

Niederfhreien, v. unsegeim, (f. Schreien.). I) intrs. nieberwärts 
fein Geſchret richten. If) tes, nieberfhreiend fagen, bekaunt ma: 
hen. — D. Niederfhreien. 

Nieberfchreiten, v. intzs, unregeim. (f. Schreiten) mit fein, aieder 
— nad einem niederen Drte ſchreiten. D. Miedetſchteiten. 

—ung. 

x Nieberfhppen, v.tes, X Niederfhurren, v.ntr. mit fein, mier 
berwärts, nach einem niedern Orte fhäppen und fhurren, D. Nies 
derſchuͤppen ıc, D. —ung. 

Nieverfhätteln und Niebderſchuͤtten, v. tra. ſchuͤttelns und hät: 
tenb nieberfallen maden. 

— und ſchreckliche Flammen 
Miederfähhtteind vom Heim. — Gonnenberg. 
D. Niederſchuͤtteln, Niederſchuͤtten. D. —ung. 

Niederſchwanken, v. ntr. mit fein, nteberwärte ſchwanken, (mans 
ten und nieverfallen. „Sie ſchwankte nieder.» Tafonratıe 

— ſchwankt niebergum Polfter gereibt um die Tafeln. Sonmenb. 
D. Nivverfchmanten. 

Miederſchwaͤrmen, v. intrs, niebermärts ſchwaͤrmen, fdrwärmenb, in 
Schwärmen fih nieberbegeben. D, Niederſchwaͤrmen. 

Nieberfchweben, v. intrs, u. atr. mit fein, nieberwärts, nad eimem 
nisderm Orte ſchweben, durch bie euſt ſchwebtud ſich miebertaffen. 
Stieler. 

— ımb bumpf, wie ber flutende Ozeun herrauſcht, 

Schwebte bie Majeflät Donatoas niebersum Erbkreis. Sonrtenb. 
Unelgenttih und bilbfi von Dingen, bie leicht und fanft ſich gleich⸗ 
fam ad der Höhe nieberlaffen, 5.8. Zraumbilder, Gebilde der Ein- 
bitbungstraft ıc. 

Dann o Hoffnung, ſchwebſt du miedrr. Ungen. (R.). 
D. Miederſchweben. 

Niederſchwemmen, v.trs. nieberwärts ſchwemmend, überfhwemmend 
— ſortſchwemme ad aiederſühren. D. Riederfhmwemmen. 
D. —ung- 

Niederſchwenken, v. trs. niedberwärts, nad einem miedern Orte 


—— Co auch, ſich niederſchwenken. D. Niedertſchwenken. 
. —um. 
Miederſchwimmen, v. ntr. u. intrs, anregelm,. (f. Schwimmen), 


miederwärts, auch, im die Tiefe fdmimmer. D, Niebetſchwimmen. 
O Nieberfchmindeln, v. ntr. mit fein, von einem Schwindel ergzif: 
fen, nieber: ober gu Moden fallen. 
Sluͤhend kuirſcht' exta, ſchwindelte nieder — ist fuhr er mit 
Grimm auf, Sonnenberg. 
D. Niederſchwindetn. 
Niederſchwingen, v. trr. unregelmm, (ſ Schwimgen), niebermärts, 
nach einem nirbern Orte ſchwingen. 
— ber niederzeſchwungenen Schwerter Goprafer. Semnenb. 
So auch, fich niederſchwingen, ſich auf Schwingen niebertaften, bar, 
— ſich fwingenb mieberbewegen. D. Nieverfhwinger. 
. ung 
Niederfehwirren, v. ntr. u. intrs, mit feim, fAhoircmd nieberwärts 
fadıen, fliegem. Zahlloſe Pfeile ſchwirrten nieder. D. Rider: 
ſchwirren. 


Miederſfegeln, v. I) ites. mit ſein, nieberwärts, nach cine niedri 


Niederf 


gen Gegend fegeln. IL) tra, im Segeln nieberfahren, durch heftis 
ges Anftoßen im Gegein an ein anberes Fahrzeug biefes entweder 
unter das Waffer ftofen und drücken, es in Grund fegeln, oder e& 
umfatlen machen, es umfegein. D. Nicberfegein. D. —ung. 

Nicderfehen, v. intrs. unregelm. mieberwärts, nad einem niebern 
Orte feben, zur Erbe feben. Im engerer Bebeutung, bie Augen 
nieberfhlagen. D. Nieberfeben. 

Niederfehnen, v.ree. Sid; nieberfehnen, ih nad nieden, nad) einem 
Hiedern Orte ſehnen. D. Niederfehnen. 

X Niederfein, v. mtr, unregeim. (f. Sein), ein buch Nusfafung zu 
erfiärenbes ort, unten fein, fich nieberbegeben, nieberbewegt bar 
ben. Im gemeinen Beben fagt man auch von einer Schwangern, 
fie fei nieder, wenn fie niebergefommen ober in bie Wochen gefom: 
men if. Dos Haus ift nieder, es iſt niebergeriffen, nieberges 
brannt ıc, D. Niederfein. . 

Niederfenden, v.trs. regelm. u. unregelm. (f. Senden), nieberwärts, 
nad einem niebern Orte fenden, 4. B. vom Himmel zur Erde. 

— ben erften der Herrlihen miederzgufenden. Sonnenberg. 
Uneigentlih, A nieberwerfen, nieberfhleubern. Wenn ber Donnes 
zer feinen Blip niederfendet. „Und die entihmüdten Wolken fanbs 
ten ihren Regen auf den kurzſichtigen Bewunderer nieder.“ Ben« 
1el:Gternau. D. Niederfenden. D. — ung. 

Nieberfenten, v.trs. niederwaͤrts, in die Ziefe ſenken. 
nieberfenten, in bas Grab, 


Einen Sarg 


— wenn er 

Miederſenkte fein Banpt, — Klopftod; 

d. b, wenn er es nieberfinten lieg. Sich nieberfenten, ſich niebers 
finfen laffen, und in ber Bebertung eines ner. nieberfinfen, wenn 
man fügt, das Haus bat ſich miebergefenkt, wofür jedoch beffer ges 
fagt wird, es hat ſich gefenkt oder es ift gefunten. Die Racht 
ſenkt fich nieder, es wird Nast, 

So fentt fich nebelgleich ein Dunft von Mohn: ‚und Blieber: 

Und Bilienduft auf feine Augen nieder, Wieland. 
D. Niederfenten. D. —ung. 

Niederſetzen, v. tes. nieberwärtd, an einen niebern Drt, auf ben Kor 
ben feben. ine getragene kaſt z. B. einen Zrageforb nieberfegen, 
fie, ihn von der Schulter, vom Rüden nehmen und zur Erbe fegen. 
Ein Kind nieberfeben, es vom Arme nehmen unb binfegen. Sich 
nieberfegen, ſich auf einen Stuhl ıc. ober auf ben Erdboden fepen; 
ſich nieberlaffen. S. d. Auch von einem unwiltührlihen Gegen, 
wenn man fo fällt, daß man zu ſitzen Eömmt, gebraudt man ſich 
niederfegen. Uneigentiih, ein Gericht, einen Ausfhuß ıc. nieder: 
fegen, es ober ihn ernennen unb bemfelden an einem Drte feinen 
Sitz anweiſen. D. Niederſehen. D. —ung. 

O Niederſicheln, v. trs. mit ver Sichei nleberfhneiben, fällen. Das 
Gras, das Getreide niederſicheln, mit ber Sichel ſchneiden und au 
Moden legen. Der Tod fichelt endlich Alle nieder. D. Niederfis 
ein. D. —ung. ©. Niedermäben. 

Niederfingen, v. intrs, u. trs. unregelm. (f. Singen). 1) Geinen 
Belang niederwärts richten, von einer Döbe berob fingen, Bricbe 
auf Erben, fangen die Engel nieder, =) X Gleihfam au Poben 
fingen, einen Andern durch fein befferes, längeres oder flärkeres 
Singen zum Schweigen bringen. D. Niederfingen. D. —ung. 

Niederfinken, v. ntr. unregeim. (f. Sinten) mit fein, nieberwärts, 
zu Boden, in bie Tiefe finfen. Auf die Knie niederſinken, langfem 
niederfnien, oder auch, in die Knie finfen aus Schwaͤche, Ohnmacht. 

Miederſank der Erhabne in heißes Gebet für bie Erde, Sonnenb. 
Bon Schreden betäubt fand fie neben ihm nieder. Die Hände nie 
derfinfen laſſen. Ein Stein ſintt im Waffer nieder. Uneigentljg. 
Rat fan nicher zur Erbe, es murbe Naht, — und ließ Ihn 
(den Tag) mit blauen Schmetterlingsfhwingen — — auf ben en: 
gen Raum ber Erbe niederſinken.“ 3. P. Richter. D. Nieder 
finten. 


502 


Niederft 


Nieberfigen, v. unregetm. (f. Siben). T) ntr. mit fein, niebergefeit 
fein, figen, IT) intrs. im ©. D. für, ſich nieberfegen. „Daß ein 
junger Schwan aus bem Altar bes Gottes ber Llebe aufflöge und in 
feinem Scheoße niederfäfe.* Herder. 

— ſaß nieder in jeglihem That — Gonnenberg. 
Mit Einem nieberfigen, mit ibm etwas abmahen, unterhanbeln. 
Beifh. ud, einen Zwiſt beilegen. Haltaus. D. Niederfigen. 

X Niederfollen, v. atr. mit haben, ein durch tin ausgelaffenes Auss 
fagewort zu ergänzendes Wort, fih niederbegeben follen, nieberge: 
bracht werben follen 0. Im gemeinen Beben auch von Schwangern, 
für niederfommen ſollen. D. Niederfollen. 

Niederfpeien, v. trs, niederwärts, nad einem niebern Orte fpeien, 
von fi geben. A, Uneigentlih. Hundert Feuerfhlünde fpien non 
ben Wällen Tod und Werberben - icder, 

Dies Wörkhen wird bo bald ven Himmel ganz verhällen, 
Bird Blige niederfpei'tn und Donner nieberbrällen, Alringer, 
D. Niederfpeien. D. —ung. 

O Niederfprechen, v. intrs. u. tre. unregelm, (f. Sprechen), nie: 
berwärts fprehen, feine Rede nad einem niebeen Orte an daſelbſt 
Befindliche richten. 

Jetzo winkte Atheor, fo ſprach er nieder vom Gochſih. Sonnenb. 
In weiterer Bedeutung, zu einem Geringen und TVerachteten ſpre— 
hen, über welchen man fih weit erhoben denkt, s 

— und fprad vol Hohn auf ihn nieder, Sonnenberg. 

D. Niederfprecen. 

Niederfprengen, vw. I) intrs. mit fein, niederwärte fprengen d. b. in 
größter Schneile hinab weiten, HH) tes. 1) Nicberwärts fpringen 
machen, wie auch, buch Sprengen, Berfprengen nieberfallien more 
Gen, dem Boden gleich maden, Dann auch, niederfpringen, d. & 
niebereilen maden, Gr bat mid ohne Roth nielergefprengt. 2) 
Niederwärte, nah einem niedera Trte fprengen, in einzelnen Tro⸗ 
vfen fallen machen. 3) Sprengend d. b. in größter Schnelle rei 
tenb nieterwerfen, mieberreifen, Einen nieberfprengen. — D. 
Miederfprengen. D. — ung. 

Niederfpringen, v. intrs, unregelm, (f. Springen} mit fein, nicherr 
mwärts, nad einem niedern Orte, auf bie Grbe ſpriugen. D. Mies 
berfpringen. 

Niederfprigen, w, trs. u. ser, mit haben. 1) Niederwärts fprigem. 
2) Als trs, allein, durch Spritzen nieberfallen machea. D. Niedere 
fprigen. D. — ung. 

Niederſprudeln, vw. I) ntr. mit fein, fprubelnb niederfllehen. I) tre. 
1) Nieberwärts fprudeln, ſprudelnd d, h. in Eleine Tropfen zer— 
ſtaͤubend nieberfallen machen. 2) X Sprudelnd nicderfpredgen, — 
D. Niederſprudeln. D. —ung. 

Niederſpruͤhen, v. mtr. mit baten, u. trs, niedermirts fprüben, 
ſerühend nieberfallen und nieberfallen machen. O. Rieberfprähen. 
D. —ung. 

T Nieberfpuden, v, intrs, u. trs, nieberwärts, aur Erbe ſpacken. 
D, Nieverfpuden. 

Niederſpuͤlen, v.trs, abſpülen und mit fih nieder nehmen, vom Waf: 
fer. Dann, abſpuͤlen und nieberfhlugen. Die im Munde zurüf: 
gebliebene Arzenel mit Waſſer niederſpuͤlen. D. Niederſpuͤlen. 
D. —ung. 

Niederſtacheln, v. tre. 1) Mit Stacheln niederſtoßen, erlegen. 5) 
Stachelnd niedertreiben. D. Niederſtachelu. D. —ung. 

Niederſtaͤmmig, —er, —ſte, adj. u. adv. einen niedrigen Stamm 
habend; in Begenfag von hohftämmig. Nieberffämmige Däume, 
Shottel bat es auch uneigentiih non Menſchen, für Hein, „Fine 
nicderfiämmige Perfon,“ Davon bie Niederfiämmigkeit, bie Bes 
fhaffenheit eines Dinges, da es nieberflämmig if. 

Niederſtampfen, v. trs. nieberwärte fkampfen, zu Poben ftampfen 
und bem Boten gfeih mahen, Der kriegeriſche Huf ſtampft reihe 
Saaten nieder. Maulwurfshigei niederſtampfen, mit dem Buße 


Niederft 


Kuh als intrs. auf den Boden 


ober einem eignen Werkzeuge. 
D. 


" fampfen, Mit dem Buße niederftampfen, im Unmillen ıc. 
Miederfiimpfen. D, -—ung. 

Nieverfländig, adj. u. adv. niedrig ſtehend; bei Etieler für nie: 
trig, Hein. u 

X Niederſtapeln und Niederflayfen, v. intrs mit fein, ftapelnd, 
ſtapfend niedergeben. D. Niederftirefn, Miederftapfen, 

Nievderftarren,v. int:s. mit ffarren Augen niederfchen. D. Niederftarren, 

Niederftauben, v. ntr. mit haben und fein, als Staub, wie aud, 
gleich einem Staube, fo fein wie Staub nieberfalen. »— aus ben 
Eternen ſtaͤubte (ſtaubte) ein warmer Rigen von lichten Puͤnktchen 

nieder. IP Richter:. Auch, niederſtieben. D. Niederftauben. 

Niederſtaͤuben, v. ts, ald Etaub, gleich einem Staude, fein wie 

* Staub nicberfallen mahen. D. Nieberftfuben. 

Niederffauchen, v. irs. niederwärts flauden, auf ben Zoben flau: 
hen. D. Niederſtauchen. D. — ung. 

Niederſtechen, v. unregeim. (f. Stechen). 1) intrs. nieberwärts fie: 

"den. Bei den Schneidern heipt niederitehen, bie Ränder des aus: 
geſchnittenen oder aufgefäferten Tuches oder Zeuges mit Nebenftigen 

an einen Fleck der eingeſeht wirb‘, nähen. II: trs. mit einem Stis 
che oder mit Stichen zu Boden Aireden, töbten. Ginen mit einem 


Dolde, einen im Sweitampfe niederftechen. — D. Nieberftehen. 


D. —ung. 

Niederſtecken, v. trs. niederwärte, an einen niedern Ort fleden. D. 

Niederſtecken. D. —ung. 

Niederfteigen, v. intrs, unregelm. (f. Steigen) mit fein, niedermärts, 

an einen niebeen Ort fleigen. Die Zreppe, in ben Heller nieder 

ſteigen; gewoͤhnlicher binunterfteigen. Die nicberfteigende Linie, in 

* den Geſchlechtaregiſtern, die abſteigende. S. Abſteigen. Im ber 
Srernwiffenihaft, niederſteigende Knoten, Zeichen. ©. Knoten, 
Zeichen. D. Nicderfteigen. D. —ung. 

Nicderftellen, v. tes. niedermärts flellen, auf einen niebern Drt, auf 
die Erde fleiien. Ein Rind niederftellen, es vom Arme nehmen und 
hinftellen, D. Niederſtellen. D. —ung. 

TEN v, intrs, u. trs. f. Miederrubern. D, Niederfleuern. 

D. — ung. 

Niederſtieben, v. atr. ſ. Niederſtauben. 

— ‚9 Antrs, mit fieren Blicken niederſehen. D. Nieder: 

ieren. 

Nicderfiimmen, *. trs. niedrig oder niedriger ſtimmen. @ine Geige 
niederflimmen. Uneigentlich, ſich niederftimmen, fih nad ben Ber 
dürfniffen eines Andern, der in Anfehung feiner Einſicht, Kennts 
nig ıc. unter ung fichet, ſtimmen. D. Mieberftimmen. D. —ung. 

X Nicderftolvern, v. ntr. mit fein, niederwärte ftatpern, ftolpernd 
niebergehen, wie auch, flolpernd niederfallen. D. Niederſtolpern. 

Miederflören, v. trs. durch Stören nicherfallen, einfallen machen. 
D. Niederftören. D. —ung. 

Niederſtoßen, v. tre. unregeim. (f. Stofen), nieberwärts, nad einem 
nieberm Orte, zu Boben floßen. Einen nieberftoßen, ibn fo ftoßen, 
daß er zu Boden fällt. In engerer Bebeutung für nieberſtechen, 
duch einen Stoß mit einer fpisigen Waffe zu Boden ſtrecken. 

Gäfar fiel, 

Und Brutus fließ ihn nieder! Gerder. - 
B. Sache gebrauchte es auch uneigentlih für, umfloßen, vereiteln 
vernichten. Da der Satan und feine Glieder 
Erin Hoffnung möllen floßen nicher, (RR). 
D. Niederftofen. D. — ung. 

Miederftrablen, v. Ir ntr, mit haben, nieberwärts ſtrahlen, feine 
Strablen nieberwäets verbreiten. Warm und mild ſtrahlet bie Sonne 
nieder. IT) A trs. ı) Mit feinen Strahlen oder burd feine Strah⸗ 
len nieberfenden, verbreiten. Strahlt nicht die Sonne Fruchtbarkeit 
und Sedeihen auf bie Erde nieder? 2) Durch feine Strahlen gleich» 
ſam zu Boben werfen, überwältigen, durch fein größeres Strahlen 


503 


Niederft 


übertreffen und verdunkeln. „— und fein Rame wärde in ber Belt: 
geſchichte die Größe aller andern nieberfirahlen.« Seume. D. Nie: 
derftrablen. 

X Niederfirampeln (OD. D. Nieberfirampfen), vw. trs. burd 
Strampeln mit ben Füßen niederſtoßen. D. Niederfirampeln 

Nicderftraudeln, & Niederftrauchen, v. atr. mit fein, ſtrauchelud 

- oder ſtrauchend nieberfallen. „Das er ba niderfiruote” Konr. v. 
BWürzb. Iroj. Krieg. D. Niederftraudeln, Niederftrauchen. 

Niederftreben, v. intrs. niebermärts fireben, ſtreben nieberjugelangen, 

— doch jept, jeht beide Hände hebend 

Und ungeduldig nieberftrebend 

Macht er fid frei. Alringer. 
D. Niederftreben. \ 

Niederſtrecken, v. trs, zu Boden ſtrecken. Sich nieberftreden, fid 
auf den Beben, ober auf ein Bager fireden, fi ber Bänge lang 
darauf hinlegen. Dann, nieberlaffen, von den Segeln; ungewöhnlich. 

— Bor feinem ſtacren WBüten 

Stredt der Schiffer Hug die Segel nieden Bötbe. 
In engerer Bedeutung, tobt zu Boden ſtrecken. Cinen niederſtrecken, 
ihn durch einen Schlag, Schuß, Stid ober Dieb töbten, fo baf er 
der Länge lang binfällt. D. Miederftreden. D. —ung. 

Miederftreihen, v. trs, unregelm. (f. Streichen), niederwaͤrts ftreir 
dien, wie auch, ſtreichend, durch Streichen nieberbringen. D. Nie— 
derſtreichen. D. —ung. 

A Niederſtreiten, v. trs, im Streite uͤberwältigen, zu Boden pi 
fen oder ftreden. Uneigentlich, befiegen. 

Ihr, ber wie ein Held mit Schwert und Speer 
Tauſend Erdenleiden niederftreitet. Bürger. 
D. Miederftreiten. D. —ung. - 

Niederftreuen, v. trs. niederwärts freuen, ſtreuend nieberfallen laf- 
fen. D. Niederftreuen. D. —ung. 

Niederfirömen, v. I) mtr. mit fein, niebermärts, nad einem niebern 
Orte, jur Erbe ffrömen, wie ein Strom fließen. Das von den Ber: 
‚gen niederfirömende Waſſer. Blut firömte am ihm nieder. Der 
Regen ſtroͤmte nieder. Uneigentlih, A in Fülle nieberfallen, nit 
berhangen, nicberfommen. 

— des heiligen weißen Noffes 

Mit dem Flammenblide, mit ber bichten 

Mieberfirömenden Maͤhne, — Klopſtock. 

Es ſtroͤmet Wonn' in offne Seelen nieder. Ungen. (R.) 
IT} A trs. nieverfteömen machen, laffen. — D. Nieverftirömen. 

& Niederftrubdeln, v. I; mtr. mit fein, ſtrudelnd, in Strubein nieders 
ftärzen. II) tra, ftrubelnd, im Strudel niederziehen. — D. Nie: 
derftrudeln. D. — unz. 


Niederſtuͤlpen, vw. trs. niebermärts flätpen, wie auch, an einen nie 


bern Ort, unten bin flülpen. D. Nieverjtütgen. D. —ung. 

X Niederfiupfen, v. trs, mit öftern Beinen Stößen nieberioßen, 
D. Nieseritupfen. 

Niederfiürmen, v. Dntr. mit fein und haben, ſtuͤrmend, gleich eis 
nem Sturme niederfabren.“ II) trs, ftürmend nieberwerfen, nieder 
fallen machen; wie and ftürmend, mit Sturm niederftürzen machen, 
Gin Baus nieberfihemen. — D. Nieberftürmen. D. —ung. 

Niederflürzen, v, I) mtr. mit fein, nieberwärts, an einen niedern 
Ort, zu Boden flürien, Bon ber. Treppe, vom Zhurme, in einen 
Abgrund niederſtuͤrzen. Ein Wottendruch ſtuͤrzte nieder. II jatrs. 
mit fein, mit großer Gewalt, „Heftigkeit und Schnelle ſich nieder: 
märts, in bie Ziefe bewegen oder begeben. Er ſtuͤtzte in guößter 
Bewegung auf die Anie nieber und flehte xc. 

As mit Getöf' nieder er ſtuͤrzt in bie Bölfe 

Nieber mit Sturm, da entfagten fih bie Bölker. Kiopftod. 
III) trs. niederſtuͤrzen machen. Ginen von einem fteilen Zelfen ic. 
niederſtuͤrzen. Sich niederſtuͤrzen, ſich in die Ziefe Rärgen. line 
eigentiid und alg mtr., mit großer Gewalt und EC &nelle fih nieder 


Hriederf 


wärtd nad einer niebern Gegend bemegen, nieberfallen, 
— 8 ſtuͤrzen ſich rollende töbtende Wegen 
Nieder ins Thol. Klopfted. 

D. Niederflürgen. D. —ung. 

. Riederfummen, v. intrs. u, ntr. mit fein, fummend, mit Gefumm 
fi niederwärts bewegen, nieberfallen. D. Niederſummen. 

Niedertangen, v. I; inirs. mit fein, niederwaͤrts tanzen, tanzend 
fid niederbegeben. Uneigentlid, fpringend niederfallen. 

Sünglingfrifh 

Kant er (der Duell) aus der Molke 

Auf die Marmorfeifen nieder. Gotbe. 
I) trs.. 2) Dust vieles Tanzen niebertreten. Die Schuhe nieber: 
tanzen. =) Tanzend niederrennen, im Tanzen anfopend zu Boden 
werfen. — D. Niedertanzen. 

Niedertauchen, v. intrs. u. tra, nieberwärts, in bie Ziefe, unter 
das Waffer taugen. D. Niedertauden. D. —ung. 

Niedertaumeln, v. ntr. mit fein, niederwaͤrts taumeln, taumeinb 
nieberfalleu; gemein niedertorfein. 

und vorwärts nieber zur Erde 

Zaumelt’ er. 
D. Niebertaumeln. 

Nieberthauen, v. ntr. mit haben und fein, als Thau, gleih einem 
Thaue nieberfallen. D. Nieberthauen. 

X Niederthun, v. trs. unregelm. (f. Thun), ein allgemeiner Muss 
druct wie niebermadhen, für nieberheben, mieberfegen ıc. Bei ben 
Jagern thut fi ein Thier nieder, wenn es fih nieberlegt. D. 
Mieberthun. 

*A Niedertilgen, v. trs. nieberwerfen unb vertilgen, überhaupt 
vertilgen, aufhören machen. „Die zweyung bie ber kesfer Sigmund 
mit groſſem fleife und ernf hette mibertilget.« Königshboven 
Shron. D. Niedertilgen. D. — ung. 

Niedertoben, v. intrs. mit fein, u; mtr, mit baben und fein, tobend 
nieberwärts fi begeben, mit tobendem Geraͤuſch niederfallen. Eben 
fo niebertofen. D. Niedertoben. 

Niedertönen, v. 1) ntz. mit haben, fein Tönen niedermärts verbreis 
ten. 11) A tes. niebertönen laffen, fingen daß es unten erſchallet, 
gehört wird; Liebe tönt der Sänger Heer 

Ben ben Zweigen nieder. Botter. 
D. Niedertömen. \ 

X Nievertorfeln, v. nir. mit fein, f. Niedertaumeln. D. Nieders 
torteln. , 

Niedertofen, v. intrs, mit fein u. mtr. mit haben und fein, ſ. Nie: 
dertoben. D. Miedertofen. 

Niedertraben, v. intrs, mit fein, nieberwärte, nad einem niedern 

- DS rte traben; auch niebertrotten. D. Niedertraben. 

* Die Nievertracht, 0. M. fo viel als Niederteächtigkeit. ©. d. 
‚Merahtung KHmmt aus Feigheit, Niedertracht oder Dummbeit.« 
Gabe. Wagner. G. bat dies Mort im M. Broidimäusier 
erneuert: Marn allzumahl die alten Säranzen, - 

Mit ihrer alten Anchtelei, 
Mit ihrer alten Aricherri, 
. Mit ihrer alten Niedertracht. 

Niedertraͤchtig, —er, — ſte, adj. u edv. ein von niedrig unb 
tragen abſtammendes Wort, ebemabls eigentiih, fi niebrig 
tragend, dann niedrig, Mein an Größe, im welder Bebeutung 
es nch im D. D. ‚vertömme. „Tin niederträchtiger Belfen,- ein 
niebriaer, Bluntfäli, Sn Meigen werben auch noch nichrige 
db. p. Meine Schafe miederträchtige Schafe genannt. Uneigent 
id. 1) Im D. D. 3. 8. im Hennebergifhen, von geringer 
gemeiner Abfunft, Gin nieberträchtiger Mann, ein gemeiner, ges 
ringer. =) Ebenfalls im ©. D., auch bier und ba in ber R. D. 
Volteſprache, aber verwerflih, herablaſſend, auch bemäthig, bas 
tegte in Gegenfag von hochtragend, hedmäthig, Aol;. Gine nies 


Bo. 


.- 504 


Niedert 


derttachtige Prinzeſſinn. 5) In gewoͤhnlicher Bedeutung, einen nie: 
drigen Einn habend und zeigend, ber ſich unter ber menfhliden 
Würde befindet, verbunden mit ganzlihem Mangel an Geibftfhägung, 
unb, in. diefer Gefinnung gegründet; ein bärterer Auedruck als nie⸗ 
drig.- ©. d. Ein nieberträchtiger Menfh, der aus dem ſchmuzig⸗ 
fen Eigennutze und nah grobfter Sinnlichkeit handelt und ber ges 
gen die ſchimpflichſten Behandlungenu nempfindlih if, Gin nieder: 
traͤchtiges Gemüts. Miederfrähtige Handlungen. 

Die Nieberträchtigkeit, 84. — en. 1) Die Eigenfhaft einer Perfon, 
bie Befhaffenheit einer Sache, ba fie niederträchtig ift, befonbers im 
ber gewoͤhnlichen dritten umeigentlihen Bedeutung biefes Wortes; 
ohne Mehrzahl, Kürzer K.die Niedertracht. 2). Eine niedertraͤchtige 
Handlung. Gi nicht vor Niedertröchtigkeiten fhämen, . 

Niedertragen, v. trs. unregelm. (f. Tragen), nieberwärts, nad el⸗ 
nem niebern Orte tragen. D. Miebertragen. D. —ung. ' 

X Niebertrampeln, Niebertrampen, Niebertrappeln, Nieder: 
trappen, v. intrs. mit fein, u. trs, trampelnd, irampend, trap⸗ 
pelnd, trappenb nieberwärte, nad einem aledern Orte gehen; dann, 
trs. zu Boden trampeln ꝛt. D. Niebertrampeln ze. D. —ung. 

Hieberträufeln, Niederträufen, v. trs. in kleinen Zropfen, uns, 
in Zropfen nieberfallen maden; auch niederteöpfeln. D. Nieber: 
teäufeln, Nieberträufen. D. — ung. 

Niedertraufen, v. ntr. mit haben und fein, in Tropfen nieberfallen ; 
auch niebertriefen, miedertropfen. D. Niebertraufen. 

Niedertreiben, v. unregeim. (f. Treiben). I) tes. ° 1) Nieberwärte, 
nah einem wiebern Drte treiben. 2) Durch Treiben zu Boben le— 
gen. Die Saat niebertreiben, durch darüber ober darauf getriebe: 
nes Vieh niebersreten laffen. Das Bich niebertreiben, es durch zu 
vieles Treiben, durch Übertreiben nieberfalen machen, Eraftios und 
binfälig maden. IE) mtr. mit haben, niedermwärts getrieben d. h. 
vom Strome eines Waflers getragen, geführt werben, Gin Schiff 
treibe nieber, wenn man es auf einem Fluffe dem Strome ohne Ger 
gel überläßt, um nad der Mündung beffeiben zu gelangen, — D. 
Miedertreiten. D. —ung. 

Niedertreten, v. uncegelm. (f. Treten). D A intrs, mit fein, nies 
berwärtö treten, an einen niedern Drt treten, ſich hinab begeben, 
binabtreten, 

— ba trat, wie ein Heer er (ber Weltgerichtsengel) 
Donnernden Bangs vom Hohen Olymp zum Ozean nieder. Sons 
nenberg. 
II- trs. duch Treten zur Erbe beugen, zu Boden treten. Die 
Schuhe niedertreten, die Hinterleder berfeiben nieberwärts treten, 
Die Maulwurföhägel niedertreten, fie durch Treten ber Erbe gleich 
mahen. Das Bras, das Getreide niebertreten, es zu Boden treten. 
— (ein Ricſe) mit Meilenfhritten die Woge - 
Mietertretend. Baggeſen. 
uneigeatlich, im eine gedruͤckte ſchlechte kage verfegen, zu Grund 
richten. Ich trat dein zitterndes Alter in den Staub ber Dürftige 
keit und Verachtung nieder. Brame, — D. Niebertreten. D. —ung. 

Niedertriefen, v. mtr. unregelm. (ſ. Xriefen) mit haben und fein, 
in Tropfen niederfalien; niebertraufen. . j 

Abendpumgoldete Negengewölt' .troffen um fie nieder. Sonnenb. 
D. Niedertriefen.- 

Niebertrinfen, v. txs. unregelm. (f. Trinken). ı) Ginuntertrinken. 
2) X Zu Boden trinken, bie zum Riederfallen zutrinten, Ginen 
wiedertrinken, im ber niedrigen Sprehart niederfaufenr. Dann 
auch, im Trinken überwinden, es darin zuvorthun. D. Niedertrins 
ten. D. —umg. 

X Nicdertrippeln, v. I) intre, mit fein, teippeinb niedergeben, 
U) tre. trippelnd niebertreten, 3. 8. junge Pflanzen. — D. Nies 
bertrippeln. 

Der Niedertritt, —es, 4, —e, dad Riedertreten, sin Tritt, wel: 
Ger nieberwärtd gethan wird. 


| Niedert 


X Niedertrollen, v. inter. mit fein, mieberwärts, nad einem nie⸗ 
bern Orte trollen. D. Miedertrolten. 

Miedertroͤpfeln, v. irs, Nicdertropfen, v. ntr. mit haben u. fein, 
f. Niederteäufeln und Niederrraufen. D. Miederteöpfein, Nieders 
tropfen. D. —ung. 

X Niebertrotten, vw. intrs, mit fein, ſ. Niedettraben. D. Nieder: 
trotten, 

& Riederteitmmern, v. tes. zu Boden trömmern, in Truͤmmer oder 
trümmernb nieberwerfen, 

— und trämmerte Haͤupter 
Mieder auf Häupter. — Sonnenberg. 
D. Niedertruͤmmern. D. —ung. 

Niebertummeln, v. ers, tummelnd zu Woben werfen, 
tummeln, D. —ung. 

Die Niederung, 3. —en. 1) Die Handlung, da man etwas nies 
bert; ohnt Mehrzahl, 2) Fine niehrlg liegende Gegend. ©. Mies 
dere und Nehrung. Die Zwiſchenthale und Rieberungen. Ebeling. 

Hiederwachfen, vr. nie. uncegeim. (f. Wachſen) mit fein, miebers 
wärts, eine Richtung nad unten nehmend wachſen. D. Miebers 
wachſen. 


D. Nieder 


* 
X Niederwackeln, v. Di intrs, mit ſein, madelnd nieder ehen. IT) trs. 


buch Wackeln nieberbringen, wacktin daß und bis etwas nicher- 
fat, — D. Niedetwackeln. D. —ung. 

X Niederwagen, r. rec, Sich niebrrwagen, es wagen ſich niebergus 
begeben. D. Niederwagen. 

ZNiederwallen, v.intes, mit fein, nieberwärts, nad) einem niebern 

Orte malen. »Dann laß uns Arm in Arm zum Grabe niederwals 

' fen.“ E. Wagner. BD. Niederwallen. D. —ung. » 

Niederwalzen, v. I) intrs, mit fein, nieberwärts wälgen, b. 5. fi 
tm Kreiſe dreßenb tanzen, IE, trs, mit einer Walze niederſtrecken, 
bem Boden gleich nahen. Das Gras ıc. niederwatzen. — D. Nie 
derwalzen. D. —ung. 

Nieberwälzen, v. trs. ı) Rieberwärts, nach einem niebern Orte wäl: 
zen, Ein Felsftüd nieverwälzgen, 4. ®. vom Berge. 2) Bu Boden 

mwälzen, durch eine übergemätste Laſt ju Boden werfen, ber Erbe 
giet4, maden, D. Niederwaͤlzen. D. — ung. 

* Das Niederwand, —es, By. —e, ober wander, bad RNieder⸗ 
Kleid, „Die feinen Medermand an feinen Leib," 5 Mof. 6,10. 16,4. 

Niederwandeln und Nicderwandern, v. intrs, mit fein, nieber: 
mwärts, nadı einem niebern Orte wandeln, wandern. Auch, doch 
felten als tre, im Mandeln, Mandern niebertreten. D. Niederwans 
bein, Niederwandern. D. —ung. 

Niederwanten, v. I ntr, mit fern, nieberwärte wanten, wanken and 
nieberfallen. Il; intrs, mit fein, wanlend niebergehen. — D. Nie: 
derwanken. 

Niederwaͤrts, adv, nach nieden ober unten zu, nach unten gerichtet; 
in Grgenfag von aufwärts, 

So ein Bid, von keiner Aueſicht angezogen 
Sinkt niedernärt®. Bürbe, 

. Dad Niederwaflerrad, ; —es, Ba. —räder, ein unterfhlätiges 
Waſſerrad. 

X Niederwatſcheln, v. intes. mit fein, niebermärte, nad einem nies 
bern Orte watfchein; auch X niederwackeln. D. Miederwatſcheln. 

Riederweben „vw. I) ntr. mit haben, niederwaͤrts wehen. 

— bie Tobesfahne weht ſchrecklich 

Auf ihn nieder. — — Sonnenberg. 
IT} trs. nad einem aiedern Orte wehend führen, durch fein Mies 
ben niederfallen machen. — D, Nieberwehen. D, —umg. 

& Niedermweinen, v. intrs. u, trs. weinend feine — auf etwas 
fallen taffen. vV. Niederweinen. 

O Die Niederwelt, 9%. u. bie niedere Melt gleichſam, bie Erbe; 
in Begeafah ber Übermeit. Auch die Unterwelt, welde jedoch auch 
nod davon verfäleben ift. S. d. 


Gampe’d Wörterb. 3. Th. 


505 


Niederz 


ben edlen Geiſt 
Zu groß, zu groß ber Niederwelt. 
Nieberwenden, v. trs. regelm. u. unregelm. (f. Wenden), nicher 
mwärts wenden, D. Niederwenden. D. —ung. z 
Niederwerfen, v. tes. unregelm. (f. Werfen), niebermwärts werfen, 
zu Boden werfen. Etaen nieberwerfen. Sich vor jemanb nieders 
werfen, fih vor ihm auf die Knie werfen. Am O. D. aud in Wer: 
haft nebmen, weil derjenige ber gebunben unb verhaftet werben 
fell; dazu oft zu Boden geworfen werden muß. D. —. 
D. —ung. : 
Niederwiegen, v. trs. X durch Mirgen, mit der Wiege nieberwerfen. 
Unrigentlid, O einwiegen, einſchlaͤfern, befänftigen. „— id wollte 
ihn teöften, ich bäufte Bemeinfprüche und glaubte ihn niederzuwie⸗ 
gen, weil er nicht ſprach· Meyer D. Niederwiegen. D. —ung. 
Niederwinden, v. trs. unregelm. (f. Winden), nicderwärts winden, 
wie aut, mit der Winde nieberlaffen,. D. Niederwinden. D. —ung. 
Niederwinken, v. I) intes. niebermärtd winken, ben Wink nad, un: 
ten zu richten. IT) tra, 1) MWinten nieberzulommen. 3) A Duck 
Winten nichermärts anzeigen. 
Stille winkt' jegt nieder das Zepter des Höllenerfhättrers. 
Sonnenberg. 


Her ber. 


D. Nieberwinten. D. —ung. 

Niedermwirbeln, v. I intrs. u. ntr, mit fein, wirbelnd, in Wirhetn 
niederfommen, mieberfallen, IE) tes. wirbelnd nieberbringen, nitr 
berfalen mahen. D. Nieberwirbeln. D. —ung. 

A NRicderwogen, v. ntr. mit fein, nieberwärts mogen, in Wogen, 

> wogend ſich nieberwärtd bewegen. Rebelwollen wogten nieder in bie 
Thaͤler. D. Niederwogen. 

X Niederwollen, v. intrs. unregefm. (ſ. Wollen), ſich niederwaͤrte 
bewegen, begeben wotlen. D. Niederwollen. 

Niederwuͤhlen, v. trs. durch Wuͤhlen zu Boden werfen. D. Nieder 
wuͤhlen. D. —ung. 

Der Niederwurf, —es, D. u. die Handlung ba man etwas nieder: 
wirft; ein Wurf zur Erde, Mahler. 

Niederwürgen, v. trs. 1) X Binunterwürgen, gierig ober auch mit 
Bwang hinunterſchtacken. 2) A Würgend, erwuͤrgend zu Boden 
werfen. . Jeboch vil Senden jm Tkunden wider 

Wuͤrgten jm feine Apoßel nider. H. Sache. (&.) 
a: aber fo vie Göttinn 
Die Griechen mieberwärgen fa, — Bürger. (M.) 
D. Nieberwürgen, D. —ung. 

& Nieverwiten, v. Ipintrs, mit fein, wuͤtend niedereilen, nieben 
kürzen. II) mtr, mit baten und fein, wütig, wie wütenb nieder: 
flärgen, nieberfallen,. Der Sturm bat lange niedergemwäter. 

Helm und Panzer zerihlug fein nisserwätender Schwertſchlag. 
Sonnenberg. 
IIl) tra, wütend, in Wut ober mit Wut niederwerfen, zu Boden 
ffürjen machen. — D. Nieberwiten. 

Niederzaubern, v. trs. durch Zaubern, Zauberei nieberbringen.. D, 
Niederzaubern. D. —ung- 

X Niebergaufen, v. trs. nieberwärts zaufen, zauſend niebergieben, 
au Boden ziehen. D. Niederzauſen. D. —ung. 

X Niederzechen, v. irs. im Zechen gleichſam zu Beben werfen, es 
einem Andern baria zuvorthun, ibn barin überwinden. Einen nie 
derzechen, ihm beim Zechen fo lange zutsinten bis er zu Boden fällt. 
D, Niedetzechen. 

Niederzeigen, v. intrs, nieberwäcte, nad unten hin zeigen. D. Nies 


derzeigen. D. — ung. 
Mieberzerren, vw. trs. nieberiwärtd zerren, zu Boden zerren. D. Nies 
derjerren. D. —ung. 


KNiederzeugen, v. trs, durch fein Zeugniß ober durch feine Zeugen nie: 
derſchlagen, überwinden, ungültig machen. Haltaus, D. Nieber 
jeugen. D. ung. 


Niederz 


Niederziehen, v. unregelm. (f. Ziehen). I) tra. nieberwärts zieben, 
zu Boden ziehen, Die Schtafmüse niederziehen, über bie Stirn, 
Ein Kleidungsftüd, z. B. die Weſte niederjiehen. Er wollte nicht 
abfleigen, man zog ihm baber mit Gewalt nieder, Die gewaltige 
Laft ziehet ihm nieder, macht daß jer nieberſinkt. Ein nieberzies 
hender Muskel (Musculus depresser). Il} intrs. mit fein, nies 
berwärtd, nad einem niedern Orte sieben, befonders, nieberwärts 
fh in einem Zuge fangfam ‚oder aud feierlich bewegen. Auch als 
atr, von Wolken ꝛc. fih langfam nieberwärts beivegen. — D. Rie 


dersieen. D. —ung. 
Niederzielen, v. inte, nieberwärts zielen, D. Niederzielen. D. 
—ung. 
Niederzifchen, v. Dntr, mit haben und fein, sifchend, mie Geziſch 
nieberfabren, nieberfallen. LIT) trs, zifhend niederwärts richten. 
Ziſchete Gruß jest nieder auf Mammon, und murrt' ibm hohl 
D. Niedersifhen. D. ung. zu: Sonnenberg, 
& Nieberzittern, v. atr. mit fein, zitternd niederfinten. 
Und ber Unendlihe zitterte nieder mit allen Erfihaffnen 
Rieder aufs Antlis. Sonnenberg. 
Arch als intes. mit fein, zitternd vor Schwäde fig nieberbegeben, 


D. Nieverzittern, 
X Nieberzotteln, v. intrs, mit fein, zotteind nicbergehen, miederlais 


fen. D. Miederzottein. 
Miederzuden, v. ner. mit haben, und intrs, nieberwärt? zuden. 
D. iederguden. 


Niederzuͤcken, v. trs. nlederwärts züden, zuückend mieberbeivegen. 
— aber fo wie er das Schwert niederzuͤckt· ı. Bragur. (R.). 
D. Miederzäden. D. —ung, 

Miederzupfen, v. trs. nieberwärts zupfen, zu Boten zupfen. D, 
Niederzupfen. . — ung. 

A Nieberzürnen, v. I) intrs, aöenend, zornig nieberbfiden. II) trs. 
ürnend oder zornig niederfprechen. — D. Miedergürnen. 

Miederzwingen, v. trs. unregeim. (f. Zwingen). 1) A Dur 
Bmang, mit Gewalt nirberbringen, zu Boden werfin, zwingen fi 
niederjumerfen, zu unterwerfen, 

Gott ift jeder ſich ſelbſt, zeigt mar ſich als Gott, wenn er Alle 
Miederzwingt ala Sklaven zu Füßen. — Connenberg. 
a) X Mit Arang, mit Gewalt hinunter bringen. Ich muß mir 
das Eſſen niederziwingen. D. Niederzwingen. D. —ung. 

O Nieberzwitfchern, vw. intes. u, trs. feln Zwitſchern nach unten 
bie richten, zwitſchernd nieteefingen. Laut und froͤhlich zwitſchern 
Lerhen und Schwalben nieder. D. Niederzwitſchern. 

Medlich, —er, — ſte, adj. u. adv. buch feine Kieinheit, Feinheit, 
Biertihteit angenehm in die Sinne fallend; ebremabls Überhaupt 
angenehm, auch niebfam. Gin nieblicher Bogel. Gin niedliches 
Shierhen. Eine nieblihe Sache. „Ein niedlicher Hut.“ Weiße, 
Sn weiterer Bebentung, mit bem Rebenbegriffe bes Glatten, Ans 
paffenden. Gin nieblihes Mädchen. in nieslicher Anzug. Eich 
niedlich Melden, Vergl. art’g, hübft.  Zumellen gebraucht man 
es auch von Dingen, bie auf ben Geſchmack beſonders durch ihre 
feine Mithung einen angenehmen Eindrud machen; von Neid, wel: 
des ehemadls auch Verlangen, Begehren überhaupt bezeichnete, Mirbs 
kiche Speifen, Biffen, „Die vorhin das Niedlichſte afen.- Klagel. 
5 © Nie. 

© Niedfichen, v. rs. niedrtih made. - Eich niedlichen (fh ado- 
nisiren). E. Auch verniedlichen. D. Miedliten. D. —ung. 

Die RNiedlichkeit, 9. — n. 1) Pie Eigenfchoft eines Dinges ba 
es nichrich iſt ohne Mehrzahl, 2) Eine niediche Che, befonbers 
eine nichtiche Eprife «Cine Voftete mit anberm Miedtichkeiten.“ 
Wietand. Und ſolcherlei Mledlichkeiten mehr, 

Movwor mir jego ekelt fehr. R. Froſchmaͤuéter. 

Der Niednagel, f. Nietnagel. 

Kiedrig, —er, —ſte, adj u, adv. der Erbe und deren Mittelpunkte 


— 


* 


Niedr 


naͤher als ein anberes Ding, ober als Dinge derſelben Art gewoͤhn⸗ 
tich find; in Segenfas von hoch. in niedriger Baum, ber nicht 
hoch über ber Erde erhoben if. Gin niedriger Berg. in nite 
driges Land, Ufer, Miedrige Bänke, Stufen sc. Miebriges Waſ⸗ 
fer, beffen Stand ober beffen Oberfläche niebriger als gewoͤhnlich If. 
Man fagt, es hebeute Megen, wenn bie Schwalben niedrig fliegen, 
nahe au der Erde. Mit dem Kopfe niedrig liegen. Miedrige Ab: 
fäge an den Schuhen. Bei dem Zägerr gehet ber Sitſch niedrig, 
wenn er im März fein Gehören abgemorfen bat. Bei ben Brun: 
nenmachren iſt der nichrige Gab, wenn bie Höhe von bem Orte, 
wo die Möbre einer Pumpe fauget, bis unter ben Kolben, wenn ber: 
felbe ausgehoben hat micht Über 26 bit 28 Fuh hält, Im ber 
Kriegsbautunft ift ber niebrige Wall, der zwiſchen dem KHauptwalle 
einer Feftung befinbiihe Wall, melder niedriger als biefer ift. 
Niedrige Schäfte, bei den Seidenwirkern diejenigen Schaͤfte, woran 
die eine Haͤlfte niedriger hängt als die andere, bamit fie bei ihrer 
Menge nicht fo viel Plag einnehmen. In den Blaufarbenwerten 
beißt niedrig bei bem Schmaltegiafe fo viel als hellblau. Wneigente 
lich überhaupt, ein geringes oder geringeres Werhättnif der Höhe 
habend. 1) Bon ben Zönen und ber Stimme, wenn fie mit gerine 
gerer unb menigerer Schwingung ber Luft hoͤrbar werden, beſonders 
mit geringerer Schwingung als es fein follte, woburd dann niebrige 
Toͤne noch von tiefen verfhieben find. Vergl. tief. ine niebrige 
Stimmung ter Saiten, bei welcher fle nicht ſtark ausgefpannt find 
und wenigere und langſamere Schwingungen ber Luft hervorbrin: 
gen. Gin Zonmwerkjeug niedrig fiimmen. ine niedrige Stimme, 
Miedrig fingen. 2) Vom Preife, Merthe, fo viel als gering; im 
Begenfag von hoch. in niedriger Preis. Miebrig fpielen, um 
einen niedrigen Preis, Miedrig auefpielen, ein niebriges db. h. ars 
zinges Blatt. 5) In Auſehung der Würde, ber Wichtigkeit, von 
geringer ober geringerer Würde, Wichtigkeit, wo in manden Fällen 
niebere gemößnlicher ift, 3. B. niebere Schulen, bie niederr Jagd, 
niedere Geiſtlichteit ıc. für niedrige Schulen ꝛc. Wefonders, einen 
geringen Brad ber Würde, bes Apfehens, ber Achtung in ber bürs 
gerlihen Geſellſchaft habend. Aus niedrigem Stande, von niebel- 
ger Geburt, Berkunft fein. Cine niedrige Stufe bes Anſehens. 
Welches Beben, auch das niebrigfte und dunkelſte, hat nicht feine 
Gebeimniffe und Wunder ?⸗ Gellert, Miedrig geboren, in nies 
drigem Stande, „Wenn ich fehe, daß fih ein niedrig Geborner 
über den Poften, welchen er bekleidet, emporfdwingt, fo bulbige ich 
ihm mit Frruber Ewald. „Dad ftolje Merbienft verichlieht ſich 
den Zutritt zu ben Großen und verachtet den Zutritt ju den Miebris 
gen.“ Gellert, Dann, dem geringen Brabe ber Würde, bes An- 
febens, ber Achtung angemeffen, barin gegrändet. Ein niebriges 
Wort. Ein niedriger Ausbrud. Die niedrige Sprechart, Schreibart 
Sid niebrig ausdruden, nirbrig ſarechen, ſchreiben. Werat. platt 
Belonders vom Gemüthe, nicht zu dem Gefühl der ganzen Würde 
der vernünftigen Ratur bes Wenfchen erhoben, und den Rrigungen 
und Leibenſchaften der gröbften Sinnlichkeit, bes fhmuzigflen Eigene 
muges, ber Feigheit und dem Neide untermorfen, wie auch, in ei— 
nem folchen Gemüthszuflande gegeitudet, bavon zeugen, Ein nie: 
driges Gemuͤth. in niedriger Menfh. Miedrige Gefinnungen 
und Handlungen. Niedriger Geiz. Ich bin bloß deswegen beter: 
ten, weil Sie mich für fo niedrig halten, baß ich meiner Schmefter 
ihr Slück nicht gönnen follte.« Gellert, Etwas Miedriges fagen, 
hun. Gin härterer Xusbruc ald miedrig iſt niederträchtig. ©. b 
In der biblifhen Schreibart wird es auch gebraucht für, fittlicher 
Vorzüge beraubt und fih beffen bewußt; wie au, für bemüthig. 
Ih will niebrig fein in meinen Augen“ 2 Sam. 6, 22. »G 
tft deffer niedriged Gemüchs fein mit ben Elenben,benn Raub aus: 
fbeiten mit ben Hoffärtigen.« Spridm. ı6, ı9. 

Niedrigen, v. trs. niebrig machen, eigentlich und uneigentlih. 
Etieier, „Gott will alle hohe Berge niedrigen“ Bar. 5, 7. 


Niedr 507 Niereng 


„Bott, ber iſt allein Richter, der bie Gewalligen niedriget und bie 
Demüthigen erhöhet.e Pf. 75. (R.). f 
Rein, ich beharre mit bir in bem Barbarthum ber Neuern, 
Wo willlügeliher Schall niedriget ober erhöht. Boß. 
Sich niedrigen, fih erniebrigen D. Niedrigen. D. ung. 
©, d. und Erniebrigen. 

Die Niebrigkeit, 84. —en. ı) Die Vigenſchaft eines Dinges, ba es 
niebrig ift, in eigentilder und uneigentlicher Bebeutung. Die Mies 
drigkeit einer Gegend, eines Baumes, Berges. Die Miebrigkeit eis 
nes Zones, ber Stimme, des Preifee., Die Niedrigkeit des Stans 
bei, bed Kusbrudes, der Schreibart, Die Niebrigkeit bes Eemis 
thes, ber Befinnung, ber Danblungen. Bid aus Bemuftjein feis 
ner Miebrigkeit vor Gott demüthigen. „Ich Iebe nur in ſtiller 
Miedrigakeit.« Hagedorn. 2) Eine niedrige Sache, Handlung. 
Sich Niebrigkeiten vorzumwerfen haben. „&r ift keiner Miedrigkeit 
fähig“ @öthe, 

Die Niedrigung, Py.—ın. ı) Die Handlung, da man etwas niebris 
get; ohne Mehrzahl, =) & In manchen Gegenden, z. B. in Mei⸗ 
Sen, eine niebrige Gegend, Riebere, . 

O Niebrigftämmig, adj. u. adv. fo viel als nieberflämmig. 

— — Der niebeigffämmigen Eiche. Boß. 

+ Die Riefel, 94. —n, in manden Gegenden fo viel als Felfel. S. d. 

+ Der RMiekfch, ſ. Nickiſch. 

+ Die Niele, 3. — , ber Schlingbaum (Viburmum lautana L.). 

+ Rielk, adj. u, adv. in Ditimarfen, wunderlih, eigen. Shüge, 

Niemahld, ein aus nie und mahl aufammmengejegtes und mit bem 
umftanbwörtiihen 8 verfehenes Umftandwort ber Zeit, zu feiner we⸗ 
der vergangen noch zufänftigen Ach, in ber eblen Schreibart nie; 
in den gemeinen Sprecharten und im D, D! niemahl, niemahlen. 
35 bin niemahls dort gewefen. Das wirb niemahls geſchehen. 
Bumeilen bient es aud, eine Berneinung zu verflärken ; im gemeinen 
Reben aub, mein Zage nicht, al mein Tage nicht, in meinem 
Reben nicht. Ein ſchlechterdings einfaher Begenftand Fana nie 
mahle [hön fein.« Sulzer. ber niemahls nie, nlemahls 
feinen zu fagen ift eben fo fehlerhaft als nichts nicht, nie feinen 

“ ober keinen nicht. 

Niemand, —es, —en, ein nur in ber Einzahl vorhandenes Fuͤrwort, 
bie Ausfhließung einer jeben Perſon zu bezeihnen, kin Mann ober 
Menfh, im NR. D. nuͤms, nemmes; in Gegenfah von jemand. 
Es if niemand da, Miemand fiehet es, weißes. Die Racht iſt 
niemands Freund, feines Menſchen. Ich will niemanden etwas 
davon fagen. Der vierte unb ſechſte Kal, auch Häufig ber dritte 
Tautet bei guten Schriftſtelern niemand. Ich fehe niemand, Ih 
habe mit niemand bavon geſprochen. Dft gebraubt man es wo 
gewöhntiher fein gebrauht wird. Miemand von uns, unter 
uns 1. Im gemeinen Leben fügt man zu niemand oft ein Weiler 
Aungswort ald ein Grundwort, welder Gebraud aber ber guten 
Schreibart fremd ik. Es it niemand Frembes ba geweſen, kein 
Frember. Niemand Vornehmes. Miemand anders als er. Nie 
mand nicht ift eine -tabelnswertbe Überfälle im. gemeinen Lehen, 
mo man and ſcherzweiſe ein Grundwort, ber Niemand bübet, ein 
Weſen gleibfam, welches Alles auf fih nehmen unb gethan haben 
muß, was Kein anderer will gethan haben, „Das hat ber Niemand 
gethan. Voß. Der liebe Niemand. Ehemahls Taxtete bas Wort 
nur nieman, 

+ Der Niep, —es, 24. —e, bei den Tuchwebern, derjenige Fehler 
in einem Tuche, ba an einer Stelle bee Tuches am ber einen Seite 
ber Einfhlag mit ber Lade nicht fo ſeſt angeſchlagen worden iſt als 
an ber andern; der Worfchlag. 

+Riepe und Nieper, adj. u.adv. im N. D. bel, Mar, 5. B. niepere 
auch niepe Augen; nieper ober niepe zuſehen, genau, mit gefpanns 
ter Sehkraft. Auch fhreibt man nipp. 

Die Niere, Dig. —u; Bw. bad Nirchen, O. DB —lein, tin runder 


ober rundlicher Körper. So merden im Bergbanr, Erye und Mir 
nern überhaupt von runder oder runblicer Geſtalt Mieren genannt, 
Auch Heine, mit Er theilen angeſchwaͤngerte Klaͤfte fähren ben Ras 
men Nieren, zum Unterfdiebe von den Meflern, und ein Erz bridt 
nierenmeife, wenn es in ſolchen einzelnen Klüften gefunden wirb, 
ober wenn 28, obgleich gangweife brechend, mur im einjelnem 
Eieinen Stellen ergiebig if, Im engerer und gewoͤhnlicher Bedeu⸗ 
tung find die Mieren im menſchtichen Körper und im Körper vieler 
Thiert zwei röthlihe, aus Miutgefäßen und Harıfgefägen beſte henbe 
fleifhige Theile von bohnenfoͤrmiger Geſtalt, welche beim Menfhen 
in ber Lendengegend Hiegen und zur Xbfonderung bes Harng bienen 
(Renes), tineigentlih nenat man au ben Pferben ben Theil bes 
Rüdgrathes, deſſen Wirbeibeine nit mehr an ben Rippen befefti- 
get find, und der fih am Kreuze endiget bie Nieren,” weil biefe 
ſich unter benfelden befinden. Auf eine jept ungemöhniihe Art 
werben in ber Biber unb biblifchen Schreibart die Mieren, wie fon 
bas Ders, für den Sig ber Empfindung genommen, weil man bei- 
Schrecken und andern heftigen wibermärtigen Gemäthöbersegungen 
in ber Gegend, mo bie Nieren liegen, Schmerz zu empfinden pflegt, 
Du pröfeft Herz und Nieren. ©. Nierenprüfer, 


Der Nierenausfhnitt, —es, 94. —e, in der Zergfieberungskunft, 


der Ausfchnitt, ober ber Innere gelcümmte Raub jeber ber beiden 
Rieren (Hilus renalis), 


Der Nierenbaum, — es, 9. —bäume, ein in Amerika und Zeilen 


einheimifger hoher und ſtarker Baum, welcher fleiſchige eirunbe, 
glatte purperfarbige mit Gelb gemifhte Früchte trägt, anf berem 
Epige eine nierenförmige Ruß von der Größe einer Kaflanie mie 
einem niegenförmigen Kerne fift (Anacardium oceidentale L.); 
auch Elefantenlansdaum. 


Der Nievenbedier, —s, 2. al. in der Zerglieberungtkunſt, eine 


häutige Möpre, weihe um jedes der Mierenmärzhen liegt und bem 


aus ber Brube bes Waͤthchtus kommenden Harn aufkimmt (Calix 
renalis),' 


Das Nierenbeden, —s, 4. al. in ber Berglieherungstunft, ein 


häufiger Trichter, in welchen fih bie Rierenbechet enbigen (Pelvis 
rennlis). 


Die Nierenbefhwerung, 3. —eın, Schmerzen in ber Begenb 


ber Mieren, welche fih bis an bie Harngänge erfireden und vom 
verhärteten Körpern, bie fh baran anfegen, herruͤhren; Mieren« 
fhmerzen, das Nierenweh, bie Mierenkrankheit (Nephritis), 


Die Rierenblutaber, Ry. —n, in der Bergliederungstunft, bie 


Blutobern, melde das Blut aus bem Rieren zurüdführen (Venae 
renaies), j 


Der Nierenbraten, — 8, 9. al. dasjenige gebratene ober zum Bra " 


ten beftimmte Srüd Fleifh von dem MNüdgrathe eines Thleres, we 
bie Nieren gefeffen haben. Bei einem ausgeſchlachteten Kalbe aber 
verfieht man barunter das Erb des Hinterviertels zwiſchen ber 
Keule und ben langen Rippen, mit bee baran befinblichen Niere, 


Die Nierenentzuͤndung, 2. —en, bie Entzündung der Nieren, 
Das Nierenfett, — es, 0. Bi. das die Nieren im Körper umgeben: 


be Fett. 


Das Nierenfieber, —s, 9. gL ein Higiges mit Entzündung ber 


Nieren verbundenes Entzündungsficher (Febris nephritidis), 


Mierenförmig, adj. u. adv. bie Form, Geſtalt bee Nieren hadend, 


b. 8. zunblid mie eine Bohne gefaltet. In ber Pflanzenlehre 
heißt ein Blatt nierenförmig (reniforme), wenn befien Stietende 
in zwei runbe weit abſtebende Lappen getbeilt uns das Blatt oben 
zund if, Gin Staubbeutel heißt nierenfärmig, wenn er anf ber 
einen Seite kugelrund auf ber andern aber tief eingebogen iſt. Das 
von die Mierenförmigteit. 


Das Nierengefledht, —ed, Dy. —e, in ber Zergliedtrungékunſt, 


sin Stervengeflcht, welches aus dem obern Gekrösgeflehte entſte het 
und mit ben Riexennerven in Werbinbung ſtehet (Plexus renalis), 


Niereng 


Das Nierengefhwär, —ed, 3%. —e, ein Gefhmär an ben Nieren. 
Der Nierengried, —ed, 9. u. Gries, d. h. Eleine harte mit Griet: 
fande ju vergieihende Körper, welche ſich aumeilen an und in ben 
Nieren erzeugen, der Nierenfand; zum unterſchiede vom Blafens 
grieſe. 

Die Nierenhant, 9. —haͤute, in ber Berglieberungstunft, bie eigene 
bie Nieren einfhließende Haut (Tunica propria). 

Die Nierenkattoffel, Mz. —n, eine Art langer gebogener, den Nie: 
zen ähnlicher Kartoffein; auch Mäufekartoffel, weit bie Früchte an 
jedem Stocke jo nahe beifammen liegen wie junge Mäufe in ihrem 
Rıfe, Remnid, 

Nierenkrank, adj. vw. adv. eine Nierenkranfgeit habend. 
frank fein. Ein Nierenkranker. 

Die Nierenkrankheit, Di. —en, f. Nierenbeſchwerung. 

Der Nierennerve, —n, By. —n, in ber Zergliederungelunſt, Ner: 
ven, welche hinter dem Sententbeite des Imerhmuskels zur Niere 
tommen (Nervi renales), 

Der Nierenprüfer, —6, 2. gl. der bie Nieren, d. h. das Herz, 
die Geſſanungen unb Begierben des Menſchen prüfet, erſorſchet. M. 

Kramer Rein — trögbarer Menſch, der Menfhenbilder und 
Mierenprüfer ſprach alſo.“ Herder. S. Miere. 

Der Nierenfand, —et, 0. Dr. f. Nierengries und Mierenflein 1). 

Die Nierenfaugader, My. —n, in ber Zerglieberungstunft, Saug: 
abern, welde in die kendendruͤſen gehen, 

Die Nierenfiplagader, By. —n, in der Berglicberungskunft, große 
Shlagabern, welche zu den Nieren geben und in mehreren Zweigen 
in ben Rierenausfhnitt treten (Arterise renalen). 

Das Nierenfhmalz, — es, BY. u. das jerfaffene Rierenfett, beifen 
man ſich in den’ Küchen an bie Speifen bedient und welches, wenn 
man es eslalten läßt und ihm bie Geſtalt einer Stolle giebt, Nies 
renſtolle heiße, 

Der Nierenſchmerz, —ınd, By. —ın, f. Mierenbeſchwerung. 

Die Nierenfihnitte, My. —n, M ben Küchen, Temmelſchnitte, wet: 
Ge mit gehalten Nieren bebett unb in Schmalge gebaden werben 
(Poffesen). . 

Der Nierenfpeiler, —s, 2%. gl. bei ben Fleiſchern, Speiler, mit 
weichen fie bie Rieren an einem Kalböviertel ausfpannen oder auf: 
fegen, damit ed ein beſſeres Anfeben erbatte, 

Der Nierdenſtein, —es, 94. —e. 1) Ein fleinartiger Körper, wels 
her ſich zumeilen am ober in ben Nieren erjeuget; zum Unterfhiede 
vom Blafenfteine (Oaleulus renum); der Nierenfand, wenn er 
noch ein Sand ober Grand if. Stieler. 2») In der Steinkun— 
be, ein thonartiger zum Geſchlechte des Speckſteines gehöriger und 
ben Zchlangenfteine fegr ähnlicher Stein von grüner Karbe, fettiht 
anzufühlen und mehr oder weniger durchſcheinend (Lapis mephriti-; 
eus); auch Lendenſtein. 

Die Nierenſtolle, 9. —n, f. Nierenſchmali. 

Das Nierenflüd, —es, 9. —e, ein Stuͤck Fleiſch, beſonders 
Kalbfleiſch mit der Riere ober einem Theile derſelben; wie and, ein 
abzeſchnittener Theil von einem forhen Stuͤcke. 

Die Nierenſucht, o. My. die Nierenkrankgeit. Davon nierenfüchs 
tig, mit der Rierenfucht behaftet. . 

Das Nierentalg, —es, W. u. basienige Talg, welches bie Nieren 
bes geſchlachteten Rindviehes umgicht. 

Die Nierenwarze, 9. —n; Bw. das Rierenmärichen, in der Ser: 
glieberungstunft, MWärshen mit Meinen Gruben in der Mitte, wel: 
Ge von den gegen ben Rierenausfhnitt in bäfcheiförmigen Bündel: 
chen zufammenlanfenden Harngefäßen der Rieren gebildet werben 
(Papillae renales), 

Das Nierenweh, — et, 0. DM. f. Nietenbeſchwerung. 

Mierenweiſe, adv. in Geftalt von Nieren. ©, Niere. 

& Das Nierenzwölffingerbarmsband, — es, #4. —bänder, in ber 
Bergliederungstunft, eine Kalte der Bauchhaut, welche von der rede 


Nierens 


508 


Nieſe 


ten Riere zum Zwblffingerdarme gehet und benſelben befeſtiget 
(Ligamentum duodeni renale), Wiedemann. 
+ Mieſche, adj. w, adv. In O. D. fanft ober allmählig abhängig. 
Der Berg ift nieſche. ®. 
+ Der Nieſchel over Niſchel, —t, My. gl. der Schopf; verächttich 
auch der Kopf; bei Anderen Niſchel. Werflucht, bie Haare fahren 
mir alle auf dem Niſchel empor.« Weiße, 
Das Niefeblatt, —es, By. u. f. Niefetraut 4). 
Das Niefefraut, — s, 4. u. ein Name ı) des Wertrams (Achil- 
lea ptarmica L.), weil er Nieſen erregt. 2) Deus Gnaben='ober 
Gichtkrautes (Gratiola ofiieinalis L.). 5) Der Maiblume (Gonval- 
laria majalis L) 4) Eine mit dem Rnabenkraute verwandte 
. Pflanze, welche befonbers ben Pferden ſchaͤdlich iſt z mildes Miefefraut 
: (Serapias latifolia L.); aud) wildes Knabenktaut, Wiefenbingel, 
Bimbeiblume, wilde Berg» und Waldnieſewurzel. ine andere 
Art beißt bri Nemnich Nieſeblatt. 5) Falſches Nieſekraut, ein Ras 
me des Mauerpfeffera ober der Eieinen Hauswurz (Sedum aere L.). 
1. Niefeln, f. Naͤſeln. 
2. + Niefeln, v. ntr. mit haben, im Fräntifgen und Öfterreichifchen, 
fachte, fein tegnen. D. Niefein. 
Das Niefemittel, —e, 4. gl. ein zum Rieſen veisendes Mittel. 
Niefen, v. mtr. mit haben, vermöge einer durch Reiz der Geruchner⸗ 
ven veranlaßten Erampfbaften Jufammenziebung ber Muskein, bie 
Luft mit großer Heftigtelt und Crfhätterung, verbunden mit einem 
lauten Geräufhe durch bie Naſe ausftoßen, mwobüch ein fremter Kir: 
per, welcher in ber Rafe biefen Kels verurſachte, zugleich mit aus 
geſtoßen oder zum Auefliegen gereist wird; im M. D, pruften, im 
Hennebergſchen pfnifhen, pfnuͤſchen. Schnupftabak macht niefen, 
Als trs. gebraucht man es in der niebrigen Medendart, .E Einem 
etwas niefen, einem ter von ung etwas verlangt, etwas ganı ans 
bers thun als er verlangt; wofür man au fagt, einem etwas 
pruften ic. D. Niefen. 
Das Niefepulver, —E,_ My. gl. ein Mirfemittel in Geſtalt eines 
Pulvers, 
Der Niefer, —t, 9. gl. ») Einer ber niefet. 
liges Riefen, 
X Nieferlich, adj. u. adv. zum Rieſen Meiz empfindend. Stieter. 
Die Nieſewurz, 9. u. dee Name verſchithener Pflanzen, 1) 
Schwarze Niefewurs, ein befonders im fädlichen Europa wachſendes 
Pflanzengefhteht, weldes fünfblattige Plumen, viele kurze Staub⸗ 
fäden, in zwei ungleiche Pippen grtheilte Honigbehältniffe, fünf bie 
fehs Frachtkelme mit pfriemenartigem Griffel und etwas diderem 
Staubwege zeiget (Helieborus 1.). Die verfhiebenen Arten beffel- 
ben haben noch bie befondern Namen: Kriſtwurzel, Weihnachtsroſe 
(Helleborus niger L.); Dirdehen, Bärenfuf (Hellehorus viri- 
die L.); flinfende ſchwarze Nieſewurz, Bäufekraut (Helleborus 
foetidus L.); Winrerwolfswitrgel, Ackerwutzel, nefber Alphah⸗ 
nenfuß, Winterſturmhuͤtchen ze. (Helleborus hyemalis L.). Die 
von aufen ſchwarze, von innen weißliche Wurzel befonders ber erſten 
Art wird in der Heilkunft verfchiedentlich gebraucht, führt unter an- 
bern ſtatk ab, und erregk heftiges und anbaltenbee Niefen. =) Die 
weiße Nieſewurz, ein a ders Pflanzengeſchlecht, welches fechsblattige 
Blumen, ſechs Staubfäben und drei Fruchtkeime zelgt, weron jeder 
einen Griffel und einfachen Staubweg trägt (Veretrum L.); auch 
Wendewurz , Dollt ocke, welche aber nach Nemmich eine eigene Dflans 
je iſt (Isopyram thalictroides), bei Planer Germer. Die fehe 
ſcharfe Wurzel hat mit der vorigen Ähnliche Kräfte aber in höherm 
Grabe, fo daß ibe Gebrauch leicht gefährlich und felbit toͤdtlich wer: 
den kann. 5) Die milde Nieſewurz, eine Pflanze, bie mit 
dem Knabenkrautt viele Ähntichteit bat -und beffen rine Art Aufges 
* richtet ſteheabde Blumen mit fünf großen Blumenblaͤttern zeigt, vom 
welchen die drei äußerlich geftellten länger, ſchmaͤler, purperfarbig, 
vie zwei andern breiter, Bürger und bider find; das ſechſte untermärde 


2) X Ein einmah⸗ 


Nieſe 


vertiefte Blumenblatt nennt Linnk das Gonigbehältniß (Serapias 
zubra L., Helleborine), 4) Die falſche Nieſewurz, der Rame 
einer Kit Feuerrbechen (Adomis vernalis). 5) Die Reifstume (Sa- 
‘* raca. L.), : 6) Die äbrenförmige Schwarzwurz (Actaea spicata L.). 
Die Rieferourzel, By. —n, fo -viel-ald Rieſewurz, beſonders aber 
2) die wilde Riefemurz, bas Niefebraut (SerapiasL.); 2) der Acker⸗ 
balbrian, Acker⸗ oder Keldfalat (Valeriane loeneta L.). Mimnid. 
Niefbar, adj. m, adv, genitäbar, im O. ©, niefbarlich, wo «6 au, 
ber Nießbarkeit oder dem Nießbrauche acmäs, und, barin gegrüns 
bet bebeutet. Ein But. niefbarlichbefigen, ben Nießbrauch davon 
haben. Davon bie Nießbarkeit. 
Der Niefbrauh, — es, Wh. u. der Gebrauch des Genteßes, d. 6. 


Ertrages oder Rubens reiner Sadie, ber Genußites Ertrages ober - 


Nutzens einer Sache (Ususfruetus); der Genuß, die Mupniefung, 
im DO. D. auch der Genießbrauch, die Nießung, die Niefharkeit, 
bie Fruchtnießung, & die Abnutzung. Den Nießbrauch von tt: 
mas haben, ben Ertrag davon genießen düsfen; im ©. D. auch bei 
Mus und Gewehr fiben- 

* Nießbrauchen, v.intrs. ben gg Rusen einer Sache genießen, 
den Nießbrauch einer Sache haben. D. Nießbrauchen. D. —ung. 

* Der Nießbraucher, —s, MM. 4l.; bie —inn, By. —en, eine 
Derfon, melde eihe Sache nießbrauchet, ben Nießbrauch davon hat 
(Usufruetnarius). 

O Der Nießbrauchsbeſitz, —es, My. u, ber Befik bes Nießbrauches, 
bad Recht etwas zu nießbraudgen (Dominium utile). 

Der Niehbrauchsgläubiger, —s, 94. at. ein Stäubiger, welchem 
ber Nießbdrauch eines Unterpfandes anſtatt der Binfen angewleſen iſt 
(Credi,or entichretieus), 

O Das Niefbraudägut, —es, My. —alter, ein Mut, mworon 
man ben Rießbrauch hat. Im engerer Bedeutung, em Bantgut, 
moon man nur den Mirfbraudh hat, und mit weldem man nicht 
frei halten und walten kann als mit feinem vollommenen Eigen⸗ 
thume (Pideicommils). 

O Die Riefbrauchöficherheit, My. w. eine für den Rießbrauch von 
einer Sache gegebene Sicherheit (Oautio usufrnetunria). 

O Die Nie brauchsverpfaͤndung, 34. —en, bie Berpfänbung des 
Nitßbrauches von einer Sache (Autichrese), 

* Niefen, v. trs, unregeim. (f. Genießen) eſſen, gentefen, rützen; 
auch nieten. D. Neßen. D. — ung. 

%* Der Nießer, —s, Mb. gt. einer der niebet, ber Genießer. 

* Der Nieüberr, —en, 99. —en, der Rießbraucher. Frifch. 

* Der Niefling, — es, Mi. — e, einer ber nur immer nießen ober 
genichen wil, Geniefling; wie auch, ber nur immer feinen Vor⸗ 
theil, Gewinn fucht. „Die umceinen und verkehrten Liebhaber, welde 
nichts mehr denn Tanter Nieflinge find. Lutber. x 

Mer, welche Wiſſeuſchaft er baut, 
Nur auf Genich bes Febens ſhaut, 
Den nennt ſchon Luther Miefling. ®oB. 

Das Niet, — 8, 4. - 8; Bw. das Miethen, O. D. —tein, über: 
haupt ehemabis ein Razer, Pflock oder etwas Üpntiches, twemit man 
eine Sache befefliget, wie z. B. in dem Tusdrucke niet: und nagel⸗ 
fe, was mit Nieten und Rägelm in einem Baufe befeſtiget if. 
In engerer und gewöhnlicher Bebentung, eim ſtumpfer metalfener 
Stift, welcher zwei Theile mit einander zu verbinden durch dieſelben 
geſtekt oder getrieben am einem Ende ober an beiten Enben mit 
der Fine des Hammerd breit gefhlagen wird, bamit er auf biefe 
Act sufammenhalte; im R. D, Need, Meebnagel, bet Einigen auch 
die Miete. Dergleichen iſt 3. B. das Niet an siner Sichere, welches 
beide Theile derſelben befeftiget, jedoch fo baß dieſelben deweglich 
And, was bei andern mit Nieren verfehenen Sachen nicht der Fall 
iſt. Etwas mit einem Miete befeftigen. In manchen Gegenden nennt 
man auch die abgezwickten Episen der Aufnaͤget Miete oder Mietjrin, 

2. + Die Niete, 0. 24. in Schwaben, das Befireben, 


509 


Nik 

2. Die Niete, My. —n, eine ohne Gewinn heramslommende Rum: 
mer in einem Loſungoſpiele, eine Rummer bie nichts gewinnt; fa 
Gegenfag von Xreffer. Eine Miete siehen, bekommen. 

Denn, o wie Mande zichn was AÄrgets noch als Nieten. Bürbe, 
In weiterer und uneigentlicher Bedeutung nennt man aud ein Ding 
ohune Merth, Anfehen und Wirkfamteit eine Miete; auch eine Null, 

Ob id dahin, 
‚Hier ober bort durchs Schale Beben wanbre 
uad Miete din. Seume. 

Das Nieteifen, —s, 29. gt. bei den Huffchmieden, ein 

Hufnägel damit umzunieten, 

+ Nieten, v. I) xec. im D, D, fih bemühen, fi beſtreden, ans 

ſtrengen; auch, fi babuch üben. Sich über etwas nieten. Sich 

febr oder viel nieten, fihs ſehr fauer werben laſſen. IT) tre. 

1) Im N, D. mit dem Kopfe ofe: mit ben Höcnern flogen, eine 

Art des Anftrengung 2) Das Erftrebte haben, geniefen; ehemabls 

auch mit dem zweiten Kalle, 

Ip wanet mih zu nieten 
@roffes Liebes mit bir. 

D. Nieten. D. —ung. 

2. Nieten, v. trs. 1) Bermitteift eines Nietes befeftigen, indem 
man einen eingefhlagenen oder in eine gemadte Öffnung geſteckten 
Ragel am einem Ende, ober einen Stift am beiden Enden breit hama 
mert. Gtwas nieten. S. Vernieten, Bufammennieten. 2) Die 
berauszagende Spitze eines eingefhlagenen "Nagelö umbiegen unb 
nieberihlagen. &, Umnieten. D. Nieten. D. —ung. 

Nietfeſt, adj. u. adv. mit einem Niete oder mit Nieten befcftiget. 
‚Wanb:, band, niet: und nagelfeſt.“ J. P. Richter. 

Das Nictfeuer, —, m. gl. ein Feuer, dabei zu mieten. 

Der Niethammer, —s, 9. —hämmer, bei mehrern Handwerkern, 
en Hammer, welcher unter bas eine Ende des Nietes gehalten 
wird, wenn man bas andere breit hämmert; bei den Schloſſern auch 
ber Banthammer, weil jie bamit auf der Bank vermieten. 

1. Der Nietnagel, —6, 3. — naͤgel, ein Nagel, melher an ſeinem 
fpigigen Ende genietet oder breit gehämmert wird, 

2, Der Wietnagel, —s, My. —nägel. 1) Ein Stücchen von eis 
mem Fingernagel, das fih von demſelben abgelöfer hat, mit dem 
Burzelenbe aber noh im Fleiſche feft ſihet und Schmerzen verurfaht. 
2) Sin Stoͤcchen aufgeriffener Haut über ber Wurzel eines Fingers 
magels, weiches aufwärts geflogen oder gerifen ſehr fhmerzet; im 
manchen Gegenden das Magelficch, bie Nagelwurzel, Neidnagel, 
Neidhaken, im N. D, Notbnagel, Hungertitten. Im N. D. 
hört man dafür auch noch Rietnagel (Meigmagel), welches bie ur: 
fpeüngtihe und wahre Benennung zu frin fheint, weil dieſe Haut 
teicht weiter reift, 

+ Rietneu, adj. n.adr. ganz neu, fo ald wenn es erfk aus den Hüns 
ben bes Schmitdes kͤme. Dberlin. 

Der Nietpfaffe, —n, Ba.—n, bei ben Schtoffern, ein Pfaffe, d. 6. 
eine Urt Meißel, welchen mar auf ſolche Niete, die für den Panı 
mer zu tief Liegen, fegt und fie mit Hammerfhlägen breit ſchlaͤget. 
©. Pfafft. 

+ Die Nifel, 99. —n, bie Reife. S. d. 

+ Der Riffel, —s, 9. gi. ter Bernd. Fulda. 

+ Niffeln, v.tre. reiten; gewöhnlicher tiffein. D. Niſſeln. D. — ung. 

+ Die Niſtel, 9. —n, die Richte. S. d. Im Sennebergſchen im 
weiterer Bedeutung, eine weibliche Perſon, welche leicht weinet; 
wie auch, eine Uederliche weibliche Perfen. 

Die Niftelgerade, 34. —n, diejenige Gerade oder basienige Ge— 
raͤth, welches die nähe Niftel d. h. Nichte oder Bintöfreunbine 
muͤtterlicher Seite von ihrer verftorbenen Mubme, Baſe cher Riftel 
erbet; auch bie halbe Gerade, weil fie gerate die Hälfte ber ge 
wöhnlihen Gerade beträgt. 

+Der Nikawitz, —es, — der Berghut; and Nikewid, Rigomiz. 





Eiſen, die 


Imwaing, 68. 


Nik 
Niklas, f. Nikolaus. j 
Er Kilebabenb, ii, —⸗, ber Abend am oder vor bem 
Rillastage. . 


er Niktastag, td, Mi. —, ber, 
_ im —* mit bem Namen Niklas bezeichnete Tag. 


510 


ber dem heiligen Niklas geweihete Der Rimfenftand, 


Pin 


von ihrer Nimſenſchar 

Bum Feſt geſchmuͤckt und dräutlich angelleibet. Wieland, 
63,0. 2. 1) Der Stand ber Rimfen, 
Der Zuſtand eines Airfers als Nimfe ober als Puppe, 





newben Perfonen. 


») 


Nikolaus, ein Wannstaufname; im gemeinen Leben gekürzt Nidel, Der Nimfenwuchs, —s, 0. 34. ein nimfenhafter Macs, ein ſchoͤ— 


Klas. 
Du Rilbirs, —es, et, eine Art Fiſche besjenigen Geſchlechtee, 


mwezu der Boͤrs gehört, welche im Ril lebt (Perca nilotica L.). 
Die Rileidechſe, Sz. —n, eine Art Meiner Gibehfen In ägipten, 
von welden die Ägipter das Moͤhrchen erzählen, baf fie aus ben 
Gieen der Krofobille kriechen, wenn fie biefelben ans Land gelegt 
baten; ba hingegen wahre Krokoditle auskriechen, wenn bie Kroko⸗ 
bite ihre Eier ind Waſſer gelegt haben (Lacerta nilotien), Nems 
nid. Auch ber Krokodil wirb von @inigen fo gemannt. 
Die Nilente, By. —n, eine Art Enten in Ägipten (Anas nilotica). 
maid. F 
Die Klier, Dr. u. eine gewiffe Thonerbe, melde ſich in Agipten 
findet (Argilla nilotica). Rennid,. : j 
Die Nilgrundel, &y. —n, eine Art Gründen im Ril (Gobius 
aphya L.). 
Der Nilkarpfen, —s, 94. gt. eine Art Karpfen mit gubelförmigern 
Schwänze, welche im Ril lebt (Cyprinus näluticus L) 
Der Niltrofobill, — es, 24. —e, die im Nil lebende groͤßte Art 
Krofobiile; zum Unterfhiebe vom Ameritanifhen Krokodil. 
+ Der Nilling, * 4 —e, der Jitis; bei Audern ber Roͤlling. 
ad Nilpferd, f. Flußpferd. 
* rg gt. ber Ibis (Tantalus ibis L.); auch 
Ügipeifcher Storch, Agiptifher Brachvogel. j 
Die Nilwinde, 9%. u. eine Art Winde, melde ihre fhöne hellblaue 
Blüte gegen Abend öffnet und in Amerika zu Daufe ift (Convolru- 
lus nil L.). Das Wort Nil in biefer 3ufammenfrgung if nicht ber 
Rame biefes bekannten Fluſſes in Hgipten, fonbeen Arabiſchen Urs 
forungs; man wählte nämtid diefen Ramen, weil man glaubte, daß 
biejenige Pflanze, welche bie Araber MI nennen, biefeibe fei, 
+ Der Nimbfh, —es, 9. u. das fpitige Miedgras (GarexacutaL.). 
Die Nimfe, Mr. —n; Bi. das Nimfhen, D. D. — ein, ih ber 
Griehifgen und Römiſchen Wötterichre, eine Benennung weiblicher 
unterer Gottheiten, welhen Quellen, Fluͤſſe, Meere, Berge, Bäume, 
Baine 10. jur Wohnung angemwiefen waren, als beren ES husgöttinnen 
fie verehet wurden, Die Nimfen ber Bibffe, des Meeres, der 
Berge ır. s 
Ks bier Pan fein tindelndes Lieb holbfeligen Nimflein 
Vorblles. * es. . 
Sn engeren Bedtutung verſteht man unter Mimfen gemöhnti bie 
Waſſernimfen; und in weiterer Bedeutung nennt man eine junge 
weibliche Perfon zumeiien überhaupt eine Nimfe, ein Rimfchen, 
doch gemähntih nur in einem nadtheiligen Sinne, vielleiht weil 
die Dieter von ben alten Rimfen Vieles erjählen, was gegen ums 
ere Begriſffe von Sittlichkeit ift. j 
i Arm in Arm ie erhandeites Nimfchen ber Luft mit ſich führend. 
Sonnenberg. 
Unelgentlih wennt man in ber Raturbefgreibung ſowol bie Waſſer⸗ 
jungfer (Läb llula grandis), als auch bie Puppen, bie junge Brut 
der Rienen, Mimfen. 
O Nimfenhaft, adj. u. adv. einer Rimfe aͤhnlich, nah Art einer 
Rimfe. @ie tanzen nimfenhaft geihürzet 
Auf kurzem Gras bei Lunens Silberglangz. Wieland, 
Der Nimfenleib, —et, 9. —er, der Leib einer Rimfe; dann, ein 
zarter wohl zebildeter Leib einer Jungfrau überhaupt. 
Der Nimfenleib, der one gleichen. Gruphius. 


ner jugendlicher Wuchs. 
In welcher Stellung reizt ihr Nimfenwuchs ihn nicht? Wieland, 

A Nimmer, ein Umſtandwort der Zeit, zu keiner, weber vergangenen 
noch zukuͤnftigen Jeit; mie, niemahls, im N. D. nöınmer.;. ia 
Gegenfag von immer, aus welchem es mit ber Werneinung ni zw 
fammengejegt if, 

. Mein Urtheif, das mir faͤlt, 
Das koſtet nimmer Geld. Logan, 

„Der Bottlofen Baud bat nimmer genug.“ Sprichw. 13, #5. 
„Rimmer mäde- Ramler. ine zweite Berneinung mit nicht iR 
bei dieſem Worte eben fo überflüffig und unſtatthaft ıta bei ähnlichen. 

Wer nimmer nichts verfuht, ber weiß nicht was er kann, 

gogaus 
wo es nimmer etwas ober immer nichts heißen müßte. ine an 
bere Bewandnif hat es in folgender Stelle, wo das nichts nicht als 
eine Berftärkung ber in nimmer liegenden Berneinung zu betrachten 
ift, unb wo bas Wort etwas an ber Stelle beffeiben einen ganz ans 
bien Sinn hersorbringen würde, „Woran feibft das nimmer zu: 
feiedene Gericht nichts tadelte· Wädter Im gemeinen Leben 
werben mit biefem Worte verſchiedene Zufammenfegungen gebilbet, 
Gin Nimmerfroh, ber nimmer froh ift ober wird; ein Nimmer 
genug, Nimmerfatt, der nimmer genug hat, nimmer fatt wirb; 
ein Nimmernuͤchtern, ber nimmer nägtern ift; auf Nimmerstag, 
niemablö; u.a. m. 2) Rie mehr ober nicht mehr, mit wieder, 
„Wenn ber Wind darüber gebet, fo ift fie nimmer da.“ Pf. 105, 16. 
Er fil — um nimmer aufzuſteden. Wieland, 

In biefer Bebeutung iſt es von nie, niemahls verfhieben, welche 
Wörter ſich ſowol auf eine vergangene als auf autünftige Zeit bre 
sieben. Sonderbar ift es, daß ehemahls, 4.8. im Iwain », 
855. 4, 432 nimmer in entgegengefegter Bedeutung für immer, 
auf immer, und 5, 544 nimmer mere für allegeit, immer ge⸗ 
braucht murbe, 

X Der Nimmerfrob, der Nimmergenug, o. Nmend. WM. gl. [. 
Rimmer ı). 

Ninmermehr, adr. niemahts, in verflärkter Bebentung. „Liebe häret 
nimmermebr auf.” ı Gor, 15, 8. Bedenke das Eude, fo wirft da 

g nimmermehr Übels thun.« Sir. 7, 40. In noch mehr derſtaͤckter 
Sedeutung wird es auch für durchaus nicht gebraucht. ie Haben 
barein gemilliget? Mimmermebhr! Das hätte id nimmermehr ge⸗ 
dacht. »Sie werden bod Ihre Braut nimmermeht bei einem frem; 
ben Menfhen allein laffen?* Weiße. 

Der Nimmernüctern, o. Umend. u, 29. al. ſ. Nimmer 1). 

X Nimmerfatt, adj. u. adv. nimmer, zu leiner Beit fatt ober zu 
erfättigen. Sie wäre fo ſchoͤn ehne biefe Täflerne nimmerfatte tus 
gebeuer.e Benzels&ternau. 

X Der Nimmerfatt, o. Umend. u. 34. gl. eine Perfon, bie wimmer 
fatt wırd, nimmer genug bat, 

Ich will nun nit mit Eres, i 

Dem Nimmerfatt mehr haufen. Operbed, 
Ia ber Roturbeihreibung führen diefen Namen wegen ihrer Delta 
Sigkeit 1) die Kropf: ober Sackgans (Pelecanus onncrotalus L.); 
Bielfraf. 2) Gin ber Kropfgans ähntiher Wogel in Cübamerife, 
fo groß wie eine @ans (Tantalus loculator); aud Sacktraͤget, 
Ameribanifcher Pelitan, Waldpelitan, Baumpelitan, Kropfpeli⸗ 
kan, hochbeiniget Mauchler ıc. 


Die Nimfenfbar, m. —en, eine Schar don Nimfen, ſowol von X Nindert, adv. nirgends, auf, gar nicht. 
Haldgöttinnen, als überhaupt von weiblichen jungen, befonders bies + Die Ninnel, 2. —n, in Reklenhurg, die Erier, 


Nik: 


+ Die Ninftrourzel, By. —n, eine Pflanze in Japan, weiche wegen 
ihrer Eräftigen Wurzel gebauet wird (Sium ninsi L.); auch. Nine 
fing. Dem neuen Schauplage ber Ratur zu Folge ift ber 
@infeng oder bie Kraftwurzel (ſ. d. 1) mit biefer eine und biefelbe 


Pflanze. 

+ Nipp, gewöhntiher niepe, adj. u. adr. im N. D. ſcharf, genau; 
vom Gefihte und Gehoͤre. Nippe ober niepe Augen. Nipp oder 
niepe zufehen, hören, Wahrſcheinlich ift ed mit nibben verwandt, 
die Raſe oder das Geſicht nahe an etwas bringen, mie man thut, 
wenn man etwas genau befehen oder hören wild. S. Mibbe. 

x Der Nipp, —es, 5. —e. 
bei; bann, mit dem Munde, ba man nur wenig Fluffigkeit auf 
einmahl in denfelben nimmt, Einen Nipp thun, einmahl nippen. 
©, Mibbe. 2) Im R. D. eine Art des’Kopfpupes bei den Frauen, 

Nippen, v. intrs. ı) Mit dem Schnabel hacken. Uneigentlich, im 
Schwaͤbiſchen nah Fulda, ſticheln, neden, plagen, wofür man 
aud baden fagt. =) Nur die Spige des Schnabels hineinſtecken 
und wenig -teinten, wie bie Bögel thbun; im R. D. nibten S. 
Mibbe. Dann Überhaupt, X nur wenig auf einmahl in Eleinen 

» abgefegten Zügen trinken; in Baiern nipferin, in der Saufig nippern. 

Selinde ſchenkt mir Rektar ein, 
Erſt aber muß fie ſelber nippen. Bürger. 
Sie tippen hie, fie nippen ba. Derf, 
II) trs.. nippend trinken. Ein wenig nippen. Bein aus einem 

' @lafe nippen. S. YAusnippen, Benippen. — PD. Rippen. D. 

—ung. 

+ Rippern, adj. u. adv. nett, zierlich. in nippernes Maͤdchen. 
Rüdiger, Fulda. 

+ Der Nipps, —es, Mj. —e, ein Heiner Menſch; Knipps, Knirbs. 
Rah Fulda bedeutet Nipps eigentlich, einen Heinen Ruftern. 
Nirgend, Rirgends, adv. an keinem Orte; in Begenfag von irgend, 

irgends, im R, D. nergen, nargens, in ben gemeinen Gpred): 
erten D. D. nienen, nienent, mindert. „Ein Prophet gilt nire 
gend weniger als in feinem Waterlande« Mattb, 15, 7. «Im 
Grabe ift Troſt für mich, fonft nirgende.- Weiße. Nirgends 
nicht, nirgend eine find überfülte und fehlerhafte Ausbrüde. „Hab 
- Id doch nirgend feine Hülfe.- Biob 6, 13, 
Nirgendwo, adr. nirgends. \ 
— bod fie, bie er nirgenbwo findet. Wof. 

+ Nitren, v. Ip ntr. mit haben, Enirren, II) intrs, im Holfleins 
fhen, fhnurren, von den Kahen. Shüpde. — D. Nirten. 

X Der Nifhel, ſ. Nieſchel. . 

—Niß, eine Xbleitfiibe, mit welcher man aus Beilegungs: und ms 
fandwörtern und aus Xusfagewörtern Grundmörter bildet. 1) Xus 
Beilegunges und Umftandwörtern, einen abgejogenen Begriff, wie 
aud ein mit ber Eigenſchaft, welche das Beilegungewort ausdruckt, 
verfehenes Ding zu bezeichnen. Die Finfternif, das Gebeimniß, 
die Wildniß ıc. =) Aus Kusfagemörtern, und zwar (1) von ber 
unbeftimmten Borm berfelben, eine Hanblung, einen Zuſtand zu be: 
seihnen, 3. B. Erlaubniß, Beſchwerniß, Empfängnif, Faͤulniß, 
Kuͤmmerniß zc.; wie auch, ein Ding, welchem die Handlung bes 
Ausfagewortes beigelegt wird, 3. B. AÄrgernif, Hinderniß ıc. (2) 
Dom Mittelworte ber vergangenen Zeit, theils einen abgegogenen 
Begriff, theild einen Zuftand, theils etwas, das gethan wirb, zw 
beseihnen, 3. B. Bündnif, Kenntnif, Bekenntniß, Geſtaͤndniß, 
Gedaͤchtniß, Erkenntnis, Bildniß, Wermähtnif. — Bei den 
von Xusfagewörtern gebilbeten bekömmt bee Grundlaut gewoͤhnlich 
ben Umlaut, wie Geftändniß, Gefängniß, Verloͤbniß, Beduͤrfniß 
Bündnif xc., ausgenommen Erlaubnif, Fahrnif, Bewandnif, 
Berdammniß, Erfodernif, Beſorgniß, Befugniß. Endet bas 
Miittelmort ber vergangenen Zeit auf ein en, fo wird biefes wegge⸗ 
worfen, 3. B. Begaͤngniß, Gefängnif, Geftändniß ıc., von bes 
sangen, gefangen, geſtanden ıc, Enbet es auf ein £, fo wird bire 


511 


1) Ein Heiner Zug mit dem Shna 


‘ 
Niſt 
t in einlgen des Wohlklanges wegen belbehalten, wie in Bewand⸗ 
niß, Gedaͤchtniß, Vermaͤchtniß, Erkenntniß ıc., im den übrigen 
aber weggeworfen, wie in Beſorgniß / Befugniß, Betruͤbnis, Ers 
foderniß/ Erlaudniß, Verdammniß ic., ob man gleich bier und 
da auch + Betruͤbtniß, Befugtniß ac. hoͤrt und lieſet. Der Ge— 
brauch dieſer Wörter iſt verſchieden und ſchwankend, indem ein Theil 
derſelben mit dem Deutewerte die, der andere mit das verbunden 
wird, ohne Müdfiht auf die Bedeutung. Im O. D. fügt man 
die meißten mit die, im N. D. aber mit dad. Man hat in biefe 
Unbeftimmtheit Ordnung und Beltimmtheit bringen wollen, indem 
man Wörter dicſer Art mit die fügen wollte, wenn fie einen abges 
zogenen Begriff ober eine Handlung bezeihnen; mit ba6 aber, wenn 
fie ein beftimmtes Ding, welchem die Handlung beigelegt wird, bes 
seinen. Allein dieſe Maßregel iſt vom Sprachgebrauche und von 
den Schriftſtellern nicht angenommen und befolgt worben, unb man 
iſt gendthiget, bem Gebrauche ber Meiften zu folgen, welde folgende 
mit die verbinden: die Bedränaniß, Befugniß, Begegniß, Ber 
tümmerniß, Beſchwerniß, Beforgniß, Betruͤbniß, Bewandtniß, 

Duͤſterniß, Empfängnis, Empfinduiß, Erkenntniß, Etlaubniß, 

Fahrniß, Faͤulniß, Finſterniß, Kenntniß, Kuͤmmerniß, Sdume 

nis, Verdammniß, Verderbniß, Verſaͤumniß, Wildniß; folgende 

aber mit das: das Argerniß (auch die Argerniß, wenn von ber 

Empfindung bed Üsgers die Rede if), Bedürſniß, Begraͤbnis, Bes 

haͤtiniß, Bekenntniß, Bitdnip, Buͤndniß, Eingeftändnif, Ein 

verftändniß, Erfodernif, Gedähtnif, Gefaͤngniß, Geheimnif, 

Geftändniß, Gleihniß, Hinderniß, Leichenbegängniß, Mifver- 

Rändnig, Schreckniß, Verhaͤliniß, Verhängnif, Verlöbniß, Ber 

mädtnif, Berzeihnif, Wagnif, Beugnif ıc. Im O. D. if bie 

Bildung von Grundwörtern mit —niß fehr beliebt, und es giebt 

dafelbft viele, 3. B. Befahrniß, Brockniß, Drängnif, Erfahrniß, 

Foͤrderniß ıc., die in andern Gegenden Deutſchlands ſowol in ber 

Sprache bes gemeinen Lebens, als auch in ber Schriftſprache fremb 

find. Wehreres bieräber findet man in Heynay Briefen, bie 

Deutfhe Sprache betreffend, soter Br. ©. 168 ff. > 

Die NiE, My. —ffe. 1) Die Eier der Läufe, befonders In ben Hans 
ren. Ftiffe haben. =) Die Eier ber Bienen, bei Cinigenz bei An+ 
bern Maden. Das Wort it mit Muß verwandt, und wird aud 
wol von Einigen Nüffe geſchrieben. 

Niffig, adj. u. adv. Riſſe habend. 
sig, elenb. 

Der Nißkamm, —es, 94. — kaͤmme, ein Kamm, bie Riffe auf dem 
Kopfe berunterzulämmen, In der Naturbeftreibung führt diefen 
Namen eine Staheifhnede, der Spinnenkopf. ©. db. 

Nifteln, v. intrs, das Bi. von niften, in berfeiben Bedeutung. „Die 
Bosheit, bie im feinem Herzen niſtelt.“ Meiste „Amor nifielte 
gerade in mein Herz." Kofrgarten (RR) ©. Einniften. D. 
Niſteln. D. —ung. 

Niften, v. intrs, fein Neſt machen, bauen. „Zhut mie bie Tauben, 

fo da niften in ben hohlen Löcherne« Jerem. 48, 28. „Die Bögel 

niften auf den Bebeen.« Pf. 104, 17. Bon den Raubuögeln gis 

braucht man horften., Im engerer-Bebeutung und als ein mtr. im 

Mefte wohnen und brüten, fi vermehren. Im weiterer und unel⸗ 

gentlicher Bedeutung kͤmmt es zuweilen auch von andern Ibieren 

vor, die nicht in Reſtern wohnen. „Dir Igei wirb auch daſelbſt 
niften.« Eſ. 54, 15. „Wo grimme Leoparden niflen.« Opis. Auch 
von Menſchen, fih an einem Drte feflfegen; und von Sadıen, feften 

Fuß faffen, auf eine bleibende Art überhand nehmen; bad; nur im 

nadıtheiligem Sinne. &. Einniften. 


Unelgentlich in Wim, ſilzig, gel 


Laß 
Keine Luſt zu boͤſen Lüften 
In dem innern Mepſchen niſten. GSryphlug— 
In ber Pflangeniehee wirb eine Wurzel niftend (midulans) genannr, 
wenn fie. zwiebelig ift und bie Zwiebel innerhalb ihrer Haus kleine 


Nie 


Anmieheln ereugt, und gang daraus zu beſtehen ſcheiaet. D. Niften. 
— ung. t 
De a. Sm. —n; Bw. das Nirchen, O. D. —lein, die Benen: 
mung fadelhafter Seien von weiblicher Weftalt, welche unter dem 
Waffen leben und herrſchen, und oft Menfhen, bie dem Waſſer zu 
nahe kommen ober fih im daffeibe begeben, zu ſich Hinumterziehen ; 
eine Baffernire, bei Manden Nickert. Die Nite der Donau, bie 
Donaunire. Die Saalnixe. Fulda führt auch der Mir, ber 
Waſſergeiſt, an. n j ; 
Die Nirblume, 94. —n, Hin Rame 1) des Froſchbiſſes (Hydrocha- 
rismorsusranae L.); 2») der gelben Seeblume (Nymplaca luton 
L.); au Nirmurzel: ' 
+ Das Nirhaar, —es, By. —e, der Fucheſchwanz. Nem nid. 
Die Nirwurzel, 9. —n, f. Nieblume >»). j 
Die Noahsarche, 4. —n, eine Archeumuſchel im Mittelländifhen 
Meere ic, (Arca None L.). R 
Die Noahmufchel, 9. —n, die Kiefenmufgel; auch Noahſchulpt. 
Die Mobbe, m. —n, f. Noppe. 
+ zu Noberge, Eı. ti. im den Sielebenſchen Bergwerken, biejenige 
erg» ober Erd⸗ und Steinert, welche zunähft oben auf dem Schie⸗ 
er llegt. N 
Ni, er Wort von mannichfachem Gebraude, bei Rebe theits Nach 
deud, theits mehr Ruͤnde zu geben. 1) As Bindewort, eine Ber: 
nelnung zu bezeichnen, wenn mehrere Dinge in mehreren einzelnen 
Gliedern oder Suͤtzen verneint werden. In ber ungebunbenen Rebe 
fegt man in dem erſten zu verneinenben liebe gewöhnlich weder, 
und ia den übrigen noch. Weber eins, ‚noch das andere Gr 
wünrfht wieder dußere Ehre; noch Reichthum, noch Macht, noch 
finnlide Graüſſe, ſondern nur Geſundhelt und ein frohes zufrieher 
nei Herz. Dder, wenn mebrere Säse mit auf einander ſich bezie⸗ 
henden Berneinungen auf einander folgen, fo wiederholt man auch 
dad weder — no. Weder Wäre noch Unglät, weder Freude 
noch Leib, weder Ehre und Macht, noch Reihthömer und Sinnen: 
genug konnten feinen feften Zinn wanken maden und ibn verführen. 
In der gebundenen Rebe aber und ehemahls Überhaupt gebrauchte 
und gebraucht man noch in allen einzelnen Saͤtzen ober beren Ebeilen 
als Verneinung, und es iſt deinesweges veraltet wie Ab. behauptet, 
ſondern wie die folgenden Stellen bei guten neuern Schriftftelleen 
zeisen, noch voͤllig in Gebrauch, und zwar mit Met aus einem 
Grunde, welchen Leffing in den Anmerkungen zu kogau anführt: 
„Da bie Fälle unzählig find, da (wo) das Siibenmah bem gewoͤhnlichen 
weber — nech zuwider it: warum ſellten wir es (bas weder) nicht 
ach noch jet in jenes bequemere noch verändern dürfen.“ 
Mod; Hende noch bie fueze. Boners Kabeln, bo, 
doch frech wagen, 
Noch weid zagen. Logan, 
Noch Zeit, mod) Sand, noch Schwanz vermag auf bie Natur 
Haltter. 
Keiner, noch greß, noch Hein entrinnet ber Urne. 
Mod) Stand, noch Alter wird gefpart. Wieland. 
Toch der kuͤhne Mäuber, noc die Blume, 
Die fein Frevel dir entruͤukt. Baggeſen. 
Zuwellen wird das erfle Mahl and nicht, auch wol Reim gefett. 
S Nicht. Im D. D. gebraucht man aber auch das zwate Mahl 
weder anfatt neh. S. Weder. 2») Als ein Umſtandwort ber 
Seit, bie Fortdauer einer in Rede Hebenden Handlung ober eines 
» fethen Zufanbes zu bezeichnen; In Gegenſat von nicht mehr. Ich 
bin noch bamit beſchaftiget. Ich lebe noch, bin auf noch gefund. 
Wied es noch nicht beffer? Weißt du wol mod, wie es kam? Wird 
ein Nahdrut auf noch gelegt, fo wird es auch vornan gefeht. Noch 
‚was es Reit, Mod meiß ih es nicht. 
umkraͤnzt mit Nofen eure Sitheitel, 
Noch fiehen euch die Rofen gut. 


Ktepftod. 


Sagebeem 


512 


Nock 
Wenn ber Ton nicht barauf liegt, fo iſt die Stelle meiſt gleidgäf: 
tig, wo es ſtehet. Ich erwarte ihn noch heute ih erwarte ihn 
beute noch noch Heute erwarte ih ihn. „Der fruͤhe Tag hat kaum 
noch den Morgen gegruͤßt.“ Gegner „In dem Schofe bes Blüfs 
kes iſt noch felten cin Mann erjogen worden“ Dufd... Kommen 
Sie noch nicht? Bis jege nicht? Noch niemahls if es mir ſp 
ſchlimm gegangen. Es iſt noch immer beim Alten. „Dfiris if ber 
größte König geweien, ber noch gelebt hat. Schloffer. Geflern 
war er noch ſo gefund und heute ift er tobt. Vorhin verfpraden 
Sie mir ed noch fo feſt, und jetzt ze. Im allen dieſen Fällen denkt 
» man mehr an eine vergangene Zeit, bie bis an den gegenwärtigen 
Augenblid reiht, fo bag man bafür oft fegen kann bisher, bis jegt. 
So auh’in folgenver Stelle: 
Ih waͤhne niht, daß Hagene eu nmoch vergelfelet Hat. 
b. Ribeiungen & ®. 5568. 
Dft druckt noch eine von’ jept an Pünftige Beit aus. (Es findet ſich 
wol moch wieder, Er kann noch kommen. Er koͤmmt vielleicht nad. 
Wie lange ſollte deine Bluͤte und beine Schoͤnheit dieſe Blumen wohl 
(wort) noch überleben " Duſch. An dieſer Bedeutung iſt ber Bes 
ariff damit verbunden, daß etwas noch nicht geſcheben fei,, und das 
Wort noch deutet auf berfeiden Stelle ſtebend beitimmt eine vergan— 
gene und eine zukünftige Zeit, je nachbem es betont wird oder nicht, 
Es fol noch (betont gefhehen , es iſt bis jeht nicht geſchehen; es 
fol noh (unbetont) geſchehen, es wird geſchehen ꝛc. Auch in ans 
bern ‚Mölen verändert die Betonung ober Nichtbztonung «bes noch 
bie Bedeutung. Geben Sie neh nicht, (noch unbetont und nicht 
betont), bleiben Sie länger bier; gehen Sie noch nike? (noch 
betont) ie find noch immer da, da Sie fortjein follten? &. au 
annoch. 5) Als Umſtandwort, eine-Wermebhrung, eine Hinzufür 
gung, wie auch eine Steigerung zu bezeichnen. Er gab noch etwas 
dazu. Ich will noch bies fügen. Hiezu Emmt noch, daß ıc. Moch 
iſt hier eine Bittſchrift einer Emilie Brunefhir Teffing Noch 
ein Mabt will ich es thun. Noch auf ein Wort! noch eindt bh, 
hören Lie, ich möchte Ihnen noch ein Wort, noch etwas fagen. 
Bleiben Sie nur noch eine Stunde. Bleiben Sie noh! Mod Tier 
ber würde ich es ſehen, wenn ıc. Noch länger Fann ih nicht war— 
ten. Dos if noch ſchlimmer. Oft flelgere noch ben Grab ber 
Stärke eines Begriffes, wo ed ben Ton immer bat, Wenn Sie mich 
auch noch fo fehr Bitten, foıc. d.h. Sie mögen mid bitten, fo ſehr Sie 
wollen, fo ıt. Wan fei noch fo vorfihtig, man fehlet tod. „Wenn 
es mir auch noch fo fauer werben fohtelr Getlert. Auf ſolche 
Urt betont bedeutet noch im gemeinen Beben zumeiten auch noch ein 
Mahl, 5 B. er will noch fo viel haben, mod ein Mabt fo viel. 
Haͤuſig bekoͤmmt nod die Bebeutung von beffen ungeachtet, neh oder 
bei allem, mas vorher gefcheben ober im Vorhergebenden gefagt 
werben iſt; in welchem Balle es ben Ton nit hat. Wie kann 
man dba nody zweifeln, 
Melde derbe grobe Speiſe! ; 
Unb ihr zanft eud noch um fie? Michaelis. 
Ehemahls wurde, es gewöhnlich für bas beflimmtere dennoch ges 
braucht. „Mod tiek er mit nichte barvan“ Theuerdank, K. 63. 
Außer den angeführten Bedeutungen unb Rällen, von melden man: 
de mit der zweiten unb dritten Hauptbedeutung zuſammendangen, 
wird noch auf mancherfei Art noch gebraucht, theils mit Keinen We 
benbegriffen,, die ſich beifer fühlen als angeben laſſen, theil3 um die 
Rede zu ründen. Dobin gehören Nushrüde wie biefe: Das ginge 
immer noch an. Haͤtte er ed nur noch gefagt, fo wäre es gut, Da 
fage mir noch einer. Das laͤßt fih noch effen. Das faffe ih noch 
gelten ıc, - 
Nochmahls, adv. noch Ein Mahl. Ich bitte Sie nochmahls barum. 
Nohmablig, adj. was noch ein Mahl iſt oder geſchiehet. Sein noch⸗ 
mahliges Geſuch wurbe abermahls abgeſchlagen. 
Das Rod, —s, By. —, in ber Seefahrt, das 4ußerſte Ende au 





Nock 


513 


Nopp 


jeder Seite ber Raa. An einem viereckigen Segel’find Die Mode die Die Nonnendroſſel, 9. —n, eine Art Droſſein (Turdus mosa 


beiden obern Ecken, wo bas keit ein Auge bilder; auch Medobren, 
Nodtägel. 

Das Nodtindfel, —s, 39. gl. in der Shifffahet, dünne Tane ober 
Lienen, womit bie Rode ber Segel unter die Raa gegen die Rods 
Hampen feſt gebunden werden. Röbing. j 

Die Node, M. —n, rine von Mehl, Eiern, Butter, Gewürz ıc. 
faft in Geßait ber Schurebälle gemachte Speifer weiche im Badofen 
gebaden wird, “ 

Die Notgording, Mm. —en, in der Schifffahrt, Gotdingen, welcht 
an beiden Zeiten bes großen rgeid umd der Marsfegel an bad fie 
hende Leif befefiiget find und durch Wide an bei Raa zum Schiffe 
binunterfabren, Möbding. 

Die Nockklampe, Br. —n, in der Schifffahrt, Meine keilfbrmige 
Hölzer, welche binter dem Not um die Raa gefpikert werben, bamit 
birfelde einen Abfay bekomme, welcher verhindert, baf die um das 
Rod dir Raa gelegten Taue ſich nicht nad ber Mitte ber Raa be: 

"wegen koͤnnen. Röbing. 

Das Nodlägel, —s, . dl. 

FL Mod. 

Das Nodpferd, —ed, 4. —e, in der Schifffahrt, ber äußerfte 
an einem Node beſindliche Theil eines Pferdes. &. Pferd. 

Das Nodtatel, —s, 4. gl. auf ben Schiffen, ein Takel an ben 
Nocken ber Raaen, weiches befönders zum Kuss und Ginfegen bes 
Bootes unb der Schlupen dient. Röbing. . 

‚Mühlen, v. intrs. f. Nuſſeln. 

Molten, Nollen, v. intrs. f. Nulken. - 

Die Nonne, 4. —n; Bw. das Niunden, D. D. Noͤnnlein, eine 
weibliche Perſon, weile ſich zw gottesbienftlihen Werridtungen und 
Weihäftigungen mit andern verbindet und mit ibmen, im chelofem 

- Stande abgeſondert in einem Gebäude, mweihes Kiofler Heißt, lebt; 
befonders in der Mömifchen Kirche, wo folhe Perfgnen auch noch 
tas Gerübbe der Armuth und des blinden Gehorfams ablegen. In 
engeper Bedeutung find Ronnen ſolche Perfonen biefer Art, welde 
Bein Gottesbienfte ausſchlitzlich gewidmet find; bie Klofterfrauen, 
Korfrauen, Ordensfrauen, zum Unterfhiebe von ben Schwellen 
oder Klofterfchmeftern, welche die bäuslihen Befhäfte in den Kid: 
fern verrichten. Eine Nonne werden. Wie eine Monne leben, 
einfom und abgejegen von der Welt. Unelgentlih führen im gemeis 
nen Leben verſchiedene Zhiere und Dinge wegen irgend einer näbes 
zen ober entferntern Ähnlichkeit ben Namen Nonne, 1) Verſchie⸗ 
dene Zhiere: (1) Eine Art weißliher Zauber mit ſchwarzem Kor 
pfe, aud weile Nonne (Mergus albellus L.). S. Eisente. (2) 
Gine Art Rachtfalter (Phalaena hombyx monachaL.). (5) + Ein 
verſchnittenes Mutterfhwein, im Otnabeüdihen, eine Begine. 2) 
Berfhiedene Dinge: (1) Bei einigen Handwerkern, ein ver 
tieftes Dina, ein bobler Raum. So iſt bei ben Büchſenmachern die 
Nonne ein Werkzeug in Geftalt einer Hülfe, weide auf ben Zapfen 
der Ruß geſteckt wird, um den Hahn und die Studel damit zu ver 
einigen. (2) Im ‚pittenbaue, ber Ring, worein bie Kapellen mit 
dem Mönde geſchlagen werben. (3) Solche Hohlziegel, welche ihre 
Höblung auswärts kehren, und Über welche ba wo zwei mit ihrem 
Rande zufammenftohen Moͤnche gelegt werben, (4) Bei den Blei: 
ſchern, ein trichterfoͤrmiges Werkzeug, buch deſſen Höhlung bas 
Fütfel indie Wärſtdärme geftopft wird. (5) Die glatten Stöde 
bed wilden Safrans. S. Möndı. 

*%* Nonnen, v. tra, verſchntiden (castriren). Obertin. D. Nons 
nen. D. —ung. u 

Das Nonnenäuglein, —, 9. al. eigentfih das Kuglein ober 
Beine Auge einer Ronne. Dann + ein Rame des Damasjenifhen 
Schwarztünmels (Nigelle damascens L.), 

Dad Nouennbrot, — es, My. u. eine Art Buderbadwert, melde: 
in ben Nennenkloͤſtern häufig gebaden wird. 


Campe's Mörterh. 3. 28. 


Das Nodohr, u; Di — en, 


cha). Remnid,. 
+ Die Nonnendütte oder Nonnendutte, Sey. —n, die Dutte eiate 


Ronne, Uneigenttih, ber Name einer Sorte Üpfet, der Wülften— 
Äpfel. S. d. Remnic fhreibt Nonnentitten. 


ı E Das Nonnenfleifh, —s, ». 34. eigentlich das Fleiſch einer 


Ronne; dann, eine Monne ſelbſt. Rad Nounenfleiſch gefüften. 
Ss ift ihr Bein Monnenfleifch gemahlen, heißt im gemeinen Ehen, 
ſie hat keinen Gefallen an der Bebertart ber Nonnen, fo mie man 
In äbnlicher Bebeutung fagt, kein Sitzfleiſch haben. 

Die Nonnengand, Sy. —aänfe, rin Rame der Baumgans aber 
Rottgand (Anna bernicla L.). i 

Das Nonnengarn, —e6, 9. u. feines Garn, ſowie es tie Mon: 
nen etwa verfertigen: M. Kramer. — &o auch Mennenfpinen ıc. 

Das Nonnenglas, —s, 34. —gläfer, eine Benennung der ge: 
woͤhnlichen Arzeneigtäfer. 


Dad Nonnenkleid, —es, 4. —er und bie Nonnenfleidung, m. | 


—en, bad Kleid, bie Kleidung einer Nonne, beſondere bas Drbens: 
Heid einer Ronne. — eine lüfterne, eine heuchelnde Buhlerinu im 
Nonnenkleide“ Herder. 


+ Der Ronnenfleppel, —t, 9M. gl. ein Rame bes Grinb-' eher 
Schwärkrautes (Scabiosn arvensis L.), 

Das Nonnenklofter, —, 3%. —Eiöfter, ein für Ronnen geftifte: 
ted, von Ronnen bemohntes Ktofter; das Frauentloſtet. Ins 
Monnenkiofler geben, Romne werben, 

Das Nonnenfraut, —e#, 9. u. f. Erbrauch. 

Das Nonnenleben, —®, o. 94. bas Leben, ber Stand unb dir Ars, 
bensart ber Nonnen; mit eincm allgemeinern Worte, bas Klofterleven. 

Die Nonnenmeife, 4. —n, ein Rame ber Sumpfmeiie, wegen ih: 
zer ſchwarzen und weißen Beihnung; aut Moͤnchmeiſe. 

Die Nonnennelfe, By. —n, der sabme Schwarzeümmel; Nonnen 
nägelein. . 
Der Nonnenorden, — , 9M. gl. ein geiftliher Orden, deffen Mit: 
glieder Nonnen find, Dergleichen ift ber nad ber Regel Auguftins, 
Benebitts, Bernhards ıc., deffen Glieder Auguflinernonnen (Kur 
quftinerinnen ), Venediktenonnen ( Benebi-tinerinnen) ıc, genannt 

werben. 

Der Ronnenfchleier, —, 399. al. der &hleier einer Menne, mit 
welchem fie Öffentlich und vor männlichen ungeweihten Verfonen int 
mer erſcheinen mäffen. Den NMonnenfchleier nehmen, Nonne werden. 
»— um ihr fchönes Haupt in fhhgenden Nonnenſchleier zu hüllen.“ 
Bensel-Eternau. , 

Die Nonnenfpise, 4. —n, f. Nonnengarn. 

Die Nonnentaube, 4. —n, bie Schielertaube (Columba en- 
eullata L. ). 4 
Der Nonnenteig, —eb, 3. u. in den Rüden, eine Art Zeig aus 
Mehl, Milch, Wein, Eiern und Salz, woraus allerlei im Butter 

gebafene Speifen bereitet werben. 

Die Nonnentraht, 9. —en, bir Tracht der Monnen, ibre Art 
ſich zu Heiden, 3 

Die Nonnenweihe, &. —n, bie Weihe, Einweihung einer Ronne, 
ber Ronnen. Gtieler. 2 . 

Die Nonnenzelle, 9. —n, die Belle einer Ronne in einem Nonnen: 
Mofter. „Diefe Zaͤrtlichkeit, bie ſich ferbft aufopfert und mit aus 
der Monnenzelle bes Hergend fritt.« 3. P. Richter, 

+ Der Nooft, f. Naft. " i 

+ Der Nöpel, — , 4. u, im Fränfifhen, der Apfel: oder Bir: 
nenmoſt. 

Die Noppe ober Nobbe, By. —n, ein Heiner Knoten von Mole au 
gewiffen wollreiken Zeugen, wahrfeintich überbaupt eine Erböhung, 
Verbärtung. Damit verwandt finb Knobbe, Andbel, Knuͤppel x. 
In biefer Bebtutung ift es wabricheintih in der Stelle bei Valen- 
ein MErdretich, waches Moppen hinter fih hat und kalt ift» zu ven 


65 


Nopp 


ſtehen, welche Heynag (im Antibarh.) auſüͤhrt, wo er Noppe mit 
Nude, Rute, Züde für gleichbedeutend hält, 
Das Noppeifen, —s, 3. gi., bei den Webern, eine Heine Zange, 
die Knoten bes Gewirkes bamit abzunoppen ober abzuzwicken. 
Noppen, v. tes, 1) Kneipen, zwiden; wie aud fioßen, plagen, unb 
mübfem arbeiten. Die Tuchmacher noppen die Tüder, fie zwicken 
die Anoten ober Knöpfe mit dem Roppeifen ab. In Fettnoppen 
koͤmmt es wahrſcheinlich von nipp genau, ſcharf, nipp fehen, genau 
ſehen, ber, fowie das Wort überhaupt mit nipp, nippen, kneipen, 
Schnabel 16, verwandt iſt. 2) Bon Nobhe oder Roppe, d. b. Heine sinöt: 
Gen von Wolle an gemilfen Zeugen, mit foldhen Kndtchen verfeben. 
3) Bon ben Pferben, mit den Bühnen fihaben. Die Pferde noppen 
fh. Das urfpeünglih im biefem Worte im N. D. beſindtiche b ift 
ben 9 vorzuziehen und findet ſich aud noch in ben davon herlom:- 
menden ober damit verwandten Wörtern; 3. B. gnabbein, gnab: 
bern, begnabbern x. D. Noppen. D. —unz. 
Der Nopper, —6, By. gl; die —inn, Pi. —en, eine Perfon, 
welche neppet, befonders, melde Tuͤchtt noppet. j 
Der Nord, —6, B%. u. 1) Diejenige Gegend des Himmeis, welde 
bem Mittag ober ber Gegend, wo uns bie Sonne am hoͤchſten ftebet, 
entgegengefegt ift, Norden, Mitternacht; gemöhntid ohne Deute: 
wort, Der Wind koͤmmt aus Mord oder aud Morben, aud, ker 
Bind it Nord, ift noͤrdlich. Gegen Mord reifen, gewoͤhnlicher, 
gegen Morten. Mord zum Offen beißt bei den Serfahrern, der 
Kompaßfteih, welcher 211, Gead von dem Nordpunkte nach Often 
liegt. Mord zum Weſten, berjenige Punkt, weder ı1'/, Grad 
vom Nordpunkte nah Welten liegt. =) A Der aus Norden oder 
Mitternaht kommende Wind, ber Nordwind, 
«ein Mord ſchwebt auf der Flut mit ungeftümen Schwingen. 


Gieſetke. 
5) * Der Rord⸗ ober Polſtern. 
Das fternenlihte Feuer 
Kommt, wie ber fhöne Mord den 
Schiffern, mir, zu Steuer. Opi;z. 


Nordafrika ꝛc. Nordamerika ı. Nordafien ıc. f. Nordeuropa. 

Der Norbbär, —ed, By. —e, der norbifhe, in nördlihen Ländern, 
lebende Bir, Dee Cishbär würbe diefen Namen mit dem meiften 
Rechte führen. Stieler bat bies Wort vom Gternbilde, ber 
große Wär, 

Norddeutſch, adj.u. adv. in Norddeutſchland einheimifh, dazu ge: 
börend, dem Rorddeutſchen rigen, 

Der Norbdeutfche, —n, Ba. —n, ber im nörbligen Theile von 
Deutfäland wohnende Deutſche. 

Norddeutſchland, —s, der noͤrdliche Theil von Deutſchland. 

Der Norden, —s, o. Mz. ber nöchlihe Theil der noͤrdlichen Halb⸗ 
kugel der Erde, beſonders ber noͤrdliche Theil von Europa, wozu 
man befonders Rußland, Schweden und Rorwegen rechnet; in Ge— 
genfag vom Süden. Im Norden von Europa wüten der Krieg 
und beffen ſchreckliche Folgen noch. Dann überhaupt bie Himmels⸗ 
gegend, welche dem Mittage gegen über Tiegt, wo es ohne Deuter 
wort gebraucht wird, Der Wind biäfet aus Morden. Sich nad 
Morden wenden. Gegen Norden fegeln. . 

Die Norderbreite, M. —n, in der Erdkunde und Sternkunde, bie 
nördliche Breite, die Breite nad Norden. &, Breite. 

Die Norderfonne, By. u. in der Geefprade, in denjenigen Ein: 
dern, wo dt Sonne zu gewiſſen Jahreszeiten nicht untergebet, bier 
jenige Stunde, ba es in andern Ländern Mitternadt ift, weil die 
Eonne bann in Rorden ſtehet. Eben fo die Ofterfonne, Weiters 
fonne und Säderfonne, wenn fir in Often, Meften oder Süden ſtedet. 

Nordeuropa, —6, der nörblihe Theil von Guropa, Davon ber 
Mordeuroper (Morbeugopäer), der Bewohner des nörblichen Europa; 

und nordeuropifc (norbeuropäifh), zu Norbeurope gehörend, ba: 
der kommend. Eben fo gebraucht man auch Nordafrika, Nordams 


514 


Yrord 


rin, Norbafien ac. und Norbamerifaner ıc.,' Norbdamerikaniſch ıc. 

Die Nordgand, PH. —gänfe, eine im Norden lebende Sans, We: 
fonbers ein Rame 1) ber Baumgane (Anas beraicla L.); 2) ber 
Beibrochen Ente in Sibirien, bie in bohlen Pappeln unb andern 
Bäunen niftet (Anıs casarka s. rutila). 

Die Norbgegend, 0. 2%. bie Gegend nad Norden. Im ber Morb: 
gegend, gegen Norden. 

O Die Nordgrenge, 4. —n, bie nördliche oder gegen Rorben 
liegende Grenze. 

Nordiſch, adj.u.adr. zum Norden gehbrend, dem Norden eigen. Cine 
nordiſche Kälte, Die nordiſchen Länder, Staaten. Nordiſche Spraden ır. 

Die Nordkante, Mp. —n, in der Seeſprache, bas nach Norden Ile 
gende Ufer eines Kiuffes it. in Gegenſatz der Suͤdkante. 

Der Nordkaper, —s, 9. gl. 1) Eine Art Walfiihe an den Kü: 
ften von Norwegen und Island, ber Hd von bem gemeinen Wal 
file durch feine Farbe, buch einen fhmätern Rumpf und kleineren 
Lopf unterfheidet (Balsena glacialis L); aus Ciswallfiſch, Eie: 
fh. 2) Cine andere Art Wallfſche im Schotttänbifhen Meere, 
beifem -Unterlippe haib ziekilrund und breiter als bie Oberlippe if 
(Balaena musculus L.); audı das Breitmaul, ber Knotenfiſch. 
5) Eine Art großer Seeſiſche derjenigen Ordaung, wozu bas Meer: 
ſchwein gehört, ber Butzkopf (Delphinus orca L.); aud Sturm: 
ſiſch, Spedhauer. 

Der Rordkreis, —ıs, 24. —e, ber noͤrbliche Wenbefreis. 

O Das Nordland, —es, By. —Iinder, ein nad Morden, im 
Norden liegendes Land, 

Der Nordlaͤnder, —s, MB. gl; die —inn, Bi. —en, ber Be: 
mehner, die Wewohnerint eines im Norden gelegenen Landes. 
a— ben müblamen, unermübiiten Nordländer.e Herter. „Gin 
Vort wählte Gefänge ber Thaten, fo bie tapfeın Noertländer. 
Derf, Für die Nordlaͤnder gebrauht I. P. Rihter auch Mord; 
leute, wit Morbfeuter, wovon aber die Einzahl ber Nordmann 
ungewöhnlich ift. 

O Norbläudifch, adj. u. adv. zu einem Norblande gehörend, barin - 
einbeimifh, bem Nordbiänder eigen, angemeflen. 

O X Die Norbleute, &. vw. f. Morölänber. 

Noͤrdlich, —er, —ſte, adj. u, adv. 1) Wegen Norden Hegend, ber 
findiih, gerichtet, daher kommend. Dir noͤrdlichen Länder, Voͤlker. 
Noͤrdlich ſegein, nordwaͤrts. Die nördliche Gegend. Der nördliche 
Dimmer, Die nördliche Halbkugel der Erbe. Die nördliche Breite, 
S. Breite, Die Steigerung findet nur Statt, wenn von einer 
grögern ober geringern Raͤhe am Nordpot ober nah Norben bie 
Rebe it. Schottland liegt nördlicher als England und bies noͤrdli⸗ 
der als Daͤnemark. Die noͤrdlichſte Epige von Europa if das 
Norblap. 2) Aus Morden kommend, Der Wind kömmt oder ift 
nördlich, kommt aus Norben. 

Das Norblibt, —es, Mt. — er, eine feurige Sufterfheinung, welche 
gewoͤhnlich gleich nah Sonnenuntergang in ben Fältern Gegenden 
gegen Rorden am Himmel Statt findet. und in einem ftarten, oft 
hochrothen Lichte beflebet, woraus helle Lichtftrahlen herauffabren, 
die zumeilen bie an ben Scheitelpunkt, aumeilen noch weiter nad 
Süden reihen (Aurora borealis, lumen boreale); aud der Morde 
fhein, im ®. D. Nordbluͤſe. Andere unterfheiben Nordlicht und 
Nordſchein. S. b. 

Die Nordluft, 4. u. Luft ober Tinbe von Norden herkommend und 
gewwvᷣhnlich katt, rauh. Sie moralificen über die aefallene Rad: 
barinn fo froftig wie ſchneidende Nocdlufte x. @ Wagner, 

Der Nordmann, —rd, Wi. — männer, ber Nordiaͤnder. Diefes 
Neiprunge und Sinnes iſt ber Bollsname Normann. S. Nordiänder. 

Das Norbmeer, — es, My. —r, ein gegen Norden oder im Rorben 
gelegenes Meer, S. Nordſee. 

Die Norbmewe, 4. —n, ber große Sturmuogel (Procellaria 
glaciali.). ‚ 


Nord 


515 


NE 





Der Norbnorboft, —ed, 0. 24. der Rompafflrih, welcher 22% 
Grad vom Norbpunft: nah Dften Tieat; mie au, ein aus biefer 
Gegend wehender Wind; der Mordnnorbeftwind, 

Der Nordnordweſt, —es, v. 9. ber Kompahſtrich, welcher 22%, 
Grab vom Nordpunkte nah Welten llegt; mie aud, cin aus biefer 
Gegend wehender Mind, der Morbnorbmweiltwind. 

Der Nordoft, —ed, 4. u. 1) Die-Begend am Himmel zwiſchen 
Norcben und Oſten; beftimmter, ber Punkt, welcher 465 Grab vom Nord⸗ 
puulte gegen Dften liest; ohne Deutewort, Der Winb fommt aus 
Mordoit, ober, aus Mordoften. Rah Morboften ſegeln. Nordoſt 
zum Morden beißt ber Punkt, welder 53%, Brab vom Norbpuntte 
nach Oſten liegt. Mordoft zum Oſten aber derjenige Punkt, welcher 
56, Brat vom Nerdpunkte nad Oſten liegt. =) Ein aus ber Gegend 
zwiſchen Rorden und Dften herkommender Wind; ber Nerdoſtwind. 

Die Norboftering, Di. —en, in ber Seeſprache, bie Abweichung 
ter Kompaßnabel von Rorben nad Often. Röbine. 

Nordoͤſtlich, adj. u. ade, (M.) aus Nordeften kemmend, wie aud, 
gegen Rorboften gerichtet, gelegen. 


Der Nordpol, — ea, 2. —e, in der Erbe und Himmeisfunde, ber 


änferfte Punkt der Erdachſe und Mettahfe gegen Norden; in Ge— 
genfag vom Suͤdpole und ohne Mebrzaht, die nur dann Statt fins 
det, went von verfhiedenen Polen ats Ertpoien, Himmels: und 
Weltpoten, ober wenn von kuͤnſtlichen Poien an künftligen Erd: 
und Himmelstugein bie Pete ift, Der Mordpot ber (Erde, des Dim: 
meld, Die Mordpel des Porfteines cher Magnets, berjenige ſtarke 
Antitbepuntt deſſelben, welcher fh nad Nerden richtet. Ehemahls 
— man für Roedpot auf eine ganz unſchigtiche Weiſe Nordſpitze. 

O Der Nordpunkt, — es, 2. u. terjeniae Punkt ter Rordgegend, 
welcher ganz genau zweſhen tem wahren Morsch und Xbenb mit: 
tea inne fehet, wie auch cin feber demfelben antwortende Punkt, 
beſonders an einem Kompafrinne. „Das Abweichen der Mognetaas 
tel vom Nordpunkte. Geifd. Touren, (Et.). 

Der Nordfchein, — es, 9. —t. 1) Bei Einfren gleiätebentend 
mit Nordlicht. S. d. 2) Beſſer nad Anbern, der In den Sommer⸗ 

menaten am noͤrdlichen Rande des Geſichtskreifes die Nacht über zu⸗ 
räddteibente ſchwache Schein der untergezangenen Tonne. 

Die Nordſee, By. —n, eine gegen Norden oter im Norden gelegene 
Ser Nusfhliegtih führt biefen Ramen ein Theil bes Atlantiſchen 
Meltmeeres, welches gegen Norden mit dem nördlichen Ciönseere Ju: 
fammentängt, gegen Abend von England, gesen Wittag von Frank 
reib, Hoſtand, Deutihland und gegen Rorgen von Dänemark und 
Rorwegen dravenzt wirb, 

Die Mordfeite, Mz. —n, bie gegen Norden firgente ober geriätete 
Seite rines Dinges. 

Der Nordſtern, —es, 9%. u. der Welftern. 

Wie ber Mordftern troͤſtend fhimmert. A. Ifherning. 

Wehrt dies biaue Geſtrudel dem fiebenfältigen Mordftern, Voß; 
in weiber Stelle unter bem Rordbfterne bas Sternbitb bes Bären 
verftariden wird, weldes vorzuͤglich ſſeben große Sterne zriat, 

& Der Norbfturm, — es, 9%. — ſtuͤrme, ein aus Norden wehender 
Sturm. Uneigentliih; etwas an Raudheit und Heftigkeit einem 
Rordſturme zu Vergleichendes. 

— und lerntet 
Dulben ben heimiſchen Trotz des Nerdſturme. Boß. 

Der Nordvogel, —s, My. — voͤgel, der Struntjäger. 

O Das Nordoolk, — es, Mz. —völker, ein gegen Rorden, ober im 
Norden wohnendes Volt (hyperboreisches Roi. G. 

Norbwärts, adv. (M.) nah Norden zu, nah Rorben gelegen oder ar 
eiheet, Nordwaͤrte fegeln, ſteuern. 

Das Nordwaſſer, —s, 9%. u. in der Serfahet, diejenige Bewegung 

bes MWeltinceres, ba es in einer Cegend fein Waffer von Norben 

nah Süden ısie einen Strem wälst, und Alles was in derſelben a6 
raͤth, mit fi fortreiät. 


O Der Rorbweifer, —E, 3. al. eine Deutſche Benennung des 
Kompaffes, weit bie Radet deffeiben immer nah Rorben meifet. 
Hennap, „Man verfah jedes Moor mit einem Nordweiſer“ G. 

Der Nordweſt, —ed, MM. u. 1) Die Gegend am Himmel und auf 
ber Erbe zwiſchen Rorben und Meften; beftimmter berjenige Punkt, 
ober Kompaßfliih, welcher 45 Grab vom Norbpunkte nah Meften 
tiegt; gemöhnlich ohne Deutewort. Dee Mind koömmt aus Morb- 
weſt oder. aus Nordweſten. Gegen Nordweſten feuern. Morbs 
wet zum Norden heißt derjenige Punkt oder Kompahſtrich, weicher 
33%, Grad vom Nordpunkte nah Weften liegt; Nordweſt zum 
Weſten aber berienige, welcher 362 Grad vom Nordpunkte nad. 
Weſten liegt. 2) Ein aus der Gegend zwiſchen Morten und We ſten 
wehender Wind, der Nordweſtwind. Es erhob ſich ein Nordweſt. 

Die Nordweſtering, 9. —en, in der Seeſprache, bie Abwelchung 
ber Kompaßnadet von Norden nah Weften. Röbing. 

Der Nordweſtvogel, —6, 2%. —vögel, der Sturmfegler. 

Norbweftlic, adj. v. adv. aus Norbweſten kommend, nah Rordwe⸗ 
flen gelegen, gerichtet. R 

Der Nordwind, —et, 94. —e, ein aus Rorden ober Mitternaht 
mehenber Wind’ (Beren»), fürzer und bei den Dictern der Mord, 
im O. D. Beißwind, Bißwind. 

Der Noͤrfling, —6, ©. —e, im D. D. u. D. S. eine Art eßbarer 
Blusfiihe, der Goldfarpfen. ©. d. und Orf. 

Xx Noͤrgeln, v. intrs, ſeinen Unwillen und fein Mißrergnügen durch 
mürriſche Worte und Töne an den Tag legen und damit Täftig fal⸗ 
Ten, mie auch, durch vieles Reben, Bitten läftig fallen; im Henne- 
bergſchen närgeln, anderwaͤrte brämmeln, imN. D. gnägeln, dern, 
wranten. Es iſt rerwandt mit fnurren, brummen ze. D. Nörgeln. 

Der Nork, —ıs, Mi. u. Glimmerfhiefer mit Shört. Etorr. 
Nemnidh _ 

Norwegen, —8, ein Land, weldes ſich Iftih an Schweben grenjenh 
und weſtlich von ber Nordſee unb dem @idmerre begrenzt, nad Nor. 
den binzieht. Devon der Morweger, die —inn, Bewohner Nor: 
wegens, Norweglſch, 3a Norwegen gehörend, darin einheimiſch, bas 
her fommend. In ber Seefprache heißt Merwegen eine Art Kuh: 
brüde, bie auf Groͤnlandfahrern und Kauffahrern auf dem Zmifchen: 
decke am beiden Zeiten ber Loft gemacht wird, um Riemen und Hund: 
bölzer darauf zu legen. Röding. j 

+ Der Nörz, f. Mer. 

x Nöfen, (Noiſen), v. tes. f. Reifen, 

+ Das Hof, —es, 4. Nöger, im gemeinen Beben manchet @rgen: 
—* pe! in Ken: «ia * ren vierfäßiges Mich, befonders 

sehe, Kindrich und Schafe, Ein Pferbenof, Rindenoß, Schafnof. 

Das Moͤßel, —s, W4, al; Bio. das Nöoßelchen, D. D. * 1) 
Gin Befis, als rin Mag zu ſtüſſtgen und trocknen Dingen, welches 
bir Hälfte eines Mars, einer Kanne, ober eines Quartes beträgt, 
ba wo diefe Bemäße glelchen Gebalt haben, an andern Orten aber, 
me eine Kanne zrrei Mas bit, ben vierten Theil einer Kanne ber 
trägt ; im M. D. Oßel, im D. D. rin Seidel, Schoppen. im 
Möbel Mich, Hafer ec. Auf eine uneigenttihe Art gebraucht man 
*s in Zhüringen, wo man bie Dufengäter in batbe Hufen, Wiertef: 
bafen und Noͤßel tbeitet, wo es wahrfcheintic fo viel Land bedeu⸗ 
tet, als man mit einem Noͤßel Getreide befiet. Im ben Salzte— 
tben zu Halle verſteht man ein gung anderes und großes Maß bar: 
unter, indem man einen Stuhl ober eine Hauptastheilung bes 
Zaljbrunnend in 20 Quart, und ein Quart In a Mögel theilet, 
beren eins 824 Pfannen hält, Im der Lauſit ſcheint es auch eim 
groͤheres Gefäß, 3. B. einen Zuber zu betreuten, indem baferbft 
die Stangen, woran ein Auber getragen wird, Moffelftangen ges 
nanat werden, 2) F In Meißen und zu Beipzia ein Doljmaß, ber 
ſech zehnte Thell einer Kläfter, 3) + Eine Erhöhung, ein erhöhetes 
Stuͤck, im weicher Mebeutung ed in ben Satzkotben vorkömmt, wo 
man die aus Satzſchlamm gemadıten Städte, welde unter die Pfanne 


Noͤſſ - 516 Noth 





und an die Seiten gelegt werben, damit fie feſtſtehe, Noͤßel nennt. 

+ Die Nöffel, 9.—n. ı) Die Affet; nah Fulda ber Roſſel, im 
ker Schweiz, ber Obrwurm. =) Der Bietfuß ober das Tauſendbein. 

Möfelweife, adr. nah Rößeln. Etwas noͤßelweiſe kaufen, ver: 
kaufen, (R.). 

Der Noffelfint, —en, By. —en, ein Vogel, welcher vom Ginigen 
ju ben Beuſtwenzeln, „von Andern zu den Grasſmücken gerechnet 
wird, eine braunfable Farbe, unb weißlich gefäumte geben 
bat; man ſagt von ibm, baf er zur Zeit, menn eine Peft bevorſtehe, 
häufig in die Gärten Tonıme, baber er auch Tedtenvogel, Peltis 
lenzvogel beift (Sylvia pestilentialis Kl, Motacilla rubeire). 

Die Note, By. —n; Bo. das Nöten, O. D. — lein. +) X Eine 
Anmerkung. Gin Bud mit Moten verfehen, Unmerkingen, Ev: 
läuterungen dazu machen. ») Ein Auffet. Go werben befonbers 
Heine ans wenigen Zeilen beftehende Auffüge z. B. zu bezahlende 

Rechnungen Moten genannt. Cine Mote ausziehen, aufirgen. Eine 
Banknote, ein Scheln, welden man über in eine Wechſelbank nies 
hergelegtes Gelb empfängt. Auch Auffäpe, in melden Geſaudte 
Audeinanderfegungen, Erklärungen, Gatfhiäfe ihrer Btegierungen, 
Aber allerlei Gegenſtaͤnde andern Geſandten übergeben, werden No: 
zen genannt. 53) In ber Zonkunft, Überhaupt alle Zeigen, deren 
man fib in derfelben zut Darflelung ber Töne, ihrer Verhältniffe, 
ihrer Abweihungen, ber Art fie audzubruden ıc. bebient; in enges 
zer und gewöhntiher Vebeutung aber, bie eigentlihen Tonzeichen, 
welde bie ausjubrudenden Töne bezeichnen. DieMoten fertig lefen, 
fie ſchnell und‘ richtig hinter einander erfennen und zum Ausdruck 
durch Singen oder Spielen zufammenfaffen. Für bie eblere Schreib: 
art © Tonzeihen. E. Nah Moten fingen, fpieien, mad vorlie: 
genden Roten, nit auswendig, ober nach bem Gehör, ober etwas 
on eigener Erfindung. Ganze Roten, ſolche, bie zwei halbe Noten 
ober 4 Bierteinoten ober Viertel, 8 Achtelnoten ober Achtel, 16 Sech⸗ 
wehntelncren ober Sechzehatel, 32 Imweiunbbreifigfteinoten ober Bmweis 
undbreißigftel und 64 Vierundſechzigſtelnoten ober Wierunbfechzigflet 
Yalten. Der Kopf einer Note, ber Motenkopf, ber bite runde Theil 
Derfelben, welcher durch die Stelleauf, zwiſchen, über oder unter ben Ro: 
tenlinien, bie er einnimmt, eigentlich den Ton angicht, welchen bie 
Rote bezeihnen fol; zum Unterſchiede vom Schwanze ber Note, 
dem Notenſchwanze, bem dünnen am dem Hopfe angeſetzten Steiche, 
weldher die Geltung der Rote anzeigt, ob fie als halbe, Viertel: 
wber Achtelnoten ausgebruft werden follen. SKlaviernoten, Geigen⸗ 
noten, Baßnoten ıc. Im gemeinen Leben verficht man unter 
Moten auch ganze Zonftäde felbft (Musicalien). Viele Noten ba: 
ben. Miet Selb für Roten ausgeben. Noten fhreiden, drucken, 
fichen. Geſchriebene, geftohene, gedrudte Noten. Daven das 
Notenſchreibeñn, Rotenſtechen, Notendeuden. Im gemeinen Erben 
fagt man auch ſcherzweiſe, etwas gehe ober gefhehe nah Noten, von 
einer Sade, die nad einer gewiſſen Madgabe geſchiebt ald müßte 
es fo fein, wofür man aud mol fagt, daß es eine Art bar. Einen 
prägein, fheren sc, nah Moten. »— und fagten: die Mälfchen 
ſchlaͤzen bie Deutfchen todt nach Morten, wo fie lönnten« Seume. 

$ Die Nöte, 9 —n, im Hannöverfäen, die Braut. Fulda, . 

FX Die Notel, 3. —n, ein kürzer, gewoͤhnlich ohne alle Foͤrmlich 
keiten gemaditer Xufjag. Beſonders nennt man Noteln die Bebin: 
gungen und Berwahrungen in eimem Wersrage ober Überhaupt in 
einer verbindenden Ehrift (Glausulae). 

Des Notelgeſchirr, —i6, Big. —e, bei ben Seilern, ein Geſchirt 
mit vier eifernen Bakın, große Seile baran zu drehen. 

+ Nötelu, v. intrs, im M. D. zaubern. D. Nöten, 

Das N otenblatt, — es, 2. — blättern, ein mit Roten befhrirhenes 
oder bedructes Platt Papier. 

Das Aotenbuch, — es, Mz. — buͤchet, ein Bud, in weihem Noten 
ober Zonfärfe enthalten find, 

Der Rotendrudr —es, 0. Wi. der Deud, das Druden ber Noten 


ober Zonftäd:, ferwol im Kupfer geſtochener, als auch folder, wozu 
bie einzeinen Tonzeichen eigens gegoffen find; mie auch bie Kuuſt 
fie zu drucken. Ban bat es gegenmärtig im Motendrud febr weit 
gebradjt. Davon ber Motendruder, einer melder Noten druckt, 
wie aud, ber eine Notendruckerei befigt; die Notendeuderei, bie 
Kunft, Roten zu druden, wie auch, eine Druderei oder Anfait, in 
weicher Roten ober Zonfläde gebruft werben. 

Die Notenfeber, 2. —n, eine zum Rotenfhreiben beſonders ge: 
ſchnittent Reber. 

Das Notengeftel, —s, Du. —, fo viel als Rotenpult, + 

Der Notenbandel, —t, 0. 2. der Handel mit Noten, d. b. mit 
in Aupfer geftochenen ober gebeudten Zonftäden (Musicalienhanr 
bel). Davon der Notenhändler, der einen folhen Handel treibt 
(Musicalienhändter) und die Notenhandtung, eine Handlung, in 
welder folge Roten oder Tonſtuͤcke verkauft werben — 
oder Musichandfung, musicalisches Magazin), 

Der Motenkopf, —es, 9. —köpfe, ſ. Note 5). 

Der Notenladen, —s, 3. ben, ber Laden eines Rotens 
bändters, 

Die Notenlinie, By. —n, bie fünffachen Einien, auf, zwifhen, über 
und unter melde die Roten geſchrieben werben, 

Das Notenpäapier, —es, 4. —e, Papier, Noten barauf zu frei: 
ben ober zu druden; befonbers dickes, flarkes und wohl geleimtes 
Paepler, Noten bacauf zu fihreiben. 

Der Notenplan, —es, 2%. —e, in ber Tonkunſt, die fünf Binien 
sufammengenommen, “af, zwifchen, unter und über weide bie Re 
ten geſchrieben werben (Einiensystem, Musieleiter). 

Die Notenplatte, 9. —n, eine Metallplatte, auf welche Noten ge: 
flohen find, um abgebrudt zu werben. 

Das Notenpult, — 08,2. —e, ein jedes-Puft, auf welches man Roten 
vor ſich legt, um fie zu fpielen ober zu fingen; auch das Motengeftell. 

Die Notenfchnede, Wj. —n, eine Art Watzenſchnecke, die wie mit 
Roten gezeihnet ift (Voluta musica L.). 

Der Notenſchwanz, —cs, @y. — ſchwaͤnze, f. Note 3). 

Der Notenfcreiber, —s, WM. al. einer der Noten ober Zonftäde 
f&reibet, befonders, einer ber fie abfihreibet, uab. in engerer Vedeu— 
tung, einer ber Noten für Andere abfhreibet, und ein Gewerbe 
daraus macht (Notist,, 

Der Notenfiedher, — s, Pr. gl. ein Känflter, welcher Noten ober 
Zonftüte in metallene Platten ſticht oder eingräbt oder wie es jeht 
geſchieht, einſchlaͤgt, damit fie nachher abgebrudt werben. Davon 
die Notenſtecherti, die Kunft des Rotenſtechers, wie auch, eine In: 
ftalt, wo toten geſtechen werden. 

Der Notenflein, —ed, 9. —e, eine zu den Rüturfpielen achbresde 
art Steine, gewöhntih Sandfleine, in welden fig Adern und 
Fleden befinden, - welche Ahntichkeit mit Roten oder Toneichen has 
ben (Lapis musicalis), . 

Das Notenftüd, —ed, 34. — , (R.) ein in Roten gefegtes Stüd, 
ein Tonftüf (musienlisches Etüd, Musioslie). 

Die Notentute, By. —n, die Budflabentute; auch das Notenhorn. 

Die Notenzeile, 94. —n, eine Beiie auf einem Notenblatte, eine 
Beile In einem Zonftüde, deren in Tonſtücken für Zunwerkzeuge mit 
Xaften immer zwei, und befinbet ſich mod eine Singſtimme ober bes 
gleiteube andere Stimme dabei, brei unb mehrere zuſammen gebö— 
ren, Und welde dann vorn buch din Zeichen zufemmengefaßt find. 

+ Nötern, v. intre. u. trs. in ber Laufig, an etwas Hin: und herzier 
ben. Futd a. Do Noͤtern. 

Noth, adr. noͤthig, nethwendig, ſowol in ber Bedeutung für betürr 
fend, als auch für, zu einem Zwecke erfoderlich. „Was feglichem 
noth war, das gab er.“ Apofteig, 4,35. »Geduld it euch noth.“ 
Gbr. ı0, 36, ! 

Run find Säfte mir noth, woburd erneuetes Alter 
Zugenblig wieder abi — B of. 


. Noth 


Moth werben, nöthig werben. Als bem königlichen Hofe ber Flek: 
ten Gijon genügte — gab bas eitie verweichtichte Weſen norh ges 
mwordener Tugend Raum« ıc. J. Müller. Etwas nicht noth ha⸗ 
ben, nicht noͤthig haben, bedürfen. 

Du haft, geehrter Freund, bes Zettels zwar nicht noth Bünther, 
x Es thut noth, es iſt nörhig. Es thaͤte am Ende noch, daß 
man ibm Alles machte, cö wäre am Ende nöthig, das ꝛc., oder, man 
mödhte ihm am Ende Alles machen. 

Es thäte wirklich noth, 

Du ließeft cs geſchehn, und wiärbeft niemahls roth. BR 
Es ift mir noth danach, id verlange danach. 

Und was Im nad dem tode not. Twain 6, a5ı, 

Ges thut mir noth, es ift mir noth, fagt man auch wol im gemei: 
nen Beben, wenn man von ber Natur zu eines Ausleerung aufgefo— 
dert wird. Ghemahls fleigerte man auch dieſes Wort: .r 


— bas — hilfe — nech nie nöter wart, ©. Sohanshorf 
Maneff. G.) 
Die Noth, 94. in eini A Fölen, die Noͤthe. 1) Überhaupt ein 


Zuſtand, da man eines Dinges bebarf; ohne Mehrzaht. 
Noth thun, weil man deſſen beburfte. Ich braude es zur höhften 
Noth, ih befinde mich im böhften Grabe indem Zuſtanbe, daß ich es 
bedarf. über Noth effen, trinken zc., mehr als nöthig iſt. Ber 
fonbers ber Zuftand, da man einer Sache bedarf, um fich zu heifen, 
um feine Abſicht zu erreichen, mit dem Mebenbegriffe, daß man uns 
ter dem, wodurch biefer Zuſtand geendige werten ſollte, wenig ober 
feine Waht hat, Die-Moth bat mich dazu getrieben, mein Zuſtand 
des Bebürfens, Ich habe mich aus Noth beffelben bedient, weil ich 
beffen bedurfte und nichts anders hatte, wußte. X Wenn Noth an 
Mann gebet ober tritt, wenn es ber Zuftand des Bebürfend erfober: 
lich macht. Ginem feine Moth klagen. Einem aus ber Moth bei 
fen. Oft it mit dem bedärftisen Iuftande ein äußerer ober inne: 
rer Drang vecbunden, welchem man nit miberfteten kann. Gtwas 


aus Noch than. „So feid nun aus Moth unterthan.e Röm. 13,5. 


Wenn mich nicht die Noth dazu zwingt. 
kennt kein Gebet, Noth bricht Kifen. 
Moth, wenn' wirklich Roth vorhanden iſt. Nun drängt bie Noth 
mid, meinen Beutel von euch abzufodegn A. W. Schlegel. Dhne 
Noth, ohne in einem Zuftande des Verhrfens zu fein, wo man nicht 
anders gekonnt hätte, ohne deingenbe Urfahe, Ohne Neth laufen, 
ſchreian 0. Wie können Sie fih doch ohne Moch traurig machen ?* 
Gelltert. In weiterer Bebeutung, ein Zuſtand, ba man, um feir 
nen Zweck zu erreichen, einer Sache bedarf, und Anflsengung ber 
Kıöfte, Mühe, Arbeit ewedertich iſt und dieſe erfodeclichen Mittel 
ſelbſt. Ge reiche zur Moth Hin, gerade um jenes Redürfniß zu ber 
friedigen. Er hat zur Noth zu leben, gerade fo viel als er bedarf. 
Men kann es zur Moth gebrauchen, in einem Zuftande, ba man 
deffen bedarf und nichts Anberes bat, Ich weiß es fo jur Noth, 
gerade nur in fo weit ars ich es bedarf, Mit genauer Motb davon 
tommen, fein Leben retten de., nicht ohne Gefabr des Gegentheils 
sder nur mit Mühe, Anftrengung, — weiche Bebeutung Roth eher 
mahls auch hatte. ©. Schilter. Daher durch Noth aud bebeus 
tet mit Ämfigkeit, genau ıc, 
Durch not beihande ih euch — Awain 5, 61. 
Die Wachtel, welche der Gefahr 
Des Garne niit Moth entgangen war. Geltert. 

Mon wird Moth damit haben, es wird Mühe, Arbeit koſten. eine 
Moth mit jemand haben, Das maht, verurſacht mie viele Moth, 
„Dat man nicht Moch, ehe man dich aus dem Bette bringt ?« 
Weise Sf das nie eine Moth. 

Deß, wäpn’ ih, mir mein eben in biefen Noͤthen ſchiere zergeh'. 

d. Ribelungen &, ®, 8548. 

») Tim Buftand bes Bebärfens, ein Übel, ih welchem man Hülfe 
beharf und fie dringend und aͤngſtilch verlangt; ein Buftand, welcher 


Sprichw. Noth hat oder 
Im Fall der Noth. Zur 


517 


Etmad and 


Nothb 


ſehr mannichfaltig ſein kang und welcher vorhanden iſt, wenu 

man ſich ia Gefahr bes Lebens, bee Geſundheit und der Wohlfahrt, 

in Krankheit, Armuth ıc, befindet, wenn man Schmerzen leidet, 

Verachtung, Schmachh, Kummer und Verdruß empfindet it. Biele 

Noth Haben, empfinden, ausftehen, ertragen. In Roth kommen, 

geratben. In ber Moth fein. In Möthen fein. Einem feine 

Morh Hagen. Einen aus ber Moth reifen, retten. Moth Ich 

beten. „Rufe mid an in ber Noth, fo will ich dich erretten und Du 

ſollt mi preifen.“ Pf. 50, 18, 

Ih frew mich dech nymmer not, Jwain 3, ı7; 
. ich freue mid bo nie mehr als in ber Gefahr, 

2 in tauſend Möthen.“ Logan. 

. Die North ift dringend, wie fol ih entlommen. Bätbe. 
Leibeenoth, Seelennoth, Todesnoth, Feuersnoth, Hungersnoth, 
Maffersnoth. ©, d. wie auch Kindesnoth. Beſonders gebraucht 
man es von Bebensgefahre. Ein Chiff beſiadet fh in Noth, leidet 
Moth, wenn es in Gefahr ift zu feheitern oder untergugeben. Es 
it Noth vorhanden, große Gefahr, bie ſchleunige Hülfe verlangt, 
»Da das fahen bie Männer Jerael, daß fie in Möthen warca.« 
ı Cam. 15, 6, Es bat keine Noth, es ift Feine Gefahr vorbans 
ben. Im gemeinen Leben auch befonders von Armut), Mangel, 
Kummer, Verdruß ıc, In Noth fein, fteten, nicht bie vorzuͤglich- 
ften Bedürfniffe befriebigen koͤnnen. Keine Motb leiben, gebörige 
Rahrung, Kleldung ic. haben. „Du wirft Beine Moth bei ihm has 
den, wenn du fle bie nicht felber machſt.“ Gellert. Elnem viele 
North machen, viel Kummer und Berbruß. „Lie wiffen nit, was 
Herrſchaften für eine Moth mit bem Geſinde haben.“ Wellert. 
X Die fhwere Noth nennt man im gemeinen Lehen bie Fallſucht. 
Don bedient ſich in der niebrigen Sprehart biefes Ausdruckes auch 
als eines Fluches, einer Verwünſchung, auch wol als eines Auedruk. 
kes des Erftaunens und ber Verwunderung tc. Daß di bie ſchwere 
Noch! mämlid treffe. Was, fihmere Noth! fol bas bedeuten? 
— Ghemablä bedeutete Moth auch neh, Rothzucht, Hindernif; und 
echte Noth, gegründete Entſchuldigung, welche Bebeutungen aber 
völlig veraltet find. 

Der Nothanker, f. Anker. . 

Die Notharbeit, Dy. —en, eine Arbeit, welche man aus Roth un: 
ternimmt, vertichtet, befanbers um eine Gefahr bes Lebens ober ber 
Moblfahrt abzuwenden, 

Die Nothausflut, 9. —en, im Deichbaue, ein Abflus eines Deichts 
an dem ber Ausflut entgegengefegten Enbe, welder im Ball einer 
zu ſtarken Anfhwellung bes Waſſers zur Ableitung beffelben biener. 

Der Rotbauswurf, —es, 4. —würfe, das aus Roth geſchehende 
Ausmwerfen bee Waaren’und anderer Sachen aus einem Schiffe, mel: 
hrs in Gefahr If zu ſinken. Dann auch, bas Fecht in einem fol: 
Gen Kalle der Korb Waaren und Sachen aus dem Schiffe werfen zu 
dürfen ; ohne Mehrzadt. Auch der Nothwurf. 

Der Nothbau, —es, g. —r, ein zur Abwendung einer drohenden 
Gefahr unternontmener Bau, In engerer Bedeutung, ein auf kurze 
Beit aus Roth unteenommener Bau, um ben rigentlihen Bau nah 
voräbergegangener Gefahr gehörig und mit Bequemlichkeit vorneh⸗ 
men zu koͤnnen. Die Käger nennen auf aͤhnliche Art aud bie Höhle, 
weile ber Fuchs aus Roth und auf Burze Zeit zuweilen auf freiem 
Felde macht, einen Nothdau, und einen Fluchtbau, wenn er Ihn 
auf der Flucht mad. 

*%* Das Notkband, —es, 4. —e, bie Feſſel, Kette. Schiller, 
Haltaus. 

Der Nothbebelf, — es, Rz. —e, rin Ding, mit welchem man ſich 
in Ermangelang eines Beſſern in der Moth eder jur Roth behiltft. 
*%* Der Nothbotbe, —-n, Br — n, ebrmablä in den Berichten, 
ein Bothe, welcher wegen Chehaften und gültiger Urſachen ent[äuls 
digte. Friſch 

Der Nothbrauch, eb, 24. u. der Brauch, Vebrauch einer Sache 


Probs 


Nothb 


aus Noth; wie auch, ber Gebrauch, welchen man von einer Sacht 
zur Roth maden kann. Stieler, . 

Kr Dr Roͤchbrot, —ed, Wr. u dasjenige Brot welges bei ben 
Augelſachſen ein Angellagter effen mußte um fi von ver Beſchurtdi— 
gung zu reinigen, Greif. — 

Mothbruchig, adj. u. adv. im Bergbaut, wo eine Stufe nothbruͤchig 
maben heißt, fie zerfegen und zerſchlagen, um ihre innere Befdafr 
fenbeit zu erleben, 

Der Nothbrunnen, —d, 9. gl. 1) Ein Brunnen, welden man 
aus Roth für bie Zeit biefer Noth in der Eil gegraben hat. =) + In 
Hannover, Braunſchweig 2 Mafferbebältniffe, im wilde bei einer 
Feueranoth das Waſſer durch Wafferfünfte gefhöpft oder geleitet wird. 

Die Nothduße, 2%. u. eine Buße, zu welcher man ſich nut aus Noth 
verſtehet. N. Kramer. j 

Der Notbdamm, —es, ©. —bimme, in aus Noth und für die 
Zeit diefer KRoth werfertigter Damm, der nad Beendigung bes rigent- 
lichen und Hauptdammes unnöthig if. 

Die Nothdeckung, M. u. im Waſſerbau, bie von ber Roth erheiſchte 
vorläufige Destung eines Deiches, wenn bas Dad burh Sturm ober 
Eis abgeriſſen iſt, bis fie gehörig vorgenommen werben fann. 

Der Nothdeih, —s, My. —e, ein aus Noth, zur Roth verfectige 
ter Damm, ber das Waſſer nur fo lange aufbalten fell, bis ber 
eigentliche oder Hauptdelch fertig: oder ausgebeffert if. { i 

Der Notbdienft, —es, By. —e, win aus Roth, oder in einem drin 
genden Rothfale geleifteter Dienſt. Beſonders sin Frohndlenſt in 
einem ſolchen Kalk. 

* Das Nothding, —es, Br. —e ein Ding, Gericht, welches in 
einem außerorbentlichen dringenden Kalle gebegt wurde; auch Noth⸗ 
geding, Nothgericht und bei Hattaus Nothrecht. Oberlin. 

Der Nothörang, —es, o. Bi. der Drang der Roth; bann, ein un: 
yoiderfteblicher Drang, der Zwang. „Die mit notdrang zu chriſt li⸗ 
&em Glauben gebracht find worden.“ Thoman Lirer. (R.) „Man 
fügtte den Mochbrang. Stunt. j 

> Nothörängen, v. trs. mit Noth drängen, nölhigen, zwingen ; 
beffer als dad gewöhntthere nothdringen. Dies Wittelwort der ver: 
gengenen Zeit lautet ſowol nad ber allgemeinen Form genotbrän: 
set, als auch nad ber bei ſolchen Zufammenfegungen gewöhnlihern 
nothaedränget. „Und durch wen fr zu erifttichem Gtauben genot: 
drenget und gebracht feind worden.“ Thoman Lirer. (&.) »Seben 
wir nicht viel Gerechter und Därftiger notgedrenget.- Ungen. (R). 

. Mothörängen. D. —ung- 

ne tra. unregelm. (f. Dringen), fo viel als nothbräns 
gen, welhes beffer iſt. S. d. Gewoͤhntich gebraudt man davon nur 
no das Mitteliwort der vergangenen Zeit notbgebrungen (bei Ad. 
nothörungen) ſowol von einem Außern koͤrperlichen Iwanse als von 
einem ingern oder fittlihen unmwiderftehlichen Beweggtunde. Etwas 
nerbgedrungen thun. Ebemah!s gebrauchte man es auch wie jedes 
thätliche Ausſagewort in andern Arten, „Wie ein Herzog von 
Shwaben einem Kömildhen Kaifer batf die Nömer zwingen unb 
notdrincen, daß fies cu. Ehomanktiver (N) „ond firat ibm 
ob ond zwang vmb notdrang ihn criften zu werden.“ Derf. (M.) 
Es iſt nothdringend, es iſt febr dringend, Sehr nöthig, wofür man 
amık notheringlichgesrsuht, Ein ähntihes,Jaber ganz ihledhtes Wort, 
nothſachen, welches in ben Kanzeleien eben fo gebraudt wird, führt 
Gennas on, D. Nothörinsen. ©. auf ber Nothdrang. 

Nothdringlich, adj. u. adv. ſ. Nothdringen. 

Die Mothönrft, d. I. 1) Der Zuſtand der Noth, bes Bebürfens. 
Es reicht zur Nothdurft bin, die Rothdurſt zu befriedigen. Rach 
Nethdurft zu Leben haben, fo viel ats das Bedürfnip erfobert. 
„reise frau die mil bie ſach nad) nettburft ratihlayen,= fo viel als 
ntbiz it, Abeuerdank. Die NMotbdurft erfedert cs, „Denn ce 
ift Murhburft, daß Ihr beide ber Rute pfleget.r Midarier. (M.) 
Etwas aus Notddutft thun, aus Noth, weil man bazu gendtbiget war. 


* 


518 


* Nothen, v. mtr, mit haben, noth fein, neth thun. 


Nothe 


Aus gleicher Nothdurft ſich zu juͤcken. Thuͤmmel. 

Im gemeinen Leben beißt zur Nothdurft und nach Nothdurft auch, 
gerade ober kaum für das Sebürfnig hinreichend + zur Noth. Es 
reihe nur zur Nothdurft bin, »Daß ſie einen Tag länger nach 
Nothdurft haben möchten.“ Iubith 7, 12. Etwas zur Nothdurft 
thun, gerade nur fo viel und fo, daß der Noth dadurch abgeholfen 
wird. In engerer Bedeutung, der Zuſtand, ba man ter zur Wohl: 
fahrt, befonders zur Erhaltung bes Lebens unentöchrlihen Mittel 
bebarf, Mangel baran leidet. Motbdurft leiten. „Mehmet euch der 
Heiligen Nothdurft an.“ Röm. 12, 15. Was zur Eeibes Nabrung 
and Morhdurft gehört, Epeife und Trank, Kieidung und Mahnung. 
„Kleider damit er feine Nothdurft deden kann. Sir. 29, 23. 
a) Alles was noͤthig, zu einer Sache erfoderlich iſt. Eo ſagt man 
im O. D, und ia ben Hanzeleien, feine Mothburft reden, was man 
Jar noͤthig, zur Sache erfoderlich Hält; daß ihr zures-Lıte bie 
Morhdurft dabei beobachten möget, d. h. tat was nötbig iR, Seine 
Nothdurft effen, ſchlafen 1, im D. D. fo viel nöthig iſt, nach ſei— 
ner Notbburft, Die Schreibenoihdurft, O der Schreibtebarf, ats 
Geder, Dinte, Popier, GE, In engerer und gewöhnlicher Bedentung, 
was zur Erhaltung bes Lebens erfoderlich ift und fo riel deffen dazu 
erfoderlih ift, Seine Merbdurft haben. Einem bie Notbhdurft ver: 
ſchaffrn. Sich ıtwas an der Mochdurft abbrechen. Im gemeinen 
Leben iſt, feine Nothdutft verriäten, ein anfländiger Ausdruck für, 
“in Naturbedärfniß dach Austecsung des Leibes befriedigen, 

Nothdürftig, —er, — ſte, adj. u. adv. 1) + Rethdurft habend, rie 
ned Dinges bedürfend. Cine; Dinges nothdärftig fein, im ©. D. 
eö bebürfen, ubthig haben. „So wil ih dieweil einkaufen, mas ich 
dann nes nothbärftig kin.“ Thenerdank, K. 52. In engerer 
und gewoͤhnlicher Bedrutung, ber unentsehrtihen Wittel zur Erhal⸗ 
tung des Lebens bebürſend, berfelben ermangelnd. Notkduͤrftig fe 
ben. Gin nothöhrftiges ben, im weichen das Nöthigfte zur Erz 
haltına befieigen mangelt. 2) Mur ver Noth abbelfend, gerabe oder 
kaum zu etwas binzeidend. ein nothbürftiges Auskemmen baben. 
Ge reiht fo nothduͤtftig zu. Er iſt nothbuͤrftig geſchiet, getehrt. 

Die Notheürftigkeit, My. —en. 1) Der Zuſtand, die Eigenſchaft 
tiner Perfon und Sache; ba fe nottdürftig ift; ohne Mehrzahl, 
3}; Eine notbbürftige, nöihige, befonders zu Erhaltung bee Lebens 
notbwenbige Sache. „Drt, Beftanbtheile feines Körpers, Inſtinkte 
(Zriebe) der Seele, Ledensalter, Nothduͤrftigleiten — alles hat er 
(dev Menfä) mit ben Thieren gemein." Herder. 

+ Der Notbeimer, —t, 94. gl. ein Eimer, deſſen man fi in einer 
Feurrenoth bebient; der Kewereimer. 

Das Notbeifen, —&, MM. al. bei den Stelfmadiern, ein Filmes 
Werkzeug mit einer fhmaler Zihneide und einem eifernen Stiele, 
womit bie Nutten an ben Säulen eines Kutſchkaſtens ausgeſtemmt 
werben. 

Es nothet. 
Dann, in Schwaben, nothwendig zu thun haben. D. Nothen. 

* Noͤthen, v. trs. Noth machen, in Roth verſeten. S. Noth ı). 

Der aͤrgſte Ted iſt ber, der gar zu langſam töbret; 
Die ärgfe Nort ift die, die gar zu langſam nötbet. 
Gtemahle auch für pfaͤnden. D. Nöten D. —ung. 

+ Der Nother, —e, Mi, al. in Schwaben einer ber in Noth fedt; 

der Notheler iſt daſelbſt ein Anafkiiher Menſch. 


Logau. 


* Der Noͤther, —s, Sy. gt.; die — inn, Di. —en, eine Perſon 


welche eine andere nöthet, Stieler. 

Der Notberbe, —n, 93. —n. ı) In ben Rechten, tin Erbe, wel: 
den man obne dringende Noth nit übergehen darf, fondert wel: 
hem man frin Vermögen au vermachen geniffer Maßen penötbiget 
if. Derzteichen Erben find tern und Kinder; in @egenjas von 
fremben Erben. 2) X Gin aus Roth, in Ermangelunßg eines an 
dern näbern oder beſſern eingefegter Erbe, 

Die Notherbſchaft, By. —en, berjenige Theil der Erbſchaft, wel 


Nothf 


chen man ben Seinigen zu vermachen gezwungen iſt; + die Noth— 
gebuͤhrniß und in manchen Gegenden für Plichteheit. 

Der Nothfall, —s, Di. —fälle, ein Fatl der Neth, ein bringens 
bet Fall, da man durch äußere oder innere ummiberftehliche Bewegs 
gründe zu etwas gebrängt wird. Im Mothfalle kann man fi auf 
ihn werlaffen. Für den Mothfall ift es zu gebraugen, wenn es ge: 
rabe möthig iſt und man nichts Beſſeres hat. 

%* Notbfeft, adj. u. adr. feft für Fälle der Roth, Haltaus. Aud, 
ſtandhaft, in Roth auſdauerud, wie auch tapfer, In welchem Einne 
es ehemahls auch als ein Titel gebraucht murde. „Der nothfeft 

; fireng ritter.« bei Oberlin. 
Seine (des Menſchtu) Tugend war nie febe nothfeſt — Sonnenb. 

Das Notbfener, —s, 4. gl. 1) Ein Feuer welhes man zum Zeir 
hen daß man fih in Noth befindet und Hülfe verlangt, anzündet, 
a) X Nah Ad., ein Feuer, welches von Abergläubigen bei anfledens 
ben Seuchen oder dem fogenannten wilden Feuer unter freiem Sims 
inel vermittelt eines Haarfeiles aus einem trecknen Zaunpfahle 
durch Keibung erregt unb mit Brennfloffen unterhatten wi:b, unb 
durch welches das Bich dat Mahl mit Gewalt getrieben wird, um 
es dadorch vor der Krankheit zu fihern. Das ehemahls fehr gewoͤhn— 
liche Fohannsfeuer war ein ähnliches Feuer, 

+ Notbfolglich, adj. u. adv. notäiwenbig folgend. Ihr Theater mußte 
nothfolglich ein Abderitifches werden." Wieland. 

%* Der Nothfreund, —es, 2. —e, rin Freund in der Neth, Ehe— 
mabld ein Mlutsverwandter. O berlin, 

Die Notbfrift, My. —en, in den Rechten, eine Frift, welche man 
nicht ohne bie böchfle Noth verfäumen barf; ober bie man zu hal 
ten, abjumwarten gejmungen tft (Terminus peremtorius), 

O Nothfuͤhlend, adj uw. adv, Roth füglend, in einem üblen Zuſtan— 
de ber Hülfobebürftigkeit befinblid,, 

ü — — Und Alles 
Nothfuͤhlende wehliageti — Herder. 

+ Das Nothgebuͤhrniß, —ſſes, My. — ſſe, f. Nothetbſchaft. 

Das Notbgedinge, —e, 9%. gl. im Bergbaue, ein Gebinge, welches 
auf Gewinn und Berluſt gemacht wird. 

Rotbgedrungen, adj.u.adv. von bes Moth gebrungen db. b. gebrängt, 
gejmwungen. ©. Motböringen. Davon die Mothgedrungenheit, are 
Zuſtand, ba einen die Noth zu etwas bränat, ba man gesmungen 
ift, ber Zwang. „Mothgedrungenheit verantafpte jenes angeblihe 
Dpfer ber Großmuth.Ungen. 


X Das Nothgeld, —es, By. —er. ı) Ein Geld, für einen Mothe 


fall beftimmt, zurädgelegt; ein Nothgreſchen, Motbpfennig. Eben 
fo kann man auch ein Noththaler fagen. 2) + In den Gerichten 
mander Gegenden, z. B. in Bremen, dasjenige Gelb womit die Kor 
#en in einem peinlihen Kalle bezahlt werben. 

+ Das Nothgericht, —e8, Ba. — a 1) S. Nothbing- =) Ein pein- 
liches Gericht, Halsgericht. 

* Das Nothgeſchaͤft, —es, 4. —e, ein nöthiges, dringendes 
Geſchaͤft. Haltaus. 

Das Nothgeſchrei, —es, My. u. ein Geſchret welches man erhebt 
wenn ınan fi in Noth befindet, unb Hälfe verlangt. »Man Bann. 
richt gehn Schritte geben, ohne in den fihneibenbften Kusdrüden um 
Mitleid angefleht zu werden; und ber Anbtick des Elends Mmter: 
ftügt das Mothrefchrei bes Jammers.* Seume In engerer Be: 
deutung, bas Geſchrei, welches man ausftößt, wenn einem Gewalt 
sefhichet, befonders bei einer Rutbaucht. 

%*%* Der Rothgeftalle, —n, 99. —n, ein Gefährte, wie aud ein: 
Helfer in der Mord; auch Nothſtrebe. 

eg fie mid ſehre 

Die Nöthgeflalten meinen. db. Klage, ®. ır15, 

Die Nothgorbing, a. - eu, auf den Edhiffen, ſolche Gordingen, 
welche bei ſchwerem Wetter noh außer ben Bauchgertingen um das 
große und bas Fodfegel gemadt werben, um den Bauch birfer Se: 


519 


Nothi 


gel mit aufjugeien. Röbing. 

x Der Nothgroſchen, —&, 4. gt. ſ. Notbpfennig. 

Nothhaft, —er, — eſte, adj. u. adv. 1) xx Mit Noth behaftet, 
Noch leidend, in einer Noth befindlich. . 

Da erſchraken biefer Mähre die nochhaften Mann; 
tungen 2. ®, 8805, 
2) + In einer dringenden Roth gegeinbet und darum rechtmäßig. 
Eine nothlafte Entſchuldigung. 

* Die. Rothbaft, Di. —en, ein Nothfall, welcher eine rehtmäfige 
GEntfhuldigung abgiebt, enthaͤlt. S. Ehehaft. 

Der Nothhelfer, —s, Mi. gi; die —inu, 94. —en. 1) Eine 
Perſon, welche in ber Roth und aus der Roth hilft. „Er ift ber 
Eridfer und Mothhelfer- Dan, 6, 27. In ber Römifhen Kirche 
find bie vierzehn Nethhelfer vierzehn Heilige, welche im ellen Ms 
then vorzügli angerufen werben, »Der mit 2orbern umgebene 
Schattenriß diefes großem Nothhelfers.“ Thümmel. 2) Eine Per— 
fon und Sache, beren man ſich nur in ber Roth, aus: Roth bedient, 
weil man keine beffere bat. 

Das Notbhemde, —t, By. —n, ehrmahld bei Aberglaͤubigen, ein 
Hemde, welches diejenigen, bie es anbatten, nicht nur feft madıen, 
fondern auch im Kindbesnöthen Tiegenden Frauen bas Grbärn ers 
leichtern follte. 

Der Notbhobel, —, 9. gl. bei den Bächfenfhäfterm, ein ſchmaler 
‚Hobel, beffen Eifen halbzirkelſoͤrmig abgerundet ift, und womit bie 
Keine Rinne im Flinten- oder Bühfenfchafte für den Ladeſtock abges 
hobelt wird. 

Die Nothhülfe, 9. u. 2) Die Hülfe in der Roth und aus ber Roth. 
=) Eine Hülfe, deren man fid nur im Rothfalle bebienet, weil man 
feine beffere Bat. ö 

Nötbig, —er, —flr, adj. u. adr. 1) Roth habend „ bebürfend. (Et: 
was nöthig haben, es zur Erreichung einer Abfiht, zur Abhuüͤlfe 
einee Sache durchaus bedürfen, nicht entbehren können; vergl. ber 
bürfen, brauchen. „Ihe Herz fheint Beinem großen. Antrieb mehr 
nöchig zu haben.“ Beltert.. Im engerer Bedeutung, K% in. Roth: 
beſindlich; ungewoͤhnlich, außer im Bergbaue, wo eine Zeche waſſets⸗ 
noͤthig iſt, welche von Waſſer leidet, zu viel Waſſer hat, und im 
Schwaben, mo es nothig lautet, und noch für ſehr beduͤrftig, arm ge: 
braucht wird, 2) Zur Abhuͤlfe einer Noth, eines Mangels, zur Errel⸗ 
chung einer Abſicht dientic, erfebertih.. Eine noͤthige Sacht. Die no— 
thige Nahrung und Aleidung, die man zum hen und Wehlbeftnden 
baden muß. Möchig fein, Kür noͤthig halte. Ich finde für möthtg, 
ba ıc. Es iſt nicht noͤthig, daß man viele Kleider habe. Sehr 

nöthig, hoͤchſt noͤthig fein. Das Nötbige, etwas bes noͤtbig if. 
Soll ih dich an dem Möthigens Mangel teiden fehen?« Dufd. 
Das Nötbigfte ih verfhaffen- Im O. D. wird: näthig für noth— 
wendig gebraucht, von welchem ed. aber zu unterfheiben ift, indem 
das Nothwendige fein muß, weil e& nicht anders felm kann, dus 
Möchige aber zwar jur Erreichung, einer Abfiht fo und nicht anders 
fein: muß, übrigens aber anders fein kann, wenn die Abſicht aufge— 
geben wird. Davon bie Noͤthigkeit, die Eigenfibaft eines Dinget, 
ba 26 noͤthig iſt. Im O. D. auch für Nothwendigkett. 

Noͤthigen, v. trs. 3) Rothwendig machen, daß jemand etmar thae, 
unterlaffe ober Iribe, ſewol durch Gewalt, als auch durch Berſetzung 
in Umftändt, die das @egentbeit unmöglich machen, wie auf, durch 
Beweggruͤnde; vergl. zwingen, verpflichten. »Ohne deimen Willen 
wollte ich nichts hun, auf daß bein Gutes nit wäre gendihiger, 
fonbern freiwillig.“ Phitem. 14. Ic bin gendchiger, ich fehe mich 
genöthiget es zu thum, fagt man oft, wenn man etwas widet Willen 
then muß. Firmen mit Gewalt zu etwas nöthigen, ifm bazu amins 
gen. Dem Feind nöthigen: einen Plag zu veriaffen, es ihm um: 
mögtid« machen fi länger auf. bemfeiben zu behaupten. @inen zum 
Gffen, zum Trinken nötbigen, ihn bazu durch angelegentliches Pitr 
ten auffodern, aufmuntern.. Das Noͤthigen bet Ziche- uc. iſt ale 


db. Ribes 


Nöthi 


etwas Lätiges im ber feinern Welt abgelommen, weil es boburd, 
dab der Genoͤthigte dahin gebracht wird wiber feinen Willen etwas 
zu tbun um nicht unböflih zu fein cher zu ſcheinen zum Zwange 
wird. Im M. D. fagt man aud, einen nöthigen, für, ihn zu Tiſche, 
zu Safe bitten, alfo für einladen. =) Ehemahls gebraubte man 
nöthigen aud für notfsädhtigen. D. Nöthigen. D. —ung. 

Der Noͤthiger, —s, DB. gl.; die —inn, 3. —en, eine Perſon, 
welche andere nöthiget. > 

Das Notbjahr, —es, 9. —e, ein Jahr, in welchem eine. Roth 
eintritt, befonders Moth oder Mangel bes umentbebrlihen Betreidbes 
unb anderer Behendmittel. 

X Die Rothlapelle, 2. —n, in ben Hüttenmerfen, eine Kapelle 
zu einer Peobe, an welcher viel gelegen ift, zu weicher man aber 
mar fo vier Erz bat, das man fir nur einfah machen Bann, 

Die Notbllage, u —n. 1) X Eine Klage, zu welder man ſich 
aus Noth entflieft, zu weiher man dur die Umſtaͤnde genoͤthiget 
it. =) + Eine Klage Über erlittene Roth, d. h. offenbare Gewait; 
befonbers über erlittene Nothzucht. 

Der Nothknecht, — es, Ta. —e, rin Knecht, beffen man ſich aus 
Noth auf einige Zeit in Ermangelung eines ordentlihen Knechtes 
bedient, In weiterer Bedeutung und verähtlih X eine Perſon, bes 
ren man fih zu einer Sache, Arbeit aus Roth, in Ermangelung ber 
ordentlihen oder einer beffeen bebient. Jemandes Nothknecht fein. 
„Ein Paar Nothknechte beftellen.- Ien, Literaturzeit,. (&.) 

Der Nethloͤnig, —es, By. —, rin Wort, womit man einen Kör 
nig, ber es nur aus Roth, auf kurze Zeit iſt, bis ber rigenttiche 
oder wirkliche König feine Etele einnehmen kann, zu bezeichnen ver; 
ſudit bat (Interrex). 

Nothleidend, adj. u. adr. Noth ?. h. ein das Wohlbeſinden verhin: 
derndes Übel, befonders Mangel an dem Unentbehrlichen sum 8er 
bensunterbaite leidend, und ber Hülfe bebürftig. Seinen nothleidens 
den Mitmenfchen beiftehen, beifen. Die Notbleidenden unterftügen. 
So gehe denn feiner zur Rube bes Brabes, er habe denn erquicken⸗ 
den Schatten über ben Mothleidenden geftreut.“ Geßner. 

* Motblich, adj.u.adv, mit Noch, zur Roth. Mahler. Bei Stier 
ter noͤthlich. „Ein Fahr kann ich davon nur nothlich leben.“ Wolke, 

* Nothlos, adj. u. adr, 
ONoth habend, Stieler. 2) Richt noth, unnäthig. 

Allein wie uns babei 

Bu Muthe war, ift nothlos zu erzählen, 
Herder bat dafür unnoth gefagt. 5) K Im R. D. unverklagt, 
vor Gerichte nicht verklagt, verfolgt. Davon die Morhiofigkeit, 
ber Zuſtand, ba man Peine Noth bat, wie auch ba etwas nicht noth iſt. 

Die Nothlüge, 24. —n, eine Lüge, zu welcher man fih aus Roth, 
um ein Übel zu vermeiden entfchlicht. 

Das Nothmittel, —s, . gi. ein Mittel, zu welchem bie Roth 
zwingt, welches man aud Roth erareift. Adelung. 

X Der Nothnagel, —6, 99. u. ein Ragel, deſſen man ſich nur aus 
Moth bedient, weil man keinen beffern hat. Im gemeinen Leben 
beißt eines Audern Nothnagel fein follen, ihm in der Berlegenheit 
mit feiner Perfon in Ermangelung einer beffern auchelfen ſollen. 
M. Kramer in feinem Deutfd-Itat. Wb. hat dafür Merhftopf, 
dee in Crmangelung eines beſſern gleichfam vorgeftopft, In bie Luüͤcke 
geRopft wird, 

Nothpeinlich, f. Hochnothpeinlich. 

X Der Mothpfennig, —s, 24. —e, Geld welches für einen Noth: 

fall beſtimmt, aufgefparet wird; aud ber Nothgroſchen, Morh: 
fhilling; zum Unterſchiebe von einem Ehrenpfennige x. S. aud 
Mothgeld 2). Sich einen Mothpfennig erfparen, zuruͤcklegen. 

Das Nothrecht, — es, MM. u. 1) Das Recht, etwas im Rothfalle 
tbun zu dürfen, wohin bie Rothwehr gehöre. =) An manden Dr: 
ten, 3. B. in Breslau, ein außerorbentlihes Recht, nah welchem in 
deingenden Rothfaͤllen werfübren wird, S. Nothding. 5) Ein 


\ 


Wieland. 


520 


1) Ohne Roth, von Roth befreit, keine 


Nothſt 


Mecht, zu beffen Aucuͤbung man gezwungen wird. So iſt ee}. B. 
hier und da ein Nothrecht, das einer, ber zu einer obrigkeitlichen 
Stelle gewählt wirb, biefelde annıhınen muß. 4) Das Recht in 
Nothklagen, d. h. in Klagen über angethaue Bewalt, befonbers 
über Rothzucht. 

* Die Norbrede, 9. —n, die Vertheidigung vor Geriht, zu wel 
der man genhtbiget if. Schilter Haltsun. 

Nothreif, adj. u. adv. vom Getreide uab vom Dbfte, nor der Zeit, 
ehe es noch völlig ausgewachſen ift, durch große Hithe in einen der 
Reife Ihnlihen Zuſtand verſetzt. 

Der Notbreif, —es, 2%. —e, ein Reif, welder nur im Nothfalle 
von ein Gefäß gelegt wird, bis es mit orbentlihen Reifen necichen, 
ober wenn es ſchahaft war, bie es volllommen ansgrbeffert werben 
kann, „Wie wäre ed, wenn ih einen andern Mothreif ergriffe, der 
fhon manden led geworbenen Reiſenden in feinen Fuzen gehalten ?« 
Thuͤmmel. 

Die Mothreiſe, My. —n, sine nothwendige, aus Neth unternom; 
mene Reife, \ 

Die Mothſache, 94. —n. ı) Eine nöthige, wie aud, eine nothmen- 
dige Sahe. Das And Fein: Nothſachen. 2) Eine Sache, bie 
in einem, bringenden Rothfake ihren Grund hat, Be wird in 
manden Gegenden eine rechtmäßige Entſchuldizung vqr Sericht eine 
Nothſache genannt, 

* Die Notbihasung, 94. —en, für Brandfbagung. Baltaus. 

* Der Nothſchein, —es, By. —e, eine Beſcheinigung, Zeugnis 
über ein nah ben Geſehen gültiges Bindernig. Haltaus. Es 
Einnte auch einen Schein für den Mothfail bezeichnen, 

O Der Nothſchilling, —es, My. —e, fo viel als Rothpfennte. 

— dimm das Bitchen Armuth, ben lehten 
Noch: und Ehrenfhlling, Voß, 

Die Nothſchlange, 94. —n, eine Art ehentahls gebräudlicen gro: 
ben Geſchuͤes; chemahls auch ber Nothdrache. 

ODer Wotbichlummer, —$, Wr. u. ein Schlummer, zu welhem 
die Ratur genötbiget wird, ein erzwungener Schlummer; wie ber 
buch einen Schlaftrunk dewirkte. »— er war aus drm Motbe 
fütummer gläßend aufzefahren.“ I. P. Sichter. 

Der Nothfhnitt, —et, DH. —r. ı) Ein Schnitt, zu weldem man 
buch bie Noth, zur Vermeidung eines größeren übels gezwungen 
wird. &o kann man den Kaiſerſchnitt einen. Nothſchnitt nennen. 
2) Im Bergbaue, ein Schultt, d. h. eine Grube, melden man aus 
Roth und nit nach ben Regeln bes Rerghaues maht. Im enge: 
rer Bedeutung verfteht man unter Mochfchnitte thun, bad Erz 
wegnehmen wie man es findet, um bie Koften fobeib ala möglich 
wieder heraussubringen, 

Der Mothſchott, —es, 34. —e, im Deihtaue, ein Durchlaß im 
Deiche, womit man biefem Luft macht, wenn das Waffer davor zu 
hoch tritt. 

Der Nothſchuß, —ſſes, Sy. — ſchuͤſſe, ein Schuh, wodurch man 
eine vorhandene beingenbe Noth anzeigt und Hoͤlſe verlangt. Ein 
Schiff thut Nothſchuͤſſe, wenn es durch Kandnenſchüſte feine Moth, 
ta es in Befahe iſt zu ſinken oder zertrümmert zu werben, angeigt 
und dadurch Huͤlfe verlangt. 

Die Nothſpake, Sz. —n, in ber Seeſprache, eine ſtarke Spake, 
welche man dann, wenn der Anker Ah nicht Bill lichten laſſen, im 
das Spill fett und an das oberſte Ende eine Tatje befeſtiget, wor: 
auf man windet. Röding. 

Der Nothſtall, —es, 9. fälle, 1) Ein Stall, ein ſtarkes Ber 
fiel, Geruͤſt mit einem klelnen Dache, unbändige Pferde, die ſich 
nicht wollen befhlagen, Arzeneien eingiefen faffen xc., barin mit 
dem Vorderlelbe in die Höbe zu ziehen und baburd; ober auf anbere 
Art noͤthigen, fill zu ſtehen und ſtill zu halten. 5) X k Ein 


Rothbeifer. 
Dir Nothſtand, — es, Bu. m. 1) Ein Aufamb der Roth, ein ber 


Nothſt 


droͤngter Zuſtand. Kaltaus. 
Ihm feinen Nothſtand zu entdeden. Wieland. 
» Ein Buftand, da man fih aus Roth zu einer fonft unerlaubten 
Hanblung gezwungen fieht, 

"Der Nothftänder, —s, 4. gl. im Deichbaue, bie Ständer hinter 
ben Seitenwänben eines Batlkenfielee, woran,bie Wandbalken mit 
Bolzen gegen bas Winfcieben befeftiget werben, 

X Der Nothftopf, — 1, u —e, ſ.Nothnagel. 

Der Nothſtein, —es, MM. —tı [. Kragſtein. 

*%* Der Nothftern, —es, Di —e, ein Haarſtern, Schweifftern, 
„weit man. fein Erſcheinen ehemahls für Augen einer Roth hielt, 
BWörterb. v. 2483 und Friſch. 

%* Der Nothtag, —ed, Mn. —t, ber Kag, an welchem ein Roth: 
king gehenet wird; wie auch, ber legte entfcheibende Gerichtstag, 
an welchem über eine . abgeurthelt wird (Dies peramtorias). 
Dberlin. 

Die Nothtaufe,. Di. — eine Zaufe, bie’ man einem Kiude im 
Balle der Noth, ba.man fürdtet, daß es bald fierben werbe, ohne 
bie gewoͤhnlich dabei Statt fintenben Felerlichkeiten ertbeilt, und 
bie von ber erſten beften gegenwärtigen Perfon verrichtet wird; im 
2. D. Jaͤhtaufe, Gachtaufe, und weil fie auch Frauen, 4. ®. 
Hebammen, verrichten bürfen, aud die Arauentaufe, 

O Nothtaufen, v. trs. die Rothtaufe geben. Gin Kind nothtaufen. 
Uneigentiih, aus Roth, in Ermangelung eines Beſſern ober Ric: 
tigern benennen, — ihr — bie ihr ſchwach gegen Feinde ben 
Mangel eurer Energie Güte nothtauft* ıc. BenzelsSternau. 

' Der Noththaler, —s, Mz. gl. ı) Gin Thaler, welcher während 
einer Belagerung ober in anbern Nothfällen an einem Orte gefhlas 
gen wird. =) S. Nothgeld ı). 

Der Noththeil, —es, By. —e, der Pflichttheit. u 

Die Noththür, Dy. —en, eine Thür, deren man fih nur im drin⸗ 
genden Falle ber Noth bedient. So giebt es Noththuͤren aus ei: 
nem Haufe in Bas andere, um fid ihrer in Feuersnoth zu bedienen. 
Auf ähnliche Art kann man auch fagen Moththor. Im Deihbaie 
nennt man Noththuͤr eine Thuͤr, welche für eine gebrochene Siel: 
bir, fo gut es fi in ber Geſchwindigkeit thun läßt, angebracht 
wirb. 

O Das Nothübel, —s, 9. al. ein nothwenbiges Über, "ein Über, 
deffe: man nicht überboben fein kann. „— wo bas Weib endlich 
als eine vergeffene Nahfhrift erfheint, ein Mothübel der Schoͤp⸗ 
fung.“ Herder. 

Die Notbwahl, By. —en, eine aus Noth, wegen Drang ber Um: 
fände vorgenommene Wahl, 

Der Rothweg, —es, 3. —e, ein Weg, beffen man fih nur im 
Kalle ber Roth anflatt bed gemöhnlihen Weges bebienet und bedies 
nen barf, Bei Haltaus für, enger Meg, wo durchzukommen ber 
Fuhrmann feine Roth bat, 

Die Notbwehr, 0. 94. eine Gegenwehr, zu welcher man burd bie 
Roth gezwungen iſt, um eine bringende Gefahr abzuwenden, Mes 
ſonders bie Gegenwehr, wenn man fi in Erbensgefahr befindet, 
menn man feindrih angefallen wird. 

Der Nothmweifer, —s, 3. gl. in ber Bienenjuät, ein Beifer, 
welchem bie Bienen nah bem Werlufte ihres eigentiihen Welſers 
folgen. 

Notbwendig, —er, —fle, adj. u. adv. mas fo ift ober geſchiehet, 
baf ed nicht anders fein oder gefhehen kann, Im ber Vernunft: 
forſchung it nothwendig, oder ſchlechterdings nothwendig, was ben 
Grund feines Dafeins in ſich feibft enthält, oder beffen Gegenthelt 
din Wiberfpruß it. So ift Gott nothwendig oder ein nothwen— 
biges Wefen, Cs ift nothwendig, dap ein Dreitck brei Eden habe, 
Das Ganze fegt nothwendig Theile voraus, aus weldhen es beſtehet. 
Wer den Amel will, muß nothwendig aud die Mittel wollen. An 
dem zum Leben Nothwendigen Mangel leiten. Em gemeinen Le: 


Gampe's Wörterb. 5. Ip. 


M, Kramer, 


521 


s 


Ru 


ben wird ber Begriff von nothwendig haͤuftg nihe.fo ſtreag genom ⸗ 
men, unb man gebraudt es oft für fehe noͤthlg, burhaus nöthig, 
von Dingen, beren man nicht überboben fein zu können glaube ıc. 
Mupte es benn nothwendig heute gefhehen? „Miüfen Sie mid 
benn nothwenbig ſtoͤren?“ Gellert. Die Sache it nothwendig. 
Nothwendige Arbeiten, bie mit unterblelben, nicht aufgefhobem 
ir dürfen. Sich Andern nothwendig zu machen wiſſen. Bergt. 
tbig 

Die Nothwendigkeit, m. —en. 1) Die Elgenſchaft eines Dinge, 
ba es mothwendig if, Die Nothwendigkeit der Mittel, um einem 
Zweck zu erreihen, fann kein Bernünftiger bezweifeln. =) Ein not 
mwenbiges Ding, bas nicht anders fein kann, ohne welches ein Zwec 
nicht erreicht werben kann. Die Nothwendigkeiten bes Lebens, bie 
sur Erhaltung beffelben nothwentigen Dinge. 

Dad Nothwerk, —es, Br. —e, ein nothwendiges Werk; wie and, 

‚ein Merk, zu weſchem bie Moth treibt. 

+ Der Nothwerker, —s, 3% Hl: in Schwaben, einer ber viek zw 
thun bat. 

Das Nothwort, —e6, Bi. wörter, ein Wort, beffen man fih aus 
Rotb, in Gemangelung eines beffern bedient, M. Kramer. 

Der Nothwurf, —es, Br. —würfe, f. Nothausmwurf. 

Das Notbzeihen, —s, My. gl. ein Beihen, womit man Xnbern- 
eine Moth, eine Gefahr anzeigt unb zur Hülfe auffodert, 3. B. 
bei einer Waſſersnothh, Feuersnoth ıc. „Bei Mafferffut — Nöth- 
jeichen ausſtecken aus den Bäufern* ıc. Popowitſch. (R.) 

Die Nothzucht, My. u. ehemahls Überhaupt jede Gewalt, die man 
einem. Audern anthut, mie aud jeder Bwang; in welchem Ginne 
man ehemahls auch nothziehen für zwingen gebrauchte. In enges 
zer unb gewöhnlicher Bebeutung, der ſchaͤndliche mit Gewalt vers 
übte Mifbrauh einer Perfon zur Wefriebigung der Wolluft; ehe: 
mahls auch Nothzug, Nothzoge, Nochzögung, Nothzwang, aud 
nur Noth und Nothnunft, von Noth und nehmen, im N. D. Ver: 
Eräfting, Wiefnood. Nothzucht begehen, Sich des Verbrechens 
ber Nothzucht ſchuldig machen. — 

Nothzüchtigen, v. tre. ehemahls überhaupt Gewalt anthun, im nel: 
Ger Sedeutung es zumeilen nod jeht, befonders in Scherz, ge: 
braucht wird, In, engerer und gemöhnliher Bedeutung, mit Ger 
wait zur Befeicbighng feiner Moluft mißbrauchen; nothzwaͤ ngem, 
ehemals auh nothzogen, nothzoͤgen, im 9. D. verkräftigen. 
Eine Perſon nothzuͤchtigen. Cine gemoöthzjüchtigte Perſon, eine 
Genothzuͤchtigte (Stuprata). D. Nothzuchtigen. D. —ung. 

Der Notbzüchtiger, — 6, 94. gl. eine männliche Perfon, welche eine 
weibliche notbsüdtiget (Stuprator); ehemahls Mothaoger. 

* Der Nothzwang, —es, o. Mz. 1) Der Zwang ber Noth, ein 
unwiberſtehticher Zwang. 

Könnt ih leben? mähm ich's mit: muß ich fort? ich bin's zu⸗ 
frieben, 

Diefen Nothzwang Teib’ ih gern. Güntper. 

2) Die Nothzucht. 

* Nothzwaͤngen, v. trs. mit Gewalt zwingen. In engerer Bedeu ⸗ 
tung nothzüchtigen, im weicher DBebeutung es Sintenis gebraudt 
bat. 3, D. Vothzwaͤngen. D. — ung. 

* Der Nothzw Inger, —6, Mj. gl. der Kothzwang ausäbet. Stir: 
ler. Haltaus hat Nothzwinger. 

+ Die Noͤtſchel, 34. —n, bie Kub. 

+ Notteln, v. trs. in Schwaben, rütteln. D. Notteln. D. —ung. 

X Der November, —e, 9. 9. f. Windmonat. 

X Nu, ein Wort, welhes befonders in R. D. gebraucht wird. 1) Im 
gemeinen Leben für num. 2) Einen fehr kurzen Beitsaum, einen 
Augenbiid, wie aud, eine ſchnette Bewegung zu bezeichnen; als ein 
Grundwort, in beffen Brbeutung man au Hui gebraudt, „In 
dem nämlichen Mu fühlte er· 0, Wieland, N 

— In einem Mu 


66 


* * 
Nüůch 522 Null 
sa Entfuht bir fange SaAachtſpeer Jedea Band. Bürger. (RR). fabenförmigen Nudeln, die Fadennubeln, merten burd rin Blech 


— — — Im Nie durchzitterten Flammen 
Der falten Pfſyche die Brut, Thuͤmmel. 
* Die Nüchtere, 0. 34. die Ruͤchternheit. Mahler. 
Muͤchtern, —r, —fr, adj. u. adv. 1) Denfelben Tag ober ben: 
s. ſelben Morgen nech nichts zu ſich genommen, beſonders noch nichts 
gegeſſen habend. Roch nüchtern fein. Nuͤchtern trinken, ehe man 
etwas gegeſſen hat, Gin nuͤchtetner Magen, der denſelben Tag 
noch Keine Speiſe oder Krank aufgenommen hat, Muͤchterner Spei⸗ 
m. del, ber, wenn man neh nüchtern ift, im Munde abgeſondert wirb. 
Da Morgens, wenn man noch mächtern iſt, andere Speiſen, 
die man gewöhrlich nicht zum Frühſtuüͤckk genießet, nicht fo gut als 
fonft zu fchmeden pflegen, und ibe Genuß füe unzeitig gehalten 
wirb; ba auch viele Menſchen, fo fange fie noch nuchtern find, ſich 
nicht behaglich finden und ihre Geſchäfte nicht fo aut-wirricähten zu 
können meinen: fo gebraucht man müchtern uneigehtiih auch für 
ve. unfhmathafl, ungeitig, übel angebracht, unbthaglich. Das Fleiſch 
ſchmeat fo nuͤchtetn. Ein nuͤchterner Einfall. Ich fähte mich fo 
scnädtern, mir-ift fo nüchtern. % Das Ningt fo nüchtern. >) In 
engerer Bedeutung, no nicht zu viel gelrunfen, noch keinen Rauſch 
babend; wie and, vom Kaufe befreiet und feine völlige Befinnung 
wieder habend. Roch nüchtern fein. Wieder nüchtern werben. 
Sie nuͤchtern fein; werben, d. h, immer beteunfen fein. unelgent⸗ 
lich, von der Berblenbung und vom Kaumel ber Seibenfhaften frei, 
ſich feiner- vollommgn bewuft, beſonnen. „Baffet une mwahen und 
nüchtern fein." Thefſ. 5, 6. „Ein nücternes Inſichgekehrtſeln⸗ 


— — 


Herber. — ſcharfſinnige und nuͤchterne (leidenſchoftaloſe) 
Unterſucher.“ C. „Das weiſe und nuͤchterne Auge der riechen.“ 
Berber, In weiterer uneigentliher WBebeutung, mäßig. Win 


nüchterned Sehen führen. Michtern leben. 

Die Nuͤchternheit, 0.4. der Zuftand einer Perfon und Sache, ba fie 
nuüchtern iſt, in allen Bedeutungen. Die Nuͤchternheit eines Menſchen. 
Die Nüchtenheit (bad Schale) eines Einfallea. In der NMächterns 
beit bertuet er, was cr in bee Trunkenheit tbat, Bei”ber großen 
Nuͤchternheit feines Geiftes übereilt er fich felten. Wefonders in 
der weitern uncigentlihen Bereutung, bie Maͤßigkeit im Eſſen und 
Zeinten, Und fei ein Freund ber Nuͤchternheit. Weltert. 
In manchen Gegenden Hört man dafür Im gemeinen Leben + Nuͤch⸗ 
ternkeit. S. Nuͤchtere. 

+ Der Nuck, — es, 9. —e, ſ. Nuͤcke. 

X Die Muͤcke, Mz. —n, fo virl als Mude, 

— bier hat's noch Nuͤcken. KL Schmidt. 
Im RD. der Nuck, wo ed auch einen Anſtoß, Aufall von einer 
Arankheit btdeutet. 

+ Die Nudel, 9. —n, ſ. Nudeln. 

+ Nudeln, v. intrs. in Franken, von faugenben Kindern, an ber 
Bruft fpielen, ald wollten fie daran faugen. D. Nuckeln. S. 
Mutfcheln.  Stieler hat auch das Wort Nudel für Wruft, 

+ Nuden, v. tre. im Osnabruͤckſchen, von den Pferden, ſich mit ben 
Bahnen Thaben, zeiben; nobben. &. b. 3). 

+ Rudern, v. imtrs. u. trs, im N. D. halblaut über etwas mutren, 
brummen und Unzufriebenheit äußern, fhelten Rihen. 
Nuckern. 

Die Nudel, Syj. —n; Um, das Nudelchen, ©. D. —lein, eine 
zunblihe Waffe von Zeig, als eine Speiſe. Im O. D. find tie 
Dampfnudeln eine Art in Mit gekochter Mehlfpeife, welche gro: 
pen Kıölen gleicht. GBerollte Teigſtuͤcke bis zur Größe und Dicke 

. eines Fingers, womit man Bänfe ıc. flopfer und mäftet, heifen auch 

Nudeln, Stopfnubdein, Wälger, Frexen. Gemöhntich aber der—⸗ 
ſteht man barumter mehr oder weniger bünne und ſchmale Striemen, 
welche man aus einem Zeige von Mehl und Giern, audı wol —— 
den man ganz bünn rollet, ſchneibet und enſweder in eine Suppe 
thut, oder ein eigenes Geriht daraus madt, Die feinen, runden, 


mit feinen Löchern gepreht.. ° Mürnberger Nudeln. Rund mie 
eine Mädel, rundtid; und gleich bild, X Sich rund mie ine 
Nudel eſſen. Auf eine ungewöhntihe Art beiten Nudeln 1) in 
einigen Thellen ter Mast Brüntenburg, & B. ber Udermark, bie 
Kartoffeln in Schwaben aber Heißt Nudel, ein dickes flarfes time, 
weidies girihfam rund wie eine Meder iftz rim Höffternifchen won 
Schüsde, kleine Pfeifen. ©. Ludel. 

Die Nudelbederei, 34. — en eine Anſtalt, we Rücnderger ZUM 
in Menae verfertiget werben, * \ 

Die Nupelbreche, 9. — n eine Breche ode ein: Weikeug, ver⸗ 
mittelſt deſſen der Nudelteig gebrochen eder barchgewirkt wird. 

Das Nudelbrett, —es; My —er, in den Banebaltungen, ein Brett, 
anf welchem der Nudelteig bünne gerollet und zu Rubein gefchnis: 
ten wird, 

Die Nudelbruͤhe, E70 —t, f Nudelſuppe. 

Die Nudelform, Br. —en, bei den Kudelmachern, boble Formen 
von Eifen mit vlelen Loͤchern von ———— Weite, darch melde 
ber. Rudelteig aeprrüt-wird! ul 

Das Nudelholz, —es, 3. —hölzer, ein walzenförmiges Homk, ober 
eine ‚Heine um eine Weile beinegiiche Walze, wemit ber Nudeiteig 
dünne gerollt wird; die Mudelwalze, auch + Mudelwalger. — 

Der Mudelkoch, — s, m. — koͤche 1) Einer der Nudeln macht 
M,-Kramer 2) Eine gebackene Speife von Nudeln. ©. Koch 

Der Nudelkuchen, —s, 3. gl. Nudeln, welche in Geſtalt einet 

dicken Kuchens in einem tiefen Gefige gebämpft worben find, 

O:Der Nudelmader, —s, 94. al; bie —inn, 3M. en; eine 
Derfon ; welche Nudeln in Menge sum Berfauf mat. Fb, 00 

Das Nudelmehl, —et, 93. u. feines Weizenmehi gu feinen Nudeln, 

x Nudeln, v. trs. mit Nubdein fopfen, moͤſſten. & Nudel, ine 
Gans nudeln. Uneigentüch auch von Menſchen, voll flopfen, über 
ftäffig mit Speifen verfeben. Ein Kind nudeln. D. Rudeln. D. 

— ung. In manchen Gegeben ſagt man dafür freken. 

Die Nudelfpeife, Mz. —n, eine Speife aus Nudeln oder mit Hubtin, 

Die Nubelfprite, N. —n, ein Werkzeug in Geſtalt einer -Sprige, 
vermittelt deſſen bie feinen Nudeln gemacht werben, indem man 
ben in die Möhre gebrachten dünnen Nudelteig vermittäft bes Stem: 
peis durch die viefen Heinen Löher in ber vorn befinkliden diden 
meſſtagenen Piatte preßt. 

Die Nudelfuppe, Wz. —n, eine Suppe mit Nudeln; eine Nudel: 
bruͤhe, wenn es eine Fleiſchbrühe ife. 

Der Nudelteig, —es, 9. u. ein Teig aus Mehl und Eiern, wor. 
es Nudeln verfertiget werben. 

+ Niffeln, v. inies, u. trs. durch bie Rafe reden, ſchnuͤffeln; ans 
fiäntiger naͤſetn. D. Nuͤffeln. 

+ Nutten, Nuͤlken, v. intra, im 8. D. befonders in Gamburg, ſau— 
sen; nolfen, in Schwaben nellen, nullen, endermärts lulpen, 
lutten, lullen x. Richey. D. Nulten, Nuülken. 

+ Der Nulker, —#, My. gl. +) Einer der mulfet; in Schwaben 
Nolker. 2) —8 woran einer nutket; der Moller, Muller, Zub 
ver mw. ©. Kinderdutte. 

X Null, adv. nur in dem Ausdrucke null und nichtig Gbtih, für 
als nicht bafeiend, nicht geſchehen zu betrachten, un gültig. Etwas 
null und nichtig machen, für null und- nichtig erllären. In ten 
Gerichten und KFanzeltien kömmt es zuweilen auf eine fonft unge: 
wöbnliche Art auch als WBeilegunaswort vor. @in null unb nich 
tige? Verfahren. Davon die Nullheit (Nullität), die Nichtigkeit, 
Unzüttisfelt, 

Die Null, 84. —ın, bei Andern die Nulfe, 9a. —n, ein 3ähr: 
weichen in Gieftalt eines kleinen Kreiſes O, welches allein für fid 
‚nichts gilt, und blaß bient, eine Stelle auf welcher kein Einer oder 
Zehner oder mad fonft auf biefelbe gehört fichet, auszofällen, damit 
bie Babien auf bea vordern Stellen ihren vollen Werth behalten. 


Nuͤl 


⸗az 


Nun 





uneigentlich, eine Perſen ohne alles Anfehen, ohne allen Werth, 
welche als wäre fie gar nicht vorhanden, nicht geachtet und über: 
ſehen wird. 
Die find im Keriegerath Nullen, nichts bedeutende Stimmen, 
Bobmer, 

+ Die Nülmiaus, 9%. —mäufe, die Heine Feldmaus ober Erbmaus 
(Mus arvalis); auch Wuͤhlmaus, Scharrmaut. 

Der Numervogel, —s, By. — vögel, eine Art Tagfalter (Papilio 
atalanta), NRemnid. 

x Die Nummer, 94. —n, eine Zahl und ein Bahlzeihen, fofern 
etwas nah der Folge bamit bezeichnet wird, Die Nummer eines 
Haufes, Liedes, bie Zahl, welche es nad feiner Stelle, bie es in 
ber Reihe dee Häufer, ber Lieder einnimmt, führt, und nad welcher 
«6 Leiche gu finden iſt. Die Häufer einer Stabt mit Nummern 
verfchen (fie numeriren), Dann aud, ein mit einer Nummer ber 
deichnetes Ding ſelbſt. So fagt man, es fei in einem Befungefpiele 
biefe ober jene Mummer berausgefommen, und meint bamit ein 
mit einer gewiffen Zahl mach feiner Folge verfchenes Los. Unei⸗ 
gentiih fagt man im gemeinen keben, einen buch alfe Nummern 
loben, buch alle Faͤcher, in allen feinen Verhäitaiffen; eine gute 
Nummer bei einer Perfon, am einer Sache haben, ſich bei derſelden 
gut fliehen, am und bei ihr viel gewinnen. Ich bin fo eigennusig 
nicht, ſonſt Hätte ih bei ihr gewiß eine gute Nummier gehabt.“ 
Weiße Die Zeichen der Kaufleute an den Waaren, welche für 
fie Angaben des Preiſes find, werden auh Nunmern genannt, im 
gemeinen Scherz Kraͤmerlatein. Auch viele andere Dinge werben 
mit Nummern bezeichnet und danach genannt, 3. B. Drabtfaiten, 
Radeln, Schrot ix, ; 

Das Nummerbuh, —es, 24. — buͤcher, bei den Kauflenten, ein 
Bub, in weldes in großen Handlungen alle Waaren, bie dahin 
geliefert werden ober baraus gehen und die noch vorräthig find, 
nah Nummern verzeichnet werben. 


Das Nummereifen, —s, Di. al. ein Eifen mit einer erhoben ars 


arbeiteten Nummer ober Zahlzeichen, biefeibe eutweder auf eine 


Sache, welde mit einer Nummer bezeichnet werben fol, zu [lagen 


oder im dieſelbe sininbroneen, , 

Das Nummermaf, —s, Mt. —e, f. Probering. 

O Nummern, v. tes. 1) Zibten, ‚eine Zatt gehbrig ausſprechen; 
auch wel, eine anegefproihene Zahl durch Zahlzeichen ausbruden 
(nurieriren). 2) Wit ber gehörigen Rummer eerfchen inumeri- 
ren); benummern. Gin Haus nammern, 
D. Nummern. D. —ung. 

Der Nummerpfahl, — es, 9. — pfaͤhle, rin mit einer Nummer ver: 
fchener Pfahl, etwas damit! zu bezeichnen, 

Nun. 1) Ein Umſtandwort, bie gegenwärtige Zcit in Verbindung 
mit den gleichyeitigen Zufländen und Umfianden zu bezelchnen, buch 
weiche Werbinbung es fih von jest unterſcheidet, welches bloß bie 
gegenwärtige Zeit bezelchnet, obae alle Fückſicht auf die gleiäzeitis 
gen Umflänbe; auch nunmehr, um es in biefer Bebeutung zu unter 
ſcheiden. Ach, wollt ihe nun fhlafen und vuben?*= in ber gegen: 
wirtigen Zeit, unter diefen Umfländen? Marc. 14, 41. Nun 
koͤmmt er erſt, aachdem man fhon auf ihn gewartet hat, ober da 
ed nicht mehr Brit ie Nun iſt es zu ſpaͤr. Mas iſt nun zu 
tun? unter tiefen Umftänden, wofür man auch nur fant, mas 
nun? Ich will nun geene flechen, nachdem ich bein Angefiht ge: 
ſehen babe. ı Mof. 46, 30. Zuweilen werben nun und jest auch 
mit einander verbunden, wo fih dann nun auf bie Umftinde in der 
gegenwärtigen Zeit, jebt aber bloß auf biefe Zeit begichet. „Aber 
weiter vorwärts zu gehen, unb die Refaltate (Erzebniſſe) in der 
üblichen Form aufzuftellen, ift guter Rath theuer, zumahl nun und 
jept überhaupt. 5. A. Wolf. Bon nun an. X Nun und nim- 
mermche, niemals. Im D. D. fagt man auch bis nun, für bas 
beſſere Dis jept. 


ewig. 


Basen nummern. 


Nun und immerdar, nun und ewig, immer, 


„Do wird ber große. Zorn nicht nun und zeig iwÄähren.« 
Dpiz 
zuwellen gebraucht. „Wenn Küftine nun und dann Fonfeqienter 
(fogerihtiger) gehandelt Hätte Ungen. Dft wirb buch nun bie 
gegenwärtige Act nicht ſtreng angezeigt, fordern nur eine fpüter 
folgende mit Hinſicht auf etwas Vorbergegangenes: „Wenn ber 
Landmann in ben froben Saaten ber reihen Ernte dankbar entgr- 
genfiehet und nun ein fehrediihes Ungemwitter feine ganye Hoffnung 
baniederfhläge." Sonnenfels Edemahls gebrauchte man es 
auch vom einer vergangenen Zeit, für fon. 
zwar #r ift mir kuont 

Sy name nuln) vor maniger ftuont. Iwain 3, 872. 
Fuͤr mer, nur als ıc, wofür es im Iwain vorfömmt, ift es mit 
Necht veraltet, Atmellen wird auch das nun wiederholt und mie 
bald — bald gebraucht. 
dem Scherz num, und nun Hechſang 

Von ber begeifterten Lippe ſtrͤmet. Küttner 
Auser in biefer eigentlihen Bedeutung wird nun 2) noch auf man: 
cherlei andere Art meift als cin Bindewort gebraucht, trägt niet 
zur Bollftändigkeit und Nünde ber Mede bei, und bezeichnet (1) eine 
Folge. »Ein ih nun Water, wo iſt meine Eher?“ Mal. ı, 6, 
Habe ih nun Recht, fo folge auch. Zumweilen führt es auch den 
Unterfag eines Bernunftiäluffes herbei, wo ber Nebenbegriff, baf 
es das Gegenwärtige mit ben zugleich beftebenden Umfländen aus 
drudt, bamit verbunden bieibt, „Ale Menſchen können irren; nun 
find alle Gelehrte Menfhen: folgliche ac. Eberhard. Mei biefem 
Sage denkt man ſich den Menfhen unb @elebrten zunleih, indem 
man an ben Gelehrten ber ein Menfch ift denkt. (2) ine Urſache. 
Nun es mit der Sache fo weit gekommen ift, fo will ih mid bar 
mit nidt befallen; ba ober weil es mit ber Sache ıc Gehe oft 
gebraucht man es (3) X bie Theite einer Erzählung zu verbinden. 
Nun lebte aber damahls noch fein Vater. Mun traf es füh aber, 
bad ze. Dies nun war ber erfte Kal biefer Art, »Da fie nun 
nabe bei Jerufalem kamen.“ Matth. 21, 1. Üben fo (5) einen 
möglid;en Fall zu begleiten. Geſetzt nun! Wie nun, wenn ich 
ts ſelbſt gemelen wire? Menn ec nun aber frin Wort doch nicht 
hält. Wie auch (5) etwas zugugeben, einzuräumen, „Rathsherr 
moͤchte ih nun freilich gern werden.“ Rabener. „Rliegen kaun 
der Strang nun wol nicht, aber ih glaube, rer muß aut laufen Lin: 
nen» Leifing Je nun, bu bi freilich nicht bie ſchoͤnſte, aber 
du wirft auch verſorgt werben.e Gelfert. Oft bebient man fi 
beffeiben auch bei einer beſtimmten Beiftimmung, 4 B. nun gutt 
es mag fein; nun, bad iſt reht; nun, wenn bag ift: wie aud Sei 
einer beſtiamten Bejabung, wo aber nicht feiten ein babri Etatt 
Antender Unwille mit ausgetrurft wird. Mun, inie ich bir geſagt 
babe, Mun ja dad. Es if nun einmahl nit anders, Ih 
teive es nun einmahl niht. Der Unwille, welcher in biefen Mei: 
fpieten mit auögebrudt wird, begleitet bag Woͤrtchen nun aud noch 
in anbern Fällen, befonbers wenn man einen Vorwurf macht, einen 
Bermeis giebt ıc. Mas foll benn bas nun wicher heißen? Nun, 
mas mwilft du benn fhon wieder? (6) ft bient es nur in ber 
vertsautihen Sprechart, eine Frage au begleiten, wo es immer 
voram ſtehet. Mun, was fagen Sie dazu? Nun, fagen Sie doc, 
wie es mit ber Sache ging? Beſendert wenn man eine Antwort ic. 
zu erwarten berehtigt if, 3. B. num, wie lange fol ih warten? 
oder auh, wenn geriffer Maßea ein Warten vorangegangen iſt, 
z. B. wenn einer ben anbern ſprechen wollte, diefer aber nicht gleich 
anbören fonnte und naher fragt: nun, was haben Eie mir benn 
zu jagen? Oft ſtehet es auch allein ald eine Frage, oder als eine 
Auffoberung zur Kortfegung der Rede, ber Erzaͤhlung, im welcher 
der Andere inne gehalten bat. O hören Ele was gefcheben iſt — 
Nun? — Im gemeinen Eeben und in ber leichten Schreibart ge: 
beraubt man num ferner (7) einen Andern in feinem Reden un 


Nun und dann wird von Winigen für dann und wann, " 


* 


Nun 


524 


Nur 





Handeln, wenn ex ſich sergift ober zu vergeffen drohet zu mäßigen, 
wie auch, einen zu befänftigen, . mo man es zu miebernofen pflegt. 
Man, nun, nur gemah! Nun, num, übereiten Sie ſich nicht. 
„Nun, nun, wenn er dich aud ein Mahl du biege.- Gellert. 


Dft begleitet es auch (8) eine Aufmunterung, einen Kuaruf nad 


einem beherzten Entfhluffe. Nun, vorwärts! Mun, nicht gejaus 
dert Nun, fo will ich auch nice fänger warten. Wie au (9) 
eine Perwunderung. Nun, das geſtehe ih! Nun, das muß id far 
gen! Nun fage mir noch elner, — Faſt in allen biefen Bebeutuns 


gen iſt num meift nur im gemeinen Leben und in ber verirauligen » 


Spred: und Schreldart gewöhntih, wo es auch Häufia Mu lautet. 
Diefes nu ift aber zu vermeiten, wenigſtens in Schriften, da es 
überdies als ein Grundwort in einer andern Bedeutung gebraucht 
wird. &. Nu. , 

+ Nunen, v. ntr. mit haben, in Schwaten -einfhlafen, D. Nu: 
nen. Daven der Nuner, einer der fhtäft, wie auch, ein leichter 
tarzer Schtummer. 

Nunmehr, adv. fo viel ats nun, in feiner Vedeutung als Umſtand⸗ 
wort ber Zeit, für welches es gebraude wirb, ſowol in Fällen, wo 
das nun etwa zu kurz fheinen möchte, als auch um feine Medeutung 
dor den übrigen Kedeutungen bes Wortes nun genau zu unters 
ſcheiden, ober auch, um einen Rißklang, der durch Wiederhotung 
des nun entſtehen würde, zu vermeiden. „Die Vernunft bat nuns 
mehr über mein Ders geſiegt.“ Geltert, „Da nun viel Beit vers 
gangen war, und nunmehr -gefähriih war zu fhifen“ Apo— 
ftelg. 27, 9 

Nunmehrig, adj. u. adv. nunmehr, d. h. in der gegenwärtigen Beit 
feiend oder gefchehend, mit bem Nebenbegriffe des Wortes nun. &.b, 
Bei der nunmehrigen Einrihtung fol es bleiben. Der nunmehrige 
Kalfer, Bein nunmehriger Entſchtuß. In der guten Schreibart 
koͤmmt dieſes Mort felten vor. 

+Die Nuͤnne, B.—n, ein faugendes Kind, ein Meines find, „Bufe, 
tiebe Nuͤnne⸗ ıc., der Anfang eines Kinderliebes. 

+ Nünmen Nuͤnken, v. intrs. in Hamburg, faugen. D. Nännen, 
Muͤnken. Im N. D. bat man auch, die Mänke, bie Mutterbruſt. 
1. X Nur, adv, vor ſehr kurzer Zeit, vor einem Augenblicke, eben 
ef; im N. D. wub verfchiebenen andern Gegenden wirb es gedehnt 
(nuhr), in Schlefien ıc. Eur) auögefprechen, Er hatte nur die Etelle 
dertaſſen, als der Schuß dahin fiel. Ih war nur fertig geworden 
ale er fam. Grwöhnliher und beffer fagt man In biefem Falle nur 

sben oder eben erſt. 
Den Schnee, ber nur gefallen iſt, 
Beſchaͤmen noh die fe — Hauswalb. 

2. Nur, ein Bindewort, weiches noh Eberhard aus no nidt und 
or bem verderbten other im Engliſchen zufammengejogen ift, und 
nichts anderes, nichts weiter bedeutet. Man bebient fih deſſelden 
t) eine Ausfhliefung amjuzeigen; nichts weiter, nichts als, nicht 
mehr. Gr befipt nur eing, muß es alfo für fi behalten. Bören 
Eier nur noch Ein Wert, ) 

Mar ein Herz, das Gutes liebt, 

Nur ein ruhiges Gewiſſen, 

Dasvor Bott dir Zeugniß giebt, 

Kann dir feinen Tod orrfüßen, Gellert. 
&r dat mur cin Hemde an, nichts weiter ats ein Hemde. kegt man 
den Ton auf ein, fe will man bamit fagen, baf er weiter keine als 
dirfes ringige Hembe, und nicht zwei anhabe. Mur einen einzigen 
wabren Kreunb befap er. Es keſtet mur wenige Groſchen. „Wenn 
einem Mefannenen tägtih nur Gin @rofhen, und keine größere 
Greldfunume gereicht wird: fo kann er ſich dafür bich Brot und 
keine andere koſtbarere Art von Effen ſchaſſen.“ Eberhard, Im 
Liefer Stelle iſt zugleich der Unterſchled der Wörter nur und bloß 
durch ihre Begmflellung und ihre Verbindung mit den Morten grö- 
Gere und andere gezeigt. 


Mur einen Drud ber Hand, nur halbe Blicke, 

Nur Einen Auf, wie fie mir vormahls gab 

Bergoͤnne mir von ir, — — Kleifl 
In biefer Stelle liegt ber Tom ebenfalls auf Einen und halte, und 
nur befhränkt bier auf biefe allein, der Zahl nad. Hätte aber der 
Dichter fagen wollen, daß er Beine weitere Gunftbejeugingen andes 
derer Art fih wuͤnſche, fo konnte er für nur auch biof fehen. Er 
thut es nur aus Eitelkeit, Gitelkeit iſt der einzige Srund feines 
Zhuns Mur darum faffe ich es gefhehen, einzig und allein aus 
biefem Grunde. Mur ich war gegenwärtig, niemand als ih, oder 
ich war ber einzige Gegenwärtige. Nur er wurde bazır erwählet, ex 
allein, Peiner weiter, Nicht nur ic, fondern and die Meinigen, 
nicht allein ih ıc. Oft bezeichnet nur biefe Ausſchlleßung mit ver⸗ 
ſchledenen Rebenbegriffen, indem man dabei auf die geringe Anzaht, 
bie Kleinheit ober ben geringen Werth ſſehet. Es kamen ihrer nur 
zwei. Er iſt nur fanfiehn Sabre alt. Es ift nur ein Thier. Oper, 
indem das Mochergegangene eingefchränkt, vermindert wird; Ich 
fagte es ihm zwar, aber ner fo viel für ihn nöthig war. Dber, 
indem man ctwas ausnimmt, Alle befamen etwas, nur er befam 
nichts. Oder, indem ein Begriff baburch verftärft werben foll. Das 
macht ihn nur ſtoiz, man bewirkt dadurch einzig und allein, daß er 
ſtolz wird. Das macht ihm bloß ſtolz würde beißen, das bringt bei 
ihm weiter Beine Wirkung beroor als baß er ſtolz wird, nidt etwa 
auch aufgeblafen, ober eitel ıc, „Ich bin verdrießlich, und werde ed 
nur mehr, je mehr ich rebe.= Gellert. Das weiß er nur zu gut. 
Die Stelle, welche nur in der Rede beksmmt, iſt nicht nothwendig 
befimmt; gewöhnlich ſtelt man es dem Worte am nuͤchſten, auf 
welches fih die Ausſchliekung zunuͤchſt beziehe. Nur ich weiß ee, 
ober, ih nur weiß es, wofhr man auch fegen Kann, ich weiß es nur. 
Mur einigeXage follte er noch warten, ober einige Zage nur ſollte xc. 
oder, einige Tage ſollte er nur noch warten, Doch wird buch an: 
bere Stelfung der Sinn oft fehr geändert, daher man die richtige 
Stellung durch Aufmertiamteit auf den Mn und ben Gebrauch er⸗ 
ternen muß. Go bezelchnet: noch einige Tage follte er nur warten, 
fhon etwas anders, indem bas marten hervorgehoben wird. Nur 
follte er noch einige Tage warten, zeigt eine Verbindung mit dem 
Borhergehenden an umb zugleiä eine Auslaffung, nur wäre es gut 
gemwefen, nur hätte es füh gefcicht ꝛc. noch rinige Tage zu warten, 
Mur ich {oder ich nur) habe ihn gebeten, ſagt etwas ganz andere, 
als, ih babe nur ihm (ober ihn nur, mit dem Zone auf ihn) gebr: 
ten, und als, ich babe ihn nur gebeten (mit dem Tone auf nur), 
ih babe nichts gethan ala ihn gebeten. Außer dieſen Faͤllen wird 
nur uch auf andert Art in fehr vielen andern Fällen gebraudt, wo 
ed auch sur Ruͤndung ber Mede beiträgt, Die vorzäglichften biefer 
Fälle find: ı) Wenn man eine Bedingung ausdruden will, 

Da baft bu bare funfjig Thaler, 
Mur untertaffe den Geſeng. Hageborn. 

Wäre ich nur an feiner Stelle geweſen, ich hätte es mol beffer ge— 
macht. =») Wenn man einen Wunfh, der mit einem Ameifel, einer 
Beſorgniß verbunden if, ausbruden will. Ach, wenn ih es mur ber 
kommen koͤnnte! Wenn er nur auch kömmt!? Oder eine Beſorglich⸗ 
Reit überhaupt. Wenn es nur zu haben fein wird. Wenn er nur 
nicht andgegangen ift. Oft bezeichnet es 5) eine Ermahnung, Auf 
munterung. Thue nur au danach. Wandelt nur wuͤrdiglich dem 
Evangelio.“ Phil, ı, 27. Nur fort; Mur nicht lange fih befen⸗ 
nen! Nur feifh gewagt. Oft drudt es auch eine Warnung, einen 
Bermweis aus, ber nicht feiten mit einem Unmwillen und einer Dro— 
bung verbunden if. Daß ich dich nur nicht wieder babei treffe. 
Daß ba nur tie Zeit nit verſaͤumſt. Wage es nur. Das mag er 
ſich nur unterſtehen. Warte nur, es fol bir fihledht bekommen! 
Dft zeigt ed auch 4) bie Zufaffung einer Sache, wie auch Gleichguͤl⸗ 
tigkeit bei einer Sache an. Gehe nur immer bin. Er mag nur ge 
ben. Rap ihn nur kommen, ich will ihn ſchon gehoͤrig empfangen. 


Nuͤr 


525 


Nuß 





Werſtellt euch nur, ih mer® es ſchon.« Getlert. Mur immer 
bin! 57 Gin eigener Gebrauch des nur iſt es, ba man es, feiner 
eigentlichen Webentung entargengefept, gebraucht, eine Allgemeinheit 
zu begeihnen, wo es dem nicht denkt gebraucht wirb, Sole man 
3. B. ſagt, was er nicht Ades weiß! Mer ibn mur gu ſprechen vers 
langt, wird vorgelaffen, jeter ohne Musnchme. Mad er nur vers 
langt, das bekoͤmmt er, Alles was er verlangt, Was er ihm nur 
irgend zu Gefallen thun kann, das thut er — Mehr oder weni« 
ger von ben vorigen find folgende Webrauchsarten des Röörtchene 
nur verſchieden, weiche ſich aber nicht fuͤglich orbnen laſſen. Ich will 
nur ſehen, was daraus folgen wird, mo es eine Reugierde, auch 
wol, einen Wunſch bezeichnet. Ich will es Ihnen nur geſtehen. Ih 
will es nur fagen, da es doch Fein Geheimniß bleiben kann. böre 
nur, bu biſt verfländiger als beine Schweſter.“ Gellert. Sieh 
nur, was bu getban haſt. Ich muß nur fehen, mo fie fo lange 
bieiben. Gi ja bo, daß ih nur kein Rare wäre! Auf eine unge: 
woͤhnliche Art gebrauchte Opis nur nicht für nicht einmabt: 

Und wie ein Schaf ben Mund im Scheren nur nicht rühet. 

Bei Andern koͤmmt nurnicht auch für ganz und gar nicht vor, ſe auch, 

nur kein fuͤr ganz und gar kein. Auf eine andere ungewoͤhnliche 
Art gebrauchten Klopſtock und Leſſing nur nicht ale, nad 

dem Bateinifcher Ausdrucke modo non ommis für beinahe ale. 

Weill gerade biefes nur nicht von jebem, ter mieiner erwähnte, 

übergangen wird," Klopftod, — In manden ©, D. Beaen: 

den faot man für nur auch + nurt, nurten und in ber Pfals 

+ nummen, numme, nummer 
+ Rürig, adj. u. adv, im MR. D. artig, niedlich, drollig. 

Der Nürnberger, —e, 3. gl.; die — inn, 34. —en, eine Perfon 
in Rürnberg geboren, aus Rürnberg gebürtig. Wefonbers Häufig 
wird Mürnberger als Beilegunasiwort gebraudt, etwas bad aus 
Mürnberg Eimmt, bafeldft gemacht ift oder dem was urſpruͤnglich 
dort gemacht wurde mad: und gleich gemacht iſt zu bezeihinen. Nuͤrn⸗ 


berger Waaren, Beine kurze Waaren, beſonders Spielfahrn, vorzuge⸗ 


Th von Holz. Nürnberger Pfefferkuchen, feiner Pfeſſerkuchen von 
Meizenmehle. Märnderger Tand, ein gewiſſes Spieljeng, welches 
in Bingen an einem tänglich zufammengebogenen Drabte ıc. beſte— 
het, weiche mit Kunſt bavon adgefpielt und wieder angefpielt wers 
den mälfen. Auch nennt man mol die Heinen Nürnberger Waaren, 
die bei ihrer Wohlfeilbeit nicht anbers als ſchlecht fein können, wer: 
aͤchtlich Mürnberger Tand, wie man benn auch überhanpt ſchlechte 
Keine Waaren Ruͤrnberger Waaren nennt. Mürnberger Roth, bei 
ben Mahlern, eine rotbe Erbe, welche zwiſchen Nürnberg und Bas 
veuth bei Pegenfein gegraben und hernach in Mrennöfen gedoͤrrt 
wird. 

+ Nuſcheln, v. intrs. u. tre, 1) Durch bie Naſe, mie auch undeut: 
lich reden; in Batern aud nufen. „Da nuſchelte ihr Soor ins 
Ohr.“ Benzjel; Sternau. 2) Im Frünkifchen bedeutet es auch, 
verbrießtich veven. D. Nuſcheln. 

Muſchen, v. inirs. u. trs, ı) Im N. D, aauberhaft arbeiten, im 
Dinabrüdiden nädten. Dann Überhaupt, tangfam etwas thun, 
Tangfam fein, befonders auch, langſam und anubernd, langweilig pres 
den, erzählen; in Hamburg, nuffeln oder nuͤſſeln (beide f weich 
audgefprochen) und möhlen, melden anderwärts nählen lautet, auch 
neteln. Davon der Mufcher, Muffeler, Nöhfer, Naͤhler oder Mes 
teler, ein Menſch, meldher nufhet ıc. =) Lange und mit Mühe an 
etwas nagen, langſam eſſen; im Hennebergſchen nußeln, im Heffis 
ſchen nuͤßeln, im Wirtembergiſchen knieflen, in Baiern, wo es 
zugleich unreinlich wie bie Schweine effen beseinet, nuͤſchen. D. 
Nufhen ıc. Berwondt damit if nutſchen. S. d. 

+ Der Nuß, —et, er. Nüffe, der Genuß. Fulda. 

Die Nuß, 3. Nüfe; Sm. das Nuͤßchen, O. D. — lein. 1) 
Eine runde Erböbang, eim runder ober rundlicher Körper. So beis 
Son bie verhärteten Stüde Then, welche man in dem Sandſteine 


findet, Nuͤſſe. So beißt feruer am ben Fenergemehren bad rund- 
liche Eiſen, auf welhem bie Federn ruhen, bie Nuß. Auch am ver: 
fhiebenen Werkgeugen, 3. ®. an einem Meptifhe verfteht man une 
ter Nuß eine hohle Kugel, in weicher eine mit einem Zapfen verfrhene 
ticinere Augel bewegtih ift, und woburd ein nah alfen Zeiten bes 
wegliches Gewinbe gebiibet wird, ©. auch Pſeſſernuß. An einem 
Schloſſe it die Nuß eine eiformige Walze mit einem vierfantigen 
Loche und einem Schwanze, weider in den Wiederhaken des Nie 
gels greift. An einem Anterfhafte find die Müffe angefäweißte 
Bapfen, die an jeder Seite in bie Seitenhoͤlzer, woraus ber Anker: 
ſtock beſtehet, Hineingeben und zu größerer Befeſtignng bienen. 6: 
Bing. Im engerer Bebeutung nennt man verfhlebene runde ober 
rundiiche Früchte Nüffe, dergleichen die Erdnuͤſſe, Muskatnuͤſſe, 
Pimpetnuͤfſe, Zirbelnuͤſſe ıc. ind. Auch merben die Fruͤchte ber 
Busen und Eichen oft Bud und Eidyennäffe, die Mandeln Mans 
beinäffe ober Griechiſche Nüffe, bie Samenbehättniffe ber kinden 
Zernnuͤßchen genannt, An ber Pflangeniehre begreift man aber 
frenger genommen nur ben Samen darunter, ber mit einer hazten 
Schalte bekteider iſt, die nicht auffpringt (Nur). Falſche Nüffe 
mennt man in ber Pflanzenlehre feihen Samen, ber mit der wah⸗ 
ren Ruß leicht verwechſelt werben fann (Nux spuria), bergleidgen 
ift die Waſſernuß, bas Samenfora der Pflanze gleiches Namens, 
welches mit dem Kelche verwählt mund beffen vier Blättchen in eine 
hatte vierbosnige Muffhale verwandelt wird; ferner ber Samen 
der Biobsthräne, welcher vom Kelche und der Blumentrone, die hart 
und glänzend wie ein ©tein werben, derſchtoſſen wird Ins 
diſche Muß beift die Frucht eines Baumes und biefer Baum ſelbſt, 
weiches Streubächfenbaum beißt, f. d. (Hura erepitans), Mas 
labariſche Muß, bes Name einer auslaͤndiſchen Frucht und bes Ge⸗ 
waͤchſes weldes fie trägt usticia adhatoda); auch, Schlaͤgelnuß. 
Die Nuf aus Madagaskar, f.Melfennuf. Die Maldiviſche Ruf, 
der Meerkokos. S. d. Im ber engflen Bedeutung führen folge 
Brödte zweier Pfianzgengefchlehter dieſen Namen, bie Bälfhe 
Nuß oder Wallnuf und die Hafelnuf, berem größte Art die Eipas 
nifche Nuß Heißt. S. Wallnuß und Hafeinuß, wie auch Pferde 
nuß, Lambettenuß ze. Müffe pfihten, brechen, knacken ı. F In 
bie Nüffe gehen, in ben Wald gehen, Hafetnüſſe zu pfläden, und 
uneigentfih, verloren geben, durchgehen, wofür man gewoͤhnlicher 
aber eben fo gemein fagt, in die Pilze geben, und, durch bie Raps 
pen gehen. Das ift eine harte Nuß wird bitdlich im gemeine 


Reben von einer ſchweren, mähfamen, wie aud, fehr unangenehmen 


Sache gefagt, been man fit nur mit Mübe und Anfirengung ent: 
lediget, Einem eine harte Muß aufzubelgem geben, etwas Edweres 
zu thun geben. Gewohnlich wird unter Nuß allein tie Wallnuß 
verftanden. Da ber Raum einer Nuß nur Helm it, fo fogt man 
uneigentlih auch, einen etwas in einer Nuß geben, für, in einem 
Beinen Raume, Umfange, zuſammengedraͤngt, Zur; zuſammengefaßt 
oder tm Auszuge nach bem Lateiniſchen in nnce, wofür Herder 
im Nuftern fagt: „Ranft dur ibm je fein Leben in Nußkern ges 
ben, und nur Einen Bug feiner Bellimmung Überfchen Im ganzen 
Gemähide.« Im ber Naturbeſchretbung heißt eine andgefhnittene 
Schnirkelſchnecke in Amerika Heine gezaͤhnelte Muß (Helix sinuata): 
Remnid. 2) Eine rundliche Vertiefung. So nennt man in eir 
ner Arinbruft bie rundfihe Kerbe oder Rinne, worin bie gefpannte 
Sehne gehalten und aus welcher fie geſchnellet wird, die Nuß; fo 
auch, die rundtiche Kerbe unten am Pfeite, bie ihn auf der Sehne 
fefthätt, und ber Einſchnitt an ben Enden bes Bogens, worin die 
Sehme befeſtiget if. Won dieſer Bedeutung leitet Frifch bie ehe⸗ 
mahls gebräudrtichen uneigentlichen Rebensarten: aus der Ruß fein, 
vor Seibenfhoft außer fih, feiner mitt mehr moͤchtig fin; jemand 
wieder in die Nuß bringen, ihn mwieber zu ſich ſelbſt, jur Beine 
nung bringen, ihm befänftigen. Das Wort Nuſche um Nufchel, 
womit mon im O. D. jebe Rinne, jete zur Be.bindung mit einem 


Nußb 


andern Dinge gemachte Vertiefung benennt, ſdeint mit Nuß in 
diefer Bedeutung Ein Wort zu fein, Bei den Jägern wird das Ges 
burteglied einer Woölſian, Füchſian rc. bie Nuß genannt, Im N. id. 
lautet dies Wort Not, Bi. Möte, Nete und im O. D. bie Mehrjadl 
die Nuffen. 

Das Nufband, —es, 4. — baͤnder, bei den Schloſſern, ein Thür: 
benb, deſſen brive Theile vermitteift einer Muß an einander hans 
gen, b. 5. weides zwei Gewinde hat, die ein herausſtehenbes mal: 
zenfoͤrmiges Stud bilden. 

Der Nußbaum, —es, 9. — baͤume, ein Baum, welcher Nuͤſſe, in 
ber ensſten Vedeutung bes Wortes, träge, ein Walnußbaum; 
zum Unterfitebe vom Nußſtrauche. ©. d. Davon das Nußbaum⸗ 
betz ıc. 

Nufbäumen, adj. u. adr. vom Nußbaume herfommend, vom Holze 
des Nufsaumes gemacht. Musbäumenes Holz, nußbäumene Bret: 
ter. NußbÄumene Weräthe, WMöbeln, Werkzeuge. 

Dos Mußbein, ed, 4. —e, das Schiffbein. 

Der Nußbeiter, —t, m. al. der Nüfie beißt; im engerer Mebeus 
tung ein Name 1) des Nußhehers; 2) des Kerndeißers ober bes 
Kicthinten; 3) ber Heinen Hafelmaue. 4) Eines Afterräffelkifers, 
teffen karre bas Blatt, worauf fie wohnt, Aufammtnrolt und es 
an beiden Enden zufhliegt, baber fie Rollenwickler, Rollendteher 
heist (Attelabus avellanae coryli), Fise andere Art biefes Aäfers 
fahrt Remnid unter ben Namen Attelabus curculionoides an. 

Das Nufblatt, —et, 9. —biätter, das Blatt tes Nußbaumes, 
deſſen Blätter zufammengenommen Nußlaub genannt werben. 

Der Nußbobrer, —s, 3. al. ein Thier, das bie Müffe anbohret 
oder burchbohret, befonders Lie Larve einer Art Rüfjelläfer, welche 
in ben Hafeinüffen lebt und wenn fie ihre Größe erreicht hat, here 
aus und in bie Erde fricht (Curculio nucum), 

Nußbraun, adj. u. ade, ſ. Nußfarden. 

Der Nufbreher, —s, 9%. gl. ı) Einer ber Müffe bricht, for 
wol vom Baume ober Strauche, als auch aus ber Schale. Im 
der Maturbefhreibung, ein Rame des Nushehers, 2) Ein Merk: 
zeug, Nüffe mit bemfelben abzubrechen. 

O Der Nußbuſch, —es, 9. — buͤſche, ein Rußſtrauch; wie auch, 
ein Rusgebüſch. 

+ Der Nußbutzen, —s, 9. ot. der Sattel oder Unterſchled in ter 
Mallnup, welcher dieſelbe in vier Theile thtilet; der Nußſäaltel. 
Frifhlin. 

Die Nußdolde, 9. —n, ein Doldengeſchlecht, welches ſich von allea 

* äbrigen aus dieſer Familie durch die große, eiförmige, runblile 
und edige Fracht unterfcheidet, die fi im amei.große auf ber einen 
Seite platte auf der andern gewoͤlbte Nüffe ober fhrenminidhte korfe 
artige Famenbehättniffe theilet, worin ber Same liegt (Cachrys 
Tonrn. et L). 

Das Nufeifen, —s, M. al. bel ben Buͤchſermacher, ein Werkzeug, 
bie Zapfen au ber Nuß uined Gewehrſchloſſes damit zu ſatzeiden. 
S. Nuf 1). 

+ Nußeln, ſ. Nuſchen. 

Die Nußfarbe, 34. u. eine braune Farbe, welche bie äußere anfangs 
arlıne, zufeht wenn bie Mäffe gelegen haben [dwarzbraune Scale der 
Wall nuͤſſe giebt. 

Mußfarben oder Nußfarbig, adj. u. adr, eine Rußfarbe haben; 
auch nufbraun. S. Nuffache. 

Die Nufferm, M- —en, bei ben Orgelbauern, bie Form, worin 
bie Kugelm oder bie Müffe tes Schnarrwerkes in einer Orgel gegof: 
fen werben. 

Der Nufigarten, —s, 894. —närten, ein Garten, welcher nur ober 
versöntih Ruſsbaͤume oder Rußſtruͤuche enthält, . 

Das Nufigebüfch, —es, My. —e, ein Gebüſch von Rufifträugen, 
mie au von niedrigen ftraudartig gewachfenen Wallnußbaͤumen. 
Auch wol nur, ein einziger großer Rußſtrauch. 


— 6208 


Nußſ 


Das Nußgelenk, ei, —e, ein Celenk, beffen Theife-rermil- 
telſt einer Nuß zuſammenhangen. S. Muß 1). Bon einer Ühnlichteit 
mit Gelenten dieſer Art, werben in ber Zergliederungskunſt gewiſſe 
Gelenke Mußgelenle (Enartlrosis) genannt. 

Dos Nußgras, —es, Di. v. ein den Graͤſern verwandtes Pflan: 
zen jeſchlecht in Epanien, welches feinen Samen in einer Kleinen 
lanzligen und rauhen zweifaͤcherigen Nuß kräat (Lygeum L.). 

Nußgrau, adj. u. adv. grau wie bie harten Schafen der Rüffe. Bet 
ben Seidenfärbern, eine biefee Farbe äbnlide graue Farbe. 

Das Nufgrus, — es, 9. u. ber nach dem Xuspreffen der Baladfı 
fe, wenn man Dt daraus preßt, zurädfbleibente Kuden. 

Der Nufbadır, —6, 4. gl. ein Name 1) bes Kußhehers; 2) bei 
Blau: ober Srauſpechtes (Sitta europaen L.). 

+ Die Nußhaͤpel, By. —n, die grüne Schafe der Walnäffe- 
Kemnid 

Der Nußheher, —d, 94. gl. eine Art Heher fo groß wie ber Birk 
heher oder bie Elſter, jhmarzbraun mit [hwärzlisen, erbfarbigen 
und weißen Sieden (Pica nncifrega Ki, Gorvus cariocastes L.). 
Eine Abart bavon-ift Heiner und bat eine kurze Zunge. Sie has 
ben den Ramen bavon, weil fie gern Hafelnüſſe freifen und heißen 
aud Nußbeißer, Nußbrecher, Rußhacker, Mußtnader, Nußkraͤ⸗ 
he, Nußkraͤtſcher, Nußpicket, Staarheher, Tannenheher und Tau⸗ 
nenkraͤhe, weil ſie auch den Samen der Tannenzapfen freſſen, und 
in manchen Gegenden z. B. ber Lauſſt auch noch, Harruſch, Her⸗ 
*31 Markolph, Eichenheher, Eichtlhabicht, Bergkraͤhe ıc. 

Das Nußholz, —es, Mj.a. bad Holz des Nußbaurieb. 

Der Nußholzſtein, —es, Mz. —e, im Bergbaue, ein Alabeſter, ber 
bie Barden des fajerigen Nufbaumbolzes bat und zu Seigerthal 
bei Dfterobe bricht. 

Die Nußhuͤlſe, 9. — n, bie äugere Bülfe, in welter die Nüffe ſtek. 
ten, ſowol Hafeinkffe als Waunüffe; befonbers aber bie grüncn fleiz 
ſchigen Schalen der Walnäffe, welche Pritfhen beijen. @. d. 

Der Rußkamm, —es, Pr. — kaͤmme, eine Art Stachelſchnecken in 
Dftindien, die Spinnenköpfe beiten, und faſt 123% Jod Lange, dicht 
bei einander uud gieih einem Komme gieihweit ſtedende Baden 
haben. 

Der Nußkern, — es, My. —t, ber Kern, ober eigentlide eübare 
Theil einer Ruß, befonbers bir Wallnuß und Hifelnuf. In einer 
wneigentlihen ungertöbntihen Bebeutung gebrauäte es Herder, 
S. Muß ı). 

Der Nuffnader, —t, 29. gl, einer der Nüffe käact, auflnadtz 
bejonbers ein Werkzeug Näüfe darin aufzufnaden, welchem man eft 
bie C'eſtelt eines unformlichen Maͤnndens giebt, im deſſen Munbe 
verwittelit eines Hebels die Kaffe aufgefnadt werten, In der Mas 
turbeftreibung, ein Same bes Nushebers. 

Die Ytulfeibe, Er. —n, f. Nusheber. 

+ Der Nuſikraͤtſcher, —s, 94. at. ſ. Nußbeber. 

+ Dir Nufleinfalat, —es, 0, Di. ber Aders ober Felbſalat, Mas 
punzei, auch Noͤſſelchenkraut. 

Das Mußoͤl, — es, My. von mehrern Krten und Mengen, —e, bas 
and Raͤſſen, beſonders aus Wall nüfſen gepreßte DI. 

Der Mußoͤlfirniß, —ſſes, Bi. —ſſe, ein mit Nußol bereiteter 
Fienif. 

Die Nußpfirſich, 9. — en, oder Nußpfirfche, 94. —n, elne Art 
fräbeeifer Heiner weißer Pfirfihen ober Pfirfchen, desen Kern wie ein 
Nußkern ſchmeckt. 

Der Rußring, — es, Mz. —e, fei den Tuͤchſenmachern, ein ſtarker 


Ming, welcher auf ben Zapfen ber Buff an dem Gewehrſchleſſe ge— 
firdt wird, wenn ber Hahn und tie Studel aufgepreät werben 
ſollen. 


Der Mußſattel, —, 9a. —fättel. 1) S. Nufbugen. e) Bei ben 
Sattieen, ein Sattel, ber oben koch und wie eine Nußſchale erbe: 
ben if. 


Nußſ 


Bi. —n, bie harte Schale einer Nuß, befonbers 
weihe ben Kern einfhlichet, 


Die Nußſchale, 
einer Mallnuß und einer Hafelnus, 

» wie and, bie grüne fleiſchige Echate, welche die harte Schale ber 
Wall nuͤſſe, die fie völlig reif find umgiebt. Im der Schalthierichre 
helßt Nußſchale, eine Art Napfmuſchetn wegen einer Ähnlichkeit mit 
derselben (Petella porcellana), 

O Die Mußſchnur, 9. — en, eine Schnur an welde Nüfe gerei⸗ 
het find, etwas damit za behängen, eine Fruchtſchnar von Rüffen. 

u den — mit ben Mufs und Fruchtſchnuͤren — iuminieten (ev; 

leuchteten) Baum,“ I, 9, Nidter, 

Der Nußſchwamm, —et, 4. ſchwaͤmme. 1) Eine Art Shwäm: 

“me, welche von der Blaflem Farbe, bie ber des Holzes von jungen 
Rupbäumen ähnlich it, dem Namen hat, Der blätterige wächſt in 
Haufen beifammen (Pungi lsmelluti fascieulati); ber geſtichelte 
bat genabelte Hüte, bie auf ber einen Seite bis gegen bie Mitte 

rinen Binfchnitt haben (Presyphyon juglandis lobis magnis, uno 
latere divisis), 2} Der keberſchwamm. ©. d. 

Die Nußſtaude, My. —n, eine Staude, deren Frucht eine Ruf iſt. 
In engerer Bedeutung, die Haſelſtaude, der Nußſttauch. 

Der Nußſirauch, — es, 9%. — ſtraͤuche, ein Strauch, deifen Frucht 
eine Nuß it. In engerer und gewöhnlicher Bedeutung, berienige 
Bekannte Strauch, weicher bie Hafelnäffe trägt; der Hafelſtrauch. 

Run traͤnkt er Pflanzen, sicht von Rofenftöden 
und Nufftraud Hecken. Kleift. 

© Die Nudtraube, By. — n; Bw. das Nufteäubchen, eine Trau ⸗ 
be von Stoffen, d. h. mehrere In einem Klump beifammen fichenbe 
Ruͤſſe, fowel Wallnuͤſſe als Hafelmäffe, 

— den Buſch, ber die Zweige berabbängt, 
Sen Nußtrauben beſchwert, Boß. 

Der Nuſßwald, — et, 4. — waͤlder, tin Wald von Rußbdumen. 

Der Nußichnte, —n 4 —n, der Behnte von Mäffen. Oberlin. 

+ Dir Nuſt, —es, 9. —e, in Schwaben, der Gußſtein in einer 
Kühe, Eben daſelbſt ift —— der Abgang von Stroh ıc. Uns 
rath, anderwärts Knieſt. S. d. und Genift. 

+ Die Nuͤſter, Nuſter, Rz. —n. 1) Das RNaſenloch. 

hoch aufblaſend das Meer aus offen Nuͤſtern. of. 

Kaum Hält er mit Gewalt ber Düfte Reiz zurück, 

Die fo verfügrerifh um feine Muͤſtern weben. Miielanb, 
Fuida führt eo im der Ginzahl das Nuft an, Mz. die Näfter. 
Sm Erım. 9. D. TEb. lautet es aber Muller, 8. —n. 2) Im 
NR. D. der halde Banf reines Siels oder einer Schleuſe, melde durch 
eine Mittelmand in zwei Theile getheilt it. 5) Im Dennebergichen, 
ach in Schwaben, angercihete Korallenzu einem Daisbante, 

Das Nuftergat, — es, 24. —r, auften Seifen, bie unten am 

‚ allen Bauchwegern gemahten vieretigen Ginfänitte, durch welche 
das Waſſer zu ben Pumpen läuft, Röbinn. 

+ Nuͤſtern, v. intes, mit ben Rüftern, d. b. mit ber Nafe, mit dem 
Geruche unterfaden, erforſchen, zu riechen ſuchen; ſchnuͤffeln. Mas 
haft bu denn an den Thüren herum zu näftern?e Attt. Muſeum. 

MR). D. Nüftken. 

Die Nutb, WM. —en, bei den Holgarbeitern, eine rechtwinkelige 
lange Vertiefung, welde in ein Holz gemadht wirb, um rinen ans 
bern genau einpoffenden Theit in biefeibe zu ſchieben unb ihn fo 
damit zu verbinden, Etwas mit einer Much verfeben. Die Fen— 
#errahmen mit Nuthen ausfabren, Nutben barein bobein, um bie 
Glastafeln bineinzufegrn. Die Nuth an einem Kaften mit einem 
Schiebbeckel. 

Der Nuthenreißer, —s, 2%. gi., bei den Slofern, ein Werkzeug, 
womit die Nuthen oder Fugen eines Fenſterrabmes eröffnet ober er: 
meitert werden, damit bie Blasfheibe gehörig hineinpaffe. 

Der Nutbbobel, —s, 2. at., dei den Hotzarbeitern, beſonders bei 
den Zifählern, ein Hobel, mit welchem fie die Nutben ausbobeln. 

+ X Dir Ruih, —e, Du. —r, etwas woran men fauget.. In 


Nutz 


Schleſien beſenders, etwas z. B. Zwlehack in Mitch geweicht, in ein 
Leinwandtaͤppchen Geſchlagenes, mas man kleſngen Kindern in den 
Mund fledt, damit fie baran fangen; and bus Nupel. ©. Kin 
derdutte. 

+ x Nutfcheln und Nutfchen, v. intrs, u. trs,, an etwas Saft: 
gem faugen, wie auch überhaupt fangen, An einer Zitrone nutſcheln 
sher nutihen. Am Finger nutſchen. „An Ihrem Briefchen kaue 
und nutſche ih no. Beffing. An ber Broft nutjhen, in Edle: 
ſien, fangen; auch nupeln. D. Nutſchen. D. — ung. 

+ X Der Nutſcher, —s 8. al., einer der autſchet. 

+ Das Rutſchkaͤnnchen, —, 4. gl. f. Kinderbutte. 

t Das Nutfhläpphen, —s, 99. gi. rin Eäppden, worein in 
Milch geweichter Imiebat gefhlagen-if, Eleine Kinder daran nut: 
fen zu laffen, ©, Kinderdutte. 

Und alle Bewohner ber Grbengauen 
Gar gierig an dieſem Mutfhiäpphen kauen. Wächter. 

Nutz oder Nuͤtz, —er, —eſte, aqj. u, adv, nutend, Nusen gewäb: 
send. „Und find uns doch fehr nuͤtze Leute geworfen" ı Sam. 35, 
25. „Der Krämer nuͤher Schwur und ihr genießlich Lägen.« cogen. 

Umer (Euer) ‚Leben iſt nuzer dan daz min. 
b. arme Heinrich. (R.) 

Das ift au michte nutze, bat leinen Mus 
gen, I nihe zu achrauden. „ei biefen freſtigen Leuten find 
wir nichte nüge.e Gellert. Sein nuͤt oder fein nüpe, welches 
Zutber in ber Bibel für nit nuͤte gebraudt, iſt veraitet, ſo 
wie man auch midt leidet fagt, eine Sacht fei nuͤtze, oder, es 
ift mie tze. 

+ Der Nutz, —e6, 24. u. ſ der Nuten. 

Die Nutanwendung, By. —en, bie Anwendung einer Sache zu feinem 
Nuren, befonders bie Anwendung einer Lehre, Wahrheit 5. B. in 
einer Zabel, einer Predigt ꝛc. auf fich feibft, zu feinem rinnen Kur 
ben, jur Belehrung und zur Befferung. Die Nupanmwendung mas 
den, eine Mubcheit, Schre auf eine Perſon, auf einen beſtimmten 
Fall anwenden, . 

Nusbar, —er, —ſte, adj. m. adv. nusen koͤnnend, was genügt 
werden, was Borteeit, Gewinn bringen kann Muspbare Dinge. 
Das Schaf ift eine der nutzbarſten Thiere. Nutzbates Land. Der 
nugbarfte Beben liegt bier noch ungebaut, 

Die Nukbarkeit, 0.98%. die Eigenſchaft eines Dinges, ba es nuhbar iſt. 
Die Nugbarfeit eines Thicres, eines Landgutes. „Die Nugbarkeit 
einiger Infetten (Fiefer) IE ſehr anfehntih.- Funke (M.). „Über 
die Diupbarkeit des Predigtamte.“ Spalding. Dann auf, 
die Möptichkeit. „Die Notbmwendigkeit und Nugbarkeit ver Kinder: 
zucht.“ kuther.  Ungemöbntih if es für Ruten, 

Der feiner Musbarkeit will feiber Lieder ſchaden. 


Ein nihtsnuges Ding. 


Dpit. 


O Die Mutzberechnung, By. —en, die Berechnuug bes Rugens, 


welchen eine Sache hat ober haben fann, — ber ganze Gang ter 
Bernunft, der Guttue (Bildung), ia feisgt ber Nutzbetechnung 
gebt dahin.“ Herder. 

Die Nutzeiche, Mz. —n, eine Eiche, welcht Nutzholz giett; zum Unter: 
fhiede von einer Brenneiche, beren Hol; nur zum Verbrennen taugt. 

* Das Nutzeigenthum, —ed, Br. u. Dies bei Baltaus verkom: 
merbe Wort kann fomst ein Figenthum, das Nugen bringt, als auch, 
ben Rugen von einer Cache, ben man als fein Eigenthum betradr 
ten darf, bebeuten. Im letzten Kalle könnte man eine Sacht, von 
welcher man ben Nießbrauch bat, ein Mutzeigenthum nennen, unb 
einen Nutzeigner (W.) benjenigen, ber ein folhes Ruheigenthum 
hat, den Musmtefer. 


Nutzen, v. utr. mit haben, 1) So keſchaffen fein, daß er ats Mit- 


tel zur Grreihung eines Zweckes kann gebraucht werben. Diele Sa: 
die, biefer Umſtand dann bazu nuhen. Dies nutzt biezu nicht. 25 
Mugen, Vortheill gewähren. „Bas nmutzet es, daß wir feine Ser 
bete hatten? Mal, 5, 14. 


Nuͤtz 


Sei ſtets ber Wahrheit hold, fie nutzt vor faufenb Sachen. 
Dageborn. 
Was nuht es bie? Barater D. Nutzen. D. —ung. ©. b. 

Dieſes Wort, welches Ab. von bem folgenden nüten au unterſchei⸗ 
ben rieth, haben gute Schriftſteler ſchos lange untrefhieden. ©. 
Müten. Eberhard empfiehlt biefe nüglihe unb natbige Unter: 
fheibung ebenfalls, aber er verwechſelt beide, indem er ber Bewohn: 
beit folgt, und nimmt nügen ale das mtr. nutzen aber ale das trs, 
an. Heynas srewirft nußen wie es ſcheint mit Unrecht. 

Nügen, v. ts. 1) %% Geniefen, ald ein Nahrungsmittel oder als 
eine Ärzenei zu fih nehmen, im weicher erfien und eigentlichen Bes 
deutung es im O. D. nod zumellen vorlämmt.. 2) Aum Diittel mas 
chen einen geroiſſen Zwec zu erreichen, beſonders, ſich das Gute, 
den Vortheil ober Gewinn, wagt es ein Mittel iſt, verigaffen und 
zueignen; vergl, anwenden, gebrauchen. Cine Sache gut nuͤtzen. 
„Er nuͤtzte jeden Wortbeil,« Lavater. „Erinnerungen, bie er zu 
nüsen getrachtet hat.“ Abbt. 

Theurer iſt mie der Freund, doch aud den Feind kann id nügen. 

Schitter. 

Ein Landgut jaͤhrlich auf dreitauſend Thaler nüßen, es fo bewirth⸗ 
ſchaften, daß ver Ertrag ſoblel beträgt. Sein Geld nuͤtzen, ed var: 
theithaft anlegen. D. Nügen. D. —ung. S. d. Diefes Wort 
wird, wie es immer ſollte, von nutzen ſchon lange von vielen guten 
Schriftſtellern gehöria nnterfhieden, wovon im Borhergepenben eis 
nige Beifpiele gegeben ind. ©. Nupen. 

Der Nusen, —s, 9. gl. (oder Nügen). 12) Die Gigenfhaft eines 
Dinges, ba cd nuget ober da es genügt werben kann; Myfonbers, ba 
man Gewinn oder Bortbril daraus ziehen kann; ohne Mehrzahl. Die 
Sache hat einen grofen Nusen. Ea ift nicht ganz ohne Nugen. =) Das 
@ute felbſt, welches man ſich burd ben Behreuh einer Sade ver: 
fhafft, es mag ein Vortheil ober Gewinn fein. Nuben baden, brins 
an, ſchaffen. Das bient eder gereicht zu nicht geringem Nupen, 
Der Uneigennütige fieht nicht auf feinen Nupen, er fucht und be: 
fördert eher Anderer Nugen. Den gemeinen Ruben befördern, den 
Kusen der Grmeine, d. d. Aller. S. Gemeinnüpig und Gemein: 
nuͤbtich. Ad. unterfgeidet, ohne Grund wie es [heint, den Nu— 
Yen noch won dem Guten, welches man ſich durch Anwendung der 
nötdigen Mittst zu. verfhaffen fuchte, unb verfichet bas zufällige 
Gute darunter, welches eine Sache noch aufier jenem besiwedien hat, 
In engerer Webeutung , bad Gute, ber Bertäeil oder Gewinn, 
welhen man man fih durch ben zweckmäßigen Gebrauch zeitlider 
Büter zu verſchaffen ſucht. Großen Mutzen aus einem kLandgute, 
aus ſeinem angelegten Gelde ziehen. Etwas in ſeinen Mutzen ver: 
wenben, ober zu feinem Mußen aawenden. Etwas mit Nuten kau— 
fen, verkaufen. In dieſer Bebeutung gebrauchte man ehemahls auch 
tie WMehrzaäht, die Nügen. — mit allen feinen Nuͤtzen und Ge: 
füllen,“ bei Haltaus unter Freibänter (M.). Oft wird der Mus 
ben, ten man von einer Sache ziehet, vom Cigenthume über biefe 
Cache getrennt und demfelben entgegengeſetzt. So hat ber Pächter 
den-Mugen von ber gepachteten Sache, ohne ba) fie fein Gigenthum 
ift. Aue den Nusen von etwas haben, genießen. Gine andere Farm 
dieſes Wortes ih *& der Nutz, im welder es aufier in bem zufam: 
mengefesten Worte Eigennuß auch noch allein für ſich vorkömmt. 
»Daat zum Als dem Menfhen.e Pſ. 204, 14. Sich etwas zu 
Mike machen, Nuten daraus zu ziehen wiſſen. Im D. D. auch 
mit bem zweiten Kalle, fi einer Sache zu Nutze machen. 

Der Nutgarten, —6, Bi. —gärten, tin Earten, aus welchem man 
Runen zichet, und ber Nuten daraus zu ziehen beſtimmt und dazu 
eingerichtet iſt zum Unterfhiebde von einem Luſtgarten ıc. 

Die Nußtzgefaͤlle, Es. u. Gefälle, von melden man den Rutzen ziehet, 
den Riezbrauch bat. Wei Haltaus für zufällige Gefälle, Nebens 
gefällt ( Accidentien), 

*% Die Nutgewähr, Di. u, das Nubeigentfum eines Grund 





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Nug 
flüges, Haltaue. 


Das Nutzgewaͤchs, —es, 4. —e, cin Gewäds, welches man ſei⸗ 
nes Nupens wegen zieber, anbauet; zum Unterfhiebe von einem 
Ruftgemächfe. : 

Das Nutzhoiz, —es, 2%. — hoͤlzer, Holz verfhlebener Art, wel⸗ 
ches beſſer als zum Merbreunen gemägt werben kann, 4. B. zum 
Bauen, allertei baraus ze verfertigen; Jum Unterfhiede vom Brenns 
holze. In engerer Bedeutung verfieht man in ber. Lanbwirtbfgaft 
unter Nutzholze dasjenige Holz, welches zu allerlei zum Gebraͤuch 
in ber Landwirthſchaft bienenden Geräthfhaften tauglich if; auch 
Geſchitrholz, Schirrholz, Werkholz. 

Nutzig oder Nuͤtzig, —er, — ſte, adj. u. adr. Nuten habend, ge: 
wägrend; in den Bufammenfegungen gemeinnuͤtzig, nichtenugig. 
©. d. Davon die Mizigkeit, in benfelben Zufammenfegungen, bie 
Gemeinnügigfeit, Nichtsnuhigkeit. ä 

Nuͤtzlich, —er, —fe, adj. u. adr. Nusen habenb, bringenb, als 
Mittel eine Abfiht zu erreichen, befonbers fi ein Gut, einen Vor⸗ 
thell ober Gewinn zu verfhaffen bienend; in Gegenſah von unnüg 
und ſchͤdlich. Dieſe Arznei it nicht nuͤtzlich ſondern fhadtid,, Et: 
was nüglich anwenden, zu feinem Nugen. Ginem nuͤtziche Lehren 
geben. Gin nuͤtzliches Bad, deſſen Gebrauch Nugen gewährt, Un: 
terricht, Beichrung!: Beine Zeit nuͤlich anwenden, fo daß man 
ſelbſt und au Andere Nuten bapon haben, Das Nüpliche mit dem 
Schönen verbinden. In engerer Bedeutung, Rugen in Anfehung 
des zeitlichen Wermögens habend, gewährend, Nüglihe Gewerbe, 
Sein Seid näglic anwenden, auf eine Rupen gemährenbe Art, Cine 
nüßlihe Eineihtung, Lerfahsungsert: Müsli ift von nußbar 
dadurch verſchleden, daß es nicht allein von Dingen, bie für ſich ber 
ſtehen, fonbern auch von folden, bie nicht allein für ſich beſtehen, 
3. 8. von Gedanken, Lehren, Segeln, Gefegen, Wertigleiten zc, 
gebraucht werben kann; nußbar aber nur von Dingen, bie für fi 
beftehen. ©. Nugbar. So wie man nugen und nuͤtzen unterfcheis 
det, könnte man auch nutzlich und nuͤhlich unterfheiden, To baf 
nupfich bebeutete, mit Nugen, zum Nutzen; nuͤtlich aber, was 
genuͤgt werden kann; allein diefe Unterfribung iſt nicht gebräuchlich. 
»D wende beine Gaben nuslih an.“ Woltke. 

Die Nuͤtzlichkeit, 6.599. bie Eigenſchaft einer Sache, ba fie nuͤtlich iſt. 

Nuilos, —er, —eſte, adj. u.adv. feinen Rugen babend, gewährend, 
Wo iſt bie nubloſe Mühber 1. Herder „Muß bas Schöne dies 
nuglos fein? Derf. Davon die Nusiofigkeit, o. Mz. bie, Gigen- 
ſchaft einer Tache, ba fie nudlos if, 

O Der Nutznießer, —E, 3%. al.; die —inn, 9. —en, eine Ber: 
fon, welche bloß ben Rusen von einer Sache genicht, ohne fie zum 
Eigenthum zu baben (Usufructuarius ), 

Die Nutznießung, 9%. u. ber Genuß des Rutzens ober des Cetrages 
einer Sacht, ohne diefe zum @igenthum zu haben; ber Gebrauch 
einie fremden Sache zu feinem Rugen, mie auch, bas Recht zu bie 
fein Gebrauche. ©. Nießbrauch. 

Nutzreich, —er, —ffe, adj. u. adv. reich an Augen. Stirler. 
.— die binlängliden Stoff zu nußreihen Bemerkungen geben.« 
3. Löwe, i 

Die Nutzung, MM. —en, ber Nuben, den eine Sache bringt; in 
engeree Bedeutung, der Ertrag, bie Einkünfte Die Nupungen 
eines Gutes oder von einem Gute, Beftindige und gewiffe Mutzun⸗ 
gen. Iu ber Bienenzucht nennt man Nuhung dagjenige, was vie 
Bienen in bie Stöde eintragen. 

Die Nübung, o. My. der Gebrauch, die Anınendung einer Sache als 
eines Mittels feinen Imwert zu erreihen, befonders, fih ein Gut, 
einen Bortheil ober Gewinn, wozu es als Mittel dient, zu verfhaf: 
fen. Im engerer Bebeutung fo niet als Nugniefung. Die Nuͤz⸗ 
zung einer Sache oder von einer Sache haben. 

Der Nutzungsanſchlag, —et, By. —anſchlaͤge, in ber kandwirtb⸗ 
Thaft, ber Anſchlag einer Sache, befonbers vines kandgutes, nah 





Nutz 629 Ob 





feiner Nutgumg ober feinem Ertrage. griff bes Tabels und Spottes ein, Oſehet boch wie naſeweis! 
S Die Rütungsverpfändung, m en, fo viel als Niepbraucs: D, bes Mugen Mannes!! 7) Oft begleitet -es auch eine Ermahr 
verpfändung. ©, b. x . mung, einen Bermeis. D, 0, übereilen Sie fih aicht! D, fahter 


D, nicht fo voreilig! Oft wird es auch, befonters im gemeinen 
Leben, müßig gebraucht, obne eine beionbere Gemüthsbewegung 
O auszudrucen. O doch! Dja! D nein! O, daraus wird nichts 
O, geben Sie ſich keine Muͤhe. — In allen Bedeutungen wird 
Bafür auch ad) gebraucht, und in manchen ift ach gewöhntiher, im 
D, ber vierzehnte Buchſtabe bed Deutſhen Abete, wenn man J manchen aber 0. Ei wird ebenfalls im ben meiſten Bebdeutunzen 
- amd 5 nur für.einen rechnet. Er Äft ber vierte unter den Setbſte gebraucht. ©, Ach und Ei. Bel den Schwaͤbiſchen Dichtern Arme 
y-Tautern, wird vermittelt eines Hauches durch ben wenig geöffneten ſo dafür vor. So we bir werlt! für, o weh dir, Meit! 
Mund bei vorgeftredten Tippen außgefprochen, aub ift bafd gebehnt, ‚ tim #infaher Grundlaut, in welchem bas o und F’zufammens 
wie in Brot, Mond, Obſt, loben, vor ac, bald geihärft, wie fhmitzt, und welder mit berfeiben Bewegung bes Mundes audge— 
in Broden, Notte, Schock, Zorn ıc.. In den gemeinen Sprech⸗ ſorochen wird, wie 0. Das o gebt in biefen Laut, ber auch balb 
arten wird er oft in andere Selbſtlauter ober auch Doppellauter gebebnt, balb geſchaͤrft ift, in ber Abteitung unb Beugung der Wör: 
als a, aut, oart. verwandelt, Das gebehnte v druckt man in vielen ter gewöhnlich über, 3. B. los, loͤſen, Tösfich, Löfegeld, Dorn, 
Werttern burc ein baren gehängtes h, uub in manchen auch duch Hörner, Hoͤrnchen, obchern ober hoͤrnen. 
ein boppeite® o, 00 uns, 4 B. Floh, Stroh, Boot ie. Win mi: 2. DB. 1) Ein Umftandwort, welches einen Ort anzeiät, oben. Wer 
Sigra Anhängfel it es im O. D. and in der Kanzeleifhreibart bei fonders in den zufanmengefegten Wörtern obangezogen, obbemelbet, 
ben Wörtern dahero, dero, ihre, nunmehro ıc. Als Zahlzeichen obbenannt, obberührt, obbefagt, oberwaͤhnt, oberzaͤhlt ıc. für 
vertritt es bie Stelle der Zahl 14. Uneigentlich gebraucht man D oben d. h. im Borhergehenden angezogen, b. h. angeführet, oben 
für Ende ober bad Bepte, weit in ber Griechiſchen Buchſtabenreihe gemeldet ıc., welche noch häufig in den Kanzelelen vorkommen. 
das gedehnte D ber letzte Buchſtabe iſt. So wird in manchen alten 2) Ein Verhältnifwort, welches Über, auf bebeutet, ben britten 
Liedern von Wort gefagt, er ſei bas A und. das D. Auch bezeichnet Fall zu ſich nimmt, und nihts weniger als veraltet iſt, wie Ab. 
das A und das O das Ganze, bie Hauptſache. Bom A bis zum OD, glaubte, fonbern bei ben beſten Dichtern oft vorfimmt. Db beim 
vom Anfange bis zum Ende. m Magere Diecourfe (Reben) über Baupte ſchweben. 


den Vorzug des Verdienſtes wor Geburt und Reihthum fheinem das — — — einen Waſſenrock — — 

U und D dieſes Werks zu ſein⸗ Herder. In ber Raturbeſchrei Ebel und’teihe, 0b beffen Farb' tbät Schein 

bang führt eine Art Nachtfalter den Namen boppeited O (Phalaena Bon ber Königinne viel manih berreliher Stein, d. Nibelun 

Oo}, mwahrfheintih von einer dem oo Abnlihen Zeichnung auf-ben gen 8.8. ı767. 

Flügeln. Und mie ein Engelebild ob einer Todtengruft 
1. D! Ob! ter Oha! «in Zuruf, welcher ſtill zu haften, Mitt zu Löpt Oberon ſich jept auf einem Wörkhen fehen. Wiela ne. 

fiehen andentet. So zuft man den Pferden o ober oha zu, wenn — — — — ihr ſeht 

file anhalten ober auch langſam ‚geben ſollen, Auch ſagt man, Das grauſame Geſtirn, das ob Amanden ſteht. Derſ. 

wenn man am etwag ſtoͤßt, ancenut ac. aha. Oha, bald wäre Es iſt mein Geiſt, der ungeſehn Bene 

ih gefallen. x Dbdelnem Scheitel ſchwebt. Pfeffer, 

— Dhat nun Tal Id mich wieber. Woß. i Bäufiger wird es uneigentlich gebraucht. (1) Kür über, auf. „Meine 

2.D! Dh! ein Empfindungstaut, welcher ein natuͤrlicher Ausbrudt Hand fol ob bir halten.“ = Moſ. Za 22. 

faR aller Lebhafter Bemätböbemegungen if. ı) Der Berwunberung Schlägt erft ob ihm die Roth mit voller Wuth zufammen. Haller. 


und Bewunderung, D, wie groß iſt diefer Baum! D meld uns „Darum, daß ih ob dem Guten Bafte.= Pf. 38, 21. „Halte ob 
gebeuer großes Faß! D, was Die fagen! wo es zuweilen zuglelch dem Wort“ Fit, 1,9. (2) & % Für Über, vor, einen größeen 
einigen Zweifel an bem @ejagten eimfhlieht, „»O, mas ift der Bezug zu bezeichnen. Daz Top’ maz alen eren obe,« übertraf alle 
Umgang mit großen Herzen für eine Woxuft,.t Geltert, „D, ber Ehren. Konr. v. Würzb. Zrojan. kr. 3) Für über, wegen. 
Entzüdungt® Weife. D, Bott! D, Simmel! =) Der Freude, Daß ihr ob tem Blauben fFimpfet= Br. Tubä 3, 


und überhaupt der angenehmen Empfindung. D, wohl mir, daß — — — Vohl muß in Entzuͤctung 
ich es nicht that. D bereiih, daß Sie kommen! Ihnen beftänbig bad Herz ob deiner Schöne fi heben. Voß. 
O Anblick, der mich froͤhlich macht, KHagedorn. — ſei ſtolz ob meiner Heraufkunft. Klopſtoa. 


Wie auch des freubigen Beifallee. O, allerliebſt! D, das if aut! Aud mit dem zweiten Falle, welder auch in den beiden vorkerge 
5) Des Bebauerne. D, Schabel D, das thut mir Teib, ° 4) Des benden Stellen angenommen werben Tann. 
Schmerzents und der Klage. D meh! Dj werd ein Schmerz. »O, Den fie ob feines Muthes ehrten, Kretſchmaun. 
der kurzen Freubele Weiße. Fuͤr o weh! ſagt man- in ter gt; 4) Kür über, während. „Ob dem Mable.e Macc. 16, 16. 9 
meinen Gpredärt auch 0 weit. ober auweh! anb ehemahls nes Für über, jenfeits, an. Öfterreih ob der End. Rothenburg ob 
brauchte man oweh uch als ein Grundwort, für Schmerz ıc., mo: der Tauber. 6) $ Für aus, in ben Kanzeleien, Wir baten ob 
bei man o weh! ausruft. „Des trage id vil manig ome nahe mir Ders Schreiben erfeben. — Außer ben wird es auch zu Zuſammen — 
verborgen.“ Maneffen Minnef. 5) Des Wunfdes, der Sehn: fegungen gebraucht. S. Obacht, Obbach, Obhut, Obliegen x. 
ſfucht. O, wenn es doch aefhäser O, daß id; fie nie geſehen Hätte! 2. Ob, rin Bindewort. 1) Fine Ungewißheit, einen Zweifel, beſon—⸗ 
* bluteſt armes Thierchen, du, ders wenn er in einer Frage ausgedruckt wich, anzuzeigen. Man 
biſſeſt da nicht an! Weiße, muß erwarten, ob er kemmen, ob er es thun wird, „Daß ic ſehe, 
Oft — es auch eina Bitte. O, thun Sie es dech. O, ne ob fie noch leben.“ = Moſ. 4, 18. Ich möchte wiſſen, ob 
ben Sie her. 6) Des Uawillens, ber Verwünſchung ıc D, pfui! er ba if. Ob er mir es gefant hat, fragen Eie? In 
D,id Thor! D, nicht decht D, verwünſcht! O, der Thor, Tilen, no man befonkers auf bas Ungeriffe ber Sache Rüde 
fich fo täufdhen zu laſſen. „D, du Kind bes Teufels!“ Apoſtelg. ſicht nimmt, und dann, wenn eine Frage in einer ungewiſſen Sache 
13, 10, Als Ausedruck des Unmillens ſchließt ed auch oft ben Ber  erzählungsiweife angeführt wird, fegt man bas Ausfogewort in bie 
Gampe’s Wörterb. 3. Th. 67 


B 


un 


Oba 


erbundene Welſt. Sie mögen aus meiner Beftuͤrzung ſchllehen, 
eb mir Ihr Antrag gleihgältig geweſen ſei.“ Gellert. Def 
bie Sache fo verhalten könne, iſt eine andere Frage. Dan fragte 
ibn, ob er bad Berlangte gethan habe, Folgt auf den bie unge: 
wiffe Sache enthattenden Gap rin Gegenſatz, fo wird biefer mit je; 
nem durch ober verbunden. . „Bid er erfennete, ob ber Herr zu feis 
ner Reife Gnabe gegeben hätte, oder nicht.“ à Mof. a4, 21, „SR, 
th weiß nicht, welche fie meinen, ob bie erfte ober bie leate.« 
Bellert Dder man wicherhoit auch das ob, was im R. D. haͤu⸗ 
fig geſchitht. Ich frage Sie, ob Sie wollen, ob nidt? 
Kurz er blieb ungewiß, wo er mebr Anfehn hätte, 
Ob in dem Feld', ob in dem Kabinette, Gellert. 
Im N. D. wird es auch für oder überhaupt und für entweber ges 
braucht; ob dies, ob bas, entweber bies ober bag. 2) Einen uns 
gemiffen, ‚aber möglihen, ober auf noch zukünftigen Fall zu be 
aeihnen. 
Des kunnt ihm folgen niemand, fo grof war felne Kraft, 
Ob fie den Stein wurfen, ober ihefen ben Schaft, d. Mibes 
ungen 8& B. 555; 
d. h. fie mochten nun ben Stein werfen, oder ıc., wo zugleih auch 
die erfle Bedentung Statt finden kaun. »Ob ich etwa gar krank 
werde?“ Geltert. „Und ob ihr aud leidet um ber Gerechtigkeit 
willen, fo feib Ihr doch fellg.“ x Pet. 3, 14. In welder Webeu: 
tung au das fo gebraucht wird. Go jemand ſpricht, ich liebe 
Gott ze. „Den (Idee) entſchied er, koͤnne noh mit Wohlgeſallen 
ein Sultan fhlürfen, ob auch alle keckereien feiner Küchenmeiſtet — 
ihn gleich ſtark anmiderten.« RL Shmibt, 
und ob er au biefen Triumph verlentt — 
Se finge bu de, — Ramler, 
Derſetbe gebrauchte aud ob allein für, wenn auch: 
Ob alle Reıfigen aus euren Feten, 
Ob eine naeue Helene 
Euch alle Prinzen aus Lutetiens Palaͤſten 
Bu Feldherren fendete, 
Ob ide und eure Meier hätter nicht die Mehr, 
gen‘. B. 477: 
Doch ob ih * ſouſt auch bu 
Nicht lange deines Zieges dich erfreuen, Haudwald; 
d. 8. wenn ich falle, Beſonders wird es in biefer Bedeutung mit 
den Mörteen gleich, fäyen, mol gebraucht. ©. Obgleich, Obſchon, 
Dtbiwol, für weiche Wörter es auch wol allein gebraucht wird. 
DH es anders niemand wäre, benn Hagene ber Degen, d. Ris 
belungen &, B. 4243 
d. h. ebglelch, obſchon es anders niemand wäre. Ob vielleicht ober 
auch nur ob allein gebrauchte man ebemahls und gebraucht man im 
der höhern Schreibart noch für vielleicht daf, Schreie zu deinem 
@ctt, ob vielleicht Gott an uns gedenken mollte.* Sen. ı, 6. 
eaßt uns Behe thun, ob Bott und moͤchte guäbig fein. 
um ber Schönen willen gedacht' er noch beflchn 
Db er fie fehen moͤchte. — b. Ribelungen L. ®. 1054. 
Nach dem Worte ald bezeichnet es, wir das Wort wenn, eine Ähm: 
tihkeit, eine Bergleihung, unb das Xusfagewort flehet dann in der 
gebundenen Form. sd ift mir, als ob ih Hunger bätte Es 
mmt mir bente gerade fo vor, als od es Sonntag wäre. Aber 
warum feben Cie mit fo ängſtlich an, als ob Sie mid bebauers 
ten?“ Gellert. Im RR. D. lauter ob mit einer nicht feitenem 
Verwechſelung des d mit f, of, oft, ofte. 

Die Obacht, v. 29. die Acht, d. &. Achtung, Aufficht ob oder über 
etwa. Etwas in Obacht nehmen, es im Acht nehmen, wie aud, 
arfmerHam darauf fein. Obacht auf etwas haben, geben. Ginen 
ber göttlichen Obacht empfehlen, gewöhnlicher, der göttlichen Ob⸗ 
But, d. d. dem goͤttlichen Schupe, 


d. Ribelum 


Dbachten, v. intze, u. tes, auf etwat achten, aufmerffam fein, Man 


530 


Dben 





darauf obachten. Ich babe nicht obgeachtet: "D7 Obachten. 

—ung. 

} Diengejogen, Dbbemeldet, Obbenannt, Obberährt, Obbe- 
fagt, Fr. Di. 


O Dbbieten, v. tra. ob oder ren etwas bieten, gebieten; wie aud, 

gegen etwas gebieten, verbieten. 
Das foil mir bieten ob fein Erbenmenfh, 
Bas in ber Bruſt die Mare Wahrheit wid. Benzel:Sternan. 

. D. Dbbieten. 

Das Obdach, —ıd, My. — daͤcher, eigentlich, ein Dad über etwa. 
Dann, ‚ein mit einem Dache verfebener Dirt, ein bedecter Xufent- 
baltsort; ein Det, wo man ober mo etwas gegen Wind und Wetter 
geſchuͤgt iſt. Etwas umer Obdach bringen, 

Mit Schweiße bedecket 
Gilen die heißen Eefpanne mit Braufen unter das Obdach. 
» Baharia. 
Einem Obdach geben, ihm Herberge geben, ihn beherbergen, mofür 
eö Then Horned gebrandten Ehemahls au a) für Shut, Be 
fhüguns; unb 2») für das Kecht, nah welchem jemand gehalten iſt, 
den Andern umfonft bei ih aufzunehmen; 3) für Xx Überzug, 
Dede, ©. Oberlin. Auch xx ber Oberzeug; in Gegenſatz bes 
Futters, wo es ber Obdach Tautete, „Der obedach und unbersch 
(bes Mantel) waren von famite.“, Konr. v. Würzb. Eroi. Kr. 

Oben, ein Umſtandwort bes Drtes, ein Entferntfein von und über 
der Oberfläche ber Erbe ober vom Mittelpuntte berfelben zu beaeiche 
nen; in Gegenfag von umten und nieder. Oben in ber Luft unb 
unten im Waffer, Oben im Himmel. Dben im Haufe wohnen, 
ober au nur, oben wohnen. Mad oben bin, von oben her, vom 
oben herab, Alles Gute koͤmmt von oben berab, von Gott. Siehſt 
du ben Mond dort oben? Dann auch, auf ber Oberflähe, d. b. 
auf ber vom Mittelpunkte der Erbe am meiften entfernten Fläche, 
ober auf dem bavon entfernteften Theile eines Dinges. Oben auf 
ber Spitze. Oben auf bem Berge, Baume x. Dben (dwimmen, 
auf ber Oberfläche des Waſſers. Oben liegen, auf ber Oberflähe, 
wie aud), höber als bas Übrige. Ginen von oben bis unten befehen, 
vom Kopfe bis zu ben Füßen, Es Liegt oben auf bem Tiſche. Et— 
was oben Hin ober obenhin legen. Etwas: bis oben auf füllen, bis 
on ben Rand. Im weiterer Bebeutung gebraucht man auch oben 
von jeber Erhebung über eine Grundflaͤche, unb von Allem, was 
böber iſt als etwas Anderes. So fagt man von einer Gade, einem 
Worte in einer früher gefchriedenen und höher ſtehenden Zeile ber> 
ſelben Seite, fie ober es ſtehe oben, fie, es, ſei ſchon oben erwähnt, 
Daber gebraudt man in weiterer Bebeutung oben aud von einer 
früher gefchriebenen oder bemerkien Sache, wenn fie auch nicht auf 
derſelden Beite, aber boch in berfelben Schrift vortömmt, für vors 
ber, im Borigen; in Gegenfas von unten, Wie ih fhon oben 
'gefagt habe. Die oben gedachte, erwähnte Sache. Der oben ge— 
nannte Freund. In ben Ranzeleien ift dafür ob gewoͤhnlich, wels 
rs mit dem Mittelmorte zufammengejogen wird. ©. 1. Ob. Un: 
eigentliih wird oben noch in Werkinbung mit verſchlebenen anbern 
Wörtern gebraudt. Oben an ober obenan fiten, ftehen, geben, 
an ber oberften d. 5. vornehmſten, erflen Stelle. X Dben auf 
fein, ober oben darauf fein, ben Berg gleichſam erftiegen haben, 
alle Hinderniffe, Schwierigkeiten überwunden haben, fein Biel er: 
reicht haben, glädtih fein. X Dben aus fein, flühtig, unbebäd: 
tig fein. „Meine Tochter ift noeh ein Bißchen oben aus.“ Goͤthe. 
X Dben aus, oben hinaus wollen, Hohe Dinge wollen, Großes 
unternebfnen, befonders aus Etolz und Eigenduͤnkel. Zumeilen im 
gemeinen Leben au wol für, zur Dede binaus wollen, vor Unge 
bald, Zorn, wo man fih gleichſam niht bie Zeit nehmen will oder 
kann, auf bem gewöhnlihen Wege binaussugehen ‚ober zu handeln. 
Dben ein ober obenein und oben brein, über dies noch, mod Aber 
das Gewoöhnliche, Tigentliche. Etwas obenein geben, als eine 


Oben 


531 


Obera 





Zug abe. Die nihat⸗ ih oben brein.e Weiße. Er iſt noch 
obenein unverſchämt. Man wird noch oben drein für feinen guten 
Willen auigelacht. „Er ift fo rei wie fie — oben brein aber iſt 
er noh ein rechtſchaffener und ehrlicher Mann. Weiße. Dben 
Hin oder obenhin, auf der Oberfläe hin, nur bie Dberfiäche bes 
rührend, nicht gruͤndtich, nachlaͤſſig, oberfläglih. "Etwas obenhin 
. mahen, thunm, unterfuhen x. Cine Sade nur fo obenbin vers 
ihn. Reffing gebraudte dafür oben abgefhöpft, wobei man 
nur auf der Oberflähe geblieben, nicht auf ben Grund gegangen iſt 
ober nicht gründlich verfahren bat: „Was es anführt, iſt fo lahl, 

“ fo oben abgefchöpfte — Dies durch Anhängung ber Silbe en aus 
ob entftandene Wort war ehemahls auch als Beilegungswort ge: 
bräuhlih. „Der obene Beweis,* ber obige. Opiz. 
Batte man auch ein Auftanbwort oben, oben ober über etwas fein, 
ſchweben, weldes bei Horned vorlömmt, ©, d. 

O Das Shen, o. Umend. u. DM. dasjenige, was oben ift; ‚wie auch 
uneigentüih, was Über Andereß erhaben if; in Gegenfag von bem 
Unten. Und ob es aud in jenen Sphären 

Gin Oben oder Unten giebt. Böthe, 

*ek Oben, vw. ntr. mit haben, oben fein, hervorragen; mie and, 
übertreffen. - „varbait aller tugent ein ärancz feinem Haupt obt.e 
Borned. „Din preis den beflen allen obt.* Kent v, @ürsb. 
Trojan. 2rieg. tin { 

Dbenan, Doenauf, Dbenaus, f. Oben. 

Das Dbenbindfel, — 6, 94: gi. in der Schifffahrt, ein arwöhntides 
Bindfel, womit das Lofe Ende bes Wandtaues an bas ſtehende Wand 
tau feſtgelegt wird. Röbing. 

Dad Obenbramfegel, die Obenkaft, dad Obenleik, f. Oberbtam⸗ 
fegaf ıc, 

*2* Die Dbene, 99. u. was oben ift, bie Spige. »vf ber linden 
obene ba fanc ein Meines vogelin« Maneffen Minnej, 

Dbenein, Obenbin, f. Oben. 

Das Dbenwerl,— ed, 3 —e, in ber Geofprade, ber ganze Thell 
* Schiffkoͤrpers, bee ſich über dem Waſſer befindet; das todtt 

eh. 

Ober, — ſte. 1) adj. Oben feienb, oben befindlih; in Begenfag von 
unter. 
bie nach bem Himmel zu geriätete, 
Theit eines Dinges, Das obere Stockwerk, bad oben über bem 
Erbgeſchoſſe befiudlihe, Die obern Zimmer, bie im oberm Stock⸗ 
merke. Das orerite Stockwerk, das oben über allen übrigem ift. 
Das Dberfte, das ganz oben Befindbtihe. Das Oberfle von ber 
Milch, der Rahm oder die Sahne; im Öfterreihiihen und Fränfis 
fen F das Divers, So aud von Erbflähen und Ländern, vom Mittels 
punkte ber Erbe weiter entfernt, als anbere baran gremjenbe ober 
bamit zufemmenbangenbe, näher nad bem. Gebirge und dem Ucs 
ſprunge ber Flüſſe zu; in Gegenfag von nieder. Der obere Shell 
bei Berges. Das obere Deutihland, Die obere See. Die obere 
Stadt. Befonders in Zufommenfegungen, Dberbeutihland, Ober: 
Fohfen, Oberungarn, Oderelſaß, Oberitafien, der Oberrhein ıx. 
Der jmeite Grab ober erfte Steigerungsgrad ift wegen ber unange: 
nehmen Häufung ber r nit gebräudlih, und man begnügt id 
entweber mit dem erſten Grabe ober, ober man druckt ihn auf ans 
dere Art aua. So fagt man nicht die obreren Stufen bie zwiſchen 
denen, bie ſchon höher liegen als bie unterften, und zwiſchen ben 
oberften befindlichen zu bezeichnen, fonbern bie obern Etufen, wo 

. biefes oberm ſewol ber zufammengesogene erſte Steigerungsgrab als 

auch ber Untergrad fein kann, Anbere haben ober ſelbſt für bem 

‚ erftien Öteigerungsgrab eines im unteren Grade unbelannten Wortes 
gebalten, wildes eben fp ircig wäre, als wenn man Außer, hinter, 
nieber, vorder, ac. für erſte Gteigerungsgrabe halten wollte, Als 
Umfanbwert koͤmmt es nur im jmeiten ober hoͤchſten Gteigerungs: 
‚grade vom Das Unterfie ja oberſt Kehren, „Tegt gingen fie zu oberſt 


Die obere Flaͤche, ber obere 


Ehemahls | 


Die obere Selte, bie von ber Erde am meiften entfernte, ' 


auf bem Bügel in die Bante,e Meßner. Uneigentfiä. CıY Fine 
« höhere Würde, böbern Rang babenb; in Begenfas vom nieber und 
unter. Die obern Stände, Die obern Schulen, bie bohen, Die 
obern Klaſſen in einer Schule, bie erſten, in welchen ben Eenntiißs 
reihern Schülern höhere Sprachkenntniß und MWiffenfhaft gelehrt 
wird, als in den unterm oder niedern Klaffen. Die oberfte Stelle 
einnehmen. Die obere Gerichtbarkeit. S. Mieder. Die obern 
@ötter, bie vornehmſten, mädhtigften, welde ben Mang Über niebere 
Wölter und Halbgötter haben. - Diefe Bedeutung bat bes Ober in 
vielen Zuſammenſetzungen, welche zum. heil auch mit dem zweiten 
Stelgerungsgrabe Oberſt gebitbet werben, 3. B. Dberamt, Ober 
auffeher, Dberbefehl, Oberhofmeifter, Oberjägermeifter uns 

Dberfijägermeifter 0. %% Die oberfte Nacht, die Macht vor bem 

Dreitönigstage; ber oberfle Zag, ber Zag ber Erfheinung Kriſti. 
(2) Eine ‚größere Gewalt babend,, über alle Anbere gefeht;- im 
Gegenſad von unter. Die oberfie Gewalt, bie hochſte. „Der 
oberſte Bergelter.« Sir. 3, 34. „Bott unfer oberſter Herr und 
Gebieter.“ Gellert. Die obern Befeblehaber. Die Obern gebraucht 
man au allein für Perfonen, welche über Audere geſetzt ober einer 
Sache vorgefept find, und barüser zu befehlen Haben. Mit Be; 
wiligung der Dbern, Den Dbern Geborfam leiſten. Ich bie 
nit fein Oberer. Ein Dberer. Im weiterer Bedeutung äberhaupf 
für, über Andere erhobene mächtige Weſen. Gp werben bie Göt⸗ 
ter aud bie Obern genannt. 

Doh wenn bie Oberen - anfguun, | mern Miäte ber Gitter 

Etwas ned find Dep. 
Im Kartenfpiele ift ber. Diene, ober gesbtufiger ber Dber, —, 
Br. ;l. das Sild eines Mannes auf einer Karte, welcher bem Nange 
und ber Gewalt nah auf ben König folge, mund ber Karte, auf 
welcher er ſtehet, Macht ertbeilet, alle unter ihr ftehende Karten 
sa ſtechen. Die Oberflen ber Gemeine, im Volke ıc, bie Dornehms 
ften, obrigfeitliche Perfonen, welhe bie höchſte Gewalt haben: Der 
Oberſte über ben veifigen Zeug, oder der Feldoberfle mar ehemabis 
ein DOberanführer bei der Meiterei (General von ber Cavalerie), 
Gegt ift ber Oberfle ber erfte uns MWörnehmfte umter ben Gaupt⸗ 
leuten, ber Vorgefepte einer ganzen Schaar (Colonel), wo e# häufig 
genug aber fehlerhaft Obrifle gefhrichen wirb. + 2) + Als Berpält- 
nifwort, in mandeg O. D. Gegenden für, über. Dber uns 

Die Oberacht, 99. u. bie obere Acht, höhere Abt, wofür man auf 
Aberacht fagt, weiches man aber bavan unterfheibden und für * 
derhelte Acht gebrauchen ſollte. 

Der Oberalte, Oberaͤlteſte, —n, 4. —n, fm. D. and = as: 
bern Gegenden, ber Obermeifler oder Üutefe bed Haudwerkes oder 
ber Innung. 

Das Oberamt, —es, 3%. — Ämter, das oberfte, d. b. erfle, vor⸗ 
nehmite, der aud nur, ein höheres wichtigeres Amt von mehren; . 
befonbers ein ſolches Werihtsamt und ein folhes Kammeramt. 

Der Oberamtmann, —es, 4. — männer, auch — leute. 1) Der 
oberfte ober vornehmfle unter den Agitmännern. 2) Der Amtmann 
eines Diberamtes; befonders eines folgen Kammeramtes. 

Die Oberamtöregierung, 9. —en, in manden Begenben, 3. B. 
in Schleſien bie höchſte Regierungsbebörbe in einet kandſchaft. 

Die Oberarche, My. —n, im Jagdweſen, die obern Archen ober 
Beinen an einem Jagbzeuge; zum Unterichiebe von ber Unterarche. 
Der Oberarm, —eb,M. —e, ber obete Theil bes Armes von bee 
Schulter bis zum Ellbogen, Bei den Drgeibauern heißen Obtrarme 

bie Arme an bem Wellen ber Regiftersüge einer Orgel 

Das Oberarmbein, — es, 9. —e, in der Zergliedk. das mit ‚dem 
Säulterblatte —— Bein. des Obereraes (klumerus) 

Der Oberarzt, —es, My. —rzte, der erfle und vornehmfte Art 
unter mebrera (Protomediens). 

Der Oberauffcher, —s, 34. al.; bie —inn, Bi —en, fine Pro 
fon; welde die Oberauffiht über etwas führe, welche ber obere 


Obera 


oeter wornehmfle von mehrern ober allen Xufiehern iſt. In mans 
‚Gen Gegenden, 3. B. im Mansfelbihen, ift ber Oberauffeher ein 
adeliger Beamter, welher bie Aufſicht über die herefhaftlihen Kam: 

merämter hat. Davon das Oberauffeheramt, das Amt, bie Würde 
eines Oberauffebers, 

Die Dberaufficht, 0 My. bie oberfte Aufſicht über eine Gade. 

Die Oberaugenbraue, f. Oberbrate. 

& Der Oberaugenhöblenausignitt, —es, ie in ber Zerglie⸗ 
derungstunſt, ein Ausihnitt in ber obern Gegend der Augenhoͤhlen. 

& Die Oberaugenböblenblutader, My. —n, in ber 3ergtk cine 
Blutaber in ber oberen Gegend der Kugenböhle (Vena supraorhitalis), 

& Die Oberaugenhoͤhlenſchlagader, 34. —n, im ber Zerglk. eine 
Schlagader, welcht bie cbern Augenmuskeln oft allein verforgt und 
baber auch wol obere Muskeifhlagader heißt (Arteria supraorbitalis). 

Der Oberaustheiler, —s, 3%. al. ber oberſte Austheiler. S. Ober: 
jebnteramt. 

Der Oberbalken, —6, 39. gl. ber obere oder oberfte Balken von 
mebeeen; in Gegenfag bes Unterbalfend. 

Der Oberbau, — es, Dr. u. der Bau, ein Bau über der Erde; in 
Gegenfage vom Unterbane und Grunbbaue. 

Der Oberbaud;, —es, By. —bäuche, der obere Theil bes Bauches 
{Epigastrium), 

Das Oberbauchgefleht, —es, My. —e, in ber Zerglk. ein Rer⸗ 
vengeflecht in ber Gegend des — dicht unter dem Zwerch⸗ 
mugstet (Plexus coeliacus). 

Die Oberbauchgegend, 93. u. in der Fergit. die Segend des Ober⸗ 
bauches, im. der Mitte zwiſchen dem Anorpeln der falſchen Rippen 
ber rechten und linken Seite (Begio epigastrica ). 

Der Oberbauer, —, 4. —n, ein oberer vornehmerer Bauer. 

» In ber Deutfhen Karte ber Eichelober. 
Hier fpielte man bas Epiel, worin dee Oberbauer, 
Seſchmuͤckt mit jener Frucht, bie Sau und Kempen näbrt, 
Sleichwie der Schulz im Dorf, bem erften Bang begehrt. 
K1. Schmibt. 

Der Oberbaum, 4., —baͤume, 1) Im Forſtweſen, fo viel 

als Hauptbaum. S. b. 
Binterthelle bes Weberſtuhles, auf welchen bie Kette gemwidelt wirb; 
bei Ankern ber Garnbaum. 

*% Die Oberbebe, 4. —n, eine höhere, größere Abgabe, eine 
Abgabe, bie ein ganzes Band, eine ganze Landſchaft entrichten mußte, 

Der Dberbeichl, —es, By. u. der oberfte, hoͤchſte Befehl, d. h. 
bie. höchfte Gecralt über etwas, befonbers über ein Kriegöheer ober 
einen heit beffeiten (Ober: Commando}, „Dee erfte Lieutenant, 
welcher heute an Borb ben Oberbefehl Hatte» ©. 


Der Oberbefehlähaber, —, 39. gl. der ben Oberdeſehl hat, ber . 


oberfte Befeblehaber unter mehrern (Commandeur ober General 
en chef}. Davon bie Oberbeſehlshaberſchaft, bie Oberbefchrtba: 
berfiele, Oberbefehlähaberwürde; bie Gigenfhaft, bie Steue, bie 
Mtürbe eines Ohrrbefehlöhabers. 

Der Oberbeichtvater, —®, 9. — väter, ber sterfle, tornehmfte 
Beichtuater unter mebrern, wie 4. B. am verpähen Hofe. 

Das Sberbein, f- Überbein. 

Der Oberbeiftoß, —es, Di —ſtoͤße, bei den Tiſchtern, ein Weir 
Rod eder ſchmales Brett, weldes on einer Schrankthaͤr mit ben 
Seitenbeiftägen vermittelſt eines Zapfens am jedem Ende verbunben 
wirb, und bie Thür einfchliept. 

Der Oberbereiter, — fr 3. gl. bee oberfte Bereitet unter mehrer, 

» an'döfen ober Reitſchulen. 

Das Oberbergamt, —ıt, Mj. — Ämter, bas eberfte ober pöchfte 

*. Bergamt unter mebrern ober won Alen, welches z. B. im Sachten 
aus dem Oberberghauptmanne, dem Berghauptmanne, den Berg: 
eäthen, Beifigern, Oberdergamtsverwalter ıc. beſtehet. 

Der Oberbergamtöverwalter, der Oberberghauptmaun, f. Ober 


632 


2) Brei ben Beimbrbern, ber Baum im ' 


Dberb 
beigamt. 


Der Denteeniße:, —e, M. gl. ber oberfte Bergmeifter in ei- 
nem Bande ober einer Landfhaft, welcher über bie übrigen Berg: 
meifter aefegt if. 

Das Oberbett, —es, 9%. —en, das oberfle Wett, das Deckbett; 
zum Unterfhiebe von ben Unterbetten. 

Die Oberbeute, 4. —n, in ber Biemenzucht, bie oberſte Hälfte 
einer Beute, f. d.; zum Unterfdyiebe von der Unterbeute. 

O Der Dberbevollmächtiger, —E, My. al. derjenige, welcher eis 
nem Anbern oberfle Balmaht in einer Sache giebt (Plenipotent). 
Derjenige, weicher oberfte Vollmacht belömmt, iſt der Oberhbevoll⸗ 
mädtigte, 4. B. ebemabis ber Baiferlihe Oberbevollmaͤchtigte auf 
dem Rreichstage ( Prineipalcommissarius ). 

Der DOberbifhof, — es, Ba. — biſchoͤfe, der oberfte Eiſchof in eir 
nem Lande, welchem bie Übrigen Bifhöfe untergeorbnet find, wofür 
man oft Such Ersbifhof fagt. Go kann auch der Papſt Ober: 
bichof genannt werben, als oberfter ober vornehmſter Siſchof in 
ber ganzen Roömiſchen Kirche. 

Oberbiſchoͤflich, adj. u. adv. dem Oberbiſchofe gehoͤrend, zu feiner 
Würde gehörenb, ihm gngemeffen, in feiner Wuͤrde gegrünbet. 

Das Oberbifhoftbum oder Oberbisthum, — es, 4. —thümer. 
1) Die Würde, bas Amt eines Dberbifhofes, 2) Das oberfte, vor 
nesmfle Bistbum eines Bandes ober aller übrigen. 

Das Oberblatt, —et, By. —biätter, das obere Blatt. Bei ten 
Gtafern ift das Oberblatt ber obere Riegel am bem Biehmerte, wor 
durch die beiten Baden deſſelben nebft dem Unterblatte zufammenaes 
haften werden. Wei ben Miemern beißt Oberblatt basjenige breite 
Stuͤck keder eimes Pferdegeſchirres über bem Kreise, worauf ber 
Kammbedel und bas Kammtiſſen liegen. 

Der Oberblattftößel, —s, Mz. af. bei den Riemern, derjenige Ri: 
men mit einer Schnaile, welcher durch den Sing bes Mruftblattes 
an jeder Seite nezogen und mit welchem bas Oberblatt angefhnallt wird. 

Die Oberblattfirippe, Wr —n, bei den Rirmern, zwei Riemen, 
im melde das Dberblatt eimgefihmalle wird, - 

Das Oberblech, — es, Ba. —e, bad obere Blech, 3. B. dasjenige 

Wifenbteh, womit bie Achſen ber Wagen oben beirgt werben, 

Das Oberblei, —s, 2. —t, das obere Blei, Bei ben Strumpf⸗ 
Arkern find die Oberbieie, bie in dem Gebaͤuſe, worin bie bünnen 
Elſenbleche zur Bildung der Maſchen befindlich find, befeftiget werden. 

Die Oberblinde, By. —n, in der Schifffahrt,- das oberfte Segel 
am Bugſpriete, welches ſich uͤber ber Blinde befindet. 

Der Oberboden, —s,; m. —böden, ber obere ober oberfie Boden 
in einem —XR 

Die Oberboje, 9. —n, in ber Seeſprache, eine zweite Ankerbofe, 
melde an bie erfte befeſtiget wird, wenn biefetbe nicht wacht oder 
wenn fie Blind ſtehet; ber Ankerwachtt. Roͤding. 

Der Oberbootsmann, —es, My. — männer, oder — leute, im ber 
Sehifffahrt, der obere Bootemann, ein Behälfe der Schiffers, wel⸗ 
er die Aufſicht über alles Tauwerk und Aber bie Segel führt, und 
den Matrofen ihre Arbeiten anmeifrt, 

Der Oberbornmeifter, —®, 39. al. in ben Satzwerken zu ‚Halle, 

der oberſte Bornmeifter, welcher alle Streitigkeiten entſcheidet, bie 
die Unterhornmeifter niht ſchlichten Fönnen ic; in Lüneburg ber 
Oberſie ger. 

* Der Oberbothe, —n, M. _n, ein hoher, vornehmer Bothe, 
Abge fandter. Balteus, 

* Die Oberbothmaͤßigkeit, 0. 94. die Oberherrſchaft. Haltate. 

Das Oberbramfegel, —S, 9. gr. In der Schifffahrt, das Segel 

an ber Dberbramſtenze. 

Die Oberbramftenge, My. —n, ber dritte Auffag auf dem großen 
WMaſte und Fofmafle großer Kriegsfhiffe. 

* Die Oberbraue, My. —n, bie obere Brane, bie „Zusendreur. 
. Dberlin. Mei Andern Oberaugenbraue. 





Dberb- 


Der Dberbürge, —, 4. —n, ber oberſte, vernehmſte Buͤrge, 
Hauptbuͤrge. Oberlin. 

* Die Oberbühne, My. —n, eine Bühne im obern Theile bes Haus 

—ſes, oben auf bem Haufe (Solarium). Mahler, Bei Andern 
ein Oberboben (Granarium). 

Dad Oberdach, —es, 94. —daͤcher, bas obere Dad. Mahler. 

Das Oberbed, —ı6, Di. —, das obere De. Ehemahls über 
haupt für Dede. 

Der Oberbeihamtärichter, 
einem Deihamte, 

Der Oberbeihgraf, —n, Bi. —en, ber oberfle unter ben Deich⸗ 


—t, Mh. gl. ber oberfte Richter bei 


geofen eines Landes ober einer Bandfhaft; im N. D. der Ober: 


deichgraͤfe. 

Oberdeutſch, adj. u. adv. zu Oberdeutſchland gehörig, bafelbft ein⸗ 
beimifh, gewoͤhnlich, befindlih, daber kommend. Die oberbeutfchen 
Länder, Staͤdte, Schriftſteller. Die oberbeutfhhe Mundart, ober 
das Oberdeutſch. Oberdeutſch ſprechen und freiben, Die Dber 
beutfchen, die Eimwohner Oberdeutſchlande, zum Unterfhiebe von 
ben Mitteldeutſchen und ben Miederdeutfchen. Die Hochdeutſchen 
find diejenigen in allen heilen Deutihlande, weiche die Hochbeutſche 
db. i. die Deutſche Schriftſprache reden. S. Hochdeutſch. 

Oberbeutfchland, — ,o. Bi. das obere b. h. Höhere, aebirgige 
ober ben Gebirgen nahe gelegene fühlihe Deutſchland, etwa bis zum 
Main, wozu auch Böhmen und Schiefien gerehnet werben; in Ge 

' genfag von Miederbeutfchland, und Mitteldeutfchland, zu welche m 
lenten befonbers- bas Rönigreih Sachſen und die nebenlitgenden 
Deutihen Länder gerechnet werben. Sm Deutſchen Staatérechte 
heist Oberbeutfchland auch Lande des Schwäbifchen Rechtes. 

Der Obere, —n, 99. —n, f. Ober. 

Das DObereigenthum, — ed, 0. 94. das oberſte ober vöhte Eigen 

thumsrecht über liegende Grünbe, 

Obertigenthuͤmlich, adj, u, adr, zum Dberelgenthum gehoͤrig / dar ⸗ 
in gegruͤndetz als ein Oberelgenthum. Haltaus. 

Der Obereigenthumsherr, —en, 34. —en, ber das Oberelgen⸗ 

khum Aber etwas bat. In einem geſchloſſenen Bande iſt ber oberſte 
Lebenshere auch zugleich ber Obereigenthumseherr über bie barin bes 
finstihen Eebengüter. 

Der DObereinfahrer, —6, 2. al. im Wergbaue, ber oberfle Eins 
fahrer. 

Das Obereingelefe, —®, 9. al. bei den Tuch⸗ und — 
die eingeleſenen sbern Fäden einer Zeug« ober Tuchkette, bie auf 
dem Stuhle, wenn fit aufgebaumt worden find, dae Dberſach ma⸗ 
chen; auch der Oberſprung. 

Der Obereinnehmer, —s, 9. gl. der — Shinchmer berifhaft: 
licher Gefaͤlle, weldiem bie Einnehmer untergeorkmet find. 

Der Oberenke, —n, 94. —n, ber oberfie ober erfte Anke. ©. Ente. 


Das Dberfah, es, 4. —trurfädier, das obtre ober oberfte ° 


Fach. Bei ben Webern beiten Oberfach diejenigen Fäten ber Fette 
auf beim Webtrſtuhle, melde beim Weben hindufgetien. 

Der Oberfaltehmeifter, —®) 9%. Al. an tiäfpen Döfen, ein abefiger 
_ Iagbbeamter, welchem ber Battneretfauptman , ; a ao 70 

untergeorbnet ſind 

Das Oberfaß, — ffes, M. 24. —faͤſet, das obere Faf. Im den Hüte 

‚ tenwerfen, das Abflanfaß bri einem Planherde, in welchem bie sei 
Dberptanen und alfo bee beſte Erzſchllch oder dag beſte Erz qeivar 
ſchen werben. Inden Satgvtrken verſteht Man darunter die odern 
bder Höer tlegruden Faͤffer, in weisen die Sohle aufbehbülten wird; 
O. D. die Dberfafle. I” Beiden Sedentangen in's bein Unters 
faſſe entgegengrfeht,‘ e ira. 3 

Die Oberfaͤule, 24. son mehrern ween, —n/ in ben Getenfkin. 
ſchen Beigweeten, eine Fäufe, 85. wine aus Rat, EAnd und Thon 
zuſammengeſehte Steinert, welche ſich über ber zarten Bäule und 
anmitteikar imter dem fohenannten Bedgfteine-befindet. : » = = 


533 


Oberg 


* Der Oberfauth, it, f. Obervogt. 

Der Oberfeldberr, en, By. —en, ber oberfie Felbherr, mweihem 
bie übrigen Feldherren untergeorbnet find und gehorhen müffen (Ge- 
neral en chef): Davon bie Oberfelbherenwürbe, bas Oberfeld⸗ 
berenamt, bie Würde, das Amt eines Oberfeldherten. J 

O Der Oberfeldmarſchall, —es, Mj. — marſchaͤlle, ein oberer 
ober ber oberſte Feidmarſchall (Generalſeldmarſchall). Davon bie 
Dberfelbmarfhalmürbe, das Oberfelbmorfhullamt, die Würbe, 
bad Amt eines Oberfelbmarſchalles, der Obherfeldmarſchallſtab, der 
Stab bes Dberfeldmarfhalles, als Zeichen feiner Wücbe, 

Die Oberfläche, 24. —n, bie obere Flaͤche eines Dinges, zum ns 
terfchiede von ter Unter: oder Grunbfläde und den Seitenflihen. 
Dann auch bie Außere Flähe, das Äußere überhaupt in Gegenſatz 
dei Innern, des Wittelpunktes. Die Oberflicye ber Erde, einer 
Kugel ec Uneigentlih, bas zuerft und am leichteften in bie Augen 
Fallende, in Gegenſatz bes tiefer ober im Innern firgenben, welches 
erſt gefucht und unterfucht werden muß. Bei der Oberfläche ſtehen 
bleiben, nit auf ben Grund geben, * genauer und tiefer unse 
terfuhen. 

DOberflählich, —er, —fle, adj. u. adr. ir ber Oberfläche befinde 
ih, In ber Pflanzenlehre heißt eine Dede, melde die Haufen 
ber Farnträuter-umgiebt, oberflächlich (Indusium superliciarium), 
wenn fie von ber Oberhaut bes Blattes entſtehet. Uneigentlich, 
auf ber Oberfläche bin, nit gründlich, ‚ohne genau und tief einzue 
beingem, zu unterfuchen obex unterfucht zu haben; : wie auch, feinen 
tiefia Eindruck machend. Etwas oberflächlich behanbein, verfichen, 
beurtheilen. Eine oberflächtiche Tenntniß, Gelehrfamkeit, bie nidt 
tief eindringt, nicht genau, nicht gründlich ift. Oberflaͤchliche Kennt⸗ 
niffe finb alfo ferner überhaupt ſolche, die überhaupt nicht velfläns 
dig und gründlich find ;rfeichte find ea nicht in: kem Grabe, als fie 
es fein follten.e Eberhard. Vergl. Seicht..-Begriffe, die und 
oberflächlich klat vorkommen.» Mibaeler {R.). Davon die Ober 

: Mächlichkeit, die Eigenfhaft ober Beihaffendeit einer Perfon aber 
Sache, da fie oberflächlich if. Die Oberflaͤchlichkeit eines Gtlehr- 
ten, eines Urtbeiles. ' 

O Der Oberflottenführer, —s, 9. gl. der oberfte ober vorachme 

. fie Flottenführer unter mehrern ( Grofadmiral ). 

Der Oberförfter, —s, 9. gl. ein Forſter, welcher ben uͤhrigen 
Foͤrſtern vorgefegt iſt und bie: obere Aufſicht über einen Bert hat, 
felbft aber bem Korfkmeifter wieder untergeorbnet iſt. 

Die Oberforfterei, 9. —en. 1) Das Amt, die Stelle eines Ober⸗ 
firfters (RR). =) Die Wohnung eines Oberförftets. 5) Der Be 
siert eines Oherförftere. 

Der Oberforftmeifter, —s, 9%. gl. ein varnehmer Forſtbe au er 

welcher über einen großen Forſtbezitk bie Aufſicht führt und tem 

darin angeſtellten Forſtmeiſtern und, Foͤrſtern vorgefegt it. IA em 
den Forſten in einem ganzen Sande ober in eines ganzen Banbfhaft 
bvergeſetzt fa, heißt er auch wol Dberlandfocfiureifter. 

Der Oberfreigräfe, —n 34. —n der oberfte oder vornehmſte uns 
ter bee Freigraͤfen. 

Der Obrrführer, — Ey. al. ein oberer ober ber oberſte Fuh⸗ 
rer Anführer, und bie Obzteführer ber Heert 

Kamen Sonnenberg. 

Der Oberfuß, —ı6, Bi. —füße, In der dergit. 1) Der obrte 
Theit dea Fußes nach dem Knochtt zur, bie Fußmurzel; im Gegens 
fage dea vordern Theiles, bes Balleus und ber Zehen. 2) Dre 

rüber Che des Fußes von ber Beben bis zur Fehwurzel, amd der 
Dberrif; im Gegenſatz dea Plartfufes oder der Sohle. 

© Der Obergebieter, —®, 3. gl. der obere oder aberſte Gebieten, 

Belshtababer oder Herrſcher 
— bean du biſt Ober gebieter — KBıl. 

O Das Obergebiß , — ſſes Ip. — fr ‚das obere Gehif, dir Außne 

im obern'Kinnbaden, „Gr. entblößte jetzt das Ober gebiß buch ein 


— 


— 


— ——— 
— — —— — ae = 


igenes Grinſen“ J. P. Richter. 
& Der Obergehelmrath, — es, My. —rÄthe, ein oberer, ober der 


oberite, erfie Geheimrath. 
Kennteft bu mid, bu machteſt mid gern aum Obergeheimrath. 


Sonnenberg. 

Das Obergchoͤlz, —et, M. —t. ı) Ein oberes, oberwaͤrts lier 

gendes Gehölg; im Gegenfag eines Untergehöfed, =) Die Bär 
me, and, die Üfte der Bäume zufammengenommen, S. Dberbols. 

O Der Obergeifl, —es, My. —r, rin oberer, höherer Geift, tel: 
em andere Geifter untergeorbnet find. „Denn — jedem aufgeftells 
ten Kraftbeere felber ift ein anderer regierenber zufammenbaltenber 
Obergeiſt vennoͤthen ıc.= P. P. Rihter, 

Das Ohergemah, —ed, By. — gemoͤcher, das obere b. . im obern 

Theilt des Haufes liegende Gemach. Mahler. 
Wenn die Mutter ſchon ins Obergemad aufſtieg. Voß. 

Das Obergericht, —es, Mm. —t. 1) Ein oberes ober höheres Ge: 
richt, unter welchem anbere Gerichte als Untergerichte ſtehen. Be: 
fonders fofeen man fh von ben niebern Gerihten an baffelbe wen: 
det (Appellationsgeriht). Das geiſtliche Obergericht (der Synod), 
2) Ein mit ber oberen oder peinlihen Gerichtsbarkeit verfehenes Ges 
viht, ein Hochgericht, Halegericht, peinliched Gericht ac. zum Un: 
terfchiede von einem niedern Gerichte, Niebers oder Untergerichte. 


Zumellen verfteht man unter den Obergerichten auch bie höhere ober , 


peinlihe Gerichtsbarkeit. j ı 

Der Obergerichtöbert, —en, 2. —en, ein Berihtäherr, ber bie 
obere ober höhere Gerichtabarkeit, die Dbergerichte hat. S. Ober⸗ 
gericht. Auch der Hochgerichtsherr, Dalsgerichtäberr, in D. D. 
Fraißherr, Zenthert ıc. 

Der Obergerichtsrath, —es, Mj. —räthe, ein Gerichtsrath bei 
einem Obergerichte. 
Das Oberserinne, —es, 9m. gl. fm Muͤhlenbaue, das Gerinne, 
welches das Waſſer auf bie Mühlenräder leitet. 
Das Obergefhoß, — ſes, Mz. —ſſe, das obere Geſchoß eines Hau 

fes, in Gegenfag des Untergefchoffes, Erdgeſcheſſes ıc. 

+ Das Obergeſchuͤhe, —s, 4. al. f. Oberleder und Geſchuͤhe. 

Das Obergeſtms, —es, My. —e, bas obere Befimd. Stieler. 

Der Obergefpann, —eb, 4. —e, der oderſte Gefpann, ©, 2. 
Gefpann. „ 

Die Obergewalt, I. u. bie oberſte, hoͤchſte Gewalt, 

— Dem ber Sohn bed verborgenen Kronod 
Zepter gab und Geſehe, daß ihm die Obergewalt fei. Boah. _ 
Die Obergewalt des Papfles in ber Kirche (das Supremat). 

® Der Obergewaltiger, —6, 4. gl. der oberfte Gewaltiger 
(Grand-profos). ©. S. Gewaltiger. _ 

O Das Obergewand, —es, 9. —gewänder, das obere ober oberſte 
Gewand. Ftifh,. Muf. (MR). 

Das Obergemehr, —es, . —e, bei ben Solbaten, Gewehre ober 
Waffen, welche oben oder im bie Höhe gerichtet getragen werben, 
als Alinte, Pie, Spieß ac. zum Unterfhiche vom Unter« oder 
Seitengewehre. 

O Der Obergfaubensrichter, — 8, DM. ol. ber oberfte Richter In 
Glaubensfahen, ober bei einem Glaubensgerihte (Stofingtisitor). 

er Obergott, —tt, 

Or ee von den Untergöttern und Halbgoͤttern. S. Ober, 
„Ammon, ber zum Griehifhen Zeus umgebeutete widderhauptige 
Obergott ber Epbier.e Boß. + 


Der Obereoͤtze, —n, My. —n, ber obere ober oberſt d. b. vor· 


nehmſte Ep. 
— — vielleicht auch warb ihm bie Sage, 
Iqh ſel der Obergoͤhe des Volle; — — Sonnenberg. 
O Der Obergrad, —ee, MM. —e, ein oberer ober höherer Grad, 
wmfe auch, ber oberſte oder hoͤchſte Grad, Ginem ben Obergrab er: 
theilen, ihn auf einen hoͤhern oder auf auf ben hoͤchſten Grab einer 


534 


3. — goͤtter, ein oberer, höherer Bott, _ 


.J 


Oberh 


Würte/ober Weihe erheben, 5.8. bei ben Freimaurern. In ber Sprach⸗ 
lehre ift bee Obergrad ber hoͤchſte Grab bei Steigerungen (Superlativus 
gradus); bie Oberfinfe, der zweite oder hoͤchſte Steigerungsgrab, 

Der Obergraͤthmuskel, —s, 3. —n, in der dergik. ein in ber 
oben -Echufterblattgrube entfpringenber Muskel, welcher den Ober: 
arm in bie Höhe zu ziehen und nad) außen zu bewegen bienet (Mus- 
eulus supraspinatus), 

Der Obergurt, — es, 9. —e, ber obere Gurt. Bei ben Sattlern, 
bei breite Gurt, welher Über ben Sattel gegürtet wird, um biefen 
noch mebr an das Pferd zu befeftigen. 

Der Oberhaken, —6, 3. gl. ber obere Hafen unter mebrern. Im 
den Salzwerken zu Halle verſteht man unter Obtrhaken maden, 
oder im Dberhafen arbeiten, dasjenige, was bie Halloren nad 
dem erften Siedetage in einzelnen Stunden am Wors und Rah: 
mittage verrichten. 

Oberhalb, adv. auf ber oberm ober höher gelegenen Halbe ober Site; 
in Gegenfag von unterhalb. Oberhalb des Berges. Oberhalb ber 
Stabt, Über der Stadt, d. h. in einer höher als bie Stadt liegen: 
den Gegend. Dberhalb ber Bruͤce, auf derjenigen Seite ber Biür 
de, von welder das Waſſer koͤmmt, melde höher liest. 

Die Oberhand, DB. — haͤnde. 1) Im der Zergtiederungskunſt, der 
obere Theil der Hand nah bem Kabchel zu, bie Handwurzel (car- 
pus); mie auch bie obere Flaͤche ber Hand, in Gegenſat ber innern 
Eläche-der Hand.’ 2) Uneigentlich, fofern Hand auch Macht, Ges 
walt bebeutet, die höhere Macht oder Gewalt, befonders in einem 
Mettftreite; ohne Mehrzahl. Die Dberhand befommen, erhalten, 
gewinnen, haben, behalten, verlieren. S. auch Uberhand. Dann 
aud, bie oberfle, vornehmſte Stelle, als wofür die Stelle rechter 
‚Hand gehalten wirb; ohne Mehrzahl. Einem die Oberhand geben, 
ihn zur rechten Hand geben ober figen Laffen.. Die Oberhand mehr 
men, Ehemahls auch, bie hoͤchſte Gewalt im Staat, 5) xx Per 

‚ fonen, welche die Oberbamd, bie oberfte Gewalt haben. Oberlin. 

Der Oberhandwerksmeiſter, f. Obermeiſter. 

Der Oberharnifch, — s, My. —e, eigentlich der obere Harniſch. 
In ber Raturbefchreibung, ein Name bes Allermannsharnifces aber 
ber Siegwurz (Allium victorlalis L.). 

Das Oberhaupt, — es, 34. —häupter, ber das Haupt, d. h. bien 
vornebmfte erfte Perſon unter allen ift, Beſonders bas haupt ober 
bie erfte vornehmfte und maͤchtigſte Perfon in einem Lande ober 
Staate. Ginen zum Oberhaupte wählen. Sih zum Oberhaupte 
aufwerfen. ; 

O DÄberhauptlich, adj. u. adv. dem Oberhaupte gehörig, autommend, 
angemeffen, in deſſen Würbe gegründet. ; 

Der Oberhauptmann, —d, 4. — männer, u. —leute, der 
oberite, vornehmfte Hauptmann ; in Gegenfag des Unterhaupt> 
mannes. . i 

Das Oberhaus, — es, 4. — haͤuſer. 1) Der obere ober oberfte 

Theil eines: Hauſes. 2) In ber Engliſchen Verfaffung, bie Vers 
fammiung der erften unb vorgehmfien Perfonen; bes Reiches, wie 
auch ber Drt, mo, fie ſich verfammeln; zum Upterfhiebe vom Une 
terhnufe oder dem Haufe der Gemeinen. ... F 

Die Oberhaut, 4. — bäute; Bi. das Oberhaͤutchen, O. D. —lein, 
die oberfte ober Auferfte Haut an einem Körper, zum lnterfihiebe 
von ben darunter befindlihen, ben Innern Bäuten, Die Oberhaut 

;‚ am menfhlichen Körper (epidermis), enthält fein Blut, hat keine 
Empfindung, und ift der Fäulniß nit unterworfen. Bei ben Thie⸗ 
ren wirk biefe baut von ben Gerbern aud bie Narbe genaunt, weil 
fie narbig if, 

O Der Oberherrführer, —s, 4. gl. ber oberfle unter den Beer: 
führern, unter beffen Oberbefehle die-übrigen Heerführer fichen (Ge * 
neral en chef), Davon bie Oberheerführerwürbe, bie Würde eis 
nes Iberheerführers. 

Die Oberhefeg, Ci. u. Yeienigen Helen, welde das Bicr im Gaͤb⸗ 


Oberh 


ren oben asflößt, auch Spundhefen, die Wahre ober der Giſcht; im 
Gegenfat ber Unterhefen, 

+ Der Oberheimbüärge, —n, 9g.—n, ber oberfle Beimbürge, in 
Gegenfän bes Unterheimbürgen. &. Heimbärge. 

Der Oberbelfer, .—d, 3%. gl. ber oberfte ober erfte Helfer, bes 
fonbers in einem Prebigtamte (Archidiaconus), S. Helfer. 

Das Oberhemde, —s, WM. —n, bas obere Hemde, ein feineres 
Bembe, weiches man über das gewöhnliche Hemde ober Unterhemde 
anzichet. . ' 

Der Oberherd, —s, 2. —e, in ben Huͤttenwerken, ber obere Herb 
in einem hoben Dfen, 

Der Oberherr, —en, 4. —en. ı) Ein Herr über Viele, ber 

+" eberfte ober hoͤchſte Herr unter mehreren, welcher keinem Andern uns 
terworfen if, Der Oberherr in einem Bande, ber Lanbesheer. 
„Ihr wiffet, daß die weltlichen Fürften herrfhen, und bie Oberhers 
ren baben Gewalt.- Matth. 20, 25. Belonders in Bezug auf 
die Untertbanen. Einen für feinen Oberhertn anerkennen. 2) Der 
Dibertebnäherr. 

Dberberrlich, adj. u. ade, dem Oberherrn gehörig, demfelben zukonn 

» menbd, ih beffen Würde gegründet ; oberherrſchaftlich. 

Die Oberherrlichkeit, Bu. 1) Die oberfte oder hoͤchſte Herrlichkeit 
über etwas, die DO:berhercfhaft. ' 

Dod feiner Oberherrlichkeit 
Sich zu entziehn, wo iſt ber Menfh auf Erben! Wieland, 
a) Der Oberherr ſelbſt. j 
Ihr feht, wie alles Fleiſch vom Leu bis zum Infekt 
Die Oberherrlichkeit der Schöpfung beißt und nedt. Kalk, 

Das Oberberrlichkeitöreht, —e8, 2. u. das Met der Dberherrs 
tichkeit über etwas. 

Die Oberherrfchaft, 3. u. 1) Die oberſte, hoͤchſte Herrfhaft oder 
Gewalt zu befehlen, die Cigenfhaft, Würde einesOberberren. In 
weiterer Bebeutung, bie höhere oder Überlegene Kraft, Gewalt, z. B. 
in einem Kampfe, Wettſtreite. Die Oberhertſchaft befommen, haben. 
2) @in Oberberr ſelbſt. Geiner Oberberefchaft gehorchen. 

‚Oberberrfchaftlich, adj. u. adv, zur Oberberefhaft gehörig, barin 
gegruͤndet; wie aud, bem Oberherten gehörend, in feiner Mürbe 
gearünbet. 

Oberherrfchen, v. intrs. bie Oberherrſchaft haben. Erberg. „Das 

Betragen des Spanifhen Hofes, ber augenfheintih unter bem ober: 
berrfchenden Einflus und unter ber Beitung Frankreichs fleht.« 
Hamb. Beitung. D. Oberherrfchen. 

Der Oberhimmel, —t, 3%. gl. der obere ober oberſte Himmel, 
wenn man mehrere Himmel ober Räume in ber Höhe übereinander 
denkt; wie auch, ber obere „Himmel, aber bie oberfte Gegend bes bie 
Erbe umgebenden Raumes. 

© Der DOberbirt, —en, 24. —en, ber oberfte ober vornehmſte un 
ter den Hirten; eigentlih unb uneigentlih, Der geifttihe Ober: 
birt würbe ber Papſt fein. Der Kegent (Fürft, Herrſcher) — ift 
der Oberhirt, nicht der Schlaͤchter des Staats.“ I. P. Richter, 

Der Oberhode, —n, 4. —n, gleihfam der obere Hode, der Ne 
benhede. &.b. 

Der Oberhof, —ıs, 3a. —höfe. 1) Der obere ober höher liegende 
Theil eines Hofes; im Gegenfat vom Unterhofe. =) Der oberfte 
oder vornehmfte Serichtohof, weldem andere Gerichtshäfe unterger 
ordnet find. 

Das Oberhofgericht, — es, 4. —e, das oberfte Hofgericht. Dar 
von ber Oberhofgerihtsrath tc. 

Der Oberbofjägermeifter, ber Oberhofmeifter, der Oberhofpres 
diger, f. Hofiägermeifter ze. 

* Die Oberhölle, 0. 9%. die obere Hölle, bas Fegefeuer; im Gegen 
fat ber Miederhölfe. Rotkter, 

Das Dberholz, —et, . u. 
ae, welde man zu hohen Stämmen wachen läft, Stammholz; in 


538 


1) Im Forſtweſen, Solz ober Baͤu⸗ 


Oberk 
Segenſat bes Unterholzes, der niebrigen Bäume und bes Gebuͤſches. 
Ein aus Obetholz beſtehender Wald. =) Das obere Holz ber 
Bäume, die Kſte, zum unkerſchiede vom Unterholge oder Stamm», 
Stockholze. . 

Der Oberhofzgraf, f. Holsaraf. 

Die Oberbofe, By. —n, die obere ‚Hofe, bie eigentliche Hofe, M. 
Kramer; in Gegenfap vom Unterhofe, und no verſchieden von 
überhofe. ©. d. 

Das Dberhüttenaimt, —et, 3. —Imter, bas oberſte, erfle um 
ter den Hüttenämterm eines Bandes oder einer Lanbihaft, welches 
ben übrigen Hüttenämtern vorgefest if. 

Der Oberhüttenauffeher, —t, 3. al. ber oberfle Aufleher der 
Hütten eines ganzen Bezirkes (Oberhätteninspecter). 

Der Oberbüttenmeifier, —s, 9%. gl. der oberfte Hüttenmeifter eis 
nes ganzen Bezirkes, melder über bie fämmtliden. Hüttenmeiſter 
und Schmelzhuͤttea die Aufficht führer. ; 

Der Oberhüttenreiter, der Oberhüttenverwalter, f. Hüttenreiter ıc. 

Der Oberhüttenvorfieher, —E, 4. al. der oberfte Hüttenvorfte: 
ber, ein oberer Hüttenbeamter, welcher die Auflicht über bas Schmelzs 
wefen infonderheit führet. 

Oberirbifch, adj. u. adv. oben auf.ber Gebe, über ber Erbe befind: 
ich; im Gegenfag von unterirdifch und zum Unterfhiebe von Über: 
irdiſch. ©. d.- „Diefe oberirdifhen Schleuſen.“ BenzelsBternam, 

Der Oberjäger, —s, 99. gl. ein oberer Jagdbeamter, melder das 
ſarnmtliche Jagdzeug, Jäger, Jagdfroͤhner ıc. unter feinem Befehle 
bat und die Jagden ansrbnet und hält. 

Der Oberjügermeifter, —s, 39. gl, ber oberfte oder erfte Jägers 
meifter, unter welchem das Jaghweſen eines Bambes oder einer Lande 
fhoft ſtehet, auch der Oberfijägermeifter und Oberlandiaͤger ⸗ 
meifter. An großen Höfen dat er noch einen Oberhofjägermeis 
ſter unter ſich. 

t Der Oberjunker, —e, 2%. gl. der oberſte ober erſte Junker, Pei 
ben Beckern in manden Städten, der erfte Beckerknecht. S. Junker. 

Der Oberkalfaterer, —, 9. 91. im Schiffbaue, ein Unterbefehle 
baber, unter beffen Befehie die Kalfaterer ſtehen. 

Die Oberlammer, 9. —n, die obere Kammer in einem Haufe. 

Der Oberfämmerer, —®, My. gl. der oberfle oder vornehmite Kaͤm · 
merce unter mebrern, welde auf ihn folgen. z 

Die Oberfämmerei, By. —en, bie Gerichtbarktit des Oberfammer: 
herxen unb der Ort, wo er fie ausübt, wo er feine Ausfrctiguns 
gen macht. 

Der Oberlammerberr, —en, 9, ol. der oberfte erſte Kammerhere, 
welder vor ben übrigen Rammerherren den Rang bat. 

O Der Oberfänoner, —s, 4. 9l. auf den Schiffen, «in Befchiehe: 
ber, welcher über alles Gejchäg des Schiffes die Auffiht hat und bie 
Kanoner befebliget, ; j 

Die Oberkappe, 34. —n. 1) Die obere Kappe. 3) Bei den Tuch⸗ 
machern, bie oberften Miegel des Weblluhles, im welche die Säulen 
des Stuhles eingegapft ind, und welche bie Seitenpfoften des Ge— 
ſtelles oben mit einander vereinigen, 

Der Dberkellner, —s, 9. gl ber oberſte Keiner unter mehrern, 
melden er vorgefegt ift. 

Der Oberfiefer, —t, 9%. al. ber obere Kiefer ober Kinnbaden; in 
Gegenſat bes Unterkiefers. 
Die Oberkieferſchlagader, Rz. —n, in ber Berglieberungstunft, 
eine Schlagader, welche in ben Bahmhöhlengang bed Oberliefers ger 

het (Arterin alveolaris superior). ° 

& Der Oberkieferzahnnerde, —n, 94. —n, in ber Berglieberungs; 
kunfl, Nerven, melde ‚vorzüglich zu ben Zähnen im Obenliefer ge, 
den, der vordere und hintere ‚Überfiefergabnnerve (Nervus alreo_ 
leris anterior et posterior). Sollte das kürzere Überzahn:nerb, 
nit eine hinreichende Bezeichnung fein? 

Der Übsrkiefergweig, 18, Dig —r, in der Fergliederungslanft, 


Oberk 


ter zweile Hauptzwelg bes breiäftigen Rerven, welcher buch das 
runde Boch bes Keilbeines in bie Keilbeinkieferfpalte gehet (Fissura 
sphkendmexillaris), 

Die Oberfieme, My. —n, bie obere Kieme, in Grgenfag bei Un: 
tertieme. 

Das Oberkinn, —es, Di. —e, bas obere Kinn, welches das wahre 
eigentlihe Kinn if, zum Unterfhiebe vom Unterfinne, weldes au 
Kehtbraten genannt wird. , 

Der Oberkirchenrath, —es, Ba. —räthe: 1) Der oberfte ober erfte 
Kichenratb in einem Bande, die oberſte oder erfte geiftlihe Behoͤrde 
in bemfelden (Obereonsistorigm, in Rußland heiliger Synad). 
2) Ein einzelnes Glieb dieſer geiftlihen Behörde (Oberconsisto- 
rialrath). 

O Die Oberklaſſe, My. —n, eine obere aber bie oberfte Klaffe, ber 
fonbers von den Klafien anf Schulen, R. — 

Die Oberklaue, MM. —n, bei ben Jaͤgern, bie Heinen Klauen ober 
Hornfpigen an ben Säuften des Rothe und Schwarzwildbrets über 
den Ballen; auch Afterkfauen, Oberklauen, Aftern, Obertuͤcken, 
Obercinken, Sporen. 

Das Oberkleid, —es, Ry. —er. 1) Gin oberes Kleid, Kleidungs- 
ſtaͤr, welches man über andern ‚Mleibungsfküden trägt, 4. B. ber 
Rot, Mantel. 2) Gin Kleid oder Kieibungöftät, welchts ben 
obern Theil bes Körpers bebedt; zum Unterfhiebe vom Unterkleibe. 
©. auch Überkleid. 

Der Oberknecht, —es, 4. —e, der oberſte ober erſte Knecht von 
mehcern:; ſouſt der Großknecht. ) 

Der Oberkneter, —6, MM. gl. bei den Bekern, 5.8. in Beipsig, ber 
zweite Beckerknecht, welcher dem Range nad auf ben Wertmeifter 
folgt und auf weichen der Unterfneter oder Mitkneter folgt. In 
Heinen Backhaͤuſern giebt es nur einen Kneter. 

Die Oberkohlruͤbe, 4. —n, in Schleſien, die Kobträbe über ber 
- Erbe. ©. Hohlräbe. Sie heißt auch Kohlrabi, Stengelräbenkoht, 
Stedruͤbenkohl, in Sachſen Ruͤbenkohl, im R. D. nah Kemnid 
Meufe, zuweilen Dotſchen, Torſchen. 

Der Oberkorb, —es, 4. —koͤrbe, im Bergbaue, ber obere Theil 
des Korhes oder Drillinges an einem Goͤpel, um meiden das Seil 
sefrhfägen wirb, 

Der Oberkörper, —, My. gl. ber obere Theil des Körpers. 

Der Oberküchenmeifter, —s, 9. al. an den Höfen, ein vornchmer 
Beamter, welcher bie oberfte Aufſicht uͤber Kuͤche und Kühenbebiente 
fhbret und welchem ber Kühenmeifter im Range folgt. 

Das Oberland, — s, I: länder, ©. D. —tande, das obere d. h. 
höher tiegende Band, ober der höher liegende Theil eines Bandes; In 
Giegenfah bes Niederlandes. In alten Schriften koͤmmt ed auch 
uneigentiih für Himmel ver, 

Der Oberländer, —s, Ms. gt; die — inn, By. —en, eine aus el: 
nem Oberlande gebürtige Perfon. Zuwkilen verftcht man unter bem 
Oberlaͤnder auch ein aus einem Oberlande kommendes Ding, So 
führen diefen Namen in Bolland gewiſſe Feine Fahrzeuge auf dem 
Mbeine und ber Maas, melde Erde und Then aus ben böber hinauf 
on biefen Kihffen liegenden Wegenben. bringen, F 


Der Oberlandforfimeifter, der Oberlandjägermeifter, f. Ober⸗ 


forſtmeiſter it. 
Oberlaͤndiſch, adj. u. adv. zum Obtrlande gehdrend, daſeibſt elnhel— 

mich, gewhntich, daher kommend in Gegenſat von niederlaͤndiſch. 
Der Oberlandrichter, —®, By. gl. der oberſte Landrichter. Gtieler. 
Die Oberlaft, My. —em, die obere Loft; in Gegenſah der Nieder 


lat. So beißt die Ladung auf Flößen und im obern Theile der 


Scife bie Dberlaft, das Floß ſelbſt aber'und bie im unten Schiff: 
raume geladenen Dinge die Unterlafl. 2 F 
Dberlaſtig, er, fe, adj m.adr; in ber Schifffahrt, zu viel Sber- 
laſt habend. Ein Schiff iſt oberlaſtig, wenn es oben gwifhen den 
Verdecken zu fehe beladen iſt und daher ſchiecht fegelt; zum Unter: 


536 


Dberm 


Siede von hinterlaſtig, ſteuerlaſtig, vorlaſtig. S. d. Davon bie 
Oberlaſtigkeit, ber Zuſtand eines Schiffes, da es oberlaftig iſt. 

Der Oberlauf, —es, 9. —ıÄufe, im Shiffbgue, das obere ober 
oberfte Berded eines Schiffes, welcher über bas ganze Schiff läuft, 
fig erſtregt; auch der Überlauf. 

Die Oberläuterung, Di. —en, in den Rechten, eine hodhmahlige, 
wieberholte täuterung, von ober für aber, mohmahis, wiederum. 

+ Das Oberleh, —es, 2%. —e, in ben Hüttenwerken in einigen 
Gegenben, ber Spurftein, “ 

Das Oberleber, — 8, 9. al. das obere Leber ober obere Et Reder; 
in Gegenfat des Unterlederd. An ben Schuhen wird bas Städ Beber, 
welches vorn ben Fuß bedect, das Oberleder genannt; in Begenfag 
des Dinterieders und ber Sohle; im D. D. das Obergeſchuͤhe und 
an den Etiefein, der Vorberihuh. 

Das Oberleejegel, —s, ®. gt. auf ben Schiffen, das Lerfegel an 
der Marsran; auch Marstsefegel. 

Die Oberlefje, My. —n, bie obere Befje ober Bippe, bie Oberlippez 
in Gegenfag ber Unterlefze. Bei den Orgelbauern , der nieberges 
drüdte ſchrage Theil über der Munbfpalte einer Orgelpfeife. 

Das Oberlehen, —t, 4. gl. im Lebnamwefen, ein Lehen, weldes bei 
dem oberſten Eebnöberrn unmittelbar zu Lehen gehet; zum Unter 
ſchiede von einem Afterlehen. 

Der Oberlehnsfall, —es, =. —faͤlle, im Behnswelen, ein kehns⸗ 
fa, welcher fi in ber obern Hand ereignet, d.h. meicher den Rehns: 
herrn betrifft; in Gegenfag des Unterlehnsfalles. . 

Der Oberlehnsherr, —en, 84. —en, der oberſte Eehnähere; in Ber 
genat vom Afterlehnsherren. 

Die Oberlehre, By. u. bei den Mölleen, ber verbefferte Fehler, wenn 
der Bäufer In einer Mabimühle auf ber Haue ungleih geſchwebt hat 
unb nunmehr wagerecht gerichtet worben fl. 

Der Dberlebrer, —s, 9%. gl. ein oberer oder der oberſte, erſte Sehe 

xer unter mehrern. 

Der Oberleid, —es, WM. —er, der obere Theil bes Leibes bis im 
bie Gegend des Bauches; in Gegenſatz vom Unterfeibe. 

Das Oberleik, —es, By. —t, hei den Seetenten, derjenige Theil.br6 
Leifes bei Raaſegeln, womit bie obere Kante befegt iſtz auch bas 
Raaleit; in Gegenfag bed untern Theites, bes Unterleites. 

Die Oberleine, 94. —n, bei den Iägern, bie oberſte Reine an ben 
Zubern und Regen, bie Hauptleine; in Gegenfat der Unterleine. 

Die Oberleße, J. Oberlige. , 

Die Oberlippe, 3. —n, bie obere Lippe; in Gegenfag der Unter: 
lippe. ©, Dberlefze, 

Die Oberlippenblutaver, 99. — n, in ber Zerglieberungelunft, bie 
Blutadern der Oberlippe. Die obere und. untere Oberlippenblut= 
aber (Vense labii superiorir). i | 

Der Oberlivpennerse, —n, Br. —n, it der Zergliederungstunft, die 
Rervea der Oberlippe (Nervi labiales supsriores) 

Die Oberlitze, M. —n, bei den Seldenwebern, derjenge beppelte 
Faden bes Garnifhes an einem Zugſtuhle, weicher von den Schnö- 
ren, bie. bie Keltenfüben zur Bildung des Muſters in bie Höbe sie: 
ben, bis zus Kette reiht und welder in bem obern Loche bes Glas 
zinges (Maillon) brfeftiaet If; in Begenfas, der Unteriige, welche 
im unterm Ecche des Glaeringes befeftiget ift und bis an bie Blei: 
ligen umter ber Kette hängt. 

Die Oberluft, Ba. u. bie obere in den höherm Gegenden über ber 
Erbe befindliche, dännere und reine Luft (Aether) 5 jum Unterſchlede 
von ber untern unmittelbar über ber Erbe hefindlidgen, biferm-uns 
truͤbern uft. il 

Die Obermacht, 0. 9. bie oberſte ober boͤchſte Macht, oft auch nur 
die höhere ober Ardiere Macht. S. Übermaht. Die Obermacht 
erhalten, haben. Auc, die Oberherrſchaft. 

Det Segel false Obermacht. Schiller. 
Der Obermann, —es, Wi —männer. ı) Der obere, d. $. an ei: 


U; 


Oberm 





Stufe bes Ranges ſtehender Mann. „Der Mittelmann glaubt, bie 
Oberwmaͤnner jtehen barum auf ben hoͤhern Sproffen bee Staatslei: 
te u» J. P. Ridter Mei den Soldaten heißt auch bee einem 
"anbern rechter Hand in Reihe und Glied ftehende Soldat der Dber: 
mann, zum Unterfihiede vom Untermanne, ber ihm unmittelbar zur 
linken Hand ſtehet. 2) X Der obere d.h. flärkere, mähtigere Dann, 
&o heißt derjenige, der in einem Streite die Oberhand behält, 
der Dbermannn. Gines Obermann werden. In ber Deutihen 
Karte wird bee Ober, welcher Äber ben Unter (den Untermann) ic. 
bie Oberhand bat, d. h. mehr gilt Ale er, ebenfalls ber Obermann 
genannt. 5). Ein Schiedsrichter, welchen ſich ſtreitende Parteien 
wählen; gewoͤhnlicher, der Dbmann, dritte Mann ober Dritt- 
mann. Sagt's aber keinem Obermann 
Der Fran Juſtiz. — Kl. Schmibt, 
Rah Oberlin nannte man ehtmahls auf ben oberen unter mebs 
rern Sihieberihtern, ben Oberfhieberichter, einen Obermann. 

%*%* Die Obermannichaft, o. 9. die Würde eines Obermannes, 
befonders eines Dberfcieböriäters. S. Dbermann 3). Oberlin. 

+ Das Obermeierbing, —et, Mz. —e, ein oberes Melerbing ober ein 
Meierbing für widtige File, an welches man fid von bem Unters 
meierbinge wenbet. S. Meierbing. 

Der Obermeifter, —s, 94. al. ber oberſte ober vormehmfte Meifter 
anter mehreren; in Gegenfag ber Untermeilter ober Meifter ſchlecht- 
"tin. Bei den Hanbizerkern, der erfte und zornehmfte Meifter, ber 
bie Auffiht über bie Innung bat; aud der Oberhandwerksmeifter, 
‘der Vormeifter, Älteſte, Oberditefte, Handwerksaͤlteſte ꝛc. Auf 
den Schiffen führt .diefen Ramen ber oberfie Wundarzt. 

© Der Obermönh, — es, My —e, ber cherfte oder vornebmite 
Mönd unter mehrern ober unter allen. Beſonders ber oberſte Mind 
in einem .Kiofter (Archimandrit). 6, 

xx bern, v. ntr. mit haben, m. trs. oben fein, das Dbere einneh: 
men, übertreffen; oberen. Schilter. Davon erobern. Im weiter 
rer Bedeutung nah Friſch, einnehmen, von Einfünften, Gefaͤllen ac. 
D. Dem. D. —un. S. aud Oben vn 

Der Obermühlftein, —es, Di. —e, der obere Muͤhlſtein, ber Eu: 
fer. Erberg. 

X Der Dberoffizier, —et, MM. —e, [ı Offizier. 

Die Oberpfarre, 4. —n, die erſte vornehmfte Pfarre unter meh: 
rern: die Oberpfareftelle, Oberpredigerftelle. j 

O Der DOberpfarrauffeber, —$, 4. gl. der oberfie vornehmfte Auf: 
feber über die Pfarrer einer Begend, einer kLandſchaft (Generalsu- 
perintendent). Davon das Oberpfarrauffeheramt, Die Oberpfarr⸗ 
auffeherwärbe ı€., das Amt, die Würde ic, eines Oberpfarrauffehers. 

Der Oberpfarser, — 8, M. gl. ber eberſte ober erſte Pfarrer an 
einer Kirhe, ber Oberprediger; feine Gattinn bie Orerpfarrerinn 
und Oberpredigerinn. 

%* Die Oberpfarrficche, Rz. —n, bie obere Pfarrliche, die Muts 
tertiche; in Gegenſatz ber Tochterkirche. Haltaud. 

Die Oberplatte, 94. —n; Bw, das Oberplaͤttchen, D. D. —lein, 
die obere ober oberfie Platte. In der Baukunſt it das Dberplätt: 
fein das oberfte platte Glied an einem Obertheile einer Orduung, 
"bei Cinigen auch der Überfchlag. 

Der Operplatz, —es, 4. —pläte, der oberſte vornehmite Plot. 
Den Oberplag rinnehmen. »Der Tugend ben Dbrrplap eintaͤu—⸗ 
men.“ Beiftb Journ. (R.). 

Der Oberprebiger, bie Oberprebigerftelle, f. Oberpfarrer, Oberpfarre, 

Der Oberpriefter, —s, My. gl; die —inn, By. —en, ber oberfte 
vornetmfte Priefter und eben ſolche Peleſterinn. 

berpriefterlich, adj. u.adv. dem Oberpriefter oberer Oberpriefterinn 
gehörend, ihnen zukommend, angemeffen, in ihrer Hürde gegründet, 

Das Oberprieftertbum, —et, 0, 2. die Würde eines Oberpries 
ſters ober einer Oberpriefterinn. 


Sampe's Wörterb, 3. Ih. 


537 


nem höfern Orte befinblihe Mann, wie auf, ein auf einer hohern 


Oberſ 


Der Oberrahmen, —e, 29. gt. der oberfte Rahmen, 4. B. an el 
nem Weberſtuhle. » 

© Der Dberrang, —e1,0,0%. ser obere ober Höhere, auch ber hochſte Rang, 

Cie — ftritten um den Dberrang. Namfler. (R.) 

Die Dberraft, m. en, bie obere Raſt unter mehrern. ©. die Raſt. 

Ber Oberrechner, —®, 2%. gl. in manden Gegenden, ber oberſte 
oder erſte vornehmfte Rechner d. b. Borgeſetzte einer Einnahme. Es 
führt oder führte zu Rothweil diefen Namen eine vornehme Nather 
perfon. Anterwärts der Oberkaͤmmerer. 

Das Oberrecht, —es, M. u. 1)" Das oberfte ober Höhfte Recht 
über eine Sache, ſowol die hoͤchſte Herrſchaft ats auch das oberſte 
Eigentum über dleſelbe. 2) In Schiefien ehemahls das Fürftenr 
recht, nad welchem über bie Fürſten im Schleſien erkannt wurde, 
unb bas Gericht, welches diefes Re“t banbhabte, 

© Der Oberreichöberatber, —d, 9. gl. der oberfte ober erfte 
vornehmſte Relchsberather (Obreconsul) . E, ©. Meichsberather. 

O Oberreichſherrlich, adj. u. adv. zu einer obern oder oberfted 
Reihswürbe gehörend, derfelben angemeffen, darin gegründet. 

Die Oberreibe, By. —n, bie obere ober oberfle Reihe unter meh⸗ 
vern. Bei ben Dachdecern, die oberfte Mlibe der Dachziegel. 

Der Oberrentmeifter, —s, 3%. gl. der oberfte Rentmeifter. Stieler. 

Der Oberrhein, —es, 0. My. der obere d. h. näher nad der Quelle 
Hin befindliche Theil des Rheine, Km Überrheine. 

ÖDberrheinifch, adj. u. ndr. zum Oberrhein gehörenb, an demſelben 
gelegen, wie au, vom Oberrheine herkommend. Die oberrheini« 
fihen Gebiete, Städte sc. Vergl. Überrheinifch. 

Der Oberrichter, — 8, 94. gl. der obere ober höhere Richter; in 
Gegeniad des Unterrichters. „Was bünkt ihnen ats Oberrichteringe 
von ber Geſchichte ⸗ Herder. Dann aub, ber Richter in einem 
Obergerichte. In einigen Dörfern in Kurfachfen iſt der Oberrich⸗ 
ter ein Untertban im eines andern Dorfe, worüber einem Dritten 
die Obergerigte zufteben, welder ble Boriabungen beforgt und über: 
haupt barauf fiebet, daß nichts zum Rachtheil des Obergerichtes vor⸗ 
genommen wird, . 

Dberrichterlich, adj. u. adv, dem Dberrichter gehörig, bemfelben zu⸗ 
tommend, in defien Würde gegründet, Die oberrichterliche Gewalt, 

Die Oberrinde, By —n, die obere ober oberfle Rinde; in Begenfag 
ber Unterrinde, 

+ Der Oberriufen, —®, 94. at. ſ. Oberkloue. 

Der Oberriſt, et, Rz. —e, ber Oberlus. &. d. und Rift. 

Der Oberrod, —ed, 4. —roͤcke, ber obere, Rot, befonders bei bey 
Krauen, welder über andre Röde gezogen wird; dm Gegenfag yon 
Unterrod, und noch verfhieben vom Überrocke. S. d. In weir 
terer Bedeutung bes Wortes Mod, ber obere Mod, das obere Klei⸗ 
dungeftüd, da er benn ber Weſte entgegengefeät wird, und auch nur 
ſchlechthin Rod heißt, 

+ Der Oberrüden, —t, 9. at. f. Oberklaue und Rüden. 

Der Oberruthennerve, —n, Mi. —n, In ber Zergliedk., ber obere 
Ratbennerve (Nervus dorsalis penis), 

+ Das Ober, o. umend. u. 29. etwas bas oben iſt, in Öfterreid 
und Franken ber Rahm auf der Miih. 

Der Oberſaal, —ı6, 9. —fäle, der obere Saal, ein Saal in eis 
nem obrın Stotwerte. @tieler, 

Oberſachſen, —®, o. 9. das obere Sadıfen, einer ber ehemahligen 
Deutfhen Reihökreife, welcher vom Mieberfächfiihen, Oberrheini⸗ 
ſchen, Fraͤnkiſchen Kreife, Boͤhmen, Schleſien, Polen, Preußen und 
der Oſtſee eingefhloffen iſt; der Oberſaͤchſiſche Kreie. Haͤufig ver⸗ 
ſteht man unter Dberſachſen vorzuüglich ben fühlihen Theil, indem 
man den noͤrdlichen häufiger nach feinen Thetlen, nauilich die Mark 
Brandenburg und Pommern nennt, Davon ber Oberſachſe, ein 
Bewohner Oberſachſens, und Oberfähfifch, zu Oberſachſen gehoͤrend, 
daſelbſt einheimifch, gemöhntich, daher Fommend, Die oberfächfifhen 
Etädte, Schriftſteler 1°. Die oberſaͤchſiſche Sprechart. 


68 


Dberf 


Der Obderſatz, —es, 94. —fise, in der Benklehre, der Vorderfag 
eines Schluſſes, nah Kant „bie allgemeine Regel bie zu einem 
Bernunftſchluſſe gegeben iſt (Propositio major). 

Der Oberſaum, —e3, My. —fhume, ber obere Saum. In ber 
Baukunſt, das obere glatte Glied an einer Säule, mo bie glatte 
Saͤule anfängt; zum Unterfchledbe vom Unterfaume, dem unten 
@licbe da wo bie glatte Säule aufböret. 

* Die Oberfhaft, 34. —en. 1) Der Zuſtand, die Witcde, das 
Anfehen eines Obern; ohne Mehrzahl. 3) Ein Oberer, bie Obrig⸗ 
keit ſelbſt. Haltaus. 

Die Oberſchale, 89. —n, die obere Schalez in Gegenfag der Uns 
terfchate.- Die Dderfchale ablbſen. Dann auch für Obertaffe, bas 
Köpfchen einer Kafferſchale oder Kaffeetaſſe. Bei den Fleildern in 
Oberſachſen ift die Oderſchale das obere Stuͤck Zieh, welches von 
ber Keule eints Nindes schauen wird; in Gegenfag bed unteren 
Stüdes ober der Unterfchale. 

Die Oberfhar, 4. —en, im Bergbaue, der übrige ungemuthete 
Raum auser den drel Mehr: und Fundgruben, welcher noch gemur 
thet werden fan. In Meißen nah Ad. aud außer dem Bergbaue 
Ablih, von einem freien von niemand befeffenen Stuͤcke Feldes, 


© Schat. 

Der Oberſchatzmeiſter, —s, Mg. gl, der obere, erſte Schagmeis 
fer, Stieler, 

Der Oberſchenk, —en, @&4. —ın, an ben ‚Höfen ber oberfte ober 
vornehmfte Schenk. S. Schent. 


Der Oberſchenkel, —s, Bi. gl. der obere Theil des Schenkels 


(Femur), 

Der Oberfhirdscihter, —s, 9. gt. ſ. Obermann 5). 

- Der Oberfchiebäwarbein, —ı#, 29. —e, in ben Hüttenwerfen, 
ein zum Oberhäftenamte geböriger Bergbramter, welcher bie fireitis 
gen und verſchledenen Erzproben der Prober und Hättenfhreiber 
entfcheidet. 

Das Oberfhiffamt, —et, 94. —Änter, in einigen Gegenden, eine 
höhere Wehörbe welche über die Schifffahrt eines Bandes ober einer 
Lantfhaft- Aufſicht führet. Ein ſolches über die Schifffahrt auf der 
Donat arfestes Amt befindet ſich in Wien. 

Der Oberfchiffer, —$, 9. gt. der oberfte Ehiffer auf einem Ehiffe, 
auf welchem fich mehrere befinden. " 
Der Oberſchild, —s, 9. —e , und das Oberſchild, —ed, Mr. 

—er, der obere Schild unter mehrern; in Genenfag des Unter: 
ſchildes. Im der Naturbefchreibung heißt der RFückenſchild der Schild: 
Eröte Oberſchild (Testa, operimentum); im Gegeniag bes Baud: 

fhildes oder Unterfhilbes. 

Dberſchlaͤchtig, adj. u. adv. im Mühlen: und Bergbaue, wo ein 
Wafferrad oderſchlaͤchtig heißt, wenn das Waffer von oben auf 
daffetbe Tchlägt oder fällt, ober weldes duch bie Schwere des dar⸗ 
auf fallenden Waſſers umgetrieben wird, im Bergbaue gewöhnlicher 
oberfästägig; in Gegenfag von unterſchlaͤchtig. Cine oberſchlaͤch⸗ 
tige Mühle, melde ein oberſchlaͤchtiges Wafferrad hat. Davon die 
Sberſchlaͤchtigkeit. 

Der Oberſchlemmer, —s, M gl. ber oberſte ober erſte Schlemmer 
in einem Pochwerke. S. Schlemmer. x 

Der Oberfchreiber, —s, 9. gt. ber oberfte, vornehmſte Schreiber 

etair), Gtieler. 

@ Die Oberſchule, My. —n, eine obere höhere Schule (Gymna- 
siam) &.; jum Unterfdiebe von einer niebern Schule oder Nieder⸗ 
ſchule und einer Hohen Schule oder Hochſchule. 

© Der Oberſchuͤler, —s, 9}. gl. ein oberer oder der oberfle, erſte 
Schöter; wie auch ein Schäfer auf einer Oberfäule (Gyımnasiast) G. 

Der Dberſchulrath, —es, My, —raͤthe. 1) Der eberſte oder hoͤchſte 
Equtratt, die eberſte Behörde in Schulſachen in einem Sande oder 
eine Laudſchaft. =) Ein einzelnes Glied eines ſolden Schulrathes, 


Der Oberſchultheiß, —en, Di en, bes obere oder obere Sul: 


___538 


Oberſt 
heiß von mehrern. 


Der Oberſchuß, —ſſes, Ds. — ſchuͤſſe, bei tem Tachmachern, ein 
Fehler bei Tuͤchern, wenn ter Weber beim Weden nicht derb genug 
getreten hat, und wenn die Kette fchleht aufgezogen auch nicht 
überall gleich offen ift, wo dann ber Einfhlag über Settenfäben 
weggebet, weil fie nicht geſpannt find, jo dag Ungleihheiten en 
ſtehen. 

Der Oberſchutzherr, —en, Mz. —en, der eberſte Schutherr. 

Der Oberſchweif, —es, 24. —e, bei ben Webern, die eberſte Latte 
ber Eade am einem Weberſtuhle, welche das Ricbblatt in ber Lade 
befeſtiget. 

Die Oberſchwelle, m. 
von der Unterſchwelle. 

Das Oberjegel, —$, 9. gl. das obere und Heinere Segel; In Gr 
genfag ber gröfern Unterfegeid. Nah Verſchledenheit der Maſt 
bäume, an weichen fie fi befinden, befommen fie au ihre beſon— 
dere Namen, 

Die Oberfeite, Mz. —n, bie obere Seite eines Dinges; in Wegebr 
ſat der Unterfeite. 

Der Oberſichter, —s, 9. gl. im N. D. in großen Badbäufern, 
der oberfte oder vornehmfte unter den Sichtern, db. h. denjenigen 
Bederknchten, welche bas Sichten d. b. Sieben ober Beuteln be# 
Mehles verrichten ; im Gegenſat des Untsrfichters. 

Die Oberfippfhaft, By. —en, ein meiß veraltetes Wort, bie 
Sippſchaft, d. b. die Blutäfreunde in aufſteigeader Linie zu bezeich 
nen; in Gegenfag der Unterfippfchaft, den Blutsverwandten in ab: 

” fleigender Linie. 

Der Oberfis, —ed, Rp. —e, ber obere Höhere Gig; im Gegenfag 
bes Unterfißed. Uneigenttih, ber höhere vornehmere Eid; dem Hans 
ge, ber Würde nad, die Oberſtelle. Den Oberfig einnehmen. 

O Der Dberfllave, —n, 94. —n, ber obere oder oberfie vo 
nehmfte der Sklaven. Im weiterer Bedeutung ber Dberfte ober 
Vornehmſte ſtlaviſcher Unterthanen, wie aud, ein einem andern 
ſtlaviſch untermorfener Fürft. " 

Ruft mir fhleunigft die Oberſklaven der Länder zum Reichötag. 
Sonnenberg. , 

Der Oberfprung, —es, 9. —frrünge, bei den Florwebern, ber 
Oberfaden ber Kette, wenn beim Wiben buch bad Treten der Juß— 
tritte Bach gemacht worden it, wodurch bann die Dalbkette in die 
Höhe fpringt. 

Oberſt, adj. w. adv, f. Ober. Viele mit ober zufammengefegte 
Wörter werben auch, aber ungut, in einigen Tprecharich mit oberſt 
zuſammengeſetzt, ohne daß man ben Begriff dadurch gerade noch h—⸗ 
ber ſteigern will, z. B. Oberſthofmeiſter, Oberſiſtallmeiſter, oberſt⸗ 
richtertich ꝛc. Im andern Taͤllen iſt dagegen die Zuſammenſe zung 
mit oderft die übliche, die mit ober aber nicht, J. B. der Dberfis 
wachmeiſter. 

© Die Oberſtaatsgewalt, 4. —en. 1) Die oberſte, boͤchſte Ge 
walt in einem Staate; ohne Mehrzahl (Sonverainität), €. 2) Die 
Perfon, welche die bönfte Staatsgewalt in Händen bat. 

‚O Der Oberflaatöpäcter, —s, M. al. ein oberer oder tornchmer 
Paͤchter bes Staates d. h. eines Theiles der Staatocinkünfte, z. B. 
des Salzweſens, Poſtweſens ıc. Seneralpaͤchter). 

Der Oberſtab, —et, 3%. — ſtaͤbe, im Kriegewefen, der oberſte oder 
vornehmfte Stab !Generaifiab); in Gegenfatz vom Unterſtabe. ©. 
Stab. Beim Oberflabe angrfelit werden. 

Die Oberfladt, By. u. ber obere, hoͤher liegende Theil der Stadt. 
Stieler. i 

© Der Oberffadtbefehlsbaber, —E, My. sl. der oberfie Befehle: 
baber in einge Stadt, befonders in einer Feſtung (Gouverneur. E. 
Ihm ift der Stadtbeſehlshaber (Cornmendant, untergeordnet, 

+ Der Oberfialler, — 6, 9. gu ſJ. Exaller, 

Der Oberſtallmeiſſer, —6, 9%. gl. an Höfen, der oberfie Etallnieis 


—n, bie obere Schwelle, sum Unterſchiede 


Oberſt 


fer, welcher die Oberaufſicht Über ben Stall des Färken bat, und 
unter weichem der Stallmeifter ıc. Reber 

Der Oberſtaͤnder, — s, Bu. gt. im Forſtweſen, bie mit dem zwei⸗ 
ten Hiede zurückgelaſſenen Säume. ©. Laßteis. 

Der Oberfte, —n, 4. —n, f. Ober. 

Der Oberiiciger, — 4, 9. al. im Bergbaue, ein oberer Bteiger, 
weicher ben andern Steigern, ben Unterſteigern vorgeſetzt iſt 

Die Oberftelle, 9. —n, bie obere höhere Stelle, wie auch die erfte 
sornehmfe Stelle. .— und King (bänte) biefe neue Zierde am 
ber Oberfbelle. des Ritterfaoles auf.“ Menzel: Sternau Die 
Oberſtelle bebanpten, den Vorrang, Borzug. ⸗— ob Menanber 
ober Philemon bie Oberſtelle unter ben jegt febenden Komitern 
(Luftfpieldichtern) bebanpte?«* Wieland. 

Die Oberfiennme, 94. —n, bei den Schuſtern, ein ſchmales Lei: 
tenieber, weiches fie immenbig auf die Nähte fesen. 

Der Oberitempel, —t, Mz. al. ber ebere Stempel z. B. von zwei 
Muͤnzſtempeln; im GBegenfas bes Uaterſtempels. Bei den Radlern 
it der Oberſtempel ein Aheil bee Wippe, nämtih ein vierediges 
langes Wifen, mit welchem bie Knöpfe auf die Kabein geſetzt ober 
geihlagen werben. 

Die Oberfienbien, Rz. —en, eine Sorte Birnen. Remnid. 

Der Dberſteuermann, — eb, We. — männer oder X —leute, auf 
Schiffen, wo fid mehrere Steuerleute befinden, ber äͤlteſte Steuer⸗ 
mann, welchem bie übrigen untergeorbnet find, » 

Die Oberftimme, Big —n, die oberſte oder hoͤchſte Stimme, beſon⸗ 
bers in cinem mebetimmigen Geſange, nicht fo gut bie Meiber 
Rimme, Knabenſtimme ‘Diseant, Soprane), 

O Der Oberſtimmenſchluͤſſel, 5, =. gi. in ber Tonkunſt, dere 
jenige Setäfer, weicher anzeigt, dab die bamit bezeichneten Roten 
Moten für bie Dberſtimme find, ober als ſolche zu fpielen find 
Diecantſchlaſſel). 

Dir Oberſtreifen, —s, 9%. ol. ber obere Streifen. In der Mau 
Eanft, bie oberfte Abtheilung, bie nad ber Länge des Unterhallens 
gemacht wird. 

Der Oberſtrich, — s, 24. —e, ber obere ober oberfte Strich. @ie 
nige Sprachlehrer haben es aud für Wegwerfungsjeihen (Apostro- 
phus) nebraudt, 

Sberfirichterlich, adj. u. adr. f. Oberrichterlich, 

Die Oberftube, 34. —n, bie obere Stube In einem Haufe; in Wer 
genfzg ber Untecſtube. 

Dos Oberflüd, —es, Mn. —e, das obere ober oberſte Städ, Im 
Bergbaue beißt Oberfiäd das erfte Stät ober oberite Geſtaͤnge bes 
Bergbohrets, eine eiferne runde Stange, durch beren Öhr das Beft 
gefteft wird. Bei den Drechtlern, das untere ſtätkere Stud bes 
Mursitüds an einem Pfeifenrobre. 

Die Oberfiufe, My. —n, die. obere ober oberfle Stufe; in Gegenfag 
der Unterſtufe. In der Sprachlehre fo viel als Obergrad (f. b.) 
(Superlatirus). Kinderiing. 

Der Oberſtuhl, —es, Bu. — fühle, der obere Stuhl, Im Salz⸗ 
werke zu Halle der obere ober hoͤher ſtehende Haspel; in Gegenfag 
des Unterſtuhles. ©, Stuhl. 

Der Oberſtwachtmeiſter, —s, 9. al. beim Soldatenwefen, en vors 
nehmer Offizier bei ber Reiterei, welcher bie oberfte Aufſicht über 
die Bacon und Voften hat, 

S Der Oberteufel, —&, M. gi ber oberfle ber Teufel (Beel- 
zebuh), 6, 

Der (das) Obertheil, —s, Dy. —e, ber obere Theil eines Dins 
ges; in Gegenſatz bee Untertheilee, 

Dad Obertbor, —es, Mz. —e, bes obere Thor; beſonders bas 
Thor im höher Tiegenden Theile einer Stadt, 

Die Obertbür, M..— en, die obere Shür, wie auch ber obere Theil 
einer Thor, melde in der Witte ber Höhe getheilt if. Stieter. 

Der Dbestrog, —ed, p — iroͤge, in den Glachätten, ein Heiner 


539 


Dberz 


Trog, der auf bem Pfahieifen ruhet, Aets mit Waſſer angefüllt ir 
und zur Abkühlung bes Kohres dienet. 

O Der Obertrumpf, — s, 4. — truͤmpfe, ein oberer ober der 
oderſte Trumpf (Matador). 

* Das Obertuch, —es, 2, — uͤcher, das obere Tuch, ber ober⸗ 
Schleler. Oberlin 

+ Der Oberumgang, —es, 9. —gänge, in manchen, beſonders 
D. D. Gegenden, ber vornehmfte Umgang ober Untergang b, b, Be— 
fihtigung der Grenzen einer Flur, befonders einer Stabtflar, auch 
ber Oberuntergang; in Gegenfag des Unterumganges ober Unter: 
unterganges, ber Befihtigung der der Stadt gehörigen Dorfflaren. 
@. Umgang und Untergang. 

Das Oberverded, — es, Ei. —, das obere ober oberfle Verded 
eines Schiffes, ber Oberlauf; in Gegenfag bes Unterverdeckes. 
Der Oberverwalter, —6, 39. st. ber obere ober oberfte Verwalter; 

in Gegenfoß bes Unterverwalters. 

Der Dbervogt, — es, By. —vögte, ber oberſte oder vorncehmfr 
Vogt unter mehrern; in menden D. D. Gegenden + ber Dberfauth. 

Die Obervogtei, 9. —en, die Würde, bas Amt’ eines Obervogtes, 
wie auch, deffen Bohrung, und ber ihm untergebene Bezirk, 

Dbervogteilih, adj u. adr. zur Obervogtei ober bem Obervogte gs 
bärig, bem Obervogte gemäß, in feiner Würbe gegründet. 

Der Obervormund, — es, Mi. —münder, ber obere Bormund, 
welcher über. andere Bormünber geſeht iſt. , 

Die Dbervormunbfchaft, 9. —en, bie Würde, bas Amt eines 
Dibervormuubes, 

Obervormundſchaftlich, adj. u. adr. zur Obervormundfhaft geh. 
rig, barin gearünbet. 

Das Dberwormunbihaftsamt, —s, 94. — Ämter. 1) Das ober: 
rormundfhafrtiibe Amt; ohne Mehrzabl. =) Ein Ant, eine Be 
hörde, weiche bie oberfle Auffiht über die Vormuͤnder einer Stadt 
cher eines Bandes führet, wie auch über die Wohlfahrt, bie Rechte 
und bas Wermögen Unmünbiger wadt (Pupillencollegium); auch 
der Obervormundſchaftsrath. 

Der Obervormundſchaftsrath, —et, 9. —räthe. 
vormundfhaftsamt. ©. bi =), 
vrormundſchaftramtes. 

Der Obervorſteher, —s, Ph. al. der oberſte pornehmſte Worfteher 

unter mehreren, Davon das Ühervorfteheramt, die Ober vorſteher 
wuͤtrde, das Amt, bie Mürbe eines Obervorſtehers. 

Db:ermähnt, adj. f. 1. Ob. 

Oberwaͤrts, adr. nad der ebern GSegenb zu, gerichtet, nad oben 
bin; in @egenfat ven unterwaͤrts. 

Das Oberwafler, —t, a. u. ı) Dasjenige Waſſer, welches ober: 
bald eines Ortes beſindlich iſt; in Gezenſatz des Unterwaſſers. 2) In 
ber Seeſprache, das Flußwaſſer, welches aus doͤhern Gegenden ın 
das Meer flieht, 

Die Oberwelt, M. u. die obere Wert, d. h. Aues anf der Erbe 
Belinttihe und Gefhehenbe; in Gegenfag ber Unteriweit. 

+ Der Oberwind, —e6, 4. —e, im GEifoß, ber Suͤdwind. »Se 
wenfeft du wel, ob ed oberwind ift ober nortwynd, ober mefkwynd 
ober oftwont.e @, v. Kenfersberg. 

Der Oberwuchs, — es, ©. WM. im Förftiwefen. 1) Mas oben wählt 
ober gtwachſen if, bie Alte eines Baumes; au das Oberholz, das 
Hochholz. 2) Alles Bolz, weldes in bie Höbe wachſen, zu Stäm: 
men ober Bäumen wachfen foll; wie auf, das in die Höhe gewach⸗ 
fene Holz; in Megenfag bes Unterhofges ober Gebuͤſches. 

Der Oberwunbarzt, —es, I —Ärite, (R.) der oberfte ober erſte 
unter ben Wunbaͤrzten, 3.8. bei einem Heere ıc. (Generalchi- 
rırgus). 

Der Oberwurf, — es, —würfe, bei ben Jagern, der obere 
Kinnbaden eines wilden Schweines, S. Wurf. 

++ Die Dberzahl, #3. u. die Ahr, Lchtung. Davon oberjahlig, adj 


1) Das Ober: 
2) Ein eingeines Mitglich bes Ober: 


540 Obr 


nur eine glockenfoͤrmige, ſechtfach eingeſchnittene Blumendecke, bie 
maͤnnlichen ſechs karze Staubfäben, bie weiblichen einen kleinen 
dreiedigen Beuchtfelm mit drei Griffeln und einfachen Staubwege ıc. 
(Dioscorea,; auch Obisſtaude. 

Die Oblaſt, 4. —en, eine ob ober auf etwas beſindliche Rat; wie 
auch eine Verbindlichkeit, nur noch in den Kanzeleien, Die Obla- 
fien eines Standes gegen das Deutfche Reich. 

+ Die Dblei, 9. —en, Alles was Kiöftern und geiſtlichen Stiftun: 
gen an Lebensmitteln wie aud an Geld geſchenkt wird; von obla- 
tum, Davon das Obleihaus, ein Gebäude, in melden felhe Ga— 
ben angenommen und wo fie verwahrt werden; der Obleiſchreiber, 
ker über ſolche Gaben Rebnung führe, Im weiterer Bedeutung 
wurde auch ein jebes Geld, welches man für den Bein eihes Din: 
ges, ee Bergänftigung entrihtete, eine Oblei genannt. So fuͤhrt 
biefen Ramen noch in manden D. S. Gegenden, basjenige Geld, 
meides die Einwohner eine Dorfes bem Brund » ober Berihtsbers 
ven entrichten, wenn berfeibe einen Eher zum Behuf der Darf: 
ſchweine hätt; auch das Ebergelb. 

Obliegen, v. unregelm. (f. Piegen). I} ntr. mit haben. ı) + Den 


Oberz 


geächtet. Dberlin. 

Ob⸗er zaͤhlt, adj. f. 1. Ob. 

Der Oberzehnter, —s, Da. gl. ber oberſte ober erſte Zehnter unter 
mehren, ©, Zehnter. 

Das Oberzehnteramt, —es, 3. — Ämter. ı) Das Amt, bie Wuͤr— 
be eines Oberzehnters. 2) Ein Amt, eine Behörde in Freiberg, au 
weichem eim Oberzehnter, ein Oheraudtheiler und verſchiedne Zehn⸗ 
ter gehören. 

Der Oberzimmermann, —ed, 9. — zimmerleute, auf den Schif— 
fen, ber eberſte Zimecnann, unter weihem bie Zimmmerleute ftehen. 

Die Oberzwefe, By. —n, bei ben Sindamaftwebren, Stäbe, die 
tim Leindamaſtſtuhle auf der Linken Seite in einem Abdfuge am Ober: 
rahmen bes Stubles auf einem Bolzen beweglich befefliget find, und 

& an ihren Enden, bie bia unter die Winkler reihen, mit Schnüren am 
die Winker gebunden find. 

Dbgebacht, Obgemelbet, Obgenannt, f. ı. Ob 

Obgleich, ein Bindewort, weldes ein Zugeben, eine Eiaraͤumung be⸗ 
aeschnet, und auf weldes wenn ed im Worderfage ſtehet, im Nadı- 
ſatzt das Wörtchen fo und gewöhnlich auch nad body folgt.‘ Obgleich 


bie euft unfihtbar ift, fo ift fie doch ein Körper. Hat obgleich feine 
Stelle im Nahfage, fe wird das doch ober dennoch im Borberfage 
gebraucht oder auch ganz megaelaffen. Ih habe es dennoch gethan, 
ober ich Habe es getban, obgleich das Verbot dagegen war. Oft 
wirb das ob von bem bamit verbundenen gleich durch dazwiſchen 
geſetzte Worte, befonbers, burd; Fürmwörter getrennt, Ob es mein 
Wille gleich niht war, fo ꝛc. Ob fie gleich große Voͤlker find.- 
Ser. 25,14. Nicht felten wird obgleich noch für wenn gleich, 
mwenn auch gebraucht. „Db der Here gleich Steine und Kiüfte vom 
Himmel regnet, jo werben fie ung nicht ſchabden.“ Dpiz. Das 
aleich wird im O. D. eben fo wie das wol und ſchon in ben gleiche 
lautenden Wörtern obwol unb obſchon häufig verfhmwiegen. Ob du 
vornehm biſt, fo bift du doch nicht nathwendig geachtet. 


liegen, und unelgentlich, in einem Streite bie Oberhand gewinnen; 
im O. D. mit-fein, „Du haft mit Gott und Menfchen gelämpfet 
und bift odgelegen.“ ı Mof. 32, 18. „Ein Geſchret derer die obs 
fliegen unb unterliegen.« = Mof, 32, 28, Auch mit bem britten 
Falle. Seinen Gegnern obliegen. Ehemahle obeliegen und obege⸗ 
liegen. 2) Als eine Verpflihtung auf jemand liegen, zu etwas ver: 
bunben, verpflichtet fein. Die wichtige Pflicht, die und obliegt, 
die Kräfte umferes Geiftes auszubilden." Getlert. 

Dem zur Hut fih die Völker vertrauf, und fo manderlei 0b» 

liegt. Boß. 

Il) intrs. auf ober über einer -Gade llegen, uneigentiih , ſich einer 
Sache anhaitend befleigen. Den Wiffenfhaften obliegen (studiren). 
D. Obtiegen. 


*Obhaben, v. ntr. unregelm, (f. Haben) mit haben und der Fü, Die Obliegenbeit, 84. —en, etwas das und obliegt zu thun, was 
gung eines txs, im O. D. aufbaben, auf fih haben. S. 1. Ob. wir zu thun verbunden ober verpflichtet find und was ein Anderer 
Wegen meines obhabenden wichtigen Amtes, if eine zanz ſchlechte mit Recht von uns fodern darf, Seine Übliegenbeiten erfüllen. 

» D. D. Febensart, für, wegen meines wichtigen Amtes das ih ob: KA Die Obmacht, o. BA, bie Macht ob ober über etwas; auch 
babe ober ob meir habe, derwalte. D, Obhaben. wol, bie oberfte hoͤchſte Macht. { 

*%* Der Obbalt, —ts, 0. I. bie Wache, Bewachung, der Schutz Denn mein ift im Haufe bie Obmacht. 
Haltaus, Davon abhalten, v. trs, ſchuͤhen, vertheldigen; und Aber ein Heiligeres, hochherzig denkendes Weſen 
ber Othalter, ber Schüter, Veriheidiger, Stieler; ber Aufſe⸗ Fehlt' annoch, das beherrſchen die andern konnte mit Obmacht 
her, M. Kramer. Derf. 

Die Obhand, o. P%. die Oberhand. WM. Kramer. Der Obmann, —eH, Pr. — männer. ı) Ein ob oder auf etwas 

+ Obbanben, edj. u. adv.. im O. D. ob ben Händen gleichſam bes ſehender, die Aufſicht Äber etwas führender Mann, ein Xuffcher. 
ſindlich, gegenwärtig, vorhanden. Die obhandene Gefahr, Cs ik „Nun getrauw id bie fo wol, das ich bir enpfild (empfehle) alles 
beson nichte mebe obhanden. S. 1. Ob. das ih han und will darzut kainen obman fegen wan meinen 

* Obherrſchen, v. intes. ob ober uͤher etwas herrſchen, bie Ober: brueder.* Gesta Romanorum, Co heißt noch im Öfterreichiichen 
derrfihaft haben, auch umeigentlih und ald mtr. von Sachen, Bus bee obeefte Aufſeher eines Eiſenwerkes ber Eifenobmann. Ehemahls 
Bänben ꝛtc. auch ber Vorfiser eines Berichtes, ein Borgefepter bei ben Selda⸗ 

Jezo for des Aneiad Gewalt obherrſchen den Troten. Voß. ten ec. Sberlin. 21 Der Schiebsrichter zwiſchen zwei fireitenden 
D. Obhertſchen. D. —ung. Parteien; auch Obermann, R. D. Upmann, Overmann, Upper 

Die Obhut, ©. 9. die Bat d. 9. fhänende Auffiht ob einer Safe mann. Ginen zum Obmann wählen. 
ober über eine Sache. Etwas in feine Obhut nehmen. Der gött- Zeus ift Obmann menfhlicher Ariege. Bürger. 
lichen Obhut empfehlen. Die Obhut tragen, bie Obhut haben, 5) O Ein Mann ber einem andern obiicgt, db. b. ihn befiegt, ber 

. Auffiht haben, beſchuͤtzen. Sieger. 
— ber ſterblichen Menſchen Behuͤter, Dein fer ich; dir aber der meinige, werd' ich der Obmann. Voß. 
Welche die Obhut tragen bes Rehts und der ſchnoͤden Berger X Die Obmannſchaft, o- Py- das Amt, die Mürbe eines Obman- 
bung. Meß. nos, in der erflen und zweiten Vebeutung dieſes Wortes Haltaus. 

Dbig, adj, oben feiend, beffmdlih, oder oben geweien. Der obige Die Obmaus oder Obimaus, Br. —mäufe, eine Art Möufe am 
Gap, der oben d. h. im Vorhergehenden angeführte, aufgeftelte. Od oder Obifluffe, die wegen einiger Ähnlichteit auch Damftermauf, 
Aug Obigem it Har, baf ic. Ander * B. Opiß gebrauchten da: Spipkopf genannt wirb :Mus furuneulus). . 
für au oben. Der ebene Beweis r. Ob. Die Obrigkeit, My. — en. 1) xk Der Buftens, ba etwas ober oder 

Die Öbiswurzel, 24. —n, eine —— Pflanze, bie mönnlihe über dem andern iſt, ibm om Gewalt überlegen iſt, die Oberderr⸗ 
und mweibiihe Blumen auf verfhiebenen Stöden trägt; beite baden ſchaft oder bloß Herrfhafs, ehemahls und im ©, D. noch Oberkeit, 


Beh. 


a... Dbr 


welches beſſer iſt; ohne Mehrzahl. Welcher und errettet hat von 
der Obrigkeit der Finſterniß.“ Gol. 1, 15. 2) Perfonen, melde 
im gemeinen Weſen eine ihnen von demſelben übengebene Oberges 
mwalt d. b. die Gewalt zu gebieten und zu verbieten, über Areitige 
Fälle zu entfcheiden ac. haben, in welder Bedeutung es gewöhnlich 
nur in bee Einzahl fammelmwörtlich gebraudt wird, . von mehrern 
«Arten folder Perfonen aber auch im der Mehrzahl vorfimmt. Der 
Obrigkeit geborgen. Sich der rechtmäßigen Obrigkeit widerfegen. 
Die höchfte Obrigkeit, bie hohe Landesohrigkeit, „welche die hödfte 
Gewalt in einem Lande hat, bee Für, kandeherr aꝛc. Die welt: 
liche, die geiftliche Obrigkeit. Die hohe, obere, niebere Sbrigkeit. 
Die Obrigfeiten , die obrigkeittihen Perfonen, Die Unterobrigtei: 
ten, melde von ber böhern Obrigtelt an ihre Stelle gefedt find. 
Obrigkeitlich, adj. u. adv. "der Obrigkeit gehörend, ihr gemäß, jur 
Iommend, von ihr herruͤhrend, in ihrer Würbe gegründet; oder⸗ 
keitlich. S. Obrigkeit. Die obrigkeitliche Gewalt, Das obrigkeit⸗ 
liche Anſehen. Ein obrigkeitlicher Befehl. Obrigkeitliche Perſonen. 
+ Der Obrigkeitſtein, —es, 9. —e, ‘im gemeinen Leben mancher 
Gegenden, ein Grenzſtein, welcher die Grenze bezeichnet, bis au 


welcher die Landesobrigkeit- oder Landeshohrit reiht; der Bannftein. 


S. Obrigkeit ı). 

+ Der Obrifte, f. Ober. 

x Obfhon, ein einen Gegenfat begleitendes Bindewort, welches fo 

viel als obgleich bedeutet und eben fo gebraucht wird. Dbfchon 
fein Alter gering ift, fo hat er doch bereits viele Erfahrung. „Db 
ich ſchon wandere im finftern Thal, fürdte ich kein. Unglüd,« 

Pi. 23, 4. 

Obſchweben, v. ntr. mit haben, ob ober über etwas ſchweben, und 
uneigentlih, vorhanden fein, bevorfteben. Die obfchmebenden 
Streitigkeiten, Die obſchwebende Gefahr. D. Obfchmeben. 

* Obſehen, v. mtr. ob oder auf etwas fehen, bie Aufſicht über et: 
was haben, einer Sate vorgefegt fein. Stieler. D. Obfehen. 

* Der Obfcher, —6, B%. gl. ber ob etwas ficht, ber Auffeher, 

- &tieler. 

* Obfein, v. ntr. unregelm, (f. Sein) mit fein, 06 oder über etwas 
fein, gefett fein. Haltans“ D. Obfein. ” 

* Die Obficht, 94. u. im ©. D. die Aufſicht. S. 1. Ob. „Etwas 
in Dbfiht nehmen.“ Toaau. 2 

+ Der Obfieg, —es, 4. —e, D.D. der Eieg 0b oder über etwas. 

Obfiegen, v. intrs, u. atr. mit haben, ob ober über etwas ſiegen. 
»Die obfiegende Partei... Haltaus. 

Eang fritten Braut und Bräutigam ben Streit 
Der Großmuth und der Zärtlichkeit, 
Doch jener grädt” es endlich objufiegen. Bürde, 

Auch mit bem britten Kalle, einer Sache obflegen, über fie ſiegen. 
Ob fie lange gerungen, und nicht mit Vernunft ber Bethörung 
Dbzuficgen vermocht Bof. 

„Und dem, bünft mich (mir), muß die allmächtige Seit chfiegen.- 

Berber. In benjenigen Beiten, wo in ber Umwandlung bas ob 

von fiegen getrennt wird, gebrauchen es bie Dichter auch ungetrennt. 
Aber bie Plag' obfiegte ber unterliegenden Rettung. Bof. 

D. Obfiegen. D. —ung- ° r 

Der Obfieger, —, M. gi.; bie —inn, Pr. — en, eine Perfen, 
welche chfieget, ein Sieger, eine Giegerinn. 

+ Obfieglich, adj. u. adr. im O. D. ob ober über etwas fiegend, den 
Sieg davon tragend. in obfiegliches Urtheil erhalten, vor Ge— 
richte fliegen. . | 

+ Die Objorge, o. My. im O. D. die Sorge ob b. f. über oder für 
eine Sache. Obforge für etwas fragen. 

* Obforgen, vw. intrs. im ©. D. ob d. b. über oder für etmas for: 
gen, Sorge tragen. -Dem Beinigen obſorgen. D. Obforgen. 

Das Obft, (das o gedehnt) —e6, 0. By. ein Sammeiwort, über 
haupt jede efbare Frucht, befonders deren Saine in eine fleifhige 


541 


Der Ob⸗ſtand, —es, 0. My, 


ob 


Hülle eingefhloffen iſt, zu bezeichnen, wo denn auch allerlel Beeren 
als Staherbeeren, Iohannsbeeren zc., mie auch Weintrauben, Ana⸗ 
nas, Nüffers. zu dem Obfte gerechnet werden; O. D. Obes. Inengerer 
Bebeutung werben alle Baumfrücte, beren Same mit einem efbaren 
Bleifdhe umgeben if, Obſt genannt, als Äpfel, Birnen, Pflaumen, 
Kirſchen se. S. Kernobft, Steinobſt. Üpfet find ein dauerhaftes. 
Obſt. Das Oft Mesen. Mit Obſte handeln. Oft baden, dörren 
ober wellen, es in einem Ofen ober an ber Luft börren. Gebadenes 

Odbſt. Eingemachtes Obſt. Fruͤhreitiges, frübreifes Obft, Früh: 

obſt. Spätes Obſt, Spaͤtobſt. S. auch Sommerobſt, Winterodſt. 
Obſt bauen, ziehen, Bäume, welche Obſt tragen. Im nech engerer 
Bebeutung verſteht man oft unter Obſt nur Apfet und Birnen. 

1) Der Stand ob ober gegen etwas, 
ber Widerftand, „Glaubſt du es nun bald, daß ich iht feften Ob: 
ftand gehatten habe = Leffing. 

— Du hältft ihr nicht Obſtand. Klopſtock. 
2) O Eine Obſtand oder Wiberftand Leitende Perfon, oder mehrere 
ſolche Perfonnen, ald.ein Sammelwort. „Der Obftand im Unters 
Haufe erklärte ſich dagegen laut (bie Opposition).« &, Davon O die 
Obſtandebank, die Bank, der Sig, welheder Obſt and einnimmt; 
O die Obftandsfeite, die Seite, auf.welder fih der Obſtand ber 
findet, wie auch der Obſtand feldft ze. 

Die Objtsart, By. —en, eine Art von Obſt; auch, Obftforte. 

Die Obsflatt, o. Ba. fo viel als Obftand, Widerſtand. Einem bie 
Obſtatt halten, ihm Miderftand leiſten. Ehemahls, aud noch jegt 
im O. D. das Obſtatt. 

Der Obflbär, —eın, 4. —en, der gemeine ‘Bir (ursus ar- 
etos L.). - 

Der Obſt-bau, —es, o. Bj. der Bau ober Anbau des Dbftes, 
d, b. der Obſtbaͤume, die Obſtzucht (Obfteultur).. 

Der Obfts:baum, —es, 34. —bäume, ein Baum, welcher Obft 
trägt, deſſen Frucht zum Obſte gerehnet wird, befonders Kpfer:, 
Birnen:, Pflaumen :, Kiefhen:, Quitten: und Rufbäume. 

Die Obfi baumzucht, o. 3. die Zucht, d. h. tee Anbau, bie Ans 

pflanzung, Auferziehung und Pflege ber Obſtbäume; ein Theit der 
Baumzucht. 

Der Doſt-becker, —s, Wa, al. einer welcher Obſt baͤcket, d. h. in eis 
nem Ofen börret. . 

Die Obfi-blüte, By. —n, bie Blüte ber Dbftbäume, Stieler. 

Der Obft:beden, —s, 94. —böven, ein Boden, wo man Obſt aufe 
Thüttet, aufbewahrt. 

Der Oofi-bredier, —6, My. ok. ein Werkzeug, weldes einen mit . 

Zaͤhnen verfühenen Zeller an einer Stange verftellet, bad Obfl, bes 

fonbers Äpfel und Birnen, unverlehzt, us bei: dem Abfallen durch 

Schuͤtteln nicht der Fall ift, von ben Zweigen abjubrehtem, ber 

Obſthamen ift ein Ähnliches Werkzeug, weldyes anſtatt bes tellerfor⸗ 

migen Brettcheus ein beutelförmiges Neg bat. j 

Der Objt-brei, —ed, WM. u. ein Brei von gelchtem Obfte, ber 

fonders" ala Beigericht zu Braten. ıc. (Compot). Glubius. Ge—⸗ 

möhntiher Obſtmuß. , Ze 

Die Obfl darre, 9. —ır, eine Darre, das Obſt darin zu dareem 
db. b. durch Dise zu frodnen um es zu fünftigm Gebrauch lange 
aufbewahren au können, - 

%* Ob-flehen,, v. utr. mit babe u. intrs. unregelm. (f. Stehen), ob 
oder gegen etwas ſtehen, widerfteben, Widerftand Leiten. 

— denn bie Danakr würden niht obfleh'n. Voß, 
Wie doch wagft du anigt — mir ſelber obzujichn ? 

Der Öbfter, —s, - at. ſ. Obſthaͤndlet und ODoͤſthuͤter. 

Die Opfternte, 9. —ır, 'bie Ernte, Ginfammlung bes Obfkes.. 

X Der Obſteſſer, —t, 9%. gl. einer der Obſt it, befonbers ber.e® 
gern ift; ber Obflfreund. 

Der Obfteffig, —s, 24. —, aus Obſtwein bereiteter Gffig- 

Der Ob fen m in, ein Fleden von Obſtſaft im. Rieide ıc. 


0) 


Derf. 


Obſtf 


— 


Ocher 


X Die Obſtfrau, 94. —en, eine Frau, welche mit Ob handelt; 
X das Dbfiweid, S. Obfihändler. 

x Der Obftfreund, —es, %. —e, ein Freund, Lichhaber bed 
Obſtes. ©. Dbileffer. 

+ Der Obfigaden, —$, 94. gi. ein Gaben, wo Obft werlauft wird. 
Stieler. 8. Gaben, 

Der Opfigarten, —s, 9. — gaͤrten, ein Barton,“ welcher allein 
ober doch vorzäglih Obftoäume enthält; zum Unterfhiebe von einem 
Küdrengarten, Gemüfegarten, Blumengarten, Grasgueten ıc. 

Die Obſigoͤttinn, 94. u. bei den Xiten, eine Göttinn, melde bie 
DOpftgärten beſchugte und Obſt gewährte (Pomona), 

O Der Obſthain, —es, By —e, ein Hain von Obfibäumen, ein 
Obſtgarten. 

Deſſen beſotgt, hatt' Atlas mit ſicheren Mauern ben Obſthain 
— — — umfhirmt Bo. 

Der Obſthamen, —s, . at. f. Obſtbrecher. 

Der Obfibandel, —t, 0. DM. der Handel mit Obft; ber Obftfram, 
wenn ec nur unbedeutend ift, wie 4. B. ber ber Obſthoken. 

Der Obſthaͤndler, —e, 4. al.; die — inn, M. —en, einer ber 
mit Ooſt handelt; im D. D. Öbfler, auch Obfer, in Baiern Opfte 
jer, und wenn fie im feinen verkaufen, Obſthoke, Obſtkraͤnter. 

Das Obfibaus, —et, By. —häufer, ein Haus, wo Obſt aufbewah⸗ 
vet oder verlauft wirb. Stieler. 


Der Obſthokle, —n, 9. —n.; die —hofinn, 3. —en, f. Dift 


hindter. 

Der Obfihüter, —6, 9. gl. einer der das Obſt hätet, d. h. ber 
bewacht. Btieler Auch Diftwächter, + Obiter. 

Das Obfljahr, —ed, in. —e, ein Sabre, fofern in bemfelben das 
Obſt gut gecäth, oder gerathen it. in qutes Obftjahr. 

Der Obſtkaͤfer, —s, Bi. gl. eine Art Käfer, welche fi auf den 
DOpftbäumen aufhält und dem Obfte nachtrachtet (Scarabseus lLor- 
ticola L ). 

Die Obfitammer, . —n, eine Kammer, in welher Obſt aufbe 
wahret wird. 

Der Ohfikaften, —$, 9. gl. ein Kaften, in welchem Obſt, beſen⸗ 
ders gebackenes Obſt aufsewahret wird, Unter Obſtkiſte verſteht 
aan mehr eine Kifte, in weicher feines Obſt verfendet wirb. 

Der Opfikeller, —s, 9%. gl. ein Keler, immeldem man Obſt den 
Winter über aufbewahrt 

Der Obfitern, —es, MM. —e, der Same vom Obſte, d. h. Äpfeln, 
Birnen w., welder in Kernen beftchet. 

Der Obſtkenner, — 8, 4. gl; die —inn, By. —en. f. Obſtkunde. 

Der Obſſtorb, —es, 94. — koͤrbe, ein Korb zu Obſte oder mit Obfte, 

Der Opfifram, —es, 4. u. f. Obfihandel, 

Der Obfifrämer, —s, 9. gl; die —inn, 24. —en, f. Obſt⸗ 
händter. . 2 
Der Obſtkuchen, —#, 4. ot. Kuchen, der mit Obſte auf der 
Oberfläche gebacken ift, 5.8, Apfelkuchen, Pflaͤumenkuchen, Kirſch⸗ 

kuchen, Heidelbeerkuchen ꝛc. Auch Odſtfladen. 

Die Obſtkunde, 0. 9%. die Kunde ober Kenntnis vom ben verſchiede⸗ 
nen Obſtarten, ihrem Anbau, ihrem Gebtauch ıc. negenftändtich und 
ats eine Lehre, bie Obſtlehre (Pomologie),. Davon der Obftkun: 
bige und Obfttenner, der Odſtkunde befist, die Obftarten kennt 2c, 

Die Obfllehre, . u. der Obftler, f. Obſtkunde und Obfthändfer. 

X Der Obfimann, —es, Ri. — männer, ein Mann, weicher mit 
Obſt handelt, Obft zum Bertauf bringt. 

Der Obfimangel, —s, 0.94. der Mangel an Obſt, befonters wenn 
es nicht geratben if. Stieler. 

Der Obfimarkt, —et, M. —märfte, ein Marktplatz, auf weichem 
Obſt verkauft, feil geboten wird. 

* Der Obfimonat, — es, 9. —e, berienige Monat, in weldem 
bie meiften Obftarten, befonders Epfel, Firmen und Pflaumen reif 
werben, ber Herbfimonat, Erptember (Fruetidor), 


Der Obftmoft, —es, 94. —e, aus Obſt gepreßter Moſt, welder 
nah er Gährung Obftwein Heißt. n j 

Die Obflmotte, 34. —n, eine Art Motten, deren Barven ber Wurm 
in bem Obſte ift (Phalnena tinea L.), Die Heine geibrothe Döft: 
motte, bei Einigen (Phalsena tordrix Holmiana L.). 

Das Obſtmuß, — es, 99. —e, f. Döftbrei. 

© Die Obfipflanzung, 9. —en, eine Pflanzung von Obftbäumen 
(Opftplanuage), — und fo entfianden innerhalb weniger Jahre 
weite heretihe Döfpflanzungen im Freien.“ G. 

Die Obſtpreſſe, 9 —n, eine Preffe, den Eaft aus dem Obhe zu 


preflen, 

Obſtreich, —er, — ſte, adj. u. adv, reih an Obſte. Obſtreiche 
Bäume, Grten, Gegenden. 

Der Sofifaft, — 26,0. Di. der im Obſte enbaltene Saft, beſondere 
menn er ausgeprefit ift, wo er Obſtmoſt beit. 

Die Obſtſchale, 9. —n, die Sale vom Obſt. 

Der Obitwächter, —6, 93. at. f. Opfthäter. 


Der Obſtwald, —es, Be. — wilder, ein Walb von Dbfsfumen, - 


Der Obſiwein, — ed, 34. von meorern Arten, — et, Wein aus 
Obſtmoſte gemacht (Cider). &, Apfelwein, Kirſchwein ıc. 

Der Obſtwurm, —es, By. — wuͤrmer, ein Wurm im DOpfte. 

Die Obflzucht, o. Di. f. Obſtbau und Obſtbaumzucht. 

%* Obwacben, v. intes, über etwas wadhen, für etwas Sorge trae 
gen, Stieler. D. Obwuhen. D. —un,. Etieler bat auch 
die Obwacht, die Mache, Aufſicht über etwad, Sorge für etwas. 

DObwalten, v. I) A intes. ob oder hier eiwas walten, d. h. gebise 
ten, herrſchen. 

— bie bier obmalten fo herriſch Woß. 
Aud mit dem britten Falle, 

baf bu nunmehr ein anderes feiges Kriegevaft 
. Fuͤhrteſt, nur nice uns obmalteteft. Wos. 

It) nte, mit haben, ob oder über etwas walten, d. h. mit Einfluß 
vorhanden, gegenwärtig fein und beftimmen, j 

— obwaltende Huld im der Seele (habend). Voß. 

Bir an ber norbifhen Eib' obwalt' unbändiger Winter. Derl 
In weiterer Bedeutung überböupt, vorhanden, gegenwärtig fein. 
Die obiwaltenden Umflände, Urfahen. Die obwaltende GSefahr. — 
D. Obwalten. D. —ung. 

& Der Obwalter, —s, 8. gl, der ob ober über etwas waltet, 
b. d. gebietet, herrſcht. ; 

Daß andenkendes Votk Obwalter mich nennt und Erzeuger. Bof. 
In weiterer Bedeutung, O der ob etwas mwalter, d. b. als Oberer 
etwas verwaltet, „Drei Minifter der Freisiusfhreibenten Fuͤrtten 
und Obwalter-cher Direktoren bes Weitfäliihen Kreifee.« ©. 

* * Obwendig, adj. u. adv. wie auewenbig und imisendig, oben, 
oberwärts beſindlich, oder gelegen, oberhalb, „ein Halbacker in dee 
anwandt obmendig vorm Wlaufenberg," bei Obertin. 

Obwol, ein Bindewort, welches mit obgleich gieihe Bedeutung hat 
und eben fo gebraudt wird. „Es wird weggefähret werden, wie 
eine Eiche ober Linde, welche ben Stamm haben, abwol ihre Wlätz. 
ter abgeftoßen werben.« Ef. 6, 135. „Du follt dich nicht fürchten, 
ob Fe wol ein ungchorfames Haus find.« Ezech. », 6. 

+ Obzwar, ein Bindewort im D. D. fire obgleich, wiewol. „Weine 
gegenwärtige, obzwar geringe Arbeit.» I, D. Michaelis, 

+ Die Ochelbeze, 94. —n, bie Ufelei, eine Art Weisfifche, 

Der Ocher, —6, 34. ol. eine metalifhe Erde, melde aus ‚einen 
burh Säuren aufgeldften Metallen entftchet. Der Eifenocher, Bleis 
oder, Kupferocher. S. d. Im engerer Bedeutung nennt man 
Diber, eine milde dunkelgelbe etwas dräunliche Erde, die man in 
den Bel: und Kupferbergwerken anteifft, von den Mahlern als eine 
Korbe gebraucht und auch Berggelb gemaunt wird; bei’ Audern 
Oder, Dler. 

Die Ochererbſe, W —n, eine in Italien, Spanien ıc, wachſende 


Oder 


Art Erbſen. Ih Katalonien wirb ihr Mebl zum Wrote genommen 

- Pirum ochrus L.). F 

Die Ocherfarbe (Dferfarde), %. u. Ocherfarben, Ocerfarbig, 
adj. u. adv. ſ. Ochergelb. z 

Ochergelb (Deergelb), adj. u, adv. gelb wie Dcher, wie auf, mit 
Der gelb gemacht, gefärbt, ocherfarben, ocherfabig. Als Grund: 
wort, das Ddyergelb, ſowol die gelbe Farbe bes Ochers ale auch, 
der Scher ſelbſt als ein Barbentörper; die Ocherfarbe. 

Der Ochs, (Ochſe), —en, (—m), Bg. —en, (-n); Bw. bas 

- Dihschen, ©. D. chslein, Ochfel, in weiteſter Bedeutung, das 
Männden eines Thiergeſchlechtes mit gefpaltenen Hufen, awel einfar 
hen gebogenen Hörnern und einem langen Schwanze mit einem 
langen Haarbüfhel am Ende; in Gegenfate der Auh, dem Weib: 
hen in biefem Seſchlechte. Der wilde Odys, der Auerochs, ber 
Buͤffelochs, der Biſamochs, der zahme oder gemeine Ochs. In 
enaeter Bedeutung ber zahme ober gemeine Schs, bad Wänndien 


brerjenigen Net biejes Seſchlechts, welche der Menſch gezaͤhmt und zu 


nöüslihen Harsthleren gemacht hat, ſowol in feiner natürtichen Boll: 
kommenheit, ba es zur Korspflanzeng gebraucht und Stier, Zucht 


che, Stammochs, Springochs, Reitochs, Herdochs, Faſelochs, 


Bruͤllochs, Brummoechs, Bullochs, Bulle, Bruͤmmel ıc. genannt 
wird, als auch und gewöhalich das Maͤnnchen, wenn es befohbers- in 
ber Jugend verſchnitten und dadurch zur Fortpflanzung unfähig ger 
macht worden ift und beffen man fi aum Fahren, wie auch bier 
und da zum Weiten und Sajttragen, vorzüglich aber zum Kderbane 
bedient. Ein Zugochs. Wird er zulegt gemaͤſtet um geſchlachtet zu 
werben, fo heißt ee Maſtochs, Schlachtochs, in der Laufig Poiße, 
wenn er erſt im Alter verfchnitten worden ifl. Davon das Ochſen⸗ 
haar, Ochſenhorn, ber Ochſenhals, der Ochſenſchwanz, der Ochfen: 
fuß, Odfenmift, das Haar, Horn, ber Hals, ber Schwanz, der 
Bep ıe. eines Ochſen. X Die DOchfen hinter den Pflug fpannen, 
eine Sache vertehrt und zmerfwidrig anfangen. X Da fichen bie 
Ochſen am Berge, fagt man von Menfihen, wenn fie in einer Sache 
nicht weiter Zönmen, fich nicht zu rathen mud zu helfen wiffen, und in 
Beriegenheit find Sprihwörtliih jagt man guch, du follt bem 
Ochſen, der da driſchet, das Maul nicht verbinden, welche Kedens: 
ert fih auf ben Gebrauch, da man ehemahls und bei den Morgens 
lindern auch wol noh jeht fi der Ofen anftatt des Dreſchflegels 
bedient, um bie Getreibes und andere Körner aus den Ähren und 
Hü'fen zu treten, inbem man fie im "reife darauf herum treibt, 
bejiebet und bebeuten foll, dem Arbeiter fol man einigen Genuß bei 
und von bee Xrbeit nicht verwebren. In einigen zufammengefenten 
Wortern bebeutet Ochs ein Thier, welches in irgend einer Dinficht, 
etwa ber Eeftalt ober ber Etimme-:c. nad mit einem Ochfen ver: 
glihen wird. ©. Meerochs, Mootohe. Uneigentiih und in ber 

. niedrigen Sprechart it Ochs ein Scheltwort für einen plumpen, 
ungefhilten, groben, wie aud dummen Menſchen beiderlei Ge— 
ſchlechts. Gin grober, ein dummer Ochs. Im N. D. lautet dies 
ort Oſſe. S. aud Rind. 

Ochſen, v. tr. mit haben, in manchen Gegenden für zindern, ſ. d. 
Die Rub ochſet. D. Ochſen. 

Das Ochſenauge, —s, 24. —n, das verhaͤltnißmaͤßig große, her⸗ 
vorragenbe und ſtiere Auge eines Ochſen. Uneigentlich, 1) ein gro: 
Bes Kuge, wie auch, ein durch Geſchroulſt vorgetretenes Auge, ſo 
doß es vom Augenliede nit bedeckt wird, =) In ben Kühen, 
ein in jerlaffener Butter geſchlagenet und darin gebartenes Ei, fo 
daß ber Dotter ganz bleist; N. D. Ofienoge, Spiegelei, Eziegel: 

kofen, Spiegeltuhen, 5) In ber Baukanſt, eim zunbes ober 
kangeundes Fenſter. Ochſenaugen mit niebrigem Bogen heißen 
kleine Kapps ober Dachfenſter, beren drei Seiten geradlinig find, 
eben aber einen gebrüdten Bogen haben, 4) In ber Seeſprache, 
eine Öffnung, welche mın bei dickem Wetter in den Wolken fieht, 
Eteht es der Sonne gegenüber, fo hat es bie Zarbe des Kegenbe: 


— 


Ohhſeng 


gens und beißt auch Wettergalle; ſteht es bei der Senne, fo bedeu⸗ 

tet es ſchlechtes Wetter. Nöbing Auf dem Norgebirge ber gu 

ten Hoffnung nennt man Debfenauge bie Kleinen ſchwatzen Wolken, 
die fih bei ſtilem und klarem Wetter über den Tafelberg erheben, 
innerhalo einer Stunde fid weit verbreiten unb bie ſchrecklichſten 

Etürme hervorbrigen, welche jumeilen ben ganzen Kompaß durds 

laufen, Schiffe ummwerfen, und Alles was ihnen vorkoͤmmt zerſtoͤren. 

5) + Das große Gänfetraut, wegen einiger Ähnlichkeit der Bitumen 

(Chrysanthemum Teuernthemum L.). ° 6) Die Feldkamille ober 

das Kuhauge, f. d. (Anthemis arvensis L.). Au eine andere 

Art der Kamille, die Färberfamilfe, die mit Alaun bereitet zum 

Geibfärben der Wolle gebraucht werben kann, und auch als ein 

Mittel gegen die Gelbſucht geruͤhmt wirb, führt ben Namen Od): 

fenauge (Anthemis tinetoria L ); Rindsauge, Rindsblume, Gilb⸗ 

biume, Streihblume, Johanneblume. 7) Das Ochfenduglein,- ein 

Rame des Goldhaͤhnchens. S. db, 8) Eine Art genabelter Schnis⸗ 

ketfhneten (Helix ampullacen L.), 

DOchfenäugig, adj. u. adv. Odifenaugen, d. b. große Augen babend, 
welches bei ben Griechen zur Schönheit gerechnet wurde, baher Ho⸗ 
mer die Goͤttinn Juno die Dchfenäugige nennt. 

Der Ochjenbauer, —s, 9. —n, ein Bauer, welcher zum Ackerbau 
nur Ochfen Hält; um Unterfhiche vom Pferbebauer. 

Der Ochfenbeutel, —6, My. gi. ein Name des fpigigen Niebgrafes 
(Carex zceuta L.), 

Die Ochſenblume, My. —n, eine Xrt Rubmeizen, blauer Aubmeis 
gen, der ein gutes Viehfutter abgiebt und aud zum Blaufärben ber 

. nügt werben kann (Melampyrum zemarosum L); audi, Ochſen⸗ 
mweizen, Buſchkuhweizen, Haintuhmweigen, Rinterweizen, blanee 
Machtelweizen, blauer Waldmweizen, Waldfleiſchblume, Ichannte 
blume, Tag und Nacht, Ringelſcheiß. 

Das Ochſenbrech, —es, 94- vw. ein Name ber Hauhechel, ſ. d.; 
Ochſenborche, Ochſenkraut, Vchſenburre, Ochfenbruch it 

Die Ochſenbremſe, Rz. — n, eine Art Bremſen, beren Weibchen 
beſonders in bie Haut des Minviches Löcher bohret, im welche fie 
ihre Gier legt; bie ausgefrocdenen Larven find bie Engerlimge 
(Oestras bovis L,); aud, Nindviehbremfe, Hornviehbremfe, Rin ⸗ 
derenger. 

Der Ochfendarm, —es, DH. —bärme, elgentlih der Darm 
von einem Ochſen. Unelgentiich, der Name einer Röhrenfhnede 
im Indifchen Meere ıc. (Serpula aremaria L.); au, Dundsdarne 

- (Kubdarm, Sandpfeife). 

Ochſendumm adj. u, adv. fo dumm mie en Ochſe. Davon die Dch⸗ 
fendummheit, die Dummpeit eines Ochfen, eine große Duumbeit. 
Der Ohfenefel, — , Pr. al. der Name eines Zhieres, welches 
durch bie Begattung eines Stieres mit einer Efelinn entfieben fellz 
Ochſenpferd, wenn es von einem Etiere und einer Strte gezengt iſt. 

Das Ochſenfell, — eb, Mz. —t, das Teil von einem Ohlen. X Fin 
Ochſenfell haben, ein dides Fell haben, unempfindisih ſein. 

X Das Ochfenficber, —$, P. u. ein im gemeinen Leben Ablühre 
uneigenttidies Wort In bem Ausdtucke: bas Dicbienficher haben, gleich 
nadı ber Mablzeit von einem leihten Scheuer wie von Kroft üͤler⸗ 
laufen werben. Rach Ad. ſoll birfer Luederck etwas gan; Anderes, 
nämlich, fih grob und ungeſchickt betragen, bedeuten, 

Das Obfenfleifch, —es, Bi. u. dos Flelſch von eincm geſchlachteten 
Ochſen; in Gegenfad bes Kubfleifches un» Kalbfeiſchet. Gew. hu⸗ 
licher das Windfleifch. . 

Der Ochſenfroſch, —es, 9. — ftoͤſche, eine Art Froͤſche in Amerika, 
bie dem Baubfrofhe aͤhnlich iſt und eine Tante ſtarke Ttunmt bat 
(Rena boans); aud der Windbeutel, . i 

Die Ochfengalle, Sy —-n, die Galle eines Ohfen. Unelgentild 
werden in dem Glashütten die runden in der Witte ſehr bien ewr 
hobenen grünen Glaſer wor tlezue Karen hjfenyaien ges 
wannk, 


Ochſeng 


Der Ochſengaum (Ochſengaumen), —es, (—#,) M- —gäume, 

(—gaumen), ber Gaum eines Ochſen. 
Hierauf gingen die Rund' ein braun und ein welßes Gemengſel, 
Ruͤſſel und Ohren von Schwein, Hahnkaͤmm' und Zungen von 
Lämmern, 
Kaͤlberbriſſel und Ochſengaum, mit Pingeln und Kappern. 
2) In der Raturbefhrelsung, ber Name einer Ehwimmfhnede am 
Borgebirge der guten Hoffnung ac. (Nerita albieilla L.); auch 
ſtumpfe und ſchwarzbunte Schwimmſchnecke. 

Das Ochfengeld, — es, 34. —er, dasjenige Geld, welches dem 
Herren eines Dorfes für den Erbrauh feines Zuchtochſen von ber 
Gemeine bezahlt wird, wenn fie ſelbſt bei ihrer Herde deinen Zucht⸗ 
ochſen bat. 

Der Dchfenhader, —s, DM. gl. ein Vogel am Senegal, etwas ged+ 
fee als eine Haubenlerche, weiche die Barven einer Art Bremfe, 
die man für unfere Ochſenbremſe hält, aus ber Haut der bortigen 
Ochſen berauspidt und begierig frißt (Buphrga airicann). 

x Ochſenhaft, — er, —eſte, adj. u. adv. einem Dfen ähnlich , ber 
fonders in Anfehung ber Plumpheit, Ungefhidtheir und Dummheit, 
Davon die Ochfenhaftigkeit. 

Der Ochſenhandel, —s, u. 8%. ber Handel mit Ofen, ſowol mit 
Zugochſen, als aud und gewoͤhnlich mit Schlachtochſen. 

Der Ochſenhaͤndler, —s, 94. gl. einer der mit Ochſen handelt; 
befonders, ter aus andern Gegenden gehelte Schlachtechſen zum 
Berkaufe herumtreibet. 

Die Ochfenhaut, Ba. —häute, die Haut von einem Ochſen, bie 


Mindehaut. Uneigentiih wirb es wie Kuhhaut gebrauft. ©. 
Kubhaut. 
Das Ochfenherj, —ens, 4. —en, das Herz eines Dchſen. Unei— 


gentlih,. 1) Eine Art Giens ober Breitmuſcheln im Xbelatifhen 
Meere, die unter allen Schnecken bie meifte Ahnlichkeit mit einem 
Serzen hat (Chama cor L.); auch Narrenkappe, doppelte Narren: 
tappe. 2) Eine Art verfteinter zweiſchallger Muſcheln, ber Herz: 
mufcheln, wegen ber herzfoͤrmigen Geſtalt (Bucardites). 

X Die Ochſenherzkirſche, 9. —n, die größte Art Herzkitſchen. 

Der Dibfenbirt, —en, 94. —en, ein Hirt, welcher Ochſen Hütet 
‚und weidet. ; 

Das Ochſenhorn, —es, 4. —hörner, das Horn eines Ochſen. 
Uneigentlid. 1) In der Baufunft, ein Zonnengewölbe, beffen eine 
MWiberlage merklich kürzer ift als die andere, 2) Im Wafferbaue, 
eine Erdzunge, bie vorn breit und hinten ſchmal iſt; ein Hufeifen. 

Der Ochſenhuf, —ed, 24. —t, ber gefpaltene Huf eines Ochſen; 
die Klaue, Ochſenklaue. Uneigentlich wirb ein fehlerhafter Huf 
eines Pferdes, wenn er vorn ber Länge nad aufgefprungen if, ein 
Ochſenhuf, auch Ochſenſpalte genannt. 

Das Ochſenjoch, —es, Pa. —e, ein Foch, in welches man Ochſen 

annet, ! 

Ps Ochſenjunge, —n, M- —n, ein Junge, welder bie Dchſen 
hütet ober meldet, j 

Das Ochſenkalb, — es, My. —tilber, ein Kalb mönnlihes Ge: 
ſchlechts; Bullenkalb. 

Die Ochſenkette, My. —n, in der Landwirthſchaft, eine Kette, wer⸗ 
an ein Ochs an die Krippe befeftiger wird. 

Die Ochſenklaue, 94. —n, f. Ochfenbuf. 

Der Ochſenknecht, —es, Mi. —e, in der Landiwirthfhaft, ein 

Anxccht, welcher bei ben Ochſen gebniten wird, ‚mit denfelben zu 
pflägem re; im Gegenfag vom Pferdeknechte. 

Das Ocfenfnie, —es, Mt. — knie (vierfübig), das Anie eines 
Dürfen. An den Pferden nennt man Ochſfenknie fothe, die iuner⸗ 
bald breiter find und ih einander nähern, fo daß bie Hufe weiter 
aue einander ftehen; auch Kniebohrer. 

Der Ochſenkopf, —es, Br. —köpfe, der Kopf eines Ochſen; das 
Ochſenhaupt. An ben Pferden heißt ein Raxker Kopf, ber unten 


544 


fen; 


faſt fo bi als oben it, ein Ochfenkopf, Bullenkopf. Uneigentlich. 
ı) In ber Raturbefhreibung,, eine Art Pofaunenfihneten ober 
Kinthörner im Dſtindiſchen Meere, ein Schwanzhorn, welche In 
doppelter Geſtalt in bem verfhichenen Altern vorkommt, und weiche 
in ber Jugend die_gefiridte Sturmbaube, im Alter ben Ochſen— 
fopf vorſtelet (Buceimum cornutum L.); aud gepunftete Sturm: 
baube,'gelieperter Helm. Memnid. 2) In ber Bienenzucht, des 
Beugungöglied der Drohne. 3) In ber oiebrigen Sprechart, ein 
Dummfopf. Im gemeinen Scherz fpielt man auf tiefe Bedeutung 
aud wol an, wenn man von einem fagt, er made das Mekelnburgs 
ſche Mappen, weiches rinen Ochſenkopf führt, Eigentlich gebraudt 
man biefen Xusbrud von einem, der feinen Kopf auf bie aufge 
femmten Arme auf eine für unſchicklich gehaltene Art flüst. Im 
Berlin führt das Arbeitsbaus ben Namen Ochſenkopf, weit es eher 
mahls bei Zeichen eines Ochſen ober Odbfenkopfes führte, Eben 
dieſer Urſache wegen führt dieſen Namen an manchen Ortkn auch 
die Herberge der Flelſchet. Ri 

Dad Ochſenkraut, —s, By. u. ſ. Hauhechel. 

Das Ochſenleder, —, 4. gt. die zubereitete Haut von einem Dh: 
fen; gewöhnlicher Rindleder. X Gin Ochſenleder haben, unems 
pfindlich fein, 

Der Ochſenmarkt, — es, M. —mirkte. 1) Ein Markt, Birk: 
markt, da Ochſen verfauft und gefauft werben, =) Gin Plag, auf 
weldem ber Ochſenmarkt gehalten wird, 

Das Ochfenmaul, —es, 34. — maͤuler, bad Maul eines ODchſen; 
bann, ein großes, breites Maul, Nah Friſch auf, eine Speife 
vom Ochfenmaule bereitet. 

—— Ochſenmonat, —es, M. —e, der Beinmonat, Oktober. 

erlin, 

Das Ochſenpferd, —e, 94. —e, T. Dihfenefel. 

x Die Ochfenpoft, 34. —en, ein uneigentliher Ausdruck, ein ab: 
zen mit Ochfen und überhaupt ein Tangfames Fahren zu bezeichnen, 
weil bie Ochſen tangfam gehen. Mit Ochfenpoft Führen, mit Ochſen 
faheen, wie auch, febr lanafam fahren. In weiterer Bebeutung 
fagt man nach Ad. auch, mit der Ochſenpoſt geben, für, ſehr lang⸗ 
fam gehen. Anftäntiger gebraucht man dafkr die Schneckenpoſt. 

Die Ochfenrippe, 94. —n, ein Name bes Hafenöhrleintrautes; bei 
ab. + Dcyfenribe, &. Dafenohr 2). 

Der Ochfenruden, —s, M. gi. der Nüden Kines Ofen; kann, 
ein gekruͤmmter Iharfer Rüden, 

Die Ochfenfchme, Di. —n, f. Odyfenziemer, 

Die Ochfenfpalte, 9 —n, f. Ochſenhuf. ö 

Der Ochſenſpath, — es, Pi. —t, eine Kit bes Spathes hei ben 
Plerden, welcher feinen Eis binten am Anie hat; zum Unterihiebe 
vom Beinfpathe, dem an der innern Eeite des Schenkels. 

Der Ochſenſtall, —es, 34. — ſtaͤlle, ein Stan für Ochſen. 

Die Ochſenſtirn, 2%. —en, bie breite Stirn eines Ochſen. An den 
Pferden heißt eine zu breite Stirn eine Ochſenſtirn, Bullenflirm. 
Der Ochfentreiber, —6, 9. at. einer der Ochſen vor ſich her treis 

bet, befonbers ein Ochſenhirt. 
Und bes im Naturfianb gegründeten Rechts, 
Der Sänftenteäiger und Ochſentreiber. Ratfhkn. 

Der Ochſenweizen, —s, Di. u. f. Ochfenauge 5). 2 

+ Die Ochfengeder, 2%. — n, f. Bedertwäholder, ’ 

Dir Ochſenziemer, —s, 9%. al. das getrocnete Zeugungeglied ein 
Ochſen, welches bie Geſtalt riner bien langen Sehne bat, und ale 
ein Werkzeug zum Zuͤchtigen ober anftatt einer Peitſche gebraucht 
wird; im N. D. Ochſenpeſel, bei Stieler auch Ochſenſehne. ©. 
Ziemer und der Peſel. 

Die Ochſenzunge, 94. —n, bie Zunge eined Ochſen, welche beſon⸗ 
ders geräuchert genoſſen wird; dir Rindszunge, Uneigentlich. 1) 
Der Name einer Pflanze, deren rauche laͤnglichte Blätter Ahnlichkeit 
mit einer Ochſenzunge haben (Anchusal,); beſenders der auf Rai: 


Ochſ 


345 


Oder —F 





Aaen Horn Nn an Moden wochſenben, mit Deirkehften' verſehenen 
—Art mit rothen Blumen (auchusa ofteinalie Li); rothe Ach: 
& ſenzunge, Hundezunge, Ackermaännkraut, Liedaͤuglein, Aus 
genyier. Die echte rothe Dohfenzunge (Audhusn tinctoria L.) 
wird auch Faͤrderkraut genannt, weit man mit. ber Wurzel derſelben 

» zoth fürbet, =} Moche Ochſenzunge auch ein Name des Steinfas 
mens ader der Steinhirſe (Lithospermum arvrense L), 3) Kleis 

ı he Dihfenzunge, der Name einer andern ähnlichen Pflanze (Lycop- 
sis nwvensie L.); kleine wilde Ochſenzunge. Cine andere Art ift 
„de unechte raube Ochſenzunge mit dunkelrethen Blumen (Lyeop- 
ı sis vesicaria L.), 4) Kleine Ochſenzunge, ein Name bes grosſen 
‚* Aleblrautes ober ber’Deutihen Berofswanb (Asperugr procum- 
» bens L.. 5) Wilde Ochfenzunge, ein Rame des gemeinen Diters 
kepfes (Eehium vulgare Li. ©. Dtiterkopf. 6 Spigige gelbe 
Dchſenzunge ein Name ber gemeinen ober fpigigen Grindwurz, auch 
Lendenkraut, f. 6. (Rumex acutus L,). 7) Welbe Ochſenzunge, 
. eine auf: felfigem trockenem Boden im fablühen Europa wachſende 
VPflanze, beren Wurzel eine fchwärztih rothe Haut hat, die in Rußland 
zum Rothfarben und zur Schminke gebraucht wird (Dassme Li); 
auch Lotrourz, Schmeerwutzel. 87 Welbe Ochfenzunge, eine Xrt 


bes Sitterkrautes, eimer zur Jamilie des Habichterautes gehören: , 


ben Yflanze, die in England, Frankreich, Italien in den Züdidern 
woͤchſt und durchaus rauh amgufthlen ift (Pieris echisides L.); 

. and raubes Birterfraut. 9) Scharfe Ochſenzunge, Waldochſen⸗ 
» zumge, eine Art Bungenfesut (Pulmonsria maculata L.); aud 
Hieſchmangold. S. d. 10) Ein Name bes Borrrifh,. ©. d. 

Dpiig, —er, —fle, adj. u. adv. einem Ochſen gemäß, ähnlich, d. b. 
ſehr plump, ungelbidt, grob; auch ochſicht ober ochslich, welches 
Bote gebraucht bat: „Es war ochslich fein Betragen.“ Davon 
die Ochfigteit. 

Das Ochshoft, ſ. Orhoft. 

+Der Dehöner, —s, Mi. ee in ber Saufis, ein Kuecht, ber bie Ofen 
beiorat. Anton, 

Die Ockelei, ſ. Ukelei. 

*X Ochker, ein Sindtwort, file nun, in der gemeinen Spyre hart Heſ⸗ 
fens und anderer Gegenden. Wart oder, bi ſollſt es haden. 

+ Der Der, 1. Ocher. - 

xx Dd ober Dt, adj. u. adv. 2) Möglich, wie auf leicht. Davon 
obmitthig. =) Reid, begütert; wie aud, vermögend, märhtig, wor: 
zoͤglich als Forge bas Reicthuns, 

xx Dad Od, 13, Br, ein Wort, welches ehemabts ein Ger, 
Eigentzum dezeichnete und nur no in dem Vorta Aleinod gebränd: 

Uch iſt. ©. 
De, —r, — ea. u. adv, ’) 4. Bett. ‚Dafopobius, 
Brit. Im biefer Bedeutung it es mit Ohr, Dfe, ein Eihöpf: 
gefäß, dfen, fhöpfen und Hoſe, ein @rfiß, verwandt, nach Wer 
wandlung des dein f, welche nicht ungewöhnlich if. 2) x Erer, 
„nu bet ein altwater bo ein oͤde Bellen ıc. bri E;berfin, Dann, 
in enaerer Beteutung 5) leer an Menihen und ben Spuren ihres 
Fleißes, von Menfhen gar nicht oder doch fehr wenig bewohnt und 
engebauet, Ein does Land. Kine oͤde Gezend. «Ih will deinem 
Mitten folgen, vießeicdhe führt bu mich. bdern Gegenden au." Meß: 

— ner. Ginen Auer, ein Feld oͤde Tiegen laſſen, ihm oder es nit 
anbauen. : ©. Aboͤden, Ausoͤden, und veral.-ieer und wäh. Maris 
gentfih, K + leer an innerem Werthe, eitel, niktswürbig, auch uns 
gefittet, ſchanblich. Brifc-- De Werke, nihtsmärbige, eitie. Gin 
der Pfaffe. „Du Öber Wit, bei Heli. Ode Megen, Huren. 
„er ſoelchen ceden, boefen woben,“ bei Oberlin. „mit boeſen ſyt ⸗ 
ten, oeden berden.“ Ebendaſ. Zuwrilen auch widerlich. S. Odeln. 
-4) + In Hamburg, mit Wentzem, ohne Mühe und Unkoſten, mie 
auch, behende. Rihen, Dieſe Bebeutung bedende, fhnel.in der 
Se wegung. ſcheint es im folgender Stelle zu haben, ‚we von einer 
Gifter die Rebe iſt. ı a 


Campe's Börterh, 5, Th 


Iren Öden sand trug fie empor, ber Renner Gauge von 
Zelmberg Ki 768. 

In manden Gegenden Lautet dies Wort auch oͤſt, nah ber nidt 

* wobalichen Berwedhfelung und Verwandlung des d mit foder inf. 

Die Dde, 4. —a...ı) Der Zuſtand da etwas oͤde iſt; ohne Mehr: 
auf, "Die Ode einer Gegend, eines Bandes, Uneigentlih auch für 
Einfamteit, Berlaffengeit ze. . 

Deanod maß ih hier nun ewig weilen, 
Ewig zwiſchen Gott und dir. mein Herz 
Veinlich in der bangen Ode theilen. Bürger. 
2) Eine oͤde Gegend, ein sber Det, 
Wenn das Rolf 
Eeine Gezelte von Vde zu Od' auf Mofes chebot trug Kiopfod. 
Der Stimme gleich bes Mufers in ber Die, Ungen. 
+ Boeis, v.ntr, mit haben, in Schwaden, widerlich, ekelhaft fein. 
.6. Schmibt. D. Dteln. 
Der Odem, —8, o. Mj. im O. D. und häufig bei den Diätern, 
ber Athen. ©. b. 
Sein Obem ift ſchwach. Bamler, 
Als ibr rofiger Mund mit aͤtheriſchem Odem die Wang' itm 
Barın anhaucht'. Voß. 

einsthmenb ihr Odem, Baggeſen; 
in welcher Stelle von ber Handlung bes Athemhelens, ober won dem 
Odem anf ungemöhntiche Art als von etwas Thätigem bie Rebe if, 
Yuh uneigentüch für Hauch, Bewegung der Buft. 

Wie des Frühlings Ddem weben Zöne 
Von ben Purpurlippen. Deutfher Merkar. 

Odemlos, —er, — eſte, adj, u, adv, athemloes. ©. dv... Davon bie 
Dbemtofigkeit, 

A den, v. I; ntr, mit baben, dbe werden, öde fein, 

Dort oder dunkeltraurend 

Die alte Rurg berab. Tiedge. 
Il} irs, übe maden, zur Sde mechen; gewöhnlicher verdden. D. 
Dem. D. Ddung S. d. 

+ Die SEdenei, 4. — en, bie Wültene, eine dbe Begend, „Die 
Geiſtlichteit gewanz bald den Wein auch Zu anberm Gebrauche Ileh, 
rottete beiwesen Haine aus, und bebauete Ödeneien* Un gen, 

*x Der Odenstag, Odinstag, — es, 4. —e, der Mittwod. 
Obertia, 

I. Tder, ein Bindewort, welches Cdge, bie miglihe Alte oder Ber 
banptunsen entbalten, begleitet, im R. D. edber, in münden ge 
meinen Spreharten aud aber. Es zeist an, 1) daß von mebrern 
möglichen, Fälen ober Behauptungen nur ein Fall der wirkliche, 
pur eink Sehauptung die wahre fei ober fein falle, wo ber erfte Sch 
gewoͤhntich entweder betoͤmmt, ober aber alle folgende Eäde begieiter, 
Gr mag mweolten oder nicht wollen. Er mag es nun fo ober anbers verſte⸗ 
ben. Er ift entweder taub, oberer willnihthören. „Untiveber bin ich! 
der Maͤnner, oder fie meiner nicht mehr werth geweſen.“ To b. 3,20. 
Bei meberen Wiederbolungen des oder fügt mon dem legten oft bad 
Wort auch bei, Es fehlt ibm entweder an Termoögen, oder an Luft, 
oder auch an Getegenheit. Dft dient ober bloß bie mehrern mög« 
lichen Fälle oter verfhiehenen Dinge anzuführen und berzuzabten, 

rw #3. unentihieben ober gleigfiltig ift, welcher ober weiches von ben: 
feiben ber wichihe ober das rigentlihe und wahre fei, Ich weiß 

nicht, ob bis keb oder Zabel iſt. „D wie reißt bie Entätung. 
mis bin, wenn ih vom hoben Hügel bie weit ausgebrel: 
tete Gegeud überfebe, ober, wenn ih Ins Gras hingeftredt bie man: 
nihfaitigen Blumen und Kräuter betrachte, ober wenn ich in nädt: 
lichen Stunden ben gejtfenten Himmel, wean id den Wechſel der 
Sahrerjeiten oder den Wadsthbum der unzäbtbaren Planen be: 
trahıteie Geßner. So kann oder auh einen neuen op am 
faupen, wenn er einen mögliden Fall, gleich dem in bem 
vorbergebenben Gage, ober auch einen Ginwurf,, einen Gr: 


Oder 


genſatz enthält. „ie ſingt dann, und ich begleite Ihren Geſang 
mit der Floͤte. — — OSder fingen eure Saitenſpiete beſſer als bie 
Rachtigall oder bie liebliche Grasmuͤcke ? Geßner. Da diefes oder 
dem Dichter oft nicht ins Silheumaß fugen wid, hat man es — frei⸗ 
lich nur in ber leichten und ſcherzhaften Schreibart — wie es auch 
bie Englinder thun, die ihr other in or verkürzen, in or zuſam⸗ 
mengejogen. 
Dir jereinnen benn meine Freunde, or ihnen wich Arebeit ber 
kannt, d. Kibelungen 8 ®, 676. 
Man. ftritt fih Lange Zeit, ob er 
Aus einem ältern Stamme wär, 
Dr fein Gaul; Soltau, 
Der Schmwelgerei fih au ergeben, 
Dr mäßig wenn man will zu leben, Derf. 
3) Das mehrere Dinge zu einem Banzen gehören, ober fi zufams 
menfaffen, aber nach verſchiedenen Anfichten betrachten ober auf ver: 
ſchiedene Art eintheilen laſſen. 3) Oft bezeichnet oder auch einen 
Satz ober Wort, welcher ober welches bas Vorhergebenbe erklären, 
erläutern fol, Ale Menfhen Bönmen nicht Herren fein, oder An— 
dern befehlen, Die Heloten ober aferbauenden Sklaven in Eparta, 
4) Dient ober nah Ib. im gemeinen Leben, eine unbeſtimmte, unge 
fäbre Zahl zu bezeichnen. Cine Eile ober brei, eine bis drei Elen. 
In der gemeinen Sprechart fagt man dafür auch, ein Ellener drei, 
wo er bas fehlerhaft gekürzte und angebängte Deutewort ber, dm 
zweiten Falle ber Mehrzahl ift, für, ber EUen brei,-weil man auch 
wol fagt, ner Ellen drei. 

2.+ Ober, für aber, .fy wachſen wol, oder ſy tragem nicht,= bei 
Oberlin. Dan hört es noch in der niedrigen Sprechart mehrerer 
Gegenden. 

+ Die der, 24. —n, bie Holjbirn, das Knbdel. 

Der Oderbruch, —ee, 2. —bruͤche, ein an der Ober ober bem 
Oderſtrome liegender Bruch. So auch die Oderwieſe, bad Der 
dorf xe. ü 

Der Overkahn, —es, Br. —kähne, große platte Fahrzeuge, beren 
man ſich auf ber Oder zum Handel ıc. bedient. Sie find gemähns 
lid 60 Fuß lang, 5 Aus tief und in der Mitte des Bodens 7 Buf, 
im Bord aber 9 bis gi. Fus breit, 

+ Die Oderienge, My. u. ein Name des Ackergrundkrautes (Scabio- 
sa arvensis L,), ‚ 

Der (die) Obermennig, —es, Mz. u. cin Pflangengefhleht, das 
am Fruchtkeime einen boppeiten Kelch, fünf ausgebreitete eingelerbte 
Biumenblätter und gemwöhntih zmötf kürzere Staubfäben bie zwei 
Griffel mit ffumpfen Staubiwegen umgeben zeigt (Agrimonial.) Oder, 
menge, Agrimone. Die prmöhnlicfte Art davon, welche häufig im 
ten Heiden, Feldern und haben Piigen wähft, und Im Sommer 
biuhet heißt Leberklette ꝛc. ©. bi 

+ Odmuͤthig, adj. wu. adv. demüthig, niedrig. Tavon die Odmäthig- 
keit, bie Demuth und obmärhigen, demuͤthlgen. 

Die Odung, 94. —en. 1) Die Sandlung, da man etwas öbe macht; 
ohne Mebriadt. 2) Fine übe Gegtud, befonders dbe liegende cher 
verädete- Strecken Landes. „Die zu befkenden Odungen des For 
Pri.= Ungem. (M.) 

+ Dir Odzins —es, 9 —e, ein-Bins von liegenden Gründen. 
Odbertin. J 

Der Dfen, —e, 9. Dfen; So. dns Ofchen, O. D. —lein, ein 
eingefhteffener feuerfefter Maum, Sedaͤlter, an irgend einem Zwecke 
Feuer darin anzumachen und zu unterhalten, welcher von dem Zwecke 
zu weichem er tienet, benannt wird 3. B. Backofen, Bratofen, 
Bronnofen, Darrofen, Schmelzoſen, Kuͤhloſen, Ziegelofen, Kalt: 
ofen, Gt:isoien, Pedrofen, Therofen, Stubenofen ıc- @in g6 
mauerter, feinernee Ofen. Im Huüͤttendaue bat man hobe Ofen 
und krumme Dfen oder Krummäfen. ©. d. und Hoch ı). Den 
Ofen ablaſſen, austaffen, ausbrenuen, im Hüttenbane, das Feuer 


546 


Dfenb 


im Schmelsofen ausgeben laſſen; ben Dfen anlaffen, bad Gebiäfe 
zur Berflärtung der Glut in Bewegung fegen. Den Dfen ausbrer 
Gen, ausftohen, befgiden . S. Ausbrechen ıc. Oft heißt au 
das Bebäube ſelbſt, worin fi ein Dfen befindet, ber Ofen. Die 
Dlinenguäber nennen bie Minentammer, fo lange fle noch nicht mit 
Fulver angefüut ift, ebenfals den Ofen. In engerer Webeutung _ 
verſteht man unter Ofen ſchlechthin, einen Stubenofer, d. h. denle 
nigen einzeſchleſſenen, mit einer Möhre, wodurch ber Rauch abaier 
bet, verfehenen Feuerbehaͤlter, in welchem man Holz 21. verbrennet 
um bas Zimmer worin er ſich beſindet zu erwärmen, Gin Dfen 
von Badfteinen, ober Ziegeln, Radeln, ECiſen, ein Biegelofen, Ka: 
chelofen, tiferner, biecherner Dfen ic. Gin. Windofen, Buuofen. 
S. d. Ginen Dfen fegen, ibn aufrichten, machen. Den Ofen 
beigen, ihn durch barin angemadjtes: und unterhaltenes Feuer. ge: 
doͤrig erdigen. Der Ofen gtüger, iſt glühend, wenn er, non Gifen 
wirklich gluͤhet, ober auch, wenn er im. böchften Grabe erbigt if. 
‚Den Dfen päten, wenn eo kalt if gern In: ber Mähe deſſelben blel: 
ben, X Hinter dem Dfen ſiten ober liegen, auch uneigentlih, 
mäßig zu Haufe bleiben, aus Zragheit und Begitemlic "eit nicht gern 
bas Dans verlaffen, und auswärts thätig fein, wofür man mit noch 
veroͤcht licherem Nebenbegriffe fant: binter dem Dfen boten, üneis 
gentiich führen in ber Raturbefhreibung ben Namen glübender 
Ofen ») eine Art Schraubenfhneden, der Goldmund; aud fenris 
ger Dfen. ©. Golbmund. 2) Cine Art Wofaunenfhnrden, ein 
—— (Buccinum rufum L.); aud; rothe knotige Sturm⸗ 
aube, A 

Der Dfenanfer, —s, 94. ol. an den aus Manerſteinenm cher Kachela 
gefesten Stubenöfen, eine dunne eiferne und un ben Enden von 
einander gefihrotete und umgebogese Schiene, die Slelue und Ka⸗ 
deln zufammenzubalten und [5 tem Ofen Beftigfrit zu geben, 

Das DOfenauge, —s, 24. —n, an ber Schmeiöfer, ein Loch um 
ter ber Vorwand bes Efene, welches während des Schmelgeng juger 
macht, nad dem Echmeljen aber, uni das Wetall aucfließen zu laf: 
fen, geöffnet wirb. 

Die Ofenbanf, 94. —bink, eine Bank an ober um dem Ofen in 
ben Stuben gemeiner Leute. 

Die Dfenblafe, ®y.—n, eine in den Stubenofen oder beffen Brands, 
mauer eingefegte Blafe d. h. ein keſſelförmiges ober länglih rundes, 
kupfernes, gemöbntich mit einem Klappdeckel verfebenes Gefaͤß, um 
barin, vermitteift bes im Ofen befindlichen Feuers, warmes Maffer 
fogteih zur Hand zu haben; in manden Gegenden der Dfentopf 
Ofenkeſſel. 

Der Ofenbrand, —es, My. —brände, fo viel als auf ein Maht im 
einem Ofen gebrennt, b. bh. vermittelft bes Feuers in volfommmen 
Zuſtand der Härte 2c, verfest wird; auch nur ein Brand. @. d. 
Ein Ofenbrand Biegel, Töpfe ır, : 

Der Ofendruch, —es, y. —brüce, dasjenige was fih in einem 
Ofen anfest, und herausgebroden werden muß. Im Hüttenbaur, 
wo dieſes Wert am gebräuhlicften it, bat man zweierlei Ofen: 
brüche, nämlich ſolche, die fih- bei der Wiei: und Mobarbeit wie ein 
kehm unten im Ofen anfeten, aus bemfelben gebrodhen und bel ter 
Rob: und Wielarheit wicher als rin Zufchtag gebraucht werben, 
und ſolche, bie fih eben im Ofen anfegen und aus einem minerifhen 
verdicdten Nauce entftanden find, Zu biefer Art gehört befenbers 
ber Ofenbruch, welcher ſich deim Schmelsem bes Zinkes als eine har: 
te, Schwere, feſte, biätterige Maffe anfent und außer Galmei: unb 
Arfeniltheiten auch eine rohe Erde in fi enthält (Kadmia), 

Der Ofenbrucfönig, —et, Bi. —e, in ben Hüttenwerten, bad 
kupferige Befen, welches im Steine vom Ofenbruchfchmelzen vorher: 
den ift und darin kalt oder nah gefchehenem wenigen Ablaͤſchen ab: 
arfeigert worben iſt. 

Der Sfenbruchſtein, —es, M. —t, in den Hüttenwerken, ber 
Stein, welden man von Ofenbruͤchen erhält, ; 





Dfenb. 


X Der era 8, 24. —brüder, f. Ofenſiter. 

* Der Dfener oder Ofner, —, 3. gL f. Dfenfeper. 

Der Dfenfuß, —e6, By. —füße, einer der Büße, auf welden ber 
Dfenroft fichet. : 

Die Ofenform, MM. —en. 1) Die Form, Geftalt eines Dfens, 
2) Die Form zu einem Dfen 4. B. au einem ber aus Gifen gegofen 
werben fol. 

. Das Dfenfutter, — 6, 34. gl. in den Hättenwerken, bie — 

welche inwendig an ben vier Geiten eines Schmelzofend von guten 
>. feuerfeften Sandfteinen aufgeführt werben, womit der Ofen gleich⸗ 

: fam ausgefuttert wird. 

Die Dfengabel, 9. — n, ein gabelförmiges Gifen an einem langen 
Stiele, das Hol; damit in den Dfen zu fhieben und zurecht zu legen. 

Der Ofengalmei, — es, 9%. von mehren Arten, —e, ein Galmei, 
welcher fih in ben Schmelshütten bei ber Blei: und Roharbeit oben 
im Ofen anleget. & Dfenbrud. 

Das Ofengeld, —es, By. —er. ı) Das Geld welches für den Ger 

: brauch eines Dfens 3. B. eines Badofens gezahlt wird. =) Das 
sur Unterhaltung der Öfen-beftimmte.@eld. Frifd. 

‚ Das Dfengefims, —t, 9. —e, das Gefims an einem Kachelofen ; 

das Ofenſims. 

Das Ofengeſtuͤbe, —s, BA. gl. im Hüttenbaue, Geſtuͤbe welches 
bei Ausfkoßung der Ofenbrüche und Saͤuberung des Votherdes mit 
losgebrogen, Bein gemadt und mieber als Geſtübe gebraudt wird, 

Das Dfengewölbe, —s, 3. gl. bei den Maurern, bas Gewölbe 
jedes gemauerten Dfens. In engerer Bebeutung, ber dicke ausger 
mauerte Bogen in der Borwand bed heben Dfens unter weichem -bie 
Biegelmand gemacht iſt. 

*x Dad Dfenbaus, —es, 9. —bäufer, ein Backhaus. Oberlin, 

Der Ofenheizer, —s, 8. gl. ; die —inn, 94. —en, eine Perfon 

- welche einen Ofen, befonberö einen Gtubenofen heizt (Calfactor), 
Der Dfenberb, —es, 4. —t, ber Herb in einem Ofen. 

X Der DOfenboder, —s, 9. at. f. Dfenfiper. 

Die Dfenkachel, 3. —n, Kadeln, aus welchen bie Stubendfen 
gelegt werben, 

Der Ofenkeſſel, —s, 34. gt. ſ. Sfenblafe. 

Der Ofenfranz, —es, 99. —tränge, der Kranz, bie Umgebung 
von ausgezadten gebrannten Thonſtücen mitten und oben um einen 
Dfen. M. Kramer S. Ofentrone, 

Die Ofentrone, 99. —n, die von ausgejadten, gleih den Radeln 
gebrannten und beglaften Ihonftüden gemachte @infaffung, womit 
der Ofen oben wie mit einer Krone umgeben ifl. Stieler. 

Die Ofenfrüde, By. —n, eine Krüde, die Kohlen ober die Aſche 
bamit aus bem Ofen zu ziehen; eine Dfenfhaufel, wenn bies Werk: 
zeug bie GSeftalt einer Schaufel hat. 

Der Dfenlehm , —es, 0. By. Lehm, wenn er zum Gegen der Öfen 
gebraucht wirb; wie aud, der aus einem Ofen gebrochene Echm. 
Das Dfenloh, —es, 9. — loͤcher, die Öffaung ober Mündung eir 
nes Dfens, durch melde in demſelben eingeheizt wich; zuweilen 

auch ta Loch im Ofen, zu welhem ber Rauch binausziehet. 

Der Dfenmeifter, —6, 9%. gl. im Hüttenbaue, derjenige, welcher 
über einen Scmelzofen die Auffiht führet und bie babei nöthigen 
Arbeiten anorpnet, Gin folder ift der hohe Dfenmeifter bei einem 
hoben Ofen, 

Die DOfenplatte, 9. —n, eine eiferne Platte über bem unterſat 
ber, befonbers eifernen Stubenöfen, Dann auch, bie eifernen Plot: 
ten aus welden bie eifernen Stubenöfen gefegt werden, bie Dfens 
tafe 

Die DOfenröbre, 94. —n. 1) Die Möbre in einem Ofen , befonders 
durch weiche ber Rauch abziehet, 2) Eine vieretige blecherne, ges 
wöhnlih mit einer Keinen Thuͤr zu verfchließenbe Köhre in einem 
Stubenofen, Speifen und Getränke darin zu wärmen ober warm zu 
erhalten, i 


__547__ 


Dffen 


Der Dfenrofl, —ed, 3. —röfte. 1) Der hölzerne Roſt, auf welchem 
ber ‚Herd zu einem Gtubenofen angelegt wird, Auch 2) ein Roſt auf 
dem Dfenberbe, das Brennholz darauf zu legen. 

Der Ofenruß, — e, 0. Di. ber Ruf aus einem Ofen, 

Die Dfenfhaufel, 34. —n, f. Dfentrüde. 

Der DOfenjbirm, —es, 4. —t, ein Schirm vor ben Dfen zu 
fielen um bie große Hige deſſelben von fih abzuhalten. 

Die Dfenfchraube, Dy.—n, rine Schraube an einem eifermen Dfen. 

Der Dfenjeber, —6, 9. gl. ein Handwerker, welder Öfen fett, 
dewõhnlich eine Arbeit bes Xöpfers; der Ofener oder Dfner, im 
Wörterb, v. 1482 bei Frifc. 

X Der Ofenfiger, — 6, 9%. gl. einer ber immer hinter dem Ofen 
fit, f. Ofen; X der DOfenhoder, bei Friſch Ofenbruder. 

Die Dfenflange, My. —n, eine Stange, das brennende Holz. in 
einem Bafofen in die gehörige Bage zu bringen, damit es gut brens 
nen fönne, 

+ Der Ofenflaub, —e6, o. 9. in den Hüttenwerken, ber Hütten: 
rauch, der fih in einem boppeiten Gewölbe über dem Echmelzofen 
anleget. 

Das Ofenftaubleh, —es, 94. u. in den Hüttenwerten, das Kupfer 
Ich, welches aus bem auf den Kupferſchmelzhütten verſchmelzten 
Süttenraude erhalten wird. 

Der Ofenſtock, —es, Pi. —ſtoͤcke, in ben Hüttenwerken, basjenige 
Gemäuer, weldjes ben Raum einfhlieft, wohin der eigentlihe Ofen 
bes. Klohofens zu ſtehen Eönnne, 

Die Ofentafel, 94. —n, f. Dfenpfatte. 

Die O fentbür, Da. —en, die Thür vor dem Dfenlode. 

Der Dfentopf, —es, 84. —töpfe, f. Ofendlaſe. 

Der Ofenwiſch, —es, Dy. —e, bei den Bedern, ein Strohwiſch an 
einee Stange, ben Dfen bamit zu reinigen. 

Der Dfenzind, —es, 9. —e, derjenige Bins, welder füc den Ge 
brauch eines fremden Backofens, wie aud für das Recht, einen ei: 
genen Bas ober andern Ofen zu haben und zu gebrauden entrid:« 
tet wird, i 

Offen, —er, —fle, adj. u. adv. ein bon auf berflammenbes Wort, 
welches überhaupt ben Begriff, von Beinen Lörperlihen Grenzen 
ober Schranken eingelhloffen, wenigſtens an einer Seite nit rin» 
geſchloſſen oder verfhloffen bezeichnet, und welches, wenn es ums 
ſtandwoͤrtlich gebraucht wird, bem zu entgegengefeht wirb; im R. 
D. open. Eine offene Thür, die micht zugemacht ift, wie au, bie 
nicht verfhloffen if. Zum offenen Fenfter, oder, durch bas offene 
Benfter hineinfteigen. Gin offenes Gefäß, Glas :ıc., das nicht bes 
bett, über welches kein Deckel geftärpt if. in offener Heim, 
deſſen Gitter (Visir) nicht niedergelaffen ift, fo daß man bas @e: 
fit frei feben Tann, wenn ihn jemand auf dem Kopfe bat, Mit 
offenem Munde etiwad angaffen. Mit effnen Augen nicht fehen. 
Einen mit offenen Armen empfangen, aufnehmen, mıt ausgebrei— 
teten, unb uneigentiih, Ibn gern und Fiebreich aufnehmen. „Mit 
Entzüden ei’. ih in beine offnen Arme.“ Gener. Mein Haus 
ſtehet Ihnen jederzeit offen, d. b. Sie dürfen zu jeder Zeit in mein 
Haus fommenz werben in demfelben gern aufgenommen, gern ge: 
fehen werden. Den Himmel offen feben, ihn gleihfam geöffnet fer 
ben, ſich im Geifte einem glücktichen feligen Zuftand wie im Himmel 
vorftielen ı. Gin offener Gans, ber an einer Seite ober an bed: 
ben Seiten nicht eingefhloffen ift, oder der oben nicht bebedt iſt. 
Ein offener Wagen, der nicht bebeft, oben und au ben Seiten 
nit Jugemacht ift. Gin offenes Fahrzerg, weldes oben offen ift, 
kein De Hat, Das offene freie Feld, weldes von allen ben Gang 
ober die freie Ausfiht verhindernden Gegtuſtͤnden frei it. Ein 
offener Schade, eine Kunde, die nicht zugeheilt if. Gin offemer 
Brief, ber nicht verfiegeit if, ober auch, ber ſchon erbrohem iſt, 
alfo von jebirmann gelefen werben kann ; baber auch offene Bricfe 
ober Befehle ſoiche obrigkeitilche Befehle heißen, weiche jebermanm 


Offen 


angehen und Sffenttih bekannt gemacht werben. Eine offen? Stadt, 
bie überall offene Ein: und Kussänge, Feine Masern und Thore 
bat, aifo auch mit verfhioffen werten kann; und in engsrer Be— 
beutuny, eine Etabt, welche nicht mit Feſtungéwerlen verfebhen if; 
in GSegenſat einer befeſtigten. Ein offenes Laub, in welches ber 
Eintritt übera leicht if, duch keine enge Pälle x. vermehrt wer: 
den kann; wie auch, ein Land, welhes bem Blide überall cffen ba 
liegt, eben if und keine Gebirze, Wälder sc. bat. Im iweiterer 
Bedeutung nennt man die Erde offen, wenn kein Froſt bus Eins 
bringen in diefeibe, bar Graben, Pilügen 3. erſchwert oder unmöz« 
tich made, Im anderem Zinne nennt man ofjenen Froſt folden, 
bei welchem die Erbe offen d. b. unbedeckt von Schnee if. So wird 
ofen auch im anderem Hällen für undebedt und blog gebraucht. Mit 
offenem Bufen. »Mit offener Brut. Hagedorn. 
Mit hoher, bimmrlatpmenber Sonne 
Dradt er dies volle Herz an ihre oſſue Bruſt. Wieland. 
Auch heise offen, was nicht befegt, nicht ausgefäur if. Ein 
offener Pig an einem Zifhe, der von niemand beſeht if. Im 
eines Schrift eine Stelle offen Iefen, eine leere Stelle laſſen, in 
welche fpätechin noch etwas gefhrieten werden fol. In ben Hütten: 
werten verſteht man unter offener Bruft, eine ſolche Einrichtung, 
wo das ganze Spor ars bein Ofen bio an bie Bruft offen if. In 
ziehe uneigentlicher Bedrutung fagt man, offnen Leib haben, ben 
Körper gehörig ohne Beſchwerde ausleeren können; im Gegenſatz eis 
nes verftopften Seibes. Den Leib offen halten, bafür ſorgen, daß 
Lie Nusleerumgen gehörig erfolgen können. In offener Rechnung 
mit jemand fteben, fo bad einer von dem andern auf Rechnung fo 
viet bekommen kan als er mil. Offene Kaffe bei jemand haben, 
bei ihm zu jeder Brit und fo viel Geid bekommen können ald man 
braudt. Ein offener Bechſel, rin feier, ber auf keine beftimmte 
"Summe geſtellt ift, Sondern auf weichen man mebrere Maht fo viel 
Gelb eis mar braucht erheben kann. In weiterer und uneigent: 
ler Bedeutung gebraucht man offen für oͤffenellch, wezu jedem 
dee Zutritt frei ſehet. Etwac in olfener Gant verlaufen, im 
D. D. es Öffentlich verſtelgetn. Dffene Tafel halten, in einem 
Eaale ober an rinem Orte, wo jedermann der Luft bat hintominen 
und zufehen Bann wie auch, jeden ber mitiprifen wid, mit zur 
Zafel ziehen. Einen offenen Saben haben, Öffentiih verkaufen, 
Es geſchah auf offener Straße, öffentiih. Ehemahls nınate ara 
Sffentiihe und dekannte Sünden, offene Sänben; unb offene Sün; 
berinnen und Weiber, Öffentlige Weiber, Huren. Oberlin. Offen 
wirb auch dasjenige genannt, in deſſen Inneres man, uneigentiich 
serftanden, leicht eiadringen Ian, welches nad feiner inneren und 
wahren Befchöffenheit teiht erfanntemwerten Eina, gleichſam effen 
da tient. So verfteht man unter einem offenen Greficte, einer 
offenen Miene, ſolche, roorin men die Gefinaung, Empfindung er: 
-tennen , ober aus welden man auf bie Gefinnung, Empfindung 
richtig fehliegen Bann, weit fi unverſtellt, nicht wie man fagt, ver: 
fhloffen find. Gin offenes Ser; haben, welches feine Empundun 
gen zc. nicht verheimlichtt, fh ohne Zurückhaltung aͤnbert, umd Im 
welches man gleichfam blicken kann. Gin offener Kopf heißt rin 
ſolchet, in welchen Begriffe und Kenntniſſe leicht Eingang finden, 
weider leihht und fhnell begreift, wie auch, eine Perfon, bie einen 
ſolchen Kopf hat; In Gegenlah eines vernagelten Kopfes. Einen 
eifenen Kopf baben. Er if der offenfle Kopf. „zo offen der 
Kopf des Iünglings jeder Kenntaiö war, fo offen war fein Herh 
jeber Tugend.“ Kofegarten, (A.). Anſtatt fig bes dritten 
Falles, wie in diefer Stelle zu bebienen, fagt man auch, einen of: 
fenen Kopf für etwas haben. Dem Blide liegt etwas offen, wenn 
es beutiih umb ohne Mühe erkannt, duchihauet werben Bann, 
„Gelb das Innere ber Seele liegt feinem Brit offen“ Muͤnſcher. 
mr Offen ſprechen, ohue Verſtellung und Zurüdbeltung, ber 
wirkiichen natürlichen Empfindung gemäß (naiv ſprechen). Rut ın 


548 _ 


Dffenb | 


biefer und der vorhergehenden unefoentlichen Websutung' leidet das 
Wort offen Verglcihung und Steigerung, weit was ih eigentiihee 


2. Bebreutung offen ik, Rice ofſener oter noch. mehr offen frın Tann 


als es iſt. WI man in ſelchen Fällen ja einen größermiober ger 
ringeen Grab 'ausdsuden, ſo gefhieht'bies Durch -Beifäge zu offen, 
3. B. ein Gang, der an riner Seite offen iſt, iſt Rhen ein offener 
Ganz, iſt er an briben Briten offen oder auch oben offen d. h. un⸗ 
brdedt, fo iſt er nach meht offen, aber nicht offener oder der of⸗ 
fenite. Gin offener Brief, d. h, rin erbrodener ‚oder unterfiegel: 
ter,.-Eınn nihr mod mehr offen fein; aber man Bann mehr ober 
weniger offenen Leib baben, ber Erdboden kaun mehr ober weniger 
offen fein ze. " Inder Sprachkunde heißt bei Einigen dasie, wel 
des wie A lautet, 5. B. in Ichen ıc., bad offene e, weit ber Mund 
dabei mehr geöffnet wirb als bei dem ihr; entgegengefegten geſchloſ⸗ 
ſenen ©, 3. B. in bee erſten Silbe der Wörter gehen, Kehen. nr 
dere nennen jenes das dunkle und tiefe, dieſes bas heile und hohe. 
Im Echenswefen britt ein Beben ein offenet, wenn es nab bein 
Zobe bes Brbnträgers bem Lehnöberren anbeim fäult; und in-vers 
fhiedenen Faͤllen wird eine Zeit, im welcher ber Genuß ober Ges 
draus) eines Dinges einem jeben frei ſiehet, die offene Zeit ges 
nannt; in Gegenfag ber gefüsloffenen, 3. B. in ber kandwirthſchaft, 
wo diejenige Zeit darunter verftanden wird, während welcher bie 
Wieſen, Ader und Wälder mit dem Siche betrieben werden bärfen; 
auch offene Tage. Unter offenen Hagen verſtand man ehemahls 
aub Tage, bie Sffentiih bekannt gemacht waren, um an benfelben 
ſtreitige Sach?a vor ben Schiederichtern abzumadien. Ja einem 
ganz andern, aber ungewoͤhnlichen Sinne bedeutet in ber folgenden 
Srelle ber offene Tag, den letzten beilen Tag: 

Aber nody reizender gebt am offenen Jane bie Zeilus 

Bon der Flora geſchouͤrzt mit leichtem Blawengehänge. 

von ber tühbe, 

In der Schifffapet heift ein Mind, der beinahe völlig mit ober 
guͤnſtig ift, ein offener Wind, .Ein Schiff offen baltın heißt das 
feleft, wenn man fich Junmwärts von einen Schiffe befindet, fo bieis 
ben, um es ausfegeln zu köͤnnen. Röbing. Im Bergbaue heißt 
offen, Göhlen und Klüfte enthaltend, deuſigz und ein oifener Gang 
if daſelsſt ein Gang, der viele Drufen hat unb bie Waller fallen 
lit, — Dögleich offen von auf Hammet, und diefes oft bie Bes 
beuteng von jenem hat, fo kann doch nicht eins für bas andere ars 
fegt werben. "Dan madt 3. ®. das Fenfter auf, aber niht offen; 
es ſtiez bie Thuͤr weit auf, nicht offen. Unrichtig iſt es daher zu 
fogen: „wenn er bes Abends fang offen blieb* (auftlieb). Ungen. 
To gedraucht man da, wo Mipverftändnip möglich if, Lieber offen 
als auf, 3.8. ih fand tas Haus offen, für, id fand es auf, 
welches heißen kann, ih fand es, das gefichte Baus; ich biele bie 
Hand offen, bb. ih ſchloß fie nicht, ballte fie mie zuſammen, 
für, ich Hhielt bie Hand auf. Iſt der Auedruck ein uneigentliher 
ober bitdlicher, fo wird offen geſett, wenn nicht etwa bad mit auf 
sufammengejegte Wort im biefer uneigentiihen Bebeutung fhon ges 
wohnlich iſt, 3. ®. mein aus ſtehet Ihnen gu jeder ich offen. 
Sein Herz flehet jedem Eindruck offen. 


Offendar, -- er, —fle, adj w.adr. ein aus offen und bar, welches 


jebes ebemahls in berieiden Bedeutung gemötnid war, zuſammen- 
geſetztes Wert, mweides ſowol eigentlich als auf tab zwar gemälns 
licher untigentlich fur ofen gebraucht wird, Die offendare See, bie 
hode überall ofene, von allen Seiten unbegrenzte, dem Anſchelne 
nad) mmeingefehränfte Ser. Kin offenbarer Freſt, in der Baufil, 
ein offener Froſt, Barfroft, ohne Schnee, Unelgentlich, für jeben 
offen daliegeab, daß er es erkennen Eana wie es iſt. Eine offenbate 
Sache, Wahrheit, Rüge Ges if offenbar faifdl,, wirds vun jeber: 
mann leicht als falſch erfannt. Es it offenbar, bas er es gethan 
bat. „Bei bein Trenſchen waltet offenbar ein anderes Raturgeſetz 
über die Succeſſſon feiner Ibeen* (die Beige feiner Vorflellungen), 


Offenb 


2: Berbarn Dan überhaupt, beſenders chemahls, bekannt. „Wenn 
bein Wort offenbar wird, fo erfreuet 6.0 Bf. vıy, 150, „Wieler 
Merzen :Webanten werden offenbar werben® But. 2, 35. In den 
“ Manzeteien’ift dafär auch noch offenkundig gebraͤuchtich. Bell ein 
Nachdbruck auf offenbar gelegt werden, fo liegt der Ton auf ber Bilbe 
dar, fonft aber auf offen. Wü. - u . - 

Dffenbaren, v! trau. res. offenbar, befannt maden. „Der Here 

“ Täfer fein Heil verfändigen, vor ben Wölfern Läflet er feihe Gerech⸗ 

tigdelt offenbaren. p ſ. 98, 2. Es wird ſich bald offenbaren, was 
‚un ber Sache iſt. ESott hat ſich dem Menſchen buch bie Marur 
ofſenbaret. In engerer Bedeutung, etwas Gebeimes, Berborgenes 
abſichtlich unde nach alten feinen Zheilen und Umſtaͤnden bekannt mas 
en, wodurch es ſich von entdecken unterfHelder, weiches anab ſicht⸗ 
Kb und nur theitweife geſchehen kann, und von verrathen dadurch, 
daß tas Belänntgrmadhte am ſich böfe iſt und ſchaͤdliche Folgen ba: 
ben kann. Wei eröffnen liegt der Begriff zu Grande, daß batjıs 
nigk, woron man andern Perfonen Kenntniß ‚giebt, für und ſelbſt 
eine wihtige Angelegenheit fei und wir durch die Belanatmahung 
derfeiben bri Andern- einen Zweck erreichen wollen. S. d. Wörter 
und auch anzeigen, befannt machen, welches die aflgemeinften Aus— 
dräde für piefen Begriff find. Gin Gchelmnip offenbaren. „Dffen 

* bare nicht eines Andern Heimlihleit.* Epridw, »5, 9. Bid eis 
nem offenbaren, ihm feine Geheimniffe, Heimticykeiten mittheilen. 
Befonbers gebrauht man es im de» biblifhen Gchreibart, wo man 
3. D. von ben Propbeten fügte, wenn fie künftige Dinge vorher 
fagten, Gott habe fie ihnen offenbarer, d. 5. er habe ihnen davon 
eine-ausführlihe Kenntnig gegeben. Geoffenbarte Wahrheiten, bie 
Gott ben Menfhen bekannt machte, ba fie ohne dies dieſelben nicht 
erkannt haben würden. Die geoffenbarte Melision, bie dem Wen: 
ſchen vun Gott durch Jeſum und feine Schüͤler bekannt gernachte; 
in Gegenfag der natuͤrlichen ober Maturrelision une ber Vernunft: 
religion. D. Offenbaren. D. —ıng. ©. b. = 

Dffenbarlih, —er, —fe, adj. u. adv. ı) KUffenber, befanat, fs 
feurih; im ber Biber häufig. „Dies ftreitet mit der Voll kommen⸗ 
beit der Gottheit offenbärlih.“ Mofer. 2) Mas fih offenbaren 
laͤßt, offenbart gemacht werden Bann, für meiden Begriff wir kin 
anderes Mort haben. und dieſes fügiih gebrandhen können. Davon 
die Offenbarlichkeit, o. Mz. die Beſchaffenheit einer Sache, da fie 
fh offensaren Läht, 

Die Offenbarung, 24. —en. 1) Die Handlung da man etwas offen: 
batet. „Wir geben auch nicht mit Schalfpeit um, fonbern mit Df: 
fenbarung ber Mabrbeit- 2 Ger 4, 2. Beſonbers in engeren 
Bedeutung, bie Handlung ba man etwas Gebeines befannt macht. 
‚Man kann alles verföhnen, ausgenommen bie Schmach, Berachtuug, 
Offenbarung ber Seimtichteit und böfe Ance. Eir, as, 27. ©o 
ruͤhmen ſich auch noch monde Schwaͤrmer unmittelbarer Offenbas 
rungen durch bie ihnen Gott verborgene Linge bekannt male, 
=) Eine geeffenbarte Sache, geoffenbaste vorher unbefünnte Kennt: 
ziffe; in ber bibliſchen Schreibart. Die Offenbarung des Johan—⸗ 
nes, die ihm geoffenbarten Dinge und bie Schrift worin fie enthalr 
sin find, Sſonders ber Inbegriff der den Menſchen von Gott ger 
effenvarten Wahrheiten, die geoffenbarte Religion, auch wel bie 
Bibel oder Heilige Schrift, weil man glaubt, fie fei ihren Merfal: 
fern von Gott eingegeben worben, dir Offenbarung ober bie goͤtt⸗ 
liche Offenbarung, welde der Vernunft entargengeicht wird. Mer: 
nunft und Offenbarung ſprechen für eine Fattdauer nah dem Tode. 
Die ättern Gotteögelehtten unterfeiden auch noch bie nähere Of: 
fendbarung Gottes, worunter fie bie darch bie verauſtattete Merführ 
zung von ihm brkannt gewordenen Wahrheiten verjieben, unb bie 
entferntere ober algemeinere Offenbarung, worunter fle bie aus 
bem Tafrin und Iufammendange der natürtihen Dinge befannten 

* Mohrheiten vom Bett verftchen, 

O Der Offenbarungsglaube, —ne, o. Bi. der Glaube an göttliche 


549 


off 


übernatäriche Offenbatungen, ‚befonbers,. der Glaube as eine ‚von 
Gott geoffenbarte Religion. ' 

O Der Ofiendarungsgläubige, —n, 9. —n, der an übernatüc: 
liche zoͤttliche Offenbarungen, befonders an eine von Gott geörfen: 
biste Reiigion glaubt (Supernatursüsi). Iſt bie Rede von raten, 
ber übernatürlihe Offenbarungen zu haben vorgiett, und fol mit 
der Bentanung deſſelben ein tabelnser Rebenbegriff verbunden mers 
den, fo ſchtägt ©, vor, ihn einen Offenbarungsfühtigen zu nen 
nen, Woflr man auch Offenbarungeträumer gebrauchen fann. 

O Der Offendarungsort, —et, 4. —Örter, ein Det, an welchem 
Offemarungen geidtben;. befonders ein Ort, au. weihen beiten 
elten heidniſchen Völkern buch ihre Götter achtime Dinge gerfſen— 
baret wurden (Orakel). E. Detphi war der berüͤhmteſte Dffenbus 
rungsort bei ben Atten. 

@® Der Offenbarungsſuͤchtige, O ber Dffenbarungdträumer, f. 
Dffenkarengsgidudige, 

Der Offenbaf, —ſſee, 9. —bäffe, beißen Drgelbauera, 
gelpfeife von Solz, ı6 Kap gruß, 

Der Offenburger, —d, 4. gl ı) Ein Einwohner in Offenburg, ber 
aus Offenburg gebärtig iſt. 2) + Der Name eines Art altez Müns 
gem. Dberlim. , ‚ 

Die Offenflöte, 9. —n, bei ben Orgelbauern, eine at: und vier: 
fühige Orgetpfeife. 

*%* Das Offenhaußs, —es, My. — häufen. 1) Gin Schloß, eine 
Stab ic. wo einer das Öffuungereht har. 2) Eia öffentliches Baus, 
Hurenhaus. Dberlin, 

Die Offenheit, 0. 9. die @igenfhaft, der Zuſtand, ba man oder ta 
etwas offen it, in uncigentliher Bedeutung. S. Offen. Nach ber 
Dfenbeit feiner Miene cher feines Geſichtes darf mau ihm sol 
trauen, Wei ber Öffenbeit feines Herzens fällt ihm Berſtellung 
unmöglich. Mit Offenheit ſprechen, ohne Zurüdbaltung und Mer 
ſteüung. Die Offenteit feines Kopfes macht, daß er Alles ſchnell 
faöt und einſtebet. 

Oſſenberzig, — er, — ſte, adj. u.adv, ein offenes Herz habend, feine 
Sebanken und Empfladungen ahne Bebenften and ebne Burüthsitung 
mirtbeliend, enttezend, mie auch, in dieſer Eigenſchaft gegründet, 
davon jeugend; in Gegenſah von zuruͤckhaltend. Ein offenherziger 
VDienſch. Offenherzig fein, ſprechen, betennen. Gin oſſenterziges 
Bekenntniß. „Der Offenberzige fogt Ales, was er bentt, und wie 
er es denkt; ber Aufrichtige fant nicht Res, ſondern nur was er fanen 
muß und ohne Fedigeretion (Unvorfichtigfeit over Unbefheibenbeit)fagen 
Bann; wigeraßerfagt, Fimmtmitfeinem Sinne bherein.«Eberhark, 

"Der Weile redet auezelt aufrichtig mit geprüften Freunden offenhersim, 
ent fooft es bie Pflicht erfodert, freimüthig.«Derf. Bergl, aufrihtig, 
treuberzig, freimuͤthig. Mach Ad. fol offenherzig in engrrer Beten: 
tung diejenige Eigenfhaft bezeitien, da man einem Enbern alle Beil 
fanıe Nachrichten auf das moͤglichſte entdeckt; welche Eedeutung aber 
nicht in offenberiig, tem Sprachgebrauche nad, zu liegen ſcheint. 

Die Offenherzigkeit, 0. 94. Die Eigenihaft da man offenhrrsig iſt, 
in Gegenfag ber Zuruͤckhaltungz wie auch, bie Befhaffenkeit einer 
Sache ba fie von Offentenzigkeit einer Perſon zeuget. Mit Dffen- 
bersigkeit fpreden. Die Dffenherzigkeit eines Bekeuntniſſes. Lergl. 
Treuher zigteit. 

+ Sfenkundig, — er, — ſte, adj. u. adv, im ©. D. jetermann bie 
kaunt, Tantkundig. Es liegen in ben offenfunbigfien Un Ränten 
birfer Degebenheit neh mande Probleme (Aufgaben) für den Pünfz 
tigen Siſtoriker⸗ (Geſchicht forſcher). Allgem. Zeitung. Devon 
die Oſſen? undigleit. 

Die Offenquerfloͤte, Mz. —n, bei ben Orgtlbarern, ein offenes fehe 
enges Alötenregifter, welches den Ion der Querflöte nadkaanıet. 
** Das Offenredt, — et, 0, 94. bas Öffentliche, allgen.eine Acht. 

Daltans, 
ak Das Offenſchloß, — ſſes, M. — ſchioͤſſer, ia Schloß, In wel: 
* 


eine Dis: 


Offeuſ 


dem einıe bon Bfnungttecht hat, welches bem Lehneherra geoͤffnet 
erben mt altaus. j 
* Der Sffenfäreiber, —s, MM. gl. ein öffentliher Schreiber (No- 
tarisıs publicus). Oberlin. ö 
Das Dffenftüd, —es, 9. —e, bei den @ärtnern, ein offenes Stuͤck, eine 
&rt tufiftäte, wo man zwiſchen ben Felbern ober Beeten vermittelſt 
ber@änge bherall frei eine und ausgehen kann, ohne uͤber zuſchreiten. 
Öffentlich, —er, — ſte, adj. u. adv. ) Mad offen, b. h. vor jeder: 
manns Augen iR oder geſchiehet, wohin jebecmann Zutritt hat; im 
Gegenfag bes geheim, verborgen. Auf oͤffentlichem Martte, auf 
öffentlicher Strafe, Gin oͤffentlicher Ort, wo jebermann frei bin: 
geben und verweilen barf. Ein öffentlicher Warten, ein orfentliches 
baue, ber, das für jebermann offen ik, wo irdermann für Gelb al 
kerfei Grfrifhungen erhält. In engerer Bedeutung verſteht man 
unter einem Sffentlichen Haufe, ein Hurenhaus, und unter öffents 
lichen Huren, Huren in einem folgen Haufe ober ach unb noch 
mehr Straßenhuren. S. Offentlichteit. eich nicht dffentiich ſehen 
Laffen, uͤbechaupt nit ausgehen, ober doch nit an öffentliche Or 
‘ter, Etwas oͤffentlich für Geld fehen laffen, an öfentlihen Orten, 
Dffentlich bekannt madıen, an effentiihen Orten, ober fo deß ea 
jedermann erfährt. Sich Öffentlich hören laſſen. Offeutlich auf: 
treten, am einem öffentlichen Orte, wie auch, vor «inte Verfammlung. 
Man ſpricht öffentlich davon. Der Öffentliche Gottesdienft, zu weis 
dem jeber Zutritt bat, zum Unterfhiebe vom bäustichen oder Hauses 
gotteßbienfte. Öffentlich vertragen fie fih, vor den Leuten, 2) @ine 
größere, befonders bürgerliche Geſellſchaft betreffend. Ein öffent: 
fiches Amt, ein Amt in der buͤrgerlichen Gefelfhaft, und für biefe 
eſellſchaft, welches fie oder ihre Vertreter vergeben, 5. B. Borſte⸗ 
her der Gemeine, Mihter, Prediger ic. Dffentliche Häufer ober 
Gebäude, melde der Sefellfhaft, Gemeine gehören, 4. B. Kirchen, 
Ratbdaͤufer ic. Die oͤffentliche Ordnung ſtoͤren, bie Ordnang in 
ber bürgerlichen Geſellſchaſt. Dffentliche Verbrechen, weiche gegen 
die bürgerliche Geſellſchaft, wiber bie Gelege benangen werben, Zu⸗ 
weiten auch in Gegenfatz won geheimen Befeilihaften, wo dann oͤf⸗ 
fentliche oder Außere Lehren nur ſolche find, welche gebeime Geſell⸗ 
fhaften ven Uneingeweibten bekannt werben laffen, in Gegenſat ber 
geheimen oder Innern, Das t in biefem Werte ift bes Wohlklanget 
wegen eingeſcheben, ba es eigentlich offenlich heißen müßte, uud cher 
mabis au hles. 
p e ber theure Spielemann: d. Ribelum 
Da ſprach offenlich be en 
ie Sffentli 0. 24. ber Auftand da etwas öffenelih if oder 
Bi beat — ag Fer einer Sache, da fie Sfentuich if, 
oder ba fle Aberall bekannt geworben iſt. Die Dffentlicyleit diefer 
i ankopßtg. 
hate. 6. —* nieht Graufamteit eines Dichters, wel 
er Ihr (dev Schaufpteierinn) eine Dffenttichteit aufdeingt, deren 
fh eine Öffenttihe fhämt,“ 3 P. Richter. In biefer Stene 
feint unter ver Offentlichen eine weibliche liederliche Perſon, bie 
oͤffentlich bekannt iſt, —* öffentlich, d. h. jedermaun Preis giebt, 
den zu mülfen. 
—— 4. —e, ein zwar undentſchet, aber bier 
nit zu übergebendes ort, weit es felbit in der Sprache des ge: 
meinen Mannes bekannt und gewoͤhnlich it, für den gemeinen Ger 
Brauch auch nicht leicht burd ein anderes turzes allgemein ver aandil⸗· 
ches Wort zu erſetzen iſt. Dan verſteht darunter einen Wefehtehader bei 
ben Soldaten. Der gerinafie feige Belrblebober iſt ber Uitter 
offizier, welcher unter dem Oderofñzier ſtehet, melden man eoe⸗ 
augsweife gewoͤhnlich nur Dffisier nennt. Diefe Dffiiere werben 
dem Range nach wieber unterfhiedben, und man nennt bie vornehmen 
derfeiben Stabsoffigiere aud mol Dberoffiziere, au welchen bie höbern 
vom Major an gehören, zum unterſchitbe von den Offisieren fhleät: 
bin, unter welchen man die Faͤhnriche, Lieutenauts, Hanptieute 


— 


ſchneiden ı. Ein Feuſter oͤffnen. 


O Die Offentlichkeit nicht ſcheuen“ 


Offnen 


und Nittmeifter hegreift. In weiterer Bedtutung nennt man im 
D. D. auf ‚andere öffentliche Beamte Offiziere, So ſind im Öfters 
zeihfdhen Kaitoffiziere, bie Beamten ber kaifertihen Kammerhanpt: 
buch halterei. So beftchet das Rriegssahlamt sa Wien aus einem 
Arie gezahlmeiſter und werjhiebenen Offizieren, unb bas oberfte Schiff: 
amt bafelbft Hat einen abeligen Schiffamtsoherfien-und einen Amts: 
offizier, An Riederöfterreih beſteht has kaiferlihe Walbamt eben⸗ 
falls aus einem adeligen Walbmeifter ,: einem Walbſcha ffer unb ver: 
ſchiedenen Waldamtsoffizieren. In. Mähren erben: der; oberſte Sands 
Bömmerer, ber oberſte Laudrichter und der oberſte Sanbfhreiber.bie 


„ drei oberſten Sandoffisierer, (Offiziere) genannt. , 
Dfinen, v. trs. u. rec, offen mahen, maden, daß einem Dinge-furier 


Ausgang oder Zugang ober Durchgang möglich werbe, als einialls 
gemeiner Ausdruck, welcher edler iſt ald andere ähnliche allgemeine 
wie aufmachen, aufthun, und der-in Fäden wo bie Art des Öff: 
nens näher beftimmt werden fol, mit anbech Ausbrüden vertauſcht 
wird, als aufſchließen, aufftogen, auffdlagen, aufbtechen, auf: 
Eine Thuͤr Öffnen, ſowel indem 
man die Thür auffperret, als auch inbem man das Schloß berfelben 
aufſchließt. Eine Blafche öffnen, den Pfropf aus, derfeiben ziehen ıc, 
Den Mund Öffnen, bie Eippen aus einander bewegen und halten, 
befonders um etwas in ben Mund zu ſtecken oder um zu fpreden, 
Einen Brief öffnen, ihn erbrechen. Einen Ballen öffnen, ihm anfı 
binden, auseinander nehmen. Gin Gefhwür öffnen, es auffneiben, 
aufdrüden, Einen Leichnam bifnen, ihn aufihneiden, um bas Iur 
nere zu unterſuchen. Eine Ader Öffnen, in biefetbe ein Loch fAlagen, 
bamit Blat aus berfeiben fliefe, Ein Schloß öffnen, es auffclienen. 
Die Laufgraben öffnen, fie durch Graben verfertigen. Ein Grab 
Öffnen, cin Grab, welhes zugeworfen if, wieder aufgeaben. Die 
Augen Öffnen, bie Augenlieder aufihlanen. Einem bie Xugen, bas 
Geſicht öffnen, aud ihm, der vorber nicht fehen Eonnte, bas Befihe 
geben, b. 5. ben Lichtſtrahlen den Durchgang in das Kuge möglich 
und dadurch fehen machen. »So würde fih der Schüter gegen felnen 
Meifter ruͤhmen, und ber Blinde gegen ben Arzt ſich feßen, der ibm 
bas Gefihr geöffnet.e Mosheim, Umeigentlih beißt, einem bie 


+ Xugen öffnen, ihn etwas erkennen, einfehen mahen, befonbers ibn 


auf etisas ſuͤr ihn Nachthelliges aufmerkſam machen, was er fon 
nicht, etkannt hätte, wofür man auch ſagt, das Verſtaͤndniß 
oͤffnen. Ein Bud öffnen, es auffchlagen, bie Piätter beffeiben 
auseinander breiten. Die Erbe öffnet fih, wenn ihre Kheite ſich 
fiennen, fo daß ein hehler Raum zwiſchen benfelben entfichet und 
Bd don der Oberfläche im bie Tiefe erftredt, Auch ſagt man, die 
Erde Öffnet fich, wenn fie nah dem Froſte bei eintretender war- 
mer Witterung durchdringlich wird und den durch bie Märme aus 
ihr gezogenen Dünflen Ausgang verftatte. Der Dimmel öffnet 
fih, wenn Dünfte, Wolken fi trennen und dem Wide die Ausiiht 
in den unenblidien Raum gefatten ober den Sonnenfhein ungehins 
dert burchlaffen, Die Blume öffnet ſich, wenn fih ihre Blätter 
entfalten, „Weiß und unſchuldig wie bie Bille, wenn fie am Mor 
genroth fi öffnet.e Gefner Im Mafferbaue heißt einen Eid, 
Sieltief öffnen, die Dimme berfeiben durchſtechen unb ausbringen, 
das das Waffen feinen Lauf dadurch nehmen koͤnne. Siel öffnen, 
ober zum Zug beingen beißt auch, bie Thüten ber Siele aufbaden, 
bamit bie Flut bigcinlaufe. Im weiterer und uneigentiiher Beben 
tung, den focien Zugang zu etwas, wie auch ben freien @enuf, 
Gebrauch einer Sache verfhaffen, gefatten. Dem kaſter Thör uns 
Ztor öffnen, ibm überall Gelegenheit geben überband zu nehmen. 
Sid eine Bahn Öffnen, fih durch bie umgebenden, einfhließenden 
Dinge Bahn matıen, fie an ber Stelle wo man durchdringt von eins 
ander trennen, fo baf daſelbſt ein leerer Kaum entftchet. 

"Und vorfhügend bie Händ’ difnet er fihere Bohn. Voß. 
„Das beſcheldene Verdieuſt öffnet ſich den Antritt bei den Heben und 
ledrigen zugleih.“ @ellert. Ginem fein Herz Öffnen, ihm feine 


— Wedanken und Empfindungen entberfen, ihm dadurch gleichſam Blicke 
in fein Ders geftatten: „Kein einziger oͤffnete mix fein Herz.“. Duſſch. 
„Sein Herz oͤffnete ſich ber innigften Rührung“, Bürde (R.), d.h. 
wurbe dafür empfänglih, geſtattete berfeiben zu fih aleihfam Bus 
gang. Die Bovrathähäufer öffnen, von dem barin befindlichen Ges 
treide 20. jedem, der befien bebarf, verkaufen. Ein Feld, eine Wieſe, 
einen Walb öffnen, Griaubnig ertheilen, daß barauf ober barein bas 

Bieh zur Weide getrieben werden darf. „Welches Felb von Zungen: 

* den Öffnet nicht bios die gemeinfhaftliche Erziehung ibrer Kinder.« 
Gellert, Dana aud fir ‚offenbaren, entbeden, offen barlegen, 
d. b. verſtändlich, beutlih machen, wofür man gewöhnlicher eröffnen 
gebraucht. So offenet 90: bie rechtekeit. Baners Fabeln 6a. 

— ob er mir Rathſchluß oͤffnete. Boß. 
„Die Schrift oͤffnen⸗, Re auslegen, erklaͤren. Eur. 44, 45. . Ehe 
mahls in weiterer Bebeutung auch für beweifen, offenbaren und er: 
zaͤhlen, bekannt machen Überhaupt, Zuweilen aud wie eröffnen, 

' für anfangen, beginnen, „Dre Feind öffnete fein Feuer-auf unfere 

vorderſten Schiffe“ Allgem. Beitung. IM.) FR Ir ı 

“Das Jahrhundert ift in Oturm gefihieben, 

Und das neue Öffnet fih mit Mord. Shilter, ' 

So ſagen bie Kürber auf, bie Küͤpe oͤffnen, für, anfangen. aus el 
ner fertigen Küpe zu fürden. D. Offnen. D. —ung. 

Der Öffner, —s, 9. gl; die — inn, Dip. —em. 1) Eine Perſon, 
weiche etwas oͤſfnet. 2) Bei den Cribenmwebern iſt ber: Offner ein 

vgeober Kamm von knoͤchernen oder elfenbeinechen Bühnen, durch avel⸗ 
« hen bie Kettenfäben gezegen werben. Auch bei andern Mebern heißt 
der ‚Richfamm Dffner, im gemeinen Leben auch Afner, Affner. 

Die Öffnung, 9. —n. 1) Die Handlang da man etwas öffnet. 
Die Dffnung ber Thür, bes Mundes, einer Fiaſche, eines Briefes, 
ber Augen ıc. Ehemahls uneigentlih auch für Offenbarung, =) Der 
Bufland, be etwas offen if. Dffnung bes Lelbes haben, offenen 
Leib haben. S. Offen, Keine Dfinung haben, im keibe verſtopft 

fein; keinen Stuhlgang haben. 3) Des Ort, bie Stelle, wo ein 
Ding offen ober gebffnet, und ber freie Durchgang mögtigrifl. Im 
«ber Mauer eine Offnung laſſen. Cine Offnung in eine Blaſe mas 
den. Die Dffnungen am Körper. Die Dffnung einer JFlalche. 
DOffnung if der allgemeinfte Ausdruck, wo auf bie Geſtalt gar nicht 
Rüdfiht genommen wird, wie in ben meiften Fällen auch bri Loch, 
und wodurch er fih von Spalte, Ritz, Riß, Schlund ıc. unterfcheis 
bet. 4) Xx Das Öffnungeredt. Obertin, 

Das Öffnungdlehen, —s, 94. gl. im Lehneweſen, ein Lehen, wo 
der Lehnamaun bem PBehnäherren ein Schloß einräumen, unb auch 
wol ihn barin bewirthen muß. k 

Das Sffnungsrecht, — s, Bi. —e, bad Recht, nah welchem ei: 
nem Tehnsberren von beim Tehngmanne fein Schloß entweder zu allen 
Beiten ober auch mur in einigen Fällen geöffnet, d. h. freier Zugang 
in daſſelbe geftattet werben muß (lus aperturne). 

+ Der Öfling, —, 94. —t, der Maſenſtſch. ©, Naſe a). 

Dft, öfter, am Öfteften, bei Ambern, 3. ©. Klopſtock, am ofteften, 
adv, mehr als ein Mahl, ohne daß es gerade viele Mahl zu fein 
braucht. Mit Überredung richtet man oft mehr. aud als mit er 
walt, Wie oft ift er bier gemefen? Antw. Rur ein Mahl, Ih 
denke daran fo oft ich ihn febe. Im engerer Bedeutung, mit bem 
Mebenbegriffe der vlelfagen Aufeinauderfolge ober Wiederbolung in 
einem Feitraume, vwielmabtis. Ich habe bies ſchon oft geiehen, et⸗ 
führen m. So etmas geſchieht oft, koͤnmt oft vor, Sehr oft, gar 
oft, nicht oft. Mehr als au oft, Öfter ald man wuͤnſcht, ober als 
gut ift. X Unverhofft kommt oft! „Mic oft babe ih zu bir bin: 
gefeufzet!« Duſch. Oft unterfHeidet fih von häufig dadurch, daß 
dabri auf bie Verſchiedenhrit der Zeiten, in welchem etwas vorkoͤmmt 
ober gefchieht, grfehen wird, bei häufig aber auf die Menge ohne 
Rüdfiht auf bie Zeit, Es kann oft und babei doch wenig regnen, 
Freien; bagegen kaun aber auf einmahl Häufiger Negen ober Schnse 


r 


Offner 551 Ohlf 


fallen, Ehemahle wurde oft auch als Beilegungerdort gebraucht, 
als weiches es auch wol noch zuwellen vortämme, wo bann bas fets 
aende Öfter der zweite Grad- dann wäre, ©. Ofter. 


Öfter, adj. u. adv. am oͤfterſten, mehrmahlig, mebrmagts, aud wol 


vieimahdis in einem Beitraume erfolgenb. Dftere Verſuche machen. 
Auf Öftere Anfragen diene biemit gar Antwort, daß ıc. Zum öftern, 
oft, mehrmahls. Ich babe ihm ſchon öfter gefehen, ſchon oft. Am 
Öfterften, zum Öfterften, die meiſten Mahle. Diefes Wort kann 
alferbinge als: der höhere aber zweite Grad don oft, weiches ehe⸗ 
mapis auch als Beilegungswart üblich war, betrachtet werben, wo⸗ 
egen es Fein Grumb If, daß man tm hoͤchſten oder dritten Grade 
fterfte fagt, weiches bloß eine fpätere Form ift, ba bie frühere 
noch; gewöhntiche oftefte if. Jadeß 1ößt ſich auch annehmen, baß 


- Öfter ein eigned Beilegungewort wie hinter, nieder, ober, vorber ıc. 


fei, wo es aber doc) vielleicht ofter beifen müßte. In jedem Falle 
aber ſcheint es unthulich und wegen Häufung ber t hart au fein, 
von öfter einen neuen Strigerungsgrab.öfterer zu bilden, mir ihm 
Schller in folgender Stelle gebraucht hat: 
j Und in ber hohen „Häupter Spabn und Streit 

Sid unberufen vielgefhäftig bringen 

Bringt wenig Daunk und Öfterer Gefahr. 


Öfters, adv. von öfter, fo diel als oft, mehrmahls, mofür man aber 


-Aieber und beffer oft-fagt. Man ſpricht Öfterd etwas was man 
nicht verantworten kann. Wie öfter! beſſer, wie oft! 
Und: mie‘ öfters dlaht die hahe Dame: 
Nichts als ihr Name? Bahariä.- 


Dftmablig, adj...oft ober viele Maht feiend, geſchehe nd. Seine oft» 


mahligen Befuche fangen an läftig zu werben. Nach oftmahligen 
Wieberholungen gelang es. 


Oftmahls, adv. oft, viele Mahl, bei den Dichtern häufig, im gemeis 


nen Leben ungut aud oftmahlen und ſchlecht, öftermahls. „Er 
errettete fie oftmahld,= PIE. 106, 45. 
Vernunft, zu oftmahls ſtiaviſch, ergriff jegt bie Partei 
Der mähtigeen Begierden. Duff 
Ehemahls Jok oftemabhfen. 
‘ Die mid doch oftemalen +. 
Bri bir mit. Augen fahen. bi Klage B. 2202. 


Oh und Oha, .runb2D. , 
Der Oheim oder Ohm, x Ohm, —ed, M.—r. ») Die Vaters 


"aber ber Mutter Bruder (Oncle). 

Ein Mann, ben felbft ihr Ohm für wärbig hält, 

Selm teauter Freund zu fein — Bürbe 

Ic ſegne meinen Ohm. — Ediller. 
Chemahls bezeichnete bied Wort, nah Friſch, auch bes Bruders 
eber der-Schwefler Sohn, Neffe: So heitzt im Bremifhen des Zru 
bers ober ber Schweſter Kindincdh jeht Ohm, Dhiw.. Ehemabis 
nannten die Kaiſer auch die welttichen Kurfürfen und bie meiften 
Atfürflihen Oheim. Für des Vaters ober der Mutter Schweſter 
kömme die Oheime odee Ohme vor, weldes aber felten und ungr: 
woͤhnlich iſt. „Gin jeglicher muß feine Ohme nehmene, feine Muhme. 
Amos 6, 10. Ja Schwaben und ‚in ber Schweiz lautet. dies Wort 
a. Dhen, Diem, Diein. 2) Yok Der Ohm, ein Muͤnzer. 

riſch. 


O Oheimlich, adj.u.adv. dem Dbeim-gehörend, feinem Verhaͤltniſſe ans 


gemeſſen, in beimfelben gegruͤndet. „Mit aller Empfängticteit für ge⸗ 
fellige Freuden, bewachte fie den obeimlichen Käfig. KL. Schmidt. 


X Die Obeimfchaft, 84. —en. ı) Der Zuftand, das Werhältniß eis 


nes Dhelmes, ba man Oheim ift. =) + Die Berwandtſchaft, die Ber: 
wandten. Frifh. ©. Ohrim 1). 5) Die fämmtlihen Münzen, 
bie Ohmfchaft. Friſch⸗ &, Oheim >). 


Das Dh ıc., f-Dl x. 
+ Die Ohlkirſche, 9. —n, die Ahlllrſche Traubenkirſche (Pranns 


padus Li} 


Dir Dim, Era. Mi: Öbelm.:: nn om 
x. Die Ohm, —in, f Ahm. ! 
a. + Die Ohm, "on u. bie Spreu vom Betreibe, Kemnid. - 


Das C Shmblatt, —es, a. —blätter, ein Namerder Klette (A-cti- 
um lapp UL.) 

+ Dis Hhmden, — , 2. al. das Heimchen, die Hausgrille. 

Dhmen, v- trs. f. 2. Ahmen. 


+ Der Ehmen, —s, Mm. u. f. Ohmer >), u 
Dir Ohmer, —s 9. gl. 1) Eines der ohmet, ahmet. 3) + In 


Franken, ein Rame ber nackten — bimmelegerſte auch Dinkel⸗ 
gerſte (Hordeum coeleste. 


Ohmig, adj. u. adv. ſ. Ahmig. 
Das Shmkraut, — , 9. u. 1) Der Rome einer ſehr Meinen 
rauchen Pflanze auf troknen und magern Feldern, bie ein gutes 


Futter für Schafe abaiebt;! und ash in ver Heilkunſt gebraucht 
wirb ("phanes ervensis LT); auch Aderfinau, Frauenmaͤntel· 
cher, Marienmaͤntelchen, Jungfernkamm, kleiner Nadelterbel, 
Nadetwoͤhre, Meines Nadelkraut, Leine Steinbreh  Englifher 
Steindrech. 2) Das gemeine Kreuzkraut. S. b. 
axis U); auch Kreuzwurz, Grindwurz, gemeine Rreusvilanze, 
Keltentrant, Würgkraut, Vogelfraut, Speitraut, Gotdkraut 1. 
3) Der gemeine Sinau (Alchemilla vulgaris L.). 

+ Du3 Ohnblatt, —es, 9. u. eine Schmaroterpflanze, der Baum 
wurzelſauger. 

Ohne, ein Wort, welches mit dem bierten Falle gefüge wird und 1) 
ein Risktdafein, eine Abweſenhelt, einen Mangel bezeichnet; in Ber 
genfag von mit. Ach, ohme dich kann ich nicht Iebeht Er glaubt 
ohne ihn könnte es nicht aefhchen, d.h. wenn er nicht ka wäre, 
nicht bütfe. Seſenders mit Grundwörteen, bie etwas Allgemeines 
ober eine aanıe Gattung bereiänen, mo bas Drutemort wegdleibe. 
Sein Sie ohne Sorge. Er iſt ohne Rettung verloren, er kann 
nicht gerettet werden. Ohne Rath und ohne Bülfe ſein. Die Kin 
der ohne Aufficht laſſen. Ohne Umfändei: machen Die keine Um— 
fände! Das ift ohne Fehler, ohne Zabel. Ohne Scham un) Shen 
reben. Ohne Hut und Stod geben. „Ih babe che bein Wiſſen 
die Mufit beſtelt.“ Gettert. Dbne unterlaß arbeiten, fo dag 
man nicht enfüöret, nicht inne hatt, Ohne Ente, endlos, unends 
tich. Ohne Anſehen der Perfon, ohne uttterſchiah bes Standes, 


Shne Smweifer, "fo day niche daram zu zmeifein if. Ohne Sqerz, 
ohne Spaß, es ift fein Scherz, fein Spaß. Dthme u: zu mel: 
den, ohne mid rühmen zu wollen. Bergl. Eonder. Nicht ohne 


ae bient oft etwas mit mehr Nachdruck und Wohlktang zu bejaden, für 
mit. Ich fheibe' von dir wicht ohne Beſorgniß. Ih konnte es 
nicht ohne viete Müde erlangen, Der Begriff bes chne wird durch 
Hinzufügung der Mörter alle und einige verftärkt. Ohne ale 
Gnade und Barmherztgkelt. Ohne allen Troſt. Ohne einigen 
Berzug, ehne den’ geringflem Serzug, Togteih: Oft wird es auch 
als ein Minbewort grbrandt, mo gemwöhntich daß baranf oter das 
Kuelsgemert in ber unbeftimmten Form felgt. Er kam chne dab 
er gertfen war, auch, ohne gerufen zu fein, Ex befigt es, ohne 
daß re es gebraucht, ober, ohne es zu gebrauden.: „Kann du 
dig einen Engel nennen hören, ohne zu ereothen ’ Duft, Auch 
fängt man dann bäuflg bie Mede damit an, Ohne ein Wort zu fa 
‚Ohne mir einen Grund des Abſcheues anzu—⸗ 


gen, ging er davon. al 
schen, verwirfft da einen wärhigen Wann. Weife. X Ohne 
weiterd, wofur man aud wol ohne fernerd findet, ohne weitere 
Umfänte ıc,, nerabehin. Gr mies ihn obne weiters ab, Zumeilen 


Khtirft dies ohne eine Webingung ein. Man kann ohne eine @ashe 
zu verliehen, dardber nicht richtig uetheilen. Dee Freund kann 
nit Preund fein, ohne ſich mit mir zur Tugend zu vereinigen, 
Bette rt. 2) Eine Ausſchließung. Zwanzig Männer und Frauen, 
okne bie Kinter: Man bat bio bie Ältern zur Heiseit, ehne die 
Kinder, Wie auch, eine Kusfhliepung des Finfluffes anders Dingg. 


— — 


(Senecio vul · 


Ohne 


Ohne feine Tran darf er wichta Khan side Br o hned ihr Biſen Ehre 
ihren Willen, „Sie werben bie Pfüchten ber Menſchlichkeit obne 
mich wiſſen. Gellert. nr wird ber veröbeten Raturıeinen 
Glanz geben, ben die bluͤhende ohne ihn nicht hatee Weiße. M 
fol ohne dies gefheben, ohne daß bicfes erſt mitwirkt. „Mein Ge: 
liebter wird. ſich ohne dies mod nicht zur Ehe entſchließen.“ Gef: 
lert. ‚Dafür fagt man oxch ‚ohnehin. Ohne dies hat zuwel⸗ 
Ion auch bie Bedeutung ven Über Died. „Ic habe heute ohne 
bied eine angenehme Nachricht von Bofe erkalen.- ellert.. Bft 
bezeichnet ohne auch eine Ausnahme, aufer, ausgenommnen: eine 
‚ueraltete Debeutung, I 
Das rietben ihm die Beften, bie er barunter fand, 
Ohne Hagen alleine; db. Ribelungen 8, 5359. 
⸗Es war nichts in ber Lade, ohne bie gwei Tafeln.“ Dech war der 
letzte ohne einem (einen) Meißner (R.). »Ss iſt kin Erbe 
ohne du und: ich”, als bu und ich, aufier bir und mir: ut be4 4. 
⸗Kein Gott iſt ohne ice, als ich, außer min: Eſ. 45:5. 5) + ER 
iſt nicht ohne, es iſt nicht ohne Grunb, #6 iſt nicht gu leugnen, es 
iſt etwas deran, d. b. 04 iſt wahr, „Ih ließ eh nämlich: ſchen lange 
in einer öffentligen Redeübung feſtſtelen, baf ber Aufere Anſtand 
nice ganz ohne freie, daß wol etwas Daran, daß er nicht üderfläls 
fig fü. 3.9, Richter, 

Es iſt nicht ohn', wer recht tönt wird gehhaßt. Opip. * 

Da will ich euch dienen! Es iſt nicht ganz ohne. Schiller, 
Ride felten wird ‚ohne im der zweiten Bedeutung mit bem- brittei 
Balle geflgt, was aber udrichtig ift, wenn es auch in unſern befs 
fern Schriftſtelern borkömme end von einigen, — vels 
Hentfchel und Achtager geſtattet wird, 

Der Herr ſchickt freie Mu, 

Dem, ben er liebt, ohn Ängften ze. Opin 
»Sie zweifelt ohnedem feor an ker Aufrichtigkeit meiner Zusenb,* 
Gellert. Im O. D. wo dieſes Mort auch an, une fauter, iR es 
nicht ungermdbntich daſſelbe hinter das, Grundwott, welches dann dam 
zweiten Kalle fchet, zu feden. ' “ 

Des Koͤniges kam er ohne, — — db. Nibelungen &.W.sı7e, 
db. b. er Sam ohne den König Walſches one» Kriſtan von 
Hamle. In bem Kundrucke Ameifels ohne oͤmmt biefer Gebrauch 
noch aumeilen vor, Eben baselbft -bekimmt es in Berbindung mit 
anteın Wörtern, befonters ben Wortern fein und werden nod) die 
Bebeutung einer Veraubung, eines Verluſtes. 

Alles Gute obne — d. Ribelungen 8, B. 8729. 
db. b. alles Gutes, entbiößt, beraubt. Eintr Soche ohne werden, 
ſowol fie les werben, ats auch fe verlieren. Weil le dot un⸗ 
fer kebelang der Sünden nicht aar ohne find,“ Luther. - Seine 
Wagarten ohne werden, fie los werben Tabfenen. Diele Bedeutung 

ſindet auch in dem Werte anwerden Statt, weiches für iod werden, 
shbringen ncbrauht wird, „A le tkm, berouben. 

Mid) hat der irivige Bagen meines Gutes ohne getban. 

‘ d. Ribztungene. ®. 5048. 
Am DO. D. werden mit ohne aud mehrere Wörter verfhiebener Art 
st immengeieht, welde aber anterwärts wenig ober gar nicht ges 
bräuchtih find. 3. B. ohnermangeln, nicht ermangeln ;;. ohnder⸗ 
halten, nicht verbeiten, verſchweigen; ohngleich, ohndenklich, ohn⸗ 
entgeltlich, ohnverfaͤnglich, ohnweigerlich, ohnmaßgeblich, ohn⸗ 
wiſſend, ohnerachtet ic. ohnfern, ohnlaͤngſt, ohnſcwer je. wofle 
meiſt dieſelben Wörter mit um sufanımenaefept, wie ungleich, un: 
denklich, unentgeltlich ic. gemöhntih ind, Dod kann man, wer 
nigſtens nicht von allen dieſen Wörtern behaupten, daß fie nur D. 
D. Form und beſſer mir ben mie wm zuſammengeſetzten zu vertau⸗ 
ſchen wären, denn mehrere mit ohn⸗ und uns zuſammengeſetzte laſ 
‚fen ſich dem Sinne nach unterfſche iben. Ohnmacht 3. B. zeigt eine 
Abmelenbeit ber Macht am in dem gegenwaͤrtigen Augenblicke, Uns 
macht druckt aber einen goͤnzlichen Mangel ber Kraft aus. War 





Dhnd 


geht ohnhefchmert, ohne Beſchwerde, unbeſchwert aber, wenn man 
gar nit beſchwert if, gar nichts trägt. Es iſt ohngefähr vier 
Meiten weit, ohne Gefahr kann man vier Meilen bis bin annchs 
men, eher mehr als meniger.- Es find ungefähr 8 Stuck, gegen 8 
Stüd. Doch moͤchten dergleichen Unterfhiebe nur bei wenigen Bu: 
fammenfegungen dieſer Art zu mahen fein. S. Beiträge ur 
weitern Ausb. ber Deutfhen &pr. 5. St. ©. ı76f. 

5 Ohndenklich, f. Ohne, au Ende, und Undenklich. 

& Obnebem, Ohnehin, f. Ohne. 

X Der Ohnegott, —eb, 9}. u, ſ. Ohngoͤtter. 

X Dad Ohnehaupt, —es, Ey. —e, etwas bad fein Haupt hat; 
eigentlih und uneigentiih, Stieler j 

OX Der Ohnehoſe, —n, u. —n, einer der Feine Hofen ober 
auch nur feine ganze Hofen an bat (Sansceulotte). &, Barſchenkler. 

Der Ohnekopf, —es, By. —koͤpfe, ein Ding das ohne Kopf if, 
feinen Kopf bat. 

— Bom Fruermann und Ohnelopf. Hölty. 
Uneigentlich einer der keinen Kopf, d. d, keinen Berſtand hat. 
* %* Ohnen, v. trs. ohne mahen, beraußen. Bid) einer Sache oh⸗ 
nen, ſich berfelben berauben; fie entbehren müffen. 
Wer wolt fi fie denn onen. bei Oberlin. 
Wohl Hätt ich noch viel gerne 
Manchen, deß Ih mich ohnen muß. d. Klage 8. 2657. 
D. Obnen. 

5 Obnentgeltlih , Ohnerachtet, Obnermangeln, ſ. Ohne. 

Obneforge, o. Umend. ı. 9%. von Sorge ober Sorgen befreiet. Hans 
Obneforge, ein Menſch, ber keine Sorgen hat, der fi über niäte 
Sorge made, 

— — man bat mid im Spott nur i 

Hans Ohnforge genannt, und mid von Haufe vertrieben, Göthe. 
Auch ein Det, wo man ohne Sorge leben Tann oder leben will, wirb 
genannt ober fann genannt werben Ohneforge (Sans-souei ). 

& Obnfern, adv. nicht fern, unfern, 

Ohnfern hoͤhlet fie nun in das Band 
Zwo Gruben ber Eühnung. Vos. 

Ohngeachtet, Ohngefaͤhr, Ohngleich ıc. ſ. Ohne und Ungeachtet ze. 

Der Dhngoͤtter, —s, 4. al. einer ber ohne einen Gott zu glauben 
lebt, ber feinen Gott glaubt, Gottedläugner (Atheist), Stieler 
bat dafür der Ohnegott. 

Die Obngötterei, o. 34. der Zuftand, da man ohme einen Bott zu 
glauben lebt, ber Mangel bus Glaubens an Gott (Atheisterei). 
Gerufalem. 

O Ohngoͤttiſch, adj. u. adr. ohne einen Bott zu glauben lebend, 


an Leinen Gott glaubend, „Ohngöttifche Völker“, Allg. Deuts“ 


fhe Bibiioth. 

*Ohnig, adj. u. adv. frei, befreit; „fie follen aller folder un 
pflihten ohnig ſeyn· bei Oberlin. Dann audi, entbehrend, 
beraubt. Haltaus. 

KxOhnigen, v. tes. ohne machen, befreien, berauben. Stieler. 
D. Shnigen. S. Entohnigen. 

Ohnlaͤngſt, f. Uniänaft. - 

Die Ohnmaht, 4. —en. 1) Abweſenheit, Mangel der Macht 

oder Kraft; obme Mehrzahl. Die Ohnmacht feiner Feinde läßt ibn 

zubig leben. Die Ohnmacht eines Staates. - S. Ohne zu Ente, 

2) In engerer Bedeutung, derjenige Zuſtand bes Menfhen, ba er 

auf einige Zeit Kraft und Bewußtfein gänzlich verliert und einem 

Zobten gleiht, In Ohnmacht fallen, liegen. Bon einer Ohn— 


macht befallen werben. Xus einer Vhnmacht im bie andere fallen, , 


aus einer Ohnmacht wicher zu fih kommen und fopleich wieder in 

Ohnmacht fallen. Im O. D. fagt man dafür aud die Unkraͤften. 

Ohnmaͤchtig, —er, —ſte, adj. u. adr. ı) Ohne Macht, keine 

Macht, Kraft. habend, Eraftioe, Ein ohnmaͤchtiger Feind, Staat. 

„Gin ohnmaͤchtiger Göge.» Bar. 6, 58. - 2) Im engeser Beben: 
GCampe's Woͤrterb. 3. Ip. 


553 


Ohr 


tung, von einer Ohnmacht befallen, auf einige Zeit bie Kräfte und 
bes Bewußtſeins vdtlig beraubt; M. D, anmächtig, amaͤchtiq. 
—— werden, in Ohnmacht fallen. Ohnmaͤchtig ſein, in 
nmacht liegen. Im dieſer zweiten Bedeutung fi x 
— Area F} 9 findet bie Steige: 
Die Ohnmächtigkeit, 0. Wy. der Zuſtand, da man chnmädhtig ift, 
in ber erften Bedeutung dieſes Wortes, und verfhichen von Ohne 
ung * —— ba hingegen bie Ohnmaͤchtgkeit blet⸗ 
n » #Die gepriefene Güte iſt meiften 
maͤchti gkeit.· * Se 
Die Ohnmachtsfeier, 4. u. f. Maria. 
Obnmaßgeblih, Obnmöglich ıc. f. Unmaßgeblich ır. 
Obnnervig, adj. v. adv, dhne Nerven, feine Rerven dabend. Ohn ; 
necvig beißt ein Blatt, wenn es keine Nerven ober Kippen hat 
(snerve); rippentot. 2 
Obnparteiifch ıc. ſUnpatteiiſch ıc. ‘ 
Ohnfchattig, adj. u. adv, ohne Schatten, Feinen Schatten werfend. 
In ber Erdiefhreisung nennt-man Ohnſchattige, ober ohnſchattige 
Voͤller folhe, bie zwiſchen ben Wendekreifen wohnen, weil fie zu 
der Zeit, wenn bie Sonne gerade über ihren Bäuptern ftchet, Leis 
nen Sqhatten neben fi, ſendern auf ſich ſelbſt ober unter ſich wer⸗ 
fen (Aseii). Büfhing gebraudte baflr Unſchattige. S. Unſchattig. 
Der Ohnſchwanz, —e, My. — ſchwaͤnze, überhaupt, ein Thier 
ohne Schwanz; befonders, ein Rame des Straustaftard. &, d. 
roObnfhwer, adj. u. adv. ohne Beſchwer, Schwicrigkeit; verſchieden 
— — — ſchwer, Keine Schwere habend bedeutet, 
” ne, zu Ende. an findet inbeß auch un i 
tend mit jenem gebraucht, — — 
Auch dies noch, wenn ihr wollet geneigen, 
Bitt ich mir unſchwer anzuzeigen. G. 
® Obnfinnig, adj. u. adv. ohne Einn, bes Sinnes ermangeind; 
weniger ald unjianig. „Dbnfinnige Ausbrüdes €, 
Ohnverfaͤnglich, Ohnverhalten x. f. Ohne und Unverfaͤnglich ıc. 
+ Der Ohnvogel, —6, 94. —voöͤgel im D.D. die Rropfgans aber 
ber Vielfraß (Pelecanıs onacrotalus L.}. 
Oho, aud Hohe! ein Ausruf, deffen man fih wie Oha bebient, eim 
Stiuftehen, Innehalten anzubeuten, beſonders wenn man bie Rebe 
- eines Audern unterbricht und ihr widerfprehen will. Dbo, fo arg 
iſt es nicht. Ohol daraus made ich mir nichts. Auwellen brudt 
es auch ein ſpoͤttiſches veraͤchtliches Lachen aus, wo bemfelben ges 
woͤhnlich noch ein b vorgefept wird, Hoho! 
Das Ohr, —ıt, By. —en; Win. das hrchen, D. D, — Uin, 
das Werkzeug bes Gehoͤres bei Menſchen und Zbieren, welches aus 
äußeren am Kopfe hervorragenden und ans innern in der Söhlung 
des Kopfes befindlichen Theilen beſtehet. Das Aufiere Ohr bes Men: 
fhen (Auris extern) wird von einem Anorpel gebilbet, den man 
in ben großen und Meinen Obrenkuorpet theilt, und hat eine eiförs 
mige Munbung; bas innere Ohr (Auris interna) fängt mit dem 
Gebörgange am, unb enthält mehrere feine Theile, bie Paule, die 
Sänede, ben Zrichter, ben Gammer, den Amboß, den Eteigbügel ıc, 
Große, Kleine, lange, kurze Ohren haben. Ginen beim Ohrt zu: 
pfen. Die Ohren Elingen, fagt man, wenn man einen vorüberge: 
Genden eintönigen Alang im Obre vernimmt; hat ein folches Zönen 
mede önlihleit mit einem Saufen oder Braufen, fo fagt man bie 
Ohren faufen oder braufen. Gin Geihrei, daß die Odren danon 
gelen, daß man den Anftop der bewegten Euft im Ohre wirklich 
fühlt. Die Ohren jäden, bei einem Reize oder Nigel im Obre mit 
bem Finger ober einem MWerkjeuge darin jüden. Bei den Zagern 
heißen die Ohren kLuſet, Loͤſel, Luchſer, die Ohren der Hafen koͤf⸗ 
ſel und die der Hunde auch Gehaͤnge. Im der Diebeſpraͤche nennt 
man das Ohr den Leieling. Mit Ohr werben wie mit ben meiften 
vorzuͤglichen Koͤrpertheilen viele uneigentlihe und dilblihe Mebdendar: 
ten gebildet, bie aber meift nur im gemeinen Leben üblich Mad. Ei: 


70 


Dhr 


554 


2: 


Ohr 





nem hinter ober an die Ohren ſchtagen, ihm eine Ohtfeige, einen 
Backenſtreich, eine Mautjhelle geben. Ginem bie Haut ober das 
Keil über die Ohren zichen, rigentiich, ihm die Haut ganz’ abziehen, 
unsigentlih, ihn for um Alles das Seinige bringen duch große 
Bebrüdung ıc. Ginen beim Ohte, ober bei den Ohren nepmen 
oder kriegen, ihn feſt halten, ia Berhaft nehmen. Bis über die 
Ohren ins Waffer ıc, fallen, ganz und gar, fo daß das Waſſer ar, 
ganz ober beinahe über den Kopf gehet. Bis über die Obren in 
Schutden, im Eiend leiten, im hödıten Grade verſchuldet fein, im 
tiefften oder größten Eiende fein. Es hinter ben Ohren kaben, ben 
Schalk Hinter den Ohren haben, kläger, Liftiger, ſchalthafter ıc. 
fein, als man zu fein fheint; wofür man um einen hohen Grad 
auszibruden auch fagt: er bat es fauftdie hinter den Ohren. Die 
Dbren bangen laffen, muthles, zaghaft ſein. Mod nicht troden 
hinter den Ohren fein, noch ganz jung und unerfahren fein; vers 
ähtlih von zinem jungen befonders mafeweifen Menfhen. Den 
Kopf zwiſchen die Ohren nehmen unb bavengeben, Mid in aller Eil 
fortmahen. Sich auf das Dhr legen, ſich fihlafen legen. Sid 
Binter ben Ohren Eragen, in Verlegenheit fein, fih nicht zu helfen 
wiſſen, weil dies eine in folhen Faͤlen fehr gewöhnliche Geberde iſt. 
Sich etwas hinter die Dhren fhreiben, fid etwas, brfonders eine 
Beleidigung gut merken, um ſich bei redter Gelegenheit beffen zu 
erinnern. & Bu feinen Obren fehen, ſich verichen, in Acht nehmen, 

Doch Rache hab’ ich Ihm geihworen, 

Du follft mie zahlen fürihn. Da, ſieh zubeinen Ohren. ®ielanb. 
Mehrere Rebensarten beziehen ſich auf Ohr befonderd, ſefern es 
das Werkzeug des Gehoͤres iſt. Die Obren fpigen, auf etwas ge: 
nau hören, weil die Hunde, Pferde ic. wenn fie aufmerkfam auf 
etwas hören, bie Ohren in die Höhe richten, 

Er wird bie Ohren ſpihen, 
Wenn er erführt, was unfre Abfiht if. Mielanb. 

Die Ohren aufthun, mit Aufmerkfjamkeit hören. Dide, Harte Dhr 
ten haben, nicht börem ober nicht hören wollen. Keine Ohren zu 
etwas haben, bavon nichts hören wollen. Auf dem Ohre böre ich 
nicht wohl, fagt man, wenn man von eines Sache, bie ein Andrer 

‚ fast, nichts wilfen wid, fie nicht thun will ıc. Bohnen in ben 
Ohren haben, & auf ben Ohren figen, im R. D. & auf den Ohren ge: 
ben, niht diren was gefagt wirb, ober es nicht hören wollen. Seine 
Dhren vor jemand verflopfen, ihn nit kören wollen. Etwas zu 
einem Ohre binein und zum andern wieder binauslaffen, es ohne 
Aufmerkſamkeft, ohne baranf au achten, ohne ſich danach au zichten, 
hören. Dänne Ohren haben, ein leiſes Gehör. Die Ohren juden 
iym, er möchte gern etwas Neues hören. Ginem die Dhren Figeln, 
ihm Reulgteiten oder was er green hört fügen. Ginem die Ohren 
mit etivas reiben, es ibm beftändig vorwerfen. Jemanden die Ob 
ren voll ſchreien, ihm durch fein Geſchrei läflig werden. Ginem ber 
flindig in den Oberen liegen, ibm beftindig von berfelben Sache 
Borreben, ibn dazu zu überreden oder fie von ihm zu erlangen. Ei— 


nem die Ohren warn madien, ihm mit feinen Reben und Üiberrer - 


dungen fällig fallen. Ginem etwas in das Ohr fegen, ober einen 
Elch ins Ohr fegen, ihn durch etwas, was man ibm fagt, buch eine 
Radıriht x. Unruhe verurfahen.. (Finem.etwas ind Ohr blafen, 
zu Ohren tragen, ihm heimlich etwas. ſagen, heimlich eine Nadı 
richt geben, befonders zum Nachtheil eines Dritten. Ohne biefen 
Mebenbegriff verficht man unter: einem etwas ind Ohr blafen auch 
aur, ihm ind Ohr jagen, d. h. ibm beimlich fagen, einhelfen. &s 
iſt mie zu Ohren gelommen, zu Ühren gebradht worden, man hat 
mir es gefagt, berichtet, ich babe es ecſahren. Tauben Ohren predigen, 
ſolche Menfchen, bie nicht hören mollen, ermahnen, ihnen ratben ıc, 
Und fein verbietet Ohr ift taub def unſerm Flehhen. Schlegel. 
Ein offenes Ohr finden, geneigtrs Gehoͤr. Bein Ohr zu jemund 
neigen, auf das was er fagt, auf fein Werlangen hören, oft mit 
dem Kebenbegriffe der Aufmerkſamkeit und der Geneigtheit, das 


Berlangte zu gewähren. " Im ber Bibel kommen auch bie fonft un: 
gewoͤhnlichen Kusbrüde, zu Ohren nehmen, zu Ohren faſſen vor, 
und vom Gegentheile, fein Ohr von jemand wenten ac. Id bin 

‚gang Ohr, ih Höre aufmerkſam zu. „Es war eine Zeit, da ihr Na: 
me die Wolluft meines Ohres ware, ba ich ihren Namen mit-Wol: 
luft nennen hörte, Brawe. Sein Ohr um Matt fragen, auf ben 
Eindruck, ber etwas aufs Gehör macht, Müdfiht nehmen, 3. B. bei 
Beurtheilung eines Zonftädes. Zuweillen bezelchnet Ohr aud eine 
Perfon ſelbſt in Hinfihe des Gehören, £ 

Die geößte Plage kluger Ohren. Getlert, 

In weiterer und uneigentlichee Bedeutung führen ben Mamen Obs 
ven verfhiebene hervorragende Dinge, +) Im ber Schalthierlehre, 
(1) bie Ede ober ber Auſatz am Schloſſe einer Schnete (Aurioula), 
Ittiger. (2) Das Ohr der Diana, eine Art Flügelfhneden in 
den Meeren von Afien (Strombus auris Dianae L.); bas Dianen= 
ohr, der Dianenflägel, der dickſchalige Fechter oder Meifer, der 
Kampfhahn, das Eſelsohr. (3) Das rauhe Ohr, eine Art Etas 
chelſchntaen, auch bas krumme Maul genannt, S. Maul. 2) In 
der Pflangenlehre heißen Ohrchen bie Afterbläfter oder bie Heinen 
Blätthen, welche unter ben Blättern bei ber Gattung Jungerman- 
nia (legen (Aurienlae). Sitlibenom. 3) Bei ben Webern heißen 
Ihren die Theile am beiben Seiten reines Weberſtuhles, welde ben 
Kettenbaum halten, wie aud bie Hölzer, auf welchen bie Sigbank 
bes Webers ruht. 4) Im ber Sanbwirthfchafe werben zwei laͤngit⸗ 
Ge krumme Hölzer an einem Hakenpfluge, weiche unten am Dflug- 
haupte befeftiget find und bie Spillewetter In ber Mitte haben, Ohr 
sen genannt, Auch nennen Einige bas Etrihbrett eines Pfluges 
bas Ohr. 5) Bei ben Wagnern beigen Ohren die frummen Wis 
berhalen an der Buͤchſe eins Mades oder denjenigeh Ringen, bie 
inwenbig in das Rab gefchlagen werben, . melde man in das Holz 
treibt. 5) Die umgebogene Spike des Blattes eines Buches nennt 
man ebenfalls ein Ohr, Eſelsohr. 7) In der, Schiffahrt werben 
bie beiden Spisen ber Ankerflägel zuweilen Ohren deö Ankers ger 
nannte. 3) Im Geſchützweſen find die Ohren einer Kanone bie 
Zapfen derſelben. 9) In ber Baukunſt ift das Oht ein Feines 
Gewölbe in und an einem geöfern, wenn 4. B.- bie Fenſter und 
Shüsen in einem Gewoͤlbe von neuen übermwöibt werben, um bie 
buch die Öffnung aefhwächte Mauer zu verſtaͤrkenz das Ohrges. 
woͤlbe. Im Ehifbaue heißt das Ohr der über: ober ausgebauete 
Zheit eines Schiffes. Ein ſolches oben uͤbergebauetes Schiff heißt ein 
überd Obr gebauctes. In andern Fällen, wenn von vertieften Dins 
gen bie Rebe ift, gebraucht man Ohr, welches mit Ohr nahe vers 
wandt il. S. Ohr, = 

Das Ohr, — es, 3%. —e; Bo. das Öhrchen, ©. D. —lein, ein 
ort, womit man gewiſſe runde oder rundliche Sffnungen bejrichnet, 
Das Ohr einer Naͤhnadel, Schnürnabel rc. das Loch im breiten Ende 
derfelben, durch welches der Anden :. arficht wird; das Nabelohr, 
Das Ohr eines Stranges, Strickes; bas Ohrchen an reiner aufgezo— 
genen oder -aufzusichenden Klavierfaite. So wird aud bie Bands 
habe oder ber Henkel an Beihirren ein Obr genannt. Sprichw. 
Kieine Töpfe haben auch Öbre; Heine Töpfe Haben Meine Ohre. 
An ben Münzen ift das Ohr ein Feiner am Rande berfelben befe⸗ 
fligter Ring, fie vermittelft deſſelben an einem Bande am Balfe zu 
tragen. An den Knöpfen find bie Ohre bie unten an denſelben 
angelötheten Ringe, vermittelft welcher fie an Kleldungs ſtuͤcke gend 
het werben, auch Ohſe. Das Ohr einer Senſe, ber rund zuſam⸗ 
mengefhmiebete Thell derfelben, in welchem bie Stange ober ber 
Griff ber Senſe fire. Beſonders nennt man Ohr einen rund zus 
fammengebosenen Draht, beffen unzeträmmte Enden anprnäbet 
werden, unb welder bient, einen Dalen yon Drabt aufjunchmen 
und mittelft deſſelden etwas, brfonders ein Kleidungt ſtuͤc au befeſti⸗ 
gen; im N. D. Ohſe, verkleint Obfelen, Osken. Beides zufam: . 
men heißt Heftel. ©, b. 


* 


Ohrb 


+ Der Ohrbacken, —, M. sl. nah Frifch ein Kiefer von einem 
Schweine mit bem darun beſindlichen Flelſche. 

X Die Ohrbammel, 9. —n, ſ. Ohrgehenk. 

Das Ohrband, f. Setband. . 

Die Ohrbatiche, 8. —n, im N. D. bie Ohrfeige. 

OX Ohrbeichten, v. fra. in das Obr beihten, ingeheim vertrauen. 


Einmahl, bas muß ih bir obrbeichten, kam mir der Alerander in , 


den Mund. Bipper. D. Obrbeichten. 

Das Obrblatt, —es, By. —biätter, ſ. Ohrbock. 

Die Ohrblutader, 84. —n, in der Zergliederuagskunſt, Blutadern, 
welche bas Blut von ben Obren zurädfähren und fi in bie hintere 

 Gefihtshlutaber ergießen (Vense anrieulares), Man unterfheibet 
bie vorbere, hintere und obere Ohrblutader. 

Der Ohrbock, —ıs, Bi. —böde, in der Zergliederungskunſt, ein 
Theil bes Außern Ohres (Trogus); bei Andern die vordere Ohrecke, 
bei Nemnich Obhrbiatt, und zwar bas vordere Ohrblatt; zum 
Unterfchiebe vom hintern Ohrblatte, ober bem Gegenbocke. ©. 
+ Bock. Nadı Ab. verficht man berunter in manden Gegenden 
ein Gefhwär hinter dem Ohre; Ohrenbock, Ohrdruͤſe, Ohrenbeufr, 
Ohrweizel, Ohtenmuͤtel. 

+ Der Ohrbohrer, —s, Mh. gl. ſ. Ohrwurm. 

Der Ohrbolzen, —s, 3%. al. im Schiffbaue, Bolzen, beren Kopf 
fi in einen Haken endiget, unter weihem ein Ring befinblih iſt; 
auch Ohreiien, Bodsohren, Bodshörner. 

Die Obrbudel, Ba. —n, f. Obrgehänge. BB: 

Die Oprchenfalbei, 0.32%. eine Art ber Salbei (Salvia anriculata), 
Nemnid. j $ 

Die Ohrdruͤſe, 34. —n, in der Berglieberungskunft, bie größte ber 
BSpeiheldräfen, welche zwiſchen bem Afte bes Unterkiefers und dem 
Bigenfortfage des Schläfenbeines, meift unter dem äußern Obere 
liegt (Parotis). 

Die Ohrdruͤſenblutader, By. —n, in Ber Berglieberungstunft, cine 
Blutader, welche fih in bie hintere Gefidtsblutaber ergieht (Vena 
parotidis). - 

Der Obrbrüfengang, —es, 34. —sänge, in ber Berglieberungskunft, 
ein Bang, welcher quer über ben Kaumuskel burh ben Badenmusd: 
tel gebt und fih neben bem erften Backenzahne des Vberkiefers an 
der innern Backenflaͤche öffnet (Ductus Stenomianus). 

+ Die Ohre oder Öhre, 94. —n, der Ahorn. 

Die Obrede, 24. —n, in ber Bergliederungsfunft, die Benennung 
einiger Aheile am Jafern Ohre. Die hintere Ohrecke iſt bas Ende 
der nad unten gefrümmten Innern Obrenteifte (Autitragus} bei Anz 
bern ber Gegenback. Die vordere Ohrecke liegt jener nad vorn 
gegenÄäber (Tragus), bei Anbern ber Bod, Ohrbod. 

Das Ohreiſen, —s, 9%. ot. ſ. Obrbotzen. 
bren, v. tes, 1) Mit Dhren verfehen. Fin fhön geoͤhrtes Pferd, 
bas fhöne Ohren hat. So au in ben Aufammenfegungen, lang: 
geoͤhrt x. 2) Mit einem Bhre verfehen. ine Rähnatel Öhren. 

Ein Gelbftärd, einen Knopf ic. Öhren. D. Ohren. D. —ung. 

Der Ohrenausſchnitt, —es, Mi. —r, in ber Bergtiederungstunft, 

ein Ausſchnitt zwiſchen ben beiden Ohrenecken (Ineisura auris). 

Das Obrenband, —es, Dy. —bänder, in der Zergliederungskunſt, 
Bänber in der Begenb bed Obred. Das vordere Ohrendand geht 
vom Ichfortfane bes Schläfenbeines zum vorbern Theile des großen 

. unb Beinen Obrenfnorpeld (Ligamentum aurienulae anterius); 
bas hintere geht vom Bibentheile des Sctäfenbeines hinten zum 
Knprpeltheile bes Gehörganges (Ligam. auriculae posterius). 

Die Obrenbeihte, 4. uw. diejenige Beihte, da man einzeln bem 
Beichtvater feine Weigte ins Ohr b. b. ohne daß es Andere hören, 
fegt; in Gegenſat ber allgemeinen Beichte, ba der Prediger eine 
allgemeine Beihtformel als im Ramen aller Beichtenden abliefet, 
und darauf die Losiprechung ertheilet. Da der Beldtiger nur Ein 
Ohr barseiht, fo wuͤrde man beffer Ohrbeichte ſagen. „Man ficht, 


655 


Ohre 


daß die Ohrbeichte denn doch auch ihren Nuten haben kann F. 

Der Obrenbläfer, —s, 94. gi.z die —inn, WM. en; eine Pre 
‘fon, weiche einer andern etwas ins Ohr biäfet, d. b. ihr allerlei 
Nachrichten ober Dinge von Andern end zum Nachtheil Anderer 
beinalich mittheiler, ihm ſchlechten Rath ertheilet 1c.; zumeilen auch 
Obrenträger, der etwas zu ben Ohren des Antern trägt. „Sei 
night ein Ohrenbtäfer.r Sir, 8,16. Nicht auf Ohrenbiäfer bören, 

X Die Obrenbläferei, 94. —en. 1) Die Handlung, ba man Nas 
bern allerlei ind Ohr biäfetz ohne Mehrzahl. S. Ohrenbläfer und 
Ohr. „Düftse Ohrenblaͤſetei freute nicht mehr Ihe @ift in Freude 
und Frieben.“ Benzel: Bternau. 2) Etwas was man einem 
Ändern ins Obr bfäfet. 

Der Obrenbod; f. Ohrbod, 

Das Ohrenbraufen, —$, 0. 24. das Braufen in den Ohren, wel— 
es einen vor bad Ohr gefallenen Fluß zum Grunde hat; dat Dh: 
tenfüufen, und wenn es mehr Ähnlichteit mit einem Klingen bat, 
bas Obrenflingen, Klingen ber Ohren, Obrenläuten, Laͤuten in 
ben ©bren. \ 

Der Obrendedel, —e, 9. gt. an ben Ohren bee Thiere, ber ih: 
nere Theil bes Dres, welden ber worbere nach’ ober verlängerte 
Ohrknochen bildet, und ber gleichſam ein zweites Bleined Ohr vor: 
ſteut (Operculum auriculas), Zlliger. 

X Der Ohrendiener, —#, ®. gi. der ben Ohren gleichſam dient, 
fo ſchwatzt, wie es ber Andre gern hört, ein Schmeichler. M. Ara: 
mer. Derfelde bat dafür auch Ohrenjüder, Ohrenkitzler. 

Der Ohrendraht, —es, My. —drähte, ein nach dem Ohre eingebor 
gener Draht, unten mit einem halben Ringe, deſſen ſich meibtiche 
Perfonen bedienen, bie Ohrgehenke daran au tragen, wenn die fih 
bazu nicht Löcher im die Ohrlaͤppchen ftehen laſſen wollen; die Dh 
renſpange, woruuter ı Mof, 85, 4. E1. 5, 20. auch Ohrgehenke 
felbft verftanden werden, z 

Die Obrendrüfe, f. Ohrdruͤſe. ut 

Der Ohrenfluß, —ffes, 4. — fluͤſſe, der Fluß der Ohren, berienige 
krankhafte Zuftanb der Ohren oder eines Ohres, da eine Feudtig: 
feit beransfließt (Othorrhoe). 

+ Der Obrengel, f. Orengel. " 

X Der Obrengrübler, —6, 34. al. einer der in ben Ohren grü— 
beit. Dann, einftame bes Ohrwurmes. j 

Die Ohrenböble, f. Ohthoͤhle. 

+ Der Obrenhöbler, —, 84. at. ſ. Ohrwurm. 

Der Ohrenkitzel, —s, 9. ü. 1) Ein Kisel in den Ohren. Uns 
eigentlich, X das Verlangen, die Bezierde nad Neuigkeiten. =) 
— was bie Ohren kitzelt; uneigenttih, etwas, was man gern 
höret. 

Die Ohrenflemme, 0, Mz. der Ohrenzwang. M. Kramer. 

Das Obhrenklingen, —#, 0. 4. f. Ohrenbraufen. 

x Der Obrenfneiper, —, p. gl. einer ber in bie Ohren Fneiptz 
dann ein Rame bes Ohrwurmes. 

Das Obrenläuten, —$, 0. 9. f. Obrenbraufen., ' 

Ohrenlos, f. Obrloe. - 

%*%* Der Obrenmelfer, —s, 99. gl. einer ber Andern immer ih 
ben Ohren Liegt, etwas von ihm zu erlangen, ober ihm etwas zu 
binterbringen. Frifd. s 

Die Obrenmordel, My. —n, eine Ket runder Morcheln vol löcheriger 
Knorren, Stodmorheln; zum Unterfhiede von den Spitzmorcheln. 

Die Obrenpflanze, 9. —n, eine in Jeilon einheimiſche Pflanze 
(Hediotis L.). ine Art berfeiben (Hediotis auricularia} foll ein 
kraͤſtiges Mittel gegen Zaubbeit fein, i ; 

Die Obrengqualle, 34.—n, eine Art runder Qualfen, wol eine Eile 
im Durdmeffer, welche bei Tage, wenn bie Sonne barauf ſcheint, 
leuchtet (Medusa aurita L,), 

Der Obrenräumer, —s, Wi. al, ein Werkzeug, bie Ohren von zu 
vielem Ohrenſchmalze zu reinigen. S. Ohrlöffet. 


Dhre 


Das Ohrenfaufen, —#, 0. 3. ſ. Ohrenbraufen. 

O Die Ohrenfchlange, Du. —n, nad Befts Briefen über Oftins 
dien, überfegt von Küttner, eine Meine bunfelgraue Schlange von 
ber Größe und Dide eines Regenwurmes, bie ſich in alten Mauern 
und Gebäuben aufhäft und. deren Biß ſchnell tobtet. Sie fol br: 
fondere gern in bie Ohren ber Menfhen Eriegen und bort ihren 
Big anbringen. 

Der Obrenfdlag oder Ohrſchlag, f. Ohrfeige. 

Das Ohrenſchmalz, —s, 0. DM. eine gelbe fettige Maffe, melde 
einem Schmalze gleiht und im Gehörgange aus den Schmierhöhlen 
abgefondert wird, um ben Gehbrgang [hlüpfrig zu erhalten und 
Heine Biefer abhalten bineinzufriehen (Gerumen aurium). 

Die Ohrenfhmalzdräfe, By. —n, in ber Zerglieberungslunft, bie: 
jenigen Drüfen, welche das Ohrenſchmalz abfondern (Glandulae se- 
zuminosae), J 

Der Ohrenſchmaus, —es, My. —ſchmaͤuſe, ein Schmaus gleichſam 
für die Ohren, ein Genuß, Vergnuͤgen, welches man vermittelſt ber 
Ohren bei Anhörung einer jhönen Rebe, eines ſchoͤnen Gedichtes, 
Konftüdes ac. hat, 

Für fie iſt dies ein fchlechter Ohrenfhmaus. Hauswald. 

Der Obrenfhmerz, —es, 2. —en, ein Schmerz im Innern bes 
Dhres; der Ohrenzwang, wenn er heftig ift und das Hören er: 
ſchwert (Otalgia); aud) die Ohtentlemme, ber Ohrenklamm. 

Der Ohrenſchwamm, — es, Bi. ſchwaͤmme, eine Art Becherſchwamm, 
welche Ähnlichkeit mit einem Ohre hat, das Judasohr. ©. d. (Pe- 
ziza auricula L.). 

Die Obrenfpange, 3. —n, f. Ohrendraßt. 

O Ohrenſpitzend, adj. die Ohren fpigend, genau und aufmerkfam 
hörenb. 

Und es bewunberte, froh ber Belehrungen, manche Bemerkung 
Über ſeln eignes Betragen, der obrenfpigende Noxbfrant. 
Baggefen. 

Der Obrentauder, —d, MM. gl. eine Art Zaucher, in den Suͤm— 
pfen von Nordeuropa, melde neben jedem Auge sin großes Feder— 
bäfsel bat, beren Bruftbaut mit ben Federn als ein gutes Pelzwerk 
gebraucht wirb (Colymbus auritus L.); der geöhrte Taucher, der 
Meerbrehhale. 

Der Ohrenträger, —t, 9. gr. f. Ohrenblaͤſer. 

+ Das Obrenmwiefelhen, — , Mt. gt. ber Obrwurm, 

%* Ohrenzart, adj. u. adv, zart an ben Ohren, d. h. eim zartes feir 
nes Gehor babend. Kifhart. Daron die Ohrenzartheit, o. DM. 
bie Eigenfhaft da man ohrenzart if. / 

Der Obrenzeuge, —n, 9. —n, ein Beuge, fofeen er bad, was er 
bezeugt, felbit gehört hatz ber Hörzeuge- 


Die Obrenzierde, Py. —n, eine Bierbe, Bierrath für bie Ohren, am 


Ohr getragen. Stieler. 

Der Ohrenzwang, —es, M. u. f. Ohrenfchmerz. 

Der Ohrenzweig, — s, My. —e, in der Berglieberungsfunft, Zwel— 
ge des Nervens bed äufern Ohres. Man unterfheidet einen vor 
been, bintern und einen der vorn gegen bie Stirn hinaufgebet. 

Die Obreule, 9. —n; Bio. das Ohreulchen, bie Benennung einer 
Familie des Eulengeſchlechtet, welche an beiden Eeiten des Kopfes 
längere empörfichehde Federn haben, die ben Oben ber Eäugethiere 
gleihen. Man nennt fie aud gehörnte Eulen. Die große Ohr: 
eult führt von ihrem Gefhrei den Namen Uhu. S. d. Die mittle 
Ohreule (Strix otus L.) iſt fo groß mie eine Kräbe, hat einen ges 
raden rofigelben und dunkelbraun gefleften Schwanz, bauet ſich fetoß 
kein Reft, fondern legt ibre Fler in bie Nefter ber Kräben, Eiſtern, 

Raben m. Die kleine Obreule (Strix scops) iſt am Oberleibe 
braun, am Mnterleibe, grau, hat an ben Geiten bes Kopfes Feder: 
duͤſche, deren seder aber nur aus einer einzigen Zoll langen Feber 
befteht, nad hat die Größe einer Deoffet, 

Die Obrfeige, My. —n, ein Schtag mit der flahen Hand an bas 


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Ohrl 


Ohr, ober auch auf bie Bade, ba denn bas Ohr wol mitgetroffen 
wird; im R. D. die Ohrbatſche, ber Ohrſchlag, andermwärts die 
Obrfanfel, ein folher Schlag an das Ohr, daß es davon ſauſet, 
eine Dachtel, eine Dufel, Bräme, ein Wäffting, eine Hordel, 
eine Schelle Maulſchelle, Maultaſche, Huſche, in Baiern sine 
Schmiere, Flaſche, ein Schwinderling, ehemahls auch eine\.Dals- 
ſchlage, ein Handſchlag, ein Maulſtreich, ein Bädeling, bei ben 
Bergteuten ein Windticht. Das edlere Wort bafür ift Backenſtreich. 

X Obrfeigen, v. ters, Obrfeigen geben. Einen obrfeigen, ihm Obrs 
felgen geben, Davon, abohrfeigen, derb obrfeigen, mit Obrfeigen 
ebjühren. D. Obrfeigen. D. —ung. 

Der Obrfinger, —6, 9. gl. der Meine Finger, weil man bamit im 
Ohr zu jüden pflegt. 

Der Obrflügel, —s, My. gi. ber obere abſtehende Theil des aͤuge⸗ 
ren Dbres, 

Ohrfoͤrmig, adj. u. adv. bie Form eines Ohres, oder and, Ahnliche 
feit mit einem Ohre habend, In ber Pflanzentehre beißt ein Blatt 
ohiförmig (auricnlatum), wenn an dem Stielende Heine runde 
nad) außen gebogene Lappen ſich befinden, 

Das Ohrgehänge, —s, 4. al. oder dad Ohrgebent, — es, Mh. 
—t, sierlich gearbeitete Gehänge ober Gehente von Gold, Bilder 
ober anderem Metall, wie auch von Perlen, Edeifteinen, Bernftein ıc. 

ı melde zur Ziekde in den Obren getragen werden; die Obrbammıel, 
Ohrbuckel, in Öfterreih Ohrbuckerle, aud Obrrofen, wenn fie bie 
Geftait von Kofen haben, und Ohrringe, wenn fie in bloßen Rin: 
gen beſtehen. Gin Ungen. gebraucht dafür auch Ohrgehaͤngſel. 

Die Ohrgegend, Mz. u. die Gegend am Kopfe der Thiere, wo fih 

‚ bie Ohren befinden (Rogio parotien). 

Das Opegefpwir, —es, 9. —e, ein Gefhwär am Ohr, wie auch, 
im Chre, 

Das Ohrgewölbe, —s, Ba. gl. f. Ohr 7). 

Der Obrgriebel, Obrgriffel, —, 2%. gt. f. Ohrloͤffel. 

+ Der Ohrhahn, —es, By. —häbne, ber Auerhahn. F 

OX Ohrhangen, v. ntr. mit haben, das Ohr oder bie Ohren han- 
gen laffen, d. b. muthlos, sagbaft fein. 

Da thun fie fo erbärmlih Kein, 

Dbrhangen wie bie Cfelein, 

Dap man fie-muß verachten. Blumaner. 
D. Ohrhangen. 

OX Der Ohrhaͤnger, — , B.agtez die —inn, 34. —en, eine 
Perſon, melde die Ohren bangen läßt, b. h. mutbles, zaghaft if. 
Die Obrböhle, #3. —n, ber innere hoble Raum des Äufern Ohres. 
Das Ohrhorn, —ed, W. —hörner, bei den Biefern, Bühlbörner, 

wenn fie zur Seite des Kopfes wie Otzren ftehen. 

Ohrig, Ohrig, adj. u. adv, ein Ohr oder Ohren habend; in den Bu: 
fammenfesungen großoͤhrig, langöbrig, dickoͤhrig, hangährig. " 

Der Ohrkaͤfer, —s, 94. gl. f. Obrwurm. 

Der Obrfauzg, —es, 94. —e, nad) Ab. eine Art Kauze, welde auch 
wie bie Obreulen, Federn gieih Ohren an den Seiten des Kopfes 
in bie ‚Höhe ſtehen haben, ) 

Das Ohrkiffen, —&, 94. at. ein Kiffen, worauf. man bad Ohr oder 
den Kopf ieat, das Kopftiffen. Auch wol noch eim eigenes Meines 
Kiffen, weldes man über ben Kopftiffen unter das Ohr legt; im 
N. D. Leerkiſſen, von Leer, die Bade. In einer Kutſche find bie 
Ohrtiſſen Meine Kiffen in den Winkeln, woran man das Ohr ober 
ben Kopf leat, wenn man ſchlafen will. j 

Der Ohrknochen, —€, 9. gl. die Heinen Knochen im Ohre. 

Der Ohrknorpel, —6, 4. gl. der Knorpel bes äußern Obret, wel⸗ 
dies man in den großen unb Heinen Ohrknorpel theilt; bei M. 
Kramer ber Ohrktuspel. - 

Der Obrlad, — es, My. —e, bei den Mahlern, eine Art bes Bades, 
welche ehemabis in Geftalt von Obren zu uns gebracht wurde; zum 
unterſchiede vom Holzlacke und Plattlade. 





Ohrl * 


+ Das Ohrlamm, — es My. —lämmer, in der Seeſprache, bie Be⸗ 
nennung gefhicter ober erfahrener Matroſen. Röbing. 5 
Das Ohrläppchen, —s, Mm. al. ©. D. —lein, ber unterfte abfte: 
hende gerundete Theil des Aupern Ohres, In meldes das Loch ein 
Dyrgehenk darin zu fragen geftochen wird; ber Ohrzipfel, im Dfters 
reihifhen und in Baiern das Ohrwaſchel, worunter man auch wol 

das ganze Ohr verſtehet. 

+ Die Ohrleifte, My. —n, in der 3ergliederungstunft, bie Benennung 
der Haupttheite am großen Ohrknorpel; bie Aufere Obrleifte (He- 
lix) bat vorn einen Ausfchnitt, Die innere Dbeleifle (Authelix) 
frümmt fih nach unten. 

*+ Der Ohrlietsblock, —et, M.— blöde, im Shiffbaue, ehemahls 
ein Blod, ber an beiden Seiten bes Bramefelshauptes ſaß, und durch 
weichen die Marstoppenants, bie ale ne ae bienten, fuhren. 
" Röding. 

Der Öbrling, —es, Br. —r, f. Ohrwurm. 

Das Ohrloch, — s, 94. — loͤcher. 1) Das Loch, welches vom äur 
Fern Ohre in ben Schedel gehet. 2) Ein koch, welches ins eye: 
hen geftohen wird, ein Obrgebänge barin zu tragen. 

Der Ohrlöffel, —s, y. al.; Bm. das — chen. ı) Ein Werkjeug 
in Geftalt eines kleinen Loͤffelchens, das Obr von zu vielem Obrens 

» fhmalge damit zu reinigen; im D. D. Ohrgriebel, Obrgriffel, im 

‚NR. D. Obrlaker. 2) Eine Art Stachelſchwämme in Radelhoͤlzern, 
welde einen Strunk und einen bald zirkeiförmigen But bat (Hyd- 
num auriscalpium L.), 3) Eine Art Schraubenigneden ober 
Echrauben, weiß und nicht größer als ein Haferkorn heißt Ohrloͤf⸗ 
felchen, weit ihre mit einer weiten Lippe hervortretende Mündung 
mit einem Ohrloͤffelchen einige Ähnlichkeit zeigt. 

Das Ohrlöffleintraut, —es, Wr. u. eine Art Behen, beffen Blät- 
ter einige ähntichkeit mit Obriöffeln haben (Cucubalus otites L.); 
auch Pflaumenmargenroͤschen. 

Obhrlos adj. u. adv, kein Ohr, keine Dsren babend, der Ohren ber 
zaubts; auch ohrenlos, weldes man von ohrlos unterjheiben kann, 
indem man bas erfte für, beibe Ohren, das andere für, eines Ohres 
oder. bed Ohres beraubt gebraucht, „ich orenlofer ougen ane.e Mar 
nefien Rinnef, 
wollend. —  Umfonft! denn ohrlos 

Schlaͤft er und berjlos! Boß. 
Davon die Ohrloſigkeit. 

Das Ohrmahl, —s, MM. —e, in den Cöäfereien, ein Mahl ober 

° Beichen in ben Obren ber Schafe, um fie daburch von andern zu uns 

terſcheiden. 

Ohrmahlen, v. trs. mit einem —— verſehen. Schafe ꝛtc. ohr⸗ 
mablen. 3. D. Ohrmahlen. D. — ung. 

Die Ohrmuſchel, 8. —n. 1) In ber Zerglieberungskunſt, der ins 
nere hohle muſchelfoͤrmige Theil des Aufern Oberes (Concha auris), 
2) Eine Art Bohrmufheln, deren beide Geitenwände Öffnungen 
gleich Keinen * haben (Anomis aurita L.). 5) Die Ohr⸗ 

tifihnede, ©. d. 

Der Obrnagel, —$, er —nägel, bei den Seilern, ein aus einem 

(etwas gekruͤmmten Hirfhhorne beftehendes Werkzeug, mit weldem 
bas Ohr eines Stranges verfertiget wirb, 

Der Ohrnerve, — n, 34. —n,\ in-ber Zergliederungslunft, bie 
Merven bes Ohres. Der Rerve bes äußern Ohres entfteht mit eis 
ner boppelten Murzel und gebt hinter bem Gelentknopfe des Unter: 
tiefers hinab (Nervus auricularis). 

Der Obrring, —ed, M. —e, bie Zomoſe, 2 4. —n, f. Ohtgehaͤnge. 

Die Obrfchlagader, By. —n, in der Berglieberungskunft, Schlags 
abern, welche nah ben Obren geben. Die vordere und hintere Obr: 
fhlagader (Arteria aurieularis anteriur et posterior). Die obere 
und untere Ohrſchlagader. 

Die Ohrſchnecke, DH. —n, eine Gattung Schnecken, bie Ähnlichkeit 
mit einem Menfhenohre hat (Haliotis L.); die Ohrmuſchel, das 


Uneigenttih, Bein Behor habend, nicht hören 





Del 


Mieroht, Seeohr, Periemmutterohe, wilde Schuͤſſelmuſchel, wilde 
Perlenmutter, wilde Bocksaugen. 

Dad Obrfpann, —es, MM. —e, im Shiffbaue, das vorderſte Spann 
eined Schiffes, auf welchem die Krahnbaiten liegen; aud Vorfpann. 

Die Oprflübe, My. —n, im Schiffbaue, die Bughölzer. 

Die Obrtaube, By. —n, eine Art Zurteltauben (Columba turtur 
auritus), Nemnid. 


"Die Ohrtrommel, Ay —ın, bie Trommel, bas Trommelfell iawen⸗ 


big im Ohre. M. Kramer. 

+ Das Ohrwachs, —ed, 0. 3. das Ohrenſchmalz, wegen feiner 
Weiche und gelben Farbe. Nemnid, 

Das Ohrwaſchel, —6, M- al. ſ. Ohrlaͤppchen. 

Das Ohrwerk, —es, Mz. —e, der Name cines Feſtungewerkes, oder 
eines Theites deffeiben (Orillon). Friſch. 

Ohrwidrig, —er, —ite, adj. u.adv. dem Ohre wibeig, zuwider, uns 
angenehm ins Gchör fallend, „Wörter und Ausbräde, — bie ver: 
nunft:, ſprach⸗, ohtwidrig und zweibeutig find.“ Wolfe, Davon 
die Ohrwidrigkeit. 

Der Obrwurm, —ed, My. — wuͤrmer. ı) Eine Art gelenkiger, Far 
ſtanienbrauner, glängender Kaͤſer mit ſehr kurzen Fluͤgeldecken und 
einer Zange am Schwanze, welcher ſich in Höhlungen, unter ber 
NRinde und den Blättern der Pflanze gern aufhält, und vom Safte 
der Frädte und Pflanzen, auch von Ziefern lebt, und von welden 
man irrig glaubt, er kricche gern in bie Ohren und werde dadurch 
gefährlich; eb er gleich gern in andere Höhlungen Erich (Forficula 
auricularia L.); beffer Sangenkäfer, Obrfäfer, Öbrling; auch 
Ohr hoͤhler, Ohrkneiper, Ohrbohrer, Ohrengtuͤbler, Ohrentwiefel: 
chen, im R. D. Gaſſeltange, in ber Schweiz, Ohrenmittel, Mit⸗ 
tel. So ſreundlich, fo geſchmeidig wie ein Ohrwuͤtmichen, gebraucht 
man im gemeinen eben, von einem freundlichen, geſchmeidigen, 
ſchmeichelnden Menfhen, weil der Ohrwurm fehr ſchnelle gefhmeibige 
und dem Anfheine nach freundiihe Bewegungen macht. „Sönnte 
ein Ohrwuͤrmchen gefämeidiger fein? Leffing. 2) Eine Art 
Affen mit einem geteilten sangenförmigen Schwanze (Seolopendra 
forficata L.). 5) Die Eilbermotte (Lepisma saccharina) wegen 
ihres bem Bau des Chrwurmes Äbnlihen Baues. 4) Bel ben Ja— 
gern heißt eine Krankheit der Jagbhunde in den Ohren, welche von 

einet fharfen Feuchtigkeit, bie die Ohren wund frißt, herrühret, den 
Ohrwurm. 

Die Ohrzange, By. —n, bei ben Huf: und Waffenfhmieben, eine 
Bange, bie an der Spibe jeber Kneipe zwei Wiberhafen neben eins 
ander bat; auh Ziehzange. 

X Der Obrzipfel, —s, 34. pt. das — — 


Die Ohſe, Myz. — n, fo viel als Öhr, R 


— das ab ber haft am ber Bir 
Brach Bof. 

%*%* Der Ohſt oder Ooſt, und  Oblimonat, —es, et, ber 
Monat Kuguftz,auh Augſt. Davon ohfien, ernten, ber Ohſt⸗ 
tnecht, die Ohſtleute, das Ohſtwetter, die Ohflzeit, der Ernte: 

‚ Inch, bie Ernteleute, bad Erntewetter, bie Erntezeit, 

Der Okelei, ſ. Uletei. 

1. Der Oker, f. Der, 

2. Der Oker, —$, Si. —n, im RD, der ſpihe Winkel, welchen das 
Dad mit dem Boden macht und der Theil des Bodens in biefem 
Winkl. In Hamburg beißt ber oberfte Boten unter dem Dei 

Dken. 

X Der Dftober, 6, 2%. -gt. ber Beinmenat. 

Die Oftoberfirfche, Wy. —n,. eine Sorte Kirfhen, die nit groß 
und deren Geſchmack nicht fonderlih if, Nemnid. 

Das Dt, —es, My. —e, ein mit einer mit Rauch und Ruß begleiter 
ter Flamme verbrennender, im Naffer entweber gar nicht ober doch 
kaum bemerkbar auflösliher und in der gemöhnlichen Luftiwärme ſich 
fe fläffig zeigender Körper, daß er fi nicht in Faden ziehen laͤßt. 





— 


Ola 


356 


Oelb 





Man theilt die Die ein in weſentliche ober flüchtige (Olen essen- barüber hoher Baum, beffen Fruͤchte von ber Grüße einer Nuß find, 


tialia, netherea s. volatilia), und in milde ober ausgepreßte ober 
fette Die (Olen unguinosa). Fluͤchtige oder weſentuͤche Die find 
folge, welche aus den Körpern, befonders Pflanzen bei einem Grade 
der Wärme, welchen das kochende Waſſer bat, meift aud bei einem 
° geringern Grabe ber Wärme gewonnen werben, bie durch ben März 
megrad bes fiedenden Waſſers noch nıht aus ihrer Mifhung geſetzt 
werben, fondern fih unverändert verfluͤchtigen, und bie ben Geruch, 
oft auch den Geſchmack diefer Körper beibehalten, 4. B. Alantoͤl, Anieöl, 
Baldriandt, Dill, Fencheloͤl, Iſopoͤl, Kerbeldt ıc. Wette ober 
milde Die find foihe, bie, ohne fich außer Mifhung zu fegen, nicht 
verflühtiget werben können, wozu tin Grab ber Wärme nöthig if, 
der die bes ſiedenden Wafferd weit überfleigt, und bie an und für 
ſich feibft im Weingeiſt unauflögbar find, einen milden Geſchmack 
und eigentlih keinen Geruch haben. Man gewinnt fie entweber aus 
dem Thlerreiche, wie das Ameiſenoͤl, die Bırtter, das Eierdt, ber 
Thran zc., oder aus dem Pflanzenreiche, wie das Baumödl, Peindt, 
Mamdelöl, Nußol, Ruͤbſenoͤl ıc. Die brenztichen, brandichten, 
oder ftinfenden Die find folhe, bie bei einem Grade ber Wärme, 
ber ben des fiedenden Waſſers übertrifft, gewonnen werben, bie eis 
nen branbichten Gerud, eine braune ober ſchwärzliche Farbe bei dem 
Zutritt ber Luft befommen und bie werben, 3. 8. Bernfleindt, 
Hirfhhornöl (Olen empireumatica). Zuſammengeſetzte oder kuͤnſt· 
"liche Die, die durch Zerlegung zuſamme ngemiſchter mit dem Öle keine 
Ahalichteit habender Körper erzeugt werden, 3. B. bas Weinöt ac. 
(Olea artificialie), I. ®. Richter. Aus einem Körper das DI 
aussieben., Das DI aus den Zitronen: oder Pomeranzenſchalen 
peeffen. Di fütagen, es durch Stampfen aus Pflanzenfamen ger 
winnen. Di brennen, in ber Lampe. DI ins Feuer gießen, unei— 
aentlid, einen leidenfhaftlihen Zuſtand noch heftiger machen. Ginen 
in Di fieten, eine in alten Zeiten übliche Zodeöftrafe. Im der nies 
brigen Sprehart jagt man, einen ſchlagen, daß er DI giebt, einen 
uͤber die Masten fhlagen. In engerer Bedeutung nennt man DI 
ſchlechthin eine folhe Art des Öled, deren man fih im dem Falle, 
wovon bie Rebe ift, am bäuflgften bevienet. So verftcht man ge. 
wähntih darunter das Baumdl, und wenn vom Gebrauch bes Sles 
zum Brennen bie Rede ift, Seins ober Rübfendl, wie auch Härings: 
tbran. Das DI der Kupferdruder iſt Rußst und das DI der Mah— 
ler Seindt. In Di mahlen, mit Ölfarben. Uneigentlich führen ben 
Namen DI verfehlebene durch Kunſt bereitete fläffine Körper, wegen 
einer Gpntihleit mit St, 4. B. das Vitrioföt, MWeinfteinöt, Kur: 
fern. S. d. Auch gewiffe Biere werden im gemeinen Leben D 
(Ale) genannt, Englifch DI, Noftoder Di. 
+ Der Olantbaum, —es, By. —bäume, der Ahlbaum, ber Trau—⸗ 
benkirſchbaum. 
+ Der Oib, —es, 4. —e, der Schwan. Nemmich. Bei Mahler 
ibſch. 
rn —es, 34. —bäter, ein Bab in D1. In ber Scheide: 
Tunft, ein Bad, gu weichem man ſich bes Sles bedient. "©. Bab. 
Das Slkbaͤllchen, —e, 2%. gl. bei den Kupferbrudern, ein Heiner 
Ballen, bie Rupferplatten damit abzuwiſchen; das Filzbaͤllchen. 
Der Dlbaum, —es, 4. —bäume. 1) Ein im füblihen Guropa 
wachſender belannter Baum, aus beffen Beeren das Baumoͤl gepreßt 
wird (Olen L., Olivenbaum), der Olbeerbaum. @r ift von alten 
Zeiten her ein Sinnbild bes Friedens und des flillen häuslichen 
Gluͤckes. 
Und warum floh ber Heid jegt ſtillen Schatten zu, 
Und wählte für den Streit des Olbaums träge Ruh? Weiße. 
2) Der wilde Olbaum oder Böhmifche Olbaum, ein in Böhmen, 
Epanien und Syrien wacdhfender Baum, der bem Slbeeren ähnliche 
Früchte trägt (Elnengnus L.); in ber Lauſit Olbeerbaum, ander: 
wärts Dieafter. 3) Wilder Dibaum, auch ein Name des kebens ⸗ 
daumes (Thuja L). 4) Ein In Japan ac. wachſender & Fuß und 


mit Kernen, aus weihen man ein Ö1 ziehet-(Dryandra oleifera). 
5) Der wilde Öibaum von Barbados, ein immer grüner Baum anf 
ben Antillen, weldher laͤngliche, getblihe Beeren von ſcharfem beißen» 

„ ten Geſchmacke trägt (Bontia); aud Dlbeerbaum. 

Slbaͤumen, adj. u.adv, vom Öldaume kommend. Dibäunenes Holz. 
Wie aud, von dem Holze des Ölbaumes gemacht. PR 
Das Dlbaumbarz, —es, Wi. u. der Rame eines Harzes. S. Dir 
firaud). Das echte nennt man Äthiopiſches, das unechte Ameris 

taniſches. 

Der Olbeerbaum, —es, My. —bäume, ber Name verſchiedener 
Baͤume. S. Oibaum 1), 2) u. 5). Rah dem neuen Schaus 
plagebder Natur führt bier und ba aud ber Traubenkirſchbaum 
(Prunus padus L,) biefen Namen, 

Die Olbeerammer, 94. —n, eine Art fehr Heiner Ammern in Dos 
mingo (Olirenammer, Emberisa oliracen). Nemnid. J 
Die Olbeerdroſſel, #4.—n, eine Art Droffein (Olivendroffel, Tur- 

dus olivaceus). Remnid. 

Die Dlbeere, Sy. —n, bie länglid runde, bräuntid. gräne Beere 
ober Frucht des Aibaumes (Olive); nicht gut hei Mahler die Di: 
feucht und Dfbohne. In der Naturbefhreibung ber Mame einer 
Art Walzenihneden von ihrer Geftalt (Olive, Voluta oliva L.); 
and Olbeerwalze. . 

Die Dlbeerernte, By. —n, die Ernte ober Einſammlung ber Ölbee 
zen; die Olleſe (Olivenernte), j . 
Das Dlbeererz, —es, 4. —e, arfenikhaltiges Kupfer, wahrfhein 
lich von feiner Farbe (Olivenerj, Cuprum mineralisatum arseni- 

cale), Nemnid. 

Die Dibeerfarbe, 94. —n, die bräuntid grüne Farbe der Glbeeren 
und eine biefer ähnlige grüne Farbe; das Dlgrün (Oliveitfarhe, 
Olivengrän), s 

Dibeerfarben, Ölbeerfarbig, adj. u. adv. eine Ölseerfarbe habend z 
Ölbeergrün, ehemahis aud Ölfarben, Ilfarbig (olivenfarben, ali- 
vengrün). 

Die Dibeerfledhte, 9: —n, eine Art Flechten (Olivenflehte, Li- 
chen olivacens). Remnid. 

Dlbeerförmig, adj. u. ady. bie Form, Geftalt der Ötbeeren habenb 

„ (olivenförmig, olivasformis). 

Dlbeergrün, adj. u. adv. ſ. Ölfarben. 

Der Dlbeerkern, —es, 34. —e, ber Kern ber Ölbeere (Oliven- 
fern). In ber Naturbefhreibung, der Name einer Art Rollen: oder 
Walzenſchnecken im Mittellänbifhen und Afritanifhen Meere (Vo- 
huta-rustica L.), N 

Der Dlbeerftein, —s, MM. —e, in ber Naturbeſchtelbung, laͤng⸗ 
ti runde Steine, welche bie Geſtalt der Ölbeeren haben (Olivenſtein). 

Der Dibeertang, —es, 0. Dh. eine Art des Meertanges (Oliven- 
tang, Zostera oceanica), Remnid, 

Die Olbeerwalze, 4. —n. f. Dibrere. 

*t+ Das Dlbend, Olbent, Olbentbier, — es, M. —e. 1) Das 
Kameel; auch mol andere große Ihiere, S. Oberlin. 2) Der 
Hirfh. Remnid. — Aub Olfent, welches richtiger ſcheinet und 
wahrfheinlih das Holländifhe Olifant, der Elefant ift. 

Der Dlberg, —es, 4. —e, ein mit Ölbäumen bemadfener oder ber 
pflanzter Berg. „Diberge, die du nit gepflanzet (bepflanget) kall.« 
5 Mof. 6, 11. 


—Das Dlbild, —es, My. —er, ein mit Ölfarben gemahltes Bild. 


Die Dlblafe, 94. —n, eine kupferne Blaſe, worin die Mahier das 
Leindt, Nupst ıc, zu Firnig, bie Kupferdrucker aber ihre Schwaͤrze 
aus Rußol kochen; die Firnißblafe. 

Das Ölblatt, —es, Br. —blätter, ein Blatt von einem Ölbaume, 

Olblau, o. Umend, u. 3. bei den Mahlern, eine Benennung ter 
beften Schmalte, weil fie mit einem Ölfieniffe aufgetragen wer— 
den Eann. 


| Oelb 559 


© Der Ölbrand, —es, .—brände, ein Brans, d. h. angebrann: 


tes Stuͤct Holz von einem Ölbaume. 

— Bene zugleich aufhebend den abgefpiseten Olbrand. Vo. RR 

Die Olbüchfe, By. —n, eine Büchfe zu oder mit Ol. Wei den Mah— 
lern, ein Meines enges blehermes Befäß, an deſſen Boden rin Strei— 
fen Blech fo angelötbet ift, daß es auf bas Mahlerbrett gefhoben 
werben fann, um darin bas zum Werbännen ber Karben ıc. nötbige 
Di fogleih zur Band zu haben, 

Die Öldrufe, 9%. —n. 1) Die Hefen’ ober ber dicke Vodenſatz des 
Öles, befonders des Baumdies; die Dihefen. 2) Die Hülfen ber 
Ausgepreften Ölbeeren; Ditrefter. 

O Öldurfiig, adj. u. adr, nad Öt durſtig. uneigentlich, eine dfs 
durſtige Lampe, eine Lampe, die bunter brennt und auszulöfhen 
drohet, weil fie Bein Öt mehr oder nur noch wenig ÖL hat, und bie 

' gleihfam nah DI durſtig iſt. „Mächte lang — faß er bei einer 
Heinen Öldurftigen Lampe.“ Kl. Shmibt. (R.). 

+ Der Dleander, —s, 3. gl. 1) Die Lorbeerroſe. 2) 
Wilder Dieander, ein Rame des Schotenweiderichs. 

+ Der Dlcandervogel, —s, My. —vögel, eine Art Abends oder 
Dimmerungsfalter (Sphinx nerüi), Nemnid. 

+ Das Dleib, — et, M. —e; Bi. das Dieibel, im Elſaß, ein 
Üiberbieidfel, ehemahls auch Dleibete. C berlin. 
len, v. trs, 2) Mit Ör verfeben. Den Salat dien, Baumöl bar 
auf gießen. »„Geoͤltes Brot,“ mit DI beftrihenes ober in Ol ge: 
bactenes. 3 Mof. 8, 26. . a) Mit Dt beftreihen, mit Öt tränten. 
Ein Schloß ölen oder einsien, es mit ÖI fhmieren, bamit es leicht 
auf: und zuzuſchließen fei ıc. Das Tuch Ölen, es mit Baumdt ber 
ftreihen (laudiren), 
damit es durchſcheinend werde. 
legte Ölung geben; aud oleien. „Der ward ſiech und warb geociet, 
und lag da eine gute weil.“ bei Oberlin. D. Dfen. D. Diung. 
Die legte Dlung bei ben MRömifhen Kriften, bie Salbung eines 
Eterbenten mit geweihetem Die buch Prieſters Hand, 

x Dlenzen, v. ntr. mit haben, nah DI riechen ober ſchmecken. 
Stieler, D. Dienzen. ‚ 

Der Dler, —s, m. al.; die —inn, Dh. —en. 1) Eine Perfon, 
welche ölet. 2) Im Öfterreiifhen eine Perjon, mwelhe mit Bi 
ober mit Ölen handelt; der Olhaͤndler. 

+ Der Slerer, —6, Myj. al. in Baiern, ber Seifenſteder. Fulda. 

Die Dlfarbe, Pr. —n, eine mit Sein, Nufte oder Mohndl, ober 


S. d. 


mit einem daraus gefottenen Firmilfe angemachte Farbe zum Mah⸗ 


“ten; in Gegenfag ber Mafferfarben ꝛc. Mit Difarbe mahten. 


* Ölfarben, Olfarbig, adj. u.adv, ötbeerfarben. Auch Könnte es mit” 


Difarben gemahlt ober beftrichen bebeuten. 

Das Olfaß, Mes; Sy. fällen. 1) Ein Faß zu ober mit Die. 

a) Gine Art Pofaunenjhneden in Oftinbien ıc. (Buceinum oler- 
rum L,); aud gewäfferte oder gemarmelte Tanne, Federſchnecke, 
Zwie belſchale. 

+ Das Olfent, ſ. Olbend. 

Die Slflaſche, 9. —n, eine Flaſche zu oder mit 

Der Ölfleden, —s, 2%. pl. ein von DI verurfachter Flecken. 

Die Ölfrucbt, 9. u. f. Dibeere, 

+X Die Ölfunzel, 94. —n, in Franten, eine Ötfamne, verächt: 
ih; in Schleſten Difonfel. Im Hannöverfhen ift Funfe, Funfel 
ein dunkel hrennendes Licht. In ber niedrigen Sprehart nennt 
man verähtlih eine alte Frau eine alte Olfunzel. 


+ Der Ölgaden, —e, M. gl. ein Baden, im weichem Dt verkauft 


wird. Mahler S. Gaden. 
Der Ölgang, —es, 9. — ginge, f. Dimähte. ’ 
Der Ölgarten, —s, 9. -gärten; ein Barten oder eingefäloffene 
Drt, weicher mit Ölbäumen bepflanst iſt. A 
Slaelb, adj u. adv. die grüntic Jelbe Farbe des tes habend 
Das Ölgemählve, —s, MM. gt. ein mit Öffarben gemahltes Gemühlde. 


- 


Papier Ölen, es mit St beftreichen, tränten, 
Ebematis auch, mit DI falben, die ° 


Ste. Eu 


Dell 


Das Ölglas, —es, 2 —gläfer, ein.Blas, wie auch, cine Flaſche 
au ober mit.Bie. \ 

Der Ölgoldgrund, —et, By. —grände, ein Öigrund zu einer Ber: 
golbumg. 

Der Ölgöte, —n, 9. —n, im Hennebergfhen, ein mit St begofs 
fener Pfoften, woran eine Lampe befeftiget ift oder. zu bangen pflegt. 
Daher uneigentlih, zin unempfinblier dummer und träger Menſch. 
Gr it ein vehter Digöge. „Anders denn Laien gekleidet fein, mag 
einen Gleißner und Dfgdsen machen, aber nicht eimen Gpriften.« 
Luther bei Friſch. Rah Friſch wird in. Menkens Seriptor, 
25. 2, ©. ı519 der Abgott Krobo au ein Olgoͤß genannt, werde 
Benennung er daher erklaͤret, daß man Wögenbilder ehemahls mit 
ÖL zu falten pflegte. 

+ Die Olguͤlte, 9. —n, eine Bülte ober Abgabe von Ör, in dt; 
Diengulte. Oberlin. i — 

Der Oihandel, —s, o. 3. der Handel mit ÖL. Daher der Ol⸗ 
händler, —s, My gl; die —inn, By. —en, eine Perſon, wel⸗ 
de mit DI oder mit Öten hanbelt; im Öfterreihifgen, ein Dier, 
eine Dierinn, themahls Olleute, Dienluite. 

Die Olhaut, 3. —bäute, eine Art Pergament, bad mit Bleimeiß, 
Seimmwafler und dann mit Ölfienip überftrihen wirb, gelb ausſteht 
und fo beihaffen ift, daß ſich Altes, ſelbſt Dinte davon leicht abs 
wiſchen laßt, PR 

Die Olhefe, My. —n, bie Hefe, ber Bodenſat vom Die. ©. * 

Das Diborn, —es, Di. —hömer, ein hornförmiges Gefaͤß zu DI, 
mit Öl, etwa mie ehemahls die Salbhörner. In der Raturbefchrris 
bung, bie größte Art Schranbenfihneden oder Mendſchnecken, bie 
aus Dftfindien koͤmmt (Turbo olearius L.); aud Nirfenohr, Kant⸗ 


bern. , { 

+ Der Slibiſch, —s, M. u. bei Friſch, der Name einer Pflanze 

‚. (Elaeomalaetae); auch Olpappel. 

Slicht, adj. u. adv. dem Ste ähnlich. j 

Dlig, adj. u. adv. DI enthaltend, l gebend. Eine dlige Frucht. 
Dann auch, mit Öle verfehen, mit Öle befubelt. Sich dlig machen. 

+ Dlingd, adv. im N. D. vor Zeiten, vordem, chebem ;  beffer 
altlinge. Das war nun altlings niht alſo. ©. 

Der Öltäfer, —s, 9.\gt. ein Rame des Maiwurmes, Moienkäfers 
(Melo& proscarebaeus L., bei Andern Oleocantharie, Pinguicn- 
lus, Scarabaeus unctuosus, Cantharis unetuosa). s 

Die Oltammer, 34. —n, eine Rammer, in welcher DI aufbewahret 
wird, Stieler, ß 

Der Olkeller, —, 9. gl. ein Keller, in welchem öl aufbewahret 


wirb. 

Die Ölkelter, 94. —n, eine Reiter, in welcher das DI aus ben Dt 
beeren gefeltert wird, 

*%* Das Dlkind, —es, 9. —er, ein in der Bibel vorlommendes 
und einen Gefatbten begeihnendes Wort. So werden Zach 4, 14 
der Koͤnig Serubabel und ber Hohepricher Joſua Dilinder genunnt, 

Der Ölkitt, —es, M. — et, bei ben Steinmegen, ein aus Glos, 
Eifenfkladen, Ziegelmehl, gelöfhtem Kalte unb Leindte bereite: 
ter Ritt. Ri 

Der Ölkrapfen, Ölträpfel, —6, 39.91. ein in DI gebadener Krap- 
fen oder Kraͤpſel. r 

Der Öltrug, —es, 94. — kruͤge, ein Krug zu Hle ober mit-Bie. 
Uneinentiih in ber Raturbefhreisung, ein Name gewiffer Schneden. 

Der Ölfuhen, —s, 9. 91. ı) ia mit Öt oder im DI gebadener 
ober beſtrichener Kuchen; der Olplatz, wenn er ganz platt if. je) 

' Die in Geftalt eines Kuchens übrigblöibenden Zrefteen von Früdten 
und Samen, aus weldhen man Öf gepteßt hat; dergleichen bie Beine 
kuchen, Ruͤbſenkuchen zc. ſind⸗ 3y Cine Art Stachelſchnecken Im 
Mittellandiſchen und Afrikaniſchen Meere (Marex olearium L.). 

Die Öllade, My. —n, bei den Ölfhlägern, das Bebättals <wotin 
der Same, ans wehhen DI gepreßt werden fol, getban wird. und 


Dell 


melhes unten ein Loch hat, aus welchem dag ausgeprrßte DI flieft. 

Das Öllägel, —6, 2.91. ein kagel zu Öte oder mit Öle. Brifg. 
S. Ligtl. 

Die Öllampe, 94. —n, eine Sampe, im welcher bie Flamme durch 
ÖL unterbatten wird; gemöhnliher nur die Lampe. 

Die Olleſe, MI. — n, die Beje oder Einſammlung der Slbeeren. 

+ Die Silig oder DIE, 24. —e, die Zwiebel. Nemnid. 

x. + Der Olm, —es, 3. —e, ber Malch. Friſch. J 

2. + Der Olm, —ıs, MM. vw. im RN. D. der Mulm, wie auch, bie 
Fautni. Davon’olmen, faulen; olmig, mulmig, faul, 

X Der Slmacher, —s, 9. gl. der Difäläger. Friſch. 

+ Der Ölmagen, —s, 94. u, der Mohn, weil aus ihm DL gepreßt 


wirb, 

Der lmahler, —s, 9. gl. ein Mahler, der mit Öifarben zu map 
len verftchet,, und der alein ober doch vorzäglid mit Difarben 
mahlet. 

Die — SH. — en. ı) Die Mahlerei ober das Mahlen mit 
Bifarben, und die Art und MWeife mit Ölfarben zu mahlen; ohne 
Mehrzabt und in Gegenfag ber Waffermahterei, Milchmahletei ıc, 
2) Sit Btfarben gemahlte Gemaͤhlde, Ölgemäbibe. 

X Der Simann, —es, S. —männer, ein Mann, weiher mit Di 
zu thum bat, fowot welder St fhläget, ber Oiſchiäger, Ötmüner, 
als aud welcher mit DI handelt. 

Das Ölmaf, —es, Ip. —e, ein Map, Gemäß, worin der Öthänd: 

ler das DI mißt. r 

+ Dlmig, adj. u. adv. mulmig. ©. 2. Olm. 

Die Dimirte, By. —n, die Mirtenheide, ſ. d. (Myrica gale L.). 

Die Ölmühle, 9. —n, eine Stampfmühle, in welcher aus beim 
Samen verfhledener Gewaͤchſe Di geſtampfet oder geſchlagen wird. 

"Wie auch, ber Gang einer Mühle, welcher zum Ölfälagen einges 
richtet it, ber eigentlich ber Digang heißen follte. 

Der Slmuͤller, — #8, 94. gl. ein Müller, welcher Dt fhlägt, ber Ol. 
ſchlaͤger, oder der Eigeathuͤmer oder Morgefegte einer Dimühle; 

-- feine Frau die Olmüllerinn. 

Die Ölnuß, 94. — nuͤſſe, eine DI gebende Ruß; beſonders 1) bie 
Frucht des Wunderbaumes (Rieinus communis L.); 2) bie Frucht 
des Behenbaumes ober Behennufbaumes, deren angenehm riehindes 
und ſchmeckendes ÖL niht ranzig wird, S. Behenbaum. 

Der Ölnußbaum, —es, My. —bäume, f. Behenbaum. 

Die Ölpalme, 34. —n, eine Art hoher Palmen, aus deren länglich 
runder Frucht von ber Gröfe eines Taubeneies ein Dt, das Palmoͤl, 
gewonnen wird (Cleis); Guineifhe Palme. 

+ Die Ölpappel, 94. —n, f. Diibifh. 

Die Ölpflanze, My. —n, eine Pflanze, deren Game ober Frucht 
Öl aiebt. Stieler. R 

Der Hlplatz, —ed, 4. —e, f. Dikuchen, 

Die Ölpreffe, Szy. —n, eine Prefie, Di aus Samen, Früchten ber 
Bewäcfe ıc. zu preſſen; die Ölwringe, Olzwinge bei Frifch. 

+ Der Ölrappe, —n, M. —n, die Quappe, Xalguappe (Gadus 

„lota L.); aud Diruppe, Dfrlippe. 

Streich, adj. u. adr. reich an Dt, viet Dt gebend, vier Si enthaltend. 

Der Dlrettig, —et, 4. —e, eine Art in Shine einheimifcher Met 
tige mit Meinen Wurzeln, aber vielen Äſten und Schoten, fo daf 
er viele Samen trägt und zur Gewinnung des Öles vorzüglich müß- 
lich ift (Raphanus Chinensis annuus oleiferus L.); ber Einigen 
Chinefifher Difämen. 

+ Das Ölröschen, —6, My. gl. ein Name ber Kriftwurg oder ſchwar⸗ 
sen Rieswurz (Helleborus niger L.). 

Der Olruß, —ſſes, 9. u. 1) Der Campenruf. a) Der Kienruf. 


Die Ölfalbe, By. —n, eine aus DI beſtehende oder mit St bereitete. 


Salbe. Friſch. 
Der Ölfame, —n?, M. u. 
aus ſchlagt (Brassica napus sylvestris L,). 


1) Der Rübfamen, weil man DI dar: 
2) Kleiner Difame, 


560° 


* 


Opfer 


der Leindotter, weil aus dem Samen defſelben auch BT zeſchlagen 
wird (Myegrum sativum L.). 3) Der Agiptiihe Difame, ber 
Same einer in Agipten und im Morgentlande wachſenden Pflanze, 
aus welchem ein füßes fettes Ol gejogen wird, welches man auch im 
ber Heilkunſt gebraudt; wie auch, dieſe Pflanze ſelbſt (Sesemum 
orientale L.); Aug morgenländifcher Sefam, Sefamtraut. 4) 
Ehinefifher Difame, f. Ölrettig. 

Der Olfoläger, —s, @9. gt. der Öt fhläget, der Ötmüller. Auch 
derjenige Mühtknappe, welder das Ölfhlagen in einer Mühle be: 
forgt, heißt Difihiäger. . 

Die Slſchmiere, 94. —n, eine mit DI vermifgte'Schmiere, ober 
eine aus DI beftehende Schmiere. Etieler. i 

> Pifäuede, BY. —n, eine Art Pofaunenfhneden, das Wein 

.b 


aß. 

Das Ölfenih (das D kurz und gefhärft), —s, DA. u. eine zum 

Geſchlecht der Silge gehörende Pflanze, bie in Thuͤringen ıc. wilb 
 wädhft (Selinum sylvestre L.); im gemeinen Geben auch Olsnich, 
Alſenach, Olſenach, Diferih, Difenig, Oinich, Olswurz. 

O Der Olſtab, —es, By. —ſtaͤbe, ein Stab oder dünner Aſt von 

einem Ötbaume, — 
— und rechts ihm beſchwerte die Hand · 
Ein waldiger Diflab. Vos. 

Die Slſtampfe, Mi. —n, eine Stampfe, womit ber Ölfane ges 
ftampft wird; der Diftempel bei Stieler, Auch wol eine Stampfs 
müble, wo DI geſchlagen wird, 

Der Ölftein, —es, Di — et 1) Im Tirol, ein mit Erdöl durch⸗ 
drungener Stinkſtein, aus welchem man das Dürfchenöt, nad bem 
Erfinder deffeiden Duͤrſch fo genannt, gewinnt. 2) Ein feiner 
MWegftein, welder beim Wegen mit Di befeuchtet werden muß. 

Der Oiſtrauch, — es, 9. —firdude, ein ſtrauchertiges Gewaͤchs in 
Brafilien, weldes ein in der Heilkunſt gebraudtes Gummi, das 
fosenannte Olbaumbar; (Gummi elemi) liefern fol (Amnyris ele- 
mifera L.). n 

+ Der DOltbaum, —ed, My. — baͤume, die Oltkirſche, 4. —n, ber 
Ahlbaum, bie Ahlkirſche, Zraubenkirfche (Prunus padus L.). 

Die Oltonne, 4. —n, eine Tonne zu ober mit Öte, 


+ Die Öltrotte, 4. —n, im N. D. eine lkelter; aud eine Bi: 


müble, 
+ Die Oltwurz, o. 8%. der Xlant (Inula helenium L,). 


Die Ölvergoldung, By. —en, die Bergeldung auf Öigrund auf Holz. 


Der Dljuder, —6, 94. u. ein mit Auder angeriebenes flächtiges 
Öl, weihes fh dann, wenn ed mit Waſſer hbergoffen wirb, mit 
bem Zucker im Waſſer aufiöfet ‚Eleosaccharum), 

Der Dlyweig, —es, Mj. —e, ein Zwelg von einem Ölbaume; ber 
ſenders als ein Sinnbild des Friedens und bes Lebens in füßer 
Nahe, Einem den Olzweig reihen, ihm Frieden, Verfühnung ans 
bieten. Den Olzweig mit ber Palme verbinden, ben Fricden mit 
bem Siege, Frieden auf ben Sieg folgen Taffen. 

Die Omatute, 3. —m, eine fhöne, koſtbare und feltene Maljen: 
tute auf der Infel Oma im Meere von Afien (Conus omaicus); 
unrihtig die St. Ehomastute. Remnich. 

* Der Onichel, —s, MM. gl. f. Onor. 

+ Die Onfcel, Onfpel, DOmarl, 94. —n, bie Amfel. Nemrid. 

Der Onyr, —es, By. —e. 1) Der Mageiftein, ehemahls Onichel. 
„Drei was ein glang onichel vnn hette wunneberen glaſt.“ Kont. 
v. Würsb, Zroj. Kr. ©, unter Edelſtein. 2) Eine Art Pors 
aelanfhneden in Afien, blaue Porzellane (Cypraea onyx L.); 
auch blauer Schlangenkopf. 

+ Die Onze, f. Unje, 

X Der Opal, — es, 2. —e, f. unter Edelſtein. 


"Das Dvfer, —s, 2%. gl. ein jedes Ding, mweldes einer Gottheit 


als Zeigen der Untenwürfigkeit, oder des Dankes, oder um fie zu 
verföhnen bargebracht wird, und welches entweher auf einen Altar 


Dpiera 


wurde. Gin,bintiges Opfer, re opfer, ein Tebentes Je: 
„Shörfg weise, um. ber Gotthei bargebraiht au werben geſcuachtet 
wurbe, und weldes iä engever Bedeutung vörjügämeife Opfer ges 
„naunt wirb;. zum Unterfgiede von einem unblutigen Opfer, wor— 
„Unter mon jedes andere Opfer verflehet. Gin Wrandopfer, Dark: 
opfer,. Gühnopfer. , In meiterer Bedeutung nennt man jest, da 
man der Gottheit Fcine eigentliche Opfer mehr bringt, die Vereh⸗ 
zung, bie man ihr ermeiiet, feine ehete, bie man, ihr barbringt ıc. 
„.fine Opfer, in weihem inne Dantopfer, Morgenopfer, Abend- 
Rn 15% für Donkzaber, Mosgengebtt, Abendgebet ıc. zu verſtthen 
Sn . Im, tichligen Cipue wird in weiterer Bedeutung aud noch 
nes Opfer genannt, wad füt bie Kirge und die hei derſelben Äns 
‚‚gefellten Pecſonen gefpentt oder dargebracht wir, So Heißt bas 
Feld welches bei, Hochzeiten, Zaufen und ondero Gelegenheiten 
e ben Prediger ic. von den hochzeitlichen Perfonen, von ben Pas 
then ac. auf den, Altar gejegt wird, «in Opfer oder Opfergeld; 
ad, auh dag Veihtgelb, wildes Für ihn hingelegt wird, beift 
eihtopfer. Tin Opfer Sringen. ' Etwas zum Opfer bringen. 
Unsigentiih verſteht man unter Opfer Alles, beifen Befg und Gm 
ruf * ſich eines * en begiedt ,.und bezeichnet da⸗ 
mit ach einen Gegenftand, auf weigen bie Schuld eines Andern 
„Übergetragen wird, und von weidhem bie Folgen berfelben getragen 
werden müſſen; wie auch überhaupt ein Ding, weldes für, oder um 
+», üng Sate, ein ‚bel leiden muß, für die es ſich ſelbſt gleichſam bass 
sr Reinst jber.lör, bie, es dargebracht wird. Einem fein Lichftes zum 
"Dpfer bringen, für ihm bem Bes, dem Genuffe deſſen, was ibm 
bas Liebe if entlagen. Die — ein Opfer, ber 
a! oder ziner, der Schuidigen muß befiraft werten. - * 
Sofer der Bocheit werden, bar Boeheit Anderer unterliegen mäffen, 
durch diefelbe ins Verberben gebradt werden. Ein Opfer der gu 
„ten Sache oder für bie gute Sache werden, in feinen Bemühungen 
für die gute Sage zu Grunde gejen, auf, ſich für. biefeide opfern 
— aufopfera. &0.W. Zu yS 
er Opfetaltar, — es, —altäre, ein Yitar, ‚fgfern er, wie bie 
FRE en Alten m arm ae —— 
in opfern; auch der Opferberb. * 
— dech Hinter, den Opferaltar floh - 
— Boßs. 


“ 


“li 


‚ Enieus y 
% Opferbar, adj, u. adv. 1) Co befheften, baß es geopfert; mer: 
den kann, 2) X In dem Zuſtande, Miter, daß es opfern 6. 5. 
Abgabe geben kann, oder daß dafür geopfert werben mu. „und 
das ein perfone „die 14 joe alt iſt, es font gaben ober dochter, 
für opfferbar gerechent und für fie die ordnung geben werben fol,“ 
zibtiOberlin. Davon die Dpferbärkeit. ,: — — 
8 Das Opferbeil, —es, Di. —e ein, Beil, deſſen man ſich in dt: 
‚ ten Zelten bei Dpferung der Ibiere bediente, j 
O Der Opferbetrug, —es, 9%. u. ein Betrug, welchen fih ehe: 
mahls bie Priefter bei den Opfern in irgend einer Art zu Schulden 


— — 


mmen-ließen, oder aud bie Täufhung, in. welcher man Opfernde 


täßt, daß fie mit ihren Opfern bei der Gotibeit etwas auszurichten 
‚„.permeinen. „Der, erftei Helle Saal bes großen Pantheongrbäubes 


= Gaugatttempeßte wo zwar. ale Menfchen und MWerfgeräpte bes Grie: 
Sir ü 


n Öpferbetrugs jhwinden,“, Herder. 5 
Der Dpierkrand, —ee, 2. u. ber Brand oder bad Feuer sum Ber 
Huf eines Opfers, ein Opfer därin zu verbrennen. 
Der Opferbrand wird angefhärt. Hagedorn. 

Der Dpferbrauch oder Opfergebrauh, —es, Di. —brände oder 
—gebräudhe, ein bei einem Opfer übliher Braud oder Gebrauch. 
Das Opferbrot, es, My. —e, Brot, welches geopfert wird, wie 
. auch, das geweihte Brot, Abendmahlsbrot (Oblate), M. Kramer. 
Der Opferer, —s, ‚93. ol. einer des opfert, befonders ber Opfers 
prieſtet. Bei den Alticen fanden die Opferit. — Klopſtog. 

Campe's Woͤrterb. 3. Ip. 


561 
ober einen andern dazu gewsihefen a Pros gber gerhrannt ee 


- Sen, 
ae 


‚unterbeodhene Opferfeft. , 
j Ein grähfeb Opfttfeſt. — — Golfen 0 — 

Das Opferfeuer, —s, 2. 91. ein Feier zum Behuf eines Opfers, 

wie aud) bas Feuer bes hrenmenben Opfers, vr 

O Die Opferflamme * DH —n, bie Flamme eines Dpferfeuers, das 
Dpferfeuer; wie aud, die Flamme, mit welder ein angezündetes- 

_ Opfer stennt, 9 

Sie näher uns ferbit Die beige Opferflamme — ° ' 

. Mit reiner Hand auf ihrem Hauchltar, Schiller. 

Das Opferfleiſch, — s 0. Di Has Fteiſch der ald Opfer ober zu 

.. Opfern geſchtachteten Thlere. Ezecht 40, 43! = : 
Die Opfergabe, By. —n, eine Habe, die man als ein Dpfer bringt. 

" Eiberg. und nicht Beribh und Opfergaben 

ah Gühren bie Frfichtigen ung zuehde. Hendenreid. 
% Der Dpfergang, —et, 9. —gänge, ter Gang, Bug zum Opfer, 

tm zu opfern; der Opftrzug. Wie auch; der Gang um au’öpfern) 

d. h. feine Gabe auf ben ar ıc. zu legen. Ehemahis auch bie 
Ordnung, in zelchet, mag —— —— 

Das Dp ergefäß, —eR, Se, eih Gefetßz, deſſen man ſich beim 
Sdofern beblent odek bebiente} "and das Opfergeſchirt. Brifs . 
Das Opfergeld, —es, 4. — er, Geld, weldes geopfert wird; bes 
ſenders Geld, welches die Beiftliden 1c. bei gemiffen Gelegenheiten 
einnehmen. &. Opfer. In verſchiedenen R. D. Gegenden nennt 

„man das Gelb, welches man bem de, das man behalten will, 
, a Neujahr dee Röhäntetag ARE ehr Handgern Hieht ; das Opfet⸗ 

"gelbz auch ken Opferpfennig,. ' Dar’ Osnatrüdfhen verſtedt man 

„unter hem * 188 ei. Opferpfemtige dasjenige Werd, Aelches 

äutern ihten Windeim), Eingerfartte rem Prediger zu Meitiade 
ten geben, A Seen A — 

Das Spfetgeſchitr, —es, 4. —e, JOpfergefaͤß. 

& Die Opferglut, 4. —en, bie Brut eines Opferfeners, ein Op: 
.,.frfeuen, ° Er tder Dank) ſietgt ju dir in Ichen Opfergluten, 

j 7 — Berk, himiielan, — Deutfi Merkur‘ 
O Der Opferguß, —ifee, 93. —gäffe, ein @uß, welden man als 
. „ein Spfer aus eineni mit Mein ie, gefüllten Befäpe erft thut, ehe 
„, man den Mein teimft (Libation). Kinderting. Luther hat 
-" Zrankopfer bafür. 0. . 9 
Dab Opferhaus —es, My. —Fäufer, ein Gaus ober Gebaͤube, in 
welchern einer Gottheit geopfert wird, ein Tempel; ein ungewöhn- 

licher Ausdruck, weicher 1 Ghron. 7, 13 vom Tempel zu Jerufa⸗ 
lem voriömmt, N = | 

ä Opferhell, adj. u. adv, vom angezändeten Opfern heil, ober auch, 
von glängenben Opferzaben gleichfam hell. j ar 
„ Um den opferheilen Schenttiſch und den ſchaumenderen Pokal. Iof. 
A Der Opferherd, —ıs, 4. —e, ein Derd, auf welchem geopfert 

wird; der Opferaltar. "0° 


—t, ein Feft, an welchem geopfert 
Opfer als · ein Gent betrachtet Db⸗ 


4 


— Hs wie auf einem Opferherde 
Liegt fie auf einem Stein, ben Tod erwartend, da. Wieland. 
. An ben raudenden Opferherd. Kültner, 
Auch uneigentliih und bildlich. „Was die Meilen des Altertfums 
der Tugend auforferten, bas Tegen, wir mit eben fo großer Geibft: 
verlaͤrgnung auf den Opfetherd der Eitelkeit nieder. € 
Das Ppfehomn, — 18, Mr. — hoͤrner. 1) Ein Horn, aus meldem 
man Öl, Wein 20. bei einem Opfer ausgeß. =) In der Raturber 
ſchteibeng, eine Art Rollen: oder Walzenfhneden in Dflindien (So- 
— pyrum L.); von ihrer Geſtalt auch Bitnwalze, Pfundbitn, 
utel. 
© Das Opfethundert, —s, 4. —e, eine Baht von hundert 
Städten 3.2. Bieh, welche man in befontern Fällen opferte (He- 
eatombe). ©. In ‚weiterer und uneigentlicher MWebeutung, eine 
Menge vom etwas, bie man opfert, als ein Opfer darbringt. .— 


7ı 


Opferk 


das Opferhunbert, welches dem Feuergotte gebracht werben ſollte, 
zu meinen Fuͤßen neben mir.« G. 

"Der Opferkaſten, —s, 4. gl. ein Kaſten in ber Kirche, das Geid, 
Wwelches an biefelbe geſchenkt oder welches geopfert wird, hineinzus 
ſteden; der Opferſtock, wenn dazu ein ausgehoͤhlter Steck bient; 
auch ber Kirchenſtock und ſchlechthin ber Stock. 

Der Opſferkelch, —es, By. —e, der Kelch mit dem geweihten Beine 
beim Abendmahle (Doländ. Offerkelk), Kramers poll, Wb. 
„Der Opferkuchen, —s, 34. gi, Kuchen, -fofern fie chemahls ber 

Gottheit als ein Opfer gebracht wurden. 

Dad Opferlamm, —es, 9. —lämmer, ein kamm, weldes ge 
opfert wird. In weiterer und uneigentliher Mrbeutung, ein Opfer 
‚mir bem Nebenbegeiffe, daß es unfhulkig falle, als ein bilblicher 
Ausbrud, nach welchern Jeſus Keiftus auch an Opferlamm genannt 
wird. So flei das erſte Opferlamm Gottes (Abel) — fo fiel bas 
größte Opferlamm aller Belten" (Kriflus) ıc, Herder. 

WD Das Opfermaͤdchen, —, 4. st. ein opferndes, dem Dpfer 
beipohnendes Mätbhen, 

Und der Opfermaͤdchen Schar 
Spottet meiner heißen Ahraͤne. Pafontaine, 

4 Das Dpfermabl, —eb, 9. —, ein Mahl, Speifen als ein 

Spfer bargebraht. 
Zum Grabe ſtellet hin das Opfermahl. Gelfin. , 
Aud wol ein Mahl, welches bei Belegenheit eines feierlichen Dpfers 
- tingenommen wird, 
Der Opfermenn, —es, 24. —männer eder —leute, im N. D. 


ber Kirchner ober Käfer, weil er bad Opfergeld in Empfang nimmt 


unb bem Prediger zuſtelet. R. D. der Oppermann. 
„Das Opfermeffer, —s, p. gl. ein Meffer, mit welchem bie Opfers 
# tbicre gefihlarhtet wurben. 


mefjer bluten, für, aufgeopfert werben, als ein Opfer fallen, 


Noch ſanken wir fo tief niht, — meh wait Muth Und Kraft. — 


— Unter dein Opfermeffer der Entnersung.! Benzel:Sternau. 
Wpiern „v. tes, als ein Dpfer barbringen. Ein Thier, hundert 
Stiere (ein @ Dpferhunbert, Hecatomhe) opfern. Früchte, Wıiß: 
‚ wand opfern. Im weiterer Bebeutung als Zeichen feiner Weredr 
‚ zung, feiner Unterwürfigteit barbringen, Gott Leb und Danf 
opfern. Dann aud, Geld als eine freiwillige Gabe an die Kirche 
in ben Kirchenſtock, oder für ben Seiſtlichen 1c. auf ben Altar legen. 
Eo wird in vielen Gegenden bem Prediger bei Kindtauſen, Zrauuns 
gen x. geopfert. Uneigentlich wird opfern gebraucht für, um el 
med Andern willen barbringen mit Begebung bes Eigenthbums und 
des Genuſſes der bargebradten Sache, befonbers in bem zuſemmen⸗ 
geſetzten aufopfern. S. d. und Hinopfern. Einem fein kiebſtes, 
feine Süͤnſche, fein Släd opfern, fi ſeinetwegen diefer Dinge ber 
‚_ seben, barauf Werziche thun. D. Opfern. D.—ung ©. d. 
Der Opferpfennig, —es, 9. —e, ſ. O:pfergeid. 
‚Der Opferpriefler, —s, 9%. gi.; bie —inn, 4. —en, ein Pries 
; Per, eine Priefterinn, welcher ober welche das Opfern verrichtet, 
dem Opfer vorfleget; der Opferer. 
-Der Opfertauh, — rt, 0. Mg. ber von einem angezünbeten Opfer 
auffteſgtnde Raub. Etieler, Dann au, ein Opfer felsft, für 
fern ter Mau ober Dampf dabei die Hauptſache if, wie bei dem 
zum Opfer gebrachten und angezändeten Weihrauch. „Die Vers 
baitkiffe der Pfticht find für ſelcht (edle) Menſchen ber Tempel the 
25 Bekeuntniſſes; tugendhafte Handlungen der Dpferrauch, und 
alte wahrhaft große und gute Mefen bie Heillgen.“ Bengels 
©ternau. 
* Der Opferfang, —ed, Dig. —fÄnge, der Sang, Befang bei eis 
em feiertichen Opfer. Friſch. 
Die Opferſchale, 9. —n, eine Schate, in welchet man etwas zum 
Spfex ober als Opfer barbrahte ober barbrlagt, 3. B. Meihraud 
auf ben Altar ſtreute, Rleis darauf bingop 16. 


562 » 


Uneigentlic; jagt man, unter bem Opfer: 


Dr 


Ich mabe mit des Shore Bahr, 
Sie ſchaͤumet in der Opſerſchale. Goltim. 

Der Opferſchlaͤchter, —d, DM. gi. der die Opfertfiere ſchlachtet, der 
Dpferprie ſter. Friſch. 

Der Opferſchmaus, —es, M. — ſchmaͤuſe, bei ten Beibnifgen 
Völkern, ein Schmang bei Gelegenheit eines felerlihen Opfers, Bei 
welchem man von dem Fleiſche der geopferten Thiere ıc, genoß. 

D wenn dich noch ein Opferſchmaus 
Serab vom Himmel ziehe. Ramier. ER 

Ö Die DOpferfprache, o. 9. cine Sprache, Schrelbart, in —* 
viele bildliche Ausdtuͤcke von Opfern und Doferung vorkommen, wie 
3. 8. im der Fidel, — in ber ganzen Opfers und Bilderſprache 
des alten Teftaments.« Herder. 

& Der Opferſtahl, —es, My. —e, ber Stabt, d. b. das ſtaͤterne 
oder eiſerne Wertzeug, mit weldem eim Opferthier getoͤdtet wurde, 
das Opfermeſſer, das Opferbeit. 

Worte den Opferftablt Gelfim. ö 

Die Opferftätte, 9. —n, eine Stätte, wo man opfert, ober [2 

opfert bat. 

Die Opferjteuer, 99. —n, ein Opfer, gleichſam ats eine Steuer, 

Ihr (Götter) naͤdret kaͤmmerlich 
Bon Opferfteucen 
Eure Maieftät. Bir 

Der Opferſtock, —es, Bi. —ftlde, f. Opferkaiten. 

Das Opferthier, —b, M. —e, ein Thler, welchet geopfert iſt 

ober geopfert zu werden beffimmet ift. Auch dneigentiih, ein Menſch 

der als Opfer für etwas Mur. ©. Opfer, 
So flirt denn — bes Starſinns Opferthier, Wieland; 

b. h. fo ſtitb denn ald einer, der ſich lieber opfert, d. h. ber fich 

lieber töbten läßt, als von feinem Starrſinne nachlägt. “ 

Der Opfertifch, —es, 24. —e, ein Zifh, auf meihem die Opfer: 
thiere geſchlachtet und zum Opfer zubereitet wurden. Zuweilen 
aud wel ein Opferherb, Oferattar, welchen man mit einem Tiſche 
vergleicht. 

© Der Bpfertod, —es, 5. Ei. ber os eines Geſchopes, welchen 
als ein Opfer füllt, Befunbers eines Menühen, der fi für etwee 
aufopfert. 

D fo verwandett ſich mein Opfettod 
Nur in den ſchoͤnſten Celtin. 
O Der Opfertrank, —es, 9%. u. ein Trank, Mein, welder zum 
E:pfer, als Opfer gebracht und ansgeldihtter wird. 
Roh feucht vom Opfertranke buftet dort 
Ein beifges Mrubmabt 6 sitin. 
Luther bar Trankopfer dafür. 

Die Opferung, 94. —em. 1) Die Handtung ba man opfert, 'ein 
Eipfer bringt, 2) A Dasfenige was man opfert, alt Opfer bringe, 
ſowol eigentlih als Auch unelgentli für Xufopferung, was man 
aufopfert, Es iſt die Buͤrgſchaft für eu Beben. 

Das große Opferungen ehrt Tiebge. 

Das Opfervich, —es, 0. My. Wieh, welches geopfert wirb ober ges 
opfert zu werden beftimmt iſt. 

Der Opferwein, —et, My. u. Wein, foferm er als ein Dpfer darge: 
bradit und ausgezoffen mirb, oder dazu beftimme if, Wfthes 
3, 134, Habt ine mit ſchwarzem Opfermeine voll 

Getouͤut den hohen Behr? — Gollim 

ODie Opferwolke, 24. —n, ber in Menge gleich einer Wok u 

feigende Epferraud. . 
(Daf) das Heitigthum ganz von Opferwolken erfillt warb, 
Klopfiod, 

Der Dpferzug, —es, re, ſ. Opfergang. 

+ Der Oppenwall, —es, Br. — waͤlle, im Waſſerbaue, das ufer 

odet Veſtade, bon welchem ber Wind adſtehet aber berwehet. 


X Dr, f. Oder. 


— 


„Dre 


Die Dranienfirfhe, 4. —n, rotbe Dranienfirthie; eine Art ganz 


eunder, biaßcother und dunkelroth gefleter, faftiger Kirfhen von 


der Größe einer Glaskirſche und von ‚angenehmer Säure, were gu 
Anfonge Augufts reift. 
+ Der Drant, —es, 9%. u. 1) Das wilde esirenmaud, dat Stärk 


Kraut, f. d. Autirehinum orontiom L,); auch Dorant. ») ‚Der 


gemeine Doft oder Mohigemutb Origannm vulgsre L.). 

Drbar, die Orbebe, Orbel, ſ. ulbar, Urbede, Urtheil. 

"Der Srden, —#, m. gt. 1) KK Die Drbäung; ohne Mehrzahl. 
„Rah ben Drden ihres Alterd.e 5 Mof. 28, io. 
orden.“e Maneffen Minder' H 

Bei ihm mar allegeit 
Ghriftiger Orden und auch bee Beiden Site 'b. Ritötangen 

8. ©. 5346. 
©. Drdentlih. =) Ein Stand, b, 5. gleiche Verbättniffe von Mens 
ſchen derfeiden Art. Der Diännerorden, Meiberorden, Jungge⸗ 
. feltenorben ıc., der Stanb ober bie Geſeliſchaft der Männer ic. In 
engerer Bebeutung eine @efellfhaft, deren Blieder durch eigene Ge— 
fege, Regeln und Borfäriften zu einem eiguen von ber übrigen Ber 
feufhaft abaefonderten Ganzen verbunden find. Ein geiftliher Ors 
ben, in ber Römifhen Kirche, eine Seſellſchaft von gottesbienftfichen 
Perlonen, welche durch gewiſſe Regeln und Worfhriften zu einem 
eignen Ganzen zum Behuf der Religion ober der Kirche verbunden 
find. MDerzteihen Orben find die Möndheorden, deren Glieder 
männlihe Perfonen, Mönde find, 3. ®. Auguflinerorden, Fran 
orden, Wettelorden ıc. und Nonnen» ober Frauenorden, berem 
Glicber weibliche Perfonen, Nonnen find, 3. B. der Augufinerin: 
nenorben , ber Drven ber barmherzigen Schweſtern ıc. Die welt 
ichen Orden, ähnliche Geſellſchaften, bie aber Beinen bie Beligion 
aber Kiche betreffenden Ziwe haben. Dergteichen find bie Ritter⸗ 
orden, bie ehemahla aud mit der Religion oder doch mit ber Kirche 
in Verbindung ſtanden, wie ber Johanniterotden, Maltheferorben, 
Deutfihe Herrenorben, Tempelherrnorden. Mon ten erften find 


+ 


außer ben Ramen nur noch einträglihe Pfründen, Ehrenzeichen und 


einige Gebräude geblieben, und bei ben in nevern Zeiten gefkiftes 
ten Orben iſt bies alles auch die Hauptſache, wenn aleih bel Stif: 
„tung derfeiben gute Zwecke als z. B. bas Verdienſt zu belohnen, 
"mögen obgewaltet baben ober nor edwalten mögen. * Nicht allein 


jeber Würft von einiger Bedeutung bat einen eianen Orben, fonberr 


deren ſelbſt mehrere von verfchiebener Art. Der Merdienftorden, 
ber ſchwarze und rothe Adlerorden, ber Elefantmorden, ber Orr 
ben des geldnen Bliefes, ber Andbreasorden, Hubertsorden, Jagb⸗ 
orben, Dijtelorden, Mondorben ve. S. diefe und auch Pinfelor 
den. Auch geheime Geſeuſchaſten, bie gleichfalls durch eigene Mer 
fege und Regeln verbunden find, acheime Zwecke, eigene Gedräuche 
und Zeichen Haben, führen ben Namen Orden, 3. B. tre Maurer: 
orden oder Freimauterotden, die Orden auf Hohen Schulen un 
anbre mehr. 5) Die Perbältuiffe, bie Würde und die Verbindlich⸗ 
keiten ber Stlieder einer ſelchen @rfelfhaft, wie au, bie Ehren⸗ 
und Unterſcheidungszeichen einer ſolchen Geſellſchaſt, beſonders eines 
Ritterorbens.  Ginen Deden tragen, das Gihrenzeihen eines Dre 
dens, rinen Stern, ein Kreuz x. an einem befonbern Bande ober 
auf den Kieibe, _ 


Das Orbensalter, —s, 0. u. das Alter, werches einer, ber in 


‚Ber Osdensbrauch. f. 


einen Drben aufgenommen werben will; nad den Gefepen bes Dre 
dens baben muß. 

Das Ordensband, — es, By. —bänder. 1) Ein Band, welches 
die lieder eines Ordens als Unterſheidungs unb Ehrenzeichen 
tragen, und an welchem oft noch das rigentliche Drbensteiden ein 
Stern, Kreuz ır. getragen wird, >) Sn der Naturbeſchrelbung, 
eine Art Kegelfäneden, aud, gelbe Drdenstute (Conus vexillum) 
Remnid. 

Drdentgeöiuuf, 


563 





„ach Wottes 


Orden 


Der Ordentbruber, —s, 99. —bruͤder, ein Mitglied eines ans 
Männern befteßenben befonbers geifflihen Orbens, ſofern fe ſich 
Brüder au nennen pflegen; eine Deocnefhmehtr, eim Bitatieb ei: 
nes foren weiblichen Dxbend. Beide werben mit bem allgemeinen 

Rama Orbensglieder, Orbensperfonen, X Drbensiente beitgt. 

Der Orbensgebraud oder Ordensbrauch —ıs6, By. —gebräudie, 
ein in einem Orden eingeführter, gewohnticher Gedrauch. 

Der Orbenögeiftlide, —n, 94. —n, in ber Römifgen Kirche, eim 

GSeiſtlichet, ſofern er zugleich Mitglleb eines geiftlihen Ordens if; 
dum Unterfhiede von einem Weitgeifttichen. 
ie Orbendgeiftlichkeit, ©. 9. die fämmtligen Drbensgeiftißen 
“ gufammengenommen. 

Dad Urbenögelübde, —t, MM. . bas Geläbbe, werches tiner 
beim Gintritt in einen Drden ber ihn bildenden Befelikaft ablrgen 
muß, befonders bei ben geiftlichen Orden. Bein Drbdensgelübbe 
ablegen (Profess thun), 

Der Ordensgenoß, —fien, 94 —flen;- die —finn, 9. —en, 
ber Genof, bie Genoſſinn ober bas Mitglieh eines Orbens. 

Das Orbendgericht, —es, 8. —e, ein Gericht, vor welhes in dem 
Orden vorfallende Gerichtsfätle gebradt und von welchem bie 
Mitalieber bes Orbens gerichtet werben, . 

Das Ordensgeſetz, —es, 94. —e, die Befege in einem Drben, _ 

Das DOrdensglieb, — es, Mg. —er, bas Glied, Mitglied eines Dr: 
dens, von Perfonen briberiei Befhlehts, S. Ordensbruder. 

Der Ordenbherr, —en, Dig. —en, ein Herr, ber tin Mitglieb eineg 
Drbens if, . 

Die Ordendjungfer, 99. —n, eine Jungfer ober ein Mitgtieb im 
einem Weibrrorden. 

Das Ordenskleid, —ed, MM. —er, bastenige Kleid, oder diejenige 
Kleidung, melde bie Glieber eines Ordens wenigftens zu Beiten 
tragen, unb wodurch fie fih von Andern unterfhelben; bie Ordens⸗ 
Bleidung, wenn alle bergieihen zufammengehörende Kleldungéſtuüͤke 
bezeichnet werben follen (Orbenskabit). 

Das Ordenbkreuz, —es, 4. —e, ein Kreuz als Ehren und Un: 
terfheibumgsgeihen eines Ordens; ein Drbdenöftern, wenn e6 ein 
Stern if. 

X Die Orbendleute, &ı. u. f. Orbensbrüder. 

X Der Drdensmann, —es, Di. —männer, und —leute, ee 
männlihes Slied eines Drdens. „Da erfab er den klugen Ordent: 
mann“ Benzel:-Öternau, — jumabl als ber blumige Dr: 
densmann fidy felber anfang» J. P. Richter. 

Der Ordensmeiſier, —s, M;. al. der Meiſter ober Vorgeſetzte eines 
Rittererdens. Einb in bemfelben mehrere Orbensmeifter von ver⸗ 
ſchledenem Wange, fo wird ber erfle und vornehmſte auch wel 
Grofmeifter genannt. 

Die Orbensperfon, 94. —en, eime Perfon, welche Mitglled eines 
Ordens ik. S. Ordensbruder. 

O Die Orbenspfliht, 3. —en, die Pfliht, Verpflichtung, weiber 
eine Perfon, die in einen Orden tritt, gegen biefen Orden über— 
nimmt. 

Ex Tangt im Kloſter an, befhmärt bie Ordenspflicht. Bürbe. 

O Die Ordenspfruͤnde, 9%. —n, eine Pfeünde, melde an ein Wite 
glied eines befonbers geiftlihen: end Ritterorbens verlichen wird 
(Cominende). 

O Der Ordenspfruͤnbdner, —, ©. gl. der eine Orbenspfehnbe 
bat, ein Drbensglieb das eine vom Orden verliehene Pfründe ges 
nießt (Commenthur in einzelnen Fällen). S. Pfrändner. 

Die Ordendregel, 4. —n, die Regel oder Vorſchrift, welcher bie 
Mitglieder eines Drdend nachleben müfen; auch nur die Regel, 
wenn ber Zuſammenhang bas Mäbere ergiebt. 

Die Orbensritter, —6, My. gl. das Mitglied eines Ritterorbens. 

Die Ordensſchweſter, 9. —n, f. Ordensbruder. 


Ber Drbendftern, —es, 2. —e, [. Orbenstreug 


Orden BR: 


564... 


Ordn Zu 





[4 .“ 


Das Orbenszeichen, 6, My. gl. dab Ehren: und Unterfäeitungs: , 


zeichen eines Dxdens, befanbers eines weltlihen Ordens, dergleichen , 
das Oxbenäband, das DOrbenökreug, ber Ordensſtern ıc, find; auch 
nur, ber Orben. ⸗ 


IL ur Zee. - 7* N. 7 ih 


ade, da ſie ordenttich if, 


x Die Order, M. —n, ber Bert, von orben für oͤrbnen, Sefeften; 


befonders von dem gimeffenen Befehle eines Höhern. 


Rjchte ohrne 
Order thun. 


eder bekommen, Davon beotdern. S. d. 


Ordentlich, —er, —ſte, adj. u. advs ber Ordnung gemäß, als Mans Ordnen, v. trs. bie Folge bes Wannichfattigen nad und nen eindn. 


nichfaltiges Einer gemeinfhaftliden Regel gemäß und dadurch zu 
einem im feinen heilen übereinflimmenden Ganzen gemaht; mie 
auch, in biefer Drbnung gegründet. Etwas ordentlich fleilem, le: 
gen, in Orbnung. Die Büder ordentlich einpaden, aufftellen., 
Cine ordentliche Wohnung, ein ordentliches Zimmer. Es Ifi ei 
ihm hübſch ordentlich eingerichtet. Etwas ordentlich) erzähten, wie 
es die Kolge der Begebenheiten erfodert. Ein ordentlicher Menſch, 
der in allen Stüden eine gemiffe Ordnung beebachtet, befonbers im 
Anfebung ber Zeit und ded Orts. Ordentlich leben, indem man eine 
ſolche Orbnung beobachtet. Etwas huͤbſch orbentlidy machen. X Sid 
ordentlich maden., feinen Anzug in Orbnung bringen. Cine or⸗ 
dentlihe Hauöhaltung, in welcher Alles zu rechter Zeit und wie ſichs 
gehört, geihiehet. ine Uhr gebt ordentiid, wenn fie inmer rich⸗ 
tig die Zeit anzeigt und nicht etwa bald voreilt bald zurüd bleibt, 


Der Bothe, die Poft koͤmmt fehr orbentlih, zur beftimmten Zeit. 


In engerer und uneigentliher Bebeutung, 1) der gehörigen über 
einflimmung mit ber Vollkemmenheit unfers äufern und innern Au: 
ftandes gemäß, und, barin gegründet, wie aud Fertigkeit befigend, 
diefe Übereinftimmung herbeizuführen und zw erhalten. Gin or 
bentlicder Mann. Gehe orbentlicd, Ieben. Ein ordentliches Leben 
führen. Befonders in Anfehung ber übereinſtimmung bes Maßes 


von Speiſe und Trank und ber Vergnügungen mit unferm Bedürf: . 
niffe, unfern Verhältniffen, unferer Geſundheit ze. Ordentlich effen 


und trinken. Zumeilen and, in beträdtlihem doch nicht au großem 
Mofe. Das heißt recht ordentlich gegeſſen und getrunfen. 2) Der 
Beſchaffenheit, Einrihtung einer Lade gemäß, im berfelben gegrün: 
det; im Begenfag von auferorbentlih. ine ordentlihe Einrid: 
tung, madhen. Etwas ordentlich machen, einrihten. Cinen ordent⸗ 
lichen Beruf haben. Die ordentliche Obrigkeit, unter ber man 
vermöge feines Werhältniffes in der bürgerlichen Geſellſchaft ftehet. 
Der ordentliche Richter, an welden man fid der gefeglidhen Ein: 
ridtung gemäß zu wenden bat. 
ordentlichen Aufterfcheinungen, bie nah einer gewiffen Ordnung, 
einmahl wie das andere Mahl eintreten; im Gegenfat der auferor- 
dentlihen. Dann, der Regel gemäß, regelmäßig. Ein ordentliches 
Schauſpiel, in welchem die dafür feltgefegten ober angenommenen 
Regelm beobachtet find; im welchem Falle man es auch ein wahres, 


echtes, rechtes Schaufpiel nennt, daher ordentlich aud) in weiterer Die Ordnung, I. —en. 


Bedeutung im gemeinen Leben oft für reht, wahr, wirklich ges 
braucht wird. Das nahnt er orbentlic; übel, wirklich. Damit ich 
es ordentlich fage, wie es ſich wirklich, der Wahrheit gemäß verhält... 
Befonders gebraucht man ordentlich im gemeinen Leben für, dem ge: 
mötnlihen Umftänben gemäß, ine ordentliche Hochzeit, bei wel: 
er man alle Feierlichkeiten und Alles mas dabei gewoͤhnlich beob: 
achtet wirb, Statt finden läßt. »Bie hat uns ordentliche Grobhei⸗ 
tem gefagt,* förmlihe. Gellert. 
tofhen, ſondern ordentlich adgeſchneuzt.“ Hermes, Es if or 
dentlich als müßte es fo feim, es ift genau fo. In nod weiterer 
Bedeutung, gemöhnli: Seine ordentliche Mahlzeit halten, feine 
aewöhntihe. Drdentlicher Weife geihieht das nicht. - Died Mort 
it von Orden fefern es ehemahls Ordnung bedeutete mit Anbän: 
gung ber Silbe lich, der das Wohlktangent vorgefept it, gebildet, 
und ed lautete ehemahls ordenlih und in einem 1505 zu Bafel ge: 


drudten Buche, wie Ad. berichtet, gar nur orbeih. „Die fraw . 


bielt bas reich ale die zeit gar ordenfich." Gesta Romanornm., 
Bielleicht fagte man ehemahls audı ordig, weil in Luthers Bibel: 
überfegung unordig für unsrbenttih verkoͤmmt. Dave bie Dr 
dentlichkeit, die Eigenſchaft oder Wefhaffenpeit einer Perfon und 


Das Eiht-war nicht felbft crr _ 


J 


der nach einer ge neinſchaftlichen Regel belimmen und unter einan⸗ 
der in Udereininn ung bringen. Etyas ordnen, jedem tinzeinen 
die gehörige, mit bin übri en übereinfigimente Stelle —2 
fowol dem Dete, als auch ber Zeit und dem Vethältniſe nah. "Die 
Sedede, Auffäge, Eihüffen auf einer Taftt erdnzn. Pic Kücher 
einer Büherfammlung oronen. Eine Geſellſchaft nah dem Tıter, 
ber Größe, bem Range ihrer Glieder orbnen., Die Zahlen. ordnen. 
Die Stimmen in einem Zonfpiete orbnen. Ju weiterer und untis 
gentliher Bedeutung, dem gehörigen Berbältniffe nach beftimmen, 
mit einer hoͤhern Megel Übereinftimmend einrichten. Gott regieret 
und orönet die Schidfale der Menfhen. - j 
Da ihm bie Goͤtter geordnet bie Wiederkehr in bie Heimath. Bop. 
Dog nit dir iſt geordnet — — 

den Tod und das Schlaſal zu dulden. Derf, 
„Der Verſtand muß mit feinen Einſichten bie Neigungen bes Willens 
feiten und ordnen.» Bellert. ine georbnete Begierde, die mit 
ben allgemeinen Vorſchriften der Vernunft in Übereinstimmung gebradt 
ift, denſelben nicht wiberfpriät; in Gegenfag einer ungeorbneten. 
In engerer Bedeutung , bie Handlungen Anderer nad) einer höhern 
Regel, oder auch, mach feinem Willen beftimmen; gemöhntiher an- 
ordnen und verordnen. „Wie ih den Gemrinen in Balatia geordnet 
babe," wie ich ihnen verordnet, befohten habe. ı Ger. 16, ı. 
„Gott hat geordnet bie Hersihaften," angeordnet. Sir. 17, 24. 

Ihr Sänger Bragas, der, nah Apollons Pild’ 

Erneut, für Eorber ordnet ben Eichenkranz. Voß, 

Daß fie die Hochzeit ordnen. Devf. 
Dann auch, jur Führung eined Amtes Befthl und Befugniß erthei— 
len. „Daß id bi ordne zum Diener und Zeugen." Apoſtelg. 
26, 16. So könnte man auch ſagen, eimen Geiſtlichen ordnen, ihm 
das Lehramt und bie Befugnig zu allen Amtsverrichtungen feierlich 
ertheilen (ibn ordiniren).. D. Orbnen. D. — ung. S. d. 


— 


Der ordentliche Pfarrer, Die Der Ordner, —, 34. al; die —inn, By.—en, eine Perſon, wel 


de etwas orbnet, anorbnet, verordnet. „Der Gefepgeber, ber Felb⸗ 
berr, ber Redner, ber Ochner.“ Herder. 

— der Ordner der Welt, Zeus. Bo. 

Ordner ber irdifhen, himmlifhen Dinge. Knebel. 

Eingt bie, Ordnerinnen ber Staaten, Berber. 
1) Die Handlung ba man orbnet; ohne 
Mehrzahl. Die Drdnung einer Gefellſchaft bei Tiſche 1c., die Bes 
ſtimmung des Plages, welchen eine jede Perfon einnehmen ſott. 2) 
Die Übereinftimmung des Mannichfaltigen nad) eimer gemeinfhaftlis 
Gen Regel zur Erreichung eines Zweckes, fowel in Anfebung feiner 
Bolge im Raume und in ber Beit, als aud in Anfebung feines Vers 
hAtniſſes zu einander, damit es zu einem übereinftimmenden Ganr 
sen werde; ohne Mehrzahl. Etwas im eine gewiſſe Ordnung brin⸗ 
gen. Die Ordnung der Wörter in einer Rebe, bie Kolge ber Mör: 
ter. Die Ordnung eines Zuges beflimmen, wie jeder auf den Ans 
born im Auge folgen fol. Pie Truppen in Ordnung flelen. Der 
Feind tief ohne alle Ordnung davon. Cine Münsfammlung in 
Ordnung bringen, ine uhr in Orbnung bringen, maden das 
fie ordentlich geht. Seinen Anzug in Ordnung bringen, alfe Theile 
des Anzuges gehörig ordnen, und ihnen ſolche Verbindung geben, baf 
ffe zuſammen ein verbältnifmäßiges Ganzes ausmahen. Es if 
kine Ordnung unter den Leuten. Auf Ordnung halten. Die 
Ordnung lieben. In engerer Bedeutung, von Hanblungen und 
vom Betragen. Gm Eſſen und Trinken Ordnung balten, Immer 
zu einer beſtimmten Zeit effen und trinken, und weder zu viel noch 
au wenig. id an eine gewiffe Ordnung gemöhnen. Dies ift wie 


J 


KSron 56 Orge 


ber dudine Sin Aus Kluer ‚Hund — — 
„in Dednung run — fepen, „dep ihte —— mit den 


"sche für! 'ften übereinit Wie — uhoon a Berändehumgen. " 


fie aͤberau ih beobochten. „Wer Behref? ber’ Verworrenhelt und der 
baraus entipringenben Dimtelfeie war⸗ für den erwachenden Orb: 
nundefintt ber Frauzoſen ber bedtenbfle, fühttarfte.n ungen. 7 


"Die Drohung * Heu bie an Peränderingen in derfel: oO Ordnungswidrig, —er, —fie, adj. W.-adv. 1) Der. guten Orb: 


„ ben nad höheren Ya Belegen. Die bürjertige Ordnung, 
die überein * —8 de — mit den ‚bitgektichen‘ Gefeten. 
Das ift widet ale g nung.’ erfiegen' wa ad 
—— unter dem {it — weitere Im We 


nung zumiberlaufend. „Ein ordnungemibehges Serfahren.“ Alt: 
“gem. Bettung! (M,) Orbnungsmidrige Pantlumgen. 2) Einer 
 Drdnung, Verordnung zumwiberlaufend. Daden bie —— 


drigkeit/ die Befdhaffe ahent einer Sache/ ban ſie orbnucn geidrig if 


„„autünf if die Ordnim —2 eheh‘ —— in’ u. Die Ordnumgs zahl Big. eh, eine Zahl, weiche die Orchmumg: ober 


"einzelnen Thellen der Eile. mordnun ie Dorie 
"Er , Jeniſche, —— — —— —SE tbnung. 
) 5A Ordnung geteittt Inge; ein georönetbs Ganzes, bae aus - 


„mehreren äbnlihen, Einzefdihgen oder Einzelweſen beſteht. Die Orb» ' 


nung ttennch. „Die Pliefiek der erſten ‚Drönung.- = Kbm. 25, 
“18, „Die Ordnung ber Thürhäter,“ ’ı’ Chrom. 27, 1." Zinneir 


Folge dem Orte und ber’ Bett nad: anzeipt, bie orbuende Acht, u W. 
ber Äfte j zweite, « britte #,'yunk Unterfähee vom den Bruindj 

Ien, eins, zwei, brei ıc, wofür Runter beffer bas Orbnungsgahle 
mort gebraudt, weit der erſte, weite 26, Peine Zahlen ſtub oder be: 
seinen fenderm nur Wörter woburd die Orbmung ober Bolge * 
Dinge mit Zahlen bezeichnet genau angegeben wird. 


“Ten gebraucht man‘ Ordnung’ far Mieffe,- gernöhntichtr ir imb beſſer O Das Ordnungszahlwort, —es; By — wörter, f. 


. „teilt, mon aber die Flaſſen in Orknungen. So werden auf den + Der Drego 


Scäuiten die Kiaſſen Häufig’ nech in @ oder 5 Drbnumgem elnges | 
theilt. Im der Raturbtſchrelbung theilt man ein in Reihe; Kiafı 
- fen, Ordnungen, Geſchlechter, Krten. Auch ſchleben manche wol 


Deomungtpahit. 
0. Umenb. u, 3. im M. Di’ ber’ Kretiſche Dofh, der 
zu Salat un ab als Würze beim Einmächen gebraudt with en 
“mım ereticum); aus bem vatelniſchen verberbt: 
— auch Surfer in Sül und in‘ derfhenr Drego.. Bok 


noch zwiſchen Geſchlechter und Arten Gattungen ein, oder man ger + Der Orelbaum, —es, 4. —bäume, der Mehlberrbaum;, — 


braucht Gattung und Geſchlecht als gleichbedeutend. Dann auch, 


baum (Crataegus aria L.), 


4) die Vorſchrift oder Megel, nad) welder mehrere einzelne Handiune + Der Drengel, —s, 9. u. ein Rame der Mannstreu Errngium 


gen ‚auf ein übereinflimmige, dem Zweck, welder erpeiht werben 


L.), wahrfheintid aus dem Latelnifihen Ramen verberbf. 


“ n,. arigemeffene Art eingeridtet worden ober eingerichtet werben f Der Drf, — es (en), Di —e (en), oder die Drfe, pm, 


⸗ 


ſotlen. Seid unterthan aller menſchlichen Ordnung.“ » Petri 


2 15,, „Mer fi wider bie Obrigkeit feget, ber wiberftrebet Got: 


führen wach Verſchiedenheit ber Gegenftände, welche fie betreffen, 
auch verfhiebene Mamen. Die Brauordnung, Feuerordnung, 
—— Gerichtsordnung, Hofordnung, Kleiderorbnung, 


tea Ordnung“ Röm. 13,2. Sole Vorſchriften oder Regeln 


ber Goldbraffen ober bie Bolbforelle.' &. db. Außer dem dort anger 
„fühesen Ramen führt er noch bie Ramen Erf, Erfel, Ur, Orbe, 
” Drfling . Nörfling, Würfing. - Ein diefem ähnliher aber weißer: 
Fiſch Heißt’ im Sathfen ıc. bie weiße Orfe, der Weifinörfling, im 
Regensburg Frauenſiſch; in beffen Begenfat man: ben Goibbraffen,. 
Goldorfe, Goldnärfling nennt. 


ebeneorbnung zr. Im andern Fällen it Verordnung gemöhntih. Die Orgel, 94. —n; Br. das Orgelchen, eim mehr’ eder weniger‘ 


’@ Die‘ Orbnungsanftalt, 24. — en, eine Anflatt zur Erhaltung ' 
der bürgerlichen und öfenttihen Ordnung; die Polizei. ©. 


O Die Ordnungsauffiht, My. u. die Xufficht über bie Erhaltung 


„der bürgerlichen und Öffentiigen Orbnung, wie auf, die Perfonen, 

welche biefe Auffiht führen, bie Poliget. E. Die aͤrzliche Drde 
nungsanffiht (die medieinische Pollzei). 

O Ordnungsgemaͤß, adj. u. adv. 1) Der gutem Orbnung gemäß, 
der Bürger ihen Ordnung nicht zuwiderlaufend. „An dieſem Tage 
‚werben ordbnungsmäßige Beorfsergeslidjteiten und folglich Tänze 
und erlaubte Spiele zugetaffen.e N atiomalzeitwng. (R.) ) 
"Einer Ordnung, Verordnung gemäf: 

"Das Orbnungdgeriht, —es, By. —r, in Liefland, ein Gericht, 
weiches yur Xuferätättung dee bürgertigen und öffentligen Ord 


"nung niedergeſeht iſt, die’ Vvolijet. 


"Die Srdnungsliebe, 0.9. die Liebe zur Orbnung, die Neigung 


and Gewohnheit in allen Fällen und Sachen Ordnung zu beobach⸗ 
tem... ©. Ordnung. 

Ordnungsliebend, —er, fe, adj, u. adv, die Ordnung iledend, 
‚ Orbnungdtiebe jeigend, 


Ordnungslos ar —eſte, adj. u. adr. ohne Ordaung, unge: 


„orbnef. „Die anfangs wilden, erbnungsiofen und mit einander 
tampfenden Eiementer Neftoffe). ungen. (R.) 


großes aus hölzernen ımb zinnernen großem unb Beinen: Pfeifen zus 
fommengefebtes Merk, in beffen Pfeifen Wind aus arogen Wlafebäl: 
gen bann biäfet, wenn fie bemfeiben dermittelſt des Nieberbrüdens' 
wnb Spielens ber Zaften bes: Briffbreftes vorn an der’Drgel. geöff: 
net werden. Solche Werke ber erhabnen und feierflihen Tonkunſt 
legt‘ man gewoͤhnlich nur in Kirchen in ber Höhe auf einem’ Kore 
am zur Begleitung und Beitung bes Geſanges der Gemeine. Dle Orgel 
fpielen, ſchlagen. Auf der Drgel fpieten. Ähmiche Werke in Kleinen, 
bie Heine und wenige Pfeifen haben unt deren Eleine Bälhe entweder 
getreten ober mit ber Band in Bewegung gefeht werben — an bem 
großen Orgeln werben fie bloß getreten — beißen Handorgeln (Posi- 
tive). Dabim gebörem auch bie Heinen Orgeln imStaften, womit in: Grm 
Städten Leufe oft in ben Straßen herumzichen, beren Pfeifen: nicht 
vermittetft niebergebrädter Zaften fonbern durch bie Stifte einer um 
gedrehten Walze dem Winde geöffnet werden: &. auch Wafferore:t.. 
Ungewöbntid md unpaßlich wird nad‘ Ab. ber erhöbete Diet. im 
der Klrche, auf welchem ſich bie Orgel befindet,. Bas Orgelfor,. bie . 
Otgel genannt. Uneigentlich beißt in der Befhäsfunf ein grmifiss- 
Geſchuͤt bie Orgel, weil bie mehrerh' Flintenläufe, aus weichen. c# 
beftehet, neben einander ſo wierffe an: Größe gltich den Orgelpfeb | 
fen abrtchmen ;auf einen Brot befeſtiget find; das Orgelgefehät.- 


Der DOrgelbalg, —e6, 4. — baͤlge, der: Blafebatg an einer Orgef.. 


‚OÖ Ordnungsmaͤßtg, —er, —fle, adj. u. adv. 1) Der Ordtung Die Orgelbanf, Mi. —bänfe, bie Banf vor der: Orgel, auf weicher 


gemäß, orbentlih. „In Karthago fand ſich zuerſt eine orbnungs- 


der Drgelfpieler ſitzt. 


mäfige Verfaſſung des Firhlihen Gefelfhaftekörpers.r Henke (R.) Der Orgelbau, —es, ©. M.. ber Baur einer Orgel, wie. auch die 


2) Einer Ordnung, Verordnung gemäß. Davon bie Ordnungs⸗ 
maͤßigkeit. 


‚Der Ordnungsriäter, —s, 4. gl. der ichtet bei einem Orde 


nungsgerichte. 


Kunft, eine Orgel zur bauen... Den’ Orgelbau verſtehen. 


Der Orgelbauer, —6, ®4. gl. einer ber bie Kun Orgeln zu: bauen 


verftebet und dieſe Kımft treibt X der‘ Orgelmacher. 


X Der — —eM. gl. einer der ergelt, die Otgel ſpielet. 


„9, Der Drbnungsfin, 8, 0. der@inn für Ordnung, die Em⸗ Das Drg er — if. Acgel. 


Mnglichteit, das Gefühl für Ordnung. derbunden mit der Reigung,“ Der Dre 


” 


ften, —#, 2.- al. der Kaflen ober. bie-Einfaffeng: einer 


Droge 


"Grat, worin fih dat Drgelwerk befindet. In Schwaben X uneis „ 


-"ı genslich eine dide Weibsprrfen. ‚I. &. Shmid, , 

Der Orgelllang, — es, En. — Hänge. 1) Der Klang, bas Ihnen 
bee Orgel, das Orgelfpiel., „Bis — unter Drgelfiang — das erfte 
Dohamt im den ven bie erbanten Mauern feierlich begangen .ift,* 
Benzel:Sternau, =) Ein Klang, ein Ton ber Orgel, ber 
Draelion. 5 — pn 

Das Drgellor, —es, My. —koͤre, das Kor ‚oder der erhöhete Ort 

An eines Kirde, bie Empore, wo- ſich die Orgel befindet. + 

‚Die Orgeltoralle, B. —n, f. Drgelmwerk, 

Die Drgeltumft, 0. 4. bie Kunft zu orgeln, bie Orgel zu fpielen, 

IM. &ramer. 5 tee : 

Die Orgellade, M. —n, bie Windlade an einer Drgel. Stieler. 

X Der Orgelmaher, —s, 4. gt. ſ. Drgelbauer. 

Das Orgelmacherloth, — es, 9. u. bei den Orgelbauern, ein Löth: 

Aoth welches Leihtfläffiger fein, muß als das 3inn, woraus bie Drs 
aetpfeifen gemacht werben. j a 

-Drgeln;; v. intzs. u. tes. bie Orgel, ober-auf der Orgel ſpielen. In 
weiterer Bedeutung. auch überhaupt, fpielen auf einem Tougeräthe. 


’ „Man ſpreche mir von Philomelen, von raufgenben Biden, vom 


Siänfen ber Winde, und von Allem, was je georgelt und gepflffen 
worben ift* c. @öthe. Uneigentlih auch, Töne bervorbringen, 
bie mit DOrgeltönen Ähnlichkeit haben. „Der Sturmwind orgelt in 
den Schornſteinroͤhren.“ Leffing. D. Orgeln. D. —ung. 
Die Drgelpfeife, By. —u; Bw. das Drgelpfeifchen, eine der Pfeir 
: fen in ber Drgel, bie bei Kirchenorgeln fomol von Holz; unb vier⸗ 
’ eig, als auch von Zinn und rund und Überhaupt von fehr verſchied⸗ 
ner -abgeftufter Größe find, auch verfhiebne Namen führen. S. Gr: 
fichtepfetfe, Baßpftife ꝛc. Megen der Gtufenfolge der Drgeipfeis 
fen in Anfehung ihrer Größe und Dide, fagt man von Perfonen, 
befonbers von Kindern, beren Größe flufenweife abnimmt, fie folgen 
wie bie Örgelpfeifen auf einander. Uneigentlih nennt man Orgel: 
pfeifen wegen einer Ähnlichkeit auch 1) in der Seeſprache, bie in 
einer Reibe in einem Hafen neben einander eingerammten Pfähle, 
bie cben und unten mit Querhoͤlzern verbunden find. =) Das Dr: 
gelseihät.. 3) Eine Art Scheidemuſchel, die im Sande wie eine 


Srartpfeife gerade in die Höhe firhet (Solen vagina L.); auf bie 


Rinne, Scheibe ıc. 

Das Orgelpult, —es, BY. —e, das Pult vorn an ber Orgel über 
dem Griffbrette, auf welchem das Notenbuc liegt, 

Der Orgelpunkt, —es, 9. —e, in der Tonkunſt bei vielſtimmigen 


Kirhenftüten, eine foihe Stelle am Schluſſe, in welcher bei liegen: 


bern Waffe bie obern Stimmen einige Takte lang einen in Einklang 

: ., mannicfaitigen Gefang fortführen, weil die Orgel, welde dabei im 
Baffe bloß den Ton ausbaͤlt einiger Mapen einen Kuhepunlt Hat, 
da bie andern Ztimmen fortfahren. Sukzer. u 

” Das Drgelregifter, —s, 84. al. f. Otgelzug. 

Der Urgelfhläger, —®, &M. gl. der Orgelfpieler. Stieler, 

Das Orgelipiel, —es, Mz. —e. 1) Das Spiel eder Spielen ber 
DOrgel, auf ber Orgel. Bein Orgelfpiel iſt vortrefflich. =) Gin 
Spiel auf ber Drgel, tin auf ber Orgel vorgetragenes Zonftüd, 
befonders wenn fi einer bamit ald Meifter hören läßt (Orgelcon- 
eert‘, 3) Ein Dergelwerk. ine Uhr mit einem Orgelfpiele. 


Der Orgelfpieler, —s, WM. gl; die —inn, Mz. -—en, eine Per 


fon, welche die Orgel ober auf der Orgel fpielet, beſonders, «in 
Mann, welcher dazu angeſett ift, Lie Orgel in ber Kirche beim 
Gotteedienfie zu fpielen (Organist); auch Orgelſchlaͤger. Dann 
aud in engerer Vedeutung, sin Meifter im Orgelfpielen. 

: Der Orgelfiein, —es, Mg. —e, bei Müller, eine Art Sternfo: 
valen, bie aus einzelnen edigen Röhrchen zufammengefegt ift (Ma- 
drepora musicalis L.). . 

Die Orgelffimme, Mm. —n, eine Etimme, ein eingelnes Pfeifen: 
wert in einer Orgel, weiches durch einen Bug mit dem Taſtenwerke 


566 


"Das Drgelwerf, —s., 


in, Berbinbung gebracht wird,.fo daß es beim Spielen Adnet. , 
Die Drgelthür, Sy. —eu, bie Thür zu einer Drgel. A 
O Der Orgelton, —eb, B4..—töne, ‚der Ton einer Orgel, ‚wie 
aud ein Ton ber Orgel. ' Dies Tongeräth but einen Drgelton... Ih 
vernehme Orgeltöne. er 


‚Der Orgeltreter, —, gt. berienige, welher bie Biafebkige am 


ber Drgel tritt; beffeg, der Balgentreter (Calennt). ” 

46, 0, —) Das Wert, dos Ihnere-einer 
Drgel, in Begenfap ber Einfaffung, ber Werzierungen 16, ‚def, Dr: 
Bel; dann, eine Drgel feibft. , 2) Im der Naturbefhreibung eine 

‚Art Röheen: oder Pfeifeulorallen, : deren Röhren mit Oraelpfeifen 
. Üpntihkeit baten, das rothe Dryeliverf (Tubipora musica L.);_ 
auch Orgelforalle, rorhe Roͤhrenkoralle. " j 

Der Drgelmolf, —es, My —wölfe, bei den Orgelbauern, ein Febs 
(br im der Orgel, wenn zwei reine übereinftimmenbe Pfeifen zugleich 
gerährt werben und zwiſchen denſelben ein dritter Ton, ein Wifton 
gebört wird. J Pe ea 

Der Orgelzug, —b, 4. —jüge, ein Zug an und in der Orgel, 
durch welchen eine Stimme der Orgel mit, bem Taſtenwerke in Ber: 
bindung gebracht wird, fo daß fie beim Spielen tönet, das Orgels 
regifter. S. auch Orgeiflimme. . 

Der Orkan, —es, M. —e, f. Sturm, Windsbraut. : 

t —— 4. —n, oder ber Orlenbaum, —es, 34. —bäunie, 

e Erle. 

xx* Der Orlog, —s, 24. —e, ebemable ein feierliher Rrieg, im 
Gegenfat ber kleinen Fehden. Davon orlogen, mit Krieg Überzie 
ben, Aricg führen. Be: ; — 

+ 2 Orlogſchiff, —es, 9. —, im R. D. ein Kriegeſchiff. & 

rlog. 

+ a. Orlogsſlotte, 9%. —n, eine Kriegflotte, Flotte von Drlog 

iffen. 

*%* Das Or, —es, 4. —t, das. Roß, Pferd (nal. horse). 
Man unterjhieb chemahls Ors und Pferd und verftond unter Ors 
ein befferes, ſtärkeres Pferd. Davon orfebar, des Orſes bar oder 
beraubt, der Drsdienit, der Roßdienſt, Dienft zu Pfeide. 

Der Ort, —eb, Bi. —e, und Drter; Bio. das Örtden, D. O. 
—lein. 1) K% Ein Theil eines Ganzen, ein abaebrohenes Stüd. 
Im R. D. nennt man Ort, Ortels noch dasjenige, was das Vich 
vom Zutter liegen läßt, weldes aber auch zur zweiten Bedeutung 
gerechnet werben und basienige bebeuten kann, was in bie Ecke, iu 
den Winkel der Rrippe geſcheben, geſtoßen wird, Davon orten, 
verorten (versehen), Ortſtroh. Hicher, ſcheint es, gehören ve® 
ſchiedne Bebentungen, die Ort noch jegt hat, indem man bamit ber 
eignet, (1) ein Gewiht, befonders in M. D. und Dänemart, „we 

man unter Dre und Örtchen ben vierten Theil eines Quentchens 
verftehet; aud das Ort. ben fo im Lannöverfhen und Bremb- 
fhen, dagegen man an andern Orten bao Quentdien in vier Pfen- 
nige theilet. Die Mehrzahl Drte lautet nad einem Zablworte, wie 
in bevafeihen Fällen gewöhntih if, mur Drt. (2) Cine Münge, 
bie gewoͤhnlich aud ber vierte Theil einer groͤßern if; auch, das 
Drt, By. Orte und mit einem Zahlworte verbunden nur Ort, Ge 
ift in vielen Gegenden ber Ort oder bas Ort ber vierte Theil eines 
Thalers. 8, Ortsthaler. Im Roͤllniſchen bat ein Ort oder Orte: 
thaler = Scillinge 5 Biaffert ober 240 Heller, und a Ort machen 
einen Herrengulden. In Oſtfriesland iſt das Detchen ber vierte 
Theil eines Stuͤbers, welder 2%, Witten hält, fo baf 216 Drts 
hen zu einem Thaler gebören. Wieleiht hängt dieſe Bedeutung 
mit derjenigen, nad) weidher Ort auch fo viel ift als Ede, zuſammen, 
indem man ehemabls auch vierefiges Geld Untte, welche Geft it jene 
Muͤnzen vieleicht urfprünglih batten. (5) Ein Maß, ebenfalls ger 
wöhntich der vierte Theil eines arögern Mäfes; auh das Ort, 9m. 
Orte und Ott. Im Braunſchweigiſchen, auh in Löbeck if das Ort 
der vierte Theil eined Quartiers, umd im Dönabrüdiden ber wirkte 


/ 


Theit einer Kanne ober eines Based, "unbe halt dafeihſt vier 
Heifhen. Im ben Hallifhen Salzwerken ift es ber vierte Theil eis, 
ner Pfanne, Im Schweden neknt man auch ein Getrefbemäg Dit, 
"Geren 3a auf eine Kanne und ı793 auf eine Tonne gehe, 2) Als 
Ane Fortſetung det vorhergehenden Hauptbedeutung (1) die Spitze, 
ade, Schärfe eines Dinges; DM. gewoͤhntich Drter. Seiner Bun: 
"gen Drt;* d. b’Spise. Jeroſchin. Davon fharfortig, ſtumpf⸗ 
"brtig; rechtortig, einen fhatfen oder fpisinen, einen ſtumpfen, gir 
fen rechten inter habend; vierörkig, Pieretig. Wei den Bergleus 
"ten heißen Ele Spigen an den Bergeifen Orter, und im m. D. ifk 
"per Drt, jede Eike, wie aud das Entgegengefegte betfeiben, jeder 
"Mintel um dern Drt gehen, um die Ede. Üben dafelbft Beige 
auch eine Eanbfpige ein- Ort; daher die Eigennamen Daggerort, 
“ Keerott ac. Ein Meiner Thell am Ende eines Gartens, Feldes heißt 
im R, D. auch Ortken, nleihfam ein Eden, Winktlchen. Sort, 
Horn 18. fiir im dieſet Bedeutüng bamit verwandt) ind in einer 
Wibelüberfefung von 1477 werben dir Obrnet oder Eltten eines Als 
" tares Drter genannt. Anne wertes ott buieke,* die Wlice, dee 
Sqhein von der Schärfe feihee Sqhwertes Stryter. ünelgentllch, 
x das Erſte und Begte Fines Dinget, der Anfang und das Ente, 
„Bis zu Tages Drtje bie zum Anbrucht des Tages. Seh. Brand. 
„Er fagt es ihm von Drt,* von Anfange,:bei Brifd., Tewrdant 
der Held — trat an des Paumbs Ort.“ Theuerdank, Kap. a8, 
Mas ift doch unfer Beben, - DIN: ' Mm; 
Die wir ehn Ead und Ort In Küche und Meofte ſchweben? Orin 
"son wit ping ort,« wor oben bis uühten. Borne. „Des Ledens 
Ort.« Ierofhin. Daven der Drthäb. Im hentdirien Beben fügt 
man noch, eine Sacht am rechten Ofte' angreifen, a rechten Ende. 
S. Drtband, Ortbrett 1t.- (3) Ein mit einer fharfen Spige ders 
fehenes Ding. Dergieithen iſt der Oft ober bie Ahle der Schufter. 
3) Der Theil bes Maumes, morin fh ein Ding befindet, oder befitk« 
den Fonn, ohne Mebenbegriffe, welche mit ben Wörtepn Pins, 
° Stelle, Stätte, welche zu vergleichen find, verbunden find; im ber 
Re hrzadi am beften Orte, häufig aber and Orter, im DD. auf 
“Bad Drt; 4: ©. „das Ori der Herriſchteine Spin, In der edre 
vom Überfinnlihen (Metaphysik) untebfheider nran ben unbeylehlt: 
hen (absoluten) Ort, denjenigen Raum, welchen rih Körper wirks 
"HS einnimmt, und den besichtigen (relativen) Drf; ben Ratıin wel— 
Gen er in Beziehung auf andere Körper einnimmt, die Stelle. In 
ber Raturlehre verſteht man unter bem mahren Orte eines Geftir: 
"e4, denjenigen, an welchtm man es vom Mittelpunte ber Erde 
aus erbliden würde (ber geocentrische Ort); unter bem ſcheinba⸗ 
ten aber, ben wo man es, dom ber Oberfläche der Erbe aus ſtehet 
oder zw fehen glaubt, Der Ort Bes Bildes iſt berjenige, we. das 
Auge das Wild gemahr wird. Gin jedes Ding an feinem Orte. Es 
befindet ſich nicht am rechten Orte. Etwas an allen Orten ſuchen, 
überall wo es fih befinden fann. Es finder fih an vielen Orten. 
Das genannte Wort muf an einem anderen Orte fliehen, In einer 
andern Gegend ber Schrift, in dem Buche, Davon ift ſchon an eir 
nem andern Orte bie Mebe gewefen, anderwärts, Der Feind griff 
an brei Orten an, auf drei Punkten. Das Feuer brach an mehrern 
Drten aus, An weldem Drte? Einem Bett und Ort ter Zuſam⸗ 
Amenkunft Hektminem, Aller Orten, an an Orten, überall. 
Die Luft — — ee = ! 
Säliht Boͤſen aller Orten nad, Hagedorn. —— 


Das laffe ich an feinen Ort geteilt fein, das ioſſe id) ununterſucht, 


unentſchleden. „Es wird eines andern Orts fein, dieſe Künftgeftait 
‚Ädres erſten Menfchen — zu entwitfeln, * es wird am einem andern 
Orte (in eine Schrift), bei eier andern Gelegenbeit gefcheben, 
” Herder Ich fand mich Hier nie an meinem sechten Orte, ih 
fand⸗ baß ich Diet nähe am reiten Orte war, formel bigentlich, daß 
th niht,da war wo Ich fein wollte, als aud uneigentikh, daß ich 
ja den Menſchea, uhter’ welchen obkt in die Berhätenifle, in worichen 


Ort 567 Ort 


ich ini, Hefänd, nicht paffe. Du being beiden herz Hier am um: 
zeiten Orte an, du briugſt ihn unpaßlich, zur Mnzeit ze, An. Zu⸗ 
weiten au, jedoch unrichtig, für Ereile. „Er waget tin and aus 
ſeinem· Ort. Hiob 9, 6. In engerer Bebeutung ‘if bei ben Mark 
feiern der ober das Drt oder bie Ortung jeber Put: in ber 
Grube, fofern er durch eine ſenkrechte Linie am Tage der auf ber 
Obeeſlaͤche der Erde angegeben wird. Einen ober ein Ort, eine 
 Drtung an Zag bringen, einen Ort pfiöteh, duch Einſchtagung 
‚ehies Pflodes, Pfahles auf der Obleſtahhe der Erbe bezeichnen. S. 
Ortpfaht. Im Bergbaue verftehe man unter Dr’, has Unde jedes 
wagerecht getriebenen Berggebäudes, wit auch den Theil einer Serg ⸗ 
—2 wo der Bergmann arbeitet; In der Mehrzahl Orter. Se— 
Yeiden baferbit ale im’ die Quer gehehde wagerechte Mege, Örter. 
©. Querſchlag, Feldort, Fuͤllort, Suchort ze. Orter anfteilen 
"ober reiben, fie machen. Wor Der kommen, an das Gnbe eines 
wogerehten Berggrbäudes, Ein Bergmann arbeitet dor Ort, wenn 
er ſelne Arbeit am Ende der Grube auf dem Geſtetne hat. Im tie 
‚ner andern engern Bebeytung iſt in ber Höfern Meßkont der Dre 
"diejenige" inte, duch welche eine unseffimmte Aufgabe meptünflig 
"Bufgetöfet wird (Locus gesmettiens); der Drt An einer geraden 
. ihie, oder ein einfücher Der, wenn es eime geräte Linie if; ber 
Det an einem Bittel’oder elm ehener Ort, wenn es eine Birfeltinie 
iſt ic. Bumeilen mirb unter Ort au ein beftimmter Theil des 
‚Raumes, im Raume, bie Himmelsgegend unb berfeiben antwortende 
Gegend auf ber Erde veiftanden; DM. Drter. Die vier Winde aus 
"ten vier Ortern bes Himmels. Jetem, 49; 36. %. Die vier Örter 
des Erpreihar Ef. da, 10) Am geinähntigften wird Orr gebraucht 


‘on einem beffimmten Thelle dir D6 ever Erde: „In den 


Ben. ber Müfte wohnen,“ Ierem. 9, a6. Nur einige menige 
eier biefes Walbberges trigen Fichten. Im Forſtweſen verſtebt 
man unter Dre auch einen Play Im Walde, wo eine andere, als 
die darin Hersfhende Holzart wäh. Im ber Schweiz werben die 
Bezirke, worein bas Land getheilt ift Orte ober Drtfchaften (Can- 
tons) gendnnt, Die Frantiſche Reihsritterfhäft theitte man ſonſt 


& duch) in fee Orte oder Be: und wäh in fünf. We 
“" fonberd Bentant man mi Ort ala einem allgemeinen Nuebrite einem 
von Menfhen bewohnten Thett ber Erdoberfläche ‚And man begreift” 


barunfer ſewot Städte, Fiecken und Dörfer, als au einzelne Echloſ⸗ 
fer, Bormwerke de: 5; dm der Mehrzahl Drte und häufiger Orter. An 
meinen Orte wich es damit anders nehalten, in ber Gtabt, dem 
Bleden, dem Dorfe ıc, wo id geboren bin, ‘ober wo Id wohne, 
„Safa nuove if ein armes Drtchen.- @ eume. (R.y Ein sum Sons 
"bel bequem gelegener Ort. Gin befeftigter, feſter Drt. Einen Drt 
mie Sturm einnehmen. En offener Ort. Der Prediget des Ortes. 
Sr wohnt im Orte, nämlich von welchem bie Rebe ift, hier. + Dies 
Dres, im DO. D, an diefem Orte; hiefigen Orte, am biefiaen Ortes 
biefiger Orten, an oder Im Hiefigen Orten; + we Drten, ebenfalls 
im ©. D. für wo, Oft verfieht man unter Ort auch einen kleinern 
von Menfhen deſuchten Raum, tdo es ’'unbeffimmt Bleibt, ob «5 eim 
Gebäude, ein Haus, ein offener Pas x. iſt. „An öffenttiihen Ors 
ten.“ Leffing. Etwas an’öffentiiden Orten bekannt maden, ame 
fhlagen, auf den Märkten, ar den Straßenecken ı. Werbiditige 
ober berüdtigte Örter beſuchen, forde Diufer, Ineigenelich verflcht 
man unter Dit auch eine Perfon oder Perſonen ſelbſt. Btinas gehbr 
rigen Ortes oder am gehörigen Orte melden, anbringen, der achbe 
tigen ober Bei der gehörlgen Drehen - Bett: Hehe a Orts befohtem 
werben, Ich meines Orts, was mic betrifft. — Bär din dieſen 
Morte lautet Bei den Meiſten vichtig geſchaärjtz do ſprehen au 
ſolche die das 9 in Ben Körinen Bedeutungen ſchatfen, baffeibe in ber 
Bedeutung, da uffer Ort ein fpipkgen Körper veritanden wird, ber 
Det dev Schuſter, gedehat aus, In melden. Fauen bie Weheredi 
xntwe der aut Dete ae Deter, oder auch ſowet Orte als Orter 
lautet, iſt im Eigen angegeben werden. Sa. Gugeitefnen baven 


— — 


Ortb 


„myb au hemerken, daß bie Mehrzaht chſt ‚ans, der 2 
u de — — und in % — —— 
eʒatzoga wird, peil das uabe ſtimmte und. Unbegrinäte der Gin: 
—— ar das Grögere und „Höfere ‚Iheint, Sxtemicd aber 
wie, Stofh bemerkte, allerbing! don Bäkmen oder heilen des 
Raumes gebraucht/ fefeen unbeſtinmt und in allgemeinen davon 
geſorohen with, Oiter aber, wenn dich mid mebrerir Beſtimmtheit 
gefhieht, wir gus den, öpigen Brifgieen und mod mehr aus dem 
Gebrauge ig Shelften und.in,der Eprdihe des gemeinen ‚Lebend zu 
„‚erieben iſt, wid au —R——— mochte. Min vetl. 
au — %) — ee 
Das Drtband, —es 9. —bänder, das hodie Blech uften an fer 
Brite einer Degenfheibe, von Dit,2)., N, D, Dortband, verbegbt 
. Shrband. - ; 
O Drtbefchreibend, adj. u. ade, die Orte ober Deter, d. 9. Studte, 
leden , Dörfer, ze, befhreibenb (topographisch). .; , m 
O Der —— T Dip. ab bez Verlaſſes eintt Drtbefzei- 
Bann, 1.0: 2IÄFomogragh). _. nansınca mnsns u. un 
ie Ditbefhrefbung, 4. —en,, 3) Die & hreibung ber Orte 
eoder der Heter, de h. der 56 Zlecken Doͤrfet a6. (Topggra- 
s.phie), ©, Drt 5), a jhreibung hat feitvem yagemein ges 
„.monnen.“ Ebrling, Die Drtöbefchreibung ‚dit. die Vefhreidung 
eines einzelnen 
. Shreibung enthält, , ra — — a 
Das Ortbrett, —t6, Dip per, das Best am Orte cher Ends ei⸗ 
‚mes Dinges, das aͤuberſte Brett &. Ork,e). Das ein jeglihes ber 
ı beiden Th mit feinem, Drsbrett ton unten anf gefehle.n.a. Mpf. 76, 
ar daB „Mie Beitenbrester ‚eines Bettzeßeiles heizen auch 
u FRtDugtien, m a et FT 
He + Die Orte, aper, Orte, Mg —n, bie Buge, der Anteil alnes 
. Jeten an ben Koflen eines gemeinfdhaftlihen Echmaufes; auf Site, 
Üste. ‚Die Orte bejahten, die Zede. Cine Here Bier, 5, 
2. + Die Drte, 2. —n, die Eicige (Cyprinus phoxinus L). 
Orten, x. I) Kxkınte. mit haben. ı) Einen Ort haben, «innehinen, 
mobnen: 2) @id ampbreigen, erſtteaen Dberlin. 3), Im einen 
Winkel ausgehen, einen Winkel bilvenz &gi ſh 11) + äutes. u, frs, 
‚vom Dich, das Befte aus dem, Futter auglefen, updhag, Übrige „Lie: 
gen laffen, verfirenen, fo daß wenig ober nichts mehr, Dangn, zu,ge: 
; ‚brauden ift, oder das übrige in den Winkein der Krippe liegen 
kaffen; aud örten. &, Ort ı). 
D. Orten. D. —ung. * 
+ Der Ortengeſell, —en, Wz. —en, bei manchen Handwerkern 
B. den Güͤrtlern, ber Altgeſell, deſſen Ant unter andern quch 
.‚.batin befteht, ankommenden, Grfeuen-ben Wilkommen zu reigen 
U und fie, zw bewirthen; vom, 1, Orte. ©. d. , 1°... * 
Die Orterbank, My —bänke, bei den- Tiſchlern ıc., eine ange Bank, 
— auf welcher bie Bretter ac, geörtert und uͤberhaupt jugeſchnitten 
werben, en or, ee j ai 
Das Drtergeld, —es, Bh.—1r, in den Hüttenwerfen, ber Sohn, 
„ melden. ber Mergfhmieb für Ausfhmiedung der Eiſen erhält. 
Ortern, v. trs. 1) x Sheilen. ©. Ort ı). ») Bei ben Zifhtern, 
- Kammmahern, bie, Örter d. 5. die Enden ber Bretter, des Holzes, 
der Hörner abfägen, 5) Chemabls auch, zu Ende bringen, endigen, 
entiheiben, beilegen. ©. Ort 0). Davon erörtern. &, db. D. Dr: 
tern. D, —ung. ; f 5 
Die Orterfäge, Ay.—n, bei den Zifälern ıc. eine Dandfäge, womit 
» geörkert wird. 
Der Drterzwitter, —s, ©. gl. im Wergsaue mander Gegenden, 
Amitter, welche auf den Stellen vor Ort gewonnen werben. S. Ort 5). 
Der DOrtfäuftel, —6, 9m. gi. im Bergbau, ein Fäuftel, deffen fid 
‘bie Bergleute bedienen, wenn fie vor Ort arbeiten, ©. Ort 5), 
Die Ortfeden, Paı—n, bie Geber am Drte ober. Gude des Zlügels. 
©. Ort #) und Drefpufe. I“ Fa ee 


Fi 


‘ 


Er. 


tes. 2) Eine Sxeift, welge eine folge Be + 


Davon verorten (verurfden). — 


Oꝛts 


Die Drtgeene, Du, —n, Die, Snferfte Gregge, „Palkaun „B. 


# Den E rrafdie, 4, dl in ansen Wegen, ee Me 
de, weiße dir Biere, heit eines” rofhpeng ober sin Sceitt iR. 
Mekeinburgſhen giebt *4 Drtgräfhen, die ep, Dierte Zeil eines 
grcßen Seofadnd ab, und 44, Piegnig gelten. &, Drt 1,2)... 
++ Der Diipab, =H * —t, ober Dethaber, —$, * X 
ae TEN, Mi — en, bie ſirhezar, Auffager eines Anged;, Alfte 
‚beb. €. Ort “ Ehemaßts 35 — pie’ 
aid ein Beiälger, Euf tr Er Erin, Pacen die Hrtpabiung, 
Der Drtnäner, —d, %, st, im Perghaug,. ein Bergmann ‚wider 
‚nae Det arötitgt, oder der das Cr; in ven) Grupen halt Bgihger 
‚und Gifen gewinnt, S. D B).. ' ie y ds As 
+ * Orthaus, —es,.0%. — häufer, im R. D. ein Gefaul. . 
tt 2). : ... 3 a 
Der Drihobel RD. Al. bei den Bi merfeut — obel, wor 
mit bie Aal;e geebngt wetden· = er “ er * : 
*% Das Dittind, rg, My — er, din ungersthrurs , gleihfem 
„am Bande des Werdärbens ftihenbes Kind. ‚Dpeclin. & Hp). 
*Ortig, sdj, u, te: einen Ort, d.h. ‚sing Ger, einen "Bike, 
‚sta, —* 'fe babpud;, in den Sufamienfegungen Sechtortig, 
»‚Rümpfortig, ſcharfortig Dt a)... ' Ges 
‚ Der Ortfegel, —s, 4. gl; der Eckegel. a 
+ range 16, 24. —tinder. 1) Sm Sinatedffäen, ein 
„BStüd kp Re Halearn.. Ihed_om, die gemeine Weide ſtott. 
3r® aan er eigenspämflge Namk der Gegend um Zuagen: 


h — in Yartla Det sign m Leon 
Brad, ed ),.gAl, —* 3) Einen Ort abend, elnnehmend, 
0%. einem Pf — „Gott it keiner oͤrtlichen Gegenwart und 
„Giniheäufung fähig. „Gin -Bettiches Über, nam, deig, rin einzelner 
‚Theil des, Körpers befallen if, (ein topisches), . Eine Ärtlihe 
Ara heit ,..die, an einem Orte herrfht, zu Haufe;ift (endemische 
„ Ara sit), -2) Einem Drte gemäß, ‚en einem Orte feinen Grund 
m Fabehd,. Die Urfacen diefer Krantogit find Brtiic b. fie liegen 
BRETT — bes Hifen. Ein orttiheg Beburfneie welhes 
— ten maag dig, Rede if, Eiatt hadet. Ortliche Bors 
Mi Ei) ite, ‚die Die oa, Einch. rteß mit 0 bringt, Davon das Orte 
‚„ be, sin Ert ia, sfebung feine, Befpeffenteit, feiner, Lage (bes 
‚ boeale), Das Örtliche fonnen (mit dem Local bekannt, fin). Die 
Drelicfeit, die Eigenſchaft eines Dinges da es örtlich ift, wie auch, 
die BSeſchaſſenheit eines Diuges, die in tem Otte wo e# iſt ipren 


Otund bat, En n re 
+ Der Drsfieber, —g,, pe ot, ſJ. Miffing., em u on 
* —— En Bi. Be * igen, Btitien.,e, 


- Ort =) und Mahl. — 34 er —— ‚sch 
Der Orlpaͤuſchel, — et, Bi. gl... bei. ben Bergleuten, ein hwerer 
. eiernie Bäufter, womit ſie dag groͤbere und fejlere Geßein ‚vor Ort 
gewinnen, S. Ort 5) und Paͤufchel. —— 
Der Ortpfahl, —es 9. —pfähle, bei den Markſcheidern, eim 
Pfahl, welcher einen in der Grube befindlichen Ort auf der Ober⸗ 
fläche der Erde bezeichnet; ber plod ‚wenn, es. ein Pflod if 
Der Drtpflod, rd, Di  Dtfah, u 
x Die, Dftpieke, Bi. —n, eine mit,giner efepnen-@pipe verfep 
Viele, Range. Shilter. Pe — EIERN: 
tr Die Ortpofe, =. —nrf,Drtfpule. mr. ’ 
® Die, Drfdangabe, y. —n, bie Üugabe, Benennung des Ortes 
in einem Briefe, wo er gefärieben ift, ober auf dem: Zitel einer 
, Schrift, welche anzeigt, wo fie gebrudt iſt. „Bein Brief war ohne 
Ortsangabe und Ausftelerag,« G. . 
Der Drtöbefehlöhaber, —8, My. gt. der BWefehishaber an einen 
' Sie Gemmandant). „ußer Dpssbefebiähaber von Hergnoi iſt ein 
„ Gergeanf,n 


© Die Ortbbefgaffenkeit, Wi. —en, ve Befgafeapeit eines De 


Ortsb 


“te, befonbers bie natuͤrliche Beſchaffenheit deſſelben (Localität), G. 

Die er ge ,. — en, f. Ortbefhreibung. 

Die Ortfchaft, 24; —en. ı) Ein von Menfhen bewohnter Drt, es 
fei cine Stadt, ein Kleten ober ein Dorf ıc. In engerer Bebeus 
tung ein Dorf, wie auch eine Flcinere Niederlaffung, ein Stiebel, 
a) Ein größerer Theil der Erdoberfläche, ein Landſtrich, Bezirk. In 
ber Schweig werben bie Bezirke, in welche das Land eingetheilt iſt 
Drtfchaften oder auch nur Drte (Cantons) genannt, „Eine Drt: 
fhaft (in Rerdamerika) ift ein ausgemeffener Landſtrich 6 bis ro 
Gnalifge Meilen lang und eben fo viele breit. Ebeling. »Meh⸗ 
zere Ortſchaften machen zufommen eine Graffhaft aus.“ Derf. 

Das Ortſcheit, —es, 34. —e, ein beweglihes Städ an der Wage, 
ober ein amberes daffelde vertretende Stüͤck Hola, an weldes bie 
Stränge ber Pferde befeftiget und biefe auf folhe Art an ben War 
gen gefpannt werden; Im N. D. der Schwengel, in Öfterreih das 
Drittei, der Vorſchlag, in Schtefien die Atſchte, im Hohenlohi⸗ 
fhen das Wagſcheit, weihe Benennung bie befte von allen if, in 
ber Wetterau das Stillfcheit. S. Drt =). : 

+ Das Ortſchick, —es, Ba. —e, im Bergbeue, eine Kluft, welche 
nad einem fpitigen Winkel über einen Bang ſtreicht und diefen äber 
das Kreuz durchſchneidet, zum Unterfhiebe von einer Kreuzfiuft 
oder Querkluft, die ihn in rechten Winkeln durchſchneldet. ©. Drt 
2) und Geſchick 3). 

+ Ortſchickig, adj. w. adr, Drtfhide habend, enthaltend. ©, Drts 





di 

x Z bief ‚adj. v. adv, eine ſchiefe, verſchebene Ccke habend, einen 
ſchiefen Winkel bildend, enthaltend; in Gegenfag vom rechtwinkelig. 
Davon bie Ortſchiefheit. 

Ik Das Ortſchloß, — ſſes, 34. — ſchloͤſſer, ein an der Grenze lie: 

gendes fees Schloß. 

Die Ortſemmel, 89. —n, im N. D. zwei mit ben Orten ober Eden 
an einander bangende runde Semmeln; zum Unterfdiebe von dem 
Meihes oder Schichtfeinmeln. Auch wol ber letzte an ber Ecke bes 
finbtiche Shell einer Neihefemmel, 

Der Ortögeifiliche, —en, By. —en, ber Geifttice eines Orts (Pastor 
loei). LTuch Ortepfarrer, 

Die Ortögeiftlichkeit, 94. —en, die Geiſtlichkeit, d. h. bie fämmts 
tiben Beiftlihen an einem Orte. 

:@& Die Ortsgeſchichte, Dig. —n, bie Geſchichte eines einzelnen Dre 
tes (Chronik), „Man hat eine Ortsgeſchichte von Lüttich, bierac. J. 

Die Ortögelegenbeit, 8%. w. die Gelegenheit, Sage eines Ortes 
unb andere damit verbundene Umftände, wodurch er ih von andern 
auszeihnet und kenntlich maht (das Locale); wie Hansgelegen: 
beit, die innern Räume bes Hauſes und ihre Betimmung. 

Der Ortögulden, —s, My. gl. ber vierte Tpeit eines Buldens, vier - 
Grefhen; ein Viergrofhentät, Sechſtelſtuͤck, ats ſechſter Theil eis 
nes Thalers. S. Ort 1) (a). Ein Ortsguͤlden würde ber vierte 
Theil eines Guͤldens ober 5 Gr. 5 Pf. fein. 

Der Drtöpfarrer oder Ortsprediger, —6, By. al. ber Pfarrer, 

"Prediger eines Drtes, an einem Orte (Pastor laci); der Ortögeifts 
liche, da, wo man anftatt Pfarrer ber Geiſtliche ſogt. 

Die Ortfpule, 
ober Ende bes Flügels fiat, zwar nicht bie größte cher bie härtes 
fie, + die. Ortpofe; zum Unterfhiede von den gröfeten, den 
Schlagſpulen. 

O Der Ortsſinn, — es, o. Mj. in Balls Schaͤdellebre, derjenige 
Sinn, welcher bir Faͤhlgkeit iſt Berhaltniſſe des Raumes aufzufaffen 


und fe zu halten, welcher nach ihm in ber Stirnhoͤhle feinen Sie bat, ‘ 
und wovon Auferli zwei Erhöhungen über ber Naſenwurzel am 


Innern Augenbraunbogen die Anzeigen fein. follen, 
+ Der Ortftein, —et, By. —. ı) Der Eflein; fhon beim Not: 
ter, ©. Dirt 2), In manchen Gegenden wird auch ein. Girensftein 
‚im Winkel ober an der Ge einer Markung der Ortſtein genangt, 


Eampe's Wörterb, 3. Th. 


569 


My. —n, im MD, eine Federſpule, bie am Drie 


Oſten 


ſonſt der Eckſtein, Hauptſtein. =) Ein feſter eifenfhäffiger Sant: 
fein, welcher nicht tief unter der Dammerde Liegt; der Eiſenkloß. 

Der Ortflod, — s, 8%. — ſtoͤcke, bei den Rorbmadern, einer der 
bien vieredigen Stöde an beu Orten ober Ecken eines vierfantigen 
Korhes, 


+ Der Ortsthaler, —6, 9. gl. am mlebertheine, und im R. D. ber 


vierte Theil eines Thalers oder 6 Ggr. deren man im Heſſiſchen 
prägte; auch nur ber Drt. ©, Det ı). 

+ Das Ortſtroh, —es, o. 3. im R. D. das vom Bich übrig ge 
laſſene, verfireute Futterſtroh. 

Die Ortung, 9%. —en. ı) Die Handlung, ba man ortet; ohne 
Mehrzahl. ©, Orten. a) Im Bergbane, ein Ort, eine Ede, eia 
Mintel eines Werggebäubdes in ber Grube. Die Ortung an Zug 
ober zu Tage ausbringen, eine Wendung, einen Winkel ber Grube 
auf ber Erboberfläche bezeihnen, 5) Im Bergbaue, biejenigen del: 
hen, welche in @rubengebäaben ins frifhe Gefteln eingehauen werben. 

Ortweife, adv. nah den einzelnen Orten oder Ortern, Ort vor Dre. 

+ Das Orvelfraut, —es, 29. u. eine Art ſchöner Taubneſſeln mit 
großen Blättern (Lamium orvala L.), 

+ Der Drtziegel, —$, @. gl. ein Ecziegel, ein Biegel am Drte 
ober an ber Edle eines Dacıra; in andern Gegenden ein Preisziegel. 

+ Die Dice, 94. —n, eine Flur. S. 3. Eſche. Davon bie Oſch— 
pfatten, die Zäune, buch welhe Fluren und Miefen getheilt und 
gefhiehen werden. Baltaus, 

+ Das Dfchen, —6, 39. al. das Vellchen. Remnich. 

1. Die Dfe, 9. —n, f. Ohſe und Dre 

2. + Die Dfe, 24. —n, bas unterfle Ende bes Daches, wo has Me: 
genmafier ıc. abläuft ober abtropft; auch bad ablaufende oder ab: 
tropfende Waſſer ſelbſt. 

+ Die OÖſel, 94. —n, die noch glimmende kichtſchnuppe. Im andern 
Gegenden glimmenbe, glübende Ale. 

2. 3ok_Dfen, v, intrs. u, trs. effen, freſſen. Oberlin. 

2. + Dfen, vw. trs. fhöpfen, mit dem Ösfaffe fhöpfen. Davon aus: 
dfen. In weiterer und uneigentlicher Bebeutung leer, dde mahen, 
verwüften; auch Schaden zufügen, Obertin. D.Dfen. D. —ung. 

+ Das Döfoh, — ſſes, 9. —fäffer, ein Gefaͤß zum Schöpfen, ein 
Schöpfer, eine Gelte. In ber Schifffahrt, eine Feine hölzerne Schaus 
fet mit kurzem Handgriffe, bas Waffer aus einem Boote ober einer 
Schlupe zu fhaufeln, 

Das Dögat, —es, 4. —, das Bat ober Loch mitten In bem pfats 
ten Boben eines fharf gebauten Fahrzeuges, zu welchem bas unten 
sufammengelaufene Waffer ausgeöfet wird, S. Dfen und ns 

+ Der sling, et, u —ı, f. Nafe »). 

+ Das Die, f. Nößel. 

Der Of, (bas o bei @inigen kurz und aefhätft; im N. D. ge: 
behnt), —es, MM. u. 1) Diefenige Gegend am Himmel, in welcher 
die Sonne —* ober aufzugeben ſcheint, Morgen; gewoͤhnlich 
ohne Deutewort. Die Binde aus Oſt find trocken und kalt. Der 
Bind ift Oft, if fig. DE zum Süden Heißt bei den Gerfahe 
zern ber Rompafftrih, welcher 121, Grab vom Oftpunfte nad 
Süden liegt; DEE zum Rorben, derjenige, welter 11'/, Brab vom 
Dftpunkte nah Rorben liegt. ») Gin aus biefer Himmelagegend 
tommender Wind; ber Oſtwind. * 

Oſtafrika ıc., Oſtamerika ic., Oſtaſien ıe., ſ. Oſteuropa ır. 

Der Oſten, (das o bei Einigen kurz und gefhärft, im R. D. ger 
dehnt), —s, 0. Mi. der dem Sprechenden Sftlich geiegene Theil der 
Erdkugel. Aus dem Oſten kamen die rohen Voͤller, welche bei den. 
Qiilerwanberangen Europa uͤberſchwemmten. Dann überhaupt, bie 
Dimmelsgegenb gegen Oft ober Morgen, mo man es gemöhntih chne 
Dente wort gebraudht; ehemabls aud Oſter. Der Wind koͤmmt aus 

Hfen. Gegen Dften grenzt Europa an Affen. 

Riemapts müffe das Licht den wolkichten (molfigen) Offen ber 
purpern. Baharid, 


7% 


Oſter 


sk Oſter, (das 0 kurz und geſchaͤrft) fo viel ats Oſten. S. der Oſten. 
„Der Himmel iſt alfo gefhaffen, das er ymmer laufft von ofern 
biß zu weſtern.“ bei Oberfin, welcher aud Oſtert bafür anfl@hrt. 
Damit bildete man ehemahls mebrere Jufammenfegungen, als ofters 
balb, gegen Dften, oftwärts, Dfterfeld, gegen Oſten liegenbes Felb, 
Dfterfürft, Ofterherr, Oſterheer, Ofterland, Oſterling, Oftermatte, 
Ditermeer, Ofterfee, Oſtertheil, Oſterwind ıc., für morgenlaͤndiſcher 
Fuͤrſt, Herr, morgenlänbifches Heer, Rorgenland, Morgenländer, gegen 
Dften liegenbe Wiefe, Oftmeer, Oſtſee, oſtlicher Theil, Oſtwind x. 
Sept koͤmmt nur noch das hieher gehörige Ofterfonne vor. ©. b. In 
ben Nieberlanden nennt man eine Klotte, welche jährtih nah ber 
Dftfee geht und von dort Getreide, Banf ıc. bolet, bie diterfche 
Flotte, weiches baffelbe Wort ift, ats Beilegungsmwert gebraußt. In 


alten biefen Zufammenfegungen wird o kurz und gefhärft ausgefpros _ 


Gen, in — mit Oſtern gebitbeten aber lang und gedehnt. 

+ Die Öfter, 9. —n, (das Ö gebehnt) die Auſter. 

Der Dfterabend, —ed, 2. —, ber Abend vor Oflern, vor bem 
Dfterfefte. 

Der DOfterapfel, —, 
Calville), . 2 

Die Ofterbergamotte, Mz. —n, eine gute Sorte Winterbienen, bie 
Winterbergamotte. 

Die Ofterblume, 84. —n, ein Name verfäiebenee Pflanzen, welde 
um bie Beit des Dfterfeftes blühen, 12) Die gemeine Kähenfhele 
ober Schlottenblume (Anemone pulsatilla L.). =) Der Meine Bier 
genbart (Anemone pratensis L.); die Heine Ofterblume. 3) Die 
gelbe Schtäffelblume (Primula veris elatior L.). 4) Eine Art 
bes Silberbiattes ober Griechiſches Mondkraut (Lunaria annua L.). 
5) Die Rarjiffe, im O. D. aud Aprilblume (NWarcissus L.). 
6) Das Oſterbluͤmchen, die Maßliebe (Bellis perennis L.). 

Der Dfterdienftag, —ıd, 4. —e, der Dienftag nah Oftern, ber 
deitte DOflerfeiertag, wo man noch brei Heiertage feiert. 

Das Ofterei, — ed, Bi. —er, bunt gefärbte und gekochte Eier, womit 
man fih auf bem Lande am Ofterfefte zu beſchenken pflegt; eim alter 

Sebrauch, welher aus ber Römiſchen Kirche herräßret, da man nad - 
geenbigter Faſten und nach miebererlangter Freiheit @ier und Fleifd- 
fpeifen zu geniegen, am Ofterabendbe ganze Körbe voll gemahlter 
Eier weihen läßt und die Mahlzeiten die ganze Oſterwoche hindurch 
damit ausfämädt. In Siebenbürgen heißen ſolche Eier Mengels 
abr, Mengeleier, b. h. gemahlte Eier von mengeln, verberbt für 
mabten, Da wo man am Gründennerflage ſchen ſolche Eier mahr 
tet und fiebet, heißen fie Brünbonnerflagseier. In ber Maturbes 
ſchreibung heißt Ofterei, eine Art Herzmuſcheln, von ihrer eifbrmi⸗ 
gen Geſtalt und weil fle ber Lange nad mit ſchwachen Strichen, 
roͤthlichen und weißen Flecken befept ift (Cardium laerigatum L.), 

Die Ofterfeier, Mg. u. die Feier des Ofterfeſtes. 

Der Ofterfeiertag, —ed, Sy. —e. 2) Die zwei ober drei Felertage 
des DOfterfeftee. &. Oſterfeſttag. 2) Die Feiertage oder Tage ber 
Beier von ben gewöhnligen Gefhäften, 3 B. auf Schulen und bos 
ben Schulen ı., unmittelbar vor und nah dem Oſterfeſte (Oſter— 
ferien), 

+%k Das Ofterfeld, —es, Ba. —er, f. Oſter. 

Das Ofterfeit, — es, 5. —e, ein hohes Feſt, weldes in der kift 
then Kirche zum Andenken der Auferſtehung Krifti gefeiert wird; 
im gemeinen Beben nur Oſtern. Die Juden feiern aub ein Ofter: 
feft zum Undenken an ben Wärgengei in, Ägipten, der vor ihren 
Bäufern voräßerging (Pascha). 

Der Ofterfefltag, — 8, 94. —e, einer ber Fefltage, womit Oſtern 
gefeiert wirb;, der Djlertan. 

Dos Dfterfeuer, —s, Mb. gl. Feuer, welches man am Oſterfeſte 
oder Oſterabende zur Bezeigung feiner Freude in manchen Gegen 
den im Freien anzändet, In ber Römifhen Kirche wird am Offer: 
fonntage ſchon von alten Zeiten her alles alte Feuet ausgelöfcht, 


4. —äpfel, eine orte Minteräpfel (geibe 


‚570 


Dferl 


und neues, weldhes man in ben Kirchen von geweihten Lampen 
ober Kerzen belam, angezündet, welcher Gebrauch aus ben erſten 
Beiten ber kriſtlichen Kirche herrühren fol (Ignis parchalis), 


Der DOfterfladen, —s, 29%. al. Fladen ober breite dünne Kuchen, 


welche zu Oſtern gebaden werben, fo wie ble Juden gu Oſtern auch 
bünne Kuchen blog von Waffer und Weizenmehl zum Andenken am 
das ungefäuerte Brot baden, ‚Werben bie Dfterflaben mit Mohn 
unb einer Teigdecke oben baräber bebedt, fo heiken fie Oſtermahne. 
In weiterer Bedeutung beifen überhaupt Oſterſladen die Kuchen, 
welche zu Offen gebaden werben; Ofterfuchen, in Öfterreih DOfters 
flede. 

Die Dfierflechte, 3. —n, eine in Furopa auf Bergen unb unfrucht⸗ 
baren fleinigen Plägen wadfende Art Flechten (Lichen paschalis), 
Remnid. 

+ Der Ofterfled,, —es, 9. —e, f. Oſterfladen. 

Die Ofterfreube, >94. —n. ı) Eine Freude, bie man zu Oſtern em⸗ 

pfindet, in ber Kanzelſprache; ohne Mehrzahſ. =) Eine Freude, 
ein Bergnögen, das man ſich zu Oſtern madt ober bad zu Dfiere 
gewoͤhnlich ik. Stieler. 

*x%x as DOfterfürft, Ofterhalb, das Oſterheer, ber Dfterherr ıc,, 


Di. Oſtergrenze, 94. —n, in der Beit: und Feſtrechnung, derjenige 
Tag, auf welchen ber erfte Vollmond nah ber Frühlings nachtgleiche 
einfäut, welcher bie Beit des Dfterfeftes, das den nädften Sonntag 
barauf gefeiert wirb, beftimmt. 


"Die Dftergrengentafel, 9%. — n, eine Zafel, auf weider bie Ofters 


grenzen für jebes Jahr ber güldenen Zahl berechnet find, 

Dfterifch (Oſterſchy, f. Ofter. 

+ Das Ofterfälbchen, —s, 34. gt, in Schleſten, ein Rame des Some 
nentafers ober Blattlausfäfers (Coceinella L.). 

Die DOfterkerze, 94. —n ı) Eine Kerze, befonbers von Wache, wel: 
He zum Oferfefte gebraudt, in ber Kirche aufarftet wird; das 
Oſterlicht, ver Oſterſtock. 2) Ein Rame ber Koͤnigskerze ober des 
Wollkrautes (Verbascum thapsus L.); auch Oſterkraut. 

+ Das Oſterkraut, —es, En u. ſ. Dfterterie =). 

Der Ofterfuhen, —s, 4. ar. f. Ofterfladen. 

Das DOfterlamm, —es, Bi. —lämmer, dasjenige Samm, weldes 
ehemabis bei den Juden am DOfterfefte unter befondern Feierlichkei⸗ 
ten genoffen wurde, zum Andenken an ben Auszug ihrer Vorfahren 
aus Iaipten, 

%*%* Das Dfterland, —es, 4. —tÄnder, f. Ofter. 

Dfterlich, adj. u. adv. was zu Oftern ift ober geſchtehet. Die öfter 
liche Zeit, bie Zeit um DOftern, und Dftern ſelbſt. Die oͤſterliche 
Beichte, im ber Römifchen Kirche, bie Beichte zu Oſtern, an welcher 
wenigſtens berjenige, ber das ganze Jabr nicht zur Beichte gegan— 
gen ift, verbunden ift, weil jeber mwenigftens ein Mehl im Jahre 
beiten muß. Der ojterliche face, der Oftertag. Heinrih von 
Morunge in Öfterliher Gebrauch. Ehemahls auch uneigents 
lich, Freude bringenb, erfreulich. So heißt in folgender Stelle ber 
beife, [höne und erfreuliche Wii oder Glanz ber Augen, ein oflers 
Höer Tag: „fe trvoc (trug) der fchoenften ogen zwei, ber nie fein 
frowe me gepflac, bar vs ber ofterliche tae mit lebeder wune fpilte,« 
Konr v. Würzb. Troj. Ar 

Dar Oflerlicht, —es, sej. — er, f. Oſterketze 1). 

Das Oſterlied, —es, My. —er, ein kirchlichts Lied, welches zu Dſtern 
geſungen wird. 

+ Die Oſterlilie, Br: —n, in manchen Gegenden, die gelbe Nar⸗ 
älffe (Nareissus pseudonareissus L.), weil fie um Oſtern 
biöhet, 

*x* Der Ofterling, —es, pr —e, (elländ. Oosterling), 
f. Dfter. - 


Die Ofterfuzei, Wy. u. +) Eine in Öfterreich, Frankreich ze, wachfenbe 


Pllanze, deren Wurzel einen ſtarken widrigen Geruch, einen ſcharfeu 


— — 





rer. 


. Oſterm 


bittern Geſchmad Hat und Brechen erregt (Aristolochia clematis L.); 
auch Hohlwurz, Herzwurz, in Schwaben Fobwurz. Andre Arten 
wadfen-im fühligen Europa und ia Amerika. =) X Gemeine runde 


Dfterlugei, eine Benennung ber hohlen Murzel des Emolligen Erd: 


rauchs (Fumaria bulbosa L,), meil ihre Kräfte benen ber Ofter: 
Lugei aͤhnlich find. 

Der Oſtermarkt, —s, 3. —märkte, ein Jahrmarkt, welcher um 
Oſtern gehalten wird. 

*xX Die rn das Djlermeer, t. Diter. 

Die Djtermeffe, 9. —n, eine Meſſe, d. h. großer Jahrmarkt, wıl: 
der um Dftern oder bald nah Oſtern gehalten wird, 

* Der Oftermonat, —ed, 2. —e, derjenige Monat, in welden 
gewbhnlich Oſtern fällt, ber April. 

Der Oſtermontag, —es, Di. —e, ber Montag in ber Oſterwoche, 
der zweite Ofterfeiertag. 

Die Oflern, (das D lang und gebehnt) Cz. u, das Feſt der Kuferſte⸗ 
bung Ariſtiz bei den Juden, das Feſt weiches fie zum Andenken an 
das Vorübergehen bes Märgengeld in Xgipten feiern; das Oſterfeſt. 
Die Oftern fallen geröhnti in den April, Auf künftige Oſtern. Zu⸗ 
mweilen aud in ber Einzahl. „Üs war aber nahe bie Diem." Job. 
6,4. Am ERWERBEN wird es ohme Deutemwort gebraudt, Der 
Eonntag vor Oſtern, nah Oſtern. Zu Dftern. Um Oftern. Gegen 
Dftern. Im N. D. hier und ba Pasten, Pausken, im O. D. auch Paſch, 


Paſchen (Pascha). Die Eonntage vor Oſtern und nad Oſtern wer⸗ 


den häufig gezaͤhlt und nach ihrer Zahl bepamnt, anflatt ſich der Sas 
teinifhen Ramen zu bedienen, nömlid, der erſte Sonntag vor Oſtern 
oder Palmfonntag (Palmarum), ber zweite S. v. O. (udica), 
der dritte ©. v. D. (Laetsre), ber vierte S. v. O. (Oculi), ber 
fünfte S. v.D. (Beminiscere), ber fehfle S. v. D. (Invocavit); 
der erfte Sonntag nah Dilern (Quasimodogeniti), der zweite 
&.n.D. (Misericordiss Domini), ber dritte ©, n.D, (Juhilate), 
der vierte S. n. D. (Cantate), der fünfte S. n. D. (Bogate) 
der fehfte ©. n. D. (Exaudi). Die Sonntage vor Dftern werben, 
weil fie zwiſchen Faſtnacht und DOftern fallen, auch gut Fajtenfonns 
tage oder Sonntage nad Faſtnacht oder in ber Baften genannt, 
der erſte, zweite u. f.w. S. auch Dfterfonntag. 

Dir Oſternacht, By. — naͤchte, die Nacht vor Dftern, welche bei Abers 
gläubigen von Bedrutung und Wichtigkeit iſt, big z. B. in derſelben 
Thon mahendes Waſſer fhöpfen ꝛtc. 

+ Die Ofterpalme, 99. —n. ı) Die Bıätkäghen ber Beiten. ©. 
Palme. 2) Die Palmmeide oder Sahlweide. 

Die Oflerprebigt, 4. —en, eine am Dflerfefte gehaltene ober zu 
baltende, ober zum keſen am Dfterfeste abgefaßte Predigt, 

Die Dfierrehnung, By. —en. 1), Die Berechnung ober Ausrech- 
nung ber Zeit, in welche febes Mahl Oſtern fin, 2) Eine Rede 
mung, welche zu Oſtern geſchloſſen und bezahlt wirb, 

* Das Oſterrecht, —es, 4. u. ein gemwiffes zu Dftern zukom⸗ 
mendes Recht. „unn liezent Barrabam durch oflerredht.- bei 
Dberlin 

Das Dfterreich oder Öfterreih, —es, 9. —e, ein gegen Dften 
Tegendes Mei. Dieſe Benennung, beren man fi ebemabls bei 

h 2indereintheilungen bebiente, hat fih noch als Cigenname eines fans 
des und Staates erhalten: Dfterreich, ohne Deutewort u. Wi. Dar 
von ber Öfterreicher, —s, Mi. gl.; die —inn, 9. —en, ehe⸗ 
mahts die Bewohner des dftlihen Meiches, jetzt bie Bewohner Öfter: 
reihe, Im Weinbaue ift ber Dflerreicher, eine Abart bes gemeinen 
Weinſtockes, beffen Beeren mittelmäßig groß, arın und braͤunlich 
von Farbe find und einem fetten ſchweren Wein geben; und Dfier 
crichiſch, adj. u. adv. gu Öfterreih gehörig, dort einheimiſch, bas 
her fommend x. Die Oſterreichiſchen Länder, Der Oſterteichiſche 
Staat, Kaifer, 


Die Oſterſchelle, Rz. —n, bie weiße Maine, ber weiße Wald. 


hahnenfuß (Anemone zemorosa L.). 


„sp: " 





Oſtg 


+ Das Oferfchweisgefar, —8, 0 By. 'inrZicol, eine Mae be 
Fruhllugsenzianes (Gentiaua vena L.). u 

Ik Die Dfterfee, 9. —n, f. Oſter. 

Die Ofterfonne, 9. u. in-benjenigen Sänbern, wo bie Sonne zu ge 
wiffen Jahreszeiten nicht untergehet, biejenige Beit, wo e# in andern 
kandern Morgen if, weil die Sonne bann in Dften fichet. 

Der Dfterfonntag, —ed, 34. —e. ı) Der Sonntag, auf welden ber 
erſte Dfterfeiertag fällt, der ecte Dfterfeiertag. 2) Einer der Sonn: 
tage, weiche nach Oſtern, zwiſchen Oſtern und Pfinzften fallen, Der 
erſte Diterfonntag oder ber erfte Sonntag nach Dftern (Quasimo- 
dogeniti), &. Dflern, 

Das Ofterfpiel, —es, Di. —e, ein um ober au Dftern gewößnti: 
Ges Spiel. So nennt man die Auffuͤhrung der gampen Teibenzge: 
ſchichte Arifi in ben Kirchen, bie noch bier und ba gewöhnlich iſt, 
bas Oſterſpiel. Chemahls auch eine Freude, ein Vergnügen zu Oftern, 
und uneigentüh Freude, Wonne überhaupt. » iſt mins Herjens 
öflerfpiel.«e Maueffen Minnef. 

+ Der Öfterfiod, —es, Mm. —flöde, f. Ofteelerge 1), Obertin. 

Der Dftertag, —ıb, By. —e, einer ber drei Ofterfeiertage. Der 
er de, zweite, dritte Oftertag. Im engerer Bebrutung heißt aumeis 
ten ber erfie Dftertag vorzugsweiſe bloß ber Dftertag; zuwellen vers 
fest man aber aub nah Dberiin ben Palmfonntag barınter. 
Ehemahla bezeihnete Dfiertag uneigenttih, Freude, Bergnägen, wel ⸗ 
Ger man fih an biefem Zage überließ, und Freude, Monne über 
hanpt. «fi iſt mins Hergens oflertag." Henr. v. Framwenberg. 

Der Oflertanz, — s, DW u. ein Zanz zu Oftern, Bei bem gemels 
nen abergläubigen Saufen, ein vorgegebener Tanz, d. h. Düpfen ber 
Sonne bei ihrem Aufgange am erften DOftertage. 

*%* Der Oftertbeil, —es, 4. —e, ſ. Diter. 


+ Das Oſterveilchen, —#, 39. gl. ein Rame des dreifarbigen Beil« 


chens ober bes Stiefmätterhens (Viola trieolor L.). 

Der Oſtervollmond, —es, Ph. —e, ber erſte Bollmend nad ber 
Fruͤhlingsenachtgleiche, welcher bie Brit bes Oſterfeſtes beftimmt, im 
bem dies ben nähften Sonntag barauf gefeiert wird, 

Das Ofterwafler, —s, 0. 34. Waller weldes in ber Oſternacht 
geſchoͤpft wird und ſchoͤn machen oder erhalten fol ıc. S. Oſternacht. 

3% Der Ofterwind, —es, 4. —e, f. Dfter. 

Die Oſterwoche, By. —n, biefenige Woche in welde Oſtern fallt, 

Die Dfterzeit, By. —en, bie Beit der Oſtern. Etieler. 


Der Dfterzind, —e6, Bi. —e, ein um ober zu Oſtern zu entrichten 


ber Bind. Oberlin. 
Dfteuropa, —d, 0.'9g. ber Öftliche Theil von Europa, bas oſtliche 
Europa, Davon ber Dfleuroper (Dfteuropäer) ber Bewohner dee 


dfttihen Europa, und ofteuropifch (ofteuropäifs), zu Ofteuropa ger , 


börenb, dort, einheimifh, baber fommenb ıc. Eben fo fagt man ober 
Tann man fagen Oſtafrika, Oſtamerika, Dflafien, das öͤſtliche Afri- 
ka rc. Der Oſtaftikaner ic. Oſtaftikaniſch ie. 

Oſtfahlen, —s, ehemahla der Rame eines Theils von Deutſchland, ir 
welchem die Oftfahlen wohnten; in @egenfag von Weſtfahlen, dem 
es dftlich lag. 


& Die Dftflut, 94. —en, tie dfttihe Flut, eine aus Dften kom 


mende Fint, wie auch, ein dillihes Meer. 
— — e— flieg aus ber Oſtflut 
Dunkelblutig ber Mond, meerunter zu gehen in Abenb. 
Sonnenberg. 

** Der Dfifrante, —n, 34. —n, eig Bewohner von Dfifran 
tin, S. d 

ck Sſifranten, — 8, ehemahls ein Name Deutſchlands, bas am rech⸗ 
ten Mheinufer gelegene Franken; in Begenfag von Weſtfranken. 

O Die Oftgegend, By. —en. ı) Diefenige Himmelsgegend, in wel« 
her die Sonne aufgebet, Oſten; ohme Mebrzahl. =), Eine gegen 
Dften liegende Gegend. „Die Unterfuhung des Gherubs ber Dfls 
gegend, wo Adam geweſen, laſſen wir dem Berfolge,« Herber, 


x 


Oſtg 


Die Oftgremge, m: —n, die Afttihe, gegen Oſten Legende Grenze. 

DO fiheim, —$, der Name eines Dorfes in Franken, welcher hier bars 
um angeführt wird, weil nad bemfelben eine Art Heiner auf nier 
brigen Etaͤmmen wachſender fäuerlicher Kirfhen Oſtheimer Kirfhen 
genannt werben, 

Offindien, —8, 0. 4. bas von Europa aus oͤſtlich gelegene Indien, 
ein aroßes Land oder vielmehr mehrere Länder im ſüdlichen Afien 
am und im Inbifhen Weltmeere, welches größtentheils bie ing: 
Länder befigen; In Gegenfag von Weſtindien. Davon der Dt: 
indier, —6, Mi. gl.; die —inn, By. —en, ein Bermohner, eine 
Bewohnerinn Ofinbiend; und oftindifh, adj. u. adv; gu Oſtindien 
gebörend , bort einbeimifh, gewoͤhnlich, baher kommend. 

Der DOftindienfahrer, —, 3. gl. 1) Ein Seefahrer, Schiffer, 
der nach Sftindien ſchifft, su Thiffen pflegt. =) Ein nah Oſtindien 
ſegelndes Schiff, in weldem man des Handels wegen nad und ven 
Oſtindien zu ſegeln pflegt; das Oſtindienſchiff. Kramers Bel, 
Boͤrterb. 

© Die Oſtindienfahrt, Mz. —en, bie Fahrt nach Oſtinbien, das 
Din; und Herfahren nad und von Oſtindien, des Handels wegen, 

O Das Oftindienfhiff, —es, Rz. —e, (8.) ſ. Dilindienfahrer. 

Die Oſtkante, Rz. —n, in der Seeſprache, das nah Oſten liegende 
ufer eines Kluffes ic. (Holländ. Oostkant) ; in Gegenſat der Weſt⸗ 
kante. 

Das Oftland, —et, 94. — lander, ein gegen Often ober Morgen 
liegenbes Band; das Morgenlanbd. Erberg. Im engerer Bedeu 
tung, ber dem (Furopder gegen Dften lirgenbe Theil von Aſien, bas 
Diorgentand (Orient). 

Sieh, wie des Oſtlands hoͤchſte Pracht 
Auf rebenreihen Hügeln lacht. Blumauer. (R.). 

Der Oflländer, —6, 94. at.; die —inn, Bi. —ın, der Bewoh⸗ 
ner, bie Beivohnerinn eines Ofttandes und bes Oftlandes in engerer 
Bebeutung (Orientaler, Orientalerian), M. Kramer, 

Oſtlaͤndiſch, adj. u. adr, zu finem Ofttande oder zu dem Ofllande 
gehoͤrend, bafetbft einheimifch, daher kommend ıc. (orientılisch). 

Oftlich, —er, — ſte, adj. u. adv. +) Gegen Dften ober Morgen 
Tiegend, gerichtet. Das oͤſtliche Europa. Die Öftliche Linge, in 
ber Seefahrt ıc. bie Ränge nah Dften zu gerechnet; in Gegenſatz 
der weſtlichen Länge. ©. Ränge. 2) Aus Dften kommend, Der 
Wind koͤmmt oder ift Öftlich, Fümmt aus Often. 

+ Die Oftlinde, 99. —n, in manden Gegenden, 3. B. in der Baur 
fig, die Steinlinde, Watdlinde ober Sanblinde (Tilia folio minore, 
Tilin cordata Mill.) 

O Die Oftluft, 0. 9%. Luft oder Wind, der von Dften wehet. 
Oftluft iſt ſcharf und troden, 

© Das Dfimeer, — es, 94. —e, fo viel als Dftfer, in weiterer und 
engerer Bebeutung. 

Man bat uns übers Oſtmeer heraerufen. Schiller. 

Der Oftnorboft, —es, 94. u. der Kompafftrih, welher a2%% Grab 
vom Oftpunkte nad Morden liegtz wie au, ein aus diefer GSegend 
tommenter Mind, der Offnordoflwind. Oſtnord und oſtnoͤtdlich 
find eben fo mie — und oſtſuͤdlich nicht gewöhnlich; man ſagt 
dafur Nordoſt, nerdöftlih und Suͤdoſt, ſuͤdoͤſtlich. 

O Der Oſtpunkt, —es; 9. u. fo viel als Morgenpunkt. S. d. 

© Der Oftrand, — es, 9. —ränder, der oͤſtliche Randz in Gegen⸗ 
fen von Meflrand, Der Oſtrand bes Himmels (dee öͤſtliche Ho- 
rizont). A 

+ Die Oſtranz ober frz, f. Meifterwun. 

Die Oſtſee, Pr. —n, eine gegen Often ober Morgen Tirgende Dee. 
In engerer Bedeutung nennt man Oſtſee denjenigen Theil dra At— 
Iontifhen Meeres, weicher ih smwifhen Schweden unb Zäunemart 
hindurch zieber und Amifchen Schweden, Deutfhland, Preußen und 
Robland ausbreitet, mwelder ben alten Skandinaviern äfliih lag. 
Auch das Oſtmeer, in weiterer und engerer Bedeutung. 


Die 


572 


Dtter 


"Die Dilfeite, 34. —n, bie Stiche ober gegen Dften Uegende, go— 
richtete Brite tineh Dinges, 

Der DOfifupoft, —es, 2. u. derjenige Kompaffteih, welder 2224 
Grod vom Oſtpunkte nah Süden liegt; wie aub, ein aus biefer 
Gegend wehender Wind, der Oſtſuͤdeſtwind. 

X Die Oft: und Wefimufchel, 94. —n, eine Art Herzmuſcheln mit 
tammförmigen Rippen, im WitteBändifhen Meere (Cardium peeti- 
netum L.); aud das Janusherz mit zwei Gefichtern. 

Der Oftvogel, —s, Sy. —vögel, ein Rame bes Etrandpfeifere 
(Charadrius biatieula L.), Nemnmich. 

Das Oſtvolk, —es, 2. —völfer, ein gegen Diten ober Morgen 
woßnendes Bold, „In ber alten Bebeutung fliehen fie (Athiopen) 
als Oſtbölker mit Indiern gefellt,« Bo. 

Oſtwaͤrts, adv. nad DOften zu, nad Often gerichtet, gelegen, Dfl: 
mwärts ſegeln. {R.). 

Gottes Donnergewoͤll im farbigen Gurte des Friedens 
Rout oſtwaͤrts. Bot. 
Rusland liegt von Preußen oſtwaͤrts. 

Die Dftwelt, o. 94. bie öftlihe Wett, d. h. ber öfktiche Theil ber 
Erde von Europa aus, alſo Aſten; in Gegenſat ber Weſtwelt. 

— wer hat fie befucht ber Offwelt gränende Wüften? vonder tühe. 

Der Oftwind, —es, 9. —e, ein aus Dſtea oder Morgen wehem 
der Wind; aud nur der DE. Ebemabte auh Dfterwind: 

+ Die Dte, 0. 9%. im Brandenburgſchen, ein Sort, wumit man bie 
Eigenfdaft ber Mädchen bejrihnet, da fie anf Ehre und Zucht ehr 
was halten und Manneperfonen von Vertraulichkeiten zurädhaiten. 

Der Othem, f. Odem und Athen. 

Der Ötlinger, —e, m. st. f. Rißling. 

+ Die Otſchbirn, B%. en, eine Sorte Birnen. Remnid, 

+ Die Otte, 84. —n, oder der Ditenbaum, Otterbaum, —#, 
2. —bäume, die Erle, 

1. Die Otter, Ba. —n, bie Benennung aller giftigen Schlangen 
gattungen in Europa, deren Bauch mit Schildern bejegt ik. Man 
gebraudt Otter und Matter oft gleichbedeutend von dem ganzen 
Geſchlechte, oft begeihner Ratter aber auch nur eine befondere Ga 
tung (Coluber), &. Matter. Die gemeine Ratter (Coluber be- 
rus L.}) wirb auh Otter genannt, ©, Kreuzotter. X Er ik 
böfe, giftig ac, wie eine Otter, fehe böfe, fehr aufgebradt. 

2. Die Dtter, 99. —n, ober der Diter, —t, DM. pl. ein Shuge 
thier mit vier Schwimmfügen, weldes ih am und im Waſſer aufs 
hätt, von Fifhen, Froͤſchen, Krebfen, Waſſerratten ic. lebt, unb 
beifen Batg eim ſchoͤnes Pelzwerk giebt. S. Fifchotter, Flußotter, 
Meerotter, Sumpfotter. 

Der Dtterbalg, —es, 94. —baͤlge, der Balg einer Otter und er 
nes Otters. Befonders der Balg eines Otters, welcher rin fchönes, - 
und 3. B. vom Meerotter, koſtbares Pelzwerk giebt; das Otterfell, 
bie Diterhaut. 

Der Otterbaum, —s, 94. — baͤume, f. Dtte. 

Der Dtterfang, — s, 34. — faͤnge. 1) Der Rang, das Fangen 
ber Otter, befonders ber Fifhotter, ohne Mehrzahl. =) Ein Ort, 
wo man Ottern, befonbers Fifhottern fängt, und bie bazu gemachte 
Borrichtung. 

Der Otterfaͤnger, —®, 9%. gl. einer welcher Ottern fängt, befom 
bers ein Jaͤger, welcher ſich mit dem Diterfange befhäftiget und 
Otterhunde abrichtet. 

Das Otterfell, die Otterhaut, f. Otterbafg. 

Der Otterfuß, — es, 94. —führ, der Fuß einer Otter. Uneigent 
ich, ter Name einer Kammmuſchet, beren Schalen keulförmig, pur 
verfarbig und biaßbunt ind (Ostren pes Intree L.). 

Die Ottergalle, 3. —n, die alle einer Otter oder eines Diters, 
befouders bie Galle einer Otter, Natter, meiche in ber Bibel a6 
bracht wird, etwas böhft Schätfihes uad Siftiges zu bezeichnen, 
ob jie dies gteich eigentlich nicht if. 





Otter 


Das Ottergift, —et, 94. u. das Sift der Otter oder Ratker, 
O Der Ötterbeim , — es, 94. —r, tin beim. mit Otterfell uͤber⸗ 
zogen. Fügte den Otterhelm anf das Haupt. — — Boß. 


Der Otterhund, —es, 4. —e, eine Art ſtarker Dachthunde, welche 


zum Fangen ber Ottern abgerichtet wird. 

Die Otterſagd, Big. — en, bie Jaad auf Fiſchettern. 

Der Otterkopf, —es, 24. —kürfe; Vw. das Otterkoͤpſchen. 1) 
Der Kopf einer Otter und eines Ottere. 2) Ein Name der Muſchel⸗ 
mönze ober Muͤnzmuſchel, das Otterkoͤpfchen (Cypraea moneta L.). 


ine andere Art Porzellanſchnecken führt wegen der Ähnlichkeit mit’ Paar, adj, u. adv. 


dem Kopfe einer Otter oder Natter ebenfalls biefen Namen (Cy- 
praea caput serpentis L). 5) Ein Mame der Mafferjunafer 
(Libellula L.). 4) Eine auf trodnen wäften Piäsen und an Äckern 
und Wegen wadhfende, um Sobannstag blühende Pflanze, bie ährens 
fdrmige gewöhntih ſchoͤn blaue Blumen treibt, und deren Same 
mit dem Kopfe einer Otter oder Schlange Ähnlichkeit hat; ehematls 
Bieit man fie auch für ein herrliches Mittel gegen Schlangenbiß 
(Echium vulgare L.); auch Natterkopf, Schlangenbaupt, Matter 
Braut, wilde blaue Ochfenzunge, falfcher Waid, Frauenkrieg. 
5) Das Dtterföpfchen, ein Name ber Kamerlhalöfliege., ©. b. 

Der Diterlauh, —s, o. M. ber Alermannsharnifh (Allium 
vietorialis L.). 

Der Dtterling, —es, D4. —e, ber Name eines Iaspahates mit 
Shör. Storr. 

O Die Dtternbrut, 9. u. f. Dtterngesücht. 

Dad Otterngezuͤcht, —ed, MM. —t, das Gezoͤcht, die Brut ber 
Dttern ober Rattern; ein in ber Bibel vorlommenbrs Mort, boss 
bafte, fhädtihe Menfhen zu bezeichnen, wofte Andere, 4. B. 
Damm und Bahrdt Dtternbrut haben. Auch Schlangenbrut. 

© Der Dtterring, —ed, 94. —t, ein Ring, welder wie der Bald 
einer Diter oder Ratter geglicbert ift; ober auch uneigentlih, eine 
in einen Ming geſchlangene Otter ober etwas bem Ähntiches. — der 
Pater, ber feine Brut über fein kaͤnpfendes Herz ſchweigend deckt, 
eb es gleih der ſchwarze Kummer mit Dtterringen umzeg und mit 
Otterzaͤhnen voll goß.“ J. P. Richter. 

Der Otterſtich, —s, My. —, ber Stich, Bif einer Otter. 

Der Ottervogel und Otterwindel, f. Natterhale. 

Die Otterwurz, o. 24. ſ. Natterwurz. 
Der Otterzahn, — es, Ba. — zaͤhne, der Zahn einer Otter, beſon⸗ 
ders als Werkzeug ihres giftigen Siſſes S. Drterring. 
Die Otterzunge, Rz. —n. 1) Die Zunge einer Otter. 

Name gewiſſer Verſteinungen. S. Schlangenzunge. 

* Der Ottich, ſ. Attich. 

Ottilie, —ns, —n, ein Weibertaufname. 

Das Sttilienkraut, —es, 4. u. ber Acker⸗ ober Feldritterſporn 
(Delpkinium consolida L.), 

Dtto, —# , oder Ottens, Diten, ein Maunstaufname. 

+ Der Drelbaum, —es, 2. —bäume, ber Mehlbeerbaum (Cra- 
teegııs aria L.). 

Das Orhoft, —rd, By. —r, rin größeres Maß zu flöffigen Dingen, 
befonbers zu Mein, welches 154 Abm, 6 Anker ober 60 Stäbhen 
faßt. In ber Mehrzahl bleibt es wie die aͤhnlichen Wörter unver⸗ 
Ändert, wenn es ein Zahlwort vor fi hat. Bchn DOrhoft Wein. 


P. 


P z der ſechzebnte Buchſtabe bes Deutſchen Abece, ein Lippenbuchſtabe, 
welcher durch Aueflohung des Hauchts bei Öffnung der feſt geſchloſſe⸗ 
nen Lipoen hervorgebracht wird. Gr lautet Härter als b, mit wel: 
Hem er von dem füblihen Oberſachſen, befonders im Anfange ber 
Mörter, faſt immer, oft aud von den D.D, in ber Ausſprache vers 


a) Der 


573 


Daar 


wechfelt wird, 3.8. Paum, Pien sc. anftatt Baum, Birn ıc. 

Diefe verfhiedene Ausfprache machte die Schreidung mander Wörter 

ſchwankend, 5.8. das Banner, banfen, Burzel, burzeinic. Beyer, 

melde eben fo häufig ober nch häufiger Danner, panſten, Pürzel, 

purzeimse. Pepe sc. gefhrieben werden, X Ih will ihm fchon ein P 

vorſchreiben, im R. D, für, ich will es Ihm ſchon wehren oder ver 

bieten, melde Rebensart man don dem P, womit bas Wort Pön 

ober Btrafe, wobel die Berichte gemeinigli etwas zu verbieten , 

pflegen, berleitet. Als Bahlzeihen bezeihnet P die Zahl 15. 

1) Bon Zahlen, gleich, gerade, fi durch = fo 
theilen laffend, daß Lein Bruch übrig bleibt. (ine pnare Baht. 
Maar oder unpaar Spielen, ein gewiffes Kinderfpiel. 2) Du einem 
andern gehbrend und mit bemfeiben ein Paar audmakenb, glelch; 
im D.D Dieſe Handſchuhe find nicht paar, gehören niht gu 
einander, 

Das Paar, —es, 4. —r; Bo. das Pirhen, ©. D. —lein, ori 
sufammengehörende Dinge Einer Art, beſonders wenn fie der Natur 
ber Sache nah zufammengebören, oder wenn von Natur zwei bers 
gleichen vorhanden find, Gin Paar muntere helle Mugen. Ein 
Doar lange Ohren. Gin Paar kurze Beine Ein Paar Shape, 
Stiefet, Schnallen, bie zufammengehören unb bie man immer zu⸗ 
fammen gebraucht. Gin Paar Ochſen, Pferde, die zufammenge: 
hören, zufammen ziehen. Beſonders nennt man zwei zuſammenge⸗ 
börende Sefhöpfe zweierlei Befchtehts ein Paar. Gin Paar Taur 
ben, ein Zauber und eine Taube, „Bon diem reinen Vieh — gins 
gen zu ihm in den Kaſten bei Paaren, je ein Mänulein und ein 
Fräulein ı Mof. 7, 8 ſ. Sechs Paare hatten fih zum Tanz 
angekeilt, In engerer Bebeutung, ein Ehepaar. in Paar ober 
Pärchen werben, Mann und rau werden, ſich heirathen. Ich 
möchte gern, daß fie ein Paar würbene Gellert. In weiterer 
Bedeutung bejeihnet Paar auch nur zwei neben unb mit einander 
befindlihe Dinge, bie beim Drdnen cher Zählen safammengefaßt 
werben. So wirb ein feierliher Zug gewöhntih in Paaren ange 
treten, man felgt einander in Paaren, indem immer zwei und 
zwei mit und neben einander geben. „Bis näherten fih Paar bei 
Paor,= in Paaren, paarweiſe. Geßner. Bu Paaren ober bei 
Paaren kommen, paarweife, 

Ihr Kinder, Fommt ihr gar zu Paaren? Bellert. 
X 3u Paaren treiben, miberfpänftige, ausfhmeifende Leute bins 
digen, in Orbnung dringen; wie auch, überwöältigen, überminden. 
Ungewöhntib ifl die von Bünther gebrauchte Redengart, mit 
einer Sache in einem gleihen Paare gehen, für, ihr gleih fein, 
mit ihr girihe Veränderung erieiden: 
Die Demuth ging mit ihr in einem gleihen Paare. 

Wird mit Paar ein Zahlwort verbunden, fo bleibt es in ber Mehr: 
zahl unverändert. Bier Paar Tauben und zwei Paar Enten, Im 
gemeinen keben laͤßt man es auch wol in ber Einzahl unverändert 
unb endet es nit um, wenn man von ein Paar fihönen Augen 
fpeiht, für, von einem Paar fihöner Augen. Machen Sie fih 
nicht zum Mörtorer (Möärterer) von ein Paar fhönen Augen « 
Gellert. In meiterer Bedeutung gebraucht man ein Paar im 
gemeinen eben umftanbwörtiih für wenig, einig, wo es bann 
nit umgeendet und gewöhnlich mit einem Heinen p gefkrieben 
wird. Belt ein Paar ober ein paar Tagen, feit einigen Tagen. 
&s fümmt auf ein paat Thaler mehr an. Nur ein paar folder 
Apfel neh, nur einige noch. Es waren nur ein paar Leute dort, 
nur wenige, Ich konnte nur ein paar Worte mit ihm fprechen. 

+ Das Paard, bad Paarbauge, die Paarblien, f. Pferd :c. 

Daaren, v. trs. zwei Dinge als zufammengehörend mit rinander ver: 
binden, befonders bamit fir beiſammen bleiben; wie aud, zwei zu⸗ 
fammengebörige Städte ausfahen und zu Einem Paare verbinbem, 
Die Handſchuhe paarın, In ber Pflangernichre heißen gepaart 
(conjugetus) zwei Ähren und zwei Trauben, wenn fie mit ihrem 


Paar 


untern Ende auf ber Spige bes Hauptfiteles flehen; zwei After: 
-blätter, wenn fie einander gegenüber leben. Im engerer Bebeu: 
tung heißt paaren, zwei Gefhöpfe zweierlei Gefhlehts mit einans 
der vereinigen, daß fie beffammen bleiben, und befondbers, daß fie 
fi mit einander begatten, wo es baun bon Thieren, vor zůͤglich 
von Wögela, in Scherz aber auch von Menſchen gebraucht wird. 
wRoftare austänbifhe Hengſte werden zwiſchen dem Aprit und Jus 
nius mit ausgefuhten Stuten gepaart» Bunte (A) 
Der Masken Scherz, wo Mummerei und Lift 
Rerliebte paart, Gepaarten günfig if. Hagedorn. 
So au, fi panren, fich zu einem folden Paare verbinden. Die 
Mesbähner paaren fih (hen. In weiterer und  uneigentlicher 
Eedeutung , für verbinden überhaupt. 
— einen Mann, ber mit Gefühl Berftand, 
Mit Kunfterfahrung Menfhentenntnis parte. Bürbe. 
Bei den Gaͤrtnern beift paaren (copuliren}, bie Zweige bes Wilb⸗ 
ling; und guten Baumes, fo daß fie auf einander pafen, fhräg 
durchſchneiden, dann auf einander gepaft gufammenbinden, wo fie 
zuſammenwachſen. Bweig unb Wurzel paaren beißt ed, wenn 
dies mir der Murzel eines Witdlinges und einem guten Reife ge: 
fhicht. Eine ganz andere Bedeutung bat paaren bei ben Marl: 
fSeidern, die zwei Zuͤge Paaren, wenn fie einen Grubenzug, fo 
wie er in bee Grube gemeffen worben, am Zage wirtiih abfieden. 
D. Paaren. D. —ung. 

Das Paarbolz, — es, Di. —hölzer, im Schiffbane, die Inhölger 
und andere ®tüde eines Schiffes, welche zwei. und zwei einander 
glei fine, und paarweife anwachſen ober abnehmen, fo wie fie ih 
von den Daupttheilen entfeenen, j 

O Paarlich, adj. u, adr. wie ein Paar, paarmeife. 
paarlich wie Tauben zufammen.e Molke, 

Paarweiſe, adr. in Paaren, je zwei und zwei. 
Baufen, verkaufen ıc, 

Der Pacht, —et, Br. Paͤchte, oder (R. D.) die Pacht, Du. —eın. 
1) überhaupt ein Vertrag (Paetum, Oontract), wofür es noh im 
O. D. üblich if, Ginen Pacht mit jemand mahen. Den Pacht 
halten, aufheben it. Im engerer Bebeutung, ein Vertrag, worin 
der eine mit dem andern übereinfiömmt, Ihm bie Ruͤhung einer 
Sache gegen einen Theil bes reinen Grtrages ober gegen eine bes 
ſtimmte Gelbfumme auf eine gewiſſe Zeit zu überlaffen (Padt: 
eontraet); wie aud, der Rießbrauch einer Sache virmige eines 
ſolchen Wertrages. Der Pacht eines Aders, Gartens, gewiſſer 
Einkünfte, ber Iagb, ber Fifherei, der Kühe, der Schaͤferei ıc, 
Etwas in Pacht nehmen, beffen Nießbrauch vom Eigenthämer ver«_ 
transmäßig gesen eine Geldſumme auf beftimmte Zeit überkommen, 
en fi bringen. Ginem etwas in Pacht geben, X in Pacht aus- 
tbun, ben Rleßbrauch einer Sache auf folhe Art überlaffen. Etwas 
in Pacht haben, den Rießbrauch einer Sache vermögze eines ſolchen 
Vertrages. Einen Pacht antreten. Aus dem Pacht gehen. ©. 
Erbpacht und Zeitpacht, melder legte unter Pacht ſchlechthin ver: 
ſtanden wird, Ein eiferner Pacht, ein Pacht auf ſehr lange Zeit. 
Welenders von kaͤndereien. In manten D. D. Genenben fantet 
dieſes Wort + Pfacht; auch gebranht man im D. D. bafür Der 
Fand, bier und da auch, befonders in Kurs und Lirflanb, dad frembe 
Wort Arrende, 2) Dat Pachtgeld. Das Wut bringe jährtid 
5000 Thater Pacht, dringt dem Eigenthuͤmer jäheiih fo viel für 
Überlaffung des Rießbrouchs des Gutes. Wiek, wenig, hoben Pacht 
erben. Den Pacht bezahlen, ſchuldig bleiben ıc. 5) X Die Sake, 
melde man in Paht giebt oder in Pacht nimmt. Einen ſchoͤnen 
Pacht ober eine ſchoͤne Pacht bekommen, haben, 

Der Pachtanſchlag, —ed, My. —anſchtaͤge, ber Anſchtag ober die 
Schaͤhung bes Ertrages eines Dinges, befonders eines Grundftädes, 
welches in Pacht gegeben werben fol, und ber Geldſumme, welche 
für den Nießbrauch deſſelben zu entrichten ift; zum Unterfhiede von 


„Sie leben 


Paartweife geben, 


574 


Padt 
einem Kaufanſchlage. 


Der Padhıtbauer, —6, 84. —n, tin Bauer, weicher Pa befons 
bers ein Bauergut in Pacht hat ober nimmt; in einigen Gegenden 
8. D. Packbuur. X Eines Andern Pachtbauer fein muͤſſen, fi 
von ihm viel Saft, Beſchwerde müffen gefallen laſſen. 

Der Pachtbrief, —eb, By. —e, der Brief ober bie Urkunde, wel: 
de einen Pachtvertrag enthoͤlt, der niebergefchriebene Pahtvertrag 
(Pagteontrast.); ber Dachtvertrag. 

+ Der Pachtbuͤrger, —6, My. gl. in manden Ctäbten, ein Ein. 
wohner, weiber nur unter gewiffer Bebingung ober in gewilfer 
Ruͤc ſicht Bürger it (Pactbürger). _ 

Pachten, v. trs. in Pacht nehmen. &. Pacht. Die Z3blle, bie Jagd, 
Fiſcherei, ein Wirthatzaus, die Kühe, bas Obſt pahten. Beſonders 
von Brundfüden. Ginen Ader, Garten, ein Landgut pachten. 
Bergl. Miethen und Heuern, Das Lehte unterfheiber fih von mies 
then und pachten badurh, boß es nur von Heinen Srundftüden 
zn wird, bie man auf Eurze Zeit pachtet. D. Pachten. 

. ud. 

Der Pachter, (Hei Andern Pächter) —s, 4. Paͤchter; die —inn, 
Dr — en, eine Perſon, welde etwas, befonders ein Landgut, im 
Pat nimmt oder in Pacht bat, f. Pacht; auch ber Pachtinhaber, 
wenn er bereits etwa in Pacht hat, im O. D. Beftändner, im 
N. D. Heuersmann; doch aud Pächter. 

Die Pachtfrau, By. —en. 1) Eine Frau, welche etwas verpade 
tet, in Pacht giebt. 2) Eine rau, welde etwas pachtet oder 
gepachtet hat, 

Das Pachtgeld, —ed, 9. —er, das Gelb, welches ber Pachter 
bem Gigenthämer für bie gepachtete Sache ber Übereinkunft gemäß 
zu entrichten bat; ber Pacht, Pachtſchiling, Pachtzins, das 
Beſtandgeld. 

Das Pachtgut, —ed, My. —guͤter, ein Gut, welches man in Pacht 
hat, padtweife befigt; ein foldher Baueıbof, ein Pachthof. 

+Das Pachrhaus, —es, By. —bäufer, ein gepadtetes ober zu vers 
pachtendes Haus. Stieler. Gemwöhnliher aber wirb von Häufern 
Miethe, miethen umdb vermiethen, nicht Pacht, pachten und vers 
pachten gebraudt. 

Der Pachtherr, —en, 34. —en, ber Herr, Eigenthämer einer in 
Pacht gegebenen Sache; ber Verpachter. 

Der Pachthof, —es, . —höfe, T. Pachtgut. 

Die Pachthufe, By. —n, eine gepachtete oder zu verpadtenbe Hufe; 
auch eine Zinshuft, 

Der Padıtinhaber, —t, 9%. gl; die —inn, Bi. —en, eine ver 
fon, melde etwas in Past bat; der Pachter. 

Das Pachtiahr, —es, By. —e, das Jahr, ober eins ber Zaher, 
auf welche jemand etwas gepachtet bat. 

Das Pachtlehen, —6, 3. al. ein verpachtetes oder zu verpachten⸗ 
bes Lehen. 

X Die Pachtleute, Leute, Perfonen beiderlei Geſchlechta, melde et 
was in Pacht nehmen ober haben, 

Pachtlich, adj u.adr. als ein Pacht, nad Art eines Pachtes. Stie: 
ler. Gin &ut pachtlich befiten. 

Der Pachtliebhaber, —s, Mr. gt. (R.); die —inn, 9. —en, 
elae Yerfen, weiche Luft hat, etwas zu pachten; ein Pachtlufliger. 

Pachtlos, adj.u.adv. bes Pachtes beraubt, Leinen Pacht habend, 
Pactlos fein, von einem, ber zu pachten pflegt gebraudt, nichts in 
Pacht haben. Gin Gut wird pachtlos, wenn der Padıter von bems 
felden abzichet ober wenn er es _verlaffen muß. 

Die Pachtluft, o. P%. die Luft, Begierde etwas zu pachten. Mer 
ein Paar hundert Thaler hatte, wurde von ber Pachtluſt ergriffen. 
Den hödften Grad birfer Begierde kann man duch Pachtſucht 
und Pachtwut ausbruden, 

Pachtluſtig, —er, — ſte, adj. u. adv, zu pachten, etwas in Pacht 
su nehmen Luſt oder Neigung habend. Die Pachtluſtigen koͤnnen 


Pacht 


fd zur beftimmten Zeit melben. Mer eine ſolche Beglerde im höch⸗ 
fen Grabe bat, it pachtfüchtig. 3 

Der Pahtmann, —es, F4. —männer, ober —leute, eine mänr- 

“ tie Perfon, welche etwas in Pacht nimmt ober batz der Pachter. 

Der Dachhtmeier, —s, 9%. gl. ein Meier, welcher eine Meierei ges 
pachter hat, Gtieler, , 

Die Pachtmeierei, 9. —en, eine gepachtete ober zu verpachtende 
Meitrei. Stieler. 

Die Pachtmuͤhle, 34. —n, eine Mühle, welde man in Pacht hat, 
pachtweiſe befigt. 

Der Pahtmüller, —d, 2. gl. der Müller in’einer Pachtmuͤhle, 
ber fie gepachtet hat. i 

Der Pahtfchäfer, —s, By. gi. din Schäfer, welder eine Schäferei 
in Pacht hat. 

Der Pachtſchilling, —s, 4. —e, bas Pachtgeld. S. Schilling. 

Das Pachtſpiel, —es, Pi. u. ein gewiſſes Spiel (Hollaͤnd. Pagt- 
spel), M. Kramer. 

Das Padhtvich, —es, DM. u. gepachtetes ober zu verpachtendet 
Bieh. Stieler. 

Die Pachtweide, By. —n, eine gepachtete ober zu verpachtende 
Weide, Hätung. Stieler. 

Dachtweife, adv. im Weftalt oder mad Art eines Pachtes, als ein 
Padt. Etwas pachtweiſe befigen, als einen Pacht, vermöge eines 
Pahtvertrages. F 

Der Pachtvertrag, —es, By. —verträge, der Vertrag über etwas, 

z das man von ber einen Seite in Padıt giebt, von der andern in 
Paht nimmt, 2 

Der Pachtzins, —eb, 4. —e, ber Bins von einem Pachte, bas 
Pachtgeld. 

1. Der oder das Pack, —s, Rz. —; Bio. das Paͤckhen, O. D. 
— ein, 1) Mehrere zufammengelegte Dinge, gewoͤhnlich Einer 
Art, welche von aufen burh etwas 4.83. eine Schuur, einen Etrid, 
ein Tuch ꝛc. zufammengehalten werben, Gin Pad Buͤcher, Kleider, 
BWaarın. Gin Paͤckchhen Briefe (ein Paket, Paoquet Briefe). 
Etwas in ein Pad binden. Aus bem Pade nehmen. Mit Sad 
und Pad ausziehen, verreifen, mit Alem, was man bat, mit allen 
feinen Sachen. Bon einem großen Pad gebraudt man im gemeis 
nen Beben zumellen der Daden. Im engerer Bebeutung begeihnet 
Pack in manden Gegenden eine beftimmte Menge, 3. B. im Tuch: 
handel zu Rürnberg, Braunfhweig zc., wo ein Pad Tücher eine 
Baht von zehn Städten, jedes zu 52 Ellen, if. 2) Das Pädtein, 
bei Ginigen, das Grasährhen. ©. d. 

X 2. Das Pal, — es, 0. My. im gemeinen Leden und verächtlid, 

. mehrere geringe, ſchlechte aus irgend einem Grunde verähtlihe und 
veradhtete Leute zufammengenommen,. Man muf ſich mit folhem 
Packe nicht gemein machen. Befonders in Bufammenfefungen, » 
®. Diebspad, Hurenpad, Lumpenpad, Schelmpack ıc. In wel: 
terer Bedeutung, allerlei ſchlechte und verächtlihe Dinge. 

j nur gemeines Pad. 
Eind gegen und, wo wir uns zeigen, 
Die Flöten, Harfen, Zimbeln, Geigen. ©. 
In manden O. D. Gegenden it der Pad ber Zroß bei einem Heere, 


— — 


X Der Packan, o. Umend. u. Big. gl einer ber anpadt, fänel.. 


greift und feft hätt. Beſonders nennt man oft einen großen Hund, 
ber Thlete zc. feſt anpadt, einen Pader, einen Padın, wo es 
bänfig der Gigenname eines folhen Hundes iſt. > 

X Der Packbengel, —8, u. at. f. Packſtock. 

Der Packboden, —#, Mz. — böden, ein Boden zu Päderelen, ober 
auf bemfelben zu packen. M. Kramer. 

Das Padboot, — es, By. —e, in ten Serftädten, rim Fahrzeug, 
welches als eine Poſt zu Waſſer Briefe, Packe unb Perfonen zu be 
ftimmten Zeiten von einem Drte zum andern bringt (Packetboot), 

Das Padbrett, —ed, 4. —er, eins der Breiter vorn und hinten 


595 





Pad 


an einer Katſche, Koffer und andere Dinge darauf zu paden; bie 
Packbruͤckt. 

+ Die Packruͤcke, 4. —n, ſ. Packbrett. 

+ Der Paddarm, —es, By. —bärme, ber Maſtharm (Rectum 
intestinum ), k : 


Die Packdecke, By. —n. 


») Eine Dede, im welche etwas gepadt 
wird, =) Eine Dede, melde über bas Bepät auf einem Pack. 
pferde gebeckt wird. 

XDie Packe, 0.29. Berweiſe, Scheltworte; befonders in bem 
zuſammengeſetzten Auspacke. ©. d. und 1. Packen ). 

Das Packeiſen, —s, Pr. gi. ein Eifen, deſſen man ſich zum Paten 
bedient. In den Salzwerken verfeht man darunter Meine runde 
eiferne Spaten, womit man das in ben Körben zu trafen und felt 
gewordene Salz ausficht oder ausftöpt; her Padfpaten. 

+ Die Padelmifchbirn, 2. —en, eine Sorte faftiger Birnen, die 
fih aber nicht Tange halten. Remnid. x 

X Der Paden, —s, Dip. st. f. 1. Pad. 

1. Daden, v. trs. 2) Schnell und fiher faffen, ergreifen und feft 
balten, es fei mit ben Händen, Klauen ober mit ben Zähnen. Ei— 
nen beim Kopfe paden. Wenn er bi wird zu paden Beiegen. es 
ber nahm, was er zuerſt zu paden kriegte. Die Hunde padten ben 
Died. Der Adler padte feine Beute mit ben Krallen und flog mit ihr 
davon. Uneigentlid A fhnell überfallen, ergreifen. 

Entjegen padt ben Wandrer. Schubart. 
2) Mehrere Dinge faffen, in Ordnung feft zuſammen und über ein: 
ander legen, fo daß frin Raum dazwiſchen bleibt, entweber in einen 
hohlen Raum, oder To, baß bie zufammengelegten Dinge von aufen 
durd ein Sand, ein Zuch zc. zuſammengehalten werben. Waaren 
in eine Kifte, Häringe in eine Zonne, Kleider in einen Koffer pak⸗ 
ten. Auch ſagt man, ein Bag, ben Koffer ıc. packen, dasjenige, 
was hineinfommen fol, bineinpaden. In weiterer Rebeutung, im 
einen Ieeren Raum fleden. Einem bie Taſchen mit Kuchen, Obſt ıc, 
voll paden, ober vol Kuchen ic. paden. Auf eine ungewöhnliche 
Art nannte Lavater eine gebrungene, keſte Stirn eine gepadte 
(compaecte). ungewoͤhnlich ift auch die Kebensart, die Karte pals 
ten, die Spieltarte künſtlich mifhen. Hicher gehört auch die Bes 
deutung im gemeinen Reben, nad welcher paden, mit Worten berb 
ober hart angreifen, fhelten ausdrudt ;. befonders in bem zufanunene 
gefegten auspaden. S. d. D. Paden. D. —ung. 

2. X Packen, u. rec. Sich paden, ſich ſchnel wegbewegen, von einem 
Orte zum andern begeben; ein Ausdruck, deſſen man fi bedient, 
wenn man mit Unwillen und Beraditung ſpricht. Sich nah Haufe 
packen. Packe dich deiner Wege. Packe er fi.“ Leffing. ? 

Bis oft geftogen, oft gefhmiffen, ” 
Sid) endlich beide paden muͤſſen. Hagedorn. 
Im R. D. bat mom das Berkleinungswert pakern, mit Heinen 
Schritten laufen, traben, unb im Dsnabrädfhen fagt man dafür 
padken. D. Paden. . 

Der Packer, —s, 34. of. 1) Einer welcher part, ſchnell und feft 
ergreift. Beſonders nennen bie Jaͤger einen großen ſtarken Hund, 
welcher ein wildes Schwein padt und fo lange hält, bis es abgefan— 
gen wirb; beftimmter, der Saupader. 2) Gihe Perfon, melde 
padt, befonbers in den ‚Bandelöfläbten, ein Mann, welcher ein Ges 
ſchäft daraus macht, bie zu verfhidenden Waaren sinzupaden eder 
aufjupaden, . 

X Die Paderei, 0. 94. bas Paden, d.h. das dichte Zuſammenle- 
gen mehrerer Dinge in einen hohlen Raum, ober über einander, 
menn man verächtlih oder tadelnd davon ſpricht. 

Die Päderei, 4. —en, zufammengepadte Dinge, mehrere Pade, 
das Gepid. Miele Päderei haben. 

+ Packern, v. intes., im R. D, mit kurzen Schritten Bauen, treten, 
D. Padern. i 

Der Padefel, —s, I. gl. ein Eſel, welter dient, Bade ober Lo: 


DE - 5. 


hen zu tragen. Auch uneigentlih von Menfhen. X Eines Andern 
Packeſel fein, allerlei Laften für ihn ragen, allerlei Beſchwerliches 
für ibn thun müflen. 

Das Packfaß, —fes, y. —fäffer, ein Zap etwas barein zu paden, 
m. Kramer 

O Das Vadfutter, —e, MM. gt. ſ. Dadzeug. a 

Das Packgarn, —es, My. —r, Garn, ſtarker Zwirn zum Paden, 
Pace damit zusunäben; der Packzwirn. 

Das Packgeraͤth, —es, My. —e, jufammengepadtes Geraͤth, bas 
Gepaͤck. Dos Dadgeräth eines Kriegsheerts (Bagage). Gemöhn: 
ticher dad Gepäd. 

Der Packhai, — es, 9. —e, ein Name bes Engelrales oder Meer: 
engels. 

Das Packhaus, — es, Eh. — hiufer, ein öffentliches Baus, in wel: 

“em bie eingepadten Waaren eine Zeitlang aufbewahret werben, in 
weichem fie au auf: und abgepackt und zur Entrichtung ber obrigr 
feittichen Gefälle ausgepadt werden mülfen; der Padhof, wenn dazu 
ein von dazır gehörenden Gebaͤuden eingeſchloſſener Hof dient. Im 
ber Schweiz fagt man dafür, + eine Zuſt oder Suſte, und in anı 
dern Gegenden, die Wage, weil ! ıfeidft große Wagen befindlih find, 

Der Padhof, —s, Di. —höfe, f. Packhaus. 

O Die Padhütle, By —n, die Hüle, in melde etwas gepadt ift, 
ober rine Hülle, worein etwas gtpackt werben kann (Emballage). 
&inderling. 

Die Padtifte, Rz. —n, elme Kiſte etwas barein zu paden, ober 
worein etwas gepadt if, 

Der Packknuͤttel, —t, Bi. or. f. Packſtod. 

+ Die Vadlade, Mz. —n, eine Zahl von zehn Stücken, 4. B. Felle, 
ein Dreher. Stieler. An einem andern Orte hat berfelbe 
Packladen. 

Das Packlaken, —b, 4. al. 2) Ein Laken, d. h. Tuch, Leinwand, 
etwas darein zu packen. =) Eine Art Engliſches Tuchts, welches 
gewoͤhnlich weiß und ungefaͤrbt ausgeführt wird und im Stuͤcke 57 
bis 58 Ellen Hält. 

Die Packleinwand, 0.9. grobe Leinwand, etwas barein zn paden; 
Packlinnen, Packtuch. 

Das Packlianen, —s, Mj. u. ſ. Packteinwand. 

Der Padlohn, —6, Mz. u. ber Lohn für das Packen, für Cinpal⸗ 
kung und für das dazu Genommene (Emballage). M. Kramer. Befı 
fer Packkoſten. - 

Die Padmatte, By. —n, eine Matte, etwas barein zu paden. M. 
Kramer. 

Der Padmeifter, —®, MM. al. ein Poftbebienter, welder das Bepäd 
in Auffiht und zur Beforgung bat. 

Die Dadnadel, Big. —n, eine große Harfe Nähnabel, bie Leinwand 
eder anderes Paczeug, worein Sachen gepadt find, an den Enden 
ober ba, wo ſie ober es übereinander geſchlagen it, mit grobem 
Zwirne ober Bindfaden zuſammenzunaͤhen. 

Das Packpapier, —ed, a. —e. 1) Ztarkes grobes Papier, als 
tertei Dinge barein zu paden ober zu hüllen. 2) O Schriften, bie 
niemand mehr tauft, die man daher nur no als Parpapier gebraus 
en kann (Maculatur). „Wenn niht bie ganze Kuflage zu Pad: 
papier werben ſollte.“ ©. 

Das Padoferd, —es, 94. —e, ein Pferd, welches Packe ober eins 


gepatte Dinge trägt; beſonders im Gefolge eines Meifenden, eines _ 


Jiebenden Arlegsheeres; das Saumpferd, der Saumer. 

Der Padraum, —et, M. —riume, ein Raum, in melden etwas 
aepatt werben kann und fol. In einer Kutfhe befinden ſich ber: 
aleihen Packraͤume unter den Eigen, im Boben bar Kutſche, unter 
und binter dem Bocke unb hinten auf bem Autſchgeſtelle. Befon: 
ders, ein Raum in einem Hauſe, Hofe ıc., Waaren und dergl. hinzus 
yadın. In den Salgwerten verſteht man unter Packtaum ein 
Gebäude, wo das Salz in Faͤſſer und Tonnen gepackt wird, 


— 


Padd 

Der Packriemen, —t, 9. gl. ein Riemen welcher bient etwas dar⸗ 
ein zu paden, ober ein Pad bamıt zu befeſtlgen. Belonders, Ries 
men, weiche dienen, bas Gepaͤg auf Padpferden zu befeftigen. 

Der Vadfattel, — 6, My. ——füttel, ein Sattel, welher Vadpferben 
wad andern Lafithieren aufgelegt wird, um auf benfeldsen die Baften 
zt befeftigen, fo daß das Thier davon nicht gedrückt wich. 

Das Packſcheit, —es, Br —e, f. Padiiod. ‘ 

Die Packſeide, Mr. u. bie ungefärbte and noch mit vollig zugerich⸗ 
tete Seide, weihe in Paden ungefübe 3 Pfund ſchwer verſeg⸗ 
bet wirb, 

Der Padipaten, —, 9 gr. ſ. Padeifen. 

Der Palo, —es, By. —ſtoͤcke, ein dicker Kurzer Stock ober Knut⸗ 
tel, geoße Ballen, bie gepackt werden, bamit zu klopfen unb bie 
Stricke, womit fie gufammengebunben und befefiget werben, damit 
feR anzuziehen; ber Packtnuͤttel, Packbengel, das Padfcheit, Rai⸗ 
teifheit, im R. D, Wteil. Bei den Weißgerbern iſt der Packſtock 
ein Werlzeug, bie Zeile, wenn fie aus dem Gaͤhrſaſſe fommen, aus⸗ 
zuwinden. 

Der Packſtrick, — e, 4. —e, ein Strick, ſefern man ihn zum 
Packen gebraucht. M. Kramer. 

Das Packſtroh, — s, o. 94. Stroh etwas darein zit packen, beſon⸗ 
dere kurzes Stroh, deſſen man ſich zum Einpacken bebient, M, 
Kramer, : 

Der Padtröger, —t, My. gl. einer der Yäde, das Bepäd trägt. 

Das Padtuh, —ıs, — tuͤcher, grobes Zub, 3: B._grobe Eeinwanp 
etwas barein zu packen; Packleinwand. Auch mol, ein Zug, eine 
Dede über ein Packpferd ober einen Padefel zu deden; bie Pade 
dee. 

Der Packwagen, —s, =. al. ein Wagen, auf welchem bas Gepäb 
eines ober mehrerer Reiſenden nachgefahren wird ; mie au, Wagen, 
auf welchen fih das Gepaͤck in den Krieg Bichender befindet, 

Das Padwerk, —ed, 94. —r, im Wafferbaue, ein aus Reidbäme 
bein und Würften gegen das Waſſer verfertigtes, aleihfam gepad« 
tes Werk, damit bas Ufer vom Waſſer nicht ausgewafhen werbe, 

Das Padwefen, —$, 0.39%. Altes was das Grpäd und das Padın 
angehet. Dem Packwefſen vorgefegt fein (ber Bagage). Xud wol, 

„Alles was das Packwerk im Wafferbaue betrifft. Das Padiwefen 
verfteben. 

Das Packzeug, —es, 94. u. allerlei Stoffe, 3. B. keinwand, Wachs 
tuh, Baſtdecken, Papier ıc., welche bienen, Dinge, bie ver 
ſchickt werden follen, barein zu packen (Einbrilnge), M. Kramer, 
Kinberling bat dafür Packhuͤlle und Packfutter vorgefhlagen. 
Auch kann barunter ein grober Zeug, etwas bineinsupaden. ver 
ftanden werden, wo ed aber der Packzeug lauten muß, und im ber 
Mehrzohl die —r bat. 

Der Padımirn, —es, 4. —e, f. Packgarn. 

+ Der Pad, —s, 4. —e, im N. D. 1) Die Fußſohle. 
Pfad. 

+ Die Padde, Ba. —n, im R. D. ber Froſch; auch wol bie Kröte, 
wie in bem Worte Schildpadde. uneigentlich auch die Krankhelt 
bes Rinpviehes, da es Ihmitlt, 

+ Padbeln, v. intrs, mit fein, das Werfleinungsmort von pabber, 
mit ganz Heinen Schritten geben; R. D. patjen. Belonders in’einer 
Fluͤſſigkelt geben, auch nur, barin rühren ze. patſcheln. S. d. „Biepab: 
delte bei biefer — Reinigung der Stube fo recht in ihrem naßwar⸗ 
men Element.” 3,9, Richter. D. Pabbein, 

+ Padven, v. intrs. im R, D, mit kurzen Schritten geben, laufen; 
pebden, welches auch treten überhaupt bebeutet. ben bafelbit bat 
man auch bas Verkteinungs- oder Weröfterungsmort padten. D. 
Madden, Pebden, Padken. : 

+ Das Paddengrab oder Dädergras, —et, Mu. 1) Die Quecke 
(Tritieum repons L.). 2) Die Krötenbinfe (Juncus bufonius L.); 
au Poggengras, Pappengras. 


2) Der 


Padd 


+ Der Pabdenhecht, —es, 94. —e, ber Richt. Hu * 

+ Der Paddenſtuhl, —es, 4. fühle, ber Rrötenfhwanin börr 
Miſtblaͤtterſchwamm. 

+ Das Padgericht, —es, 94. —e. in Denabeit, das Gaugericht, 
vor welhes Sachen gebraht werben, bie dor dem Brüdtengeriät 
nit abgetban werben fonnitirg son padhen, gehen, ‚weil bei diefeh 
Gerichte die Entſcheidung nicht fosteig — und sin sur. Ent: 
fheibung viele Gänge nöthig machte,‘ . 

Darf! cin Schalkwort, womit man einen ——— nal ober —— 
Schad bezeichnetz; wofuͤr man Diff ſagt, wenn er feiner iR und 
Dur, wenn er gröter ober flärker iſt. 

Diff, Duff, Paff, Puff gebt fein Gewehr, Weiße: 
Auch bezeichnet man im gemeinen Beben. mit Paff ben Laut, welden 
ein Tabakraucher berverbringb,- wenn er mit feſft geſchloſſenen Lips 
pen ben Raud aus ber Pfeife in ben Mund sieht und mit — 
Sffnung ber Lippen wieber ausflöft. 

x Paffen, v. I) ntr, mit haben, den Schall paff von . fih Hören ef 
fen. Es pafft nur, es fnaflt nit. IT: intes. u, tra, mit dem 
Munde ben Schal paff bervordringen. Mit dem Muntbe paffen. 
Befonders, mit Hervorbringung biefes Schalles Zabaf rauen. Beim 
Rauchen paffen. in Pfeifhen pafſen. — D. Paffen. 

+ Der Dage, —n, 2. —n, im R. D. ein Herst wie au, rin 
ſchlechtea Pferb. 

+ Die Pagemuͤnze, 9%. u. die —— 

+ Die Dagüge, My. —n, ia der Schwein, bie Baͤrenklau (Hars- 
eleum sphondyliumlL.), &talber.‘ 

Dab! ein Wort, womit man Gleichgüͤltigkeit, wid auch, folge Werade 
tang ausbrudt. — bie glänzende kaufbahn ? Habt gafone 
taine. (R.). 

+Die Daif, 9%. —en, in den Nieberöfterreihiihen Bergwerken, 
eine halbe Schicht; vielleiht aus Pauſe verberbt, 

Der Paͤkel, f. Piel. 

Der Dalafl, —es, Vi. Paläfte, ein großes prächtigen @ebäube, fofern 
es bie Wohnung eines vornehmen Herren, beſonders aber einer ober che 
werer Perſonen, weiche bie hoͤchſten Stellen im Staate befleiben, iſt. 
Bergt. Schloß. Ein koniglichtr Palaſt. Der färfrihe Palaſt. 
Der Tod verſchont bie Palaͤſte ber Großen fo wenig, mie bie Huͤt⸗ 
ten ber Armen. Ghemahis fagte man dafür Palas, bie Pfalz. 





© Der Valaftsorficher, —&, 9. gl. ber Borſteher ober Borgefehte 


eined Palaſtes, ober der Yaldfte, ein vornehmer Hofbedienter regies 
zenber Dercen (Pröfer du v3 ©. 

2. + Die Pale, m. —n, im R. D. die Schote ober Schale ber Eeb ⸗ 
fen und Bohnen. 

2. + Die Pole, 9. —n, in ber Schweiz, der Wrotfhieber; in ans 

« bern Gegenden ber Schweiz Wrotfhäffet, Brotſchuͤßle. Statber. 

* Valen,w: trs. aus der Yale nehmen; befonders in dem aufammens 
sefegten auspalen. Grbfen, Bohnen palen oder auspalen, aus ben 
Schalen fireifen,. Iäufeln. In manden Gegenben ſagt man bas 
für pellen —— pellen) auspellen. D. Paten, Pellen. 
D. —ung. 

+ Die Palerbſe, y. —n, im R. D. Erbſen in ben Palen, grüne 
Erbfen; Schoterbfen. 

X Der Pall aſch, —es, 4. —e, rin langes Shuahtfämert ber Reis 
terei mit beeiter einfhueibiger Klinge. 


+ Die Pallbaͤting, My. —en, in ber Schifffahrt, bie Stügen bes - 


Slockengalgens, wenn baran bie Pallen bes Bratſpilla befeſtiget 
find, Röbing. 


% Die Dalle, 9. —n, in ber Schifffahrt, hölzerne oder eiferne . 


Sperrkegel, welche ben Rüauf ber Spillen verhindern. Rödbing. 
+ Die Palklampe, 9. —n, eder der Pall klamp, —es, By. —e, in 
ber Schiffahrt, eine hölgerne Rlampe, bie au größeren Sicherheit und 
mebrerem Mücbalt ber Pale noch hinter demſelben auf bas Det 
geipiekert wird, Abding. 


Campt'a Wörterb, 3. I, 


577 


— 

Palm 

Der Palm, wie, le Palme. nr 

Der Palmbaum, —et; 34. —bäume, ober bie Palme, — —n. 
.. ayrin zahlreiches Geſchlecht von ſchoͤnen und nuͤtzlichen Baͤumen in 
ben heißen Ländern, welche den Bewohnern derfelben nit allein 
Spelſe und Zrauk, fonbeen auch die Stoffe zu ihrer Wohnung, Kei- 
bung, ihrem Hausgeraͤth ıc, liefen. Sie haben einen geraden eins 
fahen: &tamın, welchen man Stock nenat, ohne eigentlihe Rinde, 
keine Üfte und Zweige, aber oben am Gipfel bildet fih eine Krone 
von immer grünen berabhangenden Blättern, bie zum Thelt Aber 
swanzig Fuß lang werben. Aus ben Winkeln ber Biätter kömmt 
die Blüte hervor gleih einem mit einer Steide bebediten Kolben, 

und entfaltet Ach in einen traubenartigen Büſchel (Palme L.). Die 
merkwörbigften und nugbarften Arten find bie Datielpaime, Ko: 
kospalme, Meinpalme, Mehlpatme, Dipatme, Schirrapatme, Bteerg» 
paime ober’ niedrige. Palme, bie Brennpalme oder brennende: 
Palme x. S. d. 2) + Die Shwarjpappel. ©. r. Pappel 1). 
Das Palmblatt oder Palmenblatt, —ı6; y.—biätter, bad Blatt 
eines Paimbaumes, beffen man fih unter andern bebienet,. baranf 
wit einem folgigen Stifte zu fihreiben, 
Doch wenn es bir einmahl am gutem Math gebricdt, 
Erlaube, das ich bir ein Palmenblaͤttchen fhreite. Unger. 

Der Palmbohrer, —s, 24. al. eine. Art Aüffeldäfer in Shvamerika,r 
deren Larve in bem Stamme ber Palme Iebt und fih tom Maske 
berfelben nährt (Curculio palnarım LI; auch Palmmurm. 

1. Die, Palme, 94. —n. 3) Der Palmbaum. S. b. ») Ein ämeig 
bes Palmbaumes ober eigentlig ein Paimblatt, „Mit weißen Kiei- 
dern und Palınen in ihren Händen.e Offenb. 7, 9. Im ben alr 
ten 3eiten waren folbe Palmen die Auszeichnung und Ebrenieihen 
eines Siegers, wit aud) ein Einnbilb bes Ariebens; baber der Ges 
brauch dieſes Wortes in ber Dichtkunſt und hoͤhern Schreibart, Die 
Palme bes Sieges erringen. Ihm reichte fle die Dalme als Bier 
ger, 3) Der Name einiger anderer Gewähfe: (1) des Krifl: ober 
Mirtendornes ober der Stechpalme. &.d. (#) Drs Mäufebornes 
(Ruscus aenleatns L.), welder auch ſtechende Palme ober Steche 
palme genannt wird, 

2, Die Palme, My. —n, be Xugen ober Knospen an ben Wein« 
ſtoͤcen. „Wan muß ben Weinftot beften, ehe bie Palmen ausfchlas 
gen, fonft wenn die Palmen an ben Beben ausfhlagen, thut man 
ihnen leichtlich Ehaben.* Goler bel Friſch. Im weiterer Bebeus> 
tung heißt im R. D. jede Knospe bie Palme ober der Palm, Ber 
fonbers aber verflebt' man barunter bie wolligen Biätentäghen der 
Meiden, Erlen, Bafeln ıc., melde fhon zeitig, um Oftern, zum 
Borfheine kommen, daher fie auch Oſterpalmen, in antern Gegem 
ben Palmkaͤtzchen, Käschen, Minfel, Lämmdhen ıc. beißen, die zeit 
ſelbſt aber Palmzeit genannt wird, Der mit folhen Palmen oder 
Käpchen verfehenen Meidenzweige bedient man fih in ber .Römifhen 
Kirde am Polmfonntage auch anſtatt echter Palmpweige, und nennt 
fie auh Palmen. 

3. Die Dale, 9. —n, im N. D. ein Längenmaß, bie Die ber 

Runbbölzer auf Schiſſen danach zu beſtimmen. In Hamburg Hält 

fie 4214 Linien Parifer Map, wenn man ben Umfang.mift, ober 

15 ®/% folder @inien, wenn man den Durchmefler mißt. In Hot: 

land und Norwegen hält fie mur 59%, feier Linien umb drei Pal 

men maden daſelbſt 10 Ich = Linien Dänifhes Mopes. Rah Ki, 
diag ift in der Steſprache Palme aud fo viel als Spann. = 

Das Palmeichhoͤrnchen, —, MM. al. eine Art Keiner grauen Eiche . 

hoͤrachen, meihe fih in warmen Ländern, u B. in Oſtindien auf 

den Palmen und Dochern aufhalten (Seinrus palınarum L,, Pnl- 
mist); auch Palmratte, writ es Äbatichleit mit einer Ratte hat, 
ober weil es nicht größer als eine Ratte ift. 

Palmen, v. iatrs. in ber Serfprade, auf ben Biiufer einer Tatjt oder 
auf ein Schelbentau boten, indem man eine Haud über bie andre 
anjgiägt. D. Palmen, D. —ung. 

73 


Pant 


5, Palmenbeflreuet, adj. u. adv, mit Yalmpwelgen beftrenet. 
— auf pulmenbeftreueten Wegen, — Sonmenberg. 
A Palmenbewunden, adj. u, adv. mit Palmzweigen bewunden, 
ummunben. 
— an einem ber palmenbemundenen Pfeiler, 
Das Dalmenblatt,, f. Palmblatt: 

Die Palmblüte, My. —n, die traubenförmige Bluͤte des Palm 
baumes. i , 
Das Palmenbuch, —et, 4. —büder, ein Bud von Palmblättern, 
inchrere zufammengelegte Palmblätter, die ein Bud ausmachen. ©, 

Palmbiatt. 


Klopftod. 


Und reiht mit Falter Hand bas Palmenbuch dem Erben. Ungen. 


Die Palmenbiftel, Rz. —n, bie Stechpalme oder der Mäufeborn, 
Kriftvorn. 

Die Palmendroffel, By. —n, eine Art Droffeln (Turdus palma- 
rum). Remnid. 

Der Valmengarten, —e, Bi. —gärten, ein Garten mit Palm 
däumen. 

O Das Palmengrün, —es, 0.4. das Grün, die grüne Farbe 
der Palmblätter und biefe Blaͤtter ſelbſt. Uneigentlih, bie Blaͤt⸗ 
ter der Palmbäume. 

und wenn im Palmengrän bie Frühe wieder tagt. Ungen. 

Der Palmenbain’, - ed; By. —e, ein aus Palmen beſtehender Hain. 

© Der Palmenkranz, —es, 4. —tränze, ein Kranz von Palm 
swelgen oder Palmblättern;, der Siegeskranz. 

Einf bringt, wer früher farb, in Glanz 
Dem Brudergeift ben Palmenkramz. Boß. 

Dit Dalmenftadt, das Palmenthal ze. f. Palmſtadt ze. 

Der Palmenwald oder Palmwald, —es, @y. —wälder, ein aus 

- Palmen beftebender Wald. 

Siehe, die Palmenmwälber,. der Fordan, Wenezaret rauſchten. 
. Klopftod. 

Der Palmeſel, —s, 4. al. in. der Römifhen Kirche, rin. gefhnig. 
ter Gel, welcher bei ber Worftellung des Einzuges Krifti in Jeruſa⸗ 
Tem am Palnfonntage, bas Bild Kriſti tragenb, auf einem Rollwa—⸗ 
gen Hehend herumgefahren wird. 

Die Palmfrucht, 94. —fruͤchte, die Frucht des Palmbaumes. 

Das Palmgehorn, —es, 2. —t, fo viel ald Handgehörn, ©. d. 

Das Valmgewaͤchs, — s, My —r, in der Pflanzeniehre, Gewoͤchſe, 
weide wie. ber Palmbaum «inen afllofen Stamm und im Mipfel 
Blätter haben. 

© Die Valıngraupe, Dh. u. rine der Braupe in Geftalt ähnliche 
Cpeife, melde aus bem Marke ber Mehlpalme bere itet wird (Sago). G. 

Das Dalmbirn, — ⸗s, 9. u. der weige markige Thell des Schaftes 
ber Kotospalme, 

Der Palmbhonig, —ts, o. 8. in der Wienenzuät, derjenige Honig, 
welchen die Bienen in ber Palmzeit von ben Palmen ober Blüten ein 
tragen; der Krauthonig. ©. 2. Palme. 

Der Palmkäfer, —, MM. al. eine Art Säfer inGayenme, deren Lars 
ve ſich non den Sternen einer Art Palmen nähret (Bruchns bactris), 

Der Palmkaͤſe, —s, 9. u. bie jungen noch nicht völlig enffaltes 
ten und eingemachten Blätter der Dattelpalme, welche man genießt, 

X Das Palmtfaͤtzchen, —s, 94. 31. [. 2. Palme, 

Der Palmkohl, —ıs, 9. u. Siejenigen Blätter mander Palmen, 


+» 2. ber Dottelpakne und Kolespolme, welde man als GBemäfe : 


enicht. 
© Das Dalmmehl, —b, ©. 3%. Mehl ober etwas dem Ähnlichen, 
meihes man aus dem Marke der Mehipalme (Sagopalme) bereitet, 
* Die Palmuuß, 89. —nüffe, die Ruf, Frucht einer Art Palmen, 
bir Datiel. 
Dis Dalml, —, 9. —e, ein DT, weiches die Frucht mehrerer 
Parmaorten giebt; Sefonbens ber aus den Zrügten ber ges 


groß: Saft, 


578 


Pant 


Die Palmratte, 9. —n, f. Patmeihhöenden. , 

Der Palmried, —es 9. u.. ein Oftindifces bem Micbe Ahntichen 
Gewähs mit ſtacheligen Blättern und Zweigen; es woͤchſt an flie 
Fenden Baffern und. ber Stamm beffelben wird ſehr hoch (Calamus 
rotang L.). 

Der Palmfaft, —es, 9. der Saft des Palmbaumes, befonders der 

Fruͤchte beffelben, 

Der Palmfonntag, —es, My. —e, ber Sonntag vor Oftern, an 
weldyem ber Einzug Kriſti in Ierufalem, bei welchem ihm Palmen 
auf den Meg geſtreuet wurden, gefeiert wirb (Palmarum) ; ehebrm 
der Blumenfonntag, verberbt der blaue Oſtertag. 

O Die Palmſtadt oder Palmenftadt, By. —flädte, eine von Pak 
menbäumen umgebene Stabt. 

Pofaunruf der Heerlager — 
— umſchotl Web drohend ber Palmſtadt Thürme. Ktopftod. 

Der Palmſtock, —s, 34. — ſtoͤcke, in der Abmiſchen Kirche, Stoce 
mit Palmzweigen, deren man ſich am Palmſonntage anſtatt der wahr 
ren Palmen bedleat. S. 2. Palme und Palmeſel. 

Der Palmtag, —es, 4. —r, der Yalmfonntag. 

O Das Palmthal oder Palmenthal, —es, By. —thäler, ein mit 
Palmen bewachſenes Thal, 





daß beiner Deere Poſaunen 
Bor ſich die hohe thärmende Stadt in das Palmthal ſtürzten. 
e Klopftod. 
Bei füßem Scherz und fröhlichem Durchwandeln 
Des Palmthais verfliegt ein Abenb nach dem andern. Wieland, 

Die Palmmweide, By: —n, eine Art Welben mit gesähnten rauden 
Blättern, auf trodnen Felbern; vieleiht ift fie fo genannt, weil 
man ſich ihrer vorzüglih anftatt ber wahren Palmen in ber Mömis 
ſchen Kirche bebient. &, 2. Palme (Salix caprea L.); auch Saale 
meide, Buſchweide, Werftweide, Hohlweide, Streichpalme. 

Die Palmmeibe, My. —n, bie Weihe ober Meihung der Palm 
Aweige in ber Roͤmiſchen Kirche am Palmfonntage, N 

Der Palmmein, —es, 4. —r, ein Wein, weicher aus dem Safte 
ber Yalmbäume bereitet wirb, ber ſich aber nicht Tange hält. 

Die Palmwoche, 4. —n, bie Woche vom Palmfonntag bis zum 
Dfterfefte; gewöhnlicher die Marterwoche, Karwoche, ftille Woche. 

Der Palmwurm, —es, Dy. —würmer, ſ. Palmbohrer. 

Die Dalmzeit, 9. u. ſ. 2. Palme. 

Der Palmzuder, —s, 34. gl. «in feiner weißer Puderzucker von 
den Kanarifden Inſeln, welcher ben Namen von der Infel Palma 
hat. ©. 

Der Dalmzweig, —s, g. —t. 1) Ein Zweig eines Palmbans 
mes ober eigentlich ein Palmblat, Wir Palmzmweigen geſchmückt 
war der Magen bes Siegers. Ginem den Palmzweig reihen, ats 
Sinnbild des Friedens. S. Palmbaum. 2) Ein mit Palmen, 
d. d. Bluͤtkaͤzchen verfehener Weidenzweig, welcher am Palmfonne 
tage in der, Nömifhen Kirche anſtatt echter Palmen geweihet 


wirb, F 

+ Der Daldrapfel, —, 9. —Ipfel, 
gut zum Gebraud in den Hüdhen, 

+ Palsten, v. intrs. im R. D. im Waſſer ptätfhern; auch pulsken. 

+ Der Valfter, —8, 9%. gl. bie Paflinake, 

+ Die Palfterqguappe, Wy. —n, die breitblattige Paflinate (Pasti- 

naca sativa letifolia). 

+ Die Palte, 9 —n, im R. D. ein abgeriffenes Sti@, win Lip 
pen; auch Pulte, 

+ Palterig, adj. u. adr. im N. D. befonbers in Hamburg, serfumpt, 
jerriffen, Raſch e h. 

+ Der Paltrock, — es, 4. ride, im RD, ein grober Übeero®, 
Regenrock. Riche y. 

Dalzen ꝛtc. T. Balzen. 

Die 


J 


eine Sorte platter KApfet, 





Pam 59. Maut 


+ Der Pamel, —8, &% u. im,R,.D. und. in Pommern, aus feinem n -Pfüse panſchen. Dan. Elüffigfeiten unterseinanber mifhen , mit 





Roggenmehl gehadenes befendrot. . ©. Panıf en. dem Mebenbegeiffe, daß diefes ungehörig, wiberlich ober etelbaft fi, 
+ Des Pa ugken,, 8, =, gl, eine Art- weißer, Beste in- Pommern, „,-Alestei unter einander panfhen: , Manſchen ift badurd von Hans 
ei in, Stettin. Beifd. ſchen verfhieben, daß es: mehr von breiartigen berben Bläffigfeiten 
+ Pimmeln, v. trs im Sääfifgen, Biöyin, sehen Fulda. —  gebraudt wird. Marigentlih, X in bie Panſche beingen, führen,- 
D. Pimeln.- = —ung: et : ‚. Gr griff fir an und fiegte nice 
4 Di Hampe, 06 . —XF Pant. uUnd Sam gerautſcht nah Haufe. Schilter. . 
N ampelbfume —u, der wtarahn — tara · 2) + In weiterer Bebeutung, hia⸗ und herruͤtteln, ſtoßen. Dann 
> T } in Baiern und in ber Schweiz, wie patſchen, ſchlagen; won Kindern 


.$ Yampels, v. ntr. mit BR im, Sennchergfäen, — in ker .; » aebehghtic. 1, IEr Fimar. mit haben, im der Schweig, wo 26 datte 
‚ Bchmeiz banapeln, nad. Stalberbewegen, ‚siegen. Im N. D. bes >. ‚fen Jautst,, ‚fid bewegen. _ Das. Waffer banſchet. Daher das Ber: 
biutet es Hin: und berihmweben, wie eine @lode. ; Öfterungswort banſcheln, bantfceln, welches in ber Schweiz im 
‚Der Pams ober Pamps, —es, Bi. —t, etwas Dites, Bufams „, allen, Bebsutungen bes Wortes ‚banfhen oder panfhen gebraucht 
mendangenbes in einer Zläfigteit, ber Bobenfag ac, Auch eine wird, Stalber D. Panſchen. D. — ung. 
bide Suppe,„in welchet viel Brot ıc, iſt, ein dicer Brei wird ein + Die Panfe, (Panze) y.—n, im R. D. ein ensiie wie auf, 
nis Pams genannt, „Im. R. D. fagt man Pampt... Davon-pampen, „, 28 upgeinsenes Kinds is 


dm, [Glampampen,. ‚unb ein Pamphruder, eine, Pampſchweſter, eine Kom Spiel erhigt und vom Baden, beut 
Vexſon die gern pampet, gut Ich, iſt. In Balerg nennt;man... Sie zuͤrnend Gift ber, Panze. Er. Stolberg, = en 
sr pin Kind verähtlic einen, Pams, Der Panfen,.X Panfen,.v. ts. f. Banfem ac. 


„Der DPamuchel, in Preufen Pamochel, ih 9 al, eine Gattung «Dad Panſter, —s, E gt im) Mäßlendanej ein haben, untesfgläg: 
. Sto@fifhe, welde bei Klein ein eigenes Geſchlecht wit. 14 Battuns . „tiges Waſſertad, weiches nah dem Stande des Walfers in bie Höhe 
‚gen ausmaden, indem. diejenigen Fiſche barunter begriffen werben, -;; geagogen unb ‚niebergelaffen, werben. kann. und meldes zwei Mahls 
bie unverihioffene, ober ‚mit - einem Dedel, verfehene Kiemen und 233 treibt; das Panſterrad, zum Unterſchiede vom Staberrade. 


‚„, brei wahre Rädenfloffen Haben (Callarias,Kl.).  ; - as Panftergatter, —6, Mel im Müplenbaue, bad Gatter, in 
„Die Pandurenklinge, ER. —n, bei den Gchwertfegern, eine * —— ein · Panfterwert i öde: gerogen ‚ober, niebergelaffen 
‚2 „trümmte Dieihfängerktinge, weit die Ebel, wie, fie bie Panhurem ., wird. Davon ‚die ——— en * @äulen, biele⸗ Pan: 


u... ober Kroaten tragen. oben trugen, bergleihen Klingen, baben. >) ſtergatters. 
ı +. Die Panele AR. D. das Panceh) u, im N. Dedie hrett / Dad Panfergerinne, um * mihlensane, bus. Berinne 
u... Bene Bekeibung ber Wände in ben Zimmern untenherum etma bie au.einem Yanfterrabe, 
dahin, wo bie Fenfter anfangen, befonders wenn fie aus vierecki- Die Panſterkette, m. —n, im Mäplenbaue, bie Kette, mit weicher 
gen. mit Eeiften eingefaßten Feldern beftehet; das Taͤfelwerk. bas Panftersab nah dem Stande bes Waffers im bie Höhe gezogen 
5 Dad Vanier, Gweiſilbig, die Iehte Silbe gebehnt) —es, Wie —tı! .; ober uiebergelaffen wird, 
das. Bannes oder Panner, weidhe Mörter als ganz — detonte Die Panftermühle, Dig. —u, eine mit einem — — 


beſſer find, ' „. MWaſſermuͤhle 
Wie has. Panier, von feiner Hand gefaffet, * ——— Panſterrad, —4, eh, f. Panfler. - 
Bur brohenden Xgibe ward, Ramier Die Panfterweie, = — 1, im Mühlendaue, bie Welle eines Yan: 
Ehemahls aud das Pandt. * fexrades. 
Die wunden ſchlug der mynne pandt. Iwain, a, 749. Das Danflerzeug, —es, Dip. u. das Panfler mit dem was dazu 
„+ Panfen, v. tr. im R. D. werfen. D. Panken. gehoͤret. 
ð Der Pankert, f. Bantert. Der Panfterziehboden, —6; 24. —böden, im Muͤhlenhaue, das 
+ Die Panne, 89: —n, beiden Faltenjägern, die großen Schwing : Gtänt Boden von dem Innern. Batter bit an bie Mausr am Gerins 
federn an den Flügeln des Falken; verberbt aus Wanne, &,d. - - ne einer Panftermühle, weil man daſelbſt bie Wafferräder vermitteift 
Das Panner, der Pannerberr 1. f. das Banner ıc. ber Biehfheiben und Fiehflirnräber in die Höhe ziehet. , 
* Der Vannerführer, —$, 2 gl. einer der das Panner führt + Der Panter, —s, 9. gl. im R. D: ein bünmes Aaches Golz, wor 
ober trägt, MWörterb. v. 1488. mit mande Schulmeiſter bie Rinder auf bie flahe Hand ſchlagen. 


%* Der Dannerfiod, —s; 4. — ſtoͤde. »> Der Stod, ber Schaft Der Panther, —e, 24. gl. ober bad Panthertbier, —es, My. —e, 
eines Pannere. 2) Eine. Lanze mit einem Beinen Faͤhnchen. Frifh.: ein in ben heißen Lähbern Afritas und Afiens lebendes wildes Raub» 

x Der Panfch oder Pantfh, —es, 34. u. 1) Etwas bad man thier von ber Gräfe eines Bullenbeiders; fein Keil, weiches ein fihds 
untereinander gepanſcht oder gemanſcht hat, was alfo wiberlich, efel:,' mes Pelzwerk liefert, ift fahlgeld auf dem Rüden und an den &els 
haft if. 2) + Der Wanft, in weiher Bebeutung es mit Pahfen ten, am Bauche weißlich, und die ſchwarze Zeichnung derfeiben meift 
Banfen, anberwÄrts Panfe ein und baffelde,; nur etwas veränderte geritigelt, mit einem ober mehreren Flecken in ber Mitte (Felis 
Wort it. 5) + In der Schweis, wo es Banſch, Bantfch lautet, ..pardus); ‚bei Andern das Panther, ehemabls auh Panthel. 


ein Menſch, der fih zu geringen Dienften gesrauhen, ber fi gleich: Bon einem wilden Panthel war barüber gezogen 
fam bin» unb berflofen läßt. ©. Panfdıen 2). Dann auf ein Gin Blies, um bie Geſchoſſe. — db. Nibelungen. 8. 3817. 
abgenüster Rod, welden man wenig fhonet. Stalder. Da er in ber Eebendart mit dem Reoparben Bieles gemein bat, fe 


X Die Panfche oder Pantfche, 3. u. eine unreintihe, unter eine - hat man ihn Häufig damit verwechſet und auch Beopatd genannt, 
ander gemengte Fläffigkeit. Uneigentlih eine unangenehme Berle: baher Ad. ſelbſt irret, welcher die Unterfheibung bes Panthers und 
genheit. Im bie Panſche kommen, wofir man aud fagt, in bie Beoparben für irrig erflärt. Die Ramen Parder, Dardel, Pard, 
Dinte kommen ıc (in bie Bredouille kommen), welche der Panther ebenfalls führt, Lönnten, wenn man fie nicht 
+ Das Pänfhel, —e, 4. al. das Geſchlinge. S. Panſch >). dem Leoparden, ber fie mit mehrerm] Rechte führen wäche als 
X Panfchen oder Pantfchen, v. I) intrs. a, trs, ı) In einer Fiäfe .. des Panther, geben wollte, einem andern Maubtbiere, der Panther 
figfeit berumfahren und fie unter einander rähren, wobei ber Baut kaße (f. b.) gegeben worben. Davon bad Pantherfel ıc. das Fell ic. 
nachgeahmt wird, welden man babri hört. Im Waller, in eine eines Panthers, 


| Paut 
Die Pantherhaut, 94 —häute, das abgerogene iiad zu 
des Pantherd. % . \ ‚ 


Der Dantherhantächat, —es, 9. —e, eine Art ben Achates, web 
her wie eine Pantherhaut gefleitt iſt (Achates pellis pantherae). 


bereitete" gen 


Wie Pantherkatze, My. — n, ein in ben wärmern Bändern von Ames 


vita lebendes Ahter, welches etwa vier Fuß fang und brittehald 
Fuß hoch wird, dem Milde und anberm Leinen Vieh auf Räumen 
aufiauert, auf meiden es ſich berabftärgt um ihm das Blut auszu: 
fangen; das "Männchen iſt ſehr ſchön und vegeiäßig gezehhnet 
eii⸗ pardalie, Orelot); Amerituniſche Panthertuge, Amerikani · 
der, mit welchem Ra⸗ 


ſche wilde Hape oder Bergkatze, Kapenpar 

" men Anbere bie Unze belegen, " 

Mer Pantberftein, —es, Dh. —e, ein weißer oben weißgelblicher 
. SIaspiß mit gelben und gelbbraunen Flecken. 

Das Pantherthier, fr Panther; v 41 
Der Vantoffel, —s, M. —n, eine den Schuhen Ähnliche Bes 
tleidung ber Faͤße, die man zur Betjkemlichkelt meiſt nur im Haufe 
teigt und‘ welche vorn gemähntich "weiter ausgefhnitten. ift als 
Schuhe, feine kaſchen und Theile Hinterleder bat z "heile 

ln Di Toffel, Thffer,  Pantoffein, die Fein -Pihterleber 
haben, ober die hinten niedergetreten und fonft unanfehntich’ find, 


nennt man im gemeinen Beben Gchladern,- Schlärfen; X-Unter der ı 
Derefhaft des Pantoffele, ober Bloß, under dem Pantoffel ſtehen, 


untere der Herrfchaft feiner Frau feheny“ weil-bbfe’ ober hereifche 
Frauen ſich ihres Panto 


unter bie Herrſchaft feiner Frau oder einer, bie ihre Steile vers 
erittz hleihbebeutend mit' def ebenfalle nur in deu gemeinen Sprach: 
art üblichen Nebendart, fi die Hofen oder ben Hut nehmen laſſen. 
uneigentlich, wegen einigerAhmlthteit. 1) Das Pantöffelkhen, in 
manden Begenden diejenige Pflanze,’ melde gewöhnlicher Mariens 
hub ober Venusſchuh genannt wird (Gypripediinn enlceolus L.)- 
) Eine Kerr Alppleber, ine Bippfhale (Patullu foralenta L.) 3 
auch Mönhsfhuh. ine andre verfteinte Muſchel führt ebenfalls 
den Namen Panieffel (Anoniinsendalinumt.); dit Patoffeiiur 
ſehel. 5) + Bin werberbter Mame ber Kartoffel..." 2 
Der Pantoffelbaum oder Pantoffelholzbaum, — et, My. —baͤume, 
ein Name der Korkeiche, weil may aus ihrem Holze, dem Pantoffel: 
belze, auch wol Pantoffeln ſchneidet, wie man im vielen Gegenden 
aus andern Hotze Schuhe ſchaeidet. S. Kork. 
Die Pantoffelblume, By. —n, eine ſeltae Pflanze in Sudamerita, 
"..peren Wlumendiatt mit einem Pantöffei einige Köntiäteit Hat (Cal- 
eeolaria), Die gefiederte Pantoffeldlume und die mit ‚ganzen 
Bikttern And mwer Arten derſelden. ee 
Das Pantoffeleifen, —t, 2. gi. bei den Huffchmieden, ein Hufe 
eifen, an weidhem ber innere Rand ber zwei Stollen inmenbig bei 


br * “u 


! der Kerfe viel dicker if ale der Äußere, fo daß fie gegen das ‚Horn 
van abhängie find. 
"Der Pantoffelfifch, —ut, My. —t, bei Ginigen, ein Name des 


Harmamerflibes. N 
Santeffeiformig, adj. m. adv. die Form, Geſtatt eines -Panteffels 
babenb; "ir der Pfanzeniehre, 4.8. ein pantoffelförmiges Honig ⸗ 
deh Utals (Neetarium enlerifor me). 
Dis Pantoffe!holz, —es, e 3%. f. Pantoſſelbaum. 
Der vantoffelmacher, — , M- al. ein Handwerker welcher Panı 
toffeim macht, umd weten mit feines Gteichen nah Jacebd ſan eine 
eigne moi dem Sanſtern verihichene Bunft- auamachet. 
Die Pantofietmufeh, Dr. —n, Mufieie welche Äsntihkeit mif- 
Sant Wit Yaben, ©. Mautoffel =). 
Pantoffern, * ers. bei ben Botmertern, Leder zu gewiſſen Esiefiin i 
BENETERT fonteren auf Pantofils ober Kerühetze reiben. Das 


Bier rantt fern. 
‚Das Nanteſtelpaar. rt, 


g.** 


D. Puntoffein, D. —ung. 
Dt, ein Paat Pontoſſein, 


800 





& mot Samt Angriff und" zur Beſtrafung 
ihrer fhrwachen Männer beblenin,: X Unter don Pantoffel Tormmen, * 


Panz 


Wenn rhdimärtt nicht geftendt War ' — 
Mit Kreuzen ihr Pantoffelpaar. Bob. 
Der Pantoffelftein, ts, y. —. ı) Em Eteit)'ber bie Geftik 
eines Frauenpantoffeld hat (Sandalislithus), 2) @ihe Art verfleim 
ter Mufheln (Crepidites),. r 
Der Pantoffelmurm, —ıt, 9. —tmärmer, eine Sattung einfarher, 
Kängtiher, flahgebrädter, durchſichtiger Würmer, die mit bloßen 
= Augen nit zu erkennen find (Parameoium Mülleri). 
Der Pantſch, Pantfchen, ſ. Panfh, zu 
Der Partzen, —s, 9. gl. Soviel als Bäfe‘ S. b. =) So 
viel aid‘ Banfen, ‘in manchen Gegenden Panzer. ®&, d. 1). 5) In 
Baiern, ein Obftfaß_ — 
Der Panzer, —s, 39. gl. 1) Der Banfen ober Panſen, der Untee 
—leib, Wanfl, 2) Was den Panzer oder Banfen und, im weiterer 
Bebeutuiig, den Mumpf bededt, (hüpt! Co hrißt nach Stalder im 


der Schweiz der Banger ein Wamms, em Kittel, wie Wüd, ein 


Leitnenkittel , der wie ein · Geind gemadyt If; vorn reihen Schlig und - 
“pinten eine‘ kleine Kappe ‚hat; in ben” Maibftädfen das Hitten⸗ 
hömmli. Befonders aber ift der Parljer, elnt fefte, das Teindtihe 
@eicheß') als Pfeile,” Wurffpiehe zc, umd Stiche und Hiebe abhal⸗ 
tenbe, gemöhnlic metallene Bebeckung des Aörpers, in’ weiterer Be⸗ 
beutung fowol-bes ganzen Körpers, als aud in engerer und gewoͤhn⸗ 
fiher, des Rumpfes allein; das Panzerbemde, ber Parzerrod;‘ che 
mahls auch ber Krebs; zurm-ttnterfihiebe som Harnifche, welcher den 
’> Hiper Uberhaupt bedeat und ſchat. „Woliäth- hatte kinen ſchuppe 
‚gen Panzer an, und das Gewicht feines Panzers mar Scoo Seckel 
Erjes“ 1 Sam. k7,5: Mit den Ritferzeiten kamen bie Panzer 
Nund Haͤrniſche Aufßer Gebrauchn und nur Die ſchwere Meiterei trägt 
noch einen Darhifh'(Cwirasse), ber entwe ber nur die Bruſt oder auch 
ben Nüden bedeckt. Bei den Jaägern beißt Panzer eine aus Beine 
wand und Fifhbein gemachte und mit Haaren ansgeftopfte Bekleis 
— dung der Jagdhunde, um fie auf der Zagd auf wilde Schweine gie 
'gen bie Hiebe berfnben zu Fhäsen. Auch der das Schild der Schild · 
tröten umd anderer Thiere heißt Panzer, S. Panzetthier.“ Der 
Danzer bes Potſtelnes, die Eiſenplatten, mit welchen die Pole def 
fetben belegt fin® (Armatur), 
Das Panzer, ſ. Panfter. 
Der Panzerärmel, —, @4.igl. ein Trmel vom metallenen Ringen, 
den Arm zu bebeiten, bas Stüd eines Harnifches, welches den Arm 
betett. Friſch. : 
xr Vanzerfegen, wi trs. ich panzerfege-ıc. Mittetw; d. vera. 3. 4 
‚» panzerfeger, elgenttihj den Panjer fegen, unelarnttih noch hier 
und da, einemiberhen Wörweis geben, wie auch, züdhtigen, wofuͤr 
. man gewoͤhntich nur fegen, feuern, auefcheuern gebraucht. Rah 
Frifch rührt dieſe Bedeutung von dem Sebrauche her, ba man in 
den Zeiten, doo man von Draßt geflshtene Panzer frug, Etüde von 
folhen unbrauhbar gewerbenen Panzern, welche Panzerflede bie 
° sem, zum Scheuern der Küchengefäße, beſonders ber eifernen Töpfe 
gebrauchte. - 
Der Panzerfifh, — es, 4. —e. 1) Ein Mefhtächt- von- Fiſchen, des» 
sen Körpes mit fteifen kaechichten Schuppen bedet, gleichſom ge 
‚ panzeet ift (Loricaria L.). 2) Eine Gattung auslaͤndiſcher Fiſche, 
die au der Ordnung berjeniten Fiſche gebören, welden ber Klemen⸗ 
dedei oder bie Aiemenbaut fehlt; ihr Mörper it mit einem kendcher⸗ 
nen ober beingetigen Panzer bebedt, daher fie auch Beinfifche und 
Kofferfifche beigen «Ostracion L.). . 
& Das VDanzergeihmeide, — 8, DA gl, der Panzer als ein @e 
fümeibe d. d. ihmiebere Arbeit, 
— und besierig mit audaeitsehter Ofhe 
Krachended Panzergeſchmeld' an feinzsicher Bruſt zu durchſchmet⸗ 
tern, Voß, 
Der Pangerbahn, —it, 24. — baͤbne, kei Müller, bie erfie 
Gattung der Sechaͤhne mit geihnäbeitem Maus  zangenartigeu 


4 


em 


Panz 
Kiefern, und Über ind Aber rauhem fleheligem Körper (Trigla ca- 
taphracte L. Oataphractus 14 Kl.) 

Der Pangerbandfchub, —es, 34. —e, Oandſchehe ven Draht ober 

Blech zur Beſchuͤtzung ber Bände, 

Das Panzerhembe, —3, 4. —n, gleichſam ein Bemde, d. h. eine 
Bekleidung bes Körpers aus Draht geflochten, welche man ehemahle 
als einen Panzer im Kriege unter ber Kleibung trug. 

Die Panzerhofe, 3%. —n, »Bofen;' Weinkteiber von Braht oder Dich, 
bie Keine zu beſchuͤtzen. 


Die Panyerfette, 4. —n. 1) Eint Kette, 5. 8. Haldkttte, deren 


Glieder länglich und fo gebogen find, mie die Getenke und Maſchen 


an den ehemahligen Danzern von Draft waren, 2») Mei ben Gpw 
zen, eine Rinnkeite, weiche bie beiden Stangen eines Pferbezaus 
mes vereiniget und bie-ärkfte unter ben Kinntetten ift. 
Die Panzerflinge, 9. —n, eine Art flarter Gtoßflingen, buch 
. ben: Panier' damit zu ſſoßen. Degen mit fofhen Alingen nannte mon 
ehemahls Panzerrenner, Panzerſtecher und Schuͤrzer, weil man 
bamit Grfonberd buch bie Vamerſchuͤrzen zu Rechen ſuchte. 
Vanzern, vw. trs. mit einem Panyer verſe hen und dadurch gegen Ver⸗ 
ledung durch Waffen zu ſchägen fuhen. Sich panzern, den Panzer 
anlegen. Rom. Kopfe bid zu ben Füßen gepanzert fein, Sich ar 
gen den Stachel ber Verleimmdung panzern, wneigentlih, fi dage⸗ 
gen fhägen, ſich davor verwahren, baf bie Werleumbung nicht nadıs 
theitig werden Fanm'‘ In weiterer Bebeutung panzgern bie Bäger 
auch die Zagdhunde, indem Me ihnen kine Vedecung bieifie vor. ben 
‚Dieben ber wilden Schweine „Taügt, anlegen. ©. Panger. D. Panı 
erh. D. —ung. : 
Das Dänzerrad, es, y —— f. Panſter. 
Der Panzerreiter, —s, 2%. gi. ein gepanzerter Reiter; ein brand 
bares Mort für das femte Cuirassier, 
Der Danzerrenner, —6, 29. at. ſ. Panzetklinge. 
Der VDanzerrod, —es, By. —toͤcke, ber Wanjer, befonders ber 
Pätptrheil' des Pauzers, welcher den Rumpf wie ein Mod —— 
— — bevor des morbenden Hektor 
Slutigen Panzerrock ringsher um die Bruſt bu Yerriffen. —* 
Die — — D4. —n, oder der Panzerſchurz, —ee, 4. 
—t, ein von Drabt-gemadter Schurz, weldhen man ehemahls uns 
ten am Panzer oder Darnifche zur Beſchͤtzung bed Unterleibes trug, 
» Der Panzerſtecher, —$, 3%. at f. Panzerklinge. 
Das Panzerthier, — s, Bi. —e, ein Name 1) des Gürtelthieres, 
weit beffen Rüden, Kopf und Schwanz mit einer ſeht barten Schale 


je mit einem Danzer bedeckt iſt (Dasypus L,); bei Ginigen Schild⸗ 


fertei, weit ibe Kopf mit dem eines Schweines einige Ahnlichteit 
bat, @. Gürteichier. æ) Des Schuppenthieres (Manis L.). S. b. 
Der Panzeriwels, — es, 4. —r, eine Art Melle, defſen breiter 
Kopf und Rüden mit einem harten knochichten Schilde wie mit ei: 
nem Vanzer bebedt It (Silurue eataphractus L.). 
Dad Danzergeug, f. Panfierzeug. 


+ Die Phonie Cvierfibig), 24. —n, bie Gicht⸗ ober Pfingſtroſt. 


Sed. 

Der Papagel, A, Myz. —⸗; Bio. das —chen, ein in ben ware 
men Bändern Ufiens, Afrikas und Amerilas einheimifher von Früch 
ten und Sämerrien Iebenber Vogel, er bat einen dien, hoben, kurz 
gekruaͤmmten Oberſchnabel und vie kürzern Unterſchnadel, eine bie 
fleifhtge Zunge, datzer er leicht Wörter nachſprechen lernt, einen 
etwas langen Schwan; und ſehr krumm gebogene Klauen; es giebt 
deren viele Arten, große und kleine, von allen und oft ben ſchoͤnſten 
Farben (Psitteens L ); im O. D. Sittich. Schwotzen, nachſprechen 
wie ein Papagei, ohne Berftand. Im gemelnch Leben bedient man 
fh auch des Wortes Pape oder Papchen, befonters einem Papagei 
anzureben und zu liebkoſen. 

— ein gefhwätiges Papdıen, Bahariä, 
In Baiero bildst man davan auch das Beriteinungswort Papperl 


581 





Papa 


und benennt bamft uncigentlich einen Schmäger, Megen einer Ahn. 
lichteit in Anfehung ber Farben ober bed gefrümmten Schnabels fü 
ven uneigentiich auch einine andere Wögel den Namen Wapagel: ı) 
bie Mandelträhe (Goracias gerrula1.). =) Finniſcher Papagei, ber 
große Kernbeißer, ober ber Finnifhe Dompfaffe (Loxia ennelentorL.). 
8) Auch eine Art Fiſche wird Papagei genannt. &. Papageifiſch. 

Die Papagelammer, 4. —n, eine Art Ammern In Brafitien Eiu- 
beriza psittacce), 

Die Papageiananad, 3m. —e, eine Art ber Ananas in ben MAL 

bern Don Martinigue mit fhönen grünen Biätteen, die gleihfem 

Gefäße bilden, in welchen ſich das Ihau« und Regeamaller ſammelt 

(Bromelie nudicanlis L.), 

Der Papageiapfel, —, 24. Apfel, eine Sorte von Apfeln. 
Nemnit, 

Das Papageienbauer, —s, 34. gi. bei den Rablern, ein gmbts 
sierliches Drahtbauer, größere Wen, befonders Papageie barin zu 
hatten. 


OX Papageien, x. intrs, ı trs, 4 ein Papaget ohne Verſtand 


nachſchwatzen. »— und wenn ich fo oft Aber die nahe Mündigkeit 
bes Menfhengefchlehts papageien hdrr.«- Sonnenberg. D. Pa: 
pageien. D. —ung. 

Papageienmäßig, adj. u. adv. ben Papageien. gemäß, nad Art ber 
Papagei. PDapageienmäßiges Geſchwaͤy, finnlofes. „Die Sprade 
papngeignmäfig lernen,“ bloß nachſchwätzend, nicht geänblih und " 

“mit eigenem Rahdenfen. Bedite (R.) Davon die Papageien? 
maͤßigkeit. 

Der Papageienſtock, — ẽe, 9. — ſtoͤde, im Schiffbaue, eine Latte, 
mweihe in beiden Seiten bed Galjens von dem Drüder unter dem 
Krabnballen bis Hinten am den Ropf bes Bösen reicht, unb melde 
benen auf bem Rüſterwerk bei Baljons befindlichen Matrofen zur 
Baltung dient. Röbing. 

Die —— EB. —n, ſ. Papageitaucher. 

O Das Papageienthum, — s, e. 39. das Weſen, Thun 6% 

ſonders bas Rahıfhwaten der Vapageles ohne Verſtandz dann, um 
verftändiges Rachfhirasen Äberbanpt. „Papagrienthum und ver. 
fandlofes Auswendiglernen.“ Riemann. (R,) 

Die Papageifeber My. —n, bie Feder von einem Papagei. Untke 
gentlih, eine Art fhönee breifarbiger —— gelb, reth 
und gruͤn; da® Papageikraut. 

Der Dapageififh, —ıt, Sz. —e. 1) Eine Kıt Seefifde mit grefiem 
zahnvollen Rachen, großem Schwanze, und mit mannichfaltigen fhb- 
wen Farben geseihnet (Coryphaena psittacus, Schrus Richt); 
aud bloß "Papagei. a) Eine Art Lippfifhe bei Zeilen (Labru 
zeylanieus), 

Papageigrün, adj. w. adv, srän, wie die meiften Papazıie; ober _ 
am größten Theile bes Körpers find, Bei hen Kärheen, eine bieler 
fehr Apntiche gräne Farbe, He aus Blau und Gelb entfehet. 

Das Papageikraut, — es, My. u, f. Papageifeber. 

O Yapageilih, adj. ». adr. glei einem Papagei, wie ein Papar 
ari; yapageienmäßig. Molke 

Die Papageinatter, a. —n, eine Art bunter Rattern in Kancta 
(Coluber sirtalis s, sittalis). 

Der Papageiſame, — nt, 0. #4. ein Name des Safflorſawens, weit 
ihn bie Popageie gern freffen. 

Der Papageifhnabel, —s, By. — ſchnaͤbel, der Schnabel deu To: 
pageied, Im ber Maturbefchreibung, der Name 1) einer Art Zul- 
pen. ») Einer verfleinten Muſchel (Anomia terehratnla L.). 53) 
Einer Art Hornfifche nach Mütter, dat alte Meib, ober einer Art 
derjenigen Fiſche, welche Klein Maussodimanl neunt (Balistes 
vetnin L.). 

Die Papageitaube, M. —n, eine Art Lauben mit grünım Rum 
pfe, dunfeibraunen Kuderſedern und Shmarsipige, gelven Fußen 
und bunlelöraunen Klaumm, auf ber Thomasinfel, 


Papa 


592 


Papi 


— —— — — 


Der Papageitaucher, —‘, Wh. gt. eine Art Taucher bei Eroönland, 
mit einem breiten gekruͤmmten Schnabel, wie ibn der Papagei hat, 
und ſchwarzen in’ bie Quere geib geftreiften Federn; die Papagriente. 

X Der Papelhans, Paperbans, —ıs, M. —e, riner der gern 
panelt ober papert, ein Echmäger; eine folge weibliche Perion, 
eine Papelticfe, Papelgritte :c. 

X Vapelig, Paperig, adj. u. adv, ı) Gern papelnb Oder papernd, 
a) Börtlih, verjärtelt. Davon die Papeligfeit. 

X Papeln, v. intrs, u. trs, i) In weichen Zönen ſprechen, fhwagen ; 
befonders von Eleinen Kindern, bie zu ſprechen anfangen; auch pas 


gern, welchen jedoch aud ein härtereo Sprechen dieſer Art begeldhe 


nen tan, pappeln, babbein, pappern. Im engerer Beteutung, 
unnög und gebankenlos f[hwagen wie bie Papageien, Den ganzen 
Tag papein ober papern. Unverftindiges Zeug papeln. Aumeilen 
auch wol fprehen, ſchwatzen überhaupt, - „Die paar lateinifde Brof 

— ken, um mit mir zu papein.“ Bobs. 2) Im O. D, flreiheln, Liebs 
toſen, zaͤrteln. D. Papeln. 

+ Die Papenaht, 9%. —ın, in ber Seeſprache, eine Art Raht, bie 
durdhuenähete Naht. 8. Naht. 

+ Die Papenblume, dad Papenfrauf, f. Pfaffenbtume, Pfaffens 
feaut. 

4 Der Papenſchuh, —es, By. —, ber Pfaffenſchuh ober Marien: 
ſchuh (Cypripedium calceolus L.). 

X Papern, v: intrs, u. tes, fo viel als papeln. ©. d. Oft verſteht 
man darunter auch, ausplaubere, was man verſchweigen fol, D. 
Papern. 

Das Papier, —ıd, 4. —e; Um. bad — chen, O. O. —lein. ı) 
Eine aus Plansenftoffen verfertigte Maffe in Seſtalt bünner Blät: 
ter, befonders um barauf zu fhreiben. Das erfte Papier machten 
die Kgipter von ber Haut oder Rinde der Papierſtaude auf eine ſehr 
mübfome Art. Papier von Baumwolle, von Stroh ı. Baummols 
Ienpapier, Eitrohpapier ıc. Worzugsmweife nennt man das Lum⸗ 
penpapier, weldes von Leinmandlumpen zum Theil auf aus wolle: 
pen Eumpen gemadt wird, Papier. Papier machen, es aus Rum: 
pen bereiten. Das Papier teimen, es durch Seimmaller ziehen, ba: 
mit die Dinte, wenn man barauf ſchreibt, nicht fliefe cher durchſchla⸗ 
ge. Gelteimtes Papier, Schreibpapier, zum Unterſchlede von bem 

ungereimten Drudpapier und Loͤſchpapier, weiches fließt ober durch⸗ 
Tästägt, d. h. auf weichem die Dinte ae. fich verbreitet, einzieht und 
durchſchlaͤgt. Mit Dapier handeln. Ein Buch, Nie, Ballen Pa: 
pier, S. Buch ıc. Ein Blatt Papier, ein Stüd von einem Bogen. 
Tuͤrkiſches Papier, buntes. Gemarmeltes Papier. Poftpapier, 
Briefpapier, Entwurfspapier, Padpapier, Seidenpapier, Zucker⸗ 
papier ie. S. d. 3) Ein Stück Papier von unbeflimmter Gröfe, 
Ein jedes Papterdiem aufheben, Belonders Papier, auf meldes 
etwas gefchrieben, verzeichnet iſt, vom jeber Art, und in jeder Ferm. 
So nennt man Brieffhaften, Rehnungen, Aufläge, Handſchriften ıe. 
feine Papiere. Unter meinen Papieren wird es ſich finden. Gines 
Berftorbenen Papiere verfirgein, an ben Schrank, am bie Thuͤr bed 
Bimmers ıc. mo fie ih befinden, Siegel legen, Auch bie niederge⸗ 
ſchriebenen Berhandlungen vor Berichte ze. nennt man Papiere, Ges 
rihtspapiere ıc, 5) In ber Raturbeſchreibung beißt unelgentlich (1) 
das Tuͤrkiſche Papier eine Krontute in ben DOflinbifhen Meeren, 
tie Meine gekroͤnte Achattute (Sonus minimus L.). (2) Eine Art 
Vorzellanfchneden auf Madegaskar, bie gewoͤlbte Achatporzellane, 
die zartſchalige Por zellanſchnecke (Cyprsea amethysteal.). (5) Gin 
Ekwanıhoren, eine Art Polaunfäneden in Amerika und Oftindien, 
tas vollfiindige Türkifhe Papier, die fnotige Sturmhaube (Buc- 
einum tuberosum L). (4) Das eingerolfte Papier, eine Art Bla; 
ſenſchuecken. 9. Papiertolle 2). 

Der Papieradel, —s, 0. DM. 3) Der Nbel, d. b. adeliger Stand, in 
weldem man nicht geboren, ſondern in melden man vermittelſt 
einer gefäriebenen Urkunde, eines Abelbriefes erheben if; ber 


Briefadel, Buchadel. 2) Mehrere auf foldhe Art; geahelte Per: 
ſonen. 

Der Papierbaum, — es, My. — baͤume, ein Name a) ber weißen 
Poppei. 2) Ginee Art Mauibeecbäume in Japan tt, (Morur;pm- 
payrifera L). Aus dem Baſte der jährigen Triebe werben Papier, 
Stricke und allerlei Zeuge werfertiget, 

Das Vepierbeinden, —s , 9. gu f. Papierknochen. 

Die Vapierbirke, 34. —n, eine, ansländiihe Art Birken (Betule 
p pyrıfera). Nemmich. 

Das Papierblatt, — s, 0. —blätter. 1) Ein Blatt Papler.-- =) 
Ein von: Papier gemahtes Blatt 3.8. eine Slume .n 

Die Papierblume, Sy. —n. +) Tin Geſchlecht von Blumen, bei 
welchen bie Schuppen oder Blätter bei gemeinfhaftlihen Kelches 
badıziegeförmig Über einander lirgen, wovon bie innertih geteilten 
gefärbt, glänzend, gleihfam ganz trodem und raſchelud wie feines 
Papier And und über die Blümchen hernorragen (Kerspthemuml ); 
auch Flockdlume, Steohbiume, Pergamentblume, ı =) Ein Name 
ber Rubrpflange, weil pie Blume berfeiben von langer Dauer ift 
und auch getrocknet ihre Farbe behält (Guephalium L.). Die fries 
ende Papierblume if eine Art derſelben ( Guaphalinm dioicum 
L.); aud Bergruhrkraut, Katzenpfoötchen, Hafenpfätchen ıc. 53) 
Ein Name ber gemeinen: fhwarzen Flotenblume (Geutauren jacen 
L.);, aud Flockenkraut, Bruchfanikel. 

Der Vapierbogen, —t, Wr gl. ein Bogen Papier. . 

Die Papierbide, 3. u., die gewöhntide Dide bes Dyont, : ». 
eine ſehr geringe, fat unmerliihe Die. _ 

Der Papierbruder, —e, EM. al. ein Druder, welder mit in boln 

ober Metal geſchnittenen Formen auf Papier druckt, mit u... 
Karben bebrudtes Papier macht. 

O Papierbinn, adj, u. adv, fo dünn mie Yapier, ſeht bünn, 

Die Vapierdüfe, u —n, eint rapierne Duͤte; in ber Schweia 
Papiechäustein. S. b. 

Papieren, adj. u. adr. von Papier, aus Yapier gemacht. Ein par 
pieener kichtſchirm. Gin papierner Dante. Papierne Wandteppiche. 
Bumeilen auch, duͤnn mie Papier, 

& Dapieren, v. trs. mit Papier verfehen, in Papier ſchlagen, einwils 
fein; einpapiscn. D. Papieren. D. —ung. 

+Der Papierer, —s, 9. gt. in Baiern ac. der Papiermadıer. 

Das Papierfenfter, —E, 94. gl. ein papiernes Fenfter, ein Fenfter, 
zwifchen deſſen Rabmen Papier ausgelpannt ift. j 

Die Papierform, 8. — en. 1) Bei den Pupiermadern, die bräßs 
terne Form, mit welcher ber Poplerzeug geſchoͤpft und zu Bogen ges 
formt ober gebilbet wirb. 2) Bei den Bolbfihlägern, eine ſolche 
Amjaht von Papierblättern,, als bie Hautform oder bie Deraaments 
form enthält, zwiſchen welchen bie Golbbtätter und Sitberblaͤtter, 
die vereiniget werden ſollen, geſchlagen werben. 

Das Papiergeld, — es, By. — er. 1) X Weib, welches zur Xufhaf- 
fung bes Papieres beftimmt if. 2) Gewiſſe Zettel ober Echtine, 
weiche im Handel und Wandel die Stelle des baren Geldes vertres 
ten, befonders fofern fie von ber Regierung in Umlauf gebrade 

‚ werden; ohne Mehrzahl. 

Dos Kapiergras, —es, Mh. u. f: Papietſtaude. 

Der Papierbandel, —s, 0. 9. der Handel mit Papier; der Pas 
pierfram, wenn er unbebeutenber iſt. Davon ber Papierhändier, 
bie —inn, eine Verfon, weiche einen Papierhanbei führt; aud ber 
Mapierfrämer, die —inn, wenn ihr Danbel nur ein Kram if; tie 
Papierhandlung, ber Handel mit Papier und ber Ort wo Papire 
verkauft wird, im Testen Kalle audı Papierlaben. 

Die Vapierhaube, 9. —n, würde eigentlich eine Haube von Papier 
bedeuten. In ber Maturbefhreibung aber belegt man mit bicfem 
Ramen eine rt Polaunfäneden in Oftinbien, eine Konne (Bucci+ 
num pennatum) ; gefiederte Sturmhaube. 

t Das Papierhäuslein, —s, By. gl, in ber Schweiz, eine papierat 


Dapi 


Dit; in Toggenburg, Pfefferhaͤuslein; im Thurgau, Aöcherli. 
®talber, j 

Der Papierkäfer, —s, 2M. gl. eine Art Klein: ober Schabkaͤfer, wahr 
f&eintich weit er dem Paplere nachtheilig ift (Dermestes puniceus). 

Der Papierfnochen, —&, 3. gl. in der Bergliederungstunft, ein 
papierbünner, d. b. fehr bünner Knochen, welcher von ber Siebplatte 
auf jeber Seite Hinabgebet und die Seitenthelle bes Siebbeines 
ſchließt (Os planum, s. papyraccum, a. orbitarium); auch bas 

Dapierbeindyen. 

Der Dapierköcher —, 9. ol. ein Möcer, 5. B. Febderkoöͤcher von 
Papier. Im ber Raturbefhreibung, eine Art Seckocher, welcher eine 
große mit wechfelsweife geftellten Kitchen befegte Röhre vorſtellt (Tu- 
bularia papyracen), A 

Der Papierfram, der Papierkrämer, f. Papierhandel. 

Der Papierlaben, —6, 34. gl. f. Papierhandel. 

Die Papierlaterne, 3. —n, eine Laterne von mit DI getroͤnktem 
Papiere. — 

Die Dapierlauß, 99. — lauſe, die Wäcerlans; Dei Andern auch bie 
Ctaublaus genannt (Termes pulsatorium L.). 

OX Das Papierleben, —s, 0. 94. ı) Das Leben unter ober zwi⸗ 
ſchen Papieren, bas Erben eines Belhäftsmannes, welcher viel mit 
Papleren, Schreibereien zu tbun bat. „Ich michelte mich ſachte aus 
den Feſſeln meines Papierlebens Ios.r BenzelsGternau, a) Das 
Leben d. d. die Fortbauer ober der Nachruhm in Schriften bie man 
verfaßt bat. 

Die Papierlumpen, Ez. w. Lumpen, aus welden Papier gemadt 
mich, ober gemacht werben fann, 

Der Papiermacher, — , 4. al; die —inn, 34. —en, ein Hantı 
werler, weiher Papier aus kumpen zu machen verſtehet und mahet; 
Sbder Papieret, auch ber Papiermuͤller, ſofern er Inhaber einer Pas 
piermühle iſt. 

Das Papiermaß, —ed, My. —e, rin Maß von Papier, bergleihen 
fh die Schneider und Schuſter bebienen. Wei ben Perucdenmahern, 
das papiesne Mas der Geitenloden einer Perucke, welches in fo 
viele Falze gebroden ift, ale Reiben Boden aufgenäbet werben ſollen. 

Die Papiermaffe, 34. —n, die breiihte Maffe von aerflampften, 
gereinlaten und fein zerfhnittenen Pumpen ober anberem Stoffe, 
woraus Papier gemaht wird, Auch, eine ähnliche Maſſe, bie einem 
Zeige gleiht, andere Dinge 4. B. Dofen ıc, baraud zu formen, ber 
Papierteig (Papier mache); ber Pappenteig, wenn biefe Maffe 
gröber it, gleich bee woraus bie Pappe verfertiget wird, 

Die Dapiermaufbeere, a. —n, eine Art Maufdeeren und Maul 
beerbäume. S. Papierbaum »). 

Der Papiermergel, —e, 4. u. eine Art Merget, welche in England 
in papierbinnen über einander Hegenden Blaͤttchen bei Sttinfohlen 
bricht. 

Die Papiermühle, 9. —n, ein Muͤhlwerk, in welchem bie Lum⸗ 
pen zu Papier verarbeitet werben. 

Der Dapiermüller, — , 34. gl. der Inhaber einer Papiermäßte, 
der Papiermacher. 

Die Papiernrüge, 9g. —n, eine von Papler geformte Mühe. 
Das Papierdl, —es, 0. By. eine braune dtartige Feuchtigkeit, mel 
Ge zuruͤkbleibt, wenn man Papier auf einem Zeiler verbrennet. 
Die Papierrinde, 4. —n, eine Berfkeinung ven binnen rindens 

artigen Roraligewadfen (Eschara papyracen), Nemmich. 

Die Papierrolie, 4. —n. 1) Eine Mole Papier, sufammengeroll- 
228 Papier. 3) In der Naturbefgreitung, eine Art Plafen« ober 
Augeifhacden, weiche jehr dünn und bass dirrhlheimend ift (Bulle 
ligneria L); aud& das eingeroflte Papier, das Zimtroͤhrchen. 

Die Papierfhachtel, 93. —n, Fine Schachtel feinee, wie au bee 
fihnittened 4. B. Briefpapier Hineinzulegen. Auch mot, eine Schach⸗ 
tel von Papier. i 


Die Papierfhere, By —n, eine Zange Schere, Papier damit zu 


583 


Papp 


Thnriden, beſenders zu beſchnelden. 

Der Papierſchirm, — es, Mg. —e, ein Schirm, Lihtfätem von 
Parler. Befonders bei den Kupferfiehern, ein Salem von Papier, 
das blendende Tageslicht von ben Augen und ihrer Arbeit abzup.tien, 

X Das Papierfhnikel, —6, Bu. al. Heine Stödhen oder Strei⸗ 
fen Papier, melde beim Schaeiben, Befchneiben abfaken; bei bım 
Buhbindern Papisrfpäne. 

Der Papierfpan, —es, 84. — ſpaͤne, f. Papierfäniger. 

Die Dapierftaube, 9. —n, ein in und am Rit in Xgipten häufig 
wachſendes Gtaubengewähs, eine Art Zipergraſta (Cyperus pıpy- 
zus), aus beffen Haut die Kaipter etwas, bas ihnen die Stelle des 
Yapieres vertrat, verfertigten; auch Papitrgrat. 

O Der Papierteig, —t, 9. u. f. Papiermaſſe. 

Der Dapierteppihb, —ı8, By —r, Wandteppiche von gefärktenm 
ober gebrudtem Papier (Papiertepote). 

Der Papiertorf, —e8, Bi. m. ein loderer aus dünnen dem Papier 
— Blättern deſtehender Zorf (Turba foliata); ber Bil 
tertorf. 

Die Pappsarbeit, By. —en. 1) Die Arbeit, das Arbeiten in Pappe, 
die Geſchicklichkeit allerlei aus Pappe au verfertisen; ehne Mehrzahl 
Die Papparbeit verfiehen. a) Cine Arbeit aus ober con Pappt, 
etwas von Pappe Bemahtes. Pupparbeiten machen. M. Kramer 
dat dafür Pappwerk. 

Der Pappsarbeiter, —®, 3%. al. einer der Papparbeiten gu maden 
verfteht, made, „Der Papparbriter von Blaſche,“ der Titel ce 
nee Schrift, welde Anleitung gur Papparbeit giebt. 

Der Pappband, —s, y. —bände. 1) Der Einband rines Buches 
in Pappe, deffen Dedel und Rüden aus Pappe gemacht find. =) Fin 
auf ſolche Art eingebundenes Bud. 

Die Pappbogen, —, 4. gl. 1) Ein Bogen Brppe, $. $. ein 
Stuͤck Pappe in ber Größe eines kleinern ober groͤßern Dogens Par 
Fir. 2) Vappe, werche aus Über einander geleimten ‚oder gellebten 
Bogen Papieres befichet, zum Unterfäiebe vom ber aus grobem Par 
pierzeuge auf der Form geſchoͤpften. ‚ 

Dad Papporett, —t, Mi — er, das Brett, auf welchem pepappt 
wird b, b. auf welchem bie zu pappenden Soden mit Pappe’ ober 
Kleifter beftrichen werben. 

Die Pappe, 4. —n. 1) X Ein bier Brei; beſondert ein biter 
Mehlbrei ober Seinmelbrei, welcher den Kindern gegeben wirde auch 
Paͤppe, Kinderpappe, das Muf. Die Mehlpappe, Semmelnappe, 
Miichpappe ıc, Dem Kinde Pappe geben, einftteihen. Lei dem 
Buchbindern umb einigen andera Handwerkern, «in dicker Brei rom 
groben Mehle, etwas damit zuſammenzukleben. S. Pappen und 
Kleifter Im Schiffebaue ift bie Pappe oder der Parp, «in Ge: 
miih von Harz, Zalg, Schwefel, Ihren und zerftsfenem Male, 
bie Schiffe damit gu beſtreichen um fie gegen dle Serwuͤrmer zu om 
wahren, #) Mehrere bis zur Dice eines Meſſerrüͤckens oder and m 
einer geringern, aber bad) beträchtlichen Diete sufammengepappte Aos⸗ 
ter grobes Papieres, beren man fih zu BWührerfhalen ec. bedient. Tem 
gleichen macht man jest glei auf den Papiermühlen von Irieähter 
Papiermaſſe auf bdiefeibe Art wie das Papier, ven verliehen 
Diee, Größe und Feinheit. Tin Bogen, rin Erik Pappe Kin 
Bud in Pappe birtben, fo binden, daß bie Deckel und der Rücken 
des Buches vom Pappe find. Aus Pappe Küken, Epielfeten . 
machen. Unelgentüh helßt bei den Hutmachern din Stuͤck Prega⸗ 
ment, womit fie die Fache beim Fachen zuſammendruͤcken, bie Pappe. 

+ Die Dippe, 34. —n. 2) Die Pappe, der Kinberberi. 2) + In Mel 
nungen, ver Mund. 

+ Der Pippe, — n, 4. —n, ein Mort wie Minme, An mentan 
Gegenden, der Rome, wonit Tieine Kinder ihren Virter nennen tee 
zufen (Papal. 

+ Die Vappebälferbirn, 9. —en, rine Sorte Shöm geiber, zepih 
geſprengter aber Perber Birmen, Nemnid 


Pappel 


1. Die Pappel, #9. —n, auch der Pappelbaum, —s, Mz. —baͤu⸗ 
me, ı) Gin Seſchtecht von Yiumen, deren mängliche und weibliche 
Blaͤten auf verfhiedenen Stämmen wahlen, und dangliche hangenbe 
Käbchen vorfellen, und deren Blätter wechſelsweiſe an den Ameigen 
ftehen (Poputus L.). (1) Die ſchwarze Pappel, Shwaripappel, 
Hat einem glatten weißlichen ober afhgrauen Stamm, bee mit bee 
Zeit vauh und daukel wirb, beinahe dreiekige, um Rande auögee 
Jahnte glatte, oden glänzende dunfeigrüne Blätter, melde, wenn fe 
ſich exit entfalten, Heberig. find und angenehm tiehen (Popalus 
nigra L.); auch fhmarzer Pappeldaum, Pappelmeide, die Pappels 
enorfe, fchwatzet Alderbaum, ſchwarze Albetlen, Albern, Sat— 
Baum, Sarbacher, Sardachdaum, Sarbaden, Saure, Salben: 
Baum, Woflenbaum, Felbaum, Rheinweibe, Palmdaum, Mucken⸗ 

kaum, Bollen, Bellen. Die Italiſche Pappe it bloß als eine 
Abart berfelben au betrachten, welche nur der Stand ber Aſte unter⸗ 
ſcheidet, bie ih in einem ſpitzen Winkel in bie Höhe richten. (2) Die 
weiße Pappel, Werfpappel, Siberpappel, waͤchſt ebenfals ſchaell 


und had, breitet bie Kite weit aus und macht eine ſchoͤne Krone; 


die mehe rundlihen ausgezackten Blätter find oberwärts bunfelgrän, 
"unterwärts aber mit einer fitberfsibigen, feſt figenden dichten Wolle 
bekleidet (Populus alba L.); aud meißer Pappelbaum, Shaw 
pappel, weiße Pappelmeidz, weißer Alberbaum, Weißbaum, deut⸗ 
ſchet Sitberbaum, weiße Espe, in Wien Aspe , weißer Sarbaum, 
weiße Sarbache, Johannslaub, Abele, Albe, Albele, Abelken, Abirls 
baum, Alber, Alberdaum, Alberbruſt, Aller, Lawtle, Laͤwele, Ta⸗ 
beite, Volle, Belle, Boellen, Beiweide, Botweide, Belbaum, 
Belssaum, Wanderbaum, Papierbaum, Heiligenholz, Goͤtzen · 
holz. (3) Die Heine Pappel, Zitterpappel, bat Heinere an langen, 
fehr binnen Stielen hangende Biätter, die bei der geringfien Bewer 
gung der daft mit einem Beräufhe zittern (Populus tremnlal.) Sie 
tft am befannteiten unter dein Kamen Espe (f. d.), und führt, außer 
den unter Espe angeführten Namen, aud noh bie Ramen spe, 
Aspenbaum, Hlatterpappel, Yoofetpe, Flittereſche, Ratteleſche, 
Marteteiise, Zitterbaum, Fauleſche, Kibifhe Pappel, Heſſe, Hart 
ter, Raßler. (4) Die Karoliniſche Pappel unterfgeibet fih beſon⸗ 
ders durch ihre großen Blatter; daher fie auch die geoßblätterige ges 
mannt wird (Populus heterophylla L.). (5) Die Batſampappel. 
©. db. (6) Der Karolinifhe Baummwollenbaum (Populus deltoi- 
des), — Davon das Pappelhols, die Pappelblüte, das Pappels 
Blatt, ber Papptlzweig ıc., das Hotz, bie Blüte, bad Blatt ıc. ber 
Vappel. 2) Die Amerikaniſche Pappel, eine Att bes Zraubenbau: 
mes auf den jandigen Eeeufern ber Karaibifchen Juſeln, welche bis 
amwanzia Euf hoch wird (Gnceoloba uriferaL, Populus Americane). 
3) Eines mit den Maiven verwandten Gewächſes, welches bis g Fuß 
koch wird, deffen Stamm aber nit holzartig ik (Lavatera arbo- 
rer, malva arhoren); auch Malvenbaum. . 

a. Die Pappel, By. —n, ein Name mehrerer von einander verfihier 
dener Pflanzen, 1) Der Malve IMalva L.). ©. d.; aus Pappel · 
®raut. Arten davon find die Graspappel, Gänfepappel, Kaͤſepap⸗ 
pel ober Hafenpappel (Malra rotundifolin L.), bie Waldpaphel 
(Malva sylvestris L.) und die weiße Pappel oder das Siegmards 
Erıut (Malva alcan L.), die Gartenpappel, bie krauſe oder Roͤ⸗ 
mifche Papptl. S. auch Roſenpappel. 2) Des Sibiſches (Althoa 
ofücinalis L.); auch wilde Papptl, weiße Pappel. Auch bie aus: 
landiſchen Arten bes Gibifhrs (Hibisens 1.) führen nah Ad. ben 
Ranıen Vappri, beſonders der Serifhe Eibiſch (Hybisens syzia- 
aus) welcher Saumartig ift und baber auch Sprifcher Pappelbaum 
Beige. 5) Einer Oftindifhen Pflanze, der Samiutpappel (Sida L), 
Befonders einer Art, der gelben Pappel (Sida abutilon), 4) Die 
Mofrappel, ein Name der Schweißwurzel ober Peſtilenzwurz (Tus- 
silago petarites L.). 

Pappelartig, adj. u. adr. die Art ber Pappel habınb, ber Poppel 
ahlich. Im der Pflanzenlehre find pappelartige BViumen je viel als 


u _ 


Pappel 
malvenarttine ©. 6b, 


Der Pappelbach, —es, Dy. 
befegter, bewachſe ner Bad. 
Das nengebaut: Haus“ 
umſchlingen Pappelbaͤche. Göthe. 
Eben jo kann man ſagen Pappeliluß, Pappelſtrom, Pappelteich, 
Dappelice. ’ 

Der Dappelbaum, — s, Fi. —bäume, fi 1. Pappel und 2. Pap- 

fi 2). ⸗ 

Die Pappelblume, Mz. —n, bie Pappel oder Malve. 

Der Pappelbock, —es, 9 —böde, eine Art Bockaͤfer ober Holz⸗ 
bö2e (Gerambix populneus). Nemnid. 

Der Pappelfluß, —fies, 4. —ſtuͤſſe, ſ. Pappelbach. 

Der Pappelgang, — s, Di — gaͤnge, ein mit Pappeln an beiden 
Seiten beſetzter Gang, z. B. in einem Garten (Papprlsllde). 

Der Pappelgarten, —s, 9, —gaͤtten, ein mit Pappeln bepflange 
tee Warten, 

Die Pappelinfel, 94. —n, eine mit Pappeln bewachſene Juſel. 
I. 9. Nichter. 

X Der Vappilfäfe, —6, 94. gl. bie plattrunden Samen ber Papr 
pel oder Malte, welche kleinen Kächen gleihen, befonders ber Has 
fen: oder Bänfepappel. ©. 2. Pappei ı), 

Die Pappelknospe, Dy. —n, bie Eaubfnsspen ber ſchwarzen Pap— 
pel, an weichen ih eine Meberige Feuchtigkeit befindet, bie balfıe 
miich riecht, daher man fie zu der Pappelſalbe aimmt; Pappelauge, 
im D. D. Alberbroſſen, Alderknoͤpfe. 

Der Pappelkohl, —es, 0. 94. ein Name ber Mußpflanze ober bes 
Muflrautes (Corehoras L.). 

Das Pappelkraut, —es, 9%. u. f. 2. Pappel 1). 

Die Pappellaud, MW. —läufe, eine Art Plstejäufe auf den Poppel⸗ 
bäumen (Aphis populi). 

Die Pappelmotte, DM. — n, eine, Art Motten, welche ſich gern auf 
Vappeln oder Espen oufpäit (Paelsens bombyx populi L, Phe— 
lnena einctella), 

Dappeln, adj. ı. adr. von der Pappe! kommend, von Pappelholz, vor 
Pappelzweigen gemacht. Pappelne Neifer, Seflechte. R. 
X Pappeln, v. intes. u. ters. 1) Das Verkleinngawort von parpen, 

een; von Rindern gebraucht. 2) + Inder Ztymelz, mit Jahnlofem 
Bunde, unb überhaupt undeutlich [preden, ale :5 man Pappe ober _ 
Brei im Munde hätt Etalder ©, Papeln. D. Pappeln. 

Der Pappelnager, —t, Dr. al. eine Art Wüneitäfer, welche ſich 
auf ben Paprein aufhalten (Gureulio populi). 

Das Pappeloͤl, —es, 9. v. ein DI, weldes aus ben Parpeilnot 
pen bereitet wird und welches man als ein ſchmerzſtillendes Wirbel 
auf bie Schiäfe und Pulfe freicht. 

Die Vappelpflanzung, 9. —en, eine Planung, Anpflansung vom 
Pappeln (Pappelplantage); aud eine Baumſchule ron jungen 
Pappeln. 

O Die Pappelreihe, 94. —n, eine Reihe non Pappeln. »In ber 
Kerne Hefen Pappelteihen vor Auftbäufern vorbei. 3.9. Richter. 

Das Papvelreiö, —es, MM. —er, rin Reis, ein Zweig von einer 
Pappel; befonderd als Ableger, aus welchem ein Baum werben fol. 

Die Pappelrofe, My. —n. 1) Eine Xct Pappein, bie Mofenpappri 
(Alcea rosen L.). S. d. 2) Eine mit ben Malven verwandte Blats 
tung Pflanien von fhönem Anſeden (Laratera L.). ©. ı, Pappet 3). 
5), Eine Art ſabner auslaͤndiſcher Pllanzen, weiche zu der Kamitie 
ber Malcen gehören (Side abutilon); auch gelbe Pappel, Sammts 
papeel, Pappelſammet. 8, 2. Pappel 5). 

Die Pappelfalbe, My. —n, eine Saibe aus Pappelknospen, Mohn⸗ 
blättern, Hauswurz ꝛtc. mit ungefalzener Butter bereitet, für were 
ſchledene Zufaͤlle. 

Der Pappelſammt, — es Wa. u. ſ. Pappelreſe 3). 

Der Pappelſchwaͤrmer, —, Wi. gl. eine Art Dimmerunges ober 


—bädhe, ein mit Yappıln au ben IHerm 


Pappel 


Abenbvogel, bie ſich auf ben Yappeln aufhalten (Sphynx popull.) 

Der Pappelſee, —s, 4. —e, ſ. Pappelbach. 

M Das Pappelſilber, —s, o. 2. das Silber, d. h. dad Weiße, bie 
auf ber untern Flaͤche weißen Blaͤtter ber weißen oder Silberpappel. 
Ahrengold hinter Pappelſilber.“ 3. P. Richter. 

Der Pappelſpinner, —s, 3%. gl. eine Art Rachtfalter, bie ſich auf 
ben Pappein finden (Phalsena populi), j 

Die VDapvelflaude, By. —n, ein Rame bes Shlingbaumes (Vibur- 
num lantana L.), 

Der Pappelftein, —es, 4. —t, ein Kupfergrän, das einem gruͤ⸗ 
nen Jaspis gleiht (Malachites). 

Der Dappellirom, —es, 4. —firöme, f. Pappelbach. 

Der Vappelteih, —es, 34. —e, f. Pappelbach. 

Der Pappelvogel, —s, 3. — voͤgel, eine Art Zagfalter, werde man 
um ober an Pappeln findet " 'spilio populi), . 

Der Pappelwald, —es, Pr. — wilder; Bio. bas — waͤldchen, ein 
Bald, Wilden aus Pappeln beftchend, 

Und wo bem Mittagsftraßt 
Ein Pappelwaͤldchen wehrt. @btbe. 

Die Pappelwanze, My. —n, eine auf ben Pappein lebende Art Wanr 
sen (Cimex populi), 

Der Pappelweg, — es, 34. —e, ein zu beiden Seiten mit Papprin 
befegter Meg; ſowol eine folhe Straße, als aud ein folder Weg in 
einem Garten (Dappelallde). 

Die Pappelmeibe, 4. —n. ı) Die gemeine, weiße Meide, Felber 
(Salix alba L.). 2) Gin Name der ſchwarzen und weißen Pappel. 

Vermengt mit Linden, Pappelweidten, Hauswald. 

Dappen, adj. u, adv. von Pappe gemacht. ©. Pappe 2). Pappene 
Kaͤſtchen, Häufer u. „Die pappenen Rofenfiöde» Göthe. 

Pappen, v. intrs, u. trs. 1) X Won Pappe, d. h. Brei. (1) Mit 
Pappe oder Brei füttern. Ein Kind pappen. (a2) Als intrs, Pappe 
effen, dann überhaupt, für effen. Das Kinb pappt. ») Mir Pappe, 
‚Mebtbrri ober Kleiſter befeftigen, Etwas an einander pappen, 
5) In Pappe arbeiten, aus Pappe allerlei verfertigen, 4) In ber 
Schiffahrt, ben im Maffer befindlichen Theil des Schiffes befhmir: 
zen ober falben. ©. Pappe ı) und Salbe. Kuh, und zwar ge 
woͤhnlich, das Haar, Werg, Papier ic, am ben Boben des Schiffes 
pladen über weihe bie Spikerhaut gelegt wird, D. Pappen. 
D. —ung. 

Der VPappendedel, —s, 4. al. ein Dedel von Pappe, befonders 
die Decke ober Schale eines Buches, fofern fie von Pappe gemacht 
if, Die VRuchbinder nennen auch wol bie Pappe überhaupt Pappen⸗ 
bedel, weil ſie diefelbe vorzüglih zu ben Dedeln ber Bücher ges 
brauchen. 

Die Pappenform, 9. —en, bei ben Pappenmadern, bie Form mit 
welcher der Papyenteig geſchoͤpft und geformt mwicb, 

Dad Pappenformbrett, — es, Bi. —er, bei ben Pappenmahern, 
ein Gormbrett, auf welches bie Pappen zum Preffen bereit gelegt 
werben  . 

Der Pappenleim, —et, 94. u. bei ben Pappenmadern, ber Erim 
womit bie Pappen geleimt werben. : 

Der Pappenmacer, —s, 9. gl. ein Paplermaher, welcher nur 
ober meift Pappe macht. 

Die Dappenmacherweöpe, 34. —n, eine Art Wespeu auf Cayenne, 

" etwas größer als die gemeine Wespe von ber fie ſich beſonders durch 
bie ſchwarze Farbe bes Leibes, bie nur auf bem Braftfhlide durch 
gelbe Streifen unterbrochen wieb, unterfheibet (Verpa striata). Die 
Waſſe zu ihren Reftern ift bie feinfte, daher ber Name, 

Die Pappenpreſſe, 4. —n, beiden Wappenmahern, bie Preffe, 
worin bie gefhäpften Pappbegen gepreßt merben. 

Der Papvenftiel, —es, 3. —e, ein uncigentlicher Aucdruck, eine 
unbebeutenbe Kleinigkeit, eine nichtewürdige Sache zu bezeichnen. 
„Der Henker, aooo Thaler ſind kein Pappenfliele Weiße. 


Tampe's Wörterb. 3. Ip. 


585 


Papt 

Der Vappenteig, —es, 34. u. f. Papiermaffe. 

—— adj, u. adv, ber Pappe ober einer Pappe, einem Dteie 

alich. 

Pappig, adj. u. adv. eine Pappe abgebend, mie Pappe ober Brei 
wiid, In ber Schweiz gebraucht man ee nah Stalber auch von 
einem kothigen, moberigen Wege. j 

Der Pappkaſten, —t, 34. gt.; Um. bad —Liflger, ein Kaften, 
Kaſtchen von Pappe gemacht. 

Die Pappſchachtel, Dr. —n, eine von Pappe gemachte Schachtel. 

Das Pappwert, —es, 4. —e, f. Papparbeit 3). 


Der: Vapft, — es, 29. die Päpfte, der oberfte Biſchef, das Oberhaupt 


ber Mömifhen Kirche, welches vonsjeber feinen Eid gewöhnlich zw 
Rom batte, wo er fhon ſehr frühzeitig wie ein wettllcher Für 
herrſchte; im N. D. ber Pauſt oder Pavſt. Zum Papft wählen. Dapft 
werden. Papft Sirtus V. Die Geſchichte erwähnt auch einer Dipftinn 


Johanna, weicher Gefhichtsumftand jedoch wol mit Seht für eine - 


Fabel gehalten wird, 2) + Die Kaulquappe, S. d. 3) +8, Papſt⸗ 
weine, 

Der Vapfibaum, —es, Br. —bdume, ſ. Papftmeibe. 

Paͤpſtiſch, adj. u. adv, zum Papftthume oder zur Römifhen Mirde 
gehdrend, bemfelben angemeffen, aͤhnlich, barin gegründet (papistisch); 
gewöhnlich mit bartem und veraͤchtlichent MNebenbegriffe. Paͤpſtiſche 
Grundfige, Lehren. Die Päpftifhen (Papisten), bie Anhänger bes 
Tapfitgumes und bes Papftes, 

Die Papſtkrone, . —n. ı) Die breifahe Krone bes Papftes; bie 
Parfimüge. 2) Ein Art Spindelwatzen mit gesäbnelten Gewinben, 
bie oben aleihfam eine breifache Krone machen (Voluta witre pa- 
palis L.). Weſtindiſche falſche Papfitrone heißt eine Art Ziügek 
ſchnecken, deren Lippe ſich wie ein freier Flügel ausbreitet (Strom- 
bus palustris L.). Eine eirunde Schnirkelſchnecke führt ben Namen 
Slufpapfifrone, weit fie fih in den Mundungen Kiefer Kläffe in 
Dftindien aufhält (Helix amarula L.). 

Der Päpfiler, —s, 4. al; bie —inn, 4. —en, ein Xablnger 
bes Papfies (Papist), in weiterer Bedeutung und gemdyniid mit 
hartem Nebenbegriffe, rin Glied der MRömifhen Kirche (Katholik). 
— flucht und fhmört er, fo thut ers in fremden Sprachen, wie 
der Dipflier barin betet.“ 3, 9. Richter. 

Die Päpfllerei, My. —en. 1) Das Papfithum, bie ganze Mimifh: 
kriſtliche Religion; mit einem barten Rebenbegriffe, fofern biefe He: 
ligion großen Theild auf ben Sagangen ber Päpfte beruhet (Papiste- 
rei); ohne Mehrzahl. 2) Eine paͤpſtiſche Lehre, Sahung ıc. 

Päpfilerifch, adj. u. adv, einem Väpflier angemeffen, gehörend, wie 
auch, ber Päpflierei angemeflen, ähnlich, barin gegränbet. 

Paͤpſtlich, adj. u. ade. dem Papſte gehörend, angemeflen, von ihm 
bereührend, im feiner Mürde gegründet. Die päpfkliche Würde, 
Krone. Der päpfitihe Stuhl. Geine päpfiliche Heiligkeit, Das 
paͤpſtliche Anfchen, Der päpfttiche Bothe (Nuncius). Eine pipf: 
liche Bulle, Das paͤpſtliche Medt. . 

Papftlos, adj. u. adr, one Papft, keinen Papſt habend, bes Papſtes 
beraubt. Stieler, Der papſtloſe Römifhe Stuhl, Das papftiefe 
Kom, 


Der Papfimonat, —es, 94. —e, einer der ſeche Monate im Jahre, 


in welchen bev Papft bie Lehen zu verleiben hatte, ba fie in den 
übrigen die Bifhöfe und Ztifte zu verleihen hatten. Friſch. 

Die Papſtmuͤtze, Wy. —n, die päpfkliche Müge, die dreifache Krone 
bes Papfles, welche in eine Spige ausgehet und einer Mäse nteikt, 
Uneigentli, eine Art feitner undtheurer Schneden mit reurimisg 
gewundenen Käufern, die Biſchofsmuͤte (Voluta mitrn L. 

Das Papfireht, es, Mj. u. das päpfklihe, von dr Jeofcn me 
gebene kirchtiche Recht. 

O Die Papſtſiadt, By. —ſtaͤdte, eine yäpmiine etetae a art 
ald Eit des Papfes, in enzeser Wetntuns, Sur 

— er ham gen Durst Yon: 


wre lu Wh tln, ver 
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Pr 
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Part 


Das Papſtthum, — es, 0. DH. 1) Die päpfttihe Würde; nicht fehr 
gebraͤuchiich. Zum Papfichume gelangen. Unter bem Papftrhume 
Leo X, Hinter ber Regierung biefes Papſtes. =) Die Roͤmiſch-kriſt⸗ 
liche Religion, in welcher der Papft für das fihtbare und unfehlbare 
Oberhaupt der Kirche erlannt wird; mit einem harten Nebende: 
geiffe. 

+ Die Papſtweide oder Papſtwiede, By. —n, ein Name ı) des 
Bogelftefhbaumes (Prunus padusL.); auch Pabflbaum, Patfcherpe. 
2) Des Shlings ober Mehlbaumes (Viburaum lantana L.); auf 
btoß Papit, Patfcherpe. 

Die Papſtwuͤrde, o. I. die paͤpſtliche Würbt (Pontificat) , Yok ehr: 
mahid die Papftei. f 

Die Papusmufhel, u. —n, eine Art eßbarer Stedmufhein im 
mittelämbifchen und nerbifgen Merre (Mytilus modiolus L.). 

Das Par, Paren, f. Paar ıc. 

Das Varadies, ee, 4. —e, (breifilbig, die lette Silbe betont), 
eigentlich, der erſte Wohnplatz ber erften Menfhen, ben man fih 
hoͤchſt angenehm und fhön denkt, und der im erften Buche Mofes 
ber Garten in Eben, der Garten Even beißt. Daber in weiterer 
und uneigentlicher Bedeutung, ein hoͤchſt fhöner und angenehmer 
Drt, Kufenthatt, ein Wonnegarten; wie aud, ein dochſt angenehmer 
glüdlicher Zukand. Die Erde koͤunte ein Paradies fein. 

verlornes Paradies 

In der Belichten Arm! — Würbe, 
Auch ber Aufenthalt der Seligen nad bem Tobe, welchen man fi 
ebenfalis-fchr reizend und das höchfte Glück gemwährend denkt, wird 
Patadies genannt, 

Die Daradiesammer, 04. —n, eine Art Ammern in Afrika (Em- 
heriza porndicen); die Witwe. 

- Der Paradiesavfel, —s, My. —Äpfel. ı) Eine Art rother und 
weißer ſamachafter Äpfel, weihe an niebrigen Bäumen wahlen 
und die frub reif werten, baher fie auch Johannsaͤpfel beißen (Py- 
zus als pumile Mill.) 2) Eine Art Biteonen. S. Adamsapfel. 

+ Der Paradiesbaum, —es, My. — daͤume, rin Name bes wüben 
Dibanmis, deffen gelbe Blumen angenehm riechen (Elaeagnus an- 
gustifehs L.). * 

Die Patadiesbirn, By. —en. ı) Eine Birnſorte, ſchoͤn an Geſtalt 
und Karbe und bei ihrer Süße etwas herbe. 2) Eine Sorte Bin 
terbienen. 3) Eine Sorte wahlſchmeckender Birnen ‚Poire de Vir- 
goule), Remnid. 

Die Varadiesblume, 94. —n, eine Pflanze. S. Pfauenſchwanz. 

Die Parabieöfeige, 9. —n, die weiße, mehlartiae und efbare Frucht 
einer Art ber Wuſe in Oftindien, und bdiefes Gewäüchs ſelbſt (Musa 
paradisiaca L.), Die batbınondfärmige Frucht wird von Cinigen 
für die dem Abdam verbotene Frucht gehalten, und von bem Umſtan— 
be, daß er ſich mit ben großen Miättern biefes Gewächſts bebeckt 
Haben foll, nad ber Bibel mie Beigenblättern, rührt ber Name Pas 
radiedfeige. 

Der Paradiesfiſch, —ed, DB. —r, bei Müller, eine Gattung 
Bingerfifhe mit eben Fingern und getheiltem Schwanze (Polyue- 
mus paradisens). 

Der Varadiedgarten, —?, 94. —gärten, das Paradies, ein para 
diefifher Garten. M. Kramer, 

Der Paradiesbeber, —s, 4. at. f. Paradiesrogel: 

Das Paradiesholz, — es, 0.94. 1) 8. Aloe 1). 2) Holz eines 
Baumes in beiben Indien, welter zu dem Geſchlechte der Bruftbeere 
gebört und biefer Baum ſelbſt (Cordia sebestkna L.). 

Paradieſiſch, adj. u. adr. dem Parabiefe ähnlich, im hoͤchſten Grabe 
fhön und anamehm. ” 

Mit bir ftieg für mid 
Ein paradieſiſch Glück am Horizont herauf, Gieſeke. 

Das Paradiestorn, —es, My. — koͤrner, ein dem Pfeffer an Me: 

Halt ähnlihes Gewürz, welches der Same einer in Mabagastar und 


586 


Pari 


Sulnea einbeimifhen Pflanze iſt, wie auch biefe Pflanze ſelbſt (Amo- 
mum grena paradisi L.). 

Der Parabiespapagei, —es, 4. —e, eine Art blaßgelber Papas 
geie mit rothem Halfe und Bande auf Guba (Psittacus paradisi Kl), 

Der Paradiesrabe, —n, Dy. —n, eine Art Bliegenfänger (Musei- 
capa paradisi), Remnic. 

+ Der Parabiesrader, —e, 94. at. f. Paradiesvegel 2). 

Der Paradieduogel, —, 4. —rögel. 1) Ein Oftindifher, von 
Klein zu ben Dehesp.gerehneter Vogel von ber Groͤße einer Taube, 
beffen Gefieder bie fhönften Farben zeigt, und beffen Schwanz aufer: 
ordentlich lang ift (Paradisen L.); ber Parabiesbeher, von ben 
Portugiefen Sennenvogel genannt. . Ehemahis trieb man mit den 
ausgenommenen und gettockneten Vögeln biefer Art großen Handel, 
und ven dem Umftande, dag man ihnen bie Beine abfhnitt, damit 
fie ſich beſſer einpaden Tiefen, rüb * die Fabel, daß fie keine JFüße 
Hätten. Den Paradiesvogelfänig, melden Ad. für eine größere Art 
ausgiebt, und der den übrigen, wenn fie in Menge ausfliegen, vor: 
fliegen ſoll, halten Andere für eine Babel, Nah Ad. nennen Ginige 
auch andere Vögel mit fangen Shmwänjen Parabiesvägel, 4.8. ben 
morgentänbifhen Schwarzkamm, eine Art bes Wiedehopfs (Upupa 
manueodista KL), 2) Der goldene Darabiesuogel, eine Art goldfar—⸗ 
biger Droffeln in Oftindiea (Oriolus aureus L.); auch Oftinbifche 
Golddroffel‘,, goldfarbiger Pirol, Parabiesrader. 5} Der Paras 
diesvogel von Ternate, ein zum Seſchlechte des Tauche rkoͤniges ge: 
börender Vogel in Oftindien, ven wunderſchoͤner Zeichnung, und mit 
zwei lanaen aud dem Schiwanze hervarragenden Febrrn(Alecedo den); 
die Bättinn. 

Die Paradieszeit, 0. DW. bie Zeit bes Brbens im Parabiefe, eine fehr 
grüdtide aeit. „Du wirft diefe Paradieszeit — nie edler, reiner, 

tunfaffender, wahrer, höher ansgedrudt finden, als im Lobgelange 
Adams auf feine Männinn.“ Herber. 

+ Der Parapfel, f. Perlarfel. 

Der Parchent ıc., f. Barchent ıc. 

Der Dard, —en, Bi. —en, f. Panther. 

+ X Pardauz, ein Wort, mweldes einen plöglicden heftigen Fall ber 
zeihnet und Kos babei Start findende Setoͤſe nachahmet; NR, D. 
Parduz. Parbaus da lag es. 

Der Pardel, —e, PA. gl. der Name 1) einiger ausländifher wilder 
Maubthiere; auch Parder. S. Panther. 

ie ibm Leu und Pardel brülen. F. Müller. 
2) Eines VBogela, welcher mit dem Kibitz zu Einem Geſchlechte ges 
doͤret, vorn brei Zehen und binten feinen hat (Tringa squatarola); 
auch grauer Pardel, grauer Kibip, Brachvogel, Brachamfer. 

Die Pardelkatze, f. Tigerkatze. 

Der Parbervogel, — 6, BY. —vögel, ber grüne Regenpfeifer (Cha- 
ra’rius pluvialis L.). 

Die Parbune, By: — n, auf den Schiffen, eine ber Hauptöefeffigun: 
gen ber Stengen und Bramftengen, nämlich ſtarke Taut, welche von 
ben Top der Stengen und Bramftengen beruntergehen und sunäcdft 
hinter den Mandtaven ber Maften an ben Seiten bes Schiffes buch 
Jungfern und Puttingen befefliget werten. Auf arofen Schiffen ba» 
ben bie Ttengen zwei bis brei Pardunen auf jeder Erite. ©, 

+ Der Darisapfel, —s, By. —Äpfel, der Zeufeleapfel (Cucumis 
eoloeynthis L.). . 

Die Darisbim, 9. —en, eine fäuertich angenehme Corte Birnen. 
Remnid. 

Die Pariferbirn, 9. —en, eine Sorte Firnen (Rausselet musqne). 
Nemnid. 

Das Pariſerblau, o. Umend. u. 2. ein Perlinerblau, eder blutſau⸗ 
zes Gifen, bei deſſen Bereitung im Großen ntan feinen Alaun zuſetzt, 
weldes taber ganz rein if und tefto Briftiger fürbt. 

+ Dos Pariskraut, — s, By. u. ein Same der Einbeere. 

+ Der Parisvogel, —6, 3%. —vögel, eine Art der Dickſchnäbet 





Darm 587 Dart 


(Goeeothraustes aurantin). Nah Remmic ber gröfte Dictſchna⸗ 
bei (Loxia enucleator L.). 

O Der Parmerkäfe, —s, 4. 91. eine Art wohlfömedender Käfe, 
weiche man in Parma, bob nit allein dort, fondern auch im Mais 
laͤndiſchen, befonbers im ber Gegend von Lodi, macht (ſprachwidrig, 
Parmesanfäfe), 


* HN oder Paarfh, sb, Mi —, ber Börs, ein Fiſch. 


x De Part, —es, 4. —e. 1) Gin Theil eines Ganzen, oder 
.. mehrerer Dinge einer Art, die man ale ein Banyes betrachtet. Et: 
mas in Parte iheilen. Befonders ber Antheil an einer Sache. Part 
an etwas haben. So heißt auch im N. D. ber Antbeil, weichen man 
en einem Schiffe hat, ber Part. Auch fagt man, Id für meinen Part, 
ich für mein Theil, was mich beteifft. 2) Eine oder mehrere mit einander 
ftreitende Perſonen, bie Dirtei; befonders in den Rechten. Der eine 
undber andere Dart. Der Begenpart, Widerpart: S):Bei den Webern 
ift Der ober das Part, eine Borfchrift auf einem Zettel, nach wel: 
her die verfhiedenen gefieperten Zeuge eingerichtet, und bie Buß: 
teitte mit ben Schaͤften mit einander verbunden werben, In mans 
hen Gegenden tautet ed das Part, in andern gewöhnlicher die Part. 
Die Partei, 9. —en, überhaupt mehrere Dinge Einer Art, obne 
Rüdfiht auf die größere ober kleinere Menge. Cine Partei aa: 
ven. Man kauft die Waaren in Parteien wohlfeiter als einzein. 
Gine Partei Gaffenjungen, Zuſchauer ır., eine Menge. Beſonders, 
eine Menge Menfhen Giner Art, Einer Vetrichtung te. So beifen 
bie zur Jagd ober Iägerei gehörigen Perfonen Jagdpattei, melde 
Zagbpartei in Bien wieder in die Müdenpartei, Reiherpartei, Mräs 
henpartei ze, getheilt it. So ift im Kriegsweſen bie Dartei auf 
ein Haufen Soldaten von unbekimmter Anzahl (Detachement). 
Eine Partei auf Kundfhaft ausſchicken. Streifende Parteien, ums 
berftreifende Haufen von Soldaten, um etwas zu erbeuten, zu plüns 
bern 2c, Daher, auf Partei ausgeben, auf Beute ausgeben. In 
engeren Bebeutungen, mehrere Perfonen, welde einerlei Meinun: 
gen, Brundfäte, Glauben haben (Paction, Secte); in Gegenſatz 
derer , welche entgegengefegte Meinungen, Grundfäge, Glauben har 
ben. Der Staatsrath war in mehrere Parteien getbeitt. Bon ei: 
ner Partei zur andern übergehen, Es gab in Deutſchland immer 
eine Franzdſiſche Partei, die es mit Frankreich hielt und an Deutfch: 
tanb zum Verrätber wurbe, - @ines Andern Partei halten, von feis 
ner Partei fein, es mit ihm halten, mit ihm glei gefinnet fein, 
und Gleiches wollen; auch nur, feine Meinungen, Grunbfäge ıc. 
verkehten, für feinen Vorthell Eräftig mitwirken. „Können Sie 
glauben, baf fh Ihre Partei gegen meine Schwefter babe halten 
mäfen?« daß ich Sie habe vertreten, Sie vertbeibigen müſſen? 
Leffing. Gines Partei nehmen, zu feiner Partei treten, feihe 
Martei ergreifen, fih zu feiner Partei ſchlagen, zu feiner Partei 
übergeben. Eines Partei verlaffen. In einee Sache Partei nebs 
men, fih zu einer ober ber andern Vartei bekennen, fi auf bie 
eine oder bie andere Beite fhlagen. Sich eine Partei machen, an 
dere Perlonen auf feine Seite bringen, ba fie ihm anhangen unb 
feine Sache gegen Andersdenkende ober das Gegentheil Wollende vers 
festen, Befonders, eine Menge, eine Geſellſchaft von Perfonen, 
bie fih zu Cinem von dem Glauben der Meiften abweichenden Glau— 
ben befennen, eine Glaubenspattei, Meligionspartei, Die Kirche 
theilte ſich frühzeitig in Parteien Zuweilen wirb auch eine einzeine 
Verſon, in-Gegenfah einer andern ähnlichen, eine Partei genannt. 
So ſind zwei Perfonen, bie einen Bertrag mit einander fhließen, 
die beiben den Vertrag fäliehenden Parteien oder Theile. In no 
engerer Bedeutung beißen Parteien, vor Geriht mit einander fkreir 
tenbe Perfonen, Die Parteien vor Gericht laden, verbören, vers 
ateihen, entlaffen. Die Hagende Partei, der Mligerz. bie befiagte 
Partei, ber Beklagte, Berklagte. Auch eine Perfen, welche man 
heirathet, wird eine Partei (Partie) genannt, mit Hinſicht auf 


ihee äußern Umſtaͤnbe. Cine gute Partei thun, treffen, gut, rei 
heirathen, Friſch. Chemahle hatte Partei au bie Bedeutung 
be — Swift. „Sie han cn klein parthep unnder in. Theu— 
erbant, 

Parteien, v. trs. in ber Schweiz, in Parteien theilen. Sid par 
teien, fi in Parteien theilen, auch, Partei wider jemand nehmen, 
uneinig mit einander werben. Frifch. Stalber, D. Parteien, 
D. —ung. ©. b. ‘ 

O Der Parteiführer, —s, DM. gl. ber Bührer, Anführer, bas 
Haupt einer Partei (Partisan). 

Der Varteigänger, —s, 9. gi. einer ber zu einer Partel nebet, 
fid zu berfeiben ſchlaͤgt; einer ber von ber einen Partei zur andern, 
übergehet. Im Kriegsweſen verfteht man barunter Soldaten, bie 
beftimmt find, auf Partei audzugehen, d. h. dem Kelnde durch Bens 
temachen, Pluͤndern zu ſchaden, Wozu die Teihten Kruppen unb ber 
fonders bie Areibeuter ober Frtiparteien arbraudt werden. Der 
Anführer eines ſoſchen Haufene, er fei groß oder Hein, Heißt au 
Marteigänger, 

Der Yarteigeift, —es, 0. I. ber Geift, d. h. die hertſchende Reis 
gung, fh zu einer von mehrern einander entgegengeiegten Parteien 
34 Shlagen, oder ſolche Parteien zu fliften. „Bent batte ben Parr 
teigeift feines Standes nicht verloren.” Lafontaine. 

— — — und Parteigeiſt theiult 
Die Stimmen — — — Ratſchkh. 

Der Parteigenoß, — ſſen, By: —ſſen, der Genoß, Theilnehmet 
einer Partei, M. Kramer. 

O Der Parteihang, — es, ©, DM. ber Bang, ih zu einer von meh 
zern Parteien zu befennen, ober bergleichen zu ftiften; ber Partei: 
geiſt. „Die Gefhichte eures Wolkes, wie fie kein Schreiber aus 


Furt, aus Parteihang ober aus Unwiffengeit zu geben vermodhte.« 
Mepner, 


‚O Dad Parteihaupt, —es, 34. — haͤupter, das Haupt, wie auch, 


ber Stifter einer Partei. Ten, Literaturzeit. R. 

Parteiifh, —er, —fit, adj. u. adv. eine Partei haftend, einer 
Partei zugethan; in Gegenfag von parteilos. Im engerer Beben: 
tung, fih auf die eine Seite aus Vorliebe, Vorurthell oder aus ir: 
geab einem Grunde, ohne vernünftig zu prüfen unb gebörig zu un: 
rerfüchen, ſchlagend, fih,auf ſolche Art für eine Perfon ober Sache 
und gegen bie entgegengefeäte erflärend, mie auch, in einem ſolchen 
Verfahren gegrünbet; in BWegenfas von unpartelifh. Parteiiſch 
fein, urtheilen, handeln, in parteiifcher Richter. Gin parteii⸗ 
ſches Urteil. „Eine parteiifhe Empfehlung. Gellert. 

Darteilich, —er, —fle, adj. u. adr. fih für eine Partei erlärend, 
parteiifch, befonders in ber engern Bedeutung biefes Wortes. 

Die Parteilichkeit, 9. —en. 1) Der Zuftand, dba man ober ba 
etwas parteilih, parteiiſch iſt; beſonders in der engern Bebentung 
bes Wortes parteilfh, bie Neigung und Gewohnheit parteilich ober 
parteiiſch gu fein; ohne Mehrzahl, und in Geaenfag der Unparteie 
Tichkeit. „Die Freundfhaft, au der wie von der Natur eingelaben 
werben, bie fo leicht Parteitichkeit des Herzens und wol gar Geldft: 
liebe wied.e Gellert. Die Parteilichkeit eines Beurtheilers, 
Richters. ©) Cine parteiliche ober parteliſche Haudlung. Gib 
Parteilichkeiten zu Schulden kommen laſſen. 

Parteilos, —er, — eſte, adj. u. adv. ſich zu feiner Partei ſchlagend, 
feine Partei nehmend, ſich weder für bas Gine noch für bas Andre, 
weber für den einen Ihelt noch für den andern erfiärend, Parteis 
loe fein, zu feiner Partei gehören. „@ine gewiffe parteilofe rubige 
Kälte J. P. Richt er. „Weil fie parteiloß war.“ Herder. Be 
fonderd im Ktiege von Staaten, fih für feine der beiben friegenden 
Parteien erlärend, weder zum Nugen ober Schaden ber einen nad 
ber anderh etwas unterneimend (neutral). „Der P— Etant blieb 
auch waͤhrend dieſes Rampfes parteilos, zu feinem eignen ſpaͤterhin 
einreißenden Betderben.“ E. ©, befien VBerdw. neutral. Davon 


Part 


die Parteilofigkeit, der Zuſtand und das Verhalten, ba man ſich 
für keine der entgegengefesten Parteien erftärt, da man nichts für 
und iniver Beine von beiden oder fo viel ihrer find unternimmt; bes 
fonders im Kriege ( Neutralieät ), 

O Der Parteinchmer, —s, 4. gl. einer ber Partei nimmt, fih 
für eine ober bie andere Pqrtei erkllaͤrt. „Die Parteinehmer des 
Ebriftentgums.« Ienifh CM.) 

O Die VParteifucht, oe. 4. (8) die Sucht eine Partei zu haben 
oder zu ftiften, wie auch, die Sucht parteitich oder parteiiich zu fein, 
fih parteiifh zu zeigen, ober cin hoher Arad ber Parteilichkeit ; bee 
hoͤchſte Grab biefer Sucht ift die Parteiwut. 

O Parteifuchtig, —er, —ſte, adj. u. adv. Parteifuht habend und 
an ben Zaa legend, „Ic werde bies mit derjenigen Geduld tragen, 
zu bee ohmedem ein Schriftſteller in biefen parteifüchtigen Zeiten ſich 
gewöhnen muß. Meißner (R.. 

Die Varteiung, 9%. u. die Thellung, Spaltung in Parteien ; wie 
auch Entzweiung, Uneinigkeit. Friſch. Was in jeber Zeit neuer 
Darteiung geſchehen muß gefhab." Meyer »— bie Araber — 
duch innere Parteiung unheiibar entzweit.- 3. Müller, 

O Die Parteimus, 0. 24. der höhfte Brad ber Parteiſucht. ©. d. 
„Ein auffülender Beweis, wohin eine elende Parteimut führen 
kann. Ungen. (A.) 

x Parten, v. D ters. in Parte bringen, theilen. IT) ntr. mit has 

ben, Bart ober Theil an etwas haben. — D. Parten. D. —ung. 

+ Das YPartenblatt, —es, Mg. m. ber große Wegerich ober Weges 
beeit ( Piantago ınnjor L.). 

Der Varter, —d, 4. gt. ber Theller, wie auch Theilhaber. 
Kramer 

* Die Vartifane, 9. —n, eine meifi veraltete Art Waffen, wel: 
he in einem Spiefe beftebet, ber unter bem eigentlich zum Stechen 
dienenden Eiſen nch eine Bartde oder ziveifhneidiges Well bat. 

+ Der Partkraͤmer, —#, 99. gl. ein Krämer, weider allerlei Waor 
ren von Handwerkern und Kaufleuten erbandelt, und einzeln ia 
Buben wieber verkauft; ehemahls auch Sonnenträmer genannt. 

+ Varzen, v. rec. Sich pargen, im O. D. ih brüften; eigentlich, 
den Leib gerade halten, bie Brufſt berausbehnen; uncigentlich, ſtotz, 
groß thun; mahrfheintih das Berfiärfungsmort von bem alten bas 
ven, berden, b. b. geberben. Sn dee Schweit ift barzen v. utr. 
bervorragen , aud berfien, das Verſtaͤrkungswort von baren, gleich» 
fom dar fein. Rad Mahler bedeutete pargen aud voll fein, ans 
gefuͤllt fein, ſtregen, woron aufgeblafen, ſtolz fein, ebenfalls als um: 
eigentliche Bebrutung hergeleitet werben Tann. D. Parzen. 

Der Paſch, — es, Wi —e, im Wuͤrfelſpiele, eine gleiche Anzahl 
Augen oben auf den zwei ober drei Wörfeln, womit man mwürfelt, 
Siaen Paſch werfen. 

+ Die Paſch, W. - en, oder Paſchen, 94. al. die Oſtern. 

+ Pildheln, v. intrs tandelnd arbeiten, auch päfteln, baſteln. Ful⸗ 
be. D. Paͤſcheln, Paͤſteln. 


1. Vafhen, v. jatrs, eigentlih, einen Pafh werfen. Dann übte: 


barpt, mit Wiürfein fpielen. Die ganze Naht paſchen. D. Par 
fhen. D. — ung. 

29. +xX Paſchen, v. I + intre. mit fein, geben. &o auf in dem 
zufemmengefegten abpafchen ıc. abgeben, fi entfermen. U tes, 
im O. D, beimiih und auf eine verbotene Art handeln, befonders 


wena man verbotene oder mit Abgaben belegte Waaren heimlich eine 
führt, in der Oberlaufig päfhen (9. ); auch ſchwaͤrzen, einfawärs 
zen, im 8. D. fmuggeln. Waaren im die Stadt, aus dem Eanbe 
rafdıen. — D. PDafien. D. — ung. 

3. + Pafhben, v intrs. in der Schweiz, Friede machen, ſich verföh: 
nen, Stalber D. Paſchen. 

+ Der Pafcher, —s, ip. al; (R.) die —inn, 4. —en, eine 
Perfon, welche paſchet, d. h. ſowol 2) mit Wärfeln [pieietz. als 
auch 2) auf eine heimliche und verbotene Melfe Hanbei treibt, 


688 


Paß 


+ Die Paſcherei, By. —en, (R.) das Paſchen, fawol ı) bat Spie- 
ten mit Würfeln, als aud =) das heimliche und verbotene Handeln, 
wie auch, einzelne Falle eines foihen Danbels. 

+ Die Dafe, 4. —n, in Hamburg, Wurf, bie anftatt in einen 
Darm in einen leinenen Beutel gefällt if. Ridhen. 

+ Der Päferih, — es, 9. —e, f. der Peek. 

+ Paß, adv. im gemeinen Beben, beſonders N, D. ba rechte Maß 
habend. Gin Kieib it paß, wenn es weder zu greß noch zu Klein 
ift und ‚gut ſitzt. \ 

2. + Der Daß, —ſſes, Br. Pille, im gemeinen Beben, befonders 

RD. ein Das, ein abgemefienes Ding ©. Paflr. So ger 

brauchte man es cehemabis vom Acitmaße in ber Tonkunſt, für Jakt. 

Nah dem Paffe tanzen. Ehemahls gebrauchte man «4 auch von 

einem Gewichte, baber ber Wafferpaß in einigen Salzwerken noch 

das Gewicht des Gefäßes mit fühen Waſſer heißt, gegen weiches 
man beim Mögen ober Prüfen ber Sohle oben fo viel Sohle ab⸗ 
mwägt, In ber Bedeutung von Maß gebraucht man ed no im ges 
meinen Leben, indem man bei einer Art hoher Zrinkgiäfer, welche 

Dafgiäfer heißen, die in abgemeffenen Jwifdenräumen mit Riefen ver⸗ 

feben find, biefe Riefen ober vielmeht den zwiſchen ihnen befindlichen 

Raum einen Paß nennt. Gin Passtas mit drei, vier Päffen, 

Einen Paß austrinken. Auch ein Pasglas jelbft nennt man einen Paß. 

Da foff man nun mit ganzen Päffen 
Auf aller Huren Boblfein 106. Günther. 

Befonters gebraudt man es in engerer Bedeutung von einem res 

ten Maße, wie auch von ber rechten bequemen Zeit; ohne Mehrzahl. 

Das Kleid, bie Schuhe finb zu Pak gemacht, haben das rechte Maß, 

paſſen gut. + Von Paß fein, Bas rechte Map haben. Zu Paß 

kommen, zu rechter Zeit, gelegen fommen,. wie auch, ja Statten 
kommen. „Dies kommt nun ben Besten fehr gut zu Paſſe.“ 2ef: 
fing. So bracht' ich mich mit Fleiß immer mebe in Harniſch ger 
gen ihn, beſonders ba nad Platner Ingrimm bem Unterleibe augen: 
fheintich zu Paffe kömmt.- 3. P. Kinter. In der Schiveiz bes 
deutet, zu paß kommen, Ah mit einem gut vertragen. Stalder. 

Uneigentiih auch 2) vom gehörigen Gefunchreitsguftande; in Gegen⸗e 

fag von unpaß. Mobt zu paf fein, ſich wohl befinden. S. Um 

pa. Dann au von guten Glücksumſtaͤnden, und in ber Schweiz, 
nah Stalder, von guter faune, 2) Im M. D, für Achtung, 

Aufmerkſamleit. Paf geben, Acht geben, anfpaffen. 

Der Paß, —ſſes, 9a. Pie. 1) Ein Schritt, und jwar von 

einem Schritte ober gewiſſen Gange ber Pferbe, ba fie in ber Bes 

mwegung ber rechten und Tinten Käße fo abwehfein, daß fie fih im: 

mer etwas auf bie Seite neigen, ein bequemer unb ſchaeller Bang, 

mo ber Weiter gleichfam gewiegt wirb; auch ber Pafgang, der 

. Antritt, Dreiſchlag, Zeit. Das Pferd gehet einen auten Daß. 

Der balbe Daß, iſt ein folder Bang, der halb Paf bald Trab if, 
Useigenttich, + ein Umftand, cin eintretender Kal, In dielem 
Paſſe mag #5 gelten. »Der Alten und Regen Brände, weiher fie 
fih in diefem Paſſe bedienen" , in diefem Falle, in biefer Sache. 
Dpig. =) Ein enser befhmerliher Weg, wo der Durchgang lelcht 
verwehrt werben kann, befonbers aus einem Bande ind andere ; che 
mahls die Alauſe. Die Däffe befegen, Einen Paß einnetmen. 
Die Piiie aus Krankreih nah Spanien, Gewöhntid fegt man noch 
bas Wort enge hinzu, In der Shifferfprade heißt auch eine Meer: 
enge zuwelten ein Paß, 3. 8. ber Paß von Galais, bie Merrenge 
von Calais. Uneigentlih, der Durchgang buch einen folden Der, 
une in weiterer Bedeutung, ber Durchgang durch jeden Ort: Freien 
Pu baven, freien Duchgang, fid frei bin: und zuri@bejeben 
koͤnnen. Winem den Paß abfchneiben, verlegen, verbauen . ibı- am 
Durhgange, am Förtgange x. bintern, Einem ben Par öffken, 
ibm freien Paß verſchaffen. 31 Gine ſchriftliche, beſonders obelg⸗ 
Beitiihe Erlaubniß, ein Freibrief, womit man frei und ohne auf4ts 
halten zu werben, bins und herreifen Tanz im O. D. Paßbrtief, 


2. 


Paß 580 Poaſt 





Pahzettel (Paßport. Einen Paß geben, Töfen. Sad dem 
Paſſe fragen. * 

Das Pahamt, —es, By. — a)aͤmter, das Amt, der Drt, mo Paſſe 
ausgefertiget werden, M. Kramer, oo. 

Der Paffauer, —s, 34. gl. rin Einwohner ber Stabt und bed ehe: 
mahligen Bisthums Pafjau, mie auch einer, ber von dert gebärtig 


S. Paſſet. Dann, paffen machen, eine Sach⸗ ber andern gemäß 
einrichten; eigenttiih und uneigentlih. Einen Dedel auf bas Gtas, 
einen Pfropf ‚auf bie Flaſche paſſen. S. Unpaſſen, Aufpaſſen, 
Einpaſſen ıc. „Lehrer folten ihre Schüler in keine Form paffen, 
fondern jebemm Geiſte feine Gigenheit iaffen« Reihsanzseiger 
{R. ). Eine Karte paſſen. S. Paßkarte. — D. Paſſen. D.—ung. 


it; bie Paffauerinn, eine folge weibliche Perſon. Dann and, Der Paſſer, —s, DA. al. 1) Einer ber paßt, befondere der auf 


ein Ding, meldes vonl Paffau ober aus dem Paffauifhen-fömmt, 
gebraht wird. Ge giebt eu eine Art Salat, welche weißer und 
gelber großer Paffauer Heißt. Davon Paffuuer, adj. von Palau D 
kemmend, daber rährend. Die Paſſauer Kunft, bie angeblihe Kunf 


etwas paffet, merke, 3) + Ein Werkzeug, womit man paſſet 
ober mißt, ber Zirkel; im N. D. 3) So viel als Pahform. 

ie Paßfeflung, By —ın, eine an einem Paffe angelegte Feſtung, 
benfeiben zu fhügen M. Kramer. 


ſich feſt zu mahen, die von einem Scharfrichter zu Paſſau herrah-⸗ Die Paßform, Bi. —en, bei den Kattunbrudern, jifammengefegte 


sen ſoll. Paſſauer Schmelztiegel, 
4X Der Paß -auf- den-pfennig, o, Umend. u. Mz. u. im Hol⸗ 


ober zufammengepaßte Formen, bie verfhirdenen Theile des Mur 
ſters nad Werfciedengeit ber Farben abzubruden; auch Paffer. 


ſteinſchen, ein. fehr genauer Menfh, ber auf jeden einfommenden Der Paßgang, —es, Pi. u. der Gang im Pafle, der Pak ©, 


ober auszugebenden Pfennig paßt, d. h. aufmertet, ein Knaufer. 


2. Daß ı), 


I. Die Paſſe, M. —n. 1) X Das Paffen, der Bufend ba man Der Paßginger, — , 4. gl. ein Pferd, welches den Pop gehet; 


vapt; ohne Mehrzahl, Die Paffe haben, im Kartenfpiele, paffen, 


der Zeltet. &, 2. Puh 


2). 
Auf der Paſſe ſtehen, fteben und paffen, aufpaffen. =) Inden Das Pafiglas, —es, 9. — glaͤſer, f. 1. Paß. 
Möüpien, befonders R. D,, ein Werkzeug, wermittelft deffen die + Der Paßhanf, —es, MM. u. ber Bafthanf, ber Hanf, imenn er 


Mäpfie angehalten ober zum Stikftehen gebracht wird. 


noch fo ift, wie er aud ber Breche koͤmmt. 


2. Die Pafle, 24. —n, in der Seefahrt, Feine Kanonen auf einem Paflig, adj. u. adv, bei einigen Banbwerfern, mit erböbenem oder 


einfehen Geftele, melde von hinten geladen werten, unb beren 
man ſich auf den Maſtkoörben, auf Prabmen, Schlupen ze. bedient. 
+ Die Paſſelbeere, 84. —n. +) Die wilde ober Alpen: ober Berg⸗ 


vertieften Bitbiwerke ober bergleihen Zügen verfehen; in Begenfog 
von glatt, Paſſig dreben, drechſeln. Cine paffige Kanne ıc., Bei. 
ben Binngiefern, eine gerippte. ’ 


johannsbeere (Ribes alpiaum L.). 2) Die Berberisbeere (Ber- Die Pafükammer, 94. —n, an ben Paffen (f. 2. Paffe), bie him 


beris vulgaris L.). 

+ Paͤſſeln, v. ımtes. u. trs, im O. D. Heine unsebeutende Arbeit D 
verrichten, machen; mit boffeln, baftein verwandt oder vielleicht 
baraus verderbt. Davon der Paͤßler, ber folde Arbeit verrichtet, 
madt; befonbers im Bergbaue, einer der Heine geringe Arbeiten 
verrihtet. D. Paͤffeln. D. —ung. 

Paſſen, v. I) mtr. mit haben. 1) Das gehörige rechte Map haben, 
angsmeflen fein. Das Kleib, ber Hut paßt auf. Es mu auf ein 
Haar paſſen, ganz genau. Der Deckel paßt nicht auf das Glas. D 

Aneigentlich. (1) Sich ſchicken, fügen, angemefien fein. Das paßt 


tere Öffnung, durch welche geladen wirb. ’ 
ie Papfarte, Rz. —n. 1) Eine jebe Seckarte, welche fo einge 
richtet ift, daß man auf berfeiben mit einem Pafier ober Zirkel dns 
Beſteck des Schiffes mahen und damit die Weite von einem Orte 
sum anbern meffen kann. Daher heißt bie Karte paſſen fo viel, 
als auf biefelbe mit dem Paſſer das Beſteck ſehen. =) Im Kartens 
Spiele, folde Karte, mit weicher man kein Spiel machen kann, fon 
bern palfen muß. 

ie Paßtugel, 3%. —n, eine Buͤchſenkugel, welche aermau In das 
Rohe paßt; in Grgenfag einer Laufkugel. 


wie bie Fauſt aufs Augt, b. h. paßt gar nit. Dies Wort paßt Paßlich, — t, —fir, adj, u. adv paſſend, was paßt, wie ad, 


nicht in diefen Bufammenbang. Grän und gelb paffen nit gut zu 
einander. Im M. D. aud für gefallen, anftändig fein. Das paft 
mir nun fo, das gefällt mir nun fo. Den Dieben paft Alles, fies 
bet Alles an. (a) Kuf bie gehörige, zechte Zeit warten unb bis ba; 


was einer andern Sache angemeffen iſt, was ſich ſchickt, ſchicklich iſt. 
Ein paßliches Wort, das ber Sache angemeſſen if. Eine paßliche 
Anrebe, Antwort, Daxon die Paßlichteit, der Auſtand, mie auch 
bie Beſchaffeuheit eines Dinges, dacd paßlich If. 


bin niäts unternehmen. So pajfet man im Kartenfpiele, d. b. man Väßlich, adj. ı. adu. was man paffen, arben laffen kann, erträglich, 


fpielet nit, weil bie Karten nicht danach find, und wartet, bis 
man folhe Karten befömmt, mit welchen ſich ein Spiet machen laͤſt. 
Dann überhaupt auf etwas warten, warten, bis etwas das gelhes 
hen fol geſchiehet. Auf’jemand paſſen, auf ihn warten, biö ex 
Tommt. Darauf kann ih wide paſſen. Er kann -pajjen. 


leidtich, mittelmäßig. Ich befinde mich ganz päßlid, Ws gehet 
wieber ganz paͤßlich. Line pääliche Gefundteit. S. Unpaß und 
Unpäsiich. Bumeiten and wel, im Warfe, b. h. im Schritte, ges 
mach, bequem. — auf meiden (Fügen) er aber ganz paͤßlich, 
wierel laugſam, fortfchiendert.e Bengel-Sterwau. 


Um an Glpserens Thuͤt die halbe Naht zu paffen. Wieland, Der Paßſchreiber, —s, My. gl. einer ber Päffe ſchrelbet, ausfer: 


Paſſe nur, bis wir wieber tinmahl blutarm und hundaübel dran 


tigt. M. Kramer. 


find.“ I. PR ihter. Imengerer Bedeutung, mit Aufmerkfame Der Paß zettel, —s, 9. gi. ein Zettel, rermoͤge deſſen man freien 


> Kit auf etwas warten, lauern. - Auf jemand, auf eines Worte 
polen, auf eines Worte, Bejfehle achten, ſich danach zu richten. 
Die Katze paſſet auf bie Maus, ber Dieb auf bie Gelegenheit zu 


Daß belimmt, db. b. frei eins ober ausgehen, fahren, zeiten fannz 
wie auch, vermöge beffen man Waaren ic, einbringen ober ausfüh: 


» ran fon (Passirzeiee), Im D. D. aud für Paf, Reifipaf. 


Reben. X Einem auf den Dienft paffen, auf feine Sandlungen F Der Yafiel, —s, Di. u. der Faͤrberwaild ober die Scharte (Isatir 


genau achten, um zu ſehen, ob er eh:vas verfiebt und ihn bann au 
Strafen, ibm dann zu fhaben. =) + In der Schweiz, nad Stats + 


der, weiten, gleihfam voräbergesen, feine Jeit gebawert haben. + Der Paſtenei, 24. u bie Paftinafe.. 


Daher verpaflen, vecmeiten. IE; + ree.: Sich paffen, paßlich, X 
paſſend ſtin. Das paft [ih nicht. Dann auch, fih fügen, fh zw | 

. tragen, So etwas paßt ſich wol, fa etwas trdat fi wel zu, ges 
fhiedt wol. Im biefer Form, wie auch im ber Form eines ntr. 
Bonnte es füglid- für das Zwitterwort rafıren gebraudt werben. 
ZI) tv. paſ maden, meſſen, befonders mit bem Zirkel meffen. 


tinetoria L.). 

Difeln, v. intre. {. Paͤſcheln. 

Die Paſtete, 9. —n; Bw. das Paſtetchen, ©. D. — lein. 
») Eine in einen Zeig gefchlogene ober mit: einem Rande und Detel 
von Zeig, verfehene unb im Ofen gebadene Spetſe, in: Geftalt azrb⸗ 
Preer oder Birinerer zunber Kuchen, daher fie füglich Fleiſchẽ dien, 
fofera fie der Hauptſache nad aus Fielfä beſtehet, genannt: werten 
tanaz ebrmahls bie Paſtei, Paſtet von FTleiſch. Paſteten baten. 


J 





Paſt 


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Pat 





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Er will lauter Pafteten haben, er will nur immer etwas Gutes, 
"Nusgefuhtes effen. Fleiſchpaſtete, Hühnerpaftete, Zaubenpaftete, 
Wildpaſtete, Fiſchpaſtete ꝛc. 2) Im ber niedrigen Sprechart de: 
braucht man die ganze Paſtete für, das ganze Ding, von Dingen, 
die man bei Ihrem eigentlihen Namen nit nennen mag. «Das Pas 
ſtetlein, in der Naturbefheeibung, eine Art linfenförmiger ober 
glattrunder Archen, mit Burhen und ungleihen Rippen geftrahlet 
(Area peetnnerlus L.). 
X Das Paſtetenband, —es, 2: —baͤnder, eine gefnittene ober 
”  ausgeftshene Leiſte, bie eine Form ift, den Zeig zu dem Rande eis 
ner Dalete baranf zu formen oder auczudrucken. 


X Der Paftetenbeder, —s, 94. gt. ; die —inn, Mg. —en, eine- 


Perſen, welde Pafteten zu baden verftehet, befonders welche ein 
Geſchoͤft daraus mat, Pafteten zu baden. 

X Die Paftetenbederei, 8. —eın. ı) Das Balken der Pafteten, 
die Kunft Pafteten zu baden, ohne Mehrzahl. =) Ein Ort, mo 
Paketen gebaden werben, 

X Der Paftetenboden, —s, 94. — boͤden, ber Boten von Zeig zu 
cher von einer Paftete, 

X Das Vafletenbrot, —es, 9. —e, in den Rüden. 
einer beim Brote äbnlihen Maffe geworbene Zeig von einer audge: 
burtenen Paftete. 2) Eine Art Zwleback, der aud geriebenem hars 
tem rote, Mehl und Eiweiß bereitet und in einem Paftetenofen 
gebaden wird. 

X Der Vaftetendedel, —s, 4. gl. der von Teig gemadte Dedel 
einer vaſtete. 

X Das Dafletenfleifch, —es, 0. 9%. das zu einer Paſtete taugliche 
ober beitimmte Fleiſch; wie auch, das Fleiſch in ober aus einer ause 
gebadenen Paftete. ‚ 

X Die Paftetenform, 9%. —en, bie Form, Heine Pafteten barin zu 
formen und zu baden; bei M, Kramer, bas Paftetenmodel. 

X Der Paſtetenkranz, —es, My. —tränze, f. Paftetenrand. 

X Der Vaftetenofen, —s, By. —Öfen, ein Heiner Ofen, in wel 
dem Pafteten gebaden werben, 

X Die Paftetenpfanne, Rz. —n, eine Pfanne mit einem Dedet, 
das Paftetenfleifh darin auf ben Tiſch zu bringen. ' 

X Der Paftetenrand, —es, My. —ränder, der von Zeig gemachte 
Rand einer Paftete; bei M. Kramer, der Pafletenfranz. 

X Die Vafletentaube, 9. —n, ein zuweilen vortommender Name 
der gemeinen Feldtaube, weil man bamit häufig Pafteten fuͤllt. 

X Der Paftetenteig, —ed, 4. u. der Teig zu einer Paſtete. 

XDas vaictenweei, —es, Di. u. Paſteten und was dayn gehört. 

Die Paflinak, 94. —en, bei Andern der Paſtinak, —es, B.—t. 
1) Ein Dotdengewähs, deſſen weiße, Meifhige, mit Zaͤſerchen be: 
fegte füße Wurzel als Gemäfe genoffen wird, welde Wurzel Paſti⸗ 
nakwurzel beißt, ſchlechthin aber auch nur Paſtinak genannt wird 
(Pastinaca L,); au Paſternak, Palſternak, + Paſtnach, +Püng: 
ſternakel, Paftenei, Paftinei, + Beftenau, Peitftert, Hirſchmoͤhre, 

Waͤlſche Peterfilie. Im fählihen Europa wählt fle mit. Eine 
Art der Paftinak, bie Heilwurz (Pastinnca opoponax L.) giebt 
einen heilfamen Harzfaft, wenn man Ginfhnitte in ben unterm 
Theil des Stengels ober in ben obern Theil der Wurzel macht, welder 
Heilwurzfaft oder Paſtinakharz heifen kann, Diefe Art unterfheidet 
ſich von den andern Arten badurd, daß die Blätthen ber gefieberten 
Blätter vorwärts eingefänitten find. =) Wilde Paſtinak wird 


wegen Ähntichteit der Wurzel ſowol bie milde Möhre, als and ber - 


Durhwahs (Bupleurum rotundifolium L.) genannt. 3) Waffers 
paſtinak, die Wafferpetirfilie, 
Der Paſtinakfiſch, —es, MM. —e, eine Art Glattrai mit einem 
Maute, gekerbten Kiefern und einem runbliden, dünnen, in eine 


zarte Borfte ausiaufenden Schwanze, ter mit einem beinichten füge - 


frmineg Stachel bewaffnet-ift (Rain pastinnea L.). ’ 
Das Paſtinakharz, —es, o. 2. f. Paſtinak und Heilwurzfaft. 


1) Der zu 


Die Paftinaffaus, Mp- —IÄufe, eine auf ber Paſtinak lebende Art 
Biattläufe (Aphis pastinacae), ' 

+ Der Paftöd, —e6,) @- m. der maͤnnliche oder Samen bringende 
Hanf, Haufhahn; in Eafzburg. 

+ Die Patbohne und die Paterbfe, 94. —n, im R. D. bie Gaatı 
bohne, Saaterbfe, : . 

+ Die Pate, 34. —n, im R. D. eine Pflanze, ein junger Baum; 
befonbers ein Sepling von Weiden, Pappeln. 

+ Paten, v. trs. im N. D. pflanzen. D. Paten. 

Der Dathe, —n, Di. —n; bie Pathe, Py. —n, in manden Ge— 
genden Pathinn, DH. —en. 1) Cine Perfon, melde ein Kind 
aus ber Taufe hebt, cher auch nur bei feiner Taufe als gebetener 
Zeuge gegenwärtig ift; im Bezug auf bas Kind, da eine ſolche Per: 
fon in Bezug auf die fibrigen Taufzeugen und auf bie Ältern bes 
Kindes Gevatter, Gevatterinn genannt wird. S. Taufzeuge. In 
Franken fagt man dafür Tod, Toda, in Balern, Schwaben und 
in ber Schweiz für Pathe God, Göte, und für Pathinn Boden. 
In der Roͤmiſchen Kieche beißen bie bei ber Kirmelung eines Kindes 
nötbigen Zeugen chenfals Pathen. Etemahls bieg Pathe (Dabe). 
üserhaupt einer, in deffen Gegenwart etwas verſprochen wirb, 
Dbertin. 2) Der Iäufling, in Bezug auf die Zaufjeugen; auch 
als Gm. das Pathchen, ©. D. Patbiein, in Baiern ıc. Göber, 
Goͤt, Goͤttjz und Gotte, wenn es ein Maͤdchen it. Mein Heiner 
Pathe. Mein Pathchen Emma. In der Römifhen Klrche werden 
die gefirmelten Perfonen in Bezug auf die bei ihrer Firmelung ges 
genmwärtigen Zeugen auch Pathen genannt. 

Der Pathenbrief, —es, 9. —e, f. Pathenzettef. 

Das Patbengeld, —es, By. —eır, bas Geld, welches die Pathen _ 
ober Zaufzeugen dem Zäuflinge fhenken; der Pathengroſchen, Dar 
thenpfennig, im R. D. Wnddernpenning, Hannöveriſch Waddern: 
tnutte, von Knudde, Knoten, weil gemeine Beute dies Gelb in ei⸗ 
nen Zipfel des Tuches zu Enäpfen pflegen, j 

Das Vatbengefchen?, —es, 34. —e, das Geſchenk, welches ein 
Patbe oder Taufzeuge bem Käuflinge nad der Taufe macht, ober 
wie man fagt, «inbinbet, " 

X Der Pathengrofchen, —s, 3%. gl. der Pathenpfennig, —8, 
Me, f. Patbenueld, 

Die Pathenfchaft, 2. u. das Werhättnig eines Pathen, fowol eines 
Zäuflinges ald eines Taufzeugen, : 

Die Patbenftele, Sy. u. (R.) die Stelle, b. h. das Werbältnif ars 
Pathe zu dem Taͤuftinge und bie mit der Handlung, da man Vathe 
wird, übernommene Verbindlichkeit gegen den Täufling. WPathene 
flelle vertreten, Yatbe fein, aud, bie Stelle eines abmwefenden Pa: 
thens ober Gevatterd vertreten, ‘ 

+ Die Päthenwinde, 8%. u. die Ader: ober Feldwinde (Gonvolyu- 
lus arvensis L.). 

Der Patbenzettel, —s, DM. gl. ein gefchriehener ober gebrudter, ober 
in Aupfer geflodener und bemahiter Zettel mit Sprüden und auten 
Wuͤnſchen, worein bie Pathen das Pathengelb zu mwideln pflegen; 

"ber Patbenbrief. _ 

+ Der Patkopf, —et, 94. —köpfe, eine große Erzſtufe. 

X Pati, ein Wort, welches den Schall begeichnet und nachahmet, 
welchen flahe Körper im allen und Schlagen auf andere von ſich 

geben, z. B. wenn zwei Bänbe in einander fhlagen, wofür man auch 

klatſch ſagt. Patſch! da lag es, von einem Dinge, das plötlicd 
bingefallen ift. Patfch ging es rechts und linke, er bekam rehts 
und links Obrfeigen. Auch den Schall, wenn man ind Waffer ſchlagt, 
oder im Waſſer gebet, ſchreitet, druet Patſch aus. S. Patſchnaß. 

X Der Patſch, —s, By. —e. 1) Ein Schlag, befonders mit der 
flachen Hand, bei welchem man den Schall, welchen das Wort Pati 

nackahmnt, vernimmt, 2) + Etwas, womit man patichet, den Shall 
Vatſch entſtehen läßt, Co heißt in Franken, die Band der Patſch. 
©. Parfhe. 5) + In der Schweiz, wo es Baͤtſch lautet, eim 


Pat 


Klunipen S. Patſchen IT). Ein Silberdatſch, ein Sitberfiumpen. 
Ein Patſch Haare, ein Büfchel zufammenkiehender Haare Stalder. 


X Die Patſche, By: —n;. Bm.’ das Patſchchen ‘oder. Paͤtſchchen. 


x Patſcheln, v. iutes. u. trr. das Bm. von pätfchen. 


I, 


ı) Etwas, womit man patfht, womit man den Schall Patſch ber: 
vorbringt. So heißt im gemeinen Beben und in ber Kinderſpracht 


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X Der Patjcher, —s, 9. gl. einer der patſchet. 


Dauf 


tschnen, eintrodnen, Riffe-belommen; von Ausfhlägen. Stalder. 
Dies Mort Scheint mit dem N. D, ber Patt (f. d.), Grind ver 
vwandt. D. Patſchen. 





In Balern, im 
gemeinen Beben, ein plumper. Menſch. 


die Hand, mie auch der Sanbſchlag bie Patfche, Patſchhand, ober + Die Patfcherpe, Wy —n, ein Name 1) ber Vogelkirſche (Prunus 


das Patſchchen, Patſchhaͤndchen, in Kranken der Patfch, in Baiern 
Patſcherl, welches daſelbſt auch eine Heine nieduche Hand bebeätet. 
Sie, fie befeſtigte mit ihrer jungfraͤulichen Patſche 
An Franzſchen Wappenſchild' die Lilien drauf und tram. 
RI. Schmibt, 
Einem eine Patſche, eine Patſchhand gehen, einem die Hand geben, 
fie In die Hand des Andern fo einfhlagen, daß es patſcht. In engerer 
Bedeutung, ein Werkzeug zum Schlagen, bei deſſen Sebrauch ber Schal 
Patfh vernommen wird. So heißt ein Brett mit einem fo eingefügten 
Stiele, daß er mit dem Brette eihen fchiefen Winter macht, bie aus 


Brehm gemahten Zennen, wie auch die Bartenbeete damit eben und feftzu . 


ſchlagen, eine Patſche. Im N. D. heißt auh cin Muber eine Patſche. 
Bei den Dachbedern ift die Patfche ein Werkzeug, das aus einem zus 
gelpisten mit einem Griffe verfehenen Brette beftebet, bei Strohdaͤchern 
bie leeren Stellen mit Stoppeln su verſehen und vermittetft deſſelben 
bineinzuftogen, =) Cine Kläfftgkeit, weiche patfhet, wenn man 
barin gebet it. beſonders zufammengelaufenes Waffer, eine Pfüge, 
Koth. Das iſt eine Patſche. uneigentlich, eine Unannehmtihkeit, 
Verlegenheit. Im bie Datfche kommen. Einen in. die Patſche füh: 
ten. S. Panfche und Patfchen III. 3). Der Ort, woran etwas 
ſchlaͤgt. &o heißt in den Salzwerken bie Mauer an der Salzpfanne, 
moran das Feuer fhlägt, bie Patfche oder Pitſchke. 
I) intrs, 
mit fein, in etwas Naſſem, Fluͤſfigem geben, fo daß ein Schall, 
weichen das Mort Patſch nahakmet, wehöret wird; auch paddeln. 
Im Rothe patfheln, heramgehen. 

— mir pariheiten durch lauter Blut, Hölty, 
Auch überhaupt, fhineiner Fluͤfſigkeit berumbewegen und dadurch jenen 
Schau hervorbraugen. und taucht ſich und patſcheit 

In locender Flat. Kl. Schmidt. 

IT) tra. mit den Paͤtſchchen oder Händen ftreiheln, ſauft klopfen; 
pärfhein. -—- D. Patſcheln. D. —ung. 
X Patichen, v. D ntr. mit haben, ben Schall, welchen bau Wort 
Patſh nachahmt, vom ſich Hören laſſen, verurfachen. Fallen, daß 
es patſcht. Es regnet, daß es patſcht, es regnet ſtark, heftig. 
Eine Obrfeige geben, daß es patſcht. "Es datſcht, wenn bie Pferbe 
buch ein Waffer, durch Koth geben. - U) Fr rec. Sich patfhen, 
in ber Schweiz, von weihen Dingen, einfallen, zufammenfalen, 
feſt auf einander llegen. Stalder. Es patfchtfih, «6 füllt in 
einen Klump zufammen.  Gine Matrage patſcht fi, wenn bie 
Baare berfelben zuſammengedruͤckt find, aufammenbaden. III) intrs, 
2) Mit fein, in einer Fläffigkeit gehen, fo daß jener Schall babei 
aebört wird; im N. D. pattien. Im Waffer, im Kothe patſchen. 
») Mit haben. (1) In Franken, Elatfchen, Reben ber Leute hin 
und her tragen; in verſtaärkter Bedeutung. (2)⸗In Baiern, fehlen, 
einen Fehler machen. IV) tre. 1) Patfhen machen, den Schal, 
weicher buch das Wort Patſch nachzeahmt wird, hervorbringen; 
befonders mit DSeroorkriugung bdiefes Schalles ſchlagen. Win Kind 
poatfhen, ibm auf den intern mit flader Hanb Schläge geben, 


' Die Zenne patfhen, fie mit der Patfıhe eben und berb ſchlagen. 


2. 


2) Uneigentlih, in bie Patſche bringen, in Weriegenheit bringen, 
unannehmtichkeit verurfahen, anführen. »Sie denken nkbt, baß 
wie ihnen bie Spitze bieten Bann. Wir wollen fle- parfihen !« 
Soͤthe. — D. Patſchen. D. — ung. 

+Datfchenoder Batſchen, vw. tes. in der Seel, Lappen anf einan⸗ 


der naͤhen, ſlicken. Stalber. Auderwärtshbusen. ©. d. D. Patſchen. 
3. + Patſchen ober Batſchen, v. mtr, mit haben, in ber Schweiz, 


+ Der Datt, —es, 4. —e, im R. D. ber Grind,. Fulbe, 


+ Pauen, v. inter. ein Wort, 


padus L.); auch Scherbke, Scherbche. =) Des Schlingbaumes, 
wie au ber Frucht beffeiben (Viburnum Jantana L.); dub Pet: 


ſcherpe, Scherpe. 


X. Der Patfchfuß, —es, a. —füßr.. ı) Ein Fuß, welcher im 


Gehen, befonbers buch eine Flüffigkeit ein Patſchen verurſacht, wels 
Herd gefhicht, wenn er unten viel Fläche hat. Mefonders nennt 
man die Sichiwimmfüße ber Waſſervoͤnget Patſchfuͤße. 2) Ein Waſſer⸗ 
vogel mit folhen Fügen, dei Klein Plott (Plotus), 


x Patſchfuͤßig, adj. u. adv. Patſchfuͤße habend. 
X Die Patihhand, 3. —bändez Bio, das Patſchhaͤndchen, f. 


Patſche ı) 


X Patfchnaf, adj. u. adv. naß zum Patfchen, fo naß, daß 16 patfcht, 


wenn man mit ber Hand auf die naffe Kleibung Eopft, ober daß es 
im Gehen patſcht, d. h. ſehr maß; auch puͤtſchnaß. 
Dar 


von ber Dattdopf, der Grindkopf. 


+ Die Patte, 4. —n, ber Aufſchlag am Kleide; auch, bie Klappen 


! auf den Taſchen. 


+ Die Kattelefhe, Rz. —n, die Eope, Bitterpappel (Populus tre- 


mula 1.) 


Paten und Pägen, v. intrs. u, tes. f. Basen ıc. f 
x Patzig, —er, —ſte, adj. u. ady. in frinen Reden und Hugerun: 


gen mit einem gemilfen Stolze trogia, ohne Arcft und Bermögen 
‚ zu befisen feinen Stotz und Troh geiten zu machen, wie auch teogig, 
kurz und verachtlich im feinen Antworten abfertiaend. Pabig fein, 
thun. Ein pagiger Menſch. Dann auch, von fordem Trohe zeugend, 
Ein pagiges Retragen. Fine patzige Autwert Anbere gebrathen bar 
für, oder doch auf eine Äbniihe Fre prahie, prohig. Davoı bie 
Parigkeit, die Eigenſchaft einer Perfon gber Sache, da fie patig if. 
weikes 1) in einem feinen, pfeis 
fenden und klagenden Zone reden, wie bie Hinder thun, mwenh fie 
etwas zu Hagen haben, bezeichnet. Beſenders gebraudt man #6 
von dem Geſchrei ber jungen Kalekutſchen Hüöner ober Puten. Im 
Hamburg bedeutet es nah Richey aud zanken, widerſptechen. 
Im Sotfteinf en bezeichnet es mach Shüge 2) in Koth treten. D. 
Pauen. D. —ung. j 


Die Paufe, By. — n, ein Leffelförmiget, gewoͤhnlich Eapfernes, oben 


mit einem Zelle befpanntes Zongeräth, welches, wenn es geſchlagen 
wirb, einen ftarfen bumpfen son hören laͤßt. Man hat beren zu 
einem vollftandigen Zonfpiele zwei, und jede hat ihren eigenen be: 
flimmten Zon. Ehemahls biefen fie zum Unterſchiede von ben 
Trommeln aud Keffeipaufen; im. DO. D. ehemahls Puk, Pant, 
Boek, die Baukel, Bunge, Bunke Die Pauken ſchlagen. Auf 
der Pauke einen Wirbel fhlagen. @inen mit Trompeten und Pat: 
ten empfangen, ibn zum chren bei feiner Ankunft trompeten, und 
paufen. Gin Ständen mit Trempeten und Pauken. X Der 
Pauke ein Loch machen, uneigentlich, ber Sache ein Ende machen, 
ihr einen Ausgang geben, den Ausfhlag „geben. Ich muß ber 
Pauke nur ein Eh maden, bamit id weiß, woran id hin. Leſ⸗ 
fing. @in Baud wie eine Pauke, ein bider runter Bauch, das 
ber ein folder Bau auch feibft X eine Payke genannt, wird, Im 
weiterer Tebentung verftand man ehemahls unter Paufen aud bie 
Zrommeln, fo mie man in ®rgentheil bie Bauten and mol Keſſel⸗ 
trommeln nannte, Von dieſer weitern Bedeutung rührt ter Ber 
braud, daß man bie bleherne Walze, in welcher man ben Kaffee 
brennt, Pauke und Tremmel, beſtimmter Kafferpaufe und Kaffees 
teommel nennt. Uneigentlich heißt Pauke 1) beiden Orgeiuauere eine 





auf 


* Drgeiftimme, bie durch zwei tiefe Pfeifen vorgeſtelt wirb, unb bie 
Heiden Thne ber Pauken E und & von ſich bören Läft. =) In ber 
Bergliederumastunft, einer ber inneren Theile bes Ohres, ba me ber 
GBehörgang nad innen endet, und am melden bie bewegte Luft an- 
ftöpt und den Schall hersorbringt (Tympanum). 5) + Im. D. 
ein Kind daB immer ſchreiet und Uaget ober pauet. S. Pauen 
und Pauken. 

Daufen, v.intes, u, trs. 1) Die Paufen ſchlagen, beſonders bei einem 
Zonfpiele. „Du font neh fröplih paufen und herausgeben an den 
Tanz. er. 51, 4. Im weiterer Bedeutung, mit Hervorbriagung 
eines bumpfen Schalles ſchlagen. Die Kanzel paufen, von manden 
Predigern, beim Predigen oft auf bie Kanzel mit ben Händen fhlar 
gen. X @inen derb paufen, ihn derb fhlagen, 2) * Im RD, 
mit bumpfem None reben, dann überhaupt, fhmagen, plaubern 
und mit Gef'mäg betänben. Davon X bie Pauketaſche, die Plau—⸗ 
dertaſche. D. Pauken. D. — ung. 

A Der Paukendonner, —s, 9%. u. ber Donner, d. h. ein lauter 
ſtarter Wirbel, ben men mit zus und abnehmender Etärke auf ber 
Pauke fhlägt. Vom leichten Hirtenrohre flieg ber Schall 

; Bum Paukendonner. — Herber 

Dad Paukenfell, —es, Bi. —e, das auf einer Pauke aufgefpannte 
Fe. Im der Zergtk. das dünne Häuthen ber Pauke im Ohre, 
weiches in ber Furche am innerftien Enbe bes kabchernen Geldrgan: 

ges ausgelpannt iſt (Membrana tympani); auch das Trommeifell. 

Der Paukenfellſpanner, —s, Bi. al. in ber Zerglk. ein Muskel, 
melher vom obern Thelle ber Trompete dicht am Keilbeine koͤmmt, 
über bie Trompete in die Pauke gebt und fih am bie innere Seite 
des Halfes fegt umter ben langen Kortfad bes Hammerd, deſſen 
Handgriff er nad innen ziehet (Musculus tensor tympani), 

Der Paufengang, — es, 34. —gänge, im ber Zergik., ber untere 
Gang in der Schnecke des Ohres, welcher ſich durch bas runde Ben: 
fer in bie Pauke Öffnet (Scala tympuni), 

Das Paukengeſtell, —es, 99. —t, ein Geſtell, in beffen aueger 
ſchnittene Loͤcher die Pauken ſchief neben einander geſtelt werben. 
Die Vaukenhöhle, g. —n, die Höhlung im Ohre, wo fi bie 

Panke befindet. - 

Der Paukenklaug, —et, My. — Hänge, ber Klang der Paufe oder 
Pauken; wie auch, das Schlagen, Rühren ber Pauken, „Trompts 
tenſchal und Paukenklang bejeihneten bie ritterliche Gaftfreigeit,« 
Benzel-Sternan, 

Der Paufenring, — et, 4. —e, In ber Bergfk., der Gehörgang, 
welher ein ganz abgefonderter Imsherner Sing iſt, welcher oben 
"nicht zufammenfhticht, fondern zwei getrennte Enden unb in feinem 
innern Fande eine Furche hat (Annulus tympani), 

Die Paufonfaite, 9. — n, in ber Zergle., ein Nerve, ber buch 
einen eignen Gang in bie Pauke gehet, mit dem Pankenfelle zus 
fammentängt und dann duch bie Glaferfhe Spalte wieder hinaus 
tritt (Chorda tympani), 

Der Paukenſchall, — es, 3A. u. der Schall einer Pauke. Ginen 
mit Paukenſchall empfangen, ihm zu Ehren bie Pauken fhlagen. 
Der Paukenſchlag, —ed, Mz. — ſchlaͤge, dad Schlagen, Rühren 

der Parken; wie auch, einzelne Schtöge barauf. 

Der Paufenfchlägel, —6, 34. gt. die hölzernen Schlägel, momit 
bie Pauken gefhlagen werben; auch Paukenſt oͤcke. 

Der Paukenſchlaͤger, —s, 34. gl. einer der bie Pauken ſchlaͤgt, 
rührt; der Pauter. 

Die Paukenſchraube, 9. —n, ſ. Paufenwirbel 1). 

Der Paufenfpanner, —t, My. gl. ein vort mit einem Ringe vers 
febenes Wierkjerg von Gifen, mit welchem die Paulenfhrauben her⸗ 
umgebrebet werden unb wodurch das Paukenfell angefpannt wird. 

Das Paukenſpiel, —es, My. —e, ein Aonſpiel, im welchem viel 
gepauft wird (Paukeneoneerth. M, Kramer. 

Der Paukenſtock, —es, 4: — ſtoͤke, f. Pautenfhlägel. 


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Pav 


Das Paufenfläd, —ıs, 34. —e, ein Zonftüf, in welchem vier 

. -gepauft wird, 

Der Paulenton, —s, 3. töne, der Kon einer Pauke. 

Das Paukenwerk, —s, 4. —e, alles zum Schlagen ber Pauken 
nöthige Geraͤthz ein Ezech. =8, 15 vorfommendbes Mort, 

Der Paukenwirbel, —6, 94. gi. 1) Ginerber Wirbel oder Schrau⸗ 
ben an einer Pauke, vermittelfi weicher das Kell derſelhen ftraff ges 
fpannt wird; die Pautenfhraube: =) Ein Wirbel, gewirbelter 
Schlag auf der Pauke 

Der Pauker, — , 3 gl. Überhaupt einer ber paufet, befonders 
einer ber bie Pauken fhlägt, fie zu ſchlagen verfteht, ber Pauken: 
ſchlaͤger, ehemahls audı der Buckeletr. ImR, D., beſenders im 
Densbrütfden, ein Schwaͤtzer, befonbers einer ber Anbern nad bem 
Munde [hwast; der Maulpauker. &. Paufen 2). 

+X Die Pauketaſche, u. —n, f. Paufen »). ; 

Paul, —, —en, oder Paulus; Bo. Paulchen, ein Mannstauf: 
name, Der Apeſtel Paul ober Paulus. 

Der Pauliner, —, By.gl. ı) Eine Art Mönche, Paulsmoͤnche. 
a) Gine Sorte platter, vother unb grüner oder gelber Äpfel. 

x Der Pausback, Pausbädig, der Pauſch, f. Bausback m. 

Die Pausblume, By.—n, die Schräffeldfume. 

+ Das Pauluhn, Pagelubn, im R. D. der Pfau, 

Der Paͤuſchel, —6, 3. gl. im Berghaus, ein ſchwerer Hammer. 
€. Bäufgel. 

1. Paufchen, v. ntr. mit haben, auffgwellen. S. Bauſchen 

3, Paufchen, Paͤuſchen, vw. trs. im Bergbaue. 1) Schiagen. Erz 
paufhen, es zerſchlagen. Die Ehladen paufchen, fie Hein ſchla⸗ 
gen. 2) Schmelzen, ausſchmelzen. Ausgepauſchte Schlacken, die 
ſchon mebrmahls durchgeſegt d. h. ausgeſchtnelzt worden find, und 
kein Erz mehr enthalten. 

Der Paufcht, —es, ig. —e, fo viel als Buſcht. ©. b. 

Die Pauſe, 4. —n. ı) Die Unterbredung, bas Innebalten, Auf⸗ 
hören in einer Handlung, in einem Zuſtande, unb bie Zeit, fo lange 
biefe Unterbrebung, dieſes Innebalten dauert, 

Mie warb die Pauſe ſetbſt zu fang, 

Dream förderte ih meinen Gang, Mihälis, 
Befonders in ber Tonfunft, das Innehalten mit dem Spiele ober 
Belange auf eine gewiſſe angegebene Zelt. Cine Paufe machen, 
halten, haben. Im R. D. lautet es Pofe, Poos, wo man jede uns 
terbrochene Dauer barunter verſtehet. Am Mergbaue ift bie Pofe, 
Dufe, Bufe, Buße eine Arbeit, die mit Unterbrehungen, 
bie ruckweiſe getrieben wird, Gin Theil bee Schicht felbft wirb das 
ſelbſt auch Bofe genannt, und man rechnet folder Thelle auf eine 
Schicht gewöhntich drei, zumeilen auch nur zwei. 2) In ber Tons 
kunſt, das Zeichen, weldes anzeigt, wie lange mit bem Epiele ober 
Gefange inne gehalten werden fol. ine ganze Paufe, bie ans 
zeigt, daß man ben ganzen Takt hindurch oder fo lange eine ganze 
Note d. d. vier Biertel gilt, mit bein Spiele oder Geſange inne 
halten fol; eine halbe Paufe, bei der dies nur halb fo lange ges 
fgieht. Cine Biertelpaufe, Achtelpaufe, Sechzehntelpauſe ze. 

1. Paufen, v. ntr. u. ix⸗. auffchwellen, f. Baufen. 

2. Paufen, v. intrs. u. trs, eine Paufe mahen, halten; beſonders 
in ber Tonkunſt, auf eine beffimmte Zeit mit bem Spiele ober bem 
Gefange inne halten (pausiren). Sechs Zalte paufen. D. Paus 
fen. D. —ung. 

+X Pauften, v. ntr. mit haben u. trs. bad Verſtaͤrkungswort von 
paufen ober baufen, ſeht auffhmwellen, und, fehr aufſchwellen machen, 
blafen, fhnaufen; puflen „Daß ide nur pauſtet Borte mit pau⸗ 
fenden Baden fast, Hioh 5, 67 -D. Paufien, 

+ Die Pautkebeere, By.—n, ia Preußen, die Kratzbeere ober Thau⸗ 
berre (Rubus chamsemorus L.). 

Der Pavian, — s, ip. —e, ein Geſchlecht vierhändiger Säugt- 
thiere, welcht füh durch eine von beiden Beiten aufgeteetene Naſe 


Pav 


und buch kahle und blutrethe Geſaßſchwielen außzjeihnet, und 
welche meiſt wilder und unbaͤnbiger finb als bie eigentlichen 
Affen (Papio L.). Uneigentiih nennt man einen häßlichen, auch 
wel zugleih einen geilen Dienfhen einen Pavian. Auf ben Schif— 
fen wird der Bootewaͤchter ober berjenige, weicher in einem Boote 
bie Wache hält, wenn ſolches vor Anker ober hinter dem Schiffe liegt, 
Pavian genannt, 

X Das Pavianögeficht, —s, Di. —er: ı) Das Gefihteines Papians; 
dann, ein haͤßliches Geſicht. =) Eine Perſon mit einem folchen Geſichte. 

Dad Pech, —s, 39. von mehreren Arten und Mengen, —e, über: 

- haupt ein feftes Flebriges Harz. S. Bergpedy und Jubenpeh. In 
engerer Bebeutung, bas bis zu einer gewilfen Dide eingefottene 
unb geläuterte Fichten: ober Kiefernharz, welches in ben Pechhütten 
aus Kienftöden gebrennt wird, ſchwarzbraun von Farbe und berber 
und zäber als Ther iſt; das Waldpech, weil es glei im Walde 
gebrenne wird, und zum Unterfhiede vom Schufterpeche, welches 
mit Talg gemiſcht if. Die Fugen, Ritzen eines Kahnes mit Pech 
und Berg dichten. Einen Schuſterdraht mit: Pech ftreihen. „Wer 
Pech angreift, befubelt id. Stra 15, 1. Gin Bier lieget auf 
Dec, fagt man, wenn es in audgepichten Fäffern aufbemahret wird. 
+X Pech am ben Hofen haben, in Baiern, figen bleiben, nicht fott⸗ 
geben, nicht fortzubringen fein. Ehemahle nannte man auch bas 
Bars, ehe es noch gefotten war, Pech. Im mandhen Gegenden lau 
tet es der Pech. 

Die Pechbaͤrme, Wr. u. dei den Bracern, biejenige Bärme ober He⸗ 
fen, bie fih, nachdem bas Bier in Zonnen gefagt und in ben Kel: 

„ter gebracht IM und nachdem es aufgeftoßen hat, zuerſt zeigen 
und von Mebrigem gleichfam pehartigem Weſen find. Die Edus 
fier bedienen fih derſelben zum Kleifter, 

Der Pehbaum, —es, 34. —bäume, ein Baum, welder Pech 
giebt; ein Name ber gemeinen Kiefer, weige auch Rienbaum und 
Fohre genannt wird, mit ber Pechtanne aver nicht zu verwechſeln iſt 

Die Pechblende, 24. —n, eine ſchwarze Blende, welche wie andere 
Blenden aus Eiſen, Zink, Schwefel und Arſenik, zuweilen aud aus 
Silber beftehet und nicht fo grobäugig iſt als anbere Arten von 
Blenden, wie z. B. die Hornblenden (Pseudogalena pioea), 

Die Pehblume, 3y.—n, f. Pechnelke. 

Pechbraun, adj. u, adv. ſchwarzdraun, wie bie Farbe des Yedhes, 
befonbers bes Judenpeches. i 

Der Pechbrenner, —s, 9. al. derienige ber Pech aus dem Harje 
ober ben Kienfiödden zu brennen verfichet und baraus feine vornehm: 
ſte Befchäftigung mat; ber Pedhler, Pecher, Pecheter, Pechhauer. 

Der Pehbampf, —es, 34. u. ber Dampf, Raud) von brennendem 
Peche, von einer Pesfadel ıc.; der Pechtauch. 

Der Pechdraht, —es, 34. —bräthe, bei den Schufterm, mehrere zus 
fammengebrebte und mit Schuſterpech heftrihene Fäden, deren fie 
fh zum Nähen der Stiefel und Schuhe bedienen. 

Dechen, v. I; intes. Ped machen, Peb brennen; im D. D. pichlen. 
In weiterer Bedeutung zumeiten, Harz abiharren, um Pech dar: 
aus zu brennen. II) trs, mit Pech beftreichen, überziehen; gewöhn: 
tier pichen. TID ntr. mit haben, wie Pech Heben; uneigentlid, 
auf einer Stelle wie angepiht bleiben. — D. Pechen. D. —ung. 

Der Pecher, —s, My. al. ſ. Pehbrenner und Harzſchartet. 

Die Pecherde, Ya. u. mit Erdpech burdhsogene Erbe (Humus picen), 

Das Pechzerz, rd, 9. —e, im Bergbaue, ſchwarzes glänzendes, 
dem Peche oder einer Schtacke aͤhnliches, mit Schwefel und Glen 
vermifhtes Kupfererz. Auf dem Harze nennt man bas loͤcherige 
Peherz Rupferknoten, 

Die Pechfackei, Br. —n, eine mit Pech übergogene Facket, melde 
aufer ben Dochten von Streifen in ber Mitte nod ein Kienholz hat; 
zum Unterfiebe von den Wachsfadeln. 

Der Pechfaden, —t, 94. —füben, ein mit Pech beftrihener Faden. 
©. Pechdraht. . 

Gumae's Wörterb. 3. Th. 


593 


Pechl 


Die Pechflechte, Mh. —n, eine Art ſchwaäͤrzlicher cuf den Rippen 
in Schweben wachſender Flechten (Lichen stygius L.). . 

Die Pechariebe, 8. —n, die Grieben, welde beim Wrstohen bes 
Harzes im Pechefen übrig bleiben und zum Kienrußſchwelen gebraucht 
werben. 

Die Pechhaube, . —n, ſ. Pechkappe. 

Der Pechhauer, —®, 3. gl. der Pechbrenner. 

Das Pechholz, — es, 4. — hoͤlzet. 1) Ein jedes Holy, aus wel⸗ 
chem Pech gebrennt werben kann; Harzholz, Nadelhelz. =) Ein 
aus Bäumen, welche Pech geben, beftchendes Gehoͤlz; Harıhotz, Nas 
delholz, Tangelholz, Schwarzholz. 

Die Pechhuͤtte, By.—n, eine Hätte, ein Gebäude In einem Walde, 
in welchem aus ben Kienftöden Pech gebrennt wird, 

Pechicht, adj. u. adv. dem Peche ähntic. 

Pechig, adj. u. adv. Pech enthaltend, wie aud, mit Pech beſchmiert 
ober befubelt. Sich pechig machen. In den Hüttenwerken verſteht 
man unter pechiger Arbeit, wenn das Eiſen im Schmetzen ſchmuzig 
ober pechig, d. h. dick und mußicht acht, wo alddann mehr Waſch 
eifen ober Schlacken vorgeſchlagen werben. 

Die Pechkappe, By. —n, rine inwendig mit Pech geſchmerte Kappe, 
ben Kopfgeind damit abzureißen; bie Pechmäpe, Pechhaube. Un: 
eigentlih Helfen auch bie Beinen fhwarzen Kappen oder Mühen, 
welche nech jegt die Juden ıc. unter dem Hute oder ber Müpe tra 

‘ gen, Pechkappen, Pehmüpen. x 

Die Pechkerze, 4. —n, f. Pehlicht. 

Der Pechkeſſel, —, My. gl. ein Keffel oder Topf, in welchem anf 
einem Werft das Pech über dem Feuer flüffig gemacht wirb; ber 
Pechtopf. 

Der Pechtlumpen, —e, 3%. at. ſPechkugel. 

Die Pechkohle, 34. —n. 1) Eine Art feſter und fetter, dem Bed 
ähnlicher unb groben Schwefel nebft Thonerde enthaltender Stein: 
kohlen, melde vorzüglih zu Schmiedearbeit gebraucht werben, bahen 
fie auch Schmiedekohlen beißen. Außerdem nennt man fle auch 
Glanzkohlen, weit fie auf dem Bruce glängen, Fettkohlen, Hatz 
kohlen z zum Unterfhiebe von den ſchlechteren Dadı: oder Schiefer: 
tohlen. 2) Ein ſchwarzes, berbes, andurchſichtiges, auf dem Wen: 
he glängenbes Vergpech, welchee einen ſchͤnen Glanz annimmt, wie 
Steinkohlen rieht wenn man es reibet, und welches burch Meiben 
erpärmt, wie ber Bernſteln, angichet, baber es bon Ginigen auf 
ſchwarzer Bernflein genannt wird; der Gagat. 

Der Pechkranz, — es, 9. —kraͤnze, aus brennbaren Stoffen ges 
fiohtene und mit Pech und Harz überzogene Keänze,“ welche bei 
naͤchtlichen Grleuhtungen in eifernen Pfannen angezündet werben, 
= beren man ſich aud im Kriege bedient, Gebäude in Brand zu 

een, 

Die Pechkruͤcke, 94. —n, eine Arhde, womit die Wöttiher, wenn 
fie Faͤſſer auspichen, das brennende Pech im Kaffe audtreiten. 

Der Pechkuchen, —6, 9. gl. 1) Pech in Geſtalt eines Kochens ger 
formt, mie aud eine platte Mafle von Pech, deren man ſich 
zum Blipfuffteiger bebient; der Harzkuchen. =) Wei ben Bold: 
arbeitern, ein rundes Stat Pech auf einer metallenen Halbkugel, 
getriebene Arbeit barauf zu verfertigen; ber Pechkuchen, wenn es 
platt ift, fonft der Pehflumpen, das Treibepech. 

Der Pechler, —s, BA. st. f. Pechbrenner. 

O Pechfich, adj. u.adr. dem Peche gleich, ähnlich, wie Veh, 4. B. 
klebrig wie Pech. Pechlich blieb er auf dem Stuhle fisen,“ mir anı 
gepicht. Molke. 

Das Pehliht, — es, By. —er, ein aus dem ſchwaͤrzlichen Unſchlitte, 
welchts zuletzt aus ben Grieben geſchmeizt und zuwelten Pech ges 
nannt wird, gesogenes ſchlechtes Licht, weihes bei Arbeiten gebeennt 
wird, wo man nicht viel zu [eben braucht; die Pechlterze. 

Der Vechlöffel, — , 9. gl. im Schifftaue, ein eiferner Löffel, wo ⸗ 
mit man bus lüffige Pech aus dem Keffe- nimmt, um es bequemer 


75 


J 


Pech 


auf bie Rabten, melde. kalfatert werben find, ‚gießen zu fönnen. 

x Der Pechmann, —es, Mz. — männer, ein Mann, welcher Pech 

. zu verkaufen bat, oder bringt, aud wol der Pech macht. Uueient: 
lich ſagt man.in Baiera Im gemeinen Beben zu ober von Kindern, 
das Pehmännden Einimt, d. he ber Schlaf koͤmmt, der bie Augen 
gleihfam zufiebt. 

Die Pechmüte, My. —n, f. Pechtappe. 

Die Pechnelke, By. —n. 3) Eine auf feuchten Miefen wochlende 
Pflanze mit roͤthlichen ober auch weißen I auch gefüllten 
Blumen, deren Blaͤtter vier lange fpigige Einfänitte und einize 
Lontihkeit mit Reiten baden (Lychuis Nos eneuli L,); aud Pech- 
naͤglein, Pechtlume, Gauchnelke, Gauchbtume, Fleiſchblume, 
Hochmutth, Kuckucksnelke, Aududsbiume, Kuckucköſpeichel, von 
einem weißen Schaume, ber ſich in ben Blattwinkeln anſeht und 
Kuckuckeſpeichel (ſ. d.) heißt, 2) ine andere zu demſelben Ges 
ſchlechte gehörende Pflanze auf treckknen Bieſen und einigen Pi: + 


_594 Pein 


Das Pechwerg, —es, Dp. u: Im Schiffbaue, Werg; womit die Schiffe 
Ealfatert werben, Mon nimmt bagu alte Taue, bie man Hein badt, 
aufveehet, aufbruͤhrt und aus einauber zanfet, ; » 

Fedden, v. intre. u. tra. ſ. Padden. 

+ Der beddig —es, Mz. — e. 1) DadMart, das! Inderſte; beſondere 

"im Forſicheſen, dad. Mark im Holze. 2) Der Eiter. Im Baier: 
ſchen Piz. 

+ Der Legel, —e, My. di...) Im Waſſerbaue, das eingehauent 

Diertzeihen am einer Brhde orer Sleufe,; welches für bie Schiffer 
bir Veſchaſſenheit ber Waſſerhoͤhe anzeigt, Jacobefon. . Wahr; 
ſcheialich if dies mit Peil ein und duffelbe Wort, Mon fagt dafür 
auch Waſſermeſſer. Ehemahls bedeutete Prgelaudeia Map zu Zläf: 
figteiten, ein halbes RößelL a) + Ju Hambarg nennt man nad 

Kihey Brennholz, welches aus mittelmäßigen Kiten der Bäume 

beftehet, Pegel, wofür man andermätts Prügel fagt. 

Pegeln, v. intes, u. trs. 1) Zaufen; pihen, picheln (Holldub. 


gen, beren roche Blumen wirteifsemige Ähren bilben. Oben am 
Stengel niht weit von ber Blume [breit eine Hebrige Feuchtigkeit 
aus, auf welcher Fliegen, Ameifen it. kleben bleiben, baber iäre 
Mamen Pechnelke, Klebenelke, Pechblbume, Thernelke, Midenfang, 


+ Der Vogler, —s, Bi. gl. 


prgelen). S. Pegel. 2) Im Wafferbaur, bie Tiefe mit langen 
Stangen oder mit einem Wleitathe meffen. D. Pegein. D. —ung. 
in 8. D, ein Saͤufer. Hidey ©, 
Pegeln. 


+ Das Keil, —es, By. —e, in der Seeſpracht, ein Merkmahl, woran 
man bie Höhe bes Waſſers erkennt. Aöding. (Holländ. Peil). 

+ Veilen, v. intrs. u. tes, in der Schifffahrt, melfen, unterfuchen. 
Men peilet 5.8. die Ziefe und Berhaffenheit des Meeres und Meer: 
grundes mit bem Senkblele, die Höhe ber Sonne über ber Mittags 
linie mit dem Sechstelkteiſe, und bie Sage eines entfernten Gegen: 
Rantes mit dem Peillempaſſe. Die Pumpe wird mit dem Weil: 
fiote gepeilt, wenn man willen will, wie body das Waffer in ber: 
Tiken ftebet. &, (Boll. peilen), D. Peilen. D.—ung. 


Margenröcchen, Marienröshen, rothe Maienblume, Maiendlu—⸗ 
me. 3) Eine Krt bes Seimkrautes (Silene armerla L,);' auf 
Klebernelke, wildes purperrothes Margenroͤtlein. 4) Die wilde Pech⸗ 
nelfe, bie Donnernelfe (DianthusarmeriaL.). S. d, und Steinnelfe, 

Der Pechofen, 8, 94. — Öfen, in ben Pehbütten, ein vierediger 
Dfen, in welchem das Harz in.Lefondern Töpſen zu Pech gebreant 
wird. 

Das Pechoͤl, — es, My. —, ein ör, weiches mit Wein aus dem 
Peche gejogen und für ein Eräftiges Mittel in den Krankheiten ber 
Mersen und Getenke geachtet wird, + Da3 Peilbolz, —es, Pr. — hoͤlzer, ſ. Peilſtock. 

Die Pechpfanne, Mj. —n, eine eiſerne Pfanne, in welcher man zur T Das Jeilkeſpiel, die Peilketafel, f. Beuteſpiel ıe. 

Erleuchtung bei Nacht Pech ober Pechkraͤnje brennen lüßt. * Der Retompaß, — ſſes, I. — paͤſe, auf den Schiffen, ein Kom: 

Das VPechpflaſter, —, Di. al. ein aus Pech bereitetes, ein mit paß, die Bage entfernter Gegenſtaͤnde damit ju unterfuchen. (Boll, 
Pe beſtrichenes Pflaſter. pe ©. Peilen. 

Der Pechrauch, —er, 0. 2. f. Pechdampf. rt Der Peilſtock, —es, 9. — föde, auf den Schiffen, cin Stof, 

Der Pechring, —es, Mz. — 6, fo viel ats Pechkranz. Friſch. Stab, die Höhe des Waſſers tamit zu meſſen; dis Peilholz 

Die Pehrinne, 9. —n, die Stelle in . Harzbaume, wo bis Dot Peilstock). S. Peilen. 

‚Harz oder Pech ans bemfeiben rianet, S. Pech. Aut das in eis Die Pein, 9 —en. 1) Mühe, Arbeit; im N. D. Das macht 
nen Harzbaum eingebauene Beiden, weiches fh mit Harz unge mir Dein. =) Gin im böcfien Grade heftiger Schmerz bes Körs 
füllet bat. pers, und uneigentiih auch ber Seele; obne Mebrzahl. Vergl. 

Die Pechſcharre, Rz. —n, f. Harzmeſſer. Dual und Marter, wie auch Folter. Pein empfinden, leiden. El— 

X Pechſchwarz, adj. u. adv. ſchwarz wie Pech, frhe — nem Pein anthun, verurſachen. 

— pechſchwarz von Aug' und Saaxen. Wieland, Ende Eluͤck und ende Pein! Gbthe. 

Die Pechſchmiere, By. —n, eine Shatiere, welche aus Pech befie: Pein an ben Bühnen empinden, beftige Saba chmetzen. Die Zahn · 
ber oter mit Pech vermifgt iſt. Stieler. pein, Kopfpein ꝛc. Die Löllenpein, der hoͤchſte Grab der Pein. 

Der Pechſtein, — es, Bi — e, eine Steinart welßlich, gelblich, Ehemohls gebrauchte man es auch für Folter, welde Bedeutung 
rotb ıc. von Karbe, welche in ber Gegend ven Meißen, bei Mil es noch in manden Zuſammenletzungen bat. ©, Peinbdank. 3) Die 
tig und Schlettau gefunden wird (Silex piceus), Schmerzen einer empfindlichen Strafe und biefe Strafe ſelbf. „Bi 

Die Pechtanne, a. —n, ein Rame der Fichte, melde das melſte fobanen Pinen,“ bei ſelchen Strafen, bei Friſch. — und dieſe 
Pech giebt; audı Rothtanne, Harztaune. Gelßel ertheitt alle Peinen,“ alle Brade ber Etrafe. Benjel: 

+ Die Vechtefche, By. —ı, verfleintes grünes Holz mit verſteinten Sternau, 

Die Peinbank, 2%. —bänfe, die Folterbank. 


Rımwmufseln, Nemnid. 
Die Pechtonne, Mz. —n, eine Tonne zu ober mit Pechz le auch, det fih feibft bie Prinbantr Bote, 
x%* Teinen, v.tes. Dein verurfahen, peinigen, wie auch, ſtrafem 


eine Tonne, welche mit Pech und brennbaren Sachen beſfrichen und 
D, Deinen. D. — ung. 


umwickelt iſt, um fie bei Racht zur Erjeuitung, oder am Zeichen ) 

bamit zu geben, anzu uͤnden. O Dus Feingefüßt, — 16, Mh. 6, ein peinigendes Ecſuͤhl. 

Der Pechtopf, — et, Mz. — toͤpfe, f. Pechkeſſel. — —er ſani uns Shjte 

Der Pechtorf, —es, Mz. von mehrern Sorten, — e, bie beſte Sorte Etin Beben aus im Peingefüht der That. Halem. R. 
‚bes Jarſes, fhmwari ven Rarbe, ſchwer und dit und ans einem mit O Das Peingericht, —et, Mi. —e, das peinlicht Bericht, ein Ges 
Erboͤl durchdro agenin Gemiich, von Erde und Wutzeln beſtehend; richt, welches über peinliche Fälle entſcheidet (Criminulgeriht). K 
zum unterſchtede vom lötter: und Papiertorfe. T. Heinze. 

Der Pechtrog, es, — —tröge, in ben Pechhutten, der Treg, in Peinigen, v. irs. das Berſtärkungewort von dem veralteten peinen, 
melden bas Pech aus dem Dfen laͤuft. Pela d. h. den höͤchſten Grad des Schmerzene und der Unluſt gerur: 


Die Boateit ſchmit⸗ 


spein 


faden.. Da -biefer'toht tar, 'peinigten ſie den / vierten auch und 
geipeiten ibn.“ = Maccı 74.135. „Ih kenne keine größere 
Marter als bie, wenn Vorwürſe, bie. man: ih bitte erſpa— 
ren koͤnnen, zu ihrer delt und. pein 4.0 Hermes. Ihte Unſchuld, 
ihre unbefangene Seele füben wie ſehr mich die Heinen 
Bertrauiihleiten peinigen.* the. ._D.. Peinigen. D. 
unge Eu bio. e..> \ i 
Der Deiniger- 6, 2. gi.z die — inn, By. en, ine Perfon, 
welche peiniget. „Ein Menſch ift ber Peiniger bra andern* Mes 
nheim. Auch uneigentiih, von Dingen und Zuſtänden. Stürmi—⸗ 
ſche Leidenſchaften, dieſe Peiniger unſers Berjend." Gellert. In 
engrrer Sedeutung nennt Boß bie Plagegöttinnen (Purien) ter 
Aiten Peinigerinnen: 
ud bie: fhlangenammundene Zifphone kommt uns entgegen, ’ 
- &utals Deinigerinn und graufame Gieifelmierfhütternv. 
Shemahts gebrauchte man Peiniger, nah ber Bedeutung bes: Mor: 


„sites Vein-tär Strafe, auch für denjenigen, deſſen Gefhäft es ift, - 


hatte Strafen zu vollzieen, wo es benn für Henker, ber noch jent 

An Franken Weinlein *b.'h, Peimling genannt wird, gebraucht 
wurbe,. befonders fofern er verſtockten Verbrechern bie "pen ober 

‘  Kelter autbut, 

Die Preinigung, 9. — en⸗ 1) Die Handlung, ba mam peiniget. 
2) Etwas dag peiniget, Pein verurfaht. Ach 14 giebt Qualen und 
Peinigungen des Herjene, tie mancher fi gern vermänfgen mödte. « 
Herder 

Peinlich, —er, —ſte, adj. u. adv, 
mit Mübe verbunden ’ 

As en fo großer Motb zu peinlich nachgedacht, Hage beoen, 
wo e6 auch zur folgenden Bedeutung gejogen werben kann. =) 
Dem böhften Grade des Schmerzend, fowel des Mörpers, als aud 
umeigentlid ber Seele ahntich, denſelben verurfahene, damtt verbuns 
ben, darin gegründet. (1) Beu Ürperiihen Schmerzen. Gin peins 

Ulicher Tod. Beſonders gebraucht man diefes Wort in ber Gerichts⸗ 
ſpracht. Die peinliche Frage, die Befragung eines Miffethäters 
vermittelit Prperliher Schmerzen, durch tie man von Ibn ein. (Ger 
findnig au erzwingen fuhr; bie Fotter. Einen Miſſethaͤter pein— 
lich befragen, ibn feltera, Die prinliche Gerichtöbarkeit, die Ge: 
richtbarkeit über Leben und Tod. Das peinliche Gericht, rin Ger 
richt, welches über Leben und Tod richtet, Leibes⸗ und Echrasftras 

; fen vrebängen Bann (Criminsigeeiht); Peingericht. Peinlicht Ges 

ſetze, weiche Beibess und Lebensftrafra betreffen. Gin peinlicher 
Ball, ein gerihtliher Fall, wo es auf eben und Tod ankömmt, mo 
eher das Leben verwirkt bat. ‚Das peinliche Recht (Oriminalrecht), 
welches über pelnliche Faͤlle entſcheidet. Der peinliche Richter (Cri- 
minalrichter), welcher über peintihe Faͤlle richtet, ber Richter bei 
eittem Peingerichte, ber Peinrichter. Einen peinlich anklagen, auf 
Leib und Leben. Gin peinlich Beklagter (Inguisit), Gegen je: 
mand peinlich verfahren, als gegen einen Verbrecher. (2) Bon bem 
hoͤchſten ober doch ſehr haben Mrabe der Umluft des Gemüths. „Die 
Bangemeite it eine der peintichften Bemütbsoerfaffungen. Sulzer. 
Es ift peinlich, von Menſchen, die man verachtet, Wohlthaten au em⸗ 
pfangen. Richts iſt peinlicher, als mit folhen kangmeiligen einge: 
bildeten Menfihen umgehen zu müffen. Gine peinlihe Lage. Be— 
fonders, gewohnt, geneigt bei undedeutenden Dingen übertrlebene 
unluſt, wie duch übertriebene Bebdenklichkeit und Angttlichkeit zu dus 
gern. Ein peinlicher Menfh. Es maht ihn ſchon peinlich, daß er 
nicht bie rechten Worte zur Anrede möchte finden Binnen. Peinlich 
fein, peinlih tun, 

Die Peinlichfeit, o 29. 1) Dee Zuſtand, bie Befhaffenhrit einer 
Derfon ober Sache, da fie peinlich If. a) + Die peinliche Gerichte: 
barkeit. 

O Peinvoll, —er, —fit, adj. u.adr. 
urfacht ud. 


1) + Muͤhe, Arbeit verurſadend, 


1) Biele und große Pein ver: 


595 





Peit 


— beim ungatdlichen gleich, der in onterirbiſchern Kerker 
Kings umgeben von Naht — ſich ſelbſt peinvolle Geſellſchaft. 
Sonaenberg. 

2) Sehr peinlich. S. Peinlich a). 

Der Peihker, + Peiten, warten. S. Beißker und Beiten. 

Die Peitſche, Mi. —n; Bw. das Peitſchchen, ein Werkjeug zum 
Schlagen, welches aus einem Stocke und einer Schaur ober zuſam⸗ 
mengeflohtenen Niemden beftcht. „Mein Water hat euch mit Peit: 
[hen gezüchtiget.“ 2 Mön, ı2, 21.24. Mit ber Peitfche Hatfhen, 
bauen. Die Fuhrmanwspeitiche, Gespeitfche, Humdepeitfäe ıc. 
Die Karbatſche, der Kantihu, die Geißel ıc. find auch Peitſchen. 
Uneigentlich. 1) Im Bergbaue, ein zwei Ellen langes und eine 
halbe Elle breites Holz, tie Kupferblehe in ben Geigerhätten be 
mit gtei zu Schlagen. 2) In ber Naturbeſchreibung, (1) ein lan⸗ 
ger, bänner,und fhmaler Filh, welcher einen Enursenden Eaut ddr 
ren läßt, wenn man ihn aus dem Waſſer gichet, bie Meerpeitfche,. 
Ste inpeitſche, Gnutte oder Knurtpeitſche [Ophidion barbatum L.), 
(2) In der Pflenzenfehre beißen nadte peitſchenfoͤrmig auslanfenbe 
Etenget Peitfchen (Flagella); aud Schwänze, gewoͤhnlicher Rans 
ten, Austaͤufer. 

Peitſchen, v. tes. mit der Peitſche fhlagen. Einen peitfhen. Ir 
weiterer und unelgentliher Bedeutung, we es auch als intrs, u. Atr. 
gebraucht wird, wieberholt an etwas ſchlagen. Die Wellen peits 
(den an ben Zhurm.“. Bluntſchli. Dean,. A empfindlich trefr 
ſen und wie Pritfhenfätäge zum 'Gilen, Entflieben antreiben,: um 
bern Übel, wovon man getroffen wird, zu entgehen, m auch: um 
ben Mangel an Mube auszubruden, 

Test oc bes Hägels Wut 

Gepeitſcht, jene von ber Winde Grimm geſchlagen. Shi ker. 
Ihn peiſcht Eiferfucht, wilde Berzmweiflung. 

— Damm peitfcht die. Verzweiflung noch raſcher ben KRühnling. 
Sonnenberg. 

In no weiterer Bedeutung iſt peitfchen oft und Iange bin und her 
bewegen, rütteln. So ſagt man, ben Wein peitſchen, Baufenbiafe 
ober andere Dinge bimeinfHätten unb bann lange hin unt her züt- 
tein, om ibn dadurch Har zu marhen und zu verbeffeen. So au, 
das Maler auf ben Scälifen peitfhen, es auf eine ähnliche Art rei: 
nigen und trinkbar mahen. D. Peitfhen. D. — ung. 

Peitfibenförmig, adj. u. adv. bie Form cher Geſtalt einer Peitfhe 
habend, einer Peitſche aͤhnlich. S. Peitſche =) (2). 

Das Peitſchengeknall, — es, o. 2, das Geknall, Häufige Knallen 
mit ber Peitſche. . 
Das Peitſchengeſchnalz, et, 0. Mz. das Seſchnalz, Geklatſch mit 
ber Peitſche. 

— und bie ſhwer belaſteten Magen 

Krachten eiſern, bei Peitſchengeſchnalz, herab durch bie Gaffer. 
Sonnenberg. 

Der Peitſchenhieb, —ed, a. —e, ber Sied mit einer Peitſche; 
ber Peirſchen ſtreich. 

Der Peitſchenknall, —es, Mz. —e, ein Knol, ſtarkes Klatſchen mit 
der Peitſche hervorgebracht. 

O Der Veitſchenknecht, Veitſchknecht, — Sz. —, tin Knecht, 
deſſen Seſchaͤft es iſt zu peitfchen, dergleichen die Römer für ihre 
Sklaren hielten, fie am aüchtigen: — ſage dem Peitſchenknechte, 
daß er biefe ſchändliche Greatue (diefes ſchaͤndliche Geſchoͤpf) ſogleich 
an ben Block ſchließe⸗ x. Börtiger. 

Die Peitſchenpflanze, 2. —n, eine auslänbifhe Pflanze, ber Gei⸗ 
ſhelſtra uch. ©. b. . 

Der Peitfchenftab, —es, Di. fläte, fo vier ats Peitihenflod. €. d 

Der Veitfchenitiel, et, 9. —e, der Stiel oder Stock einer Peit: 
fe. — ber — mit einem Peitſchenſtiel umbarmherzig auf den 
Heinen Körper losfchlug.« Göthr. 

Der Peitſchenſtock, —es, Bi. — ſtoͤke, ber einfage hoͤljerne, oder 


Peit 
mit Beber Äberzogene Steck einer Peitſche. In ber Raturbefärei« 
bung, rin Rame bes getben Affebis oder Jakobeſtabes (Asphode- 
lus Intens L ); auf Peitfhenftab. 

Der Peitfhenftreih, —ıs, 94. —e, ſ. Peitfhenhieb. 

Der Peitfcher, —6, W. ol. einer ber peitſchet. 

Der Peitichker ober Bun f. Beifter. 

+ Die Peitſchkuh, Mm —tühe, in manden Dörfern, bie defte Ruh, 
welche jährlich dem Herrn gegeben werben muß. Brifd. 

Die Peitfhfhlange, My. —n, eine fhdne unfhärlihe Schlange 
in Afien, Afrita und Amerifa, bie über fehs Fuß lang, aber nicht 
bider als ein Kleiner Ringer ift und fi in eine bünne Spitze enbis 
get (Coluber ahastulla L.). 

+ Die Pek, 99. —ın, in der Schmweig, die Pepe; eigentlich und un: 
elgentlih. Stalder. 

+ Die Pekeſche, Br. —n, eine Art Überkieider, welche an den Leib 
anfdliehen und gewöhntih an ben Mäthen mit Schnüren, und vorm 
wie binten im KAniffe mit Quaften verfehen find; bei Andern 


Viteſche. 
— Man will jeht freilich ber Mann ſoll 
Immer im Sürtout (Überrod) und in ber Pekeſche ſich zeigen. 
Gothe. 

+ Die Pelle, Mm. —n. 1) In ber Shweis, auch in der Mark die Scha⸗ 

le, N. D. bie Pale. Beſendere bie aͤußere gruͤne Schale ber Rüffe, 

(Bol, Pel). Davon pellen, der Schale berauben. 2) In andern Ger 
genden ber Schweiz ıft Pelle das was beim Schwingen bes Getreis 
bes zuerſt bevausfällt, alfo. Epreu ıc. 

+ Dellen, v. trs, ſ. Pelle und Palen. 

+ Die Pelnede, 9. —n, im Hanndverfhen, eine tändelige Frauens ⸗ 
perfon. 

+ Die Peltfhen, E. u. ein Name bes Beilfrautes, woraus es ver 
derbe iſt (Coronilla securidaca L.); die Vogelwicke. 

Der Pelz, —ıs, 99. —e Bw. das Pelihen, O. D. —lein. ı) Ehe: 
mablo überhaupt bie Dede, Belteibung einer Sache. In engerer und 
gewöhnlicherer Bedeutung, eine weiche, dicke und filzichte Dede. -&o 
nennt man im gemeinen Beben ben Schimmel, befonders auf einer Fiüf: 
figfeit, und die dicke Haut auf der Mich, bie Sahne, einen Pelz. 
Eben fo nennt man Pelz, das in einandergefchlungene Moos, mel: 
es über etwas gewachſen ift und fi in großen Städen ablöfen 
läßt; wie anıh, die buch Schlamm mit einander verbundenen Pflan: 
jentbeite, die nah üÜüberſchwemmungen auf ben Wiefen zurädbleiben, 
In noch engerer Bedeutung beißt bie mit weiden Haaren dicht bes 
wachfene Haut ber Thiere Poll. Der Bär bat einen zettigen, bad 
Schaf einen wolligen Pelz. Dann auch, eine foldie baarige Haut, 

— nachdem fie gegerbt iſt, wobei man ihr aber die Haare gelaffen bat; 
das Pelgwert, Rauchwerk. Gin Muf, ein Mantel von Pelz, eis 
Delymuif, ein Pelsmantel. Einen Mod mit Pelz füttern. Gin 
Fuchspelz, Haſenpelz, Schafpelj ꝛc. Wie aud, bie abgefhorne 
sufammenbangende und ein ganzes Stuͤck ausmahende Wolle der 
Schafe. S. Pelzwolle. Unelgentiih und im gemeinen Beben, die 
Haut überhaupt, aud wol, ber Leib der davon bebedit ift ſelbſt. 
X Ginem Menfhen oder Thiere auf den Pelz fhiehen. X Ginem 
ben Pelz auskiopfen, ibn fchlagen. Einem den Pelz walchen, ihn 
präzein, wie aud, ihm einen derben Berweis geben, wofür man 
auch faat, den Kopf waſchen. X Waſch mir den Pelz und mad’ mich 
wicht naß, ſagt man ſprichwoͤrtlich, wenn man eine Sade wünſcht, 

» verlangt, das dazu Mörhige aber nicht thun, die babei Statt fin: 
denden Bebingungen nicht eingehen mag. In Dänabräd gebraucht 
man biefe Redensart um anzugeigen, daß man eine üble Rachrede 
nicht achtet. X Einein eine Baus im den Pelz fegen, ihm durch 
etwas große Iinrube verurfachen, in große Vertegenbeit fegen; nad 
Ad. au, ibn zur Nufnabme eines tätigen Menſchen ober zur 
Annabme ciner befhwertidhen Sache bewegen, welcher Sprachge ⸗ 
deauch ums unbelannt if, 2) Ein ans Pelz oder Pelzwerk gemach 


596 


Del 


ter ober doch damit gefutterter oder auegeſchlagener Mod oder 





tel. Ginen Pelz anziehen, umnehmen, tragen, „Sie find umferge: 
gangen in Belzen (Pelzen) und Biegenfellen.« Ebr. a1, 37. Ein 
Schlafpelz, Schafpelz, Fuchspelz, Wolfpelz, Zobelpelz ıc. ©. 


biefe und auch Kuppelpelz. Unecigentlich ſagt man in Denabräd, 
wenn es fhneiet:. X die. alten Weider ſchütteln ben Pelz aus. 

Die Pelzart, 24. —en, 1) Bol Pelz, eine Art Pelz oder Pelzwerk. 
2) Von peljen, die Art umb Weife zu pelgen. ©. 2. Pelsen. 

Das Pelzbein, — es, My. —, bei den Gärtnern, ein beinernes 
Werkzeug, die Rinde an bem Orte, wo man peljen wil, audeinans 
ber zu biegen, 

1. X Peljen, v. tes. 1) In ber Schweiz, dem Pelz gleichfam, d. h. 
bie obere Bebedung, bie Haut, ober die Pelle, Schale abziehen, 
fhinden. Ginen Hafen peljen. Kartoffeln peljen. Gtalber. 
2) Den Pelz ausflopfen, d. b. fhlagen, prägen. - S. Pelz »). 
Einen pelsen. In der Schweiz auch, auf bem Peiz werfen J. B. 
mit Eteinen, Schneebällen, wie auch uneigentlich, ſchimpfen, (mar 
ben. Stalder. D. Pelzen. D. —ung. 

2, Velen, v. trs. auf eine gewiffe Art pfropfen. Man verficht dar⸗ 
unter ı) bas eigentliche Pfropfen, [.b. 2) Diejenige Art deſſelben, 
ba man bei diden Stämmen in die Rinde pfropft, inbem man bas 
Pfropfreis in ben wagerecht abgefhnittenen Wilbling zwiſchen bie 
Rinde und bas Holz einfept, Man fagt dafuͤr auch, in ben Spalt 
fegen, impfen, zweigen. Ginen Zweig von einem Apfelftamme auf 
einen Quittenftamm pelzen. Gepeljtes Obſt. D. Pelzen. D. 
—ung. — 

Der Pelzer, —t, Be. at. 
von I. und 2. Pelzen. 
arbeitet, der Kuͤrſchner. 

Der Pelzfleck, — s, M.—t. 1) Ein petzichter Fleck, ein Stüd 
von einer pelzichten Haut, 3. B. von dem Rahme auf ber Milch. 
©. Pelz. 2) Ein Fleck oder Stuͤk Pelzwerk. 

Das Pelzfutter, —e, 9. gl. ein Futter, Unterfutter von Pelz 
ober Pelzwerk. 

Der Pelzhandel, —®, o. 8%. ber Handel mit Pelz, Pelzwerk. 

Der Pelzbändier, —t, —* dl. ein Kaufmann, der mit Pelzen, Pelz: 
wert hanbelt. 

Der Pelzhandſchuh, —et, 9. —, Handſchuhe von Pelz ober velu⸗ 
werk, wie auch, mit Pelzwerk gefuttert. 

Die Pelzhaut, 94. —bäute, eine Haut, bie ein Pelz iſt de ein 
Pelzwerk abgiebt; wie au, eine petzichte Haut, 5.8. die Haut auf 
der Mil, 

Die Pelzbofe, Ey. —n, Hofen von Petzwerk, ober mit Pelzwerk 
gefuttert, 

Pelzicht, adj. u, adr. einem Pelze, d. h. einer bien, weichen, fil: 
sichten Haut ober Dede Ahniih. Die Wieſe ibrmit einem kurzen 
pelsichten Graſe bedeckt. Pelzichte Birnew, beren Haut bie und 
lederhaft ift. : 

Velzig, adj. u. adr, einen Pelz habend, mit einem Pelze befeidet. 
In der Raturbefhreibung Heißt peljig mit fehr dichten Haaren uns 
orbentild befegt (manicatus), wie auch, mit kurzen weichen Haaren 
bebedt (stuposus), 

Die Velziade, ne —n, eine mit Yels gefutterte Jade. 

+ Die Pel giepe, I — eine mit Pelz gefutterte Jupe. S. Jupe. 

Der Pelzkaͤfer, —e, 9%. gt. derjenige Käfer, deſſen Larve bie Pely 
motte if. ©. d. . 

Der Peljfamm, —es, 9. — Umme, bei den Kürfchnern, ein eis 
ferner Kamm, bas Pelzwerk bamit zu kämmen wab zu reinigen, 

Die Pelzkappe, 4. —n, eine mit Pelz gefutterte Kappe. 

+ Der Pelzkern, —ed, 24. —e, bei Planer, ber Name eines 
Pflanzengeihiechtes auf dem Worgebirge der guten Hoffnung und in 
Ghbina, mit wolligen Zwelgen, Blattftielen und Blättern und eben: 
fals wolligen Samenkernen. Dir leberartigen oben blaßgränen und 


1) Einer ber pelzet, in ber Bebeutung 
a) Einer ber Pelze macht, Pelzwerk ver: 


zunzefigen Wiätter haben einen ſcharfen gewürzhaften Geſchmack 
und flirten kampfer⸗ ober rosmarinartigen Geruch (Tarchonantlıus 
camphorctus), 

Die Pelzkirfhe, 9. —n, Kirſchen die auf der einen Seite ſchwarz, 
auf der andern zoth oder aud auf beiden Seiten fhwarz find; es 
giebt ‚deren größere, die im Julins und Heinere, bie bald nad ben 
Maikirfchen reifen und in Öfterreih Kremmelkirſchen beißen. 

Der Pelzkittel, —6, 4. sl. ein mit Pelz gefutterter Kittel. ; 

Das Veljfoller, —s, 9%. gl. ein mit Pelz gefuttertes ober audge: 
Fhlagenes Koller, Reitloller. - 

Der Velzkragen, —d, 9. gl. ein Kragen von Pelz ober Pelzwerk. 
Auch ein Streifen Pelzwerk, welchen bie Frauen um ben Hals und 
über bie Bruft tragen (Palatine). 4 

Der Pelzmantel, —s, 2. —mäntel, ein Mantel. mit Pelzwerk 
Hefuttert ober ausgefdlagen, befonders wie Frauen zu tragen pfle: 
gen (Pelzsaloppe). , 

‚Die Pelzmeife, 9. —n, bie Schmwanzmeife ober Bergmeife. 

Das Velzmeffer, —s, . gl. bei ben Gärtnern, ein Meffer damit 
su pelzen. S. 2. Peljen. 

Die Pelzmotte, My. —n, eine Art Motten ober Heiner Rachtvoͤgel, 
beren Sarven bem Pelgwerk fehr nadtpeilig find (Phalaena pellio- 
zella L.), 

Die Pelzmuͤtze, Ry. —n, eine Mäge von Pelzwerk, ober auch mit 
Pelzwert gefuttert, ober befegt; au Pelzkappe, wenn -fie mehr eine 
Kappe ift. 

Die Peljraupe, 84. —n, Raupen, welche mit dichten Haaren wie 
mit einem Pelze bebedit find (Larvae villosae). 

Das Pelzreis, —ed, 94. —er, bei den Gärtnern, ein Reis, wels 
ches gepeljt werben fol. ©. 2. Pelze. 

Der Pelzrock, —s, 34. —röde, ein Rod von Pelz, wie auch, ein 
Rot mit Pelz gefuttert ober bamit ausgefchlagen. 

Der Pelzfammt, —es, Di. —e, ein langhaariger Sammt, mit 
* anſtatt bes Pelzwerka die Kleider gefuttert werben; der 

elbel. 

Der Pelzſchuh, —et, By. —e, Schuhe von Pelzwerk, oder mit Pelze 
werk gefuttert. 

Die Pelzſchule, y. —n, bei ben @ärtnern, eine Baumfdule von 
gepeliten Bäumen. 

Der Pelzfliefel, —s, MM. gl. oder —n, Stiefel von Pelzwerk, oder 
mit Petzwerk gefuttert, 

. Die Peljwaare, 39. —n (8), Pelzwerk, Pelze als Waare ber 
trachtet. 

Das Pelzwachs, — es, o. 9. bei ben Gärtnern, Baumwachs, wo⸗ 
mit der Spalt und die Stelle, wo ein Baum gepelzt iſt, verklebt 
und dann verbunden wird. 

Das Pelzwerk, —es, By. —r, ein Sammelwort, womit man ale 
Häute und Felle, bie nach bem Werben noch ihre Haare haben, wie 
auch, Alles was baraus an Kieibungsftäden gemacht wird, bezeich 
net. Fuͤchſe, Haſen, Eichhoͤrnchen geben cın gutes, bie Zobel und 
Hermeline ein koſthares Pelzwerk. „Alles Pelzwerk follt ihr ent 
fänden« 4 Mof. 3ı, 20. 

Die Peljwolle, 94. u. die Wolle, wenn fie beim Scheren in großen 
Stüden ober Flatſchen zufammenkangend bleibt, welche Wolle man 
aud einen Pelz nennt. 

+ Demmeln , v. intrs. tandelnd herumlaufen. Rüdiger. Bulba, 
D. Demmeln, 

+ Der Penih, — es, By. u. bad Fenchgras. 

+ Der Penn, — es, 4. —e, im R. D. ein hölgerner Magel, Ba: 
pfen, einzelne Spige; daher Pinne. Dann aud, ein hölzerner 
Shürriegel 

+ Dennen, v. trs. mit einem Penne ober mit Pennen verfehen; zu⸗ 
pennen, zuriegeln, verriegeln. S. Penn. D. Pennen. D. —ung. 


+ Der Penfel, f Pinfel, 





: Derla 


Der Venterballen, —6, iM. gl. auf ben Säiffen, ein Iofer Batı 
ten, befien ſich befonders ‚die Engländer bebienen, ben Anker auf 
ben Bug zu fegen ober zu tippen. 

Der Penterhafen, —s, 9. gl. auf den Schiffen, ber Hafen, wel: 
Her zum Aufpentern ober Kippen bes Ankers dient. 

Die Ventertalje, 94. —n, f. Antertatje. 

+ Penzen, v. intrs, in Baiern, mo man fagt, an einem penzen, ihm 
fedr anliegen, ihn mit Bitten quäfen. D. Penzen, 

+ Der Peperle, —e, 3%. u, ein Rome bes knotigen glatten Kerbels 
(Chaerophylium bulbosum L.). 

Der Peperling, —6, 94. —e, f. Peping. 

Der Peping oder Pipping, —es, 4. —t, time Sorte feiner, 
wohlſchmeckender aber nigt großer Äpfel; aud Peperling. 

Perduz, f. Patdauz. 

XDas Pergament, —es, 4. —e. 1) Eine auf beſondere Art zus 
gerihtite, nah ber Enthaarung und Reinigung nämlih mit Kreide 
und Bimsflein auf ber Fleifchfeite abgeriebene, dann geſtrichene, ger 
ſchabte und getrodnete Haut, melde härter und fleifer als Erder, 
und beinah hornartig, aud glatt if, Man gebraucht fie ſowol bar: 
auf zu fhreiben, in welchem Kalle man fügtih Schreibleber dafür 
gebrauden kann, als auch Bücher darein zu binden. Ehemahls 
Buchfell, im R. D. Perment, Pirment, bei altern Schriftſtellern 
Pergamint, Bermut, Permut. Cine Handfhrift, Urkunde auf 
Pergament. a) Eine Urkunde, eine Schrift auf Pergament. M 
reichte ihm das wichtige Pergament, 

Pergamentartig, adj. u. adv, nad Art bes Pergamentes, bem Per 
gamente ähnlid. Gin pergamentartiged Blatt, 

Der Pergamentband, —ıs, 39. —biände. 1) Der Band, Ein: 
band eines Buches in Pergament. 2) Ein in Pergament gebundt: 
nes Bud. 

Das Pergamentband, —ed, 9. —bänber, ein Baud von Perga: 
ment. In ber Zergliebk. heißt eine Art Bandabern oder Echnen, 
wegen ihrer Äbntichkeit mit Pergament, Pergamentbänter (Vincula 
membranacea). 

Die Pergamentblume, f. Papierblume. 

Dergamenten, adj. u, adv. aud Pergament, ven Pergament gemacht. 

Der Pergamenter, —6, MM. gl. einer ber Pergament zu machen 
verfteht und macht; der Pergamentmacher. 

Die Pergamentform, 9. —en, bei ben Golbfälägern, eine Form, 
b. d. mehre einzelne über einander gelegte Blätter von Pergament, 
bie nod biden Bolbblätter darin zuerſt bünner zu fhlagen; bie 
Duetfhform. 

Die Vergamenthbaut, Bi. — haͤute; Vw. das —häutchen. ı) 
Eine zu Pergament zugerihtete oder dazu kaugsiche Thierhaut. ») 
Eine dem Pergament ähnlihe Haut. So werten in ber Zergliedk. 
mehrere Haͤutchen in den thierifhen Körpern Pergamenthäutchen 
genannt, 

Der VPergamentleim, —et, 24. u. Leim, welcher aus den Abgoͤn⸗ 
gen vom Vergamente gekocht wird; ber Hornleim. 

Der Pergamentmacher, —$, 9. gl. f. Pergamenter. 

Der Pergamentfhaber, —$, 3. gt. ein Arbeiter, welder Perga- 
ment, nachdem er baffelbe ia ben Rahmen au-sefpannt hat, abſchabt. 

Die Pergamentfchale, By. —n, eine Schale von Pergament, 5. ®. 
an Büdhern. Auch nennt man die abgefhabten Fleiſchfaſern der 
Häute, welde das Schabeiſen von ber Oberfläche berfeiben binmweg: 
nimmt und welche ben fchönften Leim geben, Pergamentfchalen. 

+ Die Perge, 9. —n, in ber Schweiz, die Kiefer oder der Kien⸗ 
baum. ©. Fohre. 

Der Perkan, f. Berkan. 

Die Verlaloe, Dy. —n, eine Art der Aloe mit eirunden, ſcharf zu- 
gelpigten Blättern, bie mit Inorpeligen Auswüchfen,, wie mit Per: 
len befegt find (Aloe margaritifera L.). 

Der Perlapfel, —t, 9. —Ipfel, eine Sorte Äpfel, Nemnid. 








oO Perlartig, adj. 2. adv, nad Art ber Prrien, ben Perlen aͤhnlich. 
Das Gefieder der Schleiereule iſt perlartig gezeichnet.“ Guns 
‚te, (R. 

Die Serlafee, 2. u. bie reinfte Pottafche. 

Die Perldien, By. —en. 
‚ eirunber 
“ — * im September. retſenz die Honigbitn, frühe Buderbirh, 

wahrfheinfih diefelben, welche im Braunkhiwrigiihen Vogesbirnen 
heisen. '2) Gine Art iangligrumber bienförmiger Berten; beſſer 
Birnperlen. “ i ” . 

Die Perldohne, M- 
Vohnen, fo groß wie große Erben; Erbsbohne, 
zeſſinnbohne. 

— —es, Pt. 1) Der Drud, das Drucken mit 

Verifheift, der Meinftch vom’allen =) Fine Schrift mit P 
fhrift gebrutt, Frifch hat es für Periihrift, s 
1, Die Perle, M. —n; Em, das Perichen, eine kietue runde ober 
rundllche fefte Ma 
Auswüchfe unten am Dirfchgemweihe an ber fogenannten Rofe Perlen. 
So wird im gemeinen Leben mander Begenden bie verhärtete Feuch;· 
tigkeit im Auge, welche im O. D. der Zieget heißt, bie Perie ge: 
nannte, In engerer und gemöhntiher Nedeutung find Derlen bie 
crundlichen, weißen ober weißlichen Auswuͤchſe inwendig an ben Scha⸗ 
Ion mander Mufigeln, der Perlenmufdeln, und in diefen Thleren 
ſelbſt, welche wegen ihrer Zeltenbeit, je nachdem fle groß und fihön 
find zu den größten Koflbarkeiten gerechnet werben, Merlen fifhen, 
die Perlenmulcheln aus der Tiefe bes Meeres beraufbofen, um bie 
Perten aus denſelden zu befomnien. Echte Perten, wirtlihe Perlen 
aus Perlenmufcheln, in Gegegenſatz ber nachgemachten, ber unech⸗ 
ten oder falſchen, dergleichen die Glasperlen und Wachsperlen find, 
weite auch Waſſerperlen genannt werben. Die Mergeniändifhen 
und Amerifanifhen Perlen find die fhönften, 
"find bie Lothperte, Zahlperle, Kartenperle, Staubperle ic. S. biefe, 
uneigentlich nennt man Perlen ı) die Luftblaͤschen, melde beim 
Ginfhenlen des Bieres und Meines, ober beim Gähren auffteigen; 
wegen der Ähnlichkeit mit Perlen. 2) A Glängende Maffertropfen, 
befonders die Ihautropfen an ben Pflanzen; auch wegen ber 
Ahntichteit. 
Sieh die Blume richtet ſich auf; vom blifenber Perlen 
Lat fie fhöner umder, — — — Badartä, 
* Häufig werden von den Dichtern aud die Thraͤnen Pirlen genannt. 
und Bien fieht aug feinem Uebevollen 
VXzurnen Augenpaar zwei file Perlen rollen. Wielant, 
In folgender Stelle auch von ehmeißtropfen: 
und der Wandernden Stirn entröpfelten Perlen ber Mattheit. 
Baggefen. 
5) Eine fehr geliebte und geſchaͤzte Derfon ober Sache. Dieſe Etadt 


—n, eine Art weißer anglichtunder Schmint: 
Eietbohne, Prin⸗ 


iſt die Perle bes Landes, oder bie Merle in der Krone bes Königes. 


4) Das Peridien, eine Art Blafenfhneden, weiß und mit einer 
weisen, runden perimutterartigen eingefagten Erbebung über jeder 
Ge, two ber Mund ausläuft (Bulla verrucosa L.); aud weißer 
Kuͤrbiß. Cine Art aefäumter Vorzellanfihneten mit glatter weißer 
rer gelblicher Schale heißt and das Perihen (Cypreu globulus 
L.); dus glatte Körbchen. 5) + Die Wafferjungfer oder bad Heu— 
pferd (Libellula grandis L.), viell icht wegen bes großen laͤnglich⸗ 
runden Nugen biefes Bieferd. 6) Italiſche Perien nennen zuweilen 
die Marktſchreiet die Samenkoͤrner einer Art ber Rrebeblume (Gro- 
ton tiglium L.), welhe ftart abführen und bie man Indiſche Pis 
nien oder Zirbeinäffe nennt (Purgirkörner). 

2. Die Verle .—n, im N. D. ein mit Lochern durchbohrtes Brett, 
dergteichen die durchtoͤcherte Schribe des Butterfaffes und das mit 
Löchern verfebene Brett ift, duch weldes beim Brauen das Bier ger 
feihet wird. 2 ‚ 


596 


) Eine Aet tleiner, länglicher, beinaht 
elblicher oder grüner Birnen mit kurzem difem Stiele, ' 


ſſe. &o heißen bie Heinen ründlihen und krauſen 


Arten ber Perlen -» 


Die Perlemutter, Derlemuftern, £ Perlmutter ic. > 

Derlen, v. ner. mit haben. 1)Gon flüfigen Körpern, Feine Blüc⸗ 

hen, Perlen werfen. Go ſagt man ber Wein perlt, wenn beim 

Eingießen Heine Bläschen im Blafe in. bie Höhe fleigen. _ 2) Per: 

ten, db, 5, runde glänzende Eröpfhen bilden, 
Herriich perlt auf der (Roſe) ber frübe Thau. Kofegarten. (R.) 
Dann auch, in Geſtalt von Perlen, zein,.heil und glängenb herab: 
fallen, herabfließen. N; N, * 
— aus dem Himmel bed Auges er 
Perlt' in ben Blütenfchnee der Wangen bie Khräne ber Zunge 
frau. Sonnenberg. 2 

3) A Mit Perlen, ober wie mit Perlen von Zhautropfen befept fein. 
Weil rings umber vom Thaue naß 

Perlt und funkelt Eaub und Gras. 

D. Perlen. F 

Die Verlenaufter 9. --n, ſ. Perlmuſchel. F * 

O Der Perlenbach, —es, 34. —baͤche ein Bad, im welchem ſich 
Perlen oder Perleumuſcheln finden. ASie führte fo meit fir nur 
konnte bie Mutter den reinen, lichten Perlenbach ihrer Geſchichte 
und Liebe hinauf.“ J. P. Ridten 

Das Perlenband, —es, 3%. —baͤnder, ein mit Perlen beſettes 
Band, oder ein Band, worauf Perien gereibet find. S. Perlen⸗ 
ſchnur. 

Die Perlenbank, 3. —bänfe, eine Bank, d.h. eine lange Erhöhung 
im Meeresgrunde, oder eine Felſenbank, auf und an welder fid bie 
Perlmuſcheln befinden. „ ber — mit wenigen Bilden bem tiefen 
aber reinen Meere bed Jänglings auf den grünenden Boden und 
auf die Perienbänte fahr 3. P. Kidter, 

Die Perlenbitn, f. Perlbirn. 

Die Perlenblafe, 34. —n, eine Schnecke, bie Inkegemundene Bauch⸗ 
ober Habnfhnede, deren fehr bünne und burdfichtige Schale einem 
Gie ähnlich iR (Bulla fontinalis L ); aud Wafferblafe. e 

Der Verlenbohrer, —s, 4. gi. ein Drillbohrer, mit welchem bie 
Perlen, weiche angereibet werben follen, durchbehrt werben. 

A Die Perlenfeffel, 39. —n, eine Feſſet, d. $. ein Band von Prw 

len, das Perlenband, bie Perlenſchnur. 

Die Perienfellel um die Hand, Gotter, . 

Der VPerlenfang, — es, 9. —fünge. ı) Der Bang der Perlen ode, 
vielmehr der. Perlmuſcheln, ohne Mebrzabt ; deffer bie Perlen fiſche- 
rei. 2) Der Det, wo Perlmefcheln, wie aud die Zeit, zu weicher 
fie gefangen, ober beffer, gefiſcht werben. j 

Der Perlenfaͤnger, —s, DB. gl. einer der den Perlenfang treibt; 
beffer, ber Perienfifcher, * 

Die Perlenfarbe, ver Perlenſiſch, ſ. Perlfarbe ıc. 

Der Perlenfiſcher, —, S. gi. einer ber verlmufcheln um ber Pers 
ien willen Richt, d. h. aus dem Meere heraufholt; der Derientaudyer, 
weil er dazu untertauchen muß, ber Perlenſuchet, und nidt fo gut, 
der Perlenfnger. 

Die Perlenfifherei, Str. —en, das Fiſchen, d. h. das Heraufhoten 

ber Perimufcheln aus dem Meere um ber Perlen willen. 

Die Perlenflechte, My. —n, eine Art auf Baumftämmen wahfender 
Flediten (Lichen perlatus), 

Der Perlenbandel, —$, 0. 4. ber Handel mit Perlen. 
ber Derlenhändier, der Perlenhandel treibt. 

2 Perlenbell, adj. u. adr. heil, d. 6. weiß und glänzend wie Perlen, 

ober auch beif, glänzend von Verien. 

Auf einem perlenbellen Wagen 
Mird der Monarch der Wafferwelt 
Hoch auf dem Saum ber Flut getragen. Mamler. 

Die Perlenfegelfhnede, 99. —n, eine Art goldgelber weiß gekleck 
ter Kegelihneten mit drei gepunfteten weißen Gärten, woven ber 

- oberfte aus perlartigen Reihen zufammengefest ift, welde ſich im ber 
Süpfee findet (Conus ammiralis cedo mulli L.), 


’ — 


Davon 


* 


Perle 5 


Das Perlenkleid, ed; Pir— tr. ein * Parien: ee ader ge: 
‚net Kleid. * I, Mi 5 
Der Derlentopf, —es 3. ——— bei 4 5. rweßeen, Verjenige 
kalte Kamm oder Schaft am Meberftuble, „ber bie: Brrbindung ber 
Florfäiben hervorbringt er ift eigentlich cim Stat, an welchem for 
viel Faͤden oder Ligen bangen als ein Fach ber Kette, oder dic halbe 
Kette Ketteniäden hat, an welchen Fäden unten eine kleine —* 
‚ober Koralle ſchwebt, bie durchloöchert iſt. 
Der Perlenkranz, —es, Di. —kraͤnze, ein rm von vPerlen, oder 
mit werten ‚reith befegt. 
Das Perlenkraut eder Yerlkraut,,— td, By. m. 1) Das tothe Perl: 
fraut, der wilde Sleinfame oder die Steinhirfe, falſche Meerhirſe 
(Lithospermaum arvense L.). 2) Der Aderipergel (Spergula ar: 
vensis i..). 5) Der Knauel oder Knäuel. ©. d. ı). 
Die Perlenfrone, 8. —n, einen Krone vom Perlen, ober eine mit 
Merien zei befegte Krone, 
Das Verlenfupfer, —s, 24. al. Kupfer, weldes in Köener ‚gleich 
Perlen gegoffen worden ift, wie man in Schweden zu thun pflegt, 
Die Perlenkuſte, 8. —u, eine Küfte, an welcher fly Perimufgets 
im Menge ſinden. 

Das Verlenmaß, —es, Di . bei ben Jumelenbäublern, ein 
durchloͤchertes Blech, n.6 beffen Löchern. von verfhiebener Groͤße die 
Gröse der Perlen gemefjen und ihr Werth bejlimmt wird; auch bas 
Perlenſieb. 

© Die Perlenmilch, o. Di. mith, blaulich oder matt weiß wie 
Perlen. 4 
Die ſchoͤnſte Perfenmilch in gelönem Becher. — Eagelſchau. (8.) 

Die Verlenmufchel, die Perlenmutter, ſ. Perlmuſchel ıc. 

Die Perlennapdel, 3. —n. 2) Eine zaste Nadel, die Perlen damit 
anzurcihen. 2) Cine Schmuckaadel, teren Kopf aus einer Perle 
beftehet. 

Das Verlenpulver, —s, 9. gl. Yulser, von zjerfloßenen Perlen, 
DM. ftramer, 

Perlenreich —er, — ſte, adj. u. adv, rei an Perten, reich mit 
Perien befegt fe. Ein perlenreiches Kleid, Wie auch reih an Perl⸗ 
muffein. Eine perfmreihe Bank, Küfe «In Deutſchland find 
verfhirdene Fluſſe und Bäche perlenreich, als die Muibay, ber Queis, 
die Eifer. Reuer Shauplag db. Ratur „Im Böymiiden 
Fluffe Watawa werden perienreiche Muſcheln gefammelt. Ebend. 

"Die Verlenreibe, 94. —n, eine Reihe von Perlen, Perien die an: 
einander gereihet find, ‚Stieler.,, Ameigenttih, eine Reihe von 
Perlenzähnen, „Ihr Rofenmund, fammt der daraus berglänzenden 
Perlenreihe.“ Ungen. _ 

Die-Verlenrofe, 4. —n, eine Rofe, bb. wendſ eife mit Perlen 
beiest. Stieler. 

Die Verlenruhrpflange, u. —n, eine Krt der Ruhrpflanze ‚Gna- 
phalinm ınargaritaceum;; auch Perifarbe. 

Der Verlenfamen, —s, 4. u, eine Benennung der Heinften Pers: 
len, welche man bäufig. behutfam wicber in‘die-Perimufhein ſchiebt, 
damit fie größer werden; Stauhperten, Samenperlen. 


Der Perlenſchatz, —es, Mi. — ſchaͤhe, ein Schap, welcher in Pers . 


in belebt, M. Kramer. 

O Der Perlenfbaum, tt, 0... —— Aida, oder Shaum 
yon lauter Beinen Perlen gebildet. 

Seren Prrienfhaum bes Weins. Böthe. 

Die Perlonfchlade, Mr —n, eine Eteinart, bie aue kleinen glass 
artigen, ben Perien Ähnlichen Kügelhen sufammengefegr ift und 
‚eine Schiade feuerfpeienter Ferge zu fein fheint. 

Der Verlenfchmud, es, Bi. — ein aus Perlen beſtehtnder 


Schmuct. 
Die, Derienfchnur, 2. — en und. --fhnüre, eine Sanut ron pa⸗ 
len, d. — ms’ bie Eu eine Seibenfhnur ober — gereis 


per find. - 
Fa 


599 


Perlg.. 


Der Verlmfhwemm, et, — ſchwaͤmme, eine Art Blätter: 
ſchwaͤmme, der: fein geſprenkelte sötpugraue wilde dlie geaſchwamm 
(Agarieus margeritiferus). 

Die Perlenfeide, Bg. u. fehr feine Seide, welche aus Perfien über 

» Smirna-zu uns kommt. 

Dad Perlenſieb, es, a —e, f. Perienmaß. 

Der Verienjtider, 8, 9. gl.; die —inn, Dip. —en, eine Per; 
© fon weiche fh damit beſchaͤftiget mit Perfen zu ſtiden. 


Die, Derlenſtickerei, Sy. —en. 1), Dag Stiten ober bie Kunſt zu 
‚fliden- mit vicu⸗a arme, Mara, ‚u) Eine mit Perlen geititte , 
Achrje it 


er Serlenfugher, der Perlentaucher; —t, Di. al. ſ. Perlen⸗ 

her. 

A Der Perlenthau, —es, 0. 2%. Ahau ober Thauttopfen, sund, 
ſchoͤn, glängend wie Perlen. 

Die Rofen öffnen fi und-fpiegein an ber Sonne . — 
Des kühlen Morgens Perlenthau. Haller. . 
Sich wie [hen die Sonnenfirablen 5 J 

Dort den Perlenthau bemahlen. Johanne Th. Unzer. 

Das Verlensbierchen, —s, 39. gl. eine Art Flimmerthterchen (Leu: 
eophra', deren Körper mir welßlichen Härchen befept fine, end bie 
* mit bloßen Augen nicht erkennen laſſen; auch Knopfthierchen. 

Der Perlenvogel, —s, 3. —vögel, elae Art perifarhiger Schwet ⸗ 
terlinge Papitio Aglajaj; auch Perlmuttervogel. 

Die Perlenwarze, a. —n, kleine hatbrunde Auswähfe in ben 
vPerlmuſcheln, welche zwar größer als tie runden Perlen aber von 
geringerem Werthe find und zu Dalsbändern und Ohrgehängen vers 
arbeitet werden. 

Das Verlenwafler, — =. gl. Waffer, in weldem Perlen aufge: 
Löfet ſind. M, Kramer, i 

Perlenweiß, f. Derimeiß. 

A Der Verlenzahn, — s, Di. —zähne, ein Zahn, ſchoͤn weiß, 
* und glänzend wie eine Perle. Ihr reiner Perlenzahnm Bür: 
ger. „Gr hätte über ihre (n) Perlenzaͤhne (n) ihre kalte Eleihgüt- 
tigkeit veracfien.* Huber. 

Die Perleule, Hy, —n,. die geflammte Eule oder Schleiereule (Strix 
flamımea 1.) von den pertförmigen Flecken auf den Federn. 

Die Yerlfarbe, 0. 9. 1) Die weiße ober vielmehr grau: und blaͤu⸗ 
lichweiße Farbe ber Perlen, und eine biefer ähulihe Farbe. 2) + ©. 
Perleuruhrpflanze. 

Verlfarben, Verlfarbig, adj. u, adv. eine Perlfarbe habend, matt 
ober vläulich weiß, von lebhafter hellgrauer Farbe; auch perlweiß. 
Der Perlſiſch, — 08, Mi. —e, eine in Öferreih, befonderd im Atı 

terfee befindliche Art fehr ſchuaghafter Weißſiſche, weihe einen fur: 

. gen gedrücdten Kopf wie die Karpfen, große Schuppen bat und auch 
edler Meisfifh genannt wird. Den Namen bit er baron, weil 
das Männden im Mei auf dem ganzen Sribe mit weißen harten 
KAntpfhen wie mit Perten befegt iſt, welche fih aber nah ber 
Streichzeit wieder verlieren. 

Die Perlfliege, 9. —n, eine Art Heiner Flor⸗ ober Etintfliegen 
(Hemerobius perla L.); aud der feine Stinfer, Die Larven bef 
ſelben heißen Vtattlausfreiier, Blattlautloͤwen, Baumlaut loͤwen. 

Das Perlgeſchmeide, — 4, Mi. gt. ein Seſchmeide, welches aus Per: 
lea beitetet, Salsbander, Armbunber ze. von Perlenfhnüren. Stieler. 

Die Verlgerfte, o. 84. f. Prrigraupe. 

Das Yerlgras, — es, 9. m. ein gutes, auf unfruchtbaren Hügeln 
wachſeudes Auttergras (Me'ien L ); befunders eine Art davon, weis 
de auch Dafergras gensunt wird (Melica eiliate). 

Perlgrau, adj. u. adv. glaͤnzend meißgran, wie Perlen (nargarita- 
een). S. Perltfarbem 

Die Perlgraupe, 24. —n, Keine, rund wie Perlen geſtampfte Grau: 
pen; im d. D. —— 


Die Perlgraupenmuͤhle, 9. —n, eine Mühle, auf weicher die 


% 


Perlh 


Perlgraupe gemacht wirb, wilde ſich von ben Mehlmuͤhlen noch 
buch ein eigenes Raderwerk umterfheiben, welches die Sindräder 
unb tas Sitbwerk treibet. 

Die Perlhirie, 9y. u. eim Name der Steinhirſe, weil bie vier eiför- 
migen fteinharten Samenkörner ſowol ber Hirfe als auch ben Perlen 
leihen (Lithospernium offieinale L 

Das Perlhuhn, —es, Br. —hühner, eine Art aus Afrika ffammen: 
der Hühner, die ſich von unfern Hühnern durch einen unterwärts 
gebogenen Schwanz, sinen harten Höder auf dem Kopfe und durch 
runde weife Flede, glei Perlen, auf ben ſchwarzen Febern unters 
ſchelden (Numida melesgris L); auch Afrikaniſches Huhn, Pha— 
rachuhn, Guineifche Henne. Will man das Geſchlecht unterfheis 
ben, fo nennt man das Männden Perlhahn und bas Weibchen 
Perlhenne. 

Perlicht, edj. u. adv. den Perten ähntic. 

Die Perllirfche, 4 —n, eine Sorte fleifhfarsiger und getäpfelter, 
ſehr —— und 3. —— 
as Perlkraut, ſ. Perlenktaut. 

5 Perlland . in ‚, PA. u. eine Art bes Lauches mit vielen klei— 
nen perlartigen und perifarbigen Zwiebeln, bie aus ben tleinen 
im Winter abgenommenen und im März gepflanzten Rebenfhößlingen 
des Spaniſchen oder zahmen Sauhes (Porre) erzeugt wird, 

Die Perlmaus, 94. —mäufe, eine ausländifge Art Waͤuſe (Mus 
atratus), Remnid, 

Die Perlmufhel, My. —n, überhaupt jede Muſchel in welcher fih 
Perien erjeugen, befonders aber zwei Wattungen von Muſcheln in 
weihen fie am häufigften und fhönften gefunden werben. ı) Eine 
Urt der Miesmufdel, bie Perlmuttermuſchel. S. b, 2) Eine Bat: 
tung bee Klaffmuſchel (Mya margaritifera L.), die eine eirunde, 
nah vorn verengerte Schale hat; ber Hauptzahn im Schloſſe if 
tegeifärmig und an ben Grböhungen fehlen bie Außern Tagen ber 
Shake, Man findet fie in mehrern Flüffen Deutfhtande und anderer 
Finder in Europa, und von ihr kommen die Europäifchen Werten, 
die aber ben mergenlänbifhen und Amerikaniſchen an Schönheit und 
Werthe nachſtehen. Da man Prelen zuweiten in vielen andern Mu: 
ſcheln und auch in Auftern findet, fo nennt man ſolche Auftern 
Pertauftern. j 

Die Verlmutter, 9. m. eigentlich bie Mutter, Erjeugerinn ber 
Perlen, in weldem Einne bas Wort eine Benennung ber Perlmu⸗ 
ſchein fein koͤnnte. Man verſteht aber darunter bie Schalen, in 
welchen bie Perlmuttermuſchel wohnt und bie inwendig glatt unb 
glängenb aud mit verſchledentn Farben ſpielend wie Perlen find. 
Sie werben drei bis vlermahl größer ats bie gemeine Auſtermuſchel 
und man verfertigt daraus allerlei Meine Arbeiten 3. B. Roaknöpfe, 
Stodindpfe ıc. und benägt fie auch zu eingelegten Arbeiten. Anöpfe 
von Perimutter. Mit Perfmutter eingelegte Dofen, Hüften. 
„Der Befehlahaberſtab war mit einer Art von Mufhein eingelegt, 
die ber Perlmutter glei lamen.- G. j 

Der Perlmutteralabafter, —s, 4. u. ſ. Verimutterflein, 

Die Perlmutterardhe, 2. —n, einer Art feltaer Archen ober Xrs 
cheumuſcheta in bem Guropäifhen Meere, von ber Groͤße ciner Ha: 
feinuß, been Schalen inwerbig wie überfilbert find, daher fie auch 
verfilberte Arche, Silberarche, ſonſt auch noch Kernatche, das 
Pfeffernuͤßchen belät (Arca nucleus L.), 

Das Verlmutterhorn, —es, 34. — hoͤrner, f. Perlmutterſchnecke. 

Die Perlmuttermuſchel, 9. —n, eine Gattung Miedmufdetn 
{Mytilus margeritifer L.), deren Schalen Perimutter genannt, 
flach und nie wenig gemötbt, im Umfange beinab runb, vorn buch 
mehrere Hautchen raub find und am Angel ein großes breites Ohr 
baten. Wir liefert die Ihönften und koſtbarſten Perlen. 

Perlmuttern, adj. vw. adv. aus Verimutter gemacht. Perlmutterne 
Knöpfe. — am Angelbrahte des Fiſchers . 

Zappelt' cin perlemutterner Barſch, — Voß 


600 


Perſ 


deh. der von Perlmutter gemacht war, auf einem fünftichen Tafelaufſahe. 

Das Perlmutterſalz oder Perlſalz, —es, 9. u. bei ben Altern 
Scheidekuͤnſtlern, eine Kuftdfung der Perimutter ober dee Perlen in 
Eſſig, eine efigfaure Kaiterbe, 

Die Perlmutterſchnecke, 94. —n, eine Art Schnecken mit unorbent: 
lid gewundenen Haufern, einer flachen Schale bie einem Obre gleiht, 
und bie an ber einen Seite einige Eicher hat, inwendig aber wie 
Perlmutter glänzt (Nautilus pompilius); auch Perlmutterhorn, 
Perlſchnecke. 

Der Perlmutterſtein, —es, I. —e, eine Art bes Xiabaftere, wel⸗ 
ber ber Perimutter gleiht unb melden man unter andern bei 
Steyerthal in Thuͤringen findet; der Prrfmutteralabafter. 

Der Perimuttervogel, ſ. Perlenvogel. 

Perlmutterweiß, adj. u. adr. weiß glänzend und bient ſchillernd wie 
Perimutter, oder wie Perlen; perlmweiß. 

Die Perlpflanze, 9. —n, eine Pflanze auf Surinam (Margari- 
taria). Remnid. : 

Der Verlreiber, —s, MM. gl. der Braſiliſche Reiher, ein fehe wilder 
Vogel, ber ſich von Fiſchen näbret (Arden hrasiliensis). 

Das Perlſalz, —es, 9%. u. in der Scheldelunſt. ı) &, Perlmut⸗ 
tetſatz. 2) Hornfalz vom zweiten Anfhuffe (Sal mirabile perlatum). 

Der Verlfand, —es, 0. 2. mit Heinen runden glatten Duarskdc- 
nern gemifihter Band (Arena mırgaritaria). 

Die Verlfäure, 0. 9. In der Scheibelunft, eine Saͤure, welche 
Prouft als eine eigenthuͤmliche Säure aus dem Perlfarze bargeftellt 
haben wollte, was fie aber nah Klaproth's Unterfahungen 
nicht if. 

Die Verlichlade, f. Perlenſchlacke. 

Die Verlfhnede, 9. — n. 1) &. Perlmuſchel. #6) @. Perlmutter⸗ 
ſchnecke. 

Die Perlſchnur, f. Perlenſchnur. 

Perlſchnurfoͤrmig, adj. u. adv. bie Form- einer’ Perlſchaur habend, 
einer Perlſchnur aͤhnlich. In der Raturbeickeribung beift eim geglie; 
derter Körper perifchmurförmig (meniliformis), deſſen  Btieder. 
ziemlich gleiche Rügelden find. : 

Die Derlfchrift, 8. —en, bie Keinfte feinfte Druckſchrift. 

Der Verljftein, es, 34. —t, ein Zrapp mit Kalffpatblörnern, 

Die Peritraube, By. —n, eine Sorte Weintrauben. Nemnid. 

Der Perlzwirn, — es, 39. u, eine Sorte Zulrn, welcher feiner ift 
ald der gemeine Rahzwirn. 

+ Die Vernife, 9. —n, in der Schweiz, ein Name bes Rothhuhnes. 

Die Perrucke, 1. Perude. 

+ Der Perſch, —et, Mn. —e, ber Bits, 

Der Perfer, —s, 4. gl; bie —inn, 9. —en, eine in Verfien 
einbeimifge, aus Perfien gebürtige Perſon; nicht Perfianer. Dann 
auch, ein aus Perfien berfiommendes Ding. Bo heißt in ber Nas 
turbefhreidung eine Art Vögel mit weißen und ſchwarzen Rebern 
uno einem langen Schwanze, welcher in Perfien häufig angetroffen 
und von Klein zu ben Königsflſchern gerechnet wird, ber Perfer 
(Perfianer, Ispida ex albo et nigro varia Kl.), Doch führen ben 
Namen Perfer au noch andere Tbiere, bei welchen biefer Umftanb 
nicht Statt findet. Cine Art Porzelanwalzen nämlih, vom Morger 
birge der guten Hoffnung (Voluta persicula L.) und eine Art 
Klippfifhe (Chaetadon nigricans L.) werden auch Perfer (Perfias 
ner) genannt, 

Derfien, —$, ber Rame eines Bandes und Staates im fühlihen Aften. 
Davon Perſiſch, adj. u. adv. zu Perfien nehörend, daſelbſt einheiz 
miſch, baber kommend x. Der Perüfche Meerbufen, Der Perfiſche 
Kaifer. Die Perſiſche Sprache. Perſiſch forschen. Perfifche Erbe, 
bag Engtiſche Braunroth,. Die Perfifhe Ordnung, in der Barı 
kunſt, eine ſolche Orbnung, mo anſtatt der Säulen Bilder von 
Steven zum Tragen gebraucht werben, Perſiſch blau, bei ben 
Fürbern, ein dunkles Blau. Perſiſch roth, korallenroth, 


Perfi 


+ Der Perfig eder Perſich, — es, Da. —e, die Pfirſich, Pride, 
Davon ber Perſigbaum, ber Pfirſichbaum. 

+ Der Derfing, —es, 94. —e, ber Varſch oder Börse. ©, b. 

+ Die Perske, Verſchke, Poͤrſchke, 39. —n, ein Rame des Boͤr⸗ 

i fes, befonders in Meißen. 

Die Perjon, Di. —en; Bw, das Perſoͤnchen, DO. D. —lein. ı) Ein 
menfhlihes Ginzelwelen, ein Menfh ohne Rückſicht auf das Eer 
ſchlecht, als ein für fich beftehendes, vernänftiges Weſen betrachtet, 
wo es oft in Gegenfag einer Sache gebrauht wird. Die Famifie 
beftcher aus fünf Perſonen. Für jede Perfon wirb ein Gulden be— 
sahlt. Eine Perfon männtiches, weibiihes Geſchlechts, eine Manns 
perfon, Srauensperfon. ine junge, alte Perfon, Gine große, 
ſchoͤne, ſchlanke Perfon. Gin kleines, ein eitice Perfönden. Im 
eigner Perfon, ſeibſt. Ich, für meine Perfon, was mid beteifft. 
Meine geringe Perfon, meine Wenigfeit, d. h. Id, wenn man mit 
Beſcheidenheit von fih ſelbſt ſpricht. Sich in der Perfon irren. 
Stumme Perfouen, in ber Bühnenfprade, welche nur mit auftrer 
ten als Nebenperfonen, und an ber Handlung keinen thärigen Ans 
theil nehmen‘, baber au gar nicht fprehend aufgeführt werben. 
Beſonders, rin Menfh von gewiſſem Anfehen, Range in ber bürgers 
lichen Gefelihaft, ober ein Menfh, von welchem man mit Achtung 
frriht, wofuͤr man im gemeinen Beben nur Menſch, Keute ıc. ges 
braucht. Mit angefchenen, hoben, fürfttichen Perfonen umgehen. 
@ine Stanbesperfon. Fine Rathöperfon, Gerichtsperſon, Orten‘ 
perfon ꝛꝛc. Mit dem Nebenbegriffe der Rüdficht auf die äufern Ber: 
Fättniffe, auf Anfehen, Rang, Würde einer Perfon, gebraucht man 
Derfon auch allein. Die Perfon anfehen, bei feiner Beurtheitung 
und Behandlung Anbrer, befonders beim Fällen eines gerihtlihen 
Urtbeils auf die Berbättniffe dieſer Perfon im bürgerlichen und gefells 
ſchaftlichen Erben ze, fehen, und ſich dadurch beſtimmen laffen. „Keine 
Perfon follt ihr im Gericht anſehen — und vor niemants Perfon 
end; ſcheuen.“ 5 Mof. ı, ı7. Düne Anfeben ber Perfon ſteafen, 
ohne fih dur den Stand, das Anſehen berjenigen, bie deſtraft were 
ben follen, bei Verhaͤngung der Etrafe beftimnen au laſſen. Auch 
wol umgekehrt von weiblihen Perſonen mit einem gemwiffen Grabe 
ber Beringfhägung. Bas will bie Perfon? So bejeihnet uud das 
Verkleiaungswmort Perſoͤnchen, eine unbedeutende, ummihtige Pers 
fon, weil Beine, judge Derfonen, Kinder noch feine Bedeutung, 
kein Anfchen im bärgerilhen eben haben. „Er muß nicht fhreiben, 
mas fie Perſoͤnchen allein, ganz allein angeht." Bäfd. In weis 
terer Bebestung, ein für fih beſtehendes, vernünftiges Weſen über: 
haupt. Die Thiere treten in bee Fabel als Perfonen auf. Die 
Zugenben, bie Lafer, die Maturfräfte 2c. als. Perfonen aufführen, 
oder in Perfonen einleiten. In der Sprachkunſt nennt man Pers 
fonen bie Bormen eines Ausſagewortes in feiner Ummanblung, ba 
ed die Handlung oder ben Zuſtand verſchiedner Mefen bezeichnet: bie 
erite Prrfon, wenn bie in einer Handlung begriffene oder in einem 
Buftante befindliche Perſon ſelbſt ſpricht, ober ein barin begriffenes 
ober befinslihes Ding als redend eingeführt oder gedacht wirb, fos 
wol eine folche einzelne Perſon oder ein foldes einzelnes Ding, ober 
auch mehrere foldhe Perfonen und Dinge, die zweite Perfon, wenn 
zu einer in einer Handlung beariffenen ober in einem Buftande ber 
findlichen Derfon ober einem ſolchen Wefen, Dinge geſprochen wird, 
fowot zu einer ober einem einzelnen, als aud zu mehren; bie 
dritte Perfon, wenn von einer in einer Handlung begriffenen ober 
in einem Zuftanbe befindlihen Werfon, ober einem ſolchen Mefen, 
Dinge gefproden wird, ebenfalls ſowol von riner ober einem eins 
#elnen, als auh von mebrern. In ber Deutfhen Eprade wird 
außer der Ummandlung am Enbe bes Xusfagewortes bie erſte Per 
fon durch ich und in ber Mehrzahl buch wir, die zweile Perfon 
duch du, in der Mehrzahl ihre, bie dritte Perſon durch er, fie, es, 
in ber Mehrzahl fie beseichnet. Ich ſchreibe, if die erfle Perfon in 
ber gegenwärtigen Zeit des Xusfagewortes ſchreiben. Gin Ausfages 


Gampe's Mörterb. 5. 2% 





601 


Derfo 


wort in bie erſte Perfom fepen, im diejenige Form, bie die Perſen 
als von ſich ferbit, in einer Bantlung begriffen ober in einem Zu— 
ſtande beſiadlich, redend bezeihnet. In der dritten Perfon von 
fi forehen, von fih ats von einer andern fremden Perfon Sprechen, 
wie die Kinder häufig zu thun pflegen, wenn 3. B. Karl fagt, an- 
flott ich möchte das haben, Kari möchte das haben. Im ber älteren 
Gottesgelehrtheit, wo man bie Gottheit aus drei Perfonen, bie 
Eins autmahen, beflehen laͤßt, bezeichnet Pirfon etwas in Gott 
für fih Beſtehendes und Bernünftiges, Die erfte Perſon, der Ba: 
ter, bie zweite Perfon, ber Sohn, Kriftus, die dritte Perfon, ber 
heilige Zeit. a) Die korperliche Gehalt und Größe, wie auch ber 
Muhs, bie Bildung eines Menfhen. Groß, ſchlank, Bein, bid, 
fhbn, had, unanfchnli von Werfen. „Jahäus war ein non 
Perſon.“ Luc. 19, 3. Jemand von Perfon kennen, der äußern 
Geſtatt, Bildung nah, ba man ihn bloß gefehen, fonft aber nicht 
kennen gelernt bat; zum Unterfhiebe von, bem Ramen nad) Finnen, 
dba man bloß ben Namen weil und Beine Borftellung der Perfon 
ſelbſt damit verbinden Fann, „Ben Perfon bat fie mir gefallen,« 
in Anfehung ihres Äupern, ihrer Geſtalt. Gellert. Auweilen aud, 
bie Geſtalt, ‘Höhe einer Perfon gleichſam, in bürgerlichen Serhslt⸗ 
nifen, ihr Stand, ihr Hang, ihre Würde und Stelle in ber bür⸗ 
gerTihen Geſellſchaft. Seine Perfon gut vorſtellen oder fpielen, bas 
mas man ift ober fheinen will in den BVerhältniffen bed bürgerlichen 
und gefellfhaftlihen Lebens. Diefelbe nur etwas weitere Bedeutung 
hat es in ber Bühnenfprade, mo nit bloß die Auferlicden bürgers 
lichen Verhäitniffe einer Perſon, fondbern and Alles Lörperlih und 
geiſtig Eigenthümfide einer Perfon, alfo bie Perfon felöft, fofern 
es auf bie Bühne gebracht wird, barunter verflanden werben. Seine 
Perſon gut fpielen, vorftellen, diejenige im Etäde hanbeinde Per: 
fon die man mit feiner Perſon vorftellt,, barftellt. Gin Schaufpiel, 

* An weihem zwölf Perfonen ſplelen. Gin mit Perfonen uͤberladenes 
Schauſpitl. So fagt man auch uneigentlih, ein Menſch fpieit aber 
malt bei etwas eine Tächerlihe Perfon, er maht, benimmt ih bas 
bei lacherlich; wofür man auch fagt er made eine laͤcherliche Figur. 

Die Prrfonendihtung, My. —en, ein Redebild, nah weihem leb⸗ 
loſe Dinge als lebende vernänftige Wefen, als Berfonen aufgeführt 
werden, ober nad welchem man lebloſen Dingen ſolche Eigenſchaften 
beitegt, die nur vernünftigen Wefen zukemmen (Presopopoeia). 
Eeb. Seiten font: Wenn ih das thäte, fo wärde ih mir afs ein 
Seiter bie Halfter felber machen, dem Eſel meines Unvermögens in 
be,; Stoll ber Beſchimpfung zu ziehen. Welche Perfonendichtung!« 
Denis. Stieler hat bafır Perfonbildung. ä 

& Der Perfonenfall, —es, 94. —file, in der Sprachkunſt nad 
Glubius Borfhlage, ber dritte Ball (Daiivus), 

Das Perſonenfuͤrwort, f. Perfonenwort. g 

Dad Perfonenregifter, —s, 99. gl. ein Regiſter 5. B. bei einem 
Bude, welches bie darin vorkommenden oder genannten Perfonen 
aufsählt und nachweiſet. 

O Die Perſonenruͤckſicht, 9. u. die Raͤcſichtnehmung auf die Per: 
fon und nicht auf bie Befchaffenbeit ber Sache und ber Imflänbe, 
befonders bei ber Füllung eines Urtheils, unb die daraus erfolgende 
Parteiiihleit (Anthropolepsie). 

O Der Perſonenſinn, —es, o. My. nah Galis Eehre, rim eigner 
Cinn, ober eine eigene Anlage, Perfonen bie man einmahl gefehen 
bat, nad langer Zeit fogleid; wieberjuerkennen, beren @ig er hine 
ter bem obern Kugenhöhlensande zu finden geglaubt hat. 

O Die Perſonenverwechſelung, 2. —en, bie Verwechſelung der 
Perfonen, ba man irrig eine Perſon für bie andere nimmt (Qui 
pro quo). 6. ; 

Das Derfonenwort, —es, Mj. — wörter, (R.) in ber Epradkunft, 
ein pesfönlihes Fürwort (Pronomen persomale); bad Perfonene 
fuͤrwort; dergleichen find: ich, du, er, fie, es, wir, ihr, fie. 

Die Perfonenzahl, @y. u. bie Zahl, Anzahl der Perfonen, befonders 


Perſo 


fofern fie zuſammengehdren, fofern fie zufammen ein Sanzes and: 
machen (bas Personale). 

Perſoͤnlich (Perſonlich), adj. m. adv. die Perſon betreffend, fih auf 
bie Perfon besichend, im dee Perfon gegründet. Perſoͤnliche Eigene 
ſchaſten, perfönliche Beleidigungen, die eines Menfihen Perſon be— 
trefſen. Einen perfönlichen Haß auf jemand werfen, deſffen perfon 
daſſen. Perfönlicy erfheinen, kommen, in eigner Perfon. Iemanb 
perfönlich eintaten, ſelbſt, in eigner Perfen, nicht durch einen ans 
dern. Ginen perfönlich kennen, ihn von Perfon kennen. Im enger 
zer Bebrutung wich perſonlich hier und ba gebraucht für, einer ex: 
wachſenen Perſon ähnlich. Er wird recht perſoͤntich. Er ficht ganz 
perföntih aus, bei Heynat Perföntiche Fürwörter, in der 
Sprachkunſt, ſolche, weide bie Stelle einer beftimmten Perſon ver: 
tretea, Perfonenwörter ober. Perfonenfürwörter. Perjontiche Zeit: 
wörter, Solche, welche biefe Sürwörter, id, du, er, (fie), wir, ihr, fie 
zu ſich nehmen; zum Unterfchiede von den unperfönlichen, welche 
unbeſtimmte Fuͤrwoͤrter, als es, man zu ſich nejmen und nur in ber 
dritten Perſon gebraugt werben, baber man fie beffer drittperſon⸗ 
liche nennt. ‘ 

© Perfönfichen, v. trs. zu einer Perſon machen, ald eine Perfon 
einführen, sufführen (personifitiren), H eymaß; amd berperfons 
lichen. Die Zugenden und Lafer rerſoͤnlichen, fie als Perfonen 
darſtellen, auffähren. D. Perfönlichen D. — ung. 

Die Perſoͤnlichkeit, Mg. —en. 1) Die Eigenfhaft eines Weſens, da 
es tin für ſich beſtebendes unb vernünftiges Weſen iſt. Der Begeis 
fierte vergißt gewiſſer Maßen feine Perfonlichkeit, ih ſelbſt. „Mohr 
dem — ber ber Notkinendigkeit überhoben if, feine Perfönlichkeit 
der Minführ des Zufalles hinzugeben." Ben zel⸗Sternau. Dann, 
doch nur im einigen Fällen, © das Weſentlicht unb Unterſcheidende, 
welches eine Perfon zu ber Perſon macht, welche und wie ſie iſt 
(Character). 
fm Bemäbtde nur ſchwach hervor.“ E. AIſt nur der Grund ihrer 
Fıttiihen Perfönlichkeit unverkennbar gut.“ Derf. 2) Etwas bie 
Perſon ferbft, ihrem Auzern, ihrer Lage und ihren Umflinben oder 
Innern nad, Betreffendes, ihr Eigenes (Personelie, Personali- 
rät), Solche Perföntichkeiten anzufähren iſt unfein und gehört 
aicht zur Sache. 

© Die Perfönlickeitszeichnung, 24. —en, bie Zeichnung ober 
Schilderung ber Per foͤnlichkeit eines Menſchen (Characteristik ). 
„(fs febtt dieſer Perfontichkeitszeichnung niht am einzeinen treffen: 
ben Zügen; allein das Ganze bat feine Haltung. G, 

Die Perucke, Wz. —n; Bir. das Peruͤckhen, eine von falfhen Haar 
zen verfertigte Webedung bed Kopfes, die entweber den Mangel 
eiguer Haare verbergen folf und zu bem Ende fo eingerichtet if, 
das man fie für eignes Haar alten Tann, oder bie aus Beguem- 
lichkeit oder zum Staate getragen wird, wo fie mit Locken ıc. ver 
eben iſt und hinten entweder auch Locken ober einen Sopf bat; in 
niedriger Sprechart Parade, im MD, Kafel, ehemahls Haarhaube, 
wofür man auch Haatmuͤtze vorgeſchlagen bat. Die Stutzperucke, 
Beutelperucke, Knotenperucke, Zopfe oder Schwanjzperucke x, 
meigenttich, ein Mann mit einer Perucke, als eine veruͤchtliche oder 
hoc) ſcherzhafte Binennung. 

— Und von Wien die alte Perucke, 
Die man feit gefteen berumageh'n fichtf Schiller. 

+ Der Peruckenbaum, —s, 9%. — baͤume, bei Einigen, ein Mar 
ne des Faͤrberbaumes. 

Das Peruckenfutter, —s, My. of. bei den Veruckenmachern, das 
Bitter einer Perude, weiches aus zuſamme noenaͤheten Baͤndern ber 
Keheet, auf welche die Haate, welte eigentlich bie Peruke auſma⸗ 
chen, befeſtiget werben. das Preudinneg, wenn es netzfoͤranig iſt, 
nah Ab. ach bie Perudenhude 

Die Peruckenbaube, 8. n,f. Veruckenfutter. 

Der Peruckenlopf, —es, 4. — kopfe, cin Hötzrener Kopf alf einen 


"602 


Der Perudenmader, —6, 


Das Perudenneh, 


»Zeine eigentliche Perſoͤnlichkeit ſhhimmert aus Dies. 


Die Peſtbeule, 9. 


Peſth 


kurzen Fuße, bie Perucke, wenn man fie abnimmt, darauf zu ſtutzen. 
Hat derſelde einen langen daunen sus, fo beißt er ein Merndens 
of, worunter mau aber auch ein blohes Geier mit einen Kuße, 
welches oft mit Armen derſehen iſt, die Perucken darauf zu hängen, 
verficht, Uneigentli nennt man einen Dummkopf, Leerkopf einen 
Perudenkopf, uab einen dummen fieifen Meaſchen einen Per 
ruckenſtock. 





MR. gl ein Handwerker, welcher Pe⸗ 
xucken verfertiget und fie von Seit zu Zeit wicher tn Ordnung bringt; 
feine Frau, bie Perudenmacerinn, 

—es, ef. Derudenfutter. 

Die Petudenſchachtel, MH. —n, eine Schachtet, eine Perude darin 
zu bewahren umb auf Reiſen bei fih zu fühpen. 

Der Perudenfiod, —es, ©. —föde, f. Peruckenkopf. . 

Die Perudentaube, 4. —n, bie Bauben: oder Schleiertaube. 

Die Kerurinde, 4. —n, bie Siebersinde, weit fle aus Peru, ihrem 
Vatertaude, zu uns tömmt. 

+ Peſchen, v. tes, im Nafſauſchen, 
Thieren. Fulda. D. Peſchen. 

+ Die Peſeke, Ry. —n, bie Plirſche. 

+ Der Pefel, —s, 9. gl. das männliche @lich; beſonders, ber 
Ochſenziemer, der Peißel, im Brandenburgfäen Päferig, Peſerich 
(Sofländ, Peeierik). 

r Die Defel, 9. —An, im. D. 
Dithmarſiſchen, das größte und befte Gemach im Haufe ohne Ofen; 
die Piſel iſt eine Fieine Stube mit einem Dfen. ; 

+ Die Vejeldeere, 34. —n, die Preifelbeere, 

Die Peft, By. —en, bie Benennung einer doͤchſt gefährlichen und am 
ſtecenden Krankheit, welche im kurzer Zeit Menfhen und Bieh zu 
hunderten und taufenden binwegeafft; bie Peftilenz, welches chm 
mable häufiger bafür gebraucht wurde, Bmmt jedt feltener vor, 

Ja allen Stähten waren Peſtilenzen. Baggefen. 
Auch, das Sterben, im O. D. Sterdat, Sterbote, der Sterbend, in der 
Schweiz der Praͤſten, anderiwärts der Schelm oder Ehölm, Keib. 
und tief in den Peſten 
Schritten die Sobesengel, und ſchlugen tiefer die Bölker, 
Eonnenberg, 

Die Peſt Herrfht, wätet in einem Bante. Die Peſt befommen, 

haben, Won ber Peft heiten. Am ber Peſt flerben. Die Dei 

unter Menfhen und Virh. Kür, Pe unter dem Vieh, fagt man 
gewoͤhnlicher Wichfenche, Vichiterben, und gebraucht Peſt vorzugs · 
weiſe von dieſer Krankheit, wenn fie Menfchen berät, Ehemahls 
nannte man jedes böburtige Bautfieber bie Peſt, und in ber gemtir 
nen ober niebrigen Sprechart gebraucht man ben Auebruf, daß dich 
die Peſt! naͤmlich befalle, auch dem Aueruf: Peſt! ats einen Rind, 
eine Verwuͤnſchung. Uneigenttih nennt man eine boͤchſt fhädtiche 
derderbliche Sache eine Peſt. Diefe Menſchen find eine Peft des 
Sandes, Die Woluk if die Peſt ver Erete. 

Peſtaͤhnlich, adj. w.adr. der Peſt, einer Peſt aͤhnlich. 

Veſtartig, adj u, adv. die Are ber Peſt habend, der Pet ähnlich; 
peilbaft, Cine peſtartige Krankheit. Veſtattige Beuten, ſolche, 
bie denen ahalich find, welche Menſchen und Bieh in der Peſt be: 
Fommen. Davon bie Peſtartigkeit. 

Der Peſtarzt, —ıs, Bi. — aͤrzte, ein Arzt, welcher dazu angefellt 
iſt, zur Zeit einer Peſt die Pefikranken au beforgen und zu heilen 
(Peftmedieus], B 


anlocken, an fih gewöhnen , von 
D. —ung. 


eine Stube unten im Haufe; im 


— — — 


a VPeſtaushauchend, adj. u. adr. verpeſtete ſuft auchauchend, Peſt 


und uneizentiich, Verderben derbreitt ad. 


Indeß Hin bicker 

Qualm graugerb enpoiaualme. Voß. 

it, SEedlen, welche Wenſchen und Thiere in 

"ber Peſt bekommen; Peſtorbiſen, wenn fie Bein find. Die Pils 
beule bee A 'geniieder, eine Beute um Autentlede, bie nad einem . 


Veffaushauchender 


Peſth 


Gerſtenkorne entſteht, wenn ber Kranke ſich in ungefunder anſtecken⸗ 
der Leſt aufzuhalten gemötbiget iſt, und bie bei ſcharſen Saͤften 
oft fehr geſchwind in Brand übergeht (Carbunculus palpebrarum, 
Antrakion, Antrakosis). Berr. J 

Die Peſtblaſe, Br. —n, Slaſen, welche in der Peſt am Körper ber 
Menfgen und Thiere entfichen. 

Die Veftblatter, 94. —n. 1) Blattern, welde in ber Peſt am 
Körper ber Menfhen und Thiere entſtehen. 2) Eine große bieis 
farbige Blatter, welde das Rindvich bei großer Hige und Dürre 
zuweilen an ber Bunge oder am Ende bes Maftdarmes befömmt, 

. melde zwar nicht anſteckend, aber doch toͤdtlich ift. 

© Der Pefidampf, —es, 39. —bämpfe, rin pefthafter, verpefte: 
ter, verderbiiher Dampf; ber Peſtdunft. „Unten brüdte der Eir 
genuug tief im Abzrunde, Peſtdampf ftirg von bem Brülenben in 
bie Höher cc Benzel⸗Sternau. 

Der Peſidunſt, —es, 2. —dünfte, f. Peſtdampf. 

+ Die Peftel, 4. —n, in der kandwirthſchaft, die mit Loͤchern vers 
fehenen Pfaͤhle zu Zäunen, im welche Löcher bie Latten cher Stans 
gen geſteckt werben, 

Der Peſteſſig, — ed, My —r, ein mit Raute, Wermuth, Mürse, 
Salben und Lavendel zubereiteter Eſſig, während ber Zeit ber Peft 
baran zu rlehen ober den Mund damit auszufpflen, um ron ber 
Peſt nicht ange ſteckt su werden; ber Gifteſſig. 
DVierräubereffig (Vinaigre de quatre voleurs), weil vier Räuber 
zur Zeit einer Peft ihn erfunden haben follen. . 

Der Peitgeiftlihe, —n, Br.—n , f. Peſtptediger. 

Der Peſtgeruch, —es, 79. u. ein haͤßlicher Geruch, welchen Pefte 
tranfe verbreiten, 

Deſthaft, —er, —ıfle, adj... adv, der Pet ähnlich, wie aud, von 
ber Peft befallen. ine pefihafte Krankheit. Ein peſthafter Ge— 
xuch, wie ihn Peſtkranke, bie Beulen und Eiter haben, verbreiten. 
Eine pefihafte Gegend, in mwelder bie Peſt herrſcht. Davon bie 
Peſthaftigkeit. 

O Der Peſthauch, —es, 0: 34. ein verpeſteter Sauch, wie auch, 
ein Peſtgeruch. „Die Lebenden hauchen ſich ſchon Gift genug zu — 
wozu erſt noch ber Peſthauch der Todten?“ Benjel-Gternau, 

Der Peſthof, — s, By. — hoͤfe, ein Hof, d. h. mit einem Hofe 
umgebenes Gebäude für Peſtkranke und für Kranke üͤberhaupt. 

+ Die Peſtilenz, By. — en, die Peſt. 


Peflilenzifch, adj. u, adv. der Peſt ähnlich, gleich ber Peſt anfledend, Pr 


perberblih (pestilentinlisch); beſſer pefthaft und peflartig. 
Eine gefürdtete Zeit, mit peſtilenziſchem Fittig 
Wallet auf Nebeln bie Seuche baber. Baharid. 


+ Das Veftilenzkraut, — es, 9. u. ein Name ber Geißraute (Ga- 


lega L.), meiche ein kräftiges Mittel gegen bie Peſt fein fon; bie 
Peſtilenzwurz. 

Der Peſtilenzwogel, —6, My. —vögel, eine Art Selbenſchwaͤnze mit 
mweißiih gefäumten Federn, welche, ber Gage nah, bänfig in ‘bie 
Gärten kommen fol, wenn eine Peft bevorftehet; der Peſtvogel, 
Todtenvogel, Neffeifint (Ampelis garrulus). S. Seidenſchwanz. 

Die Pefiilenzwurj, 9. u. ein Name 1) der Geißraute. S. Peflis 
lenzkraut. =) Einer Art bes Huflattiges am Ufer ber Quellen und 
Fluſſe, mit einem eifdrmigen Blumenſtrauße (Tussilago petasi- 
tes L.); aud Peſtwurzel, Breunwurz, Dotenbtätter, Neunfraft, 
Rofpappel, Schweißſwurzel. Weiden Pflanzen werben Heilkräfte 
wiber bie Peſt zugefhrieben, 5) Des Möbrenfrautes (Laserpitium 
prutenicum L.). 

+ Peſtiſch, adj. w adr. ber Peſt ähnlich, gleich der. Peſt anſteckend, 
verderblich. 

Der Peſtkirchhof, —es, 34. — hoͤfe, ein eigener Kirchhof oder ein 
Theil eines gewoͤhnlichen Kirchhofes, wohin die an ber Peſt Geſtor⸗ 
benen begraben werben, ö 

x Pefitranf, adj. u, adv. (M.) an ber Peft krank, von der Peſt bes 


603 


Eonft aub ber - 


Det 


fallen. Davon der Peſtkranke, der peſtkrank ift, mit ber Peſ— 
Tranfheit behaftet ift. 

Die Peſtkrankheit, 0.94. die Yeft. 

O Peſtlich, adj u. ade. der Peft ähnlich, wie bie Peft, 3. B. fo om: 
fletend, fo verheerend, „Mit peſtlichem Fittig wallet auf Rebein 
bie Seuche baher.e Wolle. Cs ſtinkt peſtlich, abſchesilch (pe- 
stilentialisch). ” ir , 

Dad Veftlied, —es, My. —er, in alten Gefangbähern, sin Lieb 
in einer Peft zu fingen. Stieler. 

Die VPeflluft, m. u. verpeftete Luft, mit anfledenden faulen Dün: 
fien erfülte Luft, Stieler. ' 

Das Peflmittel, —s, 4. al, ein Mittel wider die Pf, 

+ Der Peitnagel, —s, 9. — nagel, die Misere. . 

Das Peſtoͤl, —es, 9. u. Öt, mit welgen man ſich In einer Peft 
beſtreicht, um nicht angeſteckt zu werben. M. Kramer. 

Die Peftorbnung, 94. —en, eine obrigkeitlihe Werorbnung, welche 
das Verhalten in ber Peſtzeit vorfhreibt. 

Der Pefiprediger, —s, DM. gl. ein Prebiger, deſſen Amtöpfliät es 
sur Beit einer VPeſt mit fih bringt, bie Peſtkranken zu beſuchen ı6.; 
bei Feiſch der Peftgeifliche (Pestilentiarius). 

O Der Peſtqualm, —ed, 9y. u. ein verpefteter, flinkenber, wiber: 
liher Qualm. 

Wenn durch ben Peſtqualm niebrer Lelbenſchaft 
Dein Strahlenkranz nach uns herniederblict. Coltin. 

O Die Pefivergiftung, 94. —en, die Bergiftung, Anftetung durch 
bie Peſt. — fo wie man fonft allgemeine Peflvergiftungen zu 
sufäligen Brunnenpergiftungen ber Juden mahen mwolte.- 3. P. 
Ridter. . i 

Der Pefivogel, —s, 2. —oögel, f. Peſtilenzvogel. 

O Die Peftwolfe, 4. —n, eine Baike gieihfam von Peftdnften. 
»— aus beffen Prüfling er die belle Sonne weggeriffen und ge: 
worfen, unb bem er eine ewige Peſtwolke Aber das Leben gehangen« 
(gehängt). 3. P. Richter. ' 

Die Veſtwurzel, 8. —n. 1) Eine mit der Kreuzpflanze und dem 


Duflattige nahe verwandte Gattung von Pflanzen, beren meift aus⸗ 


laͤndiſche Arten Meine Sträude bilden (Cacalia L,). 2) &, Peflis 
lenzwurz =), 

Die Peftzeit, 9%. —en, die Zeit, zu melder bie Peft in einem Sande 
ober Orte herrſcht. 

ter, —s, —n; Bw. Peterchen, Peterlein, ein Mannätauframe 

Lateiniyh Petrus, Der heilige Petrus, im gemeinen Leben, ber 
heilige Peter. Petri Kettenfeier und Stuhlfeier find bie Ramen 
zroeier Felertage in ber Römifhen Kirche. Im gemeinen Leben 
vieler Gegenten gebraucht man Peter wie ben Ramen Bons ic. mit 
verſchiedenen Beifögen, einen einfältigen ıc. Menfchen zu bezeichnen. 
Ein dummer Peter. Bei den Seeleuten führt der gemeine Sturme 
Dogel ober ungewittervogel ben Ramen St. Peter, ober Peters: 
vogel, Petreit, 

Der Veterbaten, —s, 94. gt. f. Petermann. 

Das Veterlein, —s, MM. ı. 1) Die Peterfilie, S. d. 2) Der 
Macebonifhe Steineppic, ober Macedonifhe Peterfilie (Bubon ma- 
oedonicum L.). 5) Die Gleiße oder ber Gartenfhicrling, 

+ Das Petermailandöfraut, ſ. Petersktaut. 

Der Petermann, —ıs, By. — männer; Vw. das Petermännden. 
») X Ein Kind, welches ben Taufnamen Peter bat. Ehemahls 
war Petermann das Bmw, von Veter, für Peterchen, wie Diegmann 
von Dietrih. =) Der Petersfilh. 5) Eine Münze mit dem Bilbe 
bes h. Peters, Ein Petermann ober großes Petermänuchen, auch 
Peterbagen gif im Trierſchen 5 Kreuzer oder 5 gewoͤhnliche Peter: 
männden; unb ein Reichöthater hätt daſelbſt 18 große Petermaͤnn⸗ 
den ober 54-gemöhntiihe Petermännden. In Nachen haͤlt ein 
Petermännchen 4% Pfennig. 4) Im gemeinen Leben, eine Art 
gemeinen mwollenen Zeuges. 5) In der Raturbefhreibung heißt 





Pete 


das Petermaͤunchen (1) ein Seciſch. &, Stacheldracht. (2) Eine 
Art bes Rothdartes oder der Meerbatbe. S. Schmeerbutte. 

Metern, v. ntr. mit haben. 2) KK Dem heiligen Peter aͤdnlich fein, 
nachfolgen. So heißt es bei Krifch aus einem alten Gedihte von 
einem Papfle: Den mar jezund Pabſt ficht, 

Mais Gott ber petert wicht, 

Dan ob er petern wollte ıc, 
») F In Hamburg, glänzen, Davon verpetern, ben Slam, bir 
Sehhaftigkeit verlieren, von Karten, verfhiefen. Fulda. BD. 
Metern. 

+ Der Peterſack, Beterfad oder Bieterſack, —es, 2. —fide, in 
der Schweiz, eine Taſche ber Weiber, weiche fie unter ber Ehürje 
ober unter bem Rode tragen; aud nur Bietet. Stalder. 

+ Der Veteröbart, —es, ER. u. im Aillerthale, eine Art bed Bene: 
dilttrautes, das Bergbenediktkraut (Geum montatum L,); aud 
Vergnägeleintraut, Bergnelkenwurz, Karniffeltvurz. 

Die Veteröblume, 2. —n, ber Wachtelweizen (Melampyrum ar- 
ver:e L.). 

Der Veterfchierling, —es, 3%. u. f. Peterfitie. 

Der Veteräfifch, —es, er — e, eiae Act Seeſlſche, der Meer 
ſchmied (Zeus faber L.); in einigen @egenten Petermann. S. 
Meerſchmieb. 

*2* Der Veteröfriebe, —ns, o. 2. der Welchfriebe. Friſch. 

Das Petersgericht, — es, ig. —e, ein Gericht, welches in ber 
Grafſchaft Henneberg —* um Petri Stuhlfeier gehalten wirb, 
ober wurde, 

Die Petersgerſte, o. 8. bie Bartgerfte, 

F Das Petershuhn, —es, 99. —bühner, ein am Peterstage als 
Abgabe au Lefernbes Huhn. Dberlin. 

Die Veterfilie, (fünfätbig, im gemeinen Echen auch vierfithig Peter: 
fie) Me. u. ober bad Peterlein, —6, By. u. 1) @in Dolden⸗ 
gewachs, befien Blätter und Wurzeln im unfern Küchen gebraudt 
werben (Apium L.); befonders, die gemeine Peterfilie oder ſchmal⸗ 
blattiges Peterlein (Apium.petroselinum L.), beren eigentliches 
Baterland Sarbinien it; auch Garteneppich, im O. D. Weterle, 
Peterling, im N. D. Silk. Die Eraufe Peterfitie, von den Särt: 
nern unrichtig gefuͤllte genannt, bat krauſe Mlätter; und bie Eng⸗ 
liſche, weiche eine Epielart if, wählt hoch im Stengel und bat 
arbfere Blaͤtter. Davon b.e Peterfilienwurzel, das Pererfiliens 
blatt, das Peterfilientraut, der Peterfitienfamen ıc., die Wurzel, 
Bas Blatt ıc ber Peterfilie. Die breitblattige oder ſtarkriechende 
Deterfitie, Wafferbeterfilie ift eine andere Art (Apium graveolens 
L.), unb ter Eeleri If biefelbe nur duch ben Anbau verebelte 
Yllanze, S. db. 3) Maccbonifhe Peterfilie, ein Name des Stein: 
eppichs (Apium s, Petrorelinum macedonieum 1.); Peterlein. 
5) Wilde Deterfitie ober Hunbspeterfilie, Peterſilienſchierling, ein 
Hame ber Gleife oder bes. Bartenfhierlinge, einer Giftpflanze 
(Acthusa eynapium .L,) wegen ihrer großen Thnlichkeit mit ber 
Peterfilie, ven welcher fie ſich jedoch durch bie abbangenbe, auf ber 
äußerliden Seite ber Dolbe befindliche und gemeiniglich dreiblättige 
Buͤlle unterfheibet, 4) Wilde Deterfilie, der gemeine Schierling 
(Conium maculatum L.); auch Dundspeterfilie, Hagenpeterlein. 
3) Mölfhe Peterfilie, im D. D. ein Name der Paſtiaake. 6) Die 
Bergpeterſilie, eine Urt des WBogelneftes (Athamanta orenseli- 
zum L.). 

Der Veterfitienapfel, —s, 9; —Ärfel, eine Sorte Äpfer. Nemnid, 
Das Veterfilienfleifh, — es, 0.2. mit dem Kraute oder ten Mur: 
ein der Peterfilie gekechtes Fleiſch, im ©. D, Peterleinsfleifch. 
Der Veterfilienbabnenfuß, — es, 3. w. eine Art des Hahnenfußes 

(Ranuncatos sardeus). Nemnid, 

Der Veterfilienholder, —6. My. gl. eine Art des Holbers (Snmbn 
ens laciaiata L.), weil feine Blätter ben Blaͤttern ter Peterfitie 
din fink. 


PL... 


Petſch 


Der Peterſilienkuchen, — Ms. gi. mit. Peterſilien befirenter ober 
auf andere Art damit zubereitet Kuchen. Popewitſch. 

Das Piterjiliendl, — es, My: u. cin aus bem Samen ber Peterfliie 
gezo genes wefenttiches Bi, weldhes größtenteils im Waffer unters 
finket, 

Der Veterüilienfchierling, —s, 34. u. ſ. Deterfilie 2). 

Die Feterfiliensraube, a. —n, ſ. Peterfifienwein. 

Der Peterſilienvogel, —s, 2. —vögel, eine Art Zagfalter (Pa- 
pilio dapli:ier), WRemnid. 

Das Peterjiiienwaffer, —$, My. u. Waſſer, worin Yeterfitienfamen 
ausgeloccht oder ausgezogen ift. 

Der Peterfilienwein, —et, 9%. u. eine Urt Weintöde mit fürfı 
fachen Blaͤttern, beren Blätter wie bie Blätter der Peterſilie viel⸗ 
mahl nefpaitin find (Vitis laciniose L.); die Peterfilienteauve. 

Der Peter» Simonöwein, — s, Di. —e, ber Rame einer Art 
Spanifher Weine, welher aus Rheidiſchen Reben, bie tin gemiffen 
Holländer Namens Peter Eimon nah Spanien brachte, gewonnen 
wird, welder nicht fo hoch von Farbe, auch niht fo fett ats andere 
Spaniſche Weine if, 

Das Peterskorn, —es, 9. u. sin Name 1) bes Dinkels (Tritieum 
monoeoceum L.); 2) bes bauernben gennnenlofen Lolches (olium 
perenne 2.); Mausbafer, Mausgerfte 10.5; 3) des mitteln Fit 
tergrafes oder Liebgraſes (Briza media L,.). 

Das Veteröfraut, — es, P. u. ein Rame ı) bes Blaskrautes (Pa- 
rietaris L.), auch Priermailandstraut; 2) des herbſtlichen Loͤwen⸗ 
sahnes (- eontadon autumnale L.); 3) einer Art Hedentirfhen 

‚ mit gerabem Stamme unb vieiblumigen Stengeln (Lonicera syım- 
phoricarpos I[..); 4) einer Art des Ichennstrautes mit warzigen 
Blättern und großen Blumen (Hypericeum balearicum L.), ein 
kleints niebriges, immer gränenbes Etrauhgewähs auf Majorka. 
Aus eine andere Art mit vieredigen Ctengein führt biefen Namen 
(Hypericum quadrangulare), 5) Dee Abbiß ober Teufettabbiß 
(Scabiosa suceisa L.); aud Teufelsbiß, Abbiß, Anbittraut, Mbs 
talwurz. S. Abbiß =). 6) Der Kreuzenzian , bie Kreuzwurz 
(Gentiana erucista L.). 7) Ein fhönes Strauchgewaͤcht in Vir⸗ 
ginien, deſſen Blume einige Ähmtichleit mit einem Andreaskreuze 
bat, daber #3 auch Andteaskraut und fon noch Gattheil heißt 
(Ascyrum erux Andrese), 

Der Peteröfnläffel, —6, 94. gl. 2) Der Schläfel des Apoſtels 
Petrus, mit weicyem bie Paͤpſte, feine vermeinten Radhfolger, (öfen 
und binden. =) Im gemeinen Beben ein Name (1) ber Ehlüffeir 
Blume, weihe auch Himmelsſchluͤſſel Heipe; (a) der Monbraute 
(Osmunda lunaria ]..). 

Der VPeteröflab, —es, m. —fühe, ber Stab ober cin Stab bei 
heiligen Peters. Ju ber Raturbefhreibung, ein Name ber Golbrutht. 

Der Peterktag, —et, M. —e, de’ Zag des heil, Peters, welcher 
in ber Romifhen Kirche ats ein Feſttag gefeiert wird; berjenige 
2ag, welcher im Kalender ben Namen Peter führt. 

Der Petersvogel, — 6, Rz. —vögel, ber gemeine Sturmrogel ober 
Ungewittervogel, E 

Die Peterdwurz, DH. u. eine Art bes Ichannstrautes in Eiderien, 
auf den Porenien und in Kanada (Hyperieum zsceyron |.) 

Das Petfchaft, — s, Mm. — e, ein Werlzeug von Metall oder 
Stein, womit man fiegeit. Einen Brief mit feinem Petſchafte 
verfiegeln. Ein Petfhaft leben. In der Bibel und im gemeinen 
Leben wird dafür ungut 5 Petſchler und Pitfchier gebraucht. und 
fie ſchrieb Briefe unter Ahabs Namen, unb verfiegelte fie mit lei 
nem Pitfchier" 1 Fön. 21, 8, 

Der Perihaftring, — es, 9%. —t, ein Ring, welder anflatt des 
Steines mit einem Petſchafte verfchen iſt; & der Vetfibierring, im 
ber Fibel KHagg. 2, 24 der Pitfhaftring. 

Der Petfchaftfieher, —s, 8%. ol, ein Künſtler, melder in Pet— 
ſchafte son Metal oder Stein Ramensgüge, Wappenac. fiir, 


Petſch 


ber Petſchierſtecher. 


+ Die Petſche, 89. —n, auf der Elbe, das Steuer ober Ruder, wo: Pfadlos, —er, —eſte, adj. u. adv. keinen Pfab, keine 


mit cin Floß vorn oder binten regiert wird. 

+ Dos Petſchel, —e, 9. gl. in Schleſten, das Kalb. 

+ Die Petſcherpe, f. Patfcherpe, 

5 Dis Letſchier, —, Br. —e, ſ. Petſchaft. 

& Petſchieren, v- rs, mit dem Petſchier oder Petſchafte ſiegeln. Eis 
nen Brief petfchieren; man follte & petfhaften bafür jagen. ©. 

5 Das Petſchierwachs, —es, 9%. u. im ©. D. das Siegeltad. 

& Der Petſchierring, & der Detichierfiec, er, f. Petſchaftritch ıc. 

* Vettern oder Fittern, v. intrs, ftödern. Im Ohre, in ber Rafe 
pettern. D. Pettern, Mittern. 

Der Pet, — es, Du. —t, ein Rame bes Fären, 

hier ſtraͤubete fi der Petz. Hagedorm 
Auch ehat Deutewort als Eigenname bes Bären. 
Und wo ein Air den andern fah, 
So hieß es: Den ift wieber da, 

X Die Pebe, I. —n, eine Hönbdinn, 
eins umpüchtige, liedertiche Meibsperon. 

+ Dos Pebel, —s, 9. at. In der Oberpfalz, ein Samm, 

+ Das Wenfchel, 4, 4. gl, das Eingewelde. 

Df, ein —— Mittaut, welcher in vielen Woͤrtern vor 
koͤmmt, den aber bie N. D. nicht kennen, welche anftatt Dampf, 
Kopf, Kropf, Schnupfen, hüpfen, tropfen, Brad, Pfaffe, Pfef⸗ 
fer, pfropfen se. Damp, Krop, Kop, Einnpzen, füppen, brüps 
ven, Pad, Daye, Pepzer, proppen ıc, fagen, Am D.D, bäuft 
mau die pf ũber bie Grbähr und ſagt Pfacht, pfachten, Pfinne, 
Pfalz ıc. für Pacht, pachten, Finne, Kalz ic. Unrichtig und mit 
einer vermeinten, aber lacherlichen Zierlichkeit ſprechen manche Ttepfe 
für Treppe. In ben Wörtern empfahen, einpfangen, empfehlen 


@ellert. 


©. Hund. uneigentlich, 


und einpfinden ift emp aud ent des Wohlktanges wegen entilanben, - 


+ Das Pacht, —es, By. —e, in ber Schweiz, die ide. ©. 
2. Eiche. Uneigenttiih, bie Kunft, etwas mit gebdriger Mafe zu 
gebrauchen ober abzutheilen. Stalder. Davon pfahten, eichen. 

Der Dad, tb, My. —e, ber Weg, auf welchem man gebiet, bes 
fonders den bie Fußgänger neben den breitern Fabrwegen gemacht 
baben, ver ſeſt und eben getreten iſt und auf weldem es ſich beque⸗ 
mer gehet; oe Fußpfad, Fußweg, im R. D. Pad, Padweg. In 
der boͤhern Schreibart auch überhaupt für Weg. „Da trat ein En 
geil bes Herren in ben Pfad. 4 Mof, 22, 24, Bald wird ein 
Madchen hitr den Pfad vorübergehn, ſchoͤn wie eine der Brazien.“ 
BGefner. Der Lebenspfad, Himmelspfab. 

+ Dos Pfad, es, 34. —e, im Öfterreigifhen und Baierfen, 
wo es⸗ Dfoad, Pfaid lautet, das HSemde, unb in weiterer Bedeu⸗ 
tung, etwas von Beinengarn Gemachtes und Leinwand uͤberhanpt. 
Diele weitere Bebeutung hat es in den Wörtern Pfabier (f. d.) und 
Padpfaiten, Badetuch, welches jedoch auch Badebemde bebeuten Bann, 
»— auch lief er ez naͤm an tiſchtuͤccher, an hantzwaͤchel, an pade⸗ 
pfaiten, und am alles das bes er beborft.« Ge⸗ta Romansrum, 

Das Pfadeifen, —s, M. gl. im Bergbaue, ein umgebogenes Eiſen 
in ber Hacpelſtühe, in und auf weldem ber Zapfen des Runtbaumes 
berumfäuft, von Pfad, Wen, ober pfaben, geben; auch Pfuhleiſen. 

Dfaden, v intrs. u. trs. 2) 3% Einen Pfad betretenn, gehen. af 
tan die rechten frafie geweſen wol bie man ze froeiden pfaben fol,“ 
Manneffen Minnef. 2) Einen Pfad madhen, ben Wen babs 
nen, ben Schnee ausdem Wige räumen; in ber Schweil. Stalder. 
D. Pfaden. i 

+ Pfüdig, adj. u. adv. im Henneberafhen und in Franken überhaupt, 
wegſam, gongbar; aud in der Schweijz nah Stalber. Es if 
wieder pfädig draußen, es ift wieder wegfum, mas laun draußen 
wirter geben. Davon die Pfäbigkeit. 

+ Der Pfadler, — 4, Mi. gl; die -inn, Dy. — en, eine Perfen, 
weiße mit Erinwand handelt; bie Pfabierinn. Auch rine Terfon, 


605 


Der Pfaffenapfel, 


Pfaffe 
welche Hemben macht ober verkauft. Fulda. S. Das Pfab. 
Pfade ente 
haltend, unwegfam, wäh. 
Darum entweich' ih zu pfadloſen Thaͤlern. 
ie dem kühnen Segler feine Sterne F 
Schimmern auf tem pfadeloſen Meer. Deutſcher Merfar. 
Davon die Pfadlofigkeit, bie Beſchaffenheit einer Gegend, eines 
Maltes ı. da fie pfablos ſind. 


Bernig. 


+ Die Pfadſchau (Pfadſchaue), @. —en, im O. D. bie ebrigfeits 


liche Beſichtigung ber Pfade oder Wege. 


Der Pfaffe, —n, Br —n; Bin. das Pfäffhen, D. D. —lein, 


ein Priefer, wie auch ein Geiftliher, Prediger; ahemahls in gu⸗ 
tem Verſtande, jegt nur in verächttichem und hartem Eiune, 
Da waren pfaffen genuoge. Imain 5, 673. 

»Da werben fie benn fragen ihre Bögen und Pfaifen und Mehr: 
fager und Zeichendeuter.“ Ef. 19, 35. So nannte auch Jeroſchin 
ben Popft ben oberften Pfaffen. 

n @elebrter Pfaffen Hat er viel. Bürger, 
Der Hauspfaffe, Docfpfaffe, Meßpfaffe ic. 

Denn fich! Pfaff’ oder böfer Geiſt . 

IE Maus wie Mutter, mie man's keift. *effimg. 
Maohpier hat aud für eine weidliche Derlon bivfer Urt das Wort 
Pfaͤffian, weiches zuweilen drauchbar fein ann, eine Nonne ober 
ähnticde Perſon, wenn fie pfaͤſſiſchen Zinn hat, veraͤchtlich zu bezeichnen. 
Unelgenttih nannte man ehemabls 1) auf ben Niederfählifhen bo« 
den Schulen tie Beflifenen Diaffen, weit man fie mit zu den Geifl: 
lichen rechnete. Die fogenannten Füchſe hießen ‚Dalbpfaffen. 2) 
Bei den Handrerkern, wo man bie kehrlinge mit feltfamen Ger 
bräuchen zu Geſelleu zu maden-pflegt, heißt Lerjenige Gefete, wel⸗ 
Her einen Beifttihen vorftelt, der Geſellenpfafſe, Schleifpfaffe. 
35) In: der Ratarbefhreibung, wegen ber ſchwarzen eftalt, ber 
Platte auf bem Kopfe ıc. (1) bie arofbärtige Schwalbe, ober bie 
Nachtſchwalbe, ber Nachtrabe (Caprimulges Europsens L.). (2) 
Das ſchwarze Bleshuhn sber Roht huhn, Wafferbubn (Pulica atra L.) 
(5) Der Dompfaffe (Lexia pyrrhula L.). (4) Das Präffigen, ter ° 
Fliegenfdinäpper ober bas Braunfegihen (Motacilla rubetra L.), 
(5) Eine Art Helmfifhe bes Klein (Uranoscopus glaber L.); 
auh Mesrpfalfe. S. (5) Die Wafferjungfer (Libellula L.). 
4) Zei einigen Dantwerkern, . ein fpigiges oder erhobenes Ding. 
So heißt bei den Brauern ber Zapfen der Dfaffe- Ber Nierpfaffe 
der Schloſſer ifk eine Art Weißel. S. d. und auch Pfaffendoen. 
5) In einigen Gegenden R, D., wo es Pape lautet, auch cin klel⸗ 
ner Bügel, 
4, el, Fine Sorte yietter, füger 
unb bauerbafter "sofa. 


Der Pfaffenbaum, — et, Ry. — baͤume, em Rame bee ui 


Spinbeibaumes (Emonymns Europseus L.); bas Holz deſſelben 
heist Pfaffenhotz, Pfafſenmuͤtzholz, Pfaffenhuͤtelholz, varderdt 
Pfefferholz, Pfefferreiſelholz, und die viereige einem uufgelrämp: 
ten Hute ober siner foldien Mipe ähnliche rothe Frucht Pfaffenhut, 
Pfaffent ͤtchen verderbt Pfaffiedel, Pfafſenhoͤdlein, Pfaffenpfoͤt⸗ 
Gen, Pfaffenmuͤtze, Pfaffenmuͤtzchen, Pfaffontappe, Pfaffenlaͤpp⸗ 
wein, Pfaffentoͤtllein. ©. Spindelbaum. 


Die Pfaffenbeere, By. —n, bie ſchwarze Jothhanntbeerte, were ife 


zer Farbe fo genannt, welde wild in Wöldern zc. wid; Blätter 
und Rceren haben einen bockichten Geruch, und bie Beeren werben ge: 
gen Sihtihmerzen gebraucht; daterbir Namen Bodsterre, Gichtberre 
(Rihes oigrum L.); auch fhımarge Zeitbeere, Pfefferoeere, Aal⸗ 
beere, Ahlbeere, Niantbeere, Albefing, braune Beerr, Belune 
berre, weil fie auch als Mittel gegen bie Bräune gebaut wind, 
verderbt Bruͤnnebeere, Sungfernbrere, ſchwarze RMiebiſel, fowmarze 
folfche Stacheldeere, und der Strauch, der fie teügt, oh veſon⸗ 
ters Gichtſtrauch, Pfaffeuſtrauch, Inugferntum, Eunkaum. 


Pfaffenb 


Das Pfaffenbild, —es, 4. —er. 1) Das Bild eines Pfaffen. 2) 
X So wie Mannöbild ze. ein Pfaffe. Oberlin. 

+ Die Pfaffenbinde, 84. — n, in einigen Gegenden, die Fieberwur⸗ 
gel, wegen der Ahntichkeit bes Blattes, worin, ber Same eingewik⸗ 
keit liegt; verderbt Pfaffenpint. 

Die Pfaffenbirn, 2%. —en, eine Sorte guter Birnen, bie Herren⸗ 
birn, Koͤnigsbirn, Kafelbirn. 

Das Pfaffenbißchen, —6, 94. gl. das befte ſchmachafteſte Stuͤck 
an einem Braten, sinem Etäcde gelcchten Fleiſches oder an eineim 
Fiſche, weldes man bei Gaftereien, brfonders auf dem Sande, bem 
Geiſtlichen zus Achtung vorzulegen pflegt; auch wol ber Pfaffens 
ſchnitt, dns Pfaffenſtuͤck. An einer gebratuen Gans if diefes 

. Stid bie Bruſt. 

Das Pfaffenblatt, f. Pfaffenplatte. 

Das Pfaffenbluͤmchen, —6, By. gl. das Zehrktaut. S. d. 

Das Lfaffenblut, —es, ©. 2. eigentlid, das Blut eines Pfaffen 
ober ber Pfaffen. In der Maturbefhreibung uneigentlih, ein Ra 
me bes fledtgen Arum (Arum msculatum L.). 

* Die Pfaffendirne, 9. —n, bie Diene, Beifgläferinn eines 
Yen; auch Pfaffenmagd. Haltaus. 
Die Pfaffendiftel, 9. —n, der Ebwenzafn (Leontodon tarazra- 

cum. L.). 

Der Pfaffendorn, —es, 9. —e, bei den Eporern, ein am Ende 
autgedöhlter Dorn, bie Nägel bamit anzuziehen. S. Pfaffe 4). 

Die Pfaffenfaſtnacht, 4. u. |. Faſtnacht. 

Der En rl, — e, ein Feind ber Pfaffen. Stieler. 

Der Lfattentfh, —es, 9. —e, f. Pfaffe 3) (9). 

Der Dfaffenfreund, —es, 4. —e, ein Freund, Anhänger, Ber: 
ehrer der Pfaffen, x j 

Der Dfaffenfürft, —ım, M. —en. 1) Ein Fürft der Pfaffen, 
Es könnte der Papft ein Pfatfenfürft genannt werben, Dann au 
2) Ein Fürſt, der ein Pfaffe it, wie auf ein pfaͤffiſcher Fuͤrſt. 
5) Bei Oberlin ein Abbt, ein Biſchof, der fürſtliche Würde hat. 

X Das Pfaffenfutter, —s, m. u. ein Futter, eine Speije für 
pfaffen; mneigentlih, eine gute, herrliche Eprife. Etieler. 

Die Dfaffengafle, 9. —n, in manden Städten, ber Rame einer 
Baffe, wo mehrere Beifttiche wohnen eber wohnten. Ehemahls im 
Scherz, die Gegend längs bes Rheins, an welhem mehrere ehemah⸗ 
Haze Bischlimer und Erzbiethümer beifammen liegen. 

Das Pfaffengezüht, —es, 94. u. ein Wort, Pfaffen und was das 
mit verbunden ift, auf eine verädtlide Art zu bezeichnen. 

du, der oft 

Schlängeindes Pfaffengezuͤcht 
Abwies mit Ernſt und leichtem Spott. VBo ß. 

Das Pfaffengut, — es, 94. —güter, ein jedes But, mweldes ben 
Pfaffen achöret. Stieler. 

Der Pfaſfenhandel, —s, 94. —haͤndel, ſ. Pfaffenkrieg. 

Das Pfaffenhaus, — es, 94. —haͤuſer, das Haus, die Wohnung 
eines Ofaffen ; wie auch, ein ben Pfaffen gehörendes Haus, Stieler, 

Die Dfaffenberrfhaft, Ry. —en. 1) Die Herrſchaft, Oberherr⸗ 
[haft der Wfaffen; chne Mehrzahl. Sich der Pfaffenherrſchaft 
entjiehen. 2») Eine Herefhaft, in welcher Pfaffen herifhen. 

Das Pfaffenhödlein, —s, 4. u. 1) S. Pfaffentuum. =) Das 
tleine Shöulkraut (Rannnculus ficaria L.). 

Das Pfaffenholz, —es, I. —böljer. 1) Gin ben Pfaffen gehö— 
rendes Hotz, Gehdlz. 2) + S. Pfaffenbaum. 

Der Pfaffenhut, —es, 4. — huͤte; Bw. das Pfaffenhuͤtchen. 
1) Ein Hut, wie ihn etwa Pfaffen tragen. =) S. Pfaffenbaum. 
3) Im Öfterreihifgen, eine Art ber Herbſtmorcheln mit einem ge: 
fpattenen Hute, die Siſchefemütze (Helvella mitra L.) 

Die Pfaffenkappe, Dy. —n; Bw. das Pfaffenfiprhen, ©. D. 
— fein. 3) Eine Kappe, wie fie Pfaffen tragen. 2) ©. Pfaffen: 
Saum. 5) + In Zürich, das Pfaffenkaͤppchen, sine Art Zucker⸗ 


* 


Pfaffenp 


wert, in Geſtalt eines dreieckigen Hutes. Stalber, 

Das Pfaffenkind, — es, By. —er, das Rind eines Pfaffen; befons 
ders, bas Kind eines Geiſtlichen ber Hömifhen Kirche, alfo ein une 
eheliches Kind, beffen Bater ein Pfaffe it. Friſch. . 

Der Pfaffenknecht, — es, Di. —e, ehr Knecht der Pfaffen, ein 
Dienfh, der den Pfaffen kacchtiſch oder ſtlaviſch ergeben iſt. 

Und, o Schmah! demüthigeſt bi in graujer - 
Hildebrand’ unmenfhiihen Frohn, bich bumpfem Glauben 

- verpflichtend, 
Pfafſenknecht! Voß. 

Die Pfaffenkoͤchinn, By. —en, die Koͤchinn eines Pfaffen. In bee 
Raturbeſchreibung uneigenttich, + bie Vaſſerjungfer (Libellula L.) 

Das Pfaffenkoͤpfchen, —s, 9. gl. f. Birkenpilz. 

Das Tfaffenkraut, —es, 34. u. f. Pfaffenplatte. 

Der Dfaffentrieg 2, —e, ein Krieg zwiſchen Pfaffen; eis 
gentiih und uneigentih — Frifd. Haben fie unter einander 
biofe Häinbel, fo find bies Pfaffenhaͤndel. 

Der Plaffenkrift, —n, 9. —en, ein ben Pfaffen ergebener, an 
hangenber Keift, wie bie Römifhen Kriſten zu fein »flegen, 

Diefe. dumpfen Pfaffenkriften, 
Bapt uns ke fie uͤberliſten. Böthe, 

Der Vfaffenfümmel, —s, 2%. u. f. Kümmel. . 

+ Die Pfeffenlaus, 94. —läufe, eine Art Kaulbörfe (Cornua 
Perca fluviatilis minor). — 
Die Pfaffenluſt, 34. u. eine Luſt, Luftbarkeit der Pfaffen ober für 

Pfoffen. Stieler. ” . i 

Die Pfaffenmagd, 9. —mägde, die Magd eines Pfaffen. ©, 
Pfaffendirne. 

Das Pfaffenmahl, — es, 4. —⸗, und —maͤhler, ein Mahl für 
Vfaſfen ein koͤſtliches, herrliches Mahl. Mahler. 

Die Dfaffenmähre, Sz. —n; Bo. das Pfaffenmährden, eine 
Mähre, ein Maͤhrchen, von Pfaffen erdichtet. „Denn bie alte 
Pfafenmähre Retigion, und denn (daun) auch Leider! unfere 
Shwahheit ſteht entaegen.« Herber. 

Das Pfaffenmährden kenn’ id, — — EBıhiller, 

+ Die Pfaffenmöden, &. u. Schnitte von Eierbrot, in Milch ein⸗ 
geweiht, bann in Butter gebaden und mit Zuder und Zimmt bes 
fireust. Stalder. ° 

Die Pfaffenmuͤtze, 9. —n; Bo. das Pfaffenmäschen. 1) Eine 
Möge, wie fie etwa Pfaffen zu tragen pflegen. 2) &, Pfaffens 
baum. 5) In ber Baukunft, eine Hanbramme mit langen herum 
tergebenden Gtielen, an welchen fie auf einem noch ho ſtehenden 
Pfahle in bie Höhe gehoben und niedergezogen wird. 4) In ber 
Kriegsbautunft, ehemahls, ein abgefondertes Wefetigungswert, mels 
dies an ber Borberfeite zwei eingehende Minkel und drei Vorfprünge 
hatte, nebft zwei Langen Rlägeln. Bei ben Minengräbern heißt 
Pfaffenmuͤtze, eine Vereinigung mehrerer Horchgaͤnge, fo daß fie 
einen gewiffen Raum rund herum einfchliefen, umd ber Beinb mäds 
rend ber Zeit, daß er fih Aber demſelben befindet, von vorn, im 
Nüden und von den Seiten angegriffen werden kann. 

Das Pfaffenmuͤtzholz, — es, My. u. f. Pfaffendaum. 

O Die Ffaffennacht, 0. 9. Naht, Finſterniß, d. h. Dummheit 
unb Unmwiffenbrit durch Pfaffen unterhalten. 

Heilige Religion der Bernunft, dich, Flamme ber Bottheit, 
Haͤtt' uͤberduntelt Pfaffennacht, 
Waltete Friedrich nicht. Voß. 

Der Pfaffenpfennig, —es, 9. — e, ehemahls eine Benennung ber 
Blechmuͤnzen, Bohimängen. Friſch. 

Das Pfaffenpfoͤtchen, —s, M. u. f. Pfaffenbaum. 

+ Der Pfaffenpint, —es, 4. u. f. Pfaffenbinde. 

Die Pfaffenplatte, Mz. —n. 1) Die Platte eines Pfaffen. ») + 
Der Löwenzahn, weil deſſen weißer Fruchtboden, wenn ber mit latr 
gen Bebergen verfehene Same davon abgeblafen if, einer Moͤnchs 


Dfaffenr 


— aͤhnlich iſt; auf Pfaffentraut, Pfaffenroͤhrchen ober Pfaf⸗ 
fenroͤhtlein, wegen ter hohlen roͤhrenſoͤrmigen Stengel, unb 
Mincetopf, Pfaffenblatt, welches aus Pfaffenplatte verderbt iſt. 

Das Pfaffenrecht, — es, By. —e, bie Rechte der Pfaffen. Dann, 
ber ganze Inbegriff der Rechte der Pfaffen oder Geiſtlichen, das 
geiftliche Rede. Mahler. 

Das Yfaffenreih, — es, 94. —e, bas Reich ber Pfaffen, b. h. für 
mol bie Herifchaft, Megierung ber Pfaffen, ohne Mehrzahl; ale 
auch, ein Reich, in welchem Pfafſen die Herrſchaft baden. 

Der Pfaffenrock, —es, Pi. —röde, ber Rock, das Kleid oder bie 

Kleidung eines Pfaffen, der Pfaffen. Im Pfaffenrode fteden, 

ein Pfaffe fein. 

. Das Pfaffenröhrchen, ober Pfaffenroͤhrlein, —e, Mu ı) 
©. Pfaffenplatte =). 2) Der Spintelbaum. 

Das Pfaffenroͤschen, —s, Mm. gi. 1f. Pfaffenbaum⸗ 

x Der Pfaffenſack, —s, 9. — ſaͤcke, der Sad eines Pfaffen, 
% B. eines Bettelmöndhes. Sprichw. Pfaffenſack hat keinen Boden, 
die Pfafen, Seiſtlichen Haben niemahis genug, wollen immer 
nıehe haben, 


X Der Pfaffenfchnitt, —es, 24.—r. 1) S. Pfaffenbifchen. =) Bei 


den Nadlern heist Pfaffenſchnitt ein mißfungener fchiefer Schnitt, 


wenn bie Rölihen ober Gewinde bes Knepfdrahtes zu den Kudpfen 
ber Stegnadeln mit her Knopfſchere von einander geſchnitten werben, 
da$ ber Ringel zum Radelknopf nicht zu gebrauchen iſt. 

Der Dfoffenfhuh, — s, MM. —r. 1) Der Schuh eines Pfaffen, 
befonders foferm er etwa eine befondere Beſchaffenheit hat. a) Der 
Name einer Pflanze, S. Marienfhub. 

Der Pfaffenfinn, —ed, 0799. ber Sina, d. h. bie Geſinnung, 
Dentweife der Pfaffen; in Abtem Berftande, „Mo Pfaffenfinn und 
Despotismus berrfcht.* Ungen (R.). 

F Die Dfaffenforge, 34. —n, eigentlich, bie Sorge eines Pfaffen 
ober der Pfaffen. Im gemeinen Leben mander Gegenden uneigents 
ich, ein Name des Spindelbaumes. 

+ Der Dfaffenftiel, — es, 4. —e, ber Löwenzahn (Leontodon 
taraxacum L.). 
Das Pfaffenſtuͤck, —es, 94. —e, foriet ats Pfaſſenbißchen. In 
engerer Bedeutung, bas beſte Stuͤck Fleifh aus dem Hinterviertel 

" eines Rindes. 

Das Pfaffenthum, —es, MM. u. >1) Alles mas bie. Pfaffen betrifft, 
von ihnen herräßret, Ihre Lehren, ibr Handeln, Einfluß 1c.; die 
Dfafferei. 2) Die Pfaffen als ein Ganzes betrachtet; bie Pfaff⸗ 
beit (Clerus) Manche diefer redlichen Männer wurben einft vom 
Dfaffenthume verfolgt.- Denker, 

x Das Pfaffenwerk, 
Stieler, 


__607 


X Der Pfäffling, —es, M. —e. 


Pfahlb 


m war fein Sinn, 
fıfäfh war fein. Thun. ©. 

Pfafflich, gran adj. u. adv. ı) Den Pfaffen aleit, äpntich, 
angemeffen, zukommend; ein im Shmwabenfpiegei K. 171. 
vortommenbes gutes Wort. „Pfaͤffliche Nehte« Baltaus. =) 
Rad Art der Pfaffen. 

ı) Ein Ding, eine Perfon, bie 

einem Pfaffen aͤhnlich iſt, beſondert, ein Mittelding von einem Selt⸗ 

Then und einem Wältlihen, eine Art Geiftlihe im ehemahligen 

Frankreich (Abbe). 2) Ein Menfh, der deu Pfaffen andangt, fir 

tnechtiſch verehret. 53) Eine Sorte Äpfel, Ulmer Pfäffling (Ma- 

lım $, pomam turbinatum album). #rifd. 


Der Pfahl, —es, 2. Pfähle; Bw. das Pfaͤhlchen, ein sugefpig« 


tes längeres ober Bürgeres Holz, welches man In bie Erde ſchlägt, 
etwas baran ober damit zu befefllgen, ober auch, woran man etwuß 
ſpleßetz zum unterſchiede von den Plöden, melde kurz und dünn 
find, im R. D. Pahl, Pl. Einen Pfahl einfhlagen, ‚und wenn 
er groß if, einrammen. An Dfä bien, oder mit Pfaͤhlen befeiigen. 
Ein Baun von Pfählen. in Haus auf Pfähle bauen, auf viele 
eingerammte Baumftämme, die oben zu einem Mofte verbunden find, 
bei fumpfigem oder loderem Grunde, An den Pfahl jtellen, öffent: 
ih, an bem Schandpfahle der -Öffentlihen Berahtung zur Strafe _ 
ſchimpflich ausfegen. Ein Zaunpfahl, Weindfahl, Schanzpfahl, 
Grenzpfahl, Grundpfahl, Vruͤckenpfahl, Schandpfahl 1. Bars 
geſchuhete Pfaͤhle find im Bergbaue vorn mit einem ſpitigen eifen - 
beſchlagene Pfaͤhle, ‚welche bei der Gerzimmerung rines Schachtes im 
bas Gebirge zwiſchen zwei Joͤcher bes Schachtes eingetrieben werben. 
X In oder zwiſchen meinen vier Pfählen, im meiner Daufe, in mei 
ner Wohnung, weil bie crften Wohnungen Hütten waren, been 
vier Pfähle an den Eden die Dede oder bas Dach trugen und bie 
Wände zwiſchen fih bielten. Uneigentlich fagt man nad bibliſchem 
Sprachgebrauche, einen Pfahl im Pleifhe haben, an etwa ale ei⸗ 
ner großen Beſchwerde leiden, dadurch an fich fetöft ſtets erinnert 
und ven Zinnengenuß und von Verirrungen und Bergehungen übe 
baupt abgehalten werben. 


Der Dfahlbauer, —s, 3M. gl. in manden Gegenden, 3. B. im O& 


nabrüdfhen, folhe Bauern, beren Recht bloß barin beftebet, daß, 
wenn bas Bieh der Eingefeffenen zweier benachbarter einander gleis 
her Marken aus ber einen Mark in bie andere übergehet, es aus 
nachbarllicher Freundfhaft nicht gepfändet werden darf, alfo ſchutz⸗ 
verwandte Bauern, die als innerhalb ber Grenzpfäble bes_Dorfes 
— angeſehen werben unb die gegenfeitigen Dorfrechte ge 


— es, u, ein Merk ber Pfaffen. De  Dlahfsaum, —es, My. —baͤume, im Forſtweſen, ein zu einem 


Grunde, Brüden: oder anderem Pfahle brauchbarer Baum. 


X Das Pfaffenweſen, —s, 0. ©. Alles was die Pfafen und ihre Die Pfahlbohle, 4.—n, in der Baukunft, feine ſtarke, gleich einem 


Art zu denken und zu handeln betrifft. 
O Die Pfaffenzucht, 0. 4. ſoviel ald Ofaffengesäät. 
Mas, fhöner Engel, willſt du bier? Bei Pfaffen 
Und Pfaffenzuche⸗· — — 
Die Pfafferei, Da. —en. ») Dos Pfoaffenthum, die ben Pfaffen 


‚Schiller. 


. Pfahle zugefpigte ober abgerundete Bodle, bergleichen zwiſchen Falz⸗ 
pfähle eingefchlagen werben, und die zu einer Umbämmung ober 
Bruft bienen. 

Die Dfahlbrüde, 9 —n,. eine auf Pfählen ruhende Brüde; die 
Iohprüde, 


elgenthumliche = zu denken und zu handeln; ohne Mebrzahl, „So "Der Pfahlbürger, —s, Bi. gl. in manchen Gegenten, ein Bürger 


wollen wir denn lieber von Iofepps Felbjägen gegen die Pfafferei 
zeben.« Herder. “ Eine einzelne Kuferung diefer Denk» and 
Handelweiſe. 

Die Pfaffheit, 4. u. bie ſaͤmmttichen Pfafſen zuſammengenommen, 
das Pfaſſenthum (Clerus, elexicatus), Friſch. Ehemahle auch 
in gutem Signc, und auch von einzeinen geiſilichen Perfonen als 
Ziter. Em. Pfaffheit. 

Pfaͤfiſch, Pfaffiſch) adj. u. adv, 1) Den Pfaffen gehörig. Mah⸗ 
ter. 2)Sen Pfafen Ahntih, idrer Art zu denken und zu handeln 
gemäß, darin gegruͤndet, in verägtiihem und hartem Einne, Pfaͤf⸗ 
fifhe Geſinnungen, Ben 


ober Einwohner einer Stadt, welcher zwar aufer den Stabtmauern 
“aber doch innerhalb der Bann: und Gerihtepfähle der Etabt woh: 
tief, ein Vorfläbter, welcher alle oder doch einige Fechte ber eigent 
lihen Bürger genießt. Ehemahls nannte man in weiterer Mebeus 
tung einen Unterthan, der fih zum Rachtheil feiner eigentlichen 
Obriakeit bas Bürgerreht in einer fremben Etadt ertbeilen lieh, 
babei aber an fein:m alten Wohnorte blieb, einen Pfabibürger. Im 
Staͤdtchen Schellenberg im Erzgebirge werden die Würger nod ſeht 
in Bauende und in Pfahlbuͤrger getbeilt. In alten Urkunden fin- 
det man für Pfahrbärger auch Pflugbuͤrger, wahrſcheinlich, weil fie 
in den Vorfädten wohnend, fih vom Aderbaue näpsten. 


Pfahld 


Das Pfahldorf, —es, 9. — doͤrfer, im Braunfhmwrigfhen, eine 

Benennung gewiſſer Chifer, melde innerhald der Bann: und Ge: 
— richtépfaͤble der Stadt Braunfhmweig liegen. 

Die Pfahleihe, 94. —n, im Porfiwefen, eine zu Grund« ober 
Bruͤckenfaͤhlen tauglide Eiche, weihe im Durchmeſſer 15 308, in 
ber Ränge 25 Glen halten muß. 

Das Tfchleifen, —6, 9%. sl, ı) Fin lanzes, rundes, unten bideres 
und ſpitiges Eifen; bie Loͤcher, in welche Pfaͤhle ober Stangen kom: 
men ſollen, in feſtem VBoden damit vorzuſtoßen; R. D. Vorpfühl 
(Borpaaf). 2) In den Wtlashätten, cin ſtarkes Ciſen in Geſtalt eis 
ner hölzernen Zteeugabel, welches in dea Pfahl eingefchlagen wird, 
um das Slasrobe mit dem Scheibentaubel zwiſchen die Babel deſſel⸗ 
ben zu legen. 

Pfaählen, v. tes. ı) Mit Pfählen verfehen, bamit ober daran zu bes 
feftigen. Den Wein, den Hopfen, bie Bäume pfählen. . 

@r pfählt und biegt und zieht bie gart: und jungen Stämme, 
Güntber, 

Einen Hopfengarten, Meinberg pfuͤhlen, bie im demſelben nötbigen 
Pfahle einfhlagen =) An ober auf einen Pfahl ſpießen. Bei ben 
Zürten werben gewiſſe Berbrecher gepfäblt. 

Götter, um mich in Byzanz zu pfihlen 

Sendet ihe ben Raden? Kalk (MR) 
In Deutſchland wurben ehemahls Berbrecher und befonbers Kinder: 
mörderinnen au gepfählt, indem man ihnen einen Pfahl bdurch ben 
Leib ſchlug. D. Pfaͤhlen. D. —ung. 

Das Pfahlgeld, —es, Bi. —er, in Danzig, eine gewiffe Abgabe 
der Baͤrger. Friſch. 

Das Pfahlgericht, —es, 8. —e, In einigen Gegenben, eine Art 
bei Gerichtes und einer Serlchtbarkelt, welche fih nur über einen 
Dof in eines Antern Gebiete erſtreet, das Jaungericht, von ben 
Yfähten und Züunen, womit die Bawerböfe eingeſchloſſen find. 

Der Hfahlgraben, —s, 34. —gräben, ein mit Pfaͤhlen befegter 
Graben, dergleichen no in mandıen Gegenden bie Brenzgräben find, 

Der Vfahlgrund, —es, 9. —gründe, der Grund eines Gebäudes 
ober Baues, mwelder in eingerammten Pfaͤhlen beſtehet; befonders 
im Wafferbane. 

Der Ffahlbaufen, —®, 9. gl. ein Haufen von Pfählen. Im 
Meinbaue tbeilt man die Weinberge nah Pfabibanfen ein, ba denn 
6 Ehre Meinftöde zu einem Pfahlhaufen gehören, , 

" Das Pfahlhaus, — es, Di. —häufer, ein auf eingerammte Pfaͤhle 
gebanetes Baus. 

Die Pfahlhecke, Mm —n, eine mit Schut- ober auch Grenzpfählen 

—  befente Hecke, foren fie bie Grenze zwiſchen zwei Gebieten madt. 

Das Pfahlholz, —es, H. — hoͤlzer; U. Das Pfahlhoͤlzchen. 1).Hola, 
weiches zu Pfihlen tauglich ift, =») Ein Holz welches ein Pfabt if, 
Hot In Geſtalt eines Pfahles, eine Benennung verſchiedener 
Arten von Epinbeln ober Pflöden, im gemeinen Beben, 

Der Pfahlmaft, —et, By. —e, im Schiſſbaue, ein aus Cinem Städe 
aemanhter Maft, 

Die Pfaklmühle, My. —n, eine BWaffermühle, welche auf eingeramms 
ten Pfäblen firhet. e 

Der Pfahlpaͤuſchel, —s, 99. al. im Bergbaue, ein großer fÄmerer 
»iufbel, Pfähle bamit einzufchlagen. 

Die Pablramme, 4. —n, eine Famme, große Pfähle zu Häu 
fern, Rrücken 10, damit einzurammen. 

Die Pfahlrutbe, By. —n, bei ben Teppichwebern, ber Stock, wel: 
cher zwiichen die Borbers und Hinterfäben der Kette des gewirkten 
Teppichs, wenn fie zum Weben aufgefponnt ift, gefedt wird, um 
beide von einander zu unterfheiden und Bade zu maden; auch Kets 


tenruthe. 

Der Pfahlſchlaͤgel, —, 9%. gl. ein großer Schlaͤgel, Pfaͤtle bamit 
einnfhlagen. M. Kramer. 

Die Pfablfchlagung, &y. —en, in ber Baukunſt, das Ginfhlagen 


608 


Pfalzg 


ober Ciarammen von Pfaͤhlen, bie ten Grund zu einem Bau auf 
weichen nachgebenden Boden abgeben follen. 

Der Pfahlſchwanz, —es, 4. —ſchwaͤnze, im Bergbaue, das obere 
breite Ende eines Pfahles. 

Der Pfahlſiich, —es, By. —e, in der Schifffahrt, eine Art Sribs 
kaoten, ber fih nicht zuſchtiert und mit weichem man Shiffe in 
einem Hafen an Pfähle befeftiget. 

Der Pfahlwall, —es, 94. —wälle, ein mit Pfäplen befefigter 
Wal. Stieter. ö 

Die Pfablweide, 24. —n, eine Art Meiben mit Blättern, die ben 
Blaͤttern bes Mandel: oder auch Pfiefihbaumes aͤhnlich find (Saiix 
amygdalina L.); aud Pfirfihmweioe. . 

Das Xfahlwerk, —es, Sij. —e, ein aus neben einander eingeſchla- 
genen ober eingerammten Pfaͤhlen befktbendes Werk, 4. B. bei 
Müblen, Befonders im Beftungsbaue, ein foldes jur Befeftigung 
bienenbes Wert (Palissaden). 

Der Pfahlwurm, —et, 94. —würmer, eine Art Bohrwärmer, bie 
in einer Schale fleden (Teredo L.). 

Die Pfahlwurzel, 39. —n, die Hauptwurzel yieler Blume, welche 
gieih einem Pfabie ſenkrecht in bie Erbe dringet; bie Herzwurzel, 

Zapfenwurtzel, Pfeilwurzel. 

Der Pfahlzaun, — es, By. —zaune, ein Zaun aus neben einanber 
eingefhlagenen Pfählen, bie oben gewöhnlich mit Weiden zuſammen⸗ 
geflchten, ober auf andere Art verbunden und befchtiget werben ; 
sum unterſchlede von einem Lattenzaune ıc. 

* Der Pfahlzins, —es, By. —e, ein Zing welcher dem Heren fie 
ben verlichenen Schut umd bie Erlaubniß auf feinem Gebiet gu mohe 
nen entrichtet wird, Daltaus, 

+ Der Pfaͤhwind, —es, I. —e, am Bobenfee, ber Suͤdwind. 3, 
G. Schmid. 

+ Dos Pfaid, f. Das Pfab. 

+Der Pfaidler,. —e, 9. gl, in Wien, einer der Pfaibe, d. h. Sem⸗ 

den, wie aud Binden, Roͤge und alleriei Kleidungsſtücke macht oben 

doch verkauft, eine Art ZTröbler, Kieiterfeller, Berndt im Schle⸗ 
ſiſchen Idiot. 

Die Pfalz, 4. —en. ı) Der Palaſt, das Schtoß ehemahls au 

Palenz, Pfatenz. VBefonders hießen edemahls, da die Deutſchen 

Könige und Kaifer batd Hier bald bort im Reiche Hof bieiten, bie 

ibnen gebörigen Palaͤſte, Schiöfer und Höfe in ben Ztäbten, we 

fie ſich von Zeit zu Zeit aufpielten, Pfalzen; daher, die Pfalzſtadt, 

eine Stadt mit einer ſolchen Pfalz. Ehemapis hießen auch bie Ratte 

häuf;e und Gerichtrorte Pfalzen. 
Wird enblih doch der Menge 
Der Reimen ſchon die Pfalz, ber weite Bau zu enge. Opiz. 

In weiterer Sedeutunz oͤberhaupt, ein berrliher Det, Aufenthalt, 

„Diejenigen, weiche im bie Pfalz ber Liche kommen“ Wächter, 

2) Das zu einer Pfalz oder einem kaiſerlichen Palaſte gehörige, den 

Kaifern ober Königen unmittelbar unterworfene Gebiet. Sotcher Pfaln 

sen oder Gebiete gab es im Deutſchen Peiche chemahis viele, melde 

had und nad an andere Befigre gekommen find und ibre Namen 
verloren haben. Als Eigenscme if bies Wort in ben Namen eini⸗ 
ger Theile Deutfchlanbs gebiieben, nämlich die Oberpfalz, weiche ein 

Theil von Baiern ift, und die Unterpfalz, welche aus Pfalz am 

Rheine, ober bei Rhein hieß, und ven welcher bie Kurpfalz ein 

Theil war. Davon der Pfützer, —s, 39. gl; die —inn, 2. 

— en, ein Einwohner, eine Einwohnerinn in ber Pfalz, eine aus 

ber Pfalz gebürtige Perfon; und pfaͤlziſch, zu der Pfalz gehoͤrend, bar 

ſelbſt einheimiſch, baber kommend. Anftatt bas Beilegungsmert zu ger 
brauden, macht man lieber Zufammenfegungen wie Pfalz und Pfälzer. 

2. + Die Pfalz, die Falz oder Say, S. d. 

Die Palzbirn, ſ. Pfahgrafenbirn. 

+ Pfalzen, v, ntr. mit haben, balzen. ©, b. 

* Dad Pfalzgericht, —es, Bi. —e, das Hofgeriht. Haltaus- 


1 


Pfalzg 


Der Pfalzgraf, —en, My. —en; die —graͤſinn. 1) Ehemahls ein 
Graf ober Richter, ber einer kaiſerlichen ober königlichen Pfalz und 
tem dazu gehörenden Gebiete vorgefegt war, im Ramen bes Kaifers 
ober Königes Geriht ‚hielt und Recht ſprach. Bpäterhin wurben 
biefe Ämter in ben Kamilien erblich, und Pfalygraf wurbe ber Zitel 
einer erblihen fuͤrſtlichen Wuͤrde, bie gewiffen altabeligen Geſchlech- 
term eigen war, wovon ſich bis auf unfere Zeiten nur noch bas Ges 
ſchlecht der Pfalzgrafen am Rhein erhielt, am beffen eine Linie bie 
Kurpfalz kam. =) Eine vom Kaiſer ernannte Perfon, melde ges 
wiffe, meiſt nur geringe Rechte der Laiferlihen MWüurbe ausübte. 
Dieſe an Mürde den eigentlihen Pfalsgrafen weit nadhftehenden 
Dfaisgrafen ober Hochgrafen wurden nad Einführung bes Roͤmi⸗ 
fhen Rechtes, befonders unter Karl IV. gewöhnlich, unb es wurten 
bazu noch in ben neuern Zeiten von ben Kaifern Belchrte und anı 
bere buͤrgerliche Perfonen erhoben, bie fih aber lieber lateiniſch 
somites palatini, als Deutſch Pfalzgrafen nannten ober nennen. 

Die Dfalzgrafenbirn, Rz. —n, eine Sorte ſchmackhafter Bienen 
mit röthlihen Schalen, melde man auch Pfalzbirnen unb Pfalz: 
geäfer, naͤmlich Birnen, nennt. ° 


Die Pfalzgrafenwürbe, 0. 9. die Würde eines Pfatygrafen, in bei· 


ben Bedeutungen biefes Wortes. 

Die Pfal geäfer, =. gt. f. Pfalzgrafenbirn. 

Pfatzgräfl bh, adj. u. ade, einem Pfalsgrafen (f. d. 1)) gehörig, 
bemfelben angemeſſen, in beffen Würbe gegründet, Die pfalzgeäfis 
Ken Bänder. Die pfalzgräflihe Würde. Pfatzgräflihe Rechte. 

Die Pfalzgraffhaft, u. —n, das einem Pfalsgeafen gehörige 
ober unterworfene Gebiet, ein Land, beſſen Herr ein Pfalzgraf if; 
auch nur die Pfalz; chemahls auch das Pfalsgrafthum. 

* Dad Palzgraftbum, —s, By. —thlimer, ſ. Pfalzgrafſchaft. 

‚ Die Dfalzftadt, 8. — ſtaͤbte, f. Pfalz »). 

+ Das Pfämmet, —es, 94. —e, In ber Schwelz ı) ein Tage: 
wert, 2) Ein zugemeflener Theil. Go heißt das Beltimmte unb 
Sewbhnliche an Speiſe und Zrant das Pfämmet. Dann auf, ber 
Tiſch in einem Wirthöhoufe, mo bie Sprifen und bie Art derfelben, 
fo wie bad Geld dafür, beftimmt find. 

Der Pfaͤnch, f. Fench. 

Das Pfand, —es, By. Pfänder, D.D. Pfande. 1) Eins Perfon ober 
Sache, welde einem Andern übertragen ober Überlaffen wird zur 
Buͤrgſchaft und Sicherheit barkber, baf etwas geſchehen ober erfolz 
sen folle und werde. So fegt man ſich ſelbſt, fein Beben, feine Ehre 
zum Pfande, wenn man einen Anbern verfihern will, daß etwas 
gewiß gefhehen oder erfolgen werde, widrigenfalla er ein Hecht has 
ben fol über dle Perfon unb das Leben bes Berfihernben zu falten, 
In weiterer Bedeutung nennt man Kinder Pfänder ber Liebe und 

Ehepfaͤnder, weil fie ber thätige Beweis bee Biebe Find und Bürg- 
ſchaft für das Dafein und für die Kortbawer derſelben gleichſam Leis 
#ten, Kinder find bes Lebens Pfande. A. Zfherning. 
Auf eine ungewöhnliche Art mird in ber Bibel ber heilige Geift, 


Ephef. 1, 14. „das Pfund unfers Grbeie, und = Gon ı, ea. » 


das Pfand ſchlechthin genannt und barunter verftanben, baß er ber 
Werfiherungsgrund, ber Bürge unferer Fünftigen SGluͤckſeligkelt iſt. 
In engerer Bebeutuns, eine Sache, bie ma. einem Anbern jur 
Sicherheit für die Erfülung und ebſang einer eingegangenen Ber: 
dindlichkelt übergiebt ober überträgt; bie Geißel, ebemapls ber 
Pfandmann, ber Pfandbuͤrge, wenn eine Perfon zu folder Sicher⸗ 
beit dienet, Ginem etwas zum Pfande geben. Pfänder fpieten, ein 
Spiel, das Pfande oder Pfänderfpiel genannt, fplelen, bei welchem 
sur Strafe für barin begamgene Fehler allerlei geleiftet werben muß, 
fire deffen gewiffe Reiftung nad bem Spiele, während des Spieles 
damit bies nicht unterbrochen werde, etwas zur Sicherheit gegeben 
werben muß, welches baan buch Reifung bes Auferlegten wieber 
gelbſet wird. Sein Pfand Idfen. In noch emgerer Bebeutung, eine 
Sande, die bem Glaͤnbiger zur Sicherheit dafür, daß er fein Darlehn 


Gampe’s Mörterb. 3. Ip. 


— 


Pfa 


zur beſtimmten Zeit wieher haben ſoll, übergeben ober angeisiefen 
wird, wibrigenfalls er dieſe Sache, bie bem Darleha an Werthe 
gleich koͤmmt ober gemöhntih noch Überfleigt, zur Schatleshaftung 
behält, In diefer Bedeutung wird es fomol und am gewähnlicften 
von bewegliden Dingen ober Gütern, als au bon unbeweglichen 
gebraudt, im welchem Falle man jedech häufiger Unterpfand faat 
(Hypothek). Ginem etwas zum Pfande geben, fegen, laffen. @e: 
mas zum Pfande ober als ein Pfand einfegen. Geld auf Pfaͤndet 
leihen und verieiben. Gin Pfand loͤſen, eintöfen, es buch Wieder⸗ 
erftattung des entliehenen Gelbes ıc. wieber in feine Gewalt bein: 
gen. Gin Pfand it verfallen, wenn es nach Werlauf der beſtimm 
ten Zeit, für melde es bem Biäubiger zur Sicher heit übergeben if, 
wab ohne daß ber Schuldner feine Rerbindlichkeit ecfuͤlt bat, bem 
Gläubiger als Figentfum gehöre. Im D. D. nennt man verfallene 


Pfänder, verftandene, weil fie über bie beftimmte Zeit ohne einge- 


loͤſet zu werben geftanben haben, d. h. bei dem @läubiger geblir: 

ben find. Im R. D. wo bies Wort Pand Lautet, hat es noch fel; 

gende Bebeutungen. 2) Cine Menge, Partei von Dingen. 3) Die 

Haut über flüffigen Körpern. 4) Ein Stü@ Zeug, aus welchem ein 

Kleidungsftäd beſtehet. Ein Mäpenpand, ein Stüt aus weldem 

eine Müge gemacht iſt. Das Borderpand, Dinterpand, bas Bor: 

derſtuͤe und das Hinterkäl. S. au Deichpfand. Im Bergbaue— 
bedeutet Pfand noch, fomol ein unter den Anfteckpfählen quer über 
gelegtes Dolz, womit: alte Bruͤche gefangen werben, ald auch ein 

Städt Holz, welches zwifhen dem Holze und Geſtein, ober zwiſchen 

bie Hölger, wo eine Rüde ift, um dieſelben ausjufülen eingetrieben 

wird, wie au, ein Stud Schwarte, welches bei verlorenem Dale 
binter ben Pfählen eingetriebem wirb, um ben Drud gegen ben 

Schacht zu verhüten, Alle biefe Bedeutungen laffen fih auf ben 

Begriff bes Mortes binden zurüdführen, mit welchem biefes Panb 

ober Pfand verwandt if. 

Pfandbar, adj. u. adr. was verpfänbet werben kann, was old Pfand 
dienen fann. 

Pfaͤndbar, adj. u. adr, was gepfändet werben kann. Davon bie 
Pfänbbarkeit. ! 

Pfandbeſchloßt, adj. u. adv, f. Beſchloſſen. 5 

Der Pfandbrief, et, 9. —e, ein Brief, eine gerichtliche Urs 
funbe, worin man-einer Perfon ein unbersegliches But zur Sicher 
zung ihrer Schuldfoderung anmeifet; die Pfandverfchreibung. 

Das Pfandbuch, —es, By. —büher, ein Bud, in welchts bie ®er: 
pfändungen eingetragen werben, auch ein Bud, welches ein Ber 
jeihnig der Pfander enthält, 

Der Pfandbürge, —n, 4. —n, eine Perfon, welche als ein Pfanb 
für etwas Buͤrgſchaft leiftet; ehemahla auch Pfandmann, Leiſtbuͤrge, 
jetzt gewoͤhnticher Geißel. 

Die Pfandbuͤrgſchaft, 94. —en, dieienige Buͤrgſchaft einer Per: 
fon, ba fie ſich ſelbſt zum Pfande uͤberglebt. 

Der Pfanddeich, — s, 2. —e, ein Deich, welcher in Pfinder 
d. h. in Theile, bie ein jeder von denen, bie Rutzen daven haben, in 
gutem. Stande erhalten muß, eingetbeitt if. S. Deichpfand. 

Die Pfandbeihung, 9. —en, bie Ginrihtung, ober bie Art und 
Meife, da ein Dei nad Pfändern gemadht wird, d. b. diejenige 
Art und Beife, da ein Feder ber Ruten von bem Deicht bat, feinen 
Antheil macht ober machen läßt, bie Koften dazu bergiebt. 

Das Pfändegeld, —es, My. — er, basjenige Geld, womit man 
eine gepfändete Sache wieder eintöfet, auch Pfandgeld. 

+ Das Pfändel, —s, 2. gl. in Schwaben, ein zum Weinen ver: 
jogener Rund. 2.6. Schmid, 

Der Pfändemann, — es, 94. —männer, der Pfinder. ©. b. 

O Pfanben, v, I} mtr. mit haben, ein Pfand fein, abgeben, ats rin 
Hand eingefegt fein. 1h) trs. als ein Pfand, zum Pfande nehmen, 
Dehne bich zu auter lehzt noch einmahl recht in deinem Wette, mor« 

gen wird's gepfandet.e Beifemig. — D. Pfanden D. —ung. 


77 


Pfaͤnde 


Pfaͤnden, v. trs. ı) Ein Pfand nehmen, und dadurch zur Leiſtung 
einer Schulbigkeit zwingen, pfaͤndet ber Gläubiger feinen 
Shultner, wenn er bei ausbleibenser Bezahlung zur beftimmten Zeit 
beufeiben einen Theit feines Eigenchums gerigtlih nehmen Täft, 
ober wenn cr ein Pfand, das er bat, zu feiner Schableshaltung bes 
halt. Dann auch, durch Nehmung eines Pfantes zum Schaäben: 
erfage gingen, So pfaͤndet man Vieh, welches auf bem Felde, 
im Garten ic, Schaden anrichtet, indem man es [o Tange behält, 
Bis der Eigenthuͤmer den Schaden erfegt und die Unterhaltungs: 
‚Loften bezahlt. Im R. D. fagt man dafür fhärten, von Schutte, 
Schnt, ein befrietigter Ort, im O. D. fürfangen. Eo pfändet man 
eine Perſen, die man auf feinem eignen Grund uad Boden ohne Ers 
laubeif etwas nebmend oder font Schaten anrigtendb findet, ober 
bie einen vrrbotenen Meg gehet, indem man ihr ein Kleibungsftüd 
oter fonft eine Sache nimmt, bie fie mit Gebe wieber Idjen muf. 
Ein Fuhrmann wird gepfindet, wenn man ihm auf verbotenen Wer 
"gen trifft und ein Pferd ausfpannet oner ihm fonft erıwas ald Pfanb 
nimmt, weiches. er erſt nah Bezahlung ber fefigefesten Geibitrafe 
wieder erhält. S. auch Abfänden, Auspfinden. =) äum Pfande 
gehen, «infegen; in bem aufammengejegten verpfänden. 5) In ber 
Chmweis, für uUnterlaſſung anbefohlner Frohndienſte an Seld firafen, 
Etalder. 4) x x In meiterer Beteutung berauben; eigentlich 
‚und uneigentlih, wie auch zurudbehalten. y 

Der mid an meinen Freuden alfo gepfändet. d. Nibelungen, 
8 8. 6374. 
In bemfeiben Gebihte V. 9606 wirb es auch mit bem zmeiten 
Kalle gefugt: 
Da dachte fie ben Recken des Leibes wohl zu pfänden. 
D. Pfinden. D. —ung. 

Der Pfünder, —6, Mi. gl, einer der einen Andern pfändet. In 
engerer Bedeutung, eine Prrfon, deren Amt es ift, die Felder, Weine 
berge ıc. zu begehen und Menfhen und Wich, melde daſelbſt aufier 
dem Wege gehen ober Schaden zufügen, zu pfänden; im gemeinen 

: Pehen der Pfändemann, Pfandmann, in menden Gegenden ber 
Keiler,oon dem in kLieftand übtichen feilen, pfanten, und, wenn er 
dies Amt nur auf Fluren ober Feldern zu verwalten bat, der Flur— 
ſchuͤt, Feldhuͤter, Feldvogt, Feldläufer. 

Das Piänderecht, — 8, By. u. das Recht zu pfänden, nah welchet 
eine Werfon eine andere in gewiſſen Faͤleen pfaͤnden barf. 

X Pfändern, v.intes. In O. S. Yfänder fpielem (R.) D. Pfändern. 

Das Pfänderfpiel, — es, 34. — te, f. Pfand, 

Die Panderfuhung, =. —en, tn den echten, die Erſuchung, 
das Geſuch um Pfändung eines Schuldners. 
* Die Pfandgewaͤhr, 29. u. die Gewähr, 

eines gegebenen Dfandes, 

Der Dfandgläubiger, —s, 4. gl. ein Gläubiger, ber auf ein 
Piand, welches ihm überliefert oder verfhrieben iſt, geliehen bat 
(Hypothecarius), 

Der Dfandbaber, —s, 9. gl. f. Pfandherr. 

Der Pfandhalter, —s, 9%. gl. der ein Plaud Hält, inne bat, dem 
ein Pfund ober [onft etwas, worüber ein Streſt iſt, von ben fireis 
tenden Parteien übergeben it, Bei Mahler lautet es + Pfandghals 
1er (Pfandgebalter). 

Das Jfandhaus, —es, My. —bäufer, ein Sffentlihes Baus, 
in weihem Gelb auf Pfänder geliehen wird, aud Pfanbhof; das 
Leihhaus. 

Der Tfanbberr, — en, M. —en. 1) Der Herr, Inhaber eines 
Pfantes, auf welches er einem Anbern Gelb geliehen hat, ober wel: 
dies ihm Sont-für etwae Sicherheitzeiftet , ber Pfandinhaber, Pfand» 
haber. ©. auch Pfandglaͤudiger. 2) + In manchen Eräpten, J. B. 
in Mindshein, gewiſſe deathiderren, die das Fhteramt betlelden. 

Friſch 
Sfandberriic, adj. u, adr. (du bern Pfandhesen gehörend, in befs 


Siche rheit vermittelt 


610 


Pfandſ 
fon Rechte gegruͤnbet. 


* Der Pfandhof, — es, 8. — hoͤfe, ſ. Pfandhaus. 

Das Pfandholz, —es, By. — bölzer, im Bergbaue, badienige Furze 
Hols, womit man ble Löcher hinter bem Aapfızı und dem Dangem 
den bei ber Berzimmerung rines Stroſſenbaues ausfällst. 

Der -Pfandinhaber, —s, By: gl.; bie —inn, Wj. —en, f. Pfand: 
berr. 

* Die Pfandfchrung, 9%. —en, bie Kehrung, Abtwenbung bes 
Yfandens. Pfandtehrung thun, im Lübifhen Rechte, fih an bem 
Gerihtsfneät, der einen auspfänden will, vergreifen. Friſch. 

Der Pfandkeil, — s, Bi. —e, im Bergbaue, bie Keile, welche man 
zwiſchen jeden Pfahl eines veriornen Werieres eine Schachtzimme; 
zung fhlägt, damit die Pfiste an die Jocher und Heibehöljer ge 
drücdt werden und nicht ablommen oder fih von einander geben. 

* Die Pfanpfeule, By; — n, eine Heute, welche ber Pfänder bem, 
der gepfänder wurde, ins Haus trug, und welche fobann vor Ge 
wicht vorgezeigt werden mußte, zum Beweiſe, daß seht: und gefeg- 
mäßig gepfänbet worden fi, Obertfn, 

Das Pfandlehen, — 4. al. da teten ober Lehngut, welches 
man als ein Pfaub befiget. Popowitſch werfiebt darunter ein 
gellehenes Stät Gelb zu Lehn gegeben und unterfcheiber es von ei: 
nem verpfänteten Beben. 

Pfandlich, adj. u. adv. ats ein Pfand, in Geftalt eines Pfaudes. 
Gtwas pfandlic befügen. Dfandliche Sicherheit (hypothecarische). 

Die Pfandloͤſung, 3. — en, die koͤſung, Eintffung eines Pfandes. 

Der Pfandmanı, —es, 84. — maͤnner. ı) Der Geifel, eine Per: 
fon als ein Pfand, Unterpfand-betrahtet. 2) Im R.D, ein Mann, 
ber von biedifchen Leuten Pfänber annimmt, Friſch. 

%* Pfandmaͤßig, adj. u. adv. geſchicktt, fo beſchaffen, daß es rin Pfand 
abgeben kann; dann, als ein Pfand und fiher wie ein Pfand, Dar 
von bie Dfandmäßigkeit. 

Pfandpflichtig, adj. u. adv. durd ein gegebenes Pfand oder Unter: 
viele du etwas verpflihtet, Mahler. Davon die Pfandpfliche 
tigkeit. 

Das Pfandrecht, —es, DH. u. das Met gu einer Foderung ver- 
möge eines Pfandes, weldes man wirklich, oder deſſen Berfäreibung 
man in Hinten hat. 

Die Vfandfache, By. —n, eine. Sage, melde ein Pfand betrifft; 
auds wol, eine Sache als ein Pfand betrachtet, 

Der Pfandſaß, — Ten, 2. — ſſen, der Wfandinhaber oder Pfand 
herr eines unbeweglichen Gutes, weiches er als ein Pfand befigt, 
©. Saf. 

* Der Pfandfab, —r8, — ſaͤte. 1) Der Gap, die @infegung eines 
Pfandes zur Sicherheitz obme Mehrzahl. a} Eine Sache, die man 
sum Pfande feat, ein Pfand, Haltane. (R.). 

Die Pfandſchaft, Sz. —en. 1) Dec Umftand bei einem Dinge, ba 
es ein Pfand if; ohne Mehrzahl, 2) Ein Pfand ſelbſt. 

Pfandſchaftlich, adj.u. adv. als ein Pfand, in Geftalt eines Pfanz 
bee, „Der Bertrag von 1740, durch welchen die Herrſchaft Mein: 
garten von tem Erahaufe pfandſchaftlich überlaſſen worden.“ ALL: 
gem. 3ettung. (M.) 

Der Pfandſchatz, —es, 24. — ſchaͤtze, In der Schweiz, eine Belb: 
frafe ,„ befonders für Unteriaffung anbeſohlner Frohnarbeiten. 
Stalder. 

Der Pfandſchein, —s, 24. —e. ı) Ein Schein über bie Überge: 
bung eines Pfanbes, worauf man Geib zeichen hat. =) r In ber 
Schweiz, bie richterliche Erlaubniß zum Pfänden. Statder. 

Der Pfandſchill ing, — es, My. —r. 1) Eine Gelbfumme, die man 
auf ober gegen ein Pond oufgencmmen bat; der Dandpfenmia> &, 
—— 2) Dasjenitge Gelb, welches ber Gepfaͤndete jur Strafe, 

Schaden zu erſeten und das ibm Abgepfandete einzalbſen ber 
ie 3) + Dasienige Geld, welches dem Richter für bie Einwil— 
ligung zur Berſchteibung eines Pfandes begapie wird. 4) + Das 


Pfandſ 


Pfanb Fetbft, auf welches man Geld Leihek. 

Die Pfandſchuld, 84. — en, eine Schub, bei welcher dem Glaͤubi⸗ 
ger ein vom Schulbner gegebenes ober werſchriebenes Pfand Sicher 
beit teiſtet. 

Der Pfandſchuldner, —&, 4. gl.; die — inn, By. —en, eine 
Derfen, welche eine Pfandſchuld bat, aufein Pfand Weib geliehen hat, 

Die Pfandſicherheit, 9%. u. diejenige Sicherheit für eine zu Teiften: 
de Sache, Terbindlichkeit, ba man ein ber Sade angemeflenes Pfand 

. oder eine Pfandverfgreibung in Händen hat (kygotkekarische Si⸗ 
cherbeith. 

Das Pfandſpiel, —s, 94. —e, f. Pfand. 

Der Pfandſtall, — es, Day. — ſtaͤlle, ein Stall, in welchem bie Obrig⸗ 
beit das gepfoaͤndete Eu fo lange eingefihloffen hält, bis es ber Ei: 
genthümer mit Erferung bes von ihm angerihteten Schadens einld: 
fer; auch Pfandkobe, NM. D, ter Schuttflall, 

Die Pfaͤndung, 4. —en, ſ. Pfänden. 

Der Pfandverfäufer, —&, My.gl, einer ber im Leifihaufe bie Pins 
ber verkauft, wie auch einer, ber bie Waaren des Schuldnet verfauft. 

Die Pfandverfchreibung, 94. —en, f. Pfandbrief. 

Der Pfandvertrag, —ıs, Bi. —vertraͤge, ein Bertrag, bei mel: 
dem zur Sicherheit. für bie Erfulung deſſelben ein Pfand gegeben 
ober: verſchrieben wird, 

Die Pfandwarnung, Wz. un, in ber Schweiz, bie Anzeige, die 
dem Schulbner buch ein Gericht gemacht wird, daß er gepfänbet 


werben ſolle, wenn er feine Schuld in einer beffimmten Fuſt nicht 


abträst. Stalder. 

Die Pfandweigerung oder Pfandwehrung 34. — en, bie Berweis 
gerung, Verwehrung ber Pfaͤndung. Haltaus. 

Pfandweiſe, adv. in Geſtalt eines Pfandes, als ein Pfand, Friſch. 
Etwas pfandwelfe in Befig nehmen. Gin Eut pfandweiſe befigen. 

+ Der Pfanich, —es, Br. u. ein Name bes Fenches und des Feu— 
des. © db. 

+ Der Dfannapfel, —s, Mt. — Apfel, ein Bratapfel, ein "Apfel, 
weicher gut in einer Pfanne zu braten iſt. 

Der Dfannbalten, —s, 34. gt. im Wafferbaue, ein vor bem Suͤle 
dicht anliegenter Matten, zwiſchen welchem und dem Suͤle bie Pfan— 
nen entweder eingelaffen, oder in weichem allein bie Pfannen eins 
geſeyt werben. 

:Die Hanne, By. — n; Bw. das Pfaͤntichen, O 
Pfaͤnnel. +) Eine flach vertiefte Glide. Go nennt man im Mäh: 
lenbaut, Bergbaue, bei ben Uhrmachern ıc. diejenige Verticfung, in 
werden ſich ter Zapfen einer liegenden Meile umbrehet, bie Pfanne, 

beſtimmter Zapfenpfanne, und wenn fie oben über bem Fapfen ver: 
ſchloſſen it, daß dieſer nicht berauefann, das Zapfenloch. Auch 
nennt man bie runde Vertiefung ober bad Loch, im welchem fi ber 

—Zapfen-einer ftehenden Welle, bie Angel eines Therweges ic. ums 

drehet, Pfanne. Eine ſolche flahrunte Vertiefung iſt aud die 
Marine oder Zindpfonne am Schloſſe eines. Henergemehres, in 
melde das Bündfraut gefhättet wirb. In der Zergliederungstunk 
führen ben Namen Pfannen die halbkugeligen Vertiefungen, befons 
ders am Ente mancher Knochen, in weihen fih die kugeligen Enden 
anderer Knochen bewegen und dadurch Gelenke bilden. Beſonders 
führt dieſen Ramen die Dfanne bes Bedens, melde von den Häns 
dern des Darm, Chan: und Gigbeines gebildet wird (Acetabu- 
lum), 2) Ein mfit einer mehr oder weniger flad vertieften Flaͤche 
derſehenes Ting. So find bie. Hohigiepel unter dem Namen ber 
Dfannen oder Dachpfannen bekannt, von melden birfe Benennung 
im MR. O⸗ felbft auf bie ganz flachen ebenen Dadsiegel ausgedehnt 
wird. Bei dem Ringreunen war nach Friſch die Pfanne ebemabis 
eine hohle im der Schwehe aufgchängte Scheibe, nad welcher man 
als nad) einem Ringe rannte. In engerer und gemöhnliher Bedens 

. tung find Pfannen von allen Selten eingeſchloſſene mehr ober mwes 

miger: lad) vertiefte Räume und. Gefäße, . etwas barin zugubereiten 


611 


O. D. —lein, gefürzt 





Pfann 


ober aufzufaſſen. So heißt ber von allen Seiten eingeſchloſſene 
vertiefte Raum, in welhem bie Maurer ben Mörtel zubereiten, die 
Panne oder Mörteipfanne. Bicher gehören befonders bie Pfam⸗ 
nen in ben Broubäufern, Salgwerten ac, welche Tanguleredige fische 
vertiefte kupferne Gefige find, in welchen bas Bier gekocht, bie 
Salzſehle geſotten wird ıc. S. Siedepfanne, Sospfanne, Wärm: 
Pfanne, Die Pfannen in ben Salzwerken, worin bie Schte gr: 
fotten wird, haben gewöhnlich eine beftimmte Größe, 
Satzwerten su ‚Galle bält eine Pfanne 5 Zober Sobte, Jeder Zober 
8 Eimer und jeber Eimer 12 Kannen, Bon einem ähnlichen Mose, 
welches man vieleicht in Aachen hatte, rührt wahrfheintih die de: 
fonbere Bereutung bes Wortes Pfanne, bie es bafelbft bat, intem 
es eine Abgabe bezeichnet, weihe von dem Getreibe, den Sohlen ic. 
an benZhoren ber Stadt für bie Kenen abgegeben wird ober wurde. 
In den Blechhütten find bie Pfannen ſewol eiferne eingemauerte 
Kaften, worin das Zinn zum Verzinnen bee Bleche geſchmelzt wird, 
als auch große viereckige tiefe, oben offene Geſchirre von Blei, melde 
in Öfen eingemauert werden, Kochfalz, Witriol, Alaun und Salpe: 
ter bis zum Anfhießen darin einzukochen. In ben Hättenwerken 
find die Pfaͤnnel große runde eiſerne Schalen, in welde das ab ge⸗ 
ſtochene Werk, zu Pfannelſtuͤcken gegoffen wird, In ben Rüden 
find die Pfannen ebenfalls bald vieredige, balb runde flach ver 
tiefte blecherne oder auch irdene Gefige mit. Griffen oder Stieten, 
zuweilen auch mit Füßen. Mergleihen find die langen vieredigen 
Bratpfannen, die runden Pfannen, bie zur Bereitung von Back 
wert, 3. 8. Eierkuchen, Pfannkuben ıc. dienen. S. Bratpfanne, 
Zortenpfanne sc. Davon daß in felhen Pfannen auch Fleiſch in 
klelnen Stuͤcen gebraten wird, rührt ber umeigentlihe Ausdruck im 
gemeinen Leben, einen, befonders, den Feind in die Pfanne hauen, 
auf ihn fo einbauen, ihn fo jerhauen, daß bie Erhden gleichſam in 
einer Pfanne Raum hätten, wolle man auch fagt, im Kodfiüte 
bauen ober zechauen. Bon anderer Art als die angeführten und 
gewöhnlich tiefer find andre Pfannen, 3. B. bie Feuers eder Ach: 
ienpfannen, bie Raͤucherpfannen te. , welcht tiefere an den Zeiten 
gewöhnlich. durchbrochene eiferne ober blecherne Gefäße mit Griffen 
oder Stielen find. Bei den Papiermadern ift bie Pfanne cin Ge— 
fäß, womit ber Zeug in ber Xrbeitöpätte erwärmt wirb; im den 
Schmelzhuͤtten ift fie ein großes elfernes Befäß, in welchem der Ze 
geſchlagen wird. Die Leuchtpfannen And tiefe blecherne Becen, 
Pech ober andre brennbare Sachen zu einer naͤchttichen Erleuchtang 
darin anzugänden. Die Bettpfannen (f.d,) find, damit bie Kohfen 
nicht Schaden anrichten, oben verichloffen. Im N. D., ma bies 
ort Panrte lautet, nennt man uneigentlih die Birnfhale Bre⸗ 

„geupanne, Bebirnpfanne. 5) + In manden Gegenden führt aud ber 

gelbe oder Icharfe Hahnenfuß (Aenuneulus aeris L) ben Ramen 

Pfaͤnnlein. 

Das Pfaͤnnelſtuͤck, — es, By. —e, in ben Echmeizbütten, bailes 
nige Werk, welches in bas Pfännel oder Pfünttein gegoſſen wish, 
Das Pfanneiſen, —s, MM. al. auf den Blechhaͤmmern, ber Mame 
sine Starken Eiſenbleches, woraus bie Salzpfannen und andere Man 

men gemadbt werden, 

Der Pfunnenbaum, —tıt, My. —bäume, in den Satzwerken, dies 
fenigen Bäume, an welchen die Salzyfannen bangen. 

Das Pfannenblech, —es, Bi. —e, @ifen: oder Kupſerblech ‚ans 
welchem Pfennen gemacht, zuſammengeſeht werben. 

Der Pfannenbock, — es, Di. —böde, im ben; Salzmerten, tin 
Boc oder Geſtell, auf welches die aus ihrem Bayer genommenen 
Salspfannen gefeht werden, wenn der Bobenfag mitı matergelegt:m 
Etred ausgebrennt werben ſoll. 

Das Pfannenbreit, — es, 4. — er. 1) In den Satzioerken, 
Bretter, welche vor bie Salspfannen geſest werben, ben Bug der 
Euft davon adzuhelten. =) In ben. Küchen ein Brett oder Bau, 
worauf ober worein bie dort gebräuglichen Pfannen, wennwor lie 


unb in den - 


Pfann 


nicht in Cebrauch hat, geſegt werden, 

Der Vfannendedel, —s, Bi. gi. ter Dedet auf ober zu einer 
Pfanne. Beſonders der ſtaͤhlecne Dedel auf der Zundpfanne ber 
Shiefgewehre, An beffen aufreht lebenden Teil ber im Hadne be: 
fehiate Feuerftein trifft und den unten, indem er ben Pfannen: 
deckel zurüdfchnet, auf das Pulver ſchlagt. 

Das Ffanneneifen, —s, Mr. al. 1) ©. Dfanneifen. #) Bei ben 
Bidhfenmadern, eine Keine eiferne Shraubenzwinge, bie Zänbpfanne 
des Schloſſes darin in den Schraubenftod zu fpaunen unb mit ber 
Beile zu bearbeiten. 

Der DPfannenflider, —e, M. gl. ein Handwerker, weiher blecherne 
Pfannen Aidt; aud der Keffeiflider, weil ex auch Keffel ausbeflert, 

Das Pfannengeld, —es, Wh. —er, dasjenige Gerd, weldied man 
für Benüsung ber Braugerechtigkeit an bie Obrigkeit entriätet. 

Das Pfannengeftell, —es, 94. —e, in ben Rüden, ein eiſernes 
Geſtell, worauf man eine Pfanne über bas Feuer fleut, ein Dreis 
fo. Erberg. 

Das Pfannengras, —es, 9. u. eine Amerikaniſche Pflanje (Pas- 
palum L ). 

Die Pfannengrube, 8. —n, in bet Berglieberungstunft, die Bere 
tiefung ber Pfanne bes Beckens in der Milte, wo fie am beträdt: 
lichſten ill (Foren acetabuli). 

Der Pfannenhafen, —s, WB}. 91. in ben Salzwerken, Haken, worin 

die Salzpfanne hängt und welche im die Pfannenhaspen eingreifen, 

Die Pfannenbaspe, 9. —n, in den Satzwerken, eiferne Haspen, 
in welche bie Pfannenhaten eingreifen. 

Das Pfannenhaus, —es, 34. —haͤuſer, in den Saljwerten, das 
Gebäude, in weichem bie Zisdepfannen fleben. 

Der Pfannenherr, —ın, Fr. —en, ſ. Dfänner. 

Die Dfannenhöhlung, Wz. —en, bie Höhfung, Wertiefung einer 
Hfanne. „Bon ihm (bem Ausfhnitte im Rande ber Pfanne des 
Bedtens) acht eine Knocpelſcheibe in die Pfannenhöhlung x. Wie 
kemann. 

Der Pfannenknecht, —es, 94. —r, in den Rüden, ein Merkzeug, 
worauf ber lange Stiel einer Pfanne als auf einer Stüge ruhet, 

‚ Figentlih wärbe es einen Knecht, Arbeiter, ber feine Arbeit bei eir 
wer Dfanne In einem Braubaufe, einem Balymerkeic, bat, bedeuten. 

Der Dfannentolben, —«, 3%. gl. bei den Buͤchſenmachern, ein Kotı 
ben, womit bie Wertiefung ber Zündpfanne ausgetrieben wird, 

Der Pfannenkuchen, f. Pfannkuchen. 

Der Piannentäufer, —s, 4. gl. in den Salzwerken, Städe Balj, 
welche Heiner als gewöhnlih und als fie fein follen find, weil bie 
Pianne alt ober Idcherig war und während des Giedens viel Eohle 
ausgelaufen ift. 

Das Pfannenloch, —es, 9%. — loͤcher, in ben Salzwerken, das 
Ofenloch unter ber Salzpfanne. Auch Bann es das Lo der Pfan— 
ne, ober cin koch im ber Pfahne bedeuten. 

Der Pfannenmeifter, —d, M- gl. in manden Ealgwerken, 5 B. 
in Altorf, ein gefhmworner Xuffeher über bie Pfannen und Galjge: 
bänbe, ber bafür forgen muß, daß fie fich in gutem Stande befinden. 

Der Pfannenrand, —es, 99. —ränder, ber Rand einer Pfanne, 
befunbers in ber Zergliedk. diejenigen Ränder des Darm, Scham: 
und vorsäglih des Gipbeines, welche bie Pfanne dilben. 

Der Dfannenfhmaus, — es, 4. — ſchmaͤuſe, ein Schmaus , wel: 
her den Brauern unb Braufnehten gegeben wird. Frifch. 

“Der Pfannenfhmicd, —rs, 99. —e, ein Schmied welcher Pfannen 
und aͤhntiche Merätke aus ſtarkem Cifenblehe fihmieber, baher man 
ihn zumwelten auch Blechſchmied nennt. 

Der Pfannenſtein, —e, 9. —e. 1) Die erbe und Balfartige 
Moffe, melde fih beim Sotzſteben in ben Pfannen in Geſtalt eines 
reines anfept und mit Bämmern abgeſchlagen werben mus; ber 
Satzftein, Schoͤpp. +) Gine Art Schiefers, welde bei Geelar ges 
Seshen wird, 


612 


Pfanne 


Der Pfannenftiel, —es, 4. —t, ber Etiel an einer Pfanne wie 
man deren in Küchen gebraudt. ineigentiih, + ein Rame ber 
Echwanzmeife, deren langer Schwanz einige Ähnlichkelt mit einem 
folgen Stiele hat; auch * Schwanzſtieglitz. S. Schwanzmeiſe. 

Der Pfannentheil, — s, 4. —e, in den Satzwerten, der At 
theil, melden einer an einer Salzpfaune ober darin verfottener 
Sohle hat. Friſch. 

Der Pfannenziegel, —$, 2. gi. eine Art Dachziegel, beren Durch- 
fnittölinie in ber Queree einem lateinifhen S Abntih iſt. Im 
weiterer Bebeutuna, jeder Hohlziegel. ©. Pfanne ı). 

Der Pfannenzuder, —s, 9. u. in ben Zuckerſtedereten, derjenige 
Suder, welcher fih in ber Räbtpfanne anfegt, und, nadbem biefe 
ausgefhdpft worden, an ben Seiten und am Beben als rine lodere 
Rinde nachbleibt. 

Der Pfänner, —E, 3. gl.; bie —inn, My. —en, in ben Salz⸗ 
werten, eine Perfon, melde Salzgüter befigt, entweder an Kethen, 
ober an einer gewiffen Menge Sohle, ober auch am beiden zugleich. 
In engerer und gewöhnlicher Bedeutung iſt ber Pfaͤnner berjenige, 
welcher rin Koth, alfo auch bie dazu gehörige Salspfanne, befigt 
und au bie Sohle Anderer in bemfelben verfieben läßt; zum Unter: 
füiede von ben Gutsherren, welche fein Koth, fontern nur einen 
Antheil an ber Sohle befigen, ober; wie man fi auddrudt, weiche 
auf ihre Austäufte fiten. An andern Orten beißen fie Salzjunker, 
in Lüneburg Suͤtfmeiſter, Seibftmeifter, und wenn fie Männer von 
Stande find oder man mit mehr Achtung von ihnen ſprechen mid, 
Pfannherren oder Pfannenherren. 

Die Pfännerei, 9. —en. ı) Der Antheil eines Pfänners an einem 
Salzwerke, ein Koch mit einer Saljpfanne. 2) Die fämmtlihen 
Pänner an einem Orte; bie Pfännerfhaft. „Mitglied der Pfän: 
nerei.- Ed. (8) 

Das Pfännerreht, —es, 9. u. das Recht eines Pfännere. 

Die Pfännerrofie, By. —n, eine Role, ein Verzeichniß der Pfän: 
ner, wildes dasjenige nahmeilet, was an Salz verkauft und no 
übrig if. Friſch. 

Die Pfännerfhaft, By. —ım. 1) Die Cigenfhaft eines Pfänners, 
ber Umſtand da einer ein Pfanner if; ohne Wehrzahl. =) Die 
ſaͤmmtlichen Plinmer eines Ortes, als ein Banges betrachtet. 

Der Pfannfiih, —es, 94. —e, ein Bratſiſch, fowol ber in einer 
Pfonne gut zu braten ift, als auch der in einer Pfanne gebraten if. 

Der Pfannherr, —ın, 84. — en, ſ. Dfäunee. 

+ Das Pfaͤnnken, —s, 93. at. ſ. Pfannkuchen. 

Der Pfannkuchen, —s, MR. gl. ein in einer Pfanme, wie fir in 
Küchen gewoͤhnlich finb, gebadener Kuchen. So nenat man ih wie, 
ten Gegenden, befonders N, D. jeden Eierkuchen einen Pfannkuchen. 
In engeren Bedeutung aber verſteht man darunter ein Badırert 
won feinem Mehle, Mic, Hefen, Zucker 2c. welde in laͤnglich runs 
der ober viereckiger Geſtalt in Pfannen in serlaffener Butter ober 
in Echmalz gebaden werben, und welche häufig aud mit Pflaum: 
ober Kirfhmuß, ober mit Rofinen x. gefüut find, in Sſterreich 
Krapfen, im Bennebergfden Kropf, in Jena unb anberwärts 
Kröppel, Kraͤpfel, in Baiern Pfänzel, im Glazifhen Pfännten, 
in Braunſchweig Prilleken, in Straßburg Küche, in Nürnberg 
nah Ab. Drfentuchen. Plinfen ober Plinzen heift dieſes Backwerk, 
wenn +6 aus bünn gemwalzten und zuſammengerollten Zeigblätrern 
befiehet. Umeigentlih, in ber Maturbefhreibung eine Molgentute 
in ben Merren Aftens (Comus bullatus); and Eierkuchen (Wol⸗ 
tenbade). Remnid, 

Der Pfannkuchenfteſſer, —, 4- gl. einer-der Pfannkuchen frißt, 
gern genießt. Uneigenkiih eine fonberbare Benennung bed Lauf: oder 
Benn?ifers (Carahus L). Remnid,. 

+ Das Pfannkuchenkraut, —es, 94. u. bie Frauen: ober Marien: 
muͤnze, weil man in Italien bie Blätter berfeiben au Salaten und 
Pfanakuchen d.5. Fierkucen gebraucht (Tanacetum balssmite L ). 


—— — — SS LEE EEE 0: 


Pfannw 


+ Das Pfannwerk, — es, Pr. u. in ben Satzwerken, ber Beſitz und 
de Benügung eined Salzkothes ald ein Gewerbe. " 

+ Pfannwerken, v. ner. mit haben u, intrs, in ben Salzwerken, 
ein Salztoth befigen. und aus ber Benügung bdeffeiben ein Gewerbe 
machen. D. Pfannwerken. 

+ Das Pfaͤnzel, —s, 34. al. f. Pfannkuchen. 

+ Pfanzig, —er, —ſte, adj. u. adv. in Baiern, artig. Davon bie 

. Pfanzigkeit. 

Der Pfaͤrch, f. Pferd. 

Der Pfarrader, —s, 84. —äder, der zu einer Pfarre gehörige, 
sum Unterhalt bes Pfarrers bejlimmte Ader; auch bas Pfarrferd, 
Dfartland, Pfarrländerei. 

Das Pfarramt, —ed, BY. —Amter, dad Amt eines Pfarrers, fo: 
wol feine Obliegenheiten und Berrihtungen, als aud feine Stelle, 
bie Pfarre. Sein Pfarramt treu verwalten. Gin gutes Pfarr: 
amt befommen , eine aute Pfarre. 

O Der Pfarrauffeher, —s, 99. gl. ber Auffeher über die Pfarrer 
eines Bezirkes (Superintendent) oder eines ganzen Bandes, wo er 
Dberpfarrauffeher genannt werben kann (Generalsuperintendent), 
weil er dann mehrere Pfarrauffeher unter fi bat. Sie find auf 
Pfarrer ober Geiftlihe, und buch ihre Würde die erſten Geiſtlichen 
bes Bezirkes und Landes. Davon die Pfarrauffeherwärde, das Pfarr- 
auffeheramt, bie Pfarrauffehberwohnung ꝛc. (Superintendentur), 
die Würde, bad Amt, bie Wohnung ıc. eines Pfarraufſe hers. 

O Das Pfarrbefegungsreht, —s, By. u. das Richt eine erle 
bigte Pfarre mit einem neuen Pfarrer nach feiner Wahl zu befehen 
(Patronatredt); dus Pfarrlehen. ©. b. 

Die Pfarrbirn, Mr —en, eine Corte Birnen (Poire de prötre). 
Remnid. 

Der Pfarrdienft, —es, My. —e. ”ı) Der Dienft, d. h. bie Stelle 
und bas Amt eines Pfarrers; das Pfarramt. 2) Dienfte, melde 
auf einer Pfarre, dem Pfarrer von ben Pfarrgenoffen geleiftet wer⸗ 
den müffen; Pfattfrohnen. 

Das Pfarrborf, —et, Di. —börfer. ı) Ein Dorf, in welchem ein 
Pfarrer angetelt und wohnhaft if. ») Ein Dorf, mweldes das 
Eigenthum einer Pfarrkiche if. 

Die Pfarre, 9%. —n. ı) Die Stelle eines Pfarrers mit Hinſicht auf 
die damit verbundenen Einkünfte und Bortheile; bie Pfarrftelle, 
Pfarrei, aud wol + Pfarrtei. ine Pfarre bekommen, ald Pfar: 
rer bei einer Gemeine angeftellt werben. ine gute, einträglice, 
ſchlechte Pfarre. Eine Stadtpfarre, Dorfpfarre. =) Die Woh: 
nung bes Pfarrers; die Pfarrei. 

Die Pfarrei, By. —en, f. Pfarre. 

Die Pfarreinkünfte, &. u. die Einfänfte einer Pfarre. 

+ Der Pfarren, —, 2%. u. in Schwaben, ber Spaniſche ober jahr 
me Lauch (Allium porrum L.). 

+ Der Pärren, —6, 9. gl. ein wohtfehmedender Fiſch im Genfer: 
fee (Salmo ferre). Remnid. 

Dfarren, v. I) utr. mit haben, zu einem-Pfarrdorfe oder im eine 
Stadt zur Kirche gehören, dahin dem Gottesbienfte beizuwohnen aus 
gewiefen fein, von DOrtfhaften und Gemeinen, bie Feine eigne Kiche 
und feinen eignen Pfarrer haben. Das Dorf Dürstettel pfarret 
nah Bauhwig. Ilrers. 3) Zu einem Pfarrorte ſchlagen, in dem 
zufammengefegten einpfarren. 2) K#%* Pfärren, ehemahls, zum 
Pfarrer beftellen. Obertin. — D. Pfarren. , D. —ung. 

Der Pfarrer, —s, 93. oT. ein GSeiſtlicher, welchem bie Haltung bes 
Sottesdienſtes und die Berrichtung aller getresbienfttiiher unb kirch- 
tihen Handlungen für eine Gemeine, wie auch die Unterweilung in 
den Beligionswahrbeiten und bie Auffiht über die Gemeine und 


Kirche amvertrauet iſt; im gemeinen Leben gelürzt ber Pfarr; : 


ſpricht man aber mit Achtung von ihm, der Pfarrherr. Seine Gat— 
- tinn die Pfarrerinn (Pfarrinn), Pfartfrau. Pfarrer werden. 
Bum Pfarrer gewählt werden, Der erfte Pfarrer an einer Kirche, 


613 


Pfarr 


bei welder mehr als einer angeftelt, ber Oberpfarrer, vorzugsr 
weife aud nur ber Pfarrer; zum Unterfchiede von ben Amtshelfern, 
bem zweiten und dritten Pfarrer ( Archidisconus und Diaconus), 
Ein Stadtpfarrer, Landpfarrer, Dorfpfareer, Im DO. D. gebraudt 
man Herr Pfarrer aud ald Ehrenwort ober Titel, wofür man an: 
beswärts das Lateinifhe Mort Paſtor gebraudt. 

Die Pfarrerwaßl, 94. —en, (R.) die Wahl eines Pfarrers; bei 
Stieler die Pfatrwahl. 

Das Pfarrfeld, —es, 4. —er, f. Marrader. 

Die Pfarrfrau, 9. —en, f. Dfarrer. 

Die Pfarrfrohne, By. —n, Frohnen, welde bie Pfarrgenoſſen für 
ihren Pfarrer oder ihre Pfarrkirche thun müffen, Seſtehen ber 
gleihen Frohnen in Fuhren, fo heißen fie Pfarrfichren. 

Die Dfarrfuhre, 9. —n, f. Pfarrfrohne. 

Der Pfarrgarten, —6, My. —gärten, ber zu einer Pfarre gehoͤ⸗ 
rende Garten, Brifd. 

Das Pfarrgebäude, —s, 39. pl. das oderdie Gebaͤude, melde zu el⸗ 
ner Vfaree gehören, bas Gebäude, in welchem ber Pfarrer wohnet; 
das Pfarrhaus, bie Pfarrwohnung, welches jedoch auch eine für 
den Pfarrer gemiethete Wohnung fein kann, wenn einer Kirche in 
ber Stadt kein eignes Haus für den Pfarrer gehört. Befonders 
auf dem Lande, wo mit ber Pfarre Landwirthſchaft verbunden zu 
fein pflegt, das Wohnhaus und bie Wirthfchaftsgebäube, welche ur 
Pfarre gehören, wo bann Pfarrhaus and Pfarrſcheune, Pfarr 
ftälle x. unterfhieten werben, * 

Die Pfarrgebuͤhr, 3. —en, bie Gebühren ober Einnahmen an 
Gelde, weiche der Pfarrer für feine Amtsverrihtungen zu befoms 
men und zu fodern hat (Jura stolae). Meift find fie zufälige (Ac- 
eidentien), und werben bann bem feften Gehalte, ber in baarem 
Gelbe und andern feſt beflimmten Einnahmen an Korn ıc. beftehet, 
entgegengefept. 

Die Pfarrgemeine, By. —n, die zu einer Pfarre oder Kirche ges 
hörende Gemeine, eine Gemeine, welder ein Pfarrer vorgefegt ift. 
„Mir trabten nad Abflug ber’ Pfarrgemsine alle Emporen hinauf.“ 
3. 9. Ridter. : 

Der Vfarrgenof, — ſſen, 9. — ſſen, ber Genof, das Glied einer 
Pfarrgemeine; das Pfarrfind, Kicchfind, der Kirchgenoß, auch in 
der Mehrzahl, die Pfarrleute. 

Die Pfarrgerechtfame, MH. —n, bie Gerehtfame eines Pfar: 
vers, bie mit feiner Stelle verbunden und bie zu fodern er berehtir 
get iſt. 3. 

Das Pfarrgrundflüd, —es, 2. —e, ein zur Pfarre gehörendes 
Grundftüd, 3. ®. ein Ader, eine Wiefe, ein Gehötz zc., welches der 
jedesmahlige Pfarrer benüpt. 3. 

Das Pfarrgut, —es, Da. —güter, Güter, melde zu einer Pfarte 
gebören und zum Unterhalt bes Pfarrers beftimmt find. 

O Der Pfarrhandel, —6, 0.0. der Handel mit den Pfarren ober 
Pfarrfichen, dergleichen noch im meuern Zeiten, befonders im Bil: 
tesheimifchen, getrieben wurde (Simonie); auch ber Pfarrkauf, wel: 
ed Stieter bat, und ber Pfartſchacher, wenn man mit Verach- 
tung bavon ſprechen will, Au @ die Simonsfünde. ©. 

Das Parrhaus, —et, DM. —bäufer, das Wohnhaus des Pfars 
vers; die Pfürre. S. Pfatrgebaͤude. 

Der Pfarrher, —en, 94. —en, f. Pfarrer. 

Der Pfarrhof, —es, Bir. —böfe, der Hof bei einem Pfarrhaufe, 
wie auch zumellen ein großes meitläufiged Pfarrhaus, Seſenders 
auf ben Sande, das Pfarrbane mit dem babei befindlichen Hofe und 
den baran fofenden Wirtbfhaftsıebäuben, | Rdn 

Das Pfarcholz, —eb, Di. —hliser, ein zu einer Pfarre achörens 
bed, dem Pfarrer zur Bendgung angemwiefenes Holz, Gehölz. 

Die Parrhufe, 4. —n, eine Hufe Ackers, welche zur Pfarre ger 
hört und zum Interhalte des Pfarrers beftimme if. 

+ VPfärrig, adj. u.adr, 3) In ber Schweiz, eingepfarrt. Stalber, 


* 


Die Pfarrkb chinn, 94. —eın, f. Paremitad. ' 


‚ ben Ülicber. 


Pfaͤrr 


* In Augsburg und Um, eine Gelbfhutb habenb. 4.6. Shmib,- 

Die Pfarrjungfer, 94. —n, tie Jungfer ober’ Tochter eines Pfat- 
serdö; au wol, eine Jungfer, junges Maͤdchen, welches bei einem 
Pfarrer dient. 

Der Pfarrkauf, —es, Mr. — kaͤufe, ſ. Pfarrhandel. 

Das Ffarstind, —et, My. —er. 1) Das Kind eines Pfarrers, ber 
Pfarrfohn oder die Pfarrtochter. Sprichw. X Pfarrkinder und 
Muͤllerkuͤh gerathen gut ober nie. 2) Ein Blied einer Pfaryger 
meine. '©. gehe 

Die Pfarrkirche, Pr. —n, eine Kirche, Bei welher ein Pfarrer an: 
geſtellt if, Gefonders, bie Pauptkirche in einer Pfarre, an dem Orte, 
wo der Mfarrer wohnt; die Mutterkirche (Mater); in @egenfag 
der Fochterkirche (des Filials). 

Der Pfarrknecht, — es, m. —e/ der Knecht eines Pfarrers z beſon⸗ 
ders auf dem Lande, der Knecht, welcher ‚auf ber Pfarre zum Behuf 
der Zandwirtbfhaft aehalten wird, 3, 


Das Vfarrland, it, Di. u. die Parrländerei, . —en, ſ. 
Parracker. 


Das Pfarrlehen, —s, 9%. 41. das RKecht und die Befugniß, einen 


Pfarrer zu berufen, anzuftellen (Patronatreht, jus patronatus); 
das Pfarebefegungsrecht, * der Pfarrfag, bie Pfarrverleihung, 
das Pfatrrecht, das Kirchentchen, * der, Kirchenſatz. 

x Die Parrleute, Ei. u. 1) Die zu einer‘ Plartgemeine gehören: 

a) + In engerer Eedeutang, ſotche Gemeinglieder, 
welche dem Pfarrer mande uprentgeditche Dienite zu leiten ſhuidis 
find. 5) Die Leute, das Gefinde eines Pfarrers, 

Die Lfarrmagd, 4. —migde, die Magd eines Pfarrers, befonders 
auf bem Lande, wo auf der Pfarre eine Magb ober auch mehrere 
zum Behuf der Laudwirthſchaft gehalten werben, was in ber Stadt 

nicht der Fall ift, wo die Magb nur bie im Haufe'and in ber Küde 
nötigen Ardeiten verrichtet und gewöhntig Pfarrkoͤchinn ge⸗ 
nannt wird. 

*%* Der PMHarrinanı, —es, 9. männer oder —leute. 1) Ein 
in eine Pfarre cher zu einer Pfarre. gebirender, bdabin eingepfarr: 
fee Wann, Wörterb. v. 1492. 2) Ein Tingepfarrter, welcher 
dem Dfarser Arbeiten zu thun verbunden if. S. Pfarriente. 

Der Pfarrpachter, —s, 85. gl. ein Pachter, weiher die zu einer 
Yfarce gehörenden Ländereien pachtet ober gepachtet hat. 3. 

Das Pifarrrecht, —es, Pi. u. f. Pfarricben. 

Der Pfarrrock, —es, Dr. —roͤcke, ber gewöpntid fgwarıe Pr Fig 

nes Pfarcerd. Friſch. 

© Die Pfarrſache, 99. —n, eine ben pferrer ober die Harrer 
und ihr Amt betreffende Bade. 
ralia). 6, 

Das Vfarrfiegel, —s, MM. gl. das Siegel einer Pfarrfirhe, das 
Kirhenfirgel. 3. 6 kann auch das eigene Biegel einer Pfat— 
vers bedeuten, in welcher Bebeutung es aber beffer nide ge: 
braucht wird. 

Der Darrfiß, —es, 9m. —e, der Sit eines Pfarzers, beſonders in 
ber Kirche, ſ. Pfarrſtuhlz dann fowol ber Ort, wo er Pfarrer if, 
als aud fein "Haus, feine Wohnung. 3. 

Der Pfarrſtuhl, — es, 2. — ſtuͤhle, der Stuhl oder Sit, die Sant 
eines Dfarrers in der Kirche, fowol wo er allein,” ale auch wo ſeine 
Famitie beim Weiteedienſte Platz nimmt. Tr EST 

Die Pfarrtbür, 94. —en, die Thür der Pfarte dber zur Pfarre, 
bie Thür dis Pfarr paufel. — und’ trieb ſich gegen Wend - — in 

bie offene Pfarrthüre. J. P. Richte — 

Die Vfarrverleihung, S. —en, f. Pürriehtit. ern 

x Das Parrvich, u, MM. u. das Lich des Partert, dae auf 
oder in die Pfarre gehoͤrende Vieh, auf dem Laude, no mit ber 
Pfarre Sandwirthihaft verbunden if, ben fo werben die eintele 
nen Arten diefes Viches bezeichnet, als die Pfartpferde, - Parts 


614° 


„Das find Pfarrſachen? (Pasto- 


pPfau 


—* — Pfarrſchafe, Pfartziegen, Pfatrſchweine, 

arrgänfe ıc 

Die Pfarrwahl, 34. —en, f. Pfarrerwaht. 

Die Dfarrmwiefe, 3 4. —n, eine zur Pfarre gehörende und bem Pfar- 
rer zur Denügung zuſtaͤndige Wieſe. Z. „Dept koͤmmt er eilig über 
die Pfareiwiefen® J. P. Ritter. 

Die Pfarrwitwe, 94. —n, bie binterlaffene Witwe eines Pfarrers. 
3. Davon das Pfarrwitwenhaus, die Pfarwitwenwohnung, das 
Haus, bie Mohnung eine Pfartwitwe. 

Die farrwohnung, Wz. —eın, f. Pfarrgebäube. 

Dir Varrjebnte, —n, 3. —n, f. Pfartzins. 

Der Pfarrzins, —ed, Ba. —e, ber einem Dfarrer au entrichtende, 
ihm zu feinem Unterhalte angemisfene Zins, von Getreide ic. 3. 
Kuh wenn es Getreide if, der Pfarrzehnte, wenn er auch nicht den 
sehnten Theit des Ertrages, welchen ber Siefernde hat, beträgt 
(Decem), 


"xx Pfaſen, v. iners. u. ntr. mit haben, ein Geräufd wie ein Bla: 


fen und Ziſchen von fi hören Taffen. Obertin. D. Pers 
+ Pfötfchen, v. intre. in Schwaben, wideln; faͤtſchen. D. Pfüte 
ſchen. D. —ung. 
+ Der Pfatſch, —et, Mz. —e, im Schwaben für Patſch, Platſch. 
+ Das Dart, —es, 4. — e, tie Ginfriebigung, der Baum at. eis 
ned Grunbftäres, woburd eö von ben Gemeinweiden und Wegen ges 
ſchieden wird. DO berlin. J 
Die Pfattenſchau, 94. u. f. Pfattenſchauer. 


+ Der Pfattenſchauer, —s, Wr. gl, an manden Orten, eine vers 


eibete Perſon, weiche dazu beſtellt ift, die Pfattenſchau vorgunehmen, 
d. h. die Grenzen, Mable und Markungen zu begehen und zu befidhs 
tigen, auch, wo es noͤthig if, in gehörigen Stand zu ſeden. 

+ Der a mt, Ma. al. ein Schäter der Pfatte, 
Hattaus. 

+ Pfaͤtzen, v. irs. in Speer. ein Auedruck der Bimmerfeute, wenit ſte 
die Nibeiten bezeihnen, bie jur Vollendung einer Zuſammenfügung 
ber Balken nethwendig ift, als ſchneiden, abfhneiten ac. Stalder. 
= ift diefes Wort wahrſcheinlich kein anderes als fißen. D. Dfegen. 

. —ung. 

1. Der Dfau, —es, Mz. —t, und —en, ein zum Geſchlecht der. Hüß- 
ner gebörender, urfpränglich auständifer Vogel, ber fih durch vor: 
wärts liegende Hopffedern und durd ungewöhntih lange Deckſedern 
«bes Schwanzes, bit am Ende mit Xugen gezeichnet find, unterfheis 
det, Der gemeine Ofau unterfheidet ſich ats Gattung buch einen 
zuſammengedruͤkten md beweglichen Keberbufh auf dem Kopfe und 
dedurch, daf das Männchen einzelne Sporen-bat (Pavo L). Das 
Männden, der Pfauhahn, bat ungemein ſchoͤnes alle Farben ſpie⸗ 
lendes mit Bold ſchlüernes Gefieder und einen prüdtigen fangen 
Shmeif von eben fo ſchoͤnfarbigen mit Augenflecen gejeichneten Fer 
bern, welchen er aufrichten kann, mo er dann rinem großen Bäder 
gleiät, ben man ein Mad nennt. Weil er fih dann, wenn er das 
Rud fchlägt, d. 6. feinen Schweif auftichtet und ausdreitet, im die 
Beuſt wirft; d.h. den Kopf zurädziehtiund die Sruſt vorſtredt und 
gleihfam auf fein practiges Gefieder ftolz zu fein fheint, fast man 
uneizentlid von einer eingebildeten folgen Perfon, fe fei letz wie 
ein Pfau. Das Weiden, die Pfaubenne oder Dfauinn iſt fat 

"ganz grau, amd bat Feinen langen Ehweif. Die Stimme, bir 
Pfauen sft raub end unangenehm, und-ihr Gefhrei Hat zu ibreeMe: 

nennung Anlaß gegeben; bie Fuße ſind kahtutnd In Bernteih mit bein 

fchönen Befieber bägtih.. S Pfaurad. Eine Art Pfouen ift ganz weis. 
Davon der Pfauenkorf, Pfanenſchnabel, die Pfauenzunge, das 

"Drauenfleifch ac, der Kopf, ter Schnabel, die Zunge, das Fteiſch ıc. 

: der Pause, Wegen feiner ſchönen Farben wird auch eine Art Lippe⸗ 
' file Mau genannte, ober Meerpfau (Labrus pnvo L.). In ber 
Sternwillenfhaft * * ben zu Pfau ein — 
Sternbild. 


Dfau _ 


2, + Der Pfau, — es, By. u. ein Name bes Epheues, woraus es 

verberbt if. S. Mauerpfau— : 

+ Piauchen, v. intrs. f. Fauchen und Pfuchzen. “ 

Das Pfauenauge, —6, 4 —-n, bad Auge eines Pfaues. unei— 

genstih. 1) Die augenähntihe ſchöne Zeichnung auf ben Enden ber 

Deckfedern bes Pfauenſchweifes. 2) Der Name verfchiedener ſchoͤner 

Shmetterlinge mit augenförmigen Flecken auf den Flügeln, die den 

Augen im Pfauenfhmweife aͤhulich find; beſonders (1) eine Art Tag— 

vögel (Papilio Io), und (2) eine fhöne Art Nahtotgel, been Fluͤ— 

gel auf ſolche Art gejeihnet Fond (Phalsena bombyx peronia L ) 

3) Eine Art Lippifhe, werde in der Mitte der Schmangmarzel «is 

nen fhön gezeichneten einem Pfauensuge aleihenden Bieten hat 

(Labrus ocellaris L,). 4) Eine Art Klippfifhe oder Banbfifche in 

Indien, mit einer augenformigen Zeichnung auf der Hüdenfloffe 

(Chastodon ocellatus). 5) Eine Art Marmer, welcher aufgrauem 

Grunde mit rotben und braunen augenförmigen Flecken gezeichnet if. 

Pfauenblau, adj. u, adv. fo blau wie das Blau im Gpitgel ber 

Dhaufebern. Friſch. B . 

Das I fauenei, —es, My. —er, das Ei einer Pfauhenne. Friſch. 

Die Pfauenfeder oder Vfaufeder, M. —n, bie Feder von einem 

PDfaue, befonders bie ſchönen bunten-Mebeen bes Pfauhahnes, wor: 
zuͤglich aus feinem Schweife. Uneigentlid nennt man ı) Pfauens 
feder ober auch Pfauenflein eim Städ des Enorpeligen Theiles von 
Gewinde ber Perlenmufheln, weiches wenn #5 teoden ift und wenn 
mon es geglänit hat, einer Pfauenfeber gteiht. a) Cine Art fs 
termoos, welche man mit Pfaufedern verglien bat ( Ulva payo- 
nia, Fucus maritimus gallopavonis peunas referens), Nem: 
nid, 5) Rah Tacobsfon heißen aud bie Regenbogenfarben in 
manden Steinen PDfauenfedern. - 

+ Der Pauenfift, —es, Bi. —e, der Boflft. 

„oO Pfauengleich, adj. u. adv. einem Pfaue, befonders in Anfehung 
bes ſchtinbaren Stolzes ober der anfheinenben Kufgeblafenheit gleich. 

San’ ihm den Heinen Stets ſich pfauenzleich zu dlaͤhen. Wieland, 

Der Pfauenkamm, —es, 9. — kaͤmme, cine Urt Drüfenbiume, 
deren Kleine Bluͤte auf einem äprenfdemigen Kamme fiet (Adenan- 
tkera pavoniua). 

Das Pfauenkraut, — es, 94. u. ber Waſſerpfeffer, Flohpfeffer (Po- 
Iygonum hydropiper L ; auch Pfauenfpiegel. 

‚ Die Vfauentrone, 84. —n, eine auständifhe Pflanze. deren Blume 
fünf laͤngliche vertiefte abfallende Keihötätter, fünf rundliche Bin: 
menblätter, zehn bünne, Irnge und untermärts nehogene Staubfäben 
und einen langen unferwärts gekrämmten Fruchtkeim zeiar, ber ſich 
in den Griffel mit einem tumpfen Staubwege endigt -ToincianaL.); 
auch Pfauenfhiwan;, Pfauſchwanz. Gine in beiden Ineien mad: 
fenbe Art; der ſchoͤne Pfauſchwanz mit doppelten Stachetn cn ben 
Aſten Poinciana pulcherrima L.) beißt auch Zaunblume, Daras 
biesblume, Spaniſche Nelle. 

O Die Pfauenpracht, o. My. bie Farbenpracht bes Geſieders bes 
Pfauhahuto. „Wie kann Pfauenpracht und Junoniſcher Stolz mit 

ihnen beſtehen?“ Herber, . 

Der Pfaueuſchwanz, —et, P4. — ſchwaͤnze, oder A der Pfquen⸗ 
ſchweiſ, —es, Du. —e, ber Schwanz ober, Shweif eines Pfanes, 
befonders der pradtige Schmweif bes Pfauhahnes. Uneigentiih me: 
gen einer Äpntihkeit-in Anfehung ber Farben ober der Weftalt, in 
ber Maturbefhreibung a) + Eine Rame ber Pfautaube, ©, d. 


2) Ein dunkelrother und brauner Zagfalter, ber auf ben Flügeln 


einen ſchoͤnen bunten Fir wie bie Augen im Pfawenfäweife bat, 
5) S. Pfauenttone. 4) Ein,vermittertes Kupfererz, welches rotb, 
blau, grüntih etc. ſpielet, und mit ſqawarzem Fluſſe ein ſchöͤnes Kupfer 
und eine darüber ſtehende hochrothe Schlacke giebt. 5) Ein Stahl: 
waſſer, auf deſſen Oberflaäche fh eine dünne bunt ſchillernde 
Haut anfest. 6) Ein Judiſches, au Hecken und Zaͤnmen fechs His 
acht Fuß hoch wachfendes Staudengewäͤchs, weldes Blätter wie bie 


. 618 


j 

Piayı 

„ Zamerinde, Blüten wie her Mitterfporn hat und ben fhmarzbräun 

+, Iihen Samen. in Schoten trägt. f . 

Der Pfaueuſchweif, — ea 9. —r, der Shweif eines Pfaues 

S. Pfauenſchwanz. In der Feuerwertekunſt, ein Ftuerwerksſtück, 
weiches mit der Geſtalt eines Planenfhweifes Ähnlichteit Hat. 

Der Dfauenfpiegel, —8, My. gl. 1) Der Spieget, d. h. das breite 
Ihönfarbige in der Mitte mit einem Auge gezeichnete Ende ber 
Deckfedern im Schweife des Pfanhahnts. 

Bunt geaugt wie Pſauenſpiegel 

Sind die Purpurfluͤgel. Ir. Kind, 
3) Ein ſchẽner großer Surinamſcher Ubentvogel (Atlas L.). 3) in 
ſchoͤner Zaguogei mit augenfürmiger Zeichnung (Pupillo L.); auch 
Pſauenauge. 4) Gin Name bes drei Mahl getheliten Imeischnes 
ober Mafferhoftes \Billens tripartita L.). 5) Das gemeine Pilot: 
traut (Polygonum persicaria L.); wie au ber Wafferpfrffir oder 
Flohpfeffer (Polygonnum hydropipar L.): auch Pfauenkraut. 

Der Pfauenftein, 5, Pr—ı f Pfauenfeder. 


Pfauenſtolz, adj. u. adv. (A.) ſtotz, aufgebtafen, wie ein pfauhahn 


zu fein fheint, wenn er ein Rad, ſchläͤgt. M. Kramer. . | 

Der Pfauenſtolz, — es, 0, Mb. der Stolz gleidhfom bes Pfates; 
uneigenttih, in Stolz auf äußere Schoͤnheit ober ‚überhaupt, «in 
ungegrändeter Stolz auf vergaͤnglicht Vorzoͤge. Etieler. Pfauen⸗ 
ſtolz und Dünkel⸗ Ungen. {&.) E 

Der Pfauentreiber, —6, MM: gi.) Einer ber Pfaue vor ſich her 

treibt. a) XXEin liederliher Menfde ein Luppler, Suremmirth it. 
Bild. ‚ “ i ; 

Der Lfauenwebel, —e, 4 al, ein Wedel pon Plaufedern. Erle 
ter, „Auf einem GBemähibe der Herkulauijchen Ziterthümer trägt 
ein junger Menfh einen folhen Pfauenmedelr 1. Böttiger. 

Der Pfaufaſan, —es, 4. —e. ı) Eine Art Falane mit himmel 
blauen augenförmigen Flecen auf ben Flügeln und grünen Flecken 
auf dem Schwanze (Phınsinnus pavonens KL), Fictleicht berfeibe 
der bei Remnid- Phasianns urgus Heißt, 2) Ein zum Geſchlecht 
bes Pfaues gehörender Vogel in Ghina, etwas größer. ald ber ges 
meine Fafan «Pavo hiealcaratus); dir Sinefifhe Pfau, der St 

‚ nefifche Doppelſporn. 2 N 

Der Dfaufifch, es, 9, —e, eine Xet fhön ‚gegeihneter Eipplifhe 
im Mitteländifhen Meere, ber Meerpfau (Lebrus pavro). Nems 
nid. Wahrſcheintich derſelbe, welcher aud Pfauenauge heißt. ©. 
Pfauenauge 3). 

Die Dfaufliege, By. —n, die Bafferjungfer wegen ihre ſchoͤnen 
fpistenben Karben Libellula L.‘. 

Der Ajeubetn, — td, Pi. —bäbne, und die Pfauhenne, BE. —n, 
ft Pfau. , — 

Das Pfauhuhn, —t, 9. — bühner, eine Benennung der Jungen 
der Pfaue, welde noch Mein jungen Huͤhnern khulich find. Auch 
verſteht man wol zuwerlen unter Pfauhuͤhnern, Yfaue überhaupt, 
bie Pfouhähme und Dfachennen zuſammengenemmen. 


Die Pfauinn, ep. —en, f. Pau. . 


" Die Lfaunelfe, 95. —n, eine wilde Art Reken von ſchoͤnen Far⸗ 


; ben und angenehmen Geruche ‚Disnthus superbus L}; auch ſtolze 
Meike, prädsige Meike, hohe Federnelte, Flaumnelte, + Pflaume 
ueite, Buſchnelle, der Hochmuth. j e 
Das Pfaurad, —es, My. —räder, das Rab, welches der Pfau mit 
feinem Schweife fhlägt. ©. Pfau. „Der Menih fhlägt gern eia 
Pfaurad von bunten Gefähten und Ideen, uneingebent ber verräs 

therifihen Füße und Stimme“ BenzelsSternam. 

Der Vfaureiber, —6, My gl. eine Art in Nfritateinbeimifher Ren 
her mit einem fhönen vethlichgeiden Bufihe auf tem Kopfe und mit 
rethen Afhltappen nad: Art-ber Hühner (Arden pavonis). 

Der Pfauſchwanz, ſ. Pfauenfhrman; und P fauenfrone. 

+ Panfen, v. I; mtr. mit ſein, aufgeblafen fein,‘ II) äntre, fo viel 
als pfauzen. — S. dr D. Pfaufen, 


Pfaut 


Die Pautaube, 94. —n, eine Art Tauben mit breitem Shwanzt, 
ber mit einem ausgebreiteten Pfauenſchweife einige Epntihkelt bat 
(Columba Jaticauds, Pavonia Kl, Columba tremula L,), 

X Pfauzen, v. intrs, fo viel als pfauchzen ober pfuchzen, von Katzen. 
In Schwaben heißt pfauzen, durch Mienen feinen Unmillen, Ber: 
druß an ben Tag legen, ſchmollen, trogen; auch pfaufen, pfuzen. 
Die Pfebe, By. —n, eine Art Kürbiffe mit lappigen Blättern und 
glatter vielfamiger Frucht (Cucurbita pepo L.). Im OD. D. wer: 
ben alle Kürbiffe und auch die Melonen Pfeben genannt, baber man 
zum Unterfchiebe jene Art Kürbiffe auch Pfebenkürbiß nennt. ‚Die 
Melonenpfebe oder der Melonenkürbiß ift eine andere Art ürbiffe. 
Davon der Pfebenkern, das Pfebenbert, der Pfebenſchnitz ac. der 
Kern bee Pfebe, ein Bert mit Pfeben, ein Schnig von einer 
Pfebe ıc, 


zundlihen Berren verfüiebener auständifher Pflanzen, melde einen 
fharfen brennenden Geſchmack haben und baher als Gewürz ges 
braucht werben. 1) Befonders bie Beeren bes gemeinen Pfeffer- 
ffrauhes in Oftindien Piper nigrum L.), beffen Beeren bei ihrer 
Deife voth ausfehen; fie werben mit den unreifen abgepflüdt, dleſe 
aber werben abgefonbert an ber Sonne getrodnet, woburd fie run⸗ 
selig und fhwarz werben unb deswegen fihwarzer Pfeffer heißen; 
die reifen hingegen werben in Seewaſſer eingeweiht, durch Wafden 
und Reiben mit ben ‚Hänben von ihrer Haut befreit, dann getrod: 
net und heifen weißer Pfeffer, welcher aber nit fo ſcharf if als 
der ſchwarze. Ganzer Pfeffer, Pfeffer in ganzen Beeren; zum Um; 
terfhiede von dem gefloßenen. Mit Pfeffer würzen, pfeffern. „Ih 
wollte, baf er mit feinen Geheimniffen wäre wo der Pfeffer wählte, 
d. h. meit von hier. Schlegel. X Er mengt fid in Alles, wie 
Maͤuſedreck unter den Pfeffer. S. Mäufedred, X Er legt dem 
Dfeffer darauf, im Osnabrückſchen, er hält es fehr theutr. S. Pfef⸗ 
fern. Das brennt mie Pfeffer, auch uneigentliih von Schlägen. 
Ein Schlag ıc. aus bem Pfeffer, ein Schlag welcher eine ſchmech⸗ 
dafte brennende Empfindung verurfaht; wofür man auch fagt aus 
dem ff, eins aus bem ff geben, melde Redensart entweder aus jes 
ner verberbt oder doch gemacht if, indem man das Doppelte f in bem 
Worte Pfeffer nahm. Der lange Pfeffer, eine andere Art des Pfef— 
fers in DOftindien, beffen Fruchtäähren unreif abgenommen, getrod: 
net und fo verkauft werben; daher der Mame «Piper longum L,). 
Uneigentlih nennt man im ©. D. auch eine Pfefferbräbe oder eine 
mit Pfeffer ſtark gewürzte Brübe, mie aud eine mit einer ſolchen 
Brühe bereitete Speife, einen Pfeffer. Einen Hafen in Pfeffer 


einmaden, ihn mit einer Pfefferbrübe zubereiten. Daber bie uneis - 


gentliche Rebensart, ba Liegt ber Hafe im Pfeffer, da Heat ber eis 
genttihe Grund bes Übels, datan Liegt ed. Der Hafınpfeffer, Ha: 
fenfleifh mit einer Pfefferbrühe. So auch Gänfepfeffer. In weis 
terer Bedeatung nannte man ehemahls alles Gewürz Pfeffer. ©. 
Brotpfeffer und Pfeffertuchen. Wit man eine einzelne Pfefferbeere 
bezeihnen, fo fagt man Pfefferforn, Pfeffer ik ein Sammelmort 
und bezeichnet eine Menge Betren zuſammen. 2) Der Inbifche 
ober Spaniſche Pfeffer, eine Indiſche Pflanze bie etwa zwei Fuß 
hoch wird und tutenförmige Fruͤchte von verfhiebner Geſtalt und 
gelbroth von Farbe trägt, in melden eine Menge platter Samen: 
Börner befindtich ift (Capsicum L.); auch Taſchenpfeffer, Schoten: 
pfeffer, Kappenpfeffer, Brafitifcher Pfeffer, Befonbers eine Art 
davon, die jährige Beißbetre (Capsicum annuum), Die ganze 
Beuht und die Körner haben einen fehr brennenden pfefferartigen 
Geſchmack und werben von ben Inbiern wie ber eigentliche Pfeffer 
gebraucht. Cine andere Art davon ift der Vogelpfeffet ober bie 
eine Beißbeere (Capsicum minimnm), welde in Xmerifa wählt, 
vier bie fünf Fuß hoch wird und noch ſchärfer ift. Der falfche Ins 
diſche Pfeffer iſt eine Art des Nachtſchattens, auf der Infel Madera 
einheimiſch (Solanum pseudo-capsicum L.). 5) Der Jamaiſche 


616 


+ Das Pfefferboly, —es, 9. u. 


Pfefferh 


Dfeffer, die rundliche, glatte, ſchwarze and wuͤrzhafte Beere ber Ge: 
wuͤrzmirte in Oſtindien, beſonders in Jamaika (Myrtuspimenta L.); 
auch Meitenpfefferic. ©. Neitenpfeffer und Gemärjmirte. 4) Der 
Japaniſche Pfeffer, eine Art des Stahlbaumes in Japan, welcher 
in allen Theiten einen fharfen deiſenden Gefhmad hat, und beffen 
Biätter, Rinde und Früchte von ven Sapanern wie Pfeffer an bie 
Speifen gebraucht werden (Fagara piperita L.); auch Vferferftaht: 
baum. 5) Auch mehrere bei und einheimifhe Gewaächſe führen we: 
gen ifrer bremmenden Schärfe ben Namen Pfeffer, €. Pfefferbaum, 
Froſchofeffer, Mauerpfeffer, Schwanzpfeffer, Steinpfeffer, Waſſer— 
pfeffern, Pfefferfraut x. Beſonders heißen die ſchwarzen Beeren 
bes Kbrahamsbaumes oder Keufhbaumes, welche einen ſcharfen bren- 
35 Geſchmack haben, und dieſer Baum ſelbſt Deutfcher 
effer. 


Der Pfeffer, —s, Myz. von mehrern Arten, gl. bie runden oder Die Pfefferart, 9. —en, eine Art bes Pfeffers. In der Pflanzeg: 


lehte begreift man unter den Pfefferarten (Piperitae) biejenigen 
Gewächfe, deren Blumen in eine bichte Ähre gebrämgt find, 


Pfefferartig, adj. u. adv, bie Art des Pfeflers habend, dem Pfeffer 


aͤhnlich. 


Der Pfefferbaum, , —es, 94. —bdaͤume, ein Baum, deſſen Frucht 


unter dem Namen bes Pfeffere dekanat iſt; gewöhnlicher und richti⸗ 

ger der Pfefferſtrauch, weil das Gewaͤchs, welches den eigentlichen 

Pfeffer trägt, ein Strand aber kein Baum ift. Wefonbers ı) ein Rame 

bes Kellerhalfes (Daphne mezereum), wegen feiner Schärfe. 2) Eine 

Art MWeinftöde in Amerika (Vitis arborea L.). 5) Der wilde 

——— eine Art bes Sumache in Dſtindien (Rhus comi- 
aL.), 


Die Pfefferbeere, 94. —n. ı) ©. Pfeffer 1). a) Die Pfaffenbeere 


ober ſchwarze Johannebeere. S. Pfaffenbeere. 


Das Pfefferblatt, —es, Ry. —blätter. ı) Ein ſcharfes wie Pfeffer 


auf ber Zunge beißenbes Blatt, wie deun aud das Blatt bes Pfef 
ferſtrauches darunter veritanden werden kann. =) Ein Name ber 
Brauenmänge, beren Biätter als Gewürz an Sprifen gethan wirb 
(Tunacetum halsamita L.). 


Die getefferhräße , 24 —n, eine mit Pfeffer ſtark gewürpte 
Brühe, 
Die Pfefferbüchfe, 99. —n. ı) Eine Bühfe mit oder zu Pfeffer, 


2) Ein hölzernes Werkzeug, in Geſtalt einer Buͤchſe, in welcher der 
Pfeffer Hein geftoßen wird, 


ODie Vfefferbube, 94. —n, eine Bude, ein Kramladen, wo Pfeffer 


unb anderes Gewürz ıc. in Kleinen verkauft wird, 
So wandert mein Lied, zu ſchoͤn für eine Pfefferbude, 
Sabrtaufende Fed hinab, gleihmwie ber ewige Zube, KL. Schmidt. 


Das Pfefferfaß, —es, Ry. —fäffer; Bw. das —faͤßchen. 1) Gin 


Bag mit Pfeffer. =) Ein Meines Tifhgeräth, worin geftoßener 
Pfeffer auf den Tiſch au Pfefferung der Speifen geieht wird; bie 
Dfeffermeite. 


Der Pfefferfraf, —s, 4. —e, ober der Pfefferfreffer, —, 


DH. st. f. Dfeffervoget. 


Das Pfeffergeld, — es, 34. —er, Geld welches zum Ankauf vom 


Pfeffer beftimmt it. Ehemahls, ein Gelb, mwelhes dem Herra an: 
fatt bes für feinen Tiſch zu liefernden Pfeffers bezahlt werden 
mufte. Oberlin, 


Die Pfeffergurfe, 84. —n, Heine Gurten, welche mit groß gefloße« 


nem Pfeffer und Fender in Effig gelegt werden; auch Effiggur; 
— * Feuchelgurken, zum Uunterſchiede von ben gewoͤhnlichen Salz⸗ 
gurken. 


Pfefferhaft, —er, —eſte, adj. u. adv. bem Pfeffer ähntih; auch 


pfeffertih. Stieler. 

1) Das Holz des Pfefferftraudes 
ober Pfefferbaumes. 2) + Ein Rame des Holzes vom Spindel: 
baume unb biefes Baumes felbft, wahrſcheinlich verderbt aus Pfaffen: 
holz; in andern Gegenden Pfefferröfet ober Pfeiferreifei, verberbt 


Pfeffert 


auf Yfaffenrdstein 3). + Ein Rame bes Sefätennes ober Rinde 
pfeffer6 (Vitex agnus castus-L.) 

Dad Pefferkorg, —es, 94. — Hörner, ſ. Pfeffer. a). 

Der Vfefferfornfirauch, Ses, Bir — ſtraͤuche, der Rame einer in 
Peru einheimifhen Pflanze (Schinus molleL.); Peruiſcher Maftip: 
baum. 

Das Pfefferkraut, —es, M. u. 1) Eine Art Kreſſe in England 
und Frankreich, deren Blätter einen ben Pfeffer aͤhnlichen ſcharfen 
und brennenden Geſchmack haben, daher man fid ihrer ehemahls ans 
fast des Pfeſſert bebiente (Piperitis, Lepidium latifolium 'L.). 
=) Gin-Rame ber Enturei,. wegen ihrer Mürzbaftigleit, im RM. D, 
Kölle, Köllen, im-gemeinen Leben auh Wurſtiraut, weil man fie 
in bad Burftfüllfer nimmt, und milder Ifop.- 4 

Der Pfefferkuchen, —6, 9. gl. ein Backwerk aus Mehl, ‚Sonia, 

‚ Dfefler oder Gewürz überhaupt, welches ſowol weich und im allerlei 
Geftait, als auch hart in bünnen viereligen Kuchen gebaden wird, 
in welchem Fallg-fie Pfeffernhffe beißen, mworunter man auch würs 

° felförmige Städden von Vfefferfuchenteige, welche gebaden find, 
verftehet; auch Honigkuchen, im ©. D. Lebfuchen,-Bebzeiten. Thor: 
ner: Pfefferluchen , - eine Art dicker fehr guter Pfefferkachen, welche 


in Thorn gebaden wirb. Davon der Pfefferkuchenteig, die Pfeffer - 


Puchenform, der Pfefferfuchenbeder ze. der Teig, bie Borm zu Pfef- 
ferkuchen, ein-Beder welcher Pfefferkuchen bidt ic. 

Das Dfeffertuchenbild, —es, 94. —er, ein Bild von Pfefferkuchen, 
Pfeſſerkuchen in. Befalt eines Witwen, auch Pfefferkuchenpuppe. 
Die Pfefferkuchenform, By ı—en.. 1) Die Form, Geſtalt, weiche 
man ben, Pfeffertuhen au geben pflegt. 2) Eine Form, im welder 

man Dfeffertuhen formt, “in 

Die Pfeffertuhenpuppe, 94. —n, ſ. Pfefferkuchenbild. 

+Der Dfefferfüchler, —*, 84. gl. einer der Pfeffertuhen bädt und 
verkauft; der Pfefferkuchendecker. 

Der Vfefferfümmel, —, 0.99. ı) Der Gartenfümmel oder Mds 
mifhe Kümmel (Caminum e;minum L.). a) Die Sappenblume 
(Hypecoum procumbensL;); au Dorntämmel, Schotentümmel. 

‚& Der Vefferleder, —s, 2%. gl. einer.der Pfeffer d. d. eine ger 
würzte Bruͤhe ober eine Speife mit folder Brühe gern iftz dann, 
ein Schmarszer, Schmeihler. „Bann bie Pfefferleder dem Herren 
aiht fhmeichelten, fie foßten nicht Pfeffer. za Hofe eſſen.“ G. v. 
Kayfersberg. „Us find Augendiener, Renfündler, Gleißner, 
Dreisängter, Pfefferieder.«e Waͤcht er. 

Das —— —s, 9. gl. ein Küdeniehen, welches zinſen 


B r 
Der Sfefering, Ne Pfifferling, — es, 4. —e, ſ. Pfefferſchwamm. 
Die Pfeffermuͤhle, 34. —n, ein Beräth in den Küchen, dem Pfef⸗ 


fer damit —— * malmen. S. ‚Dfefferbühfe 2). 

Die Pfeffermuͤnze, 3. u. eine Art der Münze, welche in England 
in fumpfigen Gegenben wild wählt, und einen ſchärfern kampfer— 
baften GSeſchmack hat als anbere Arten und darum befonders in ber 
Heilfunft gebraudht wirb (Menutha piperita L.). 

Das Pfeffermuͤnzkuͤchlein, —s, 29 gt. Meine mit Pfeffermänzöt anı 


gemachte Zuderpläghen, die man zur Erwärmung bes Magens und , 


jur Beförderung der Berdauung nimmt. 

Das Pfeffermüngdl, —es, Di. u. ein flühtiges Dt, weldes aus der 
Dfelfermünze abgezogen wirb. 

Das Pfeffermünzwaffer, —, 9. u. mit Pfeffermänge abgezoge> 
nes Waffer. 

Dfeffern, v. I) ntr. mit haben, wie Pfeffer auf der Zunge brennen, 
Es pfeffert auf ber-Bunge, Dann aud, eine brennende, ſchmerz⸗ 
Hofte Empfindung am Körper überhaupt verurfagen. X Es 
pfeffert mich, im Osnabrüdfhen, es thut mie weh. II) trs. ı) Mit 
Dfeffer wuͤrzen. ine Speife pfeffern. 2») Wit einer unangeneh: 

x men, bem rennen bed Pfeffers vergligenen Empfindung verbuns 
ben ; umeigentlih. Bepfefferte Worte, beißende, anzdglige, Gin 


Gampe's Wörtest. 3, Th. 


617 


» Der Pfefferihwann ‚8,2. — ſchwaͤmme. 


Die Pfefferftaube, 9 


‚Der Pfefferfirauh, —es , 34. —firdude. 


. Der Pfeffervogel,, —s, 4. —voͤgel. 


Pfefferv 


Schlag If gepfeffert, wenn er fo gegeben wich, bafer eine ſchmerzhafte 


brennende Empfindung erregt. ine Waare, eine Sache iſt ger 
pfeffert, wenn fie theuer if. -In Schwaben heißt pfeifen, -mit 
Ruthen am Zage ber unfhulbigen Kinder, welder bavon Pfeffer 
tag heißt, hauen, eine ſcherzhafte Gewohnheit ber Knaben, weiche 
bie Mädchen pfeffern, um Beine Geſchenke, befonders Pfefferkuchen, 
von ihnen zu erhalten. — D. Pfeffern. D. —ung. 

Die Pfeffernuß, 9. —nüffe; Bo. das Pfeffernäßchen. 1) S. Pfeffer- 
fuhren. 2) Das Pfeffernüßtein, eine Art Iinfenförmiger und platt 
zunder Arhenmufheln, deren Schalen nicht größer ats eine Bafeinuf 
find (Are nueleus L.), 

Das Pfefferöl, —es, 4. —e, ein aus dem (waren Pfeffer gezo · 
genes gelbliches Öl, welches weit milder iſt als der Pfeffer ferbft. 

+ Die Vfefferpfanne, 3. —n, im 8. D. ein in einer Pfanne aer 
bämpftes, mit Pfeffer gewuͤrztes Geriht von Kalb: oder anberm 
‚Bleifhe. Gigentlih würde bied Wort eine Pfanne zu oder mit 
Pfeffer bebenten, 

Die Pfefferpflanze, 94. —n, "Hejenige Pflanze, welche den Pfeffer 
erägt,.ber Pfefferftraud 

r Der — a, 9. u. das ſlecige Arum, bie Magen 
wurz,  Bebripusg 
+ Das Pfefferreifel, piefferrdſel, P efferzöstein, 5,0. fe 
3 

Der Pfefferſack, —es, m. —fäde, ein Sad zu ober mit Pfeffer, 
X Uneigentlih und in ber Pöbeliprade, eine verähtlihe Benennung 

eines Kaufmannes,.ber wit Bewürz, alfo auch mit Pfeffer, uns 
mit Ahnlichen Waaren handelt. 

2) Eine Art efe 
barec- Blätterfhmämme ‚auf, Zeiften und in Wäldern, welche einen 

‚ &treutnj einen platten milchigen Hut mit fleifchrothen Blättern uns 
abwärts gebonenem Nande hat, und beven mildihter Saft wie 
Pfeffer auf beräunge-beißt (Agariens piperatus L.); auch Pfiffer, 
ling, Bitterling, Milchſchwamm, in-Baiern Rechtling (Rehling) 

ſterteich, Herbling, Saͤuerliag, in Wirtemberg, Milchling. 


m) Eine andere Art heißt in Öfterrei), der rupfene Pfifferling, d. b. 


der grobe Dfiferling, Kothſchiebder, Schieberling. . 2) Eine andere 
Art Blaͤtterſchwaͤmme auf Wiefen und in Msärbern, welde goldgelb ift, 
einen Steunk und auf bemfeiben auflaufende äftige Blätter bat 
(Agarious chantarellus L.); auch Pfifferiing. Gemeine Leute eſſen 
ibn gern, allein er iſt doch verbädtig und nicht geachtet. Daher bie 
Rebensart, ich gebe keinen Pfifferling barum, d. h. niht das Ge—⸗ 
ringfte. 

Das Dfefferfieh, ie, —e, ein Sieb, dur weides ber Pfeffeo 
gereiniget wird. S. Gewuͤrzſieb. 

Der N —es, Mt. —bäume, f. Pfeffer 9). 

[on f. Pfefferſttauch. 

Der Pfefferftein, —— u —. ı) Ein aus kleinen Koͤrnern zu⸗ 
ſammengeſehter Kalkſtein von verſchlebner Farbe (Piperites), a) 
Der Rogenſtein Oolithus). 

1) Der Strauch, auf 
welchem der Pfeffer waͤchſt. S. Pfeffer 1), 2) Ein Rame bee 
Fellerhaiſes. Im beiden Bedeutungen auch, die Pfefferſtaude. 

+ Der Vieffertag, —es, 4. —e, f. Pfeffern IN. 


Der Pfeffertbimian, —b, o. By. eine Art Kpimian (Thymus pi-- 


perella), Remaih. 

1) Ein Sefäteht von Bir 
gein, bie fih durch ihren für ihre Größe außerordentlich großen, 
hohlen, ſehr bünnen, an den Rändern fägenartig gejähnten und am 
Ende gebogenen Schnabel ausgeihnen und fhönes „Beflever haben 
(Bamphastos). Sie heißen aud, Pfefferfraße, Pfefferfreffer, 
Hohlſchnaͤbler. Cine Art davon ift der Prediger, S. d. 2) Im 
gemeinen eben führt aud der Seidenſchwanz, beffen Fleiſch würzs 
Haft ſchmedt, den Ramen Pfeffervogel (Ampelis garrulus L.)., 


78 


' 


+ Die Pfefferwurzel, 


Pfefferw 


Das Pfefferwaſſer, —, 4. u. Waſſer, im melden man Pfeffer 


bat ausjichen laſſen, welches fehr ſchatf und brennend ift, und mit 
Buder verfäßt für die Fliegen, fie dadurch zu töbten, hingefetzt 
-mwird, 

©. —n, bie Pimpinelle oder bas Bockope⸗ 
terleln, 


Die Pfeifammer, 9. —n, bie Hedenammer oder gefledte Ammer 


Die Tfeifbirn, 
Die Pfeifdroſſel, 93 


(Emiberiza eirtus); 

=. —e[n, eine Sorte Birnen, von @ıshols abs 

Remnid. 

PH. —n, eine Art Deoffeln, aröger ala bie Sana: 
droſſel, unter den Alligeln ein wenig roth und nelb ober weiß, am obern 
Dheile bed Schnabels braunroth, am unteren gelblich, auf der Bruſt 
bunt und auf tem Müden weniger braunroth als bie Sangdroſſel 
(Tordns iliacus Ki.) Sie laͤßt einen pfeifenden Laut zip, zip 
vom fih hören, baher heißt fie auch Bipdroffef'ind auferdem noch 
Meikoroffel. Auch bie Ging» ober Sangdroſſet (Fürdus musicus 
L.) führt ten Ramen Pfeifdroſſel. 

Die Pfeife, . —n; Lo. das Pfeifen, 8, D. —kin. 1) Ein 
roͤhrenfoͤrmiges Ding, eine Möhre, wie auch, ein mit einer Röhre 
verfebnes Ding. So nennt man bie Zellen in ben Wadöfdeiben 
der Bienen haͤufig Pfrifen. S. Mutterpfeife. So beißt die Röfre 
eines Leuchtere auch Pfeife, und eben fo im N. D. eine Brunnen⸗ 
röhre und jebe Waſſerroͤhre. Selbſt bie Geäben und Mafferleitun: 
gen, burd melde das innerhalb eines Deibesieinnehrungene Wafler 


gefuͤhrt. 


618 


Pfeifenf 


Baͤlgen bläfet und den Ton hervorbringt. 


Pfeifen, v. unregeim. unl. verg. 3. ich pfiff, Mittelw. bee vera. 3. 9% 


abgelcitet wird, -werden in ben Marſchländern Pfeifen, N. D. Pis - 


pen genannt. Die Röhrkneochen der Mehſchen und Thiere beißen 
ebenfans Pfeifen. Bei den Webern iſt die Pfeife das Höheren der 
Epute, durch meldes ber: Draht eber die Spindel gehet, worauf fie 
ftedt, Bel den Gärtnern iſt die Pfeiſe ein im Geſtalt eines drei⸗ 
ten Mirges von tinem Sichöfling abarläfetes und abgeſtreiftes Stuͤck 
Binde, weihes mit einem «Mnge verfehen if und auf ein anderes 
ateih dies Held, wovon eben ſo viel Rinde dehatfam abgeſchält 
if, aufzefhchen wird, einen Baum auf ſolche Art zu Pfeopfen, mel: » 
he. Art zu pfeopfen pfeifen, im O. D. roͤhtlen und teicheln 
heiße. Auch die Faͤchſer und Schotztinge an den Gemächfen wer: 
ben Dieifen genannt. Beſonders verftcht man unter Pfeife ein Wert: ° 
zeug aum Tabakrauchen, deſſen Harpttheil eine möhre -ift; - die Tas 
bakspfeife Eins thönerne Pfeife: Preifew brennen. Eine Pie ifeito: 
pfen, in ven Kopf derſelben Tabak flopfen. Cine Pfeife anzönden, 
anbrennen ıc. Gin Pfeifhen rauhen. Uncigentlich find bei den 
Eattieen, die Dfeifen bes Sattets bie erböheten Nähte auf dem 
Eite des Sattels. =) An engerer Beleutung,. ein Zonmwerkjeug, 
welches in einer Möhre beftchet, in welche schlafen wird, „Sie 
jauchien mit Pauken und Harfen, und find fröhrig mit Pfelfen.- 
Hiob aı, ı2. In weiterer Bebeutung gehdeen hicher auch bie 
Kıöten, Schalmeien 0. Doch verficht man gewöhntih unter Pfei— 


“ 


u 


fen nur de kleineren Tongeräthe, die den Flöten ähntih find, ' 


auch auf tirfeibe Art wie in biefe geblafen werben, und beſon⸗ 
ders bei den Soldaten zur Begleitung der Zrommel gebraucht 
werben; wie au diejenigen, in welche man durch eine breite Öff: 
neng am obern Ente biäßt. Die Querpfeife, Sackpfeife, Halm⸗ 
pfeife, Rehrpfeiſe, Schnurrpfeife ec S. d. X Rad eines An: 
dern Dieife tanzen mälien, fih nad feinem Millen bequemen mäf: 
fin. Die Pfeife einziehen, Hit ſchucigen, in feinem Eifer, in feis 
ner bite — *6 x Vieifen ſchaeiden, weil man im Rehre figt, 
- bb, die Wolcarnbeit benüßen, weit oder fo lange fir da if; daher 
bas Sprichw. Ber im Rohre fist bet gut Pfeifen fchneiben, wer 
gute Felegenbst hat etwas zu then, ber kann es leicht then, „Die 
Ciebe ift ſchlauer als bie Freundſchaft, übe füßes Pfeifchen ſchläfert 
wol einen Krgud ein." Meige Die Pfeifen in ben Orgeln find 
große und Feine, ſowol hölzerne als au ainnene und piererfige oder 


zunte Möhren, in been untere enge Öffnung des Wind aus den Der Pfeifenformer, 


Der Pfeifenſiſch, —es, 23. 


püffen. I) ner. mit haben, benjenigen- feinen Ten von ſich bören 
laſſen, welchen dies Wort nachatzmt und ausdruckt. Der Wind 
pfeift, wenn er in Höhlungen bringt ober fih duch enge Öffnen: 
gen drängt. Die abaefhoffenen Kugeln pfeifen in ber Luft. „Der 
Kugeln Saat pfeift, da die Flamme heul“. Ateiſt. Wit bem 
Degen ꝛc. um fich ſchlagen, daß es pfeift. IT) imtrs. u. tra.) Mit 
pfeifendem Laute fingen, ſprechen. So fagt man von ben BSangrögeln, 
baf fie pfeifen. Aud vom andern Eleinen Bögeln, und einigen anı 
dern kleinen Thieren, 3. B. den Mäufen, wird pfelfen gebraucht, 
‚von jungen Vögeln aber gemöhntid pipen. S. d. Wit dem Munde 
pfeifen, durch die enge Öffnung ber geſpigten kippen bie Luft aus— 
ſteßend, hell Mingende Zöne herborbringen: Ginem Vorübergehens 
ben pfeifen, ihm burd ſolches Pfeifen ein Zeichen neben, daß er 
ſtill fteben ober ‘näher kommen fol, : Auf einem Blatte pfeifen. 
uUneinenttih heißt pfeifen and mel, mit feiner, klaret Btimme vo 
den, und im WR; D.pipen, ih mit ſchwacher feiner Stimme beklagen. 
a) In engerer Bedeutung, auf einer Pfelfe forhe Toͤne berrorbringen, 
„Wir haben euch gepfiffen und ihr wollt nicht kanzen.“ Matth. 
21, 22. > @pricho. Wer gern tanzet, dem iſt leicht gepfilfen, wer 
Luft zu etwas hat, ber nimmt die Belegenbeit ober findet leicht Gele⸗ 
genbeit feine- Luſt zu befriedigen. @in Ctüdden- pfeffern. In den jer 
Isen Zonfpielen. kommen bie Heinen Qurrpfeifen felten vor, daher 
in denfelben wenig aepfiffen wird m bäufisiten wird sur Trommel 
und bei Kärkifhen Zonipielen gerfiffen. 

Ein jeder pfiff wie ihm ber Schnabel zeſpeilen. t S Aue 
E Xuf ben legten Sche pfeifen, in ben iepten Zügen tiegen. Uns 
eigentlich fagt'man auch im gemeinen Leben, X einent rfınas pfeifen, 
uin ans zudrucken, bag min etwas, bas der Andere wnſcht odir er⸗ 
wartet nicht tbun, ſondern #3 bleiben faffen merde, 3) Bei ben 

“ Gärtnern, vermittelſt einen Pfeife pfropfen ober weredein. ©, 

Breite nv). D. Pfeifen. e 

Der Lfeifenbaum, —es, 3 — baͤume, ſ. Pfeifenftrand. 

Der Pfeiſenbeſchlag, ie — —** ge, bir metallene Beſchtag 
"an einen hoͤlzernen, porgeilcnenen‘ ober micerikeimenen Pfrifenkopfe. 

Der Pfeifenbohrer, —e, 94. gl. bei den Drechsteru, ein tansee 
dünner Beosrer, bie boͤlzernen unbshörtern Röhre ju den Tabaks— 
pfeifen banit ausgubobren. 

O Der Peifondrenner, —6, Di. gl. 
pfrifen mabt und brennt, 

O Die Yieifenbrennerei, 9. —en, 1) Das Mefhäft des Formens 
und Brennens der tobnernen Tabakepfeifenz ohne Melnändt. - =) 
Der Dirt, die Anftalt, wo thönrrne-Fabalssfi'fen in Menge gemacht 
und gebrennt werben (Tabakeyfeifenfährigur). 

Das Tfeifenbrett, —et, My. - er 1) In den Orgeln, ein durch⸗ 
loͤchertes Brett, worin die Pfeifen fir@en. 2) Bei den Tabakrau—⸗ 
Gern, ein Brett, etıwa im Winkel des Zimmere, worauf fie ihre 
Pfeifen ſteutn. j 

Der Pleifendedel, —8, 9%. pl. ter metallene oder draͤhterne Dei 
Bet anf dem Kopfe einer Tabakepfeife. 

Die Vfeifenerde, &. —n, f. Pfeifentken. 

Der Peifenfirnii, — ſſfes, Mg. — fe, in den Vfeifendrennerelen, 
ein Kierin von i Bodsbarttar;, weißen Wachle und Belfe, womit 
bie pebrannten Zabafspieiien überzogen und dann mit cinem Tuche 
abaerieben werden (Sfeifenglamr). 


1, ſ. Roͤbrenſiſch. 


einer ber thoͤnerne Tabaka. 


Die Pfeifenflechte, Wz. — n, ſ. Röffeillet te. 


Die Peifenform, Fa 


en. 2) Die Recın, Ceſtalt einer Pfeife; 
ohne Mehrzablt. 2) In ten Sfeifensrennereten, eine Form -aus 
Mefing, aus zwei Hälften befiegerd, in weider bie tböncarn Kar 
bakspfeiten gefermt werben. 


ft, MM, al, in ben Dfeifenbrennereien, der 


Pfeifenf 


jenige Arbeſter, ber bie Pfeifen in der Form formt und mit einem 
eifernen Drabte bee Lauge noch durchbohrt. Man nennt ihn ge: 
mwöhntih ven Kaſter. ; 

Das Lfeifenfutter, —s, 9. gi. das Futter oder Behältnig, worin 
man eine Pfeife, ſowol fofeen ein Zonneräts, als fofern eine Fa: 
Salsofrife carunter verfansen wird, aufszwabrrt (Pfeifenfutrrrat). 

Das Pfeifengebund, —es, 7. —geblinde, ein Bebund Pfeifen, 
», b. eine Anzah! zufımmengebunbener Pfeifen, befonders thänrener 
Zabalepfilfen. Wie aud, niedrere mit einander verbundene Pfeifen 
„von verihirdener Fänge und verfhiedenem Zone, dergleichen in ber 
Fabellehre die Waldgoͤtter der Aiten bliefen (Panpfeife). 

(Ki6) fein Dfeifengebund aus hunbert Köheen gefaßt mar, 
Laut im ganzen Gebirg erfholl der gellende Feldten. Boß. 

Der Ifeitenglafer, —&, gl. in ben Pfeifenbrennereien, berjes 
nise, ber die tedaernen Pfeifen wit dem glatten überzuge verſiehet. 
S. Pieifenfirniß. 

Das Pfeifenholz, —es, PM. vun mehreren Arten, —hoͤlzer, ein 
Holj, wrihes Pfeifen, befonders Kabalspfeifen beraus zu machtn 
bearchhar iſt. Befoaders bas Polz des Pfelfenſtrauches, „aus weil: 
qem Pfelfenebhre gemacht werden. . Ju manden Gegenden wird 
auch dis Dolinder Sabtr oder Buſchweide und dieſe Weide feldft 
{Satin erpraea L.) Pfeifenholz genannt, well fie oft hohl iftz ba: 
ber fir auch Doklmetbe Geißt, ä * 

Der Pfeifenknochen, —, 4. al. eine Benennung ber großen 
Höärknohen bei Meuſchen und Thieren, bie man auch Pfeifen wennt. 
@. Pfeifer). ‚ 

Der Pfeifenkopf, — es, 4. — koͤnfe, der Kopf an einer Zabaka: 
pleife, in defen Bifluny ber Tabak geftopft wird. 

Die Ffrifentoralle, 4. —n. 1) Die iösrentoralle. 
Bei Müller ein Stome ben Zuckerkoralle. } 

Das Pfeifenloch, —es, 9. — der, 
ber an einer Pfeife, 

Der Pfeifenmacher, —s, 9%. gl. einer ber Pfeifen, beſonders Zar 
bakspfeifen von weißem Thone macht. S. Pfeifenformer und 
PD feifendrenner, 

Ber Pfeifenmergel, 
aufrecht Aehenter Orgeipfeifen gefunden wirb, 

Das Peifenmundflüd, —es, y.—e, das Mardftb an einer Pfels 
fe, ſowot des Tongerätbes dieſes Namens, als aud einer Tabatspfeife, 

Die Pfeifenmuſchel, By. —n, einfhatige ungemunbene Schneren, 
die eimer Pfeife ähnlich find (Tabula), Einige nennen fie Meer: 
roͤhren, bagegen bei Anderen die Nägelmufgel (Solen), Pfeifenmus 
ſchel beißt. 

Die Pfeifenquafte, 4. —n, bie Quaſte ober Quaſten von Gelbe ic. 
an einer bölgernen ober böenernen Tabakepfeife. 


.®. d 


bas tod ober eins ber 2bs 


Der Dfeifenräumer, —s, 9. gl. eine Perfon, welche eine Zabalds - 


pfeife ober Tabakspfeifen ausräumet, reiniget. Befonders aber, ein 
Werkzeug, bie Zabakspfeifen damit ausjuräumen, ſowol ein fpigt: 
ner ſtarker Draht, ben Pfeifenkopf bamit ausjuräumen, als aud, 
ein bönner Drabt mit einer Keinen Bürfte, das RSoht damit zu reinigen, 

Das Pfeifenrofr, —ıt, My. — roͤhre. 1) Das Rohr ober die Roͤh ⸗ 
re einer Zabakepfeife, duch welche ber Tabaksrauch aus dem Kopfe 
in den Mund gezogen wird; das Zabalsrchr. 23) Das gemeine 
Mohr, Waſſerrohr (Arundo phr-gmites L ). 

Der Pfeifenrohrbohrer, — , 9, gl. ein fehr bänner und fanger 
roͤffelbohrer, womit bie Pfeifenröhre ausgebohrt werben. 

+ Das Vfeifenröhrlebolz, — es, 9. v. das Holy des Hedenfirfh: 
baumes (Lonicera zylosteum L.), meldes man zu Pfeifen ober 
Tabaksroͤhren gebraucht, Tabaketoͤhrelbolz. 

Die Veifenfpite, 99. —n, bie Epite, d. 6. has gewoͤhnlich Hör 
nerne Munditüt am einer Gölzernen oder hörmernen Zobalopfeife. 

Der Pfeifenftiel, — es, 94. —e, der Stiel von einer thoͤnernen Tas 
batspfeife; auch, ein abgebroßener Aheil befieiben, 


619 


@). 


—$, MM. u. fine Art Mergel, ber in Gehalt, 


Pfeiferg 


Der Pfeifenftock, —es, 9. — ſtoͤcke 1) In ben Orgeln, ein mit 
Löchern verfehenes Holz unter dem Dfeifenbrette, in welchem ber Fuß 
der Dfeife firbt. 2) Ein Stock, welcher der Bärge nach datchboh⸗ 
vet ift, und ſowol beim Gehen fi darauf zu ffühen, als auch, wenn 
man oben und unten den Beſchtag abfhraubt, als ein Sfeifenzohr 
gebraudt werten Bann, j 

Der Pfeifenſtopfer, —s, 94. gl. 1) -Einer der Pfeifen fopft; b. h. 

«ben Kopf berfelben mit Tabal füllt, Dann auch =) ein Werkjeug, 
ben brennenden Tabak in ber Pfeife nachzuſtopfen, d. h. nieder und 
feſt zu ſtoßen 

Der Pfeifenſtrauch, — es, 94. —ſtraͤuche. 1) Der Spaniſche Bo: 
Iunder, aus deſſen Holze man Pfeiftarbhre macht; ber Pfeifenbaum 
a) Ein ſchoͤner Strauch, ber weißlich, angenehm wie Jasmin tier 
dente Blumen trägt und deſſen Hotz man auch zu Vfeifens ober 

- Kabafsröbrem gebraucht (Philadelphus coronarins L.); auch Wit: 
fher Kronenjasmin, milder Jasmin, weißer Jatmin, weißer oder 
falſcher Sitingeuſtrauch. 

Das Vfeifentüd, — s, 4. —t. 1) Ein Stuͤck von einer Pfeife, 
ein abgebrochener Pfeifenftiel, 2) Ein Tanſtück für die Pfeife ode 
mehrere Dfeifen. 

Die Vfeifente, Sz. —n, eine Art wilder Enten nit braunen Kepfe, 
und weiibunten Flügeln, die im Auffliegen und im Fallen einen 
pfeifenten Ton bören läßt (Amas fistularis K1.); auch Speckente. 

Der Tfeifentbon, — ed, My. u. ein weißer feiner Thon, aus wel 
em Zabalspfeifen verfertiget werben; bie Pfeifenerde, 

Peifentbonmeiß, adj u. adv. in ber Kunſtſprache ber Raturbefärki« 
bung, weiß wie ber Pfeifenthen, d. 5. graulid weiß (argillaceus). 
Stligetr. ’ 

ODas Pfeifenwerk, —et, 34. —e, ein Werk, das aus mehrern und 
‚rerfdiebenen Pfeifen zufammensefegt it. So iſt an den Drgeln 
das Pfeifenwerf, bas eigentliche Werk in ber Orgel, worunter man 
entweder alle Pfeifen berfeiben jufammengenommen, oder eine Ab: 
theilung derfelben, 3. B. alle bie zw Einer Stimme oder Einem 
Begifter gehören, verſtehet. 

® Der Peifenzinder, —&, 9. at. ein Holgfpfitter, ein Streifen 
Papier ober tergleihen, womit man ben Tabak in der Tabakspfeife 
in Brand fegt, befonders ein dazu bienenber einfacher ober -zufams 
mengebrohener Etreifen Papier (Vidibus). „Die Befhichte war fo 
turz, daß man fie auf einen Pfeifenziinder ſchreiben Finnte- C. 

Der Meifer, —b, DM. gt, einer ber pfeift, befonders einer, ber auf 
der Pfeife geſchickt zu blofen oder zu fpiefen verſteht. Als er in 
bes Oberſten Haus kam und fah die Pfeifer und das Getümmel des 
Bells“ Matth. 9, 23. Die Trommler und Pfeifer. Der Quer 
pfeifer, der Sadpfeifer. Da die Pfeife ein gemeines Konwerkichg 
geworben ift, fo nennt man einen Nänftier auf einem hölzernen Bia: 
fetongeräth, bergteihen man ehemahls wol überhaupt Pfeifer nannte, 
richt gern einen Pfeifer und nur im gemeinen Beben nennt man 
gewöhnliche Zonkünftier ober Spielleute, bie in ben &täbten zünftig 
find, Kunftpfeifer und Stabtpfeifer. In ber Ratarbefhreibung 
nennt man Pfeifer, 1) mande Mögel, wilde einen pfeifenden Zon 
von fih hören Taffen. ©. Regenpfeifer. =) Cine Art Sechahn, 
bie Meerleier, - f. d. (Trigla Iyra L). 5) Die Baupen bes Rüfs 
feltäfers (Coreulio L.), melde die Comenfhote bed Kuͤbſens aus: 
frefien und aushoͤhlen; von Pfeife, fofern es überhaupt eine Rähre 
bezeichnet. 

X Die Pfeiſerbacke, Mz. —n, aufgebtaſene dicke Baden, wie bie 
Pfeifer machen. Stieler, 

Die Pfeiferei,, . —en, bas Pfeifen, wenn man verächttich davon 
ſpricht; ein FHlchtes Pfeifen, - 

Der PMHeiferfiih, —es, 9. —e, ber ſornaſch. Stieler. 

Das Tfeifergericht, —et, M.—e, ein altes eriät in Frankfurt 
am Main, welchea Kurz vor der Herbſtmeſſe gehalten wied ober wur ⸗ 
de, ba dann zuglei bie drei Gtäpte, Worms, Nürnberg und Bam: 


' D 


620 Pfeilh 


derg bie Beſtaͤtigung ihrer Bol: und anderer Freiheiten auf ber Serdrachen (Chimsera monstrosa L.) mit einem 6 Zoll langen 
Meffe erhalten ober erhielten. Der Rame rührt von ben Pfeifern Stachel auf bem Mäden, 
der, im deren Wegleitung bie Abgeordneten der rei genannten Das Yfeileifen, —s, 4. gl, bie eiferne oft mit Wiberhafen verfe 
Stäbte wor herifelben erſchienen. bene Spitze eines Pfeites. : a 
+ Das Pfeiferle, —s, ©. al. eine Art Boͤrſe, dee Streber [. d. Der Pfeiler, —, 29. gl.; Vw. dns Pfeilerhen, O. D. —lein, eine 
(Perca asper). etige aud Stein gehauene oder gemanerte Stäge, fie mas frei fin 
* %* Der Dfeifermeifter, — Sb, 9. gl. ein Meifter der Pfeifer, ben ober zum Theil in eine Band eingemanert fein, im welchem 
einer der mit feinen Gefelen und Gehülfen für Geld pfeift oder Falle fie ein Wanppfeifer it; im N. D. Piler. „Die Pfeiler true 
überbonpt auffpielt, wofär man jegt in manchen Gegenden noch gen die Bänge am Daufe.* Ezech. 41, 9. Der fhmale, einem Pfei 
Kunftpfeifer fast. © berlin. ler Abniihe Raum zwifhen zwei Fenſtern führt and den Namen 
Die Pfeiferfhaft, My. —en. 1) Die Eigenſchaft, ber Stand eines Pfeilet. &, Spiegeipfeiler. In der Baukunſt heißt der Schaft der 
Pfeifers als eines folken; ohne Mehrzahl, 2) Die ſaͤmmtlichen Säuie Pfeiler; in: Gegenſatz bes Fußes und bes Sebaͤlkee. Im Berge 
Dfeifer zufammengenommen. „Die ganze Piriferfhaft- et. baue ift er dasjenige Geſtein, weldes man in ben Gängen zur Zras 
Mufeum (A.) ; | gung des Hangenben ober ber Dede ſtehen laͤßt; auch Bergfeſte. 
4 Der Vfeifholder, —e, 0. 3M. ber Kirfchnogel, Pirol (Oriolus In weiterer Bebeutung nennt man and) mol alles einem Pfeiler ober 
galbula L.). einer Saufe Ähnliche, das etwas zu tragen, zu unterfiügen bient, 
+ Der Dfeifbolter, —s, Mp. gl. in manchen Gegenden, eine Benen: einen Pfeiler. 
nung der. Schmetterlinge; Pferfolter, Peiffolt. — wo nur bie Pfeiler ſtehen 
Die Pfeiflerche, By. —n, die Platerche. ©, d. Der praͤcht'gen kaubgewoͤlb' und haben Schattengaͤnge, Mielanb, 
Der Dfeil, ed, 9. —; Bio. das Pfeithen, ein an dem einen in weicher Stelle Baumſtämme gemeint find, welche ihre äftigen unb 
“Ende zugefpipter, oft mit Biderhaken verfebener, at dem andern belaubten Kronen, bie Laubgewoͤlbe, gleich Pfeilern tragen. 
Ende gewöhnlich befiederter Leichter Stab von hartem Bolze, deffen Pfeilern, v. tr. mit Pfeilern verfehen, mit Pfeitern unterftägen, 
man fi befonders chemahls vor Erfindung des Schiekpulsers und D. Pfeilern. D. —ung. S 
ber Feuergeiwehre als eines Geſchofſes bediente uud bei ungebtideten Der Pfeilerfpiegel, —s, 39. gt. ber Spiegel an einem Pfeiler zw 
Boͤlkern noch bebient, welches von ber Sebne des Bogend fortger fen zwei Feuſtera. „Fürften haben das Süd, daß fih alle Hof⸗ 
fhneker wird; im R. D. Piel. Einen Pfeil abihiefen, So fhnel leute um fie zu treuen Mfeilerfpiegein ihres Ichs aufammenftellen,* 
wie ein Pfeil, welcher abgeihoflen wird, d. h. ſebr fhnell, X Wie J. P. Richter, 
ein Pfeil geſcheſſen kommen, ſehr geſchwind. S. Pfeilſchnell und Der Pfeilerſtein, — es, 9. —, ber Saͤulenſtein. S. d. 
Pfeilgeſchwind. Seine Worte, Vorwürfe dringen wie Pfeile Die Pfeilerweite, 99. —n, in der Baukuuſt, bie Weite zwiſchta dee 
ins Hechz, treffen und vermunden tief, ober nur, bringen tief ein. Ahefsichen zweier benadibarter Pfeiter, 
Gin ort ift ja fein Pfeil, es wird vergeffen, iſt wenigftens in O Pfeilesoll, adj. u. adv. voll von Pfeiten, mit Pfeilen gefünt, 
ben meiften Fällen ohne weitere bife Kolgen. Er hat feine Pfeile — — — unrd den Köbcher 
derſchoſſen, er weiß nichts mehr zu fagen, iſt erfhöpft, ober auch, Pfeilevol — — — Bol. 
tft entkraͤftet. Bitdlich und dichteriſch werben auch bie Sonnenſtrah⸗ Der Pfeilfiſch, —es, 24. —t, ein pfeilförmiger Fiſch. Wefonders 
len mit Pfeilen verglichen, mach der Fabellehre ber Alten, deren 2) eine Art Hechte mit einem pfriemenformigen fpigigen Maule wie 
Connengott Dfeile, welche feine Strahlen woren, ſchoß. ein Schnabel (Esox bellone 1..); ber Schneffel, Horuſiſch, die 
Eh die Sonne ben Tag mit den feurigften Dfeilen entflammte. ° Meernabel. =) Ein eignes Fiſchgeſchlecht bei Klein, mit zwei 


Pfeiferl 


Bobmer. 


wahren ſtacheligen Rüdenfisffen (Sphyraena Kl.), 


Kuh der Ted wird als Perfon vorgeftellt, der mit Pfeilen feine Pfeilförmig, adj. u. adv. bie Form, Geftalt eines Pfeiles habend, 


und bes Toben bittere Pfeile dringen 
Aus bem Lächeln deines Kinderblide. Schiller, 
Ein heftiger durchdringender Schmerz wird ebenfalls mit einem 
vermunbenden Pfeile verglihen, ober auch wol ſelbſt ein Pfeil 
genannt, 

— Wie ber, Gebährerinn Seele ber Pfeil des Schmerzes burg: 
dringet. Voß. 


Opfer erlegt. 


einem Pfeile ähnlich, »Die Zunge des Kuckucks iſt pfeilfoͤrmig, un: 
getbeitt und fiah.e Funke In ber Pflanzentehre heißt ein Miatt 
pfeilfoͤrmig (sagittatum), wenn das Gtielende in zwei geradrans 
ſtehende fpigige Sappen getbeilt ift und das Wlatt nach oben zu 
fpigig audläuft; eben deſelbſt heist ein Staußbeutet pfeilförmig, 
wenn er lang äugefpigt und am untern Ende in zwei Äheile ge 
fpalten if. 


Bneigentiih nennt man Pfeil 1) an einem Gradbogen das vor * Das Pfeilfutter, —s, 34. gt. ein Butter, Behältnig für Pfeile, 


nebmfte in Grade eingetheilte Stuͤck auf welchem ber Hammer ober_ 


ber Köcher, Dfeittöcher. Frifch. 


Das Knie beweglich ift; in ber Mepkunft hingegen ift der Pfeil bei Der Pfeilgang, f. Pfeitadernang. 
Einigen, berjienige Theil von dem halben Durchmeſſer cines Zirkels, Pfeilgerade, adj. m. adv. gerade wie ein abgeſchoſſener Pfeil fliegt, 


weiber zwiſchen bem Bogen und feiner Seüge liegt, nch Auria 
tr Duerftüge (Siuns versus). 2) In der Sternwiſſenſchaft führe 


geradezu. »— bu möhtef einmahl — — pfeilgerade nah dem 
Zenpel der Goͤttian rennen.“ Wielanb, 


den Namen Pfeil ein Heines Sternbitd, norbwärts über dem Adler 4. Pfeilgeſchwind, adj. m. adv. geihwind, fänell wie ein abgefhof 


in ber Müchüraße. 3) Im der Raturbefchreibung heißt der Pfeil 
eine Art Spinnenfifäe, ein Ercınes Fiſchchen, defien Kopf wie ein 
Pfeil eig iR (Collionymus sagitts), 


fener Pfeil, fehr geſchwind. 
Doch wenden fe (die Hunde) ſich pfeilgeſchwind. 
Die Jahre flieben pfeitzeihmin?. Derf. 


Schiller, 


Der Pfeiladergang oder Pfeilgang, —es, MM. — gaͤnce, bei ben Der Vfeilhecht, — es, 2. — e, rine Art dünner pfeil: oder fpickför: 


ältern 3ergiieberern, ber (änglihe Mdergang oder Blutieiter (Sinus 
sagittslis s, Jongi;udinalis). S. Peitböhle, 

Die Pfeilblume, 4. — n, eine Sfiabifhe Pflanze, deren Kel$ und 
Plumenbtatt mit dem des Fpamıtten DfTer Ühntihkeit bat und 
deren fürf Ztsitdfäben pfeitfbrmige Beutel srasen (St ris 1..). 


miner Sechte (Esox sphyraena L,), 


4 Veilgefaist, adı. u. adv. gefpigt, fpitig wie ein Pfeil; eigentlich 


und uneigentlid. 
Won Werden bringt der fharfe Feiltersabn 
Ruf dir herbei mie pfeilatſribten Sengen. Baggefen. 


Der Pfeildrache, —n, Din, bei Müller, die erſte Gattung des Div Pfeilhöhle, M. —n, in ber Zergit. eine Höhle In dans Hirp: 


Pfeilk 


biuthen, welche durch ben Rüden der Eichel unter ber Pfellnaht, 
melde ibr ben Ramen giebt, bis zum Kleinen Gehien läuft (Sinus 
sagitrxlis); der Pfeiladergang. 

Der Pfeilkoͤcher, — 8, 4. gl. der Köder. Frifſch. 


Das Vfeilfraut, —es, By. u. ein Rame verfipiebner Pflanzen, wer ' 


gen ihrer pfeitförmigen Blätter: 1) einer Art des Megetrittes (Po- 
Iygouum amphibium L.. ine andre Art (Polygonum sagit- 
tatnm) waͤchſt in Wirginien und Marptand,. a) Eine in Flüſſen 
und Seen, bie thenigen Grund haben, wachſeude Pflanze (Ingitta- 
zia L.). Das gemelne, das Pleine, daß große, das bunte Pfeil: 
traut find Arten bavon, 5) Der gemeine ober Waſſerfroſchlöffel 
Alisma plant:go L.\. 

A Dfeilfühn, adj. ı. adv. Fühn mit dem Pfeite, kühn im Bogen: 
ſchießen; oder auch, kühn, geradezu wie ein Pfeil, 

Arges Volk, Dfeilkühne, Veriworfene, ſchaͤmt ihr euch gar nicht? 
j Bof. ‚ 

Die Pfeilmaus, 9%. —mäufe, eine Art Mäufe, wegen ihrer ſchnel⸗ 
len Bewegung (Mus sagitta), auh Springmaus. ©. d. 

Die Pfeilmotte, 94. —n, eine Art Motten (Phalaena nactua pei L.). 

Die Dfeilmufchel, My. —n, eine vielſchalige, faft watzenförmige 
Muſchel ohne Gewinde, mit duͤnnen zart geftreiften Schalen (Pho- 
las L.); fange Spitzmuſchel. 

Die Pfeilnaht, 3. —nähte, in ber Zerglk. eine Raht in ber Hirne 
Thale, welche fih aus der Ede der Winfelnabt durd den Wirbel 
bis zur Mitte ber Kronnabt erſtreckt und die Brine bes Vorder: 
bauptes mit einander verbindet Sutura sagittalis), 

Die Pfeilmatter, Dy. —n, eine Art Schlangen in Surinam, melde 
fih pfeiifhnelt bewegt (Coluber jaculatrix); auch Mfeilfchlange, 

Pfeilſchoß. 

A Pfeilprangend, adj u.ndr. mit dem Pfeile oder den Pfellen pran: 
gend, als ein gefhidter Bogenfchäge. 

Laͤſterer, Bogenfhög, Pfritprangenber. Voß. 

Der Dfeilrand, —et, By. —ränder, in der Zerglk. der obere Ranb 
ber Scheitelteine (Margo sngittalis). 2 

O Pfeilreich, —er, —ſte, adj u. adr. reih an Pfeiten, viele Pfeile 
enthaltend. „Über ben Schultern raffelte der pfeilreiche Köcher.“ 
Benzel-Sternau. 

Die Peilfhlange, My. —n, ſ. Pfeitnatter, 


Die Pfeilſchnede, 94. —n, eine Art tängliher Blaſenſchnecken in 


Aften und Oſtindlien, welhe, wenn fie verfolgt werben, mie ein 
Pfeil aus dem Waſſer bersorihießen (Bulla terebellum L.); auch 
der bunte Bohrer, ber Boͤttcherbohrer, das Springhoͤrnchen, ber 
Strehhalm, Seebalm. 

Veilichnel, adi u. adv. fhnell wie ein abgefhoffener Dfeit, fehr 

ſchneil. Basler Wörterb, 1675. »Uch, mie pfeilfchnell fein 
Roß dahinfles* Meißner. (R.) 

Pfeilſchnell iſt das Jetzt entfiogen. Schiller 

O Die Pfeilſchnelle, 0. 9. die Schnelle ring abgafhoffenen Pfeir 
kes, eine fehr große Schnelle oder Geſchwindigkeit. 

Der Pfeilſchuß, Ted, Dr — ſchuͤſſe, der Schuß, ein Schuß mit 

einem Pfeile. M. Kramer. . 

Der Pfeilſchuͤße, —n, 4. —n, einer ber mit Pfeil und Bogen 
fhiept, bewaffnet if, M. Kramer. 

Der Pfeilſch wanz, — es, 4. — ſchwaͤnze, ein pfeilförmiger Schwanz; 
auch wol ein Thier mit rinem ſolchen Schwanze, In der Raturbe⸗ 
ſchreidung find unter dieſem Namen befannt +) Bei Sinigen, fols 
he Schmetterlinge, melde Morgens und Abends herumfliegen und 
deren Raupen einen pfeitfärmigen oder einen bornähnlihen Fortfag 
auf dem Hinterteibe führen. 2) Bei Müller, bas Oſtindiſche flie: 
gende Eichhorn (Seinrus sagitta L). 3) Eine Art Rochen mit 
einem vier Zoll langen gezähnelten Stade am Schwarze, meiden 
einige Amerikaniſche Biker ats Pfeile gebrauden ſollen (Haid pasti- 
-naca 1.) 4) Die Spitzente (Annas acuta L.). ©, d. 5) Eine Mit 


+ 


621 


# 


. Dfennig 


kleiner Taucher (Mergus minutus‘. 

Der Dfeilfpringer, —$, 9. gt. eine Gattung Springer oder Spring: 
dafen, welche ſchnell wie ein Pfeit fpringt (Jaculus sagitta,, 

Der Pfeilſtein, —es, 9. —r, ein Name bes Fingerfleinet (Be- 
lemnit); aud Luchsſtein, Schoßſtein, Storchſtein, Rappenftein, 
Alpſchoß, Teufelslegel ꝛc. &, Fingerftein. 

Dos Pfeiltauſendbein, —es, 4. —r, eine Art Seetaufeubbein, 
deren Bewegung wechfelöweife bald pfeilgerade fortgehet, bald ſchlam 
gelnd ift iNereis lacustris L. Neis probosciden); audı Zaufend 
fuß, Wafferäihen, Waſſerſchlaͤnglein, welche Iepte Benennungen 
paßlicher find, weil das was man für Füße hielt, von vielen feinen 
Haaren zjufammengefeste Bürfichen find. 

Der Pfeilträger, —s, WM. al. einer der einem Bogenfhüden bie 
Pfeile trägt, wie auch bie verfhoffenen Pfeile wieder berbeiholt. 
Das Wort bat Mahler und bie Sache kömmt ı &am. 20,21, tor, 

4 Pfeilumſchließend, adj. u, adv. die Pfeile umſchließend, im fi 
ſchlieſsend, enthaltend. „Der pfeilumichließende Koͤcher.“ Voß. 

Das Pfeilwerk, —es, 94. —e, in der Kriegebaukunſt, ein Werk 
don einer ganzen Stirne an den auslaufenden Mintela der Blage, 
Die Pfeilmunde, 9. —n, bie burd einen Pfeil gemachte Bunte, 

®tieler. . 

Der Pfeilwurf, 9. —mwürfe, der Wurf eines Pfeites um dadurch 
iu vermunben, zu erlögen. M. Kramer, 

Die Pfeilwurz, My. u. eine in Eüdamerifa wachſende Pflange, wel 
he von ben Ginmwohnern als ein fiheres Mittel auf bie von vergifs 
teten Pfeifen verurfahte Wunde gelegt wird (Thalia L.\. 

Die Pfeilwurzel, 34. —n, im Weinbaue, die fenkreht binabfleigende 
und vornehmfte Wurzel bes Weinſteckes, an den Bäumen bie Dfahlr 
wurzei, Spießwurzel, Herfmurzel; zum Unterſchlede von den Thau⸗ 
und Waſſerwurzeln. j 

+ Der Pfeis, Pfeifen, f. Pfies, Pfirfen. 

+ Die Pfelle, 9. —n, im D. D. bie Etrite (Cypriuus phoxi- 
nus Li). N 

+ Der Pfeller, —s, 9. u. ein koſtbarer Mantel. Prifd. 

+ Die Dfenne, M. —n, ein galliges Kluͤmpchen. Fulda, t 

+ Das Dfenner oder Dfennert, f. Pfennigwerth. 

Der Ifennich oder Pfennig, —s, 9. —e, im D. D. ber Fuch 
ſchwanz. ©. Fench. 

Der Pfennig, —es, Br. —r. 1) Fine Muͤnge, ehemals jede Mümn- 
ze, indem man eine Schaumänze, Dentmünse, Blechmuͤnze tr. einen 
Shaupfennig, Blehpfennig ıc. nannte und bier und ba auch 
mol noch nennt, Bo heißen auch die halben Bagen in Heſſen 
(Albus) Meißpfennige, In der Biber ift an mehrern Drten, 3.8. 
Iob. 6, 7. Mark. 6, 37, für Denare Pfennige gebraucht, mwofhr 
in anbern Stellen rihtiger Grofhen ſtehet. Jett ik der Pfennig 
eine geringe Scheibemuͤnze, bern Werth jedoch nicht überan gleich 
it. So beißen im Mekelnburgſchen bie Heller Pfennige Im 
Schleſten gilt ein Pfennig ober Denar ı'/, Beller, anderwärts und 
gewöhntih a Heller, In O. D. hat man leichte Pfennige, deren 
zwoͤrf einen Kaifergrofhen mahen, und ſchwere, deren zwölf. einen 
guten Groſchen betragen, und die man in ben meiften Gegenten 
Deytihlands Pfennige fhlehthin nennt. inen bei Seller und 
Pfennig bezahlen, völlig, ohne den gerinaften Ket oder Abzug. 
In weiterer. Bebeutung ftebt Pfennig oft für Geld überbaupt; 
jegt nur noch in ben Zufammenfegungen Beichtpfennig, Motbrfens 
nig, Reiſepfennig, Zehrpfennig, Mlutterpfennig ꝛxc. Ehemahls 
beſonders auch bares Gelb, 

Ich muß ban pbenning oder phand. Wonere Haben, 35. 
In mod weiterer Bobeutung gebrauchte man es ehemabis ven Al: 
lem was Geldes werth war, von Waaren ıc Im bielem Verſtande 
koͤmmt noch bei Steuern und Auflagen der Ausbru der vierte, 
fünfte ıc Pfennig vor, worunter man balb den vierten, fünften ıc 
Theil bes Kermögens, bald nur folgen Theil von dem Mertsc der 


Pfennigb 


622 


Pferch 


tiegenden Eruͤnde verſtehet. Uneigentlich führen in ber Returbe— 
fhreibung gzewiſſe verſteinte Schneken, weih: su den vielktamme;- 
rigen, um ben Mittelpunft gewundenen Schnecken gedbrea, wegen 
ihrer Gefait, den Namen verſteinte Pfennige, Piennigfleine 
(Helieiten); and, eine Art verfteinter zweiſchaliger fort sonder Mus 
fhein (Chamiten), welche ha fig bei Kratteuburg gefunden werden, 
wird im gemeinen Leben Brattenburgifher Pfennig genannt. 2) 
Ein Bewiht. Im Handel ift ber Pfennig der vierte Zheil, eines 
Diuentes, und bält zwei Heller, -In einigen Gegenden ift ber 
Pkennig in dem Golde und Silbergewichten der zwöilte Theil einer 
Markt, oder 1’, Loth, und hält 24 Groſchen oder Grin. Im Püts 


tendaue HE das Pſeuniggewicht eine Art des Probe s und Prüf, 


gewichtes, wo bie Mark in 156 Theile getheilet wirdz zum Un: 
.  terichiebe vom Iemtners, Mark: und Karatgewichte. 

* * Der Pfennigbann, — es, 2. u. 1) Der Befehl und bas 
Steht dazu, Weibftrafe zu erlegen. 2) Die Gewalt und bat Kedt 
eine Abgade von den Kaufleuten, Künftiern und ihren Waaren zu 
erheben, Haltaus. 

Das Pfennigdickſtuͤck, —et, M. —e, bei ben Yfefferküchlern, eine 
Art Pfefferkachen aus mebhlweißem Zeige, 

Der Pfenniger, —6, 39. al. eine Münre, welche eine große Anzahl 
Pfennige gilt. Ein Achtpfenniger, Schspfenniger, Vierpfennis 
ger. Friſch. } . 

Das Pfennigerz, .—ıt, 2%. u. eine Art Eiſenerz und zwar Sumpf 
erz, welches in ben Sumpſen in fiahen unfoͤrmlichen Gtäten gefuns 
den wird. 

%* X Der Pfennigfuchſer, —t, M. st. in ber niedrigen Sprechart, 
ein Minfh, ber aus Gefz auf jede und ſelbſt die ſchimpflichtte Art 
den geringen Yfzumin zu erfparen eder zu erfirgen füht; wofür 
man im Ü. D. Köpenmmig, d. b. Küteden⸗pfennig fagt. 

* * Das Pfenniggeld, —et, 9. —er. ı) Ein Beibflod, Haupt 
geib weiches verzinfet wird (Capital). '2) Gerd, welches von Pfens 
riten, b. h. von einer Geltfumme, bie man ausgeliehen oder fonft 
angetegt bet, einlömmet, Zinfen (Interessen). Oberlin. Denn 
auch, Biefäte, Abgaben an barem Gelbe; Pfenniggätte, 

Das Pfenniggewicht, —ed, 4. —e, im Hüttenbaue, ı) eine Art 
bes Probezewidten; ohne Mehrzahl, S. Pfennig 2). 2) Ein 
einzelnes Gewicht dieſer Art. 

Das Pfenniggras, — es, 24. u. f. Pfennigkraut »). 

Die Pfennigguͤlte, Rz. —n, ſ. Pfennigaeld 2). 

Die Pfennigkerze, By. —n, eine Kerze, welche einen Pfennig Koftet. 

Die Ofennigkoraile, Rh. —n, eine einfache ganz Kleine Meerkoralle, 
weiche man häufig werfteint findet, und dann auch Pfennigſtein 
nennt (Madrepora porpita L,). 

Das Pfennigkraut, —es, 94. u. 1) Eine Art des Welderichs mit 
langem dünnem an ber @che bintrichendem Stengel, ber anf beiben 
Seiten mit kleinen runden fetten Blättera, gleih Pfeunigen befegt 
M (Lysimachia mnınuleria L.); auch geitredter gelber Weiderich, 
Wieſengeld, gleichſam auf Wieſen wachſendets Geld, Wieſenkraut, 
Eseitraut, Schwalbenkraut, Natterkraut, Schlanenktaut, in 
Sfterte ich, Mafferpotei. @) Die Beldtafhe (Thlaspi campestreL.) 
und ber Wauernfenf (Thlaspi arvense L.), wegen ber runden flas 
drnfamenbehättniffe; and Pfenniagras, 3) In Steiermark, der 
Ktaft Rhinenthkus eriste galü L.). 4) Das Heine Echöllfraut, 
Brigwaritntraut (Cheidonium minns, Ranunculus ficaria L.); 
auch Pfennisfilat 5) Das Meine Pfennigkraut, eine Art bes 
Garcbtells mit purperfarbigen Blenten (Anagallis tenella). 

Die Vienniglinfe, Br. —n, f. Gartenlinfe. 

Die Tiennigmark, 99. —en, im Püttenbaue, bie bei bem Pfennig: 
gewidte üblihe Mark, wo fie in 156 Theile getheilt wird. 

Der Pfennigmeiſter, — 6, 8. al. die bie und da no übliche Ber 
nennung eines Ginnehmers, Schatzmeiſters, weiher gewiffe Gelder 
in Aufſicht und Verwahrung hat, und bie Ginsahme berfelben und 


bie Ausgaben bavon berechnet. . 

Die Pfennigmeifterei, 9. —en. 1) Das Amt, wie auf die Woh⸗ 
nung eines Yfennigmeifters. 2) Cine ganze ju ben Finnabmen ges 
willer Met verordaete Behörde, wie auch, der Drt, wo fie fi vers 
ſammelt. 

+ Der Ifennigſalat, —es, 94. u. ſ. Pfennigkraut 4). 

OX Die Pfennigſchenke, a. —n, eine Heine greiage Schenke ober 
Kuripe, wo man gleihfam für einen Pfennig au trinken ıc. befome 
men kann. „Der hund aus ber Pfennigſchenke.“ Bürger. 

Der Tfennigfhreiber, —s, Sij. gl. der Spreiber bei einer Pfens 
nigm erei. ©, b. 2). 

Der unigſteln, er, Rp. —e, ſ. Pfennig a) uns Pfennigkoralle. 

%%* Der Ifeunigtbuem, — s, 94. u. in Straßbutg, die Schat ⸗ 
kammer, weil fie in einem feſten Thurme war, 

*%* Das Pfennigwerth oder Yfennwertb, + Tfennert, —s, 
Da. —e, überhaupt eine Waare, Kaufmansgut; befonbers eine ger 
zinge Baare So heist in Röcdiingen cin Feines Brot noch 
Dfennfert, welches wabrſcheinlich daraus verberbt iff; in Nürne 
berg hingegen ih Pfennfert ein maß. Ehemahls gebrauchte man 
pfennigwerth ach umftaubwörtlih für in Kieinen, mohifeil, gerin⸗ 
pe. Nach dem Pfennwerth verkaufen, in Seinen. 

Die Pfennigwinde, 8. u. cine Att Winde (Convolvulus numala- 
ri), Sehnid. 

* x* Der Pfennigzind, — s, 9. —e, ein Zins, welcher in has 
rem Gelbe beſtehet; in Gegenſeh von Kormins ıc, 

Der Pferch, — e, 3. —r. 1.) Ein mit Härten eingeſchloſſerer 
Raum, in weihen man bie Schafe auf ten Brachfeldern treibt, da⸗ 
mit fie dert uͤdernachten und mit Mit und Harn das Fand düngen, 
wo dann bie Härben ron Zeit zu Zeit fortgerätt werben, bis bas 
ganze Felb auf folhe Art gebünget if, In weiterer Bedeutung, 
überhaupt ein eingefhtoflener Plag, wo der freie Zutritt verwehrt ift, 
3. B. ein folder Plas, auf welchem Geſchuͤtz, Pulverwagen ıc. aufs 
geftelt find (Artilleriepsrk), eine ringefchlofene Gartenanlage ic. 
»Finige neuere (9) Mörter möhten vielleiht bem Wise noch licher 
fein ats die alten, 4. ®. Pferch für Park» J. P. Ridten ©) 
Die Urt und Meife einen ſolchen Pech zu machen uab bie Schafe 
darin übernachten zu laſſen. 5) Die Art dad Band vwermiterifk 
Pferde zu düngen, mie aud, ber in den Pferchen zuruͤdbleibende 
Dünger ſelbſt, auch wol, ber Dünger überhaupt, und im noch weis 
terer Bedeutung, ber Kotb, Mift ber Thiere und Meuſchen übers 
baupt. In ben beiden erfien Bebdutungen lautet es bei Ad. auch 
bie Pfercht. e 

Der Pferchacker, —s, 94. —äder, Ader, welcher vermittelſt Pfer⸗ 
ches aebfingt wird, Friſch. ©. Pferd. 

Die Dferhe 9. —n, f. Pferch. 

Pferchen, v. I) tere. ı) Einen Pferh machen, mit Pfechen bezichen. 
Einen Ader pferhen. ©. Pferd. 2) In einen Pferch einfhlier 
fen. Die Schafe pferhen. Da die Safe in einem Pferche oft 
eng beifammen find, fo gebraucht man in weiterer und uncigentlis 
er Bebrutung pferchen auch für in einen engen Raum einftliegen, 
zuſammendraͤngen, flopfen. S. Einpferden und Sufammenpfers 
hen. 5) Bermittelſt ber Pferde duͤngen. Gin Feld pferden. 
Ah ntr. mit haben, ben Pfech ober Koth von fi lafen, mie 
fen. — D. Perden. D. —ung. 

Die Verchhhütte, Wz. —n, eine von Brettern zufammengefhtagene 
auf zwei Kaͤdern bewegliche Beine Hätte, in welcher ber Schäfer 
toi den in einen Pferd getriebenen Schafen übernaditet; ber 
Pferchkarren, Schäferkarren, die Schaͤferhuͤtte. 

Der Pferchkarren, —s, 94. at. f. Pferchhutte. 

Das Pferchlager, —e, M. gl. eigentiih das Bager ober Liegen, Kuf: 
halten ber Schafe im Pferde. Dann, bie im Pferhe befindlichen 
gelagerten Schafe ſelbſt, wie auch, bie bel einem Gute befindliche 
Anzapi von Schafen überhanpt. 


Pferch 


Das Pferchrecht, —es, 9. u. das Recht, auf feinem Acker au pfer⸗ 


Der Pierhfhlag, —es, 9. u. 


dien, bie Schafe in Pferchen darauf aͤbernachten und es auf ſolche 


Art büngen zu taffen; ber Pferchſchlag, der Hürdenfchlag, das 


Feldlager, die Buchtfchlagungs 
1) Das Aufſchlagen ber Pferde 
und das Einſchließen der Schafe in biefeiben. 2) Das Pferde 
recht. 


Das Pferd, (gedehnt) —ed, Mz. —r; Vi, das Pferdchen, ©. D. 


fein. 1) Ein belanntes vierfüßiges mit ungefpaltenen Kufen 
verfebenes, karzhariges aber mit einer Mälne und lanzhaarigem 
Schwanze verfchenes, ſchönes und nüglihes Haustdier, deffen man 
fih zum Aeiten, Zichen und afiragen bedient. Ein wildes Pferd, 
fowol welches im Stande feiner natürlichen Freiheit lebt, zum Un: 
terfhiebe von einem zahmen Pferde, welches fhon gesähmt iſt oder 
von gejähmten Pferden abftammt, als aud, ein in feinen Bewegun⸗— 
gen wildes, ein wilb ober ſcheu oder zornig geworbenes Pferd. Ein 


. ‚qugrrittenes, cin eingefahrenes Pferd, welches fhon gewöhnt if, 


ſich reiten zu faffen, im Wagen zu ziehen, befgleihen man gewoͤhn⸗ 
lich ſchon unter einem Pferde ſchlechthin verfichet. Pferde hatten, 
zu feinem Gebrauche unterhaiten, Mit zwei, vier Pferden, aud 
nur mit Sweien, Vieren fahren. in Zug, Gefpann Pferde, Die 
Pferde anfhirren, anfpannen, ausfpannen, wechſeln. Friſche Pferde 


— nehmen, andere die geruhet haben. Zu Pferde reifen, reiten. Bu 


terti. 


* 


Ein Schönes Pferd reiten, Nicht vom 
But zu Pferde figen, 


Mferde kommen, ankommen. 
Dierde kommen, beitändig ober viel reiten. 


“ mit Anftand und fell. Sich zu Pferde fegen, das Pferd befteigen. 


Bom Pferde abfigen, abfteigen. Zu Pferde dienen, unter der Bei: 
‚Das Pferd ſatteln, abfatteln. Vom Pferde fallen. Das 
Pferd bar ihn abgeworfen, adgefattelt, Sprichw. Sih vom Pferde 
auf ben Efei fegen, feinen Buftanf verfhlimmern, gleich dem Sprichs 
worte, aus dem Kegen in bie Zranfe lommen, Die Pferde hinter den 
Wagen fpannen, eine Sache verkehrt anfangen. Einem geftentten 
Pferde muß man niht ins Mas ſehen, ober, einem gefhenkten 
Gaul ſieh nicht ind Maul, mit geſchenkten Sachen muß man 
es nicht fo genau nehmen, wenn fie auch nicht bie beften find, man 
muß fle nicht fo genau unterfuhen, wie ein Pferd, das man kaufen 
will und welchem man unter andern aud in den Mund ficht, um 
en. ten Zähnen ihr Alter zu erkennen. Pferde, die ten Hafer ver: 
dienen, bekommen ibn nicht, dem Terdienſtvollen wird nicht immer 
zu Theil was er verbient, + Trauwohl ritt das Pferd weg, ſagt 
man, wern man von einen, dem man zu viel traute, betrogen wird. 
Auf dem fahlen Pferde betvoffen werden, bei einer Lüge ertappt, 
in einem Irtthume betroffen werben. Won ber anbern Seite des 
Dferbes wieder herunterfallen, von einem Äußerſten ins anbrg vers 
fallen, + Hüte dich, mein Pferd jhrägt di, in Osnabruͤck, ninm 
did vor mir in Acht. Das Mort Pferd, welches im N. D. Peerd 
lautet und wofär man bafelbft auch Page fagt, ift das allgemeine 
Wort, woflr man auh A Roß, ehemahls Ors, Gaul, Mähre, 
fast, obgleich bie legten aumeilen Rebenbeteutungen bafommen. &, 
Maͤhre. Gin maͤnnliches Pferd, wenn es ungeſchnitten iſt, beißt 
Henaft, + Hinaft, Hangſt, Heft, worunter man im Eaterlande 
und in Meleinburg audı ein Pferd überhaupt verſteht, und wenn 
es zur Fortpflanzung beftimmt ift, Beſchaͤler, Schellhenaft, Zuchts 
benaft, Springhengſt, Stuthengſt, im N. D. Stöter, in 
Baiern ehemahts auch Maidten, ein Hengſt von geringem Nertbe, 
deffen man ſich bebient, um erft zu erfahren ob die Stute wirklich 
bieia if, ein Sruͤrhengſt oder Probe, Pruͤfthengſt ; ein der Mann⸗ 
heit beraubtes Pferd, ein Wallach, ein Ktopfbengfk ze. in Weftfas 
ken Rune, anderwaͤrts Reuß, Meiden, Heiler; ein weibliches Pferd, 
Stute, Mutterpferd, und ift es geringere Art, Gurre, Borre, 
Borre, Wilde, Kobel, Maͤhte, Motſche, Strenz, Struke, Toͤte; 
ein junges Pferd, das noch nicht ausgewachſen iſt beifit ein Rüllen oder 
Sohlen, weiche man ehemahlsunterſchied, und unter Fohlen m nn: 


623 


Dferdra 


tiche junge Pferde oder Hengſtfuͤllen (poledri), unter Fuͤllen weibtihe 

oder Stutfüllen (poldrind) verfand, in Franfen Hankerie, in Uln 

Motſchele, in Osnabrhd Watte, in Schlefien Kubdel, im Loidringen 

und Sasrwerten Wuſchel, in andern Gegenden Bidartlein, Hein: 

ſel, Heißerte, Huͤßchen, Hutſchela, Statte; ein Keines Pferd heigt 
ein Klepper, Nicket, Knuter, Schnak, Grämlein, beim Dafupobus 

Bidartlein. In Anfehung der Güte bekommen die Pferbe eben: 

falls verfhichene Namen, wohin aufee ben ſchon angeführten die 

Benennungen Mähre, Shindmähre, Arade, Koppe, Roller, Zag ⸗ 

ge, im Eieflond Schefer, in manden O. D. Gegenden Rung, vom 

ſchlehhten oder auch alten untauglichen Pferben, gehören. Son an: 
dern Gigenfhaften in Anfehung ber Geſtalt, ber Zarbe ıc. nennt 
man ein Pferd einen Schwanenhals, Speckhals, Rammskopf, 
eine Rammsnaſe, einen Rappen, Falben, Braunen, Grauen, 

Echimmel, Apfeifhimmel, Fliegenſchimmel, Graufhimmel, Hecht⸗ 

fhimmel, Rotbfhimmel, Schwarzfhimmel, Spiegelfhimmel ıc. 

Fuchs, Lichtfuchs, Rehtfuhs, Rothfuchs, Schwarzfachs ıc. 

+ Raͤutke, einen Tiger, eine Schecke, eine Blaͤſſe; einen Dänen, 

Holſteiner, Polen, Engtänder ıc. ein Dänifhes ꝛc. Pferd; einen 

Stugfimwanz, einen Paßginger, Zelter; einen Wildfang, ein in 

ber Wildniß aufgewachſenes Pferd, eine Striege, ein noch nicht 

abgerichtetes aber zahmes Pferd, einen Mengeling, ein von ver— 
ſchiedenen Arten abflammendes Pferd; ein Braspferd, bas man gras 
fen laͤßt und bas meift nur Gras zu freffen bekömmt; einen Krips 

penbeißer, Keippenfeger, Barngroiser, Kopper, Kollerer ıc. ©. d. 

Berner Aft dem Gebrauche unb andern Umftänden nah ein Pfard 

ein Dienitpferd, Zugpferd, Wagenpferd, Kutſchpferd, Schite 

tenpferd, Ackerpferd, Acketgaul, Kartengaul, Fuhrmanng- 
pferd, Poſtpferd, Poſttlepper, Porireiterpferd, Sattelpferd, Stuͤck: 
pferd, Mühipferd oder Muͤhlroß, Hinterpferd, Vorderpferd, Reit⸗ 
pferd, Reittlepper, Schulpferd, Handpferd, Veipſerd, Nedentferd, 

Leibpferd, Lieblingspferd, Herrenpferd, Bauerpferd, Staatspferd, 

Prunkpferd, Prumtroß, Freudenpferd, Trauerpferd, Jagd— 

pferd, Iagdroß, Streitpferd, Streitroß, Kriegspferd, Arirasrof, 

Kampfroß, Turnierreß, Laſtpferd, Packpferd, Saumpferd, 

Saumreß, Saumer x. x. ©. dieſe und auch Dichterpferd, Klüs 

gelpferd, Fluͤgelroß, Muſenpferd, Stedenpferd sc. — In ben 

Zuſammenſetungen bedeutet Pfetd häufig das größte ſeiner Art, 

3. S. Pferdeameiſe, Pferdehai, Pferdenuſt, Pferde gluͤck ꝛc.z zu: 

weilen aber auch ein fchlechteb, geringes Ding feiner Art. Auch 

wehfern in ben Aufammenfesungen bie Wörter Pferd und Roi ab, 
und bald ift Pferb gewoͤtnlicher bald Moß, obne daß die mie Dos 
zufammengeftgten Wörter in jedem Kalle ebler find. Außer dem nit 

Pferd zufammengefesten Wörtern find alfo auch die mit MoF sufam: . 

mengefegten nachzuſehen. Uneigentlich yyınt man im gemeinen Leden 

die großen grünen Herſchregen Pferdchen, Grsspferbiben, Lrupferbe 
ven, Gottespferdchen ıc. Inder Sternwiſſenſchaft it tas Wferds 
chen ein Heines Sternbild zwifhen dem Muſenpferde und Waffermante, 

») Ein Pferd mit feinem Reiter. Er kam mit einem Gefolse rom 

sehn Perden, mit zehn Beglertern zu Pferde. Gr wurde mit hun«⸗ 

dert Pferden ausgrfhiet, den Feind zu brobadıten. 5) In der 

Schiſffahrt nennt man Pferde (Daard.m) unter dev Raa beinbiiche 

Zaue, auf welchen die Matrofen mit den Käßen firben, intem fie 

fh mit dem Leibe oder der KRruſt gegen bie Rag lehnen, um bie 

Segel zu beſchlagen, lodzumachen, Ju rerfen oder tie Leeſegelſpleren 

aussufeben. = ; 

+ Der Pferdeacker, —d, 34. —aͤcker, nah Frifſch in der Erofs 
[haft Schwarzenberg, ein Barerqut, meldes nah dem Tode bei 
Seſtders das befte Pferd als Bauptiall geben muß, 

Die Pferdealoe, 8. u. die gemeine oder eihte Xlor (Aloe enballina 
s, vulgaris). 

Die Verdeameife, M. —n, bie größte Art Ameifen, ſchwatz ven 
Farbe (Formiica herculane.); bie Roßamtije. . 


Y * J * 
Pferdea 

Der Pferbeampfer, —t, o. 29. die ſpitblattige Grindwutzel (Ru- 
mex acutus L.); auch fpiger Mangold, Mengelwurz, Lenden⸗ 
kraut x. / 

X Die Dferbearbeit, Sg. —en. 1) Eine Arbeit, welche mit Pfers 
den verrihtet wird, ober verrichtet werden muß, a) X Eine mühe 
fame, ſchwere, barte Arbeit, bergfeihen Pferde verrichten mülfen, 
ober wozu aleihfam Pferbefräfte gehören, 

Der nicht Brot, kaum Zutter bei Dferbarbeiten gewähret, Boß, 

Die Pferbearzenei, 94. —en, eigenttih, eine Kryenet, ein Peils 
mittel für Pferde; uneigentiih, eine für ben menſchlichen Körper 
su ftarke Arbeit. z 

Die Pferbearzeneitunde, o. 2%. die Kunde, Kenntnif, die Krankheis 
ten ber Pferde wichtig zu erkennen, zu beurtbeilen und zu heilen; 
gegenftänblich, Pferdearzeneiwiffenfchaft, und angemanbt die Pfer⸗ 
bearzeneifunft (Hippiatrik, veterinarische Wilfenfhaft). Sie ift 
eim Zweig dee Viebarzeneikunde, Bieharzeneiwiflenfhaft und Vichs 
arjeneikunft. K 

Die Pferdearzeneitunft und Pferdearzeneiwiffenichaft, o. m. f. 
Pferdearzeneikunde. 

Der Dierdearzt, —es, My. —aͤrzte, ein Arzt für Pferde. 

Das Pferdeauge, —, 4. —n. 1) Das Auge eines Pferdet. 2) 
An ber Schifffahrt, bas Auge an ben Enden ber Taue, welche Pfers 
de (Paarden) genannt werben (Paarbauge), welches um das Not 
der Raa gelegt wird, i 

Der Vferdebändiger, —s, WM. gl. einer der Pferde, wilde Pferde 

“ ubändigen verfteht, Kraft bat. S. Pferdelenker. 

Der Pferdebaͤr, —es, ober —en, Ba. —e, oder —en, ein Bär, 
wenn er Kein und roth ift (Ursus aretosL.); auch Honigbär. 

Der Dferbebauer, —8, M.—n, ein Bauer, weicher auffeine Wirt: 
ſchaft Pferde hätt, den Aderbau mit Pferden treibt; zum Unter 
fhiebe von einem Ochfenbauer. In engerer- Bedeutung ift in O. S. 
ber Pferdebauer ein Bauer, weicher fo viel Band befigt, daß er zur 
Beſtellung beffeiben wenigſtens Ein Paar Pferde halten muß. ©. 
Pferdner und Anfpänner 

Der Vferbebaum, —es, Mz. —bäume, der Stallbaum. Stieler. 

Der Dferdebefchlag, —e8,:24.—Ihläge, der Beſchlag das Befhlagen 
der Pferde mit Eifen auf ben Hufen. Auch mol biefe Eiſen ſelbſt. 
Ztieler. j 

Die Vferdebinfe, Mz. —n, die Seebinfe (Seirpur laeustrisL.). S. d. 

Die Dferdeblume, Mz. —n. 1) Ein Rame beö Löwenzahnes. a) 
Der Wachtelweizen (Melampyrum arvense L), Nemnnic,. 

Die Pferbebohne, My. —n. 1) Ein Name der großen Bohnen, 
weiche auch Keigbohnen, Feldbohnen, Butterbohnen, Puffbohnen ıc. 

beißen (Vicia faba major L,); auch Moßbohne. Die Saubohne 
ift eine Abart baren. _g) Eine Art Sheibepmufheln, im Mittels 
ländifhen Meere unb in den Merren um England, Frankreich ıc, 
wegen ihrer Khnlichkeit in der Seſtalt mit Pferbebohnen (Solen Ie- 
gumen); auch Saubohne, Mittelhuͤlſe. 

Der Vferbebraffen, —s, 9M- gt. f. Pferdmakrele. 

Die Pfordebremfe, My. —n, bie Benennung zweier Gattungen bon 
Bremfen, deren eine, Pferdebremfe ſchlechthin genannt, weihßliche mit 
zwei fhwarzen Punkten gezeichnete Fiägel hat und ihre Eier auf 
bie Schultern und an bie Anie ber Pferde legt (Oestrus equi L.); 
und berem andere bräunliche ungefledte Aügel, einen ſchwarzen qn 
ber Vurzel weißen und am Ende röthlichgelben Hinterleib hat, und 
ibee Eier an die Lippen ber Pferde legt (Oestris haemorrhoidalis 
L.}; ber Afterfriecher, weil wenn bad Pferd bie an bie Bippen ges 
Testen Eier ableckt und verfäludt und biefe in bem Magen beffeisen 
ausgebrütet find, die Larven, die ſich am Kopfe bea Magens mittelft 
ſcharfer Hitchen fe halten, wenn bie Zeit ihrer Verwandlung der: 
annahet, aum After hinauskriechen und fi einen bequemen Ort zu 
ihrer Verwandtung ſuchen. Auf biefe Art iſt der Artikel After: 
kriecher zu besichtigen, da es minder wahrfheintih ift, daß bie in ben 


’ 


624 


Dferdeg 


Balten bes Afters ausgebräteten. Larven blalin ben Magen hinauf 
und argen bie Zeit ihrer Verwandlung wieder zurüdftiehen follten,. 

Der Pferdebube, —n, By. —n, ein Vferbeiynge. Erberg. 

Die Lfirbebede, 8. —n, eine Decke, melde man auf das Pferd 
decket. Man hat deren verfhichene, ſowol ſchlechte, bie dem Pferbr 
im Stalle aufgelegt werben, als auch befiere und ſelbſtoſtbare, bie 
den Pferben beim Meiten aufgelegt werden. &, Schabracke. Auch 
über das Gepäd ber Saumpferde Jichet man Deien. 

Der Pferbedich, —e8, By —, ein Dieb, welcher Pferde ſtiehlt 
ober geſtohlen bat, “ 
Der Pferbediebfiahl, —ed, 9. —flähle, ein Diebſtahl, da man 

Vferde Fichte, € 

Der Pferdedienſt, —s, By. —e, ein Dienft, welcher mit einem 
Pferde oder mit mehrern geleiftet wird. In engerer und gemöhn: 
licher Bedeutung find Pferbebienfie, Frohndlenſte, welche mit Pfers 
ben geieiftet werben muͤſſen, Pferdefiobnen, Spanndienſte, welche« 
Wort aber umfaffenber ift (ſ. b,); zum Unterfchiete von ben Hand⸗ 
und Fußdienſten. 

Die Pferbedille, 2. u. eine ſchlechtere Art Dilfe, mit befonberm 
Hüllen, deren Blätter unter eimander zu Einem Blatte zufammems 
gewachſen find (Seseli hippomarathrum L.); Roßdille. 

Der Pferdedorn, —6, By. u. der Geekrkugdorn (Hippophaö rham- 
noides L.), 

Der Tferdeegel, f. Roßegel. 

Der Dferbeeich, —s, 2M. al. ein von einem Pferbe und einer Ef 
linn gezeugtes Ahler (Equus asinus, hinnus), ber Mauiefel, Heine 
Mauleſel. 

+ Die Pferdeſeige, Ir. —n, bie Pferdeaͤpfet, der Pferdemiſt. Friſch. 

Der Pferdefenchel, —s, M. u, 1) Der Roß⸗ ober Wafferfendet 
(Pheliundrium agnaticum L). 2) Eine Art des Seſels (Seseli 
tortsomum!; auch Roßkuͤmmel. ; 

Das Pferdeſſeiſch, —es, 0. DM. das Flelſch der Pferde, 

Die Pferdeiliege, 9. —n, eine Art Biehbremfe, mit graubraunem 
Oberlede, geibl.hem Unterleibe, und grünen Augen, welde befone« 
ders bie Pferbe und das Rindvieh plagt (Trabanus bovinus L.) 5 
auch Roßmuͤcke; Ochſenbreme. 

Die Pferdefrohne, 9. —n, ein Frohndienſt, welcher mit Pferden 
neleiftet werden muß. S. Pferbedienft. 

Das Pferdefüllen, —s, 9. 9l.. das Füllen vder Junge von einem 
Pferde, zum Unterfhiebe von einem Efeifüllen. 

Der Pferbefuß, — s, 4. — führe. 1) Der Fuß eines Pferdes. 
In Dorftelungen für ben großen ‚Haufen wirb der Teufel gemöhne 
tich mit Pferdefüßen abgebilbet ober mit Pferbehufen, welcher Ger 
brauch mwahrfcheinlih in ben Botfüßen der Walbzötter ber Alten 
feinen Urfprung hat, bie in Pferbefüße übergingen, mie bie ger 
ſchwaͤnzten und gehörnten Waldgötter der ‚Heiden felbft in bie eben: 
faus geſchwaͤnzten und aehörnten Zeufel der Kriſten uͤbergingen. 
Lang kann biefer Satan (die Selbſtſucht) ben Pferdefuß nie vers 
fleden.e Benzel- Sternau, Daher wird ber Teufel ſelbſt ein 
Pferdefuß genannt, a) Im ber Raturbefhreibung, ber Rante et: 
ner Gienmuſchel von unregelmaͤßlger Seſtalt (Chema hippopus L.); 
auch Pferdehuf, Kodiblatt (Peuille de choux Arganr.). 

Das Pferdefutter, —d, m. gl. ein Autter für Pferde, etwas das 
den Pferden zum Kutter gewöhnlich bienet oder bienen Fann. 

Das Pferdegeritb, —es, By. —e, das Geräth, deſſen man für 
Hferbe nötbig bat, als Bäume, Gefhier, Deden, Sattel, Burte ic. 
auch Pferdegeſchirt und Pferdegereite, 

Beffer Pierdgeräthe das Funnte nimmermehre fein.” 
db, Ribelungen 8 B. 2280, 

Dad Dferbegeriht, —s, EM. —e, an einigen Orten, 3. B. zu 
Köln, ein eigenes Gericht, weiches über die beim Pferbehandel vors 
fallenden Streitigkeiten gehalten wird, 

Dad Pferdegeſchirt, —es, —, das Belgier, weldes den Pfer⸗ 


Der Pferdehaarwurm, 


a 


— Drerdeg 


ben, beſenders ben Zugpferden angelegt wird, S. Wagengeſchirr, 
Kutſchgeſchirt, Rippengefäirr, Hintergefhire, Mittelgefhier, Ber: 
bergefbitr. 

Dad Pferdegefhirrmeffing, —es, My. u. bei ben Geldgießern, bies 
jenigen meffingenenGtüde, welche zu einem Pferbegefrhirre gehören. 

Das Pferdegift, —es, 4. —e. 1) Etwas, das für die Pferde ein 
Gift iſt. So wirb Belonders ber Giftbaum, Pferbegiftbaum, Pfer⸗ 
degift genannt (Hippomane L), a2) Ein platter, balbrunder, 
bünner und weicher Körper in Gektalt einer Kleinen Milz, welchen 
bie Füllen auf ber Zunge mit auf die Welt bringen und verihluf: 
ten folen; auch Pferdemilz. Man ſucht ihnen biefen Körper zu 
benehmen, weil fie alsbann beffee geratben follen, und gebraucht ihn 
fetöft Als ein Heilmittel wider allerlei Pferbefranfheiten. 

Der Pferbegiftbaum, —ed, 2 —bäume, der Giftbaum (Hippo- 
mane L,). 

X Das Pferdeglüd, —s, 0. 4. ein großes Gluͤck. 

Der Pferdegöpel, —8, 34. gl. im Bergbaue, ein Goͤpel, welcher 
von Pferden gejogen wirb, 

Das Pferdegras, ed, M.u. 1) Gras, welches gut für bie Pferbe, 
von folder Berhaffenbeit iſt, daß es bie Pferbe gern freffen. =) 
Ein Rame bes Honiggrafes (Holeus L.); auch Roßgras. Belons 
ders eine Art deſſelben, das wollige Honiggras (Holcus lanatusL.); 
auch Roßgras, Darrgras. Es ift ein gutes Dferbefuttes und Biehs 
futter überhaupt. 

+ Das Pferdegut, —es, 4. —güter, ein Bauergut, auf melden 
sum. Behuf des Ackerbaues wenigſtens ein Paar Pferde gehalten 
werden müffen., S. Pferdebiuer und Pferdner. 

Der Pferdegurt, —es, Mi. —t, rin Burt, mit welden man ben 
Sattel oder eine Decke auf das Pferb befeſtiget. 

Das Vferdebaar, — s, Bi. —e, bas Haar ober bie Haare des 
Hferdes; ſowol tie Purjen, womit ber Körper bes Pferbes bebedt 
it, ats auch und beſonders bie fangen Haare ber Mähne und des 
Sämeifes, welde, außer anderem Gebrauh, durch Kehen gekrauſt zut 
Auspolflerung gebraucht merben. Die kurzen Paare des Leides pflegt 
man befonderd Roßhaate zu nennen. X Es hängt nur an einem Pfer⸗ 
behaare, es bängt nur von einer Kleinigkeit ab, koͤmmt nur auf eine 
Kteiniakeit am. 

Der Pferdehaarflechter, —s, 9. gl. ein unzünftiger Handwerker, 
ber von Pferbehaaren allerlei fliht oder webet. 

—es, 94. — wuͤrmer, ber Mafferfabenwarn 

(Gordius agustieus L.). S. Kabenwurm. 


Der Pferdehai, —es, By. —r, ber größte unter ben Salon, welcher 


40 bis 50 Fuß lang wird, aber nicht fo gefährlich iſt als bie andern 
Hole (Squalus meximus L.), 

Der Pferdebanbel, —s, 0. 24. der Handel mit Pferden; verädht: 
lich und mit andern Rebenbegriffen, die das Wort Sqhe cer berbeir 
führt, ber Pferdeſchacher. 

“Der Pferdehaͤndler, —8, Mm. Yo einer ber mit Pferben banbelty 
der Rosfumm, Rogtäufcher. S. b. 

Pferbehären, adj. u. adr. vom Pferdehaaren gemacht; rofihären. 
ine pferdehaͤrne Angelfhnur, Schlinge. R. Pferdehaͤrne Sohllen. 

Die Pferbehaut, Mm. hut, bie Haut eines Pferbes, befomders 
wenn fie zubereitet ift, 

Das Pferdeheu, — es, 0. m. Heu, welhes fo befhaffen ift, wie es 
bie Pferbe gern freſſen. 

Der Pferdehitſch, —es, My. —e, der Brandhisih, meil ex Lange 
Haare am Halfe bat (Cervus hippelaphus); der Rofikirfch. 

Der Pferdebuf, — ed, 9. —e. 3) Der Huf eines Pferdes. 

unt horch! erfhol ein Donnerton 

Bor Hochburga Pferbehufen. Bürger. 
Der Teufel kann den Pferbehuf nicht verbergen, Tann ſich nicht ver: 
teilen, feine Ratur nicht verläugnen, ©, Pferbefug. 2) In bee 
Raturbefhreibung. (1) Eine @ienmufhel, ber Pferdefuß. = & 

Gampe’s Töörterb, 3. Ip. 


625 


Pferdel 


(a) Eine Art bes Waſſernabels, wegen Hontigkeit ber Blätter mit 
Pferbehufen (Hydrocotyle Asiatica L.\, 

Die Perbehufnatter, 94. —n, eine Art Rattern in Amerika, ber 
ren Hintertheil mit einer Zinbe, in Geſtalt eines Hufeifens gezeich⸗ 
net it (Coluber hippocrepis, ). 

Die Pferbebut, o. Ry. ı) Die Hut, bie Aufficht über bie Pferde, 
befonbers anf der Weide. 2») Cine Hut, Hutung für Pferde; die 
Dferbehutung. 

Der Pferbejunge, —n, Ba. —n, rin Yunge, welcher bie Pferde 
wartet, oder warten hilfe; der Pferbebube. In ber Lanbwirtäfhaft, 
ein Junge, welder bie Pferde auf der Weide Häret, 

Der Pferbeläfer, — , 3. gt. ein Rame bes Pilenfälers (Sorra- 
baeus stercorarius L.); aud Pferdewiebel, weil er im Pferbemijte 
herumkriecht. 

Der Pferdekamm, —es, 9%. —kaͤmme, ein weiter grober Kamm, 
dem Pferde Rähne und Schweif damit auszulämmmen, Bergt. Roßkamm. 

Der Pferbefampf, — s, 4. —fimpfe. 1) Ein Kampf zwifgen 
Pferden. =) Ein Kampf au Pferbe, 

Die Pferbekaftanie, 8. —n, bie Frucht bes gemeinen wilten Kar 
ftanienbaumes, und biefer Baum felbft (Aesculus hippnesstanum 
L.); auch Roßkaſtanie, wilde Kaftanie. Im der Tuͤrkel pflegt man, 
fie zu fopen und ben Pferden unter dad Futter zu mengen, wenn 
fie einen heftigen Huften oder ſchweren sr — 

Die Pferdekatze, My. — * die —— 

Der Pferdekauf, — es, m fe, der — "Ankauf eines Pfer: 
bes ober mehrerer Pferde. Beim Pferdefauf betrogen werben. 

Die Dferbeflaue, 3. —n. ı) Die Klaue, d. h. der Huf eines 
Pferdes; ungewöhntih, =) @in Rame des Huflattigee. 

%*%* Das Pferdekleid, —es, By. —et, bas Kleid, die Rleibung, Der 
betung, Rüftung eines Pferbes ; beſonders au Deden. 

Die viel reihen Pferdekleid . 
Bingen nieder bis auf das Gras. bie Klage, ®. 4558. 

+ Der Pferdeklemmer, —8, 94. gi. ein Name bes Hirfhkäfers ober 
Keuerfhröterd (Lucanus cervus L.\, 

Der Pferdeknecht, —es, 4. — e, ein Knecht, welder jur Wartung. 
bee Pferde, edertzu Arbeiten mit den Pferden gehalten wird; zum 
Unterfbiede von einem Ochſenknechte it. In engerer Bebzufung, 

in der Landwirthſchaft, ein Acerknecht, welcher den Acker mit ben 
Pferden beitellt. 

Der Pferdeknochen, —s, 2. gl. die Knochen eines Pferdes. Dann, 
große, ſtarke Knochen überhaupt. 

Der Pferdekopf, es, 4. —koͤpfe. 1) Der Kopf eines Pferbes, 
wie auch, ein demfeiben ähnliher Kopf. 2) X Eine Art Stroh 
häte, weiche ben Kopf bis an ben Raden ganz bedecken, vorm meit 
bersortchen und das ganze Geſicht befhatten; wegen ber Ähnlich 
keit mit bem Kopfe eines Pferdes. 

Die Pferdekoppel, 34. —n, eine Koppel von Pferden, mehrere zu—⸗ 
fammengeloppeite Pferde, Stieler. 

Die Pferdekrabbe, Ryz. —n, eine Ark großer Krabben oder Ta⸗ 
fhentrebfe. 

X Der Vferbefräpfel, 94. gl. ber Pferbeapfet b. 6. Pferdemiſt 

Die Pferdelaus, 4. —tauſenn1) Eine auf ben Pferden lebende 
Raus. 2) Die fliegende Pferdelaus, eim zmweiflägeliges Ziefer mit 
turzem, ſteifem Saugeräffel und mit Krallen bemafineten Füßen, 
welches Ah im Sommer befonders auf bem Leibe ber Pferde auf: 
Hält, in welchen es fih for einfaugt (Hippohosea equina L.); auch 
Lausfliege, Pferdelauefliege und Spinnfliege, weil ber runde Hin: 
terieid dem Leibe einer Spinne gleicht. 

Der Pferdeleiher, ſ. Pferbeverleiher, 

Die Dferdeleine, 9. —n, bie Leine ober ber dünne Strick, womit 
bie Pferde vor dem Wagen gelenkt werben ; auch, eine keine, woran 
man Pfexbe fähet. 

Der Pferbelenter, —6, Di. gl. einer der Pferde gut zu lenken und 


79 


Pferdel 


zu baͤndigen derſtehet; der Pferdebänbiger. 

X Der Pferdeliebhaber, —, Mr. gl. ein Eiebhaber von Pferden, 
der wenn er [sine Eiebhaberei übertreibt oder auf eine verächtiiähe, 
tatelnde Meife genannt werben fol, Pferbenarr genannt wird. 

Die Pferdelien, 9. —en, in der Schifffahrt, ein Babergefhlagenes Tau, 
weiches etwas bünner ald das gewöhnliche Kabeltau if, und beifen 
man fih vorzäglih zur Feflmahung des Schiffes, auch zum Werpen ıc. 
bedient (Parrdlien). ; 

Zferdeln, v.ntr, mit haben, in den Bierwaldfläbten und Schafhauſen, 
nah Pferden riechen. Staiber. Gin Wort wie boden, bödein ıc. 
D. Pferdeln. 

Die Dferbemähne, 94. —n, bie Mähne eines Pferdet; zum Unter 
fchlede von einer Yöwenmähne Friſch. 

Der Fferdbemangel, —s, 34. —mängel. 1) Der Mangel an Pfer: 
ben, ber Zuſtand ba ea am Pferden fehlt, =) Der Mangel, Fehler 
eines Pferdes. Friſch. 

Der Verbeinarft, — ee, By. — maͤrkte. 1) Ein Markt, VBlehmarkt, 
auf welchem Pferbe verkauft werben, 2) Der Marktplatz oder aus 
dere freie Platz, auf welchem dies geſchleht. Im beiden Bedeutun—⸗ 
gen auch ber Roßmarkt. 

Dferdemaͤßig, adj. u. adv. einem Pferde gemäß, Ahnlich, wie ein 

" Pferd. Erberg bat bafür pferbifh. Pferdemaͤßig arbeiten, viele 
und ſchwete Arbeit verrichten. Sich pferbemäßig anftrengen. X Pfer⸗ 
bemäßig urtbeilen, unvernänftig. Davon die Pferdemäßigkeit, 
©. 2. bie Beſchaffendeit eine! Sade, ba fie pferbemäßig if. 

Die Pferdemiethe, 4. u. bie Miethe Yines Pferdes, wie auch, bad 
Gelb für ein gemietbetes Pferd. 

Die Pferdemilch, o. Di. die Milch einer Stute. Die Tatarn triu⸗ 
ken bie Pferdemilch. 

Die Pferdemilz, 34. — en. 
Pferdegift 2). 

Der Pferdemiſt, —es, 9.24. +) Der Roth von einem Pferde; 
der Pferdekoih, X Pferdeaͤpfel, Pferbekröpfel. 2) Der mit Stroh 
vermengte Roth der Pferde, 

Die Pferdemuͤhle, 84. —n, eine Wuͤhle, welche von Pferden getrier 
ben oder in Bewegung gefegt wird z armöhntigger Roßmühle. 
Die Pferdemünze, 3. u. eine Art wider In Gräben und Gm: 
rien wachſender Muͤnze mit länglihen Blumenaͤhren und laͤnglichen 
filzigen,, fhgeförmig gesäfnten Blättern (Mentha sylvestris L.); 
Moßmuͤnze, R. D. Paremünze, wilde Münze, Nofpolei, Roßbal⸗ 
fim, Herjenstroft. Auch noch andere Arten der Münze führen 
den Ramen Pfetdemuͤnze, 3. B. die Heine Kelomänze, Adermünze 

(Menths arvensis L.); auch Pferbepolei, Pferdepof. 

X Der Verbenarr, —en, Bi. — en, ſ. Pferdelichhaber. 

Die Pierdenuf, By. —nüäfe, bie größte Art Wallnüfe, die mehr 
ats no einmahl fo groß wird als bie aemöhntiche, ihre Schale aber 
nicht gany ausfällt; auch Roßnuß, Polternuf, Schafnuß. 

Der Üferdeprtei, —s, 34. —e, Pr u. ſ. Pferdemünze. 

Der Pferdequaſi, — rd, Di. —e, ein Duaft am Geſchler, momit 
ein Pferd geſchmuͤckt wird, j 

Die Prerberamme, 99. — n, ein BWolfersiefer, welches einer Maupe 
gleiht und einen röhıförmigen Röfer bat. 

Die Vierberuthe, 94. —n. ») Die Ruthe oder bas Arugungsglieh 
eines männlihen Pferdes. 2) Uneigentli, ein Rame ber Seeneſſel, 
wegen einer Ühntihteit in der Geſtalt. 

Die Pferdeſaat, u. Di. ſ. Pferdeſamen. 

Der Berdefamer, —s, 4. u. der Mofr ober Mafferfender Phel - 
landrium aqurtieum L.); aut Pfeedeſamenkraut, Pferdsfiaf. 
Dam Hält ihm für eine den Pferden giftige Pflame, nah Einnd's 
Brobastung aher fon die Schäptichlelt berfeiben bleß Fon ber in ihr 
rem hehten Stengel in Menge ſich aufhaltenden Larve eines Küfs 
fertäfees berrühren. j 

Der Pferdefattil, —6, 9. — faͤttel, ein Sattel zum Behuf des 


2) Die Milz eines Pferbed, 2), 


626 


Pferdet 


Reitens auf ein Pferd zu befeſtigen. Uneigentlich, in der Zergliebe⸗ 
rungetunſt, bie kleinen, inwenbig am ſſebfoͤrmigen Beine beſint lichen 
Fortfige mit der dazwiſchen befiadlihen Höhle (Sella equine). 

x Der Yferdefchinder, —6, By. gl. einer der Fferde ſchindet; 
meiſt uneizentlich vom einem, ber tie Pferde mit Arbeiten Überbäuft 
und fie unbarmherzig behanbeit, P 

Der Pferdeſchmuck, —es, B.—r, tin Schnuck für Pfexde. Frif 

Der Pierdeſchopf, — es, Mj. — ſchoͤpfe, der Schopf langer Haare 
auf dem Kopfe ter Pferde zwiſchen den Ohren. Frifq. 

Der Pferdeſchoß, —fiet, Dig. — ſſe, ein Scheß, welcher von ben 
Pferden, bie man hält, gegeben werben muß. In ber Marl 
Brantenburg, ein Schoß, welcher in den Städten zur Tilgung der 
alten übernommenen tanbesfduiden erhoben wird. 

+ Die Vferdefhrape, 3. —n, eine Schrape für die Pferde, bie 
Striegel. Stieler, 

Der Pferdeſchwanz, —es, 24. — ſchwaͤnze. 1) Der langhaarige 
Schwanz eines Pferdes; der Pſerdeſchweif, edler Roßſchweif. =) 
In der Pflanzenkunde, umeigentlih, () das Kannenkraut, wegen 
der vielen Äſte und Mebenäfte, die gleichſam bie Haare bes Stamm 
mes vorſtellen (Eyuisetum L.); aud Roßſchwanz, im R. D. Du— 
moden x. (2) Der Schaftbalm ober Schachtelhalm, auch Tannen 
wedel ıc. (Hippuris vulgaris L.). 

Der Pferdeſchwanzſtein, — es, 34. —e, eine Art Korallen, welde 
eine kegelförmige ober walgenförmige Geftalt und unten einen tern 
baden und dem Kannenkraute einigermaßen ähnlich find (Hippurites). 

Der Dferdefchwefel, —6, 3%. von mehreren Arten, at. der gröbfte 
aab unreinfte Schwefel, welcher fih hei ber Reinigung bes Hohe 
ſchwefels auf den Boten fegt und ais Pferbrargenei gebraucht wirb; 
Roßſchweſel, Rotzſchwefel, well er befonters wider den Rog der 
Pferde heifen fol. 

Der Pferdeſchweif, —es, 9. —r. 1) S. Pferdeſchwanzg und 
Roßſchweif. 2) Eine Benennung des untern Thelles bes Rüden 
martes (Canda equina), Remnid. 5) Der ſtinkende Pferdes 
fhrgeif, eine in ftebenden Waſſern wachſende Sflanze, bie einen et⸗ 
was fhwefelartigen, ſehr flintenden Berud bat (Chara vulgaris); 
auch ſtinkendes Schaftheu, Waſſerſchaftheu, Schachtelhalm, ſtin⸗ 
kender Kabenzagel, gemeiner Armleuchter. Auch eine andere mit 
dieſer und dem Federkraute verwandte Art führt den Namen ſtin · 
kender Pferdeſchweif oder Roßſchweif (Ceratophyilum), 

Die Pferdeſchwemme, 94. —n, ein Waſſer', ein Ort am und im 
Moffer, wo die Pferde geſchwemmt werben. 

Die Pferdefilge, By. u. eine der Silge ähnliche, in Schottland, Krank 
veih, Spanien 7. häufig wachfende Pflange mit dreifachen, fägeförr 
mig arsätnten, geielten SEtammblüttern (Smirnium olusatrum L.). 

Der Pferdeſlaul, — es, 93. —flälle, ein Stall für Pferde. 

Der Pferdeſtecher, —s6, 3. gl. einer der die Pferde ſticht, befons 
ders der Name 1) eines ber gemeinen Fliege fehr ähnlichen Biefers 
mit einem hervorgeſtreckten gegliederten Küffel, welches befonders die 
Pferde mit Stichen in bie Beine ſehr plagt (Cauops L.); ©) ber 
Hornis (Vespa erahro L.). 

Der Fierbeficin, — et, 9.—e, ein fteinartiger harter Körper, mel: 
her ſich zuweilen im Magen, in der Gallen: und Haenblafe, wie 
auch in ben Bebärmen ber Pferde erjeugt. 

Der Pferdeſtern, — es, Di. — e, eine Art Serfterne im Mitteländis 
fhen Meere (Asterias equestris L ); auch Ritterſtern, Stachelſtern. 

+ Der Pferdeſtopfer, —s, By. gi. in ber Spracht ber Bergleute, 
ein Mufiekster ober Bergmann, ber eines Bergbeamtin oder Shit: 
meifters Pſerd füttert und market, 

Die Pferdeſtriegel, My. —n, eine Striegel, die Pferde bamit zu reinigen, 

Der Vferdetag, —es, ey In ber Lendwrirthſchaft, ein 
Tag, an weichem ein Untertban mit Pfesben froͤhnen ober Pferde⸗ 
frohnen keiten muß: ein Spanntag, zam Unterfhicke vonten Hand⸗ 
und Fußtagen. 2) Des heil, Etephans, bes Shupherin ber Pferde, 


Pferdet 


Tag, ba man Heu und Hafer weihet und ben Pferden giebt. Friſch. 

Der Pferdetanz, —es, 3%. — taͤnze, ein Tanz, ober Bewegungen, 
die einen Tanz vorſtellen, welche Perſonen zu Pferde machen. 

Der Pferdeverleiher oder Pferdevermietber, —s, 3. gi. einer 
weicher Pferbe, befonbers Weltpferde hält, um fie für Geld an Ans 
bere zu verleihen oder zu vermiethen; wofür Erberg bas kürzere 
Dferbeleiber Hat, im O. D. Lehentoͤßlet und in der Sprache der Befliffe: 
nen auf hohen Schulen Pferdepbitifter, atsein abwärbigender Auadruck. 

O Der Pferdewechſel, — , Ba. u. der Wechfel, die Umwechſelung 
ber Dferbe auf ber Reife, d. 9. bie Vertaufhung der müden Pferde 
gegen frifhe auf jeber Raſte (Relais). Auf jeder Poſtſtraße wär- 
den fie beim erften Pferdewechſel fi getrennt haben.= Meifner. (R.). 

+ Der Dferbewiebel, —6, 2. gt. f. Pferdekäfer. 

Die Pferdewieſe, 34. —n. ı) Eine Wiefe, auf welcher Pferbe ge: 
mweibet werben. =) Eine Wirfe, welde gutes Pferbeheu giebt. 

Der Pferbewurm, —es, My. —würmer, ein im Körper der Pferbe 
fih aufhaltender Wurm. i 

Das Pferbewurmfraut, —es, 9. u. ein Name bes Wieſenknopfes 
(Sanguisorha oflieinalis L.). 

Die Pferdewurz, B%. u. eine Art ber Eberwurz von wärzhaften Ges 
ruche und Gefhmade, die jfanımlofe Eberwurz (Carlina acaulis 
L); auch weiße Nofwurz, bie wilde Artiſchocke, die Englifche Dis 
ſtel, im BWirtembergifhen Hundszorn. 

Der Dferbezahn, —es, Br. —sähne, der Bahn eines Pferdes. In 

. engeree Bebeutung, bie Benennung ber Zähne, melde bas Pferd 
nach Abwerfung ber Fohlenzähne ſchiebt. 

Das Pferdezeug, —es, By. —e, das Zeug, b. h. das Geſchirt, wel: 
es den Pferden zum Behuf bes Fahrens und Keitens, zum heil 
auh sum Pug aufgelegt wird; das Pferdegefhirr. 

Der Pferdezind, —ed, My. —e, ein Zins, ber von Pferben, die man 
hätt, entrichtet wird. Stieler hat es für Pferbemiethe, 

Der Pferdezoll, —ıs, 4. — zoͤlle, ein Bol, weicher von ben Pfer⸗ 
ben enteidhtet werben muß. 

Die Pferdezucht, o. 2%. bie Bucht, d. h. die Vermehrung und Xuf« 
siebung der Pferde; beſonders als ein Erwerbezweig betrachtet, 
Holftein hat vortseffiihe Pferdezucht, ziehet viele und ſchoͤne Pferbe, 

Pferdiſch, adj. u. adv. ſ. Pferdemäßig. 

Die Pferdmafrele, By. —n, eine Art Makrelen; auch Pferdebraffen. 

Der Pferbmann, —es, 9. — männer, ein fabelhaftes, bloß einges 
bildetes Gefhöpf, weldes bald Mann halb Pferb ik (Gentaur); 
auch Pferbmenfch, welches Jedoch von größerm Umfange, wie Menſch 
gegen Mann, ift. 

Womit, Herr Dferbmann kann id dienen? Pfeffer 
don Stieler hat bies Wort für das Sternbild Chiron, meldes 
ber Name eines ſolchen fabelhaften Seſchoͤpfes bei ben Alten ift. 

O Der Pferdmenih, —en, BH. — en, f. Pferdmann. 

%*% Der Vferbmonat, —es, Bi. —e, ber März, Dberlin. 

Der Pferdner, —d, 9. al. in ©. ©. ein Pferbebauer, d. h. ein 
Bauer, welcher zu feiner Aderarbeit wenigftens zwei Pferbe halten 
muß, ber Hüfener, Großbauer . S. Anfpänner. 

+ Der Dferlig, —es, Ip. —e, bie Pfirfih oder Pirfäe, 

+ Der Pfebpfennig, —es, Dy. —e, ein Knider, Geijbals, Friſch. 

+ Der Pfied oder Pfeid, — s, 4. —e, in Schwaben, die Geſchwulſt. 
3.6.8 hmid. Davon pfiefen oder pfeifen, pfeufen, aufpfiefen ıc. 
ſchweilen, auffhwelenze. Pfeifen Heiße auch, ziſchen wie die Gaͤnſe, 
dann zilhen überhaupt, ' 

Der Pfiff, —es, 94. —e, die Handlung da man pfeift, und ber durch 
Pfeifen mit dem Munde, und auf einer Pfeife hervorgebrachte Kon, 
Einen Pfiff than. X Richts auf den Pfiff geben, nicht darauf 
achten, niht folgen, wenn buch Pfeifen ein Zeichen zu etwas ge: 
geben wird, Der Hund verfteht den Pfiff, er verſteht das buch 
Pfeifen gegebene Zeichen und thut danach. X Keinen Pfiff von et: 
was willen, jagt man in Baieen, für, gar nichts davon willen. Uneis 


627 i 


Pfin 


gentlih, eine tiftige Hanblung, bei welcher man Anbere einen andern 
Endzweck vermuthen läßt, als man wirklich hat, befonders wenn fie 
den Schaden eines Andern beabfihtiget, wie auch ber Plan, ber Ent: 
wurf zu einer folhen Handlung. Das find Pfiffe. Den Piüff 
verftehen, pfiffig fein. Arge Pfiffe im Kopfe haben. Im gemeinen 
Leben wird es häufig mit Aniff verbunden. Auf Pfiffe und Kniffe innen. 
Das Dfifferfraut, —ed, 9%. u. das Zaufendzülbenkraut (Gentinnn 
centaureum L.), 
Der Pffferling, — es, By. —e, der Pfefferſchwamm, im O. D. Pfifr 
fer. MWoͤcht' keinen Pfifferling drum geben.“ G. 
Dfiffig, —er, —ſte, adj.u. adv, Liftig feinen Handlungen und Abſich 
‚ten einen anbern Zweck vor Anderer Augen zugeben, wie auch, bavom 
zeugend. Gin pfiffiser Stweih. Davon die Pfiffigkeit, bie Eigen 
fhaft einer Perfon und die Beſchaffenheit einer Sache, ba fie pfiffig if. 


„+ Der Pfiffis, —es, 4. u. in Schwaben, der Pipps, in der Schpeiz 


das Diff. Stalder. Rad bemfelben bebeutet es daſelbſt auch 
einen Rietnagel am Finger. ’ 

Der Pfingftabend, —es, 2. —e, ber Abend vor bem Pflugfifefte. 

Der Pfingftanger, —s, By. gt. f. Pfingſtweide. 

Das Dfingfibier, — es, 84. —e, in manden Gegenden, eine gewiſſe 
Menge Bier, welche bie Einwohner eines Drtes ober bie Glieder 
einer Zunft um Pfingften gemeinfhafttih auftrinken; wie au, bie 
Bufammentunft zu biefem Wehufe, bie Pfingſtgilde. 

Die Pfingfibirn, 94. —en, eine Eorte Sirnen (le portail; the 
gate-pesr). Remnid, 

Die Pfingfiblume, 94. —n, ein Name verfhiebener Gewähfe, welche 
um Pfingften blühen. 1) Der Päonie, welche baber auch Pfingftrofe 
beißt. 2) Des Genfters (Spartium scoparium L.). S. Genfter 2). 

Der Pfingfibrunnen, —$, M. gl. ein ber Pfingfifreube gemeibter 
Brunnen ober Duell bei Steinau im Hananifhen, mit beffen Waffer 
Knaben Gefaͤße fülen, die Pfingftinfuln genannt werden. Oberlin, 

Der Pfingfidienftag, —es, 4. —e, ber britte Pflugfifeiertag, 
welcher auf den Dienftag fällt. 

Die Pfingſten, Ez.u. ein hohes Feſt, welches von ben Kriften am funfe 
sisften Zage nad Oſtern zum Andenken ber fogenannten Xusgiefung 
des heiligen Geiſtes über die Schäler Jeſu gefeiert wird, Die Pfing- 
flen richten fid) immer nad, Oftern. Auf Pfingften. Bis Pfing- 
ften. Rah Pfingſten. um Pfingften._®or Pfingften. Zu Pfing: 
ften. Im gemeinen Leben wirb es auch ohne Deutewort mit dem 
Xusfageworte in der Cinzahl gefügt wie ein Wort, bas in der Ein 
zadl ſteht. Pfingſten fällt diesmabl fpät, weil Dftern fpät fiel. 

Der Pfingftfeiertag, —es, 94. —t, einer von ben brei Feitrtagen 
bes Pflngſtfeſtes. g 

Das Piingfifeft, —es, 34.—t, Pfingften, ats ein hoheq Feſt betrachtet. 

Das Pingfifeuer, —s, 2. gl. in Schiefien, nah Berndt, ein 
Freubenfeuer, mweldes bie Dirten am zweiten ober britten Pfinafts 
feiertage von Wadolberreifig ober anderem Tangelreifig maden. 

X Die Pfingftfreude, 9. —n, eine Freude, ein Berguägen, das 

man fih zu Pfingften macht, bergleihen das Pfingſtſchießen if. 

Die Dfingfigilde, 94. —n, f. Pfingftdier. 

Das Pfingftbuhn, —es, Ba. —hähner, ein Zinehuhn, welches dem 
Grundherren jaͤhrlich zu Pfingften zum Zeichen ber Anerkennung feiner 
Dberherefhaft gebraht werben muß. 

Pfingfllich, adj u. adv. am Pfingfifefte oder zu Pfingften gemöhntich, 
bern Pfingftfefte angemeffen. Pfingfkliche Freuden. Das pfingſt ⸗ 
liche Schiepen, das Pfingſtſchießen. Ehemahis auch, feſtlich. Dur 
ſinen pfingeslichen kuiniges namen.“ Maneffen Minnef. 

Der Pfingfimonat, —es, 3%. —e, berjenige Monat, in welchen 
Pfngften fällt, ber Maimonat, 

Der Piingfimontag, — es, 9. —e, der zweite Pfingfifeiertag, wel · 
Her auf den Montag fällt. 

Die Pfingſtnacht, 2%. —nähte, bie Rat vor dem Pfingfifefte, 
Stieler. j 


Pin 


628 


Pfla 





X Der Pfingſtochs, —en, 4. —en, wahrfheintichefgenttich bie Behen ⸗ 
nung eines Ochſen, welher gepupt und mit Feierlichteit auf die nemieins 
weite um Dfinaften, bis zu welcher Zeit fie mit dem Bieb nihr ber 
trieben werben darf, getrieben wird. Daher fagt man im asıneis 

, wen Leben von einem Menſchen, ber auf eine geihmadlofe Art ges 
pupt, oder ber in feinem Puge plump und unbehürflicd ifi, er fei ger 
padt wie ein Pfingſtochſe. 

+ Die Pfingftpfrieme, 99. —n, ein Name des Genflers ober ber 
Pfingitdiume (Spartium scoparium L.). 

Die Pfingfipredigt, 9. —en, eine Predigt für das Pfinafifeft, an 
demfelben zu halten ober gehalten, ober an bemfelben zu leſen. 

*%* Das Pingfireht, —es, 0. 3%. chemahls eine Abgabe für bie 
Benuͤtzung ber Biehweide auf frembem @igentbume, 

Die Pfingfirofe, 24. —n, die Päonie. ©. Pfingfihlume. 


Das Pingüfchiefen, —s, My. gl. das um Pfingſten gewoͤhnliche 


Shelben: ober Vogelſchießen. 

1. Der Vfingfitag, —es, Dy. —e, ber Tag, auf weldhen Pfiagſten 
fäüt, wie aud, einer von den brei Pfingfifeiertagen; der Pfingſt⸗ 
feiertag. Der erfte, weite, dritte Pfingfitag. 

2. + Der Pfingſttag, —es, 94. —t, im DO. D. der Donnerftag; 
ber Pfingstag, Pfinstag, Pfinstag. 

Die Pfingftviole, My. —n, die fhöne Rachtviole, Frauenvisle ober 
Frauenveilchen (Hesperis matronalis L.). 

+ Der Pfingfivogel, —s, 94. —vögel, in Meißen, bie Goldamfel, 
weit fie ihre Stimme um Pfingften hören laͤßt. 

Die Pfingftweide, 24. —n, in der Landwirthſchaft, eine Gemein: 

, weibe, welche bis Pfingften gebegt wird, und nad Pfingften erft 
mit bem Viehe betrieben werben darf; bie Pfingſtwieſe, wenn es 

. eine folhe Wiefe, ein Pfingflanger, wenn es ein folder Anger if. 

Die Pfiugfiwiefe, Pr. —n. 1) ©. Pfingfmweide. =) Cine Wirfe, 
auf welder das Pfingfifhiefen gehalten wird, und auf welder man 
fi bei biefer Gelegenheit auch auf andere Art vergnüget. 

Die Pfingſtwoche, 3%. —n, diejenige Bode, in welche das Pfingſt ⸗ 
fer einfänt. ' 

Die Pfingſtzeit, 0. 9. die Zeit der Pfingften, die Pfingftfeiertage, 

Die Pfinne, f. Pinne und Finne. s 

Der Tfindtag oder Pfinztag, f. 2. Pfingfitag. 

+ Der Dfipps, f. Pippt. 

+ Die Pfirre, Ba. —n, in Bünbten, ber Kreifel; bann, das Dre: 
den im reife, dad. Hin: und Hergehen ohne etwas zu tbun, Daher uns 
eigentlich, eine weiblihe Perfon , welche bei allem Scheine von Ges 
ſchaͤſtigkeit wenig ober nichts ausrihtet, Stalder. 

Pfirren, v. mtr. u. intrs, in der Schweiz. 1) Sich wie ein Kreifel 
berumbreben; dann, gefhäftig thun ohne etwas zu bewirten, aus: 
jurihten. 2) Ein Wort, einen Shall den bas Wort mahapmt 
zu bezeichnen. Stalder. D. Pfirren. 

Die Pfirſche, Pr. —n, f. Pirfid. 

Die Ofirfchenaprifofe, My. —n, eine aus Frankreich ſtammende Art 
Apritofen, welche an Geſchmack bas Mittel zwiichen ber Pfirfhe und 
Apritoſe bält. 

Die Pfirfih, By. —en, die runde, ſehr fleifchige, faftige und ſchmack⸗ 
hafte Frucht des Pfirfihbaumes, deren Schale mit einer feinen 
Wolle bedeckt, meift blaßgrün unb mit einer leichten Kerbe an einer 
Seite verfeben ift, und bie. einen angenehm bittern Kern in einer 
fteinharten Schate enthält; die Pfirſche, im ©. D. richtiger, aber 
in der Schriftiprache ungewoͤhntich Pferfia, Dferfing, weil die Frucht 
aus Perfien ftammt, wonach Me benannt ift. Die Frähpfirfben, 
Purperpfirſchen, Maktheferpfirfhen, Weinpfirfhen, Katharinen⸗ 
pfiefhen, Zwollſche Pfirſchen, Portugieſiſche Pfirſchen ıc. find 
Arten davon. 

Der Dfirfihbaum, —et, M;. —bäume, ein zum @elhieht des 
Mandeibaumes gehörender Raum, mit ſpitzig fägeförmia eingeſchnit⸗ 
tenen Blättern, deſſen Frucht die Pfivfih it (Amygdalus PersicaL.); 


x der Pfirſhenbaum, Pirfhdaum, im D. D. Pferfigbaum, 
Pferfin daam. . 

Das Yfirjichblatt, —es, Di. —blaͤtter. 3) Das Platt bes Pfirſich⸗ 
baumes; £ dad Pirfhenbiatt, Pfirfhblatt. 2) Eine Art Benuss 
mufhela auf Domingo, Domingomuſchel, wenn fie geichtiffen iſt, 

wo fie dann einen [Hinen Elanz, uns am Rande, an ben beis 
sen Jmideln und inwentig eine fhöne rothe Fatbe hat; die Apris 
kofe, wenn die Farbe mehr ins Gelbe fäilt (Ven«s orbicularis L.), 

Die vfirfichblüte, Dy. —n, die fhöne blaͤulichtothe Blüte den Pfiv 
fidıb sumies. 

x Yürfihbluten, adj. u. adv. pfirfihbrtätfarbig; pfirfhblüten. Ein 
pfirſichdlutenes Tuch. 

Die Pfir ichblatfarbe, 0.99. bie ſchoͤne blaͤulichrothe Farbe der Pie 
figytäate. Daven pfirſichblütfarben, eine Farbe, wie die Pfirſich-⸗ 
bläte bat, habend; pfitſchdluͤtfatben, X pfirſchbluͤten. 

Pfirſichblatroth, adj. u. adr. roth wie bie Pfirſichbtüte (persicinus), 
Illiger. 

Der Vfirſichbluͤtſirup, —es, My. —e, ein ſirupartiges abführendes 
Arzeneimittel, deſſen man ſich beſonders jur Abtreibung der Wuͤr—⸗ 
mer bedient, und das aus dem waͤſſerigen Aufguſſe über friſche Pſfir⸗ 
figbiäten und Zucker bereitet wird. 

Der pfirfihbrantwein, —s, 24. —e, ein über Pfirfihferne ad 
ge ogener Brantwein (Persico!, 

Der Dfirfihfern, —et, 94. —e', der angenehme bittere Kern ber 
Pfrfih, woruͤber man einen guten Brantwein abziehet; X ber 
Pfirſchenkern, Pfirſchkern. 

Pfirſich kernſwarz, adj. u. adv, ſchwarz wie gebrehnte Pfirſichkerne; 
in ber Kunſtſprache ber Raturbeſchreiber. Illiger. 

Das Pfirſichkraut, —ee, 94. u. ein Rame einiger Arten bed Wege- 
trittes, deren Blätter den Pfirfihblätteen ähntich find, als, bes fledie 
gen Flöhkeautes (Polygonum Persicaria L.) und bes Wafferpfeflers 
(Polygonum hydropiper L.\, 

Die Pfirfichmandel, 94. —n, eine Epielart der Mandel. 

Der Pſfirſichſtein, —es, 4. —r, das ſteinharte Samengehäufe Im 
der Pfiefih, welches den Kern enthätt; der Pfirfchenitein. In ver 
Naturbefhrtibung führt eine Art Maturfpiele, melde mit Diefem 
Steinen Ähnlichkeit bat, den Namen Pfirfichftein (Persicites). 

Die Pfirfihmweide, BY. —n, eine Art Weiden, deren Blätter dem 
Pfiefih: ober auch Manbelblättern ähntih find (Salix amyglalina 
L.); aud Weide mit Mandeiblättern, Pfahlweide, Haͤgenweide, 
Buſchweide, Korbweide, Schlidweide. 

Dfispirn, f. Fispern. 

+ Der Pfifter, —6, F. at. in Schwaben, Baiern und ber Schweig. 
der Beer (Pistor); jeboh in engerer Bebeutung, der Beder in einem 
Ktofter, Spittel ıc., auch Pfiſterer, Püftermeifter. 3. ©. Schmid. 
Davon die Dfifterei, bie Bederei; pfiltern, baden. Stalder. 

+ Die Pifierfhabe, 4. —n, die Kuͤchenſchabe oder Wuͤllerſchade 
(Blatta orientalis L.). 

+ Dfit, adv. in ber Schweiz für pful. Stalder. 

+ Der Pfitz, — es, Ma. —e, in Schwaben, der Eprung. X Alle 
Dig, alle Augenblicke. 3.6. Schmid. 

+ Pfiken, v. intrs. u. trs. in Schwaben, hin; und herbemegen ; dann, 
in Stüde trennen, reifen; fegen. Unelgentlich heist pfiken, ber 
auspfisen 1) mit Lachen, Gehrimniffen herausbrehen, herausrlahen. 
Davon X ber Pfigauf, der ſchaell mit etwas herausptatzt, der nie 
rubig fein kann; wie aud, ein auffahrenbes Eiergebadenes ; ferner, 
bineinpfigen, ſchneil im etwas fallen ober aud wilden. I. ©. 
Schmid, 2) Ginen pfipen, ihn riffern. D. Pfigen. D. —ung- 

+ Der Pfiter, — 6, Mz. gl. 1) Einer der pfiset. =) Ein ausbrw 
henbes Lachen, weiches man zu unterbeiden fuhte. Bulda, 

Die Pflanze, 99. —n; Bm. das Plinzhen, O. D. — lein, in ber 
Naturbefhreibung, ein gegliederter tebensfübiger, aber fühllofer Kör- 
per; ein allgemeiner Ausdruck, unter welchem alle Käume, Eträuhe, 


Pflanzen 

Kraͤuter, Mräfer,Moöofe, Schwaͤmme, Flechten Tr. begriffen: werben, 
In engeree Bedeutung 1) in ber. Pflamgeniebre ; bei Einigen, alle 
diejenigen Pflanzen (Plontae), welche mit eignen Ramen: Arhuter 
(Herbie), Staudengewaͤchſe (Suffrutices), Straͤucher (Frutiser) 

: znb Bäume (Arbares) gesannt werben; mit Ausſchlaß der Pilze 
(Fungi), Flechten (Algte), Mosfe (Muschi), Farnkräuter (Filieer), 
GSräfer (G-amina),. Lilien (Lila) und Palmen‘ (Palmac). ») Ih 
gemeinen Leben, (1) Jedes Erbgerähs, meidhes faftige Stengel 
und Wiätter ober Kraut bat, wo beun alle Gewädfe, die nicht 
Bäume, Straͤuche, Moofe und Schwaͤmme find, darunter verſtan⸗ 
den werben. (2) Ein junges Gewächs dieſer Art, befonders fofern 
es verpflanzt werben foll, wo bann auch wol ganz junge, aus ber 
Erde erſt bervorgedommene Bäumen barınter begriffen werben. 


Dilanzen ziehen, fegen, verfegen. Wine Kohlpflange, Salatpflauze. 


Die Pflanzen des Getreides beftoden fih. Eine Akazienpflanze. 
uneigentlich nennt man aud Kinder Pflanzen, Ekepflanzen, Ehe: 
pflaͤnzchen; befonders in üblem Verſtande, von einem ungezogenen Kinde. 
Dilanzen, v. trs. Pflanzen, d. h. junge Erbgemächfe von einem Orte, 
wo fie nicht bleiben ſollen, am einen anbern, wo fle bleiben and 
wachen follen, verfegen, d. h. fie mit ihren Wurzeln daſelbſt im bie 
Erde bringen und befeſtigen. Möume pflanzen, von jungen Baͤu⸗ 
men, bie man aus der Pflonjfhule ze, nimmt; von größern, ‚bie 
nicht jetzt erſt zugezögen find, 'gebraudt man verfegen, } 
© Koßk, Calat pflanzen.; Dann, duch Beſetzung mit Pflanzen ans 
= Jegen. Minen Weinberg, einen Warten pflanzen. „Baurt Häufer, 
Pflanzet Bärten.« Ger, 29, 5. 
Art an einen Ort verfepen, oft mit dem Mebenbegriffe, um dadurch 
. für die Vermehrung und Ausbreitung bafelbft zu forgen. Gine Fa: 
milie an einen Ort pflanzen, gewöhnlicher verpflanzen, ihr bafeıbft 
reinen bleibenden Wohnfis geben. S. Anpflanzgen. X Sich an 
einen Ort pflanzen ober hinpflanıen, ſich an einen Ort begeben, 
ı fehen eder ſtellen und daſelbſt verharren, mit dem Rebenbegriffe, 
bap man ſich dazu in eine bequeme Lage bringt. ) 
Er pflanze, ſich bei dem (dem) Rranken. Ganik. 
„Ih pflanzte mic) in einen Winkel am Ofen,“ Seume. (R.).- ©. 
Hinpflanzen. Uneigenttich von ben Gewächſen felbft auch als rec. 
für, wachſen, fih fortpflangen. J 
Am Ufer pflanzet ſich die Weide. J. A. Schlegel. 
Dann auch, am einen Drt bleibend befeſtigen, mie auch, ſenkrecht 
und feſt an einem Orte aufſtellen. „Das Ohr hat Gott gepflanit.* 

— PL 94 9: Die Fahne auf den Wall, auf den Thurm pflanzen, 
He mit ihrem Stocke in die Erbe ſtecken ober auf dem Ihurme ber 
feftigen.. Die Kanonen auf die Wähle pflanzen, fie zum Gebrauch 
auf bie Mälle führen und richten. 

Bie ih (Belzebub) zur Morgengabe 

— Geripp' als Etrauf an den Bufen bir (ber Furie, Krieg) pflanzte. 
Sonnenberg. 

In noch uneigentlierer Bedeutung, ben Grund zu einer dauerhaf— 

r ten Wirkung legen, Gute Gefianungen, ben Daß ıc. in eines..Herz 
Pflanzen. „Rebmet das Mort an mit Sanftmuth, bas in euch ger 
pflanzet iſt. Tab. 1, 21. Das Kriſtenthum in eingm Sande, un: 
ter einem Volke pflanier, ee lehren, damit es fih werbreite und 
Früchte trage, D. Pflanzen. D. —ung. S. d. 

Der Planzenabbrud, —es, 3. —abbrüde, der Abbrud, bas abs 
gebrudte Bild einer Pflanze ober eines Theiles derſelben, befonbers 
auf einer harten Maffe, die früher weich war, 

Die Pflanzenafhe, WM. u. die Aſche von verbrannten Pflanzen, zu 

.. welder aud bie Holzaſche gehört, 

Das Pflanzenbeet, —es, My. —e, rin für junge Pflanzen beſtimm ⸗ 
tes Meet, oder ein Peet,mit jungen Pflauzen. — 

© Der I flanzenbefdhreiber, — 8, bp. gt. einer welcher die Plan: 
den beſchreibtz wie aud, der Berfaffer einer Pflauzendeſchreibung 
@Phytograpl), 


629 





Blumen, * 


uneigenttich, auf eine bleibende 


O Die Pflanzenbefehreibung, 94. —en, bie Beſchreihung der Pllan⸗ 
sen, und eine Schrift, weiche biefelbe entbäit (Phytographie). „ 
O Die Pflanzenbildung, 29. u. die Bitdung der pflanzen, bie ben 
Pflagsen eigentpämliche Bitpung, natürliche. Eintlchtung in ihrem 
Innern und Außeru (Pflanjenorganisntion). un ‚n 
Dad Pflanzenbuch, —s, 3, —bücer, „ein Bub, welches Be: 
ſchreibungen und Abbildungen ber Pflanzen enthält... .. j 
Die Pfianzendutter, Dip. u. fette Jeiht gerinnendes Pflanzendt. 
Die Pflanzenerde, 34. u. 1) Erde, .wie fie für das Wachethum 
und Gedeihen der Pflanzen dienlich und möthig if. 2) Erde, bi 
mit yerwefeten, Pflanzentheilen ober mit Pflanzenafhe vermifht ift, 
Gartenerbe. . 
Die Pflanzenfarbe, 94. —n, eine Farbe, ein Farbenkorper aus 
dem Pilanzenreihe, aus bem Safte ıc, ber Pflanzen gezogen (rege- 
tabilische Farbe); zum Unterfhiebe von ben Erbfarben und mine: 
rifchen Farben überhaupt. a 
Die Planzenfafer, 2. —n, die Fafern, aus welchen bie helfe 
‚ber Pflanzen zufammengefegt, find (Fibra vegetahilis). z 
Der Pflanzenſloh, — es, 34. —floͤhe, ein kleines fehöfüßiges, un 
geflägeltes Ziefer in der Groͤße eines Flohes , welches mei auf 
Pflanzen lebt (Podura L.). Eine aſchgraue Art findet man im 
Winter häufig auf bem Schnee (Podura nivalis L.), und eine am: 
bere ſchwaͤrzliche Art den, Sommer über auf fiehenden Waflern (Po- 
dura aquatica L.), der Waſſerfloh ; mod; eine andere Art ift weiß, 


dat keinen Bortfag am Schwanze, baher fie auch nicht fpringt, und 


hät fih im Mifte auf (Podura fimetaria L.), ‘Andere nennen fie 

auch Erdflob, welchen Namen aber bereits andere Biefer führen. - 

ODer Planzenforfher, —s, Bi gl. ein Raturforfiher, der um Ge 

- genflande feiner Forſchungen vorzüglich die Pflanzen gewähtt hat.’ 

© Der Planzengarten, —s, Br. —gärten, ein Garten, in wel 

„Gem zum Behuf ber Pflanzenkunde Pflanzen aller Art, beſonders 
ausiäneifhe und für bie Heilkunft und die Gewerbe nügliche Prlans 
sen gezogen und unterhalten werben (Jardin des plantes, botani- 
scher Garten), „Die gelebiten WBorfteher bes biefigen (Parifer) 
Pflanzengartene.- &. Gin Arzensipflanzengarten, wenn barin 
Arjeneipflangen gezogen werben, damit man fie kennen lernen könne, 

Der Pflanzentäfer, —s, 8%. gl. überhaupt eih auf und von Pflans 
den lebender Käfer, Im engerer Bedeutung, eine Gattung kleiner, 
fhnel hüpfenver Käferhen, die auf allerlei Pflänzen, befonbers auf 
Boibenblumen leben (Mordella L,); aud Blumenkaͤfer, Flohkaͤfer, 
Erpflohkäfer, Erdfloh, Kohifreffer. - 

De Zune nm, Mi. —e, ber. Keim einer Pflänze (Em- 

ryo). . 

O Der Pflanzenkenner, —t, 9. gl. einer der bie Pflanzen Eennt, 
befonbers, ber wilfenfhaftlihe Kenntnif bavon hat (Botaniker); 
der Pflanzenkundige. ©. auch Pflanzenforfiher. 

O Die Pflanzgenfenntniß, 9. —ſſe, oder die Pflanzenkunde, 
o. 39. die Kenntniß oder Hunde von ben Pflanzen, bifonders, bie 
wiffenfhafttige Kenntniß berfeiben (Botanik); geaenftändlid bee 
trachtet, die Pflanzenwiffenfchaft, und in rin Eeprgebäude geordnet, 
bie Pflanzenlehre. 

Die Pflanzenkohle, 3%. —n, bie Kohle von berbrannten Pflanzen, 
deren gewoͤhnlichſte bie Holzkohle ift. - r 
Der Pilanzenkörper, —s, D4. gl. die Pflanzen, als Naturkörper 

betrachtet, 5 

Die Dflanzenkoft, 0. 34. Koft, Nahrung, weiche in Pflarjen, ber 
fonbers in Eemüſen befichet. 

O Die Pflangenkrait, 3. —kraͤfte, eine fih durch irgend eine 
Wirkung äufernde. Kraft einer Pflanze, befonders, eine heilende 
Kraft derfeiben bei Wunden und innern Krankpeiten, 

O Die Pflanzenkunde, f,Pfanzentenntmif. 

O Der Pflanzenfündige,'—n, 33. — n, f. Pflanzentenner. _ 

Das Pflanzenlaugenfalz, —et, My. u. Laugenfal; aus Pflanzen: 


Pflanzenl 
aſche bereitet, Pottaſche j in Gegenſat vom mintrifhen kaugenfalze. 

Die Pflanzenlaus, Mj. — laͤuſe, bie Blattlaus (Aphis L.). 

O Das Pflanzenleben, —s, ». MM. bas keden ber Pflanzen, wel⸗ 
des in blofem Badfen, Ginfaugen und Kusbunften ohne willführ: 
liche Bewegung und ohne Gefühl befteht, Daher, uneigenttiih, ein 
Pflanzenleben führen (regetiren), bloß effen, trinken, fhlafen. - 

ODie Pflanzenlehre, 9y.—n. ı) Die Lehre von ben Pflanzen; ohne 
Mehrzahl. &: ——— 3) Aine Schrift, in welcher dieſe 
kehre vorgetragen iſt Gotanik). 

O Der Pflanzenlehrer, —s, MY: gl. einer, der bie Pflanzenfennt: 
nif Ichret, wie auch ber Berfaffer einer Schrift, weiche biefe Pflan- 
zenlehre abbanbeit (Bataniker). 

O Die Mflanzenleſe, 9. —n, bie Leſe ober das Sammeln von 
Pflanzen aller Art, fie kennen zu ternen, fih ober Andere barüber 
zu befehren (das Botanisiren, bir Herborisation). 

Der Pflangenmäher, —e, Wr. gl. einer der Pflanzen mädet, abmis 
Set. Im der Naturbefihreibung, ber Name eihes auf ober von 


Pflanzen lebenden Tpierrd (Phytotoma); auch Pflanienfiger. 


RTemnid. 

Die Pflanzenmilch, 9%. u. der milchartige Saft mander Pflanzen. 
Auch nennt man Waffer, welchem man durch zugefestes Bummi ober 
anbere Mebrrige Dinge eine Febrige Beihaffenbeit gegeben hat, fo 
das ſich DI duch Reiben baria fein zertheile und eine mithähntiche 
Flüffigteit damit bittet, Pflanzenmith (Emalsion). * 

Das Pflanzenoͤl, — es, . —e, ein aus Pflanzen oder einzelnen 

Theilen ber Pflanzen gejogenes Di; in Gegenfag der thieriſchen 
und andern Die, 

Das Pflanzenreich, —ed, 9. Du. das Reih ber Pflanzen, b. h. 
ale Pflanzen in Ein Ganzes zufammengefaßt und nah gewiſſen 
natärlihen Geſeten geordnet; das Gewaͤchsteich und nicht fo gut, 
wegen bes engen Umfanges des Wortes Kraut, das Arduters 
reich. 

Der Planzenfaft, eb, 3. —fäfte, ber Saft der Pflanzen, ber 
ſonders der Nrzeneipflangen, Faͤrbepflanzen ıc. 

Der Pflanzenſaͤger, —e, 4. gt. f. Pflanzenmäber. 

Das Pflanzenfalz, —es, 34. —e, ein aus den Pflanzen gezogenes 
Salz, dergleihen das Pflanzenlaugenfalz if. Weſentliche Dilan: 
zenſalze nennt man alfe diejenigen, bie man aud ben Pflanzen durch 


eine folhe Scheidung erhaͤlt, wo der Pflanzenkoͤrper nicht in feine 


entfernteren Grundſtoffe zerlegt wird. 

Der Pflangenfauger, —s, 3. gl. etwas das Pflanzen fauget. So 
tkann man Thierte 4. B. Biefer bie vom ben Hflanzenfäften leben, 
Pflanzenſauger nennen, Man belegt aber mit biefem Namen bie 
Schmaroterpflanzen. 

Pflanzenſauer, adj. u. adv, mit Hflanzenfäure gemiſcht, verbunden, 

Die Pflanzenfäure, 94. —n, eine den Pflanzen eigenthümliche 
Säure; bie Mehrzahl ift von ben Säuren der verfhiedenen Pflanzen 
gewöhnlich (vegetebilische Säure). 

Der Pflanzenſchlaf, —et, 9. u. der Schlaf ber Pfianzen, ber Zus 
fand da fie von ihren Verrichtungen gleichfam rußen, 3. B. wenn 
fie fih bei Naht gufammenziehen, wenn ſich die Blumen fliegen te. 

Dir Pflanzenſchleim, —es, 34. —e, ein vielen Pflanzen eigener 
Chieim, befonders welcher aus ben vermwunbeten Theilen berfelben 
lauft unb an ber Buft erhartet, Gummi, 

S Die Dflanzenfeele, 94. —n, glelchſam bie Seele einer Pflanze, 
die Seele eines Menfhen, ber nur ein Pflangenleben führt, der 
alfo gleihfam nur eine Pflanze iſt. €. 

Der Pflanzgenflein, —es, 94. —e, be Benennung verfteinter, ober 
in Stein abaebrudter Pflanzen oder Pflanzentpeile (Phytolithi), 
Der Pflanzenfloff, —es, My. —e, der Stoff, oder bie Stoffe, aus 
melden bie Pflanzen beftehen, ober Stoffe, welde bie Pflanzen 
enthalten. So enthalten bie Pflanzen einen ſcharfen Nüdtigen Stoff 
(prineipium acre volatile piantarum), einen betäubenden lügti: 


630 


Pflanzſ 


gen Stoff (prinelpium nareotieum volatile pl), Eiweißſtoff, Auf 
terſtoff, zuſammenziehenden Stoff, Bechefloff, Pflanzenſchleim eder 
Gummi, Harz, Kleber, Di, Salz ic. und verbteanbare, za Kohle 
und Aſche werbenbe Thrile. Tann aud bie Stoffe, in melde bie 
Pflanzen nah ihrem Tode übergeben. Eine mit Pflanzenſtoffen 
vermifhte Erbe. 

Der Pflanzentheil, —ed, MM. —e, ber Theil einer Pflanze; wie 
auch bie Theile oter Etoffe, woraus bie Pflansen beftehen, und ir 
weiche fie nach ihrem Zobe übergehen, S. Pilangentof. z 

Das Pflanzenthier, —s, 94. — e, bie Benennung feiher Thiere, 
weihe mit den Dflanzen größtentbeild die Art ber Fortpflanzung, 
bes Marhsthumen und ber Äußeren Geſtalt gemein haben, mit ben 
Thleren aber bie Art ſich zw nähren, bie wilführlihe Bewegung 
der Slider and .bie Empfindung (Zoophyta, Phytoroa). Dahin 
gehören unter anbern bie Korallen und Wielarme. 

O Die Pflanzenunterſuchung, 9%. —en, bie Nnterfuhung ber 

Pflanzen nah ihren natürlihen Kennzeiden, um zu erfahren, m 

welhem Eeſchlechte ıc, fie gehören (Pflangencharaeteristik), 

O Die Pilanzenwahrfagerei, @%. — en, bas Wahrſagen und eine 

Bahrfigung aus Pflanzen (Botanomantie). 

Die Pflanzenwiſſenſchaft, ». 89. f. Pflanzentenntniß. 

Der Pflanzer, —s, Bi. gl. 1) Eine Perfon welhe pflanzet; eine 
feige weibliche Perfon, bie Planzerinn. In engerer. Brbrutung, 
(1) eine Perfon, welde eine Pflanzung auleget oder befiht. So 
heißen in Weſtindien at, die Wefiger von Kaffe, Gewärjpflangume 
gen, Pilünger. —— 

Die an Menkojas Küſten * 

Der Pflanzer Hug in Borrathéegruben haͤuft. Alringer. 

Da ging ber Pflanzer aus zum Schmauſe. Falk. 
(3) Eine Perſon, welche ih am einem Drte, in einer Begenb ane 

. gepflahät, d. h. Häustich niedergelaffen hat, und ben Boden anbauet 

(Golonist). Die Pflanzer in NemHolland, Neue Pflamger in rine 
unbewohnte Gegend fenben. =) Ein Werkzeug, deſſen man fi beim 
Pflanzen bedient, Sie Löcher, worein bie jungen Pflanzen zu fiehen 
kommen follen, bamit in die Erbe zu floßen; das Pflanzbelz, der 
Pflanzſtock, ber Krautſtichel. 

Der Pflanzgarten, —s, My. — goaͤrten, ein Garten, ober ein Theil, 
eined Bartens, weiber beſtimmt ift, junge Panzen, die fpäter der⸗ 
pflanst werden ſollen, darin zu ziehen. S. Pflanzſchule. 

Das Pflanzbolz, —es, 24. — hoͤtzer, f. Pflanzet =). 

+ Der Plauziger, —6, 9. u. im Rernfhen Oberlande, Schnee, 
beſonders weiher naffer Schnee. Stalder. 

Der Pflänzling, — es, 9. —e, ein junger aus dem Samen gezd⸗ 
gener Baum; bad Pflanzreis. Uneigentlid, ein junger Menfh, ber 
man aufgezogen, erzogen hat, - 

Der Pflanzort, —es, 4. —e, ein Ort, mo ſich Pflanzer nieberges 
laffen, angebauet haben (Colonie), f. Pflanzet 1) (2); wie auch 
ein Ort, an welchen man etwas bin verpflanzt ober verſetzt bat, im 
Bezug auf ben Dit, von welchem es verpflanzt ober verfegt worden 
ift, eine ſolche Stadt, eine Pflanzſtadt, ein bergleihen Staat, eim 
Pflanzſtaat, die Tochterſtadt und der Tothterſtaat, in Bezug auf 
die Stadt ober ben Staat, von mo bie Pflanzer ausgingen. „Die 
Univerfität (bobe Schule) zu Halle ift ein Pflanzort von ber kelpzi⸗ 
ger univerfität.e Mauvillon. Fehlte es uns nicht am Mannfhäft, 
fo wärde ich ernftti darauf denken, bier einen Pflanzort anzule⸗ 
gen.“ E. ©, auch Pflanzſtatt. 

Das Pflanzreis, —es, 34. —er, f. Pflaͤnzling. 

Die Pflanzſchule, z. —n, ein Pas, auf weichem junge Pflanzen, 
beionbers junge Bäume gezogen werben, um fle, wenn fie groß 
genug find an bie Örter zu verpflangen, mo ſie ftehen bleiben ſol⸗ 
len; ber Pflanzgarten, N. D. Quekſchole, Quekeriſe. Unelgent⸗ 
th, ein Drt wo junge keute für ihre kuͤnſtige Beſtimmung erzogen 
und unterrichtet werden (Scminariany. Eine Pſlanzſchule für Pre 


Pflanzſ | 65 


Biger, Schuffehrer (ein Prediger, Schullehrerseminarium), &. auch 
Pflanzſt dt. 

O Der Yilanzfhüler, —s, Mz. gi. der Schäter einer Pflanzſchule, 

"dd einer. Wand, weicher in einer Pflanzſchule zu feiner künf 
tigen Beftimmung erjogen, vorbereitet wird (Seminarist). 


Pflaſterw 


mit Pr aefotten au einer einem Pflaſter ähnlichen Maſſe wich, 


Der Pflafterer, —s, 9%. gt. einer der pflaftert, fomot ber Pflafter 


auflegt,-als.auch und gemöhnlic, der ein Pflafter von Steinen legt, 
befonbers, der ein Geſchaft daraus macht Waffen "und Wege gegen 
Bezabivag su pflaftern;.der Pflafterfeper, Steinfeper, Dammfeper, - 


O Der Pflanzſchullehrer, —s, 34. gl. der Behrer an einer Plan: Das XAlaſtergeld, —es, By. —er. ı) Dasjenige Weld, meldes ber 


ſchule. E. Pflanzſchule. 
© Der Vflanzſtaat, —es, 24. —en, f. Pflangort, 
Die Iflanzftadt, 3. —ftädte, f. Pflanzort: 
Der %flanzfiäbter, — 6, 3. dl. der Einwohner einer Pflanzfatt, 


Pflafterer ober Eteinfeger-für feine Arbeit befimmt; ber Pflaſter⸗ 
lohn. 2) Dasjenige Wegegeld, welches bie Reifenden auf einer ge: 
‚pflaßerten Etrape, und die Bewohner eines Orts zur Unterhaltung 
bes Pflaſters entrihten mäffen; im erften Balle auch Pflaftergeleit. 


befonbers fofern er fie mit gründen half. Der Pflaſterhaumer, —6, 3: hämmer, ber Hammer der Pflas 


Die Pflanzftatt, 94. —ftätte, oder die Pflaugflätte, Mm. — n, 


fterfegers. » 


eine Statt ober Stätte, wo etwas ald eine Pflanze ober glei einer Die Pflafterhaue, 9. —n, due Hauer, bie Steine eines Pflafters 


Pflanze gewahlen, gezogen, oder uneigentiih, zu feiner künftigen 


damit auf» und autzubrechen. 


Beftimmung gebildet und vorbereitet worben iſt. „Barte(n) alfe; Der Dflafterkäfer, —s, 29. gt. die fogenannte Spaniſche Fliege, 


und weldes wäre bie fhönere Pflanzflätte unferes Geſchlechts gemer 


aus.weider man ein Blafen ziehendes Pflaſter bereitet, 


fen.« Herder, X Der Pflafterkocher, —s, 99. gl. die veraͤchtliche Benennung eines 


— bie Pianzflatt der Gelehrten. Ratſchth. 


Arjtes, ober auch anes Arzeneibereiters; ein Quadfalber, Frifd. 


Der Planzftod, —es, 94. —föde. ı) S. Pflanger 2). 2) Ein zur Der Pflafterlobn, —ed, My. u. ſ. Praftorgeld 1), 
Fortpflanzung beflimmter Bienenftod; der Mutterftoch, Leibftod, ‚Der Pflaftermeifter, —s, 9. gl. im manden Sören, u @, 


Ständer. 
Die Pflanzung, By. —en. ı) Die Handlung ba man pflanzet; ohne 


in 
Bien, ber erite and vornehmfbe Meifter unter den Pflafterern ober 
Steinſetzera der Etabt, 


Mehrzahl. =) Ein Ort, wo man gepflanget, ben man angebauet Pflaflern, v. trs. ein Pflafter legen, mit einem Pflafter belegen. , 1) 


bat; ſowol ein Ort, eine Gegend, bie man urbar gemadht und ans 
gebauet, ober bie man mit etwas bepflaniet bat, 3.8. eine Baum: 
pflanzung, Obkbuumpflangung, Maulbeerpflanzung ic. Als aud, 
ein Ort, eine @egend, wo ſich frembe aus andern Gegenden bahin 
verpflanzte Leute niebergelaffen unb angebauet haben (Colonie); 
eine Miederlaffung, ein Niederlaß. „Pflanzungen find (in Rorbs 
amerifa) Heinere mit Anbauern befepte kandſtriche.“ Ebeling. 

Das Pflanzwetter, —s, 0. 3. Wetter welches zum Pflänzen günr 
fig ik. 

Das Pflafter, —6, 34. al.; Bm. das Pfläfterhen, ©. D. —tein, 


Das Geſicht pflaftern, ein Pflafter ober mehrere Pflafier auf daffels 
be legen. Cine Büchienkugel pflaftern, ein mit Talg beitrihenes 
Säpphen unter bie Kugel legen, bamit die Kugel gebrang in bas 
Bohr gehe. =) Einen Hof, einen Mey, eine Straße pflaſtern. 
Mit Biegelfleinen, Belbfieinen ic. pflaſtern. Au manden Orten 
pflaftert man bie Braupfannen mit Schiefer, Indem man ben Boden 
berfelben mit Schiefer beiegt. In weiterer Bebeutung, mit etwas 
wie mit einem Pflafter bedecken, verwahren. 
ee — mit wärmenden Bohlen gepflaftert. Boß. 

D. Pflaſtern. D. —ung. 


ein platter dünner Körper, “womit man einen andern belegt, ber Die Pflafterramme, 3. —n, eine Handramme, die Eteine einek 


beit, 2) Ein Stät Brinwand ober Leber ıc. worauf man, einen 


Pflafters damit fer und eben zu rammen; bie Sungfer, 


äben und ſchmierigen aus allertei Heitmitteln, gewoͤhnlich harziger Der Pflafterrüden, —e, 9. gi. der Rüden, db. bh. ber mittelfte 


und fettiger Art, gemifchten Körper geftrihen bat, um #8 auf rinen 


erbobene Theil eines Bteinpflafters. 


fhabboften kranken Theil zu legen, denſelben dadurch zu heifen., Ein Die Pflafterfchere, Rz. —n, bei ben Wuntärzten, eine dere, 


Pflaſter reichen oder fhmieren. Gin Pflafier auflegen, auf eine »- 
Munde, auf einen krauken Theil ıc. Engliſches Pflaſter. Auch 


womit fie bie Pflaſter zerfhndden, und aud von ber Wunde abe 
nehmen. } 


den heilenden Körper felbft, melden man aufftreihet, nennt man Der Pflafterfeher, —s, 3m. gt. ſ. Pflafterer. 
Pflaſter. Das Pflaſter aufftreihen. Ein Wundpflafer, Zugpfla- Der Plafterfchlägel, —s, 9. al. ein Echlägel, wemit bie Pfla⸗ 


fer, Blafenpflafter, Senfpflafter ꝛc. Die Salbe unterfheider ſich 


fterer die gelegten Eteine feſt ftoßen. 


von bem Pilafter durch ihre größere Meichheit und Schmierigkeit. Der Pflaflerfpatch, —s, 34. gl. ein Epatel der Wundärzte, Plafter 


Uneigenttiih und im gemeinen Leben nennt man fherjbaft, ein ber 


‚damit aufsuftreihen. 


des Butterbrot ober etwas ähnliches Fin Pflafter für den Magen, Der Pflafierftein, — s, 2. —, Steine, womit gepflaftert wer: 


ein Magenpflafter, bew won feiner Krankheit, bem Hunger, daburh 


ben kann ober fol, 


- gebeilt- wird, In manden Gegenden nennt man auch den Mörtel Der Pflafterflöhel, —s, @M. gt. eine Handramme der Yrlafterer, 


ober Gips, - womit bie Maurer die Wände und Deden ber Zimmer ;, 
überziehen, das Pflaſter. Eben fo beit auch Im O. D. der mit 
Gips und Keinen Steinen überzogene Boten, das Efirih, ein Pflas 


bie berworragenden. Strine in einem friſch geſegten Pflaſter niebergus 
Em. und das Pflafter Überhaupt eben und feft zu loßen; X bie 
ungier. 


fler, weiches den UÜbergang zur zweiten Bedeutung bildet. e) Die Die Pflaftertrafe, 9. —n, rine gepflaſterte Straße. 
Steine, befonders platten @teine, womit sin Rußboben, rine Strafe X Der Pflafterftreiher, —s, WM. al. einer ber ein Pflafter, befon: 


bit, ſeſt und eben belegt ift, und ber auf biefe Art belegte Meben 
fetöft. Das Pilafter in einem Daufe, Hofe, auf der Etrafe, Das 


bers elm. beilendes Pflafter ſtreicht; eine verähtlihe Benennung €ir 
ned Mundarjtes; 


Pflaſtet legen, ausbefieen, aufreißen, aufheben. Mefonders gee Der Pflafiertreter, —s, 9. al.; die —inn, 9. —en, eine Pers 


braudt man es von dem Pflafter auf den Strafen, bas Strofenpfla- 
fer. Gin fhönes, wohl unterhaltenes PflaPer. uncigentlich fagt 
man- im armeinen Beben, ea fei in einer Stadt ein theuris, heißes, 


fon, welche mäßig ohne einen befkimmten Zweck, ohne ein Geſchaͤft zu 
haben in ben Straßen herumgehet. 
@in fhöner Herr, der Pflaflertester Kreue. Hagedorn. 


hartes Pflaſter, wenn es daſelbſt tiener zu leben if. X Das Der Pflaferweg, —es, By. —e, ein gesflafırter Weg. 
Dflafter treten, müfig in den Meffen berumgeben. Das Pflaſterwerk, — s, 9. —e. 1) Allerlei Prrafter zum Kufler 


Dir wie ums Tagelohn des Pilafter pflegt zu treten. Ganig. 
Dad Pflaſterblei, — es, Di u. in der Scheidekunſt, Wieitälk der -- 


gen auf Wunden ic. 3) Ein gipflafertes Wirt, ein Steinpflafter, 
m. Arameın. „ — —— 


— 


Pflaſterw 


Der VNaſterwinkel „ut; 2. gt. bei ben Steinſetern / bie Verel— 
_ migung zweier Pflafter ! PL ' 


Das Plafterzeug, — s u. bat Zeug, de wertzeug eines 


“ pftiflerfegers. M. Kramer. » \ 
1m Pflatfch, —rs, 2. —e, in Schwaben, der Platik. 
er Pflaum, f. Flaum. — 
Der Pflaumbaum, ſ. Pfiaumenbaum; ES 
P laumbiumen, adj. u. adv. vom Pflaumbaume herfommenb, aus 
em Holze bes Pflaumbaumes verfertiget. Gin pflaumbäumenes 
“ aäftcen. BR en ELBA RT m 
Die Pflaume, My —m; Si, dao Pfkumher, Di D. —tein. rn) 
Die runde ober länglihrunde faftige Frucht des Pflaumendaumes, 
melde in viner feinfarten Schale. einen Kleinen‘ platten ‚Kern bat, 
und deren es mehrere Arten von vefhiebene Geſtalt, Größe und 
“ Farbe giebt. Am befannteften und gewöhflicften 'ift bie laͤnglich 
runde dunfefe bläue Pflaume, welche and Jwetſche, + Zwetſchke, 
Quetſche genannt wird. Borzäglihe Arten dieſer Pflaumen find 
die Spanifhe oder ſchwatze Plaume, die Uırgarifche und bie Dur 
massenerpflaume-, andere Arten find aelb, fewol rundlich, 
un Spillinge ober gefbe frühe Pflaume, -enh Dundspflaume, 
die Aprikofenpflanme, ' ats au eiförmig, wie bie Katharinen: 


* 


und die große, geide und rothe Roßpflaume. Roch andere Arten 
find die runde Koͤnigspflaume, die Heine runde Lirfhrflaume und 
die Pflaumen obne Stein. Pflaumen taten, meilen. GSebak— 
kene, gewelkte Pflaumen. Gefhmorte Pflaumen, Eingemachte 
Pflaumen. Im gemeinen eben nennt man bie größeren runden 
und eieunden Früchte dieſer Art in engerer Bedeutung Pflaumen, 
die Keinern tanglichen, blauen und roͤthlichen aber Zwetſcheu. =) 
Die Sptifche Pflaume, ein Name der ſchwatzen Bruſtbeere, deren 
Saft in Bruſtkrankheiten gebraucht wird (Gordia mixa L.); auch 
Bruſtpflaume, Sede fenbaum, zahmer Sebeftenbaum. S. Brujt: 
beere 1). 5) Die geſternte Pflaume, bie Frucht eines Ofinbifchen 
Beinen Baumes, welcher ı2 bis 14 Fuß hoch wird, dreimahl im 
ZJahre biüher und Früchte traͤgt, und biefer Baum felbft (Averrhoa 
' earambola L.). 4) Meiflihe Pflaume, eine Art Watzenſchnecken 
In Brafilien, Afrika ıc. (Voluta giabella L.); aud glatte Gurke. 
"Der Maumenbaum oder Pflaumbanm, —es, My. —bätime. 
1.) Diejenlge Gattung Obftbäume, deren Frucht bie Pflaumen‘ Ind 
(Prunus domestica L.). Da⸗on das Pflaumbaumbolz, auch wol 
das Plaumenbolz, das braane, feine Bol; des Pflaumbaumes. 
2) Der Vrginifhe Pflaumenbaum, ein in Wirginien und Marc; 
lina an naffen Örtern wadfenter Baum, 15 bis 20 Fuß bob, der 


gelbe ins Roͤthliche ſplelende Früchte von ber Wröße eines Dülmen: 
eies trägt (Diospyros Virginiana L.); and Mirginifcher' Dattels ' 


r. 


baum, Virginifche Dittelpflaume; unehter Ihrgeibaum. 


Das Pflaumenblatt, —es, MM. —brättet (bie Blätter des 
’ e ieh m ·264 Tu, 0 ‚ 


* 


opſflaumbaames. 


a 


Der Pflaumenblattfpinten, —®, MM. gt. "ein Rachtfaltet, deſſen 


Barve oder Raupe auf den Pfleumbäumen Atbt (Phalacıia prüniL.). 
Die Plaumenblüte, 9y. —n. 1) Die meift einzeln ſtehenden Bed: 

ten bes Pflaumbaumes. 2) Die Zeit, um welde die Pflaumbäume 

bloͤher N, ‘ : 
Der Vflaumenfalter, —®, My. gl. ‘eine Art Togfalter, bie ihre 


Gier in bie Pflaumenblüte legt (Papilio pruni) NRemnid, Biel: 


teicht ift er und bee Pflaumenſchmetterling einer hund derfelber 
Die Plaumenfarbe, 0. 9. bie Farbe der Pflaumen, befonbers ber 
blauen Pflaumen. Wei den Fätbern, eine diefer äͤhuliche Farbe, 
die a7 Kalb und Schwarz zufammengefeät wird, 
Das Pilaumenholz, —es, 9. 4. f. Pflaumenbaum. 
"Der Pflaumentern oder Pflaumkern, —es, 34. —e; ber in dem 
Steine ber Pflaumen eingefhloffene Keine Kern. 
Das Pflaumenternöl, —es, 9. u. 


652 


pflaume, Eierpflaume oder Matonte, Marunfe, Hertenpflaume > 


ein aus Pflaumenkernen ges - 


u Pflege 


preftes fettes Br. * 

+ Das Pflaumenmargenrööschen, —t, 2%. al. das Ohrläffel 
aut. S. b. nn ä ‘ ; 
Das Pflaumenmuf, —e6, Ey: u. das aus Pflaumen gekochte Muß; 

in Beanten Honig. 1% 

Die Pflaumenſcheide, 99. —n , kine Art Sees ober Meerfheidem, 
voneiner Ahali vteit mit den Pflaumen (Ascidia prunum), Nemnid. 

Die Pflaumenſchlehe, 4. —n, [Haferſchlehe. 

Der Phaumenfchmetterling , — es, 99. —e; eine Art Schmetter⸗ 

Ange, ‚wege man bäang. auf Phlaumbäumen findet (Papilio 
nyınplıalis polyenlorus L.). . 

Der Pflaumenſtamm, es, 34. —ftänmez Bio. das Pflaumen: 

+ ſtaͤmmchen, ber Stamm des Dfiaumbaumes; dann, ein Pflaume: 

"baum felbft, befonbers wenn er jung if. 

Der Vflaumenftein, —es, 94. —e, das fleinharte Tänglihennde 

7 Ganfenbehältuig in den Pfläumen, meldes ben Samentern einfchlieft. 

Die Pflaumenfuppe, By. —n, eine Suppe mit frifhen Pflaumen; 
aud) wol, eine Suppe von Pflaumenmuße 

Die Dilaumentorte, 94. —n, eine Zorte mit Pflaumenmuß, 

X- Pillaumenmweih, adj. u. adv. weich wie eine Pflaume, Im M. 
D. gebraucht man es von Giern, bie weder zu hart uoch zu wei 
getocht find. 

Die Pflaumfeder, f. Flaumfeder. 

Der Pflaumkuchen, —, Da. gl. ein auf feiner Oberfläche mit 
burögefhnittenen und ausgefleinten Pflaumen belegter und ya 
badener Kuden, 

+ Die Pflaumnelfe, 4. —n, bie Pfannelle. ©, d. 

‘Die Plaumpalme, 9. —n, eine Art in Oftindien einheimifger 
Palmen, melde eiförmige den Pflaumen ähnliche Früdte trägt 
(Elate L.); die Tannenpalme. j 

x Die Pflaumfhnitte, By. —n, eine mit Pflaumenmuß gefhmierte 
Ednitte Brot. 

Die Plaumtunfe, 9. —n, eins Tunke von Pflaumenmuße. 

Das Pflegamt, —es, 4. —imter, ein Cammeramt, fofern es 
der Pflege, d. b. der Verwaltung und Aufficht eines Andern anvegs 
trauet iſtz befonders im ©. D. wo man aud nur bie Pflege:-und 
Pflegei ſagt. . 

Der Pflegamtmann, — es, Mg. —männer, oder —leute, im D, 
D. dee Amtmann eines Pflegeamten; ber Pfleger, 

Dflegbefohlen, adj. Jemandes Pflege oder Aufficht beſohlen, empfoh 
len, änvertraut; beffes pflegempfohlen. Bär feine Pflegbefohlo⸗ 

-. nen forgen. ' ! y 

Die Pflege, M. —n: 1) Die Handlung ba man pfleget, in ver ⸗ 

ſchie denen Bedeutungen des Wortes pflegen; ohne Mehrzahl. ' Ber 

fonbers die Handlung, da man Auffiht über etivas hat, für etwas 
forget, (1) Die Auffihe Aber eine Sache, die Werwältung berfel: 
ben; befonders Im DO. D. Die Pflege eines Kammeramtet, -tines 

’ Banden, bie Amtepflege, Panopfkege. Ein der Pflehe des Boimun: 

bes befbhhle ner Mindel. Auch eine Anftald, Vene Kaffe, eink'ver: 

pahtefe Sache ci siftder Pflege ihres Worftehers, des Kaffenfüh: 
geb, dei Pachters Fe. anvertrauet, welche dee ihrer Pflege überge: 
benen Sade nicht allein vorftehen, fie verwalten, fondern fie au 
in ihrem auten Stande zu erhalten ſuchen follen. Die Rechtspflege, 

"Be Verwaltung, Handhabung bes Rechts, ber Gerechtigkeit. Die 

Armenpflege? '& d. (a) Die Sorge für das Mahsthum, bad Ges 

beihen, bas Wohlbefinden einer Perfon und Sache; befonders bie 

Borforae für Me Bebürfniffe einer Perion, das Bemüben, denfeiben 

ſogleich abzuhelfen ober noch zuborzukommen und einer Perſon durch 

Aufmerkſamtkeit auf ihre Beduͤrfniſſe und Wuͤnſche, und burdh Dank: 

reihungen aller Art, eo recht bequem und wohl zu machen. Die 

Pflege eines Kranken, Alten. Gute Pflege haben. In engerer 

Bebeutung, bie Erhaltung, Grjiehung und Berforgung einer Pers 
fon; welche fich möcht feibft- erhalten und erziepen kann, „Mit järt: 


Pflege 


Tiher Sorgfalt eiferten Me, wer mehr ben feommen Xiten erfreuen, 
mehr bie Pilege ter Jugend ihm vergelten koͤnne· Beßner. Km 
Hiufigfien von folden Perfonen, die zu folder Pflege keine natärli: 
de Verbindlichkeit, wie 3. B. bie Ültern gegen die Kinder haben, 
Ein Kind in ber Pflege haben, es erhalten und erziehen. Die Waiı 
fentinder find nunmehr in bie Häufer ber Bürger vertheilt und ihrer 
Pflege anvertrauet worden. S. Pflegeättern, Pflegelind ıc. Im 
weiterer Bebeutang aub von Thieten und Pflanzen. Die jungen 
Boͤgel in feine Pflege nehmen, fie auffättern. S. auch Wienens 
pflege. Tepe weicht die Pflege des Mannes, und bie Pflege ber Mütter 
Be — — — Bo 
in welcher Stelle von ber Sorge für bas Sedeihen bes Rindviehes 
die Rede if. Den Blumen alle Pflege angebeiben faffen, auf ale 
Weiſe für ihe Vachathum und ihre Erhaltung forgen. ») Fine der 
Auffiht und Verwaltung eines Andern anvertrauete Gegend, ein 
foiher Bezirk, ein foldhes Gut; befonders im D. D. mo man auch 
+ Pflegei fügt, und in engerer Brbeutung ein Pflegamt, ein Amt, 
Kammeramt darunter verfichet. In weiterer Bedeutung wird es 
für eine Gegend, einen Strich kandes überhaupt gebraugt, ohne 
Ruͤckſicht auf einen beiondern Borgejegten, aber wol in Beriehung 
auf den Ertrag, auf den Rugen, Die Aderpflege, Kornpflege, 
Bienenpflege ıc., eine Gegend in Anfehung ihres Adterbaues, Korns 
baues, ihrer Bienenzucht. Im O. D. auch bie Pflicht. S. d. 5) 
* x Die Seiftung deſſen, mas man zu leiſten ſchultig iſt und im 
engerer Bedeutung, eine zu entrichtenbe Abgabe an Beide. Paltaus, 
Die Pflegeältern, Ez. u. Prrfonen beiderlei Geſchlechte, welche ein 
fremdes Kind in ter Pflege haben, gleich Ültern oder an der Stelle 


ber Ältern für Grhaltung und Erziehung beffeiben forgen. Der 


Pflezevater, eine folhe Verfon männtiges, und die Pflrgemutter, 
eine ſolche Perfon weiblihes Gelhtehts. Das in ihre Pflege genom⸗ 
mene Kind heißt Pflegefind, und Pflegefohn, wenn eu männliches, 
Dflogetochter, wenn 16 mweibiizes Geſchlechts if. Kür Pflegekind 
fagt man auch Pflegling, weiches fih davon noch dadurch unterſchei⸗ 
bet, daß es aud eine erwachſene Perfon, bie in ber Pflege’einer 
andern iſt, bezeichnen kann. 

[®) — — er, — ſte, adj. m. adr. ber Pflege bebärfeig. 

©. Pflege 1). »Die ihn ernannten zum Pfleger eines pflegebebürfs 
tigen Belle.“ Wächter Davon bie Pilegebedürftigkeit, o. M. 
der Zuſtand, ba man ber Pflege bebürftig ift. 

O Die Pflegebeftelung, Wz. —ın, bie Beftellung, d. b. Berorb: 
nung, Beſorgung der Pflege ober Auſſicht über eine Perſon und 
Berweltung ihres Vermögens, die dies felbſt zu thun nie im Etan: 
de it (Curatorium). SZ. Heinze. 

Das Pflegegeriht, —es, Br. — er, im D. D. ein ber Yflege, db. b. 
der Bermaltung, Handhabung eines Andern anvertrautes Bericht. 
In engerer Bebrutung, ein Bericht im einer Pflege ober einem 
Pflegamte, 

O Das Pflegehaus, — «6, 24. —häufer, ein Verpflegungshaus, ein 
Haus, in weldem Alte und Kranke verpflegt werben (Hospital), 
K. T. Hei an 

+ Die Pflegei, Dy. —ın, (R.) f. Pflege 2). 

Das Pilegefind, — es, er, ein in der Pflege eines Anderen 
befinbiihes Kind, ſowol in ber Pflege eines Pflegesaters ober einer 
Gflegemutter, als auch in ber Pflege eines Bormunbes, in welchem 
Fate es gewoͤhnlicher Mänvdel heißt. ©. Pflegeaͤltern. 

Pflegelos, adj. u. adv. keine Pflege habend, ohme Pflege: pfleglos. 
Stieler. „Der pilegelofe Eazarus.« Kofegarten (MR), Davon 
die Pilegefofigkeit, ber Zuſtand, ba man ohne Pflege ift, keine 
Pflege hat. 

Dflegempfoblen , adj. ſ. Plegbefohten. 

Die Pflegemutter, 24. — mütter, f. Pflegeältern. Kuh uneigent: 
ih. Athen war bie Pilegemutter ber Künſte und Wiffenfaften. Ab, 

Pflegen, v. regelm. u. unzegelm. wo es iin D. D. in ber geg. 3. ich 


Gampe's Widrterb, 3. Ih. 


633 


Pflegen 


pflege, du pflichft (auch pfliegft), er pflicht Cpfliegt), im ber unl. 
vera. 3. ich pflag ober pflog, in ber Mitteif. gepflogen, im ®. D 
aber größtentbeils regelmäßig umgewandelt wird. I) tre. ı) Die 
Auffiht über etwas führen oder haben, verwalten; mit bem vierten 
und häufiger zweiten Falle. „Bit ih von erften Hufes pflage, feit- 
bem ich zuerſt dem Haufe vorſtand, bie Aufſicht darüber führte. 
Binsbed. „Des Amts follen fie niht pflegen." 4 Mof. 8, »6. 
„Die pflegint werelte, bie bie Welt regieren. Im bem alten Be: 
dicht asf ben heiligen Anno. Da ein Auffeher, Vorgeſehter, Ber 
walter in den feiner Aufſicht und Verwaltung übergebenen Dingen 
anzuordnen und zu befehlen bat, er auch biefeiben, fo lange er fie 
verwaltet ober bie Auffiht darüber führt, inne bat unb befigt, fe 
gebrauchte man pflegen ebemabls auch ſowol für befehlen, anorbnen 
Ak Pflicht), als auch für, inne haben, befiten. „Das kanı — 
bes de Ehriften plagener, d. h. welches bie Kriſten ehedem im Belig 
hatten. Seriptor. Brunsric, „Der bes Blaubens pfligte, ber 
bes Elaubens pflegt, ber Glauben hat. Jeroſchin bi Friſch. 
In weiterer Bedeutung, verwalten, ausüben, bandhaten. „Prier 
Reramts pflecen«, bas Drieflesamt verwalten, ausüben, Cuf, ı, 8. 
„Die prle,en Sottesbienft, ber miht zu fagen iſt. Weist. 14, =5. 
Die Zwen, bie no werten, 
Und phlagens mit den fhwerten, Iwain, 8, 199; 
d. h. bie nech bie Schwerter führten, handhabten. Rath ober Ba: 
tbes mit jemand pflegen, mit ibm fi berathen, rathſchlagen. Nah 
lange gepflogenem Rathe wurbe befhloffen, daß ic. Unterhanblun: 
gen pflegen, unterhandeln, Freundſchaft, ober ber Freunbihaft 
mit jemand pflegen, mit ihm Freundſchaft unterhatten, Umgang 
mit jemand pflegen, mit ibm Umgang haben und unterhalten. Ehe— 
mahls auch bloß, eines Menden pflegen ‚ Umgang mit ibm haben, 
mit ibm vertraut leben, 
Bann daz ih Sr ba phlag; Imwain $, 556. 
In bemielben Gebihte 8, 32 Eömmt auch ver eines pflegen, feiner 
gewohnt fein: " Unb,fein Bro (Loͤwe) ber fein ba phlag. 
Der Güte pflegen, gätlih unterbanbein, in Bäte etwas abzuma- 
hen, aus einander zu fommen ſuchen. Ehemahls au für anwem 
den, gebrauden. Der hitzigen ergney er pflag 
Und nam biefeibe alleXan, Theuerbanf, K. 70. 
Run moͤget ihr — no ber Treuen pflegen, 
d. Nibelungen 8, ®. 4353. 
Zu biefem Sinne gebraugt man es aud noch für, beffen was man 
hat, gebrauden, fi dem Genuß deſſelben Überlaffen,. Der Ruhe 
pflegen, fih ber Ruhe überlaffen, ihrer genießen, 
Oft benft, wenn wir ber Stille pflegen, 
Das Herz im Gtillen tagendhaft, Gellert. 
Der Liebe, der Wolluf pflegen, ihrer genießen, fi ihaen aberlaſ⸗ 
fen. Seiner Bequerillchkeit pflegen. 
Der Wachter fo ber were phlag, Imain, 9, 230, 
2) Sorge für etwas tragen, als eine Fortfegung ber erſten Wehe 
tung; gewoͤhnlich mit dem zweiten Falle, 
Bett ber Here wolle Ewr pflegen 
Unb aud Halten in feiner Hut. Theuerdank, K. 106. 
Befonders für das Wahstbum, Sedeihen, die Wohlfahrt, das Be— 
fte einer Perfon und Sache Sorge tragen „Pflege bu bes Bottle 
vor Bott. = Mof. 18, 19. Am haͤufigſten gebraucht man es für, 
Sorge für eines Wehibefinden, Bequemlichkeit und Behaglichkeit 
teagen, und das bazu Roͤtbige veranflalten, tbun; mit bem vierten 
und zweiten Falle. Ginen Kranken, Xiten pflegen. teichwie 
eine Amme ihre Kinder pfleget.“ ı Theſſ. 2, 7. Beinen Eeib 
pflegen, für fein Motibefinden, feine Behaglichtkeit durch Rahrung, 
Kieibung ꝛc. forgen; in engerer Bebeutung, ihm gütlih tbun, bes 
fonders durch Speife und Trank. Auch fi pflegen. Eeiner @6s 
fundbeit pflesen, für bie Erhaltung derfelben Eorge trogen. Pfle⸗ 
ge deines Baters im Alter Sir 5, 14. In weiterer Beben 


80 





Pflegen 


tung, auch von Thieren und Pflanzen. Elnen Schoßhund wie ela 
Kind pflegen. Der Pflanzen wohl pflegen und warten. : 

Drum pfleg' und mweih’ eu (das Blümchen) beinem Bleim. Köpfen, 
Für Hantreihung thun wirb #6 im N. D. gebraudt, wo teplegen 
Heißt: Bandfanger fein, zufangen. IT) intr. u. ntr. mit haben. 
1) * * Ebemasis im MN. D. als nte verpflichtet, ſchuldig fein. 
8. Pfliht, 2) Diefelbe Handlung in allen oder bach ben meiften vor; 
kommenden Fällen unter gleihen ober ähnlihen Umſtänden vornch: 
men. In biefer Webeutung If es von gemohnt fein dadurch ver: 
fhieten, bad man bei bem, mas man gewohnt iſt zu thun, eines 
finnlihen Reizes wegen ober weit man es für gut halt, handelt, 
daber gewohnt fein nur von empfindenden und ternünftigen Meien, 
pflegen aber aub von leblofen und unkörperlichen Dingen gebraucht 
wird. Faſt immer wird es in dieſer Bebertung mit dem Worte zu 
unb einem andern Ausſageworte in der unbeſtimmten Form gebraucht. 
Er pilegt in fothen Fällen zu ſchweigen. Das pflegt er fonft nicht 
sa tiun. „Babe ih auch je gepflegt bir alfo zu thun?“ 4 Mof, 
22, 50. Thue wie bu pflegeft, nämtih, zu thun, ober wie du ed 
gewohnt biſt. So pflegt es denen zu geben, welde gutem Rathe 
richt folgen wollen, fo geht es been immer oder gewoͤhnlich te. 
Penn es gleich früh morgens fhön und Sonnenfhein ti, pflegt es 
fpiter am Zage trübe und fhlechtes Wetter an werben. Ungemöhn: 
lich iſt es, das Mort pflegen in der unbeſtimmten Form pflegen, 
anftatt bes Mittelwortes gepflegt zu gebrauden. 

Auf grünen (m) Srafe hat man bie zu opfern pflegen, Opij. 

"Die gewoͤhnlichſte ummwanblung, befonders in ber überteltenden Korm, 
iſt regelmäßig, wo bloß menige Fälle, wie: bie gepflogenen Unter: 
bandlungen, er pjlog mit ibm Rath, ber Freundſchaft ıc., ausge: 
“orımen find. Im D. D. hingegen wird es in allen Bebrutungen 
unrezeimisig umgewandelt, welche Form auch, doch meift nur in 
ber unläng vergangenen Zeit, dee Kürze unb der Brauhbarfeit 
in Serfen wegen, in guten Schriften bäufig vorkömmt. Auf mel: 
Hem. vor Alters Meleus pflag au ſigen.“ Mo. 

— — vie er zuweilen pflag, Wielanb, 
nimtih zu than. — D. Pflegen. D. —ung. Die Pilegung 
eines Kindes ıc., ber Pflanzen, Blumen. Die Bläubiger zur Pfle: 
gung ber Güte einladen. Um üblihften iſt es in bem aufammenges 
festen Verpflegung, gemöhnlicher gebraucht man dafür die Pflege, 
Der Dileger, — 6, Di. gl; bie —inn, DH. —en, eine Perfon, 
melde einer Sache pfleget. 1) Eine Perfon, welche über eine Sa⸗ 
che Aufſicht führer, ihr vorſtehet, fie verwaltet. „Bene Richter und 
Pfleger, bie alles Bold richten“ Efra 7, 35. „Gäritus if ein 
Dileger der heiligen Suͤter.“ Ebr. 8, 2. in Pfleger des kanı 
des, Landpfleger, ein Vorgefepter, Statthalter beffelben, in wel: 
Ser Bedeutung es in ber Bibel häufig vorfömmt, und, nah Gs. 
Berfhlage, noh jeht für Prefer gebraudt werben koͤnnte. 

— — der Féäaaken erhabene Fürften und Pfleger. Bop. 
Am D. D. bejeihnet ea Aufſeher und Vorgefegte aller Art, als Amt: 
teute, Schloßboͤgte, Gerihtöverwalter, Kaffenführer . Der Ars 
menpfleger, Kırchenpfleger x. ©. b. 

Winner, des Deptfordſchiffs vielkundige Steurer und Pfleger. 

Baggefen. 
a) Eine Perfon, bie für eine andere Sorge trägt, für ihr Beſtes 
mwachet. »Pileger und Mobithäter bes Menihengefgiehte,* Leffing. 
Wie rühmiih its, von feinen Schägen 
Gin Pfleget ber Bebränaten fein! Gellert. 
Befonbers eine Perfon, melde fir das Beſte, die Mohifahrt einer 
Derfon forgt, die bies ſelbſt au Chun nieht in Stande iſt. Go wird 
im ©. D. befonders ber Vormund und Berather einer Perfon (Qu- 
rrtor) Pfleger und Pflegerogt genannt. Eben fo it Pileger, 
Die erinn in engerer Bedeutang eine Perſon, welche burch aller: 
Iet Bäifteitungen und Handreichungen für das Mohibeinden und 
tie Beauemlihleit einer andern, 4. B. eines Kranken, Schwachen ıc. 


634 


Pflicht 
Sorge trägt. Zuwellen auch mol für Pflegeveter und Pflegemutter; 
eigenttih und umeigentiih. Er war der Pfleger meiner Jugend. 
Die Pileger ber Kanfle und Wiffenfhaften. 

* Die Pflegerei, 24. —en. 1) X Die Handtung bes Pflegens; in 
tabeindem Sinne und ohne Mehrzahl. =) Das Gebiet eines Pfle: 
ger. Friſch. 

Der Pilegefhreiber, —s, 9. gl. im D. D. der Schreiber in einer 
Pflege oder in einem Pflegamte; dev Amtsſchreiber, Gerichtsſchreiber ıe. 

O Der Plegefinn, — es, 0. Mi. der Sinn, db. b. bie natürliche 
Neigung und Anlage zur Pflege, Andern Pflege angedeihen su laf: 
fen. „Dann beine aite Wärterinn — vol Mutterfinned, aus welr 
hem der Plegefinn aufgefpeoßt war ꝛc.“ Benzel⸗Sternau. 

Der Dflegefohn, —ed, Ba. ſohne, f. Pilegeitteen. 

Die Pflegetochter, M. — toͤchter, ſ. Pflegeaͤltern. 

O Pflegetoͤchterlich, adj. u. adv, einer Pflegetohter gehörenb, ihr 
angemeffen, in ihrem Berhättnife zu den Pfiegeäitern gearünbet, 
— im Bere’ auffisend flreichelt' er mit zurorlommender Büte bie 
pflegetöchterlichen Wangen» KL Schmibt, 

Der Dflegevater, —s, 2. — väter, ſ. Plegeättern. 

Der Pilegevogt, — et, Pr. — voͤgte, eine Perſon, welcher bie Pfle— 
ge einer Perfon oder Sache andertrauet it. So kann man einen 
Spistelvogt ebier einen Pflegevogt nennen. In engerer Bebeutung, 
in O. D. ein Sormund, Pfleger. 


O Der Pilegewirtb, —et, By. —e; die —inn, 94. —en, dieje⸗ 


nige Derfon, welche in einem Pflegehaufe die Aufſicht führet, bie 
Dflege der ihr übergebenen Perfonen beforget, K. I. Heinze. 

+ Pfleghaft, adj. u. adv. verpflichtet, von der veralteten Bedeutung 
be» Stortes pflegen, verpflichtet fein. &o heißen in manden Ge— 
genden Ieibeigene Unterthanen, weil fie bem Grundherten verpflich⸗ 
tet find, Pilegbafte. i e 

Dileglich, adj u. adv. 3) Der Pflege, b. 6. einer guten Aufſiche, 
Verwaltung und Vorforge gemäß. Die Wälder pfleglich nägen, ei⸗ 
nen Zeih pfleglich ſiſchen, ein Baus pfleglich bemohnen, fo daß 
biefe Dinge babei gepflegt, in gutem Stande erhalten werben. =) 
Nah gewohnter Art, wie mon zu than pflegt, Er rauchte vor 
bem Schlafengehn pfleglich fein Pfeifhrn.* ©. 

Der Pilegling, —es, 4. —r, eine ber Pflege eines Andern am: 
vertraute Perfon; befonders, ein Pflegekind. &. Pilegeältern. 
Dann auf, ein Mündel „Es müflen die in tes Pfleglings Bü: 
tern vorhandene Sahen-ıc. Braunfgmweig. Bormunbfdhafts: 
orbnumg. - 

* + Die Pflegniß, Pr. —ffe, bie Pflege, das Pflesamt, Frifd. 

* %* Die Pflegrehnung, 2%. —en, bie Bormundfhaftsrehnung, 
die Rechnung bes DVormundes über bie Führung feiner VBormundr 
fhoft; in einem Baster Wörterb. von 1675 bie Pflegerrechnung. 

Die Pflegichaft, My. —en, im D. D. 1) Die Pflege, die Hands 
lung da man pfleget, ſowol die Verwaltung, Handhabung, ald auch 
bie Unterhaltung, Erziehung; ohne Mehrzahl, 2) Die Eigenfhaft, 
das Berhättniß, bie Oblienenheit eines Pflegers; ohne Mehhrzahl. 
5) Eine ber Pflege oder Xuffiht und Verwaltung eines Andern über 
gebene Gegend; die Pflege. 

1. Die Pflicht, SM. —en. 1) Bom ber veralteten Bedputung des 
Wortes pflesen, welhes im ©. D. du pflihft, er pflicht umgewan: 
beit wird, fih anheiſchig machen und dadurch zu etivas verbunden 
fein, eine jede fittlihe Rotbwendigkeit, von welcher Art fie fein und 
welchen Begenftand fie baden mag. Es it Wilicht zu halten, was 
man verfprchen bat. Es iſt meine Pliht, id bin dazu fittlich 
genöthigrt. Seine Pflicht thun, thun wog man fitttih verbanden 
it. Seine Pflicht oder feine Pflichten beobahten, ausısen, rrfük 
Ion, in Acht nehmen, ihr oder ihnen na hkommen, Bentge leiften. 
Rah feiner Pflicht handeln, Sich einer Pflicht entledigen, fie er: 
füllen, Seine Pflichten unterlaffen, verabfäumen, aus ben Tugen 
fegen, Kbertreten, Wider feine Pflicgt handeln. In Anfehung un: 


za 


— 


Pfiicht 
ſerer Verbaͤltalſſe nennen wir unfere Pilichten natärlihe, bürgerlis 
Se, gefeufhaftiihe, und wir haben Prlichten gegen una feldft, ges 
gen Bott, gegen andere Merfhen, gegen bie Äbiere, wozu und uns 
fee Bernunft, wnfer Gewiſſen und unfre Menſchlichkeit verbindet. 
Sich etwas zur Pflicht machen, es zu thun, ſich ais ſitttich not h⸗ 
wendig vorftellen. Da bas Gefühl ber ſittlichen Nothwenbigkeit et— 
was zur Dflihr macht, fo benennt man die Pflicht nad dieſem Ges 
fühte wine heilige, wenn fie bödhft wichtig iſt, wenn zugleich Natur 
unb Religion uns dazu verbinden; eine füße, angenehme, wenn 
ihre Ausübung uns zugteich angenehm it; eine ſchwere, wenn ihre 
Erfüllung uns ſchwer fäüt und Überwindung kofet, zumeiten auch 
wol, wenn fit um ihrer Folgen willen wichtig It, in welchem Kalle 
man fie lieber eine wichtige nennt. Schuldigkeit und Obliegen: 
beit find dadurch von Pflicht verfhieben, baf Andere fie fodern Ein: 
nen, weil fie irgend ein Fecht dazu baben, und daß man dazu ges 
zwungen werden fann, wenigftend Vorwürfe leiben muß, wenn man 


635 


+ Pflichtbar, adj. u. adr. pflichttg. 


Pflichtg 


pflicht, bie Vorrathakammer ber Schiffeleute. Die Vortherpflicht 
wird nicht, wie Ab. anführt, die Ducht (ſ. d.) genannt. Eben fa 
wenig werden, wenigftens jege nichtmehr, auf großen Schiffen die 
Bad und bie Schanze lichten genannt. & Die Laufepflicht, 
und Steuerpflicht find die Ramen anderer Pläge auf Schiffen. 


Der Pflichtanker, —s, B%. at. auf ben Schiffen, ber Hauptanker 


ober größte und ſchwerſte Anker von allen auf einem Schiffe, ber 
Rir bei einem Sturme ober in ber Äuferften Roth gebraucht wird 
und geiwäbntih adf dem 2 des Schiffes an ber Steuerborbfeite 
liegt; ihm gegenüber am ber Bacbordſeite Liege fein Ankertau zum 


Glel agewichte. S. 2. Pflicht. 


Das Pflichtankertau, —es, Mr. —e, auf den Schiffen, das Tau, 


welches ben Pflichtanker haͤtt. 
Pflichtbate Guͤter, welcht dem 
Sutsderren zu gewiſſen Dienſten und Obliegenheiten verpflichtet find; 
in @egenfag ber freien Guͤter. 


fie nicht beobachtet; mit Doliegenheit ift nech überdies oft der Br @ Der Plihtbeitrag, —es, Di. —träge, der pflihtmägige Beis 


griff bes Beſchwerlichen verbunden, intem eine Sache, bie ob uns 
biegt, und befhwertiit, drückend il. „Dingegen nennen wir bie 
Pflichten eines Amtes unfere Obliegenbeiten, weil wir zugleich mit 
der Übernehmung ber Mechte, Vorzüge und Wortheile beffelben uns 
zu ben Pilichten beffelsen anbeifhig gemadt haben.“ Eberhard. 
Zumeilen trägt man auch ben Begriff der Pflicht auf leblofe Dinge 
über, „Wer lehrt bas Auge feine Pflicht, fich fiher au bebeden ?* 
Gerert. Kuh, ift es nicht immer bie fittlihe Rothwendigkeit, 
fonsern oft nur —8R Schidlichkeit einer Handlung, die fie zur 
Pflicht maht, Einem Werftorbenen die letzte Pflicht erweiſen, ab⸗ 
flotten, ihn begraben, ibm zum Begräbniffe folgen. . In weiterer 
Bedeutung nennt man aud; dasjenige, mad man fi im einzelnen 
Fällen zur Pflicht gemacht bat und was uns zur Dbliegenheit ge: 
morben ift, weil wir es verfpraden, ober übernahmen, ober einen 
Anbern als unfehlbar vorausfegen liegen, eine Pſflicht. Die Yehene: 
pilicht, Die dem Erhnsheren ſchuldige Treue. Die eheliche Pflicht, 
die ehelihe Belwohnung. Eo heißen bie Steuern und Abgaben, 
melde Unterthanen an ihre Oberen zu entrichten haben, in manden 
Gegenben ebenfalls Pflichten; eben fo, + die Gaben, zu melden ſich 
pPfarrkinder gegen ihre Geiſtlichen anheifgig gemacht haben, unb 
man fagt, ber Pfarrer fammelt feine Plliht, wenn er biefe Gaben 
einfammelt. Pflichteier, Pflichtkorn at. beifen daher folhe Eier, 
foldhes Kom it., weihe er als folche Gaben belömmt. 2) Ein 
feierliches Verſprechen, wodurch man ſich zu etwas verdindlich macht, 
eim Geluͤbde, befonbers, das eidliche Verſprechen ber Treue. 

Denn furchtbar heilig iſt des Kloſters Pflicht. Schitler. 
Jemand in Pflicht nehmen, ibn ben Eid ber Treue ablegen laſſen. 
Einem die Pflicht leiften, ablegen. In Pflicht, gumeiten ai, in 
Pflichten ſtehen, vermöge eines Eibes gebunden, verpfliätet fein. 
Einen feiner Pflicht entiaffen. Das frritet mit meiner Pflicht. 
Oft auch in Verbindung mit dem Werte Eid. In Eid und Plicht 
nehmen, ftehen. Wider Eid und Pflicht handeln. Diele Bedeu— 
tung bängt mit ber veralteten bes Wortes pflegen, amkeifhig ma. 
dien, gut fagen, verpfänben genau zufammen, 5) &x Die Pfle 
gt, Borforge. In Pflicht, Hut und Sa irm haben. „um foner 
ſele Heiles Dflichte, bei Eberhardt. 4) % Der Umgang, bie 
Gemeinfhaft, wie and, die Verwandſchaft. 5) x %* Die Art und 
Meife, Gewohnheit etmad zu than. 6) F Im O. D. die Pflege, d. h. 
eine Begend, ein Strich Sandes. Im biefer Pflicht wähft guter Wein. 
7) Xxx Das Meht. 8) x x Pflicht haben, Urfahe fein. O berlin. 


. Die Pfliht, Dy. —en, auf Ewern, Schuten und andern Fiußs 


f&iffen, ein fieines Bebältnig, welches die Stelle einer Roje vertritt, 
unb im welchts man von oben burd ein viereckiges koch fleigt, bas 
mit einem Dedel oder einer Rufe zugedeckt wird und zugleih flatt 
bes Fenſters dienen muß. Dieſer Bebältniffe find gewoͤhnlich zwei, 
bie Hinterpflicht, die Schlafſtelle, und die Vorderpflicht oder Bor: 


O Das Pflichtgebot, —es, 4. u. das Bebot ber Pfliät. 


trag zur Dervorbringung eines gewiffen Ganzen (Contingent). ©, 


+ Der Aflichtbruch, — es, Di. u. ber Bruch, bas Brechen ber 


Priht, d. b. des Gides. 


+ Mlihtbrüdig, —er, —fle, adj. u. ade, feine Pflicht brechend, 


und von biefem Bruche jeugenb. 
Eid barunter verfanden wird, brechtnd. 
amter, Ein pflichtbruͤchiges Betragen. 


Beſonbers, feine Pflicht, fofern 
Ein pflichtbruͤchiger Bes 


+ Dos Pflichtei, —es, 4. —er, ſ. 1. Pflicht 2). 
* * Pilichten, v. intrs, 


ı) Beiftimmen; in dem zufammengefegten 


beipflihten ganz gewoͤhnlich. =) Für flechten. D. Pflichten. 


Die Pflichtenlehre, 34. u. die Echre von den Pflichten, melde [es 


wol bie Rechts: als bie Tugendlehre begreift, 


5 Tllichtenmäfig, f. Pflichtmaͤßig. 
O Der Plihtenftreit, —es, 9. u. ber Streit der Pflichten ge 


gen einander, ber [heinbare MWiderfprud zweier Pflihten, melde 
beide erfüllt fein wollen, und von welchen doch mar eine erfüllt werben 
kann (Callision ber Pflichten). G. Auch der Pflichtenwiderſtreit 


Die Pflichterlaffung, By. en, bie Grlaffung einer Pflicht; in den 


Rechten, wo 3. B. ein Herr feinen Diener fo fange feiner Pflicht 
entläßt, als er in einer Rechtsſache bes Herren zeugen fol. Frifd. 


Die Plichterweifung, 9. —en, f. Pflitleiftung. 
Pflichtfrei, adj. u. adv, von Pflichten frei, Feine Pflichten zu erfäls 


len babendb; befonderd, von einer Pflicht befreiet, ſefern gewiſſe 
Dienfte, Abgaben ıc. barunter verftanden werben; in Gegenfag ron 
pflihtbar und pflichtig. 

Das 
unbedingte Pflichtgebot, das Gebot ber Pflicht ohne alle Betins 
gung, nad welhen man etwas ſchlechthin thun fo, weit es Pflicht 
ift (ber kategorische Imperativ ), 


* Die Pilichtgebühr, y. —en, bie pfliätmäßige Gebühr, ber 


pfligtmäpige Anteil. Haltaus. 


O Das Vflihtgefühl, —es, a. Mm. das Gefäht, Bewußtfein ter 


Plliht, das Cekühl, daß man etwas thun müffe, writ es Pflicht ift. 
„Unverborbenes P lichtgefühl gab fie (die Ratur) uns mit und dag 
marnenbe Gewiſſen.“ Bensel:Sternan, 


* Das Pflichtgeld, — es, 4. —er, ein Gelb, weldes auszujahlen 


Pfiihe ift, zu beffen Zahlung man fi verpfiihtet, dergleichen bie 
Gehalte beamteter Perfonen find (Salarium). Basler Wir: - 
terb. von 1675. 


O Pflichtgemaͤß, —er, —efle, adj. u. adv. ber Pfliht, feiner 


Pflicht gemäs; pflihtmägig. Pflichtgemaͤß handeln (R.), fo wie 
es bie Pflicht erfodert. Eine pflihtgemäße Handlung. 


* Der Pflichtgenoß, — ſſen, 399. —fien, der Genoß einer Pflicht, 


der zugleich mit Andern eine Pflicht zu leiften ſchuldig iſtz wie auch 
ehemabls, Einwohner, welche das Buͤrgerrecht niht haben; Pflich⸗ 
tenoten, Friſch. 


Pflichti 

Plihtig, adj. u. adv, 1) Cine Pflicht oder Pflichten habend, zu 
gewiſſen Pflihten verbunden, und in dieſer Verbindlichkeit gearkns 
det. Sich gegen jemand pflichtig machen, fi gegen ihn verbindlich 
machen, eine Pflicht gegen ihm übernehnien. 

IH fhreibe Einngebihte; bie dürfen nicht viel Meile, 

(Mein anbres Thum ift pflichtig) find Töchter freier Eile. Logan. 
Pflichtine Unterthanen, die zu gewiffen Dienften, Abgaben ır. vers 
pflichtet find, pflichtbure; in Gegenfag ber freien ober pflichtfreien. 
Befonders in den Zufammenfegungen dienftpflihtia, fenerpflichtin ıc. 
durch Pflicht d. b. einen Eid verbunden, wie auch, =) feine Pflicht erfüls 
tend. Bürne nicht fo gewaltig dem ſtets bir pflichtigen kande. Boß. 

Die Pflichtigkeit, 0. IM. der Zuftand, ba man pflichtig ift, da man 
eine Pflicht ober Pflihten zu erfüllen bat; wie auch ber Umftand, 
da etwas eine Pflicht if. „Der Begriff ber Dlichtigkeit.r Mies 
haecler (R.) 

Das Pflichtkorn, et, 0. 4. f. 1. Pfliht 2). 

Die Pfictleiftung, 34 DH. —en, bie deiſtung, Erfüllung einer Pllicht; 
die DEREN: Befonbers bie Leiftung eder Ablegung bes 
Eides der Treue. 1. Pflicht 2). 

o Pflichtlich, adj m. wer einer Pflicht Ahntich, im einer Pflicht ge: 
oränbet, 
Buchhaͤndlers.“ Gotta (R.) Davon die Pflichtlichkeit. 

Pflichtlos, er, — eſte, adj u. adv. Feine Pflicht auf fih habend, 
von der Pflicht entbunden; im @egenfag von pflichtig oder pflicht⸗ 
bar. Dann, ber Pfliht entgegen handelud ober laufend, pflicht 
bruͤchig, pflichtwidrig. Pflicht· und geſetzlos ſteht er gegenüber 

Dem Staat gelagert. — Schilter. 
Ein pflichtloſes Betragen. Davon die Pflichtlofigkeit. 

Plihtmäfig, — er, —ffe, adj. u. adv. der Pfliht gemäß, ange: 
mieffen, in derfeiben gegründet; pflichtgemaͤß. Eine pflihtmäfige 
Handlung. Gin pflichtmaͤßiges Betragen, Pflichtmaͤßig handeln. 
Richt fo gut if pflichtenmäßig, welches Herder gebrauchte: 

Dem Gerehten (Könige) 

Seiftet man fie (bie Dienfte) pflichtenmäßig. 
Davon die, Pflihtmäfigkeit, bie VBefhaffenheit einer Sache, ba fe 
pflihtmäsig ift. 

O Der Pflihtruf, —es, 0. a. der Ruf, Aufruf ber Pllicht, das leb⸗ 
hafte GSefuͤhl der Pflicht, welches zur Erfülung berfelben auffobert. 
„Der’Kreundfhaft Schrei folgte ibm, aber Pflichtruf und linmög: 
lichkeit riffen bie Sehnfuht vom Berluſte⸗ Benzel⸗Sternau. 

Der Plihtfchein, —es, I. —e, ein Schein, färiftiihes Zeugniß, 
daß man feine Pflicht, d. b. den Eid ber Treue gehörig geleiftet habe. 

Pflichtſchuldig, —er, —fle, adj u. adr. aus price ſchuldig oder 
verbunden etwas zu thun, zu leiſten. 

%*x Der Mlihttag, —es, 2. —e, der Geriätstag. Haltaug. 

Der Pflichttheil, —es, Ba. —e, ber pflihtmäßige Theil, welden 
man von einer Sache au empfangen ober für fein Theil abzugeben, zu 
entrichten hat. So beißt in ben Rechten derjenige Theil der Güter, 
einer Erbſchaft, weichen ein Erblaffer gewiſſen Perfonen aus Pflicht 
Hinteriaffen muß, und melden biefe erhalten müffen, der Pflicht: 
theil (Legitimr); im O. D. aud die Motherbfhaft, das Erbrecht. 

Diefen Pflichteheil befommen ſowol die Kinder von ben Ältern, als 
Die Ättern von den Kindern. So ift ferner derjenige Theil, weißen 
man abzugeben, zu entrichten verbunden ift, bamit durch bas Zur 
fammentommen mehrerer folder Theile ein beftimmtes Ganzes her: 
vorgebe, ein Pflichttheil (Contingent). 

© Der Dflihtträger, —%, 4. gl. eine Perfon, bie eine Pflicht, 
Pflichten träat, d. b. auf fih bat, zu erfüllen hat; befonders, bie 
beftimmte Dflichten übernommen hat, ein Berpflidteter, Beamter, 
Mancher böfe Pflihtträger, der ſich gleich jenem im Evangelium 
weder vor Bott noh Menfhen fürdtet, ſcheuet ſich wenigftens vor 
ber Schande eines Journalde (einer Zeſtſchrift). Herber, 

O Plihttreu, adj. u adv. der Pflicht, feiner Pflicht, ober feinen 


636 


„Dies ift bie einzige pflichtliche Norm (Richtihnur) jedes" 


Pflockf | 
Hflihten treu, d. h. feine Pflichten treu erfülend. „Immer pflicht: 
treu unb gewiſſenhaft.“ Wolfe, 
O Die Pflichttreue, 0.29%. die Treue im feinen Pflichten, bie treue Be; 
folgung der Pflichten. „Mit fefter Pflichttreue.· Wolke 


- ODie Pflihtübung, 84. —en, die Ubung, Ausübung feiner Pflichten. 3. 


Pflichtvergeflen, —er, —ſte, adj. u. adv. der Pflicht, feiner Pflicht 
vergeffend, fie alfo unterlaffend; wie aud, in biefem Bergefien ge 
gründet, bavon zeugen, 

Ach allzubaid entreift fih pflichtvergeffen, 

Der Jüngling ihrer froinmen But, Gotter. 

Ber pflihtverseffen diefen Bund einst bräde, 

Der habe nimmer Recht auf heil'ge Liebe. Gollin. 
@in pfliditvergeffener Menfh. Gin pflichtvergeffenes Betragen, 

Die Pflihtvergeffenbeit, ty. —en. ı) Die Vergeffenheit, das Wer: 
geſſen und baraus folgende Unterlaffen feiner Pfliht; ohne Mehr: 
zahl. 2 Eine von biefer Bergeffenheit zeugende Handlung. Sich 
eine Pflichtvetge ſenheit zu Schulden kommen laſſen. 

Die ——— 24. —en, bie Verlegung, übertretung feiner 
Pflicht. 

+ Pflieſen, 7. intrs.u.ntr. mit haben, ziſchen; beſonders von Bänfen, 

Der Vflinz, f. Flinz. 

+ Pflispern, v. intrs. u. ntr. flüflern, fipern. Stieler. 

+ Pilitfchen, v. I: intre. ein Wort, welches in Waffer berumtreten 
und daburd ein Geraͤuſch, welhes von bem Morte nachgeahmt wird, 
bervorbringen bezeichnet; auch pflipen. Friſch. Auch gebraudt 
man es Il. als ntr. mit haben, eine fhnele Bewegung zu bezeich⸗ 
nen, wie glitihen, dech fo, daß dadurch zugleich das zifhente Ser 
raͤuſch, weiches mit einer ſchneilen Bewegung buch bie Euft verbum: 
ben zu fein pflegt, ausgebrutt wird. Daher der Pliefchpfeil, ein 
Pfeil, der im Kluge ein ſolches Geraͤuſch maht; der Pilitfhbogen, 
N. D. Klisbogen, der Bogen womit man ben Pflitſchpfell abſchießt. 
— D. Piitfhen. 

+Der Pilitter, —6, 3%. u. in Schwaben, bie Raͤſſe, Ftuͤſſigkelt. 3. 
6. Ehmid. Fulda, Davon pflitteriu, naß, wie auch weichlich. 

+ Yflittern, v. I: intrs. in Schmaben. ») keicht in Thränen ausbre: 
hen. 2) Kichern, von einem halb verbaltenen Baden. 3.6. Shmib. 
II} ntr. flüffig abgeben. Fulda. ©. Pflitter. D. Pflittern. 

1. Der Dflod, — es, Mn. Pflöde;, Bw, das Pfloͤckchen, ©. D, 
— (ein, ein kurzes und bünnes an einem Enbe zugefpigtes Stuͤckchen 
Solz, etwas baran ober bamit zu befeftigen. So befeftiget man 
die Leiawand, melde gebleiht werben fol, wie auch bie Seinen ber 
Zelte am ober mit Pfloden, weldye in bie Erbe getrieben werben. 
Das kurze fpisige Holz, welches in eime Mauer eingetrieben wird, 
einen Ragel ?c, barein zu ſclagen, heißt ebenfalls ein Pflock, au 
ein Döbel. Die kitinen hölzernen Nägel ber Schufter führen eben: 
falls den Namen Pflöde; N. D. Plüggen. Im Bergbaue heißt 
dasjenige, womit man bas zum Sprengen gebobrte Loch, nachdem es 
gelaben iſt, wieder ausfüller, wozu man meift jegt Lehm nimmt, 
auch der Pflod. 

2. + Der Pilod, —es, 4. Pilöde, ober ‚die Diode, 4 —n, 

» eine Art Fifcjernege. ©. Flake. 

Der Pflofbohrer, —s, 9. gt. im Vergbauc, ein Sehrer, das 3ünd: 
loch durch ben Pflod zw bohren, 

Pflöden, v. trs. mit einem Pflode ober mit Dfidden befeſtigen, wie 
auch, mit einem Pflocke oder mit Pfloͤcken verſehen. Die Leinwand 
auf ber Bleiche pfloͤcken. S. Anpflöden. In ber Rebensart des 
gemeinen Lebens, ſtoͤcken und pflöden, ins Gefängnif werfen, fte 
het es um fo wahrfheinliher für blöden, ba Plud im R. ©. aud 
Block bedeutet. 

Der Pflockfiſch, —s, an. —e, eine Art Wallfiſche bei Reuengland, 
mit einem großen Höder nad bem Schwanze zu und mit weißen 
Seitenfinnen mitten am keibe (Balaena novae Anglise L, Balaena 
modoss). ‚ 


— 


Pflockh 637 Pfluůg 


Der Pflockhammer, —s, 4. gl. in den Muͤnzen, ein Hammer das 
Silber zu beiopfen, wenn es das legte Mahl geglüdet it und zum 
Drägen zugerichtet wirb. 

+ Der Pflockohl, — ed, 34. u. an einigen Orten bie halb abge: 
ſchaittenen Wiätter bed Braunfohles zu Gemuͤſe. Remnid. Biel 
leicht aus Pfluͤckkohl verderbt. 

Der Dflddort, — es, 4. 8, bei den Schoſtern, ein Ort b, b. ein 
Unglich vierediges fpiniges Eifen mit einem breiten Hefte, bie Löcher 
au den Pflöden bamit im die Abläge zu fhlagen. ©. Drt. 

Das Pflodfchießen, — e, 24. u. im Bergbaue, ehemahle, dat &pren: 
gen des Geſteines. S. Pflod. - 

Der Pflodſchwanz, —es, 299. — ſchwaͤnze, bei Mütter, bie dritte 

" Gattung feiner Biinfifhe (Ostracion bicaudalis L.), von ben zwei 
Stacheln am Ende des Bauches unter dem Schwanze; auch jmeifka: 
cheliges Dreieck 

+ Pflotſchig, adj. u.adv. im TWirtembergſchen, plump. 3.6. Ach mid. 

Das Pfludeifen, —6, 9. gl. dei den Seidenwirkern, eine Heine 
Zange, wie eine Zwickzange, mit fharfen Kneipen, bie Kafern der 
Seide beim Puden ber. Kette auf dem Stable bamit abzuzwigen, 
gleihfam abzupflüäden. 

. Pfluͤcken, v. trs mit den Spitzen bes Daument und bes Zeigeſingers 
abfondern, trennen. Die Federn eines Bogels pflüden, fie auf biefe 
Art ausziehen, audrupfen, Gewoͤhnlich ſagt man, einen Vogel, eine 
Sans, ein Huhn pflüden, fie auf diefe Het ihrer Federn brrauben. 
Gepflüdte Bögel. X Wir haben noch ein Hühnyen mit einander 
zu pflüden, uneigentlih, wir haben nod) eine unangenehme Sache 
mit einander abzumahen, Da die Vögel durch ſolches Aussiehen 
oder Xuörupfen ihrer Febern Fahl werben, fo gebraudt man im ge: 
meinen Seben pflüden auch für berauben, 3. B. im Spiel, bush 
ildertheuern ac. wofür man aud einen ausziehen, kahl machen 
fagt. »Bauner, bie aufs Pflüden ausgehen, die Ihnen von allerlei 
Arten des Pflüdens erzählen, nur von ber nicht, wodurch (auf wel: 
de) man Sie zu pflüden hefft.- Emalb, (R.) „Man glaubt bier, 
den Ausländer mit gutem Gewiſſen pflüden zu bärfen,“ Bode. In 
weiterer Bedeutung, den Eatat, bie Peterfitie pfluͤden, ihn, fie Te 
fen, mit den Fingeripisen bie unbraudbaren Blätter und bad Uns 
zeine ausfondern, wegnehmen. So auch, Molle pfluͤcken. Am ge⸗ 
woͤhnlichften iſt pflüden, mit dem Daumen unb Zeigefinger brechend 
abfondeen. Blumen, Erdbeeren, Kirſchen at. pflüden. S. Abpfluͤcken. 
Semmel pfläden, mit ben Fingern in Beine Etüde ober Brocken 
brechen; broden. Ein gepflüdter Seht, in ben Rüden, rin in 
Leine Etüde ober Biſſen zerlegter unb entgräteter geſottener Hecht, 
welcher mit Kapern, Bitzonen ic, gedämpft wird. S. Zerpfluͤcken. 
Uneigentlih fagen die Dichter, Töne pflüden, 3.8. von einer Par: 
fenfpielerinn, bie Thne bervorgnbringen, inbem bie Eaiten mit ben 
PFingerfpigen gerührt ober geriffen, zuweilen au zwiſchen bie fin: 
serfpigen gefaßt werben, Auf eine fehe uneigentliche Art umb in 
einem in feinen Theilen nicht sufammenpaffenden Bilde fagt Kofe: 
garten: „leife und fanft war der Kup, mit bem der Ewigt feine 

‚ Seete pflädte» D. Pfluͤcken. D. —ung. 

Das Piligeflel, — s, My. —e, bei ben Seibenmwebern, ein einem 
Nadme ähntiches Geſtell, auf welches der Bruflbaum mie dem geweb⸗ 
ten feidenen Zeuge gelegt wird, um ed von allen Zafern zu befreien, 
birfeiben gleichſam bavon zu pfluͤcken. 

X Das Pfluͤckſel, —e, 3. u. etwas das Hein gepfluͤet, zerpfluͤckt iſt. 

+ Der Pfluder, —c, Bi. gl. ein Rame ber Haferſchlehe Nemnid. 

+ Der Dflüder, —$, 34. vw. in der Schweiz, eine verbidte Flöffig- 
feit; dann, der Schlamm. Stalber. 

+ Pflubern, v. intrs. in Schwaben, mit den Flügeln rauſchen, aufs 
fliegen. 2.6, Shmib, D. Pfludern. 

1. Der Pflug, —ed, 34. Dflige, ein bekanntet, fehr wichtises Aders 
geräch, weiches von Pferden ober Rindeleh grasgen, und vrmitzelit 
deſſen ber Erdboden in Furchen aufgeriffen und aufgelockert wird, 


um dann darauf zu flen, au pflangen; im M. D. Ploog. X Die 
Pferde Hinter ten Pflag, auch, binter den Magen fpannen, eine 
Sache verichrt anfangen. Das ift mein Ader und Pflug, oder beſ⸗ 
fer, meine Egze und Pflug, mein Wagen und Pflug, das ift mein 
einziges Gewerbe, meine vorzuͤglichſte Reihäftigung, bie ich verfiche, 
und das einzige Erwerbmittel meines Unterhalte, In weiterer Per 
deutung, ein Werkzeug etmas aus einander zu treiben. So heißt 
im Waſſet baue ein aus Beilförmig aufammengefegten Brettern befte 
henbes Werkzeug, ben Schlick auseinander su treiben und ben Grund 
in ber Mitte zu vertiefen, ber Pflug. So if ferner der Schnee 
Pflug, ein Werkjeug, einen Weg durch tiefen Schnee zu bahnen, 

üneigentlih. ı) Ein Theil des Pfluges. Der Unterpfling, der Obers 

pflug, der untere und obere Theil des Pfluges. =) Ein befpannter_ 
Pflug, oder vielmehr, eine Frohne, bie mit dem Pfluge geleiftet 

werden muf. Gin Gut bat an fländigen Epanndienften faͤhrlich 

100 Pflüge, wenn bie Unterthanen fo viele Mahl im Jahre zur 

Brohne pflägen müffen. 3) In mehrern, befonbers N. D. Eryen:. 
ben, fo viel Acker, als ein Landmann mit Einem Pfluge das Jahr 

über beftellen Baur, ungefähr eine Hufe, im Eidecſtuͤbtiſchen hält 

ber Pflug 60 Demat ober 12960 Gevlertrutheu. 

2. + Der Pflug, —es, 4. Pfluͤge, im R. D. eine Geſellſchaft von 
mehrern zu einer gemeinfgaftiiden Arbeit, eder überhaupt u einer 
gemeinfhafttihen Abfidıt verbundenen Perſonen. So iſt bei ben Torf: 
gräbern der Pflug eine Geftuſchaft von wenigftend firben Verfonen, 
die nöthig find ein Tagewerk Zorf in einer gemiflen Jeit zu ber 
fhiden. So heißen aud bei den Deiharbeiten bie Arbeiter, bie bei 
einer Arbeit zugleich und im gewilfee Ordnung befhäftiget find ‚ein 
Pflug. In weiterer Bedeutung iſt der Pflug überhaupt eine ver 
bundene Menge, eine Rotte, Partei. 

Der Pflugbalten, —e, 89. gt. f. Grenbel, 

Pflugbar, adj. u. adv. was mit bem Pfluge bearbeitet werben kann 
und alfo zum Ackerbau tauglich iſt. Hundert Krter pflugbares Land. R. 

Der Pflugbaum, —et, 4. —bdume, f. Brendel. 


Das Vflugbeil, — es, Mi. —e, in manden Gegenden, ein Heines 


am Pfluge hangendes Beil, um fih beffelben im Mothfaie gleich 
beim Pfluge bebiemen zu koͤnnen. 


Der Pflugbürger, —s, 9. gi. ein Pfahlbärger, Aterbärger. 


Der Pflugdienft, —es, By. —e, Erohndienfte, welde die Untertba: 
nen bem Grandherrn mit bem Pfluge tbun müffen, indem fle ibm 
an gewiffen Tagen umſonſt pflägen muͤſſen; die Pflugfrohne. Zuwei⸗ 
len verficht man barunter auch Spannbienfte Überhaupt. 

Dad Pflugeifen, —s, ©. gl. ein langes, vorn geträmmtes und mit 
einer Schneide verfebenes Gifen, weiches ſenkrecht in dem Pflug: 
balten oder Brendel befeftiget und dicht vor ber Pflugſchar befind: 
lich iſt, bas Erdreich zu zerſchneiden, weldes bann die Pflugſchar 
von unten durchſchneſdet und aufpebt, das Pilugmefler, Ackermeſſer, 
das Seh, Pflugfeh, im Brantenburgfhen, bad Kolter. Bei An: 
bern Heist auch die Pſlugſchat das Pflugeifen, 

Der Fflügelohn, —et, 9. u. ber Bohn, bie Sezahlung für das 
PRügen, wenn mon ein Gtü Landes für Geib pflägen läßt; das 
Pfluͤgege ld. 

Pflügen, v. intrs, u. tes. das Erbreih mit dem Pfluge aufreißen, 
befonbers um e6 baburh zur Aufnahme det Gamens und zum guten 
Wachsthume deſſelben Inder und tätig maden; auch Ären, in man: 
hen Gegenden fahren, aum Unterfhiede vom Hafen, mit dem Da: 
ten pflügen. Bon adern ift pflügen daburch verfhieben, daß das fand 
nur zum Anbau geackert wird, aber au zu anderm Zwecke gepflüget 
werben kann. Den ganzen Tag lang pfluͤgen. Mit Offen, mit 
Pferden pflügen. Cinen Ader, ein Feld, einen Morgen Landes 
pflägen. Zur Frohne pflügen. Im engerer Bebrutung, zum legten 
Mahlt, unmittelbar vor der Saat pflügen, weil ber Ader oft meh: 
sere Mahl gepflügt werben muß; zum Unterfhiede vom Brachen, 
Stuͤrzen, Streichen oder Felgen, vom Wenden, Rühren x 


Prüg 


X Mit eines Xnbern Kalbe pflägen, ſAich bei eimer Arbeit frember 
Satft bedienen, und die Arbeit für feine eigene ausgeben. In ber 
Seeſprache beißt, ber Anker yütgt, wenn er nicht feſt halt, fondern 
dem Schiffe folgt unb mit feinen Schauſeln ben Grund bes Meeres 
aufreift. Im weiterer und uneigentliher Bedeutung gebraucht 
man pfluͤgen auch für langſam vorwärts bewegen und eine Furche 
ober Spur yurüdfaffen. So beißt Holz pflünen, mit einem großen 
Hobel da eine Furche ober Spur zuruͤcklaſſen, morein die Feder 
oder ber Spund eines andern Städes gehet ober past. A Das Meer 
pfllgen, uneigentli die Oberfläche des Meeres mit dem Schiffe 
durdfchneiden und hinter fih eine Spur wie eine Furche zurͤcklaſſen, 
alfo fegein, burchfegeln. Wir pfllgten bes Meeres Gebreite. G. 

Pfluͤgt dann das Meer bis an der Mohren Strand. Aleift, 
Auch als ntr. von bem im Waſſer eine Furche ober Spur ziehenden 
Bahrzeuge ſelbſt. 

Immer wechſelnder Reiz, wo nur ber Kahn durch bie Fluten 

Pflügte. Sonnenberg. 
Den Sand pflügen, eine vergeblihe unbankbare Arbeit unternehr 
men, weil ber trodne feine Sand hinter dem Pfluge wieder zufams 
menfäut und keine Kurden ziehen läßt; uneigentliher noch fümmt 
dafür vor, die Winde (die Luft) pflügen. 

Ber Weibern trauet pflügt die Windr. 9. Flemming. 
D. Dflügen. D. —ung. 

Der Pfluͤger, —$, DM. gl. derjenige, welcher pflügt, ben Ader mit 

dem Pfluge bearbeitet. 

— graufsm erwärgte ſelbſt 

Bald der Pflüger den Stier, welder ihm Furchen 504. 


X. 5. Gramer, 

Die Plugfrobne, 9. —n, f. Pflugdienſt. 

Dad Pfluggeld, — es, 84. —ır, f. Piluafhas. 

Das Pfluggeflelchen; —s, A. at. f. Pllugſtockchen. 

Der Pflughaken, —s, Mm. gl. eigenttih, ber Hafen des Pfluges, 
ein Daten am Dfluge, Man verfleht aber barunter in einigen Ge— 
genden einen Hafen, mit welchem man pflüget, einen Hakenpflug. S. d. 

Der Pilugbalter, —&, 9%. gl. derjenige weicher bie Pllugſterze beim 
Pflügen hält, zum Unterfihiede von bemjenigen, welcher bie Pferde 
Ientet, wilder in Franken der Mibnjunge genannt wird, von 
mähnen führen, Gewoͤhnlich verridtet aber beibes eine und biefelbe 
Perſon. 

Das Pflughaupt, —es, M. — haͤupter, tas Haupt des pPflages, 
d. h. das unterſte Holz deſſeſben, welches ein Saupttheil bes Pflu— 
ges ift; auch nur bas Haupt, verberbt im Munde bes Sanbmannes 
das Pflughoͤt, Pflugbeut. 

Die Plugkehre, Br. —n. 2) Die Kebre db. b. das Ummenden mit 
dem Dfluge am Ende bes Ackers ober eines Gewendes. =) Der Dit 
wo mit den Pfluge umgemwendet wird. In beiben Bebeutungen auf 
Pilugwende, R. D. Umwende. 

* + Das Pflugkorn, —es, 0.9. Komm, wildes von jebem Pfluge 
abarachen werden muß. Baltaus. 

Die Pflugkruͤmme, 9. —n, derjenige Theil des Pfluges, in wel: 
chem bie Pflugfhar Heft. Friſch. 

Das Pflugland, —s, My. u. pflughares Band, ober auf gepfläg: 
tes Band, 

Das Pflugmefler, —6, 2%. al. ſ. Pflugeifen. 

Die Plugmufhel, 8. —n, eine Art Keiner Gienmuſcheln (Cha- 
ına rugosa L.) 

Die Pflugnafe, y. —n, derjenige Theil eines Pfuges, mo das 
Streichbrett und bie Griechfänle vorn an einander fisfen unb einen 
fpigen Winlel und ſchatfe Kante bilden. 

Der Pflugochs, —en, 9. —en, ein zum Pflügen biemender, vor 
dem Pfluge gehender Ochs; ber Pflugftier, ein folder Stier, ober 
auch nur ein jeder Pflugochſe, in ber höhern Schreibart. 

Das Pflugpferd, —es, M. —r, ein zum Pflügen bienendes, vor 


650 


Pflugſt 


bem Pftuge gehendes Poferd; das Aderpferb, das Pflugroß, von 
einem beſſern Pferde dieſer Art und in der böhern Schreibart, . 

Das Pflugrad, — es, Di —rüder, eins ber Seiten Eleinen Mäder 
on einem Pfluge. Zuweilen für Pflag und biefer für Ackerbau. „Im 
unfern Zagen, wo man das Pflegtad für bas einzige Reihthämer 
vorbrebende Gluͤckerad Hält.“ J. P, Richter, 

Das Pflugredt, —es, 94. —t. ı) Dad Recht, welchts nad den 
Gefegen der Pflug gleichſam Hat, da z. B. bie Entwenbung deſſel⸗ 
ben vom Felde, mo man ifn Käuflg Äber Nacht zaͤßt, härter als cin 
anbeser Diebftabt beſtraft wird. 2) XXx Das Recht zu lanbwirthe 
ſchaftlichen Berbefferungen. Dberlin, 3) + Die Eintgeilung bes 
Aders in drei Arten. Ein Stuͤck Feld nah Pflugrecht übernehmen, 
es anf drei Sabre übernehmen, bie bie drei Arten herum find, ©. 
1. Art. 4) + Der Rain zwifhen den Feldern. 

Die Tflugreute, 9%. —n, ein langer dider Stod, unten mit einem 
breiten fdarfen Gifen befdtegen, momit bie Plüger von Zeit zu 
Zeit bie fette Erbe, weiche fih beim Pfluͤgen an das Streichbrett 
anbängt, abflößt; die Meute, das Prlugröbel, bie Pflugfharre, 
der Pflugſcharter. 

+ Das Pflugrödel, —6, gl. ſ. Pflugreute. 

A Das Pflugroß, —ſſes, 4. —ffe, das Pflugpferb. ©. b. 


Mahler, 
— das ermattete Pllugroß. Boß. 

Die Pflugſaͤge, Wz. —n, bei Einigen das Seh, Pflugfeh ober 
Pfugeifen. © db. 

Die Yilngfchar, By. —en. ı) Ein vorn fpitiges und hinten breiter 
mwesbeubes Eifen, in Geflatt einer 4, weiches vorn im Pflughaupte 
befeftiget ift und bie Erde, die vom Pflugeifen ſenkrecht durchſchnitten 
ift, von unten wagerecht durchſchneidet und umkehrt; die Schar, Hei 
Einigen auch das Pilugeifen. Im ber Zergliederk, führt das dreis 
schnte Bein des obern Kinabackens, weiches bie Naſe in zwei gleihe 
Hälften theilt, wegen einiger Ipntihfeit damit, den Namen Pflug: 
far. Bei Anderw lautet dies Wort auch der und das Pflugſchar. 
„Denn jemand hatte einen Pflugſchat zu ſchärfen.“ 1 Mof. ı3, 
20. 2) Uncigentlich in bee Ratorbeſchreibung, (1) bei Müller, 
bie erſte Gattung der Spiegelfifche, von ben zwei Stahein, bie er 
hinter bem After bat (Zeus vomer L.), (a) Eine Art Diiefmus 
fein, bie Schwalbe genannt (Mitilus hirundo L.). 

Das Vlugfcharbein, —es, By. —, in ber Zergliedk. bat Bein in 
ber Miite ber Raſenhoͤhle, welches dieſelbe in Theile theilet (Vomer). 

Die Pflugfcharre, der Pflugſcharer ſ. Plugreute. 

+ Der Pflugſchatz, —es, Bi. — ſchaͤtze, eine Abgabe auf dem Lan⸗ 
te, welche der Landmann nad der Babl ber Pfläge, bie er zur Bes 
arbeitung feines Ackers hält, geben muß, befonvers im ſolchen Ber 
geraden, wo man ben Acer in Pfläge eintheilet oder nad Pflägen 
berechnet; ber Pilugfhos, das Pfluggeld, im andern Gegenden 
Hufisnfhoh.- Im manden Gegenden müfſen auch ſolche Landleute, 
weiche Beinen Acker haben, einen Pflugſchetz entrichten, wo bann 
ihrer ſechs, acht oder noch mehrere für einen Pflug gerechnet werben. 

Der Pflugſchnabel, —8, 8%. — ſchnaͤbel, ein Rame des Flammen: 
reibers, wegen feines gefrüämmten Schnabele; auh Schartenſchnaͤbd⸗ 
let (Vheenicopterus ruber L.). 

Der Pflugſchoß, —ſſes, 9. —fe, f. Pflugſchatz 

Das Pflugſech, —s, Pr. —e, f. Pflugeifen und Sch. 

Die Lflugfierze, . —n. 1) Die beiden langen Erummen Sterien, 
am Bintertheife bes Pluges, an weiche ber Pflüger bie Hände legt, 
ben Dfleg zu handhaben und niederzubelden; bie Stergen. Im 
N. D. Pipgfierrt, im ©. D. aut, dir Geige. S. Sterze. Im eir 
nigen ®eacnben nennt man bie rechte Pflugfterze die Streichbrett⸗ 
ruͤſter, bie linke aber, womit ber Pflugbeigentiih gewendet wird, 
die Yaberäfter oder Pflugſtetze in engerer Bebeutung, und verberbt 
Pflugſtuͤrzt. 2) Gin Rame ber gemeinen ober Aderhaubehel 
(Ononis arvensis L.), 


Pflugſt 


& Der Pflugſtier, —et, 94. —t, ein zum Pflägen dienender, 
den Pflug gichenser Etier; der Pflugochs 

Jochtos ſchaob der Plugfier. Kart. 

Dis Pilugftödhen, —s, 9..gl. dasjenige Hol; an einem Pfluge, 
woran bie Saͤder laufen und auf meldem ber vordere Theil dei 

-  Grendeis lient; das Pilusgeftelichen. 

Die Pflugſtuͤrze, a. —n. ı) Das Streihbrett am Pfluge; das 
Pflugdbreit. =) Die Pfl:gflerge, woraus es verderbt iſt. 

Der Pflugtag, —es, Wjz. — e, auf dem kande, ein Tag, an wel: 
dem ein Unterthan dem &runtherren mit dem Cfluge froͤhnen muß; 
zum unterſchiede von einem Magenta r, Handtage, Fußtage. 

Der Pflugtheil, —es, 34. —t, fo viel als Pflugſchatz 

Der Pflugtreiber, - &, Dt. gl. der hinter oder neben bem Pfluge 
bergebet und bie Pfluapferbe oder Pflugodhfen antreibet, ber Pflüger, 
und in weiterer Bedeutung, ber Adlermann, 

Pflugtreiber ſtreu'n ſchteckend Salzfaaten. Klopſtock. 

Die Pflugwage, Wi. —n, bie Wage an einem Pfluge, woran bie 
Pflugoferbe oder Pflugahfen gefpannt find. 

Die Iflugwende, 9. —n, f. Pflugkehte. . 

Das Yflugwetter, —s, My. al. ein langes, vorn zmiefeliges Holz 
am Pflige, welches hinten im Pflugflöcdkhen befefliget ift, und vorn 
die Pflugwage trägt; das Metter, die Peier. 

Die Tflugmurz, 4. u. ein Name der Roſenpappel (Malva alceaL.). 

Pflübig, —er, —fle, adj. u. adv. bei ben Tuchmachern, ein Wort, 
diegenige fehlerhafte Beſchaffenheit an Tuͤchern von gemensten Far: 
ben zu bezeichnen, ba ganze Knoten von einer Farbe unter ben an— 
dern eriheinen. i 

+ Pfneiſchen, v. I) intrs. ſchnaufen, mit ber Mafe ein Geraͤuſch ver: 
urfahen; in anbern Gegenden, pfnaufen, pfnaͤuſen, pfnüchfen, 
pfnogen, pfnufen, pfnuͤſen. IE) tes. bei den Jägern, ſowol buch 
ben Geruch der Epeife anloden, anflbern, ald auch füttern, zu ef 
fen geben, und Zwar ton bem mit bem Schweiße ober Blute benep: 
ten Fleiſche, welches fie den Iagbhunden von bem erften auf ber 
Jagd erlegten Wilbe, als ihren Antheil geben, weiher Antbeil bie 
Pfneiſche, das Gepfneifche heißt. Die Hunte pfneifchen; wefür 
die Jäger auch fagen, ihnen das Genieß geben, oder fie genoffen 
machen, aud, paſſen. — D. Pfneifhen. D. —ung. 

+ Pfneiften, v. I) ntr. mit haben, in dee Schweiz, funten, funkeln. 
II) intrs. ebendaſelbſt, fhnell hin: und berfahren. Dann, mit Haft 
arbeiten. Stalder. — BD. Pfneiften. 

+Der Pfneiſten, —s, 99. gl. In der Shmweis, ber Funken, Stalder. 

+ Pfneiftig, adj. u. adv. in der Schmeig, haſtig. Stalder. 

+ Der Pfneller, —e, 9. gt. oder der Pfnill, —es, By. —e, in 
der Schweiz, ein bretteener Verſchlag an den Ställen, bas Heu 
darin aufjubewahren. Stalber. 

+ Dfniefben, v. ntr. mit haben, im Fränfifhen, niefen. 
D. Pfaiefhen, &, Pfneifhen. 

+ Der Vfniefel, Pfnüfel, Pnuͤſel, —s, 4. u. in ber Schwelt, 
der Mop, wie aud, der Zchnupfen, Fulba. 

+ Pniefeln, v. intrs. in der Schweiz, durch dieMafe reden, wie einer 
ber den Schnupfen hat. Stalder. ©. Pfnieſel. D. Pfniefein. 

+ Ifniefen, Ifnüfen, v. intre. f. Pfneifsen. 

+ Ifnittern, v intrs, in ber Schweit, 1) bei verftorfter Naſe durch 
biefeibe mit Gerwart die Rufe ausflogen," um fih dadurch Luft zu 
verihaffen, 2) Kichern, in Sachen ausbreden, weldes man zu un: 
terbrüten ſucht; ach pfniken. Stalder. D. Pfnittern. 
©. Pfnieften und Pfneifchen. i 

+ Vfnofert, a4 u. adv. in der Schweiz. 1) Marbig, blatternarbig. 
a) Darte Ausmwähfe, Knorren babend, Etalber, 

+ Pautfihen, v intrs, ſchtuchzen. Friſch. Derfelbe bat auch von 
einem einzelnen Zone biefer Art der Pfnuß. D. Pfnutſchen. 

+ Kiebctig, Ffopelig, adj. u. adv, in der Schweiz, filotterig. 

talber, 


Zulbe, 


639 


Pfor 


+ Pfodeln, Tſoßeln, vw, ntr. mit haben, ſich hin⸗ und herbewegen, 
fHiottern; von meihen, ſchlappen, fetten Körpern. Stalder. 
D. Pfoten, Pfofein. 

Die Lfortadet, Dr. — n, in ber Zergliedk., eine der drei großen 
Biutabern, melde das Blut von den Berbauungswerljeugen zut Ses 
ber führet (Vena portae). ie wirb aus der Gekroͤsblutader und 
ber Milzblutader zufammenaefett. 

Die Iforte, My.  n: Em. das Pförthen, O. D. —lein. 1) Die 
Öffnung, durch weiche der Gins und Ausgang Etatt findet. So 
beit Überhaupt, die hohe und weite Öffnung am einem Gebäude, 
durch weiche man ein: und ausgehet ober führt bie Pforte, melde 
man nach Werfihiebenheit ihrer Groͤße und ihres Febraudes Thor 
und Thür nennt. »Sehet ein durch die enge Pforte, denn bie 
Dforte it weit und der Meg ift breit, der zur Verdbammnif führet.« 
Matth. 7, 135. Die Pforten eines Kkoſters ıc.. Im engerer Br: 
beutung werben bie Keineen Zhore, ober bie Thären neben ben Thos 
ren, buch welche gewöhnlih nur Fußgänger ein; und ausgeben, 
Mforten genannt. Doh wird Pforte in der böhern Schreibart ber 
fonders aud von großen und prächtigen Zhoren und Thören ges 
braucht, „Die Pforten am Dalafte- Nebem. 2, 8. ©. Ehren: 
Pforte. In weiterer Bebeutung, eine jede Öffnung, eine jeder Ort, 
buch welchen man an einen andern gelangt. Bo nannte man eis 
nen engen Paß, ber aus einem Lande in bas andere führt, häufig 
eine Pforte, und ben Gingang in einen Hafen ben Hafen felbft; au 
eine Meerpforte. Die Weftfälifhe Pforte (Porta Westfslien) bei 
Minden. Co beifen not auf den Schiffen die Öffnungen für bie 
Kanonen Pforten, Sthdpforten ober Gefhhäpforten, auch Pfort: 
gate, und nach ihrer Lage Eeitenpforten, Dinterpforten, Kreuz: 
pforten ıc. Loſe Pforten beigen bie von bünnen Planfen gemachten 
Deckel zu ben Stüßpforten im zweiten Dede, in beren Mitte fid ein 
rundes Boch, in welches ber Worbertheif der Kanonen pafit, befintet, 
das mit einem Brohk ober getherten Stüde Segeltuh verfhloffen 
wird. Lichtpforten beigen Heine Pforten ober Öffnungen an ten 
Seiten und die fie verſchtießenden Kappen oder Luken bes Schiffes, 
dur welche das Licht hinein file. S. auch, Ladepforte, Pick 
pforte rc. Uneigentli und bilt!ih ſpricht man auch vom den Pfors 
ten des Himmels, ber Hölle, des Zobes, bed Graben ıc, 2) Die 
Dttomannifhe Pforte, ober auch nus die Pforte, bas Tuͤrkiſche 
Meih, ber Zürkifhe Staat; eigentlich der Pallaſt bes Türkifhen 
Kaifers, wo dann ber heil, die Pforte, für bas Banze fliehen wür— 
be; bann, ber Hof bes Türkften Kaifers, oder ber Türkifhe Kaiſer 
mit feinen vornehmften Hofs und Stasteberienten. Oft fümmt es 
in biefee Brbeutung mit allerlei Beimdrtern vor. Die hobe, erhas 
bene, glänzende ıc. Pforte. 3) + Ein Befingnis; nah Friſch, 

wadrſcheinlich, weil in vielen Städten bergleihen über den Etabtr 
tboren angebradt find: . 

Der Pfortdrempel, —s, 3%. gl. auf den Kriegeſchiffen, bie Hölzer 
oder Planfen, weiche in den Gtüdpforten liegen und die vier Geir 
ten berfelben ausmachen. 

Das Ffortengericht, —et, 94. —e, en manden Orten, ein Ge— 
richt, welches in ben Alöftern vor den Pforten ober Thoren gehals 
ten wird ober wurbe, 

Das Lfortzat, —et, 4. —e, f. Pforte, 

Die Vfortbänge, 9. —n, auf den Schiffen, das Eiſenwerk ober bie 
Häspen, womit die @tüfpforten an die Seite bes Schiffes befeftie 
get erden und vermittelft welcher fir auf: und zugemacht werben innen. 

Das Jfortlafen, 8, 3. gl. auf den Schiffen Laken, d. h. Trieß 
ober mollenes Tuch womit die Pforten zugefopft werten, 

Die Ffortiufe, 34. -- n, bie Eule ober Ktappe, melde bie Stüds 
pforten bes Schiffes verfhließen; auch Lie Pforte, 

Das Pfortſegel, &, Br. gl. ein Staͤc gethertes Segeltuch, wel: 
des untergefpannt wird, wenn ber Balaft aus einem Schiffe aus: 
geladen wird, bamit nichts ins Waſſer falle ; auch Ballaftkleid. 


Pfor 


Die Morttalje, Wz. —u, anf den Schiffen, bie Talje, vermitterſt 
weicher die Dfortiule aufgezogen und bie Pforte gedffnet wird. 

Das Pforttau, —es, Bi. —e, auf ben Schiffen, biejenigen Taue, 
vermitteift welher bie Sthepforten geſchloſſen werben, 

Der Pförtner, —s, 3. gl.; die —inn, My. —en, eine Perſon, 
weldye in ober an ber Pforte eines Paleſtes, Klofters ıc wacht, auf 
die Eins und Nusgebenben Acht hat, fie zureht weifet ꝛt. An ben 
Thoren heißen fie Thorwaͤchter, Thorwaͤrter, an ben Xhären, Thuͤr⸗ 
houͤter, Thuͤrſteher. Im der Zergliedk. wird eine nad innen ragende, 
treiaformige Falte, welche die Zellhaut und bie innere Magenhaut an 
ber reäiten Magenmündung bildet, ber Pförtner (Pylorus) genannt. 

+ Der Pfoſch, —es, 34. —e, bei ben Zägeen, jebes Butter, jeber 
Fraß für wilbe Zhiere, womit fie entweder angelörnt ober bei ho: 
bem und anbaltenbem Schnee genährt werben. 

+ Der Pfoſchherd, — es, M. —e, eine Art Vogelherb, welcher auf 
bloßem Rafen angelegt wird und mit feinem Gebüfde befept if, 
wahrfcheintich weit die Wögel duch Pfoſch d. h. buch ein hinge: 
freuetes Butter angelott werben ; in Begenfag von einem Bufhherde. 

Die Dfofte, Myz. —n; Um. das Pfoͤſtchen, ein ſtarkes, ſenkrecht ſte⸗ 
hendes, gewoͤhnlich vierediges Holz, welches etwas traͤget oder un⸗ 
terftüget. So heißen im vielen Gegenden bie Brädenpfähle, melde 
ein Brüdenjoh tragen, Pfoften. Beſonders beißen in ber Baus 
kunſt Pfoften, die ſenkrecht ſtehenden ſtarken Hoͤlzer, welche eine 
Thüͤr- oder Fenfteröffnung zu beiden Seiten einfaſſen, bie Thür: 
pfoften, Fenſterpfoſten; zum Unterſchiede von ben Zargen ı Ber: 
zuͤglich dergleihen Hölzer an ben Thüren, wo es bann in ber Bibel 
häufig für Thur und for ſetbſt gebraucht wird. „So halte ihn 
fein Herr an bie Thuͤr ober Pfoften (Pfofte).e = Mof. 21,6. „Gii 
faß an der Pfoflen (Pfoſte) bes Tempels.“ ı Sam, ı,9g. Bon 
den Zimmerleuten, Tiſchlern sc. werben auch bie ftarlen fentrehten 
Hölzer in ber Mitte ber Fenfter, fo wie auch andere arte Hölger, 
bie etwas fragen, 
pfoten ıc. „Im Schiffbaue if der Pfoflen des Kuders ober bee 
Steuecs das längfte Stuͤck, woraus das Steuer beſtebet und woran 
die Ruderhaken fih befinden. Im Mafferbaue heißen die Heinen 
Ständer einer Scleufenthür, welche mit Quecriegeln verbunden 
werden, ebenfalls Pfoſten. Auch ftarke, dret bi vier Zell dicke 
Bohlen, die noch unverardeitet find, führen bei ihnen ben Namen 
der Pfoſten, und in D, D. begreift man ſetbſt ſchwaͤchere Stügen, 
wie bie Stangen an welche man Wohnen, Gebfen ıc, Fd ranken 
täßt, darunter. WBohnenpfoften, Erbfenpfoiten, Hopfenpfoſten ır. 
In manchen Gegenden lautet dies Wort der Pfoſt oder Prfoflen. 

Der Pfoſiſpiker, —s, Mi. gl. eiferne 8 Soll lange Nägel, beren 
100 dreißig Pfund wiegen, bie Pfoften an den Seedeichen feſt zu 

hatten. Friſch. ‚ 

Die Piste, 4. —n; Br. das Pfoͤtchen, O. D. —tein. ı) Die 
Band oder der Fuß, ſofern fie ober er dienet etwas bamit zu hal— 
ten. Von Menfhen wirb es für Sand nur im verächtiihem Sin: 
ne gebraudt, Einem auf bie Dfoten klopfen. Die Pfote küffen. 

Ihr weißes Pfirhen sufemmenpreffen 

In feiner flebergtühenben Band, ML Ehmibt ‚ 
X Sid, die Pfote verbernnen, aneigentlih, übel anlaufen. X Pfoͤt⸗ 
hen halten, in ben niedern Schulen, eine Art Strafe, da bie Kin 
ger der Hand mit ben Spigen jufammengelegt und hingebalten wer⸗ 
den müffen, um mit einem Stoͤcchen ze. Schlaͤge darauf zu empfan: 
gen, In engerer Bebeutung ber Fuß, von Meunſchen aud nur vers 
ächtlich und im ber nietrigen Sprechart. Einem auf bie Pfoten 
treten. Die Pfoten aufheben, rübren. Beſonders, die Fuͤße ber 
vierfüßigen Thiere, dad nur, wenn fie mit Zehen verfehen ud und 
son Eleinern Thieren; daher man nicht gut Ochſenpfoten, Pfers 
depfoten fagt, ob man giei$ Hammelpfoten; FLafenpfeten ſagt. 
Die Pfoten des Hundes ic. Die Vorderpfoten, Sinterpfoten, 
Borzüglih ven ben vorderen Pfoten, Der Pund giebt bie Mote 





4. 2. an ben Betten, Pfoten genannt, Bert: ” 


40 | Pfri 


oder Pfoͤtchen, wenn er eine Worberpfote wie eine Hank hinreicht. 
Ber Hund hält ben Knochen, welchen er beuagt, mit Sen Pfoten 
feſt. Das Eichhörnchen fipt, wenn es frißt, auf ben Pinterbeinem 
und hält feinen Frog mit den Pfoten. Der Bär faugt an bem 
Pfoten, Die Rage waͤſcht fih mie den Pfoten. Bei großen Raub⸗ 
thieren beißt dieſer Theil des Fußes Tape, Klaue, Kralle. Im 
R. D. lautet dies Wort Pote (f. d.) und erinnert an bas bamit 
verwandte Foot (Engl. Foot), ber Fuß, pebden, geben ıc. 2) 
x Ein Pföthen, fo vie: als man auf einmahl mit den Spigen 
ber Finger einer Hanb faſſen kann (Pugillus), mo man es aub al 
lenfalls für fo viel aid may zwifchen dem Daumen unb Seigefinger 
fallen kann, 3. B. fo viel Tabak (eine Prife) gebrauden Lönnte. 

O Pfoͤteln, v. intzs, u. ters, 1) X Mit bem Pfötden, d. h. mit 
ber Hand ſtreicheln. Einen pfltein. =) Mit der Pfote oder ben 
Pfoten, befonters den Worberpfoten fragen, wie 4. B. bie Hunbe 
tbun, wenn fie freudig an ihren Herren in bie Höhe fpringen und 
an ibm mit den Worberpfoten fragen. 

Kaum erfah 26 (das Dichen) fie, als fhatt zu fliehen 
Es berbeifprang, und an ihren Knien 
Pfoͤtelte mit freubigem Geben. Falk, 
D. Pfoͤteln. D. —ung. 

+ Pfräng, adj w. adv. in Franken und Baiern, gedrang, eng. 

Pfrängen, v. trs. engen, einengen. D. Pfraͤngen. 

+ Pfrechſen, w.trs. ftopfen; bann, mit bieten Nudeln mäften; freren. 

Der Pfriem, —es, By. —e, beifinbern ber Pfriemen, —e, By. gl. 
oder bie Tfrieme, 94. —n, ein langer feifer und fpisiger Kör⸗ 
per, im welcher weiteſten Bedeutung noch ber Ginſter (Genista L.) 
und bie Haſenhelde (Spartium L,) von ben fpigigen fteifen Blättern 
Pfriemen und Pfriemenktaut genannt wird, S. Genjier. Arten 
bes legteen find: bie binjenartige Pfeieme(Spartium juncenm) und 
die einſamige Pfrieme (S. monospermum). Stadelige Pfrieme 
beipt wegen ihrer Stacheln ober Dornen eine ander Pflanze, , 
ber Gurspäifhe Stechginſter (Ulex Europaens-L.). Der Pfries 
men ber Tuchmacher it ber eiferne Draht in dem Schätzen, 
auf welchem bie Pfeife fett, Reſonders nennt man Pfrieme oder 
Pfriemen bünne gugefpiäte Ciſen, Lödher in einen weihen Körper 
damit vorznfehen, bergleigen mit Heften verſehene Eiſen der Yatt: 
ler, Riemer, Schuſter ic haben. Die Pfriemen der Schufter heißen im 
Osnabruͤck und Hamburg Suͤbbel (subulm); Ahlen und Orte nennt 
men fie, wern fie duͤnn und, wie gemöhtich ber Fall ift, gebogen find. 
„Ze nimm eine Pfrieme und bohre ihm buch fein Ohr.e S Mof. 
15, ı7. Mneigentiih nennt man ı) in mandıen Gegenden auch ein 
ſchmalcs an Ginem Ende fpisig zutaufendes Stür Land einen Pfrie: 


(8.) 


men. 2) Gine Art Flügelnadeln ober Flügelfhneden (Strombus 
palustris L); auch Meftindifche falſche Papſtkroͤne. &, Papft: 
frone. 3) Eine Art Radelſchnecken, bie Zigernabel, ©, d. 4) 


Fire Art Dofsunenfhneden, ein Thurmhorn in ben Meeren von 
Afien und Afrika (Buccirum maculatum L,); ‚auch große Sienas 
bei, Stricknadel, großes dickes Tigerdein. 

Das Pfriemeiſen, —s, 34. gi. 1) Das Gifen einer Pfrieme in 
einem Hefte, bie eigentiihe Pfrieme. 2) Auf ben Kriegeihiffen, die 
Rivmnabel, wegen ber fpisen Geſtalt, auch nur bie Pfrieme. 

Der Pfriemendorant, — ed, By. u, eine Xrt bes Dorantedoder Loͤwen⸗ 
mautes, die wit ber Pfrieme Ähnlichkeit Hat (Antirrhinum sparteum). 

Priemenförmig, f. Pfeiemförmig. 

Das Pfriemengras, — et, Mi. u. 1) ©. Borfiengras. 
Name bes Federgraſes (Stipa L.). ©; b, 

Das Pfriemenbolz, —es, 9. u. und das Pfriemenfraut, — es, 
PR. u. der Renfter. S. d. und Pfrieme. 

Der Pfriemenſchwanz, — es, 9. —fhreine, rin pfriemenfärmt: 
ger Ediwansz; bann, ein Thier mit folhen Schwanze. So nannte 
Göge ben Aftirmurm ober Kinderwurm, Maſtwurm, ben Pfrie: 
menſchwanz (Ascaris vermicuiaris L.), 


2) Eim 


Dfriem 


Der Pfriemenfeger, —C, 9. gt. bei deu Formfhneiteen, ein klei ⸗ 


nes Werkjeng, womit bie Dreabtfiifte in die Stippelformen geftett . 


werben, bamit ein Stift nicht weiter als ber andere aus dem Form: 
brette beraucttehe. 

Die Pfriem-ente, 4. —n, bie Spitente. &, & 

Priemförmig, pfriemenförmig, adj 'n.adr. bie Form, Gehalt einer 
Pfrieme habend, Iang, bänn und zugefpigt. In ber Pflanzenichre Heißt 
pfriemförmig (subulstam ), ein Blatt, menn e6 finienförmig und 
ſtark zugefpist it; ein Haar, wenn es kurs, ſtark und nad unten 
zu etwas bier ift; ein Staubfaben, wenn er unten bider als oben 
it; ein Eriffel, wenn er unten bi, nad oben jugefpigt if, „Der 
C&nabelber Schwalbe iſt ſeht kurg und pfriermenförmig.* Zunte (®.). 

Das Pfriemgeld, —et, ME —er, in ber Schifferfprache, ein ge: 
wifles Gelb, welhes ber Schiffer außer ber Fracht non jeber Koune 
als eine Erzepligfeit erhält; im RM D. auch Kaplaken. 

Das Pfriemborn, —es, 8. hömer, bei Cinigen, eine Xrt 
Schraubhoͤrner ober einfahiger gewundener Schneden, beren Win: 
bungen unmerfih fiab unb welche mie eine Pfrieme [pig imlaufen 
(Strombue L.); die Pfriemſchnecke 

Die Vfriemfchnede, Dig. —n, [> Pfriembern. 

+ Der Pfrill, —es, Pi —e, auch bie Pfrille, M. —n, im O. 
D. be Elrite. 

Der Dfropf, —ıs6, DA. —t; Bw. das Pfroͤpfchen. 1) Ein Stie 

einer gewöhnlich weichern Maffe,'weldes in eine Öffnung gedrückt, 
gedreht ober geihlagen wirb, dieſelbe bamit zu verſchließen, zu ber; 
flopfen; bei Anbern auch ber Pfeopfen. Der Pfropf auf einer 
Flaſche, er fei von Korkhelz ober on Papier, ober ein zufammens 
sriwitelter Lappen; der Stöpffel, Stöpfel, welcher jeboh auch von 
anderem Hotze, non Bias ıc. fein kann, bergleihen man zit ei: 
men Pfropf zu nennen pflegt. Das unfammengepreite Papier, 
Werg ıc., weldhes man auf bie Babung in ein Schießgewehr ſetzt, 
heißt ebenfalls rin Pfropf, fo auch bas runde Stuͤck Holz, weides 
in und vor bie Mönbung riner Kanone geflett wird, um ben Sanf 
berfefben rein ju erhalten, Im ber Seeſhrt bedient man-fih auch 
bölzerner Pfropfe oder Dfropfen, bie wit Werg umgeben, mit Fett 
befhmieret find und daher Schmierpfropfen heißen, die Schußlädher 
in ben Schiffen ober aͤhnliche Schaben bamit zu verftopfen. Antre 
Lee werben mit Werg veritopft und mit Erder und Leinwand ober 
aud mit einer bleiernen Platte Übermagelt, melde aber nicht — 
wie Ab, glaubte — Pfropfen geuaunt werden, ©, 2) 7 Ein 
Pfeopfreie. ’ 

Das Dfropfdein, it, u. —e; Bio. dat Pfropfbeinchen, ein platten, 
am Unde gerundetes und fcharfes Werkzeug von Mein ober Rachen, 
oder auch von hartem Holze, ner nidt von Eichenholze, dem zum 
Pfropfen gemadten Spalt damit, weiter von rinauber ja zwaͤngen, 
oder auch dir Rinde vom Stamme damit abzuldfen. 

Pfropfen, v. trs 3) X Mit Gewalt in eine Öffaung drehen, ſtop⸗ 
fen. + Hohl, Kraut in ein Faß pfropfen, fe viel als mam hinein⸗ 
beingen kann, fett hineindrucken. Ginen Korb, Kaften mit Wilde 
voll pfropfen. Alle waren in Einen Wagen gepfropft. Gepfropft 
vol, gebrängt vol, fo daß wihes mehr bigeiugehet. Die Kirche 

‚ kwar gepfropft voll son Menſchen. X Si voll pfropfen, viel und 
übermäßig Speife zu ſich aehmen. Im D. D. auch pferchen, an: 
berwärts premfen, im R. D. prammen. Im engerer Bebentung, 
einen Pfropf in etwas brüten, bdreben, ſchlagen und es baburh 
verſchließen. Die Weinſlaſchen pfropfen, wit Pfropfen verfehen 
und baburd; verſchließen. 2) Das Reis von einem rerrbelten Baus 
me in ben Spalt, welchen man in ben Stamm eins Witdlinges 
oder ſchlechtern Baumes gemacht bat, prefien ober fieden, bamit 
das Reis mit bem Stamme jufammenwahle und ein verebelter Baum 
werb?, welcher Faum dbarfn ein gepfropfter Baum iſt. Auf einen 
milbes Stamm pfropfen. Ju ben Spalt pfrepfen, in dea Spalt, 
melden men oben auf ben Schnitt einen ganz abgefhuittenen jungen 


Gampe's Mörterb, 3, Ih. 


641 


Pfeind 


Pilblings gemacht Hat. In die Minde pfropfen, nenn man bas 
Pfeopfreis in einen ih bie Rinde eines ſtaͤrlern Stammes gemachten 
Spalt ſegt. Im den Kerb pfrepfen, wenn man bad Neid de eine 
buch bie Rinde in das Holz eines alten Baumes gemachte Terbe 
ſett. O Duch den Dreiſchnitt pfropfen (trianguliren). Im 
2. D. fagt man dafür rifen, von Reis, im D. D. und fonft pelzex, 
impfen, Das Üugen, Dfeifen sc. find Arten bes Pfropfens. Mm, 
eigentiich nennen es bie Sinmerteuse pfropfen, wenn fie an ein fhabr 
haft neworbenes Zimmerbolz, 5. B. eine Schwelle, ein friſches Stil - 
son gleiher Stärke anfeten und beibes fo mit einander verbiuben, 


.„ dab es ein einziges Stud zu fein ſcheint. Unrigentüch fagt man 


auch, in einen etwas pfropfen, etwas tn ihn bringen, ihm etwas 
beibringen, was noch nit in ihm war, was er woh wiht wußte ıc. 
»Es it koͤndlich, mit was Fleiß und Arbeit ih Jung und Alt gefe: 
zei, ja im fie gepfrepft habe bie Sleichheit göttliher Natur in 
dreyen Perfonen.” Wicet (R.) D. Pfropfen. D. —ung. 

Der Pfropfer, —, 34. gi. einer der pfropfet, ſewol mit einem 
Pfropfe eine Öffnung suftopft, als au ein Pfrepfreis in einen das 
su gemachten Epatt ar. jeht. 

Der Pfropfbammer, —s, 9. —hämmer. 3) Auf ben Schiffen, 
ein Hammer, mit welchem die hihzernen Rägel im Boden einen 
Fahrzeuges unterfucht werden, ob fie noch fehfigen, und mit wel⸗ 
dem ein Loch in ben Magel, wenn er mtwas beſchaͤdiget if, geſchla⸗ 
en und dann ein Pfropf bineingefpundet wir =) Gin beim 
Pfropfen der Flaſchen ıc. gebraudter Hammer, 

Der Pfropfmeißel, —, 4. gl. bei den Gärtnern, «in eifernern, 
unten breiter und glatter Meißel, deſſen man fi bebient, bat 
Pfropfrela in den Spalt gehörig einzufenten. 

Das Pfropfmeſſer, —, 9. gl. bei den Goͤrtnern, ein Meffer mit 
breiter farker Klinge ohne Spike, ven Spalt in einen Baumflamm, 
worein das Pfcopfceis gefept werben fell, - bamit zu mahen; das 
Spaltmeffer. 

Das Mropfreis, eb, 4. — er, ein Reis, $. h. ein jähriger 
Scheßling mit Ungen ober Knospen,twelder auf ober in ben Stamm 
eints andern Baumes gepfcopft merben fol. &. Pfropfen »). Opig 
gebrauchte dafuͤt nur + Pfropf, und Echenkein + Pfropfungss 
zeiß: Wenn die Ratar die Belt mit Biebe will befämen, 

Muß fie das Pfropfungsreis von meinen Äſten nehmen. 

Die Propffäge, 4. — n, bei ben Gärtnern, eine Baumfäge, bies 

„jenigen Stämme, auf melde gepfropft werben fol, bamit abju= 
fägen. 

Die Pfropfſchule, ip. —n, eine Baumſchule von jungen gepfropf: 
ten Stämmen, ober von jungen Stämmen, welche gepfropft wer⸗ 
des follen, 

Das Pfropfwachs, —et, 4. u. dasjenige Baumwacht, womit der 

Schnitt oder der Spalt eines Baumes, auf ober in welchen ges 
pfropft worben ift, beiieht und dadurch ſewol vor Rafe als auch 
vor dem Xustrortnen durch bie Luft und Sonne verwahret wird. 

Das Propfwerkkeug, —s, My. —, beiden Gärtnern, Werk 
seuge, berem fi bie Gärtner bein Pfrapfen bedienen, als, bas 
Pfeopfmefker, ber Pfropfmeißel, die Pfeopffäge, das Pfropfbein ze, 

Der Pfropfzieher, —, 94. al. ein Werkzeug, die keſt Redenben 
Pfropfe von Kork aus ben Klafhen zu ziehen, der Korksieher, im 
M. D Buttelworm, von Buttel eine Flaſche, und Worm ober 
Wurm, weil bies Werkzeug aus einem ſchraubenſoͤrmiz gemundenen 
bünnen Tifen beftehet. 

Die Pfründe, Di. —m. 17 überhaupt ber Unterhalt, welchen je 
manb auf Lebenszeit aus einer geiftlihen Stiftung erhaͤlt. So wird 
eine Stelle in einem Berpflegungshaufe, Memenbaufe ıc., in wei 
Ahem mar für fein übriges Leben erhaltın wich, eine Pfrände gr: 
nannt, Beſonders aber nennt man Pfruͤnde einen Tdeil ber Kire 
engäter, ein geiffliches Amt, eine mit Fintänften verbundene 
Stele an einem Stifte, in einem begüterten geifttichen ober Rittem 


Bı 


Pfruͤnd 


orden, deren Genus ginem auf Lebenszeit uͤberlaſſen iſt, tine 
Mrhnde (Proebende); So führ:n bie Sisthüm—er, Abteien, Rom; 
thureien, Stiftsſtelen, Pfarreien zc., deren Einkuͤnfte man genieft, 
den Namen der Pfründen. Gewoͤhnlich ift der Nebenbegriff, daß 
man babei wenig’ ober nichts zu fhun, fonbern nur zu genießen bat, 
bamit verbanden. 2) * Der Vertrag beim Kauf gewiffer jährlis 
her Gintänfte auf Lebenszeit. Schottel. 

Vfruͤndelos, adj. u. adv. feine Pfrände 3bend, ober, der Pfruͤnde 
beraubt. »Die Sreumdelofe (m) Eaien haben dagegen die Ehre nnd 
Boane bes Zuſehens.“ Benzel:Sternan. 

Pfruͤnden, v. I trs 1) Das Zäglihe an Speife und Trank 
zeichen; überhaupt ernähren. O berlin. a) O Mit einer Pfründe 
verfehen, begabten. »— von ben Geldern, bie ein ſchon reich ges 
Pfrhndeter Befiger im Stabtturus verzehren würde ıc« Benzels 
GSternau, I) ()otr mit haben, als eine Pfründe eintragen. 


Eine Stifröftele, Pfarre, Abtei ic., bie gut oder ſchlecht pfründet.. 


Auch mit ber Fügung eines trs. 
— D. Pfründen. D. —ung. 

Der Pfründenerträg, —e6, By. u. ber Ertrag einer Pfrände, das⸗ 
jenige, mas eine Pfründe einträgt. . 

* X Der Pfründenjäger, —s, 3%. al. einer der auf elne Pfräns 
be Jagd macht, darauf ausgehet eine Pfrände zu befommen, G. 
v. Kenferöberg. i 

@ Die Pfründenfammer, M. u. eine Kammer, Verwaltungsfom: 
mer, welde Pfrünben zn vergeben, barüber zu verfügen hat. Die 
paͤpſtliche Pfröndenfammer (Dataria), melde über alle Heinere 
Pfränden, die jährlich. nicht äbes 24 Dukaten eintragen, zu vers 
fügen bat. ©. 

Der Pfründenfauf, —t, 34. —kaͤufe, ber Kauf, die Erfaufung 
einer Pfränbe (Simonie), Stieler. 

Der Vründer, —s, 4. 91.5 die —inn, By. —en, f. Pfruͤndner. 

Das Pfründgeld, —es, 24. —er, bas in einer Pfrände einfom: 
menbe Selb; ehemahls auch Pfruͤndypfennig. DObertin. 

* Das Pfründgut, —es, 9. —güter, ein Gut, welches jemans 
ben zur Pfründe angemwiefen ift. 

* Das Pirundbaus, —es, Pu. —bäufer, ein zu einer Pfruͤnde 
gehoͤrendes Haus, 5 

Der Pfründner, —®, 34. st, derjenige, der eine Pfrände hat, ben 
Ertrag berfeiben genieft (Praebeudarius}), S. Dfründe Pic: 
tiger würde Pfrändner einen bezeichnen, ber pfründet, eine Pfruͤn⸗ 
de vergiebt, und Pfruͤnder, welches in der Schweiz in biefer Webeus 
sung gewoͤhnlich iſt und welches anh Maier in biefer Bedtutung 
bat, eine Perfon, bie eine Pfründe geniest. 

* Die Pfründnerei, 9. —eın, die Wohnung, das Haus eines 
Pfründners, auch wol eine Pfronde felbft. 

* Der Pfruͤndpfennig, —es, 9. —e, ſ. Pfruͤndgeld. 

* Der Pfruͤndwein, —es, 9. —t, Bein, beffen Lieferung mit 
zu einer Pftuͤnde gehört. Oberlin, n 

+ Der Pfſich, —es, 94. u. ein Name ber breiklattigen Bruſtwur⸗ 
zel, auch Engelmurgei, Pferdefllge (Smyrnium olusatrum L.). 

+ Pfuchen, Pfuchzen, v. intrs. foviel als fanden; von Katzen. 

Das Pfudeifen, —$, 4. gl. im Bergbaue, das gefrämmte Eifen, 
welches in ben Scheren ber Haspelftügen angebracht wird. und worin 
die Aapfen bes Rund: ober Nennbaumes des Baspeis laufen, 

1. Der Pfubl, —es, 4. Pfuͤhle; Bo. das Pfuͤhlchen, Rehendes und 
unreined Waller von geringem Umfange, bocd größer unb tiefer als 
eine Pfüge, fo baf das Maffer nicht fo Leicht austrodnet. Ein 
Wa ſerpfuhl, Regenpfubl, Miſtpfuhl. Der feurige Pfuhl, Of: 
femb. 19, 20, der Offenb. a1, 3 auch ‚der Pfuhl, ber mit 
Feuer und Schwefel brennete, genannt wird, bie Hölle. S. auch Pfüge. 

3, Der Pfuhl, — es, 4. Pfühle, in der Baukunſt. ©. Prühr. 

+ Das Pfuhl, —es, Da. u. in der Schweiz, das Auskehricht. Wer: 
mwandt damit ift ein anderes in ber Schweiz bekanntes Wort pfuhs 


Die Abtei pfruͤndet 6000 Thaler. 


642 


D 


Plui 


ion in dem zuſammengeſedten verpfuhlen, verſchwenden, unmüs 
durchbringen, beſonders von Czwaaren. Daher auch bie Pfuhlt⸗ 
rinn, eine ſchlechte Baushälterinn oder Koͤchinn. Stalder. 

Der (O. ©. das) Pfuͤhl, —es, Pr. —e; Br. das Pfuͤhlchen, ein 
hervorragendes, erdabenes, aufgeſchwollenes Ding. 1) In der Bau: 
tuntt, bei Einigen, ein jedes rundes Glied, welches einen halben 
Zirkelbogen macht; im O. D. der Pfuhl, ſonſt der Stab. Es ha— 
nah Sulzer ben Namen daven, weil ein rundes Pfuͤhl oder Kif: 
fen, wenn man es mit etwas befchwerte, bicfe Geſtalt, von ber 
Seite angefehen, zeigen würde. Im Geſchuͤzweſen verfteht man 
unter bem Pfühle ein Städt Holz, welches auf den Richtriegel zur 
Unterftügung bes Wobenftüdes einer Kanone gelegt wird, +) Gin 
Kiffen, ein Bett, darauf zu ruhen; befonbers im O. D., wo ei je 
bes Kiffen, Poiſter bezeichnet. Der Stuhlpfuͤhl, Banzpfüht, 
Fenfterpfühl ıc. In engerer Bedeutung iſt der Dfühl ein Bett, 
welches zwifhen dem geößern Unterbette und ben Heinen Ropflii 
fen bas Mittet Hält, welches fo breit als ein Krpfliffen aber Länger 
if, und ſowol unter ben Kopf, als auch unter bie Fuͤße gelegt wird, 
ba es bann ein Kopfpfühl oder Fußpfüht il. Im O. D. lautet 
bies Wort auch das Pfulb, die Pfülde, das Pfülf oder Prutg, 
Pfuͤlk, Pfutz, der Pfilm ı., in manden Gegenden ber Schweiz 
auch Pfüif, Pfulmen, Pfulwen. „Haft du doch fa fanft mir jr 
Pfuͤlbe gedient.“ Geßner. 

Und Venus boͤte 

Huf feinem Stroh ihm ihre ſchoͤne Sruſt 
Zum Pfülben an Wieland, } 

Der Pfuhlbaum, —es, Em. —bäume, im Bergbaue. 1) Der 
Baum, woran fid der Korb eines Wöpels befindet. 2) Die wage: 
sehten Balken, in welche bie Haspeiflägen eingegapfet find, 

O Der Pfuhlduft, —es, 9. —büfte, ber unangenehme Duft, 
Geftant eines Pfuhles. — aber auf bem golönen Herrſcherſtuhle, 
mo er (Ziber) ben Dfuhlduft in fi"sog , ſtrahlte Zitus im unge: 
tristen Stange makelloſer Zugend.* Bensel: Sternau. 

Das Pfuhleifen, —s, Bi. gl. im Bergbaue, krumme umgebogene 
@ifen, in weide die eifernen Knöpfe des Kenn: ober Rehbaumes 
befeftiget find, und an welchen bie Haspelhör.ie: fleden und umgeben, 

Pfuhlen, v. mtr. mit haben, nad dem Pfuble ſchmecken oder riechen, 
3 ®. von Pfuhläfhen, Pfuhlwaſſer. Stieler bat auch pfuͤlſchen 
fn derfelben Bedeutung. D. Dfuhlen, 

Der Pfuhlfiſch, —es, Ma. —e, Bilde, welche fich in Pfühlen auf: 
halten, daſelbſt gefangen werben, 3. B. ein folher Karpfen, ein 
Pfuhlkarpfen. In engeren Bebeutung, bee Schlambeifer (Gobitis 
fossilis L.). 

Der Pfuhlfrofh, — es, 3. —fröfhe, rin Froſch, ſofern er ſich in 
einem Pfuhle aufbätt. j 

Der Pfuhlhahnenfuß, —esd, 9. u. - eine Art bes Hahnenfußes, 
ber Meine Sumpfhahnenfuß ( Ranunculns flammula L ). 

Pfuhlicht, —er, —fle, adj. u. adr. einem Pfuhte ähnlich, wie ein 
Pfahl, wie aus einem Pfuhle. Das Waſſer riecht, ſchmeckt pfuh: 
licht. Pfuhlichtes Waffer. 

Pfuhlig, adj. u. adv. einen Pfuhl ober Pfuͤhle enthaltene. 

Der Dfuhlkarpfen, —e, 94: al. ſ. Pfubhlfiſch. 

Die Pfuhlfchnepfe, 9. —n, dirfenigen Schnepfen, welche fih gern 
an Pfuͤhlen und Suͤmpfen aufhalten, die Riedſchnepfe. Aus bie: 
fem Grunde wird bald bie aroße Doppelſchnepfe, bald bie Meinere 
Heerſchnepfe, bald die Heinfte Haarſchnepfe Pfuhlfsinepfe genannt. 

Dfui, ein Ausrufungswort, feinen Abſcheu, Ekel und überhaupt hefi 
tigen Biderwillen gegen etwas zu bezeigen. Pfui, wie häßlich! 
Dfui, fhäme dich! Pfui, ber Schande! Pfni, ber garftigen 
Worte X Pfui dih an, in ber niedrigen Sprechart, ein Aus— 
deu, ben böhften Widerwillen versenden mit Weradtung auszu— 
druden, wobei zugleich gewöhnli > ausgefpien wird, ba denn jener 
Ausdruck, daß eine Perjon mit dem Ausıufe pful anzufpesen fei, 


— — 


Pfuien 


bedeuten waͤrde Zuweilen auch ein Auedrud ber Verſpottung und 

bes Hohnes, wofür man gewoͤhnlicher ſi ſagt, was jedoch im ges 

meinen Leben überhaupt für pfui gebraucht wird; im O. D. pfti, 
pfuch, in der Schweiz pfub, pfubi. Pfui di, mie fein zer: 

brichſt du ben Kempel« Marl. ı5, 29. . 

X Pfuien, v. in’zs. w. tes. Pfui fagen, feinen Abfheu, Ekel, Wir 

derwillen dutch Xusrufung des Wortes pfui ac. Aufern, auch über: 

hanpt nur, "ibn äußern. E br 
Keiftine pfuit in Schwedens Weltgetümme, Michaelid. 

Einen pfuien, ihn verhoͤhnen. D. Pfuien. 

Die Dfälde, By. —n, bei Andern das Pfulb oder Pfülb, —eb, 

=. —e, ſ. Pfuͤhl. 

+ Der Pfumpf, —et, 9. —e, in manchen Gegenden ber Schweiz, 

eine kurze, biete unbebülflihe Berfon. Stalder. 

+ Die Pfumpfnafe, 39. —n, im Fraͤnkiſchen ıc. bie Stumpfnafe, 

eine kurze bite Naſe. S. Dfumpf. 

1. Das Pfund, —s, My. —e; Bw. das Pfündden, D. D. 
— lein. 1) @in GSewicht vun beſtimmter Schwere, welches aber 
nicht uͤberall und im allen Faͤllen gleich if. Das gewoͤhnliche Pfund, 
Kramerpfund, ober Pfund ſchlechthin, Hält gemeiniglih 16 Ungen 
oder 3a Both. Ein Pfund Bror, Fleifh, Butter ıc. Ein Pfund, 
oder eines Pfundes ſchwer. Etwas nah dem Pfunde eder nad 

Pfunden kaufen, verkaufen. kichter, beren 3 auf ein Pfund ge: 
ben. Hat Pfund ein Zahlwert vor fi, fo bleibt es, mie aͤhnliche 
Mörter, in der Mehrzahl unverändert. Sechs Pfund Zabal, An: 
derthalb Pfund, ein halbes Pfund, ein Viertei Pfund Gin 
Pfund Fleiſchergewicht ift fhmwerer, ald ein gewöhnlides Pfund. 
So haben au bie Tuchmacher ſchwerere Pfunte. S. Meifterpfund, 
In den Arzeneiläden Hä't das Pfund nur ı2 Unzen oder 24 Both, 
und ehemahls war beim Bolb: und Silbergewichte ein Pfunb Aur 
8 Unzen oder 16 Rotb, eine Mark, baher man an einigen Orten 
Mark und Pfund noch gleihbeutig gebraucht. Das ſchwere Pfund, 
wonach bie Frachten zu Sande und Waſſer, in dieſem Falle befon: 
ders Schiffpfund, berechnet werben, hält ungefähr 5 Ientner. In 
Zelle Hält ein ſchweres Pfund, oder ein Pfund fchmer, 320, in 
Dannover 356, in Bremen 306, in Dsnabrü® und Hilbesheim 300, 
unb an anbern Orten nur 230 gewöhrlihe Pfund, Oft wird unter 
Pfund au das Gewicht ſelbſt, ber Körper, welcher gerade ein 
Hund wiegt, und nach welchem andere Dinge gemägt werben, ver: 
Randen. Gin richtiges, rechtes Pfund, welches feine rechte bei 
ſtimmte Schwere hat. Rechte Pfunte fellen bei euh fein» 5Mof. 
19, 36. in leichtes Pfund, welches zu Leiche ik, nicht bie ach: 
rige Schwere hat. Doc verfteht man unter leichten Pfunden auch 
bie gemöhnlihen Pfunde in Gegenſatz ber ſchweren Pfunde, ober 
in Gegenfag der in manchen Fällen etwas fhwerern Pfunde. Das 
Berkieinungswort Pfuͤndchen gebzaugt man nur, wenn man ein 
Pfund, ald eine Kleinigkeit bezeichnen will, nidt aber von einem 

“ Heinen oder leihten Pfunde, welches leichter iſt ats andere. =) 
Eine gewiffe befimmte Menge, Anzahl von allerlei Dingen, eine 


Art allerlei Dinge zu beftimmen unb zu berechnen, wo häufig auf 2. 


kas Gewicht gar keine Rüdficht genommen wirb, bie aber von br 
urfpränglicen Beftimmung und Berehnung nad; dem Gewichte daun 


—643 


Pfundb 


woͤhnlich rechnete man 20 Schillinge, jeden zu 12 Pfennige, atie 
240 Pfennige auf ein Pfund. In dieſer Bedeutung iſt das Pfund 
noch in mehrern kaͤndern reine eingebitdete Aechnungémünze, bie nad 
Maßgabe der verfhiehnen Münze, bie man nad Pfunden beftimmt, 
barunter man aber gemöhntib Ecilinge verftcht, verfhieben iſt. 
Ein Pfund Flamiſch hält in Hamburg ze Schillinge Flaͤmiſch, oder 
ı20 Zchifinge Ehbifh, d. 6. 2'% Thaler. Im Wirtembergfchen ift 
en Pfund so Schillinge oder 1210 Pfennige. Gin Pfund ſchwar— 
der Düne, mwonah in Baiern die Grunbjinfen und gerichtlichen 
Geldſtrafen berehnet werben, Hält 41 Schilling, 164 Grofhen, 
497 Regensburger Pfennige ober 1230 Pfennige ſchwarzer Münze, 
d. d. 5%, Gulden weißer Münze. Gin Dfund Pfennige eben bie 
fer ſchwarzen Münze hat 8 Schilling, 52 Groſchen, 96 Megenzbur 
ger ober 240 andere Pfennige, b. h. 17% Bulden weißer Münze. 
In Bern gilt ein Pfund 7. Basen, in Unteriwalden 5 Baten, 
Die Bank zu Berlin rehnet nach Bantpfunden (Pfunden Banco}, 
jedes au 30 Grofhen, Die Fransäfifhen Pfunde (Livres)_balten 
ungefäbe 6 Gr., So bag + berfeiben einen Reihstbaler machen. 
Die Italifgen Pfunde (Lire) halten nur 2'/, Groſchen. Die Eu- 
gliihen Pfunde, Pfund Sterling, oder nur ſchlechthin Pfunde, 
find die ſchwerſten, bie 20 Engliſche Schilinge gu 71% bis 7", Gro⸗ 
fhrn, alfo. 6 Thaler 4°, Gr. bis 6 Thaler 3 Wr. halten. (2) Im 
weiterer von der vorigen Äbergenommenen Bebert'ng, ift das Pfund 
oft eine Menge oder Zahl von 240 einzelnen Stöden. &o kommen 
in einigen atten Öfterreihifhen Jahrbüchern drei Pfund Menfchen 
und elf Schilling Etäbte und Firden vor, mo bie drei Pfund 730 
Seelen, und bie elf Schiuinge 350 Städte und Flecken ausmahen, 
In Nürnberg ift ein Pfund Krautlöpfe, Nüffe ıc. ned eine Anzahl 
von 240 Städ. Oft war ein Pfund auch eine Anzabl von 3, wo⸗ 
bei man an bie 8 Shiding, die auf rin Pfund gingen, dachte. &s 
wird im alten Schriften unter einem Pfund Schläge ober Streiche 
oft eine Anzahl von 8 Schlägen verſtanden, fo mie unter einem 
Schilling Schlaägen ı2 Schläge, wobei man an bie ı2 Heller dachte, 
die auf finen Schilling gingen. Am Öfterreihifhen berechnet man 
auch Dot; nad Pfunden, und rin Pfund Holz befteht daſelbſt aus 
120 ſehr mäßigen Reifigbünbeln. Üben daſetbſt werden bie Mein: 
gärten nah Pfunben, fo wie die Äcker nad) Jochen und die Wiefen 
nad Tagewerken berechnet, wo wahrfheintiä ber nah Pfunden in 
der Bedeutung einee Fechnungemünze beflimmte Werth zu verfichen 
iſt. Auch koͤmmt ein Pfund vom Wein als rin Maß von In He: 
gensburg hält ein Pfund Salz 8 Schilling ober 240 Scheiben. + Un: 
elgentlich gebrauht man Pfund für bas einem jeben Menfhen zu Theit 
geworbene Maß natäriicher Kähigkeiten ( Talent}, in mehrern aus 
Su, 19, 25 entfehnten Mebensarten. Sein Pfunb vergraben, 
feine natüzlihen Anlagen und Fähigkeiten nicht ausbitben, fie unge: 
nügt taffen. Mit feinem Pfunde wuchtra, fein Pfund gut anle: 
gen, feine Fähigkeit ausbilden und nüglih anmenden, „Unfer Ber 
fand ift ein koſtbares Dfumd, das und ber AlUmaͤchtige zum Wuder 
anvertrauet hat.« Gellert. 

Das Pfund, —es, 9. —e, im Berghaue, ein rund ausgefhnit: 
tenes Stuͤct Holy, im weldera der keumme Zapfen des Berghaspels 
liegt und fich umdrehet. 


auf andere Dinge, wobei daran nicht gedacht wird, ausgedehnt wor: 3. Das Pfund, — es, 8y.—e, ein Schlag, bei ben Jäͤgern, weide bie 


den if. So gebraucht man Pfund befonders (1) von einer gewiſſen 
Menge gemünzten Goltes und Silbere, ba eine gewiffe Anzahl Müns 
sen ein beffimmtes Gewicht baden müffen, und ba man die Muͤnz ⸗ 
forten,, befonders bie Meinern, Häufig zu wägen pflegte, 

Mahl bei hundert Pfunben gab er ohne Zahl; 

b. Nibelungen, B. 2065. 

Sin Pfund Schillinge, Pfennige, Heller, ſodiel Schiinge ac. als 
auf ein Pfund oder eine Mark, b, b. 16 Loth geben. Da bie 
Schwere ber Shillinge it. nicht immer gleih war, fo ging auch 


Die Dfundbirn, 34. —en. 


Streihe mit dem Beibemeffer, womit bie Fehler miber bie Weibefpradhe 
beftraft werden und beren gewoͤhnlich drei find, Pfünde nennen. Cinem 
die Pfunde geben, Die Pfunde befommen. ©. ı. Pfund 2) (2). 


Der Dfunbapfel, —#, wi. —Äpfel, eine Eorte großer Äpfel, ber 


gelbe Bellerapfel, 

3) Eine Art fehr geofer Birnen, 
die wol gegen ein Pfund wiegt; auch bie Fauflbirn. =) Uneigent: 
th, eine Art Molzenfhneden in Oftindien fVolate pyrum L.); 
auch Birnwalze, Opferhorn, Beutel. 


nigt immer eine gleicht Anzahl Schillinge sc, auf ein Pfund. Gr Die Pfundbude MM. —n, ſ. Pundzef, 


Pfunde 


» Die Pfünde, m. —n, ein Mame ber kriechtaden Bachbunge, 
Wafferdbunge, Waſſermelk x. (Veronica beceabunga L.). 

Stunden, v. ntr. mit haben, cin Pfund ober mehrere wit gen, ſchwer 
fein. Stieker. Derfelbe hat auch dis Sprihmort: Wenn es nicht 
allezeit pfunden will, muß men mit Eothen zufrieden fein; wenn 
man nicht immer großen Vortbeil, Gewinn haben fann, muß man 
fich mit einem Heinen begnögen. D. Pfunden. 

Tfünden, v, trs. nad bein Pfunde wägen; dann überhaupt, abmir 
gen. „Es ift fhwer, göttlihe Schilungen auf der Wagſchale rich⸗ 
tig zw pfünden.» Bode, Stieler hat in diefer Bedeutung aud, 
aber ungut, pfunben angefegt. D. Pfimden. D. —ung. 

Der Pfünder, —s, Wa gl. x») Einer der pfündet. Im den WR. 
Drutfhen Cerfläbten find Pfünder diejenigen, welde auf Verlangen 
in bie Haufer der Kaufleute geben, um mit ihrer Schnellwage einen 
Ballen ober ein Faß Kaufmannsgut gleih za wägen und zu bber: 

- fhlagen, wie viel ein folhes Stuck ungefähr zur Fuhre wiege. =) 
Ein Ding, weides ein Pfund ſchwer it. So heißt kin Fiſch, ber 
ein Pfund wiegt, ein Pfünder, Einpfünder, ein Zweipfuͤnder ıc. 
wenn er zwei x. Pfund wiegt. I) In Zufammenfegungen wie Zwei⸗ 
plünder, Dreipfünder, Schspfünder, Zwolfpfuͤnder ıc., «ine 
Kanone, welche eine Kugel von fo wiel Pfunben ſchießt. 

+ Das Pfundgeld, —es, 3. —er, in manden Gegenden, befon 
bers im Öfterreihfchen, bie Kaufs und Annchmichen von erfauften 
ober ererbten unfreien Grunbfläden. . 

Das Pfundgewiht, —es, Pig. —r. ») Ein Gewicht, weiches rin 
Pfund wiegt, und nad; weſchem onbre Dinge gemägt werden, oder 
nad weichem bie Schwere anderer Dinge erforscht und beflimmt wird; 
der Pfundftein, wenn bazu eim Stein bienet, auch mur das Pfund. 
Mahler bat dafür Pfundmaf. =) Die Art und Weile, bie 
Edwere won allerlei Dingen mad Pfunben und nad heilen eines 
Pfundes zu beflimmenz; zum Unterfchiede vom Markgewichte, Ka⸗— 
ratgewichte xc. Die Mehrzahl findet im ditſer Bedeutung nur von 
mehrern Arten Statt. 

Der Pfundhafer, —b, 0. 2. eine Art des gemeinen Hafers (Ave- 
ma sativa L.). 

Das Dfundhaus, —es, Pr. —häufr, f Pfundzoft. 

3. Das Pfunbholz, —es, Di. —hölger, auständifhe Hölzer ober 
Hotzarten, welche nach bem Pfunde verlauft werden, 

3. Das Pfundholz, —es, Mr. —hölyer, im Bergbau, Höher, 
werde im bie Halbgerinne gelegt werben unb bem Fluder bie geböri- 
ge Weite geben. Im den Hättentoerkem finb es Dölger, die im bie 
Halbgerinne gelegt werden, um dieſe weiter zu maden. 

Pfündig, adj. u.adv. ) Ein Pfund aber mehrere Pfunde haltend, 
wägend. Cine pflndige Karauſche. Cine zöölfpfündige Gans. 
Ein zwarzigpfündiger Stein. Gine ſechspfuͤndige Kanonenkugel. 
=) Eine Kugel von einer grwiffen Anzahl Pfunden fhiesem. Cine 
fechepfündige, smälfpfändige rc. Kanone ,- gemöhntiher cin Eeches 
pfuͤnder, Imötfpfänder u. 53) Pfündiges 3ion, bei dem Binn: 
giegern, foren unreines Dim, bel welchem im Zentner eine gewiſſe 
Amzadt Pfunde Blei enthalten if; zum Unterfchiebe vom reinen Zim: 
me, weiches ofme alles Blei iſt. Zehnpfuͤndiges, amanzigpfiümbis 
ges x. Ziun, im weichem zehm, zwanzig ı€ Pfunb Blei im Zentner 
enthalten find. 4) Pfündige Dfennige, ehemahls ſolche, von weis 
dem die beffimmte Iaht rin volles Pfund ausmadte, wichtige Pfens 
mige, game Bnterfchiede von dem unmwidtigen Daun auch, ſolche 
Ffunige, weidhe pfunsweiie gerechnet wurden, zum Unterſchlede ber 
neringeee und Leihtern, mod Schillingen gerahneten. 

Die Pfundkammer, 3% —n, f. Pfundgol. 

Die Gfundkartoffel, Py—R, tue Art großer Kartoffeln (Solamım 
tubremm manhmun). 

Das Pfundleder, —, M. Wi. bickes, Masken aus Ochfenhäuten ber 
reitetes Aodıfeder, welches nach Dfunden verkauff wich, 

* Das Pfunöichen, —b, Dy.gf. eine Art Bültiefem, 


644 


Pfuſ 


Die Pfundnuß, By. —nuͤſſe, eine Art großer Hafeintffe, Zetternuß. 

Die Pfundſchazung, M. u. im der Schweij, ein Flachenmaß ober 
eine Strecke von So Kloftern. Stalder. ©. Pfund a) (2). 

Der Pfundſchoß, f. Fundſchoß. 

Der Yfundfchreiber, - 6, BA.gt. f. Pfundzoll. 

Die Pfundfohle, 34. —n, eine Schuhſohle von Pfunbteber. 

Der +funditein, —es, Ai —e, ein pfündiger Stein, befonders 
men er zugleih als ein Pfundgeroicht diemet. ©. Pfundgewicht. 
Pfundweife, adj. nah Pfunden, im einzelnen Pfunden. Gtwas 

pfundweiſe kaufen, verlaufen. 

Das Pfundzinn, — s, 4. —e, pfändiges Zinn. ©, Pfuͤndig 3). 

Der Pundzou th, Di — zoͤlle, in den Preusiſchen Seeſtaͤdten 
und im eübeck, ber Zou, weicher von den Schiffekrahten gegeben 
wird, meil die Waaren oder Güter nah ſchweren Pfunden oder 
Schiſpfunden 'gerehnet werben. Das Haus ober Gebäude, wo bies 
fer Zoil entrichtet wirb, heist das Pfundhaus, die Pfundbude, die 
Dehoͤrde, die zur Erhebung und Berechnung biefes Zolles angefept iſt, 
bie Pfundlammer; der Schreiber oder Einnehmer bei eimem folden 
Felle ter Pfundfhreiber xc. 

+ Der Pfuſch, —ıs, 4. —e, rin Schauwort, weldes ein Ziſchen 
bezeichnet; auh, der Pfuſcher. Das Pulver thus einen Pfuſch, 
wenn as abbrennt. 

+ Die Pfufhe, 94. —n, in Thoͤringen re. ein Kohlhaupt, welches 
fhatteig bleibt und ſich nicht gehörig chließt. 

Piuſchen, v. I) utr. mit haben, einen gewiffen zifhenden Saut, wet⸗ 
Gen bas Wort nachahmt, verurfachen, hören laffen. Das Schieß⸗ 
pulver pfuſcht, wenn vd von ber Pfanne abbrenuf. ZI) intrs. u, 
Ars, eine Handlung eilfertig und obenpin verrichten, fo daß fie 
ſchlecht wird und ihren Zweck nicht volltommen erreicht. In engererunb 
gewöhnlicher Bedeutung, eine Arbeit vornehmen, thun, ju welcher 
man mit bie erfoberlihe Kenntnig und Geſchicktichkeit bat, Be— 
fonders bei den Handwerkern und Känftlern, eine Arbeit unters 

Bchmen, werrihten, welche man nicht zunftmäßia oder auf bie here 
gebrachte Art erlernt bat umd obne ein Glied einer Aunft zu fein, 
oder ohne dazu auf die einmabl eingeführte Art bereihtiget zu fein. 
In sin Hambiwerf, in eine Kunft pfuſchen, ſich bamit abgeben, ohne 
fie gehörig und zunftmäßig gelernt zu haben, und, im Kalle bazu 
befondere Erlaubnis und Berechtigung gehört, ohne dazu berechtiget 
zu fein. Der Lehrling pfufht hinter dem Rüden ded Meifters, 
wenn er ohne fein Miffen Arbeit macht, die er nech nicht gehörig 
maden fann und noch nicht mahen darf. ine Arbeit pfufchen, 
fie mahen ohne die gehörige Kenutniß, Geſchicktichteit und Erfahs 

‚zung bazu au haben, fie alfo ſchlecht und unbrauchbar machen. Doch 
nennt ein zoͤnftiger Meifter als folder die Arbeit einer Perſon, 
welche biefelbe mit zunftmäßig gelernt hat, und unzänftig ift, auch 
gepfuſcht, ſelbſt wenn fie ganz vortrefftiih gemacht wäre, weil er fie 
nad feiner Meinung, ohne berechtiget bazu zu fein, machte. Am 
gemeinen Leben fagt man auch pfufchern, welches man ſowol für 
bas Serſtarkungtwort von pfufchen nehmen, als auch von Pfufcher, 
ein Pfuſcher feim, pfufcherhaft etwas mahen, ableiten kann, In 
einer Sache pfuſchern. Etwas pfufchern. 

Die Ärzte thun zwar ihre Pflicht, 
Und pfuſchern drum und dran. Glaubius. 

Im R. D. Heißt fhlchte und ungefhicte Arbeit machen funftern. 
— D. Pfufhen, Pfufcern. 

Der Pfufher, —6, MH. gl. 1) Der sifhende kaut, melden das 
Schieäpulver verurfaht, wenn es 4.8. von ber Pfanne eines Feuer 
gerschres abbrennt. Pulver auf die Pfanne ſchuͤtten, um einen 
Pfufcher ga maden, um es mit einer ziſchenden Klamme abbrennen 
au laſſen. Einen folhen Pfufher von timbergeftreutem Purder 
nennt man im ber Schweiz ein Pfuͤpfi. Unelgenttich und in weites 
ser Bedeutung, eim Fehler, Verſehen, weil bas Abbrennen bed Put 
vers von der Pfanns, wena man jhiefen wU, nit fein jo. Gi 





Pfuſ | 645 Phar 


nen Pfuſcher machen. 4) Eine Perſon, werche pfuſchet; bie Dfur 
ſcherinn, eine ſolche weibliche Perſon. So nennt man ſchon tine Per 
fon, welche eine Arbeit eilig umb oben Pin, alſo ſchlecht macht, einen 
Dfufher. Im engerer und gewöhnliher Bebeutung ader verfteht 
man barunter eine Perfon, welche eine Banblung, Arbeit unter: 
eimmt, verrichtet ohme bie gehörige Kenntnik und Geſchicklichkeit bas 
au zu haben, MWefonders, in ben Handwerken, Künften ic, eine 
Perſon, welche ein Handwerk, eine Kunſt ıc. treibt, ohne es ober 
fie auf die hergebrachte orbnungsmäßige ober zunftmäßige Art ger 
lernt zu haben, unb ohne auf bie einmahl eingeführte Art dahu bes 
rechtiget zu fein, welche baffelbe ober dieſelbe alfo mittelmäßig oder 
ſchlecht treibt, bie aber von den zünftigen Meiftern aud dann 
noch Pfufher genannt wirb, wenn fie buch viele Aufmerkſamkelt 
und Ubung fih die größte Geſchicktichkeit barin erworben hat, meil 
fie das Gewerbe, bie Kunſt ıc. nicht aunftmäßig erlernte und nit 
Mitglied einer Zunft ift. Der Dfufcher im erften Falle beißt au ein 
Sudler, Prudler, Hämpter, Störer ic. und if ein Stuͤmper, im 

andern Kalle kann er aber ein vortreffliher Arbeiter, und ein Ins 
nungsmäßiger Meifter fehe wohl ein Stuͤmper fein, „Wer zu einer 
Kauft nicht bie gehörigen Anlagen mitbringt, bleibt ewig ein Stuͤm⸗ 
per barin, wer fih im Bertrauen auf feine natärlihen Talente 
(Baden), ohne fie fange geübt und ausgebilbet zu haben, an ſchwere 
Arbeiten in einer Kunft wagt, und daher etwas Mittelmäfiges ober 
Schlechtes zu Stande bringt, ber iſt ein Pfufcher in dieſer Kunſt, 
man fagt er pfulhert in einer Runft, bie er nicht verſteht, weil 
er fie mit gehörig gelernt bat.e Eberhard. Mande Hand—⸗ 
werler belegen bie Pfuſcher in ihrem Gewerke nod mit eigenen Rar 
men. So Heißt ein Pfuſcher bei den Schneidern ein Boͤhnhaſe, 
bei den Bärbern ein Fretter, bei den Tuchmachern ein Ludler und 
Ludelmacher, bei den Rafhmadern ein Eſchweihe, bei den Beckern 
ein Wetſchelbecker, bei ben Fleifhern ein Läfterer und Buhle, bei 
den Weißgerbern ein Fellnaͤpper, Schotte, bei den Kürſchnern ein 
Bumähter, bei den Buchdruckern ein Hubler ıc. 

Die Dfufcherei, 94. —m. 1) Das Pfufhen, das Handeln, Arbei⸗ 
ten eines Pfufhers; ohne Mebrgahl, a, Tine gepfufhte Arbeit, 
die Arbeit eines Pfufchers, 

Pfuſcherhaft, —er, —eſte, adj. w. ade. mach der MWeife eines Pfu— 
fhers , mie ein Pfafher. Pfuſchechaft arbeiten, in pfuſcher ⸗ 

hafter Arbeiter, ber eine Arbeit pfuſcht, »ie ein Pfuſcher arbeitet. 
Davon bie Pfuſcherhaftigkeit, die Eigenſchaft einer Perſon, ba fie 
pfuſcherbaſt arbeitet, wud die Welhaffenheit eiget Arbeit, ba fle 
pfufcherhaft gemacht ift. ; \ 

Dfufhern, v. intrs m. tr. ſ. Pfuſchen IN. 

+ + Piufen, v.ntr. mit haben, u. intrs, in ber Schwelz, T) einen $i- 


Die Ffükenwanze, My. —n, eine 


Das Pfutzenwaſſer, —e, Mi. u. ba. ! 
Pfutzicht, adj. u. adv. einer Dfäse An.) 


in ben Berggebiuben ebenfalls Pfügen genannt, Mergt. Bade, 
Sumpf, Dümpfer, Zei, Weiher, der Ser. ı Ehemahis bryeich- 
nete Pfüge au einen Brunnen, und im R, D, wo es Pütte und 
Pürtfe lautet, bedeutet ea no einen Brunnen, ſowol einen Zieh⸗ 
brunn:n aldaucd eine Pumpe, wie auch, eine Vertiefung, ars weis 
HerZorf gegraben iſt, und im welcher ih das Waſſer gefammieit Hat, 


Der Pfübeimer, —$, Di. al. im Bergbaue, ein Eimer, das Waſſer 


aus einer Grube bamit zu fhöpfen. 


Dfügen, v. 1; te». fhöpfen, pumpen, befonders Im Bergbaue. (ine 


Brube Pfügen, das Waſſer aus berfelben fhöpfen oder pumpen. ©. 
Pfüse. IN utr. in der Schweiz, 1) mit baden, ein Wort, welches 
einen feinern zifhenten und Aärkern Laut als pfäfen deztichaet, von 
Ph geben bedeutet. S. Pfuͤſen 1). 2) Mit fein, foringen, zerpla⸗ 
gen. Auch als intrs, mit fern, von einem Orte ſich ſchnell an einen 
andern bewegen, begenen, wit dem Nebenbegriffe, daß bies chne 
hiniänglichen Grund zeſcheht. Stauder. — D. Pfüsen. D. —ung. 


Die Pfuͤtzenauſter, 85. -n, fette Nutern, weiche in fließenden fals 


digen Vaſſern, in der Nachbarſchaft tes Meeres Toben. 
Art fehr doͤnner und fhmaler 
ihr (Cimex stagnormm L); 







Wangen, bie in flchenten Wall: 
auch Nadelwanze, fhmae Waſſet 


Fer amt einer Miher 


Puͤbichtes Waffer, Waſſer weiches truͤbe un) unirin u: als mie eb 
aus einer Pfüge geichdpfr, 


Pfuͤtzig, — er, — ſte, adj, u. adv. Pfüͤhen enthalte it, vofse Sfögen, 


„Dis ehemabis pfügige Aghpten.“ Popowit ſch. If.) 


Die Pfuͤkanne, Wz. — n, im Wergbaue, eine Kanne das zufanmens 


gelaufene Waſſer ausjupfünen. 


Die Pfübmade, Rz —n, Mürmer, welche fih an Mifkpföten unter 


ben Miftpaufen auffatten, deren man ih im Fiſchfange zum Köder 
bedienet, 


Die Pfuͤtzmeiſe, 24. —n, die Sumpfmeife. 
x Pfuütznaß, adj, u. adv. ganz nap, wie aud einer Pfütze gezogen; 


pfägennaß. 


Die Pfuͤtzſchale, 9. —n, im Bergbaue, bieherne Schalen, das in 


ben Berggebäuben zufammengelaufene Waffer damit zu pfügen, db. b: 
auszufhöpfen; auch die Pfägfchäffer. 


Die Pfützſchuͤſſel, 4. —n, f. Pfügfchate, 


FH, ein Laut, welcher mit einem ſtarken Hauche ausgefprehen wich 


und mie ein f Hingt, baher man ihn als einen Briehifhen Buch ſta⸗- 
ben, @, auch in den wenigen Mörtern frembem Urſprungs, 3. B. 
Elephant, Epben, Ppilipp, Phitifter ıc. mit dem Deutfhen f au 
vertauſchen nerfucht hat. 


ſchenden Laut won fih geben, wenn man ;. B. biffer, aber wenn Das Pharaohuhn, —es, My. —hühner, das Perlhuhn. 


etwas gähret; wie auch vom Winde für braufen, Pfuͤſen bezeich 
met einen mehr zifhenden und weniger bumpfen Laut als pfufen, 


Die Pharaoſchnecke, By. —n, eine Art Rabelkreifer, melde deſon⸗ 


ders Im rothen Meere gefunden wird (Trochus Pharaonis L.) 


weiher bem Ziſchen eines giähenden in Maffer getauchten Eiiene Die Pharaosfeige, 24. —n, ein Name bes Paradiesapfels, aber der 


ähntih if, Einen noch feinerm Laut druckt pfügen and. =) Tuf⸗ 
geblafen fein. Stalder. Wenn nit daſſelbe ort, fo doch bar 
mit vermanbt ift paufen oder banien, baufden, Davon die Pfus⸗ 
baggen die Pausbaten bei Mahler, und das Pfuferli im Thur⸗ 
gau, eine Art aufgeblafenen Rudens, 

+ Der Pfuͤſter, —S, 9. al. der Bofift. 

Die Pfuͤtze, 4. —n; Br. das Mischen, O. D. —lein, tin fa 
dendes Maffer von gang grringem Umfange, rin Heiner Pfahl, der 
«ben fe bald nerfhminder ala er entfiehet, S. Pfuhl. Bo ent 
firhen vom Prgen auf den Besen und Baffen, vom zurädgeblier 
benen Water dei Überfhremmmungen in Beinen Wertiefungen des 
Bodens Pfoͤhen. Im eine Pfuͤtze treten, Aus einer Pfüge trin⸗ 

„ten. @ine Regenpfühe, Miflpfüge ıc Sewoͤhnlich iſt mit Pfüye 
ker Acgriff bee Usreinigkeit bed Waſſers, welches dieſelbe bilder, 
werbunden. Im Berghaus werden bie zufammengefaufenen Vaſſer 


Abamsfrige, wie auch des Baumes ber fie trägt, bes Adamefelgens 
baumes (Musa paradisieon L.). 


Die Pharansmaus, Sy. —mäufe, oder die Pharandratte, My. 


—n, em bem Jitis fehr aͤhntiches Thier in Ägipten und Oftinbien 
mit Rraffem, fat borftenortigem Haare von verſchiedner Barbe, doch 
meift weiß und graulich ſchwarz gefprenkeit, und mit einem an der 
Wurzel biden, am Ende pfriemförmig zugeſpthten Shwanje (Vi- 
verra ichneumon L). ®&ie tiebt befonbers die Bier des Kroko— 
bite, baber wahrfheinlich die Kabel entſtand, daß fie ben ſchlafen ⸗ 
ben Krokodilen duch den offenen Baden in den Bauch krieche und 
ihm die @ingeweibe jerfreffe, 


Der Phariſaͤer, —s, 99. al, die Btieder einer Blaudendr ober Mel 
- nungszunft unter den alten Tuben, bie fih durch äußere firenge 


Beobachtung bes von Mofe gegebenen @efeges ausjelchneten, aber 
wehr um bamit zu prahlen, als wril ihr Gewiſſen fie dezu ber ⸗ 


Phar 646 Pick 
pflichtete. Daher nenat man nod einem Heuchter und Scheinhellie Das Pichwachs, —es, Mz. u. in der Rienenzucht mandhre Gegen: 
gen einen Pharifier. den, das grobe Wachs, womit bie Bienen bie Figen und Öffnungen 

Pharifäifch, adj. vw. adv. einem Pharifier cher ben Pharifiern eis ber Etöde verſchmieren, gieichſam verpichen (Propolis); das Stopf⸗ 
gen, in ibrem Wefen gegründet. Eine pharifstfchr Meinung, Stren wachs, Vorwachs, der Worftoß, der Keim, Beutenteim. 
ge. Dann X für deaqhleriſch, fheineitig. ®. Pharifder. Cine Piel! ſ. der Pick 2). 
pharifäifche Mine. — als vieleiht ein ganzes Syſtem (Bebiude) X Der VPick, —es, M.—e. ı) Ein Birb ober Stoß mit etwas 


tatter pharifäifcher Sittenlehre.“ Herder. ESpigigem, befonders ein leichter Sieb mit ber Spitze den Schnabels. 
Der Phafan ıc,, Fhafeln, f. Faſan ıc., Faſeln. Gr that fo zahm, den Hiühenden Iasınin 
Philipp, —s, —en, ein Matnnstaufname; im gemeinen Beben ger Aus feiner Hand mit toſem Pic zu heſchen. Wietand. 
Kürze Yipps end verfieint Lippchen. Seht den Bogel! er fliegt von einem Baume zum andern, 
Der Philippöthaler, —t, My. gl, eine Art Spanifher, nah einem Raſcht mit gefhäftigenm Pi unter ben Frädten umber. Bätbe. 


Könige Philipp benannter Thaler, bie jept ı Kehle, 12 Gar. gelten. In weiterer Bedeutung auch wel eine Berüßrung, ein leiter Stoß 
Der Dhitifter, —s, 4. gl 1) Dee Mame eines ehemapligen Bol: mit der Spige eines Fingers. 2) Der Schlag einer gehenden Ta— 

Bes an den Grenzen bes Jüdiſchen Landes. =) X Eine verächtliche ſchenuhr, wo es das Geraͤuſch, welches die Flügel ber Spindel, die in 

Benennung, momit bie Bürger in manden Städten biejenigen, wel: bie Zähne bes Gteigrades eingreifen, hervorbringen, und welchet 

"hr keine Bürger find, und bie Berfliffenen auf heben Schulen alle pie, pil gebet, nachahmet. Gin Pi ber übe, 

Liejenigen, die Feine Hochſchuͤet ober Hochlehrer find, belegen. Der + Der Pickart, — es, Dy. —e, ein Name ber Fobrbommel, weil 

Pferdephilifter, eim Pferbeverleiber, beſonders auf hoben Schulen. fie Menfgen und Ihieren nady ben Augen picken ſoll. 

.—— und für einen leihtgläubigen — in einer gemeinen Vorſtel- Die Dide, 4. —n, rin eifernes fpisiges Werkzeug an einem hol⸗ 


lungdart befangenen Phitifter angefehen zu werben.“ Bleland. sernen Stiele zum Piden, befonders Beine damit aus ber Erbe 
Den Philiftern allzumahl ober einer Mauer zu bregen; der Pickel. Bei ben Mülern, dasje 
Wohlgemuth zu fhnippen. Göthe. nige Werkzeug, welches einem Hammer gleiht, an der einen Seite 


Aud nennt man wol eben daſelbſt und fonft im gemeinen Leben, ein eine Spige, an ber andern aber eine breite Schneide hat, und bef: 

wenig Tabak, welcher in einer nicht ausgerauhten Tabakspfeife fen fle fi zum Dehauen ber Müblſteine bedienen, Im N. D. be: 

Reden geblieben ift, einen Philifler, anderwärts einen Poladen, beihret man damit eine jede Hade, Vergl. Pieke, 

Holländer ı. Im Schwaben nennen die Bötticher das Stück Reif, + Der Fidel, —6, My, at. die Pide, S. d. 

welches fie dazwiſchen fhlagen, wenn rin Reif zu weit iſt, einen Phi- FX Das Piel, —s, 33. gl. ein Heiner Fleck in ber Haut, mie 

tifter, anberwärts einen Schwaben. auch ein Meines Anöpfhen auf ber Kaut. Pidel im Weſichte haben. 
Der Phönir, —es, 4. —e, dee Briehifhe Rome eines fabelhaf⸗ Die Pickelbeere, 4. —n. 1) Die Heibelbeere, Biaubeere (Vacci- 

ten Bogels ber Alten, von weldem fie fabelten, daß nur Einer in nium myrtillus L.); au Bickbeere, Bickelbeere, Birbeete, Put: 

der Meit fei, daß er einige hundert Jahre alt werde, ſich bann in kelbeere. 2) Die Preifelbeere (Vaceinium vitis idaen L.); aus 

Arabien auf einem Terge einen Stoß von wohlriehenden Hölzern Buͤckebeere, Buckebeert ıc. 

und Kräutern zuſammentrage, ſich darauf verbrenne, und aus der X Die Pidelflöte, Mz. —n, eine Heine kurze Flöte ober Querpfeife, 

Afhe in verjänzter Geſtatt hervorgede, In ben ſchoͤnen Kuͤnſten ift weiche hehe und ſchreiende Köne hören Age. 


er ein Sinnbild unvergänglider Dauer. X Der Pickelhaͤring, — es, 9. — 6, der Luſtigmacher auf einer Schar: 
Der Phönirfhiwärmer, 4. al. eine Art Abend: oder Dämmerunge: bühne; dann, ein Iufligmaher, Poſſenmachtr überhaupt. ©. Pif: 
falter (Sphiax celerio L). Nemnich. kein. Davon ber Pideihäringeftreich, ber Streich, bie Poffen eines 


Der Piafter, — , 4. gl. 1) Eine Spanifde Sitbermünge, beren Pigethaͤrings. 

a auf bie Mark geben, indem fie 7'% Quentchen wiegen, und bie Die Pidelbaube, 94. —n, eine ehemahls gebräudtiche metallene Me. 

1 Mtbir. 6 bis 8 Gr. gelten. 2) Eine Zürfifhe Silbermünze, bedung bea Kopfes, ibm gegen Diebe und Schläge zu ſchützen. Sie 

wilde 16 Gr. gilt. hatte bie Geſtalt eines Becens unb hieß daher auch Bek— 
+ Der Piank, —es, 24. u. ber gemeine Bold {Lolium temulen- tenhaube. 

— Pickeln, v. intes, 1) X Sanft picken, mit etwas Spitigem leiſe be: 
x Picheln, v.intrs, faufen. ©. Pegeln und Pegel. D. Piheln. räbren, ober auch Nur eine Empfindung mie burd; Berührung mit 
Dichen, v. I) trs. 1) Mit Pech beichmieren, bereichen, überziehen, etwas Spldigem, berserbringen. „Das Borgefüht ber erwachten 

Ste Zffer pichen, le inwendig mit gefhmolgenem Dede überziehen, Natur pidelte mir am die gefhloffenen Augentieder.“ Thümmel. 

Gepichte Leinwand, mit Pech überjogene. S. Auspichen, Bepi⸗ a. In Dsnabrüt, ſcherzen, Pollen treiben; pebein. Davon der 

den, Verpihen. uneigenttich und ungemöhntih gebrauhte es Pidelbäring D. Pickeln. D. —una. 

DO piz für, mit Ped ober etwas bem Ahnlichen anfülen, ober aud, Picken, v. I, intrs. u. trs. mit dem Schnabel harten, 

pedifdhmarz madıen: — niedlicher als ein Ei, bad, tmeit davon es au waͤhnen, 


&o wird ber fromme Both von Eoboma gebrüdt, 

Eh Bott auf biefes Bolt gepihte Wolken ſchickt. 
») Im Forſtweſen nenne man es hier und ba, die Bäume pichen, 
wenn man Röder hineinhauet, damit das Pech ober Harz aus ben: 
felden laufe; gemöhntiher harzen. 11) X intre. häufig und viel 
trinten, faufen. S. Pegeln und Pegel. Gut pihen können. Au⸗ 
derärts Sage man dafür pirfihen. S. d. — D. Pichen. D. —ung. 

Das Dihboly, —es, Bi. — hoͤlzet, bei ben Schuſtern, basjenige 
Glaͤttheli, womit fie die Nähte glatt und eben machen. 

Die Pihleinwand, By. u. gepihte, d. b. mit einem Überzug von 
Pech verfehene Leinwand, deren man fig am ſchlechterem Gebrauche 
als ber Wachtleinwand bedient. 

Die Pichnelke, ſ. Pechnelte 


Ein laufendes Voͤgelchen birgt, das ar der Schafe ſchen pickt. 
Skömmel. - 
„Die Zauben piden fi) den bunten Hats und jent ben Meinen Rropf.* 
Beßner Die Vögel picken fi, fie baden ſich fanft mit dem 
Schnabel. Auch vom Sqchnabel feibſt. 
So pikt ihr fnabet auch herwieder. ber Renner Haug». 
Arimberg ©. 5758. 
In weiterer Bebeutung, mit einem fpigigen Werkzeuge hauen. Die 
Steine piden, fie mit einer Picke dehauen. II ntr, zit haben, 
ein Seraͤuſch, pi, pi, welches das ort nachahmet, verurfahen. 
© Did a). 
— Abendlich pickte bie Uhr. — Boß. 
Puls, Mond und Abentge'iut, ſogar ber Picken ter Ubr 


Ze 


Pie 
Met bie Grinnerung auf, wie bald bie Tugend‘ verflieget. 
Thuͤmmel. 
Auch als ein trs. ö 
Der mannihfahe Kalt, den jebes Uhrwerk pidt. Bärbe, 
—— gebraucht eben fo bad Werdfterungswert pickern. — Das 
icken. 
"Der Picker, —s, 9. Hl. 2) Giner ber picket. 0) X Auch wol fo 
ziel als ber Pi. ©, db. 3) + In Sönabräd, ein Fuhrmann, der 
Fracht fährt und einen breiten Wagen hat, 

Pickern, v. Ij mtr. mit haben, oft, wieberboit pifen, oder überhaupt 
wur piten, S. Piden I}. — fo gewiä er mußte, er könne ohne 
ihe (der Uhr) Pidern auf feinem Schreibtifhe nicht recht ſchreiben.“ 
3.9. Richter. 

— wie bie Zobtenubr in ber Kammer piderte. Höltn. 
If) + intrs, in Osnabräd, von ben Fuhrleuten, auf einem breiten 
Magen Fracht führen. — D. Pidern. 

Die Vidmeife, By. —n, ein Rame ber Branbmeife. ©. db, 

X Der Pidnid, —ed, My. —e, ein zwar fremdes, aber hinlänge 
lich befanntes und nicht undeutſch klingendes Wort, fe daß es bier 
eine Stelle finden fann, womit man eine gefellfhaftliche Iufammen: 
kunft, bie mit einem Mahle oft auch mit Zanz begleitet ift, und bie 
fi von andern Zuſammenkuͤnften biefer Art dadurch unterfheidet, daß 
ein jeder zu dem Mahle eine Speife ober von bem, mas fonft bazu 
sehört, etwas an ben Drt der Zuſammenkunft ſchaſſen läßt, wo es dann 
gemeinfhafttih verzehrt wird, und daß ein jeber feinen Antheil an 
ben übrigen babei Statt finbenden Xusgaben bezahlt, 

Die Pidrofine, 4. —n, bie befte Sorte Epanifher Roffnen, Pic: 
sibeben, fange Mofinen. 

Der Viel, — s, My. —t, in ber Schifffahrt, bie Benennung gemif: 
fer Zaue. Der Piel des Befanfegels, basjenige Zau, womit bas 
oberfte Ende ber Beſanruthe ober der Beſangaffel aufgetsppt wird. 
Der Piek bes Giekbaumes, das Zau am Ende bed Giekbaumes, mo: 
mit er aufgetoppt ober gepielt wirb, (Einige fagen dafür Dirk, 

Die Piel, Mz. — en, im ber Schifffahrt, die unterfte und binterfle Ab: 
theilung ober Raum Im Schiffe, dicht am Pinterfteven. Der ur: 
tere vorderſte Raum bes Schiffes wird von Ginigen auch die vor 
dere Piek genannt, gemöhnlidh aber das Keil ober bie Hölle, 

Das Piekblatt, — es, Wy. —blätter, ber Piefbube, -n, M.—n, 
die Piefdame, 4. —n, bie Pieforei, 24. —ın, f. Pike ı). 
Die Diele oder Pike, MB. — n. ı) Ein zugeſpitttes Eifen an einem 
langen Scafte, momit ehemahls bas Fußvolk im Kriege bewaffnet 
mar, unb womit man baffelbe in Ermangelung der Keuergemehre 
zuweilen noch bewaffnet. Beim Entern bedient man ſich auch Tan: 
ser Piken. Auf Gröntandfahrern find die Pieken etwas gefrümmte 
eiferne Haken, womit der von bean Strandfähneibern in Flensſtücke 
von einem Auf ind Gevierte gefihnittene Speck durch bie Flendtufe in ben 
Raum geworfen wird. Röbing. Inberjkranzöfifihen Karte it Pieke 
eine Farbe, welche des Eiſen einer Pique zum Zeichen hat (Pigue), 
Davon Piekblatt, Piekdaus, Piekkönig, Piefdame, Pirkbube, Pick: 
sroei, Pieforei ıc. Umeigentlih, X eine Piefe auf jemand haben, 
einen roll, einen heimlichen Wiederwillen. Im N. D. der Pi, =) 
F In mansen Gegenden, ein Pängenmaß, zwei Klofter lang, fo 

fang etwa eine Piele zu fein pfleat. 

Das Firfeifen, — 8, 39. gl. tas Gifen, bie eiferne Epine der Tieke. 

Pieken, v. trs, in der Schifffahrt, die Magen vermittelt bed Koppe: 
nantd an ber einen Seite aufbolen und on ber anbern niebertaflen, 
bamit fie ben in einem Bofen vorbreifahrenden Schiffen nice binbers 
th find. Man fügt dafür aud, die Nauen in den Piek fegen. 
D. Pirfn. D. —ung. 

Dab Fiekenfaͤhnchen, — 2, Mj. gl. das Fähnchen an ber Pieke der 
‚Pietenträger unterhalb des Eifens (Banderole). 

Piekenfoͤrmig, «4. u. adv. die Korm, Geftait einer Pleke habend. 
In ber Naturbeihrelbung iſt ein Nusfhnitt ober eine Budt am 


647 


Pilg 
Grunde piekenfoͤrmig (spienlatum s. cordato- sagittatum), men 
die Seitenwinkel bee Bucht der Herzform Tpigig find. Itlige r. 

Der Piekenſtoß, — es, By. —flöße, rin Stoß mit der Pieke. 

+ Yielentief, adj. u. adv. zmei Klafter tief. Friſch. 

Der Viekenträger, —#, MM. gl. einer der eine Pieke trägt, Befon 
ders nennt man mit Pieken bewaffnete Krleger Pielenträger (Pi- 
kopier), In ber PRaturbeihreibung, der Name einer Art Käfer 
(Scarahacus lancifer L.). Remnid. 

Das Piekholz, — s, Pa. —böljer, in dem Schiffbaue, bie zundädk 
bei dem Vor: und Hinterfteven ſtehenden Hölzer, welche eins gabels 
förmige Geſtalt haben; auch Mekſtuͤcke. ©. die Piel. 

Die Pieffünf, By. —en, ber Piekkoͤnig, —es, Bi. —e, bie 
Piekſechs, 94. — en, ıc. f. Pieke a). 

Die Piekpforte, 4. —n, im Schiffdaue, eine’ Pforte, welche beim 
Baue eines Schiffes Hinten in der Piel gemadt wird, zu welcher 
bie Arbeiter ein: und ausſteigen. 

Der Piekſtock, —es, 4. —ſtoͤcke, der Stock ober Schaft einer Picke; 
ber Pierfhuft, ” 

Das Piekſtuͤck, — s, 4. —t, f. Piekholz. 

+ Die Fielzente, 9%. —n, eine junge Ente S. Pielke. 

+ Die Yielfe, 99. —n, im Dithmarfifhen, eine junge Ente, eine 
junge‘ Sans, auch Piele, von Piele, bie zarten Kiele in der Haut 
ber jungen Vögel. 

Das Piclkefpiel, die Vielketafel ic. f. Beilkeſpiel. 

+ Die Pie, 9. —n, f. Vielke. 

+ Der Yienten, —6, 9. gl. ein Rame bes Bergfinten. 

Der Piep, Piepen ıc. f. Pip, Pipen ar. 

+ Der Piez, f. Diez. 

Der Piezſtein, —es, 94. —t, der Wargenftein. 

+ Das Piferkraut, f. Pfifferkraut. 

Fir, f. Puff. 

+ Das Pi, —et, Wi. —e, in Beiern, cin Gemäß, ein halbes Sei⸗ 
dei, 4 B. Wein, Fulda, 

Die Tignole, der Pignolenbaum, f. Pinie. 

+ Die Pilbeere, 9. —n, die Wogelbeere, Elbiſchbetre. 

+ Der Pild, —s, 9. —n, f. Bilchmaus. 

Der Pilger, —s, 9. gl; die —inn, By. —en, ober, von veiben 
Geihlehtern, der Pilgrim, — es, Ba. —t. 1) x%* Ein Arember, 
Ausländer, „Denn ih bin beide dein Pilgrim unb bein Buͤrger, 
mie alle meine Vaͤter.“ Pf. So, 13. „ie lauften einen Zöpfersr 
ader zum Begräbnis der Pilger Matth. 27, 7. 2) In engerer 
Fedeutung, ein auf einer Reiſe begriffener Ausländer, und über: 
haupt ein zu Fuße Neifenber, ein Wanderer, Waller; ehemabis auch 
Pilgram. 

. Den Pilgram, melden du fiebfl außer Meges wallen 

Und irrig gehn Weld ein. Opij. j 

Am haͤuſigſten gebraudt man Pilser von einem, ber nad) einem ent: 
fernten Anbachtsorte, einem daſelbſt befindlichen @nabenbilbe rc. rei⸗ 
fet ober gebit, um dort feine Andacht zu verrichten ıc.; ein Mall: 
bruder, eine Wallſchweſtet. Ein Pilger nah dem heiligen Grabe, 
nad einem mwunberthätigen Marienbilde ꝛt. An der böheın Schreib⸗ 
art werben auch die Menſchen überhaupt Pilger auf Erben genannt, 
wos fie gleihfam Fremdlinge find, ober wo fleibrk Lebensrelſe machen, 

Die Pilgerfahrt, 9y.—en, bie Fahrt ober Meife eines Pilgers moch 
einem entfernten Andachtsorte, nah einem Gnabenbilte ve. ; die Wall- 
fahrt. S. Fahrt. 

Ein uralt Muttergottesbiſd, zu bem 
Der frommen Pilgerfahrten viel gefhab'n. Schiller. 
Umeigentlih au, bie Lebens teiſe. &. Pilger »). 

Die Lilgerflafhe, Rz. —n, eine gewöhntib aus einem Flaſchen ⸗ 
tuͤrbiſſe gemachte Flaſche, vergleichen bie Pilger auf ber Pilgerführt 
mit Getraͤnk bei fi zu tragen pflegen ober pflegten, 

O Der Yilgergang, —es, Z. —gänge, die Pilgerfahrt; eigentlich 


“, 


Pilge 

Seines Pilgergangs Beſchwerden 

Ahtet er für Kinderfpiel. 3. Rif. 

Der Pilgerhut, — s, 9. — huͤte, ein Hut mit breitem Manbe, auf 
einer Seite arwähnlih aufgekrämpt und mit einer Muſchel gesiert, 
bergleihen bie Pilger zu fragen pflegten, ober auch wel nad tragen. 

Das Pilgerkleid, —es, By. —er; die, Pilgerfleidung, Du. —en, 
ein Mleid, eine Kleidung, wie fle Pilger zu tragen pflegen ober 
pfltaten. 

— Dem Mann im braumen Pilgerffeide. Wieland. 

Das Vilgerleben, —s, 0. 3. das Leben, bie Behensweife ber Pils 
ger auf ihrer Pitgerfahrt. Dann, das Lehen auf Erben, bas Beben 
der Menfhen als Pliger auf der Erbe. 

Das Pilgermaͤdchen, X Pilgermädel, —s, My. gi. ein pilgerndes 
Mäabhen, ein Mäbhen als Pilgerinn. 

Ein Pilgermädel jung und ſchoͤn 
Walt auf ein Klofter zu. Bürger. 

Der Pilgermantel, —s, 3. —möäntel, der Mantel eines Pitzers. 
Brifd. 

Pilgern, v. intre. mit fein, eine Pilgerfahrt unternehmen, auf ber 
Yilgerfahet fein, Sie pilgerten ua oem heiligen Grabe, In weis 
terer Bebeutung, nah einem Orte, ber in irgend einer Hinſicht wid: 
tig, beitig if, walfahrten. — biefe Denkmahle, unter die fie euch 
fo großmäthig pilgern Taffen" 1. Meyer. A Durchs Beben 
pilgern, bie Pilgerfahrt durchs Leben machen, auf@rden als ein Pit⸗ 
ger leben. Wohlauf denn gepilgert mit feöhtihem Einn, 

Wie jegund nad Böhrim, durd's Leben ſe bin. ©. 
D. Pilgern. D. —ung. 

Der Pilgerrod, —ı6, 9. — roͤcke, ber Mod eines Pilgers, einer 
Pilgerinn. 

Die Pilgerſchaft, 9%. u. ») Der Zuſtand, da man ein Pilger ober 
eine Pilgerinn ik; auch bie Pilgrimſchaft. =) Die Virgerfahrt. 
uf der Pügerfhaft fein. Die Pilgerfhaft durchs Leben, das te 
den auf Erben, auf welcher wir Pilger find und nicht bleiben, wobei 
zugleich on die Kürze des Lebens gebadht wird, 

Die Eintraht treuer Herzen, bie jebe Rauhigkeit 

Der Pilgrimfchaft des Eebensmit Blumen überfireut. Dufd. 
O Die Pilgerfbar, Rz. —en, eine Schar von Pilgern. ° 

Bon Pilgerfharen wimmelten bie Wege. Schiller. 

X Der Pilgerdmann, —es, 9. — männer, ein pilgernber Mann, 
ein Pilger. Bon einem Pilgerdmanıt wird weder Gald begehrt, 

N Roh Sitbergelz — — Wieland. 
Der Filgerftab, —es, My. —fläbe, ein fanger Stab, wie fih de ſſen 
die Pilger auf ihrer Pifgerfahrt bedienen, welder oben zwei Kuöpfe 
bat; ter Pilgrimsftab, auh der Jakobeſtab, foferm er befonders 
auf ben vormahts fehr häufigen Pilgerfahrten nad dem beillgen 
Jakob zu Compoſtell in Gebraud war. Dann überhaupt, ein Stab, 
auf welchen man fih auf ber Pilgerfahrt und uneigentlih auf ber 
Pilgerfahrt durchs Leben flügt. 
Werd’ ih fliehen, und vom Erdgewimmel 
Kernen meinen Pilgerfiab? Hölty. 

In weiterer Bedeutung Überhaupt ber Manberftah, 
Komm mit mir lieber alter Freund, 
Mein treuer Pilgerſtab. Pfeffer 

Die Pilgertafche, 94. —n, eine Taſche wie eine Jagdtaſche, bergleis 
hen bie Pilger auf ihrer Pilgerfahrt tragen. 

Der Pilgrim, —es, 24. —e, die Pilgrimfchaft, f. Pilger re, 

Der Pilgrimfall, —en, By. —en, eine Art Falten (Falco migra- 
torius),. Remnid, 

Die Pilgrimsmuſchel, By. —n, eine Art Dofen In ben Furopäifhen 
Meeren, welche öfters Äber einen halben Schub breit gefunden wird, 
und beren obere Schale platt, die untere aber bauchig ift und ger 
Arabit (Ostren maxima L.), Sie hat ben Ramen bavon, weil ſich 
die Pilgrime auf ihren Waufahrten damit behängten. 


und uneigentlid. 


648 


Das Pilfefpiel, die Pilketafel, f. Veilfefitel x. 


Pit; 


Die Pille, 94. —n; Bo. das Pillen, eine Arzenei im Geftalt Hei: 
ner Kügelben. Pillen machen, einsehmen. Magenpillen ıc, Da 
bie Pillen, wenn man fie zerbeißt, einen bäflihen Belhmad haben, 
nennt man uneigentfih X aud etwas Unangenehmes, Midriges eine 
Pile. ine eine Pille gu verfhluden geben, einen Verweis, eine 
bittere Bemerkung tr. anzuhören und fi anzunehmen geben oder 
machen. Das waren bittere Pillen, bas waren bittere Berwürfe, 
Benerlungen, Da man bie Pillen oft vergolbet ober verflibert, bar 
mit fie miht haͤßlich aubſehen, gebraucht man auch biefen Umſtanb 
und fagt, bie Wille vergolben ober verfildern, ben Worwurf, Bers 
weis ꝛc. mit guter Art machen, geben, ihn fo eintleiben, daß er eis 
nem Bormurfe, Vermeile ıc. nicht Abntih fehe. Gebrannte Pillen 
nennen Sie Holänder Fleiſchſchaecken, die an ber Mündung braun 
ober ſchwarz find. 2 

2. Die Pille, 94. —n, und Pillen, f. Bille und Billen, 

X Der Pillendreher, —s, D. gl. die verätlihe Benennung eines 
Arzeneibereiters, wie auch, eines Arztes. 

rg v. tr. bei den Möllern, den Möptflein ſchärfen. D. Pillen. 

. —ung. 

Die Pillenblume, 4. —n, eine Pflangengattung, welche von den 
runden Honigbrüfen im Kelche ben Namen Sat (Gleome L.). 

Der Pillenfarn, —s, M. u. eine Art Kara ober Farnfraut, deſſen 
männtide Biäten an der Seite bes Blattes, beffen weibliche Ber 
fruchtungetheile aber in Geſtalt Meiner Pilen an der Wurzel figen 
(Pilularin L.), 

Die Villenform, 94. —em, ı) Die Form der Pillen, die runde Be 
kalt der Pillen, auch die Pillengeftalt; ofme Mehrzahl. 2) Eine 
Borm, eim Werkzeug, mit welchem bie Pitlen geforınt werben. 

Der Fillenküfer, —6, 2. gt. ber Frühlingakäfer. €, d. 

Der Pillenmacher, —s, 2. gl. einer der Pilen macht, verfertiget. 

Die Yillenneffel, 9. —n, eine Art Neffen im fühlihen Europa, 
wilde Beine kugelrunde, fruchttragende Kägchen in Geſtalt ber Pils 
ien bet (Urtiea pilulifera L.). 

Die Pillenfhachtel, 84. —n; Bw. das Pillenfhächtelden, eine 
Schachtel mit Pillen, oder Pillen barein zu tbun, 

Der Pillestang, —8, 0. 9. eine Art bes Zanges ober Meergra⸗ 
fe# (Fucus pilularie),. Remnid, 

Der Pillenteig, —e8, I. —, bei ben Xrgeneibereiteen, ber Ziig, 
db, b. bie keigartige Maſſe, aus welcher man Pilen formet ; die 
Pitlenmaſſe. M. Kramer. 

Der Pilot, —en, Wh. —en, ber Steuermann, wie auch, ein kothle 
ober tothsmann; von pilen, peilen, den Grund melfen, und Loth, 
das GSenfhlei. In der Naturbefhreibung nennt man Piloten bie 
fleinen Fifhe, weiche ben Hai begleiten und bes Raub für ihn aufı 
fuhen, von deffen Überreften fie fh nähren. 

+ Du Bi: 4. —n. ı) Die Bil, 2) Die Kriege, Pſtaumen— 

iebe, 

Der Vilfenfchnitt, —e, My. u. berjenige Zufau, da einer Kornähre 
duch eine Beine gelbe Larve, weiche im Halme nad ber Ähre zu 
ſiht, die Ratzzung entzogen wirb, fe baf bie Ähre verborret und 
gen; weiß wirb, ine ſolche Ähre wennt man aud eine srfrorne 
Ahre und bie darde ſelbſt heißt Ährenwurm. 

Der Pilz, —es, Mz. —⸗ ; Wr. das Pilzchen, ber Name eine Far 
milie von Gewaͤchſen, bie fleiſchig, lederartig ober hotzicht find, und, 
deren HSaupttheil meiſt zernudet und zum Theil gewoͤlbt it und auf 
einem EStiele aufſiht Eungi). Im engerer Bedeutung verſteht man 
nur bie efbaren Gewähfe dirfer Art, bie man ach Schwaͤmme 
nennt, darunter. In ber Maturbefhreibung nennt man in enger 
Bebeutung Pilz nur eine Art Shwämme, den Löherfihmanm (Bo- 
letus L.). In bie Pilse geben, in ben Wald geben nah Pilzen, 
Yirze zu ſuchen; uneigentlik, X bavon gehen, verloren geben. Mit 
einem Maͤdchen in die Pilze geben, mit ihr davon geben, fie ent 


Pil 
führen, „Märe nicht bie ganze Tragobie (das ganze Teauecſpiet) in 
die Pilze gegangen» Leſſinge Da bie Pilse faſt überall und 
ſchneu wachfen, die meiften auch unbrauchbar und fhäptih find, fo 
fagt man von einer bebeutendern Sache, zu beren Geſchehen längere 
Beit adthig iſt, X fie wachſe nit wie die Pilze. Dagegen nennt 
man einen Menſchen, ber ehe man fi deſſen verfichet und ohne 
daß man reiht weiß wie, zu Reigthum, Ehre und Anfehen koͤmmt, 
einen Gluͤcspilz (Parvenu). 

Pilziht, adj. u adv. in Hamburg, einem Pilze ähnlich, ſchwammicht. 
Ridhen. In derftaturdefhreibung heißt eim zaͤher Koͤrper, der aus 
jufammengebrädten undeutlichen foftigen Zellchen zuſammengeſetzt 
iſt pilzicht, pitzig (fuugosus). Illiger. 

Das Pimpelchen, —, #4. gt. ſ. Morgenſtern 5). 

+X Pimpelig, adj. u. adv. ı) Pimpeinb; weihlid. Dimpilig fpre: 
hen. Pimpelig fein. 2) + Schwach, gering, wenig. Im Botfteins 
ſchen, pimpelig effen aud trinken, wenig. 

Die Pimpelmeiſe, 24. —n, ein Rame ber Heinften Art Meifen, 
ter Blaumeiſe ober Mehlmeiſe (Parus eseruleus L.). 

X Pimpeln, wg. intes, ı) Mit Heinen Stocken läuten, =) Welchlich, 
weinerlih, mit fhwaher Stimme Hagen, fid beklagen, unb Hagen 
überhaupt. „Die Holländer pimpeln gern.“ Ungen. Im Dsna: 
brüdfhen pingeln, püngeln. D. Pimpeln. 

+ Der Pimperlimping, —es, M. u. der Rübenkerpel, ©. d. 

+ Die Pimpernelle, f. Yimpinelle. 

Die Pimpernuf, 24. —nüffe; Bmw. das Pimpernüßchen. 1) Die 
Frudt eines Baumes oder vielmeht Strauhes, bes Pımpernußsaus 
mes ober Pimpernußſtrauches, im R.D. Pimpelnuß (StapkyieoL.'. 
Die Frucht beſteht in nußähnlichen Keenen, deren je zwei und zwei 
in aufgeblafenen Hülfen warfen. Die gemeine Dimpernuß (Sta- 
phylen pinnata L.) beipt auch wilde Pimpernuß, Kiappernuf, 
wirde Piſtazie. 2). In einigen Gegenden N. D. führt auch die ge: 
meine Keine Hafelnu$, deren trodne Kerne in ben, Schalen oft Maps 
pern, dieſen Rımeu, 5) Die Frucht der echten Piſtazie (Pistacia 
vera L,), : 4) Die Indiſche Pimpernuß, f. Waſſerſtrauch. 

Die Pimpinelle, 9%. u. ı) Cine Pflanze mit ditiger Wurzel von 
ſcharfem breunendem Geſchmacke und eiförmiger Frucht (Pimpinella 
L.). Die Steinpimpinelle (P. saxifraga L.) und bie Bodpimpir 
nelle (P, hircina L.) find Arten derſelben, bie auf traten Miefen 
wachſen, in ber Heitkanſt gebrauht und auch, brfonders bie erfie, 
ſchlechthin nur Pimpinelle oder Pimpinellwurz genannt werben. 
a) Eine Act ber Becherblume auf Anböhen und trodnen Wiefen in 
Deutſchland unb im Füdlichen @urspa, ein gutes Futterfraut (Po- 
terinm sanguisorba L.). In den gemeinen Sprecharten lautet bit: 
fes Wort Pimpernelle, Bibernell und Bibinell. 

Die Pimpinellrofe, 24. —n, eine Eieine niebrig wachſende Kt 
Mofen, welche viele gelbe Stacheln hat, große, glatte unb ſchwarzt 
tugelrunbe Fruͤchte traͤgt und kleine glatte Blätter hat, welche benen 
ber Pimpinelle gleichen (Rosa pimpinellifolia L.). 

Die Pimpinellwurz, 0. 94. ſ. Pimpinelle ı). 

X Der Pimpler, —s, 9. gl. einer ber pimnelt, immer klagt. 

+ Der Pin, —ı, 9. —t. 1) Ein Hieberiger Koͤrpet. Bulba, 
2) Etwas das kleberiges Wefen, z. B. Harz bei ſich hat, vie Fichte. 
Auch ber Fichtengapfen, und nad Fulda dad Nadeiblatt einer Fichte 
at. wird Pin genannt. 

Die Pinaffe, 94. —n, ein zweimaftiges Schiff, wie ein Schontt be: 
fegeit, bas zwel Ruder zugleih führe. ©, Wei ben Engländern 
ift bie Pinaffe au die Schlupe, melde zus Bequemtihleit ber Df: 
fisiere des Oberſtabes dient, Möbing. 

+ Die Pinelmeife, 4. —n, die Blaumeife (Parus caeruleus L.); 
Pimprimeife. 

Die Pinge, MRz. —n, im Bergbau, eine Keffeiförmige Bertiefung, 
befonbers fofern Re von einem ehemabligen eingefallenen Wergge: 
baue hereühret, ri 


Ganıye's Wörtenb. 3. Sb. 


69 


Pin 

+ Die Pingel, 9. —n, im R>D. bie Schelle. Daſelbſt Heißt eine 
kieine Tharniglocke Pingelliode, Pingelpott. 

+ Pingeln, v. intrs. N. D. mit Schellen, Heinen Sickchen läuten. 
S. Pingel. D. Pingeln. 

Der Pinhammer, — 6, 9. —himmer, f. Finnhammer. 

Die Pinie, (dreifntbig) By. —n. ı) Der länglide, platte, etwa eines 
halben Zolles lange Samenkera, deren ſich zwei in jedem über vier 
Zell langen und fehr dicken Zapfen bes Piniendaumes befinden, unb 
die wie Mandeln fhmeden; der Pinienkern, das Pinnäßcen. 
Der Baum der fie trägt, der Pinienbaum ober Zirbeibaum if eine 
im füblihen Europe wachſende Battung Kiefern, und heißt aud 
Pinie (Pinns pinea L.). 2) Indiſche Pinien, bie Samenkörner 
einer ÄArt der Krebeblume (Croton tiglium L.), bie man aud 
Itatiſche Perien nennt. ©. Perle 6). 

Der Pinienftein, —et, By. —e, im Bergbaue, eine Art von Frucht⸗ 
er in melden Körner von ber Größe und Geflalt ber Piniem 

egen. . j 

Der Yinienbaum, bie Pinienkiefer, f. Pinie. 

X Pink, ein Schallwort, weldes den feinen Schell, wenn man gemilfe 
Dinge, befonders Stahl und Stein beich Beutrfhiagen, sufammen: 
flägt; wie auch, mit pank verbunden, ben Schall des Shmicdeng 
nachahmt und bezeichnet. 

Und dieſes Herz — ed haͤmmert euch, 
Def men es hoͤren kann, 
Pink pank für Gott und Baterland 
und jeden braven Mann, ©. 

1. X Der Pink, —es, By. —t, ein Cha, welchen das Wort feisft 
nachahmt, befonders ein Schlag mit dem Stable an ben Stein, wo— 
bei tiefer Shan gehdret wird, Mit dem erften Pink Feuer anſchlagen. 

2. Der Fink, — es, 4. —e, ein Zopas son mattrother Farbe; 
auf Zeilon. Remnid. 

2. Die Pinke, 3. —n. 1) Im Mitteländifhen Meere, ein großes 
dreimaſtiges Schiff, beffen beide vordere Muften Tateinifhe Segel 
führen; ber hinterfie Maft ift ein Fieiner Befanmafl. Sie gleicht 
einer Schebede, iſt aber glatter gebauet und führt keine Ruder, 
a) In den norbilden Gemwäffern, ein dreimaſtiges Schiff, welches 
einer Barke gleicht, aber fhärfer gebauet iſt und einen ſchmälern 
und böhern Bintertbeit hat. ©, 

2. Die Pinke, 9. —n, eine Art Heiner Lachſe; aud Kart, Nad 
Remnid ein Kal von mittler Bröße, 

+ Der Pinkel, —4, 94. gl. ber gerade Darm, Maſtdarm (Intesti- 
mom restum); auch, der Pinken, Pinkedarm. 

+ Pinfeln, v. intrs. u. tes. im R. D. ı) Im den Pinkel bringen, la— 
ben; einpinfeln, ven Bauch mit Epeife füllen. 2) Im MD. pif: 
fen; von Kindern x, D. Pinkeln. J 

X Pinken, v.intrs. +) Pink machen, beſonders durch Zuſammen⸗ 
ſchlagen des Stahles und Steines beim Feuerſchlagen, ben Shall 
mwelhen bad Wort pin? nachahmet, hervorbringen und dadurch Fun. 
Ten herworloden, Lange pinten und bad fein Feuer befommen. 

— ba pinft man umfonft, mo ber Wind bie Funken hinweg; 

) —— 
) Xu mboffe Hopfen, bimmern; im R.D. pinke Pi 
es den Begriff verflärkt, hen daſelbſt bat age din 
tepanf, ber Klang vom Klopfen und Hämmern unter einander; wie 

— he — D. Pinten. z 
er Pinkert, —es, 4. —e, bei den Vogelftchern, ei 
welcher nicht orbentlih fingt, ſondern nur Pink Pint en 

+ Der Pinndop, — es, 9. — et, im R. D. ein Kreifer, deffen Fus 
niit einer Pinne ober Zwecke befhlagen if. 2 

Die Pinne, 8. —n; Ei. das Pinncen, im N. D. ı) @in feiner " 
fpigiger Nagel, eine Imede, Bei den Drechslern, der fpigige ei: 
ferne Bapfen in den Pfeileen ober Doden der Drehbank um deren 
Spige fih die Sachen, welche gebrechfelt werden, drehen. In mweir 


82 


Pinn 


650 


pinf 





terer Vebeutung find bie Pinnen Heine ſpitige Stäbe, deren man 
fh beim Feltmeffen bedient, indem immer einer and Ende ber 
Mefkerte in die Erbe geftedt wirb und ben man, menn bie Kette 
an benfelben wieber angelegt und am Ende ein anderer eingeſteckt 
ift, wieber herauczieht und behält, wo benn zuletzt die Zahl ber Staäb⸗ 
Henanzeiat, wie oft bie Meßkette angelegt werden ift. Im Echiffbaue 
heist Pinne jedes fharfe oder ſpitige Ende, ober auch ein ſtumpfer 
Bapfen eines Holzes oder GFifens, welches in ein dazu paffenbes Loch 
eingeiaffen unb eingezapft iſt. 2) Das bünne, in eine ſtumpfe 
Schaͤrfe ausgehende Ende eines Hammers; in Gegenfag des digen 
Endes, des Kopfes, 3) Eine Artlanger fpisiger, oft zwei Fuß langer 
Muſcheln, beren Schalen an einander gewachſen fint (Pinna L.); 
die Steckmuſchel. 4) Bei den Jaͤgern beifen die karten Schwung: 
federn on ben Flügen ber Fallen Pinnen. ©. Kinne. 

Der Pinnebaum, — et, Br. —bäume, bei den Sammtwebern, 
ber Bruſtbaum an ben Mebflühlen berfelben, weil bie Melle derfel: 
ben mit Pinnen beſchlagen ift. 

Pinnen, v. trs im Schiffbaue ıc. zwel Hölier jufammenfägen, wo⸗ 
von bad eine eine Pinne bat, bie in ein dazu paffendes Boch in bem 
andern eingelaffen wird; auch einpinnen. D. Pinnen D. 
— ung. 

Die Pinnenſaͤge, 9. —n, bri den Stuhlmachern, eine Säge, wo: 
mit fie einen Zapfen nicht nur nad ber Breite des Holzes vorſchnei⸗ 
ben, fonbern auch nach Mafigabe biefes Schnirtes das Überfläffige 
aber bie Kloͤte nad der Laͤnge des Holzes abfägen und bieburd; den 
Zapfen erfobertih verbünnen. 

Der Yinnenwädter, — 8, Mt. gl. eine Art Heiner Krebfe, weiche in 
bie Schale der Pinne ober Steckmuſchel kriechen und dieſe gegen eine 
Art von Serlape vertbeidigen foll (Cancer pinnophylax L.). 

Der Pinnbammer, f. Kinnbammer. 

+ Dad Pinnholz, — 6, Ba. u. im R, D, bag Holz ı) bes Faufs 
baumes (Rhamnns frangula L,), 2») des Epinbeibaumes (Eıony- 
zuus Europaeus L.), woraus bie Schuſter die hölzernen Pinnen 
machen, 


t en 4. —n, ein Kal von mittler Größe 

in?e. 

Der Pinfel, (+ Penſel) —s, My. al; Bio. Pinfelhen, O. D. 
— fein, ein Büfchel zufammengebunbener Baore, weiche meift in 
eine Epige auslaufen, an einem Stiele, einen flüſſigen Körper, bes 
fonders eine Hüffige Farbe damit auf eine Fiäte aufjutragen. Die 
groben Pinfel, z. B. Kleifierpinfer, Yeimpinfel, Tuͤncherpinſel ec. find 
von Eihmeineborften, baber fie auch Borftenpinfel heißen; bie feinen 
Pinfel der Mabler aber vom feinen Haaren 3. B. bee Eichhoͤrnchens; 
Mahlerpinfel. Auch ſchon das Fähren, welches bie Haare jufam: 
menfast mit deſſen HSaaren ohne den Stiel wird Pinſel aenannt, 


S. 2. 


An enzerer Pebentung verfieht man unter Pinſel ſchlechthin ſchon 


den Pinfel eines Mabiers, und uneigentlih, feine Art und Weiſe 
gu mablen. Den Pinfel aut zu führen wiſſen, gut mabien. Gin 
marliger, geiftreicher x. Pinfel, eine ſolche Art den Pinfel au füh: 
ren oder ju mahlen. Dies Pin ift nicht aus feinem Pinfel ar: 
floffen, Nies Bitd ift miht von ihm gemahlt. In der Raturbe: 
ſchreibung, ein Buͤſchel Haare auf einer Stelle (Penieillus‘,. nei: 
genttiih nennt man auch 1) einen einfäitigen dummen Menfchen in 
Anfehung feines Handelne und Betragens im gefellihaftlichen Leben, 
ber ein bloßen Werkzeug in der Hand eines Ändern, wie der Pinfel 
in ber Sand des Mabters if, einen Pinfel, auch, einen einfälti: 
gen Pinſel, Einfaltepinfst. Kuh eine Art Meerfhwalben fährt 
wegen ihrer Dummhelt den Nomen Pinfel (Sterna stolida), ©, 
Meerſchwalbe. 2) Im R. D. aud einen Knanſer; Pinfeler. 3%) 
Das männtihe Glied der Thiert, N. D. Peſel, Pint; beſonders bee 
Malfiihes, und bei den Zägern, bes wilden Schweines und bes 
Nebbeckes. 


Die Pinſelei, 99 —en, die Handlung da man pinſelt. 1 Die 


Handlung, da man flüchtig und fchlecht mablet; ohne Mehrzahl 
Dann auch, ein auf ſolche Art gemabltes @emählbe, eine ſchlecht 
Mablerei. „Die Unfitte, verlegenen und vermafhenen Pinfeleien 
große Meifternamen anjuheftene 0. Allgem. Beitung. (#.) 
2) Das Benehmen eines Pinſels ober einfältigen Dienfhen, mie 
auch, eine einzelne Hanblung eines ſolchen Menfhen. »Waeg mit 
ben Pinfsleien.- Bürger. 5)X Das Pinfen ober wiederholte aus 
te, weinerlihe Klagen, S. Pinfeln. 

X Der Yinfeler, —s, 4. gl. einer ber pinfelt, 
mit bem Pinſel beftreiht, mahlet, 
ſchlecht mahlet. 

Künſtlicher Pinfeler wird ſtatt ſchaffenden Seiſtes ber Mahler. 
Glubius. 
»)X Einer ber pinfet, fi mit lauter weinerliher Etimme beflagt, 
5) Im N. D, ein Knaufer; auch der Pinfel, 

Pinfelformig, adj. u. adr. bie Form, Geftalt eines Pinfels habend. 
In der Pflanzentehre heißt die Rarbe pinfelformig (penieilliforme), 
wenn fie ons einer Menge kurzer dicht gebrängter fleifhiger Ga: 
fern, in Beftalt eines Pinfels, befteher, 

Finfelhaft, —er, — eſte, adj" u. adv. einem Pinfel oder einfältigen 
Menfhen ähnlich, einfältig, Pinſelhaft fein, ausfehen, Cine pin⸗ 
felhafte Antwort. Davon die Pinfeibaftigleit, die Eigenſchaft 
einer Perſon und Befchaffenheit einer Sache, da fie pinfeibaft ift. 

Der Pinſelkoͤcher, —e, Mp. gl, eine Art Geetöher, bie einfache bei: 
fammenfichende Röhrchen bilden, aud deren Oberende ein Pinfel von 
ber Größe einer Erbfe entftcht, mofelbft die Brut fortgepflan;t wirb 
(Tubularia penicillus L.), 

X Yinielmäfig, — er, — fie, adj. u. adv. einem Pinfel, einfältigen 
Menfhen gemäß, ahnlich; pinfelhaftl. Davon die Pinfelhafs 
tigkeit. 

Das Pinfelmoos, —et, M. u, eine Art Moralenmoos, welches oben 
am Ende mit borftenartigen Äſtchen, bie einen Pinfel bilben, befegt 
ift (Coralline pemieillus). 

Pinſeln, v intes, u. trs, 1) Den Pinfel handhaben, mit dem Pins 
fel beſtreichen. Sich den Hals pinfeln laſſen, ſich denſelben in 
wendig, wenn man Schmerzen ıc. daran hat, vermittelſt eines Pin: 
fels mit einem BSeikmittel beſtreichen laſſen. Beſonders, mit dem 
Vinſel mabfen, gewöhnlich aber nur verädttidh von einem fchlechten 
Mohten, „Alle Eingänge find vermauert und zu Rifchen gemadt, 
in beren jebe ein Heiliger fehlecht genug gepinfelt it.» Seume. 
8.) Auch uneigenttih mie mabten, für fhitbern, mit bemfeiben 
Aebenbegriffe. Keine bie mit Woͤrterkrame 

Ihre kLiebe pinfelt. Schiller. 
2) X Mit weinerlicher Stimme Hagen, ſich belegen; rerächttich. 
©. Pinfen. „Wer wird au immer pinfeln?® Beottfheb. 5) 
r Im R. D. Enaufern, genau Bingen. 4) +Im NR, D. zaubern. 
D. Pinſeln. D. —ung. 

O Der Pinfelorden, —8, WM. u. gleichſam ein Orden, eine geſchloſe 
fene Geſellſchaft der Pinfel ober von Pinfeln, d. h. einfältigen Men: 
fen. Knigge. 

Der Pinſelſchwanz, — es, a. — ſchwaͤnze, ein pinfelförmiger 
Schwanz. Daun, ein Thier mit foihem Schwanze. ®o führt in 
ber Yaturbefchreibung eine Art Vierfuß oder Tauſendbein biefen Ras 
men, weil fie am Schwanze einen weißen Piufel hat (Scolopendra 
legura), 

Der Pinfelfliel, —es, 4. —e, ber boͤtzerne Stiel, an welchem bie 
Saare bes Pinſels, ober das Röbrihen weiches dir Haare enthält, ber 
feftiget fine. 

Der Finfelfirich, — es, Mr. —e, ein Strich, Zug mit dem Pinfer, 
beſenders dem Mahlerpinſel. Keinen Pinſelſtrich tbun, nidt das 
gerinafte mahten. 

Der Winfeltrog, —et, My. —tröge, ein Meiner blecherner Trog mit 
DI, bie Pinfel barin zu reinigen. 


ı) Einer ber 
und im engerer Bebeutung, 


Pinf 

Pinfen, vr. intrs. Achzen, Hagen; bavon bad Veröfterungs: und Ber 
Meinungswsrt pinfeln. D. Pinfeln. - 

rt. + Der Pint, —es, By. —r. ı) Die Spipe. 
@lieb, 

2. Der Pint, —6, 9. u. eine bem Arum ähnliche, ım ſtehenden 
Waſſern und an Quellen inKanaba und Birginien wachſende Pflanze 
(Orontium aquatieum L.); ber Schwimmaton. 

Das Pintchen, —s, I. gl. eine Art des Runzelfhmammes, bei 
inbere Siftfämamm ober Giftmorhet (Phallus impudieus L.). 
Außer biefen Ramen und Hirſchbrunſt, führt er noch folgente Ra; 
men theils von feiner Eeſtalt, thriis vom Geruche, theils von dem 
abergläubifhen Gebrauche, welchen man ehemabls bavon machte: 
Schelmenei, Zeufeldei, Herenei, Stertſchwamm, Stuͤckſchwamm, 
ſtinkendet Hit ſchſchwamm, Vrunftkugel über ber Erde, Erdſchmeer, 
Schelmenluͤch, Schelmenpfifferling. 

+ Die Pinte, Mr. —n, ein Maß zu flüſſigen Dingen, welches etwa 
eine Kanne bält, In Böhmen ift ein Pint ein Beinmaß, weldes 
+ Seidel hält. 

Der Vinthafen, —s, 34. gt. bei ben Tuchſcherern, eine eiferne 
Klammer mit zwei Haken, mit welchen man jete Sahlleiſte bes Zur 
ches an bie beiden Kanten bes Tiſches, auf werchem geſchoren wird, 
befeſtiget. 

Pip, ein Schallwort, welches einen feinen Ton nahahnt und begeidh: 
net, wies. B. der Ton, weichen bie jungen Vögel, befonders die 
jungen Hübnchen hören laſſen. 

1.X Der Pip, — es, 4. —e. 1) Ein Laut, welchen bies Wort 
nachahmt. Winen Pip von fi bören Taffen 2) Im N. D. 
ein Pf. 

2. + Der Pip, —et, Mr. 
weiblichen Geſchlechts. 

Die Pive, MW. —n. ı) + Im R. D. die Pfeife, fowol darauf 
zu biafen als auch eine Zabakspfeife. 2) Eine Art langer Bpani: 
ſcher Wein: und Ötfäffer, wie auch, ein Mas für manche fluͤſſige 
Dinge, welches gewoͤhnlich 5 Gimer,ober 5oo Maß bill. In Dans 
zig hält eine Pipe Spanifhen Weines 2", Ohm, eine Pipe Bect 
aber 3 Ohm ober ı2 Anker, ober 60 Biertel, 

Pipeln, v. I) intrs, ein wenig pipen, fein pipen; auch, mit feiner 
aleihfam pipender Stimme ſprechen. ID + ntr. mit haben, in der 
Schweiz, leife Hopfen. Stalder. — D. Pipeln. 

Pipen, v. intrs, u. tre. 1) Pip machen, einen ſelchen kLaut, als bad 
ort Pip nahahmt, von fih hören Iaffen. Die jungen Bög:t pie 
pen. Gin pipendes Küchleln. 

Mit einmaht pip’ ih dr. Dperbed. 
Cpötterinn, bergen bi bert bie Johannisbeeren? — 
Pip eins, Hebewig! 
Hedewig 
Pip! Sof 
®) Im N. D. pfeifen. 53 X Mit feinen Tönen meinen, im gemei⸗ 
nen Leben von Kindern, gewoͤhnlich in verächtlichem oder tadelndem 
Sinne. Unaufbörlih pipen 4) + Stöhnen. 5) + In Dana 
bruͤc ic. küfen. D. Pipen. 

Das Pipenfhilf, —es, 0. I. ein Rame bes Schiifgrafes (Phalaris 
arundinacea L.). 

Der Pipenftab, —ed, Mi. —Räbe, im Hanbel und im Forſtweſen, 
geſpaltetes Gihendoty su den Davben ber Pipen, und in meiterer 
Pebrutung auch zu andern Fäffern; in einigen O. D. Gegenden 
nah Ad, Pfeifholz, weil Pipe N. D. für Pfeife ift. 

Der Tiper, —s, PM. gl. 1) Einer ber pipet in allen Bedeutungen 
diefes Wortee. =) S. Piphuhn. 

Der Viperapfel, —s, 9. —aͤpfel, ſ. Nonnendutte. 

Der Piperling, —es, 94. —t, einer ber über etwas pipet, nichts 
vertragen kann; eim Zaͤrtling. 

& Piperling, f. Piplings. . 


2) Das männliche 


in Odnabräd, bad Monatliche bes 


651 


Pipp 


Die Pipfliege, 4. —n, eine Art pipender ober fingenber liegen 
(Musca pipiens), Remnid. 

X Die Pipgand, 9. —gänfe, eigenttich, eine pipende junge 
Gans. Uneigentlih, ein mit feiner Stimme weinendes Rind, be: 
fonters ein ſolches Maͤdchen. in tabelnder Ausdruck bes gemei⸗ 
nen Eebens, wofür man auch Pipſack ſagt. 

Die Piephade, 94. —n, eine wibernatürtihe Grböhung ber 
Hude bes Eprungelenkes ber Pferde auch Eiechade. 

Der Piphahn, — es, Mz. —hähne, eigentlich ein pipenter Hahn, 
uneigentlich, X eine verähtlihe Benennung eines Menſchen, bilon- 
ders eines Kindes, das gern pipet, d. 5, meint und Hager, 

Das Piphuhn, — es, 2. —hühner, ein pipenbes Huhn. 
Sennebergfhen ı. in engerer Bedeutung, ein Waͤlſches Huhn 
Pute; auch Pipe, Piper, Pipftüder. 

Pipig, —er, —fle, adj, u. adv. 1) X Pipenb, und, gewehnt zu pi: 
ven, befonders mit feiner Etimme weinend. Gin pipiges Rind, 
Da bles Pipen ber Kinber oft von franthaften Zufällen und Zur: 
ftönden herrühret, ober da kraͤnkliche Kinder oft und gern pipen, fo, 
wird pipig im MD, auch für kraͤnklich gebraucht. =) Im De 
nabrüdihen, ſtoͤhnend. 

+ Pipiung, adj. u. adv. in Hamburg, ſehr jung, ein von bem jungen 
Vögeln, bie erft nod pipen, bergenommener Ausdruck 

Die Piplerhe, Mm. —n, bie Heinfte Art kerchen, ven ber Größe 
eines Zaunkoͤniges, welche befonders im Winter einen pipenber Ba 
von fih giebt, ber etwas ſtaͤrker ift ale ber Laut ber Heuſchrecken, 
daher fie auch Heuſchteckenlerche beißt (Alauda trivialis Kl.) 
ber Pisperling, das Leimvoͤgelchen, Gereutlerche, Buſchlerche, 
Baumtierhe, Spießlerche, Krautlerche, Breimvogel, Krautongel, 
Stoppelvogel, Etöppling, Schmelvogel, Gruͤnboͤgelchen, Wald⸗ 
bachſtelze, im Thuͤringen im Sommer Heidelerche, im Herbſte 
Pisperling. 

+ Piplings, adr. wie aus einer Pipe, d. h. Pfeife, Röhre, So ſagt 
man nad Hennas im ber Priegnis, das Biut aus einer Munde 
läuft piplings ober piperlinge, wenn es nicht tropfenmweife hervor: 
koͤmmt, fenbern in Ginem Zuge wie aus einer Röhre läuft. Im 
Holſteinſchen heipt piperlings fallen, nah Scıhüge, platthin zur 
Erbe fallen. 

Der Pippau, —es, Bi. u. 1) Eine mit dem Habichtlraute nahe 
verwanbte Pflanzengattung(Crepis L.); auch unectes Habicht: 
Eraut, Grundfeſte. 53) Ein Rame bes Löwenzahnes (Leontodon 
teraxacum L.). 

Das Vippengehaufe, —®, DR. at. im Bergbaue, an einem Waſſer⸗ 
ſaͤulenwerke, das Hahnenſtuͤr von Metall, weides in ben Boben 
des Stiefels gemaht wird, und biefen mit ber Verbindungsröhre 
und ber Abflusröhre vereiniget, um dadurch bas Waſſer fortzu⸗ 
ſchaffen. 

Dir Pipping, —es, Mz. —e, der Rame derſchiedener vorzuͤglicher 
Apfellarten (Pepin), moson eine ber Goldpipping iſt. 

Der Pipps, —es, 2, u, eine Krankheit dee Vögel und befonbere 
der Hühner, melde vornehmlich in einer Verftspfung ber Drüfen 
und Verhärtung ber Bungenfpise beſtebtt, welche verhärtete Haut 
man, um fie von biefer Krankheit zu heilen, abziehen muß; auf, 
der Pipp, Zidf, Zipps, bei Andern der Phippt, der Pfiff, Pit: 
fer, die Pfeif, ebemabis ber Pfipffich, Pfipfis, bei Makler das 
Spfiffe, In Oberſchwaben der Dfiy, Pfifz, Pſifzen, in Franken ber 
Mipf. Den Pipps haben, Einem Huhne den Pipps reißen, ihen 
bie serbärtete Haut der Zungenfpite abziehen, 

Wern Schaf und Maſtſchwein fällt an Raͤuden, 
Und Küͤchel ſehr am Dippfe leiden. Soltau, 

Dippfen, v. mtr. mit haben, den Pipps va, mit dem Vippfe bes 
baftet fein, Stieler. 

Pippfig, adj. u. adv. ben Pipps habend; bei Arifh püfjig, bei E. 
v. Kenferberg pfiſig. Pippfige Bühnen « 


Im 
‚sine 


Pip 

+ Der Pipfad, — s, 4. —füde. 1) Im MR. D. ber Dudelſack. 
2) X Ein oft und viel pipenbes Kind; ein tabeinder Kusdrud, mo: 
für man im Dsnabrückſchen auch Pipgoͤſſel. d. h. Pipgans und Pip⸗ 
mewes gebraucht. 

+ Dos Pipftüdel, —6, 94. gl. 3) Ein gepiptes Stoͤcchen. Ein 
Pipftüdel mahen d. h. pipen, laut weinen. 2») &. Piphuhn. 

+ Das Piraas, Pieraas, bei Ab. Piraß, —es, By. —e, der Re: 
gemwurm, fofern er als Köder am Angelhaken bienet. 

Der Pirol, Pirolt, —et, 34. —e, die Goldampel, S. b. 

+X Pfaden, v. ters. im R. D. plagen überhaupt, befonbers fehr 
flagen, prügels. D. Pifaden. 

Der Pifang, —s, Bi. —e, rin Geſchlecht prähtiger Bäume in 
Afen, Afrika und Weftindien, bie mit Palmen viele Ähnlichkeit has 
ben; die Diufe (Musa L.). Cine Art davon ift bie Adamsfeige 
sder Paradiesfeige (Musa paradisiaca L.). Davon das Pifang: 
blatt x. das große fange Blatt ıc. bes Piſangs. 

Die Pifangbohle, Sy. —n, eine Art gany ſchwarzet Dohfen auf ben 
Antilen und in Suͤdamerika, wo fie den Pilangfeädhten vielen Scha— 
den zufügt (Gracula barite), 

Die Pifangdroffel, 94. —n, ein zum Gefhlcht der Droffel gehd: 
render Bogel in Amrrita, ber fein Reft an ein Pifangblatt befeſti— 
get (Oriolus banana); auch Piſangvogel. 

Die Pifangfruht, DH. — fruͤchte, die Frucht bes Pifanges, befons 
ders des gemeinen; bie Abamsfeige, Paradietfeige, 

Der Pifangvogel, —E, 4. —vögel, f. Pifingdroffel. 

x Pifchten oder Diften, D Diten, v. intrs, ben zifhenden Laut pfcht 
oder pſt hören laffen, befonders bamit Stillſchweigen zu gebieten 
aber einem Gehenden ein Beiden zu geben, Bas er flehen bleiben 
und hören folle; in Ehmwaben bifen, in Schafhaufen pfifen. Einem 
Vorübergehenden piſchten. Jakeb wollte entweber nit hören, 
sber bie hohle PHypochonderſtimme der pflenden Herrſchaft drang 
zum Bed niht heruͤber⸗ (dinuͤber). RL Schmidt, Die Jäger 
nennen bas Pfeifen und Rufen ber Hafelhähner auch piften, piffen, 
fpiffen. D. Piſchten, Piften. 

+ Die Pifel, 1. Peſel. 

+ Der Pißperling, — es, 94. —t, f. Pipferche. 

X Pispern, v. intrs. u. trs. ein Schallwort, leife fläftern, wie auch, 
keife fläfteend fprechen; in Bremen puflern. m.Die Thaͤr thut ſich 
auf; man erfennt ein leifes pitperndes Stimmen,“ @ötbe. 

Da pispert’# und kniſtert's und fläftert's und ſchwirrt. Derf. 
Einem etwas ind Ohr pispern. D. Pispern, 

+ Die Pißback, By. —en. 1) Auf ten Schiffen, eine Bad, eber ein 
abgefonberter waſſerdichter Raum Linter den Kläfen, in welchen bas 
beim Stampfen des Schiffes durch bie Kläfen eingebrungene oder mit 
dem Ankertau bereingebradte Waſſer Läuft, um durch Speigate an 
den Seiten zum Schiffe wieber binauszulaufen; bie Waſſerback. 2) 
Ein Faß ıc. in welches man pißt. 

X Die Pilfe, 4 su. bee Harn, Urin, befonders son Thieren; im 
manchen Gegenden Piſche. Die kalte Piſſe, eine Krankheit, bie 
Saraftrenge ©. d. 

X Pillen, v. ıntrr. u. trs. harnen, fein Maffer abfhkagen, in man⸗ 
Gen Gegenden pifchen; fonft auch feichen, brungen, puller, in Mei- 
Sin fhollen, im ©. D. brunnlen, brünnien, im R. D, migen, poͤl⸗ 
ten, tuͤlken, pinkeln, watern (waffern). 

x Der Yiffer, —s, 93. 91; die —inn, MN. —en, eine Perſon, 
melde pifiet; befonters in den Zufammenfegungen Bettpiffer, Hem: 
depiſſer, Hofenpiffer. 

X Der Pißfluß, - fled, 9.1. der Harnfluß. S. d. M. Kramer. 

+ Die Pifgurre, 9. —n, f. der Veißter. 

+Der Tißpott, — es, Me. — pötte, ein Pißtopf, Radıttepf, Machtge: 
ſchirt. Uneigentiich heißen in ter Schifffahrt Pißpotten die beiden 
Zaue, weiche bii ber Befancuthe die Stehe der Brafien beitreten 
und womit bad unterſte Ende berfeiben von einer Seite des Eif: 


652 


+ Der Pittauer, —s, 4. gl. tin Name ber Rohrtommel. 


Pla 


fes zur andern gebracht wird. 

X Der Pißwinkel, —6, 3 gl. ein Winkel, mwehin man zu piſſen 
ober fein Waffer abzufhlagen pflegt. 

Die Piftazie, (vierfiidig) By. —n. 1) Die längliche, eckige, zuge⸗ 
fpigte, auf ber einen Seite etwas erhobene, auf ber andern platte 
und mit erhobenen Streifen verfehene Frucht eines in Oftindien, im 
Dorgenlande und Sübenropa wachſenden Baumes, des Piftazienbaus 
mes, auch bloß Piſtazie (Pistncin, befonders pistacia vera L.). 
Die Früchte, welche traubenweiſe beifammen ſihen, und ach Pim: 
pernüffe heigen, enthalten einen blaßgränen öligen Kern von liebs 
lichem obgleich etwas bitterem Geſchmack. ») Die gemeine Pimper⸗ 
nuf (Staphylaea pinnata L.). 

Piſtaziengruͤn, adj. u. adv. 
gruͤn if, 

Die Piſtazienlaus, By —läufe, eine auf ben Piftagien lebende Blatt 
laus (Aphis pistaciae), 

Piſten, v. intrs. ı) ©. Piſchten. 
feufjen. Stalder. D, Pillen. 
1. Die Miflole, 29. —n, ein kurzes Schießgewehr mit gekruͤmmtem Kol: 
ben, weldes mit @iner Hand gehalten und abgefhoffen wirb; im 
D. D. die Fauſtbuͤchſe. Einen anf Piſtolen herausfotern. Sich 
auf Piftelen ſchlagen, ih mit Piſtolen fhießen, eine Ehrenfahe abe 

sumaden. 

2. Die Piftole, 4. —n, M. —n, eine Golbmünze, welche fünf 
Beichöthaler gilt, beſonders eine folge Deutfhe, Franzoͤſiſche uns 
Epanifche Goldmuͤnze. 

3. Die Piflole, 8. —n, bei ben Papiermahern, ein Gefüß, vew 
mittelſt deſſen bie Wärme in ber Arbeitsbutte, wenn man das Par 
pier ſchoͤpft, erhalten wird; bie Pfanne. 

Die Piftolenholfter, 8. —n, bie Holfter ober das Futter auf jeber 
Eeite bes Sotteld, worein bie Piſtolen geftelt werden, Wegen tie 
niger Ähnlichkeit im ber Geſtalt führt auch eine Gattung Mufchein, 
bie Schinken⸗ oder Etetmufhel (Pirna L.) den Ramen Piſtolen⸗ 
holfter und Holftermuſchel. 

Die Piſtolenkappe, 3%. — n, eine Kappe von Tuch ober debder, ben 
Schaft bee Piſtolen in ber Holfter damit zu bedecken; auch Pifto: 
lenmantel. 

Die Piftolenfugel@y. —n, eine bleierne Kugel, die man aus eh 
ner Piſtole fhieht; zum Unterfhiede von einer Flinten-, Büchfen:, 
Kanonenkugel. 

Der Piſtolenlauf, —es, 24. — laͤufe, der Lauf, das Mohr einer 
Piſtole. 

Der Piltolenmantel, Er 4. —mäntel, ſ. Piſtolenkappe. 

Der Piftolenfhuf, fs, 4. — ſchuͤſſe. 2) Ein Schuß aus oder 
mit einer Piſtele. =) Die Entfernung, jo weit eine Piſtolenkugel 
trägt, Keinen Piſtolenſchuß weit. - 

+ Das Pitſchaft, f. Petſchaft. 

+ Der Pitſchard, —ed, 4. —t, in ber Schweiz, ber Mauerſpecht 
{Gerthia muraria L.). 

+ Die Pitihe, Be. —n, ir Baiern und Schwaben, eine Schteif⸗ 
kanne. 

+ VPitſchen (desilang) v. intes. aus Schteiftannen trinken, ſtark trin— 
Een; faufen; anderwaͤrts pichen, pegeln. D. Pitſchen. 

+ Die Pitſchke, 4. — n, in O. ©. in ben Salzſiedereien, die bin: 

tere Herbwand. Fulda. 





n geün wie Piftezien, melden blaß · 


2) In ber Shnri, ädjien, 


Rem: 
nid. 

+ Pitzeln, v. ntr. mit haben. 1) AnBaleen, vor Kälte ſtark Juden. 
Die Finger plbeln mir. =) ©. Bigeln. D. Pibeln. 

+ Der Titer oder Pizer, —$, 9. u. die Edweinmelbe ; breitblat: 
tiger Pider. 

Der Pirter, ſ. Beißter. 


+ Die Plache, M. —n. ı) Im ©. D. ein flader, ebener Piag, 


Plach 


eine Ebene. a) In manchen Gegenden, grobes Tuch, grobe Beine 
wand, zum @inpaden und zu ähnlichem Gebrauche; im D.D. Plabe. 
Bei ben Jaͤgern beifen bie zum Jagen nöthigen Tuͤcher von grober 
Lelawagd auch Plachen, Plahen oder Planen. Davon die Pla: 
chenpartei, bei den Jaͤgern am kaiferlihen Hofe zu Wien, diejenigen 
Jaͤger, weiche mit den Vlachen zu tun haben, und unter weldhen 
es einen Gefhiremeifler, einen Oberplachenknecht und zehn Pia: 
chenknechte giebt. 

Der Plachenknecht, —es, 3. —e, die Plachenpartei, 4. — en, 
f. Plache 3). 

Das Plahmahl, —es, m. v. in ben ‚Hüttenwerken, bas durchſchwe· 
felte Silber, welches bei der trodnen Scheidung des Boldes vom 
Bitber buch Schwefel gewonnen wirb, 

Der Plahmann, —es, 9. — männer, ein Rame bes Hornerjes, 
Remunid. 

+ Die Placbuckel, My. —n, bei den Peruckenmachern, verfhiebene 
Reiben Locken von einer Treffe, bie über ben obern heil ber gros 
fen Lode genähet wird, welche an ben Kinotenperüden im Nacken 

» lang herunterhängt, " 

Der Plad, —ed, By. —e, ober ber Pladen, —s, 3. gl. ı) Ein 
fiahes breites Ding, wie auch, ein Etäf von einem folden Dinge, 
ober aud) von einem Gewebe, Zeuge, ein Fleck, Lappen. ©. Piache 
Plagge. In ber Baukunſt ift die P lade eine eiferne gegoffene 
Platte mit allerlei kaubwerk oder Bilbern, womit bie hintere Wand 
eines Kamines befteibet wird (Platine), Cine Plade Bandes ift 
ein abgefonbertes ober neu gemadtes Stuͤck Land; im M. D, über 
Haupt ein flaches Etüd Land, a) Ein Bleden, ein Sleds; ein 
Placker. @. b. 

+ Dlädeln, v. intre. u. trs, mit Heinen Pladen, d. h. Flecken ober 
kappen verfehen, befegen, auöfliden. „Wie fhläg’ ich bie Hände 
andaͤchtig zuſammen, wenn erit dies Nahe worüber ift, und alles 
tebt, und, wenn gleich geplädelte, Kleider hat.“ Benzel:Öter: 
rau, D. Plaͤckein. D. —ung. 

x. Pladen, v. trs. zu Pladen maden, oder flach und breit machen. 
S. Placke. Bel den Wollſtreichern oder Schroblern, bie Wolle mit 
der Schrobel fo bearbeiten, baß man fie von ben Bühnen ber Pla: 
ſchrobeln ſechs bis ſieben Mahl herabſtreicht. 

2. Placken, v. intrs, einzelne, ohne Ordnung auf einander folgende 
Schuͤſſe thun, welde zu gleicher Zeit fallen fellten. Beſendere von 
ſolchen Schüffen bei ben Übungen der Seldaten. Man gebraucht 
in derfeisen Bedeutung auch bas Veröfterungswort pladern. Am 
NM. D. hat man aud das Beröfterungswort plidpladen. D. Pla 
ten, Madern. 

3. + Maden, v, I) trs. 1) Im R.D. mit Pladen zirfchen. S. Plack 
und Plaͤckein. Dann überhaupt befeftigen, anbeften, ankleben. 
Ein Vapier, ein Bilb an bie Wanb pladen, Eieben. Im Schiff: 
Kane ift pladen, einpladen, Kubhaar und Vapler am den untern 
Zheil des Schiffbodens Heben, auf welchen die Spikerhaut gelegt 
werben Soll, damit bie Würmer, wenn fie auch bie Spikerhaut 
durdgefreffen haben, ber inneren Haut miht fogleih ſchaden Finnen, 
Rbding. Dann aud von befendern Arten zu befefligen, ale buch 
Stampfen, Stoßen, Schlagen ic. So ift im Waſſerbaue das Plat- 
fen eine Art Dämme und Deihe gu machen, da bie übereinander ge: 
fhättere Erbe mit Waller beaoffen, feſt geſtampft und zulegt an 
ter Böihung mit dem Plaffteite ſeſtgeſchlagen wird. Einen 
Damm ober Dei biefer Art nennt man ein Plackwerk. Aus die 
fer Bedeutung ift bie uneigentiide Bebeutung dieſes Wortes berzu- 
keiten, mad welcher es hart zufegen, fehe plagen, einen heben Grad 
ber Beſchwerde, ber Unluft verurfachen, bedeutet, Ginen pladen, 
Sich für Andere pladen müflen. Die Waterthanen pladen, ihnen 
(were Acheiten und Abgaben auflesen. 

Euch plader ber Junker, euch zehntet der Priefter. ©. 
Ginen um etwas pladen, ihn auf eine ſehr zudringliche umb Käfige 


653 


Diage 


Art um eimas bitten, =) Flecken machen. KEN) mtr. mit haben. 
ı) Bleden verurfahen, maden, Blaue Beeren pladen, machen 
Blede. 2) Zlede brkemmen. — D. Pladen. D. —ung. 

1. Der Plader, —s, 9. gl. ein pladender oder fehlerhafter 
Schuß. S. 2, Pladen. 

2, Der Dlader, —s, Sh. gt; die —inn, 3. —en, eine Perfon, 
melde eine andere platet, fehr plage, Mander Herr ift ein 
Placker feiner Unterthanen. 

3. Der Diader, —s, 9. gl. ein Rieden, ein Aledo; im N. D. 
Pla, Pladen, Bei ben Kupferftehern iſt ber Plader oder die 
Placke ein ſchwarzer Fled anftatt ber Striche, ‚die da fein follten. 
Uneigentlic, im gemeinen Beben, ein Fehler, ein Verfehen überhaupt, 

X Die Pladerei, By. — n. 1) Das Pladen ober Plagen in einem 
ſehr hoben Grabe; ohne Mehrzahl. a) Eine 6 eine Handlung, 
ober eine mit vieler Beſchwerde und Unluſt verbundene Bemühung, 
Foderung ıc. womit man einen Anbern pladet. 

+ Maderig, —er, —ſte, adj. u. adr, im N. D. Plade habent, 
fertig. 

Das Plackſcheit, —et, MM. —e, f. 3. Dladen 1). 

Die Plackſchrift, 9. —eın, aus dem Holändifgen, eine an Sffent: 
lichen Orten angepladte d. h. befeftigte Schrift, in welder etwas 
befannt gemadıt wird, befonbers ein ſolcher obrigkeitticher Befehl 
(Plecat), ©. 3. Placken. 

Die Pladfchrobel, By. —n, bei den Welftreigern, eine grobe 
Schrobel, womit bie Mole zuerſt aus bem Wroben geplacket ober 
gefirigen wird, 

Das Plackwerk, —ed, MM. —r, f. 1. Placken ı). 

+ Die Pladde, 9. —n, im R. D. ein Feen, Bappen. 

+ X Vlabvern, v. ein Wort, welches bas Gerduſch, welches eine herz 
abfallenbe Fihffigteit, 3: B. Megen, verfhüttetes Waffer verurfaht, 
nachahmt und bezeihnet und ſowol I) als ntr. mit haben, von Res 
gen und anberer herabfallender Fiüffigkeit gebraucht wird, für herab: 
fallen und eim Geräufh, welches das Wort nahahmt, verurfahen, 
Der Regen plabbert, Es plabbert. 

Manns plabdert und gießet, wanns färmet und kracht. ©. 
Als auch 11) als intrs. w. trs ı) eine Flüſſigkeit vergiehen, audgie- 
den, fo baf jenes @eräufch babei gehört wird. Mit bem Waffer plab- 
dern. Die Stube voll plabtern. ©. aud Verpladdern. =) Im 
®. D, plaudern. D. Pladdern. D. —ung. 

+ Pladbernaß , adj. u. adv. im M. D. 
patihnaß. 

Die Plage, M. —n, ehemasis und eigenttid), en Sehlag, Sie, wie 
auch, die dadurch verurfahte Wunde, von weicher Bedeutung Friſch eine 
Stelle aus einer alten handſchriftlichen überſetzung ber Bibel, ı Kdn. 
29, 35. angeführt hat: „Seiner Magen Blut fiop ug“ Man ge: 
braucht jegt Plage nur noh, Alles was uns fehr beſchwerlich wird 
und in einen unangenehmen Zuſtand verfent, gu bezeichnen, befon: 
ders ſefern wir es nicht herbeiführten oder verurfachten. Biel Plage 
von, ober mit etwas haben. Das iR meine ardfte Plage IA 
bas nit eine Pinge! Das gefihieht mir zur Plage. Im weiterer 
Bedeutung ind Plagen Unglüdefäne, beſonders allgemeine Ungiäft: 
fälle, welche bei kindiſche Berftand der schen Menfden als Gtrafen 
Gottes betrachtet. „Aber ber Herr plagte ben Pharco mir großen 
Magen.“ 2 Mof. 12, 17. „Der Gottlofe hat vier Plage“ Pf. 
32, 20, Unglüdsfäte, bie einem ganzen Sande große Belhmerten 
verurfahen, nennt man Landplagen. In engerer Bebeutung ver 
fieht man in manchen Gegenden unter Page bie Peſt. 

Der Dlagegeift, —es, 9. —er, ein Seiſt, ein übermenfhlihes We: 
fen, welches die Menfhen plaget; befoubers in ber Fabellehre der 
Alten, erdichtete Weſen, welche die Manſchen für Verbrechen su plas 
gen, ober mit Plagen zu beftvafen, beſtimmt waren (Purien); aud, 
Piogegbttinn. „Die ſchlangenhaarigten (haarigen); MDiagegeifter.« 
Abbt, Im weiteres Bebeutupg, Überhaupt ein Welen, eine Per 


gang mof, »idonaf, 


Plage 


fon, welche Andere plagt, zu Anderer Flage da iſt, unb bie man 
mit einem bärtern Morte, befonders wenn ſie bie Abfiht au plagen 
hat, Plageteufel nennt. „Leine Kinder find meine Plagegeifier.» 
BenzelSternau. 

O Die Plagegoͤttinn, Mj. —en, ſPlagegeiſt. 

Plagen, v. irs. chemahls und eigenttid, ſchlagen. Dept gebraudt 
man es nur noch, für, große Beſchwerde und Unannehmlichkeit ver 


urfachen, und dadurch in einen unangenehmen Zuftand verfegen. Gi: - 


nen um etwas plagen. Bon feinen Stäubigern geplagt werben, 
Mit boͤſen Kindern geplagt frin. 

Ein Vater war, wie viele Väter, 

Mit einem böfen Sohn geplagt. 
Bon einem * Weibe geplagt werden. 
geplagt, wend ihnen ſchwere Arbeiten und Abgaben, bie fle nicht 
teiften koͤnnen oder zu leiften nicht verbunden find, atıflegen und 
ohne Ertaf febern. Das Vieh plagen. Mom Ungeziefer geplagt 
werben. Sid mit einer Sache, 3. B. einer ſchweren Arbeit pla: 
ih mit Sorgen plagen, ſich unnbthige Sorgen machen und 
taburd in einen unangerrbmen Zufland serfegen, 

Ber wollte fih mit Brillen plagen 

So lang uns kenz und Jugend bluhn. 
Von Hunger und Durſt geplagt werben. Die Neugier plagt ibn. 
Kom böfen Bewiffen geplagt werten. Da ber kindliſche Merftand 
der rohen Menſchen Ungtüdsfäde, die man Plagen nennt, als Stra: 
fen Gottes betradtst, fo gebrauchte man plagen auch für, mit einer 
Plage ſtrafen, und überhaupt für firafen. „Aber ber Herr plaate 
ten Pharao mit großen Plagen* ı Mof. ı2, ı7. „Ürfreue uns 
nun wieber, nachdem bu uns fo fange plageſt.“ Pf. 90, 15. D. 
Plagen. D. —ung. 

Der Plager, —, MM. gl; die —inn, 9. —en, eine Perfon, 

welde Andere plaget, ihnen zur Plage ba if; X ein Plage: 


geiſt. ©. b. 

x Der Plageteufel, —s, m. at. f. Planegeift. 

Das Plagerbier, — es, My. —e, ein plagendes Thier, ein Zhier, 
bad zur Plage da if, ein großer Garten voll Uunkraut und 
giftiger vielklauichter (vielltauniger) Plagethierer 1 Herder. 

+ Die Dlagge, My. — n. 1) Ein ausgeftohenes flaches Stück Ra: 
fen; befonters im R. D. Plaggen machen oder bauen, folhe Hafen: 
ftüde mit einer Querhacke aushauen; Plaggen fteden, fie mit einem 
&rasfhelte ausftehen. Grasplaggen, Heideplaggen, mit Gras, 
mit Heide bewachſene Plaggin. 2) Im Korftinefen, ein unter ben 
Blumen im Walde gehauener Plap, ba man Heide und Gras abs 
hauet und bamit Teicht den Wurzein ſchabet. 

+ Flaggen, v. intrs. im R. D. z.. hauen ober fliehen; auch 
wol, als trs. mit Plagaen belegen. D. Plaggen. D. —ung. 
Der Plaggemeier, —s, 94. gl. im ®. D einer der Plaggen havet. 
Das Plaͤggras, —et, 9. u. das fricige Riedgras (Carex 

acuta ll.) 

Der Plagweg, —es, By, —e, im Ztraßerbaue, ein unebener ſchlech⸗ 
ter, löheriner Weg. Jacobéeſon. Wielleigt aus Plageweg, 
werauf man feine Page hat, verkuͤrzt. 

X Die Plampe, Plaͤmpe, Da. —n, ein berabhangendes, hin: und 
berihwantendes Ding. S. Plampen. Im engerer Bebeutung, ein 
Burjer Degen mit breiter Klinge, mie auch ein breiter Degen ıc. 
überbaupt, fefeen er an der Seite herabhängt und hin: unb bers 
fhmantı; im R. D. auch Plite, 

Dat vie Houzards des Prusses verteufelte Plampen fragen, 
Al. Sshhibt. 

+ Der Plämpel, —, 4. gl. ein Ding was plampit, So 
heißt in der Schweiz ber Schwengel einer Uhr ein Plaͤmpel. Ach 
kann es in ber Oberdeutihen Berkieinumgeform eine Eieine Plam: 
pe ober Plämpe bejrihnen. S. Plampe. uneigentlich in ber 
Schweiz: ı) Gin Menfh, dem es fowol an Zhätigleit, als auch an 


Gellert, 
Die Unterthanen werben 


Höltn. 


—654__ 


Plau 


Muth und Kraft mangelt. 2) Fin kraftloſte ſchlechtes Getränk. 
Deber plämpelig, ſchat, unſchmachaft. Stalder. 

+ Vlämpeln, v. intrs. ſ. Piämpern I. j 

X Plampen, v. nte mit haben, in ter Schweiz, fangfam bin: und 

herſchwanken, von einem frei hangenden Körper, 4. B. einer Glocke. 
In weiterer und uneigentliher Bebeutung als intrs. ı) Mit fein, 
langfam fih Binz und berbemegen, nadläffig einhergeben, wie auch, 
mäßig einhergehen. Daher a) müßig fein, unthätig unb träge fein, 
Stalder. D. Mampen. 
X Vlämpern, Plempern, v. Ih intrs. im der Schmein, mäßig bin: 
und hergeben, müßig, gefhäftios weni auch plämpeln, plämperien; 
plämpamperien. Stalder. Plampen. BDaber II) ters, 
muͤßig, untbätig verbringen, as verbringen; in dem zufammen: 
geletzten verplämpern und verplempern. ©. d. Im Dannöser: 
fhen fagt man für plempern plentern. — D. Plaͤmpern, 
Plempern. 

+ Der Plaͤmpertag, —es, Mz. —e, ein Tag, den man verplaͤmpert, 
in Wuͤſſiggeng und Wohlleben zudringt; Plaͤmperlitag. Stalder. 

Plan, —er, fle, adj. u. adv. einentlih eben, uneigentlich, für 
ben Berftand gleichfam eben, das Verſtaͤndniß nit binbernd, gang 
verſtaͤudlich, deutlich Das if ganz plan. Dan ſprechen, [hreiben, 
Eine plane Schreibart, 

Der Man, —es, Mi. —e und Pläne 1) Figentlich, ein ebener 
Plas, reine Ebene, „Der Dan Mebela.“ ı Kön. 4, 12. Ein 
grüner Plan, ein ebener mit Gras bemadfener Plan, Grasplan. 

— Und vom Gebirge fliegen 
Durch der Befilde weiten Plan 
Der Hirſche ſcheue Heiden. Schiller. 
4 Des Merres Plan, bie Meeresſläche, und, das Meer ſelbſt. 
Begrubeft Roß und Dann im feuchten Plan. Ungen. 
Auch A vom Himmelsraume, fofern man ihn als eine weite attdges 
behnte Dee betrachtet. 
Indeſſen kracht bes Himmels ganzer Plan 
Mon fürdterlihen Donnerihlägen Shiller, 
Im Forſtweſen verfteht man unter Plan aud, einen mit Bäumen 
bewachſenen ebenen Dat. Auf dem Diane liegen, im®. D. auf 
der Erbe, auf bem Fußbeden. In der Schweiz verſtebt man unter 
Plan au sine Pferdeweide. Stalder. In engerer Bebentung, 
ein zu einem gewiffen Gebrauche, Zwecke beftimmter ober brauchba— 
zer ebener ober gerader Plot; befonbers in Aufammenfesungen, wo 
man dafür gewöhnlicher Platz gebrandt. Der Schieſſplan, Kampf: 
plan, Tanzplan, Fechtrlan ıc. Borzuglich nannte man einen 
Kampfplan oder Kampfplatz ehemahls häufig nur den Plan, im 
weidher Bedeutung es auch noh verkoͤmmt. 
Da mag Kührheit fih an Kraft gerfhlagen, 
Und mit krachendem Wetdfe die Magen ‚ 
Sich vermengen auf bem beftäubten Plan. ‚Schiller. 
Den Pan behalten, ben Kampfplat behaupten, firgen. „is fein 
Wiberpart den Plan behielt. Wächter. Gleih auf dem Plane 
fein, gleich auf tem Plage, Kampfplatze fein; bann, gleich bei ber 
hand fein. Auch; ber ebene ober geebnete Play vor einem Gebäu— 
de, Bor dem Hauſe befinder fih ein Ihöner_ mit Eras bewadf-ner 
Pan. Der Hausplan, Schlofplan x. Im noch engerer Beben: 
tung, ber ebene Plad, auf welchem ein Sebäube fliehen fol, Dech 
iſt es in diefem Sinne ner unelgentlih gebrüuhlih von bem Grunb: 
tiffe eines Gebäuber, einer Stadt ober einer ganzen Gegend, oder 
überbaupt einer jeben Gegend, fofern er auf ein Papier gejeihnet 
iſt; ebemahls bei den Meßkuͤnſtlern auch, ber Flaͤcheninhalt einer 
mehtkünſtigen Beihnung. Den Plan von einer Begend aufnehmen, 
zeichnen. WPeotonters der Grurdeiß zu einem noch zu errichtenden 
Beohube, zu einem erft anzuirgenben Garten x. nah welchem dies 
Gebäude errichtet, biefer Garten angelegt werten fol. Den Plan 
zu einem Hauſe, Garten ꝛtc. entwerfen. Rad einem ſchlechten Pla⸗ 


Plan 


ne bauen, Davon ift in weiterer unelgenfliher KRedeutung ber 
Plan der Entwurf, nah welchem eine Sache gemadt, ausgeführt 
werben fol. und bie Beſtimmung der Art und Weife biefer Auofüh: 
rung nad allen einzelnen Theiten, aud wenn birfer Entwurf nur in 
Gedanken gemacht und nicht vorber niebergefchrieben wird. Den Plan 
zu einem Scaufpiele , einer Didtung te, maden, entwerfen. @in 
Gert nach einem gewiſſen Plane ausarbeiten. Cinem feinen Plan 
mittheilen, einen Plan auiführen, ihn zur Wirklichkeit bringen. 
In diefer Bedeutung lautet die Mehrzahl gemöhntih Pläne. Gr 
bat immer mebrere Pläne im Kopfe, gefällt der eine niht, fo ge 
faͤt vielleicht der andere. Alle meine Pidne find gefheitert, find 
nicht zur Ausführung gefommen, find im der Ausführung unterbro: 
‘hen, ihre Ausführung verhindert worden. Ginen in feinen Plänen 
flören. Ihre Pläne durchkreuzen fih, laufen in einander, aud, find 
einanber hinberlich, . 

Oft burchforſcht' er bie Plane ber Vorweltſchtachten, entwarf ſich 
Plane zu Freiheits«kriegen Sonnenberg. 
In biefer Bedeutung ift audı das Uw. Plaͤnchen übtih. Da habe 
ih mir ein ſchoͤres Plaͤnchen gemacht zu beffen Ausführung Sie 
mie bebüifti fein mäffen. =) Bei ben Gofbfhlägern, eine gewoͤhn⸗ 
tihe Form von Pergament, etwas geößer als bie übrigen Formen, 
in- weldher man bie Hautform erfriſchet, wenn fie durch bas 
Schlagen ſchlaff geworben it, indem man beide Seiten mit Weine 

beſtreicht. 

Die Mane, Dt. —n, eine ebene, oder überhaupt eine Dede, Ber 
tedung, ein grobes Tuch, grobe Leinwand, fofern fie zu einer Decke 
dienen; in einzelnen Fallen. Eo fol man nah Goler in feinem 
Hausbuhe den Hopfen mit Planen oder Tühern bedecken. So 
nennt Klemming im Deutſchen Jäger bie Drden über den Jagd⸗ 
wagen Planen; eben fo nennt man bie leinenen Deden über ben 
Buben, befonbers über den Fuhrmannswagen Planen, auch Plauen. 
Bei den Jaͤgern find tie Planen, diejenigen feinenen Tuͤcher, wo: 
mit bei einer Jagb ein Geholz umfiellet wir. Am Bergbaue find 
die Planen grobe Tücher von Zwillih, auf weldien ber große 
Schlich geflauet ober mit Baſſer geläutert wird, Bei den Meiß: 
gerbern ift die Plane das leinene Zuh, auf welches die weißen 
Felle nad bem Walken zu einem fpigen Haufen aufgebäuft werben, 
damit fie in Gaͤhrung geratben. 

X Die Pläne, 84. —n, eine plane, d. h. tbene Gegend, ber 
Plan. Die Stadt liegt in einer weiten Pline, Weller, die 
Etene. 

O Planen, v.trs. plan machen, ebenen (planiren). Einen Plap pla: 
zen. Dann aud, glatt machen. Fin Metall planen, eseben und glatt 
ſchlagen. Uneigentlich, was einer Sache und beren Ausfährung bin: 
berlich iſt, wegſchaffen, ih zu Ihr gieichlam einen ebenen Weg bah⸗ 
nen, und bie Art und Weiſe mie dies geſchehen Böonne auefinnen, 
überlegen, „Was plant unb ebnet ihr benn in eurem Hirn ?’« 
Mähter D. Planen. D. — une. ; 

©X Pläneln, v. intrs. u. trs Plaͤnchen machen, ausfinnen. 

Da feint der Berftand fi, plänelt und wortipiett. Som: 
D. Plaͤneln. nenbersg. 

Der Vlanenbogen, — 8, 4. gl. in den Mönzen, naffer zufammen: 
geiegter Zwiulich, worin bas zum Ausmuͤnzen geſchmelzte Silber zu 
Beinen auögeaoffen wird. - 

Der Panenherd, — es, M. - e, in ben Hüttenmerfen , ber Herb 
oder das MWefielle, oder Gerinne, auf ober in weiches bie Planen 
geleat werden, um bie zepochten Erze ober ben groben Schlich zu 
flauen. 

O Ylanentwerfend, adj. u, adr. einen Plan zu etmas entwers 
fend. S. Man. „Ein wiffenfhafttiher planentwerfender Kopf.« 
Abicht. (K.) 

Der Planer, —6, Di. al. 
Plan, Entwurf zu etwas mad, 


— 


1) O Einer ber etwas planet, einen 
2) + In Meifen, ein breiter fla⸗ 


655 


Plan 
der Stein, eine Platte, 


24. Diner. 
nern belegen. 


Der Pläner, —s, My. u. eine Art Floͤrkalt. Remnid. 

& Der Planet, —en, 9. —en, ber Wanbeiftern. &, d. Davon 
die Planetenbahn, die Bahn eines MWanbeifternes, welche er auf 
feinem Baufe um bie Sonne beſchreibt, das Pfanetenjahr, das Jahe 
eines Planeten, d. 5. bie Zeit, welche er zu feinem Laufe um bie 
Sonne gebraucht, weiches alfo nad der geringern ober größern Ent: 
fernung bes Eternes von der Sonne, Bürger ober länger ift; bie 
Panetenftunde, ber zwoͤtfte Thell bes natärtihen Tages; der Pla: 
netenfefer, einer ber aus den Planeten, ihrem Stanbe ıc. wahrfas 
get, darin das Schickſal ber iienfihen lieſet; au der Planetenſteller. 

Plangemäf, adj. u. adr. ſ. Planmäßig. 


Deu Fußboden mit Pi: 


O Plangerecht, —er, —eſte, adj. u. adv. bem Plane gerecht, ange: 


meffen, planmäßig. »Diefer plangerechte Meuchelmoͤrder.“ Bädter 

Der Planbammer, —s, 34. —bämmer, bei den Goldarbeitern 
und Kupferſchmieden, ein Hammer mit riner glatten Wahn, ein 
flach gefchlagenes Metall damit völig eben und glatt zu ſchlagen 
(Plsnirhammer). 


Dad Planhaus, —et, 4. — haͤuſer, in Steiermarf, basjenige 


Höttengebäube, in welchem ber Schmeljofen zu ben Gifenfteinen be: 
finduih ift, und wo überhaupt alle Arbeiten beim Schmelzen bes 
Eifend verrichtet werben. 


Der Planhirſch, —es, 9. —e, bei ben Sägern, ein Hltſch, wel: 


her bei einem Kampfe mit einem oder mehrern andern ben Plan, 
d. b. den Kampfplan oder Kampfpfag behauptet; auch, der Platz⸗ 
hirſch. 

+ Der Plank, —e, MB. —. 1) S. 2. Panke. Jr Ein 
Halsband, in einer handſchriftlichen Überfepung der Sprüche Salo: 
mos aus bem Anfange des 15ten Jahrhunderts: „und ain Plant 
beinem Hale.« Sprichw. 1,9. ©. Planſche und 1. Plante. 

r. Die Planke, B.—n. ı )Ein dides ſtarkes Brett oder eine 
Bobte, 

Macht Blanfen (Panken) in ben Zaun, ſchnitzt Flegel, ftielt die 

Hauen. Dyiz 

So werden im CS hiffbaue die Moblen, momit die Inboͤlzer bes 
Schiffes bekleidet werden, Planken genannt. Bei ben Damaftme: 
bern wird bas Harniſchbrett Planke genannt. S. Harnifchbrett. 
2) Fine von arten Brettern ober auch mur won Wrettern aber: 
haupt verfertinte Wand; in Meifen Pleiche, Bleiche. Die Flanke 
um einen arten. ine ſolche Umgebung nennt man aud mol einen 
Plankenzaun. Uneigentiih gebrauchte es Opiz für Schranke, 
Grenze: 

Des Menſchen Leben iſt umssunt mit engen Blanken (Planken). 

2. + Die Planfe, 4.—n, in mandıen, befonders R. D. Begenben, 
ein eines Maß zu flüfigen Dingen, meldes im Dirhmarhfchen, 
mo ed der Panf lautet, ein halbes Noͤßel hält. In übe ift eine 
Dlan’e Mein ein barbes Quartier, oder ber vierte Theil einer Kan: 
ne, und hätt amei Orte. 

3. + Die Planke, M. —n, in der Schweiz, rin Borbägel an einem 
Berae oder Mebirge. j 

Das Plankfeifen, —®, M. st. im Schiffbaue, ein eifernes Werkzeug 
bes Schifstimmermannes, mit deſſen Schneide er beim Kalfatern 
eines Schiffes das Werg in bie Fugen ber Seitenboblen ober Plans 
fen bineintreibt, 

Die Plänkelei, 94. —en, das Plänkeln im Kriege; wie auch, ein 
feines Handgemenge, wobei nefchoffen wird. 

Dlänkeln, v. intrs. einzelne und fhnell auf einander folgende Schüſſe 
tbun; Heymap, Beſonders gebraucht man dies Wort im Kriege, 
von der leichten Meiterei ze. für, einzeln oder in Meinen Haufen in 
ber Segend mo die feindlihen HScere fiehen, herumſchwarmen um 
bem Feinde Abbruch au tbun, wobei denn gewöhnlih, wenn man 


auf Feinde ftößt, auch geſchoſſen wird, D. Piaͤnkeln. D. —ung- 


— 


plant 


. Planten, vw. trs. mit Planken verfehen, befleiden. —oelcher (ber 
Tofe Binterfteven) ift ein gerades Stüf Holz und wird angebracht, 

— Wwenn das · Schiff ſchon geplankt ifte x. Röbing. D. Planten. 
D. —ung. 

Der Danfengang, et, —gänge, ein Bang von Planfen, 
Im Echiffbaue führt biefen Namen rine Reihe aneinander geſetzter 
Etide von Planten, Berghötzern ober MWegeringen, bie einerlei 
Breite baben und nad dem Belauf bes Schiffes vom Borfleven bis 
zum Binterfleven reichen, 

Das Plantengeld, — es, 34. —er, in Öfterreich, eine Abgabe vom 
den Weinbergen an Andere, bie dafür bie Planten in baulichen 
@tanbe erhalten, 

"Der Plänfler, —s, 34. st. im Kriege, einer ber pläntelt. Unfre 
Plaͤnklet deunruhigten ben Feind unaufpsrlid, 

Die Plankugel, 94. —n, bei den Ubrgehäufemagern, eim Ber; 
zeug, mit welchem aus ben in ber Stanze zu Behäufefhalen ges 
fhlagenen Blechen, bie buch bas Hineinteeiben entfiandenen Fals 
ten weggeſchaſfft, alfo bie Bleche plan ober eben gemacht werben 
(Planirfugel). Unpaßlich nennen dieſelben aut Plankugel das 
Gifen, welches nach einem boppelten Winkel gebogen {ft und deſſen 
beranfgehender Arm einen geruadeten Zapfen von beiben Seiten hat, 
womit bie Seitenbleche plan ober eben, glatt gemacht werben. 

Das Plankwerk, —es, 94. —e, ein aus Planten beſtehendes Werk, 
befonders eine aus Planfen gemahte Wand. 

Planlos, —er, —efte, adj. u. adv. feinen Plan habend, ohne Plan, 
Planlos verfahren, planlos zur Ausführung eines Werkes fhrriten, 
ohne einen Plan bazu entwerfen zu haben. Gin planlofes Werfah: 
zen. Jetzt werden fie, was planlos ift gefhehen, 

Weitſehend, planvol mir zufammenkutpfen. Schiller. 
Davon die Planlofigkeit ohne Mehrzahl, ber Umſtand, da etwas 
plantos it, ohne Plan geſchieht. 
© X Der Planmacher, —$, 2. gl; die —inn, By. —en, eine 
Derfon, welche Plane macht, befonders, welche gern Plane macht, 
wenn fie biefelben aud nicht ausführt, oder wenn biefe auch niht 
ausführbar ſud (Projesimager), „Er hielt den großen Mann für 
einen Inftigen Planmachet.“ G. 

O Planmäfig, —er, —ſte, adj. u. adv. dem Plane oder einem 
Plane gemäß, nach einem Plane geſchehend; plangemäß, plange · 
recht. Ptanmaͤßig verfahren, zu Werte gehen. Gin planmaͤßiges 
Verfahren. Davon, die Planmaͤßigkeit, ohne Mehrzahl, ber ms 
ſtand, da etwas planmäßig ift oder geſchieht. 

X Planſch, ein Wort, welches ben Schalt, wenn ein weicher ober 
füiger Körper Fät, nachahmt und bezeichnet z auch patſch, platſch. 
Planſch! da lag es. Daher ber Planſch, —es, =. — ber 
Schal, melden biefes Wort nahahmet, wie auch, ein mit biefem 
Schale verbundener Fall. X Es that einen Planſch. # 

Die Dlanfche oder Plantfche, 2%. —n, ein breites und verhältnig: 
mäßig dünnes Stär gegoffenen Metalle, «8 mag eine regelmäßige 
Seſtalt haben ober nidt; eine Platte. So beißen in den Münzen 
und bei den Metallarbeitern die gegoffenen Gtäde Goldes, Silbers, 
Kupfers rc. Planfhen, und zwar Goldplanſchen, Sitberplanfhen, 
Kupferplanfhen ıc. 

Planfhen, Plantſchen, vw. I) ntr. mit haben, einen Shall Hören 
taffen, welden bas Wort Planfh nachahmet. ©. Planſch. Ge 
regnet daß ed planfht. S. Panſchen, Pladdern ꝛe. IF) intrs. 
den Schall, welchen Planfh nachahmet, verurfahen, indem man in 
einer Klüffigleit mit den Händen berumfährt, fie verfhüttet ıc. Im 
MWoffer planfhen. Mit dem Waſſer planfchen, Man gebracht in 
derfelben Bedeutung aud das Geröfterungswort planfhern, weiches 
nah Fulda in ber Paufig auf für um fi fprigen gebraucht wird; 
au panſchen, pladdern ıc. — D. Planfhen, Planſchern 

Der Panjheneinguß, —ſſes, —guͤſſe, bei den Geld: und Eilber: 
asbeitern, eine eiferne Form, in welder das Silber zu wieredigen 


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Planſchen ober Plakten gegoffen wicd; ber Taſchentinguß. S. Planſch⸗ 


Plar 


Der Planfhenhammer, —s, BY. — haͤmmer, bei den Gothe und 
Silserarbeitern, ein ſchwerer, zehn bis zwanzig Pfund wiegenber 
Hammer, bie Silberplanfen bamit bünner zu fhlagen. S. Planſche. 

X Der Planfcher, —6, 4. gl; die —inn, 9. —ın, eine Per: 
jon, welche planihet. j 

X Die Plaufcherei, 4. u. das Planſchen, Planfhern in tabeln: 
bem &inne, 

X Planſchern, f. Planfchen. . 

Der Dlanfpiegel, —6, 3%. gl. ein planer, ebener Spiegel, in Ge 
genfag eines Hohlſpiegels, Walzenfpiegeis, Kegelſpiegels ıc. 

O Planvoll, —er, —ſte, adj. u. ade, 1) Viele Pläne babenb, 
entwerfenb, reich an Plänen. Gin planvolier Kopf. 2, Cine 
wohl überbahten, in alle Theile eingehenden Plan hadend, verra- 
tbend. "Pinmvoll verfahren. „Pianvoller Fortgang vom Eridtern 
zum Scheren“ Muſikal 3eitung (R.). 

Sept werden fie, was planios if geſchehen, 
Beitfehend, planvoll mir zuſammenknuͤpfen. Schiller. 

O Der Planwechſel, —s, 9m. u. ber Wedel, Be Bertaufhufg 
eines Planes, Entwurfes gegen einen andern. „Das beinige (Un: 
glüt) beſteht dacin, daß bu Alles treibft, und im fleten Farben: 
und Planwechſel bie Haltung vertierſt.“ Benzgel-Sternau 

Planmwerje, adv. im Forſtweſen, nad Ylanen. ©, Dlan. Das Hey 
planmeife verfaufen, nad Planen ober Plänen von beftimmter Groͤße 

+ Dlappen, v. atr. mit haben und intrs. mit fein, in der Schweiz. 
ı) Bom Waffer, das feinen Lauf batd hier bald borthin richtet, fi 
bin und her bewegt und anfhiägt, ein Weräufh, Klatfhen hören 
laffen, welches das Wort nachahmt. 2) 5m Beben hin und her 
wadeln und 5) ſchwanken und fallen. Stalder. D. Plappen. 

X Die Papperei, By. —en. 2) Das Plappern; ohne Mehrzahl. 
Das ift eine ewige Plapperei. 2) Datjenige, was man plappert, 
unbebeutenbe, unerbebtihe Sachen, wovon man fpriät. 

Der Plapperer, —s, 3. gl; bie Plapprerinn, 4. —en. ı) Eine 
Perfon, melde gern plappert, X bad Plappermaul, bie Plappers 
tafche, und eine ſolche männtihe Perfon befonders, der Piapper 
maß, Plapperhand ıc., in deffen Gegenſatz man eine weibliche Per⸗ 
fon biefer Art aud wol Piapperliefe, Plapperkäte ıc. nennt. 2) 
In ber Naturdefhreibung, eine Art Doblen in Indien, die anhat: 
tenb und nch mehr und beffer als ber Papagei plappert (Gracule 
religiosa); auch Indifcher Staar. 

Mapperhaft, —er, —efle, adj. u. adr. germ plappernd, Fertigkeit 
im Plappern befigend, Ein plapperhafter Menſch. Papperbaft 
fein. Davon bie Plapperhaftigkeit, bie GEigenfgaft einer Perfon, 
da fie plapperbaft ift. 

X Der Plapperband, —et, 24. —e, bie Plapperkite, 4. —n, 
die Plapperliefe, 84. —n, ber Plappermatz, —es, 9. —mäge, 
das Plappermaul, —es, 4. —mäuler, f. Diapperer. 

Plappern, *. intrs. u. trs. ı) Schhed binter einander reden unb 

. mar gewöhntih ohne Nachdenken und Berfland; im Rt. D. blabs 
bern, flubbern, biubbern; im gemeinen Sehen au papern, pas 
peln, labbern ım ©. auch Plaudern „Wenn meine Hanb des 
plappernden Kindes wantenben Fußtritt Teitete,- Gefner, „Wenn 
ibe betet, ſollt ihr mit viel plappern⸗ Matth.6,7. Gern 
plappern, gern ſprechen, und zwar ehne Anftrengung bes Verſtan— 
bes, von gleichgültigen, altäglihen Dingen w. 2) * Im O. D. 
klappernz beſonders von einem Kinberfpiele mit Heinen platten Stei- 
nen, welche klappern. D. Plappern. 

Der Plappert, ſ. Blaffert. 

X Die Plappertaſche, y. —n, f. Plapperer. 

X Das Plapperwerk, — s, M. —e, etwas was man fs hinpfap: 
pert, obne etwan oder ohne vigl babei gu denken. Bloßes Plap⸗ 
perwerk,, bei dem das Herz nichts fühlt« Ungen. (R.). 

Der Plarer, —s, 9. gl. in den Hüͤttenwerken, der Sqhmelzer anf 


* 


Plaͤrr 


dem Etſenſchmelzwerke, ber das Ganze anorbnet. 

Das Plaͤrrauge, —s, 4 —n. 1) Ein rothes triefenbes Auge. 
Auch nennt man eine Krankheit der Augen, ba bie Augenlieder au⸗ 
mwärts gewendet, ober bie innere Fläche derfelben auswärts gekehrt 
iſt. Plaͤrraugt (Betropium), 2) Eine Perfon mit ſolchen Augen; 
RM. D. Plarcoge, Flirroge. 

Plirräugig, adj. u adv. Flärrangen, b. h. rote triefige Augen 
babend. 

Die Plarre, 9. —n, eine Blatter, beſonders eine große Blatter; 
ein aug Blatter, mworaus man bie t geworfen bat, entflanbenes 
Bert. Die Plarre oder Blatter bei dem Ainbvieh if cine Krank: 
heit deffelben, melde mit einer großen weißen Blatter unter ber 
Zunge ober aud am Maſtdarme verbunden if. 

1. X Die Dlärre, 4. - n, das Maul, beſonders ein großes, oft 
plärrendes Maui, auch das Plaͤrrmaul, beides verächtlich. 

a. + Die Plärre, 0. 9. bie triefige Befhaffenheit, wie aud bie 
Truͤbe, Duntelfeit der Augen, wofür man auch bas Pidre findet, 
Er hat das plere vor ben Augen gehabt und vilgemelte Epiſtel nit 
recht angeſehen.“ Emier (R.). 

Plärren, v. intrs, u. irs. unangenehme, wibrige Xöne, melde 
bas Wort nachahmet, hervorbringen. Das Kalb plärtet. Ges 
möhntih nur von Menfhen, auf eine rintönige, mibrige Art 
freien, weinen, mie au, fingen. Ginem bie Ohren voll 
plörten. Richt aufhören au plaͤrren. Gin Sieb plärren. 

Wo Gicero einft ſprach, da pläcrt ein Moͤnch fein Aue, Kalt if.) 
D. Plärren. D. —ung. j 

Der Plaͤrrhahn, —es, 94. —hähne, ber Rampfhahn ober WBraus: 
hahn (Tringa pugnax L.) 

Das Märrmaul, —es, 4. —mäuler, f. 1. Plärre. 

+ Die Plate, My. —n, eine Sandbank. S. Platte, 

+ Das Plätengrad, — es, 9. u. die Duede, 

+ Der Plaͤter, —6, 9. gl. in Hamburg nah Fulda, bas 
das Glied, womit man plätert oder plaubert. 

.+ Pätern, f. Plaudern. 

Platſch, ein Wort, weldes ben Schal nahahmt und bezeichnet, wenn 
ein breiter, befonders ein weider oder auch rin flüfiger Körper fällt, 
wie auch, wenn etwas in einen flüffigen Körper fällt, ober in eine 
Fluͤſſigkeit geſchlagen wird. Platſch, ta lag es auf ber Erbe! 
Davon ber Platſch, ber Shall, ben ein folder fallender Körper 
bervorbringt, wie auch, ein mit einem folhen Schalle verbundener 
Fall, Einen Platſch thun. 


Maul, 


Platfhen, v. I ntr. 1») Mit haben, den Cha, bas Geräufd, ° 


welches das Wort Platſch nachahmet, Hören laffen, R. D. plasten. 
Es hat geplatſcht. Ih babe etwas platfhen hören. Es regnet, 


daß es platfcht. Das Waffer platfht an den Kahn, Gewoͤhnlicher 


it das Bw. plätfhern, im N. D. plaftern, von einem neringern 
unb fanftern, wie aud mwieberholten Geräuſche biefer Art. Die 
Duelle plätfchert. „Ih böre ein Plötfchern, mie wenn die Wellen 
wider den Rachen fhlagen.« Befner. =) Mit fein, jenen Schall 
von fih hören laffend fallen. Bas Waffer platſchen. II) intrs, 
den Shall, das Seräuſch, welches das Wort Platſch nachahmet, 
erregen; in Hamburg plafhen. Im Waſſer platfchen, barin Hin: 
and berfahren mit ben Händen, barin geben ac, fo baß jenes Ge: 
säufch dadurch hervorgebracht wird, Ins Wafler platſchen, in ober 
auf daffelbe fhtagen, 3. B. mit ber flohen Band, daß es platſcht. 
“Eroh, finten zu können, platfchte fie in den Zei binab,- Ben: 
tl: Sternam. Gemöhnliher it auch in biefee Bedeutung das 
Bw. plätfihern. Im Waſſer, im Babe plätfchern. „Die jungen 
Enten (herzen plaͤtſchernd im Waffen.“ Gebner. S. auch plab: 
dern, planfhen. D. Platſchen, Plaͤtſchern. 

Plaͤtſchen, v. intrs. u. trs, platſchen maten. In Waſſer plaͤtſchen, 
in daſſelbe, 3. DB. mit der flachen Hand fhlagen, daß es platicht. 
+ Die Thür plätfhen, fe mit ſtarkem Geräufh zufhlagem Das 


Campe's Wörterb, 3. Th 


657 


"X Der Matfher, —t, Mm. gl. 


Platt 


Berdfterungs » und Verkleinungtwort if plätfhern., S. d. D. 

Plaͤtſchen. 

12) Einer ber platſchet. In man: 
den Gegenden ein Name bes Entericht. =) Ein Platſch. 

Plätfchern, v. I) utr. u. intrs. das Werfieinungswort von pfatfchen, 
in beffen Bedeutungen es ı ) gebraudt wird. S. Platſchen. Dann 
auch =) bloß als intrs, von einem Epic: ber Kinder, mit Gcher- 

ben ober flachen Fleinen Steinen fhräg auf bie Obrerflähe eines 
Walfers hinwerfen, fo baß fie vom Waffer mehrere Mahl abprallen 
und auf bemfelben hinhäpfen, weit babei aud ein geringes Beräufg 
ber Art ala plaͤtſchern begeihnet, bervorgebraßt wird, Die @.D. 
Jugend nennt dieſes Spiel das Jungfernſchießen. &. Plaͤtfcher⸗ 
fpiel. Zuweilen aud II) als tes, plätfhernd gießen, vergiehen, 
mit einem Plätfheren fallen laffen ober machen. „Der heile Bora 
plätfcherte Rofenwaffer in ein Marmorberten.“ Benzel:Sternan. 
D. Platſchern. D. —ung. 


O Das Plitfcherfpiel, —r6, Ph. u. dasjenige Spiel ber Kinber, 3 


da fie plätfhern. S. Plaͤtſchern 15 2). 
Welchetlei Schieſern (Schiefer) Meine Knaben 
Beim Plaͤtfcherſpiel am liebſten Haben. Soltam. 
S. Plaͤtſchern. 

Der Platſchfuß, —es, 3. —füße, ein’ Fuß mit welchem mar 
platfhrt, was vorzüglich mit breiten Fuͤßen gefiehet; daher, ein bret⸗ 
ter Ruß, Inder Raturbefgreibung sei Einigen für Patſchfuß. ©. d. 

Platt, —er, —eſte, adj. u. adv, breit und ohne Erhobenheit; im 
Gegenfat von erhoben. Das platte Band, bas keine Erhöhungen, 
Berge bat; aud, bas Sand, im Gegenſat ber Stadt. Etwas platt 
brüten, baburd daß man feine Erhöhung niederbrüdt, bie Ober: 
flähe und Grundflihe näher zuſammenbringt. Etwas platt fhlas 
gen. in platter Stein, Ziegel. Ein platter Spiegel, ein völlig 
ebener, ein Planfpiegel; in Gegenfag eines Hohlfpiegels 1c. Platte 
Stiderei, bie platt und nit erhoben iſt, und zw welcher kein eig⸗ 
ner Grand gemacht wird, ſondern bei welcher bie Faͤden unmittelbar 
durch ben Zeug gezogen werben, Die platte Bande, bei ben Gaͤrt⸗ 
nern, das äußerfte ſchmale Stuͤk Erdreich, welches bas ganze Bltr 
men ſtuͤk in einem Garten umgiebt; auch die Kante. Im ber Bau: 
tunft find platte Banden eiferne Schienen, melde unter gemölbte 
Eenfterftarge ober andere Öffnungen gelegt werben, um bie &teine 
tragen zu helfen. Bei ben Wogelftellern iſt ein platter Herb ein 
ſolcher, mo auf Finken und andere Heine Vögel mit Schtagwaͤnden, 
jedoch ohne Buſch und Strauch geſtellt wird. Dann auch, meniger 
Grhobenheit als gewöhnlich babend, Gin r’ıtted Dad. Gine platte 
Stirn, in Gegenſatz einer gemölbten. Gine platte Rafe, in Ge: 
genfag einer erhobenen ober aufgeftugten. Im O. D. auch für flad, 
weniger tief. ine platte Schüffer. Uneigentlich. 1) Im platten 
Lanbe üblich, Plattes Deutfh, fo wie es in R. D. bein platterm 
Kheile von Deutfchland üblich if, "Platt fpregen, Rieberbeutfä. 
©. Plattdeutſch. Im R. D. fagt man dafür aud, breit fprechen. 
2) Über bas Gemeine nicht erbaben, ober fi nicht erhebend; in Ber 
genfap von erhaben. Gin platte Mid. Gin platter Kuss 
drud. Etwas Platte fagen, etmas Gemeines, Schlechtes, Ein 
platter Menfh, der platt ober pöbelbaft redet und handelt. Eine 
platte Rigur, in der Mahlerei, eine gemeine, uneble. In bee 


Mahlerei mennt man auf weniger umeigentlih eine Figur platt, 


weiche wenig Erhobenheit und Bünde zu haben ſcheintz wofür man 
auch flach ſagt. 5) + Im ©. D. verſtaͤndlich, leicht, „Diefe platte 
Stelle nicht zu verfichen mar dem Franzofen Ballois aufbehatten.« 
Denis. 4) X Obne Umſchwelle, geradezu. Sintm etwas platt 
abfihtagen, geradezu. Einem die platte Wahrheit fagen. 5) X 
Saͤnzlich. Das ift platt unmoͤglich. Platterdings, dumkaus, Das 
Hare platte Gegentheil.· Eeffing In der Schifffabrt heißfftden 
Mind platt ober auch flad vorm Lalen haben, den Wind gerade 


von hinten haben, 
83 


Plattb 


Der Plattbaum, —s, 94. —bäume, bei den Vogelſtellern, ein 
Baum ir ober nahe an einem Walde, ben man bis im ben Gipfel 
entäfte um bie Leimruthen baran zu befefligen ; auch der Feldbaum. 

Dattbls , adj. u. adv, platt und blank, bei ben Eohgerbern, bie ein 
aus Braabſohlleder von Rinberhäuten oft au aus Roßleber zugerid: 
tetes, mit dem Krispelbolze dann mit ber Plattftoffugel und Blank: 
Hoßkugel bearbeitetes Beber plattblaukes Holländifches Leber nennen. 

Der Mattblod, —es, By. —bloͤcke, in der Ehifffahet, ein Block, 
beffen Gehaͤuſe an beiden Seiten platt ober mit ber Schelbe glei: 
laufend if. . 

Der Plattboden, —t, 34. —böben, ein platter, d. h. breiter flas 
her Boden, In ber Raturbefhreibung nennt Müller ſolche Kreis 
ſelſchnecken, bie ungenabelt find, ober deren Rabel verſchloſſen ift 

“und welche aufgerichtet ſtehen innen, Plattböden. 

O Das Pattboot, —es, 9. —böte, ein Boot mit einem platten 
Boden. „Denn ein anderer Theil Emmt bort hinten auf bem Meere 
in feinen Plattböten erft angeſchwemmen.“ Ungen. 

Dad Plättbrett, —es, By. —er, ein Brett, Waͤſche darauf zu plätten, 

Der Plätthenkofben, —t, 9%. al. bei den Glaſern, ein Kolben in 
Seſtalt eines vieredigen Sammers, bie meffingenen Plätthen bamit 
anzulötben. 

Die Plattvede, 34. —n, im der Bankunft, bie platte ebene Dede 
in einem Zimmer, einem Saale ıc; zum Unterſchiede von einer ger 

woͤlbten Dede, einer Kelderbede ıc. 

Plattdeutſch, adj. u. adr. plattes Deutſch, d. h. Drutfh, fo wie es 
in bem platten Theile von Deutfhland, in Rieberbeutfchland befons 
bers in ben untern Ständen geſprochen wird. Plattdeutſch fprechen. 
Die plattdeutfche Sprache. Ein plattdeutfhes Wort. 

Die Platte, 94. —n; Bw, das Prätthen, D. D. —lein. ı) Eine 
platte, d. 5. ebene Flaͤche, In welder Bebeutung man es im O. D. 
nod in weitem Umfange gebraucht. So ift daſelbſt die Platte ober 
auch die Plätte des Draens, die Kläde ber Klinge beffelben, umb 
de Oberplätse eines Dinges bie Oberfläche deſſeiben. So if aut 
bie Platte, ber platte Fable Bipfel eines Berges ober Belfens; auch 
die Maffe, Blaſſe, Bloͤße. 

Fueg dich 

Bon ſtund an und on allen Verzug 

Auf bie hoben platten und fug 

Benn ber Helb Tewrdauk kumbt barauf, Theuerbank. R. 47. 
Auch bie oben platten Bänke und Untiefen in der Elbe und deren 
Ausftäffe nennen dic Eootfen Platten; auh Mutten, Grund. Be 
fonders nennt man bie etwas platte Stelle hinten auf dem Kopfe, 
wenn fie von Haaren emthiöst ift, eine Datte; font die Blake, 
Gine Platte befommen, baden, anf biefer Stelle bie Haate verlies 
ren ober verloren haben. „Und bie Priefter fcheren den Bart ab 
und tragen Platten unb figen da mit bloßen Köpfen." Bar. 6, 50. 
Eine Platte ſcheren, bie Haare auf jener Stelle des Haupfes ab⸗ 
Kheren, befonbers bei ben Prieftern der Mömifchen Kirche. Bumeir 
Ien aber feiten und ungut ift Platte in der niedrigen Sprechart auch 
ber Kopf felbft. In manden O. D. Wegenden, wo bas Wort au 
Plaſſe, Blaffe, Bloͤße Tanter, bedeutet es aud die Stirn. Biel: 
leicht hängt hiemit, im Anfrbung des Kahlen, Fehlenden, Mangel: 
Baften, bie Bebentung zuſammen, melde das Platte bri ben Zu: 
mahern bat, welche benjenigen Fehler, wenn beim Weben Fäden 
ber Kette jerreißen und nicht wieder zufammengelnäpft werben, wel⸗ 
Her Fehler nah dem Walken merklich ins Auge fällt, eine Platte 
nennen, und zwar eine einfache, wenn ein Haben der Kette jerrif: 
fen it, und eine Doppelte, wenn zwei ober mehr Fäden jerriffen 
find. =) Fin platter, d. h. breiter uud ebener Rörper, ein Körper, 
er welden eine ober mehr platte Seiten befindlicd find. 
folder aewöhntih wierediger Abrper, an welchem man nichte weitır 
egeichnen wi, als daß er platt, b. b. breit und eben und babri 
vrrhältniguäßig dick if; befonders wenn er non einer dichten Dtaffe 


658 


- zufanmengefegt werden, 


(1) Gin 


Platte 


if. Eine Platte von Stein, von Marmer, von Eiſen, Blei, 
Bian ac., ober eine Öteinplatte, ine Warmerplatte, Eiftnplat 
te ic. Die Platten eines eifernen Ofens, aus melden er zuſam⸗ 
mengefept ift; bie Ofenplatten. Die Piatte im Ofen, ſowol eine 
Platte, weiche den Herb des Dfens ausmacht, als auch eine riferne 
Platte, welche ben Boden der Ofenröhre, allerlei himeinzufegen und 
zu wärmen, auemaht. Auf ben Eiſenhaͤmmern werben bie bännen 
langen vieredigen Städte Gifen, weraus Gewehre gemacht werben, 
eben fo bie platten Cifenftüde, woraus bie Küraffe gemacht werben, 
auch Platten genannt (Platinen). Die Platte der Kupferficher, 
bie Kupferplatte, iſt ein plattes,. ſehr ebenes vierediges Srüs 
Kupfer, ober, ein Stuͤc ſtarken Kupferbleches, weiches biefen Ras 
men führet, es möge darauf fhon etwas geflohen fein. oder nicht. 
Eine neue Platte Reden. Cine Platte abbruden, In weiterer 
Bebrutung heißen auch die platten ebenen Städe Holz, auf welde 
bie Holzs und Formfchneiber ihre Geſtalten ſchneiden, Platten, 
wenn fie eine größere Fläche haben und nicht bloß Städe find; 
3 B. bei ben Kartenbrudern. Steinerne Platten von beträchttl⸗ 
chet Dicke, befonders wenn fie behauen Find, fie mögen übrigens 
vieredig ober rund fein, werben fhlehthin nur Platten genannt. 
Den Fußboden mit Platten belegen. Gine Marmerplatte, Schier 
ferplatte.xc. Die Tiſchplatte, ein fleinernes Tiſchblatt. Eime 
Platte von Elfenbein, Horn ıc. ober Elfenbeinplatte, Dornplatte 
ꝛc, bie platten Stuͤcke Elfenbein, Born ıc, bei ben Kommmadern, 
Mefferfchmieden ı. In der Baukunſt iſt bie Piatte fomot das 
obere platte lied am Saͤulenknaufe, ald auch bas unterfte größte 
platte Glied bie Aufgefimfes, weil es eine ſtelnerne Platte vor 
fteut, In ber Baukunſt werden oft auch alle Heine entweder erbos 
bene ober auch ausgehöplte Glieder Plättchen oder Plaͤttlein ges 
nannte. Im Holländer der Papiermühlen befindet fih auch eine 
Platte, welche gerieft ift, To daß ihre jugefpigten Kanten, womit 
ihre Oberfläche verſehen ift, bie Eumpen zerfhneiben, melde vere 
möge ber Walze genöthiget werben, zwifchen ber Walje und ber 
Platte duchzugehen (Platine). Am Etrumpfmeberftuhle find die 
Platten (Platinen ) dünne Eifenslehe von aweierlei Art, nämlih 
ſtehende und fallende, deren Anzahl fih nah den Schwingen und 
Radeibteien, worin bie Stricknadeln befeſtiget find, richtet, und 
melde ben Faden zur Maſche bilden. Die fallenden Platten fallen 
beim Weben herunter und nehmen den aufgelegten Haben mit ber 
unter; fie ſtecken zwiſchen ben ſtehenden, welche in der Plattenbahre 
unbeweglih ſtehen. Bei den Hutmachern ik die Platte oder Kopf: 
platte ber obere platte oder ebene heil bes Gutiepfes; dader bie 
Platte auöftopen, bem gewalkten Hute bie fpige Geſtalt benehmen 
und ihm bie Kopfplatte geben, In ben Muͤnzen nennt man bie 
ausgekädeiten runden Metallftüde, welche ausgeprägt werden fol: 
len, . Platten. Bei ben Uhrmachern find die Platten, diejenigen 
beiden platten Theile ober Scheiben, zwiſchen welchen ſich das R&- 
derwerk befindet; aud bie, Böden. Bei den Orgeibauern find bie 
Platten der Baͤtge biejenigen Brettflüde, aus weihen bie Bälge 
Der etwas platte Kopf eines Nagels wird 
ebenfalls Platte genannt, Gin Ragel mit einer Platte, mit einem 
Kopfe. Im der Berglieberungstunft find die Plättchen, bie in ei: 
ner größern Ausbehnung in bie Breite neben einander in einer bün: 
nen Lage von Beim liegenden unb mit einander verbundenen Theil 
Gen, woraus bie feften Thelle des Körpers befteben ıLaminae), 
Die Anochenplatten. Ebendaſelbſt ift bie fenfrechte Platte (La- 
mine perpendicularis) eine Rortfegung bes Kammes bes Ried: 
ober Biebbeines mad unten. In der Pflangenichre find bie Diätt: 
hen (Lamella) die dünnen blattartigen Hervorragungen auf ber 
untern Seite bes Pilzes, weiche bie Samenkazfeln enthalten. Eben: 
daſelbſt beißt ber obere flache Theil eines Biumenblattes ebenfalls 
bie Platte (Laminn), Im M. D. wird auh ein Schurz, eine 
Schürze Platte (gemöhnliger Platen) genannt: (2) Ein plattes 


| Platte 


Werkzeug, etwas damit zu platten, db. h. eben und glatt zu machen; 
bas Platt oder Plätteifen, dergleichen find bie eifernen Plätteifen 
ber Schneider, und bie meflingenen ber Wäfherinnen. (5) Ein 
aus metallenen » Platten verfertigtes Ding. Go nannte man ehr: 
mabls bas Bruſtſtuͤck eines Harnifhes, weil es aus einer Platte ges 
madt wurde, die Platte ober Bruftplatte. Den Ramen Platten 
führen aud in ben Papigrmählen die fhalenförmigen runden Gifen, 
womit bie Löcher in bem Löcherbaume ausgelegt find. (4) Ein Fahr⸗ 
jeug mit plattem Boden; bie Plätte in Baiern. Dafelbft hat man 
Poſtplaͤtten, eine Fit fhneller Jachtſchiffe. 
D. auch jete Fähre eine Platte. (5) Eine flahe Schäffel, in mehr 
rern fowol:D. D. ald R. D. Gegenden. „Du ſollſt bei mir wohs 
nen, unb aus @olb trinken, und bie koͤſtlichſten Epeifen aus filber: 
nen Matten effen.e Bepuer. Daher bas Frany. Plat, bie Schüſ⸗ 


fer. ine Fiſchplatte u. Auch nennt man Platte ober kann man 


fo nennen, einen Auffag in ber Mitte eimer Tafel, mwelder aus 

einer filbernen ober aud Hölgernen, mie auch blehernen bünnen mit 

Lat Übergogenen ıc. Platte beftehet und gierlei kleine Tiſchbeduͤrf⸗ 

. niffe trägt (Platenu, Platmenage). 

Die Plätte, 4. —n. 1) X Das Plätten; ohne Mehrzahl. =) 
X Der Zuftand, bie Befhaffenheit einer Sache, da fie geplättet, 
db, 5. platt und eben, glatt gemacht iſt; ohne Mehrzahl, 5) ©, 
Platte 2) (4). 

Der Plattehrke, —n, 4. —n, eine Art Zauder in Rordamerika, 
deffen Füße nahe am Bürzel ſtehen, daher er auch Arfhfuß Heipt 
(Colymhus podiceps); auch Schläphad. 

Das Platteifen, gewoͤhnlicher Plätteifen, —, M. al. das platte 
Eifen, ber eiferne Bolze, welcher glühend gemacht und in bas Werk⸗ 
zeug zum’ Platten, bie Platte geftedt wird, wenn man Wäſche 
plättet. S. Platte =) (2). Dann auch biefes Werkzeug zum Plät: 
ten ſelbſt. In ben Bleiwerken ift bas Pläfteifen ein ähnliches 
Werkjeug, nur niht hohl. Man bedient fi deſſelben, nachdem es 
heiß gemacht worden ift, ben Sand, auf welden bie Bleitafeln ge: 
goffen werben, zu glätten, 

Die Dlatteiße, 4. —n, eine Art Schollen in ber Nordſee, bie ſich 
durch fehs Höder am Kopfe von andern unterfheibet, etwa einen 
Fuß lang und 15 bis 16 Pfund ſchwer wird (Pleuronectes pla- 
tessa L.). Sie hat ben Ramen von ihrem platten Körper und 
heist auch Plattfifh, Scholle in engerer Bedeutung, Halbfiſch, 
Goldbutte. Kleine Platteifen vorbem in N. D. Plitten genannt. 
Bei Anbern, 5. B. Funke, lautet das Wort ber Platteif, 

+ Plätteln, v. intes. in ber Schweiz, mit Heinen eifernen Platten 
nah einem gewiffen Biele werfen; ein Anabenfpiel. Im einigen 
Gegenden ber Schweiz auch platzgen, ba benn eine Heine bazu ge: 
brauchte Platte Platzge heift. Stalder. D. Plättemn. 

Platten, v. Datr. ı) Mit haben, platt werben. Die Brabhägel 
platten mit ber Brit. Sier plattet bie Gegend.“ Wolle Im 
diefee Bedeutung gebrauht man gewöhnlicher fi abplatten. =) 
Mit fein, platt fein. Die Erbkugel ift an dem Polen geplattet, 
hat an den Polen nicht voͤlllge Kugelruͤnde, fonbern if etwas platt. 
U) trs. wo es gewöhnlicher unb beifer plätten lautet, platt machen, 
platt dräden. So wirb ber Golde und Silberdraht geplättet, ins 
dem man ihn zwiſchen ben Walzen ber Plättmühle zu einem bünnen, 
glänzenden Sahne quetſcht. Die Waſcherinnen plätten die Waͤſche, 
d. bh. fie machen bie etwas feuchte Wäſche eben und glatt, indem fie 
mit dem heißen platten Eifen, welches Platte ober Dlatteifen, ger 
woͤhnlicher Plaͤtteiſen heißt, daruͤber brädend bin: und berfabren; 
aud bügeln und im R. D. aud ſlichten, ſchlicht machen, und ftris 
ten, freihen. Bei den Bimmerleuten beipt plätten, zwei Baltın 
ohne Werzapfung oder Eintaffung platt oder flach auf einander legen 
und zufammennageln. Bel ben Lohgerbern heißt platten, bie Rins 
de von ben gefällten Eichen um Pfingften abfhäten. — D. Platr 
ten, Plätten. D. —ung. 


659 


&o nennt man im d.. 


Plattg 


Plaͤtten, v.'trs. f. Platten IN. . 

Die Plattenbahre, By. —n, an bem Etrumpfweberftuhle, das Ger 
bäufe, in welchem bie ftehenden Platten befeftiget find, und welches 
diefelben alfo trägt (Platinenbahre), ©, Platte 2), 

Die Dlattenfeile, 3. —n, bei den Shioffeen, eine Art Keiler, 
melde einen feinern Hieb haben, als bie Worfeilen. 

Der Mattenhammer, —, 3%. —hämmer, auf ben @ifenhäm: 
mern, ein Schwamhammer, ber bem Breitbammer auf ben Kupfer 
Hüttenwerken gleicht, welcher vom Waffer in Bewegung gefegt wird 
und bie Platten, woraus Bewehre berfertiget werben, au ſchmle⸗ 
ben. bienei. 

Die Pattenmeife, 4. —n, bie Sumpfmeife. 

Die Plattenſchachtel, &y. —n, am Strumpfwirkerſtuhle, bas Ger 
häufe, auf welhem alle Enden ber fteheuden Platten ruhen (Plati- 
nenſchachtel). ©. Platte a) (ı). 

Der Plattenfhläger, —E, 34. gl. einer der Platten aus Metall 
fhlägt, wie au, einer der aus Metaliplatten Bruſtharniſche ver: 
fertiget; aud der Plattner, ©. Platte 2) (5). 

Der Dlattenfchnabel, —s, 24. —ſchnaͤbel, am Gtrumpfwirker) 
ftuhte, die oberften Gpigen ber ſtehenden unb fallenden Platten, 
wodurch bie Mafhen hervorgebraßt werben (Platinenfänabel). 
S. Platte 2) (1). 

Der Plätter, —, MM. gl; die —inn, Dh. —en. 1) Eine Per: 
fon, melde plattet ber plättet, befonbers, welche Gold: oder Sil⸗ 
berdraht plättet, und am bäufigften, welche Waſche plättet. Wei 
Einigen aud der Pattner. =) Bei ben Seidenwirkern ift der 
Plaͤtter ober Piötter, eim Meines Cifen, welches dem Roppeifen 
gleihet und womit die Kettenfäben einer Geitentette von den Kne— 
ten und andern Ungleihheiten gereiniget und gepugt iberben. 

Die Dlatterbfe, 94. —n, bie Kichererbſe, Kiher, weit fie nicht 
rund, fonbern an ben Seiten und an ihrem dicken Enbe etwas platt 
ift (Lathyrus Li). Befonbers diejenige Art, melde bei uns auf 
ben Wieſen wähft (Lathyrus pratensis L,), ſowie auch diejenige. 
Art, welde man in Schwaben und in ber Schweiz auf den Feldern 
bauet (Lathyrus aativus L.). 

X Platterbingd, adv. fhlehterbings, durchaus. S. Platt. IE 
will es platferdings nidt. Es kann platterbinge nicht geſchehen. 
Der Plattfifa,, —ecH 2. —e, die Platteiße, S. d. in anderer 
Fiſch diefes Geſchlechtes ift der gebänderte Plattfiſch (Pleuronectes 

lineatus L.). 

Der Plattfuß, —es, 39. —fühe. 1) Der untere platte Theil des 
Fußes, auf weldem man gehet und ftehet, die Sohle, & das Fuf: 
brett (Metatarsus), a) Ein platter db. b. breiter unförmlider 
Buß. 5) Ein Ding mit platten Füßen; befonders, X eine Perſen 
mit platten oder breiten Füßen, In ber Maturbefhreibung führt 
eine Art gerader kegelfoͤrmiger Meereiheln diefen Ramen (Lepas 
palmipes), Im R. D. nennt man einen Plattfuß in weiterer 
Bedeutung au ben, welcher einen plumpen ungefhidten Gang 
bat, weil bies gewöhnlich bei Perfonen mit breiten Füßen der Fall 
it. _ Daher im Holfteinifden unelgentlich auch ein Menfh der ges 
radezu ift, Anbern die Wahrheit ganz platt, d. h. gerabezu fagt, 
ein Plattfuß, + ein P attendrüder genannt wird. 4) Ganz ver: 
ſchieden hievon ift die Bebeutung, da auf den Schiffen bie Wade, 
welche von 6 bie 8 Uhr Abends einfält, Plattfuß ober Plattfuß: 
mache gemannt wi@b, 

Plattfuͤßig, —er, —ſte, adj. u. adv, platte, d. 5, breite und ums 
förmliche Füge habend. 

+ Die Plattfußwache, 94. —n, f. Mattfuf 4). 

Das Plattgarn, —ed, H.—. 7) Eine Art weißen platten Seinen» 
garnes, beffen man fih bedient, Meffeltuh, Bare keinwand ıc. 
damit zu ftopfen, wie auch, bas fogenannte Ausgefafelte bavon zu 
maden, beffen man fi in ber Trauer anftatt ber Spigen bedient; 
aud, Stopfgarn. Ein Etüd davon hat 48 Gebinde, 2) S. Plättneg. 


Plattg 


Plattgattet, adj. u. adv. im Schiffbaue. S. Rundgattet. 

Die Plattgerſte, o. Bi. 1) Die Sommergerfte, zweizeilige Sommers 
gerfle (Hordeum distichon L.. 2) Eine Abart der aweiseiligen 
Gommergerfte, Blattgetſte (Hordeum frutescens). 

Der Plätthbammer, —#, 9. — haͤmmer, bei den NRäblern, ein 
Glaͤtthammer, bie Seiten einer breiecdhigen Nabel ber kederarbeiter 
damit flach zu ſchlagen und zu glätten, 

Das Plarthaupt, —eb, My. —bäupter. 1) Ein plattes Haupt, 
2) Ein Ding mit plattem Haupte ober Kopfe. So beißen in ber 
Seeſprache Beine, etwa eines Iolles lange Spifer mit großen plat: 
ten Köpfen, Blei, Leber, Schmarting und anbere ähnliche Dinge ba: 
mit anzufpiern Platthaͤuptet. 

Die Plattheit, 9. —ın. 1) Die Eigenſchaft einer Sache ba fie 
platt ift; eigentiih und uneigen:tih und ohne Mehrzahl. Die 
Plattheit eines Lanbftrihes, ber Erbe an ben Polen. Die Matt 
heit einer Sprache, eines Ausdruckes. 2) Ein platter Nusbrud, 
eine platte Außerung, eine gemeine; 3. B. ein platter Witz, 
C herz ır. Lauter Plattheiten fprechen, auftiſchen. 

Auf deiner Eipp’ erhöht die Plattheit fih zum Tcherz. Kalk, 

Das Plattholz, —es, 9. —hoͤlzer, bei den Ziegelſtreichern, das 
platte ober ebene Holz, womit der Ziegel in ber Korm eben und 
glatt geftrichen wird, 

Das Platthorn, —es, My. —börner. 1) Ein plattes Born. 2) 
Ein Thier mit plattem Horne oder platten Hörnern. Bo beißt 
eine Art berienigen Thiere, welche das Mittel zwiſchen den Hirſchen 
und Ziegen halten Platthorn (Antilope kevella). 

Der Platthuf, —es, 9. —e, ein mehr als gewoͤhnlich platter Huf, 
deffen Seitenwände fi zu fehr ausbreiten, 

Patthufig, —er, —fe, adj. u. adr. Platthufe habend z von dem 
Pferden. 

Der Plattindig, —es, 9. u. Subig in platten Staͤcken ober X: 
felchen. 

Das Platting, —es, 4. —e, in der Seeſprache, plattes Tau⸗ 
werk, welches von Kabelgarnen geflochten wird. Man nimmt ges 
wögntic fieben Kabelgarne bazu, doch macht man auch Plarting 
aus 5 und 6 Sarnen, welches legte Bauerplatting genannt wird, 
Möding. J 

Das Plaͤttkiſſen, —s, m. al. ein eigenes Sen auf: einem Breite, 
auf welhem man bie und ba Wäſche zu plätten pflegt. 

O Der Platttopf, - 08, 34. --Eöpfe. ı) Ei: platter Kopf. =) Einer 
der einen platten Kopf hat, und untigentlih der fi nicht Über tas 
Gemeine erhebt, ein Menſch, ber platt denkt und ſpricht. „Das wiſſen 
die Spigköpfe unter den Herren gar trefflih gu amalgamiren (ver: 
einigen), bie Plattkoͤpfe haben #8 gar mit nötbig" u. Scume. 

© Plattköpfig, —er, —ſte, adj. u, adv. einen Plattkopf habend. 

Der Pattlad, — es, 3. —«, fine Art des Bummilades, weides 
geſchmelzt und auf einem Marmerfieine platt gefdlagen worden ifl. 

Die Plattlaus, My. —Mufe. >) Die Felzlaus. =) Uneigentlich, 
bie Benennung gewiffer Fahrzeuge in Frießland, womit Torf ge: 
fahren wird. Röding. 

Der Dlattling, — rd, By. —t. 1) Gin platte Ding. Dann, 
X ein platter Menfh, ein Plattkopf; veraͤchtlich und uneigentlich. 
„Baffen wir bie Piattlinge ihmagen,“ BengelsSternau, a) fine 
Perfon, welche eine Platte auf dem Kopnfe bat, 3. 8. ein Mönd, 
ber Plaͤttling. ©. d. Keyferberg. Mlittlinge mit biden 
Biachen und glei dickern doch hohlern Köpfen Wähter. 

Das Plattloth, —ee, Br. — e, anf den Schiffen, eine bleieene Patı 
ke, melde etwa ein’ Fuß ins Benferte hält, nach der Mönbung der 
Kanone gebogen mwirb und dazu dient, bas Bünbloh der Kanene zu 
dedecker. Es wird darüber ein an bie Eeitentaljen befefligtes 
Bindfel arlept. . 

Die Mattmähle, Plättmühle, 94. —n. ı) Gin Triebwerk mit 

wei Mähleenen Malzen, zwiſchen weldhen der Golbe und Silberdraht 


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Plattſt 


zu Bahn geplätiet wird. 2) Bei ben Papiermadern, ein Triebwerk 
mit zwei Malen, zwiſchen welchen bas fertige Papier geplät- 
tet wirb, ; 

Die Plattuafe, 4. —n. ı) Eine platte Rafe, die breiter als ger 
möhntih if. =) X Gine Perfon, aud, ein Thier mit einer ſolchen 
Rafe, Im ber Raturbefhreibung führen einige Arten von Fiſchen 
den Ramen Plattnafe. 

Plattnafig,.—er, —fe, adj. u. adr. eine platte Rafe habenb, 
„Bropmäulichte (mäufige) plattnäfige Afrifaner.“ Pepomwitih. (M.) 

Plattnen, v. tes. 1) Die Vögel mit ben Leimrrthen an dem Platt: 
baume fangen. S. Plattbaum. =) Im manden Gegenden für 
plätten; von bem Plätten bes Golb» und Eilberbrahtes. 


"Der Plattner, Plättner, —6, 94. gl. 1) Der Piätter des Gotd⸗ 


unb Silberdrahtes. S. Plätter und Platinen =). 2) Einer ber 
aus eifernen Platten Bruftbarnifche, wie aud, Arm: und Beinfgie- 
nen verfertigt, befonbers ehemals, ba bie Harnifhe gemöhntih ma» 
ren; der Harniſchmacher. 

Das Plattnetz, —es, My —e, bei den Vogelſtellern, ein Reg ober 
Garn, mit welhen ber Plattbaum unten umflellet wirb, bamit bie 
mit ben keimruthen heeunterfalenten Boͤgel nit enttommen köns 
nen; das Plattgarn. 

Die Plättquehle, By. —n, bei ben Wäfcherinnen, ein langes unge: 
bteichtes Beinentuh, welches mehrere Mahle zufammengeichlagen zu 
einer Unterlage beim Plätten bient, 

Der PDlattreif, — es, 2. —e, bei ben Börtihern, eim plattes, 
d. b. breites eifernes Faßband, welches im Nothfalle um ein anges 
fültes Faß geſchraubt wird, wenn bie ordentlichen Reife zerſpringen. 

+ Die Plattrofe, Mr. —n, ein Name des Mauerpfeffers, 

Plaͤttſchen, (Pletfchen), v.trs. platt ufammendrüden,. platt ſchlagen. 
a. gepleifchte (geplättidte) Rafe.« Lavater. D. Plaͤttſchen. 

—ung. 

O Das Plattſchiff, —s, 94. —e, ein Schiff mit einem platten 

Boben (Gabarre). Hamb. Seitung. 


Die Plattſchlagung, My. u. die Handlung, da man etwas piatt , 


ftlägt, befonders da man Metall auf einem Amboffe ausbehnet, 
breit und zu dünnen Blechen [dlägt (bad Laminiren); aud die 
Blechſchlagung. 

Der Plattſchlich, —ed, By. —e, im Hüttenbaue, eine Unart im 
Geftalt eines Sinters, welche bei ben Bolbproben buch ben Schwe⸗ 
fel des Molbkieſes erzeugt wird. s 

Der Plateiſchnabel, —6, 9. —ſhnaͤbel, ein. platter Schnabel. 
Daan, ein Thier mit plattem Schnabel, Go führt diefen Namen 
eine Gattang Bögel in den warmen Ibeilen von Amerika, die mit 
dem Aliegenfänger nahe verwantt ift (Todus); au. Zodvogel. 

+ Die Plattſchnauze, By. —n, eine platte d. h. breite Schnauze. 
Dann, ein Geſchoͤpf, befonders E eın Menfb mit breitem Maule. 
Das Dlattfeben, —#, o. 3. bei den Hutmachern, das flarfe Suͤr—⸗ 
fien bes Dutranbes auf beiden Zeiten und bes ausısenbigen Zheiles 

vom Korfe. 

Der Dlattfpiegel, —#, 2%. gl. ein ebener Spiegel, Planfpirgel. ©, d. 

Der Vlattftampfer, — 8, 3%. al. bei den Hutmahern, eine wieredi: 
ge meſſiagene Platte, den abzeformten Hut bamit platt db. h. eben 
und alate zu drüäden, ober bie Runzeln aus demſelben zu freien; 
zum Unterſchiede von dem Krummitampfer. 

Der Plattſtein, — et, 3. — e, ein platter, d. h. breiter und ebe: 
ner Stein, von betraͤchtlicher Dicke, wemit J. B. in manchen Etäb- 
ten für die Rußgänger an ben Häufern bin ein Weg gelegt ift, Auf 
ben Platiſteinen geben (auf dem Trotteir), „Lie (bie Brite) 
bat auf beiden Seiten binreihend breite Fußwege von Platt: 
feinen“ 6, 

Der Plattjlih, —s, By. —e, ein platt liegender Stich. Wei bra 
Strumpfwebrrn, bie Stihe, mit welden die Zwidel an Struͤm⸗ 
pfen bunt ausgefteppt werben, 


Plattſt 


Die Plattſtoßkugel, Bi. —n, bei ben kehgerbern, eine eiferne 
Platte von vierfantiger Geftalt, die nah ihrer Länge eingeterbt 
und auf ein hervorragendes Holy mit zwei Handgriffen befeftiget 
iſt, das Geber bamit platt zu ſtehen. 

Das Plattfireden, —s, 0. 34. bei den Hutmachen, diejenige Ar: 
beit, ba fie ben Hut nach dem Walken von allem Waſſer befreien 
und wohl ausziehen ober ftreden. 5 

Das Plattſtuͤkk, —et, 4. —⸗. 1) Bei ben Zußbereitern, bie 
obere Scheide an bem Rahmen. 2) Bei ben Bimmerleuten, diejenige 
oben Über ben Btänbern liegende Schwelle, melde beibe verbinbet, 
um bie barüber gelegten Ballen befto ſicherer zu befefligen; auch, 
das Hauptholz. 

Der Plättteller, —$, 3%. gl. eine pfatte Unterlage von Thon oder 
Metall, auf welde die Wäfherinnen das Plätteifen ftellen, wenn 
fie es aus ber hand fegen wollen. - 

Der Plätttifh, —es, Sy. —e, ein Zifh, auf welchem man bie Wis 
fche plättet. 

Der Plaͤtttopf, —es, 4. —töpfe, ein eigener eiſerner Kopf, in 
welchem man auf gläbenben Kohlen ben Bolzen für das Wlätt: 
eifen ober bad Bügeleifen heiß madıt. 

Dos Pätttuch, —es, By. —tuͤcher, ein Tuch, zuſammengelegte kein: 
wand ober bergleihen, welche man auf ben Plätetifh oder auf das 
Plattbrett legt, um darauf Wäfche zu plätten. 

Das Dlattwalfen, —$, 9. 24. bei deu Walkern, dasjenige Balken 
bes Tuches, ba es in dem Walkſtocke nicht gedrehet oder eingefchaus 
keit, fontern ſchlechtweg umgekehrt wird, wobei bad Tuch in feiner 
gleichen Lage bleibt und überall glei gewallt wird, 

Die Plaͤttwaͤſche, 0. By. Wäfte, welche geplättet werben muß, fels 
nere Bf e, 

Der Plattwirbel, — 8, 8. gl. ein platter Wirbel, In der Naturbe⸗ 
Threiwung,eine Kegeltute an den Küften von Buinra (Conusvulpinus). 

Der Vlattwurm, — es, 9. —mürmer, ein Wurm mit plattem 
Körper. In der Raturbeiheeibung führt biefen Namen eine eigene 
Gattung Würmer, bie theile im Werre, tbeild in fügen Waſſern 
teben (Plamari»). Ginige Arten haben Beine Augen; andere haben 
Ein Auge, andere zwei, brei, vier und ambere noch mebe. 

Die Vlartzeit, 8. —en, bei ben Bogelftellern,. diejenige Zeit, wenn 
die Vögel auf Beimruthen am Plattbaume gefangen werden. S. 
Pattbaum. 

Der Plattziegel, —#, 4. gl. platte Dadsiegel; zum Unterſchiede 
von Hobfziegein, Kehlziegeln, irftziegen ze. 

Platz, ein Wort, weldes den been und arten Schall nahahmet und 
bezeichnet, melden man hört, wenn bie mit Heftigkeit sufammenger 
preßte Luft ſich ſchnell ausdehnet unb einen Musgang gewinnt; auch 
Plaug, und von rinem gröbern Schaue biefer Art Piop, Piuk, 
von einem feineen und geringeren aber Pit. Es gieng Plitz, 
Plas. Bei Anbern gebehnt, Diis Diaz, 3. B. vom Zuſchtagen ber 
Thüren. Platz, da forang es auseinander. Auch von andern ähns 
tihen Schälen, 4 B. wenn rtwas einen Äbnliden Shall verurfa: 
hend fält, wofür man aber gewöhnlicher platfhh re. gebraudt. Piak, 
ba lag es. - 

1. Der Plab, —es, 94. —e. 1) Derienige belle und laute Schall, 
welden das Wort ſelbſt nachahmet. S. Platz. Es gab, eö that einen 
Platz. Einen Prag hören. Mir einem Plabe zerſpringen. 2) @in 
Schlag, ein Fall, der von einem folden Schalle begleitet if. Einen 
Pay then, mit Hertorbringung.biefes Schalles binfallen. Einem 
einen Platz auf den Hintern neben, ihn mit Bervorbeingung biefes 
Schalles auf ben ‚Bintern fhlagen, 5. B. mit ber fladen Hand. 
Uneigentiih nennt man im Zorfimefen auch bie Stelle an einem 
Baume, an melde man einen Platz ober Schlag getban un zugleich 
etwas Rinde und Holz abarhauem hat, um ben Baum als einen fol: 
hen, ber gefället werden ſoll zu bezeichnen, den Pas, in welchem 
Bade die Mehrzahl Piäge Lauter; davon. abplägen, anplägen. 


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Pa 


S. d. Zuweilen bejeihnet Plag auch bie Geſchwindigkeit, mit wei: 
der etwas plapt, woflr man gewbhnlicher das gleichbedeutende Plog 
oder Plug gebraucht. Etwas anf ben Plutz ſchaffen folen; in hch⸗ 
fee Eile. Auf den Plage, d. h. im Augenblide. S. Piop. 

2. Der Platz, —es, Bi. Plaͤtze; Bw. das Plaͤtzchen, D. D. —lein. 
ı) Ein platter, b.b. breiter, ebemer und dabei bünner Körper. Se 
Kant man cinen breiten, ebenen, verhältnifmäßig dünnen und ger 
wöhnlih runden Kuchen einen Pla; in andern Gegenden einen 
Fladen. Ginen Play baden. Ein Eierplag, Oſterplaß. Gin 
Zuckerplaͤdchen. In engerer Bebeutung it Plag nur, menigftens 
in mebrern Gegenden, ein ſchlechter Kuchen vom Brotteig. he 
mahls gebrauchte man Platz aud von andern breiten, ebenen unb 
dünnen Dingen, 3. B. von einem Stüfe Zeug, einem Lappen, wie 
aus 2. Plaͤtzen erhellet, und wofür man auch Plack gebraudte und 
bie und da noch gebraucht. ; in Baiern ein Plipen, überhaupt ein 
Stuͤck von siner Lade, So beißen bei ben Zägern auch bie vom 
been Sichlägel einer Sau Pläpen. 2) Ein platter, b. h. breiter 
ebenir Theil ber Oberfläche der Erbe, worauf Dinge frin und ſich 
bewegen. fönnen. Gin freier Platz, den man ungehintert überfeben 
kann, weil er mit nichts befegt ift, und der buch keine Schranfen 
eingefhtoffen it. in gräner Plab, der mit Gras bewachſen ift, 
Öffentiihe Piäye, größere freie Pılpe in ben Gtädten, jum Unter 
ſchiede von den Waffen. Dergleichen Piäge find die Marktplaͤtze. 
Andere dffentiiche Pıiäge bekommen von Gebäuben bie darauf firben, 
befonbere Namen, 3. B. ber Schloßplatz, Domplap, Kirchplatz ıc. 
Ein Play darauf zu fpielen, zu tanzen, fi darauf zu tummeln, 
borauf gu rennen, zu reiten, zu fehlegen, zu kaͤmpfen ac. ein Spiele 
plap, Tanzplatz, Tummelplatz, Mennplag, Reitplatz, Schiefplab, 
Kampfplapie. So auch, der Schlahtplag, Wahlplag, wofär man aud 
zur der Platz ſagt. Auf dem Plage bleiben, auf bem Kampfplage 
bleiben, d. h. im Kampfe, Gefechte getöbtet werden. Den Platz bes 
haupten, das Schlachtſeld bebaupten, fiegen. Gleich auf dem Plage 
fein, glei auf bem Kampfplage um zu impfen, unb unelgentfic, 
fogteich bertit fein. Im engerer Bebentung ift ber Platz (1) ein 
begrenzter Theil bes Raumes, fofern man fi allerlei Dinge auf 
bemfelben befindlich denkt, und er unterfheibet ſich dabdurch verzüg⸗— 
U vom Raume, daß er mur ein Theil unb zwar ein begremter 
Theil bes ganien Raumes ift, ben ein jebrs Ding darin einnimmt, 
»Das Echaufpiethaus hat Raum genug, um barin äber tauſend 
Pläse anzubringen, ober baf mehr als tauſend Aufhauer barta 
Platz finden können; ber Map, welchen man das Parterre nennt, ift 
nicht groß, ba aber Has Schauſpielhaus fehr hoch ift, fo hat men ten 
Raum in ber Höhe benust (benägt), um mehrere Stockwerke von Do: 
gen über einanderangufegen, worin man fi no eine große Menge 
Diäge verſchafft bat.» Eberhard. An biefem Life iſt Tür zehn 
Perforen Plap, oder, an bemfelben finden zehn Perfonen Plab. 
Ale Plaͤte find befent. Es iſt kein Plaͤtzchen mehr übrig. Einem 
Play machen, ihm fo vielen Kaum verfhaffen, als er gebraucht, wie 
au, ihm weichen. Platz gemacht! sufen die Laſtträger denen zu, 
welche ihnen im Wege flehen. Das nimmt vielen Play weg, rıfos 
dert einen großen Platz. Uneigentlih fagt man, eines Bitte Platz 
arben, ober Pla finden lafen, fie bemwilligen. Der Bahrheit, 
Billigleit ıc. Dias geben, fie hören, Me-Etatt finden laſſen, b. b. 
bem Ginflus ber Wabrbeit, Billigkelt ıc. gemäß handeln. Die Wahrs 
heit, die Vorſtelung, Bitte Platz greifen Laffen, in ben Kanzeleien 
in berfelben Bedeutung. Im tiefer umeigentlihen Bedeutung wirb 
auch Raum und Statt gebraudt. Wefonbers ift ber Plat ein ber 
fimmter Theil des Raumes auf eine Fläche, welchen ein Ding 
soirkih einnimmt ober einzunehmen beftimert if. Dies ift mein 
Pas, auf weihem ich ſtehe oder fige, oberfichen, fiten mil. Sit am 
feinen Piag ftellen, den man sinzunehmen pflent, oder der für einen 
beflimmt if, Sich an eines Andern Plap fielen. Einen von feir 
mem Plape verbrängen, vertreiben. Mehmen Lie Plah! in dea 


Platzb 


hoͤflichen Sprechart, für, ſeten Sie ſich. Nachbem bie Bäfte Platz 
genommen hatten, Ven ſelnem Platze aufſtehea. Einen Platz bes 
legen, als einen ſelchen bezeihnen, ben man für fi ober einen 
Andern gewählt hat, und ben nun Bein Anderer einnehmen barf, 
Ein Plap am Zifhe, im Schaufpielfaufe. Im ber Kiche feinen 
Pag haben, feinen Sig. Im Forſtweſen ift ber Play ein belimms 
ter Theil der Erdfläche mit dem barauf befindliden aefhlagenen 
Holze. Funfzehn Shot Schrite machen daſelbſt einen Platz und 
vier Plaͤhe ein Sechzig oder ein Schoc. Den Begriff eines befkimms 
ten Theiles ber Erboberflähe hat es aud bei ben Taͤgern und Bo: 
geiftellern, die ben Drt mo ber Hirfh in ber Beunft flebet und ben 
Det wo fir Wolfe: und Fuchseifen hinlegen, wie aud ben Drt, wo ein 


Bogelgerd angebracht wirb, bloß Pläpe nennen. Uneigentiih, die 


Würde, bad Amt, welches jemand einnimmt, und ble bamit ver&un: 
denen Verrigtungen, oder Berriätungen überhaupt, die einem auf— 
gegeben ſiad, bie einer übernommen hat; mofür aber Stelle ge: 
wöhntiher it. An eines Andern Plah Fommen, Gines Andern 
Play einnehmen. Ginen aus feinem Plage vertreiben, Sich auf 
feinem Piage behaupten, erhalten, Wergt. Drt, Stelle und Staͤtte, 
weiche von Plag zu unterfheiben find, Rach biefer Unterfheibung 
kann ein Ding feinen Plas, einen gewiffen Thell des Raumes, eins 
nehmen, ohne boh am rechten Drte ober vielmehr am ber rechten 
Stelle zu fein. „Wenn alle Stellen befegt find, fo ift der Platz 
für mehrere Dinge zu enges Eberhard. „Man fuhte bie 
Stelle, wo er ermorbet war, und es war ein gruͤner Platz mit 
dichten Bebäfhen umgeben.« Derf. (2) Gin von Menfhen be: 
wohnter Theil der Erbflähe. ©. Ort. Win offener Play, eine 
Steht, ein Fleden, bie uͤberall offen find, feine Mauern und Thore 
haben. Ein feter Platz, ein befefligter. Gin Handelsplatz, eine 
Stabt, ein Fleden, ein Dorf, wo Handel getrieben wird, Gin fols 
her Ort, wo Großhandel getrieben wirb unb beträchtliche Wechſelge⸗ 
fhäfte gemacht werben, heißt bei den Kaufleuten ber Plas fchleht: 
hin. Es find jegt keine Engltſche Maaren auf biefem Plabe, d. h. 
in biefer Stadt. Auch Waaren, die in einer ſolchen Stadt ſelbſt 
verfertigt werden, heißen bei ihnen Maaren vom Plape. Das Erder 
vom Plate ift im Preife grfallen, weit bie Ausfuhr gefperrt iſt. 

Der Platbeder, —s, 34. gl. ein Beer, welder Pläge boͤkt. Ges 
wohnlich verſtehf man barunter einen Becker, welder fein ordent⸗ 
liches Batbaus, keine Burfhen hat, und auch kein weißes fondern 
nur ſchwarzes Brot baden darf, 

Die Platzbuͤchſe, 99. —n, eine Buͤchſe, mit welder man platt, d. h. 
ein Holunderfhof, deſſen Mark man ausftöht und mit welden man platzt 
und ſchießt, indem man vermitteift eines Holzes, welches bineinpaßt, 
einen ameiten Pfropf, nachdem im vordern Enbe (don einer ſteckt, 
von binten ſchneil gegen ben erſten im ber Röhre drüdt, wo denn 
die jufammengepreßte Luft eben fo ſchnell mit einem Analle einen 
Ausgang gewinnt, indem fie ben vorberfien Pfrepf mit Gewalt fort⸗ 
aun auch die Kratfhbäcfe, auch wer nur bie Platze. 

Die Pape, 99. —n. 3) X Das Plapen, Zerplagen. Dog bu bie 
Plahe Eriegteft! in ber nlebrigen Spregart, eine Merwänfhung, 
vaß du plagen, serplagen muͤßteſt. 2) Fin Ding, weldes plaget; 
eine Pragbädfe. F i f 

Die Plaͤtze, Mi. —n. ı) + Bei den Qägern, bie vordern Schlägel 
einer wilben Sau, 2) In ben Rüden, ein breites ſtarkes Meffer, 
mehr damit zu hauen als zu fhneiden. Im Bergbane iſt fie eine 
Haue der Bergleute in Geſtalt eines ſtarken eifern Kegeld, welche 
sum Sprengen ber Steine gebrauht wird, 

Patzen, v. Datr. ı) Miet haben, einen Schal, welden bas Wort 
Play nachahmet, von ſich bören laffen, welches beſenders gefhicht, 
wenn ein Körper durch eine Kraft von innen fGnell ausgedehnt und 
in feinen Theilen getrennt wird; oder wenn bie in einem engen 
Raume zufammengeprefte Luft fih mit Gewalt einen Nusgang vers 
ſchaſſet. Ich höre etwas plaßen. Es bat geplapt.. Zrofnes Holy, 


BER... DER 


Der Pater, —s, 4. al. 


Dlate 


befonders Neifig plabt im Feuer. Knallen wirb dom einem flär- 
tern und heilen Schalle diefer Art gebraucht. Auch gebraucht mon 
es vom Regen, wenn er dicht und heftig mit vielem Geräulde herab: 
fäut, Es regnet daß es plaht, ©, Piagregen und auch Plabdern, 
Diatfhen. 2) Mit fein. (1) Mit Hervorbringung biefes Schatles 
fig in feinen Theilen auf einmahl unb fhnell treanen. Die Blafe 
ift geplagt. Die Kaftanien plagen auf ben Kohlen, wenn man kei: 
nen Rig in bie Schale gemadht hat. Dann auch ohne einen folden 
Schall hören zu laffen, durch Sewalt, heftige Anftrengung von innen 
fo fhnel und gemaltfam ausgedehnt werben, daß bie Zbeile ih 
trennen, aus einander fpringen, Der Keld ber großen vollen Rel: 
ken pflegt zu plagen. Die Rinde bes Baumes ift geplagt. Cine 
Rath plabt, wenn bas Kleidungsfiüd zu enge ift und von bem eim: 
gezwängten Körper fo ausgebehnt wirt‘, daß ber Faden, womit bie 
Naht genäbet ift, reißt. X So viel effen, daß man platzen mödte, 
Man möchte vor Baden plagen. In ber niebrigern Sprechart fagt 
man au, ba muß bie Bulle (Blaſe) plagen, und, ba muß bie Hölle 
plagen, ſowol anzuzeigen, daß etıwad auberordentlich zu laden ma: 
he, als auch, daß etwas große Verwunderung errege. (e) 
Mit einem großen Geräufh, weldes einem Platzen verglihen wird, 
fallen. In ben Korb plaben. Dinplafen, mit einem Plage bin: 
fallen. Bon Einigen wird es in biefer Bedeutung breit ausgefpro: 
&en, plagen. ZI) intrs. ı) Einen Schaf, weldhen bas Wort plat 
bezeichnet, hervorbringen; auch plägen. Mit der Pragbücfe plagen. 
Ach habe geplatzt. =) Mit fein, mit Heftigkeit und Ungeſtuͤm ſchnell 
sum Vorſchein tommen, Gr plaßte auf einmahl ins Zimmer. &s 
aud, hereinplagen sc. Uneigentlich, ſchnell und umbefonnen mit et 
was berausfahren, es plöglih uhüberlegt fagen; in ben zuſammen ⸗ 
gefegten Wörtern herausplagen und Io8plagen. S. d. 5); Mit 
baben, prahlen. — D. Piaken. 

1. Plaͤtzen, v. trs, 1) Plagen machen. Cine Biafe plaͤtzen, maden 
daß fie, mit Buft ober etwas Anberem angefällt, plagt, indem man 
darauf tritt c. ine Naht pläben, etwas Zufammengenähtes fe 
gewaltfam ausdehnen, daß bie Naht plagen ober reifen muf, Auch 
als intrs, doch nur von ber Gerborbringung eines Schalles, weichen 
bas Wort Pink bezeichnet. Mit einer Pagbücfe plägen. Mit er: 
ner Flinte unnötig pläßen. 2) So fihlagen, daß man den Schau 
dabei vernimmt, melden bad Wort Play bezeichnet. Ein Kind 
auf ben Dintern plägen, es mit ber flachen Band oder einem breir 
ten Werkzeuge auf ben Hintern fhlagen, baf es plagt. Einen 
Baum plägen, ibm mit Hervorbringung eines ähntihen Schauec 
mit ber Art ober einem andern Werkzeuge anbauen, b. h. ein Städ« 
hen Rinde unb Holz aus bem Stamme hauen, um ihn daburch ala ei: 
nen Baum, dergefällt werben fol, zu bezeichnen. D. Piägen. D. —ung. 

2. Dläßen, v. intrs. Plag machen, einen Plag bereiten. So nennen 
es bie Jäger plägen, wenn ber Rehbock da, mo er fi niedertdum 
— mit den Laͤuften Moos und Rafen wegſcharret. D. Plaͤten. 

. ung. 

3. + Pläben, r. tes, mit Plägen, breiten Städen ober Rappen bes 
fegen, oder folhe Stüde Lappen unterlegen und annähen. Auch 
uneigentlih, wie fliden. »Es ift nicht zu rathen, baf man es (dae 
mweitlihe Regiment) Ändert; fonbern flide pletze (pläße) baran, wer 
Kann,“ Luther, „Darum muß man hier fliden und plägen.« 
Derf. Bergl, Plaͤckeln. D. Piägen. D. ung. 

+ Der Pläsen, —, 9%. st. f- Pink ı). 

1) X Ein Pas, Schall. 
2) Giner der plaget, und nneigentlih, ein Prabler, S. Platzen 
II) 3). Dann auch, ein Ding, das plaget, So nennt man bieje: 
nigen gefüllten Netten, deren Held plager, Platzer. 

Der Pläger, —6, 94. al. ı) Einer der pläget. 2) X Ein Schlau 
mit ber flachen Hand, ober einem platten Werkjeuge, mohri man 
einen Platz boͤret. Beſondere, ſolche Schläge auf den Hintern, Ei: 
nem einen Pläger geben, 


©, 1. Das. 


Platzf 


Das Platzfaß, —ſſes, By. — faͤſſer, ein Faß, in welchem die Ku: 
pferſchmlede das Kupfer abplägen, d. b. abloſchen. 

Dad Platzgold, —es, ©. Di. das Knallgoid. ©. b. 

Das Platzgras, —es, p. u. f. Berſtgras. 

+ Der Plabhalter, —s, 39. gl. einer der elnes Andern Plag eins 
nimmt, feine Stelle vertritt; beffer dee Statthalter, Stellvertre: 
ter. ©. 2. Platz 2) (1). 

Der Platzhirſch, —es, 4. —t, f. Planhirſch. 

Plädig, adj. u. adv, ein im Forſtweſen gebräuchlihes Wort, mo ein 
plägiger Hau ein folder ift, in weichem nur hin und wieder Heine 
Strihe ober Pläge abgeholzet werben. z 

Der Plagkäfer, —, 3%. gi. eine Art Lauffäfer, mwelher, wenn 
man ben Baud-beffeiben berührt, aus dem After einen geringen 
plapenden Schall und zugleich einen blauen Dunft von ſich giebt 
(Carabus erepitans L,). 

+ Der Mabtzknecht, —es, 4. —e, bei bem gemeinen Welke in man: 
hen Gegenden, ber Vortaͤnzer, ber ben erften Plap beim Zangen 
einnimmt; bei Unbern aud, der Plagmeifler, 

Das Platzkraut, —ıs, FH. u. f. Berſtgras. j . 

Die Plabkugel, 4. —n. 1) Eine gläferne, gewöhnlich, MWeingeift 
enthaltende und luftdicht verfhloffene Heine Kugel, melde mit eir 
nem Rnalle gerplagt, wenn auf Kohlen gelegt ober and Feuer ge: 
bradt, ber in Dampf verwandelte Weingeiſt das Glas zerſprengt. 
2) O Eine Bombe. Kinderling, 

Der Platmeifter, —s, 4. al. 1) So viel als Plaptneht. ©. b. 
2) Der Herr und Meifter Öffentlih zur Schau und für Geld Fech⸗ 
tender. Haltaus. . 

+ Die Patzmittwoche, By. —n oder ber Platzmittwoch, —es, 4. 
—e, ber Mittwoch in der Mode vor Dftern; von bem GSeſchrei ber 
Kölber, welde am dieſem Zage zum Verkaufe auf dem Markt ges 
bracht werben. Dberlin, 

Das Plabpulver, —s, DM. gl. Pulver, welches plagt, wenn man es 
anzändet, Anallpulver. 

Das Plapguedfilber, |. Knallqueckſilber. 

Das PMasrecht, —ed, By. u. das Grunbrecht. ©. d. 2). 

Der Plagregen, —s, 4. gl. ein heftiger, dichter, in großen Zropfen 

- und mit Geſchwindigkeit berabfallender Regen, ſowol von bem Ge: 
raͤuſche, welches er verurſacht, als auch von ber Geſchwindigkelt, mit 
welcher er koͤmmt. Auch, der Schlagregen, Bufregen. 

Platzregnen, u. mtr. mit haben, beftig, dicht und im großen fhnefl 
herabfallenden Tropfen regnen. M. Kramer. Es plabregnef. 

Krachend zjerbriht von bem Prall platzregnender Wirbel der Maſt⸗ 
‚D. Dlaßregnen. baum. Bof. 2 

+ Der Vlasriemen, —®, My. gt. im Hennebergfhen, der Dchſene⸗ 
mer, wahrfheinlih weil man bamit pläget ober hauet. 

Das Plabfilber, ſ. Knallſilber. 

Der Platzwechſel, —s, 9. gl. ein Wedel, worin ber Xusfteller 
mit Unterfhreibung feines Namens ben Xuszabler erfucht, die genannte 
Summe Belbes zur beflimmten Zeit an dem benannten Plate ober 
Drte an den Inhaber. bes Wechſels auszujahlen (trassirter Wehfel). 

‚Die Pauderei, Bi. —en. 1) Das Plaudern; ohne Mehrzahl. 
Plauderei wird verbeten. 2) Dasjenige was man plautert, meit 
unbedeutende ſchnell vorgebrachte Reden. Beſonders, Solche Reden, 
ſofern ſie Andern zum Rachtheil gereichen, ober bie man nicht weiter 
fagen follte. 

Der Plauderer, —, 34. gl.; die Plaudrerinn, By. —en, eine Pers 
fon, welche plaubert, befonders , weldhe gern plaudert, Fertigkeit im 
Plaudern befigt; das Plaudermaul, die Plaudertaſche, der Plau⸗ 
derfad; der Plaudermatz, Plauderbang ıc. eine folde männtihe 
Perfon infonderheit, fo wie Plauderliefe 2c. eine forhe weibliche Perfon. 

* Plaubderfertig, adj. u. adv. (R.) fertig im Plaudern, Fertigkeit 
im Plaudern beſidendz wie au, fertig, bereit zu plaudern, gern 
plaudernd, Schottel, Davon die Plauderfertigkeit. 


— 


Plautz 


Plauderhaft, —er, —rfle, adj. u. adr. gern plaudernb; auch, plaus 
berig. 1) Geneigt und Fertigkeit befigend zu plaudern. Ein plau: 
berhafter Menfh. 2) Geneigt und gewohnt von dem zu plaubern, 
was uns Andere in Vertrauen gefagt haben. Plauberhaft fein. 
Davon die Plaubderhaftigkeit, ohne Mehrzahl, bie Eigenfhaft, ba 
man plauberhaft ift, in beiben Bebeutungen. 

X Plauderig,:—er, —Be, adj. u. adv. plauderhaft. Davon bie 
+ Plauderigkeit. 

X Der Plaudermarft, —es, 3y. —märkte, ein Det, wo mehrere zur 
fammen plaudern, weil auf einem Markte gewöhnlid mehr Menfhen 
als andermärts zufammentreffen und plaubeen; der MWafchmarkt, 
Klatſchmarkt. 

X Der Plaudermatz, —es, By. — maͤtze, das Plaudermaul, —es, 
3. — mäuler, ſ. Plauderer. 

Plaudern, v. intrs, u. trs. 1) Biel und ſchnell reben, beſonders von 
unbebeutenden, unmwichtigen Dingen. @ern plaudern, Sie hörte 
nit auf zu plaudern. In ber vertraulichen Sprechart, fo wie 
fhwasen, überhaupt, vertraulich mit einander ſprechen, ſich unter 
halten, wo es auf Bekimmtheit und Kürze niht antömmt. Bis in 
die Nacht mit einander pkaudern. Gin Lamges und Breites plau⸗ 
bern. Zuweilen ift ein tadelnder Nebenbegeiff bamit verbunben. 
In der Eehrftunde, im der Kirde, unter ber Prebigt plaudern. 
In einer weitern und uneigentlihern Bebeutung und als ntr. ge: 
brauchen es bie Eeidenmeber, melde es plaudern nennen, wenn beim 
Aufwellen der hafbfeipenen Zeuge und bei dem Zurihten berfelben 
die Kanten durch bie- ſtarke Ausdehnung kniſtern oder ein Beräufh 
hören laſſen, als wenn fie reifen wollten, in welchem Falle etwas 
nahgeiajien werben muß. 2) In engerer Bedeutung, von dem, 
was Andre uns anvertrauet haben, ſprechen, es ohne Roth, oder auh 
wider Willen des Andern befannt maden. Er follte davon nicht 
plaudern und doch hat er es gethan. S. Ausplaudern. — Man 
gebraucht für plaudern auch plappern, wobel man mehr auf bie Ber 
megung ber Lippen fiehet, da plaudern die Handlung mehr von ber 
dabei Statt findenden Bewegung. der Zunge mit ber Kehle bezeichnet, 
Aufer dem gebraucht man dafür viele ander" törter, zum Theil 
mit Rebendebeutungen ala: ſchwatzen, wachen, ſchnattern, labbern, 
im ©. D. plampen, plämpern, guderfhen, raͤtſchen, klaffen, im 
R. D. pludern, pladdern, plätern, flätern, ſchlabbern, ſchludern, 
flubbern, ren, kakeln, kaueln, kelsken, ſchalen, haspeln, raftern, 
praten, praßen, piterpatern, titeltateln, Biteltatein, jauftern x. 
D. Plaudern. D. —ung. 

+ Pläudern, v. intrs, u. trs, fäheln. Sich mit dem Hute pläutern, 
bei Seynat. D. Plaͤudern. D. —ung. , 

X Der Plauderfad, —es, 2%. — ſaͤcke, f. Plauderer. 

Die Plauderftunde, My. —n; Bw. das Plauderſtundchen, eige 
Stunde, in welcher man plaubert, in welder man zuſammenkoͤmmt, 
fi vertraulich zu unterhalten. . — aber ih wi fie Ihnen heute 
Abend in unferer traulichſten Plauderflunde erzählen: Benzel: 
Sternau. 

X Die PMaudertafche, 94. —n, eine plauberhafte Perſon, befon: 
ders, eine weiblihe Perſon, welche gern plaudert; im N. D. Sina: 
tertaste, Piätertaste, Ratteltaske, Gefhemäste, in Osnabrüd 
Pauketaske ıc. 

+X Die Maute, 9. —n. ı) Der Brufifhitb, die Platte. >) 
Ein Eurer breiter Degen, und im verädhtiihen Verſtande, ein jeber 
großer unförmliher Degen; in anbern Gegenden Ploge, Plinte, 
Plaͤmpe, Dimpe, Prim. . 

X Plautz oder Plauz, ein Wort, welches einen bumpfer Schal als 
Platz nahahmet und bezeichnet, lauj, ba lag er. 

Plauz — mit ber Keub an'n Köpf — glei maufrtodt. Werner. 
Davon der Plauz, ein ſolcher Schall, wie aud ein Schlag, Ball, 
ber mit diefem Schale verbunden if. Ginen Plauz thun. 

Die Plauge, Ey. —n, im Bergbaue, eine Art Zwitter, welche auf 


Pas 


dem Binnialde in fanbigem Geſteine bricht. =) + In ber gemeis 
nen Sprechart mander Gegenden, bie Cingeweide, auch mol ein 
einzelnes Eiugeweide, mie bie Lunge, Leber m. Bel Anbern ber 
Diaug. „Wenn bu, kydia, bes Telephus Arme lobt, ſchwillt mir 
der Plautz.“ GSroſchuff. 

x Plaz, Plazen, f. Plab, Platen. 

+ Die Pleihe, 9. —n, in manchen Gegenden, beſonders Meißen, 
bie Diante, eine aus Brettern gemadte Wand, Andre färeiben 
Bleihe. 

* * Der Pleit, —es, Bi. —e, ber Rechtsſtreit. 

‚ w.iÄntes. vor Gericht ſtreiten (plaider); plechten. 

+X Plempern, ſ. Plämpern. 

+ Plengen, v. tra, u. rec, im M D, ſchleppen, ſchwere Arbeit thun. 
D, Plengen. 

y Die Plente, 4. —n, in Schlefien, ein alter geringer Weiberrock. 
Bernbt. 

Dlentern, v intrs, u. trs. f. Plaͤmpern. 

Herren, f. Plaͤtten. j = 

+ Die Pletſche, 4. —n, vom platt, ein plattes, b. d. breites Ding. 
So heißt Pletſche 1) in der Lauſitz, nah Fulda, eim breites Holz 
zum Balfhlagen. 2) In Schwaben, ein großes breites Kohlblatt. 
5, Eben daſelbſt, ein breites Maul ober auch herabhangende Lippen 
eines Maulenden. 3. 6. Schmid. 
be de. 4) In Schleſien, ein baudiges zur Seite gehenkeltes, nicht 
hohes icbenes Geſaͤs. Berndt, 

Das Pletzfaß, f. Biebfaf. 

+ Der Plid, —eb, 94. —t, im R, D, der Flic oder Flecken, ein 
keines Stuͤct, ein Theil Dann, eine Kleinigkeit, ein Punkt, 

+ Die Plidfhuld, 9. —n, im R. D. eine Meine Schuld, Kllpp⸗ 
ſchuld. 

+ Dlieren, f. Plüren. 

+ Die Pliete, f. Plite. 

Der Plimm, — es, 4. —e, ein weißer, fefter, Feuer gebender Ei: 
fen» ober Stablfigin, der in Steiermark bkufig bridt. 

Plinfen, v. jates. blinken, biinzen, auch, mit den Xugen winfen, 
D. Plinken. ’ 

Die Plinfe oder Plinze, By. —n, eine Art dünnes Vackwerkes aus 
einem mit Wild und Ciern angemadten Zeige; welches zuſam⸗ 
mengerolit oft mit Rofinen, Muß ic. gefült und in Butter gebat- 
ten ift, gti Bing 
linfen oder Plinzen, ſ. Blinzen. ER 

r tie ao Plinzenbeder, —s, 4. at.; bie —inn, 
Da. —cın, eine Perfon, welche Plinfen bädt, Dann, ein Schimpf: 
name ber Beier. , 

Das Plinfendbteh over Dlinzenbleh, —es, 94. —e, das Plinz 
feneifen ober Plinzeneifen, —s6, ef. Plinfenpfanne. 

Die Plinfenpfanne oder Plinzenpfanne, By. —n, eine Art flas 
her blecher ner Pfannen, Plinfen ober Plinzen darin zu backen; das 
Plinſenblech, Plinſeneiſen und Plinfentiegel, wenn es ein irbenes 

.. Gefäß dieſer Art und ohne Füße ift. 

Der Vlinfentiegel oder Plinzentiegel, —s, 4. al, ſ. Plinfen: 

fannne. 

* —8 ey, —n. 1) In ber Baukunſt, ein platter Unterſat, 
ber die Grunbiage entweder eines ganzen Gebäudes ober irgend eis 
ned andern auf einem Fuße Achenden Theiles macht. Beſonders, 
das große platte Glied unten im Schaftgeſimſe einer Saͤutenord⸗ 
nung, 2) + Im R. D. ein Schurz. 

2 Die Plite, Pliete, By, —n, Im R. D. ı) Ein plattes Ding. 
So heiße Plicte (1) im Hanndverfhen, ein breites dünnes Städ 
Brot; eine Schnitte. Belonders (2) ein breiter karzer Degen; 
Dämpe. 5) Ein Heiner Plattſiſch. ©. der Plitt. (4) Ein Art 
Stienbinden; Plitt. 2) Gin Schlag, eine Munde; eine Bebeutung, 
melde mit der vorhergehenden (3) zufammenkängt. 5) Gine um 


Davon pleiten, 


664 


Anderwaͤrts Flatſche, Flab⸗ 


Plu 


ruͤchtige weibliche Perſon, eine Bußlerlan. 
kleiner jäbjorniger Menſch. 

+ Der Mitt, —es, 4. —e. 
Bleibe, Plittfiſch, Pleinze. 


— — 


In Hamburg auch, ein 


1) Der tfelei; Plittfiſch. =) Die 
3) Eine Art Stirnbinden. S. Piitt. 


» + Der Plittfifh, —es, Da. —e, f. Pitt, 


+ Die Plochtaube, 9. —n. ı) Die Holztaube ober Felbtaube 
(Columba oenas L.); aud, Stodtaube ©. d. ») Die Ringes 
taube (Columba pelumbus L.). 

+ Die Ploje, 94. —n, in Hamburg und im Holſteinſchen, die Zalte, 
Fulda. Echüge 

+ Die Plone, 99. —n, dae Eingeweide. Frilch. 

+ Plören, x. trs. im R. D. unter einander fhätten: 
wein, gemifgter Bein. D. Diören. D. —ung. 

"Der Pott, —es, MM. —e, rin Ding mit einem ungewöhnlid brei- 
ten Fußt. Dann, ein Thier mit foldhen Füßen, So gebrauden es 
einige Raturforfiher, 5. ®. Klein, diejenigen Bögel zu bezeichnen, 
beren Vorberjehen mit einer flarken pergamentartigen Haut verbun—⸗ 
ben finb, fo daß fie bamit ſchwimmen koͤnnen; bei Andern Patſch⸗ 


füße. 

Der Plötter, f. Paͤttet. 

1. Der Plot (auch Pius), — es, 4. u. der Shall, welchen ein plate 
ter fhmerer Körper im Rallen verurfaht, und zwar ein Schall grbe 
berer Art als der burd) das Wort Pia bezeichnet wirb. Häuffger 
gebraudt man es eine große Geſchwindigkelt zu bezeichnen, indem 
base Plagen gewöhntid, wo nicht immer mit gefhwinber Bewegung 
verbunden if. X Xuf den Plotz oder Plus im N. D. auch auf 
ben Stu, im Augenblicke, fogleich, auf der Stelle. Auf den Plotz 
kann ich es nicht fchaffen. Mit dieſem Worte laſſen ib nad E. 
Vorſchlage mehrere Wörter zuſammenſetzen, weldhe zur Verdrängung 
einiger unferer Sprache entbehrliher frember Wörter bienen koͤn⸗ 
nen, in melden ber Begriff, daß etwas plötzlich, anf ber Stelle, 
unnorbereitet ift, giſchieht oder gefchehen fol, bezeichnet werben fol. 
Ein Plogeinfall, ein Plotzgedicht, Plohgedichtchen, eine Piopredr, 
ein Einfall, ein Gebiät, eine Mebe, welche gang unvorbereitet, för 
glelch wie ſich bie Gelegenheit bazu findet gemacht, geſagt worben, 
{Impromptn); ein Plosfchreden, ein Schreden, der plögtih, auf 
einmaht Alle ergreift, (panischer Schrecken). 

2.+ Der Plotz, —ed, Dr. —e, ober bie Dlobe, y.—n, ſ. Plaute. 

Die Plöte, MM. —n, eine Art Weißfifäe in Fläffen, Scan und Zei 
den, bie etwa eine Spanne lang find, einen platten breiten 8eib, 
weißglänzende Schuppen und helirstbe Floßfedern haben, daher mar 
fie auch Rothfeder nennt. In manden Gegenden ber Didg, —es, 
Dr. — e, oder Bletz und Bıöß. 

© Der Plokeinfall, —es, My. —einfäle, bad Plotzgedicht, —es, 
4. —e, f. Plot. 

Der Plober, f. Plüser. 

Poͤtzlich, adj. uw. ade. was auf ben Plot äft ober geſchiehet, d. h. 
was ganz umvermuthet, auf einmabl und ſchnell dba’ ift, geſchiehet. 
Er farb ploͤhlich. Ich mußte plöglich abreifen. „Um und um wird 
ihn ſchrecken plögliche Furcht⸗ Hiob ı8, v1. in plöhlicer 
Schrecken. Gin ploͤtzlicher Fall, Knall. ©. auch, urplöglid. Im 
R. D. fagt man bafdr murz. Im ber Naturbeihreibung heißt ber 
Gefhmad einer Sache plöslich (ineidens), wenn er in demfelben 
Augenblide, dba man bie Sade in den Mund nimmt, verurſacht wirb, 
Ylliger, 

+ VHozen, v. tes. in Oberfhwaben, Butter ausrähren, J. C. Schm i d. 
D. Mozen. 

X Die Plnderbofe, verbecht Plunderhofe, 9. —n, eine weite lanı 
gr, gemößniid bis an bie Ferſe reichende Hofe; in Hamburg Plus 
derbuͤre. 

x Pludern, v. air. weit und ſchlepp um etwas hangen, fo daß e— 
bin und Her ſchlottert; dann, zu weit fein; in Baiern pledern. D. 
Pludern. 


Daher Plaͤt⸗ 


Plum 


+ Die Dlumbe, 94. —n, in ber Schweiz, eine große baudige, ober: 
balb- weitere kupferne Blode, bergleigen die Klpler ihren ftattliche 
ſten Küben anhängen, und deren größte oft über einen Fuß im 
Durdmeffer hält. Sie Heißt au Plumpe, Treichte, Tringele, 
Trinkle. Staiber. 

+ Die Mume, My. —n, im R. D. bie Fettfeber. 

+ Das Plümenfchwänzel, —8, 99. gl. eine Art Droſſeln in Brafi: 
lien mit wolligem Rüden und Shwange und einem baarigen Kame 
me (Turdus eristatus Kl). 

+ Die Plümente, By. —n, eine Art wilder Enten in Amerika, tel: 
de auf dem Kopfe zwei lange blaugrüne und purperfärbene herab: 
bangende Federn haben (Anas cristata Americana Kl,), 

. Pump, Plumps, ein Wort, weldes den Shall nachahmet und bes 
zeichnet, welden man hört, wenn ein Körper, befonders ein dider 
unb ſchwerer Körper Ins Waffer fine. Pump! ba fiel es ins 
Maffer. „Plumpt, lag bie Erzellenz im Waſſer.“ Kogebur. {R.) 
»Dort will er das Waffer kaum regen, unb blee plumpe,* d. b. und 
hier plumpt oder fünt er hinein. Beffing. In weiterer Bedeutung 
aud überhaupt von einem ſchweren Falle. Plump, ba lag er. 

Pump, —er, —efle, adj. u. adv. eine große fhwere Maffe und 
rohe Form habend; von bem Schale Plump, meld m Kö:per diefer 
Art verurfahen, wenn fie fallen, und zumellen auch in ihrer Bewer 
gung. Gin plumper Körper. Pumpe Hände, Küße. Plumpe 
Stiefel, Geräthe ꝛch Uneigentlid, einer ſolchen Lörperlihen Ber 
ſchaffenheit ähnlich, ber Feinheit, Leichtigkeit und bes guten Bes 
Ichmades gänzlih ermangeind. in plumper Menſch, im R. D. 
Plumperjan. Piump fein. Pump zufahren, angreifen, mit et: 
was umachen, Ein plumper Bang. Ein plumper Scherz, in wel: 
chem nichts Geiſtreiches liegt und ber anflatt verbinblih zu fein, 
beleibigend wird. »Einem Frauemzimmer fleilte man brei Zänzer 
vor, einen unbehüfflichen, einen ſchwerfaͤlligen, einen plumpen ; mit 
bem erften antwortete fie, komme ich nicht fort, mit bem zweiten 
nur mit Mühe, unb mit ber britten Maſſe bin ich gar in Gefahr 
getreten und geflogen zu werben." Eberhard. „Die Ballionen 
der fogenannten unäberwinblichen Flotte Philipp IL. waren pluumpe 
Mafhinen (Schiffe) und eben beswegen äußert fchmerfällig, fo daß 
fie zu unbthuͤlflich waren, den behenden Mandvern (Bewegungen, 
Schwenkungen) der Englifhen Schiffe auszumeihen.“ Derf. „ine 
plumpe Aatwort ift eine durch abre Grobbeit beleibigende Antwort, 
bie ein Denfh ohne Berſtand und Gefühl für nachdrücklich bite. 
Denn bumme und gefühllofe Menſchen werden plump, wenn fie 
derb fein wollen“ Derf. 

Die Plumpe, 94: —n. 1) &. Pumpe. =) Kleine Plumpe, ein 
Rome bes Froſchbiſſes ober Krötenbifes (Hydrocharis morsus 
ranae L.). m 

Dlumpen, v. D ntr, 1) Mit haben, einen Shall hören Laffen, wels 
hen bas Mort Plump bezgeihnet, Es fiel ein Stein ins Waſſer, 
Bas es plumpte. Ich babe es plumpen hören. =) Mit fein, mit 
Hervordringung jenes Schalles ober eines ähnlihen fallen. Er 
plumpte ins Waſſer. S. Dinplumpen, Im beiben Bedeutungen 
auch plumpfen. IT) intrs, 2) Mit fein, ins Waffer fpringen, daß 

es plumpt. und hinab dann 

Wieder zu plumpen in Fühlende Flut. — Bot. 
a) Mit haben, mit Hervorbringung bes Schalles, welchen Plump 
nachahmet ins Waſſer fhlagen ic. Bo plumpen bie Fiſcher ins 
offer, wenn fie mit großen ſchweren Stangen ins Waffer auf ben 
Grund fahren, um bie Fiſche ind Meg zu treiben, welhe Stangen 
Piumpkeulen oder Plumpſtoͤcke heißen. Daher die Redensart im 
MR. D.: X mit ber Plumpkeule kommen ober ſchlagen, geradezu, 
plump fein, mit ber Thuͤr ins Haus fallen. 5) Mit haben und 
fein, plump fein, plump etwas thun. Im bas Zimmer plumpen, 
plögtih und plump hineintreten.. «Unb erwägk bu beine Mittän- 
serinn, bie ja ſchamroth und leichenblaß wirb einfinten — —, fü: 


Gampe's MWörterb, 5. 05 


- 


N 2 


Plun 


bald du nur lot, plumpſt, barumter fährft als Säwansfteene 
3. 9. Nichter. Mit etwas herausplumpen, «6 auf eine unge 
ſchidte und wufderlegte Art beransfagen. In etwas z. B. in ein 
thoͤrichtes Unternehmen hineinplumpen, ſich ohne Überlegung in 
baffelde ſtuͤrzen. S. Zuplumpen. 4) X Für pumpen. S. d. — D. 
Diumpen. ; 

Die Plumpheit, By. —en. 1) Die Eigenfhaft einer Perfon ober 
Sache, ba fie plump if; ohne Mehrzahl. =) Plumpe Reben, 
Bandlungen, 

+ Die Plumphofe, a. 
Stalder. 

Die Pumpkeule, ſ. Plumpen II) =). 

Plumps, f. Dlump. 

X Der Plumpfad, —es, 4. — ſaͤcke. 1) Ein sufammengebrchtes 
und sufammengeflontenes Tuch, bei manchen Spielen bamit zu ſchla⸗ 
gen und zu firafen, z. B. beim Dritten abfchlagen, dem Amts 
mannsfpiele ıc.; bei Andern auch Klumpfad, Ginen Plumpfad 
machen. lneigentiih auch mol, ein plumper Menfh. Ein Plump⸗ 
fad fein. =) Ein Epier, wohel biefer Vlumpfack gebraucht wird, 
Wir wollen Plumpfad fplelen. 5) Schläge mit dem Plumpfade, 3, 
Den Plumpfad gebin, befommen, 

Plumpfen, v. I ntr. mit haben und fein. 
ſ. d. D. 2) Plump fein, 

Und ber plumpfl’ an biefem Tag. Bäthe 
IT) trs, mit dem Plumpfade flogen. Ginen plumpſen. — D. 
Plumpfen. 

Der Plumpflod, —es, mr — ſtoͤcke, ſ. Plumpen IT) »). 

Plumpſtolz, adj. u. adv, auf elne plumpe Art ſtolz; bauernflolg, 
DM. Kramer. 

Der Dlunder, —, 0. Dh. chemahls wahrſchelalich überhaupt Zeug, 
Kleitung, Seraͤth. So wird in ber Schweiz no die Waͤſche Pluns 
ber genannt, fo koͤmmt bei dem Spangenberg geplünbertes 
Hausgeräth unter bem Namen Plunder vor, So mennt man bie 
Kieidungsftäde verähtlih auch noch zuweilen Plundern, weldes 
dle Mehrzahl von bie Plunder, einer andern Form biefes Wortes iſt. 
Gewoͤhnlich gebraudt man es jege nur noch von alten abgetragenen 
und untauglihen Klelbungsftüden, alter Waͤſche, unb von berem 
Theilen, Lappen, kumpen, unb in weiterer Bebeutung von allerlei 
altem, abgenügtem, untauglihem @eräthe, wie auch umeigentlid, vom 
jeber geringen, ſchlechten Sacht wenn man mit Verachtung davon 
ſprechen wil. Das ift Plunder. Weg mit au biefem Plunder! 
„Beute, bie allen Plunder wiffen wollen.“ Leffing S. au 
Diundermarft. Es ift mit biefem Morte der Nebenbegeiff des 
Schlotternben, Wackelnden verbunden, inbem alte abgenügte Beräs, 
the rc. fchlotterig zu fein und zu wadeln pflegen, un» in fofern ifk 
es aud mit plubern verwandt. i 

Die Plünberei, 84. — en, das Plündern, wenn man mit Zabel und 
Berachtung davon ſpricht. 

Er ward mit Pluͤnderei beraubt von jedermann, Opiz. 

Der Pluͤnderer, —s, 2.91; die Pländrerinn, By. —en, eine Per 
fon, mweide pländert, „Mas von Wehl übrig ik, kann nicht ge 
baden werben, weil bie Plünderer es halb gebaden aus dem Dfen 
bolen.« Ungen. (R.) 

Die Plunderfammer, By. —n, eine Kammer, in welchtr man alten 
Plander bei Seite bringt, ein Plunderkaflen, eine Plunder 
Tifte, wenn dazu ein Kaſten, eine Kifte bient. S. Plunber. 

Der Plunderfaften, —s, 34. at. bie Plunderkiſte, 4. —n, ſ. 
PDiunderfammer. 

Der Plunberkram, —es, 0, My. 1) Allerlei Kram, d. h. allerlei 
Dinge untereinander, bie Plunber find, allerli Plunder. a) Der 
ram, ber Handel mit Plunber, d. b. alten getragenen Kleibunges 
ftüden, Waͤſche, altem Bausrath ıc. ; der Troͤdelkram. 

Der Plunbermann, —s, Dig. männer, oder — leute, eines 


—n, in ber Sdweij, bie Pumphoſe. 


1)So viel als plumpen, 


Plun 
ber Plunder ober Lumpen für bie Papiermühten ſammelt; ber Lum⸗ 
penmann. 

Der Plundermarkt, —es, 9. —märkte, ein Markt, auf welchem 
Plunder verkauft wird; der Troͤdelmarkt. S. Plunder. Im ges 
meinen Beben bört man auch zuweilen, etwas auf ben Plunber 
fdiden, für, auf ben Plundermarkt, von alten ſchlechten Sachen, 
die man nicht haben mag. 

+ Die Mundermilch, o: 2%. im R. D. bide geronnene Miich; ver: 
derbt Plumpermilch. 


Plündern, v. intre. u. trs. 1) + In ber Schweiz, ben Plunder ober - 


bas Hautgeräth bei einer. Keuersgefahe ıc, in Sicherheit bringen. 
Gtalter. Rad bemfelden, beißt in weiterer Bedeutung in ber 
Schweiz plündern au überhaupt, bem Hausrath ze. aus einem 
Haufe in das andere fhaffen, 3. B. beim Ausziehen ; daher es audı, 
in ein anderes Haus ziehen felbft bebeutet. 2) Des Plunbers berane 
ben. So Heißt noch im weiterer Bedeutung bei ben Taͤſchnern, eir 
nen Stuhl pländern, ben Plunber bavon, oder basienige, womit er 
deſchlagen ift, abnehmen. Gewoͤhnlich gebraucht man es nur für, 
nad bem fogenannten Rechte bes Krieges bes Hausgeräthes und ber 
beweglichen Güter mit Gewalt berauben. Die Soldaten pländern, 
wenn fie in die Häufer einer eingenommenen und befegten Stadt 
mit Gewalt dringen unb bort Alles wegnehmen, was Ihnen anfteht. 
Die Einwohner, ein Haus, eine Stadt plünbern. Den Soldaten 
das Plündern verfpreden, geflatten. In meiterer Bedeutung, auch 
auf andere Art bes bemeglihen Eigenthumes, Geräthes 10. beraur 
ben. Man hat bie biefigen Bäder, Gemähibe: und Kunflfammien: 
gen wader geplündert, indem man das Beſte aus benfelben weg 
nahm und fortſchaffte. So plündert aud eine Buhlerinn ihren 
Liebhaber, wenn fie ihn von bem, was er befikt, immer mehr ab» 
lodt ober aud entwendet. Den Beutel, die Kaffe plündern, alles 
Gelb nehmen, was barin ift. Uneigentlih fagt man au, ein Bud, 
einen Scheiftfteler pländern, Bas Brauchbare aus benfeiben neh⸗ 
men, ſchreiben, ſich zueignen und für fein Eigenthum audgeben. 
D. Plündern. D. —ung. 


Der Plunderfad, —ıs, 9. —fide, ein Sad mit Plunber. M. 


Kramer. 

Der Pluͤnderſtock, —es, 9. —flöde, in der Bienenzucht, ein 
Stock, welcher Raubbienen enthält, 

© Die Plünderungsfucht, 0. My. die Sucht zu plünderm. 

© Dlünderungsfühtig, —er, —ſte, adj. u. adv. Ptanderſucht har 
bend und geigend. „Ein feeräuberifher plünderungsfüchtiger Zeind.« 
Ungen. (®.) 

1 Der Dlunderwagen, —s, 3%. gt. ein Wagen mit allerlei Haut: 
rath, wie auch mit Waͤſche, Kleibungsflüden beladen. Stirler. 
S. Plunber. 

© Die Plunderweisheit, 0. 29. Welsheit die feinen Plunder werth 
iſt. Plunderweleheit bat ihr Angehiht 

Richt alfo beruft umb lang bebartet. Bürger. 

X Das Plunderwerk, —es, My. u. alleriei Ptunder unter einander, 
MR Kramer. 

+ Der Dlunz, —es, 4. —t, ein Klumpen, ein bides Ding. Dann, 
der Wanft; au, Plunzen, Plunzer Fulda. Bei Friſch if 
die Plunze, eine Blutwurft, 

+ Plüren, v. intrs, im R. D. bie Augen zufammenziehen um genau 
zu fehen. Shäge fhreibt plieren. D. Müren. 

+ Das Plüs, —es, 9. u. f. Pluͤſen. 

Der Prüf, — es, Bi. —e, ein dem Sammt ähnliches Gewebe, 
beffen Kette ober Boden Leinen, beffen Eintrag aber Seide ober 
Kamerltaar if. Im erften Falle nennt man ibn Pluͤſchſammt 


ober halben Sammt, im Iehten kameelhaarnen Pluͤſch, oder Pluͤſch 


ſchlechthin. Dies Wort ift mit Piäs und Pläfen nahe verwandt. 
©. Diüfen, 


Plüfhartig, adj, u, adv, bie Art des Plüfhes Hadend, nach Art des 


666 


Poͤbel 


Plüfches, dem Plaͤſche ähnlich. : 

Pluͤſchen, adj. u; adv, von Plüfh gemacht. 
Eine pluͤſchene Wefte. 

Der Pluͤſchſammt, —es, By. —e, f. Pluͤſch. 

Pluſen, v. I mtr. mit haben. 1) Herrvorragen. x) koſe fein, 
flattern, ſchlottern. IT) ters. in Hamburg, zaufen. Die Hühner 
plufen fi, wenn fie mit dem Schnabel bie Federn in Orbnung bein: 
gen. D. Pufen. 

+ Plüfen, v. intrs, 1) Bupfen, fäfeln. Im ben Tuchwebereien, die 

Wolle, ehe fie gewaſchen ımb gefteichen wird, audeinander pfläden, 

Ioder madhen, und alle Unreinigleiten aus berfelben tiefen, Die Wolle 

plüfen. Auf den Schiſſen heißt, altes jerbadtes Tauwerk, welches 

in Wafler geweiht, bann geklopft ik, auseinander zupfen ober 
pflüden auch, daffelbe pläfen, ausplüfen. Diefes auseinander ge 
supfte Tauwerk felbft, welches Werg ift, unb zum Kalfatern ger 
braucht wird, heißt Pluͤs, Haarpluͤs. ©. auch Pluſen, Diuftern. 

a) In Damburg zupfen. Die Hühner plüfen. D. Pluͤſen. D. 

— ung. 

+ Pluͤſſig, f- Plusig. 

+ Pluſtern, votre. bas Weröfterungswort von plufen ober pläfen, 


Ein pläfchenes Kleid. 


saufen, Inällen, von Kleidern, Zeugen ac.; aud verwircen. D. 
Pluſtern. D. —ung. , 
+ Putfhen, vd intes. u. tr, im Öfterreihifgen, ſtammeln. D. 


Plutſchen. 

+ Der Plus, —es, o. 2. f. der Plotz und Platz. 

+ Plugen, v. ntr, ı) Mit haben, einen Plus ober Plag hören laſ⸗ 
fen. 2) Mit fein, mit einem dumpfen Schale fallen. In Dene: 
brüc, unverfehens fallen, D. Plutzen. 

+ Der Pluͤtzer, —s, 9. ol. in manden D. D. Begenden. 3) Dre 
Pfebenkuͤrbiß, wie aud bie Melone; in andern Gegenden, ein 
Paper. =) Ein irdenes Gefäß mit weitem Bauche. S. Pletfhe 4). 

+ Plukig, in Hamburg plüffig, —er, —fie, adj. u. adv. im gemeis 
nen Leben mander Gegenden, befonbers R. S. aufgebunfen, aufge: 
blafen; mwahrfheinlih von plufen I), derworragen, ausgedehnt fein, 
welches ber Grund des Hervorragens iſt. Plutzige Hänbe, Finger. 
Ein plugiges Geht. Davon die Plutzigkeit. 

+ Der Pnuͤſel, ſ. Pfnieſel. 

+ Der Pant, —es, 4. —e, im Zillerthale ber Bergfink. 

Der Döbel, —8, 0. 3. chemahls das Volt (Populus), ohne allen 
verätlichen Nebenbegriff, ‚Test verftcht man unter Döbel nur ben 
größten Theil eines Volkes ober einer Gemeinheit, von Seiten feir 
ner Niebrigleit, Rohheit und Ungebildetheit, und gebraucht es ale 
einen veruͤchtlichen Ausdruck, wofür man im Scherz bes gemeinen 
Lebens aud Tan Hagel, Klattjenvolk, in Meißen Hottid it. fagt. 
Der Döbel ift fih überall gleich. 

Der Poͤbel lebt im Traum, unb Jeigt in allen Rollen, 

Die feine Wahnfucht fpielt, was wir beladen follen. Hagebern, 
Sei Richter, liebſter Bleim; ber Poͤbel ſoll nicht richten. Ur. 
Auch nennt man Verfonen höheres Standes, welche ungt achtet ihrer 
äußern Ausbildung Ab über ben rohen niedrigen Haufen in ihrem 
fittlichen Denken und Handeln nicht erheben, Pöbel, und ba giebt 
es Pöbel in allen Ständen, vornehmen Poͤbel ıc. Uneigenttich wird 
auch bie größte und gemeinfte Anzahl von Dingen Einer Art Poͤbel 
genannt. „Der Mond und ber ganze Pöbel bes Gefticnes haben 

ihre Wanberſchaft.“ DOpiz. 
Dee Tod flieht keinen Verzug an, 
Und flellt ben alfergrößten Dann 
Zum Päbel ber gemeinen Schatten. Bageborn. 

O Der Vöbelanführer, —s, 3%. gt. ber Anführer bes YPöbels, 
bei verfihiebenen Gelegenheiten, 3.8. in einem Aufſtande oder waͤh⸗ 
renb einer Poͤbethertſchaft (Ochlocrat). ©. 

O Die Pbelei, 94. —en, ein pöbeihaftes Betragen, wie aud, eine 
einzelne pöbelhafte Handlung, Kußerung. Lavater. 


Poͤbelg 


Der Poͤbelglaube, —nd, o. Bi. ber Gtaube des Poͤbels, bes ges 
meinen, rohen, unmwilfenben Haufene. M. Kramer. „Diefer Poͤ⸗ 
beiglaube der Unmiffenheit fann ber Impalt eines ganzen Tagwerke 
werben.“ Derber, » 

Poͤbelhaft, —er, —eſte, adj. u. adv, bem Pöbel gemein, bem Pöbel 
an Sitten und Denkart glei, ähnlih. Ein poͤbelhaftes Betragen. 
Ein pöbelhafter Ausbrut, Scherz, Gelhmad, M. Kramer hat 
dafür auch bie Wörter pöbelig, pöbelmäfig, dem Pöbel angemef: 
fen, Davon die Poͤbelhaftigkeit, o. My. die Gigenfhaft einer Per 

fon und Sache ba fie pöbelhaft if, j e 
O Der Poͤbelhauch, —es, 4. u. ein Sauch, d. b. etwas fehr Wer: 
gaͤngliches, Unweſentliches, welches nur im dem Augen bes gemeinen 
Daufens, des Pöseis etwas gilt, ober buch ihn etwas gilt. 

— Ales flieht und! ift enteonnen — Ehre, 
; Der Poͤbelhauch! er hauche wegt — Serder. 

Der Poͤbelhaufe, —s, 4. —n. ı) Ein Haufe oder eine Menge 
Menfhen aus dem Pöbel. Verſchiedene Pöbelhaufen ſchwaͤrmten 
durch bie Stroßen. 2) Der große gemeine und rohe Haufe, ber 
Päbel. „Der Pöbelhaufe, der uns in der Wolke kaum fah und ſich 
kreuzte, bad ein Menſch ba buch wellte⸗ Derber. ‚ 

S Die Pöbelberrfhaft, Ry. —en, bie Derrfhaft bes Pöbels, bie 
Herceſchaft, hoͤchſte Gewalt in einem Staate, fofern fir fih in ben 
Hänben des Poͤbels, bes gemeinen roben Haufens befindet; ohne 
Mehrzahl (Ochlocratie), wohl zu unterfheiben von Volksherr⸗ 
{haft (Demoeratie), G, „Ihre Herefhaft wird plump, bespotifh 
(gewattherrifh), heftig, wie jede Pöbelherrfchaft.“ Emwarb. =) Eine 
Herrfchaft, ein Mei, in welhem der Pobel hertſcht (Ochlocratie). 
S. Poͤbelſtaat. 

O Der Poͤbelberrſcher, —e, 94. at. berjenige Hertſcher, ber bein Pr 
bei beficht und in Anfeben iſt, burch denſelben hertſcht (Ochlocrat). G. 

Das Poͤbelherz, —ene, 4. —en, ein pöbelhaftes Herz, welches wie 
der Poͤbel empfindet, roh und unempfindlich ift; bann, sine Perfon 
mit einem folhen Herzen, eine pöbelhafte Perfon. 

Feige Poͤbelherzen wanken. A. Tſcherning. 

Der Poͤbelkaͤfer, —s, 4. gl. der gemeine Laufkaͤſer, der faſt im 
gan; Europa auf den Feldern und in ben Gärten zu Haufe ift CGa- 
rabus vulgaris L,); aud, ſchwarzer auf Kupfer ſtechender Erdkaͤ⸗ 
fer mit ſchwarzen Kählpörnern und Füßen, 

Poͤbelmaͤßig, adj. u. adv. f. Poͤbelhaft. 

O Die Poͤbelſeele, By. —n, eine pöbelhafte, nichrige Settez «ia 
pöbelhafter, niebriger Menſch. 

mid bliben, 

Da, nah der Pöbelferle, wenn Götter als Mufler mir bar 
fepn, Sonnenberg. 

Der Poͤbelſinn, —es, 0. My. ein pöbelyafter Sinn, poͤbelhafte Art 
zu empfinden unb zu benfen. 

Mag niedrer Pöbelfinn den Weifen doch verhoͤhnen. Cronegk. 
„Der Geift des Aufruhrs, der Zwietracht, der unreine abgeſchmackte 
Pöhelfinn und Wahnfian.e Berber. 

Die Poͤbelſprache, o. 3%. die Sprade bes Poͤbels, eine pöbelhafte 
Sprache. 

Der Poͤbelſtaat, —es, By. —en, ein Staat, in welchem ber Poͤbel 
bie Herefhaft hat (Oehloeratie),. M. Rramer. 

Das Poͤbelvolk, — es, 24. u. 1) X Leute aus dem Poͤbel, der Ob: 
bel. Solches haͤßliches Pöhelvolf! =) Ein Boll, bas ganz Pöbel, 
ganz roh, unwiſſend iſt, miebrig denkt und handelt, 

O Der Pöbelwahn, —es, 9%. u. ein Wahn, welden ber Pöbel, 
hat, von weichem ber Päbel verblendet wirb, 

Das Poͤbelwort, —es, By. —wörter, ein pöbelhaftes Wort, deſſen 
fh nur ber Pbbel bedient, 

X Der Poch, —ı8, 4. —e, ein Schlag. Poche kriegen, Säläge 
befommen. 


Die Pochbank, Di —bänke, f. Pochherd. 


_ 667 


Poche 


Das Pochbrett, —s, 9. —er, ein Splelbrett, auf ober in wel⸗ 
dem das Pochfpiei gefpielt-wird, ©. Brett, 

Die Poche, 34. —n, ein Werkzeug zum Pochen, Schlagen. Im 
Schleſſen ift es ein Meiner Kioh mit einem Stiele, Flacht, Bar, 
Leinwand, Woaͤſche bamit zu pochtn ober zu Hopfen, Berndt, 

Das Podeifen, —e, 9%. gl. in ben Pohmerken, bie ſchweren vler⸗ 
edigen @ifen an ben Pochflempeln, vermittelt welcher bas Erz klein 
gepocht wird, 

Pochen, v. 1) mtr. mit haben. ı) Einen bumpfen Schell, welchen das 
Wort nachahmet, von fih hören Laffen. Es pocht. Ich Höre es 
rohen. 2) Mit Hervorbringung eines ſolchen Schalles ſich gegen 
etwas bersegen, an etwas floßen, ſchlagen. So fteht ed-In folgen: 
der Stelle für bas in dieſer Bedeutung gewoͤhnlichere Schlagen. 

Und unglüdbringenb pocht ihm keine Stunde, Ediller. 

Oft auh von einer heftigen Brwegung ohne einen ſolchen bem Ge: 
hör veruehmlihen Schal. Go fagt man, bas Herz pocht, wenn es 
in einer beftigen Beypeaung ift, wenn es ſtart Mlopft. 

@s pocht mein Herz nit mehr von feurigem Entzäden, Gronegf. 

Wenn bie Hoffnung gefpannt in ber Jünglinge klopfendem Herzen 

Woͤhlt und pochende Angſt. — Bo; 
in welcher Stelle zugleich ber Unterſchiebd zwiſchen klopfen und po« 
chen, nach welchem Pochen ein ſtärkeres Klopfen bezelchnet, zu bes 
merken iſt. Il) intrs. ı) Mit Hervorbringung eines bumpfen Echal⸗ 
les gegen etwas ftoßen, ſchlagen. An bie Ihär pochen, ſtarl am 
Uopfen. Ee wird gepocht, b. h. es klopft jemand ſtark am bie Thür, 
Auf den hoben Schulen pochen bie Befliffenen, wenn fie mit ber 
Abfägen oder Stöden auf bie Erbe floßen. 2) ilneigentlid. KkUn- 

„ geffüm und großen Lärm erregend zanken, wofür jegt poltern ges 
wöhntih tft. „Ehe bu mit deinem Raͤchſten pocheſt.“ Sir. 19, ı7. 
Es foll aber ein Biſchof unfträfli fein — nicht pochen — fonbern 
gelinde, nicht baberhaftig." ı Tim. 3, 5. Tit. ı,7. Die Shwis 
bifhen Dichter gebraudten bochen für eifern. Dann, einem pochen, 
ihm ungeftüm und trogig drehen. „Die uns mit großem. Pochen 
alle Schande anlegen.“ 2a Mace. ı, 03. Im weiterer uneigenttider 
Bebeutung zumellen auch als mtr, 

— die (Helfen) — i 

Bald tief bis ins Bebiet ber alten finftern Rat 

Hrrunterhräun, halb in die Wolken pochen, Wieland; 
b. 5. bie fich bis in bie Wolken, denſelben gleihfam trogenb, erhe⸗ 
ben. 5) Xuf etwas pochen, ein übertriebenes Vertrauen auf etwas 
mit Ungeftüm und Heftigkeit an ben Tag legen. Auf fein Bd, 
feinen Reichthum ıc. pochen. Alle biefe uneigentlihen Brbeutungen 
find von dem Umflanbe bergenemmen, baf gemeine Perfonen bei ih⸗ 
rem Banken, Trotzen ıc. auf den Tiſch ober die Erbe pochen, ſchlagen 
ober ſtampfen. 4) Das Podhipiel, im Pochbrett fpielen. II) tr. 
1) Mit Hervorbringung eines bumpfen Schalles ſchlagen. Einen 
pochen, ibm ſchlagen daß es port. a) Mit Hervorbringung eines 
dumpfen Schalles floßen, zerſteßen ober flampfen. So wirb in ben 
PYohmerken bas Erz gepocht, wenn es durch bie Pochſtempel Heim 
gefampft wird... 4) *xx Einin poden, ibm mit Ungefäm allertei 
Drangfal zufügen. „Alle Beiden fingen an, bas Wolf zu pochen unb 
zu plagen." ı Macc. ı2, 55. „Wenn mid mein Haffer pochte.« 
Pf. 35,13. — D. Pochen. D. —ung. 

Der Pocyer, —, MR. gi. einer der pochet. 1) Ein Arbeiter in eis 
nem Pochwerke, ber bad Erz unter bie Stempel in ben Pochtrog 
ſchuͤttet. =) Einer ber auf etwas pochet, fih darauf ſtuͤgt, verläßt; 
wie auch, ein trotziger Prabler, 

— von Ccherasmin, ber ihm ben Brüden deckt, 
Wirb auf ben erſten Schlag ein Pocher hingeſtreckt Wielanb. 

Die Pocherei, My. u. das Pochen, befonbers ein anhaltendes ober 
mwieberhoites Pochen. 

Das Pocherz, —ıs, 2. —e, im Bergbaue, Erje, melde gepoht 
eder jerfloßen werben mäflen. 


Pochg 


Das Pochgerinne, —s, 34. al. In ben Pochwerken, basienige Ges 
sinne, durch welches das zum Pochmwert nöthige Waller auf ben 
Pochkaſten geleitet wird; ber Pochgraben. 

Der Pochgeſchworene, —n, By. —n, im Bergbaue, ein geſchwor ⸗ 
ner Auffeber bei einem Pochwerke. 

Der Pochgraben, —s, 84. —gräben, f. Pochgerinne. 

Das Pochhaus, —es, Tr. —häufer, ein Gebäude, worin eine Reihe 
oder mehrere Neihen Pochſtempel, das Erz zu pochen, angebraht 
find und vom Mafler getrieben werben; bas Puchhaus. 

Der Pochhammer, —s, 9. —hämmer, f. Pochſchlage. 

Die Pochheie, 4. —n, im Bergbaue, ein hoͤlzerner Schlägel. 
©. Heie. ' j 

Der Pochherd, —eb, Mm. —e, im Bergbaue, ber getbnete und eins 
gefaßte Platz, auf welchem bas gepochte Erz gewalhen wird; auch 
ber Plauenherd, bei Friſch auch Pochbank. 

Der Pohjunge, —n, 9. —n, in ben Pochwerken, Bergjüngen, 
melde beim Pohen und Waſchen, und befonders bei dem Waſchplane 
ben After weglaufen ober wegtragen. 

Die Pochkammer, By-—n, in ben Porgellanbrennereien, ein Ge: 
bäube, in welchem ber Kiefel gepocht wirb, 

Der Pochkaſten, —s, M. gl. in ben Pochwerken, bie lange Vierung 
von Brettern, worein bad Erz gefhättet, und wo bas Erz durch-— 
arpeht wird. 

Der Pochkern, — es, 4. —e, in ben Pochwerken, Meine Steine, 
melde zu Werfertigung des Geftübes mit ben Kohlen Eein gepodt 
werben follen, beim Durchwurfe aber zurädbleiben ; auch ber Puchlern. 

Der Pochkiel, — es, Bi. —e, in ben Höttenwerken, der längliche 
gevierte Kiel oben am Pochtiſen, vermittelft beffen es in bem auf: 
geſchligten Poch ſtempel befeftiget wird, 

Der Pochklotz, — e, 4. Möge. ı) In den Pochwerken, ein Riot, 
ber aus zwei = Fuß breiten und hoben Kiögen befiehet, und mwelder 
dem Fußboden im Pochwerke glei liegt. =) Ein Klog, worauf ets 
was 3. ®. Leinwand gepocht ober geklopft wirb. 

Der Pochknecht, —s, By. —e, in den Hättenwerken, ein Arbeiter, 
welcher bie gebrannten Gifenfteine auf die Pochſchale bringet, unb 
wenn fie jerpocht find burd ben Durhmurf wirft. 

Die Pochlaſche, My. —n, in ven Hüttenwerten, Bretter an den 
Seiten ber Pochtroͤge, bamit beim Poden nihts aus dem Zroge 
fpringe; die Puchlaſche. 


Die Pochleitung, 34. —en, In den Hüttenwerken, Hötger, merde - 


in der Quere an bie Pochfäulen angebracht find und bie Pochſtem⸗ 
pel in ihrem orbentlichen Gange erhalten. 

Das Pochmehl, —es, 34. u. in ben Hüttenmwerken, bas fein gepochte 
Erz, weldes beim Sieben am leichteſten burhfällt und bann auf ben 
Baſchplan gebracht wird, wenn es nad feiner Befhaffenheit gehö- 
zig gewafchen und zu einem Schlih gemacht werben fol. Das fein 
gepochte Geſtein wirb auch Felſenwerk genannt, Bei ben Zwittern 
iſt das Pochmehl die zweite Art der gepochten Imitter, melde auch 
Faſenwerk heit; zum unterſchiede von dem beffern Gerinnfteine 
and geringern Sumpfmwerke oder Schlamm. Bei andern Etzen 
wird es aub Mittelfhlamm genannt. 

Die Pohmühle, 4. —n, f. Pohwerk, 

Dad Pohrad, — es, My. —räder, in ben Hüttenwerken, das Wafı 
ferrad, weiches die Pochſtempel im Pochwerke in Bewegung fett. 
Der Pochriegel, —s, M. gl. in den Pochwerken, bie hoͤtzernen 
Keite, weihe zwiſchen ben Pochſtempeln in ber Pochleitung ſtecken, 
und verhindern, daß bie Stempel wicht an einanber bangen ober an 

einanber floßen, der Puchtiegel. 

Der Pochring, —es, Pr. —e, im ben Pochwerken, diejenigen eifer: 
nen Ringe, mit welchen bie Poceifen an den Pochſtempeln befeftis 
get werben; ber Puchting. 

Die Dochrinne, My. —n, in ben Pochwerken, bas audgehauene 
hoͤtzerne Gerinne, wilches über hohle Wege, Flüſſe, Thäler, wo man 


668 


Dode 


mit ben Waffergraben für die Pochwerke nicht fortlommen kann, am 
gelegt wird um das Waſſer zu ben Pochwerken au Leiten. 

Die Pochfäule, 34. —n, in den Pochwerken, die hoͤlzernen Saͤulen, 
zwiſchen welchen ih bie Pochftempel bewegen. + 
Die Pochſchale, MM. —n, in den Pohwerken, eine ſchwere eiferne : 
grgoffene Platte, mit einer Grube in bre Witte, welche auf ber 
Unterlage im Pochtroge liegt und auf welder bas Erz; gepodt wird; 

die Puchſchale. 

Der Pochſchießer, —e, Bm. at, f. Pochſtempel. 

Die Pochſchlage, By. —n, ein großer eiferner Hammer, womit bie 
uͤberm Sieb gewafdhenen Erze vollends Har ober klein gepocht wer 
ben; die Puchſchlage, auch ber Pochhammer. : 

Der Pochſchlamm, —es, 3. u. in ben Pochwerken, bas Hein ges 
pochte Erz, wenn es aus bem Pochtroge in ben Schlemmgraben ge 
laufen iſt. 

Die Pochſohle, By. —n, im den Pochwerlen, bie eifernen gegeſſenen 
ober fleinernen Unterlagen im Pochtrege, auf welden bas Erz Hein 
gepodt wird. S. Pochſchale. 

Das Pochſpiel, —es, By. u. der Name eines gewiſſen Brettſpietes 
mit Karten und Würfeln, 

Der Pochfteiger, —s, © gl. in den Hüttenwerfen, ein Steiger 
ober im Pohen und Walben "ber Erje erfahrnee Bergmann, bee 
bas Pochmehl und den Schlih fo zugurihten weiß, wie es bie Ums 
fände beim Schmelzen erfobern, und welcher bie Aufſicht über bie 
Arbeiter im Pochwerke führet. 

Der Pochſtempel, —, 34. gl. in den Pochwerken, bie hölzernen 
Stampfen, unten mit Eiſen, ben Pocheiſen, beſchlagen, vermitteift 
welcher bie Erze in dem Zroge, in welchem brei folher Stempel bes 
Pr find, Hein gepocht werden; ber Puchſtempel und auch Pody« 

eßer. 

Der Pochtrog, —es, By. —tröge, in den Pochwerken, derjenige 
Trog, ia weichem vermittelt der Pochſtempel das Erz Hein gepecht wird. 

Die Pohwand, By. — waͤnde, in ben Pochwerken. 1) Die Wand, 
b. h. ber Stein ober das feſt geftampfte Era, welches im Pochtrege 
zur Unterlage ober Pochfohle dient, &. Pohfohle 2) Dasjenige 
Erz ober Geſtein, das gepocht werben fell, in welcher Bebeutung bie 
Mehrzahl nur von mebrern Arten gewoͤhnlich iſt. 3) Die Wände 
ober Seiten bes Pochkaſteni. 

Das Pochwaſſer, —6, Ws. gl. in den ‚Hüttenwerken, basienige Wafı 

fer, welches das Rab eines Pochwerkes treibt und buch bad’ Pochge⸗ 

rinne auf die Pohkaften geleitet wird. 

Die Pochwelle, 99. —n, in ben Pochwerken, bie Welle bes Pod: 
zabes, welche bie Pochſtempel hebt. 

Das Pochwerk, —es, 9. —r, im Höttenhane. ı) Ein Mühlens 
wert, in welchem bas Era vermittelt mehrerer mit Eiſen beſchlage⸗ 
ner und buch Waffer in Bewegung gefegter Stempel In Zrögen fein 
gepocht wird; bie Pohmähle. Ähnliche Mühlenwerke, wo Körper 
anderer Art geflampft werben, heißen Stampfmühlen. =») Dass 
jenige Era, welches gepocht werben fol, in welder Bebeutung bie 
Mebrzapt nur von mebrern Arten gebraucht wird. 

Der Pochzind, —es, By. —e, berjenige Bing, welder dem Gigens 
tbümer eines Pochwerkes für bas Pochen ber Erze entrichtet wirb. 
Die Pole, 9. —n, bie Blatter; befonbers in ber Mehrzahl, dieje⸗ 
nige anftedenbe Krankheit, vorzüglich der Kinder, bei welcher Beine 
Eiterbeulen auf der Haut ausbrechen; bie Pockenkrankheit, bie Blat⸗ 
tern, Kinderpoden, Kinderblattern, in Kärnthen Urſchlaͤchten, 
in Schwaben und Braufen auch Urſchlaͤchten und Durchſchlaͤchten, 
Dorſchtaͤchten, zu Worms ıc. Purpeln, Purple sc. Die Doden bes 
kommen, baben, einimpfen. Die Schafpoden, Kuhpocken. Das 
Mort Blatter ift keinesweges beffer, wie Ab, behauptet, in Grgens 
theil ift das Wort Poden, welches vorzüglih diefe Kiaderkrankheit 
und bie bei berfelben ausbrehenten Feinen Geſchwüre bezeichnet, 
dem Worte Blatter, welches auch Gefhwäre und Erhöhungen auf 





Pocke 


ber Haut anberer Art bezeichnet, vorzuziehen, auch iſt es im neuern 
Beiten bie gewoͤhnlichere Benennung dieſer Kinberkrankheit geworden. 

*x Die Pockel, 34. —n, die Buckel. ı Kon. 7, 31. Hohel. ı, 44. 

Das Poͤdeleiſen, f. Boͤckeleiſen. 

Pocken, v. I) ntr. mit haben, bie Pocken ober Blattern haben. II) OÖ 
trs. bie Pocken einimpfen, befonders die Kuhpoden (vaceiniren). 
Die Kinder poden. Gepodte Kinder. D. Polen. D. —ung. 

Das Podenblatt, —es, 3. — blätter, ein Rame bes Waflerampfers. 

Das Podenfieber, —$, My. gt. das mit der Pockenkrankhelt verbuns 
bene Fieber, das Blatterfieber. 

Das Pockengift, —es, Di. u. fo viel als Blattergift, ©. d. 

Die Podengrube, 4. —n, die jurücgeblichenen Gruben ober Narr 
ben von ben Pocken; Die Podennarbe, Podenmafe, Blattergeube, 
Blatternarbe. 

Dodengrübig, —er, —ſte, adj. u. adv. Podengruben, und in efige: 
zer Bebeutung, viele Podengruben habend; podennarbig, poden- 
mafig, blattergräbig, blatternarbig, blatterfteppig, in Würzburg 
ftipftig, in Mainy purpig, purplöcerig. 

Das Pockenhaus, —es, D4.—bäufer, fo viel als Blatternhaus. ©. d. 

Das Podenholz, —es, 0. Bi. das Franzoſenholz (f. d.); aud Blat⸗ 
terholz. 

Die Pockenimpfung, 34. —en, bie Impfung, Einimpfung gutarti- 
ger Poden, befonbers der Kuhpocken, um dadurch bie Kinder vor 
den bösartigen und gefaͤhrlichen natärlihen Poden zu fihern. 

Pockenkrank, adj. u. adv. an ben Poden Frank, von bem Poren bes 
fallen. Davon ber, bie Podenfranke, eine Perfon, melde bie 
Poden bat, 

Die Pockenkrankheit, o. DB. diejenige Krankheit, welde auch nur 
die Poden genannt wird. S. Pode. 

Die Podenmafe, 4. —n, die Podennarbe, 94. —n, Pocken⸗ 
mafig und Pockennarbig, —er, —fte, adj. u. adr. f. Podengru: 
be und Podengrübig. F 

Die Pockenporzellane, By. —n, eine Art Porzellanen in Oſtindien 
saurica L.); auf Eifenblattern, ſchwatze Mafern, Efels: 

aut. 

Die Podenraute, 94. u. die Geigraute (f. d.) (Galega oflcinalisL.); 
auch Fleckenkraut, Suchtkraut, Peſtilenzwurz ıc. 

Der Pockenruͤcken, —s, 3%. gl. eine Art Hornfiſche, deſſen Nüden 
mit erhobenen Poden ober Waͤrzchen befept ift (Balistes papillosus), 

Der Podenflein, —es, 34. —e, fo viel als Blatterftein (Variolit), 
S. Blatterflein. 

Die Pockenwanze, 4. —n, eine Art Wanzen (Cimex variolatus), 
Remnid. 

Die Podenwurzel, 94. —n, die Ghinamurzel (Smilax china L.). 
©. Chinawurzel 1). 


+ Der Poderle, —s, 9%. gl. ein Name bes Wälfhen Huhnes oder 


ber Pute, Nemnich. 

Podig, adj; u. adv. bie Polen habend. Ein podiges Kind. Im Hol: 
And. bedeutet es auch podennarbig. 

+X Der Pofel, —s, 0. 94. fhiehte, verborbene, unbrauchbare 

. BWaare, Ausſchuß, Brad; Schofel. 

+ Der Poffer, —s, 2%. gl. eine Benennung ber linfenförmigen platt: 
runden Archen. r 

+ Der Pofift, f. Bofift. 

+ Die Pogge, 4. —n, im R. D. ı) Der Prof; 2) bie Krdte. 

Das Poggenauge, —8, y.—n, eine Art fchäbliher Pilze. Remnid. 

Der Poggendeih, —es, 34. —e, im Wafferbaue, ein kleiner Soms 
merbeich, oder Beuferung um ein Außenfeld. 

+ Das Voggengrad, —ed, 9. u. bie Krötenbinfe (Iunens bufo- 
mins L.); auch + Poppingras. 

+ Der Poggenbecht, — es, 24. —e, der Märjdedt. - 

+ Die Poggenmünze, DH. u im N. D. die Krdtenmänze, 

+ Der Poggenſchott, —es, 94. u. im R. D. der Frofchleich; auf 


__69 


Dol 


Poggenkuller, Poggenräff. Davon bad Poggenſchottpflaſter, das 
Froſchleichpflaſter. 
+ Der Poggenſtuhl, —es, MM. — ſtuͤhle, der Rame verſchledener 
fhädliher Pilze. &; Kroͤtenſtuhl. 
+ —— adj. u. adv, im Holſteinſchen, ganz tobt, mauſetodt. 
Hüpe, 


+ Der Pohl, —es, 9. —e, bei ben Sammtwebern. 1) Das Haar 
bes Sammtes, welche Andere den Flor nennen; bei Einigen verderbt 
ber Voll, 2) Die Rolle, merauf bie Pobifäden gemidelt werben, 

+ Die Pohl, 4. u. f. Pollmthl. 

Der Pohlarm, —es, My. —e, bei den Sammtwebern, zwei hoͤlzerne 
Arme über bem Hinterbaume, welde bie Y.ble tragen. 

Die Pohle, Bi. —u, bei.den Sammtwebern, bie obere Kette am 
Stuble, welche den Pohl ober den Flor, da h. dap Paar bes Samms 
tes macht; die Pohlkette. 

Der Vohle, Vohlen, f. Pole, Polen. 

Vohlen, v. trs. ı) Bei den Gerbern, ber Haare herauben; abpöhlen. 
Ein Fell pöhlen, abpöhlen, die Haare von bemfelben abftoßen. 

Der Vohlfaden, —s, Bi. —fäben, bei den Summtwebern, bie 
Kettenfäden einer Pohle. 

Der Pohllamm, —es, 4. — kaͤmme, bei den Sammtwebern, bie 
Kimme oder Schäfte, in melde bie Kettenfäben einer Pohle einge 
sogen ober eingereihet werben; auch die Pohlſchaͤfte. 

Die Pohlfette, 4. —n, f. die Pohle. 

+ Das Pohlmehl, —s, By. u. f. Pollmeht. 

Der Pohlſchaft, —s, Bi. — ſchaͤfte, ſ. Pohllamm. 

Der Pohltritt, —es, u. —e, bei den Sammtwebern, der Juß⸗ 
tritt eines Sammtſtuhles ober eines zu gebluͤmten Zeugen eingerich⸗ 
teten Zugſtuhles, ber die Pohllaͤmme in Bewegung fett. 

+ Der Poiffe, —n, By. —n, im gemeinen Leben mander Gegen: 
ben, ein im Alter geſchaittener Zuchtochs. 

+ Der Pok, —, B. —e, im R. D. ı) Ein Meffer, ein Dolch. 
2) Ein Stich damit und die daburd) gemachte Wunde. 5) Ein ſehwa ⸗ 
her unvermögender Deenfh. Davon polen, ſtechen. 

& Der Yofal, —es, My. —e, ein großer Beer, Doppelbecher, 
Dorpelglas, Doppelkelch. 

Der Poͤkel, —s, By.u. 1) Salzwaffer, befonders bad Salzwaſſer Über 
eingefatzenem Flelſche oder eingefalzenen Fifhen; im N. D. Paͤkel, im 
O. D. Piechel. Einige ſchreiben Boͤkel und leiten Wort und Sache von 
einem gewiffen Wötet ober Bölelsgoon her, ber 1557, nach Andern 
1397 bie Kunft Fleif und Häringe einzufalzen zuerſt getehrt haben 
fol. =) +Der Magen, dann, der Bauch, Wanft; in Dsnabräd Peggel; 
vieleicht von einem Wergleiche, ben man zwiſchen bem Magen und eis 
nem Pölelfaffe machte, in weldyen man bie Speifen ıc. gleihfam einlegt, 

Das Pokelfleiſch, —es, o. Dir. gepöteltes ober eingepteltes Fleiſch, 

befonbers Rindfleifh. 

Der Poͤkelhaͤring, —et, 94. —t, ein eingefalgener Häring ; zum 
Unterfihiebe von ben Büdlingen, ben in der Euft getrodneten oder 
geräuderten Häringen. A 

Der Poͤkelhecht, —#, By. —e, ein gepäteiter ober eingepöfelter, 
eingelalzener Hecht; Salzhecht, Tonnenheiht. 

Die Poͤkellimone, 3. —n, eingefalgene imenen. 

Poͤkein, v. I) tee. in den Pöter, d. h. in Salz oder in Salzwaſſar 
legen, einfalgen; einpöfeln. Fleiſch pöfeln. Gepoͤkeltes Fleiſch. IL) 

ı Fate. mit haben. 1) Im Pölel oder Salzwaffer verwandelt wer 
den. Das Satz pölelt fhon, es fchmilgt ſchon auf dem Fleiſche. =) 
Vom Poͤkel, d. h. vom Salze ober Salswaffer durhdrungen, angegrif: 
fen werden. Das Fleiſch pökelt gut, — D. Poͤteln. D. —ung. 
S. Poͤkel ı). 

© Der Poͤkelrogen, —s, Mi. gl. gepoͤlelter ober eingeſalzenet 
Fiſchrogen, beſondere vom Hauſen (Caviar). ©. 

Der Pol, —es, My. —e, einer ber beiben Endpunkte ‚einer Acıfe, 
um weile fi ein Körper drehet. Die Erdpole, Pimmeispole, 


Pola 670_ Poli 





Weltpole. In engerer Bebeutung verfieht man unter Polen ſchlecht⸗ 
Hin bie beiden Endpunkte ber Erbadfe, um melde fi die Erbe 
rehet, ober in welchen Punkten bie Erbe ih um ſich ſelbſt drehet. 
Der Nordbpot, Suͤdpol. ©. d. An dem Polfteine werben die ent: 
gegengefepten Punkte, welche bas Eiſen ftärter anziehen, ebenfalls 
die Pole deffelben genannt, weit fie fi, wenn ber Polſtein frei 
hängt, eder eine bamjt beftrigene flähleene Nadel fih auf einem 
Stifte feri bewegt, mach der Gegend ber beiden Erbpole wenden, 
baherman ben einen auch den Mordpot, den andern ben Suͤdpol nennt, 
X Der Polaf, —ın, 4. —en. ı) Ein Einwohner Polens, eine 
ſoiche weibliche Perfon, die Polatinn; ber Pole, die Polinn, Ja 
weiterer Bebentung, ein in Polen einheimifhes ober daher flams 
menbes, baber gebrachtes Thier. Befonders, ein Polifhes Pferd; 
and der Pole. + 
Er nahm fein Lieb mit einem Schwung, 
und fhwangs auf ben Polafen. Bürger 
Ku nennt man cin gefhnittenes Huhn einen Polaken; vielleicht, 
meint Ab, weil bie Kunſt Hühner zu ſchnelden aus Polen zu und 
getommen if, Bon Polak bildet mar ſcherzhaft das Wort bie Po: 
lakei, wie Türkei, Wallachei, für Polen, 2) Warigentlid. (1) Schla⸗ 
ge auf den Hintern, beſonders mit einer kurzen dicken ledernen Peit⸗ 
ſche, wahrfheintic weil dieſe Art zu ſtrafen in Polen fehr ge woͤhn⸗ 
ilch war. Einem einen Polaken geben. (2) Ein Überreft in einer 
nit ausgerauchten Zabakspfeife, aud mol + im Meinglafe, mahr: 
fheintth weil Polen, bei welchen bas Zabafrauhen ehemahls 
wenig ober gar nicht befannt war, und welche bas Rauchen verſuch⸗ 
ten, die Pfeifen nicht ausrauchten, und weil ber Gebrauch dieſes 
Worts in ber Felge auch auf bie Weinreſte übergetragen wurde. 
„Und nun achteten bie beiden Männer es nicht unfhimpflih, in ben 
Pfeifen Polaten zu laffen.« Kl. Shmibt. . 


+ Die Polale, 4. —n, eine Art dreimakiger Schiffe, melde be. 


fonders im Mitteitändifhen Meere gebräuchlich find, durch Segel und 

uber fortbewegt werben, Gin Werbeg haben, und fünf bie fehs 

Steinftäde führen. 

Der Polbär, —es oder — m My. —e ober —en, der Cisbär, weil 

" er in bem Eismeere in ber Rähe des Poles lebt (Polarbär), 

+ Der Polcher, Poͤlcher, —d, Wr. gl. eine Polife Kupfermuͤnze, 
welche einen halben Volifhen Grofhen gilt und beren 60 auf einen 
Poliſchen Gulden und 860 auf einen Reihsthaler gehen, Die Preu⸗ 
Hifhen Polcher gelten noch einmahl fo viel. j 

1.+ Der Polder, —s, 99. gl. an den N. D. Küften, trodnes Sand, 
welches bem Meere ober einem Fluſſe durch Ginbeihen entzogen ift, 

2. + Der Polder, —s, 4. gl. im Shiffbaue, bie noch über ben 
Echandeckel hervorragenden Enden der Jahdlzer oder verlehrten 
Auflanger, um welche bas Tauwerk belegt wirb; auch Pöler. 

+ Die Volderfchlage, Du. —n, f. Polterhammer. 

+ Der Poldrad, —es, 99. —t, der Name einer Polifgen Münze, 
beren fünf = @gr., 50 aber einen Reichethaler machen; in Dansig 
Brommer. S. Brummer 2). 

Der Pole, —n, 9. —n; die —inn, 9. —en, ein Cinmohner, 
eine Einwohnerinn Polens, ober eine Perfon, bie in Polen geboren, 
aus Polen gebuͤrtig it; X der Polak, die Polakinn. In weiterer 
Bedeutung au, rin in Polen einbeimifhes, daher ſtammendes Thier, 
beſonders ein foldes Pferd; auch der Polak. 

Gin ſchneller Pole dient zum Klepper für bie Jagd. Bürbe, 
Solche Plerbe, welche befonders in ber Ukraint zu Haufe find, Hein 
aber dauerhaft und fihnell find, heißen auch Ukrainſche Pferde. 

Der Volei, — s, 9. u. 1) Eine Art dee Münge mit queriförmig 
ſtehenden Blumen, eirunben, ſtumpfen, ein wenig geterbten Blät: 
tern (Mentha pulegium L.); auch Poleimänze, Floͤhtraut, weil 
es bie Flöge vertreiden fol. Wilder Polei heißt zuwellen aud bie 
Felbmänze (Mentha arrensis L.). 2) Wilder Poli, ein Rame 
(1) der Bergmünge (Melissa calamiatha L.); aud wildes Mutter⸗ 


raut; (2) ber Korumänze (Melissa nepeta); auch Felbmänze, 
Ackermuͤnze. 3) Wilder Polei, auch ein Rame des Quendels sder 
wilden Thimians (Thymus serpillum L.). 

Die Poleimuͤnze, Sij. u. f. Polei ı). 

Das Voleidl; —es, My. m. eine aus dem Polei gegogenes DI. 

Polen, —E, ber Rume eines meiſt ebenen Landes, welches ehemahls 
ein großer und zu Zeiten mädtiger Staat war, ber aber in neuerm 
Beiten von ben benachbarten Mächten zertheitt, ihren Staaten eins 
verleist unb aus ber Bribe ber Staaten vertiigt wurde. Mas jegt 
unter bem Namen Gerzogthum Warfchau davon wicberhergeftelit 
ift, verdient nit ben Namen eines felbftändigen Staates, In alten 
Säriften koͤmmt dafür Polan, Poland vor, und Polaͤnder, Polos 
ner für Pote, . 

Die Polente, 4. —n, tine Urt Patſchfüße mit drei Beben an sem 
zothen Foͤßen, ſchwarzem Kopfe, weißen Baden und Unterleibe, 
ſchwarzen Flügeln und Mäden, und einem Schnabel, ber bem bes 
Papageies aͤhnlich iſt Eolaxente). Sie lebt im ber Nähe bes Poles 
um Spiebergen ıc, 

Der Polfuhs, —ed, Di. — fuͤchſe, eine Art nahe am Pole leben⸗ 
der im Sommer geaublauer, im Minter weißer Füchſe (Polarfuhe, 
Canis lagopus L ); aud Steinfuchs. j 

Die Polhoͤhe, 34. —n, in ber Sternwiffenfhaft, ber meffünftigen 
Erbbefhreibung und der Schifffahrt, bie Höhe bes Himmels ober 
Weltpoled über ben Seſichtekreis eines Ortes, d. h. ber Bogen bes 
Mittagökreifes zwiſchen bem Pole und dem Geſichtakreiſe. S. auch Breite. 

ð Poliren, v.trs. S. Giätten, Gängen, und anftatt der mit Polir« zus 
fammengefegten Wörter dieſelben mit Glaͤtt ⸗ zufammengefegten Wörter. 

Poliſch, adj. u. adv. zu Polen gehörend, daſelbſt einheimifh, daher 
fommend, ober ben Polen eigen, von ihnen derſtammend, & polnifch. 
Die ehemahls Polifhen ſeht Ruſſiſchen Landſchaften jenfeitse ber 
Weichſel. Polifihe Pferde, Ochſen. Die Polifhe Sprage, Der 
Poliſche Tanz, auch bloß Polifh, ein Polifhes (Polonoise). 

Ehidt eud brav auf Deutfh, Tuͤrkiſch, 
Englifh, Menuet und Polifh. Bo$. 

Poliſch tanzen. Gin Pelifihes auffpielen. Der Poliſche Groſchen, 
eine Kupfermänze, welche brei Poliſche Schillinge Hält und beren 
30 einen Polifhen Gulben ober 4 Gar. machen. Der Polifche 
Bol. S. 1. Bol und 4 Bol. In der Raturbeſchreibung bes 
Kommen mehrere Seethiere den Beinamen poliſch, weicher von dem 
Hollandern bereühret, bie dadurch etwas Frembes, Ungewöhnliches, 
in ber Geſtalt Abweichendes bejeihnen wollten. So if 1) ber Polis 
ſche Dammter eine Art Kammmuſcheln oder Auflern, die Kreugmus 
ſchel (Ostrea malleus L.); eine andere Art ift ber Polifche Sat— 
tel (Ostrea ephippium L.). 2) Die Poliſche Müge, eine Art Kos 
rallen, auf ber unteren Seite hohlrund (Madrepora pileus L.). 
And eine Art Sturmbauben, welche eiförmig und gerippt ift, führe 
biefen Ramen (Buccinum testiculus L.); auch gerippte Sturm⸗ 
baube, 3) Polifcher Saͤbel, eine Art Scheidemuſchein, bie glei 
breite, ein wenig gelräömmte Schalen bat (Solen ensis L.); bei 
M älter Erbfenfhote. — In Polen ſelbſt lautet dies Wort in ber 
gemeinen Sprehart Polſch, zufammengezogen aus Polifh nit aus 
Polniſch, welches eben fo unridtig ift, als wenn man Preußniſch, 
Rußniſch, Schwedniſch zc. fagen wohte, 

+ Poliben, v. trs. ein bei einigen Hankwerkern, beſonders ben Werd: 
fhmieden, übliiyes Wort, welche eine Arbeit poligen, wenn fie bie: 
felde vor bem Blängen mit Bims: oder Pragerfteinen ſchleifen. D. 
Polisen. D. —ung. 

Die Polizei, 3. u, ı) Die Handhabung guter Orbnung und Wer 
foffang im einem Staate, wie aud in einer Stadt, welche beſonders 
auf Erhaltung der oͤſſentlichen Ruhe und Sicherheit und im ben ein« 
seinen Stäbten und Örteen auferbem noch auf.manderlei andre bie 
Bohlfahrt, Gefundbheit, Bequemlichkeit ıc. der Einwohner beteeffens 
be Dinge Rädfiht nimmt. Es herrſcht hier eine gute Polizei, Bei 


Poli 


keine Bettier, findet man reine Etraßen, bie Abends heil erleuchtet 
find. 2) Diejenigen Perfonen, welche biefe gute Orbnung und Ber: 
faffung handhaben, und melde zufammen das Poliseiamt bilben. 
Die Polizei hat es fo verordnet. Die Herren von ber Polizei, bie 
Polizeibeamten. 3) Der Inbegriff aller Wahrheiten unb Echren, 
durch beren Anwenbung in einem ganıen Staate, wie aud in bem 
einzelnen Zheiten deſſelben, in den Stäbten gute Orbnung erhalten, 
für bas Wohl, bie Sicherheit ic, der Einwohner geforgt werden 
Tann; bie Polizeiwiſſenſchaft. 

Das Polizeiamf,—es, 8. —Ämter. 1) &. Polizei 2). 2) Der 
Ort, das Haus, mo bie Polizeibeamten ihre Iufammenkünfte halten, 
aud wol, wo ber Polizelauffeher ober andere Polizeibeamte wohnen. 

Der Volizeiauffeher, —6, Rp. al. der oberſte Polizeibeamte, weiher 
über bie Polizei und Alles was dahin gehört, die Aufficht führer 
(Polizeidirector, Polizeiinspeetor). 

Der Polizeibeamte, —n, My. —n, ein Beamter bei der Polizei, 
©. Polizei 2) und 2). 

Der Polizeidiener, —6, M. gl. ein geringer Beamter, ein Diener 
bei der Poligel, dergleichen z. B. die Vertetvögte find; unb welche 
auch wol Polizeiknechte genannt werben. J 

Das Polizeigericht, —es, Br. —e, ein GSericht, von welchem Über 
tretungen ber Polizeiorbnaung gerichtet und beſtraft werben. 

Der Polizeifnecht, —es, 34. —t, f. VPolizeidiener. 

Polizeilich, adj. u, adv. die Polizei betreffend, zur Pollzel gehörend, 

DPolizeimäßig, adj. u. adv, ber Polizel, ber Polizeiorbnung” gemäß. 
„Der päpftlihe Korporal nahm fi polizeimäfig bie Freiheit meinen 
Paß zu befhauen.“ Seume. (8) j 

Die Voligeiorbnung, 34. —en, bie Ordnung, Vorſchrift, welche auf 
die Erhaltung guter Drbnung und ber äffentlihen @icherbeit über: 
haupt abzwecket; bie Polizeiverordmung, eine’ Verorbnung in einem 
einzelnen bahin gehörenden Falle. 

Der Polizeireiter, —s, 34. gl. ein Pelizeibiener zu Pferde, welder 
über Ordaung unb Sicherheit auf den Landſtraßen und auf dem Lan⸗ 
de zu wahen bat. 

Der Doligeirichter, —®, 8%. al. der Michter hei einem Volizeigerichte. 

Die Polizeiſache, 4. —n, eine Sache melde die Porigei betrifft, 
ober vor bie Polizei gehört. ; 

Die Polizeiverorbnung, 9. —en, f. Poligeiordnung. 

+ Der Volk, —es, 24. —e, ein verfänittener Eber. Nemnid. 

O Die Polkluft, 9. —kluͤfte, eine Kinft am Pole, in der Gegend 
des Poles. Unterirbifh Geheul ſcholl dumpf empor aus ber Pol: 

Muft. Baggefen. 

Der Polkreis, —es, 994. —e, in ber Erdbeſchreibung, biejenfgen 
Kreistinien, welche man fih um bie Erbpole mit einem Halbmeffer 
von 2314 Braben gezogen denkt; auch Polzirkel; und, bie von bier 
fer Kreislinie eingefchloffene Erbfläche (Polarkreis, Polarzirkel). 

+ Der Doll, — es, 3. —e, in manden N. D. Begenden, bie Spigr, 
der Gipfel, befonders der @ipfel eines Baumes, Bewähfes. S. Volle, 

Das Don, —es, . u. f. Pollmehl. 

Der Pollak, —es, 4. —r, ein zum Geſchtechte des Schenfifcer, 
Dorfes zc. gehörenber Fiſch, ber fich vom Kabliau badurch unters 
fheibet, taß er feinen Bart bat und fein Fleiſch nicht fo feft if 
(Gadus pollachius L,); aud gelbes oder weißes Kohlmaul. 

Die Dolle, 4. —n, im N. D. das Oberſte, Hußerfte an einem Dinge; 
der Poll. So wird der Bipfel, befonbere ber Gipfel ober Wipfel eines 
Baumes, Beroächfes Polle genannt. So auch, das Haupt. X Eir 
nen bei ber Polle kriegen, beim Kopfe. Davon der Pollendedei, 
die Müse, ber But. Dann auch, hervorſtehende Febern, ein Federbuſch 
auf dem Kopfe mander Bögel, Davon bie Pollente, das Pollhuhn ıc. 

Das Volleifen, —6, M. at. f. Bolleiſen. 

+ Döllen, v. trs. in Hamburg, bes Polles oder bes Bipfeie, Wipfela 
berauben; koͤpfen. Ginen Baum polen. D. Poͤllen. D. —ung. 


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der guten Polizei hoͤrt man bier nichts von Diebereien, fichet man, 


Polft 


Der Poller, —t, 94. gt. 1) Ein Heiner Mörfer, daraus zu fdiehen; 
ber Boller. 2) Sm Schiffbaue, Pfähle, auf melde bir Waffen be 
feftiget werben. 3) €. 2, Polder. 

Pollig, adj. u. adr. f. Bollig. 

+ Die Poukuttel, 34. —n, der Kutteififh oder Btadfifh. 

Das Pollmehl, —es, 2%. u, die mitte Sorte bes Mehles, zwiſchen 
ben feinften Griesmeble und ber Grieekleie, welche man von den 
Epigkieien und bem zum dritten Mable durch bie Mühle gegangenen 
Gries erhält; au das Pol, Mittelmehl, Halbmebl, Aftermehl, 
in Öftereeih Pohlmehl und die Pohl; in ber Lauſtz und ia Meipen 
Pulmebt. 

Der Polmenfh, —en, 94. —en, Wenſchen mwelhe innerhalb ber 
Polkreife Leben (Polarmenihen); ſolche Wöiker Polvdiker (Polar- 
vöLter), und ſolche Thiere Pottbiere (Polarthierr), S. Polkreis 
und Polbaͤr, Polente, Polfuchs. ⸗ 

Die Polmewe, 34. —n, bee Strandjiaͤger. ©. b, 

O Die Polnacht, By. —naͤchte, eine lange Racht, wie fie in ben 
Poltreiſen if. . 

‚ Als er nunmehr — ausrif in der Pelnacht. Baggefen. 

& Velnifh, f. Poliſch. . 

Der Polsapfel, —6, 9. —Lpfel, eine Sorte Fpfer von ſauerlichem 
angenehmen Geſchmacke. Remnid, 

O Der Polftein, —es, 9. —e, ein Rome ,, welder für einen ge 
wiffen Stein ober ein befonderes Eifeners, meift von [hwärzlider 
ober ſchwarzbrauner Farbe, welches bie Eigenſchaft hat, daß es bas 
Eifen an fi ziehet und an fih hält, und daß zwei entgegengefegte 
Punkte an demſelben, wenn bad Erz ober der Etein frei ſchwebt, 
fh immer nad ben beiben Erbpolen wenden, ber eine immer nad 
dem Morbpole und ber enrgegengefepte mac dem Suͤdpole, — paßlich 
fheint (Magnet). Gin bemwaffneter Polftein (armirter Magnet) 
ift ein folher, welcher an den Briten, wo fih die Pole beffelden bes 
finden, glatt abgefhliffen und mit bünnen eifernen Platten verfehen 
iſt, die fich in dickere eiferne Maffen, wie Füße geſtaltet, enbigen, 
und welcher dann vermittelft biefeg atten und Füße weit ſtaͤrker 
anziebet ala ohne dieſelben. 

O Polfteinartig, adj. u, adv, bie Art, Eigenſchaft bes Polfteines 
habend (magnetisch), S. Polſtein. 

O Die Polfteinkraft, By. — kraͤfte, bie Kräfte des Polfleines, for 
wol bas Eifen am ſich zu zichen (mrgnetische Kraft), als auf 
diejenige, da fi bie Pole beffelben nach ben gleichnamigen Erbpe: 

len wenden (Polarität), @inem Körper, 3. B. einer fählernen 
Nabel, die Polſteinkraft mittheilen. 

Das (auf + der) Polfter, —s, m. al; Bin. bad Polſterchen, D. 
D. —lein, ein mit Febern oder Haaren ze. ausgeftopfter vierediger 
Bat von Beinwand ober anderem leinenen. ober auch feibenen Zeuge, 
mie auch von Leber, befonders darauf zu figen und ſich barauf ober 
daran zu lehnen; zum Unterſchiedt von einem Kiffen, welches auch 
nech zu anderem Gebrauche, und in engerer Bebeutung, als ein 
Theil des Bebertes bienet, den Kopf darauf zu legen. Ein Stuhl 
porfter, Bankpolfter, MWagenpolfter, Kenfterpoifter, Fußpolſter, 
Kniepolſter ꝛc. Im Schwaben lautet es + Bolfter,. in andern D. 
D. Begenten $ Pfulfter. In weiterer Bebeutung nennt man auch 
Molfier die Btrohmatten und Strohwiſche, welche mon ald welchtre 
Körper unter und zwiſchen allerlei harte und ſchwere Dinge fledt, 
damit biefe ih nicht an einander reiben, brüden oder ſtoßen. Im 
no weiterer Bebeutung ſcheint es im Mählenbau Unterlage über 
baupt za bezeichnen. Daß kein Maffermäller bad Befluber bauen 
ober neue Polfter legen laffen ſol.“ bei Ad. 

Die Polfleraloe, 34. —n, eine Art der Alee mit breifeltigen, jweir 
lippigen Blumen, beren Unterlippe -zurädgeroft ift und gleihfam 
ein Polfter vorftellt (Aloe refusa L. ). 

Der Polfterapfel, —s, 29. —Äpfel, eine Eorte Äpfel (Cowssi- 
wette). Remnid, 


Poli 


Die Polſterbank, 9. —bänfe, eine mit einem Porfter verfehene, 
oder eine gepolfterte Bank, 

O Das Polfterbette, —s, M —n, ein Ruhebette mit Rüden 
unb Armpotftern (Sofa). 

Polſtern, v. trs. mit einem Polfter verfehen, ſowol mit einem für 
fh beſtehenden Polſter, welches abgenommen werben kann, als auf 
und war gewöhntih, mit einem Polſter, weiches für immer an ber 
Gabe, die mın damit verficht, befeftiget wird, indem man ein 
Stüd Zeug, welches mit feinen Rändern vermittelft Nägel an bie 
damit zu verfebende Sache befeftiget und mit Federn, Haaren 
ober ähntihen weicher Dingen ausftopfet. Einen Stuhl, eine 
Bank, einen Wagen polftern. Gin gepolfterter Stuhl ıc. Unels 
gentlih gebraudt man polftern auch, vom Belleiden, Ausfähen 
mit einem weihen Körper; auspolfteen. Mit Fett gepolfterte ober 
ausgepoifterte Gelenke ze. Auch fagt man mel im gemeinen Leben 
won, einer dicken fetten Perfon, fie fei wol gepolftert, D. Pol 

ſtern. D. —ung. 

Der Poljtern, —es, 94. —e, in ber Sternwiſſenſchaft, berienige 
Stern, melder In einem ber Punkte ſteht, im meiden bie verläns 
gerte Erdachſe fallen würde, odet welcher dieſem Punkte, bem Him⸗ 
melspole, am naͤchſten ſtehet. Auf unferer nörblihen Halbkugel führt 
birfen Namen ber legte Stern in dem Schwanze bes Heinen Baren, 
welcher dem Nordpole am naͤchſten ſtehet (Polarftern); aud Morde 
fern , ebemahis Meerftern, weil fih ble Seefahrer auf dem Meere 
nad bemfelben richten. Daher mennt man den Polftern auch Keitı 
Stern und verſteht darunter auch einen Leitftern überhaupt, „In 
biefer (fittlihen Entwidelung) gebt ihr bem Kinbe einen Himmel 
mit einem SPolfterne mit, ber es immer leitet, vor welde neue 
Länder es auch fpäter fomme* 3. 9. Richter. 

* Der Volfterritter, —6, 99. al. der auf bem Polfter reitet, ein 
Säimpfname, mahrfheintid, eines Ritters, der mehr ein beguemes 
meidliches Leben führt, als auf das Streittoß koͤmmt. Obarlin, 

Der Polſterſeſſel, —s, 39. gt. ein gepolfterter Geffet. 

O Der VPolfierfib,, —es, 9. —e, ein gepolfterter, mit einem Pols 
fer ober mit Polftern verſehener Sig; wie auch ein Sig, ber in 
einem Volfter ober in Polfteen ohne Geſtell deſtehet. 

Auf ihrem Poifterfis mit Reis zurücgelehnt. Wieland. 

Der Polfterftuhl, —es, My. — ſtuͤhle, ein gepolfterter Stuhl. 

O Der Polflertbron, — es, 2. —e, ein mit Polfterm beiegter, 
ober ein mit einem Polflerfige verſehener Throu. 

Wo ber Kalif, vom Ball noch ſchwach und matt, 
Auf einen Polſterthron ſich hingeworfen hat. Wielanmb. 

“X Pölten, —s, ein Mannstaufname; Hyppolitus. 

Der Polterabend, —s, My. —e, ber Abend vor einer Hochzeit, 
welcher in manden Gegenden fefttic, begangen wirb, und an wel: 
chem bie Vekannten ber Brautleute manderlei zur Luft veranftalten, 
was oft mit Lärm und Gepolter verbunden ift; der Brautabend, 
in manden Gegenden ber Hühnerabend, das Hühnerfangen. ©. b. 

Der Polterer, —#, 99. gl. einer der poltert; befonders uneigentlich, 
ein Menſch ber leicht in Zorn geräth und dann lärmt, zanket und 
überhaupt ungeftäm ift; wie auch, der Alles polternb thut. „Der 
alte Volterer fand wenigſtens einige übereinftimmenbe Ausbräde in 
feiner Manier. Goͤthe. 

Der Voltergeift, — es, By. —er. 3) Bei dem gemeinen abergldu— 
bigen Haufen, ein bösartiger Geiſt, ber ſich nicht fehen laͤßt, fon: 
dern fein Dafein nur burch Poltern und Lärmen ankuͤndiget; N. D. 
Rumpeigeifl. Dann auch, eine Perſon, welche, mas fie thut, mit 
vielem Türmen und Poltern thut. 2) Der Weit, d. h. bie herz 
ſchende Reigung zu poltern, zu Iärmen; ohne Mehrzahl. Ginem 
bin Poltergeift vertreiben. Stieler hat bafür Polterfinn. 

Der Polterhammer, —d, My. —bämmer, auf ben Kupferhaͤmmern 
und bei ben Kupferfhmieben, ein Hölzerner Hammer, dem Keſſeln 
bie rechte runde Weite zu geben und bir Budeln barin glei zu 


2 


Dom 


fhlagen; der Polterſchlaͤgel, bie Polterfchlage, + Polberfählage. 

Die Polterfammer, Sy. —n, eine Kammer, in weile man altes 
abgerüptes Hausgeräth bei Seite ſtellt und verwahrt, von bem Ber 
polter, mweldhes das Hanbhaben und Bewegen beffelben verurfaht; 
bie Numpelfammer, Plunderfammer, Dreßkammer; ein Polters 
faften, Rutupelkaſten ıc. wenn dazu ein Kaften dient, 

Der Polterlaften, —s, 39. al. f. Polterfammer. 

Die Poltermeffe, 84. —n, in mandgen Begenden, bei den Römie 
ſchen Kriften, diejenige Meffe, werde am gränen Donnzrflage und 
Karfreitage ‚gelefen wird, S. Pumpermette. 

Poltern, v. I; mtr. 1) Mit haben, ein ftarkes dumpfes @etöfe bir 
sen laffen, verurfahen, welches bas Wort felbft nachahmet, und 
welches befonbers vernommen wirb, wenn ein ſchwerer feſter Kör⸗ 
per anf einen andern hohlen ober hohl Liegenden feiten Körper fält, 
ober wenn hoble feite Körper erfhüttert und an einander geftogen 
werden. Mas poltert bean fo? Ich höre es poltern. „Bor bem 
Polterm ihrer Röder.“ Ser. 47, 3. »— richteten ein Poltern 
an vor feiner Kammer, bavon er [ollte aufwadhen.“ Jubith 14, 8. 
2) Mit fein, mit Hervorbringung eines folhen Betöfes fallen, 
Von ber Zreppe poltern. So auch herumpoltern, herunterpolterm, 
I) intes, ı) Bit haben. (x) Ein Poltern erregen, verurfahen, 
An bie Thür poltern, ungeſtüm an biefelbe ſchlagen oder flogen, 
(2) X Ungeftim und baflig hinter einander reden, befonders fofern 
bies im Eifer, im Borne und mit hohlen Baden geſchiehet. Immer 
poltern und lärmen, Im Haufe mit jebremann poltern, Mit ete 
was herastspoltern, es unüberlegt und ungefläm berausfagen. ®) 
Mit fein, mit vielem Getoͤſe fi bewegen. In bie Etube poltern, 
polterndb in die Stube treten. 111) tes, 2) X Polternd fagen. 
Ich verſtehe wicht, was er da poltert. 2) Auf ben Kupfechämmern 
und bei den Kupferfhmieben, bie aufgetieften Keſſet und andere 
Geſchirre mit dem Poiterhammer gleich ſchlagen, und ihnen bie ges 
börige Geftalt geben. — Im R. D. lautet dies Wort pultern, 
und baldern, ballern, bullerm bezeichnen daſelbſt ein geringes Ge— 
töfe diefer Art. D. Poltern. D. —ung. : 

+DieVolternonne, By, —n, eine Benennung ber ehemaligen Beginen. 

+ Die Polternuß, 2. —nüfe, ein Name ber großen Waͤlſchen 
MRüffe ober Pferdenuͤſſe, weil fie mehr poitern ober Happeın als 
andere Rüffr. 

Die Volterfhlage, 84. —n, ober ber Polterfchlägel, —s, 34. 
al. ſ. Polterbammer. 

Der Polterfinn, —es, 0. 9. f. Poltergeift 2). 

O Des Polthier, —es, Du. —e, ſ. Pelmenſch. 

Die Voluhr, 9a. en, in der Sonnenuhrkunſt, eine Sonnenuhr, 
melde anf einer Fläche befchrieben wirb, bie ſowol durch bie Welts 
pole, als aud buch Tſten und Weſten gebet (Polaruhr). 

A Polumwallend, adj. u. adv, ben Pol ummallend, ſowel den 
Pol wie ein Wall, wie auch, ben Pol in Ballungen, wallend ums 
gebend. Drei glanzwechſelnde Farben des polumwallenden Rorb: 

lichta. Baggeſen. 

O Dad Polvolk, — s, My. —voͤlker, ſ. Polmeunſch. 

Der Poly oder Polzen, f. Bolzen. 

Der Volzirkel, —s, 99. gi. ſ. Polkreie. ’ 

Die Pomeranze, Bi. —n, bie golbgelbe meiſt runde Frucht bes 
Domeranzenbaumes, welcher eine Gattung bes Bitronbaumes iff, 
ber fi duch geflägeite Wlattfliele und ſcharf zugefpigte Wiätter uns 
terſcheidet, und biefer Baum felbft (Citrus aurantium L.), Die 
Fruͤchte, welche haufig [honunreif abgepflüdt werben, haben einen bit: 
tern würjhaften®efhmad und werben unter andern zu Siſchof gebraucht. 
Reif benügt man fie wie Ziteonen, und es giebt deren mit faurem 
und füsem Safte, Davon, ber Pomeranzenfern, das Pomeranzen: 
blatt, die Pomeranzenbluͤte sc, ber Krrn der Pomeranze, bag Blatt, 
bie Btüte ıc. des Pomeranzenbaumes. 

Die Pomeranzenaprifofe, By. —n, eine Sorte Aprikofen. 


Plome 

Der Pomeranzenbaum, —es, My. — bdume, f. Pomerange. 

Die Pomeranzenbirn, By.—eın, berRame einigerBirnforten. Remnid. 

Pomeranzenfarben oder Pomeranzenfarbig, adj. u, adv. ſ. Po: 
meranzengeib. 

Der Pomeranzengeift, —es, 0. 3. ber geiftige Auczug aus Por 
Meranzen (Pomeranzenextract), 

Pomeranzengelb, adj. u.adr. gelb wie die reifen Pomeranyen, gelb 
mit. roth gemifht (orange); auf pomeranzenfarben, pomtrans 
jenfarbig. E “ 

Der Pomerangenkürbiß, —fes, 9. —ſſe, eine Art einer Kür ⸗ 
biffe, melde an Geftsitden Pomeranzen gleihen, 

Die Pomeranzenlaus, 34. —iÄufe, eine Art Schitbläufe, bie ben 
Pomeranzen: und Sitronenbäumen fehr [häblih if (Coccus hespe- 
zidum); auch Bitronenlaus. 

Die Pomeranzenlilie, @y. —n, bie Feuerülie, wegen ihrer gelb: 
zothen Farbe (Lilimn bulbiferum L.). 

Die Pomeranyenmotte, I. —n, eine Art Nachtfalter (Phalaenn 
irrorella). Remnid, 

Die Pomeranzenmünze, 0, 99. die Baljammänze oder rothe Gar: 
tenmänze (blentha gentilis L.). 

Das Pomeranzendl, —ed, 3. u, das aus Pomeranzenfhalen ge: 

‚ jogene DI. 

Der Pomeranzenfaft, —es, 9. 2%. der angenehme bittere Saft 
ber gemelnen Pomeränze, 

Die Pomeranzenfchale, 4. —n. 1) Die bittere Schale der Pos 
meranje, in Zucker eingemadt, als ein magenflärkendes Mittel 
2) In der Naturbefhreibang, eine Art gelber Krontuten in Xflen 
(Conus aurantiscens L,); aud gefrönte Ranbkartentute. 

Der Pomeranzenfchnäbler, —s M. gl. eine Art Droffeln mit 
pomeransengelben Schnabel, an beffen Ende fih ein ſchwarzer Fleck 
befindet (Turdus fuscus KL); graue Amfel. 

Der Pomerangenfhwamm, —es, 4. — ſchwaͤmme, eine Art 
Biätterfhoamm, beffen Hut auf ber Oberflähe pomeranzengeld ift 

« (Agaricus aurantiacus), 

Der Domeranzenvogel, —s, 34. —vögel, eine Art Wagfalter 
(Papilio hyale), Remnid. 

Der Pomeranzvogel, —s, 34. —vögel, ber Mornell. ©. b. 

Der Dommer, —$, A. gi. 1) Ein Einwohner Pommerns, einer 
der aud Pommern gebärtig it; die Pommerinh, eine ſolche weibs 
tie Perfon. 2) Cine Art Hunde, die unter dem Namen Spite 
belanntre find. Aud nennt man wol ein Pommerſches Pferb einen 

Pommer. 3) +In Schwaben, bie Schalmei der Schäfer. 4) + 
In Shwaben und im Öfterreihfhen, eine Heine dicke und dabei 
feifhe Beibsperfon. 3. 6. Schmib. 

+ Der Pomodel, —6, 94. gl. in Preußen, ein Name bes Dors 
{des (Gadus callarias L.). Auch ein Scheltwort. 

Der Pomp, —s, 3. u. ein feierlihes Gepränge, Pracht in feier: 
tigen Aufjügen, befonders burd ein zahlreiches und präcdtiges: Ber 
folge, Vergl. Pracht, Gepränge, Prunk. Der Sieger 309 mit 
arofem Pompe in bie Hauptflabt ein, Gin Leihenbegängniß mit 
großem Pompe. 

Und er (dev Morgen) Fährt im Oſten herauf im Pompe des @ieges, 
Welchen er über bie Schatten erſtreckt. Baharid, 

Das Pomphen, —s, Py. gl. eine Art efbarer Pilze. Nemnid, 

1. Die Pompe, f. Pumpe. 

2. + Die Pompe, M. —n, ein Rame ber Efelsgurke. 

+ Die Pompelblume, 4. —n. x) Der Biwenjagn (Leontodon 
taraxzacum L.). Remnid, =) Bei Planer, bie Rofenpappel 
(Alcca rosen L.), 

Die Dompelmufe, 94. —n, eine Art Apfelfinen in Oftindien, wel; 
he fo groß wie ein Menfhenkopf werben, mit flediger Schale, roͤth⸗ 
lichem Fleiſche und weinfaurem erfeifgendem Gafte (Citrus auran- 
tium decumana L,). 


Gampe'd Mörterb, 5, Th. 


673 


Pope 


Pompen, *. intrs. v. tr⸗. 1) S. Pumpen. sy + In Sqhwaben, 

pochen, Lärm mahen. D. Pompen. 

%* Der Pomper, —e, 9. al. 1) Einer der pompet ober pumpet, 
ber Pumper. =) In Schwaben, ein Schlag. 53) Etwas bad poms 
pet, Lärm, Berdufh made, bie Trommel. I. 6. Shmib. 

Die be ber Pompernidel, f. Pumpermette, Pume 
pernidel. n 

Pomphaft, —er, —efle, adj. u. adr. mit Yompe begleitet, Gin 
pomphafter Aufzug. Gin pomphaftes Leihenbegängnif. — fie 
vernünfteln ih ein Spftem (Lehrgebäube), bas fie blendet, und in 
pomphafteren Hoͤllen erhebt ſich aach und nah ber Goͤtzendienſte ze. 
Benzel:Sternau. „Bagatellen (Kleinigkeiten), bie eine pomp⸗ 
bafte Ankündigung vor ſich ber haben.“ Mufil. Zeitung (R.). 
Davon bie Pomphaftigkeit, o. D. die Belhaffenpeit einer Sad, 
ba fie pompbaft ift. 

Die Pomphof-, f. Pumphofe. 

+ Die Pin, By. —en, bie Strafe. 

+ Vinen, v. tes. ı) Strafen. =) Strafe geben, Gtrafgelb erlegen. 
©. Verpdneh. D. Pönen. D. —ung. 

Der Pontad, —es, By. u. ein dunkelrother Franzöfifher Wein von 
etmas anziehenbem herbem Geſchmacke, welcher bei einem Stäbthen 
gleiches Namens in Bearn waͤchſt. Der meifte Wein, ber unter bie: 
fem Ramen verkauft wirb, Hat mit dem echten Pontad nichta als 
die Barbe und einen herben Geſchmack gemein, 

Die Pbonie, f. Päonie. 

X Der Popanz, —t, 4. —e, ein Ding, ein Schredbild, womit 
man Kinder fürdten wladht, dann, überhaupt ein Schreckbild, ein 
wirkliches ober eingebildetes Ding, welches Furcht erregt; ber Popel, 
mworunter man im Schwaͤbiſchen aud noch deſonders ben Teufel vers 
ſteht, Popelmann, in Liefland Bubbul, in der Schweiz Pofterli, 
ehemahis auch Pogmännden. &. Mummel und Phpel 5). „Da 
ter Pöbel, der des reinen Wildes der Weisheit nicht fähig iſt, ſich 
gern mit folhen Popanzen ber Weisheit umberträgt.«e Herber. 
Bumeilen au außer Schwaben, bie verſteckte Benennung bes Teufels. 
Daß dich ber Popanz! „Mag bod der Peterzum Popanz gehn.“ Weiße. 

Der Poͤpel, —d, 3. gl. 1) X Cine zufammenpangende bide 
Maffe; ein mit Pamps verwandtes Wort. Go nennt man ſowol 
den verbidten zaͤhen Schleim in ber Rafe, als and den verbidten 
zaͤhen Eiter aus einem Geſchwüre einen Pöpel. ©. Nafenpöpet. 
In manden O. D, Gegenden heift au der Wriebö ober bas Kern: 
gebäufe des Obſtes Pöpel. Im, Rürndergfhen and, fumpfiger Bo⸗ 
ben; Hetſcher. Hier unb da wird auch wol eine dicke dunkie Wolke 
ein Poͤpel genannt und im Shwäbifhen, nach Fulda, ein Zaauel Garn, ' 
ein Popel. ») + Im D.D. ein Ding, 4. B. ein Schleier, eine Kappe, 
womit man fih bas Gefiht verhügt. Daher 3) im Henmebergihen 
und Fraͤnkſchen äberhaupt, eine Perfon, bie fi dicht eingehänt 
ober eingemummt hat; und uneigentlih, ba. man fih vermummt, 
wenn man Kinder erfhreden win, ein @efpenfl. In biefer Bedeu— 
tung lautet 25 auch Popel und aus biefem Worte ift unftreitig das 
Wort Popanz entſtanden. ©. Popanz und Mummel. 

X Der Popelmann, —s, 94. —männer, f. Popany. 

+ Die Popelmüge, 9. —n, im D. D. eine Mäge ober Kappe mit 
Klappen ober auf andere Art, fo baf man einen großen Theil bes 
Seſichtes damit verbergen kann. ©. Pöpel »). 

+ Pöpeln, v. intrs. u, trs. im D. D. 1) + Dit einem Pöpel, d.h. _ 
einer Huͤlle verfehen, verhällen, vermummen; befonbers in ben zu: 
fammengefegten einpdpeln, verpöpeln. =) X Im ber Rafe mit bem 
Finger fiören; baher im Henneberafhen, weil Kinder dies vorzüglich 
thun, im weiterer Bebeutung, Kinberei treiben, tänbeln; dann bes 
—— mit ber Arbeit tändeln, tränbein, troͤdeln. D. Pöpels. 

. —ung. 

+ Die Popenblume, By. —n, ber Eömenzafa (Leontodan tars- 
zacumL) Remnid. 

85 


Popo 


FL Der Popo, ⸗. umend. x. Di. gl. der Hintert (Poder). Sich 
auf den Popo fegen. 

+ Die Poppel, f. Pappel. 

+ Das Poppelhen ,—, Dr. gt. bie Secblume. 

+ Poppeln, f. Puppern. ' 

Der Vor, ober Porn, —ıs, 9. u. ber Spaniſche ober zahme Tau 
(Porrde, Allium porrum L.); in Schwaben Pfarren, ander; 
märts Bleſenlauch, Preißlauch, Waslauch. 

+ Der Porgel, —, 8. u. bei Einigen ber Portulak. 

+ Die Porkirde, 9. —n, f. Emporkirche und Empore. 

+ Die Vorlaube, 84. —n, tine in ber Höhe befindliche Laube, rim 
ſolchet Bang at. So heißt im Hennebergfchen ein Hinten am Haufe 
in ber Höhe angebrachter, auf ber Aufern Ceite offener, gewöhns 
Hd von Saͤulen getragener Bang, bie Waͤſche barauf zu trodnen ıc, 
eine Eimporlaube. Dann auch, bee Abteitt, weil er fi gemöhns 
th am Ende eines folden Ganges befindet, 

Der Dorphir, — s, 9. von mehreren Arten —e, ein zotber, mit 
Exarz, zumellen mit Schoͤrlkoͤrnern und Hornblenbe dermiſchter 
Jaspiß von großer Feinheit und Härte. 

Die Dorpbirbattel, 4. —n, f. Porpbirfänede. 

"Die Porpbirfchnede, By: —n, eine Art Waljenfhneden In Brafts 
tim (Voluta porphyren); auch Porphirwalze, Porphirbattel, 
Lagerwalze, Tuͤrkiſches Lager, bunte Achatbattel. 

Die Porphirwalze, y. —n. 1) Eine Walge von Porphir. ») 
©. Porphieſchnecke. 

Porren, f. Purren. 

Der Porſch, —es, .n. 1) + Etwas Spitziges, in bie Höhe Ste 
bendes, ſich Sträubenbes, 3. B. Borften ıc. ») Ein Rame verſchie⸗ 
Bener Pflanzen. (1) Einer ſtrauchartigen Pflanze, beren Blätter 
ben BRosmarinblättern gleihen, aber etwas bilder, am Ranbe rüd: 


wärts umgefdlagen und auf der unteren Fläͤche rauh und braungelb: 


Hd find, deren Biumen im Junius umb Fulius im großen weißen 
Gträufern herverkommen (Ledum palustre L.). Diefe Pflanze 
Bat einen farfen betäubenben Geruch, wird zumeilen anflatt bes 
Depfens zum Biere genommen, welches alsdann beraufht und Kopf: 
fhmerzen verurfadht. Sie heißt auch im N. D. Poſt, Schweine⸗ 
poft; in andern Segenden, Poſtkraut, Wannenpoft, Kienpof, 
+ Rühnpoft, + Kuͤhnroſt, Sumpfpoft, Poß, Porfi, Suutanne, 
Granze ober Saugrange, wilder Rosmarin, Gihttanne, weiße 

de, Beitheide, Heidebirnkraut, Schabenkraut, Mottenkraut, 

njenfraut, kaͤuſekraut, well es dieſe unzlefer vertreiben ſou, 
Wutterkraut it. (2) Der Mirtenheide; Porſt (Myrica gale L.). 
©. Mirtenheide. (3) Der Baͤrenklau, Baͤrwurz (Heracleum 
sphondylium L,);5 auch Porſt, in Preugen Battſch. (4) Bei 
Einigen des Rellerhaffes (Daphne mezereum L.), 

+ Die Porfcheune, m. —n, ſ. Emporſcheune. 

+ Der Dörfhel, —6, WM. gl. bas oberfte, dußerſte Ende eines 
Dingee; befonders, in Schleſien, ber Wipfel eines Baumes, Berndt. 

+ Pörfcheln oder Pörfeln, v. rec. ſich borften, ſich In die Höhe 
firäuben. Die Haare pörfeln fi, wenn fie verwirrt in bie Höhe 
Reben. Ku, fih auseinander breiten, ſich ſperren, und uneigenttich, 
"fid) ſträuben, widerfegen. Er will fih noch pörfcheln oder pörfeln, 
weofär man im gemeinen Leben mancher Gegenden auch ſich pörfelig 
machen fast. D. Poͤrſcheln. D. —ung. 

+ Der Vörfchfohl, —es, 0. 3. ein Rame bes Wirfinges. 

+ Vorfhüffig, adj.u. adv. empor ober in die Höhe fhießend oder 
aefhoffen. Im Bergbau liegt ein Erz porfhäffig, wenn es auf 
der Oberfläche der Erbe angefhoffen iſt, aber wenn ed am Zage liegt, 

+ Pörfela, f. Pörfcheln. 

+ Der Dorft, —es, 4. u. 1) &. Porſch =). (1) (2) (5). 2) Die 
Rosmarinbeibe (Andromeda polifolia L.). 

%* Der Port, —es, 99. —e, ber Hafen, eigentlih und unrigents: 
lich; ein bei ben Dichtern nicht feiten vorfommendes ort, 


674 


Das Porzellan, —ıd, 4. von mehreren Arten —t. 


Porzel 


Soe nah dem Port, fo nah und bob fe weit. Wirlanb,. 
Al⸗e fie nunmehr in des Ports tiefgrändige Mäume gelommen, Doß. 

+ Die Porte, (das o Lang) 3y. —n, bie Pforte, die Thür. Auf 
ben Schiffen, bie Schießloͤchtt. S. Pforte, Bei ben Fifhern, ber 
Eingang einer gewiffen Ast Fiſchgara. S. Fünfporte. 

Der Porthaten, —6, MM. —n, in den Gatjfiederelen, ein Gtüd 
Eden, meldes unten nit wie ein Haken gefhmichet ift, ſondern 
nur ein Diuereifen bat und zus Befeftigung der Saljpfannen bient. 

Der Portugalefer, —s, 4, gl. eine Goldmünze in Portugal von 
gutem Soße, bie 650 Äßchen wiegt und ehemahls 20 Meihsthaler 
galt, jegt aber felten Ik und 27 Thaler und darüber gilt. 

Der Portulaf, —es, &y. u. 1) Ein Gartengewäds, weiches als 
Balat genoffen wirb (Portulsen, befonders Portulaca oleracen L.); 
auch Burzeltraut, Bürzelkraut, Bürgelfraut, Porzel, im O. D. 
Grenfel. S. Burzelkraut. 2) Der Kuraffaifche Portulak, eine 
Pflanze in beiden Indien, melde meiftens am Meerfrande wäaͤchſt, 
und häufig als Gemuͤſe und zu Salat gegeffen wird (Sesurium por- 
tulacastrum). R 

Portulafartig, mdj, u. ade, die Art des Portufafes haben, dem 
Vortutate ähalih. Die portulatartige Melde. S. Meermelde und 
Dortulatmelbe. 

Der Portulakbaum, — s, 94. —bäume, eine Art des Didblate 
tes, ein Staubengewähs (Crassula portulacaria), 

Die Portulafmelbe, 2. u. bie portulafartige Melde oder Mer 
melde (Atriplex portulacoides L.). 

Die Portzange, By. —n, in den Ealzfiebereien, ein Stät Cichen⸗ 
Holz, weldes an bem einen Ende wie eine Babel geflaitet unb mit 
einem eifernen Ringe belegt ift, und mit welchem ber Pfannenfhmieb 
bie Dfannenpörte wieber gleich bieget. 

Der Porwiſch, —es, 34. —e, ein Wild von Berften, in ber Höhe 
etwas bamit abjufegen; + ber Borwiſch. S. d. Außer bem dort 
angegebenen Namen führt biefes Werkzeug noch die Namen Berſchel 
in Riederfchlefien, Dielekehrwiſch in Augsburg, Spinnenbeſen in 
Bürzhurg, Spinnenkehrer im Greichgau. 

ı) Eine im 
euer halb werglafete Draffe, bie aus höchſt reinem fhwerftüffigem 
weißen Thone, Kiefel aber Quarz unb etwas Gips, welcher jene 
beibe am fih unfgmeljsare Minen in Fluß bringt, beftehet, bie 
milchwriß, Halb durhfihtig, fein, bit, alasartig im Bruche, 
and fo hart ift, daß fie am Stable Funken giebt; bei Andern Por: 
ellaͤn. Taſſen, Gefüge, Geſchirtr von Porzellan. Ghineßfhes, 
Sapanifhes Porzellan. Das Meißner Porzellin war bas erfte im 
Europa. =») Allertei aus biefer Maffe ebe fle no gebrennt wird 
terfertigte Dinge, befonbers Befhire, Gefäße aller Art, Ghönes, 
vieles Porzellan haben. Das Porzellan mahlen. Unechtes Por: 
ztllan, Halbporzellan, nennt man ſewol das Faenzergut (Fayance) 
als aud das Steingut. \ ; 

Porzellanblau, adj. u, ade, bei ben Färbern, ſehr bleichblau. 

O Die Porzelanbrennerei, 2. —en, eine Brennerei, d. h. eine 
Anftalt, wo Porzellan Herfertiget umb gebrennt wirb (Porgellanfa- 
brique). M. Kramer hat bafür im feinem Holländ, Wörterbuche 
die unpaßlichen Wöster Dorzellanhaus und Porzellanmadherei, 

Die Porzeltanbühfe, Sy. —n, die Porzellandofe, 84. —n, 
f. Dorzellanen. . 

DPorzellanen, adj. x. adr, von Porzellan, aus Porzellanmaſſe ger 
macht; bei Andern porzellänen, im gemeinen Leben porzellanern 
ober porzelfänern. Porzellanene Zeller ꝛc. Ein porzelanener 
Sto@tnopf, Anftatt ſich des Beilegungsmwortes porzellanen zu be 
bienen, um biefe Maffe, aus welcher etwas gemacht iſt, zu bezeich⸗ 
nen, gebraucht man häufiger Zuſammenſetzungen mit Porzellan, 3 
B. Porzellanbuͤchſe, Porzellandoſe, Porzellanfnopf, Porzellan: 
napf, Porjzellanfchuͤſſel, Porzellanteller ꝛc. eine Bächfe, Dofe x. 
von Porzellan, 


Porzel 


Die Porzellanerde, Sy. von mehrern Arten, —n, eine Erbe, aus 
weicher Porzellan verfertiget wird, ein fehr feiner weißer Shon; 
Porzellanibon. ©. Porzellan. 

Die Forzellanfarbe, 34. —n, eine Farbe, mit welcher auf Pars 
zellan gemahlet wird. Dergleihen Barden find @lasfläfe, die buch 
metalliiche Katke auf verfhiebene Art gefärbt find. 

Das Porzellangefäß, —es, I. —e, rin Gefäß von Porzellan. 

Das Porzellanglad, —es, y. u. ein weißes Gämelgglas, in wel⸗ 
Gem Zinn und Blei bie Haupttheile find, 

O Die Porzellanglätte, &g. —n. ı) Die Blätte, glatte Befhaf- 
fenheit des Porjelanes; ohne Mehrzafl @) Diejenige Flüffigkeit, 
in welde das Porzellan, ehe es völlig ausgebrennt it, getaucht 
wirb, und melde ihm den glasartigen glatten und glängenben Über: 
zug giebt ( Porzelanglasır), Dan nimmt bazu Quarz, Porzellan: 
fhecben und verkalkte Gipekriſtalen, bie ganz fein gerieben und in 
reinem Maffer verbreitet werben. 

Der Porzellanhandel, —6, 9. 84. der Handel mit Porzellan; ber 
Dorzellantram, wenn er von wenig Bebeutung iſt. Dason ber 
Vorielanhändter, Porzellanträmer, die Porzellanhandlung ıc. 

Der Torzelanjaspiß, —ſſes, By. —ffe, eine Art Jaspiß won perl: 
grauer und bläuliher Farbe (Porcellanites); auch Porzellanftein. 

Die Porzellankapfel, 9. —n, in den Porelandrennereien, bie 
Kapfeln ober Muffein aus Porzrilanmaffe, worin bas Porzellan in 
ben Brennofen gebracht und gebrennt wird. . 

Der Porzellanknopf, —es, ty. —Enöpfe, f. Porzellanen. 

Die Dorzellantrabbe, By. —n, tine Art Heiner Krabben, bie fait 
in allen @uropäifhen Meeren lebt und ſich von tobten Fiſchen und 
‚anbern am Ufer zurädfgebliebenen Unreinigleiten nährt (Cancer de- 
puretor); aud Fliegenkrebs und Breitfuß, well bie beiden bins 
terften Beine breit oder platt find. 

Der Porzellanmader, —6, Wh. gl. einer ber Porzellan macht, «6 

Nalſe auch zu machen verſtehet (Porzellanfabrikant),. Diejenigen, 
welche bie eingelnen Geſchaͤfte des Porzelanmadens treiben, es for: 


men, dreben, brennen ic. find bie Porzelanformer, Porzelandres 


ber, Porgellanbrenner ıc. 

Der Porgellanmabler, —s, MM. gl. ein Mahler, welder bie Kunft 
verſteht, auf Porzellan zur mahlen. S. Porzellanmahlerei. 

Die Porzelfanmahlerei, By. —en. 1) Die Kunft auf Porzellan zu 
mablen, weiche befonders eine Kenntniß davon erfobert, wie ſich 
bie Farben im euer beim Ginbrennen verändern und verwandeln. 
2) Eine Mabyerei, ein Gemaͤhlde auf Porzellan, 

Die Porzelanmahlereiprobe, My. —n, eine Probe ober Proben, 
welche man mit Porgellanfarben auf einem weißen Porzelanfherben 
madt, um zu fehen, was fie nad bem Cinbrennen verlieren, um 
fie ſtaͤrker oder ſchwachtr au maden. 

Die Porzellanmaffe, Di. u. die Maffe, 
befteget. S. Porzellan. 

Die Porzellanmuſchel, 4. —a, f. Porzellanſchnecke. 

Der Porzellannapf, —es, Mr. —nöpfe, f. Potzellanen. 

Die Porzellannapfmufchel, By. —n, eine Art Rapfmufhein (Pa- 
tella porcellaun); aud, die Nuffchale. 

Die Porzellannieberlage, Pr. —n, eine Riebwelage von Porzel: 
lanmaaren. 

Der Porzellanofen, —6, 9. —Öfen. ı) Der Brezasfen, in wel; 
em bas Porjellan gebrennt wird. =) Kann es auch einen Dfen 
von Porjelan, von Kadeln aus Porgedan bedeuten, 

Die Porzellanrofe, Rz. —n, eine von Porzellan geformte Roſe; 
auh wol eine Art Mofen, welde tiefen Ramen führt. — und 
mir it als bring’ ich dem Lefer ſtatt des Iebenbigen fliegenden Ro— 
fenbuftes nur bie flarze, ſchwert, dicke Porzelanrofe.* I.P.Rihter. 

- Die Porzellanfchele, 94. —n, eine Art Schecen, melde auf eis 
nem ganz weißen Grunde blaͤuliche ober roͤthliche Bfeden haben. 

Die Porzellanfchnede, 9. —n, ein Geſchlecht von Echnecken mit 


pr welder das Porzellan 


675 


Dofaun 


einfaher, in einander gewunbener, meiſt eifsrmigee Aumpfer und 
glatter Schale, deren im ber Mitte befindliche Öffnung auf beiben 
Seiten ausgefänitten, ſchmal unb lang ift (Cypraea); auch Por ' 
jellang, Porzellanmuſchel, Wenutfchnede, Muttermuſchel, Giatt ⸗ 
born, Glattmuſchel. Die verſteinten Porzellanſchnacken (Porcel- 
lanitae) find ſehr felten. 

Die Porzelanfhüffel, 94. —n, ber Porzellanteller, —s, 9. 
st. ſ. Porzellanen. 

Der Porzellanftein, —s, Mm. —, f. Porzellanjaspif. 

Der Porzellantbon, —ıs, 94. —e, f. Porzellanerde. 

Die Porzellanvergoldung, By. —en. 1) Die Vergolbung bes Pors 
selanes, bie Kunfi, Porzelan zu vergolken; ohne Mehrzahl. =) 
Die Vergoldung am Porzellane, bie vergeldeten Stellen an einer 
Porpellanwaare. 

Die Porzellanwaare, 24. —n, allerlei Dinge von Porgelan, ber 
fonters Geſchtrre, Gefäße, ale Mae betrathtet. 

Porzellanweiß, adj. u. adr. weiß wie Porjelan, milchweiß glän 
zend; in ber Raturbefhreibung (murrhinus), Illiger. 

Die Vofaune, Ay —n. ı) Ein metalenes Zongeräth, weldes wie 
die Trompete geblafen wird, wie dieſe aus einer gewundenen Röhre 
mit weiter Mündung beftebet, und fo eingerichtet ift, daß die Theile 
ber Röhre in einander firden, hins-wab hergefhoben und baburd 
verzängert ober verkürzt werben lönnen, woburd bie Höhe und Ziefr 
der Zöne hervorgebracht wird. N. D. Bofune. Die Bafpsfatne ır. 
Diefe Einrihtung hat jebo* das Zongeräth der Alten, welches ge 
wöhntih Pofaune genannt wird, nicht gehabt, und man bat fi 
barunser vielmehr eine einfache metallene Lange gerabe ober auch ge: . 
bogene Rohre, die fih nah unten erweitert und eine weite Öffnung 
bat, oben aber mit einem Mundftüde umefehen iſt, gebadt. Pie 


Poſaune blafen ‚auch wol, auf ber Pofaune blaſen. „Mit Pofaur 


nen fpielen«, weldes ı Ehron. 14, 3. vordimmt, für, auf Pa: 
faunen bfufen, if ein gang angewoͤhnlicher Ausbrud, In die Por 
faune blofen, Heißt auch mol uneigenttih, großen Lärm maden, 
um Aufmerkſamkeit, Aufſehen zu erregen. #) Bei ben Drgelbauern, 
ein Drgelregifter, welches aus einem ı6fäßigen Schnacrwerke befkes .. 
bet, und beffen kegelige oben weitere zinnerne Pfeifen Polaunentine 
nahahmen. 5) Im ber Maturdeihreibung führen gewiffe gemuns 
dene Schneden biefen Ramen; Pofaunenfhnaden. S. d. Die 
halbe Pofaune ift eine Meine zum Seſchlecht ber Schiffkuttel gebdr 
rende Schnede, deren Schale aur an ber Spike ein wenig umgebos 
gen ift (Nautilus semilituns L.); bei Martini, unechter Bis 
ſchofsſtab. 
Poſaunen, v. I) intrs, u. trs. auf ber Pofaune blaſen, auf der Por 
faune vertragen. „Mnd ber fünfte Engel pofaunte.“ Offenb. 9, 1,7 
— und bo anf ben Flügeln ber Donner | 
Stuͤrzten ſich Tobesengel daher, und pofaunten aus Wetterm, 5 
Gennenberg. ' 
Die Weiſe eines Liebes pofaunen. MUneigentlih, mit lauter ſtarker 
Stimme reben, und in weiterer wneigentliher Bebeutung, lauf ver 
kuͤnden. — Mas barf’s ber Kraͤnzung? 
Was des nichtigen Kusrufs, A 
BWelden ber Miethling pofaunt? Boß, 
In bem zufammengefehten auspofaunen hat es aud bie Bedeutunmg 
von Öffentlich bekannt maden überhaupt. II) O ntr. mit haben, 
auf ber Pofaune ertönen, in Pofammentönen erfhalen. Auf eins 
mahi pofaunte ber Auf zum Streit« Kretfhmar (MR). — 
D. Pofaunen. s 
Der Vofaunenbaß, —ſſet, 9. —biffe, ein Baß, welder bie 
Zöne ber Pofaunen nachahmet; wie aud, ein Zug in ben Orgeln, 
beffen Pfeifen dieſen Baß nachahmen; dus Pofaunenzegifler, ber 
nn ©. Pofaune =). 
Der Pofaumenbläfer, —6, 94. gl. einer der bie Poſaune oder auf 
der Pofaune biäfet (Posaunist); der Pofauner. 


- 


Poſaun 


Die Pofaunenforik, Sp. —en, bei ben DOrgelbaueen, die Fermen, 
worin bie zinnernen Pfeifen für das Pofaunenregifter gegoffen werben, 

Das Pofaumenhorn, —es, By. —hörmer, eine Art Stachelſchnecken, 
Seren fih bie Inbier als eines Horns, barauf zu blafen, bedienen, 
indem fie die Spige abfäfen (Murex Tritonis L,); auch Trom⸗ 
pete, Blashorn. 

Das Döfaunenregifter, —t, Sh- al. f. Pofaunenbaf. 

O Der Pofaunenruf ober Pofaunruf, —e6, 9. u. ein uf ver: 
mittelft der Pofaune; bei den Dichtern. S. Auferftehungspofaune. 

und ber Pofaunruf ſchwieg mit ben Donnern — Sonnenberg. 

Die Pofaunenfhnede, By. —n, ein Befhleht einfäheriger ges 
wunbener Schneden mit mehrern GSewinden, beren erfles fehr meit 
und bauchig if, von ihrer Khnlichkelt mit Pofaunen (BuccinumL.); 
auch Meerhorn, Meertrompete, Sertrompete, Kinkhorn. 

Das Poſaunenſtuͤck, —es, 9. —, ein Zonftüd für Pofaunen ger 
fegt, oder in weichem vorzäglic Pofaunen vorlommen, 

Der Pofaunenten, —es, 4. —töne, ber Zon einer Pofaune, 
und ein Zon der Pofaune. In Pofaunentönen fpreden. „Nie läßt 
fh das duchfegen, und weun bie Predigerſtiimme und ber Poſau⸗ 
nenton auch nod; fo hoch erhoben wird, fo verhallen fie doch im (in) 
Burzen." Mübiger. 

Der Dofaunenzug, —e6, MM. — zͤge, f. Pofaunendaf. 

Der Pofauner, —$, 3. gl. einer ber die Pofaune ober auf ber 
Pofaune biäfet; bee Pofaunenbläfer. uneigentlich, einer ber etwas 
faut verlänbet, ober in weiterer Bebeutung, Öffentlich befannt macht. 

O Der Pofaunruf, f. Pofaunenruf. 

& Das Pofaunrufen, —s, 0. Bi. das Bufen, ber Ruf ber Por 
faune, ein Auf vermittelt der Pofaune, 

Mofaunrufen ber Heerlager — — 
— umſcholl ber Palmfabt Thürme. Klopftod. 
VPoͤſchen, v. intrs. im N. D. wenig aber oft, wie buch eine Je⸗ 
derpofe trinten. D. Poͤſchen. 

x. Die Poſe, 4. —n, im R. D. der Feberkiel; Federpofe. 

Rahm zwo itdene Pfeifen mit grünen Pofen gejieret. Bof. 
2.+ Die Pofe, 4. —n, ein Bündel Flachs; Boͤſe. 

+ Döfeln, v. intrs, in Hamburg, mähfam arbeiten, ohme gehörig 
damit zu Stande zu fommen und etwas vor ſich zu bringen; auch 
nöhlen, nufßfeln, in Preugen puſcheln. D. Pöfeln. 
Poͤſelet. 

+ Dofen, v. intrs, im Hannoͤverſchen, waten, im Waſſer, Echiams 
mei. D. Pofen. : 

+ Der Pofenfchraper, —8, 2%. al. im Heoffteinifhen, die veraͤcht⸗ 
he Benennung eines ber mit Beberpofen handelt. Shüpe, 

Die Poffe, 9. —n; Bmw. bas Poͤßchen, D. D. —lein, ehemahls 
überhaupt Spaß, Scherz. Test verſteht man barunter nur eine 
fherjbafte Geberde, Rede ıc, welche zur Beluſtigung dienet und bes 
fonders Sahef ercegt aber erregen fol, ©. D. aud ber Bof, im 
RN. D. Bupe, Pupe. Poſſen maden, treiben, reißen (f. Reifen), 
fowol von poflenhaften Scherben, als auch von Reden, Handlungen, 
„Bei unfern Poffen reißenden Vorfahren.“ 3. P. Riäter. Gi: 
nem Poffen vormaden. Alberne Poffen. „Eine ungefähre Poffe.« 
zeffing. Drum tummie fih im Thal der Poffe, 

Mer ſich nicht höher ſchwingen fann. Bottfheb. 
Auch ein meiſt Burzes, luſtige Auftritte aus dem gemeinen Beben laͤ— 
qerlich darſtellendes Schaufpiel wirb eine Poffe (Farce) genannt; 
auch ein Poffenfpiel. 

Der Doffekel, —s, My. gl. bei ben Huffhimieden, Gtellmadern ıc. 
ein großer ſchwerer Hammer, Bei den Hufſchmieden ift er ber 
größte Schmichehammer, 

x Poͤſſeln, v. imtrs.. in ber Schweiz, Heine Poffen maden, kleine 
muthwillige Streiche fpielen. Stalder. D. Poffeln. 

Der Poflen, —®, Mr. gl. der einem Anbern auf eine Luftige Meife 
zugefügte Schade, ober Verhinderung an etwas, Wereitelung einer 


Davon ber 


0 


Pott 


Abit 1. Dft verliert fih der Wegriff des Eufligen und es tritt 
an bie Stelle beffelben der Nebenbegriff, das es um ben Anbern zu 
ärgern, ober aus einem unlautern Beweggrunde gefhche; ein Scha⸗ 
bernack. Einem einen Poffen ſpieten. Einem etwas zem Poſſen 


thun, etwas wiber feinen Wunfh und Willen thun, ihm zu trogen _ 


und ihn zu ärgern. . 

Die Poffeneule, 34. —n, bie Stodeufe (Strix scops L.). 

Doffenhaft, —er, —efte, adj, u. adv. 1) Einer Pofle oder Poffen 
ähnlich, zur Beluftigung bienend und zum Laden reisend; poffirlich, 
welches einen Theil bes gehäffigen Nebenbegriffes verliert, welchen 
man mit poffenhaft oft verbindet; wofür man, ba es eim fehlers 
haft betontes Wort ift, nad) Es. Vorfhlage, O poflich fagen könnte, 
Doffenhafte Bewegungen, Stellungen, Reben, Handlungen. Ein 
poffenhaftes Schaufpiel, Das war poffenhaft. =) Geneigt und 
Kertigleit befigend Poffen zu machen. Gin poffenhafter Menſch. 


Davon die Poffenhaftigkeit, o. Pi. die Eigenfhaft oder Befhafs 


fenheit einer Perfon und Sache, da fie poſſenhaft ift. 

Der Poffenmader, —s, 94. al; bie —inn, By. —en, eine Per 
fon, melde Poffen macht, befonbers, welche Fertigkeit barin befigt, 
und ein Gefhäft baraus macht, bei gewiſſen Gelegenheiten Pollen 
au machen; ber Poffenreifer, Lufligmader, N. D. Putenmaker. 

Der Poffenreißer, —s6, 4. gl; die —inn, y. —n, eine Per⸗ 
fon, welche Poffen reißt, db. h. madt; der Poſſenmacher, befonbers, 
die luſtige Perfon bei oͤffentlichen Aufjägen, in Poflenfpielen ıc. 
Der Rebenbegeiff bes Verähtlihen wird dadurch flärker als durch 
Doffenmaher ausgedrudt. In der Raturbefhreibung führt ein 
Bogel den Ramen Poffenreifer. S. Mornell. 

X Die Poffenreißerei, By. —en, bas Yoffenreigen, bie Handlung 
da man Poffen reift oder macht; wie auf, eine Poffe ſelbſt. Das 
ift Poffenreißerei. i 

Das Voffenfpiel, —es, Di. —, ein polfenhaftes Spiel, Schau— 
fpiel. S. Poffe. Im weiterer Bedeutung überhaupt eine Poffe. 

Klein am End’ ifts doch ein bloßes Pofienfpiel. Wielanb. 

Das Poſſenſtuͤck, —es, Sy. —e, ein poffenhaftes Städt, Bühnen 
küt, ein poſſenhafter Auffag. Vermuthlich jener (Beit), da bie 
Satiren Poffenftäde, die Komödien Satiren unb Oben und Tragb: 
bien noch nit geboren waren.« Herber, 

X Poſſirlich, —er, —ſte, adj. u. adv. fo viel als poffenhaft, wofür 
man nah ©, Borfhlage, O poflicdy fagen Binnte, Davon die 
Doffirlichkeit, (die Poßtichkeit), bie Eigenſchaft oder Mefhaffenpeit 
einer Perfon und Sache, da fie poſſirlich ift. 

Der Poſt, —ed, 4. u. 1) S. Porfh. =) Fine Art des Armleuch⸗ 
ters, ber gemeine Armleuchter (Chara vulgaris L.); aud Dungs 
poft, ſtinkender Pferdefchmeif, ſtinkendes Schaftheu, Waſſ rſchaft ⸗ 
beu, Schachtelhalm, ſtinkender Katzenzagel. 

1. Die Poſt, By. —en; Br. das Poͤſtchen, ©. D. —lein, eine 
&umme Geldes, fofern fie zu etwas beſtimmt ober ausgeſett ift, 
ober fofern fie in Rechnung gebracht werden fol. Die ausftchenden 
Doften eintreiben. Die verfhiebenen Poften in Rednung bringen, 
Eine Poſt auswerfen, in der Rechnung. Eine Geldpoſt, Schuld« 
poll. Einige gebrauchen in biefee Bebrutung auch der Poften. In 
manden Bufammenfegungen bedeutet Poft in weiterer Bedeutung 
aud eine beftimmte Zahl ober Menge anderer bei einander befindlis 
Her Dinge. S. Poftblei, Pofterz. Hicher fheint auch die Bedeu⸗ 
tung zu gehören, nad welcher Poſt bei den Steinmegen_eine auf 
einer Steinplatte leben gebliebene Muffe, woraus etwas halb erhos 
ben gehauen werben foll, bezeichnet. 

2. Die Poll, 3%. —en. 1) Fine öfentlihe Anftalt, da Briefe, Guͤ⸗ 
ter und Perfonen buch gemiffe on Orten in befiimmten Eutfernun— 
gen angefielite Derfonen, mit eigens dazu gehaltenen Pferben und 
Bagen und zu Waller durch eigene Fabrzeuge genen eim beftimmtes 
Gelb an den Dirt ihrer Peflimmung nefhafft merden, und die Fuhr—⸗ 
werte, wie au die reitenden und gehenden Bothen, deren mar 


— Bin. 


— ⸗ — —⸗ —ñ— —ñ — EETGESEE 


Poſta 7° Don 


. 

ſich dazu bedient Die fahrende Poſt, beffer die Fahrpoſt, vermit: 
teift welcher försot @hter und Perfonen- als auch Briefe ven einem 
Drte zum andern gebradt werben; zum Unterfählebe von ber rei: 
tenden Poſt, beffer Meitpoft, vermittelft welcher mir Briefe und 
tieine Paͤdchen weiter gefhafft werden, baher fie auch mol vorzugs: 
wife Briefpoft genannt wird, und von ber Bothenpoſt über Fuf- 
bothenpoſt, da Briefe und Sachen durch einem Poftbothen weiter 
gelhafft werden. Die ordentliche Poft (ordinaire), melde gu bes 
Pimmten Zeiten regeimäßig abgebet und anfömmt; zum Unterſchiede 
von ber anferordentlihen Poft oder Eigenpoft (extraordinaire, 
Extrapoft), dba man allein in feinen Angelegenheiten zu jeber Zeit 
wo es nöthig ift mit Poftpferden und einem Poſtlnechte entweber in 
einem eigenen ober im einem ber Volt gehörigen Wagen fährt. ©. 
auch Feldpoſt. Die Poſt gebt ab, koͤmmt an, bleibt and. Die 
Poſten gehen Tag unb Macht, gehen ordentlich. Den Bauf der 
Moften anders einrichten. Die Poſt abwarten, bie Ankunft berfels 
den. Die Poft abfertigen (expediren), Alles vorher Möthige bes 
forgen umb fie abgehen laſſen. Etwas zur Poll beforgen, es before 
gen, baß es mit ber Poft abgehen könne. Briefe‘ mit ber Poſt, 
hurch bie Poft, auf der Poſt, auch wor, ſedoch ſchlecht gefagt, über 
bie Poſt ſchicken. Mit der nähften Poſt erhalten Sie Antwort, 
mit ber zunähft ober zuerft wieder abgehenden., Mit ber Poſt, 
auftber Poft reifen, abgehen, geben, mit oder in bem Poſtwagen 
zeifen. X Sich auf bie Doft fegen, fih auf ben Poſtwagen fegen 
unb mit bemfelben reifen. Die Poſt mad Leipzig, Pofen ıc. welche 
mad Reipzig, Pofen ıc. gehet, ober bie Leipziger, Pofener ıc. Poft, 
worunter man aud) bie Pof, bie vom Leipzig, Polen ze. Einmt, new 
ſtehet. Poſt nehmen, Pofpferbe nehmen, mit Cigenpoft reifen. 
Die Poſt bejahlen, bas Poſtgeld. Da bie Poſten ihre Zeit halten 
möffen und gefhwind geben ober gehen follen, fo gebraucht man ben 
Ausbruß auf ber Poft auch uneigentlih für ſchnell, eifertig. Es 
gehet bei ihm Alles auf ber Poſt. Auf ber Poft etwas maden, 
arbeiten, abfertigen. 2) Das Pofldaus ober ber Ort me die Poften 
abgefertiget, wo Briefe und Sachen für bie Poft abgegeben und mit 
ber Poſt angefommene Briefe unb Sachen ausgegeben werden. Auf 
bie Poſt geben, ſchikea. 3) Fine Poftrafle, ein Ort, wo die Poft 
anhält und bie Pferde gewechſelt werben (Vofbststion). Der Drt 
iſt drei Poſten von bier entfernt, fo weit, daß bi dahin bie Voll: 
pferbe dreimahl, gewechfelt werden. 4) Eine mit ber Poft erhaltene 
Rochticht, und in weiterer Bedeutung, jede Rachricht ober Both: 
Thaft. Poſt befommen, Nachricht befommen. ine gute, ſchlechte 
Poſt. Eine Freudenpoſt, Krauerpoft, Frirbenspoft, Kriegspoft ıc. 
X Poſten tragen, Rachrichten, Neuigkeiten von einem Orte zum 
andern bringen; in wverädtlihem Berftande, für klatſchen. 

Das Poflamt, — es, 34. —Imiter. 2) Ein Amt bei bem Poflwes 
fen; die Poflbebienung. =) Die zur Beforgung ber Poften und 
zur Tufſicht und Derwaltung bes Poſtweſens an einem Orte ober in 
einer Gegend ober in einem ganzen Bande angeftellten Perfonen, 
wie auch bad Haus, wo birfe Perfonen fih verfammeln, arbeiten. 
wo bie Yolten anfommen unb abgehen. An das Poſtamt berichten, 
Sich vom Poflamte rinen Schein über empfangenes Welb geben 
Toffen. Auf das Poſtamt geben. Das Oberpoftamt, das Hefpofts 

- amt ac. 3) Das Amt, bie Würde eines Poſtmeiſters. Das bringt 
mein Poſtamt fo mit fig. Das Erbpoſtamt, ein Poftamt, wel— 
ches erblich iſt. 

+ Der Poſtapfel, —s, 94. —Ipfel, tm Eichsfelde, der Borsdorfer 
Apfel. S. Borsberfer. 

Der Poftauffeher, —t, 9. at. ein vornehmerer Poſthramter, ein 
Aufſeher über die Poſten, das Poſtweſen in riner Stabt, oder in 
einer Gegend, ober auch im einem ganzen Sande (Poftinspeetor, Poft- 
director). 

Der Toftbeamte, —n, 4. —n, einer ber ein Pollamt